OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. PAPIER INDUSTRIE. ( Gruppe XI.) BERICHT VON EMIL TWERDY, Ingenieur und Papierfabrikant in Bielitz.. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. PAPIER UND PAPIERZEUG ( Gruppe XI, Section 1.) Bericht von EMIL TWERDY, Ingenieur und Papierfabrikant in Bielitz. Wenn die Weltausftellungen, durch Schauftellung der beften Leiſtungen menfchlichen Geiftes und Fleiſses die Macht und den Fortfchritt der Cultur zu unmittelbarer Anfchauung zu bringen, in vollendetfter Weife erreichen, eine Fülle von Anregungen und ein riefiges Belehrungsmaterial bieten; fo bafirt die fegensvolle Wirkung des letzteren doch hauptfächlich nur auf perfönlicher Wahrnehmung, ohne jene Univerfalität und den dauernden Werth zu erreichen, den fie durch die Zuhilfenahme eines Mediums gewinnt, das inmitten einer glanzvollen Umgebung nur ein anfpruchlofes Ausftellungsobject bildet. Wir meinen das Papier, das dem Wort und der Erkenntnifs, dem Geift und Gedanken zur weiteren Vermittlung an Andere, als guter Behelf dient. „ Träger Das Papier in feiner mannigfachen Form ift in Wahrheit ein der Cultur" und nimmt unter den Artikeln unferes Bildungsbedarfes einen eminenten Rang ein. Es ift das Mittel, um den flüchtigen Gedanken zu feffeln, die Thätigkeit des Geiftes dauernd abzufpiegeln, diefelbe Anderen zugänglich zu machen; ſpielt daher eine der wichtigften Vermittlerrollen im Ideenkreife der Menfchheit, deffen mannigfachfte Blüthen als Producte des Culturfortfchrittes das Wohl derfelben zu fördern berufen find. Neben der Wichtigkeit, welche das Papier in feiner Form als BriefSchreib-, Druck, Zeichenpapier etc. befitzt, und geiftigen Zwecken dient, kann auch die Induftrie desfelben nicht entrathen und abforbirt riefige Mengen in den verfchiedenften Arten von Pack-, Tapeten-, Seiden-, Blumen-, Bunt-, Photographiepapier etc. Die ftetige und erfreuliche Entwicklung des Lehr- und Erziehungswefens, die Ausbreitung des Handels, die Zunahme induftrieller Thätigkeit, der allgemeine Bildungsdrang und die Erhöhung der Volkswohlfahrt haben den Bedarf an Papier jeder Gattung fehr erheblich gefteigert und den mächtigen Auffchwung veranlafst, den die Papierinduftrie innerhalb der letzten fechs Jahre genommen. Ehe wir jedoch zur Befprechung der diefsbezüglichen Ausftellungsobjecte fchreiten, ift es nothwendig, die allgemeinen Verhältniffe der Papierinduftrie, die 2 Emil Twerdy. heutigen Forderungen des Papiermarktes, und die Fortfchritte in den Betriebsmitteln zu kennzeichnen, um die gebotenen Leiftungen gebührend zu würdigen. Das Rohmaterial. Hadern. Das wichtigfte und werthvollfte Rohmaterial der Papierinduftrie bildet heute, nach wie vor, die Baumwoll- und Leinenfafer in der Form von Hadern, ein Artikel, welcher fchon lange nicht mehr in hinreichender Quantität befchafft werden kann, und von welchem fich kaum behaupten läfst, dafs feine Qualität im Laufe der letzten Zeit irgend welche Verbefferung aufzuweifen hätte. Entgegen der Mehrzahl anderer Induftrie- Rohmaterialien, welche durch entfprechend forgfältige Behandlung, Pflege, Züchtung, dem Fabrikanten eine wefentliche Erleichterung in der Weiterverarbeitung bieten, entzieht fich das Hadernmaterial hartnäckig dem zweckfördernden Einfluffe des Confumenten, da es faft ausfchliefslich, als zu keinem weiteren Zwecke verwendbarer Abfall" feiner letzten, aber dennoch fo wichtigen Beftimmung zugeführt wird. Die Natur der Haderngewinnung, das„ Lumpenfammeln" bringt es mit fich, dafs die Hadern in wirrem Gemifch in die Hände des Händlers gelangen, von denen noch keineswegs alle fo forgfältig in der Sortirung und Claffificirung ihrer Waare vorgehen, dafs der Papierfabrikant nicht noch weitere grofse Mühe aufzuwenden hätte, um der Wirkung des angekauften Materiales annähernd ficher zu fein. Die moleculare Verfchiedenheit der, felbft als„ fortirt", gehandelten Rohwaare ift demnach eine fo bedeutende, dafs Fabrikanten halbwegs befferer Papiere gezwungen find, zum mindeſten eine Nachfortirung" vorzunehmen, und haben faft alle commerciell gut geleiteten Etabliffements die Gepflogenheit, den Werth der gekauften Rohwaare auf Grund gewiffer, der Qualität der einzelnen Sorten entſprechender Einheitspreife zu fixiren, wodurch es allein möglich ift, fich vor Täuſchung und eventuellem Schaden zu bewahren und der Calculation eine legalere, weil ftabile Bafis zu bieten. " Die aus der Natur der verfchiedenen Geſpinnftfafern fich ergebende Ungleichheit, die gröfsere oder geringere Reinheit und Weichheit, die Variationen in der Färbung etc. erfchweren die Homogenität felbft einer beſtimmten Sorte in fo erheblichem Mafse, dafs der Fabrikant auch bei grofser Aufmerkſamkeit der weiteren Behandlung nur fchwer auf vollkommene Gleichartigkeit der Stoffe rechnen kann. Diefer letztere Umftand fpielt bei den gefteigerten und oft ganz gerechtfertigten Anfprüchen der Papierconfumenten eine fo wichtige Rolle, dafs es oftmals trotz anfcheinend ganz gleichartigen Stoffes der complicirteften Combinationen in der Weiterbearbeitung bedarf, um Ausfehen und Qualität conftant zu erhalten. Diefe von den im Allgemeinen noch immer ziemlich primitiven Verhältniffen des Hadernhandels und der Natur des Materiales unzertrennbaren Mifsftände, potenziren fich durch den ferneren Umftand, dafs fich in unvermeidlicher Weife Lager von zur Fabrication einer beftimmten Specialität nicht taugliches Materials bilden, die nicht fowohl oft werthvolle Räume in Anspruch nehmen, und die Gefahr der Verunreinigung befferer Stoffe mit fich führen, als auch dem Fabrikanten durch den darin unnöthiger Weife angelegten Capitalaufwand direct fchaden. Fabriken, welche nicht mehr als eine Papiermafchine befitzen, werden dadurch von dem mehr und mehr als ausfchliefslich richtig anerkannten, wirthfchaftlichen Grundfatze ,, der Cultivirung einer Specialität" periodenweife abgedrängt, oder gezwungen, einen in feltenen Fällen vortheilhaften Zwifchenhandel ihres Abfallmateriales zu treiben. Ein fernerer Uebelftand des Hadernhandels befteht darin, dafs der Zufam. menflufs des Materiales hauptfächlich gerade in einer, dem Zwecke ungünftigen Zeit, nämlich im Winter erfolgt, wo viele Hände erft nach gefchehener lohnenderen Papierinduftrie. 3 80 Feldarbeit für das weniger lucrative Hadernfammeln disponibel werden, das Material feucht und defshalb doppelt unrein zum Weiterverkauf gelangt, die Ungleichförmigkeit des Ausgebotes einerfeits, und die des Materiales an fich anderfeits, zwingt den Fabrikanten, fein Betriebs capital in Anfchaffung grofser Lager zu exponiren, wie nicht minder die Fabriksanlage felbft dadurch um vieles voluminöfer wird, dafs grofse Lager- und Sortirräume, fowie Säuberungsapparate zur urwüchfigften Präparation des Rohftoffes bereit gehalten fein müffen. Die eben angeführten Uebelftände, als: Ungleichförmigkeit des Bezuges, der Preife und der Stoffe felbft, die daraus folgende Labilität einer Calculationsbafis, die fchwierige Verwerthung der Abfallftoffe, die erfchwerte Manipulation in der Mifchung zur Einhaltung gleicher Qualitäten, die Nothwendigkeit grösseren Capitalaufwandes durch Anfchaftung grofser Lager und entſprechender Räume, verbunden mit der Schwierigkeit, dem gefteigerten Verbrauche gemäfs, die nöthigen Quantitäten der Hadern zu befchaffen, haben es fchon lange als ein dringendes Bedürfnifs fühlen laffen, einen für die Papierfabrication gleichwerthigen Faferftoff aufzufinden, der fich wo möglich nicht theurer ftellt, und welchem die erwähnten Mängel in geringerem Grade anhaften. Es werden feit Jahren allfeitig grofse Anftrengungen zur Auffindung eines folchen„ Normal- Rohftoffes der Zukunft" gemacht, und find auf diefem Gebiete feit der lezten Weltausftellung fehr beachtenswerthe Refultate zu Tage gefördert worden, ohne dafs das grofse Problem vollständig gelöft worden wäre. Zu den wichtigften Hadernfurrogaten gehören: der gefchliffene Holzftoff, das Stroh und in neuefter Zeit die Cellulofe( auf chemifchem Wege erzeugter Holzftoff). Auf der Ausftellung waren aufserdem vertreten: Kartoffelftängel, Brennneffel, MaulbeerbaumRinde und Hanf, welche jedoch nur untergeordnete Bedeutung haben. Animalifche Surrogate werden gar nicht, mineralifche Stoffe nur als Füllmittel zur Vermehrung von Maffe und Gewicht des Papieres verwendet. Der gefchliffene Holz ft o ff. Die Erzeugung und Anwendung des gefchliffenen Holzftoffes hat feit dem Jahre 1867 einen grofsartigen Auffchwung genommen, die Holzftoff- Fabrication ift zu einem felbftändigen, blühenden Induſtriezweige geworden, der zwar im Principe keine wefentliche Aenderung, dagegen in den Details der Apparate manche werthvolle Vervollkommnung erfahren hat. Seit G. Keller den genialen Gedanken gefafst, und Heinrich Völter in Heidenheim demfelben durch zweckmäfsige Form der Apparate praktiſche Verwerthung gegeben, find Hunderte von Holzftoff- Fabriken errichtet worden, da fich die Verwendbarkeit des Stoffes immer deutlicher erwies und der Bedarf von Jahr zu Jahr wuchs. So würde beispielsweife Deutfchland fieben Millionen Centner Hadern zur Erzeugung feines Papierquantums nöthig haben, während es nur zwei Millionen Centner producirt. Der Abgang wird zum geringen Theile durch die Haderneinfuhr und hauptfächlich durch Surrogate, worunter Holzftoff die bedeutendfte Rolle fpielt, gedeckt. Der aufserordentliche Verbrauch an Holzftoff, welcher durch die bis 60 bis 70 Percent gehende Beimifchung zu den Hadernftoffen erklärt wird, weckte die Unternehmungsluft zahlreicher Intereffenten, welche in der Ausführung und Verbefferung der Schleifvorrichtungen dankbare Objecte ihrer Bemühungen fanden. Allen voran fteht jedoch Heinrich Völter in Heidenheim, der mit bewundernswerther Energie und Ausdauer den einmal gefafsten Gedanken verfolgte und ausbildete, und ihm gebührt das Verdienft, diefe Induftrie zu ihrer heutigen Vollkommenheit und Bedeutung gebracht zu haben. Die wünſchenswerthen Refultate: möglichft grofses Schleifquantum bei geringftem Kraft confum, fowie grofse Feinheit und Gleichartigkeit der nicht alizu kurzen Fafer, bilden das Ziel aller Vervollkommnung. Je feiner und gleichartiger die Fafer, defto fchwieriger ift fie im Papiere erkennbar, und defto mehr convenirt fie dem Papierfabrikanten. Die gebräuch. 4 Emil Twerdy. lichften Holzarten find: Fichte, Tanne und Aspe. Das Aspenholz gibt ein fehr fchön weifses, jedoch zu weiches Product, und erhält das Papier bei Mifchungsverhältniffen, wo Fichtenholz noch fehr glattes, klangiges Papier liefert, bei Anwendung von Aspe einen lockeren, fchwammigen„ Griff" und rauhes Ausfehen. Hin gegen kann man mit gleichem Kraftaufwand und gleichen Apparaten um 36 bis 40 Percent mehr Aspenftoff fchleifen als Fichte oder Tanne. Ein fehr beliebter Ausweg, der fowohl dem Schleifer als dem Papierfabrikanten dient, ift das Mifchen von Aspen- mit Fichtenholz, und zwar derart, dafs nach je 3 oder 4 oder 5 Fichtenholz- Klötzen, I Aspenholz- Klotz in die Bremskammern des Defibreurs eingelegt und die Mifchung fomit fehr intenfiv erhalten wird. Die wefentlichfte Bedingung zur Erzielung einer feinen und gleichmässigen Fafer ift bei guter Conftruction und Ausführung, fowie möglichfter Stabilität des Schleifapparates, ein guter, feinkörniger Schleifftein und fein oftmaliges Schärfen. Bei den meiften bisher ausgeführten Schleifapparaten mit horizontaler Achfe find mechanifche Steinfchärf- Vorrichtungen noch nicht in Anwendung gekommen, dagegen zeigt der von der Firma Th.& Fr. Bell ausgeftellte Apparat mit um eine fenkrechte Achfe rotirendem Stein die Anwendung einer folchen, und es fteht wohl zu erwarten, dafs der Schärfapparat in entſprechender Modification auch bei dem erftgenannten Syftem zur Anwendung gelangt. Um den Stoff rafch und ficher vom Stein abzufpülen, der dadurch wefentlich angriffsfähig erhalten wird, ift eine reichliche Menge unter Druck eingefpritzten Waffers nöthig, und werden zu diefem Zwecke bei guten Apparaten hinter jeder Bremskammer Spritzrohre eingefetzt. Leider trifft man noch vielfach mifslungene Imitationen Völter'fcher Apparate, welche fich mit einem einzigen Einfpritzhahn begnügen, und deren verfehlte Conftruction es aufserdem bedingt, dafs der Oberbau, diefer wichtigfte und complicirtefte Theil der Mafchine, bei jedesmaligem Wechfel des Steines demontirt werden mufs, ein Umftand, der bei der fchwierigen und oft nicht immer genauen Wiedermontirung leicht von nachtheiligen Folgen für den Betrieb begleitet fein kann, und als ein entfchieden grober Fehler bezeichnet werden mufs. Eine fernere Vervollkommnung der Defibreurs befteht in der Anbringung einer Stellvorrichtung, wodurch die, die Bremskammer bildenden Platten einen fehr genauen Anfchlufs an die Peripherie des Schleiffteines erhalten, und das Splittern des Schleifklotzes, mithin Stoffverluft vermieden wird. Das Anpreffen der Bremsplatten an den Schleifklotz erfolgt bei den neuen, guten Maſchinen nur mehr durch Wirkung von Hebeln, Rollen und Gewichten. Einen nicht minder wichtigen Einfluss auf die Qualität des Stoffes, als der Defibreur, nimmt die Conftruction und Behandlung der Raffinir- und Sortirapparate. Zur Ausfcheidung der groben Splitter werden Cylinder oder Schüttelfiebe angewendet, jedoch verdienen die letzteren, welche wie Knotenfänger fungiren, entfchieden den Vorzug vor den Cylindern, weil ihre Anfchaffung nicht nur billiger, fondern auch die Reinhaltung leichter möglich ift. Die eigentliche Scheidung des Stoffes in fertiges und in der Raffinirung zu unterziehendes Product erfolgt noch immer am beften durch ein Syftem von Cylindern, die mit verfchieden mafchigem Meffingdraht- Gewebe überfponnen find. Der Prima- Holzftoff, das heifst, derjenige, deffen Vorkommen im Papiere mit freiem Auge nicht erfichtlich ist, hat einen ungleich höheren Werth als die Secundawaare. Erftere kann mittelfeinen Druck-, Schreib-, Tapeten-, feinen Packpapieren fowie Affichen bis 60 Percent, fogar Cigarrettenpapieren bis 20 Percent zugetheilt werden, ohne dafs die Papiere an Güte verlieren. Secunda Holzftoff hingegen macht felbft durch geringe Beimifchung die Papiere auffallend rauh und brüchig, und findet defshalb nur zu ordinären Papieren Verwendung. Jeder Fabrikant kennt die enormen Calamitäten, welche ihm daraus erwachfen, wenn fchlecht fortirter Holzftoff zu feineren Papiergattungen verwendet wird, und der fertige Bogen ftatt des gehofften glatten, ein bürftenähnliches Ausfehen zeigt. Die Neue Papierinduftrie. 5 rungsfucht Reclame bedürftiger„ Erfinder" hat unter dem Vorwande erheblicher Krafterfparnifs die Weglaffung des Raffineurs vorgefchlagen, wovon jedoch im Intereffe des Holzfchleifers felbft nicht dringend genug abzurathen ift. Eine verlässliche Abdichtung der Ausgufs- Mundftücke der Sortircylinder ift zum Zwecke einer genauen Sortirung von nicht zu unterfchätzender Wichtigkeit. Am vollkommenften wird diefelbe dadurch erreicht, dafs ein mit Unfchlitt getränkter Hanfzopf an die gedrehte Abgufsflanfche durch in drehbare Meffinglafchen eingefetzte Stellfchrauben angeprefst wird, wodurch nicht nur ein vollkommen waffer- und ftoffdichter Ausfchlufs erreicht, fondern auch fehr geringe Reibung erzeugt wird, was fich von keinem anderen Dichtungsfyftem als: angefpannte Kautfchukgurten, Filze, Leder etc. behaupten läfst. Das Productionsverhältnifs der zwei Stoffqualitäten beträgt bei mangelhafter Anlage und Wartung der Apparate fogar 3: 1, fo dafs die Secundawaare 25 bis 20 Percent der Gefammterzeugung ausmacht. Dagegen läfst fich durch eine gute Anlage und zweck dienliche Manipulation, fowie durch wiederholtes Raffiniren diefes ungünftige Verhältnifs wefentlich günftiger geftalten, fo dafs nur 5 bis 7 Percent fogenannten Zweierftoffes entſtehen. Je gröfser die Sortir- Siebflächen find, defto genauer erfolgt die Ausfcheidung. Ein fehr günftiges Refultat ergibt eine Sortiranlage von 10 Quadratfufs Siebfläche für je einen, in 24 Stunden erzeugten Centner lufttrocken gedachten Stoffes. In der Conftruction der Sortircylinder hat man zu den mannigfachften Anordnungen gegriffen. Ein guter Cylinder mufs vor Allem leicht, und die das fortirende Drahtgewebe tragende Auflagefläche, nämlich der Cylindermantel derart befchaffen fein, dafs dem Durchlafs des Stoffes kein Hindernifs entgegensteht, dafs das Sieb keine Falten zieht und fich fehr leicht reinigen läfst. Die billigfte und vielfeitig angewendete Anordnung befteht in einem Gerippe von parallel zur Cylinderaxe laufenden, nach Aufsen konifch zugefpitzten, dünnen Holzftäben, auf welchen ein kräftiges Bodenfieb ruht, das dann das eigentliche Sortirfieb trägt. Eine andere und beffere Anordnung ift die von ebenfalls zur Achfe parallel laufenden Stäben, die jedoch von gefchmiedetem Rundeifen find, über welche dünne Metalldraht- Ringe, in Abftänden von einem Zoll gefpannt werden, welche direct das Sortirfieb tragen. Eine dritte Art befteht in einem gelochten Zinkblech- Unterboden, auf welchen das Sortir- Drahtgewebe aufgelöthet wird. Diefe Anordnung fchont die Siebe fehr, beansprucht jedoch grofse Cylinderdurchmeffer, da wegen des, zwifchen den Löchern des Unterbodens ftehenbleibenden, vollen Blechmateriales viel Durchgangsfläche verloren geht. Die am häufigften vorkommende Dispofition der Sortircylinder beſteht in deren ftufenweifer Aufftellung in hölzernen Käften, in welche der Holzftoff an der rückwärtigen Längsfeite einfliefst. Der das Gewebe paffirende, alfo fortirte Theil fliefst durch den offenen Seitenkranz ziemlich tief unten ab, während der gröbere, alfo nicht durch das Gewebe durchgehende Theil fich unterhalb des Cylinders in den Vorderraum des Kaftens drängt, von dem auffteigenden Cylinder durch Reibung in dünnen Schichten aufgenommen, durch mit Filz umwickelte Walzen abgenommen und wefentlich entwäffert durch einen Schaber in einen feparaten Vorkaften abgelegt wird. Der Vortheil diefer Anordnung befteht darin, dafs der Stoff unter geringem hydroftatifchen Drucke durch das Sieb gedrückt wird, nachtheilig hingegen ift der Umftand, dafs der fortirte Theil, als am Boden des Cylinders abfliefsend, immer noch Gelegenheit findet, fich mit dem aufsen befindlichen unfortirten, alfo gröberen Theil zu vermifchen, refpective zurückzutreten, und dafs der gröbere Stoff eine, die Vorderfeite des Cylinders eng umfchliefsende Wand bildet, welche grofse Reibung verurfacht und behufs der Weiterbeförderung vom Cylinder gehoben werden mufs. 6 Emil Twerdy. Die zur Stoffabnahme dienenden Filzwalzen haben das Unangenehme, Stofffafern in die Gewebemafchen einzuzwängen, welche dadurch verlegt werden und den freien Durchgang der Fafern hindern. Diefer mifsliche Umftand ift bei der von der Firma Th.