OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. BUCHDRUCK. ( Gruppe XII, Section 1.) BERICHT VON LUDWIG LOTT, Leiter der Druckerei der ,, Preffe". WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1874. BE EKICHI BACHI BUCHDRUCK. ( Gruppe XII, Section 1.) Bericht von LUDWIG LOTT, Leiter der Druckerei der ,, Preffe". Hätte man uns die Aufgabe geftellt, nur die von Buchdruckern ausgeftellten Prefserzeugniffe in Gruppe XII und nur in diefer Gruppe unferen Betrachtungen zu unterziehen, fo würde der Bericht darüber nicht fchwer gefallen fein. Unfere Aufgabe beftand jedoch darin: über Buchdruck" zu referiren. 77 Wir mufsten daher Alles in Betracht ziehen, was zum Buchdruck gehört, gleichviel ob dasfelbe durch Buchdrucker, Buchhändler, Commiffionen oder durch Private zur Ausftellung gelangt war, und ob fich diefes in den Gruppen III( Farbe), VII( Metallinduftrie), XII( graphifche Künfte), XIII( Mafchinen), XVI( militärifches Erziehungs- und Unterrichtswefen), XXVI( Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswefen) in der Kunfthalle oder dem Pavillon der additionellen Ausftellung befand. Unfer Bericht foll in Kürze ein Bild geben von dem heutigen Stande der Buchdruckerkunft und den dazu gehörigen Branchen. Diefe Aufgabe war durch das Arrangement nach Ländern und nicht nach Gruppen eine fehr fchwere und zeichnete fich in diefer Beziehung die Londoner Ausftellung von 1872 gegen die Wiener Weltausftellung" fehr vortheilhaft aus. 99 Während in London Alles, was ins Buchdruckerfach einfchlägt, fo ziemlich neben einander ftand und das Vergleichen des einen Gegenftandes mit dem anderen fehr erleichterte, waren in Wien die ihrer Art nach zufammengehörenden Ausftellungsobjecte in dem ungeheuren Raume fo zerftreut, zerfplittert und zum Theile fo zwifchen ganz anderen Gegenftänden verfteckt, dafs man fie nur mit der gröfsten Mühe, nach langem Suchen auffinden konnte; ja dafs manche Gegenftände gar nicht zu finden waren, trotzdem fie in den Katalogen verzeichnet ftanden. Auch waren in London mehr Schnellpreffen und durch längere Zeitdauer im Gange als in Wien, wo auf Verlangen mehrere nur einige Minuten und ohne zu drucken in Bewegung gefetzt wurden. Dafs aber eine Mafchine und deren Leiftungsfähigkeit nur dann richtig beurtheilt werden kann, wenn man fie durch längere Zeit arbeiten fieht, ift eine bekannte Thatfache; ebenfo dafs man eine Mafchine bei leerem Gange fchneller laufen laffen kann, als wenn fie wirklich arbeitet. Ja die Erfahrung hat gelehrt, dafs mancher Maſchinenbauer die Zahl der auf feiner Schnellpreffe zu bedruckenden Bogen viel höher angibt, als der gefchicktefte Einleger einzulegen im Stande ift. I* 2 Ludwig Lott. Um unferen Bericht fo kurz wie möglich zu faffen, können wir nicht jeden Ausfteller und jeden ausgeftellten Gegenftand einer eingehenden Befprechung unterziehen. Diefes überlaffen wir den typographifchen Fachblättern, welche bereits fchon fehr detaillirte Berichte gebracht haben und theilweife noch bringen. Fachleute und Diejenigen, die es intereffirt, verweifen wir in diefer Beziehung auf die mit Objectivität und grofser Fachkenntnifs gefchriebenen Berichte des fchon im vierzigften Jahrgange in Braunfchweig erfcheinenden ,, Journal für Buchdruckerkunft", deffen Redacteur, Herr Theodor Goebel, ein Fachmann erften Ranges ift; auf die in Wien erfcheinende„ Oefterreichiſche Buchdruckerzeitung", deren Berichte durch acht hervorragende Wiener Gefchäftsleiter erftattet wurden, und auf die in Leipzig erfcheinenden„ Annalen der Typographie", deien Redacteur, Herr Carl B. Lorck, Mitglied der internationalen Jury war. Was den Bau und die Verbefferung der grofsen Schnellpreffen, der fogenannten Zeitungsdruckmaschinen, betrifft, mit denen wir uns auch etwas eingehender befchäftigen wollen, lieferte die Weltaus.tellung den Beweis eines wefentlichen Fortfchrittes und fie war reichlich damit verfehen. Ebenfo gab fie Zeugnifs von der vermehrten Anwendung der Papierftereotypie und der Vervollkommnung der Galvanoplaftik, der Zinko- und der Heliographie, während von der durch Johnson& Atkinfon 1872 in London ausgeftellten Automatiſchen Mafchine für den Gufs und das Fertigmachen von Lettern" und der von der Times- Office ausgeftellten Kaftenbein'fchen Setz- und Ablegemafchine keine Spur zu finden war. Auch die übrigen, fchon längere Zeit im Betriebe befindlichen Setzmaschinen waren nicht vertreten, obgleich deren Ankunft erwartet wurde. Den gröfsten Fortfchritt unter den Zeitungsdruckmaschinen zeigten die von der Rolle druckenden, die fogenannten„ Unendlichen." Von den bis jetzt exiftirenden fieben Arten folcher Unendlichen": ,, Walter." ,,, Victory."," Becker- Reifser-"," Marinoni."," Augsburger."," Bullock-" und„ Prefionian- Preffe" waren die fünf erfteren in Wien zu fehen, und zwar: die Victory-",„ Augsburger-" und" Marinoni- Preffe" in der Mafchirenhalle des Ausstellungsgebäudes; die" Becker- Reifser- Mafchine" im Pavillon der„ Neuen Freien Preffe" und die„, Walter- Preffe" fteht in zwei Exemplaren in der Druckerei der„ Preffe", Landftrafse, Gärtnergaffe Nr. 6 und Kollergaffe Nr. 3. Auf der„ Victory- Preffe" wurde eine Beilage zur„ Deutfchen Zeitung" und auf der„ Augsburger Unendlichen" ein Profpect der„ Mafchinenfabrik Augsburg" gedruckt, während die„ Marinoni- Preffe" nur die Papierrollen aufgehängt hatte, um bei leerem Gange zu zeigen, wie darauf gedruckt wird. Die„ Becker- ReifserMafchine" druckte die„ Internationale Ausftellungs- Zeitung", eine Beilage zur Neuen Freien Preffe". Auf den beiden, Walter- Preffen" wurden auf der einen die Morgen- und Abendausgabe der„ Preffe" und auf der anderen die verfchiedenen Ausgaben der officiellen Ausstellungskataloge gedruckt. " " Jede diefer Unendlichen" übte eine ganz befondere Anziehungskraft aus, denn überall, wo eine folche im Gange war, ftand das Publicum zufammengedrängt und bewunderte die rafche und genaue Arbeit derfelben. Der Walter- Preffe" gebührt jedoch vor allen der erfte Preis zuerkannt zu werden, denn nicht allein die Einfachheit ihres Baues und ihr fehr rafches Drucken( 144.000 Quadratfufs Papier können in einer Stunde auf beiden Seiten bedruckt werden), fondern vornehmlich der Umftand verdient hervorgehoben zu werden, dafs, fobald die ftereotypirten Cliché's auf den beiden Cylindern befeftigt find, fogleich fortgedruckt werden kann, ohne zurichten" zu müffen, und dafs vom Anfange bis zum Ende bei einer circa fechshundert Pfund wiegenden Papierrolle nicht allein nicht die geringfte Stockung eintritt, fondern auch nicht ein einziger Bogen Maculatur, ja nicht einmal ein Falz im Papier vorkommt. Die Erzeugungsländer diefer fieben ,, Unendlichen" find: Amerika( Bullock), Grofsbritannien( Walter, Victory und Preſtonian), Frankreich( Marinoni), Deutſchland( Augsburger) und Oefterreich( Becker- Reifser). Buchdruck. 3 So gut wir Deutfche den Ruhm der Erfindung der Buchdruckerkunft durch unfern Landsmann Guttenberg in Mainz uns nicht ftreitig machen laffen, fo gut die erfte Schnellpreffe, auf welcher die ,, Times" am 29. November 1814 in London zum erften Male gedruckt wurde, eine Erfindung der beiden Deutfchen König und Bauer war, fo gut gebührt der Ruhm der erften Anwendung des Druckens von der Rolle ebenfalls einem Deutfchen, einem Oefterreicher, und zwar dem für die graphifchen Künfte leider zu früh verftorbenen Director der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien, dem Hofrath Alois Auer Ritter v. Welsbach. Denn fchon Ende der Fünfzigerjahre druckte man in der Staatsdruckerei von der Rolle und zwar auf einer ganzen Reihe von Schnellpreffen. Und da uns Deutfchen die Priorität fo mancher Erfindung von fremden Nationen ftreitig zu machen verfucht wird( was neuefter Zeit wieder bei Paul Pretfch der Fall ift), fo wollen wir hier Auer's Erfindung ausdrücklich als eine deutfche, eine öfterreichifche Erfindung betonen, die mittelft Patent vom 17. December 1858, Z. 25317-2852, privilegirt worden ift. Die Befucher des Pavillons der additionellen Ausftellung fanden dort ein von der k. k. Hof- und Staatsdruckerei ausgeftelltes Modell einer Schnellpreffe mit angehängter Papierrolle. Durch eine Kurbel konnte diefe Miniatur- Schnellpreffe in Bewegung gefetzt werden und gab diefelbe ein getreues Bild von Auer's Erfindung. Warum aber diefe wichtige Erfindung in der Staatsdruckerei wieder aufser Thätigkeit gefetzt wurde, wollen wir hier etwas näher erläutern. Bevor die Papierrolle an die Druckmafchine gehängt wurde, musste das Papier erft den Procefs des Feuchtens durchmachen, d. h. die Rolle ward an dem einen Ende eines eigens conftruirten Feuchtapparates aufgehängt, das Papier abgewickelt und über hohle, fiebartig durchlöcherte, mit Waffer gefüllte und mit Flanell überzogene Cylinder geleitet und am entgegengefetzten Ende des Apparates wieder aufgewickelt. Da aber beim Drucken von der Rolle die erfte Bedingung die ift, dafs das Papier feft gewickelt fei, und das fefte Wickeln des trockenen Papieres felbft den Papierfabriken Schwierigkeiten bereitet: fo kann man fich denken, dafs die Wickelung nicht feft fein kann, wenn die Rolle vor dem Drucken gefeuchtet werden mufs; denn ein naffes Papier, wenn es von Haus aus nicht befonders ftark ift und eine gute Fafer hat, hält die zum feften Wickeln nöthige Spannung nicht aus. Um zu drucken, wurde nun die gefeuchtete Papierrolle an die Schnellpreffe gehängt, das Ende des Papieres zwifchen zwei mit Tuch überzogenen, parallel liegenden Walzen hindurchgeführt und die Schnellpreffe in Bewegung gefetzt. Die beiden parallel liegenden Walzen und die durch das Papier mit ihnen in Verbindung ftehende Papierrolle drehten fich um ihre Achfe, führten das Papier um eine Bogenlänge vor, blieben dann fammt der Papierrolle ftillftehen und ein Meffer ſchnitt den Bogen ab, der mittelft Greifern und Bändern auf den Druckcylinder geführt wurde. Nachdem der Bogen bedruckt war, fetzten fich die beiden Parallelwalzen und durch fie die Papierrolle wieder in Bewegung, um, nachdem das Papier wieder um eine Bogenlänge vorgeführt ward, wieder ftill zu ftehen u. f. w. Durch diefes fich jede Bogenlänge wiederholende Stillftehen und wieder in Bewegung Setzen der Papierführungswalzen und der Papierrolle entftand ein fortwährend fich wiederholendes Zupfen und Zucken im Papier, und es gefchah häufig, dafs durch nicht vollſtändiges Abfchneiden der Bogen und durch ungleichmäfsiges Vorführen des Papieres durch die beiden nicht immer auf beiden Seiten gleichmäfsig auf einander paffenden parallelen Walzen, oder wenn das Papier auf einer Seite etwas dicker war, als auf der anderen Seite, die Bogen fchief abgefchnitten wurden, daher fchief auf den Cylinder kamen u. f. f., wodurch fehr viele Fehlbogen oder Maculatur erzeugt wurden. 4 Ludwig Lott. Eine andere Urfache, aufser der unverhältnifsmäfsig grofsen Erzeugung von Maculatur, wefshalb mit dem Drucken von der Rolle in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei wieder aufgehört wurde, war der Umftand, dafs die von der Rolle druckenden Schnellpreffen nur Schöndruck lieferten, d. h. den Bogen nur auf Einer Seite bedruckten, während zum Druck der zweiten oder Widerdruckfeite die Bogen wieder durch Menfchenhände auf die Druckcylinder geführt werden mussten, alfo durch das Drucken von der Rolle auch keine wefentliche Erfparnifs an Menfchenhänden ftattfand, auch die Einleger des Schöndruckes meiftentheils einen geringeren Lohn erhalten. Bei den jetzigen Unendlichen kann ein Zupfen und Zucken nicht ftattfinden, denn wenn die Rolle einmal in Bewegung ift, fo bleibt fie fo lange darin, bis der Gang der Mafchine abgeftellt wird. Und da, mit Ausnahme der„ Bullock-" und Victory- Preffe", bei denen das Papier noch nach alter Art vorher gefeuchtet werden mufs, die übrigen Unendlichen, die Walter- Preffe nachahmend, das Feuch ten des Papiers unmittelbar während des Druckens vollziehen und beide Seiten des Bogens unmittelbar hinter einander bedrucken, fo können fie auch ein viel fchwächeres Papier verarbeiten, als früher in der Staatsdruckerei möglich gewefen ift. Wenn fich die heutige Art des Druckens von der Rolle auch wefentlich und zu ihrem nicht geringen Vortheile von der damaligen in der Wiener Staatsdruckerei gebräuchlichen unterfcheidet, fo benimmt diefs dem Verdienfte Auer's dennoch gar nichts. Denn Auer's, Idee war es, die Schnellpreffe unmittelbar mit der Papiermafchine in Verbindung zu fetzen, das heifst: er dachte fchon damals an ein ununterbrochenes Abwickeln der Rolle. Diefe Behauptung wird beftätigt durch eine im Jahre 1859 in der k. k. Hofund Staatsdruckerei in Wien als Manufcript gedruckte Brofchüre:„ A. Auer's neuefte Erfindung des fogenannten Verbindungs- Apparates der Papierfabrications- Mafchine mit der Schnellpreffe", 80, 12 Seiten mit Abbildungen. In dem Texte unter der Abbildung: Die Druckpreffe in Verbindung mit der Papiermafchine" fagt Auer unter Anderem zum Schluffe: " Um die nun folgenden Operationen, und zwar das Zerfchneiden in einzelne Bogen, das Sortiren, Zählen, Verpacken und Verfenden im unbedruckten Zuftande zu erfparen, kann man das endlofe, auf den Hafpel aufgewickelte Papier unmittelbar mit der Druckpreffe, wie obige Abbildung zeigt, in Verbindung bringen, welch letztere ohne menfchliche Beihilfe nebft dem Bedrucken des Papiers das Zerfchneiden in einzelne Bogen fowohl vor als nach dem Drucke durch ihren eigenen Mechanismus felbft beforgt." Dafs diefe Idee, die Verbindung der Druck- mit der Papiermafchine, nicht verwirklicht wurde, wird Niemand wundern, der die Papier- und Druckmaschinen kennt. Bei den Druckmafchinen mufs dann und wann ftillgehalten werden, um Die Papiereinen„ Spiefs" hinabzudrücken, die Form zu wafchen u. dgl. m. mafchine darf aber niemals ftillftehen, wenn das zu erzeugende Papier nicht abreifsen foll. " 9 im unbedruckten Auer felbft fagt auch in dem oben Citirten: Zuftande zu erfparen, kann man das endlofe, auf den Hafpel aufgewickelte Papier unmittelbar mit der Druckpreffe in Verbindung bringen." Dafs aber auch diefes nicht verwirklicht wurde, liegt einzig und allein nur darin, dafs die Perfonen, denen die Ausführung übertragen war, diefer Aufgabe entweder nicht gewachfen waren oder fie nicht reiflich genug erwogen hatten. Wir können in diefer Hinficht dem Mafchinenfabrikanten Herrn G. Sigl, und namentlich deffen Ingenieuren, den Vorwurf nicht erfparen, dafs, nachdem fie fchon länger " Buchdruck. 5 als ein Decennium die Apparate für das Rollenpapier an die Schnellpreffen der Staatsdruckerei verfertigt, ihre Becker- Reifser- Mafchine" erft als eine Nachahmung anderer Maſchinen bauten, während fie berufen gewefen wären, die grofsen Ideen Auer's auszuführen und Oefterreich den Ruhm nicht nur für das Erfinden des Druckens von der Rolle zu wahren, fondern ihm auch noch den Fortfchritt zuzugefellen. Es geht uns nun mit den Unendlichen gerade wie mit den erften Schnellpreffen. Die Ideen unferer grofsen deutfchen Denker werden zuerft vom Auslande praktiſch verwerthet. " Wenn die Herren König und Bauer ihre Ideen erft durch die Unterftützung des Herrn Thomas Bensley und fpäter des Herrn Walter, Herausgebers der Times" in London, verwirklichen konnten, fo lag der Grund darin, dafs fie in ihrem Vaterlande nicht die Geldmittel dazu aufzutreiben im Stande waren. Dafs die ,, Unendlichen" jedoch auch erft wieder vom Auslande gebaut werden mufsten, bevor wir fie in ihre eigentliche Heimat verpflanzten, ift ein geiftiges Armuthszeugnifs für Diejenigen, die Auer's Idee hätten ausführen follen. Zur Zeit der Erfindung des Druckens von der Rolle war die k. k. Hof- und Staatsdruckerei in ihren Ausgaben nicht fo knapp bemeffen, als jetzt, denn bei dem damaligen Finanzminifter erhielt Auer geneigtes Gehör für feine Anträge und ftanden ihm die Mittel zu Gebote, feine Ideen auch zu verwirklichen. Hiemit foll kein Tadel gegen den jetzigen Finanzminifter ausgefprochen werden, denn nur zu gut ift uns bekannt, wie er für jeden Kreuzer dem hohen Abgeordnetenhaufe Rechenfchaft ablegen mufs. Aber mafsgebenden Orts follte man doch bedenken, dafs nicht jeder Kreuzer hinausgeworfen ift, der für die Kunft und das Kunstgewerbe ausgegeben wird. Die Thatfache fteht feft, dafs nicht allein das Aufblühen der Staatsdruckerei, die in den Fünfzigerjahren einen Glanzpunkt Oefterreichs bildete, dem Wirken Auer's zu verdanken war, fondern dafs das Aufblühen der ganzen graphifchen Künfte in Wien und Oefterreich mittelbar oder unmittelbar Auer's Verdienft ift: denn durch die Leiftungen der Staatsdruckerei wurden alle Druckereien veranlafst, vorwärts zu ftreben. Wie weit felbft grofse Buchdruckereien noch vor drei Decennien in Wien gegen Deutfchland zurück waren, ift daraus zu erfehen, dafs der Autor diefes Berichtes, als er im Jahre 1844 in die Buchdruckerei von Carl Gerold in Wien in Condition trat, nachdem er vorher bei Cotta in Stuttgart conditionirt hatte, einen ungeheuren Contraft vorfand. Bei Cotta wurden damals auf fechs Schnellpreffen und 18 eifernen Handpreffen die illuftrirten Ausgaben von Herder's Cid, die Prachtausgaben von Schiller und Goethe und von anderen Claffikern gedruckt. Bei Gerold dagegen fand er, aufser zwei eifernen Handpreffen, nur noch fünf Holzpreffen vor; von einer Schnellpreffe war da keine Rede. Erft das Jahr 1848 brachte die erfte Mafchine in diefe jetzt fo geachtet daftehende Officin. Und fo wie in diefer einen war der Zuftand in faft allen Buchdruckereien Wien's. Was Wien aber jetzt zu leiften vermag, davon hat die Wiener Weltausftellung glänzendes Zeugnifs abgelegt. Bevor wir diefe Leiftungen in ihren hervorragendften Productionen berühren, wollen wir noch die verfchiedenen Schnellpreffen, namentlich die fo hoch bewunderten grofsen Zeitungsdruckmaschinen, die fogenannten„ Unendlichen“, unter einander vergleichen. Diefes Siebengeftirn zerfällt in zweierlei Gruppen: a) in folche, die den zu bedruckenden Bogen von der Rolle abtrennen, bevor er gedruckt wird, wie diefs ehemals in der Staatsdruckerei gefchah, und 6) in folche, die den Bogen erft abfchneiden, wenn er vollſtändig, d. h. auf beiden Seiten bedruckt ift. Zur erften Gattung gehören:„ Bullock"," Becker- Reifser" und„ Marinoni", zur anderen:„ Walter"," Victory"," Augsburger" und" Preftonian". Wir haben oben gezeigt, warum die Vorrichtungen zum Drucken von der Rolle in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei wieder abgefchafft wurden. Aufser 6 Ludwig Lott. der geringen Erfparnifs an Menichenhänden war die hauptfächlichfte Urfache die grofse Menge von Maculatur, hervorgerufen durch das Zucken und Zupfen des Papieres und das nicht immer genaue Abfchneiden des Bogens von der Rolle. Wenn nun auch das Zupfen und Zucken durch das ununterbrochene Abwickeln des Papiers vermieden ift, fo tritt doch häufig der Fall ein, dafs gar mancher Bogen durch den Schnitt unvollständig von der Rolle getrennt wird, wodurch bei den Maſchinen, die den Bogen vor dem Drucke abfchneiden, der alte Uebelftand eintritt, dafs fich fo mancher Bogen in den Leitbändern verhafpelt, und nicht nur diefer, fondern noch mancher nachfolgende Bogen unbrauchbar wird und das Papier viele Falze erhält. Bei den Mafchinen, die den Bogen erft dann abfchneiden, wenn er fchon auf beiden Seiten bedruckt ift, wird das Papier ohne alle Bänderführung zwifchen den Druck und Typencylindern durchgeleitet, und geht erft dann, wenn der Bogen abgefchnitten ift, in Leitbänder über, die einen fchnelleren Lauf haben und fo den vorderen Bogen von dem ihm nachfolgenden abreifsen. Hiedurch wird einestheils ein fehr genaues Regifter erzielt, das heifst die eine bedruckte Seite pafst genau auf die andere, anderentheils kann nie ein Falz im Papier entftehen und wird foviel wie gar keine Maculatur erzeugt. In der zu druckenden Gröfse der Bogen find ,, Becker- Reifser"," Marinoni"," Victory" und" Walter- Preffe" ganz gleich, da jede ein Papierformat von 36 auf 48 Wiener Zollen oder 12 Quadratfufs bedruckt, während die„ Augsburger Unendliche" nur ein Format von 20 auf 29 Wiener Zollen oder 4 Quadratfufs bedrucken kann. Das zu leiftende Quantum, felbft bei den im Papierformate gleichen Mafchinen, ift aber bei allen ein verfchiedenes. Während die„ Becker- ReifserMafchine" mit ihren angehängten Falzmafchinen nur höchftens 4000 Bogen in der Stunde zu liefern vermag, ohne Falzmafchinen jedoch 6-7000 Bogen drucken kann, druckt und falzt die, Victory- Preffe" genau 6000 Bogen per Stunde. Für die ,, Marinoni- Preffe", welche leider in der Ausftellung nicht druckte, gibt der Erbauer derfelben die Leiftungsfähigkeit mit 9000 Bogen an. Unferes Erachtens kann fie jedoch nur gleichen Schritt mit der ihr nachgeahmten„ Becker- Reifser- Mafchine" halten. Die ,, Walter- Preffe" und die ihr nachgebildete, für kleines Format gebaute ,, Augsburger Unendliche" drucken jedoch jede 12.000 Bogen in der Stunde. Nach den Formaten und den Leiftungsfähigkeiten per Stunde ftellt fich folgendes Verhältnifs im Wiener Flächenmafs heraus: Becker- Reifser ohne Falzmafchine Bogengröfse Bogenanzahl Bedruckte Fläche 12 Quadratfufs 7.000 84.000 Quadratfufs " mit " 99 ንን 4.000 48.000 99 Victory Marinoni Walter Augsburger 99 99 " 95 6.000 72.000 " ohne " 99 " 9 7.000 84.000 27 29 " وو " 99 95 4 12.000 144.000 12.000 48.000 " 99 Hieraus ergibt fich, dafs der ,, Walter- Preffe", was Leiftungsfähigkeit betrifft, vor allen anderen während der Wiener Weltausftellung zu fehenden„ Unendlichen" unbedingt der Vorzug gebührt. Nachdem wir den am meiften vorgefchrittenen grofsen Zeitungsdruckmaſchinen unferen Tribut gezollt, gehen wir zu den anderen ausgeftellten Preffen über und beginnen mit den kleinften derfelben, den fogenannten Accidenzpreffen, welche theils durch Fufstritt, theils durch Dampf- oder Handbetrieb in Gang gefetzt werden. Diefe waren in neun Exemplaren vertreten. Hätten wir nicht eine liebe Bekannte darunter getroffen, fo wüssten wir wahrlich nichts Günftiges über fie zu fagen. Diejenigen, auf denen nicht gedruckt wurde, entziehen fich felbftverſtändlich unferem Urtheile. Das Auffallendfte an Buchdruck. 