OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873. ZUCKER, APPARATE UND EINRICHTUNGS- GEGENSTÄNDE FÜR ZUCKERFABRIKEN. ( Gruppe IV, Section 2.) BERICHT VON DR. JOSEF HANAMANN, Director der fürlich Schwarzenberg'fchen Verfuchsftation in Lobofitz. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. SACKEK R VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefaist und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schlufse der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausftellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. I* ZUCKER, APPARATE UND EINRICHTUNGS- GEGENSTÄNDE FÜR ZUCKERFABRIKEN. ( Gruppe IV, Section 2). Bericht von DR. JOSEF HANAMANN, Director der fürftlich Schwarzenberg'fchen Verfuchsftation in Lobofitz. In Europa fcheint der Zucker durch die Kreuzzüge bekannt geworden zu fein, die erften Taufend Centner aber follen venetianifche Schiffe vor ungefähr 500 Jahren nach Europa gebracht haben. Seit der Einführung verfüfster Aufgufsgetränke nahm der Verbrauch an Zucker rafch und aufserordentlich zu. Der Zucker wurde fchon feit den älteften Zeiten aus dem bekannten indifchen Zuckerrohre, deffen Saft die verfchwenderifche Natur des füdlichen Himmels als eine faft reine Zuckerlöfung von leicht erkennbarem Werthe dem Menfchen darbietet, und aus deffen verwandten Abarten gewonnen. Man hielt es für lächerlich, aus etwas Anderem, als aus Zuckerrohr Zucker darftellen zu wollen. Erft im Jahre 1747 veröffentlichte der verdienftvolle deutfche Chemiker Marggraf feine Unterfuchungen über das Vorhandenfein des Zuckers in verfchiedenen Wurzeln und diefer fchönen Entdeckung, fowie dem Continentalfyftem, verdanken wir bekanntlich die europäiſche Zuckerfabrication aus Zuckerrüben, ein Kind diefes Jahrhunderts. Die Zuckerausftellung zeigte uns, dafs die mitleidig aufgenommene, heftig angegriffene, manchmal arg bedrängte Rübenzucker- Fabrication, eine deutfche Erfindung, eine Schöpfung eifernen Fleiſses und ernften Studiums, entwickelt und ausgebildet in Frankreich, unter dem Schutze des kaiferlichen Adlers, fpäter grofsgezogen in Deutfchland und Oefterreich, ungeahnte Fortfchritte gemacht hat und fiegreich aus dem Kampfe mit ihrer ftolzen tropifchen Rivalin hervorging, indem fie die Erzeugniffe derfelben, die Colonialzucker, faft vollftändig von den Märkten des europäiſchen Continents, freilich unter der Gunft eines nicht unbedeutenden Schutzzolles, dem fie erft allmälig entwachfen ift, verdrängte. Nicht umfonft flöfste die neue Induſtrie fchon in ihrem kindlichen Auftreten den Befitzern tropifcher Colonien Beforgniffe ein und aus den glücklichen erften deutfchen und franzöfifchen Verfuchen zogen die europäiſchen Staaten, felbft Rufsland viele Vortheile, indem fie in dem Anbau der Zuckerrübe eine Quelle des Reichthums für ihre Landwirthschaft erkannten. 2 Dr. Josef Hanamann. Die erleuchtetften Schützlinge der Rübenzucker- Induftrie in Frankreich waren der richtigen Meinung, die beiden rivalifirenden Induftrien könnten ganz gut nebeneinander beftehen und die Rübenzucker- Fabrication könne die Rohrzucker- Fabrication und diefe jene begünftigen; die Zeit beftätigte diefs vollftändig. Sehr intereffant und von der gröfsten Wichtigkeit wäre die Löfung der Frage des Fabricationspreifes beider Zuckerarten, wenn nicht der Verfuch einer Feftfetzung desfelben jedesmal die widerfprechendften Anfchauungen zu Tage fördern würde. Während der Rohrzucker- Induftrie der natürliche Reichthum des Zuckerrohres an Zucker und die geringen Fabricationskoften zu Gute kommen, fehlen ihr die Kräfte, mit deren Hilfe fie neue Fabricationsmethoden benützen, neue Mafchinen anwenden könnte. Auch leidet fie unter einem hohen Zinsfufs, trägen Arbeitern und unter dem Einfluss der grofsen Entfernungen von den Hauptmärkten. Wir halten es für zweckmäfsig hier eine Zufammenftellung der directen Colonialzucker- Einfuhr und der heutigen Ausdehnung der Rübenzucker- Induftrie in Europa, welche unter den landwirthschaftlich- technifchen Induftrien unferer Zeit die erfte Stelle einnimmt, zu geben, um ein annäherndes Bild der Entwicklung diefer Induftrie und ihrer Verbreitung zu erhalten. Wenn es wahr ift, was Liebig und vor ihm Canning fchon behauptete, dafs der gröfsere oder kleinere Verbrauch an Zucker und Seife den ficherften Mafsftab zur Beurtheilung des Culturgrades der Völker abgebe, fo dürfte es wichtig fein, fich auch der Zuckerconfumtion einzelner Länder zu erinnern. Wie rapid der Zuckerverbrauch in Europa geftiegen ift, erfährt man aus folgenden Zahlen. Man fchätzte die Einfuhr nach Europa im Jahre: 1730 auf 1800 1830 " 21 2,400.000 Centner Zucker 99 " 27 27 6,000.000 10,800.000 Es hat fich fomit der Verbrauch in 100 Jahren verfünffacht. Im Jahre 1852 wurden 17,000.000 Centner Zucker " " 1870 " 40,000.000 27 " eingeführt. In weiteren blofs vierzig Jahren hat fich der Verbrauch vervierfacht. Im Jahre 1852 betrug die Zuckerconfumtion in Europa 132 Millionen Centner Colonialzucker und 3 Millionen Centner Rübenzucker, per Kopf 6 Pfund Zucker, zwei Decennien fpäter beträgt die Zuckerconfumtion in Europa über 40 Millionen Centner, wovon beinahe die Hälfte aus Rübenzucker befteht, und dei Verbrauch per Kopf etwas über 9 Pfund Zucker, um ein Drittel mehr, als vor 20 Jahren. Die Menge des producirten Rübenzuckers ftieg, laut der nebenfeitigen Tabelle, feit jener Zeit um das Fünffache in Europa. - Obwohl die diefsjährige Ausftellung mit Zuckern aus faft allen Welttheilen und den verfchiedenften Ländern der Erde befchickt war, vermifsten wir doch fehr die Erzeugnisse Belgiens und eine gröfsere Betheiligung von Seite Frankreich's, deffen Colonien wohl zahlreiche Proben von Colonialzucker eingefendet, deffen Rübenzucker- Fabrikanten fich aber in auffallend geringer Zahlacht- an der Ausftellung betheiligt haben. Die einzelnen Länder waren in folgender Zahl vertreten: Vereinigte Staaten von Nordamerika durch 10, Vereinigte Staaten von Venezue.a durch 3, Brafilien durch 14, Englad durch 3, Mauritius durch 3, Auftralien durch 2, Oftindien durch 4, Spanien durch 2, Dänemark durch 2, Italien durch 2, Schweden durch 1, Niederlande durch I, Belgien durch 4, Frankreich durch 8, Colonien( franzöfifche) durch 18, Deutfchland durch 69, Oefterreich- Ungarn durch 90, Rufsland und Polen durch 25, China durch 2 Aussteller. Einzelne in den Katalogen angegebene Ausfteller oder vielmehr deren Producte konnten wir nicht finden und mufsten daher von ihrer Beurtheilung Umgang nehmen. Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 3 Nachftehende Tabelle gibt einen beiläufigen Ueberblick der Entwicklung diefer Induſtrie: Einzelne Staaten Raffinerien Anzahl der RübenzuckerFabriken Beiläufig erzeugte RübenzuckerMenge in Centnern nach L. Walkhoff Directe Colonialzucker- Einfuhr in Centnern nach I. C. Rad Beiläufige Zucker- Consumtion per Kopf in Zollpfunden England verein. Königr. 71 2 Frankreich . 26 Holland • 28 20 Spanien • 9 9 Portugal • • 9 Dänemark. Schweden u. Norwegen Hanfeftädte und Häfen 3 II, 400,000 40 483 5,800.000 4,600,000 15 150.000 2,300.000 14 1,000.000 6½ 250.000 612 500.000 II/ 2 6 4 61.000 360.000 1212 26 - 500.000 Deutſchland 310 4,500.000 IO Oefterreich - • 228 3,400.000 4 Russland . 3 439 Polen Belgien. 3,800.000 2 • 42) 135 1,000.000 200.000 14 Gefammtziffer 181 1.663 18,711.000 21,110.000 Nach diefen einleitenden Bemerkungen fchenken wir unfere Aufmerksamkeit den einzelnen, auf der Ausftellung vertretenen Ländern und beginnen mit Deutſchland. Wenn die Rübenzucker- Induftrie auch früher in Frankreich der vorzüglichften Pflege theilhaftig wurde, fo beeilte fich in fpäterer Zeit vorzüglich Deutſchland das verftofsene Kind in die liebreichfte Behandlung zu nehmen, dasfelbe zu kräftigen, an der Hand der Naturwiffenfchaften grofs zu ziehen, und hat es heute erreicht, dafs es die fchwerften Prüfungen zu beftehen vermag. Seinem Beiſpiele folgten erft muthig die anderen Staaten, fo dafs die Rübenzucker- Induſtrie fich gegenwärtig vom Süden Frankreich's bis nach Sibiren, von Italien bis Schweden, ja fogar bis nach England, Amerika und Egypten ausbreitet, dafs im Jahre 1871 der erfte in der kalifornifchen Fabrik Alvado aus Rüben erzeugte Zucker auf dem Markt zu San Francisco zu befriedigenden Preifen abgefetzt wurde und die Errichtung mehrerer neuer Fabriken in jenen Ländern in Ausficht fteht. Im Jahre 1850 entftand der Rübenzucker- Verein des Zollvereines, der für den geiftigen Austaufch feiner Mitglieder ein befonderes Organ, die„ Zeitſchrift des Vereines für die Rübenzucker- Induftrie im Zollverein" fchuf, ein Werk voll von umfaffenden und gründlichen Arbeiten, wie fich deffen kein Volk rühmen kann, eine Fachfchrift, welche als wohlbekannte„ gelbe Hefte" eine grofse Verbreitung bis weit über die Grenzen Deutfchlands hinaus, fowohl in wiffenfchaftlichen wie in techniſchen Kreifen gefunden hat, und ein Vorbild für ähnliche Fachfchriften geworden ift. Aber auch durch Wanderverfammlungen, durch Ausfchreibungen von Preisaufgaben, durch wiffenfchaftliche Unterfuchungen, für welche feit 1866 ein eigenes chemifches Laboratorium zu Berlin unter der tüchtigen Leitung des Chemikers Dr. C. Scheibler befteht, fucht der Verein die weitere wiffenfchaftlichtechnifche Ausbildung der Zuckerfabrication zu fördern. I* 4 Dr. Josef Hanamann. Welche Früchte diefe vielen und fchönen Arbeiten für die Fabrication getragen haben, welchen Fortfchritt diefes gemeinfame, muftergiltige Wirken gezeitigt hat, erkennt man aus der anerkannten Thatfache, dafs die deutſche Rübenzucker- Induftrie unter allen Ländern den erften Platz einnimmt. In entsprechender Würdigung der hohen Bedeutung und des den Fortfchritt fördernden Einfluffes, den grofse Weltausftellungen auf die Erzeugniffe der Induftrie ausüben, bemühte fich namentlich Deutſchland auf der Ausftellung ein klares Bild des Standes der deutfchen Rübenzucker- Fabrication zu geben. In einer fternförmigen, mufterhaft geordneten und gefällig arrangirten Gruppe, welche in eine fechsfeitige Pyramide aus imitirten riefengrofsen Zuckerhüten ausläuft, präfentirte fich würdig die Collectivaus ftellung des Vereines für die RübenzuckerInduftrie des deutfchen Reiches Die verfchiedenartigften Producte des Zuckers, vom blendend weifsen Hutzucker, Candis, Kryftallzucker und Farin, alle Arten Füllmaffen und Zuckermehle, bis zu dem lichten, dunkelgelben, braunen Rohzuckern und fchwarzen Syrupen waren hier überfichtlich zufammengeftellt und zeigten, was deutfcher Fleifs, Ausdauer und freie Arbeit aus einem fchwer zu bewältigenden, mit vielen Fremdftoffen verunreinigten und dem Zuckerrohr gegenüber fehr armen Rohftoffe darzuftellen vermag. Bis zum Jahre 1836 wurde der Zuckerverbrauch in Deutſchland faft ausfchliefslich durch die Colonien gedeckt, bis die Colonialzucker- Einfuhr, welche noch 1845 beinahe 1 Million Centner betrug, fich durch die Concurrenz des Rübenzuckers bis zum Jahre 1872 um das Fünfzehnfache vermindert hatte, während der Export an Rübenzucker ftetig geftiegen ift und gegenwärtig über 12 Million Centner beträgt. Das deutfche Reich verarbeitet in feinen 341 Fabriken, deren geographifche Vertheilung auf der mitausgeftellten grofsen Wandkarte des deutfchen Reiches und Oefterreich's, entworfen vom Commercienrathe Ludwig Wrede, fehr gut erfichtlich gemacht ift, etwas über 60 Millionen Centner Rüben und noch find neue Fabriken im Entſtehen begriffen. Am dichteften ftehen die Zuckerfabriken in dem Dreieck beifammen, welches Hannover, Magdeburg und Leipzig einfchliefsen, in einer Anzahl, die fich in keiner der folgenden Gruppen, weder in der nordböhmifchen, noch in der mährifchen oder gar polnifch- ruffifchen Gruppe wiederholt. Der Verein für die deutfche Induftrie des Zuckers war auf der Weltausftellung durch eine grofse Zahl( 69) Ausfteller vertreten, mit 216 Ausstellungsobjecten. Der Mehrzahl diefer Ausftellungsobjecte waren chemifche, gröfstentheils im Vereinslaboratorium zu Berlin ausgeführte Analyfen und die dem Rohzucker zukommenden Raffinationswerthe, fowie die Fabricationsmethode, nach welcher fie erhalten wurden, beigefügt. Aus Preufsen ftellten 34, aus Schlefien 8, aus Braunfchweig und Anhalt je 5 Fabriken aus. Schon auf der Parifer Weltausftellung erkämpften fich die deutfchen Zucker den Ehrenplatz. Faft ohne Ausnahme find die deutfchen vereinigten RübenzuckerFabriken, fo weit fie ausgeftellt hatten, ausgezeichnet worden. Auch auf der diefsjährigen Ausftellung hat fich namentlich die Gegend von Magdeburg und Braunfchweig nebft Süddeutfchland hervorgethan, befonders hatte J. Hennige in Neuftadt- Magdeburg feinkörnige und grobkörnige, fchneeweifse, dichte Raffinaden, fowie hübfchen, weifsen und gelben Farin zur Ausftellung gefchickt. Ebenfo zeichneten fich durch Schlufs, Körnung und Weifse die fchönen Raffinaden von Helle( Magdeburg) dann die Zucker der Halle'fchen ZuckerfiedereiCompagnie, auch die Raffinerie in Stuttgart durch ganze und gefpaltene tadellofe Brote aus. Die weftliche Seite der Glaskäften, in welchen die verfchiedenen Zucker ausgeftellt waren, füllten die mannigfaltigften Producte der Candis fabri cation aus, darunter farblofe und gefärbte Candiskronen, Stangencandis, lofe Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenítände für Zuckerfabriken. 