& Fr. Bell in Kriens bei Luzern, Schweiz, ausgeftellten Sortiranlage durch eine fehr finnreiche Conftruction behoben, und verdient überhaupt die von diefer Firma exponirte Schleifereianlage eine eingehende Würdigung. Der von Th.& Fr. Bell ausgeführte Defibreur ift mit einem horizontal liegenden, um eine fenkrechte Achfe rotirenden Stein verfehen. Vier kräftige, eiferne Säulen tragen das eiferne Gerüft der Bremskammern. Die ftarke Defibreurfpindel wird ohne Verluft der Kraftübertragung durch konifche Räder von der Haupttransmiffion angetrieben. Es find acht Bremfen( Preffen) vorhanden, welche gleichmässig an der ganzen Peripherie des Steines, welcher einen Durchmeffer von 1470 Meter und eine Höhe von o 360 Meter hat, vertheilt find. Das Anpreffen gefchieht durch Wirkung von Hebel und Gewichten, Wafferftrahl- Rohre führen zu jeder Preffe. Eine zwifchen zwei Bremskammern angebrachte Schärfevorrichtung befteht in zwei rotirenden Fraifern, die an einer ftarken fchmiedeeifernen, fenkrecht ftehenden Schraubenfpindel mittelft Handkurbel beliebig hoch geftellt werden können, um die ganze Breite des Steines zu fchärfen. Das Gewicht der Schleifmafchine ohne Stein beträgt 7000 Kilogramm. Die Exponenten machen für ihr Syftem folgende Vortheile geltend: Solide und einfache Aufftellung, indem das Fundament in den Boden hineinkommt und die Mafchine frei ftehen kann; einfaches Getriebe mit geringem Kraftverluft; gleichmäfsiger Druck auf den Stein, daher geringere Reibung in den Achfenlagern, im Allgemeinen geringerer Kraftbedarf, alfo verhältnifsmässig gröfsere Production( 3 bis 3% Pferdekraft per 50 Kilos Stoff, trocken gedacht, in 24 Stunden); bequeme Bedienung der Mafchine bezüglich der Regulirung des Druckes durch Auflegen von mehr oder weniger Gewichten; zweckmässige Vorrichtung zum Schärfen des Steines während des Ganges der Mafchine. Der nebenftehende Raffineur ift ebenfalls auf kräftigem, auf dem Boden ftehenden eifernen Säulengerüfte gelagert, bei den vorhandenen, jedoch nicht montirten Steinen von 1320 Meter Durchmeffer und o 450 Meter Höhe ift nicht erfichtlich, ob der Läufer mit fefter oder balancirender Haue verfehen wird. Der Raffineur wiegt 1150 Kilo. Der Sortirapparat befteht aus fünf Cylindern,( wovon drei Stück ausgeftellt waren) von je o 600 Meter Durchmeffer und 1160 Meter Länge und wiegt circa 1500 Kilo. Der Entwäfferungscylinder hat einen Durchmeffer von o'900 Meter und eine Länge von 1200 Meter, fein Gewicht beträgt circa 500 Kilo, exclufive des Holzkaftens. Die drei erwähnten Sortircylinder ftehen mit ihren Achfen parallel zu einander, jedoch fo, dafs die Verlängerung der Achfe des erften, höher gelegenen Vorfortircylinders zwifchen die Achfen der beiden tiefer gelegenen, eigentlichen Sortircylinder trifft. Die Eigenthümlichkeit und der Vortheil diefer Anordnung befteht hauptfächlich darin, dafs der durch das Gewebe durchfliefsende Stoff nicht mehr auf den Boden des betreffenden Cylinders gelangt, fondern in einer innerhalb des Cylinders gelegenen Blechrinne aufgefangen und zum Abflufs gebracht wird. Die Tendenz des fortirten Stoffes, fich auf dem Boden des Cylinders mit dem unfortirten zu vermifchen, wie fie bei den älteren Einrichtungen vorherrfcht, wird hier unmöglich gemacht. Damit man für die Rinne Raum gewinnt, darf felbftverſtändlich kein Rofettenarm den inneren Raum behindern, und ift defshalb jeder Cylinder nur mit zwei gufseifernen Endkränzen verfehen, die mit ihren abgedrehten Peripherien auf Leitrollen gelagert find. Der obere Cylinder hat links und rechts je zwei Papierinduftrie. 7 Leitrollen, aufserdem geht fenkrecht unter der Achfe desfelben und parallel mit diefer eine Welle, auf welcher vier gröfsere Rollen aufgekeilt find, und die durch eine Riemenfcheibe von einer Transmiffion angetrieben wird. Die erften zwei, die Peripherien der Endkränze des oberen Cylinders tangirenden Rollen fungiren hier als Antriebs- und Tragrollen. Die anderen zwei Rollen legen fich feitlich links und rechts an die Peripherie der Sortircylinder an und dienen hier als Antriebs-, Trag. und Leitrollen. Die tiefer gelegenen Sortircylinder haben auf ihrer äufseren Längsfeite noch je zwei kleinere Leitrollen. Die Rinne des erften Cylinders erweitert fich nach ihrem Austritte aus dem Innern des Cylinders und überdeckt in ihrer Fortfetzung die beiden tiefer gelegenen Sortircylinder in einem fenkrechten Abftand von circa o 040 Meter, wodurch der Stoff links und rechts der ganzen Cylinderlänge nach auf das Sortirgewebe auffliefst, und kein Cylinder im Stoffe watet. Im Innern der Cylinder befindliche Spritzrohre reinigen continuirlich die Mafchen der Drahtgewebe, wodurch jedes Verfchmieren derfelben verhütet wird. Der Mantel jedes Cylinders befteht aus in der Entfernung von 105 Millimeter an der Peripherie parallel zur Achfe gelagerten, in die Endkränze eingefchraubten, fchmiedeeifernen Rundftäben, in welchen Metalldraht- Ringe in der Entfernung von einem halben Zoll von einander liegen, welche das Sortirfieb unmittelbar tragen. Die Cylinder find fehr fchön rund und laffen leichte Reinigung zu. Die Kraft zur Bewegung iſt eine wefentlich geringere als bei dem älteren Syftem. Der Entwäfferungscylinder hat Rofetten, die auf der mitten durchgehenden Welle feftgekeilt find, der Siebboden ift ähnlich denen der Sortircylinder, nur kräftiger. Die Abdichtung der Ausgufsflanfche erfolgt durch einen angegoffenen Rand, der in einer Nuth des Holzkaftens geht. Die ausgeftellt gewefenen Mafchinen, als: Schleifapparat, Raffineur, Sortirungs- und Entwäfferungscylinder find untereinander nicht verbunden, daher die Aufeinanderfolge der Einzeloperationen nicht erfichtlich ift; diefelbe erfolgt folgendermafsen: Von dem Defibreur wird der Stoff in einen Kaften geleitet, in welchem fich der fogenannte Späncylinder befindet, durch welchen die Späne zurückgehalten werden. Von da gelangt der Stoff auf den oberen Vorfortircylinder. Ein Theil desfelben geht durch und fliefst auf die unteren zwei Sortircylinder. Derjenige Stoff, welcher auch diefe paffirt, fliefst dem Entwäfferungscylinder zu, dagegen wird jener Stoff, welcher durch den Vorfortir- und die Sortircylinder nicht durchgeht, in einem unterhalb befindlichen Kaften, welcher mit einem Rührhafpel verfehen ift, gefammelt, und durch eine Pumpe, Syftem Perreaux, auf den Raffineur gehoben. Wird der Stoff gleich bei der Fabrik zur Papierfabrication verwendet, fo läfst man ihn aus dem Entwäfferungscylinder einfach in Setzkaften fliefsen, um ihn noch etwas mehr zu entwäffern. Wird der Stoff auf nicht zu grofse Entfernungen verfendet, fo läfst man ihn in einen Rührkaften laufen und dann auf die Stoffpreffe, von welcher er in Papierform mit circa 45 Percent Trockengehalt abgenommen und in Säcken verfendet wird. Diefe Stoffpreffe, welche ebenfalls ausgeftellt war, hat die Form einer kurzen Langfieb- Papiermafchine von 1300 Meter nutzbarer Breite, mit einer kupfernen Bruftwalze, Regifter-, Metalltuch- und Filz- Leitwalzen aus Meffing, zwei Saugapparaten, einer erften und einer Glattpreffe. Ein Ballen fo getrockneten Holzftoffes lag zur Anficht vor. Soll der Stoff jedoch auf gröfsere Entfernungen verfendet werden, fo wird er von der Stoffpreffe noch über einen Trockenapparat geleitet, der mit directer Feuerung geheizt wird, und welchen er mit 20 Percent Waffergehalt verläfst, da er fich fonft zu fchwer wieder auflöfen würde. An der ausgeftellt gewefenen Stoffpreffe war ein folcher Trockencylinder vorhanden, jedoch können nach Bedarf und Umfang der Production mehrere angebracht werden. Die directe Feuerung wurde gewählt, um das Brennmaterial beffer auszunützen. 8 Emil Twerdy. Das Gewicht einer Stoffpreffe beträgt circa 4800 Kilo, das eines Trockencylinders nebft Stuhlung und Leitwalzen aus Eifen circa 5000 Kilo. Mit einer Schleifmaschine, einem Raffineur, einem Sortirapparate, einem Entwäfferungscylinder, kann man nach Angabe der Ausfteller in 24 Stunden 7500 Kilogramm lufttrocken gedachten Stoff erzeugen. Eine Stoffpreffe genügt für 3 Schleifmaschinen. Th.& Fr. Bell haben bereits 78 Schleifmafchinen ausgeführt, und zwar: 34 für die Schweiz, worunter 12 Stück für die Fabrik Perlen bei Luzern mit 700 Pferdekraft, 20 für Frankreich, worunter 10 Stück nach Mandeure, 10 Stück nach Bellegarde, 7 für Baden, 3 für Württemberg, 2 für Baiern, II für Italien und I für Oefterreich. Diefe 78 Mafchinen erfordern für ihren Betrieb eine Gefammtkraft von über 3000 Pferdekräften. Von Holzfchleif- Apparaten ift ferner eine„ patentirte HolzzerfaferungsMafchine" von H. Völter und J. M. Voith in Heidenheim an der Brenz, Württemberg, ausgeftellt. Wie zu erwarten, ift diefe Mafchine in Conftruction und Ausführung gleich vorzüglich und bietet einige beachtenswerthe Verbefferungen. Das Syftem ift das von Völter urfprünglich aufgeftellte, mit einem verticalen Schleifftein. Ein fehr kräftiges, gufseifernes Geftell enthält die Stuhlung der Hauptlager, die Führung der fünf Prefskammern und die Lager der Prefsvorrichtung. Die Form der Ständer ift derart, dafs der Stein ohne Schwierigkeit herausund hereingebracht werden kann, und kein Theil der Mafchine, aufser einem leichten Blechdeckel losgefchraubt zu werden braucht. Die Prefskammern find verftellbar, legen fich genau an den Stein an, und hat jede Preffe ihren eigenen Wafferhahn. Die Preffung erfolgt durch ein an einer Kette hängendes Gewicht, die Kette ift um fämmtliche Rollen gefchlungen, woraus. der Vortheil erwächft, dafs die beim Auslöfen einer oder zweier Preffen frei werdende Kraft fofort von den übrigen Preffen aufgenommen wird, wodurch fowohl Kraft gefpart als auch zugleich ein regelmässiger, ftets fich gleich bleibender Gang der Mafchine erzielt wird. Die Gewichtsbelaftung wird continuirlich von der Mafchine felbft in Thätigkeit erhalten, fo dafs der Arbeiter beim Einlegen des Holzes blofs die Preffe und kein Belaftungsgewicht zu heben hat. Das Auslöfen des Zahnrades, welches durch den Eingriff in die Zahnftange die Preffung bewirkt, von der Kettenrolle, gefchieht durch eine fehr finnreich angeordnete Vorrichtung. Die Kettenrolle fitzt lofe auf der Welle des Zahnrades. Letztere ift hohl und enthält eine fchwache Spindel, die an dem vorderen vorftehenden Ende ein Schraubengewinde befitzt, und durch ein als Mutter fungirendes Handrädchen eine hin- und hergehende Bewegung erhält. Das andere Ende der Spindel hat eine feftgekeilte Frictions- Kuppelungsmuffe, welche in eine gleiche, an die Kettenrolle angegoffene eingreift. Soll Preffung erfolgen, fo wird durch einige Umdrehungen des erwähnten Handrädchens nach rechts die Spindel in die Kettenrolle eingekuppelt und die Zahnrad- Welle mitgenommen, foll foll hingegen die Preffe gehoben werden, fo wird durch einige Umdrehungen nach links die Spindel ausgekuppelt, und die Hebung der Zahnftange erfolgt mit Leichtigkeit. Das Aufheben des Gewichtes erfolgt durch einen fchwachen Riemen und Rädervorgelege. Die Prefskammern find allfeitig dicht gefchloffen, daher der Stoff nicht leicht verunreinigt werden kann. H. Völter hat vom Jahre 1852 bis Ende 1872: 360 Schleifapparate geliefert und zwar von 1852 bis 1859: 13 Mafchinen, 1860 bis 1866: 61 Mafchinen, 1867 bis 1872: 136 Mafchinen, zufammen 210 Mafchinen für Europa und 150 Mafchinen für Nordamerika. Von den patentirten Völter- Voith'fchen Apparaten find bereits 24 Stück im Betriebe. Von den 210 Apparaten arbeiten: in Deutfchland 77, Oefterreich 24, Schweden und Norwegen 53, Rufsland 16, Belgien 12, Frankreich 10, England 6, Schweiz 6, Italien 3, Dänemark 2 und Spanien I Stück. Die gröfsten, bis jetzt exiftirenden Holzzeug- Fabriken arbeiten mit Völter'fchen Maſchinen, wie z. B. Longed, Munkedal und Skärblacka in Schweden, fodann in Nordamerika, wofelbft folche mit je deren 18, 20 und 24, in ein und demfelben Papierinduftrie. 9 Locale ftehend, verfehen find und zum Theil gleichfam unbegrenzte Wafferkräfte befitzen, während jene fchwedifchen Fabriken je über circa 1000 Pferde ftarke Wafferkräfte disponiren. Ein weiterer Fortfchritt in der Holzftoff- Fabrication, den Völter in die Praxis eingeführt, ift das von Oswald Meyh in Zwickau erfundene und ihm patentirte Verfahren, das Holz vor dem Schleifen auf eine fehr einfache und wenig koftfpielige Weife' zu präpariren, dafs es einen zwar braun gefärbten, aber viel faferreicheren Stoff gibt, als der aus nicht präparirtem Holze ift, so dafs man daraus ohne allen Zufatz von Hadern ein Papier von bemerkenswerther Zähigkeit erhält. Seiner braunen Farbe wegen ift diefer Stoff jedoch nur zu Pappen, Einfchlag- und ordinären Tapetenpapieren verwendbar. Das den Herren C. A. Specker und Waisnix patentirte Holzftoff- Sortirungsverfahren, mittelft gelochter, blecherner Schüttelfiebe und mit Weglaffung des Raffineurs zu fortiren, war auf der Ausftellung nicht vertreten und hat bisher nur wenig Anklang gefunden. Die zur Erzeugung des Holzftoffes nöthigen Schleif- und Raffineurfteine fpielen in diefer Induſtrie eine wichtige Rolle, und erft feit kurzer Zeit befaffen fich mehrere Mühlftein- Fabriken mit der Herftellung auch diefer Sorten. Die eigenthümliche Structur des hiezu nöthigen Materiales fand fich nicht überall, wo fonft ganz brauchbare Mühlfteine gewonnen wurden. Sächfifche und fchweizer Steine werden fogar noch heute nach Schweden und Norwegen exportirt. Gebrüder Ifrael, Währing bei Wien, Wienerftrafse 3, hatten einige fehr fchöne Exemplare von Defibreurs und Raffineurs exponirt. Wir fchliefsen die Betrachtung der Holzft off- Induftrie mit dem Ausdrucke der Ueberzeugung, dafs diefer Papier- Rohftoff wegen feiner einfachen Erzeugung, dem maffenhaften Vorkommen des Rohmateriales, und feiner Billigkeit einen bleibenden Werth in der Reihe der Hadernfurrogate behaupten wird. Der Vorwurf, dafs gefchliffener Holzftoff nur zu Mittelpapieren Verwendung finden kann, ift allerdings unwiderlegbar, nichtsdeftoweniger ift er das einzige Hadern- Erſatzmittel, um diefe Gattung Papiere, welchen eine fo wichtige volkswirtſchaftliche Bedeutung innewohnt, billig zu geftalten. Wir erinnern hier einfach an das Zeitungsund Bücherpapier, deffen Billigkeit fo wefentlich zur allgemeinen Zugänglichkeit wichtiger Bildungsmittel beiträgt. Das Stroh. In den reifen Stengeln der Getreidearten ift nebft den parallelen Fafern, woraus fie beftehen, hauptfächlich fogenannter Extractivftoff und eine wachs- oder harzartige Subftanz enthalten. Wird das Stroh mit alkalifchen Laugen auskocht, fo löfen fich jene fremden Stoffe auf, und die Halme erfcheinen dann leicht in biegfame, feine Fafern zertheilbar, wonach fie zur Papierbereitung tauglich find. Strohpapier wird in der That vielfach, theils mit, theils ohne Zufatz von Hadern verfertigt; ganz dünnes und feines Strohpapier ift, als fehr durchfcheinend, zu Copirpapier tauglich, fteht aber an Haltbarkeit dem aus Flachs bereiteten fehr nach. Strohpapier und Papier aus Hadern unterfcheiden fich in ihrer Textur und fonftigen Befchaffenheit fehr wefentlich von einander. In dem zur Papierbereitung erforderlichen Grade gemahlen, find nämlich, wie mikrofkopifche Unterfuchungen zeigen, die Strohfafern dünn, kurz und glatt, dagegen die Leinenfafern länger, dicker und flockig. Leinen gibt ein weiches, nicht leicht brechendes, wenig Feftigkeit gegen Zerreifsen durch Anfpannen, und wenig Klang befitzendes, im Riffe faferiges Papier, während Strohpapier, ungerechnet feine ftark hellgelbe oder bräunlich gelbe, felbft einer kräftigen Chlorbleiche nicht völlig weichende Farbe die Eigenthümlichkeit zeigt, dafs es zwar feft, fteif, hart und klingend ift, aber beim Zufammenfalten leicht bricht, und an geriffenen Rändern nicht faferig erfcheint. Hadernpapier ift, wenn es nicht geleimt worden, mehr oder weniger fchwammig, waffereinfaugend, Strohpapier aber dicht, fo dafs man ziemlich gut darauf fchreiben kann, ohne dafs es geleimt ift. Geringe Papierforten können 10 Emil Twerdy. daher ohne Schwierigkeit aus Stroh allein erzeugt werden, durch Zufatz eines Theiles Hadernzeug, wird ihre Haltbarkeit gegen das Brechen bedeutend vermehrt. Man zerfchneidet dafs Stroh auf einer Schneidemafchine in Stückchen von 5 bis 10 Millimeter Länge, und fondert durch Fegen auf einer GetreideputzMafchine die fchwereren, härteren Gliedknoten ab. Die fernere Behandlung befteht darin, dafs man es unter Anwendung von Dampf und einer Aetzlauge( auf 100 Pfund Stroh, 30 bis 50 Pfund frifchgebrannten Kalk und 1 bis 2 Pfund Pottafche) einige Stunden kocht. Die fodann folgende Umwandlung in Ganzzeug, und die fchliefsliche Verfertigung des Papieres ftimmt mit der Fabrication des Papieres aus Hadern ziemlich überein. 