7 denjenigen, auf welchen gedruckt wurde, war, dafs fie fich mehr oder weniger durch Schmutz und Unreinlichkeit auszeichneten und dafs das darauf Gedruckte auch wenig empfehlenswerth war. Die eine, die wir fchon im Jahre 1872 in London bewunderten, und auf welcher damals ein Profpect von„ London: a Pilgrimage", Grofsquart, im Ausmafse von 92 auf 12 Wiener Zollen, mit 2 Holzfchnitten von Doré, prachtvoll gedruckt wurde, war in Wien in einem kleineren Formate vertreten. Es ift diefs die Univerfal- Druckmafchine von Coddington& Kingsley in London. Trotz der daran gemachten Verbefferungen zeigte fich diefelbe in Wien jedoch wenig einladend, da fie und der darauf druckende Arbeiter beinahe im Schmutz erftickt find. Gehen wir jetzt zu den gröfseren der gewöhnlichen Druckmaschinen über. Aufser der von G. Sigl in Wien gebauten und im Pavillon der„ Neuen Freien Preffe" aufgeftellten ,, Becker Reifser- Mafchine" hat Oefterreich nur zwei Buchdruck- Schnellpreffen ausgeftellt. Die von Ludwig Kaifer in Wien ausgeftellte Mafchine ift das gerade Gegentheil von der von J. Anger in Wien ausgeftellten; und wenn wir der letzteren einige Worte widmen, fo gefchieht diefs nur, um unfer Bedauern über ein Werk auszufprechen, das durch fchlechten Gufs und fchlechtes Machwerk die heimifche Mafchineninduftrie vor aller Welt geradezu verdunkeln musste. Wenn in einem Falle, können wir uns in diefem dem Urtheile der Jury nicht accommodiren. Waren fchon Gründe für die an letztgenannten Ausfteller erfolgte Preiszuerkennung vorhanden, fo hätte, unferem Dafürhalten nach, diefe von der Verleihung einer höheren Auszeichnung an Ludwig Kaifer begleitet fein follen. Die Kaifer'fchen Mafchinen befitzen einen folch' guten Ruf, dafs wir über das ausgeftellte Exemplar zu feiner Empfehlung eigentlich nichts weiter zu fagen brauchten; da aber Herr Kaifer mehrere wefentliche Verbefferungen daran angebracht, fo müffen wir diefe befonders hervorheben. Das Farbzeug ift derart eingerichtet, dafs man durch das verfchiedene Stellen desfelben bei jedem Bogen, bei jedem zweiten und jedem vierten Bogen Farbe geben kann und dafs dasfelbe ft ehen bleibt, wenn die Mafchine rückwärts gedreht wird. Wer da weifs, welche Unzukömmlichkeiten entſtehen, wenn durch das Rückwärtsdrehen der Mafchine durch den Ductorcylinder das ganze Farbzeug eine veränderte Stellung erhält, die Farbe felbft über den Ductorcylinder auf die Form tropft, der wird diefe Verbefferung zu würdigen wiffen. Nimmt man aber noch an, dafs diefe Mafchine, ftatt Eifenbahn- oder die complicirte Kreisbewegung zu haben, auf Schienen läuft, was befonders bei vorhandenem Dampfbetrieb vortheilhaft ift: fo wird man diefe neueften Verbefferungen und Erfindungen Kaifer's willkommen heifsen. Deutfchland war durch fünf Firmen vertreten. Die Herren König& Bauer in Oberzell bei Würzburg hatten eine Zweifarben Mafchine, eine Doppel- Tiegeldruckmafchine, eine Doppel- Schöndruckmaschine für Zeitungen und eine lithographifche Schnellpreffe ausgeftellt. Wenn wir fagen, dafs diefe Firma, deren Vorgänger die Erfinder der Schnellpreffen find, diefes Jahr ihre zweitaufendfte Mafchine vollendet hat, fo hätten wir zu ihrem Lobe eigentlich nichts mehr weiter hinzuzufügen. Ihre Verbefferungen an der Doppel- Tiegeldruckmafchine fordern jedoch, dafs wir ihr unfere befondere Anerkennung ausfprechen. Ihre Schöndruck- Zeitungs- Doppelmafchine mit nur einem Druck cylinder, Schneidwerk und Bogenausleger ift für Zeitungen mit nicht grofser Auflage fehr verwendbar. Das Syftem ift zwar nicht neu, denn es ift fchon in ihren vierfachen Maſchinen enthalten und wurde, wenn wir nicht irren, zuerft von Herrn Bragard, dem Obermafchinenmeiſter der Kölnifchen Zeitung, befürwortet. Sie druckt 3500 Bogen einfeitig in der Stunde. 8 Ludwig Lott. Dafs die Mafchinen der Herren König& Bauer als untadelhaft anerkannt find, beweift das Verzeichnifs der Buchdruckereien, die die erften zweitaufend Schnellpreffen erhalten haben. Diefes Verzeichnifs wurde am 6. September 1873 auf der zweitaufendften Schnellpreffe gedruckt. Die unter den Namen der Länder angegebenen Zahlen zufammenaddirt ergeben nicht 2000, fondern 2027 Schnellpreffen, während, wenn man die gelieferten Schnellpreffen jedes einzelnen Landes zufammenzählt, z. B. das Deutfche Reich nicht 1243, fondern nur 1235, Rufsland nicht 392, fondern 393, Oefterreich nicht 95, fondern 94 und die Schweiz nicht 93, fondern nur 66 Schnellpreffen erhielt, fich die Summe von nur 1992 Schnellpreffen herausftellt. So wenig aber diefes Verzeichnifs, das in der Eile verfasst zu fein fcheint, auf Richtigkeit Anfpruch hat, ebenfo war auch an der ausgeftellten Zweifarben- Mafchine zu tadeln, dafs auch fie in der Eile zufammengeftellt wurde und ihr Kleid kein ganz hochzeitliches war. Der Gufs war hie und da nicht ordentlich verputzt und waren die Lagerdeckel nicht parallel aufgefchraubt. Wenn durch folche untergeordnete Aeufserlichkeiten die Vorzüglichkeit der Mafchine, welche Cylinder- und rotirende Tifchfärbung hatte, auch nicht im Geringften beeinträchtiget wird: fo follten doch bei einem Ausftellungsobjecte diefe, wenn auch kleinen Unfchönheiten nicht vorkommen, zumal bei einer Fabrik, an deren Werken man fonft felbft mit der Lupe folche Unebenheiten nicht zu finden vermag. Klein, Forft& Bohn Nachfolger in Johannisberg am Rhein hatten zwei Buchdruck- Schnellpreffen, deren eine mit Eifenbahn- und die andere mit Kreisbewegung verfehen waren, und eine lithographifche Schnellpreffe ausgeftellt. Beide Buchdruck- Schnellpreffen waren mit doppeltem Greiferfyftem verfehen, um die Bogen ohne Bänder zwifchen dem Druckcylinder und der Form durchzuführen. Als Neuerung waren an den Druckcylindern Vorrichtungen angebracht, mittelft deren die Zurichtung oder die Oelbogen, ohne zu kleiftern, feftgehalten werden. Bei der Walzengiefsflafche war ftatt des einzufteckenden Kreuzes ein voller Anfatz aus Meffing angebracht, der fich fehr empfiehlt. Mafchinen diefer Fabrik, die in Wiener Buchdruckereien aufgeftellt find, werden von deren Befitzern fehr gelobt. Die„ Mafchinenfabrik Augsburg" in Augsburg hatte eine ein fache Schnellpreffe, eine Zweifarben- Mafchine und die fchon oben berührte " Unendliche" ausgeftellt. Alle drei Maſchinen waren mit dreifachen Riemfcheiben verfehen, um den Gang nach Belieben fchneller oder langfamer reguliren zu können. Die einfache Schnellpreffe war mit Selbftausleger und Bogenfchneider, die Zweifarben- Mafchine mit Tifch und Cylinderfärbung und verfchiebbarem Auslegetifch verfehen. Das auf der Unendlichen" gedruckte Verzeichnifs, nach welchem bis zum 1. Mai d. J. 787 Stück Schnellpreffen geliefert wurden, gibt Zeugnifs von der Beliebtheit der Mafchinen diefer Fabrik. " Aichele& Bachmann in Berlin hatten eine Schnellpreffe mit Eifenbahnbewegung, Selbftausleger und Papierfchneider ausgeftellt, über die wir nichts weiter fagen können, als dafs fie aus einer Verquickung verfchiedener Syfteme beftand und fchwerfällig war. Die vierfache Zeitungsdruckmafchine von C. Hummel in Berlin machte durch ihren ganz rohen Gufs, an den beinahe keine Feile gelegt war, und den auf der Mafchine haftenden Staub einen ungünftigen Eindruck auf uns. Da fie ftill ftand, konnten wir ihren Gang nicht beurtheilen. Die Betonung der Form der Erfcheinung ift den Franzofen ungleich geläufiger wahrlich zu ihrem Vortheile. - Zwei andere vierfache Zeitungsdruckmafchinen waren ausgeftellt von Alauzet Fils und Marinoni, beide in Paris. Diefe Reactionsmafchinen haben das mit einander gemein, dafs ihre Druckcylinder fo klein find, dafs fie fich über dem Buchdruck. 9 Schriftfatz zweimal umdrehen. Durch diefe Conftruction ift zwar der Gang ein kurzer und die Leiftungsfähigkeit eine erhöhte, und fo lange die nach jedesmaligem Drucke zu wafchenden Filze noch neu und elaftifch find, ift auch der Druck ein lesbarer; find aber die Filze durch öfteres Wafchen hart geworden und haben diefelben an Elafticität verloren, fo wird der Druck ftets ein fchlechter werden, denn durch das zweimalige Umdrehen des Druckcylinders erhält der Filz eine doppelte Schattirung, weil der Cylinder bei jedesmaliger Umdrehung eine andere Stelle des Satzes trifft. Enthält nun der Satz auch noch grofse Inferate oder Inferate mit grofsen und fetten Lettern, namentlich mit dicken, fchwarzen Einfafslinien, fo ift der Uebelftand noch gröfser, da die Stellen des Cylinders, die von diefen getroffen werden, bald auch die Schattirung davon erhalten. Trifft nun eine folche ftarkfchattirte Stelle des Cylinders die entgegengeſetze Seite des Satzes, fo mufs der Druck desfelben ausbleiben oder unvollkommen fein. Finden nun durch Unachtfamkeit der Einleger auch noch leere Durchgänge ftatt, fo dafs die Farbe auf den Filzen eine Krufte bildet, fo ift der Druck bald. nicht mehr zum anfehen. Der Autor diefes hat diefe Erfahrungen bei den früher in der Druckerei der„ Preffe" geftandenen Perreau'fchen dreifachen Mafchinen gemacht. Wenn auch der Druck beim Beginn desfelben ein annehmbarer war, fo wurde derfelbe doch nach und nach fchlechter, und endlich fo fchlecht, dafs nach Vollendung eines Theiles der Auflage frifche Filze aufgezogen werden mussten. Er kann daher nur folche Mafchinen zum Zeitungsdrucke empfehlen, wo die Cylinder bei einmaliger Umdrehung die ganze Druckfläche umfaffen. Alauzet Père in Paris hat zwei Schöndruckmafchinen und eine fogenannte Completmafchine ausgeftellt. Diefelben haben, wie alle franzöfifchen Mafchinen, Tifchfärbung. Die eine Schöndruckmafchine enthielt ein Numerirwerk von Derriey in Paris, was jedoch fo hoch conftruirt ift, dafs das Fundament der Mafchine, wie bei einer lithographifchen Schnellpreffe, um mehr als einen Zoll vertieft angebracht ift. Will man nun auf diefer Mafchine, die für befonders fchönen, namentlich Illuftrationsdruck eingerichtet fein foll, ftatt diefer Numerirung etwas Anderes drucken: fo mufs das Fundament, welches nicht erhöht werden kann, mit einer gehobelten Eifenplatte fo hoch ausgefüllt werden, dafs die Schrifthöhe erreicht wird. Ob diefs nun nicht ein gewagter Vorgang ift, erlauben wir uns nicht zu beurtheilen. Als wir diefe Bedenken dem Auffeher der Mafchine mittheilten, fchüttelte er die Schultern. Unferes Bedünkens ift die Mafchine nur für das Derriey'fche Numerirwerk gebaut und zu nichts Anderem. Die Completmafchine hat zwei Druckcylinder und folche Greifervorrichtung, dafs der Bogen vom Schöndruckcylinder nach vollendetem Drucke fogleich auf den Widerdruckcylinder übergeht. Damit fich diefe Cylinder nicht verfchmieren können, wird nach jedem Drucke ein Maculaturbogen eingelegt. Der einzige Vortheil folcher Completmaſchinen befteht nur in dem guten Regifterhalten, denn durch das Einlegen von Maculatur nach jedem Drucke wird keine Erfparnifs erzielt. Maulde, Geibel& Wibart in Paris haben aufser einer kleinen Accidenzpreffe ,,, Sans pareille" genannt, noch eine Schöndruckmafchine ausgeftellt, deren Cylinder ftatt der Auffangsgabel durch Zähne feftgehalten wird. Diefe eigene Erfindung der Fabrik zwingt den Cylinder zum alfogleichen Stillftand, wodurch das Anlegen der Bogen fehr erleichtert wird. Auch eine Verbefferung an den Puncturen ift angebracht, damit die Bogen nicht einreifsen können. Die an den Walzenlagern angebrachten Würfel, um die Walzen beim Stillftehen der Mafchine darauf zu legen, find gut, aber nicht unbedingt nothwendig, 10 Ludwig Lott. da alle franzöfifchen Walzenlager oben die Form haben, auf die man die Walzen legen kann. Der Farbetifch, aus einer grofsen Marmorplatte beftehend, ift ein grofser Luxus, und wir rathen jedem Buchdrucker, fich diefe Tifche nur aus Linden- oder Ahornholz anfertigen zu laffen, da Holz als fchlechter Wärmeleiter zur befferen Verreibung der Farbe viel eher geeignet ift, als Stein oder Eifen. Alauzet Fils in Paris hat aufser der oben befprochenen vierfachen Zeitungsdruckmafchine noch eine zweifache Schnellpreffe für Illuftrationsdruck ausgeftellt. Diefe Mafchine ift hinfichtlich ihrer Druckfläche und des Umfanges der Cylinder und der Vorrichtung zum jedesmaligen Maculatureinlegen der von P. Alauzet befprochenen Completmafchine ähnlich. Sie unterfcheidet fich nur dadurch, dafs fie durch Verftellung einiger Beftandtheile in ein paar Minuten aus einer Completmafchine in eine DoppelSchöndruckmafchine und umgekehrt verwandelt werden kann. Alle franzöfifchen Mafchinen find für das Auge hergerichtet, felbft die Schwungräder find abgedreht, fo dafs man nach ihnen die Mafchinen von Hummel und Anger gar nicht mehr anfehen kann. Dafs aus England fo wenig Buchdruck- Mafchinen ausgeftellt waren, ift zu bedauern. Aufser der Firma Hughes& Kimber, die durch ihren Wiener Agenten, Herrn Julius Schilling, eine„ Paragon-" und eine„ Wharfedale"- Maschine ausgeftellt hatte, fehlten alle Firmen, die in der vorjährigen Londoner Ausftellung fo reich vertreten waren. Was die Urfache ihres Fernbleibens ift, können wir nicht errathen, denn ihre Schnellpreffen find von der Art, dafs fie jeden Wettkampf eingehen können. Die ausgeftellte„ Wharfedale" ift wie die von allen anderen Fabriken gebauten gleichen Namens, die allein echte". Mit dieſen Mafchinen geht es wie mit dem Kölnerwaffer, von welchem jede Fabrik nur das allein echte" erzeugt. Das Eigenthümliche an diefer Mafchine ift, dafs ihr Cylinder nur vorwärts, nie rückwärts gehen kann; auch hat diefe Mafchine einen mechanifchen Ausleger, was bei den englifchen Mafchinen eine Seltenheit ift. Dafs diefe Mafchine ebenfo fauber und rein gearbeitet ift, wie alle Erzeugniffe diefer Firma, wollen wir nur nebenher bemerken. Die letzte der ausgeftellten Schnellpreffen ftammt aus der BuchdruckMafchinenfabrik von J. G. Eickhoff in Kopenhagen. Sie ist nach König& Bauer'fchem Syftem gebaut, ohne die Vorzüglichkeit des Originals zu erreichen. Befonders fiel der ganz rohe Rechen am Ausleger auf. - Von den übrigen Hilfsmafchinen und Utenfilien für Buchdruckerei mufste man das Ausgeftellte in allen Winkeln und Gruppen zufammenfuchen. So z. B. in Gruppe VII( Metallinduftrie) waren in der öfterreichifchen Abtheilung vertreten: Johann Hrufsa in Wien mit galvanoplaftifchen Arbeiten; Johann Weifs& Sohn in Wien mit Regalen, Schriftfetzkäften und anderen BuchdruckUtenfilien, die alle grofsen Beifall fanden. Franz Reh in Wien hatte eine Sammlung von Kartenfchneidemaschinen aufgeftellt, die fich durch Handlichkeit und faubere Arbeit auszeichneten, wefshalb auch alle angekauft wurden. In dem Annexe des Deutfchen Reiches waren in Gruppe XII neben einer grofsen Thurmuhr ein Säulenpantograph, eine Univerfal- Guillochirmafchine, eine Wellen- und Reliefmafchine und eine Liniirmafchine von S oldan& Steyert in Bornheim bei Frankfurt a. M. untergebracht. In der Maſchinenhalle fanden wir aufgeftellt: Fritz Jänecke in Berlin zwei Handpreffen, eine Perforir, eine Numerirmafchine und ein Giefsinftrument für Papierftereotypie; Handpreffen von Dingler in Zweibrücken; Papierfchneidemaschinen von Gebrüder Heim in Offenbach, und ein Giefsinftrument für Papierftereotypie und eine kleine Handpreffe von Ruft& Comp. in Wien. Buchdruck. 11 Hughes& Kimber in London hatten, aufser der oben befprochenen Schnellpreffe, eine Satinirmafchine und eine Glättpreffe für Photographen, eine Perforirmafchine und eine Paginir- und Numerirmafchine ausgeftellt. Aus dem Fache der Schriftgiefs erei waren ausgeftellt theils gedruckte Schriftproben, theils Lettern, Matrizen und Stahlftempel: Von den Firmen: Bruce's Son& Comp. in New- York; Stephenfon, Blake& Comp. in London und Reed& Fox in London; die Imprimerie nationale de Lisbonne in Liffabon hatte unter andern auch eine fehr fchöne grofse galvanoplaſtiſche Platte. C. Derriey in Paris hatte neben feinen berühmten Schriftproben und Stempeln eine ganze Collection von Numerirwerken verfchiedener Schriftkegel ausgeftellt, die jedoch alle eine gröfsere als Schrifthöhe hatten, fo dafs fie auf einer gewöhnlichen Schnellpreffe fchwerlich verwendet werden können, wefshalb auch unferes Bedünkens eine eigene Preffe mit tiefer liegendem Fundamente dazu gehört, gleich der oben befprochenen von Alauzet Père in Paris, oder dafs diefelben auf das Fundament einer lithographifchen Schnellpreffe gefchloffen werden müffen. Al. Haas'fche Schriftgiefserei in Bafel; Johann Enfchede& Sohn in Harlem. Aus Deutſchland brachte die königliche Geheime Ober- Hofbuchdruckerei( R. v. Decker) in Berlin reichhaltige Schrift proben von 1776 bis 1873. Wilh. Gronau's Buchdruckerei und Schriftgiefserei in Berlin, GravirArbeiten, Stempel und Schriftproben; Plefse& Lührs in Hamburg, Logotypen und Abbildung eines Schriftkaftens für Logotypen. Ueber das Unpraktiſche der Logotypen wurde fchon fo viel gefchrieben, dafs aufser Herrn Plefse, der von jeher für Logotypen fchwärmte, wohl fchwerlich ein Buchdrucker fich damit befaffen wird. Schriftgiefserei Flinfch in Frankfurt a. M.; Wilh. Wöllmer's Schriftgiefserei in Berlin; Sachs& Schumacher in Mannheim, Placatfchriften von Holz, Setzfchiffe und Schriftkäften. Aus Oefterreich waren vertreten die Firmen:„ Bohemia" ActienGefellſchaft für Papier- und Druckinduftrie( früher Gottlieb Haafe) in Prag; Carl Faulmann in Wien( ftenographifche Typen, Matrizen und Stempel, Schriftproben und Abdruck eines ftenographifchen Setzkaftens); Carl Fromme in Wien( unter anderen reichhaltigen Schriftproben eine gefetzte Firmatafel aus Inferateneinfafsung); Leopold Sommer& Comp.; k. k. Hof- und Staatsdruckerei; Poppelbaum& Bafsow; Rudhard& Pollak, und J. H. Ruft und Comp., fämmtlich in Wien. Rufsland: Jofef J. Lehmann in St. Petersburg; Hippolyt Orgelbrand& Metfcheslaw in Warfchau. Rumänien: Peftemangiogliu in Braila. Japan: Comité für den Orient und Oftafien Typen und galva. nifche Matrizen. Die Buchdruckerfchwärze und bunte Farben ( Gruppe III) waren vertreten durch die Firmen: Grofs britannien: A. B. Fleming& Comp. in Leith bei Edinburgh; Corneliffen& Talle in London; Denton& Juftum in London; D. Bewicke& Comp. in London. Frankreich: Ch. G. Hardy Milori in Paris; D. Corniquet in Paris; Prudon& Comp. in Paris. Italien: Vincenz Baffolini in Mailand. Deutfchland: Julius Hoftmann in Celle; Robert Gyfae in OberLöfsnitz Dresden; Gebrüder Jaenecke& Fr. Schneemann in Hannover; Albert Kaft in Stuttgart; Gebrüder Haenlein in Frankfurt a. M. 12 Ludwig Lott. O efterreich: F. Wüfte in Pfaffftätten bei Baden; Andès& Froebe in Simmering bei Wien. Wir gehen nun zu den Erzeugniffen der Buchdruckerpreffen über. So wie diefe in den weiten Räumen des Ausftellungspalaftes zerftreut waren, gaben fie ein Bild im Kleinen von der grofsen Zerftreuung und der weiten Verbreitung der fchwarzen Kunft über alle Theile der Erde; denn nicht nur Oefterreich- Ungarn, das Deutfche Reich und Europa, felbft die entfernteften Theile der Welt die Infel Mauritius im indifchen Ocean fowohl, als Hongkong und Shanghai in China und alle Theile von Amerika waren mit Erzeugniffen der Kunft Guttenberg's erfchienen. Die periodifche Preffe, welche nur von Amerika, Deutſchland und Oefterreich fehr ftark vertreten war, liefs ihren Umfang defshalb nicht ganz erkennen, weil die wenigften Ausstellungscommiffionen der Einladung nachgekommen waren, die Leiftungen der periodifchen Preffe bekannt zu geben. Von einigen Ländern, namentlich England, Frankreich, Rufsland, Norwegen, konnten wir gar keine Daten erhalten, und die übrigen Commiffionen fcheinen nur die täglich erfcheinenden oder politifchen Blätter ins Auge gefafst zu haben. Detaillirte Statiſtiken haben nur Portugal und die Schweiz verfafst, und die Zahlen, die diefe beiden kleinen Länder aufweifen, geben einen beiläufigen Begriff von dem unendlich weiten Wirkungskreife der periodifchen Preffe. - Wir wollen die Daten, fo weit fie uns zu Gebote ftanden, hier mittheilen. In der füdlichen Quergallerie 3 a war bei den portugiefifchen Ausstellungsobjecten aus Gruppe XII eine auf weifsen Atlas gedruckte ftatiftifche Tabelle aufgehängt, in welcher die periodifche Preffe vom Jahre 1641 bis 1872 dargestellt war. Indem wir die Zahlen von 1872 nachftehend wiedergeben, müffen wir die Verantwortlichkeit für diefelben der portugiefifchen Commiffion überlaffen; den anderen gröfseren Ländern, namentlich Oefterreich gegenüber, fcheint uns die Anzahl, namentlich der politifchen und literarifchen, fehr hochgegriffen, da die der politifchen allein die Ziffer der gefammten in Oefterreich erfcheinenden Zeitungen überragt. Im Jahre 1872 erfchienen in dem nur 1725 Quadratmeilen grofsen Portugal 1407 periodifche Blätter und zwar: 850 politifche, 261 literarifche etc., 41 für Handel, Gewerbe und Ackerbau, 26 für Medicin und Pharmacie, 40 juridifche und adminiftrative, 46 für Religion und Theologie, 9 militärifche, 47 für Theater, Kunft, Mode, 45 fatirifche, komifche und kritifche und 42 für Ankündigungen. Die nur 730 Quadratmeilen zählende Schweiz befafs im Jahre 1872 im Ganzen 412 Zeitungen und zwar 225 politifche, 31 Amts-, 36 religiöfe, 4 juriftifche Blätter, 12 Schulzeitungen, 9 Handels- und Gewerbe-, 6 naturwiffenfchaftliche, 19 allgemein wiffenfchaftliche, 18 land- und forftwiffenfchaftliche Blätter. 4 MilitärZeitungen, 18 Unterhaltungs- und illuftrirte Blätter, 5 Modejournale und 25 Anzeige- und Fremdenblätter. Wie unvollständig felbft die amtlichen Journalverzeichniffe find, erfieht man daraus, dafs in dem des Deutfchen Reiches nur 2064 Zeitungen aufgezählt werden. Bayern, Heffen und Württemberg find in diefem Verzeichniffe nicht mit einbegriffen. Nordamerika hatte im Jahre 1870 nicht weniger als 5858 Zeitungen und hat fich diefe Zahl bis jetzt auf beinahe 8000 erhoben. In der Gruppe XXVI hatte Herr Erneft Steiger, in vielen Bänden geheftet, eine grofse Sammlung von Zeitungen in allen nur erdenklichen Formaten veranstaltet, durch die man ein annäherndes Bild der amerikanifchen periodifchen Literatur gewann. Buchdruck. 