20 5 und gehäufte Kryftalle, unter denen fich auffallend grofse, fchöne, farblofe Candis kryftalle von Franz Brockhoff in Duisburg und von Peter Rütger in Uerdingen befanden, welche Fabrikanten auch auf vielen Glasfchüffelchen farblofe, gelbe, röthlichgelbe und braune Candife in verfchiedenen Kryftallgröfsen ausgeftellt hatten. Sehr reinen Candis exponirte auch die Colonial- Candisfiederei von Weftermann& Söhne in Wefel( am Niederrhein). Weniger ſchön und farblos war der weifse Candis in Kronenform von J. Graffau& Sohn in Braunfchweig, dagegen zeigte die braune Krone fchönes Luftre und guten Farbenton. Eigenthümlich nahm fich die rabenfchwarze Candiskrone von Wüftenfeld in Hannover- Münden, fowie der verfchieden gefärbte, neben ihr ausgeftellte Candis aus. Die neuefte und doch fchon fehr verbreitete, rationellfte Methode der Saftgewinnung aus Zuckerrüben ift unftreitig das Diffufionsverfahren von Robert und es arbeiteten an diefer Saftgewinnungsart und mit doppelter Saturation theils nach Jelinek, theils nach Schulze, 15 der Ausfteller des deutfchen Reiches, unter denen fich Banck in Bleckendorf bei Egeln durch die in der Centrifuge mit Waffer gedeckten, grobkörnigen, farblofen Kryftallzucker mit 99% Zuckergehalt, dann durch die mit Dampf nach der Methode von Seyferth& Hecht in Braunfchweig gedeckten, beinahe 98% Zucker enthaltenden Producte auszeichnete. Die ungedeckten auf Schützenbach's Käften abgelaufenen Rohzucker zweiten Productes, von rein wachsgelber Färbung, mit einem hohen Raffinationswerth, endlich grobkörnige kräftige Rohzucker dritten Productes ſprachen zu Gunften eines rationellen Betriebes diefer Fabrik. Durch eine aufsergewöhnliche Gröfse des Kornes charakterifirt waren die Kornzucker der Diffufionsfabrik A. Reckleben in Bahrendorf. Die Diffufionsfabrik Rudolf& Comp in Magdeburg brachte die aus Säften ohne Zuckereinwurf gekochten Füllmaffen, dann die durch Centrifugiren und Wafferdecken gewonnenen Rohzucker, Farine von feinem Korn und gemahlene Melife zur Ausstellung, während die Fabrik von Schliephake& Comp. in Dedeleben( Jerxheim) fehr weifse Kryftallzucker, welche nach dem combinirten Jelinek- Perrier- Pofs- Verfahren dargestellt werden und einen Zuckergehalt von 99%% befitzen und gelbe gefchleuderte Rohzucker erften Productes mit 99% Zuckergehalt eingefendet hatte. Fünf der ausftellenden Fabriken gewinnen den Saft mittelft Centrifugen, darunter Methner in Seifersdorf, welcher ein weifses Saftmelisbrod, Puderzucker und gemahlene Raffinade von befonderer Weifse, ebenfo hübfchen Griefszucker eingefendet hatte. Vorzügliche Saftmelis und Raffinaden gehörten Baumann& Maquet in Bukau bei Magdeburg, einer im ausgezeichneten Rufe ftehenden Fabrik, an, und feinkörnige, fchöne, gefchloffene Raffinadbrote lieferte Benneke& Comp. in Stafsfurt, dann ein beinahe farblofes, feinkörniges erftes Nachproduct, ein wachsgelbes, feinkörniges zweites und ein etwas graues, aber durch kräftiges Korn abftechendes drittes Productt. Die Actien- Zuckerfabrik Heffen in Heffen fandte mittelkörnige, fehr weifse Kryftallzucker mit 99% 10% Zuckergehalt, die Zuckerfabrik Jerxheim, welche ihren Rübenfaft durch den Lebinsky'fchen Apparat entfernt, und mit Scheidung und doppelter Saturation arbeitet, eine gute Füllmaffe, dann fehr blafsgelbe Rohzucker erften Productes und nach dem Priv'fchen DampfdeckVerfahren gedeckte, fehr weifse Melife ein. Diefes Verfahren begründet fich auf der Benützung eines Dampfes von niederem Druck, vermifcht mit Luft, welche durch die drehende Bewegung der Trommel in die Centrifuge hineingezogen wird. Doch ift noch nicht feftgeftellt, ob diefes Verfahren den Vorzug vor allen anderen Methoden des Deckens der Zucker in den Centrifugen verdient. Die gleichzeitig ausgeftellten Rohzucker dritten Productes fpielten ins Graue und befriedigten uns weniger. Die Actienfabrik Schöppenftedt, welche eben 6 Dr. Josef Hanamann. falls mittelft Saftcentrifugen arbeitet, hatte grob- und feinkörnige, farblofe Kryftallzucker auf hübfchen blauen Glastellern exponirt. Nach der Schützenbach'fchen Saftgewinnungs Methode arbeiteten fechs von den in der Ausftellung vertretenen Fabriken, darunter vorzüglich Waghäufel( Baden) mit einer Verarbeitung von über eine Million Centner Rüben, die einzige Fabrik, welche auch im Sommer arbeitet und aus gedörrten Rübenfchnitzen Zuckerfäfte gewinnt. Ausgeftellt waren tadellos getrocknete Rübenfchnitzel, Kryftallzucker aus folchen Schnitzeln gewonnen, feinkörnige Rohzucker mit einem Raffinationswerthe von 96%, Staub raffinade und Stampfmelis von blendender Weifse, gefpaltene und ganze Melisbrote mit Einwurf von kräftigem, fchönen, mittlerem Korn und Weifse, aufserdem Melaffe und Rohfpiritus. Mit Beibehaltung diefer älteren Fabricationsmethode arbeiten auch noch die Zuckerfiedereien Gutfchdorf bei Rofen und Michelsdorf, welche feingemahlene und mit Einwurf erzeugte feine Melife, dann Teutler& Comp. in Neuhof bei Liegnitz, welche nur gemahlene Producte, Puderzucker, matt und glafig gemahlene Farine und matt gemahlene Raffinaden ausgeftellt hatten. Die Rohzucker- Fabrik Spielberg& Sohn in Eisleben lieferte Rohzucker von hellblonder Farbe, fchönem Korn. Die Füllmaffen werden jedoch mit 28 Grad Syrup gemifcht und centrifugirt. Die Rohzucker- Fabrik I. ö bejun bei Halle ftellte Rohzucker in Brotform in abgelaufenem und in gemahlenem Zustande, Eugen Langen in Köln, mittelft der Centrifuge, in Form fefter Kuchen, nach einer eigenen, patentirten Methode bereiteten Weifszucker aus. Die Mehrzahl der Zuckerfabriken Deutſchlands( 40) gewinnen noch ihre Zuckerfäfte nach dem alten Saftgewinnungs- Verfahren mittelft hydraulifcher Preffen, einige Fabriken durch Vor- und Nachpreffen. Beinahe alle Etabliffements haben gleichwohl die doppelte Saturation, die verbefferte Koch- und Deckmethode adaptirt. Rotze in Klein Ofchersleben fandte nur gemahlene Melis, Palm in Thale mittelkörnige Kryftallzucker aus der Füllmaffe durch Centrifugiren gewonnen, Riecke& Comp. aus Ammensleben ebenfalls Kryftallzucker von feltener Reinheit Nach der älteften Fabricationsart mit einfacher Scheidung und Kindler'fchen Saturation arbeitet noch die Zuckerfabrik Podelzig. Trotzdem waren die ausgeftellten Producte, ganze und gefpaltene Raffinaden und Saftmelis, fowohl im Schlufs und Korn als auch in der Farbe befriedigend. Jedenfalls dürfte der Spodiumaufwand( resp. die Fabricationskoften) bei diefem Verfahren kein kleiner fein. Die fürftlich Schönberg'fche Zuckerfiederei exponirte gemahlenen Melis von hohem Raffinationswerth, die Actien- Zuckerfabrik Peine mittlere Kryftall zucker und hellfarbige Rohzucker. Aufserordentlich grobkörnigen, farblofen Kryftallzucker hatte Rautheim bei Braunfchweig, guten Kornzucker Cury aus Anhalt Bernburg ausgeftellt. Feine Raffinaden, gute Melis, Würfel- und Puderzucker fchickte die Zuckerfabrik Holland in Köthen ein, welche wie Rautheim und Waldau nach dem älteren Fabricationsverfahren arbeitet. Vielleicht dürften auch die ausgeftellten weifsen Rohzucker von Lömpke in Domersleben für die Leiftungen der Fabrik weniger mafsgebend fein. Diefe Fabrik arbeitet mit einfacher Saturation und verdampft in offenen Pfannen. Die Zuckerfabrik vereinigter Landwirthe in Quedlinburg lieferte centrifugirten Kornzucker von gelblichweifser Farbe, mit einem Raffinationswerthe von 95%. Die vielen, in zweckmäfsigen Expofitionsgläfern ausgeftellten Rohzucker erften, zweiten, dritten und vierten Productes verfchiedener Zuckerfabriken zeigten gefunde Färbung und kräftiges Korn. Die Fabrik von Stegmann & Comp. Tfchauchelwitz hatte grobkörnigen gelben, dann feinkörnigen lichten Rohzucker von überaus hoher Polarifation, Jung& Comp. in Altranft ( bei Freienwalde) aus einer Füllmaffe ohne Einwurf erzeugten, ungedeckten Rchzucker, Melis in Stücken, durch Ausdecken mit entwäffertem Dampf, mit Zucker. Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 7 Trockenlauf in der Centrifuge, welches Verfahren bekanntlich eine fehr rafche und gute Arbeit möglich macht, und aus fo gedeckten Zuckern gemahlene Producte von grofser Schönheit und Reinheit ausgeftellt. Befonderes Intereffe erregt die von Dr. C. Scheibler in Berlin, im chemifchen Laboratorium des Vereines der deutfchen Rübenzucker- Induftrie dargeftellte Collection einiger bis jetzt als Beftandtheile des Rübenfaftes nachgewiefener organifcher Körper und Derivate derfelben, fo die von Scheibler entdeckte und dargestellte Pflanzenbafe Betain und ihre Verbindungen, das fchwefelfaure, falzfaure, oxalfaure Betain, Betaingoldchlorid, Asparagin, Asparaginfäure, Mannit und rechtsdrehendes Gummi aus gegohrenem Rübenfaft, linksdrehendes Rübengummi aus Rübenmark, Pektinzucker etc. Ausfcheidungen verdampfender Rübenfäfte, rohe und gereinigte citronenfaure Kalkerde. etc. Aufser diefen in wiffenfchaftlicher Beziehung hochintereffanten Körpern. haben wir noch der in technifcher Beziehung erwähnenswerthen Ausftellung von Zucker, erhalten aus Melaffe und zwar nach dem Elutionsverfahren in gröfserem Betriebe, aber auf offenem Feuer ohne Knochenkohle dargeftellt; des Zuckerkalk- Saccharates in zerfchnitzeltem Zuftande getrocknet von röthlich gelber Farbe; des wachsgelben reinen Kalkzuckers, der fuchsrothen Füllmaffe aus dem gereinigten und faturirten Saccharat und des aus diefer Füllmaffe gewonnenen Rohzuckers zu gedenken. - - Den übrigen Raum des diefer Sammlung zugewiefenen Tifches nehmen die phyfikalifch- chemifchen Apparate und wiffenfchaftlichen Hilfsmittel, die zur Analyfe von Zucker, Knochenkohle etc. etc. dienen und die zum Gebrauche in den Laboratorien der Zuckerfabriken befonders geeigneten neueften Apparate, wie das Soleil Scheibler'fche Polariſationsinftrument und die Apparate zur Beftimmung des Raffinationswerthes( des Rendements) der Rohzucker, zur quantitativen Beftimmung der kohlenfauren Kalkerde, des Schwefelcalciums im Spodium und der Kohlenfäure in den Saturationsgafen etc. ein. Nach der Natur gezeichnete und colorirte Darftellungen der verbreitetften Rübenforten in natürlicher Gröfse und zwei photographifche Aufnahmen der dickköpfigen Imperialrübe mit liegendem Blatt und der fpindelförmigen Electoralrübe mit ftehendem, gekrauftem Blatt hatte der berühmte Rübenzüchter Ferdinand Knauer aus Gröbers( Sachfen) zu beiden Seiten der Wrede'fchen Wandkarte aufgehängt und daneben Samenproben ausgeftellt. Oefterreich- Ungarn. Die Zuckerinduftrie hat fich in Oefterreich und Ungarn, befonders aber in den Provinzen Böhmen und Mähren in wahrhaft erftaunlicher Weife gehoben. Die Totalverarbeitung an Rüben betrug im Jahre 1867-68 in 151 Fabriken 22 Millionen Wiener Centner und beträgt im Jahre 1871-1872 in 228 Fabriken über 32 Millionen Wiener Centner und während im Jahre 1850 fich die Verbrauchsabgabe für Zucker aus inländifchen Stoffen auf 153.000 Gulden belief, beträgt fie zwanzig Jahre später die namhafte Summe von 12 Millionen Gulden. Im Kampfe mit hohen Befteuerungsziffern und ungünftigen Verhältniffen hob fich diefe Induftrie namentlich in Böhmen zu einer Höhe, die wahrhaft bewunderungswürdig ift. Hervorheben müffen wir gleich die Concurrenzfähigkeit unferer Fabriken gegenüber dem Auslande, wenn wirklich gute und folche Waare, wie fie auf der Ausftellung zu finden war, nicht aber gemifchte, zum Export gelangen wird. Bei dem noch fchwachen Zuckerconfum im Inlande ift die Zukunft der öfterreichifchen Zuckerinduftrie mit einem grofsen Theil ihrer Production auf den Export 8 Dr. Josef Hanamann. angewiefen. Von Jahr zu Jahr höher befteuert, bildete das Agio einen natürlichen Schutzzoll diefer Induftrie, der natürlich durch die veränderten Valutaverhältniffe in Oefterreich allmälig wieder fällt. In Folge der Concurrenz io vieler