OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG UNTER 1 8 7 3 REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. WAFFEN MIT AUSNAHME DER KRIEGSWAFFEN. ( Gruppe VII, Section 3.) Bericht von JOHANN NEWALD, Director der k. k. Forftakademie in Mariabrunn. METALL WAAREN. ( Gruppe VII, Section 4.) Bericht von CARL HAAS, Bronce waaren- Fabrikant in Wien. LAMPEN- UND BELEUCHTUNGS- APPARATE. Bericht von CARL COHN. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. WAFFEN MIT AUSNAHME DER KRIEGSWAFFEN. ( Gruppe VII, Section 3.) Bericht von JOHANN NEWALD, Director der k. k. Forftakademie in Mariabrunn. - So wie die Erfindung des Schiefspulvers und die daraus hervorgehende Verwendung der Feuergefchütze grofse und wichtige Reformen in der früheren Kriegsführung herbeigeführt haben, ergaben fich daraus zugleich eben fo weitgehende Veränderungen an den im Gebrauche geftandenen Schutz- und Angriffswaffen. Wenn wir einerfeits die hohe Ausbildung und Achtung berücksichtigen, in welcher der Bogen und die Armbruft als die ferntragenden Waffen jener Zeitftanden, und dagegen die untergeordneten Erfolge erwägen, welche die Feuergefchütze in der Periode ihres erften Auftretens, in Folge ihrer geringen Trefffähigkeit, der höchft fchwerfälligen Handhabung, ihrer langfamen Ladweife, der Unficherheit der Entzündung u. f. w. erzielten, fo müffen wir darüber ftaunen, wenn fich dennoch die Verwendung derfelben unaufhaltfam über ftets erweiterte Kreife ausbreitete, und fchliefslich nahezu alle Syfteme der Kriegs-, Prunk- und Jagdwaffen vollſtändig umänderte. Der Gebrauch der Plattharnifche, deren Blüthezeit die Periode von 1400 bis 1600 ift, fällt mit der Entwicklung der Feuergefchütze zufammen. Der Ritter glänzte ,,, de cap en pied", eine ftarre Bildfäule von Stahl. Eine gleiche Pflege und Aufmerkfamkeit wurde der Ausftattung und Rüftung des Pferdes zugewendet. Allein nicht blofs für den Kampf hatten diefe Rüftungen Bedeutung, ihre Träger waren damit angethan bei Aufzügen und Gelegenheiten des gröfsten Prunkes und der reichften Prachtentfaltung. Durch die künftlerifche Behandlung und ihre Ausftattung wurden nicht nur die Rüftungen, fondern eben fo fehr ihr Zugehör an Schildern, Schwertern, Streitkolben u. f. w. häufig wahre Luxusgegenstände. Die gröfsten Künftler ihrer Zeit lieferten Entwürfe und Zeichnungen oder betheiligten fich bei der Anfertigung folcher Waffenftücke, welche vielfach als Kunftwerke erften Ranges anerkannt werden müffen. Michelangelo cifelirte eine Rüftung für Julius von Medicis, Benvenuto Cellini, A. Dürer, Wilh. Sufenhofer in Innsbruck, Filipo Nigroli uud feine Brüder, Bernardo Civo, der Mailänder Hieronimo Spacini und Hans Lenker zu Nürnberg verdienen unter vielen Andern befonders genannt zu werden. Die allerdings fehr langfam fich vollziehende Entwicklung der Feuergefchütze, namentlich der Präcifionsgewehre, war zunächft Urfache, dafs von den vollen Rüftungen Stück für Stück abgelegt wurde, fo dafs fchliefslich nur der Kürafs und der Helm zurückblieben. Die Rüftungen und ihr Zugehör, welche durch zwei Jahrhunderte reiche Gelegenheit zur Entfaltung einer grofsen Kunftthätigkeit geboten hatten, find jetzt nur noch Gegenftände archäologifcher Studien und Zeugen einer höchft vollendeten Kunfttechnik, deren Gebiet zu beftehen aufgehört hat. I* 2 Johann Newald. Es würde viel zu weit führen, wollte hier in eine Aufzählung jener Prunkrüftun gen, Prachtfchilder, Schwerter, Streitkolben u. f. w. eingegangen werden, welche, als Perlen erften Ranges, die Zierden der betreffenden Sammlungen und Mufeen find. In dem Mafse, als durch das Zurücktreten der Harnifchrüftungen und ihres Zugehörs der Kunfttechnik ein ergiebiges Feld ihrer Thätigkeit entzogen wurde, wendete fich die Aufmerkfamkeit derfelben nunmehr jenen Waffenarten zu, welche als die ausgefprochenften Feinde der Harnifchrüftungen gerade die wichtigſte Urfache ihres Verfalles waren. Es find diefes in erfter Linie die Hand- Feuerwaffen verfchiedener Art und Beftimmung. An ihnen entfaltete fich eine neue Kunftthätigkeit und fchuf Gewehre, namentlich mit Radfchlofs- Einrichtung von der höchften technifchen Vollendung. Hinterlad- und Repetirfyfteme verfchiedener Einrichtung wurden conftruirt, Piftolen, Jagdgewehre, Hirfchfänger, Pulverhörner, befonders aber Säbel, Degen und Rappiergriffe wurden in einer künftlerifchen Vollendung angefertigt, welche wohl für lange Zeit als muftergiltig daftehen wird. Seit dem Schluffe des fiebzehnten Jahrhundertes tritt der eigentliche künftlerifche Einfluss auf die Waffenerzeugung mehr und mehr zurück, das wichtigfte Feld für die Entwicklung einer hervorragenden Kunftthätigkeit, die Harnifchrüftungen fammt Zugehör, war für immer verloren gegangen. Die Erzeugniffe des achtzehnten Jahrhundertes erheben fich nur felten über eine handwerksmäfsige Auffaffung ihrer Aufgabe. Die grofse Zahl von Waffenftücken, welche zur Ausrüftung der an Umfang fich rafch erweiternden Heere erforderlich war, machte eine fabriksmäfsige Anfertigung derfelben nothwendig, welche bald auch bei der Erzeugung von Jagd- und Scheibengewehren, Piſtolen, Hirfchfängern u. f. w. allgemein wurde. Erft die neuere Zeit wendet den Civilwaffen, darunter namentlich den Jagd- und Scheibengewehren, eine gröfsere Aufmerkfamkeit zu, und fucht ihnen eine künftlerifche Ausstattung zu geben, in fo weit eben die für eine folche Behandlung nur zu oft fehr ungefügigen Formen der modernen zahlreichen Hinterlad- Syfteme eine derartige beffere Richtung zulaffen. Ift es geftattet, die vorſtehenden Erwägungen mit einigen Worten auch auf die eigentlichen Gefchütze auszudehnen, fo werden wir auch bei diefen einen ähnlichen Verlauf beobachten können. Zahlreiche Gefchützrohre verfchiedener Gröfse, welche fich in Sammlungen, Arfenalen, in Schlöffern u. f. w. erhalten haben, zeigen, wie fehr man dahin ftrebte, denfelben durch die Anbringung von Wappenfchildern, Spruchbändern, Arabesken, figuralifchen Darftellungen u. f. w. eine Art künftlerifcher Ausftattung zu geben. Die heutigen Gefchützungethüme fchliefsen eine derartige Behandlung geradezu aus. Die Abficht der vorhergehenden Darftellungen geht zunächft dahin, den Standpunkt zu bezeichnen, von welchem bei der Berichterstattung über die ausgeftellten Civilwaffen ausgegangen werden will. Die Läufe der aus dem fechzehnten und fiebzehnten Jahrhunderte auf uns gekommenen Prachtgewehre find ebenfo forgfältig gearbeitet, als uns der Schaft und die übrigen Beftandtheile durch ihre künftlerifche Ausstattung im hohen Grade befriedigen. Die Schwert, Degen- und Dolchklingen aus Toledo, Madrid, Mailand, Paffau, Augsburg und Solingen u. f. w. pafsten, was ihre Güte und Verlässlichkeit anbelangte, vollſtändig zu ihren oft prachtvollen Griffen. Wenn wir fomit an die modernen Jagd- und Scheibengewehre, Piftolen, Hirfchfänger, Seitengewehre u. f. w. namentlich dann, wenn fie ihrer ganzen Ausftattung nach eigentliche Luxuswaffen find, neben der felbftverftändlichen Forderung einer forgfältigen und präcifen Arbeit, auch noch das Begehren nach einer künftlerifchen Durchführung derfelben ftellen, fo dürfte diefes Vorgehen vollständig begründet und gerechtfertigt erfcheinen. Waffen mit Ausnahme von Kriegswaffen. 3 Von mehreren Seiten wurden ältere Waffen und Armatursgegenstände zur Ausftellung gebracht, wodurch ein eingehenderes Studium diefes Induftrieund Kunftzweiges wefentlich gefördert und eine vergleichende Beurtheilung älterer Leiftungen mit jenen der Gegenwart fehr gut vermittelt wurde. Die im fpanifchen Annex aufgeftellten Rüftungen waren diefsfalls von hervorragender Bedeutung. Sie ftammen aus der Armeria real zu Madrid, und werden Kaifer Carl V., Philipp II., Don Juan d'Auftria und Philipp III. zugefchrieben. Die Rüftung des Letzteren erfcheint als eine Prachtrüftung im ganzen Sinne des Wortes. Als bedeutende Leiftungen müffen ferner die zwei Knaben rüftungen und ein runder Schild bezeichnet werden, fowie der maurifche Helm als eine Seltenheit erften Ranges hervorzuheben ift. Er wird Boabdil, dem letzten maurifchen, im Jahre 1492 entthronten Könige von Granada zugefchrieben. Von Intereffe find ferner vier ausgelegte Kugelgewehre, von denen drei fogenannte Schnapphahn- Schlöffer befitzen, wodurch die Zeit ihrer Anfertigung ziemlich genau conftatirt wird. Eine Reihe von Gewehren und Piftolen verfchiedener Form enthält der Schatz des Sultans; jedoch zeichnen fich diefelben mehr durch ihre Ausftattung mit Gold und Edelſteinen, als in Folge einer hervorragenden künftlerifchen Leiftung aus. Die Ueberzahl der Gewehre hat die bereits erwähnten Schnapphahn Schlöffer. Die diefem Schatze einverleibten Säbel, Dolche, Yatagane, Meffer u. f. w. von unvergleichlichem Reichthum in der Ausftattung der Griffe und Scheiden brauchen nur erwähnt zu werden. An orientalifchen Waffen befitzen die Sammlungen des tunefifchen Minifters Sidi Mouftapha Hasnadan und des Generals Houffein fehr beachtenswerthe Gegenftände. Sie find reich an Feuergewehren mit SchnapphahnSchlöffern. Der Umftand, dafs fich die orientalifchen Völker überhaupt als fehr gewandte Bogenfchützen auszeichneten, fcheint die Urfache gewefen zu fein, dafs bei denfelben Feuergewehre erft dann in Anwendung kamen, als diefelben bezüglich der Zündvorrichtung bereits wefentlich verbeffert waren. Defshalb kommt an orientalifchen Feuergewehren das Radfchlofs aufserordentlich felten vor. Die Einführung von Hand- Feuerwaffen wurde dort erft allgemeiner, als durch die fpanifchen und holländifchen Schnapphahn- Schlöffer der Uebergang zum franzöfifchen Batteriefchlofs vermittelt wurde. Neben fchön ausgeftatteten Säbeln, Yatagans und Dolchmeffern befindet fich in der Sammlung des genannten Minifters ein Schwert mit Elfenbein- Griff und Elfenbein- Scheide von vorzüglicher, wie es fcheint, europäiſcher Arbeit. Orientalifche Waffen von hervorragender Arbeit enthielt die Collection des Leonidas Paltazzi, ferner die Sammlung Posno in Kairo, die rumänifche Ausftellung u. f. w. Perfien hatte eine Reihe fehr fchöner Dolche, Säbel und Streitkolben reich und gefchmackvoll in Goldtaufia verziert; Indien eine Collection. ähnlicher Waffenftücke, Japan endlich eine Zahl von Schwertern von der bekannten Form ausgeftellt. Obwohl die Ueberzahl der orientalifchen Waffenftücke, namentlich der fogenannten Hieb- und Stichwaffen, als Kriegswaffen in die Berichterstattung einzureihen find, war eine Erwähnung derfelben hier doch nicht zu vermeiden. Abgefehen von der abweichenden Form orientalifcher Schwerter, Dolche, Säbel, ja felbft der Feuergewehre bezüglich ihrer verfchiedenen Beftandtheile, ift die Verzierung derfelben eine eigenthümliche. Das aus dem Koran abgeleitete Verbot, menfchliche Figuren plaftifch darzuftellen, hat bei den mohamedanifchen Völkern unverkennbar auf die Befchränkung in der Verwendung menfchlicher Figuren oder von Thierbildern bei ornamentalen Ausftattungen aller Art hingewirkt. Dafür erhielten Linienund Arabeskenornamente jene Ausbildung, welche an maurifchen und orien 4 Johann Newald. talifchen Kunftwerken durch ihre gefchmackvollen, ja geiftreichen Combinationen fo überrafchend wirken. Der Uebergang zu den modernen Jagd- und Luxuswaffen wird vermittelt durch eine kleine Collection, welche die Firma Mariano Alvarez zu Toledo, ausgeftellt hatte. Wir haben es hier mit Gegenftänden zu thun, die fich den ähnlichen vortrefflichen Arbeiten der Renaiffance würdig an die Seite ftellen. Einen runden Schild in getriebenem Eifen gearbeitet, die Figuren mit Goldgrund unterlegt, hat das öfterreichifche Mufeum erworben. Ein Rappier mit muftergiltig in Eifen gefchnittenem Griff wurde von dem ungarifchen Gewerbemufeum angekauft. Ein Schwert, deffen breite Parirftange eigenthümlich herabgebogen, und fammt dem Griff und dem Obertheil der Klinge mit maurifch- fpanifchen Verzierungen und Schriftzügen ausgeftattet erfcheint, ift die Nachbildung eines in der Sammlung des Marquis di Villafecca befindlichen Waffenftückes. Dasfelbe wird dem oben genannten maurifchen König Boabdil zugefchrieben, deffen Helm im fpanifchen Annex ausgeftellt war. Ein ganz ähnliches, dem Don Juan d'Austria zugefchriebenes Schwert, befindet fich in der Armeria real zu Madrid. Unter den zahlreichen von der Firma Placido Zuboago ausgeftellten, vortrefflich gearbeiteten, in Gold- und Silbertaufia ausgeftatteten QuinquaillerieGegenftänden befanden fich mehrere kleine Dolche, welche nicht unerwähnt bleiben können, fowie die von Theodor Ybarzabal ausgeftellten Jagdgewehre beachtenswerthe Leiftungen waren. Wie lange fich in Kunftleiftungen die Erinnerungen an eine grofse Vergangenheit erhalten, erhellt namentlich aus den fpanifchen Waffen- und Rüftungsgegenftänden. Die Anklänge an die Motive der maurifchen Kunftperiode Spaniens find trotz der mannigfaltigen Schickfale des Landes nicht erlofchen. Möge das gänzliche Verklingen im Intereffe der Kunft noch recht weit hinausgefchoben bleiben. Anklänge an die Kunftperiode der Renai ffance finden wir in der franzöfifchen Waffenausftellung wieder. Abgefehen davon, dafs fich die an den Feuerwaffen angebrachten Verzierungen und Ausstattungen vielfach und häufig auch heute noch auf Motive der Renaiffance zurückführen laffen, fehen wir ja allenthalben diefe glänzende Kunftperiode fich allmälig wieder Raum und Anerkennung verfchaffen. In Betreff der Waffenfchmied- Kunft ift in diefer Richtung zunächft auf die Collection der Firma Gaftinne Renette aus Paris hinzudeuten, welche einen nach fehr guten Renaiffancemuftern gearbeiteten Degengriff, fowie einige kurze Luxusfchwerter mit gefchnittenen Griffen enthielt. Jagd- und Luxuswaffen anbelangend, haben wir unter den franzöfifchen Ausftellern, aufser der genannten Firma, noch die Namen H. Fauré le Page, Lefaucheux, Roblin und A. Brun beizufügen. Sowie bei den Kriegs- Handfeuerwaffen die Percuffionseinrichtung durch zahlreiche Hinterlad- Syfteme verdrängt wurde, fehen wir auch bei den Jagdgewehren, wir mögen nun fchon Schrotgewehre oder die fogenannten Pirfchbüchfen in Betracht ziehen, verfchiedene Hinterlad- Syfteme in Anwendung. Es möge geftattet fein, das Wefen und die Einrichtung diefer Syfteme als bekannt vorauszusetzen. Die Ueberzahl der in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellten Gewehre war bezüglich künftlerifcher Ausstattung und präcifer Arbeit derart, dafs fie jeder Waffenfammlung zur Zierde gereichen würden. Sie laffen fich jedoch nur als Luxusgewehre auffaffen, denn die factifche Verwendung beim Jagdbetriebe, wo fie nur zu leicht Befchädigungen ausgefetzt wären, könnte in Berücksichtigung ihrer kunftvollen Ausführung nur bedauert werden. Neben Hinterlad- Gewehren von verfchiedener Einrichtung fahen wir auch mehrere Percuffions- Doppelgewehre, wahrfcheinlich jedoch ältere Arbeiten, ausgeftellt. Die Ausftattung der Schäfte durch gefchmackvolle Schnitzereien, die Waffen mit Ausnahme von Kriegswaffen. 10 5 Verzierungen an den Läufen, Schlöffern, Bügeln und dem übrigen Befchläge waren fehr beachtenswerthe, an mehreren Stücken geradezu höchft gelungene Leiftungen. Der Firma Roblin wurde der Titel eines k. k. Hof- Büchfenmachers verliehen. Es war Gelegenheit geboten, ein aus der Collection derfelben ftammendes Doppelgewehr zerlegen zu können. Die Sorgfalt und Präcifion bezüglich Anfertigung aller Beftandtheile, fowie die ganze Adjuftirung mufs als mufterhaft bezeichnet werden. Die Firma H. Fauré le Page hatte zwei Paar Scheibenpiftolen ausgeftellt, welche in jeder Beziehung als höchft vollendete Leiftungen hervorzuheben kommen. Es waren diefes Prachtwaffen im ganzen Sinne des Wortes, daher auch der dafür angefprochene Preis ein erheblicher. Ihren Abfchlufs erhalten die franzöfifchen Ausftellungen von Jagdgewehren, Piftolen und Revolvern durch eine von der Firma M. Gevelot veranlafste, fehr reiche Expofition von Patronen, Kapfeln u. f. w. für verfchiedene HinterladSyfteme fowie für die älteren Percuffionseinrichtungen. In Bezug auf die öfterreichifchen Ausfteller von Jagd- und Luxusgewehren und Waffen, unter denen wir ebenfo fehr alten, bewährten Firmen, fowie neuen Namen begegneten, haben wir felbftverſtändlich zunächft den Wiener Firmen unfere Aufmerkſamkeit zuzuwenden. Wir fanden die Fabriken und Werkstätten von Leopold Gaffer, Johann Kaletzky, Stefan Mann, Wenzel Mafchek, Anton Mulacz und Johann Springer vertreten, unter denen die erftgenannte Firma namentlich der Erzeugung und Einrichtung von Revolvern aller Art ihre Thätigkeit zuwendet. Unter den fehr zahlreich ausgeftellten Revolvern bemerkten wir zwei Schauftücke von befonderer Schönheit. Sehr inftructiv war die Darftellung aller Revolverbeftandtheile von der Schmiede bis zur Ausfertigung, welches Bild, um das Innere der Einrichtung zu zeigen, durch ein fertiges, jedoch der Länge nach mitten durchgefchnittenes folches Waffenftück vervollſtändigt erfchien. Die Gaffer'fche Revolverfabrik und ihre Erzeugniffe verdienen darum eine befondere Beachtung, weil erftere eines der gröfsten und befteingerichteten Etabliffements diefer Art ift. Als eines Curiofums wollen wir hier auch auf den von Franz Bonteiner feparat ausgelegt gewefenen 21- läufigen Revolver eines der älteften in Wien angefertigten Exemplare diefer Waffengattung- aufmerksam machen. - Unter den genannten Wiener Firmen hatte Johann Springer befonders reich ausgeftellt. Zunächst wurde die Aufmerkfamkeit durch zwei Scheibenpiftolen gefeffelt, deren Befchläge, wie überhaupt die ganze Ornamentik, nach guten Muſtern entworfen und in correcter Weife ausgeführt find. Eine grofse Zahl von Doppelbüchfen, zum Theile Schrotgewehre, zum Theile fogenannte Büchsflinten, nach verfchiedenen Hinterlad- Syftemen eingerichtet, bald fehr reich, bald einfacher ausgeftattet, wurde von vielen Befuchern mit Auf merkfamkeit geprüft. Sämmtliche Eifenbeftandtheile befitzen eine gefchmackvolle Zeichnung, und ift die fchöne Arbeit fehr beachtenswerth. Durch eine kleine Anzahl von Kugelgewehren, fogenannten Pirfchftutzen, fand die Springer'fche Ausftellung einen guten Abfchlufs. Die Collectionen der Firmen Kaletzky, Mann, Mafchek und Mulacz, Doppelgewehre und Hinterlader- Scheibenbüchfen enthaltend, zeichneten fich durch eine ebenfo forgfältige als präcife Arbeit aus, und müffen die angefetzten Verkaufspreife als fehr mäfsig conftatirt werden. Wenden wir nunmehr unfere Aufmerkſamkeit der Fabrication von Jagdund Luxuswaffen in den weftlichen Ländern der öfterreichifchen Monarchie zu, fo gaben uns die zahlreichen und fchönen Ausftellungen Gelegenheit, einen wefentlichen Fortfchritt nachweifen zu können. 6 Johann Newald. Die Entwicklung in der Erzeugung von Jagdwaffen fteht felbftverſtändlich mit dem Stande des Jagdwefens und der Wildzucht eines Landes im innigften Zufammenhange. Nur bei geordneten Jagdverhältniffen ift ein Fortfchritt in der Jagdwaffen- Anfertigung denkbar. Es mögen örtlich in Bezug auf die Handhabung und Durchführung des Jagdgefetzes und der damit im Zufammenhange ftehenden Jagdpolizei- Normalien bald wefentliche, bald mindere Uebelftände obwalten, im grofsen Ganzen erfcheinen im Bereiche der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder das Jagdwefen und die Wildhege geordnet. Der Wildftand ift den Bodencultur- Verhältniffen angemeffen. Der Jagdbetrieb ift fachgemäfs. Die Rückwirkung folcher Zuftände auf die Erzeugung von Jagdwaffen aller Art, fei es in gröfseren Fabriken oder in einzelnen Werkstätten von mäfsigerem Umfange, ift unverkennbar eine gute. Die zahlreichen Ausftellungen verfchiedener Jagdwaffen, veranlafst von Fabriken oder Einzelfirmen aus den verfchiedenen öfterreichifchen Ländern, liefs diefsfalls einen fehr erfreulichen Auffchwung erkennen. Leider find wir nicht in der Lage in Bezug auf das Schiefsftand- Wefen ein gleich gutes Urtheil ausfprechen zu können. Das Schiefsen nach der Scheibe in den öfterreichifchen Ländern, vorzüglich in kleineren Orten mit grofser Lebhaftigkeit betrieben-hat im Laufe der letzten Periode an Umfang wefentlich abgenommen, daraus erklärt fich der Umftand, dafs in den Waffenausftellungen die fogenannten Scheibenrohre im Verhältnifs zu den Jagdgewehren fehr zurückftanden. Als Ausfteller von Waffen verfchiedener Art hatten wir aus den öfterreichifchen Ländern eine erhebliche Zahl von Firmen zu begrüfsen. Neben altbewährten Fabriken und Waffen- Werkftätten trafen wir manche neue Namen oder folche, welche, bisher nur in engeren Kreifen bekannt, nunmehr nachgewiefen haben, wie fehr ihre Erzeugniffe berechtigt find, eine allgemeinere Beachtung anzufprechen. Nach den einzelnen Ländern geordnet, haben wir aufzuzählen: A.V. Lebeda Söhne und J. Novotny in Prag, Guftav Fückert und Johann Fückert zu Weipert, ferner Johann Haberda zu Frauenberg in Böhmen, Carl Mayr in Brünn und J. Plafchil zu Napagedl in Mähren, die öfterreichifche Waffenfabriks Gefellfchaft in Steyer, Johann Unger in Graz und Joh. Erhart zu Marburg an der Mur in Steiermark, Johann Peterlongo in Innsbruck, Franz Umfahrer in Klagenfurt, endlich die Ferlacher WaffenfabriksGefellfchaft, durch eine gröfsere Zahl von Einzelfirmen vertreten. Die von Lebeda und Novotny ausgeftellt gewefenen Gewehre find Leiftungen, welche der bewährten Namen, die fie tragen, würdig find; namentlich enthielt die Collection Lebeda Doppelgewehre, welche ebenfo gefchmackvoll ausgeftattet, als präcife ausgefertigt waren. Zu erwähnen kommt ein von Novotny ausgeftellt gewefenes Doppelgewehr, an welchem die Syfteme Lefaucheux und Centralfeuer combinirt vorkommen, eine Einrichtung, der fich jedoch kaum eine praktiſche Bedeutung beilegen läfst. Johann Haberda aus Frauenberg hatte neben andern fchönen Gewehren fehr forgfältig gearbeitete Hinterlad- Scheibenftutzen ausgeftellt, deren Preife als fehr mäfsig zu bezeichnen find. Die fehr umfaffende Ausftellung der Waffenfabriks- Gefellſchaft in Steyer hatte neben Militärgewehren auch eine Zahl von Scheibenftutzen und Pürfchbüchfen, nach dem Syfteme Werndl eingerichtet und mit fehr mäfsigen Preisanfätzen bezeichnet, ausgelegt. So fehr bei den Stand- oder Scheibengewehren die Hinterladvorrichtungen mehr und mehr in Gebrauch kommen, ftofsen die Hinterlad- Pürfchbüchfen, namentlich bei Gebirgsjägern, noch auf ein grofses Mifstrauen. Es handelt fich bei Gebirgsjagden höchft felten um ein Schnellfeuer: der wenigen Schüffe, welche der Gebirgs Waffen mit Ausnahme von Kriegswaffen. 