13 Brafilien. Aus Rio de Janeiro lagen neun täglich erfcheinende Zeitungen vor. Frankreich. Ausser den von Ate. Marc& Comp. in Paris veranſtalteten Separatabdrücken des Journals, L'Illuftration", welche Anfichten der Wiener Weltausftellung brachten, lagen keine weiteren Zeitungen vor und konnten wir auch keine ftatiftifchen Daten erhalten. Italien befafs 1126 Journale; davon erfcheinen 1099 in italienifcher, 14 in franzöfifcher, 6 in englifcher, 2 in deutfcher Sprache und 5 in verfchiedenen Dialekten. Schweden hatte über 200 Journale, von denen der dritte Theil in Stockholm erfcheint. Dänemark hat ebenfalls über 200 Journale, von denen die Hälfte politifchen Inhaltes find. In Belgien hat beinahe jede Stadt ein eigenes Journal, und waren viele Zeitungen ausgelegt, die meiften in franzöfifcher und vlämifcher Sprache. Die genaue Anzahl konnten wir jedoch nicht in Erfahrung bringen. Die Niederlande und ihre Colonien zählen aufser 36 politifchen noch 200 nicht- politifche Journale, Wochen- und Monatsfchriften. Das Deutfche Reich zählt nach dem amtlichen Poft- Abonnementsverzeichnifs 2064 Journale. Davon erfcheinen 240 in Berlin, 162 in Leipzig, 44 in Hamburg, 44 in Dresden, 23 in Trier, je 22 in Breslau und Frankfurt a. M., 19 in Bremen, 16 in Cöln, je 13 in Königsberg und Mainz, je 12 in Braunschweig und Elberfeld u. f. w. Von den im officiellen Verzeichniffe nicht enthaltenen Ländern, als: Bayern, Württemberg und Heffen, fehlen uns leider die Angaben, doch mufs die Zahl der hieher gehörigen Blätter bedeutend fein, wenn man die grofse Thätigkeit der Preffe nur allein in Stuttgart in Betracht zieht. Die in Gruppe XXVI an zwei grofsen Wandflächen angehefteten Journale, von denen leider meiftens nur der Titel zu fehen war, gaben ein getreues Bild des Culturzuftandes, denn beinahe jedes Städtchen war durch eine Zeitung oder ein Wochenblatt vertreten. In Oefterreich, und zwar in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern, erfchienen laut dem amtlichen Poftverzeichniffe im 4. Quartal 1873 im Ganzen 827 Journale, und zwar 598 in deutfcher, 100 in böhmifcher, 49 in italienifcher, 42 in polnifcher, 24 in flovenifcher, 6 in ruthenifcher, je 2 in ferbifcher, griechifcher und hebräifcher und je I in franzöfifcher und rumänifcher Sprache. In Ungarn und Croatien erfchienen nach derfelben Quelle 291 Zeitfchriften, davon 184 in ungarifcher, 59 in deutfcher, 14 in flovakifcher, II in rumänifcher, 10 in croatifcher, 9 in ferbifcher, 2 in czechifcher und je 1 in griechifcher und italienifcher Sprache. Die Sammlung der öfterreichifchen Zeitfchriften, welche das k. k. HandelsMinifterium in dem Pavillon der additionellen Ausftellung an zwei grofsen Wandflächen veranſtaltete, lieferte den Beweis, dafs, trotzdem die meiſten täglich erfcheinenden Journale auf ordinärem Papier gedruckt werden, das Papier der öfterreichifchen Zeitfchriften im Allgemeinen doch ein befferes Ausfehen behalten hatte, als die Sammlung der im Deutfchen Reich erfcheinenden und im Annexe der 14 Ludwig Lott. deutfchen Ausstellung in Gruppe XXVI ausgeftellten. Diefe fchimmerten in allen Nuancen von Grau und Grün und legte jedes Blatt Zeugnifs ab von dem gröfseren oder geringeren Holzreichthum feines Papiers. Man konnte da recht deutlich fehen, wie die Einwirkung von Licht und Luft die künftliche Bleiche des Holz ftoffpapiers vernichtet, während die Papiere, deren Hauptbeftandtheil Hadern oder Espartogras war, fich viel fchöner weifs erhielten und grell gegen die Holzftoffpapiere hervorftachen. So war z. B. von den täglich erfcheinenden Zeitungen das öfterreichiſche Journal„ Die Preffe" in der öfterreichifchen Abtheilung noch im October ganz weifs, während alle andern vergilbt und grau waren. Nächft Oefterreich müffen wir noch eines deutfchen Fürftenthums gedenken, das weder zum Deutfchen Reich noch zu Oefterreich gehört: das Fürftenthum Liechtenft ein nämlich befitzt Eine Zeitfchrift und zwar das in Vaduz erfcheinende Liechtenſtein'fche Wochenblatt". Aus Rufsland konnten wir nur 64 Zeitfchriften conftatiren; davon erfcheinen 33 in ruffifcher, 20 in polnifcher, 5 in deutfcher, 4 in franzöfifcher und 2 in hebräifcher Sprache. Griechenland hatte eine Sammlung von 141 Zeitfchriften ausgeftellt und waren auch die Auflagen derfelben verzeichnet, von denen die höchfte 500 Exemplare betrug. Mit fehr wenigen Ausnahmen liefs der Druck derfelben viel zu wünschen übrig. Die meiften, 66, erfcheinen in Athen und zwar 61 in griechifcher, 3 in franzöfifcher, I in italienifcher und 1 in griechifcher und franzöfifcher Sprache. In der Türkei erfcheinen 51 Zeitfchriften und zwar 13 in türkifcher, je 9 in armenifcher und franzöfifcher, 7 in griechifcher, je 4 in bulgarifcher und italienifcher, 3 in englifcher und 2 in hebräifcher Sprache. Eine deutfche Zeitung hat fich bis jetzt, trotz wiederholter Verfuche, nicht erhalten können. Im Fürftenthume Rumänien erfcheinen 17 Zeitfchriften und zwar in rumänischer, ferbifcher und czechifcher, 2 in franzöfifcher und 1 in englifcher Sprache. Aus Obigem erfieht man die grofse Verbreitung der periodifchen Preffe über den ganzen Erdball und lernt die fechfte Grofsmacht kennen, die Guttenberg's Kunft gefchaffen hat. Was diefe Kunft auf dem gefammten geiftigen Gebiete leiftet, werden wir in kurzen Strichen in Nachftehendem darzuftellen verfuchen, wobei wir die Reihenfolge des officiellen Generalkataloges beibehalten. Nordamerika. Wenn auch die eigentlichen Buchdrucker nicht viel gefandt hatten, fo war doch eine folche Menge amerikaniſcher Buchdruck- Erzeugniffe vorhanden, dafs man bei eingehender Würdigung derfelben einen ftattlichen Separatbericht erftatten könnte. Aufser den in Gruppe XXVI ausgeftellten hatte die geographifche Gefellfchaft eine recht hübfche Sammlung von Lehrmitteln gebracht, die jedoch meift das Gewöhnliche nicht überragten, zudem waren viele derfelben nicht in Amerika gedruckt worden. Von den übrigen Ausftellern wollen wir nur diejenigen hervorheben, die eben auch Hervorragendes geleiftet. L. Graham's in New Orleans Accidenzund Ornamente- Druckproben geben Zeugnifs von der grofsen Reichhaltigkeit der Typen, welche diefe Druckerei nicht nur befitzt, fondern auch grofsentheils mit Gefchmack zu verwenden weifs. Oscar Harpel in Cincinnati hatte ein Druckprobenbuch:„ Harpel's Typograph", gebracht, welches eine Sammlung vieler und gefchmackvoll ausgeführter Druckfachen für den täglichen Verkehr in allen Farben enthielt. Einen Beweis, wie diefe regfame Firma jede Buchdruck. 15 Neuerung auf graphifchem Gebiete in ihren Kreis zu ziehen fucht, liefert das Porträt Guttenberg's in Stigmatotypie, das diefelbe mittelft einer von Fafol in Wien bezogenen und in der Druckerei des Journals„ Die Preffe" erzeugten Stereotypplatte vervielfältigt hatte. Eine galvanifche Platte in der Gröfse von 16 auf 21 Zoll von der Firma Schniedewend, Lee& Comp. in Chicago, welche Firma in dem officiellen Generalkatalog jedoch nicht genannt ift, war vorzüglich hergeftellt und nächft der von der„ Imprimerie nationale de Lisbonne" ausgeftellten Platte das Vorzüglichfte, was überhaupt auf diefem Gebiete zu fehen war. Georges Bruce's Son& Comp. in New York hatten eine reiche Sammlung fchöner Schriftproben dargelegt, deren Satz und Druck nichts zu wünfchen übrig liefsen. Diefe Firma befitzt eine grofse Auswahl von fogenannten Schreibfchriften, die gröfstentheils fehr fchön gefchnitten find. Die NationalbankNote Company in New York hatte eine Sammlung von Briefmarken, Banknoten und fonftigen Werthpapieren ausgeftellt, deren Einfachheit, Schönheit und künftlerifche Vollendung Zeugnifs geben von der hohen Stufe, auf der diefes Inftitut fteht. - Aus den Vereinigten Staaten von Venezuela hatten die beiden Buchhändler A. Rothe und Rojas Hermanos in Caracas einige Verlagswerke eingefendet, über die fich fonft nichts fagen läfst, als dafs fie eben da waren. Brafilien. Die Aus ftellungs commiffion diefes Landes hatte uns auch einige Bücher und fonftige Erzeugniffe der Buchdruckerpreffe gebracht, über die fich jedoch ebenfalls nicht viel fagen läfst. Die Typografia national hatte nur Gewöhnliches, die Typografia univerfal dagegen einige gut gedruckte Bücher geliefert. Grofsbritannien war im nördlichen Hofe 16 leider nur durch wenige Ausfteller vertreten und bot das Ausgeftellte keineswegs ein Bild der englifchen Preffe, die doch im Allgemeinen fo Vorzügliches leiftet, während in diefem Hofe beinahe nur alltägliche Marktwaare zu fehen war. Die Schriftproben von Stephenfon, Blake& Comp. und Reed& Fox in London, befonders fehr fchöne Antiquafchriften enthaltend, find fauber und rein gedruckt. Den auf Blech gedruckten und überlackirten Placaten, welche die Firmen Johnfon& Sons und Grant& Comp. ausgeftellt hatten, konnte man nicht anfehen, wo der Druck aufhörte und der Pinfel anfing. In der füdlichen Quergallerie 26 hingegen waren vier Ausfteller vertreten, deren jeder eigen in feiner Art ift. Grant& Comp. in London hatten neben Anderem ein Prachtwerk in Folio: ,, London a Pilgrimage", ausgeftellt. Die Illuftrationen, befonders aus dem Londoner Nachtleben, lieferte Guftav Doré, während der Text von dem gründlichen Kenner des Londoner Volkslebens, Blanchard Jerrold, beforgt wurde. Der Druck fowohl der Holzfchnitte als des Textes ift meifterhaft. Eine kleine Probe von Holzfchnitt und Druck des Werkes hatten wir fchon im Jahre 1872 zu bewundern Gelegenheit. Die Herren Grant& Comp. druckten nämlich damals in der Londoner Ausftellung auf der„ Univerfal PrintingMachine" einen Profpect diefes Prachtwerkes, der Zeugnifs ablegte von der Feinheit der Holzfchnitte und der Leiftungsfähigkeit der für Dampfbetrieb und Fufstritt eingerichteten und von Coddington& Kingsley in London erbauten kleinen Preffe. Die britifche und ausländifche Bibelgefellfchaft in London hatte Bibeln, das Neue Teftament und einzelne Theile der heiligen Schrift ausgeftellt, die in 204 verfchiedenen Sprachen und Dialecten gedruckt waren. Die Gefellſchaft hat feit ihrem Beftande( fie wurde 1804 gegründet) mehr als 70 Millionen Gulden für die Ueberfetzung, für den Druck, an dem beinahe jedes Land 2 16 Ludwig Lott. der Erde participirt, und für die Verbreitung von Bibeln, Neuen Teftamenten etc. ausgegeben. Die Religiöfe Tractat- Gefellfchaft in London hatte ihre from men Schriften, gleichfalls in allen möglichen Sprachen gedruckt, ausgeftellt. Den Schriften fah man es aber auch an, dafs die Gefellſchaft mehr auf Billigkeit als auf gutes Papier und faubern Druck zu fehen fcheint. Der Sonntagsfchul- Verein in London legte Zeugnifs ab von feiner fegensreichen Wirkfamkeit. Die vielen Unterrichtstafeln, von Terry in London gedruckt, könnten wegen ihrer bunten Mannigfaltigkeit recht gut als reichhaltige Proben für eine Fabrik bunter Buchdruckfarben gebraucht werden. Portugal. Die Firma Lallemant Frères in Lifs abon fcheint heute noch auf dem Standpunkte zu ftehen, auf dem Wien vor drei Jahrzehnten ftand, aber hoffentlich wird die Imprimerie nationale de Lisbonne auch dort fo fegensreich wirken, wie die k. k. Staatsdruckerei in Wien gewirkt hat. Was man in Fachblättern über die Lifs abonner Nationaldruckerei gelefen, das hat fie uns in der Weltausstellung vor Augen geführt. Das Herz mufste jedem Kunftfreunde und Kunftjünger fo zu fagen im Leibe lachen, der fich diefe Sammlung befah. Alles was vorhanden, war meifterhaft ausgeführt. Kein Kritiker hätte, felbft mit der Lupe bewaffnet, einen Fehler entdecken können. Eine grofse, fchön ausgeführte galvanifche Platte hatte auf der ganzen Weltausftellung nur Einen Nebenbuhler an der von Schniedewend, Lee& Comp. in Chicago verfertig. ten und von L. Graham in New Orleans ausgeftellten. Beide Platten waren fo fchön fcharf und tief, dafs man vielleicht einen Unterfchied nur dann hätte finden können, wenn beide neben einander gelegen hätten. Die ausgeftellten Stahlftempel, Matrizen, Guillochen, Linien und Typen, fowie das Probebuch, die Werthpapiere und Briefmarken, der Werk- und Mufiknotendruck gaben Zeugnifs von dem hohen Standpunkte, auf dem diefe Anftalt fteht. Von der räumlichen Ausdehnung und der Zahl der Preffen u. f. w. konnte man einen Begriff bekommen, wenn man die einzelnen, photographifch aufgenommenen Säle betrachtete. Spanien. Von den im Kataloge verzeichneten 21 Ausftellern haben wir nur einige wenige vorgefunden, und das von diefen in Vorlage Gebrachte entzieht fich einer Befprechung. Die bei der Firma G. Eftrada in Madrid verzeichnete Fachzeitung ,, La Typografia", die uns wohl etwas Befferes aus Spanien gebracht hätte, konnten wir nicht finden. Frankreich hat bewiefen, dafs es fchon mehrere Ausftellungen gehabt und in diefem Felde kein Neuling mehr ift. Schon die Anordnung war eine folche, wie fie fonft nirgends vorgekommen ift. Nicht allein war jeder Gegenſtand derart geftellt, dafs er fich gut präfentirte, fondern es war auch geftattet, ihn fo zu fagen in- und auswendig zu betrachten. Befonders gilt diefs von den in eigenen gegenüberftehenden Pavillons untergebrachten Werken der Firmen Hachette& Comp. in Paris und Alf. Mame& Sohn in Tours, die durch die Vollkommenheit der Ausstellungsobjecte und deren fürs Auge gefällige Anordnung fich vor allen anderen Ausftellern gerechten Ruhm erwarben. Diefe beiden rühmlichft bekannten Firmen hatten des Guten und Schönen fo viel gebracht, dafs wir, um es kurz zu faffen, fagen können, es gehörte mit zu dem Vorzüglichften, was überhaupt ausgeftellt war. .. Das Schönfte jedoch, was Hachette ausgeftellt hatte, waren Les Saints Evangiles" zwei Grofsfolio- Bände. Zu diefem Werke, unftreitig das gröfste Meiſterſtück, das jemals die Buchdruckpreffe erzeugt, wurden jahrelang Vorbereitungen getroffen. Für die bildlichen Darftellungen wurde von Hachette der durch feine gröfseren Reifen im Oriente und feine Kunftfertigkeit berühmte Bida eigens nach Paläftina gefandt, um die Aufnahmen an Ort und Stelle vorzunehmen. Buchdruck. 17 Nach deffen Rückkehr arbeiteten die beften Kräfte elf Jahre lang an der Her ftellung der Platten und im Jahre 1869 begann der Druck, den die berühmte Firma J. Claye in Paris beforgte. Es wurden hievon 150 numerirte Exemplare auf gefchöpftem feinem holländifchem Papier und 1500 auf ganz feinem franzöfifchem Velinpapier abgezogen. Jede Seite ift mit fich kreuzenden rothen Linien eingefafst, deren Enden fowohl in den Bund als in den Schnitt fich verlaufen. Das Regiſter diefer Linien ift fo exact, dafs nicht auf einer einzigen Seite auch nur die geringfte Abweichung zu finden ift. Trotzdem dafs die Velin- Exemplare 500 und die auf holländifches Papier gedruckten feinen Exemplare je 1000 Francs koften, durften die aufgelegten Exemplare vom Publicum nicht allein durchgeblättert werden, fondern es wurde noch eigens aufgefordert, fich die Schönheit diefes Werkes mit aller Mufse zu betrachten, was bei den meiften, namentlich deutfchen, öfterreichifchen, ungarifchen und italienifchen Gegenftänden nicht der Fall war, indem das Berühren derfelben durch angehängte Zettel geradezu verboten wurde. Die italienifche Abtheilung von Gruppe XII, in der die Gegenftände noch im October wie Kraut und Rüben durcheinander lagen, war fogar durch vorgefpannte Schnüre abgefperrt und konnten kaum wir, die Berichterstatter, Zutritt erlangen. Welchen Nutzen das Publicum und die Ausfteller durch eine folche Quarantäne haben können, vermögen wir nicht abzufehen. Um fo angenehmer wurde das Betrachten der Ausstellungsgegenstände dem Publicum in der franzöfifchen Abtheilung gemacht, namentlich durch die Vertreter der beiden obgenannten Firmen Hachette und Mame& Sohn. Hier wurden dem Befucher felbft Stühle zum Sitzen angeboten und damit geradezu zum längeren Studium der Prachtwerke aufgefordert. Mame& Sohn in Tours hatten des Intereffanten fo viel gebracht, dafs wir nur das Vorzüglichfte davon berühren können. Die Firma, die über 1000 Perfonen in der Buchdruckerei, Buchbinderei, Graviranftalt etc. befchäftigt, hatte nur eigene Producte ausgeftellt, die von A bis Z im eigenen Gefchäfte verfertigt waren. Von jedem Werke läfst Herr Mame ein Exemplar für feine eigene Bibliothek auf Pergament drucken, und waren von diefen Pergamentdrucken einige ausgeftellt. So z. B. eine Doré'fche Bibel, in welcher die Pracht der Holzfchnitte durch das äufserft glatte Pergament erft recht ins fchönfte Licht trat. Der gröfste Theil des Verlages ift religiöfen Inhaltes. Welche Maffen, z. B. von Gebetbüchern, gedruckt werden, kann man aus dem beifpiellos billigen Preife derfelben erfehen. Gebetbücher, die in Wien 60 bis 80 Kreuzer koften, verkauft Herr Mame um 40 Centimes= 17 Kreuzer öfterr. Währ. Ein von A. Gusmann erzeugter und durch die Hilfe des Herrn Mame entstandener Holzfchnitt:„ die Grablegung Chrifti" nach Tizian, ift mittelft zweier Schnitte gedruckt und fo die Tiefe der Töne und die Weichheit und Wärme des Stahlftiches imitirt. Die Kreuzlagen find durch diefes Verfahren in der fchönften Reinheit dargestellt. Ob fich diefes Verfahren Bahn brechen wird, wiffen wir nicht, denn dazu gehört erftens, dafs der Xylograph auch ein gefchickter Zeichner fei( was äufserft felten der Fall ift), und, dafs zweitens der Drucker ein minutiöfes Regifter halten mufs. Die ausgeftellte Probe, auf chinefifchem Papier gedruckt, zeugt fowohl von der Tüchtigkeit des Herrn Gusmann als von der des Druckers. Jedoch leidet diefe Manier trotz aller Schönheit als Holzfchnitt dem Stahl- und Kupferftiche gegenüber dennoch an mancher Härte. So grofs die Kunft des Herrn Gusmann auch ift, fo wird er mit dem fpröden Holz nie die Weichheit von Kupfer oder Stahl erreichen. Diefe Probe zeigt nur wieder deutlich, dafs der Holzfchnitt fein Feld nicht überfchreiten kann und defshalb auch nicht foll. Von den" Chefs d'oeuvre de la langue française" hatte Herr Mame auch einige auf Pergament gedruckte Bände zur Anficht gebracht, die an Schärfe des Druckes nichts zu wünſchen übrig liefsen. Die Collectiv- Ausftellung des„ Cercle de la librairie" zeichnete fich ebenfalls durch viel Schönes und Gutes aus. Wir wollen unter anderen 2* 18 Ludwig Lott. nur ein einziges Werk von Firmin Didot erwähnen. Es iſt diefs die franzöfifche Ausgabe von der goldene Efel". Auch diefe zeigt uns, ganz wie„ les Saints Evangiles" von Hachette, welche Sorgfalt und Koften von den Franzofen auf die Herftellung eines Prachtwerkes verwendet werden. Herr Didot hat die Illuftrationen zu diefem Werkchen nicht Einem Künftler übertragen, wie diefs fo häufig bei uns gefchieht, fondern hat jede einzelne Scene durch zehn bis zwölf Künftler entwerfen laffen. Die gelungenfte Arbeit wurde ausgefucht und für das Büchlein ausgeführt. Dafs diefes Verfahren Herrn Didot 60.000 Francs gekoftet hat, glauben wir recht gern, und dafs fich diefes Unternehmen erft durch mehrere Auflagen auszahlen kann, ift gewifs; dafs aber diefes Werkchen das Reizendfte ift, was wir in diefer Art gefehen, ift ebenfalls wahr, und es wäre zu wünfchen, dafs unfere deutfchen Verleger ihre franzöfifchen Collegen recht bald nachahmen möchten. Die Collectiv- Ausftellung der franzöfifchen Verleger und Drucker zeigte uns auch, wie das Arrangement einer Ausftellung zu fein hat, wenn fie Effect hervorbringen foll. Diefe Collectiv- Ausstellung bildete ein gefchloffenes Ganzes und mit Recht war für diefelbe ein Collectivkatalog erfchienen, deffen Druck die Firma J. Claye beforgt hatte. Sowie die Seiten bei„ les Saints Evangiles", die in derfelben Druckerei gedruckt wurden, war auch jede Seite diefes Kataloges mit fich kreuzenden rothen Linien eingefafst, deren Regifter übrigens nicht fo exact gehalten war als bei den Evangelien. Das Ganze machte jedoch durch den in das rothe Viereck paffenden Tondruck und die nochmalige, mittelft ftarken und feinen Linien hergestellte innere Einfaffung, ferner durch die gefchmackvolle Anordnung des Satzes einen recht guten Eindruck. Die franzöfifche Abtheilung in Gruppe XXVI war fo reichlich befchickt, dafs diefelbe ebenfalls einen eigenen Bericht verdiente. Was man am wenigften erwartet, war hier fehr reichhaltig und in vorzüglichen Exemplaren vertreten, die geographifchen Karten nämlich, und zeigt diefs, dafs die franzöfifche Regierung jetzt ein gröfseres Augenmerk auf den Unterricht in der Geographie geworfen hat, als es früher der Fall gewefen ift. Die Schweiz, die in der oben gegebenen Zeitungsftatiftik fo vortheilhaft hervorragt, hat fich auch auf dem Gebiete der übrigen Buchdruck- Ausstellung durch ftarke Betheiligung ausgezeichnet; ihre Collectiv- Ausftellung war durch 43 Firmen vertreten. Wenn man bedenkt, dafs in der Schweiz beinahe Alles auf der. Schnellpreffe gedruckt wird, da die wenigften Buchdrucker Handpreffen befitzen, fo mufs man geftehen, dafs die ausgeftellten Werke für grofsen Fleifs und Sorgfalt zeugen und dafs die Buchdruckereibefitzer mit den übrigen Induftriellen der Schweiz gleiches Tempo im Fortfchritte zu halten fuchen. Die Zufammenordnung der Collectiv- Ausstellung liefs freilich Manches wünſchen, namentlich hinderte das zu hohe Aufhängen der Accidenz Druckforten das genaue Betrachten derfelben. Sonft aber verdienen von den hier vereinigten namentlich die Firmen: Orell, Füfsli& Comp. in Zürich, H. R. Sauerländer in Aarau, die Genoffenfchaftsdruckerei in Zürich, J. Weftfehling in Winterthur, Huber in Fraunfeld und Haller in Bern erwähnt zu werden. Aufser der Collectiv- Ausftellung waren die Gebrüder Benziger in Einfiedeln, Buchdruckerei, Verlags- und Sortimentsbuchhandlung, mit ihrem ſtarken Verlag katholifcher Gebet- und Erbauungsbücher vertreten. Ihre Farbendrucke, aus drei und vier Farben beftehend, alle auf der Schnellpreffe gedruckt, waren nicht allein gut zugerichtet, fondern hielten auch alle gute Regifter. Die Arbeiten diefer Firma zeichnen fich durch gute Ausführung und fehr billige Preife aus, welche nur durch die Vereinigung beinahe aller graphifchen Künfte, verbunden mit eigener Buchbinderei, Graviranftalt etc., erzielt werden können. Buchdruck. 19 Der Specialkatalog der Schweiz, von J. W eftfehling in Winterthur gedruckt, zeichnete fich durch gleichmässigen Satz und Druck vortheilhaft vor anderen Katalogen aus. Wenn die Druckerei durch diefe Arbeit gezeigt hat, dafs fie etwas Tüchtiges leiften kann, fo gebührt der fchweizerifchen AusstellungsCommiffion auch ein Antheil an dem Verdienfte, denn nur durch ihre unermüdliche Thätigkeit und exacte Arbeit wurde die Druckerei in den Stand gefetzt, auch das Ihrige zu der fchönen Ausftattung beizutragen. Italien. Wir haben hier vor Allem das wüfte Durcheinander zu rügen, wodurch fich diefe Ausstellung vor den anderen hervorgethan hat. Alles lag kunterbunt in Haufen und verleidete damit ordentlich das genaue Befehen der Gegenstände. Wenn auch unfere Erwartungen nicht gerade hoch gefpannt waren, müffen wir dennoch geftehen, dafs, mit wenigen Ausnahmen, diefe unfere Erwartungen kaum erfüllt wurden. Mag fein, dafs auch die Unordnung, die dort herrfchte, uns hinderte, Befferes zu Geficht zu bekommen. Civelli in Mailand hat anerkennenswerthe Sachen ausgeftellt, unter welchen die„ Ghirlanda di Margarita" in Farbendruck und„ Dante's Göttliche Komödie" fich befonders auszeichneten. Vincenzo Bona in Turin zeigte durch feine ausgeftellten Werke, dafs er zu den rührigen Buchdruckern Italiens zähle. Die Buchdruckerei des MilitärStrafhaufes in Savona hatte ein Album ausgeftellt, das an Gefchmacklofigkeit feines Gleichen fucht. Wir konnten nicht erfahren, ob in diefer Druckerei nur Militärfträflinge arbeiten oder ob auch Nichtfträflinge dort befchäftigt feien. Die Einfaffungen diefes Albums waren nämlich derart gedruckt, dafs das eine Stück der Einfaffung eine blafsgrüne, das andere eine blafsrofa u. f. f. Farbe zeigte. Uns wunderte nur die Geduld, die auf diefe Arbeit verwendet worden ift, und wir zogen daraus den unmafsgeblichen Schlufs, dafs das Album nur durch Sträflinge hergeftellt fein könne. - Ein von der königlichen Buchdruckerei in Mailand( wenn wir nicht irren, eine ehemalige k. k. öfterreichiſche Staatsdruckerei) ausgeftelltes Formularbuch für Buchdrucker hob fich vortheilhaft aus den Maffen hervor. Die darin enthaltenen mathematifchen und Tabellenfätze gaben Zeugnifs, dafs der betreffende Setzer feiner Aufgabe gewachfen war. Alles Lob verdient auch der Drucker für den Farbendruck der Actien. Schweden und Norwegen war durch die Firma Norstedt& Söhne in Stockholm recht anftändig vertreten. Aufser 531 xylographifchen Abdrücken hatten fie noch Tegner's„ Frithjofsfage" und Herder's" Cid", beide mit Holzfchnitten illuftrirt, ausgeftellt, die alles Lobes würdig find. Die im fchwediſchen Schulhaufe ausgelegten Schulbücher waren Beweife, dafs die Firma Norftedt& Söhne auch diefen billigen Druckwerken alle Sorgfalt angedeihen läfst. Die ebenfalls im Schulhaufe ausgeftellten Liederbücher, gedruckt bei Elde& Comp. in Stockholm, und die Blindendrucke gehörten mit zu den fehenswerthen Zeugniffen, dafs auch im hohen Norden Guttenberg's Kunft eine getreue Pflegſtätte gefunden hat. Dänemark hatte mehr in Lichtdruck als im eigentlichen Buchdruck geliefert. Hervorzuheben find die von Luno Bianco in Kopenhagen ausgeftellten Bücher, deren Satz und Druck gut ausgeführt waren. Profeffor Waldemar Schmidt hatte Bücher mit Keilfchrift und Hieroglyphen ausgeftellt, die von F. H. Schultz in Kopenhagen fauber und rein gedruckt waren. Belgien hatte viel und mitunter recht Gutes ausgeftellt. Bruylant, Chriftophe& Comp. hatten neben einer reichen Auswahl von gewöhnlichen Werken auch einige Prachtwerke, und zwar in verfchiedenen Druckmanieren vorgelegt. Der Druck diefer Werke und der Holzfchnitte war ein guter.