100 Pfund Stroh geben 60 bis 70 Pfund Papier. Kornftroh ift am härteften, darauf folgt Weizenftroh, dann Gerftenftroh, endlich Haferftroh. Verfetzt man Stroh mit Hadern, fo werden beide abgefondert zu Halbzeug gearbeitet, dann vermifcht und gemeinfchaftlich zu Ganzzeug gemahlen. Beffer ift, das Stroh- Halbzeug erft dann dem Hadern- Halbzeug zuzufetzen, wenn letzteres fchon in einigem Grade feingemahlen ift, weil das Stroh fich rafch zerkleinert. In der deutfchen Abtheilung ftellte Th. Nagel, Civilingenieur in Hamburg, Böckmannsftrafse 22, Mufter von Strohpapier aus, die auf einem von ihm erfundenen und bereits in die Praxis eingeführten„ Strohftoff- Gange" gemahlen find, und fagt Herr Th. Nagel hierüber Folgendes:„ Es ift mir gelungen, eine Art Kollergang mit fchwingenden Läufern zu conftruiren, welcher nicht nur allen an denfelben zu ftellenden Anforderungen genügt, fondern welcher fpeciell die Strohftoff- Fabrication in ein neues und viel günftigeres Stadium geführt hat. Der erwähnte Gang mahlt nämlich durchſchnittlich 75 Kilo gekochten Strohftoffes in circa 15 Minuten fertig, wozu ein Holländer für ein gleiches Quantum circa einer Stunde bedarf. Die ausgeftellten Fabricate find auf diefem Gange in der Fabrik der Herren Klinkrath und Martens in Otterndorf an der Elbe, Provinz Hannover, von gekochtem Strohftoff in 15 Minuten hergeftellt. Das hiezu verwendete Korn- und Weizenftroh ift dabei auf gewöhnliche Weife mit 10 Percent Kalk gekocht. Ebenfo vorzüglich eignet fich der neue Gang dazu, den Strohftoff für feinere Papiere zu mahlen, wie die ausgeftellten Proben bewiefen, welche aus dem mit kauftifcher Lauge gekochten Stroh hergeftellt find. Der auf einem folchen Gange gemahlene Stoff ift dabei weit faferiger, verfilzungsfähiger, als der mehr zerfchnittene, kürzer gemahlene Holländerftoff, wodurch Papiere und Pappen aus erfterem Stoffe fefter und haltbarer werden, aufserdem ift dabei circa 10 Percent weniger Stoffverluft verbunden, da die längeren Fafern weniger durch die Siebmafchen der Pappen- und Papiermafchinen verloren gehen. Ferner ift der Stoff homogener, es find die unanfehnlichen Knoten zerkleinert, wodurch das Fabricat beffer und fchöner wird, endlich braucht diefe Stoffmühle nur beiläufig die Hälfte der Kraft eines Holländers, nämlich nur circa 31 Pferdekraft. Da diefer Gang nun circa viermal mehr als der Holländer in gleicher Zeit fchafft, fo leiftet erfterer eigentlich achtmal mehr, als der gewöhnliche Holländer. Für die StrohpapierFabrication ift alfo der gewöhnliche Holländer zum Mahlen des Strohftoffes entbehrlich geworden; wo einmal Holländer vorhanden find, können diefelben zum leichten Nachmahlen des Stoffes, um den Stoffgang zu entlaften, benützt werden, oder auch als Mifchmafchine, um den gekollerten Stoff gut mit Waffer zu mifchen, verwendet werden, was übrigens auch direct in den Rührbottichen gefchehen kann." Der erfte Gang arbeitet laut Angabe des Erfinders in der Fabrik von Klinckroth und Martens in Otterndorf an der Elbe, mehrere andere find in Aufftellung begriffen. Es ift bedauerlich, dafs diefe vielverfprechende Mafchine nicht wenigftens durch ein Modell illuftrirt wurde. Die Verarbeitung des Strohes in der oben gefchilderten Weife gewinnt keinesfalls die gleiche Ausdehnung wie die anderer befferer Stoffe, da das Papier Papierinduftrie. 11 leines geringen Anfehens und feiner Brüchigkeit wegen, felbft als ordinäres Packpapier nicht beliebt ift. Die Billigkeit fteht ihm allerdings entfchuldigend zur Seite, wiegt aber die fonftigen miſslichen Eigenfchaften nicht auf. Strohpappen find ein brauchbarer, billiger Artikel und werden in bedeutend höherem Mafse begehrt als Papier. Der in oben befchriebener Art präparirte Strohftoff eignet sich durchaus nicht zur Verwendung für beffere Papierforten, und es galt daher, die Strohfafer, entkleidet der ihr anhängenden, ftörenden fremden Beftandtheile, als für feine Papiere tauglichen Stoff zu gewinnen. Vorerft handelte es fich darum, die dem Stroh anhaftenden löslichen Kohlenhydrate, Fette, Extractivftoffe etc. zu entfernen, und dann die weiche reine Fafer vollſtändig zu entfärben, das heifst, zu bleichen. Die Ausftellung zahlreicher Mufter gebleichten und ungebleichten Strohftoffes, fowie eine grofse Menge tadellofer mit Strohftoff gearbeiteter Papiere, zeigt die glückliche Löfung des noch vor kurzer Zeit für äufserft fchwierig gehal; tenen Problems. Unter den verfchiedenen Methoden der Strohftoff- Bereitung find die bekannteften die von Lahouffe, Thode und Deininger. Hector J. Lahouffe aus Lille hat fich acht Jahre mit Verfuchen befchäftigt, ehe er das ihm patentirte und nun am meiften verbreitete Verfahren fand. Sein Fabricationsfyftem ift folgendes: Das in Häckfelform zerfchnittene Stroh wird, nachdem es durch eine Reinigungsmafchine von Korn, Aehren und Knoten befreit worden ift, in einem kugelförmigen Apparat mit kauftifcher Lauge ausgelaugt. Nachdem das Stroh fich mit der Lauge gefättigt hat, wird der Ueberfchufs der Lauge in ein Refervoir abgelaffen, um bei der nächften Operation wieder verwendet zu werden, während das Stroh in einen cylindrifchen Kochkeffel gebracht wird, in welchem es vier Stunden lang unter einem Drucke von 22 Atmoſphären gekocht wird. Nach dem Kochen wird das Stroh im Apparate felbft mit warmem Waffer gewafchen, wodurch die Kiefelfäure, Pectin, Harz, färbige Subftanzen etc. entfernt werden. Ein Raffineur zertheilt die Fafern, worauf das Bleichen in Holftändern vorgenommen wird, und der Stoff zur Papierfabrication fertig ift. Die Anlage einer Strohftoff- Fabrik nach Lahouffe's Syftem erfordert drei Etagen. In der oberften wird das Stroh gefchnitten und gereinigt, in der zweiten gelaugt, in der unterften gefchehen die übrigen Operationen. Die Apparate und Mafchinen für die Minimalproduction von 20 Centner lufttrockenen Stoffes in 24 Stunden koften ab Maſchinenfabrik 20.000 fl. öfterreichifche Währung. Die Erzeugungskoften von 100 Pfund lufttrockenen Stoffes find folgende: 200 Pfund Stroh - kr. 2 fl. 26 " 20 Soda Chlorkalk 4" " 99 2 5° 27 " 9 Regie " Zufammen 3 99 II fl. 50 kr. Seit 1869 hat die Mafchinenfabrik Gebrüder Sachfenberg in Rofslau an der Elbe, Anhalt, die Lieferung fämmtlicher für den Continent beftimmter Apparate und Maſchinen für Strohftoff- Fabrication nach diefem Syfteme übernommen, und werden diefe Einrichtungen in Material und Ausführung gleich vorzüglich geliefert. Lahouffe hat bisher 38 Strohftoff- Fabriken, worunter manche mit zwei-, drei-, auch vierfachen Anlagen, eingerichtet. Diefelben vertheilen fich auf die verfchiedenen Länder wie folgt: Deutfchland II, worunter Kefferftein& Sohn in Cröllwitz bei Halle an der Saale mit einer vierfachen Anlage, Oefterreich 7, Spanien 5, England 4, Rufsland 3, worunter Ed. Rudolfi in Babin of bei Petersburg mit einer vierfachen Anlage, Frankreich 2, Italien 2, Dänemark 2, Schweden I, Holland 1. Die Strohftoff- Gewinnung nach Thode befteht in Folgendem: Das von Verunreinigungen, als Difteln, Winden etc. möglichft befreite Stroh wird in Häckfel 12 Emil Twerdy. zerfchnitten. Auf einer Reinigungsmafchine werden Staub, Sand und Knoten entfernt, hierauf der gereinigte Häckfel unter Dampfdruck in fphärifchen Keffeln mit cauftifcher Natronlauge gekocht, und die dadurch erhaltene unreine Strohmaffe durch mechanifche Wafchapparate von der Kocherlauge befreit. Die gewafchene Strohmaffe wird in eigenthümlich conftruirten Raffineurs einem einmaligen Mahlprocess unterworfen und dadurch vollſtändig, ohne irgend welche Strohflecke oder unvollkommen zermahlene Strohtheilchen zu hinterlaffen, in Stroh- Ganzftoff übergeführt. Die Wirkung diefer Raffineurs ift in neuerer Zeit durch eine patentirte Vervollkommnung an derfelben bedeutend erhöht worden, und wird hiedurch jede befondere Bedienung oder Beauffichtigung der Raffineurs vollſtändig befeitigt. Der Stroh- Ganzftoff wird in grofsen Holländern ohne Zuhilfenahme von Säure mit Chlorkalk- Lauge gebleicht und kann direct mit Lumpen- Ganzftoff vermifcht auf der Papiermafchine verarbeitet, oder durch eine Stoffpreffe in entwäfferten, verkäuflichen Zuftand gebracht werden. Durch Anlage des mechanifchen Wafchapparates von Lefpermont und des Eindampfofens von Porion können 75 bis 80 Percent der in den Kochern verwendeten Soda wieder gewonnen werden. Zum Kochen des Strohes werden 20 bis 23 Kilo Soda à 85 Percent Gehalt an kohlenfaurem Natron, oder 19 bis 2112 Kilo Soda à 90 Percent an kohlenfaurem Natron gebraucht, welches Quantum durch 13 bis 15 Kilo Aetzkalk cauftifch gemacht wird. Diefe Angaben beziehen fich auf 50 Kilo luftgetrockneter Strohmaffe. Zum vollſtändigen Bleichen diefes Quantums werden 10 bis 12 Kilo Chlorkalk von 318 Percent= 100 Grad nach Gay- Luffac gebraucht. Die Ausbeute beträgt 50 Percent des Gewichtes des reinen Strohhäckfels und ftellen fich 50 Kilo mit Rückficht auf die übliche Amortifirung auf 6 bis 614 Thaler. Zur Erzeugung von 2500 Kilogramm lufttrockenen Strohftoffes find circa 40 Pferdekraft zum Betriebe der Mafchinen erforderlich. Thode's Strohftoff- Gewinnungsverfahren, fowie die felbftthätige Einlaufvorrichtung an den Raffineurs find für Sachfen und Oefterreich- Ungarn patentirt. Eine dritte Methode der Strohftoff- Bereitung ift die von Auguft Deininger in Berlin. Deininger hat in anerkennungswerther Weife und wiffenfchaftlicher Form genaue Elementaranalyfen mit den bekannten Stroharten vorgenommen, um zu conftatiren, welches Quantum möglichft reinen Papierftoffes daraus gewonnen werden könne. Das Refultat diefer Unterfuchungen ergab, dafs aus Roggenftroh 58 bis 60, aus Weizenftroh 62, aus Haferftroh 56, aus Gerftenftroh 60 Percent Papierftoff gewonnen werden können. Deininger's Verfahren iſt folgendes: Das auf einer Häckfelmafchine zerfchnittene, von Körnern, Samen, Sand und Staub gereinigte Stroh, wird in den fogenannten„ Sprengungsapparat" gebracht, wo es unter Einwirkung von Dampf mit 5 Atmoſphären Spannung und 111, Pfund kauftifcher Soda auf 100 Pfund Strohftoff den eigentlichen Löfungs- und Zerfetzungsprocefs durchmacht. Der" gefprengte" Strohftoff wird in einem HalbzeugHolländer mit Wafchtrommeln ausgewafchen, zu Dreiviertel- Stoff gemahlen und in Zeugkäften abgelaffen. Um den Stoff zu bleichen, wird derfelbe aus den Zeug. käften in die Bleichholländer gebracht, und mit einem I Grad Beaumè ftarken Chlorwaffer gebleicht. 100 Pfund Stoff erfordern 20 Pfund Chlorkalk und 2 Pfund concentrirte englifche Schwefelfäure. Deininger gewinnt angeblich aus 100 Pfund Stroh 60 bis 70 Pfund lufttrockene, gebleichte Strohmaffe mit einem Koftenaufwand von 4 Thaler 12 Grofchen. So vielverfprechend und günftig auch diefe Angaben find, follen praktiſche Erfahrungen nicht ganz damit übereinftimmen und hat Deiningers Verfahren nicht jene Verbreitung und Anerkennung erfahren, wie die zwei erftgenannten Methoden. Auf der Ausstellung war Deininger mit Muftern von Strohftoff und daraus gefertigten Papieren vertreten. Die Cellulofe. Eine fo wichtige Stelle der gefchliffene Holzftoff in der Reihe der Hadernfurrogate einnimmt, findet feine Verwendung in Anbetracht der Papierinduftrie. 13 Papierqualitäten dennoch nur in befchränktem Mafse ftatt. Die allzukurze Fafer beeinträchtigt die Feftigkeit des Papieres, der Harzgehalt hindert die volle Wirkung felbft einer kräftigen Bleiche, die Fafern verfilzen fich nicht dicht genug, liegen mehr an der Oberfläche des Papieres, und befitzt auch diefes nicht genug Satinirfähigkeit, um gröfseren Anfprüchen zu genügen. Die Frage der Gewinnung ganz reiner Holzfafer gewann eine folche Bedeutung, dafs zahllofe Experimente angeftellt wurden, um diefes fo überaus wichtige Problem zu löfen. Es find heute bereits mehrere Methoden bekannt, Holzftoff auf chemifchem Wege zu erzeugen, aber wie immer bei neu auftauchenden Erfindungen, ftehen auch hier Zweifel und Mifstrauen der rafchen Anerkennung diefes neuen Stoffes und feiner fabriksmässigen Erzeugung hindernd im Wege. Wiewohl man längst darüber einig ift, dafs die Holzfafer durch Einwirkung von hochgefpannten Dämpfen und alkalifchen Laugen blofsgelegt wird, worauf das Bleichen unfchwer erfolgt, fo ftehen fich in der Detaillirung der mit dem Holze vorzunehmenden Proceffe die Anfichten der Erfinder oft diametral entgegen, und ift diefe Induftrie im Allgemeinen noch zu jung, um jenes Vertrauen zu erwecken, wodurch derfelben Prosperität erblühen kann. Es ist heute für Papierfabrikanten förmlich zur Modefache geworden, Cellulofe, wenn auch nur im experimentalen Wege, zu erzeugen, wofür die Ausstellung zahlreiche Belege in Form von kleinen Quantitäten Holzftoffes und einzelnen Papierbögen lieferte. Diefe Manie kann jedoch von jedem Intereffenten nur auf das freudigfte begrüfst werden, denn je vielfeitiger die Verfuche find, defto gröfser ift die Möglichkeit der Auffindung des rationellften Verfahrens. Nichtsdeftoweniger mufs conftatirt werden, dafs die Grofsinduftrie fich bereits diefes Gegenftandes bemächtigt und fehr achtbare Refultate zu Tage gefördert hat. Auf der Ausftellung find mehrere Fabricationsfyfteme, oder eigentlich die Erfolge derfelben zur Anfchauung gebracht, und ift nur zu bedauern, dafs keine Methode durch Vorführung von Mafchinen und Apparaten oder felbft nur von einem Modell erläutert erfchien. Auf diefem Gebiete waren repräfentirt: England durch Stoffmufter und Papiere von James Lee, Stoffmufter und Papiere von Mc. Nicoll, der auch feinen Verdampfungsapparat ausftellte, Frankreich durch ein Modell des methodifchen Wafchapparates von L. Lefpermont in Paris, Deutfchland durch Stoffmufter und Papier von A. Deininger, Bernhard Behrend in Cöslin, die Dalbker Papierfabrik Max Drefel, Oefterreich durch Stoffmufter der Gefellſchaft Papyrus, Syftem Prinz, Papiermufter von Graf Falkenhayn, Stoffmufter von Hiebl& Diamant, Stoffmufter und Papiere von G. Röder& Comp. in Marfchendorf. Das im Grofsen bisher am öfteften angewendete Verfahren iſt das von James Lee in Lydney, England. Den Mittheilungen feines Vertreters Herrn Ingenieur C. M. Rofenhain, Berlin, Auguftftrafse 26, entnehmen wir hierüber folgendes: James A. Lee hat bereits fechs Fabriken in England, fünf in Schweden und eine in Nordamerika eingerichtet, während fechs Fabriken in Deutſchland im Bau begriffen find. Die ausgeftellten Holzftoff- Proben waren aus den Fabriken: Wernbohl in Södermannland, Dalary bei Elmhult in Småland, Krontorp bei Bjernöborg in Wermland, Bruzaholm bei Ekesjö in Småland und Brokhult bei Söderköpping in Oeftergötland. Jede diefer