7 jäger aus feinem Pürfchgewehre anbringen kann, will er ficher fein, und vertraut dabei nur feinem alten Percuffionsftutzen, der beim Laden mit der gröfsten Sorgfalt behandelt wird. Eine befondere Aufmerkfamkeit haben wir der Firma Johann Erhart zu Marburg an der Mur, beziehungsweife ihrer Waffenausftellung, zuzuwenden. Die exponirten Gewehre zeichneten fich fämmtlich durch eine gefchmackvolle Ausftattung und fehr folide Arbeit aus. Johann Peterlongo aus Innsbruck, welcher in gleicher Weife als Waffenfabrikant und Händler in Betracht zu ziehen kommt, hatte eine Reihe fchöner Jagdgewehre, Scheibenrohre und Pürfchftutzen ausgeftellt. Unter ihnen zeichnete fich ein Damen- Salongewehr mit fehr gefchmackvoll ausgeftattetem Schafte befonders aus. - - An die zuletzt befprochenen Waffenausftellungen fchlofs fich in würdiger Weife jene der Firma Jofef Kirner in Peft an. Von vorzüglicher Arbeit war ein Paar Scheibenpiftolen Centralfeuer- Syftem mit Elfenbein ausgeftattet. Beachtenswerthe Leiftungen waren ein zweites Paar Scheibenpiftolen, Syftem Lefaucheux, eine Zahl von Doppelgewehren, ein Scheibenrohr, Syftem Andrs und ein Pürfchftutzen, ebenfalls Centralfeuer- Syftem. Von ungarifchen Büchfenmachern haben wir noch Eduard Hrazdil in Szegedin und Eduard Kadletz in Gran zu erwähnen. Es ift oben auf die Thatfache hingedeutet worden, dafs mit dem Stande des Jagdwefens und der Wildpflege eines Landes die Erzeugung von Jagdgewehren aller Art im innigften Zufammenhange ftehe. Italien bietet diefsfalls einen beredten Beleg. Es kommen lediglich drei Firmen zu verzeichnen, welche Jagdgewehre ausftellten, u. z. Alphons Izzo zu Neapel, Att. Ruberti in Mantua und Michelonia& Comp. in Mailand. Bezüglich der beiden Etabliffements, u. z. Bayet frères in Lüttich und Pondevaux zu St. Etienne handelt es fich, fowie dasfelbe auch von der Waffenfabrications- Gefellfchaft zu Ferlach gefagt werden kann, vorherrfchend um die Erzeugung von Handelswaare in gröfserer Menge und um mäfsige Preife, daher die Gewehre der drei betreffenden Ausftellungen auch nur von diefem Gefichtspunkte aus beurtheilt werden konnten. Zu den englifchen Waffenausftellungen übergehend, fanden wir in den Collectionen von Alfred Lancafter in London und P. Webley& Sohn eine Reihe von vortrefflich gearbeiteten Doppelgewehren, Pürfchftutzen und Revolvern, welche,- gleichfam Verzicht leiftend auf jede befondere Ausftattung, vorherrstehend durch ihre correcte Conftruction die Aufmerkfamkeit auf fich ziehen wollten. Aus den Vereinigten Staaten haben die Firmen: Peabody, Remington, Smith& Weffon und Colt lediglich Kriegs- Handfeuerwaffen zur Ausstellung gebracht, die jedenfalls als fehr beachtenswerth bezeichnet werden müffen. In wie ferne die von der Firma Georg Höper& Comp. zu Iferlohn exponirt gewefene Phosphorbronce bei der Waffenerzeugung eine allgemeinere Anwendung erwarten läfst, wird die Zukunft lehren. Mehrere ausgeftellt gewefene mit Montefiore- Levi und Dr. Künzel bezeichnete Gewehre, darunter eine Jagdbüchfe, befitzen aus diefem Metall angefertigte Beftandtheile. In Bezug auf eine künftlerifche Ausstattung, worauf wir bei Jagd- und Luxuswaffen einige Bedeutung legen müffen, dürfte fchon die Farbe des Metalls wenig zuträglich fein. Im Eingange des vorliegenden Berichtes wurde darauf hingewiefen, wie fehr durch das allmälige Verfchwinden der Harnifchrüftungen fammt ihrem Zugehör an Schildern, Streitkolben, Ausrüftungsftücken für das Pferd u. f. w. der Waffenerzeugung, diefelbe ebenfo als Gewerbe, wie in ihren künftlerifchen Beziehungen erwogen, ein ausgedehntes Gebiet ihrer Thätigkeit gänzlich ver loren gegangen ift. - - Als ipäter durch eine längere Zeitperiode jeder wehrhafte Mann bei feinem öffentlichen Erfcheinen das Schwert oder den Degen an der Seite führte, waren 8 Johann Newald. Waffen mit Ausnahme von Kriegswaffen. Griff und Korb derfelben Gegenftände für die Entwicklung einer eigenthümlichen reich belebten Technik- ja nur zu oft einer hervorragenden Kunftthätigkeit. Auch diefe Periode ift abgefchloffen und erlitt fomit in Bezug auf Civilwaffen die Waffenerzeugung eine abermalige erhebliche Befchränkung ihres Gefchäftsfeldes. Die Seitengewehre, welche in mehreren Ländern Civilbeamte zu ihrem Amtskleide oder zur Uniform tragen, können für diefen Rückgang unmöglich als ein Erfatz genommen werden, denn den modernen, fchablonengemäfs angefertigten Degen oder Säbeln läfst fich doch nur eine fehr untergeordnete Bedeutung beilegen. Auch die bei einigen Völkern in Uebung ftehende Sitte des Tragens von Seitengewehren zu ihrer Nationaltracht ift im Rückgange begriffen. Zahlreiche Prachtwaffen find die Zierde der Cabinette und Sammlungen vieler Regenten und grofser Herrfchaftsherren. In unferer Zeit dürften derartige Waffen nur felten mehr angefertigt werden- ja es fcheint, dafs das Verftändnifs für die Behandlung folcher Schauftücke entfchwunden ift, wie fich folches aus dem durch die Firma Mayer& Plener aus Stuttgart ausgeftellt gewefenen Ehrenfchwert ergeben dürfte. Der einft fo bedeutungsvolle Kreis erfcheint für die Civilwaffen dermalen auf die Jagdgewehre und Hirfchfänger, ferner auf die fogenannten Stand- oder Scheibenrohre und Piftolen eingeengt. Durch die Einführung der Hinterlad- Syfteme ift unverkennbar eine Art Unruhe und Unfertigkeit in die Erzeugung der Hand Feuerwaffen getragen worden. In dem Streben nach neuen Syftemen und Ideen fcheint man vielfach die Anforderungen, welche in Bezug auf Einfachheit der Gewehrconftruction, Leichtigkeit in der Handhabung, Sicherung gegen Unglücksfälle und Befchädigung des Schützen, Treffficherheit u. f. w. geftellt werden müffen, aus dem Auge verloren zu haben. Es ift aber bereits hervorgehoben worden, dafs mit dem Stande des Jagdwefens und der Wildpflege in einem Lande auch der Umfang in der Verwendung und fomit in der Anfertigung von Jagdwaffen aller Art im Zufammenhange fteht. Mit der Freigebung der Jagd ift eine Reduction des Wildftandes und endlich deffen gänzliche Vernichtung in der Regel verbunden. Jagdgewehre treten aufser Verwendung und werden Gegenftände von Alterthumsfammlungen. - Allein felbft in jenen Ländern, wo dem Jagdwefen eine fachgemässe Behandlung zu Theil wird, verliert dasfelbe mit der zunehmenden Bevölkerung und der Entwickelung der Bodencultur fort und fort an Bedeutung, fo dafs fich die Jagdausübung fchliefslich auf eine mäfsige Zahl von Berechtigten befchränken wird. Wie fehr das einft fo ausgebreitete und mit fo vieler Vorliebe gepflegte Schützenwefen und Preisfchiefsen nach der Scheibe, fei es mit dem Rohre oder mit der Piftole leider zum grofsen Nachtheile für die Wehrhaftigkeit des Volkes im Rückgange begriffen ift, wurde oben bereits angedeutet. Wenn wir zum Schluffe der vorliegenden Darftellungen unfer Dafürhalten dahin ausfprechen, dafs in Bezug auf die Erzeugung von Civilwaffen, wir mögen dabei lediglich die gewerbliche oder induftrielle Seite, oder auch das Feld für eine künftlerifche Thätigkeit in das Auge faffen- der Höhepunkt bereits überfchritten ift, fo dürfte uns von vielen Seiten die Zuftimmung nicht vorenthalten bleiben. - METALL WAARE N. ( Gruppe VII, Section 4.) Bericht von CARL HAAS, Bronce waaren- Fabrikant in Wien. Das reiche Materiale, welches wir zu bewältigen haben, und das Gold und Silberwaaren, als: Waaren für den Tafelgebrauch, Toillettegegenftände, Schreibtifcheinrichtungen und Decorationsgegenstände, dann die in der officiellen Gruppeneintheilung als, anderweitige Metallwaaren" bezeichnete Bronce, Statuen, Basreliefs, galvanifche Metallüberzüge u. f. w. enthält, foll Gegenftand der nachftehenden Zeilen fein. Es ift eben verfucht, das Zufammengehörige, befonders foweit es der Kunftinduftrie in ihrer Verwendung des Metalls als Stoff angehört, in einem Rahmen zufammenzufaffen. Daher wurde auch die ftrenge Trennung früherer Berichte zwifchen Gold oder Silberarbeiten, felbft wenn fie Geräthe des täglichen Gebrauches umfaffen, und der aus fogenannten unedlen Metallen gefertigten Gegenftände hier aufgehoben. Vom Standpunkte des Kunstgewerbes hoffentlich gerechtfertigt, da nicht der koftbare Stoff, fondern die kunftvolle Behandlung uns zumeift intereffirt. Wurde es doch unlängft und mit Recht berührt, dafs kunftfertigere Hände der Bronce- Induftrie zu Gebote ftehen, als der fonft fo tüchtigen Silberarbeit. Den Standpunkt der Beurtheilung erlaube ich mir mit wenigen Worten zu kennzeichnen. Mit den feltenften Ausnahmen haben wir Gegenftände zu verzeichnen, welche als höchftes Ziel einen Gebrauchsgegenstand des täglichen Bedürfniffes oder die anmuthige Verzierung der Wohnung in möglichft praktifcher und zugleich formell vollendeter Weife zum Vorwurfe des Schaffens genommen haben. Wenn wir auch begreiflicherweife nicht verlangen, dafs man vom einfachen Efsbefteck an überall kunftgewerbliche Phänomene anftrebe, fo ift doch auch oft im einfachften Geräth eben das richtige Mafshalten fchon ein Zeichen des ver ftändigen Urhebers und nur im harmonifchen Zufammenklingen der einzelnen Beftandtheile des vielgeftalteten Mikrokosmus unferes Hausrathes, foweit er hier in Betracht gezogen erfcheint, erkennen wir den fiegreichen Triumph der geläuterten Kunftanfchauungen unferer Zeit, wie fie namentlich bei uns allen Gebildeten durch das fegensreiche Wirken unferes Mufeums und die fo feinen und goldenen Lehren unferes unvergleichlichen Falke, längft zur Benützung offen liegen. Da die officiellen Berichte ebenfowohl dem Fachmanne als auch dem grofsen Publicum welches fich unterrichten will, als Fünrer dienen follen wurde eine kurze Ueberficht der Metalltechnik, foweit folche hier in Betracht kommt, vorausgefchickt. Der Fachmann möge diefe Zeilen übergehen, bei der Betrachtung der einzelnen Objecte und Länder ift deren Verftändnifs vorausgefetzt. Abgefehen vom hüttenmännifchen Procefs, mit welchem wir hier nichts zu thun haben, erhält der Metallarbeiter fein Material in den meiften Fällen in drei verfchiedenen zur Verarbeitung dienlichen Geftaltungen. Entweder als Rohmetall 10 Carl Haas. in gegoffenen, kleineren oder gröfseren Blöcken verfchiedener Form,( diefe dienen zum Gufs, fowohl rein als vermifcht( legirt) mit anderen Metallen), oder es wird das Metall bereits als gewalztes Blech oder drittens als durch Zieheifen gezogener oder auf Walzen gewalzter Draht in Bearbeitung genommen. Diefs ift der Standpunkt des heutigen Rohmaterials der Metalltechnik, während vor nicht langer Zeit das Blech erft durch Hammerarbeit hergestellt werden mufste, wie noch heute hie und da die Edelmetalle an entlegenen Stätten vom Arbeiter felbft aus dem fogenannten Zain in Blechform geftreckt werden, namentlich bei getriebener Arbeit. Es ift nicht zu leugnen, dafs das Herſtellen des Bleches zu getriebenen Arbeiten von Seite des Arbeiters demfelben die Möglichkeit gab, die Metalldicke dem Gegenftande anpaffend im Vorhinein zu verſtärken oder zu vermindern und fo das Reifsen der Platten durch diefe feine Kunftfertigkeit zu verhindern, was beim heute fabriksmäfsig dargeftellten Blech allerdings, öfters als gewünſcht wird, eintritt. Ein ebenfalls diefem Jahrhunderte angehöriger grofser Fortfchritt ift das fogenannte Metalldrücken auf der Drehbank. Ueber hölzernen oder metallenen Formen( Futter) werden zahllofe Gebrauchsartikel runder und ovaler Form nun mit Leichtigkeit in vielen Dutzenden in derfelben Zeit hergeftellt, welche durch die Treibarbeit mit dem Hammer kaum ein Stück fertig zu bekommen erlaubt hätte. Die courante Handelswaare hat denn auch hievon den ausgedehnteften Gebrauch gemacht. Faffen wir nun die obenangeführten drei Hauptformen nochmals zufammen, fo werden wir den Gufs aus Blöcken in der verfchiedenften Verwendung zu grofsem Gufse als Statuen, figuralifchem überhaupt, als Gefäfs, Gitter oder als Detail für härter benützte Theile in Anfpruch genommen fehen. Die Vollendung wird hier durch das nachträgliche Cifeliren mit Stahlpunzen, Feilen oder Abfchleifen der Fläche erreicht. Das Blech wird zum Drucken, Preffen oder fogenanntem Abfchlagen mit dem Hammer endlich zu flacher Arbeit in ausgedehntefter Weife in Gebrauch genommen. Die gleiche Vollendung erhält auch die getriebene, fogenannte Hammerarbeit durch die endliche Cifelirung. Letztere tritt hier in ihr vollftes Recht als formende künftlerifche Technik. In bedeutendem Mafse werden zufammengelöthete Blechftreifen zur Fabrication der fogenannten gezogenen Röhren in verfchiedenen Durchmeffern gebraucht. Der Draht zuletzt wird entweder in grofser Dimenſion als Stab gerade oder gebogen, als Stütze oder als Verftärkung, in feinerer Dimenſion zur eigentlichen Drahtarbeit, endlich in den feinften Fäden gezogen zu der uralten und heute noch beliebten Technik des Filigrans verwendet. Die Verzierung der Gegenftände wird aufser der fchon erwähnten Technik der Cifelirung vielfach durch Decoration mit eingeritzten Linien, zumeift durch den Grabftichel( Graviren) erreicht; felten wird Aetzung, hie und da die Guillochirmafchine hiezu gebraucht. Auch das Eindrücken des Bleches in vom Graveur vorbereiteten Stahlformen( Stanzen), das fogenannte Preffen, wird vielfach bei wiederkehrenden Ornamenten angewendet. Die Gravirung ift auch die vorbereitende Arbeit für das Nielliren( fogenannte Tula Arbeit), das Email und die Incruftation. Das Email ift eine der reizendften, weil färbigften Decorationsweifen des Metalls; Glasflüffe, durch Metalloxyde gefärbt, werden entweder in ausgehöhlten Vertiefungen eingefchmolzen( email champlevé, Grubenfchmelz), oder es werden auf dem Metallgrunde die Verzierungen aus fenkrecht auf die Fläche ftehenden Metallftreifen aufgelöthet und dann die Zwifchenräume mit Email ausgefüllt ( email cloifonné, Zellenfchmelz), oder endlich die Flächen werden ganz oder theilweife mit Email überzogen( Spiegelemail wie zu Bijouterien, Uhren etc. etc.). Hierauf bafirt auch das eigentliche Maleremail. Die Damascirung ift eine zweifache und fehr verfchiedene Technik. Das eigentliche Damasciren oder Taufchiren befteht in der Verzierung eines harten Metallwaaren. 11 Metallkörpers( Eifen, befonders vorgerichtetes Kupfer), welcher an der Oberfläche gerauht, gerieft wird mit aufgelegten Fäden eines weich gehaltenen Edelmetalles, Gold oder Silber. Diefe Fäden werden durch zweckmäfsigen Druck und Schlag in die feine Rauhigkeit der Oberfläche eingetrieben und dadurch haftend gemacht. Immer behält aber die Oberfläche des Ganzen die feine rauhe Textur. Das Incruftiren ift eingelegte Arbeit. In die durch den Grabftichel vertieft vorgeftochene Verzierung,( bei gröfseren Flächen wird auch Aetzung gebraucht) werden Gold- oder Silberfäden, nach Umftänden auch ausgefchnittene Bleche des felben Edelmetalls vorfichtig eingeklopft, und in der fchwalbenfchwanzartig gehaltenen Metallvertiefung durch das Ausbreiten in den untern Flächen haftend gemacht; die incruftirte Arbeit wird meift vollständig überfchliffen, fogar polirt; bietet alfo meift eine ganz glatte Textur. Die Schlufsarbeit bildet bei vielen Metallartikeln, abgefehen von den obenerwähnten Decorationsmitteln, die Vergoldung oder Verfilberung bei halb, edlen und das Weifsfieden oder Färben, beim Edelmetall, endlich zumeift bei beiden Gattungen, befonders bei Gebrauchsgegenständen das Glätten oder Poliren mit Stahl und Blutftein. Für Vergoldung und Verfilberung, überhaupt für Ueberziehung eines Metalls mit einem edleren oder in der Farbe günftigeren, wird heut zu Tage beinahe ausfchliefslich, und zwar, was namentlich die Vergoldung betrifft, in ungleich gefundheitszuträglicherer Weife als früher die Galvanoftegie oder galvanifche Contact- Vergoldung und Verfilberung in ausgedehnteftem Mafsftabe verwendet. Ein ganzer Induftriezweig, die fogenannte Chinafilberwaaren Fabrication verdankt der galvaniſchen Säule ihr Leben und hat die fogenannte Plattirung, wo auf unechtem Metall in grofser Hitze aufgebrachte Streifen Edelmetall gewalzt und als beliebig verdünntes Blech verwendet wurden, beinahe aufser Curs gefetzt. Allein auch für viele andere Zwecke dient heute die Galvanoplaftik felbft, das heifst die Herſtellung maffiver Niederfchläge in Hohlformen. Immer mehr Terrain erobernd, finden fich, dem Laien oft gar nicht erkennbare, zahllofe Anwendungen galvanoplaftifcher Details an Gefäfsen aus edlen und unedlen Metallen, wo die Feinheit und Schärfe des Niederfchlages die Cifelirung entbehrlich macht; in erfreulicher Weife zeigt fich auch ihre Anwendung bei der Reproduction älterer Kunftwerke fowohl, als in felbftftändig oft räumlich bedeutenden Schöpfungen. Um überfichtlich zu bleiben, haben wir die folgende Gliederung angenommen: Goldfchmiede- Arbeit in edlen und unedlen Metallen, Kunftgegenstände, Tafelauffätze und Gefchirre; Broncearbeiten und Bronce- Imitation, Arbeiten in Kupfer, Blei, Meffing etc.; Specialitäten in Email, Galvanoplaftik und feltene Metalle. Wir haben bei der Betrachtung der Erzeugniffe felbft die Ordnung eingehalten, wie folche im Induftriepalafte, vom Weftportale an betreten, zu finden war. Grofsbritannien. Unftreitig das Bedeutfamfte an kunftgewerblichen Arbeiten hat hier die Firma Elkington& Comp. in Birmingham ausgeftellt. Seit den früheren Ausftellungen, auf welchen das Haus fchon einen Weltruf erlangte, ift das mufterhafte Streben desfelben ein gleiches geblieben, und es hat mit aufmerkſamfter Sorgfalt Alles und Jedes in fein Bereich gezogen, was einer Metall- Kunftinduftrie würdig ift. Und wie fehr diefs gelungen und von welchem Nutzen die Beharrlichkeit nach einem hohen Ziele begleitet ift, zeigte die jüngfte Ausstellung. Durch die feit Jahren dauernde Mithilfe eines der bedeutendften lebenden Cifeleure, Morel- Ladeuil( Franzofe), ift eine bedeutfame Schulung entstanden welche den Erzeugniffen des Haufes in erfter Linie zu Gute kommt. 12 Carl Haas. Die Entwürfe der Formen werden von dem artiftifchen Leiter Herrn Willms überwacht und theilweife gefertigt, und wenn auch wie bei einem mit Fahnen befteckten Auffatz und einigem Gefäfs den Anforderungen fpecififch britiſcher Kund fchaft Rechnung getragen wurde, fo können wir nicht umhin, dem frifchen Geifte und dem gelungenen Streben, welches die ganze Anftalt durchweht, unfere vollfte Anerkennung zu zollen. Ein reizender Tafelauffatz von Morel in oxydirtem Silber mit damascirtem Eifen montirt, zeigt die eminentefte Technik. Die Erzeugniffe der Fabrik umfaffen das Tafelgeräth in weitefter Ausdeh nung und alle Luxuswaaren, welche die Bronce- Induftrie wie die GoldfchmiedeArbeit vertreten. So waren denn fehr gefchmackvolle Service, namentlich eines mit fogenannter Pompejanifcher Verzierung, einzelnes Vorzügliche an Humpen, Bechern, Fruchtfchalen und Schüffeln ausgeftellt, und meift in den gediegenften Formen durchgeführt. Entfchieden energifch und glücklich ift dem langweiligen Charakter entgegen gearbeitet, der den gewöhnlichen Silberarbeiten fchon durch die weifse Grundfarbe anklebt und zwar durch Oxydirung, vielfärbige Vergoldung und weife Benützung des Emails. In der Emailtechnik war die feit den letzten Ausftellungen von England und Frankreich rafch und gefchickt aufgenommene Technik der orientalifchen emaux cloifonnés vorzüglich vertreten. Es find folche in directer Nachahmung orientalifcher Vorbilder gehalten, übertreffen jedoch an Feinheit der Farbe und forgfältiger Behandlung der Zeichnung fchon beinahe die meiſten ihrer heutigen öftlichen Rivalen. Nur wäre zu rathen, mit mehr Energie auf kräftige Farbentöne auszugehen, die Modefarben weniger in den Kreis diefer edlen Technik einzubeziehen. Vorzüglich techniſch behandelt erfcheint auch getriebene Eifenarbeit an einem Prunkfchild. Der gleichen Durchführung wie an dem echten Silbergeräth begeg neten wir bei den mit galvanifchem Silber überzogen hergeſtellten Gebrauchswaaren. Genaue Erkundigungen bringen uns zugleich hier zur Widerlegung einer vielfach verbreiteten Anfchauung, dafs nämlich Elkington im Befitze eines ficheren Verfahrens fei, das galvanifche Silber in fo glänzender Textur niederzufchlagen, dafs das Poliren der Arbeit überflüffig und nur eine leichte Nachhilfe der Glättung mit der Hand des Arbeiters nöthig fei. Bis heute hat keine englifche noch continentale Verfilberung in folider Weife anderes als Mattfilber geliefert, welches gekratzt, gebürftet und dann mit Stahl und Blutftein polirt wird. Die fogenante glänzende Verfilberung, welche durch Beifügung einiger Tropfen Schwefelalkohol zur Silberlöfung entſteht, ift im Grofsen durchaus nicht verläfslich und auch in ihrem Erfcheinen höchft wechfelnd. Sie wurde zuerft von Smée in feinem bekannten Werke über Galvanoplaftik erwähnt. Hancocks& Comp. Die reiche Ausftellung diefer Firma zeigte Goldund Silberarbeiten der verfchiedenften Formen und Stile. Mitunter prächtige, eben nur in England mögliche Gegenftände, wie z. B. die fogenannte Tennyfonvafe zeigend, fand fich auch ein ausgedehnter Kreis von Tafelgefchirren, Kannen, Auffätzen etc. fowohl in echter als unechter Waare. Im Ganzen wohl zunächft auf den Verkauf berechnet, zeigt die fogenannte Chinafilber- Waare oft fehr Bemerkenswerthes, fo namentlich tüchtig gearbeitete Gefäfse mit Glanz und matt gebrannten Flächen. Im Ganzen wäre aber feiner Gefchmack dem Entwurfe zu wünſchen, und ift die künftlerifche Richtung des Ganzen ziemlich ftarr in echt englifchem Gefchmack befangen. W. J. Thomas, London, zeigte technifch gelungen gefertigtes, aber formell ziemlich unbedeutendes Tafelgeräth. Shaw& Fifcher brachte gute Verkaufswaare mitunter ältefter Façon, aber folid und tadellos gearbeitet. Metallwaaren. 