- 20 Ludwig Lott. Ch. Glaefen in Lüttich hatte mehrere architektonifche Werke; Van Velfen in Mecheln, aufser mehreren anderen Werken, die„ Principes de grammaire hebraïque" ausgeftellt. Eugène Guyot in Brüffel hatte eine grössere Sammlung von Druckwerken ausgeftellt, die auch meiftentheils ausftellungsfähig waren. Nur fchade, dafs Manches durch das zu hohe Aufhängen an der Wand fich einer genauen Befichtigung entzog; diefs galt namentlich von den Creditpapieren. Ad. Mertens' in Brüffel Album Doré'fcher Holzfchnitte war meifterhaft gedruckt. Frédéric Hayez in Brüffel hatte neben einer Anzahl gut gedruckter wiffenfchaftlicher Werke auch ein illuftrirtes Exemplar der belgifchen Verfaffung ausgeftellt, das einen guten Eindruck machte. - Die von Belgien ausgeftellten Drucke bewährten wieder die alte Erfahrung, dafs in denjenigen Ländern, die fchon feit geraumer Zeit einer freien Preffe fich erfreuen, der gefteigerten Production auch eine fortfchreitende technifche Vervollkommnung nachfolgt. Das Königreich der Niederlande hatte uns auch Vieles und mitunter recht Gutes gebracht. Wenn wir auch, da wir nur über„ Buchdruck" zu berichten haben, die eingefandten lithographifchen und Lichtdrucke nicht zu befprechen haben, fo müffen wir hier doch mit gutem Grunde eine Ausnahme machen und der Photolithographien des Dr. F. J. Affer in Amfterdam erwähnen. Dr. Affer brachte eine Sammlung von Copien alter Drucke, die fo vorzüglich waren, dafs von nun an manches alte koftbare Buch, dem einzelne Blätter fehlen, wieder complet gemacht werden kann, wenn nach einem zweiten Exemplar durch die Manier Affer's das Fehlende ergänzt wird. - E. B. ter Horft, Firma J. B. Wolters in Gröningen, hatte eine grofse Sammlung gebundener und brofchirter Werke ausgeftellt, die meift als gut. gedruckt bezeichnet werden müffen. A. W. Sy th off in Leiden hatte neben dem fchönen, Wörterbuch der Kunft und Wiffenfchaft" in zehn Bänden, auch noch viele und gut gedruckte Werke ausgeftellt; nur der Druck des ,, Gendenkbook van der Oorlog" liefs hie und da Manches zu wünſchen übrig. E. J. Brill in Leiden hatte fauber und rein hergestellte arabifche Drucke ausgeftellt. 99 - - Die Landesdruckerei" in Batavia hatte eine Anzahl Werke in den niederländifchen Landesfprachen ausgeftellt, deren Druck wohl viel zu wünfchen übrig liefs, die aber doch Zeugnifs ablegten von der weiten Verbreitung der Buchdruckerkunft. Das Deutfche Reich hatte für die meiften feiner Ausstellungsgegenftände eigene Annexe gebaut, die aber nicht immer den Ausftellungsobjecten von Nutzen waren. So war die Gruppe XII mit allen möglichen mufikalifchen, aftronomifchen Gegenftänden, Eifen- und Blechwaaren etc. fo unvortheilhaft als nur möglich untergebracht. Die meiſten Gegenftände, die an der Wand hingen, waren bis oben unter das Dach placirt, fo dafs Niemand im Stande war, diefelben zu befichtigen, viel weniger zu beurtheilen. Wenn die Deutfchen auch auf anderem Gebiete durch phyfifche und geiftige Ueberlegenheit die Franzofen befiegt, fo haben letztere auf der Wiener Weltausftellung doch unftreitig den Sieg über Deutſchland davon getragen und zwar nicht fo fehr durch beffere und hervorragendere Erzeugniffe, als vielmehr durch ihren Gefchmack und die treffliche Anordnung der ausgeftellten Gegenftände, nicht minder auch durch die Zuvorkommenheit, mit der fie das Publicum zum Befichtigen ihrer Objecte einluden. Denn abgefehen davon, dafs die Befchauer bei Hachette und Mame zum Sitzen eingeladen wurden, fo wurde nach Befichtigung des einen Objectes fogleich ein neues vorgelegt und auf die Eigenthümlichkeiten und Vorzüge desfelben aufmerkfam gemacht, fo dafs man an ihre Ausstellung ordentlich ftundenlang gefeffelt war. Dagegen hing oder klebte Buchdruck. 21 in den deutfchen Annexen beinahe auf jedem ausgeftellten Gegenftande, gleichviel ob Rohproduct oder fertige Waare, ob aus Papier, Holz oder Eifen beſtehend, ein grofsgedruckter Zettel, der vor der Berührung der Objecte warnte. Die Frage: ob durch diefen Vorgang das Intereffe der deutfchen Ausfteller gewahrt wurde, indem man das Publicum verhinderte, fich von der Güte der ausgeftellten Gegenstände zu überzeugen, überlaffen wir der deutfchen AusstellungsCommiffion zu beantworten. Warum fo viele geachtete Druckfirmen Deutſchlands auf der Weltausftellung fehlten, ift uns ein Räthfel. In den Schaufenftern beinahe jeder gröfseren Wiener Sortimentsbuchhandlung kann man mehr deutfche Firmen finden, als auf der Weltausftellung vertreten waren, und unter dem in diefen Schaufenstern Ausgeftellten befindet fich fo Manches, das im Prater auch an feinem Platze gewefen wäre. In der deutfchen Abtheilung verdient vor Allem die ,, Collectiv- Ausftellung der württembergifchen Buchhändler, Xylographen etc." in Stuttgart unfere Aufmerksamkeit. Die J. G. Cotta'fche Buchhandlung hatte nur Meifterhaftes ausgeftellt, da fie etwas Anderes auch nicht ausftellen konnte. Denn Alles, was aus ihrer Buchdruckerei hervorgeht, ift ftyl- und kunftgerecht, weil von A bis Z an Nichts gefpart wird, um Alles fo vollendet als möglich herzuftellen. Ihre Prachtausgaben fowohl wie ihre Cabinets- und Miniatur- Ausgaben der deutfchen Claffiker find zu bekannt, als dafs wir fie näher befchreiben dürften. Der Druck und der Verlag, fowie die xylographifche Anftalt von Eduard Hallberger find ebenfalls rühmlichft bekannt, fo dafs man auch darüber nur wenig zu fagen braucht. Sein Ueber Land und Meer" und die anderen gut gedruckten illuftrirten Lieferungswerke find beinahe in jeder Hütte zu treffen. Seine Doré'fche Bibel verdiente prachtvoll genannt zu werden, denn die Holzfchnitte auf feinftem Papier find mufterhaft gedruckt und ftehen den franzöfifchen nicht nach; auch der Druck des Textes liefse nichts zu wünſchen übrig, wenn er nicht etwas zu fcharf gehalten wäre, ihm fehlt die letzte Feile( auf die bei Cotta fo viel Gewicht gelegt wird), nämlich das Glätten in der Packpreffe. Wenn man die prachtvollen Doré'fchen Holzfchnitte mit Vergnügen betrachtet und dann den Blick auf den Text richtet, fo erhält das Auge einen ordentlichen Stich durch die ftark vortretende Schattirung. Wir haben leider die Bemerkung gemacht, dafs fo manches deutfche Prachtwerk fich viel beffer darftellen würde, wenn nicht an Geringfügigem gefpart werden möchte. Bei dem einen könnte das Papier und die Druckerfchwärze beffer fein, beim zweiten wurden Lettern oder Linien verwendet, die nicht mehr ganz fcharf waren, und das Dritte, das Alles hat, was dazu gehört, ift. wieder nicht geglättet u. f. f. In diefer Hinficht müffen wir uns die Franzofen und Engländer zum Mufter nehmen. Hallberger's xylographifche Anftalt lieferte ein Album von Holzfchnitten, deren Feinheit nichts zu wünſchen übrig liefs. Eine Stereotypplatte aus„, Ueber Land und Meer" war fcharf und tief. Eine grofse galvanifche Platte war fehr fchön, hatte jedoch einen Sprung. ,, Aus deutfchen Bergen", Verlag von A. Kröner in Stuttgart, war mit fchönen Holzfchnitten illuftrirt, der Druck derfelben war jedoch nicht fo fchön. Die Werke in ruffifcher und orientalifcher Sprache von Carl Grüninger in Stuttgart waren zwar gut gedruckt, doch theilweife mit altmodifchen Typen. J. B. Metzler's illuftrirte und mathematifche Werke waren gut gefetzt und gedruckt, die Illuftrationen, wie bei A. Kröner, von Clofs, liefsen an Feinheit der Ausführung nichts zu wünfchen übrig. Der Gefammteindruck der Stuttgarter Ausftellung war fo recht für das Herz eines Jüngers Guttenberg's gemacht und wird wohl Jeder Gelegenheit gefucht haben, diefe Expofition mehrmals befichtigen zu können. 22 Ludwig Lott. Im Verhältniffe zu Stuttgart fchien fich Leipzig in den Winkel geftellt zu haben. Die Firma F. A. Brockhaus, deren Verlag einer der verbreitetften ift und deren Druckerei im Drucke von Holzfchnitten fo Vorzügliches leiftet, machte durch das Arrangement ihrer Ausftellung nicht den Eindruck, den fie hätte machen follen. Ihre Bücher lagen auf einer Tafel, ftaubbedeckt drunter und drüber, und ihre Holzfchnitte, Landkarten etc. hingen an einer Wand theilweife fo hoch, dafs fie fich jeder Beurtheilung entzogen hätten, wenn fie uns nicht von andersher fchon bekannt gewefen wären. Alles Lob und grofses Verdienft erwarb fich diefe Firma durch den Druck der im Manz'fchen Verlage in Wien erfchie. nenen und aus dem rühmlichft bekannten Inftitute für Holzfchneidekunft von F. W. Bader in Wien hervorgegangenen grofsen Holzfchnitte„ Wien im Jahre 1873". E. A. Seemann in Leipzig hatte unter manchem Sehenswerthen auch mehrere Jahrgänge von Dr. C. v. Lützow's" Zeitfchrift für bildende Kunft" ausgeftellt, deren artiftifche Herftellung eine gute genannt werden mufs. Die Ausftellung der„ Königl. Geheimen Ober Hofdruckerei" ( R. v. Decker) in Berlin brachte uns, neben mehreren Prachtwerken, ihre Schriftproben, die den Zeitraum von 1767 bis 1873 umfaffen. Diefes eine Album zeigt uns die Thätigkeit und den Fortfchritt in der Schriftgiefserei während eines ganzen Jahrhunderts und wird gewifs von jedem Buchdrucker mit Intereffe durchblättert worden fein. Das Krönungswerk, zur Erinnerung an die 1861 erfolgte Krönung des jetzigen Kaifers der Deutfchen zum König von Preufsen, wurde auf Allerhöchfte Anordnung gedruckt. Die darin vorkommenden Abfonderlichkeiten werden unferes Erachtens nicht der Druckerei, fondern einem anderen höheren Einfluffe zuzufchreiben fein. Denn fonft wäre es nicht erklärlich, warum zu der römifchen Jahreszahl auf dem Titel nicht gothifche, fondern Fracturlettern genommen wurden, und dafs die innere Eintheilung des Satzes gegen alle Regeln verftöfst. Die typographifche Ausführung ift fonft eine tadellofe. Das Neue Teftament in Luther's Sprache iſt ein typographifches Unicum, das wohl nur in Bibliotheken Aufnahme finden wird. Die prachtvollen Holzfchnitte und Initialen find Meifterwerke der Xylographie und der Druck derfelben fowie der des Textes find ihnen ebenbürtig. Wilhelm Gronau, Buchdruckerei und Schriftgiefserei in Berlin. Die ausgeftellten dicken Bände Schriftproben legen Zeugnifs ab für die Reichhaltigkeit der Schriftgiefserei und die in Rahmen ausgehängten Accidenzen fprechen von dem guten Gefchmacke der Buchdruckerei, welche die Erzeugniffe der Schriftgiefserei erft recht zur Geltung bringt. Ein Beweis von der Tüchtigkeit beider Branchen diefer Firma liefert das ,, Touffaint- Langenfcheidt'fche Dictionnaire" mit feinen vielen eigenthümlichen Zeichen. Die Gebrüder Grunert in Berlin und G. Braun'fche Hofbuchdruckerei in Carlsruhe haben jede, aufser einigen Werken, Mufterbücher mit Druckproben ausgeftellt, von denen Manches fehr hübfch ift. Vier Hamburger Buchdrucker, die Herren Ferdinand Schlotke, G. J. Herbft, A. F. M. Kümpel und Pleffe& Lührs haben fich zu einer Collectiv- Ausstellung vereinigt, über die wir nicht viel fagen können. Sowohl die Farbendrucke von Schlotke, als die Accidenzen von Herbft waren zu hoch aufgehängt und entzogen fich daher der Beurtheilung. Die Accidenzen Kümpel's find gewöhnlicher Art und die Logotypen von Pleffe& Lührs nur für Preiscourante und Marktberichte verwendbar, auf deren Schönheit weniger Gewicht gelegt wird, als auf rafche Herftellung, fie werden von keinem praktiſchen Buchdrucker nachgeahmt werden. Wir hätten gewünſcht, dafs Herr Pleffe, den wir fchon vor langen Jahren als tüchtigen Stenographen kennen gelernt, fein typographifches Talent, gleich feinem ehemaligen Collegen in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien, Herrn Carl Faulmann, den Typen und dem Satze Buchdruck. 23 der ftenographifchen Zeichen zugewendet haben würde; ein Verdienft in diefer Sache wäre ein ungleich gröfseres als die Spielerei mit Logotypen. Die Bücher in orientalifchen und flavifchen Sprachen, die illuftrirten kunft. gefchichtlichen und wiffenfchaftlichen Werke und die Muftercollectionen von Actien und Werthpapieren der Buchhandlung und Buchdruckerei des Waifenhaufes in Halle machen theilweife Anfpruch auf künftlerifche Herftellung, fo namentlich die Holzfchnitte und der Druck derfelben in den Beiträgen zur Gefchichte der griechifchen Plaftik: Alles aber gibt Zeugnifs von der grofsen Ausdehnung diefes im Jahre 1698 gegründeten Gefchäftes. R. Falk in Berlin hatte Drucke von hochgeätzten Hand- und Mafchinenzeichnungen ausgeftellt, von denen nur die billigen Preife derfelben hervorgehoben werden können. Die Ausführung ift den Preifen angemeffen. S. Calvary& Comp. in Berlin haben ihre philologifche Bibliothek und einige andere wiffenfchaftliche Werke ausgeftellt. Das Meifte diefes Verlages ftammt aus Dräger's Buchdruckerei in Berlin und zeigt gleichmäfsigen Satz und Druck. Die L. Schellenberg'fche Hofbuchdruckerei in Wiesbaden hatte ein Mufterbuch mit Accidenzen ausgeftellt, bei denen der Druck auf hochfeinem Glanzpapier fehr fchön ausgeführt ift, während der Satz hie und da getadelt zu werden verdient. G. F. Manz in Regensburg hatte aufser feiner Real- Encyclopädie, die fich durch gleichmässigen Druck auszeichnet, auch verfchiedene religiöfe Werke ausgeftellt, namentlich ein" Mifsale romanum", das fich aber nicht über die Alltäglichkeit erhebt. Diefs gilt auch von feinen Holzſchnitten. Friedrich Puft et in Regensburg hatte neben Werken religiöfen Inhaltes auch xylographifche Farbendrucke ausgeftellt, welche zu den beften in diefem Genre gehören. Doch treten die von H. K nöfler in Wien für diefe Firma angefertigten, gegen die in eigener Druckerei erzeugten glänzend hervor. Wilh. Gottl. Korn in Breslau hat nur Werthpapiere ausgeftellt; einige davon recht fchön in Satz und Druck ausgeführt, andere dagegen im Satz zu fchwer und in der Farbe zu grell. B. F. Voigt in Weimar hatte neben feinem fonftigen reichhaltigen Verlage auch feinen Schauplatz der Künfte und Handwerke" ausgeftellt. Die typographifche Ausftattung des Voigt'fchen Verlages macht keine grofsen Anfprüche, fie ift eine alltägliche, während auf den Druck der Atlanten und Karten ungleich mehr Sorgfalt verwendet wird. Leonard Schwann in Neufs hatte viele Farbendrucke ausgeftellt, die gröfstentheils für ordinäre Gebetbücher und für Wallfahrtsorte beftimmt fcheinen. Die Schnitte für die verfchiedenen Farben find gröfstentheils zu hart gehalten, fo dafs fich jede Farbe für fich abgegrenzt darftellt und kein Uebergang von einer Farbe zur anderen ftattfindet, was umfomehr auffällt, als die Farben alle kräftig und rein auf der Schnellpreffe gedruckt find. Auch fcheint diefe Firma mehr mit Deck als mit Lafurfarben zu arbeiten; nur durch die letzteren allein kann aber ein allmäliger Uebergang von einem Tone zum anderen erzielt werden. Franz Saufen's Buchdruckerei in Mainz hatte Werke, in Druck und Einband Nachahmungen der alten Originale, ausgeftellt, ohne dafs der fchwarze und rothe Druck das Feuer und die Lettern die Schärfe der Originale erreicht hätten. Die königl. preufsifche Staatsdruckerei in Berlin hatte Proben von Buch-, Kupfer- und Steindruck, heliographifche Reproductionen, Graveur. und Guillochirarbeiten ausgeftellt, die die Bewunderung der Jünger Guttenberg's hervorriefen. Die Werthpapiere für den preufsifchen Staat fowohl, als auch für Private zeugten nicht allein von künftlerifcher Auffaffung, fondern fie zeichneten fich durchwegs durch edle Einfachheit und Anwendung der 24 Ludwig Lott. neueften Methoden aus. Für den Fachmann war befonders intereffant, dafs von einigen diefer Werthpapiere die einzelnen Plattenabdrücke auch ausgeftellt waren; ebenfo war das Verfahren der heliographifchen Reproductionen erfichtlich gemacht. Unter den in Gruppe XXVI ausgeftellten Unterrichtsgegenständen verdienen die Karten und Kartenwerke von Ifsleib& Rietzfchel in Gera umfomehr Beachtung, als diefelben nicht nur ihrer äufserft billigen Preife wegen als Volksbildungsmittel dienen, fondern auch Erzeugniffe der Buchdruckerpreffe find. Diefe rührige Gera'er Anftalt brachte einen Volksatlas von 24 Karten in deutfcher und fchwediſcher, und von 28 Karten in franzöfifcher Sprache; einen Specialatlas von Oefterreich- Ungarn; einen Neueften Schulatlas" in 44 Karten etc. Der„ Volksatlas" war Bahnbrecher zur Hebung des geographifchen Unterrichts in der Volksfchule. Derfelbe, 24 Karten enthaltend, erfchien 1867 um den fehr billigen Preis von 72 Silbergrofchen und erregte mit Recht allgemeines Auffehen. Schon nach Verlauf von einigen Monaten war die erfte Auflage vergriffen und es erfolgten nun infolge der Einführung desfelben in den Volksfchulen faft aller Staaten Deutfchlands jährlich drei bis vier Auflagen, jede zu 30.000 Exemplaren, fo dafs bis jetzt gegen 800.000 Exemplare in der ganzen Welt verbreitet find. Auch in Oefterreich- Ungarn ift derfelbe vom Cultusminifterium zur Einführung in den Volksfchulen empfohlen worden. Die Verlagshandlung erhielt von den im Jahre 1869 in Baden bei Wien verfammelten Lehrern ein Ehrendiplom für die Ausftellung ihrer Karten. O efterreich. Die graphifchen Künfte der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder waren im füdlichen Hofe 13a untergebracht. Vom Innern des Induftriepalaftes war diefer Hof nur durch je eine Seitenthür von den Quergallerien 12 a und 13 a aus zu betreten, da die Hauptthür durch einen der von der Kritik mit Recht verurtheilten fogenannten Pavillons abgefperrt war. Wefshalb gerade die graphifchen Künfte Oefterreichs, deren Meifter und Jünger fich zum erften Male in bedeutender Zahl an dem Wettkampfe der ganzen civilifirten Welt betheiligten, von der Generaldirection fo ftiefmütterlich behandelt wurden, ift uns und gewifs auch vielen Anderen bis heute noch nicht klar geworden. Taufende und Taufende von Befuchern des Induftriepalaftes betraten den felben entweder durch das Weftportal oder durch die Rotunde und durchftöberten tagelang alle Gallerien und Höfe, jedoch der Hof 13 a war für die weitaus meiften fpurlos verfchwunden, weil er, wie oben gefagt, von der Hauptgallerie aus durch eine Fontaine von Flachs und Hanf verrammelt war. Auch die von den Ausftellern angebrachte Tafel, die den Weg zur öfterreichifchen Ausftellung von Gruppe XII zeigte, erreichte nicht ihren Zweck der Strom des Publicums ging eben ftets gerade aus und die Meiften vermutheten hinter den Seitenthüren höchftens untergeordnete Gegenftände. Die graphifchen Künfte befitzen eben nicht fo eine Anziehungskraft wie der Schatz des Sultans, um deffen Ausftellung man an jedem Tage wohl zehnmal und öfter gefragt wurde. Der gröfste Theil der öfterreichiſchen Ausftellung war in dem Hofe 13 a, aber auf eine fehr fchöne und praktifche Weife vereinigt, nur die Erzeugniffe zweier Ausfteller wir wiffen nicht warum?-- machten eine Ausnahme: diefelben hatten den Ehrenplatz in der Rotunde erhalten. Den durch diefen vermeintlichen Vorzug zurückgefetzten, in den verrammelten Hof 13 a verwiefenen Ausftellern erwuchs jedoch gerade durch diefe Abfonderung ein nicht zu verachtender Vortheil, nämlich der, dafs ihre Ausftellungsgegenstände fo recht Augen und Herzen erfreuten, nicht aber durch Erinnerungen an den Schwindel und fein Ende in die Geifter und Seelen trübe Schatten warfen. Dagegen waren in der Gallerie der Rotunde die von allen Seiten freiftehenden grofsen Glaskäften der beiden bevorzugten Firmen, H. Engel& Sohn und L. C. Zamarski in Wien, gröfstentheils mit dem angefüllt, was noch am Tage der Eröffnung der Weltausftellung eine fehr Buchdruck. 25 grofse Anziehungskraft befafs, kaum einige Tage nach der Eröffnung aber von Vielen nur mit Wehmuth und Trauer betrachtet wurde: es waren nämlich die von ihrer fchwindelhaften Höhe herabgeftürzten Actien und dergleichen Werthpapiere. Hätte der Schutzpatron des 9. Mai, der heilige Gregor, dem mit Gewalt Einlafs fordernden Krache die Thüre gewiefen, ftatt ihm diefelbe zu öffnen, dann würden diefe Engel- Zamarski'fchen Glaskäften wohl ebenfo umlagert worden fein, als wie der Schatz des Sultans, fo aber ftanden die Armen da einfam und verlaffen wie verfallene Grabdenkmäler. Dagegen hatten die, ob mit oder ohne Abficht, in den Hof 13 a gerathenen Befucher und Befchauer eigentlich an ihren zwei Augen zu wenig, um Alles und Jedes genau befichtigen und betrachten zu können. Der Berichterstatter hat viele Perfonen getroffen, die in diefem Hofe öfters einfprachen und ihm das Geftändnifs ablegten, fie feien das erfte Mal zwar nur durch einen Zufall herein gekommen, fühlten fich aber durch das Gebotene und deffen zweckmäfsige Aufftellung fo angezogen, dafs fie mit Vergnügen immer und immer hieher kamen. Da die genannten zwei Firmen( beide, nebenbei bemerkt, fchon einige Zeit vor der Ausftellungseröffnung vereinigt und in eine Actiengeſellſchaft umge wandelt) von der Generaldirection derart gewerthet und gewürdigt wurden, dafs fie denfelben eigene Plätze zuwies, fo wollen wir ihnen neidlos den Vortritt laffen und ihre Erzeugniffe zuerft betrachten. Die k. k. Hoflithographie und Buchdruckerei von L. C. Zamarski hatte in einem grofsen, fchwarzpolirten, mit Gold reich gefchmückten und übrigens fchön gearbeiteten Glasfchranke viele Werthpapiere, namentlich Actien ausgeftellt, deren Ausführung gemeinfchaftlich der lithographifchen und BuchdruckPreffe zugefallen. Die Zeichnungen derfelben und die gefchickte Anwendung des Pantographs zeugten von Gefchmack und künftlerifcher Auffaffung und man fah es ihnen wenig an, dafs fie meiſtens in der gröfsten Eile hergeftellt werden mufsten. Die ausgeftellten Chromolithographien und typographifchen Farbendrucke, wovon aber ein Theil nicht mehr neu war( das von diefer Firma anfangs der Sechzigerjahre herausgegebene Haus- und Familienbuch hatte diefelben fchon gebracht), zeigten manches Schöne. Die mittelft Farben- und Prägedruck dargeftellten öfterreichifchen Ritterorden können als fehr fchön und gelungen bezeichnet werden. Auch andere Accidenzen, als: Adreffen und Gefchäftskarten, die meiſten davon ausgezeichnet, füllten diefen Schrank. Auf dem Aeufseren diefes verfchloffenen Schrankes lag ein einziges Buch, das in zwei Bänden in Wilhelm Braumüller's k. k. Hofbuchhandlung erſchienene Werk:„ Beiträge zur Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen Oefterreichs von Profeffor Exner". Die Firma Zamarski verwandte alle nur mögliche Sorgfalt auf diefes Werk und beabfichtigte durch gleichmäfsigen Satz und Druck desfelben zu zeigen, was fie auch im Werkdrucke zu leiften im Stande fei. Dafs fie diefes erreichte, trotz der vielen Correcturen und Aenderungen im Texte während des Satzes, die fonft jeder Sorgfalt fpotten und die Arbeit verdoppeln und verdreifachen, und dafs das Werk dennoch rechtzeitig erfchien, ift um fo ehrenvoller für die technifche Leitung diefes grofsen und grofsartig eingerichteten Inftitutes. Wer in der Haft folche Erzeugniffe zu liefern im Stande ift, wird gewifs noch Befferes darbieten können, wenn ihm auch die dazu nöthige Raft vergönnt ift. Die Jury hat auch die Leiftungen des techniſchen Leiters diefer Anftalt dadurch anerkannt, dafs fie Herrn Albert Pietz die Mitarbeiter- Medaille verlieh. Die k. k. Hoflithographie und Buchdruckerei von H. Engel& Sohn in Wien hatte ihren Glasfchrank, der dem Zamarski's ähnlich war, gröfstentheils mit Actien, Caffafcheinen etc. etc. ausgefüllt. Die Ausführung derfelben liefs zwar hier und da Manches zu wünfchen übrig, auch fcheint ein grofser Theil davon nur auf der lithographifchen, ohne Beihilfe der typographifchen Preffe 26 Ludwig Lott. erzeugt zu fein. Doch waren recht hübfch ausgeftattete Sachen darunter, und würde diefe Firma gewifs auch nur Tadellofes geliefert haben, wenn man ihr die zu folchen Arbeiten nöthige Zeit zur Ausführung gelaffen hätte. Doch die Herren Gründer verlangten von den Druckereien, die fich hauptfächlich mit der Herftellung von Creditpapieren befafsten, dafs ihre Arbeiten fo rafch hergestellt würden, als die Zeitungsdruckereien ihre Journale herzuftellen pflegen. Dafs bei einem folchen Begehren vor allem nur darnach getrachtet werden musste, die Arbeit unter die Preffe zu bringen, ohne eine künftlerifche Ausführung abzuwarten und damit Zeit zu verlieren, leuchtet wohl Jedem, nicht nur dem Sachverftändigen ein. Dafs diefe Firma aber, wenn ihr Zeit und Mufse gegeben wird, auch wirklich Gutes und Schönes zu leiften vermag, davon gaben die für das Kaiferthum Japan angefertigten, auf violettem Grunde fchwarz gedruckten Briefmarken Kunde; nicht minder auch gaben dafür Zeugnifs die für die Befucher der Ausftellung aufserhalb des gefchloffenen Glasfchrankes ausgelegten, auf grünem Untergrunde braun und fchwarz gedruckten, künftlerifch vollendeten Gefchäftskarten. Auf der Rückfeite diefer Karten waren aufser dem Wiener Magiftrate und dem Finanzdepartement des Kaiferthums Japan in Youkahama, nicht weniger als 32 Banken und Geldinftitute als Referenzen aufgeführt, woraus der Schlufs gezogen werden kann, welch grofse Anzahl von Werthpapieren aus dem Inftitute H. Engel& Sohn hervorgegangen ift. So viel von den beiden Glasfchränken in der Rotunde. Wir kehren jetzt in den Hof 13 a zurück und betreten denfelben von der Aufsenfeite, um die Collectiv- Ausstellung des Gremiums der Wiener Buchdrucker zu befichtigen. Unmittelbar vor uns finden wir den Ausftellungskaften der k. k. Hofund Staatsdruckerei in Wien. Bevor wir aber den Inhalt diefes Kaftens felbft betrachten, wird es zweck- und fachgemäfs fein, wenn wir uns etwas eingehender mit dem Inftitute felbft befchäftigen. Die k. k. Staatsdruckerei war bis zum Jahre 1841 nichts mehr und nichts weniger als was die Jünger Guttenberg's ein„ Feuerzeug" nennen. Am 24. Jänner Von da an 1841 wurde Alois Auer zum Director diefer Staatsanftalt ernannt. begann diefelbe ein anderes Geficht anzunehmen. Im Jahre 1843 wurde die ,, k. k. Lottoamts- Druckerei", die„ k. k. Hofkammer- Lithographie", das„ k. k. Papierdepôt für die Staatsdruckerei und die Behörden" und der„ Aerarial- Druckfortenverfchleifs" mit der Staatsdruckerei vereinigt. Kaum vier Jahre nach der Ernennung Auer's trat die Staatsdruckerei fchon mit den erften fieben grofsen Tafeln:" Typenfchau des gefammten Erdkreifes" in der 1845 in Wien abgehaltenen öfterreichifchen Induftrie Ausstellung auf. Diefe Typen, deren Stempel und Matrizen alle in der Staatsdruckerei felbft erzeugt worden waren, und deren Abdruck fämmtliche Sprachenalphabete zur Anficht brachte, erregten mit Recht allgemeines Auffehen. Neben diefer„ Typen. fchau" hatte die Anftalt damals noch neun Tafeln in Placatformat ausgeftellt, nämlich„ Auer's Sprachenhalle oder das Vaterunfer in 206 Sprachen und Mundarten", alle mit lateinifchen Typen gedruckt. Im Jahre 1846 wurde in der Staatsdruckerei ein japanefifches Buch gedruckt. Es war diefs das erfte mit beweglichen Typen gedruckte japanefifche Buch nicht nur in Europa, fondern das erfte überhaupt, da die Japanefen felbft, fowie die Chinefen, nur mittelft Holztafeln bis auf unfere Tage gedruckt haben und zum Theile noch drucken. Wie fehr die Staatsdruckerei ihren Wirkungskreis fort und fort erweiterte, erhellt daraus, dafs das Perfonal derfelben, das im Jahr 1841 etwa 50 Perfonen. betrug, am Schluffe des Jahres 1847 aus mehr als 600 Köpfen beftand. Dafs das bewegte Jahr 1848 auf die ftetige Entwicklung der Staatsdruckerei, in wiffenfchaftlicher Beziehung, nicht ohne ftörenden Einfluss fein konnte, ift Buchdruck. 