neu ent ftandenen Fabriken, der Ueberproduction, der ungünftigen Zuckerconjunctur, der Geldnoth und theueren Material und Arbeitspreife, der bedeutend hohen Frachtfätze vieler öfterreichifch- ungarifcher Bahnen hat die öfterreichifche Zuckerinduftrie in den beiden letzten Jahren íchwere Prüfungstage durchgemacht und eine Affociation der Zuckerinduftriellen behufs Erzielung rationeller Exportgrundlagen gezeitigt. Oefterreich hat fich vom Colonialzucker nicht nur unabhängig gemacht, fondern es führt fogar mehr als 1,680.000 Centner, auf Rohzucker umgerechneten, inländifchen Zucker aus. Sein natürliches Abfatzgebiet befteht in Italien, dem Orient und den Donaufürftenthümern und es hat hier die Concurrenz Frankreich's und Belgiens aus dem Felde zu fchlagen, die un fo drückender wird, als die franzöfifchen Zuckerfabrikanten für ihre Producte namhafte, ja fabelhafte Exportprämien geniessen, wodurch es ihnen möglich wird, ihre Producte zu einem niedrigeren als dem wirklichen Erzeugungspreis in das Ausland zu verkaufen. In Folge diefer gefährlichen Concurrenz verlor Oefterreich im verfloffenen Jahre viele Zuckermärkte in den genannten Ländern und in der Schweiz, wohin Frankreich allein im Jahre 1872: 240.000 Centner Zucker einführte. Die Zuckerfabrication hat in der Reihe der letzten Jahre eine fehr bedeu tende Vervollkommnung in technifcher und chemifcher Beziehung gerade in Böhmen und Mähren erfahren. Das Verfahren der Saftgewinnung mittelft Diffufion hat fich in Oefterreich am fchnellften Bahn gebrochen, die meiſten neu errichteten Fabriken haben dasfelbe aufgenommen und felbft ältere Zuckerfiedereien würden der Diffufion das Prefsverfahren geopfert haben, wenn ihrer Einführung nicht die übliche Art der Befteuerung im Wege ftünde. Bei diefer Methode erfpart man an 50% Arbeitskräfte, an Material und gewinnt eine gröfsere Zuckerausbeute. Aber auch diefe Saftgewinnungsart fucht man noch zu vereinfachen und mit Erfparnifs an Waffer die Diffufion der Rübenfchnitte in einem einzigen Gefäfse zu bewerkstelligen. Mit der Errichtung vieler neuer Fabriken, namentlich in Böhmen in letzter Zeit durch Kleinwirthe, im Wege der Affociation gewinnt auch der Rübenbau alljährlich mehr an Ausdehnung und Bedeutung. Oefterreich- Ungarn war auf der Wiener Weltausstellung am ftärksten vertreten, durch 90 Ausfteller- von denen 53 allein, alfo über die Hälfte auf Böhmen, 19 auf Mähren und Schlefien, 6 auf Galizien, 10 auf Ungarn, 2 auf Niederöfterreich, I auf Steiermark entfallen und durch eine grofse Zahl von Ausstellungsobjecten. Oefterreich, welches gegenwärtig über 228 Rübenzucker- Fabriken befitzt und einen anfehnlichen Export an Roh- und Raffinadzucker betreibt, war durch die Collectivausftellung der öfterreichifchen Rübenzucker Induftrie recht würdig repräfentirt, durch eine unübertrefflich fchöne Sammlung befonders von Saftmeliffen mit und ohne Einwurf und von Rohzuckern, welche den ausftellenden Induftriellen alle Ehre machen. In einem gefchmackvoll gearbeiteten, umfaffenden Glasfchranke, der im Grundrifs beinahe die Figur einer Ellipfe zeigte, befand fich eine grofse Zahl von Ausftellungsobjecten, welche die Ausfteller fo zweckmäfsig zu vertheilen verftanden, dafs in die durch Nebeneinanderftellung fo vieler gleichgeformter Objecte unausweichliche Monotonie fowohl entſprechende Abwechslung, als Gliederung kam, ohne die Ueberficht zu beeinträchtigen, wie denn auch die gefammte Expofition einen ftattlichen Eindruck auf jeden Befucher auszuüben nicht verfehlte. Nur die auf der füdlichen Schrankfeite exponirten Weifszucker erfchienen gelblich nuancirt, in Folge des von der Decke und den anftofsenden Ausftellungskäften reflectirten gelben Lichtes, und diefe optifche Wirkung machte den Mangel Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 9 entfprechender Beleuchtung auf diefer Seite recht fühlbar, während auf der entgegengesetzten Seite Seitenlicht und richtig herbeigeführtes Oberlicht den dort ausgeftellten Zuckern fehr zu Statten kam. Selbſtverſtändlich mufste Ungarn feine eigene Zuckerausftellung haben und während die öfterreichifchen Zucker in der öftlichen Agriculturhalle ftanden, mufste der Beobachter die ungarifchen Zucker etwas weit entfernt von diefen im Ausftellungspalafte felbft fuchen. An diefer Stelle können wir nicht umhin, eines Mannes zu gedenken, der fich unfterbliche Verdienfte um Oefterreich's Zuckerfabrication erworben hat. Herr F. Robert, eine der hervorragendften Perfönlichkeiten auf dem Gebiete der Induftrie und Landwirthschaft, befchäftigte fich raftlos mit der Einführung der neueften und beften Methoden der Zuckerfabrication, fowie mit den neueften Erfindungen. Ihm verdankt die vaterländifche Induftrie die wichtigften Verbefferungen. Robert's Etabliffement in Seelovitz war die Pflanzfchule für die Zuckerfabrication der ganzen Welt, eine wahre Mufter- Zuckerfabrik, die des Meifters Ruhm in alle Welttheile trug. Als Vorftand des„ Vereines der öfterreichifchen Zuckerfabrikan ten" war es diefem ausgezeichneten Manne befchieden, durch Rath und That die Intereffen der heimifchen Zuckerfabrication aufserordentlich zu fördern. Aufser diefem älteften Vereine beftehen in Böhmen jetzt auch noch hervorragende, wenn auch abgefonderte, kleine Vereine tüchtiger Zuckerinduftrieller, welche mit rühmenswerthem Eifer beftrebt find, die Intereffen ihres Verbandes zu fördern. So der mittel-, oft- und nordböhmifche Zuckerfieder- Verein, u. f. w. Auch das Laboratorium des um die Zuckerfiederei in Oefterreich verdienten Chemikers Dr. A. Weiler hat fich feit feinem 20jährigen Beftande bemüht, die neueften wiffenfchaftlichen Ergebniffe den Induſtriellen zugänglich zu machen, ihnen ein treuer Führer und Rathgeber zu fein, ihnen durch wiffenfchaftliche Unterfuchungen die unentbehrlichften Grundlagen ihres Betriebes zu verfchaffen. Das Centralvereins- Laboratorium öfterreichifcher Zuckerfabrikanten in Wien, unter der Direction des Dr. O. Kohlraufch, mit den neueften Hilfsmitteln der Wiffenfchaft ausgeftattet, brachte eine reiche Sammlung von Inftrumenten und phyfikalifch chemifchen Apparaten, welche zur Zucker- und Spodiumanalyfe dienen, Polarifatoren neuefter Conftruction, Chromoskope, Mikroskope und Senkfpindeln, fowie Schnitzelmeffer der verfchiedenften Conftruction zur Ausftellung. Gegenwärtig befitzt Oefterreich zwei bedeutende Fach- Zeitfchriften: das Organ des , Vereines für Rübenzucker Induftrie in der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie", redigirt von Dr. Kohlraufch, und die Zeitfchrift für Zuckerinduftrie, gleichzeitig Organ des Vereines zur Hebung der Zuckerfabrication in Böhmen" unter Mitwirkung von Dr. Weiler, redigirt von K. Preis, welche belehrende Mittheilungen über Vervollkommnungen in allen Theilen der Fabrication und höchft intereffante Mittheilungen über die Verbreitung der einzelnen Fabricationsmethoden, fowie Ergebniffe analytifcher Arbeiten enthalten. " Von den in der Ausftellung vertretenen böhmifchen Fabriken arbeiten gegenwärtig noch 30 nach dem Prefsverfahren, 25 mit der Diffufion und 2 mit Centrifugen. Von den mährifchen Fabriken 12 mit Preffen, 5 mit der Diffufion. In Ungarn die meiften Fabriken noch mit Preffen. Von den böhmifchen Zuckerfabriken nahmen fich insbefondere die Fabricationsproducte des Herrn Ritter v. Schöller, obwohl fie im ungünftigften Lichte ftanden, vortrefflich aus. In einer eigenen Abtheilung befanden fich die Erzeugniffe feiner drei Zuckerfabriken Czakovitz, Czaslau und Wrdy, welche nach dem Robert'fchen Diffufionsverfahren beinahe eine Million Centner Rüben verarbeiten und fehr fchöne, fchwere Raffinade und Melife erzeugen. Die Czakovitzer Melife fchimmerten am weifseften. Farin und Pilézucker und in ftattlichen gefchmackvollen Glasgefäfsen, Rohzucker, zweiten und dritten Productes, vollendeten die Sammlung. Nebenan ftanden die Erzeugniffe der durch die landwirthfchaftliche Creditbank in Böhmen vertretenen Zuckerfabriken von Filipps hof, 10 Dr. Josef Hanamann. Horkau, Liffa, Hochweffely und Koftomlat, beftehend in hübfchen Raffinaden, Einwurfmelifen, Saftmelifen und Rohzuckern. Sehr empfehlende Waare hatte die mit Preffen, einfacher Scheidung und nachfolgender ftarker Saturation arbeitende Duxer Actien- Zuckerfabrik geliefert; fehr hohe gefchloffene, weiſse, fchwere Saftmelife, mit und ohne Einwurf erzeugt, und neben diefen zwei fchöne Lompsbrote, rein weifses centrifugirtes, mit Dampf gedecktes zweites Product ausgeftellt. Eidlitz, ebenfalls der Gefellſchaft gehörig, brachte Roh- und Kryftallzucker zur Schau. Ueberhaupt kann fich Böhmen in der Saftmelis Fabrication mit jedem anderen Lande meffen, wir können kühn behaupten, dafs nirgends fo wenig raffinirt wird, wie in den rationeller arbeitenden böhmifchen Zuckerfabriken, welche die fchwierigfte, aber in Bezug auf die gröfste Ausbeute wichtigfte Aufgabe, aus Rohfäften Weifswaare zu produciren, vorzüglich verftehen. Auch die vier fürftlich Schwarzenberg'fchen Zuckerfabriken brachten im eigenen fürftlichen Pavillon fchön gekochte, weifse und klangvolle Melife, Rohzucker und Candis, dann eine Sammlung confervirter Rübenfäfte in allen Stadien ihrer Verarbeitung zur Ausftellung. Die fämmtlichen Zuckerfabriken verarbeiten über 800.000 Ctr. Rüben jährlich und befinden fich zweckmäfsig vertheilt auf den verfchiedenen Gütern. Sie arbeiten theils nach dem Prefs-, theils nach dem Diffufionsverfahren. Die Svojfchitzer Zuckerfabrik zeichnete fich durch Rohzuckerhüte in abgelaufenem und Saftmelife in gedecktem Zuftande, welche von bemerkenswerther Weifse und Schönheit, nur mit Zuckerkalk geläutert waren und durch, direct aus Melaffe, nach dem F. Sebor'fchen Verfahren dargestellte Rohzucker aus. Nebenan ftanden die verfchiedenen Producte, welche aus der Melaffe durch Füllung mit Kalk als Zuckerkalk abgefchieden und als kalihältiges, dungkräftiges Ablaufwaffer gewonnen werden können. Einen gelblichen Stich zeigten die hübfchen Saftmelife der erften Kraluper Actien- Zuckerfabrik, welche nach dem Diffufionsverfahren mit ftarker Saturation arbeitet. Die Actienfabrik Kaden hatte blank und auf Korn gekochte Zucker erften, zweiten und dritten Productes, die dem Fürften Fr. Kinsky gehörige Zlonitzer Fabrik fchwere Raffinadbrote, in Korn und Farbe hervorragende Saftmelife, Stückzucker und fchöne Rohzucker; die Horomeřitzer Zuckerfabrik in Lompsformen gekochte„ grüne" und gedeckte Brote mit aufsergewöhnlich grofsem Korn, Kryftall und centrifugirte Rohzucker, fowie Candis; die dem Freiherrn v. Aehrenthal gehörige Doxaner Fabrik gute Lompszucker aus Ablauffyrupen, gefpaltene und ganze Brote, die Wegftädtler Actienfabrik kräftige Rohzucker in wechfelnden Reihen ausgeftellt. Durch vorzügliche Waare zeichneten fich die Neuhofer und Weltrufer, dem Grafen Chotek und Ritter v. Komers eigenthümlichen Zuckerfabriken aus, welche auch fchöne, auf ruffifches Korn gekochte, gefchleuderte Rohzucker eingefchickt hatten, während Wodolka durch mehr naturweifse Melife und die Freiherrn Riefe Stallburg gehörige Schlaner Fabrik durch grobkryftallifirte, fehr gebläute Lompen und fehr hohe, in grofse Zuckerformen gekochte Schaubrode die Aufmerkfamkeit auf fich zu lenken fuchten. Die der allgemeinen Actiengeſellſchaft in Prag gehörige Swijaner Diffufionsfabrik ftellte Raffinaden, Saftmelife, Pilé und Farinzucker, die Sadovaer Zuckerfabrik fehr feinkörnige, gut gekochte, aber weniger weifse Saftmelife, herrliche Rohzucker und Rohproducte, jedoch, wie bei den meiften anderen Fabriken, ohne jede Angabe ihres Zuckergehaltes oder Raffinationswerthes, aufserdem recht farblofen Candis in Kronenform aus. Leider vermifsten wir fehr die Erzeugniffe des gröfsten böhmifchen, weit über eine halbe Million Centner Rüben verarbeitenden Etabliffements, nämlich der rühmlichft bekannten Berkovitzer, mit Centrifugen den Saft aus der Rübe gewinnenden Zuckerfabrik. Die nach gleicher Saftgewinnungs- Methode arbeitende, dem Franz Grafen Thun gehörige Perucer Fabrik hat weifse, hohe Standbrote, diverfe Melife und Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 11 Nachproducte in Flafchen, welche auf eine fehr gute Fabrication fchliefsen laffen, zur Expofition gebracht. Die grofskryftallifirten, durch eine eigenthümliche Kochmethode gewonnenen, im„, grünen" und„ gedeckten" Zuftande ausgeftellten Melife der Radborer Zuckerfabrik, die auch grobkryftallifirte Rohzucker in Gläfern brachte, jedoch ohne jede Polarifationsangabe, fielen nicht wenig auf. Gefuchte Marktwaare hatte