13 In Broncegegenständen find vor Allen R. W. Winfield& Comp. zu erwähnen. Diefe grofse Anftalt erzeugt glatte und façonnirte gezogene Rohre in mitunter koloffaler Dimenfion, aufserdem aber auch vorzügliche Metallarbeit an Bettgeftellen, Candelabern, Lufter etc. Die Arbeit war tadellos und befonders gelungen das Behandeln des Metalls durch Mattbrennen und Hebung des Farbtones durch ausgezeichneten Metallfirnifs. Aehnlich gelungen ein Bettgeftell von Bronce von Peyton& Peyton, Birmingham. Specififch engliſch find die folid und gefchmackvoll gearbeiteten, aus Eifen in Verbindung mit Bronce hergeſtellten Von couranten BronceKaminftänder der Firma Feetham& Comp., London. waaren find namentlich die Arbeiten Betjeman and Sons, London, zu erwähnen. Aehnlich wie die bekannten Wiener Artikel, vergoldete Albumdeckel, Coupes, Vafen, mitunter in recht gelungener Verbindung mit Moſaik und gemaltem Email gehalten. Die berühmte Britanniametall- Fabrication Englands repräfentirten Shaw & Fifcher in Sheffield und R. Broadhead& Comp. ebendafelbft. Letztere namentlich exponirte meift gefällige und fehr handliche Formen. In finnreicher Weife find an Gegenständen, wie Kannen und Rechauds die Punkte, welche dem Feuer beim Gebrauche ausgefetzt find durch Porzellantheile gefchützt. Vorzüglich war auch die Verfilberung des Metalls. Von Intereffe waren die von John Neal in London gebrachten Proben in Stahl und Silberlegierung in Anwendung auf Mefferklingen und Gabeln. Das Metall foll der Oxydirung vollkommen widerftehen und läfst fich aufserdem gut vergolden. Der Ton der Pyro- Silver getauften Legirung ift etwas gelblich- grau. Die Galvanoplaftik war von Elkington und Franchi and Son würdig repräfentirt; namentlich Letztere ftellten eine reiche Suite von Reproduction nach älteren Kunftwerken aus, welche in anerkennenswerther Weife gefertigt waren. Nur wäre zu bemerken, dafs durch das entfchieden Moderne der brillanten Vergoldung, die oft abgenützte Textur der Oberfläche, namentlich bei Gegenftänden, welche älteren Originalen nachgebildet find, in unangenehmer Weife den Gefammteindruck beeinträchtigt. Elkington brachte reizende Schilde und Coupes fowie auch gelungene Erzeugniffe an Leuchtern etc. in maffivem Silberniederfchlag. Von grofser Wichtigkeit find die aus Platin gefertigten Gegenftände des Haufes Johnfon, Mathey& Comp. in London. Bei uns ganz ohne Vertretung, befchränkt fich die Platinfabrication auf welche England und Frankreich. Auch Deutſchland hat in Hanau eine Firma, diefe Specialität cultivirt, aufzuweifen. Die Silberfcheide- und Schwefelfäure- Apparate zeigten eine tadellofe Arbeit, und technifch mufs namentlich die Löthung hervorgehoben werden, welche nach Angabe ohne Gold gefertigt fein foll. Ein Barren- Palladium als Nebenproduct im Werthe von 48.000 fl. gibt einen Begriff des Werthes und Umfanges der Fabrication. England's Colonien. Indien. Indien ift das einzige Land des Orientes, welches, wenn auch mit Europa fchon 1500 Jahre vor unferer Zeitrechnung in Verbindung, durch glück liches Zufammentreffen äufserer Umftände feine ureigene Civilifation, foweit diefelbe fich im Kunftgewerbe Ausdruck verfchafft, ziemlich intact erhalten hat. Wenn auch theilweife arabifchen Einflüffen nicht widerftehend, ift doch eine fo durchgreifende Aenderung des Einheimifchen in Indien nicht fo allgemein nachzuweifen wie bei den Perfern und der muhamedanifchen Kunft überhaupt, und bei der ganz merkwürdigen Stabilität der Verhältniffe in Indien, wo heute noch die Arbeiter mit den primitivften Werkzeugen von Gefchlecht zu Gefchlecht die Modelle ihrer 14 Carl Haas. Ahnen wiedergeben und bei dem herrfchenden Kaftengeifte, der die Standeswahl unmöglich macht, fich immer neu ergänzen, ift die heutige Arbeit mit aller ihrer Vollendung der treue Spiegel uralter techniſcher und künftlerifcher Fertigkeit. Durch die wiederholten Ausftellungen haben fich die indifchen Kunstgewerbe bei uns auf einen hohen Rang gehoben und für manche Branchen geradezu als die Grundlagen einer vernünftigen Regeneration des abendländifchen Gefchmackes erwiefen. Ausdrücklich mufs jedoch noch bemerkt werden, dafs trotz der Continuität der Ueberlieferungen wir keineswegs einer erftarrten Kunft gegenüber ftehen, welche in geiftlofer Weife ererbte Vorbilder copirt, fondern dafs der heutige Hindu, in eigener Erfindung dem Geifte feiner heimifchen Kunft treu, deren Principien in unerfchöpflicher Mannigfaltigkeit verwendet. Lange wird es noch dauern, bis der eigentliche Arbeiterkreis Europas der vorzüglichen, wirklich künftlerifchen Handfertigkeit Indiens nachkommt. Wirklich vom Arbeiter ausgehend, durch beinahe lebenslängliche Uebung desfelben techniſch gehoben, und nicht auf die Zeichnung eines Zweiten wenn auch noch fo gewandten angewiefen, felbft dem Schöpfer des Werkes im vollften Sinne des Wortes entftammend, beruht eben der Reiz und Vorzug diefer Arbeiten auf der Freiheit, mit welcher fie erfunden und gemacht find. Wie diefs bei den meiften älteren Culturvölkern der Fall ift, fo finden wir auch hier, dafs, je älter die Mufter find, an welche fich eine Arbeit lehnt, defto einfacher auch ihre äufsere Erfcheinung ift. So finden wir namentlich Schmuck von hochalterthümlicher Form als einfachfte Spangen und Ringe, wie auch bei uns Gräberfunde der Vorzeit zeigen, heute noch vielfach dort in Gebrauch. Da die Ausftellung vom Staate aux befchickt war, fo ift es allerdings oft unmöglich gewefen, dem Erzeuger nachzuforfchen, und wir wollen daher nur nach localen Kunftftätten eine kleine Ueberficht verfuchen. Bemerkenswerth ift die grofse Ausdehnung, welche die Anwendung des Silbers zu Schmuck und Geräth gefunden hat. Namentlich zu einfachem Schmuck fcheint diefes Metall an vielen Orten dort geradezu allgemein verwendet zu werden. Die Formen, oft fehr primitiv an einander gereihte Ringe, maffive, ovale und runde Spangen, daneben Einzelnes, was geradezu an Merowingiſche Funde oder Karolingifche Arbeiten erinnert, fo namentlich einzelne Armfpangen mit viereckig gefafsten Smaragden. Aus dem Pundjab fahen wir Gefäfse, weitbauchig mit fchlankem Hals, oben fich trichterförmig erweiternd, in mancherlei Modificationen in Silber getrieben, die Fläche felbft mit mannigfaltigfter Verzierung fowohl cifelirt als auch gravirt; daneben auch für moderne Zwecke Theegefchirre mit riefigen Kannen, in eigentlich plumper Hauptform, aber noch mit reizenderAetzung und Gravirung ornamentirt. An den dort üblichen Wafferpfeifen, den Hooka's, fanden fich zahlreiche abwechslungsreiche Formen in Zinn ausgeführt; diefes, fchwarz gefärbt und mit weifs gelaffenem Silber in Sternen und fonftigem Blatt- oder Blumenornament befchlagen in einer der Taufchirung verwandten Technik. Ebendort auch zierlichfte SilberFiligranarbeiten in Blumen und Kugelform. Befonders aber neben eminent gearbeiteten Goldfiligrans prachtvoller reicher Goldfchmuck in Armbändern, Ohrringen und Halsgefchmeide, an welchem das geradezu edelfteinartige Email in wundervoller Farbe und Transparenz zu bewundern war. Gerade von diefem fo hervorragenden technifchen Zweige bot die heurige Ausstellung leider fo wenig, während die Londoner Ausftellung vor einigen Jahren geradezu wunderbare Arbeiten in emaillirtem Goldfchmuck zeigte. Auch aus Bombay und Umgebung war neben gewöhnlichem Landesfchmuck in antikifirenden Formen mit Filigran und gefchlagenem fchwämmeartigen Gehänge, Vieles in Gefäfsen aus Silber mit vorzüglicher Cifelirung, aber in den einfachften Hauptformen ausgeftellt. Die von hier gebrachten Goldfchmuck Gegenftände zeichneten fich durch prachtvolle dem ôr Moulû der Franzofen ähnliche Färbung aus, während andere Metallwaaren. 15 Erzeugungsorte, wie z. B. Ceylon feinen Filigranfchmuck im ungefärbten Blafsgold hielt. Hier waren die meiſterhaften Taufchirungen auf eifernen Kännchen und Schüffeln, Schmuckkäftchen und Vafen, Meffern und Scheeren aus Bedree zu finden. Die aufgefchlagenen Goldfäden find in reizendem Ornamente, wie ein Netz das Eifen umfpinnend, angebracht und dabei von einer Freiheit der Behandlung, welche das Mühevolle derfelben ganz vergeffen läfst. Ebenfo erregte die Billigkeit diefer Arbeiten geradezu Erftaunen. Taufchirte Schalen waren von 30 bis 40 fl. erhältlich, die in Europa nicht unter 300 bis 400 fl. gefertigt würden. Auch auf älteren und neueren Waffen, Beilen, Lanzenfpitzen, Säbeln, Dolchen und dergl. fowie an den prachtvollen Schutzwaffen und Rüftungsftücken, wie folche im Mittelpavillon zu fehen waren, fanden fich koftbare Beiſpiele taufchirter fowie inkruftirter Arbeiten, Aus Myfore fanden fich Gefäfse von Silber und Meffing von oft abenteuerlicher, oft fehr fchöner Form, deren Aufsenfeite mit gravirtem und gefchwärz tem Ornament bedeckt war. Einzelnes in der Technik höchft nachahmenswerth, fo z. B. eine quadratifch gehaltene Bänderverfchlingung, in der Mitte des Viereckes ftilifirte Blätter enthaltend, wo dann der Raum daneben mit Perlpunzen mattirt erfchien, die Ornamentblätter dagegen glattglänzend fich abhoben. Aus Madras waren wieder Gefäfse aus Meffing, die eingelegte Kupferornamente enthielten, die Verzierung ganz ausgefchnitten und dann mit Punzen befeftigt; theilweife fchien das Kupfer förmlich in ganzer Stärke mofaikartig eingefetzt. Der Effect war ein überraschend harmonifcher. Ebenfo fand fich auch Silber in ausgefchnittenen Blechftücken eingelegt, dann verhämmert und nachträglich cifelirt. Von minderer Wichtigkeit, mehr originell als fchön, war noch in grofser Mannigfaltigkeit manch' Geräth zum Hausgebrauch in Gufs und Treibarbeit, geglänzt und matt. Kaum eine der üblichen Metalltechniken war unvertreten, in den meiften aber eine vorzügliche Arbeit zu finden. Spanien. Das fchöne, leider durch den unfeligen Bürgerkrieg lahmgelegte Land war zwar nur fpärlich auf der Ausftellung vertreten, zeigte aber in dem Wenigen einen höchft beachtenswerthen Standpunkt einzelner Techniken. Vor Allem feien die Fabricate des Eufebio und Placido Zuloaga aus Eibar in Guipuzcoa erwähnt: Damascirungen in Silber und Gold auf Stahl und theilweife auch auf befonders gehärtetem Kupfer. In diefem Fache einen Weltruhm geniefsend, hat der Schöpfer der heutigen Fabrik durch unabläfsiges Studium und das glückliche Zufammentreffen, in feinen Söhnen bedeutfam künftlerifch befähigte Gehilfen zu finden, einem faft vergeffenen Zweige der Metalltechnik neues und fogar erhöhtes Leben eingeflöfst. Denn fagen wir es nur gleich, feine hervorragenden Arbeiten find beffer noch gemacht, als die meiften Renaiffancearbeiten derfelben Gattung. Es waren Schilder, Schalen, Schreibzeuge und Vafen ausgeftellt, welche zu den gediegenften Leiftungen der ganzen Gattung zu rechnen find. Von wirklich eminenter Arbeit ift auch eine mit getriebener Darftellung reich verzierte Schüffel zu erwähnen. Sogar Gegenftände des Kleinbedarfes, wie Manchettenknöpfe, Brochen etc., find mit diefem Decorationsmittel verfchönert, das urfprünglich zumeift den Waffen ihren fchönften Schmuck verlieh. Eine kleine Schaar, meift ehemalige Gehilfen Zuloaga's, treibt mit mehr oder weniger Gefchmack, aber meift in fehr gelungener Technik, die Taufchirarbeit, und fo hat ein ganzer Gewerbezweig fich durch das rüftige Vorkämpfen eines Mannes neu belebt und entwickelt. 2 16 Carl Haas. Hier wäre zu nennen Soldevilla in Madrid mit taufchirten Waffen, Ybarzabal in Eibar mit einer Collection Rahmen und Becher als intereffante Specialität, Alvarez in Toledo, der die maurifchen Ornamente feiner Heimat mit Glück in diefem Gebiete verwendete. Eminent war der Prachtfchild mit getriebener Arbeit und zierlichen Inkruftationen aus der Fabrica de Toledo. Von Filigranarbeit war ein hübfches Beiſpiel an einer Vafe von F. G. Gomez in Salamanka ausgeftellt. Die fchwierige Form war mit Glück überwunden, die Technik namentlich im Löthen vorzüglich. Metallgufs gröfserer Dimenfion war wenig bemerkbar, am bedeutendften war derfelbe durch P. Ifaura in Barcellona vertreten, deffen gröfsere Broncekreuze, Leuchter u. f. w. eine kundige Arbeit zeigten. Die farbigen Verzierungen waren in kaltem( Firnifs) Email aufgetragen. R. Efpunes in Madrid ftellte Tafelgefchirr in banalen Formen und einige gelungene Vafen von verfilbertem Packfong, Moratilla ebendafelbft, Ordensketten, Kelche etc. aus. Portugal. Wir geftehen, dafs die Erwartung, mit welcher wir die Ausftellung diefes Landes betraten, eine Erwartung, welche auf dem in der letzten Parifer Ausftellung Gebotenen fufste, leider nicht in dem Mafse unferer Zuverficht fich erfüllte. Portugal, ein Land, in welchem glorreiche Traditionen diefer Technik beftehen, ein Land, dem lange Zeit das Gold Afrikas und die Juwelen Indiens und Brafiliens zu Gebote ftanden, das alfo eine hundertjährige Uebung in der edlen Goldfchmiede- Kunft befitzt, hatte in fehr kleinem Mafsftabe fich an unferer Ausftellung betheiligt. Von gröfseren Arbeiten, Schüffeln, Kannen etc. war nichts zu fehen und wenn nicht einige wenige Photographien aus der im palazzo de neceffidades zu Liffabon aufbewahrten Sammlung portugiefifcher Goldarbeiten älteren Datums vorhanden gewefen wären, man würde nicht daran glauben, dafs diefes Land in Paris die Monftranze von Belem, diefes Prachtftück kirchlicher Goldfchmiede- Arbeit, nebft fo vielem Hochintereffanten zur Anficht brachte. Wir wollen nicht glauben, dafs diefe glorreichen Traditionen ganz verklungen find, und fehen in dem Vorliegenden, dem Schmuckfache angehörige Gegenstände, wenigftens einen Zweig in blühendem Betriebe. Es waren zumeiſt Filigranarbeiten, die hier ausgeftellt waren, und zwar in vorzüglicher Technik, fowohl was die Linienführung als die Löthung betrifft, hie und da mit Glück an dort erhaltene maurifche Mufter fich anlehnend. Es waren da reizende Brochen, Armbänder und Ohrringe in Silber, Email und Gold. Die Verfertiger waren Geroninho und Silveira in Porto, einer altberühmten Stätte für Filigranarbeit, nationalen Schmuck überhaupt, und Monrao und Irma o in Liffabon. Einzelnes fo zierlich und zugleich modern elegant, dafs hier ein Schritt gefchehen fcheint, dem fo lange verpönten Filigran den Eintritt in die feine Gefellfchaft zu eröffnen; ein Schritt, der nur für Publicum und Techniker vom beften Erfolge wäre. Frankreich. Die Ausftellung Frankreichs war eine vorzüglich angeordnete und höchft lehrreiche. Von wirklich künftlerifchem Gefchmacke geleitet, gab fie ein faft vollftändiges Bild der heutigen Metalltechnik Frankreichs. In faft wunderbarer Weife erfchienen die koloffalen Hilfsquellen diefes grofsen Landes, welches nach fo blutiger, erfchöpfender Kriegszeit einen folchen Aufwand von geiftiger und materieller Kraft, unterftützt durch eine unverwüftliche Kundfchaft, zu Tage gefördert hat. Nur in einem Momente möchte man dem Kriege feinen Einflufs vindiciren, Metallwaaren. 17 es ift nämlich bei dem kurzen Zeitmafse mehr auf eine würdige Repräsentation auf der Ausftellung gefehen worden, als dafs an eine Verarbeitung der Confequenzen der vorhergehenden Ausftellung gedacht wurde. Diefe hatte die Einfichtigen durch ernftes Nachdenken zu dem Refultate gebracht, dafs im grofsen Ganzen auch hier dem grofsen Umfchwunge, den die Gefchmacksrichtung Europas erfahren, Rechnung getragen werden müffe. Gewifs hätten wir bei der hohen Intelligenz der hervorragenden Führer ein lehrreiches Bild neuer Schöpfungen im Sinne diefer, auf ftilvolle und geläuterte Form abzielender, modernen Kunftbewegung gefehen, während diefsmal eigentlich ziemlich unverändert, nur in Einzelheiten vorgefchritten, fich die immerhin impofante Ausftellung ähnlich der vom Jahre 1867 entrollte. Und daher kommt es, dafs namentlich, fo brillant alle diefe Broncen waren und fie waren es in der vollen Bedeutung des Wortes doch, nachdem der erfte bewältigende Eindruck vorüber war, den eigentlichen Kunftanforderungen kein vollkommenes Genüge geleiftet wurde. Es bleibt uns kein tieferer Eindruck, wir können unfer äfthetifches Gefühl nur aufgeregt, nicht befriedigt nennen. Wenigftens war diefs von der Allgemeinheit der Fall. Einzelnes war auch hier mufterhaft. Es ift das die Folge des ein feitigen Strebens nach Gefchmack und Effect, das die Mehrzahl beherrscht, getragen von einem äufserft glücklichen Können des Arbeiters, der die gewagteften Arbeiten unternimmt, um eben zu imponiren, zu blenden. Nichtsdeftoweniger ift für uns alles diefs von höchfter Wichtigkeit und unferen, auf dem beften Wege befindlichen Fabrikanten, namentlich vom technifchen Standpunkte aus, in eindringlichfter Weife das Studium derfelben zu empfehlen. Allen voran glänzen die beiden Namen Chriftofle und Barbedienne, fowohl durch die künftlerifche Anlage, als durch die impofante Entfaltung ihrer Ausftellung. Chriftofle hat vornehmlich das Tafelgefchirr und Geräth in wei tefter Ausdehnung fich zum Vorwurfe genommen, während Barbedienne auf die hohe Kunft ftreifenden Erzeugniffe, in prachtvollen Emails und mit Benützung des der Firma eigenthümlichen Verfahrens der mathematiſchen Reduction plaftifcher Gegenftände,„ procédé Colas", in Wiedergabe bekannter Meisterwerke der Vor- und Jetztzeit, feinen Schwerpunkt legt. Das Haus Chriftofle hat bekanntlich in Frankreich einem höchft wichtigen Induftriezweig, der Erzeugung des galvanifch verfilberten Tafelgefchirres, in reichfter Entfaltung Leben gegeben und durch die forgfältige Behandlung der Formen auch den äfthetiſchen Anforderungen hiebei befonders Rechnung getragen. Wir fchlagen gerade diefes Moment hoch an, da hier, wie leider oft zu fehen ift, nur zu leicht banale und geradezu häfsliche Geftaltungen den Markt beherrschen. Wenn auch hier nur an die prachtvollen Service, die Chriftofle der Stadt Paris geliefert( Ausftellung 1867, Paris), andeutungsweife erinnert werden kann, fo war doch auch diefes Mal eine reiche Auswahl oft wirklich reizender Formen in Kannen, Taffen, Bechern und Leuchtern vorhanden. Vollkommen auf der Höhe technifcher Entwicklung ftehend, fah man alle Metalltechniken hier vertreten und in Anwendung gebracht. Ebenfo ift dem wichtigen Elemente der Farbe fo weit als möglich Rechnung getragen, um das ftarre, glänzende Weifs des Silbers in möglichfter Befchränkung zu fehen. Die galvanifche Verfilberung wurde bei den Löffeln und Beftecken überhaupt mit Zuhilfenahme der neueften Entdeckungen gehandhabt. Durch einfache, mechanifche Vorrichtungen werden die Gegenftände im Silberbade in fortdauernder Bewegung erhalten, fo dafs jene dem Praktiker bekannten Unregelmäfsigkeiten des Niederfchlages vermieden werden. Anderfeits ift durch finnreiche Wägeapparate für die Beftimmung der für ein Couvert nothwendigen Silbermenge vorgekehrt. So ift es auch möglich, dafs die von der Firma Chriftofle gelieferten Beftecke eine genaue gleichbleibende und genügende 2* 18 Carl Haas. Menge Silbers zum Ueberzuge erhalten. Befonders hervorzuheben ift die Mannig faltigkeit der Formen für die gewöhnlichen Couverts, welche in einer Abwechslung von 33 Muftern erzeugt werden. In der Ausftellung waren an echter Silberwaare ein reizendes Silberfervice mit grüner Vergoldung; zunächst ein Prachtfervice für Kaffee, mit wirklich künftlerifch ausgeführter Decoration; die Metalltaffe, welche die Kanne trägt, auf ftilvollen Sphynxfiguren gelagert, ringsum auch die reich behandelte Untertaffe, Schalen mit Metall, welche mit Email umgeben find. Das Service, im Preife von 18.000 fl., fand einen inländifchen Käufer. In verfilbertem Packfong( Alfenide) ragten vor Allem zwei grofse, reich ausgeftattete Tafelfervice hervor mit grofsen Mittelftücken für Blumen nebft allem Nebenzugehör in Verbindung mit Kryftallglas. Das eine im Renaiffanceftile ruht auf zierlichenKinderfiguren, das andere, reicher gehalten, mit faft zu üppig wuchern dem Detail mit Verzierungen auf vergoldetem Grunde. Einzelnes an Tellern und Schüffeln in überaus zierlichem Blätterornament ift noch zu erwähnen, leicht erhoben auf vertieftem ebenfalls wieder vergoldetem Grunde. Die Decorationsweife ift als fehr gelungen zu betonen und empfehlenswerth zum Studium. Um einen kleinen Schatten in der äfthetifchen Wirkung hervorzubringen, fehlte auch die unvermeidliche Serviettenimitation auf einer Schüffel nicht. In enger Beziehung zu diefem Tafelgeräth waren auch eigentliche Schauftücke für Zimmerdecorationen zu fehen, von deren Fülle hier nur einer grofsen Vafe in Form einer antiken Amphora Erwähnung gethan fei, welche, von zwei Figuren umgeben und geftützt, das umgekehrte Verfahren zeigte. Die Flächen waren in mattem Silber gehalten und das reiche, halberhobene Beiwerk in zarte Vergoldung, das Ganze in feiner Empfindung antiker Originale. Von dem Hildesheimer Silber und dem, was Chriftofle nach den Originalen in galvanifchen Copien, deren fpäter gedacht werden wird, zur Ausstellung brachte, wurden mitunter in etwas gewagter Weife Umänderungen der Hauptmotive für heutige Zwecke in Service- Beftandtheilen verfucht. Noch fei fchliefslich bemerkt, dafs befonders kunftvolle Treibarbeit nicht" vertreten war, und Gufs- oder Galvanoplaftik in reichlichem Mafse zur Verzierung in Anwendung kamen. Das Wenige, welches hierher gehörig von Barbedienne ausgeftellt war, trug das Gepräge vollendetfter Ausführung; fo Silberleuchter, von Sevin gezeichnet, von Atarge cifelirt, eine merkwürdige, den beften Vorbildern entnommene Arbeit; grofse dreiarmige, verfilberte Bronceleuchter, Stil Louis XIV. in nobler, brillanter Weife gehalten. Ein Renaiffance- Weinfervice, in Silber ausgeführt, war zur Zeit nur durch feine ebenfalls vorzüglichen Modellftücke repräfentirt. In befcheidener Weife, aber tüchtig gearbeitet und in zierlichen Formen, war die kleine Expofition des Haufes Moulin aux in Paris gehalten. Eine Specialität in echtem und unechtem Metall bildeten die gefchmackvollen Gegenftände von Emile Philippe. Es waren reizende, kleine Sächelchen, Schmuckkäftchen, Flacons, Leuchter in Gold, Silber und Bronce ausgeführt. Meift an gröfseren Gegenftänden war das Ornament mit Zuhilfenahme der Aetzung hergeftellt, wo dann die erhoben gebliebenen Theile in reichfter Weife mit Gravirung und zwar in höchft beachtenswerther Art gegliedert waren. In den Kunftbroncen( bronces d'art) trat in geradezu impofanter Weife zuerft Barbedienne uns entgegen. Wenn der Stil den Menfchen macht, fo wäre man verfucht, zu fagen, die Art einer Ausstellungsmethode kennzeichnet die Intelligenz des Ausftellers. In der felbftbewufsten, vornehmen abgefchloffenen Weife der Barbe dienne'fchen Ausftellung fühlen wir es von vorneherein, mit einem Manne zu thun zu haben, welcher ein hohes Ziel vor Augen und vor feinem eigenen Können und Wollen Refpect hat. In feiner Weife an der Spitze feiner Branche ftehend, hat Barbedienne in jedem Artikel das ernfte Streben, vor Allem künftlerifche Metallwaaren. 