27 natürlich, doch trugen die Folgen diefes Jahres wefentlich zur räumlichen Erweiterung des Inftitutes bei. Die nächften zwei Jahre waren Jahre der gröfsten Anftrengung für die Staatsdruckerei. Die Bedürfniffe des Staates zur Beftreitung der Kriegskoften in Ungarn und Italien, zur Deckung des Ausfalles in den Steuern des aufftändifchen halben Kaiferftaates und für die Nachwehen des Jahres 1848 hatten eine fabelhafte Höhe erreicht. Die Staatsregierung mufste daher zu energifchen Mitteln greifen, und die Staatsdruckerei war genöthigt, ihren wiffenfchaftlichen Apparat zur Seite zu ftellen, um nur einen Auftrag über den andern von Seite des Staates ausführen zu können. Unverzinsliche Central- Caffe- Anweiſungen und mit 3 Percent verzinsliche Central- Caffe- Anweifungen, dann Reichsfchatzfcheine und Partial- und Hypothekar- Anweifungen, ferner Conventionsmünze. Obligationen und Ein- und Zweiguldenzettel, fowie Anweifungen auf die ungarifchen Landes- Einkünfte, des weiteren Treforfcheine für Italien, zuletzt Münzfcheine zu 6 und 10 Kreuzer u. f. w. nach Millionen und Millionen anzufertigen, war in diefen fchweren Zeiten die Aufgabe der Staatsdruckerei. Das Reichsgefetzblatt mufste in zehn Sprachen in einer Auflage von mehr als 30.000 Exemplaren gedruckt werden. So grofs war diefe Arbeit, dafs die Staatsdruckerei fie allein nicht zu bewältigen vermochte und mehrere Privatdruckereien am Drucke des Reichsgefetzblattes betheiligt werden mufsten. Das Inventar der Staatsdruckerei ftieg in diefen Jahren von 5 auf 40 Schnellpreffen und vermehrte fich um 20 lithographifche Preffen. Das Perfonal ftieg auf mehr als taufend Perfonen. Um diefs alles unterzubringen, mufsten auf drei Hoftracte Stockwerke aufgefetzt und auf einem leeren Hofraum ein fünf Stockwerke hohes Haus aufgeführt werden; der noch übriggebliebene leere Hofraum wurde zur Aufnahme der Schnellpreffen hergerichtet und mit einem Glasdache überdeckt. Grofs waren die Mühen gewefen, aber auch die Erfolge waren grofse. Im Jahre 1851 erntete die Staatsdruckerei, nach zehn Jahren, feit Auer die Leitung übernommen hatte, auf der Londoner Weltausftellung glänzende Ehren. Der von der internationalen Jury gefällte Spruch lautete dahin: dafs die kaiferliche öfterreichifche Hof- und Staatsdruckerei in Wien auf dem von ihr repräfentirten Kunftgebiete aus fchliefs lich und allein die " Grofse Rathsmedaille" verdiene, und wurde ihr diefes höchfte Ehrenzeichen unter Zuerkennung aller fünf Medaillen einftimmig ertheilt. Diefe Auszeichnung war um fo höher anzufchlagen, da fie der um fo viel älteren franzö fifchen Staatsdruckerei nicht zu Theil geworden ift, einer Anftalt, die von allen franzöfifchen Regierungen feit Jahrhunderten ftets aufs Sorgfältigfte gepflegt wurde, um fich als Mufteranſtalt in der Welt behaupten zu können. In der Parifer Welt- Induftrie- Ausftellung 1855 erhielt die öfterreichifche Staatsdruckerei die höchfte Auszeichnung: die grofse goldene Medaille. Die Staatsdruckerei, vorher nicht einmal jenfeits der fchwarzgelben Grenzpfähle bekannt oder genannt, hatte fich die Anerkennung und die Bewunderung der Gelehrten und der Gebildeten der ganzen Welt in kürzefter Zeit errungen; ift es da zu wundern, dafs fie durch fo ruhmreiche Erfolge dem Schickfale alles Grofsen verfiel? Ihr Director, der es vom einfachen Schriftfetzerlehrling bis zum k. k. Hofrath und zur Erhebung in den Ritterftand gebracht hatte, ward ein Gegenftand des gemeinen Neides und der Mifsgunft. Nur hatten fich die Feinde nicht überlegt, dafs alle Angriffe, die gegen Auer vorgebracht wurden, derjenigen Anftalt zu Schaden und Verderben gereichten, welche in trüben Tagen den Namen und den Ruhm Oefterreichs über die weite Welt getragen hatte. War doch die fo alte franzöfifche Staatsdruckerei, die bisher als Mufteranſtalt vorgeleuchtet hatte, durch die fo junge öfterreichifche tief in den Schatten geftellt worden! 28 Ludwig Lott. Zwar fo lange die k. k. Finanzminifter Philipp Freiherr v. Kraufs und Carl Freiherr v. Bruck oberfte Chefs der Staatsdruckerei waren, fand Auer für feine Anträge williges und ſchnelles Gehör, und erreichte die Anftalt unter Bruck die Höhe ihres Glanzes trotz aller feindlichen Gegenftrömungen. Nach dem Tode Bruck's aber, bei dem Eintritte neuer Finanzminifter und bei der bekannten Sparfamkeit unferes hohen Abgeordnetenhaufes, wurde die Staatsdruckerei von ihrem Wege zur Förderung der Künfte und Wiffenfchaften abgedrängt, und fo zu fagen zur ausfchliefslichen Lohnarbeit herabgedrückt. Die Kräfte, die zum Entwerfen und zur Ausführung von Kunftobjecten herangebildet oder herangezogen waren, deren Nutzen fich aber nicht ziffermäfsig nachweifen liefs, mufsten verabfchiedet werden. Die Staatsdruckerei, wenn fie nicht einen fo grofsartigen Reichthum an Stempeln, Matrizen, Lettern, Platten u. f. w. aus früheren Zeiten befäfse, wäre fchon lange von dem ehrenvollen Standpunkte herabgefunken, den fie auch noch heute einnimmt. In welch unerquickliche Lage die Staatsdruckerei durch den Abgang von Perfönlichkeiten, denen künftlerifche Entwürfe anvertraut werden können, manchmal verfetzt wird, wenn fie plötzlich eine Vorlage für ein neues Creditpapier oder dergleichen liefern foll, davon haben Diejenigen oft nicht die geringfte Ahnung, welche die Erzeugniffe der Staatsdruckerei vom künftlerifchen Standpunkte aus wegwerfend beurtheilen. Hätte die Staatsdruckerei für die Anfertigung folcher Entwürfe nur über einige tüchtige Kräfte zu verfügen, die einestheils Vorlagen vorarbeiteten und anderntheils jüngeren Nachftrebenden als Lehrer dienten, dann beftünde das Verlangen vollkommen zu Recht, dafs die in der Staatsdruckerei angefertigten Creditpapiere und andere Kunftfachen den Stempel einer gröfseren künftlerifchen Vollendung an fich trügen. Wie ift aber eine künftlerifch tadellofe Ausstattung möglich, wenn z. B. das hohe Abgeordnetenhaus heute befchliefst, dafs die ältere Staatsfchuld in neue Obligationen convertirt, oder dafs Appoints von Ein, Fünf und Fünfzig Gulden Staatsnoten emittirt werden, und der Herr Finanzminifter verlangt, dafs die Staatsdruckerei auch fchon morgen dem Befchluffe des Abgeordneten. haufes entſprechende Vorlagen mache und übermorgen für fo und fo viele Millionen Gulden Papiere abliefere, weil er das Geld nothwendig bedarf und mit Ungeduld den Befchlufs des hohen Haufes erwartet hat? Wie im Sprichworte:" Spare in der Zeit, fo haft du in der Noth!" gilt hier:" Zeichnet in der Zeit, fo habt ihr Entwürfe in der Noth!" Einem Reiter wird es nie gelingen, fein Pferd zum Vorwärtsfchreiten zu bringen, wenn er ihm auch die Schenkel noch fo ftark anlegt und zugleich die Zügel ftraff anzieht: erft dann, wenn er dem Pferde in den Zügeln Luft läfst und ihm die Schenkel anlegt, das heifst, wenn er dem Pferde die nöthigen Hilfen gibt, dann wird es auch feine Schuldigkeit thun. Leget der Staatsdruckerei die Schenkel der Sparfamkeit an, laffet ihr aber auch in den Zügeln etwas mehr Luft, das heifst, gebt der Direction derfelben mehr Selbstständigkeit, dafs fie durch langweilige und oft ohne das mindeſte Verſtändnifs handelnde bureaukratifche Bevormundung nicht zurückgehalten wird, macht allenfalls die Direction für ihr Gebaren verantwortlich; laffet die angefangenen und zum grofsen Theile weit vorgefchrittenen wiffenfchaftlichen Verlagswerke, zu denen die Platten fchon feit Jahren fix und fertig daliegen, und zu deren gänzlichen Vollendung keine weiteren Auslagen nothwendig find als für das Papier und die Drucklöhne, fertig ftellen und nicht veralten; laffet fie den reichen und reichhaltigen Verlag buchhändlerifch organifiren, damit die Sortimentsbuchhändler für deren Vertrieb etwas thun können, und das Inftitut wird nicht allein auf eigenen Füfsen ftehen können, fondern Früchte Buchdruck. 29 tragen, die den Wiffenfchaften und den Künften zugute kommen, ohne dafs der Staat gröfsere Opfer zu bringen hat. Die Staatsdruckerei wird dann ihrem Zwecke entsprechen, das heifst, fie wird, unterstützt durch reichhaltiges Inventar und durch die ihr noch immer zu Gebote ftehenden Kräfte, Unternehmungen fördern können, von denen der Nutzen zwar nicht immer gleich auf der Hand liegt, die aber für den Staat und deffen Bewohner von unendlichem Vortheile fein können, und die auszuführen den Privaten nicht leicht möglich find. Kreuziget fie aber auch nicht, wenn ein neu auftauchendes Problem nicht den gehegten Erwartungen entfprechend gelöft wird. Nur fo kann die Staatsdruckerei wieder werden, was fie einft war: die Mufteranſtalt für die graphifchen Künfte nicht nur in Oefterreich, fondern in der ganzen Welt. Wenn fie wieder vorangeht, dann können und werden die Privaten, auf deren Thätigkeit fie einft fo erfolgreich eingewirkt hat, auch ferner nicht zurückbleiben, nicht zurückbleiben dürfen. Will man aber der Staatsdruckerei diefe nothwendige Selbftftändigkeit nicht geben, fo ift es beffer, fie aufzulöfen, als dafs fie mit Rückficht auf ihren Beruf, fo zu fagen, nicht leben und nicht fterben kann. Vor Allem wolle man aber im Auge behalten, dafs das Inftitut der Staatsdruckereien doch einen guten Grund haben mufs, weil auch dort, wo noch keine beftanden oder beftehen, in neuerer Zeit folche gegründet wurden, und noch gegründet werden. Selbft das allgemein bekannte Sparfyftem Preufsens hinderte nicht, dafs, von den grofsen Erfolgen der Wiener Staatsdruckerei angefpornt, der Commiffionsrath Wedding feinerzeit nach Wien gefandt wurde, um die Einrichtung diefer Anftalt kennen zu lernen und feine Erfahrungen für die 1851 erichtete königlich preufsifche Staatsdruckerei zu verwerthen. Nachdem wir unfere Anficht über die k. k. Hof- und Staatsdruckerei hier ausgefprochen, wollen wir jetzt zur Betrachtung der von ihr hors concours ausgeftellten Gegenftände übergehen, die fich in einem tifchartigen Glaskaften und an der dahinter befindlichen Wand vereinigt befanden. Neben den Druckformen und Matrizen der meiften in der Staatsdruckerei gepflegten grap hifchen Kunftfächer, welche ausgeftellt waren, müffen wir vor allem zweier grofser und dicker Bände Erwähnung thun, in welchen durch Sammlung von Erzeugniffen der Anftalt der Reichthum und der Umfang der Staatsdruckerei am beften zu überfehen war. Der eine, die fremdfprachlichen Typen enthaltend, zeigte, dafs die Staatsdruckerei trotz dem ihr aufgenöthigten Sparfyftem auch unter der jetzigen Direction nicht ftehen bleibt, fondern dafs fie je nach Bedarf, ihren Letternreichthum durch neue Schnitte fortwährend bereichert. Der andere Band, die fämmtlichen graphifchen Kunftzweige enthaltend, war durch Abdrücke aus allen graphifchen Fächern der Anftalt zufammengeftellt, und man konnte daraus die vielfältigen Druckmanieren der Staatsdruckerei am beften kennen lernen. von Der eigentliche Bücherdruck war durch 40 der verfchiedenartigften Werke vertreten. Das eine für Braumüller in Wien gedruckte Werk: Ueber den einheitlichen Urfprung der Sprachen der alten Welt, Reinifch zeigte eine folche Maffe der verfchiedenartigften Schriftzeichen, dafs es allein fchon hinreichen würde, für den Typenreichthum der Staatsdruckerei Zeugnifs abzulegen. Andere hervorragende Werke waren: eine Grammatik der vulgär- arabifchen Sprache: ein malayifch- franzöfifches Wörterbuch und ein javanifch- franzöfifches Wörterbuch, beide von Abbé Favre; ein kalmückifches Märchenbuch mit deutfcher Ueberfetzung neben dem kalmückifchen Texte; eine Syntax der chinefifchen Sprache, für welche befonders viele neue chinefifche Schriftzeichen gefchnitten wurden. Der Mufiknotendruck war durch mehrere gut und fcharf gedruckte Werke vertreten, und zeigten die dazu verwandten Notentypen einen fchönen Schnitt. Als ein in feiner Art befonders fchönes Werkchen müffen 30 Ludwig Lott. wir Entlichers Fibel und erftes Lefebuch für Blinde bezeichnen. Dasfelbe kann mit Recht als das befte bisher erfchienene Buch für Blinde bezeichnet werden. Auf die in neuerer Zeit beendeten fünf Bände von„ Physiotypia plantarum Austriacarum", kommen wir bei der Firma Fr. Tempsky in Prag zurück. Die Mittheilungen der k. k. Central- Commiffion zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Jahrgang 1872", und der erfte Band der„ Illuftrirten WeltAusftellungs- Zeitung" zeugten von dem Fleifse und der Gefchicklichkeit ihrer Drucker. Die übrigen reich vertretenen graphifchen Fächer müffen wir, als nicht zum , Buchdruck" gehörend, übergehen. An der Wand, rechts von der Staatsdruckerei, befand fich die Firma Carl Fromme in Wien, welche neben ihrem reichhaltigen Kalenderverlage, dann mehreren Werken und ihren gut gedruckten Schriftproben, auch ein Erzeug. nifs ihrer Schriftgiefserei, nämlich eine aus Einfaffungsftücken zufammengefetzte Firmatafel, ausgeftellt hatte. Beim Betrachten der letzteren konnte fich jeder Fachmann überzeugen, dafs der gute Ruf, den die Fromme'fche Schriftgiefserei in Wien geniefst, ein wohlverdienter fei. Der reichhaltige Kalenderverlag Fromme's ift allgemein bekannt. Ein Kalenderplacat, in Quodlibetform, aus zehn Formen und zwölf Drucken beftehend, legte Zeugnifs ab für den guten Gefchmack des Setzers und die Kunftfertigkeit des Druckers und des Stereotypeurs. Von den übrigen ausgeftellten Werken und Brofchüren, denen ebenfalls guter Gefchmack beim Satze der Titel und der in denfelben vorkommenden Ueberfchriften nachgerühmt werden mufs, wollen wir nur ein einziges hervorheben, das fich durch feine befondere Schönheit auszeichnete: es ift der für Faefy& Frick in Wien gedruckte„ Katalog der Gallerie Gfell". Nächft Fromme, unmittelbar hinter der Staatsdruckerei, waren die typographifchen Farbendruckbilder von Heinrich Knöfler's xylographifcher Anftalt und Kunftbuchdruckerei in Wien theils ausgelegt, theils an der Wand befeftigt. Herr Knöfler hat es vom Tifchlergefellen durch Fleifs und Mühe und durch den Befuch der Akademie der bildenden Künfte in Wien zum Maler, zum fehr gefchickten Xylographen und zum Befitzer einer nur mit Handpreffen arbeitenden Kunftbuchdruckerei gebracht, deren Erzeugniffe einzig in ihrer Art daftehen. Diefer Meifter arbeitet vorzüglich nur für den xylographifchen Farbendruck, bei dem ihm fein Malertalent und feine Fertigkeit im Zeichnen fehr zu ftatten kommen. Dafs der gröfste Theil feiner Erzeugniffe, alle in der Technik ausgezeichnet, zumeift kirchlichen und religiöfen Zwecken dienen, kommt daher, dafs ihm eben nur die kirchliche Kunft bisher einigen Lohn für feine Mühen abwarf. Es verfteht fich wie von felbft, dafs eine folche, wir wollen fagen ein feitige Richtung zugleich auch eine ein tönige werden mufs. Alle bunten Heiligenbilder leiden, wenn eine gröfsere Anzahl derfelben neben einander gelegt ift, an Eintönigkeit der Farben, weil gewiffe Farben wie blau, roth, grün u. f. w. allen Bildern gemeinfchaftlich find. Dafs Herr Knöfler jedoch auch andere als Heiligenbilder erzeugt, wenn ihm dazu ein Auftrag wird, davon konnte man fich an den von Zamarski in der Rotunde ausgeftellten typographifchen Farbenbildern mit Befriedigung überzeugen. Wie hoch man in Frankreich, das doch im Farbendrucke fo Vorzügliches leiftet, Knöfler's Kunftfertigkeit hält, geht daraus hervor, dafs Firmin Didot beim Befuche der Wiener Weltausftellung Knöfler auffuchte und ihm einen fehr ehrenvollen, reichlich lohnenden Poften in feinem berühmten Parifer Inftitute antrug, den aber Knöfler höflich ablehnte, wofür wir ihm an diefer Stelle den Dank im Namen Oefterreichs wohl ausfprechen dürfen, um das er fich durch diefe Ableh nung aufs Neue hochverdient gemacht hat. Was wäre das Los unferer Kunftgewerbe, wenn die tüchtigften Kräfte für die ohnehin auf Oefterreichs Künftler und Induftriellen übermüthig herabfehenden Fremden arbeiteten? Buchdruck. 31 Aufser vielen Initialen und Miniaturen für das Reifs'fche Miffale romanum hatte Knöfler auch verfchiedene Heiligenbilder, welche für Puftet in Regensburg waren angefertigt worden, ausgeftellt. Knöfler's Kunft beſteht hauptfächlich in der wunderbar fchönen Ausführung der Gefichter. Engelsköpfe, deren oft eine bedeutende Zahl auf Heiligenbildern vorkommt, oft kaum fo grofs als eine Linfe, find ebenfo tadellos ausgeführt, wie feine grofsen Madonnen. Von allen aus der xylographifchen Abtheilung diefes Inftitutes hervorgegangenen Bildern hat Knöfler die Gefichter und Hände felbft gefchnitten, während er die übrigen Theile der Ausführung feinen Mitarbeitern überläfst. Gegenüber von Knöfler hatte Heinrich Reifs in Wien fein berühmtes Miffale romanum", fein ,, Gebetbuch für Katholiken" und fein ,, Livre d'heures", beide von Mfgr. Mislin verfafst, und den für Hermann Paar gedruckten Kopf von van Eyck ausgeftellt. Herrn Reifs gebührt das Verdienft, den xylographifchen Farbendruck zuerft in Wien betrieben und damit einen Zweig der graphifchen Künfte ausgebildet zu haben, der fich allein in Wien zu einer ungeahnten Höhe und Blüthe entwickelt hat. Zwar hatte Profeffor Blafius Höfel, einer der tüchtigften und genialften Xylographen, von deffen Hand noch Vieles in den älteren Schriftproben Carl Fromme's zu finden ift, und der feinerzeit auch ein Privilegium für eine Kunftdruckerei erhalten hat, fchon in den Vierzigerjahren Blumen in xylographifchem Farbendruck erzeugt, doch war deffen Manier eine ganz andere als die von Reifs unter Mitwirkung Knöfler's und später Paar's ins Leben gerufene. Unferes Wiffens druckte Höfel feine Blumen von einem und demfelben Stocke und nur durch das verfchiedenartige Ausfchneiden des Rähmchens an der Handpreffe druckte er die verfchiedenen Farben; während Reifs zuerft den Contourftock fchneiden läfst, davon Abzüge macht und fo viele davon auf andere Holzftöcke durch Umdruck überträgt, als Farben gedruckt werden follen. Auf diefen Stöcken wird nun alles das weggefchnitten, was nicht zu der zu druckenden Farbe gehört. Durch diefe Manier gelingt es auch, dafs durch Uebereinanderdrucken mehrerer Farben, gleich wie beim Uebermalen, verfchiedene Töne entſtehen und dafs das Verlaufen der einen Farbe in die andere fo fchön erreicht wird. Die prachtvollen Initialen und Miniaturen des ,, Miffale romanum", lauter Nachbildungen der beften Arbeiten in den Handfchriften aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert, bilden den Glanzpunkt diefes einzig daftehenden Kunſtwerkes. Die erften Lieferungen desfelben wurden fchon auf den Weltausftellungen zu London und Paris mit Medaillen bedacht und trugen Herrn Reifs auch mehrere Orden ein. Zu bedauern ift nur, dafs es diefem Kunftwerke leider gerade fo geht, als vielen anderen, dafs nämlich feine Anlage eine würdige ift, das Ende aber dem Anfange nicht gleichkommt. Vom erften Bogen an bis über die Hälfte hinaus ift diefes Werk auf gutes, ftarkes, dem Zwecke entſprechendes Papier gedruckt, dagegen wurde für den Reft bis ans Ende, aus einer am unrechten Orte angebrachten Sparfamkeit, minder gutes und leichteres Papier genommen. Auch die Miniaturen, denen man im Anfange fo grofse Sorgfalt zugewandt hatte, da jede einzelne mit 12 bis 14 Farben gedruckt wurde, mufsten fich gegen das Ende zu mit weniger Farben begnügen. Der Druck des Textes ift dem der Initialen und Miniaturen nicht ebenbürtig; auch wird das Auge durch die zu fcharfe Schattirung des Textdruckes beleidigt. Doch trotz alledem und alledem kann Herr Reifs ftolz auf diefes Prachtwerk fein, und ftolz ift er auch darauf, diefs befagte der von ihm angeheftete Zettel, auf welchem folgende Worte ftanden:„ AnerkennungsDiplom nicht angenommen, entfchieden zurückgewiefen!" Die beiden Gebetbücher find mit einer Anzahl Miniaturen aus dem Miffale ausgeftattet und die Seiten mit farbigen Ornamenten eingefafst. Beiden gereicht aber zum Nachtheil, dafs der weifse Papierrand zu fchmal ift. Wenn fchon die 3 32 Ludwig Lott. gewöhnliche Gröfse der Gebetbücher überfchritten wurde, fo hätte man ganz gut ein um etliche Zoll gröfseres Papier nehmen können, wodurch die Schönheit diefer Gebetbücher nur noch wäre erhöht worden. Die Erfte Wiener Vereins- Buchdruckerei" hatte unmittelbar neben Reifs ausgeftellt. Diefe Druckerei ift eine fogenannte GehilfenDruckerei, das heifst, fie ift eine von Buchdruckergehilfen gegründete und auch von denfelben geleitete„ Genoffenfchafts- Druckerei ,,. Die Gründer diefer Druckerei, die fich die Pionniere von Rochdale zum Vorbild genommen, traten anfangs 1868 zufammen, bildeten einen Sparverein, fetzten die Theilnehmerzahl auf hundert feft, und beftimmten, dafs für jeden Antheil wöchentlich ein Gulden einzulegen fei. Auf diefe Weife hofften fie in fünf Jahren ein Capital von 25.000 Gulden zufammenzubringen, mit welchem dann eine Buchdruckerei ins Leben gerufen werden follte. Diefer Plan verwirklichte fich jedoch fchon früher; denn als im Jahre 1869 der Buchdruckereibefitzer M. Auer einem diefer Pionniere feine Buchdruckerei zum Kaufe anbot, brachte es diefer dahin, dafs Herr Auer fein Gefchäft dem Sparverein gegen einen Kauffchilling von 22.000 Gulden, zahlbar in zwölf halbjährigen Raten, käuflich übertrug. Mit dem im erften Jahre erfparten Gelde von ungefähr 5000 Gulden trat der Verein das Gefchäft muthig an. Dafs das junge Unternehmen, an deffen Erfolg felbft viele Theilnehmer zweifelten, von den Principalen fowohl als von den Gehilfen nicht mit freundlichen Augen betrachtet wurde, darf wohl erwähnt werden. Erftere fürchteten, dafs diefes Gefchäft die Schmutzconcurrenz befördern würde, letztere, theilweife von Mifsgunft und Neid geleitet, glaubten nicht allein nicht an deffen Erfolg, fondern beftrebten fich auch, ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Sie traten, da ohnediefs kein Mangel an Arbeit war, entweder gar nicht in das Gefchäft ein, oder wenn fie im Gefchäfie ftanden, fuchten fie dasfelbe durch kleinliche Gehäffig. keiten gegen die Direction in Verruf zu bringen. Allein weder die Direction noch der Verwaltungsrath diefes Gefchäftes liefsen fich irre machen, und fo fteht heute die Erfte Wiener Vereins- Buchdruckerei als ein fchönes Beiſpiel der genoffenfchaftlichen Selbsthilfe da. Die Principale, von ihrem Mifstrauen geheilt, erkennen in dem Gefchäfte ein ebenbürtiges Unternehmen, und die Arbeiter, die mit an dem Reingewinne theilnehmen, machen jetzt auch keine Schwierigkeiten mehr. Die von diefer Druckerei ausgeftellten Gegenstände beftanden aus einigen Bänden der in diefem Gefchäfte gedruckten Witzblätter die Bombe" und der Floh", deren Zinkätzungen in Kreidemanier hübfch gedruckt waren; ferner aus ganz in Buchdruck ausgeführten Actien der Graz- Köflacher Eifenbahn, deren Satz und Druck Gefchmack bekundeten, und die den Stempel der Solidität an fich trugen; aus Jahresberichten der genannten Eifenbahn und einigen Werken und Broschüren, fowie verfchiedenen anderen Accidenzarbeiten. " 99 Waren die ausgeftellten Erzeugniffe diefes Gefchäftes auch nicht derart, dafs ihm die Jury eine Auszeichnung hätte zuerkennen müffen: fo hat fich doch die„ Erfte Wiener Vereins- Buchdruckerei" die Achtung und die ehrende Anerkennung des gröfsten Theiles der einheimifchen und fremden Buchdruckerwelt erworben. R. v. Waldheim's artiftifche Anftalt in Wien hatte auf zwei Seiten ausgeftellt: das eine Mal in der Collective des Wiener Buchdruckergremiums, das andere Mal in jener der öfterreichifchen Buch-, Kunft- und Mufikalienhandlungen. Am Anfange der linkfeitigen Wand, nächft der Staatsdruckerei, hatte diefe rührige Firma fowohl in tifchartigen Glasfchränken als an der dahinter befindlichen Wand Holzfchnitte ausgeftellt und zwar von der Zeichnung bis zu deren Vollendung, dann Abdrücke derfelben nebft galvanifchen und ftereotypirten Abklatfchen und deren Matrizen. Wir müffen betonen, dafs alle diefe Gegenftände meifterhaft ausgeführt waren. Für die gut eingerichtete Schriftgiefserei diefer Firma fprachen die gedruckten Schriftproben. Die an der Wand angehefteten Werthpapiere, auf der Buch Buchdruck. 