TMW- Bibl WA 87/5 D 33 C B WA8715 W.10.2 TMW- Bibl WA 102 W. A. 102. FRANZ JOSEF I VIRIBUS UNITIS ELISABETH OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG I 8 7 3. DIE MOTOREN. ( Gruppe XIII, Section 1.) BERICHT von J. F. RADINGER, a. o. Professor der k. k. technischen Hochschule in Wien. Mit 130 Holzfchnitten. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. Preis: 5 fl. LXXXIII 7.8.2.558 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DIE MOTOREN. ( Gruppe XIII, Section 1.) BERICHT VON J. F. R A DINGER, a. c. Projefjor der k. k. technifchen Hochschule in Wien BUCHERE!: IND R Technologisches Gewerbe-# sem WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. DIE MOLOKEZ DIE MOTOREN. ( Gruppe XIII, Section 1.) Bericht von J. F. RADINGER, a. o. Profeffor der k. k. technifchen Hochfchule in Wien VORWORT. Wer den weiten Raum durchfchritt, in welchem die Mafchinen der Welt. ausftellung 1873 gedrängt ftanden, weifs die grofsen und faft unermesslich fcheinenden Aufgaben zu würdigen, über deren bedeutendften Theil, über die Motoren zu berichten. Denn nie barg eine Halle folch' eine Menge von Mafchinen und jede einzelne derfelben eine folche Summe von Intelligenz und Erfahrung, als es hier der Fall war, und nie war der Begehr nach Arbeit gefteigerter und demfelben mannigfaltiger genügt als heute, wo wir ftets mehr trachten, den Widerständen, die fich unferen Abfichten entgegenftellen, mit der Kraft der Maſchinen zu begegnen. Die Ausstellung zeigte, wie, um diefem gefteigerten Begehr nach Arbeit mehr zu genügen, immer beffere Mittel zur Erlangung diefer Kräfte erdacht werden und wie die Arbeit aus der Wärme, dem fallenden Waffer und anderen Trägeru derfelben heute thatfächlich gewonnen wird. Die Eintheilung diefes Berichtes folgt dem natürlichen Plan und die Maſchinen find nach den Kraftquellen geordnet, wobei mit den Dampfmaschinen im Anfchluffe an die vorausgegangenen Dampfkeffel begonnen wird, hierauf die hydraulifchen und endlich die übrigen Motoren folgen. Bei letzteren find auch einige aufgenommen, welche nicht in den Räumen der Ausftellung zu finden waren. aber doch zur Zeit derfelben bekannt wurden. Die Sammlung des Stoffes ftützt fich nur auf authentifche Quellen. Die Mehrzahl der angeführten Mafse habe ich direct gemeffen, die photographirten Diagramme felbft aufgenommen und die Zeichnungen find meift nach jenen grofsen Plänen angefertigt, welche ich der Güte der Ausfteller in einer unbenützbar reichen Menge verdanke. 1* B 7 J. F. Radinger. Wo keine Zeichnungen anderweitig zu erhalten waren, habe ich diefelber durch eigene Aufnahme der betreffenden Mafchine gewonnen. Diefs find unter Andern die Skizzen fämmtlicher amerikanifcher und einer gröfseren Zahl englifcher Maſchinen, deren Wiedergabe nachfichtig beurtheilt werden mag, indem die Schwierigkeit der für Jedermann rücksichtslos verbotenen Aufnahmen nicht gering war. Manche anderweitige Widerwärtigkeiten bei der Sammlung des Stoffes will ich nur kurz und zu dem Zwecke erwähnen, um allfälligen Vorwürfen über die Mängel diefes Berichtes theilweife zu begegnen. Ein englifcher Ausfteller verweigerte jede Auskunft, indem er principiell keinerlei Mittheilungen über feine Mafchinen wünſcht und auch noch nie Jemandem folche zum Zwecke der Veröffentlichung gab; ein Franzofe meinte, die Leute in Oefterreich und Deutfchland feien ohnediefs arm und können die Erzeugniffe feines Haufes nicht kaufen; der Vertreter mehrerer deutfcher Fabriken, an welchen mich feine Auftraggeber als den Verwahrer der Zeichnungen wiefen, erklärte, dafs er für das Zuerfterfcheinen der Zeichnungen in diefer englifchen und jener deutfchen Zeitfchrift intereffirt fei, aber den Verkauf der Cliché's vermitteln. wolle, und ein Oefterreicher verfagte jede Mittheilung, weil ihn die Jury mit einer ihm zu gering fcheinenden Auszeichnung bedachte. Zu all' diefen und anderen Schwierigkeiten und der Gröfse der räumlichen Entfernungen gefellte fich noch der Zwang der fo kurz währenden Zeit. Doch trotz all' diefer Hinderniffe dürften dennoch keine gröfseren Lücken in dem Berichte vorkommen, und jedes hieher gehörige Ausftellungsobject in dem Mafse erwähnt fein, als es der Erwähnung werth ift. Im Gefammtberichte über die Motoren herrfcht folgende Ordnung: Die Dampfkeffel. Stabilkeffel, Halblocomobile, Locomobile, Heizapparate, Keffelftein Apparate, Schornfteine, Tabelle der Hauptabmeffungen der Keffel( bereits als Heft 55 erſchienen). Die Dampfmafchinen. Stabilmafchinen, Halblocomobile, Locomobile, Tabelle der Hauptabmeffungen der Dampfmafchinen. Die hydraulifchen Motoren. mafchinen Wafferräder und Turbinen, Waffer faulAndere Motoren. Windräder, Calorimotor, Heifsluftmafchine, KohlenfäureMotor, Gasmafchinen, Petroleummafchinen, Elektromotoren. Mafchinentheile. Regulatoren, Riemen. Einzeltheile. Apparate zur Unterfuchung der Mafchinen. Indicatoren, Bremfen. M Die Dampfmafchinen. ALLGEMEINES. Um dem gefteigerten Bedarf an Arbeit mehr zu genügen, greifen wi immer kühneren Armes in die dunklen Schachte der Erde und brechen die Minerale aus ihrem Schoofs. Dann zwingen wir Leben in die Maffe und fchaffen und völkern am Erdrund das neue Gefchlecht der warm durch pulften kraftbegabten ,, Mafchinen", der mächtigen Wefen aus Dampf und Eifen, unferer neuen Gehilfen. aus Gluth und Erz. Diefe entlaften uns des roheften Wirkens in williger Haft. Kein Leib der uns Arbeit bietet, ift fo genügfam und ausdauernd, keine Naturkraft, die fich in unferer Feffel ftemmt, fo gehorfam und treu, und das Leben der ganzen Menfchheit ward ein anderes, feit um ihre Wohnftätten des Dampfes Säulen wehen. Die Mafchine zu verbeffern, wägen und ändern wir mit fteigender Erkenntnifs ihre Kraft und ihren Bau und jeden Einflufs, der diefe Schöpfung berührt. Denn wie alles Lebendige im dauernden Dafein zu einer höheren Stufe zweckmässiger Anordnung ftrebt, fo zeigt fich auch an ihr diefer echte Keim, und während die erften Maſchinen langfamen Ganges ihre maffigen Glieder bewegten, wirkt an den heutigen faft nichts als ein gefchmiedeter Arm an einer eifernen Bruft Dafür wächft aber ihre Energie, indem der Druck des fie durchftrömenden Dampfes und die Gefchwindigkeit ihrer eigenen Bewegung fteigt. Das Gefüge der Mafchinen ward einfacher und ficherer. der Bau ihres Gerüftes directer, die Gefchwindigkeit höher, die Querfchnitte bemeffener, die Steuerung exacter und jedes Detail feinem Zweck beffer gerecht. Die Anordnungsfyfteme der Dampfmafchinen für normale Arbeit verringern fich und nähern fich fichtbar einer einzigen Art. Während in Paris 1867 noch Balancirmafchinen mit den gegengeleiteten Kräften und den nutzlofen Zwifchengliedern vorkamen, vermifste man diefes Syftem hier bereits gänzlich, und es fcheint dem Ausfterben geweiht. Der Woolf fche Zweicylinder kam verhältnifsmäfsig wenig vor, und jene Maſchinen, welche den geringften Dampfverbrauch per Arbeitseinheit nachweifen, benützen denfelben nicht. Das Woolf'fche Princip war wohl in verfchiedenen neuen Formen gepflegt, von denen die Mehrzahl den Wegfall des doppelten Geftänges bezwecken. Wenn diefs auf eine gute Weife gelingt, fo dürfte dasfelbe für den Betrieb der direct wirkenden Wafferpumpen herangezogen werden, denn heute arbeitet der Dampf in denfelben ohne jede Expanfion. esham Bei den gröfseren Mafchinen war ausfchliefslich die liegende Anordnung zu treffen, und bei der Mehrzahl derfelben verdrängte der bajonettförmige Seitenbalken bereits die frühere Form der unten durchlaufenden Grundplatte. Das Princip der kleinften Zahl der Theile bricht fich auch hier dauernd Bahn, und der Zufammengufs von Lager und Balken, der häufig auch noch den Cylinder mit umfafst, komt felbft fchon bei gröfseren Mafchinen vor. Auch in 4 J. F. Radinger. den Detailen find gefchloffene Schubftangenköpfe, angegoffene Schieberkäften und Führungen etc. häufig zu finden und wären es gewifs noch mehr. wenn die Durchführung nur vom Wollen abhinge und nicht vom Können begrenzt würde. Die Principe des centrifchen Auffangens der Drücke und der kürzeften Hebelarme fcheinen noch nicht allgemein gewürdigt. Wenigftens fand man häufig die Geradführungen etc. aufser den Mitteln und die Zapfen und Kurbeln unnöthig weit von ihren Wurzeln entfernt. Die Materialgebung wird durchwegs gefunder, und an den befferen Mafchinen befteht aufser der aus anderen Gründen übermäfsig ftarken Kolbenfcheibe kein hin- und hergehender Theil mehr aus Gufs. Theilweife wurden dadurch neue Detailformen nöthig, von welchen weiter unten die Sprache fein foll. Die Gefchwindigkeit der Mafchinen und der Dampfdruck fteigt. Während die erfteren Conftructeure, froh der neuen Errungenfchaft, fich mit geringen Drücken befchieden und ihre Mafchinen vorfichtigen Ganges beliefsen, hebt fich die Erkenntnifs über die Zuläffigkeit und die Vortheile der höheren Spannungen und über die Ferne der Grenze der Kolbengefchwindigkeit.* Wohl ift das Vorurtheil noch nicht befiegt, welches diefe Gefchwindigkeit in niederer„ erfahrungsmäfsiger" Höhe bannt, doch ift der Fortfchritt auch in diefer Richtung deutlich fichtbar und noch nie gingen die Mafchinen im Mittel fo rafch als heute, wo vorgefchrittene Conftructeure bereits 175 bis 2 Meter per Secunde normal zulaffen. Die Allen oder eine ähnliche fchnellgehende Mafchine, wie diefe in Paris 1867, war nicht vertreten. Wenn diefe Maſchinen fich bis heute keiner weiteren Verbreitung erfreuen, fo fpricht diefs nicht gegen den fchnellen Gang, fon lern nur gegen die Allenmafchine, deren Normalfüllung zu klein ift oder doch durch den Regulator zu weit herabgezogen werden kann, wo dann der Dampfdruck von vier Atmosphären Admiffionsfpannung rafcher finkt als der benöthigte Druck zur Befchleunigung der Geftängsmaffen. Dadurch tritt nun während jedes einfachen Kolbenhubes ein zweimaliger Wechfel von Zug und Druck im Geftänge auf und deffen Vibrationen und Stöfse verderben die Maſchine. Die höhere Kolbengefchwindigkeit mufs eben von höherer Dampffpannung, aber auch von höherer Sorge in der Conftruction begleitet fein, und der Sprung von einem auf vier Meter Kolbengefchwindigkeit, wie er damals verfucht wurde, war eben zu rafch. Die Dampffpannung, mit welchen die englifchen Mafchinen arbeiten, ift faft ausnahmslos 4 Atmoſphären Ueberdruck, während in den deutfchen Mafchinen. 4 bis 6 Atmoſphären vorkommen und 5 Atmoſphären die Regel ift. Eine Mafchine war für 10 Atmoſphären gebaut. Die gröfseren Dampfmafchinen arbeiteten mit Condenfation, deren Vacuum fämmtlich mit Luftpumpen erzeugt wurde. Das Volumen, welches deren Kolben anfaugte, war im Mittel 183 desjenigen, welches der Dampfkolben durchläuft. Die Grenzen lagen bei 61 und 12. Das Vacuum beträgt in der Regel 70 bis 71 Centimeter Queckfilber. Die fogenannten Strahl condenfatoren fcheinen fich nicht zu bewähren und waren in der Ausftellung an keiner einzigen Mafchine im Gang. Wo es fich aber nicht fowohl um ein beträchtliches Vacuum, als um das Wegfchaffen des Dampfes, wie bei unterirdifchen Aufftellungen handelt, ift durch fie ein neues Mittel dafür geboten. * Die Anficht des Berichterftatters findet fich des Weiteren in der Studie begründet: Radinger. Ueber Dampfmaschinen mit hoher Kolbengefchwindigkeit. 2. Auflage, Wien bei C. Gerold. Die Dampfmafchinen 5 Die Querfchnitte werden bemeffener, das heifst fowohl die Dampfwege als die Zapfen erhalten gleichförmiger die entſprechenden Dimenfionen für ihren Dienft: Ich habe von fämmtlichen der gröfseren und halbgrofsen Maschinen fämmtliche der diefsbezüglichen Masse und meift durch directes Meffen erhoben, und das Ergebnis auf naturgemäfse, aber doch möglichft einfache Conftante zu beziehen gefucht. Dabei wurde für die Dampfwege in nothwendiger, wenn auch noch nicht allgemein anerkannter Abhängigkeit von der Kolbengefchwindigkeit das VerEinftrömfläche hältnifs Cylinderfläche Conftante X Kolbengefchwindigkeit( 4= c ( 1 - Cv zu Grunde gelegt und die Conftante, welche nichts anderes als den reciproken Werth der mittleren Dampfgefchwindigkeit vorftellt, jedesmal berechnet. Aus mannigfaltigen früheren Verfuchen habe ich 30 Meter( C= 10) als jene mittlere Dampfgefchwindigkeit gefunden, bei welcher fich unter den Krümmungen und Querfchnitts- Aenderungen gewöhnlicher Schieberfteuerungen im Diagramm noch kein Druckverluft erkenntlich macht, und im folgenden Berichte erfcheinen jene Canäle als zutreffend bezeichnet, welche diefem Werthe nahekommen, was überdiefs in den befferen Mafchinen fämmtlich gefchieht. Auf die Führungen und Zapfen entfallen Drücke, welche dividirt durch die Gröfse der Fläche, auf welche fie fich vertheilen, den Druck per Flächeneinheit( p) geben. Diefer erfcheint im folgenden Berichte in Kilogramm per Quadratcentimeter( Atmoſphären) bei jeder einzelnen Maſchine beftimmt, wobei die ZapfenAuflagfläche gleich dem Durchmeffer mal der Länge( d. 1) beide in Centimeter = P l D genommen wurde. p d. Der Gefammtdruck P wurde aus der Cylinderfläche ( nach Abfchlag der Kolbenftange) und dem maximalen Dampfüberdruck berechnet, aber die eigenen Gewichte nicht mit berücksichtigt, indem deren Einflufs bei horizontal wirkenden Mafchinen verfchwindend ift, und felbft der Kurbel- LagerZapfen meift nur einen kleinen Antheil des abfeitigen Schwungrades trägt. Dabei ergeben fich nach Ausfcheidung der grellften Ausnahmsconftructionen folgende Mittelwerthe der Auflagedrücke: Führungsfläche Schweiz Deutfchland Oefterreich Amerika England 34 1.8 256 2.6 23 Atmoſphären 63 81 99 96 29 61 58 14 I I 63 13: 5 7 I 70 29 17.3 15 i Kreuzkopf- Zapfen 122 Kurbelzapfen Lagerzapfen Doch fchwanken die fpecififchen Belaftungen weit um diefe mittleren Gröfsen und unter Einbezug der franzöfifchen, belgifchen und ruffifchen Mafchinen, welche als in zu geringer Anzahl vorgekommen, oben nicht angeführt erfcheinen, find die Mittel und die Grenzen der Belaftungsdrücke: In der Führung Kreuzkopf- Zapfen 100. Kurbelzapfen Lagerzapfen Mittel 2.3 Atmoſphären 99 Grenzen 0.6 und 36 99 4'4 Atmoſphären 172. " 64 16 29 24 115 99 97 97 7.4 29 29 97 Weit wichtiger als diefe Drücke, welche in erfter Linie von der Confiftenz der Schmiermittel abhängen und nur jene Grenze nicht erreichen dürfen, bei welcher diefe wie aus einer Preffe von den Schalen entfernt werden, fcheinen die fpecififchen Abnützungs- und Reibungsarbeiten zu fein. Multipticirt man nämlich den Druck, welcher auf die Flächeneinheit des Zapfens fällt, mit einem paffenden Reibungs coefficienten( es wurde 120 gewählt) und der relativen 6 J. F. Radinger. Gefchwindigkeit der Zapfenfläche gegen die Schale, fo erhält man die per Flächenund Zeiteinheit auftretende Reibungsarbeit, welche die Abnützung, refpective die Erwärmung der betroffenen Theile bewirkt. Diefe Arbeit wurde nun auf die Secunde bezogen, in Kilogramm- Meter P dan dl per Quadratcentimeter Zapfenfläche A I 20 άπη 60' wobei n die Umdrehungszahl per Minute bedeutet) fowohl für den Kurbel als den Lagerzapfen der einzelnen Maschinen unterfucht, und es ergibt fich als Mittel diefer fchädlichen Wirkung: Amerika Am Kurbelzapfen • 0.91 England 0.70 Schweiz 0.80 Im Kurbellager 0.43 0 29 0.32 Deutſchland 0.84 0.40 Oefterreich 0.87 0.34 Kilogramm- Meter Abnützarbeit per Secunde und einzelnen Quadratcentimeter der Laufflächen. Das Mittel Aller derfelben ftellt fich am Kurbelzapfen mit o 86 Kilogramm- Meter, » Lagerzapfen " 99 0.38 99 Grenzen o 28 und 3.58 Grenzen o 12, 155, wobei aber bemerkt werden mufs, dafs die beiden Minimal-( Grenz-) Werthe Mafchinen mit gekröpften Kurbelwellen angehören, welche aus Feftigkeitsgründer gröfsere Abmeffungen erhalten als es die Rückficht auf Abnützung verlangt, während die Maximal-( Grenz-) Werthe einer Walzwerksmafchine angehören, deren Arbeit nicht ununterbrochen währt. Was nun die zuläffigen Grenzen der Auflagedrücke und Reibungsarbeiten betrifft, fo find diefe fehr fchwer feftzuftellen, indem das Material, die Sorgfalt in der Bearbeitung und Montirung und die Güte des Schmiermittels hier von weitgehendem Einflufse find.* Im Allgemeinen dürften jedoch die heute auftretenden mittleren Werthe fchon ziemlich an der Grenze zuläffiger Beanfpruchung ftehen und die Auflageflächen dürften künftig eher eine Vergröfserung( gröfsere Länge der Zapfen) zur Reduction der Drücke und Abnützarbeiten als eine relative Verkleinerung erfahren. Die Steuerung war faft ftreng nach Ländern gefondert. Amerika, welches nur kleinere Mafchinen fandte, verwendete nur einfache Schieber. England fcheint noch nach einem vom Regulator einzuftellenden Steuerungsmechanismus zu fuchen, nachdem man dort die Corlifsanordnung als zu wenig verlässlich hält, und auch höhere Füllungen wünfcht als deren einfacher Mechanismus gibt. So verwendet man denn dort gegenwärtig fcharf getrennte Canäle und getrennte Schieber, deren Deckplatten entweder von Hand oder von dem Regulator mittelft Couliffen, Rädergehänge etc. für andere Füllung beeinflusst werden. Letzteres ift jedoch in den englifchen Maſchinen nichts weniger als einfach oder gut erreicht. Belgien, die Schweiz, Deutfchland und Oefterreich pflegt heute die Corlifsfteuerung. Diefe erhielt von faft jeder Firma mehr oder minder werthvolle * Die Führung der von Koechlin in Mühlhaufen gebauten liegenden Antriebsmafchine der Herzog'fchen Spinnerei in Logelbach geht trotz befter und dauernd mitgeftreifter Knochenölfchmierung fortwährend heifs. Der Cylinder diefer Mafchine mifst 750 Durchmeffer, der Hub 1'5 Meter und die Arbeit gefchieht mit 6 Atmoſphären factifchem Druck am Kolben bei 36 Umgängen per Minute. Die Führungsplatten find 250 Millimeter breit und 800 lang und der Auflage druck ftellt fich auf 28 Atmoſphären. Der Kurbelzapfen einer Dampfmafchine von Efcher- Wyfs, welche bei Scheller Berchtold in Thalweil arbeitete( Durchmeffer des Cylinders 200, Hub 400 Millimeter, Dampf 5 Atmoſphären, Kurbelzapfen 38 Durchmeffer, 50 Länge), ging dauernd heifs, nachdem die Gefchwindigkeit der Mafchine von 100 auf 120 Umdrehungen erhöht wurde. Nachdem der Auflagedruck von 82'6 Atmofphären noch nicht übermäfsig fcheint und fich durch die höhere Gefchwindigkeit( der Maffendrücke halber) nicht wefentlich änderte, fo mufs die Reibungsarbeit an jene Hohe gekommen fein, bei welcher die Ausftrahlung nimmer genügend kühlte. Die fpecififche Reibungsarbeit hob fich dabei von o'78 auf o'95 Kilogramm- Meter und diefs dürfte dem Grenzwerthe andauernder Arbeitsfähigkeit nahe fein. Die Dampfmaschinen. 7 Abänderungen, welche entweder die Möglichkeit höherer Füllung, den Wegfall der Federn oder ähnliche Detail- Verbefferungen bezwecken. Doch ift fowohl die ( neuere) echte Corlifsfteuerung mit den langen ftehenden Blattfedern, als auch die Spencer- und Inglifsanordnung mit dem Doppeldaumen, beide von Paris her bekannt, in dauernder Verwendung. Als neuere Steuerungsmechanismen traten die Drehfchieber mit der ausgefprochenen Beftimmung auf, für Maſchinen mit höherer Kolbengefchwindigkeit zu dienen, was durch ihre unbefchränkte Gröfse der völligen Entlaft ung halber, des leicht möglichen Eingriffes des Regulators in die Füllung und dem gänz lichen Mangel von hin und hergehenden Theilen begründet wird. Die langbekannte Zweifchieberfteuerung erfuhr aber auch in diefen Ländern folche Veränderungen, welche den directen Einflufs des Regulators zuläfst. Diefs gefchah auf mehrfache und meift glücklichere Art als in den eng. lifchen Mafchinen. Ueberdiefs traten die erffen Spuren diefes Beftrebens bereits in Paris 1867 auf, wo jedoch nur unbrauchbar verwickelte Mechanismen dazu verfucht waren, während fich jetzt manche verhältnifsmäfsig einfache Löfung ergab. Als Neuerung find jene Steuerungen von Fördermafchinen zu erwähnen, welche eine felbftthätige Füllungsänderung während des Ganges bewirken, und der Erleichterung der Arbeit wegen der Aenderung der wirkfamen Seilgewichte durch Minderfüllung im Cylinder ökonomifch begegnen. Ferner erfchien eine Reihe von Umfteuerungsmechanismen, welche der Couliffe entbehren. Die Ventilfteuerung bleibt vereinzelt. Die kleineren Mafchinen find ausnahmslos durch den einfachen Schieber gefteuert. Einen wefentlichen Einfluss auf die Verbefferung der Steuerungen der Dampfmafchinen nimmt die fteigende Verbreitung des Indicators. An den meiften gröfseren Mafchinen( jedoch an keiner einzigen aus Deutfchland) war das Inftrument angebracht und der Einblick ermöglicht. Dabei zeigte fich der merkwürdige Umftand, dafs trotz Ausftellungsarbeit und trotz des Indicators in der Mehrzahl der arbeitenden Maſchinen noch durchaus nicht eine tadellofe Dampfvertheilung erreicht und noch Manches zu verbeffern übrig ift. Ueber die Inftrumente felbft handelt handelt ein eigener Abfchnitt des Berichtes. Die Regulatoren erfuhren manche Aenderung. Ihnen ift ein eigenes Capitel des Berichtes gewidmet. Die Detailconftruction wird mehr und mehr gleichartig. Die unten durchlaufende Grundplatte, welche den Vortheil der folideren Befeftigung an das Fundament bietet, jedoch der Hebelarme halber, an welchen die Dampfdrücke ftets wechfelnd auftreten, eine mindere Starrheit des Baues mit fich bringt, leicht Ungenauigkeiten der Ausführung birgt und dabei noch fchwerer ins Gewicht fällt als der directe Colonnenbalken findet fich ausnahmslos an fämmtlichen englifchen und auch an einer Reihe öfterreichifcher Mafchinen. - Der bajonnetförmige Seitenbalken ift die moderne Form. Er trägt in fich die Vor- und Nachtheile vertaufcht, welche der Grundplatte anhaften und ift bereits, hauptfächlich für gröfsere Mafchinen, häufig verwendet. In ihm läfst fich die obere und untere Geradführung leicht unterbringen und durch die Bohrung in Einem richtig erhalten, und auch für das in feine Längsachfe fallende Kurbellager bietet fich die zwanglofe Verbindung durch den Gufs oder eine Verfchraubung, welche faft kein Biegungsmoment trifft. S 00 8 J. F. Radinger. Eine Mittelform zwifchen Grundplatte und Seitenbalken erfcheint vielmals versucht, dürfte aber nur bei gröfserer Kolbengefchwindigkeit der unvollkommenen Balancirbarkeit der hin- und hergehenden Maffen wegen, oder bei Maſchinen gerechtfertigt fein, welche harte Stöfse erfahren. Die Dampfcylinder find in England ausnahmslos mit directem Dampfe geheizt, und diefes hochgehaltene Princip erftreckt fich felbft bis zu den kleinften Locomobilen, indem dort( von einzelnen Ausnahmen abgefehen) jede Mafchine als minderwerthig beurtheilt wird, welche diefer Zugabe entbehrt. Auch die belgifche, die Schweizer und die Mehrzahl der deutfchen Maſchinen trug den entfprechenden Mantel, welchen der Dampf meift auf feinem Wege zum Schieberkaften durchftrömte. Von öfterreichifchen Mafchinen war keine einzige derartig ausgeftattet, obgleich auch unfere Giefsereien die Doppelwand wohl ausführen können, wie es ein derartiges Ausftellungsobject im gröfsten Mafsftabe darlegte, und wie es früher oftmals gemacht wurde. Für den Colonnenbalken wird der Angufs des vorderen und oft doppelwandigen Deckels an den Cylinder benöthigt und häufig auch der Tragfufs mit diefem gewünfcht. Nachdem nun noch die vier Gehäufe der Corlifsfteuerung, ' der Dampfmantel und eine Reihe von anderen Angüffen für die Dampfwege, Regulatorauffätze etc. hinzugekommen, überfchritt die Summe diefer Anforderungen bereits die gefahrlofe Möglichkeit der Herftellung in einem Guffe, und zwei grofse Firmen brachten die Neuerung mehrtheiliger Cylinder, das ift folcher, deren Steuertheile in gefonderten Ringen oder Scheiben untergebracht find. Alle Dampfcylinder, mit Ausnahme eines franzöfifchen, waren wohl verfchalt, um gegen die Abkühlung gefchützt zu fein. Woolf'fche Cylinder waren ohne Ausnahme ftets zufammengegoffen. Die Hinterböden der Cylinder werden meift mit einer blank gedrehten Gufskappe verkleidet, welche die Schrauben, Rippen etc. überdeckt und das Reinhalten erleichtert. An vielen deutfchen Mafchinen waren die Schieberkäften angefchraubt, während fie fonft meift angegoffen find. Bei den englifchen Maſchinen find die Flanfchen für die Deckel nach einwärts geftülpt, wodurch wohl der Schieberkaften, aber nicht die Dichtungslänge gröfser wird, und ein Uebergang mit dem Cylinder entsteht, welcher weniger Kanten zeigt. Die Dampfkolben find faft ausnahmslos Selbftfpanner, deren Gufsringe bei abgehobenem Kolbendeckel aufgefchoben werden. Die Verbindung beider Kolbenhälften, und diefer mit der Kolbenftange gefchieht faft ausnahmslos mit einer einzigen Hinterfchraube auf der Stange, während der minder centrifch und mit kleinerer Auflagfläche wirkende Keil faft gänzlich verfchwunden ift. Für fchnellgehende Mafchinen liegen bereits Gufsftahlkolben vor, welche mit ihrer Stange in Einem d. i. ohne Schweifsung gefchmiedet find. Das Gewicht des Kolbens wird bei halbwegs gröfseren Mafchinen überall durch die rückwärtige Verlängerung der Kolbenstange und meift durch die Hinterftopfbüchfe allein mitgetragen. Die Stopfbüchfen erfuhren durch die neuen Baumwoll- Talgftein- Einlagen eine neue Packung, welche fich bereits bewährte und keiner Schmierung bedarf. Die Schmierung der Kolben und Schieber erfolgt entweder durch die gefonderten Schmiergefäfse, oder in Amerika und England durch die Dampfölert Ueber beide und über die Zapfenöler handelt der gefondert erfchienene Berich. über die Schmiermittel. Die Kolbenftangen find in fämmtlichen europäiſchen Mafchinen aus Gufsftahl. Die Dimenfionen finden fich in jener Tabelle, welche fämmtliche Hauptmafse der Ausftellungsdampfmafchinen enthält. Die amerikaniſchen Maſchinen hatten die Stangen aus kaltgewalztem Eifen, welche nicht gedreht waren, und folglich die harte, glatte und genau cylindrifche Fläche behielten, welche die Hyperboloidwalzen geben. Die Dampfmafchinen. 9 In den Kreuzköpfen herrfcht manche Abweichung, welche theils von der Einführung des Schmiedeifens als Conftructionsmaterial diefes Elementes ftammt. Bei letzteren war die Aufgabe zu erfüllen, die obere und untere Führung, welche der gebohrte Colonnenbalken fo zwanglos bietet, zu benützen, und die Führungsplatten centrifch, d. i. genau in der Verticalen des Kreuzkopfzapfens anzubringen. Um nun nicht die theueren hohlen Schmiedeisen- Kreuzköpfe verwenden zu müffen, welche bei Locomotiven fchon lange vorkommen, wird der Kreuzkopf ähnlich einem gefchloffenen Schubftangenkopfe geformt, wo fich dann die Führungsplatten oder deren Tragfchrauben genau im Mittel ftützen können, während der Zapfen im Innern ſpielt. Es ift dann nämlich das innere Ende der Schubftange kurz gegabelt und hält den quer durchgefteckten Zapfen feft; die Bewegung greift auf den Schalen ftatt, welche in dem fchubftangenkopf- förmigen Kreuzkopfe eingelegt find, und entweder durch eine vordere Druckfchraube geftellt werden, deren Kopf durch die Gabelung der Schubftange zugängig bleibt, oder welche durch einen Flanfchendeckel angezogen werden. Derartig ift das fchlechte, überdiefs noch öfter vorkommende Detail der zwei nachftellbaren Innen- Enden der gegabelten Schubftange glücklich erfetzt. Letztere Form erfchien noch an einer grofsen englifchen und faft allen franzöfifchen Mafchinen. Der fogenannte Corlifs- Kreuzkopf, d. i. jener gufseiferne Gabelkopi, an deffen Wurzel die Führungen fich rückwärts und excentrifch zum auftretenden Verticaldruck ftützen, kam ziemlich häufig vor und verdankt wahrfcheinlich feinem Namen die unverdiente Verbreitung. Die Führungsfchienen find in bekannter Weife entweder an's Mafchinengerüfte angegoffen, oder durch Schrauben befeftigt. Die ausgebohrte Form fchützt den Kurbelzapfen vor Klemmungen, indem fie dem Geftänge eine Verdrehung geftattet, wenn folche in Folge von anderweitigen Unregelmäfsigkeiten angeftrebt wird. Nichtsdeftoweniger war öfter diefe Verdrehung eigens verwehrt und einmal fogar die ganze Führung als ebene Fläche eingehobelt. Die dachförmigen Führungen der originalen Corlifsform geben meift zu geringe Auflageflächen und in Folge deffen grofse Geradführungsdrücke, und rafche Anützungen, welche die dabei ftattfindende Nothwendigkeit ftellbarer Gleitflächen weiter verbreiteten, als es früher der Fall war. Die Führungsfchienen der kleineren Maſchinen find bei den franzöfifchen Conftructionen faft ausnahmslos fchwer in Gufs gehalten, und oftmals mit dem Cylinderdeckel aus einem Stück; die Mafchinen der übrigen Länder haben aber fchmiedeiferne Lineale. Die Geradführungsflächen bei blos unterer Auflage find an einigen Mafchinen in neuer Weife ohne Seitenfchienen trotz ihrer SchwalbenfchwanzForm eingebracht. An einer Mafchine waren Kolbenftange, Kreuzkopf und Führungsfchuh aus einem Stück gefchmiedet. Die Schubftangen haben, abgefehen von zwei oder drei Ausnahmen, durchwegs runden Schaft. Deffen flache Form, die fchön fein follenden achteckigen Uebergänge an den Köpfen, Mittelbänder als Verzierung und ähnliche, entweder unnöthige oder unwürdige Beigaben find der durchwegs runden Herftellung faft gänzlich gewichen. Die gefchloffenen Köpfe finden weitere Verbreitung als früher, was wieder ein Schritt mehr ift, der höhere Gefchwindigkeit erlaubt. Die Bügelköpfe find entweder künftlich gefchloffen oder fonft forgfältiger gehalten. Eine Firma legte den Bügel zwifchen Längsnafen des Schubftangenkopfes, eine andere fchob ihn mit cylinderifcher Innenführung auf, was dort das Zapfenklemmen unmöglich macht, trotzdem eine breite untere Geradführung der Verdrehung des übrigen Geftänges vorbeugt. Der fogenannte Marine- Schubftangenkopf, d. i. jener, deffen Aufsenfchalen durch einen überlegten Deckel und zwei Schrauben gehalten werden, tritt in den B 10 J. F. Radinger. ftationären Mafchinen kleinerer Gattung häufig auf. Er ift einfach, verlangt aber ein ausgefchmiedetes Schubftangen- Ende und ift wegen der geringeren Steifigkeit gegen das Abfchwingen nur für mäfsige Gefchwindigkeiten paffend. Eine neue Form des Schubftangenkopfes beftand aus einer an den Schaft gefchmiedeten Gabel, deren vorderer Verfchlufs durch ein zwifchen Quernafen eingefchobenes Maffivftück gebildet war, welches dann eine Durchfteckfchraube am Platze und die Gabel gefchloffen hielt. Dabei übertragen die Quernafen den Druck auf breite Flächen, welche vor dem Verfchlagen, wie es einer Keilbahn gefchieht, durch ihre Gröfse gefchützt find. Diefe Form pafst daher gleichfalls für hohe Gefchwindigkeit( bei gekröpfter Welle) und war auch dafür verwendet. Für kleinere Mafchinen ift in England der fchmiedbare Gufs ziemlich verbreitet. Werden die Stangenköpfe daraus gemacht, fo wird der Schaft mit denfelben durch Einfchrauben in deren Gewinde verbunden. Die Kurbeln beftanden meift aus Schmiedeifen, oder waren in die Form von Kurbelfcheiben gebracht. Nur kleinere Firmen verwenden Gufskurbeln. Die fchmiedeifernen Kurbeln waren öfter auf der Hinterfeite theilweife oder gänzlich eben, was die Herftellung wefentlich erleichtert, aber fonft weder gut noch fchön ift. Bei den Kurbelfcheiben war der Vortheil, den diefe bieten, nämlich die Unterbringung eines Balanzgewichtes zwanglos zu gewähren, meift nur höchft befcheiden ausgenützt, ja felbft Maſchinen der gröfsten Gattung hatten gänzlich ( nicht einmal den Kurbelzapfen balancirende) ebene Rückwände. Bevor nicht in diefer Hinficht befferes Einfehen Platz greift, bleibt die ,, erfahrungsmäfsige" Kolbengefchwindigkeit klein. Die gekröpfte Kurbel ift für gute Stationärmafchinen nicht mehr verwendet. Kleinere Modelle und Locomobile erhalten wohl diefe Form, wobei die gebogene Welle, d. i. jene mit dem unzerftörten Faferflufs, die klobig gefchmiedete und mit herausgebohrter Höhlung hergeftellte mit Recht verdrängt. In dem Abbiegen und Fertigfchmieden folcher Wellen wird Erftaunliches geleiftet. Die herausgebohrten Kurbeln erfcheinen dem Auge wohl weitaus gefälliger, aber jede bricht über kurz oder lang. Die Unterbringung der Balanzgewichte bei gekröpften Kurbelwellen ift bereits in verlässlicher Weife mittelft in den Kurbelarm feitlich eingelaffener, das Balanzgewicht durchfetzender und mit Endmuttern haltender Eifenbügel gelöft, wie es an mehreren Mafchinen auch in der Ausftellung zu finden war. Die Lagerung der Kurbelwelle in mehr als zwei Lagern ift bekanntlich fchlecht. Trotz dem kamen dreimal gelagerte häufig, und an einer der anfpruchvollften franzöfichen Mafchine( keine Zwillingsmafchine) eine viermal gelagerte Welle vor. Dafs in den Wellen und ebenfo bei den Zapfen und überall, wo halbwegs bedeutendere Kräfte oder Vibrationen vorkommen, das Princip der langfamen Querschnittsübergänge fichtbarer wird als je früher, verdankt der Mafchinenbau wohl hauptfächlich den Erfahrungen der Eifenbahnen. Jeder plötzliche Querfchnittsübergang birgt einen beginnenden Bruch. So find denn auch die Kurbelwellen heute oft ohne jede Eindrehung, ohne Bund etc. in das Lager gelegt und zur Aufnahme der Kurbel in gleicher Dicke belaffen. Unverfenkte Bunde, welche zwifchen Lager und Kurbel, oder zwifchen Kurbel und Stangenkopf vorkommen, bezeichnen ftets eine mindergute Conftruction, welche fich um die fchädlichen Hebelsarme wenig bekümmert. Die Kurbellager find meift mehrtheilig und mit Rückficht auf die feitliche Abnützung im horizontalen Sinne ftellbar. Die Nachftellung gefchieht entweder durch hinterlegte Zugkeile von oben, oder durch Druckfchrauben, welche durch die Lagerwangen hindurch gefchraubt find. Erftere find meift beiderfeitig, letztere meift nur auf der Aufsenfeite des Lagers verwendet. Wegen der Schwächung der Lagerwangen und des von einer Spitze ausgehenden Druckes auf die Schalen Die Dampfmafchinen. 11 fcheint die Keilftellung, welche auch feiner ftellt, die beffere zu fein, wenn fie auch theuerer kommt. Keine der gröfseren amerikanifchen und engliſchen Maſchinen hatte übrigens derartige Lager, fondern nur folche mit fchief gefchnittenen Schalen. Bei Verwendung des Seitenbalkens foll die Aufftellung des Lagers auf das Fundament eine gröfstmöglichfte Fläche oder eigentlich eine gröfstmöglichfte Maffe desfelben auf breitefter Bafis umfaffen. Um nun weit mit dem Lagerfufse nach hinten kommen zu können, ift der Fufs häufig gefondert angefetzt. Bei Mafchinen mit unten durchlaufender Grundplatte findet man das Lager meiſt angefchraubt und erft felten angegoffen. Doch macht diefs aus nahen Gründen hier weit gröfsere Schwierigkeit als dort und war in der Ausftellung meift nur an englifchen und franzöfifchen und der ruffifchen Mafchine zu finden. Das Schwungrad befteht felten aus mehr als zwei Theilen. Die Verbindung durch warm aufgezogene Ringe an der Nabe und Einlagkeil im Kranz fcheint völlig ausreichend zu fein und war häufig verwendet. Den Schnitt durch die Arme zu führen und diefe halben Weges nochmals zu verfchrauben, fand fich auch einige Male, und zwar zumeift in Oefterreich vor. Dafs die Uebertragung der Arbeit vom Rad auf die Transmiffion in der Mehrzahl der Fälle durch Riementrieb und nicht mittelft Zahnräder erfolgte, dürfte hauptfächlich der kurzen Verwendungsdauer zuzufchreiben fein. Grofse Riementriebe verurfachen nämlich gröfsere Uebertragungsverlufte als Zahnräder. Da aber letztere von den fpeciellen örtlichen Bedingungen abhängen, unter welchen die Mafchinen endgiltig arbeiten, fo waren für die vorübergehende Ausftel. lung meift die Schwungräder gedreht und die Riemen auf fie gelegt, was hier noch manchen Nebenvortheil brachte. Ueber die Riemen felbft handelt ein eigener Theil diefes Berichtes. Entwickelten fich derart für die Anordnung und für die Detaile gewiffe, von der Mehrzahl der Conftructeure als zweckentfprechendft erkannte Zweckformen, fo gilt diefs nicht minder von dem eigentlichen Stil, in welche diefe Formen gekleidet werden. Diefer charakterifirt bereits völlig den Zweck, wel. chem das Ganze, und welchem jedes einzelne Glied dient. Deffen ftarre oder elaftifche Flächen und Linien, die fich bereits gänzlich von jenen der Steinarchitektur losgerungen haben, wecken in dem Befchauer den beruhigenden Eindruck, dafs bei der Formgebung die Kräfte wohl bedacht und gewürdigt wurden, welchen die Mafchine und deren Theile zu begegnen haben, und dafs bei der Conftruction jener klare Ernft obwaltete, der jedes unwürdige Spiel verabfcheut. Dabei ift der Schönheit, welche fich durch naturgemässe Symmetrien, durch Verwendung von Formen gleicher Feftigkeit, des wechſelnden Materiales etc. aufser den harmonifchen Verhältniffen und einer reinen Zeichnung von felbft ergibt, in hohem Mafse Rechnung getragen, aber diefelbe ausfchliefslich durch die Zweckmäfsigkeit und nicht durch das Ornament gewonnen. Die confequente Zweckmäfsigkeit der Formen( welche auch die leichte Herftellbarkeit umfafst) kennzeichnet alfo die heutigen Mafchinen. Keine unnöthige Linie und kein Zierath ift an ihnen zu finden und jeder ihrer Theile wie er eben zu trägt den Charakter felfiger Ruhe oder blanker Beweglichkeit dienen hat. Verirrungen gegen diefen berechtigt herrfchenden Gefchmack kamen nach beiden Seiten hin vor, ohne jedoch mehr als Ausnahmen zu fein. Die Gewichte der grofsen Antriebsmafchinen, 1oweit es fich in der Ausftellung erheben liefs, betragen zwifchen 4'4 und 74 Kilogramm per I Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt ohne Schwungrad. Im weiten Mittel ift das Gewicht einer heutigen Mafchine gleich dem Dampfdruck auf ihren Kolben, fo 12 J. F. Redinger. dafs es für den Kurbelzapfen gleichwerthig ift, ob die Mafchine an ihm aufgehangen wird oder der volle Dampf auf ihn drückt. Die Dampfverbrauche waren nur felten, und da meift unverlässlich zu erfahren. Bei der geringen Beanspruchung der Leiftungsfähigkeit der Ausstellungs mafchinen wären aber directe Verfuche nicht angezeigt gewefen. Die Vornahme der Unterfuchungen, welche überdiefs den Hauptfactor für die Beurtheilung folcher Motoren abgeben würde, hätte grofsartiger Vorbereitungen bedurft, und da das Ergebniſs mit von der Güte der Keffel abhängt, auch diefe umfaffen müffen. Solche Verfuche aber hätten Unfummen gekoftet und wahrscheinlich die Mehrzahl der Ausfteller von der Befchickung zurückgehalten. Wo Indicatoren oder Bremfen vorhanden waren, habe ich felbe benützt und die Ergebniffe bei den einzelnen Mafchinen angeführt. Ueber die dazu verwendeten Instrumente ergeht fich ein eigenes Capitel diefes Berichtes. Die Ordnung, in welcher die Maſchinen befprochen werden, reiht fich jener an, welche ich bei den Dampfkeffeln befolgte und welche im Programm des Berichtes liegt. Es ift die Reihenfolge nach den Ländern, und infofern eine ganz gefunde, als es die Conftructionseigenthümlichkeiten grofser Gebiete und Völker umfafst, welche fich fonft nicht wohl erkennen liefsen, und auch das Auffuchen einer einzelnen Mafchine erleichtert. Innerhalb der Ländergruppen find die Mafchinen nach ihrer Beachtenswürdigkeit, und zwar meift nach der Steuerung geordnet, fo dafs die Mafchinen mit in die Füllung greifenden Regulatoren voran und die einfach gefteuerten kleinen Mafchinen gegen Ende kommen. Die halblocomobilen Dampfmafchinen und die Locomobile find eigens und wieder nach Länder geordnet zufammengeftellt. Die amerikaniſchen Mafchinen. Die amerikanifchen Maſchinen gehören in einer Weltausftellung auf europäiſchem Boden zu denjenigen Objecten, welche des Studiums am meiſten werth erfcheinen, indem fie die Erfahrungen und Anfchauungen, Ausführungsart und Mode und das Streben der fernften verwandten Kreife in fich tragen, und fpeciell der Dampfmafchinen Bau, welcher durch Corlifs einen theilweifen Umfchwung erlitt, hat allen Grund, den dortigen Neuerungen mit vollem Intereffe zu folgen. . Leider war nun Amerika auf diefem Felde zurückhaltend und fandte aufser einer mittelgrofsen Mafchine nur noch drei Maſchinen kleinerer und kleinfter Gattung. Diefe fchwache Betheiligung ift allerdings zu bedauern, fie erklärt fich jedoch durch die mangelnde Ausficht einer Gefchäftsanbahnung in Motoren mit Mitteleuropa, und durch die hohen Koften einer Ausftellung hartarbeitender Mafchinen in einem fernen Staat. Sämmtliche amerikaniſche Dampfmafchinen hatten gerade Verbindung zwifchen Cylinder- und Kurbellager, und fowohl die zwei kleineren als die grösste derfelben( 305 Millimeter Cylinderbohrung) enthielten Dampfcylinder, Balken und Lager nebft Tragfüfsen als ein einziges Gufsftück, was wohl der Fabrik ein höheres Wagnifs bezüglich des Guffes verurfacht, aber fowohl die Genauigkeit der Herstellung, die Schnelligkeit der Montirung und die Güte und Dauer des Ganzen erhöht, und dem Principe der kleinften Stückzahl am beften entspricht, welches fich auch bei uns Bahn zu brechen beginnt. Bezüglich der weiteren Conftruction war aber an den amerikanifchen Ausftellungsmafchinen wenig Unterfchied gegen europäiſche Mafchinen zu bemerken. Kolbengefchwindigkeit und Dampfdruck, Rohrweiten und Auflagedrücke entfprachen völlig den bei uns üblichen Werthen und die Detailformen fchienen Eine ( mit Ausnahme jener der Ständer) eher einen Schritt zurück als voraus. Einwirkung des Regulators auf die Füllung kam bei keiner Mafchine vor, welche im Gegentheile fämmtlich mit fixer Expanfion arbeiten mufsten. An keiner war die Vorrichtung zur Entnahme von Indicator- Diagrammen angebracht, die Mehr. zahl war aber fplendid bemalt. Ausgeftelit waren an amerikanifchen Mafchinen folche von den Norwalk Iron Works, der New York Safety Steam Comp., von Pickering& Davis in Portland und mehrere andere kleine Dampfmotoren. Die Norwalk Mafchine. Die Norwalk Iron Compagnie, Connecticut N. A. brachte die gröfsie Dampfmafchine der amerikaniſchen Ausftellung. Diefs war eine Eincylindermafchine mit fixer Expanfion und ohne Condenfation, deren Regulator auf die Droffel wirkte. Cylinder, Se tenbalken und Kurbellager bildeten( fammt den beiden End- Tragfüfsen) ein einziges Gufsftück; der Steuerkaften war feitlich angefchraubt und das Schwungrad in Einem gegoffen. Der Cylinder hatte 305 Millimeter Bohrung und der Kolben o 61 Meter Hub. Normal arbeitete die Mafchine mit 100 Umdrehungen in der Minute, was 14 J. F. Radinger. einer Kolbengefchwindigkeit von etwas mehr als 2 Meter per Secunde entspricht. Aber auch 120 Touren( 2'4 Meter Kolbenweg per Secunde) follen ihr anftandslos auferlegt werden können. Der Dampf hatte fünf Atmoſphären Druck als Grenze, und die Mafchine war 20- bis 30- pferdig benannt. fi Nach Abfchlag der Kolbenftange( 50 Millimeter Durchmeffer) bleibt die freie Cylinderfläche 710 Quadratcentimeter. Das Einftrömrohr befafs 80 und die Ausftrömung 100 Millimeter Durchmeffer, was 14 und 1 der Kolbenfläche entfpricht. Fafst man diefs in die Formel= Cv, fo gibt fich bei v= 2 Meter Kolbengefchwindigkeit die Einftrömconftante C= 128, ein felbft für hohe Füllungen ganz ausreichendes Canal- Querfchnittsverhältnifs. Die Dampfvertheilung gefchah durch eine Kolbenfteuerung. Das U- förmige Gehäufe war feitlich des Hauptcylinders mit feinen zwei getrennten Dampfwegen an deffen beiden Enden angefchraubt und der geftreckte Steuerkolben, deffen Grundform durch die Rotation eines gewöhnlichen Mufchelfchiebers entſtand, und der mit Selbftfpannringen gedichtet war wurde durch das einzig vorhandene Excenter bewegt. Die Excenterftange griff aber nicht direct den Kolbenfchieber, fondern aushebbar den aufrechtftehenden Arm einer oscillirenden Welle an, welche näher dem Cylinder den eigentlichen Steuerhebel trug. Die Welle lief noch quer unter dem Hauptbalken der Mafchine hindurch, und formte auf der vordern Seite( fern vom Dampfventil) einen verdickten Kopf mit dünnen Bohrungen für einen Handhebel, mittelft welchem, wenn eingefteckt, fich die Mafchine von Hand aus fteuern und in Gang bringen, aber auch rafch abftellen liefs. Sowohl das Ein- als das Ausftrömrohr fchloffen, erftes oben, letztes unten in der halben Länge an das Rohrgehäufe. Oben ftand noch direct am Dampfrohr der riemenangetriebene Pickering'fche Regulator, welcher mit dem bereits von der Parifer Ausftellung her bekannten Glockenventil die Dampffpannung beherrschte, und aufserdem ein einfach conftruirter Dampföler von luxuriöfer Form. Der Dampf kam nun von der unter dem Fufsboden geführten Leitung durch ein Verticalrohr nach aufwärts, zog durch ein normales Einftrömventil mit horizontaler Spindelachfe an ein hochgelegenes Knie welches oben den Pickering- Regulator trug durchzog dann aulsen feitwärts des Rohrgehäuſes einen Längscanal, der an beiden Enden der Dampfwege dem Cylinder gegenüber mündete, und fand in diefen je nach dem Stand der Steuerkolben den Weg. - Die Ausftrömung griff im Innenraume des Steuerkolbens Platz, welcher fortwährend durch das mittlere Abfallrohr mit der Atmofphäre in Verbindung ftand. Durch diefe Anordnung wurden die Dampfwege kurz- denn die Entfernung von Cylinder- zur Steuerachfe mafs nicht mehr als 350 Millimeter, die Schwierig. keiten des fonft complicirten Guffes waren umgangen und wegen der durchwegs runden Arbeit ward die ganze Ausführung leicht. Der feitlich in der Cylinderachfe angegoffene Hauptbalken war felbftverftändlich für die Führung in Einem gebohrt und enthielt vorne das Kurbellager. Diefes war völlig gleich dem hinteren Schwungradlager unter circa 30 Grad fchief gefchnitten und einfach zweitheilig ohne Einlagkeile, aber mit überfchnittenem Deckel hergeftellt. Die Muttern der vier Deckelfchrauben ftanden durch Klemmfchrauben fixirt. Die Lagerfüfse zeigten jene bei uns fchon lang verlaffenen und bereits ungewohnten gothifchen Formen, welche auch an den anderen ameri kanifchen Mafchinen auftreten und unterſtützt durch eine Rococomalerei für fchön gehalten werden. Der Seitenbalken war noch in der halben Länge( am Ende des Führungscylinders) durch einen unterftellten Fufs geftützt. Der gufseiferne Kreuzkopf erhielt die 50 Millimeter dicke Kolbenflange in gewöhnlicher Weife conifch eingefchliffen und verkeilt; vorne bildete er eine Gabel, welche mit durchgefteckten Bolzen den Kopf der ganz normalen Schub Centimeter 100 Die Norwalk- Mafchine 15 2 Meter Mafsftab 1:48 der Natur. ftange aufnahm. Diefer Zapfen, 65 Millimeter lang, 45 Millimeter dick, arbeitet mit 122 Kilogramm per Quadratcentimeter Schalendruck, nachdem fich der gefammte Dampfdruck auf den Kolben( 3650 Kilogramm) auf feiner Fläche von nicht ganz 30 Quadratcentimeter concentrirt. Die Führungsplatten waren 240 Millimeter lang und 90 breit, und ftanden excentrisch zum Kreuzkopfbolzen, was wohl ihre eigene und die Formgebung des Balkens erleichtert, weil fie ihn verkürzt, aber dennoch nach dem Principe fchlecht ift, dafs jeder Druck( womöglich) centrifch aufgefangen werden foll. Sie waren fowohl oben als unten mit Broncefchuhen armirt, welche zwei Längskeile einftellten und erfuhren 34 Kilogramm per Quadratcentimeter ( Atmosphären) Auflagedruck. Diefer gehört zu den gröfsten Drücken, unter welchen die Geradführungen der heutigen Maſchinen arbeiten und wurde in der Ausstellung nur in drei Mafchinen um Weniges überholt. Die Nachftellvorrich tung erfcheint hie durch und der gröfseren Kolbengefchwindigkeit völlig gerechtfertigt. Die Kurbel hatte kein Balanzgewicht und war aus Gufseifen nach gewöhnlicher Form; fie fchlofs dicht an die Schale und hielt aufsen den eingekeilten 2 16 J. F. Radinger. Stahlzapfen von 60 und 100 Millimeter, der durch die Schubftange fchwach excentrifch gefasst wurde. Der Druck, welcher hier zwifchen Schale und Zapfen herrfchte, betrug 61 Atmoſphären, und per Quadratcentimeter Fläche und per Secunde entfallen hier bei einem Reibungscoëfficienten von 1/20 nahe an o'91 Kilogramm Meter an Abnützarbeit. Das Lager war lang( 210 Millimeter bei einem Durchmeffer von 125) und konnte es auch fein, da die Dampfwege durch Einfchaltung des Zwifchenhebels. dennoch kurz ausfielen. Der horizontale Druck zwifchen Zapfen und Schale ( alfo blofs vom Dampfdruck herrührend) ftellt fich hier auf 14 Kilogramm per Quadratcentimeter und die fpecififche Abnützarbeit auf o 43 Kilogramm- Meter. Das Schwungrad hatte 2.60 Meter Durchmeffer und bildete mit feinen. 400 Millimeter Breite gleich die Scheibe für den 300 Millimeter breiten übertragenden Riemen. Der Querfchnitt des Schwungringes war E- förmig und der gedrehte Aufsenumfang fchwach gewölbt. Er, die fechs Arme und die Nabe fchienen ein einziges ungetheiltes Gufsftück( ohne aufgezogene Nabenringe) zu fein. Der Regulatorantrieb gefchah durch eine Riemenfcheibe, welche mit einem Zwifchenrohr und dem Excenter zufammengegoffen und auf die 140 Millimeter ftarke Welle aufgekeilt war. Die ganze Mafchine arbeitete ruhig und lag auf einem leichten Ziegelfundament, deffen zu Tage tretende Theile von fteinähnlich hergerichteten Holzkäften umkleidet wurden. Der Cylinder war bei dem ohne diefs fchwierigen Zufammengufs mit den übrigen Fixtheilen einfach, d. i. ohne Dampfhemd gegoffen, aber mit einem filberplattirten Blechmantel umgeben, und die geringe Wärmeftrahlung desfelben konnte im Vergleiche zum blechverfchalten Steuerrohr durch das Gefühl der Hand auffallend deutlich empfunden werden. Selbſtverſtändlich waren aber doch Condenfations- Wafferröhren angebracht, welche in das Ausblasrohr durch dort angefetzte fymmetrifche Röhren mündeten. Die Ausführung war folid, ohne aber jenen übertriebenen Luxus mit nickelüberzogenen Griffrädern, verfilberten Schraubenmuttern etc. zu zeigen, in welchem fonft die amerikanifchen Ausftellungsmafchinen erglänzten. Eine Ausnahme machten nur die Schmiervafen, welche in gefchliffenem Glafe und echter Bronce ausgeführt und mit ihrem Adler geziert erfchienen, und der forgfältige( dunkelgrüne) Auftrich, deffen ruhige, goldene Ornamente überall( auch auf Kurbel und Rad) angebracht waren, wo immer fich nur ein Platz für fie ergab. Die Safety Steam Compagnie in New York, Die Safety Steam Compagnie in New- York ftellte zwei kleine ftehende Mafchinen aus, deren eine ungefähr sechs- und die andere zweipferdig war. Beide waren gleichen Syftems und beftand en je aus einem gefenfterten, hohlen, fäulenförmigen Ständer mit unten eingegoffenen Lagern und oben angegoffenem ftehenden Cylinder. Die Führungen am Ständer und die Schieberkäften am Cylinder waren gleichfalls angegoffen und das Ganze zeigte fich in gefälligfter Form. Der Cylinder der gröfseren Mafchine hatte circa 200 Millimeter Bohrung bei 300 Millimeter Hub. Die Führung fand in den angegoffenen und ausgebohrten Wangen mit Kreuzköpfen ftatt, deren excentrifche Gleitflächen aus SchraubenStellkeilen beftanden. Die Kurbelwelle fchien aus Gufseifen zu fein und kröpfte fich unmittelbar an den Innenfeiten der Lager ab, während fie aufsen fymmetriſch und vertauſchbar, einerfeits ein gedrehtes Schwungrad und anderfeits eine kleinere Riemenfcheibe von 106 Meter Durchmeffer trug. Die Steuerung gefchah durch ein Excenter, deffen Stange durch einen Zwifchenhebel fich näher der Cylinderachfe zu überfetzte und einen gewöhnlichen Flachfchieber. Der Schieberkaften Deckel der kleineren Mafchine war Centimeter 100 Die Safety Steam Compagnie in New- York. Mafsftab 1:48 der Natur. I Meter 17 Ein gleichfalls rund. Pickering'fcher Regulator ftand noch oben am Rohr des Schieberkaftens und wirkte auf das Dampfventil direct nach bekannter Art. Getragen wurden diefe ftehenden Mafchinen durch je einen gufseifernen Sockel, deffen fchwere cubifche Form die des leichteren Ständers glücklich zur Geltung brachte, aber auch die Mafchinenwelle fo hoch hob, dafs für das Schwungrad keine Grube nothwendig erfchien. Eine der Maſchinen war in der uns gewohnten kräftigen Weife behandelt, die andere jedoch wies keine blanke Fläche, welche nicht verfilbert gewefen wäre, und war mit Malereien im Nähmaschinen- Stile überhäuft. Pickering& Davis in Portland. Pickering& Davis fetzten ihre kleine( 612- pferdig benannte) Mafchine aus einer grofsen Zahl einzelner Stücke zufammen, als wäre diefs ein Triumph oder eine Garantie. Auf einer unteren taffenförmigen Grundplatte ftanden mit hohen Füfsen ein Dampfcylinder und vorne zwei getrennte Lager aufgefchraubt, welche mitten zwifchen fich und in der Längsachfe der ganzen Mafchine ein Schwungrad hielten. Die gerade Welle desfelben war von zwei Kurbeln bewegt, welche an der Aufsenfeite der Lager gleich und fymmetrifch auf ihr fteckten und durch zwei Schubftangen angetrieben wurden. Diefe kamen von den Aufsenzapfen einer flachen Traverſe, in deren Mitte die Kolbenftange angriff. Die Geradführung der Traverfe beftand aus vier fchmiedeifernen Schienen, zwei zu jeder Seite, die paarweife vom vorderen Cylinderdeckel ausgingen, vorne aber das flache Ende je einer Zugfchraube zwifchen hielten, die im entſprechenden Ausgufse an den Kurbellagern mit Gewinde und Gegenmutter verbunden waren, und alfo Cylinder und Lager in der Kraftebene verfpannten. Die Lager waren zweitheilig, hatten je vier Schrauben für die überfchnittenen Deckel und ihre Füfse zeigten die beliebten gothifchen Linien. Die Führungen ftanḍen weit auseinander( 210 Millimeter von Mitte zu Mitte) und das Schwungrad reichte faft zwifchen fie. Die Nabe des letzteren fchlofs fich ganz zwifchen die Innenflächen der Lager, fo dafs von der Welle nichts zu fehen übrig blieb. Der Schwungring hatte einen gröfsten Durchmeffer von 100 Meter und nahm in feinem 160 Millimeter radial- breitem Rande eine Keilrinne für einen eigenthümlichen Riemen auf. Es war diefs ein dreifacher Riemen der in mittleren Abftänden von 70 Millimeter je ein einzelnes kleineres und darüber drei quadratifche gröfsere nach dem Rinnenkeil zugefchnittene Lederplatten aufge2* 18 J. F. Radinger. Cent. 100 T 0 HO Icel I Meter Mafsftab 1:24 der Natur. Jetzt enthielt. Die mittlere Breite eines folchen Lederkeiles mafs 50 Millimeter und jeden befeftigten zwei durch fämmtliche fieben Schichten( 35 Millimeter) reichende Nieten. Diefer Riemen, angewendet um von der kleinen fchmalen mittleren. Schwungfcheibe den Effect der Mafchine ficher abgeben zu können, erfüllte völlig feinen Zweck und die trüben Kreislinien in der Rinnentiefe fprachen dafür, dafs kein Gleiten platzgriff. Die keilförmigen weichen Lederanfätze preffen fich nämlich in die Keilnutn und da die mitnehmende Reibung nicht unten an einem cylindrifchen Boden, fondern an feitlichen radialen Wänden auftritt, wo jedes Gleiten nur mit verfchiedenen relativen Gefchwindigkeiten möglich würde, erfüllte fich das Beabfichtigte beffer als fonft. Der Schieberkaften lag horizontal am Rücken der Mafchine gefondert aufgefchraubt und das Dampfeinftrömrohr fetzte fich oben mitten auf den blanken Schieberkaftendeckel, was eigentlich befremdlich fchlecht genannt werden mufs. Der Schieberantrieb gefchah mit einer in der Horizontalebene fchiefziehenden Excenterftange, welche ihren Richtungsbruch in der Verticalebene durch einen kleinen fchwingenden Hebel auf einer Achfe erhielt, die fich oben quer über den Geradführungsfchienen ftützte. Die eifernen Kolben- und die Schieberftangen follen nicht gedreht, fondern blos kalt gewalzt worden fein, wodurch eine härtere Schichte aufsen kommt, welche dem Verreiben widerfteht. Thatfächlich waren die Stangen rund und hielten die mit aufgefchraubten Kappen verfehenen Stopfbüchfen gut dicht, was aber eben auch fonft kein grofses Verdienft ift. Pickering& Davis in Portland. 19 Dafs ein Pickering'fcher Regulator auf dem Einftrömrohr fafs, die Mafchine mit Dampföler verfehen und die blanken Flächen wie verfilbert ausfahen, verfteht fich von felbft. Der Cylinder hatte 152 Millimeter Bohrung und der Kolben 305 Hub. Er arbeitete mit 165 Touren, was 166 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde entſpricht. Das fchmiedeiferne Einftrömrohr hatte beiläufig 35 Millimeter und das der Ausftrömung 40 Millimeter lichte Weite. Die Montirung der Dampfröhre gefchah mittelft verfchraubten fcharfen Winkeln und die ganze Leitung fah wie eine billige Gasleitung aus. Kleine Mafchinen. Morland's Ziegelpreffe. Zum Betriebe einer folchen Mafchine waren zwei Dampfcylinder fchief an die Ständer gefchraubt, welche mit um 90 Grad verfetzten Kurbeln und Wurmrad die Thonfchnecken bewegten. Die Cylinder hatten 216 Millimeter Durchmeffer und 305 Millimeter Hub und waren mit vorne angegoffenen Deckeln verfehen. Die Führung fand an der über dem Kreuzkopf verlängerten Kolbenftange in einem Auge ftatt und diefes wurde von der lang gegabelten Schubftange umfafst, wodurch fich die fchlechte Detaillöfung zweier nachzuftellenden InnenStangenköpfe ergab. Ein Porterregulator wirkte auf die Droffel ein, welche am Ende der fchmiedeifernen gasleitungsähnlichen Dampfröhre lag. Seller's Mafchine. Seller's rotirender Puddelofen war mit einer kleinen Dampfmafchine ausgeftattet, deren einfache Umfteuerung erwähnenswerth ift. Der Kurbelzapfen trug vorne am freien Ende einen feft aufgefteckten Bund und vor demfelben drehbar eine Gege nkurbel für die Excenterftange. Der Bund hatte eine blattförmige Radialverlängerung, deren Rand zwei Zahneinfchnitte enthielt und die Gegenkurbel war mit einem Handgriff und federnder Sperrklinge verfehen, welche in den einen oder andern Zahneinfchnitt fallend den Gegenkurbelzapfen fü den Vor- oder Rückwärtsgang ftellte. Kam nun die Mafchine durch das nahe Griffrad des Einftrömventiles nahe oder ganz zur Ruhe. fo war die Umfteuerung rafch und ficher durch eine kurze Handbewegung gethan, und das Detail fcheint eines der denkbar einfachften für diefen oft verlangten Zweck. Die englifchen Mafchinen. In den Dampfmaschinen ift England entfchieden von den Mafchinenbauern deutfcher Zunge überholt. Die Mehrzahl der Mafchinen fah um ein Decennium verfpätet aus, und wenn man von zwei wirklich guten Ausnahmen abfieht, fo wäre über die Syfteme abfolut nichts Neues zu bemerken. Diefe Ausnahmen find die Dreicylinder-Mafchine von Hardingham und die Tangyemafchine. Erftere ift eine der geiftreichften Neuerungen welche die Ausftellung brachte, und bietet ganz bedeutende Vortheile, wo es fich minder um ökonomische Arbeit, als um eine felten zu gebrauchende, und daher eine in der Anlage billigfte Mafchine handelt. Letztere zeigt eine einfache moderne Conftruction. England müht fich fichtbar ab eine paffende Steuerung für grofse Dampfmafchinen zu finden, welche einfacher als jene von Corlifs ift, und deren Vortheile ohne die Nachtheile wiedergibt. Als einen der bedeutendften Vortheile derfelben fcheint man die möglichft kurzen Canäle zu betrachten, und verwendet daher getheilte Schieber, deren Bahn über die ganz geraden Dampfwege und daher weit über die Cylinderenden hinausreicht. Die Abhängigkeit der Expanfion vom Regulator wird entweder durch einen an ihm hängenden Gleitbalken in einer Couliffe, durch ein Rädergehänge oder wie bei einigen kleineren Mafchinen auf andere Arten verfucht. Jedesfalls ift aber noch kein einziges Syftem zum Durchbruch gekommen. Die Dampffpannungen mit 4 Atmoſphären Ueberdruck find geringer, die Dampfwege meift weiter als irgend anderswo. Letzteres dürfte durch die häufigere Verwendung des Indicators und dem Beftreben nach tadellofen Diagrammen verurfacht worden fein, nur gefchah des Guten( für fonft gute Steuerungen) zu viel. Die Kolbengefchwindigkeit ift normal, aber die Auflagedrücke und Abnützarbeiten in den Zapfen find um circa 30 Percent geringer, als in der Mehrzahl der am Continent gebauten Mafchinen. Die leichtere Inftandhaltung und die geringere Gefahr des Warmlaufens diefer Theile englifcher Mafchinen ift fchon lange durch die Erfahrung bekannt und begründet mit deren guten Ruf. Die grofsen englifchen Ausstellungsmaschinen hatten alle unten durchlaufende Grundplatten und einfach fchiefgefchnittene Lager. Die kleineren Mafchinen waren im Allgemeinen forgfältiger ausgeführt als die grofsen. Hier kamen die einzigen ganz blank polirten Maſchinen und hoffentlich zum letzten Male auf einer Ausftellung vor. Ausgeftellt waren: W.& J. Galloway in Manchefter; John J. Derham in Blackburn; Die Reading Iron Works; Tangye Brothers in Birmingham; Charles Powis in London; D. New& Comp. in Nottingham; Clayton& Schuttleworth in Lincoln; Marfhall Sons& Comp. in Gainsborough; Robey& Comp in Lincoln; W.& J. Galloway in Mancheſter. 21 Rufton Proctor& Comp. in Lincoln; Brotherthood& Hardingham; Whitley Partners in Leeds; E. R.& F. Turner in Ipswich; Davis& Holt in Leeds; John& Henry Gwinne in London; Gwinne& Comp. in London; Appleby Brothers in London. W.& J. Galloway in Manchefter. Eine der wenigen Mafchinen, Syftem Woolf, welche in der Ausftellung auftraten, kam von W.& J. Galloway in Mancheſter, und da fie eine Reihe theils merkwürdiger und theils merkenswerther Detaile enthielt und auch überhaupt von einem der gröfsten Häufer kommend eine der gröfsten Maſchinen war, fo nöthigt diefs zu einem längeren Verweilen. Eine einzige untenliegende kaftenförmige Bettplatte lief von unter den Cylindern bis weit vor die Welle hinaus und formte fo die denkbar gröfste Unterlage. Hinten war diefe Grundplatte gefchloffen, aber vorne nach den Führungen verbreiterte und gabelte fie fich in drei Balken, welche die Kurbelgruben umfafsten, um fich dann nochmals zu vereinen. Der mittlere und der Armbalken auf der Schwungrad- Seite erhoben fich bald nach ihren Ausgangspunkten bei den Geradführungen von der fonft völlig ebenen Plattenfläche, und enthielten je ein fchiefes Lager eingegoffen, um die gekröpfte Kurbelwelle aufzunehmen. Der Kolben des grofsen Cylinders griff nun diefe an; der des kleinen Cylinders aber wirkte an einer aufserhalb aufgefteckten Kurbelfcheibe genau unter 180 Grad mit erfterer. Der Stirn Treibzapfen nahm noch eine Schleppkurbel mit, welche für den Regulatorantrieb und die Steuerung des kleinen Cylinders diente. Deren Lager vereinten fich in einem am dritten Arm des Mafchinenbettes gefondert aufgefchrauten Ständer, von welchem fpäter die Sprache fein foll. Die Welle trug nun aufserhalb des Rahmens ein gedrehtes Riemen- Schwungrad, und ftützte fich hinter demfelben in einem normalen( hier alfo dem dritten) Lager. Der Condenfator endlich ftand ifolirt am Steinfundament in der rückwärtigen Flucht des Expanfionscylinders und der Kolben feiner doppelwirkenden Luftpumpe hing direct an der Stange des grofsen Dampfkolbens. Nur Mitte oben lag eine einzelne ftarke Stehbolz- Spannftange ins Gufseifen des Condenſators und die Flanfche des Mafchinencylinders verfchraubt zwifchen Beiden und unterſtützte das Feftftehen des Erfteren. Der kleine Kolben der Dampfmafchine befafs 355, der grofse 610 und jener der Luftpumpe 203 Millimeter. Alle drei hatten einen gleichen Hub von o'76 Meter; das Verhältnifs vom kleinen zum grofsen Cylinder beträgt daher 1: 3 und jenes der Luftpumpe zu letzterem 1: 9. Die Mafchine arbeitete mit 60 bis 64 Umdrehungen oder einer Kolbengefchwindigkeit von 15 bis 16 Meter. Die innere Weite des Einftrömrohres betrug 100 Millimeter Durchmeffer oder circa 13 des Cylinderquerfchnittes. Das Rohr zum Condenfator mafs 200 Millimeter licht, 1 der zugehörigen Kolbenfläche. f1 f - Cv ge Diefe Canäle find nun ausnehmend weit und in die Formel fetzt, kommt für die Einftrömungs conftante 1/20, was wohl des Guten zu viel fcheint. Da aber die Fabrik gewohnt ift, häufig Indicatorproben ihrer Mafchinen vorzunehmen, fo mag die Wahl fo weiter Canäle wohl eine Frucht des Einblickes in die Droffelungen fein, welche willkürlich enge Canäle auf die Spannung im 22 J. F. Radinger. Cylinder gegenüber jener im Schieberkaften üben, und fche nt aus den. Wunfche nach beften Diagrammen entftanden zu fein. Diefe hängen aber nicht nur von den abfoluten Canalquerfchnitten allein, fondern auch von der Weite ab, auf welche fie die Schieber öffnen. Die Steuerung war hier durch eine Couliffe beforgt, in welcher der Regulator den Gleitbacken der Schiebeiftange ftellt. Der Ausfchlag fiel daher defto kleiner aus, und die Eröffnung gefchah( trotz gleichen linearen Voreilens) defto zögernder, je kleinere Füllung zur Verwendung kam. Da nun die Mafchine in der Ausftellung nur mit geringer Kraftentwicklung zu arbeiten hatte, fo waren kleine Füllungen dort normal und das Dampfdiagramm des Hochdruck Cylinders zeigte nur folche von 15 bis 18 Percent. Dabei war fchon das Einftrömventil nur wenig geöffnet benützt und hinter den Kolben kam nur wenig mehr als 1 bis 2 Atmoſphären Admiffionsfpannung. Wo aber die doppelte Droffelung vom Handventil und halb öffnenden Dampffchiebern zufammenwirken, kann der Nutzen der weiten Einftrömcanäle nicht fichtbar werden, welcher bei hoher Füllung und offener Rohrleitung unzweifelhaft klar werden müfste. A er auch die Wirkung des weiten Ausftröm- Querfchnittes blieb in der Ausftellung verwifcht. Denn die kleine Spannung und Füllung im Hochdruckcylinder brachte bereits in diefem einen Enddruck hervor, der meift weit unter die Atmoſphäre ging, und bei der Mehrzahl der( von mir) aufgenommenen Dia gramme bis auf o 4 des abfoluten Vacuums fiel. Da von hier erft diefer Dampf in den dreimal gröfseren Niederdruck Cylinder ftrömte, fo fank dort feine Spainung noch weiters und es war kein Verdienft der Rohrweiten, dafs von dem o'9 Atmoſphären Vacuum des Condenfatois während des Austrittes o 8 im grofsen Cylinder erfchienen Der Kolben des letzteren wurde bei der Ausftellung mafchine nur eben mitgefchleppt, denn nachdem bereits im kleinen Cylinder die Expanfion bis weit unter den Luftdruck fank, fo traf den grofsen Kolben nur fchwache Pref fungsdifferenz. Diefe erreichte kaum 02 Atmoſphären zu Beginn des Hinganges, und dürfte kaum genügt haben, deffen eignen und feines Geftänges Reibungen zu überwinden, gefchweige denn jene Befchleunigungsdrücke zu geben, welche die Maffe nur um der vom kleinen Kolben erzwungenen Bewegung zu folgen braucht. Thatfächlich brach der grofse Kolben im September 1873 und von nun an arbeitete diefe Mafchine mit dem kleinen Cylinder allein; der grofse ward nach Wegnahme aller beweglichen Theile nur wie eine Erweiterung des Ausftrömrohres zum Con denfator hin belaffen, und die Mafchine ging bei der gleichen Stellung des Einftrömventiles wie vor und ehe. Entzogen fich fo auch die Canalquer fchnitte der Beurtheilung, fo war diefs doch nicht mit der Steuerung der Fall. Ich habe zahlreiche Diogramme zu verfchiedenen Zeiten und mit verfchiedenen Indicatoren von diefer Mafchine aufgenommen und das beiftehende Bild( drittel Naturgröfse) spricht wohl deutlich, was am Voreilen und dem Abfchluffe fellt. о ° 0 ° ° Centimeter 100. 000 10 o o ° a F.W BADER.WIEN. 2 3 Meter Mafsftab 1: 48 der Natur. W& J Galloway in Manchifter. 23 24 J. F. Radinger. Die Steuerung felbft gefchah auf folgende Art: Der Sti: nzapfen der Kurbelfcheibe nahm eine Schleppkurbel mit, deren Welle um die Gröfse der Excentricität gekröpft und von zwei auf den vorderften Arm des Betbalkens der Mafchine gefchraubten Lagern gehalten war. Knapp vor der Welle befand fich eine Couliffe, an deren Fufs zwei nach aufwärts gebogene Lappen gefchmiedet waren, mittelft welchen fie fich beiderseits auf tiefer untengeftützte fchwingende Hebel ftützten. Ferner hatte die Couliffe noch ein Lager angefchmiedet, mittelft welchem fie die Kröpfung der Steuerwelle umfing, und fo deren Horizontal- und Verticalfchwingungen mitzumachen gezwungen war. In diefer( Fink'fchen) Couliffe hing durch den Regulatorhebel getragen der Gleitbalken und das Ende der Schieberft ange derart, dafs fich dasfelbe hob, wenn die Manchette fich fenkte und umgekehrt, wodurch wie bekannt defto kleinere Füllungen erzeugt werden, je näher der Gleitbalken dem Schwingungsmittelpunkte kommt, das heifst je tiefer ihn der fteigende Regulator drückt. Dafs die Excentricität der Steuerwelle genau der Treibkurbel gegenüber ftand, dafs die Couliffe nach der Stangenlänge gekrümmt und jede andere mit dem Syftem Fink zufammenhängende Rückficht erfüllt war, ift felbftverſtändlich. Eines mufs aber betont werden: Diefes Steuerungsfyftem gibt gleiche Voreilungen für jede Füllung. Diefs ift ein Vortheil, der wohl pofitiv, aber doch verfchwindend gegenüber dem mehr minder auch den anderen Couliffenfteuerungen anhaftenden Nachtheil wird, dafs fich für kleinere Füllungen die Dampfwege nicht nur nicht ganz. fondern auch nur fehr zögernd öffnen. Bei 5 Percent Kolbenweg kann die Eröffnung desfelben Canales I oder 4 betragen, je nachdem fpäter der Abfchlufs bei 20 oder 60 Percent erfolgt. Die fchlechte Wirkung diefes, wenn geringer Effect beansprucht wird, trägfchleichend aufmachenden Schiebers, zeigt eben das obere Diagramm diefer Mafchine und der Arbeitsausfall der oberen Ecken ent spricht dem baarem Verluft. Diefen Mifsftand kennt die Corlifsfteuerung abfolut nicht und felbft die Meyer Steuerung enthält ihn fehr gemildert, wenn man fich nur nicht einbildet, mit ihr alle Füllungsgrade geben zu wollen, deren Möglichkeit allerdings auch diefer befprochenen Couliffe nachgerühmt wird. Die Couliffenftange war hier möglichft lang gehalten und felbft eine kleine Ausfchreitung nicht gefcheut. Die Schieberftange war nämlich vor der Stopfbüchfe nochmals in einem Auge geführt und zwifchen beiden griff die Couliffenftange an. Damit aber erftere ftellbar blieb, fand die letztere kein centrifches Ange als Angriffspunkt, fondern eine von zwei Muttern zwifchengehaltene Hülfe mit aufrechtftehenden Daumen, wodurch der Angriffspunkt oberhalb der Stangenachfe zu liegen kam. Der Schieber felbft lag feitlich vorne und war derart getrennt. dafs ganz gerade kurze Canäle zum Cylinder führten. Mit dem wurde der Schieber kaften fehr lang und ftand vor die Cylinderdeckel ziemlich bedeutend vor, was nicht fchlecht aber unfchön ift. Der Dampfverluft, den etwas längere Canäle gebracht hätten, wäre aber gerade bei der Wolf- Mafchine am wenigften empfindlich, denn der Dampf expandirt ja aus ihnen in die Cylinder und je höher die Expanfion ift, defto weniger verdienen die Dampfwege den Namen„ fchädlicher Raum". Betrachtet man noch überdiefs das Diagramm der dampfverfchwendenden Steue rung, fo verliert das ängftliche Sparen an den Canallängen noch mehr an Werth. Die Ausftrömung aus dem kleinen in den grofsen Cylinder und von dort in den Condenfator war durch zwei je gleichfalls getrennte Schieber beforgt, deren erfter faft unzugänglich und ganz unüberwachbar zwifchen den beiden Cylindern lag während deren zweiter feitlich aufsen am Niederdruck Cylinder arbeitete. W.& J. Galloway in Mancheſter. 25 Der Schieberkaften des letzteren war U- förmig und an beiden Enden angefchraubt; die Schieberftange ging durch die vordere Aufbiegung, wo fie den einen Schieber fafste, hindurch und dann in freier Luft zur zweiten Hälfte des Schieberkaftens. In der halben Länge desfelben erhob fich das kupferne Ausftrömrohr, welches mit leichtem Fall zum Condenfator zog. Beide Schieberfyfteme des grofsen Cylinders bewegte ein einziges Excenter unter Einfchaltung einer hochliegenden oscillirenden Zwifchenwelle, welche vor den Cylinderdeckeln gelagert war und deren drei niederhängende Hebel die Excenterbewegung empfingen und übertrugen. Derart gefchah nun die Dampfvertheilung mit den möglichft kürzeften Canälen und durchwegs einfachen ebenen Platten, welche der gleichmässigen Abnützung halber gut fchliefsen konnten. Jede Platte hatte nur mit einer einzigen Kante zu arbeiten, und wäre der Antrieb oder vielleicht nur deffen Stellung beffer gewefen, fo dürfte kein Tadel laut werden. Der Condenfator ftand derart nahe hinter dem grofsen Cylinder, dafs die mit einem Metallrohr überzogene Kolbenftange abwechſelnd den Dampf- und Wafferraum betrat. Die Luftpumpe war in den Condenfatorkaften eingegoffen und enthielt blos aufgefchraubte Deckel. Die Einfpritzuug gefchah nicht ins Ausftrömrohr fondern ziemlich entfernt vom Cylinder in den Hohlraum des Condenfators. Die Ventile beftanden aus rechteckigen Kautfchukplatten auf ebenen gegitterten Sitzen. Das Dampfeinftröm Ventil fafs nicht an der Mafchine, fondern abfeits und etwas über dem Boden erhöht auf dem Dampfrohr. Diefs ift an englifchen Mafchinen fehr beliebt und gibt der Hauptconftruction den Schein gröfserer Einfachheit, welcher noch durch die Formgehung der Detaile und die Ebenen der Verfchalung glücklich gefördert wird. Von den Detailen ift im Allgemeinen zu erwähnen dafs fie, obgleich zweierlei Cylindern angehörig, doch in den Mafsen möglichft übereinstimmten. Die Kolbenstangen waren gleich und je 76 Millimeter dick; jede trug vorne ein Gewinde, war durch den Würfel ihres Kreuzkopfes hindurchgefteckt und mit, einer vordern Mutter verfchraubt. Beiderfeitig vorſtehende Zapfen( je 70 Milli. meter lang und dick mit 51 Atmoſphären Schalendruck arbeitend) im felben Schmiedftück nahmen die Doppelköpfe der kurzgegabelten Schubftangen auf, welcher jeder für fich in veralteter Art zu ke.len war. Millimeter 100' 0' I 2 3 4 5 Meter Eine neue Detailform bot aber die Führung. Diefe fand nur unten mit je einer gufseifernen Gleitplatte( von 260 und 330 Millimeter Seitenlänge) ftatt, welche ohne Oberlineale direct in die fchwalbenfchwanzförmig im Bettkörper ausgehobelten Führungsrinnen gebracht wurden. Zu dem Zwecke war jede Gleitplatte zweitheilig und mit zwei Querbolzen erft nach dem Einfatze in die Rinne verfchraubt. Die ober die Platte vorragenden Angüffe für diefe Schrau ben bildeten aber gleichzeitig die Nafen für eine am Kreuzkopf Schmiedftück befindliche Fufsplatte, welche genau zwifchen pafste. Vier Eckschrauben verbanden endlich noch die beiden oder richtiger die drei Theile zu einèm fo.iden Ganzen. Diefe Contruction, welche unter Anderem auch eine völlig rich. Mafsftab 1: 25 der Natur. 26 J. F. Radinger. tige Führung centrifch im Kraftangriff gibt, war fo compendiös, dafs ihr Zufammengefetztfein aus mehreren Theilen erft auffiel, wenn nan dem Grunde des angenehmen Eindruck es nachforfchte den die weggefallenen blanken Oberleiften der Geradführungen und die dort fehlenden Schraubenmuttern hervorbrachten. Für eine Nachftellung der Gleitfläche war nicht geforgt und eine folche wäre auch unnöthig gewefen, indem der Druck zwifchen den Führungen ausnehmend klein war und nur 11 Kilogramm per Quadratcentimeter Gleitfläche betrug. Diefe Führungsplatten näherten fich den relativ gröfsten( der Druck den kleinften) aller Dampfmaschinen der Weltausftellung. Die Kurbelzapfen hatten je 120 Millimeter Länge. Der Zapfen der( ganz unbalancirten) Kurbelfcheibe war 70 und jener der gekröpften Welle, wo der Niederdruck angriff, 170 Millimeter dick, was für erfteren 59 Atmoſphären Druck und o 66 Kilogramm Meter ſpecififche Abnützarbeit gab. Die Schalen waren innen ziemlich rauh und berührten nicht durchwegs, wie man fich bei dem Auseinandernehmen der Mafchine überzeugen konnte. Die Kurbellager waren einfach ſchiefgefchnitten und befaffen nur je zwei Deckelfchrauben. Jedes hatte 200 Millimeter Bohrung und 250 Millimeter Länge, und dafs fie an die Fundamentplatte angegoffen waren fteht fchon oben erwähnt. In ihnen herrfchten 10 Atmoſphären horizontaler Auflagdruck und 0.32 Kilogramm- Meter Abnützarbeit per Secunde und einzelnen Quadratcentimeter Auflagfläche. Aufserhalb der Ma chine war die Welle 190 Millimeter dick und trug ein Schwungrad von 3.10 Meter Durchmeffer, von welchem ein 290 Millimeter breiter Riemen die Arbeit entführte. Die normale Dampffpannung betrug 4 Atmoſphären und der Effect nominell 100 Pferde. Der Regulator diefer Mafchine war durch ein Vorgelege von jener mit der Schleppkurbel mitgenommenen Steuerwelle bewegt. Der Regulatorftänder ftand nämlich feitlich der Steuerwelle und feine untere Horizontalwelle war durch ein Zahnrad- Vorgelege 36 mal fchneller als erftere gedreht. Ein Kegelrad- Paar im Sockel der Regulatorfäule trieb nun die Verticalfpindel, welche oben mit gekreuzten Stangen die Schwungmaffen trug. Diefe waren walzenförmig und abweichend vom Bisherigen nicht durch die Hängftangen fondern mit einer aufgelegten Kreisplatte belaftet. Beim Heben der Gewichte rollten fie vermöge ihrer Walzengeftalt auf der unteren Fläche der Belaftungsplatte hinaus und hoben fie derart direct. Letztere enthielt noch zwifchen den Gewichten niederhängend einen rotationsförmigen weiteren Belaftungsangufs, in den endlich die Manchette gedreht war. Die Belaftungsfcheibe enthält natürlich Schlitze, durch welche die Regulatorftangen zu den Gewichten ziehen. Diefe mögen gleich willkommene Angriffspunkte für die nothwendige höchft forgfältige Centrirung der Scheibe bieten, welche bei einem Durchmeffer von 45 Centimeter fich circa 240 Mal per Minute dreht. Um die Manchette fchmiegte fich dann der 55 Centimeter lange Hebel, an dem das Ende der Couliffenftange mit dem Gleitbacken hing. Das Gewicht derfelben balancirte ein Schiebgewicht an einer gegenüberftehenden Verlängerung des Hebels und ein eingefchaltener Oeltopf enthob den Regulator des momentaren Nachgebens. Die ganze Mafchine war ftark aber fchlicht und einfach conftruirt und keine einzige unnöthige Linie oder Fläche ftörte ihren ruhig ernften Charakter. Die Ausführung war gut aber nicht gefucht oder übertrieben und die( hier zu weit führende) Conftruction der Kleinftdetaile fprach von den umfaffenden Erfahrungen diefer Fabrik. W.& J. Galloway in Mancheſter. 27 Beifpielsweife fei erwähnt, dafs fich für die Anbringung der Standfäule für den Hebel des Indicatorantriebes fymmetriſche Augen mit Arbeitsplatten an das Mafchinenbett angegoffen vorfanden etc. Hauptfächlich fei aber erwähnt, dafs nur wenig Mafchinen der Weltausftellung gröfsere Canalquerfchnitte und relativ gröfsere Auflagflächen an Führungen und Zapfen aufwiefen als diefe. John J Derham in Blackburn. John J. Derham ftellte zwei grofse liegende Dampfmafchinen aus und liefs beide für den Betrieb der Transmiffion arbeiten. Die erfte kleinere diefer Mafchinen fchlofs fich ziemlich an die gewöhnliche Anordnung. Auf eine horizontale kaftenförmige Grundplatte waren Kurbellager und Führungen fowie auch der Dampfcylinder aufgefchraubt und letzterer hatte feitlich feinen beiderfeits ftark verlängerten Schieberkaften angegoffen, wie es aen getrennten Schiebern für kurze Canäle entſprach. Der Cylinder befafs 406 Millmeter Bohrung und der Kolben o 75 Meter Hub. Sie arbeitete mit 4 Atmofphären Ueberdruck und 54 Umdrehungen per Minute was einer Kolbengefchwindigkeit von I 35 Meter in der Secunde entfpricht. Der Cylinder war mit Dampfmantel und Holzverkleidung umgeben und mit einer Mayer Steuerung verfehen, welche angeblich faft alle Expanfionsgrade zulaffen follte. Diefs letztere anzuftreben ist immer ein fchlechtes Zeichen für den Einblick in das Wirken diefer Steuerung. Denn die Canäle können bei kleinen Füllungen nur wenig geöffnet werden, wenn fie für grofse Füllungen nicht heillos weit übergriffen werden follen. Würde man aber Dampfquerfchnitte erzeugen, welche felbft für kleine Füllungen genügen, fo müfsten Excenter und Schieber, wie fonft für eine grössere Mafchine paffend bemeffen werden, deren Dampf- und Arbeitsverlufte den erreichten Vortheil wieder ausglichen. Nun droffeln die Deckplatten bei kleinen Füllungen den einftrömenden Dampf und das Indicatordiagramm diefer Mafchine verräth deutlich die fchlechte Arbeit ihrer Steuerung. Ich entnahm ihr wiederholt diefes fprechende Bild. Der Dampfkolben zeigte eine neue Conftruction. Die zwei in gewöhnlicher Art aufgefchnittenen Dichtungsrange waren innen conifch ausgedreht und wurden durch eine hinterlegte Spiralfeder gefpannt, welche durch die Kolben Deckplatte zufammengedrückt wurde. Die Aufsenfliche der Spiralfeder war nach dem gleichen( Doppel-) Conus abgedreht und fchlofs fich in der Arbeitslage an die zwei Dichtungsringe. Die an die Kolbennuthen ftofsenden Schmalfeiten der letzteren waren aber noch mit einer kleinen inne. ren Borte verfehen, mit welcher die Spiralfeder eigentlich gefafst war, und deren Spanung follte alfo auch den dichten Schlufs jener Ringflächen beforgen, welche fonft nur durch das forgfältigfte Schleifen aber fpanungslos gedichtet werden und noch dem Verfchlagen unterliegen, was hier umgangen fein foll. 28 J. F. Radinger. Ob die Abnützung der Ringe aber nicht ungleichförmig ausfällt, indem die Hinterborten wie eine verfteifende Rippe den Ring vor dem Aufgehen wahrt, während der weichere gegen die Mitte zu befindliche Theil dem Drucke nachgibt, wodurch der Ring kippt und fich erft recht verfchlägt, lässt sich von vorneherein nicht entfcheiden. Derham fertigt folche Kolben feit vier Jahren an und behauptet die Zufriedenheit der Benützer für fich zu haben. Die Kolbenftange mafs vorne 70 Millimeter und ging rückwärts in halber Dicke durch eine Stopfbüchfe, um bei einer Aufftellung andernorts eine Luftpumpe anzutreiben. Diefe mufs dann gefondert auf einem Fundamente ftehen, indem das Bett der Mafchine nur bis unter den Cylinder reichte. Die Geradführung fand mit zwei Gleitbacken von je 120 Millimeter Breite und 290 Millmeter Länge( 14 Atmoſphäre Auflagdruck) zwifchen zwei Paaren gefondert aufgefchraubter gufseiferner fifchbauchförmig verrippten Führungen ftatt, welche mit Zwifchenftück en auseinandergehalten waren. Kreuzkopf und Kurbelzapfen waren faft gleich grofs, indem die Durchmeffer 75 und 80 und die Längen 115 und 120 Millimeter betrugen, wodurch 70 und 65 Atmoſphären Schalendruck und auf letzteren o 70 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit entftanden. Letzterer Zapfen ftack in einer Kurbelfcheibe, welche rückwärts mit Holz ausgekleidet und mit Blech verfchalt eine ebene Fläche zeigte. Das Kurbellager mafs 200 Durchmeffer und 300 Millmeter Länge. Es war zwifchen ans Bett gegoffene Nafen mit zwei Schrauben im Ganzen gehalten; die Schalen waren einfach ſchief gefchnitten und der gleichfalls nur mit zwei Schrauben verficherte Deckel nicht übergreifend. Hier ftellten fich 10 5 Atmo. fphären Druck zwifchen Schale und Welle ein, und letztere erzeugt 0 29 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit. Unmittelbar hinter dem Lager trug die Welle die beiden Steuerexcenter, deren hochkantige Stangen mit den Ringen zufammengefchweifst waren. Dicht an den Excentern ftand dann über der Welle reitend ein fchmaler Ständer für den Porter- Regulator, der auf die Dampfdroffel wirkt; diefer war durch eine hoch im Ständer gelagerte Zwifchenwelle getrieben, welche die Bewegung von der Hauptwelle mit einem Stirnrad- Paar( Räder 1: 6 ins Schnelle) empting und mit Kegelrädern die Spindel trieb. Diefer Ständer wankte trotz vielfachen Nachhelfens ganz bedeutend, was bei deffen geringer Breite, grofsen Höhe und den rafch umlaufenden vielleicht nicht centrirten Maffen gar nichts zu wundern gab. Nach dem Ständer refpective dem Antriebsrad für den Regulator fafs wieder unmittelbar das Schwungrad auf der Welle. Diefes hatte 3.70 Meter Durchmeffer und 230 und 180 Millimeter Kranzquerfchnitt. Es war zweitheilig mit aufgezogenen Ringen und Schrauben in der Nabe und mit Einlagkeilen aufsen verbunden. Neben demfelben befand fich eine Riemenfcheibe, deren Durchmeffer circa 2 des Hauptrades befafs, und welche mit einem 300 Millimeter breiten Riemen die Arbeit übertrug. Derart lagen die ganzen von der Welle getragenen Antriebstheile dicht aneinand und das Zukommen zu den einzelnen war ungemein erfchwert. Hinter der Scheibe fetzte fich die Welle auf 160 Millimeter Durchmeffer ab, blieb ungefähr 15 Centimeter blos und fand dann ihr Hinterlager, welches genau dem Kurbellager mit dem fchiefen Dekel etc. glich. Das Dampfeinftröm- und das Regulatorventil waren nicht an der Mafchine fondern circa einen Meter davon entfernt in die Dampfleitung eingefchalten. Diefe enthielt dort einen Gufskaften, welcher von ferne einer kurzen Bank oder einem Stuhle glich und die beiden Ventile in feinem Innern barg. Der wahrfcheinliche Zweck diefer Anordnung ift wohl das Näherrücken des Anlafsventiles zum Einfpritzhahn des künftig hinkommenden Condenſators. John J. Derham in Blackburn. 29 Nominell hatte die Mafchine 20 Pferdeftärken und foll deren 50 effectiv leiften können. Am Schlufse der Ausftellung war fie für 500 Pfund Sterling ausgebothen. Die zweite Mafchine von John J. Derham glich der eben befchriebenen mit Ausnahme der Steuerung. Diefe zweite Mafchine war gröfser, hatte einen Kolben von 457 Millimeter Durchmeffer und o'91 Meter Hub, welcher mit einer Gefchwindigkeit von 1'45 Meter per Secunde arbeitete, indem fich die Tourenzahl auf 48 per Minute belief. Das Einftrömrohr von 114 Millimeter Weite bot einen Querschnitt von 102 Quadratcentimeter oder 1/16 des Cylinders. Die später zu befprechenden fünf Einftrömfpalten der Durchlafscanäle in den Schiebern mafsen je 14 Millimeter Breite bei 140 Millimeter Länge, was bei 98 Quadrat centimeter noch mehr als 17 Gefammtquerfchnitt gibt. 1/17 Für die Kolbengefchwindigkeit von 1'45 Meter per Secunde find nun diefe Querfchnitte, letzterer allerdings nur bei einer guten rafch fich öffnenden Steuerung zu grofs, indem fich die Conftante aus 17= C. 145 mit 1/24 bis 25 ergibt Das Ausftrömrohr hatte 160 Millimeter Durchmeffer, alfo den doppelten Querfchnitt der Einftrömung. Die rückwärts verlängerte Kolbenftange trieb die Luftpumpe direct, welche in dem Condenfatorkaften eingegoffen lag. Diefer kam ziemlich weit von der Maſchine entfernt, indem die Luftpumpen Stange in das ausgebohrte Ende der Dampfkolben- Stange eingekeilt war. Der Condenfator ftand gefondert auf dem Steinfundamente, jedoch ftützten ihn gegen die Mafchine zwei obere Anker aus Rundeifen, deren Vorderenden als Verlängerungen zweier DampfcylinderDeckelfchrauben erfchienen, während fich die hinteren Enden ziemlich roh mit Lafchen und Abfcheerbolzen an die Verticalwände des Condenfators fchloffen. Die Einfpritzung des Kaltwaffers gefchah dort durch einen feitlich ange fchraubten gewöhnlichen Hahn mit eingefchliffenem Conus. Das Waffer trat von unten in der Verticalachfe des abwärts dünnen Kegels ein, und weil dadurch für die Anzugfchraube der Platz entfiel, fo wurde das Eindrücken mit einer ober dem Handgriff centrifch angreifenden Körnerfchraube beforgt, deren Muttergewinde fich in einem angefchraubten Winkel an der Condenfatorwand befand. Dabei ift. kaum abzufehen, wie das Lüften des Kegels zart erfolgen foll, wenn fich derfelbe unter dem Luftdruck feftfetzt. Diefe ziemlich rohe Conftruction eines für den luftdichten Schlufs fo empfindlichen Details war aber mit einem grofsen Aufwand von Arbeit an den Nutz und Zierflächen tadellos glänzend hergestellt. Auch die Einftrömung des Keffeldampfes in die Mafchine gefchah durch einen hahnförmigen Körper, in welchen er von unten eintrat und den er feitlich an der Schieberkaftenwand verliefs. Die Stellung des Conus gefchah mit einem grofsen Griffrade. Die übrige Conftruction( immer noch mit Ausnahme der Steuerung) folgte faft gänzlich der bei der erften Mafchine befchriebenen Anordnung. Der Kolben war wie dort, und deffen 75 Millimeter ftarke Stange ging durch eine Stopfbüchfe, deren Vorderflanfche rund und mit einem die Hinter flanfche übergreifenden Rohrmantel zufammengegoffen war, welcher den fonft unfchönen Zwifchenhals deckte. Die an den Enden der Traverfe befindlichen Gleitbacken( jeder 120 Millimeter breit, 320 Millimeter lang) gingen mit 2.0 Atmoſphären Führungrdruck zwifchen aufgefchraubten Gufslinealen, deren fifchbauchförmige Verfteifungsrippen nicht unter die Schrauben liefen, wodurch dort die Lineale beängftigend dünn ausfahen. Der Kreuzkopf- Zapfen mafs 70 und 110 Millimeter und der Kurbelzapfen hatte 85 Millimeter Durchmeffer bei 120 Millimeter Länge. Diefe erfuhren dabei 103 und 78 Atmofphären Schalendruck und letztere o 80 Kilogramm- Meter fpecififche Abnützarbeit. 30 J. F. Radinger. Der Kurbelzapfen ftack in einer unbalancirten Kurbelfcheibe. Die runde Schubftange hatte vorne beim Kurbelende einen gefchloffenen und im Kreuzkopfe einen offenen Kopf. Das Kurbellager war aufgefchraubt, unter 30 Grad fchief gefchnitten, und mit einem nicht übergreifenden Deckel gefchloffen. Deffen zweitheil ge Schalen umgaben den Zapfen von 200 Millimeter Durchmeffer und 300 Millim ter Länge( Auflagedruck 13 2 Atmofphären, fpecififche Abnützarbeit 032 Kilogramm Meter) und die zwei Fufsfchrauben gingen direct in 18 Meter tiefes Fundament. Oben glänzten die eckigen Formen einer meff.ngenen Schmierfchachtel zwifchen den Muttern und Gegenmuttern der zwei Deckelfchrauben. Hinter dem Lager war ein Excenter und ein Kegelrad für die Steuerung aufgekeilt, worauf das Schwungrad und das hintere gleichfalls in fchiefe Lage kam. EW BADER EN scDas Rad hatte 40 Meter Durchmeffer und bei einem Kranzquerfchnitt von 200 bis 280 Millimeter ein Gewicht von annähernd 6000 Kilogrammen. Es war zwifchen den Armen zweitheilig gefchnitten, und die Nabe mit zwei heifsaufgezogenen Ringen und vier Schrauben verbunden. Es fafs frei mit vier Keilen auf der Welle, was das Centriren erleichtert. Aufser dem Schwungrad war noch eine 2: 3 Meter grofse, 350 Millimeter breite Riemenfcheibe vorhanden, welche ein 300 Millimeter breiter Riemen umfchlang, welcher infoferne bemerkenswerth war, als er aus einem Doppelriemen mit aufgenähten Seitenleiften beftand, welche zwifchen fich noch fchief aufgenäht und genagelte Leder- Blattftreifen enthielt und f eigentlich ein dreifacher Riemen wurde. Die fchiefen Schnitte der dritten Schichte erhöhen aber die Biegfamkeit des Riemens. Ein grofser Watt'fcher Regulator ftand auf einer hohen, cannelirten dorifchen Säule auf würfelförmigem Sockel, ungefähr in der halben Länge der Geradführungen feitlich der Mafchine. Der Antrieb gefchah durch eine ängs des Mafchinenbettes herlaufenden Transmiff.ons welle, welche e nerfeits ihre Drehung von der Schwungradachfe mit einem Kegelräder- Paar empfing und d efelbe anderfeits in gleicher Art auf eine im Regulatorfockel liegende Querwelle abgab. Diefe Querwelle ragte beiderfeits über den ihre Lager enthaltenden. Sockel hinaus, und während fie an einem freien Ende das angetriebene Kegelrad trug, befand fich am anderen Wellenende ein Stirnrad, mit dem fie unter Einfchaltung eines verftellbaren Rädergehänges in die Steuerung griff. Im Innern des Sockels aber empfing die verticale Regulatorfpindel ihre Drehung abermals mit einem Kegelrad- Paar von der Querwelle aus. Die Steuerung diefer Mafchine war eine der complicirteften und fchwerfälligften Mechanismen diefer Art, welche je von Menfchen zufammengemüht wurden. Oben am Rücken des Cylinders lag ein beiderfeits weit über die Cylinderdeckel hinausragender Schieberkaften, deffen getrennter Vertheilfchieber von dem bereits erwähnten Excenter feine Bewegung empfing. Da diefs der Lage oben halber nicht direct gefchehen konnte, fo mufste eine Hebelwelle zur Verwendung kommen. Diefe lag in zwei beiderfeits den Geradführungen vom Bette aufftehenden Rippenftändern vor dem Cylinder, und wie ihr aufsen niederhängender Arm die Bewegung vom Excenter übernahm, übertrug diefelbe ein in der Wellenmitte aufgekeilter Hebel auf den Schieber. Für die Geradführung der Schieber 0 00 John J. Derham in Blackburn. 31 O O 4+ Centimeter 100 I 2 3 Meter Mafsftab 1: 48 der Natur. 3 82 J. F. Radinger. ftange ftützte fich ein kleiner Augenftänder mit fchiefen Fufsplatten auf die Fifchbauchform der Haupt- Geradführungsfchienen. Ueber die getrennten Schieber ging der Schieberkaften gemeinfam hinweg. Seine Decke war oben angegoffen mit Ausnahme zweier ober den Schiebern befindlichen Deckel. Mitten des Schieberkaftens feitlich mündete der grofse Dampfhahn, während die Ausftrömung in einem angegoffenen Ringe um den Cylinder führte und zum Condenfator kam. Zum Zwecke einer von der Regulatorftellung abhängigen veränderlichen Expanfion waren nun jeder der zwei Vertheilfchieber mit einem fünffpaltigen Dampfwege verfehen, über welchem eine gleichfalls fünffpaltige Deckplatte öffnend und fchliefsend hin und wieder rückte. Um aber das Oeffnen und Schliefsen der Dampf Durchlafs fpalten der Gröfse und Gefchwindigkeit nach unabhängig von der jeweiligen Lage des Vertheilsfchiebers zu erreichen, fo erfolgte die Bewegung der Deckplatten in einem Sinne fenkrecht auf die Bewegungsrichtung der Grundfchieber und mit Woolf'fchen Dreiecken. Nach diefem Plane wurde allerdings der Nachtheil der verfchiedenen relativen Entfernungen und Gefchwindigkeiten, welchen die zufammenarbeiten. den Kanten gewöhnlicher Zweifchieber- Steuerungen bei verfchiedenen Füllungen unterworfen find, faft gänzlich umgangen. Das Woolf'fche Dreieck öffnet die Einlafsfpalten fchon lange vor dem todten Punkte gänzlich, und läfst fie fo, wo immer der Abfchlufs durch fie später erfolgen wird. Anderorts z. B. bei der Meyer Steuerung ift diefs nicht der Fall. Da fteht für kleine Füllungen die Durchlafsfpalte am todten Punkte oben nur wenig offen, und ihr Schlufs beginnt fofort und zögernd, weil die beiden Excenter in gleicher Richtung gehen, und das Deckexcenter die Lage feiner langfamften Bewegung paffirt. Aehnlich würde es fich auch mit Schleifbogen- Steuerung verhalten, wo beim Einwärtsdrücken des Gleitbalkens gleichfam ein kleineres Excenter mit gröfserem Voreilwinkel zur Wirkung kommt, welches alfo auch nur kleine Eröff nung geben kann. Hier aber wirkt je ein Woolf'fches Dreieck, alfo immer diefelbe Excentricität, und nun handelt es fich nur noch um den Schlufs. Dafs derfelbe überall gleich fchnell( wenn auch mit verfchiedener Gefchwindigkeit im Vergleich zum Dampfkolben) erfolgt, wenn feine von der Schwungradwelle mit Rädern angetriebene Welle fich gleichfchnell dreht, ist bekannt, und nun braucht man nur den Voreilwinkel des Dreiecks zu ändern, oder deffen Antriebsräder zu verdrehen, fo wird diefer Schlufs gleichfalls erfolgen können, wo immer die Kurbel fteht. Derham ändert nun den Voreilwinkel durch die Verdrehung der Antriebsräder und zwar durch ein Rädergehänge vom Regulator aus. Jenes freigetragene Stirnrad an der Querwelle im Regulatorfockel, wovon oben die Sprache war, treibt nämlich ein Zwifchenrad, um deffen Achfe zwei Horizontalarme pendeln können, welche an ihrer Spitze eine Welle tragen. Diefe Welle wird mit einem aufgekeilten Zahnrad gedreht, deffen Zähne in jene des Zwifchenrades greifen, und treibt dann wieder mit einem Stirnrad- Paar eine rohrförmig aufgefteckte Nabe der Zwifchenachfe zurück. Die Bewegung wird daher immer richtig erfolgen, wie immer die Tragarme ftehen, indem die Räder übereinander rollen. Aber der Voreilwinkel der Rohrwelle wird gegen das Zwifchenrad, auf deffen Welle er fteckt, alfo weil alles fernere fteif ift, gegen die Hauptkurbel um fo bedeutender abweichen, als die Ueberfetzung durch die armgetragene Welle doppelt ins Schnelle gefchieht. Diefe letztere Welle hängt nun mit einem balancirenden und ftark überfetzten Hebel an der Manchette des Regulators, deffen Stellung dem Voreilwinkel der Rohrwelle und des nun kommenden Antriebes der Steuerdreiecke ftellt. Das Rohr treibt nämlich mit einem Kegelrad- Paar eine zweite Transmiffionswelle längs dem Cylinder, und diefe vor jeder Schiebermitte mit letzten Kegelrädern die zwei Verticalwellen der Woolf'fchen Dreiecke. John J. Derham in Blackburn. 