auch die Smiřicer, dem Freiherrn Johann v. Liebig& Comp. gehörige, fowie die Saazer Actien Zuckerfabrik, Rohzucker und Farinzucker von befonderer Schönheit eingefchickt. Diefe, fowie alle in den letzten Jahren in Böhmen neu errichteten Zuckerfabriken, und ihre Zahl ift nicht gering, gewinnen die Rübenfäfte nach dem Robert'fchen Diffufionsverfahren und reinigen fie meiſt nach der Jelink'fchen Carbonation, bei welchem Verfahren bekanntlich eine gröfsere Zuckerausbeute mit geringeren Fabricationskoften erzielt werden kann, wenn fich die Fabrik überhaupt in intelligenten Händen befindet. Vorzüglich arbeitet nach diefem Verfahren auch die Münchengrätzer, dem Grafen Ernft Wald ftein gehörige Zuckerfabrik und die Libochowitzer, der Gräfin von Herberftein eigenthümliche Zuckerfiederei. Die Kolliner, dem Freiherrn v. Horsky gehörige Diffufionsfabrik müffen wir beinahe als die einzige Fabrik bezeichnen, die ihren Producten, nach dem Beiſpiele der deutfchen Zuckerfabrikanten, inftructive, aus dem Laboratorium des Herrn Dr. Weiler ftammende Analyfen beigefügt hatte. Es befanden fich hier Rohzucker erften Productes, centrifugirt mit Wafferdecke, fehr weifs von Farbe mit einem Raffinationswerth von 99.5%, auf Korn gekochte und centrifugirte Rohzucker, etwas blond von Farbe mit 96% Rend., dann blank gekochtes erftes Product etwas lichtgelb mit 96.6 Rend., endlich erftes Product auf Korn gekocht und gefchnitten, etwas gelb von Farbe, gröber kryftallifirt wie das vorhergehende mit 97% Rend. Aufser diefen Producten, zweites mit 99% Rend., drittes mit 96, und viertes mit 94% Rend. Königsfaal, die ältefte Zuckerfabrik Böhmens, feffelte durch ungedeckte Melis und centrifugirte Rohzucker, Libnoves durch Saftmelis, gelben und weifsen Candis, die Tfchinkel'fche Fabrik in Lobofitz durch fchöne Melis. Im weftlichen Halbkreife diefer Zucker- Collectivausftellung entrollte die Svolenovefer, Seiner Majeftät dem Kaifer Ferdinand gehörige Zuckerfabrik ein buntes Bild ihrer verfchieden geformten Producte. Bald in Pyramiden, in Kegeln, als Obelisken oder Kronen, bald in marktläufiger Geftaltung, als ganze oder gefpaltene, hohe oder niedrige Exportbrote, als Stück-, Kryftall- oder Rohzucker, blofsgelegt oder in verfchiedene, gefärbte Papiere gehüllt, bot diefe Fabrik eine reiche Auswahl von Zuckern den Blicken des Befchauers. Bemerkenswerth find auch noch die Producte der Opocner, dem Fürften Colloredo gehörigen und der beiden, dem Fürften Lobkowitz eigenthümlichen Zuckerfabriken im nördlichen Böhmen, welche zufammen etwas über eine halbe Million Centner Rüben verarbeiten. Der böhmifche Zuckerexport hat in den letzten Jahren gelitten, um fo tröftlicher ift die aus der Expofition gefchöpfte Ueberzeugung, die fich namentlich bei der Befichtigung der im öftlichen Halbkreife hinter koftbaren koloffalen Glasfcheiben in reichhaltiger Sammlung ausgeftellten böhmifchen Rohzucker aufdrängt, dafs Böhmens Zuckerinduftrie auf einer hohen Stufe fteht und concurrenzfähige Waare zu Tage fördert. Unter den mährifchen Etabliffements nimmt unftreitig die Zuckerfabrik des Herrn Robert den erften Platz ein. Sie iſt das Mufteretabliffement, welches epochemachende Erfindungen mit feltener Aufopferung und unermüdlichem Eifer verbreitet und tüchtige Jünger heranbildet, wie denn auch die ausgeftellten Erzeugniffe diefer Fabrik ihres Gleichen fuchen. Prerau( Alfred Skene) hatte 15 Stück fchöner Raffinaden, dann Glasgefäfse mit Stückzucker, die Wifternitzer und Huleiner Actienfabriken R 12 Dr. Josef Hanamann. Zuckerpilé aus grobkörniger Füllmaffe, mittelft Dampfzuftrömung gedeckt und gefchleudert; die Roffitzer Fabrik vorzügliche Raffinaden, die Leipniker Actienfabrik Saft und Syrupmelis, gefpaltene, fehr weifse Brote mit gefchloffenen fchönen Böden, die Königsfelder, dem Ritter v. Bauer gehörige Fabrik Rohzucker zweites und drittes Product mit einem Rendement von 97'6 und 95'4%, jedoch mit einem fchwachen Stich ins Graue, zwei Riefenftandbrote von 1½ Meter Höhe im ungedeckten abgelaufenen Zuftande, dann erftes Product mit einem Rendement von 95%% und centrifugirte und gedeckte Rohzucker, die Altbrünner, demfelben Befitzer eigenthümliche Fabrik, verfchiedene Hutzucker ausgeftellt. Sehr befriedigend find auch die Leiftungen der dem Herrn E. v. Proskovetz in Kwaffitz gehörigen Zuckerfabrik, intereffant die kleinen Exportmelis, wie fie namentlich in der Türkei gefucht werden. Die Zuckerfabriken Grufsbach und Selletitz waren durch canellirte geprefste Paradebrote, aber auch durch vorzügliche hellblonde Rohzucker und Melife, die Gräflich Herber ftein'fche Fabrik zu Pohrlitz durch kleine Saftmelis ohne Einwurf, die etwas grau und grobkörnig, jedoch nach einer beigefügten Angabe aus Rüben von nur 13% Sach. und 87% Zuckergehalt, am 27. März diefes Jahres erzeugt wurden, vertreten. Welche Fabrik wird aber in diefer kritifchen Zeit folche Rüben verarbeiten? Von den fchlefifchen Zuckerfabriken zeichnet fich die Actien- Zuckerfabrik Barzdorf durch herrliche Melis, die Actienfabrik Freiheitsau durch gelungene Rohzucker, Hotzenplotz durch weifse, fchön gekörnte Saftmelis, Stauding durch gute Lomps und Troppau durch Raffinaden und Candiscylinder von farblofer Zuckermaffe aus. Hohe Raffinaden, eine Krone und eine Gloriette von Candis, grobkörnige gelbe und braune Rohzucker verfchiedener Nummern exponirte die Zuckerfabrik Dürnkrut in Niederöfterreich. Der Grazer Raffinerie gehörten überaus weifse Raffinaden an, angeblich aus Rohzucker mit Anwendung von ungeglühtem Spodium erzeugt, welches blofs durch Laugen wiederbelebt wird. Neben diefen Zuckern ftanden Producte, gewonnen aus Melaffe, nach der Methode von Profeffor Schwarz in Graz, entfalzte Maffe, und aus derfelben gewonnene tiefbraun gefärbte, gut kryftallifirte, dann gefchleuderte und nicht gedeckte, ohne Anwendung von Knochenkohle dargestellte Rohzucker. Bei diefem Verfahren follen ohne Benützung von Alkohol oder giftigen Stoffen, wie Baryt, fondern nur durch Anwendung bekannter Hilfsmittel der Zuckerfabriken, bei geringen Anlagekoften, 80% der melaffebildenden Salze entfernt und 25% des Melaffengewichtes an Zucker gewonnen werden. Es ift das dritte Mal, dafs wir bei der Betrachtung diefer Ausftellungsobjecte auf Producte ftofsen, die aus dem Abfalls product der Zuckerfabriken, der Melaffe erzeugt werden, und diefen Bemühungen müffen wir alle Aufmerkfamkeit zollen, nicht nur weil fie auch fchlechtes Material möglichft auszunützen trachten, fondern in der Wiederbenützung der letzten Abfallsproducte auch noch die Bedingungen ungefchwächter Fruchtbarkeit dem Boden zu erhalten fich bemühen. Aus Galizien hatte die Tlumaczer Raffinerie kleine Export- und fchwere grofse Raffinade eingefendet, dann aus Oft galizien Graf Blücher v. Wahlftadt in Uscie- Biskupie eine kleine Separatfammlung von weifsen, Melis, Kryftall- und Rohzuckern ausgeftellt. Die Vertreter der ungarifchen Zuckerinduftrie bemühten fich in der ungarifchen Abtheilung der Haupthalle eine kleine Collectivausftellung in Form einer achtfeitigen Pyramide, fo dafs jeder der ausftellenden Zuckerfabriken eine Seite zufiel, zu veranſtalten. Wenn auch anerkennenswerthe Leiftungen darunter fich befanden, fo wiffen wir doch, mit welchen Schwierigkeiten die ungarifchen Zuckerfieder bei der Ausbringung des Zuckers aus der falzreichen ungarifchen Rübe zu kämpfen haben, und wie wenig lohnend fich diefer Induftriezweig in Ungarn herausftellt. Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 13 Bemerkenswerth find jedoch die Grofs- Zinkendorfer Actien- Zuckerfabrik, durch fchöne Raffinaden und Pilézucker, Hartig& Rottermann in Hirn, durch bleifchwere, compacte, weifse Raffinaden, Schöller& Reich in Edelény durch Melis und Raffinaden, die Diosczegher Actienfabrik durch geftampfte Raffinaden, grobkörnige Melis, die Ungarifch. Oftrauer Fabrik durch mittelft Hochdruck in 6 Stunden ausgedeckte Melis. Frankreich. In Frankreich wird die Zuckerfabrication im umfaffendften Mafse in den nördlichen Departements betrieben, und es betrug im Jahre 1867 die Zahl der im Betrieb ftehenden Fabriken 434, die Zahl der aufser Betrieb befindlichen 13. zufammen 447. Im Jahre 1872 beftanden 483 Etabliffements. Die erzeugten Zuckermengen erreichten fchon im Jahre 1867 die Höhe von 274 Millionen Kilo. Die Einfuhr betrug von den franzöfifchen Colonien an Rohzucker 70 Millionen Kilo, an weifsem Zucker 12 Millionen Kilo. Die Einfuhr an Rohzucker aus anderen Ländern 59 Millionen Kilo und zwar von Cuba, Porto R. 27 Millionen. Belgien 15 Millionen, Oefterreich 2 Millionen, Brafilien 8 Millionen, Mauritius 3 Millionen Kilo, unbedeutend aus dem deutfchen Reiche und England, und an weifsen Zuckern 18 Millionen Kilo, wovon auf Cuba, Porto R. 10 Millionen, Mauritius 3 Millionen, Oefterreich 134 Million Kilo etc. entfallen und an raffinirtem Zucker von Belgien 2 Millionen, im Ganzen an 3 Millionen Kilo Zucker und 23 Millionen Kilo Melaffe. Nach den neueften ftatiftifchen Angaben werden in Frankreich jährlich gegen 500 Millionen Kilogramme Raffinade zur Hälfte aus Rüben, zur anderen Hälfte aus Zuckerohr- Rohzucker dargeftellt, wovon über 300 Millionen Kilogramme in Frankreich confumirt, der Reft nach England, Schweiz, Italien, Amerika, Algier und der Türkei exportirt werden. Frankreich hatte auf der Parifer Ausstellung für eine glänzende decorative Ausfchmückung feiner ausgeftellten Zuckerproben geforgt und diefe felbft fo glänzend ausgeftellt, dafs vielen von den Ausftellern die goldene Medaille zuerkannt worden it. Frankreich fcheint aber feit dem Jahre 1867 auf diefem Gebiete nicht mehr nach neuem Ruhme zu ftreben und hat fich in der weftlichen Agriculturhalle mit einem kleinen Raum begnügt, nachdem es am eigenen Heerde reiche Ehren geerntet hatte. Es war darnach auf der Ausftellung meift nur durch Colonialzucker vertreten und würden nicht acht Ausfteller einzelne wenige, zerftreut liegende Zuckerproben in Käftchen geliefert haben, fo würde Frankreich's grofsartige und auf hoher Stufe ftehende Rübenzucker- Induftrie ganz unvertreten gewefen fein. Nicht vergeffen dürfen wir der in Frankreich üblichen nützlichen und gewinnbringenden Verwerthung der Rübenmelaffe für fich und im Verein mit dem rohen Rübenfaft auf Rübenfpiritus und Pottafche, die in Deutfchland wegen der in diefer Beziehung nachtheiligen Art der Steuereinhebung von Alkohol noch weniger ausgebeutet werden kann. In Oefterreich hat fich um die Einführung und Verbreitung diefes Verfahrens befonders H. Siegel in Barzdorf ( Schlefien) verdient gemacht. Der Rübenbau, die Zuckerfabrication, die Knochenverkohlung und Deftillation der Melaffe find von einem fo hervorragenden Einflufs auf die Fortfchritte der Landwirthschaft, dafs die franzöfifchen Staatsmänner alle Urfache haben, die koftbaren Blüthen diefer induftriellen Thätigkeit durch eine weife Gefetzgebung zu fchützen. Zu den beften Producten der franzöfifchen Zuckerausftellung müffen wir unftreitig die blendend weifsen, ftark- und feinkörnigen gefchloffenen Raffinaden in ganzen und der Länge nach gefpaltenen Broten von C. Say in Paris, welcher 14 - Dr. Josef Hanamann. fchon auf der Parifer Expofition mit dem erften Preife geehrt wurde und 56 Millionen Kilogramm Raffinadzucker jährlich aus Rüben- Rohzucker erzeugt, rechnen. Nicht nur in Frankreich, fondern auch in Belgien, der Schweiz, Italien und felbft in Deutfchland ift das Product gefucht. Die Firma Storck& Comp. in Paris hatte unter Barytpräparaten einen aus Melaffe nach dem Verfahren von Dubrunfaut dargestellten, weifsen, fchönen Zuckerhut ausgeftellt. Befonders gut arbeitet nach diefem Verfahren Tilloy in Courrière( Depart. Pas- de- Calais), welcher namhafte Mengen Melaffe auf diefe Art entzuckert. Vavin P.