19 Form zu zeigen. Franzofe durch und durch, hat er Manches freilich in zu pathetifchem Tone gehalten und der theatralifche Charakter der modernen franzöfifchen Kunft ift in Allem zu fpüren. Daneben aber bewundern wir die Energie und Hingebung des Mannes, der, in den Zeiten der Ungunft feft auf fein Ziel fchauend, trotz manchem Hemmnifs fo beharrlich vorgefchritten ift. Das Haus Barbedienne hat das Verfahren, Colas", die Vergröfserung oder Verkleinerung plaftifcher Gegenftände in mathematiſch genauer Weife, mittelft einer dem Storchenfchnabel ähnlichen, mechanifchen Vorrichtung acquirirt und liefert vollkommen getreue Nachbildungen claffifcher und moderner Statuen in Bronce in verfchiedenen Gröfsen. Ein merkwürdiges Stück diefer Art waren die Verkleinerung der Thüren Ghiberti's am Baptifterium von Florenz. Diefe Thüren, im Originale 7 Meter hoch, find hier in der Gefammtlänge von 3 Meter 50 Centimeter reproducirt und geben mit der Einfaffung in Bronce gegoffen, die Füllungen vergoldet, einen impofanten Gefammteindruck. Befonders bemerkenswerth waren: Die Copie der Statue des Auguftus, Original in Rom, in der natürlichen Gröfse des Originals, dabei ift der Preis von 12.000 Francs in Anbetracht der vorzüglichen Ausführung in Bronce keineswegs hoch zu nennen. Von Copien moderner Bildhauer, Clefinger's Zingara und Aizelin's Pfyche. Letztere nach einem Marmororiginal in fogenannter Bronce- ôr, das heifst vergoldeter und darnach platinirter Bronce ausgeführt. Daneben in echt franzöfifcher Auffaffung eine griechifche Statue und der Gefangene des Michel Angelo als Lampenträger verwendet. Aeufserft intereffant in der Gefammtwirkung war eine Folge von vier Kaminen fammt Auffätzen zur Decoration in Marmor und Bronce mit Email eingelegt. Man fah an zwei derfelben Emails in der Weife der fogenannten Limoges in vorzüglicher Ausführung von Save gemalt. Einer zeigte eine prachtvoll wirkende Einrahmung von platinirter Bronce in glänzendftem Schwarz. Ein brillanter Schrank von Ebenholz mit eingelegten und aufmontirten Broncedecorationen enthielt noch einige wahre Meifterwerke: fo eine Caffette von Bronce mit inkruftirten, theilweife erhabenen Gold- und Silberverzierungen in wirklich vollendetefter Weife von Attarge cifelirt, freilich bei dem Preife von 15.000 fl. eine für wenige Bevorzugte erreichbare Acquifition, dann eine fogenannte Coupe meduse und eine kleinere Coupe mûres, von dem Maulbeer- Ornament benannt, wahre Meifterwerke der Treibkunft, erftere mit vorzüglichen Gold- und Silberincruftationen. Es wäre noch Vieles zu verzeichnen, allein es genüge die Hinweifung auf das Gebotene, welches das Gefammtbild einer Mufteranftalt entrollt. Zunächft jenen feinen echten Metallincruftationen find die ganz vorzüglichen galvanifchen des Haufes Chriftofle zu erwähnen. In kleinen Verfuchen auf der letzten Ausftellung in Paris erfcheinend, hat diefe ganz befondere Specialität einen bedeutenden Auffchwung unter der gefchickten Leitung und der Ausdauer Chriftofle's erhalten. Gröfsere und kleinere Artikel, Candelabres, Coupes, Leuchter, Becher und dergl. mehr, im angenehmen rothbraunen Bronceton gehalten, zeigen feine, zierliche Ornamente in Silber oder Gold eingelegt. Das Verfahren ift jetzt bekannt und befteht in der Aetzung der Oberfläche des Gegenftandes durch Scheidewaffer an beftimmten, in dem Aetzfirnifs, womit das Ganze überzogen wird, ausgefparten Stellen; in die fo erhaltene Vertiefung wird auf galvanifchem Wege Silber oder Gold niedergefchlagen, welches feft haftend die Vertiefungen ausfüllt. Zuletzt wird die Oberfläche gefchliffen, das Kupfer und Silber in gleiche Ebene gebracht und durch Oxydirung mit verfchiedenen Säuren dem Kupfer eine paffende Farbe gegeben. Auch ein brillanter Kaften, an welchem der Erfinder, Architekt Roffigneaux, alle technifchen Errungenfchaften des Ateliers zufammengefafst zum Ausdrucke brachte, enthielt zahlreiche fehr gelungene Anwendungen diefer neuartigen Technik. 20 Carl Haas. Das Stilvollfte unter Allem war eine grofse im Antikftile gehaltene Vafe, gezeichnet von M. Reiber, in wirklich ftaunenerregender Weife durch Incruftation decorirt. Zu der Serie der eigentlich par excellence fo zu nennenden Broncefabriken übergehend, ift die Aufgabe wirklich fchwer. Eigentlich wären faft Alle zu nennen, denn auch die Minderen zeigen eine Gewandtheit der Technik, welche Erftaunen erregt; wir befchränken uns nur auf die dringende Hinweifung, dafs hier Jeder lernen konnte, natürlich nicht durch blinde Nachahmung, fondern verftändiges Forfchen nach den Urfachen der Erfolge. Die Erzeugniffe diefer ganzen Gruppe erftrecken fich von der grofsen Statue bis zum kleinen Handleuchter und dabei in der verfchiedenen Behandlung durch Färbung der Bronce, deren eigentlich eintöniges Anfehen durch Firniffe, Säuren, Vergoldung oder Verfilberung etc. manchmal durch combinirte Methoden erzielt wird, untereinander in wechfelvollen Gegenfatz gebracht.- Selbftverſtändlich hat auch die Intelligenz und der künftlerifche Gefchmack des Einzelnen, je nach feinen Intentionen, durch Heranziehen vorzüglicher Modelleure feinen Fachgenoffen Rivalität geboten. Wenn wir die echten Broncefabricationen betrachten, fo führt gewiffermafsen die bekannte Firma G. Deniére den Reigen an. Hervorzuheben find zwei weibliche Figuren in techniſch höchft gelungener Ausführung, faft lebensgrofs, mit dunkel ftahlgrüner Patina als Lampenträger; ein grofser Marmor. kamin im Stil Ludwig XV.; Kamingarnituren, Uhr, Candelaber und kleine Leuchter in verfilberter und oxydirter Bronce mit Einlage in Limogesemail; dann einzelnes Reizendes an Statuetten, fo namentlich eine Diana und viele Gegenftände in polirtem Meffing, einem heute modernen, wenn auch namentlich für feine Objecte nicht fehr künftlerifch anmuthendem Genre. Bagués Eugen zeigte eine Specialität hierin, er hat nämlich in taktvoller Weife den Kreis feiner Modelle namentlich in älteren Gegenftänden gefucht, deren gelungene Nachbildung das kalt Glänzende durch wohlthuende, gedämpfte Farben verhüllt. Boyers Broncen, Statuetten und Uhren, find gut, aber etwas theatralifch im Effect, dagegen Bouchon fehr tüchtige Kaminvorlagen in ſchönen Formen brachte. Cornu& Comp. zeigte in reicher Ausftellung diverfe Bronce in Verbindung mit Marmor und algier'fchem Onyx und brachte auch fehr Gelungenes in Emailverzierung an Garnituren. Houdebine Henri ift namentlich wegen der Auswahl feiner durchgängig guten Modelle, feiner gediegenen fchönen Vergoldung zu erwähnen. Aehnlich wie Cornu verbindet auch G. J. Lewy feine Bronceartikel mit Unterfätzen oder ganzen Hauptbeftandtheilen von grauen oder rothen Marmor; aufserdem waren von ihm hübfche kleine Geräthe von polirtem Meffing exponirt. Diefe letztere Specialität hat auch recht glücklich in der Ausftellung Auguft Lemaire vertreten. Wenn wir nun noch Raingo frères, deren Arbeiten im foliden Stil gehalten, ein befonders feines Mattgold zeigten, Servant mit feinem glücklich verwendeten Email champlevé und die wirklich delicat ausgeführten Thierftatuetten von Pautrot& Vallon erwähnen, fo ift das Wefentlichfte der Gruppe wohl angedeutet. Noch eines Stückes fchliefslich zu gedenken, führen wir die reizende Kinderfigur einen Hahn tragend an, mit welchen Louis Martin nach Cecioni's Modell ein köftliches Genreftück gefchaffen hat. Wefentlich verfchieden von den vorhergehenden find die Broncegüffe von Thiebault& fils in Paris. Es war diefs eine fehr lehrreiche, leider nicht ganz günftig aufgeftellte Sammlung von Güffen in grofsen und kleinen Exemplaren, deren Modelle meift von bedeutenden Bildhauern herrührten. Es war da ein reelles Streben ohne in befondere kokette Färbungen zu verfallen. Einen hohen Grad von Meifterfchaft im Giefsen und Formen bekun Metallwaaren. 21 deten Stücke, welche fo, wie fie aus der Gufsform kommen, aufgeftellt waren und dem Praktiker tiefen Einblick in die finnreich angelegten Gufscanäle und Abzüge eröffneten. Durch die auf dem fchwierigen Wege der Erfahrung erlangte richtige Herrichtung der Gufsform haben die Franzofen bis jetzt den erften Rang im Broncegufs der Jetztzeit bis heute behauptet. Die Broncefabrication hat fich felbft einen Rivalen herangezogen, auf welchen wir grofses Gewicht legen. Es ift die Bronceimitation, durch galvanifch broncirten Zinkgufs. Flink wie die Franzofen find, haben fie das Zink, welches zuerft in Deutfchland in Auffchwung kam, ergriffen, in feinen Eigenthümlichkeiten ftudirt, und heute fehen wir eine Reihe von Exponenten, deren Werke der Kenner felbft für Broncegufs halten würde, wäre nicht der billige Preis, der die Aufmerkfamkeit rege macht. Kaum den vierten Theil der echten Broncegüffe koftend, find diefe Werke fo recht danach angethan, mäfsigen Luxus im befcheidenften Haufe einzuführen. Hier ift ein weites Feld des Eingreifens und Studiums für die Fachleute offen. Im Allgemeinen unter fich auf ziemlich gleicher Stufe ftehend, wollen wir nur die Firmen Oppenheimer, Garnier, Blot, Lefebre erwähnen, welche das Befte an Statuetten, Candelabern, Uhren, Gruppen etc., und zwar in einer Vorzüglichkeit des galvanifchen Ueberzuges zeigten, welche geftattet, Vergoldung, Verfilberung, ja Vermeffingung in einer Stärke, welche das Poliren aushält, anzuwenden. Die Güffe felbft gefchehen faft durchgehends in zerlegbaren Meffingformen; das gefchmolzene Zink wird rafch eingegoffen und nach dem Erftarren der Oberfläche das dann innen noch Flüffige durch gefchickte Wendung der Form herausgegoffen.( Sturzgufs.) Unmittelbar darauf kann das faft fehlerlofe Stück aus der Gufsform in Arbeit genommen werden; letztere ift überdiefs eine geringe, da fich diefelbe auf ein leichtes Nachhelfen befchränkt. Das Hauptverdienft liegt in der richtigen und forgfältigen Vorbereitung der Metallmodelle. Es erfordert diefe Technik daher anfänglich ein nicht unbedeutendes Anlagecapital, erlaubt aber fabelhaft billige Erzeugniffe zu liefern. Bei einigen Ausftellern waren auch Meffingformen mit exponirt. In getriebenen Arbeiten haben wir vor Allen die uns fchon von den vorigen Ausftellungen wohl bekannte Firma Monduit Bechet& Comp. zu erwähnen. Man fah Fenfterverkleidungen, Dachauszüge und Spitzen in Bleiblech und Kupfer getrieben. Namentlich Letztere in eminenter Technik erregten unfere Bewunderung, während wir nicht glauben, dafs die Verwendung des fchweren Bleies je wirklich eine gröfsere Verbreitung, eben zu Dachornamenten oder Auszügen finden wird. Vom technifchen Standpunkte war die Arbeit jedoch mufterhaft. Wenn auch nicht in unfer Rayon gehörig, können wir doch nicht umhin, der zwei gröfsten Exponenten in Kunftgüffen aus Eifen, der„ Societé du Val d'Osne" und des grofsen Haufes Durenne in lobendfter Weife zu gedenken. Die Galvanoplaftik im gröfseren Mafsftab war in der ganzen Ausftellung überhaupt, am glänzendften durch Chriftofle in Paris vertreten. Seine in natürlicher Gröfse ausgeführten Thierftatuen, nach Modellen von Cain ausgeführt, boten hier zum erften Male Beiſpiele in gelungenfter Vollendung, wie die grofse Sculptur die Galvanoplaſtik ftatt des fo koftfpieligen Bronceguffes in ihre Dienfte ziehen kann. Diefe ganz runden Bildwerke, denen fich die Statue Milo von Kroton im franzöfifchen Commiffionsvorhof anreiht, find im Ganzen aus ein- höchftens zwei Stücken niedergefchlagen und durchaus folid. Von hohem Intereffe, da fie die getreuefte Wiedergabe der letzten Hand des Künftlers zeigten, ohne irgend eine fchablonenartige Nacharbeitung. Auf das dringendfte fei die Aufnahme folcher Technik im Intereffe der künftlerifchen Technik und der Wohlfeilheit bei uns empfohlen. 22 Carl Haas. Auch fonft war die Galvanoplaftik in der Gefammtausftellung Chriftofle's oft kaum kennbar von anderen Beftandtheilen verwendet. verwendet. So war die erfte getreuefte Wiedergabe des bekannten Silberfundes von Hildesheim, den die Kunftliebhaber bis jetzt nur in Gypsabgufs oder danach in Zinkgufs fich verfchaffen konnten, in forgfältigfter Ausführung durch eingehende Studien, nach den Originalen vorbereitet, zu finden. Candelaber und Leuchter in Silberniederfchlag und Kupfer waren bei Barbedienne und Chriftofle vorhanden. Sehr gefchickt benutzt und eminent behandelt waren die zahlreichen kleinen Spiegeln, Caffetten, Leuchter und Aehnliches, welche von Bertrand, dem genialen Nachfolger Gueton's und von Coffignon ausgeftellt waren. Auch gar manche der zierlichen Geräthe der vielbewunderten Ausftellung Philippe's waren auf diefem Wege hergeſtellt. Erwähnenswerth ift auch die ausgedehnte Anwendung der Vernickelung an den Sachen von L. Gaiffe. Leider ganz ohne Vertreter, waren diefe Gegenftände auch die ganze Zeit der Unterfuchung nicht zugängig. In vorzüglicher Weife waren die Platingefäfse in der Ausstellung der Firma Desmo utis, Quenneffen& Comp. in Paris gefertigt( unter Gruppe XIV ausgeftellt), nur fchienen fie im Metall etwas zu ftark gehalten; es ift die zweckentſprechend günftigfte Materialerfparnifs, bei dem hohen Preife des Platins bekanntlich eine der Hauptbedingungen ihrer Anwendbarkeit für technifche Zwecke. Was das Email anbelangt, begegneten wir in der franzöfifchen Abtheilung einer Ausbildung desfelben in technifcher und künftlerifcher Richtung, welche hierin Frankreich augenblicklich den erften Rang in Europa verleiht. Alle verfchiedenen Gattungen, welche die Kunftgefchichte zu den bedeutenderen, oft beinahe vergeffenen Techniken zählt, waren vertreten, und zumeift fo durchgeführt, dafs die fchwierige Herftellung als Nebenfache erfcheint. Seit die letzten Ausftellungen uns mit dem Zellenemail der Orientalen bekannt machten, haben die Franzofen auch diefe fehr heikle Gattung in Angriff genommen und ihre technifch- chemifche Vollendung hierin ift ftaunenswerth. Was Chriftofle an Vafen und Tellern, was Barbedienne in denfelben Artikeln, namentlich in einer 3 Fufs Diameter haltenden Tifchplatte, einen Goldfafan darftellend, leifteten, hat an Sorgfältigkeit der Arbeit und an Dichte des Emails feine Vorbilder längft übertroffen. Nur die fteinartige Confiftenz der orientalifchen Emails ift abhanden gekommen und wir fahen einen weicheren Flufs als Aushilfsmittel, um jene bewunderte Dichte des Schmelzes zu erhalten. In gleicher Vollendung fowohl bei dem eben Erwähnten, als auch bei zahlreichem Anderen, ift die Herftellung der Gruben- Schmelzarbeiten zu finden. Sowohl grofse Werke, wie die kleinften Nippes, zeigen deffen häufige Anwendung. Befonders hervorzuheben find noch die auch erft feit Decennien in Aufnahme gekommenen in der Weife der Limoufiner Emails gehaltenen Arbeiten. Am genaueften haben fich die von A. Pottier ausgeftellten Arbeiten an ihre Vorbilder gehalten, während Barbedienne, Laffe, Deniére etc. das Limogesemail in freierer Weife verwenden Italien. Die Erzeugniffe Italiens in diefer Gruppe haben keinen Auffchwung der Goldfchmied- Kunft in grofsen Werken derfelben aufgewiefen; würdig war nur die Bearbeitung des Edelmetalles zu Schmuckwaaren vertreten. Freilich ift diefs zunächft ein Verdienft der unübertrefflichen Caftellani's - in Rom, deren aufser allem Verhältnifs zur gewöhnlichen Schmuckwaare ftehen den Erzeugniffe auch hier wieder ihren gerechten Triumph feiern. Metallwaaren. 23 Sowohl Augofto Caftellani als fein Bruder Aleffandro halten die Tradition ihres Haufes unerfchütterlich feft und es find die Nachwirkungen ihrer bahnbrechenden Vorbilder auch fchon in den ftiliftifchen Beftrebungen anderer italienifcher Goldarbeiter zu erkennen. Augofto Caftellani ftellte unter Anderem nach im etruskifchen Stile gehaltenen Zeichnungen des Archäologen. Duca di Sermoneta, Schmuck und Dolchfcheiden aus, welche in wirklich bewundernswerther Weife fich den antiken Arbeiten diefer Art an die Seite ftellen können. Nicht minder vorzüglich hatte Aleffandro ausgeftellt. Seine Erzeugniffe find gröfstentheils von den Mufeen Europas erworben, um der jeweiligen localen Schmuckinduftrie als Mufter zu dienen. Darin finden wir die höchfte, aber verdiente Anerkennung. Anerkennenswerth hielten fich in ähnlichem Streben die GoldfchmuckWaaren Geraldini's in Rom und jene N. A. Belleza's. In gewohnt tüchtiger nationaler Weife zeigte fich die Filigraninduftrie Italiens, namentlich Genna's; Emilio Forti und Salvo& figli waren die Hauptrepräfentanten. Nur ift kein Fortfchritt zu bemerken und doch liefse fich auch hier noch viel durch reinere und ftilifirte Zeichnungen erreichen. Allerdings ftehen wir hier bei einer Technik, die im grofsen Ganzen beinahe die Vermittlung zur Hausinduftrie bildet, wie wir fie denn auch am national gefärbteften überall erkennen. Das Wenige, was uns von Geräthen zu Geficht kam, zeigt handwerkmäfsig tüchtige Bearbeitung, allein keinen befonderen Gefchmack, fondern mehr die gewöhnlichen Handelsformen. So die galvanifirten Fabricate Giache's in Mailand oder die eigenthümliche echt füdliche Anfchauung, einem decorativen Zweck mit den oft naivften Mitteln gerecht zu werden. So z. B. Conti in Udine, welcher die häufig zu findenden, einfeitig ausgeführten Kirchenornamente Oberitaliens in einigen technifch ganz gut gefertigten Stücken vorführte. Was ift das aber für eine Gefäfsbildung, welche dreifeitig im Aufriffe, an einer Seite kunftvoll cifelirte Metallplatten und an den zwei anderen Seiten das fchnöde rohe Holzgerippe zeigt, auf welcher die täufchend contourirte Blechplatte der Vorderfeite mit Nägeln befeftigt wird. Und in diefer Art haben wir Vafen, Reliquiarien, Leuchter etc. behandelt gefehen. Der Broncegufs ift wieder im lebhaften Betriebe. Zumeift im Hinblicke auf die Kunftfchätze des Landes und die Liebhaberei der Fremden find es Reproductionen italienifcher Kunftwerke. Namentlich Venedig hat in der Ausftellung der Firma Michieli& Comp. ein reiches Contingent geliefert. Nur fchade, dafs das meifte fchon dem Kreife der fpäteften Renaiffance angehört. Ein grofses Monument der Campagna, Gott Vater auf der von den vier Evangeliften geftützten Weltkugel, war zugleich ein Mufter, bis zu welch' grofsartigen Aufgaben die Fabrik gerüftet ift. Zumeift jedoch waren Leuchter, Schreibzeuge, kleine und gröfsere Schüffeln und Becken vertreten. Einzelnes oft vorzüglich gelungen und wohlthuend in abgedämpftem Tone gehalten. Udina Luigi in Venedig hatte Aehnliches geboten, nur waren die Abgüffe mit etwas zu wenig Sorgfalt in ihrer äufseren Erfcheinung gehalten. Dagegen waren von derfelben Firma gröfsere Büften und eine Vafe fo wie Candelaber vorhanden, welche in tüchtiger Weife vollendet waren. Noch forglofer behandelt war eine Figur eines ftürzenden Galliers von Antonio Lora in Vicenza. Als Gufs gut gelungen war für deffen äufsere Erfcheinung fo gut wie nichts gethan, und abfichtlich erwähnen wir diefes, denn das eigentlich verdienftlich gearbeitete Stück blieb dadurch ganz unbeachtet. Das Gelungenfte an Schärfe des Guffes ohne weitere Nacharbeit, alfo direct aus der Form kommend, was überhaupt die Ausftellung bot, waren die von De Poli in Trevifo ausgeftellten Kirchenglocken. Die aufsen ange 24 Carl Haas. brachten reizenden Ornamente und Figürchen waren in einer Beftimmtheit und Feinheit gekommen, wie fie bis jetzt unerreichbar fchien. Die eigentlichen fogenannten Broncearbeiten waren meift durch Gürtlerarbeit an kleinen Geräth- und Metall- Bettgeftellen vertreten. Begreiflich fordert das warme Klima Italiens in fanitärer Rückficht eine rege Betheiligung in der Verbefferung und Ventilation der Lagerftätte und es ift nur erfreulich, dafs, während früher franzöfifches und englifches Fabricat in eifernen Betten maffenhaft importirt wurde, nun auch die heimifche Induftrie ihre Anftrengungen macht, dem Bedarfe entgegen zu kommen. Von Anwendung befonderer Decorationsmittel wäre vor Allem der von Jofef Franz ofi in Mailand ausgeftellte ovale Schild mit getriebener Arbeit in Silber und incruftirten Ornamentenrändern in Silber und Gold zu erwähnen. Die Arbeit tüchtig, aber auch hier von einer gewiffen Läffigkeit, das Ganze den Eindruck eines alten Stückes machend. Email erfcheint fehr wenig verwendet, obwohl die Venetianer heute wieder in der Farbenbereitung vollkommen zu Haufe wären. Einzelnes untergeordnete fah man bei Michaeli. Dagegen hat im Fortfchritte gegen die letzte Ausftellung die Galvanoplaftik Italiens fich diefsmal ziemlich lebhaft betheiligt. Die Società galvanoplaftica in Florenz, Giuſeppe Zelli und Giuſeppe Pellas eben dafelbft, fo wie Fabbi in Bologna ftellten aus, und wenn auch hier die äufsere Erfcheinung mitunter ftiefmütterlich behandelt war, fo ift doch eine energifche und gewandte Technik bei Allem zu verfpüren. Sehr gelungen waren die grofsen Statuen der Società galvanoplaftica, welche an dem bekannten Galvanoplaftiker Chifenti eine tüchtige Beihilfe gewonnen hat. Die ausgeftellte Büfte war wohl etwas zu dünn im Niederfchlagen und ihre Zufammenfügung zu merklich. Pellas ftellte gröfstentheils Reproductionen in eintönig gehaltenem, fogenanntem oxydirten Silber aus. Sehr lobenswerth war fein Mercur. Von den galvanoplaftifchen Ateliers Süditaliens, welche im Anfchluffe an das feiner Zeit von Braun in Rom gegründete grofse Atelier entstanden fein dürften, war keines vertreten. Holland. Das reiche Holland befchäftigt fowohl zur Zier als zum Hausgebrauch eine Anzahl techniſch tüchtiger Werkstätten. Im erften Range fteht dort die grofsartige Silbergefchirr- Fabrik der J. M.& J. S. v. Kempen zu Voorfchoten in Südholland. Diefe Fabrik, zugleich eines der erften Etabliffements Europas für Silbergalvanoplaftik, arbeitet in allen Genren und hatte eine reiche Sammlung von Ehrengaben, Tafelauffätzen, Kannen und fonftigem Tafelgefchirr ausgeftellt. Wenn wir dem Technifchen daran auch das höchfte Lob ertheilen müffen, fo ift doch die künftlerifche Richtung des Ateliers noch nicht zur wirklichen Klärung gekommen und den ausfchweifenden Formen des Details, dem übertriebenen Hochrelief der Decoration noch in traditioneller Weife Rechnung getragen. Das Haus verwendet zur Herftellung feiner Sibergalvanoplaftik, der faft alle feineren Details angehören, eine elektromagnetiſche Mafchine, welche von einer vier Pferdekraft ftarken Dampfmafchine getrieben, diefelbe Kraft entwickeln foll wie 100 galvanifche Elemente des bekannten Syftems Bunfen, jedes von 40 Centimeter Höhe. Noch wüfter, in der Ornamentik aber ebenfalls gediegen gearbeitet waren die Arbeiten J. M. v. Kempen; die Ausftellung von Bonebacker& Zoon dagegen bot nur ganz gewöhnliche Silberarbeit. Metallwaaren. 