33 So ift denn das Angeftrebte gelöft, aber mit dem bedeutenden Aufwande des eben befchriebenen Apparates, deffen 17 ineinandergreifende Zahnräder und mindeftens eben foviele oder noch mehr Lager einen unerhörten Aufwand an Herftellungs- und Ueberwachungsarbeit verurfachen. Die zum Grundfchieber fenkrechte Bewegung des Deckfchiebers hätte ohne Weiters erfolgen können, wenn nur der letztere fo breit gehalten worden wäre, dafs nie ein feitliches Oeffnen erfolgen kann. Um aber mit je einer kleinen weniger dampfbelafteten Platte auszureichen, ift dem Deckfchieber das Mitgehen mit dem Grundfchieber geftattet, was zwifchen zwei Anfchlagnafen gefchieht. Die Dreiecksftarge geht aber ftarr und gegenüber der Stopfbüchfe mit einer Blindbüchfe in der Hinterwand geführt durch den Schieberkaften. Mitten innen trägt fie einen Gleitbalken, welcher eine aufgefchraubte Langfchleife des Deckfchiebers fafst, und ihn mit diefer verrückt wo immer er fteht, wobei der Angriff aber wohl meift excentrisch ftattfindet. Wie nicht anders zu erwarten, wurden einigemale während der Ausftellung Reparaturen in diefem complicirten Mechanismus nothwendig. Die Reading Iron Works. Die Ausstellungsmafchine diefes Eifenwerkes war eine 25- pferdekräftig genannte liegende Condenfationsmafchine, welche fo recht den meift verbreiteten Typus der heutigen Dampfmotoren in faft durchwegs vollendeter Detailconftruction aufwies. Eine einfache, oben völlig ebene und feitlich geradlinig begrenzte Grundplatte, trug auf ihrer ganz gehobelten Fläche die einzelnen Theile der Mafchine gefchraubt. Der Dampfcylinder hatte 432 Millimeter Durchmeffer und feine Kolben 0.761 Meter Hub. Er arbeitete mit vier Atmoſphären Ueberdruck und machte 70 Doppelhube in der Minute, was einer Kolbengefchwindigkeit von 178 Meter per Secunde entspricht. Der Cylinder hatte ein gefondertes Dampfhemd, welches durch ein eigenes Rohr mit anderem Dampf, als welcher zur Arbeit kam, geheizt wurde und war noch überdiefs mit Holz verfchalt. Die Steuerung gefchah durch eine ganz gewöhnlichen Meyer Steuerung mit hinterem Drehrade, der Schieberkaften war angegoffen und die Ein- und Ausftrömrohre mündeten auf deffen obere Fläche. Die Pratzen beiderfeits des Cylinders waren faft fo lang als er felbft und nur um fo viel kürzer, als es zum vollſtändigen Fertigdrehen der Kreisflanfchen nothwendig war. Sie fchloffen mit je vier gleich vertheilten Schrauben an das Bett und mufsten ohne Einlagkeile oder Nafen durch die Reibung allein halten, welche die Schraubenfpannung weckte. Die Kolbenstange fetzte fich im Kolben conifch ab. Sie ging beiderfeits durch je eine normale Stopfbüchfe in den aufgefchraubten Cylinderdeckeln und während fie vorne bei 51 Millimeter Durchmeffer den Arbeitsdruck ins Geftänge übertrug, hing an ihrer rückwärtigen dünneren Seite die doppelt wirkende Luftpumpe direct. Letztere hatte bei gleichem Hub mit dem Dampfkolben einen Durchmeffer von 140 Millimeter, was 1/ 9.5 des Dampfcylinders- Volumen entſpricht, und lag in den rechteckigen Condenfatorkaften eingegoffen, welcher wieder mit gleichlangen Seitenpratzen und je fünf Bolzen auf dem durchlaufenden Bette gefchraubt ftand. Seine Entfernung vom Cylinder war fo grofs, dafs das Aus ziehen des Dampfkolbens bequem möglich war, und dafs irgend ein Stangentheil wohl in die Stopfbüchfen aber nicht in die gegenüber liegenden Räume trat. Der Dampfdruck wurde durch ein Schieberventil geregelt, welches in einem am Cylinderrücken aufgefchraubten Gufskörper lag. In diefen mündete 3* 34 J. F. Radinger. oben das 88 Millimeter weite Dampfzuleitrohr, und von feiner Seite zog ein kurzes Rohrknie mit eingeſetzter Regulatordroffel an die Schieberkaften- Wand. Der Dampfrohr- Querfchnitt entſprach der Cylinderfläche nach Abzug der Kolbenstange und war für die Kolbengefchwindigkeit von 178 Meter zu eng, indem die Conftante C der Formel 1 = Cv hiebei nur 1/41 beträgt. Das f Ausftrömrohr zum Condenfator hatte aber bei 127 Millimeter Durchmeffer die doppelte Fläche. Die Grundplatte beftand eigentlich aus zwei nebeneinander gelagerten und mit zwei End- und zwei Mittentraverfen zufammengegoffenen Balken. Auf den zwei mittleren Traverfen oder Stegen ruhten zwei Paare aufgefchraubter gufseiferner Geradführungsfchienen, welche fo nahe aneinand kamen, dafs die( centrifch belafteten) Führungsbacken an den Kreuzkopf fchloffen, der wieder feiner feits das innere Schubftangenende in feiner Gabel aufnahm. Eine ziemlich fchwer gehaltene fchmiedeiferne Kurbel mit einer auch au der Vorderfeite über die Armfläche vorftehenden Nabe( was nicht fchön, aber gut ift) leitete die Arbeit in die 140 Millimeter dicke Welle, welche ein fchweres Schwungrad von 3 Meter Durchmeffer bei 300 und 190 Millimeter Kranzquerfchnitt und neben demfelben die Haupt- Riemenfcheibe trug. Das Kurbellager befafs dreitheilige Schalen, deren eine am Boden lag, während die beiden Seitenfchalen nach oben den Zapfen umfchloffen. Das Lagergerüfte war auf den Bettbalken mit fechs Schrauben gefchraubt und letztere mit zwei je halbverfenkten Einlagkeilen quer durch die Fufsplatte hindurch entlaftet. Das Lager hatte einen wohl verfchnittenen, aber nicht übergreifenden Deckel, welchen jederfeits zwei Stockfchrauben an flanfchenförmigen Anfätzen der ziemlich dünnen rippenverftreiften Seitenwände niederhielten. Jede Lagerfeite enthielt vier Stellfchrauben mit Gegenmuttern, deren Druck die Seitenfchalen ohne Einlagplatte traf. Die runden nur wenig und lang hin verlaufend geflachten Excenterftangen hingen mit Flanfchen an den bronzenen Excenterringen. Die Schieberftangen fanden mit ftark verdickten Kopftheilen in langen ausgebohrten Büchfen je eine Führung, welche aber ziemlich fern von der Wand des Schieberkaftens kam, indem der Schwungkugel- Regulator dort zwifchen beiden eingefchaltet ftand. Diefer( Watt'fche) Regulator fpielte regelmäfsig mit dem Schwungrade, mit dem er riemengetrieben gleiche Tourenzahl einhielt. Die DroffelklappenWelle trug einen Arm, deffen freies Ende ohne Zwifchengestänge um die Manchette lag. Eine Gegenkurbel trieb noch den Taucherkolben einer Speifepumpe, welche nach auswärts lag und, obwohl fehr zugänglich und praktiſch angeordnet, doch einen unfchönen Eindruck hervorbrachte. Die Normalfüllung betrug o'I, war aber von 1/15 bis 2 möglich. Indicatordiogramme konnten von der Ausftellungsmafchine nicht genommen werden. Das Gewicht diefer ,, 25pferdigen" Mafchine betrug ungefähr 9450 Kilogramme ohne Condenfator; letzterer hatte 2050, fo dafs diefer Motor complet 11 500 Kilogramme wog, was 6.4 oder 7.8 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinder- Querfchnitt gibt. Die Zapfendrücke und Abnützarbeiten derfelben habe ich oben nicht eingeftellt, denn ich bin der Mafse, deren Selbftaufnahme verwehrt war, nicht völlig ficher. Nach den Angaben der Fabrik rechnen fich die Drücke auf die. Führung mit 3, auf den Kreuzkopf- Zapfen mit 116, den Kurbelzapfen 76 und im Lager auf 24 Atmoſphären. Die fpecififchen Abnützarbeiten auf letztern würden 13 und 0.60 Kilogramm- Meter betragen, was fämmtlich ganz ungewöhnlich hohe Beanfpruchungen wären. O 1010 1415 HO Die Reading Iron Works Lim. ftellten ferner eine kleine circa Topferdige Dampfmaschine aus, deren Grundplatte mit langanfteigenden Seitenwänden in den Cylinder deckel überging. Der Cylinder felbft, von 250 Millimeter Bohrung und 66 Millimeter Hub, ragte frei über die Platte hinaus und feine 8 Centimeter 100 Die Reading Iron Works. 2 © 3 Meter Mafsftab 1: 48 der Natur. 35 36 J. F. Radinger. Meyer- Steuerung foll 1/3 normal aber auch 1 bis 2, Füllung zulaffen. Da hiefür Dampf von 3% Atmoſphären Ueberdruck als normal bezeichnet wird und keine Condenfation vorkommt, fo ift die untere Füllungsgrenze wohl nur eine irrthümliche Angabe. Der angegoffene Schieberkaften trug einen einwärtsfpringenden Flanfch für den Deckel, was ein wohl etwas koftfpieligeres, aber doch fchönes und der Sucht nach möglichft wenig Linien Rechnung tragendes Detail ift. Das Kurbellager war an die Grundplatte gegoffen und deren Schalen mit Seitenfchrauben geftellt. Die Geradführung fand nur unten mit ebenem Fufs und beigefchraubten Linealen ftatt; der Schubftangen- Kopf zeigte die Marineform. Der Kolben hat 100 Mal in der Minute oder 2.2 Meter per Secunde zu laufen und der doppelwandig gegoffene Cylinder lag mit einem Dampfhemd umkleidet. Der Watt'fche Regulator war von einer Riemenfchnur und Bronce- Kegelradpaar angetrieben und wirkte auf die Droffel; feine Gewichte waren aber von einer Gufshaube umgeben. Nach der gleichen Form gebaut waren noch einige kleinere Maſchinen von 4 und 2 Pferdeftärken, welche 156 und 120 Millimeter Bohrung und einen Hub von 254 und 203 Millimeter befafsen. Ihre Arbeit foll mit 140 und 180 Umdrehungen per Minute erfolgen, was je 12 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde entſpricht. Tangye Brothers in Birmingham. Bei den Mafchinen von Tangye Brothers in Birmingham bildet die Grundplatte mit dem Kurbellager- Block, den Führungen und dem vorderen Cylinderdeckel fammt Stopfbüchfe ein einziges Gufsftück. Dadurch finkt die Zahl der Einzelbeftandtheile und deren Verbindungsftellen und wird eine Stärke in die Conftruction gebracht, welche felbft für höhere als hier verwandte Kolbengefchwindigkeiten paffen würde. Der Cylinder mit dem angegoffenen Schieberkaften ragt, nur mit der verfchnittenen Vorderflanfche getragen, hinten frei hinaus. Diefs erlaubt bekanntlich dem Cylinder ein e freies Strecken unter dem Wärmeeinflufs und die Erhaltung der fich fonft krümmenden geometrifchen Längsachfe der ganzen Mafchine, ift aber des Gewichtes halber doch nur auf kleinere Conftruction befchränkt. Die Schieberkaften- Wände fchliefsen fich allfeitig tangirend an den Cylinder, oben fitzt das Dampfregulator- Ventil direct( ohne Hals) aufgefchraubt und für den feitlichen Schieberkaften- Deckel find nach einwärts ftehende Flanfchen verwendet. Eine kleine Zahl ftreng benöthigter Linien kommt derart zum Spiel, was einen ernften und beruhigenden Eindruck hervorbringt. Die Grundplatte formt ein Mittelding zwifchen unten liegenden Bettrahmen und feitlichen Bajonnetbalken und ift eine Verfchmelzung beider. Dadurch werden beider Vortheile erreicht, aber auch deren Gewichtsfumme gebraucht, was erft bei höherer Kolbengefchwindigkeit verlangt wird und auf diefe hinweift. Die Ausftellungsmafchine hatte nun einen Cylinder von 228 Millimeter Bohrung und einen Kolben mit o 457 Meter Hub. Deffen Gefchwindigkeit war aber mäfsig und betrug bei den normalen 90 Kurbelumläufen in der Minute I 37 Meter per Secunde. Tangye Brothers in Birmingham. 37 Das Einftrömrohr hatte 45 Millimeter lichten Durchmeffer und bot mit fi Cv die Condem eine Fläche von 1/25 des Cylinders, was nach der Formel f ftante C= 134 gibt und noch ausreichend fein dürfte. Das Ausftrömrohr befafs bei 63 Millimeter Durchmeffer den doppelten Querfchnitt der Einftrömung. Die Dampfwege am Cylinder und die Durchlafsfpalten des Vertheilfchiebers( 24 Millimeter breit und 150 lang) hielten reichlich den Querfchnitt des Ausftrömrohres oder 12 der Cylinderfläche, wodurch gute Dampferöffnungen auftreten, aber grofse Schieber entſtehen. Das Grundbett war mit 4 Fundamentfchrauben jederfeits, alfo 8 Schrauben im Ganzen auf breiter Bafis niedergehalten. Die angegoffenen Führungen waren flach und nahmen den centrifch belafteten oben und unten nachftellbaren CorlifsKreuzkopf zwifchen fich. Der Zapfen fafs ziemlich fchmal in den dünnen Wänden des Kreuzkopfes eingefchliffen und fein freies Mittelftück war mit dem Kurbelzapfen gleich grofs. Für die Schubftange war innen ein gefchloffener, aufsen beim Kurbelzapfen ein offener Marine- Schubftangenkopf verwendet. Letzterer zeigte nur zu plötzlich ausfpringende Flanfchen- Ausfchmiedungen für die Aufnahme der Schrauben, um tadellos zu fein. Eine wenig balancirte Kurbelfcheibe mit nach Aufsen vorfpringender Nabe nahm den Treibzapfen von 67.5 Millimeter Durchmeffer und 105 Millimeter Länge auf. Das ans Bett gegoffene Kurbellager war einfach fchief gefchnitten und Centimeter 100 ושין சா ====H OB OE I 2 Meter Mafsftab 1: 48 der Natur. 38 J. F. Radinger hielt ziemlich lang vorfpringende Lagerfchalen, deren Stärke die Schmalheit des Lagerblockens ausgleichen konnten. Hinter dem Lager fchloffen fich die zwei Excenter für die Steuerung direct an. Zwifchen ihnen fafs die Riemenfcheibe für den Regulator und hinter ihnen folgte ein 660 Kilogramme fchweres gedrehtes Schwungrad von 15 Millimeter Durchmeffer und 180 Millimeter Breite, welches gleich für die Aufnahme des Transmiffionsriemens diente. Die Welle war durchwegs cylindrifch, mafs 100 Millimeter Durchmeffer und lag nahe hinter dem Schwungrad noch in einem zweiten Stehlager, welches fchwerer als das Kurbellager zu fein fchien. Befondere Beachtung werth find die Steuerung und der Regulator diefer Mafchine. Die Dampfvertheilung gefchah mit einer Mayer Steuerung. Die Schieberftange lag näher der Cylinderachfe als das Excenter, indem fie vor der Stopfbüclife in einem Auge geführt war, hinter welchem die Excenterftange aufsen angriff. Die Expanfionsexcenterftange ging aber centrifch durch eine Stellvorrichtung zu ihren Platten. Das Vertheilexcenter ftand unter 15 und das Expanfionsexcenter unter 55 Grad Voreilung, und erfteres hatte 30 und letzteres 42 Millimeter Excentricität. Die Canalbreite im Schiebergefichte mafs 24 Millimeter und da der Schieber 6 Millimeter äufsere Deckung befafs, fo öffnete er eben vollständig die Canäle. Nun waren aber diefe, wie fchon oben erwähnt ift, für die Einftrömung unnöthig breit, daher die Wirkung der Einftrömkanten einem langen Offenlaffen des verlangten Querfchnittes gleichkam. Die innere Deckung war Null, daher keine merkbare Compreffion angewendet erfchien, aber die Ausftromung gleichfalls gut vor fich gehen musste. Die Deckplatten des Expanfionsfchiebers hingen verftellbar, wie es das Syftem verlangt, an ihrer Stange. Diefe war jedoch im Dampfraum nur mit einem einzigen durchlaufenden flachen. Schraubengewinde verfehen, welches die broncenen Einlagemuttern beider Platten anfaiste. Die Mutter der einen( der äufseren) Platte war dabei drehbar eingelegt und mit einem Durchfteck Stiften feft mit der Stange verbunden. Die andere( vordere) Mutter war aber nicht drehbar, dafür wurde fie aber von den Gewinden weitergefchoben und ihre Platte der andern nähergerückt oder entfernter geftellt, wenn man die Stange aufsen umdrehte. Um aber die fymmetrifche Lage der beiden Platten gegen das Schieber mittel zu wahren, war die Stange aufserhalb der Stopfbüchfe unterbrochen und mit einem übergefchraubten langen Schraubenrohr wieder verbunden. Hinten den Schiebern zugekehrt fafs die Stange mit Gegenmutter feft im Rohr, welches alfo gleichfam mit ihr ein einziges Stück bildete. Die vordere Hälfte der Stange griff aber lebendig in die Gewinde und zog das Rohr fammt Plattenflange und Platten gegen auswärts oder fchob es weiter in den Schieberkaften hinein, je nachdem die Drehung erfolgte. Die Gewinde des Rohres waren gegen jene der Platteneinlagen gefchnitten, und da ihre Ganghöhe nur halb fo nun verkehrt grofs als die der letzteren war, fo wurde das Deckplatten- Syftem, welches ohne diefes Aufsenrohr unfymmetriſch geftellt worden wäre, doch fymmetrifch erhalten ++ Wirkung der Innenfchraube. Wirkung der Aufsenfchraube. Durch diefen Vorgang, welcher an und für fich keine weitere Complication birgt, wird aber die Conftruction der Einlagmuttern und die Montirung wefent lich gegen die gebräuchliche Art mit linkem und rechtem Gewinde im Schieberkaften vereinfacht, und darum fchien fie mir der längeren Erörterung werth. Tangye Brothers in Birmingham. 39 5 Meter 2 3 Millimeter 100 Mafsftab 1: 10 der Natur. Tangye's Modelle find fo eingerichtet, dafs fie mit oder ohne diefe Expanfionsfteuerung ausgeführt werden können, oder dafs letztere nachträglich hinzukommen kann. Der normale Schieberkaften endet nämlich im erfteren. Falle ober dem Vertheilfchieber mit dem Deckel, ftatt welchem für den zweiten Fall ein Gehäufe aufgefchraubt wird, das vorne mit einer Stopfbüchfe verfehen, die Expanfionsplatten umfchliefst. Diefs kann einen kleineren Deckel oder auch den früheren wieder erhalten, falls die Expanfionszugabe erit fpäter erfolgt. Dafs dann ein anderer Schieber der Durchlafsfpalten wegen, das zweite Excenter und die vordere Stellvorrichtung mit Index hinzukommen, ift felbftverſtändlich. Der Regulator diefer Mafchine ift auf das Anlafs Ventilgehäufe gefetzt und hebt oder fenkt ein gefenftertes Rohr, durch welches( und die Hohlwand des Ventilgehäuſes) die Einftrömung ftattfindet. Von Aufsen zeichnet er fich durch feine kleinen Dimenfionen aus, welche durch die faft völlige Entlaftung des allfeitig gleichmäfsig von Dampf umgebenen Rohres und durch die directe Anordnung zuläffig find, wobei der Regulator nur die Stoptbüchlenreibung einer ganz dünnen Stange zu überwinden hat. Es ift ein einfacher offener Pendelregulator, die Kugeln bilden mit ihren Stangen und je einem Diuckdaumen im Innern des Ständers ein einziges Schmied ftück. Diefe Daumen fuchen die Centralftange niederzudrücken und dadurch die Einftrömung zu verengen, wobei fich aber die Spannung einer gewundenen Stahldrath Feder entgegenftemmt, welche im ausgebohrten Ständer untergebracht und durch eine an deffen Kopf angebrachte Schraube geftellt ist. Durch 40 J. F. Radinger. Millimter 100 I 2 5 Meter Mafsftab 1: 10 der Natur. verfchiedene Spannung der Feder kann der Regulator für verfchiedene Gefchwindig. keiten juftirt werden, indem höhere Belaftung der Kugeln deren fchnelleren Gang bedingt. Die in das Gehäufe tretende Stange für das regulirende Rohr besitzt einen Querfchnitt, der eben zur Balancirung der Gewichte durch den normalen Dampfdruck hinreicht. Diefe Regulatoren follen fo energifch die Gefchwindigkeit der Maſchine gleichmäfsig erhalten, dafs felbft das Abwerfen des Hauptriemens keine für das Auge merkbare Befchleunigung verurfachen kann, wie mir der Befitzer eines folchen Regulators felbft verficherte. Sie werden fabriksmäfsig angefertigt und koften einzeln zwifchen 5 und 13 Livers, wenn die Dampfrohr Durchmeffer zwifchen 20 und 65 Millimeter meffen. Tangye's Mafchinen find fchön in ihrer Form und vollendet in ihrer Art. Die wenigen, freng die Conftruction kennzeichnenden Linien, welche relativ grofse Flächen begrenzen, gaben der Ausftellungsmafchine eine Ruhe, die man fonft an den übrigen Dampfmafchinen oftmals vermifste. Das Gefchloffene und doch überall reichlich Bemeffene verbürgen aber ein gutes Arbeiten felbft bei forcirtem Betriebe. Die Ausftellungsmafchine, deren Dimenfionen oben angegeben find, wurde als nominell 8pferdig bezeichnet; bei 3% Atmoſphären Ueberdruck im Keffel und der normalen Gefchwindigkeit foll fie aber 194 indicirte Pferdekräfte liefern. Der Kohlenverbrauch foll bei 3 Atmoſphären 21 6 Kilogramm per Stunde betragen und dabei 182 Liter Waffer benöthigt werden. Sie koftet loco Birmingham 90 Pfd. Charles Powis& Comp. in London.. 41 Sterling fammt Speifepumpe, welche am Vertheil excenter unterhalb der Schieberftange hängt und an die Hinterwand des Bettes gefchraubt ift. Für die veränderliche Expanfionszugabe erhöht fich der Preis um weitere 12 Pfund Sterlinge. In Oefterreich beforgt die Maſchinenfabrik Stanek und Reska in Prag die Aufftellung diefer Mafchinen und würde fich dort der Preis diefes nominell 8pferdigen Motors auf fl. 1270 oder fl. 1426 ftellen, je nachdem die Expanfion beizugeben ift oder nicht. Charles Powis& Comp. in London. Eine Mafchine fchlecht und recht, wie folche für den Alltagsmarkt gebaut werden, brachten Charles Powis& Comp., Millwall Pier in London. Es war eine liegende Zwillingsmafchine ohne Condenſation, deren Schwungrad- Welle fich vor jedem Cylinder abkröpfte und alfo in vier Lagern lag. Zwifchen Kurbelkröpfung und Aufsenlager waren je zwei Steuerexcenter gekeilt, deren Winkel nicht, verftellbar waren und auch rückwärts keine variable Expanfion zuliefsen. Die aufgefchraubten Schieberkäften lagen an den Aufsenfeiten des Cylinders und jeder hatte feinen gefonderten Zuftrömfchieber( nicht Ventil) und eigenen Watt'fchen Droffelregulator. Zum Antrieb der letzteren ragte die Kurbelwelle je über die Aufsenlager hinaus und trug je eine kleine Riemenfcheibe am freien Ende. Zu beiden Seiten des Schwungrades fafsen ferner zwei gefonderte Excenter zum Antriebe zweier Speifepumpen, welche feitlich innen und fchief an die Grundplatten gefchraubt waren. Das font normale, oben gefchloffene, aber ganz gehobelte Bett hatte je vier gufseiferne Führungslineale aufgefchraubt und ebenfolche einfach ſchief gefchnittene Lager. Das zweitheilige Schwungrad war aufsen gedreht und diente als Riemenfcheibe zur Kraftabgabe, aber die rohe Innenfeite lief ftark unrund. Im Ganzen bot die Mafchine einen Anblick als ob fie vor zwei Decennien gebaut worden wäre. Wie fich das Zuftröm- Dampfrohr plötzlich mit rechten Winkeln ohne die mindefte Abrundung gabelte, waren auch alle anderen Formen hart und der Mangel der variablen Expanfion bei einer grofsen Antriebsmafchine fpricht mehr als manches Wort Was fo an Conftruction fehlte, konnte durch einen Ueberflufs glänzendfter Bronce nicht gutgemacht werden. Die Excenterringe, Stopfbüchfen, Regulator, Manchetten, Speispumpen- Plunger, Schmierdeckel etc. zeigten alle grofse gelbe Spiegelflächen, welche fich lebhaft vom graulichen Anftrich abhoben. In Zeichnung brachte die Fabrik noch eine Dampfmafchine, bei welcher Cylinder, Grundplatte, Führungen und Lager ein einziges Gufsftück bilden und welche mit balancirter Kurbelfcheibe, ftellbarem Kreuzkopf und allen andern modernen Beftandtheilen in befter Formgebung verfehen fcheint. Merkwürdiger Weife erinnert fie fehr an die Tangye'fche Conftruction und felbft der Regulator kann diefe Erinnerung nicht zerftören, welcher höchftens darinnen von jenem abweicht, dafs er auf den Deckel des Dampfventiles gefchraubt erfcheint. Dabei reiten aber die engen Ständerfüfse des Regulators über dem Griff rade am Ende der verticalen Ventilfpindel und laffen zu deffen Angriff faft keinen Raum. Der Regulator greift dann auf eine untere Droffel, indem er das Ventilgehäufe noch mit Hebel und Zugftange umfasst. D. New& Comp. in Nottingham. D. New& Comp. in Nottingham ftellten eine liegende ein cylindrige Mafchine ohne Condenfation in die Mafchinenhalle, deren im Allgemeinen 42 J. F. Radinger. veraltete Formen und wuchtige Detaile nichts weniger als einen guten Eindruck machten. fchraubt lagen. Auf einem untenliegenden rippenförmigen Bett lag der unverkleidete Dampfcylinder, deffen ungeheuerer Kreuzkopf in einer aufgefchraubten tunnelartigen Führung ging. Das obere Lineal war dabei mit einer mittleren Oberrippe zwifchen den nach aufwärts ftehenden Flanfchen zweier gefenfterten rohrförmigen Seitenwände gehalten, welche wieder für fich auf das Bett geVorne griff die Schubftange eine gekröpfte Kurbelwelle an, deren beide knapp an den Schenkeln ftehende Lager an das Bett gegofsen, mit viertheilen Schalen und je zwei Seiten- und einem Oberkeil verfehen waren. Das Schwungrad kam dann aufsen auf die Welle, welche hinter dem Rade noch ein drittes Lager fand. Der Porter'fche Regulator ftand auf der freien Aufsenfeite und wurde mit einer unter dem Bett quer durchlaufenden Welle angetrieben, welche ihre eigene Bewegung von der Schwungrad Seite erfuhr. Die Steuerung gefchah mit getrennten Schiebern und ihr Kaften ragte weit über die Cylinderenden hinaus. Die Bewegung des Vertheilfchiebers beforgte ein Excenter am freien Wellenende, deffen Voreilwinkel Null zu fein fchien. Ein zweites Excenter, oder vielmehr ein excentrifcher Zapfen an der Welle, deffen Voreilwinkel ungefähr 45 Grad betrug, griff noch eine um ihren Fufs fchwingende Couliffe in deren halber Länge an, von deren Gleitbacken eine. zweite und am Regulator hängende Schiebe: ftange die Bewegung empfing. So war wohl die Expanfion von der Regulatorftellung, aber nach einem fchlechten Princip abhängig gemacht, indem bei geringer Füllung die Voreilung und die Canalöffnung am todten Punkte und beim Hubbeginne kleiner bleibt, als bei fteigender Füllung Gerade aber für kleinere Füllung foll das lineare Voreilen grofs fein, weil der Cylinder mehr erkaltet als bei langwährendem vollen Druck. Der Kolben foll aus Stahl und der Kreuzkopf aus Schmiedeifen gewefen fein. Die Mafchine mag übermäfsige Stärke befitzen, aber ihre unfchönen Formen und ein häfslicher Anftrich liefs fie in diefer IIinficht faft einzig daftehen. D. New ftellte noch zwei kleine ftehende Dampfmaschinen hin, welche, für gleiche Effecte beftimmt, nach zwei weit entfernten Modellen gebaut waren. Bei beiden lag wohl die Welle mit dem frei getragenen Schwungrad oben, womit aber die ganze Aehnlichkeit erfchöpft ift. Bei der Mafchine A ftand der Cylinder zwifchen den Wänden eines Gufsftänders und trieb mit in der Mitte der angegoffenen Lager gekröpfter Welle ein einfeitig aufgeftecktes Rad. Bei der Mafchine B trug eine dicke blankgedrehte Säule die grofse mit einem Kreisflanfch angefchraubte obere Lagerplatte für die cylindrifche Welle, welche mit einer gufseifernen Stirnkurbel endete. - Bei der erflen Maſchine übertrug fich die Kraft centrifch zwifchen dem Ständer, deffen Form an einen Dampfhammer erinnerte, welcher ftatt der Chabotte einen Dampfcylinder enthält, bei der zweiten Mafchine ftand der Cylinder excentrifch aufsen. Bei A boten fich dem Kreuzkopfe, welcher die Schubftange mitten hielt, breite Führungen dar, während bei B ein einfaches Auge genügen mufste, und die benöthigte Gabelftange unten zwei ftellbare Köpfe Lefafs. Bei A wirkte der kegelradbetriebene Regulator auf ein Glockenventil, bei B, wo ihn ein Schraubenräder- Paar mitnahm, auf eine Droffel ein. Der erftere hatte keine Parallelogrammftangen, fondern obere Druckdaumen für eine directe. D. New& C. in Nottingham. 43 Centralftange, der zweite übertrug aber fein Spiel mit Parallelogrammftangen und Manchette auf einen Hebel. Die Mafchine A hatte im Ganzen brave und meift runde Arbeit, eine moderne Eifenformgebung und grauen Anftrich; die Mafchine B aber zeigte eine unfaubere und theils riffige Schmiedarbeit, und ihre veralteten Stein- Architekturformen waren grasgrün überftrichen oder auch an ganz unnöthigen Stellen blank. Die erfteren Mafchinen kommen dabei um circa 10 Percent billiger als jene der zweiten Art. Clayton& Shuttleworth in Lincoln. Clayton& Shuttleworth in Lincoln ftellten eine der fchönften Mafchinen heutigen Normales aus. Es war diefs eine liegende Mafchine mit unten durchziehender Grundplatte und angegoffenen Lagern für die fymmetriſch gekröpfte Kurbelachfe. Der Dampfcylinder war mit angegoffenem Schieberkaften und mit einem Dampfhemd verfehen und auf das Bett gefchraubt. Der vordere Cylinder, fowie der Schieberkaften Deckel fchloffen an einwärts gerichtete Flanfchen der betref fenden Oeffnungen, was den Anfchein der Einfachheit erhöht. Der Cylinder hatte 330 Millimeter Bohrung und fein Kolben o 457 Meter Hub. Der normale Gang verlangt 85 Umdrehungen pr. Minute oder 13 Meter Kolbengefchwindigkeit pr. Secunde. Die Arbeit findet ohne Condenfation ftatt, and bei 4 Atmoſphären Ueberdruck im Keffel foll die Mafchine 16 Pferdeftärken nominell leiften. Das Einftrömrohr mifst 76 und das Ausftrömrohr 102 Millimeter inneren. Durchmeffer, was das Querfchnittsverhältnifs der Einftrömung zur Kolbenfläche auf 19 ftellt, während die Ausftrömung 18 mal fo grofs ift. Die Dampfwege find 254 bei 19 Millimeter weit, alfo um 7 Percent der Fläche nach gröfser als das Dampfrohr. In die Formel für die Beurtheilung der Canalweiten gefetzt, wird die Conftante C125, ein reichliches Mafs. - Die vordere Stopfbüchfe für die Kolbenftange( von 50 Millimeter Durchmeffer) enthält beiderfeits die Backen für den Anfchlufs der vier Geradführungslineale, welche vorne ein zweites Mal mit einem Gufsrahmen- Stück getragen werden. Der Gang der Mafchine beaufprucht hier für gewöhnliche Fälle die oberen Flächen der Führungsbacken. Diefe find daher mit je einem durch einen nachzufchlagenden und mit Stellfchraube zu fixirenden Längskeil armirt, während die Fufsfläche ohneweiters am Lineale läuft. Die Backen, welche 200 Millimeter lang und 63 breit find, werden durch den Kreuzkopfzapfen centrifch belaftet, und übten auf die Führungsflächen 2.6 Atmofphären Druck. Die runde Schubftange hat fowohl hinten als vorne einen kurz gehaltenen offenen Kopf mit Bügel, Keil und Hinterzange. Die fymmetrifch zwifchen den Lagern gekröpfte Kurbelachfe war aus dem Ganzen gefchmiedet und ausgearbeitet. Der Kurbelachs- Zapfen bekam 102 Millimeter Durchmeffer und 10 Millimeter Länge, während die Kurbellager- Zapfen mit der Welle cylindrifch gingen und wie diefe 102 Millimeter Dicke befassen. Die beiden Lager boten je 165 Millimeter Auflaglänge. Die Schalendrücke am Kurbel und an den Lagerzapfen betrugen dabei 30 und 10 Atmoſphären und die fpecififchen Abnützarbeiten o'65 und o 22 Kilogramm Meter. Die Lagerfchalen waren dreitheilig mit einer Verticalfuge mitten oben und einem Horizontalftofs unten wenig über dem tiefften Punkt. Die Seitenfchalen mit hinterlegten Stahlplatten waren von jeder Seite mit einem einzelnen in die Lagerwange gefchraubten Bolzen ftellbar und die Fufsplatte ruhte auf einem Längskeil, der gleichfalls mit einer Schraube nachzuziehen war. Die Lager 44 J. F. Radinger. hatten übergreifende oben eben und blank gearbeitete Deckel und ftanden angegoffen am Grundbett. Diefes war oben gefchloffen und zeigte eine ebene gehobelte Fläche mit Ausnahme einer zufammenführenden Oelrinne, welche unter den Stopfbüchfen begann, die Führungen unterfing und unter der Schubftange in die Kurbelgrube mündete. Auch die Lager erhoben fich gleichfam aus einer Vertiefung, welche unter der Kurbelwelle quer in die Platte gedrückt erfchien. Die Welle war aufsen ein drittes Mal geftützt und trug in der Nähe diefes Lagers das ungetheilt gegoffene Riemen- Schwungrad von 2:45 Meter Durchmeffer. Der Kranz von 200 Millimeter Breite und 115 radialer Stärke ftand mit der Nabe durch 6 fchneidige Arme in Verbindung. Jenfeits des anderen Kurbellagers fafs ein Excenter für die feitlich fchief ans Bett gefchraubte Speifepumpe, deren Taucherkolben 76 Millimeter Durch meffer und ebenfoviel Hub befafs. Deren 34 Millimeter weites Speiferohr ( Querfchnitt genau 1 des Kolbens) fchlofs fich an das zufammengegoffene bronzene Drei Ventilgehäufe( mit zwei unmittelbar aufeinander folgenden Druckventilen) an. Die Steuerung gefchah mit zwei Schiebern und zwei Excentern, Das Vertheilexcenter mit 35 5 Millimeter Hub ftand feft auf der Welle und trug eine Platte mit Kreisfchlitz, in welcher das Expanfionsexcenter von 52 2 Millimeter Hub mit einer Klemmfchraube unter verfchiedenen Voreilwinkeln feftzuhalten war. Die Aenderung der Füllung ift daher nur während des Stillftandes der Mafchine möglich. Oben am Schieberkaften ftand ein Gehäufe für das anmündende Dampfrohr. Diefes Gehäufe hatte zwei nach abwärts führende Oeffnungen. Die eine führte den Arbeitsdampf in den Schieberkaften und war felbft mit einem Schieber zu reguliren, der auf feinem Rücken eine vom kleinen Griffrad- Getriebe gefafste Zahnftange trug. Die andere Oeffnung begann oberhalb diefer Hauptverbindung und ging zuio Dampfmantel des Cylinders. Sie war mit einem Spindelventil verfchioffen und gehörte unter Anderem auch dazu, das Condenfationswaffer, welches fich nach jedem Stillftande im Dampfrohre anfammelt, durch den Cylindermantel abzulaffen und fo deffen Wärme zum Anheizen der Mafchine zu benützen. Die Ausftrömung war ans Bett gedichtet und führte zur Mitte der rückwär tigen Schmalfeite desfelben, wo fich das Ausftrömrohr anfchlofs. Ein riemengetriebener einfacher Watt'fcher Regulator wirkte auf eine Droffel direct mit jener Welle ein, auf welcher der Manchettenhebel fafs. Diefer war eigentlich frei auf die Droffel- Klappenwelle aufgefchoben, und nahm eine kleine vorgekeilte Quadrantfcheibe mit einer Klemmfchraube in deren Schlitze mit. Dadurch war die Droffel leicht von Hand ftellbar oder ganz auszurücken. Der Regulatorftänder enthielt gleich runde Augen zur Führung der zwei Schieberftangen eingegoffen und zeichnete fich überhaupt durch feine einfache und allfeitig benützte Form aus. Diefe Mafchine reihte fich durch ihre ruhige Eleganz an die fchönften Mafchinen der Ausftellung an. Das Spiel des hellen und des matten Glanzes der bearbeiteten Eifentheile war durch eine reichliche goldgelbe Bronze der Lagerborten, Excenterringe, Stopfbüchfen etc. belebt und hob fich von dem roth incarnirten lichten Grau, welches in tadellofem Anftriche die unbearbeiteten Flächen bedeckte. Die Tiefe des vorderen Cylinder und des Schieberkaften- Deckels, fowie die Rohrmündungen waren mit Marfhall Sons& Comp, in Gainsborough. 45 Bronzeplatten verfchalt oder bedeckt, und wenn fo auch ungewöhnlich viel Metall vorkam, fo gewann man doch nicht den Eindruck des Gefuchten, fondern nur des forgfältigft Vollendeten. Das Gewicht der Mafchine betrug 3400 Kilogramm ohne Rad, 40 Kilogramm per Quadrat centimeter Cylinderbohrung; das Schwungrad wog 1700 Kilogramm. Der Preis beträgt 257 Pfund Sterling loco Lincoln. Marfhall Sons& Comp. in Gainsborough. Die Firma Marfhall Sons& Comp. Lim. in Gainsborough ftellte eine kleine Mafchine aus, deren Conftruction eine wohl feit Jahren bewährte fein dürfte, auf deren vorliegende Ausführung aber viele Sorgfalt verwendet erfchien. Auf einem oben ganz gehobelten Bettbalken lag der mit Dampfhemd verfehene Cylinder von 273 Millimeter Durchmeffer aufgefchraubt. Der Kolben ift beftimmt 0 335 Meter Hub 110 Mal in der Minute zu durchlaufen, was einer Kolbengefchwindigkeit von 13 Meter per Secunde entſpricht. Das Einftrömrohr befafs bei 57 Millimeter Durchmeffer 1/23, das Ausftrömrohr mit 69 Millimeter 1/16 der Cylinderfläche, während die Dampfcanäle( 18 Mill. bei 176) einen zwifchen beiden ftehenden Querfchnitt boten. Die zur Beurthei= Cv findet fich daraus lung der Canalweiten dienende Conftante der Formel mit C10 in eben richtiger Gröfse. f₁ f _ Von der Stopfbüchfe des aufgefchraubten vorderen Cylinderdeckels gingen vier enggeftellte eiferne Geradführungslineale aus, welche zwei etwas excentrifch belaftete Gleitbacken und eine normale Schubftange zwifchen fich nahmen. Letztere griff aufsen auf eine gekröpft abgebogene Kurbelwelle, welche in richtiger Weife blos in zwei Lagern ruhte, deren eines unmittelbar an der Kurbel, das andere aber derart entfernt davon auf der einfeitig verbreiterten Bettplatte ftand, dafs die Querbafis der Lager 70 Centimeter betrug. Beide Lager hatten Druckfchrauben für die Seitenfchalen, und das eine auf der Schwungrad Seite noch einen Fufskeil für das Heben der Grundfchale. Unter letzterer waren beide Lagerkörper gefenftert und die durchgehende Platte mit einer Lagerfchraube nebft den zwei Aufsenfchrauben nochmals niedergehalten. Das Schwungrad kam nun fliegend mit etwas unnöthigem Zwifchenraum aufserhalb des von der Kurbel entfernteren Lagers und der abgedrehte Ring diente für die Aufnahme des Riemens. Auf dem Stummel der Kurbelfeite fafs ein Excenter für den Antrieb einer feitlich fchief ans Bett gefchraubten Speifepumpe. Eine Meyer'fche Steuerung beforgte die Dampfvertheilung im angegoffenen Schieberkaften. Auf der Hinterfeite desfelben trat die ExpanMillim. 100 I 2 .3 Meter Mafsftab 1: 10 der Natur. 46 J. F. Radinger. fionsftange in normaler Weife wieder aus, um mit einem feftgehaltenen Griffrad mit Index geftellt zu werden. Innen war die Stange zwifchen den Rechts und Linksfchrauben getrennt und mit Schraubenmuff und zwei Keilen wieder gekup. pelt, was das Montiren erleichtert. Der Schieberkaften befafs wie die Mehrzahl englifcher Dampfmaschinen einfpringende Deckelflanfchen und feine Seitenwände fchloffen allfeitig tangirend an den Cylinder, um weniger Linien zu geben. Weil aber mit dem der Schieberkaften zu lang wird, fo werden die Stopfbüchfen in den Dampfraum verfenkt, was nicht gerade gut ift, indem die Packungen leichter verbrennen oder doch mehr Oel confumiren. Ein riemengetriebener Watt'fcher Regulator wirkte direct mit der Manchettenwelle auf die Droffel im Einftrömrohr. Die Ausftrömung war auf's Bett gedichtet und fand aus einem auf der Speifepumpen Seite angegoffenen feitlichen Ausbaue desfelben durch ein Kupferrohr ftatt, welches im Innern einer dort aufgefchraubten Gufsfäule nach aufwärts führte. In den ringförmigen Zwifchenraum mündete unten das Druckrohr der Pumpe ein und das vorgewärmte Waffer zog von oben zum Keffel. Wie fchon erwähnt, war die gefchloffene Bettplatte oben gehobelt. In ihrer Fläche fanden fich aber fymmetriſch begrenzte Vertiefungen, welche, unter den Stopfbüchfen beginnend und zwifchen den Führungen fortgefetzt, vorne wie die Excenter in die Kurbelgrube mündeten und zum Zufammenführen der abtropfenden Schmiere dienten. - Der Cylinder foll aus beftem, kalt erblafenem Eifen und der Kolben aus Bronce gewefen fein. Die ftählernen Kolben und Schieberstangen und die dicken Broncefchalen der Lager, fowie ein exactes Aeufsere bezeigten die verwendete Sorgfalt. Abträglich der Schönheit und faft abftofsend wirkte nur der Anftrich, deffen grelles Jägergrau mit fchwefelgelben Linien berändert war. Robey& Comp. in Lincoln. Die allerglänzendfte Mafchine der ganzen Ausftellung wurde von diefer Firma( Lincoln) gebracht. Ich weifs nicht mehr, ob die Schwungrad- Arme eine Ausnahme machten, fonft erfchien aber keine einzige fichtbare Fläche anders als blank polirt. Im Allgemeinen war es eine liegende Conftruction mit unterer Bettplatte und aufgefchraubtem doppelwandigen Gylinder, vier Geradführungs- Linealen, zwei Führungsbacken, in deren vordere Längsdrittel fich der Kreuzkopf- Zapfen ftützte, gekröpfter Kurbelwelle, angefchraubten dreitheiligen Lagern mit feitlichen Stellfchrauben und Bodenkeil, einem Bronce- Excenter mit verftellbaren Winkeln und einem Watt'fchen Regulator auf Dampfdroffelung wirkend. Die Speifepumpe war feitlich ans Bett gehalten, und wie hier in erfter Richtung der Glanz und dann erft die Güte angeftrebt wurde, zeigten unter Anderem deren Befeftigungsfchrauben, deren Muttern auf der unzugängigen inneren Bettfeite fafsen, während aufsen die Köpfe in die Lappen verfenkt waren und die Spiegelfläche derfelben nicht ftörten. Für den Fall einer benöthigten Reparatur diefer Pumpe mufs dabei aber die ganze Mafchine von ihrer Steinunterlage weggehoben werden, um die Muttern löfen zu können. Allerdings foll diefer Art der Ausführung die Anerkennung gezollt werden, dafs fie die Verfügung über ausgezeichnete Arbeitskräfte kundgibt. Nicht nur die mit Mafchinen bearbeiteten Ebenen, fondern auch alle gebogenen Flächen und deren Uebergänge und Durchdringungen waren mit wunderbarer Reinheit hergestellt, und trotz der dafür empfindlichen Spiegelung zeigte sich nirgend auch nur der geringfte Verftofs. Die Mafchine wurde vom Vicekönig von Egypten angekauft. Lufton Proctor& Comp. in Lincoln. 4.7 Rufton Proctor& Comp. in Lincoln. Die von diefer Firma ausgeftellte Dampfmaſchine war eine im Allgemeinen liegende Normal conftruction in glänzender Ausführung. Die unten durchgehende Bettplatte war felbft an den Seitenwänden gehobelt, während auf die obere Fläche noch aufserdem eine forgfältige Schabung verfchwendet war. Der mit Dampfhemd verfehene Cylinder trug einen Schieberkaften angegoffen, der eine Meyer- Steuerung( ohne Index) enthielt. Das Vertheilexcenter war verftellbar, um den Gang nach vor- und rückwärts zu geftatten, und der Schieberkaften fafs etwas tiefer als die Cylindermitte, wodurch das Condenfationswaffer vom abziehenden Dampfe mitgenommen wird. Die Führung zwifchen den Aufsenlinealen gefchah mit zwei nicht nach ftellbaren aber mit Bronce- Einlagen verfehenen Gleitbacken. Der vordere Schubftangen- Kopf erfchien etwas zu lang, als ob er Platz auch für einen vorderen Gegenkeil( Bügelzange) laffen follte, welcher jedoch an der Ausftellungsmafchine nicht zur Verwendung kam. Die gebogene Kurbelachfe lag in drei Lagern, deren zwei auf das Mafchinenbett aufgefchraubt waren. Das Kurbellager nahm drei Schalen auf, deren untere mit einem durchlaufenden Keil zu heben war, während das Aufsenlager aus zwei vertical gefchnittenen, aber fich gegenfeitig übergreifenden Schalen bestand, deren äufsere allein mit einem Keil nachftellbar war. Der Regulatorantrieb gefchah von der Welle aus ins Langfame mit dem beiläufigen Verhältnifs von 3: 2. Der Regulator felbft hatte gekreuzte Arme, wurde durch eine auf die Manchette geftützte Belaftungsfeder niedergedrückt und wirkte auf die Droffelklappe oder einen Droffelfchieber im Einftrömrohr. Die ganze Conftruction war einfach aber forgfältig ausgeführt und erinnerte an eine auf fefte Platte gebrachte Locomobilmafchine. Drotherhood& Hardingham. Die Dreicylinder Mafchine diefer Firma bildete einen der bemerkenswertheiten Gegenftände der ganzen Ausstellung. Drei unter gleichen Winkeln einander zugeneigte und in Einem gegoffene Dampfcylinder enthielten je einen breiten rohrförmigen Kolben, den zwei Einlagringe dichteten. Den gemeinfamen Durchschnittspunkt der drei Cylinder achfen und fenkrecht auf deren Ebene traf aber noch die Achfe einer Schwungrad- Welle, welche in jenem gemeinfamen Dampfraum, in den alle drei Cylinder offen mündeten, eine Kurbelfcheibe mit einem langen Kurbelzapfen trug. Von diefem reichten drei gleichlange broncene Taucherftangen in je einen der Kolben, an deren Böden fie mit Augen- und Stahlbolzen angehangen waren. Vorne beim Kurbelzapfen griff jede Stange centrifch ihrer Längsachfe an, was bei den äufserften Stangen ein weit gegabeltes Endftück verlangte. Diefe Stangenenden bildeten nur einfache Augen ohne Ausbüchfung und ohne jede Nachftellvorrichtung. Der hochgefpannte Dampf ftrömte nun frei und conftant in jenen Innenraum, welcher die Kurbel und ihre Stangen aufnahm; er drückte also ftetig und gleichmäfsig auf alle drei Kolben und fuchte denjenigen zur Bewegung zu bringen, auf deffen Hinterfeite ein geringerer Druck als fein eigener traf. Nun ftellte eine Steuerung die Verbindung des Hinterraumes jedes Kolben mit dem gemeinfamen Innen Dampfraum dann her, wenn der Kolben dem Zwange der Kurbelbewegung folgen und gegen einwärts kommen musste, liefs aber von dort den Dampf ins Freie entſtrömen, wenn die Bewegungsumkehr platzgriff. Im erften Falle wird die Kurbel ihren Kolben mit einem geringen Widerftand( wegen Druckdepreffion und Umfangsreibung) ziehend mitnehmen, während 4 48 J. F. Radinger. im zweiten Falle der ganze Ueberdruck vom Kolben auf die Kurbel durch die Verbindungsftange überkommt. Diefe Stangen ſtehen daher unter einem dauern. den Zug und der Mangel jedes Druckwechfels macht deren Gang weich und hält den ganzen Mechanismus von Stöfsen auch dann noch frei, wenn fich felbft die Gelenkflächen durch ftarke Abnützung erweitern. Diefe gelungene Anordnung macht die Mafchine für fchnellen Gang beffer geeignet als irgend eine andere mit hin- und hergehender Conftruction. Allerdings finden fich hier diefelben von Ueberdruck und bewegter Maffe abhängigen ,, Grenzen der Kolbengefchwindigkeit" in genau fo theoretisch feftem Zufammenhang wie anderwärts; aber da die zu bewegenden, das ist zu befchleunigenden Maffen in minimaler Gröfse hier auftreten, wo Geradführung, Kolbenftange und Kreuzkopf entfallen, fo rückt die Gefchwindigkeitsgrenze fchor rechnungsmässig höher und die praktifche Grenze kann fich ihr mehr nähern als fonft, wo die wechſelnde Kraftrichtung beim kleinften todten Spielraum im Geftänge der Gefchwindigkeit durch Vibrationen und Stöfse eine vorzeitige Grenze zieht Allerdings war in den Ausftellungsmaschinen die Gefchwindigkeit noch mäfsig und überfchritt nur wenig 15 Meter per Secunde, was aber gar nicht fehr zu verwundern ift, wenn man bedenkt, dafs diefe Maſchinen auf fehr kurzem Hub( kleiner als die Durchmeffer) und für einen Maximal- Dampfdruck von 22Atmoſphären gebaut waren. Die ausgeftellte Mafchine foll dabei 35 indicirte Pferdeftärken leiften, hatte 230 Millimeter Bohrung, 203 Millimeter Hub und machte 225 Umdrehungen per Minute normal. Eine kleine Mafchine, welche den Schaber eines Economifers trieb, arbeitete aber mit 600 und verfuchsweife auch mit 1000 Touren per Minute. Bei hoher Spanung und längerem Hub kann diefes Syftem Gefchwindigkeit zulaffen, an welche man heute noch gar nicht denkt. Ein weiterer Vortheil diefer Mafchine ift der Entfall der todten Punkte und der relativ gleichförmige Gang. Sie kann von jedem Punkte angehen, weil ftets mindeftens ein Kolben am Hube fteht, und das Schwungrad bleibt klein nicht nur der fchnellen Drehung halber, fondern auch wegen der gleichmäfsig wirkenden Kraft. Diefs alles macht die Mafchine leicht und billig im Anfchaffungspreife. Die indicirt 35pferdige Ausstellungsmaschine kommt auf 125 Pfund Sterling und eine Mafchine von 124 Pferden auf 275 Pfund Sterling, was Preife find, welche bis heute fremd waren und diefem Syftem fofort die allgemeine Verwendung bahnen müfften, wenn nicht andere fchwere Nachtheile an ihm hingen. Einer der gröfsten Nachtheile dürfte das rafche Auslaufen der Cylinder und die baldige Abnützung der Kolben fein, welche keine andere Führung alsihre eigene Breite befitzen. Die Zugftangen find kurz und erhielten nur die 21bis 3fache Kurbellänge für fich und da fie ftets gezogen find, fo wechfelt ihr Geradführungs- Druck von einer zur andern Seite. Bei der geringften Ausnützung wippt dann der Kolben bei jedem Hub und befchleunigt feinen Verderb. Dabei werden Dampfverlufte eintreten, welche bei den 12 im Mittel arbeitenden Kolben weitaus bedeutender find als in einer normalen Mafchine. Bei halbwegs fchlechtem Waffer wird die Stein- und Schlammablagerung auch die Zapfen fchädigen, welche fämmtlich vom frifchen, wenn auch geölten Dampf umgeben arbeiten, und nicht wie fonft überwacht und gereinigt werden können. Vorläufig wenigftens entbehrt die Mafchine der variablen Expanfion und befitzt fchädliche Räume von mehr als drei- und vielleicht vierfacher Gröfse als fich fonft ergeben. Diefe werden dabei aber noch fo vielmal öfter gefüllt und ihr Dampf geht fo vielmal öfter verloren. Wie fich nun all diefe Verhältniffe thatfächlich ftellen, wie fich Cylinder und Kolben, der lange weitaufsen angegriffene Kurbelzapfen und die( gleich zu befprechende) rotirende Steuerfcheibe hält, welcher Dampf- und Kohlenver 4115 Centimeter 100 Brotherhood& Hardingham. 49 I Meter Mafsftab 1: 24 der Natur. brauch per Arbeitseinheit von der Mafchine verlangt wird und ob nicht andere hier unberücksichtigte Factoren auftreten, mufs wohl die Erfahrung lehren. Den weitgehendften Verfuche fcheint mir aber diefes Syftem wohl werth und wegen feines geringen Preifes fchon heute überall dort verwendbar, wo eine periodifche Benützung felbft eine dampfverfchwendende Mafchine vortheilhaft zuläfst, und die Mehrkoften des kurzen Betriebes durch die Intereffen des dauernd erfparten Anlagecapitals gedeckt werden. Die Dampfvertheilung gefchieht mit einem der Kurbelfcheibe gegenüber gelagerten kreisrunden Drehfchieber, welcher durch den verlängerten Kurbelzapfen direct mitgenommen wird. Diefer Schieber läuft. auf der Innenfeite der gemeinfamen Deckplatte des Kurbelraumes und war bei den Ausftellungsmaschinen durch einen überlegten Führungsring am Rücken vor dem Losheben gefichert. Auf der Arbeitsfeite enthielt er zwei Aushöhlungen, deren erftere( die kürzere) durch einen radialen Canal mit einer centralen cylindrifchen Vertiefung am Schieberrücken, alfo dem Dampfraume in dauernder Verbindung ftand, während die zweite( die längere Aushöhlung) mit einem Ringcanal ftets an das radiale Ausftrömrohr fchlofs, welches von der Mitte der Deckplatte aufsen hinwegführte. An der Innenfeite diefer Deckplatte mündeten nun die drei Dampfwege zu den Hinterfeiten der Kolben, und der darüber hinweggleitende Schieber fetzte diefe mit dem Innenraum oder der Atmoſphäre in Verbindung. Dabei öffnet ftets diefelbe Kante der Dampfhöhlung des Schiebers den Eintritt und die zweite derfelben fchliefst ihn wieder in gleich genauer Symmetrie. Durch das Vorrücken diefer Kante, alfo durch ein Einlagftück in den Schieber, kann mit dem ein vorzeitiger Dampfabfchlufs und eine fixe Expanfionswirkung gewonnen werden, wie bei einer anderen Mafchine. 4* 50 J. F. Radinger. Zum Zwecke der felbftthätigen Regulirung war ein Regulator verwendet, der auf die einfachste Art gleich an der Aufsenverlängerung der Schieberachfe fafs. Er beherrschte mit einer dünnen Centralftange eine kleine Kolbenplatte. welche in der centralen Einftrömung am Schieberrücken fpielte und fo durch Droffelung des Dampfweges die Spannung des jeweiligen Aufsendampfes regelte. Diefe Regulirung geht felbft für einen ſchnellen Gang völlig an, indem fie nur den Entlaftungsdruck vermindert, aber die Spannung des eigentlichen Arbeitsdampfes nicht berührt. Der rotirende Schieber pafst prächtig hieher, weil der Entfall feiner fonft hin- und hergehenden Massen die Ruhe des Ganges erhöht. - Die Cylinder befafsen bei 228 Millimeter Bohrung eine Fläche von 408 Quadratcentimeter und die Canalquerfchnitte am Schiebergeficht 21 Quadratf₁ centimeter, 119 davon. Nach der Formel Cv gibt fich die mafsgebende f Conftante C= 1/ 9, ein bei der Kolbengefchwindigkeit von= 15 Meter völlig v ausreichendes Verhältnifs. Das Ausftrömrohr befafs bei 57 Millimeter lichter Weite 1/16 des Cylinderquerfchnittes, was wohl etwas knapp ift. Der Kurbelzapfen hatte 50 Millimeter Durchmeffer und jeder der drei Stangenköpfe 56 Millimeter Auflaglänge. Die Welle der Kurbelfcheibe war 90 Millimeter dick und ging nach einer langen Führung in den eigentlichen Lagerftuhl der Mafchine mit einer Stopfbüchfe nach aufsen, wo eine kleine, etwas fchwerere Riemenfcheibe den Triebriemen aufnahm. Die Mafchine braucht keinen Umfteuerungsmechanismus, wenn fie auf volle Füllung geftellt ist, fondern fie läuft im Sinne des erften Anftofses fort. Die ganze Anordnung entwickelt eine im Vergleiche zu den Dimenfionen und dem Gewichte der Mafchine nie dagewefene Kraft und die hohe Umdrehungszahl erlaubt ihre directe Kupplung mit rotirenden Pumpen- und GebläfencentrifugenCirkelfägen oder Schraubenpropellern. Und nachdem die kleinen Dimenfionen der wenig zahlreichen Beftandtheile nach höchft einfach in der Herftellung find und durchaus nur runde Arbeit verlangen, und auch das Vorkommen eines Anftandes während des Betriebes kaum abzufehen ift, fo vereinigen fich alle Bedingungen, um die Mafchine zu einem der billigften und einfachften Motoren zu machen, welche je erfonnen und gebaut wurden. Thatfächlich ftand eine Mafchine auf der Wand einer rotirenden Schraubenpumpe und griff direct deren Welle an. Whitley Partners in Leeds. Hauptfächlich für den directen Antrieb der Stofspumpen, welche bisher mit Vollfüllung arbeiten mufsten, aber auch für die Arbeit an einer Kurbelwelle empfehlen Whitley Partners in Leeds die Field& Cotton's patentirte Compound- Mafchine. Das einzig Charakteriftifche dabei ift die neue Löfung des Woolf'fchen Expanfionsprincipes, und das einzig Gute diefer Löfung das Uebertragen der Gefammtarbeit durch eine einzige Treib- Kolbenstange. Hier find die Wände des kleinen Cylinders in den Körper des Niederdruck- Kolbens eingegoffen und gehen mit diefem hin und her. Der kleine oder Hochdruck- Kolben hängt unbeweglich an einer hinten verfchraubten Stange und der frifche Dampf drückt alfo den Hochdruck- Cylinder diefer feften Stange ent lang. Deffen Endflanfchen find radial verbreitert, mit Dichtungsringen verfehen und bilden den grofsen Kolben, deffen einzige Kolbenftange derart die Druckfumme des frifchen und des expandirten Dampfes empfängt. Die Steuerung ift verhältnifsmäfsig einfach und gefchieht mit Kolbenfchiebern, welche entweder durch Anftöfse oder mit Excentern bewegt werden. je nachdem die Mafchine directe Pumpen oder eine Radwelle treibt. Whitley Partners in Leeds. 51 Sied Das Einftrömrohr mündet genau in der halben Länge des Aufsencylinders und wird nie von den beiden Enddichtungsringen des grofsen Kolbens übergriffen, fo dafs der ringförmige Zwifchenraum, welcher in dem grofsen Kolben rund um den kleinen Cylinder verbleibt, ftets mit frischem Kesseldampf gefüllt ift. Der kleine Cylinder befitzt nun an beiden Enden Einftrömipalten und diefe werden abwechfelnd dem Dampfring oder dem Raum des grofsen Cylinders zu durch zwei fonft normale Kolbenfchieber geöffnet, wodurch der Dampf erft an der innern und dann an der äufsern Seite desfelben Kolbendeckels wirkt. Die Ausftrömung aus dem grofsen Cylinder erfolgt gleichfalls durch eine Kolbenfteuerung. Von letzterer ift nur noch zu bemerken, dafs bei den Mafchinen durch Anfchlagumfteuerung aufser den eigentlichen Steuerkolben auf die betreffenden Stangen noch Gegenkolben gezogen find, welche zur Führung und als Dampfkiffen dienen. Im letzteren Falle erlauben die nach Aufsen reichenden Verlängerungen der Stangen deren Bewegung von Hand, wenn ein Einroften oder fonftiges Verlegen der Steuerkolben Platz gegriffen hätte. Diefe Mafchine war nicht in arbeitender Gröfse ausgeftellt, fondern nur durch Zeichnungen bekannt gegeben. Anfangs foll wohl ein Modell derfelben vorhanden gewefen fein, welches ich jedoch nicht antraf und was Nichts verfchlägt, da der Zufammenhang der Theile auch ohne dasfelbe klar ift und die Fragen, ob die unzugängigen Innendichtungen wirklich dichten und nicht gehäufte Leckſtellen umfchliefsen, doch nur durch und nach der thatfächlichen Arbeit zu entfcheiden find. Insbefondere fcheint der Umftand, dafs die Dichtung des HochdruckDampfes an dem grofsen Umfang des Niederdruck- Cylinders und zweimal vorkommt und auch die Steuerkolben den Hochdruck vom Condenfator abzufchliefsen haben, eine derart genaue Arbeit zu verlangen, wie fie in der Regel nicht vor kommt, wo dann ganz bedeutende Verlufte eintreten müffen. Jedenfalls ift aber die Conftruction und befonders für die directe Stofspumpe höchft beachtenswerth, denn dort mufs doch einmal mit der Einführung eines Expanfionsfyftemes begonnen werden, deffen einfachfte bis nun bekannte Löfung hier vorlag. Aber felbft für Transmiffionsbetrieb kann fie manchen Vortheil bieten und ift höchft beachtenswerth zu heifsen. Kaum gibt es eine Woolf'fche Mafchine, welche eine fo geringe Zahl von Beftandtheilen enthält. 52 J. F. Radinger. E. R.& F. Turner in Ipswich Die Mafchine von E R.& F. Turner in Ipswich zeichnete fich durch mehrere Eigenthümlichkeiten aus. Der Cylinder war mit Dampfhemd und Schieberkaften zufammengegoffen, an deffen rückwärtiger Schmalfeite die Einftrömung ftattfand, und feine Pratzen ftanden direct auf die Steinunterlage gefchraubt. Ebenfo waren auch die beiden Lager der gekröpften Kurbelwelle direct auf das Mauerwerk gefetzt. Cylinder und Lager wurden nur durch zwei[-Eifen verbunden, welche beiderfeits genau in der Höhe der Längsachfe hinzogen und einestheils die ganze Cylinderlänge( mit je 8) und anderntheils breite Lappenangüffe der Lager mit ( je 5) Schrauben fafsten und dergeftalt die Drücke völlig centrifch übertrugen. Bei der Ausftellungsmafchine von nominell 8 Pferdekräften hatte der Cylinder 165 Millimeter Bohrung und der Kolben o 254 Meter Hub. Sie war beſtimmt, mit 8 Atmoſphären Ueberdruck und 270 Touren oder 23 Meter Kolbengefchwindigkeit zu arbeiten, welche Gefchwindigkeit auch für die gröfsten Modelle diefer Firma unverändert beibehalten erfcheint. Diefs foll nun durch das fteife centrifche Rahmenfyftem ermöglicht fein, welches keine Biegungsdrücke erfährt, und für die geradlinig übertragenen Kräfte übermäfsige Stärke befitzt, und merkbare Streckungen nicht zulässt. Bei diefer 8pferdigen Mafchine hatten die Eifen ungefähr 120 Millimeter Höhe und 120 Millimeter Rippenvorfprung. Die Lager waren je nur mit einem auf der Aufsenfeite befindlichen Verticalkeil ftellbar und vorne mit einem Querblech und Winkeleifen gegeneinander feitlich verfteift. Zwifchen Lager und Cylinder fügte fich aber noch eine hochkantige Blechwand- Traverfe ein, welche gefenftert war und die gufseifernen Geradführungslineale in einer an die Locomotivconftruction erinnernden Weife ftützte. Diefe Lineale fchloffen hinten an die Stopfbüchfen Angüffe und nahmen den Kreuzkopf und das ihn umfchliefsende kurzgegabelte Schubftangen Ende auf, welches nur mit Stahlbüchfen verfehen, aber fonft nicht nachftellbar war. Die Seitenarme der Kurbelkröpfung hielten in ihrer Verlängerung keil. förmige gufseiferne Balanzgewichte dadurch feft, dafs fich um die Arme halbverfenkte Flacheifen Schleifen fchmiegten, welche als Rundeifen durch die Guisgewichte hindurchgingen und aufsen mit gemeinfamen Unterlagsftreifen und ftarken Schraubenmuttern angezogen waren. Aufserhalb des Lagers auf der Schieberkaften Seite fafs die fliegende Schwungfcheibe. Diefe nahm auf ihrem abgedrehten Kranz den Riemen und im Raum zur Nabe hin einen Regulator auf, welcher auf das beigefteckte Excenter direct einwirkte. Diefer Innenraum der des fchnellen Ganges halber kleinen Schwungfcheibe war durch eine eingegoffene Trag- und eine vorgefchraubte Ringplatte bis auf einen Kreisausfchnitt einfeits um die Welle völlig gefchloffen. Durch diefen Ausfchnitt reichte ein kurzes Rohr ins Innere. Diefes Rohr war wohl über die Welle, aber mit grofsem Spielraum, gefchoben und trug aufsen das Excenter und innen radial der Excentricität gegenüberflehend einen Arm, der in einem Auge nahe des Scheibenumfangs mit einem angegoffenen Endzapfen drehbar eingefteckt war. In der„ todten" Lage fiel die Richtung diefes Armes mit der Kurbelrichtung zufammen, fo dafs der Voreilwinkel des Excenters 90 Grad betrug. Um den fernen Drehpunkt im Armende kann nun das Excenter verftellt werden, wodurch der von ihm geführte Schieber bei weiter ausgefchlagenem Arm die Bewegung gleichfam von einer gröfseren Excentricität, aber mit kleiner gewordenem Voreilwinkel erhält, wodurch ein rafcheres, weites und länger andauerndes Oeffnen des Canales erfolgt. E. R.& F. Turner in Ipswich. 53 Millimeter 100 ' I 2 ' 3 5 Meter Mafsftab 1: 10 der Natur. Diefe Lage mit weit ausgefchlagenem Arm wird nun für das Angehen der Mafchine eingeftellt. und der Regulator hat denfelben nach einwärts zu drehen, und bei der Normalgefchwindigkeit in einer mittleren Arbeitslage zu erhalten, von welcher ein Abweichen nach aufsen bei verzögerter und nach innen bei befchleunigter Bewegung eintreten. In letzterem Falle nähert fich die Excentricität der toden Lage. Dabei werden die Dampfcanäle wie von einem kleiner werdenden Excenter mit( bis 90 Grad) fteigendem Voreilwinkel überherrfcht. Das lineare Voreilen wächft. aber die Canäle öffnen fich nicht mehr völlig und fchliefsen fich langfam. 54 J. F. Radinger. Da alfo dem Dampfe bei geringer Gefchwindigkeit weite und bei grofser Gefchwindigkeit enge und gedroffelte Wege geboten werden, fo fcheint diere Steuerung für hohe Kolbengefchwindigkeiten, für die fie ja angewendet ift, gerade nicht als Ideal, wirkt aber immerhin ähnlich wie eine Stephenfon'fche Couliffe. Durch das weite oder geringe Einftellen des Excenterarmes vor dem Beginne der Regulatoreinwirkung ift die Normalfüllung für die Normalarbeit zu regeln, und durch das Stellen nach der einen oder der andern Seite der todten Lage hin die Umdrehungsrichtung zu ändern. Beides wird aber nur beim Stillftand der Mafchine möglich. Die Arbeitsftellung des Excenters beforgt nun ein Centrifugalregulator eigenthümlicher Conftruction, welcher fich in der Schwungfcheibe mit unterge. bracht vorfindet. Zwei faft radial nach einwärts gekehrte Gewichte. deren Drehpunkte nahe dem Scheibenumfange liegen, nehmen an der Drehung Theil und fuchen in deren Folge nach aufwärts zu fchlagen. Hievon werden fie aber durch je eine Spiralfeder abgehalten, welche fie nach einwärts zu drehen ftrebt. Für jede Gefchwindigkeit wird fich alfo eine beftimmte Stellung ergeben, in der das Moment der Federfpannung dem der Flugkraft der Gewichte eben das Gleichgewicht hält, und auf diefe Art ein ftatifcher Regulator gefchaffen fein, welcher fich durch eine mögliche Regulirung der Federfpannung auf verfchiedene Normalgefchwindigkeit einftellen läfst. Die beiden Gewichte ftehen durch eine Kuppelftange derart in Verbindung, dafs fich allfällige Ungleichheiten der Spannun¸en etc. ausgleichen. Von der Lage diefer Gewichte hängt aber nun die Lage des Excenters ab, indem diefe feinen Hebelarm fefthalten, wenn fie im Gleichgewicht ſtehen und mitnehmen, wenn fie in Bewegung kommen. Diefes Halten und Mitnehmen findet nicht direct. fondern mit einer ftarken Ueberfetzung ins Langfame ftatt. um das Excenter trotz Ring- und Schieberreibung energifch zu regieren, und gefchieht( nach Hartuell& Guthrie's Patent) mit einer an das eine Gewicht angefchraubten kreisgekrümmten Flachfchiene, deren Krümmungs- Mittelpunkt bei mittlerer Stellung im Drehpunkte ihres Gewichtes liegt, und welche durch eine Führung im Excenterhebel hindurchgeht. Ift nun diefe Schiene nicht etwa fo geftellt, dafs thatfächlich ihr Krümmungs Mittelpunkt mit dem Drehpunkte des fie tragenden Gewichtes zufammenfäl.t, wobei fie durch die Führung im Excenterarm taub hindurchgleiten würde fondern ift fie excentrifch zum Gewichts- Drehpunkt fixirt, fo mufs fie beim Auseinandergehen diefer Gewichte ihren Aufsengleitbacken, und weil diefer vom Excenterarm gehalten wird, auch diefen um den Ausfchlag ihrer eigenen Excentricität mitnehmen, indem fie dabei eben felbft als Theil eines Fixirexcenters wirkt. PO Das Excentrifchftellen diefer ans Regulatorgewicht befeftigten Führungsfchiene gefchieht auf folgende Art: An das Gewicht ift ein wegftehender fefter Arm gefchraubt, an deffen Aufsentheile das eine Ende der Schiene drehbar fitzt. Das andere Ende derfelben ift verlängert und enthält einen Schlitz, durch welchen eine ins Gewicht gefchraubte Stellfchraube hindurchgeht, und fo die Schiene durch Klemmung hält. Steht die Stellfchraube genau in der halben Schlitzlänge. fo fteht die Führungsfchiene centrifch zum Gewichts- Drehpunkt und es fällt die Excentricität des Steuerexcenters in die verlängerte Kurbelrichtung, wobei Alles die todte Lage einnimmt. Dreht. E. R.& F. Turner in Ipswich. 55 man aber bei gelüfteter Stellfchraube die Führungsfchiene um ihren oberen Endzapfen nach einwärts, fo hebt fich das Steuerexcenter und die Mafchine läuft links, während beim Auswärtsftellen der Rechtslauf eintritt. Beim Auseinandergehen der Gewichte gleitet dann die Schiene in der Führung des Excenterarmes und da immer höher gelegene, d. i. Punkte der Schiene zur Führung kommen, welche von ihrem Endzapfen minder weit abgebracht wurden, fo nähert fich mit dem das Excenter feiner früheren todten Lage, die Wege werden kleiner und die geringere Füllung mäfsigt den fouft befchleunigten Gang Die Mafchine war leider nicht in Gang, denn fonft hätte gerade fie manchen Auffchlufs über den Einfluss der CanalQuerfchnitte auf das Erhalten des vollen Druckes im Cylinder geben können. Die mittlere freie Cylinderfläche rechnet fich nämlich nach Abfchlag der halben Kolbenftangenfläche auf 210 Quadratcentimeter. Das Einftrömrohr hatte 38 und die Ausftrömung 51 Millimeter Durchmeffer oder 1/19 und 1/ 10.5 der freien Kolbenfläche, was für den oben erwähnten ſchnellen Gang der Mafchine von 2'3 Meter pr. Secunde bedeutend zu eng erfcheint. Die Einftrömung des Dampfes mufs dabei nämlich im Mittel mit 44 Meter Gefchwindigkeit pr. Secunde erfolgen ( Einftrömconftante C= 144), was in Mitanbetracht deffen, dafs die Vertheilung durch einen einzigen Schieber und mehrfach abgebogene Canäle erfolgt, nur ftark gedroffelt ftattfinden dürfte. Die vom Schieber in den Cylinder führenden Wege waren wohl weiter, indem fie bei 16 Millimeter Breite 114 Höhe oder 1/117 der Kolben als freie Fläche boten. Diefe kam aber nur der Ausftrömung zu Gute, indem der Schieber die Einftrömung nicht ganz öffnet. Trotz diefer kleinft gehaltenen Canäle wird der einfache Schieber grofs, und um denfelben mindeſtens theilweife zu entlaften, ift ein Schieber( Patent Davis& Holt in Leeds) angewendet. Davis& Holt in Leeds. Davis& Holt in Leeds ftellten das Modell eines entlafteten Schiebers aus, welcher auf feinem Rücken eine düne Stahlblech Platte aufgefchraubt enthält, deren Rand wieder mit einem Gufseifen- Kranz armirt, an der gefchliffenen Innenfeite des Schieberkaften- Deckels anfangs durch die Federung und dann durch den Druck angeprefst dichtet. Der Flächenunterfchied zwifchen dem oberen Dichtungskranz und der Projection des Schiebers dient dazu, letzteren genügend auf fein Geficht zu drücken, während er dennoch von circa den drei Viertheilen des fonftigen Druckes entlastet ift. Ein kleines Modell mit Druckpumpe und Mancmeter am glasverfehenen Schieberkaften follte diefe, wie es heifst, oft angewendete Conftruction demon. ftriren. Diefelbe wurde, wie erwähnt, bei den Mafchinen von E. R.& F. Turner ( fiehe Seite 53) verwendet. John& Henry Gwinne in London. Zum Betriebe ihrer Centrifugalpumpen( befonders für die Wafferbefchaf fung der Oberflächen- Condenfatoren der Seefchiffe) baut diefe Firma fchon feit Jahren fchnellgehende Dampfmaschinen, deren Kurbel die Flügelrad Welle mit der verlangten Umdrehungszahl direct antreibt. 56 J. F. Radinger. Diefe Mafchinen folgen ganz der gewöhnlichen liegenden Anordnung, und find auf einer hohen und ziemlich maffigen Grundplatte gemeinfam mit dem Pumpenkörper befeftigt. Hier erübrigt nur die Befprechung ihrer Detailformen und Gröfsenverhältniffe, fo weit es die reine Dampfmafchine betrifft. Der Dampfcylinder ift auf einer Stufe des Grundkörpers aufgefchraubt. welche um circa den Cylinder- Halbmeffer tiefer ſteht als die Geradführung. Letztere findet mit einer einzigen unteren am Kreuzkopf- Auge angefchmiedeten Fufsplatte ftatt, welche in einer fchwach keilförmigen ins Bett gehobelten Rinne ohne jede Nachftellvorrichtung läuft. Gegen das Losheben des Kreuzkopfes bei Leerlauf oder Dampfcompreffion find fchmiedeiferne Seitenlineale nebengefchraubt. Der Kreuzkopf fammt Führung bildet mit der Kolbenftange ein einziges Schmiedſtück. Die gekröpfte Kurbelwelle liegt in zwei feitlichen, völlig fymmetrifchen Lagern, welche rahmenförmig und mit der Grundplatte in Einem gegoffen find. Die Schalen ftehen durch eine verticale Fuge in zwei Theile getrennt und vor der äufseren kommt ein verticaler Deckel, um das Lager zu fchliefsen. Diefer ift aber nicht aufgefchraubt, fondern zwifchen zwei Nafen an den verlängerten, liegenden Wangen des Lagers eingefchoben, fo dafs er längshin ununterbrochen auf liegt. Die faft würfelförmige Form diefes Deckels verfteift ihn zu einem ftarren Stück und die Einfchubleiften halten ihn auf breiter Fläche und wie verwachfen mit dem Ständer. Vor dem Aus. gerütteltwerden fchützt ihn ein fenkrecht hindurchgehender Bolzen mit verfenkter Schraubenmutter. Die äufsere Lagerfchale liegt unmittelbar an dem Deckel, die innere Lagerfchale ift aber mit einer breiten hinterlegten Keilplatte nachftellbar, welche von dem Gewinde einer gewöhnlichen Schraube getragen wird. Die Schubftange hat hinten einen kurzen gegabelten Kopf, der das Kreuzkopf- Auge umfafst. Diefes ift lang, mit einem auswechfelbaren Rohr aus gehärtetem Stahl ausgebüchft. weil in ihm die Bewegung ftattfindet, aber keine Nachftellvorrichtung dort vorhanden ift. Der Kreuzkopf- Zapfen ift in die Schubftangen- Gabel conifch eingerieben, entbehrt auf der dicken Seite des unnöthigen Kopfes und ift andererfeits durch eine Splintfchraube vor dem Lofe werden gefchützt. Die Schubftange icheint kurz im Vergleiche zur Kurbel, indem fie nur deren vierfache Länge befitzt. Der vordere Kopf ift ähnlich dem Kurbellager John& Henry Gwinne in London. 57 conftruirt, da ihn eine quer eingefchobene Deckplatte mit Durchfteck- Schraube vorne fchliefst, und eine hinterlegte Keilplatte ftellt. Die Kurbelachfe treibt einerfeits in ihrer Verlängerung das Flügelrad der Pumpe mit einer eingefchaltenen Kuppelfcheibe, und trägt noch auf der äufseren Seite der Mafchine ein fchweres Schwungrad. Deffen Kranz war an den Ausftellungsmafchinen in der Kurbelrichtung auf des Umfanges hohl gegoffen und balancirte derart die hin- und hergehenden Maffen des Geftänges. Sechs fchmiedeiferne Rundftangen- Arme verbanden die Nabe mit dem Kranze, der, fo weit als das Meffer zukam, blank gedreht war. Die Innenfeite der Nabe bildete gleich das Excenter für die Steuerung, an deffen Broncering die Stange flanfchenförmig angefchraubt erfchien. Der kleine Kreuzkopf an der Schieberſtange war mit diefer aus Einem und nach der gleichen Form wie das Kolbenstangen- Ende hergeſtellt. Die Excenterftange umfafste ihn unfymmetriſch, um etwas kürzere Dampfcanäle zu geben, und die kleine Führungsplatte lief auf einem unter der Schieberftopfbüchfe angefchraubten und vorragenden Trag- und Führungsfupport. Das Ausftrömrohr fand fich ins Bett eingegoffen und der Cylinder dichtete auf deffen ihm zugekehrte Mündung. Die Einftrömung fand oben im angegoffenen Schieberkaften ſtatt, deffen relative Gröfse( Länge gleich Cylinderlänge, Höhe mehr als Cylinderdurchmeffer) auf den angewandten, grofsen Schieber fchliefsen liefs. Solcher Mafchinen waren zwei ausgeftellt. Bei beiden glich der Kolbenhub dem Durchmeffer und ihre Gröfsen und relativen Verhältniffe etc. habe ich wie folgt gemeffen: Kolbendurchmeffer.- Hub. Umdrehungen. Kolbengefchwindigkeit v= • 1. Mafchine 165 400 2.20 Durchmeffer des Einftrömrohres. 51 Ausftrömrohres. 76 " " Einftrö fläche 1/11 Cylinderfläche f Ausftrömfliche 2.2 Einftrömfläche fi Conftante aus -= C. v C= 1/24 f 2. Mafchine Millimeter 280 Millimeter 200 per Minute 153 per Meter 70 83 1/15 14 1/24 4 Atmofph. Dampfüberdruck Kreuzkopf- Zapfen 4 Durchmeffer Länge Durchmeffer Länge • Flächendruck 32 36 76 38 114 Millimeter 57 Atmofph. . Kurbelzapfen . 57 64 64 55 Flächendruck 24 164 Specififche Abnützarbeit 134 Kurbellager( doppelt à). Flächendruck Specififche Abnützarbeit. $ 57 102 7'4 42 70 70 10.5 37 75 Millimeter Atmoíph. Kilog. Met. 165 Millimeter Atmoſph. Kilog. Met. Gwinne& C. in London. Gwinne& C. Effex Works ftellten den vorigen ähnliche Dampfmaschinen für directen Antrieb der Centrifulgalpumpen aus. Kreuzkopf und Kolbenftange bildeten auch hier ein einziges Stück und erfterer war wie ein Schubftangen Kopf mit hinterem Einlagkeil und oberer Anzugfchraube gelöft. Die kurzgegabelte Schubftange umfafste den Kreuzkopf und hielt den Zapfen fix in ihren Augen. Die 58 J. F. Radinger. gefchloffene Kurbellager waren wie dort ans Bett gegoffen und in aen Verticalfugen ftellbar. Die zu fchmierenden Theile enthielten die nöthigen Oelrefervoire nicht in, sondern ober fich, je auf einem überhangenden Träger. Sie rührten bei der Bewegung die auslaufenden Schmierdochte an, deren niederhängende Tropfen abgeftreift und mitgenommen wurden. Damit wird einem Verfchleudern des Oeles vorgebeugt und das Nachfüllen allfalls entleerter Schmiervafen mitten während des rafchen Laufes ebenfo möglich als beim Stillftand oder dem langfamften Gange. Auf diefe Art wurden Kurbel und Kreuzkopf Zapfen und die Excenter genau im Mafse des Verbrauches bedient. Appleby Brothers in London. Die Dampfkrahne diefer Firma hatten eine bemerkenswerthe Umfteuerung ohne Couliffe. Die Dampfvertheilung für die zwei geneigt an die Krahnfchilde aufsen befeftigten Cylinder gefchah nicht von der Kurbelwelle, fondern von einer diefer parallel gelegten Steuerwelle aus, welche fich mit erfterer gleich fchnell drehte. Das Mitnehmen der Steuerwelle gefchah durch ein Paar gleich grofser feingetheilter Stirnräder( à 40 Zähne) und ftatt der Excenter dienten je eine äufsere, kleine Kurbel, deren Voreilwinkel gegen die Treibkurbel durch den Zwang der ineinandergreifenden Zähne der Räder und deren Keilung auf den Wellen beftimmt war und erhalten blieb. OIT Nun trug aber die Steuerwelle ihr Antriebsrad nicht mit einem feften, fondern mit einem Schraubenkeil, welcher in eine in die Welle gefräste und circa 90 Millimeter Verfchiebung erlaubende Schraubennuth pafste. Verfchob man daher das Antriebsrad mit Hilfe von Manchette und Ausrückgabel, fo mufste fich die Steuerwelle in der Radnabe um den Steigungswinkel der gewundenen Keilnuth verdrehen, wodurch der Voreilwinkel der excentrifchen Zapfen für den Vor- oder Rückgang der Mafchine geftellt wurde. Das feftbleibende Zahnrad der Kurbelwelle müfste natürlich fo breit fein, als der Verfchiebungsweg des Steuerungsantriebes betrug, um nicht aufser Eingriff zu kommen. Durch Einfchaltung eines Rohrmuffes auf der fonft gänzlich leeren Steuerwelle, welche einerfeits den geraden, andererfeits den Schraubenkeil enthielte, liefse fich wohl auch das gleiche Ziel ohne diefes breite und etwas fchwere Rad auf der Hauptwelle erreichen. Andere Mafchinen. Zum directen Antrieb von Stofspumpen waren noch eine Reihe von Dampfmotoren ausgeftellt, welche keine rundlaufende Bewegung in fich hielten una daher eigenthümliche Steuerungen aufwiefen. Die manigfaltigen, höchft geift. reichen Löfungen, welche zu diefem Zwecke erfonnen find, und welche alle fcheinbar gut, wenn auch etwas dampfverfchwendend und mit härterem Gange functioniren, als es bei einer Kurbelbewegung gefchieht erfchienen bereits im Berichte über die„ Pumpen und Spritzen"( Heft 80) befchrieben und mit Zeichnungen erläutert. - Belgien und Frankreich. Bereits im Keffelberichte wurde darauf hingewiefen, dat: fich diefe beiden im Mafchinenbaue fo hoch ftehende Staaten der Ausftellung ziemlich ferne hielten und dafs insbefondere die erften Firmen Frankreichs hier gänzlich fehlten. Diefe Thatfache ift umfomehr zu bedauern, als bei dem grofsartigen Maſsftabe und den reichen Mitteln der dortigen, von theoretifchem Wiffen und angeborenem Gefchmacke unterſtützten Conftructionen gewifs eine Sammlung intereffantefter Schöpfungen zur Ausftellung hätte gelangen können deren Abgang aber nun eine Lücke in jenem Bilde zurückläfst, welches über den Dampfmafchinen- Bau auf der Erde im Jahre 1873 auflag. - Von grofsen Mafchinen war nur eine aus Belgien, aber nicht eine einzige aus Frankreich gefandt. Kleine und halblocomobile Mafchinen waren wohl mehrfach vertreten, aber diefe laffen einen Schlufs auf die mafsgebenden Anfchauungen und die Richtung des Grofs- Mafchinenbaues nicht zu. Ausgeftellt hatten: Houget& Tefton in Verviers: Eine grofse Corlifsmafchine. Schneider& Comp. in Creuzot: Eine ftehende Woolfmafchine. L.& A. Quillacq in Anzin: Eine Fördermafchine und mehrere andere Grubenmafchinen. Die Compagnie de Fives Lille: Eine kleine Dampfmaschine. Hermann Lachapelle in Paris: Eine kleine Dampfmaschine. Die Société de Mariemont: Die Zeichnung einer Wafferhaltungsmafchine. L. Prunier in Lyon: Eine Niederdruck- Wafferleitungsmafchine. John Cockerill in Seraing: Gebläfemafchine. Houget& Teston, Bede& Comp. in Verviers. Die 50pferdig benannte Ausftellungs Dampiimafchine diefes Haufes zeich nete fich durch die originelle Steuerung aus. Im Principe war es eine Corlifsmafchine von 450 Millimeter Cylinderbohrung und 1o Meter Kolbenhub, welche mit 4% Atmoſphären Ueberdruck und mit Condenfation zu arbeiten hatte. Bei der normalen Zahl von 45 Umdrehungen per Minute ftellt fich die Kolbengefchwindigkeit auf 15 Meter per Secunde, der die Weite der ZuftrömDampfrohre wie die zum Condenfator führenden übermäfsig reich entfprachen, denn deren Querfchnittsflächen berechneten fich aus den Durchmeffern von 125 und 150 Millimeter auf 12-6 und 19 der freien Kolbenfläche, was für die Einftrömung die unnöthig grofse Conftante von 19 gibt. Der Dampfcylinder beftand aus vier Stücken: einem Aufsenmantel mit Tragfufs, dem eingefchobenen eigentlichen Arbeitscylinder und zwei hohen doppelwandigen Deckeln, welche die inneren Theile der Steuerung enthielten. Letztere fand mit Corlifsfchiebern ftatt und diefe lagen wie Sehnen in den Deckelkreifen. Diefs gibt fchädliche Räume von nie dagewefener Kleinheit, indem die Einlafsfpalte trotz des Dampfmantels nur eine einzige ebene Wandfläche durchfetzt, während die Auslafsfpalte fich im Boden einer auf der inneren Deckelfeite quer ausgefparten halbcylinderförmigen Nifche befindet, aus welchem 60 J. F. Radinger. Houget& Teston, Bede& Comp. in Verviers. 61 ☐☐☐ Centimeter 2 3 5 Meter fich der entsprechende Schieber in den Arbeitsraum des Dampfcylinders neigt, wenn er die Spalte öffnet, während er die Nifche füllt, wenn er fchliefst. Der damit thatfächlich erreichte Vortheil kleiner Steuerungsräume( der übrigens nur von fehr geringem Werthe ift) wird mit zwei Nachtheilen erkauft. Erftens ift es unmöglich, eine halbwegs bemerkbare Compreffion zu veranlaffen, weil fonft der ans Ende feines Laufes eilende Dampfkolben an den vorpendelnden Corlifsfchieber anfchlüge, und zweitens mufs die Steuerung demontirt werden, so oft der Kolben nachzusehen kommt. Die Aussentheile der Steuerung folgten einem neuen Plan. Eine verticale Welle in der halben Cylinderlänge, welche mit der Kurbelwelle durch zwei Kegelradpaare in fefter Verbindung stand und mit ihr gleiche Umdrehungszahl einhielt, trug oben den Regulator, in der Mitte ein Excenter für die Bewegung der Einftrömung und unten eines für die Ausftrömung. Diese Excenter gingen in auf ebenen horizontalen Tifchen geführten Rahmen und der obere trug beiderseits einen in je einer Charniere drehbaren Anschlag, welcher durch einen Druck auf den Lenkftangenkopf der Corlifskurbel den Schieber öffnete. Beide dieser stahlarmirten Anschläge am Rahmen waren über ihrem Drehpunkte mit je einem nach vorn gekrümmten Horne versehen, deffen oberer Theil frei in je eine horizontale Schleife an der Regulatormanchette hineinragte.( Fig. S. 63) Je höher diefe nun ftand, defto früher konnte das Fefthalten des vorgekrümmten Hornes in der Regulatorfchleife ftattfinden, worauf der Anfchlag wegen des weiterfchreitenden Drehpunktes im Rahmen vorne ausgehoben wurde. Mafsftab 1:48 der Natur. Je eine Feder mit Luftpufter an der Lenkftange führten hierauf den Corlifsfchieber in bekannter Art zurück. Das Ausftrömexcenter arbeitete ähnlich in feinem Rahmen, nnd da es von oberen ganz unabhängig wirkte, konnte erfteres auch unter einem negativen Voreilwinkel gegen die Kurbel gekeilt werden, was bekanntlich höhere Füllungen, hier bis 80 Percent, zuläfst, als es fonft bei normalen pofitiven Voreilwinkeln der Fall ift, wo auch die Ausftrömung von einem und demfelben Excenter bedient wird. Der Regulator war nach Pröll's aftatifcher Conftruction, welche ſpäter in diefem Berichte vorgeführt werden foll. Die doppelwirkende Luftpumpe lag hinten in der Mafchinenachfe und fo weit entfernt, dafs im freien Zwifchenraume eine Kuppelung der Dampf- und der Wafferkolben- Stange platzgreifen konnte. Der Luftpumpen- Kolben mafs 160 Millimeter Durchmeffer, und da fein Hub gleich dem des Dampfkolbens, gleich 10 Meter war, fo berechnet fich fein durchlaufenes Volumen auf 18 des Cylindervolumens. Sie brachte felbftverftändlich ein gutes Vacuum( 71 Centimeter) in den Condenfator, welches aber doch in dem Cylinder nicht zur völligen Geltung kam, indem theils die lange, mit Doppelventil für directen Auspuff verfehene Rohr leitung fchädlich einwirkte, andererfeits aber auch das lineare Voreilen der Ausftrömung zu klein gewefen fein mag, deffen droffelnder Einflufs, wenn er einmal auftritt, fpäter nicht mehr verfchwindet. 62 J. F. Radinger; Ich entnahm diefer Mafchine zu wiederholten Malen Indicatorcurven, welche ftets bei kleinen Füllungen faft tadellofe, bei gröfseren Füllungen jedoch Diagramme gaben, welche einen bedeutenden Anfangs Gegendruck verriethen. Wohl konnten die gröfseren Füllungen nur durch das Niederdrücken des Regulators während eines oder zweier Hube erreicht werden, indem die Mafchine fonft nur wenig trieb; die fchief anfteigenden urd nicht horizontalen Einftrömlinien, welche zu erreichen gewifs nicht in der Abficht der Ausfteller lag, zeigt aber die Mafchine oder wenigftens deren Montirung auch in diefer Richtung nicht fehlerfrei. Was die weitere Dimenfionsgebung betrifft, fo waren die Stär. ken mit Ausnahme des KreuzkopfZapfens normal. In der Führung herrfchten 14, im Kurbellager 13, am Kurbelzapfen 49 Atmoſphären Auflagedruck, während derfelbe im Kreuzkopf- Zapfen( 60 Millimeter dick, 90 lang) 157 Atmoſphären erreichen und beibehalten würde, wenn die Mafchine mit vollem Drucke und hoher Füllung arbeiten müsste. Hierbei wäre ein Warmlaufen( wegen des trockenen Ganges und Auspreifens aes Oeles) nahegebracht Die Abnützungen von Kurbel- und Lagerzapfen werden aber mafsig fein. denn die Arbeiten derfelben mit o 29 und o'64 KilogrammMeter per Secunde und per Quadratcentimeter überfchreiten nicht das normale Mafs. Die Detailconftruction war in allen Theilen vorzüglich. Der Innencylinder fteckte von einigen abgedrehten Nafen vorne und hinten im Umkreife gehalten in dem Aufsen cylinder, deffen correfpondirende Angüffe ausgedreht waren. In den Berührungsfugen beider flak ein kleiner Bolzen als Verficherung gegen das Drehen und Erleichterung für das Montiren gefchraubt. Innen- und Aufsen cylinder trugen an den Stirnflächen ihrer flanfchförmigen Ränder je eine Rinne eingedreht, in welche je ein vorfpringender Ringzahn des Deckels griff. Am Boden jeder Rinne lag eine Kautfchukfchnur zur Dichtung, was den ganzen Zwifchenraum vom Innencylinder und Aufsenmantel zur Leitung für den oben ankommenden Keffel Houget& Teston, Bede& Comp. in Verviers. 63 Centimeter 100 50 Mafsftab 1: 25 der Natur. I Meter dampf benützbar machte, welcher von da in den hohlen Deckel übertrat und zu den Einftrömungen kam. Unten waren die Dampfableitungen in die Deckel eingegoffen, was auch deren Flanfchen zu lüften nöthigt, wenn der Hauptkolben nachgefehen wird. Dann war der Cylinder noch mit Cement; Filz und Holz umkleidet und mit einem grofsen, kaftenförmigen Fufsftück( Länge gleich Cylinderlänge) auf die Funda mentfteine gefchraubt. An dem vorderen Deckel fchlofs fich der fchöngeformte, colonnenartige Seitenbalken an, welcher vorne ohne jede Nafe ftumpf an eine vertical angehobelte Fläche des Kurbellager Blockes mittelft vier Schrauben verbunden ftiefs. Diefer Kurbellager Block war wohl hoch aber auch breit gehalten und ftand gleichfalls direct auf den Fundamentfteinen. Er enthielt ein viertheiliges Lager( 190 Bohrung, 330 lang) deffen Seitenfchalen mit Keilen von oben nachzuziehen waren. Deffen etwas gefuchte Formen find unter den Namen„ Farcotlager" bekannt. Die Kolbenftange hinten und vorne gleichmässig 75 Millimeter dick, ging durch doppelte Stopfbüchfen und ſtützte fich auf runde Führungen( 280 breit und 430 lang) im ausgebohrten Balken. Der Kurbelzapfen( 115 dick bei 150 lang) 64 J. F. Radinger. war in die fchmiedeiferne Kurbel eingenietet und diefe trieb die bis zum Rade 320 und hinter demfelben 220 Millimeter ftarke Hauptwelle der Mafchine. Das Schwungrad mit 4:50 Meter Durchmeffer wog 6000 Kilogramm, und übertrug den Effect mittelft eines 325 Millimeter breiten Doppelriemens auf die Transmiffion. Der Kranz diefes Rades war in Einem gegoffen, dann nach dem Abkühlen theils an ausgefparten, theils an gebohrten Fugen in einem Durchmeffer gefprengt und mit Einfchiebkeilen verfchraubt. Die Mafchine wiegt complet 11.000 Kilogramm ohne Rad, 6.9 Kilogramm per Quadrat centimeter Cylinderbohrung, und koftet 17.000 Franken mit, 15.000 Franken ohne Condenfation.. Schneider& Comp. in Creuzot Ein Motor, welcher wie kein anderer darlegte, mit welch herrlichem Material wir unfere Maſchinen bauen und auch hauptfächlich zu diefem Zwecke ausgeftellt fchien. war die ftehende nominell 20pferdige Woolf'fche Mafchine von Schneider& Comp. in Creuzot. Diefe beftand aus zwei mit einem Mantel, den unteren Deckeln und den Schieberkäften zufammengegoffenen Cylindern von 240 und 400 Millimeter Durchmeffer, welche oben auf zwei Dampfhammer- Ständer ähnlichen Traggerüften ftanden. Die Kolben arbeiteten mit je o 60 Meter Hub nach abwärts auf eine unter 90 Grad doppelt gekröpfte Kurbelwelle. Diefe lag in drei, an die gemeinfchaftliche Grundplatte angegoffenen und aufserhalb der Mafchine hinter dem Schwungrade noch in einem vierten Lager. Die Kurbeln diefer Woolf'fchen Mafchine ftanden unter 90 Grad und der Raum zwifchen den Cylindern und ihrem gemeinfchaftlichen Mantel diente als Dampfrefervoir für den Hubwechfel. Diefes, mehr als viermal fo grofs als der Inhalt des kleinen Cylinders, wird normal mit bereits ftark expandirtem Dampf gefüllt fein, den Hochdruckcylinder kühlen ftatt. heizen und feiner ungewöhnlichen Gröfse halber felbft bedeutende Wärmeverlufte nach Aufsen verurfachen. Die Steuerung des kleinen Cylinders fand mit zwei Excentern ftatt, deren eines den gewöhnlichen Schieber in dem auf der Aufsenfeite angegoffenen Schieberkaften bewegte, während das zweite einen Spaltfchieber auf der feften Zwifchenplatte eines aufgefchraubten Schieberkaftens trieb, und fo eine geringere Füllung einleitete, als es mit dem Grundfchieber allein möglich wäre. Die Gröfse Schneider& Comp. in Creuzot. 65 der Expanfion war aber während des Ganges nicht zu verändern, indem das Excenter nur während des Stillftandes( mit der Schraube im Schlitz) verftellbar war. Der austretende Dampf des kleinen Cylinders kam nun in das Zwifchenrefervoir; in diefes mündete aber auch ein mit einem Ventil abfperrbares, ziemlich weites Verbindungsrohr mit der Hochdruck- Dampfkammer, fo dafs diefes Ventil wohl zum Anwärmen der Cylinder allein, aber auch zur Einleitung directen Arbeitsdampfes in das Zwifchenrefervoir dienen kann, was bei einem wenig verftändigen Wärter eine mifsliche Sache ift. Aus dem Refervoir kam der Dampf durch einen Schieber auf der anderen Aufsenfeite in den Niederdruck- Cylinder, von wo er durch die aufgedichtete Tragflanfche in die eine der vier hohlen Ständerwangen ausftrömte und durch das dort eingeleitete Einspritzwaffer condenfirt wurde. Diefe eine( Condenſator-) Ständerwange verbreiterte fich unten und enthielt die eingehangene einfach wirkende Luftpumpe von 230 Millimeter Durchmeffer und o 30 Meter Hub und über deren Tragring umgegoffen den Warmwaffer- Kaften. Der Ständer felbft war wieder auf die Grundplatte aufgedichtet, deren Hohlraum den ohne diefs grofsen Condenfationsraum vergröfserte, was wohl der faft bis zum Boden niederreichenden Luftpumpe halber nöthig war, aber der ausgedehnten Dichtungen wegen fchlecht erfcheint. Diefe Dichtungsflächen find nämlich dem Spiele der durchgeleiteten wechſelnden Mafchinen Centimeter 100 I 2 Meter Mafsftab 1: 50 der Natur. 66 J. F. Radinger drücke ausgefetzt und können nicht erneuert werden, wenn nicht die Mafchine völlig demontirt wird, fo dafs das Vacuum leicht gefährdet erfcheint. Die Grundplatte war auf der dem Schwungrade entgegengesetzten Seite für die Regulatorfäule ausgebaut, durch deren Sockel die Hauptwelle hindurchführte und die Regulatorfpindel mit gleichen Kegelrädern antrieb. Diefer felbft war mit gekreuzten Stangen, ähnlich der Farcot Form, conftruirt und griff droffelnd auf einen dem Haufe patentirten Einftrömfchieber im Dampfrohr. Die Dampfkolben waren hohl gegoffen und mit einfachen Selbft- Spannringen gedichtet; fie fafsen auf ihren ftark conifchen verfenkt eingefchliffenen Kolbenftangen- Bunden und hielten auf diefen durch obere verficherte Muttern. Die Kolbenftangen erweiterten fich unten zu den angefchmiedeten Kreuz köpfen, deren ausgebüchfte Augen von den kurz( auf 16 der Gefammtlänge) gegabelten Schubftangen umfafst waren, aber aufser den auszuwechſelnden Büchfen keine Nachftellvorrichtung enthielten Die Führungen fanden zwifchen den entſprechend geformten Ständerwangen auf Schienen ftatt, welche mit Kupferbolzen und feitlichen Stockfchrauben ( mit Schraubenzieher- Köpfen) gehalten und beiderfeits mit übergefchraubten Decklinealen verfehen waren. Die gufseifernen Führungsplatten hielten verfchnitten an ankerförmig an. gefchmiedeten centrifchen Lappen der Kreuzköpfe und waren mit eingegoffenen Oeltöpfen verfehen. Die runden Schubftangen endeten bei den Kurbeln mit Flanfchenköpfen, in welche die achteckigen Schalen zu 5 verfenkt eingepafst waren, und welche ein Dekel mit je zwei Durchftekfchrauben fchlofs. Die Kurbelwelle lag, wie oben erwähnt, in drei auf die Grundplatte an gegoffenen fchmalen und einfachen Lagern, deren Deckel fämmtlich verfchnitten und( wohl unnöthig) übergreifend waren. Die hohlgegoffene Grundplatte felbft hielt durch vier ziemlich naheftehende Schrauben am Fundament. Der Luftpumpen Antrieb fand vom Kreuzkopfe des Niederdruck Cylinders durch ein zu beiden Seiten der betreffenden Ständerwange fchwingendes GufsHebelpaar ftatt, deren gemeinfchaftliche Achfe im äufsern Drittel der Hebellänge lag und in einem aufsen an den Ständer gegoffenen Langlager ihre Stützung fand. Die kurzen Enden des Hebelpaares lagen wieder durch eine Traverſe in Verbindung, an welcher in Mitte der Luftpumpen- und beiderfeits die bronzenen Kolben zweier Speifepumpen( fämmtlich mit Bronzemuttern) hingen. Ausserhalb des Excenters für den Niederdruck- Cylinder endete die KurbelWelle mit einem angefchmiedeten Flanfch zur Kupplung mit der Schwungradwelle, welche mit einem ähnlichen angefchmiedeten Flanfch verfehen und mit erfterem verfchraubt war. Diefe letztere Welle trug innerhalb des vierten Lagers das Rad von 2.30 Meter Durchmeffer und aufserhalb desfelben eine aufgefetzte Kurbel für das niederhängende Geftänge einer Kaltwaffer- Pumpe. Die Formgebung all diefer einzelnen Beftandtheile war eine ruhige und geklärte und drückte genau aus, was für Kräften die Betreffenden zu widerftehen hatten und wie fie es thun. Die Ausführung war eine überfchwänglich reiche und felbft der Mafchine abträglich, indem fie ihr den Charakter eines Spielwerkes oder höchftens den eines Modelles, aber nicht den gefund kräftigen einer arbeitsftarken Mafchine verlieh. Jedenfalls übertrug fich der unbewusste Gedanke. dafs fo( hellglänzend) das Material während andauernder Arbeit nicht erhalten werden kann, wenn auch mit Unrecht aber doch auch auf deffen Güte, und man fühlte fich leicht geneigt, das Ganze mehr für ein Schauftück dichten Guffes. fchönfarbiger Bronze und gefchicktefter Metallarbeit anzufehen, als für eine Mufterconftruction einer modernen Dampfmafchine, was es doch eigentlich fein follte, wenn auch ( nach dem Eingangs Erwähnten) nicht war. Schneider& Comp. in Creuzot. 67 Die Lager-, Schieberkaften-, Luftpumpen- Deckel etc. waren gleich den Schub- und Excenterftangen und der Achfe und felbft die Kanten der Maſchinenftänder waren blank bearbeitet und polirt. Dabei war Bronce und Kupfer wo nur immer thunlich breit verwendet, und es ift zu bedauern, dafs all der Gefchmack und all die Mühe an eine Maſchine verfchwendet wurden, bei welcher ein langfamgehender Regulator nur eine Droffelung bewirkt, deren Expanfion überhaupt während des Ganges nicht verftellbar ift, in welcher Hochdruck- Dampf in den Niederdruck- Cylinder kommen kann, bei welcher die vielen das Vacuum dichtenden Flanfchen in die Tragconftruction fallen, deren Welle in vier Lagern liegt und die noch zu allem Ueberfluffe in Folge ihrer Aufftellung fchwerer fein mufs, als irgend eine liegende Form. Die Dampfwegs- Querfchnitte, Flächendrücke und Abnützarbeiten habe ich hier nicht nachgerechnet, denn einestheils konnte ich die Tourenzahl an der kaltliegenden Mafchine nicht entnehmen oder authentifch erfahren und anderntheils werden die Drücke etc. wegen der vielen Lagerung und der dicken Kurbelachszapfen, theilweife alfo aus anderen als directen Gründen klein, theilweife aber auch unbeftimmbar fein. L.& A. Quillacq in Anzin. L.& A. Quillacq in Anzin ftellten eine zweicylindrige Fördermafchine aus, welche an und für fich durch Gröfse und fchöne Ausführung vortheilhaft ausfah, aber doch mit Ausnahme der Steuerung etwas veralteter Conftruction war. Der- förmige Bettbalken beftand aus zwei Hälften, welche vor der Geradführung mit Flanfchen zufammenftiefsen und nur mit vier Schrauben verbunden waren. Unmittelbar hinter den Fugen waren je zwei Fundamentfchrauben, je eine auf jeder Seite der Vertical rippe. Die Lagerkörper waren wohl ans Bett gegoffen, aber ohne Vorrichtung gegen die feitliche Abnützung ausgeführt. Die Cylinder hatten aufgefchraubte Schieberkäften mit gefonderten Oberund Stirndeckeln und die Kolbenftange war vorne in eine Traverfe gekeilt, an welche die flache und hinten gegabelte Schubftange mit zwei ftellbaren Köpfen griff. Die Traverfen- Enden gingen in Doppelführungen deren Oberfchienen fchwerer ausfahen als der Bettbalken, und mit je einer Seitenfchliefse in der halben Länge nach abwärts verfichert waren. Der Schubftangen Kopf hatte beim Kurbelzapfen die SchiffsmafchinenConftruction mit durchgehenden Deckelfchrauben. Die vor den Muttern ftehenden Bolzentheile der Schrauben waren alle mit angedrehten kleinen Rotationsparaboloiden gefchmückt. ein Die Steuerung war die von Guinotte, das ift eine Zweifchieber- Steuerung, deren Deckfchieber eine flache Platte ift, welche von einer Couliffe mit zwei Excentern bewegt wird. Der Umfteuerung halber waren auch die Grundfchieber von einer Couliffe angetrieben, fo dafs jederfeits der Mafchine( nachdem das mittlere Excenter doppelt benützt wurde) drei Excenter und zwei Couliffen wirkten. Letztere waren geradlinig( wie bei der Allan- Steuerung), hatten je Doppelgehänge und das Ganze war fo eingerichtet, dafs von der fortfchreitenden Drehung der Seiltrommel- Welle eine durch Kegelräder angetriebene Schraube mitgenommen werden follte, deren Mutter unter dem paffend gekrümmten Steuerhebel der Expanfions couliffe hingleitend diefe bewegt und folglich die Füllung ändert. Diefe mit jedem Hub verftellte Füllung, welche dem Gewichte des ablaufenden Seiles Rechnung trägt, wird hier thatfächlich jedoch mit einem ungemein verwickelten Plan von Stangen, Hebeln, Wellen etc. erreicht, deren Befchreibung es hier aber umfoweniger bedarf, als diefe im politechnifchen Centralblatt 1871 zu finden ift. 5 68 J. F. Radinger. Ferner ftellte diefe Firma eine grofse liegende Mafchine für Grubenventilation aus, deren Dampfkolben auf die Kurbel der verticalen Flügelachfe mit einem gewöhnlichen nur um 90 Grad verdrehten Geftänge einwirkte. Deffen Gewicht wurde einestheils von breiten Borten der Geradführungsblöcke und anderntheils vom Bund des Kurbelzapfens ohne jede Nachftellvorrichtung getragen. In Zeichnung war endlich noch die Wafferhaltungsmafchine des EngerthSchachtes in Kladno veranfchaulicht, welche von diefem Haufe gebaut wurde. Die Mafchine ift mit der bekannten geiftreich en Erfindung Bockholtz's in Wien, dem Kraftgenerator( mit Gewichten wirkend) ausgeftattet, welcher die Hubgefchwindigkeit und mit dem den Effect einer folchen Mafchine ganz wefentlich fteigert, ohne beim Hubwechfel Stöfse zu verurfachen, und das Geftänge von Uebergewicht entlaftet. Compagnie de Fives Lille. Parent Schaken Houel& Caillet( Compagnie de Fives Lille) fandten eine für den Antrieb der franzöfifchen Abtheilungstransmiffion mitbenützte Dampfmafchine ganz alten Modelles. Es war eine liegende nicht condenfirende Mafchine von 350 Millimeter Bohrung und o 70 Meter Hub, welche mit 40 Umdrehungen per Minute( 0.93 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde) arbeitete. Das 60 Millimeter weite Dampfrohr bot 83, das 100 Millimeter weite Ausftrömrohr 1/12 der freien Kolbenfläche, was völlig richtige Weiten bei diefer kleinen Kolbengefchwindigkeit find, und die Einftrömconftante auf 1/30 ftellt. Der Am Cylinder fafs feitlich ein aufgefchraubter Schieberkaften, welcher oben wieder ein aufgefchraubtes Gehäufe für den Anlafsfchieber trug, oberhalb welchem die vom Watt'fchen Regulator beeinflusste Droffelklappe kam. Cylinder war übrigens ohne jeden Schutz gegen Abkühlung hergestellt und belaffen. Die Dampfvertheilung gefchah mit einer Meyer- Steuerung, deren innere Theile ich jedoch nicht gefehen habe. Der Bettrahmen war vorne leierförmig ausgebaucht und nahm eine weit gekröpfte Welle auf, deren Mitte den Kurbelzapfen gab. Aufsen fteckten zwei Schwungräder von je 2'4 Meter Durchmeffer fliegend auf den Wellenenden, und übertrugen mit zwei einfachen Riemen( à 160 Millimeter breit) den Effect nach oben. Die Kurbellager waren fchief gefchnitten und an die Grundplatten gegoffen. Die Lager felbft zeigten jene lange bekannte und in Frankreich oft( u. A. auch von Cail) benützte Selbft- Schmiervorrichtung, welche in einer Verdickung der Achfe im Lager befteht, wobei der Zapfen im Oele watet. Diefe Vorrichtung ift hier völlig werthlos, denn die auf zwei Lager vertheilten Drücke werden an und für fich nur halb fo grofs, als bei einer Kurbelmafchine fein und betrugen hier thatfächlich nur 80 Atmoſphären, und dann laufen fo langfam gehende Zapfen wie diefe ohnediefs nicht leicht warm. Die fpecififche Reibungsarbeit war auch nur 0 12 Kilogramm- Meter. Der Kurbelzapfen- Theil der Welle war 120 dick und 130 Millimeter lang, was gleichfalls einen mässigen Druck( 30 Atmoſphären) und mäfsige Reibungsarbeit( o 36 Kilogramm- Meter per Secunde und Quadratcentimeter) von Schale und Zapfen brachte. Die Führung der 54 Millimeter dicken Kolbenstangen gefchah zwifchen zwei Linealen, welche eintheils an die Stopfbüchfe und anderntheils an eine Bett- Traverfe gefchraubt waren. Der Kreuzkopf war nicht ftellbar, dafür lagen Blechftreifen- Einlagen unter den Linealen. Die Führung felbft( 140 bei 250 Millimeter) war verhältnifsmäfsig klein und brachte den Druck von 27 Atmoſphären zwifchen die gleitenden Flächen. Compagnie de Fives Lille. 69 Die Schubftange umfafste die Lineale mit langer Gabel, welche mit zwei Bügelköpfen beim Kreuzkopf endeten. Aehnlich waren auch die beiden Excenter ftangen gegabelt, um eine vordere Rundführung der Schieberftangen in ausgebüchften Augen zuzulaffen. Um diefe Stangen trotz der Gabeln nahe aneinander zu haben, ftand eine diefer Führungen weiter vorne und die andere weiter rückwärts, was weder fchön noch gut zu nennen ift. Von der Regulatormanchette reichten zwei Hängftangen nieder, welche mit einem Zwifchenhebel auf die Droffelftange wirkten. Derfelbe Arm des Zwifchen hebels aber, welcher mit der Manchette in Verbindung ftand, trug in feiner Verlängerung ein Gewicht, welches daher ähnlich der Porter'fchen Belaftungsart wirkt, jedoch verfchiebbar und an und für fich kleiner ift und weil es nicht mitrotirt, nicht gedreht und centrirt zu fein braucht. Dafür bedingt es aber eine dauernde Reibung zwifchen Ring und Manchette, die fonft entfällt. Der Preis diefer Mafchine, welche zum Motor in einer Rübenzucker- Fabrik beftimmt war betrug II 000 Francs. J. Hermann Lachapelle in Paris. Aufser einer Reihe von anderen Kleinmotoren ftellte J. Hermann Lachapelle eine liegende Dampfmafchine aus, welche fich durch ihre einfache und gefchmackvolle Conftruction auszeichnete, und durch eine Reihe kleiner Details und die Ausführung erkennen liefs, dafs die Fabrik viele folche Mafchinen baut. Es war eine ungefähr 6pferdige Mafchine mit circa 200 Millimeter Cylinderbohrung und o 30 Meter Hub, deren Normalgang bei 105 Touren per Minute ( Kolbengefchwindigkeit 105 Meter per Secunde) eintritt. Der Cylinder lag zwifchen den Nafen einer oben völlig ebenen Grundplatte, aus deren Langfeiten die fchiefen Lager für die gebogene Kurbelwelle in prächtig weicher Form angegoffen herauswuchfen. Der Cylinder war doppelwandig und mit Farcot- Steuerung( mit Handeinftellung) im angegoffenen Schieberkaften verfehen; vom Vorderdeckel ragten angegoffen eine obere und eine untere Geradführungsfchiene hinaus, welche vorne von einem kleinen Ständer geftützt waren. Diefen umfafste eine langgegabelte Schubftange, die ihren Kreuzkopf Zapfen in feften Augen hielt, während die Schwingung in dem Kreuzkopfe felbft ftattfand. Die Vorderfchale desfelben war mit einem Querkeil nachzuziehen. Vorne bei der Kurbel trug die Schubftange wohl wegen des Aufbringens einen offenen Kopf, deffen Bügel jedoch mit einem runden Schraubenbolzen feftgefchloffen war. Die Schalen waren fchiefgefchnitten und die hintere mit Querkeil und Zugfchraube zu ftellen. Das Steuerexcenter war von einem Broncering umfafst, welcher für die Excenterftange einen ausgebohrten, aber feitlich derart befchnittenen Angufs trug, dafs die eingelegte Stange vorne und rückwärts frei blieb. Die Verbindung gefchah durch Stift und Schraube. Statt des einfachen Gelenkes bei der Verbindung des Excenters mit der Schieberftange war hier ein Kugelgelenk verwendet, deffen Schlufsgewinde ein Nachftellen erlaubte. Der Watt'fche Regulator ftand feitlich der Mafchine in der halben Länge der Geradführung und war durch das Kegelrad einer Längswelle angetrieben, welche an der Schwungrad- Welle mit einem Schraubenrade begann. Das Schwungrad von 125 Meter Durchmeffer war in Einem gegoffen, hatte gekrümmte Arme und einen einfeitigen Schnitt in der Nabe. Unter diefem lag ein normaler Keil, vorne aber war der Schnitt durch zwei angegoffene Lappen fortgefetzt, welche mit zwei ftarken Durchfteck Schrauben geklemmt werden konnten, wodurch Keil und Rad feftgehalten waren. 