& Comp. in Brazey- en pleine( Depart. Côte- d'or) fandte in kleinen Schachteln unfcheinbare Proben centrifugirten Rohzuckers, dann Staubzucker und in zwei kleinen Medicinfläfchchen Proben fogenannten farblofen Rüben- Rohzuckers, ohne jede Angabe der Menge jährlich erzeugten Zuckers und der Fabricationsweife desfelben. Lair F. in Paris ftellte weifsen, nach einem unbekannten und nicht näher angegebenen Verfahren aus Melaffe abgefchiedenen Zucker in Gläfern aus und Brunnel& David in Cette verfchiedene Gefundheitsfyrupe. Mennier Roye( Depart. Somme) exponirte in fechs grofsen Chiningläfern centrifugirten grobkörnigen, etwas ins Grau ſpielenden, weifsen Kryftallzucker. Der Zucker aus der Zuckerfabrik und Deftillerie von de Sermaize( Marne) war weder von befonderer Schönheit noch Compactheit, während die zerftamp ten weifsen Zucker von Cotin J. in Nantes ohne jede weitere Angabe fich jeder Beurtheilung entziehen. Beffer vertreten als die franzöfifche Zuckerfabrication aus Zuckerrüben war die aus Zuckerrohr in der Expofition der franzöfifchen Colonien, obwohl wir geftehen müffen, dafs uns die dort gefehenen Zuckerproben wohl in Bezug auf den Gefchmack befriedigten, jedoch in Bezug auf Weifse, Schönheit und Reinheit den deutfchen und öfterreichifchen Zuckern nachftanden, wie diefs bei der unvollkommenen Fabricationsweife und den mangelhaften Einrichtungen der ColonialZuckerfiedereien nicht anders fein kann; bei dem grofsen Gehalt des ZuckerrohrSaftes an Zucker und deffen aufsergewöhnlicher Reinheit aber ganz anders fein könnte. Es betrug der Handelswerth der von den franzöfifchen Colonien eingeführten Zucker im Jahre 1870 etwas über 51 Millionen Francs und zwar von Guadeloupe 223/10 Millionen Francs, von Martinique 16610 Millionen Francs, von der Infel la Réunion 9% Millionen Francs, von St. Marie de Madagascar 21 Millionen Francs und von Guyana bei 1/10 Millionen Francs. In diefen Colonien gab es urfprünglich nur einige Raffinerien, welche ein Privilegium befafsen und die Einwohner unverzeihlich beraubten, bis diefe felbft anfingen, ihren Zucker zu bleichen. Die freie Raffinerie ift der gerechtefte und richtigfte Weg, den inländifche und ausländifche franzöfifche Fabrikanten gehen müffen und von deffen Betreten die beiden grofsen Induftriezweige nur Vortheile ziehen werden. Guadeloupe reiht fich an die grofsen Zuckercolonien, welche den fchönften reinweifsen Zucker ausftellten und exportirten. Es entfallen im Jahre 1872 an 31 Millionen Kilogramm Zucker und 36 Taufend Liter Melaffe auf diefe reiche Colonie. Die Fabricationsmethode verbeffert fich mit jedem Jahre feit der Errichtung der Central- Zuckerfiedereien. In Folge diefer Einrichtung erhalten die mit kleinen, mangelhaften Apparaten ausgeftatteten Grundeigenthümer, welche früher kaum 5% Zucker aus dem Zuckerrohr gewannen, gegenwärtig diefelbe Quantität koftenfrei, ohne felbft fabriciren zu müffen und können ihre Sorgfalt mehr der Cultur des Rohftoffes zuwenden. Die Befitzer der Centralfiedereien erhalten wieder ihrerfeits mit Hilfe verbefferter Apparate Ausbeuten von mindeſtens 10% Zucker, von denen ihnen die Hälfte bleibt, und erzeugen viel befferen Zucker. Den fchönften Zucker hatte Marquis de Rangougne aus der Zuckerfiederei Clugny, in grobkörnigen und feinkörnigen, vorzüglich fchönen Kryftallen Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 15 und fehr weifse centrifugirte Zucker ausgeftellt. Der Werth feiner Production. beträgt jährlich über 3 Millionen Francs. Auch Comt de Chazelles à Sainte- Annè fandte gute Proben aus der Siederei von Marly in Form von Kryftallzuckern ein. A. Duchassaing de Forbessin hatte mittelkörnige Zucker guter Qualität ausgeftellt. Die Bewohner von Martinique befchäftigten fich faft ausfchliefslich mit dem Anbau des Zuckerrohres und der Darftellung von Zucker. Der Export diefer Waare betrug im Jahre 1872 an 40 Millionen Kilogramm Zucker und 134 Taufend Liter Melaffe. Die Zucker von Martinique find jedoch gewöhnlich unter der guten Qualität und nur einige Siedereien, zu welchen Bougerot& Comp. aus der Siederei von François& Robert, dann Rousselot& Comp. gehören, erzeugen ausnahmsweife beffere Producte mit Hilfe verbefferter Apparate. In der Colonie Guyane ift die Zuckerinduftrie noch wenig vorgefchritten. Das Zuckerfieden wird dort noch auf freiem Feuer vorgenommen, die Fabrication ift primitiv, die Ausfuhr an Zucker unbedeutend. Dagegen bildet auf der Infel la Réunion die Zuckerfabrication die Hauptinduftrie und die dortigen Plantagen befitzen mit wenigen Ausnahmen Dampfmafchinen. Die Mehrzahl der Zuckerfiedereien bedient fich der Centrifugen zum Reinigen des Zuckers. Die vermifchten Syrupe bilden nur einen Syrup von mittlerer Qualität. Obwohl die Ausfuhr an Zucker fchon im Jahre 1861 über 73 Millionen Kilogramm betrug, fank diefelbe in Folge der zunehmenden Verarmung des Bodens durch Raubbau und durch die verheerende Krankheit des Zuckerrohres im Jahre 1872 bis auf 26 Millionen Kilogramm. Den vorzüglichften grofskörnigen Kryftallzucker von befonderer Weifse liefert das Etabliffement Savanna des Herrn Hoareau Lasource und d'Etchigaray aus der Fabrik Piton auf St. Paul, welcher vorzügliche Apparate und Vacuums befitzt und weifse verfchieden gekörnte Zucker und wohlfchmeckende Melaffe ausftellte. Weniger fchön waren die Zucker der Collectivausftellung der Ackerbaukammer, welche die bedeutendften Siedereien der Infel Bourbon und mehrerer Anderer umfafste und gelbliche, braune, feinkörnige oder mehlige Zucker enthielt. Die Zucker der Infel St. Marie de Madagascar, welche nur über freiem Feuer dargeftellt werden und der Colonie Mayotte und Nossi- Bé, welche Gegenden von grofser Fruchtbarkeit befitzt, in welchen die Cultur des Zuckerrohres fich immer mächtiger auszudehnen fucht, hatte mittelmäfsige Zucker ausgeftellt. Die franzöfifchen Colonien in Oceanien endlich beginnen fich erft zu entwickeln. Es beftehen bis jetzt erft vier kleine Siedereien, von denen nur eine mit Wafferkraft getrieben wird. Belgien. Diefes Land brachte weder in der Haupt- noch in der Agriculturhalle werthvolle Handelswaare, fondern nur vereinzelte Proben von Candis- Gefundheitsfyrupen und einige Producte aus Zuckerrohr zur Expofition. Vercruysée- Bracq à Gand hatte diverfe Candisproben aus Zuckerrohr und de Meulfmester ebenfalls in Gand geringwerthigere Zuckermufter eingefendet. Belgiens Zuckerinduftrie ift bedeutend. Es beftehen gegenwärtig über 135 Zuckerfabriken, welche nahe an eine Million Centner Rübenzucker erzeugen, follen. Bei der bedeutenden Confumtion an Zucker in Belgien werden immer noch aus den Colonien gegen 200.000 Centner Colonialzucker eingeführt, dagegen Rübenzucker nach der Schweiz und Italien ausgeführt. Dänemark. Unter einer achtfeitigen verglaften Pyramide lagen und ftanden die Producte der Zuckerraffinerie Helsinorsgadier bei Koppenhagen und der Raffinerie 16 Dr. Josef Hanamann. Phönix, welche zufammen 200.000 Centner Zucker und zwar nur aus Zuckerrohr Rohzucker jährlich erzeugen. In der Mitte der gefchmackvoll arrangirten Sammlung ftanden gefpaltene und ganze, etwas gebläute, aber fehr feinkörnige, herrliche Raffinadbrote, während ringsherum auf blauen und weifsen Glastellern fehr weifse, appetitliche Puderzucker, centrifugirte Kryftallzucker in gelblichen und graulichen Farbentönen, unter diefen am Fufse der Pyramide in acht gleichfeitigen Dreiecken verfchieden gefärbte Stangencandife von ſchön weifser, gelber, blonder, brauner bis fchwarzer Farbe lagen, während über den Raffinadbroten ganze Blöcke von verfchiedenem Candis, wie er fich eben aus der Form geftürzt präfentirt, dann Würfel, Tafel- und Stückzucker, Farine und verfchiedene Naturproducte, endlich in engen Glascylindern Syrupe und Melaffen von befonderer Reinheit ausgeftellt waren. Schweden befitzt fünf Zuckerraffinerien und eine Rübenzuckerfabrik auf Actien, gegründet in Landskrona in Südfchweden, welche jährlich über 200.000 Centner Zucker erzeugt. Herr Tranchell, Leiter diefer Fabrik, hatte mehrere hübfche Raffinaden, einige poröfe, etwas graue, grob gekochte Melisbrote, blafsgelben Candis in Kronen und Stangenform eingefendet. Niederlande. Die nationale Zuckerinduftrie in Amfterdam betheiligte fich mit ftark gebläuten, grob- und feinkörnigen Raffinaden, mit centrifugirtem Rohzucker und gedeckten Zuckern, mit fehr dunklen Syrupen und etwas Würfelzucker. Rufsland und Polen. Der Hauptfitz der ruffifchen Zuckerfabrication befindet fich in Süd- Rufsland. Die Zuckerinduftrie diefes Landes war auf der Ausftellung durch 25 Ausfteller und gegen 100 Ausftellungsobjecte vertreten. Während die Rübenzucker- Production an Ausdehnung immer mehr gewinnt, vermindert fich die Zahl der kleinen, unrentablen Etabliffements. Ihre Lebenskraft hat die ruffifche Zuckerinduftrie fchon öfters zu beweifen Gelegenheit gehabt, fo nach der grofsen Krisis 1860, die auf den Kiewer Contract ausbrach. Die Gefammterzeugung an Zucker, deren rafches Steigen der Aufhebung der Leibeigenfchaft und der in ftärkerem Verhältnifse zunehmenden Confumtion zuzufchreiben ift, überfteigt in Wirklichkeit, nach den trefflichen Angaben des verdienftvollen, in Rufsland vielbefchäftigten Induftriellen L. Walkhoff, erheblich die officiellen Produictonszahlen, berechnet nach der verarbeiteten Rübenmenge, wenn auch der ruffifche Sandzucker ein körnigeres, weifseres und reineres Product als unfer Rohzucker ift und darum dort etwas mehr Rüben wie bei uns zur Darstellung eines gleichen Quantums Zucker aufgewendet werden müffen. Doch liefert die hochgrädige ruffifche Rübe ein Rendement von mindeftens 6% weifsen Sandzuckers, während die ruffifche Regierung ein Minimalrendement von nur 5% annimmt. In den letzten Jahren wurden wieder gröfsere Zuckerfiedereien, darunter Actienfabriken ins Leben gerufen. Es ift fehr fchwierig, über diefen Induftriezweig ein vollſtändiges Bild zu geben, da er kein Organ befitzt, die officiellen Ausweife nicht verlässlich find und die Fabriken auf einer doppelt fo grofsen Fläche als in Deutſchland zerstreut liegen; von der türkifchen bis nahe zur fibirifchen Grenze. Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. - 17 Die Zuckerraffinerie von B oriffovsky& Sohn in Moskau bringt jährlich 400.000 Pud( I Pud= 16.38 Kilogramm) raffinirten Zuckers in den Handel, mittelkörnige bis grobkörnige, ftark gebläute Waare, Hutzucker, welche in fehr kurzer Zeit nach dem patentirten Verfahren des Leiters diefer Fabrik Herrn Alexander Herbft und zwar in 24 Stunden, ftatt wie gewöhnlich in 8 Tagen, ausgedeckt und getrocknet werden. Aufser Hutzucker waren auch Proben von Würfelzucker ausgeftellt. Gröfser noch wie diefe Raffinerie ift die von Brodsky in Lebedin ( Gouvernement Kiew), welche eine halbe Million Pud Raffinade im Werthe von 5 Millionen Rubeln erzeugt. Sie arbeitet mit 10 Dampfkeffeln von 365 Pferdekraft und befchäftigt über 500 Arbeiter. Diefe Fabrik fandte jedoch nur kleine, ftark gebläute und etwas durchftochene Raffinadbrote ein. Betrachten wir zunächft die Producte des Warfchauer Gouvernements: Die Erzeugniffe der nach dem Macerationsverfahren von Bobrinsky arbeitenden Zuckerfabrik von Löwenberg in Rouda- Pobianitza waren durch grofskörnige Rohzucker und kleine, feinkörnige Raffinaden repräfentirt. Diefe alte Fabrik erzeugt 100.000 Pud raffinirten Zuckers. Zu den älteften 1837 errichteten ruffifchen Fabriken gehören jedoch die von Nathanfon in Gouzow, welcher Hutzucker und fchönen Kryftallzucker eingefchickt hatte und 200.000 Pud Zucker im Werthe von 12 Million Rubel erzeugt, mit 26 Dampfmafchinen von 260 Pferdekraft und 600 Arbeitern arbeitet, und die von Epftein in Hermanow, von derfelben Gröfse wie die vorige Zuckerfabrik, die vorzügliche raffinirte Hutzucker ausgeftellt hatte. Zu den fchönften ruffifchen Zuckern müffen wir die von Jan acz in Josefow ( Warfchau) beftehend in Kryftallzucker, raffinirtem Brotzucker und Stückzucker zählen, die Erzeugniffe einer neueren, erft 1865 errichteten 130.000 Pud Zucker jährlich erzeugenden Fabrik, welche nach dem Diffufionsverfahren mit Dampfmafchinen von 232 Pferdekraft arbeitet und 1000 Arbeiter befchäftigt. Berfon in Tzesk hatte fowohl Raffinaden, Kryftallzucker von fchönem grofsen Korn, Rohzucker erften und zweiten Productes, Stückzucker in Ziegelform mit Syrup gedeckt, fowie Exportbrote ausgeftellt, erzeugt über 110.000 Pud Roh- und Weifszucker, befitzt 22 Diffuseure, und gebietet über bedeutende Arbeitskräfte. Berson in Mikhailow brachte zwar fchön weifse, aber etwas poröfe, gedeckte und ungedeckte Melisbrote, gelben Graupenzucker, weifsen Sandzucker und Saftzucker in Stücken zur Schau. Die Fabrik arbeitet mit Preffen und Macerationscylindern und producirt jährlich etwa 60.000 Pud Zucker. Endlich haben wir noch zu den Fabriken diefes Gouvernements die Diffufionsfabrik und Raffinerie Leonow zu zählen, die durch hübfche, weifse, etwas durchftochene Brote, dann durch mit Dampf gedeckte, in Ziegelform gebrachte, in Form einer Pyramide aufgefchlichtete Zuckertafeln vertreten war und die doppelte Zuckererzeugung der Mikhailower Fabrik nachweift, zu rechnen. Zu den Zuckerfabriken des Gouvernements Kiew gehören aufser der Eingangs erwähnten Raffinerie noch die Zuckerfabrik der Herren Jakhnenko & Simirenko in Goroditschtsche, welches Haus durch raffinirte, gut gekochte und fchön gedeckte Brote und Kryftallzucker repräfentirt war und jährlich in mehreren zerftreut liegenden Zuckerfiedereien beinahe 2 Million Pud Zucker im Werthe von 32 Millionen Rubel erzeugt. Sämmtliche Fabriken arbeiten mit Dampf, befchäftigen 426 hydraulifche Preffen, 23 Vacuums und Verdampfapparate, 50 Centrifugen und 3.000 Arbeiter, was uns einen annähernden Begriff von den grofsen Leiftungen der ruffifchen Fabriken geben kann. Recht nett nahmen fich auf einem achtfeitigen Tabernakel in acht kleinen Kapellen die Raffinadzucker der jungen Kiewer Zuckerraffinerie ( Actiengeſellſchaft) aus, mit einer jährlichen Zuckererzeugung von 800.000 Pud Zucker, im Werthe von 6 Millionen Rubel, der gröfsten ruffifchen Zuckerfabrik, welche 14 Dampfmafchinen mit 220 Pferdekraft und aufserdem noch 600 Arbeiter 2 18 Dr. Josef Hanamann. befchäftigt. Erwähnenswerth bleibt noch die Rohzucker- Fabrik Lepoukhine mit guten Proben Sandzuckers. Nach dem Diffufionsverfahren arbeitet Kiemens in Czarnomin in Podolien, einer Actiengeſellſchaft gehörig, welche ftarkgebläute, aber compacte Raffinaden, gegen 80.000 Pud Rübenzucker und 90.000 Pud raffinirten Zucker im Werthe von 1 Million Rubel erzeugt. Ebenfo leiftungsfähig dürfte die Rohzucker- Fabrik Bekkers fein. Durch koloffale Production zeichnen fich die Zuckerfabriken des Grafen Alfred Potocky und des Prinzen Sangoufchko in Podolien, Volhynien und der Ukraine aus, welche fchon feit dem Jahre 1842 beftehen und derartig an Leiftungsfähigkeit gewonnen haben, dafs fie gegenwärtig über 38 Millionen Kilo gramm eigene und 26 Millionen Kilogramm Kaufrübe jährlich in fünf Zuckerfiedereien und zwei Raffinerien verarbeiten. Zwei Fabriken arbeiten mit je 24 Diffufeuren drei mit 14 hydraulifchen Preffen und befchäftigen zufammen 2.000 Arbeiter und erzeugen 300.000 Pud Roh- und 300.000 Pud Raffinadzucker im Werthe von 5 Millionen Rubel. Exponirt hatten diefe Fabriken recht fchöne Weifszucker und Rohzucker aller Farben und verfchiedener Körnung in farblofen viereckigen Glaskäftchen. Die Graflich Laubiensky'fche Zuckerfabrik in Grofs- Kafimir hatte Naturbrote, gefärbte Raffinadbrote, ein Glas fchöner, aber überaus grobkörniger Füllmaffe und grofskörnige Sandzucker ausgeftellt und extrahirt die Rübe nach dem ausgezeichneten Robert'fchen Saftgewinnungs- Verfahren. Veriarski zu Czenstocice( Gouvernement Radom) befchickte die Ausftellung mit Lomps und Rohzuckern, Charitonenko( Gouvernement Charkow) mit Melifen von 8. 16 und 20 Pfund Schwere und mit vorzüglichen Krystallzuckers. Diefe Fabrik arbeitet mit 15 hydraulifchen Preffen, erzeugt 17 Million Pud Zucker jährlich im Werthe von 3 Millionen Rubel und befchäftigt Dampfmaschinen von zufammen 1.300 Pferdekraft und 2.400 Arbeiter. Eine bedeutende Fabrik ift auch die von Vainftein in Starwie( Gouvernement de Poltawa), welche gute Proben von Kryftall- und Rohzucker diverfer Körnung geliefert hat und eine jährliche Zuckermenge im Werthe von 2 Millionen Rubel erzeugt. Ausgeftellt hatten noch die Diffufionsfabrik Skirmoundt( Gouvernement de Minsk) dann die kleineren Rohzucker- Fabriken Golitzin( Gouvernement Charkow), Gounzbourg( Podolien), Tarnovsky( Gouvernement Czernigow) und Joukovsky( Gouvernement Koursk), welche zumeift Roh- und Sandzucker erzeugen. Wir können aber nicht glauben, dafs der ruffifche Zucker auf dem Weltmarkte concurrenzfähig werden wird, weil der Transport aus dem Inneren nach den Häfen ein zu koftfpieliger ift. Die ruffifche Induſtrie erfüllt aber ihre Aufgabe vollständig, wenn fie ihren und den geringen Bedarf Centralafiens deckt Ein bedeutender Eingangszoll und den Wohlftand ganzer Gouvernements hebt. auf fremden Zucker ſchützt die einheimifche Induſtrie. England befchickte die Ausitellung vorzüglich nur mit Colonialzuckern und als fehr fchönen Zucker müffen wir den von J. B. Brancker in Liverpool, dann den brafilianifchen Zucker von S. P. Johnftone bezeichnen. Sichere Anzeichen machen es wahrfcheinlich, dafs die Production an Rübenzucker auch in England bald mehr an Umfang gewinnen wird, wie bisher. Der Betrag des in England fabricirten Zuckers ift in beftändigem Zunehmen begriffen. Derfelbe betrug im Jahre 1869: 29.234 Cwts., freilich überaus gering im Vergleich zu den angeheueren Quantitäten, die jährlich nach England importirt werden. Aus den englifchen Colonien in Oftindien fandten Proben verfchiedener Zucker ein: Carew& Comp. einen kleinen Zuckerhut von etwa 10 Pfund Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenftände für Zuckerfabriken. 19 Schwere, von mittlerem Korn und der Weifse unferer Melife, aber auch der einzige Hutzucker von fämmtlichen Siedereien Oftindiens. Proben centrifugirten Kryftallzuckers und zwar farblofe und gelbe Mufter fanden fich in gröfseren Quantitäten vor. Beckanner hatte weifsen Zuckercandis und John von Bengalen gelbliche compacte Kugelzucker, lichtgelbes feinkörniges Zuckermehl und vorzügliche Melaffe ausgeftellt. Von Punjas fanden wir gelbe und braune, feuchte, mehlige Rohzucker, von Madras aber anerkannt fchöne Kryftallzucker vor, bei Baudy von Baroda trafen wir einige fchmutziggelbe Candiszucker. Von der englifchen Colonie Mauritius ftellte das Etabliffement von Saint Aubin Savane fehr grob kryftallifirte, auffallende Zuckerproben und fchöne Colonialzucker, welche nach dem Verfahren von Dr. Icery, ohne Anwendung von Knochenkohle, nach einer geheim gehaltenen Methode und nachherigem Centrifugiren erzeugt werden, aus. Italien war auf der Ausftellung fchlecht vertreten. Italien zählt feit dem Jahre 1869 zu den Rübenzucker producirenden Ländern. Es wachfen dafelbft fehr zuckerreiche Rüben. Eine Gefellſchaft mit dem Sitze in Turin befchäftigt fich angelegentlich mit der Einführung diefes Induftriezweiges. Intereffant waren die ausgeftellten Producte der Societa Romana per Lo Zucchero Nationale( Fabrica del Castellacio Presso Aragni) die fchöne weifse, erfte Producte, fcharfkörnige, reine, braune zweite Producte, dunkle Füllmaffen von der Raffination, etwas graues mittelkörniges Product in Gläfern, weifsen Stückzucker in Tafeln als raffinirtes zweites Product der Campagne ausgeftellt hatte. Befriedigend fahen die centrifugirten fein und mittelkörnigen Weifszucker von Cesa Val di Chiana Toscana aus. Spanien. Fonrodonay Caftello in Barcelona erzeugt meift kleinere, in gelbes Papier eingewickelte Zuckerhüte. Die Raffinaden find ftark im Korn und etwas porös, ebenfo die ausgeftellten Stückzucker, dagegen gefielen die centrifugirten, weifsen, fehr grobkörnigen Graupen- und Sandzucker aus Colonial- Rohzuckern dargestellt, die in fehr eleganten Glaskäftchen zu fehen waren und von Ingenio Natividad, Mapos und St. Fernando abftammen, fehr gut. Minder fchön, ja fogar unter der mittleren Qualität kamen uns die grobkörnigen, graulichen Stückzucker von Cuba, beffer die centrifugirten Kryftallzucker diefer fpanifchen Colonie vor. Vereinigte Staaten von Nordamerika und Brafilien. Mit vielverfprechendem Erfolge beginnt fich auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Zuckerfabrication zu entwickeln, wie diefs nicht anders in einem Lande fein kann, deffen Bewohner dem Geifte des Fortfchrittes huldigen. Aufser der Raffinerie von Rohzucker bildet die Gewinnung von Zucker aus der Colonialmelaffe, welche felten gehörig erfchöpft ift, noch einen befonderen Zweig der Weifszuckerfabrication. In San Francisko nimmt die Zahl der Raffinerien bedeutend zu. Die Lage der Stadt begünftigt befonders die Verarbeitung der gewöhnlichen Zucker von Honolulu und Manilla. Ihr Abfatzgebiet erftreckt fich aufser auf Californien und Oregon auch noch auf Peru, Mexico und nach den Ländern am ftillen Ocean. 2* 20 Dr. Josef Hanamann. Die Zuckerconfumtion Nordamerika's betrug im Jahre 1867 über 460.000 Tons, im Jahre 1870 über 600.000 Tons, und zwar an Rohrzucker befonders in den Staaten an der Küfte des atlantifchen Oceans 2 Million Tons, an Zucker aus Sorghum, Mais etc. 32.000 Tons und an Ahornzucker 23.000 Tons. Der Nordamerikaner confumirt unter allen Nationen der Welt, mit Ausnahme vielleicht Englands, den meiſten Zucker, zum gröfsten Theil aber in Form von Syrup, und zwar fchätzt man nach den beften Quellen den Verbrauch auf 36 Pfund Zucker per Kopf. Aufser fchwarzem Syrup bringen die Raffinerien auch noch weifsen Syrup in den Handel, ein dickflüfsiges, unkryftallifirbares Product, welches aber von den Amerikanern fehr geliebt wird. Die aufserordentliche Einfuhr an Zucker in die Vereinigten Staaten,( fie betrug 1870 den Werth von 70 Millionen Dollars) läfst die Bedeutung der Zuckerfabrication für diefe Staaten deutlich erkennen. Der im eigenen Lande erzeugte Zucker beträgt nicht ein Achtel der Einfuhr, während in Europa bereits die Hälfte des dafelbft verzehrten Zuckers aus Rüben gewonnen wird. Gewifs werden die an Hilfsquellen reichen amerikaniſchen Staaten bald dem Beiſpiele Europa's nachfolgen. Die meiften ausgeftellten amerikanifchen Zucker ftammten aus NeuOrleans; befonders fchönen gedeckten Kryftallzucker fandte H. Lawrence und Penn im Vacuum dargeftellten, fchneeweifsen fchönen Zucker, von fcharfem Korn, doch etwas fäuerlichem Gefchmack. Auch Johnfon Bradifch aus NewYork hatte fchönen weifsgedeckten Zucker von fcharfem Kryftall ausgeftellt. Gute Rohzucker von lichtgelber Farbe, deutlich ausgeprägtem feften Korn, doch nur auf offenem Feuer verfotten, brachte der öfterreichifche Conful Bader in NewOrleans neben wohlfchmeckenden, natürlichen, röthlich braunen Syrupen zur Schau, während John Baar gereinigte Syrupe aus der Raffinerie ausftellte, welche freilich einen noch viel reineren Gefchmack befafsen. Sein Rohzucker aber war gelblich, mehlig und fehr feucht. Viel fchöner waren die Rohzucker von Dennis Arthur in New Orleans, freilich auch nur über freiem Feuer gewonnen, aber von einer wachsgelben Farbe und kräftigem Korn. Graue, aber kräftige Zucker brachte Kennedy Patrick zur Ausftellung, Zucker, welche mit fchwefeliger Säure und Kalk gereinigt und über freiem Feuer eingekocht werden. Auch Davidson Henriette( Louisiana) hatte ähnliche über freiem Feuer ohne Knochenkohle dargestellte, dann centrifugirte, etwas graue, aber feurig körnige Zucker und A. Tompson& Comp.( Orleans) gebrochene, raffinirte, rein fchmeckende Waare, aber minder fchöne Würfelzucker exponirt. Die centralamerikaniſche Republik San Salvador war ebenfalls durch Proben von Rohzuckern verfchiedener Qualität vertreten. Die Republik Venezuela fcheint am meiften Induftrie zu befitzen. Sie gebietet aber auch über den gröfsten Reichthum an Urproducten. Es waren weiſse Hütchen von 5 Pfund Schwere, in Kegelform von grauweifser Farbe, compacten Anfehen, u. zw. von la Quebrada bei la Victoria in Caràcas und gelblichbraune, wohlfchmeckende Moscovade, dann zerftochene poröfe, grauliche und dunkelbraune, wachsartige, von Ameifen ſtark heimgefuchte, ganze und abgeftutzte Kegel ausgeftellt. An Ahornzucker, der leider auf der Ausftellung gar nicht zu fehen war, werden jährlich gegen 30.000 Tons in Nordamerika erzeugt. Obwohl man den Sorgho- und Mais- Syrup bis jetzt noch in keine fefte Geftalt bringen konnte, wird die Sorghuminduftrie dennoch fehr gepflegt, ift die Sorghumpflanze zur Zeit noch die Lieblingspflanze des nordamerikaniſchen Farmers und mit Stolz blickt er auf die bedeutenden Erfolge, welche auf dem Gebiete der Syrupgewinnung aus diefer Pflanze binnen wenigen Jahren erzielt wurden, wichtige Erfolge in nationalökonomifcher Beziehung, da fie den Norden vom Süden immer unab hängiger machen. Im Norden des Staates Ohio find allein 6.000 Sorghumpreffen im Gange und man gewinnt in Nordamerika gegenwärtig fchon über 50 Millionen Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 21 Gallonen Sorghumfyrup. Diefer von der Centralregierung zu Washington fehr unterſtützte Induftriezweig wird jedoch meift nur als Nebengewerbe des Farmers betrieben. Nach einer Reihe mifslungener Verfuche beginnt auch die RübenzuckerInduftrie ernftlich ins Leben zu treten und feit dem letzten amerikaniſchen Bürgerkriege find in den Staaten Illinois und Indiania mehrere RübenzuckerFabriken entstanden und zwar zu Chatsworth, zu Alvaredo und SouckCounty in Wisconsin, welche gute und gefuchte Zucker erzeugen. Der wohlthätige Einflufs der Rübencultur auf den Boden, auf die Maftung, erregt bereits die Aufmerksamkeit der Viehmäfter von Illinois. Die Maſchinen jener Fabriken ftammen aus Deutfchland. In Californien