25 " 9 Von befonderen Broncearbeiten ift uns auf der Ausftellung nichts zu Gefichte gekommen, dagegen waren in der Ausftellung der holländifchen Colonien einiges fehr Bemerkenswerthes auch aus unferer Gruppe zu finden. Namentlich von der Gefellſchaft natura artis magiftra" waren, in den grofsen Kreis indifcher und malayifcher Kunftthätigkeit gehörig, eine Reihe von Waffen und Werkzeugen von alterthümlicher Form, vielleicht auch älteren Urfprunges zur Anficht gebracht. Darunter Waffen von hoher Vollendung; wie denn die malayifchen Klingen, namentlich von unnachahmbarer Güte und Härtung bekannt, einen Beleg für befondere Kunftfertigkeit der Erzeugung geben. Beftimmt heute noch in Uebung, fanden fich Filigranarbeiten aus Sumatra. Sie werden dort in der Provinz Padang zu Cotta- Gedang neben dem Fort de Kock von Einheimifchen gemacht. Es find Silber- und Golddraht- Filigrans zum Schmucke und Gehäng verwendet, mitunter natürliche Früchte oder Thiere imitirend. Der Drath oft nicht einmal gewunden, fo dafs er glatt bleibt, um namentlich die blendende Weifse des Silbers hervordürfte. Trotz der zuheben, die auf eigenthümlichen Verfahren beruhen primitivften Werkzeuge waren die Arbeiten folid und nicht ohne einen gewiffen. Reiz. Einzelnes aus Java, befonders Dolchfcheiden zeugten von alter Kunftübung dafelbft und von Kenntnifs der Gravirung, Incruftirung und der Cifelirung. Das Ganze, wenn auch verwandt mit dem Indifchen, doch minder fein und künftlerifch. entwickelt, war doch hochintereffant als einziges Beiſpiel malayifcher Kunftfertigkeit. Dänemark. Wenn es noch eines Beleges bedürfte, wie wichtigen Einflufs die wahre Kunft auf alle von ihr abhängigen Gebiete äufsert, fo wäre die räumlich kleine Ausftellung des dänifchen Reiches ganz darnach angethan, diefs darzuthun. Thorwaldfen's, des grofsen Künftlers nachklingende Kunftanfchauungen, fowie feine Leiftungen find von feinem Volke mit Begeisterung aufgenommen worden und in Fleifch und Blut der Berufenen übergegangen, aber nicht in fklavifcher Imitation feiner Vorbilder, fondern in mafsvoller Verarbeitung der grofsen, einfachen Motive diefes begeisterten, genialen Schöpfers. Sowie die dortige Keramik die antiken Gefäfse als Blüthe einftiger Thonformerei als Ausgangspunkte ihrer Schöpfungen in gelungenfter Weife benützt, hat die Goldfchmiede- Kunft auf die originalen, alten Motive des Nordens mit richtigem Tact zurückgegriffen und die Technik dazu in der Weife der beften antiken Vorbilder gehalten. In diefer gelungenen Doppelwandlung der fonft fo häufig zu findenden banalen Beftrebungen der modernen Silber- und Goldfchmiede liegt aber ein hohes Verdienft des dänifchen Kunft- Handwerkes. An Technik und Form rühmlichft an der Spitze fteht Chriftefen in Kopenhagen. Seine grofse Ausftellung zeigte meift gewiffenhaft ftudirte, empfundene Formen und reizend combinirtes Ornament. Wenn wir auch gerade dem Hauptftücke derfelben, einem grofsen Tafelauffatze mit etwas fchwerem runden Fufsgeftelle, gegenüber, einige kritifche Bedenken über die gefuchte Compofition des Ganzen nicht unterdrücken können, waren doch Gefchirr und Geräth in fchönen Geftaltungen fonft reichlich vertreten. Befonders heben wir die Sorglichkeit hervor, mit welcher der harmonifchen Vollendung der auch ganz Wir fahen gewöhnlichen Gebrauchsgegenstände Rechnung getragen wurde. Beftecke, Löffel und dergl., welche in reizender Form mit vorzüglichem Ornament gefchmückt, geradezu überrafchend wirkten. Dazu kam denn nun die Verwerthung altnordifcher Ornamente zu feinftem Filigran auf goldenen und filbernen Schmuckfachen. Alle Gattungen diefer Technik in einer eminenten Weife bis zum einften Kugelfiligran waren vertreten. Eine zweite Expofition Chriftefen's in der Rotunde ergänzte die Anfchauung über die Vorzüglichkeit feiner Leiftungen. Nicht verhehlen können wir aber, dafs 26 Carl Haas. Einiges darunter geboten war, deffen Grundidee verfehlt erfchien. So namentlich ein fatales Trinkhorn, auf deffen Krümmung ein kleiner Ritter gemächlich zu der am Deckel befindlichen Burg hinauftrabt. Etwas kühl war auch der dort befindliche, übrigens meiſterhaft gefertigte grofse Tafelauffatz. Solche grofse Silbergeräthe geben ohne Email und färbige Nuancen überhaupt beinahe ausnahmlos einen ermüdenden, froftigen Totaleindruck. " Die kleine Expofition von Jens Birch zeigte die Nachwirkungen diefes Strebens deutlich. Es machte den Eindruck, als ob wir denfelben Händen begegneten. So namentlich in mehreren feiner Filigranarbeiten. H. Oe. Dewfen dagegen verfolgt ähnliches Streben in felbftftändiger Ausbildung. Schon die Auffchrift feiner Vitrine nach Motiven aus dem dänifchen Alterthum der Broncezeit" zeigte, wo wir die Vorbilder feiner Werke zu fuchen haben. Und wir können uns mit diefer Art Archäologie im Principe nur einverftanden erklären. Wenn auch nicht abfolut gelungen in Allem und Jedem, wir verwahren uns z. B. gegen die, wenn auch noch fo echt alt erwiefene Form, wie fie der mittlere Auffatz feiner Ausftellung zeigt, deffen fchweres Becken auf einem kurzen, leuchterähnlichen Ständer mit maffiver Platte darunter ruht, fo ift doch in diefen einfachen Formen, in den ungekünftelten Profilen gewifs ein reicher, verwendbarer und dankbarer Motivenfchatz gehoben. In Henkelformen mit fuperber Gravirung war manches Ausgezeichnete zu finden. C. Holm's Broncegufs, eine Walkyrie, war techniſch minder gelungen, aber nett modellirt. Eine eigenthümliche Conception, in Verquickung der oben angedeuteten Richtung mit heutiger akademifcher Anfchauung, bot das Schmuckkäftchen von R. Jenfen, gefertigt nach einer Zeichnung des Profeffors Peters in Kopenhagen. Dafs auch Broncearbeiten dort in genügender Technik gefertigt werden, zeigte als einziges Beiſpiel die meiſterhafte Arbeit von G. W. Frydenlund& Sohn an deren Reflectoren und Lampenftändern. Norwegen. In ganz ähnlichem Streben wie bei den dänifchen Goldfchmieden fanden wir in der Rotunde die aus dem nordifchen Chriftiania ftammenden Arbeiten Toftrup's gehalten, wefshalb wir diefelben gleich hier anreihen. Er hat das Filigran mit Vorliebe als Haupttechnik acceptirt und zu Schmuck fowohl als Geräth in Anwendung gebracht und mit glücklichem Erfolg; es lag etwas Frifches, Urfprüngliches in den meiften feiner gröfseren und kleineren Arbeiten, um was ihn manche altbekannte Expofitionsfirma beneiden könnte. Auch hier fanden wir die gefchlungenen Bänder altnordifcher Runen als Decorationsmotiv, nur war eine gewiffe conftructive Feftigkeit und fymmetrifche Linienführung dazu gekommen, aufserdem aber auch zahlreiche nationaler Hausinduftrie entnommene Grundformen. Nur erfcheinen diefelben, wie z. B. die an den lebensgrofsen, in Haustracht ausgeftellten Figuren der fchwedifchen Expofition angebrachten Original- Bauernfchmuck- Gegenftände bewiefen, in fehr roher Form erhalten, und es ift eben ein Beweis der künftlerifchen Befähigung und des Verdienftes Toftrup's, aus diefen faft verblafsten Zügen den Reiz der urfprünglichen Grundidee herausgefunden zu haben. Deutſchland. In achtunggebietender Weife hat diefsmal das grofse deutfche Reich den Schauplatz betreten. Zum erften Male waren die vielen Theile fyftematifch zu einem Ganzen vereint und die Beurtheilung umfafst ein fo weites Feld, dafs es erlaubt fcheint, nur die marcanteften Eigenthümlichkeiten zu bezeichnen. Unver Metallwaaren. 27 rückbar blieben auch diefsmal die befonderen Begabungen einzelner Länder und Ländergebiete, wie ja dem Norden Reflexion und von dorther wiffenfchaftliche Abſtraction und dem Süden mehr künftlerifch geftaltende Phantafie eigenartig find. Erfreulich hat fich die Zahl der Kunstgewerbe vermehrt und an Willen zum Fortfchritte hat es hier gewifs am wenigften gefehlt; doch hat das mercantile Intereffe im grofsen Ganzen noch dem künftlerifch Stiliftifchen prädominirt. Merkwürdigerweife fehlte die eigentliche Vertretung der namentlich am Rhein fo blühenden und auch künftlerifch fo hoch ftehenden Kirchenwaaren. Erzeugung. Die altbekannten Firmen Sy& Wagner einft Hoffauer, und Vollgold & Sohn in Berlin behaupten wie fonft den erften Platz in eigentlicher gröfserer Goldfchmiede- Arbeit. Dem Gefchmacke nach möchten wir die Arbeiten der letzteren höher ftellen. Techniſche Fertigkeit ift beiden gleich geläufig. Reizend waren kleine, flach ornamentirte Teller in der Vollgold'fchen Ausftellung; auch die grofsen Candelaber find von fchönen Verhältniffen. Sy& Wagner imponiren durch die grofsen, nur zu monumental behandelten Prachtftücke. Das ift nicht mehr Kunstgewerbliches, fondern grofse Kunft in Verkleinerung, was diefe pathetiſchen Figuren anftreben und fo läfst diefe Richtung bei allem Verdienft und bei aller Sorgfalt der Ausführung, ja vielleicht befonders defshalb, eigentlich kalt. Ein neues Decorationsmittel war an einem Tafelauffatze, eingefügte landfchaftliche Anfichten darftellend. benützt. Goldplattirung auf Silber, durch gefchickte Gravirung theilweife erhalten, theilweile entfernt, geftattet färbige Effecte zu erzielen, welche mit Gefchick angewendet, einen die Gravirung in glücklicher Weife malerifch hebenden Erfolg zeigen. Die gröfste Gewandheit der technifchen Kräfte zeigte die Columna roftrata, Ehrengabe für Prinz Adalbert von Preufsen, und der grofse getriebene Schild; ebenfo mufs ein grofses Tafelauffatz- Stück in ovaler Form die mittlere Spitze in einen Becher auslaufend, rühmend erwähnt werden. Arnold Kümme in Altona ftellte Verdienftliches, namentlich in getrie bener Arbeit aus, befonders gut gearbeitet die faft lebensgrofse getriebene Büfte des deutfchen Kaifers. Ein hübfch gedachter Pocal und ein gut behandelter Kelch waren auch im Preife mässig zu nennen. H. Meyer& Comp. in Berlin, Koch& Bergfeld in Bremen, Frey& Söhne in Breslau, altrenommirte Häufer von beftem Klang, hielten ihren Ruf auch diefsmal aufrecht. Eine fpecielle Gruppe von anmuthigen Schöpfungen zeigen die füddeutſchen Arbeiten. Kreling's Zeichnungen in hingebender Weife bei Ch. Winter in Nürnberg, mit Beihilfe von Schülern der dortigen Gewerbefchule ausgeführt, treten hier in die erfte Linie. Das Naturaliftifche hie und da ift meift nur mäfsig auftretend. Reizend ift wieder die Blüthenftilifirung am oberen Ausgang des grofsen Kreling'fchen Pocals. Ebenfo vorzüglich desfelben Filigranvafe mit frei gebogenem Blumenftraufs. Das Schmuckkäftchen von Miller in München zeigte fein empfundene und bewegte Figuren in fehr tüchtiger Technik durchgeführt. Halbreiter in München ftellte unter Anderem einen glücklich erfundenen Pocal in netter Ausführung aus. Vortrefflich und folid gearbeitet müffen die Arbeiten von Wollenweber in München genannt werden, gröfstentheils in zierlichen Pocalen und Bechern beftehend. Schliefslich müffen wir noch der im Rococoftil gehaltenen Arbeit von Martin Mayer in Mainz lobend gedenken. Obwohl principiell nicht in den Rayon unferes Berichtes gehörend, müffen wir doch auf die glänzenden und induftriell höchft bedeutfamen Refultate der Coalitionen deutfcher Schmuckwaaren- Fabrikanten hier wenigftens hinweifen. Alles, was Arbeitseintheilung, verftändiges Benützen technifcher Hilfsmittel und Kunftgriffe, offenes Auge für das Bedürfnifs der Gegenwart betrifft, ift hier energifch angefafst worden. Hanau in Heffen, Pforzheim in Baden und Gmünd in Württemberg beherrfchen den deutfchen und auch zum Theil den öfterreichifchen 28 Carl Haas. fowie aufserdeutfchen Markt. Vortrefflich in der Gebrauchswaare, folid und leiftungsfähig in der kaufmännifchen Welt bekannt, müffen der heimatlichen Goldinduftrie diefe Plätze als Vorbild hingeftellt werden. Hier gilt rafches Zufammenhalten ohne egoiftifchen Separatismus, fonft werden wir überflügelt, auch auf noch behauptetem Terrain. Die Fabrication von galvanifirtem Pakfong war durch Münchmeyer& Comp. in Braunfchweig, A. Ritter& Comp., Batte& Fifcher in Lüdenscheid, Henninger& Comp., L. Bruck in Berlin, und Gerhardi& Comp. in Lüdenfcheid vorzugsweife vertreten. Befonders Neues oder Augenfälliges war nicht zu vermerken. Einzelnes Gelungenes in Tafelgeräth bot die Ausftellung des H. A. Jürft in Berlin. Der Broncegufs in gröfserem Stil war fpärlich vertreten. Eifen broncirt und galvanifirtes Zink ſpielen hier die Hauptrolle. Freilich, wo der Eifengufs. als wahrer Kunft gufs, wie auf der gräflich Stolberg'fchen Factorie in Ilfenburg betrieben wird, ift er gewiffermafsen ein Erfatz. Den Zinkgufs hat Berlin eigentlich eingeführt, und er wird dort auch noch fchwunghaft betrieben. Die Objecte find Bronce- Imitation und Bronce waaren zweiten Ranges für Schreibtifch- Einrichtungen, Nippesfachen etc.; gröfstentheils mit Lackbroncirung oder fogenanntem oxydirtem Silberüberzug fertig gemacht, find es Gegenftände, deren Werth in der billigen Maffenerzeugung befteht. Den erften Platz nimmt jedenfalls das neue Etabliffement von Ravené& Suttmann in Berlin ein. Vorzugsweife in Emaildecorations- Arbeiten hat die Anftalt, feit Kurzem beftehend, höchft Achtenswerthes geleiftet, und die eigentlich künftlerifch behandelte Broncewaare zuerft in Preufsen erzeugt. Möge diefes Streben von nachhaltigem Erfolg begleitet fein. Nächft diefen find Levin und befonders Grohe in Berlin hervorzuheben. Beide betreiben die Broncefabrication, indem fie für feine Details Galvanoplaftik verwenden, in grofsem Mafsftabe. A. Waagen& Comp. in Berlin boten elegante und nach künftlerifch behandelten Modellen ausgeführte Figuren in Gruppen, auch der Preis ift billig. zu nennen. Auch in der Expofition von J. Elfter in Berlin war eine kleine fein ausgeführte Büfte. Lenz in Nürnberg ftellte gute Güffe, aber leider in der äufseren Erfcheinung etwas vernachläffigte plaftifche Bildwerke aus Bronce und Silber aus. Ausnahmsweife die eingehaltene Ordnung verlaffend gedenken wir fchon hier der galvanoplaftifchen Arbeiten von Erhard& Sohn aus Württemberg, und Zimmermann. Es find ebenfalls für courante Waare berechnete Artikel. Eine Ausnahme machen die in der Kunsthalle gewefenen galvanoplaftifchen Reproductionen der Nürnberger Gewerbefchule, welche verfchiedenes Kunftgeräth in vorzüglicher Weife wiedergeben. Allerdings begegnet man auch bei den vorhergehenden Firmen hie und da der Wiedergabe eines künftlerifchen Objectes, allein nur fpärlich und die oft fehr willkürlich geftalteten Modelle dominiren. Daneben fabricirt nun Berlin in imponirender Maffe Zinkwaaren in Gufs und Blech. Namentlich für Beleuchtungszwecke, jedoch auch für feines Ornament in Zimmer und Gärten, Statuen, Vafen etc. Hier fowie im broncirten Eifengufs excelliren die grofsen Actienfabriken wie in Berlin, Lauchhammer etc. Viel handwerklich vorzügliches, viel Routine und Erfahrung zeigen fich, meift geht aber der eigentliche kunftgewerbliche Anspruch verloren. Sehr gut durchgeführt, erwähnen wir nur ein Beiſpiel aus vielen, war die Thurmfpitze nach einer akademifch ftilifirten Zeichnung durchaus aus Zinkblech getrieben und gelöthet.. Eine anmuthende Leiftung war auch die aus demfelben Materiale hergeftellte Herosfigur von Peters in Berlin, eine Leiftung, welche fich würdig gleich behandeltem franzöfifchem Erzeugnifs an die Seite ftellen kann. Ebenfo vorzüglich ein Manfardenfenfter desfelben Ausftellers. Eine durch ihren bedeutenden Export nach Oefterreich für uns wichtige Branche bilden die geprefsten Meffingbefchläge und Bordüren. Die Firma Metallwaaren. 29 H. D. Eichelberg& Comp. in Iferlohn hatte in ihrer Ausstellung vom einfachen Stab bis zur grofsartigften Bordüre in gefchmackvollen Muftern eine fehr intereffante Collection davon exponirt. Einen ebenfalls fehr tüchtigen Betrieb beweifen die für den Hausgebrauch fehr folid hergeftellten Druck-, Gufs- und Prefswaaren aus Meffing. Hier kann die Affociation in grofsen Fabriken nur günftig wirken, da das Material ein forglich ausgefuchtes ift und durch die raffinirte Benützung von allen Gattungen. Arbeitsmafchinen die Erzeugniffe eine bedeutende Wohlfeilheit erlangen, die dem Allgemeinen zu Gute kommt. Ein gleiches gilt für die allerdings nicht in unferm Rayon liegenden Lampenfabriken. Das Zinn rein und legirt wird ebenfalls ftark verarbeitet. Baffe& Fifcher fo wie Gerhardi& Comp. in Lüdenfcheid produciren fehr gelungene, auch galvanifch verfilberte Britanniawaare in Service und Dofen etc. Mehr in gröberen Artikeln, wie Krugdeckeln und Befchläge, Tellerarbeiten, jedoch immer in folider Weife, brachten badifche und baierifche Werkstätten. Und wer kennt nicht die grofse Maffe der vortrefflichen, den Weltmarkt beherrschenden Kinder- Spielwaaren aus Zinn, die in unferem alten Nürnberg erzeugt werden. Die fröhliche Weihnachtszeit kann davon erzählen. Endlich noch tritt der Zinnverbrauch in einer anderen Specialität zu Tage, in der Broncefarbe- Fabrication. Die feinen Farben der gröfstentheils um und in Nürnberg erzeugten Broncepulver find noch immer im Vorrang gegen die Fabrication anderer Länder. Ebenfo die dort in vorzüglichfter Weife fabricirten Metalldrähte namentlich in feinen und feinften Nummern. Von alledem bot die Ausftellung, gröfstentheils fyftematifch geordnet, fehr Lehrreiches. Schliefslich fei noch rühmend der eminenten Blattgold- und Silber- und Bronceblatt- Schlägerei, die im Weften Deutfchlands blüht, gedacht. Oefterreich. Ein frifches warmes Leben umfieng uns bei dem Betreten der diefsjährigen Ausstellung Oefterreichs und ungetheilt find die lobenden Stimmen über die Fortfchritte, welche unfer Land feit der letzten Ausftellung gethan. Wenn auch wir mit freudigem Herzen uns zu diefer Anfchauung bekennen, fo tritt doch um fo ernfter die Mahnung heran, fowohl in unparteiifcher Gefinnung das Vorhandene zu würdigen, als auch in entfchiedenfter Weife, gerade des unleugbaren Aufftrebens wegen, jede fchwache Stelle, jede erft noch zu löfende Schwierigkeit befonders. ins Auge zu faffen. So wie die Sache heute fteht, zeigt es fich, dafs gerade unfere öfterreichiſche Metall- Kunftinduftrie die meiſten Elemente aufzuweifen hat, um in fiegreicher Vollendung und zwar in gediegenfter Weife fich zu entfalten. Land und Leute find danach angethan. Die glückliche Verfchmelzung der Doppelnatur unferer füddeutſch empfindenden und doch auch kälterer Reflexion und Kritik gern zugethanen Bevölkerung ift in den Berufenen zu einer Ausgleichung der noth. wendigen Befähigungen gelangt, welche für den ernften Wettkampf, den doch die Weltausftellung zur hoffentlichen Folge haben wird, die glücklichfte Vorausbegabung ahnen läfsi. Nur vergeffe man nicht, dafs es eben ein Kampf fein wird und zwar ein Kampf mit gefchulten, gewandten Gegnern. Sehen wir nun dem gegenwärtigen Zuftande feft in das Auge und zeichnen wir mit wenigen Zügen, was uns Noth thut. Vor Allem der Künftler, Bildhauer und Zeichner, müffen fo wie in dem fo glücklich organifirten Frankreich fich der gewerblichen Thätigkeit in viel erhöhterem Mafse zuwenden. Heute fchon genügen die wenigen Kräfte nicht im Geringften mehr, und bei dem unleugbaren Fortfchritte unferer Metall- Kunftinduftrie ift hier nur zu bald ein grofser, entfcheidender Ausfall an Kräften zu 30 Carl Haas. befürchten. Die Arbeit felbft betreffend, ift die Ausbildung tüchtiger Cifeleure dringend zu befürworten. Wie viele junge Künftler, deren Talent ein mäfsiges ift, würden bei Ergreifung der doch echt künftlerifchen Laufbahn des Cifeleurs einen brillanten Erwerbszweig für die kümmerliche Exiftenz des mittelmäfsigen Künftlers eingetaufcht haben. Und unfer Publicum ift auf dem beften Wege, durch das Gebotene felbft fo wie überall die Aneiferung zur Erwerbung wirklich gefchmackvoller und künstlerischer Arbeiten, zu bekommen. Gerade hier ift ja die Beftimmung des intelligenten Induftriellen, dadurch zu wirken, dafs er den breiten Weg der Routine verlaffend, mit Energie und Bewufstfein fich den wahren Principien der heutigen fo bedeutungsvollen Kunft- Reformbewegung anfchliefst und im engen Bündnifs mit befähigten Künftlern gute Modelle und in forgfältiger Ausbildung tüchtiger Gehilfen gute Erzeugniffe fchafft. Dann braucht man keine Sorge zu haben, das Gute findet feinen Weg. Eines ift aber vor Allem zu betonen; der Fabrikant der Neuzeit mufs durch eigene Bildung feinen und den Standpunkt feiner Gehilfen heben; nicht allein das tägliche Brot ift es, um welches er fich bemüht, fondern die ihm gewordene Aufgabe, feinem Vaterlande durch feinen Fleifs und feine Gefchicklichkeit förderlich zu fein, mufs ihn zu raftlofem Streben anfpornen. Wir haben Jeder in feinem Fache eine culturgefchichtliche Miffion, und wenn der Berufene andere Bahnen wählt, mufs der Kunftinduftrielle wie er fein foll, in feinen Schöpfungen und in der Führung und Wahl feiner Gehilfen zur Ehre und zum Ruhme feines Vaterlandes mitzuwirken trachten. Die eigentliche Goldfchmiede- Kunft im gröfseren Stile war auf das würdigfte durch die brillanten Erzeugniffe von Klinkofch, Mayer's Söhne und Granichftätten, fowie Matzenauer vertreten. An fie reiht fich in feinen fpeciellen Leiftungen unübertroffen H. Ratzersdorffer an. Klinkofch hat einen fo gewaltigen Schritt nach vorwärts gethan, dafs wir dem intelligenten Chef diefes gröfsten unferer heimatlichen SilberwaarenAteliers unfere aufrichtige Bewunderung nicht verfagen können. Die Modelle der aufgeftellten Prunkgeräthe waren waren wirklich künftlerifchen Kräften anvertraut worden; die technifche' Behandlung iſt eine vorzügliche, die Cifelirung mit aufmerkfamftem Auge geleitet, ja von Fall zu Fall in fortfchreitender Ausbildung durch einheimifche und fremde Talente begriffen. In ebenfo verſtändiger Weife fuchte Klink ofch die banale kalte Form fowohl als den langweiligen Eindruck der weifsen Silberflächen zu vermindern und es ift von allen Mitteln, die leichte Oxydirung, Vergoldung u. f. w. bieten, oft in glücklicher Weife Gebrauch gemacht. Was noch hie und da in zu wuchernder, naturaliftifcher Form fich breit macht, wird bei dem zweifelsohne ftetig vorfchreitenden Streben der Fabrik bald verfchwinden. Möge die Fürforge fich auch bei dem grofsen Einfluffe, den diefes mit reichen Mitteln arbeitende ausgedehnte Gefchäft auf feine Kunden befitzt, im gleichen Mafse der Durchbildung der einfacheren Formen des mehr alltäglichen Geräthes zuwenden. Von ausgeftellten Gegenftänden erwähnen wir befonders die Service, welche für die Grafen v. Zichy und Choteck angefertigt wurden; den Tafelauffatz für Profeffor v. Engerth, einzelne gelungene gravirte Becher, und begrüfsen die Fortfchritte der Cifelirung in einem kleinen, reizenden Figürchen, Genius eine Fackel tragend. Dem glücklichen Einfluffe der im öfterreichifchen Mufeum blühenden Kunftgewerbe- Schule und deren vorzüglicher Leiter, begegneten wir in den beften Erzeugniffen der meiften Ausfteller. Granichftätten lieferte eine im edelften Gefäfsftil gehaltene Bowle nach einem Entwurfe Profeffor König's, in anmuthigfter Weife mit Flach- Bildwerk umzogen. Es find das fchöne, klare Geftaltungen, fern von jeder koketten Sentimentalität, in rein menfchlich anmuthender Form gebildet. Schöne kleine Candelaber zeigten fich neben grofsen dergleichen, welche im Aufbau fchwere, und in Metallwaaren. 