5* 70 J. F. Radinger. Société de Mariemont. Diefe grofse Gefellſchaft ftellte u. A. die Zeichnungen einer Wafferhaltungsmafchine aus, welche bezüglich der Gefchwindigkeitsberechnung etc. in diefem Berichte erwähnt fein mufs. Das Geftänge für die drei Pumpenfätze von je 80 bis 85 Meter Förderhöhe hängt einfeits eines Blechbalanciers, auf deffen anderer Seite ein doppelwirkender Dampfcylinder fteht. Die Doppelwirkung des letzteren ift trotz des Umftandes, dafs das Pumpengeftänge nicht auf Druck beanfprucht wird, durch ein Gegengewicht ermöglicht, welches an der Kolbenftange in die Fundamente hängt. Letztere find hier in Gufseifen ftatt in Mauerwerk aufgeführt. Oben trägt die Kolbenftange, bevor fie noch an den Balancier greift, eine Traverfe, von welcher längs den Cylinderfeiten zwei rückgreifende Schubftangen auf die Kurbelzapfen wirken. Die Kurbelwelle liegt unter dem Cylinder und trägt zwei fymmetriſche Aufsen- Schwungräder, welche mit je einem eingefteckten Kurbelzapfen zur Verbindung mit der Schubftange verfehen find. Die Vortheile diefer Aufftellung, die, infoferne fie die Maschine betreffen, dahin gehen, dafs hohe Expanfion felbft bei einem einzelnen Cylinder verwendbar ift, dafs der Balancier ftets nur nach einer Seite gebogen werden will, wodurch u. A. die Nietungen immer auf denfelben Flächen laften und fich daher nicht verfchlagen, dafs diefelben Umftände auch den Stangenköpfen des Balanciers zu Gute kommen, dafs die Kurbelftangen zu den Schwungrädern Nichts als nur die Differenzdrücke zu übertragen haben und dafs endlich die erzwungene Bewe. gung kleinere fchädliche Räume zuläfst etc., möge hier nur im Vorübergehen erwähnt fein. Die Steuerung des Dampfcylinders gefchieht mit Schieber und deren Antrieb nach Syftem Guinotte, dem Director diefer Gefellſchaft. Nun handelt es fich um die Bedingungen einer hohen Leiftungsfähigkeit, welche bei gleichbleibenden Dimenfionen der Pumpe offenbar allein von der zuläffigen Kolbengefchwindigkeit abhängt. Diefe wird aber in erfter Linie nur durch die Stöfse befchränkt, welche ein rafcher Hubwechfel in den Ventilen veranlafst. Die Bedingung war daher, das Schwungrad derart zu dimenfioniren, dafs es eine gewiffe erfahrungsmässige Gefchwindigkeit( 18 Meter per Secunde reducirt am Kurbelkreis als Maximum und o 25 Meter Minimum wegen der Gefahr des Stehenbleibens) nicht überfteigt, während es gegen den halben Hub zu fehr grofse Gefchwindigkeit haben foll, welche die mittlere Gefchwindigkeit und mit dem die Leiftungsfähigkeit des Ganzen erhöhen. Dazu eignet fich nun eine zweicylindrige Woolf'fche Mafchine fchlechter als eine ein cylindrige mit gleicher Expanfion, wie es dem gleichmässigeren Gange der erfteren zufolge von vorne herein einleuchtet, aber auch durch das fpecielle Studium hier noch feftgeftellt wurde. Aus dem Dampfdiagramm wurden nämlich mit Rückficht auf die Maffenbefchleunigungen und unter Annahme eines Schwungradgewichtes und einer mäfsigen Gefchwindigkeit am todten Punkte( z. B. 5000 Kilogramm und o 5 Meter) die Gefchwindigkeitscurve für fämmtliche übrigen Lagen des Hubes conftruirt und daraus die mittlere Gefchwindigkeit und die Tourenzahl berechnet, diefs mit einer anderen Gefchwindigkeit am todten Punkte( Io Meter) wiederholt und abermals die Curve und die Tourenzahl beftimmt und fo Einblick in den Einflufs derfelben gewonnen. Dasfelbe Verfahren wurde für ſchwerere Räder 15-, 40und 80.000 Kilogramme wiederholt und aus dem Ergebniffe neue Diagramme gezeichnet, in welchen die Umdrehungszahlen als Abfciffen und die Gefchwindigkeiten am todten Punkte als Ordinaten auftreten. Aus diefen Diagrammen wurde ein neues abgeleitet, in welchem die Schwungrads- Gewichte die Abfciffen und die Gefchwindigkeit am todten Punkte die Ordinaten abgeben. Diefe Linien wurden unter der Annahme gezogen, dafs Société de Mariemont. 71 die Touren zwifchen 4 und 20 per Minuten veränderlich fein follen, und hierauf von zwei Linien gefchnitten, welche die Gefchwindigkeitsgrenzen o 25 und 18 Meter per Secunde am todten Punkt bezeichneten. Daraus fah man denn, wie grofse Tourenzahlen folcher Mafchinen nur mit leichten Schwungrädern möglich find, indem nur diefe trotz der hohen mittleren Gefchwindigkeit jene mäfsigen Werthe am todten Punkte geben, welche den ftofsfreien Gang der Pumpe zulaffen; wenn man aber zu kleinen Hubzahlen niederfteigt, auch fchwere Schwungräder herangezogen werden müffen, welche aber bei den früheren Gefchwindigkeiten zerftörend wirken würden. Daher wurde diefe Mafchine mit einem Rade ausgeftattet, welches bei 8 Meter Durchmeffer ein veränderbares Gewicht von 71 bis 40 Tonnen Gewicht erhält, und daher 1212 bis 4 Hube per Minute machen kann, ohne dafs die Gefchwindigkeiten im Kurbelkreife am todten Punkte die gefährlichen Grenzen von 18 und o 25 Meter paffiren. Diefe Mafchine ftand nur in der Zeichnung mit einer Reihe von anderen intereffanten Bergbau Apparaten diefes Haufes ausgeftellt. Von letzteren mag hier eine mit Moos gedichtete Stopfbüchfe erwähnt fein, mit welcher der unterfte Ring einer gufseifernen Schachtauskleidung von 193 Meter Tiefe bei 3.65 Meter Durchmeffer während des Niedertreibens ausgeftattet war. L. Prunier in Lyon. Die Niederdruck- Wafferleitungsmafchine beftand aus einem durch centrales Ausräumen verfenkten 800 Millimeter weiten gufseifernen Grundrohre, auf deffen oberfter Flanfche direct und offen der 400 Millimeter weite Pumpencylinder, der Ausgufskaften und durch einen kurzen Ständer getrennt der 600 Millimeter weite Dampfcylinder ftand. Der Pumpencylinder war aber nicht Tragconftruction, fondern ein I'O Meter weites Rohr um ihn, in deffen Oberring, dem Ausgufskaften, er aufgehängt war, während er unten mittelft einer Stopfbüchfe ins waffervolle Grundrohr tauchte. Vom Dampfkolben( 0.60 Meter Hub) ging fowohl eine obere als eine untere Kolbenftange aus. Die obere Kolbenftange trieb eine faft 5 Meter über der Bafis gelagerte gekröpfte Kurbelwelle, welche aufser den Lagern zwei fymmetrifche Schwungräder und in deffen Armen je einen genau der Kurbelftellung gegenüber ftehenden Zapfen trug. Von diefem hingen zwei je 3.78 Meter lange Schubftangen nieder und fafsten eine Traverfe an, welche in dem Trennungsständer von Pumpen- und Dampfcylinder geführt war. Von der Mitte der Traverſe reichte eine hohle Kolbenstange in den Pumpenkörper und durch fie hindurch die zweite direct maffiv nach abwärts führende untere Kolbenstange des Dampfkolbens. An der hohlen fowie tiefer unten an der maffiven Stange hing je ein mit Stufenventilen verfehener Kolben und beide arbeiteten in einem und demfelben Pumpencylinder, in einander ftets entgegengefetzter Bewegung, wie von Kurbeln unter 180 Grad getrieben. Die Ventilkolben näherten fich alfo der halben Länge ihres Cylinders gleichzeitig oder entfernten fich von ihr, und lieferten fo eine gleiche Waffermenge beim Auf- und Niedergang, trotzdem nur zwei Ventilfyfteme vorhanden waren. Um nun diefem hohen und fchmalbafigen Bau die möglichfte Sicherheit gegen das Schwanken zu verleihen, waren alle Maffen balancirt und griffen alle Kräfte centrifch oder fymmetriſch an. So waren nun auch die Vertheilungsfchieber des Dampfcylinders getrennt und zu beiden Seiten desfelben angegoffen. Der eine kam beim oberen Cylinderdeckel, der andere in die Nähe des eingegoffenen Bodens zu ftehen und jeder wurde durch ein eigenes, eben zwifchen Kurbelkröpfung und Lager untergebrachtes 72 J. F. Radinger. Excenter gefteuert, deren Ringe mit ausgebogenen Armen an die Schieberstangen griffen. Die Schieberrücken waren mit je einer verfenkten 7 Millimeter dicken Kautfchuk- und aufserhalb derfelben einer 3 Millimeter dicken Kupferplatte armirt, welche auf der inneren Seite der Schieberkaften- Deckel dicht und entlaftet laufen follten. Die Mafchine arbeitete mit Condenſation, deren zwei fymmetriſche von der untern Traverfe angetriebene und in den Ausgufskaften der Pumpe eingehangene unten offene Luftpumpen je 200 Millimeter Weite und alfo/ des Cylindervolumens als wirkfames Volumen befassen. Im Allgemeinen war die Anordnung geiftreich und richtig erdacht; durch die Detailconftruction wurde ihr aber zu geringe Stabilität gegen die Horizontaldrücke der oben fchwingenden Schubftange gegeben. Die Kraftcomponenten fielen wohl wegen der bedeutenden Länge( 12'6 des Kurbelarmes) klein aus, aber die Maffendrücke, welche das Abfchwingen der doppelt vorhandenen und ihrer Länge halber fchweren Stangen verlangten und bewirkten und am langen Hebelarme auftraten, brachten den Mafchinen bei halbwegs gröfserer Gefchwindig. keit einen ftark pendelnden Gang. Dazu bekamen fie noch Dampf aus einem Fairbairn- Keffel, der der zu engen Stutzen wegen übermäfsig nafs war und die Arbeit gleichfalls beengte. Durfte fo die Mafchine nicht forcirt werden, fo konnte fie auch ungekuppelt und mit leichten Schwungrädern ausgeftattet, wie fie war, nicht wefentlich langfamer gehen, als ihrer Normalgefchwindigkeit( circa 1o Meter Kolbenweg per Secunde) entſprach, und das Angehenlaffen war, wenn fie auch die auf- und niedergehenden Maffen gänzlich oder doch gröfstentheils balancirten, der ausgefprochenen todten Punkte halber nicht leicht. Die Mafchine arbeitete felbftverftändlich ohne veränderliche Expanfion und ohne Regulator. Eine Zeichnung derfelben findet fich im Berichte über die Pumpen. Gefellfchaft John Cockerill in Seraing. Eine grofse Gebläfe- Mafchine, deren Anordnung wohl bekannt ift, nachdem bis zur Zeit der Ausftellung bereits 103 diefes Syftemes von Seraing ausgingen, während 25 weitere im Baue waren, gehört nur infoferne in diefen Bericht, als die Erwähnung des Dampfbetriebes am Platze ift. Der Antrieb des hoch auf vier geneigten Säulen ftehenden Gebläfe- Cylinders von 30 Meter Durchmeffer und 2.44 Meter Hub erfolgte von einem Woolf'fchen Cylinderpaar von o 73 und 106 Meter Durchmeffer, welche auf der Grundplatte des Säulenplanes ftanden und nach aufwärts auf eine gemeinfame Traverfe wirkten. Von der Mitte diefer Traverfe ging die Kolbenstange zum oben ftehenden Gebläfe- Cylinder, in welchen fie durch eine untere Stopfbüchfe trat, und von den beiden Enden der Traverfe reichten die Schubftangen zu zwei Schwungrädern von 8 Meter Durchmeffer, deren Axen unter den Dampfcylindern hindurchgingen. Die Mafchine arbeitete mit Condenfation und deren unter der Mafchinenflur ftehende Luftpumpe von circa o 6 Meter Durchmeffer und dem halben Hub der Hauptkolben war durch einen Balancier betrieben, welcher gleichfalls an der Traverfe hing Normal macht die Mafchine 18. Umdrehungen( 10 Meter Kolbengefchwindigkeit) und liefert bei 4 Atmoſphären Keffeldruck damit per Minute 250 Cubik- Meter Wind zu einer Spannung von 20 Centimeter Queckfilberfäule Italien. Der Mafchinenbau Italiens ift unbedeutend und das Land mufs den gröfsten Theil feines diefsfälligen Bedarfes bis zu den kleinfteu Apparaten von fremdwärts beforgen. Der einzige Ausfteller( aufser Guppa in Neapel mit einer llalb locomobile) war: De Morfier& Mengotti in Bologna. De Morfier& Mengotti in Bologna ftellten drei Dampfmaschinen aus, wovon die eine ein Motor für eine Transmifion war, während die zweite eine Dampfpampe und die dritte ein Windwerk direct betrieb. Die normale Dampfmafchine von ungefähr 10 Pferdeftärken zeigte im Allgemeinen gute englifche Formen mit einigen originellen verfchlechternden Zuthaten. Der Cylinder, an den fich der Schieberkaften tangirend anfchlofs, ruhte auf einem ganz gehobelten Doppelbett Balken, der vorne ein aufgefchraubtes fchiefes, fchmales Kurbellager mit zugegebener innerer Mittelfchraube in einem Ausfchnitte des Lagerkörpers trug. Vier fchmiedeiferne Geradführungs- Lineale ftützten fich hinten an die Stopfbüchfe und vorne mit einer Stehbolz- Säule auf's Bett und führten mit zwei Backen den normalen Gabel- Kreuzkopf. Die Schubftange griff mit einem Bügelkopfe an den Kurbelzapfen, welcher in den Kurbelarm von hinten eingefteckt erfchien. Diefer Kurbelarm aber war aus der Welle direct herausgebogen, was für fo eine fchwache und langfam gehende Mafchine völlig unnöthig und wenn gut zu theuer ift. Das Schwungrad ift als Riemenfcheibe verwendbar; es hatte trotz feiner Kleinheit von circa 2 Meter doch acht Arme und fafs vor dem hinteren Wellenlager, zu dem feine Fundamentplatte wegen der zu weit auseinander ftehenden Nafen nicht pafste. Letztere hatte auch übermäfsig lange Schraubenfchlitze, als müfste die Montirung halbe Decimeter fuchen. Die Steuerung gefchah mit zwei Schiebern und zwei Excentern. Um den Füllungsgrad ändern zu können, war das Expanionsexcenter verftellbar, indem eine Klemmfchraube aus dem feften Vertheilexcenter durch einen kurzen Schlitz des erfteren ging und deffen Verdrehung bei Stillftand der Mafchine zuliefs. Die gufseifernen Excenterringe an flachen Stangen und die nach innen gekehrten Flanfchen des Schieberkaftens gaben ein gutes Ausfehen. Ein Watt'fcher Regulator mit Gegengewicht( auf Entlaftung) ftand mit einem langen Riemen angetrieben auf dem Schieberkaften und wirkte auf die Droffel. wahr. Der Speifepumpen- Kolben wurde feitlich vom Kreuzkopfe mitgenommen, jedoch lag die Pumpe felbft mit ihrer Mitte der Kurbel gegenüber, was fcheinlich die Schönheit erhöhen follte, jedoch der dünnen Pumpenftange gleiche Länge mit der Pleueltange gab. Die Pumpen ventile waren durch feitliche Platten nach Lüften von vier Stockfchrauben zugängig. Im Ganzen zeigte fich guter Wille, aber ungeübte Conftruction, und die meiften Formen fahen trotz der durchfchimmernden Mufter befremdlich aus. 74 J. F. Radinger. Dagegen war die zweite Dampfmafchine, welche die Wafferpumpe antrieb, ein ganz veraltetes Ding, wie man es kaum mehr in jenen Zuckerfabriken trifft, welche die vorige Generation erbaute. Zwei lange, nur durch zwifchengefchraubte Traverfen verbundene architektonifch geftaltete Bettbalken trugen Dampf- und Pumpencylinder in gleicher Flucht hintereinander. Erftere hatten einen oben aufgefchraubten Schieberkaften, deffen Schieber von einem fchweren Excenter mittelft eines verticalen Winkel. hebels bewegt wurde, welcher am hinteren Cylinderdeckel gelagert war. Vor der Pumpe griff die Kolbenstange eine gufseiferne Traverfe an; diefe glitt mit nachftellbarem Tragfutter auf der Führung, aufserhalb welcher die rückgreifenden Schubftangen kamen. Der vordere Kopf derfelben verlief fehr lang in den runden Schaft, welcher aber rückwärts plötzlich in den quadratförmigen Querfchnitt des Kurbelendes überfprang. Die Kurbelzapfen fteckten direct in den beiderfeitigen Schwungrädern, deren Umfang und Aufsenwangen gedreht erfchienen. Die Kurbellager waren angegoffen und mit feitlichen Stellfchrauben vorne und rückwärts und mit überfchnittenen Deckeln verfehen, welche noch hohe mannigfaltig verzierte Schmierkäften trugen. Man war geneigt, das Ganze für eine Reliquie zu halten, wurde aber der Neu- Anfertigung verfichert. Die Winde war wieder nach gutem englifchen Mufter gemacht. Zwei fchiefliegende Cylinder trieben die Trommel mit doppeltem Vorgelege. Bemerkenswerth( obgleich nicht hiehergehörig) fchien die Bremfe, deren Band auf circa 1/2 des Umfanges direct auf den Zähnen des grofsen Zahnrades auflag. M. Norbert De Landsheer in Malines. Mehrere Pfeiler der Maſchinenhalle trugen die colorirten Zeichnungen zweier gekuppelter Woolf- Mafchinen, welche nach ihren ganz verunglückten Anordnungen und Details wohl nur Laien oder Schülerarbeiten im fchlechten Sinne des Wortes fein konnten. Natürlich war es eine Mafchine der allergröfsten Art, aber die Schieber waren untenliegend und ohne das Ganze zu demontiren abfolut unzugängig; die vielen Lager, in welchen die mannigfach gebogene Kurbelwelle lag, waren fämmtlich mit dem Gefammtbett gegoffen, aber dünn und fchwach und ohne Seitenftellung, und viele andere Details erfchienen unbehilflich oder unmöglich. Rufsland. Rufsland trat zum erftenmale auf einer Ausftellung mit felbftgebauten Mafchinen auf. Diefes Auftreten zeigte ein höchft anerkennenswerthes Streben und Können in der diefem Lande neuen Induftrie und liefs bedeutendes Wiffen der Conftructeure und vollendete Einrichtung der Werkstätten erfehen. Wenn auch Erftere noch in diefem Lande meift Fremde( Deutſche und Engländer) und nicht nur die Werkzeuge, fondern felbft die Rohmateriale nur zum geringften Theile heimifches Fabricat find, fo werden fich doch Dank den technifchen Schulen, den gelehrigen Arbeitern und dem Mineralreichthume diefes Landes bald die von den Fremden unabhängigen Factoren eines Mafchinenbaues finden, welcher den Bedürfniffen diefes weiten Reiches genügt. Mit welchem Intereffe unterdeffen Regierung und Volk das Wachfen diefer neuen Induſtrie fördert und verfolgt, ift theils aus den reichen Mitteln, welche der Staat diefem Zwecke zuwendet, bekannt, theils aber aus einer Reihe kleiner Thatfachen zu entnehmen, welche während der Ausftellung mitgetheilt wurden. So foll das Schmieden der 21 Meter langen Schubftange für die Ausstellungsmafchine in der Lefsner'fchen Fabrik zu St. Petersburg bedeutendes Auffehen erregt haben, und zu lauten Ausdrücken des Erftaunens und der Freude felbft von Seiten anderer heimifcher Mafchinenfabrikanten Anlafs gewefen fein, indem es die erfte Schubftange folcher Gröfse war, welche dort angefertigt wurde, während man fonft folche bedeutendere Schmiedftücke aus England bezog. Dampfmaschinen wurden von folgenden ruffifchen Firmen ausgeftellt: G. A. Lefsner in St. Petersburg eine 6opferdige Condenſationsmafchine mit Regulator, Expanſion und eine kleinere Hochdruckmaschine. W. Baranovsky in St. Petersburg eine Woolf'fche Mafchine. T. Bertrand in Odeffa eine zweicylindrige kleine Mafchine. M. Tfcheby cheff in St. Petersburg eine ftehende Mafchine mit origineller Lenker- Geradführung. W. Crichton in Abo eine kleine Dampfmaschine an einer Winde. Ferner wurden mehrere originelle Regulatoren gebracht. In der Unterrichts- Ausftellung war, abgefehen von einer bedeutendentechnologifchen Sammlung, noch eine grofse Anzahl von Studien über das Ganze und über einzelne Theile des Dampfmafchinenbaues( unter Anderem eine Abhandlung mit grafifcher Darftellung der zur Befchleunigung der Maffen nöthigen Drücke, Steuerungsdiagrammen etc.) meift von Profefforen ruffifcher technifcher Schulen ausgeftellt, und nicht nur hier, fondern auch in den übrigen Gebieten des Mafchinenbaues ein reges Leben bekundet. G. A. Lefsner in St. Petersburg. Die bedeutendfte der ruffifchen Mafchinen war die fogenannte 60pferdige liegende Dampfmaschine mit vom Regulatorftand abhängiger Expanfion und Con denfation von G. A. Lefsner in St. Petersburg. Sie zeichnete fich durch eine im Allgemeinen gute Conftruction und durch forgfältige Arbeit aus, und nach dem erften Anblick hätte fie ebenfowohl von einem der weftlichen Länder gefandt о O OP ( ob F.W.BADEB WIEN. sc. I 2 3 Mafsftab 1:48 der Natur. 09 G. A. Lefsner in St. Petersburg. Meter 77 Die Stopfbüchfen der Schieberftangen waren an den Stirnfeiten des ange. fchraubten Schieberkaftens nochmals gefondert aufge. fchraubt und die Deckel unmittelbar ober den Schiebern forgfältig verfchnitten, was viele Dichtungen bringt und die Herſtellung unnöthig vertheuert. Die Einfchub Theile fämmtlicherStopfbüchfen waren überdiefs nur kurz ausgebüchft und die metallenen. Oelabftreifer wieder gefondert eingefchraubt. Die Kolbenftange ging vorne durch den kugelförmigen Mitteltheil einer fchmiedeifernen Traverfe, welche fie mit einer vorderen Schraubenmutter hielt. Beiderfeits des Mitteltheiles griffen die zwei Innen- Enden der kurz gegabelten Schub. flange mit offenen Bügelköpfen an, und dicht aufserhalb < lerfelben fteckten die Geradführungsbacken. Die Führung fand in einem eigenen mit acht Schrauben auf den Grundrahmen befeftigten Auffatze ftatt, welcher unter der Traverfe mit gefchloffener Platte hindurchreichte und derart, wenn auch etwas fchwer, fo doch die fichere Parallellagerung der beiden Führungswas bei feiten gewährte, einem zweiköpfiger Schubftangen Ende der ungleichen Drücke halber jedenfalls wichtiger ift als bei gerader Conftruction. In den oberen gufseifernen Schienen liefen Geradführungsbacken, die ebenfo mit Längsleiften verfchnitten wie in den unteren Flächen. Die Geradführungen mafsen je 90 Millimeter Breite und 440 Millimeter Länge. Bei einem Dampfdruck von 4 Atmoſphären Ueberdruck und dem Vacuum ftellt fich hiebei der fpecififche Druck auf 21 Kilogramm per Quadrat- Centimeter ,. deffen Wirkung durch eine mit Schraubenkeilen ftellbare Broncefohle an den Blöcken vorbedacht erſchien. 76 werden können, als aus diefem nordifchen, der Mafchineninduftrie erft fo kurz erfchloffenen Lande.. Auf einer unten durchgehenden mit 14 Fundamentfchrauben gehaltenen Grundplatte, welche fich zum angegoffenen Kurbellager hin als einfeitigerArm erftreckte, lag der aufgefchraubte Dampfcylinder von 458 Millimeter Bohrung und o 90Meter Hub. Nachdem die Mafchine mit 60 Umdrehungen per Minute arbeiten foll( 18 Me ter Kolbenweg per Secunde), erfcheinen die Dampf. leitungen für die Zu- und Abftrömung mit 105 und 120 Millimeter Weite, sund 14 Cylinderquerfchnitt, ganz gut bemeffen, indem die mittlere Gefchwindigkeit der Zuleitung 32 Meter per Secunde nicht überfteigt. Der Cylinder war doppelwandig gegoffen und vom trifchen Dampf umftrömt, welcher aus dem Mantel durch ein tiefliegendes Anlafsventil in den aufgefchraubten Schieberkaften der getheilten Schieberfteuerung kam. Oben auf dem Cylinder lag ein Dreiweg Ventil. durch welches die Abftrömung entweder in den hinten liegenden Conden fator oder direct vertical nach oben ins Freie ftattfindet. Im Innern des Cylinders ging der hohlgegoffen mit gewölbten Böden verfehene Kolben, an deffen Umfang drei einfache Gufsringe felbftſpannend dichteten. EiJ. F. Radinger. O O O Centimeter 100 10+ ne halbverfenkte Bronce- Hintermutter hielt diefen Kolben auf dem Conus der 70 Millimeter dicken Kolbenftange, und diefe fetzte fich rückwärts durch eine Stopfbüchfe austretend zur Antriebsftange des Luftpumpen- Kolbens fort. Aufser dem Cylinder waren auch die Cylinder- und Schieberkaften Deckel mit einer Holzverfchalung verfehen, welche theils radial in eine an den Stopfbüchfen- Angufs gedrehte Schwalbenfchwanz- Nuth eingepafst und überhaupt in vorbedachte Vertiefungen gelegt beffer ausfahen als irgend anderswo. 78 J. F. Radinger. Die Kreuzkopf- Zapfen hatten je 80 Millimeter Dicke und 65 Millimeter Länge, was bei gleichmässigem Tragen 77 Atmofphären Schalendruck zuläfst. Die Bügel waren aber zwifchen ausgehobelten Rinnen der Stangenenden eingelaffen( alfo zwifchen Längsnafen gehalten), was gleichfalls einen ungleichen Keilanzug minder fchädlich machen wird. Die Schubftange 434 Mal fo lang als der Kurbelarm, endete vorne mit einem gefchloffenen gefchmiedeten Kopf, zwifchen deffen Hinterkeil und der Innenfchale merkwürdiger Weife noch ein Zangenkeil eingelegt war, wie er bei einem Bügelkopf nöthig wäre. Der Bund des Kurbelzapfens war vorgefchraubt und der Lauf desfelben hatte 100 Millimeter Dicke bei 125 Millimeter Länge, wodurch er 64 Atmofphären Schalendruck und o 95 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit erfährt. Der Kurbelzapfen fafs dicht an der fchmiedeifernen Kurbel und war hinten von einer niedern Mutter gehalten. Die Kurbel felbft ftand mit ihrer Nabe eng an den Borten des Lagers und derart zeigte fich das Princip der mög. lichft kurzen Hebelarme völlig richtig durchgeführt. Das Kurbellager war an den einfeitig hinausreichenden Arm der Grundplatte angegoffen. Es ftand wohl etwas hoch ober derfelben, aber die lang verlaufende Form der Seitenwände fchützte vor jeder Beforgnifs. Die Schalen waren dreitheilig, der Bodentheil durch zwei Keile und die oben zufammenreichenden Seitenfchalen durch je einen fchraubengezogenen Keil ftellbar. Der Deckel fchien etwas fchwach, war nicht übergreifend, aber durch je zwei Deckelfchrauben gehalten. Die Welle normal 190 Millimeter dick, lag mit 160 Millimeter Stärke 290 Millimeter lang im Lager. Der Horizontaldruck ftellt fich dabei auf 15 Atmoſphären und die Abnützarbeit auf 0'41 Kilogramm- Meter per Quadrat- Centimeter und Secunde. Hinter dem Lager kamen die zwei Excenter der Steuerung, hierauf die Riemenfcheibe für einen Bufsregulator und endlich das Schwungrad. Cent 100 Mafsftab 1: 48 der Natur. I Meter Das Schwungrad( Holzmodell) hatte 3.90 Meter Durchmeffer, war zweitheilig und mit vier Schrauben im Ganzen gehalten. Die radiale Höhe feines. Kranzes mafs 240, die Breite 200 Millimeter und das Gefammtgewicht foll circa 5350 Kilogramm betragen. Das Hinterlager der Welle war mit dem Kurbellager gleich fchwer und ſtand auf einer grofsen durch vier Fundamentfchrauben gehaltenen Platte. Die Dampfvertheilung fand auf einem getheilten Schiebergefichte ftatt, deffen Canäle aber nicht fo ängstlich kurz gehalten wurden, als es in den englifchen Mafchinen zu finden war. Der Schieberkaften brauchte daher nicht über die Cylinderlänge vorzuragen und die Verfchraubung feiner Anfatzflanfchen ergab fich ohne Zwang. Die Fabrik gibt an, dafs dabei der fchädliche G. A. Lefsner in St. Petersburg. 79 Raum fammt Canal jederfeits nur 160 des vom Kolben durchlaufenen Volumens betrage. Das Schiebergeficht lag fo nahe als überhaupt möglich am Cylinder, was dadurch erreicht wurde, dafs die Excenterftangen nicht direct hinein reichten, fondern an den ftehenden Hebeln zweier Wellen wirkten, welche quer im Bette gelagert waren. Der Schieberkaften lag nun auf der Gegenfeite der Excenter und die ofcilli renden Wellen trieben die Schieber mit wieder auffteigenden Armen. Die Grundfchieber waren dadurch ftellbar, dafs fie ähnlich den Meyerplatten mit eingelegten Muttern von dem Gewinde ihrer Stange mitgenommen wurden. Diefes war für beide Muttern im gleichen Sinne gefchnitten und geftattete fo, des aufsen angefchmiedeten Gabelftückes für die Hebelftange wegen, eine Einstellung auf die Höhe eines halben Ganges. Die Deckplatten waren aber nach Meyer conftruirt und durch die entgegengefetzten Steigungen ihrer Stangengewinde mit einem hinteren fix gelagerten Griffrad( mit Index) auf verfchiedene Füllung von Hand aus zu richten. Der Regulator wirkte nun gleichfalls auf diefe Deckplatten und zwar auf folgende Art: Die Expanfions- Excenterftange greift jenen Arm der einen quer unter dem Mafchinenbett durchlaufenden ofcillirenden Welle, welche andererfeits die Deckplatten treibt, nicht direct an, fondern wirkt auf einen Blindhebel, deffen Ende alfo conftant und nach dem Gefetze des Expanfions- Excenters fchwingt. Diefer Blindhebel fteckt gerade hinter dem befprochenen Steuerarnı, ift aber in Folge eines anderen Drehungspunktes kürzer als diefer und mit ihm durch einen Bolzen gekuppelt, der in Schlitzen des Armes und des Hebels gleichzeitig verfchiebbar ift. Findet nun die Kuppelung im oberften Punkte, der Flucht der Excenterftange ftatt, fo überträgt fich deren Ausfchlag auf den Steuerarm faft fo, als ob der Blindhebel nicht vorhanden wäre. Wird aber der Bolzen gegen abwärts verfchoben, fo tritt die Wirkung der verfchiedenen Länge von Blindhebel und Arm ins Spiel und der längere und um einen tieferen Punkt fchwingende Steuerarm empfängt eine defto kleinere Winkelbewegung. je näher der Verbindungsbolzen dem Drehpunkte des conftant ausfchlagenden Blindhebels kommt. Indem fich alfo derart die Excentricität jenes ideellen Expanfionsexcenters verkleinert, welches den Antrieb erzeugend gedacht werden kann, verringert fich auch die Füllung der Mafchine, und ohne am Griffrad etwas zu ändern, ftellt fich ein neuer höherer Expanfionsgrad ein, wenn der Kupplungsbolzen in jenem Schlitze gefenkt, das ift dem Drehpunkte näher gerückt wird. Der Eintritt des früheren Abfchluffes ift dabei ganz unzweifelhaft, mir fcheint aber auch, dafs bei der Einftrömungsänderung auf folche Art eine zweite Einftrömung oder ein Nachfüllen des Cylinders ungemein oft eintreten wird, wenn nicht fofort mit jeder halbwegs bedeutenderen Bolzenverfchiebung auch eine andere Plattenftellung mit dem Hand- Griffrad beforgt wird. Die Verfchiebung des Mitnehmbolzens zwifchen Blindhebel und Steuerarm gefchieht nun durch den Regulator, an deffen Manchette jener Bolzen derart hängt, dafs er fich fenkt, wenn fich letzterer hebt, und umgekehrt. Zur Vergrofserung des wirkfamen Weges trägt der Regulatorftänder zwei Arme angegoffen, in deffen 80 J. F. Radinger. einem Auge ein vorgelegter in feiner halben Länge die Manchette umfaffender Hebel fpielt und deffen freies Ende daher den Weg derfelben verdoppelt. Diefe verdoppelte Bewegung kommt auf das kurze Ende des eigentlichen RegulatorHebels und der trägt erft am äufseren langen Ende die Stange, an der der regulirende Bolzen hängt Dafs die Länge diefer Hängftange durch ein Langgewinde mit kleinem Griffrad veränderlich ift etc., braucht minder erwähnt zu werden, als dafs die mögliche Gefahr der regelmäfsig wiederkehrenden Nachfüllung eine wohl zu beachtende ift, welche, wenn ja eintretend, aufser der Dampfverfchwendung noch eine heillofe Confufion in die Mafchine bringen müfste, denn der Regulator würde dann defto ftärker nachfüllen, je früher er abfchneidet, d. h. je höher er fteht. Und würde ein ungefchickter Wärter die Gefchwindigkeit für einen vorübergehenden Beharrungszuftand mit dem Dampf- Einlafsventil reguliren, fo würde bei fteigender Laft, alfo mit finkender Gefchwindigkeit, das ift mit fich fchliefsendem Regulator wohl die erfte Füllung gröfser, aber die Nachfüllung kleiner und die Mafchine könnte leicht plötzlich diefer Nachhilfe entbehrend zum Stillftand kommen, trotzdem dafs der Regulator aufs Weiteröffnen ftrebt. Stünden aber die Platten fix und derart, dafs nie ein Nachfüllen eintreten kann, fo müfsten entweder die Füllungsgrenzen fehr befchränkt oder die Canäle unbrauchbar eng bleiben. Aus diefen Gründen kann ich diefe eben befchriebene Steuerung nicht für gut erachten, es wäre denn, dafs der Regulator gleichzeit die Plattenentfernung ftellen würde, wo man aber dann der Veränderung der Excentricität mit dem eingefchaltenen Blindhebel gar nimmer bedürfte. Der Condenfator lag auf der in Einem fortgefetzten Grundplatte nahe dem Dampfcylinder in deffen gleicher Flucht, und ein gerades Kupferrohr von den eingangs angeführten Dimenfionen führte den Abdampf durch eine CompenfationsStopfbüchse in eine hohe würfelförmige Kuppel, welche mit grofsem Flanfch auf den Luftpumpen- Körper aufgefchraubt war, deren Kolben unten arbeitete. Letzterer hatte 185 Millimeter Durchmeffer, und da fein Hub jenem des Dampfkolbens gleicht, fo verhalten fich die durchlaufenden Volumen wie 1: 6.1. Die rechteckigen Klappen und der Pumpencylinder liegen in derfelben horizontalen Ebene und durch Abfchraubung je eines Stirndeckels find zugleich je zwei Klappen zugänglich. Die Klappen arbeiten auf Sitzen, welche mit einer einzigen Mittelfchraube gehalten, alfo durch Wegnahme einer einzigen Mutter ausgenommen werden können. Die ganze Mafchine hätte eigentlich vorbeftimmt während der Ausftellung im Gange fein follen, und da fie auch zur Indicirung vorbereitet war, fo wäre das Wefen der Steuerung unzweifelhaft klar gelegt worden. Leider wurde aber das Schwungrad nicht zur Zeit fertig und auch kein anderes befchafft, und fo lag fie denn mit einem hölzernen Schwungrad ausgeftattet fortwährend kalt. Die Ausführung der Mafchine war, fo weit es fich beurtheilen liefs, mufterhaft. Die Zeichnung im Allgemeinen fchön und folch einer grofsen Mafchine würdig, wenn auch etwas viel architektonifche Linien und manche etwas ungewohnte Formen an ihr erfchienen. Sämmtliche Schraubenmuttern etc. waren eingefetzt( verftählt) und die blanken Flächen tadellos. Die Holzverfchalung war ebenholzartig gebeizt und nach gefchmackvoller Sternform cannelirt. A. Lefsner ftellte noch eine kleinere Mafchine von 240 Millimeter Cylinderbohrung und o 44 Meter Hub aus, welche mit 100 Umdrehungen per Minute, das ift 146 Meter Kolbenweg per Secunde arbeiten foll. Das Einftrömrohr von 40 Millimeter Weite, 135 Cylinderquerſchnitt iſt wohl bedeutend zu eng, aber fonft war die Mafchine nach gutem Mufter angelegt. G. A. Lessner in St. Petersburg. 81 Der auf einen ebenen kaftenförmigen Grundrahme gefchraubte Cylinder enthielt einen hohlen Gufskolben, welcher die durchgehende Kolbenstange mit einerfeits verfenktem Kopf und andererfeits mit einer ganz verfenkten Mutter hielt, wodurch die Verbindung wohl kurz aber bei forgfältiger Ausführung noch hinlänglich ficher ift und ebene Deckel gibt. Die 36 Millimeter dicke Kolbenstange ftak in einem Kreuzkopf, deffen untere Führungsplatte mit ftellbarem Broncefchuh nicht cent ifch zum Zapfen, fondern an die Gabel und hintere Keilnabe angegoffen war. Der Führungsdruck auf diefer 90 Millimeter breiten und 200 Millimeter langen Platte beträgt bei 5 Atmoſphären Betriebsdruck im Cylinder 2 4 Atmoſphären. Der Kurbelzapfen war normal, indem er bei 55 Durchmeffer und 70 Millimeter Länge wohl nur einen Schalendruck von 57 Atmosphären, aber eine Abnützarbeit von 0 79 Kilogramm- Meter per Secunde und Quadrat Centimeter Oberfläche erfuhr. Er befand fich mit vorſtehendem Bund in einer gut balancirten Kurbelfcheibe, welche abermals mit dem Bund des Kurbellagers dazwifchen auf der Welle fafs. Das Kurbellager war fchief nach einwärts geneigt.an das Bett gegoffen, trug an feiner Aufsenwange( nicht am Deckel) die Schmiervafe angegoffen und war mit einem flachen Deckel und jederfeits einer Schraube gefchloffen. Das Auflager, welches es der 75 Millimeter dicken Welle bot, war befonders klein, indem fich der Schalendruck auf 29 Atmoſphären und die fpecififche Abnützarbeit auf O 55 Kilogramm- Meter ftellt. Hinter dem Lager kamen drei zufammengegoffene Excenter, deren zwei in gerader Flucht die beiden Schieber einer Meyerfteuerung( im aufgefchraubten Schieberkaften) und das dritte eine feitiich fchief ans Bett gefchraubte Speifepumpe betrieben.. Das Schwungrad von 184 Meter Aufsendurchmeffer( 130 und 180 Kranzquerfchnitt) war an der Nabe mit Schmiedeifen- Ringen armirt und fafs frei auf arei Keilen über der Welle. Die Fundamentfchrauben waren in die Grundplatte verfenkt und die Ausfarrungen mit Blechplatten gefchloffen. Das Fundament felbft ift als pyramidenförmiger Bau von einer Tiefe gleich fünf Cylinderdurchmeffer angenommen. Ein riemenbetriebener Porterregulator griff in die Droffel, deffen Kegelgetriebe im Innern des hohlgegoffenen Ständers geborgen lag. Als Kleinigkeit mag noch bemerkt fein, dafs das Griffrad des Dampf- Einlafsventileş aus einer blanken Metallfcheibe mit rundem fchwarzgebeizten Holzrand beftand, prächtig ausfieht. W. Baranovsky in St. Petersburg. was E'ne Mafchine, deren Conftruction meift felbftfchaffende Energie verräth, wenn auch das Aeufsere an engliſche Formgebung( Allen- Maſchine) anklang, war die liegende Woolf- Mafchine ohne Condenfation vom Ingenieur W. Baranovsky in St. Petersburg, der feit mehreren Jahren Motoren in folgender Anordnung baut: Die beiden Cylinder find hintereinander und in einem Stück, jedoch mit eingelegten und nachträglich verfchraubten Trennungsboden gegoffen. Der kleine Cylinder findet fich am Aufsenende der Mafchine, während der grofse Cylinder gegen die Geradführung zu liegt. Letzterer fchliefst nun mit zwifchengefchraubtem Vorderdeckel an den aufftehenden Kreisflanfch der Grundplatte, welche hier erft beginnend, die Cylinder rückwärts vollig frei hinausragen läfst, felbft aber dauernd am Boden aufliegt. Diefe enthält das Kurbellager und hinter demfelben rechtwinklig zur bisherigen Längenrichtung einen Seitenblock angegoffen, welcher unter der Kurbelwelle zum zweiteu Lager führt, welches gleichfalls mit der ganzen Platte ein einziges Gufsftück bildet. Frei aufser diefem Hinterlager fitzt das Riemenfchwungrad auf der Welle und nun mufs die Mafchine allerdings beffer 82 J. F. Radinger. fundirt bleiben als irgend eine andere mit gefondertem Hinterlager, wo fich die Senkungen höchft ungleichartig einfinden können. Die Form des Bettes felbft zeigt einen fchlichten Hohlguts Körper von jener weichen Geftaltung, wie felbe zuerft von Allen in Mancheſter, dann aber auch von Tangye etc. angewendet wurde. Die Cylinder von 76 und 144 Millimeter Bohrung enthalten Gufskolben ohne Spannringe und auch die Stopfbüchfe des Trennungsbodens zwifchen beiden bildet nur eine einfache Nabe ohne irgend eine andere Vorrichtung als dünne eingedrehte Nuthen, welche gleich folchen am Umfange der Kolben dichten und centriren follen. Herr Baranovsky theilte mir mit, dafs er folche Kolben und Stopfbüchfen nach vierjährigem Betriebe unterfuchte und keine Spur einer Abnützung der Lauffläche auffinden konnte. Die Kolben fitzen mit je einer Schraubenmutter feftgehalten auf ihrer gemeinfamen Stange, deren Vorderende durch die Stopfbüchfe des Vorderdeckels geht. Letztere ift blofs mit einer einzigen centrifchen Mutter anzuziehen, was einentheils einen gleichmässigen Druck auf die Einlage und andererfeits den Vortheil bietet, dafs Alles auf der Mafchine und ganz ohne Handarbeit fertig gemacht werden kann. Eine einzige Schwierigkeit fcheint zu beftehen und diefs ift die fchwere Zugänglichkeit zu den Kolben diefer Mafchine. Diefe zu ermöglichen, müffen wohl die Cylinder vom Bett abgehoben werden, indem fonft keine Möglichkeit des Zukommens befteht. Die Führung findet mit normalem Gabel- Kreuzkopf und auf angegoffenen unteren Schwalbenfchwanz- Gleitflächen ftatt, welche durch überfchraubte Lineale vor dem Losheben gefichert find. Die Schubftange endet beiderfeits mit gefchloffenen Köpfen und greift vorne auf einer Kurbelfcheibe an, welche vor dem mit überfchnittenem Deckel verfehenen Lager fitzt. Hinter dem Lager kommt das Excenter für die einfache Steuerung und deffen Stange überfetzt an den Armen einer kurzen quer im Bett liegenden Welle auf den Vertheilungsfchieber. Diefer liegt zu tiefft am Cylinder unten im aufgefchraubten Schieberkaften und fein Rücken ift mit den Aufsenflanfchen des Kaftens zugleich abgehobelt, fo dafs der innen ganz gehobelte Schieber- Kaftendeckel dampfdicht und folglich entlaftet anliegen foll. 4 Millim. 100 ' I 2 ' 3 ' 5 .6 Meter. Mafsftab 1: 12 der Natur. Die Steuerung der vier Cylinderfeiten gefchieht nun mit einem einzigen Schieber, deffen eingegoffener Längscanal an drei Orten mündet, deren ftets zwei zur abwechfelnden Verbindung der fymmetrifchen Cylinderfeiten dienen, während W. Baranovsky in St. Petersburg. 83 die dritte Oeffnung am vollen Stege läuft und fo gefchloffen bleibt. Ein- und Ausftrömung findet durch die Schieberlichten ftatt. Dadurch, dafs die Dampfwege ganz zu unterft an den Cylindern liegen, ift jeder Anfammlung von Waffer etc. im Innern vorgebeugt, ohne dafs das Zukommen zu den unten völlig frei liegenden Schieberkaften verwehrt erfchiene. Die Dampfwege find wohl ziemlich lang und der Canal im Schieber bildet eine Vergröfserung des fchädlichen Raumes. Da aber die Mafchine ohne Condenſation und variable Expanſion arbeitend doch nicht den höchften Anfprüchen an Oekonomie gerecht werden foll, fondern ein möglichft einfacher, aber doch mit erzwungener höhefer Expanfion arbeitender Motor fein will und übrigens auch nur für kleine Effecte( bis 15 Pferde) gebaut wird, fo fcheint das Syftem umfomehr beachtenswerth, als man ja auch fonft die Expanfionswirkung an einer einzigen Kolbenstange zu gewinnen für direct wirkende Pumpen etc. fucht. Der Regulator befindet fich direct an der Kurbelwelle und zwar liegend in dem freien Theil zwifchen den beiden Lagern. Er befteht aus zwei mit der Welle rotirenden gufseifernen Linfen, welche auf je einer Federplatte mit Stellfchraube halten. Eine Endfeite der Federn wird in einem Stellring, der zugleich den Lagerbund abgibt, mit Stockfchrauben feftgehalten, während die andere Endfeite den Manchettenring mitnimmt, wenn die Bewegung eintritt. Die Regulirung gefchieht durch Dampfdroffelung mit einem Spaltfchieber im Dampfrohr. T. Bertrand in Odeffa. Diefe Firma ftellte eine kleine gekuppelte Dampfmafchine aus, deren Kurbeln unter 90 Grad wirkten. Bemerkenswerth war dabei die verfchiedene Gröfse der beiden Cylinderdurchmeffer( 150 und 200 Millimeter) und die Verwendung eines originellen runden Vierwegfchiebers als Anlassventil, was folgende verwerfliche, aber beabfichtigte Arbeitsweifen geftatten foll: 1. Für ganz kleinen Effectbedarf arbeitet der kleine Cylinder allein, indem er den Keffeldampf empfängt und durch ein geöffnetes Ausftrömventil ins Freie entläfst. 2. Für mittleren Kraftbedarf arbeitet der grofse Cylinder allein, indem der Vierweghahn ihm den Dampf zuweift. 3. Für gröfseren Kraftbedarf arbeitet der kleine Cylinder als Hochdruckund der grofse als Expanfionscylinder nach Woolf'fchem Principe( aber ohne Condenſation), indem das Ausftrömventil des kleinen Cylinders gefchloffen wird, während durch den Vierweghahn die Verbindung der beiden Cylinder bei gleichzeitigem Abfchluffe des grofsen Cylinders vom Keffeldampf einzuftellen ift. 4. Für den Maximaleffect arbeiten beide Cylinder mit frifchem Dampf. Nachdem die Kurbeln unter 90 Grad ftehen, fo mufste ein gröfserer Dampfraum zwifchen den beiden Cylindern als Refervoir eingefchaltet fein, welcher fammt einem Dampfmantel mit in dem gemeinſamen Gufsftück der beiden Cylinder enthalten war. Die einzelnen Theile der Mafchine waren auf einer durchgehenden Grund platte aufgefchraubt. Bei den Führungen war diefe eingezogen und unter den Kurbeln der doppelt gekröpften Welle vertieft. Die Führungen felbft waren rein cylindrifch, indem die Kreuzköpfe gleichfam zu Kolben ausgebildet in beiderfeits offenen und ausgebohrten Führungsrohren liefen. Um diefe Kolben lagen noch auswechfelbare Ringe, welche die Abnützung erlitten, und nachdem fich diefelben centrifch unter den querdurchfteckten Zapfen fanden, fo kann man diefer Art der Führung keinen anderen Vorwurf machen, als höchftens den der rafcheren Abnützung und des fchweren Ausfehens. Die Schieberftangen waren confequenter Weife ähnlich geführt; nur waren hier die Führungsrohre direct mit dem Drucktheil der Stopfbüchfen zufammengegoffen, während die Hauptführungen auf der Grundplatte ruhten. 84 J. F. Radinger. Die Schubftangen hatten innen gefchmiedete und aufsen mit vorderem Einlageftück gefchloffene Köpfe. Zwischen Keil und Schale befand fich ftets eine Stahlunterlage. Für die gekröpfte Kurbelwelle waren zwei breite Aufsen- und ein fchmales Zwischenlager( letzteres auf einem Damm in der Kurbelgrube) angeordnet und auf hohe Angüffe des Bettes gefchraubt. Sie enthielten dreitheilige Schalen, deren eine Fuge vertical oben in der Mitte ftand, während zwei horizontale Fugen unten von einer gefonderten Fufsfchale herrührten. Erftere waren mit je einer Seitenfchraube in den Lagerwangen, letztere mit unterlegtem Keil und zwei Aufsenfchrauben ftellbar. Aufserhalb der Lager kam jederfeits fymmetrifch ein Schwungrad von 1'5 Meter Durchmeffer mit abgedrehtem Kranze. Zwifchen den Führungen ftand ein Porter'fcher Regulator für die Dampfdroffel im gemeinfamen Zuftrömrohr. M. Tfcheby cheff in St. Petersburg. An einer ftehenden Dampfmafchine war eine neue Lenker- Geradführung angebracht, welche die Schubftange wegfallen macht und wobei die Kurbelwelle nur wenig hoch über den feftftehenden Cylinder zu liegen kommt. B₁ D C₁ E B4 Die Tfchebycheff'fche Geradführung befteht in der Combination der folgenden zwei Einzelführungen: Werden die zwei Enden einer fteifen Stange längs zwei aufeinander fenkrecht ſtehenden Linien geführt, fo befchreibt ein Punkt in der halben Stangenlänge genau einen Kreis. Wird daher umgekehrt eine fteife Stange an einem Ende( z. B. horizontal) gerade und mit ihrer Mitte ( z B. durch die Treibkurbel der Dampfmaschine) in einem Kreife geführt, fo mufs das andere Ende ( welches z. B in den Kreuzkopf eingehangen ift) gleichfalls eine gerade Bahn befchreiben, welche auf die erftere normal( hier alfo fenkrecht) bleibt. Die horizontale Geradführung jenes äufseren Stangen- Endes gefchieht nun von der Mitte einer einem Gelenkviereck angehörigen Stange aus, deren beide in der mittleren Lage fymmetrifchen gekreuzt ftehenden Steilfeiten( Lenker) in feften Drehpunkten am Cylinderdeckel fchwingen. Bei beftimmten Verhältniffen der Vierecksfeiten( welche in einer ruffifch gedruckten Brochure des Weiteren dargelegt find) befchreibt der mittlere Punkt der oberen Vierecksfeite höchft angenähert eine gerade Linie und diefer ift zur Horizontalführung des einen Endes * Ich liefs mir diefe Brochure überfetzen und entnehme daraus die Bedingung der geraden Führung des Punktes D wenn B₁ C₁= B₁ C₁= 1 angenommen und a - B₁ B₁₁= a C₁ Cb gefetzt wird, mufs I 8-30+ 155 0²+( 8-0) √√ 1— ±± 0+ 302 64 2 64 M. Tfchebycheff in St. Petersburg. 85 jener fteifen Stange benützt, deren anderes Ende am Kreuzkopf hängt, während ihre Mitte den Kurbelzapfen aufnimmt. In der Ausführung dreht fich der Treibzapfen in der Scheibe felbft, und geht in das doppelt gekröpfte Stück DE über, welches bis zu E, wo der Kreuzkopf wirkt, an der Kurbelscheibe anliegt. Auf der Vorderfeite desfelben biegt fich nun das Schmiedftück als Gegenkurbel zurück, wo es genau in der Wellenhöhe mit einem Stirnzapfen D endet, welcher von der vorne fchwingenden Gerad führung ergriffen wird. Die geradführende Schlufsfeite des Viereckes wurde an ihren beiden Enden von den Lenkern erfafst, doch ftand einer der Zapfen auf der Vorder-, der andere auf der Hinterfeite und die Lenker felbft waren hakenförmig geformt und gingen von den ungleichen Stirnen ihrer Naben aus, um fich bei der Begegnung( wobei fich die Projection ihrer Bahnen fcheidet) auszuweichen. Der Hub des ausgeftellten Mafchinenmodelles betrug 200 Millimeter und das Viereck mafs 230 Millimeter zwifchen den feften Fufspunkten, 300 Millimeter an den beiden Lenkern und 100 Millimeter in der oberen Schlufsfeite. Der Kurbelhalbmeffer betrug 50 Millimeter, 14 des Kolben Hubes. Bei der Arbeit wirken die Kräfte häufig unter ungünftigen Winkeln. was in Verbindung mit der fchwierigen Einhaltung der abfolut bemeffenen Stangen, längen leicht eine zerrende Bewegung einführen dürfte. W. Crichton& Comp. in Åbo Finland. Diefe nach den Ausftellungsgegenständen zu fchliefsen ganz prächtig geleitete Fabrik ftellte eine kleine zweicylindrige Schiffsmafchine und eine Dampfwinde aus Beide Mafchinen als Ganzes entziehen fich wohl diefem Berichte, IOO Mafsftab 1:24 der Natur o'9 Meter aber von letzterer ift die Umfteucrung erwähnenswerth. Die Dampfwinde hatte ei nen Cylinder von 152 Millimeter Bohrung und 0 203 Meter Hub, welcher fchief am Seitenfchilde lag. Der Kreuzkopf fammt oberer und unterer Führungsplatte war an die Kolbenstange gefchmiedet, ausgebüchft und von der Schubftange, welche den Zapfen feft hielt, umfafst. Letztere endete auch bei der Kurbel mit einem gefchloffenen Kopf und trieb die gut balancirte Kurbelfcheibe mit einem I+ 4-2σ+ 3 60 16 b 30+ 15 64 +( 8-5) σ == % V I I 2 to werden, 3 02 64 wobei den sin. vers. des Winkels der gröfsten Neigung der Linie C, C, zur B₁ B₁ bedeutet. 0: 29533 Für σ = I wird a = 0'30992 a b= 0.76831 b 0* 76415 0'59679 betragen(?) mehr als werden. Der Hub foll dabei Die Abweichung 1= 0.68099 des geführten Punktes von der Geraden beträgt dabei nie = 0.00038= 0'00014 des Hubes. Bei gleichwerthiger Watt'fcher Führung foll dabei die Abweichung ооообо 86 J. F. Radinger. eingenieteten Zapfen. Hinter dem Lager fafs ein einziges Excenter and dann das Keilrinnen Frictionsrad für die zweite Vorgelegweile der Trommel. Das Excenter war von einem fchmiedeifernen Ring im Ganzen umgeben und deffen angefchmiedete Stange trieb einen Rohrfchieber von 63 Millimeter Durchmeffer, der durch die Rotirung eines gewöhnlichen Normalfchieber- Langsfchnittes um die aufserhalb liegende Schieberftange erzeugt gedacht werden kann Nun führten zwei Canäle in das anfchliefsende Gehäufe des Rohrfchiebers und zwar der eine ans Ende und der andere in den abgedichteten Ringraum Diefe gingen zu beiden Seiten eines Ausftrömcanales von der oben aufgegoffenen Platte einer Dampfkammer aus und waren abwechfelnd durch einen normalen Mufchelfchieber überdeckt, der zugleich zum Anlaffen diente. Je nachdem nun diefer Schieber von der Hand des Wärters eingeftellt wurde, ftand die Mafchine entweder abgefperrt oder ging vor oder rückwärts, weil fich die Dampfwege vertauſchten. Dafs fämmtliche Theile aus dem gleichen( Gufseifen) Materiale wegen der Wärmedehnungen hergeftellt fein müffen, ift ebenf) felbftverständlich, als dafs das Excenter genau unter 90 Grad, der Schieber ohne Voreilen und die Mafchine ohne Expanfion arbeiten wird. Der Vortheil gröfster Einfachheit, wenn auch auf Koften der wegen der kurzen Arbeitszeit ohne diefs belanglofen Oekonomie fcheint hier glücklich erreicht. Die Schweiz. in fämmtlichen Schweizer Mafchinen hing die Füllung vom Stande des Regulators ab und fand keine Droffelung ftatt. Sämmtliche Mafchinen waren mit dem Seitenbalken zur Verbindung von Cylinder und Lager ausgeftattet und bildeten dadurch den geraden Gegenfatz zu den englifchen Mafchinen, welche( faft) fämmtlich auf der Grundplatte ruhten. Sämmtliche Schweizer Mafchinen waren für kleine Normalfüllungen und daher für Condenſation eingerichtet, indem man von dem mässigen Drucke von fünf Atmoſphären nicht abging. Doch fteigt man mit der Kolbengefchwindigkeit und den Dampfwegs- Querfchnitten, deren Gröfse durch die allgemeine Anwenaung des Indicators richtig geftellt erfcheinen. Die Beanfpruchung der einzelnen Theile und insbefondere der Zapfen ift im Allgemeinen niedriger als in den deutfchen und öfterreichifchen, aber höher als in den englifchen Conftructionen und überall finden fich die Principe eines gefunden Mafchinenbaues bekannt und verwendet, was in Verbindung mit einer gefälligen Formgebung die Schweizer Mafchinen der höchften Beachtung werth erfcheinen läfst und ihnen den Rang unter den beften der Ausstellung fichert. Ausgeftellt hatten: Gebrüder Sulzer in Winterthur. Grofse Antriebs- und zwei kleinere Mafchinen. Efcher Wyfs& Comp. in Zürich. Grofse Corlifs- Mafchine. Socin& Wick in Bafel. Corlifs- Mafchine. Scheller& Berchtold in Thalweil. Antriebsmafchine mit eigener Steuerung. Gebrüder Sulzer in Winterthur. Die Firma Gebrüder Sulzer in Winterthur fandte eine der beften und fchönften Dampfmaschinen der ganzen Ausftellung, welche einen Theil der fchweizerifchen Abtheilung der Maſchinenhalle betrieb. Die Gefammtanordnung derfelben ift bekannt und unter Anderem im officiellen öfterreichifchen Berichte der Parifer Ausftellung 1867 in hervorragender Weife gewürdigt. Wefentliche Unterfchiede gegen dort waren aufser den gröfseren Dimenfionen der hier ausgeftellten Mafchine, des anderen Luftpumpen- Antriebes und einigen Detailabweichungen nur in der Steuerung zu finden, deren Stellung nun auf den Regulator nicht mehr zurückwirkt, wie es dort noch der Fall war. Die hier ausgeftellte Mafchine von nominell 70 Pferden hatte einen Cylin der von 450 Millimeter Durchmeffer und einen Kolbenfchub von 1'05 Meter. Sie albeitete mit 50 Umdrehungen per Minute oder 175 Meter Kolbengefchwindigkeit gegen 15 Meter des Parifer Modells, welches allerdings kleiner war und nur 370 Millimeter Bohrung bei o'90 Meter Hub befafs. Die Dampfvertheilung gefchieht hier bekanntlich mittelft 4 gufseiferner Doppelfitz- Rohrventilen, welche fich oben und unten an den beiden Cylinderenden befinden und derart möglichft kleine fchädliche Räume( circa 3 Percent) geben. Diefe Ventile befafsen 120 und 130 Millimeter Durchmeffer, was einem Querschnitte von 14 und 1/12 des Cylinder- Querschnittes entspricht.( In Paris ftanden 6 88 J. F. Radinger. 25 und 22 in Verwendung.) Das Zuleitungs- Dampfrohr befafs aber nur 102 Millimeter Weite oder 9 der Cylinderfläche. Nach 11 f = C. v. gibt fich das mafsgebende Verhältnifs für das Zuftrömrohr mit 1/3 als ein auch bei hohen Füllungen, der Kolbengefchwindigkeit noch ziemlich entſprechender Werth, während es in Paris 17 und entfchieden zu klein war. Die Dampfvertheilung war faft tadellos. Ich nahm( am 15. September 1873) eine Reihe von Diagrammen deifer Mafchine auf, wobei ich unter Anderem den Regulator mit der Hand( für einzelne Hube) mehr und mehr nieder drücken liefs, um die Geftaltungen der Admiffion bei verfchiedenen Füllungen mit übereinander gefchriebenen D.a. grammen kennen zu lernen. Die Mafchine der Ausftellung betrieb nämlich für gewöhnlich die ihr angehangene Transmiffion mit 50 Füllung und derart war diefe doch bis auf 40 zu bringen. Von den 2:25 Atmoſphären, welche das Manometer derDampfleitung anzeigte, kamen dabei circa 2'20 Atmoſphären Ueberdruck in den Cylinder. Das ufiteigen der Drucklinie erfolgte wohl nicht abfolat fenkrecht, aber doch mit nur geringer Abweichung. Der kleine, hieher ftammende Arbeitsverluft erklärt fich aus dem Einfluffe der durch die hohe Expanfion und der Rückgangszeit herrührenden Abkühlung der innerften Materialfchichte des Cylinders und würde vielleicht noch gröfser fichtbar werden, wenn nicht die denkbar ausgiebigfte Heitzung derfelben platzgriffe. Diefe findet nämlich durch den gefammten das Dampfhemd durchftrömenden frifchen Arbeitsdampf der Mafchine ftatt, deffen Wärmeabgabe der Admiffionsfpannung mit zu Gute kommt. Die Expanfionslinie ift merklich höher als es dem( die höchften Dampfcurven gebenden) Mariotte'fchen Gefetze mit Rückficht auf die fchädlichen Räume entfpricht. Diefes mag gleichfalls wieder aufser der Nachverdampfung des mitge riffenen Waffers von der Heizung des Cylinders herrühren, denn dafs ein Nachftrömen durch undicht gewordene Ventile ftattgefunden hätte, habe ich Grund za verneinen. Bei der Abrüftung der Mafchine nach Schlufs der Ausstellung befah ich nämlich die Ventile und fand ihre Schlufsflächen völlig gleichmäfsig glänzend, was beredt für ihren dichten Abfchlufs fprach. Diefes leichte Abweichen vom fenkrechten Anftieg der Admiffionslinie findet man übrigens auch an den andererorts aufgenommenen Diagrammen von Sulzer- und überhaupt anderer hoch expandirender ähnlicher Maſchinen, und es ift mit eine Urfache des weichen Ganges derfelben, indem der Druck nicht plötzlich ins Geftänge tritt. Es befchränkt aber auch die zuläffige Kolbengefchwindigkeit, was übrigens erft in weiter Ferne fteht und durch Verwendung der Compreffion fofort zu beheben wäre. Eine ausgiebige Compreffion kommt aber auch in andernorts ftehenden Sulzer- Mafchinen vor, wodurch diefer hier als Arbeitsverluft allein betrachtete kleine Mifsftand gänzlich entfällt, den ich nur darum etwas ausführlicher befprach, um zu zeigen, wie diefe, eine der beften bis heute gebauter Mafchinen doch noch nicht das denkbar Vollkommene ihrer Art bietet. Dafs die Ausftrömlinie faft horizontal erfcheint, ift bei den kleinen Füllungen der AusfteHungsmafchine nicht zu wundern. Bei den höheren Endfpannungen gröfserer Füllungen zieht fie fich etwas fchleichend herunter, was wohl überall und bei allen anderen Mafchinen vorkommt und von den in der Regel etwas engen Hinleitungen zu einer fernen, felbftwirkenden Einspritzung herrührt Uebrigens waren im Ausftrömrohre mehrere Ecken und ein Dreiweg- Wechfel zu Gebrüder Sulzer in Winterthur. 89 paffiren, welche den Dampf ins Freie ausftrömen liefse, falls der Condenfator in Umftand kommt. Der Condenfator lag hinter dem Dampfcylinder in gleicher Flucht und enthielt eine direct von der rückwärts verlängerten Kolbenftange betriebene doppelwirkende Luftpumpe von 180 Millimeter Durchmeffer. Deren Volumen hatte daher das reichliche Gröfsenverhältnifs von 16 des Cylindervolumens, welches das conftante Vacuum von 70 Centimeter erklärt. Millim. IOO Mafsftab 1: 5 der Natur. 10 Centim. Der doppelwandige Dampfcylinder mit angegoffenem, hohlen Vorderboden bildet. fammt den gemeinfamen Dampfwegen, den Ventilgehäufen, den Trag- und Seitenpratzen für die Steuerung etc. ein einziges Gufsftück Wäre der Cylinder unverkleidet, fo möchten die Gehäufe für die eingehangenen Glockenventile ftark abftehend und häfslich erfcheinen. Nun umkleidet aber ein Dampimantel und eine dreifache Lage fchlechter Wärme leiter( Cement, Filz, Holz) das Ganze, und hat die äufserfte Hülle genau doppelt fo grofsen Durchmessers fcheint als die Bohrung des von ihr gefchützten Cylinders beträgt, gibt diefs ungewohnte Verhältnifs der Mafchine ein gewiffes mächtiges Gepräge. erDer rückwärtige Cylinderdeckel ift gleichfalls hohl gegoffen und enthält die Stopfbüchfe für die hintere Kolbenstange. Die Kolbenftange ift vorne und rückwärts des Kolbens gleich( 66 Millimeter) dick. Der Kolbenkörper befteht aus zwei fymmetrifchen Hälften und die Kolbenftange ift zwifchen denfelben wie eine vergröfserte Schraube mit angeftauchtem, conifchen Kopf und eingefchnittenem Flachgewinde für eine ftarke Mutter verfehen, wodurch die Verbindung der Platten untereinander und mit der Kolbenstange unter Einem entſteht. Zwei eingelegte Gufsringe mit einem einzigen hinterlegten Stahlringe beforgen den felbftfpannenden dichten Schlufs, der übrigens noch, abgefehen von den ftarken Kolbenstangen, durch eine der Abnützung gut widerftehende befondere Gufseifen- Sorte möglichft gewahrt wird. Die Stopfbüchfen haben rückgreifende Deckrohre und der hintere Cylinder. deckel eine grofse, blank gedrehte Gufskappe, welche die Schrauben etc. umhüllt und das Blankhalten erleichtert. Die Doppelfitz- Ventile felbft find, wie fchon erwähnt, dauernd dicht. Diets ift eine andernorts bei gröfseren Durchmeffern oft vergeblich angeftrebte Sache. und ift in Sulzer's Conftruction darum erreicht, weil der eine Sitz den andern mit Rippen trägt, deren gleiches Material mit dem des eingehangenen Ventilkörpers 6* 90 J. F. Radinger. eine gleiche Dehnung unter den verfchiedenen Temperaturen erfahren und weil der Ventilkörper nicht rippen, fondern rohrförmig ist und feine Schlufsflächen daher nicht örtlich, fondern gleichmässig verfteift aufliegen. Ueberdiefs ift bei den neueften Sulzer- Mafchinen( 1874) eine andere als noch bei der Ausftellungsmafchine verwendete Detailconftruction eingeführt, welche das Fefthalten des Ventilfitzes durch den Deckel des Gehäufes beforgen läfst, während diefer früher nur in einem inneren Ringvorfprung eingedrückt und durch kleine Schrauben in der Fuge gehalten war. Letztere könnten fich aber löfen und möglicher Weife( befonders bei Compreffion) ein Heben des Sitzes zulaffen, was jetzt nicht mehr zu beforgen ift( Figur Seite 89). Das Heben der vier Doppelfitz Steuerventile ift auf circa 1/5 ihres Durchmeffers möglich und gefchieht durch eine horizontale Längswelle, welche gleichzeitig den Regulator treibt, und ihre eigene Bewegung von der Schwungrad- Welle durch ein Kegelrad- Paar mit gleicher Umdrehungszahl erhält. Die Ausftrömventile werden nun von je einer unrunden Scheibe genau fo betrieben, wie es an der Parifer Mafchine gefchah. Die Einftrömventile erhalten aber ihre vom Regulator beherrschte Bewegung auf eine neue und entfchieden beffere Art. Centim. 100 50 00 Mafsftab 1:25 der Natur. Meter Gebrüder Sulzer in Winterthur. 91 Der hochliegende Winkelhebel, der im Bügel am Ventilgehäufe feinen Drehpunkt hat, und deffen inneres Armende halbkugelförmig ausgehöhlt ift und die Stange des Einftrömventiles heben kann, wird am äufseren Ende von einer fchief abwärts gehenden, cylindrifchen Stange mit einer Charniere gepackt. Diefe ift am unteren Ende gegabelt und nimmt eine Stahlplatte zwifchen fich, welche als Angriffsfläche für eine Mitnehmung dient. Das untere Ende diefer fo armirten Hebelftange ftützt fich mittelft eines kurzen, juftirbaren Zwifchenftückes auf einen Arm, und diefer ift auf eine Tragwelle gekeilt. Letztere fteht nun mit der Manchette des Porterregulators in Verbindung und fchwankt nach aus- oder einwärts, je nachdem die Regulatorhülfe finkt oder fteigt, welche Bewegung dann auch von dem Stahlanfchlage der Hebelftange mitgemacht wird. Nun trägt die Steuerwelle, auf deren Längsachfe die fchiefe Hebelftange loszielt, ohne fie zu erreichen, vor jedem Einftrömventile ein Excenter, deren Stange durch zwei flache Blechfchilde gebildet ift. Diefe umfaffen das oben befchriebene Geftänge und ftützen fich ober der Charniere des Winkelhebels auf die Fortfetzung der fchiefen Hebelftange mit einem ausgebüchften Gleitftück. Diefe Doppel- Excenterftange nimmt nun auch eine Traverfe mit Stahldaumen auf, und diefe durchläuft bei jeder Drehung der Mafchine, alfo jeder Drehung des Steuerexcenters eine in fich zurückkehrende eiförmige Linie. Daumen und Anfchlag find nun derart juftirt, dafs fie fich eben am oberen, hohen Punkte diefer Ei- Linie treffen, wodurch das Mitnehmen des Anfchlages und der Hebelftange ohne relative Gefchwindigkeit, d. i. ohne Stofs, platzgreift und mit dem das Ventil gelüftet wird. Indem aber der Anfchlag durch den Regulator aus- und einwärts gefchoben werden kann, wodurch deffen Vorderkante mehr oder minder weit in die Ellipfe hineinragt, ändert diefs die Zeitdauer des Berührens, Mitnehmens, des Offenhaltens des Ventiles und alfo der Füllung. Denn im Augenblicke, wo der Daumen über den Anfchlag hinausgleitet, wird das Einftrömventil durch eine Spiralfeder zugegeworfen, welche im Kopfe des Bügels am Ventilgehäufe eingebracht ift und durch das Heben der Ventilftange gespannt wurde. Diefe Feder ift von oben mit einer Schraube ftellbar und hat unten noch einen Luftkolben, um den Ventilfitz zu fchonen, und die Anordnung weicht hier von der bereits länger bekannten Löfung auch in Ferneren nicht mehr ab. Bei der Parifer Mafchine gefchah diefe Mitnehmung bekanntlich durch eine unrunde Scheibe auf der Steuerwelle, welche auf einen Hebel drückte, deffen Ende von einem verfchiebbaren Riegel gebildet war. Diefer Riegel wurde vom Regulator aus- oder eingefchoben und die ablaufende Umrundung fuchte den Riegel nach einwärts zu fchieben, was auf den Regulatcr zurückwirkte und diefem trotz Oeltopf etc. ein periodifches Schwanken gab. Beim Loslaffen des Anfchlages erfolgt aber hier abfolut keine Rückwirkung auf den Regulator, indem das Abfallen des Excenterftangen Daumens vom Anfchlag der Hebelftange an fcharfer Kante gefchieht. Von den anderen Theilen der Mafchine ift nur mehr wenig zu fagen. Der Cylinder ruht auf einem Querträger gefchraubt, welcher die wegen den unteren Ausftrömventilen nöthige Längsfpalte des Fundamentes überbrückt. Der bajonnetförmige Seitenbalken übergreift in bekannter Weife den Rand des Dampfcylinders, deffen Vorderboden doppelwandig und angegoffen ift und eine eingefetzte Stopfbüchfe enthält. Den Kreuzkopf bildet ein einziges gefchloffenes Schmied ftück, welches die Schalen mit vertical getheilter Fuge aufnimmt und vorne eine ftarke Schraube mit Gegenmutter enthält, welche die äufsere Schale nachftellen läfst. Der Zapfen, welcher auf diefen ofcillirt, mifst So Millimeter Durchmeffer und 125 Millimeter 92 J. F. Radinger. Länge, was 93 Atmoſphären Auflagedruck mit fich bringt. Die Nabe für die Aufnahme der Kolbenftange fcheint fchon manchmal Urfache von Störungen gewefen zu fein, indem ihre Detailconftruction hier dadurch von dem Normalen abweicht, als der Verbindungskeil zwifchen zwei Zangeneinlagen( wie bei grofsen offenen Schubftangen- Köpfen) liegt und mittelft einer Zugfchraube einzupreffen ift. Auch foll die Kolbenftange nicht blos mit dem Conus, fondern auch an der Stirnfläche aufliegend eingefchliffen fein, was eine theuere Arbeit wäre. Die Führungen find in dem Rundtheil des Balkens durch einfaches Ausbohren gewonnen und die Führungsbacken find nicht nachftellbar, aber genau ober dem Zapfen an den Kreuzkopf gefteckt. Ihre Gröfse, 340 bei 230 Millimeter, gibt einen Maximaldruck von 2'4 Kilogramm per Quadrat centimeter Gleitfläche, was ungefähr das Doppelte der englifchen Drücke beträgt. 0 Millim. 100 o 50 Centim. Die Schubftange umfafste den Kreuzkopf mit kurzer Gabelung und hält den mit Schrauben angezogenen Zapfen feft in ihre beiden Augen gepafst. Vorne bei der Kurbel ift der Schubftangen- Kopf gleichfalls gefchloffen gefchmiedet und mit einem Hin terkeil verfehen, deffen Kernfchraube die verlangte doppelte Differenzialeinftellung für die Schalen gibt. Bemerkenswerth erfcheint die Verfchneidung der innern Lagerfchale in der äufsern, wodurch eine beffere Führung beider gewonnen wird. Die fchmiedeiferne Kurbel hielt den Kurbelzapfen conifch von hinten eingefteckt und mit einem ftarken( gefpaltenen) Keil im Kern des Auges feft. Der Aufsenbund des Zapfens mufste daher vorgefteckt und mit einer Scheibe gehalten werden. Mafsftab 1:25 der Natur. Der Kurbelzapfen hatte 100 und 130 Millimeter, was 72 Atmofphären Schalendruck gab. Er war nach Schlufs der Ausftellung leicht angefreffen, was nur in fremden Urfachen begründet fein konnte, denn auch die Abnützungsarbeit( o'9 Kilogramm- Meter per Quadratcentimeter und Secunde) erfcheint nur wenig höher als normal. Die Kurbelnabe reichte 10 Millimeter vor die Arm- Ebene nach aufsen, was wohl die Schönheit mindert aber die Solidität erhöht. Das Kurbellager, 200Millimeter Durchmeffer bei 360 Millimeter Länge, erfuhr 13 Atmoſphären fpecififchen Druck und die geringe Abnützungsarbeit von 0:25 Kilogramm Meter per Quadratcentimeter und Secunde, welche eine der kleinften der Ausstellung war. Die Schalen waren viertheilig, jedoch nur die äufsere mit zwei horizontal in die Lagerwange gefchnittenen Stellfchrauben nachrückbar. Der übergreifende Deckel war jederfeits durch zwei Schrauben gehalten und das ganze Lager ftand mit innern Schrauben befeftigt wieder auf einem kaftenförmigen Fufs, deffen Grundfchrauben einen verhältnifsmäfsig kleinen Mauerkörper fafsten. Das Schwungrad von 4:54 Meter Durchmeffer wog 7150 Kilogramm und war in der Kurbelrichtung ein Segment lang hohl gegoffen, um die Maffen des Geftänges zu balanciren. Es hatte acht Arme und beftand aus vier Theilen, welche in der Nabe durch Schrauben und vorne aufgezogene Ringe und am Umfange mit beiderfeitigen Einlagen verbunden waren. Das Rad war mit einem angegoffenen Zahnkranze verfehen, deffen 240 Zähne eine Theilung von 65 und eine Breite von 180 Millimeter hatten. Uebrigens lag die Mafchine zwifchen den zwei hochgelegenen HauptTransmiffionswellen, welche fie mit zwei hinter dem Schwungrade fitzenden Gebrüder Sulzer in Winterthur. 93 Riemenfcheiben betrieb. Es war eigentlich eine einzige mit hoher Zwifchenwand gegoffene Scheibe, und dabei erfuhren die Lager wenig von den Riemenzügen, indem diefe nach beiden Seiten fymmetrifch unter 45 Grad nach aufwärts wirkten. Die 240 Millimeter dicke Schwungrad- Welle lag dann rückwärts in einem dem Kurbellager völlig ähnlichen Stuhle, vor welchem fie fo weit vorftand, um eben die Kurbel eines Zwillingsantriebes aufnehmen zu können. Die Mafchine wog ohne Rad, aber fonft mit Luftpumpe etc. complet 11850 Kilogramm oder 7'45 Kilogramm per ein Quadratcentimeter Cylinderbohrung. Der normale Arbeitsdruck beträgt fünf Atmosphären, und nach verlässlichen Verfuchen braucht dabei eine gröfsere Mafchine bei circa 10 Percent Füllung 8.7 Kilogramm Dampf per Stunde und Indicator Pferd. Diefer wird mit 1'47 Kilogramm guter oder 2.56 Kilogramm geringer Kohle per Stunde und Pferd erzeugt, welche Refultate wohl nicht merkwürdig günftig, dafür aber defto wahrheitsgetreuer erfcheinen. Gebrüder Sulzer's kleine Mafchine. Als Mufter ihrer kleineren Mafchinen lag eine Conftruction in zwei Gröfsen vor, welche eine ganz vorzügliche Anordnung zeigten. Aehnlich der grofsen Mafchine war der Cylinder doppelwandig mit Einftrömung von unten, welche durch den Dampfmantel und ein oben eingepafstes Handventil, aber dann in den feitlich angegoffenen Schieberkaften gelangt. In diefem arbeitete eine dem Principe nach Meyer- Steuerung, welche fich von der Originalform derfelben nur dadurch unterfchied, dafs der Rücken des Vertheilfchiebers, worauf die Expanfionsplatten arbeiten und diefe felbft nicht eben, fondern nach einer Cylinderfläche geformt waren, deren Achfe in der ExpanſionsSchieberftange lag. gleichfchenklichen, aber aufgebogenen Trapezes. Die Aufsen, das ift die Arbeitskanten der Deckplatten, fowie die Mündung der Durchlafsfpalten am Rücken des Vortheilfchie. bers ftanden aber nicht fenkrecht zur Hubrichtung wie fonft, fondern( nach derfelben Spitze) zulaufend wie die Seitenlinien je eines Die beiden Deckplatten waren zufammengegoffen und ihre geneigten Arbeitskanten länger als jene der Durchlafsfpalten. Eine Winkelbewegung der Expanfions- Schieberftange, welche das Decktrapez mit einem ein gelaffenen Vierkant mitnimmt, wird daher zur Folge haben, dafs fich diefes über jenem Trapez verfchiebt, welches die Durchlafsfpalten umrahmend gedacht werden kann. Dadurch kommt eine längere oder kürzere Deckbafis über die Spalten, das heifst die Entfernung der Aufsenkanten der Meyer'fchen Platten vergröfsert oder verringert fich und die Expanfion wächft oder finkt. Diefe Winkelbewegung der Expanſions Schieberftange, welche nicht 90 Grade für alle Füllungsftufen zu umfaffen braucht, kann nun leicht durch den Regulator hervorgebracht werden, der ftatt an dem Arm der Droffelklappe hier an dem der Stange wirkt. Um die hin und hergehende Bewegung der letzteren zu geftatten, ift felbftverſtändlich der Arm nur vierkantig oder mit einem Längskeil auf diefe gefteckt, und durch zwei Bunde an der Nabe vor Verschiebungen gefchützt. Diefe ganze Vorrichtung( Rieder- Steuerung), welche übrigens auch an der grofsen Mafchine von G. Siegl in Wien zu finden war und an vielen Mafchinen 94 J. F. Radinger. ausgeführt wurde und wird, ift bei dem erreichten Ziele des Regulatoreingriffes in die Steuerung höchft einfach zu nennen und fetzt dem Spiele der Kugeln nur BRE Millim. 100 O' I 2 3 4 5 6 7 8 9 Meter Mafsftab 1:25 der Natur. wenig Widerstand entgegen, wie ich mich( an Sigl's Mafchinen) oft überzeugte. Hier war ein. Porterregulator mit Oeltopf verwendet; die Wirkung felbft konnte nicht erprobt werden, da die Mafchinen ohne Dampf blieben. Zur Verbindung des Cylinders mit dem Kurbellager diente ein ausgebohrter bajonnetförmiger Seitenbalken, welcher fowohl am Cylinderende als unter dem angegoffenen Kurbellager direct in die Tragfüfse refpective Grundplatten überging. Der Cylinder ragte centrifch verfchnitten und mit fechs Schrauben im angegoffenen Vorderdeckel gehalten rückwärts frei hinaus. Die kupfernen Dampfrohre, welche fich auf deffen Unterfeite anfetzen, geben wohl anfcheinlich, aber nicht thatfächlich jene Stütze ab, welche das Auge verlangt. Der gefchloffen gefchmiedete Kreuzkopf mit den Innenfchalen und der Nachftellfchraube aufsen, vorne das kurz gegabelte Schubftangen- Ende, von welchem beiderfeits der im Kreuzkopf laufende Zapfen feftgehalten wird, die centrifchen nicht nachftellbaren cylindrifchen Führungsfchuhe, die blos einfeitige Nachftellbarkeit der Aufsenfchalen des Kurbellagers mit directen zwei Druckfchrauben, fowie die einzelnen Detailformen hatte diefe mit der grofsen Mafchine diefes Haufes gemein. Zu bemerken ift noch, dafs die Excenterftangen Köpfe durch hochkantige gefenfterte Führungsplatten getragen werden welche mit der langen Schmalfeite auf einem Support gehen, der dem Mafchinenbalken feitlich angefchraubt ift. Diele Führungen, in deren Ausfchnitten die Muttern der Schieberftangen fitzen, rücken die letztern etwas weiter nach innen, als es der directen Flucht der Excenterebenen entſpricht, was die Dampfwege kürzt. Das kleine Drehmoment diefer Verfetzung macht, dafs die Führungsplatten auch feitlich gehalten fein müssen, wie es auch hier der Fall war. Das Schwungrad hatte I- förmige Arme und Folge deffen auch zwei Kreisrippen im Ringe. Diefe Maſchinen, welche von 4 bis 15 Pferdeftärken Leiftungsfähigkeit ausgeführt werden, erhalten, falls fie mit Condenfation arbeiten follen, ftatt des gewöhnlichen Kurbelzapfens einen folchen mit Gegenkurbel, der dann die Luftpumpe treibt. Diefe hängt centrifch im Einfpritzcondenfator und ihr Deckel trägt die ausgebohrte Führung für die Lenkftange. Vom Kreuzkopf derfelben wird die Speifepumpe und zwar mit einem hubreducirenden Blechbalancier mitgenommen. Was die Dimenfionen betrifft, fo hatte eine der ausgeftellten Mafchinen, welche 10pferdig benannt war, einen Cylinderdurchmeffer von 200 Millimeter bei einem Hub von 05 Meter. Sie foll mit 85 Touren( 14 Meter Kolbengefchwindigkeit) arbeiten. Der Dampf kommt durch ein 45 Millimeter weites Gebrüder Sulzer in Winterthur. Centimeter 100 EW.BADER WIEN sc. o Meter B- 95 Mafsftab 1: 40 der Natur. Rohr( 1/19 Kolbenfläche) und entweicht durch ein folches von 60 Millimete ( 1/11 der Kolbenfläche). Die Einftrömconftante von 127 ift reichlich bemeffen falls in den inneren Canälen keine Droffelungen vorkommen. Die 30 Millimeter dicke Kolbenftange übertrug den Druck der( 5+ 1) Atmoſphären auf den Kreuzkopf- Zapfen, der 35 Millimeter dick und 70 Millimeter lang war, was 75 Atmoſphären Auflagedruck berechnen läfst. Die Führung mafs IIO und 165 Millimeter und erfährt 2 0 Atmoſphären- Druck. Der Kurbelzapfen war Folge der Gegenkurbel unverhältnifsmässig grofs 50 bei 60 Millimeter, fo dafs Auflagedruck und ſpecififche Abnützarbeit klein, 61 Atmoſphären und 0.65 Kilogramm Meter, ausfielen. 96 J. F. Radinger Die fchmiedeiferne Kurbel fteckte mit auffallend kurzer Nabe( 80 Milli. meter) auf der 100 Millimeter ftarken Welle, welche 170 Millimeter lang in ihren mit Compofition ausgekleideten Gufseifen- Schalen lag. Das hintere Lager hatte Broncefchalen. Der Druck im Kurbellager, 11 Atmoſphären und die Abnützarbeit von 0.23 Kilogramm Meter per Quadratcentimeter und Secunde, gehören mit zu den kleinften diefer Art. Das Schwungrad mafs 2:50 Meter Durchmeffer und der Riemen 200 Millimeter Breite. Die Luftpumpe hatte 170 Millimeter Bohrung und o 20 Meter Hub, wonach fich ihr verglichenes Volumen auf 16-8 des Dampfcylinders ftellt. Die ringförmigen Luftpumpen Kautfchukplatten waren in der Mitte nicht niedergeprefst, fondern konnten fich, an einem Rohrftücke geführt, auch inner bis zur Fangfchale heben, was eine kleine Drehung während des Senkens ermöglicht. Dadurch wird deren Dauer verlängert, weil fich die Fenſterung nicht fo bald einfchlägt. Die Formen diefer Mafchine waren höchft elegant und obgleich faft kein Bronce an der Mafchine zu fehen war, machte fie den Eindruck reichlicher Solidität. Sie wog 2500 Kilogramm fammt Rad und Pumpen und koftete 6300 Franken loco Wien. Efcher- Wyfs& Comp. in Zürich. Die vom Haufe Efcher- Wyfs und Comp. in Zürich ausgeftellte kaltliegende Hochdruck- Condenſations- Mafchine war beſtimmt, mit einer zweiten gleichftarken Dampfmaschine mit unter 90 Grad verfetzten Kurbeln an gemeinfamer Schwung. radwelle zum Betriebe einer Papierfabrik zu arbeiten. Es war eine Corlifs- Mafchine mit feitlichem bajonnetförmigen Längsbalken, welcher fich in bekannter centrifch verfchnittener Weife an den Cylinder fchlofs, und vorne das angegoffene Kurbellager fammt Lagerfufs enthielt. Die zugehörige Luftpumpe war nicht ausgeftellt, aber nach der mir überfandten Zeichnung foll fie fehend in die Tiefe rückwärts des Mafchinenfundamentes kommen und von dem einen Ende eines gufseifernen Balanciers bewegt werden, an deffen anderem gleichlangen Ende die Kaltwaffer- Pumpe hängt. Der Balancier trägt darnach einen 24 mal überfetzenden langen aufrechtftehenden Arm ange. goffen, der von der hinten verlängerten Kolbenftange mitgenommen wird. Der Dampfcylinder befafs 600 Millimeter Bohrung und der Kolben foll bei 135 Meter Hub, 42 Doppelhube per Minute machen. Diefs gibt 19 Meter Kolbengefchwindigkeit, welchen Dampf- Einlafsöffnungen von 120 des CylinderQuerfchnittes zu genügen haben. Die Conftante aus 10= C. 19 wäre allerdings C= s, was als zu knapp erfchiene wenn die Füllung in die Periode der grössten Kolbengefchwindigkeit, das ift über 40 Percent reichen follte. Da aber diefe normal nur und felbft im Falle der Ueberanstrengung der Mafchine nur wenig über das Doppelte betragen wird, fo fcheint die Canalweite wohl ausreichend für die Zulaffung der vollen Dampffpannung. Die Ausftröm- Querfchnitte betragen 15 der Kolbenfläche und dürften an der Grenze guter Wirkung ftehen. Ihre Schieber arbeiten auf den unteren Flächen der Quercanäle, wie es normal ift und die Sorge um den dichten Abfchlufs in der Druckperiode verlangt. Durch gute Füllstücke wurde aber der dabei etwas grössere fchädliche Raum reducirt und foll im Ganzen blos 25 Percent des Cylindervolumens betragen. Da bei den Mafchinen, welche mit fo geringer Füllung wie diefe arbeiten, der Dampf aus dem fchädlichen in den Arbeitsraum expandirt, fo vermindert fich der Dampfverluft im gleichen Mafse mit der Expanfion und fpeciell hier geht alfo nur der fechfte Theil des im fchädlichen Raum enthaltenen Dampfes, das ift noch kein halbes Percent des Ganzen, aus diefem Anlaffe verloren. Die Steuerung gefchieht von einer kreisrunden Corlifsfcheibe aus, welche in der halben Cylinderlänge feitlich fchwingt und nach dem Syftem Spencer und Efcher- Wyfs& Comp. in Zürich. 97 Inglifs die oberen Schieber mit federnden Doppelzangen mitnimmt. Die Auslösdaumen hängen in bekannter Art mit aufrechtftehendem Arm und Lenkftange am Regulator und find durch verzahnte Kreisfegmente gekuppelt. Der Schieberfchlufs wird mit Federn und Luftpuffer beforgt, welche ober der Corlifsfcheibe Rücken an Rücken im gemeinſamen Gehäufe liegen. Das Excenter ift unter einem wirkfamen Voreilwinkel von 25 Graden gegen die Kurbel auf die Welle gekeilt. Seine Stange geht nicht in Einem zur Steuerfcheibe, fondern ftützt fich und endet mit nachftellbarem Kopfe an dem Seitenzapfen eines in der halben Führungslänge fchwingenden Hebels, welcher an der Innenfeite des Hauptbalkens nach abwärts hängt und den Hub im Verhältniffe von 2: 3 vergröfsert auf die Scheibe überträgt. Dort ift die Stange aushebbar eingelegt, um das Angehen der Mafchine durch Drehen der Steuerfcheibe von Hand aus zuzulaffen. In der Verticalachfe des Ueberfetzungshebels ftand oben der Regulator. Derfelbe war nach Porters Syftem fchnellgehend mit Katarakt verfehen und mit einer fchiefgelagerten und an beiden Enden mit Kegelrädern verfehenen Zwifchenwelle von der Schwungrad- Welle angetrieben. Die Luftpumpe foll in Mitte des Condenfatorkaftens hängen und nur ein Boden- und ein Kolbenventil befitzen. Der Luftpumpen- Durchmeffer wird auf 450 und der Hub auf 600 Millimeter angegeben, was einem Volumen von 1/8 des per Hub vom Dampfkolben durchlaufenen Volumens entſpricht, indem die Pumpe nur einfeitig wirkt. Der Kolben derfelben ift mit Hanf gedichtet und die Kolbenstange ein Taucherrohr von 150 Millimeter, an deffen innerem Ende die vom Balancier kommende Lenkftange angreift. Auf der Decke des Condenfatorkaftens fteht noch die Speifepumpe, deren einfacher Plunger 100 Millimeter Durchmeffer und 210 Millimeter Hub befitzt, und von derfelben Seite des Balanciers als die Luftpumpe betrieben wird. Der Dampfcylinder war doppelwandig gegoffen und über die Doppelwand hin zog erft der Dampfcanal zu den Steuergehäufen. Damit wird die ArbeitsCylinderwand allfeitig frei, was felbft bei geringer Eifenftärke( hier 25 Millimeter) ein genaueres Rundwerden zuläfst, als es fonft der Fall werden kann, wo angegoffene Rippen etc. verfteifte und biegfame Stellen abwechfeln laffen. Selbft für die Schmierung des Kolbens gingen die eingegoffenen Rohre nur durch die Dampfwege hindurch und endeten an deren Unterwand, während von oben nachträglich durch fie gefteckte Kupferröhren mit conifch eingeriebener Grundfpitze das Dampfhemd durchfetzten und in den Cylinder führten. Centim. 100 Mafsftab 1:48 der Natur. I Meter Früher bildete der Cylinder fammt Dampfhemd, dem vorderen doppelwandigen Cylinderdeckel, den vier Schiebergehäufen und den beiden hohlen breiten Tragfüfsen des Cylinders mit eingegoffenen Ausftrömrohren ein einziges Gufsftück. In der Ausftellungsmafchine war jedoch der eigentliche Cylinder fammt Mantel gefondert gegoffen an welchen fich zwei Endringe, mit den je eingegoffenen obern und untern Schiebergehäufen fammt den zugehörigen Tragfüfsen flanfchen 98 J. F. Radinger. verfchraubt anfchloffen. Die breite Verfchneidung diefer Ringe fichert eine fteife Verbindung, aber für die Herftellung wird Gefahr und Zeit vermindert und der Nachtheil, dafs die Dampfwege durch die Flanfchen hindurchführen, läfst fich durch genaue Arbeit faft zum Verfchwinden beheben. Der vordere Cylinderdeckel war mit dem Tragringe in Einem gegoffen und enthielt nur eine eingefetzte Stopfbüchfe. Der rückwärtige Deckel war aber gefondert angefetzt, um das Herausziehen des Kolbens ohne Weiteres zuzulaffen. Er war noch von einer blanken Gufskappe überdeckt, welche die Umfangsfchrauben und den Stopfbüchfen- Untertheil überkleidete. Der Cylinder ift mit Dampf zu heizen und aufserdem mit Filz und Holz vor jeder Abkühlung möglichft gefchützt. Oben in Mitte des Cylinders lag der Kaften eines Doppelventiles, deffen Griffrad mit einer langen Rohrführung nach vorne und in handliche Entfernung kam. Der Kolben war ganz aus Gufseifen und mit zwei ineinander liegenden gufseifernen Selbftfpann- Ringen verfehen. Seine Kolbenstange war vorne 90 und rückwärts 75 Millimeter dick und conifch in den Kolben eingerieben, welchen fie mit einer hohen theilweife verfenkten Schraubenmutter centrifch fefthielt. Die Kolbenringe follen ebenso wie der Cylinder aus einer der Abnützung gut wider. ftehenden Gufseifenforte beſtehen. Die Geradführung fand in der rund ausgebohrten Colonne des Bajonnetbalkens mit nachftellbaren Gleitftücken ftatt, deren Kreuzkopf die an den heutigen Conftructionen moderne gute Form hatte. Der Kreuzkopf ift nämlich ähnlich einem um 90 Grad gewendeten ZapfenEOD Millim. 100 o ' I 2 3 4 5 6 7 8 9 Meter Mafsftab 1:24 der Natur. lager geformt, welches der Lagerplatte entbehrt und dafür mit einer mittleren auf die Kolbenftange gekeilten Rohrnabe verfehen ift. Der vordere Deckel wird mit zwei durch den Kreuzkopf- Körper hindurch gehenden Schrauben gehalten und geftattet das Nachziehen der eingelegten Schalen, auf welchen die Oscillation ftattfindet. Diefes Kreuzkopf- Lager nimmt nun den KreuzkopfZapfen( hier 105 Millimeter dick und 170 lang, 93 Atmoſphären Schalendruck) auf, welcher in dem kurz gegabelten hinteren Schubftangen- Ende conifch eingefchliffen feſtfitzt. Dadurch wird die centrifche Druckübertragung auf einen einzigen Drehzapfen, ähnlich wie bei dem gufseifsernen Gabel- Kreuzkopf, aber mit einem verhältnifsmäfsig einfachen Schmiedftücke gewahrt, und noch der weitere fonft entbehrte Vortheil erreicht, dafs fich die Abnützung der Schubftangen- Schalen bei vorne gefchloffenem Kopf und Innenkeil von felbft ausgleicht, indem beim Nach Efcher- Wyfs& Comp. in Zürich. 99 fpannen dort ein Herausziehen und hier ein Hineindrücken des Kolbens ange. ftrębt wird. Diefes hin- und hergehende Kreuzkopf Lager trägt noch an feinen Wangen je einen cylindrifchen Dorn mit Schraubengewinden, deffen Fufs in die Geradführungs- Stücke greift, und deffen Körper fich mit breiten Mutter- und Gegenmutter- Scheiben darauf ftützt. Diefe Führungsftücke werden derart gleichfalls centrifch belaftet und gleiten von jeder Veranlaffung zum Kippen frei, auf der ganzen Fläche gleichmäfsig gedrückt. Hier waren fie 180 Millimeter breit, 420 Millimeter lang und mit Weifsmetall befohlt. Wäre die Mafchine für annähernd halbe Füllung beftimnit, fo müfsten die Führungsflächen als klein bezeichnet werden, indem fich dann der Druck in derfelben ftellenweis auf 4'4 Kilogramm per 1 Quadratcentimeter erhöhen würde. Hier aber, wo die Maximalfüllung 30 Percent nicht überfteigen kann, wird er ftets unter 35 Kilogramme zurückbleiben, wobei aber auch noch eine öftere Nachftellung nothwendig werden dürfte. Die fchmiedeiferne Schubftange hatte 5 Mal den Kurbel- Halbmeffer zur Länge und trug vorne einen gefchloffenen Kopf mit einem fchrauben angezogenen hinteren Nachftellkeil. Sie griff den Kurbelzapfen völlig centrifch an, welcher mit vorgeftecktem Bund ihre mit Weifsmetall ausgegoffenen Broncefchalen hielt. Der Kurbelzapfen war 145 Millimeter dick und 175 Millimeter lang, was einen mäfsig hohen Druck( 66 Atmoſphären) und ro Kilogramm Meter Abnützarbeit per Secunde und Quadratcentimeter Zapfenfläche gibt. Der Zapfen fleckte ohne Bund von vorne conifch in dem Auge der fchmiedeifernen Kurbel und war in der Mitte desfelben durch einen kurzen Stahlkeil verfichert. Die Kurbelnabe ftand auf der Vorderfeite etwas vor, nachdem es die Schubftange geftattete und den Hebelarm der Abbiegung verkürzt. Die Nabe kam dadurch mit einer Länge gleich der Bohrung auf ihre Welle, wobei aber der Bund des Lagerzapfens in fie verfenkt war. Dicht an die Kurbel fchlofs das viertheilige Kurbellager, deffen übergreifender Deckel mit je einer Schraube niedergehalten war, während je zwei Seitenkeil- Druckfchrauben das Nachftellen von oben zuliefsen. Der KurbellagerZapfen mafs 280 Millimeter Durchmeffer und 420 Millimeter Länge. Sein Auflage. druck von 14 Kilogramm per I Quadrat centimeter und feine fpecififche Abnützungsarbeit von o 42 Kilogramm Meter waren beide gröfser als an den englifchen Mafchinen, wie fich diefe Erfcheinung hier überhaupt confequent wiederholte. Der Seitenbalken traf genau in der Höhe der Welle an das Lager; das letztere war mit dem Balken und mit dem Tragfufs zufammengegoffen und ftand etwas hoch aber breit auf dem Steinfundamente. Vier Grundfchrauben( 13 und 0.7 Meter auseinand) fafsten dasfelbe und bei den reichen Erfahrungen diefer berühmten Fabrik mufs man wohl annehmen, dafs der verhältnifsmäfsig kleine ans Lager gebundene Fundamentklotz mit reichlicher Sicherheit den Beanfpru. chungen diefer grofsen Mafchine trotzdem genügt, dafs deren hin und hergehende Maffe nicht balancirt und die Kolbengefchwindigkeit( mit Recht) fchon höher als althergebracht ift. Die den beiden Mafchinen gemeinfame Welle hat ein verzahntes Schwung. rad von 6.72 Meter Durchmeffer und 350 Millimeter Breite zu tragen, deffen Umfangsgefchwindigkeit daher 14.8 Meter per Secunde erreicht. Noch wäre die hintere Geradführung der Kolbenftange zu erwähnen. Diefelbe findet fich nur mit einer einzigen Gufsfchiene bewerkstelligt, welche fich einerfeits oben auf die Stopfbüchfe und anderfeits auf einer dünnen Schmiedeifen- Säule ftützt und den kleinen Tförmigen Kreuzkopf nach abwärts hängend trägt. Dadurch kann das Ende des verticalen Winkelarmes des LuftpumpenAntriebes ungegabelt bleiben, was deffen Form vereinfacht. 100 J. F. Radinger. Die Schwingur gsachfe findet derfelbe in einem ftarken. kaftenförmigen Gufsbogen, welcher einerfeits auf dem gefchloffenen Condenfatorkaften ruht, und fich anderfeits gegen einen hohen Mauerrahmen ftemmt. Die Luftpumpen- Stange hängt wieder mit einem lagerförmigen Kopf am Balancierende. Die Gummiplatten der Ventile find durch die Naben der Fongteller nicht feftgehalten, fondern können fich an diefen geführt erheben. Damit wird der Verderb der Platten durch die Gitterung geringer, aber auch die Möglichkeit des Hängenbleibens derfelben zugelaffen. Die Leiftung diefer Mafchine foll in normalem Betriebe mit 5 Atmoſphären Ueberdruck bei 1/7 Cylinderfüllung und 42 Umdrehungen per Minute circa 170 Indicatorpferde betragen, welche ohne Ueberanftrengung der Mafchine bei gröfserem Dampfeinlaffe um 25 bis 30 Percent gefteigert werden kann. Der Dampfconfum foll fich zwifchen 8 bis 9 Kilos per Stunde und Pferd ftellen. Die Steue rung geftattet nur Füllungen von o bis 30 Percent. Die Conftruction diefer Mafchine erfcheint derart als nach heutigem Standpunkte vollendet. Wohl find die Beanspruchungen der einzelnen Theile höher als in den älteren Modellen, was jedoch bei den meift centrifch übertragenen Kräften und bei der Verwendung des beften Materials und Arbeit ganz wohl angeht. Die Formgebung war gefchmackvoll und ihre Ausführung entfprach dem hohen Rufe diefes grofsen Haufes. Socin& Wick in Bafel Die kleinfte Corlifsmafchine der Ausftellung war von Socin& Wick in Bafel gefendet. Der Dampfcylinder befafs 330 Millimeter Bohrung und fein Kolben o 75 Meter Hub. Bei den normalen 65 Umgängen per Minute entſteht eine Kolbengefchwindigkeit von 16 Meter per Secunde und bei 5 Atmoſphären Ueberdruck und Condenfation ein Effect von 25 bis 30 Pferden. Die Dimenfionsgebung war durchwegs zutreffend. Das Dampf- Einftrömrohr hatte 85 Millimeter Durchmeffer und die Spalten unter dem Corlifsfchieber 220 bei 25 Millimeter Länge und Breite, was je 15 des Cylinder- Querfchnitts beträgt. Das Ausftrömrohr zum Condenfator mafs 100 und die Spalten 220 bei 33 Millimeter oder der Kolbenfläche. Die Conftante zur mehrerwähnten Beurtheilung ftellt fich mit dem für die Einftrömung auf 1/24, was für alle Füllungen und felbft noch gefteigerter Gefchwindigkeit reichlich langt. Die Zapfendrücke waren die den Schweizer Maſchinen normalen, und zwar 74 Atmoſphären am Kreuzkopfe, 66 am Kurbelzapfen, 13 in Lager und 2.6 Atmoſphären auf der Führungsfläche. Auch die fpecififchen Abnützungsarbeiten von o 80 Kilogramm Meter am Kurbelzapfen und o 32 im Lager entfprechen den normalen Gröfsen. Der Cylinder war doppelwandig, indem ein inneres Rohr in das äufsere gefteckt und unter Vorlage von Schmiedeifen- Einlagen verkittet war. Die Kolbenftange fand eine Stopfbüchfen- Führung im doppelwandigen Hinterdeckel. Vom Cylinder ging ein bajonnetförmiger Seitenbalken zur Kurbel. Diefer enthielt eine ebene angehobelte Ober- und Unter- Geradführung und das Kurbellager mit zwei gefonderten Tragfüfsen angegoffen. Die Führungs colonne fchlofs fich an den Cylinder mit innerhalb gefetzten Schrauben, was einen hässlichen Wulft für deren Einbau verlangte. Auch lief der gerade Balkentheil durchwegs gleich breit vom Lager bis zum Wulft, was rückwärts unangenehm ausfah, wenn es auch in der Giefserei das Formen ohne Kernkaften ermöglicht. Der gefchloffene Stahl- Kreuzkopf enthielt die 55 Millimeter dicke Kolbenftange eingekeilt und vorne im Blocktheile die Broncefchalen in fich, deren äufsere mit einer Kopf- Stellfchraube mit Gegenmutter nachzurichten war. Die Führungsfchuhe( 300 Millimeter lang und 130 breit) fafsen genau in der Zapfer Socin& Wick in Bafel. 101 linie oben und unten an angedrehten Bolzen des Kreuzkopfes und ftützten ihn mit breiten ftellbaren Doppelmuttern. Der Kreuzkopf- Zapfen( 75 Millimeter dick und 90 lang) war nun in die Augen des kurz gegabelten Schubftangen- Endes conifch eingepasst und mit Streifdornen gehalten. Der Schubftangenfchaft( Beffemerftahl) war rund und der vordere Kopf offen. Letzteren fchlofs ein gewöhnlicher Bügel mit Keilanzug, was wohl für diefe kleinen Mafchinen noch angehen mag, fonft aber bei einer Kolbengefchwindigkeit von 16 Meter beginnt gewagt zu erfcheinen. Die Beffemerftahl- Kurbel war an Nabe Arm und Auge durchwegs gleich dick, fo dafs fie vorne und hinten flach zu bearbeiten war. Der Kurbelzapfen ( 75 Millimeter dick und 100 lang) erſchien von hinten eingefteckt und mit einem Durchfteckbolzen verfichert. Das Kurbellager hatte 150 Millimeter Bohrung und 260 Millimeter Länge. Es war viertheilig, jedoch nur die äufsere Seitenfchale mittelft zwei Keilfchrau ben von oben nachzuftellen. Der Deckel war überfchnitten und von je einer Deckelfchraube gehalten. Die angegoffenen Füfse unterſtützten das Lager wohl fymmetriſch, aber in der Wellenrichtung auf fchmaler Bafis, indem die Schraubenentfernung nur 0:26 Meter betrug. Unmittelbar hinter dem Lager fafs eine Riemenfcheibe für den Antrieb des Porter- Regulators mit Oeltopf und das Excenter, welches die gewöhnliche Spencer- und Inglifs- Corlifs- Steuerung trieb. Die aushängbare Excenterftange ging ununterftützt von vorne bis zur Corlifsfcheibe an der Cylindermitte. Das rückwärtige Wellenlager pafste nicht zu dem vordern, indem es nach einem älteren harten Modelle geformt erfchien. Das Schwungrad befafs 3.20 Meter Durchmeffer, war zweitheilig und am Umfange mit 168 direct eingefteckten Holzzähnen( Breite 150, Theilung 58 Millimeter) verfehen. Der Kranz war mit Einlagkeilen und die Nabe mit Schrauben zufammengehalten. Der Antrieb der Luftpumpe( nicht ausgeftellt) kann vom KreuzkopfZapfen aus gefchehen. Die Verbindung des Condenſators mit dem Cylinder findet dann durch die beiden den Auslafskäften gefondert unterfchraubten Tragfüfse ftatt, deren Höhlung ein zwifchengefchraubtes Rohr verbindet. Diefes mündet erft an das Condenfatorrohr und fo ergibt fich eine Zahl von mindeſtens fechs Flanfchen, deren Dichtungsflächen auf einander fenkrecht folgen. Die oberen Flanfchen bei den Auslafsfchiebern find rechteckig und mit je 12, die unteren runden an dem Verbindungsrohre mit je 4 Schrauben verbunden. Die Mafchine war fehr nett ausgeführt, aber fie drängte die Frage auf, ob für ein fo kleines Modell die Corlifsfteuerung pafst. Alle Beftandtheile erfcheinen nämlich derart klein, dafs man mehr den Eindruck eines Uhrwerkes als den einer Kraftmafchine empfing. Sie foll 11.000 Franken koften. Für gröfsere Mafchinen diefer Art, welche die Firma baut, garantirt fie 114 Kilogramm Kohle per Stunde und indicirter Pferdekraft, erwähnt aber auch vorkommender Kohlenverbrauche von weniger als I Kilogramm. Scheller& Berchtold in Thalweyl. Die Mafchinenfabrik von Scheller& Berchtold in Thalweyl bei Zürich ftellte eine liegende Condenſationsmafchine aus, welche fowohl in der Steuerung als im Antriebe der Luftpumpe von den bisherigen Conftructionen wefentlich abwich. Im Allgemeinen war es eine bei 5 Atmoſphären Ueberdruck und Normal. füllung 15pferdige, nach dem Corlifs- Syfteme conftruirte Mafchine, deren Dampf 102 J. F. Radinger. vertheilung an den vier Cylinderenden ftattfand und deren Füllung vom Stande des Regulators abhing. Der Cylinder hatte 300 Millimeter Bohrung und der Kolben o 60 Meter Hub. Normal arbeitete diefer mit 70 Touren per Minute oder 14 Meter Kolbenweg per Secunde. Das Dampfrohr von 63 Millimeter Weite bot 22 der Kolbenfläche als Querfchnitt( Conftante 1/1), was eben genügt. Die Ausftrömung mit 1/20 Cylinderfläche fcheint zu eng. Der Cylinder war doppelwandig gegoffen und der frifche von unten kom mende Dampf durchftrömte vorerft das Hemd und kam dann durch ein auf diefem oben in der Cylindermitte fitzendes Ventil und einen oberen Längscanal zu den beiden Einftrömungen nahe dem Deckel. Die Dampfeinftrömungen fanden durch je acht Radialfpalten ebener Kreisflächen ftatt, welche von je einem oscillirenden Spaltfchieber geöffnet und überdeckt wurden. Diefe Spalten hatten je 32 Millimeter radiale Länge und 11 Millimeter mittlere Breite, was ihre Gefammtfläche auf circa 1/25 der Cylinderfläche und wegen der Contraction auf noch weniger ſtellt. Diefe Spalt Drehfchieber bekommen ihre geringe Winkelbewegung( Maximum 25 Grad) durch je eine kurze verticale Achfe, welche oben( mit Klemmfchraube) einen Arm trägt; diefer greift mit einer Lenkftange in ein horizontales Führungsrohr und wird durch eine um letzteres gewundene Spiralfeder mit Luftpuffer ftets fo zu drehen gefucht, dafs die Spalten fchliefsen. Die beiden Führungsrohre liegen einander gegenüber und aus deren inneren zugekehrten Seiten ragt je ein Anfchlag hervor, welcher ähnlich einer Fallklinke geformt ift. Zwifchen den ftahlarmirten Stirnflächen diefer Anfchläge pendelt nun ein Daumen hin und her, deffen Vor- und Rückfeite abwechslungsweise einen und den andern Anfchlag andrückt und durch ihn den Spaltfchieber auf das Oeffnen dreht. Diefs gefchieht fo lange, als der Kreis, den die Daumenkante befchreibt, jene Gerade überragt, welche der mit dem Rohr geführte Anfchlag durchläuft. Dabei wird die Spiralfeder, welche um das Führungsrohr gewunden ift, gefpannt und wenn der Daumen jene Gerade unterfchneidet, fo fchliefst die Feder den Spaltfchieber fofort. Diefes Unterfchneiden wird defto früher ein treten, alfo die Füllung defto kleiner fein, je kürzer der Daumen felbft ift, indem von feiner Länge die Zeitdauer der Eröffnung abhängt. Scheller& Berchtold machen daher die Daumenlänge veränderlich und zwar den Arbeitskopf in einer Schwalbenfchwanz- Führung des eigentlichen Daumenkörpers verfchiebbar. Diefes Verfchieben beforgt bei der neueren Conftruction diefer Steuerung der Porter- Regulator direct, indem von deffen Manchette eine Zugftange( ziemlich fchief) gegen die riegelförmige Daumenfpitze niederreicht, und diefelbe bei feinem Steigen einwärts zieht. Der Angriffspunkt diefer Zugftange an dem Daumenriegel ift aber nicht zugleich Drehpunkt für den ganzen Daumenkörper, der um einen unabhängigen Drehzapfen fchwingt und deffen Hinterende den Antrieb durch eine DreiecksBewegung erhält. Jede Arbeitsfläche des Doppeldaumens weicht fo viel von der radialen Richtung zurück, dafs fie bei Beginn der Bewegung parallel zur Stirnfläche des Schieberanfchlages fteht, wodurch in Verbindung mit der unabhängigen Schwingungsachfe des Daumenkörpers ein gleiches lineares Voreilen für alle Expanfionsgrade erreicht wird, was hier wegen den acht gleichzeitig öffnenden Einftrömkanten höchft nothwendig ift. Das Steuer- Dreieck und der Regulator befinden fich an einer gemeinfamen Verticalwelle, welche neben dem Cylinder in deffen halber Länge ſteht und mittelft einer fchieflaufenden Transmiffionswelle von der Kurbelachfe aus angetrieben wird. Die Anzahl der Drehungen der Regulatorwelle mufs der Steuer Cent. 100 713 Scheller& Berchtold in Thalweyl. O 10 0 이 103 2 3 Meter. Mafsftab 1: 48 der Natur. Dreiecke balber, welche fie trägt, mit der der Mafchine zufammentreffen, was für grofse Mafchinen mit geringen Tourenzahlen unvortheilhaft wird. Ein Rückwirken der Auslöfung auf den Regulator findet faft gar nicht ftatt, indem der klinkenförmige fixe Anfchlag felbft einer fchlechten Kopfform ausweichen würde, welche hier überdiefs ausgehöhlt erfcheint und fo den ungehinderten und fchnellen Schlufs der Einftrömung defto leichter zuläfst. Eine folche Rückwirkung könnte nur bei grofser Füllung durch die Längsreibung der Daumenfläche am Anfchlag erfolgen, was ich jedoch weder bei der Ausftellungs-, noch bei der Mafchine wahrnehmen konnte, welche in Thalweyl arbeitet. Das Anlegen des Steuerdaumens an die Schieberklinke findet etwas unterhalb des Drehpunktes der letzteren ftatt, was ein verlässliches Vordrücken gewährt, indem die Anfchlagfläche keine Tendenz zum Lüften befitzt, fondern gegentheils nieder und auf ihren Sitz gedrückt werden will. Das Dreieck für die Daumenführung erfcheint als Rinne in einer gufs. eifernen Scheibe, welche auf die verticale Regulatorwelle gekeilt ift; das Hinterende des Daumens ragt mit einem einfeitig unten eingefchraubten Bolzen und Frictionsrolle in diefe Rinne nieder und empfängt die präcife Bewegung. Die Ausftrömung erfolgt auf ähnliche Weife durch zwei an den tiefften Endftellen der Cylinder fitzende Kreisfchieber, deren Hebelantrieb gleichfalls von eingegoffenen Knaggen in einer Scheibe am Fufse der Regulatorwelle ausgeht und felbftverſtändlich der Daumen- und Stellzunge entbehrt. 