hat man die merkwürdige Erfahrung gemacht, dafs die Rüben, umgekehrt wie bei uns in Europa, in den letzten fechs Wochen ihres Wachsthums die Hälfte ihres Zuckergehaltes verlieren. Mit beftem Erfolg beginnt man auch in Colorado Rüben zu bauen und aus ihnen Zucker darzuftellen. Das Unternehmen hat freilich mit fo manchen Schwierigkeiten zu kämpfen und als das gröfste Hindernifs am regelmässigen Gelingen betrachtet man die zu nafsen Frühjahre und die zu heifsen Sommer, alfo klimatifche Einflüsse, doch zweifelt man nicht bei der bekannten Ausdauer des Amerikaners an dem endlichen glücklichen Erfolge. Brafilien. Die Gefammtproduction von Brafilien beträgt etwas über 200 Millionen Kilogramm Zucker und wurden exportirt im Jahre 1867 an 118 Millionen Kilo im Jahre 1870 bis 1871 an 136 Millionen Kilogramm. gramm, Brafilien war durch zehn Ausfteller vertreten. Der Sitz der Zuckerfabrication ift befonders in der Provinz Pernambouc. Penna M. G. aus Pernambouchatte fehr weifsen, aber etwas fäuerlich fchmeckenden Kryftallzucker, Puderzucker und braunen Rohzucker, Juillet in Bahia geriebene, blank kryftallyfirte, trockene Zucker und feinfandige Rohzucker, Faro aus Rio de Janeiro gelbliche und braune, mehlige, pikant fchmeckende Rohzucker, Pimentel aus Pernambouc mehlige, unanfehnliche, grauweifse, feuchte Stückzucker, dann die Ausftellungscommiffion der Provinz Pernambouc weifse, aber ins Graue fpielende und braune Rohzucker in Faffeln, Souza und Silva gelbliche und bräunliche Zuckermehle ausgeftellt. Dr. Pereira d'Aguiar aus Bahia brachte blanke, weifse Sandzucker, Rohzucker und Caffonaden von fehr brauner Farbe, Manuel de Souza dagegen raffinirten, fehr weifsen, fchönen, geftoffenen und kryftallifirten Zucker, Baron de Cotepie graues, mit Thonerde gereinigtes Zuckermehl, und Baron de Livramento von Pernam bouc fehr feuchte, feinkörnige Rohzucker zur Schau. Intereffant waren Proben von Rohzucker, welchen Mangeon Guitherme aus Rio de Janeiro nach dem Verfahren von Herrn Prosper Doubons in eigenen Apparaten binnen 36 Stunden darftellt. Auftralien. Von den Sandwichsinfeln, und zwar von der Plantage Waihee hatten Harris& Widemann mehrere Fäfschen mit graulichweifsen, feinkörnigen, gelblichgraulichen und lichtbraunen Rohzuckern, von der Plantage Lahaina Campelle Turton, welche das doppelte Quantum der vorherigen Plantage, nahe an 12.000 Tons Zucker, erzeugen follen, überhaupt die ftärksten Producenten diefer Infel find, weifse, mittelkörnige und blafs braune Rohzucker 22 Dr. Josef Hanamann. und F. Harris von Kaiwiki erftes, zweites und drittes Product, von denen das zweite fehr braun, das dritte dunkelrothbraun und mehlig ausfah und einen ftarken Melaffen- Beigefchmack zeigte, ausgeftellt. Sämmtliche Ausfteller exportiren vorzüglich nach St. Francisko in Nordamerika. China. Die Zuckerinduftrie diefes Landes fcheint auf einer fehr niedrigen Stufe zu ftehen. Die fchönften Mufter ftammten noch von der Infel Formosa, es lagen da weifse, mehlige, braune, klebrige, feuchte Zucker, dann von W. Taylor. in Taiwanfo o fehr mittelmäfsiger, unanfehnlicher, pfefferkuchenartiger ThoaSoa Zucker, und von Herrn E. Faber, aus der Provinz Kvantung, ( Südchina) graugelber und weifser, mehliger Zucker, dann faure, dunkelbraune Syrupe vor. Im Handelspavillon war roher oftindifcher und mehliger Zucker, Moscovade, fogenannte Cossipore, roher egyptifcher Zucker in unregelmäfsigen Stücken von dunkelbrauner Farbe, egyptifche rohe Moscovade, brauner Zucker von pikantem Beigefchmack, dann roher, mehliger, fchmutzigweifser Rohrzucker von Havanna, centrifugirter egyptifcher Farin, grauer und grofskörniger fogenannter Granitzucker zu finden. Stärkezucker. Traubenzucker. Die Fabrication des Blockzuckers hat in den letzten Jahren fehr an Ausdehnung gewonnen, fo dafs es jetzt Fabriken gibt, welche aufser dem Stärkefyrup auch noch bis 10.000 Centner Zucker jährlich als fogenannten Kiftenzucker darftellen. Diefe Fabrication wird nach zwei verfchiedenen Arten, der alten und neuen, betrieben und zum Verdampfen der füfsen Flüffigkeit ftatt kupferner Vacuumapparate, neuefter Zeit Robert'fche Verdampfapparate angewendet, welche billiger find und den Zweck vollkommen erfüllen. Auf einer hohen Stufe fteht in diefem Fabricationszweige die ActienZuckerfabrik G. Köhlmann& Comp. in Frankfurt an der Oder, die befonders fchöne Producte, in Form hoher, bis einen Meter meffender, fchmaler Prismen, fogenannte Braunzucker, pyramidenförmig übereinander geftellt hatte. Der Zucker zeichnete fich durch Weifse und Reinheit aus. Gerafpelter Stärkezucker und verfchiedene helle und dunkel gefärbte Zuckerfyrupe in fchmalen, fehr hohen Cylindergläfern, Capillairfyrupe dienten zur Vervollſtändigung der Sammlung. Der Stärkezucker der Gebrüder Beft in Ofthofen bei Worms bildete etwas gelbliche Tafeln und kleinere Krümmeln, der von der Brandenburger Syrupund Stärkezucker- Fabrik ausgeftellte Stärkezucker in Gläfern, weifse fchöne Stücke und die Syrupe eine blafsgelbliche, reine, dicke Flüffigkeit. Aus Süddeutfchland waren von den Gebrüdern Bender in Mannheim kleine, dreipfündige Zuckerhüte von Stärkezucker, weifser Kiftenzucker und gelbliche Syrupe ausgeftellt, von Logelbach bei Colmar( Elfafs) weifse Säulen und Syrupe von fchönem Traubenzucker eingefendet worden. Jahnl in Namest bei Brünn brachte hübfche Stärkezucker- Tafeln von fehr fchwach bitterlichem Beigefchmack und Scholten in Tarnov aus Galizien farblofen, aber etwas getrübten Stärkefyrup, gelbliche Dextrine und Kartoffelzucker in Gläfern zur Ausftellung. Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 23 Milchzucker. Milchzucker war fchwach vertreten. Wir fanden nur zwei erwähnenswerthe Ausfteller. Die gröfsten und fchönften, wenn auch nicht weifseften Kryftalldrufen, etwa 20 Centimeter lang und 5 Centimeter im Durchmeffer, mit fchönen, ausgebildeten Kryftallen ftammten aus der Schweiz, wo beider Bereitung der fetten Süfsmilch Käfe aus den füfsen Molken durch Eindampfen der Milchzucker gewonnen wird, und zwar von der Käfehandlung Arreger- Siegwart auf Schupfheim im Emmenthal; dagegen der weifsefte und reinfte Milchzucker. auch nur kleinere Partien desfelben, aus der homöopathifchen Centralapotheke in Leipzig. wenn APPARATE UND EINRICHTUNGS- GEGENSTÄNDE FÜR ZUCKERFABRIKEN. In Folge der bedeutenden Zunahme des Zuckerconfums in faft allen Ländern und der hiedurch nothwendig gewordenen zahlreichen neuen Etabliffements, fowie Umänderungen der bereits beftehenden Anlagen haben, wie in anderen Induftriezweigen, auch in der Zuckerfabrication viele Ingenieure und Mafchinenfabrikanten ihre Thätigkeit beinahe ausfchliefslich diefem als Grofsinduſtrie und landwirthschaftliches Nebengewerbe gleichwichtigen Productionszweige zugewendet. Nicht nur öfterreichifcher, insbefondere böhmifcher Zucker, fondern auch die böhmifche Metallwaaren- und Maſchineninduftrie haben fich einen guten Ruf weit über die Grenzen unferes Vaterlandes hinaus, erworben. Die gröfsten Fabriken Oefterreichs und Deutfchlands haben fich und Deutfchlands haben fich am Völkerwettkampfe betheiligt und zahlreich find auch die kleineren Fabriken in der Mafchinenhalle vertreten. Die Zuckerinduftrie verdankt ihren ungeahnten Fortfchritt und Auffchwung nicht nur der Chemie, fondern mit auch der Conftruction folider und vorzüglicher Apparate, welche mit dem geringften Kraft- und Zeitverluft ausgezeichnete Leiftungen vereinigen und gerade in mechanifcher Beziehung haben die Einrichtungen der Zuckerfabriken grofse Fortfchritte aufzuweifen. Doch vermiffen wir auf der Ausftellung Apparate, die wir nicht fchon in verfchiedenen Zuckeriabriken kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Bei dem Anblick diefer modernen, complicirten Apparate fällt uns unwillkürlich das Modell der in der chinefifchen Abtheilung ausgeftellten, höchft primitiven, im ,, Reiche der Mitte" gebräuchlichen Zuckerpreffe, fowie des Zuckerofens ein und ein Vergleich zwifchen den Hilfsmitteln des chinefifchen Zuckerfieders und des europäiſchen Zuckerfabrikanten läfst uns die ganze Reihe wichtiger Erfindungen im Gebiete der Mechanik und Phyfik erkennen, die wir in den letzten Decennien gemacht und zur Vevollkommnung diefer Induſtrie angewendet haben. Deutſchland. Im deutfchen Reiche arbeiten fchon mehrere Specialiften ausfchliefslich nur Apparate für Zuckerfabriken. Eine derjenigen Firmen, welche Weltruf geniefsen, ift die von G. Heckmann in Berlin. Weithin durch die offenen Räume der ausgedehnten Mafchinenhalle leuchtet der blankgereinigte, kupferne, durch riefige Dimenfionen auffallende Kugel- Vacuumapparat diefer Fabrik, ein Unicum in feiner Art, mit einem Faffungsvermögen von 20.000 Kilogramm Zuckermaffe, mit acht kupfernen Schlangen verfehen, von denen vier für directen, vier für Retourdampf dienen, mit einem Doppelboden und einer Gefammtheizfläche von 65 6 Meter, mit einem Saft- und Syrup- Saugrohr, einem Wafferrohr, zwei Probftechern, zwei Manometern für Tour- und Retourdampf, einem Vacuummeter und vier Glasaugen und mit einem neuen und höchft zweckmäfsigen Schieber verfchlufs der Ablafsöffnung von Metall, flach eingefchliffen und in horizontaler Richtung verfchiebbar. Eine Schraubenmutter mit doppeltem Gewinde leitet, Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 25 durch ein gezahntes Rad angetrieben, den Hebelverfchlufs. Der gröfste Diameter mifst 10 Fufs rheinifch, der des Domes 40 Zoll, der Durchmeffer des Abzugsrohres 14 Zoll. Der Apparat befteht aus vier Theilen, von denen zwei durch Verlöthung äufserft gefchickt zu einem Ganzen verfchmolzen find. Diefer vorzüglich gearbeitete Apparat wird nicht verfehlt haben, die Aufmerkfamkeit der Fachgenoffen auf fich zu ziehen, wie er fich felbft der Gunft des vorbeieilenden Publicums erfreute. F. Hallftröm, Kupfer- und Metallwaaren- Fabrikant in Nirnburg an der Saale, brachte als Product täglicher Fabrication einen liegenden Zweipfannen- Verdampfer zur Ausftellung. Der Apparat, in diefer Conftruction in Rufsland fehr beliebt und begehrt, dient nur zum Eindicken der Zuckerfäfte. Er befteht aus einer Dünn- und einer Dickfaft- Pfanne; die erftere enthält 17 Stück von einander unabhängiger kupferner Schlangen von 52 Meter Heizfläche, die mittelft Retourdampfes und den direct aus den Rübenfäften entweichenden Dämpfen geheizt werden. Die Dickfaft- Pfanne dagegen enthält gerade, meffingene Rohre mit Gummi- und Metallverfchraubung gedichtet, welche den Dünnfaft- Dampf( Brüden) aufnehmen und nur mit diefem geheizt werden. Aufser diefem normalen Gange kann auch jeder Körper für fich allein in Thätigkeit gefetzt, die Schlange wie die Heizrohre leicht ausgewechfelt und gereinigt werden. Der Saft verkocht in den Pfannen unter grofser Oberfläche und mit geringer Tiefe, wodurch das Mitreifsen zuckerhältiger Flüffigkeit auf ein Minimum reducirt wird; aufserdem find noch doppelte Saftfänger vorhanden. Der ausgeftellte kupferne Vacuumapparat hat eine kugelförmige Geftalt mit einer Verfchraubung, doppelte Dampffpiralen und Doppelboden mit zufammen 25 Meter Heizfläche und gewöhnlichem Gummiverfchlufs. Er fafst 7000 Kilogramm Füllmaffe, geftattet jede Combination der Anwendung von directen und Retourdämpfen von niedriger Temperatur und niedriger Spannung und ift zur Fabrication von Kryftallzucker eingerichtet. Aufmerkfamkeit verdienen die Verdampfapparate von J. Aders in Neuftadt- Magdeburg, und zwar liegende Doppelapparate neuefter Conftruction, welche äufserlich den alten fogenannten Tifchbein'fchen Apparaten ähnlich, aber wefentlich verbeffert find. Die Dampfkammern befinden fich bei diefen Apparaten beide vorne, in Folge deffen fitzen die Heizrohre auch nur mit einem Ende in dem Rohrboden feft. Sie find hier nicht wie beim Robert'fchen Apparat umgebörtelt, fondern in die entſprechenden Oeffnungen nur eingefchoben, wo fie mit einer am anderen Ende des Rohres befindlichen Mutter feftgehalten werden. Die meffingenen Siederöhren laffen fich auf diefe Art leicht herausnehmen und reinigen und die fchädliche Einwirkung der Ammoniakdämpfe läfst fich durch paffende Einlagen vermeiden. Mit einem folchen Apparat von 1000 ☐ Fufs Heizfläche kann man täglich 1200 Centner Rüben bis auf 24° B. bei circa 5% Wafferzulauf auf die Reibe und zwar nur mittelft Retourdämpfen verarbeiten. Jacques Pied beuf in Aachen und Düffeldorf war auch noch einer derjenigen, welcher einen Zucker- Kochapparat und zwar einen einfach wirkenden eifernen Kocher mit vier Schlangen für Retourdämpfe von im Uebrigen gewöhnlicher Conftruction zur Expofition brachte. Der gröfsten Beliebtheit erfreuen fich in Oefterreich, Deutfchland und Frankreich die Patent- Filterpreffen von Dehne in Halle an der Saale zur Trennung fefter von flüfsigen Stoffen, welche durch grofse Leiftungsfähigkeit und Handlichkeit, geringe Betriebskraft, Reinlichkeit und Raumerfparnifs fich auszeichnen. Es dürfte wohl kaum eine rationell arbeitende Fabrik anzutreffen fein, welche fich nicht diefer Filter bedienen würde. Neu ift eben nur der Verfuch ihrer Anwendung zur Gewinnung des Saftes aus den Rüben, während fie bisher nur zur Schlammausfüfsung gedient hatten, und erregen diefe foeben begonnenen, höchft intereffanten Saftgewinnungs- Verfuche unter Fachgenoffen das lebhaftefte Intereffe. 