31 dem figuralifchen Beiwerk moderne, mit eleganter Taille behaftete Figuren wiefen. Daneben war eine fehr gelungene niellirte Toilettegarnitur ausgeftellt. Matzenauer's Theefervice, nach einem Entwurfe Profeffor Wolaneck's, ift gut gedacht, nur würden wir der Ausführung mehr Sorglichkeit wünſchen. Das Uebrige war wohl gut gearbeitet, jedoch in den hergebrachten Formen. V. Mayer's Söhne ftellten unter anderem einen nach Profeffor Teirich's Entwurf gefertigten Tafelauffatz, in etwas ftrengem, kühlem Stile gehalten, aus. Das Ganze machte einen gediegenen Eindruck, und auch die technifche Ausführung ift fehr zu loben. Daneben waren reiche, in üppiger Verzierung prangende Candelaber und ein Toilettefervice, deffen Verzierung in höchft gelungener Weife angeordnete einfache Gravirungen bildeten. Das fonft noch von anderen Firmen exponirte Silbergeräth war meift Handelswaare, und es iſt nichts Befonderes davon zu erwähnen, fo dafs eigentlich ein kleiner Kreis erfcheint, innerhalb welchem fich die eigentliche Thätigkeit diefer fpeciellen Branche abfpiegelt. Die formellen Fortfchritte im Tafelgeräthe zeigen fich ebenfo ausgenützt bei der Fabrication verfilberter Waare und werden dort noch näher zu betrachten fein. Einen echten Goldfchmied im Sinne der mittelalterlichen Bedeutung des Wortes begegnen wir in H. Ratzersdorfer aus Wien. Seine Ausstellung zeigte techniſche Specialitäten in Hülle und Fülle, wie fie folchergeftalt vereint kein anderer Aussteller aufzuweifen hatte. Und zwar ift es ein Verdienft, von lange her datirend, was heuer zum erften Male auf einer Weltausftellung erfchien. Gröfstentheils die beften Zeiten der Goldfchmiede- Kunft liefern die Motive, nach welchen Ratzersdorfer, durch treue Hände unterſtützt, feine kleinen oft geradezu Meifterwerke zu nennenden Kunftwerke fchafft, und, den Liebhabern. Europas längst bekannt, ift es eine Ehrenfache gewefen, feine Ausstellung der Gefammtausftellung anzureihen. Die befondere Durchbildung, welche feine Prunkgegenftände bis zum kleinften in Email gefafsten Kryftallflacon herab auszeichnen, läfst nur in einem einzigen Punkte etwas zu wünſchen übrig; das Figuralifche ift öfters nämlich in monotoner Weife gehalten und entspricht feltener als das angewendete Ornament der Stilepoche, in welcher, meiftens glücklich charakterifirt, die einzelnen Gegenftände entworfen find. Aehnliches wie Ratzersdorfer hatte in der Ausftellung H. Böhm angeftrebt, jedoch mit befcheidenem Erfolge. Einzelnes davon, wie die Streitaxt und das Schild, find Verirrungen. Das Filigran wird an verfchiedenen Orten gepflegt. Hie und da, wie namentlich bei Reitfamer in Salzburg, localem Gebrauche entſprechend, lehnt es fich an Mufter des Barockftils in netter, feiner Weife. Giuſeppe Ghedina aus Cortina( Tirol) ftellte einen Blumenftraufs in mühevoller Arbeit aus. Wir hätten dort lieber landesüblichen Schmuck aus Silberdraht gefehen. Thorn in Afch und Franzensbad hatte eine kleine, für die Technik des Filigran's ganz intereffante Collection, die einen fchwunghaften Betrieb weift, und welchen wir nur das Zuviel im naturaliftifchen Ornament ausftellen möchten. Jeftowitz in Wien ftellte ein grofses Reliquienkreuz in verdorbenem ruffifchem Stile zur Schau. Die reizende Decoration des Silbers durch Niello ift in erfreulicher Weife als neuerlich im Auffchwung zu fignalifiren. So wie Granichftätten fein Toilettefervice, fo haben einzelne Goldarbeiter ihre zierlichen Ketten und Knöpfe, Medaillons und Kreuze verziert. Wir nennen hier Markovitfch& Scheid, Schwarz& Segner in Wien. Letztere haben das Niello fogar zu ganz erhabenen Arbeiten maffiv verwendet, eine etwas gewagte Neuerung. In ftilvoller Haltung fand fich das Niello verwendet bei der Decoration eines im Renaiffanceftile vom Architekten Avanzo componirten Schrankes in der Ausftellung von C. Haas in Wien. Während Frankreich und England befonders über einen Kundenkreis zu verfügen haben, welcher in der beneidenswerthen Lage ift, feinen Wünſchen 3" 32 Carl Haas. nach künftlerifch durchgeführten Geräth und Ziergegenftänden nicht nur äfthetiſch, fondern auch materiell den gröfsten Nachdruck zu verleihen, müffen wir bei den befcheidenen einheimifchen Verhältniffen dennoch darauf bedacht fein, das Mögliche in befter Form zu erftreben. Es ift in mehr als einer Richtung hochintereffant, die hier eingefchlagenen Wege zu verfolgen, und gerade in der minder auf koftbares Material als auf künftlerifche Durchbildung gerichteten Strömung des heutigen kunftverſtändigen Publicums findet fich für uns Oefterreicher die Möglichkeit der Durchbildung der oft mit verhältnifsmässig befcheidenen Mitteln arbeitenden einheimifchen Kräfte. Seit einigen Jahrzehnten ift die Metalllegirung von Kupfer, Zink und Nickel unter den romantifcheften Namen bekannt, zumeift jedoch ,, Pakfong" genannt, in allgemeinen Gebrauch für den Mittelftand gekommen, und feit der folgenreichen Entdeckung der galvanifchen Verfilberung begrüfsen wir darin eigentlich das Materiale, welches dem Bürgerthum verſtändigen Luxus zu bieten gefchaffen ift. Da gereicht es denn zu hoher Befriedigung, hier fagen zu können, dafs es gerade Oefterreich ift, das in diefem wichtigen Fache unbeftritten den erften Platz unter allen Staaten einnimmt. Unfer A. v. Schöller hat in feinen Fabriken, namentlich zu Berndorf einen Complex zur Erzeugung des Pakfongs in verfchiedenen Qualitäten gefchaffen, dem von der Bearbeitung und Legierung des Rohmateriales an, bis zu deffen Verwendung zu Blech, Draht und endlich zum Verbrauche in fertigen Waaren fowohl in Löffeln, Beftecken etc. bis zum reichen Tafelauffatz und Gefchirr überhaupt, keine andere Fabrik Europas in Grofsartigkeit der Anlage an die Seite zu fetzen ift Die Fabrik zu Berndorf z. B. ift in der Lage täglich 1500 Dutzend Löffel zu erzeugen. Die Modellnummern der verfchiedenen Façons sind dabei bis zu 30 Stück gelangt. Die techniſche Leitung ift hier eine muſterhafte und dem rationellen Betriebe ift dabei allein der relativ fo billige Preis der Artikel bei der inneren Güte und Solidität zuzufchreiben. Die Ausstellung zeigte die verfchiedenften dem Fachmann hochintereffanten Stadien der Erzeugniffe aus der Berndorfer Fabrik. Das bis zur Papierdünne gewalzte Pakfong, die feinft gezogenen Drähte, die rein und fcharf gekommenen Güffe, oft in complicirten Modellen, Alles war Zeuge der Meifterfchaft, mit welcher dort das fchwierige Material bewältigt wird. Wenn wir nun zu der fertigen Waare kommen, wie fie in der Vitrine der Rotunde ausgeftellt war, fo ift diefelbe allerdings techniſch ausgezeichnet zu nennen; aber es ift geradezu betrübend, dafs in dem weiten Kreife der Obforge, die gewifs eminenten Leiter der Fabrik dem eigentlichen kunftgewerblichen Beftreben fo wenig Berücksichtigung fchenken. Wir fanden nur die gewohnten banalen Formen und wenn auch hie und da ein Anlauf zum beffern zu spüren ift, fo wäre es doch wahrlich die höchfte Zeit, neben dem Nützlichen auch das Schöne zu pflegen. Ein reges Streben hiernach entwickelt fich in den Ausftellungen der anderen fogenannten Chinafilberwaaren- Fabrikanten. Conrätz& Reuter hatten Verdienftliches in Verarbeitung des rohen Pakfongs, namentlich aber folide und gut entworfene Tafel- und Luxusgeräthe in der Rotunde; noch zierlicher und feiner waren die Erzeugniffe von Hermann. Zwei Gruppen waren es, in welche diefelben zerfielen; eine derfelben zeigte die fogenannten plattirten Gegenftände, die andere die galvanifch verfilberten Erzeugniffe. Klinkofch& Mayerhoffer, die Vorgänger der heutigen Firma Klinkofch und Hermann waren diejenigen, welche am erfolgreichften vor einigen Jahrzehnten die Silberplattirung betrieben, und wenn auch, wie Eingangs erwähnt, diefer Induftriezweig beinahe im Erlöfchen ift, fo ift es doch höchlichft intereffant, denfelben auf der Ausftellung durch eine inländifche Firma gut vertreten zu fehen. Freilich war eben der Umfang diefer Technik gegenüber den Erzeugniffen derfelben Firma in galvanifirten Waaren beredter Zeuge der Befchränkungen in Metallwaaren. 33 deren Anwendung. Wir müffen den letzten unfere vollfte Anerkennung hinfichtlich der reizenden Formen und tadellofer Ausführung zollen. Eines mufs befonders hervorgehoben werden, und das ift der liebevoll durchgeführte originelle Tafelauffatz von E. Juch und von Rordorf modellirt, das Märchen vom Dornröschen illuftrirend. Wir find zwar keine Freunde von Tafelgeräthen, die keine Geräthe mehr find, aber wo fich eine Schöpfung fo liebenswürdig und gemüthlich entwickelt, wo fo augenfällig künftlerifches Schaffen uns entgegentritt, fenken wir gerne die kritifche Feder. Noch eine wackere Schaar von Namen, welche mehr oder weniger glücklich diefen Zweig vertritt, wäre zu nennen, fo z. B. Lackner, Bachmann, Novotny etc. In kleinen Pakfongwaaren, mitunter als Specialität, einzelne Artikel pflegend, fo z. B. Tabatièren zeigten fich erwähnenswerth, E. Exner& F. Zettel. Gehen wir nun zur Bronce- Induftrie über, fo finden wir befonders hier die bedeutendften Fortfchritte, welche wir in der Metallinduftrie Oefterreichs feit der letzten Ausftellung überhaupt zu verzeichnen haben. Abgefehen von der dortigen fpärlichen Vertretung überhaupt von öfterreichifcher Seite, welche leicht begreiflich diefsmal als„ zu Haufe" eine überreiche zu nennen ift, war auch mit Ausnahme weniger Namen das dort Gebotene in befcheidenem Mafse gehalten. Heute nun fehen wir die öfterreichifche BronceInduftrie den Weltmarkt erfolgreich betreten; wir fehen aber auch Leiftungen, welche diefelben als auf eigenen Füfsen ftehende bezeichnen, ja wir nehmen keinen Anftand es auszufprechen, die öfterreichifche Bronce- Induftrie kann fich bei gleich regem Streben und bei günftigen äufseren Verhältniffen in wenigen Jahren kühn neben die vielbewunderte franzöfifche ftellen; an innerem Werth, an Gediegenheit und mafsvoller Durchbildung können diefs einzelne Werke fchon heute. Diefe überraschenden Refultate find in erfter Linie wieder dem wohlthätigen Einfluffe des öfterreichifchen Muſeums zuzufchreiben, in zweiter, der Einficht und entgegenkommenden Opferwilligkeit unferer Induftriellen. Wenden wir uns den Erzeugniffen felbft zu, fo ift es eben die alte Garde, welche am rührigften den Kampf aufgenommen hat. Die im folgenden befprochenen Gegenftände waren zwar unter Gruppe X exponirt, gehören aber in jeder Beziehung zu unferem Materiale, daher wir diefelben ohne Zögern hier anführen. Hollenbach, der erften einer, ift zwar geftorben, aber fein Geift wirkt fort; und was feine Nachfolger heute ausgeftellt haben ift tüchtig und gefchmackvoll im Grofsen und Kleinen. Originell find die Formen feiner grofsen Candelaber deren Vergoldung eine mufterhafte zu nennen ift; die ftilvolle Zeichnung rührt von Profeffor Hannfen her. Reizend find die kleinen mit vorzüglichen von Chadt gemachten durchfichtigen Emails gefchmückten Caffetten nach Zeichnung des Architekten Riewel, Leuchter etc. Prachtvolle Lufter, deren Befprechung nicht unfer Reffort berührt, vervollkommnen den Gefammteindruck feiner Ausstellung. Dziedzinfki& Hannufch exponirten wenig, aber das Wenige zählt zu dem Beften der Ausftellung überhaupt. Der im Auftrage Seiner Majeftät des Kaifers ausgeführte Tafelauffatz von Stork entworfen, im figuralen Theile von König modellirt ift in vollendetfter Durchführung bis in das kleinfte Detail gearbeitet. Mit Recht wurde fchon bei Gelegenheit der Neu- Eröffnung des öfterreichifchen Muſeums im Jahre 1872, wo diefer damals noch nicht in allen Theilen vollendete Auffatz ebenfalls ausgeftellt war, von berufener Seite gefagt,„ eine in gleich vollendeter Weife durchgeführte Broncearbeit ift bisher nicht gemacht, ift vielleicht auch nie noch gefordert worden". Heute fteht das fchöne Werk vollendet vor uns, und wir beglückwünſchen die Schöpfer desfelben und den hohen Befitzer. In ähnlicher Durchführung ein von Stork gezeichneter Auffatz mit waffergiefsenden Genien. Auch fonft waren 3* 34 Carl Haas. einzelne durchaus mufterhafte Broncearbeiten von diefer Firma ausgeftellt, deren grofser Export fich überhaupt auf folide und gefchmackvolle Fabrication, namentlich der fogenannten„ glatten Garnituren", welche diefsmal nicht zu fehen waren, ftützt. J. Grüllemayer hatte in einer reichen Sammlung die verfchiedenften Erzeugniffe vereint; einerfeits die gewöhnliche Handelswaare in Gufs, Befchläge, Griffe, Schrauben etc. in präcifer und tüchtiger Weife gemacht, andererfeits feine Artikel für Salon und Zimmer. Einzelnes vielleicht fchwer und minder gelungen, waren doch auch von dem regen Streben zeugende Werke genug vorhanden. So nennen wir vor Allen die von Profeffor Haufer entworfenen Salontifchchen im antiken Stil, die reizenden als Springbrunnen eines Aquariums vortrefflich paffende kleine Statuette Amor mit Schwan von Profeffor König modellirt. Minder gelungen war ein grofser Ganymed mit Adler. Möchte doch der fo fichtbare, wohlthätige Einfluss guter Modelle, der augenblicklich den Erzeugniffen ihren höheren Werth gibt, hier wie anderenorts nie mehr verkannt werden. Vornehm aber im Ganzen etwas froftig repräfentirt fich ein reicher Tafelauffatz im antiken Stile nach Hannfen aus der Fabrik von Hagemayer. Die Vergoldung war auch hier meiſterhaft; die Cifelirung der Figuren jedoch etwas alltäglich gehalten. Ludwig Böhm zeigte eine reiche Ausstellung von Luxusfachen, zu den fogenannten Kurzwaaren gehörig. Die Arbeit fehr gediegen, aber etwas maffiv. Neben guten Caffetten, galvanoplaftifch hergeftellten Trinkhörnern etc. leider nur zu gut ausgeführte Modethorheiten, fo z. B. aus Mafchinenbeftandtheilen hergeftellte Garnituren etc. Wir haben hier den Schritt zu einer grofsen Claffe von Erzeugniffen gemacht, wo noch manch blühender Unfinn, manch gefchmacklofes zu finden, was aber da gut ift, ift ebenfalls auch originell und wir fehen wenigftens allerorts dabei das fchon oben erwähnte Streben nach felbftftändiger Erfindung und Geftaltung. Es find das die fogenannten Wiener Artikel. Indeffen mag zur Steuer der Wahrheit bekannt werden, dafs gerade auf diefem Gebiet die meiſte Reform vom kunftinduftriellen höheren Standpunkte aus nothwendig ift. Die forglichften und feinften Arbeiten hat Bechmann geliefert. Einzelnes davon ift geradezu vorzüglich. Die technifche Durchführung eminent. An ihn reiht fich was A. Klein an Broncewaaren erzeugt. Lerl& Söhne pflegen eine eigene Specialität in Gegenftänden mit reichem Türkisbefatz, durch kaltes Email gehoben. Im Ganzen extravagante Formen, aber von äufserft präcifer und eleganter Ausführung. Welfing brachte nette Artikel, Bronce in Verbindung mit gut ausgeführten Emails, phantaftifch aber anregend. Reich war die Ausftellung coulanter Waare von C. Lux, in ähnlicher Weife aber etwas nüchtern in den Formen, die der erften Productivgenoffenfchaft der Wiener Broncearbeiter. Die Arbeiten von F. Bufchmann zeigten gute Technik und in einer Garnitur, Standuhr nebft Candelaber auch eine gelungene Zeichnung; daneben aber wieder die beliebte möglichft naturgetreu dargestellte Jockeykappe als Schmuckhälter oder dergleichen. Aehnliche bösartige Conceffionen an die Modethorheit finden fich immer noch vielfach, nicht ohne Schaden für die oft gute Arbeit. So leidet z. B. die präcife Ausführung in J. Frank's grofsem Auffatz durch die monftröfe Conception und fo nett und handwerklich tüchtig auch die Arbeiten von A. Böhm, Kubitz, Weber, Kraulitz etc. find, fo leiden folche doch durch das geringe Mafs von Aufmerksamkeit auf reelle Erfindung der Gegenstände felbft. Noch erwähnen wir gelungene Vafen aus der Ausftellung von Ferdinand Mayr. Speciell intereffant war eine kleine Ausstellung von C. Hohmann, Giefser in Wien. Neben ganz vorzüglichem Kerngufs in Büften etc. war da auch eine 7 Loth fchwere Medaille zu bemerken, die ohne Modell geformt war. Es hatte nämlich der Former die Geduld und auch Gewandtheit im Formfande felbft die Höhlung für das Metall auszunehmen und fo für den Gufs vorzubereiten. Wenn Metallwaaren. 35 das nun auch an Spielerei ftreift, fo ift dagegen die nicht unwichtige Erfahrung zur Kenntnifs zu nehmen, wie viel dem gefchickten Former noch Mittel zur Herſtellung und Ergänzung einer fcheinbar verdorbenen Form zu Gebote ſtehen. Auch die Herftellung der mehr für gewöhnliche Gebrauchszwecke zu liefernden Bronce und Meffingwaaren war in zwar wenigen, aber in fehr tüchtigen Beiſpielen vertreten. Vorzügliches bot die grofse Ausftellung der Firma M. Hainifch in couranter Gufswaare fowohl, als auch die Dehnbarkeit und Trefflichkeit feiner Meffingbleche eine 19 Zoll hohe und 12% Zoll im Umfange haltende Vafe aus einem Blech auf der Drehbank gedrückt, zeigte. Uebrigens bot fich dem Fachmann eine reiche Ueberficht des bei uns zu findenden Materiales in der eigentlich nicht mehr hieher gehörigen Ausftellung des Eifenhofes, wo die weltbekannten Firmen C. H.& H. Chaudoir, Johann Liebig& Comp., C. Klein in Reichraming, Habtmann in Frauenthal an Gufs wie Blech die eminente Leiftung Oefterreichs in Kupfer-, Meffing- und Tombackwaaren als bekannte Stützen derfelben glänzend vertraten. Gehen wir zur Zinkinduftrie über, fo ift vor Allem des ebenfalls im Eifenhofe zu findenden grofsen Zink- Walzwerkes vom Grafen Henkel in MährifchOftrau zu erwähnen. Die feinften Bleche fowie die dünngezogenen Drähte waren Beweife des trefflichen Materiales und zugleich der forglichften Fabrication. Die intereffante Ausftellung von L. Faber gab ein Bild der ausgedehnten Verwendung des Zinkgufses zur Herftellung von Kunft- und fogenannten Galanteriewaaren. Es ift zugleich hier die weitefte Anwendung der Metallformen beim Gufs zur Geltung gekommen und fpeciell zur vollkommen glücklich gelöften Herftellung, jener oft wirklich reizenden Leuchter, Tintenzeuge, Tabakfchalen, Candelaber etc. in Bronce- Imitation verwendet, deren allgemeine Verbreitung das befte Zeugnifs für den induftriellen Werth derfelben ablegt. Wir fahen bei 13 verfchiedene Broncirungen in Anwendung, abgefehen von der foliden Verfilberung, Vergoldung oder Vernickelung, welche in fchönen Exemplaren zu finden war. Möge die Leitung diefes blühenden Etabliffements auf dem betretenen Wege vorfchreitend fort und fort immer ftrengere Anforderung an ihre Modelleure ftellen und es wird ihr an einer brillanten Entwicklung diefer fehr beachtenswerthen Fabrication gewifs nicht fehlen. Das Zinkblech in feiner Verwendung war vorzüglich gearbeitet in der Ausftellung von R. Geburth vertreten. Ein grofser Brunnen nach guter Zeichnung bot Gelegenheit zur Anwendung aller technifchen Handgriffe, Preffen, Drucken-, Fall- und Ziehmafchinen, Hammerarbeit und Gufs, und diefs Alles meifterlich gemacht. Wir können nur andeutungsweife des grofsartigen Verbrauches erwähnen, den das Zink in den grofsen Lampenfabriken von Dittmar, Brünner etc. findet, da diefe fpeciellen Beleuchtungsgegenstände in einem anderen Berichte ihre Würdigung finden. Von Bleiartikeln, foweit fie uns hier berühren, wären vor Allen die Erzeugniffe von Winiwarter zu nennen. Es ift gerade auf dem Felde folcher Einzelinduftrien, welche weniger an Concurrenz als andere Zweige zu fürchten haben, höchft lobenswerth, wenn man ein reges Vorfchreiten in technifcher wie mercantiler Beziehung, wie hier der Fall ift, conftatiren kann. Seine Bleche, Rohre und Drähte ftellen fich dem ausländifchen Fabricat vollkommen ebenbürtig an die Seite und haben es, unterſtützt von dem vorzüglichen einheimifchen Material, auch meift bei uns verdrängt. Von Specialtechniken haben wir der Galvanoplaftik zu gedenken. Vor Allem der Leiftungen der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Diefe Mufteranſtalt, welche die Vorkämpferin diefes neuen technifchen Verfahrens bei uns war, hat noch immer ihre Miffion im Auge und fo nebft Anderem trefflichem in diefem Fache auch, die erfte in Deutfchland und Oefterreich, vollkommenen Eifen- Niederfchlag 36 Carl Haas. zu einer Druckplatte verwendet, ausgeftellt. Galvanoplaftik in Kupfer wird in gröfserem, in der Metallwaaren- Fabrik des Referenten, welche zugleich als Atelier des k. k. Mufeums fungirt, zu der Reproduction von Kunftwerken der GoldfchmiedeKunft verwendet, aufserdem waren die galvanoplaftifch hergeftellten Becher, Schilde etc. aus L. Faber's Atelier mit grofser Präcifion ausgeführt. Auch fonft erfcheint diefe Technik in mehreren Fabriken und Buchdruckereien in lebhafter Anwendung, in grofsen Dimenfionen jedoch können wir uns bis jetzt mit den Franzofen nicht meffen, denen hierin der erfte Rang gebührt. Die Anwendung des Emails auf Metall ift vorwiegend in Wien vorkommend und von Ratzersdorfer und J. Chadt trefflich und von mehreren kleinen Anftalten für Juweliergebrauch genügend vertreten. Eine Neuerung war die von J. Chadt gefertigte Imitation von Lapislazuli an einigen Bechern und Schalen der Ausftellung von A. Klein, wie denn überhaupt die Werke diefes Altmeifters unferer Emailtechnik in den beften Broncewerken Hollenbach's, Hannufch' etc. als Verzierung eingefügt zu fehen waren. Email cloifonné war allein bei C. Haas zu finden. Specialitäten boten auch noch A. Batfche, ein origineller Künſtler in Aetzung, Gravirung, Cifelirung, Damascirung und Incruftation, kurz in allen möglichen Techniken erfahren, brachte er eine fehr intereffante Collection folcher Verfahren zur Anfchauung. Nur eine ftilvollere und höhere künftlerifche Behandlung des Figuralifchen ift dringend zu wünſchen, wie denn auch die fonft fehr gute Arbeit an dem von Wertheim exponirten, von Batfche ausgeführten eifernen Schreibkaften und die oft fehr gelungene Incruftation wie Damascirung durch die Sorglofigkeit des Figuralifchen im Totaleffect fich bedeutend abfchwächte. Uebrigens bleibt Batfche der Ruhm, der einzige bis jetzt in Oefterreich wirkende Vertreter der Metall- Incruftation in feinerer Arbeit zu fein, ungefchmälert. Rufsland. Die ruffifche Ausstellung zeigt vorwiegend einen gefchloffenen eigenthümlichen Charakter, den nationalen; auch unfere Gruppe fteht unter diefem Einfluffe, ja verdankt demfelben manchen ihrer Vorzüge. Auch die focialen Verhältniffe find dort darnach angethan, auf gewiffe Kunftinduftrien ihre Präponderanz auszuüben. Der koloffale Reichthum Einzelner, die Luft an Prunk und Pracht haben die Entftehung fowie Ausbildung der heute dort blühenden Gold- und Silberarbeiten hervorgerufen und unterſtützt. Daher die Menge filberner und goldener Prachtgefäfse zum religiöfen wie profanen Gebrauche. Leichtbegreiflich concentrirt fich diefe Art kunftgewerblicher Thätigkeit gröfstentheils auf die beiden Hauptbrennpunkte des Reiches Moskau und Petersburg. Vielfach hat fremder Einfluss und Kunftbegabung mitgewirkt, aber diefs fcheint überwunden und die heutigen Erzeugniffe der Ruffen ftehen achtunggebietend da. In ihrer religiöfen Gefäfsbildnerei hatten fie übrigens immer den Faden weftlicher Cultur und Technik gehalten. Heute werden fie durch neue und fehr zweckmäfsig angelegte Gewerbefchulen mit bereits vorgebildeten Gehilfen verfehen und haben reiches Materiale von Vorlagen zur Dispofition. Aufserdem aber hat das grofse Reich eine bedeutfame Fülle auf alte Cultur geftützter Kunftelemente in der fehr intereffanten Hausinduftrie feiner füdlich öftlichen Provinzen. Im Allgemeinen haben die Erzeugniffe Moskaus einen mehr an ältere Vorbilder erinnernden Typus, während allerlei fremde Einflüffe in Petersburg den dortigen Arbeiten einen modernen Charakter verleihen. Eine fonderbare Verkennung des jedem Material zugewiefenen Formen kreifes hat es übrigens mit fich gebracht, dafs in der Gefäfsbildnerei Rufslands fogar in der äufserlichen Decoration von Rahmen, Käftchen etc. aus Metall diejenigen Ornamente auftreten, welche an derartigem nationalem Holzbau und Holz Metallwaaren. 