7 104 J. F. Radinger. Diefe fo befchriebene Steuerung, welche Füllungen von 0-90 Percent zuläfst, und die Feder Kolbenftange ohne Stofs berührt, ift die neuefte Löfung diefes Syftems und erfcheint gegen die früheren bedeutend vereinfacht. Die Ausstellungsmafchine erfreute fich noch nicht ganz diefer verhältnifsmäfsigen Ein fachheit, fondern zeigte eine weitläufigere Conftruction. Das Einwärtsfchieben des Daumens gefchah dort mittelft eines längs der Regulatorwelle vertical niederhängenden Hebels. deffen oberes Ende in einer Schraubennuth, welche in die rohrförmig hohe Manchette gefchnitten war, eingriff, und fo fein unteres Ende für den Daumenriegel ftellte. Auch arbeitete der Daumen nur mit einer einfeitigen Anfchlagsfläche, was neuerliche Verwicklungen hervorbrachte, welche aber jetzt glücklich entfielen. Sämmtliche Schieber werden durch den Dampfdruck auf ihre Sitze geprefst. Die Eröffnung der Canäle erfolgt Dank der acht gleichzeitig wirkenden Spalten ungemein rafch, die Bewegung ift kurz und die Reibungsarbeit daher klein. Auch foll der fchädliche Raum kleiner als gewöhnlich fein und nur 26 Percent betragen. Was die flachen Drehfchieber betrifft, welche den ganzen Sommer 1873 arbeiteten, fo entkräftete ihr Anblick nach Schlufs der Ausftellung alle jene Bedenken, welche man gegen diefes Element fo langgewohnt hegt. Sie waren völlig eben und gleichmäfsig abgenützt und fchloffen dauernd dicht. Diefs kam wohl einzig und allein von der Detailconftruction her, deren Hauptrücksicht auf die Anwendung einer völlig fteifen Platte ging. Wenn diefe nicht federt, d. h. ihren Rand niederbiegen kann, fo ift thatfächlich kein Grund vorhanden, der eine unebene Fläche trotz der ungleichen Kreisgefchwindigkeiten bringen könnte, und diefs bewährte fich auch hier, wie ich mich genau überzeugte. Selbſtverſtändlich ftimmten Aufsen- und Innenkreis von Dreh- und Unterlagsplatte völlig überein, fo dafs nirgends ein Ueberragen platzgreift, was einen Grath geben müfste. Die Drehplatte war auch an und für fich dick gehalten, die Naben unterftochen, und der Aufsenrand mit einer Kronrippe verfteift. Ob die von unten eingefetzten Schieberfitze der Ausftrömung an den conif hen Dichtungsflächen mit der Cylinderwand und an den Aufsenflanfchen gleichzeitig völlig dichthalten, konnte ich nicht unterfuchen. Jedenfalls ift diefs eine heikle Stelle, und Dampf- und eventueller Atmoſphärendruck wirken abwechs. lungsweife und nach entgegengefetzten Richtungen aufs Lüften. Der Cylinder erfchien mit dem angegoffenen Vorderdeckel fliegend an das Mafchinenbett gefchraubt. Letzteres war ein untenliegender beim Kurbellager einfeitiger Kaftengufs, deffen ganz ungewöhnliche Höhe von 15mal dem CylinderDurchmeffer daher rührte, weil in ihm der Condenfationsraum und die Luftpumpe untergebracht war. Diefs fand in dem Theil unter der Führung ftatt und der Antrieb der letzteren ging von einer Gegenkurbel aus, welche auf einen fchwingenden Winkelhebel einwirkte, von deffen längerem Arm die Luftpumpen Stange durch eine Jochbewegung mitgenommen erfchien. Die Verbindung der Ausftrömung mit dem Condenfator fand direct auf der Anfchlufsfläche des Cylinders an den aufftehenden Kreisflanfch des Bettes ftatt, an deffen Innenwand die Condenfation fofort begann. Die Luftpumpe war doppelwirkend, und ihr Kolben durchlief bei 125 Millimeter Durchmeffer und o'4 Meter Hub ein Volumen von 1/12 des Dampfkolbens. Der Dampfkolben war trotz feiner Kleinheit ein Nachfpannkolben mit wegnehmbarem Deckel. Seine Verbindung mit der 44 Millimeter dicken Kolbenftange gefchah in guter Art durch eine Hinterfchraube, deren Mutter mit einem Hut gefchloffen war. Der Kreuzkopf ftützte fich mit einem der Länge nach eingelegten Stellkeil auf die untere Führungsplatte( 300 lang und 250 Millimeter breit); er war nach alter Weife mit zwei Seitenzapfen( je 45 Millimeter dick, 65 lang) gefchmiedet, welche zwei Bügelköpfe des hinteren Schubftangen- Endes verlangen, was Dank der Scheller& Berchtold in Thalweyl. 105 zwifchen eingepafsten und vorne verfchraubten Kolbenftange wohl eine etwas geringere Gefammtlänge der Mafchine gibt, aber fonft wegen des leicht möglichen Einfeitigwirkens verwerflich und verworfen ift. Der vordere Kopf der Schubftange war lagerförmig gefchmiedet und trug einen verfchnittenen Deckel; der Kurbelzapfen mafs 80 Millimeter Durchmeffer und war 110 Millimeter lang. Die fchmiedeiferne Kurbel fteckte fo auf der Welle, dafs der Aufsenbund beim Hauptlager fichtbar blieb. Letzteres Kurbellager war an die Grundplatte gegoffen, und enthielt einen Boden- und zwei oben zufammenreichende Seitenfchalen. welche durch je einen Keil von übergreifendem Oberdeckel aus ftellbar waren. Die Kurbelwelle war normal 150 Millimeter dick. Im Lager, wo fie auf. 125 Millimeter eingedreht war, lag fie 220 Millimeter lang. Hinter dem Lager kam der Kegelrad- Antrieb für die Steuer- und Regulatorwelle und dann das zweitheilige Schwungrad von 2.7 Meter Durchmeffer und 250 Millimeter Riemenbreite. Diefes war an der Nabe durch vier Schrauben, im Kranz durch Einlegkeile, und da die Theilung durch zwei gegenüberftehende Arme ging, auch in deren Lage durch je zwei Schrauben verbunden. Die Arme hatten I- förmigen Querfchnitt und folgedeffen der Radkranz zwei Innenrippen im Kreis. Die Arbeitsleiften in der Armtheilung und die wenig gerundeten Uebergänge gaben dem ganzen Rade eine etwas harte Form, welche in Verbindung mit dem unfchönen Winkelhebel für den Luftpumpen Antrieb, den ungewohnten Dimenfionen des Bettes und dem Verwickelten der damaligen Steuerung einen nichtsweniger als fehr gefälligen Eindruck machten. Die Dimenfionsgebung der Details war aber gut und theils reichlicher als bei den übrigen Maſchinen. Der fpecififche Druck hob fich nämlich im Maximum auf die Geradführung nur bis II, im Lager auf 15 4, auf dem Kurbelzapfen bis 48 und in den Kreuzkopffchalen bis 72 Atmoſphären; die ſpecififche Abnützarbeit in Kurbel und Lager wird o 66 und o 33 Kilogramm- Meter. Insbefonders ift der Kurbelzapfen, was Druck und Abnützung betrifft, reichlich bemeffen, was übrigens von deffen Benützung als Fufs der Gegenkurbel herrühren mag. Diagramme konnten an diefen Maſchinen nicht aufgenommen werden. Ich fah aber folche in Thalweyl felbft, wo eine ähnliche Mafchine die Werkstätten betreibt. Diefe Diagramme zeigten ein tadellofes Arbeiten der Expanfionsfteuerung, aber beftätigten auch fühlbar den Einfluss des übrigens leicht abzuhelfenden knappen Querfchnittes der Ausftrömung. Die Mafchine wog 5000 Kilogramm( 7.0 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderfläche), wozu noch 1720 Kilo für das Rad hinzukamen. Ihr Preis beträgt 5000 Franken. Andere Mafchinen. Von anderen Maſchinen, welche nur infoferne hier erwähnt fein mögen, als eine Dampfmafchine als Motor daran vorkommt, fanden fich noch, und zwar in beiden Fällen von Gebrüder Salzer ausgeftellt: Eine Dampfmaschine für das Windwerk eines Rhein Tauereifchiffes mit Fowler'fcher Klappenfcheibe. Eine Dampffpeifepumpe mit Waffermeffung, Der Apparat befteht aus einer kleinen Dampfmafchine, welche mittelft Räderüberfetzung zwei langfam gehende Pumpen treibt, deren eine das Waffer aus einem Brunnen etc. anfaugt und in den als Refervoir dienenden hohlen Ständerfufs fchafft, während die andere Pumpe das Waffer aus diefem in den Keffel fördert Bei beiden Pumpen kann der Hub auf ein beftimmtes Quantum geftellt werden, die erfte liefert aber etwas mehr Waffer als die zweite, bei welcher der Hub genau auf 4 Liter zu ftellen ift. Mit Hilfe des damit verbundenen Tourenzählers foll das geförderte Quantum genau controlirt werden können, was wohl von dem Stande der Dichtungen und der Ventile mit abhängt. 7* Deutſchland. Aus Deutfchland kamen Dampfmaschinen der mannigfaltigften Syfteme. Deren Mehrzahl läfst die Füllung vom Stand des Regulators abhängig fein, ohne dabei das Corlifs- Syftem fo hoch zu halten, als es anderwärts uud unter Anderm in der Schweiz gefchieht. Der directe Verbindungsbalken ift ftark verbreitert und verdrängte die Grundplatte wenigftens bei gröfseren Mafchinen faft gänzlich. Doppelte Cylinderwandungen werden feltener benützt, die Schieberkaften find meift angefchraubt, die Maſchinen überhaupt aus vielen Gliedern zufammengefetzt, und veraltete Detailformen häufig verwendet. An keiner einzigen deutfchen Antriebsmafchine in der Ausftellung war ein Indicatorverfuch möglich, was nicht eben für die Sicherheit der tadellofen Wirkung der Steuerungen ſpricht. Sonft zeigte fich aber das Selbftfchaffen und der Einfluss der guten theoretifchen Schulen in den richtigen Durchführungen ganz neuer Gefammtanordnungen, welche wohl meift dem undankbaren Ziele zuftreben, das Woolf'fche Princip neu zu beleben, und in den mannigfachen Löfungen des Regulatoreingriffes auf den Füllungsgrad. Die Beanfpruchungen der einzelnen Theile der Mafchinen find durchwegs bedeutend höher, als in den englifchen Conftructionen und reichen( wie die öfterreichifchen Werthe) theilweife bereits an die Grenze des für die Dauer Zuläffigen. Ein Herabgehen in diefer Richtung wird die Maschinen wefentlich verbeffern. Ausgeftellt hatten: Die Mafchinenfabrik Augsburg: Eine Ventilmafchire Syftem Sulzer. Sächfifche Mafchinenfabrik: Eine Ventilmafchine. Gräflich Stollberg'fche Factorei: Eine Corlifs- Mafchine. Reinicke in Königsberg: Eine Corlifs- Mafchine. Dingler in Zweibrücken: Eine Woolf- Mafchine mit origineller Steuerung. Brüder Decker& Comp. in Cannftatt: Eine Dampfmaschine Wafferhaltung. und Görlitzer Mafchinenbau Anftalt: Eine Woolf- Mafchine. Berliner Union: Eine Dampfmafchine. Sächfifche Dampffchiffs- und Mafchinenbau Anftalt: Eine Dampfmaschine. Carlshütte bei Rendsburg Eine gekuppelte Dampfmafchine. Chemnitzer Mafchinenbau Gefellfchaft: Eine Dampfmafchine. Englerth& Cünzer in Efchweiler: Eine Walzwerksmafchine. Mafchinenbau Verein zu Chemnitz: Eine Dampfmafchine. Wilhelmshütte in Sprottau: Eine Fördermafchine. Metzger& Vernuleth in Darmftadt: Eine kleine Dampfmafchine. Deutfch englifche Compagnie in Hannover: Zwei kleine Dampfmafchinen. Halle'fche Mafchinenfabrik: Eine kleine Dampfmafchine. Främbs& Freudenberg in Schweidnitz: Eine kleine Dampfmafchine. Hermann Ulbricht in Chemnitz: Eine kleine Dampfmafchine. Mafchinenfabrik Augsburg. Auguft Bünger i Düffeldorf Eine kleine Dampfmafchine. M. Adler& Panofsky, Paulshütte: Eine kleine Dampfmaschine. H.& R. Lamberts in Burtfcheid: Eine Wafferhaltungsmafchine. Mafchinenfabrik Augsburg. 107 Diefe Fabrik hat das Syftem Sulzer für ihre Dampfmafchinen angenommen, und diefe unterfcheiden fich nur durch einige Detailformen und in deren Dimenfionsgebung von dem bereits befprochenen Modell. Die liegende Condenſationsmafchine in der Ausftellung follte für 30 bis 45 Pferdekräfte Effectsbedarf genügen. Ihr Cylinder hatte 345 Millimeter Bohrung und der Kolben o 74 Meter Hub. Die Dampfrohre befafsen 95 und 140 Milli meter lichte Weite, je nachdem fie für die Zu- oder Ableitung dienten, was faft 13 und 16. der Fläche des Cylinders gleichkommt. Verglichen mit der Kolbengefchwindigkeit von 153 Meter per Secunde find diefe Canäle übermäfsig weit, indem dafür die Conftante 1/20 beträgt. Die Kolbenftange( 52 Millimeter dick) fafste den lagerförmig conftruirten fchmiedeifernen Kreuzkopf, deffen verfchnittener Vorderdeckel, durch zwei Schrauben gehalten war. Die Keilverbindung mit der Kolbenftange gefchah auch hier mit der fchwer erklärlichen Verwendung zweier Nafenkeile welche dem mit einer Schraube anzuziehenden Hauptkeil vorgelegt erfchienen. Die gufseifernen Führungsbacken waren in dem ausgebohrten und nachgefchabten Cylindertheil des bajonnetförmigen Bettes ohne jede Stellvorrichtung eingepasst, und da ihre Fläche 180 Millimeter breit und 250 lang war, erfuhr fie den, nur im Vergleiche zu anderen deutfchen Maſchinen mäfsigen Druck von 25 Atmoſphären. Der Zapfen des Kreuzkopfes fand in den Schalen desfelben fein Spiel; in dem innern Ende der kurzgegabelten Schubftange flak er aber beiderfeits eingefchliffen und vorne durch eine Mutter mit Sperrzähnen und Federklinken feftgehalten. Diefer Zapfen hatte 60 und 90 Millimeter Abmeffung und erfuhr einen Druck von 107 Atmoſphären. Das vordere Ende der Schubftange war gefchloffen und der Kurbelzapfen mufste daher mit einem vorgefchraubten Bund verfehen fein, um erfteres aufnehmen zu können. Diefer Zapfen befafs 80 Millimeter Durchmeffer, 100 Millimeter Länge, und erfuhr die Abnützarbeit von o 88 Kilogramm- Meter pei Secunde und Quadratcentimeter. Die fchmiedeiferne Kurbel war gleich der von Suizer mit einer an der Vorderfläche vorfpringenden Nabe verfehen. Die normal 160 Millimeter dicke Welle lag 170 Millimeter dick und 235 Millimeter lang in dem Hauptlager, in welches fie einen Horizontaldruck von 145 Atmoſphären und eine fpecififche Abnützungsarbeit von o 37 Kilogramm. Meter brachte. Diefes Lager enthielt im Innern drei Schalen. war mit einem verfchnittenen und übergreifenden Deckel gefchloffen und glich fonft einem Normallager, deffen Schalen auf der einen( äufseren) Seite ein Einlagftück in die Fuge bekamen. Durch die äufsere Lagerwange bohrten fich nebeneinander zwei Stellfchrauben zur Seitenfchale. Der Hauptbalken der Mafchine folgte der Bajonnetform; an den Cylinderboden war er mit übergreifenden Rand- und Aufs enfchrauben befeftigt und vorne mit dem Lager in Einem gegoffen. Unter dem Lager ftand aber ein, an der Bafis ziemlich fchmaler Tragfufs, welcher das Ganze auf horizontaler Flanfche mit vier Schrauben und Einlagkeil hielt. Das Schwungrad, von 3.60 Meter Durchmeffer und für einen Riemen von 260 Millimeter Breite bemeffen. war zweitheilig gegoffen und innen mit vier Schrauben und aufsen durch Einlagkeile verbunden. Die Luftpumpe lag fchief im Fundamente und ihr Antrieb erfolgte in wenig guter Weife durch ein Excenter von der Hauptwelle aus. Der zugehörige 108 J. F. Radinger. Kreuzkopf war nach dem Haupt Kreuzkopfe geformt und die ausgebohrte Führung an den Deckel gegoffen. Die Steuerung war, wie bereits erwähnt, völlig Sulzer's Syftem; nur der Regulator wich infoferne von dem dort verwendeten( Porter) ab, dafs hier ein folcher mit gekreuzten Stangen ftand. Nach Verfuchen, deren Protokolle zur Einficht auflagen, wurden an folchen Maſchinen bis nur 9 Kilogramm Waffer per Stunde und indicirter Pferdeftärke verbraucht, und die Firma garantirt bei gröfseren Ausführungen für diefe Einheiten einen Kohlenverbrauch von einem Kilogramm. Sächfifche Mafchinenfabrik ( vormals R. Hartmann). Einer der fchönften und mächtigften Motoren in der ganzen Ausftellung war die 100pferdige Expanfions- Dampfmafchine diefer Chemnitzer Firma. Im Allgemeinen war es eine liegende Ventilmafchine mit directem RegulatorEingriff in die( originelle) Steuerung, bajonnetförmigem Balken und felbftverftändlich für Condenfation eingerichtet. Der Condenfator wurde der kalt zu bleibenden Ausftellungsmaschine ebenfowenig als das Schwungrad mitgegeben. Der Cylinder hatte 680 Millimeter Bohrung und der Kolben 13 Meter Hub. Bei normaler Arbeit dreht fich die Welle 38 Mal per Minute, wobei die Kolbengefchwindigkeit 165 Meter per Secunde beträgt. Das Einftrömrohr befafs 160 und das Ausftrömrohr 180 Millimeter Weite, was 18 und 15 Cylinderquerfchnitt gibt, und mit der Normalconftante 1/30 völlig richtig zutrifft. Die Fabrik beftimmt auch die Canalweiten nach der Kolbengefchwindigkeit und derart, dafs die mittlere Strömungsgefchwindigkeit des Dampfes nie über. 30 Meter per Secunde fteigt, deren reciproker Werth eben angeführt wurde. Die Ventile felbft waren wohl etwas enger und hatten nur 150 und 170 Millimeter Durchmeffer, 1/20 und 1/16 Querfchnitt, was die Conftante 1/33 gibt und nicht wefentlich vom Obigen abweicht. Der Cylinder war ohne Dampfmantel, aber mit den Ventilgehäufen und einem hohlen Tragblocke, durch welchen die Ausftrömung ging, in Einem gegoffen. Er ftand zwifchen Längsnafen auf einer grofsen Grundplatte, welche mit der oberften Lage der gefchloffenen Quadermaffe durch eingegoffene Steinfchrauben verbunden war, während die eigentlichen circa 2.5 Meter langen Fundamentfchrauben durch diefe Platte hindurch gingen und den Tragfufs des Cylinders direct erfafsten. Mit dem wird die Grundplatte nur mehr ein Montirungsbehelf, und wenn fie auch die Druckvertheilung erleichtert. fo fällt doch der nachtheilige Einfluss ihrer Federung und überhaupt das Mifsliche einer zwifchengelegten Tragconftruction hinweg. Die Kolbenftange war rückwärts in einer langen Stopfbüchfe geführt und vorne 100 Millimeter dick in einen normalen( Corlifs) Gabel- Kreuzkopf gekeilt, deffen Gleitbalken den Führungsdruck nicht in der Zapfenverticalen, fondern etwas excentrifch empfingen, indem die nachftellbaren Tragfchrauben vom gefchloffenen Theile der Gabel ausgingen. Diefe Gleitbalken, 300 Millimeter breit und 450 Millimeter lang, lafteten mit 3 Atmoſphären Auflagedruck in den ausgebohrten Führungen des Bajonnetbalkens, der in normaler Weife vom Cylinderflanfch zum Lager zog. Der Kreuzkopf- Zapfen war in das Gabelftück fehr forgfältig eingefchliffen und mit einer ftarken Schraube angezogen; die Mutter war mit einer feingetheilten Sternfcheibe verfehen und durch ein eingreifendes verzahntes Sperrfegment, welches feitlich niedergefchraubt wurde, aufs befte montirt. Diefer Sächfifche Maschinenfabrik. 109 Zapfen war circa 120 Millimeter dick und 150 lang, was 118 Atmoſphären Auflagdruck gibt. Das Kreuzkopf- Ende der runden Schubftange trug einen normalen Bügel: kopf, während das Kurbelende desfelben offen gefchmiedet, aber durch ein aufserhalb der Schalen eingefetztes und verfchnittenes Tftück gefchloffen war; aufser der rückgreifenden Verfchneidung des Einfatzes bewahrte noch eine durchgehende Schraube diefes Gabelende vor dem Aufgehen. Nun konnte ein Hinterkeil für die innere Schale verwendet werden, wodurch in Verbindung mit dem Bügel andererfeits eine gleichbleibende Stangenlänge zu erhalten ift. Die fchmiedeiferne Kurbel trug einen 130 Millimeter ftarken Kurbelzapfen von 160 Millimeter Länge. Diefs war einer der relativ kleinften Zapfen diefer Art in der ganzen Ausftellung, denn er erfuhr einen Schalendruck von 102 Atmofphären und eine Abnützarbeit von 126 Kilogramm- Meter per Secunde und Quadratcentimeter Oberfläche, was nur bei der allerbeften Ausführung und Wartung ohne Warmlaufen dauernd gehen kann. Die Feftigkeitsbeanspruchung ( 8 Kilogramm per Quadratmillimeter) ift aber völlig beruhigend. Das Kurbellager hatte eine dreitheilige Schale und zwar eine Bodenplatte und zwei Seitenfchalen mit verticaler Fuge in der Mitte oben. Der Deckel war innen verfchnitten und aufsen übergreifend, und nahm jederfeits zwei Deckel- und zwei Keilfchrauben, letztere für die Stellung der Seitenfchalen, auf. Der Lagerblock ftand ähnlich auf einer Unterlagplatte, aber mit direct angehangenem Fundamente wie der Dampfcylinder. Das hintere Lager der 300 Millimeter dicken ( 1100 Kilogramm fchweren) Welle war ein Normallager mit ausgebohrtem Gufsdeckel, und ohne eingelegte Oberfchale. Das zugehörige Schwungrad war, wie erwähnt, nicht in der Ausftellung. Es foll 5 228 Meter Durchmeffer und ein Gewicht von 14000 Kilogramm befitzen und mit 216 Zähnen verfehen fein, deren Theilung 76 und deren Breite 280 Millimeter beträgt. Die Luftpumpe( nicht ausgeftellt) foll 380 Millimeter Bohrung und o 55 Meter Hub erhalten, was 6 des Cylindervolumens entspricht. Der Antrieb desfelben gefchieht von einer Gegenkurbel aus Für die Bewegung des Steuerungsmechanismus und des Regulators fteckte auf der Welle ein Kegelrad, welches auf eine der Mafchinenrichtung parallele Welle an der Hinterfeite des Hauptbalkens die doppelte Drehungszahl übertrug. Diefe betrieb und zwar ungefähr in der halben Länge ihres Weges zum Cylinder hin die verticale Spindel des Regulators, welcher mit gekreuzten Stangen und Belaftungsvafe conftruirt war. Der Antrieb erfolgte auch hier mit Kegelrädern und auf die doppelte Drehungszahl der Antriebs- alfo die vierfache der Schwungrad- Welle überfetzt. Beim Cylinder angelangt trieb diefe Welle und zwar mit einem Paar ungleicher Stirnräder, die eigentliche Steuerwelle welche dadurch wieder mit der Kurbelwelle auf gleichen Gang gebracht wurde. Seitlich an den Cylinderenden befanden fich die angegoffenen Ventilkäften und die Steuerwelle lagerte in zwei an diefe gefchraubte Ständer. Das Ausftrömventil ward durch je eine Stange gehoben, welche durch den unteren Deckel des Ventilkaftens mit einer Stopfbüchfe austrat und fich auf einen Hebel ftützte, deffen anderer Arm eine Verticalftange trug. Der rollenarmirte Kopf derfelben traf eben auf die Steuerwelle oder vielmehr auf eine unrunde Scheibe auf derfelben, die ihn niederdrückte, wenn die Ausftrömung zu beginnen hat. Zu Schlufs derfelben geftattet diefelbe der Stange wieder eine Bewegung nach aufwärts, wodurch das Ventil am andern Hebelende fich fenken und fchliefsen konnte, was durch die Wirkung gefpannter Federn im Puffer unten eingeleitet und durch den Dampfdruck vollendet wurde. Sächfifche Mafchinenfabrik. O 0 O P உ 0 Centim. 100 I 2 3 5 Meter Mafsftab 1: 48 der Natur. O с O 口 0 F. W. BADER WIEN sc 112 J. F. Radinger. Die Einftrömventile, welche in der verticalen Flucht ober den Ausftrömventilen fafsen, wurden von je einer Stange gehoben, welche oben durch den Deckel des Ventilkaftens trat und an einem horizontalen Hebel hing, deffen anderes Ende ein Excenter niederzog. Diefe Excenter fafsen auf der Steuerwelle unmittelbar neben den unrunden Scheiben für die Ausftrömung und der Hebel fand feinen Drehpunkt in dem an den Ventilkaften- Deckel einfeitig angegoffenen verticalen Ständer, der oben das Gehäufe für den Ventilpuffer trug. Die Verbindung des durch das Excenter in gleichmäfsiger Bewegung gehaltenen Hebels mit der Ventilftange war aber nicht feft, fondern während der Zeit des Hebens durch den Regulator ausrückbar. Zu dem Ende wurde der Hebel von der Ventilftange mit einer Schleife umfafst, in welcher tief unter dem Hebel ein ftählerner Querkeil fteckte, der als Anfchlag diente. Vom Hebelende felbft hing ein drehbar eingehangener Mitnehmer nieder, der unten mit einer Nafe den Anfchlag untergriff und die Ventilftange und das Ventil mitnahm, wenn fich der Hebel hob. Diefer Mitnehmer bog fich aber längs des Hebelarmes nach einwärts und hob fich daher mit demfelben im gleichen Mafse und einem unrunden Daumen zu, welcher an einer von der Regulatormanchette gehaltenen Welle fteckte. Begrenzte diefer Daumen das fernere Mitheben des Mitnehmer- Endes, während fich deffen Drehpunkt im Hebel mit diefem und durch das jenfeitige Excenter gezogen noch weiter hob, fo mufste der Mitnehmer ausfchlagen, wobei die Hubnafe den Anfchlag in der Ventilftange verliefs, und diefe durch das Gewicht des daranhängenden Einftrömventiles und die Feder im Puffer niedergedrückt wurde. Ein Luftpolfter unter dem federbelafteten Pufferkolben macht den Schlufs ftofsfrei, welcher durch den Dampfdruck vollſtändig wird. Der Mitnehmer wurde durch eine vom äufserften Ende des Hebels niederreichende Blattfeder ftets gegen den Anfchlag zu drücken gefucht, fo dafs deffen neues Ergreifen beim nächſten Hube gefichert erfcheint. Leider war die Mafchine nicht im Gange und das befchriebene Spiel nur durch den Zuſammenhang der Theile klar. Doch fteht es aufser Zweifel, dafs ein ficheres Arbeiten diefer Theile platzgreifen wird Die Ventile felbft waren doppelfitzig, und da es bei diefer Gröfse fchon fchwer ift, einen dichten Schlufs beider Flächen zu erlangen, wenn nicht bei der Detailconftruction die eintretenden Wärmedehnungen vorbedacht werden, wie es hier gefchah, aber fo oft( befonders bei den Anlassventilen) verfäumt wird, fo mag auch diefe erwähnt werden. In dem gedrehten Vorfprunge des gufseifernen Gehäufes hing auf einer einzigen dichten Auflagfläche die broncene Sitzlaterne. Der untere Boden war nämlich mit dem oberen Sitzring durch ein weit gefenftertes Rohr zufammengegoffen, aber nicht weiter geftützt, und fo war die Ausdehnung diefes Theiles frei. In diefer Sitzlaterne fchlofs nun das normale Rohrventil, welches mit erfterer aus dem gleichen Metalle beftand und aus einem Gufstiegel kam. Nun find die Längsdehnungen gleich und die beiden Flächen des kalt eingefchliffenen Ventils dichten auch unter dem heifsen Dampf. Die Sitzlaterne des oberen Ventiles war gegen allfälliges Heben( etwa durch Compreffion) nicht weiter gefchützt.( Sulzer in Winterthur ftemmt bekanntlich in neuefter Zeit diefe Laterne gegen den Oberdeckel.) Die des unteren Ventiles fcheint nach der mir vorliegenden Skizze durch den unteren Deckel an den Auflagring des Gehäufes geprefst, was aber die freie Dehnung der Sitze hemmen würde. Am Boden des Einlafs- Ventilfitzes hing noch ein gufseifernes Füllftück zur Verkleinerung des fchädlichen Raumes, und der Sitz des Ausftrömventils lag fo tief, dafs die Entwäfferung des Cylinders durch diefes gefchehen wird. Nur für das Anwärmen des Cylinders( und Durchblafen des Cordenfators) gingen Drainröhren ins Ausftrömrohr. Sächsische Maschinenfabrik. 113 ва ФЕ O ( OPO) E Der Zweck der ganzen Conftruction war eine leichtere Zugänglichkeit der Ventile als bei der Sulzer- Mafchine zu erzielen und eine gefchloffene Quadermaffe unter den Cylinder zu bringen. Beides wurde hier erreicht, und wenn auch die fchädlichen Räume vielleicht etwas gröfser find als dort, fo ift diefs ein Umftand der mit dem Mafs der abnehmenden Füllung an Werth verliert, indem der Dampf aus diefen Räumen in den Cylinder expandirt Das von der Ausftrömfcheibe gefonderte Einlafsventil erlaubt durch ein Aufkeilen mit negativem Voreilungswinkel die Zulaffung höherer Füllungen als in der 114 J. F. Radinger. normalen Corlifs- Mafchinen, und die in einen Schlitz des Daumenhebels mit Klemmfchraube eingehangene Regulatorftange ermöglicht die Einftellung einer Normalfüllung durch die Hand. Das Dampfzuftrömrohr mündete zwifchen den beiden Ventilkäften unten an dem Cylinder; das Anlafsventil war dann in einem zwifchen den Steuerkäften angegoffenen Gehäufe centrifch untergebracht. Die Ausftrömung ging durch den Tragblock auf die vordere Seite, wo fich das Verbindungsrohr zum tiefftehenden Condenfator hin anfchlofs. Die grofsen Dimenfionen diefer Mafchine einten fich mit einer herrlichen Formgebung zu einem mächtigen Eindrucke. Gräflich Stollberg'fche Mafchinenfactorei in Ilfenburg. Diefe Fabrik fandte eine grofse( 45pferdige) Corlifs- Mafchine, welche einen Theil der deutfchen Transmiffion betrieb. Der Cylinder hatte 445 Millimeter Durchmeffer und der Kolben 0.80 Meter Hub. Diefer arbeitete mit 55 Doppelhuben in der Minute oder 1'47 Meter in der Secunde. Dampf- Zu- und Ableitung fand durch gleiche je 100 Millimeter weite Rohre ftatt, deren Querfchnitt alfo 1/20 der Kolbenfläche beträgt, was für die Einftrömung völlig richtig( Conftante 1/29 bis 1/30) ift, aber für die Ausftrömung zu knapp fein dürfte. Der Cylinder war mit den vier querliegenden Corlifs Gehäufen und je einem hohlen Tragblocke an den Enden in Einem gegoffen und direct aufs Fundament gefchraubt. Zwifchen diefen Tragblöcken mündete die Ausftrömung, an deren Flanfche fich das in einen Querfpalt des Fundamentes gelegte Rohr zum Condenfator anfchlofs. Der rückwärtige Cylinderdeckel ragte weit hinaus und feine Kegelform endete mit einer Stopfbüchfe für die Führung der Kolbenftange. Vorne an den Cylinder fetzte fich ohne fichtbare Verfchneidung, aber im Kreife mit Aussenfchrauben gehalten, der Seitenbalken an. Diefer wich von der normalen Bajonnetform ziemlich ab, indem die Führungen nicht ausgebohrt, fondern ftumpfwinklig gegeneinander fahen, und keine Verbindung am äufseren Ende diefer Führungen mehr ftattfand. Uebrigens war der Balken durchwegs gleicher Breite und in der halben Länge verhältnifsmäfsig hart zum Lager hinausgebogen. Der Balken war mit dieſem Lager und deffen Tragblock zufammengegoffen. Letzterer war wohl fchmal, aber dennoch fchwer geformt und pafste nicht recht zum Cylinder. Die 68 Millimeter dicke Kolbenftange griff in einen normalen CorlifsKreuzkopf, deffen dachförmige Führungen auf eingelegten Bockholzklötzen ftattfand und fowohl oben als unten mit zwei Querkeilen und Schrauben nachftellbar waren. Die Führungen hatten 135 Millimeter Breite und 365 Millimeter Länge, und da die Mafchine mit vier Atmoſphären Ueberdruck und Condenfation arbeitet, fo ftellt fich der Führungsdruck auf 31 Kilogramm per Quadratcentimeter. Der Kreuzkopf- Zapfen, 65 Millimeter dick und 90 Millimeter lang, litt einen Druck von 130 Atmoſphären, welcher ungewöhnlich hoch genannt werden mufs. Die Pleuelftange endete beiderfeits mit gefchloffenen Köpfen und griff vorne den 80 Millimeter dicken, 100 Millimeter langen Kurbelzapfen an, auf deffen Schalen ein Druck von 95 Atmoſphären und eine ſpecififche Abnützarbeit von 104 Kilogramm- Meter gleichfalls felten hoch auftrat. Diefe Zapfen gingen nun thatfächlich ganze Wochen lang in der Ausftellung fchlecht, wo doch der Mafchine nur eine geringe Leiftung entnommen wurde. Ein eigens gefchickter Monteur konnte fie wohl wieder in Stand fetzen und zu kaltem und anfcheinend gutem Gange bringen, aber die Sicherheit diefes Beftandes fchien nicht bedeutend. Gräflich Stollberg'fche Mafchinenfactorei. 115 Der Kurbelzapfen fafs mit einem ftarken Keile gehalten( als ob dort ein Conftructionsdruck herrfchte) in einer gufseifernen Kurbelfcheibe, welche auf der Gegenfeite fchwach balancirt war. Diefes Balanzgewicht hätte, wenn es als nöthig erkannt worden wäre, anftandslos gröfser gemacht werden können, denn es ging mit dem Scheibenrand hinten ganz flach, während das Kurbelauge weit vorftand. Das Kurbellager hatte dreitheilige Schalen und die Welle lag in diefen 200 Millimeter dick und 310 Millimeter lang. Dort ergab fich der mässige Druck von 12 2 Atmoſphären und die fpecififche Abnützarbeit von 0:34 Kilogramm- Meter. Diefe Schalen, deren eine Fuge in der Mitte oben lag, waren feitlich durch je zwei Druckkeile gehalten, deren Schrauben oben vom flachen Deckel aus ftellbar waren. Diefer Deckel war felbft durch jederfeits zwei Schrauben gehalten und übergriff die Lagerwangen; diefs Letztere fchien wenig ausgiebig zu fein, denn der niederhängende Zahn mafs nur 30 Millimeter gegen 480 Millimeter Deckellänge. Das zweitheilige Schwungrad hatte 3.90 Meter Durchmeffer( Kranz 250 und 180 Millimeter). Der Schnitt ging zwifchen den Armen, und an der Nabe verbanden zwei Ringe und vier Schrauben und im Kranze zwei Einlagkeile die beiden Hälften. Eine an das Rad feitlich angefchraubte Scheibe enttrug mit einem 250 Millimeter breiten Riemen von der 200 Millimeter dicken Welle den Effect. Die Luftpumpe lag horizontal feitlich tief. Sie wurde von verlängerten Kurbelzapfen angetrieben, deffen Hängftange den um eine horizontale Mittellage fchwingenden Arm der Welle im Fundamente mitnahm, deren aufrechtftehender Arm den Luftpumpen- Kolben führte. Diefer Kolben hatte 200 Millimeter Durchmeffer und o.8 Meter Hub und durchlief mit dem 18.g des vom Dampfkolben befchriebenen Volumens. Die Steuerung gefchah nun nach dem neueren reinen Corlifs- Syfteme mit der der Kurbelwelle näher gerückten Corlifs- Scheibe und den langen Säbelfedern, wurde von einem einzigen Excenter( mit Gufsring) bewegt und von einem Bufs'fchen Regulator( mit Riementrieb und Oeltopf) beherrscht. Dabei ift zu erwähnen, dafs die Ausrückfchneiden mit einer feingefchnittenen Vertical- und einer Klemmfchraube in jenem Daumenftücke nachftellbar geführt und eingefpannt waren, welche an der Regulatormanchette hingen. Die äufseren Führungsträger der weit vorfpringenden Corlifs- Schieberwellen waren flafchenförmig und glänzend abgedreht und ftimmten zu den übrigen harten Formen der Mafchine. An diefer war mit den wenigen Ausnahmen von zwei Schauwecker'fchen Schmiergefäfsen auf den Einftrömgehäufen und einigen kleinften Streifen keine Bronce zu fehen. Die Mafchine wog fammt Rad 13.700 Kilogramm oder 8.8 Kilogramm per I Quadratcentimeter Cylinderfläche. E. Reinicke in Königsberg. E. Reinicke in Königsberg ftellten eine„ 42pferdige" Corlifs- Mafchine aus, welche in dem deutfchen Zubau zur Mafchinenhalle die Ziegel- und einige andere Mafchinen trieb. Diefer Motor zeigte ein merkwürdiges Gemifch von guten und fchlechten Anfchauungen und Formen, von verfchwenderifcher Fülle und von fparfüchtigem Karg. Der Dampfcylinder hatte 450 Millimeter Weite und der Kolben, welcher 46 Doppelhube per Minute machte, o 87 Meter Hub( Kolbengefchwindigkeit 1:33 Meter per Secunde). Das Dampfrohr befafs 105 Millimeter Durchmeffer oder 18 der Cylinderfläche und der Ausftrömweg 1/13 derfelben, welch' beide Querfchnitte etwas zu grofs bemeffen find( Conftante 1/24). 116 J. F. Radinger. Der Cylinder lag ohne jede Verfchalung auf zwei unterftellten und mit dem Fundamente verfchraubten Querfüfsen unter den Schieberbohrungen auf. Die Verbindung des Cylinders mit dem Lager gefchah durch einen Seitenbalken, welcher aber nicht nach normaler Weife mit einer Kreisflanfche an den Cylinder fchlofs, fondern einfach neben daran lag und mit 10 Schrauben auf der ganzen Länge der verticalen Berührungsebene gehalten wurde. Diefer Seitenbalken hatte die Form eines liegenden T. Deffen Steifigkeit ist natürlich bedeutend geringer als die der Bajonnetform. Nur ſcheint fie defshalb gewählt worden zu fein, um das Nachfehen des Kolbens von der Vorderfeite des Cylinders zu ermöglichen, indem diefs hinten wegen der naheliegenden Luftpumpe nicht leicht angeht. Die dachförmigen Führungen waren feitlich und das Kurbellager an die Stirnfläche des Balkens angefchraubt. Der Kreuzkopf war ganz aus Bronce, obgleich der Zapfen feft in deffen Gabel fafs; die nachftellbaren Führungsplatten fufsten aber am maffiven Theile der Gabel und ganz excentrifch gegen die Druckrichtung. Die Schubftange begann dort mit einem normalen gefchloffenen Kopfe und endete bei der gufseifernen Kurbel offen und mit einer Ueberlagplatte und Durchfteck Schrauben( Schiffs- Mafchinenkopf). AtmoDiefer Kurbelzapfen mafs 85 und 110 Millimeter. erfuhr 82 fphären Schalendruck und eine fpecififche Abnützarbeit von o 80 Kilogramm- Meter. Das Kurbellager ftand direct am Mauerwerk des Fundamentes; der Seitenbalken ftiefs centrifch der Achsmitte gegen die Aufsenfeite der Lagerwange und vier Schrauben übertrugen die durchgehende Kraft. Das Lager hatte jederfeits zwei Deckel- und eine Keilfchraube für die Seitenfchalen und auch die untere Schale ruhte nachftellbar auf zwei Keilen mit Schraubenzug. Der Deckel war aber nicht überfchnitten und alle Formen des Lagers waren eckig und ungewöhnlich hart. Das zweitheilige Schwungrad von 3.85 Meter Durchmeffer befitzt normal wohl nur 115 Millimeter Breite gegen 210 Millimeter radialer Dimenfion. Hier war es aber durch dünne( an der Wurzel 35, am Rande 20 Millimeter dicke) Angüffe auf 370 Millimeter verbreitert, um mit einem Riemen zu arbeiten. Ausserdem fteckte jedoch auch ein Zahnrad auf der Achfe und übertrug einen Theil des Effectes auf eine unterirdifche Transmiffion. Die Mafchine arbeitete mit Condenfation und die Luftpumpe lag ganz nahe dem Hinterdeckel des Dampfcylinders und von der verlängerten Dampf- Kolbenftange direct bewegt. Im Gegenfatze zu allen übrigen ähnlichen Mafchinen bildete aber der Luftpumpen- Körper mit dem Condenſator nicht ein einziges Gufsftück, fondern lag ober demfelben als freier Cylinder. Der Condenfator bildete alfo gleichfam die mit Fundamentfchrauben niedergehaltene Grundplatte für den Luftpumpen Cylinder und die Verbindung zwifchen beiden gefchah durch kurze Rohrftutzen an beiden Enden mit verfchraubten rechteckigen Flanfchen an den horizontalen Dichtungsflächen. Diefe Anordnung bringt den Nachtheil mit fich, dafs eine mögliche Undichtheit der Luftpumpen Stopfbüchfe das Vacuum fühlbar verfchlechtert, wefshalb fonft diefe Pumpe im Condenfatorraume möglichft tief gelagert wird, um ftets unter Waffer zu arbeiten. Auch die beiden durch die Kraftmomente auf's Lüften beanfpruchten Verfchraubungen zwifchen Pumpe und Condenſator erfcheinen bedenklich. Die Ausftrömung vom Dampfcylinder zu diefem Condenfator hin fand durch ein flaches Zwifchenrohr vom Eingangs erwähnten Querfchnitte ftatt. So fetzte fich die Mafchine aus einer ungewöhnlich grofsen Zahl einzelner Theile zufammen, was fich kaum aus Rückfichten für eine kleine Giefserei erklärt, und während man heute allgemein ftrebt, eine geringfte Zahl von verfchraubten Beftandtheilen zum Baue und eine geringfte Zahl von Linien zur Formgebung zu verwenden, fchien hier die entgegengefetzte Anficht zu herrfchen. do O O Centimeter 100 50 Die Dampfvertheilung gefchah durch die neue Original Corlifs Steuerung mit der am Vorderende des Cylinders fchwingenden dreieckigen Scheibe und den langen fäbelförmigen Federn für den Schlufs der Rundfchieber. Deren Drehftangen lagen aufsen bei den Angriffkurbeln in elliptifchen Gufsträgern gelagert, welche, je einer an jedem Cylinderende, aufsen an den vorbeigehenden Seitenbalken in der Achshöhe angefchraubt waren, während fie fonft an die Kreisdeckel gegoffen oder gefchraubt mit diefen zugleich wegzuziehen find, wenn die Schieber herausgenommen werden. E. Reinicke in Königsberg. I Meter Mafsftab 1:24 der Natur 117 118 J. F. Radinger. Ein Bufs'fcher Regulator mit einer Ofcillationsfcheibe im Waffergefäfse als Hemmung ftellte die Ausrückklinke und je ein Luftkolben bremfte den Schlufs nach deren und der Wirkung der Feder. Dingler in Zweibrücken. Die von L. Ehrhardt, Oberingenieur der Dingler'fchen Mafchinenfabrik und Eifengiefserei in Zweibrücken, conftruirte und von diefer Firma gebrachte Dampfmafchine war wohl einer der intereffanteften und im beften Sinne originellften Motoren der ganzen Ausstellung. L. Ehrhardt fagt über diefe Mafchine wörtlich: Wir legen das Hauptgewicht darauf, dafs fie nicht von dem in Praxis unerreichbaren Ideal einer vollkommenen Dampfmafchine ausgeht, fondern dafs im Gegentheile den in Wirklichkeit ftets vorhandenen Unvollkommenheiten und Mängeln möglichft Rechnung getragen ift, und zwar in fo weitgehender Weife, dafs gerade die Berücksich tigung der unvermeidlichen Verlufte an Wärme in Folge der inneren und äufseren Abkühlungen und an Dampf in Folge der bei normalem Gange einer Mafchine ftets unvollständigen Abfchlüffe der Steuerungen und der Kolben den Schwerpunkt unferer Conftructionsprincipien bilden. jo o o Wir haben bei Verfuchen an unferen fonft fehr gut gehenden und beliebten Eincylindermafchinen( 5 Atmoſphären Keffelüberdruck, 8-10fachen, jedoch innerhalb viel weiterer Grenzen felbftthätig veränderlicher Expanfion mit Condenfation und mit mässiger Kolbengefchwindigkeit, 133 Meter per Secunde) vielfach conftatirt, dafs das wirklich verbrauchte Dampfquantum 13 bis 1.4mal fo grofs war, als es dem befchriebenen Cylindervolumen nach mit Einrechnung aller fchädlichen Räume der Admiffionsfpannung entsprechend theoretifch hätte fein können. Je höher der Dampfdruck im Keffel ift, defto gröfser kann die Kolbengefchwindigkeit genommen werden. Je gröfser die Kolbengefchwindigkeit, defto kleiner die Cylinder. Je kleiner die Cylinder, defto geringer die berührten Verlufte. Die inneren Wärmeverlufte werden bei jeder Doppel Dampfmaschine dadurch vermindert, dafs der hochgefpannte Dampf nur im kleinen Cylinder arbeitet, und dafs der grofse Cylinder, welcher zugleich mit dem Condenſator in Verbindung fteht, nur noch mässig gespannten Dampf enthält, fo dafs in demfelben die Temperaturdifferenz zwifchen zuftrömendem Dampf und Cylinderwandung und dem zum Condenfator abziehenden Dampf viel geringer ift, als wenn die ganze Expanfion in einem einzigen Cylinder ftattfinden würde.* Die directen Dampfverlufte in Folge mangelhafter Abdichtung der Steuerorgane und der Kolben reduciren fich dabei fehr bedeutend, weil die GefammtDruckdifferenz zwifchen Keffel und Condenfator fich auf zwei Steuerabdichtungen und auf zwei Kolben nacheinander vertheilt,** und dafs der zweite Cylinder den verlorenen Dampf des erften wieder nutzbar macht. Dafür find die Abkühlflächen zweier Cylinder vorhanden. ** Dafür kommen diefe undichten Theile in zweimaliger Länge vor. ( R.) Dingler in Zweibrücken. 119 Die directen Dampfverlufte werden auch als Mittel benützt, um den HauptOrganen der Mafchine, Cylinder, Kolben und Steuerung, mehr Dauerhaftigkeit zu geben. Kolben und Steuerkegel find nämlich fo conftruirt, dafs fie in dem fich durchzwängenden Gemenge von Dampf, Oel und Wafferpartikeln förmlich fchwimmen und dafs keine directe metallifche Berührung diefer Organe und ihrer Umwandungen ftattfindet. Wird grofse Kolbengefchwindigkeit dadurch ermöglicht, dais man übermäfsig weite Cylindercanäle und Canalöffnungen der Steuerorgane anwendet, fo gehen die ökonomifchen Vortheile der grofsen Kolbengefchwindigkeit, befonders bei langen Dampfcanälen im Cylinder wieder vollſtändig verloren durch die о O 00 Cent. 100 I 2 3 Meter Mafsftab 1:48 der Natur. 8 120 J. F. Radinger. Dampfverlufte in Folge der grofsen todten Räume und des grofsen AbdichtungsUmfanges der Canäle. Vorliegende Mafchine hat nun ganz kurze Dampfcanäle und jedes CylinderEnde wird für fich durch einen befondern Steuerkegel gefteuert. Die Steuerung durch diefe Rotationskegel gefchieht in fo rapider Weife, dafs fchon bei o'I des Kolbenhubes der volle Canalquerfchnitt geöffnet ift,** ohne dafs zu vielfach gefchlitzten Durchlafs canälen( Farcot) von verhältnifsmäfsig grofser Breite gegriffen wurde. Je mehr fich nämlich der abzudichtende Canalquerfchnitt der Quadratform annähert, defto kleiner wird der zu dichtende Umfang; je mehr er fich fchlitzförmig in die Länge ftreckt, defto gröfser wird die Abdichtungslinie, defto unficherer der Abfchlufs, defto gröfser alfo auch der Verluft in Folge mangelhaften Abfchluffes. Die Umgehung derartiger Mifsftände, die Erzielung eines fehr rapiden und präcifen Dampfwechfels in der complicirten Weife, wie es eine Doppel- Dampfmafchine verlangt, ift vollständig erreicht durch die zugleich fehr einfachen und dauerhaften Rotationskegel, welche in durchaus origineller Weife bei vorlie gender Mafchine als Steuerorgane benützt find. Nur mit Hilfe diefer Steuerung ift die correcte Durchführung der vorher entwickelten Grundfätze praktiſch ausführbar. Die Gefammtanordnung der Mafchine beruht auf diefer Steuerung, fie ift. die Grundlage der ganzen Conftruction. Die erfte feit 1870 im Betriebe befindliche Mafchine diefes Syftemes hat in jeder Hinficht fehr befriedigende Reſultate gegeben und hauptfächlich den hohen praktifchen Werth der Steuerung aufser allen Zweifel geftellt. Was nun die Frucht diefer Erwägungen, die Mafchine felbft betrifft, fo war es eine Woolf- Mafchine mit Kurbeln unter 180 Grad, welche normal mit Dampf von 10 Atmoſphären Ueberdruck und 10facher Gefammtexpanſion betrieben und von zwei entſprechend gehöhlten Drehkegeln gefteuert wurde. Die Füllung änderte fich mit dem Stande des Regulators und die Condenſation war durch einen Dreiweghahn ausfchaltbar. Die zwei Dampfcylinder bildeten fammt dem Dampfmantel des kleinen Cylinders und den beiden Steuergehäufen an beiden Cylinder- Enden ein einziges Gufsftück. Die Cylinder hatten 125 und 250 Millimeter Bohrung, und da der Hub beider Kolben gleich grofs war und o 50 Meter betrug, fo verhielten fich ihre Volumen wie I: 4. Das Zuftröm- Dampfrohr befafs circa 45 Millimeter, das Rohr zum Condenfator hin 70 Millimeter Durchmeffer, was für erfteres 1/7 bis 18 des kleinen und für letzteres 1/12 des grofsen Cylinderquerfchnittes als Fläche gibt. Die Kurbelwelle drehte fich 115 Mal per Minute, was eine Kolbengefchwindigkeit von 19 Meter per Secunde mit fich brachte. Die Einftrömung ift alfo, falls nicht Verengungen im Drehfchieber vorkommen, zu weit, indem die Conftante 1/13 bis 15 beträgt. Normal wird der kleine Cylinder zu o 4 feines Hubes gefüllt, was nach. beendeter Ueberftrömung in den viermal fo grofsen Niederdruck Cylinder eine 1ofache Expanfion und einen Enddruck gibt, welcher auch ohne Condenſation. nur bis zum Gegendruck fällt. Die Dampfkolben bewegen fich dicht neben einander in genau entgegen. gefetztem Sinne. Dadurch heben fich die Druckwirkungen auf die Achslager * Doch nur wenn man mit Vollfüllungen arbeiten wollte, indem fonft der Dampf nach der Abfperrung aus dem fogenannt fchädlichen in den Cylinderraum expandirt. ** Diefs gefchieht um nichts fchneller als von einem normalen Excenter, welches mit kleinem Voreilwinkel( theoretifcho) auf der Kurbelwelle fteckt. א Dingler in Zweibrücken. 121 zum Theile wieder auf, fo dafs vorwiegend die rein drehende Wirkung zum Ausdrucke kommt. Ebenfo heben fich die Maffenwirkungen der entgegengefetzt hinund herfchwingenden Gewichte von Kolben und Kolbenstange, Kreuzköpfen, Lenkftangen und Kurbel zum Theile wieder auf, fo dafs die Achslager fehr wenig beanfprucht werden und der Gang der Mafchine ein ruhiger und gleichmässiger wird. Je zwei neben einander liegende Cylinder Enden werden für fich durch getrennte Steuerapparate gefteuert, fo dafs der Dampf immer direct aus dem kleinen Cylinder in den grofsen übertreten kann. Das Hauptfteuer- Organ ift ein kegelförmiges Canalrohr, welches fich in einem entſprechend geformten Gufskörper dampfdicht dreht. Aus dem Dampfmantel des kleinen Cylinders, welcher durch die Dampfzuleitung mit dem Keffel verbunden ift, tritt der frifche Dampf, und zwar an der kleineren Kreis- Kopffläche in das kegelförmige Rohr und durch diefes in den Hochdruck- Cylinder, während gleichzeitig der verbrauchte Dampf durch das andere Kegelende zur Ausftrömung kommt. Während des Rückganges verbindet dann eine ausgefparte Innenhöhlung des Steuerkegels die beiden Cylinderräume und geftattet das Ueberftrömen des Dampfes von einem in das nebenliegende Ende bei gleichzeitigem Abfchluffe gegen beide Aufsenfeiten. Indem diefe Kegelftellungen bei jedem Hubwechfel auch wechfeln, wird auf eine einfache und fichere Art der regelrechte, ganz directe Dampfwechfel mit kurzen Canälen( wenn auch fehr ftark gebrochenen Wegen) erzielt. Die Steuerhähne erhalten ihre gleichmäfsig umlaufende Drehung durch Schraubenräder und eine feitlich und parallel zu den Cylindern liegende Steuerwelle, welche gleichfalls durch Schraubenräder von der Kurbelachfe angetrieben wird. Die gegenfeitige Stellung und Höhenlage der Cylinder, Steuerorgane und Ausftrömung ermöglichen, dafs alles condenfirte Waffer und Oel auf abfallenden Flächen aus der Mafchine kommt. Um die rotirenden Steuerhähne vollständig entlaftet zu halten, müffen fich alle Flächen diametral entgegengefetzt wieder finden. Diefe fymmetriſche und doppelte Anordnung bedingt wohl nicht, dafs die Dampfwege rafcher oder präcifer als bei einer Schieberfteuerung geöffnet werden, indem der einzelne Spalt nur halben Querfchnitt zu befitzen braucht, aber bedingt, dafs fich die Steuerkegel nur mit der halben Drehungszahl der Kurbelwelle zu bewegen haben, was nebft der faft vollſtändigen Entlaftung vom Dampfdrucke diefen Organen eine längere Dauer verfpricht. Wohl bleibt eine in der Achfe des Kegels von oben nach unten gerichtete Druckwirkung übrig, welche aber an und für fich nicht fehr grofs ift und von einem Spurzapfen leicht aufgenommen werden kann. Deffen Stellbarkeit mit einer Schraube geftattet auch die paffende Einstellung des Steuerkegels in das Gehäuſe, um unter Rückficht auf die Wärme- Ausdehnung eben dicht, aber möglichft reibungslos zu paffen. Da fich die Steuerkegel immer gleichmäfsig im felben Sinne drehen, fo kann durch einfache Ueberdeckung an den Arbeitskanten eine fixe Expanfion eingeleitet werden. Ebenfo find alle gewünſchten Voreilungen beim DampfEin- und Austritte, Compreffion etc. durch pofitive und negative Deckungen zu erreichen. Um Veränderlichkeit der Expanfion zu erzielen, ift auf das Einftröm Ende eines jeden Steuerkegels eine Kappe mit zwei Schlitzen gesetzt. 8* 122 J. F. Radinger. Das Einftröm- Ende des Kegels hat nämlich vier fymmetrifche Einftröm fpalten, deren je zwei gegenüberftehende abwechſelnd wirkfam find. Halten nun die Schlitze in der Deckkappe gleichlang oder länger offen, als die fixe Einftrömung währt, fo arbeitet die Mafchine( hier mit 65 Percent) mit dem Maximum der Füllung. Wird jedoch die Kappe derart verdreht, dafs ihre Schlitze die DampfEinftrömung in dem fich unter ihr fortdrehenden Steuerkegel vorzeitig fchliefsen, fo beginnt die Expanfion früher als fonft. Die Verdrehung diefer Expanfionskappen gefchieht durch den Regulator, fo dafs die Expanfion felbftthätig veränderlich ift. Es ift nur zu bedauern, dafs an der Mafchine keine Indicatorverfuche vorgenommen werden konnten. Bei den rationellen Anfchauungen der Leiter diefer Fabrik darf nicht angenommen werden, dafs diefe den Nutzen derfelben unterfchätzen, und wenn fie den Indicator- Einblick in die Wirkung des Dampfes verweigerten, den fie fich gewifs felbft verfchafften, fo drängt fich die Vermuthung auf, dafs entweder das Spiel der Dampfvertheilung oder das Dichthalten der Hähne und Kolben mangelhaft fei und noch nicht mit gewünſchter Präcifion vor fich geht. Diefs fcheint noch aufserdem durch den Stand des Vacuummeters, welcher gewöhnlich auf 65 bis 67 Centimeter wies, und ferner noch durch die Mittheilung eines der glaubwürdigften Partner der Mafchine beſtätigt zu werden, laut welcher diefer Motor bei vorgenommenen Proben mindeſtens 1.5 Kilogramm Kohle per Stunde und Pferd verbrauchte. Mit diefen Bemerkungen foll felbftverſtändlich nicht der Werth der hoch. intereffanten Mafchine und der Drehfteuerung herabgefetzt werden. Die Mafchine ging thatfächlich ftaunenswerth ruhig und weich und erweckte durch diefen ihren Gang felbft die Aufmerkfamkeit der gewöhnlichen Befucher. Und dafs der Berichterftatter die Drehfteuerung für gut und für fchnellgehende Mafchinen als beftens paffend hält, mag der Umftand beweifen, dafs er felber eine faft völlig gleiche Steuerung mit dauernd laufenden Drehkegeln vor Jahren erfann und 1871 zur Wahrung der Priorität patentiren liefs. Aber eine Mafchine, welche, wie diefe, den Anfpruch erhebt, epochemachend im Dampfmafchinenbaue aufzutreten und mit dem Ehrendiplome der Weltausftellung ausgezeichnet wurde, mufs fich eben die fchärffte Beurtheilung gefallen laffen, und diefe geht eben dahin, dafs trotz der vorgefchrittenen Anfchauung und der geistreichen Anordnung, welchen diefes Syftem ihren Urfprung dankt und trotz mancher wahrhaften Verbefferungen, die diefe Mafchine trägt, doch noch nicht das Ideal des Dampfmotors geboten wurde; ja, wenn fich der Kohlenverbrauch nicht wefentlich tiefer als I Kilogramm per Stunde und Pferd bringen läfst, das Syftem bald wieder verfchallen wird, indem die bezeichnete Grenze mit billigen Eincylinder Maſchinen und billigen Mitteldruck Keffeln bereits geftreift wird. Dingler in Zweibrücken. 123 Die Detailconftruction der Dingler'fchen Mafchine bot noch manches Bemerkenswerthe. Die Kolben waren nicht mit Dichtungsringen verfehen, fondern einfach und ohne Federn und Nachfpann Vorrichtungen in ihre Cylinder dicht anfchliefsend eingepasst. Diefes fetzt einen völlig cylindrifchen und glatt ausgearbeiteten Dampfcylinder voraus, aber auch eine Kolbenftange, welche fich nicht im Mindeſten unter Gewicht und Druck deformirt, und einen Dampf, der keine Schleifmaterialien in den Cylinder bringt. Diefe Kolben find nun fehr lang, zwifchen Nabe und Umfang hohl ausgedreht, und die Fabrik fchliefst folgendermassen: Würde ein maffiver Kolben fo dicht in den Cylinder eingepasst, dafs er dampfdicht hält, fo könnte es vorkommen, dafs er fich beim Anlaffen der Mafchinen rafcher erwärmt und mehr ausdehnt, als der Cylinder fellift. In diefem Falle würde beim Gange der Mafchine der Kolben fich unfehlbar mit dem Cylinder verfreffen und Riefen in demfelben erzeugen. Zur Verhütung diefer, gerade für den Haupttheil der Mafchine, den Cylinder, fehr fchädlichen Einwirkung, wurde die leichte und nachgiebige Kolbenform gewählt. Die kappenförmigen Anfchlufsringe diefes Kolbens können fich dicht und zart an den Cylinder anfchliefsen, und werden auch fchwachen Deformationen des Cylinders ohne merklichen Nachtheil folgen können. Zudem hat auch der wirkfame Dampfdruck das Beftreben, immer eine der Kolbenkappen auszudehnen und an den Cylinderumfang anzupaffen. Solche Kolben find nebftbei auch fo wohlfeil und fo leicht auszuwechfeln, dafs man immer einige von etwas gröfserem Durchmeffer in Vorrath halten und nach Bedarf einpaffen und einfetzen kann. Der leitende Gedanke bei der Wahl der Conftruction des Kolbens war aber: unter Berücksichtigung des mit der Zeit doch unvermeidlichen Dampfver. luftes diefen letzteren als Mittel zu benützen. dem Cylinder fehr grofse Dauer zu verleihen. Ganz derfelbe Gedanke war auch mafsgebend bei der Conftruction der Steuerung: Sind Hohlkegel und innere Steuerkegel vollendet genau ausgearbeitet und zulammengepafst, fo wird fich der Dampf vom engen zum weiten Ende( der Einftröm- zur Ausftrömfeite) hindurchzudrängen fuchen. In jeder anderen Richtung ift der Steuerkegel vollständig entlaftet, fo dafs er in dem an feinem Umfange fich durchdrängenden Dampfe förmlich fchwimmen mufs, und weder äufsere noch innere Steuerkegel eine merkliche Abnützung erfahren können. So fchliefsen zwar weder Kolben noch Steuerung ganz dicht ab, aber den Grad von Dichtheit, den fie im Anfange haben, behalten fie dauernd, und gerade diefer Beharrungszuftand einer Mafchine, nicht der anfängliche Paradezustand, mufs bei der Beurtheilung mafsgebend fein. In einem Eingefendet( vom 20. Jänner 1874) des Directors Ehrhardt an den deutfchen Engineering fagt aber derfelbe: „ Ich habein neuerer Zeit gefunden, dafs es in der Praxis beffer ift, den Kolben mit auswechfelbaren Dichtungsringen zu verfehen, conftruire aber die Kolben nicht auf deren federnde Wirkung, fondern betrachte fie nur als nachgiebige, den Dehnungen durch die Wärme folgende Stücke, welche früher oder später ausgewechfelt werden müffen." Die Verbindung zwifchen Cylinder und den beiden fymmetrifchen Lagern, innerhalb welcher die doppelt gekröpfte Kurbelachfe ging, gefchah durch einen zwifchengelegten, gabelförmigen Block. Auf der dem Doppelcylinder zugekehrten Seite ftand er mit diefem durch einen Kreisflanfch centrifch verfchraubt, nahm innen die Doppelbohrung für die zwei runden Führungen auf und endete kurz 124 J. F. Radinger. nach diefen mit zwei aufsen angegoffenen Armen. Diefe waren mit langen, auf der Cylinderfeite der Lager angegoffenen Armen( wahrfcheinlich verfchnitten und verkeilt), wodurch eine völlig centrifche Verbindung der Druck- und Gegendruck theile entftand, und da Alles in kräftiger Hohlgufsform ausgeführt da lag, fo war die fichere Lagerung beftens erreicht. Der Cylinder ftand auf einem unterlegten Fufse, in welchem auch die Ausftrömung ftattfand, und diefen hielten vier Schrauben ans Fundament. Die Kolbenſtangen waren 30 und 40 Millimeter dick, die nicht völlig centrifchen Führungen mafsen 145 Millimeter Breite und 210 Millimeter Länge, was dem fehr geringen Auflagedruck von nicht ganz o'6 Atmoſphären entſpricht. Die Kreuzkopf- Zapfen hatten je 80 Millimeter und die Zapfen der Kurbelkröpfungen je 85 Millimeter Länge, was für letztere eine mittlere ſpecifische Abnützarbeit von o 28 Kilogramm Meter ergibt. Die Lagerzapfen hatten je 110 Millimeter Durchmeffer und 220 Millimeter Länge. Der maximale Druck fteigt höchftens bis 9 Kilogramm per Quadratcentimeter Schalenfläche, bleibt aber im Mittel auf circa 2 bis 3 Atmoſphären. Die gufseifernen, mit Compofition ausgefütterten Lagerfchalen waren zweitheilig und wurden ohne irgend eine fichtbare Nachftellvorrichtung, aber mit einem übergreifenden Deckel mit jederfeits zwei Deckelfchrauben von dem grofsen Lager- Ständerblock gehalten, welcher einen Theil des Rahmens ausmachte und ans Fundament gebunden war. Aufserhalb der Lager ftaken jederfeits der Mafchine die Riemenfcheiben, Schwungräder von je 160 Meter Durchmeffer, 190 radialer und 130 Millimeter axialer Kranzabmeffung, von deren gedrehtem Umfange die Arbeitsabgabe durch zwei 180 Millimeter breite( in der Ausftellung nur einen und zwar Gummi-) Riemen erfolgt. Beide Schwungräder trugen auf der Innenfeite des Kranzes je 72 Stück runder Bolzen angefetzt, welche faft wie eine Verzahnung ausfahen, aber doch nur zum jedesmaligen Angehenlaffen der Mafchine dienten. Zu diefem Zwecke lagerte ein folid ausgeführter Hebel mit Fallklinke in einem Ständer, welcher in einem aufsen eingefchraubten Arm des Kurbellagers und am Fundamentfteine geftützt und zum Ingangfetzen jedesmal nöthig war. Einerfeits befand fich zwifchen Lager und Rad das Schraubenrad für die Steuerwelle und anderfeits ein Excenter mit Broncering für den Antrieb der Luftpumpe. Diefe lag fchief in dem Condenfatorkaften feitlich der Mafchine und hatte circa 125 Millimeter Durchmeffer und 0 18 Meter Hub, das ift 1/11 des grofsen Cylindervolumens. Gebrüder Decker& Comp. in Cannftatt. Eine der fchönften Mafchinen der ganzen Ausftellung lag von diefer Firma in der Maſchinenhalle. Es war eine fogenannte 50pferdige liegende Conden fations Dampfmafchine mit Bajonnetbalken und vom Regulator beherrschter Expanfion, welche mit 6 Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten beſtimmt ift. Der Dampfcylinder hatte 400 Millimeter Bohrung und fein Kolben 0.80 Meter Hub. Die Kolbengefchwindigkeit beträgt bei den normalen 54 Umdrehungen 144 Meter per Secunde. Das Einftrömrohr, mit 80 Millimeter lichter Weite, bot 125 und das Ausftrömrohr mit 95 Millimeter 17 der Kolbenfläche als Querfchnitt dar, was, nachdem die Conftante 136 ift, etwas knapp aus reichend erfcheint. Der Cylinder war doppelwandig gegoffen und ftand mit feinem hohlen, angegoffenen Tragblock wohl nicht direct auf den Fundamentſteinen( wie es bei den Maſchinen ohne Condenſation gefchieht), fondern der hintangereihten Luftpumpe zu Nutz mit diefer gemeinſam auf einer einfachen Grundplatte. Die Gebrüder Decker& Comp. in Cannstatt. HOH Schnitt durch die Luftpumpe. 125 Fundamentfchrauben gingen jedoch durch diefe Zwifchenplatte hindurch und belafteten den Cylinder direct. Vorn fchlofs fich der Seitenbalken an diefen, welcher übergreifend und mit fechs Aufsenfchrauben angefetzt war; für die Schrauben wuchfen kleine angegoffene Halbkegel mit abgedrehten Sitzplatten aus der Uebergangs- Abrundung. Vor der Führung auf der Kurbelfeite fchlofs fich der Seitenbalken nochmals, und jene lag aus. gebohrt im fo entſtandenen Rohre. Von diefem vordern Schlufsringe verliefen noch gut geformte End. rippen auf der Vorderfeite des Balkens gegen das Lager hin. Die Führungsplatten waren an den gabelförmigen Kreuzkopf wohl nicht genau centrifch, fondern zur Verringerung ihrer Höhe um 1/4 ihrer Länge gegen den Cylinder rückgefchoben angegoffen und mafsen 250 bei 300 Millimeter, wobei fich der Führungsdruck auf 2.3 Atmoſphären ftellt. Die 63 Millimeter dicke Kolbenstange war in den Kreuzkopfe gekeilt und das gefchloffene Schubftangen- Ende( mit Horizontalkeil für die Innenfchale) vom Gabelzapfen ergriffen, welcher 70 Millimeter dick und 110 Millimeter lang war. Der Schalendruck ftellt fich hier ziemlich hoch auf 114 Atmofphären. Die runde Schubftange umfasste aufsen mit einem Bügelkopfe den Kurbelzapfen, der bei 100 Millimeter Stärke und 130 Millimeter Länge einen Druck von 67 Atmoſphären und eine fpecififche Abnützarbeit von o'91 Kilogramm Meter erfuhr. Er war mit verfenktem Bund in eine ſchmiedeiferne Kurbel gefteckt und verkeilt, wodurch kein verlorener Zwifchenraum entftand. Ebenfo fchlofs fich die Innenfeite der Kurbelnabe dicht an die Lagerfchalen, wie es der Sorge um kurze Hebelarme entspricht, aber auch dem Ganzen ein gefchloffenes Anfehen gibt. Die Welle war normal 250 Millimeter dick. Unter dem Excenter fetzte fie fich jedoch ab und mass im Lager nur 170 Millimeter, womit fie 320 Milli. meter lang auflag. Der Druck ftellte fich dabei auf 16 Atmoſphären und die fpecififche Abnützarbeit auf 0.37 Kilogramm- Meter. Das Kurbellager war mit dem Längsbalken und dem Tragblocke in Einem gegoffen und ftand mit einer grofsen Bodenfläche direct am Fundamente. Der innen verfchnittene und aufsen übergreifende Deckel war oben eben und blank und jederfeits mit zwei Schrauben niedergehalten. Die beiden Seiten der dreitheiligen Schale, deren eine Fuge oben vertical kam, ftanden mit je einer hinterlegten Keilplatte und Oberfchraube ftellbar. Das Schwungrad befafs 415 Meter Durchmeffer und 4250 Kilogramm Gewicht. Es war als Riemenfcheibe( 300 Millimeter breit) und zweitheilig hergeftellt und an der Nabe durch Schrauben und heifs aufgezogene Ringe und im Kranze durch Einlagkeile verbunden. Das rückwärtige Lager war ähnlich dem vordern gleichfalls feitlich ftellbar und auf eine unterlegte Grundplatte gefetzt. 126 J. F. Radinger. Die Luftpumpe war unter der Annahme einer Anfaugung des Einfpritzwaffers aus geringererTiefe, oben angeordnet und ihr Kolben direct an die hinten verlängerte Stange des Dampfkolbens gehängt. Diefe Luftpumpe bekam 150 Millimeter Bohrung und ihr Kolben den gleichen Hub wie jener, nämlich o 8 Meter, wodurch fich das von ihm durchlaufene Volumen auf 11 des vom Dampfkolben durchlaufenen Vo. lumens ftellt. Diefe Luftpumpe lag centrifch in den Condenfator eingegoffen, welcher aufsen cylindrifch mit mit einem Durchmeffer von% des Aufsendurchmeffers der Dampfcylinder- Verfchalung geformt war und mit einem angegoffenen Tragbock auf der gemeinfam unterlegten Gufsplatte und dem Grundmauerwerke ftand. trennte Den Zwifchenraum von Luftpumpe und Condenfatormantel eine horizontal eingegoffene Wand, welche unten den eigentlichen Condenfations- und oben einen Warmwaffer Raum gab. Aufserdem war der etwas kürzere LuftpumpenCylinder an den Enden durch zwei Verticalwände mit dem äufseren Cylinder verbunden, in welchen in den unteren Hälften jederfeits vier Saugventile, dagegen auf der oberen Hälfte je vier Druckventile angebracht ftanden. Diefe waren rund und mit Hartgummi gedichtet. Centimeter 100 101 Ο شما Mafsftab 1:48 der Natur. Gebrüder Decker& Comp. in Cannftadt. H ப 5 Meter Tot 127 Die Dampfvertheilung gefchah durch die Steuerung von Kraufe in Chemnitz, wobei die Füllung von der Regulatorftellung abhängt. Im Principe ift es eine Farcot Steuerung und hat mit diefer die gegitterten Durchlafsfpalten im Grundfchieber und die felbftthätige Mitnehmung zweier gleichfalls gegitterter Deckplatten gemein. Doch find hier nicht fefte, in die Stirnwände des Schieberkaftens gefchraubte Anfchläge für die Rückhaltung diefer Deckplatten und Einftellung für die Neu Eröffnung und ein fefter, durch den Deckel kommender Doppeldaumen von veränderlichem Halbmeffer für die Abfperrung, fondern ein Rahmen vorhanden, der durch ein eigenes Excenter von der Schwungradwelle aus bewegt wird und die Plat tenftellung beforgt. Die erftere diefer Bewegungen gefchieht durch einen Anfchlag der Platten an die innere Stirnwand des Rahmens, und die Abweichung gegen Farcot ift von gerin. gerem Werthe. Die zweite abfperrende Bewegung jedoch ift eine wefentliche Verbefferung gegen den Farcot Daumen der wegen feiner fixen Lage nur während der Zeit des Schieberhinganges, alfo nur bis o 3 bis o 4 des Kolbenhubes zur Wirkung kommen kann und keine gröfseren Füllungen als diefe oder fofortige Vollfüllung gibt. Hier gefchieht die Abfperrung wohl gleichfalls 128 J. F. Radinger durch einen Anfchlag von veränderlicher Dimenfion, welcher aber von dem Expanfionsrahmen mitgenommen wird, und daher auch während der Rückgangszeit des Grundfchiebers diefen überholen und die Deckplatten überfchieben kann. Zu diefem Zwecke ift in den Expanfionsfchieber- Rahmen ein mittlerer Steg eingefchweifst und( ftatt des Farcot Daumens) auf diefem ein Keil verfchiebbar, der den Innenanfchlag bildet. Diefer Keil wird vom Regulator eingeftellt, indem ein Arm im Innern des Schieberkaften- Deckels an deffen Manchette hängt, welcher den Keil hebt oder fenkt. Weil letzterer die hin- und hergehende Bewegung des Rahmens theilen mufs, fo ruht er mit Linealen auf einem Gleitbacken des Arm- Endes, wodurch jede Bewegung unabhängig von der andern wird. Diefe Steuerung gibt Füllungen bis 70 Percent und ift feit längerer Zeit erprobt.* Dadurch, dafs das Anlegen des Anfchlages auf einer Fläche platzgreift, ift eine gröfsere Dauer der ursprünglichen Formen vorausfichtlich als bei dem Farcot- Daumen, wo die Berührung nur auf einer Linie erfolgt. Um den Einflufs der endlichen Schubftangen Länge aufzuheben, ift der Keil nicht völlig fymmetrifch geneigt, und um die Canallängen( die fchädlichen Räume) herunterzubringen, war bei der Ausftellungsmafchine das Vertheilexcenter aufserhalb und das Expanfionsexcenter direct ans Kurbellager gefetzt. Die Stange des letzten Excenters ging gerade in den Schieberkaften, während die Stange des Vertheilexcenters an dem Arme einer kurzen tiefgelagerten Welle wirkte, deren anderer Arm einwärts ftand und an die Schieberftange griff. Beide Schieberftangen fanden im Fufse des feitlich ftehenden Regulators eine einfache Führung. Der Regulator war von einem Riemen angetrieben und hatte gekreuzte Arme und eine grofse Belaftungsvafe auf der Spindel. Das Dampf- Ausftrömrohr ging vom Tragfufse des Cylinders unter dem Boden zum Condenfator, trug aber ein Doppelventil eingefetzt, um nöthigenfalls ins Freie zu münden. Vom Warmwaffer- Raum des Condenfators hob fich noch ein oben offenes Standrohr, und aller ähnlichen Detaile für eine leichte und fichere Bedienung war forgfältigft vorbedacht. Es war eine der prächtigſten Mafchinen der ganzen Ausftellung und ihr Gewicht betrug fammt Condenfator und Schwungrad 16.000 Kilogramm. Ohne Condenfator hätte es circa 13.500 und ohne Rad 9300 Kilogramm( 7.4 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinder) betragen. Die complete Mafchine koftet 13.200 mit und 10.800 Mark ohne Condenſation.** * Ich habe an einer ähnlichen Mafchine bei Decker in Cannftatt felbft ein IndicatorDiagramm aufgenommen und mich von der völlig guten Wirkung diefer Steuerung, ihrem geräufchlofen Gange und der rafchen Einwirkung des Regulators überzeugt. ** Es kommt felten vor, dafs Fabriken die Mafchinen, welche fi bauen, auch aufserhalb von Streitfällen methodifch unterfuchen. Um fo beachtenswerther erfcheint der Vorgang diefer Fabrik und die Angabe mehrtägiger Indicator- und Bremsverfuche welche einestheils die Wirkung der Steuerung und des ganzen Mechanismus, anderntheils die Solidität der neu angenommenen Bajonnetbalken- Verbindung ftatt der früheren Grundplatte darlegen follten. Aus den Ergebniffen diefer verlässlich fcheiner den Verfuche dürfte folgende Tabelle nicht ob e Intereffe fein: Gebrüder Decker& Comp. in Cannftadt. 129 Ferner war von diefer Firma eine der grofsen Wafferhaltungs- Mafchinen der Ausstellung für den Fontainenbetrieb geliefert, welche von den Tedesco Keffeln( fiehe Dampfkeffel) gefpeift wurde. Der Dampf und der Pumpenkolben, welche an gemeinfamer Stange wirkten, hatten die gleichen Durchmeffer von je 400 Millimeter und einen Hub, welcher je nach der Gefchwindigkeit von 0.806 bei 4 Touren bis o 886 Meter bei 18 Touren fchwankte. Die Steuerung diefer direct wirkenden Dampfpumpe bin ich nicht ermächtigt mitzutheilen und über die Pumpen handelt ein anderer Bericht. Da aber ein wohl nicht ganz im Stand gehaltener Strahlejector dabei angebracht war, wie folche eine Zeit hindurch fo gerühmt wurden, und ich bei der Indicirung einer andern, mit einem Körting'fchen Strahlcondenfator ausgeftatteten Dampfmaschine ( in der Dampfmühle zu Simmering bei Wien) infofern ein ungünftiges Arbeiten desfelben fand, als im Cylinder nur ein fehr geringes Vacuum und diefs nun , flatternd" auftrat: fo war mir die Einladung Herrn Decker's, feine Mafchine zu indiciren, höchlich willkommen. Dabei zeigte fich im Allgemeinen das, was zu erwarten war, ein reines Volldruck Diagramm vom Dampf- und ein ähnliches vom Waffercylinder, deren kleine Abweichungen an den Ecken nicht hier zu erörtern find. Angeführt mag werden, dafs die Vergleiche beider fehr guten Nutzeffect verriethen, indem im Maximum nur 0 47 Atmoſphären Preffungsunterfchied an den beiden gleichgrofsen Kolben auftraten. Bei 4 Atmoſphären Dampfdruck an dem einen Kolben( Verfuch Nr. 8) bekam das Druckwaffer effectiv im Windkeffel 3'3 Atmofphären, und da die Saughöhe 2:27 Meter betrug, fo war der Nutzeffect der Pumpe nach Abfchlag der Widerstände vom Saugkorbe bis zum Windkeffel noch immer 88 Percent. Druck( Atmosphären) Pferdeftärken Güteverhältniffe Füllung im Schieberkaften mittlerer im Cylinder indicirt gebremst Percent O'I 6.45 1.85 18.8 163 8512 O'15 6.65 2'28 29'0 23.5 81'3 0'2 6.30 2'27 63.8 52 7 83.3 03 6.80 3.28 46.3 41 2 88.9 0° 4 6.00 3.65 53.6 46.9 87.0 0.5 5.80 4-25 51.6 46.5 854 0.6 5.80 4.28 51.6 46.5 90° 2 0'7 3'10 2.28 27.8 24.6 88.2 Eine Mafchine von 300 Millimeter Bohrung und o 60 Meter Hub foll bis 89 Pferdekräfte an die Bremfe abgegeben haben, ohne im Mindeften zu vibriren, welches gute Ergebnifs der Balkenform zugefchrieben wird. 130 ge J. F. Radinger. Millimeter 1000 Mafsftab 1:25 der Natur. Dabei puffte der Dampf ins Freie. Nun bauen aber die Herren Decker folche directwirkende Pumpen auch für Bergwerke, und da es fich hiebei um die Aufftellung unten im Schachte handelt, fo ift ein Mittel, welches den Abdampf ohne koftfpielige Röhrenleitung wegfchafft, als folches allein fchon erwünſcht. Da diefs nur durch Condenfation gefchehen kann, aber keine Complication, wie Luftpumpen etc., verlangen darf, fo wird die Einleitung des Auspuffdampfes ins Saug. rohr verfucht und dabei viel 90 Centim. weniger des theoretisch möglichen Gewinnes an Arbeit, als an den praktiſchen Vortheil des wegfallenden Rohrftranges gedacht. Solch ein Condenfator lag nun ausfchaltbar in der Abdampfleitung und eingefchaltet gab er wieder jenes flatternde Vacuum, welches ich fchon andern Ortes fand. Die ganze Condenfationsvorrichtung beftand einfach aus einem ringförmigen Raum ums Saugrohr, in welchen das Abdampfrohr tangirend mündete. Der Ringraum ftand mit vier Reihen konifcher und mit der Wafferftrömung zielender Kreisfpalten in Verbindung und der Dampf konnte derart eingeleitet und condenfirt werden; dafs der durch die Kreisfpalten getrennte Rohrtheil doch durch eingegoffene Stege verbunden und gehalten war, und dafs das Vacuum im Ausftrömrohre nicht tiefer fallen kann, als es der Saughöhe bis zum Wafferfpiegel hinab entſpricht, find felbftverſtändliche Dinge. Görlitzer Mafchinenbau- Anftalt. Diefe Actiengefellſchaft ftellte eine Woolf'fche Dampfmafchine von 50 Pferdeftärken aus, deren befondere Eigenthümlichkeit in der Verwendung einer einzigen Traverfe für die beiden neben einander arbeitenden Dampfkolben beftand, von welcher die Druckfummen mittelft einer weitgegabelten Schubftange auf den einzig vorhandenen Kurbelzapfen ging. Die beiden Cylinder waren in Einem, aber ohne Dampfhemd und für anzufchraubende Schieberkaften gegoffen und lagen auf einem durchgehenden Grundrahmen. Indem die beiden Kolben ftets nach gleicher Richtung gingen, mufsten die Zwifchen- Dampfwege kreuzweife offen ftehen, was hier einfach durch die Verwendung einer Normal- Meyer- Steuerung feitlich des kleinen Cylinders erreicht wurde, deffen Ausftrömung durch einen untergoffenen Canal zum feitlichen Schieberkaften des grofsen Cylinders ftattfand. Diefs fchützt wohl vor directen Görlitzer Mafchinenbau- Anftalt. 131 Dampfverluften, gibt aber bedeutende fchädliche Räume, und um diefe möglichft zu reduciren, erfchien der Raum des grofsen Schieberkaftens fo knapp, als es nur anging, bemeffen. Der oben aus der Mafchine abziehende Dampf durchftrömte erft einen hochgelagerten Speifewaffer- Druckvorwärmer und gelangte dann zum Condenfator. Die Luftpumpe lag hinter dem grofsen Cylinder und wurde von deffen verlängerter Kolbenstange direct betrieben. Hinter dem kleinen Cylinder lag dann ähnlich die Speifepumpe und die verlängerte Kolbenstange arbeitet abwechfelnd in Waffer und Dampf. Der kleine Cylinder hatte 310, der grofse 580 Millimeter Durchmeffer, der Kolbenhub betrug je o 80 Meter und die Volumen verhalten fich daher wie 1:35. Die Mafchine foll mit 60 Umdrehungen per Minute normal arbeiten, was 16 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde entſpricht. Das Zuftrömrohr befafs 80, das Rohr zum Condenfator hin 145 Millimeter Durchmeffer oder 15 und 1/16 der zugehörigen Cylinderflächen. Die Conftanten für die Dampfleitungen ſtellten fich daher auf je 124, was für die Einftrömung reichlich bemeffen, aber für die Ausftrömung etwas eng erfcheint. Was nun die Uebertragung der Kolbendrücke auf eine gemeinfame Traverfe und von diefer auf eine gemeinfame Schubftange betrifft, fo wäre diefs untadelhaft richtig, wenn es möglich wäre, die Refultirende der beiden Kolbendrücke conftant in die Schubftangen- Achfe zu bringen. Diefs geht nun wegen der wechſelnden Drücke nicht völlig an, wurde aber hier dadurch angenähert erreicht, dafs die Schubftange an die Traverſe mit den zwei Köpfen ihres weitgegabelten Endes greift, deren einer zwifchen den beiden Kolbenstangen und der andere auswärts der grofsen Kolbenstange liegt. Die beiden Kolbenftangen haben eine mittlere Entfernung von 515 Millimeter. Der eine Schubftangenkopf liegt 170 Millimeter einwärts der kleinen, der andere 120 Millimeter aufser der grofsen Kolbenítange, fo dafs die Entfernung der Schubftangen- Achfe von erfterer, nachdem die Gabelung 465 weit fymmetriſch ift, nahe an 400 Millimeter beträgt. Nun gibt die Mafchine laut Angabe der Fabrik die normale Arbeit von 50 Pferdeftärken bei Vollfüllung des kleinen Cylinders mit Dampf von 5 Atmofphären Ueberdruck. Unter Vernachläffigung des Einflusses der fchädlichen Räume und des Condenfator Gegendruckes berechnet fich daher die Nutzfpannung zu im kleinen Cylinder mit Anfang Mitte und Ende eines Hubes im grofsen 0 6 3: 4 2.6 43 Atmoſphären I 7 77 27 99 und daher die Drücke nach Abfchlag der Kolbenftangenflächen am kleinen Kolben mit 0 2500 3160 Kilogramm am grofsen " 15.600 6760 4420 99 Der Mittelpunkt des Druckes fällt, nachdem die Entfernung der Kolben ftangen 515 Millimeter beträgt und die Gabelung, wie erwähnt, angeordnet ift, 515 376 300 Millimeter einwärts der kleinen Kolbenftange und fchlägt daher zu beiden Seiten der Schubftangen- Achfe, welche 400 Millimeter von der kleinen Kolbenstange entfernt liegt, ziemlich gleichweit aus, ohne aufserhalb der Gabelung zu fallen, indem deren beide Köpfe 170 und 635 Milli meter von diefer Kolbenftange entfernt liegen. Nun können allerdings diefe Grenzen durch den Einflufs des Condenfator. druckes, kleinerer Füllung des Hochdruck- Cylinders etc. in Wirklichkeit noch etwas näher rücken, als hier berechnet erfcheint, jedoch thatfächlich ift ein pendelndes Verfchieben des Mittelpunktes der Kraftangriffe gegen die Wider. ftand- Achfe unbeftreitbar und ob diefes nicht ein fchädliches Würgen und einfeitige und daher fchnelle Abnützungen im Mechanismus und wegen den plötzlichen 132 Ueberfprüngen an den todten Punkten nicht gefährliche Vibratio nen und Stöfse wach ruft, konnte an der kalt liegenden Ma fchine nicht erfehen werden. Die übrigen Theile folgten nun einem gewöhnlichen Plane. Die Kolbenftangen waren 50 und 72 Millimeter dick und die des kleinen Cylinders umgriff die Traverfe mit einem auf. gekeilten Helme, während die des grofsen Cylinders direct eingekeilt war, was die Montirung und ein zwanglofes Arbeiten erleichtert und nicht etwa das Bett verlängert, nachdem die engere Stopfbüchfe des kleinen Cylinders kürzer ift, als die des grofsen. Die Führungsklötze an beiden Aufsenenden der Traverfe waren je 130 Millimeter breit und 270 lang und erleiden einen Auflagedruck von 2.7 Kilogramm per Quadratcentimeter. Die Führungsfchienen waren wohl auf den Bettbalken gefchraubt, jedoch in gefchmackvoller Weife geformt, Lo J. F. Radinger. F.W.BADER WIEN SC. Centimeter 100 I wobei befonders das Detail erwähnenswerth fcheint, dafs das untere Gleitlineal auf der ganzen Länge aufsen eine feitliche Wand angegoffen trug, welche den fchlitzförmigen Zwifchenraum zwifchen Ober- und Unterfchiene nach aufsenhin deckte, was fchön und reinlich ift. Die innern Enden der Schubftange fafsten mit offenen Bügelköpfen die 95 Millimeter dicken und 100 Millimeter langen Halszapfen der Traverfe. Der maximale Flächendruck ftellte fich dabei auf 115 Atmoſphären. Der runde Schubftangen Schaft war wegen der Seitenbiegung ungewöhnlich ftark und endete beim Kurbelzapfen mit einem gewöhnlichen Bügelkopfe und Keil. Mafsftab 1: der Natur. Görlitzer Mafchinenbau- Anftalt. 3 5 Meter 0 133 Die beiden, an den Enden gleichen Formen der Köpfe verkürzen die Stangenlänge rafch. Der Kurbelzapfen mifst 110-120 Millime ter und wurde augenfcheinlich defshalb fo kurz gegen feinen Durchmeffer gehalten, um unter den Seitenbeanfpruchungen, welche bald den Aufsen-, bald den Innenrand treffen, weniger zu leiden und den Druck mehr wie auf eine Schneide zu übertragen. Der Schalendruck auf ihn hebt fich im Maximum auf 114 Atmoſphären und finkt bis 55. Die fpecififche Abnützarbeit beträgt örtlich bis 19 Kilogramm Meter und finkt bis o'95 als Minimalwerth. Der ftählerne Zapfen war in die fchmiedeiferne Kurbel gefteckt und rückwärts verkeilt. Die Nabe fchien mit gleicher Rückficht wie der Zapfen geformt, was hier gröfsere Länge wegen des Herausbrechens verlangt. Sie ftak circa I.2 Mal des Durchmeffers lang auf dem 170 Millimeter dicken Achskopf. DieSeiten des Kurbelarmes verbanden die Nabe tangirend mit dem Auge, was gut ausfieht und die Herftellung erleichtert. Die Kurbel fafs dicht an den Schalen des viertheiligen Kurbellagers, welches auf einem erhöhten Angufs des Bettes aufgefchraubt und mit jederfeits zwei Deckeln und zwei Keilfchrauben verfehen war. Die weiters 185 Millimeter ftarke Welle lag 168 Millimeter dick, 240 Millimeter lang im Lager, erfuhr einen Horizontaldruck von 37 Atmoſphären im Maximum und von 18 Atmoſphären im Minimum und bewirkte eine Reibungsarbeit zwifchen o 94 und 0.47 Kilogramm- Meter per Secunde und Quadratcentimeter Auflagfläche. Diefe Zapfenbeanfpruchungen find ganz enorm und es ift doppelt fchade, dafs die Mafchine 134 J. F Radinger. Centim. 100 I 2 3 Meter Mafsftab 1:48 der Natur. nicht durch einen dauernden Lauf während der Ausftellung das Zuläffige folcher Drücke und Abnützarbeiten kundlegte. Das Schwungrad von 3.82 Meter Durchmeffer und 360 Millimeter äufserfter Breite war zweitheilig, in Kranz und Nabe durch Innenkeile und zwei Ringe verbunden und fein Kranz zur Aufnahme eines 350 Millimeter breiten Riemens gedreht. Das Rad war etwas roh gegoffen. Die Steuerung ging von drei Excentern aus, welche hinter dem Kurbellager fafsen, und von welchen die beiden äufseren die Meyer- Steuerung des kleinen Cylinders in gerader Flucht betrieben. Das innerfte Excenter jedoch machte eine an der Vorderftirn des Grundrahmens gelagerte Welle oscilliren, deren Aufsenarm mit einer vier Meter langen Schubftange den Niederdruck Schieber bewegte. Ob diefe Stange, welche wohl 60 Millimeter in der Mitte ftark war, aber gänzlich ohne Führung gehen musste, nicht in bedeutende Vibrationen geräth, was befonders bei höheren Drücken zu erwarten fteht, war gleichfalls an der kalten Mafchine nicht zu entnehmen. Hinter dem kleinen Gelenke war die Schieberftange durch eine offene, mit einem Keile nachftellbare Schale in einem angefchraubten Arme des Schieberkaftens unterſtützt. Die Meyer Steuerung des kleinen Cylinders war durch ein Wurmgetriebe vor der Stopfbüchfe von Hand aus zu ftellen, jedoch auch der ( Watt'fche) Regulator griff mit einem Rädergehänge darein, welches in die Kreiswände einer kleinen Trommel gelagert war und deffen Antriebrad die Bewegung durch eine Schnurfcheibe Görlitzer Mafchinenbau- Anftalt. 135 von der Regulatorwelle empfing. Durch das Heber oder Sinken der Manchette griff dann das eine oder andere zweier, gleichfam am Winkelhebel hängender Zahnräder des Gehänges, welche fich im entgegengefetzten Sinne drehten, in das Zahnrad an der Wurmradwelle der Stellvorrichtung und drehte diefe links oder rechts. Zum Tragen des inneren Endes der Excenter- und zur Führung der Schieberftangen waren kleine Tragftänder verwendet, in welchen die halbrahmenförmigen Kreuzköpfe gingen. Vorn war das Gelenkftück der Excenterftange eingebracht und rückwärts die Schieberftange verfchraubt. Eine Eigenthümlichkeit der Schieber mag hier noch erwähnt fein, auf welche die Fabrik grofsen Werth zu legen fcheint, und diefs ift die tiefe Verfenkung der Schieberftangen in die Schieber. Dadurch kommt die Mittellinie der Stangen faft in eine Ebene mit den Reibungsflächen und die Tendenz des Abhebens der Schieber und die dadurch hervorgebrachte ungleiche Abnützung entfällt. Am ausgefprochenften tritt diefe Conftructionsrückficht beim Expanfionsfchieber des kleinen Cylinders auf, wo ein thatfächliches Zufammenfallen der StangenAchfe mit der Gleitfläche erreicht wurde. Dagegen brauchen die Deckplatten um zwei Seitendichtungsflächen mehr. Der Dampf zieht oben aus dem Schieberkaften des grofsen Cylinders und gelangt vorerft in einen gufseifernen Cylinder von 330 Millimeter Durchmeffer und 2 24 Meter Länge, welcher 12 fchmiedeiferne, je 50 Millimeter weite Rohre enthält und welche das Speifewaffer auf feinem Wege von der Pumpe zu den Keffeln durchzieht. Hierauf paffirt der Dampf einen Ventilkaften, der ihn normal zum Conden. fator führt, oder, falls er anders benöthigt wird, auch anderer Verwendung oder gegen das Freie zuführt. Der Condenfationsraum ift in dem rückwärtigen Theile des Bettbalkens, welcher dort theilweife ins Mauerwerk niederhängt, eingegoffen, und das Einfpritzwaffer fällt durch eine Siebplatte vertheilt in den Raum. Obenauf liegt die doppelwirkende Luftpumpe von 170 Millimeter Durchmeffer, und da fie an der Dampfkolben- Stange hängt, von gleichem Hub wie diefe( 0.80 Meter). Das vom Luftpumpen- Kolben durchlaufene Volumen verhält fich daher zum Cylindervolumen wie 1: 11.6. Von der Luftpumpe führen zwei Abftrömrohre das Warmwaffer in ein tiefliegendes Sammelrohr, in deffen Mitte ein Steigrohr fteht. Zwifchen Cylinder und Pumpe wird die 52 Millimeter dicke Kolbenstange in einem kleinen Ständer mit einer Halbfchale getragen, welche durch einen unteren Keil nachftellbar ift. Im Ganzen waren die Formen der Mafchine ftreng und edel, was befonders durch die geneigten und nur wenig ausgerundeten Seitenebenen des hohlgegoffenen Grundbalkens, der gefchloffenen Geradführung und der weiteren confequenten Durchführung der geraden, aber doch nicht hart gezeichneten Nutzlinien der Einzeltheile erreicht wurde. Wohl foll die Anordnung der zwei Kolben an einer gemeinfamen Traverſe und die Verwendung der gemeinſamen Schubftange nicht neu fein und bereits 1867 eine derartige Mafchine bei Rich. Hartmann in Chemnitz für die Firma Lorenz' Söhne in Aarnau( Böhmen) gebaut worden fein. Diefe foll wegen ungleicher Ausnützung der Kreuzköpfe und Gleitbacken nicht befonders befriedigt haben. Wären diefe zu beforgenden Mifsftände nicht vorhanden, fo müfste eine fo wefentliche Vereinfachung der Woolf- Mafchine fich rafch Bahn brechen, indem dann die Koften des Motors unbedeutend höher als die einer EincylinderMaschine kämen. 136 J. F. Radinger. Berliner Union- Actienge fell fchaft ( vormals Webers). Eine liegende Mafchine nach dem Mufter, welches Webers bereits durch mehrere Jahre baute, lag von diefer Firma ausgeftellt in der Mafchinenhalle. Der Cylinder ragte frei und ununterftützt vom Hauptbalken weg, der ihn im vollen Kreis der Vorderflanfche hielt. Diefer Hauptbalken war ein Mittelding zwifchen Grundplatte und Bajonnet, indem er fich der ganzen Länge nach auf das Fundament ftützte, aber den Cylinder in der erwähnten Art trug, eine ausgebohrte Führung aufnahm und mit einem Arme in das angegoffene Kurbellager überging. Die Meyer- Steuerung war auf eine eigenthümliche neue Art vom Regulator beherrscht und die Mafchine in guten, wenn auch theilweiſe unfchönen Verhältniffen gebaut. Der Dampfcylinder hatte 370 Millimeter Durchmeffer und der Kolben 0.71 Meter Hub. Nachdem diefer normal mit 55 Doppelhuben per Minute arbeiten foll, entspricht diefs einer Kolbengefchwindigkeit von 13 Meter per Secunde, welcher die Dampfleitung mit circa 80 und 90 Millimeter Weite, 1/20 und 1/16 Cylinderquerfchnitt( Einftröm conftante 126) reichlich nachkommt. Die Deckel waren einfach, der Cylinder doppelwandig und mit dem Schieberkaften zufammengegoffen. Der Schieberſpiegel lag ungewöhnlich weit( 114 Cylinder Durchmeffer) von der Achfe weg, was lange Dampfwege gab Der Kolben beftand aus zwei in der Nabe verfchnittenen, durch die Kolbenstangen- Mutter zufammengehaltenen Hälften und die Kolbenstange ging auch rückwärts durch eine Stopfbüchfe. Der Kreuzkopf war gegabelt und ftützte fich centrifch hinter dem Zapfen mit einer kurzen runden Säule auf eine unterlegte Geradführungsplatte. Diefe war durch eine mittlere Schraube mit unten verfenktem Kopfe und Obermutter an den Kreuzkopf gebunden und an der Gleitfläche cylindrifch gewölbt, nachdem die ans Bett gegoffene untere Führung rund ausgedreht erfchien; gegen das Losheben fchützten zwei nebengefchraubte Seitenlineale. Diefe Führungsfläche mafs 200 und 300 Millimeter und nachdem die Schubftange ungefähr 534mal fo lang als die Kurbel war, fo kommt bei 5 Atmoiphären Spannung in dem Cylinder der mässige Druck von 15 Atmoſphären auf die Führung. Der Zapfen lag in der Kreuzkopf Gabel eingefchliffen und durch eine Mutter gehalten. Sein eigentlicher Arbeitstheil war 55 Millimeter dick und 85 lang, fo dafs dort ein Schalendruck von 110 Atmoſphären auftrat. Die runde Schubftange begann beim Kreuzkopfe mit einem gefchloffenen Kopfe, welcher aber abweichend vom Normalen mit einem ftehenden Keile verfehen war, der die Schale mit fchmaler Fläche drückt. während ein liegender Keil diefs auf der ganzen Länge thun könnte. Vorn endete die Schubftange mit einem gewöhnlichen offenen Bügelkopfe. Der Kurbelzapfen mafs 80 und 90 Millimeter und erfuhr einen Druck von 71 Atmoſphären; die fpecififche Abnützarbeit betrug o'78 Kilogramm Meter. Diefer Kurbelzapfen fteckte in einer fchmalen und theilweife balancirenden. Kurbelfcheibe, deren Nabe kurz( o'9 der Bohrung lang) auf der Welle fteckte. Das Lager war an den Balken gegoffen rad viertheilig. Der hohle Decke! durch jederfeits zwei Schrauben niedergehalten, übergriff die Lagerwangen und die äufsere Seitenfchale allein war mit 2 Seitenfchrauben, welche fie ohne Zwifchenplatte drückten, ftellbar. Die Lagerung der Welle fand hier bei 140 Millimeter Durchmeffer auf 240 Millimeter Länge ftatt, was 125 Atmosphären Auflagedruck und o 29 Kilogramm- Meter specifiíche Abnützarbeit gibt. Berliner Union- Actiengefellfchaft. 137 In guter und fchöner Weife fchloffen fich die Schalenborten am Kurbelzapfen dicht an die Scheibe, deren Nabe dicht ans Lager und am anderen Ende desfelben die zwei Steuerexcenter ebenfo an. Das Schwungrad war als Riemenfcheibe gehalten, als Riemenfcheibe gehalten, hatte ungefähr 3 Meter Durchmeffer und 280 Millimeter Breite aufsen am T- förmigen Kranze. Das Hinterlager war wie das Hauptlager mit übergreifendem Deckel und einfeitig ftellbarer Seitenfchale, aber mit einem häfslich hohen und fchmalen Fufs verfehen. Der Hauptbalken felbft erinnerte mit feinen weichen Formen theilweife an das Bett der Allen Mafchine. Hier war er beträchtlich hoch( faft 1/4 Cylinder Durchmeffer), endete hinter dem Lager plötzlich abfallend, und während die eine innere Fundamentfchraube oben fafs, kam die andere tief unten an einen Lappen. Der Regulator ftand innerhalb des Lagers am Bette; er war von einem Riemen angetrieben und feine Bewegung durch einen Oelkolben gebremft. Seiner Form nach ftand er zwifchen Watt und Porter, indem er grofse Kugeln und ein kleines unfchönes Belaftungsgewicht trug. Die Steuerung gefchah nach Meyer, jedoch mit der Abweichung, dafs die Stellung der beiden Platten aufserhalb des Schieberkaftens und durch den Regulator ftattfand. Zu diefem Zwecke befafs jede der Deckplatten ihre eigene Schieberftange, deren eine ober-, die andere unterhalb des Mittels angriffen und durch zwei über einander liegende Stopfbüchfen nach aufsen gingen, wo fie mittelbar au er gemeinfamen Excenterftange hingen. Die Verbindung gefchah dadurch, dafs die beiden Schieberftangen Enden an einer runden Scheibe, gleichfam an dem erweiterten Zapfen eines Kreuzkopfes hingen, welcher von der ExpanſionsExcenterftange hin- und hergeführt wurde. Diefs fand in einer feitlich an das Bett gefchraubten Geradführung ftatt und nun brauchte der Regulator nur die Zapfenfcheibe zu verdrehen, um mit dem die Platten ohne Störung des Hin- und Herganges zu verfchieben. Die Stellung der beiden Zapfen vertical über einander entfpricht dabei dem genähertften Zuftande, und jede Neigung vergrössert deren Abftand gleichmässig von der Mitte weg. Diele Verdrehung wurde, wenn nöthig, durch einen( zwei) Verticalhebe! beforgt, welche von der Scheibe( dem vorliegenden Zapfen der Schieberſtangen) mitgenommen wurden und um wenig von der Geradführung entfernte Fixpunkte fchwangen. Diefe Hebel trugen aber etwa in einem Drittel ihrer Länge vom Fixpunkt weg je einen Anfchlagbolzen eingefchraubt. Diefe fchwingen daher mit und zwar fo lange paffiv, als ihre Mitbewegung nicht gehemmt wird. Falls aber Letzteres eintritt, halten fie in Verbindung mit dem unteren Fixpunkt den Hebel und daher auch fein oberes Ende, den Scheibenzapfen feft. Nachdem aber das Excenter den die Scheibe umfaffenden Rahmen fortzieht, fo mufs fich diefe felbft und zwar um jenen Bogenbetrag drei.en, um den das Hebelende ohne die Steuerung ausgefchwungen wäre. Diefe Hebelenden waren felbftverſtändlich mit länglichen Augen an die Scheibe gehangen, um die dabei eintretende Hebung der Zapfen zuzulaffen; aufserdem wird diefe Endform auch durch den Normalgang verlangt. Der alfo die Verdrehung der Scheibe und die Füllungsänderung bewirkende Anfchlag für die Hebelbolzen ward durch die Wände je eines fchiefen Schlitzes in einen Rahmen gegeben, welcher durch ein einfaches Geftänge an der Regulatormanchette hing. Diefer Schlitz war fo weit, dafs der Hebelbolzen bei ungeänderter Stellung des Regulators eben frei in ihm fchwingt, und derart die 138 J. F. Radinger. Füllung gehalten werden kann. Die Hebung oder Senkung des Schlitzrahmens bringt alfo fofort eine neue Stellung hervor, die nach jedem halben Hub wirkfan: werden mufs, indem aus diefem Grunde die Hebel- und die ganze Drehvorrich tung doppelt vorhanden ift. Ob nicht etwa ein unerwünſchtes Verdrehen der Scheibe durch ungleiche Bewegungswiderstände eintritt, wie es nicht unmoglich fcheint, wo dann ein fletes Zurückſtellen der Scheibe durch die Anfchläge und mit dem eine baldige Abnützung der fonft fo klugen Vorrichtung eintritt, konnte an der kalt ftehenden Mafchine nicht beobachtet werden. Jedenfalls findet keine fchädliche Reaction auf den Regulator ftatt, denn die Schlitze find nur wenig geneigt. Sächfifche Dampffchiffs- und Mafchinenbau- Anft alt. Diefe Dresdener Fabrik ftellte eine liegende, fogenannte 12pferdige Mafchine aus, welche mit einer Dreifchieber- Steuerung verfehen war. Der Cylinder war doppelwandig gegoffen und fein Kolben hatte 300 Millimeter Durchmeffer und o 6 Meter Hub. Die Kolbengefchwindigkeit beträgt bei dem regelmässigen Gange mit 52 Umdrehungen 1'04 Meter per Secunde und die Dampfrohre für Zu- und Abftrömung waren gleich und 80 Millimeter weit. Diefs beträgt 14 des Cylinderquerfchnittes und ift für diefe geringe Kolbengefchwindigkeit doppelt zu giofs, indem die Conftante 114 beträgt. Die Kolbenftarge war 40 Millimeter dick und rückwärts in einer Stopfbüchfe geführt. Vorn nahm fie einen normalen Kopf mit Traverfe und Seitenführungen auf, deren fchwere Gufslineale auf dem unten durchgehenden Grundrahmen aufgefchraubt waren. Die Gleitbacken hatten je 65 Millimeter Breite und 140 Millimeter Länge, was bei den beabsichtigten 4 Atmoſphären Betriebsfpannung einen maximalen Führungsdruck von 3 Atmoſphären geben wird. Der Kreuzkopf- Zapfen befafs 50 Millimeter Dicke und war 75 Millimeter lang, wodurch auf ihn der mäfsige Druck von 74 Atmoſphären kommt. Die Schubftange hatte vorn einen angefchmiedeten, gefchloffenen Kopf, welcher fich aus dem runden Schaft in veralteter Weife mit eingefchaltetem Uebergangs- Achtecke entwickelte. Der Kurbelzapfen war mit Hintermutter im Kurbelauge befeftigt. Er mafs 65 Millimeter Durchmeffer und 90 Millimeter Länge, was einen Schalendruck von 47 Atmoſphären( einen der geringften der Ausstellung) gab. Seine ſpecififche Abnützarbeit ift o 40 Kilogramm- Meter. Die 130 Millimeter. dicke Schwungradwelle lag 120 Millimeter ftark und 140 Millimeter lang in dem aufgefchraubten Lager, welches 16.5 Atmoſphären Horizontaldruck und o 26 Kilogramm- Meter Abnützarbeit erfährt. fchwer. Das Schwungrad hatte 3.50 Meter Durchmeffer und war 2250 Kilogramm Die Steurung fand mit zwei Excentern und drei Schiebern ftatt, von welchen der unterfte ein normaler Vertheilfchieber mit Durchlafsfpalten war. Der auf ihn arbeifende Schieber war von einem Excenter mit einem Voreilwinkel von 90 Grad, alfo ftets conform mit dem Kolben bewegt, und auf diefem lag aufsen ein Farcot- Schieber, deffen Anfchlagdaumen durch den Regulator geftellt wurde. Mit diefer Einrichtung ift die Einführung aller Füllungsgrade von Null bis Voll( weniger dem Voreilen) möglich, was wohl nicht in der Regel, aber in gewiffen Fällen von Vortheil, hier aber mit grofsen und bei hoher Füllung wahrhaft fchädlichen Räumen erkauft ift. Die Normalfüllung, wobei 12 Pferdekraft Leiftung garantirt werden, beträgt 1/8. Der Schieberkaften war aufgefchraubt und merkwürdig fchlechter Weife war das ganze Schiebergeficht bis an die Flanfchen hinaus gleichmässig gefchabt. Sächfifche Dampffchiffs- und Mafchinenbau- Anftalt. 139 Der Regulator war ftrenge nach Farcot mit gekreuzten Ober- und Unterftangen conftruirt und ftand auf hohen architektonifchen Säulen mitten über dem Cylinder. Die Stellftange, welche durch den Regulatorhebel an der Manchette hing, griff unten mit Ringzähnen in das Zahnrad am Schieberkaften- Deckel, welches an der Farcot Daumenwelle fteckte, und ein Griffrad an der Stellftange ermöglichte deffen Drehung durch die Hand. Die ganze Mafchine erfchien anfpruchsvoll geformt und zeigte eine Menge von Linien, indem jede Flanfche und jede Rippe mit Gefimfen und Gliedern bedeckt war, was heute mit Recht nicht mehr üblich ift und den Motor unnöthig theurer macht. Aber fonft wird die Mafchine, Dank ihrer grofsen Abmeffungen, ruhig gehen, wenig Reparaturen koften und leicht eine bedeutende Steigerung ihrer Gefchwindigkeit und Leiftung zulaffen. Carlshütte bei Rendsburg. Eine der Antriebsmafchinen im deutfchen Theile der Mafchinenhalle war die von der Actiengeſellſchaft der Holler'fchen Carlshütte bei Rendsburg gefandte, nominell 60 Pferdekraft ftarke liegende Zwillingsmafchine. Diefe beftand aus zwei einfachen Mafchinen von je 460 Millimeter Cylinderbohrung und 0.84 Meter Hub, welche an gemeinfamer Welle mit verfetzten Kurbeln arbeiteten und diefe mit 45 Umdrehungen per Minute betrieben. Es war eine ftrammgezeichnete und gut ausgeführte Mafchine von etwas veralteter Conftruction. Zwei unten durchgehende Grundbalken von Querschnitt ( je einer für jeden Cylinder) lagen durch einen Steg hinter dem Schwungrade und zwei Stege zwifchen den Cylindern verbunden und trugen vorn je ein Kurbellager centrifch, und hinten die Cylinder und untere Geradführung feitlich und nach aufsen überhängend aufgefchraubt. Der Regulator wirkte, wie diefs bei keiner anderen gröfseren Mafchine deutfcher Conftruction fonft der Fall war, auf die Droffelklappe, und die etwas complicirte Dampfleitung, fowie der ganze Organismus beftand aus einer grofsen Zahl verfchraubter ftatt in Einem hergeftellter Beftandtheile. Dafür waren aber die arbeitenden Flächen reichlicher als fonft bemeffen, was in Verbindung mit der mäfsigen Kolbengefchwindigkeit von 126 Meter der Mafchine einen ruhigen Gang und lange Dauer fichert. Zwifchen den beiden Cylindern hob fich das Dampfrohr aus der unterirdifchen Leitung, gabelte fich erft horizontal und bog darauf zu den beiden auf den Schieberkäften ftehenden Anlafsventilen nieder. Dadurch war der Zugang zur Flur zwifchen den Cylindern verfperrt und, weil dort der Regulator ftand, felbft die Bedienung gehemmt. Die Ausftrömung fand unten ftatt und konnte für jeden Cylinder durch ein eigenes Abfperrventil von dem anderen Cylinder getrennt werden, wenn einer derfelben allein zu arbeiten hat. Nachdem folch' ein Wechfel der Arbeitsweife aber doch nicht häufig eintritt und dann immer einen längeren Stillftand für die Aushängung der Schub- und Excenterftangen bedingt, fo fchiene auch hier eine Blindverfchraubung thunlich, welche nicht nur die Anlage wohlfeiler, fondern auch den Betrieb durch den Wegfall der Ventilwiderstände beffer laffen würde. Uebrigens braucht auch folch' ein unten im Abdampfe liegendes Ventil feine Wartung, fonft verfagt es, mit Schmiere und Keffelftein verlegt, im Bedarfsfalle den Dienft. Die Dampf Zuführungsrohre zu dem einzelnen Cylinder hin hatten 90 Millimeter Weite oder 25 der freien Cylinderfläche, was bei der hier vorkommenden Kolbengefchwindigkeit von 126 Meter per Secunde eben richtig genügt indem fich die mittlere Dampfgefchwindigkeit nur wenig über 30 Meter ( auf 315) erhebt. Das Ausftrömrohr war erft nach feiner Vereinigung hinter den Abfperrventilen zu meffen. Dort befafs es 150 Millimeter lichten Durchmeffer oder, da es 140 für beide Cylinder dient 1/18 des gefammten Querfchnittes, was hier gleichfalls völlig ausreichend ift. Die Cylinder follen doppelwandig gewefen fein und die Ausftrömung durch den Mantel ftattgefunden haben; aufserdem waren die Cylinder noch mit Filz und Holz wohl umkleidet. Die Deckel waren vorn und hinten gleich und mit Stopfbüchfen für die durchgehende Kolbenftange verfehen. Die Dampfvertheilung gefchah mit Meyer- Steue rung und die Schieber gingen in einem aufgefchraubten Schieberkaften, deffen innere Flanfchenfchrauben durchgehend verlängert den Aufsendeckel hielten. Die Treibkolben- Stan gen waren je 67 Millimeter dick und vorn in die achteckigen Hülfen der fchmiede. eifernen Kreuzköpfe gekeilt. Diefe trugen durchgefteckt die Aufsenzapfen für die beiden Bügelenden der GabelSchubftangen und gingen unten mit je einem fchmalen Stege in die Führung über. Letztere fand auf der Horizontalfläche eines feitlich an den Hauptbalken be feftigten Gufswinkels ftatt, deffen Linealüberfchraubung und Rippenverfteifungen mit fchöner Detailconftruction auftraten. DerGeradführungsfchuh war fowohl unten auf der Hauptfläche als auf den ankerförmigen Gegenflächen mit Bronceplatten armirt, und J. F. Radinger. wwww WBADER.WIEN. 00 00 00 00 о 00 O FID Centimeter 100 I 3 2 о da erftere 145 Millimeter Breite und 410 Millimeter Länge befafs, fo ftellt sich der Gerad führungsdruck auf 2.2 Atmoſphären. Die Kreuzkopf- Doppelzapfen hatten je 60 Millimeter Durchmesser und 85 Millimeter Länge und erfuhren 64 Atmoſphären Auflagedruck. Die Schubftange griff vorn nach einem Achtecks-Uebergang mit einem offenen Bügelkopfe an den 90 Millimeter dicken, 125 Millimeter langen Kurbelzapfen. welcher dadurch einen Schalendruck von 58 Atmoſphären und eine fpecififche Abnützarbeit von o'58 Kilogramm Meter empfing. Mafsftab 1p der Natur. Carlshütte bei Rendsburg. 