Fabriken liefert per Woche 22 tons chemifchen Holzftoffes, für welche in England 30 Pfund per ton geboten werden. Das Verfahren James Lee's ift folgendes: Das von Borke befreite Holz, welches aus ganzen Stämmen oder Abfällen, mit Ausnahme von Hobel- oder Sägefpänen beftehen kann, wird auf einer Schneidmafchine zerkleinert. Die eingehendften Verfuche haben bewiefen, dafs man Holz nur gleichmäfsig durchkochen kann, wenn die Holzftücke von ganz gleicher Länge und Dicke find, und in möglichft zufammengeprefsten Schichten in den Keffel eingebracht werden, was durch den Lee'fchen Holzfchneider in ausgezeichneter 14 Emil Twerdy. Weife erreicht wird. Das gefchnittene Holz wird von der Schneidmafchine in Cylinder von gelochten Blechen gebracht, welche nach gefchehener vollſtändiger Füllung in einen horizontalen Kochkeffel gefahren werden, worin fie während des Kochproceffes verbleiben. Nachdem fo viele mit gefchnittenem Holze gefüllte Cylinder in den Kochkeffel eingefahren find, als derfelbe faffen kann, wird die Einfahröffnung verfchraubt, Soda in den Keffel gepumpt, und durch ein auf zwei Seiten des Keffels befindliches directes Feuer der Kochprocefs eingeleitet. Wenn die Flüfsigkeit im Keffel eine Temperatur erreicht hat, welche circa 10 Atmoſphären Druck entſpricht, was in 31 bis 4 Stunden ftattfindet, ift der Kochprocefs beendet, die Flüssigkeit wird herausgelaffen, der Keffel abgekühlt, und die mit gekochtem Holzftoff gefüllten Blechcylinder werden aus dem Keffel herausgefahren, um fchliefslich in ein mit horizontalem Rührwerk verfehenes Blechgefäfs entleert zu werden. Nachdem der Holzftoff in diefem Blechgefäfs, mit Waffer vermifcht, eine kurze Zeit gerührt worden ift, fliefst er in eine Wafchmafchine und hat auf derfelben dreizehn mit Meffingfieben verfehene, horizontale Wafchtrommeln in der Weife zu paffiren, dafs der reinfte Stoff immer mit dem klarften Waffer in Berührung kommt. Von der Wafchmafchine wird der ausgewafchene Stoff in zwei mit verticalem Rührwerk verfehene Holzbottiche gepumpt, von welchen er vermittelft eines endlofen Siebes zwifchen horizontal rotirende Walzen gelangt, und vom gröfsten Theil feines Waffers befreit wird. Der auf diefe Weife bis auf 50 Percent von Waffer befreite Holzftoff- Streifen wird dann von Trocken cylindern aufgenommen, vermittelft Rollen über eine Dampfleitung geführt und gelangt fchliefslich ganz trocken zu einer Schneidmafchine, welche ihn in das zum Verfandt geeignete Format fchneidet. Da die wenigften Papierfabriken durch ihre Geldmittel und ihre örtliche Lage im Stande find, eine eigene Holzftoff- Fabrik anzulegen, fo kann der Holzftoff als Verkaufsobject einen Werth nur beanfpruchen, wenn er leicht transportabel, das heifst in abfolut trockenem Zuftande geliefert wird. J. Lee ift bisher der einzige Fabrikant, welcher Maſchinen zur Herftellung von ganz trockener Cellulofe liefert. Von der zum Kochen des Holzes verwendeten Soda werden 75 Percent im flüssigen Zuftande wiedergewonnen. Der Gewinn an trockenem Holzftoffe beträgt circa 35 Percent von der aufgewandten lufttrockenen Holzmaffe, das heifst Holz, welches beiläufig zwei Monate im Walde gelegen hat. Zur Herſtellung von 20 Centner Holzmaffe find nöthig: 56 Centner lufttrockenes Holz, 15 Centner kauftifche Soda, von welcher 75 Percent wiedergewonnen werden, demnach der Verbrauch nur 334 Centner ift, ferner 40 Centner Steinkohlen, 18 Centner Kalk. Die Herftellungskoften von 100 Pfund ungebleichter Cellulofe betragen 4 Thaler 4 Silbergrofchen. Da man zum Bleichen des Stoffes per 100 Pfund Holzmaffe 35 Pfund Chlorkalk braucht, koftet ganz gebleichter Stoff 6 Thaler 10 Silbergrofchen. Anlagen unter 200 Centner Productionsfähigkeit per Woche werden nicht ausgeführt, dagegen liefert J. Lee Einrichtungen für 200, 400, 600, 800, 1000 und 2000 Centner Productionsfähigkeit per Woche. Die hiezu nöthige Betriebskraft beträgt 30 bis 65 Pferdekräfte. Der Wafferverbrauch für eine mittlere Anlage beträgt circa 70 Cubikfufs per Minute, die chemifche Befchaffenheit des Waffers ift ohne Bedeutung. Sämmtliche Mafchinen für eine Fabrik mit Dampfbetrieb, um wöchentlich in 6 Tagen à 24 Stunden 400 Centner trockenen gebleichten oder ungebleichten Holzftoff herzuftellen, koften ohne Emballage und Montage, franco, Dock London 10.059 Pfund Sterling. Betriebskraft 35 Pferde. Für 200 Centner Wochenproduction koften die Mafchinen für Dampfbetrieb 9324 Pfund Sterling. Papierinduftrie. 15 Zur Orientirung für Unternehmer fügt Herr Rofenhain eine kurze Ueberficht des Jahresverbrauches für Papier in verfchiedenen Ländern bei, und zwar verbraucht Deutfchland jährlich Oefterreich Frankreich Grofsbritannien Rufsland وو 3,200.000 Centner Papier. 1,260.000 99 2,590.000 3.300.000 670.000 99 " " " 77 Die ausgeftellt gewefenen Papiere enthalten bis 75 Percent Cellulofe und find zum Theil aus purer Holzmaffe dargestellt. John Mc. Nicol gewinnt Cellulofe nach Sinclairs Patent auf folgende Weife: Das Holz wird zuerft gefchnitten und hierauf in aufrecht ftehenden Keffeln unter einem Druck von 12 bis 13 Atmoſphären gekocht. Der hiezu nöthige Dampf wird in einem befonderen Dampferzeugungs- Apparat, der aus 24 fchmiedeeifernen Röhren befteht, erzeugt, kommt aus diefen Röhren in den gemeinfchaftlichen Dampffammler und von da mittelft Röhren in den Kocher. Diefer Dampferzeuger bietet durch feine eigenthümliche Conftruction eine grofse Sicherheit gegen Explo fionsgefahr. Er befteht aus heifsglühend gefugten Röhren, und betragen deren gröfste Durchmeffer nicht über 10 Zoll, die kleinften nicht unter 4 Zoll. Jeder Keffel wird vor der Inbetriebfetzung auf 500 Pfund Druck per Quadratzoll geprüft. Die Rohre laffen fich unfchwer demontiren, Schmutz und Niederfchläge können durch Kratzer leicht entfernt werden, der Rufs wird durch einen dünnen Dampfftrahl abgefegt. Der Holzkocher felbft ift eingemauert, erhält den Dampf von einem vertical in der Mitte auffteigenden, durchlöcherten Rohre, wird von oben geladen und unten entleert. Der mit Soda gekochte Stoff wird mittelft einer Preffe ausgeprefst, und entweder verfchickt, oder an Ort und Stelle im Holländer aufgeweicht, im Bleichholländer gebleicht und dem Papierftoff zugetheilt. Die Wiedergewinnung der Soda gefchieht mittelft eines eigenen Evaporateurs, welcher 80 Percent des urfprünglich gelieferten Quantums liefert. Nähere Angaben über diefes Syftem, ferner, ob und wie viel Fabriksanlagen bereits ausgeführt wurden, konnten nicht ermittelt werden. A. Deininger's in allen Ländern patentirtes Verfahren zur Gewinnung von Cellulofe aus Holz unterfcheidet fich in einigen Punkten fehr wefentlich von dem anderer Erfinder und bafirt auf folgenden Grundfätzen: Das Holz wird nur mit Dampf von vier Atmoſphären Ueberdruck behandelt, und bei niedriger Temperatur auseinander gefprengt. Das in dem Holze enthaltene Harz, der Farbftoff, das Eiweifs und ein Theil des Pflanzenleims werden gelöft, dagegen das Holz unter Zuhilfenahme einer fchwachen Lauge durch den ausgeübten Druck anseinander gefprengt, fo dafs die Fafer im Zellenbau unberührt und unangegriffen bleibt. Die einmal verarbeitete Lauge wird nicht wiedergewonnen, fondern als unbrauchbar verworfen. Das Deininger'fche für Stroh und Holz anwendbare Sprengverfahren ift nach den Verficherungen des Erfinders bereits von fieben Fabriken acceptirt und praktiſch durchgeführt worden, und find noch fünf andere im Bau begriffen. Das Holz wird vorher auf Mafchinen zerkleinert, wie felbe bei der Zündhölzchen- Fabrication üblich find, die Zerfetzung erfolgt in einem Sprengapparat, welcher aus einem circa 9 Fufs hohen, 5 bis 6 Fufs im Durchschnitt haltenden Keffel( für eine Tagesproduction von 10 Centner ausreichend) befteht. Diefer Keffel hat oben an der Kopffläche und unten an der Seite je ein Mannloch von circa 24 Zoll Oeffnung zum Füllen, refpective zum Entleeren. Oberhalb des Keffels ift ein Refervoir angebracht für das Anfetzen der Lauge, und ein Rohr verbindet diefes mit dem Sprengapparat. In dem Keffel ift ein doppelter gelochter Boden zum Auflagern des Rohftoffes und zum Durchlaffen der Flüffigkeiten angebracht. Bei dem nur vier Atmoſphären ftarken Drucke ift die Gefahr einer Explofion nicht zu befürchten. Die Bearbeitung des Holzes beginnt mit dem Anheizen des Sprengapparates, dem Luftleermachen desfelben und dem Eintretenlaffen der Lauge von zwei Grad Beaumais. Besondere Einrichtungen im Innern 2 16 Emil Twerdy. des Keffels unterſtützen alle diefe Operationen. Der Keffel ift mit einem Holzmantel verfehen und kann dort, wo kein Dampf zu Gebote fteht, auf directes Feuer gefetzt werden. Nach fechsftündiger Bearbeitung ift der Procefs als beendet zu betrachten. Nun wird das obere Ventil geöffnet und es beginnt ein einfacher Spülprocefs, worauf die gewafchene Maffe herausgenommen, geftampft und in einem Halbzeug- Holländer gemahlen wird. Für 100 Pfund Holz werden 1500 Pfund Dampf verbraucht nebft 18 Pfund kauftifcher Soda. Zum Bleichen des Holzes gehören 25 bis 30 Pfund Chlorkalk. Die Ausbeute beträgt laut Angabe des Erfinders 70 bis 75 Percent, die Selbftkoften 5 bis 5 Thaler. Wenngleich auch diefe Angaben viel günftiger find, als die anderer Erfinder, müffen jedenfalls erft mehrfeitige praktiſche Erfolge abgewartet werden, um diefe Methode als die empfehlenswerthefte bezeichnen zu können. L. Lefpermont in Paris befafst fich mit dem Kochen der Fafer felbft nicht, fondern hat nur einen Apparat zum Wafchen und zur Wiedergewinnung eines Theiles der verbrauchten Soda. Der ,, ununterbrochene methodifche Wafchapparat" hat zum Zweck, alle mit Laugen und anderen wäfferigen Flüffigkeiten verbundenen Faferftoffe und fonftigen Subftanzen auf eine folche Weife zu entwäffern, dafs die Flüffigkeiten, refpective Laugen in möglichft concentrirt bleibendem Zuftande gewonnen werden, daher auch bei der Trennung von Subftanz und Flüffigkeit Wafchwäffer möglichft wenig oder gar nicht zu gebrauchen. Seine Anwendung in der Papierfabrication bezieht fich daher auf die Trennung des Halbftoffes aus Hadern, Stroh und Holzfafern nach erfolgtem Kochen, um die alkalifchen Laugen möglichft concentrirt wieder zu gewinnen, und fie entweder in demfelben Zuftande wiederholt zu benützen, oder fie durch Verdampfung und Calcination gereinigt zum Wiederverbrauch verwendbar zu machen. Ganz befonders geht diefs die Stroh- und Holzftofffabrication auf chemifchem Wege an, wo fo grofse Mengen Aetzkalien im Ueberfchufs angewendet werden. Der Apparat beſteht aus einer von mit Sieben überzogenen Wafchtrommeln, welche der Stoff mit der Lauge nacheinander paffirt, wobei die durch die Trommeln vom Stoffe fich trennende Lauge in die Ausgufsröhren fliefst, welche wie die Trommeln beſtändig rotiren und in Canäle ausgiefsen, die in ein oder mehrere Refervoire münden. Ift die Abfcheidung der Lauge erfolgt, dann beginnt die Wafchung mit reinem Waffer, nach welcher der Stoff gereinigt hervorgeht. Wir entnehmen den diefsbezüglichen Mittheilungen Herrn A. Rudel's in feiner Zeitſchrift, dafs die Vorzüge diefes Apparates durch zahlreiche Anwendungen desfelben in Frankreich, England, Schweden, Belgien, Deutfchland, Oefterreich, Rufsland, Italien etc. auf das deutlichfte nachgewiefen find. Das Lefpermont'fche Verfahren iſt unftreitig das bis jetzt vollkommenfte aller Wafchmethoden, und hat für die gröfste Stroh- und Holzftofffabrication Bedeutung. Für die Papierfabrication ift das Ziel feiner Anwendung: Aus den Stroh-, Esparto, Holz- und anderen Faferftoffen das ganze zur Zerfetzung diefer Vegetabilien angewendete Quantum Alkali auszuziehen, und zu diefem Zwecke die möglichft geringfte Menge Waffer zu brauchen. Zufolge des hiebei ftreng beobachteten Principes der Gegenftrömung, wobei das reinfte Waffer dem reinften Stoffe begegnet, gefchieht der Procefs fo vollſtändig, dafs kein Stofftheilchen den nach einander folgenden Wafchungen ausweichen kann. Der methodifche Wafchapparat braucht nur fehr wenig Triebkraft und Aufficht, und erweift fich als umfo nützlicher, als der Preis des Alkalis höher ift. Ein Modell diefer Mafchine war von der Carolinenthaler Mafchinenbau Gefell fchaft, vormals Lüffe- Märky und Bernard in Prag, ausgeftellt, welche auch fowie Herr Dr. Rudel in Dresden weitere Auskunft ertheilen. Der Preis eines folchen Apparates mit gufseifernem Baffin ift 6000 Francs, ohne Baffin, welches dann an Ort und Stelle aus Cement hergeftellt wird, 5500 Francs. Papierinduftrie. 17 Guftav Röder& Comp. Mafchinenpapier- Fabrikanten in Marfchendorf, Böhmen, hatten Proben von aus Fichten und Aspenholz gewonnener Cellulofe ausgeftellt, welche nach eigenem patentirten Syftem erzeugt und in Ausfehen, Feinheit und Weifse geradezu tadellos find. Das patentirte Verfahren wird geheim gehalten, ift jedoch käuflich. Die von diefer Firma ausgeftellten Papiere enthalten unter anderen vorzüglichen Papieren auch feines Kanzleipapier, welches mit Beimifchung von 30 Percent Cellulofe hergeftellt ift, und welches fich in Bezug auf Reinheit, Weiſse und Glätte gar nicht von dem aus purem Hadernzeug fabricirten unterfcheidet. Der Preis von 100 Wiener Pfund der nach diefem Syftem hergeftellten Cellulofe ftellt fich inclufive der üblichen Amortifation auf 19 fl. öfterreichi fcher Währung, ift jedoch von einer Güte und Reinheit, wie felbe beftgebleichter Strohftoff nicht befitzt. Max Drefel, Papierfabrikant in Dalbke bei Bielefeld ftellte unter diverfen Papieren auch folche aus felbft erzeugtem chemifchen Holzftoff aus. Der beigelegten Erklärung ift zu entnehmen, dafs von 6000 Zollpfund Kiefernholz 1800 Pfund Stoff gewonnen werden können. Die Haupteigenſchaft diefer Cellulofe ift Zähigkeit, ihr Preis 9 fl. per 100 Zollpfund. Das Bleichen, Färben und Leimen erfolgt rafcher und billiger als beim Hadernftoff. Die norddeutſche Papierfabriks- Actiengeſellſchaft in Cöslin, Pommern, ftellte unter anderem auch aus chemifchem Holzftoff erzeugtes Papier aus. Details hierüber find nicht angegeben, das Papier felbft ift Packpapier von mittlerer Güte und Feftigkeit. Ueber die anderen auf der Ausstellung befindlich gewefenen Cellulofeproben konnten nähere Angaben nicht ermittelt werden, und fcheinen diefelben nur die Refultate von Laboratoriumsverfuchen zu fein, über deren Werth felbftverftändlich ein Urtheil nicht möglich ift. E. Diverfe Rohmaterialien. Die Maulbeerbaum Rinde. In der öfterreichifchen Abtheilung hat Herr Hector Ritter von Zahony, Papierfabrikant in Podgora bei Görz, nebft einem Sortiment vorzüglich ausgeführter Papiere auch folche, welche aus Maulbeerbaum Rinde gefertigt find, fowie letztere felbft im rohen, gefchälten und gebleichten Zuftande zur Anfchauung gebracht. Diefes durch feine Leiftungen hervorragende Etabliffement hat im Laufe des letzten Halbjahres 1500 Centner roher Rinde, welche 230 Centner lufttrockenen Baftes ergaben, gröfstentheils zu Briefcouvert- Papieren verarbeitet, deren Feftigkeit jener der Hanfpapiere nicht im Mindeften nachfteht. Die Verwendung der Rinde des Maulbeer- Baumes zur Papierfabrication ift von nicht zu unterfchätzender nationalökonomifcher Bedeutung, da hiedurch ein neues Materiale der Induftrie dienftbar gemacht wird, das bisher gänzlich unbeachtet geblieben ift und keinerlei Verwendung fand. Es gibt zweierlei Verfahren, um die zur Fütterung des Seidenwurmes nöthigen Blätter zu gewinnen. In ganz Mittel- und Süditalien, in Dalmatien und in einem Theile von Iftrien werden die Blätter vom Baume abgeftreift und dann den Würmern vorgeworfen, im Venetianifchen, dem Küftenlande und im Görzer Gebiete fchneidet man jedoch die ganzen einjährigen Zweige vom Baume und ftreift entweder erft im Haufe die Blätter ab, oder legt die ganzen Zweige auf die Betten der Raupen. Die abgefreffenen Zweige wurden nun bisher einfach als Brennmaterial verwendet, während fie jetzt mittelft einer fehr einfachen Vorrichtung durch Menfchenhände abgefchält werden und ohne im Mindeſten am Brennmaterialwerth zu verlieren, noch das ganz bedeutende Erträgnifs an Baft geben. Die Arbeit des Abfchälens ift vollkommen mühelos, und kann durch halberwachfene Kinder oder durch ältere arbeitsunfähige Leute vorgenommen werden. Eine Perfon kann mit Leichtigkeit 80 Pfund Baft in einem Tage fammeln und fich dadurch einen guten Verdienft fchaffen. Für den Fabrikanten zeigt fich die Ver2* 18 Emil Twerdy. arbeitung diefes Materiales fehr lohnend, denn der Centner lufttrockener Rinde koftet I fl. 50 kr. und entfällt demnach für den Centner vollkommen gebleichten Halbftoffes ein Preis von nicht ganz 18 fl., bei welchem man noch mit Vortheil Cigarrettenpapier zu 48 bis 52 fl. den Centner verkaufen