37 arbeit überhaupt als berechtigt und original uns bekannt find. So bewegen fich denn auch diefe fo farbenprächtigen Schalen und Taffen meift in den Profilen der vom Drechsler gelieferten ordinären Holzarbeit. Eines aber ift entfchieden zu lobén und das ift jenes ausgefprochene Streben nach farbiger Wirkung, welches durch Anwendung von Email-, Niello-. Glanz- und Mattvergoldung in Abwechslung mit weifser und oxydirter Silberfarbe ein äufserft gelungenes Gefammtbild liefert. Hierin fteht Rufsland allein da, und es wäre nur zu wünfchen, dafs auch bei uns diefes Streben Anklang fände. P. Outchinikoff in Moskau in feiner reichen Ausftellung zeigte mehr als einen Beweis diefer Eigenthümlichkeit. Namentlich feine Emails in Verbindung mit Gefäfs nnd Geräth find reizend. Als befonders heben wir die Emails cloifonnés hervor, welche in von der gewöhnlichen Uebung diefer Technik abweichender Weife, nicht abgefchliffen und dadurch mit ihrer Umgebung in gleicher Ebene erfcheinen, fondern in einer dem XV. Jahrhunderte entftammenden Abart das Email innerhalb erhobener Filigranfäden im Glanzflufs vertieft zeigen. Hievon ift vielfach Gebrauch gemacht. Die grofsen Trinkgefäfse und Schalen zeigen Gruben und Zellenfchmelz neben einander, in der naturaliftifcher und Erfindung jedoch ein nicht glückliches Vereinigen fogenannter Nationalform. Einem conventionellen Gebrauche enftammen auch die übrigens techniſch eminent ausgeführten Darftellungen einer Damaftferviette mit Brot auf einem Teller liegend. Die Arbeit, den Deffin des Leinenftoffes und deffen Falten nachzuahmen, ift hierbei mit erftaunlichem Fleifse gemacht, dem übrigens ein edleres Vorbild zu wünſchen wäre. Auch die in altberühmter Vollendung gelieferte Tula Nielloarbeit ift vorzüglich vertreten, nur entspricht es dem fchlichten und doch fo reizenden Eindrucke diefer Technik wenig, wenn, wie wir hier als Neuerung fehen, der Grund neben dem Niello vergoldet, und durch Ringelpunzen mattirt wird. Der Totaleffect wird entfchieden unruhig. Von J. B. Klebnikoff in Moskau waren fowohl recht gefchmackvolle Samovars und anderes Gefchirr als auch Cultusgeräth in gelungener Durchführung exponirt. Neben der unvermeidlichen Serviette waren Löffel und Beftecke überhaupt, in welcher in ganz gelungener Weife das Ornament durch Nielloarbeit hergeftellt war. Auch hier müffen wir der vorzüglichen Emails erwähnen, welche in oft wahrhaft anmuthigen Ornamenten das Gefäfs verzieren. Reizendes liefert in diefer Beziehung auch Tchit cheleff in Moskau in kleinen Zellenfchmelz- Taffen. Mattiffen in Moskau brachte in feinen Theekannen und Becken eine weitere Neuerung der Niellirung. Er hebt das Ornament, welches ganz mit Niello ausgefüllt ift, über die Fläche, die eine vertiefte und mattirte Vergoldung zeigt; für gewiffe Ornamentenkreife nicht unglücklich erfunden. Die grofse Ausstellung S.& V. Safik off in Petersburg zeigt einen Kreis höchft beachtenswerther Arbeit in Silber und Gold. Getriebene Arbeiten namentlich, doch auch cifelirten Gufs. Emails in ganz vorzüglicher Arbeit, emaillirte Kelche und Schalen und namentlich der europäiſchen Kunftreform- Bewegung entfprechend, Einzelnes, und zwar fehr Beachtenswerthes in den edlen Formen der Hochrenaiffance. Daneben wieder ein Theefervice aus Silber in antiker, pompejanifcher Weife concipirt, der Grund Vergoldung, die Ornamente und Figuren mit engen, horizontalen Niellolinien gleichfam deffinirt, fo dafs fie dunkel vom Goldgrund abftechen. Bei den niellirten Arbeiten wollen wir noch der Firmen W. Semenoff und A. Poftnikoff erwähnen, welche, namentlich die erfteren, an Schwärze und Glanz der Einlagen unübertroffen blieben. Die Broncearbeiten find weniger reichlich vertreten, und auch im gewöhnlichen Niveau mit anderen Ländern ftehend. B. Chopin brachte gut modellirte nationale Figuren und Reiterftatuetten in Broncegufs, Tfcherkeffen und ruffifche Bauern in allerlei Hantirungen. Merkwürdigerweife ift hier gar kein Gewicht auf eine reizende Farbenwirkung der Bronce gelegt. Sehr beachtenswerth war eine grofse Arbeit, Thürflügel für die Erlöferkirche zu Moskau aus 33 Stücken montirt in 38 Carl Haas. Broncegufs. Was fonft noch von Consolen, Candelabern und Aehnlichem vorlag, war direct von franzöfifchen Vorbildern herzuleiten. A. Morand und J. Spörhafe in St. Petersburg brachten Broncearbeit in Verbindung mit den koftbaren ruffifchen Mineralien Malachit und Lapis lazuli. Offen geftanden, konnten wir mit beftem Willen an Alledem nichts Gelungenes entdecken. Während ähnliche Zufammenftellungen in der franzöfifchen Abtheilung oft reizende Gefammtwirkung dnrch die fein abgeftuften Töne des Onyx und Alabafters erzielen, geben die harten Farbtöne namentlich des Malachites von Haus aus unkünftlerifche Grundfarben. Was in den füdlichen Provinzen und am Kaukafus producirt wird, fchliefst fich an den Reigen orientalifcher Kunftinduftrie, Einzelnes ift direct perfifch. Aus dem Dorfe Laitfch war eine ganze Reihe Kupfergefäfse, wie deren Vorbilder nur in Iran zu finden, nur roher gehalten, als Hausarbeit der mohamedanifchen Bevölkerung ausgeftellt. Das Ornamentale daran ift Gravirung, welche auf der verzierten Oberfläche das Kupfer im Schnitte blofslegt, wo fodann eine leichte Färbung der Gravirung, einen nielloartigen Eindruck gibt. Aus Tiflis waren fehr edelgezeichnete Filigranarbeiten und Silberarbeiten, getriebene Schüffeln, Flafchen in orientalifcher Form, nach offenbar alten Vorbildern gearbeitet, zu finden. Aus Saxin und Tiflis auch Nielloarbeit, aber in wenig bedeutender Weife. Von galvanoplaftifchen Arbeiten waren einige Reproductionen in der fogenannten„ Amateur- Ausftellung", und zwar von einem, der in Moskau befindlichen Gewerbefchule angehörigen Atelier, exponirt, die Arbeit gut, aber nichts Hervorragendes; während wir die hochintereffante Specialität der Eifenniederfchläge, namentlich in einem Schilde aus der Werkstätte der ruffifchen Staatsnoten- Druckerei auf das Rühmlichfte hervorheben müffen. Rumänien. Ueber die moderne Metall- Kunstinduftrie diefes Landes ift wenig zu fagen, da noch kein Beftreben dort befteht, hierin auf eigenen Füssen zu ſtehen. Import ift die Bafis feines Verbrauches, Cultusgeräth allein dürfte in foweit darin eine Ausnahme machen, als die byzantinifchen Vorbilder vielleicht noch getreuer dort nachgebildet werden als in dem doch mehr felbftftändigen, glaubensverwandten Rufsland. Das Intereffante, was unleugbar die Käften der rumänifchen Ausstellung enthielten, waren durchwegs ältere Arbeiten aus Klöftern und Staatsfammlungen. Vor Allem hochmerkwürdig jener uralte Goldfund von Petroffa, der an einer andern Stelle diefer Berichte feine Würdigung finden wird. Der Orient. Die Grundverfchiedenheit der orientalifchen Kunstgewerbe gegenüber den gleichartigen abendländifchen Beftrebungen, tritt, wo diefelben noch unberührt fich erhalten haben, auch auf unferer Ausftellung markant zu Tage. Es erfchien daher gerathen, hier ausnahmsweife mehr zufammenfaffend vorzugehen, und diefe ganze Gruppe in ihrer unleugbaren Wechfelwirkung zu betrachten. Auch fie zerfällt in zwei Abtheilungen, die der perfifchen, türkifchen, egyp tifchen und allenfalls noch der tunefifchen- marokkanifchen Ausftellung und in jene der chinefifch- japanifchen. Indien, das entwickeltefte Culturland diefer ganzen geographifchen Gruppe, ſteht fo felbftftändig da, dafs wir ihm den befonderen Platz neben England bereits gewahrt haben. Metallwaaren. 39 Zwei Elemente find hier mafsgebend: die ausgefprochene Begabung für das Flächenornament, theilweife aus religiöfen Rückfichten entftammend und dadurch genährt, fo namentlich die Vernachläffigung des figuralifchen Beiwerkes und die Hinneigung zur färbigen fatten Stimmung alles Beiwerkes. Tritt, hiedurch beftimmt, auch noch der Mangel einer eigentlich felbftftändigen, hohen Kunft in unferem Sinne, mit Ausnahme der Architektur, hinzu, fo ift die Präponderanz der kunftgewerblichen Arbeit ein Selbftergebnifs. Erft nach und nach lernen wir befonders an älteren Arbeiten die erftaunliche Technik, den Gefchmack und die Hingebung an die Arbeit kennen und fchätzen, der diefen Völkern eigen war und, jemehr fie unberührt geblieben, noch ift. Kunftgefchichte ift hier nicht die Aufgabe zu treiben; wir erwähnen nur, dafs wir die originalen perfifchen, egyptifchen und firifchen Formen als faft verfchollen betrachten müffen und heutzutage faft durchwegs den Modificationen begegnen, welche die arabifche Kunft mit den einzelnen Typen angefangen hat. Je nach der Begabung der Stämme hat fich denn ein oft von ihrer ftammverwandten Sippe fehr verfchiedenes Bild geftaltet, dem jedoch die Eingangs erwähnten Züge gewiffermafsen Familienähnlichkeit verleihen. Daher ift denn auch der Eindruck der verfchiedenen Ausftellungen des Orientes mit Ausnahme China's und Japans auf den erften Blick ein faft gleichartiger. Perfien. Uralt berühmt finden fich ziemlich reichlich die verfchiedenen Metallwaren Perfiens, welche im Laufe der Jahrhunderte nach Europa gelangten, in den Muſeen und Sammlungen der Liebhaber. Die fcharfen Klingen von Damascener Stahl aus Choraffan und Schiras haben eine der früheften und eminenteften Entwicklung der Stahlfabrication überhaupt zu vertreten und unerreicht von abendländifchen Verfuchen und Erfindungen ihren Ruf bis heute wohl erhalten. An ihrer künftlerifchen Ausfchmückung, meift an Griff und Klinge, haben faft alle Specialornamentirungen Uebung gehabt. Eine befondere Ausbildung und Pflege fand die Kunft des Gravirens als Vorbereitung der Incruftation oder Niello fowohl als auch ganz felbftändig verzierend, heute noch hat fich in Perfien und im anftofsenden Kaukafus die Technik mit dem Grabftichel in den meiften Fällen als einziges Verzierungsmittel der oft nicht unbedeutenden Flächen erhalten. Perfien ift zugleich eine der weiteften Etappen, wohin wir arabifche Kunft verfolgen können und wir fehen noch in den heutigen Arbeiten eine oft kaum zu zerlegende Mifchung einheimifch perfifcher, arabifch- türkifcher, ja felbft indifcher und chinefifcher Elemente. Bedeutend ift die heutige Metallinduftrie Perfiens nicht und was fie hauptfächlich fchafft, ift entweder die forgliche Nachbildung älterer, dort einheimifcher Waffen in Material und Form oder die Gefäfsbildnerei. Aus Bronce finden wir nicht unbedeutende Erzeugung von Schalen, Becken und Kannen, meift zum Zwecke des orientalifchen Badegebrauches. Hier ift auch noch von einer heutigen Induſtrie zu reden. Die wenigen Juwelierarbeiten, welche für landesüblichen Schmuck erzeugt werden, gehen zumeift aus den Händen perfifcher Juden hervor, welche auch den Handel mit edlen Steinen hauptfächlich betreiben. Im Allgemeinen ift es hier jedoch weniger die gefchmackvolle Ausführung als die Gröfse und der Werth der Steine, welche heutzutage beim Schmuck in Perfien in Betracht kommen. Orientale fchätzt überhaupt wenig den kunftvollen Schliff der Juwelen, fondern begnügt fich mit der relativen Seltenheit. Der Auf die Ausftattung der Wafferpfeife, des türkifchen Nargiléh, in Perfien Kaliun genannt, wird viel verwendet, und da lieferte namentlich Schiras die beften Arbeiten. An ihnen kommt fowohl Email als Steinbefatz und ebenfo Incruftation und Niello in Anwendung. Von Waffen war nicht viel und vor Allem wohl wenig Neueres zu finden, das Vorhandene aber meift vorzüglich. Befonders ein Schild mit genial entworfener Goldincruftation, Einiges an Säbelgriffen und anderen Waffen. Von Broncegefäfsen war eine reichliche Collection älteren Datums ausgeftellt. Es waren diefs gröfstentheils Vafen und Schalen, wie fie zur Aufbewah 40. Carl Haas. rung der Seife und Parfums zum Bade dienen, und heute noch nebft den bekannten kleinen Trinkfchalen zu Kirmanfchahan noch vorzüglich gefertigt werden. Die hier in Rede Stehenden waren aus Kupfer und einer Broncelegirung, in einfachen, edlen Hauptformen. Die äufseren Flächen theils verzinnt und dann gravirt, eine Technik, wie fie im Orient weit verbreitet erfcheint; theils die Bronce zeigend, gravirt, vielleicht auch vorgeätzt und dann nielloartig in den Vertiefungen mit Harzfarbe ausgefüllt. An diefen Verzierungen ift ein ganzer Curfus trefflicher Flächenverzierung zu ftudiren und durch die rafche Intervention des öfterreichifchen Muſeums, das die ganze Sammlung erwarb, ift uns hiezu nun ausreichende Gelegenheit geboten. Höchft intereffant war auch eine Räuchervafe mit durchbrochenen Verzierungen in anmuthigfter Form entworfen und meifterhaft ausgeführt. Auch Filigranarbeiten waren zu fehen, fcheinen jedoch nach fpäteften Muſtern gefertigt. Türkei, Egypten, Marokko, Tunis. Die bunte Pracht der türkifchen und der ihr verwandten egyptifchen, tunefifch- marokkanifchen Ausftellung bot im Grunde genommen nichts Hervorragendes und wenig Bemerkenswerthes gegenüber den eben befprochenen Gegenständen der perfifchen Gruppe. Was, in diefen weiten Gebieten producirt, heute eine induftrielle Bedeutung hat, ift in der Mehrzahl, nur in wenigen traditionell gefertigten Artikeln zum täglichen Bedarf dienend und den verfchiedenften, übrigens oft auch nicht eruirbaren kleinen LocalWerkstätten entftammend, vertreten. Noch am meiften fcheint die alte Treibtechnik in Anfertigung von Gefäfsen, Schalen und Platten fich an den meiften Punkten erhalten zu haben. Das Material felbft als Blech fcheint importirt zu fein. Von edlen Metallen ift Silber zahlreich zu Kannen und Taffen verwendet, und eine weit verbreitete Technik ift das Filigran zur Verzierung folcher Gegenftände fowohl, als auch in felbftftändiger Weife verwendet. Zumeift fcheinen die öftlich gelegenen Gegenden am fchwarzen Meere früher von der Nachbarfchaft Perfiens befruchtende Elemente empfangen zu haben, und heute in herkömmlicher Form zu arbeiten. Wenigftens wurden bei einigen der befferen Filigranarbeiten Sinope am fchwarzen Meere und deffen Nachbarfchaft als Verfertigungsort genannt. Uebrigens auch aus Salonich, am Südende Macedoniens, waren derartige ganz gute Arbeiten in Kaffeetaffen, Unterfätze von Eierbecher- Form, vorhanden. Conftantinopel erzeugt wohl auch Silberarbeit, doch ift das befonders Hervorgehobene rein in gewöhnlich europäiſcher Art gefertigt, und kann höchftens durch die barocke Grundidee, wie jene aus Silbergufs und Draht gefertigte Nachbildung einer Mofchee, flüchtige Aufmerkſamkeit erringen. Von wirklicher Kunftarbeit foll noch die Taufchirung der Waffen in dem alten Byzanz in Uebung fein. Dagegen wird am goldenen Horn ziemlich viel und auch ganz präcife Arbeit in getriebenen Becken und Wafchgeräthen nebft Tifchgefchirr in eigenthümlichen Platten und Schalen erzeugt Es waren ganz achtbare Dimenfionen durch Hammerarbeit an Metallvafen namentlich erzielt. Freilich wird diefe Handarbeit auch dort bald durch die Aufnahme des Metalldruckens auf der Drehbank erfetzt werden. Auch Bosnien liefert ganz intereffante derartige Gegenftände, befonders Lampen mit getriebenem, originellem Deckel. So fehen wir hier in einer Abweichung vom gewöhnlichem Gange gerade in der Hauptftadt die Erzeugung der zum Hausgebrauche dienenden Artikel ziemlich fchwunghaft betrieben, während die feineren Kunftgewerbe in localer Zurückgezogenheit und entlegenen Gegenden fich erhielten. Auch ift die Anfertigung jener' ebenfalls getriebenen verzierten und gravirten Becken und Schalen in mannigfacher Form und Herkunft vertreten, deren wir fchon bei Rufsland gedachten, und deren fchönfte Originale in Perfien zu fuchen find. Das Meifte, was Egypten als zu unferer Gruppe gehörig ausgeftellt hatte, zeigte wohl diefelben Grundzüge, und hat wohl auch feine Entstehung meift Metallwaaren. 41 auf dem Boden des türkifchen Hauptreiches gefunden. Es find gewiffermafsen hier die Abfätze der Wellenringe alter Culturftrömungen zu verzeichnen und es ift auch das Alte und Heutige, fo lange es in wirklich orientalifchen es die Formen gehalten erfcheint, vielfach vermengt. Auch hier waren Waffen, welche die meifte Kunftfertigkeit zeigten. Zumeift älterer Herkunft war aus der Sammlung Cöleftin Posno's in Kairo manches Treffliche in Silber und Eifen erhalten. Was fo ziemlich naiv gehalten dem nachgebildet wird in heutiger Zeit, kann fich doch eigentlich keine befondere Bedeutung erringen. Sehr intereffant waren Filigranarbeiten in der egyptifchen Gruppe. Es liefsen fich deutlich zwei befondere, vielleicht noch heute nachwirkende Schulen unterfcheiden. Die eine Aeltere, der der Preis gebührt, bildet die Hauptconturen der Ornamente aus ftarkem, theils glattem, theils halbkugelig gewalztem Draht, und füllt dann die Zwifchenräume durch feine Windungen, welche fehr gefchmackvoll angeordnet dem Charakter der Hauptbewegung folgen; von diefem aus zweigen fich fymmetrifch vertheilt, federnartige, dünne Drähte gegen die Hauptcontur ab, fich dort zufammenrollend und eine kleine Metallperle als Schlufsftein tragend. Es ift das die ftilvollfte Gattung der Filigrantechnik und es freut uns auch, auf eine in den Befitz des k. k. öfterreichifchen Mufeums übergegangene Kaffeekanne diefer Art als bleibendes Beiſpiel hinweifen zu können. Die zweite diefer Schulen formt ihre zarten Windungen aus regellofen Drahtbiegungen und verfolgt die Imitation modern orientalifcher Deffins, ähnlich den Stoffmuftern. Von heutiger Arbeit ift fonft wenig zu erwähnen, höchftens noch eine faft vier Schuh breite Meffingtaffe mit gutem Ornament gravirt, zeigte von Begabung des einzelnen Arbeiters. Was Tunis bot, war in wenigen Exemplaren vertreten; gewöhnliche Arbeit an Flafchen und Schalen in getriebenem Silber, Schmuck und Gehänge mitunter hübfche Form, aber in Details wie auch da, wo Filigrans angewendet erfcheinen, von regellofer Arbeit. Aus Marokko wäre fchliefslich nur eines Goldfchmuckes aus Timbutku zu erwähnen, allein derfelbe ift offenbar uralt, und dorthin verirrt; das Sonftige ift nur ethnographifch intereffant. China. Das wunderbare Land der Mitte war in unferer Gruppe auf der Weltausstellung leider nur in fehr wenigen Stücken vertreten. Diefe find ausreichend, uns zu zeigen, dafs wir uns einer uralten Technik gegenüber befinden, deren traditionellen Umfang und heutigen Werth wir ahnen, aber nicht beftimmen können. Dafs wir auch in dem Fache der Metallbearbeitung von den Chinefen noch Einiges lernen können, fteht feft. Und mit welch' primitiven Werkzeugen wird diefs Alles gemacht! Welches Mafs von Geduld und Fleifs mufs da verwendet werden! Wir unterfcheiden zwei verfchiedene Hauptgruppen, in welche fich die kleine Zahl der Objecte trennt. Die ältere Arbeit, wie die Broncen aus der Sammlung der Miffionaire und die heutige Erzeugung. Der Stil der älteren Sachen ift, wie diefs beim Email beobachtet wurde, den heutigen weit überlegen. Klare Hauptformen und ruhige Details kennzeichnen diefelben im Gegenfatz den gegenwärtigen überladenen und mafslos verfchnörkelten Formen. Einzelnes von wirklich feltener Präcifion und feinem Bronceton; eine Suite von in Shanghai erzeugten Weinkannen und Bechern aus Zinn und Cocosnufs im älteren Stil gehalten; Thierfiguren und Vafen meift mit frei erhobenem Ornament im Gufse, jedoch im Allgemeinen ohne die Schärfe der japanefifchen ähnlichen Arbeiten, bildeten den Stock der kleinen Ausftellung. In den Silberwaaren begegneten wir zwei wirklichen Erzeugern, während fonft eigentlich Commiffionsmitglieder exponirten, die Zollbehörde voran, Miffionaire und Confulatbehörden. Leeching und Yütfching aus Canton, erfterer mit ganz moderner Adrefskarte, fich als Gold and Silber fmith" ausweifend, hatten eine Reihe von " 42 Carl Haas. Schmuck, Tafel- und Luxusgeräthen exponirt. Verfuchen wir Einzelnes bei der Seltenheit der Artikel zu charakterifiren, Der Schmuck ift halb national, halb europäiſch gehalten. Das Material Gold und Silber theils cifelirt oder gravirt, theils in Filigran gehalten und als Mittelftücke oder auch als Umrahmung dortige beliebte Raritäten. So z. B. Tiegerklauen oder das gefchnitzte und gefärbte Horn aus dem Schnabel eines pfefferfreffenden Tunkans. Letzteres auch in eigenthümlicher Verwendung als Decoration in einer an den wirklichen bekannten riefenhaften Schnabel erinnernden, jedoch verkleinerten Form, fein gefchnitzt und geglättet, fowie gefärbt. Einmal fahen wir dasfelbe auf einer Kanne von feinem Filigran, wo dann eine aus Filigran gebil dete Figur mit gefchnitztem Beinantlitz, das Ganze wie im Triumph vor fich herführt. In origineller Weife fah man im Filigrandeffin des Kleides diefer Figur, bekannte Ornamente aus der Reihe jener in älteren Cloifonnéwerken chinefifchen Urfprunges vorkommenden fozufagen elementaren Verzierungen. So finden fich in ähnlichen Techniken in noch früheren Stadien deren Entwicklung, gemein fame eben dem Materiale und deffen Behandlung von felbft entſtammende Züge. Gehen wir noch einen Schritt weiter, fo finden wir Fächer ebenfalls aus Filigran gebildet. Ueberhaupt fcheint diefe Technik mit ihrer kleinen forgfältigen, etwas mühfamen Arbeit fo recht für den emfigen Fleifs der Chineſen Anziehungskraft zu befitzen. Diefe Fächer find aus feinftem gewundenem Draht, der in etwas willkürlichem Deffin die langen Felder einnimmt; unterbrochen durch gröfsere Zellen, welche durch ein durchfichtiges Email beiderfeits an der Vorund Rückfeite nur durch ein äufserft dünnes Blech getrennt, welches dem Email als Untergrund dient, ausgefüllt, die eigentliche Decoration vorftellen. Der Eindruck ift ganz eigenthümlich, und wenn wir auch nicht die frei angebrachten Emails hier haben, wie fie einft B. Cellini an einer Schale im Befitze Franz von Frankreichs bewunderte, fo ftehen wir doch nicht weit davon. Der Effect wird durch die häufige zufällige Durchlöcheruug des oberen Mittelbleches gehoben, da an folchen Stellen das ganze factifch durchfichtig wird und das Email wie ein à jour gehaltener Edelſtein blitzt. Die Gefäfse, Kannen und Taffen zum Thee find offenbar für europäiſche Bedürfniffe gemacht und haben, einige barocken Henkel ausgenommen, kein befon deres Intereffe. Unter den Meffinggefäfsen waren befonders erwähnenswerth Kannen, Becken und allerlei kleineres Geräth mit dicht gravirtem Ornament bedeckt, der Grund davor mit fchwarzem Lack ausgefüllt. Gröfsere Gegenftände waren nicht zu finden; die getriebenen Becken aus Kupfer, welche ausgeftellt waren, zeugten von der Reinheit des Metalls fowohl als der Gewandtheit des Treibens mit dem Hammer. An Zinnarbeiten waren nicht unfchöne Formen in Kannen zu fehen. Von originellem Effect fanden fich zwei kleine Zinnleuchter mit eingravirtem Deffin, aus Formofa ftammend. War es Zufall oder Mangel an Stoff, genug es war in den feltenften Fällen an irgend einem Metalle die rationelle Benützung einer Drehbank zu bemerken; während wir doch an japanefifchen Theebüchfen aus Zinn den dichten auf der Drehbank hergeſtellten Verfchlufs bewundern. Ebenfo konnten wir über Eifenbearbeitung nichts Genaues erfahren, obwohl dasfelbe in manchen Exemplaren als viel gebrauchtes Material fich verräth. Einzelnes hieher Gehörige diefer Ausftellung ftammt aus Japan, wurde daher hier nicht weiter berücksichtigt, fo die Sendung von Mr. Howell aus Hakodadi. Trotzem nun fteht doch die Gefammtwirkung der Ausftellung auf einem ganz anderen, viel höheren Standpunkte als die letzte Parifer Ausftellung hat vermuthen laffen. Dort gröfstentheils durch Amateurs- Collectionen zufammengebracht, haben wir heute in jedem Fache ein, wenn auch lückenhaftes, fo doch belebtes und viel richtigeres Bild der Entwicklung des merkwürdigen Volkes vor uns. Metallwaaren. 