4 Meter 141 Der Kurbelzapfen wurde von der fchmiedeifernen Kurbel mit einem Hinterkeil gehalten. Die Narbe der Kurbel fafs mit 170 Millimeter Länge auf dem 170 Millimeter dicken Wellenende, welches knapp dahinter 200 Milli meter ftark und 220 Millimeter lang ihre Lagerung fand. Diefes Lager war vier theiiig und mit jederfeits zwei Deckel- und zwei Keilfchrauben zur Seitenftellung verfehen. Der Deckel war nur einfach, aber nicht übergreifend verfchnitten, dafür verfteiften aber ftarke gefäumte Parabelrippen die Wangen des Lagers, welches in fchöner Form, aber etwas hoch auf eine Bett- Erhöhung gefchraubt ftand. Der Auflagedruck im Lager betrug 15 Atmosphären und die fpecififche Abnützarbeito 33Kilogramm Meter. Hinter den Lagen fafsen die Excenter, deren Bronceringe auf flache Stangen und auf die normalen Schieber einwirkten. Die Stellung der Expanfionsplatten gefchah von Hand allein und zwar mit einem feftgelagerten Griffrade mit nett durchgeführter Lagerung und Anzeigung. Das Schwungrad war mehr als Riemenfcheibe gehalten, wie fchon daraus hervorgeht, dafs es bei 3:50 Meter Durchmeffer und 512 Millimeter Breite nur 2770 Ki logramm fammt Armen und Nabe wog. Der Aufsenrand hatte 15 Millimeter Dicke und war einfach mit einer 100 Millimeter hohen Kreisrippe zwifchen den Armen verfteift. Das Rad war zweitheilig und mit aufgezogenen Ringen und jederfeits zwei Schrauben bei der Nabe und gleichfalls zwei Schrauben bei jedem Aufsenftofse verbunden. Einer der geraden Arme war quer durchfprungen, was wahrscheinlich von einer ungleichen Abkühlung, jedoch möglicherweife auch von einem Transportunfall herrühren mochte. Der Doppelriemen von 510 Millimeter Breite und 9 Millimeter Dicke, von E. Hager& Comp. in Hamburg geliefert, zeichnete fich durch eine befondere 142 J F. Radinger. Centim. 00 @ 2 Meter Ma'sftab 1:40 der Natur. Weichheit bei hoher Feftigkeit aus. Er hielt die Scheibe nur wenig blank, welches Zeichen für fein geringes Gleiten fprach. Der Regulator war mit gekreuzten Stangen und einer Belaftungsvafe unter dem Parallelogramm conftruirt. Er ftand in der Mitte beider Mafchinen und trug ftatt der Manchette eine rotirte Zahnftange, welche mit einem Segmente eine querlaufende Regulirungswelle für die Droffelhebel bewegte. Der Regulator und insbefondere fein Ständer war architektonisch und mit vielen blanken Flächen ziemlich koftfpielig, doch in herrlich edler Form ausgeführt, wie überhaupt diefe ganze Mafchine durch ihre Gleichart in der ftrengen Zeichnung gefchmackvoller Linien das fonft verlaffene Princip der Vielglieder in. befte Erinnerung brachte. Die Mafchine wiegt nach Angabe der Fabrik in Einzel- Ausführung 12.350 Kilogramm( 7 4 Kilogramm per 1 Quadrat Cylinderfläche), wozu noch das Rad von 3000 Kilogramm kommt. Nach den Frachtbriefen addirte ich das complete Gewicht der Doppelmafchine fammt Rad auf 28.510 Kilogramm. Chemnitzer Mafchinenbau Gefellfchaft Die Austellungsmafchine diefer Fabrik( vormals A. Münnich& Comp.) war eine liegender Conftruction mit einem durchgehenden Bettbalken, welcher eine Combination von Grund- und Seitenplatte war. Diefer Balken baute fich nämlich an aie Flanfche des vorderen angegoffenen Cylinderdeckels im Kreife an und ging fofort in eine doppelwandige Seitenplatte über, welche der ganzen Länge nach am Fundamente auflag. Unter der Führung ragte er mit breitem Fufs vor die Cylinderachfe und olen mit einer überhängenden angegoffenen Geradführungsfchiene vor, und aufsen fchlofs er mit dem angegoffenen Kurbellager und einer nach rückwärts verbreiteten Bafis. Die ganze Form ward derart gefällig und durch ihre breite Auflage auf dem Fundamente folid. Der Cylinder ftützte fich mit einem Anguffe bei dem Hinterende nochmals, aber unangefchraubt auf eine fchmale Querplatte, welche das halbe Gewicht zu tragen bekam. Chemnitzer Mafchinenbau- Gefellfchaft. 143 Der Cylinder diefer 30pferdig benannten Mafchine hatte 430 Millimeter Bohrung und der Hub betrug o 80 Meter. Bei den normalen 45 Umdrehungen per Minute ftellt fich die Kolbengefchwindigkeit auf 12 Meter per Secunde. Das Dampfrohr mafs 100, das Ausftrömrohr 110 Millimeter, was 18 und 15 der Kolbenfläche entſpricht, die Beurtheilungsconftante 21 gibt und diefe Querfchnitte zu grofs erfcheinen läfst, wenn nicht etwa die Schieberwege enger find, was zu meffen ich nicht in die Lage kam. Die 70 Millimeter dicke Kolbenftange fafste den förmigen Kolben mit Conus und Mutter und ging rückwärts verlängert durch eine tragende Stopfbüchfe, welche in dem doppelwandigen Deckel untergebracht war. Der Kolben felbft beftand aus Gufseifen mit eingedrehten Rinnen für zwei felbftfpannende Dichtungsringe. Der Kreuzkopf hatte die Corlifs Form mit den excentrisch( hinter dem Zapfen) ftehenden Schraubenbolzen für die oben und unten nachftellbare Führung. Letztere waren eben und gingen direct in den flach ausgehobelten Angüffen des Bettes; ihre Gröfse, 140 Millimeter breit, 260 lang, gibt einen maximalen Führungsdruck von 3.3 Atmoſphären, welcher mehr als das Doppelte der englifchen und das 11, fache der Schweizer Mafchinen beträgt. Der Kreuzkopf- Zapfen, welcher 80 Millimeter dick und 100 lang war, erfuhr bei der normalen Fünf Atmoſphärenfpannung im Cylinder 88 Atmoſphären Auflagedruck. Die Schubftange war flach( die einzige von den gröfseren ftationären Mafchinen der Ausftellung) und hinten mit gefchloffenem, vorn an der Kurbel mit offenem Kopf und Keilbügel conftruirt Der Zapfen in der guſseifernen Kurbel mafs 100 Millimeter Dicke und 110 Millimeter Länge, was dem normalen Drucke von 64 Atmoſphären und der fpecififchen Abnützarbeit von 0:72 Kilogramm Meter entſpricht. Das Kurbellager war, wie bereits erwähnt. ans Bett gegoffen und mit einem übergreifenden Deckel und vier Deckelfchrauben gefchloffen. Seine Dimenſionen 120 bei 220 Millimeter gaben 27 Atmoſphären Schalendruck und o 36 Kilogramm Meter fpecififche Reibungsarbeit.. Es war viertheilig und jede Seitenfchale mit je einer in dem Lagerkörper geführten Keilplatte und je einer Druckfchraube im Deckel ftellbar; diefe Keilplatten befassen nicht die ganze innere Schalenlänge, fondern liefsen noch für eine Gufsleifte des Lagerkörpers Platz, an welchen fich die Schalenborten führten, wodurch die aufsen ununterftützte Schale mit kürzerer Länge wirkt als fie befitzt. Das Schwungrad hatte 3.5 Meter Durchmeffer, 190 und 260 Millimeter Kranzdimenfion, wog 4500 Kilogramm und beftand aus fechs Armen, fechs Ringtheilen und einer im Kreife gefchnittenen Doppelnabe. Arm und Ring. verbindung gefchah gemeinfchaftlich, indem erfterer geankert war und als halbEine einzige verfenkte Ueberlegplatte die Stofsfuge der Segmente deckte Schraube jederfeits der Fuge vollendete diefe einfache Conftruction, welche für geringere Gefchwindigkeit ganz wohl angeht. Die beiden Nabenhälften führten fich gegenfeitig mit einer Kreisnafe und in eine waren die inneren Armenden mit je einem eingepafsten Anker verfenkt. Die Steuerung gefchah nach Meyer's Princip und mit Einstellung rückwärts des Schieberkaftens. Auf ein Naherücken der Excenter und ein Verkürzen der Dampfwege fchien kein Werth gelegt zu fein. Aufsen das Schiebergeficht und innen die Kolbenstange find gleich weit von der zwifchenliegenden Wand des Cylinders entfernt. 9 144 J. F. Radinger. Zur Regulirung diente ein Bufs'fcher Regulator, welcher in die Droffel griff. Diefe Mafchine zeichnete fich insbefondere durch die gefchmackvolle fchöne Form ihres Grundbalkens und durch die fichtliche Sorgfalt aus, mit der alle Bestandtheile gearbeitet waren. Englerth& Cünzer in Efchweiler- Aue. Diefe Fabrik fandte eine liegende Walzwerks- Mafchine von 630 Millimeter Cylinderbohrung und o 80 Meter Hub zur Ausftellung, welche normal mit 75 bis 9 Umdrehungen per Minute( 20 bis 2'4 Meter Kol engefchwindigkeit per Secunde) arbeitet. Es war eine einfache klobige Mafchine, die aus fo viel Theilen zufammengefchraubt war als es dafür Namen gibt, und mit Zurückftofsung jeder Schönheitsrückficht geformt erfchien. Der Grundrahmen, deffen Aufsenbreite durchwegs gleiche Breite befafs, hatte die einfache Form und zeigte ein fonderbares Gemifch von eckigen und halbkreisförmigen Linien, indem die Verticalrippen fcharf in die RichtungsAenderungen übergingen, während die Horizontalplatte rund ausgefchnitten erfchien. Auf kaftenförmige Angüffe des Grundrahmens war der Dampfcylinder gefchraubt; diefer enthielt jederfeits zwei Pratzen, welche zwifchen je zwei Nafen des Grundbalkens( alfo acht im Ganzen) eingelagert hielten. Eine einzige ftarke, centrale Mutter verband in guter Weife den Dampfkolben mit der Kolben ftange; die fechs Umfangfchrauben, welche die Deckplatte des Kolbens ficherten, ftanden, gleich der Hauptfchraube, vor der Kolbenfläche und mussten gleichfam in den hinteren Cylinderdeckel eingedrückt erfcheinen. Diefer war aber einwandig und unverfchalt und mit langer Stopfbüchfe und vier Rippen ausgeführt, mit welchen fich die die Muttern umfchliefsenden Erhöhungen unfchön verfchnitten. Ferner war diefer Cylinder im erften und letzten Viertel feiner Länge mit je einer hohen Kreisrippe verftärkt, welche tangirend an die Pratzen anliefen. Die rückwärts verlängerte Kolbenstange war zur Entlaftung der übrigen Theile in einem Schlitten geführt, der auf einer Gufsfchiene lief, welche innen feits auf der Grundplatte und aufsenfeits auf dem Mauerwerk lagerte. Das Schiebergeficht der Dampfvertheilung kam ziemlich weit von dem Cylinder weg, wie diefs bei Beibehaltung der geraden Excenterflucht und fo nftiger breiter Conftruction bei allen gröfseren Mafchinen eintritt. Die Dampfkammer felbft war aufgefchraubt und trug noch den verfchnittenen Deckel mit Innenflanfchen. Die bei Walzenzugs- Mafchinen befonders wichtigen und gewöhnlich zweifach vorhandenen Anlassventile waren nicht beigegeben; fie werden oben an de n Schieberkaften münden, während die Ausftrömung nach unten ftattfindet. Erfteres hatte 150, letzteres 160 Millimeter lichte Weite oder einer Querfchnitt von 17. und 115 der freien Cylinderfläche, was für die hier vorkommenden Gefchwindig. keiten als zu eng( dafs heifst zu viel Druckverlufte erzeugend) erfcheint, indem fich felbft bei der kleinften Gefchwindigkeit des Kolbens von 2.0 Meter per Secunde eine Einftrömconftante von 1/4 ergibt, welche bei 90 Touren auf 1/41 finkt, wobei weitaus nicht mehr der ganze Dampfdruck hinter den Kolben kommt. Die eingegoffenen Dampfwege, 55 bei 350 Millimeter weit, boten gerade die Mitte zwifchen Ein- und Ausftrömquerfchnitt, das ift 16 der Cylinderfläche. Die 90 Millimeter dicke Kolbenstange endete mit einem gufseiferner Gabel Kreuzkopf, an welchen fich die beiderfeitigen Doppelführungen knapp anfchloffen. Die Ober- und Unterlineale derfelen waren nach einem und demfelben Modell gegoffen und an kurze Endangüffe des Ständers( Mitte hohl liegend) je mit Paarfchrauben gefchraubt. In der Stirnanficht zeigten fich die Haltfugen Englerth& Cünzer in Efchweiler- Aue. 145 zwifchen den Linealen felbft und dem Ständer- Aufguffe nicht eben, fondern mit je einem ftarken Längszahn verfchnitten. Die Gleitbacken mafsen je 130 Millimeter Breite und 260 Länge, wonach der Führungsdruck bei 4 Atmoſphären Ueberdruck und der fünffachen Kurbelals Stangenlänge 3.6 Atmoſphären wird. Der Kreuzkopf befafs mit dem Kurbelzapfen die gleichen Dimenfionen von 110 Millimeter Durchmeffer und 160 Millimeter Stärke. Der Schalendruck ergibt fich daraus mit 70 Atmoſphären und die Reibungsarbeit mit dem hohen Werth von 143 Kilogramm per Secunde auf dem einzelnen Quadratcentimeter, was wohl nur bei der abgefetzten Arbeit einer Walzwerks- Mafchine angeht. Die Schubftange hatte innen die normale Form des Bügelkopfes und endete aufsen mit einem gefchloffenen Kopfe und Hinterkeile. Die fchmiedeiferne Kurbel fafs mit zwifchen freiliegendem Zapfenbunde vor dem aufgefchraubten, nicht nachftellbaren Kurbellager. Diefes fah vergleichsmäfsig einfach aus und war mit jederfeits zwei Lagerfchrauben verfehen. Den wenig übergreifenden, auf Oelfchmierung eingerichteten Deckel hielten gleichfalls je zwei Schrauben. Der Wellenhals mafs im Kurbellager 220 bei 320 Millimeter, während die Welle felbft 260 Millimeter dick war. Der Auflagedruck berechnet fich mit 17 Atmosphären und die fpecififche Abnützarbeit mit dem gleichfalls wohl nur bei diefer periodifch arbeitenden Mafchine möglichen Werth von 0.71 Kilo gramm- Meter. Unmittelbar hinter dem Lager kamen die zwei Excenter der Meyer- Steuerung. Von diefer ift noch zu bemerken, dafs die feitlichen Dampfcanäle um fo viel nach abwärts verfchoben waren, dafs fie unten tangirend mündeten und so den Cylinder ohne Weiteres entwäffern. Mit dem kamen aber auch die Schieberftangen um circa 150 Millimeter tiefer und um nicht eine fchiefe Anordnung zu benöthigen, ging die Ueberfetzung von der horizontalen Excenter- zur horizontalen Schieberftange in einer fteifen und geradgeführten Stufe vor fich. Diefes Stufenftück beftand aus je einer quadratifchen Platte, welche hochkantig in einer Schwalbenfchwanz- Führung lief und bei der vorderen oberen Ecke von dem Excenter gefasst wurde, während die rückwärtige untere Ecke die eingefchraubte Schieberftange hielt. Die ungleiche Abnützung diefer Führung iſt felbftverständlich; da aber die Mafchine kalt lag, fo konnte deren Betrag nicht feftgeftellt werden. Die Stellung der Expanfionsplatten gefchah von hinten mit einem Griffrad und räderüberfetzten Stellzeiger, der für alle Füllungsgrade nur einen Umlauf macht und daher leicht beachtet werden kann. Eines der wichtigften Theile einer folchen Mafchine ift das Schwungrad und diefes erfchien hier mit einer beängftigenden Einfachheit der Anfchauungen conftruirt. Es beftand aus einer einzigen Nabe, welche auf einem hohen Kreisflanfch acht Arme zwifchen aufgegoffenen und mit den Armenden verfchnittenen Anfchlägen hielt. Jeder Arm hatte T- förmigen Querfchnitt und die Hauptrippe mafs 65 Millimeter Dicke bei 250 Millimeter Höhe, die Nebenrippe war 50 Millimeter dick und 110 Millimeter breit, und wo die Hochkante über den Nabenflanfch fiel, verbanden noch jederfeits zwei Schrauben, alfo vier an jedem Arme den Stofs. Der Kranz befafs 5.96 Meter Aufsendurchmeffer, 310 Millimeter radiale Höhe und 240 Millimeter Breite. Er beftand gleichfalls aus acht Theilen, deren Fugen hinter je einen Arm fielen, der dort, 70 Millimeter dick, gänzlich in den Kranz eingelaffen und ankerförmig verfchnitten war. Dort fafsen nun je drei Schrauben, je eine in einem Ankerflügel und eine mitten im Arme, welche durch die Fuge ging. Diefe Schrauben hatten quadratifche 35 Millimeter ftarke Bolzen und aufsen ein 54 zölliges( 33 Millimeter) Gewinde. 9* 146 J. F. Radinger. ㅁ D n Centim. 100 O 3 Meter Mafsftab 1:48 der Natur. Nun wiegt der Kranz 9500 Kilogramm( das ganze Rad 13.000 Kilogramm) und beträgt fein Aufsendurchmeffer 5.96 Meter, alfo fein Mittelpunkts- Durchmeffer 5.65 Meter, welcher, bei 75 bis 90 Umdrehungen per Minute, 22 bis 26.6 Meter Gefchwindigkeit annimmt. Der Schwerpunkt des Halbkranzes liegt dann in 18 Meter Entfernung vom Mittelpunkt; deffen Gefchwindigkeit beträgt 14 bis 17 Meter und die entwickelte Fliehkraft 52- bis 76.000 Kilogramm. Soll nun der Kranz in fich felbft vor dem Zerreifsen gefchützt fein, fo mufs in jedem Querfchnitte ein ficherer Widerftand von 26 bis 38.000 Kilogramm liegen, was von den 35 Millimeter Quadratbolzen, welche 21 bis 31 Kilogramm Abfcherbeanfpruchung per Quadratmillimeter erfahren, nicht geboten wird. Es müffen alfo die einzelnen Segmente von den Ankerenden der Arme felbft gehalten werden, und da diefs von den einfeits anftofsenden Armen nicht in der Kraftrichtung gefchieht, fo ift eine Tendenz zu deren Aufbruch vorhanden, welche um fo gefährlicher fcheint, als die Nebenrippe unter den Kranz greift und alfo der kleine Querfchnitt des Gufseifens auf Zug beansprucht wird. Dafs jeder Arm innen unter dem Kranze und aufsen ober der Nabe noch je eine Tragnafe und dafs der Nabenflanfch felbft noch einfeits Radialrippen befitzt, und dafs die Ausführungsarbeiten nicht fehr genau und die geworfenen Arme ftark nachgemeifselt find, wodurch felbft einzelne jener unklärlichen durch die Fuge gehenden Schrauben nur halbflächig fitzen, fei nebenbei erwähnt. Die ganze Mafchine wog 21.000 Kilogramm ohne( 6.7 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderfläche), aber 34.000 Kilogramm mit dem Rade und den Ventilen und koftet 5600 Thaler. Mafchinenbau- Verein zu Chemnitz. 147 Mafchinenbau Verein zu Chemnitz. Die vom Mafchinenbau- Verein zu Chemnitz( vormals C. F. Schellenberg) ausgeftellte Dampfmafchine war eine einfache Fördermafchine mit StephenfonCouliffenfteuerung und foll nach der Abficht ihrer Erzeuger hauptfächlich wegen ihrer Einfachheit geeignet fein, weite Concurrenz trotz Fracht und Zoll zu beftehen. Auf Neuheit will diefe Mafchine durchaus keinen Anfpruch machen, fondern nur durch die Einfachheit und Stabilität der einzelnen Theile bemerkbar fein. Der Cylinder hatte 382 Millimeter Durchmeffer und der Kolben o'732 Meter Hub. Mit den normalen 44 Touren arbeitend, gibt diefs die mässige Gefchwindigkeit von 1:07 Meter per Secunde, der die Rohrweiten von 1/30 und 1/16( Einftrömrohr 70, Abgangsrohr 95 Millimeter lichter Durchmeffer, Einftrömconftante 1/32) richtig gegenüberſtehen. Der Cylinder lag mit aufgefchraubtem Schieberkaften auf einem I- förmigen Grundrahmen, welcher in der Mitte die unteren und oberen Führungslineale und am Ende das Kurbellager aufgefchraubt trug. Der Kolben war mit Gufsringen, hinterlegten Stahlfedern, Rothgufsmuttern und mit Stahlfchrauben verfehen. Die Kolbenstange ging rückwärts in einer Stopfbüchfe( mit überdeckendem Rohrflanfch) geftützt und ergriff vorn mit einem gewöhnlichen GabelKreuzkopf die Traverſe, deren Mittelftück den offenen Schubftangenkopf aufnahm, während fie an ihren Enden die Gleitbacken trug. Die Geradführungslineale waren aus Gufseifen, die unteren für fich aufgefchraubt und die oberen nach eingefchobenen kurzen Säulen an erftere niedergehalten. Die fchmiedeiferne Schubftange war flach( eine der wenigen diefer Art in der Ausftellung), was an einer langfam gehenden und billigft fein follenden Mafchine etwas befremdlich erfcheint. Vorn endete fie mit einem gefchloffenen Kopf und trieb die gufseiferne, mit blanken Randleiften verfehene Kurbel. Das viertheilige Lager ftand mit je einer Fufs- und zwei Deckelfchrauben auf dem Rahmen befeftigt; dann kamen die beiden Excenter, deren zu den Flanfchen hart abgebogene Gufsringe wieder flach und blank gearbeitet waren, und die flachen, mit Flanfchen angefchraubten Excenterftangen zur Couliffe fandten. Es mufs nun bemerkt werden, dafs der Schubftangenkopf näher an die Kurbel und diefe näher ans Lager hätte gerückt werden können. Ebenfo waren die Excenter von diefem unnöthig entfernt und daher Schleifbogen und Schieberfpiegel weiter von der Cylinderachfe weg, als eine Conftruction mit gleichlangen Lagerflächen, aber kürzeren Hebelarmen verlangt. Mit dem wären aber auch die Dampfwege minder lang geworden, und beides wäre bei einer eincylindrigen Fördermafchine, welche mit hoher Füllung arbeiten mufs, bezüglich der Stabilität und des Dampfverbrauches nicht ohne Bedeutung. Das Schwungrad war zweitheilig und in den Armen getrennt, deren kreuzförmige Form jederfeits vier auf die Länge vertheilte Schrauben, alfo acht Schrauben per Arm und 16 im Ganzen aufzunehmen hatte. Der Ring war auf beiden Seiten und der Stirnfläche gedreht und in den Fugen durch je einen Einlagkeil verbunden. Diefes Schwungrad von 3.25 Meter Durchmeffer und 2000 Kilogramm Gewicht war in rationeller Weife gleich als Bremsrad benützt und mit einer Fufsbremfe verfehen. Ausserhalb des Hinterlagers trug der Kopf der fchmiedeifernen Schwungradwelle ein eifenverzahntes Vorgelege, welches je nach der Teufe des Schachtes und der Fördergefchwindigkeit beftimmt wird. Für die Förderwelle würde dann eine gemeinfchaftliche Lagerplatte mit dem hinteren Schwunggrad- Wellenlager angeordnet werden, um den Erhalt der Mittel zu fichern. 148 J. F. Radinger. Die Couliffe fchwang in der halben Geradführungslänge und zwifchen hier und dem Cylinder ftand der Reverfirhebel direct auf der tief gelagerten, nach aufwärts reichenden Achfe jenes balancirten Armes, deffen Hängftange die Couliffe oben gehalten trägt. Der Zahnbogen bildete mit der Augenführung der Schieberftange, welche knapp hinter dem Hebel vorbeiging, und deffen tiefer Lagerung ein einziges, feitlich an den Grundrahmen gefchraubtes Stück. Diefe Steuerung ftand felbftverständlich auf der Schieberkaften Seite, wodurch Einftrömventil, Reverfirung und der Fufstritt für die Bremfe nebeneinanderliegen und ohne jedes Geftänge vom gemeinfamen Standpunkte beherrscht werden. Die Speifepumpe für den Keffel lag auf der drüberen Seite der Maschine und fchönheitshalber der Kurbel gegenüber. Der dünne Kolben wird von der nach aufsen verlängerten Traverfe mit einem Mitnehmer mit Einfteckkeil getrieben; und da die gleichdick( 39 Millimeter) fortlaufende Pumpenkolben- Stange keine weitere Führung zwifchen Keilung und Stopfbüchfe befitzt, wobei fie 16 Meter freiliegend auf Druck beansprucht ift, fo machte diefes Detail einen beunruhigenden Eindruck. Die Mafchine war mit einem ihrer fonftigen Conftruction, ihrem Zwecke und ihren Anfprüchen nicht zukommenden Luxus ausgeftattet, den die deckenden Stopfbüchfen, die flachen Stangen und endlich der gold ornamentirte und edles Holz imitirende Anftrich der Cylinderverfchalung etc. brachten. Das Gefammtgewicht diefer 16pferdig benannten Mafchine betrug 5125 Kilogramm( 45 Kilogramm per 1 Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt) und ihr Preis 1300 Thaler. Wilhelmshütte in Sprottau. Die Wilhelmshütte in Sprottau( Schlefien) fandte eine grofse Fördermafchine mit Ventilfteuerung, von welcher ich aber keine Mafse befitze. Die Cylinder der doppelt wirkenden Mafchine lagen je auf zwei Querfüfsen mit Grundplatten und fchloffen vorn an Bajonnetbalken, deren Führungen dachförmig eingehobelt, aber vorn durch keinen Schlufsring verbunden waren. Die Kolbenftangen hatten hintere Schuhführungen und waren vorne in fchmied. eiferne Gabelkreuzköpfe gekeilt, welche fich nach dem Original- Corlifs- Mufter am Maffivtheile, alfo excentrifch zur Druckrichtung auf die nachftellbaren Führungsplatten ftützten. Die Schubftangenköpfe waren mit überlegten Bügeln, Einfchubkeilen und Durchfteckfchraube gefchloffen, während fich die Hinterfchalen auf einen Keil ( und vordere Zangen einlage) ftützten. Die fchmiedeifernen Kurbeln ftanden knapp an dem Lager, welche mit übergreifenden Deckeln und nur an den Aufsenfeiten mit je zwei Nachftellfchrauben in der Wange ausgeftattet waren, während die Innenfeite derfelben zur Fügung an den Hauptbalken benützt wurden. Die Excenter hielten nur mit Stellfchrauben auf der gemeinsamen Welle, während die Stangen von den Gufsringen zu den Couliffen liefen. Jede derfelben fchwang um eine Achfe in ihrer Mitte, die auf einem Horn an der Rückfeite des Bajonnetbalkens gelagert war und nahm einen Knaggenhebel auf. den die unten durchlaufende gleichfalls im Horn geftützte Welle des Reverfirhebels mittelft eines Armes hob oder fenkte und fo die Bewegungsrichtung umkehrte. Seitlich der Cylinder ftand nun die Ventilbatterie je aus einem mittleren Dampfventile mit Handgriffrad, daneben die Steuerungs- Einftrömventile und aufsen die Auslafsventile enthaltend. Die vier Steuerventile hatten je Stangen mit oberen Belaftungskugeln, um die Stopfbüchfen- Reibung für den Niedergang unfchädlich zu machen, während ihr Hub durch Hebel zu erfolgen hat, welche durch die Steuerdaumen( Knaggen) bewegt werden. Wilhelmshütte in Sprottau. 149 Letztere fafsen auf je einer kurzen Achfe in der halben Cylinderlänge und fchwangen durch je einen aufgefteckten Verticalarm mit der Couliffe, indem die vom Reverfirhebel in letzterer verftellbare Stange jenen Arm oben angriff. Die Hebdaumen der Ventile fpielen daher am todten Punkte des Dampfkolbens nach vor oder rückwärts und öffnen fo die eine oder andere Einftrömung, je nachdem der Gleitbalken ober oder unter der Drehachfe der Couliffe fteht, was eben vom Stande des Reverfirhebels abhängt. Ein zweiter kleinerer Reverfirhebel diente für die Dampfbremfe. Metzger& Vernuleth in Darmstadt. In der öftlichen landwirthschaftlichen Halle lag eine Mafchine von Metzger und Vernuleth in Darmftadt, deren ebenes und gefchloffenes, oben mit Ausnahme einer Kurbelgrube ganz gehobeltes Bett fämmtliche Theile aufgefchraubt enthielt. Der Cylinder hatte 200 Millimeter Durchmeffer und 0:45 Meter Hub, die Dampfrohre für die Zu- und Abftrömung waren 30 und 60 Millimeter im Lichten, 1/16 und 111 Cylinderquerfchnitt weit und die Dampfvertheilung wurde durch eine Meyer- Steuerung beforgt, während der Bufs'fche Regulator auf die Droffel wirkte. Die 35 Millimeter dicke Kolbenftange griff in einen gewöhnlichen Kreuzkopf, deffen zwei aufsen aufgefteckte Führungsbacken von je 40 und 120 Millimeter Auflagefläche zwifchen vier aufgefchraubten Linealen gingen und 3'1 Atmoſphären Auflagedruck erfuhren. Der 45 Millimeter dicke und 60 Millimeter lange Kurbelzapfen( an 55 Atmoſphären Schalendruck) fteckte in einer fchwach balancirten Kurbelfcheibe. Das Kurbellager war dreitheilig mit einer Fuge in der Horizontal- Achfe und einer gegenüberftehenden Seitenfchale, welche mit einer Schraube in der inneren Lagerwange, alfo einfeitig geftellt werden konnte. Die Welle mafs 90 Millimeter im Durchmeffer und lag 110 Millimeter lang im Lager. Die Excenter fafsten ihre Stangen mit häfslich langen Ringen veralteter Form, doch waren die Schieber in guter Weife nahe an den Cylinder dadurch gebracht, dafs die Excenterftangen einfeits und die Schieberftangen auf der Gegenfeite hochkantiger Platten hingen, welche in einer Schwalbenfchwanzführung am feitlich ftehenden Regulatorftänder liefen. Ein gutes Anfehen gewährte die Regulatorverbindung, deffen ManchettenRing mit zwei knapp niederführenden Verticalftangen und einer kurzen Lenkftange direct den Droffelhebel an deffen verlängerter Welle mitnahm. Deutfch englifche Compagnie in Hannover. Von der Abficht ausgehend, die möglichft billigen Dampfmaschinen auf den Markt zu bringen, baut diefe Gefellfchaft einfachfte Motoren, deren zwei in der landwirthschaftlichen Halle lagen. Die gröfsere 16pferdige Mafchine hatte zwei Cylinder von je 228 Millimeter Durchmeffer und o 355 Meter Hub. Das Dampfrohr war 73 Millimeter weit, was circa 120 der Kolbenfläche entſpricht. Diefe Cylinder lagen auf einer der Länge nach zweitheiligen und zufammengefchraubten, oben ganz flachen und fchloffenen Bettplatte, welche vorn an ihren Aufsenfeiten je ein fchiefes Lager aufgefchraubt trug. geWeil die Grundplatte eben war und alfo die Kurbelftange nicht in fie fchnitt, fo wurde der Lagerfufs hoch. Diefer war nun gefenftert und nahm nebft der Aufsenfchraube noch eine mittlere Lagerfchraube auf. Jede Kolbenftange war in einem Kreuzkopfe gekeilt, welcher unten auf zwei nebeneinanderliegenden verftählten Linealen nach abwärts drückend glitt. Die Lineale waren hohl auf einen Gufsfupport und diefer auf die Grundplatte gefchraubt 150 J. F. Radinger. und der metallarmirte Kreuzkopf- Fufs unterfing diefe Lineale mit einer unteren Gegenplatte. Diefe hing mit zwei Schrauben am Fufse und die Bolzen fanden ihren Weg in jenem Schlitz, der zwifchen den beiden Führungslinealen frei blieb. Diefer Kreuzkopf wurde von der kurz gegabelten Schubftange, in deren Augen der Zapfen feft fafs, umfafst. Die Schalen lagen im Kreuzkopfe und die rückwärtige war durch einen Keil ftellbar, der in eine Schraube ausging, welche verlängert durch den Führungsfchlitz niederhing und die Anzugmutter unter der Gegenplatte fand. Vorn griffen die Stangen mit offenen Köpfen auf die doppelt( unter 90 Grad) gekröpfte Kurbelwelle, welche einerfeits aufsen ein gedrehtes Schwungrad und andererfeits eine Riemenfcheibe für den Antrieb des feitlich angefchraubten Porter- Regulators trug. Zwifchen den beiden abgebogenen Kurbelftücken lief die Welle wieder rund und trug dort die zwei Excenter mit Schmiedeifenringen für die einfachen Schieber der beiden Cylinder. Deren Schieberkäften ftiefsen mit ihren Flanfchen zufammen und oben auf der Fuge fafsen das Dampfventil und die Droffel. Die Ausftrömung fand durch die Cylinderpratzen- Schrauben gedichtet in die hohle Grundplatte ftatt, und ging durch zwei gefonderte Ausftrömrohre von der hinteren Stirnwand weg. Diefe einfache Conftruction und die übrige Ausführung gibt diefer zweicylindrigen Mafchine einen Preis von 1500 Thaler oder 2500 Gulden loco Wien. In den Details gleich war eine ein cylindrige Mafchine von 6 Pferden gebaut. Die Cylinderbohrung betrug 190 Millimeter und der Hub wieder o 355 Meter. Das Einftromrohr bot mit 52 Millimeter Weite 3 Kolbenfläche. Auf dem Wege vom Excenter zum Schieberkaften nahm die Steuerftange hier auch eine Speifepumpe mit. Deren Kolben hing in gerader Flucht des Excenters und die Schieberftange war in einen Seitenlappen des Kolbens gefetzt. Zwifchen diefem Lappen und dem Angriffsgelenke der Excenterftange war eine einfache Führungsbüchfe eingefchalten und daneben eine zweite für die vor dem Lappen verlängte Schieberftange. Der Schieberkaften Deckel war hier blank gehobelt, aber fonft war keine Abweichung gegen die erfterwähnte Doppelmafchine. Halle'fche Mafchinenfabrik und Eifengiefserei. Die kleine, circa 8pferdige Mafchine diefer Firma( vormals A. Riedel und Kemnitz) hatte ein normales gefchloffenes Bett, deffen Arbeitsflächen fämmtlich in einer Ebene lagen. Der Kreuzkopf lief zwifchen vier gufseifernen Führungslinealen, die hinten auf der Stopfbüchfe und vorn an einem gefenfterten Träger ruhen, welcher mit fchmalem Fufse auf das Bett gefchraubt ftand, und durch deffen Fenfter die Schubftange ging. Die aufgefchraubten Kurbellager waren wohl ziemlich hoch, jedoch aufser den Seiten noch durch je eine Mittelfchraube in einer Aushöhlung unter den Tragfchalen gehalten. In ihnen ruhte die gebogene Kurbelwelle und aufsen fteckte das Riemfcheiben- Schwungrad fliegend gekeilt. Die Dampfvertheilung gefchah durch eine Farcot- Steuerung im angegoffenen Schieberkaften und der Regulator war eine Nachahmung jener Tangye'fchen Form, welche fich wohl durch eine gedrängte Conftruction und die befondere Kleinheit der Kugeln, aber auch durch vielfache Krümmung der Dampfwege auszeichnet. wie diefs bei der englifchen Mafchine bereits befprochen wurde. Främbs& Freudenberg in Schweidnitz. Främbs& Freudenberg in Schweidnitz. 151 Främbs& Freudenberg in Schweidnitz brachten eine 8pferdige Mafchine zur Ausftellung, deren gefchloffene Grundplatte weit nach der einen Seite ausgebaut war, um das zweite der angegoffenen Lager der Kurbelwelle aufzunehmen Diefe war nämlich knapp neben dem einen Lager gekröpft, welches mit übergreifendem Deckel und je zwei Seitenfchrauben die Welle hielt. Die Schubftange war kurz gegabelt und hielt mit feften Augen den Innen zapfen, deffen Schalen im Kreuzkopf felbft mit zwei Nachbar- Stellfchrauben vorn zu regeln waren. Der Kreuzkopf fand feine Führung in einem an dem Bettbalken mit fchmalem Fufse angegoffenen feitlich gefenfterten runden Rohre, deffen Bohrung faft fo weit, als der Dampfcylinder fchien. Die Führungsflächen waren mit Bronce armirt, aber nicht nachftellbar. Der vordere Cylinderdeckel war angegoffen und enthielt eine ziemlich fchwere Stopfbüchfe aufgefchraubt, auf welche die Prefs. Manchette mit Aufsengewinden kam. Die Steuerung war nach Meyer, die Schieberftangen wurden in Augen geführt, aber von den Excenterftangen feitlich angegriffen. Der Regulator hatte gekreuzte Stangen und wirkte auf die Droffel. Im Ganzen zeigte die Mafchine einfache und glückliche Formen. Hermann Ulbricht in Chemnitz. Die 8pferdige, liegende Mafchine diefer Fabrik war ganz gewöhnlicher Conftruction. Der Cylinder( 280 Millimeter weit, o 58 Meter Hub) war einerfeits mit vier, anderfeits( auf der Schieberkaften- Seite) mit zwei Schrauben an den durchlaufenden Grundrahmen befeftigt. Der Kolben mit Selbftfpannringen war auf die Kolbenstange gefchraubt und diefe auch in einer rückwärtigen Stopfbüchfe getragen. Ein fchwerer Gabel- Kreuzkopf, in äufsern Doppellinealen geführt, übertrug die Bewegung auf die Gufskurbel, deren fchiefes Lager an die Grundplatte angegoffen war. Die Meyer'fche Steuerung war mit hin und hergehendem Griffrade belaffen, die Schieberftangen- Enden ftellbar mit geführten, oben offenen Schlittenftücken an die Excenterftangen gut, aber häfslich gehängt. Der Regulator( mit gekreuzten Stangen) ftand reitend über der Schwungradwelle und wirkte auf die Droffel. Auguft Bünger in Düffeldorf. Diefe Firma ftellte eine 8- bis 1opferdige, liegende Dampfmaschine aus, deren Cylinder 230 Millimeter Durchmeffer und deren Kolben o 38 Meter Hub befafs. Die Mafchine lag auf einer Grundplatte und die Welle in beiderfeits aufgefchraubten Lagern, nachdem der Antrieb in deren gekröpfter Mitte ftattfand. Der Kolben war mit Ramsbattom'fchen Ringen gedichtet und die Steuerung mit einem einzigen Excenter beforgt. Die Führung fand mit Traverfe und Gleitfteinen zwifchen aufgefchraubten Gufslinealen ftatt, über welchen der Regulator für die Droffel ftand. Das Schwungrad von 2 14 Meter Durchmeffer( 700 Kilogramme fchwer) war gedreht und diente als Riemenfcheibe und die ganze auf's Einfachfte hergestellte Mafchine koftete 800 Thaler. M. Adler& Panofsky. Paulshütte. Eine Mafchine, welche, ähnlich einigen andern, der Vermuthung Raum liefs, dafs ihre Ausftellung um mehrere Decennien verspätet eintrat, war diefe, welche 152 J. F. Radinger. aus einer grofsen Zahl einzelner Beftandtheile und einem Ueberfluffe an Linien gebildet war. Auf dem in der Grundform gegliederten Bette lag der 300 Millimeter weite Cylinder mit aufgefchraubten gufseifernen Führungslinealen und aufgefchraubtem Lager. Letzteres mit zwei aufser Verhältnifs grofsen Deckelfchrauben, aber durchaus ohne Rückficht auf die Seitenabnützung hergestellt. Die Schubftange trug in der halben Schaftlänge eine angedrehte Gefimfung, die Kurbel war aus Gufseifen, aber die fchweren Excenterringe aus Bronce. Der Regulator hatte Mefingkugeln, gekreuzte Pendel und gekreuzte Hebftangen und wirkte auf die Droffel. Die Mafchine war mit einer Meyer- Steuerung verfehen, die Dampfrohre* befafsen bei 75 und 90 Millimeter Durchmeffer, 1/16 und 1/11 Cylinderquerfchnitt und fchienen, da die Kolbengefchwindigkeit nur eine fehr mässige fein kann, viel zu weit. H.& R Lamberts in Burtfcheid. Diefe Mafchinenfabrik( bei Aachen) ftellte die Zeichnung einer unterirdifchen Wafferhaltungs Dampfmafchine aus, über deren Motor Folgendes bemerkt fein mag: Auf einem ftarken gufseifernen, aus drei einzelnen Stücken zufammen. gefetzten Rahmen ist eine gufsftählerne gekröpfte Achfe gelagert, auf deren beiden Aufsenenden je ein kleines, aber fcliweres Schwungrad fitzt. Diefe Welle empfängt ihre Bewegung mittelft Schubftange und in zweigeleifiger Führung gelagerten Kreuzkopfes von eine n Dampfcylinder von 580 Millimeter Bohrung und 0.630 Meter Hub. Der Kolben ift ein Selbftfpanner und die gufsftählerne Kolbenstange treibt hinten die Plunger zweier, mit den Böden aneinand ftofsender Pumpen von je 180 Millimeter Durchmeffer( Fläche 1/10 des Dampfkolbens) und zwar den einen direct und den andern mit zwei Querhäuptern an den Enden eines Rahmens, der die Pumpen umfpannt. Die Dampfvertheilung gefchieht im feitlich tief angefchraubten Schieber. kaften mit ein er gewöhnlichen Meyer- Steuerung und einftellendem Griffrade. Die Machine arbeitet mit 40 bis 60 Umdrehungen per Minute, das ift o 84 bis 1 26 Meter Kolbengefchwindigkeit, wobei 220 Meter Wafferfäule auf den Doppelfitzventilen der Pumpe laften. Letztere hatten früher 210 und haben jetzt 235 Millimeter Durchmeffer, wobei der nöthige Ueberdruck im Pumpenkörper von mehreren auf eine Atmoſphäre zurückging und der Gang ruhiger wurde. Die Dampfmafchine arbeitet mit 4 bis 4% Atmoſphären und o 4 bis 0.3 Füllung. Bei den engeren Ventilen waren o'5 Füllung nöthig, dafür lieferte aber auch die Pumpe in Folge der grofsen Durchgangsgefchwindigkeit in den Ventilen um 10 Percent mehr Waffer, als dem theoretifchen Volumen entſpräche, während diefs jetzt nur 2 Percent beträgt. Die Schwungräder haben je zwei Meter Durchmeffer, 300 Millimeter radiale und 160 Millimeter Breitendimenfionen und die Schubftange befitzt nur 334mal den Kurbelhalbmeffer als Länge. Der Dampf zieht durch die ganze Schachttiefe in einem gefchützten Rohre von den über Tag ftehenden Keffeln nieder, wobei er circa 5 Percent des Druckes verliert. Der Abdampf geht wieder durch eine Röhrentour nach aufwärts und heizt dabei den Wetterfchacht. Von anderer Seite erfuhr ich, dafs in einer gleichfalls circa 200 Meter langen Abdampfleitung einer diefer ähnlichen, unterirdifch aufgeftellten Matchine der Rückdruck 34 Atmosphären beträgt, was fich durch die nöthig gewordene Länge des unteren Condenſations- Wafferfackes direct mafs. Uebrigens kann diefer Dampf auch durch Einleitung in das Saugrohr weggefchafft werden, wobei H.& R. Lamberts in Burtfcheid. 153 ( theoretifch) ein Vacuum gleich der Saughöhe auftritt oder directe Condenfation angewendet werden. Es liegen nun allerdings Anzeichen vor, dafs die Nachahmung folcher Maſchinen nicht überall unbedingt empfohlen werden mufs, doch da die günftigen Erfolge der eben befchriebenen und anderer ähnlicher unterirdifch aufgeftellter Mafchinen die Vorurtheile befeitigten, welche man über die Möglichkeit der langen Dampfleitungen hegte, fo wurden hier die Betriebsergebniffe angeführt, während die eigentliche Pumpen conftruction einem andern Berichte zufällt. Andere Mafchinen. Aufser den bisherigen reinen Dampfmafchinen waren folgende DampfAntriebe, und zwar der Mehrzahl nach in Zeichnung ausgeftellt. C. Hoppe, Mafchinenfabrik in Berlin. Zeichnung der WafferhaltungsMafchinen für die Ferdinands- Grube in Ober- Schlefien. Woolf'fche Mafchine mit neben einander ftehenden Cylindern und Kurbelbewegung. Die Kolbenftangen wirken nach abwärts auf das längere Ende eines Balanciers, an deffen Gegenfeite das Pumpengeftänge hängt. Das Schwungrad liegt oben neben den Cylindern auf der Seite nach der Balancier- Axe zu und die Schubftange reicht nach aufwärts. D. Hildt in Kohlfcheid. Unterirdifche Wafferhaltungs Mafchinen. Königl. Eifengiefserei in Gleiwitz. Zeichnungen der GebläfeMafchine der Redenhütte bei Szabrze und der Förder Mafchine der Grube Jägersfreude. Direction der Rhein- Naffau'fchen Bergwerks- und HüttenGefellfchaft zu Stolberg bei Aachen. Zeichnung einer Förder- Mafchine. Efchweiler Bergwerks Verein. Luftcompreffions Pumpe. Mafchinenbau- Actiengefellfchaft Humboldt bei Cöln. LuftcompreffionsMafchine. Säch fifche Dampffchiff und Mafchinenbau Gefellfchaft. Mafchine eines Remorqueurs für die Kettenfchifffahrt auf der Elbe. Zwei geneigt liegende Dampfmaschinen( Cylinder 305 Durchmeffer, o'60 Meter Hub, 90 Touren zu Thal, 60 zu Berg) find durch die Vorgelegswelle der beiden gleichgrofsen Zahnräder der Ketten- Frictions- Winde, welche zwifchen ihnen angetrieben liegt, gekuppelt. Die Ueberfetzung gefchieht mit je 45 auf 75 Zähne bei 66 Millimeter Das Ketteneifen hat 211 Millimeter und die vierTheilung und 180 Breite. fpurigen Trommeln je 1'113 Meter Durchmeffer, woraus fich bei 18 und 12 Meter Kolbengefchwindigkeit die Schiffsgefchwindigkeit auf 31 und 2'1 Meter per Secunde ftellt. Johannes Haag in Augsburg. Dampfmaschine für den PumpenAntrieb des Aufzuges zur Rotunde. Sämmtliche diefe fowie noch mehrere andere Dampfantriebe für Speife. pumpen etc. boten bezüglich des Motors nichts Bemerkenswerthes. Die Maſchinen felbft gehören nicht in diefen Bericht. Die öfterreichifchen Maſchinen. Die Ausftellung im eigenen Lande machte es nicht nur fämmtlichen grofsen Mafchinenfabriken zur Ehrenpflicht, grofsartig aufzutreten, fondern ermöglichte es auch den kleineren Firmen, fich bemerkbar zu machen. Daher kam es denn, dafs fich hier die gröfsten, aber neben diefen auch die unbedeutendften Objecte fanden und fich nirgends ein fo vollkommener Einblick in den Gefammtzuftand des Dampfmaschinenbaues eines ganzen Staates ergab, als hier. Verglich man die Mafchinen unferer bedeutenderen Fabriken mit jenen deutfcher und fremdländifcher Conftruction, fo gelangte man zur beftimmten und befriedigenden Ueberzeugung, dafs fie den erfteren völlig ebenbürtig zur Seite und mit diefen den übrigen überlegen daftanden. Zur Steuerung der Grofsmafchinen erfchienen hier wie dort meistens Syfteme angewendet, welche fich mehr oder minder aus der„ Corlifs"-Steuerung entwickelten, oder, wo der Vortheil der andauernd gezwungenen Bewegungen hochgehalten blieb, die Füllungen vom Stande des Regulators abhängig machten Sämmtliche öfterreichiſche Mafchinen hatten, mit einer einzigen Ausnahme, einfach gegoffene Cylinder, dagegen die fonft häufiger gefondert angefügten Schieberkätten meift in einem Gufs. Die in den Schweizer Mafchinen beliebten fchmiedeifernen Kreuzkopf- Formen kommen hier, wie auch noch fonft nirgends vor; aber die Solidität der Conftruction ift, was Entwurf und Arbeit betrifft, meift untadelig und fo gut, als es überhaupt dem heutigen Stand von Wiffen und Können entfpricht. In keinem Lande müffen die Mafchnen mit geringen Conftructionskoften erzeugt werden, als in Oefterreich, wenn fie die Preisconcurrenz beftehen follen. Diefer aus manchem nicht hieher gehörigen Grunde erwachfene Mifsftand erheifcht nicht nur das Sparen mit dem Gewicht und den Bearbeitungsflächen der Mafchinen und läfst keinen Ueberflufs an Formgebungen und Bronce zu, fondern macht fich auch theilweife durch bedeutende Auflagerdrücke in den mäfsiger dimenfionirten beweglichen Theilen bemerkbar ohne dafs aber durch einen diefer Factoren die Güte des Ganzen einen wesentlichen Eintrag erlitte. Was die Formgebung der Maſchinen betrifft, fo zeigte fich faft ausnahmslos jener ruhige und ernfte Styl, welcher eine gefunde Anfchauung des Materials und feine Beanfpruchung kennzeichnet und welcher die Schönheit allein im Ebenmafs der Zweckformen fucht. Von öfterreichifchen Mafchinenfabriken befchickten die Ausftellung: Prager Mafchinenbau Actiengefellfchaft( vormals Rufton und Comp.), Corlifs- Mafchine mit origineller Steuerung. Friedrich Wannieck in Brünn, Corlifs Mafchine mit origineller Steuerung und mehrere kleinere Mafchinen. Erfte Brünner Mafchinenfabriks Gefellfchaft, Corlifs Mafchine, Wafferhaltungs- Mafchine für das Hochrefervoir und mehrere DampfAntriebe an Hilfsmafchinen. Karolinenthaler Mafchinenbau Actien gefellfchaft( vormals Lüfse Märky& Bernard), Corlifs- Mafchine mit origineller Steuerung. G. Sigl in Wien, gekuppelte Antriebmafchine und mehrere kleine Maſchinen. Prager Mafchinenbau- Actiengeſellſchaft. 155 Mafchinen& Waggonbau- Fabriks- Actiengefellfchaft in Simmering( vormals H. D. Schmid), gekuppelte Antriebsmafchine, Mafchine mit rotirender Steuerung, Syftem Radinger, und mehrere andere Mafchinen. Salomon Huber in Prag, Expanſionsmafchine. Friedrich& Comp. in Wien, Mafchine mit origineller Expanfions Steuerung. Mafchinenbau- Actiengefellfchaft( vormals Danek& Comp.) in Prag, 10 Dampfmaſchinen, darunter eine 1000pferdige Walzwerks- Mafchine, Condenfationsmafchine, Woolf'fche Mafchine etc. G. Topham in Wien, Expanfionsmafchine. Stephan Vidats in Peft, Expanfionsmafchine. Fürft Salm'fche Mafchinenfabrik in Blansko, Förder- Mafchine. Fürft Liechtenſtein'fche Mafchinenfabrik in Adamsthal, Expanfionsmafchine. J. F. Müller in Prag, Förder- Mafchine. Erich& Hoffmann in Hermanseifen, Dampfmafchine. Brüder Nobak& Fritze in Prag, Dampfmafchine. M. Peterfein in Krakau, Dampfmafchine. V. Prick in Wien. Dampfmaschine. F. H. Hedley in Wien, Modell einer originellen Mafchine. Prager Mafchinenbau- Actiengefellfchaft. Diefe grofse Mafchinenbau- Gefellfchaft( vormals Rufton& Comp) ftellte, aufser dem bereits befchriebenen Dampfkeffel- Syfteme Kux und einem Säge gatter, noch eine Corlifs- Mafchine( Patent Dautzenberg) für normalen Fabriksbetrieb und eine Förder- Mafchine aus. Die Corlifs Mafchine. Aufser der von den gebräuchlichen Arten etwas abweichenden Form des Hauptbalkens zeichnete fich diefe Mafchine hauptfächlich durch eine vom Director Dautzenberg diefer Fabrik herrührende neue Steuerung aus, welche, mit flachen Schiebern und ohne Federn arbeitend, die Vortheile der Corlifs- Mafchine ohne deren Nachtheile befitzt. Der Dampfcylinder hatte 420 Millimeter Durchmeffer und fein Kolben 0 950 Meter Hub. In der Ausftellung ging die 30pferdig benannte Mafchine leer und mit 50 Umgängen, während fie normal 60 Umgänge in der Minute machen foll, was 19 Meter Kolbenweg per Secunde entſpricht. Das Dampfzuführungsrohr mafs 105, das Rohr zum Condenfator hin 135 Millimeter lichten Durchmeffer; diefe geben( mit den Canalquerfchnitten nahezu gleiche) Flächen von 115 und 1.5 des freien Kolbens und find reichlich zutreffend für die Normalgefchwindigkeit, indem der Einftrömdampf 28 Meter Gefchwindigkeit anzunehmen braucht. Der Cylinder war ohne Mantel, aber mit feinen Schieberkäften, Dampfwegen und unteren Tragblöcken zufammengegoffen und lag direct auf dem Steinfundament. Der 150 Millimeter hohe Kolben war durch eine Hinterfchraube auf feiner 66 Millimeter dicken Stange gehalten und diefe ging in gleicher Stärke durch den rückwärtigen hohlgegoffenen Cylinderdeckel, wo fie ein Fufs auf einer Gleitfchiene trug. Diefer Tragfufs war ziemlich hoch, damit die Schiene tief genug kam, um das Wegheben des Deckels und das Nachfehen des Kolbens zu geftatten, ohne felbft weggenommen werden zu müffen. Der Vorderdeckel war bis auf die gefondert eingefetzte Stopfbüchfe an den Cylinder gegoffen. An den dennoch vorftehenden Aufsenflanfch fetzte fich hier unverfchnitten(?) das Ende der hohlliegenden Colonnenführung an, welche aus. gebohrt, vorn durch einen Schlufsring verfteift und wieder aufliegend mit Fundamentfchrauben niedergehalten war. 156 Seitlich ging der Balken, fortwährend am Fundament ruhend und mit diefem verbunden, zum eingegoffenen Kur bellager hin, fo dafs das ganze Gerüfte der Mafchine, mit Ausnahme der Geradführungsbrücke, am Fundamente auflag, obgleich es Cylinder und Lager als directer Balken verband. Ein gabelförmiger SchmiedeifenKreuzkopf hielt den Zapfen der Schubftange. Die Füb rungsplatten fetzten fich am Schlufs der Gabel mittelft Tragfchrauben ftellbar an und nahmen den Druck( alfo excentrifch) auf. Da die Dampf Spannung normal 4 Atmoſphären beträgt und die Mafchine mit Condenfation arbeitet und ferner die Schubftange 5½mal der Kurbellänge gleichkam, fo entfällt auf die 263 Millimeter breiten, 315 Millimeter langen Platten der mäfsige Führungsdruck von 15 Kilogramm per J. F. Radinger. Quadratcentimeter gleitender Fläche. D Centimeter 100 Der Kreuzkopfzapfen hatte 73 bei 105 Millimeter Dimenfion und erfuhr 84 Atmoſphären Schalendruck; er war nach aufsen verlängert, wo er mit einer Nebenfchubftange den Luftpumpen- Antrieb beforgte. Die Schubftange endete beiderfeits mit künftlich gefchloffenen Köpfen, deren Bügel je zwei Querftreifkeile und eine Schraube fefthielt, während die Schalen durch je einen Hinterkeil anzuziehen waren. Der Kurbelzapfen mafs 86 Millimeter Durchmefler und 120 Millimeter Länge. Er hat mit 65 Atmoſphären Schalendruck und o 84 Kilogramm- Meter fpecififcher Abnützarbeit zu arbeiten, war vorn mit einer vorgefchraubten Bundplatte verfehen und fteckte felbft in einer fchmiedeifernen Kurbel. 000 Mafsftab 1:48 der Natur. Prager Maſchinenbau- Actiengeſellſchaft. o O O 5 Meter 157 Die Welle ruhte ohne jeden angedrehten Bund im Hauptlager. Vorn fchlofs wohl die Kurbel und hinten das Excenter( faft) dicht ans Lager, aber fonft blieb fie fich felbft überlaffen. Sie war im Lager 160 Millimeter dick und die Schalen waren 300 Millimeter lang, was 14 AtmoſphäAuflagedruck 0.34 Kilogramm- Meter fpecififche Abnützarbeit gibt. ren und Die Schalen des viertheiligen Kurbellagers waren aus Gufseifen und mit Weifsmetall ausgewaren nur goffen. Sie hatten keine Borten, fon dern durch die jederfeits zwei, halb in fie und halb in die Lagerwangen verfenkten Anzugkeile der Seiteneinftellung fixirt, welche mit Schrauben von der oberen Fläche des Lagerdeckels aus anzuziehen waren Dei Lagerdeckel felbft war verfchnitten und übergreifend und jederfeits durch eine ftarke Deckelfchraube gehalten, während der mitgegoffene Grundbalken knapp neben dem Lager ans Fundament gebunden war. Durch diefe enge Conftruction, welche trotzdem reichliche Auflagerflächen darbot, blieben die Hebelarme aller wirkenden Kräfte klein und das ganze Syftem wurde fo ftarr als möglich. Unmittelbar hinter dem Lager und faft daran ftreifend. fafs das Steuer Excenter, von deffen gufseifernem Ring die aus zwei Blechfchilden beftehende Excenterftange zur eigentlichen Steuervorrichtung ging; dann verdickte fich die Welle auf 170 Millimeter und kam eine Riemenfcheibe für den Antrieb des PorterRegulators, der in der halben Führungslänge am Seitenbalken ftand und deffen Manchette bei der letzten Ausführung einfach eine horizontale Stange mit Keil Anfchlägen feftzuhalten oder zu verfchieben hatte. 158 J. F. Radinger. Das Schwungrad, welches abgedreht war und zugleich als Riemenfcheibe diente, war in Einem gegoffen, gefprengt und durch Ringe um die Nabe und Einlagkeile im Kranz wieder verbunden. Das Rad hatte 3.80 Meter Durchmeffer und fein im Kern nur 110 Millimeter dicker Kranz war durch innen 60 und am Rande 40 Millimeter ftarke Angüffe T- förmig geftaltet und auf 420 Millimeter Breite gebracht. Die radiale Dimenſion betrug 410 Millimeter. Die Kranzverbindung gefchah in einwärts offenen Schlitzen, in welche die Keile( 35 und 80 Millimeter Querfchnitt) einfach von der Innenfeite einzulegen waren. Die Luftpumpe lag nebft einer Speifepumpe und dem Lager des HohlgufsVerticalhebels, der vom Kreuzkopf durch die Nebenfchubftange angetrieben wurde, auf einem Rahmen in der Nähe des Kurbellagers unten im Fundament. Der Verticalhebel war ungefähr 2 Meter lang; in feinem unteren Drittel hing die Antriebsftange für den Rohrkolben der Luftpumpe, welche mit dem Condenfator zufammengegoffen war und zu dem das Dampfrohr vom Cylinder her mit durchwegs zugängigen Flanfchenverbindungen führte. Der Einfpritzhahn ftand dann gleichfalls vorn beim Lager. Wefentlich neu und als wahre Verbefferung anzufehen war die innere Steuerung. Diefe fand mit vier ebenen und leicht zugängigen Platten ftatt, welche nach dem Syftem Corlifs wirkten, ohne den Nachtheilen der runden Schieber, der ungleichmässigen Abnützung und den daraus folgenden Undichtheiten ausgefetzt zu fein. Auch war blos der Dampfdruck allein für die Schliefsung der einmal ausgerückten Einftrömplatten verwendet, wodurch die mitunter träg fallenden Gewichte oder dem Bruch ausgefetzten Federn entfielen. An jedem Ende des Cylinders befand fich nämlich ein feitlicher Schieber kaften, von dem eine( die äufsere) Spalte in den Cylinder und die andere in den angegoffenen Längscanal zur Ausftrömung führte. Jede Cylinderfpalte war dauernd offen, während die Ausftrömfpalten durch je eine ebene Platte geöffnet oder gefchloffen wurde. Diefe Bewegung gefchah von einem zwifchen den beiden Schieberkaften fchwingenden Steuerhebel aus, deffen tiefgelagerte Grundwelle mit einem weiter aufsen aufgekeilten Arm vom Excenter angetrieben wurde. Auf der oberen Horizontalwand jedes diefer Schieberkäften befand fich nun eine Dampfkammer angegoffen und die durchführende Verbindungsöffnung von abermals einer ebenen Platte bedeckt. Diefe Oeffnung war annähernd qua dratifcher Form, was die Gröfse des Umfanges reducirt und daher das Abdichten erleichtert. Diefe letzteren( die Einftröm-) Platten erhielten nun gleichfalls ihre Bewegung vom fchwingenden Steuerhebel, indem fie an( 40 Millimeter dicken) Stangen hingen, welche nach aufsen reichten und je ein Charniereftück trugen, an die das flahlarmirte Ende des Steuerhebels fchlug. Die Charniereftücke ruhen aufsen auf der unteren Schiene eines rechteckigen Hohlrahmens, deffen obere Schiene auf zwei gleichen Keilen der horizontalen, von der Regulatormanchette mittelft Winkelhebel geftellten Regulatorftange liegt. Durch das Heben oder Senken der Manchette hebt oder fenkt fich daher auch der Tragrahmen der Charniereftücke. Nachdem aber der Steuerhebel einen Bogen befchreibt, fein fchwingendes Ende bei deffen mitteren( Vertical) Lage angreift und fich nach abwärts fenkt: fo werden die Anfchläge defto eher aufser Eingriff kommen, je höher der Tragrahmen und mit ihm das Ende des jeweilig angedrückten Charniereftück Endes der Einftröm Schieberftange fteht. Da die Stellung des Tragrahmens vom Stande des Regulators abhängt, fo wirkt diefer direct auf die Füllung, und da nur ein Excenter vorhanden, ift jene voll oder mit circa 40 Percent begrenzt. Das Schliefsen der Einftrömfchieber beforgt der directe Dampfdruck auf die in der Stopfbüchfe 40 Millimeter dicken Schieberftangen. Nachdem bei gröfserem Drücken auch eine gröfsere Kraft zur Ueberwindung der Reibung Prager Mafchinenbau- Actiengeſellſchaft. 4943 Centim. 100 0 O 159 I Meter Mafsftab 1: 24 der Natur. benöthigt wird, ergibt fich diefe hier von felbft; für ganz kleine Spannungen würde der Druck vielleicht nicht ausreichen, aber folche find bei einer hochexpandirenden Mafchine ohne diefs nicht zuläffig. Bei 4 Atmoſphären Ueberdruck ftellt fich der fchliefsende Druck auf diefe Stange mit 50 Kilogramm heraus. Er beforgte den Schlufs thatfächlich fchnell und diefer wurde durch je einen Luftkolben aufsen auf der Schieberſtange gebremft. Der untere Schieberkaften bildet hier einen fogenannten fchädlichen Raum. Diefer ist nun durch feine aufs Nöthigfte befchränkten Abmeffungen mög. lichft reducirt, und da er bei der hochexpandirenden Mafchine feinen Dampt meiftentheils in den Cylinder fendet, fo ift der wohl gröfsere Raum nicht im gleichen Mafse fchädlicher zu nennen. Das Lager für die Welle des Steuerhebels ftand auf einer zwifchen die Cylinderfüfse gefchraubten. gefenfterten Grundplatte, die zugehörigen Lager waren viertheilig mit Seitenfchrauben, der Hebel felbft war Gufs. Die Mafchine arbeitete anfangs in Folge eines Räderwerkes am Regulator nicht ohne Anftände. Nachdem aber diefes entfernt und durch das neue einfache Geftänge erfetzt war, wurde die Arbeit tadellos. Die leichte Zugängigkeit der ebenen Platten und diefe felbft machen es jedem nur halbwegs richtigen Mafchiniften möglich, die Stellung derfelben etc. zu beforgen, und der Wegfall der Federn gibt dem Ganzen, aufser einer erhöhten Sicherheit gegen Störungen einen billigen Preis. Zu Schlufs der Ausftellung wurde für diefe Mafchine 7900 fl. ohne Condenſation und 8900 fl, wenn mit Condenfation, begehrt. . Die Förder Mafchine. Diefe war für einen 380 Meter tiefen Schacht und zur Hebung von 1250 Kilogramm Nutzlaft mit 5 bis 7 Meter Gefchwindigkeit per Secunde gebaut. Sie beftand aus zwei gekuppelten Dampfmaschinen von je 500 Millimeter Cylinderbohrung und 19 Meter Kolbenhub, auf deren gemeinſamer Kurbelwelle zwei Bobinen von je 3 Meter kleinftem Durchmeffer für das Bandfeil fafsen. Die Cylinder lagen mit jederfeits zwei Pratzen- und zwei durchreichenden Fundamentfchrauben gebunden auf den unten durchgehenden, je in Einem gegoffenen, oben gehobelten Bettrahmen, welche vor der Führung mit je einem einzigen Arm zum angegoffenen Kurbellager reichten. Die Cylinder waren 160 J. F. Radinger. mit nebengefchraubten Ventilkäften für die Ventilfteuerung verfehen; vorn hatten fie angegoffene und verrippte Deckel mit vorgefchraubtem Stopfbüchfenkopf, hinten jedoch normale Deckel mit Stopfbüchfenführung für die verlängerten Kolbenftangen. Das Einftrömrohr jeder einzelnen Mafchine hatte 120, das Ausftrömrohr 170 Millimeter lichten Durchmeffer oder 1/17 und 1/ 8.4 der freien Kolbenfläche an Querfchnitt. Normal arbeitet die Mafchine mit 32 Huben per Minute oder 2 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde, für welche die Canäle( Conftante 1/34) noch eben ausreichen. Die Rauminhalte der Ventilkammern waren durch tief einhängende Deckel möglichft reducirt und die unten faft tangirenden Dampfwege beforgten die Condenfationswaffer Abfuhr von felbft. Vorn war je ein gufseiferner Gabelkreuzkopf auf die 85 Millimeter dicken Kolbenstangen gekeilt. Jede Traverfe trug an ihren beiden Enden gufseiferne Geradführungsblöcke, welche mit unterlegten und durch Stellfchrauben in den Nifchen der Blöcke nachftellbaren Bronceplatten von je 130 Millimeter Breite und 400 Millimeter Länge armirt waren. Da nun die normale Dampffpannung 4 Atmoſphären beträgt und die Schubftange 4'8 Mal fo lang als die Kurbel war, fo ftellt fich der Maximal- Führungsdruck auf 15 Atmoſphären, das ift genau fo hoch als in der andern( Corlifs-) Ausftellungsmafchine diefer Firma. Die beiderfeitigen Führungsfchienen lagen ziemlich nahe beim Kreuzkopf, die unteren waren an den Grundrahmen angegoffen, die oberen aber als flache fchmiedeiferne Lineale aufgefchraubt. Die 4.6 Meter lange Schubftange endete jederfeits mit urfprünglich offenen Köpfen, welche aber je ein überlegter und feftgeftellter Bügel fchlofs. Das Feftftellen gefchah durch beiderfeitige halb in den Bügel und halb in die Stange verfenkte Querkeile und eine die Keile blofs ftreifende Durchfteckfchraube. Die Schalenkeile ftanden beide einwärts und endeten mit Anzugsfchrauben. Kreuzkopf und Kurbelzapfen waren gleich, und zwar je 130 Millimeter lang; erfterer 86, letzterer 92 Millimeter dick, fo dafs der Schalendruck 68 und 64 Atmoſphären und die fpecififche Abnützarbeit o 47 Kilogramm- Meter betrug. Der Druck auf die Kurbelzapfen ift alfo wieder genau derfelbe wie bei der anderen Ausftellungsmafchine, die Abnützarbeit dort aber faft doppelt fo grofs als hier. Der Kurbelzapfen endete auch hier mit einer vorgefchraubten Bundfcheibe. Die zwifchen den( angegoffenen) Lagern 263 Millimeter ftarke Bobinenwelle fetzte fich in diefen auf 237 Millimeter ab und lag 400 Millimeter lang in den Schalen, vor welchen fie die fchmiedeifernen Kurbeln felbftverſtändlich unter 90 Graden trug. Der Lagerdruck macht hier nicht mehr als 8 Atmoſphären und die fpecififche Abnützarbeit 0 15 Kilogramm- Meter aus. Die Lagerfchalen waren wieder in guter Weife, ohne vorgefetzte Borten und von den Seitenkeilen etc. allein gegen das Verfchieben gefchützt, wodurch ein längeres, ftarres Aufliegen der Zapfen, ein breiterer Lagerfufs und ein gefchloffenes Anfehen erreicht wird. Der Lagerdeckel war überfchnitten und durch jederfeits eine ftarke Schraube niedergehalten, während je zwei Seitenkeile das Ganze nachftellbar machten. Die Steuerung gefchah von einer genau in der Maſchinenmitte( zwifchen den beiden Cylindern) liegenden und zwifchen den Bobinen mit gleichen Kegelrädern angetriebenen Längswelle aus welche bis hinter die Cylinder lief. An jedem Cylinderende befanden fich je in gemeinfamer Kammer ein Einftröm- und ein Ausftröm- Doppelfitzventil, welche mit oberen Winkelhebeln durch den Zug je einer Verticalftange geöffnet werden konnten. Auf der Steuerwelle fteckten nun direct und in der Ebene der Ausftrömventile je eine unrunde Knaggenmuffe, auf welche jede fich die ftählernen Enden von zwei nach den beiden Seiten quer wegreichenden Winkelhebeln ftützten. Diefe reichten gegen die beiderfeitigen Cylinder zu, und griffen am Gegen Prager Mafchinenbau- Actiengefellſchaft. 161 ende jene verticalen Zugftangen an, die für das Heben der Ausftrömventile dienten. Aehrlich gefchah auch die Bewegung der Einftrömventile. Nur waren die zugehörigen Knaggenmuffe wegen der Umfteuerung paarweife unter 180 Grad verfetzt vorhanden und nicht direct auf die Steuerwelle, fondern auf ein Rohr gekeilt, welches mit Längskeil auf derfelben verfchiebbar war. Diefes Rohr verfchob fich nun während des Ganges der Mafchine von felbft, indem neben der Haupt- Steuerwelle eine von diefer durch Stirnräder mitgenommenen Nebenwelle lag, welche mit Gewinde und Mutter in eine Manchette des Rohres griff. Nachdem aber die Erhöhung der Knaggenmuffe nur auf der Seite geradezu begrenzt war, welche die Einftrömung zu öffnen hatte, während die Abfallfeite nach einer Schraubenlinie endete, fo wurde der jeweilige angedrückte Steuerhebel defto eher frei, je weiter das Rohr verfchoben lag Auf diefe Art wurde die Füllung genau im Verhältniffe kleine, als das nach aufwärts fteigende Seil kürzer und leichter, und das niederhängende Seil länger und fchwerer wird, und es kann fo ein vollkommen gleichmässiger Gang der Mafchine und die möglichfte Dampf- und Kohlenerfparnifs erreicht werden. Letztere macht fich aufser auf directe auch noch auf indirecte Weife bemerkbar, indem die Keffel reiner und gefchonter bleiben. Diefer felbftftellende Expanfionsmechanismus ift aber durch Anziehen der Klinge des Umfteuerungshebels aufser Gang zu bringen, indem diefer die Mitnehmmutter lüftet, fo dafs in jedem Augenblicke die Maſchine( bei ausgelegtem Hebel und gehaltener Klinge) auch ohne Expanfion arbeiten oder ungefteuert mit einer grössern oder geringern Füllung( bei halb ausgelegtem Hebel, eingefallener Klinke) neuerdings zu arbeiten beginnen und aus jeder beliebigen Etage gefördert werden kann, ohne dafs eine andere Einftellung als die der Klinke nöthig wäre. Am unteren Ende des Umfteuerungshebels hängt noch eine horizontale Stange für einen gemeinſamen Schieber in jenem tiefliegenden Kaften, der die Dampfgabelung beforgt. Indem nun diefer Schieber die Zuleitung gefchloffen hält, wenn der Umfteuerhebel vertical fteht, fo ift der Stillftand der Mafchine doppelt ficher. An diefer Schieberftange kommt ferner ein kleiner Anfchlag, der bei jedesmaliger Bewegung das Condenfationswaffer aus dem Fufs des Kaftens entläfst. Aufser den beiden Doppelfitzventilen für Ein- und Auslafs war noch ein drittes felbftthätiges Ventil in jedem Gehäufe, welches vom Dampf der Keffelfpannung niedergehalten war und zur Sicherheit für den Fall dienen foll, als fich bei einem der Auslafsventile eine Betriebsftörung einftellt. Beigefügt mag noch werden, dafs für die eingangs erwähnte Teufe 36 Touren der Mafchine nöthig find, dafs fich auf der langen Steuerwelle ein Index verfchiebt, der die Lage der Förderfchalen angibt, und dafs zwei prismatisch abgedrehte Bremsfcheiben neben den Bobinen fitzen, deren eine mittelft Druckfchraube, die andere mittelft eines Kolbens angezogen werden kann, deffen Cylinder dauernd von Dampf erfüllt bleibt. Die Gegenfeite wird dann von Hand, oder vom anfchlagenden Index aus geöffnet, wodurch ein momentanes Anziehen der Bremfe erfolgt. Doch gehören all' diefe letzteren, fowie die Details der Bobinen etc. nicht in diefen, fondern in den Bericht über die Berg- und Hüttenwerksmafchinen. Die grofsen Dimenfionen, das aufsen gefchloffene Bett, die hohe Plattform, welche über der Steuerwelle und ihren Winkelhebeln lag und fie verdeckte, und die ganze ruhige Conftruction gaben in Verbindung mit der fo weit als fichtbar tadellofen Ausführung diefer mächtigen Mafchine das Gepräge eines vollendeten Werkzeuges. 162 J F. Radinger. Friedrich Wannieck in Brünn. Diefe Firma ftelte eine grofse Corlifs- Mafchine mit neuem Steuerungsfyftem und mehrere kleinere Dampfmafchinen aus. Erftere war im Gang und trieb einen Theil der öfterreichifchen Transmiffion. Die nominell 35pferdige Corlifs- Mafchine folgte in den Hauptformen dem bekannten Mufter. Der Dampfcylinder trug feine vier Schieberräume angegoffen Die und ftand mit zwei Querfüfsen und einer Grundplatte auf dem Fundament. Verbindung zum Lager hin gefchah mit einem hohlen Seitenbalken, welcher vorn die Führung gänzlich offen und unter dem Lager den direct auf das Fundament gefchraubten Tragblock angegoffen enthielt. Die Luftpumpe lag tief im Grunde und wurde von dem verlängerten Kurbelzapfen mit niederhängender Lenkftange und Winkelhebel betrieben. Die Arbeitsübertragung gefchah vom holzverzahnten Schwungrad auf eine unten liegende Welle. Der Dampfcylinder war einfach gegoffen und auf 435 Millimeter Weite gebohrt. Der Kolben hatte o 95 Meter Hub mit 50 Touren per Minute zu durchlaufen oder 1 6 Meter Gefchwindigkeit per Secunde. Das Dampfrohr für die Zuleitung mafs 115 Millimeter Durchmeffer, was 14 des Cylinderquerfchnittes und bei der oberen Kolbengefchwindigkeit 22 Meter Dampfgefchwindigkeit per Secunde gibt. Diefe mässige Gefchwindigkeit leitet den vollen Druck während des Hubes leicht in den Cylinder und da das Ausftrömrohr 150 Millimeter weit war( Cylinder Querſchnitt), fo fteht eine ungedroffelte Dampfvertheilung zu erwarten, welches auch die der Mafchine entnommenen Diagramme bezeugen. Die angegoffenen Tragfüfse des Cylinders ftanden wohl auf einer einfach gefenfterten Gufsplatte, welche gleichfam nur das für das niederführende Ausftrömrohr durchbrochene Mauerwerk zu decken hatte, aber die Fundamentfchrauben gingen durch und fafsten die Cylinderfüfse direct. Die Kolbenftange war auf der Treibfeite 67 Millimeter ftark, und rückwärts verlängert von einer Stopfbüchfe getragen. Der Kreuzkopf war gabelförmig und trug feine obere und untere Führungsplatte durch je einen centrifchen Keil nachftellbar. Die Führung gefchah mit dachförmigen Platten von je 150 Millimeter Projectionsbreite und 470 Millimeter Länge, was bei den 6 Atmoſphären abfoluten Druck auf den Kolben einen Führungsdruck von 25 Kilogramm per Quadratcentimeter gibt. Der Kreuzkopfzapfen mafs circa 70 Millimeter Durchmeffer und 100 Millimeter Länge und erfährt nachdem den bedeutenden Schalendruck von 124 Atmoſphären. Die Schubftange hatte beim Kreuzkopf einen gefchloffenen und beim Kurbelzapfen einen offenen Kopf. Der Bügel des letzteren war jedoch mit dem Stangenende durch zwei Querftreifkeile und die Beilagzange des nach ein wärts der Schalen fitzenden Keiles feft verbunden wodurch die Stangenlänge leichter zu erhalten bleibt. Der Kurbelzapfen war 95 Millimeter dick und 132 Millimeter lang. Ihn belaftet die Schale mit 69 Atmoſphären Auflagedruck, welche bei der Drehung 0.82 Kilogramm- Meter Abnützarbeit per Quadratcentimeter und Secunde erleidet. Der Kurbelzapfen itak von rückwärts in der fchmiedeifernen Kurbel und wurde durch die Stange nicht genau in feiner halben Länge, fondern etwas mehr gegen Innen zu angegriffen, was feine eigene Feftigkeit erhöht und auch im Verein mit dem Umitand, dafs die Kurbel mit o 8 Bohrungsdurchmeffer als Nabenlänge und ohne Friedrich Wannieck in Brünn. 163 Zwifchenbund vor dem Lager fafs, die Hebelmomente für Welle und Seitenbalken möglichft verringert. Die Kurbelwelle ging mit der gleichen Stärke von 171 Millimeter und ohne jeden Bund durch Excenter, Lager und Kurbelnabe. In den Schalen lag fie 342 Millimeter lang. Hier herrfchte der geringe Auflagedruck von 15 Atmoſphären und die geringe ſpecififche Abnützarbeit von 0 32 Kilogramm Meter. Das Kurbellager war mit dem Hauptbalken zufammengegoffen, jede Seite feiner viertheiligen Schalen durch je eine Keilfchraube von oben ftellbar und der übergreifende Deckel mit jederfeits 2 Schrauben niedergehalten. Das Schwungrad mafs 4'24 Meter Durchmeffer und hatte 4000 Kilogramm Gewicht. Sein Kranz, von( radial) 150 Millimeter Höhe und 250 Breite, enthielt die Schlitze zur Aufnahme der 180 Holzzähne( Theilung 110, Breite 200) direct eingegoffen. Das Rad war zweitheilig und die Fuge ging durch zwei einander gegenüberliegende Arme; die Verbindung gefchah durch jederfeits eine Schraube in der Nabe, eine in 1 Armlänge und eine knapp inner dem Kranz. Der Keil fafs im Schnitt. Die Condenfation fand in dem vertical abwärts führenden, 280 Millimeter weiten Ausftrömrohre ftatt, in deffen Achse das Einfpritzwaffer von unten aufftieg, und ober dem es durch ein conifches Ventil regulirbar gleichfam eine Waffertaffe bildete, auf welche der Dampf traf und mit deren Tropfen er niederfallend condenfirt wurde. Wie ich hörte, bewährte fich diefe Vorrichtung, welche den Verbrauch an Einfpritzwaffer auf ein Minimum reduciren foll, anfangs nicht, indem der Dampf die Waffertaffe nicht durchbrechen konnte und hohen Gegendruck verurfachte. Durch Einfchaltung von Stegen oder Anbringung einer durchlöcherten Rofe ward aber der Mifsftand bald behoben und ein gutes Vacuum erzeugt. - Die doppelwirkende Luftpumpe lag tief im Fundament und gleichzeitig mit der Speifepumpe vom Verticalarm eines gufseifernen Winkelhebels angetrieben, deffen dreimal fo langer Horizontalarm durch eine Lenkftange mit den Kurbelzapfen in Verbindung ftand. Während der Ausftellung war fie aber nicht dauernd in Wirkung, weil der Abflufs der Condenſationswäffer durch die Sickergruben nicht reichlich genug von Statten ging. Der Luftpumpkolben hat 310 Millimeter Durchmeffer und o 315 Meter Hub, wodurch das von ihm befchriebene Volumen des vom Dampfkolben durchlaufenen Volumens beträgt. Die Mafchine war mit einem in der halben Länge der Geradführung oben auf den Hauptbalken geftellten Porter'fchen Regulator verfehen, welcher von einem Riemen angetrieben wurde, und deffen Manchette mit gerade niederhängender Stange einen der Arme zweier quer auf dem Hauptbalken knapp neben einandergelagerten kurzen Wellen ergriff, welche durch zwei kleine Kraufelräder in Verbindung ftanden. Diefe kurzen Wellen mufsten daher im entgegengefetzten Sinne ofcilliren, falls der Regulator fpielt. Aufsen an den freien Enden, d. i. ober den Steuerftangen, hing von jeder Welle ein Arm nieder und jeder griff eine Horizontalftange an, auf welcher je ein Ausrückkeil fteckte. Diefe beiden Ausrückſtangen und durch fie die Keile wurden daher beide nach einwärts oder beide nach auswärts, aber ftets im fymmetrifchen Sinne vom Regulator bewegt. Was nun die Steuerung felbft betrifft, welche durch den Regulator beherrscht wird, fo ift das eine nach dem Syftem Wannieck- Köppner geänderte Corlifs- Steuerung, welche alle Füllungsgrade zuläfst. Die Steuerung befteht vorerft aus einem Excenter, welches mit normalem Voreilwinkel eine in der halben Cylinderlänge angebrachte Corlifs- Scheibe fchwingen macht, an der die vier Drehfchieber- Stangen hängen. Die Verbindungsftangen, welche von den obern Zapfen auf der innern Seite der Corlifs- Scheibe zu den Schieberhebeln führen und diefe ziehend öffnen, 164 J. F. Radinger. Friedrich Wannieck in Brünn. 165 ( O) Centimeter 100 I 2 Meter gehen nicht im Ganzen von Kopf zu Kopf, fondern beftehen aus zwei mit einem Verticalanfchlag hakenförmig gekuppelten Theilen, welche( ob in Verbindung oder ausgelöft) fich durch eine Längsverfchneidung in einander führten. Die AusMafsftab 25 der Natur. löfung der Mitnehmerhaken gefchieht aber hier durch ein Ausftofsen derfelben in horizontaler Richtung, und diefs bewirkt ein horizontaler Riegel, welcher felbft wieder an der betreffenden Stelle vorgeftofsen wird. 166 J. F. Radinger. Jeder der beiden Ausrückriegel ftützt fich nämlich mit der Hinterfeite auf je ein Gleitftück, welches von der flachen Stange eines zweiten, innerhalb des erften liegenden Exenters mitgenommen wird und auf diefer der Quere nach verfchiebbar ift. Vorn auf der Riegelfeite find diefe Gleitftücke von Verticalen begrenzt, welche der Stangenachfe parallel liegen. und daher den Riegel trotz des Hin- und Herganges nicht vorfchieben werden, fo lange fie felbft keinen Anftofs erfahren. Diefe Gleitftücke tragen aber auf der Rückfeite verticale Keilflächen und diefe gehen vor den bereits oben erwähnten ftellbaren Keilen der Regulatorftangen einher. Erfolgt nun zwifchen den Keilflächen das Antreffen( unter der fortwährenden Längsbewegung der Ausrück- Excenterftange), fo wird das quer nach vorn verfchiebbare Gleitftück ausweichen und deffen Vorderfeite mufs den Ausrückriegel vordrücken, welcher fich auf fie ftützt, und fo die Hakenmitnehmung des Einftrömfchiebers löfen. Nun fitzt aber jenes Excenter, deffen Stange die Auslös- Gleitftücke trägt, unter 180 Grad gegen die Mafchinenkurbel und bewegt feine Stange daher während des ganzen Hubes im gleichen, dem Kolbenlauf entgegengefetzten Sinne. Das Einholen der Regulatorkeile und mit dem die Auslöfung kann daher bei jeder Kolbenftellung und für jeden Füllungsgrad erfolgen, was bekanntlich bei den einfachen Corlifs- Steuerungen nicht angeht, indem dort das eine EröffnungsExcenter bereits bei circa 40 Percent des Kolbenlaufes die Bewegungsrichtung feines ganzen Geftänges ändert, und keinen Theil desfelben mehr einem Anfchlag nähern kann, den es nicht bereits während des Hinganges paffirt hätte. Erwähnt mag noch werden, dafs diefes zweite, hier zugegebene AusrückExcenter und feine Stange bedeutend fchwächer als das Hauptexcenter gehalten ift, indem es keine Kraft zu übertragen hat. Es fteckt auch nicht auf der Welle fix gekeilt, fondern mit einer Klemmfchraube im Kreisfchlitz an jener Riemenfcheibe, welche zwifchen ihm und dem Hauptexcenter fitzt und den Regulator antreibt. Der Kreisfchlitz erlaubt eine Aenderung der Excenterftellung, wodurch ( wenn der Voreilwinkel, welcher oben mit 90 Grad angegeben ift, verkleinert wird) die mögliche Füllungsgrenze befchränkt und der weitere Vortheil erreicht wird, dafs die Gleitftückwege in der Nähe der Normalfüllungslagen energifcher werden. Zur Begründung der Nothwendigkeit einer folchen, alle Füllungsgrade zulaffenden Conftruction führt F. Wannieck an, dafs bei manchen Fabricationszweigen, wie es z. B. in der Tuchmacherei der Fall ift, derartig vorübergehende günftige Gefchäftsconjuncturen eintreten, bei welcher eine gefteigerte Betriebskraft benöthigt wird und wobei die Brennmaterialfrage gegen die Möglichkeit, mit derfelben Mafchine fortarbeiten zu können, gänzlich zurücktritt. Wenn dann noch Geld, Raum oder Zeit fehlt, eine zweite Mafchine aufzuftellen, fo mag, falls die Transmiffion ftark genug und Refervekeffel vorhanden find, folch eine forcirbare Mafchine allerdings dankbar geíchätzt werden. Das Schliefsen der ausgelöften Einftrömfchieber gefchieht durch lange, mehrblätterige Flachfedern( Länge annähernd gleich der Cylinderlänge), welche unter dem Fussboden des Mafchinenhaufes liegen. Diefe find mittelft Hängftützen an die zwifchen Cylinder und Fundament- Mauerwerk gelegte Gufsplatte gespannt und ergreifen an ihrem freien Ende je eine Verticalftange, die zu den Winkelhebeln der Einftrömfchieber führt. Durch den Zug der Corlifs- Scheibe wird jede nach aufwärts gebogen und federt nieder, wenn die Ausrückung erfolgt. Die Verticalftange geht dabei mit aufgefteckten Kolben durch einen Luftpuffer, der die Schlufsbewegung rechtzeitig bremft. Die Ausftrömfchieber dichteten nicht auf der Auslafsöffnung des Schiebergehäufes, fondern auf der Spalte vom Cylinder her, wodurch entgegen allen übrigen Friedrich Wannieck in Brünn. 167 Corlifs Steuerungen die Hebel nach unten gekehrt erfchienen. Diefs macht wohl die fchädlichen Räume etwas kleiner, bringt jedoch die Gefahr des leichteren Undichtwerdens mit fich, nachdem Dampf- und Condenfatordruck die Schieber von ihren Schliefsflächen zu entfernen ftreben. Nun läuft allerdings der cylindrifche Rücken des Schiebers auf der Gegenfeite des Gehäuſes und ftemmt fich dem Wegdrücken entgegen; jedoch die Abnützung auf diefer unter dem vollen Druck arbeitenden Lauffläche und mit ihr ein Leckwerden des Schiebers dürften fich dennoch bemerkbar machen. F. Wannieck theilt mit, dafs er folch' eine Steuerung bereits feit mehreren Jahren beobachtet und dafs fie fo regelmässig functionirt, wie man diefs nur imme von Corlifs- Steuerungen erwarten kann. Friedrich Wannieck ftellte ferner mehrere kleinere Mafchinen aus, deren eine 15pferdig benannt war und 370 Millimeter Cylinderdurchmeffer bei o 632 Meter Hub befafs. Die fogenannt 6pferdige hatte 198 Durchmeffer und 0.395 Hub. Die Cylinder diefer Mafchine trugen angegoffene Schieberkäften und lagen auf verhältnifsmäfsig niedrigen( bei der gröfseren 145 Millimeter hohen) unten durchlaufenden kaftenförmigen Bettbalken auf. Diese Bettbalken enthielten je die ( allein vorkommende) untere Führung und das Kurbellager angegoffen, welch' letzteres jederfeits mit einer Deckel- und einer Keilfchraube verfehen war. Die Führung fand dabei nur unter den Rändern der normalen Führungsplatte ftatt, indem fich nur dort gehobelte Flächen fanden, während die Mitte einfpringend war und unbearbeitet blieb; die Schubftangenköpfe waren an beiden Enden gefchloffen. Die Dampfvertheilung gefchah bei der gröfseren Mafchine mit einer Meyer- und bei der kleineren Mafchine mit einer während des Ganges nicht verftellbaren Zweifchieber- Steuerung. Regulirt wurden diefe Maſchinen durch Porter- Regulatoren, welche mit Oeltopf verfehen waren und auf Einftröm- Ventilkolben wirkten. Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Gefell fchaft. Die Ausftellung der Fabriken diefer Gefellſchaft beftand in einer CorlifsDampfmafchine, welche in der grofsen Halle einen Theil der öfterreichischen Transmiffion betrieb, der Wafferhaltungsmafchine für das Hochrefervoir, einer kleineren Halblocomobilen- Dampfmafchine und mehreren, nicht in diefen Bericht gehörigen Hilfsmafchinen für den Bergbau wie: Luftcomprefforen, Haspeln etc. Die Corlifsmafchine gehörte nach ihren Verhältniffen zu den beften und fchönften Mafchinen der heutigen Tage. Im Principe bot fie wohl nichts wefentlich Neues, jedoch ihre reichlichen Abmeffungen und geringen specififchen Abnützungsdrücke laffen die volle Kraftentwicklung zu und geben den Einzeltheilen eine Sicherheit und lange Dauer, wie fie höher in keiner Mafchine der ganzen Ausftellung vorkommt. Der Anordnung nach war es eine reine Corlifs- Bajonnetmaschine mit jener neuen echten Corlifs- Steuerung, bei welcher die fchwingende Scheibe vor dem Vorder- Ende der Dampfcylinder fteht und die Schlufsbewegung der Schieber mit je einer langen, fäbelförmigen Blattfeder gefchieht. Die Mafchine ift 30pferdig benannt, arbeitet normal mit 4 Atmoſphären Ueberdruck, 110 Füllung und Condenfation. Der Dampfcylinder hat 395 Millimeter Durchmeffer und der Kolben o'95 Meter Hub. Das Dampfzuleitungsrohr mifst 105, das Rohr zum Condenſator hin 140 Millimeter, was 14 und 18 der freien Kolbenfläche entfpricht und für die normalen 60 Umgänge( 1.9 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde) reichlich genügt, indem der Dampf nur mit 25 Meter per Secunde zu ftrömen braucht. Die Ein- und Auslafsfpalten haben nach Angabe der Fabrik 20 und 35 Millimeter ΙΟ 168 J. F. Radinger. Breite bei 315 Millimeter Länge; ich glaube aber 26 und 36 Millimeter Breite bei 260 Millimeter Länge gemeffen zu haben, welch' beide Dimenfionirungen die gleichen Flächen von circa 1/17 für die Einftrömung und 10 Cylinderfläche für die Ausftrömung geben. Diefs find eben genügende Verhältniffe, indem bei der hier herrfchenden Kolbengefchwindigkeit die Einftröm conftante 1/2 wird. Der Kolben war zweitheilig, rückwärts nicht getragen und auf der 66 Millimeter dicken Stange durch eine centrale Hinterfchraube befeftigt. Die zwei breiten Dichtungsringe waren auf der Hinterfeite, mit Ausnahme dreier kleiner Vorfprünge, nicht gedreht, um die härtere Gufshaut zu belaffen, welche die Federung der mit 40 Millimeter Ausfchnitt felbftfpannenden Ringe ganz wefentlich erhält. Der Cylinder war mit keinem Dampfmantel verfehen, fondern nur mit fchlechten Wärmeleitern umkleidet. Der Vorderdeckel, fowie die vier Rundfchieberkäften waren angegoffen und unten lag er auf einem hohlen Tragblock angefchraubt, in dem die Ausftrömung ftattfand, um vom tiefften Punkte weg in den untenliegenden Condenfator zu gelangen. An dem Cylinderdeckel fetzte fich der verfchnittene und aufsenverfchraubte Colonnentheil des Seitenbalkens, welcher fich am Ende der Führungen nochmals fchlofs. Die Führungen waren rund ausgebohrt und nahmen die nachft ellbaren Führungsplatten von 192 Millimeter Breite und 290 Millimeter Länge auf, welche der 5fachen Schubftangenlänge wegen 22 Kilogramm per Quadratcentimeter maximalen Druck übten. Die Kolbenstange war mit dem Gabelkreuzkopf verkeilt, deffen Zapfen bei 92 und 110 Millimeter Dicke und Länge genau wie der gleichgrofse Kurbelzapfen 56 Atmoſphären Schalendruck und letzterer o 78 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit erfuhr. Die Schubftange endete an beiden Seiten mit gefchloffen gefchmiedeten Köpfen, deren Innenfchalen je durch einen Schraubenzugkeil nachzuftellen war. Die Kurbel war aus Schmiedeifen und ftand in beftgekannter Weife ganz knapp vor dem Kurbellager, welches keine vorfpringenden Schalenborten hatte. Die Welle lag in diefem Lager mit 162 Millimeter Durchmeffer 390 Milli meter lang auf, wodurch blos II Atmoſphären Schalendruck und o 20 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit entftehen. Das Lager war für fich gegoffen und mit einer ausnehmend grofsen Grundflanfche( Schraubenentfernung II Meter) direct aufs Fundament geftellt. Der Seitenbalken, welcher fich centrifch zur Druckrichtung aufsen an die Lagerwange anfchlofs, war mit diefer durch Bolzen und Einlagkeilen aufs Solidefte verbunden. Die Schale war viertheilig und der verfchnittene und übergreifende Deckel durch jederfeits eine einzige Deckelfchraube niedergehalten. Die Seitenfchalen wurden durch keilförmige Druckplatten mit je einer Schraube im Deckel geftellt. Hinter dem Lager war ftatt des Bundes eine breite Platte( Stellring) verwendet, deren Nabe bis zu dem etwas entfernter ftehenden Steuerexcenter verlängert war, um auf der Welle nicht eine häfsliche und einer Eindrehung gleichfehende Rinne zu bilden. Die Achfe war mit den möglichft wenigen Abfätzen gedreht, mass in der Radnabe 190 Millimeter und wog circa 350 Kilogramm. Das Schwungrad mafs 3.80 Meter Durchmeffer und fein gerade gedrehter Rand war 345 Millimeter breit. Es wog complet 3600 Kilogramm und war zweitheilig hergeftellt, aber mit vorn aufgezogenen Ringen in der Nabe und je einem Einlagkeil im Kranze verbunden. Die Arbeitsübertragung gefchah mit einem 320 Millimeter breiten, 15 Millimeter dicken Gliederriemen, deren Vortheile ( halber Preis als ein gleich ftarker Kernlederriemen wegen der Herſtellung aus Abfchnitzel und Selbftſpannung durch das gröfsere Eigengewicht, ferner gleichmäfsige Kraftübertragung ud lange Dauer des geraden Laufes) fchon langebekannt find. Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Gefellſchaft. 169 Von dem verlängerten Kreuzkopfzapfen mit einer Lenkftange und 13 Meter langem Verticalhebel angetrieben, lag die Luftpumpe tief im Fundament. Sie hatte 246 Millimeter Durchmeffer, o 237 Meter Hub, was 1/10 des Cylindervolumens entfpricht und das gute Vacuum von 71 Centimeter gab. Luftpumpe, Condenſatorraum, die geneigten Fenſter der Saugklappen und die oberen horizontalen der Druckklappen- Sitze bildeten ein Gufsftück, während der Warmwafferkaften oben aufgefetzt war. Dadurch blieben die unnöthigen Räume klein und die Zahl der Verfchraubungen gering. Gleichfalls war der vordere Deckel der Luftpumpe mit der Stopfbüchfe und einer rohrförmigen. Geradführung für den kleinen Kreuzkopf, an den die Hebelftange griff, in Einem gegoffen. Die Hebelachfe felbft fand ihren Drehpunkt in zwei Gufsbogen, die parallel nebeneinanderliegend fich unten auf den Stein ftützten und über das Geradführungsrohr hinweg zum Condenfationskaften reichten, an welchen fie angefchraubt waren. Die Steuerung kann als bekannt vorausgesetzt werden, indem fie bereits auf der Parifer Ausftellung auftrat. Sie folgt übrigens der bei der Maſchine von Reinicke( Seite 117) gezeichneten Anordnung. Dafs fie wohl functionirte, zeigt das nebenftehende, im September 1873 der Ausstellungsmafchine entnommene Diagramm. Hier war ein riemengetriebener Watt'fcher Regulator ohne Belaftungsgewichte, aber mit Oelpumpe angebracht, welcher feitlich am Bettbalken ſtand. Die Mafchine war im Ganzen höchft folid, aber ohne jede Verfchwendung an blanken Flächen oder Bronce ausgeführt. Das Griffrad des Einftrömventiles. war wohl verfilbert oder vernickelt, was aber zur Blankhaltung diefes oft angegriffenen Theiles dient, und fo eine reinliche Wartung erleichtert. Das Auffangen des Tropfwaffers und des ablaufenden Oeles an den Stopfbüchfen etc. beforgten zwanglos untergebrachte Höhlungen der Conftructionsformen felbft und jedes Detail an der Mafchine trug das Merkmal der überdenkenden Sorgfalt. Die complete Mafchine wog 9000 Kilogramm mit, und 5400 Kilogramm ohne dem Rad, das ift 7: 3 oder 4'4 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt. Die Mafchine der Hochdruck- Wasserleitung war eine gekup pelte liegende Dampfmafchine, welche mit variabler( Corlifs-) Expanfionsvorrichtung ausgeftattet war, aber ohne Condenſation arbeitete. Die Pumpen lagen hinter den Cylindern und ihre Kolben fteckten direct auf den verlängerten Stangen der beiden Dampfkolben. Um dem verfchiedenen Wafferbedarf( Maximum 600 Cubikmeter per Stunde) zu entſprechen, mufste die Tourenzahl der Mafchine veränderlich fein und thatfächlich arbeitete fie je nach der Tageszeit etc. mit 15 bis 24 Huben ( Maximum 30) Um die untere Grenze möglichft tief zu erhalten, war ein( 6100 Kilogramm) fchweres Schwungrad auf der gemeinſamen Kurbelwelle, welches felbft noch bei 8 Umdrehungen( und minder hoher Expanfion) über die todten Punkte ging. Diefes war auch fonft noch in Verbindung mit dem Syftem der gekuppelten Cylinder der Hauptfactor für die Zuläffigkeit jener geringen Normalfüllungen von 15, mit welchen die Maschinen der Oekonomie halber zu arbeiten beftimmt waren. Die Dampfcylinder hatten je 500 Millimeter und die der Pumpen 303 Millimeter Bohrung bei 1106 Meter gemeinschaftlichem Hub. Die Flächen ſtehen daher unter Berücksichtigung der 80 Millimeter dicken Kolbenstangen im Mittel wie I: 2.8. 10* 170 J. F. Radinger. 20 Der Wafferfpiegel des Druckrefervoires lag im Mittel 40 Meter hoch über der Maſchinenachfe und bei Stillftand der Pumpen zeigte das Manometer am Windkeffel genau 4 Atmoſphären, während es fich bei normalem Gange, d. i. Touren per Minute( Kolbengefchwindigkeit o 74 Meter per Secunde) in Folge der Rohrwiderftände auf 4.3 Atmosphären erhob. Die Pumpen waren doppeltwirkend und die Saughöhe betrug zur Stunde eines von mir vorgenommenen Verfuches( am 11. October 1873) 2.5 Meter oder o 25 Atmoſphären, welche zu obigem Druck hinzukommt und 4:55 Atmoſphären Gefammtdruck gibt. Die Füllung in jedem Dampfcylinder war genau auf 20 Percent geftellt und der mittlere Nutzdruck betrug 186 Atmoſphären, fo dafs fich diefer zum Druck auf den Pumpenkolben wie I zu 2'44 verhält, was in Verbindung mit dem Verhältniffe der Arbeitsflächen I zu 2.70 einen Nutzeffect der Pumpe von 87.5 Percente gibt. Mit dem Refte werden alle hydraulifchen Widerstände vom Saugkorb bis in den Windkeffel und die fämmtlichen Reibungsarbeiten in der Mafchine überwunden. Die Dampfcylinder lagen direct auf dem Fundament und waren mit den hintenliegenden Pumpencylindern durch je zwei in der Höhe der Achfe liegende horizontale Zugftangen verbunden. Jeder Cylinder hatte zu diefem Zwecke zwei Augen angegoffen, durch welche die Stangen gefteckt waren und worin fie ie ein Ring mit Vorderkeil und rückwärts eine Schraubenmutter hielt. Die Steuerung glich ganz jener echten Corlifs Anordnung, welche bereits bei der erften Mafchine diefer Firma erwähnt wurde. Nur fehlte hier, wo der Widerftand conftant bleibt, der Regulator, und die Einftellung der Ausrück. Anfchläge gefchah durch die Hand des Wärters. Beide Cylinder hatten ein gemeinfames, von oben kommendes Dampfrohr, deffen 145 Millimeter weites Abfperrventil mit vertical niederhängender Spindel im hochliegenden Gabelungsftücke fafs. Um den darunter ftehenden Wärter von dem Abtropfen der hängenden Stopfbüchfe zu bewahren, trug die Spindel eine grofse Fangfchale in gefälliger Form. Unmittelbar an jedem Cylinder kam ein Einzelventil von 118 Millimeter lichter Weite( 1/18 der Kolbenfläche) und in deffen Nähe ftand je eine niedere Säule am Boden, welche oben ein Griffrad mit einer Broncemutter im Innern trug. Durch die Drehung des Griffrades wird eine in dasfelbe greifende Verticalfchraube gehoben oder gefenkt, die mit einem Winkelhebel und Zugftange einen zweiten Winkelhebel( alles unter den Eifenplatten der Flur) mitnahm; deffen Stange reichte wieder nach aufwärts und griff das Hinterende jenes Hebels an, welcher vorn mit der Ausrückplatte der Corlifs- Steuerung endete, und durch deren höheren oder tieferen Stand die Gröfse der Füllung regelte.( Eine Zeichnung diefer Einftellvorrichtung befindet fich im Pumpenberichte.) Diefs umfafst auch die ganze Aenderung, welche die Mafchine zum Zwecke des Pumpentriebes erfuhr, denn fonft ift fie das Modell einer fogenannten 50pferdigen Dampfmafchine, welche mit 4 Atmoſphären und 10 Füllung zu arbeiten beftimmt ift. Dann enthält fie eine Luftpumpe von 300 Millimeter Durchmeffer und o 27 Meter Hub oder 1/11 des Cylindervolumens. Als gewöhnliche Antriebsmafchine müffte fie 54 Mal per Minute umgehen, wobei die Kolbengefchwindigkeit 2.0 Meter beträgt. Doch mufs fie dann auch weitere Querfchnitte für die Dampfleitung erhalten, falls die Möglichkeit nahe liegt, höhere Füllungen anwenden zu müffen, denn die hier verwendeten Querfchnitte paffen überreichlich für die verwendete und noch eine höhere Gefchwin Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Gefellſchaft. 171 digkeit bis 40 Umdrehungen per Minute oder 14 Meter Kolbenweg per Secunde ftatt der jetzigen o 7, wären aber doch für 2'0 Meter zu klein. Die Einftrömfpalte jedes Cylinders mafs nämlich 395 Millimeter Länge und 22 Millimeter Breite, was 122 der Kolbenfläche nahe kommt und bis 14 Meter zu gehen erlaubt. Die Ausftrömfpalte mafs 40 Millimeter Breite bei der gleichen Länge wie oben, 1/12 der Cylinderfläche. Auch würde fich das Schwungrad leichter geftalten laffen, als es jetzt wegen der forcirt langfamen Uebergänge möglich ist. Dort erhält es nämlich ein Gewicht von 4500 ftatt der hier verwendeten 6100 Kilogramm. Nachdem die Detailformen völlig diefelben wie bei der erft befchriebenen Mafchine find, fo erübrigt nur noch die Angabe der wichtig ften Mafse: Atmo- Specififche ſphären Abnützarbeit Führungen Breite 220 Länge 320 Auflagedruck 2.2 Kreuzkopfzapfen Durchm. 100 99 Kurbelzapfen Kurbellager IOO " 9 99 99 190 99 125 140 395 61 55 0.74Kg.M. ΙΟ 0.26 99 94 Die fpecififchen Drücke und Abnützarbeiten gleichen faft völlig denjenigen der erfteren Mafchine diefer Firma. Das Schwungrad hatte aufsen 5 or Meter Durchmeffer und befafs 210 Millimeter Kranzbreite bei 260 Millimete5 radialer Stärke und war zweitheilig wie das erftere gegoffen. Bei 5 Atmoſphären Dampf und 1/10 Füllung foll diefe Mafchine 60 Pferdeftärken leiften; ihr Gewichbeträgt complet mit dem Rade 12.500 Kilogramm und ohne demfelben 8000 Kilot gramm oder 6.36 oder 4.07 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinder querfchnitt. Die Dampfwinde, welche ferner von diefer Fabriksgefellfchaft ausgeftellt war, dient hauptfächlich für Bergwerkszwecke und befteht aus zwei Trommeln von 0.7 Meter Durchmeffer, welche je 8 Rinnen für das 50 Millimeter dicke Drahtfeil enthielten. Der Antrieb zum Heben der verlangten Laft( 10.000 Kilogramm mit 3 Meter Gefchwindigkeit per Secunde) gefchah von zwei fchiefliegenden Dampfcylindern von je 200 Millimeter Bohrung und o 30 Meter Hub durch eine auf drei Vorgelege vertheilte Gefammtüberfetzung von circa 1: 60. Die Dampfcylinder lagen je unter 45 Grad gegen den Horizont geneigt, auf einer und derfelben Seite des Schildes und griffen daher unter 90 Grad mit einem normalen und einem gegabelten Schubftangenkopf den gemeinſamen Kurbelzapfen an. Diefer fteckte in einer Kurbelfcheibe der hochgelegenen Welle, welche aufserhalb des zweiten Schildes das Schwungrad und innerhalb desfelben das erfte Antriebsrad trug. Von der Conftruction des Motors ift erwähnenswerth, dafs die Schubflangen aufsen fowohl als beim Kreuzkopf gefchloffene Köpfe hatten nnd dafs die Umfteuerung auf fogenannt franzöfifche Art durch Verwechslung der Dampfeinund Ausftrömung in einem gefonderten Schieberkaften gefchah. Der Dampfhaspel war ähnlich gefteuert, indem auch hier aufser den Cylindercanälen noch zwei andere Canäle unter den Steuerfchieber mündeten, welche abwechfelnd zur Zu- oder Abftrömung dienten, je nachdem in einem aufserhalb und für beide Cylinder gemeinſamen Schieberkaften der Umfteuerfchieber eingeftellt wurde. Hier hatten die Cylinder 160 Millimeter Bohrung und 0.276 Meter Hub und ftanden vertical vor den beiden Aufsenfchilden. Die gemeinfame hochliegende Kurbelwelle( unter 90 Grad angegriffen) war in der Mitte in einem dritten Schilde nochmals gelagert, und überfetzte die Bewegung durch ein einfaches Vorgelege mit 15 zu 72 Zähnen auf die Trommelwelle. 172 J. F. Radinger. Hier waren die unteren Cylinderböden angegoffen, die Kolbenstangen in Augen geführt, welche von der langgegabelten Schubftange umgrifien wurden, gufseiferne Kurbel verwendet und Alles fo einfach als möglich conftru.rt. Die Luftcompreffions Mafchine beftand aus einer fogenannten naffen Pumpe mit Kolben und Kolbenstange. welche direct vom Dampfkolben angetrieben wurde. Um bei der Dampfmafchine die doch manchmal unverläfsliche Stofskolben- Steuerung zu umgehen( welche übrigens auch ungleiche Hube und dadurch Dampfverlufte gibt) und mit Expanfion arbeiten zu können. wurde eine Hilfs- Rotationsbewegung angewendet und, um in der Breite zu sparen, der angeg offene Schieberkaften obenauf gelegt. Der Kreuzkopf, welcher zwifchen dem Dampf- und dem Pumpencylinder zugleich die Kuppelung der beiden Kolbenfi angen beforgend aufgekeilt war, griff in eine tiefer als die Achfe liegende Traverfe über, welche aufsen die Schubftangen trieb. Die Achfe der Schwungräder, in deren Armen je ein Treibzapfen fteckte, lag nun gleichfalls tiefer als die Cylinderachfe, was einestheils niedere Lagerangüffe und anderentheils vielleicht die Möglichkeit einer über fie wegreichenden Verlängerung der Kolbenftange für den Antrieb einer zweiten Pumpe geben follte und jedesfalls das Ausziel en des Kolbens erleichtert. Die Steuerung gefchah durch auf die Weile gekeilte Excenter, deren Ringe jedoch unten von je einem Schwinghebel am Rahmen geftützt wurden. Der lange vertical aufftehende Arm der oberen Ringhälfte vergröfserte den Hub des Excenters und griff die Schieberftangen mit einem kurzen Zwifchenftücke an. Der Dampfcylinder hatte 330, der Pumpencylinder 250 Millimeter Bohrung und beide o 65 Meter Hub; die Steuerung gefchah nach Meyer. Beide Kolben waren durch einfache felbftfpannende Ringe gedichtet und auf die Kolbenftange durch Conus und Hinterfchraube gehalten. Das Dampfzuftrömungs- Rohr hatte 70 und das Luftabfuhr- Rohr 90 Millimeter Durchmeffer. Die Conftruction der Pumpe felbft gehört nicht in diefen Bericht. Karolinenthaler Mafchinenbau- Actiengefellfchaft. Diefe Prager Firma( vormals Lüffe Märky& Bernard) ftellte eine CorlifsMafchine mit einem neuen Steuerungsdetail aus. Der Dampfcylinder hatte 420 Millimeter Durchmeffer und der Kolben 0.95 Meter Hub. Die Kolbengefchwindigkeit betrug 158 Meter per Secunde, nachdem die Mafchine 50 Umdrehungen per Minute vollbrachte. Das DampfZuftrömrohr hatte 80 Millimeter Durchmeffer, foll aber nach Angabe der Fabrik 90 Millimeter befitzen. Erfteres gab 1/27, letzteres gäbe 21 der freien Kolbenfläche als Querfchnitt und während erfteres die Einftrömconftante zu niedrig auf Das Ausftrömrohr mafs 1/42 ftellte, würde letzteres ausreichend 1/3 geben. 