kann. Herrn Ritter v. Zahony gebührt das Verdienft, durch Einführung diefes Induftriezweiges die Ertragsfähigkeit der in füdlichen Gegenden allenthalben mit Maulbeer- Bäumen bepflanzten Felder um ein Bedeutendes erhöht zu haben, was um fo mehr ins Gewicht fällt, als nur zu häufig durch Ungunft der Witterung oder durch das Auftreten einer Krankheit die Hoffnungen der Landleute auf das Erträgnifs der Seidenernte getäufcht werden, während der Ertrag aus dem ausgefchälten Bafte ihnen jedenfalls gefichert bleibt. Wenn die Verwerthung diefes vegetabilifchen Stoffes zu Zwecken der Papierfabrication auch nur locale Bedeutung hat, ift es immerhin von Werth und Intereffe, diefes bisher ganz unbeachtete Naturproduct in der Reihe der Hadernfurrogate mit Erfolg auftreten zu fehen. Die Brennneffel. In der ungarifchen Papierabtheilung hatte die Hermanetzer Papierfabrik J. B. Hüttner nebft verfchiedenen Sorten fehr fchöner feiner Papiere, Couvertpapier aus purem Brennneffel- Stoff, fowie fein melirtes Conceptpapier aus Hadern und einer Beimifchung von 50 Percent diefes Stoffes ausgeftellt. Die Brennneffel- Fafer ift gewonnen von den Gattungen Urtica urens und divica. Die Qualität der Waare ift überraschend gut, und glaubt der Ausfteller, dafs fich diefe bei weiterer Ausbildung der Stoffbereitung noch wefentlich beffer geftalten dürfte. Es ist wohl das erfte Mal, dafs die Brennneffel- Fafer in gröfserem Mafsftabe als Papier- Rohmaterial zur Verwendung kam, und entnehmen wir den freundlichen Mittheilungen des Herrn Ausftellers, dafs die in den, der Hermanetzer Papierfabrik nahen grofsen Waldcomplexen vorkommende, grofse Menge der Brennneffel dazu Veranlaffung gab. Die Brennneffel wird, wenn fie in der Blüthe fteht, grün eingefammelt, die Blätter und Blüthen mit der Hand gereinigt, und dann die Stengel an der Sonne, unter Zuhilfenahme von Waffer, womit man die. felben täglich drei oder vier Mal begiefst, fchwach geröftet und getrocknet. Die getrockneten Stengel werden zwifchen Walzen fo lange zerquetfcht, bis die Fafer zum Vorfchein kommt. Das darauf folgende Wolfen befreit die Fafer gänzlich von den Stengelreften, die fo gereinigte Fafer wird gekocht und im Holländer gebleicht. Die Anwendung von Chlorgas ift, als der Brennneffel- Fafer im hohen Grade fchädlich, zu vermeiden. Der gebleichte Neffelftoff wird nun entweder ohne jede Beimifchung zu Papier verarbeitet, wie das ausgeftellt gewefene Couvertpapier zeigte, oder mit einem beliebigen Zufatz von Hadernftoff gemifcht, wie aus dem ausgeftellt gewefenen weifsen Conceptpapier erfichtlich war. Der Herr Ausfteller ift der Meinung, dafs man bei weiterer Ausbildung des Verfahrens ein fehr feftes, reines und weifses Papier erzeugen kann. Die Rentabilität ist bei dem heutigen Stande der Papierpreife zu bezweifeln, felbft wenn man die Brennneffel ganz umfonft bekömmt, denn das Einfammeln und Putzen der Neffel ift im Verhältnifs zu dem Nutzquantum viel zu theuer. Hundert Pfund grüne Brennneffel geben geputzt und getrocknet circa 35 Pfund Stengel und diefe circa 134 Pfund Fafer. So ausfichtslos auch die Verwendung diefes Rohmateriales für den gegenwärtigen Stand der Papierfabrication ift, fo verdient es doch alle Anerkennung, dafs Verfuche auf diefem Gebiete gemacht, und die Refultate in fo freundlicher Weife den Fachcollegen zur Kenntnifs gebracht werden. Die Hermanetzer Papierfabrik ift ihrer vorzüglichen Leiftungen wegen eines der hervorragendften Etabliffements Ungarns. Kartoffelft engel. Gebrüder Spiro, Mafchinenpapier- Fabrikanten in Rothřecitz, Böhmen, haben eine Collection von aus Kartoffelftengeln gefertigten Pack- und Zuckerpapieren, fowie Proben diefes Stoffes in mehreren Stadien der Bearbeitung exponirt. Die Papiere find von bedeutender Feftigkeit, jedoch Papierinduftrie. 19 fcheint es, dafs fich diefer Stoff feines geringen Anfehens wegen nur zu ordinären Papieren eignet. Nähere Angaben über die Art der Behandlung des Stoffes, die Erzeugungskoften desfelben etc. konnten nicht ermittelt werden. Hiemit ift die Reihe der auf der Ausftellung zur Geltung gebrachten Rohftoffe gefchloffen und endigen wir die Betrachtung über diefelben mit dem Ausdruck der Genugthuung, dafs die feit der Parifer Ausftellung verftrichene Periode Wefentliches in Auffindung und Vervollkommnung der zur Papierfabrication tauglichen Rohftoffe geleiftet hat. Die Papierinduftrie darf mit Berechtigung erwarten, dafs auf dem eingefchlagenen Wege und an der Hand der Wiffenfchaft weitere Forfchungen ein Material ausfindig machen werden, welches überall und billig herzuftellen, auch aufserdem geeignet ift, den gefteigerten Anfprüchen an die Güte des Papieres zu genügen. Die Papierfabriks- Einrichtungen, Wir haben bei Befprechung der verfchiedenen Rohmaterialien das Hadern Halbzeug nicht als felbftftändiges Material behandelt, da es bei dem heutigen Stande der Dinge als zur Papierfabrication im engeren Sinne gehörig, betrachtet werden mufs. Es bleibt der Zukunft vorbehalten, ob die Arbeitstheilung fo weit gehen wird, dafs auch Hadern- Halbftoff zum Gegenftande einer befonderen, vom eigentlichen Papiermachen unabhängigen Induftrie wird, und felbftftändig als Handelsartikel auftritt. Heute ift bei der Anlage einer Papierfabrik die Nothwendigkeit unausweichlich, eigenen Halbftoff aus Hadern zu erzeugen, und müffen die hierin erreichten Fortfchritte in der Reihe der in den Papierfabriks- Anlagen überhaupt gewonnenen aufgeführt werden. Es ift bereits Eingangs erwähnt worden dafs die käuflichen Hadern einer genauen Sortirung unterzogen werden müffen. Diefe erfolgt von Hand, und ift hierin keine Aenderung der hergebrachten Manipulationsweife zu verzeichnen. Schneidmafchinen. Die Hadern- Schneidmafchinen werden nun durchwegs mit rotirenden Trommeln gebaut. Jene Form, bei welcher zwei Meffer radial eingefpannt wurden, kommt mehr und mehr aufser Gebrauch, da die Wirkung des Schnittes von heftigen Erfchütterungen begleitet ift, die fich um fo ftörender erweifen, als die Hadernfchneider gewöhnlich in der oberften Etage des Fabriks gebäudes placirt werden, und defshalb felten ein hinreichend ftabiles Fundament erhalten. Die Hadernfchneider mit um die horizontale Axe rotirenden Trommeln haben einen bedeutend ruhigeren Gang, leiften mehr und nützen fich weniger ab. Gebrüder Sachfenberg, Schiffsbauer und Mafchinenfabrikanten in Rofslau an der Elbe, Anhalt, hatten eine Hadern- Schneidmafchine diefes Syſtems im Annex der deutfchen Mafchinenausftellung ausgeftellt. Die Mafchine ift ganz in Eifen und fehr folid ausgeführt, hat eine gefällige Form und bietet alle Vortheile diefer Anordnung. Die Meffer können leicht herausgenommen und nach dem Schärfen wieder befeftigt werden, letzteres gefchieht durch Schrauben und Keile. Die Zuführungswalze liegt parallel zur Trommelachfe, und erhält erftere den Antrieb durch einen Riemen. Die Mafchine liefert bei einmaligem Schneiden 8 bis 10 Centner per Stunde, bei zweimaligem Schneiden 5 bis 6 Centner, bedarf eines Kraftaufwandes von 3 bis 4 Pferdekräften und koftet 500 Thaler. Guillotine- Schneidemafchinen waren nicht ausgeftellt. Die Kochapparate. Diefelben werden jetzt faft nur kugelförmig gebaut und fanden fich zwei Exemplare auf der Ausftellung. Der Hadernkocher von Gebrüder Decker& Comp. in Canftatt, Württemberg, fafst 20 bis 25 Centner Hadern, ift kugelförmig, das Material Keffelblech auf 12 Atmoſphären probirt, fo dafs die Dampffpannung während des Betriebes 6 Atmoſphären erreichen darf. Im Inneren find Stäbe eingenietet zum Faffen der Hadern und befitzt der Apparat einen halbkugelförmigen durchlöcherten Zwifchen 20 Emil Twerdy. boden, einen Seiher zum Einlaffen des Dampfes und der Lauge, zwei angenietete hohle Drehzapfen, zwei angenietete Mannloch- Auffätze mit Deckel und Verfchlufs zum Füllen und Entleeren, ein Ventil zur Dampfzuführung, fo eingerichtet, dafs die Lauge nicht durch dasfelbe in die Dampfleitung und den Dampfkeffel zurücktreten kann, ein Zulafsventil für Lauge und Waffer, zwei Ablafshähne, einen Abdampfhahn, ein Luftventil, ein Sicherheitsventil, zwei eiferne Lagerftänder, fowie das Triebwerk mit doppelter Räderüberfetzung nebft den Riemenfcheiben. Der Hadernkocher der Gebrüder Sachfenberg hat die Form einer Kugel von 7 bis 8½ Fufs Weite und fafst 20 bis 25 Centner Lumpen oder 612 bis 7 Centner Stroh. Das Gewicht desfelben beträgt 105 Centner. Die Kugel dreht fich auf zwei gufseifernen Zapfen, welche gleichzeitig zum Ein- und Aus laffen von Dampf und Waffer dienen. Am äufseren Umfange der Kugel find diametral gegenüberftehend zwei gufseiferne Kränze zum Füllen und Entleeren, die durch Deckel verfchloffen werden. Im Innern befindet fich ein aus einzelnen Blechen beftehendes, gürtelförmiges Sieb in etwa drei Zoll Abftand vom Mantel. Der zwifchen Sieb und äufserem Mantel entſtehende, ringförmige Raum fteht mit jedem der beiden Zapfen durch ein an der inneren Fläche des Mantels anliegendes fchmiedeeifernes Rohr in Verbindung. Die einzelnen Bleche des Gürtelfiebes find zum Abfchrauben eingerichtet, um den ringförmigen Raum von Zeit zu Zeit reinigen zu können. Zwei Hähne dienen zum Ablaffen des Waffers aus diefem Raume. Zum befferen Umwenden der Hadern find an dem Siebmantel noch fechs Schienen angebracht. In die Zapfen führen, durch Stopfbüchfen gedichtet, zwei fefte Röhren, von denen das Einlafsrohr mit einem Sperrventile für Waffer, einem folchen für directen Dampf und einem Ventil für indirecten Dampf, das Auslafsrohr mit einem Auslafsventil für Dampf und Waffer, und einem Stutzen für ein Verbindungsrohr mit dem etwaigen Nachbarkocher verfehen ift. Der Betrieb gefchieht mittelft Riemen und doppeltem Rädervorgelege. Die Betriebsfcheibe macht per Minute 40 bis 45 Umdrehungen, was für die Kugel im Mittel gleich 09 Umdrehungen entſpricht. Die Kugel ift für eine Dampffpannung von 4 Atmofphären Ueberdruck conftruirt und wird mit dem doppelten Drucke probirt. Nach Beendigung des Koch- und Wafchproceffes wird der Kocher aufser Thätigkeit gefetzt, die beiden Deckel werden abgenommen und der Kocher abermals in Drehung gefetzt, um fich durch die Mannlochöffnungen mit geringer Nachhilfe felbftthätig zu entleeren. Bei dem Betriebe mehrerer Kocher wird die Einrichtung getroffen, dafs der nach Beendigung der Kochung entweichende Dampf des einen Kochers zum Vorwärmen des anderen benützt wird. Die Anzahl der Kochungen beträgt in 24 Stunden 2 bis 3 für Lumpen, 4 bis 6 für Stroh. Die Kocher werden in 4 Gröfsen, und zwar mit 7. 7, 8, 8% Fufs rheinifch Weite gebaut und faffen 16 bis 35 Centner Hadern oder 5 bis 10 Centner Stroh. Die Wafchvorrichtung befteht entweder aus tellerförmigen inneren oder gürtelförmigen Sieben. Gebrüder Sachfenberg haben bereits mehr als 200 Kocher ausgeführt. Der Vortheil der kugelförmigen Kocher befteht hauptfächlich darin, dafs felbe leichter und fchneller zu füllen und zu entleeren find als cylindrifche, dafs fie bei gleichem Volumen leichter find, daher weniger Betriebskraft benöthigen und dafs die Oberfläche bei gleichem Inhalt geringer ift als bei cylindrifchen Kochern, daher weniger Abkühlungsfläche haben und weniger Dampf brauchen. Die Holländer. Wafch- Bleich- und Halbzeug- Holländer find in der Ausftellung gar nicht, dagegen Ganzzeug- Holländer in einigen Eexemplaren vertreten gewefen. J. G. Landes in München exponirte eine in einem Stück fehr fchöne Holländerwanne, Wagner& Comp. in Cöthen- Anhalt einen completen gegoffene Holländer mit ebenfalls ganz eiferner Wanne. Die Conftruction des letzteren bietet nichts Neues. Papierinduftrie. 21 Grofses Auffehen hingegen erregte ein von der Karolinenthaler Maſchinenbau Gefellfchaft, vormals Lüffe Märky und Bernard in Prag ausgeftellten Ganzzeug- Holländer nach dem Syftem von Debié, Granger& Pasquier in Paris. Wir entnehmen dem von Dr. Alwin Rudel herausgegebenen ,, Centralblatt" auszugsweife folgende Erläuterungen: Alle Papierfabrikanten haben ficher die Ueberzeugung gewonnen, dafs die bis jetzt noch allgemein gebräuchliche Mafchine zur Bearbeitung des Ganzftoffes eine ihrem Zwecke fehr mangelhaft entſprechende ift. Wenn man fich die Aufgabe, welche die Operationen der Umwandlung von Geweben in feinft getheilte Fafern, die in der Papierfabrication mit dem Namen ,, Ganzftoff" bezeichnet werden, klar vorftellt, fo kann man das Trennen der verfchiedenen Gewebearten durch die Hand der Sortirerinen und Verkleinern der Stücke auf dem Sortirtifch mit Vor- und Nachfortirung, das Schneiden auf dem Hadernfchneider, das Entfafern der Hadern durch die Halbftoff- Mühle als durchaus zweckmäfsige und fyftematifch richtig auf einander folgende Arbeiten bezeichnen, für welche kaum jemals beffere Verfahrungsweifen gefunden werden dürften, weil die Zwifchenarbeiten der Reinigung durch das Stäuben( Wolfen), Kochen, Wafchen und Bleichen nur in dem Stadium richtig erfolgen können, in dem fich die Gewebe und Fafern in dem jeweiligen Grade ihrer Bearbeitung befinden. Bis zum Halbftoff mufs eben die Zerlegung der Gewebe bis zu Fafern durch das Schneiden, das Auflockern des Gefpinnftes und die Extraction der in den Fafern mehr oder weniger enthaltenen Subftanzen durch das Kochen, die Reinigung derfelben für die darauf folgende Bleichung durch das Wafchen gefchehen, und kann nur einerfeits in der Form des klein gefchnittenen Gewebes, anderfeits in der Form der Fafer ftattfinden. Ganz anders ift die Aufgabe bei der Umwandlung des Halbftoffes in Ganzftoff. Der Ganzftoff foll nicht allein eine fein getheilte, fondern auch zertheilte Fafer fein, das heifst, er foll eine Spaltung der ursprünglichen Dicke der Fafer in auch der Länge nach feineren Fäferchen fein. Denn diefe Zertheilung ift es, welche die feine Verfilzung des Papierblattes und damit die Feftigkeit desfelben, feine beffere Qualität, feine Reinheit in der Durchficht und gute Leimung zu einem guten Theile mit bedingt. Für die Operation der Spaltung der Halbftoff- Fafern in feinere Fafern kann kaum eine fchlechter dazu geeignete Vorrichtung gefunden werden, als es die deutfche, durch die Holländer verbefferte Cylindermühle ift. Nicht allein, dafs durch die gering dargebotenen Flächen an den Schienen des Cylinders und Grundwerkes, wo allein die Spaltung durch Reibung und Druck erfolgen kann, die Arbeit unendlich verzögert wird, fo gefchieht diefs auf Koften der gleichmässigen Zertheilung noch mehr durch die überwiegend grofse Menge hohler Räume fich der zwifchen den Schienen, in welche der Stoff beliebig fchlüpfen und Operation des Mahlens entziehen kann; es ift kein Zwang, fondern nur ein Zufall, welche und wie viel Fafern dabei zur Bearbeitung gelangen und daraus mufs ganz natürlicher Weife eine aufserordentliche Ungleichheit der Faferlängen und Feinheiten, aber auch eine ungehörige Zeitverfchwendung hervorgehen. Die Idee Kinglands in New York, die Patentmühle, ein aus gegoffenen, kreisrunden Eifenplatten mit eingelaffenen, feinen Schienen beftehendes Syftem ,. bei welchem diefe Platten den Bodenftein und Läufer der horizontal liegenden Mühlfteine erfetzen, auf die Papierfabrication zu übertragen, war jedenfalls eine fehr glückliche. Es läfst fich kein anderer Grund für die Abänderung der horizon. talen in die verticale Lage finden, als der, dafs Kingland eine Neuheit und wenigftens die Vermeidung der vollständigen Nachahmung der amerikaniſchen Mahlmühle fuchte, indem er diefe Mühle umftülpte. In Amerika und England fand fie auch zahlreiche Verbreitung, weil man dort keine fo verfchiedenartigen Stoffe mifcht und ganz befonders viel Baumwoll- Fafern verarbeitet. In Deutſchland und Frankreich hat fie nur in wenigen Fabriken dauernde Benützung gefunden und 22 Emil Twerdy. dies ganz befonders aus den beiden Gründen, weil fie erftens heterogene Stoffe nicht gleichmäfsig verarbeitet, zweitens weil die Kraft von 40 Pferdeftärken nur felten für diefe Mafchine vorhanden ift und eine kleinere als diefe die Leiftung wefentlich vermindert. Eine eingehende Berechnung über die effective Leiftung eines gewöhnlichen Holländers und einer Scheibenftoff- Mühle zeigt, dafs bei erfterem eine Pferdekraft 80 Pfund, bei letzterer eine Pferdekraft 125 Pfund Stoff in 24 Stunden liefert. Der Verluft an Kraft bei der gewöhnlichen Cylindermühle rührt von verlorner Reibung her. Horizontale Mahlgänge haben die geringften Reibungsverlufte, und Kingland hätte fich eigentlich das Umftülpen der Steine erfparen können. Eine horizontale Mühle liefert mit einem Kraftverbrauch von I Pferdekraft 160 Pfund Ganzftoff. Die geringe Leiftungsfähigkeit einer Cylindermühle war es, welche die Herren E. Debié, Granger& Pasquier zur Conftruction ihres