33 drucker, in Gemeinfchaft mit der Stein- und Kupferdrucker- Preffe hergeftellt, zeichneten fich vor vielen anderen fehr vortheilhaft aus; es lag eine gewiffe folide Ruhe darin, die dem Auge wohlthat. Nur fchade, dafs fie zu hoch aufgehängt waren und fich dadurch der Beurtheilung zum Theil entzogen. Der Waldheim'fche Verlag ift ein anfehnlicher. Vor allem Anderen müffen wir die von Profeffor Teirich herausgegebenen„ Blätter für Kunftgewerbe" erwähnen, welche fich des gröfsten Beifalles unter den Fachmännern erfreuen. Die von dem früheren Befitzer diefes Gefchäftes, Profeffor v. Förfter, herausgegebene, dann unter v. Waldheim fortgeführte„ Oefterreichiſche Bauzeitung" lag in 37 Jahrgängen auf, deren Druck beinahe alle Manieren zur Anfchauung brachte, Kupfer- und Steindruck, Zinkgravirung und Zinkätzung, Xylographie etc. Die illuftrirten Werke, als:„ Gefchichte des Jahres 1848", das„ WeltausftellungsAlbum", fowie vieles Andere zeugten von der Sorgfalt, welche diefe Firma den Illuftrationen widmet. Die von v. Waldheim herausgegebenen Eifenbahn- Fahrpläne„ Der Conducteur", find praktiſch eingerichtet und dabei billig, fo dafs fie die anderen Concurrenz- Unternehmungen beinahe gänzlich aus dem Felde gefchlagen haben. " Neben der Erften Wiener Vereins- Buchdruckerei" hat die Schriftgiefserei von J. H. Ruft& Comp. in Wien ihre Erzeugniffe ausgeftellt. Vor allem fiel auf das Tableau, das aus Meffing- Stücklinien von Carl Fafol zufammengefetzt und bei R. v. Waldheim gedruckt war. Das fchöne Aneinanderfchliefsen diefer Linien liefs nichts zu wünſchen übrig. Von den übrigen reichhaltigen Schriftproben müffen wir befonders die Band- Einfaffung, gedruckt bei C. Gerold's Sohn, erwähnen. Mit diefer Band- Einfaffung hat die Firma Ruft& Comp. einen glücklichen Wurf gethan, da fogleich nach dem Erfcheinen der Probe fich die meiſten Buchdruckereien beeilten, in deren Befitz zu gelangen. Unmittelbar hinter Reifs hatte die Firma M. Salzer& Söhne, früher Carl Ueberreuter's Buchdruckerei und Schriftgiefserei in Wien, ausgeftellt. Neben einigen gut gedruckten Werken und befonders fchönen Tabellen fanden wir ein Tableau, deffen Satz und Druck wir befonders betrachten müffen. Der Satz verdient ein Meifterſtück genannt zu werden. Selbft Cicero dicke Linien waren der. art gebogen, dafs die Rundung nichts zu wünſchen übrig liefs, und die Anfchlüffe aller Linien waren derart, dafs man hätte glauben können, die Linien feien zufammengelöthet. Herr Johann Glafer hat durch den Satz diefes Tableaus aufs Neue dargethan, wie meiſterhaft er das fpröde Letternmaterial zu behandeln weifs. Den ebenfo meifterhaften Druck diefes Tableaus, der von einem und demfelben Satze durch verfchiedenartiges Unterlegen und Heben einzelner Zeilen, Linien, Einfaffungen u. f. w. 22 Formen bildete, hatte Herr Anton Mandl beforgt und damit grofse Ehren erworben. Nur das Eine blieb zu wünfchen übrig, dafs die Wahl der Farben, in denen eine gewisse Monotonie vorwaltete, eine glücklichere gewefen wäre. So meifterhaft der Satz aber auch war und fo fehr wir die Kunft des Herrn Glafer hervorheben müffen, wir können diefes Tableau und ähnliche Satzkunftftücke doch nur zu den fehr fchönen, aber unpraktifchen Arbeiten Carl Fafol's ftellen, auf die wir fpäter zu fprechen kommen. Die Buchdruckerei von Carl Finfterbeck in Wien, unmittelbar neben Salzer, brachte eine Anzahl von ihr gedruckter Bücher zur Ausstellung, welche gröfstentheils gut gefetzt und gut gedruckt waren, und Zeugnifs gaben, dafs fich diefe Druckerei vorzugsweife dem Bücherdrucke gewidmet habe. Bettelheim& Pick hatten an der Wand hinter Finfterbeck ein Tableau angebracht, die Namenschiffre Seiner Majeftät des Kaifers Franz Jofef I. in Initialien F. J. I. darftellend, das fo ausfah, als wären diefe Initialien aus lauter überund neben einander gelegten Vifitkarten dargestellt. Die Idee war nicht fo übel, die Ausführung blieb aber in Manchem zurück. Was vielen anderen AusstellungsGegenftänden zum Nachtheile gereichte, diefem Tableau brachte das zu hohe 3* 34 Ludwig Lott. Aufhängen nur Vortheil, da man dadurch verhindert war, die vielen Mängel fcharf ins Auge zu faffen. An der linken Ecke diefes Tifches befanden fich die Erzeugniffe von Friedrich Jasper in Wien. Diefe Firma hatte eine Anzahl der bei ihr gedruckten periodifchen Blätter, Werke, Brofchüren und Accidenzarbeiten ausgeftellt. Von der periodifchen Literatur müffen wir vor allem andern die„, Oefterreichifche Buchdrucker- Zeitung" nennen, deren Redacteur, Herausgeber und Drucker in Einer Perfon Herr Friedrich Jasper ift. Die Verdienfte, die fich Herr Jafper als Redacteur der Buchdrucker- Zeitung erworben, gehören auf ein anderes Feld; der Satz und der Druck diefer Zeitung find eines typographifchen Fach blattes würdig. Von den Werken und Broschüren müffen wir befonders das ftenographifche Werkchen von Carl Faulmann nennen. Dafs Herr Faulmann feine ftenographifchen Arbeiten mit Vorliebe der Buchdruckerei Jasper überträgt, ift ein ehrendes Zeugnifs für diefelbe. Aus den Accidenzen konnte man erfehen, dafs diefe Buchdruckerei eine ſchöne Auswahl von Typen befitzt und diefelben auch gut zu verwenden weifs. An der rechten Ecke des anderen Tifches, gerade hinter Jasper, befand fich die Ausstellung von J. C. Fifcher& Comp. Diefe Druckerei, eine derjüngeren in Wien, ging doch fchon in die zweite Hand über, als fie Herr Fifcher erwarb. Unter dem erften Befitzer lieferte diefes Gefchäft nur Alltagswaare und noch dazu um jeden Preis! Dafs es damit auch viele Arbeiten gab, die fogarunter dem Preife waren, ift zu begreifen, wie nicht minder, dafs diefe Druckerei, trotz ihrer Jugend und trotz Ueberfluffes an Arbeit, auf keinen grünen Zweig kommen konnte. Seit der Uebernahme des Gefchäftes durch Herrn Fifcher, der fogleich einen ftrebfamen, jungen Mann als Factor aufftellte, ift ein vollſtändiger Umfchwung eingetreten, wovon man fich auf den erften Blick überzeugte. Der Berichterftatter war ganz erftaunt, dafs diefe Buchdruckerei nach kurzer Zeit fchon im Stande gewefen, fo Vieles zur Ausftellung zu bringen, unter dem das Meifte fehensund betrachtenswerth war. Nur können wir leider nicht verfchweigen, dafs unter dem Vielen auch manches Tadelnswerthe fich befand. Befonders hätte die Feftfchrift des öfterreichifchen Muſeums und der damit verbundenen Kunftgewerbefchule, ein Band in Grofsquart, eine beffere Behandlung verdient. Von den vielen Holzfchnitten diefes Werkes waren nicht alle fo gedruckt, wie fie hätten gedruckt fein follen; der Satz des Textes, der aus Mediaevalfchrift hergeftellt war, hatte Ueberfchriften aus andern neueren Schriften u. f. w. Wenn wir jedoch einestheils in Rechnung bringen, dafs das Gefchäft erft in den letzten Jahren vor der Weltausftellung in Fifcher's Hände übergegangen ift; wenn wir anderntheils die leidigen Arbeiterverhältniffe in Betracht ziehen, unter denen felbft alte Gefchäfte mit einem Stamm gefchulter Arbeiter erheblich gelitten haben; wenn wir dann erwägen, dafs ein folch junges Gefchäft doppelt und dreifach unter dem Uebermuthe der Arbeiter zu kämpfen hatte, fo müffen wir billig den ausgeftellten Gegenftänden alles Lob zollen. Carl Fafol in Wien hatte von feinen in Stigmatotypie ausgeführten Kunftblättern zwei Gegenftände ausgeftellt, beide fowohl im Satze als in Abdrücken, und zwar das Porträt Guttenberg's und ein Früchtenftück. Diefe Stigmatotypien find aus lauter Punkten zufammengefetzt, von denen 576 Stück auf einen Quadratzoll Wiener Mafs gehen. Die Punkte haben viererlei Stärke und zwar ganz dicke, weniger dicke, feinere und ganz feine. Dafs der Satz diefer Stigmatotypien grofse Aufmerkſamkeit, Kunftfertigkeit und namentlich Geduld und Ausdauer erheifcht, kann man daraus ermeffen, dafs der Satz des Früchtenftückes, 1034 Zoll breit und 13 Zoll hoch, aus beiläufig 70.000 Punkten zufammengeftellt ist. So bewundernswerth diefe Arbeiten aber auch find, und fo grofses Auffehen diefelben in der typographifchen Welt gemacht haben, dennoch müffen wir bedauern, dafs Herr Fafol fich auf folch ein unfruchtbares Feld geworfen hat, Buchdruck. 35 anftatt dafs er feinen Gefchmack und Kunftfinn anderen praktiſchen typographifchen Arbeiten zuwendet, denn auf dem Felde der Stigmatotypie wird er fehr wenige oder gar keine Nachahmer finden. Würde er z. B. feinen fchon feit langen Jahren bekannten Gefchmack als Accidenz- und ganz befonders als Titelfetzer dadurch verwerthen, dafs er unter Beihilfe der vielen neueren Phantafie-, Band- etc. Einfaffungen Muft ervorlagen für Accidenzfetzer ausführte, worin nämlich für Titel, Umfchläge, Actien, Gefchäfts-, Verlobungs-, Ball, Einladungskarten u. f. w. mit und ohne Einfaffungen, dann für Rechnungen, Facturen, Wechfelblanquette etc. Vorbilder enthalten wären: fo würde, wir find deffen überzeugt, Fafol, unterstützt durch feine künftlerifche Auffaffung, eine fo grofse Abwechslung und eine fo reiche Mannigfaltigkeit zu Tage fördern, wie ſie aufser ihm kaum Jemandem gelingen dürften. Wie künftlerifch Herr Fafol ein ihm gegebenes Material zu verwenden verfteht, haben wir oben an dem aus Meffing- Stücklinien zufammengefetzten Tableau für Ruft& Comp. gefehen. Er würde fich durch die periodifche Herausgabe folcher Muftervorlagen nicht allein den Dank der Buchdruckereibefitzer und der nach vorwärts ftrebenden Setzer verdienen, fondern auch zur Hebung und Veredlung unferer Kunft viel mehr beitragen, als durch feine Stigmatotypien, die man bewundert, aber nicht nachahmt, weil die Punktirmanier der Gravirnadel damit doch nicht zu erreichen ift. Was wir hier über die mühfamen und künftvollen, aber dennoch nicht praktiſch zu verwerthenden Arbeiten Fafol's gefagt haben, gilt auch zum Theile für zwei andere kunftvoll erzeugte Setzerarbeiten, und zwar für das bei M. S alzer ausgeftellte Tableau Glafer's und für den von Carl Schneid, Setzer in R. v. Waldheim's artiftifcher Anftalt, aus Epheuranken, anderen Einfaffungsftücken und Linien hergeftellten Plafond. So kunftreich diefer Plafond auch gefetzt ift, und fo ähnlich er auch dem von Profeffor Teirich entworfenen und in deffen ,, Kunstgewerbe- Blättern" enthaltenen Plafond im Haufe Friedländer's fein mag, fo wird es doch Herrn Teirich oder einem andern Künftler gewifs niemals einfallen, einen ähnlichen oder andern Entwurf durch Verwendung von Einfaffungsftücken etc. herftellen zu laffen, fondern fie werden ihn entweder in Holz fchneiden oder in Zink ätzen laffen, wenn er auf typographifchem Wege vervielfältigt werden foll. Schneid's Plafond war leider nur im Satze ausgeftellt, ohne dafs auch Abzüge davon vorgelegen hätten. Wäre diefs der Fall gewefen, unfer Urtheil über diefe Verwendung des typographifchen Materials würde gewifs beftätigt worden fein. Herr Schneid fowohl wie Herr Glafer, fchon lange als künftlerifch ftrebende Jünger Guttenberg's bekannt, find auf der Wiener Arbeiter- InduſtrieAusstellung für ihre damals ausgeftellten kunftvollen Arbeiten beide mit Medaillen bedacht worden. Wir fpenden ihren mühevollen und künftlerifch ausgeführten Arbeiten bereitwillig, in Bezug auf die gefchickte Behandlung des Materials, das befte Lob, geftehen aber ebenfo freimüthig unfer Bedauern, fo viel Gefchick und Gefchmack, eine folche Unfumme von Fleifs und Ausdauer und folchen Aufwand von Zeit an eigentlich unfruchtbare Arbeiten verfchwendet zu fehen. Eduard Sieger, lithographifche Anftalt und Buchdruckerei in Wien. Diefe Firma verfteht es meifterhaft, die lithographifche und typographifche Preffe in Gemeinfchaft zum Drucken ihrer Erzeugniffe zu benützen. Doch hatte fie in ihrem fchön und überfichtlich geordneten Kaften leider wenig von diefer Gattung ausgeftellt und gehörte das Meifte zu den Erzeugniffen der lithographifchen Preffe; defto mehr fand man diefe Vereinigung in den grofsen Ausftellungsräumen zerftreut aufgelegt, als Gefchäftsadreffen und Preiscourante der Ausfteller. Dafs diefes Gefchäft aber auch dem Bücherdrucke befondere Aufmerkfamkeit widmet, davon konnte man fich in der Collectiv- Ausftellung der öfterreichifchen Buch-, Kunft und Mufikalienhändler überzeugen, wo hier und da manches fchöne bei Sieger gedruckte Buch ausgelegt war. 36 Ludwig Lott. Leopold Sommer& Comp. in Wien. Von diefer alten Firma, die früher nur aus Buchdruckerei und Schriftgiefserei beftand, wurde in neuerer Zeit auch die Lithographie in den Bereich ihrer Thätigkeit gezogen und defshalb die ohnehin grofsen Gefchäftsräume noch bedeutend erweitert. Wir hatten gehofft, diefelbe werde uns nur Gutes und Schönes bringen, doch das Gebotene war grofsentheils nur Alltagswaare. Von den ausgeftellten Werthpapieren war wohl Manches in Satz und Druck gut gehalten, bei mehreren waren jedoch zu fchwere Lettern angewandt und die bunten Farben zum Theil verblafst. Die im Satze ausgeftellten Notentypen waren nicht neu, fondern abgenützt. Der Druck der altund neuflavifchen Werke liefs Manches zu wünfchen übrig. Diefes Gefchäft, das, wie gefagt, früher nur für Buchdruck eingerichtet war und fich eines bedeutenden Rufes zu erfreuen hatte, fcheint fich jetzt mehr der Pflege der Lithographie zu widmen, in welcher Vermuthung wir auch durch mehrere fehr fchön ausgeführte Chromolithographien beftärkt wurden. Rollinger& Möfsmer in Meidling bei Wien. Die vielen ausgeftellten verfchiedenartigften Erzeugniffe der Buchdruckerpreffe diefer jungen Firma zählten zu dem Beften, was wir überhaupt auf der ganzen Ausftellung zu Gefichte bekamen. Der Satz der Titel und des Textes bei den Werken war gefchmackvoll und ftylgerecht. Ganz befondere Sorgfalt war dem Satze aller Accidenzen und Tabellen gewidmet und die Reinheit und Schärfe liefs nichts zu wünschen übrig, Alles, was diefe Firma geliefert, war nicht allein tadellos, fondern auch über alles Lob erhaben. Rollinger& Möfsmer wurden mit der Fortfchrittsmedaille ausgezeichnet. Dafs aber die Jury dem technifchen Leiter diefer Firma, durch deffen Gefchäftskenntnifs und unermüdliche Thätigkeit doch nur allein folch fchöne Erfolge erzielt wurden, nicht die Medaille für Mitarbeiter ertheilte, ift zu bedauern. Als eine Wiener Specialität müffen wir ferner noch betrachten die von Chriftof Reifs er in Wien, dem Chef der Druckerei der„ Neuen Freien Preffe", ausgeftellten Stereotypen fowohl in geraden Platten als auch in halber Cirkelform nebft den zu dem Guffe derfelben verwendeten Papiermatrizen. Die Papierftereotypie zum Drucke von Zeitungen wurde zuerft von der„ Times" in London während des Krimmkrieges eingeführt. In Oefterreich und Deutfchland war der Erfte Herr Auguft Zang in Wien, der für die Druckerei des Journals die Preffe" im Jahre 1862 die Papierftereotypie angewendet hat. Dadurch wurde diefe Druckerei in den Stand gefetzt, bei nur einmaligem Satze, die Preffe" auf zwei, drei oder vier Schnellpreffen gleichzeitig drucken zu können. Der„ Preffe" folgte zunächst die„ Vorftadtzeitung" und fo nach und nach beinahe alle Zeitungen in Wien und den Kronländern. Herr Reifser, der bei Gründung der ,, Neuen Freien Preffe" im Jahre 1864 noch ein Gegner der Papierftereotypie war, hat fich derfelben im Jahre 1866 ebenfalls zugewendet. Welch einen hohen Werth er jetzt darauf legt, konnte man aus der Art und Weife abnehmen, wie er feine Erzeugniffe ausgeftellt hatte, die, alle fcharf und tief, als fehr gelungen zu bezeichnen find. Nachdem wir fomit das Hauptfächlichfte der Collectiv- Ausftellung des Gremiums der Wiener Buch., Stein- und Kupferdrucker betrachtet haben, gehen wir zunächst zu den nicht zu diefer Collective gehörenden öfterreichifchen Buchdruckern über, um dann die Collective der öfterreichifchen Buch-, Kunft- und Mufikalienhändler zu befichtigen. Bohemia, Actiengeſellſchaft für Papier- und Druckinduftrie in Prag. Diefes alte Gefchäft, vor der Umwandlung in eine Actiengeſellſchaft die Firma Gottlieb Haafe's Söhne, hat fich eines fehr guten Rufes feit langem erfreut; war es doch das einzige Buchdruckergefchäft in Oefterreich, das vor Auer fchon Tüchtiges geleiftet hat. Die Schriftgiefserei diefer Firma war und ift in gewiffem Sinne noch heute die erfte in Oefterreich. Ihre Erzeugniffe verforgten nicht allein Buchdruck. 37 den gröfsten Theil aller Buchdruckereien in Oefterreich, es bezogen die Donaufürftenthümer, felbft Rufsland, Italien etc. von diefer Firma einen Theil ihres Bedarfes. Die Beftellung an Lettern und dergleichen waren ftets fo maffenhaft, dafs zur Ablieferung von neu einlaufenden Aufträgen gewöhnlich ein Termin von nicht unter fechs Monaten gegeben werden musste. Was diefe Schriftgiefserei aber auch zu leiften im Stande ift, wird aus folgender Thatfache erhellen: Zum Satze der verfchiedenen officiellen Ausftellungskataloge wurden benöthigt: 71 Centner Colonel, 20 Centner fette Colonel, 528 Pfund Petit, 238 Pfund fette Petit, 783 Pfund Garmond und 158 Pfund Cicero Antiqua, ohne die dazu gehörigen Quadraten.