100 Millimeter Durchmeffer oder 17 Cylinderquerfchnitt. Die Ko benftange war hinter dem Cylinder auf einem Gufslineal geführt, welches einestheils an den Deckel gefchraubt war und aufsen auf einem Tragftänder ruhte. Der Cylinder war ohne Mantel, jedoch mit den vier querliegenden CorlifsGehäufen und dem oberen und unteren Verbindungscanal zufammengoffen und ftand auf zwei gleichfalls angegoffenen hohlen Tragblöcken, welche ihm unter den Auslafsgehäufen direct aufs Fundament ftützten. Er war felbftverftändlich wohl verfchalt und mit angegoffenen Schmier- und Indicatoranfätzen verfehen. Die Indicirung wurde aber während der Ausftellung nicht ermöglicht. Der Seitenbalken ging in Einem vom Cylinderflanfch zum fchiefen Kurbellager, mit welchem er ein einziges Gufsftück bildete. Dort ruhte er auf einem 173 breiten Tragftänder. während ihn jedoch in der halben Führungslänge ein angegoffener Block nochma's unte ftützte. Karolinenthaler Mafchinenbau- Actiengefellfchaft. Diefer Balken war mit dem Cylinder durch vier Aufsenfchrauben verbunden, deren Platz durch eine ftarke Einhalfung zwifchen der Colonne und dem Flanfch erzwungen wurde. Die innenliegende Gera führung war flach bearbeitet. Die vordere Kolbenstange mafs 70 Millimeter und war in den gabelförmigen Corlifs Kreuzkopf( bei welchem die Führungsplatten von der Wurzel der Gabel, alfo excentrisch zur Druckrichtung ausgehen) verkeilt. Die Mafchine, welche in der Ausftellung mit Dampf von fünf Atmoſphären Ueberdruck, aber ohne Conden fation zu arbeiten hatte und deren Schubftange fechsmal fo lang als die Kurbel war, erfuhr auf den Geradführungsflächen( 160 Millimeter breit, 240 lang) einen Druck von 29 Atmoſphären, wobei fchon Lederftreifen zur dauernden Schmierung anzubringen als räthlich befunden war. Der Kreuzkopfzapfen( 80 Millimeter ftark, 130 lang) erlitt 65 Atmosphären und der Kurbelzapfen( 95 bei 120 Millimeter) 59 Atmofpnären, bei einer fpecififchen Abnützarbeit von 070 Kilogramm Meter. Im Kurbellager herrfchten 14 Atmosphären Auflagedruck und o 28 Kilogramm Meter Reibungsarbeit per Secunde und Quadratcentimeter, indem die dort 150 Millimeter dicke Welle 300 Millimeter lang auflag. Die Schubftange begann beim Kreuzkopf mit einem gefchloffenen und endete beim Kurbelzapfen mit einem offenen Kopf. Der Bügel des letzteren wurde aufser dem Zugkeil von zwei Zangenbeilagen gehalten, was bei der hier auftretenden Kolbengefchwindigkeit eine gute Vorsicht ift. Der Kurbelzapfen ftak mit vorſtehendem Sitzbund in einer gufseifernen blanken Kurbelfcheibe; diefe war merkwürdigerweife nicht im Geringften balancirt, fondern einfach mit fechs fymmetriſch ſtehenden Radialrippen zwifchen Nabe und Rand verfehen. Das Kurbellager war einfach nach aufsen fchief gefchnitten und keiner weiteren Nachftellung als der durch die Deckelfchrauben fähig, deren eine auf jeder Seite war. Die Broncefchalen lagen ohne jede Verfchneidung und ohne Borten im Lager, mit welchen fie kleine, innen radial eingefchraubte Bolzen verbanden. Die Welle hatte weder auf der Kurbel noch der Radfeite einen angefchmiedeten Bund. Das Hinterlager hatte Compofitionsfchalen unten und blos den Gufsdeckel oben. Das Schwungrad befafs etwas über vier Meter Durchmeffer und wog 4800 Kilogramm. Sein flacher Aufsenrand nahm einen 260 Millimeter breiten Riemen auf, welcher auf der Haupt- Transmiffionswelle eine von der Firma beigeftellte grofse Riemenfcheibe antrieb. Von letzterer mufs erwähnt werden, dafs fie mit getheilter Nabe und zufammenhängendem Kranz gegoffen war, hierauf innen durch vier Schrauben in den vorgefehenen Nabenlöchern verbunden wurde, während der Kranz mit Loch an Loch durchbohrt und gefprengt und fo zweimal durchfchlitzt erfchien. Der Schwungradkranz hatte I förmigen Querfchnitt, 190 Millimeter Radialhöhe und 100 Millimeter eigentliche Kranzftärke. Innen fchlofs fich ein jederfeits 40 Millimeter vorfpringender Rand an, zwifchen dem und dem Riemenkranz radiale 40 Millimeter breite Stufen wie Zähne auf der In die 65 Millimeter breiten Lücken Rückfeite des Rades angeg offen waren. mochte dann ein Hebel eingefetzt werden, um die Mafchine zu drehen. Für die Anhängung einer Luftpumpe war durch eine Gegenkurbel am Kurbelzapfen vorgeforgt. Das am hauptfächlichften Bemerkenswerthe an der Mafchine war die Steuerung. Diefe wurde von einem mit Stellfchraube auf der Welle befeftigten Excenter und einem durchwegs mit Kegelrädern angetriebenen Porter- Regulator eingeleitet und von Corlifs- Schiebern normaler Conftruction ausgeführt. Die fchwingende Corlifs- Scheibe fafs unmittelbar vor dem vorderen Cylinderende an der 174 SilliseidJ. F. Radinger. Rückfeite des Bajonnetbalkens und nur die Art der Ausrückung der Einlafsftangen( Patent Märky & Schulz) ift neu. Die Stangen der Einlafsfchieber tauchtennämlich je in eine horizontal geführte Röhre, welche von der Corlifs- Scheibe mit je einer Zugftange bewegt wurden. Diefe Bewegung war derart, dafs fich jede Röhre bei Beginn des Hubes dem Cylinder näherte. Jede Röhre enthielt nun einen, mit einer klei nen unteren Feder getragenen verticalen Riegel, welcher fo weit gefchlitzt war, dafs die verlängerte Stange des Einlafsfchiebers frei hindurch konnte, wenn der Riegel niedergedrückt war, jedoch von diefem an einer eingeleg ten und vorftehenden Stahlplatte mitgenommen wurde, falls der Riegel hoch ftand. Oberhalb des Rie gels lag nun eine vom Regulator verfchiebbare Schiene und von diefer hing für jeden der zwei Riegel eine gefchlitzte Hängfchleife nieder, durch deren Schlitz ein oberer Querbolzen des mitnehmenden Riegels hindurchging.DiefeHläng. fchleife, deren unteres Ende alfo der Bewegung O O அ Millimeter 100 I 2 3 ' 4 15 .6 Meter des Riegels oder der Einlafs Schieberftange folgt, während ihr oberes an der Regulatorfchiene feft bleibt und nur die Schwingung erlaubt, hängt anfangs fchief und ftellt fich im Mafs der fortfchreitenden Bewegung mehr und mehr fteil, wobei der Querbolzen des Riegels im Schlitze höher und höher fteigt, bis er endlich am oberen Schlufs des Schleifenfchlitzes anftofsend nicht mehr weiter kann. Nun wird durch die im gleichen Sinne noch andauernde Bewegung der Riegel nach abwärts gedrückt, der Anfchlag der Einlafs Schieberftange wird frei und eine in der Röhre befindliche, durch die Bewegung gefpannte ftarke Spiralfeder führt diefelbe und mit ihr den Schieber( durch einen Luftpuffer gebremft) zurück. Mafsftab 1:12 der Natur. Karolinenthaler Mafchinenbau- Actiengeſellſchaft. 808 41 G Sigl in Wien. 175 Je weiter nun der Kegulator jene Stützfchiene vorfchiebt, alfo je fteiler die Hängfchleife fchon bei Beginn des Kolbenlufes fteht, defto eher erfolgt der Schlufs. Diefer Mechanismus, welcher abfolut gar keine Rückäufserung auf den Regulator übt, indem feine Schiene den Druck der Schleife vertical em. pfängt, während das Regulatorgeftänge horizontal angreift, hat während der Ausftellung meines Wiffens tadellos functionirt. Seine Wirkung liegt offener zu Tage als bei der neueren echten Corlifs oder der SpencerInglifs Anordnung und kann daher leicht in Ordnung gehalten oder von einem einfachen Wärter geftellt werden. Der Mifsftand des Hinzukommens eines neuen zweiten SpiralFederpaares fcheint umfoweniger von Belang, als diefes auf Druck wirkend, mit der Bodenplatte nachfpannbar und überhaupt leicht zugängig ift Jedesfalls ift diefe Steuerung eine geiftreiche Löfung mehr des alten Principes. Da nur ein Excenter vor. kam, fo war felbftverftändlich die Füllungsgröfse befchränkt. Diefe edeutendfte der öfterreichifchen Mafchinenfabriken ftellte aufser Locomotiven, Dampfkeffel etc. auch mehrere Dampfmaschinen aus, deren gröfste im Gange war und einen Theil der Transmiffion betrieb, während zwei andere Mufter kleinerer Gattung kalt lagen. Die gekuppelte Dampfmaschine beftand aus zwei liegenden Einzelmafchinen, welche nichts als die Welle mit dem Schwungrade und den Regu lator gemeinfam hatten. 176 J. F. Radinger. Jede Mafchine arbeitete mit vom Regulator ftellbarer Expanfion und gefonderter Condenſation, deren Luftpumpe von der rückwärts verlängerten Kolbenftange direct betrieben wurde. Jeder Cylinder hatte 526 Millimeter Durchmeffer und 105 Meter Hub Bei den normalen 40 Umdrehungen per Minute arbeitete der Kolben mit 14 Meter Gefchwindigkeit per Secunde, welch mässiger Gefchwindigkeit die 118 und 157 Millimeter weiten Rohre für die Dampfzu- und Abftrömung reichlich genügend nachkamen, indem ihre Fläche 1/19 und 1/11 des freien Cylinderquerfchnittes betrug Die Gefchwindigkeit des zuftrömenden Dampfes ftellt fich nämlich dabei im Mittel auf 27 Meter per Secunde, was die Einführung des vollen Druckes in den Cylinder ermöglicht und felbft noch eine circa 10percentige Steigerung der Mafchinengefchwindigkeit zulaffen würde. Der Cylinder war mit einfacher Wand, aber angegoffenem Schieberkaften hergeftellt und lag auf einer unten durchgehenden Grundplatte, weiche vorne das aufgefchraubte Kurbellager trug. Die Dampfvertheilung gefchah mit jener modificirten Meyer- Steuerung bei welcher die beiden vom Expanfionsexcenter geführten Deckplatten aufgebogen, feft auf ihre Stange gekeilt und aufsen ftatt fenkrecht zur Schieberftangen- Richtung mit fchiefen( fchraubenförmigen) Arbeitskanten verfehen find. Die Rückenfläche des Grundfchiebers erweiterte fich zu einem angegoffenen und ausgebohrten Hohlcylinder, in welchen die Durchlafsfpalten gleichfalls fchief gezogen mündeten. Die aufgebogenen Expanfionsplatten füllten diefen Cylinder und follten derart( durch Gegenfenfter der Dampfwege unterſtützt) ent laftet bleiben. Nachdem die fchiefliegenden Arbeitskanten von Grund- und Deckfchieber nach der gleichen Richtung gehen, alfo im abgewickelten Zuftande den fchiefen Seiten zweier fymmetrifcher und fich deckender Trapeze entſprechen, fo genügt die Verfchiebung, refpective die Verdrehung des Deck auf dem Grundtrapez, um längere oder kürzere Kantenentfernungen in der Mittellage über einander zu bringen. So wird durch eine enge Bewegung dasfelbe bewirkt, was fonft die langwährende Drehung der entgegengefetzt gefchnittenen Gewindeftange erreicht.. Diefe enge Winkelbewegung beforgt der Regulator, indem deffen Manchette einen Kurbelarm mitnimmt, welcher viereckig oder mit Längskeil über die vom Expanfionsexcenter bewegte Stange der Deckplatten gefchooen ift. Bei der grofsen Sigl'fchen Ausftellungsmafchine waren die Grundfchieber, um kürzere Dampfwege zu erhalten, getheit und in Foige deffen auch die Deckplatten gefondert auf ihre Stange gekeilt. Bei den kleineren Mafchinen jedoch, wo keine getheilten Grundfchieber vorkommen, waren die beiden Deckplatten zufammengegoffen. Hier, wo beide Mafchinen einen gemeinfchaftlichen Regulator hatten, war felbftverftändlich die Einitellung der Normalfüllung für jede Einzelmafchine durch eine gefonderte Gewindekuppelung im Gestänge möglich, während fich die Bewegung der Manchette durch ein Quergestänge gleichmäfsig auf beide übertrug. Der Kolben war zweitheilig, der Hauptkörper auf die Stange gekeilt und der Deckel mit fechs im Kreife ftehenden Schrauben daran befeftigt. Die Dichtung war felbftfpannend mit Gufsringen und hinterlegtem Stahlband.. Vorn endete die 75 Millimeter dicke Kolbenstange mit einem aufgekeilten gufseifernen Gabelkreuzkopf, an welchem die nur unten allein vorkommende Geradführung angegoffen war. Der eigentliche Lauf fand auf einer nachftellbaren Broncefohle ftatt, welche 400 Millimeter breit und 350 lang, einen maximalen Flächendruck von 18 Kilogramm per Quadratcentimeter empfing, wenn die Mafchine mit 5 Atmoſphären Ueberdruck und dem Vacuum im Cylinder arbeitet. Die untere Auflage war durch eine geringe Erhöhung auf der Bettplatte G. Sigl in Wien. 177 der Mafchine gefunden, welche unter einem Auffpannen mit den übrigen Arbeitsleiften gehobelt wurde und mit den normalen, den Führungsfchuh halb übergreifenden fchmiedeifernen Beilagen verfehen war, um die Kolbenftange beim Leerlauf oder in der Compreffionsperiode etc. zu fchützen. Der Kreuzkopfzapfen hatte unter den Schalen des gefchloffenen Schubftangenkopfes 80 Millimeter Stärke und 92 Millimeter Länge, wodurch auf diefen der bedeutende und fonft nirgend auch nur annähernd erreichte Druck von 172 Atmoſphären auftreten wird. Nachdem die Mafchine in der Ausftellung kaum mehr als ihre eigenen Leergangswiderstände betrieb, fo liefs fich dort kein Urtheil über die Zuläffigkeit fo hoher Preffung gewinnen, doch fcheint fie im Vergleiche zur Gepflogenheit der übrigen Welt bemerkenswerth hoch. Die Schubftange war fünfmal fo lang als die Kurbel und war aufsen mit einem Bügelkopf verfehen, von dem das hübfche Detail erwähnenswerth ift, dafs die Anfchlufsfläche des Bügels an den Schaft nicht wie gewöhnlich eben bearbeitet war, fondern auf einer cylindrifchen Andrehung erfolgte, auf welcher der ausgebohrte Bügel fo ficher wie über ebenen Flächen ritt. Hiebei ift aber trotz des normalen Keiles und feiner Beilagzange die Möglichkeit einer kleinen Drehung gewahrt, wodurch ein Klemmen oder Reiben in abnormer Richtung nicht vorkommen kann. Der Kurbelzapfen war 96 Millimeter dick, 115 Millimeter lang und erfuhr 115 Athmofphären Schalendruck bei II Kilogramm Meter Abnützarbeit per Quadratcentimeter und Secunde. Er fteckte in einer gufseifernen, ihn und das fchwingende Stangenende balancirenden Kurbelfcheibe, welche auf dem 190 Millimeter dicken Wellenende mit einer verhältnifsmässig kurzen Nabe fafs, indem diefe 170 Millimeter ohne und 187 Millimeter mit dem in fie verfenkten Bunde lang war. Diefer Kurbelzapfen ift gewöhnlich verlängert und nimmt eine Gegenkurbel für den Antrieb der aufsen fchief ans Bett gefetzten Speifepumpe mit; das Lager diefer Gegenkurbel rechtfertigt dann die völlige Symmetrie der Grundplatte, indem es zwifchen zwei gleichweiten Nafen als das Hauptlager kommt und fo deren gleiches Modell für die Rechts und Links aufftellung zuläfst, ohne unfchön zu fein. Die alfo fymmetrifche Grundplatte war oben völlig gefchloffen und enthielt die Kurbelgrube vertieft. Sie wog 3000 Kilogramm und war mit gehobelter Auflage und 10 Grundfchrauben auf das maffive Fundament gefetzt. Das aufgefchraubte Hauptlager enthielt eine viergetheilte Schale, duren Seiten mit je zwei Zugkeilen von oben ftellbar waren. Der Deckel war verfchnitten übergreifend und mit jederfeits einer Schraube fest auf den Lagerkörper gefetzt; zum Stellen feiner Schale diente dann eine grofse, im Mittelpunkte der runden Schmiervafé ftehende Schraube, welche ihren Druck auf die Schale mittelft einer Stahlfchiene über die ganze Länge vertheilt übertrug. Diefes Lager hatte 190 Millimeter Bohrung und 290 Millimeter Länge, wodurch ein horizontaler Auflagedruck des Wellenhalfes von 23 Atmoſphären und eine fpecififche Abnützarbeit von 0 44 Kilogramm Meter entstand. Hinter dem Lager ging die Welle mit 240 Millimeter Durchmesser bis zur Verdickung auf 300 Millimeter unter dem Schwungrade cylindrifch fort. Das Schwungrad hatte 450 Meter Durchmeffer und 6590 Kilogramm Gewicht. Es übertrug den Effect der Mafchine, welcher bei normaler Arbeit 100 Pferde betragen und überfteigen wird, mittelft 216 in feinen Umfang eingefetzter, 210 Millimeter breiter, 55 Millimeter hoher Holzzähne auf ein tiefliegendes eifenverzahntes Transmiffionsrad. Der eigentliche Schwungring mafs nur 155 Millimeter Breite und 250 radialer Höhe, trug aber aufsen verbreitet einen 65 Millimeter hohen Kranz durch einen Steg unter jeder Zahnlücke. Das Rad war mit I- förmigen Armen verfehen, zweitheilig gegoffen und durch zwei vorn aufgezogene Ringe und jederfeits eine mittlere Schraube in 178 J. F. Radinge.. der Nabe und aufsen durch je einen Einlagkeil verbunden. Ein concentrifcher Blechmantel um das Rad fchützte diefes felbft und feinen Wärter. Unmittelbar vor dem Rade auf der Innenfeite der Mafchine ftand der riemenbetriebene Porter'fche Regulator, welcher in befprochener Weife in die Steuerung griff. Deren Excenter lagen knapp hinter dem Kurbellager und zwar das Expanfionsexcenter auf der Lagerfeite. Während diefes nun gerade zur Deckplattenftange ging, mufste das äufsere Excenter mit zwei Armen auf einer kurzen fchwingenden Grundwelle nach einwärts überfetzen, um den Vertheilfchieber anzutreiben, der derart nahe an den Cylinder kam und kleine fchädliche Räume gab. Die Ausftrömung fand nach oben und durch ein fchwach geneigtes Kupferrohr zum Condenfator ftatt. Diefer lag mit der eingegoffenen Luftpumpe rückwärts in der Flucht der Mafchine, aber durch keine fefte Verbindung mit erfterer im Zufammenhange, auf feinem Fundament. Der Luftpumpen- Durchmeffer betrug 210 Millimeter, und da der Kolbenhub wieder 105 Meter war, fo ftellt fich das Verhältnifs zwifchen feinem und dem vom Dampfkolben durchlaufenen Volumen wie 1: 6.2. Dafs die Wirkung derfelben tadellos ift, konnte ich aus dem der Ausftellungsmafchine am 11. Auguft 1873 entnommenen Diagramme erfehen. Das Gewicht einer jeden der beiden gekuppelten Mafchinen betrug 9500 Kilogramm, 4:37 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt ohne Rad, fo dafs fich das Gefammtgewicht auf circa 26.000 Kilogramm, inclufive Abfperrventile. Schmiervafen, Regulator( 224 Kilogramm), Rad( 7000 Kilogramm) und Condenfationsvorrichtung( 2 Mal à 1670 Kilogramm), aber ohne Speifepumpen ftellte. Die hin- und hergehenden Theile wogen per Mafchine 615 ohne und 650 Kilogramm mit dem Luftpumpenkolben oder o 28 oder o 30 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt. Die zweite Sigl'fche Dampfmafchine hatte eine in den Haupttheilen der erften völlig ähnliche Anordnung. Es war eine fogenannt 15pferdige Mafchine, welche für 5 Atmoſphären Ueberdruck beftimmt und mit der gleichen Expanfionsvorrichtung wie die erfte, aber ohne Condenfation ausgeftattet war. Der Cylinder hatte hier 315 Millimeter Durchmeffer und der Kolben o 63 Meter Hub; er foll 57 Doppelhube per Minute, d. i. mit einer Kolbengefchwindigkeit von 12 Meter per Secunde arbeiten, dem die 76 und 95 Millimeter weiten Dampfrohre( Fläche mit 11 der freien Kolbenfläche) überreich genügen, indem die Einftröm conftante 1/20 wird. Die 52 Millimeter dicke Kolbenftange war hinten von einer Stopfbüchfe getragen und von einem Rohr gefchützt. Die Führung( 260 breit, 280 lang) ging unter Io und der Kreuzkopfzapfen 53 Millimeter dick, 62 lang mit 115 Atmoſphären Auflagedruck. Der in der Kurbelfcheibe fteckende Treibzapfen mafs 62 und 80 Milli meter, was 76 Atmoſphären Schalendruck und o 67 Kilogramm- Meter fpecififche Abnützarbeit gibt. Im Kurbellager von 120 Millimeter Durchmeffer und 190 Millimeter Länge herrfchten 16 Atmoſphären Druck und o 28 Kilogramm Meter Abnützarbeit pro Quadratcentimeter und Secunde. Die Welle hatte 140 Millimeter Dicke und trug ein Schwungrad von 2 90 Meter Durchmeffer, welches am Umfang mit 288 Holzzähnen, von 40 Millimeter Theilung verfehen war. G. Sigl in Wien. 179 Der Porter- Regulator ftand hier feitlich auf der Grundplatte und wirkte wie bei der erftbefchriebenen Mafchine auf die drehbaren Deckplatten der MeyerSteuerung. Nur waren diefe und der Vertheilfchieber hier nicht getrennt, fondern zufammengegoffen und ihre Stangen fanden die zugehörigen Excenter in der geraden Flucht. Auch hier waren die Vertheilfchieber mit aufgefchraubten und ausgebohrten Entlaftungsdeckeln verfehen und der Schnitt des Schieberkaftendeckels ging durch die obere Stopfbüchfe hindurch. Die Ausftrömung war hier aufs Bett gedichtet und führte von deffen Seitenwand hinweg. Die Mafchine hatte 3200 Kilogramm ohne Rad, welches für fich etwas mehr als 2000 Kilogramm wog; diefs entſpricht einem Gewichte von 4'1 Kilogramm ohne, und von 6.7 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt mit dem Schwungrade. Die Formgebung diefer beiden und einer dritten mittleren Mafchine war prächtig gelungen und brachte den Eindruck ruhiger Stärke hervor; die Ausführung war tadellos, und insbefondere die grofse Mafchine reihte fich unter die bedeutendften und fchönften der ganzen Ausstellung. Eine Skizze der grofsen gekuppelten Dampfmaschine folgt Seite 180-181. Als ferneres Ausftellungsobject diefer Firma wurde die Antriebsmafchine der Drahtfeilbahn auf den Leopoldsberg bei Wien erklärt. Diefe vom Ingenieur Franz Ritter v. Felbinger entworfene MafchinenAnlage befteht, foweit fie in diefem Berichte zu erwähnen ift, aus einer auf der Höhe des Berges befindlichen Förder- Mafchine, deren beide gefonderte Seiltrommeln durch je eine Zahnrad- Ueberfetzung von der gemeinfamen Welle eines Dampfmafchinen- Paares angetrieben werden. Die Trommeln haben je 7.00 Meter Durchmeffer und 2'13 Meter Breite, womit fie 37 Windungen des 50 Millimeter dicken Gufsftahl- Drahtfeiles aufnehmen. Jede diefer Trommeln ift, aufser zwei genietheten I- förmigen Kreisrippen im Innern, mit gufseifernen Tragrändern verfehen, deren Aufsenflächen einerfeits als Zahnkranz und andererfeits als Bremsrad dienen. Auf der Kurbelwelle der vorgelegten Mafchine fteckt nun für jede Trommel ein Antriebsrad, welches mit 108 auf 224 Zähne Eifen in Eifen überfetzt. Die Dampfcylinder haben je 630 Mill. Durchmeffer und die Kolben 20 Meter Hub, welchen fie 18 mal per Minute durchlaufen, was 1.2 Meter Kolbenund 3.2 Meter Förder- Gefchwindigkeit per Secunde entſpricht. Ein intereffantes Glied diefer Mafchine ift die Steuerung. Diefe wird für jeden Cylinder durch vier je paarweife oben an den Cylinderenden befindliche Doppelfitzventile von je 178 Millimeter Durchmeffer( 13 Kolbenfläche) beforgt, deren jedes von einer äusseren Spiralfeder niedergedrückt und von einem um feine Mitte drehbaren Hebel gehoben werden kann. Das Heben gefchieht durch den End- Anfchlag je eines Steuerarmes, deffen Welle oben querliegend in der halben Cylinderlänge fchwingt. Diefe Steuerwelle wird durch einen niederhängenden Arm und eine Steuerftange von dem Gleitbacken einer Gooch'fchen Couliffe bewegt, welche in ihrer halben Höhe in einer Geradeführung getragen ift. Der Gleitbacken aber oder vielmehr das Ende der Steuerftange hängt mit einer Stützfchiene an einer tiefliegenden Querwelle und ein aufrechtftehender Arm derfelben wird durch eine Schraube im Mafse der fortfchreitenden Bewegung der Mafchine mitgenommen. Dadurch kommt der Gleitbacken während des Aufwindens der Laft näher und näher zur Couliffenmitte und die Füllung finkt im Mafse des abnehmenden Uebergewichtes der Zugfeile. Die Schraube wird von einem Rädergetriebe durch die Maſchine felbft oder mit einem Griffrad durch den Wärter gedreht. Die Steuerung für jeden Cylinder kann aber ausgehangen und vom Nachbar unabhängig betrieben werden. 180 J. F. Radinger. G. Sigl in Wien. 181 anar BO 0 பகு 0 o 0 0 ° о 그 = 0 Centimeter 100. 0 I 2 3 Meter. Mafsftab 1:48 der Natur. 182 J. F. Radinger. Mafchinen und Waggonbau Fabriks- Actiengefellſchaft in Simmering. Diefe Firma( vormals H. D. Schmid) ftellte 3 Dampfmafchinen, davon eine mit rotirender Steuerung, Syftem Radinger, und ein Dampfgebläfe aus, deren erftere fich, abgefehen von manch' anderem guten Detail, durch eine neue Bettform auszeichnete. Die grofse Dampfmafchine war ein zwei cylindrig gekuppelter, für ein Sägewerk beftimmter Motor, bei welchem es fich hauptsächlich darum handelte, die beim Betrieb der Gatter auftretenden Stöfse und Erfchütterungen unfchädlich zu machen. Ferner follte fie mit der gröfsten Einfachheit, aber doch fo, dafs der ökonomifche Betrieb nicht zu fehr darunter leidet, ausgeführt fein, damit fie jedem nur einigermassen intelligenten Menfchen anvertraut werden darf. Die erfte Bedingung beftimmte die Bettform. Nachdem nämlich die Stöfse nur durch das Kurbellager in die Mafchine kommen können, fo ift es angezeigt, die Hauptmaffe des Bettes und des Fundamentes dort zu häufen, wie es wohl auch bei Kurbellagern der Seitenbalken längft angeftrebt wird. Um aber das Mauerwerk centrifch zu faffen und nachdem bei der ftets gleichen Drehrichtung der ftationären Mafchine eine einfeitige untere Führung genügt, formte fich der Hauptbalken als ein beim Lager gefchloffener Rahmen, der unter der Führung freiliegend und gerade hinlief, und fich erft vor dem Cylinder erhob, um fich an deffen Vorderflanfche im Kreife verfchnitten anzufchliefsen. Diefe Bettform entspricht gleichfam dem um 90 Grade nach abwärts gedrehten Seitenbalken und birgt deffen Vortheile, der gefunden centrifchen Verbindung zwifchen Cylinder und Lager und der richtigen Montirbarkeit im erhöhten Mafs. Das allfalls etwas fchwere Gewicht wird durch die gröfsere Stabilität des Lagers reichlich aufgewogen. Die zweite Bedingung: die gröfste mögliche Einfachheit bei variabler Füllung, brachte die Meyer'fche Steuerung zur Anwendung. Jeder Cylinder bildete mit dem angeg offenen Vorderdeckel, dem Schieberkaften und dem Tragblock, der ihn direct am Fundamente hielt, ein einziges Gufsftück. Diefes umfasste auch noch das im Fufs untergebrachte Dampfrohr mit dem Sitz des Einftrömdrehfchiebers, den Anfatz für das unten wegführende Ausftrömrohr, die Schieberftangen- Stopfbüchfen, die Schmierrohre etc. und war fo gleichzeit ein Ausftellungsftück der Giefserei diefer Fabrik. Die Cylinder hatten je 475 Millimeter Bohrung und die Kolben o'95 Meter Hub. Die Kolbengefchwindigkeit beträgt 158 Meter per Secunde, nachdem die Mafchine normal mit 50 Umdrehungen per Minute geht. Die Dampfrohre waren eng und mafsen 90 und 120 Millimeter lichte Weite, was 127 und 115, und die Einftrömcanäle 40 bei 220 Millimeter, was 1/20 der freien Kolben- QuerfchnittsFläche und einer Einftrömconftanten von 142 und 1/32 entſpricht. Der Kolben war zweitheilig, der Hauptkörper auf die 65 Millimeter dicke Stange gekeilt und der Deckel mit verfenkten Schrauben gehalten. Der Vorderdeckel des Cylinders war doppelwandig und an den Cylinder angegoffen. Die Kernlöcher waren nach aufsen zu offen, aber von dem Innenrand des Bettbalkens gedeckt. Die Stopfbüchfe war gefondert eingefetzt. Der Hinterdeckel führte die verlängte Kolbenstange in einer Stopfbüchfe und war fammt diefer mit einer blanken Gufshaube verkleidet. Vorn endete die Kolbenftange mit einem aufgekeilten gufseifernen Kreuzkopf, deffen unten angeführte Geradeführungsplatte 240 Millimeter breit und 370 Millimeter lang war, und bei 5 Atmoſphären Ueberdruck im Cylinder 2.0 Kilogramm Auflagedruck per Quadratcentimeter erfuhr. Normale fchmale SchmiedeEifen- Schienen übergriffen die Führungsplatte aus bekanntem Grund. Mafchinen- und Waggonbau- Fabriks- Actiengefellſchaft in Simmering. 183. 318 Centim. 100. 2 3 Meter. Maf ftab 1: 48 der Natur. Der Kreuzkopfzapfen, 65 Millimeter dick und 80 Millimeter lang, empfing den hohen Schalendruck von 167 Atmoſphären. Die Schubftange, 5mal fo lang als die Kurbel, begann beim Kreuzkopf mit einem gefchloffenen und endete beim Kurbelzapfen mit einem offenen Kopf, deffen Bügel durch einen, in ein Gewinde ausgehenden Keil und zwei Zangenbeilagen gehalten war. Der Kurbelzapfen fteckte in der fchmiedeifernen Kurbel und hatte 90 Millimeter Durchmeffer bei 100 Millimeter Länge, was 97 Atmoſphären Schalendruck und II Kilogramm- Meter ſpecififche Abnützarbeit auftreten liefs. Die Welle lag 170 Millimeter dick, 260 Millimeter lang im Lager, in welchem 20 Atmoſphären Auflagedruck und 0 41 Kilogramm- Meter fpecififche Abnützarbeit herrfchten. Gegen die Kurbel zu hatte die Welle keinen Bund, fondern deren Nabe( 11 Mal fo lang als die Bohrung aufgekeilt) fchlofs dicht an die Borten der Lagerfchalen, welche knappe und gute Conftruction auch zwifchen Kurbelzapfen und Schubftangenkopf auftrat, um fo den fchädlichen Hebelarm, der übrigens durch die Bettform hier weniger fühlbar als anderwärts ift, aufs Geringfte herabzubringen. Das Kurbellager ftand mit verfenkter und verkeilter Fufsplatte auf dem Grundrahmen, auf welchem es jederfeits zwei Schrauben hielten, während diefer felbft durch vier fymmetriſch ſtehende Fundamentfchrauben niedergehalten war. Das Lager war viertheilig, der Deckel verfchnitten und übergreifend und die Seitenfchalen durch je eine hinterlegte Druckkeilplatte und einer Druckschraube im Deckel nachftellbar. Die Verfchneidung der Lagernafen mit den wohlgerundeten Formen des Grundrahmens, die in die Höhenkanten knorrig eingebauten Angüffe für die 184 Fundamentfchrauben und die gegenfeitigen Verhältniffe der Einzeltheile gaben den Rahmen an diefer Stelle ein prächtiges Ausfehen. Knapp hinter den Lagern ( den angegoffenen Oelfängern) kamen die Excenter der MeyerSteuerung, und zwar lag das Expanfionsexcenter am Lager an, und fandte feine Stange gerade zu den Deckplatten. Das Vertheilexcenter lag aber auswärts und überfetzte auf feinenSchieber mit einem unten geführten Querblock. Die Füh rung desfelben fand auf einem ans Bett gegoffenen Supporte ftatt und der Block felbft war in feiner Achfe durchbohrt und ausgebüchft, um wieder der Expanfions Schieberftange zur Führung zu dienen. Diefes einfache Detail brachte die Schieber nahe an den Cylinder und löfte fo einen Theil der Schwierigkeiten auf die elegantefte Weife, welche in diefer Hinficht durch die Wechfelwirkung der Anforderungen entftehen. Hinter diefer Führung lag noch eine kurze Halfe für das mit Längskeil über die Deckplattenflange gefteckte Ke gelrad zur Einftellung der Expanfion. Diefes Kegelrad wurde mit dem der Zwillingsmafchine gleichzeitig durch eine Querwelle bewegt, welche am vorftehenden Regulatorftänder gelagert war und zu beide. Seiten desfelben ein Griffrad zur bequemen Handhabung trug. Mitten auf der ftufenweife bis 250 Millimeter verdickten Welle fafs das verzahnte Schwungrad von 4'05 Meter Theilkreis Durchmeffer und 300 Millimeter radialer Höhe. Der Umfang trug 150 Zähne J. F. Radinger. B B 0 o 0 0 о Mafchinen- und Wagenbau- Fabriks- Actiengefellfchaft in Simmering. 2 3 I Centimeter 100 von 85 Millimeter Theilung und 200 Millimeter Breite. Dieles Rad war zweitheilig, mit der Fuge in den Armen; die Nabe war durch vorn aufgezogene Ringe und vier Schrauben, der Umfang durch verfenkte Aufsenfchienen und die Mafsftab 1:48 der Natur. 0 Ο 이이 ° Q 5 Meter. 185 Arme felbft durch je zwei Schrauben verbunden. Diefes Rad war in Anbetracht der Widerstandsdifferenzen eines Sägewerkes fchwerer als normal gegoffen und erhielt 6500 Kilogramm. Der Antrieb des beiden Mafchinen gemeinfamen pfeudoparabolifchen Regulators gefchah unter der Bedienungsflur durch eine fchiefe Kegelradwelle und die Bewegung feiner Manchette übertrug fich gleichfalls durch eine verfenkte Querwelle auf die droffelnden Einlafs Rundfchieber der beiden Dampfrohre. Die Gabe. lung derfelben erfolgte unter einem gemeinfamen Einlafsventil, welches gleichfalls unter den Boderplatten des Mafchinenhaufes ftand und deffen Spindel durch einen halbhohen Säulenftänder mit Zeigerfchlitz geführt in eine blanke Grifffchale endete. All diefe Nebenapparate und das ganze Geftänge, wozu noch das der CondenſationsWafferwechfel kommt, wurde nur zu dem Grunde unter den die Fufsboden gelegt, um eigentliche Mafchine allfeitig zugängig zu laffen und das Reinhalten derfelben zu erleichtern. Damit aber diefe verfenkten Theile dennoch nachzufehen. find, wurde der ganze Raum z vifchen den beiden Cylindern mit gerippten und abhebharen Blechtafeln gedeckt. Das Gewicht jeder der beiden Mafchinen betrug 7500 Kilogramm oder 4'23 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt. Die kleine Dampfmafchine von 4 Pferdekraft beftand aus einem Cylinder von 160 Millimeter Durchmeffer und einem Kolben, der o 32 Meter Hub 85 Mal in der Minute durchlaufen foll, was 0.9 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde entspricht. An das Ende des Grundbalkens fchlofs fich der Vorderfanfch des Cylinders, deffen fernerer Körper 186 J. F. Radinger. nicht weiter unterſtützt war, fondern frei hinwegragte. Der Grundrahmen nahm vorn bei den angegoffenen Lagern der gekröpften Welle eine völlig fymmetrifche Form an und trug zwei aufsenliegende Schwungräder. Die Geradeführung fand wieder nur unten ftatt, die Seitenfchalen der Kurbellager waren durch horizontal eingefchraubte Zwillings- Druckfchrauben in jeder Wange ftellbar und innerhalb der Lager fteckten fymmetriſch je ein Excenter, deren eines den einfachen Schieber und das andere die am Cylinder liegende Speifepumpe betrieb. Schieber und Speifepumpen- Stangen waren in zwei beiderfeits gleichen, an den Hauptbalken angegoffenen und ausgebohrten Augen geführt und beide um diefelbe geringe Gröfse nach auswärts verfetzt. Der Regulatorftänder war obén am Kreisflanfch des Grundbalkens angegoffen und feine Kugeln, welche an gekreuzten Stangen hingen, wirkten auf eine Droffel. Das Dampfgebläfe( Syftem Leyfer) war das Mufter einer oft ausge führten Conftruction. Die Dampfcylinder der gekuppelten Mafchine von je 400 Millimeter Bohrung lagen rückwärts und ihre Stangen hinten, in je einer Stopfbüchfe und vorn von einem Schuh auf einer unteren Führung getragen, trieben die vorgelegten Stangen des Gebläfekolbens von 850 Millimeter Bohrung direct. Diefe waren des Durchbiegens halber befonders ftark( 65 Millimeter) und griffen vorne mit je einem Gabelkreuzkopf und einer flachen kurzen Schubftange ( Länge 4 25 der Kurbel) auf die beiden, um 90 Grad verftellten fchmiedeifernen Kurbeln einer Schwungrad- Welle. Der Hub jedes Kolbens betrug o'95 Meter und die Mafchine foll mit 50 Touren in der Minute( 1.58 Meter per Secunde) arbeiten und 80 Kubikmeter Wind von 80 Millimeter Queckfilber Spannung liefern. Die ganze Mafchine war, dem ruhigen Gang eines Gebläfes entſprechend, in leicht gehaltenen Formen conftruirt. Der durchgehende Grundrahmen beftand aus drei Theilen. deren zwei je einen Dampfcylinder, die Mittelführung, dann auf einer Erweiterung den Gebläfecylinder und die Kreuzkopf Führung enthielten, während der dritte hufeifenförmig war, das Schwungrad umrahmte und die auf Erhöhungen aufgefchraubten einfachen Kurbellager trug. Die Verbindung diefes Schlufstheiles mit den beiden Längsrahmen und einer in der halben Gebläfecylinder- Länge angegoffenen, in der Mitte zufammenftofsenden Traverfenverbindung gefchah durch je zwei vorn auf. gezogene Aufsenringe. Die Steuerung war eine Meyer'fche und die Stellung der Platten gefchah gemeinfam von einer hochgelegenen Griffradwelle mit fchief niedergehenden Kegelrad- Wellen aus. Um kurze Excenterftangen zu erhalten, endeten diefe fo geformt, als ob fie fchon bei den Gebläfecylindern fteuern follten, gingen aber längs diefen hochkantig fort und fanden vor den Schieber Stopfbüchfen nochmals eine tragende Führung. Die Schieberkaften waren angefchraubt und die Schieber tiefer als die Horizontal- Achfe gelegt, was in Verbindung mit dem unten anfchliefsenden Auspuffrohr die Entwäfferung der Cylinder von felbft bewirkt. Die Details folgten, mit Ausnahme der hier angeführten, jenen Formen, welche bei der erftbefchriebenen Mafchine diefer Firma bereits befprochen find. Die Ausführung aller Mafchinen diefer Firma zeichneten fich durch ein höchft gefälliges Aeufsere aus, indem ruhig- elegante Linien und eine tadellofe Bearbeitung die Sorgfalt erkennen liefsen, welche hier herrfcht. Mafchine mit rotirender Expanfions- Steuerung( Syftem Radinger). Eine 10pferdige Mafchine, deren Cylinder 265 Millimeter Durch Mafchinen- und Waggonbau- Fabriks- Actiengefellfchaft in Simmering. 187 meffer und deren Kolben 0-63 Meter Hub befafs und mit 65 Umdrehungen per Minute gehen foll, war mit einer 1869 von mir erdachten Steuerung verfehen, deren Zweck hauptfächlich der ift, für fchnellgehende Mafchinen zu paffen. Ich befchäftigte mich zu jener Zeit mit einer Studie über die Grenzen der Kolbengefchwindigkeit und fand bei diefer Gelegenheit nicht nur deren Abhängigkeit von Anfangsdruck und Füllung, fondern auch eine Reihe einfacher Bedingungen, unter welchen der Gleichgang einer Maſchine bei einer mittelhohen Gefchwindigkeit wefentlich erhöht werden kann*. Die hin- und hergehenden Maffen der Kolben, Kolbenstangen, Führungen etc. müffen nämlich bei jedem Hub in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit auf ihre höchfte Gefchwindigkeit gebracht werden, um gleich darauf durch den Zwang der Kurbelbewegung wieder zur Gefchwindigkeit Null zurückzukehren. Zur Gefchwindigkeits- Erzeugung gehört Arbeit, und diefe wird der Arbeit des Dampfes in der erften Hubhälfte derart entnommen, dafs nur der Reft zwifchen der auftretenden und der zur Bewegung der Maffe nöthigen Arbeit auf die Kurbel hinauskommt. Diefe Arbeit wird durch die bewegten Maffen aufgefpart und in die zweite Schubhälfte hinüber getragen, wo fie durch die Verzögerung der geradlinigen Gefchwindigkeit bis Null völlig an den Kurbelzapfen abgegeben wird. In der zweiten Hubhälfte wirkt nun aufserdem nur der ermattende Druck des expandirenden Dampfes und zu deffen Arbeit addirt fich jene des Maffendrucks. Die hin- und hergehenden Maffen müffen alfo bei einer gewiffen Gefchwindigkeit einen Theil der Ueberfchufsarbeit für die Zeit des Mangels auffparen und fo die Wirkung des Schwungrades unterſtützen. Bei einer beſtimmten Gefchwindigkeit, welche fich leicht berechnen läfst, und wenn auch höher als die heutig normale, doch immer noch fo mäfsig ift, dafs ihr keine anderen unbefiegbaren Hinderniffe entgegentreten, läfst fich dann die tangential auf die Kurbel wirkende Gefammt Kraftcomponente durch einen grofsen Theil der Zeit völlig conftant erhalten, und fo ein befferer weil ungezwungener Gleichgang der Mafchine bei einem kleinftgewordenen Schwungrad erzeugen. Ich will noch erwähnen, dafs felbftverſtändlich von der Arbeit des Dampfes hiebei nichts verloren geht, und dafs diefe wohl nicht nach dem Bild des Dampfdiagramms, fondern eben gleicher Gröfse, aber nach einem anderen durch die Maffen beeinflussten Gefetze und gleichmässiger vertheilt auf dem Kurbelzapfen gelangt. Diefe höhere Kolbengefchwindigkeit, welche alfo aufser billigeren auch noch beffere Dampfmafchinen geben kann, wird nur dann zuläffig, wenn noch andere Bedingungen erfüllt werden, welche hier von Einflufs find. So müffen die Zapfendrücke klein bleiben oder vielmehr die fpecififchen Reibungsarbeiten der Laufflächen dürfen nicht gröfser werden, als fie bis heute bewährt find( die Grenzen dafür feftzuftellen, dient mit diefer Bericht), die Kurbel mufs mit Balancegewichten verfehen fein, die Ausführung mufs durchbildeter fein als bis heute üblich etc. etc. Hauptbedingungen für ſchneller gehende Maſchinen find weitere Dampfwege und Folge deffen gröfsere Steuerungsmechanismen und höherer Dampfdruck. Beide Factoren vergrössern aber die Reibung und den Widerftand während der Bewegung, wefshalb der Gedanke, einen entlafteten Schieber zu verwenden, nahe liegt. Da aber bei gröfserer Kolbengefchwindigkeit das alternirende Hin- und Herfchleudern gröfserer Schiebermaffen gleichfalls wieder Kräfte weckt, welche als Reactionen der Befchleunigungsdrücke das ganze Mafchinenfyftem durchrütteln, fo ward ein rotirender Schieber, der völlig entlaftet und balancirt werden kann und keine unruhige Bewegung mit fich bringt, geplant. * Ueber Dampfmaschinen mit hoher Kolbengefchwindigkeit von J. F. Radinger. 2. Auflage 1872, Wien, Carl Gerold. 188 J. F. Radinger. Diefer birgt den weiteren Vortheil, dafs andere Kanten den Dampf einals auslaffen und andere die Wege öffnen als fchliefsen. Dadurch wird die Einführung einer höhern Compreffion und( 12 Canalbreite) grofse Ausftrömvoreilungen trotzdem leicht, dafs der Schieber mit dem Voreilwinkel Null arbeitet und fo das Maximum feiner Gefchwindigkeit noch nicht überfchritten hat, wann der Kolben den Hub eben wechfelt. Für fixe Expanfion laffen fich alfo die Bedingungen einer präcifen Dampfvertheilung mit einem rotirenden Schieber in einer Vollkommenheit erreichen, welche mit dem Flachfchieber nicht möglich ift. Nachdem ferner die Entlaftung bei Gegenfenftern nahezu vollkommen wird, wie man durch die Handfteuerungen der Dampfhämmer( mit Wilfon'fchem Hahn) weiss, die Dauer grofs, die Herftellung leicht und der runden Arbeit halber billig ift, fo fcheint es, dafs fich für die Beherrfchung der grofsen Canäle fchnellgehender Dampfmaschinen kein Mechanismus beffer eignet, als der entlaftete rotirende Hahn. Dabei tritt der Dampf nach der Achfe des rotirenden Körpers ein und geht durch deffen Längsfchlitze unter geringften Richtungsänderungen zu feinen weiteren Wegen. Der rotirende Körper felbft mufs conifch fein, um das Einfchleifen zu geftatten und kann entweder von der Spitze einer Schraube oder einem irgendwo aufserhalb liegenden Kammzapfen getragen und geftellt werden, bei welcher Einftellung allen Einflüffen der Wärmedehnungen etc. nachgekommen werden kann. Beginn der Einftrömung. Schlufs der Einftrömung. Stellung des Innenrohres für 40 Percent Füllung. Nun handelte es fich nur noch um den Eingriff des Regulators auf die Veränderung der Füllung. Um überhaupt einen vorzeitigen Abfchlufs zu erlangen, mufs eine zweite Platte den Dampfzuflufs fperren, und um diefs mit einer möglichft grofsen Gefchwindigkeit zu thun, wählte ich ein im Innern des Grundfchiebers, aber diefem entgegengefetzt rotirendes eingefchliffenes Rohr, deffen Langfchlitze die Durchlafsfpalten des erfteren öffnen oder decken. Der Antrieb beider in einander rotirender Körper kann von einem und demfelben Kegelrade aus erfolgen, welches oben und unten je ein anderes Kegelrad mitnimmt; hält das äufsere beiſpielsweife auf der Spindel des Expanfionsfchiebers, während das innere auf einer diefelbe umgebenden rohrförmigen Nabe des Hauptfchiebers fteckt, fo werden beide Schieber die gewünſchte entgegengefetzte Drehung mit völlig gleicher Winkelgefchwindigkeit erhalten und ihre Arbeitskanten müffen fich mit der gleichen Gefchwindigkeit nähern, wo immer fie fich treffen. Je nachdem aber der urfprüngliche Stellwinkel( beiſpielsweife am todten Punkt) der Abfchlufskanten beider Schieber gröfser oder kleiner ift, wird diefes Treffen ſpäter oder früher eintreten und fo die Expanfion verän dern. Zum Zwecke der Veränderlichkeit diefes Stellwinkels fitzt hier der Innenfchieber nicht feft auf der Centralfpindel, fondern wird von einem Querkeil mitgenommen, der oberhalb des Mafchinen und Wagenbau- Fabriks Actiengefellfchaft in Simmering. 189 Schiebergehäuſes in einem geraden Schlitze der Spindel und einem fchrauben förmig gewundenen Schlitze der Rohrnabe des Expanfionsfchiebers ftecktNun braucht man den Keil nur zu heben oder zu fenken, fo wird die Stellung des letzteren voreilen oder zurückbleiben, nachdem die Spindel felbft wegen des Zahneingriffes nicht nachgeben kann. Aus conftructiven Gründen, d. i. um die Entlaftung der rotirenden Körper vollständig zu machen, müffen die Umfangsfpalten derfelben fich fymmetriſch gegenüberftehen und daher darf deren Winkelgefchwindigkeit nur halb fo grofs als jene der Schwungradwelle fein, das heifst die Zahl ihrer Umdrehungen nur die Hälfte der Mafchinendrehungen betragen. Nachdem aber die Steuerung nur für fchnellgehende Mafchinen beftimmt ift und auch nur für folche pafst, fo kann die nach oben verlängerte Innenfpindel fofort als Regulatorwelle dienen und deffen Kugelarme können direct an jenen Querkeil greifen, deffen Heben oder Senken die Füllung verändert. Eine Mafchine, wie die vorliegende, mit o 63 Meter Kolbenhub und fechs Atmoſphären Arbeitsüberdruck hat ihren gröfsten Gleichgang bei 180 und ihre Maximalgefchwindigkeit ungefähr bei 220 Umdrehungen per Minute oder 3.78, refpective 4.62 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde, fo dafs der Regulator, wenn er auch nur mit der Hälfte Touren, das ift 90 bis 110 Umdre hungen per Minute zu arbeiten hat, dennoch leicht die nöthige Energie zur Voroder Rückdrehung des völlig entlafteten Innenrohres erlangen kann. Für folche Arbeit ift die Steuerung beftimmt und für geringere Tourenzahi wird fie nicht geeignet fein, indem der Regulator dann zu langfam gehend, nicht wohl die nöthige Empfindlichkeit gibt, es fei denn, dafs man durch ein Vorgelege deffen Gefchwindigkeit fteigert oder( wie bei der Dingler- Mafchine) das Expanfionsrohr ganz ftille ftehen läfst und von dem gefondert arbeitenden Regulator einftellt. Um aber zu fehen, ob thatfächlich eine völlig richtige Dampfvertheilung derart erreichbar ift, ob das Dichthalten der Schieber eintritt und nicht leidet, die Stellvorrichtung mit Kamm- Halslagern in je einem mit Wurm angetriebenen Schraubenrad praktiſch ift, und hauptfächlich, ob die völlige Entlaftung, das iſt die leichte Verdrehbarkeit der beiden in einander rotirenden Schieber zu gewinnen ift wurde ein Verfuchsmodell gebaut, indem eine beftandene Mafchine, mit einem neuen Cylinder ausgeftattet, diefe Steuerung erhielt. Dabei wurde der befchränkten Zeit halber auf die Special- Ausführung für hohe Kolbengefchwindigkeit verzichtet, dagegen die Steuerungsconftruction noch infofern erfchwert, als die Ausftrömfchieber( auch als einfache Rotationsfchieber gelöft) gefondert an die Cylinderenden gelegt wurden, wodurch nicht nur dort weitere Canäle zur Verwendung kamen, fondern auch der( fich als unbegründet erwiefenen) Sorge wegen der Dampfverlufte durch den doppelten Abfchlufs Rechnung getragen werden konnte. Bei einer im Mai 1874 ftattgefundenen Probe diefer von der Simmeringer Mafchinen- und Waggonbau Fabrik gebauten und dort nunmehr aufgeftellten Mafchine zeigten fich die Erwartungen bezüglich der leichten Beweglichkeit bei völlig dampfdichtem Schlufs der Schieber vollkommen gerechtfertigt, ja felbft der mit 40 Touren arbeitende, bedeutend zu kleine Regulator beherrfchte die Gefchwindigkeit, wenn auch in unvollkommenem Mafse. Salomon Huber in Prag. Salomon Huber in Prag ftellte eine liegende Mafchine mit felbftthätig variabler Expanfion und ohne Condenſation aus, welche mit Colonnenführung und freihängenden Balken conftruirt war. Behufs der Trockenhaltung des Cylinders war der Schieberfpiegel derart gefenkt, dafs die Canäle, welche unten tangirend anftiefsen, mit Fall zum Schieberfpiegel führten, wo die Ausftrömung weiters 190 J. F. Radinger. nach abwärts in den angegoffenen Tragblock des Cylinders und hier in das aber mals unten tangirende Auspuffrohr erfolgte. Die obere Schmalkante der Canäle lag in gleicher Höhe mit der Cylinderachfe. Die Dampfeinftrömung war durch zwei Schieber geregelt, deren unterer ein normaler Vertheilfchieber mit Durchlafsfpalten war und feft an feinem Excenter hing, während der Deckfchieber aus einer einzigen Platte beftand, welche durch den Reibungsdruck des Dampfes und zweier an den SchieberkaftenDeckel geftemmter Blattfedern, ähnlich einer Farcotplatte, mitgenommen werden wollte. Nun führte aber das Expanfionsexcenter eine Stange im Schieberkaften, welche zwei kleine auf ihren einander zugekehrten Enden nach entgegenfteigenden Schraubenflächen abgefchnittene Bunde trug. Diefe Bunde konnten durch eine entsprechende Drehung die Deckplatte feft faffen. welche dann wie ein Meyer- Schieber arbeitete und die kleinfte Füllung veranlafste. Falls aber die Stange zurückgedreht wird, verläfst jede Schraubenfläche den Anfchlag am Deckfchieber und diefer wird nun, frei auf dem Grundfchieber liegend, von diefem fo lange mitgenommen, bis er wieder an die Schraubenfläche ftöfst. Weil fich aber diefer unter ihm wegzieht oder erftere durch den Schraubenanfchlag und das Expanfionsexcenter in die entgegengefetzte Richtung bewegt wird, fo fchliefsen fich nun die Durchlafsfpalten und zwar defto fpäter, je entfernter die Anfchläge von den Schraubenflächen ftehen. Eine einfache Drehung der Expanfions- Schieberftange bewirkt derart alle Füllungsgrade und diefe Drehung erfolgt durch den Regulator, der ſtatt der Droffel ein verzahntes Segment bewegt, welches in ein kleines drehbar feftgehaltenes Rad greift, durch welches die Expanfions- Schieberftange mit einer Längsnuth geht. Von Hand läfst fich die Expanfion durch ein Griffrad an der Regulatorftange ändern, welche mit einem Gewinde verfehen und alfo von veränderlicher Länge ift. Die Einwirkung des Regulators erfolgt in den Momenten, wo die Schraubenanfchläge aufser Eingriff und die Bewegungswiderstände gering find, eine Rückwirkung auf den Regulator findet dabei nicht ftatt. Nach den Mittheilungen, welche mir über die Wirkungsweife diefer Steuerung gemacht wurden, erwiefs fich der Gang der Mafchine( Cylinder 290 Millimeter Bohrung, Hub o 58 Meter) bei 75 Umdrehungen für gewöhnliche Arbeit genügend; es find aber die Zeitlängen des Aufser Eingriffkommens zwifchen Anfchlägen und Schieber fo kurz, dafs der Regulator erft nach zehn Touren der Mafchine feine höchfte Stellung erreicht und in Folge diefer lang. famen Einwirkung nicht die gewünſchte und angeftrebte Gleichförmigkeit des Ganges erreicht wurde. Eine Erhöhung der Energie des Regulators wird aber diefem Mifsftand abhelfen. Salomon Huber in Prag ftellte noch eine Luftpumpen Dampfmaichine aus, bei welcher der Dampfcylinder mit kurzem Zwifchenraum vor der Pumpe lag. Die Mafchine wirkte mit gefchloffener Schubftange vorn auf eine centriſchgekröpfte Welle, welche in angegoffenen, einfach zweitheiligen Lagern mit fchwer übergreifenden Deckeln lag und aufsen zwei gedrehte Schwungräder trug. Die Steuerung war mit einem Excenter, alfo mit fixer Expansion beforgt. Erwähnenswerth ift vielleicht noch, dafs nur eine untere Führung, aber mit nachftellbarer Gleitfläche angewendet und im Ganzen eine forgfältige Conftruction fichtbar war. Friedrich& Comp. in Wien. 191 Friedrich& Comp. in Wien. Friedrich& Comp. in Hernals bei Wien ftellten eine liegende Mafchine aus, deren Expanfionsfteuerung auf eine neue Art unter der directen Controle des Regulators wirkt. Die Steuerung befteht aus einem Grundſchieber mit aufsen getheilten Dampf Durchlafsfpalten, über welche ein Gitterfchieber, und zwar von einem Excenter geführt wird, deffen Excentricität und Voreilung gleichzeitig wächft oder finkt. Diefe Veränderung der wirkfamen Gröfsen des Expanſionsexcenters gefchieht dadurch, dafs diefes nicht feft auf der Welle, fondern dafs es felbft auf einem unterlegten Excenter fitzt, auf welchen es verdrehbar ift und nur fo lange gehalten wird, als der Gleichgang der Mafchine währt. Die Excentricität des unterlegten Excenters ift ungefähr gleich oder etwas kleiner als jene des Vertheilexcenters, aber der Voreilwinkel ift faft 90 Grad. Nachdem fowohl das unterlegte, wie das Vertheilexcenter feft auf der Welle zu halten haben, so können beide in einem Stücke gegoffen fein, wie es meift auch gefchieht. Der geometrifche Ort der einzelnen Fixlagen des auf den Gitterfchieber einwirkenden Expanfionsexcenters liegt nun in einem zur Welle excentrifchen Kreisbogen, deffen Mittelpunkt unter gröfserem Voreilwinkel gegen die Kurbel fteht, als das Vertheilexcenter. Diefer Bogen fchneidet die Senkrechte auf die Kurbelwirkung und die wirkfame Excentricität liegt daher mit pofitivem oder negativem Voreilwinkel zur Kurbelrichtung. Erfteren Falles ift das Excenter in erhobener Lage und die Excentricität grofs, letzteren Falles ift fie klein, denn das Excenter fank in der Richtung gegen die Kurbel zu. Die äufserfte Lage des derart ftellbaren Expanfionsexcenters läfst Friedrich genau in die Richtung des Vertheil excenters fallen, die mittlere Lage liegt unter dem Voreilwinkel Null in der Senkrechten auf die Kurbel und die andere Extremftellung ift ungefähr fymmetriſch gegen erftere unter negativem Voreilwinkel gewählt. Erftere Lage gibt die Füllung Null, indem die breiten Deckplatten fortwährend die Durchlafsfpalten gefchloffen halten und letztere läfst faft jene des Vertheilfchiebers zu, indem auch die Schlitze in der Deckplatte breiter find, als die Spalten im Schieber. Die mittleren Lagen geben mittlere Füllungen mit guten Canaleröffnungen und ohne Möglichkeit einer Nachfüllung. Die( in den Diagrammen theilweife falfche) Zeichnung einer mir vorliegenden derartigen Steuerung gibt folgende Gröfsen: Canalbreite. Vertheilexcenter Excentricität 34 99 26 Millim. Aeufsere Ueberdeckung 9 Millim. Voreilwinkel 15 Grad Unterlegtes Excenter 29 99 65 29 " " Expanfionsexcenter I. Stellung 45 15 99 " 29 " 0 II. III. 34 29 " 9 99 97 99 22 17 وو " 9 ንዓ 99 ንዓ Drei Durchlafsfpalten des Grundfchiebers. Drei Durchlafsfpalten des Gitterfchiebers. à II Millimeter breit Steg à 19 " 99 99 I I 30 Millim. 22 " 9 192 J. F. Radinger. Die Verdrehung des Expanfionsexcenters auf ( oder in) feinem unterlegten Excenter gefchieht nun durch den Regulator, deffen Kugeln direct an dem Excenter fitzen und fich mit demfelben um die Achfe der Kurbelwelle drehen. von Der auf die Welle feftgekeilte Theil der Excenter ( der Wirkung in einer und derfelben Ebene halber, das mit dem Vertheilexcenter zufammengegoffene unterlegte Excenter) trägt nämlich zwei radiale Arme angegoffen, von welchen je eine linfenförmige Schwungmaffe feitlich und gelenkig verbunden abfteht. Diefe Schwungmaffe greift mit einer kurzen, ihrer Gegenfeite ausgehenden Zugftange auf das Expanfionsexcenter und verdreht es daher auf( oder in) feinem unterlegten excentrifchen Tragring, falls fich die Gefchwindigkeit ändert. Diefe Zugftange fetzt fich dann als gewundene Stahlfeder fort, welche bis zum Ende des zweiten fteifen Armes reicht, wo fie mit einer Schraube auf verfchiedene Spannungen, alfo für verfchiedene Gefchwindigkeiten paffend geftellt werden kann. Diefe Steuerung ift in Oefterreich bereits ziemlich verbreitet. Sie pafst wohl nicht für gröfsere Mafchinen und ihre Empfindlichkeit kann keine fehr grofse fein, weil die Schwungkugeln gleichſchnell wie die Kurbelwelle rotiren und auch ihre Maffen, zur Hälfte an den fteifen Armen hängend, nur mit halber Energie wirken. Doch für kleinere und halbgrofse, rafch laufende Mafchinen fcheint fie eine der beften und einfachften Löfungen des Principes der RegulatorEinwirkung auf die Füllung zu fein. Die Ausstellungsmafchine war mit Indicator und Bremfe verfehen, fo dafs ein unzweifelhafter Einblick in die Schnelligkeit der Einwirkung des Regulators Leider verwehrte mir bei geänderten Widerständen möglich gewefen wäre. diefen der junge Menfch, der bis zur Mitte der Ausstellung als Vertreter feines Haufes bei der Mafchine ftand mit der Begründung:„ Weil ich nicht mag". Und als ich mich wiederholt an die Firma wendete, erhielt ich endlich die fchriftliche Antwort:„ Da die Preisvertheilung fchon längst vorüber ift und wir mit der Verdienftmedaille abgefpeift worden find, fo halten wir es nicht für nöthig, noch mehr Zeit aufzuopfern". Die Mafchine lag dann auch thatfächlich verftaubt. Mafchinenbau- Actiengefellfchaft( vormals Danek& Comp.) in Prag. Diefe Firma ftellte aufserhalb der Mafchinenhalle in ihrem eigenen Pavillon und zwar in einer Grofsartigkeit aus, welche von keiner MaſchinenbauAnftalt der Welt weder hier, noch bei früheren Gelegenheiten ihres Gleichen fand. Die Ausstellung umfafste, abgefehen von den Specialmafchinen für die Zucker und Spiritusfabrikation, Brauereien, Bergbau und Hüttenwefen etc., 10 Dampfmaschinen, wovon nur eine( Balancirmafchine), welche 27 Jahre ununter brochene Arbeitsdauer hinter fich hatte, als Halbantiquität gelten follte, während die anderen neuerer und neuefter Conftruction waren. Gekuppelte Walzwerks- Mafchine. Eine fogenannte 1000pferdige zweicylindrige und mit der Kurbelwelle gekuppelte Reverfir- Walzwerks-Mafchine ( zum Vor- und Rückwärtswalzen ohne Schwungrad) war die weitaus mächtigfte Mafchine in der Ausstellung. Sie beftand aus zwei Cylindern( Achsentfernung 5'0 Meter), welche tief in einem durchgehenden Grundbalkenplan lagerten und mit einem normal angeordneten Gestänge und balancirten Kurbelfcheiben die gemeinfame Hauptwelle angriffen. Auf deren Mitte befand fich ftatt des Schwungrades ein mächtiges Mafchinenbau- Actien gefellſchaft( vormal Danek& Comp. in Prag.) 193 Zahnrad gekeilt, welches in das circa doppelt fo grofse eigentliche Hauptrad ein griff und die Walzwelle trieb. Die Dampfvertheilung gefchah für jeden Cylinder mit 3 Excentern, deren je zwei eine Stephenfon'fche Couliffe und mit dem Gleitbacken die Grundfchieber bewegten, während die dritten Excenter, des gleichen Vor- und Rückwärtsganges halber unter 180 Grad gegen ihre Kurbeln fteckend, Meyer'fche Expanfionsplatten am Rücken der erfteren führten. Die Couliffe, welche derart nur dem Zwecke der Umfteuerung dient, wird bei folch grofsen Mafchinen nicht mehr durch die Hand verftellt, deren Kraft für die gleichzeitig nöthige Umftellung der belafteten Schieber nicht mehr ausreicht, fondern durch den Druck, den frifcher Dampf auf den Kolben eines eigens dafür beigegebenen Steuercylinders übt. Diefer Steuercylinder lag in der Mitte zwifchen den beiden Cylindern und fein ganz kleiner Schieber empfing die Bewegung durch einen Hebel vom Wärterftande aus. Damit die jedesmal mit einem einzigen Ilub gethane Arbeit feines Kolbens, das Heben oder Senken der Couliffe, nicht za plötzlich gefchieht, geht die rückwärts verlängerte Kolbenftange mit aufgekeiltem Kolben in einen mit Oel gefüllten Cylinder, deffen Widerftand eine fonft ruckweife auftretende Bewegung bremft. Vorn greift aber die Arbeitsfeite der Ililfs- Kolbenstange an dem Verticalarm einer Querwelle, welche unter der Flur gelagert ift und zu den Couliffen reichende Horizontalarme trägt, auf welche fich die Hängftangen derfelben ftützen, während zwei Gegengewichtsarme die todten Gewichte balanciren. Wichtig ift es dabei, die Steuerung fo einzurichten, dafs das Gleitftück der Couliffe auch in andern Punkten als den beiden äufserften angehalten werden kann. Um diefs zu ermöglichen, ift bei diefer Mafchine der kleine Umfteuercylinder mit zwei Schiebern ausgeftattet, von welchen der untere von der Hand des Mafchiniften bethätigt wird, wogegen der obere( an dem Verticalarm der Steuerwelle hängend und mit demfelben reducirten Hubes gehend) immer beim entsprechenden Weg des Steuer- Dampfkolbens die Dampfeinftrömung abfperrt. Dafs hiebei der Dampf expandiren wird und keine genaue Einftellung erfolgt, ift felbftverſtändlich, kann jedoch ganz exact gemacht werden, wenn man den Apparat ftatt mit dem Dampfraum der Keffel mit dem Wafferraum derfelben verbindet. Beim Stand des Mafchiniften, Mitte hinten zwifchen den beiden Cylindern, befindet fich noch ein grofses Griffrad für das Dampfabfperr- Doppelfitzventil der unterirdifchen Dampfzuleitung, und fymmetrifch zum Schieberhebel des Steuercylinders ein Hebel zur Bewegung der Condenfations- Wafferhähne an den vier Cylinderenden und der Dampfleitung. Die Dimenfionen der Mafchine find koloffal. Die Dampfcylinder haben 1100 Millimeter Durchmeffer und die Kolben 13 Meter Hub. Das Haupt Dampfrohr mifst 400, jedes Einzelrohr 300 und jeder Dampfweg 90 bei 800 Millimeter. Es entspricht diefs einem Querfchnittsver hältnifs der Zuleitung von 13 des Cylinderquerfchnittes, was wohl an und für fich grofs ift, aber doch 56 Meter Dampfgefchwindigkeit verlangt und nicht den vollen Keffeldruck hinter den Kolben zu leiten im Stande ist, wenn die Mafchine mit 100 Touren per Minute geht. Normal foll mit 80 bis 100 Umdrehungen gearbeitet werden, wobei die Kolbengefchwindigkeit 3.5 bis 4 3 Meter per Secunde beträgt. Bei diefen grofsen Einftrömöffnungen find die Canäle getheilt und auck die Platten der Meyer'fchen Expanfionsfchieber doppelt; die Schieberkaften find aufgefchraubt. Der Cylinder und feine Deckel, fowie der Schieberkaften find mit Blech umkleidet und mit jederfeits 7 Stockfchrauben zwifchen den 4 Rippen der ftarken Pratzen auf je eine untenliegende Grundplatte gefchraubt. II* 194 J. F. Radinger. Die Kolbenftangen gehen hinten durch und laufen mit niedern Tragfchuhen auf je einer Gufsbarre, welche nur wenig über die fo hoch gehobene Bedienungsflur hervorragt. haded Vorn find die 160 Millimeter dicken Kolbenstangen in Gabelkreuzköpfe gekeilt, an deren Aufsenfeiten dicht die Führungen liegen. Die unteren Lineale find ans Bett gegoffen, die oberen ohne Zwifchenftück und mit der Fuge in der Mafchinenachfe mit je einer 80 Millimeter dicken Schraube an jedem Ende niedergehalten. Die Führungsblöcke haben je 230 Millimeter Breite und 600 Millimeter Länge, was bei der vorhandenen 5fachen Schubftangenlänge und den einzuleitenden 4 Atmoſphären Betriebsdruck einen Führungsdruck von 2.7 Kilogramm per Quadratcentimeter gibt. Die Kreuzkopfzapfen meffen je 190 Millimeter Durchmeffer und 260 Millimeter Länge. Der Schalendruck macht hier 75 Atmoſphären. Die Schubftangen tragen auf der Innenfeite Bügelköpfe, welche aufser der Keilzange noch mit einer Durchfteckfchraube vor dem Aufgehen bewahrt find. Die Aufsenköpfe( am Kurbelzapfen) haben die Schiffsmafchinen Form mit Stangenflanfch und Gegenplatte, welche die zwifchengelagerten und gut verfchnittenen Broncelager durch je 80 Millimeter dicke, verficherte Mutterfchrauben halten. Jeder Kurbelzapfen fteckte in einer 390 Millimeter breiten, blos ihn und das halbe Stangengewicht balancirenden Kurbelfcheibe, welche hinten mit Blech verkleidet war. Diefe 230 Millimeter dicken, 260 Millimeter langen Zapfen arbeiten mit 62 Atmofphären Schalendruck und 3.58 Kilogramm- Meter Abnützarbeit per Secunde und Quadratcentimeter ihrer Fläche, was wohl nur bei der hier auftretenden unterbrochenen Wirkungsart angehen kann. Die Kurbelwelle war normal 460 Millimeter ftark. Für die Lagerung jedoch war fie auf 380 Millimeter Durchmeffer und 600 Millimeter Länge eingedreht und lag fo in ihrem viertheiligen Lager, welches 16 Atmoſphären Schalendruck und 155 Kilogramm- Meter fpecififche Abnützarbeit erfuhr. Diefe Lager waren in Folge der tiefen Cylinderlagerung niedrig und an die Grundbalken angegoffen. Knapp neben den Wangen und noch weit in die Uebergangsform hineinreichend fafsen die Angüffe für jederfeits zwei( Zwillings-) Fundamentfchrauben, während doppelt verfchnittene Deckel die Wangen mit breiter Uebergreifung nochmals fchützten. Letztere waren durch jederfeits zwei Deckelfchrauben( à 70 Millimeter dick) gefchloffen und nahmen noch je eine obere Anzugfchraube für je einen Seitenkeil auf, der faft über die ganze Lagerlänge reichte. Auf der Kurbelwelle fteckte das Antriebsrad der Räderüberfetzung für die 550 Millimeter dicke Walzwelle, deren Parallellagerung in Blöcken ftattfand, welche auf den verlängerten Balken der Kurbelwelle mit verfenkten Lagerplatten aufgefchraubt waren. Diefe Lager boten je 500 Millimeter Bohrung und faft 800 Millimeter Länge( Wange 340 Millimeter ftark) und waren innerhalb zweier Fundamentfchraubenpaare niedergehalten. Nun bildete je die Cylinder- Unterlagplatte fammt Geradführungsgerüft ein Gufsftück. Ausserhalb der Führungen gingen die bislang zu den Mafchinenachfen fymmetrifchen Platten in einfeitige Lagerarme über, welche fich bis vor die zweite äufsere Radwelle erftreckten. Beim Ende der Führungen, das ift beim Uebergang jeder Platte in den Lagerarm, war das Gufsftück getheilt und mit je zwei eingelaffenen Keilen verbunden. Ebenfo lag dort eine Gufstraverſe zwifchen den Grundbalken der beiden Mafchinen, welche im Verein mit einer ganz am äufserften Ende der Lagerarme liegenden Traverfe das gefammte Balkenwerk zu einem fteifen Rahmen verband. Ein ganz befonders bemerkenswerthes Glied der Mafchine waren die Zahnräder. Mafchinenbau- Actiengefellfchaft( vormals Danek& Comp.) in Prag. 195 Das auf der Kurbelwelle aufgefteckte Rad mit 37 und das angetriebene mit 64 Zähnen arbeiten Eifen in Eifen und hatten 240 und 4 15 Meter Durchmeffer und die Zähne 205 Millimeter Theilung, 100 Millimeter Dicke, 600 Millimeter Breite und 150 Millimeter Höhe. Beiderfeits waren die Zähne durch angegoffene Seitenfcheiben gefchützt, welche genau mit den Theilkreifen abgedreht auf einander rollend liefen und mit dem jedem allenfalls durch einen Stofs angeftrebten gegenfeitigen Annähern der Achfen und dann möglichen Zahnbruche vorbeugten. Innerhalb diefer je 80 Millimeter breiten, mit den Zahnwurzeln zufammengegoffenen Scheiben hatten die Zahnköpfe noch jederfeits 20 Millimeter Spiel, fo dafs die lichte Entfernung zwifchen den Rändern 640 Millimeter betrug, während die Köpfe nur 600 Millimeter breit waren. Das grofse Zahnrad foll 3000 Kilogramm fchwer fein; es hatte acht Arme, fafs mit würfliger Nabe und acht Keilen auf der quadratisch gehaltenen Welle ( 560 Millimeter Seite) und war aus zwei Theilen mit der Fuge durch zwei gegenüberliegende Arme hergeftellt. Jackfon in Mancheſter( Britannia Iron Works), welcher ähnliche Räder macht, giefst diefelben mit ausgefparten Schlitzen in Einem und fprengt fie dann durch Keile mit hydraulifchem Prefsdruck. Ein ähnliches Verfahren fchien auch an diefem Rade angewandt. Die Verbindung zu einem Ganzen gefchah dann mit jederfeits 125 Millimeter hohen, 75 Millimeter breiten heifsaufgezogenen Schmiedeifenringen an der Nabe, je fünf Schrauben ( à 80 Millimeter dick) mit Gegenmuttern in den Armen und vier elliptifchen heifsaufgezogenen Fretten an deren Aufsenenden. Die Arme felbft hatten doppelt T- förmigen Querfchnitt, 310 Millimeter Höhe, 600 Millimeter Breite und 65 bis 90 Millimeter Wandftärke. Die ganze Mafchine war, wie es den riefigen Dimenfionen entspricht, in einfachen und felfigen Formen gehalten. Die Griffräder hatten ftatt der Arme volle blanke Scheiben. die Cylinder lagen tief im Bett, die Führungen dicht am Kreuzkopf, die Schubftange dicht an der Kurbelfcheibe und diefe ohne Zwifchenbund dicht am Lager. So fand keine Kraft einen unnöthigen Hebelarm und der faft gänzliche Mangel an Bronce und die vollendete Arbeit an den grofsen Flächen gaben der Mafchine den Stempel ernft- vollendeter Conftruction. Die einfache Walzwerks- Mafchine. Ein zweites AusftellungsObject der Firma war eine einfache Walzwerks- Dampfmaschine mit 790 Millimeter Cylinder und 126 Meter Hub. Diefe foll mit 80 Umgänge per Minute oder 3:36 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde arbeiten. Das Dampfrohr mafs 200 Millimeter Weite und die Canäle 66 Millimeter Breite bei 474 Höhe, was 1/15 Cylinder- Querfchnitt( 50 Meter Dampfgefchwindigkeit) entſpricht, und wie es bei folchen Mafchinen üblich ift, kein vollkräftiges Arbeiten während der Maximal- Gefchwindigkeit zuläfst. Der Cylinder lag mit je fieben Stockfchrauben und einem Stellbolzen auf einer Grundplatte aufgefchraubt, welche aufserhalb der Führungen in einen einfeitig angefetzten und durch Einlagkeile verbundenen Lagerarm überging. Die Kolbenftange war hinten verlängert und mit einem Tragichuh verfehen, der auf einem Gufsbarren lief, während fie vorn 120 Millimeter dick und mit dem Gabelת Л 196 Kreuzkopf verkeilt war. Knapp an deffen Aufsenfeiten lagen die vier gufseifernen T- förmigen Führungs- Schienen. Diefe waren auf den zwei eingegoffenen Querftegen der gefenfterten Grundplatte mit durchgehenden, aber abgefetzten Bolzen gefchraubt und auffallend fchwer geformt. Die Führungsblöcke, je 205 Millimeter breit u.405Millimeter lang, erfuhren bei den 4 Atmoſphären Dampfdruck und der fechsmal kurbelarm- langen Schubftange einen Maximaldruck von 1.8 Kilogramm per Quadrat Centimeter. Der Kreuzkopfzapfen war 180 Millimeter dick und 200 J. F. Radinger. G 00 لبـ T Mafchinenbau- Actiengefellfchaft( vormals Danek& Comp.) in Prag. Centim. 100 2 5 Meter I 3 Millimeter lang; auf feine Schalen fielen 53 Atmosphären Druck. Die Schubftange endete an beiden Seiten mit einem Bügelkopf. Doch war der Bügel am Kurbelende mit einer Durchfteckfchraube und der hinteren Zangenbeilage des Keiles feftgehalten, während der Keil felbft unter Einfchaltung einer vorderen Beilage die Schalen nach aufsen drückte. Der Kurbelzapfen fteckte in einer balancirten Kurbelfcheibe und mafs 185 Millimeter Durchmeffer bei 210 Millimeter Länge. Diefs unterwirft ihn dem mäfsigen Druck von 49 Kilogramm und der Abnützarbeit per Secunde von 1.81 Kilogramm- Meter per Quadratcentimeter Fläche. Dicht an der Nabe der Kurbelfcheibe kam das Lager, welches 370 Millimeter Bohrung und 550 Millimeter Länge befafs. Es erfährt 9'4 Atmoſphären Schalendruck und 0.69 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit. Diefes Lager war mit breit anlaufender Form an das Bett gegoffen und mit einem verfchnittenen Deckel und jederfeits zwei Deckelfchrauben gefchloffen. Diefer Deckel hatte keine eingelegten Schalen, fondern war im Gegentheile mit zwei breiten Ausfchnitten verfehen, welche bis zum Zapfen reichten und fowohl deffen Befichtigung als auch die beliebte Schmierung mit einer Fettfeite zuliefsen. Mafsftab 1:48 der Natur. 197 Die Seitentheile der Schalen wa ren mit mit breit hinterlegten Keilen durch je eine Schraube im Deckel ftellbar. Die Welle, 420 Millimeter dick, trug hinter dem Lager ein circa II Meter grofses holz verzahntes Rad, welches dem Cylinder zu ein gleichgrofses Eifenrad antrieb. Die Welle desfelben lag in zwei fchmalen Angüffen des Bettbalkens, zwifchen welchen es die zwei Excenter für die Steuerung aufnahm, und fo dieSchieberftangen dem Cylin der nahe brachte. Die eigentli che Dampfvertheilung gefchah durch einen normalen Schieber mit getheilten Spalten. Der frifche Dampfkonnte nun entweder in deffen Schieberkaften direct oder beim Leerlauf der Walzen durch einen Drehfchieber davon abgefperrt und dafür in einen oberhalb geneigt liegenden Vor Schieberkaften treten, der in den unteren Haupt- Schieberkaften durch drei Spalten mündete. Ueber diefe Verbindungsöffnungen ging nun ein vom zweiten Excenter bewegter Spaltfchieber, der fo eine Expanfionswirkung zuliefs. Die Function desfelben, aber nicht deren Gröfse, war alfo während des Ganges einftellbar, aber jeder Schieber für fich frei. Der untere Schieberkaften war angegoffen, der obere aufgefchraubt. Die ganze Mafchine war maffig conftruirt und dürfte eine bewährte Form vorftellen. Eine kleine Förder- Mafchine zeichnete fich durch eine neue Umfteuerung aus, bei welcher ein einziger Handgriff den Vorwärts- oder Rückwärtsgang und auch den Stillstand der Mafchine bewirkte. Der Schieber war nämlich mit einem Vierkant auf einer Stange befeftigt, welche rückwärts aus dem Schieberkaften austrat und durch die drehbar feftgehaltene Nabe eines Handhebels ging, welcher vor einem Gradbogen ftand und 198 J. F. Radinger. R Schieber ( gedreht für den Vorwärtsgang) ( gedreht für den Rückwärtsgang) entweder nach links oder rechts geneigt oder in der fenkrechten Lage einklinken konnte. Der Schieber im Innern des Schieberkaftens, welcher auf einem cylindrifchen Gefichte lief, mufs in Folge des Vierkantes der jeweiligen Neigung des Handhebels folgen. Nun beftand aber diefer Schieber eigentlich aus drei zufammengegoffenen Einzelfchiebern, deren einer ein Normalfchieber mit Durchlafsfpalten, der andere einen E Schieber und der dritte( der mittlere) eine volle Platte formte. Je nachdem nun alfo durch die Verdrehung des Handhebels einer diefer drei Theile über das normale Schiebergeficht geneigt wurde, mufs die Dampfvertheilung wechfeln, wobei felbftverftändlich die Mittelftellung, wo die volle Platte Alles gefchloffen hält, den Stillstand mit fich bringt. Diefe einfache Steuerung ift jedoch nur für kleine Mafchinen tauglich, denn wenn auch ein lineares Voreilen und fixe Expanfion dabei erreichbar ift, dürften doch bald ungleichmässige Ausnützungen der nicht gleichmässig laufenden Abfchlufsflächen bemerkbar werden. Die Condenfationsmafchine beftand aus einem durchlaufenden Grundrahmen mit angegoffenem Kurbellager, aufgefchraubtem Cylinder und der Luftpumpe in der rückwärtigen Kolbenftangenflucht. Die Dampfvertheilung gefchah mit einer normalen Meyer- Steuerung, deren Excenter auf einer vorgelegten Welle fafsen, um kurze Dampfwege zu geben, und einem Porter- Regulator, der auf die Droffel wirkte. Der Dampfcylinder war doppelwandig und für eine directe Dampfheizung eingerichtet. Der innere Cylinder war einfach mit zwei abgedrehten Aufsenbunden nahe den beiden Enden verfehen und in den äufseren gefchoben. Je ein eingelegter Schmiedeifenring, welcher zwifchen das Stirnende des InnenCylinders und den tiefeinragenden Deckel gefpannt war, dichtete die Fuge, während die Dampfwege aufserhalb der Einlagringe und bei ausgefparten Stellen des Deckels mündeten, deren fonftige tiefe Verfchneidung dort reducirt war. Der Zwifchenraum zwifchen Bund und Ring wird mit Kitt ausgefüllt. Der Schieberkaften war angegoffen, aber die zugehörigen Stopfbüchfen vorgefchraubt. Der Cylinder hatte 534 Millimeter Bohrung und der Kolben 1068 Meter Hub. Die normale Gefchwindigkeit beträgt 45 Umgänge per Minute oder 1.6 Meter Kolbenweg per Secunde. Die Dampfrohre für Zu- und Abftrömung hatten 115 und 135 Millimeter was eben für diefe lichte Oeffnung oder 1/2 und 15 Cylinderquerfchnitt, Gefchwindigkeit genügt, indem die Einftröm conftante 133 bis 1/4 wird. Die Kolbenftange war 82 Millimeter dick und trieb vorn mit einem normalen aufgekeilten Gufs- Gabelkreuzkopf die mit einfachen Bügeln verfehene runde Schubftange. Mafchinenbau- Actiengefellfchaft( vormals Danek& Comp.) in Pr..g. 199 Die Führung fand zwifchen vier, nahe dem Kreuzkopf liegenden fchmiedeifernen Flachfchienen mit Geradführungsbacken ftatt, deren Dimensionen 125 Millimeter breit, 300 Millimeter lang, bei dem fechs Atmoſphären abfoluten Drucke am Kolben einen Auflagedruck von 3.5 Atmoſphären zulaffen. Der Kreuzkopfzapfen mafs 100 und 140 Millimeter, feine Schalen erfahren 94 Atmoſphären Druck. Der Kurbelzapfen von IIO und 130 Millimeter litt 91 Atmoſphären- Schalendruck und 102 Kilogramm Meter Abnützarbeit per Secunde und Quadratcentimeter Auflagfläche. Er fteckte conifch in dem Auge der Schmiedeifen- Kurbel, welche ihrerfeits mit gleichfeitiger Nabe dicht vor den Lagerfchalen fafs. Die Welle, normal 210 Millimeter dick, war, wie dies Princip diefer Fabrik zu fein fcheint, für die Lagerung einfach eingedreht, wodurch fich wohl die Anläufe von felbft ergeben, obgleich es die Welle durch die Querfchnittsänderung fchwächt. Der im viertheiligen Kurbellager liegende Wellenhals hatte 190 Millimeter Stärke und 410 Millimeter Länge, was 17 Atmoſphären Auflagedruck und o 36 Kilogramm Meter fpecififche Abnützarbeit bringt. Das Schwungrad erhält 4.72 Meter Durchmeffer und 150 Millimeter Breite, war aber der Ausftellungsmafchine nicht mitgegeben. Um den Schieberfpiegel möglichft nahe an den Cylinder zu bringen, fafsen auch hier die Excenter nicht auf der Kurbelachfe, fondern auf einer mit gleichen Stirnrädern angetriebenen Steuerwelle, deren Lager auf einer Verbreiterung des Grundbalkens angegoffen waren. Das Antriebsrad war aufsen fliegend, die Excenter zwifchen die Lager gefetzt und fo das Hineinrücken der Stangen erreicht. Die Schieberftangen waren in langen Büchfen hinter den Excenter Stangenköpfen geführt; der Kopf der Excenterftange des Vertheilfchiebers war mit eingelegter Bronceplatte zwifchen feinem Auge und dem Grund der angefchweifsten Schieberftangen- Gabel nachftellbar. Die Stellung der Expanfionsplatten gefchah auf ganz normale Weife mit dem gelagerten Griffrad auf der rückwärts verlängerten Schieberftange. Die Condenſation des gebrauchten Dampfes gefchah in einem eigenen rückwärts ftehenden cylindrifchen Condenfator von 450 Millimeter Weite und I Meter Höhe, in welchen das Einfpritzwaffer durch ein von oben mit Schraubenfpindel ftellbares, kegelförmiges Bodenventil und ohne Sieb gefchah. Das Dampfrohr mündete oben, und der Dampf, dem das Waffer entgegenfpritzt und mit dem es niederfällt, kann fo um fo leichter mit einem Wafferminimum condenfirt werden, als das Ventil auf einem kurzen Rohrftück fitzt und höher mündet, als die Saugklappen der feitlich liegenden Luftpumpe, wodurch die Einftrömung nie überflutet wird.* Die Luftpumpe lag auf einer angefügten, aber fchmäler gehaltenen Verlängerung des Grundrahmens und war von der rückwärts verlängerten DampfKolbenstange direct betrieben. Ihr Durchmeffer von 210 Millimeter macht das vom Kolben durchlaufene Volumen zu 16.3 des Cylindervolumens. Erwähnt mag noch fein, dafs ftatt des Anlafs- Dampfventiles ein gegitterter Flachfchieber mit verticalem Handhebel verwendet war; fein Spaltfitz war auf der Oberwand des Schieberkaftens gefunden, welche dann durch eine halb cylinderförmige Decke mit oben anmündendem Dampfrohr gefchloffen wurde. Vom Kreuzkopf aus angetrieben lag ferner die Speifepumpe und zwar innerhalb den Führungen. Dafs ein Porter Regulator auf die Dampfdroffel wirkte, ift fchon eingangs erwähnt. * Die Fabrik verfichert, dafs fich diefer Condenfator fein Waffer 7 Meter hoch direct, alfo ohne Kaltwafferpumpe, anfaugt. 200 J. F. Radinger. Woolf'fche Dampfmafchine. In der Mafchinenhalle lag noch eine Woolf'fche Mafchine diefer Firma, deren beide Cylinder von 203 und 526 Millimeter Bohrung( Hub 0.71 Meter) zufammengegoffen waren. Der durchlaufende Grundrahmen lag nur unter dem grofsen Cylinder und diefer allein war mit feinen Pratzen niedergefchraubt, während der kleine Cylinder frei getragen hinausragte. Die Führung fand nur unten auf den angegoffenen Flächen des Kreuzkopfes ftatt und die des kleinen Cylinders auf einer Platte, welche confolenartig vorftehend feitlich ans Bett gegoffen war. Der grofse Kolben wirkte auf eine gekröpfte Kurbelachfe und der kleine Kolben auf eine Stirnkurbel unter 180 Grad gegen jene. Die Kurbelachfe ruhte knapp hinter ihren Schenkeln in zwei angegoffenen Lagern und die Excenter waren auf die Nabe der kleinen Kurbel gekeilt, deren fonft weites Vorragen nun glücklich benützt und gedeckt erfchien. Eigenthümlich war ferner die Schieberanordnung. Die beiden Grundfchieber für Hochdruck- und Expanfionscylinder waren zufammengegoffen und von einem Excenter bewegt. Der Schieberfpiegel war aber nicht eben, fondern bildete auf der Lauffeite zwei Längsflächen unter 90 Grad, wodurch allerdings die fchädlichen Räume verkürzt, aber auch die Bearbeitungen der doppelt fchiefliegenden Flächen erichwert fcheinen. Die Expanfionsplatten der Meyer- Steuerung lagen dann nur auf jenem Schiebertheil, welcher dem kleinen Cylinder zukam. Die übrigen Mafchinen- und Steuerdetails, Condenfator und Luftpumpe, der Regulator für die Droffelung( hier Doppelfitzventil, welches gleichzeitig für die Abfperrung diente) etc., folgten ganz dem bei der Condenfationsmafchine dargelegten Plan. Auch hier waren alle Hebelarme kurz und die enge, mit wenig Linien zeichnende Conftruction machte ein gutes Bild. Ueber die Ruhe des Ganges, die wohl beim erften Anblick etwas fraglich fchien, aber bei folider Ausführung jedesfalls erreichbar ift, konnte vor der kaltliegenden Mafchine nicht mit Beftimmtheit geurtheilt werden. Ein kleines, übrigens auch an der Sulzer- Mafchine und anderen vorkommendes Detail war: das Abrunden der Stopfbüchsflanfchen nach einem Halokreis, was den fchmalen Wulft leicht blank halten läfst und gut ausfieht. Die anderen von diefer Firma ausgeftellten Motoren waren im Allgemeinen nur verjüngte und durch Weglaffung der Condenfation etc. vereinfachte Modelle der beichriebenen Dampfmaschinen Die Firma erklärte fich vor Beginn der Ausftellung aufser Preisbewerbung. G. Topham in Wien. Die Ausstellungsmafchine war eine folche, wie fie diefe Firma in grofser Anzahl zum Betrieb von Sägewerken baut. Sie iſt infofern mehr als gewöhnlich intereffant, als hier die Zapfendrücke und Abnützarbeiten höher als in der Mehrzahl der übrigen Mafchinen find, welche Höhe jedoch den gu en Arbeitsgang, wie ich aus anderweitiger eigener Erfahrung weifs, noch nicht hindert. Es war eine auf einem unten durchlaufenden Grundrahmen liegende Mafchine mit Meyer- Steuerung und verzahntem Schwungrad. Der Dampfcylinder war einfach gegoffen und befafs 448 Millimeter Bohrung. Der Hub betrug o'79 Meter und nachdem das Rad normal 55 Umgange per Minute macht, beträgt die Kolbengefchwindigkeit 1 45 Meter per Secunde. Der Schieberkaften war angefchraubt, die Schieberftangen kamen in gerader Flucht durch je eine runde Führung von den Excentern her, und die Expanfionsftange war mit einem hinten gelagerten Griffrad ftellbar. Die Kolbenftange ging in der gleichen Stärke von 65 Millimeter durch und war hin en in eine Stopfbüchfe geführt. Vorn war fie in einen gufseifernen G. Topham in Wien. 201 Gabelkreuzkopf gekeilt, deffen Zapfen innen die Schubftange aufnahm, während feine Aufsenverlängerungen in Geradführungsblöcken ruhten. D.e nicht nachftellbare Geradführung gefchah zwifchen den direct an die Balken des Rahmens angegoffenen unteren und je einer oberen Führungsbarre, we.ch letztere fich an den Enden niederbogen und fo ohne Zwifchenftück auf. gefchraubt wurden. Die Führungsflächen mafsen je 90 Millimeter Breite und 235 Millimeter Länge, was bei 5 Atmoſphären Dampf am Kolben und der SchubStangenlänge von 52 Mal der Kurbel einen Maximal- Führungsdruck von 35 Kilogramm per Quadratcentimeter gibt. Der Kreuzkopfzapfen war 60 Millimeter dick und 100 Millimeter lang. Der Schalendruck wird daher 117 Atmoſphären betragen. Die Schubftange endete innen und aufsen je mit einem Bügelkopf; der Keil am Kurbelende wurde von einer Schraube an der verlängerten Einlagzange gehalten, wie dies jetzt ein verbreitetes Detail ift, welches nicht nur eine feine Stellung geftattet. fondern auch einen wirkfamen Schutz gegen das Hinausfchleudern des Keiles vom auf und abfchwingenden Arm abgibt. Der Kurbelzapfen, 88 Millimeter dick und 105 Millimeter lang, erfährt 835 Atmofphären Schalendruck und 10 Kilogramm Meter Abnützarbeit. Er fteckte, von einem kurzen Hinterkeil gehalten, in einer fchmiedeifernen Kurbel, in welche fowohl der Bund des Aufsen- als des Lagerzapfens zu drei Viertheilen verienkt war, was die fchädlichen Momente möglichft verkleinert. Das Kurbellager war wie der Cylinder auf das Bett, jedoch mit völlig einge. laffener Platte gefchraubt. Die Nafen, welche fich hier von felbft ergeben, waren wohl durch eine Linie fchwach angedeutet, aber nachdem der Anftrich die Zufammenftofsfuge deckte, fo war der folide Eindruck eines angegoffenen Lagers gewonnen und in der That auch deffen Gutes, die kurzen Hebelarme theilweife rreicht. Die Schalen waren viertheilig und jede Seitenfchale mit zwei Schraubenkeilen ohne Zwifcheneinlagen ftellbar. Der Deckel war wohl feitlich entlaftet, aber nicht übergreifend und gleich der Lagerplatte von jederfeits einer Schraube gehalten. Das Lager hatte 160 Millimeter Bohrung und 210 Millimeter Länge, wodurch der Lagerdruck 23 Atmoſphären und die Abnützarbeit o 50 Kilogramm- Meter per Quadratcentimeter der Schale und per Secunde wird. Unmittelbar hinter den Borten, und diefe ftreifend, kamen die beiden Excenter, in deren Gufsringe die Excenterftangen conifch eingefteckt und verkeilt hielten. Das verzahnte Schwungrad hatte 3.79 Meter Theilkreis- Durchmeffer. Es beftand aus zwei Theilen. welche einfach durch vorn aufgezogene Ringe an der Nabe und Mittelkeile im Kranze verbunden waren. Die vorhandenen 180 Zähne waren 155 Millimeter breit und in einer Theilungsftärke von 66 Millimeter an den unteren 210 Millimeter radial meffenden Kranz angegoffen und an den Flächen bearbeitet. Das rückwärtige Lager der faft durchwegs 184 Millimeter dicken Radwelle hatte gleiche Dimenfion mit dem Kurbellager. Ein über den Geradführungen brückenförmig ftehender Watt'fcher Regulator griff mit einem einfachen Geftänge an eine Dampfdroffel. Seit der Ausftellung nahm die Fabrik den Pröll'fchen Regulator an. Die Mafchine trieb noch mit einer auf 180 Millimeter hubverkürzenden Gegenkurbel die Speifepumpe ihres Keffels, welche horizontal und nach Innen zu auf dem Rahmen lag. Der Antrieb derfelben gefchah durch eine kurze Lenkftange an den Seitenzapfen einer Gleithülfe der verlängerten Kolbenstange, welche durch eine Klemmfchraube mitgenommen wurde. Die ganze Mafchine machte einen wohl nicht übermodernen, aber höchft foliden und gefälligen Eindruck, welcher hauptfächlich von der tiefen Lagerung ihrer Theile auf den Grundrahmen, defsen eigener, aufsen geböfchter, ein 202 J. F. Radinger. facher Kaftenform und den übrigen, in wenigft Linien gezeichneten Details herrührte. Stefan Vidats in Peft. Der ungarifche Dampfmafchinenbau fand fich durch eine gute, aus wenig Einzelftücken zufammengefetzte liegende Mafchine von nominell 15 Pferdeftärken mit Meyer Steuerung, aber ohne Condenſation obiger Firma repräfentirt. Der Dampfcylinder war mit angegoffenem Schieberkaften und Tragblock direct am Fundament Mauerwerk mit vier Schrauben niedergehalten. Der Vorderdeckel war angegoffen und ein Seitenbalken fchlofs fich übergreifend an den Kreisrand. Der Seitenbalken trug die angegoffenen, vorn offenen Führungen und bildete mit dem Kurbellager und deffen Tragblock ein einziges Hohlgufsftück von ftarker und gefälliger Form. Der Dampfcylinder hatte 290 Millimeter Bohrung und fein Kolben o 526. Meter Hub. Nachdem die Mafchine mit 70 Umdrehungen arbeitete, betrug die Kolbengefchwindigkeit 1:23 Meter per Secunde, welche durch 65 und 72 Milli meter weite Zu- und Abftrömrohre reichlich bedient wurde. Das Einftrömrohr befafs nämlich 1/20 der Kolbenfläche( die Einftrömcanäle bei 24 und 150 Milli. meter Oeffnung 1/19), was die Strömungsgefchwindigkeit auf 25 Meter befchränkt. Das Ausftrömrohr bot 1/16 der Kolbenfläche. Der Kolben beitand aus zwei im Kreis verfchnittene und durch die Kolbenstangenmutter unter fich und mit der Stange verbundenen Scheiben, welche zwei Selbftfpannringe zwifchenhielten. Der hintere Cylinderdeckel wie der Schieberkaftendeckel waren eben und blank, fonft aber das Ganze mit Holz umkleidet. Vorn war die Stopfbüchfe für die 52 Millimeter dicke Kolbenftange verfchnitten in den angegoffenen Vorderboden des Cylinders eingeſetzt. Die Kolbenstange endete mit einem aufgefchraubten uud mit Gegenmutter gehaltenen Corlifs- Kreuzkopf, deffen nachftellbare Führungsplatten fich am Flachtheil der Gabel, aifo excentrifch der Druckrichtung ftützten. Die Führungs platten waren dachförmig und hatten 99 Millimeter Breite, bei 224 Millimeter Länge was bei den 5 Atmoſphären Betriebsdruck und der 4mal Kurbelhalbmeffer langen Schubftange einen Maximal- Führungsdruck von 2.8 Kilogramm per Quadratcentimeter gibt. Der Kreuzkopfzapfen war in die Gabel conifch( vorn ohne Kopf) eingepafst und durch eine Hinterfchraube gehalten. Der freie Zapfentheil, der in den Bügelkopf der Schubftange arbeitete, hatte 45 Millimeter Durchmeffer und 74 Millimeter Länge, wodurch fich der herrschende Druck auf 98 Atmoſphären ftellt. Vorn griff die runde Schubftange wieder mit einem normalen Bügelkopf auf den 50 Millimeter dicken, 93 Millimeter langen Kurbelzapfen( Schalendruck 71 Atmoſphären, fpecififche Abnützarbeit o 61 Kilogramm Meter), welcher ohne. Bund in der fchmiedeifernen Kurbel durch einen Mittelkeil angezogen fafs. Die Kurbel war im Auge, Arm und Nabe gleich dick gefchmiedet und nur letztere um fo viel weniger abgedreht, dafs ein 5 Millimeter hoher Vorfprung blieb, welcher dem Streifen der übrigen Kurbel an den unmittelbar dahinter ftehenden Lagerblock vorbeugte, nachdem auch der Zapfenbund in die Kurbel völlig verfenkt war und die Lagerfchalen auisen ohne Borten endigten. Die Kurbelnabe war möglichft kurz( 3/4 der Nabenbohrung lang); aber durch die Summe diefer Einzelheiten wurde der fchädliche Hebelarm von der Schubitangen zur Lagermitte auf das Möglichste verringert, was der Feftigkeit und der Ruhe des Ganges zugute kommt, und auch die fchädlichen Dampfräume klein beläfst, indem der Schieberfpiegel nahe an den Cylinder rückt. Das Kurbellager, welches mit dem centrifch ankommenden Seitenbalken und dem Grundftänder zufammengegoffen und mit zwei Fundamentfchrauben J. F. Radinger. 203 niedergehalten war, enthielt eine viertheilige Schale. Die Seitenplatten trugen in der Mitte ftarke, in den Lagerkörper eingelaffene Aufgüffe, welche ihre Verfchiebung hinderten und deren äufserer den Druck einer horizontalen Stellfchraube auf die ganze Schalenlänge fteif übertragen follte. Oben war das Lager mit einem verfchnittenen und beiderfeits übergreifenden Deckel und je einer Deckelfchraube gefchloffen und auf der Innen-, dem Rad zugekehrten Seite ftanden runde Lagerborten vor. Der Lagerzapfen hatte 112 Millimeter Durchmeffer und 168 Millimeter Länge, der Auflagedruck berechnet fich hier mit 17 Kilogramm per Quadratcentimeter, während die fpecififche Abnützarbeit o 34 Kilogramm Meter beträgt. Knapp hinter dem Lager kamen die beiden Excenter( 52 und 80 Milli meter Hub) für die Meyer- Steuerung, deren Schieberftangen in langen Broncebüchfen in einem Anfatz am Seitenbalken vor den Stopfbüchfen geführt wurden Das einzig unfchöne und nur der billigften Herſtellung wegen verwendete Detail an der ganzen Mafchine war die Stellvorrichtung für die Expanfionsplatten, welche in einem auf die hinten austretende Expanfions- Schieberftange direct aufgefteckten und alfo mit hin- und hergehenden Griffrade beftand. Doch war an der Aufsenwand des Schieberkaftens eine befeftigte Hülfe vorhanden, welche für einen Anzeiger des Füllungsgrades diente. Das Schwungrad befafs 2:53 Meter Durchmeffer und 900 Kilogramm Gewicht. Sein T- förmiger Kranz war zur Aufnahme eines Treibriemens, 40 Millimeter breit, abgedreht, und ftark vor dem eigentlichen Materialkern vorfpringend. Ein Porter Regulator, mit fchön gezeichneter Vafe und Metallftangen, beherrschte die Droffel. Die Mafchine im Ganzen war mit möglichst wenigen Linien gezeichnet und folid ausgeführt. Es war faft gar keine Bronce fichtbar, was in Verbindung mit der engen Conftruction und dem verwendeten Hohlgufs einen ruhigen und guten Eindruck hervorbrachte. Sie wog fammt Rad und Fundamentfchrauben 2750 Kilogramm( 3.0 Kilogramm per Quadratcentimeter Cylinderquerfchnitt) und koftet loco Peft 2400 Gulden. Fürft Salm'fche Mafchinenfabrik in Blansko. Aufser mehreren Proben von Maſchinengufs ftellte diefe Fabrik eine gekuppelte Forder Mafchine aus, welche wegen ihrer Umfteuerung beachtenswerth erfcheint. Auf je einem unten durchgehenden Doppelrahmen von I- förmigem Querfchnitt lagen zwei gleiche Dampfmaschinen, auf deren gemeinſamer 263 Millimeter dicken Welle die Rundfeil- Trommeln von 4'12 Meter Durchmeffer und 868 Millimeter Breite knapp hinter den Kurbellagern fafsen, während in Mitte. eine Bremsfcheibe aufgekeilt war.. Die Dampfcylinder hatten je 553 Millimeter Durchmeffer und die Kolben 158 Meter Hub, wobei fie die Trommeln 25 bis 30 Mal per Minute drehten ( 5 4 bis 6: 5 Meter Förder- Gefchwindigkeit). Die Dampfrohre von 105 und 132 Millimeter Durchmeffer für Zu- und Abftrömung boten 27 und 17 der freien Kolbenfläche an Querfchnitt, was bei der hier gewählten Kolbengefchwindigkeit bis 158 Meter als zu gering erfcheint, indem die Einftrömconftante 1/4 wird und der Dampf noch durch ungewöhnlich gekrümmte Wege geführt wird. Die Dampfcylinder lagen in der Mitte durch jederfeits eine vorfpringende, zwifchen je zwei Nafen gekeilte und an den Enden durch je eine Schraube niedergehaltene Pratze auf dem Rahmen, welcher unter dem feitlich tiefliegenden angefchraubten Schieberkaften niedergebogen war. 204 J. F. Radinger. Die Kolbenstange fand eine hintere Stopfbüchfenführung und trieb vorn 90 Millimeter dick und mittelft eines aufgekeilten gabelförmigen Gufs- Kreuzkopfes das weitere Geftänge. Die Führung fand an den beiden Enden der Traverfen und zwar nur unten mit jener, diefer Fabrik von jeher eigenthümlichen Plattenform ftatt, welche aus einer Verticalrippe mit breiter Grundflanfche auf der äufseren Seite befteht. Letztere läuft dann entweder auf der Fufsfläche einer ausgehobelten Bettrinne oder mit der oberen Fläche unter einem überfchraubten Schmiedeifenlineal. Die Führungsflächen hatten je 92 Millimeter Breite und waren 342 Milli meter lang. Nachdem nun die Mafchine mit Dampf von höchftens 3.5 Atmoſphären Ueberdruck betrieben werden foll und die Schubftange circa 4'4 Mal to lang als die Kurbel war, fo ergiebt fich hier der für nicht nachftellbare Flächen etwas ungewöhnliche Druck von 2'9 Kilogramm per QuadratcentiCentimeter 100 Mafsftab 1: 25 der Natur. o Meter meter. Der Kreuzkopfzapfen mit 97 und 118 Millimeter erfuhr 88 Atmoſphären Schalendruck. Die Schubftange war an beiden Enden mit Bügeln gefchloffen, welche durch je zwei Quer Einlagkeile und eine mitten durch diefe hindurchgefteckte Schraube gehalten waren. In den unter 90 Grad auf die Welle gezogenen fchmiedeifernen Kurbeln fteckten Kugel- als Kurbelzapfen. Der Durchmeffer derfelben von 112 Millimeter bedingt einen Schalendruck von 90. Atmoſphären und eine fpecififche Abnützarbeit von 0.61 Kilogramm Meter, indem fie ungefähr nur mit 100 Millimeter Länge arbeiten, wern auch die Länge von der Wurzel weg 118 Millimeter beträgt. Die Kurbellager waren an die Hauptbalken angegof. fen; ihre Schalen waren viertheilig und feitlich durch je eine Druck Keilplatte von oben ftellbar. Die Deckel waren nicht übergreifend, aber durch je zwei in die Lagerwangen gekeilte Schrauben gehalten. Im Lager mafs die Welle 224 Millimeter Durchmeffer und fand 316 Millimeter Auflaglänge. Der Horizontal Fürft Salm'fche Mafchinenfabrik in Blansko. 205 druck beträgt hier II Atmoſphären und die geringe ſpecififche Abnützarbeit 019 Kilogramm Meter. Die Steuerung diefer Fördermafchine gefchah für jeden Cylinder durch ein einziges Excenter, deffen flache Stange ohne jedes Zwifchenglied eine einzige Schieberftange angriff. Um aber fowohl vor- als rückwärts fahren zu können, wie es die Förderung verlangt, fand fich zwifchen Schiebergeficht und Schieber eine Zwifchenplatte, welche, mittelft des Reverfirhebels verfchoben, dem Einftrömdampf entweder einen geraden oder einen gekreuzten Durchgang bot. Zu diefem Zwecke hatte die Zwifchenplatte jederfeits fünf Spalten, deren erfte mittelfte und die vierte gerade auf die Gegenfeite durchgingen, während die zweite Spalte der Aufsen( Schieber-) in die fünfte Spalte der Innen( Gefichts-) Seite durch einen oben an der Zwifchenplatte angegoffenen Längs canal überfetzte. Gleicherweife ftand die fünfte Aufsen mit der zweiten Innenfpalte durch einen unteren Längscanal in Verbindung. Nun arbeitete der Schieber entweder auf der erften und vierten, den geraden Spalten, oder nach Verfchiebung der Zwifchenplatte durch den Umfteuerhebel auf der zweiten und fünften, den gekreuzten Spalten, während die mittlere Spalte ftets für den Dampfaustritt bereit blieb. Bei der Einftellung der gekreuzten Spalten unterftützte noch der vierte gerade Durchlafs den Austritt, während bei der offenen Arbeit die Kreuzfpalten auf den maffiven Theil des Schiebergefichtes aufliegend gefchloffen find. Derart wurde die Umfteuerung durch einen höchft einfachen Mechanismus erreicht, der, wenn auch etwas gröfseren fchädlichen Raum bietend und keine Expanfion zulaffend( was mit einem Meyer- Schieber noch immer möglich wäre), aber auch nicht leicht in Unordnung gerathen kann und jedesfalls billig ift und verläfslich wirkt. Ob für die Ableitung des Condenfationswaffers aus dem unteren Längs. canal der Zwifchenplatte geforgt ift, habe ich nicht erfahren. Die weiteren Anordnungen der auch fonft wohl geformten Mafchinen, Bobinen, Bremfen, Leutwerk etc. gehören nicht in diefen Bericht. Blansko ftellte ferner noch als Probe ihres Guffes den völlig unbearbeiteten Doppelcylinder einer Woolf'fchen Mafchine aus. Jeder Cylinder( 390 und 750 Millimeter rohes Mafs) war mit einem Dampfmantel zufammengegoffen und die Canäle für die getrennt aufzufchraubenden Schieberkäften, die Dampfrohranfätze, die Tragpratzen und felbft die Schraubenlöcher für die Deckelfchrauben etc. waren direct im Gufs enthalten, was ich aus dem Grunde anführe, um zu zeigen, dafs der Mangel der Dampfmäntel an den öfterreichischen Mafchinen ein abfichtlicher und nicht etwa ein durch die Giefsereien erzwungener Zuftand ift. Fürft Liechtenſtein'fche Mafchinenfabrik in Adamsthal. Diefe Fabrik ftellte aufser Locomobilen und einer Sammlung von Dampfpumpen zwei liegende Dampfmafchinen aus, deren eine in gewöhnlicher Weife am Fundament lag, während die zweite, eine fogenannte 16pferdige Mafchine, ftatt durch das Mauerwerk durch den zugehörigen Röhrenkeffel belaftet wurde. Letztere Mafchine beftand aus zwei Cylindern von je 237 Millimeter Durchmeffer, deren Kolben mit o 33 Meter Hub der Welle 90 bis 100 Umdrehungen geben follen, wonach die Kolbengefchwindigkeit mit I bis I'I Meter per Secunde angenommen erfcheint. Diefe Cylinder lagen nebeneinander auf einem unten durchgehenden Hauptrahmen, auf welchem vorn drei gewöhnliche Zapfenlager für die doppelt gekröpfte Kurbelwelle aufgefchraubt waren. Das Schwungrad befand fich aufserhalb des einen Lagers fliegend auf der Welle, 206 solenni af J. F. Radinger welche in fonft normaler Weife vom gufseifernen Gabelkreuzkopf( mit unteren Führung) durch die Schubftange anzutreiben war. Die Grundplatte reichte über die Lager hinaus und diente der Feuerbüchfe des Locomobilkeffels als Schutzrahmen Die Rauchkammer lagerte auf einem zwifchen den Cylindern befindlichen Sattel und fo belaftete das Gewicht des Dampfkeffels und des enthaltenen Waffers jene Grundplatte der Mafchine welche in Folge diefer Conftruction keiner unteren Maffe bedurfte. Die Steuerung war nach Meyer und die Schieberkaften befanden fich an der Aufsenfeite der Cylinder. Ein Bufs'fcher Regulator wirkte auf ein droffelndes Ventil. Die zweite Dampfmafchine war ein cylindrig und von gröfseren Dimenfionen. Ihr Cylinder mit hinten in einer Stopfbüchfe geführten Kolbenftange lag wieder auf dem durchgehenden Grundrahmen, der eine angegoffene untere und eine fchön angefchloffene obere Führung für die Gleitbacken der langen Traverſe enthielt. Doch war eine gegabelte Schubftange mit zwei Innen köpfen vorhanden, was wohl einen Block Kreuzkopf zuläfst und die Mafchinenlänge etwas reducirt, aber fonft aus guten Gründen nur mehr felten gemacht wird. Das viertheilige Kurbellager mit je zwei feitlichen Keilfchrauben war auf den Bettbalken gefchraubt. Die Dampfvertheilung gefchah mit einer Meyer Steuerung; zur Plattenverftellung diente ein feftes Griffrad auf der Hinterfeite des aufgefchraubten Schieberkaftens. Vorn über dem Cylinder ftand ein Doppelbogen Ständer für den Bufs'fchen Regulator, welcher mit Aussen- Frictionkegeln angetrieben erfchien; den oberen Conus drückte eine Spiralfeder auf der Spindel nieder und die Bewegung der Manchette wirkte droffelnd auf das Einftrömventil. An diefem Ständer, fowie an den übrigen Kanten der Mafchine, der Kurbelzapfen- Stirne etc. wären die angedrehten architektonischen Ornamente wohl zu vermiffen gewefen. Die Speifepumpe lag neben den Steuerftangen und arbeitete mit verftellbarem Hub, indem ihr Kolben an dem Gleitftück einer Couliffe hing, welcher mit Spindel und Griffrad von oben einzuftellen war, während die Couliffe felbft von einem Excenter bewegt wurde. J. F. Müller in Prag. Die Mafchinenbau Anftalt von J F. Müller in Prag ftellte eine gekuppelte 1opferdige Förder- Mafchine aus, deren Kolben von je 228 Millimeter Durchmeffer und o 457 Meter Hub an rechtwinklig verfetzten Kurbeln arbeiteten. Der intereffantefte Theil diefer Mafchine war die Umfteuerung für den Vor und Rückwärtsgang Die Dampfvertheilung gefchah für jeden Cylinder mit einem einzigen Excenter und einem einzigen Schieber. Das Schiebergeficht jedes Cylinders hatte vier völlig gleichbreite Dampfwege eingegoffen, deren erfter und dritter vor und hinter den Kolben mündeten, während der zweite wie eine normale Ausftrömung, aber in gleicher Weife auch der vierte Canal jedes Cylinders zu einem beiden Mafchinen gemeinfamen und in deren Mitte gefondert liegenden Umfteuerungskaften führten. Dort mündeten fie unter den beiden äufserften dreier Spalten, deren mittlere mit der freien Luft in conftanter Verbindung war Alle drei Spalten überdeckte nun ein Mufchelfchieber normaler Conftruction und diefer war mit verticalem und am Gradbogen geführtem Handhebel ftellbar. Der frifche Dampf kam in diefen Schieberkaften und je nach der Stellung des Mufchelfchiebers entweder in einen oder den anderen der beiden Aufsen- Dampfwege zu den Treib cylindern hin. Dadurch wird immer der von der Schieberhöhlung überdeckte Canal zum Ausftromcanal, während der andere für die Einftrönung dient, aber die andere Millimeter 100 o' I 2 J. F. Müller in Prag. 3 4 5 6 7 8 9 Meter Mafsftab 1: 25 der Natur. 