vervollkommneten Syftems geführt hat. Diefes Holländerfyftem hat feit den fünf Jahren feines Beftehens eine folche Ausbildung erfahren, dafs die Kenntnifs desfelben nunmehr für jeden Papierfabricanten von Wichtigkeit ift. Die von den Herren Profefforen Lespermont und Sagebien am 12. September 1872 in der Papierfabrik zu Wizernes an einer Cylindermühle von einem Meter Walzendurchmeffer, 0.70 Meter Breite, 1000 Kilo wiegend, bei 180 Touren per Minute angeftellten Bremsverfuche ergaben: dafs zum Mahlen von Stroh und chemifchem Holzftoff 6 Pferdekraft, zum Mahlen feften Hadernftoffes 8, und bei Füllung des Troges voll mit Waffer ohne Stoff 10 Pferdekraft nöthig waren. Der koloffale Aufwand an Kraft zur Bewegung des Stoffes ift ganz erklärlich, da die Schienen der Walze die Function des Rades eines Dampffchiffes haben, welches mit Schnelligkeit grofse Laften im Waffer bewegt mit dem Unterfchiede, dafs hier die Laft, dort aber die flüffige Maffe bewegt wird. Bei Dampffchiffen ift bekanntlich ein grofser Kraftverbrauch und nur bis 25 Percent Nutzeffect. Die Schaufeln tauchen höchftens nur mit dem achten Theile des Radumfanges ein, während die Walze mit den Schienen faft bis zur Hälfte eintaucht, den Stoff in die Höhe fchleudert und ihn wieder nach vorn nimmt; denn der kleinfte Theil des von den Schienen gefafsten Stoffes geht über den Kropf oder Sattel und von da weiter im Troge herum. Die bei der neuen Stoffmühle ausgeführten Verbefferungen haben zum Hauptzwecke eine grofse Erfparnifs an Kraft in der Anwendung der Walze, bei voller Beibehaltung derfelben Art der Wirkfamkeit diefes Werkzeuges als Mahlapparat. Die erfte diefer Verbefferungen gründet fich auf die Beobachtung, dafs bei dem alten Verfahren die Walze zwei unterfchiedene Functionen auszuführen hat, welche für ein gutes Ergebnifs der Triebkraft geradezu entgegengefetzte Bedingungen der Gefchwindigkeit erheifchen. Diefe Functionen find die Speifung der mahlenden Flächen und der Mahlung felbft. Die erftere befteht in der Ertheilung einer regelmässigen und gleichmässigen Bewegung der im Troge befindlichen Stoffmenge und wird durch eine fehr geringe Gefchwindigkeit erlangt. Die zweite hat die allmälige Verminderung der Faferlängen während des Durchganges über das Grundwerk zum Zweck und verlangt dagegen eine fehr grofse Gefchwindigkeit. Unterfucht man die für jede diefer beiden Functionen aufgewandte Menge an Triebkraft, fo findet man, dafs in der älteren Stoffmühle diefe Triebkraft im Verhältnifs der Speifung zur nutzbar gemachten Arbeit beträchtlich ift. In der neuen Stoffmühle werden die beiden Functionen der Speifung und Mahlung durch zwei verfchiedene Mechanismen ausgeführt. Die erftere durch eine neue Vorrichtung, Elevator genannt, die zweite durch die alte Vorrichtung, die Walze. Die Walze ift auf dem oberen Theil des Troges mit dem Grundwerke erhoben und diefes etwas geneigt und vor der Walze derartig angebracht, dafs Papierinduftrie. 23 der Stoff in den Trog zurückfällt, ohne gegen die Haube geworfen zu werden. Um dabei das abfolute Freiwerden der Walzfchienen zu fichern, fteht der obere Theil des Grundwerkes um mehrere Centimeter über das Niveau des Stoffes heraus. Auffteigend vor dem Grundwerke ift eine ftark gebogene Fläche, welcher der durch die fpecielle Vorrichtung, die man Elevator nennt, aufgeführte Stoff regelmäfsig folgt. Der vor diefer gebogenen, fteil auffteigenden Fläche befindliche Elevator befteht aus einem Rade mit Schaufeln von I 200 Meter Durchmeffer und derfelben Breite wie die Walze, macht nur 14 Umdrehungen per Minute, wegen des tiefen Eintauchens der Schaufeln, welche nach der Bewegungsrichtung des Stoffes hin ftark gebogen find. Die Uebertragung der Bewegung erfolgt von der Walzenwelle aus, damit die relativen Bewegungen diefer beiden Theile des Apparates mit einander wechfelfeitig in Verbindung ftehen. Gleichmäfsig durch diefen Apparat hinaufgezogen, kommt der Stoff von felbft oben an und gelangt auf natürliche Weife zwifchen die Schienen der Walze und des Grundwerkes, um da wie in den älteren Mühlen gemahlen zu werden. Da die Walze nicht mehr den Zugang des Stoffes zu bewirken hat, fo ift es nicht mehr nöthig, dafs die Schienen fo ftark, wie früher hervorragen; diefs ift bis auf fünf bis fechs Millimeter verhindert. Der durch den Stoff der Walzenbewegung bereitete Widerftand ift demnach auf das Geringfte reducirt. und kann diefe Erfparnifs je nach dem Rauminhalt der Stoffmühlen und den verfchiedenen Bedingungen der Aufftellung zwanzig bis dreifsig Percent betragen. Die zweite Verbefferung, welche kein geringes Intereffe bietet, befteht in der neuen Anordnung des Bodens der Stoffmühle. Betrachtet man die gewöhnliche Form der Stoffmühl- Tröge, fo bemerkt man, dafs die dem Boden zunächft liegenden Stofffchichten eine viel langfamere Bewegung als die höheren Schichten haben, fo dafs die letzteren viel öfter die Walze paffiren als die erfteren. Die einzige Hilfe gegen diefen unangenehmen Vorgang ift das Aufrühren, und ift diefes nur ein fehr mangelhaftes Mittel. Befonders unregelmäfsig ift die Gefchwindigkeit der Stofffchichten am Boden und der Oberfläche, am auffteigenden Theile des Kropfes, welchen der Stoff zu erfteigen genöthigt ift, um das Niveau zu erreichen, wo in den älteren Mühlen durch die Walze die Auffchleuderung ftattfindet. Indem man diefen Kropf befeitigt und den Elevator bis auf den Boden des Troges eintauchen läfst, erreicht man eine faft abfolute Gleichartigkeit der Gefchwindigkeiten aller Stofflagen. Die Reibung am Boden kann allein noch den Gang der unterften Lagen ein wenig verlangfamen. Um diefen Uebelftand zu beheben. erhält der ganze Boden des Troges eine ununterbrochene Neigung vom Austritte des Stoffes unter der Walze an bis zu dem Punkte, wo der Elevator ihn von Neuem erfafst. Es beftand noch eine Ungleichheit des Mahlens durch die fehr verfchiedenen Bewegungen, welchen mit einer ziemlich gleichen Gefchwindigkeit die Stofffchichten nahe an der Mittelwand und der Aufsenwand folgen. Um diefe Unregelmässigkeit zu überwinden, wird das Uebermafs von Stoff benützt, den der Elevator beftändig vor die Walze bringt. Diefes Zuviel wird durch einen Canal an den äufseren Rand der inneren Mittelwand geführt, und findet fomit in ununterbrochener Weife und während der ganzen Zeit des Mahlens ein Querabflufs an verfchiedenen Theilen des Troges ftatt, der die vollkommene Vermifchung fichert. Diefe beiden letzteren Anordnungen liefern die wirkliche Löfung des Rührers, ohne jede Mithilfe eines mechanifchen Werkzeuges. Die ökonomifchen Ergebniffe beftehen in einer beträchtlichen Befchleunigung des Mahlens, daher Zeiterfparnifs und einem geringeren Kraftverbrauch auch, welcher faft nur 50 Percent von dem bei älteren Stoffmühlen benöthigten ausmacht. Die neuen Anordnungen bieten jedoch auch noch andere Vortheile von grofser Wichtigkeit. Seit mehreren Jahren hat fich die Anwendung von Grundwerken mit Schienen ohne zugefchliffene Schneide allgemein eingebürgert und ift diefe auch 24 Emil Twerdy. überdiefs durch den Vortheil einer grofsen Regelmäfsigkeit der Fabrication, der Vermeidung des Schärfens u. f. w. gerechtfertigt. Diefelbe Anordnung bei den Walzenfchienen zu treffen, war daher folgerichtig, aber die Dicke von drei bis fünf Millimeter im Maximum, welche fie am beften haben mussten, und das noth wendige Vorftehen derfelben, um das Ergreifen des Stoffes zu bewirken, gaben ihnen bei der alten Conftruction nicht die gehörige Feftigkeit. Bei der neuen hingegen, wo das Vorftehen diefer Schienen auf 5 bis 6 Millimeter und mehr vermindert ift, dürfen die Schienen ohneweiters ohne Schärfe und ganz dünn fein. Da der Elevator die Walze von der Arbeit der Speifung enthebt, fo wird der Durchmeffer der Walze von der Gröfse des Troges ganz unabhängig. Bei einer Vermehrung des Faffungsraumes ift man nicht mehr, wie bisher, genöthigt, auch den Durchmeffer der Walze und damit ihr Gewicht zu vergröfsern. Bei Vergröfse rung der Stoffmühle bleibt der Walzen- Durchmeffer derfelbe, nur erhält die Walze eine gröfsere Länge, um dadurch verhältnifsmäfsig die Production zu vermehren. Die Walzen erhalten demnach die möglichft kleinen Durchmeffer, um fie weniger koftfpielig zu machen. Der von der Karolinenthaler Mafchinenbau Gefellfchaft, vormals Lüffe Märky& Bernard, in Prag ausgeftellte Holländer hat einen aus Cement gebauten Trog; doch werden diefe auch in Gufseifen ausgeführt. Nähere Mittheilungen hierüber ertheilen H. Everling 26, rue cadet Paris, Dr. Alwin Rudel in Dresden und die genannte Karolinenthaler Mafchinenbau- Gefellſchaft. Von diefen Holländern find bereits 60 Stück im Betriebe, und zwar in 17 Fabriken Frankreichs, in 2 belgifchen, I baierifchen, 3 preuſsifchen, 3 öfterreichifchen, I italienifchen und I ruffifchen Papierfabrik. Die deutfchen Fabriken find: Friedrich in Eifenberg, die Eichberger Papierfabrik in Schlefien, C. A. Lutterkorth in Tilfit, H. A. Schöller Söhne in Düren. Die öfterreichifchen Fabriken, welche bereits mit folchen Holländern verfehen find, find: Die Papierfabrik an der Andritz bei Graz und die Papierfabrik in Freiheit, Böhmen. Annähernd ift der Preis der mechanifchen Theile für eine Mühle von 120 bis 160 Pfund Papierftoff- Inhalt 4200 Francs; der Preis des complet adjuftirten gufseifernen Troges 900 Francs. Die mechanifchen Theile einer Mühle mit 200 bis 240 Pfund Stoffinhalt koften circa 4500 Francs, der Trog circa 1000 Francs. Der Preis einer Wafchtrommel ift 500 Francs. Papiermafchinen. Von diefen find zwei Stück und ein Modell vorhanden gewefen. Die Papiermafchine von Efcher Wyfs& Comp. in Zürich ift für die München- Dachauer Actien- Papierfabrik beftimmt und für die Maffenproduction von Zeitungspapier eingerichtet, obzwar auch alle anderen Papierforten darauf gearbeitet werden können. Die gröfste Arbeitsbreite beträgt 1880 Millimeter für unbefchnittenes oder 1850 bis 1860 Millimeter für befchnittenes Papier. Die Mafchine ift bis auf Siebe, Filze und Riemen vollſtändig montirt, und, wie von diefer weltbekannten Firma vorauszufetzen, vorzüglich, folid und zweckmässig gebaut. Sie befitzt einen Sandfang mittlerer Länge von dreikantigen eingefetzten Holzleiften zufammengefetzt, drei in einer Ebene liegende Knotenfänger mit eingefetzten Metallplatten, auf welche der Stoff durch eine feitliche kupferne Rinne zugeleitet wird. Die Länge des Siebes beträgt 12.600 Millimeter( die Sieblänge gewöhnlicher Mafchinen machen Efcher Wyfs& Comp. nur 11.700 Millimeter). Saugapparate waren drei Stück mit Meffingbefchlag vorhanden. Die erfte und zweite Preffe bieten die diefer Firma eigenthümliche Conftruction mit fehr kräftigen Zapfen, feitlich gefchloffenen Lagerftändern und felbftthätiger Schaberbewegung. Sämmtliche Prefswalzen, das heifst fowohl diejenigen der Nafspreffen als diejenigen der folgenden Satinirpreffen find von Hartgufs und in ihren Dimenfionen ganz gleich gehalten. Es hat diefs den grofsen Vortheil, dafs, falls im Papierinduftrie. 25 Laufe der Zeit eine Satinir- Prefswalze zum Satiniren untauglich wird, diefelbe mit geringer Mühe für eine der Nafspreffen hergeftellt und verwendet werden kann. Die Zapfen der Walzen find in einem Stück mit diefen gegoffen, find aber weicher gehalten, worauf bei dem Giefsen forgfältig Rückficht genommen werden muss. Der Zapfendurchmeffer beträgt 110 Millimeter. Der Trockenapparat ift durch feine Gröfse bemerkenswerth, Derfelbe befteht aus drei unteren Trockencylindern von je 1220 Millimeter Durchmeffer, einem Filz- Trockencylinder von 1000 Millimeter Durchmeffer und zwei Filz- Trockencylindern von 460 Millimeter Durchmeffer, danach folgt ein oberer Cylinder von 1220 Millimeter Durchmeffer mit einem darauf liegenden Filz- Trocken cylinder von 460 Millimeter Durchmeffer. Nun kommt die fogenannte Feucht- Satinirpreffe, welche beftimmt ift, dem Papiere befondere Glätte zu ertheilen. Wenn fie richtig gearbeitet ift, fo ift ihre Wirkung fehr auffällig. Ihre Behandlung bedarf von Seite des Mafchinenführers Aufmerkfamkeit und Uebung, denn kommt das Papier zu feucht zwifchen die Prefswalzen, fo wird es fchwarz, kommt es zu trocken, fo wird die Wirkung der Preffung fehr vermindert. Nach der Feucht- Satinirpreffe folgt wieder ein unterer und noch ein oberer Trockencylinder von 1220 Millimeter Durchmeffer mit je einem Trockenfilz von 460 Millimeter Durchmeffer; im Ganzen alfo 6 Trockencylinder von 1220 Millimeter Durchmeffer, ein Cylinder von 1000 Millimeter Durchmeffer und fünf Cylinder von 460 Millimeter Durchmeffer. Hinter dem Trockenapparate fteht noch eine Satinirpreffe mit drei HartgufsWalzen, dann folgt das Schneidzeug und fchliefslich ein aufrechter Hafpel, welcher derart eingerichtet ift, dafs man mit einer Kurbelbewegung alle Arme gleichzeitig ftellen kann. Die Firma Efcher Wyfs& Comp. behauptet unter allen Maſchinenfabriken des Continentes, welche Papiermafchinen bauen, den erften grofsen Rang; diefelbe hat von 1841 bis Ende des Jahres 1872: 89 Papiermafchinen geliefert und zwar nach Oefterreich 25, nach Preufsen 20, nach Sachfen 10, nach Baiern 8, nach Italien 8, für die Schweiz 8, nach Württemberg 4, nach Baden 4 und nach Rufsland 2 Stück. Die geringfte Arbeitsbreite betrug 1270 Millimeter, die gröfste 2130 Millimeter, und zwar für die Papierfabrik Schlöglmühl. G. Siglin Berlin exponirte eine für die Actien- Papierfabrik Schlema bei Schneeberg in Sachfen bestimmte Papiermafchine von 64 Zoll engliſch Arbeitsbreite. Auch diefe Firma rechtfertigte den im Papiermafchinen- Bau wohlerworbenen Ruf durch äufserft exacte Ausführung. Der Stoff- Einlaufkaften und der Sandfang find nicht anmontirt, dagegen ift die Mafchine von den Knotenmafchinen ab vollſtändig zufammengeftellt. Es find zwei ftufenweis poftirte Knoten- Fangplatten vorhanden, fo dafs der Stoff einer zweimaligen Reinigung unterzogen werden kann. Es kann jedoch durch Anlage eines Ueberfteigrohres die Vorrichtung getroffen werden, dafs der Stoff fich theilt und die Hälfte die obere, die andere Hälfte die untere Knotenplatte paffirt. Diefe Vorrichtung ift jedoch an der Mafchine noch nicht angebracht. Das Sieb geht über zwei Saugapparate, die Ständer der erften und zweiten Preffe find, abweichend von der Form, an der früher befchriebenen fchweizer Mafchine, feitlich offen, was ein fehr bequemes Einziehen der Filze und Herausnehmen der Prefswalzen geftattet. Eine Vorrichtung zum feitlichen Bewegen der Schaber ift nicht vorhanden. Der Trockenapparat befteht aus vier Trocken cylindern von 1265 Millimeter Durchmeffer und einem Filz- Trockencylinder für den unteren Filz. Von den vier Cylindern liegen zwei oben, und zwei unten. Bei vier Cylindern ift die Dispofition von drei unteren und nur einem oberen Cylinder jener von zwei unteren und zwei oberen Cylindern entfchieden vorzuziehen. Das Papier erhält dadurch eine auf beiden Seiten gleiche Glätte und kann rafcher über den Apparat geführt werden. Hinter dem Trockenapparate ift eine Satinirpreffe, hinter diefer das Längenfchneidzeug und endlich ein aufrechter Haspel bekannter Conftruction. Eine fehr zweckmäfsige Neuerung an 26 Emil Tweray. der Schüttelpartie ift die Antriebsvorrichtung derfelben, diefelbe beansprucht wenig Raum und geftattet eine grofse Variation in der Zahl der Hübe. Bryans Donkin& Comp. in Bermondfey bei London ftellten ein Modell ihres Papiermafchinen Syftems aus, welches auch in Betrieb gefetzt werden konnte. Das Modell zeigt Stoffbüten mit Rührvorrichtung, eine Stoffpumpe und die complete Papiermafchine nebft Transmiffion. Hinter einem langen Sandfang find zwei neben einander liegende Knotenfänger mit gefchlitzten Platten angebracht. Der Saugapparat ift mit einer gelochten Metallplatte gedeckt, was jedenfalls fehr viel zur Schonung des Siebes beitragen mufs. Vor und hinter dem Saugapparat ift je ein Egouteur angebracht. Der Antrieb der Gautfch- und der Nafspreffe erfolgt durch Riemen von der Verlängerung der Welle der zweiten Preffe aus. Der Trockenapparat befteht aus acht Cylindern, wovon vorerft drei unten, zwei oben liegen, darauf folgt eine Feucht- Satinirpreffe, dann wieder zwei Cylinder unten und einer oben. Hinter dem Trockenapparate ftehen zwei dreiwalzige Satinirpreffen und ein liegender Hafpel mit Aufrollvorrichtung. Papiermafchinen- Beftandtheile. In der englifchen Abtheilung der Mafchinenausftellung war ein rotirender Knotenfänger von James Bertram and fons in Edinburgh, Schottland, ausgeftellt, der in feiner Art ganz neu ift. Jeder Papierfabrikant kennt die Unvollkommenheit und die hiemit verknüpften Mifsftände der üblichen Knotenmaschinen. Diefelben find in den meiften Fällen zu klein, nehmen, wenn mehrere vorhanden find, fehr viel Raum ein, verftopfen fich leicht und werden dadurch Urfache ungleichförmigen Stoffzufluffes und ungleicher Dicke des Papieres. Um den Stoff durch die Spalten durchzufpülen, läfst man die Platten auffchlagen, welche Erfchütterungen wieder den unbeabfichtigten Erfolg haben, dafs die Stoffknoten fich einzwicken oder gar durchdrängen. Bei geringer Aufmerkſamkeit kommt es wohl auch vor, dafs ein Ueber laufen des Stoffes ftattfindet, und eine Partie Papier ganz und gar verdirbt. Diefe Uebelftände, wenn nicht ganz zu vermeiden, fo doch zu mildern, ift der Zweck des genannten rotirenden Knotenfang- Apparates. 