- Die meiften Schriftgiefsereien in Wien und Deutfchland waren im letzten Jahre vor der Ausftellung mit Aufträgen fo überhäuft, dafs fie an dem Gufs diefes grofsen Quantums Lettern fich nur zum kleinften Theile hätten betheiligen können. Die Schriftgiefserei der„ Bohemia" jedoch, die zwar ebenfalls fehr viel zu thun hatte, fetzte ihren patriotifchen Stolz darein, die gröfsere Hälfte diefes Quantums in einem Zeitraume von nicht ganz fechs Monaten zu liefern, die andere Hälfte, die erft Mitte Jänner 1873 beftellt wurde, lieferte fie fogar fchon in nicht ganz drei Monaten, fo dafs am I. April beinahe das ganze Quantum in den Händen des Beftellers war. Die Lettern, die in diefem Gefchäfte gegoffen werden, find gewöhnlich tadellos. Dafs dem fo ift, liegt nicht allein an der grofsen Sorgfalt, die dem Guffe und der Zurichtung gewidmet wird, fondern gröfstentheils daran, dafs diejenigen Arbeiter, welche die letzte Feile an die Typen zu legen haben, die fogenannten Fertigmacher, im fixen Lohn, nicht aber im Berechnen ftehen. Es wird Jedem, nicht nur dem Fachmanne, klar fein, dafs der Arbeiter, der nach dem Gewichte oder nach der Zahl der fertiggemachten Lettern entlohnt wird, fich nicht der gewiffenhaften Mühe unterziehen wird, jeden fehlerhaften Buchstaben aus feinen fertiggemachten Zeilen auszuftofsen, oder die Ziehklinge nur fehr behutfam zu handhaben u. dgl. mehr, vielmehr wird er in feinem eigenften Intereffe trachten, recht viele Lettern im Laufe der Woche fertig zu ftellen, um einen möglichft hohen Wochenlohn zu erzielen. Dagegen kann der Fertigmacher, der im fixen Lohne fteht, feiner Arbeit die gewiffenhaftefte Sorge widmen, weil es für ihn gleichgiltig ift, ob er am Schlufs der Woche um ein paar Pfund Lettern mehr oder weniger fertig gemacht hat. Durch das Fertigmachen der Lettern im Berechnen haben jedoch nicht allein die Fertigmacher, fondern auch die Schriftgiefsereibefitzer Vortheile; die erfteren durch Erzielung eines höheren Lohnes und die letzteren dadurch, dafs eben der berechnende Fertigmacher nicht fo viele fchadhaft gegoffene Buchftaben zum Umguffe wieder in den Schmelzofen wirft. Die Buchdruckereibefitzer aber, die folch tadelhafte Lettern erhalten, haben den Schaden zu tragen, wefshalb auch jedem Druckereibefitzer zu rathen ift, feine Aufträge hauptfächlich jenen Schriftgiefsereien zuzuwenden, in welchen die Fertigmacher um fixen Lohn arbeiten. Als Erzeugniffe der Schriftgiefserei hatte die„ Bohemia" in einem grofsen Schranke Stempel, Matrizen, Lettern, dann ihre reichhaltigen Schriftproben, galvanifche Platten und dergleichen mehr ausgeftellt. Die von ihr vorgelegten Erzeugniffe der Buchdruckerei waren aber leider nicht alle derart, als wir fonft von der alten Firma Gottlieb Haafe's Söhne zu fehen gewohnt waren. Vieles Schöne war älteren Datums. Um aber nicht ungerecht zu fein, müffen wir hier anführen, dafs die Kiften, in denen die auszuftellenden Gegenftände verpackt gewefen, beim Transporte nach Wien vom Regen gelitten hatten, wodurch Vieles ganz verdorben wurde. So mag es denn gekommen fein, dafs Manches gar nicht ausgeftellt werden konnte, das unter anderen Umftänden des alten Rufes der Firma vollſtändig würdig gewefen wäre. Von dem Ausgeftellten müffen wir ein Porträt Seiner Majeftät des Kaifers Franz Jofef I. in Farbendruck hervorheben. Diefes Porträt, entworfen von Julius Meifter, war durch den Druck auf der Buchdruckerpreffe von 18 geätzten Zink 38 Ludwig Lott. platten, von denen einige ausgeftellt waren, hergeftellt worden. Soviel Mühe man fich auch mit diefem Porträt gegeben hatte, es lieferte dennoch aufs Neue den Beweis, dafs durch Zinkplatten der xylographifche Farbendruck oder die Chromolithographie nicht fo leicht zu erreichen und zu verdrängen find. Ignaz Fuchs, k. k. Hofbuchdruckerei, Lithographie und MafchinenpapierFabrik in Prag, hatte aufser mehreren Mufterbüchern, worin Werthpapiere und fonftige Accidenzen enthalten waren, viele lithographifche Arbeiten ausgeftellt. Doch war alles Gebotene nur Durchfchnittswaare und die Leiftungsfähigkeit der Buchdruckerei liefs fich daraus nicht erkennen. Als einer Specialität müffen wir der fogenannten transparenten Gefchäftsadreffen gedenken. Rudolf M. Rohrer in Brünn hatte die Ausftellung mit Vielem bedacht. Am auffallendften waren die bei ihm erfchienenen Kalender, von denen er die Jahrgänge von 1863 bis 1873 ausgelegt hatte. Jeder diefer eilf Jahrgänge war in einer anderen, von den früher erfchienenen abweichenden Art ausgeftattet. Das hinderte jedoch nicht, dafs mancher Vorgänger von feinem Nachfolger nicht übertroffen wurde. Der Band Schriftproben, fowie auch die für die Ausftellung, befonders auf Cartonpapier gut gedruckten mercantilen und anderen Accidenzarbeiten zeugten von der guten Einrichtung diefes Gefchäftes. W. Burkart in Brünn hatte zwei Albums ausgeftellt, von denen das eine die gewöhnlichen, das andere die befferen und feineren Arbeiten enthielt. Auf den Satz wurde in diefem Gefchäfte viel Zeit verwendet, um ihn fo kunftfertig wie möglich erfcheinen zu laffen, wofür diefe Firma Lob verdient; doch gab es auch Manches, das zwar mühfam aufgebaut war, aber wenig oder keinen Gefchmack verrieth. Der Druck diefer Firma, die beftrebt ift, die lithographifche mit der Buchdruckerpreffe Hand in Hand gehen zu laffen, mufs durchgehends als ein guter bezeichnet werden. Gebrüder Stiepel in Reichenberg in Böhmen hatten viele Druckforten für das Gefchäftsleben, fowohl für das mercantile als für das induftrielle, ausgeftellt. Auch diefe Firma nimmt die lithographifche im Verein mit der Buchdruckerpreffe in Anfpruch, um ihre gut gedruckten und gut ausgeftatteten Erzeugniffe herzuftellen. Alfred Trafsler in Troppau hatte neben mehreren anderen Druckfachen auch die Jahresberichte des Gymnafiums und der Unter- und Oberrealfchule zu Troppau ausgeftellt, über die wir gern einen Schleier ausgebreitet hätten, um ihre typographifche Ausführung den Blicken der Befucher zu entziehen. Die lithographifchen Arbeiten diefer Firma überragen die typographifchen in keiner Weife. Wodurch die Jury bewogen wurde, diefer Firma das AnerkennungsDiplom und dem technifchen Leiter derfelben die Mitarbeiter- Medaille zuzuerkennen, wird wohl für immer eine ungelöfte Frage bleiben. Jofef Wimmer in Linz hatte nur zwei Bände ausgeftellt, welche die fauber gedruckten Proben feiner Typen und Cliché's enthielten; beide lieferten den Beweis, dafs diefe Buchdruckerei eine gut eingerichtete fein mufs. Carl Faulmann, Lehrer der Stenographie an mehreren k. k. UnterrichtsAnftalten in Wien, hatte früher als Schriftfetzer in der k. k. Hof und Staatsdruckerei mit den Typen, welche Auer für diefe Anftalt hatte fchneiden laffen, ftenographifchen Satz geliefert. Da aber diefe Typen aus vielen und verfchieden zufammenzufetzenden Strichen und Zeichen beftanden und daher fehr mühfelig zu fetzen waren: fo hat Carl Faulmann ein eigenes, einfacheres ftenographifches Typenfyftem entworfen, das nur aus ganzen Zeichen befteht, die wie andere Typen aneinander gereiht werden. Diefe feine Typen hatte Faulmann fowohl in einem Setzkaften ausgeftellt, als auch eine Satzprobe in ganzen Stücken vorgelegt. Durch diefe Vereinfachung hat fich Herr Faulmann bereits grofse Verdienfte um den ftenographifchen Druck erworben, doch hoffen und wünfchen wir, dafs derfelbe bei den bis jetzt gewonnenen Ergebniffen feiner Studien nicht ftehen bleiben werde, fondern noch weitere Vereinfachungen anftreben möge. Buchdruck. 39 Paar& Biberhofer, xylographifche Anftalt in Wien, hatte neben dem fchon oben bei Reifs genannten Kopf nach van Eyck auch Dürer'fche Trachtenbilder und mehrere Miniaturen für das Reifs'fche Miffale, fowie verfchiedene andere xylographifche Arbeiten fowohl für Bunt- als Schwarzdruck ausgeftellt. Diefe Arbeiten, von der Hand Heimann Paar's gefchnitten, verdienen eingehender betrachtet zu werden. Hermann Paar, ein noch junger ftrebfamer Mann, Schüler Ramsberger's und ehemaliger Mitarbeiter Knöfler's und Bader's, hat fowohl in den genannten Anftalten als auch felbftftändig viele Proben feiner Begabung abgelegt. Vermöchte Hermann Paar das Auge und die feinen Fleifchtöne im Gefichte fo ausdrucksvoll zur Darstellung zu bringen, wie es Knöfler in fo ganz ausgezeichneter Weife leiftet, dann würden feine Miniaturen für das Reifs'fche Miffale wohl als ebenfo vollkommen gelungen zu bezeichnen fein, wie die Knöfler'fchen; fo aber ftehen fie, aber nur in dem einen eben angedeuteten Punkte, denen Knöfler's nach. Dafs aber Paar, feitdem er die Schnitte für diefe Miniaturen vollendet, noch fehr bedeutende Fortfchritte gemacht hat, das konnte man an den neuen Erzeugniffen feiner Kunft mit Vergnügen wahrnehmen. - Durch die in Farben- Holzfchnitt vom xylographifchen Atelier von F. W Bader in Wien, von Hermann Paar ausgeführten fechs Blätter: ,, Trachtenbilder von Albrecht Dürer, aus der Albertina", wurde die Aufmerkfamkeit auf Paar gelenkt. Die„ Gefellſchaft für vervielfältigende Kunft" in Wien- die fich die ausfchliefsliche Pflege der vervielfältigenden Kunft zum Ziele ihrer Wirkfamkeit gefteckt hat fafste den Entfchlufs, Dürer's Dreifaltigkeitsbild im Belvedere in einem grofsen Farben- Holzfchnitte nachzubilden, mit welcher Arbeit Paar betraut werden follte. Bevor die Gefellſchaft an diefes wichtige und fchwere Unternehmen herantrat, befchlofs fie, zuerft einen Verfuch mit einem kleinen Werke zu machen, um die Kunft und die Leiftungsfähigkeit des Künftlers zu erproben. Die Wahl fiel auf das ,, Bildnifs eines Unbekannten" von Jan van Eyck. Das Bruftbild eines Greifes mit fpärlichem Haupthaar, im rothen, mit weifsem Pelzwerk verbrämten Rocke, das fich in der k. k. Bildergallerie im Belvedere zu Wien befindet und etwas über einen Schuh hoch ift, wurde photographifch auf etwa zwei Drittel der Gröfse reducirt und von Jofef Schönbrunner auf den Holzftock gezeichnet. Diefer Holzftock diente Paar als Grundlage zur Herftellung der übrigen Holzftöcke, mit denen das Blatt gedruckt wurde. Eine farbige Copie war nicht vonnöthen, da es Paar geftattet war, unmittelbar vor dem Originale zu arbeiten. Paar hat fich feiner Aufgabe mit voller Hingebung und raftlofer Befferung der Correcturen in den Fleifchtönen mit Gefchick entledigt; er überwachte auch den Druck, der in der Reifs'fchen Officin von A. Gradinger beforgt wurde. Dafs Herrn Paar, diefem ftrebfamen jungen Künftler, fein Werk gelungen ift, davon hat fich wohl Jedermann mit Freuden überzeugt, der entweder die Ausftellung Paar's befichtigt oder das Blatt in dem 5. Hefte des feit 1870 erfcheinenden ,, Album der Gefellfchaft der vervielfältigenden Künfte" gefehen hat. Die Collectiv- Ausstellung der öfterreichifchen Buch-, Kunft und Mufikalienhändler befand fich ebenfalls in dem Hofe 13 a. Von den in diefer Collective vertretenen Buchhändlern wollen wir zuerft die Erzeugniffe derjenigen betrachten, deren Verlag aus eigener Buchdruckerei hevorgegangen. Carl Gerold's Sohn, Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei in Wien. Diefes beinahe feit hundert Jahren beftehende Gefchäft( es wurde im Jahre 1775 gegründet) hatte einen fehr anfehnlichen Theil feines reichen Verlages ausgeftellt, den wir leider nicht in der Lage waren, in feiner Gefammtheit betrachten zu können. Die grofsen Thüren der Wandfchränke waren durch die im Sommer 1873 herrfchende drückende Hitze gefchwunden und liefsen fich nicht öffnen, ohne die Gläfer in den Thüren zu zerbrechen. Dasjenige aber, was wir betrachten konnten, beftätigte vollkommen den guten Ruf, den diefes alte Gefchäft geniefst. Wir wollen nur eines einzigen Werkes ausführlicher gedenken. 40 Ludwig Lott. Der Illuftrirte Katalog der Ornamentenftich- Sammlung des k. k. öfterreichifchen Muſeums" mit Renaiffancefchrift gefetzt und( die Drucke aus der Renaiffancezeit nachahmend) auf eigens hiezu angefertigtes Chamoispapier prachtvoll gedruckt, kann ein Meifterwerk der Typographie genannt werden. In der Vorrede wird auch befonders hervorgehoben, dafs durch die aufserordentliche Sorgfalt, welche dem Drucke der in diefem Buche vorkommenden 54 Holzſchnitte gewidmet wurde, diefe erft recht zur vollen Geltung gelangt feien. Diefe vorzüglichen Holzfchnitte, auf den Stock photographirt und dann gefchnitten, ftammen aus dem Inftitute für Holzfchneidekunft von Fr. W. Bader in Wien. Die Harmonie, die in diefem Kataloge zwifchen Satz, Druck, Xylographie und Papier herrfcht, wurde auch feinerzeit bei Eröffnung des öfterreichifchen Muſeums von den Zeitungen nach Gebühr hervorgehoben. Aufser vielen anderen vorzüglichen Werken befitzt diefe Firma auch einen fehr reichhaltigen Verlag von Schulbüchern, befonders für Mittelfchulen, der fich durch gute Ausftattung und gleichmässigen Druck auszeichnet. Die Buchdruckerei diefer Firma hat, wie fchon oben über Auer's Einflufs auf die öfterreichifchen Buchdruckereien erwähnt wurde, erft feit dem Jahre 1848 fo riefige Fortfchritte gemacht und fteht befonders durch ihr folides Gebaren, gute Ausftattung und fchönen gleichmässigen Druck ihrer Erzeugniffe in allgemeiner Achtung. Um fo grofsartiger der Fortfchritt ift, umfomehr fühlen wir uns gedrungen, auch jenes Mannes zu gedenken, der fich um diefen Erfolg ganz befonders verdient gemacht hat es ift diefs der verftorbene Jofef Völk, früher Leiter des altberühmten Gefchäftes Gottlieb Haafe's Söhne in Prag. Bei der Uebernahme der Gerold'fchen Buchdruckerei beftellte Völk fogleich mehrere Schnell und gute eiferne Handpreffen; errichtete eine eigene Accidenzabtheilung mit fyftematiſch gegoffenen Lettern; liefs ferner eine Anzahl tüchtig gefchulter Arbeiter, fowohl Setzer als Drucker, von Prag kommen; ftellte Herrn Carl Kneifel, einen tüchtigen Drucker, der aufser in Prag auch in mehreren gröfseren Druckereien Deutfchlands conditionirt hatte, als Druckerfactor und die Herren Thierbächer und Hammater als Setzerfactore an. Dafs unter der Leitung eines fo bewährten Fachmannes, wie Völk war, im Vereine mit folch erprobten Männern, wie die eben Genannten find, die heute noch auf ihren Poften ftehen, ein einheitliches und gleichmäfsiges Schaffen Platz greifen mufste, bedarf nicht des Breiteren erörtert zu werden. Die Firma Carl Gerold's Sohn, die fich aufser Preisbewerbung erklärte, da Herr Friedrich Gerold Mitglied der internationalen Jury war, anerkannte und belohnte die raftlofe Thätigkeit ihres Druckerfactors Carl Kneifel dadurch, dafs fie fich bemühte, ihm die Medaille für Mitarbeiter zu verfchaffen. Bei der Ordensvertheilung am 1. Nov. 1873 erhielt Herr Kneifel auch das filberne Verdienftkreuz. L. W. Seidel& Sohn, Verlags- und Sortimentsbuchhandlung und Buchdruckerei in Wien, hatten einen anfehnlichen Theil ihres neueren Verlages, gröfstentheils militärifche Werke mit Karten und Plänen, ausgeftellt. Diefe Firma ift beftrebt, die Werke ihres Verlages bei guter Ausftattung dennoch fo billig als möglich herzuftellen, um fie dem für Bücher nicht gerne Geld ausgebenden militärifchen Publicum leicht zugänglich zu machen. Von den neueften Werken find befonders hervorzuheben: Diemmer, Vorträge über die Grundzüge der Strategie, 80 mit 33 Figuren und 8 Kartenfkizzen; Kuhn Franz, der Gebirgskrieg, 80 mit 21 Karten und Plänen; Swoboda Joh., die k. k. Militär- Akademie zu WienerNeuftadt, gr. Quart, mit 16 Tafeln in photographifchem Glasdruck, 19 Holzfchnitten und einem Plane in Kupferdruck. Die gröfste Verlags- und Sortimentsbuchhandlung, die jedoch keine eigene Druckerei befitzt, fondern ihren fehr reichen Verlag, auf deffen ſchöne Ausflattung fie befonderes Gewicht legt, nur in den hervorragendften Buchdruckereien herftellen läfst, ift Wilhelm Braumüller's k. k. Hof- und Uni Buchdruck. 41 verfitäts- Buchhandlung in Wien. Ihre in grofser Zahl ausgelegten Werke datiren alle aus der neueften Zeit und zwar aus den letzten fechs Jahren. Wie grofs diefer Verlag fein mufs, der alle Zweige der Wiffenfchaft umfafst, kann man fchon aus dem mitaufgelegten Verzeichniffe der medicinifchen Verlagswerke erfehen, das allein 42 Seiten in gr. 80 umfafst. Aus diefem Verzeichniffe kann man auch die bevorzugte Stellung kennen lernen, welcher fich die Wiener medicinifche Facultät erfreut. Unter den Werken für Anatomie befinden fich allein acht Werke Hyrtl's.„ Braumüller's Badebibliothek" zählt 42 Werke. Ebenfo reichlich find alle anderen medicinifchen Abtheilungen vertreten. Um mit wenigen Worten anzudeuten, mit welch grofser Sorgfalt Braumüller feine Verlagswerke ausftatten läfst, wollen wir von den ausfchliesslich auf der Buchdruckerpreffe erzeugten Werken ein einziges einer näheren Betrachtung unterziehen, nämlich:" Die defcriptive und topographifche Anatomie des Menfchen von Dr. C. Heitzmann". Erfter Band: Knochen, Gelenke, Bänder, Muskeln, Fascien, Topographie, Sinneswerkzeuge in 320 Abbildungen. Zweiter Band, erfte Lieferung: Eingeweide, Topographie in 100 Abbildungen. Das ganze Werk, zwei Bände, foll 600 xylographirte Abbildungen erhalten. Diefe Abbildungen( aus F. W. Bader's Inftitut für Holzfchneidekunft hervorgegangene, äufserft fchöne Holzfchnitte) ftammen von dem als Zeichner und Maler berühmten Verfaffer Dr. C. Heitzmann felbft her und heben fich durch Correctheit und vollendete Deutlichkeit befonders hervor. Jeder Zeichnung ift eine gedrängte Befchreibung der dargeftellten Partie beigefügt. Der Druck diefes Werkes wurde von Adolf Holzhaufen in Wien, den wir zu unferem Leidwefen auf der Ausftellung vermifsten, prachtvoll hergeftellt und verdient diefe Druckerei, die überhaupt allen Wiener Buchdruckereien mit gutem Beiſpiele vorangeht, für diefe Arbeit unfere vollfte Anerkennung. Faefy& Frick, k. k. Hofbuch- und Kunfthandlung in Wien, hatten neben vielem Anderen ihre fchön ausgeftatteten Wiener Wegweifer, in deutſcher franzöfifcher und englifcher Sprache und auch ihre bekannten illuftrirten Kataloge ausgeftellt, von denen wir den einen, der Gallerie Gfell, fchon bei Carl Fromme befehen haben. Die fchön geordnete Ausftellung diefer Firma machte einen fehr guten Eindruck. Rudolf Le chner, k. k. Univerfitäts- Buchhändler in Wien, hatte neben feinem fonftigen neueren Verlage eine Anzahl von Lefe-, Lehr- und Sprachbüchern ausgeftellt. Das„ Lefebuch für Volks- und Bürgerfchulen", herausgegeben von Binftorfter, Deinhardt und Jeffen, aus fieben Theilen beftehend, von denen mehrere fchon in fechfter Auflage erſchienen find, zeichnen fich ebenfo fehr durch hübfche Ausstattung und guten, fcharfen Druck aus, als befonders durch aufserordentliche Billigkeit. Die vielen im Texte vorkommenden Holzfchnitte find gut gefchnitten und auch gut gedruckt. Aus dem reichhaltigen Sprachbücher- Verlage, der allein 13 franzöfifche und 13 italienifche Werke aufweift, wollen wir nur das eine erwähnen, das durch feine Güte und Billigkeit eine aufserordentlich weite Verbreitung gefunden hat; es ift diefs J. B. Machat's franzöfifche Sprachlehre. Mit der vorliegenden 43. Auflage find von diefem praktifchen Werke nicht weniger als 130.000 Exemplare gedruckt worden. Der Druck aus R. v. Waldheim's artiftifcher Anftalt ift fcharf und gut, die Ausftattung ift des Buches würdig. Als eine befondere Specialität von Lechner's Verlag verdienen die vielen Kinderfchriften der bekannten Kindergärtnerin Louife Hertlein genannt zu werden. Die Gefchichte der Stadt Wien" von Carl Weifs, Archivar und Bibliothekar der Stadt Wien, gr. 80, mit zwei Plänen, zwei Anfichten und 80 in den Text gedruckten Illuftrationen, ift fehr fchön und elegant ausgeftattet; Satz und Druck von Carl Finfter beck find tadellos. Von dem grofsartigen Lager diefer Firma an Jugendfchriften bekam man einen Begriff, wenn man die von Rudolf Lechner in dem„ Pavillon des kleinen Kindes" zahlreich aufgelegten Bilderbücher, Kinderfpiele u. f. w. betrachtete. " 42 Ludwig Lott. Fr. Tempsky, Buchhändler in Prag, hatte neben einer Anzahl wiffenfchaftlicher Verlagswerke in deutfcher, lateinifcher und böhmifcher Sprache, welche alle fchön und typographifch gut ausgeftattet waren, zehn Bände„ Phyfiotypia plantarum auftriacarum" von Ettingshaufen und Pokorny ausgeftellt. Die erften fünf Bände( die Nummern 1-500 enthaltend) diefes in Naturfelbftdruck hergeftellten Werkes find in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu Wien fchon 1856 erfchienen. Seit diefer Zeit ruhte diefes einzig in feiner Art daftehende Prachtwerk. Obgleich die fämmtlichen Platten für das ganze Werk fchon feit Auer's Zeiten in der Staatsdruckerei fix und fertig dalagen, obgleich die Befitzer der erften fünf Bände auf die Fortfetzung warteten, obgleich die Staatsdruckerei als Verleger verpflichtet gewefen wäre, diefe Fortfetzung den Abnehmern der erften fünf Bände fo rafch als möglich zu liefern und obgleich zur gänzlichen Fertigftellung nur die Auslagen für das Papier und die Drucklöhne nöthig waren: fo konnte die Direction der k. k. Hof- und Staatsdruckerei dennoch nicht die Ermächtigung oder Erlaubnifs zur Vollendung diefes wiffenfchaftlichen Prachtwerkes erhalten. Erft als ein Privatmann, der Buchhändler Fr. Tempsky in Prag, um die Begünftigung einfchritt, diefes Werk auf feine Koften vollenden zu laffen, erhielt die Direction der Staatsdruckerei die Bewilligung, den Druck der Nummern, 501-1000 herzuftellen, und fo erfchienen 1873 nicht nur die Bände 6-10 bei Tempsky in Prag, fondern es ging auch das Verlagsrecht der erften fünf Bände an diefe Firma über. Hier zeigt fich wieder recht, wie fehr die eigentliche Beftimmung einer Staatsdruckerei verkannt wird. Solche Werke wie„ Phyfiotypia plantarum auftriacarum" werden äufserft felten und nur unter ganz befonders günftigen Umftänden von Privaten aufgelegt. Auch Herr Tempsky hätte es wohl unterlaffen, wenn ihm nicht die Platten, die alle fix und fertig da lagen, um einen geringen Preis wären zur Verfügung gestellt worden. Gerade folche Unternehmungen follen und müffen von Staatsdruckereien ausgeführt werden, die von einem Privaten, und fei er der gröfste Verleger, nicht fo leicht gewagt werden können, theils wegen der Koftfpieligkeit, theils weil viele Druckereien die dazu nöthigen mechanifchen Hilfs mittel gar nicht befitzen. Indem wir das übrige im Hofe 13 a noch Ausgeftellte, weil minder wichtig, übergehen, verfügen wir uns in die Kunfthalle, um die dort von Fr. W. Bader in Wien ausgeftellten Gegenftände zu betrachten. 77 Die von diefem berühmten Inftitute für Holzfchneidekunft ausgehängten xylographifchen Erzeugniffe würden in dem Hofe 13 a beffer zur Geltung gelangt fein, als in der Kunfthalle, wo fie, als Schwarzdruck, von der dort herrfchenden Farbenpracht in Goldrahmen zurückgedrängt erfcheinen mufsten. Fr. W. Bader hatte drei Anfichten von Weltausftellungsgebäuden, die beiden grofsen Schnitte: ,, Der Weltausftellungs- Platz" und die„ Totalanficht von Wien", ferner Gruppen aus verfchiedenen Richtungen der Xylographie ausgeftellt. Der„ Weltausftellungs- Platz", 95 Centimeter lang und 63 Centimeter hoch, gezeichnet von Petrovits, gedruckt bei Carl Fromme in Wien, dann Wien im Jahre 1873", 122 Centimeter lang und 77 Centimeter hoch, ebenfalls von Petrovits gezeichnet und bei F. A. Brockhaus in Leipzig gedruckt, beide Verlag des J. G. Manz in Wien, find wohl die gröfsten Holzfchnitte, die bis jetzt die Buchdruckerpreffe verlaffen haben. Wir müffen den beiden genannten Druckereien für diefe äufserft fchwierigen Leiftungen unfere volle Anerkennung ausfprechen. Die Schnitte an fich find zwar beide ebenfalls tadellos, doch können wir nicht umhin, dem Schnitte des Blattes:" Wien im Jahre 1873" unbedingt den Vorzug einzuräumen. Sowohl diefe Blätter, als auch befonders die Gruppen aus verfchiedenen Richtungen der Holzfchneidekunft legen Zeugnifs ab von der Kunftfertigkeit des Bader'fchen Inftitutes, von dem wir anderweitige Erzeugniffe fchon oben an mehreren Orten rühmlichft anzuerkennen in der angenehmen Lage waren. Buchdruck. 43 Bevor wir die Ausftellung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder Oefterreichs verlaffen und zu Ungarn übergehen, müffen wir noch ein einzig in feiner Art daftehendes Ausftellungsobject betrachten; es ift diefs der„ Pavillon der Neuen Freien Preffe". In diefem Pavillon wurde die ,, Internationale Ausstellungs- Zeitung" gefetzt, ftereotypirt, gedruckt, gefalzt und auch expedirt. Dem Publicum war daher Gelegenheit geboten, den technifchen Vorgang bei der Herftellung einer grofsen Zeitung unter den heutigen Verhältniffen kennen zu lernen, und dafs das Publicum diefe Gelegenheit auch gern ergriff, hat man daraus erfehen können, dafs es Kopf an Kopf gedrängt die arbeitenden Mafchinen umftand. Diefer Pavillon war eingetheilt in einen Saal für die Setzer, in die Locale für die Stereotypie und die grofse„ Becker- Reifser- Mafchine" mit ihren angehängten vier Falzmafchinen, dann in den Raum für den Waffermotor und eine einfache Siegl'fche Schnell- und eine Handpreffe, ferner in einige Locale für Redaction, Expedition und den Chef der Druckerei. Das Ganze machte einen impofanten Eindruck, befonders durch die elegante Einrichtung. Wir haben uns defshalb fo lange in der öfterreichiſchen Abtheilung verweilt und haben die dort ausgeftellten Erzeugniffe der öfterreichifchen Buchdruckerpreffe einer eingehenden Betrachtung unterzogen, weil es das erfte Mal war, dafs man diefelben in einer folch ftattlichen Zahl neben einander ausgeftellt fand, und weil gerade die Buchdruckerpreffe in Oefterreich noch vor fo kurzer Zeit, mit fehr wenigen Ausnahmen, einen Standpunkt einnahm, der z. B. in Deutfchland fchon feit langem zu den überwundenen zählte. Sagte doch Gersdorf's Repertorium noch im Jahre 1857 bei der Befprechung des bei Braumüller in Wien erfchienenen Werkes Kennft Du das Land?" von Sebaftian Brunner, dafs diefs das erfte fchön gedruckte Buch fei, das aus Oefterreich komme". Wenn man nun die im Hofe 13 a ausgeftellten Gegenstände von Oefterreich's Buchdruckern und Buchhändlern betrachtete, und fich in Gedanken um kaum ein Menfchenalter zurückverfetzte, fo mufste fich Auge und Herz erfreuen an dem gewaltigen Umfchwunge, der da ftattgefunden hatte. Wenn wir alfo die öfterreichifchen Erzeugniffe ausführlicher und mehr im Einzelnen behandelt haben, als die anderer Länder, z. B. Deutſchlands, fo gefchah diefs nicht, um aus falfch verftandenem Patriotismus die deutfchen und anderen Erzeugniffe in den Hintergrund zu fchieben, was auch an und für fich ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Die Producte der deutfchen, franzöfifchen und englifchen Preffe geniefsen fchon feit langen Jahren mit vollem Rechte einen guten und grofsen Ruf, den wir felber neidlos anerkennen und hochfchätzen. Wir haben durch unfere Darftellung einzig und allein den grofsen Fortfchritt zu conftatiren gefucht, den die öfterreichifche Buchdruckerpreffe in dem verhältnifsmäfsig kurzen Zeitraume von 25 Jahren gemacht hat. Dafs es aber in Oefterreich auch noch Kunfttempel gibt, die keinen Fortfchritt aufweifen, das haben wir bei der Ausstellung von A. Trafsler in Troppau mit tiefem Bedauern gefehen. Wer wird es aber läugnen wollen, dafs die hervorragende Stellung, welche die öfterreichifche Buchdruckerpreffe jetzt einnimmt, hauptfächlich dem Wirken Auer's und feinem raftlofen Schaffen in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu verdanken ift? In der That, wenn wir überfchauen, welchen weiten Weg mit energifchem Fortfchritt die öfterreichifche Typographie zurückgelegt hat, dann kommt man erft recht zur Ueberzeugung, dafs es auch nicht um einen Kreuzer fchade ift, der für die k. k. Hof- und Staatsdruckerei je verausgabt wurde. Wenn auch nicht eine jede von den grofsen Unternehmungen einer Staatsdruckerei den Nutzen fofort klingend in die Caffe abwirft, ja wenn in einem oder dem anderen Falle fogar mit Verluft mufs abgefchloffen werden, ift der Nachtheil, ift der Entgang wirklich fo bedeutend, als er in Ziffern fich ausdrücken läfst? Wir glauben nicht. 