207 Extremftellung des überlegten Schiebers vertaufcht deren Function und die Mittelftellung desfelben fchliefst beide. Durch die Doppelfchieber der Dampfcylinder, unter welchen derart aufser ihren eigenen Dampfwegen noch der Zu: und der Abftrömcanal mit vertaufchbaren Rollen münden, wird nun die Mafchine zum Vor oder Rückwärtsgang veranlafst. je nachdem der Tausch gefchah. Da aber die arbeitenden Steuerkanten wechfeln, fo ift kein lineares Voreilen oder eine Vorausftrömungmöglich und das Excenter jeder Mafchine mufs unter 90 Grad gegen feine Kurbel gekeilt fein. Die Dampffpannung wird mit einem Drehfchieber geregelt, welcher direct auf der Aufsenfeite des mittleren ☐ Steuerfchieberkaftens liegt. Um diefen Drehfchieber fchmiegt fich der Fufs und obenauf fteht der Schaft einer kleinen Säule( unteres Ende des Dampfrohres), durch welchen die Welle des Drehfchiebers nach aufwärts und nach aufsen führt, wo fie mit einem Handgriff geftellt wird. Aus dem Haupt- Dampfrohr geht noch je ein dünnes Rohr in die HauptSchieberkäften, um die, auch den Zuftrömdampf innehaltenden Doppelfchieber an ihr Geficht zu drücken. Diefe einfache und handliche Steuerung, welche nur den Nachtheil der entfallenden Voreilungen und gehäufter Winkel in den Dampfwegen bietet, fcheint für derart kleine Mafchinen( hier 16pferdige genannt) gut am Platz. Die Dampfwege des Cylinders tangirten unter deren tiefften Geraden, was die Wafferentfernung erleichtert; die Schieberkaften waren angegoffen, aber mit eingefetzten Stopfbüchfenvafen verfehen. Weiters wäre über diefe Mafchine zu bemerken, dafs ein untenliegender Grundbalken, aufser den angegoffenen fchiefen Lagern, noch kurze Seitenpratzen für die ebenen fchmiedeifernen Geradeführungslineale trägt, welche innen auf den Stopfbüchfen aufruhen. Die Schubftange war von je einer Augenführung getragen und Folge deffen aufsen gegabelt. Nun müfste entweder ein weit vorftehender Kurbelzapfen oder, falls das Streifen der Gabelftange an der Kurbelfcheibe vermieden werden wollte, die Scheibe felbft entſprechend weit ausgenommen werden. Hier gefchah letzteres, was aber einen unbefriedigenden und häfslichen Anblick gewährte, weil gerade dort( gegenfeits der Kurbel) die Ausnehmung erfolgen mufs, wo das Balance. Gewicht hingehört. Zwifchen Scheibennabe und Lagerborten fah man noch die unverfenkten Zapfenbunde. Die vorftehenden Schraubenbolzen der Geradführung waren oberhalb der Muttern mit angedrehten Kugeln gefchmückt und überhaupt fanden fich etwas viel Linien in der Zeichnung. 208 J. F. Radinger. J. F. Müller brachte ferner noch eine Wafferpumpe mit directer Auf ftellung, deren Dampfcylinder einen weitabliegenden Schieberkaften freitragend hielt. Die zwei gleichgrofsen Schwungräder lagen nicht fymmetriſch auf der gekröpft en Kurbelachfe, fondern eines fafs dicht aufserhalb ihres Lagers, während das zweite noch zwei Excenter zwifchenhalten mufste. Das Expanfionsverhältnifs war durch eine Klemmfchraube im Schlitz verftellbar, und alfo während des Ganges der Mafchine nicht zu verändern, was bei einer Pumpe nicht benöthigt wird. Erich& Hofmann in Hermannfeifen( Aarnau). Der Dampfcylinder fammt Schieberkaften, die rohrförmige Führung, der einfeitige Grundbalken und das Kurbellager waren an der Ausstellungsmaschine diefer Firma ein einziges Gufsftück. Der Dampfcylinder hatte 360 Millimeter Durchmeffer und der Hub o 70 Meter. Die Umdrehungszahl mit der die( kaltliegende) Mafchine arbeiten wird, konnte trotz zweimaliger Anfrage nicht erhalten werden; doch hiefs es, diefelbe habe mit ziemlich grofser Gefchwindigkeit zu laufen und habe fich namentlich für ausgeführte Sägeanlagen vortheilhaft bewährt. Die Dampfvertheilung gefchah durch eine Meyer- Steuerung und die Flanfche des Schieberkaftendeckels ging durch die Achfe der Expanfionsftange. Ein Bufs'fcher Regulator wirkte auf eine Droffelplatte im Dampfrohr. Die Geradführung fand mit oberen und unteren Führungsplatten ftatt, welche rückgefchoben an den gabelförmigen Kreuzkopf angegoffen waren und den Druck alfo nicht centrifch aufnahmen. Die Schubftange hatte innen einen gefchloffenen, aufsen einen offenen Kopf. Die gufseiferne, als folche durch zwei blanke Seitenleiften gekennzeichnete eiförmige Kurbel fafs dicht vor dem viertheiligen Lager, welches mit dem über. greifenden Deckel gefchloffen war. Zwei Keilfchrauben jederfeits geftatteten die Einstellung der Seitenfchalen. Die Excenterringe waren aus Gufseifen und mit etwas langen und häfslichen Flanfchen verbunden. Das Schwungrad war zweitheilig und mit vorn aufgezogenen Ringen und vier Schrauben in der Nabe und mit je drei Fretten am Kranz verbunden. Die Mafchine war als eine 20pferdige bezeichnet und machte mit Ausnahme der beiden erwähnten unbedeutenden Abweichungen den Eindruck einer gelungenen Conftruction. Die Ausführung der Grundbeftandtheile als ein einziges Gufsftück, wie es nur noch an der ungefähr gleichgrofsen amerikanifchen Mafchine zu finden war, welche überdiefs die Schieberkaften angefchraubt hatte, während er hier im Gufs vereinigt war, ift die denkbar folidefte und die Montirung kann rafch und genau vor fich gehen. Brüder Noback& Fritze in Prag. Diefe Firma ftellte hauptfächlich Brauereimafchinen etc. und darunter eine Dampfmafchine jener Gattung aus, welche wohl fehr billig fein mögen, aber unbefchadet deffen in manchem Detail beffer fein könnten. Es war eine gewöhnliche Mafchine auf normalen Rahmen mit zwifchen Nafen aufgefchraubtem Cylinder und fchiefem Kurbellager. Die Kolb enftange war hinten in einer Stopfbüchfe geführt, der Schieberkaften angegoffen und der gufseiferne Gabelkreuzkopf von einem unteren Schuh getragen, deffen Schwalbenfchweifkanten in einer ausgehobelten, aufs Bett gegoffenen Führung liefen. Um das Einbringen zu ermöglichen war die Führung am Ende offen gegoffen und nur mit einem Füllftück gefchloffen, was eine ganz zweckmässige Löfung ift und gut ausfieht. Dagegen fteckte eine fchwere Gufskurbel vor dem fchmalen Lager, deffen Zapfenbunde nicht verfenkt waren, und die Excenter der Meyer- Steuerung lagen Brüder Noback& Fritze in Prag. 209 nicht dicht beim Lager, wodurch der Schieberfpiegel weiter als nöthig vom Cylinder wegkam. Hübfch war das übrigens auch von der Carlshütte bei Rendsburg angewendete Indexdetail der Expanfions- Plattenftellung, ein aufrechtftehender Zeiger, deffen Gegenende von dem Aufsengewinde am Griffrade mitgedreht wurde. Eine Speifepumpe, deren Kolben direct vom Kreuzkopf mitgenommen wurde, lag feitlich am Bett, und der mittlere cylindrifche Theil zwifchen den beiden Endfüfsen war blank gedreht. Dafür pafsten aber weder die Stopfbüchfen und die Excenterflanfchen, noch die Geradführungs- Einlagen auf einander. Ein Porter- Regulator von guten Verhältniffen wirkte auf die Droffel und ein fchönes fchweres Schwungrad hat die Arbeit mit einem direct aufgelegten Riemen auf die Transmiffion zu übertragen. M. Peterfein in Krakau. M. Peterfein in Krakau ftellte eine kleine Dampfmafchine aus, welche die Fabriksnummer I trug, und zeigte, mit wie Wenig eine Dampfmafchine gebaut werden kann. Auf einer ganz gehobelten Grundplatte lag der aufgefchraubte Cylinder, an deffen vorderen Deckel die Rohrführung angegoffen war, in welcher fich der mit einem Längskeil unten nachftellbare Gabelkreuzkopf bewegte. Das Kurbellager war klein und hoch und fafs auf fchmaler Bafis, indem die Deckelfchrauben auch nach unten durchgreifend gleich als Lagerfchrauben dienten; das hintere Lager aber war normal und breit. Der Schieberkaften für die Meyer- Steuerung war feitlich angefchraubt und diefe von Hand aus mit einem Griffrade ftellbar, neben welchem in guter Weife unmittelbar das gleichgrofse Griffrad für die Welle des Anlassventiles lag, fo dafs die Handhabung des erfteren keine befondere Mühewaltung verlangt. Sowohl die Aus- als Einftrömung des Dampfes erfolgte von unten. Ein Kegulator mit gekreuzten Armen und einem unter den Kugeln hängenden, unfchön geformten Belaftungsgewicht wirkte auf die Droffel. Die Speifepumpe lag auf der der Steuerung entgegengesetzten Seite, wurde aber mit einer kurzen Lenkftange und unten durchs Bett gehenden ofcillirenden Querwelle von der Expanfions- Excenterftange mitgenommen. Sonft war die Mafchine mit Gufskurbel etc. billig conftruirt, dagegen aber eine grosse Anzahl unnöthiger Linien an allen Kanten und ein greller ZinnoberAnftrich verwendet. V. Prick in Wien. In der landwirthschaftlichen Mafchinenhalle ftand unter den BrennereiAusftellungsgegenständen diefer Firma auch eine Dampfmafchine nach ziemlich altem Modell. Es war eine ftehende Mafchine, deren hochliegende Kurbelwelle vorn. auf einem matt- gothifchen Säulenträger und hinten auf einer modernen kaften. förmigen Wandplatte lag. Auf den ftehenden Cylinder ftützte fich die Stangen- Geradführung und oben war eine ganz fchwach balancirte Kurbelfcheibe verwendet, welche die Welle des gedrehten Schwungrades antrieb. Hinter letzterem fafs noch ein Zahnrad, welches ein zweites in der Wandplatte gelagertes Rad mit 78 Eifen- in 144 Holzzähnen antrieb. Die Steuerung gefchah nach Meyer, und ein Porter Regulator, welcher unten in einem gleichfalls gothifchen Ständer lagerte, wurde von der Schwungradwelle durch ein Kegelradpaar direct mitgenommen. 210 J. F. Radinger. Die broncenen Ringe für die Dampf- und das Speifepumpen- Excenter, die hellglänzenden Kupferrohre, welche, um den Säulen auszuweichen, ftarke Windungen zu machen hatten machen hatten etc., zeigten, dafs die Fabrik an Metall nicht fpart. F. H. Hedley in Wien. F. H. Hedley in Wien ftellte das Modell einer ofcillirenden Dampf mafchine aus, deren Dampfvertheilung durch die beiden hohlen Kolbenstangen und den Kolbenkörper felbft platzgriff. Der Kolben beftand aus zwei mit entfprechenden Ausfparungen verfehenen Scheiben, deren obere fich auf der unteren verdrehen und fo die Steuerung beforgen konnte, nachdem jede der hohlen Kolbenstangen mit einer der Scheiben in Verbindung fteht. Die rückwärtige Kolbenftange diente für die Dampfzuführung und fchliefst fich gelenkartig an das mit einem Wechfel verfehene Dampfrohr. Diefes Gelenk bildet gleichzeitig den Schwingungsmittelpunkt für das weitere Syftem. Der Cylinder trägt an feinem Vorderdeckel einen anfangs hohlen und dann zu einem Schubftangenkopf zulaufenden Angufs, welcher direct am Kurbelzapfen hängt. Die vordere Kolbenftange endet zwifchen den Wangen diefes Anguffes mit einem Kautfchukrohr, durch welches die Abftrömung erfolgt und trägt aufserdem einen feitlichen Arm, welcher der Kolbenftange während des Hubes eine kleine Drehbewegung ertheilt, indem fein Aufsenende in einer Schleife halbfeftgehalten ift. Diefe Drehbewegung pflanzt fich in der Kolbenstange bis auf die Vorderfeite des hohlen Kolbens fort und dreht diefe für die richtige Steuerung. Weil nun der Kolben mit der rückwärtigen Kolbenftange am feften Drehpunkte und der Cylinder am Kurbelzapfen hängt, fo wirkt der zwifchen einem Deckel und der feften Kolbenfcheibe auftretende Dampf entweder auf Verlängerung oder Verkürzung des Syftems und drückt die Kurbel hinweg oder holt fie an. Da fowohl der Drehzapfen im Dampfrohr als auch die fteuernden Kolbenfcheiben unter dem gefammten Kolbendruck arbeiten müffen und auch das Gefammtgewicht der Mafchine nur an zwei Drehzapfen, aber der ganzen Länge nach frei hängt und fchwingt-fo ift felbftverftändlich an grofse Ausführung des Modelles nicht zu denken. Für kleine Ausführung und für fchwache Kräfte fcheint es feiner Einfachheit und weniger Beftandtheile halber ganz wohl geeignet, indem es aufser dem Kurbel- und dem hohlen Drehzapfen im Dampfrohre keine weitern Zapfen, keine Geradführung, keinen Steuerungsantrieb etc. befitzt und der Cylinder ein einfaches Rohr ohne irgend einen Angufs ift. Wahrfcheinlich kann man die leichteften Dampfmafchinen nach diefem Syfteme bauen. Die Halblocomobilen- Mafchinen. Die Halblocomobilen find kleinere mit ihren Keffeln zufammengebaute Dampfmafchinen, welche für gewöhnlich wie ftationäre Maſchinen andauernd an ihrem Platze zu verbleiben haben und mit keinem Fahrgeftelle verbunden find, aber doch ihrer geringen Gröfse halber den Charakter der leichten Ortsänderung tragen. Sie bilden den eigentlichen berechtigten Motor für die Kleininduftrie, da fie den verlangten Effect weitaus ficherer, geräufchlofer und mit bedeutend geringeren Geldopfern für Betrieb und Anlage bieten als irgend ein Surrogat. Während fich beiſpielsweife der Kohlenverbrauch einer felbft minder guten Halblocomobile auf höchftens vier Kilogramm per Stunde und effectiver Pferdekraft ftellt und eine Geldauslage von fl. o'05 bis fl. o'08 verlangt, beträgt bei gleicher Arbeit und Zeit die Ausgabe bei Otto Langen'fchen Gasmaſchinen fl. o'12 ( 10 Cubikmeter Gas), für eine Lenoir'fche Mafchine mindeſtens fl. o 24 und ift felbft in den noch nicht fo völlig erprobten Heifs Luftmafchinen etc. höher als in der verlässlich wirkenden Dampfmaschine der Halblocomobile. Wohl paffen diefe Conftruction en mehr für vorübergehenden als andauernden Zweck, indem das Reinigen der Keffel fchwerer und das Ausftrahlen der Wärme leichter ift als bei gemauerten Anlagen. Der Raumerfparnifs halber ift der Keffel meift ftehend, und mit innerer Feuerung verfehen. Bei den englifchen Mafchinen fitzen dann Cylinder und Kurbellager direct an dem Keffel, welcher als Grundplatte dient, während die franzöfifchen Conftructeure glauben, einer fchweren Gufsplatte nicht leicht entbehren zu können. Die Gewichte der Halblocomobile find gewöhlich etwas höher als jene der gleichftarken Locomobile, aber die Preiſe find geringer, weil die Räder etc. fehlen und auch die Keffel einfachere Formen als dort erhalten. Der geringeren Stabilität halber, welche die verticale Aufftellung bietet, find kleinere Kolbengefchwindigkeiten verwendet, als in den Stabil oder den eigentlichen Locemobilconftructionen. In der Mehrzahl der Halblocomobilen beträgt der Kolbenweg per Secunde Io bis 13 Meter und erhebt fich nie über letzteren Werth, während er häufig darunter finkt. Mit während des Ganges variabler Expanfion waren nur einzelne diefer Motoren ausgeftattet, die Mehrzahl arbeitet mit einem einzelnen Schieber und einem Droffelregulator. W. N. Nicholfon& Sohn in Newark hatten vier kleine Mafchinen in auffteigender Gröfse ausgeftellt, welche fämmtlich nach gleichem Principe und folgendermafsen gebaut waren: Auf der für Mafchine und ftehenden Querröhren Keffel gemeinfamen hohlen und als Wafferbehälter dienenden Grundplatte fteht vom Keffel völlig unabhängig der centrifch zwifchen zwei hohen Ständern eingegoffene Cylinder. Die Ständer gehen oben in die Lager der gekröpften Kurbelwelle über, auf welcher aufsen das Schwungrad fitzt. Die Deckel der beiden Kurbellager bilden aber ein einziges Gufsftück, deffen Verbindungsfteg fich fo weit nach aufwärts wölbt, dafs die Kurbel darunter paffiren kann. Zwifchen den Ständern find gufseiferne Winkelfchienen zur Führung des an die Kolbenftange gefchmiedeten Kreuzkopfes eingefchraubt. Die Schubftange hat unten ein Auge ohne Schalen 12 212 J. F. Radinger. mit einem direct über den Zapfen gelegten Keil; der Schubftangenkopf bei der Kurbel ift aus hänımerbarem Gufseifen, auf die Stange mit centrifchem Gewinde aufgefchraubt und mit einem Flanfchendeckel gefchloffen. Auf der Aufsenfeite des einen Ständers erfcheint der Schieberkaften ange. goffen, während auf die des andern die Speife pumpe gefchraubt ift. Unten ſteht noch ein Regulator in Geftalt einer rotirenden Birne, aus deren Einziehung ein Paar winziger Kugein hervorragt. Die Centralftange beherrfcht dann mittelft einer Manchette die Droffel. Diefe Mafchinen waren in guten Formen gegeben und mögen trotz des hochgelagerten Schwundrades genügend ftabil fein, da die ganze Tragconftruction ein einziges durch den Dampfcylinder wohl verfteiftes Gufsftück bildet. Die 2-, 4 und 127, 178 und 203, 254 und mit 180, 150 und 6pferdigen Mafchinen hatten: 216 Millimeter Cylinderweiten bei 305 Hub und arbeiten 130 Umdrehungen per Minute, d. i. einer Kolbengefchwindigkeit von 12 bis 13 Meter per Secunde. Die ungefähren Gewichte betragen: 1300, 2800 und 3800 Kilogramm und die Preife fammt Keffel 82, 125 und 170 Pfund Sterling. Robey& Comp. in Lincoln. Direct an den Fieldkeffel gefchraubt befindet fich oben der Cylinder, welcher mit abwärtsfehender Stopfbüchfe und darangeſetzten vier Führungen auf die unten gelagerte gekröpfte Kurbelwelle arbeitet. Letztere ruht in zwei gefondert an den Keffel gefetzten gufseifernen Lagerblöcken mit fchiefem Schalenfchnitt und kann das Schwungrad rechts oder links tragen. Die Speifepumpe hängt einfeits an einem Excenter, während von der anderen Seite d'e Steuerung und der Riemenantrieb des Watt'fchen Regulators beforgt wird. Die Mehrzahl der Arbeitsbeftandtheile diefer Mafchine beftanden aus fchmiedbarem Gufs. Davey Paxmann& Comp. in Colch efter. An ihren bekannten ftehenden Röhrenkeffel fetzten Davey Paxman eine Mafchine, von welcher fowohl der Cylinder oben als die beiden Lagerkörper unten direct an die Blechwan gefchraubt waren. Um den Cylinder nahe feiner Achfe befeftigen zu können, verzichtete man auf die genau verticale Aufftellung und neigte die Längsachfe der Mafchine unten um fo viel nach vorne, dafs die Kröpfung der Kurbelwelle eben noch vor dem Keffel vorbei kann. Die Führungen, Stangenköpfe etc. gleichen völlig denen einer normalen Locomobile und felbft die Lagermodelle fcheinen urfprünglich Sättel gewefen zu fein Ein Federregulator lag mit horizontaler Spindel unter der Schwungradwelle und feine Manchette verfchob mit einem in der Mitte geftützten Hebel einen unrunden Cylinder auf der Kurbelwelle. Diefer wirkte ähnlich der alten Meyer'fchen Expanfions Pfropfenfteuerung, aber mittelft eines Spaltfchiebers auf die Einftrömung in den Schieberkaften. Woods Cocfedge& Warner in Stowmarket. Auf zwei kleinen 30 Centimeter im Durchmeffer haltenden Hinterrädern und einem vordern Drehgeftell lag eine Gufsplatte mit aufgefchraubtem Stehkeffel und daran gefetzter Dampfmafchine. Der Cylinder war oben und die Mafchinenachfe neigte fich unten fo weit nach vorne, dafs die gekröpfte Welle vor dem Keflel paffiren konnte. Die Steuerung gefchah mit zwei Excentern, welche fich wohl nicht während des Ganges, aber doch im Stillftand mittelft eines Schlitzes und Klemmfchraube verftellen liefsen. Der Schieberkaftendeckel war fchief gefchnitten, fo dafs die Schlufsflanfche in die Diagonale des fonft angegoffenen Schieberkaftens kam. Die Schubftange war lang gegabelt, und fafste den mit Blockführung ausgeftatteten Kreuzkopf mit ihren zwei durch vordere Stirnfchrauben nachftellbaren Enden. Der Regulator Hermann Lachapelle in Paris. 213 lag horizontal über dem Cylinder, welche Lage feinen Antrieb durch einen Riemen von der parallel liegenden Hauptwelle aus ungemein vereinfacht. Seine mit Spiralfeder belaftete Hülfe griff in eine Droffel. Rufton Proctor& Comp. in Lincoln geben ihren ftehenden Mafchinen, deren Cylinder oben und Kurbelwelle unten direct am Keffel fitzen, jene reichlichen Dimenfionen und fteuern fie mit dem veränderliche Füllungen zulaffenden Chapmann- Excenter, welcher bei den Locomobilen diefer Firma angeführt erfcheint. Die Gefammtgewichte der einzelnen Motoren find um circa 5% höher als jene der gleich ftarken Locomobile, was trotz des Mangels der Räder und Verfchalung und kleinerer Heizfläche hier von dem fchwereren QuerröhrenKeffel herrührt. war der Erfte, welcher die Hermann Lachapelle in Paris Maſchinen unabhängig vom Keffel ftellte. Die hier verwendeten QuerröhrenDampfkeffel erfchienen fchon im erften Theile diefes Berichtes( die Dampfkeffel) ausführlich befchrieben und beurtheilt. Auf die Grundplatte, welche den Keffel trägt, ftützen fich zwei verticale, den Keffel frei umrahmende, halbfäulenförmige Ständer mit einem obern zwifchengefchraubten Steg. Zur Verbindung des Ständers mit der Grundplatte trägt letztere jederfeits einen dicken angegoffenen Zapfen, über den der Fufs des Säulenfchildes mit einer entsprechenden Bohrung pafst und fo unbedingt richtig und in der Achfe gehalten wird. Aufser dem find noch leichte Flanfchen nebengegoffen, deren Verfchraubung die fcheinbar alleinige, weil fichtbare Verbindung bilden. Oben fchraubt fich noch je in die Säulenwand eine Stellfchraube, deren Stirnfläche auf den Keffel drückt und das Vibriren, aber nicht die Ausdehnungen unter der Wärme hindert. Einer diefer Seitenfchilde trägt nun eine angegoffene Confole, auf welcher der Cylinder mit der ganzen Bodenplatte aufruht. Der obere Deckel enthält zwei ausgebohrte Führungsfchienen und diefe find oben durch eine einfeitige aber verfchnittene Stütze nochmals mit dem Schilde verbunden. Der Kreuzkopf enthält die Schalen feines Zapfens in fich, deren obere mit einer Stellfchraube nachzudrücken ift, während die lang gegabelte Schubftange mit einfachen Augen endet. Der Schubftangenkopf beim Kurbelzapfen ift mit einem Bügel feftgefchloffen und die Hinterfchale mit Keil und eingezogener Schraube ftellbar, wie diefs fchon bei der liegenden Stabilmafchine diefer Firma erwähnt wurde. Oben über den Keffel wölbt fich der Verbindungsfteg beider Säulenfchilde und zwar von Lagern getragen, welche an die Schilde gegoffen find. An der Kurbelnabe befindet fich noch das Excenter angedreht, deffen Stange mit einem Kugelgelenk an der Verbindungsftelle verfehen in den feitlich fchief an den Cylinder gegoffenen Schieberkaften führt. Jenfeits des Keffels fitzt das Riemen- Schwungrad mit vollgegoffenem Kranz aber getheilter Nabe auf der Welle. In der Theil fuge ruht der Keil, welchen die Nabe mit Schrauben klemmt.. Der Regulator befindet fich in einem gufseifernen Kreisrahmen, welcher auf der Vorderseite des Steges angefchraubt ift, und der Antrieb feiner Spindel gefchieht durch ein Schraubenradpaar direct von der Welle aus. Er ift einfach Watt'fcher Conftruction und wirkt auf eine Droffel im Dampfrohr. Letzteres beginnt mit einem Drehhahn am Keffel und mündet am Schieberkaftendeckel der Mafchine. Aehnlich wie das Excenter für die Steuerung zwifchen Kurbelarm und Lager ift auch ein zweites innerhalb der Schwungradnabe für den Antrieb der Speifepumpe untergebracht, welche das Waffer einem kleinen Blechrefervoir auf der Hinterfeite des Keffels entnimmt durch welches das Rohr der Auspuffung geht und vorgewärmtes Waffer liefert. Eine diefer Mafchinen war mit Farcot- Steuerung ausgestattet, in welche der Regulator griff; eine hatte eine Couliffe für die Umfteuerung. 12* 214 J. F. Radinger. Die einzelnen Theile find mit der gröfsten Sorgfalt ausgeführt, und insbefondere fällt die richtige Materialvertheilung durch den Mangel jeder unnöthigen klobigen Geftaltung auf. An Bronce ift nirgends gefpart und ich weifs aus eigener Erfahrung, dafs mehrere folcher Maſchinen, deren Arbeit ich dauernd verfolge, feit Jahren nicht der kleinften Reparatur bedurften. Sie leiften wohl nicht mehr als den zugefagten Effect( fiehe Keffelbericht), aber bis zu diefem halten fie fich verläfslich und anftandslos Die 2-, 4-, 6- und Cylinderdurchmeffer von 115 150 170 und einen Hub von 200 260 300 und 115 95 85 und 8pferdigen Mafchinen haben 190 Millimeter, 350 Millimeter und gehen 75Mal per Minute, woraus fich die mittlere Kolbengefchwindigkeit zu knapp I Meter per Secunde ergibt. Die Gewichte betragen 1050, 1960, 3480 und 4500 Kilogramm fammt Keffel, und die Preife 2400, 3500, 4600 und 5800 Franken loco Paris. Maulde Geibel& Wibart in Paris bauen ftehende Mafchinen nach einem dem vorigen ähnlichen Mufter. Der Hängfack- Keffel( fiehe Keffelbericht) fteht frei im Innern eines gufseifernen Mantels, der die Mafchine trägt. Diefer Mantel umfchliefst den Keffel mehr als Hermann Lachapelle's Halbfäulen es thun, ohne dafs ein befonderer Vortheil dadurch zu erfehen wäre. Die beiden Mantelhälften ftofsen nämlich oben und unten im vollen Kreis zufammen und find mit je einer Querfchraube vereint. Unten fteht derfelbe mit einer Kreisflanfche auf der gufseifernen Grundplatte und oben fchützen auch hier einige Stirnfchrauben den Keffel und die Mafchine gegenfeitig vor dem Schwanken und Zittern. Der Dampfcylinder ift unten an den Mantel mit vier gefonderten Pratzen angefchraubt. Die Kolbenftange ift, nur in einem Auge geführt, welches die langgegabelte Schubftange umfafst, um auf den in das Schwungrad eingefteckten Treibzapfen greifen zu können. Eine Gegenkurbel des letzteren fteuert den einfachen Schieber im angefchraubten Schieberkaften, während die Welle oben quer über dem Keffel liegt, um drüben nochmals ein Riemenfcheiben- Schwungrad und ein Excenter für die unten an den Sockel gefetzte Speifepumpe zu tragen. Durch diefe Anordnung foll eine gleichförmige Belaftung der Zapfen und mit dem der Erhalt der horizontalen Lagerung der Welle ficherer als fonft gewonnen werden. Ein gewöhnlicher Wattregulator, welcher von einem Riemen mitgenommen wird, greift in die Droffel und auch die übrigen Theile der Mafchine find nicht neu. Bei den gröfseren Mafchinen diefer Art ragt der Keffel oben frei aus feinem Mantel hinaus. Die Schwungrad- Welle, deren Lager in den Oberrand des Mantels eingegoffen find, läuft dann in einem eingenieteten Rohre quer durch. den Dampfraum des Keffels. Diefe gröfseren Mafchinen haben eine MeyerSteuerung mit faft am Boden liegenden Griffrad, während die Einftrömung, wie bei fo vielen franzöfifchen Mafchinen, nur durch einen Hahn und nicht durch. ein Ventil erfolgt. 2-, 4- und 135, 175 und 280, 400 und IIO, 85 und 6pferdige Mafchinen haben 200 Millimeter Durchmeffer, bei 500 Millimeter Hub, welcher 70 Mal per Minute durchlaufen wird, was 1'03 bis 13 Meter per Secunde gibt. Diefe Mafchinen wiegen beiläufig 1785, 3360 und 4700 Kilogramm fammt Keffel und koften complet 2600, 4400 und 5700 Franken loco Paris. Buffaud Frères in Lyon hatten eine fchwere Bettplatte vorne an dem Keffel geftellt, an welche die Mafchine kam. Diefe Bettplatte ftützte fich unten auf den Gufsfockel und oben an den Fieldkeffel felbft. Sie verbreiterte fich oben J. Belleville& Comp. in Paris. 215 und trug die vorhängenden Lager der gekröpften Kurbelwelle angegoffen, während der Cylinder unten angefchraubt war. Der Cylinder trug an einer Seite den Schieberkaften und an der anderen den Körper der Speifepumpe angegoffen, wobei letzterer in fchlecht angebrachter Sucht nach Symmetrie in gleiche Form mit erfterem gezwängt wurde, und auch einen fo grofsen, wahrfcheinlich nur verfchalenden Seitendeckel erhielt, wie der Schieberkaften felbft. Von der Kurbelwelle hingen dann gleiche Excenterftangen zum Antriebe für Schieber und Pumpe nieder und felbft die Rohre krümmten fich in unnöthiger, aber fymme.rifcher Form. Der Stopfbüchfen- Auffatz überdeckte den unteren Fufs und der Kreuzkopf umfafste das flache Geradführunglineal auch von Innen, um gegen das Losheben gefchützt zu fein. Diefe und einige andere minder erwähnenswerthe nette Details, fowie eine im Allgemeinen zu maffig gehaltene Ausführung konnten aber der ganzen Anordnung das üble und unftabile Aeufsere nicht nehmen, welches fie durch die überwuchtige Anordnung des Motors mit der fchweren Platte einfeits des Keffels erhielt. Man fürchtete ſtets, fie werde unter der eigenen Belaftung kippen, was bei halbwegs ftärkerem Riemenzug an der hochgelegenen Scheibe auch naherücken dürfte, wenn nicht gute Grundfchrauben angewendet find. Die Mafchinen von haben Cylinder von einen Hub von 2, 4 und 120, 160 und 160, 200 und 140, II5 und 6 Pferdeftärken 175 Millimeter Durchmeffer, 260 Millimeter, machen 110 Umdrehungen per Minute, 0.7 bis 09 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde und koften loco Lyon 2400, 3500 und 4600 Franken. J. Belleville& Comp. in Paris fetzen vorne an das Blechgehäufe ihrer Röhrenkeffel eine grofse Wandplatte mit angegoffenen Blöcken für die fchiefen Kurbellager. Unten fteht der Cylinder, welcher mit fchwerem Kreuzkopf und fchrecklich grofsen Stangenköpfen die gekröpfte Welle treibt. Die Führung findet wieder auf einer hohlliegenden Schiene mit untergreifendem Hinterbügel ftatt und die Dampfvertheilung gefchieht durch ein einziges feftgekeiltes Excenter. Die Speifepumpe wird vom Kreuzkopf mitgenommen und aufser einem Waffervorwärmer im hohlen Bettbalken trägt die Mafchine noch jene Reihe von Automaten, welche bereits im Keffelberichte angeführt wurden. Chevalier& Grenier in Lyon. Die Mafchinen diefer Firma haben liegende Keffel, auf welchen der mit dem Dampfdom zufammengegoffene Cylinder ruht. Zwifchen Dampfdom und Keffel reicht aber die durchgehende Grundplatte, welche erfteren mit gedrehter und verfchnittener Flanfche trägt. Die Führung iſt colonnenförmig ausgebohrt und an den Vorderdeckel gegoffen. Die Steuerung gefchieht mit einem einzigen Excenter und der Schieberkaften- Deckel enthält das Anlafsventil, während ein parabolifcher Regulator auf die Droffel wirkt. Hinter dem Cylinder fteht ein Speifewaffer- Druckvorwärmer, welchen das Rohr des abgehenden Dampfes auf dem Wege zum Schornftein durchzieht. Für das Nachfehen des Kolbens ift alfo der Raum nach jeder Seite befchränkt. In der Mafchinenhalle lag noch eine zweite Machine diefer Firma, welche einen Theil der franzöfifchen Transmiffion betrieb. Diefe war nach Woolf's Syftem zweicylinderig conftruirt, aber die Kolben griffen an einer gemeinfamen Traverfe an. Die Steuerung fand in den jederfeits aufsen liegenden Schieberkäften ohne variable Expanfion und mit je einem Excenter ftatt, und auch hier war ein auf die Droffel wirkender Regulator vorhanden, deffen Kugeln centrifch auf parabolifch gekrümmten Rundftangen liefen. Der Condenfator ftand feitlich und feine Luftpumpe hing an einem Excenter der Schwungrad- Welle. Das Ganze war ein ziemlich unförmiges und oberwuchtiges Ding, welches trotz der vielen glänzenden Flächen doch nur einen trüben Eindruck hervorbrachte. 216 J. F. Radinger. Die Firma garantirt ihren kleinften dreipferdigen Mafchinen per Pferdekraft einen ftündlichen Verbrauch von 3'2 und den gröfsten( 20-40 pferdigen) 18 Kiogramm Kohle von nicht näher bezeichneter Qualität. -199 nolied Société centrale de Conftruction de Machines in Pantin. Auf einer durchgehenden Grundplatte oben am Langkeffel( mit herausziehbaren Röhren, fiehe Keffelbericht) lag die normale Mafchine, welche, mit einfachem Schieber gefteuert, auf die gekröpfte Kurbelwelle arbeitete. ods Einzelne Details, wie der Kreuzkopf, deffen Führung weit hinter dem Zapfen begann und zwifchen wuchtigen gufseifernen Linealen lief, abgerechnet, war die Mafchine gut und gefchmackvoll entworfen und glänzend ausgeführt. Die Lager waren fchief ans Bett gegoffen in deffen Höhlung eine Waffervorwärmung mit dem durchgehenden Abdampf ftattfand. O دیکے Das Intereffantefte an der Mafchine war der Regulator Syftem Denis, welcher wohl nur auf die Droffel, aber in einer Weife griff, dafs der Gleichgang der Mafchine völlig gewahrt blieb, fo lange überhaupt der Arbeitswiderftand von ihr überwunden werden konnte. Ich habe mich felbft an jener diefer Mafchinen, welche einen Theil der Transmiffion der weftlichen Agriculturhalle betrieb, überzeugt, dafs die Umdrehungszahl( ohne zwifchenliegendes Schwanken) conftant blieb und 84 per Minute betrug, ob man das Einftrömventil auf drei Millimeter oder rafch ganz öffnend auf zwölf Millimeter hob und umgekehrt fenkte. Der Porter'fche Regulator hatte nämlich eine doppelte Uebertragung, wovon eine direct auf die Droffel ging, während die andere die Zugftange zwifchen Regulator und Droffel verlängerte oder verkürzte und fo die Rückkehr der Kugeln in die Normallage ermöglichte, ohne die gleichzeite Rückführung der Droffel zu bedingen. Zu diefem Zwecke endete der Droffelarm mit einer Schraubenmutter, durch welche die vom Manchettenhebel niederhängende Regulatorftange mit einem Schraubengewinde anfaffend hindurchging. Aenderten alfo die Kugeln ihre Lage, fo nahmen fie fofort die Droffel mit. Nun ging aber diefe Häng. ftange noch tiefer und tauchte in die Höhlung zweier übereinander ftehender Kegelräder, welche durch ein gemeinfames drittes Kegelrad zu ftetiger entgegenfetzter Bewegung angetrieben wurden. Jede der beiden hohlen KegelradNaben trug innen mit kurzer Ausnahme bei der Trennungsftelle einen Langkeil und die einhängende Regulatorftange endete mit einer Doppelnafe, welche bei normaler Kugelftellung unberührt in den freien Raum der Trennungsftelle Platz fand, jedoch fofort nach links oder rechts mitgenommen wurde, wie fich die Manchette fenkte oder hob. Durch die erzeugte Drehung verfchraubt fich nun das Gewinde am oberen Theile diefer Stange in der Mutter am Ende des Droffel armes und verrückt alfo die wirkende Länge der Kuppelung zwifchen Manchette und Droffel. Nach kurzem Schwanken, wobei die Schraubé bald links bald rechts dreht, aber die Gefchwindigkeit für das Auge wenigftens conftant fcheint, ftellt fich fo Mignon& Rouart in Paris. 217 jene neue Lage des Geftänges zurecht, bei welcher die normale Drehungszahl wieder eingehalten werden kann. doll Es ift einleuchtend, dafs diefe wenig complicirte Uebertragung auch in anderer Weife, als nun befchrieben, anzuordnen möglich ift und beiſpielsweife die Doppelkegel auch oberhalb des Droffelarmes eingefchalten werden können. Die Hängftange kann ferner ftatt der Droffel die Daumenwelle einer Farcotfteuerung ftellen, wie es die ausftellende Firma auch anwendet, und dürfte auch auf andere Steuerungen vortheilhaft verwendbar fein. Mignon& Rouart in Paris brachten die kleinfte Mafchine der Ausftellung, den fogenannten Moteur domeftique. Diefer kleine Apparat foll Hats M52 einfach die Kraft eines( fchwachen) Menfchen ( Schwungrad- oder Fufstritt- Arbeit) erfetzen und liefert auch thatfächlich nur circa 1, Pferdekraft, indem die gefteigertfte Leiftung an einer Bremfe 81 Kilogramm Meter per Secunde beträgt. Zum Betriebe einer kleinen Pumpe, einer Drehbank, eines Schmied- Blasbalges, einer Nähmaschine und 1X ähnlicher kleiner Werkzeuge mag diefer Hausmann" dann ein erwünſchter Diener fein. nists Diefe Mafchine befteht aus einem mit Gas geheizten Dampfkeffel, einer kleinen Dampfmafchine und einigen Sicherheitsapparaten für den Der Keffel befteht aus gleichmässigen Gang. einem 240 Millimeter weiten, 550 Millimeter hohen Blechmantel, der unten mit einer Rohrwand gefchloffen ift, und auf einem Gufsfockel fteht, in deffen Innenraum eine Krone von 24 Bunfenbrenner- Gasflammen die Heizung beforgt. Die Verbrennproducte fteigen durch einen Kranz kupferner, 20 Centimeter langer Rohre in eine Rauchkammer, um durch ein eingefetztes, abwärts zu mittleres Abzugrohr wieder nach kehren und in einen Schornftein zu entweichen, der fich an den Gufsfockel fchliefst. In diefes mittlere, 85 Millimeter weite Abfallrohr hängt aber noch ein Blechfack von 60 Millimeter Durchmeffer nieder, der von der Gufsdecke der Rauchkammer getragen wird, aber im Innern des Keffels bis nahe zur Decke reicht, wo er offen in den Dampfraum mündet. Die Entnahme des Dampfes aus dem Keffel gefchieht aber faft am Boden diefes von den abziehenden Verbrennproducten geheizten Sackes und erfolgt daher in möglichft trockenem Zuftande. Die Gröfse diefes Dampftrockners und Ueberhitzers wurde angeblich derart auserprobt, dafs die Temperatur des Dampfes nie 240 Grad C. überfteigt. Andere Keffel haben ftatt der Rohre einfach eine gewellte Gufswand eingebaut. Der Keffel befitzt einen Mignon Manometer, aber keine Speifepumpe, fondern nur einen hahngefchloffenen Fülltrichter, durch welchen der Wafferbedarf eines halben Tages eingegoffen werden kann. Statt Wafferglas und Sicherheitsventil ift ein kleiner Gasdruck- Regulator verwendet, der aus einem auf dem Keffel fitzenden gefalteten Metallrohr befteht, welches der Dampf zu ftrecken und ein Gewicht zu ftauen beftrebt. Diefes gefaltete Rohr foll fich unter der mindeften Druckfchwan kung in eine andere durch die Gewichtsauflage regulirbare Höhe ftellen und den Gashahn völlig verlässlich halten. Da aber das Belaftungsgewicht in den Keffel hineinhängt, und ein fteifes Gehäufe das dehnbare Rohr umfchliefst, fo foll nie eine höhere als die zuläffige Spannung( 8 Atmoſphären) eintreten können, indem 218 J. F. Radinger. fonft die Flammen faft zum Erlöfchen gebracht werden. In manchen Mafchinen geht noch ein horizontales Wafferrohr quer durch die Rauchkammer, in welchem eine Kupferftange an einem Ende feftgehalten liegt. Das freie Ende reicht aber durch die Keffelwände zum Gashahn. So lange genug Waffer im Keffel, das heifst noch folches im Wafferrohre enthalten ist, bleibt die Kupferftange ruhig; follte jedoch das Waffer tiefer finken, fo erwärmt fich die Kupferftange rafch und bei 300 Grad foll fie den Gaszutritt gänzlich abfchliefsen. Die Dampfmafchine felbft befteht aus einem Cylinder von circa 30 Millimeter Bohrung und 50 Millimeter Hub; fie foll bei 14 Füllung und 300 Touren per Minute im Mittel 5 Kilogramm- Meter per Secunde leiften, und dafür circa 0-44 Kubikmeter Gas per Stunde brauchen. Die fämmtlichen Fixtheile der ganzen Mafchine find aus einem einzigen vollgegoffenen Stück Metall herausgebohrt, zu welchem Zwecke nicht nur die Geradführung, fondern auch die Dampfwege und der Schieberkaften rundcylindrifch gezeichnet find. Um die hohe Expanfion mit einem einzigen Schieber zu gewinnen, mufste diefer grofse Ueberdeckungen erhalten, und um trotzdem nicht unvortheilhafte Compreffionen einzuführen, ift die innere Deckung negativ, fo dafs durch eine Zeit hindurch die Ausftrömung von beiden Kolbenfeiten weg ftattfindet. Diefe kleinen Motoren werden auch ohne Keffel geliefert, um der Kleininduftrie noch leichter zugänglich zu fein, wenn nur deren Mehrere fich den Dampf in einem gemeinfamen Keffel zu erzeugen vereinigen wollten. Guppa& Co. Auf dem bereits im Keffelbericht befchriebenen Dampferzeuger lag eine Mafchine direct, d. i. ohne Grundplatte aufgefchraubt. Um die Axe derfelben möglichft tief zu erhalten, war eine Kurbelgrube durch Einwärtsdrückung des Keffelbleches erzeugt, an deffen Rand gefondert die zwei fchiefen Lager der gekröpften Welle ftanden. Diefe Lager, deren Deckel übergreifend waren, hatten eine Zeichnung, als ftänden fie mit Zwifchenplatten am Keffel, was aber nicht der Fall war. Die Geradführung fand auf einem einzigen hohlliegenden Führungsbarren ftatt, auf welchem der Kreuzkopf mit einer Gegenplatte unterfangend lief. Eine Meyer- Steuerung beforgte die Vertheilung und ein riemenbetriebener Watt'fcher Linfenkugel- Regulator die Droffelung des Dampfes. Die Schwungrad- Arme fchienen befremdlich ftark gekrümmt. Backer& Rueb in Breda ftellten eine fogenannte 4pferdige Mafchine aus, deren Cylinder von 160 Millimeter Bohrung oben an einen gufseifernen Rahmen gefchraubt war, welcher feitlich am Querröhren- Keffel( fiehe Keffelbericht) ftand. Der Rahmen ftützte fich unten auf eine Grundplatte und die gekröpfte Welle lag bei der Kurbel in einem an den Rahmen gegoffenen Lager und aufsen fowohl als in der halben Länge in je einem ziemlich hohen Stehlager, welches auf die Grundplatte gefchraubt war. Der Dampfcylinder hing hoch oben und die niederreichende Kolbenftange wurde von einem Auge geführt, welches die faft 7 Kurbel- Halbmeffer lange, gegabelte Schubftange umfafste. Diefe Stange hatte bei den Verbindungen mit der Kolbenftange zwei und bei der Kurbel einen mit flachen Flanfchen endenden Schaft, welcher je mit aufgelegten Schalen, Flachdeckel und zwei Durchfteck- Schrauben die Zapfen umfchlofs( Marineform). Die aufserhalb der Lager fitzende Schwungrad- Riemfcheibe war balancirt. Die Dampfvertheilung gefchah durch zwei Excenter, und das zur Expanfion dienende war wohl nicht während des Ganges, aber doch beim Ruheftand der Mafchine verftellbar, um die Füllungsgröfse zu ändern. Statt der Charniere waren eingefchweifste Flachftahl- Stücke zwifchen Excenter und Schieberftange verwendet. Ein Watt'fcher über der Welle ftehender und mit einem holzverzahnten Kegelrad betriebener Regulator wirkte in feiner fortgefetzten Achfe nach oben auf die Einftrömdroffel. Eine Speifepumpe lag feitlich auf der Grundplatte und fandte ihr Waffer durch einen Hohltheil des Mafchinenrahmens, durch D. Morell in Bern. 219 welchen auch das Auspuffrohr geführt war in den Keffel. Der Hub des Kolbens betrug 330 Millimeter, und da er normal IIO Umdrehungen per Minute bewirken foll, hat er mit 12 Meter Gefchwindigkeit per Secunde zu arbeiten. Der Preis diefer Mafchine war mit 1800 fl. öfterr. Währ. bezeichnet. B. Morellin Bern. Ich habe fchon im Berichte über die Dampfkeffel, die mir wenig gut fcheinenden Ideen befprochen, welche von diefem Conftructeur in einer Zeichnung ausgeftellt waren. Die für hohe Kolbengefchwindigkeit" beftimmte Mafchine diefes, Iopferdigen" Motors beftand nun aus einem nach Woolf'fchen- Syftem gekuppelten Cylinderpaar von 76 und 152 Millimeter Bohrung, welche zufammengegoffen waren und deren zwei Kolben an einer gemeinfamen Traverfe hingen Die Cylinder follen um ihre unteren Deckel ofcilliren, wobei die Stützflächen zugleich als Steuerung wirken, indem fich entſprechende Schlitze öffnen oder decken, je nachdem fich die Neigung der Cylinder ftellt. Die gemeinfame Traverfe enthielt einen kurzen rippenverfteiften Angufs, welcher direct auf die Kurbel wirkte. Nun hatten die Kolben 230 Millimeter Hub und follen bei 10 Atmoſphären Dampfdruck der feitlich des Keffels lagernden Kurbelwelle 350 Umdrehungen per Minute ertheilen, was 2.7 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde gibt. Es müfste nun erft ein genaueres Studium ergeben, ob mit Rückficht auf die mitfchwingende Gefammtmaffe der Doppelcylinder diefe Gefchwindigkeit überhaupt möglich oder zuläffig ift: aber abgefehen davon fcheint mir ein Umftand den Standpunkt diefer Conftruction hinlänglich zu beleuchten: Die Füllung des kleinen Cylinders foll 75 Percent betragen. Nachdem nun die Dampfvertheilung nicht durch ein voreilendes Excenter, fondern durch den in den ofcillirenden Cylinderboden eingegoffenen Canal erfolgt, fo findet der Schlufs bei derfelben Neigung ftatt, bei welcher die Einftrömung begann. Ift ein lineares Voreilen vorhanden, fo findet eine gleich grofse Verfpätung jenfeits des todten Punktes ftatt, als erfteres auftrat; erfolgt aber der Schlufs bei 75 Percent Kolbenweg, fo öffnet der Canal erft bei 25 Percent und der bereits durchlaufene Raum füllt fich nun mit Dampf, deffen Volldruck- Wirkung abfolut verloren bleibt. Was nun diefs für eine Mafchine für hohe Kolbengefchwindigkeit" fein kann, welche ftatt eines linearen Voreilens ein derartig grofses Nacheilen hat, und wer die Maffe der Kolben mit jener für die kleine Mafchine hohen Gefchwindigkeit der Kurbel folgen machen foll, wurde fichtbar nicht bedacht. Wenn es, wie hier nicht anders möglich, die Kurbel thun foll, fo mufs fie anfangs ziehen, um dann nach 25 Percent Kolbenweg felber vom nun erft auftretenden Dampfdruck gedrückt zu werden, und nachdem diefs gefchieht, wann die Maffen bereits bedeutende Gefchwindigkeit erlangt haben, fo wechfelt unter derfelben Zug und Druck im Gestänge und bedeutende Stöfse fcheinen unvermeidlich. Soll aber der Niederdruck den kleinen Kolben mitnehmen, fo wechfelt dann die Druckrichtung in der Traverfe, welche ohnediefs nur von den Stopfbüchfen und allenfalls von den Kolben und der Länge des Kurbelzapfens geführt ift und bald ihrer kippenden Tendenz Luft machen würde. 99 Ferner ift die Füllung gar nicht veränderlich und ift diefe mit 75 Percent im kleinen Cylinder fix( und eine kleinere Füllung würde noch mehr Volldruckwirkung zerftören), fo erfcheint die Verwendung eines Niederdruckcylinders ziemlich überflüffig, denn für eine fünffache Expanfion gibt es bald eine gute Steuerung, welche dabei auch nicht wie diefe unter dem vollen Kolbendruck auf den Schieberflächen geht. Die Mafchine ift nach ihrer Zeichnung ohne Condenfation gedacht. Wegen der fünffachen Expanfion mufs alfo der Dampf mindeſtens 6 Atmoſphären Spannung haben, um nicht unter den Luftdruck zu finken. Nun ift aber ein Regulator für eine Droffel projectirt, deffen verwerfliche Wirkung wohl nicht weiter verfolgt zu werden braucht. 220 J. F. Radinger. Kleyer& Beck. Auf den liegenden Keffel mit rückkehrenden Rohren lag eine 4pferdige normale Mafchine und der hohle Fufs des Cylinders diente mit als Dampfraum des Keffels. Die Mafchine war in etwas harten und älteren For-. men conftruirt; erwähnenswerth ift nur ein guter Porter'fcher Regulator, welcher wohl auf die Droffel einwirkte, aber fonft nach richtiger Anfchauung und einfach gebaut war. Diefer beftand aus einem vafenförmigen Gewichte von 260 Millimeter Höhe und 194 Millimeter gröfstem Durchmeffer, in welches unten die Manchette direct eingedreht war, während es oben die Drehbolzen für die Kugelftangen. aufnahm. Letztere verlängerten fich nach einwärts und ftützten fich mit Schneiden auf die Endfläche der Spindel, auf welcher fich die Vafe durch einen Langkeil mitgenommen verfchieben kann. Die Kugeln hatten je 175 Kilogramm und die Vafe 21 Kilogramm Gewicht; die normale Drehung des Regulators findet mit 140 Umdrehungen per Minute ftatt, während diefe ohne Gewicht 70 Drehungen betragen würde. Köbner& Kanty in Breslau legen die Dampfmafchine unten auf jene Sockelplatte hin, welche den Fieldkeffel für diefelbe trägt. An der Mafchine felbft ift wenig Bemerkenswerthes, aber die Umfteuerung derfelben ift neu. Die Gegenkurbel verlängert fich nämlich und ift in das Auge einer Scheibe gekeilt, vor welche das eigentliche Excenter anliegt. Die Kuppelung diefer beiden aneinander anliegenden Scheiben gefchieht durch eine axiale rhomboedrifche Platte, welche mit parallelen, aber fchiefgegen die Achfe gefchnittenen Rändern das Excenter gegen die Grundfcheibe verfchiebt. In der mittleren Stellung decken fich die beiden Scheiben und die bewegliche wird defto mehr nach der einen oder anderen Richtung verfchoben, je tiefer die Rhomboeder- Platte verfenkt ift oder je weniger fie eintaucht. Die Folge der Verftellung ist nun eine mehr oder minder grofse Excentricität nach der einen oder anderen Richtung, aber ohne Voreilung. Letztere liefse fich wohl auch einstellen, wenn man den Rücklauf verfchlechtern darf. Die ftellende Platte hängt nun am kurzen Ende eines Flacheifen Hebels, deffen Handgriff fich beim äufseren Cylinderende befindet. Diefer Hebel federt nun feiner Länge halber felbft bei der Einstellung ohne Dampf, und da die ganze Reibung der Schieber und Excenterringe etc. excentrifch auf feinen Drehpunkt fällt( eine Lagerung der Scheiben aufserhalb des Kurbel- Treibzapfens findet nicht ftatt), fo fcheint diefe Umkehrungsart wenig folid, und auch der unvollkommenen Dampfvertheilung wegen nicht empfehlenswerth. of el nods Die Cylinder diefer Mafchinen haben für 2, einen Durchmeffer von einen Hub von 4, 6 und 130, 183, 210 210, 236, 314 " " 8 Pferde 236 Millimeter 314 gehen mit( I'I bis 12 Meter Kolbengefchwindigkeit) 180 bis 110 Umdrehungen 1250, 2750, 3750 und 4500 Kilogramm. per Minute und wiegen fammt Keffel Johannes Haag in Augsburg. Auf einem Angufs der Grundplatte, auf welcher der Röhrenkeffel fteht( fiehe Keffeibericht), lag ganz gefondert aufgefchraubt eine ofcillirende Mafchine nach dem Syfterie Schmid in Zürich, bei welcher der Cylinder auf feinem Schiebergefichte fchwingt und an Schildzapfen niedergehalten wird. Diefe Anordnung foll bei den hydraulifchen Motoren eingehend befprochen werden. dig binabalitats i bel 6- und 4- 2- 1600, 2000, 2500 99 8- pferdige Motoren diefer Art koften 3200 fl. fammt Keffel., R. Wolf in Buckau, Magdeburg. Der Keffel diefer auf Tragfüfsen ftehenden Halblocomobile wurde bereits im Keffelberichte angeführt. Die Mafchine liegt nicht feitlich, fondern genau in der Mitte desfelben, und befteht aus einem in den Dampfdom eingegoffenen Cylinder und einem hohl gegoffenen Quer R. Wolf in Buckau. 221 attel mit aufgefchraubten fchiefen Lagern für die gekröpfte Welle. Zwifchen Cylinder und Lagerfattel befindet fich noch eine Gufsplatte zwifchengefchraubt, welche die vier gufseifernen Führungsfchienen gefondert trägt. Auf dem Lagerfattel und über der Welle reitend fteht ferner noch ein Regulatorftänder, deffen Spindel von einem Kegelrad der Welle angetrieben wird. Diefe Aufftellung ift nun ziemlich umftändlich und fchwer. Die Zwifchenplatte unter der Führung nützt umfoweniger, als fie am Cylinder mit horizontaler und an der Lagerplatte mit verticaler Flanfche antrifft und keine obere Verbindung vorhanden ift. Die Cylinder befitzen für die 8- und 6., 180, 210 300, 315" " 10pferdigen Mafchinen 235 Millimeter Durchmeffer bei Hub. 315 Nun liegt die Zeichnung einer fogenannten 16. bis 19pferdigen Mafchine diefer Firma vor, der ich Folgendes entnehme: Der Cylinder hat 315 Millimeter Durchmeffer und der Kolben 390 Millimeter Hub. Bei der normalen Umdrehungszahl von 90 Touren per Minute entspricht diefs dem Kolbenweg von 117 Meter per Secunde. Die Dampfwege unter dem einfachen Schieber der Steuerung bieten bei 20 und 163 Millimeter Breite und Höhe der Cylinderfläche nach Abfchlag der halben Kolbenstangen- Fläche dar. Nun führt aus dem Dom ein eingegoffenes U- Rohr in den Schieberkaften. Diefes Rohr ift auf der gemeinfamen Aufsen- Stirnfeite durch eine Platte zugängig und enthält in einem Schenkel das Abfperrventil und im anderen die Droffel. Das Abfperrventil mifst 55 Millimeter Durchmeffer oder 1/4 Cylinderfläche, während das Droffelrohr 48 Millimeter Durchmeffer oder 18 Quadrat- Centimeter befitzt, welche fich aber bei der 25 Millimeter dicken Nabe der Droffelplatte um II Quadrat Centimeter auf eine frei bleibende Oeffnung von 7 Quadrat- Centimeter, das ift 107 des Cylinder- Querfchnittes reduciren. Dafs beim Durchdrängen des Dampfes durch eine fo kleine Fläche der Keffeldruck nicht in den Schieberkaften kommen kann, leuchtet ohne Weiteres ein. Der Antriebsmechanismus ift in normaler Form gehalten, die Schubftange befitzt den fechsfachen Radius der Kurbel als Länge und endet beiderfeits mit je einem Bügelkopf. Die Umdrehungen des Watt'fchen Regulators erfcheinen durch das Kegelradpaar ins Langfame überfetzt und betragen nur halb foviel als jene der Hauptwelle, indem das kleinere Rad auf diefer fteckt Die Wirkung erfolgt auf die Droffel. Erwähnenswerth ift allenfalls noch die Auffteckung des liegenden Speifepumpen- Kolbens auf die Schieberftange, wodurch eine gefonderte Geradführung entfällt, aber die Schieberftange aus dem Pumpenkörper mit einer HinterStopfbüchfe austreten mufs. Bei einer mehrftündigen Bremfung follen folche Mafchinen einen Verbrauch von 2.8 bis 3 Kilogramm weftphälifcher Steinkohle per Stunde und Pferd ausgewiefen haben. Sächfifche Dampffchiffs& Mafchinenbau- Anftalt ftellte eine Copie der Hermann- Lachapelle'fchen Mafchinen aus; der Keffel zeigt wohl einige Abweichungen( fiehe Keffelbericht), und wenn ich mich recht erinnere. iſt die gute Verbindungsart der Ständerfäulen mit der Grundplatte durch den grofsen centrifchen Tragzapfen nicht verwendet, fondern eine Verfchraubung benützt; fonft war jedoch keine wefentliche Conftructions abweichung von dem franzöfifchen Original bemerkbar. Die erfte erfte Brünner - Brünner Mafchinenfabriks Actien gefellfchaft brachte an der Grundplatte ihres bereits im Keffelberichte befchriebenen ftehenden Keffels eine fchöne liegende Mafchine an, deren Cylinder mit angegoffenen 222 J F. Radinger. Die Schieberkaften und feitlich angefchraubter Speifepumpe verfehen war. Führung fand nur unten mit normaler Schuhführung ftatt, und der Antrieb erfolgte mit einer Kurbelfcheibe vor dem auf die Grundplatte gefchraubten fchiefen Lager. Die Steuerung gefchah von einer einfachen Gegenkurbel aus und ein über den Cylinder gefchraubter, fchnurbetriebener Porter- Regulator wirkte auf die Droffelklappe ein. Mafchinenfabrik Adamsthal. Der ftehende Keffel der 2pferdigen Halblocomobile diefer Fabrik trug oben den Cylinder und unten die Welle. Das Führungsauge für die Kolbenstange war von zwei an den unteren Cylinderdeckel gefchraubten Hängefchienen getragen und die beiden Wellenlager bildeten ein einziges Gufsftück. Das Schwungrad fafs aufserhalb des einen Lagers und die einfache Steuerung gefchah von einer Gegenkurbel aus. Mafchinenfabrik Wittkowitz. Diefes grofse Eifenwerk ftellte als Mufter feiner Mafchinenfabrication eine fehr fchön gearbeitete ftehende Mafchine aus, welche in einem Field'fchen Keffel beftand, an welchem oben der Dampfcylinder und unten der Lagerfattel für die Kurbelwelle, jedes gefondert ange. fchraubt war. Die Steuerung gefchah durch ein einziges Excenter und der Regulator wirkte auf die Droffel. Peter Fischer in Wien. Der Keffel diefes Motors wurde bereits im betreffenden Berichte gewürdigt. Die Mafchine diefes Motors beftand in einem Cylinder von 224 Millimeter Durchmeffer, deffen Kolbenstange ein oben offenes weites Rohr formte, welches durch eine aufgefchraubte metallgedichtete Stopfbüchfe nach aufsen trat. Die Schubftange griff am Boden der Rohrhöhlung an einer in den Kolben gefchraubten Gabel an, wobei keine Nachftellung aufser der Auswechslung der Stahlaugen möglich war. Der obere Cylinderdeckel war angegoffen und fetzte fich in einem 290 Millimeter weiten Gufsmantel fort, welcher oben die gleichfalls angegoffenen Kurbellager enthielt. Die Lagerdeckel gingen aber wieder in einen Gufsdeckel über, der den Gufsmantel halb kugelförmig fchlofs, wodurch der ganze Mechanismus gefchützt, aber auch fchwer zugänglich wurde. Diefe Decke trug noch überdiefs den mit Riemen und einem SchraubenRadpaar angetriebenen Porter'fchen Regulator. welcher auf die Droffel ein wirkte. Die untere volle Kreisfläche des Kolbens verhielt fich zur oberen Ringfläche wie 3.2 und der frifche Dampf foll mit 3 Atmoſphären Spannung erft oben mit Volldruck und hierauf unter den Kolben geleitet mit Expanfion wirken, wobei eine Gefammtexpanfion von 2: 3 eintritt. Diefer Gewinn fcheint durch die Anordnung der Mafchine, deren Kolben beim Hubwechfel faft ohne Druck arbeitet, wohl theuer bezahlt. Der Hub betrug 158 Millimeter und bei den beabsichtigten 170 Touren der Mafchine ftellt fich die Kolbengefchwindigkeit auf o 83 Meter per Secunde. Die Locomobilen. Die allgemeinen Bemerkungen über diefe fo rafch eingebürgerten und fonft wohl bekannten Mafchinen finden fich bereits an der Spitze des gleichnamigen Abſchnittes im Berichte über die Dampfkeffel als der erften fich dafür ergebenen Gelegenheit. Dort find auch die wefentlichen Unterfchiede in der Arbeitsfähigkeit der englifchen und franzöfifchen Conftructionen etc. angeführt und hier erübrigt nur mehr der Bericht über die auf die bekannten Keffel gefetzten Mafchinen. Im Ganzen und Grofsen unterfcheidet fich die Mafchine der Locomobile nur wenig von einer anderen Normalmafchine. Der Lagerung halber ift ftets die gekröpfte Kurbel verwendet und bei Effecten bei oder über 12 Pferden ein Cylinderpaar verwendet. Stärkere als fogenannte zwanzigpferdige Maſchinen kommen in diefer Form nicht vor und felbft bei diefen fcheint fchon die Grenze der vortheilhaften Dimenfionen überfchritten. Die Normalgröfse liegt zwifchen 6 und 12 Pferden und die Mehrzahl der Ausführungen( vielleicht drei Viertel der fämmtlichen) befitzen nominell acht Pferdeftärken. Hierbei gibt fich durch die Radentfernungen ein folides Stehen ohne übermäfsiges Gewicht für Jen Transport, durch die Keffel- und Maſchinengröfse, e.ne handliche Wartung, und nachdem der Effect durch Heizung etc. ungefähr von der Hälfte bis vorübergehend zum Doppelten des Nominalen geändert werden kann, fo erfcheint eben diefe Gröfse des Motors am beften verwendbar. Im Folgenden find die Dimenfionen der 6., 8. und 10pferdigen Mafchinen aufgenommen, wobei der bereits im Keffelberichte erwähnte Unterfchied zwifchen englifcher und franzöfifcher Conftruction( nachdem die Erzeugung folcher Mafchinen in Ländern deutfcher Zunge gering ift) auch bezüglich der Maschine wieder deutlich hervortritt. Die englifchen Dampfcylinder find nämlich durchfchnittlich gröfser als die franzöfifchen gleich bezeichneter Kraft und die Producte aus Cylinderfläche und Kolbenhub verhalten fich wie 15: 1. Die Kolbengefchwindigkeiten find wohl gleich und betragen im Mittel 14 Meter per Secunde und nachdem die Dampffpannungen der englifchen Locomobile vier Atmoſphären gegen fechs der franzöfifchen betragen und fich daher eben verkehrt wie die von den Kolben durcheilten Volumen verhalten, fo follte man die erreichbaren Effecte für gleich wähnen. Dennoch ift eine franzöfifche Locomobile weitaus fchwächer als eine englifche gleicher Bezeichnung. Denn nicht nur ift die Heizfläche erfterer( I'o Quadrat meter per Pferd) kleiner als in den englifchen, wo 18 Quadratmeter dafür bemeffen find, fondern auch die Rofte find im Verhältniffe zur Heizfläche kleiner als in der englifchen Mafchine. Ueberdiefs ift der Keffel der letzteren ebenfo ftark, wenn nicht ftärker, als die franzöfifchen Keffel und ein Ueberfpannen der angenommenen 4 auf 5 und 6 Atmoſphären ift eine gewohnte alltägliche und gefahrlofe Sache. Nachdem nun fowohl Keffel wie Mafchine reichlicher dimenfionirt find, ift die Mehrleiftung der einen gegenüber den anderen klar. Die englifchen Maſchinen find ausnahmslos ohne Gr ndplatte auf den Keffel gefetzt, während es keine franzöfifche Locomobile in der Ausftellung gab, welche einer fchweren zwifchengelegten Grundplatte entbehrte. Diefs macht nebft den in letzteren beliebten gufseifernen Führungsfchienen( gegen die fchmiedeifernen dort) und mehreren anderen Details die franzöfifche mit der englifchen als gleich ftark bezeichneten Locomobile auch gleich fchwer im Gewichte und weil meh 224 J. F Radinger. Gufseifen verwendet wird, auch etwas billiger im Preis. Trotz der Erreichung diefer beiden letzteren trügerifchen Ziele fteht aber der geringen Leiftungsfähigkeit halber die franzöfifche Mafchine der englifchen nach und diefe behauptet mit Recht den errungenen Markt. Die englifchen Maſchinen zeigten gegenüber ihren älteren Conftructionen eine wefentliche Neuerung, welche dem Keffel das Ausdehnen unter der Wärme geftatten foll, ohne auf die direct aufgefetzte Mafchine zurückzuwirken. Zu diefem Zwecke wird der Dampfcylinder feft auf den Keffel gefchraubt, während das Kurbellager von diefem nur getragen, aber nicht fteif gehalten wird. Letzteres ift dann mit dem Cylinder durch axiale Stangen verfpannt, welche die Conftructionsdrücke auffangen und fo das Princip der directen Verbindung in der Kraftebene zur Geltung bringen. Die Art und Weife, in der die Kurbellager in gleicher Entfernung vom Cylinder gehalten werden, ift mannigfach und von jeder Firma anders verfucht, wie diefs bei den Einzelnen zu finden ift. Während des Ganges variable Expanfion erfcheint noch felten verwendet, was der verlangten Einfachheit wegen auch nicht überall am Platze wäre. Die Umkehrung der Bewegnng ift meift durch das an einer Nebenfcheibe feftgeklemmte, aber nach Lüftung einer Mutter verdrehbare Excenter ermöglicht, wenn nicht, wie es für Förderlocomobile etc. gefchieht, eine Couliffe vorkommt. Die Regulatoren greifen meift in die Droffel und reguliren den Gang nur grob. Die Detailconftruction der Mafchine, die Dampf Wegsweiten, Zapfen. beanspruchung, Formgebung etc., weicht nur wenig oder gar nicht von den bei den Stabilmafchinen erörterten Principien und Gröfsen ab. Sämmtliche Locomobile haben heute eiferne Räder, wobei die Arme aus Flacheifen in zwei gegeneinander ftehenden Kegelflächen untergebracht find. Die Innenenden find dann in einer langen gufseifernen Nabe vereinigt, während aufsen entweder ein aufgenieteter Kranz aus zwei Winkeleifen und einer Bandage, oder ein die Arme eingegoffen haltender Gufsring das Rad vollendet. Die hölzernen Räder find faft gänzlich verfchwunden, was wegen des Lofewerdens der Speichen durch die wechfelnden Temperatureinflüffe und wegen des Auswalzers der Reifen gefchah. Die Unterbringung der Hinterachfe gefchieht meift in Mitte des Heizmantels, wobei die Achfe um diefe herumgehend gekröpft werden mufs. Diefelbe wird auch häufig gerade, und zwar auf der Stirnfeite des Heizmantels vorbeigeführt, wobei fie des gröfseren Radftandes halber die Mafchine ftabiler arbeiten läfst, aber felbft ftärker belaftet und beansprucht erfcheint. Ausgeftellt hatten faft fämmtliche Firmen, welche überhaupt Loco mobile erbauen, und diefe find: Clayton& Shuttleworth. Shuttleworth. Die Keffel diefer gröfsten Firma im Locomobilenbau wurden bereits im Keffelberichte ausführlich behandelt. Die Mafchinen find tonangebende Vorbilder, nach welchen fich eine grofse Zahl von übrigen Firmen hält oder halten follte, denn es find Mufter einfacher und zweckentſprechender Conftruction. Der Cylinder ift doppelwandig im Gufs und fitzt wenig feitlich auf der runden Decke des Heizmantels, um die Kurbelwelle etwas tiefer lagern zu können, als es in Folge ihrer Kröpfung gefchehen könnte, falls fie über der Mitte des Keffels rotirt. Die Cylinderdurchmeffer der 6, 8. und 1opferdigen Mafchinen betragen ad die Kolbenhube 197, 228 305,305 79 254 Millimeter, " 356 120, 140 " 126 per Minute. " 1.5 Meter die Umdrehungen was die Kolbengefchwindigkeit 12, 14 per Secunde gibt. Clayton& Shuttleworth 225 Die Dampfwege für Zu- und Abftrömung find in jeder Mafchine gleichweit und befitzen 57 Millimeter Durchmeffer in den 8. und 63.5 Millimeter Durchmeffer in den 10pferdigen Locomobilen, was je 1/16 Cylinder- Querfchnittsfläche entspricht und bei den verwendeten Kolbengefchwindigkeiten für die Einftrö mung reichlich langt( Conftante 22 und 1/24). Der Cylinder ift in normaler Weife auf den Keffel gefetzt. Er ift auf der Seite gegen die Keffelmitte zu mit einem angegoffenen Schieberkaften verfehen, von welchem genau in der höchften Linie des Heizmantels ein runder Angufs durch einen Ausfchnitt des Bleches in den Dampfraum des Keffels niederreicht. Diefer enthält nach innen und abwärts gekehrt die Einftrömfpalte, welche durch den metallenen, Regulator", d. i. den ebenen Anlafsfchieber geöffnet und gefchloffen wird. Die Spaltenöffnung ift mit einer Bronceplatte armirt und der Schieber in einem aufgefchraubten Rahmen geführt der fein Herabfallen hindert, aber auch den Drehpunkt für den von aufsen kommenden Regulatorhebel enthält, welcher mit einem kurzen angefchmiedeten Arm und Lenkglied die fchliefsende Platte verfchiebt. Wo die Regulatorftange aus der Stirnwand des Keffels austritt, ift aufsen der Vordertheil der Stopfbüchfe zu eier grofsen Kreisplatte erweitert, an der fich in gefchmackvoller Weife die Firma un die Nummer der Mafchire eingegoffen befindet, welche aber auch die Anfchläge für den Regulatorhebel trägt. Die Einftrömungsfpalte geht nun in den kurzen Dampfweg über, welcher nach fchwacher Krümmung nach vorne in den Schieberkaften und zwar unmittelbar hinter den Vorder- Stopfbüchfen der Schieberftangen mündet. Dort ift aber der umfchliefsende Gufs des Dampfweges noch dünnwandig, bis ungefähr auf der Höhe des Schieberkaftens fortgefetzt, um die Droffelklappe aufzunehmen, deren Welle unter den Schieberftangen hereinführt. Um die Wände diefes Droffelanfatzes bohren und den Kern beim Gufs des Dampfmantels tragen zu können, find noch einige paffende Löcher ein gegoffen, welche theils wie erfteres mit einem Conus von innen oder die drei letzteren mit Gewindfchrauben gefchloffen werden. Die Kolben find zweitheilig, mit zwei Gufsringen und einer einzigen Stahlband Unterlage ausgeftattet und ihr Deckel hält nur durch die Hinterfchraube allein, mit welcher das conifche Kolbenftangen Ende fchliefst. Vorne am Cylinderdeckel beginnen vier fchmiedeiferne Führungslineale, welche knapp neben dem Gabel- Kreuzkopfe hinlaufen und deffen zwei Führungsbacken aufnehmen. Diefe liegen mit der unteren Fläche direct auf, während die obere Fläche mit einer Bronceplatte und einem Längskeil armirt ift, der durch zwei äufsere Schrauben ftellbar ift. Die Mafchine arbeitet demnach für gewöhnlich verkehrt, um die Eigengewichte zur Entlastung der Führung zu benützen. Die Schubftange trägt an beiden Enden offne Bügelköpfe mit Innenkeilen. Die Borten des Kurbelendes find ftark verlängert, um gröfsere Auflagflächen zu gewähren. Die Kurbelwelle ift aus beftem fehnigen Eifen und mit runden Uebergängen abgebogen, wodurch die Sicherheit gegen einen Bruch beffer als bei gefchmiedeten Kurbeln gewahrt wird; fie liegt in zwei Lagern, deren jenes auf der Schubftangenfeite mit einer Stellfchraube in der Aufsenwange, und jenes beim Schwungrad mit einem Bodenkeil und zwei vom Deckel aus ftellbaren Keilfchrauben regulirt werden kann. Die Schalen des erften Lagers find einfach zwei theilig mit verticaler Fuge und jene des zweiten Lagers unterfcheiden fich von diefen noch durch die eingelegte Bodenplatte. Die Lager felbft find nun von jederfeits zwei 9 Millimeter dicken Stehblechen getragen, welche flachkantig gegen die Druckrichtung auf den Keffel genietet find. Die Stehbleche find völlig concruent und parallel und halten den oben auffitzenden gufseifernen Lagerkörper durch jederfeits zwei Schrauben an zwifchen einhängenden Lappen. Schönheitshalber ift vorne der weite Raum unter den Lagern durch je eine dünne und gefenterte Blechplatte gedeckt, wodurch das Ganze faft wieder das Ausfehen eines Gufsftänders bekommt. An den Fufs 226 J. F. Radinger. des Lagerkörpers ift rund herum eine Oelrinne angegoffen. Die Deckel find fchwach übergreifend, oben eben und mit jederfeits einer Stockfchraube niedergehalten, deren fechseckige Aufsenköpfe je ein aufgelegter, gemeinſamer Blechfchlüffel vor dem Aufgehen bewahrt. Diefe Lager find nun mit Spannftangen gegen die Mafchine geftützt. Die Stangen find circa 36 Millimeter dick und einfach in paffende Angüffe der Lagerwange ohne Gegenmutter eingefchraubt. Eine der Stangen läuft horizontal zum Cylinder, wo fie fich in den Vorderboden des Dampfmantels verfchraubt ,. während die zweite fchief zum Heizmantel reicht und an deffen beginnender Wölbung durch ein angenietetes Auge und eine Hintermutter gehalten ift. Dadurch bleibt die Stangenrichtung parallel, aber auch der Schieberkaften und die Vorderfeite des Cylinders zugängig. Was die Beanspruchung diefer Mechanismen und der Zapfen betrifft, fo ift diefe mäfsig wie in einer Stabilmafchine. Beiſpielsweife berechnen fich aus den oben angegebenen Dimenfionen der Dampfcylinder und bei dem Maximaldruck von 4 Atmoſphären, mit welchen die Arbeit erfolgt, die Kolbendrücke der 8- und 10pferdigen Mafchinen mit 1600 und 2000 Kilogramm. Die Abmeffungen find: 8pferdige .. Breite 2 mal 35 Führung.... Kreuzkopf- Zapfen Durchm. Kurbelzapfen. Lager. Länge 146 45 50 10pferdige Mafchine Breite 2 mal 47 Durchm. Länge 152 47 " 9 57 99 " 9 66 76 90 76 ΙΟΙ " 134 82 " 99 97 152 Berechnet man ferner aus diefen Dimenfionen die Auflagerdrücke und berücksichtigt beim Kurbellager der zweiten Stützung wegen nur 2/3 des Druckes, fo ergeben fich für beide Maſchinen die faft gleichen Drücke: Druck auf die Führungen 99 am Kreuzkopfzapfen.. 29 27 99 29 Kurbel Lager " 99 3-31 Atmoſphären 73-74 26-27 28-29 " " " Die fpecififchen Abnützarbeiten find in beiden Maſchinen wieder gleich und betragen 0 62 Kilogramm- Meter an der Kurbel und 0 29 Kilogramm- Meter im Kurbellager. Der etwas höhere Druck in den Führungen bedingt die Möglichkeit der Nachftellung, welche fchon oben erwähnt ift. Die Steuerung gefchieht bei den kleineren Maſchinen durch ein, bei den gröfseren Mafchinen durch zwei Excenter. Im erften Falle ift diefes an einer feften Scheibe verftellbar, um innerhalb enger Grenzen die Füllungsgröfse zu ändern, im zweiten Falle kommt aber eine Meyer- Steuerung zur Verwendung, bei welcher das einfache Detail für die Verdrehung erwähnenswerth fcheint: Die Expanfionsftange tritt rückwärts durch eine Stopfbüchfe aus dem Schieberkaften und geht in eine Vierecks- Stange über. Die Flanfche des Prefstheiles der Stopfbüchfe trägt nun mit einem längeren Stehbolzen den Rand einer Kreisplatte, in deren Mitte die Vierecks- Hülfe für die Expanfionsftange eingelagert ift. Die Hülfe hat ein äufseres Sechseck und unter diefem eine fechsmal eingefägte Verdickung angegoffen, in welch' letztere ein kleiner Riegel fällt, der in einem Lappen am Rand der Kreisplatte gehalten ift. Die Drehung der Vierecks- Hülfe erfolgt nun mit einem gewöhnlichen Schraubenfchlüffel und ihre Stellung wird durch den Riegel arretirt. Index habe ich keinen bemerkt. Ein Watt'fcher Regulator greift noch in die Droffel, deren Platz bereits befprochen erfcheint. Schliefslich mag noch erwähnt fein, dafs die von einem Excenter angetriebene Speifepumpe fchief am Keffel liegt und mit dem Broncegehäufe dreier ftufenförmig aufeinander folgender Ventile verfchraubt ift, deren beide obere Clayton& Shuttleworth. 227 Druckventile find. Zwifchen dem erften und zweiten Druckventile aber mündet das dünne Ende eines liegenden Hahngehäuſes, welches gefondert angefchraubt ift, und deffen Kegel aufser einem normalen Querdurchgang noch einen Winkeldurchgang vom dünnen Ende her nach abwärts bietet. Oben leitet nun ein Theilrohr der Ausftrömung zu diefem Hahne und durch ihn und ein unten angefetztes Retourrohr in den Wafferkübel zurück, aus welchem das Rohr unter dem Saugventile fchöpft. Nun läfst fich der Hahnkegel entweder fo ftellen, dafs beim Leergang der Pumpe unbenütztes Waffer durch den Winkeldurchgang und Abdampf durch den geraden Durchgang gleichzeitig paffirt, oder dafs nur das Retourwaffer, aber kein Abdampf eintreten kann oder während des Speifens kein - Waffer, dafür aber abziehender Dampf ins Refervoir gelangt. Diefs wären die wefentlichften Theile der Clayton und Shuttleworth'fchen Locomobile, welche nicht nur ihrer Mufterconftruction halber hier fo ausführlich bedacht erfcheinen, fondern auch aus dem Grunde, weil circa der dritte Theil der auf der Erde arbeitenden Mafchinen folcher Gattung aus den Werkstätten diefer Firma hervorgingen, welche heute fchon die Erzeugung der 14.000ften Mafchine beginnt. Es ift felbftverſtändlich, dafs alle Detaile vollendet find. Die Stopfbüchfen, gekuppelten Cylinderhähne, die Excenterringe etc. glänzten in theilweife überreich verwendeter Bronce. Eine der beften Eigenfchaften diefer Firma ift endlich noch das confequent durchgeführte Nummernfyftem, welches eine Nachbeftellung oder Auswechfeln einzelner Beftandtheile gegen Angabe der eingegoffenen Nummer geftattet, ohne dafs irgend eine Dimenſion oder Zeichnung des gewünſchten Theiles einzufchicken wäre. Das Erſatzftück pafst dann fofort. 8. und 10- pferdigen Mafchinen wiegen 3400, 4300 und 4900 Kilogramm und koften 281, 330 und 387 Pfund Sterling loco Wien. Die 6. Ranfomes Sims& Head. Die Locomobile diefer Firma reihen fich den beften der Ausftellung an. Die Keffel-, fowie Heiz- und Bremsproben, welche ich an einer folchen Mafchine vornahm, find im vorangegangenen Keffelbericht zu finden und hier erübrigt nur zu fagen, dafs die Cylinder doppelwandig gegoffen, aber mit angefchraubten Schieberkäften verfehen find. Vorne fetzten fich vier gufseiferne Geradführungs- Schienen an, zwifchen welchen der normale Kreuzkopf läuft. Die Schubftange endet an der Kurbelkröpfung mit einem Lagerkopf, deffen Deckel durch zwei Schrauben an die Flanfchenausfchmiedung der Stange fchliefst und die Schalen zwifchen hält. Die Wellenlager find fchief nach einwärts geneigt, aber die Lagerblöcke erhöhen fich auf der Aufsenfeite und bilden oben je ein Auge, durch welches je eine Zugftange fchief über den Lagerdeckel hin zum Cylinder führt. Dort finden fie ähnliche Augen wie vorne und halten beide mit je einer Vorder- und Hintermutter zufammen. Die Steuerung gefchieht bei den gröfseren Maſchinen von zwei Excentern, deren inneres feftgekeilt ift, während das äussere durch einen Schlitz mit Schraube dagegen verftellbar gehalten wird. Alle Mafchinen diefer Firma befitzen Regulatoren mit einer federbelafteten Manchette. Die Feder windet fich direct um die Spindel und ift von einem Meffingrohre umfchloffen. Das Regulatorgeftänge geht unter dem Cylinder durch und greift auf der anderen Seite der Mafchine in die Droffel. Die eincylindrigen Mafchinen haben bei 197 und bei 254 Millimeter Cylinder وو 99 Hub 330 140 Touren per Minute 279 arbeiten mit 150 99 was 14 15 Meter Kolbengefchwindigkeit per 99 Secunde gibt. 13 228 J. F. Radinger. Die Dampffpannung ift höher als in den übrigen engliſchen Locomobilen und beträgt 42% bis 6 Atmofphären Ueberdruck. Sämmtliche Locomobile diefer Firma trugen neben einem der beiden Hinterräder eine Bandbremfe mit Schraubenanzug. Die Reading Iron Works. Die Keffel diefer Mafchinen finden fich bereits im Berichte über die Dampfkeffel befchrieben und vom Motor ift nur zu erwähnen, dafs die Dampfvertheilung bei einer Locomobile durch den Regulator infoferne beeinflufst erfchien, als diefer wohl auf die Droffel und aufserdem noch durch ein Zahnfegment in ein kleines Rad auf der Stange des Deckfchiebers der Meyer'fchen Steuerung griff. Der Regulator beftand aus zwei Kugeln, deren Hebel Drehpunkte im aufgefteckten Belaftungsgewichte felbft untergebracht waren und wobei die inneren Hebelfchneiden fich nun oben auf die rotirende aber fonft unbewegliche Regulatorfpindel ftützten. Die 6-, 8., und 10- pferdigen Mafchinen hatten 197 305 355 228 99 254 Millimeter Bohrung " 355 Hub welche per Minute 120 IIO 29 IIO mal zu durchlaufen waren, was.. I'2 13 " 13 Meter per Secunde entspricht. wichte von 3200 bis 4500 Kilogramm fcheinen mässig. Die Ge R. Garett& Sons in Suffolk fandten eine Anzahl guter und einfacher Locomobilen, deren Keffel bereits im Keffelberichte eingehend befprochen wurden. Dort finden fich gleichfalls die Refultate einer von mir vorgenommenen Probeheizung mit Strohfeuerung unter gleichzeitiger Bremfung der entwickelten Arbeit. Was nun die Mafchinen betrifft, fo ftehen fie unter den engli fchen Modellen durch die principielle Auslaffung des Dampfmantels faft einzig da, von welchen Garetts behaupten, dafs fie erft nach jahrelangen Effectsverfuchen davon der Mode zum Trotz abgingen, nachdem folche nur das Gewicht nutzlos vermehren Sie würden Dampfmäntel nicht verwerfen, wo es fich um ftark expandirende oder Condenfationsmafchinen handelt, während bei den hochfüllenden Mafchinen frifcher Dampf durch die offenen Canäle in dem Mafse nachftrömen kann, als fich folcher an den Cylinderwänden condenfirt. Bei folchen Nachftrömen wird aber kein abziehender Dampf mit neuer Wärme geheizt, wie es bei der Verwendung des Mantels im hohen Mafse gefchieht und für den hohen Druck zu Beginne des Kolbens wird durch die Compreffion beffer geforgt, als durch allfeitiges Heizen des Cylinders durch dicke Wände hindurch. Die Steuerung findet durch ein einziges Excenter mit 45 Grad Voreilung ftatt, welches den Vertheilfchieber auf 2/3 der Canalbreite für die Einftrömung, aber ganz für die Ausftrömung öffnet. Die Füllung beträgt genau 50 Percent, doch ift die hierzu nöthige breite Ueberdeckung für eine in den Schieber eingegoffene U- förmige Hilfseinftrömung benützt, welche das Füllen und Schliefsen der Dampfwege doppelt fo rafch gefchehen macht, als es fonft der Fall wäre. Nach einem mir vorgelegten Diagramm einer folchen Mafchine war die Füllungslinie fchön, die Expanfion begann bei 50 und die Vorausftrömung bei ungefähr 86 Percent des Kolbenlaufes. Letztere brachte die Endfpannung völlig auf den atmoſphärifchen Gegendruck herab, welcher bis zu den letzten 15 Percent des Rücklaufes gleichförmig niedrig blieb, von wo die Compreffionsfpannung begann. Der Cylinder ift wohl verfchalt und feine Deckel geftatten das Heraus ziehen des Kolbens auf jeder Seite. Die Schalen der nach einwärts fchiefen Rippenlager find mit weit vorfpringenden Bunden verfehen, um eine lange Auflage zu geben und eine auf dem anderen Wellenende als das Schwungrad fitzende Riemenfcheibe nimmt gleich jenem die Hälfte des Balancegewichtes R. Garett& Sons in Suffolk. 229 auf, um die hin- und hergehenden Theile fymmetriſch und nicht einfeitig auszugleichen. Um die Tourenzahl der Mafchine zwifchen IIO, 130 oder 150 bis 175 verändern zu können, hat Garett fowohl den Regulator als auch die Antriebswelle mit je zwei Scheiben verfehen, durch deren Combination die obigen viererlei Tourenzahlen erzielt werden können, und zwar kann der Riemen auch während des Ganges auf die eine oder andere Scheibe geleitet werden. Marshall Sons& Comp. in Gainsborough brachten u. A. eine Locomobile, an welcher die vom Keffel völlig unabhängige Längsverbindung von Cylinder und Lager am weiteften entwickelt war. Hier trug nämlich der Cylinder in der Nähe feines Vorderendes jederfeits eine kurze Flanfche angegoffen, durch welche je eine ftarke( 65 Millimeter dicke) Stange zum Kurbellager reichte, um die Conftructionsdrücke direct aufzunehmen. Damit aber gewifs der Keffel keine Reaction auf die Mafchine üben foll, war jeder der beiden Lagerblöcke nur wie ein Support in einem gufseifen armirten Blechfchilde unverfchraubt eingefchoben, in deffen Schwalbenfchwanz Führung eine ungezwungene Einftel. lung platzgreifen mochte. Der Keffel kann fich nun frei unter der Maſchine ftrecken, wie es der einer Locomotive auf feinen Tragrahmen thut und der Vorfatz der beften Verbindung fcheint derart am klarften gelöft, wenn die nöthige Stabilität gewahrt bleiben kann. Letzteres wurde wohl von den Fabrikanten verfichert, konnte aber aus eigener Anfchauung nicht zur Ueberzeugung werden, indem die Mafchine nicht nur nicht dauernd, fondern überhaupt gar nicht geheizt wurde. Ob die elaftifche Hebung des vorderen Keffelendes, welche bei der unfymmetrifch belafteten Krebswand zu erwarten ist und auch thatfächlich eintritt( fiehe Keffelbericht: Finkkeffel), nicht fchädlich auf die Führung einwirkt und diefelbe zur einfeitigen Abnützung bringt, mufs gleichfalls der Erfahrung anheim geftellt werden. Eine andere zweicylindrige und mit Couliffenumfteuerung verfehene Locomobile diefer Firma hatte keine Spannftangen zwifchen Cylinder und Lager, fondern letztere auf je ein hochkantiges, das heifst in die Richtung der Keffelachfe geftelltes 13 Millimeter dickes Blechfchild gefchraubt. Das Blechschild ftand mit 26 Niethen verbunden am Keffel und war noch mit einem Sattel aus 9 Millimeter ftarkem Bleche, das fich über den Keffel fchmiegte, mit diefem und dem anderen Lager nach einwärts verfteift, während es oben den auffitzenden Lagerkörper und deffen niederhängende Gufswange mit 5 Schrauben hielt. Die Ausführung der übrigen Detaile gleicht genau derjenigen, welche bei der ausgeftellten Stationärmafchine diefes Haufes vorkamen und bereits befprochen wurden. Erwähnenswerth ift noch der Hartnell& Guthrie'fche Expanfionsapparat, welcher andere Füllungen einzuftellen erlaubt, wenn früher die Mafchine abgeftellt wurde. Er befteht einfach aus einer feft auf die Welle gekeilten Kreisfcheibe, zu welcher das Vertheilexcenter ftellbar ift. Die Kreisfcheibe trägt auf der der Kurbel entgegengefetzten Seite einen geraden auf die Kurbelrichtung fenkrechten Schlitz und das um die Achfe entſprechend ausgefchnittene Excenter eine Klemmfchraube, mit welcher es in verfchiedenen Lagen feftgehalten werden kann. Bei den Verfchiebungen ftellen fich gleichzeitig andere Excentricitäten und andere Voreilwinkel ein, und fo kann die Füllung und auch die Drehrichtung leicht geändert werden, indem der Schlitz gleichweit nach auf- und abwärts reicht. Diefe veränderliche Expanfionsvorrichtung ift wohl aufserordentlich einfach, aber infoferne doch nur in engen Grenzen verwendbar, als fie für ſteigende Expanfionen die Canäle weniger öffnet. Das lineare Voreilen bleibt wohl in Folge der geraden Centralcurve" feiner Gröfse am todten Punkte nach, aber nicht im Zeitpunkte feines Beginnens vor demfelben conftant und die Aus13* 230 J. F. Radinger. ftrömung fchliefst fich gleichfalls früher, wenn die Füllung finkt. Bei allen Mafchinen diefer Firma wirkte ein Watt'fcher Regulator auf die Droffel. Die 6., haben Cylinderdurchmeffer von 216, 241 Kolbenhub- Längen von 305, 305 arbeiten mit 125, 125 per Minute oder mit 8- und " 10- pferdigen Locomobile 267 Millimeter, 97 356 und Secunde. 110 Umdrehungen 13 Meter Kolbengefchwindigkeit per Rufton Proctor& Comp. in Lincoln ftellten zwei Mafchinen aus, deren eine zwifchen Cylinder und Lager eine eigenthümliche Stützung aufwies. Vom Dampfmantel des Cylinders ging nämlich auf der einen Seite ein hohles fchmiedeifernes Verbindungsrohr zum Gufslager, an welches es in deffen Mitte traf und verfchraubt war. Diefes hohle Rohr liegt nun während der Arbeit fortwährend mit Dampf gefüllt und foll derart die Streckung des Keffels mitmachen, welche die Wärme bringt. Würde die Mafchine nun mit Rückficht auf diefe Streckung montirt, fo fchiene die Löfung nicht fchlecht, indem trotz der ſtarren Verbindung kein Theil auf Biegung beanfprucht wird, wie es bei den kalten Stangen gefchieht. Merkwürdiger Weife war aber nur das eine Lager( auf der Kurbelfeite) derart gehalten, während das andere frei blieb, wodurch excentrifche Kräfte auftreten dürften. Im Allgemeinen reihen fich die Locomobile den beften an, welche heute gebaut werden. Die Steuerung ift mit einem verftellbaren Excenter( Chapman's Patent) ausgeftattet, welches um einen Punkt auf der fchmälften Stelle der Scheibe mit Hilfe einer feften Hinterfcheibe gedreht und mit einer vorderen Klemmfchraube an diefe gehalten werden kann. Dadurch wächft nun die Expanfion, wenn die Voreilwinkel gröfser geftellt werden und die Canäle öffnen fich für jedes Füllungsverhältnifs gleich. Das lineare Voreilen und die Compreffion nimmt aber gleichfalls zu, was auch diefe Steuerung, welche überdiefs auch nur während des Stillftandes der Mafchine verftellt werden kann, nur innerhalb enger Grenzen zur Anwendung empfiehlt. Nachdem der Schlitz der Klemmfchraube nach auf und abwärts reicht, fo ift die Einstellung für Vor- und Rückgang gleichwerthig möglich. Die befitzen Cylinder von 210, je und arbeiten fämmtlich mit oder mit 8- und 10- pferdigen Mafchinen 273 Millimeter Durchmeffer, 248 27 305 120 " Hub sic Umdrehungen per Minute 1 22 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde. Die completen Gewichte find 3500, 4300 und 4750 Kilogramm. E. R.& F. Turner in Ipswich waren wohl die Erften, welche ftatt der ftarr auf den Keffel gefchraubten Gufslager- Ständer eine directe Verbindung zwifchen Cylinder und Lager in der Kraftebene anwendeten. Seit Jahren fetzt diefe Firma ihre Kurbellager auf je eine einzige zur Druckrichtung flachkantige Blechwand, welche weich und biegfam ift und den Horizontalfpannungen nur einen unerheblichen Widerftand entgegenfetzt. Dafür ist der untere Gufstheil jedes der beiden Lager aufser jenem nach abwärts hängenden Lappen, durch welchen er mit der tragenden Blechwand verfchraubt ift, noch mit einem langen armförmigen Horizontalangufs verfehen, von welchem eine Flachfchiene zum Cylinder führt. Diefe Schiene fetzt fich genau in der Achshöhe, das ift der Ebene der Kräfte an und ift derart mit dem Cylinder verbunden, wie diefs bereits bei der Stationärmafchine( dort für C Eifen) erörtert wurde. Hier reicht die Schiene nicht über die ganze Cylinderlänge, fondern nur über die vorderen zwei Fünftheile, wo fie mit drei hintereinander ftehenden Schrauben befeftigt erfcheint. E. R.& F. Turner in Ipswich. 231 Das Kurbellager hatte noch eine horizontale Stellfchraube in feiner Aufsenwange. Die Geradführung fand auf einem einzigen Lineale ftatt, welches unten an der Stopfbüchfe und vorne an einer zwifchen die Verbindungsfchienen gefchraubten Traverfe gehalten war. Der Kreuzkopf lief normal auf der oberen Fläche, aber er untergriff die Schiene mit einer an vier Schrauben hängenden Unterplatte. Die Hartnell- Guthrie'fche Regulator- Expanſionsfteuerung, welche hier auch bei den Locomobilen angewendet erfcheint, wurde bereits bei der Stationär mafchine( Seite 54 im vorliegenden Berichte) diefes Haufes erörtert. Robey& C. in Lincoln ftellten mehrere Locomobile aus, deren doppelwandige Cylinder- und Hohlgufs- Lagerblöcke ohne weitere Verbindung auf den Keffel gefchraubt waren, Eine gröfsere zweicylindrige Mafchine zeigte aber fymmetriſche Spannftangen zwifchen Cylinder und Lager. Die Steuerung fand mit einfachen Excentern ftatt, welche während des Stillftandes im Winkel verftellbar waren, wodurch wohl verfchiedene Füllungen, aber auch verfchiedene Voreilungen gegeben werden können, deren letztere befonders der Vorausftrömungen halber den Expanfionsnutzen leicht zerftören dürften. Der Regulator wirkte auf die Droffel mit Ausnahme einer einzigen Mafchine, bei welcher er einen Keil verfchieben konnte, auf welchem das Excenter fafs und derart Voreilung und Stellwinkel ändern follte. Hornsby& Sons in Grantham bauen wenig nachahmenswerthe Locomobile. Sie legen den Cylinder in den überhöhten Heizmantel, was nicht nur die Feuerboxdecke und die Dampffchieber unzugänglich macht, fondern auch eine äufserft complicirte und daher theure Blecharbeit bedingt. Die Geradführung der unfymmetrifch belafteten, fchweren Kreuzköpfe findet auf den kleinen Flächen halbumfafster Rundftangen ftatt und die Lagerung der Welle gefchieht in häfslichen Ständern, deren Untertheil die Form von Pölftern haben, auf welchen die Lager nach Vermittlung je zweier kurzer Säulen ftehen. Der hochgelegte Einftrömfchieber der einen Mafchine war in unbehilflicher Weife durch ein fchwingendes Parallelogramm von unten zu bewegen und alle Formen fchienen fchwer oder befremdlich gekrümmt. Stephen Lewin in Poole Dorfet. Die rohefte Mafchine in Conftruction und Ausführung. Die Verbindung von Kolbenstange und Kreuzkopf gefchah durch einen fenkrechten Keil, der genau unter der oberen Geradführungsfchiene ftand, fo dafs ein rückwärtiges Hinausziehen des Kolbens nicht. gefchehen kann, ohne die Geradführung früher zu demontiren etc. Gufs und Bearbeitung waren einer Ausftellung völlig unwürdig. Albaret& C. in Lian court. Die Mafchine diefer Locomobile beftand aus einer auf den Keffelrücken gelegten Grundplatte mit angegoffenen Lagern und unterer Führung. Der Cylinder war aufgefchraubt, die Steuerung gefchah entweder durch ein einziges Excenter oder eine Stephenfon'fche Couliffe. Albaret rühmt hier die Verwendbarkeit derfelben, nachdem man mit diefer bis 1/10 Füllung( in den nicht condenfirenden Locomobilen) herunterkommen und den Gang ebenfo gut vorals rückwärts( bei der unteren Schuhführung) einftellen kann. Die Führung war dabei noch höchft excentrifch, indem der Kreuzkopf- Zapfen weit vor feiner Platte aufsen lag. Die Lager waren gegen einwärts geneigt und auf der Welle ftaken zwei Schwungräder mit ftark gekrümmten Armen. Ein Watt'fcher Regulator griff in die Droffel und ein gewöhnlicher Hahn fchliefst oder öffnet das freiliegende Dampfrohr. 232 J. F. Radinger. Im Catalog diefer Firma find die Effecte diefer Locomobile nach halben Pferdeftärken( 212, 3% etc.) normal eingeftellt. Hermann Lachapelle in Paris. Ueber Keffel und Dampfmaschinen dieses Haufes wurde bereits ausführlich berichtet. Die Maschine ift hier mittelft zweier umfpannter Eifenreifen mit dem Keffel verbunden, welche ftatt der Grundfchrauben von der Hauptplatte ausgehen und durch Rechts- und Linksgewinde unter dem Keffel fchliefsen. Die 6-, 8., und 10- pferdigen Mafchinen befitzen Cylinder von 175, 195 270, 300 155, 140 Kolben " 94 99 220 Millimeter Durchmeffer, 330 Millimeter Hub und machen 125 Spiele per Minute, was eine Kolbengefchwindigkeit von 14 Meter per Secunde gibt. Diefe Maſchinen find 3400, 4000 und 4500 Kilogramm fchwer und koften 5600, 7000 8400 Franken. Chevalier& Grenier in Lyon. Vollkommen gleich mit der unter den Halblocomobilen befchriebenen Mafchine. Das Ganze fteht hier nur auf kleinen Rändern. Société Centrale in Pantin. Die Locomobile beftand aus einem Keffel mit herausziehbarem Innentheil, und einer mit durchgehender Fundamentplatte aufgelegten Dampfmafchine, wie folche bereits unter Dampfkeffel und Halblocomobilen befchrieben find. Del Ferdinand in Vierzon. Diefe Locomobile beftand gleichfalls aus einer normalen Mafchine auf completer Grundplatte, welche auf einem langen Keffel mit cylindrifcher Feuerbüchfe( fiehe Keffelbericht) lag. Der Cylinder war aufgefchraubt, die Führung gefchah zwifchen vier fchweren Gufslinealen und die Lagerung in ebenen und ganz gewöhnlich zweitheiligen Lagern mit horizontaler Fuge und ohne irgend eine Vorrichtung zum Nachftellen. Ein Federregulator ging zur Droffel. J. Belleville& C. in Paris. Eine der bereits befchriebenen Halblocomobile, auf die zwei hohen und fchwachen Räder einer unter dem Schwerpunkt des Ganzen durchgehenden Achfe gefetzt, war Locomobile benannt. Backer& Rueb in Breda. Der Keffel diefer Locomobile ift ftehend und wurde bereits im Keffelberichte befchrieben. Er hängt in einem genietheten Blechrahmen, deffen Bruftbaum ihn halb umfchlingt und trägt oben an einer eigens vorgenietheten, brückenförmigen Blechunterlage den Cylinder. Genau in der halben Wagenlänge und Breite befindet fich die Kröpfung der Kurbelwelle, welche in drei fchiefen Lagern ruht und von der ein einziges Excenter den einfachen Schieber bewegt. Regulator ift keiner vorhanden. Der Rahmen liegt auf einer feften Hinter- und einer drehbaren Vorderachfe und von der Mafchine wird das leichte Umwenden angerühmt, nachdem das Vordergeftell durch den Keffel nicht beirrt wird. Der Preis diefer 4pferdigen Mafchine war 2000 fl. loco Wien. Lilpop Rau& C. in Warfchau. Auf einem fahrbaren eifernen Gestell ftand in der Nähe der Hinterachfe ein Field'fcher Keffel, an welchem fich oben die vom Bruftbaum herkommende Grundplatte der Mafchine ftützte. Diefe war ungefähr unter 30 Grade gegen den Horizont geneigt und enthielt die Führungsfchiene angegoffen, auf welcher der Kreuzkopf mit zwei feitlich unterfangenen Gegenplatten lief. Die oberen Kurbellager waren horizontal gefchnitten und ftanden daher gegen die Druckrichtung fchief. Die Steuerung war eine einfache und Regulator keiner vorhanden. Im Winkel zwifchen Keffel und Platte ftand ein Lilpop Rau& Comp. in Warfchau. 233 Wafferkaften und darüber ein Vorwärmer untergebracht, aus welcher die Speifepumpe fchöpfte. Die gefammte Ausführung war eine forgfältige, und das Schwungrad fo weit, als nur das Meffer zukam, gedreht. Kockums Mek. Werkftad in Malmö ftellte eine 6. oder 8pferdige Locomobile aus, bei welcher der Regulator mit einer Zahnftange auf ein verzahntes Segment am Schieberkaften griff, während hinten aus demfelben eine Stange mit einem Griffrade austrat. Da nur ein einziges Excenter vorhanden war, und auch die übrige Arbeit darauf fchliefsen läfst, fo kann vermuthet werden, dat's die normale Armatur des Abfperr- und Droffelventiles in diefe Form gebracht waren, wodurch beide durch Abnehmen des Schieberkaften- Deckels fofort blofsgelegt und in Stand gefetzt werden können. Die Führung gefchah an den ftark zurückſtehenden Flächen eines fchmiedeifernen Kreuzkopfes, die Lager waren gefondert auf einen gemeinfam unterlegten Gufsfattel gefchraubt, und abweichend von der allgemeinen guten Gepflogenheit, hatte die Speifepumpe nur zwei Ventile, ftatt durch das doppelt vorhandene Druckventil deren drei. Dafür war aber ein verhältnifsmäfsig grofser Windkeffel beigegeben und fie felbft in Meffing gegoffen. engMafchinenfabrik& Eifengiefserei Darmstadt. Normale lifche Conftruction älteren Mufters. Einfache Excenterfteuerung, Watt'fcher Droffelregulator. J. D. Garett in Buckau. Magdeburg. Normale englifche Locomobile. Neptun in Berlin. Von diefer Gefellſchaft, welche u. A. vorzügliche Abfperrfchieber für grofse Wafferleitungsrohre ausftellte, war auch eine Halblocomobile gefendet, deren Mafchine fich nur durch ſchwere und unfchöne Formen auszeichnete. G. Sigl in Wien. Die Locomobile diefer Fabrik reihen fich den beften englifchen Normalen an, und find Folge ihrer forgfältigen Ausführung häufig und zwar in mehr als 400 Exemplaren in Oefterreich- Ungarn verwendet. Der Cylinder liegt feitlich des Keffels und nimmt an feiner Stopfbüchfe die vier fchmiedeifernen Geradführungsfchienen mit Meffingbeilagen auf, zwifchen welchen eng und ohne Nachftellvorrichtung geführt der Gabel Kreuzkopf läuft. Die Lager mit vertical gefchnittenen Schalen find durch je eine Seitenfchraube in der Aufsenwange ftellbar und das Schwungrad ift auf der der Kurbel entgegengefetzten Seite durch einen Angufs nach der Sehne zwifchen zwei Armen balancirt. Eine der Mafchinen war mit der Friedrich'fchen Expanfionsfteuerung ausgeftattet, welche bereits andernorts( Seite 91 diefes Berichtes) erörtert wurde. Die Mafchinen von nominell 8 und 10 Pferdeftärken koften loco Wien 3400 und 3940 fl. ö. W. Fürft Lichtenftein'fche Mafchinenfabrik in Adamsthal fandte eine ihrer Locomobile, welche nach älterem englifchen Mufter gebaut find. Baechle& Comp. in Wien liefs eine zweicylindrige Locomobile der bekannten Conftruction für den Betrieb einiger Sägen arbeiten. Bernhard Eichmann in Prag trieb mit einer Locomobile älteren Normales einen Theil der Transmiffion der öftlichen Agriculturhalle. W. J. Dorning's Locomobile beftand aus einer unverkennbar Ramfomme'. fchen Locomobile, deren Mafchine abgefchraubt und durch einen rotirenden Motor erfetzt war. Von letzterem war nichts Näheres zu erfahren, er fcheint aber nach Art der Roots Blowers aus zwei ineinandergreifenden Drehkolben beftanden zu haben, denn man fah zwei durch ein gleichgrofses Zahnrad- Paar gekuppelte Achfen aus dem Gehäufe treten, an deren einer das Schwungrad fafs. 234 J. F. Radinger. Die Tabelle. Als Schlufs des Berichtes über die Dampfmotoren find in der nachstehenden Tabelle die Hauptabmeffungen und Bezugsverhältniffe der grösseren Maſchinen und zwar in derfelben Reihenfolge zufammengeftellt, in welcher die Einzelbefprechung gefchah. Die wefentlichften Ergebniffe des durch diefe Zufammenftellung gewonnenen Ueberblickes finden fich bereits in dem allgemeinen Theile, welcher den Eingang zu dem Berichte über die Dampfmafchinen bildet, und dort find die Mittelwerthe der Kolbengefchwindigkeiten, Canalquerfchnitte, Auflagedrücke, fpecififcher Abnützarbeiten, Luftpumpengröfse und der Maſchinengewichte bereits ausführlich erörtert. Hier erübrigen nur folgende Bemerkungen: Die Leiftungsfähigkeit der einzelnen Maschinen erfcheint ftets nach der Angabe der Fabrik eingeftellt und entspricht wohl jenem Effecte, welchen der Motor bei normalem Gange und einer mittleren Füllung thatfächlich von der Schwungradwelle abzugeben im Stande ift. Die Gröfse diefer mittleren Füllung ift in die Tabelle aus dem Grunde nicht aufgenommen, weil diefelbe von den Fabriken nur rückhaltend und in den feltenften Fällen präcife ausgefprochen wird, indem damit ein beftimmtes Güteverhältnifs der Mafchine feftgeftellt würde. Indem aber diefes von der Wartung und manchen anderen Umftänden mit abhängt, welche fich dem Einfluffe der erzeugenden Fabrik entziehen, fo werden nur beiläufige und mögliche Füllungsgrenzen angegeben, welche fich wohl im Texte bei den einzelnen Mafchinen finden, jedoch für eine Tabelle, welche klare Werthe verlangt, nicht paffen. Die weiter folgenden Dimenfionen habe ich faft ausnahmslos felbft gemeffen und die Berechnungsart der Beziehungen entweder nach felbftverftändlicher Art oder wie bei den Auflagedrücken und fpecififchen Abnützarbeiten nach jenen einfachen Principien vorgenommen, welche bereits im Eingangstheile auseinand gefetzt wurden. Wo nur auf Grund complicirter Rechnungen oder hypothetiſcher Annahmen ein Refultat zu erhalten wäre, wie eben die Leiftungsfähigkeit der Maschine, die fpecififchen Abnützarbeiten an den Geradführungen und Kreuzkopfzapfen, das Luftpumpenverhältnifs zum verbrauchten Dampfgewicht, der Gleichförmigkeitsgang des Schwungrades etc. etc., fehlt hier das berechenbare Verhältnifs, und zwar gröfstentheils in Folge der gedrängten Zeit. Minder wichtige oder felbftverſtändliche Abmeffungen fehlen in der Tabelle; erftere find jedoch der Mehrzahl nach im Texte enthalten. Hiezu gehören die Wandftärken der Cylinder, die Kolbenhöhen, Dimenfionen der Grundplatten, Längen der Schubftangen, Fundamenttiefen etc. Bezüglich des Materials ift zu bemerken, dafs die Kolbenstangen und die Kreuzkopf- und Kurbelzapfen durchwegs aus Gufsftahl und die Schubitangen und die Kurbelwellen aus Schmiedeifen oder Beffemer- Metall beftehen. Das Material der Auflageflächen in Gerade führung und Schalen findet fich im Texte angeführt, wo auch bei den Führungen ftets erwähnt wurde, ob fie nachftellbar find oder nicht. Die Gewichte der Mafchinen und der Schwungräder find meift nur nach der Mittheilung der ausftellenden Fabrik angegeben und nur in wenig Fällen konnte ich fie aus den Frachtbriefen direct entnehmen; daher entfällt in der Tabelle die Einstellung des Gewichtes per Flächeneinheit des Dampfcylinders, welche aber im Texte ftets erfcheint. Wo die Auflageflächen doppelt vorkommen, wie in den Führungen etc., erfcheint der Factor 2 in der Tabelle, während der Factor 1/2 bei den Zahnbreiten der Schwungräder bedeutet, dafs der zu übertragende Effect durch eine zweite Mafchine verdoppelt wird. Die hydraulischen Motoren. Dem gefpannten Waffer wird die innewohnende Arbeit entweder mit Wafferrädern, Turbinen oder mit Wafferfäul- Mafchinen entnommen. Die Wafferräder kamen in der Ausftellung, wenn man von einigen Curiofitäten chinefifchen Urfprunges abfieht, in den alten Syftemen gar nicht, aber in zwei neuen Syftemen vor, welche in grofser Ausführung im Gange waren. Bei den Turbinen fchafft die Sorge um die Gleichhaltung des Nutzeffectes bei veränderlicher Waffermenge noch fortwährend neue Regulirvorrichtungen, deren manche bereits nun eine Vollkommenheit befitzen, welche keiner bedeutenden Steigerung mehr fähig ift. Hier fcheint fich für niedere und mittelgrofse Gefälle die Vollturbine und deren Regulirung durch die Veränderung der Zellenhöhe und für grofse Gefälle das Tangentialrad mit partieller Beauffchlagung beftens zu bewähren. Entlaftungsfcheiben zur Schonung des Spurzapfens kommen öfters vor. Neu und durch die Verbreitung der ftädtifchen Hochdruck- Wafferleitungen begünftigt find die Wafferfäul- Mafchinen, welche hauptfächlich dem Suchen nach einem paffenden Motor für das Kleingewerbe ihren Urfprung verdanken. Wafferräder und Turbinen hatten ausgeftellt: Gwinne& Comp. in London, J. Thime in St. Petersburg, Bethourt& F. Brault in Chartres, B Roy& Comp. in Vevey, Socin& Wick in Bafel. Mafchinenwerkstätte St. Georgen, Joh. Jac Rieter in Winterthur, Mafchinenfabrik Augsburg, Nagel& Kaemp in Hamburg, Walter Zuppinger in Ravensburg, Daniel Straub in Geifslingen, P. Fifcher in Wien, Brüder Fifcher in Wiener Neuftadt. Efcher& Wy fs's Filiale in Leesdorf. Gwinne& Comp. in London. Eine kleine Partial- Turbine, Syftem Girard. Das einftrömende Waffer trifft bei der ausgeftellten Mafchine direct auf das Getriebe, welches das Zannfegment für die um die Turbinenachfe drehbare Abfchlufsfcheibe antreibt. Die Schaufeln waren nur eineifeits ventilirt. J. Thime in St. Petersburg. J. Thime ftellte die Zeichnung einer Fourneyron- Turbine aus, deren einfache Regulirvorrichtung für weit verfchiedene Waffermengen beſtimmt erfcheint. 