22 Der verbefferte rotirende Knotenfänger" von James Bertram and fons ( Vertreter A. Rack& Comp. Mafchinenbauer in Wien, Heugaffe 24) ift mit J.& R. Woods Patent- Saugeapparat verfehen, und bilet eine complete, für fich abgefchloffene Mafchine, welche den Stoff zugepumt erhält und knotenfrei an das Sieb abgibt. Die Mafchine ift durchaus in Eifen und Meffing ausgeführt, und kann ifolirt oder in die Papiermafchine eingefchaltet, arbeiten. Eine Centrifugalpumpe pumpt den Stoff in einen eifernen Kaften, in welchem fich der Knotenfänger befindet. Diefer befteht aus vier gefchlitzten Platten, welche, genau an einander gefügt, ein Prisma bilden, deffen Grundfläche, ein Quadrat, aus der Breite der Platten gebildet ift, während die Länge gleich der der Knotenplatten ift. Die Knotenplatten fitzen in einem drehbaren Rahmen, deffen Achfenenden hohl find. Das eine Ende der Achfe fteht mit einer Art Pumpencylinder in Verbindung, das andere hohle Ende bildet das Auslaufrohr für den geringften Stoff. Der Knotenfänger rotirt während des Ganges der Mafchine und ift ringsum von Stoff umgeben, dadurch rührt er letzteren continuirlich auf, fo dafs derfelbe angeblich weder Klumpen bilden noch die Oberfläche verftopfen kann. In dem vorhin erwähnten Cylinder geht ein Kolben und fchafft den innerhalb des Knotenfangs befindlichen gereinigten Stoff durch das andere Ende in einen Vorkaften, woraus der Stoff in einen zweiten Kaften fliefst, der unmittelbar vor dem Sieb der Mafchine liegt. Die Oberfläche der Knotenplatten beträgt 42 Quadratfufs, die ganze Mafchine nimmt im Verhältnifs zu diefer grofsen Arbeitsfläche wenig Raum ein, ift in allen Theilen gut zugänglich und läfst fich unfchwer reinigen. Die Mafchine Papierinduftrie. 27 koftet, ab Fabrik, 370 Pfund Sterling. Mit Waffer ftatt des Stoffes functionirt diefelbe fehr exact, aber fo grofs auch die Vortheile fein mögen, fo läfst fich dennoch nicht leugnen, dafs der Kaften nach einiger Zeit mit Knoten ganz gefüllt fein und bei feiner Entleerung auch viel guter Stoff verloren gehen wird. Der praktiſche Erfolg diefer Mafchine ift defshalb abzuwarten. Der rotirende Knotenfänger von Henry Watfon in Newcaftle on Tyne ( Vertreter Jul. Oberhoff, Getreidemarkt II, Wien) war nicht im Betriebe und beruht auf gleichem Principe. Die rotirenden Knotenfänger von Chr. Steinmayer und Chr. Wandel in Reutlingen, Württemberg, find nach einem von dem englifchen wefentlich anderen Syftem gebaut. Der rotirende Knotenfänger von Chr. Steinmayer befteht aus einem Cylinder, deffen Mantel mit feinen Schlitzöffnungen verfehen ift. Diefer Cylinder wird durch ein Getriebe, welches an beiden Cylinderenden angebracht ift, unter fortwährendem Schütteln langfam gedreht. In den Cylinder wird der Stoff durch Rinnen von beiden Seiten eingeleitet, derfelbe paffirt die Schlitzöffnungen, die Knoten dagegen bleiben zurück, und werden durch inwendig an den Cylinder angebrachte Stäbe mit in die Höhe genommen, worauf fie in eine inwendig aufgeklappte, nach einer Seite geneigte Rinne fallen. Ein oberhalb des Cylinders angebrachtes Spritzrohr fpritzt beftändig Waffer auf denfelben, um ihn rein zu erhalten und die in der Rinne angefammelten Knoten abzufpülen und wegzuführen. Als Hauptvorzüge des Apparates gibt der Ausfteller an der Cylinder reinigt fich fortwährend von felbft, dadurch bleiben die Schlitzöffnungen ftets gleich offen und bleibt die durchgehende Stoffmenge ftets diefelbe. Die Schlitzöffnungen können enger genommen werden, als bei Platten, da fie fich nie verftopfen. Die Knotenentfernung ift dadurch vollſtändiger. Die Mafchine nimmt bei grofser Durchgangsfläche wenig Raum ein. Die Mafchine ift mit Ausnahme der Getriebe ganz aus Meffing und Kupfer und fehr folid und gefällig ausgeführt. So finnreich auch diefes Princip ift, fo ift es dennoch unvermeidlich, dafs nicht auch guter Stoff mit den Knoten abgefpritzt und abgeführt wird; aufserdem wirkt noch der Umftand vertheuernd auf eine allgemeine Anwendung des Apparates, dafs für jede Schlitzweite ein anderer Cylinder eingefetzt werden mufs.- Gefchlitzte Knotenplatten find von Fr.& Th. Bell, C. Reif, Chr. Steinmayer und Chr. Wandel ausgeftellt worden und laffen diefelben in Bezug auf Egalität und Feinheit der Schlitze nichts zu wünſchen übrig. Die rotirenden Knotenfänger haben noch nicht allgemein Eingang gefunden, da die Anfichten über deren befte Conftruction noch zu widerfprechend find, defshalb ift die Anfertigung guter gefchlitzter Platten immer noch von grofser Wichtigkeit für jeden Papierfabrikanten. Die früher gebräuchliche Art der Zufammenfetzung einer Knotenplatte aus gehobelten Stäben, zwifchen welche zur Erzielung verfchieden breiter Durchgangsöffnungen Meffingringelchen von verfchiedener Dicke eingefchoben wurden, kommt immer mehr aufser Gebrauch, da die gröfseren Anfchaffungskoften ganzer gefchlitzter Platten reichlich durch den Gewinn an Zeit erfetzt werden, den das blofse Einlegen einer fertigen Platte gegenüber dem Einfügen der Ringe erfordert. Nicht nur, dafs das Zerlegen der Stäbe eine mühfame und zeitraubende Arbeit ift, werden die Ringe von minder gewiffenhaften Maſchinenführern leicht verwechfelt, wodurch eine Ungleichförmigkeit in der Breite der Durchgangs öffnungen entſteht, deren fchädliche Folgen im Papier nur zu fichtbar find. Schneidmafchinen. Diefe waren unter allen zur Papierfabrication gehörigen Mafchinen auf der Ausftellung am zahlreichften vertreten, und zwar ftellte Deutſchland hierin das ftärkfte Contingent. Die Papierfchneid- Mafchinen von Häckel& Comp., O. Ronniger, Auguft Fomm, Carl Kraufe, Gebrüder Schmiel in Leipzig, C. W. Schürmann in Elberfeld und Gebrüder Heim in 28 Emil Twerdy. Offenbach find alle von nur mittlerer Gröfse, und durchwegs für Kurbelbewegung und Bleuelftange eingerichtet, wodurch das Zurückdrehen des Handrades bei dem Rückgang des Meffers erfpart wird. Die conftructiven Unterfchiede find gering, vorzüglich ausgeführt und in der Form fehr gefällig ift die Mafchine der Gebrüder Heim in Offenbach. Diefelbe ift für Riemenbetrieb eingerichtet und mit felbftthätiger Ausrückung verfehen. Eine kleine Papierfchneid- Mafchine von Pierron& F. Dehaitre in Paris zeigt eine eigenthümliche Führung des Mefferfupports auf Leitrollen. Die Kurbelbewegung wird durch eine Bleuelftange unterhalb des Papiertifches auf einen Hebel übertragen. Der Tifch ift verftellbar und mit einem Mafsftab verfehen. Glätt Walzwerke, Kalander. Diefe waren fchwach vertreten, und zählen die ausgeftellten Exemplare in Bezug auf Walzenanzahl und Breite nur zur Mittelgattung. Die mit zwei Hartgufs- Walzen verfehenen Glätt- Walzwerke bieten nichts Neues, unter den mit Papierwalzen verfehenen find die von Gebrüder Heim und Efcher, Wyfs& Comp. in Leesdorf bei Wien ausgeftellten bemerkenswerth. Der Kalander der Gebrüder Heim ift fehr fchön ausgeführt, die Zuleitung des Papieres jedoch ohne Geradführung; dagegen liegt bei dem Kalander von Efcher, Wyfs& Comp. vor jeder Walze ein genau regulirbarer Filz, um das Papier ficher und ohne Gefahr des Faltenziehens einzuführen. Grofse Kalander mit fünf und mehr Walzen, mit feparater Betriebsmafchine, wie felbe jetzt ftark in Aufnahme kommen, waren nicht ausgeftellt. Siebe und Filze. Metalltücher für Papiermafchinen haben die Firmen H. Günther in Biberach, Steinmayer, Wandel in Reutlingen, Kufferath in Marienweiler bei Düren und Hutter& Schrantz in Wien ausgeftellt. In Filzen behauptet Frankreich den erften Rang und haben fich an der Ausftellung die beftbekannten Firmen: Charrier& Comp., Chrétien Me. Ve. Debouchaud, Mattard& Vérit& Comp., Weiller Labroufe& Sardou in Nerfac und Mattard& Bermier in Châteauneuf, fowie R. R. Whitehead Brothers in London betheiligt. Die Leiftungen der franzöfifchen Fabriken find weltberühmt und ftehen ohne Concurrenz da. Whitehead Brothers ftellten aufser Nafs- und Steigfilzen Trockenfilze aus Schaf und Baumwolle aus. Die Anfchaffung derfelben ftellt fich erheblich billiger als die der Schafwolll- Filze, jedoch ift ihr Gebrauch noch ein zu neuer, als dafs fich über ihren praktifchen Werth fchon etwas Beftimmtes fagen liefse. Die Subftituirung von Metalltüchern an Stelle der Trockenfilze hat fich nicht bewährt. Es braucht nicht erft erwähnt zu werden, dafs alle Verbefferungen an Mafchinen und Fabriksbedarf- Artikeln auch der Papierinduftrie zu Gute kommen und von intelligenten Fabrikanten gebührend gewürdigt werden. Zur rafchen Kenntnifs und Verbreitung derfelben trägt die Fachliteratur viel bei, wie diefer überhaupt ein grofser Theil des Fortfchrittes im Allgemeinen zu danken ift. Die Literatur des Papierfaches hat feit 1867 an vollſtändigen Werken wenig hervorgebracht und befchränkt fich mehr auf periodifche Schriften und Brochuren. Ein wefentliches Verdienft um die Fachliteratur hat fich Dr. Alwin Rudel in Dresden erworben, welcher feit 1849 auf diefem Gebiet unermüdlich für den Fortfchritt thätig ift, und in feinem„ Centralblatt für deutfche Papierfabrication" ein Organ unterhält, das als geiftiger Vereinigungspunkt aller Papierintereffenten dient. Diefe Zeitfchrift ift die ältefte ihrer Art auf dem Continent. Eine fernere neue erfreuliche Erfcheinung ift die Bildung von Vereinen zur Wahrung allgemeiner fachlicher Intereffen. Solche Vereine bilden fich nun faft in jedem Staate, und es ift mit Recht zu erwarten, dafs deren allfeitiges Zufammenwirken von wefentlich erfpriefslichen Folgen für das Vorwärtsfchreiten der Papierinduftrie begleitet ſein wird. Papierinduftrie. 29 Die ausgestellten Rohftoffe und Papiere. Es liegt in der Natur der Sache, dafs jenes Land, welches eine Ausftellung veranstaltet und die diefem nächftgelegenen Staaten in der betreffenden Gruppe relativ am ftärksten vertreten find und die Betheiligung entfprechend der gröfseren Entfernung fchwächer wird. Die Anzahl der ausgeftellten Objecte eines Landes ift demnach kein zuverläfsiger Mafsftab für die Beurtheilung des Umfanges und Entwicklungsgrades eines beftimmten Induftriezweiges. Die Papierausftellung in Wien bot nur bei Oefterreich- Ungarn und Deutfchland ein entſprechendes Bild des Standes der Papierfabrication, wogegen die anderen Länder fchwach, einige gar nicht vertreten waren. Oefterreich- Ungarn. Von 96 Maſchinenpapier- und 24 HolzftoffFabriken haben 53 Firmen, mithin circa 44 Percent, die Ausftellung befchickt, doch find hierin alle in Oefterreich- Ungarn fabricirten Papierforten vertreten. Diefe umfaffen das gefammte Gebiet der in Europa gebrauchten Papiere mit Ausnahme von Photographiepapier, welches auf der Ausftellung überhaupt nur von Frankreich exponirt wurde. Die Papiere einer Gattung unterfcheiden fich, namentlich bei Ausftellungsobjecten, wenig von einander, da deren Herftellungsweife faft überall die nämliche ift, und kommt, wenn es fich um ein ftrenges Urtheil über gleichnamige Waare handelt, wefentlich der Preis derfelben in Betracht zu ziehen. Hochfeine Papiere haben ausgeftellt: Die Fabriken: Schlöglmühl, Leidesdorf& Comp., Eichmann& Comp. in Arnau, Heinrichsthal in Mähren, Leykam- Jofephsthal, Elbmühl in Arnau vormals Lorenz Söhne, Rothneufiedl, G. Röder in Marfchendorf, Ritter von Zahony in Görz, Imft, Wattens und Abfam in Tirol und Meynier in Fiume. Die Erzeugniffe diefer Firmen bieten das Vollkommenfte, was die Papierinduftrie auf ihrer heutigen Entwicklungsftufe bietet und laffen die ausgeftellten Documenten., Wafferdruck, Noten-, Brief-, Kanzlei-, Feindruck- und Zeichenpapiere nichts zu wünſchen übrig. Das hervorragendfte Ausftellungsobject war das der Actiengeſellſchaft Schlöglmühl, welches fich in der Rotunde befand. Diefe Fabrik ift eine der bedeutendften Oefterreichs und liefert den Gefammtbedarf des Staates an Noten, Obligationen, Stempel, Briefcouverts etc. Die Fabrik befitzt 4 Papiermafchinen, worunter eine mit 84 Zoll Arbeitsbreite, wohl die gröfste Oefterreichs. Die Jahresproduction beträgt über 50.000 Centner. Für animalifche Leimung auf der Mafchine befitzt die Gefellſchaft ein eigenes Patent. Die ausgeftellten, in einem Bogen ftreifig, verfchiedenfärbigen Handpapiere waren Unica der Ausftellung und zeugen von der aufserordentlichen Sorgfalt der Erzeugung. Als Curiofum ift die aus einem Bogen gewickelte Papierrolle zu erwähnen, welche 822 Wiener Zoll breit, 54332 Fufs, gleich 24 deutfche Meilen lang ift und 84% Zollcentner wiegt. Die ausgeftellten zu einem Pfund Papier nöthigen Materialien find nur als Decoration anzufehen und haben abfolut keinen inftructiven Werth. Es würde zu weit führen, alle die zahllofen Variationen in Stoff, Format, Gewicht, Farbe und Appretur der ausgeftellten feinen Papiere der oben genannten Fabriken näher zu befprechen, und da die Erzeugniffe derfelben einander faft ganz ebenbürtig find, befchränken wir uns nur auf die Anführung von Befonderheiten. Der Verwendung von chemifch gelöftem Holzftoff zu Briefpapier, welches von G. Röd er & Comp. ausgeftellt wurde, ift bereits an anderer Stelle rühmend gedacht worden. 30 Emil Twerdy. Die Fabriken von Imft, Wattens und Abfam haben fchönes, gelbes, fatinirtes Saugpapier, die Elbemühl Frachtkarten- Copirpapier und fehr gutes Pauspapier aus felbft gefertigtem Strohftoffe ausgeftellt. Die Documenten- und Banknoten- Papiere der Fabrik Rothneufiedl find in ihrer Art ausgezeichnet. Mittelfeine Schreib- und Druckpapiere, Affichen-, Umfchlag und feine Packpapiere haben ausgeftellt: Die Actiengeſellſchaft in Pitten, die Actiengefellfchaft Cellulofe, die Actiengeſellſchaft Steyrermühl, Gebrüder Fialkowski& Twerdy in Bielitz, Kranz in Andritz, Ignaz Fuchs in Kamnitz, Pechlaner und Netzer in Hall, Blum in Bludenz, J. B. Hüttner in Hermanetz, die Papierfabrik in Nagy Szlabos, die Petersdorfer und Zernefter Papierfabrik und Luigi& Comp. in Roveredo. Die bedeutendften diefer Fabriken find die der Actiengeſellſchaften Pitten, Cellulofe und Steyrermühl, von denen jede 35.000 bis 40 000 Centner Papier jährlich erzeugt. Die Papiere find durchwegs mit 50 bis 60 Percent HolzftoffZufatz gearbeitet, die Appretur meift nur Mafchinenglätte. Die Papierfabrik Pitten und die der Actiengeſellſchaft Cellulofe gehörige Fabrik Therefienthal hatten in ihren Expofitionen Zeitungs- und Bücherpapier in fehr gut gewickelten Rollen bis 600 Pfund Gewicht, und ift ferner das prachtvolle Rofa- Löfchpapier der Pittener Fabrik befonders lobend zu erwähnen. Cigarrettenpapiere waren vorhanden: Von der Troppauer Fabrik, der Gefellfchaft Cellulofe, von Dr. Feuerft ein in Traun, Piette in Freiheit, Hektor Ritter von Zahony in Görz und von Weifer und Holzer in Saffow, Galizien. Die vorzüglich geleitete Troppauer Papierfabrik producirt ausfchliesslich Cigarrettenpapier, welches fich durch Reinheit und Egalität, leichte und geruchlofe Verbrennbarkeit ganz befonders auszeichnet. Die Farben der von derfelben Firma ausgeftellten Blumenpapiere find ebenfo mannigfaltig als fchön, rein und feurig. Piette, der die Seidenpapier- Fabrication in Oefterreich einführte, bewährte feinen alten Ruf wie immer. Die ebenfo guten Papiere von Zahony enthalten Maulbeerbaum- Rinde, was bereits an früherer Stelle Erwähnung fand. Zucker und ordinäre Packpapiere find exponirt von: W. Hamburger in Pitten, Actiengefellfchaft Pitten, F. Weifs in Mohrau, Dr. Müller in Troppau, Kieslings Erben in Hohenelbe, J. Spiro in Rothřečitz, Ig. Spiro in Krumau und der Ratfchacher Fabrik. Die Pack- und Zuckerpapiere bieten nichts Neues, des Kartoffelftengel- Papieres von Jacob Spiro ift bei den Rohmaterialien anerkennend gedacht worden. Pappen und Hadernzeug waren in ganz ausgezeichneter Qualität ausgeftellt von J. R. Purkert, in Weifskirchlitz bei Teplitz in Böhmen, und Franz Ohmeyer in Graz. Purkert's Saugpappen und Gewehrpfropfe find rühmlichft hervorzuheben. Die Prefsfpäne der Gefellſchaft Cellulofe aus ihrer Fabrik in Gumpoldskirchen und die von F. Hoffmann in Grätz bei Troppau find längft als vorzüglich anerkannt und auch die ausgeftellten Proben ausgezeichnet fchön. Von den ausgeftellten Strohpapieren und Pappen verdienen jene von Fürth& Gellert in Pilfen, H. Smekal in Dechtitz und der Prefsburger Actien- Papierfabrik volle Anerkennung, wogegen die Papiere von Lafk& Mehrländer in Wadowice, Galizien, Manches zu wünſchen übrig laffen. Gefchliffener Holzftoff und Holzdeckel waren durch fieben Ausfteller vertreten. I. V. Stenger's in Frohnleiten färbige Pappen und die Deckel von Braun& Eberhardt in Niederrochlitz erregen verdiente Aufmerksamkeit. Die Holzftoff- Proben laffen, als getrocknete Maffe, kein genaues Urtheil über Farbe und Feinheit zu. Chemifch gelöfter Holzftoff war nur in ganz kleinen Quantitäten vorhanden, und zwar in Muftern von Hiebl& Diamant, in Proben der Gefellfchaft„ Papyrus", in Muftern und Papieren der fchon genann Papierinduftrie. 