26 Dr. Josef Hanamann. Erwähnen müffen wir auch der Zucker- Schneidmafchine von L. Eckelt in Berlin, welche zum Zerkleinern des Hutzuckers zu regelmässigen Stücken dient und gleichzeitig das Sortiren des Zuckers vollführt und alle nicht quadratifchen Zuckerftückchen gleich zu Farin in kürzefter Zeit vermahlt. Eine fehr empfehlenswerthe Zuckercentrifuge hat Rudolph& Comp. aus Neuftadt- Magdeburg ausgeftellt. Die Centrifuge ift aus Eifen mit meffingenem Mittelfturz, ohne allen Gummi, beide Lager find feft, durch eine Hebelvorrichtung von Aufsen ftellbar. Der Gang derfelben ift bei den zäheften Füllmaffen, bei gröfster Füllung ein fehr ruhiger und foll fich diefe Conftruction durch grofse Dauerhaftigkeit vor anderen Conftructionen auszeichnen. Intereffe erregten auch noch eine verbefferte Walke, auch für PrefstücherWäfche empfehlenswerth, eine Doppel- Kurbelwalke von geräufchlofem Gang, einfacher Bedienung und grofser Leiftungsfähigkeit. Oefterreich. Die ältefte Firma, welche fich in Oefterreich mit der Einrichtung von Zuckerfabriken befafste, war die von Breitfeld& Evans in Prag, aus deren Etabliffements der berühmte Mafchinenbauer Vincenz Daněk hervorging, der im Jahre 1854 feine Fabrik in Carolinenthal gründete und zunächft in Bergwerks- Mafchinen, später in der Einrichtung von Zuckerfabriken Hervorragendes leiftete, in welcher Branche fich die Daněk'fche Fabrik fogar einen überfeeifchen Ruf erwarb. Die Gefchichte diefer Maſchinenfabrik ift mit der Entwicklungsgefchichte der Zuckerinduftrie eng verknüpft. Beide Firmen mit der fpäter in Auffig errichteten find gegenwärtig mit einander vereinigt als MafchinenbauActiengefellfchaft, vormals Daněk& Comp. in Prag und für die Expofition ihrer Mafchinen und Apparate hatten fie einen eigenen Pavillon auf der Weltausstellung errichtet. Seit 1872 befteht ein Bureau der Gefellfchaft in Wien. Von den in diefem Pavillon befindlichen Mafchinen und Einrichtungsgegenftänden für Zuckerfabriken find vornehmlich die ftattlichen ſtehenden Abdampfapparate nach Robert's Syftem à doubl effect, mit 3.000 Fufs Heizröhren- Fläche, mit einer höchft foliden und zweckmässigen Blecharbeit bemerkenswerth. Die daneben ftehenden, für Rufsland beftimmten liegenden Verdampfapparate von 2.000 Fufs Heizfläche mit nach eigenem Syftem abgedichteten Röhren gehören zu den beften Arbeiten diefer Fabrik. Auf einer eigenen, aus gewalzten Trägern mit gufseifernen Säulen errichteten Tribüne ftand die nach dem Patente von Bromovsky& Urbanek eingehängte und zur felbftthätigen Entleerung vorgerichtete, wegen ihrer practifchen Verwendbarkeit allen anderen Conftructionen vorgezogene Diffufionsbatterie von neun Körpern. Daněk gebührt das Verdienft, die Schlammpreffen, und zwar zunächft aus Holz, fpäter aus Eifen hergeftellt und im Jahre 1864 zuerft in böhmifchen Zuckerfabriken erprobt und eingeführt zu haben. Ihre Erfindung und Verwendung durch Daněk bezeichnet eine neue Epoche in der Zuckerfabrication. Die zwei ausgeftellten, die grofsen Verdampfapparate bedienenden, 25pferdigen Luftpumpen- Mafchinen mit 2 Luftpumpen von 20 Zoll, zwei Wafferpumpen von 5 Zoll Diameter, 24 Zoll Hub, repräfentiren Mafchinen, wie folcher gegen 120 bereits in Zuckerfabriken aufgeftellt und fehr leiftungsfähig befunden. worden find. Als einen grofsen Fortfchritt in der Zuckerfabrication müffen wir die Einführung billiger Rohftoffe zur Herftellung von Apparaten, insbefondere des Eifens Während in ftatt Kupfers, felbft für Rohrleitungen, ausdrücklich erwähnen. früheren Zeiten Scheidekeffel, Saturationsgefäfse, Verdampfapparate, Filter und Anwärmer, felbft Wafferrefervoirs und fämmtliche Rohrleitungen in den Zucker Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 27 fiedereien aus Kupfer hergeftellt wurden, wodurch das Metallinventar eine aufserordentliche Summe erreichte, benützt man zur Herftellung beinahe fämmtlicher Vorrichtungen nur mehr noch das billige Eifen mit demfelben Erfolg. Nur das Vacuum, ein unrichtig bezeichneter Apparat, in welchem die Kryftallifation der Zuckermaffen vorgenommen wird, bildet noch ein Privilegium der Kupferfchmiede und ein grofses, gut hergeftelltes Vacuum nicht felten den Stolz diefer Herren. Beachtenswerth war auch die Ausftellung der verfchiedenen Arten Rübenfchneid- Meffer für Diffufionsfchnitzel von den erften Robert' fchen Fingermeffern angefangen, mit zungenförmigen, fchmalen Lamellen, welche die Zertheilung der Rübe in 4 Zoll dicke Schnittlinge bewirken und nur mit der halben Längsfläche beim Schneiden thätig find, bis zu den neueften, höchft einfachen, aber fehr leiftungsfähigen Meffern, welche in Brod und Libochovitz mit Vortheil angewendet werden. Zu den Beften mit gehören die von Herrn Director Napravil conftruirten, allen Anfprüchen genügenden Rippenmeffer, die von Staněk patentirten und von Herrn Daněk angefertigten Meffer, welche mit der halben Längsfeite fehr glatte Schnittlinge fchneiden, eine grofse Leiftungsfähig. keit befitzen, durch Steine wenig leiden und noch einmal fo lang wie die alten Robert'fchen Meffer aushalten. Die Gebrüder Perner in Elbeteinitz brachten einen Preiscourant für folche Schnitzelmeffer ein, welche aus dem vorzüglichften englifchen Gufsftahl angefertigt werden. Vermifst haben wir auf der Ausstellung Schnitzelpreffen für Diffufionsrückstände, wie fie z. B. Klufemann oder W. König in Braunfchweig conftruiren und von welchen wieder neue Conftructionen vorhanden fein follen. Vielfach verbefferte Mafchinen und Apparate für Zuckerfabriken ftellte auch die alte Firma Salomon Huber in Prag in der landwirthschaftlichen Mafchinenhalle aus, meift von S. Huber verbefferte Apparate, welche mit dem Fortfchritt der Induftrie gleichen Schritt halten. In die Augen fpringend war befonders der vortheilhaft conftruirte, kupferne Vacuumapparat von 7 Fufs Durchmeffer, auf eine Füllung von 140 Centner Füllmaffe berechnet, mit einem am Kopfe auslaufenden retortenartigen Hals ftelle Domes und rechtwinklicher Dampf ableitung, fowie tangentialer Einftrömung in den Ueberfteiger, der behufs leichteren Durchganges einen gröfseren Durchmeffer befitzt, fo dafs die Abftrömungsgefchwindigkeit des Dampfes reducirt, der mitgeriffene Zuckerfaft durch die am Ueberfteiger angebrachte Sicherheitskugel vermittelft Centrifugalwirkung zurückgehalten und gröfseren Zuckerverluften vorgebeugt wird. Der Apparat beſitzt drei Schlangen, welche, die eine als Doppelfchlange, fämmtlich nur mit directem Dampf geheizt werden. Die äufsere Ausstattung ift gefällig, namentlich die Verbindungsftelle der zwei kupfernen Halbkugeln durch blofse wulftförmige Uebereinanderlagerung in neuer, zweckmäfsiger Weife bewirkt. Eine Centrifuge, beftimmt für das patentirte neue Schröder'fche DampfDeckverfahren, im Koftenbetrage von 1.400 Gulden fammt Deckvorrichtung exclufive Patentgebühr, bei welchem Verfahren bekanntlich der Zucker in Segmentformen gekocht, in die Trommel eingeführt, centrifugirt, dann mit Dampf gedeckt, zuletzt durch Lüftung getrocknet wird und ein Kuhler( Anwärmer) von 71% Schuh Diameter mit fchmiedeeiferner Unterfchale vervollſtändigten die Ausftellung diefer Fabrik für Zuckerraffinerien. Die Metallwaaren- Fabrik Galauner& Stabenov in Prag hatte einen nach neuerer Bauart geformten Vacuum von ebenfo grofsem Faffungsvermögen wie der Huber'íche, aber mit verbefferter Ablafsvorrichtung, doppeltem Ueberfteiger, um Zuckerverlufte möglichft hintanzuhalten, und mit 15 Zoll Diameter Ventilabfperrung für die Luftpumpe, um fie auch für andere Zwecke nutzbar zu machen, dann einen completten Rohzucker- Kochapparat aus Eifenblech eigener neuefter Conftruction, auch als Syrup- und Saft- Abdampfapparat verwendbar, mit verbeffertem Schlangenfyftem von 280 Quadratfufs Heizfläche und folcher 28 Dr. Josef Hanamann. Conftruction, dafs das Reinigen und Repariren leicht und rafch gefchehen kann, ausgeftellt. Die Armirung ift derart, dafs man fowohl mit directem als Retourdampf abkochen kann. Nebenan lag noch ein gefchloffener Saturateur ohne Verfchraubung zwifchen Aufsenfchale und Mittelboden, um das öftere und koftfpielige Verpacken gänzlich zu befeitigen. Von der Firma Ernft Krackhardt in Brünn war ein Rohzucker- und Syrup- Kochapparat für Zuckerfabriken nach dem Syftem Robert und zwar ein einfacher Körper eingefendet worden. Die Brünner Actiengefellfchaft für Zuckerformen hatte eine Pyramide von diverfen lackirten und emaillirten Melis- und Lompsformen, von glatten und geriffelten Patentmelis errichtet. Eine fehr leiftungsfähige Zuckerbrote- Boden- Abdrehmafchine, mittelft welcher per Tag 3-4.000 Brote abgedreht werden können und die nur von einem Manne bedient wird, ftellte Herr Ch. Zier, Maſchinenerzeuger in Prerau, aus. Wichtig find alle jene Apparate und Vorrichtungen, welche ein rafcheres Reinigen und Decken des Zuckers zulaffen, wie die von J. Kodl in Ronov konftruirte Vorrichtung, mittelft welcher durch Anwendung hydroftatifchen und äeroftatifchen Druckes von mindeftens 2/10 bis 3 Atmoſphären das Ausdecken des Zuckers in 2 bis 6 Stunden, je nach der Gröfse des Druckes und der Qualität der Füllmaffe bewerkstelligt wird, was bei der gewöhnlichen Deckmethode binnen 3 bis 6 Tagen erzielt werden kann. Der Zucker kann fowohl in Formen, als in gröfsere, nicht übermässig hohe Gefäfse ausgefüllt werden. Frankreich. Wir bemerkten nur einen Ausfteller, die Compagnie de Fives- Lille, welche einen Robert'fchen Triplicator, einen Verdampfapparat, bei dem wir eben nicht viel Neues zu fehen bekamen, ein Mittelrohr, durch welches der Saft gleichförmiger zugeführt wird, Vorwärmer, welche durch die abziehenden Dämpfe geheizt werden und frifches kaltes Waffer als Speifewaffer für die Dampfkeffel vorwärmen, einen Vacuumapparat mit 4 Schlangen und Doppelboden, eine Rübenreibe mit drei Piffoirs von grofser Leiftungsfähigkeit, eine Vorrichtung zur Erzeugung von fchwefligfaurem Gafe zum Bleichen des Zuckers, eine gewöhnliche Saturationspumpe und Dampfmaſchine von etwa 12 Pferdekraft eingefchickt hatte. Vermifst haben wir dagegen die neuen Walzenpreffen, welche zur Gewinnung von Rübenfaft dienen und die durch Lachaume wefentlich verbeffert worden find, fowie die neue zur Gewinnung des Runkelrübenfaftes conftruirte Mafchine von Collette in Paris, ebenfo den verbefferten Osmo feapparat zur Entfalzung der Melaffe nach Dubrunfaut's Verfahren. Italien beginnt ebenfalls Einrichtungen für Zuckerfiedereien zu bauen und hatte De Morsier Mengotti in Bologna einen kleinen, aber recht fauber gearbeiteten Kochapparat von 13 Meter gröfstem Durchmeffer( einzelnen Körper) ohne Doppelboden, aber mit drei kupfernen Spiralen zu 20 Meter Heizfläche mit einem dem Heckmann'fchen ähnlichen, horizontal fich öffnenden Verfchlufs der Ablafsöffnung des Apparates exponirt. Rufsland- Polen. Johann Troetzer in Warfchau conftruirt gute Reib- und Rührvorrichtungen für die Saftgewinnung, fo dafs der mit Waffer gehörig vermifchte Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken. 29 Rübenbrei von unten mittelft einer geeigneten Vorrichtung periodifch abgelaffen und immer nur der ältefte Brei zuerft fortgefchafft wird, dann verbefferte kupferne Vacuumapparate, von denen fich ein elegant gebauter in der Ausftellung befand. Leopold Rau& Comp., ebenfalls in Warfchau, brachte einen horizontalen eifernen Zucker- Verdampfapparat mit 32 liegenden Doppelröhren, welche nur an einer Seite an der Stirnplatte befeftigt find, von wo der Dampf fich in diefelben durch ein inneres, dünnes Rohr vertheilt und nach derfelben Seite in eine befondere Kammer zurückftrömt, ein. Neben diefer Kochvorrichtung ftand eine eiferne Fachfilterpreffe mit mittlerer Safteinftrömung, wie deren fehr viele auf der Ausftellung anzutreffen find.