43 P Dank der Zähigkeit und dem Eifer unferer Vertretung dort, welche nach vielen Selbftaction vergeblichen Verfuchen endlich die chinefifche Regierung zur brachte, die unter hingebender Mitwirkung erleuchteter Männer, wir nennen nur unferen tüchtigen Conful Overbeck, das Material zufammen brachte. Als Nachtrag nur wenige Worte über die ausgeftellt gewefenen Emails. Es find faft durchgehends Cloifonné- Arbeiten und wir find alfo hier bei den Urbildern der heutigen Engländer und Franzofen angelangt, wie denn auch wohl im frühen Mittelalter die Cloifonnés auf orientalifchen Vorbildern fufsen. Es find ganz achtunggebietende Werke oft von räumlich bedeutendem Umfange, meift jedoch fchon aus fpäterer Zeit und in oft viel fchleuderifcherer Technik gefertigt, als die feit einigen Jahren von dorther in europäiſche Sammlungen gelangten älteren Stücke. Ueber die vorzügliche Haltbarkeit und den eigenthümlichen Farbenton der Emails ift nichts Neues zu fagen, da gerade in den letzten Jahren diefelben Vorwürfe in gediegener Weife öffentlich discutirt worden; eine andere Frage ift die, warum eigentlich die heutige Cloifonage eine fo viel geringere geworden. Wir glauben den Hauptgrund in der auf arcanifchem Wefen beruhenden Erzeugung derfelben zu finden, welche den Einzelnen der durch glückliche Zufälligkeiten, fowohl in der Wahl der Glasmaffe, als in dem local zu Gebote ftehenden Metalloxyd begünftigt, feine Erfahrungen in halb abergläubiger Weife als echter Alchymift zu verwerthen fucht und dadurch im Befitze von Recepten ift, die feinen Nachfolgern felten oder nie zu Gute kamen. Einen guten Theil trägt natürlich auch die jeweilige Nachfrage, welche zu gröfserem Betriebe folcher Specialitäten veranlafst, die unter mifslichen Verhältniffen zeitweilig fogar brach liegen.- Auffallender Weife waren diefe chinefifchen Emails viel theuerer als die japanefifchen gehalten. Japan. Japan gehört feinem neuerlichen Auftreten nach in die Reihe der modernen Induftrieftaaten. Es ift ein höchft beachtenswerthes Streben, das in der Ausstellung diefes kleinen öftlichen Vorkämpfers culturhiftorifcher Entwicklung überhaupt pulfirt. In Metallarbeiten eine altgeübte Technik mit vielfach anregenden Eigenthümlichkeiten zeigend, hat es leicht verftändlich in der Form den bizarren Typus afiatifcher Kunft überhaupt auch hierin zur Geltung gebracht. Nur fei es entfchieden betont, im Vielfachen zeigt fich ein entfchiedenes Streben auch in der Form in natürlicheren Geftaltungen fich zu bewegen, und bei der reformatorifchen Strömung, in welcher fich diefes merkwürdige Culturvolk überhaupt befindet, dürften in nicht zu langer Zeit die Grundprincipien europäiſcher Gefchmacksanfchauung auch dort zur Geltung kommen. Ob zum Vortheile diefer eigenthümlichen Cultur überhaupt, ift aber die Frage. Metalllegirung, vor Allem Metallgufs und gehämmerte Arbeiten traten in mannigfachfter Form uns entgegen, Vafen, Räuchergefäfse, Gebrauchsartikel in der gröfsten Mannigfaltigkeit und faft Alle hier verkauft. Von den in oft überrafchender Weife verfchiedenartigen Farben der Bronce, wie folche die Japaner durch Legirung fowohl, als auch durch nachträgliche Beizung hervorbringen, waren zwei Mufterfammlungen von geftreckten Barren und auf Vafen von übereinander gefchichtet vernieteten Ringen in wechfelnder Farbe vom Schwefelgelb durch Rothbraun und Grau bis zum tiefften Schwarzbraun in vielfach abgeftuften Tönen vorhanden. Die eine diefer Mufterfammlungen enthielt Legierungen von Gold und Silber mit Kupfer und ftammte von Nagashi in Yeddo, die zweite, welche von vorwiegend Kupfer mit anderen aber meift halbedlen Metallen gefertigt war, kam von Kanaya, einem Metallarbeiter in Kio- to. Leider wurde keine diefer Suiten von einer inländifchen Anftalt acquirirt, und es mufs das eingehende Studium diefer für die Bronce- Induftrie hochwichtigen Eine befondere Art Legirungen auf günftigere Momente verfchoben werden. feiner Legirung fei noch befonders erwähnt. Es wird dem gefchmolzenen 44 Carl Haas. Kupfer in gewiffem Verhältniffe Gold zugefetzt, und die gewonnene Verbindung einer wahrfcheinlich fchwefelhaltigen Beize ausgefetzt, welche bei einer gewiffen Goldhältigkeit dann eine dunkle, blaufchwarze, oberflächliche Färbung gibt. Alfo ein Vorgang ähnlich wie beim Niello. Die Legierung heifst Schijak dou, ift fehr beliebt und war auch mannigfaltig vertreten. Ein Vortheil in der Legirung bringt es auch mit fich, dafs die techniſch äufserft gelungenen gröfseren und kleineren Gufsvafen in den äufserften Details mit folcher Schärfe und Präcifion des Gufses erfcheinen. Im Allgemeinen in fchön braunen Broncefarben von verfchiedener Abftufung gehalten, zeigen die Flächen auch oft eine fehr gelungene Belegung von incruftirtem Metall, Silber oder Gold, welches in vorgravirten Vertiefungen eingelaffen wird. Eine Ausnahme machen zwei eiferne Leuchter, deren feine Linienornamente unter der Loupe das Silber eingefchmolzen, alfo wohl im gepulverten Zuftande früher aufgetragen und dann im Feuerflufs fixirt zeigt. Auf kleines Schmuckgeräth ift diefe Incruftation oft in 3 bis 4 Metallen durchgeführt und erzielt dadurch bedeutende Wirkung. Im Allgemeinen darf hier nicht unerwähnt bleiben, dafs die Montirung der Gefäfse meift mit weicher Bleilöthung bewerkstelligt ift, wie denn das Blei überhaupt auch in den Legirungen der Japanefen eine bedeutende Rolle spielt. Eigentliche Rückficht auf Feingehalt der Edelmetalle herrfcht nicht. Gold und Silber erfcheinen in den verfchiedenften Mengungen. Silber oft in einer fehr kupferreichen Legirung von 4 Silber zu 34 Kupfer verwendet, heifst Schibu- jzi. Die ausgeftellt gewefenen Silbergegenstände zeigten, dafs die Japanefen das Silber felten in der dem Metall eigenthümlichen Farbe anwenden, fondern fie geben demfelben durch leichte, wohl Schwefelbeizen, graue, tiefere und lichtere Töne; merkwürdigerweife war gerade das minder fein legirte Silber weifsgefotten geblieben. So weicht in ganz origineller Weife diefe japanefifche Metalltechnik von der europäiſchen ab. - Bei uns wird der Effect durch Vergoldung, Verfilberung oder künftliche Patinirung erftrebt, dort ſpielt meiftens die Legirung verfchiedener Metalle zur farbigen Wirkung die Hauptrolle. Intereffant war es, von den Japanefen felbft zu vernehmen, dafs die Behandlung des Silbers durch fchwärzende Legirung und Beizen hauptfächlich aus dem Grunde gefchehe, um, ohne durch den monotonen Eindruck des Weifs gelangweilt zu werden, in dem alfo gebrochenen Farbenton des Silbers, wie er hier vorlag, eine Möglichkeit zu finden, des Anblickes folcher Geräthe länger froh werden au können". " Welch eine gefteigerte Ausbildung künftlerifcher Anfchauung und gefunden Farbenfinns zeigt diefer dem Referenten gegenüber gelegentlich perfönlich gemachte Ausfpruch eines der japaniſchen Commiffäre, welcher hier einer dort herrfchenden Meinung Ausdruck gab. - Auf vielen Bijouterien bildet das obenerwähnte Schijak- dou den Fond der Platte, dann ift die Fläche mit feinen Goldfäden incruftirt. Den Rand bildete oft feines angeklopftes Goldblech. Auch die Japanefen unterfcheiden zwifchen eingravirten und mit Draht ausgefüllten Verzierungen und folchen, wo das Edelmetall auf einer mit der Feile gerauhten Fläche fixirt wird, kennen alfo ganz gut den Unterfchied von incruftirter und damascirter Arbeit. Leider war kein Stück in letzter Technik zu finden. - Die weitere Flächenverzierung zeigt uns das Email cloifonné; in ziem licher Ausdehnung, nur wie fchon auf der letzten Parifer Ausftellung bemerklich war, ift auch hier die heutige Technik in Linienführung wie Farbe zurückgegangen. Immerhin find aber die einfachften Mufter oft mit viel natürlichem Gefchick verwendet. Metallwaaren. 45 Dem räumlichen Umfange nach zeigen die chinefifchen Arbeiten allerdings eine hervorragende Gewandtheit im Bewältigen der Schwierigkeit grofse Schalenbecken etc. zu emailliren, allein in der Farbenftimmung mufs dem japanefifchen Gefäfse der Vorzug gegeben werden. Eine Eigenthümlichkeit des japanefifchen Emails ift das Vorwiegen der grünen Farbe im Grund und Deffin; während die Chinefen vorwiegend fich des Blau hiezu bedienen. Es wird übrigens die fchon faft verlaffene Technik des Emails erft feit wenigen Decennien dort mehr geübt, nachdem folche bis vor hundert Jahren im Betriebe war, und dann beinahe ganz verlaffen wurde. LAMPEN UND BELEUCHTUNGS- APPARATE. Bericht von CARL COHN. Man braucht nicht auf die Beleuchtung der Strafsen durch Kienholzfpäne und Pechleuchten zurückzugreifen, man braucht nicht des Fortfchrittes zu gedenken, welchen die Beleuchtungsmittel durch Talg in Gläfern und durch die Erfindung der Baumwoll- Dochte für Oelflämmchen erzeugt wurde, endlich auch nicht des ungeheuren Fortfchrittes im Beleuchtungswefen, welchen die Erfindung des Giefsens von Talgkerzen, das im Jahre 1760 zuerft verfucht wurde, und der Reformen der Oelbeleuchtung durch Argant, durch welche 1783 die grofse Periode der modernen Oelbeleuchtung eröffnet wurde, um genügend die Fortfchritte zu - beleuchten, welche unfer modernes Beleuchtungsfyftem darftellt. Die Weltausftellung des Jahres 1867 ift gewiffermafsen das Ende diefer Periode. Man konnte auf ihr das ganze Syftem unferes heutigen Beleuchtungswefens für Strafsen und öffentliche Gebäude, für das bürgerliche Gefchäft und die kleine Haushaltung fehen und ftudiren. Alles, was die Zeit allmälig entwickelt. hatte, alle möglichen Beleuchtungsmitteln, Talg, Wachs, Stearin, Paraffin, Spermacet u. f. w., alle Behelfe der Beleuchtung vom einfachften Leuchter bis zum vielarmigen Kronleuchter, von der kleinen Küchenlampe bis hinauf zur complicirten Moderateurlampe und endlich bis zur vielfach geftalteten Petroleumlampe, alles das war in reicher Auswahl und durch viele Länder und Fabricationsrichtungen zu fehen. Die letzte Reform der Petroleumlampen, die damals auftrat, die Erfindung der Rundbrenner, heute allgemein verwendet, war gleichfalls fchon vertreten. Nach diefen rafch nacheinander folgenden Fortfchritten und der Ausftellung im Jahre 1867 konnte man von Vornherein überzeugt fein, dafs die Wiener Weltausftellung wenig Neues wird bringen. In der That ift auch keine wefentliche Veränderung, kein befonderer Fortfchritt in dem ganzen Gebiete der Lampenfabrication feit den letzten fünf Jahren zu verzeichnen. Allenthalben hat fich wohl die decorative Ausftattung, der Gefchmack und die künftlerifche Vollendung in den einzelnen Beleuchtungsmitteln, Lampen, Lufter, Candelaber u. f. w. hoch entwickelt. Man ift auch auf diefem Gebiete dahin gelangt, dem künftlerifchen Bedarf unferer Zeit zu genügen. Wollten wir uns darüber verbreiten, fo könnten wir über die Ausftellungen Oefterreichs, Deutfchlands und Frankreichs die zumeift in künftlerifcher Beziehung und Decoration das Vollendetfte leiften und gebracht haben, gar vieles erwähnen. Aber diefe Seite des hier zu betrachtenden Gebietes, fällt mit der Broncewaaren-, Metall-, Porzellan- und Kunftinduftrie vollſtändig zufammen, und kann nur bei Betrachtung diefer Gebiete und im Zufammenhange 46 Carl Cohn. mit der kunstgewerblichen Richtung überhaupt, wie fie fich dabei Geltung verfchafft, betrachtet werden. Wir verweifen daher auf die darauf bezüglichen Referate, denn es gibt ebenfo wenig eine befondere Bronce- Kunftinduftrie für Lampen oder Lufters u. f. w., als es eine befondere Porzellan- Kunftinduftrie für diefe Gegenstände gibt. Weiter müffen wir bemerken, dafs die Erfindungen früherer Jahre, wie fie 1867 zur Ausstellung gebracht wurden, heute allgemein geworden, und in einzelnen Neugeftaltungen, für die Erfindung felbft wohl ohne Bedeutung, aber für die Benützung derfelben von ganz gutem Werthe fich entwickelt haben. Es ift natürlich, dafs wir bei unferem Referate uns auf Oefterreich, Deutfchland, Frankreich und England befchränken. Haben doch auch diefe Staaten allein Beachtenswerthes zur Ausftellung gebracht und ragen in Fabrication und Handel allein hervor. Frankreich und England verfenden von ihren Producten viel nach der Fremde, in Deutſchland ift es Berlin, das nach allen deutfchen Städten und Ländern, ebenfo nach den nordifchen Staaten Dänemark, Schweden und Norwegen feine fchönen und guten Producte verfendet. Auch dringen nach Oefterreich und den Donauländern deutſche Lampen und Beleuchtungsapparate in ziemlich bedeutenden Mengen. Es war fchwer, bei der Zurückhaltung der deut fchen Aussteller etwas über die Productionsfähigkeit zu erfahren. Nach den geringen Andeutungen aber, die uns zugekommen, find keineswegs die Exportziffer von 3 Millionen Stück, welche die preufsifchen Städte und darunter zumeift Berlin nach allen Ländern verfenden, zu hoch gegriffen. Auch in O efterreich nimmt die Lampenfabrication nach der Güte des Productes und der Schönheit der decorativen Ausftattung eine hochbedeutende Stelle ein, und dürfte die öfterreichifche Lampenfabrication zu den gröfsten und bedeutendften Europa's zählen. Wien, Peft und Prag nehmen für Oefterreich diefelbe Stellung ein, wie München und Berlin für Deutfchland, und richtet fich der Export Oefterreichs, wie die grofsen Zweiggefchäfte eines bedeutenden Wiener Haufes, deffen wir noch des Weiteren gedenken werden, fowohl nach Deutfchland, zumeift Süd- Deutfchland, dann in fehr bedeutender Weife nach den Donauländern, der Türkei und Griechenland. Auf der Ausftellung war Wien durch mehrere kleine Fabrikanten, die recht beachtungswerthe Beleuchtungsgegenstände zumeift aus Bronce, dann Kirchenlaternen, bei denen man allmälig gleichfalls einen befferen Gefchmack anzuftreben und auszudrücken verfucht, vertreten und durch die grofsen und weitberühmten Firmen von Rudolf Ditmar, Gebrüder Brünner in Wien, Scheller, Wolf& Comp. in Wien, zumeift durch Gaskandelaber und ihre prächtigen Gaseinrichtungen im Kaiferpavillon. Die Fabrik Rudolf Ditmar, diefes auch auf vielen anderen Gebieten des wirthfchaftlichen Lebens Oefterreichs hochverdienten Mannes, wurde 1841 gegründet, und wird heute in 16 grofsen Abtheilungen durch 200 Hilfsund Dampfmafchinen betrieben, und ruht auf einer bis ins Kleinfte durch geführten Arbeitstheilung. In den einzelnen Abtheilungen wird Alles erzeugt, was für die verfchiedenften Beleuchtungsmittel, als Petroleum- und Oellampen, die verfchiedenften Lufter und Candelaber nöthig ift, von der Bearbeitung und Zurichtung des Rohmateriales, bis zum vollendetften ornamentalen Kunftgufs in Bronce oder Zink. Die Leiftungsfähigkeit des Etabliffements ift heute auf 12 Millionen Lampen aller Art per Jahr gehoben, und geht der gröfste Theil derfelben nach allen europäifchen und vielen überfeeifchen Ländern. Neben der eigentlichen Fabrik befindet fich ein befonderes Kunftatelier für die Modellirung und für die Porzellanmalerei. Faft in allen gröfseren Städten Oefterreichs und Deutfchlands hat das Etabliffement befondere Niederlagen und Filialen in anderen Ländern. Gebrüder Brünner in Wien, die in höchft anziehender Weife in der Rotunde ausgeftellt hatten, arbeiten gleichfalls mit Dampfkraft und 250 Arbei Lampen- und Beleuchtungsapparate. 47 tern. Sie erhalten einen jährlichen Umfatz von 500.000 Stück und exportiren nach Italien, Rufsland, der Türkei und Walachei, nach Kleinafien und China. In Oefterreich haben fie in den gröfseren Städten Niederlagen und find hier, wie in der Fremde die Fabricate diefer Firma, nach beftem Ruf anerkannt, fehr beliebt. Deufchland war durch zahlreiche Ausfteller vertreten und zeigte die verfchiedenartige Ausbildung und Entwicklung der Lampeninduftrie in der faft nach allen Richtungen hin Ausgezeichnetes geleiftet wird. Am hervorragendften vertrat diefelbe die Berliner Lampen- und Broncewaaren- Fabrik, vormals C. H. Stowaffer& Comp. und Körner& Comp., mit vorzüglichen und äufserft gefchmackvoll adjuftirten Tifch- und Hängelampen. Die erftgenannte Firma ift heute mehr als hundert Jahre alt und hat einen Jahresumfatz von 631.000 Thaler und befchäftigt neben 41 höheren Beamten 428 Arbeiter. Körner& Comp. exportiren ihrer Erzeugniffe nach allen europäifchen Staaten, nach Amerika und den afiatifchen Ländern. Schöne Form und Zeichnung zeichnen ihre Producte befonders aus. Ueberhaupt läfst die gefammte Berliner Lampeninduftrie in Betreff der künftlerifchen Ausftattung nichts zu wünſchen übrig. Erwähnenswerth ift noch Wild& Weffel in Berlin, die jährlich 500.000 Petroleumlampen produciren und neben einer Dampfmafchine 425 Arbeiter befchäftigen. Auch die Stuttgarter haben durch Edmund Müller und Zimmermann Lampenfabricate beften Rufes nach Wien gefendet, ebenfo wie Heffen- Nafsau mit Auguft Kayffer aus Höchft am Rhein, der fchöne, fehr praktiſche Petroleumlampen, ausgeftellt hatte. Die Lampen für Mineralöle von Dr. Max Zängerle aus München, verdienten gleichfalls befondere Beachtung. Die Sicherheitslampen. wie fie diefer Ausfteller und Edmund Müller aus Stuttgart zur Anficht gebracht hatten, waren wohl fehr fchön und für ihre Zwecke fehr gut eingerichtet, aber zeigten nichts befonders Neues. Frankreich hat auf der Parifer Ausftellung 1867 eine Sammlung von Moderateur- und Petroleumlampen zur Ausftellung gebracht, hinter welcher, wie leicht erklärlich, feine Ausftellung in Wien weit zurückftand; aber es ift unzweifelhaft, dafs Frankreich auch auf diefem Gebiete für die gefammte übrige europäifche Induftrie die gröfste Anregung gegeben hat, und heute noch leiftet Frankreich bei einer Production, die im Jahre 1870 vier Millionen Stück diverfe Lampen betragen hat, fo Vorzügliches und Solides, dafs die im Haushalte fo läftigen Lampenreparaturen bei franzöfifchen Lampen niemals vorkommen. Dabei legen die franzöfifchen Fabrikanten auf die äufsere künftlerifche Ausstattung fo grofses Gewicht und verwenden fo ausgefuchte Sorge darauf, dafs faft jedes Stück zu einem Schmucke der häuslichen Einrichtung dienen kann. Freilich haben auch fie feit den letzten fünf Jahren für die innere Conftruction der Lampen nichts Neues gefchaffen und kann nur die reiche Erfindungskraft, die dauernde fchöpferifche Geftaltung der äufseren Form und die zierliche Ausführung des Ornamentes als Frankreich eigen und wieder auszeichnend bei den wenigen Ausftellern, welche Wien befucht haben, hervorgehoben werden. Die hervorragendften und erften Fabrikanten Schlofsmacher et fils, Lacarière frères, Belatour& Comp., Chabriè et Jean aus Paris, find weit durch ihre Erzeugniffe bekannt, und haben auch hier durch die reich decorirten Arm- und Kronleuchter, durch ihre fchönen Hängelampen und Candelaber, ihren Lampen mit Broncegufs oder Porzellan grofsen Beifall gefunden. England ift keineswegs in der Lampenfabrication fo hervorragend, dafs es einen Export beftreiten könnte. Winfild R. W.& Comp. erzeugt übrigens fehr fchöne Lampen und Gascandelaber, die in London gebraucht und auch nach anderen Städten Englands exportirt werden. Fild and Sons haben Blendlaternen für den Polizeidienft ausgeftellt, die in Conftruction und Ausführung fehr folid 4 48 Carl Cohn. Lampen- und Beleuchtungsapparate. find. Diefe Laternen werden an der Bruft befeftigt, fo dafs beide Hände frei bleiben. Ein kleiner, einen Zoll grofser Springdeckel verfchliefst den Reflector derart, dafs auch nicht der geringfte Schein zu bemerken ift. Wird der Deckel geöffnet, fo erhellt diefe Laterne einen grofsen Raum mit kräftigem Lichte. Gleich rafch und fchnell kann die Lampe wieder verdunkelt werden. Jeffreys Charles aus London hat grofse Reflexlampen, die ein ftarkes Licht auf einzelne Objecte werfen, auf welche fie eben zur Beleuchtung gerichtet werden. Sie ruhen auf Circularprismen und Metallfpiegeln, wie fie bei den Signalifirungslampei der Leuchtthürme benützt werden. Die Einrichtung ift fomit nicht neu, aber die Anwendung für kleinere Lampen und Handlampen kann für verfchiedene Zwecke ganz nützlich fein; es kam leider nicht dazu, diefe Lampen zu verfuchen. Bemerkenswerth unter den wenigen englifchen Ausftellern find die Lufter aus Meffing von Beft& Lloyd aus Birmingham, die recht gefchmackvoll ausgeftattet und praktiſch eingerichtet waren. Zu bedauern ift, dafs das Allerneuefte unter den Beleuchtungsmitteln nicht zur Ausftellung kam. Es ift diefs eine Lampe, die fowohl für Fettöle als Mineralöle verwendet werden kann. Auch können diefe Beleuchtungsapparate, als Lampen oder Lufter eingerichtet, fo angeordnet werden, dafs ihre Speifung mit Brennftoff durch ein Hauptrefervoir gefchieht, ähnlich wie bei den Gaslampen. Die Einrichtung der Brenner ift fehr forgfältig und neu, die Alimentation des Oeles derart, dafs ein Erfäufen des Dochtes nicht ftattfinden kann und das Verbrennen desfelben fo gering ift, dafs innerhalb dreier Monate kaum mehr als zwei Linien verkohlen. Sobald das Erfindungspatent dafür fichergeftellt fein wird, werden diefe Lampen auch in Handel kommen und möglicherweife eine totale Umgeftaltung unferer Zimmerbeleuchtung anregen. Auch eine neue Conftruction der Rundbrenner bei Petroleumlampen von Dittmar in Wien, um das nach der heutigen Conftruction immer fchiefe und verfchobene Aufdrehen des Dochtes zu verhindern, war von dem hervorragenden Fabrikanten nicht zur Ausftellung gebracht worden, obgleich es gar keine Frage ift, dafs diefe auch nach der Art der Dochteinführung fehr bequeme Conftruction bald die alten heutigen Mafchinen der Rädchen verdrängen wird. An ihre Stelle werden die bei der neuen Erfindung verwendeten Walzen treten. Doch ift die Erfindung noch Geheimnifs und nicht patentirt. Es ift nicht unfere Aufgabe, darüber weiter zu referiren.