44 Ludwig Lott. Sind denn Staatsdruckereien wirklich dazu ins Leben gerufen worden, um namhafte Gewinne zu erzielen? Wir wiffen, dafs wenigftens die ältefte Staatsdruckerei, nämlich die franzöfifche, eingerichtet ward, um der Wiffenfchaft und Kunft alle diejenigen Dienfte zu leiften, die denfelben von privaten Druckereien nie geleiftet werden können. Nach diefer hohen Beftimmung einer Staatsdruckerei während der verhältnifsmäfsig wenigen Jahre feiner amtlichen Wirkfamkeit auch die k. k. Anftalt geleitet und gelenkt zu haben, wird der unfterbliche Ruhm Auer's bleiben. Mit welchen Ziffern will man denn die Ehren ausdrücken, die Oefterreich mit feiner k. k. Hof- und Staatsdruckerei erworben hat in jenen fchweren Tagen, als man in der ganzen Welt von dem unabwendbaren Verfall und Zerfall des Kaiferftaates überzeugt war? Wahrlich die Staatsdruckerei hat nicht nur damals den Beweis für die Lebenskraft glänzend geführt, fie hat Oefterreich durch ihre Erzeugniffe an Ruhm und Ehren reich gemacht. Ihre Wirkfamkeit hat aber noch anders die gröfsten Früchte getragen. Wir hoffen, dafs auf jedem Blatte diefes Berichtes die ruhmreichen Erfolge ihrer Thätigkeit mit eben fo greifbarer Deutlichkeit zu lefen find, als es die ausgeftellten Erzeugniffe der öfterreichifchen Typographie den einheimifchen und ausländifchen Befuchern und Beurtheilern gefagt haben. Defshalb haben wir zum Schluffe der öfterreichifchen Abtheilung nur den einzigen Wunfch, dafs, wer immer an mafsgebender Stelle zu fprechen hat, eine vaterländifche Pflicht zu erfüllen trachten wird, und zwar damit: die k. k. Hof- und Staatsdruckerei wieder zu dem zu machen, was diefelbe einft war: die Mufteranftalt für die graphifchen Künfte in Oefterreich und in der Welt. Indem wir jetzt zu dem Schwefterland Oefterreichs, zu Ungarn, übergehen, müffen wir vor allem Anderen hervorheben, dafs die ungarifche Ausftellungscommiffion die graphifchen Künfte beffer zu würdigen verftand, als die öfterreichifche Commiffion, denn die graphifchen Künfte Ungarns waren nicht in einen abgelegenen und abgefperrten Hof verbannt, fondern, wenn auch unter anderen Ausftellungsgegenständen, doch mitten in die Hauptgallerie verlegt. Man brauchte gerade kein aufmerkfamer Beobachter zu fein, um doch deutlich zu fehen, wie fich die magyarifchen Herzen hoben, von Stolz und Freude erfüllt, über ihre ungarifche Ausftellung. Dafs die Taufnamen der Ausfteller als: Antal, Béla, Géza, Károly, Lajos u. f. f., mit den nicht- ungarifchen Namen Grün, Müller, Posner, Rath, Schwarz u. f. w. in Verbindung ftanden, das verftiefs nicht im Mindeſten gegen das magyarifche Nationalgefühl; das Ausgeftellte vertrat ja doch die ungarifche Induftrie. Dafs auch die Ausfteller der graphifchen Künfte in Ungarn gröfstentheils Deutfche oder magyarifirte Deutſche waren, ift felbftverſtändlich. Doch das, was fie ausgeftellt hatten, erreichte nur felten den Grad der Vollendung, welcher den öfterreichifchen Ausftellungsgegenständen in ihrer grofsen Mehrzahl nachgerühmt werden kann. Auch müffen wir unfer Bedauern darüber ausfprechen, dafs uns, mit Ausnahme der königlichen Staatsdruckerei, alle anderen Ausftellungsfchränke hermetifch verfchloffen blieben. Wir konnten auch keinen der Herren von der ungarifchen Ausftellungscommiffion jemals treffen, der uns die Schränke geöffnet oder gewufst hätte, wo fich die Schlüffel befinden, fo dafs wir auf diefe Weife nur Dasjenige zu betrachten fo glücklich waren, was eben offen vor uns lag oder an die Wände geheftet war. Von vielen diefer Druckwerke konnten wir nur die Titel oder gar nur die Einbände fehen; von manch anderem nicht einmal diefe. So fahen wir in dem Schranke der Brüder Magyar in Temesvár, die fehr hübsch ausgeftattete Gefchäftskarten ausgelegt hatten, nur zwei Geigen. Die Ausftellung der königlich ungarifchen Staatsdruckerei zu Budapeſt war fehr günftig fituirt. Den grofsen Wandraum füllten gröfstentheils geographifche Karten, Poft- und Stempelmarken und andere Farbendrucke, die fich jedoch alle durch die Höhe, in der fie angebracht waren, und durch die davor Buchdruck. 45 ftehenden breiten Tifche mit Glaskäften der näheren Betrachtung und fomit einem eingehenden Urtheil entzogen. Eine Obligation des ungarifch- englifchen Anlehens war hübfch ausgeftattet; die Einfaffung und der Text waren harmonifch gut gefetzt, auch der Druck war ein guter. Caffafcheine mit Kupferdruck- Untergrund waren zu bunt hergeftellt. Es fchien uns, als follten fie die ungarifchen Landesfarben: ,, grün, roth und weifs", darftellen. Eine grofse Stereotypplatte, mittels Papiermatrize gegoffen, war fcharf und rein; der davon gemachte Abzug machte jedoch manchen Wunſch rege. Galvanifche Platten, Platten für Naturfelbftdruck und vieles Andere follten beweifen, dafs die königlich ungarifche Staatsdruckerei der Wiener Schwefteranſtalt ebenbürtig fei. Dafs diefs jedoch nicht der Fall ist, und dafs die ungarifche Staatsdruckerei ihre Kräfte viel zu fehr zerfplittert, um im Stande zu fein, etwas Einheitliches zu leiften, dürfte ihr wohl felbft bald klar werden. Carl Louis Posner's erfte ungarifche Raftriranſtalt, GefchäftsbücherFabrik, Buchdruckerei und Lithographie in Peft hatte ihre Ausftellung gehörig zur Geltung gebracht, doch wurde die Leiftungsfähigkeit der Buchdruckerei durch die Arbeiten der Raftriranftalt bedeutend verdunkelt. Ein auf der Buchdruckerpreffe erzeugtes Tableau machte einen guten Eindruck. Der Druck desfelben war lobenswerth, was von dem Satze desfelben jedoch nicht gefagt werden kann, da die Linien fammt und fonders keinen genauen Anfchlufs zeigten. Ein folches Tableau, von Herrn J. Glafer bei Salzer in Wien gefetzt, müfste ein Meifterund Mufterſtück der Typographie abgeben. Die Pefter Buchdruckerei Actiengefellfchaft hatte an den Seiten- und Rückenwänden ihres Glasfchrankes verfchiedene Actien ausgehängt, die aber nicht eben einen befonders guten Gefchmack bewiefen. Die Einfaffungen und der Text harmonirten felten, und wo diefs der Fall war, da traten wieder einzelne Partien des Unterdruckes zu fchwer auf. Eine grofse ftatiftifche Tabelle war gut gefetzt und auch gut gedruckt. Das Uebrige, befonders der Bücherdruck, entzog fich, weil verfperrt, unferer Betrachtung. Gebrüder Deutfch, Peft Wiener literarifche Kunftanftalt in Peft, hatte neben Anderem ein Gedenkblatt an die Wiener Weltausftellung 1873 ausgeftellt. Die allegorifchen Verzierungen desfelben waren auf der Steindruck- und die Porträts auf der Buchdruckerpreffe hergeftellt worden. Der Entwurf, von Kolarz, hätte jedoch eine beffere Ausführung verdient. Die Actie für die Ungarifche Escompte- und Handelsbank verfehlte dagegen nicht, in Satz und Druck einen guten Eindruck zu machen. Alexander Czéh in Raab, deffen verfchloffene Ausstellung wir ebenfalls nicht befichtigen konnten, hatte neben Anderem ein Probenbuch ausgeftellt, aus deffen fchön ausgeführtem Titel wir jedoch nicht wagen können, einen Schlufs auf die Proben felbft zu ziehen. Gebrüder Legrády( zu deutfch Pollak) in Peft. Von diefer Firma hofften wir manches Schöne vor Augen zu bekommen, doch war und blieb auch ihr Ausftellungsfchrank verfperrt, fo dafs uns in die hinter den prachtvollen Einbänden verborgenen Kunftfchätze leider kein Einblick vergönnt war. Die fichtbaren lithographifchen Arbeiten diefer Firma entziehen fich unferer Aufgabe, da wir nur über ,, Buchdruck" Bericht zu erftatten haben. Die noch übrigen Buchdrucker aus Ungarn und Croatien, deren AusstellungsSchränke in Gruppe XII fich ohne Schlüffel ebenfalls nicht öffnen wollten, und auch auf unfere wiederholten Anfragen keiner der Beamten und Auffeher wusste, in weffen Händen fich die Schlüffel befänden, müffen wir leider übergehen, um diefen Schlüffeljammer nicht bei jeder einzelnen Firma wiederholt in Erinnerung bringen zu dürfen. Wir können uns jedoch unter diefen Umftänden nicht der Frage erwehren, welchen( geheimen?) Zweck eine folch verfperrte Ausftellung eigentlich haben 46 Ludwig Lott. foll? Auch hier müffen wir wieder ausrufen:„ Gehet hin zu den Engländern und zu den Franzofen, und lernet, wie man ausftellen foll!" In Gruppe XXVI, nördliche Quergallerie 13 b, hatte das kön. ungarifche Minifterium für Cultus und Unterricht neben Plänen von Schulhäufern etc. auch grofse Sammlungen von Lehr- und Hilfsbüchern für Volks-, Mittel-, Fach- und Hochfchulen u. f. w. ausgeftellt, die jedoch nicht alle in Ungarn gedruckt waren. Die uns hier reichlich gebotenen typographifchen Erzeugniffe wurden jedoch von zwei ungarifchen Ausftellern weit übertroffen, und zwar von der fehr thätigen Buchhandlung Moriz Ráth in Peft und von der kön. ungarifchen Univer fitäts- Druckerei in Ofen. Moriz Ráth hatte in einem eigenen Schrank, deffen Inhalt wir auch befichtigen konnten, feinen reichhaltigen Verlag grofsentheils claffifcher Werke auf das Schönfte zur Ausftellung gebracht. Die typographifche Ausftattung diefer Werke kann in ihrer Mehrheit als untadelhaft und muftergiltig bezeichnet werden; aber es gebührt nicht den ungarifchen Buchdruckern die Ehre, diefelben hergestellt zu haben, denn die fchönften ftammen aus Adolf Holzhaufen's Buchdruckerei in Wien; einige andere, ebenfalls gut gedruckte Werke find aus der Officin J. C. Fifcher& Comp. in Wien, und nur ein kleiner Theil ift aus ungarifchen Buchdruckereien hervorgegangen. Die Erzeugniffe der kön. ungarifchen Univerfitäts- Druckerei in Ofen legten fämmtlich Zeugnifs ab, dafs diefe Druckerei zwar nicht fo flunkert, wie die kön. ungarifche Staatsdruckerei, dafs fie fich aber auf der Höhe des jetzigen Standpunktes der Typographie zu behaupten weifs. Rufsland. So gering auch die Zahl der ruffifchen Ausfteller war, grofs war dennoch die Maffe des Ausgeftellten. Die ruffifche Staatsdruckerei oder nach ihrem amtlichen Titel: die kaiferlich ruffifche Expedition zur Anfertigung der Reichspapiere in St. Petersburg, ift ein Staatsinftitut, das auf dem Standpunkte fteht, den einft die Wiéner Hof- und Staatsdruckerei unter den Finanzminiftern v. Kraufs und v. Bruck eingenommen hat. Dafs diefes ruffifche Staatsinftitut dem vollen Zwecke einer Staatsdruckerei entſpricht, und vor keinen Koften zurückfchreckt, wenn es gilt, Kunftverfuche anzuftellen, und diefe Verfuche felbft durch lange Jahre hindurch fortfetzt, bis das Ziel erreicht ift, foll durch ein einziges Beiſpiel erhärtet werden. Galvanifch erzeugte Kupferplatten können nicht zum Drucken aller bunten Farben verwendet werden, weil manche Farbe, fobald man fre auf Kupfer aufgetragen hat, einem chemifchen Proceffe unterworfen wird, der nach den verfchiedenen Beftandtheilen der Farbe auch ganz verfchiedene Wirkungen hervorbringt. Entweder es geht nur die Schönheit, das Feuer der Farbe, verloren oder es entſtehen ganz neue Verbindungen der Atome, das heifst, die Farbe wird entweder nur in den Tönen oder auch ganz in eine andere umgewandelt. Um nun diefem Uebelftande zu begegnen, verfuchte E. Klein, Ingenieur und einer der Abtheilungsvorftände der ruffifchen Staatsanftalt, die galvanifchen Kupferplatten noch mit einer Schicht von galvaniſchem Eifen zu überziehen. Diefe Verfuche, die im Jahre 1846 begannen, und durch ein volles Vierteljahrhundert hindurch fortgefetzt wurden, lieferten endlich ein folch günftiges Refultat, dafs die auf folchen Platten auf der Buchdruckerpreffe erzeugten Abdrücke eine Reinheit in den Tönen aufweifen, wie fie durch kein anderes Verfahren hervorgebracht werden kann. Die mittelft Pantograph, Relief- und Guillochirmafchine erzeugten Entwürfe waren in galvanifchen, mit einem Eifenüberzuge verfehenen Platten mitausgeftellt. Die ruffifchen Staatspapiere fowohl im Ganzen als in ihren einzelnen Theilen, die Unterdrucke, Wafferzeichen u. f. w. waren fo vollendet, dafs man fich nichts Schöneres und Harmonifcheres denken kann. Das eigentliche Urtheil über diefe Staatsanftalt liegt in dem Ausfpruche der Jury. Diefer lautet:„ Dafs die Buchdruck. 47 kaiferlich ruffifche Expedition zur Anfertigung von Reichspapieren durch ihre wahrhaft eminenten Leiftungen in photographifchen Hochund Tiefdruckplatten, durch die geiftreiche Combination von Heliographie und Galvanoplaftik und durch die mannigfachen wichtigen Anwendungen der verfchiedenen graphifchen Künfte zur Herftellung von Staats- und Werthpapieren fo tief eingreifende, bahnbrechende Erfolge erzielt habe, dafs fie der höchften Auszeichnung, des Ehrendiploms, würdig fei". Wir erinnern, dafs beinahe mit denfelben Worten die k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien auf der Londoner Weltausftellung im Jahre 1851 als die unbedingt erfte graphifche Anftalt war erklärt worden. Die Feinde Auer's und der k. k. Staatsdruckerei haben fomit nichts Anderes erreicht, als dafs Oefterreich eine Niederlage mehr zu verzeichnen hat. Ueber dem Sprüchlein: mit dem Grofchen zu fparen und die Ehre zu vergeuden, haben fie den Spruch vergeffen, dafs auch die Wiffenfchaft und die Kunft eine Macht ift. Salomon Lewental in Warfchau hatte meift gut gedruckte illuftrirte Werke ausgeftellt. Auch ein grofser Holzfchnitt, der fowohl im Stock als im Abzug vorlag, zeugte von der guten Behandlung, die diefe Firma dem Illuftrationsdrucke widmet. Nur wäre zu wünfchen, dafs den wirklich gut und rein gedruck. ten Illuftrationen neuere, fchärfere Lettern zugefellt würden. W. Golowin in St. Petersburg hatte Druckproben von Titeln, verfchiedenen Accidenzen, Illuftrationen, Mufiknoten u. f. w. ausgeftellt, von denen Vieles fehens- und betrachtenswerth war. Befonders müffen wir den Druck der Holzfchnitte hervorheben, von denen viele mit Verftändnifs von Licht und Schatten zugerichtet waren. Griechenland. Die Buchdruckerei von Coromela in der Provinz Attica hatte zwar Vieles, aber nichts befonders Ausftellungswürdiges gefandt. Alles Uebrige, was wir von griechifchen Drucken fahen, war viel weniger als gut zu nennen. Türkei. Die Centraldruckerei in Conftantinopel hatte verfchiedene Erzeugniffe ihrer Buch- und Steindruckerei ausgeftellt. Die Producte der Buchdruckerei, gröfstentheils in franzöfifcher Sprache, worunter auch das Journal„ La Turquie", waren lobenswerth. Die Erzeugniffe der Steindruckerei beftanden in Chromolithographien. Marco Pachu, Director der medicinifchen Schule in Conftantinopel, hatte 75 Werke in türkifcher Ueberfetzung ausgeftellt, die auf einem Haufen wie Kraut und Rüben auf der Erde lagen, und die man fich fürchten mufste in die Hand zu nehmen, weil ihr Aeufseres voller Staub und Schmutz war. Rumänien. Socecu& Co.( Sotfchek& Comp.) in Bukareft hatten verfchiedene Bücher ihres Verlages ausgeftellt, deren Ausftattung fowohl wie der Satz und Druck zu loben waren. Die Gehilfen Vereins- Druckerei in Bukar eft, deren Mitarbeiter lauter geborene Rumänen find, beftätigte den Ruf, den fie durch ihre guten Arbeiten und ihre gut geleitete Adminiftration geniefst, durch wirklich fchön gefetzte und fauber gedruckte Erzeugniffe ihrer Buchdruckerpreffen. Egypten. Die Buchdruckereien von Mourès& Comp. in Alexandrien, von Onzy in Cairo, und die Buchdruckerei in Bulak bei Cairo hatten ziemlich viele gut ausgeftattete Werke geliefert, an denen fowohl der Satz wie der Druck zu loben war. Auch in Gruppe XXVI fanden wir unter den Unterrichtsgegenständen manches Product der Buchdruckerpreffe, welches Zeugnifs ablegte von dem regen 4 48 Ludwig Lott. Geifte des Fortfchrittes, der in diefem türkifchen Vafallenftaate herrfcht und der gegen die türkifche Schlaffheit wohlthuend abfticht. w sali dombais China. Der k. und k. öfterreichiſch- ungarifche Generalconful Guftav Ritter v. Overbeck in Hongkong hatte nicht weniger als 1558 Gegenftände chinefifcher Boden-, Induftrie- und Kunftproducte gefammelt und zur Ausftellung gebracht. Unter diefen Gegenftänden befanden fich für Gruppe XII lithographifche Steine von Formofa und chinefifche Bücher und Typen aus der Druckerei und Schriftgiefserei der Londoner Miffions Gefellfchaft in Hongkong. bio S. A. Viguier, Hafenmeifter zu Shanghai, hatte einen„ Codex chinefifcher Charaktere zum Telegraphiren" ausgeftellt, auf den die Bemerkung gefchrieben war, derfelbe fei nach Schlufs der Ausftellung der k. k.( Hof-?) Bibliothek in Wien gewidmet. Diefes, aus der amerikanifchen MiffionsDruckerei in Tabellenform und in Plakatformat hervorgegangene Buch enthielt 6893 fchwarz- und rothgedruckte Zeichen. Da die Erzeugniffe der Miffions- Druckereien, deren Einrichtungen aus England und Amerika ftammen, von Engländern und Amerikanern ausgeführt werden, fo können diefelben zwar als gute bezeichnet werden, können aber nicht als eigentlich chinefifche Erzeugniffe in Betracht kommen, fie gewähren uns daher auch gar keinen Einblick in den heutigen Stand des Buchdruckes im Reiche der Mitte. Japan. Der Katalog der kaiferlich japanefifchen Ausftellung enthielt in Gruppe XII folgende Gegenftände: eine Druckplatte von Holz mit ausgefchnittenen Buchftaben; ein Meffer zum Ausfchneiden der Buchftaben; ein Ballen aus feingefchabten Bambusfafern, der ftatt der Buchdruckerpreffe benützt wird; ein gedrucktes Buch; colorirte Holzfchnitte; Kartenfpiele in Holzfchnitt; Photographien; ein Geftell für Photographien und eine Sammlung von Petfchaften aus Bergkryftall. Aufserdem, aber nicht im Kataloge verzeichnet, fanden wir noch einige galvanifche Matrizen und gegoffene Lettern, die zwar kein fchönes Ausfehen hatten, aber dennoch Zeugnifs ablegten von dem Streben nach vorwärts, das in Japan Platz gegriffen. Diefe Matrizen und Lettern follen von einem Japanefen herrühren, der nach Schlufs der Ausftellung in Wien zurückblieb, um fich in der Schriftgiefserei der Herren A. Meyer& Schleicher zu vervollkommnen. Auch foll bei diefer Firma von der japanefifchen Regierung eine vollſtändige Schriftgiefserei Einrichtung beftellt worden fein. Als wir diefen Bericht zur Correctur erhielten, brachte das„ Journal für Buchdruckerkunft" in feiner Nummer 41 vom 28. October 1874 eine Notiz, nach welcher ein Herr Joy, der Londoner Correfpondent der franzöfifchen„ Imprimerie", in feinem Monatsberichte vom April die Behauptung aufgeftellt, dafs die erften Druckmafchinen zwar von den Herren König uud Bauer erbaut, dafs diefe Herren aber nur die Handlanger gewefen feien, und das Verdienft der Erfindung diefer Maſchinen gebühre dem Befitzer der„ Times" in London, Herrn Walter, der die Idee feines Landsmannes Nicholfon weiter entwickelt habe. Obgleich diefe Frage nicht eigentlich in den Bericht über die Wiener Weltausftellung gehört, fo erachten wir es doch für unfere Pflicht, allen Uebergriffen gegen die verdienten deutfchen Männer mit Energie entgegen zu treten, und ihnen den Ruhm, den man denfelben ftreitig machen will, aufs Entfchiedenfte zu wahren. Da nun die typographifchen Fachblätter, die fich in erfter Linie mit diefer Frage zu befaffen haben, nur einen begrenzten Leferkreis, und zwar nur an den Fachgenoffen haben, fo müffen wir hier den Artikel der Buchdruck. 49 " Times" anfügen, in dem fie ihren Lefern Kunde gibt von der Aufftellung der erften mit Dampf betriebenen Schnellpreffe. " دو , The Times"- London, Dinftag, November 29, 1814. Unfere heutige Zeitung liefert das praktifche Refultat der gröfsten Verbefferung, die je die Buchdruckerkunft feit ihrer Erfindung erfahren hat. Der Lefer diefes Abſchnittes hält jetzt einen von den vielen taufend Abdrücken in der Hand, die vorige Nacht durch einen mechanifchen Apparat gedruckt wurden. Ein faft organifches Maſchinenfyftem ift erfunden und verfertigt worden, welches, während dadurch die befchwerlichften Anftrengungen des Druckens abgefchafft find, alle menfchlichen Kräfte an Schnelligkeit und Wirkfamkeit weit hinter fich zurückläfst. Um die Gröfse der Erfindung nach ihren Wirkungen würdig fchätzen zu können, erwähnen wir blofs, dafs, nachdem die Buchftaben gefetzt und in die fogenannte Form eingefchloffen worden find, wenig mehr für Menfchenhände zu thun übrig bleibt, als auf die Mafchine Aufücht zu haben. Sie wird blos mit Papier verforgt, trägt felbft die Farbe auf die Form auf, und legt das Papier auf die mit Farbe befchwärzte Form, druckt den Bogen ab und liefert ihn fo gedruckt in die Hände des Arbeiters; fogleich geht die Form wieder zurück, um von neuem wieder gefärbt zu werden, und dann wieder vorwärts, um dem folgenden Bogen den Druck zu geben. Das Ganze diefer complicirten Handlungen wird mit einer folchen Gefchwindigkeit und gleichförmigen Bewegung ausgeführt, dafs in einer Stunde nicht weniger als elf Hundert Bogen gedruckt werden. Dafs die Vervollständigung einer Erfindung diefer Art nicht als die Wirkung des Zufalles, fondern als das Reſultat mechanifcher Zufammenfetzungen, die der Geift des Künftlers methodifch geordnet hat, mit vielen Hinderniffen und grofsem Auffchube zu kämpfen hat, wird wohl leicht geglaubt werden. Unfer Antheil an diefem Ereigniffe befchränkt fich blofs auf die Anwendung diefer Erfindung auf unfer eigenes Gefchäft bedingungsmässig mit den Patentbefitzern; doch Wenige können fich vorftellen- fogar bei diefem befchränkten Antheile die verfchiedenen Täuſchungen und aufserordentliche Beforgnifs, die wir für eine fo lange Zeit gelitten haben. - Von dem Erfinder haben wir wenig zu fagen. Sir Chriftopher Wren's fchönftes Denkmal ift in dem Gebäude, welches er erbaute, zu finden; fo ift die fchönfte Lobpreifung, die wir dem Erfinder der Druckmafchine bringen können, in der vorhergehenden Befchreibung enthalten, welche wir fchwach haben bezeichnen können. Hinzufügen wollen wir jedoch, dafs der Erfinder König heifst, und dafs die Erfindung unter der Leitung feines Freundes und Landsmannes, des Herrn Bauer, ausgeführt worden ift." Diefe Beftätigung der ,, Times" ift die ehrendfte Anerkennung der Verdienfte der beiden Deutfchen König und Bauer. Wenn alfo heute, nach fechzig Jahren, Herr Joy die Welt eines Befferen belehren will, fo ift das entweder die Cultivirung des höheren Blödfinnes, oder es ift die Sucht, den Deutfchen, als ,, Feinde Frankreichs", den Ruhm ihrer Erfindungen ftreitig zu machen. Dagegen aber müffen wir hier um fo entfchiedener Verwahrung einlegen, als wir in diefem ganzen Berichte die ausgezeichneten Verdienfte der Franzofen um die graphifchen Künfte anerkannt haben. Haben wir Gerechtigkeit geübt, fo können wir diefelbe auch von Anderen verlangen.