31 ten Firma G. Röder und in einer Papierrolle von Falkenhayn. Letztere hat ein gelbes und unreines Ausfehen. Deutfchland. Von 322 Mafchinenpapier- Fabriken mit 465 Papiermafchinen, 69 Holzfchleifereien mit circa 20 Strohftoff- Fabriken haben fich 74 Firmen an der Ausftellung betheiligt. Von diefen entfallen 38 Ausfteller auf Papiere, 13 auf Holzftoff und Holzpappe, II auf Prefsfpäne und LumpenftoffPappen, 10 auf Strohpapier und Strohpappe und 2 auf gebleichte Strohmaffe. Die Zahl der Ausfteller beträgt darnach circa 18 Percent der fämmtlichen Producenten. Die Ausftellung bot doch ein treues Bild der hochentwickelten deutfchen Papierinduftrie, da fich die beften Firmen mit ihren Productten eingefunden hatten. Den Glanzpunkt der fonft in fehr einfacher und nüchterner Weife arrangirten Ausstellung bildete die Collectivausftellung der Papierfabriken in Düren. Die bewährteften Firmen und zwar: Gebrüder Hoefch, Felix Schöller, Emil Hoefch& Schleicher und Heinrich Auguft Schöller Söhne, repräfentirten in würdigfter Weife den alten Ruf der Dürener Papiererzeugniffe. Die Papiere find dem Gebrauchszwecke, dem Stoffe, dem Formate und den Farben nach fo mannigfaltig, dafs eine nähere Befchreibung weitaus den Rahmen diefes Berichtes überfchreiten würde. Es läfst fich im Allgemeinen conftatiren, dafs die feinen Brief, Documenten-, Kanzlei- und Zeichenpapiere zu dem Vorzüglichften gehören, das die Ausstellung überhaupt bot. 99 Eine fehr intereffante Collection von Papierwaaren, beftehend in: Düten, Kapfeln, Cartonnagen, Etiquetten etc. ftellten die Vereinten hefsifchen Papier und Papierwaaren- Fabriken" vormals G. Bodenheim& Comp. in Kafsel aus, welche diefe Specialität in vorzüglicher Weife und grofsem Erfolge cultiviren. Die Hanf-, Löfch- und Druckpapiere von C. F. Difcher in Berghaufen und Gebrüder Deneke in Raguhn, Anhalt, zeigen gute, jedoch nicht ungewöhn liche Ausführung, die Proben der Wafferdruck- Papiere der Wolfswinkler ActienPapierfabrik ausgezeichnete Reinheit und Schärfe. Die Dalbker Papierfabrik, Max Drefel, ftellte Papiere aus, wie bereits erwähnt, felbfterzeugter Cellulofe gefertigt, aus, und zwar in 18 diverfen Farben. Die Büttenpapiere find fo wie die Maschinenpapiere befonders zähe und fchön gefärbt. Die Schreibdocumenten, Velin- und feinen Druckpapiere von Brafelmann& Vorfter in Stenneet bei Eilpe in Weftphalenund Georg Drewfen in Lachendorf bei Celle in Hannover gleichen den Dürener Papieren an vorzüglicher Ausführung. Hervorzuheben find ferner noch die Handpapiere mit Wafferzeichen zu Werthpapieren der Eichberger Papierfabrik bei Hirfchberg in Schlefien und die fchönen Handpapiere von J. W. Landers in Gladbach bei Köln, wie nicht minder die verfchiedenen Qualitäten von Kupferdruck- Papieren der Schröderfchen Papierfabrik in Leipzig. Pergamentpapier ift durch die Fabrik von Carl Brandegger in Ellwangen, Württemberg vertreten, welche Rollen und künftliche Wurftdärme in ausgezeichneter Qualität erzeugt. Die vorkommenden Strohpapiere und Strohpappen boten nichts Neues, dagegen waren Prefsfpäne und Brandpappen durch vorzügliche Mufter vertreten, worunter jene von A. Kauffmann& Schumann in Hohleborn bei Schmalkalden, Hefsen, und die von Kade& Comp. in Sorau, Brandenburg, in erfter Linie zu nennen find. Die Holzftoff- Induftrie war zahlreich vertreten, die ausgeftellten Proben, meift in Form von Deckeln find im Ausfehen ziemlich gleichförmig und faft alle auf Apparaten nach Voelter's Syftem erzeugt. Voelter felbft hat fich durch Vorführung mehrerer Stoffproben von verfchiedenen Holzarten und daraus gefertigten Papieren an der Ausftellung betheiligt. 3 32 Emil Twerdy. Cellulofe war durch Mufter und Papiere der norddeutfchen Papierfabrik in Cöftlin, Auguft Deininger und Max Drefel vertreten. Erftere find feft, jedoch in der Farbe unanfehnlich, der beiden anderen ift bereits an anderer Stelle erwähnt worden. Gebleichte Strohmaffe wurde von C. A. Linke in Hirfchberg und C. Matthys& Pummerer in Paffau in tadellofen Proben zur Anfchauung gebracht. Frankreich. Von den franzöfifchen Fabrikanten haben nur 14 die Ausftellung befchickt, und zwar 13 mit Papieren, und eine Firma mit Proben von Cellulofe. So gering auch die Zahl der Exponenten war, gereicht die franzöfifche Papierausftellung dem Lande dennoch zur höchften Ehre, da die beften Firmen ihre berühmten Fabricate vorführten. Die Papiere waren in ganz gleichen gefchloffenen Käften, in einfacher aber höchft gefchmackvoller Weife ausgeftellt und gewährte deren Studium dem Fachmanne die höchfte Befriedigung. Die Société anonyme des Papetiers du Marais et de St. Marie brachte eine reiche Sammlung von Druck-, Lithographie-, Kupferdruck-, färbigem, Banknoten-, Acten- und Wafferzeichen- Papieren, Jacquard und Glättkarten, welche das Vollkommenfte ihrer Art find. Die Wafferzeichen find von unübertroffener Reinheit und Schärfe, die Stoffe abfolut rein, die Appretur prachtvoll. Blanchet frères& Kleber, Rives, Ifére, glänzten durch ihre weltberühmten Photographiepapiere, in weifser und mattgelber Farbe ausgeführt, fowie durch Zeichen und Büttenpapiere. Auf derfelben hohen Stufe der Vollkommenheit ftehen die Erzeugniffe von Lacroix frères Angoulême, Charente, die in Brief-, Druck-, Photographie- und Pergamentpapier beftehen, wie nicht minder den ausgezeichneten Brief- und Luxuspapieren der Firma Ch. Becoulet& Comp. und den Schreibpapieren von Bichelberger& Comp. in Etival und Clairfontaine, Vosges, das höchfte Lob zuzuerkennen ift. Die ehrwürdige Firma Canfon& Mongolfier in Vidalon les Annonay, Ardêche, dominirt, wie feit lange, heute noch den Weltmarkt mit ihren Natur und weifsen Zeichenpapieren, woran fich, was Reinheit und Appretur betrifft, die Documenten-, Photographie- und hochfeinen Druckpapiere würdig an fchliefsen. Die von fünf Fabrikanten ausgeftellten Cigarettenpapiere ftehen den beften diefer Art ebenbürtig zur Seite, und es ist nur zu bedauern, dafs fich die Betheiligung Frankreichs in der Gruppe„ Papier" quantitativ nicht bedeutender geftaltet hat. England. Auch die hochentwickelte, tonangebende Papierinduftrie Englands hat fich an der Wiener Ausstellung fchwach betheiligt, indem nur zwei Ausfteller mit Papieren und zwei mit Cellulofeproben aufgetreten find. A. Cowans and Sons, Papierfabricanten in Edinburgh, vertraten qualitativ in ausgezeichneter Weife den Ruhm der englifchen Papiere, und rangiren unter die erften Firmen des Landes. Die weifsen, färbigen, glatten, gerippten und gemusterten Briefpapiere find in grofser Mannigfaltigkeit vorhanden und unvergleichlich fchön appretirt. Die Leimung der Papiere gefchieht fo forgfältig, dafs das Papier den Weg von 14 englifcher Meile zurücklegt, ehe es den Trockenapparat verläfst. Eine Merkwürdigkeit ift die Nachahmung von altem Papier zur Reproduction alter Werke. T. H. Saunders in Dartford, Kent, brachten Büttenpapier, Werthpapier, Pergament-, Karten, Zeichen- und Schreibpapier in ebenfalls vollendeter Ausführung. Eine Specialität diefer Fabrik ift das durchfichtige Pergamentpapier. Papierinduftrie. 33 Die Cellulofeproben von James Lee und M. Nicol find fchon bei der Abhandlung über die Rohmaterialien eingehend befprochen worden. Rufsland hat in fehr anerkennenswerther Weife die Papierausftellung befchickt, und zeigt in feinen Erzeugniffen ein erfreuliches Bild des gewonnenen Fortfchrittes. Die eigenthümlichen Productionsverhältniffe diefes Reiches, welches durch einen koloffalen Schutzzoll feine Induftrie zu fördern fucht, ermöglichen den Beftand grofsartiger Werke, welche, wenn auch theuerer, fo doch faft ebenfo gut fabriciren als die weftlich gelegenen, höher entwickelten, fremdländifchen Induftriegebiete, wozu das überreiche Quantum des beften und billigen Rohmateriales wefentlich beiträgt. Unter den 8 Papierausftellern figurirten Fabriken von grofsartigem Umfange und vorzüglicher Leiftungsfähigkeit. Die kaiferlich ruffifche Staats- Papierfabrik in Petersburg ftellte Mafchinen- und Handpapiere mit Wafferzeichen aus, die ebenfo vollendet fchön find als die franzöfifchen. Die im Jahre 1818 gegründete Fabrik ift für die Fabrication von 100 Millionen Papierbogen jährlich eingerichtet. 17 Dampfmafchinen betreiben die Werke und 2800 Arbeiter find in der Papiermanufactur und bei 58 Schnellpreffen befchäftigt. Die Newa Schreibpapier- Fabrik Gebrüder Vargounin in Petersburg ftellten gute Schreib-, Druck- und Cigarettenpapiere aus, und verwenden gebleichte Strohmaffe nach Lahouffe's Syftem zu ihren Fabricaten. Der Werth der auf drei Mafchinen erzeugten Waaren beträgt jährlich 750.000 Rubel. Die Fabriken von Gagarin, Prinz Nicolaus in Jaroflaw, fowie jene von Sergujeff in Penfa erzeugen Schreib-, Druck- und färbige Papiere in fehr guter Qualität. Sergujeff's Jahresproduction erreicht den Werth von 800.000 Rubel. Ebenfo anerkennenswerth find die Druck, Schreib- und Cigarettenpapiere von Jean Ep ft ein in Sotfchewka bei Warfchau. Die Papiere waren durchwegs aus reinem Lumpenftoffe gefertigt, daher fehr feft. Holzftoff war durch drei Ausfteller vertreten, von welchen der bedeutendfte, die Actiengeſellſchaft in Tammerfors- Finnland, jährlich 28 000 Centner Stoff und 4000 Centner Holzpappe erzeugt. Italien. Die italieniſche Papierausftellung war fo ungünftig fituirt, dafs fie keinen befonders befriedigenden Eindruck hervorbringen konnte. Die knapp auf einander gehäuften Papiermufter machten es faft unmöglich die einzelnen Ausfteller genau von einander zu unterfcheiden. Es find dreizehn Fabriken mit Mafchinenpapier, drei mit Strohpapier, zwei mit Papieren aus Maulbeerbaum- Rinde und eine Fabrik mit Handpapier vertreten. Das Papierfortiment von Bernardino Nodari in Lugo, Vicenza, bietet durch gute fein apprettirte Brief-. Schreib- und Zeichenpapiere das bemerkenswerthefte der mit Unrecht fo unanfehnlich geftalteten italienifchen Papierexpofition. Hervor ragende Leiftungen find nicht zu conftatiren. Die Niederlande, welche fünfzehn Papiermafchinen befitzen, haben gar keine Mafchinenpapiere ausgeftellt, dagegen ift die rühmlichft bekannte Büttenpapier- Fabrication durch eine gute Firma repräfentirt. Van Gelder& Zonen in Amfterdam geniefsen ihrer fchönen Handpapiere wegen eines alten Rufes. Die Kupferdruck-, Schreib- Documenten und Werthpapiere fowie die färbigen Zeichenpapiere zu Kreidezeichnungen find von einer Reinheit, die nichts zu wünſchen übrig läfst. Z. G. Knipers& Comp. in Lecuwarden ftellten auf der Mafchine erzeugte Strohdeckel gewöhnlicher Sorte aus. Spanien und Portugal waren ebenfalls fchwach betheiligt und läfst fich aus den ausgeftellten Papieren auch nicht ein annähernd richtiger Schlufs auf 3* 34 Emil Twerdy. den wahren Stand der Papiermanufactur ziehen. Das unvortheilhafte Arrangement der italienifchen Papiere wiederholte fich hier in noch höherem Grade, fo dafs von den katalogifirten fechzehn fpanifchen und fieben portugiefifchen Collec tionen nur Wenige zu bemerken waren. Die Papiere der Firma Capdavila& Comp. in Barcelona, beftehend in Schreib- und Cigarrettenpapier find gut in Stoff und Appretur, jedoch nicht rein genug. Die fonftigen Cigarrettenpapiere boten nichts Ungewöhnliches. Die Schweiz erfchien leider nur durch eine einzige Papierfabrik betheiligt, deren Erzeugniffe jedoch des vollen Beifalles werth find. Die Brief-, Schreib- und Zeichenpapiere der Papierfabrik in Worblaufen ftehen den beften ihrer Art in nichts nach. Rumänien wiefs einen Ausfteller von färbigen Papieren aus. Schweden mit dreizehn und Norwegen mit fechs Papierfabriken haben gar kein Papier ausgeftellt, dagegen waren dreizehn Holzftoff- Fabriken mit Proben ihrer Erzeugniffe erſchienen. Es ift zu bedauern, dafs das berühmte fchwedifche Filtrirpapier, welches nur in Grycksbo, Dalarne fabricirt wird, und die eigenthümliche Bedingung braucht, mit chemifch ganz reinem Waffer gearbeitet zu fein und einmal zu gefrieren, nicht vertreten war. Die Holzftoff- Induftrie wird in Schweden und Norwegen im grofsartigften Mafsftabe betrieben. Der unerfchöpfliche Holzreichthum, die Zartheit der Holzfafer, welche fich nur unter fo hohem Breitegrade entwickelt und die unbegrenzten Wafferkräfte und billigen Wafferftrafsen unterſtützen diefe Induftrie in günftiger Weife. Die erfte Fabrik in Trollhättan, 1857 gebaut, blieb zehn Jahre lang die einzige im Lande. Anfangs 1873 gab es 27 Holzfchleifereien in Schweden und 20 in Norwegen. Einzelne Etabliffements, wie z. B. Langed, liefern bis 50.000 Centner Holzmaffe jährlich. In neuefter Zeit wird auch Cellulofe in grofsartigen Quantitäten erzeugt, und zwar beftehen in Schweden zwei Fabriken nach Sinclair's Syftem, fieben nach Lee's und eine nach Fry's Syftem. Der Werth der jährlich erzeugten Holzmafle und der Cellulofe beträgt über 5 Million Riksdaler. Nordamerika, Venezuela, Salvador, Brafilien, Monaco, Dänemark, Belgien und Griechenland haben gar nicht ausgeftellt. Die gröfste Bewunderung in der Wiener Weltausftellung erregten die von China und Japan ausgeftellten Papierarten. Bindfaden aus Papierftreifen gedreht, fo feft und fo glatt wie der befte Bindfaden aus Hanf; Fenfterpapier, welches mattes Glas vertritt und in der Kälte ein träger Wärmeleiter ift, alfo Fenfterfcheiben bildet, wie fie fich mit Eis bedecken oder anlaufen; Lederpapier, fo feft und elaftifch, das Jeder, welcher es zum erften Male fieht und unterfucht, für ein fremdartiges Leder hält; Theetaffen aus Papier, das ftark lackirt ift, und welches der heifsefte Thee im Gebrauche nicht angreift; Gewebe, an welchen die Kette Seide und der Schufs dünne zarte Papierftreifen find; Papier, dafs fich zu Schnupftüchern, weich und zart und feft, verwenden läfst; endlich Papier, das zu Tifchdecken gebraucht werden kann. Das Papier bildet demnach gewiffermafsen in Japan ein Mittelglied zwifchen unferem leicht zerreifslichen Papier und den feften Geweben. Die Wahl des Stoffes und dann die Zubereitung charakterifirt das Papier der Japanefen. Sie nehmen keine fchon gebrauchten Stoffe oder Hadern dazu, welche eine kurze, meiftens morfche Fafer enthalten, fondern frifche, lange Pflanzenfafern, wahrfcheinlich vorzugsweife die Fafer des fchönen feidenartigen Chinagrafes, Urtica nivea, die einen äufserft feften Papierfilz bildet. Diefe Fafern geben dem Papiere ohne Leim und ohne ftarke Preffung ein feftes Gefüge auch bei der bekannten dünnen Schichte, wodurch fich das feine chinefifche und japane Papierinduftrie. 35 fifche Papier auszeichnet. Für Fensterpapier oder zu Laternenwänden wird das Papier mit einer Flüffigkeit getränkt, die durchfcheinend macht, für den Gebrauch als Leder oder als wafferdichter Stoff wird es mit befonderen Harzen und Oelen vorgerichtet; für Gefchirre, in welche man kalte und heifse Flüffigkeiten giefsen will, wird die dicke Papiermaffe mit einem unvergleichlichen Lack überzogen, deffen Grundlage gefchlämmter feiner Thon ift. Die Anregungen, welche die Befucher der Wiener Weltausftellung in der japanefifchen Ausftellung erhielten, werden vielleicht auf die gefammte Papierfabrication eine umgeftaltende Wirkung haben, und die Verwendungsarten werden vielfeitige Nachahmung finden, wenn man es bei uns verftehen lernen wird, die verfchiedenften Stoffe der Papierfabrication dienftbar zu machen. Faffen wir die Charakteriſtik der einzelnen Papierausftellungen kurz zufammen, fo ergibt fich, dafs nur Oefterreich- Ungarn und Deutfchland quantitativ und qualitativ in ausgiebigfter Weife aufgetreten waren, Frankreich, England und Rufsland quantitativ fchwach dagegen durch ihre beften Erzeugniffe, China und Japan mit feltenen und vielfeitigen Producten vertreten waren, wogegen fich alle anderen Papierexpofitionen in hohem Grade lückenhaft erwiefen. An der Spitze der Papierinduftrie ftehen heute wie vor 1867 England, Frankreich, Deutſchland und Oefterreich.