236 J. F. Radinger. In dem gefchloffenen Kaften des Druckwaffers hängt ein nach der Contractionscurve geformter am Boden eben gefchloffener Trichterkörper, der die unten am cylindrifchen Umfange gegen aufsen mündenden Leitfchaufeln enthält. Aufserhalb desfelben läuft das Treibrad in bekannter Form, aber in einem folchen Abftande von der Mündung der Leitfchaufeln, dafs fich ein rohrförmiger Gufskranz von unten auffteigend zwifchenfchieben läfst. Diefer Gufskranz trägt ebene, in die Zellen der Treibfchaufeln paffende Flächenftücke, welche der Höhe nach zwifchen den Schaufeln verfchoben werden und deren Querfchnitte, aber nicht deren Leitform verändern, wenn der Gufskranz verfchoben wird. Der Gufskranz fammt den Flächenftücken rotirt nun mit dem Treibrad. Er ragt an einer Kreisplatte auf, welche zwifchen dem Boden des Leitapparates und der Nabe des Treibrades eingefchalten erfcheint und wird von der hohlen und gefchlitzten Welle durch einen Keil mitgenommen, der im Innern derfelben an einer Regulirftange fteckt. Diefe Stange wird oberhalb des Leitapparates von einem zweiten Keil im Längsfchlitz der Welle durch eine Muffe bewegt, deren Hebel einerfeits mit einem Gelenkftück am Turbinenrohre und anderfeits an der Zugftange eines Schraubengriffrades hängt und derart deffen Bewegung auf den regulirenden Gufskranz und die Plattenftücke überträgt. Der Hauptvorwurf, der diefe ganz unter Waffer arbeitende Stellvorrichtung trifft, ift der bedeutende Abftand, den fie zwifchen Leit- und Treibfchaufeln bedingt, wodurch die Wafferführung geftört und der Effect der Mafchine niedergezogen wird. Diefer Effect kann aber dann innerhalb weiter Grenzen der Waffermenge proportional bleiben. Aufser diefer Vorrichtung ift noch eine Ringfchütze am Boden jenes Saugrohres angebracht, in welches der die Turbine weit umgebende Mantel übergeht; in letzterem erfcheint noch überdiefs eine ziemlich harte Wafferführung als ausreichend gedacht. Nicht am Manteltheil felbft, fondern im erften Trommelftück des Saug. rohres ift das untere Führungslager der Turbinenwelle eingebaut. Das Gewicht ruht aber nicht auf diefem Unterwafferzapfen, fondern auf grofsen Tragrädern, welche auf der Decke des oberen Kaftens rollen, während fich die Welle auf fie mit einem mächtigen Gufsbund ftützt. J. Thime denkt fich diefelbe Conftruction der Turbine auch für horizontale Anordnung geeignet und zeigte auch diefe in einer grofsen Zeichnung. Diefe Anordnung hätte den Vortheil der leichteren Zugängigkeit der einzelnen Theile, aber abgefehen von gröfseren conftructiven Schwierigkeiten und der Gefahr ungleicher Abnützungen den Nachtheil einer unvollkommeneren Wafferführung für den faugenden Abfall. Bethouart& F. Brault in Chartres ftellten eine Doppelturbine, Syftem Fontaine, aus, deren Innen- und Aufsenkranz zufammen arbeiten konnten, während jedoch der Innenkranz durch ein armirtes breites Kautfchukband mit Laufkegel abzufchliefsen war, um für geringere Waffermengen den Aufsentheil allein arbeiten zu laffen. Nach Verfuchen foll fich an einer derartigen Turbine bei einer verfchiedenen Waffermenge von 3.9 und 14 Cubikmeter per Secunde und dem Gefälle von 18 und 19 Meter der Effect nur zwifchen 77 un 76 Percent fchwankend gezeigt haben Roy& Comp. in Vevey. Diefe Firma baut faft ausfchliefslich Girard Turbinen( Turbinen mit freier Ausftrömung), für welche fie 80 Percent Nutzeffect bei ganzer Beauffchlagung und 70 Percent bei 1/5 der vollen Waffermenge verfpricht. B. Roy& Comp. in Vevey. 237 Für höhere Gefälle, welche bis 180 Meter herangezogen wurden, werden Partialturbinen mit horizontaler Achfe und innerem Einlaufe verwendet, deren neuerdings mehrere zum Betriebe der Luftcomprefforen beim Bau des GotthardTunnels geliefert wurden. Letztere arbeiten mit 90 Meter Gefälle, haben einen Durchmeffer von 2:30 Meter, eine Breite von o 35 Meter und machen 120 Umdrehungen per Minute. Die Umfangsgefchwindigkeit beträgt dabei am Innenkreis circa 12'5 Meter per Secunde, was o 30 jener Gefchwindigkeit entspricht, welche das abfolute Gefälle gibt. Ich beobachtete dort den Bruch des Einlauf rohres unmittelbar vor dem Leitapparat einer folchen Roy'fchen Turbine, welcher, ganz den gefunden Gufs durchbrechend, anzeigte, wie forgfältig die Regulirapparate gehandhabt werden müffen, um unter 90 Meter Gefälle keine gefährlichen Wafferftöfse zu wecken. In der Ausftellung befanden fich nur kleine Modelle der verfchiedenen Aufftellungsarten folcher Turbinen, welche mehr zum Spiele als zu Ernft in Glas käften lieten. Socin& Wick in Bafel. Socin& Wick ftellten zwei Girard- Turbinen in Natur und drei weitere in Zeichnungen aus, wie fie folche für Gefälle zwifchen 135 bis 60 Meter Druckhöhe ausführten. Wenn bei geringem oder mittleren Gefälle und grofser Waffermenge Turbinen mit Beauffchlagung der ganzen Peripherie des Leitrades gewählt werden, fo erfolgt die Regulirung mit fenkrechten Schiebern, welche fowonl beim directen offenen Einlauf als auch bei gröfseren Gefällen, wo ein gefchloffener Einlaufkeffel mit feitlicher Wafferzuführung durch das Fallrohr verwendet werden mufs, ftets von oben bewegt werden. In beiden Fällen hängen je drei der verticalen Schieber, welche je drei der Einlaufzellen des Leitrades fchliefsen, an einer gemeinfamen Zugftange, wodurch eine beffere Führung derfelben ermög licht wird und fich der Steilmechanismus einfacher geftaltet, als wenn jeder Schieber unabhängig von den Nachbarn fteht. Diefe Zugftangen enden oben mit je einer Laufrolle, welche von der einmal abgeftuften Aufsenflanfche eines Stellkranzes getragen wird und durch deffen Drehung fo lange unbeeinflufst bleibt, bis deren Höhenlage durch den Stufen der Flanfche in die andere Extremftellung gebracht wird. Diefer verftellende Stufen am cylindrifchen Theil des Stellkranzes ift felbftverſtändlich nicht vertical, fondern fchräg verlaufend und da feine Steigung über drei Theilungen des Leitrades reichen kann, fo ift fie felbftverſtändlich weniger fteil, als es bei der Einzelftellung für jede Zelle gefchehen könnte; dadurch wird fowohl die nöthige Ueberfetzung zur Regulirungsbewegung als auch der Seitendruck auf die Schieberftangen kleiner als fonft. Allerdings wird die Regulirung etwas gröber, was aber nicht von bedeutendem Einflusse ift. Der Stellkranz felbft ruht zwifchen Tragrollen und wird durch einen angegoffenen Zahnkranz, der über den halben Umkreis reicht, mit einem Vorgelege verdreht. Im Vorgelege erfcheint ein Blindrad, aber die Antriebswelle trägt fowohl oben als unten ein Griffrad. Bei den Turbinen mit gefchloffenem Einlaufkaften enden die SchieberZugftangen oben mit je einem verdickten Theil, welcher durch je eine auf den Deckel gefchraubte mit einer Ledermanchette gedichtete Stopfbüchfe nach aufsen tritt. Innen reicht dann die Stange nicht in Einem bis zu den Schiebern, fondern trägt eine eingefchaltene Längen- Klemmkuppelung, um einem möglichen Bruche vorzubeugen. Die übrige Ausführung bietet wenig Neues und die Conftruction der Gira: d- Turbinen it bekannt. Stets werden Oberwafferzapfen verwendet. Die ausgeftellte Turbine hatte circa 130 Meter mittleren Durchmeffer 36 Leit- und 42 Turbinenfchaufeln. Erftere mafsen oben 120 Millimeter radiale 238 J. F. Radinger. Breite, welche fich jedoch im erften Drittel der Höhe auf 100 Millimeter verengte Letztere begann oben mit diefen 100 Millimeter und erweiterte fich gegen den Auslauf auf die dreifache Dimenfion. Die Höhe des Leitrades war circa 140 und jene des Treibrades 160 Millimeter Der Aufsenkranz des letzteren war über jenen des Leitrades aufsen verfchnitten, um den Spalt dicht zu halten. Die unteren Zellen waren fowohl innen als aufsen mit Schlitzen zur Ventilation verfehen. Die Einmündung der Zuleitung an den Turbinenkaften mafs I 20 Meter im Durchmeffer. gapla Für grofse Gefälle und geringe Waffermengen, wo fonft die Turbinen bei normaler Schaufelbreite fehr kleine Durchmeffer erhielten, find blos zwei einander gegenüberftehende Quadranten des Leitrades mit Leitfchaufeln verfehen, während der andere Theil desfelben undurchbrochen bleibt. Die Regulirung diefer Turbinen gefchieht mittelft zweier horizontaler Broncefchieber in Form der Quadranten des Leitrades, die bei gefchloffener Turbine die Leitzellen überdecken und beim allmäligen Oeffnen auf den vollen Theil des Rades kommen. Bei fehr hohem Gefälle legen nun Socin& Wick diefen Schieber auf Frictionsrollen, um den harten Gang des Regulirmechanismus zu mildern. Die Stellung des Schiebers gefchieht hier durch ein angegoffenes Zahnrad Segment, in welches ein Vorgelege greift. deffen Welle vertical durch eine Stopfbüchfe nach aufsen tritt und durch ein zweites Vorgelege an verticaler Achie angetrieben wird. Diefe ift unterhalb des zugehörigen Griffrades mit einem gefenfterten feften Schmiedeifen Rohr umgeben, um einen Index aufzunehmen, welcher von einem langen Schraubengang der Welle geführt wird. Nach glaubwürdigen Bremsverfuchen an einer von diefer Firma gelieferten Turbine erfterer Art betrug der Nutzeffect bei 97 bis 99 Meter Gefälle und einer Waffermenge, welche zwifchen 17 und von 04 Cubikmeter per Secunde fchwankte( 212 bis 48 abfolute Pferdeftärken) zwifchen 87 und 80 Percent. Mafchinenwerkftätte St. Georgen bei St. Gallen. Diefe Fabrik ftellte zwei Partialturbinen für hohe Gefälle aus, welche nach gleichem Syftem gebaut find, deren eine aber völlig zerlegt war und die Reguhrvorrichtung deutlich fichtbar machte. Der Wafferzulauf gefchieht hierbei von unten durch ein in die Fundament. platte des Ganzen eingegoffenes weites Rohr. Oben wird dasfelbe von einem ringförmigen Kranz gefchloffen, welcher an zwei gegenüberstehenden Sextanten feines Umfanges je 12 Leitcanäle enthält. Diefer Kranz trägt oben einen aufgefchraubten Deckel, in deffen Mitte das Fufslager des Turbinenrades fteht und diefes felbft hängt mittelft fchiefen in einer Kegelfläche ftehenden Armen derart nieder, dafs feine Schaufeln in die Höhe der Leitcanäle kommen. So läfst fich wohl das Laufrad leicht abheben und bietet fich der allfeitigen Befichtigung dar; aber der Regulirapparat, welcher meift die erften Störungen erfährt, ift doch nur in zweiter Linie und erft nach Aushebung der ganzen Turbinenachfe zugängig und das Syftem fcheint nur für kleine Ausführung geeignet, weil das gleichfam aufserhalb des Lagers getragene Rad in Folge ungleicher Seiten abnützungen leicht einen unruhigen Gang annehmen dürfte. Die Regulirung gefchieht mit zwei gefonderten Schiebern, deren cylindrifche Flächen die Leitcanäle mehr oder minder bedecken. Diefe Schieber laufen innen mit Bronceringen am Umfange des Leitfchaufel- Kranzes und nehmen noch eine aufgefchraubte Gufswand mit, deren Ausläufe eintheils zur Waffer. führung gegen die Leitfchaufeln dienen, anderfeits aber auch die zwei kleinen BronceZalinräder decken follen, welche in die Innenverzahnung der fchieber greifen, um deren Gang zu bewirken. Die Verticalwellen ler kleinen Mafchinenwerkftätte St. Georgen bei St. Gallen. 239 Zahnräder werden durch je eine endlofe Schraube geftellt, deren Wellen durch Kegelräder gekuppelt und von einem gemeinſamen Stellzeug bewegt werden. Eine der ausgeftellten Turbinen hatte ein Zulaufrohr von 350 Millimeter Weite, welches allmälig in den innern Leitkranz von 620 Millimeter überging Aufsen mafs der Leitapparat 800 Millimeter im Durchmeffer, während der des Laufrades 1 04 Meter betrug.. I Die jederfeits zwölf Leitcanäle waren je 47 Millimeter hoch, 23 Millimeter weit und derart geformt. dafs ihre Austrittsöffnungen je die zweite Schaufel des Laufrades trafen, wodurch jeder Wafferfti ahl richtig geführt an den Treibfchaufeln antreffen mufs. Ob aber durch diefe nun eintretende regelmäfsig wiederkehrende Arbeitsweife des Waffers nicht jener pulfende Gang des Motors eintritt, welchen man fo wohl kennt und zu vermeiden trachtet, konnte an der trocken ftehenden Mafchine nicht erhoben werden. Das Treibrad enthielt 56 Blechfchaufeln, welche innen 38 Millimete lichte Weite mafsen, während ihre axiale Höhe von 47 Millimeter gegen aufsen bedeutend wuchs und an der freien Mündung 190 Millimeter mafs. Hier fcheint die Erweiterung auf die vierfache Höhe der Innenöffnung des Guten zu viel zu fein und dürfte umfoweniger vom Waffer gänzlich benützt werden, als es eine verticale Oeffnung ift. Aufsen war wohl der fenkrechte Abftand zweier Schaufeln 18 Millimeter. was mit den 190 Millimetern Höhe einen faft doppelt fo grofsen Querschnitt ( 3420 Quadratmillimeter) als beim Einlauf( 47-38 1786 Quadratmillimeter) gibt und dem Waffer noch immer jenen freien Austritt geftatten foll, welcher nöthig ift, damit diefes nicht vom Rücken der nächften Schaufel berührt wird und eine Centrifugalwirkung erfährt. Da aber jede Zelle noch Luft fafst, welche mit ausftrömen mufs, fo fcheint jene Querfchnittserweiterung refpective der kleine Austrittswinkel doch durch eine zu grofse Erhöhung der Canäle erkauft Die Ausführung der Conftruction war tadellos und insbefondere die Schaufelflächen fielen durch mufterhafte Reinheit und Glätte auf. Joh. Jacob Rieter& Comp. in Winterthur. In der Fernleitung von motorifchen und hauptfächlich von Wafferkräften durch die Seiltransmiffion hat diefes Haus einen wohlverdienten Ruf. Die erfte Anlage im grofsen Stil diefer Art wurde bekanntlich für Schaffhaufen gebau: und nachdem fich diefe fo wohl bewährte, greift die Verwendung der concentrirten Kraftentnahme an grofsen Wafferläufen und Vertheilung der Arbeit längs einer Seiltransmiffion ftets weiter um fich. In Wien ftellte die Firma die Pläne und einzelne Beftandtheile einer neuen eben im Bau begriffenen Anlage, nämlich der für Bellegarde aus, deren wefentlichfte Glieder folgende find: Die Turbinen. Die disponible Wafferkraft der Rhone, welche dort benützt wird, beträgt über 10.000 Pferdeftärken. Es find nun fünf Turbinen zur Autftellung projectirt, von welchen drei bereits ausgeführt find und nachdem diefe bei 70 Percent Nutzeffecte je 630 effective Pferdeftärken zu geben haben, fo ift ein fteter Wafferüberflufs vorhanden welcher das einfachfte, faft keiner Regu lirung fähige Syftem, nämlich Hentfchel- Jonval Turbinen zu verwenden geftattet. nachdem folche jedesfalls die billigften find. Das überflüffige Waffer erlaubt auch bei jeder Hauptturbine eine 20pferdige Hilfsturbine in dauerndem Gang zu halten, welche die Hauptregulirung mittelft Droffelung, die Stellung der Abfperr. fchieber etc. beforgt. Das Gefälle der Rhone ift variabel und beträgt bei Hochwaffer II'l und bei Tiefwaffer 13 o Meter, wodurch eine Differenz von 19 Meter entsteht. Dabei variirt der Stand des Oberwaffers um 3'05 und der des Unterwaffers 240 J. F. Radinger. um 4'98 Meter, was gleichfalls zu berücksichtigen kommt. Da nun jeder Wafferftand andauernd durch fechs Monate währt, fo wurde zur Vermeidung von jedem complicirten Mechanismus jede Turbine mit einem Theilring conftruirt und die Leitfchaufeln des inneren Ringes werden bei Niederwaffer( dem hohen Gefälle) mit einfachen Auflagedeckeln gefchloffen; diefe find in die Zellen eingepasst und mit Handgriffen verfehen, wodurch die Einftellung auf den neuen Gang verhältnifsmäfsig leicht und jedesfalls einfachft erreicht wird. Um den Druck auf den Spurzapfen wegzunehmen, ift eine Entlaftungsfcheibe( fiehe Seite 247) verwendet. Die Dimenfionen der Turbinen find: Aeufserer Durchmeffer der Turbine Innerer " 99 2 447 Meter I 665 Lichte Kranzbreite der äufseren Leitradabtheilung o 200 99 inneren 99 " 9 0.152 " 9 Die Anzahl der je 20 Millimeter dicken Schaufeln find 24 und 22 in der äufsern und innern Leitrad- und 26 und 24 in den gleichen TurbinenradAbtheilungen. Die aufeinanderfolgenden Winkel der äufsern Abtheilung find 90, 29, 75 und 18 Grade und jene der inneren Abtheilung 90, 18, 99 und 13 Grade. Die Turbine arbeitet normal mit 90 Umdrehungen per Minute und die hohle Gufswelle hat 325 Aufsen- und 176 Millimeter Innendurchmeffer. Die Entlaftungsfcheibe, welche durch ein Fallrohr mit unter der Saugwirkung und daher unter dem Druck des ganzen Gefälles fteht, hat 786 Millimeter Durchmeffer. Die Turbinen ſtehen in gefchloffenen Turbinenkäften, welchen das Waffer durch die mit den Fallrohren gleich und 2.62 Meter weiten, geraden Zuleitungsrohre durch die vier Meter dicke Wehrmauer zufliefst. Zur Regulirung, respective zum Anlaffen und Abftellen dient eine in Hohlgufs ausgeführte Droffelklappe in einer 2.95 Meter meffenden Erweiterung des Zuleitungsrohres. Diefe Droffel kann fowohl von Hand als durch die Einfchaltung der Hilfsturbine vom Regulator aus in Bewegung gefetzt werden. Wegen des gänzlich dichten Abfchluffes bei Reparaturen etc. ift noch ein Abfchlufsfchieber beim Einlauf des Waffers ins Druckrohr vorhanden, welcher durch das Getriebe der Hilfsturbine bewegt wird. Wegen der Oeffnung desfelben unter dem grofsen Drucke des anliegenden Waffers ift eine Entlaftung desfelben durch ein eigenes Rohr angebracht, deffen zu öffnende Klappe Waffer ins Turbinenrohr führt und die Drücke vor und hinter dem Schieber ausgleicht. Die Dichtungsflächen des Schiebers beftehen aus Pockholz und die Lauffläche am Rahmen aus Bronce. Die Turbinenfäule ift fix und ihr Stand auf einer angefchmiedeten Flanfche am Grund einer 2 1 Meter unter den übrigen Grund reichenden ausgegoffenen Grube gegen Unterwafchung gefichert. Die hohle Turbinenwelle ftützt fich auf fie in einer Laterne aufserhalb des Turbinenkaftens mit einem ftellbaren Spurzapfen von 42 M llimeter Durchmeffer, der in einen grofsen Oelbehälter läuft. Oben fetzt fich die Welle 80 Millimeter dick in Schmiedeifen fort und geht zur weitern Transmiffion. Die Transmiffion. Die Welle geht durch das über der Turbine befindliche, 15 Meter im Scheitel dicke Quadergewölbe hindurch, auf welchem ein ftarker Lagerftuhl fteht. Diefer Lagerftuhl ift ein Hohlgufskörper von riefiger Dimenfion. Unmittelbar über der hohlen Grundplatte, in welche eines der Halslager verfenkt iſt, liegt das eifenverzahnte Antriebs- Kegelrad für die Horizontal welle. Diefe wird von zwei aus dem Hohlgufs auffteigenden 27 Meter hohen Schildern getragen, deren einer einen hohlen Seitenarm vorftreckt, der die Verticalwelle unmittelbar über dem Antriebsrade nochmals hält. Joh. Jacob Rieter in Winterthur. 241 Das angetriebene Rad hat Holzzähne. Sein Durchmeffer ift 3.6 Meter, die Theilung feiner 112 Zähne beträgt 100 und deren Breite 480 Millimeter. Das Eifenrad hat 87 Zähne und gleich dem früheren I- förmige Arme. Erwähnt mag hier fein, dafs die Naben trotz der bedeutenden Gröfse ohne Arbeitsleiften, fondern durchwegs glatt ausgebohrt find, was man übrigens jetzt allgemein macht. Die Horizontalwelle fetzt fich aufserhalb der beiden 4.0 Meter entfernt ftehenden Schilde noch weitere 4 Meter lang in einer Dicke von 360 Millimeter fort, um zwei Seilfcheiben aufzunehmen, hinter welchen fie ein drittesmal durch einen unabhängig am Mauerwerk ſtehenden Ständer gehalten wird. Auch diefer letzte Ständer ift im Hohlgufs und in breiten Dimenfionen geformt, fo dafs jene theilweife beunruhigenden Vibrationen, welche die Schaff haufer Rippenftänder erleiden, hier wohl nicht vorkommen dürften. Die Seiltransmiffion. Die 630 Pferde werden von je zwei Seil. fcheiben und zwei Seilen über Stationen von je 131 Meter Abftand geführt. Die Seilfcheiben haben je 5.6 Meter Aufsendurchmeffer, find mit zehn geraden hohlen Armen zweitheilig gegoffen und mit Verfchraubungen in den Armen und an der Nabe( aber ohne Ringe) verbunden. Ihr Umfang ift 149 Millimeter tief und mit 90 Millimeter Mündung ausgedreht und mit Leder derart gefüttert, dafs das Seil eine wirkfame Auflage von 5.5 Meter findet. Die hohle Nabe ift 500 Millimeter lang und fitzt mit zwei je 170 Millimeter breiten Rändern auf der 360 Millimeter dicken Welle. Der Keil liegt im Spalt und jede Scheibe ift felbftverftandlich wohl equilibrirt. Die Scheiben machen 70 Umdrehungen per Minute und ertheilen dem Seil eine Gefchwindigkeit von 20 15 Meter per Secunde. Die Drahtfeile find 35 Millimeter im ungeftreckten Zuftande dick. Sie beftehen aus je 72 Drähten von 22 Millimeter Stärke und find erft zu acht Litzen von je neun Drähten mit einer Hanffchnur vereinigt, während auch das ganze Seil eine Hanffeele befitzt. Das Gewicht per laufendem Meter beträgt 2:45 Kilogramm. Um dem läftigen Nachfpleifen möglichst vorzubeugen, werden die Seile vor der Verwendung auf einer Streckmafchine gefpannt. Das Bellgarder Seil dehnte fich nach 17maligem Paffiren der Mafchine von urfprünglichen 480 auf 483-8 Meter oder o 89 Percent der Länge, wobei fich der Aufsendurchmeffer von 35 auf 32 Millimeter verringerte. Die Seile werden mittelft eines aus einem Winkeleifen hergeſtellten, in einer Curve von der Nabe zum Umfang laufenden Seilauflegers auf die Scheiben gebracht und fpäter wenn nöthig mit einem Flafchenzug nachgespannt, um neu verflochten zu werden. Der Regulator. Zum Reguliren der Turbine bei fchwankendem Arbeitsverbrauch und zum gänzlichen Abfchlufs des Wafferzufluffes im Falle eines Seilbruches befindet fich bei jeder Turbine ein Regulator, welcher die Welle einer Hilfsturbine zur Erzeugung der nöthigen Bewegung für die Hauptdroffel oder den Abfperrfchieber einfchaltet. Diefe Hilfsturbine, welche ähnlich der grofsen mit Ueberwafferzapfen etc. und einem Regulirungsftern ausgeftattet ift, hat o 616 Meter Aufsendurch. meffer und leiftet je nach dem Wafferftande 32 bis 20 Pferdeftärken. Sie läuft ununterbrochen mit 340 Touren per Minute und dreht, je nachdem die Manchette des Regulators ihre Frictionskegel fchiebt, die Droffel der Hauptturbine mittelft eines doppelten Schraubenvorgeleges. Für den Fall eines Seilbruches, wo die Gefchwindigkeit rapid fteigt, kuppelt der Regulator das Geftänge des grofsen Abfperrfchiebers und bewirkt deffen rafchen Schlufs. Um die günftigfte Gefchwindigkeit der Pendel ausprobiren zu können, erfolgt deren Antrieb mit einem Riemenconus. . 242 J. F. Radinger Die Hilfsturbine, wird endlich von Hand eingekuppelt, wenn die Hauptturbine abgeftellt oder wieder angelaffen werden foll. Mafchinenfabrik Augsburg. Zu den gröfsten ausgeführten Turbinenanlagen gehört jene der Kräholm. Manufactur Narva bei St. Petersburg, deren Jonval- Turbinen von der Augsburger Mafchinenfabrik geliefert wurden und werden. Jede diefer Turbinen ift conftruirt für 762 Meter Gefälle( davon 2/ faugend, Druck) und 16 14 Cubikmeter Waffer per Secunde, und foll dabei bei 50 Umdrehungen per Minute effectiv 1200 Pferdeftärken( 73 Percent des abfoluten Effectes) leiften. Die Turbinen felbft waren nicht ausgeftellt, und ich entnehme der mirdarüber vorliegenden Zeichnung und weiteren Angabe, dafs der die faugende Wafferfäule umfchliefsende Mantel aus fünf gufseifernen und verfchraubten Trommeln befteht, welcher unten auf acht Füfsen ftehend, von einem Ringfchützen gefchloffen werden kann. Die Turbinen- Laufräder haben je 3700 Meter Aufsendurchmeffer, 0.5 Meter Höhe, eingegoffene Blechfchaufeln und einen gefchweifsten Umfangsring aus Blech, während der Umfaffungsring der gleichgrofsen Leiträder aus Gufs befteht; fie wiegen je 10.000 und 10.800 Kilogramm. Das Gefammtgewicht jeder completen Turbinenwelle fammt Falle, Mantel, Lagerftuhl und Kegelrad- Paar beträgt 140.000 Kilogramm. Zum Tragen des Turbinenzapfens fteigt ein centrifches gufseifernes Rohr im Innern des Mantels vom feften Grunde auf, auf welchem das Lager fteht. Diefes ift aber, aufser mehreren Spannftangen, noch durch ein aufsen offenes Gufsrohr verfteift, welches horizontal durch den Mantel zieht, in deffen Wände es verfchraubt ift und deffen Höhlung die Schmierung des Zapfens erleichtert. Letzterer ift 300 Millimeter dick und läuft mit einer ftählernen Spur von 240 Millimeter Durchmeffer. Nachdem das auf ihm laftende Gewicht von TurbinenKegelrad und Welle aber ohne Wafferdruck 26.500 Kilogramm beträgt, fo entfällt auf den Quadratcentimeter diefes Spurzapfens ein Druck von 58 Kilogramm, während die mittlere Abnützarbeit I 25 Kilogramm Meter per Secunde und Quadratcentimeter Lauffläche nicht überfteigt. Annähernd folche Beanspruchungen ergaben fich auch an den Zapfen der Dampfmaschinen Der Turbinenzapfen war oben durch eine Stopfbüchfe am Schluſs der Seitenfchale gefchützt. Ausgeftellt waren aber die der Anlage zugehörigen Lagerftühle und das Kegelrad Paar, welches die Bewegung von der verticalen Turbinen- auf die horizontale Transmiffionswelle überträgt. Die Dimenfionen diefer Beftandtheile waren, dem mächtigen Effecte entſprechend wohl proportionirt und hier mag nur angeführt werden, dafs die Zähne der Eifen in Eifen arbeitenden Räder nach Evolventen geformt und auf der Mafchine gehobelt erfchienen. Die Theilung betrug 150 Millimeter, die Zahnhöhe( 2 davon) 100 und die Zahnbreite 480 Millimeter. Die Räder von 3.67 Meter Durchmeffer auf der Turbinen- und von 2.87 Meter auf der Transmiffionswelle trugen 80 und 60 Zähne und wiegen in natura 9200 und 6500 Kilogramm. Sie find je zweitheilig angefertigt und die Verbindung der durch zwei diamentral gegenüberftehende Arme geführten Fuge durch jederfeits drei Innenfchrauben( á 60 Millimeter dick) fowohl bei der Nabe als beim Kranz, alfo zwölf im Ganzen, und durch je eine Aufsenfrette an den Armenden, alfo acht im Ganzen, bewerkstelligt. Die Arme find I förmigen Querfchnittes und die Räder fitzen auf vier Keilen. Der Halszapfen der Turbinenwelle mifst 400 Millimeter Durchmeffer, Nagel& Kaemp in Hamburg. 243 bei 750 Millimeter Länge, während der Endzapfen der Horizontal welle( in einem schiefgefchnittenen Lager ruhend) 300 Millimeter Durchmeffer und 600 Millimeter Länge befitzt. Die Horizontalwelle verjüngt fich bedeutend nach hinten und trägt aufserhalb des zweiten Lagers eine angefchmiedete Scheibe zur Kuppelung mit der ferneren Transmiffion. Nagel& Kaemp in Hamburg. In der grofsen Gruppe hydraulifcher Motoren, welche diefe mit dem Ehrendiplom ausgezeichnete Firma brachte, find befonders folgende Mafchinen beachtenswerth: Vollturbine für veränderliche Waffermengen. Nagel& Kaemp verwenden Fourneyron- Turbinen mit innerem Leitrade und beforgen die Einftellung für verfchiedene Waffermengen durch die gleichzeitige Höhenveränderung aller Leit- und Laufradzellen. S7 Centimeter 100 o I 2 3 5 Meter. Mafs ftab 1: 100 der Natur. 4 244 J. F. Radinger. Die Turbinen diefer Conftruction werden ftets von unten beauffchlagt. wozu das Waffer durch ein Druckrohr in die hohle Grundplatte eintritt und in derfelben aufwärts fteigend zwifchen die Leitfchaufeln kommt, welche an den oberen Kreisausfchnitt der Grundplatte angenietet find. Vom Unterboden der Grundplatte und in deren Innern bereits aufragend, fteht die fefte Spurfäule für die Turbinenwelle, welche genau in der mittleren Horizontalebene der Radzellen den feften Spurzapfen trägt. Auf diefen ftützt fich die Welle mit eingelaffener und nach abwärts gerichteter Pfanne und einer oben aufliegenden Spurplatte. Diefe Welle trägt das Lauf. rad in unveränderlicher Höhe. Zur Regulirung der Zellenquerfchnitte jedoch find zwei horizontale und in Platten ausgehende Scheiben angebracht, welche genau in die Zellen paffen und in diefen vertical verfchoben werden können. Die innere Scheibe ift mit einer langen hohlen Nabe auf der feftftehenden Spurfäule verfchiebbar und in ihrem eigentlichen Verlaufe derart gekrümmt, dafs das von unten kommende Waffer ohne Stofs nach aufsen geleitet wird. Ihr Umfang geht in jene Platten aus, welche die Leitzellen gegen oben begrenzen und deren Höhe der Waffermenge entſprechend verändern können. Die äufsere Scheibe ragt in die Zellen des Laufrades, und befteht eigentlich aus einzelnen Platten, welche den Abftand zwifchen den Treibfchaufeln füllen. Diefe Platten find ftets in gleicher Höhe mit der innern Scheibe im Leitrade gehalten und fo werden die Zellenquerfchnitte durch die Lage ihrer Oberdecken begrenzt Die Stellplatten im Laufrade find aufsen an ein das Rad umgeben les Rohr gefchraubt, welches von einer gewölbten Kreisplatte niederhängt und Krone genannt wird. Innerhalb der Treibfchaufeln ift jede Abſchluſsplatte nochmals und zwar von einem langen Stehbolzen getragen, welcher gleichfalls an der Krone hängt. Die Krone dreht fich nun mit dem Treibrade, ift aber auf deren Welle mit einer langen rohrförmigen Nabe geführt, indem lie gleichzeitig mit der Deckplatte der Leitzellen auf oder abbewegt werden mufs, wenn die Waffermenge fteigt oder finkt. Diefe Verfchiebung gefchieht durch einen in die Spurfäule gelagerten Hebel, der fowohl die Nabe der Innenfcheibe als auch( mittelft eines Kammlagers) die Rohrnabe der Krone mit Lenkftangen angreift. Der Hebel felbft hängt an einer langen Zahnftange, die von einem Getriebe im Maſchinenhaufe geftellt wird. Durch das gleichzeitige Heben oder Senken von Innenfcheibe und Krone wird nun bei jeder einzelnen Stellung gleichfam eine neue Turbine gefchaffen, welche in den jedesmaligen Querfchnittsverhältniffen der Leit- und Laufradzellen, fowie in der Führung des Waffers vollkommen richtig ift, demgemäfs auch einen nahezu conftanten Nutzeffect geben mufs, der unbhängig von der zur Beauffchlagung kommenden Wassermenge bleibt. Die Radglocke überdeckt übrigens äufserlich gleichzeitig den ganzen nicht beauffchlagten Theil der Laufrad- Zellenhöhe, da ohne folche Abdeckung die Turbine in dem obern nicht beauffchlagten Kranz als Centrifugalpumpe, refpective Ventilator arbeiten und Kraft confumiren würde. Der Einlauf von unten bietet gleichfalls manchen erwähnenswerthen Vor heil. Nicht nur dafs die Unannehmlichkeit des Oberwaffers im Gebäude befeitigt, und bei niedrigen Gefällen das fchädliche Einfchlucken von Luft ins Rad vermieden wird, ift es hier leicht, den Druck des Oberwaffers zu benützen, um das ganze Gewicht von Rad und Axe vollſtändig zu balanciren und den Turbinen zapfen gänzlich zu entlaften. während fich bei den meifter anderen Turbinen( Jonval etc.) der Wafferdruck zum Eigengewichte der Conftruction addirt und den Zapfendruck erhöht. Uebrigens fichert die hier verwendete Lage des Zapfens genau in der Schaufelhöhe das Rad am befteu vor Schwankungen und Abweichungen in Nagel& Kaemp in Hamburg 245 Folge des Auslaufens der Schalen und geftattet daher einen kleinften Ueberfprungraum zwifchen dem Leit- und dem Treibrad. Das aufsenliegende Laufrad ermöglicht eine ftete Beobachtung des austretenden Waffers und damit eine dauernde Controle über den Zuftand der inneren Turbinentheile. Durch das radiale Austreten des Waffers wird die richtige Gefchwindigkeit des Ganges erkannt. Bei conftanten Waffermengen wird von der Verwendung der Krone und der beweglichen Innenfcheibe abgefehen und letztere feft eingebaut. Die Abfperrung des Druckrohres gefchieht ftets mit gufseifernen Aufzugs ichützen, welche auf Rollen laufen. Partial turbine mit drehbarem Leitfchaufel- Apparat. Bei den von Nagel& Kaemp ausgeftellten Partial- Turbinen tritt das Waffer von unten in das Leitrad und von innen in das Laufrad. Die Stellbarkeit des Leitfchaufel- Apparates wird dadurch bewirkt, dafs fämmtliche Leitfchaufeln in einen ringförmigen. zweitheiligen, den TurbinenEinlauf concentrisch und dicht umfchliefsenden Körper gelegt find, und dafs der ganze ringförmige Leitfchaufel- Apparat durch ein Zahnkranz- Segment und Getriebe drehbar ift. In dem Turbineneinlauf find da, wo ihn der LeitfchaufelApparat umfchliefst, zwei gegenüberftehende gleichgrofse rechteckige Ausflufs öffnungen angebracht. Im Zuftande der Ruhe find diefe Ausflufsöffnungen von dem nicht mit Leitfchaufeln verfehenen Theil des ringförmigen Leitapparates verfchloffen, während durch die Drehung desfelben dem Waffer mehr Durchgangszellen geboten werden. Da durch die beiden gegenüberftehenden Eintrittsöffnungen ftets der Ring balancirt bleibt, fo dürfte die Verdrehung leicht und thatfächlich eine einfachfte bequemfte und billigfte Regulirvorrichtung gewonnen fein, welche auch theoretifch völlig richtig und mit nahezu gleichem Nutzeffect für die verfchiedenen Waffermengen arbeiten kann. Partialturbine mit radialem Regulator. Die Turbine glich mit Ausnahme der Achfenrichtung, welche hier horizontal lag, völlig der eben befchriebenen, und unterfchied fich nur durch die Anbringung eines hydraulifchen Regulators, deffen Wirkung auf folgendem Principe beruht. Bekanntlich tritt bei Turbinen mit aufsenliegenden Laufrädern das Waffer nahezu radial aus, wenn die Mafchine mit der richtigen Gefchwindigkeit läuft. Befchleunigt fich deren Gang, fo wird der Austrittswinkel ftumpfer, während er fpitz wird und fich gegen die Flucht der Schaufeln neigt, wenn eine Verzögerung eintritt. Nun ift um das Treibrad, und zwar concentrifch zu demfelben, ein mit radialen Schaufeln verfehenes Regulirungsrad gelegt, welches auf der Turbinenwelle frei drehbar fteckt. Tritt nun während des Ganges der Turbine das Waffer normal, das ift in radialer Richtung aus dem Treibrade, fo geht es ohne Seiten. druck zwifchen den radialen Schaufeln des Regulirungsrades hindurch und letz teres fteht demzufolge ftill. Läuft aber die Turbine zu rafch oder zu langfam, fo drückt das austretende Waffer in der einen oder anderen Richtung gegen die Schaufeln des Regulator.. rades und da deffen nach aufsen verlängerte Nabe eine Schraube eingefchnitten trägt, welche ein Vorgelege betreibt, fo dreht diefe den entlafteten Leitfchaufel. Apparat wie es fonft von Hand gefchehen muss. Für die Henfchel- Jonval Turbinen könnte ein folches Rad mit völlig ebenen und fenkrechten Schaufeln verfehen unter das Treibrad gefetzt, und ähnlich. wie hier zur Regulirung benützt werden. 14* 8 246 J. F. Radinger. Patrial turbine mit horizontaler Achfe und Schieberregulirung. Die Leitfchaufeln find in der Richtung der Achfe verlängert und über fämmtliche Leitradzellen bewegt fich ein einziger Mufchelfchieber, welcher dazu dient, der Reihe nach die Leitradzellen je nach dem Kraftbedarf oder der vorhandenen Waffermenge zu öffnen. Wafferfaug Apparat. Zur Entleerung von Baugruben und als Gefälls Erhöhungsapparat für hydraulifche Motoren, welche häufig und zwar bei überreichem Wafferzuflufs an Stauwaffer leiden, bauen Nagel& Kaemp einen Apparat, der eigentlich eine grofse mit Waffer betriebene Strahlpumpe ift. Der Ausflufs aus den Turbinen findet dabei unter Waffer, und zwar in einen conifch zulaufenden, oben meift mit Holz gedeckten Canal ftatt, in welchen das überflüffige Waffer der Freifchütze, alfo unter der vollen Druckhöhe, centrifch einftrömt. Deffen lebendige Kraft befchleunigt die Gefchwindigkeit des nebenher kommenden Unterwaffers der Turbine, und dort, wo die Mifchung vollendet ift, wird durch eine langfame Erweiterung des Gefammtquerfchnittes die Gefchwindigkeit wieder in Druck umgefetzt, wodurch der endlich erreichte Wafferfpiegel ( der des Hinterwaffers) höher zu liegen kommt, als jener in der Turbinenftube. So wird das überflüffige Druckwaffer zur Wegfchaffung des Wafferftaues benützt oder das Gefälle ohne beweglichen Mechanismus erhöht. Auch Baugruben etc. können durch einen ähnlichen Apparat ausgefchöpft werden, wenn über andere höher liegende Waffermengen gleichzeitig verfügt werden darf. Es follen Fälle vorliegen, wo mit 15 Meter Druckhöhe 9'0 Meter Saughöhe erreicht wurden, wenn fich auch das Maximum des Effectes bei folchen Höhenunterfchieden nicht ergibt, fondern beim Höhenverhältnifs von I: 2 eintritt. In anderer Ausführung befteht der Apparat aus zwei gleichgrofsen, feften, aufsen nicht gefchloffenen Tellerfcheiben, deren Höhlungen einander zugekehrt find und eine freibewegliche Kreisplatte zwifchenhalten. An der Ober- und Unterplatte münden Saug- und Druckrohr centrifch an und das austretende Druckwaffer faugt Tiefwaffer mit, während fich die Zwifchenplatte, die Querschnitte völlig richtig regulirend, von felbft einftellt. Dampfejections- Apparat. Zum Leerfaugen langer Röhrenleitungen, wie bei Brunnenkuppelungen durch Heber, um die Bodenventile bei Pumpen zu erfetzen und für ähnliche Fälle benützen Nagel& Kaemp einen Dampfftrahl, welcher ähnlich wie das Druckwaffer im vorigen Apparate wirkt und am dünnen Ende einer mit der Röhrenleitung verbundenen und ins Freie mündenden Lufttrompete eintretend die Luft mitreifst und daher die Spannung im gefchloffenen Innern reducirt. Der in der Ausftellung im Gange befindliche derartige Apparat fchaffte ein Vacuum von o 8 Atmoſphären und wurde benützt, um das unten offene Saug. rohr einer Centrifugalpumpe mit Waffer zu füllen, während fonft ein Bodenventil und Füllung von Hand aus nöthig gewefen wäre, um das Angehen der Pumpe zu erwirken. So brachten Nagel& Kaemp eine Reihe neuer Mechanismen und Apparate welche fämmtlich klar entworfen und durch die Erfahrung erprobt find. Dafs die Detailconftructionen und Formgebungen durchwegs gelungen und fämmtliche Maschinen im Gange waren, fei noch zum Schluffe erwähnt. Walter Zuppinger in Ravensburg. Nach den Plänen des Ingenieurs Walter Zuppinger wurden bereits für 12.000 Pferdeftärken Reactionsturbinen, 1000 Pferde Tangentialräder und für 5000 Pferde Wafferräder gebaut. Seine Ausstellung von Zeichnungen ausgeführter Walter Zuppinger in Ravensburg. 247 Conftructionen war daher höchft beachtenswerth und wurde noch durch die Ausftellung der Fabrik von Daniel Straub vervollſtändigt, welche zwei ihrer Objecte nach Zuppinger's Systemen ausgeführt brachte. Die Reactionsturbine. Eine der ausgeftellten Zeichnungen zeigte die mit Druck- und Sauggefälle arbeitende( Hentfchel- Jonval-) Reactions turbine der Berner Spinnerei Feifenau. Dort werden 10'0 Meter Fall der Aar benützt, welche die 15 Meter unter dem Boden der Fabrik liegende Turbine antreiben und an fie 350 effective Pferdeftärken abgeben. Von der Befchreibung des Wafferbaues mufs hier abgetehen werden, und es mag nur erwähnt fein, dafs ftatt eines Wehres ein Tunnel für das Unterwaffer von 30 Meter Durchmeffer angelegt wurde, der das Gefälle bringt. Die Turbine von 2'0 Meter Durchmeffer fteht nun genau in Mitte des Gefälles und hat einen gefchloffenen Einlaufkaften, an dem das 750 Millimeter weite Zuftrömrohr mündet. Das Fallrohr gabelt fich unterhalb des Treibrades, um die Turbinenwelle ins Freie zu laffen und vereinigt fich wieder unter dem dort eingebauten Fuíslager zu einem cylindrifchen Rohre, wodurch der Spurzapfen aufser Waffer kommt und für die Oelung und Auswechslung der Scheiben bequem liegt. Nun ist aber diefer Spurzapfen faft gänzlich vom verticalen Drucke entlaftet, indem am Deckel des Einlaufkaftens em kurzes, unten offenes, ausgebohrtes Gufsrohr fteht, in welchem eine feft auf die Turbinenwelle gekeilte Scheibe wie ein Kolben vom Wafferdruck getragen' wird. Diefe Scheibe hat einen Durchmeffer, welcher eine Kreisfläche von gleicher Fläche wie der Ringquerfchnitt der Turbine gibt und der Rohrtheil ober ihr fteht durch ein 150 Millimeter weites Aufsenrohr mit dem Fallrohre in offener Verbindung, wodurch fich auch deffen Saugwirkung auf fie überträgt. Dadurch ift der gefammte Wafferdruck auf die Turbine balancirt, der Spurzapfen läuft nur unter der Belaftung der eigenen Gewichte und trotz feines geringen Durchmeffers von 85 Millimeter dauernd kalt. Als man aber einmal die Entlaftungsfcheibe probeweife aushob, begann der Zapfen fofort zu brennen. Die Entlaftungsfcheibe, welche mit der Welle rotirt, fchliefst felbstverftändlich nicht abfolut dicht an die Wand ihres Cylinders, und trotzdem eine Lage nachftellbarer, klingenförmiger Stahlblätter als Dichtung den Rand der Scheibe armirt, geht Waffer hindurch, welches durch das Verbindungsrohr in den Abfall gelangt. Der hiervon bedingte Verluft an Arbeitswaffer foll aber einem geringeren Effecte entſprechen, als durch die normale Keibung des fonft benöthigten gröfseren Spurzapfens verzehrt würde. Oberhalb der Entlaftungsfcheibe tritt die Welle aus dem Kaften durch eine Stopfbüchfe aus, welche, unter der Saugwirkung ftehend, leicht zu dichten ift, indem in ihre Schale ein dem Druckrohr entnommener mit einem Hahn zu ftellender dünner Wafferftrahl fliefst. Die Aufhängung des Turbinenrades und der Entlaftungsfcheibe gefchieht durch je zwei Schrauben, welche an je einem eine Eindrehung der Welle umfaffenden fchmiedeeifernen Doppeljoch hängen. Sowohl im Drucke wie im Fallrohre befindet fich eine Droffelklappe, um die Füllung und eine theilweife Regulirung der Turbine zuzulaffen. Das Tangentialrad. Eine zweite Zeichnung führte die Conftruction der Zuppinger'fchen Tangentialräder vor, wie diefelben für hohe Gefälle bis 160 Meter Druckgefälle in grofserer Anzahl( deren erfte in Vorarlberg) ausgeführt wurden. Abgefehen von der forgfältigen Conftruction wegen des hohen Wafferdruckes von 16 Atmoſphären, welchen zu beherrfchen drei aufemanderfolgende Abfchlüffe( die Regulirzungen, getrennte Schieber und eine Droffel im Fallrohre) 248 J. F. Radinger. angewendet find, zeichnen fich diefe Motoren durch den Umftand vortheilhaft aus, dafs bei ihnen das Güte verhältnifs fteigt, wenn die Waffermenge finkt. Bei den Girard- Turbinen tritt gerade das Gegentheil ein; der Nutzeffect bleibt bei abnehmender Waffermenge conftant oder finkt felbft im geringen Mafse, während doch die befte Arbeit des Motors dort dringender benöthigt wird, wo der Waffermangel beginnt. Die vortheilhaftere Arbeitsweife feiner Motoren erreichte Zuppinger durch folgende Rückficht: Bei dem noch immerhin dicken Wafferftrahl, welcher an einer Turbinenfchaufel hinfliefst, können nicht alle Wafferfäden richtig geführt werden und die Führung wird defto beffer fein, je dünner der Strahl ift. Bei zu dünnem Strahle mufs aber die Reibung der unterften Wafferfchichte an der Schaufelfläche, deren verzögernder Einflufs in Folge der Cohäfion des Waffers im ganzen Strahle bemerkbar ift, bereits derart mächtig fein, dafs die rafch finkende Gefchwindigkeit den Vortheil der richtigen Führung wieder aufhebt. Es mufs daher eine vortheilhaftefte Strahldicke geben, welche dick genug ift, um unter der Reibung wenig zu leiden, aber dünn genug, um noch richtig geführt zu fein. Diefe vortheilhaftefte Strahldicke fand Zuppinger durch mannigfaltige Verfuche mit drei Millimeter, und diefe wendet er als Maximaldicke bei gefunkener Waffermenge an. Nun arbeiten die Zuppinger- Tangentialräder fortwährend mit gleicher Einlaufslänge am Radumfange, aber mit veränderlicher Strahldicke, indem die Regulirung durch Zungen gefchieht, welche fich nicht verfchieben, fondern nur um einen Fixpunkt in der Zuleitung drehbar fich dem Rade nähern, nach deffen Halbmeffer fie felber ausgebohrt find und welches fie daher auch ganz fchliefsen können. Die Zungen drehen fich dabei um ihre rückwärtige Endkante, welche abgerundet ift und fich in eine Ausfparung des Zulaufmantels ftemmt. Vorn an der Eintrittsfeite des Waffers findet die Bewegung der Zunge durch ein kleines, an eine verticale Stellwelle gefchmiedetes Excenter ftatt, welches in einen Schlitz am Zungenrücken taucht. Sämmtliche Stellwellen( gewöhnlich zwei auf jeder Seite, alfo vier im Ganzen) find durch eine Räder- Stellzunge mit einem einzigen Griffrade verbunden. Diefe( patentirten) Regulirzungen verringern alfo nur die Strahldicke, wenn fie vorgeneigt werden, und belaffen die Länge des Einlaufbogens am Actionsrade. Sie führen auch in Folge ihrer gleichfam tangentialen Stellung das Waffer in gleichmäfsig abnehmender Stärke von den vorderen gegen die hinteren EinlafsOeffnungen und ihre Zahl kann daher gering fein. Für die volle Waffermenge ift nun die Zunge ganz zurückgeneigt und der Strahl tritt nach einer mir vorliegenden Zeichnung mit 12 Millimeter Dicke gegen das Rad. Für abnehmende Waffermenge wird aber der Strahl durch die fich vorneigende Zunge dünner gehalten, wodurch die Ausbeute feiner Arbeit fteigt. Nach Zuppinger's Angaben foll ein Rad diefer Conftruction bei 285 Liter Waffer per Secunde 70 Percent, und bei 95 Liter( ein Drittel der früheren Menge) 75 Percent Nutzeffect leiften. Bei einer Girard- Turbine dürfte ziemlich das Umgekehrte eintreten. Die Umfangsgefchwindigkeit der Zuppinger- Räder beträgt normal o'55 der dem Gefälle zukommenden Gefchwindigkeit. Weiters ift von diefen Turbinen zu erwähnen, dafs die Schaufeln entweder fämmtlich gegoffen find oder, wenn Blechfchaufeln verwendet find, doch einzelne ( ungefähr jede 18.) im Guffe durchgehen. Die Erhöhung der Zellen gegen den inneren Austritt ift mäfsig und erhebt fich nur bis zum 11/ fachen der Eintrittshöhe. Die Lagerung der Turbine findet auf einer grofsen hohlen Grundplatte ftatt, durch welche das Druckwaffer kommt. Diefes ftrömt im Fallrohr mit circa I Meter Gefchwindigkeit, und während fich die eine Hälfte des Waffers bereits Walter Zuppinger in Ravensburg. 249 aus dem Rohre zur Turbine hin abzweigt, zieht die andere durch die hohle Grundplatte um jenfeits des Rades wieder aufzufteigen und zur Einftromung zu gelangen. Die Trennung der beiden Wafferftrahlen im Fallrohr ift durch eine hoch hinaufreichende Gufswand geregelt. Die Turbinenwelle findet nun ihr Fufslager auf der Grundplatte; die Metallfchale desfelben ift mit fechs ftarken Rippen im Lagerkörper geführt und hat fonft keine Stellvorrichtung; dafür find aber die Einläufe ftellbar Das Lager ift durch ein an die Untenfeite der Turbinenrad- Nabe gefchraubtes Rohr derart umgeben, dafs kein Verfchleudern des Oeles eintreten kann, welches mit einer Pumpe zugeführt und gewechfelt wird. Die Wafferräder. Die Zuppinger- Räder gehen mit der geringen Umfangsgefchwindigkeit von 10 bis 15 Meter per Secunde, was ihren Nutzeffect hoch macht und beläfst, wenn keine bedeutende Ueberfetzung ins Schnelle benöthigt wird. Die Zeichnungen ftellten durchwegs Räder für kleine oder mittlere Gefälle mit eifernen Kränzen und hölzernen Schaufeln vor, welche das Waffer unter fehr geringer Spannungshöhe durch einen Ueberfallfchützen erhalten. Die Schaufeln find von der Einlaufsftelle an gegen aufwärts gekrümmt, um einem Ausgiefsen des Waffers auf der Innenfeite zuvorzukommen. Die Zellen, welche normal mit halber Füllung arbeiten, bleiben auf der Innenfeite durch einen im Minimum 60 Millimeter weiten Längsfchlitz für die Ventilation offen. Durch den langfamen Gang erreicht Zuppinger den Entfall der Stofsverlufte beim Waffereinlauf, deren Effecte bedeutender find als fpäter für die Ueberfetzung gehört. Bei Gefallen von 05 bis 01 Meter follen diefe Rader 60 bis 65 Percent und bei 10 bis 30 Meter Gefälle 70 bis 75 Percent leiften. Ich habe felbft ein derartiges Rad gebremst und ähnliche Güteverhältniffe gefunden. Der Hauptvortheil diefer Räder liegt in dem Umftande, dafs fie keine Regulirung nach der Waffermenge benöthigen, fondern annähernd die ftets gleiche Percentausbeute des Wafferlaufes bieten. Die Räder arbeiten alle über einem gekröpften, d. i. nach dem Radmittelpunkt gebogenen Gerinne. Durch den plötzlichen ftufenförmigen Abfall diefes Gerinnes im verticalen Raddurchmeffer follen 6 Percent Mehreffect als bei Aufserachtlaffung diefer Rückficht auf den ungehinderten Ausgufs gewonnen werden. Zuppinger wendet bei variablen Waffern gerne eine einfache Turbine mit einem Wafferrade gekuppelt an weil dann die Turbine immer voll laufen kann, während das Wafferrad von felbft und mit gleichbleibendem Güteverhältnifs regulirt. Daniel Straub in Geifslingen. Die Ausftellung hydraulifcher Motoren von Daniel Straub war eine der gröfsten diefer Art und umfasste ein Tangentialrad und ein Wafferrad, beide nach den eben befchriebenen Syftemen Zuppinger's, und noch ein Wafferrad mit innerem Einlauf. Diefe drei Motoren ftanden in einem offenen Betonbau( von Spohn& Ruthardt in Blaubeuren) und gingen abwechfelnd durch Waffer beauffchlagt, welches durch zwei franzöfifche Locomobile und mit Centrifugalpumpen verfchiedener Syfteme in die Höhe gefchafft wurde. Die Turbine war ganz nach Zuppinger's bereits befprochener Conftruction. In den Details wich fie infofern ab, als die Stellung der Regulirungszungen nicht durch ein Räder-, fondern ein Hebel- Stellzeug mit Wurmrad gefchah, und dafs die Grundplatte fchwerer gegoffen und mit weniger Verfchrau bungen dalag, als in Zuppinger's originalem Plan. 250 P. F. Radinger. dod Das Wafferrad. Syftem Zuppinger, hatte circa 537 Meter Durchmeffer 1.58 Meter Breite und war bei 2- Füllung für eine Waffermenge von 0632 Cubikmeter per Secunde bei einem Gefälle von 1 58 Meter beftimmt. Es macht normal drei Umdrehungen per Minute, wobei die Umfangsgefchwindig. keit o'84 Meter, etwas weniger als 1 der Zulaufgefchwindigkeit des Waffers beträgt. Die fchmiedeiferne Welle trug zwei Gufsrofetten, von welchen je fieben Arme aus I Eifen ausgingen, welche erft je durch einen Tee- und dann einen Flacheifenring im Umfange verbunden waren. Beide Ringe trugen dann die nach der Schaufelkrümmung gebogenen Schaufelträger- Winkeleifen angenietet, an welche die aus je fünf Holzbrettern beftehenden Schaufeln mit Flacheifen- Gegenfchienen und je acht kleinen Schrauben befeftigt waren. Das Rad hatte 35 Schaufeln, deren Länge von je 1 Meter gegen die originale Zuppinger- Zeichnung bedeutend verkürzt erfchien. Nachdem das Rad nur durch kargen Wafferzulauf ( des normalen) gefpeift wurde, konnte über das Genügen der verkürzten Schaufeln nicht geurtheilt werden. Diefes Rad hatte mit den Lagern ein Eifengewicht von 4250 Kilogramm und fammt 750 Kilos Holz ein Gefammtgewicht von 5000 Kilogramm, und koftet circa fl. 2500, wozu noch fl. 200 für die circa 400 Kilos Ueberfallfchützzeug hinzukommen. Ich habe diefes Rad unter gleichzeitiger Waffer- und Gefällsmeffung am 1. November 1873 gebremft und Folgendes erhoben: Zulaufende Waffermenge. Diefe konnte an zwei gefonderten Stellen mittelft Ueberfälle gemeffen werden, deren einer fich beim Ueberfallpolfter von felbft ergab, während ein zweiter mit gehobelter Schmiedeifen Kante auf die ganze Breite des Unterwaffers eingebaut war. > Der Polfter hatte 150 Meter Breite und lag 0: 125 Meter unter dem ungefenkten Spiegel des Oberwaffers. Der eingebaute Ueberfall unten war 135 Meter breit und das Waffer rann mit o 145 Meter Druckhöhe über ihn. Nach der für Metermafs reducirten Francis- Formel Q= 1.838( b- o'1 n h) h³/ 2, worin n die Zahl der Contractionsftellen bedeutet, gibt die ein Meffung o'12 und die zweite 0 13 Cubikmeter Waffer per Secunde, aus welcher der nahen Uebereinstimmung halber beruhigt das Mittel o 125 Cubikmeter in die Rechnung genommen wurde. Nebenher fei erwähnt, dafs die gewöhnlich gebrauchte Formel Q= 06.bhVagh aus dem unteren Ueberfall eine Waffermenge von 0132 und die Weifs bach- Formel o'18 Cubikmeter vermuthen liefsen. Das Gefälle betrug 149 Meter, woraus fich mit der obigen Waffermeffung der dem Wafferlauf innewohnende Effect( bei einem möglichen Fehler von 4 Percent) auf 2:48 Pferdeftärken berechnet Die Bremfung. Auf der verlängerten Radwelle fteckte eine Bremfe, welche in dem zu Ende diefes Berichtes folgenden eigenen Capitel befchrieben ift, und am 180 Meter langen Hebel von 23 Kilogramm Eigengewicht noch 231 8 Kilogramm Anhänglaft dauernd trug. Nachdem ferner das Rad 2.63 Umdrehungen per Minute vollzog, fo war der geleiftete Effect 168 Pferde. Der Wirkungsgrad des Rades ftellte ich aus dem Vorhergehenden auf 68 Percent, wobei berücksichtigt werden mufs, dafs die normale Waffermenge weitaus gröfser als die hier verwendete ift. Nachdem aber der Stirnzapfen des Rades 120 und der Wellzapfen 150 Millimeter dick find, läfst fich nach den bekannten Eigengewichten und Gefchwindigkeiten der wahrfcheinliche Reibungs verluft auf o 12 Pferdeftärken fchätzen, was zu dem gebremften Effecte hinzukommend den reinen hydraulifchen Nutzeffect auf 72 Percent erhöht. Das Rad mit Inneneinlauf( Millot Rad). Bei diefer Conftruction tritt das Waffer auf der inneren Seite der Schaufelung ein, während es aufsen ausgegoffen wird. Diefs bietet den Vortheil, dafs andere Krümmungen für die Daniel Straub in Geifslingen. 251 Einftrömung als für die Ausftrömung dienen, daher jede ihrem alleinigen Zwecke nach am besten geformt werden kann, und insbefondere die Ausftrömung tiefer als bei jedem oberfchlächtigen Rade ftattfindet. Das Syftem ift jedoch nur für verhältnifsmäfsig geringe Radbreiten verwendbar, indem der innere Einlauf überhängende Schaufeln verlangt. Diefe balanciren auf einem einzigen Mittelkranz, welcher allerdings durch zwei Naben und I- förmige in zwei einander zugeneigten Kegelflächen ſtehende Arme ſteif getragen wird, aber die Schaufelung felbft, welche frei vom Kranze abfteht, mufs an und für fich balancirt fein, und foll es auch unter den Waffergewichten verbleiben Der Waffereinlauf findet durch ein Gerinne ftatt, welches erft das Rad gabelförmig umfasst und deffen Aefte fich dann um die beiden Hälften der Schaufelung mit 360 Grad Ablenkung vollkommen herumfchmiegen, um an der Innenfeite nur durch den Radkranz getrennt in zwei parallelen Strömen ins Rad zu fallen. Wäre nun die Stärke der beiden Ströme nicht fehr angenähert gleich, fo würde eine einfeitige Belaftung des Rades und ein Schwanken des ganzen Baues eintreten. Diefe Gefahr, fowie die Mehrkoften der Anfertigung durch Material und Ausführung befchränken die Verwendung diefes Syftemes für kleinere Wafferläufe, welche dann aber bei geringer Umfangsgefchwindigkeit mit hohem Güteverhältnifs ausgebeutet werden können. Der Ausgufs aus den beiderfeits offenen und alfo ventilirten Schaufeln findet am tiefftmöglichen Punkte des Rades und unter Waffer ftatt, fo dafs der Motor gegen Stauwaffer, den gefährlichen Feind der oberfchlächtigen Räder, ziemlich unempfindlich ift. Nach Angabe der Firma foll in Folge der kegelförmigen Arme der Schwerpunkt des Wafferkörpers rafch ins Innere des Rades kommen, aber trotzdem werden, der Stabilität halber, keine gröfseren Räder als für o 25 Cubikmeter maximalen Wafferzuflufs für jeden Meter Beauffchlagung gebaut. Das Ausfteilungsrad war für 0 47 Cubikmeter Waffer per Secunde bei einem Gefälle von 3 16 Metern beftimmt. Es hatte 5.7 Meter Aufsendurchmeffer, war 2 2 Meter breit, und befafs 45 Blechfchaufeln, welche je o 69 Meter in radialer Richtung befafsen. Die beiden Gufsnaben trugen bereits die in die Armflucht geneigten Rofetten, von welchen je neun Arme ausliefen. Wo fich deren beide Kegelflächen trafen, waren die I- Arme derart gebogen, dafs fie nach weggemeifselten Innenrippen an einander hinliefen, wobei fie ein Füllftück zwifchen fich aufnahmen, welches fich zu einer Schaufel erweiterte und mit kurzen Aufsenflanfchen die Mittel- und Seitenwände des Rades trug. Zwifchen diefe Blechwände, deren Ebene durch äufsere Bandvernietungen gewahrt waren, kamen nun auf die Entfernung zweier Arme je fünf Blechfchaufeln, welche mit aufgebogenen Conturrändern an die Seitenwände genietet waren. Diefes Rad, welches ungefähr 15 Pferdeftärken liefert, wiegt complet fammt Einlauf und Lager 12.500 Kilogramm. Das Rad drehte fich 4 0 Mal per Minute, was feinem inneren Umfange von 43 Meter Durchmeffer die Gefchwindigkeit von o'9 Meter per Secunde gibt. Die Einläufe waren je o 857 Meter breit und das Waffer rann 107 Millimeter hoch über fie. Bei einer Bremfung am 1. November 1873 ftellte fich der Effect in Folge der geringen Waffermenge auf 40 Pferdeftärken, wobei das Rad tadellos lief. P. Fifcher in Wien. Die Turbinen, welche P. Fifcher bereits in vielen erprobten Exemplaren baute, find Reactionsturbinen mit äufserer Beauffchlagung und innerer Ausftrömung des Waffers. Sie zeichnen fich hauptfächlich durch die Regulirvorrichtung aus, welche nach völlig richtigem Principe in Folgendem befteht: 252 J. F. Radinger. Der im Aufsenkreis angeordnete Leitapparat beſteht aus ftehenden Blechfchaufeln, welche nur in die Bodenplatte eingegoffen oder eingenietet find und frei nach aufwärts emporragen. Vor einer unrichtigen( axialen) Waffereinftrömung find die Zellen durch ein Rohr gefchützt, welches, vom Deckel des gefchloffenen Turbinenkaftens niederhängend, bis zu der Oberkante der Einftrömfchaufeln reicht und durch feine eingehalfte Form noch zur richtigen Wafferführung beiträgt. Das Treibrad fitzt nun mit mäfsig gegen die Innenausftrömung zu erhöhten Schaufelräumen auf der von einem Unter- Wafferzapfen getragenen und oben in einer langen conifchen Stopfbüchfe des Turbinenkaftens geführten Welle. Die Schaufeln des Treibrades find gleichfalls aus Blech und unten in den fchliefsenden Bodenring eingefetzt, fo dafs auch die Treibfchaufeln gegen oben zu offen ver bleiben. Zum Tragen des Treibrades find jedoch diefe ftehenden Schaufeln ober der Höhe des eigentlichen Zellenraumes und gegen die Achfe zu fortgefetzt, und in einen Ring eingegoffen, an welchen fich die niedergebogenen Radarme derart fchliefsen, dafs die Hauptnabe in die Mittelhöhe der Schaufeln kommt. Die beiden gegen oben offenen Zellenräume erhalten nun zwei ftets gleichhoch ftehende Decken, welche nicht nur einfach abfchliefsen, fondern auch derart verfchiebbar find, dafs die freibleibenden Querfchnitte eben der vorhandenen Waffermenge angepasst werden können, wodurch das Güteverhältnifs der ftets mit vollgefüllten Zellen arbeitenden Turbinen nahezu conftant bleibt. Diefe beweglichen Decken, deren eine im Leitrade für gewöhnlich ftillfteht, während jene im Treibrade mit rotirt, werden nun durch eine Stellvorrichtung gleichzeitig und parallel gehoben, oder gefenkt, welche von oben mittelit eines Griffrades zu handhaben ift. Die Deckplatten, deren Form natürlich genau dem Horizontalfchnitt der Zellen äume entspricht, beftehen nämlich aus je einer gufseifernen, mit Kautschuk und einem Gegenblech armirten Platte. Jede diefer Platten hängt mit Schraubenbolzen an einem flachen Kranze, welcher mit Radialarmen an der Hauptwelle geführt wird. Die Nabe jenes Kranzes, welcher für das Laufrad dient, ift von einer fchmiedeifernen Stange getragen, welche im Innern der hohlen gufseifernen Turbinenwelle niederhängt und die Kranznabe durch einen Keil im Längsfchlitz der Welle mitnimmt. Die Nabe des ftillftehenden Kranzes für die Leitradplatten ift einfach ausgebüchft und die Höhenänderung gefchieht durch zwei Hängftangen, welche durch die Decke des Turbinenkaftens hindurchgehen und in den Plattenkranz oder vielmehr in deffen Arme eingefchraubt find. Zur gleichzeitigen Hebung der Stellftange in der hohlen Welle und der Hängftangen für den Aufsentheil ift über das grofse Kegelrad der Turbinenwelle ein Lagerftuhl auf den Kaftendeckel gefetzt, der ein drehbares S ellrad hält, in deffen Nabe das Gewinde für eine ftarke gufseifene Schraube gefchnitten ift. Diefe ift hohl und trägt auf der oberen Stirnfläche die hindurchziehende centrale Stange mittelft ringförmiger Laufplatten, während der Fufs der Gufsfchraube in eine Traverſe übergeht, von welcher die äusseren Hängftangen ausgehen. Letztere reichen, mittelft Lederftulpen gedichtet, in das Innere des Druckkaftens und ebenfo durch die Halfung jenes Rohres nieder, welches die Wafferführung zu den Leit. fchaufeln beforgt. Um nun dem Waffer jeden falfchen Weg zu verfchliefsen, hängt von den Stellkränzen aufser den Zellenplatten noch je ein dünnwandiges Rohr nieder. deren eines fich zwifchen das Führungsrohr und vor den Eintritt der Laufzellen fchmiegt, während das zweite, rotirende in den Kreisfpalt zwifchen Leit und Treibfchaufeln kommt. P. Fifcher in Wien. 253 Die ausgeftellte Turbine ift für o 16 Cubikmeter Waffer per Secunde bei einem Gefälle von 3.4 Meter beftimmt. Sie foll 136 Umdrehungen per Minute machen und 5.8 effective Pferdeftärken( 80 Percent der abfolut vorhandenen) liefern. Der Aufsendurchmeffer des Laufrades beträgt dabei o 66, der Innendurchmeffer o 57 Meter, woraus fich die Umfangsgefchwindigkeit an der Eintrittsftelle mit 47 Meter per Secunde, o 58 der dem Gefälle zukommenden Gefchwindigkeit berechnet. Das Leitrad atte 34 Schaufeln, deren innerer Austrittswinkel 15 Grade betrug. Das Treibrad hatte 24 Schaufeln, welche an der Eintritt: ftelle unter 120 Grade und beim Austritte unter 18 Grade gegen die Tangente des Rades geneigt waren. Die Zellen waren äufserften Falles 77 Millimeter hoch und die Querfchnitte beim Ausgang des Leitapparates betrugen 305 gegen 442 Quadratcentimeter beim Austritt aus dem Treibrade. Die Regulirung durch die Veränderlichkeit der Zellenhöhe ift völlig richtig und originell gelöft. Gegen die Turbine als folche läfst fich der einzige Vorwurf erheben, dafs der Ueberfprungraum durch das Zwifchenrohr und den doppelten Spielraum vergröfsert wird, wodurch die richtige Wafferführung leidet, welcher Uebelftand übrigens auch an den Nagel& Kaemp'fchen und allen übrigen regulirbaren Vollturbinen vorkommt.. Brüder Fifcher in Wien. Die ausgeftellte Turbine, Syftem Lejeune, hat äufseres Leitrad und innen liegendes Treibrad. Die Regulirung gefchieht durch den Verfchlufs der aufeinanderfolgenden einzelnen Zellen des Leitrades mittelft Klappen, welche vor demfelben und je um eine verticale Achfe drehbar ftehen. Jede Drehachfe trägt nach oben zwei Daumen, deren einer für den Schlufs und der andere für's Oeffnen dient, welches durch einen verzahnten Ring beforgt wird, der die entſprechenden Anfchläge tragend durch das Stellzeug zu drehen ift. Damit bei der Klemmung einer einzelnen Klappe die Weiterregulirung dennoch möglich bleibt und kein Bruch bei der Anwendung von Gewalt vorkommt, ift der ftellende Anfchlag mit einem Stahlblatte gefedert, welches ein Ausweichen geftattet. Ob die grofse Zahl der unter Waffer arbeitenden Klappen mit allen Charnieren etc. nicht Anlafs zu wiederholten Störungen gibt, war an der trocken ftehenden Ausstellungsturbine nicht zu erfahren. Die Firma garantirt für 80 Percent Nutzeffect. In der Veröffentlichung eines Bremsverfuches an einer folchen Turbine erfcheint die diagonale Länge vom Mittelpunkte der Welle bis zum Ende des Belaftungsarmes ftatt des Verticalabftandes auf die Zugrichtung in Rechnung genommen und auch die Waffermeffung nicht ganz klar. Darnach wurden 83 Percent Nutzeffect erhalten. Die Firma ftellte noch eine ganz kleine Turbine, Syftem Lejeune, aus, welche, von der Wafferleitung der Ausftellung( laut Manometer Anzeige mit zwei Atmoſphären Druck) gefpeift, mehrere Kleinmafchinen ganz gut betrieb. Dabei war ein Regulator verwendet, welcher fich als wirkfam erwies. Elcher Wyfs& Comp in Leesdorf bei Wien. Diefe Filialfabrik ftellte eine kleine Hochdruck- Partialturbine aus, welche für das ftädtifche Kleingewerbe, unter Benützung von Hochdruck- Wafferleitungen, einen ökonomifchen Motor abgeben foll. Die Mafchine ift im Principe eine Girard'fche Verticaiturbine, hat einen inneren Durchmeffer von o 300 Meter, einen Aufsendurchmeffer von 0 365 Meter, foll bei 35 Meter Druckhöhe 790 Mal in der Minute rundlaufen und dabei bei 254 J. F. Radinger. Millimeter 100 2 3 * 5 Meter Mafsftab 1: 10 der Natur. einem Aufwand von 3 0 Liter per Secunde eine effective Leiftung von I'o Pferdeftärke bieten. Die Gefchwindigkeit am inneren Umfange, wo die Einftrömung ftattfindet, beträgt hiebei 12 4 Meter oder o 48 der der Druckhöhe entſprechenden abfoluten Einlaufgefchwindigkeit von 26 Metern. Der angegebene Wafferverbrauch( 10.8 Cubikmeter per Stunde) läfst einen vorausgefetzten Nutzeffect von 62 Percent nachrechnen. Ein wefentlicher Vortheil diefes Motors gegenüber den gleichftrebenden kleinen Wafferfäulen- Mafchinen ſcheint in der Regulirbarkeit des Effectes zu liegen. Letztere verbrauchen nämlich faft gleich viel, ob fie mit geringer oder voller Leiftung arbeiten, während hier der Wafferbedarf faft gleichen Schrittes mit dem Effecte finkt. Die Regulirung gefchieht hier nach einem einfacheren Principe als bei den grofsen Turbinen und wird durch einen excentrifchen Cylinder in der Einftrömöffnung beforgt, der ohne weiteren Leitapparat die Oeffnung vergrössert oder fchliefst, je nachdem ihn eine Handkurbel ftellt. Dabei bleibt die Winkelftellung des Einlaufes immer diefelbe, während fich diefe z. B. bei den Schiebern der Tangentialräder mit jeder Stellung ändert. Der Ausgufs des Waffers aus dem Treibrade findet in einen weiten Mantel ftatt, der weder Rückwirkungen noch Unbequemlichkeiten durch Wafferverlufte zuläfst. Das Treibrad felbft befitzt 60 eingegoffene Schaufeln, ift aufsen auf die doppelte Breite des Einlaufes gebracht und fitzt aufsen frei auf einer rückwärts zweimal gelagerten Achfe, welche beim Hinterlager die Riemenfcheibe von o 125 Meter Durchmeffer zur Kraftabgabe trägt. Die Wafferfäulen- Mafchinen. Bei der fteigenden Verbreitung ftädtifcher Hochdruck- Wafferleitungen liegt der Gedanke nahe, deren Arbeitskraft auch für motorifche Zwecke zu benützen. In der Regel verwehrt der bedeutende Confum an Waffer, welches folche Mafchinen felbft für geringe Leiftungen verwenden, deren ausgedehnten Gebrauch und fie fcheinen fich mehr für vorübergehende Arbeit wie in Zeitungsdruckereien, an Krahnen, in Theatern etc. einzubürgern, wo fie den Menfchen an der Kurbel den Radtreiber vielfach erfetzen. Die Möglichkeit der fofortigen Ingangfetzung folcher Mafchinen, der gänzliche Mangel jeder Feuersgefahr oder anderer Unannehmlichkeiten für die Nachbarn und der Entfall einer andauernden Wartung find ihre entfchiedenen Vortheile, welche noch gefteigert werden, wenn das abftrömende Waffer zu anderen Zwecken weiters benützt wird. Der Hauptnachtheil liegt darin, dafs folche Mafchinen gleichviel Waffer benöthigen, ob der benöthigte Effect grofs oder klein ift, indem fie auch letzteren Falles mit ftetiger Vollfüllung des Cylinders, aber mit gedroffelter Spannung arbeiten. Diefer Mifsftand liefse fich durch verfchiedene Gefchwin digkeit des Motors gröfstentheils beheben, doch müfste er dann mit Stufenfcheiben auf die Transmiffion überfetzen, um deren gleiche Drehungszahl zu ermöglichen. wovon mir aber bis jetzt nichts bekannt wurde. So paffen die Wafferfäul- Mafchinen eigentlich nur für den Antrieb je einer einzelnen Arbeitsmafchine von gleichbleibendem Widerftand. Alle ausgeftellten derartigen Mafchinen find nach dem Plane der Cylinde:- Dampfmafchinen angelegt, arbeiten mit Lederkolben und entlafteter Steuerung, deren Verwendung hier, der weiten Canäle wegen, eine abfolute Nothwendigkeit ift. Wo ofcillirende Cylinder verwendet werden, erfcheint deren Bewegung gleich zur Waffervertheilung benützt. Alle haben gekröpfte Kurbelwellen und ein aufser halb der Lager aufgeftecktes gedrehtes Schwungrad. Unreines oder fandiges Waffer foll nicht verwendet werden, wenn auch felbft bedeutende Abnützungen an Kolben und Schieber vorkommen dürfen ohne merkbare Wafferverlufte mitzubringen. Ein ftofsender Gang folcher Mafchinen tritt leicht ein. Er wird, abgefehen vom Geftänge, entweder durch die Röhrenleitung oder durch eine falfche Steuerung bewirkt. Erfteren Falles hilft eine paffende Weite der Rohre, welche die Gefchwindigkeit des ftrömenden Waffer niedrig beläfst und die Anbringung eines ent fprechend grofsen Windkeffels, welcher fie federnd aufnimmt. Letzteren Falles find die linearen Voreilungen für Ein- und Ausftrömung zu klein bemeffen, oder fie wurden durch die Abnützung etc. verfchoben was dann eines kundigen Mannes zur Wiederherftellung bedarf. Die Ausftellungsmafchinen arbeiteten abe in diefer Richtung tadellos. Ausgeftellt hatten hier: G. Peter Kieffer in Cöln, A. Schmid in Zürich, Philipp Mayer in Wien. 256 J. F. Radinger. Peter Kieffer in Cöln. Die Cölner Waffermotoren Fabrik baut zweicylindrige Kolbenmaschinen für die Arbeitsausbeutung von gefpanntem Waffer, wobei hauptfächlich auf die Benützung ftädtifcher Wafferleitungen gerechnet wird. Die Mafchine beſteht aus einem Gufsftück, welches die Grundplatte und zwei aufrechte Seitenfchilde mit den oberen Lagern für eine unter 90 Grad doppelt gekröpfte Kurbelwelle enthält. Zwifchen den Schilden befinden fich zwei dünnwandige broncene Treibcylinder, welche um ihre Querachfe ofcilliren, während ihre Kolbenstangen direct auf die Kurbeln wirken. Die Waffervertheilung findet mit angeg offenen Canälen auf den einander zugekehrten Seiten der beiden Cylinder ftatt, wo die Canäle, in je einen hohlen Drehzapfen mündend, in ein gemeinfames auf die Grundplatte gefchraubtes Mittelftück tauchen. In diefes führen die Rohre für die Zu- und Ableitung des Nutzwaffers und die Canäle fetzen fich an der Stirnfeite des Drehzapfens mit denfelben in Verbindung oder ſchliefsen fich, je nachdem die Neigung der Cylinder unter dem Zwang der Kurbelbewegung erfolgt. Diefe einfache Steuerung genügt im Principe Lineares Voreilen fcheint keines vorhanden zu fein und würde auch ein gleich grofses Nacheilen nach dem Hubwechfel bedingen, indem der Cylinder zu Beginn und zu Schlufs des Kolbenlaufes in der gleichen Richtung fteht, und auch die Ausftrömung fcheint fymmetriſch ohne jedes Voreröffnen zu wirken. Die Weite der Wafferrohre beträgt 12 des Cylinderdurchmeffers, während die Spalten 4 diefes Durchmeffers breit und 12 desfelben hoch find, wodurch fich die Fläche der ie für zwei Cylinder dienenden Rohre auf und die des einzelnen Canales auf 16.3 der einzelnen Kolbenfläche ftellt, was wohl geringe Querfchnitte find. Nach nicht weiter klargeftellten Verfuchen foll aber der Nutz Effect diefer Mafchinen 80 Percente betragen. Aufser dem hohlen Steuer- Drehzapfen findet fich jeder Cylinder noch an einen diefem gegenüberftehenden und in das Seitenfchild gefchraubten, rundǝn Körner geftützt, welcher gleichzeitig das Andrücken der fteuernden Stirnfläche an das Geficht des Mittelftückes beforgt. Beim Austritt des hohlen Drehzapfens aus diefem Mittelflück war keine Stopfbüchfe angebracht oder eine fonft angebrachte Dichtung von aufsen zu bemerken. Die Kolben waren mit zweifeitigen Ledermanchetten verfehen, die fchmiedeifernen Böden an die Cylinder mit Ohrflanfchen gefchraubt, die innere Schale für den Kurbelzapfen direct auf die Kolbenftange gekeilt und die beiden Seitenfchilde waren durch eine Traverfe oberhalb der Kurbelwege gegenfeitig feitlich. verfteift. Die Maſchinen haben kein Schwungrad, fondern nur eine vorn glatte Riemenfcheibe, welche aufsen auf der Welle fitzt. Die Fabrik gibt an, mehr als hundert folcher Motoren gebaut zu haben un ihre Mafchinen koften 150 bis 300 Thaler je nach dem Effecte zwifchen 1/ und 212 Pferdekraft, wobei 5 Atmoſphären Wafferdruck angenommen find. A. Schmid in Zürich. Der Waffermotor von A. Schmid in Zürich ift wohl bekannt. Er befteht aus einem ofcillirenden Cylinder, deffen Kolben, ftatt von Dampf, von hochgefpanntem Waffer betrieben wird, während das übrige Geftänge völlig jenem einer Dampfmaschine gleicht. Die Schildzapfen des Cylinders find in zwei Hebel gelagert, welche fich vorne beim Kurbellager in angegoffenen Augen der Grundplatte oder vielmehr des mitgegoffenen Lagerblockes ftützen, während fie hinter dem Cylinder durch eine Traverfe vereinigt find. In Mitte diefer Traverſe greift eine unten in die A. Schmid in Zürich. 257 Grundplatte eingehangene Zugfchraube an, deren Mutter das Niederdrücken der Traverfe und daher auch das des Cylinders mit gewünſchter Feinheit geftattet. Der Cylinder enthält ein Schiebergeficht angegoffen, welches cylindrifch geformt ift und deffen Krümmung jener Querachfe folgt, um welche das Ganze fchwingt. Die Grundplatte trägt eine congruent gehaltene Fläche und nachdem beide mit dem benöthigten Druck aufeinander geprefst werden können, laufen die zufammengefchliffenen Flächen völlig dicht. An die Fläche am Cylinder münden nun die zwei Dampfwege von der vorderen und rückwärtigen Kolbenfeite und an jener der Grundplatte münden drei Spalten, deren mittlere mit dem feitlich zukommenden Wafferzuleitungs- Rohr in Verbindung fteht, während die beiden Aufsenfpalten zum Ablauf führen. Durch die Ofcillation des Cylinders kommen nun abwechſelnd die vorderen und hin teren Wafferwege über die Zu- oder Abftrömfpalten an die Grundplatte und fo fteuert fich denn die Mafchine ohne gefonderten Antrieb von felbft. Solch eine Steuerung wäre für Dampf ganz verwerflich, denn fie läfst nicht nur keine Expanfion, fondern auch kein lineares Voreilen zu, indem diefes, wenn ja beim Hubbeginn vorhanden. als Nacheilen beim Schluffe wieder auftreten würde. Aber für Waffer fcheint fie ganz zufriedenftellend zu wirken und ihre Einfachheit fpricht weiters für ihren Beftand. Auch die leichte Möglichkeit des Nachfehens mufs als einer ihrer Vortheile erwähnt werden, indem nach Lüftung der Traversfchraube und Ueberfchlagen des Hebelrahmens der Cylinder mit diefem fich heben läfst und die Schieberflächen blofslegt. Thatfächlich hub mir Herr Schmid einen Cylinder vom Sitz welcher von Beginn der Ausftellung bis zu jenem Tage( 22. September) täglich und faft ununterbrochen arbeitete und wobei keine Abnützung fichtbar war. Die Lagerung des Cylinders in die gufseifernen Hebel findet mit eingelegten zweitheiligen Schalen ftatt, deren hintere je mit einem Keile nachzuftelien ift, wenn fich unter dem Druck und der Bewegung des Schildzapfens ein fchäd liches Spiel einftellt. Diefe Nachftellung ift in Folge der geringen Drehbewegung nur felten nöthig, was um fo erwünſchter ift, als fie, wenn mit grober Hand vor. genommen, leicht ungleiche Anzüge und eine Verrückung der Steuerfpalten her. vorrufen könnte. Die übrige Detailconftruction ift höchft einfach. Die Grundplatte ift hohl gegoffen und derart hoch, dafs fie das weite Ablaufrohr aufnehmen kann; fie enthält aufser dem Schiebergeficht noch die beiden Lager für die gekröpfte Kurbelwelle angegoffen, deren unter 45 Grad gefchnittene Deckel jeder Anforderung genügen. Der Cylinder ift mit dem Hinterboden in Einem gegoffen und enthält einen einfachen Gufskolben, deffen hinten verfchraubte Stange vorn bei der Welle gleich zum Lagerkopf ausgefchmiedet erfcheint und den Deckel mit zwei Durchfteckfchrauben hält. Eine Mafchine, welche nominell bei 20 Meter Wafferfäulendruck 1/2 Pferdekraft leiften foll, aber bis 3/4 Pferdekraft gibt, hat 80 Millimeter Cylinderbohrung und arbeitet mit 100 Millimeter Hub und 150 Umdrehungen per Minute oder einer Kolbengefchwindigkeit von o 5 Meter per Secunde. Das Zuleitungsrohr ift unmittelbar an der Mafchine mit einem ziemlich hohen Windkeffel verfehen und hat 40 Millimeter lichten Durchmeffer oder 1/4 der Cylinderfläche, während die Durchlafsfpalten mit 20 und 80 Millimeter Seitenlänge 1/ 3.7 und das Ablaufrohr bei 60 Millimeter Weite 1/18 diefer Fläche als Querschnitt beutzen. Schmid gibt den Nutzeffect diefer Motoren zu 80 bis 90 Percent an, was wohl nur für langfameren Gang gelten wird. Solch ein halbpferdiger Motor benöthigt per Stunde 9.0 Cubikmeter ( circa 160 Eimer) an Betriebswaffer, welch bedeutender Confum einer jener Factoren ift, welche feine Benützung bei befchränkt zur Verfügung stehenden 258 J. F. Radinger. z. B. ftädtifchen Wafferleitungen fo fehr erfchweren, und welche im Vereine mit dem Umftande, dafs man den Effect der Mafchine vernünftigerweite nicht anders als nur durch die Umdrehungszahl verändern kann, wohl die Haupthinderniffe für eine rafche Verbreitung diefes Motors find. Er pafst eigentlich nur für den Betrieb einzeiner, conftant kleine Arbeit verzehrende Mafchinen, ift aber dafür bereits erprobt. Nebenher fei erwähnt, dafs in Zürich ein folcher Motor, auf einem kleinen ambulanten Wagen ftehend, das Rad einer Bandfäge treibt und Brennholz verkleinert. Der nächfte Wafferwechfel liefert die Kraft, das ausge nützte Waffer läuft der Goffe entlang, und deffen Bezahlung gefchieht dem Hubzähler nach. Solch ein pferdiger Motor nimmt nach jeder Seite ungefähr 3/4 Meter Raum ein, ift 150 Kilogramm fchwer und koftet 224 fl. fammt Schwungrad und kupfernem Windkeffel. Diefe Maſchinen werden aber kleiner bis/ Pferd( 40 Millimeter Durchmeffer, 60 Hub, 300 Umdrehungen per Minute, 28 Kilogramm fchwer fl. 132) und gröfser bis zu 7.2 Pferde( 300 Millimeter Durchmeffer, 370 Hub, 48 Umdrehungen per Minute, 1300 Kilogramm fchwer fl. 1120) gebaut, wobei der Effectsbeftimmung ftets 20 Meter Druckhöhe zu Grunde liegen. Für höhere Gefälle fteigt der Effect in proportionalem Mafse. Will man ein Sauggefälle zur Benützung ziehen, fo ift ein zweiter Windkeffel unmittelbar beim Austritt aus der Pumpe anzuwenden, während dort ein Luftventil hinkommt, um durch den ungehinderten Zutritt von Luft in das Abflufsrohr den gleichförmigen Abflufs des Waffers zu erleichtern und Stöfse zu vermeiden. Philipp Mayer in Wien. Der Waffermotor von Philipp Mayer gleicht völlig einer gewöhnlichen Dampfmafchine mit erweiterten Canälen, nur erfcheint nicht der Druck des Dampfes, fondern jener des Waffers als betreibende Kraft. Von anderen ähnlichen Waffermotoren unterfcheidet fich diefer durch den vorzeitigen Abfchiufs des zuftrömenden Waffers( bei circa 85 Percent des Kolbenweges) und Benützung der Expanfionswirkung eines Luftvolumens, welches von je einem gefonderten kleinen Windkeffel an jedem Cylinderende geliefert wird. Die Gröfse diefes Windkeffel: ändert fich mit der Spannung des Nutzwaffers und der Zweck desfelben befteht in dem langfameren Niederbringen des Druckes auf den Kolben, wodurch der Hubwechfel fanfter erfolgt. Sonftigen effectiven Nutzen gewährt aber derfelbe nicht, indem er felbft früher durch Nutzwaffer gefpannt werden muss. Um diefen Windkeffel ftets voll Luft zu erhalten, fteht feitlich an jedem Cylinderende je ein kleines, fich nach einwärts öffnendes Luftventil, welches in der Ausftrömperiode faugt, und nach Bedarf feinen Windkeffel fpeift, der fich am höchften Punkte des Cylinders befindet. Die Mafchine felbft befteht aus einem Cylinder mit angegoffenem Schieberkaften und hohlem Tragfufse, in welchen die Ausftrömung ftattfindet. Der Cylinder enthält ferner den Vorderdeckel angegoffen und an diefen fchliefst fich der im Kreife verfchraubte, hohlliegende Grundbalken mit angegoffener unterer Führung und den angegoffenen fchiefgefchnittenen Lagern der gekröpften Kurbelwelle, welche aufsen das gedrehte Schwungrad trägt. Die bronzene Innenfchale des Schubftangenkopfes ift direct auf das runde Ende der Stange gekeilt und hält andererfeits die Aufsenfchale mit Durchfteckfchrauben feft. Die Waffervertheilung findet auf einem normalen Schiebergefichte mit einem entlafteten Schieber ftatt, welcher ganz dem Schieber der Allen- Mafchine gleicht. Der Normalfchieber ift nämlich feiner ganzen Länge nach von einer feftftehenden Platte überdeckt, deren über den Lauffchieber niedergebogenen Seitenwände auf genau gleiche Höhe mit diefen gefchliffen find und auf dem feften Filipp Mayer in Wien. 259 Schiebergefichte aufruhend, ein Gehäufe bilden, welches den Druck tragen mufs, und innerhalb welchem der Schieber wie in einem Tunnel läuft. Diefe Ueberdeckungsplatte wird durch eine Feder von dem Schieberkaften- Deckel verfichert. und enthält auf ihrer Innenfläche jene Ausfparrungen, welche den gegenüberliegenden Canälen entſprechen und mit diefen durch den durchbrochenen Schieber hindurch in dauernder Verbindung ftehen. Diefe Ausfparrungen unterftützen die Schnelligkeit, mit der fich die Querfchnitte öffnen, aber ihr Hauptzweck befteht in der ftetigen Erhaltung des gleichen Druckes auf den beiden Rückenflächen des Schiebers. Diefe Entlaftungsvorrichtung ift bei den grofsen Dimenfionen folch eines Wafferfchiebers höchft nothwendig, und wie fehr fie wirkt, überzeugte mich ein Zufall, der fich bei dem erften Ingangfetzungsverfuche an diefer Mafchine zutrug. Der Monteur hielt nämlich, von einer falfchen Anficht geleitet, die Seitenborden der Deckkappe etwas niederer als die Plattendicke des Schiebers, und die Mafchine war nicht im Stande, diefen nun vollbelafteten Schieber zu treiben, gefchweige denn noch Arbeit nach Aufsen abzugeben. Als aber nach langem Suchen der Fehler gefunden und behoben war, ging die Mafchine mit dem nun entlafteten Schieber anftandslos. Von der Wafferführung mag noch erwähnt werden, dafs bei der Mündung des Einftrömrohres ein grofser Windkeffel eingefchaltet ift, um die Wafferftöfse zu mildern, welche fonft bei jedem Hubwechfel im Schieberkaften und Rohr auftreten, und dafs zwifchen der Mündung der Ausftrömöffnung in den Tragfufs und dem Beginn des Abfallrohres eine von oben niederhängende Wand eingegoffen ift, um den Abflufs aus der Mafchine ftets unter Waffer zu erhalten. Die Ausftellungsmafchine hatte 100 Millimeter Cylinderdurchmeffer und ihr Kolben 115 Millimeter Hub. Bei den normalen 130 Umdrehungen per Minute beträgt der Kolbenweg o 5 Meter per Secunde und die Waffergefchwindigkeit im Zulaufrohr etwas weniger als 10 Meter. Das Zuftrömrohr hatte nämlich 70 Millimeter Durchmeffer, mit dem fein Querfchnitt circa 12 von jenem des Cylinders wurde, während das Ausftrömrohr 100 Millimeter befafs und gleicher Fläche als iener war. Bei den neueren Ausführungen wurden diefe Durchmeffer auf 75 und 90 Millimeter, 1/18 und 1/12 des Cylinderquerfchnittes geändert. Die Canäle unter dem Schieber, 30 Millimeter breit und 140 hoch, bieten gleiche Fläche an der Einftrömung. und man ermifst daraus die Nothwendigkeit der Entlaftung des zugehörigen Schiebers. Ich habe diefe Mafchine zu wiederholten Malen indicirt und gebremft. Durch den Indicatorverfuch wurde der anfängliche Wafferftofs in Folge des Hubwechfels und dann die Abnahme des Druckes in Folge der Kolbengefchwindigkeit deutlich fichtbar. Denn während der Druck bei ganz langfamem, durch die Bremfe gehaltenem Vorwärtsfchub des Kolbens mit 3.8 Atmoſphären der wirkenden Wafferfäule von 4.0 Atmofphären ziemlich nahe kam und bis zum Schlufs der Canäle conftant blieb, fchwankte derfelbe beim Normalgang nach beiftehendem Diagramm. Bei 130 Umdrehungen per Minute zeigte dabei die Bremfe eine geleiftete Arbeit von o'94 Pferdekräften, indem auf der Scheibe von o 80 Meter Durchmeffer in einem wirkenden Abftand von 0 42 Meter eine Gewichtsdifferenz von 12: 3 Kilogramm an einem überlegten holzgefütterten Riemen dauernd in Schwebe blieb. Der mittlere Druck auf den Kolben betrug dabei laut Diagramm 25 Atmoſphären, woraus fich nach Abfchlag der Kolbenftangen15 260 T. F. Radinger. B fläche die im Innern der Mafchine auftretende Arbeit auf II Pferdeftärken oder der Nutzeffect auf 85 Percente berechnen läfst. Die gefammte Arbeit dagegen, welche dem Nutzwaffer in Folge feines abfoluten Druckes und der verbrauchten Menge innewohnt. beträgt aber 162 Pferdeftärken, fo dafs fich der wahre Nutzeffect der Mafchine auf 58 Percente ftellt. Bei langfamerem Gange wird derfelbe höher, indem die Abweichungen des Druckes hinter dem Kolben vom vorhandenen Drucke geringer werden, was auch bei den erweiterten Canälen der neueren Mafchinen mit Recht zu erwarten ift. Andere Motoren. Aufser den bekannten und langbenützten motorifchen Kräften des gefpannten Dampfes und des fallenden Waffers erfchienen noch andere Arbeitsquellen verwerthet. Jene Mafchinen, welche die zunächft liegenden, die thierifchen und menfchlichen Muskelkräfte an Göpel- und Kurbelwerken etc. gewinnen, entfallen in diefem Berichte, indem fie nach langer Gewohnheit nicht zu den Motoren, fondern erftere als zu den landwirthschaftlichen Mafchinen und letztere zu den Windwerken gehörig betrachtet werden. Von Windrädern war nur ein einziges befprechenswerthes Exemplar vorhanden. Die Gasmafchinen erfuhren feit der Parifer Ausstellung 1867 foviel wie keine Aenderung, und Lehmann's Heifsluft- Mafchine ift auch fchon länger bekannt. Dagegen waren neu und traten zum erftenmale vor die Welt: Der Kohlenfäure- Motor von Seyboth in Wien, ein neuer Dampfmotor) ein neuer Calorimotor von Siemens in Dresden, die elektro- magnetiſche Mafchine von Gramme in Paris. Während der Ausstellung, aber nicht in deren Räumen, erfchien Die Petroleumkraft- Mafchine. noch: Die Gaskraft Mafchinen fcheinen fich wenigftens für diefes Decennium eingebürgert zu haben und auch die Heifsluft- Maſchine ift in einigen Kreifen ziem lich verbreitet. Seyboth's und Siemen's Motoren werden für fpecielle Fälle des Bedarfes kleiner Effecte befchränkt bleiben, weil erftere für den Normalbetrieb zu koftfpielig kommen dürften und letztere trotz der genialen Zufammenfetzung doch mit fo kleinen Preffungen arbeiten, dafs fich die Gewinnung halbwegs bedeutender Effecte durch die fteigenden Dimenfionen verwehrt. Die electrifche Mafchine von Gramme fcheint nicht direct in diefen Bericht zu gehören. Ich nahm fie aber dennoch und zwar von einem Standpunkte auf, welcher hier berechtigt fein dürfte, und welcher an Ort und Stelle zu begründen gefucht wird. Selbft ftellende Windfchraube von Johann Fifcher in Korneuburg. Vier hölzerne Schraubenflügel waren auf ihrer horizontalen Drehachfe in einem Gerüfte gelagert, welches mit einem mittleren Hohlzapfen und mit vier Laufrädern drehbar auf dem Deckkranz eines pavillonartigen Holzunterbaues ftand. Ein grofses von zwei Auslegern gehaltenes Holzfteuer ragte vom drehbaren Gerüfte rückwärts hinaus, und ftellte die zu feiner Fläche parallele Flügelachfe ftets in die Richtung des Windes. Die Flügelachfe trug eine Stirnkurbel, deren Schubftange einen um einen Punkt in feiner halben Länge fchwingenden Hebel am Boden des Drehgerüftes antrieb. Das andere Ende diefes Hebels kam gerade über den hohlen Drehzapfen zu liegen und die durch diefen niederreichende Stange konnte direct in die Kolbenftange einer Pumpe übergehen, welche in der Mitte des Pavillons 262 J. F. Radinger. ftand. Der Pumpenkolben folgte alfo der Flügelwelle in der Zahl der Hübe und in den Drehftellungen gegen den Wind. Eine Ankündigung befagte, dafs man auf diefe Weife und bei mäfsigem Winde von 30 bis 45 Meter Gefchwindigkeit per Secunde ftündlich 200-250 Liter Waffer( ohne Angabe der Hubhöhe) heben könne, dafs jedoch eine derart betriebene Doppelpumpe 35-40 Cubikmeter Waffer binnen 24 Stunden fördert. Ueber die Conftruction und Gröfse der Mafchine war trotz wiederholter Anfrage keine Auskunft zu erhalten. Dem Anfcheine nach waren die Flügel Viertelwindungen einer gleichförmig fteigenden Schraubenfläche und waren aus einzelnen auf hölzernen Armen gefchraubten Holztafeln hergeſtellt. Mesas doin Die Gaskraft- Mafchinen. Diefe Maſchinen erfuhren feit der Parifer Ausftellung faft keine Aenderungen. Die zwei Syfteme Lenoir und Otto Langen ftehen einander noch immer gegenüber und während die erftere ruhig, aber theuer arbeitet, wirkt die zweite minder ruhig, aber bei gleicher Leiftung mit ungefähr nur der Hälfte an Gas. Die Lenoir'fchen Mafchinen erhalten gegenwärtig kleinere Cylinder als früher. Sie geben daher den nominellen als maximalen Effect, arbeiten aber dafür völlig geräufchlos. Die elektriſche Batterie mufs wöchentlich zweimal erneut werden und für ziemlich viel Kühlwaffer geforgt fein; fonft verlangt aber die Mafchine wenig und oft halbtagelang keine Aufficht. Ich nahm am 16. November 1873 die Bremfung einer neuen fogenannten 2pferdigen Mafchine vor, wobei fich 13 Pferdeftärken als höchft gelieferter Effect erwiefen. Der Gasverbrauch betrug dabei ftündlich 6 Cubikmeter, während er laut Preiscourant der Fabrik nur 3.8 Cubikmeter hätte betragen follen, was per Stunde und Pferd 4.6 Cubikmeter Gas entspricht und loco Wien ungefähr fl. o 50 koftet. Ausgeftellt war eine derartige Mafchine von der Compagnie parisienne d'Eclairage et de Chauffage par le Gaz, und der Preis ftellt fich für einen Effect von 1 oder 2 Pferdekraft nominell auf 1125 oder 1650 fl. öfterreichiſcher Währung loco Wien. Solcher Mafchinen dürften circa 50 Stück in Deutfchland und Oefterreich aufgeftellt worden fein. Die Otto Langen'fche Mafchine foll bereits in 1500 Exemplaren verbreitet ſein und in Wien ift es die Fabrik von Langer& Wolf, welche folche baut und ausftellte. Vom Pariser Ausftellungsmodell unterfcheidet fich die heutige Mafchine nur durch die Verwendung einer anderen Detailconftruction des Kolbens und des Schaltwerkes. Der Kolben befteht aus einer hohlen Gufsfcheibe mit zwei ftählernen, felbft ſpannenden Doppel- Dichtungsringen, deren jeder aus zwei gegeneinander verdrehten, aber in einer gemeinfamen Ausdrehung am Kolbenumfang eingelegten Ringen befteht. Das Schaltwerk zwifchen der während des Auffluges freien Kol benstange und der Schwungrad- Welle beſteht nicht mehr in einem Sperrrad mit Klinke, fondern in einer Frictionskupplung durch rollende Kugeln im excentrifchen Zwifchenraum zwifchen Feft- und Wechfelfcheibe, wodurch die Ruhe des Ganges verbeffert wurde. Die Wirkung des explodirenden Gasgemenges wird am beften durch das beiftehende Diagramm klar, welches ich einer 2pferdigen Mafchine( Cylinderdurchmeffer 320 Millimeter, Kolbenhub 14 Meter, Um Otto Langen'fche Mafchine. 263 drehungen 90 per Minute) entnahm. Befchrieben findet fich diefe Maſchine nebft den Ergebniffen einer Reihe officieller Bremsproben bereits im öfterreichifchen Berichte über die Parifer Ausftellung, wobei fich der auch von mir zu beftätigende Gasverbrauch von nahe 1 Cubikmeter per Stunde und Pferd ( Koften loco Wien fl. o'12) vorfindet. Eine Mafchine von I oder von 2 Pferdeftärken koftet loco Wien 1200 99 1650 fl. und wiegt 1200 " 1700 Kilogramm. In Oefterreich ftehen ungefähr 200 folcher Motoren, wovon 150-160 in Wien. In Berlin follen 300 im Gange fein. W. Lehmann's Heifsluft- Motor. Von der Berlin- Anhaltifchen Mafchinenbau Actiengefellfchaft gebaut, erfreut fich Lehmann's Heifsluft- Mafchine einer ziemlichen Verbreitung. Das Princip derfelben darf als wohl bekannt vorausgefetzt werden, nachdem ihr die technifche Literatur der letzteren Jahre volle Aufmerkfamkeit fchenkte und unter Anderen Profeffor G. Schmid in Prag die Theorie diefer Mafchine fammt den Ergebniffen einer Reihe von Brems- und Heizproben veröffentlichte. Letzteres gefchah auch vom Ingenieur W. Eckerth und hier mag nur Folgendes angeführt werden: Die Mafchine befteht aus einem langen liegenden, vorne offenen und rückwärts geheizten Cylinder, welcher innen einen fogenannten Verdränger und gegen die offene Aufsenfeite zu den Arbeitskolben enthält. Der Cylinder befteht aus drei Theilen, was zum Zwecke der leichteren Anfertigung des für das Kühlwaffer doppelwandig gegoffenen vorderen Manteltheiles und der Auswechfelbarkeit des dauernd zur Rothgluth geheizten Bodenftückes nothwendig ift. Der Arbeitskolben ift mit einem nach innen gerichteten Lederftulp gedichtet, welcher das Entweichen gefpannter Luft nach aufsen verhindert, jedoch das Einftrömen atmoſphärifcher Luft ermöglicht, falls der innere Druck unter den äufseren finkt. Der Verdränger befteht aus einem hohlen Blechkolben, deffen Länge ungefähr fünfmal fo grofs als fein Durchmeffer ift. Letzterer ift aber kleiner als die Bohrung des Cylinders und der durch Blechftreifen und eine Tragrolle gewahrte Abftand von Verdränger und Wand ift derart paffend gewählt, dafs der ringförmige Zwifchenraum grofs genug ift, um einestheils die Luft von der Hinterzur Vorderseite des Verdrängers ohne bedeutenden Widerftand ftrömen zu laffen, aber andererfeits doch enge genug bleibt, um dabei deren fchnelle Abkühlung durch das Kühlwaffer in der Doppelwand des Aufsencylinders zuzulaffen. Der Arbeitskolben wirkt durch zwei Kolbenftangen und ein vorgelegtes Hebelwerk auf die Kurbel der quer über den Cylinder gelagerten SchwungradWelle und von diefer geht eine Gegenkurbel aus, welche ungefähr unter 65 Grad gegen die Hauptkurbel wirkend den Verdränger bewegt. Die Stange für den Antrieb des Verdrängers geht dabei durch eine Stopfbüchfe im Arbeitskolben, der aus diefem Grunde zwei( fymmetriſch feitliche) Stangen erhielt. Der Verdränger dient nun einem doppelten Zweck. Erftens bewahrt er den Kolben oder vielmehr deffen Dichtungsring vor der Berührung mit der erhitzten Luft, und zweitens fchafft er die im Innern des Apparates enthaltene Luft abwechfelnd zum glühenden Heizboden oder zum gekühlten Vordertheil des Cylinders, wodurch die Spannung im Innern fteigt oder finkt. An beiden Enden des Verdrängers herrfcht des ringförmigen Abftandes halber, welcher zwifchen feinen und den Cylinderwänden befteht, andauernd der( nahezu) gleiche Druck. Aber während die denfelben tragende Luft auf der geheizten Seite dünn und erhitzt auftritt, wirkt fie vorne in dichter und abgekühlter Form. 264 J. F. Radinger. Die Arbeit der Mafchine beruht nun mit auf der Wirkung des Verdrängers. Diefer fchafft nämlich abwechfe'nd den gröfsten Theil der im Innern der Mafchine enthaltenen Luft zu dem glühenden Heizboden oder den kühlenden Wänden entlang in den kalten Vorderraum, wodurch die mittlere Temperatur und hiedurch die Spannung der eingefchloffenen Luftmenge fteigt und finkt. Dabei benöthigt der Verdränger felbft faft keine andere Arbeit als die geringen Reibungswiderstände verzehren, denn der Druck auf feiner Vorderseite gleicht ftets jenem auf der Hinterfeite. Aber der Treibkolben, welcher feinen Weg nach aufsen mit dem Steigen des Druckes im Innern beginnt, und umgekehrt leer nach einwärts geht, wenn durch den Verdrängen die Luft in den kalten Raum geförde t wird, erfährt die Preffungsdifferenzen als treibendes Princip. Soviel über das Wefen der Mafch ne. Aus den Verfuchsergebniffen mag angeführt werden, dafs laut Indicator- Diagrammen der Maximaldruck im Innern nie über o 7 Atmoſphären kam, während der mittlere Druck höchftens o 4 Atmo fphären betrug. Diefs erklärt dann in Verbindung mit der nur einfeitigen Arbeitsweife den geringen Gefammteffect folcher Motoren; die Verfuchsmafchine gab bei 349 Millimeter Cylinderdurchmeffer und 100 Umdrehungen per Minute( 0.8 Meter Kolbengefchwindigkeit per Secunde) an der Bremfe kaum I Pferdekraft, wozu fie 4'6 Kilogramm Steinkohlen( anfcheinend minderer Qualität) per Stunde verbraucht. Die früheren Mafchinen wurden dadurch regulirt, dafs die Regulatormanchette ein Ventil am Rücken des Arbeitscylinders hob, wodurch ein Theil der gespannten Luft entweichen konnte. Bei den Mafchinen der Ausftellung jedoch drückte der fteigende Regulatoreinen Bremsklotz an den Umfang des gedrehten Schwungrades und erhielt dadurch den Gleichgang wohl auf die denkbar verfchwenderifchefte Art. Alle Maſchinen arbeiteten aber ruhig und machten den Eindruck einer foliden und in ihrer Art fertigen Conftruction. Eine Ipferdige Mafchine beansprucht ( ohne den nöthigen Umgangsraum) 3.25 Meter Länge, o 93 Meter Breite, wiegt 1650 Kilogramm und koftet 720 Thaler ohne Mauerung, aber inclufive Regulator, Kühlwaffer- Pumpe und Verpackung loco Deffau. Der Kohlenfäure- Motor von L. Sey both in Wien. Die Mafchine von Sey both unterfcheidet fich im Principe durch Nichts von einer gewöhnlichen Dampfmafchine, als dafs ftatt des gefpannten Wafferdampfes gefpannte Kohlenfäure auf den Kolben drückt. Seyboth erzeugt nämlich in gefchloffenen eifernen mit Blei gefütterten Keffeln Kohlenfäure von 4 Atmofphären Druck, indem er den natürlich vorkommenden Spath- Eifenftein mit verdünnter Schwefelsäure mifcht und durch ein Rührwerk in der Ausftellung von einem Manne betrieben) rührt. Die Keffel müffen des Wechfels und der Reinigung halber doppelt vorhanden fein. Die erzeugte Kohlenfäure paffirt dann ein Wafchgefäfs, in welchem fie einfach durch Waffer auffteigend die mitgeriffene Schwefelfäure verliert und kommt durch ein Anlafsventil in die Mafchine, welche fie betreibt. Anfangs verwendete Seybota eine felbftgebaute Mafchine, deren Details nur unwefentliche Abweichungen von einer Normal conftruction zeigten. Es waren zwei offene mit den Böden zufammenftofsende Cylinder verwendet, deren Kolben durch einen die Cylinder umfaffenden Rahmen gekuppelt waren, was angeblich gefchah, um die Stopfbüchfen- Reibungen zu umgehen etc.) Später wurde aber eine Dampfmafchine der gewöhnlichen Conftruction der Simmeringer Mafchinen- und Waggonbau Fabriks Actiengeſellſchaft mit der Kohlenfäure betrieben. Die von der Mafchine kommende Kohlenfäure befitzt nach dem Betrieb derfelben noch den Werth von frifch erzeugter Kohlenfäure und kann für Der Kohlenfäure- Motor von L. Seyboth in Wien. 265 chemifche Fabriken, Sodawaffer Fabriken, Zuckerfabriken und für Eiserzeugung verwendet werden. Seyboth nennt feine Mafchine für Sodawaffer- Fabriken unerfetzbar. Nicht nur wird durch fie jede fremde Kraft überflüffig, fondern fie gibt zugleich das für folche Anlagen nöthige Eis. Sie fei als Feuerlöfch- Mafchine einzig vollkommen, denn fie treibt fich mit Kohlenfäure und wirft das mit dem abziehenden Gas gefchwängerte Waffer in die Flammen. Als Grubenmafchine könne fie die Luftcomprefforen wegfallen machen und überall könne fie mit Vortheil als Kraftquelle benützt werden, indem fie keiner polizeilichen Erlaubnifs, keines Schornfteines, keines Mauerwerkes etc. bedarf, und die Betriebskoften durch die Rückftände vollkom men gedeckt werden. Was nämlich diefe Koften betrifft, rechnet Seyboth wie folgt: Zum täglichen 1oftündigen Betrieb einer 2pferdigen Mafchine benöthigt man 20 Centner( 1000 Kilo) Spath- Eifenftein à fl. 2.20 Centner( 1000 Kilo) Schwefelsäure à fl. 42. Betriebskoften. fl. 40.fl. 90.fl. 130.Dagegen liefert die Mafchine aufser dem Effect von 2 Pferdeftärken: 48 Centner( 2400 Kilo) Eifenvitriol und eventuell noch aufserdem 50 Centner( 2500 Kilo) Eis à fl. 3.à fl. 50. Summe. fl. 144.fl. 25.fl. 169.Die Differenz zwifchen dem erhaltenen Eifenvitriol und den aufgewendeten Rohmaterialien deckt allein die Koften der Anlage und der Wartung. Allerdings drängt fich die Frage auf, ob nicht bei gröfserer Erzeugung des Eifenvitriols deffen Werth finken müfste, und wenn nicht, ob bei dem Beftand der obigen Preife die Erzeugung des Eifenvitriols nicht allein und ohne Ausnützung der entſtehenden Kohlenfäure ein lohnender und vielergriffener Induſtriezweig fein müfste. Friedrich Siemens in Dresden. Friedrich Siemens in Dresden ftellte zwei Modelle neuer Motoren aus, deren einer die Energie der in fiedendem Waffer auffteigenden Dampfblafen und der andere die Ueberwucht von Wafferkörpern als Triebkraft hat, welche in einem Zellenfyftem durch die Wärme verdrängt werden und wieder niederfinken. Den neuen Dampfmotor von Friedrich Siemens befchreibt er felbft, wie folgt: Vorliegende Zeichnung ftellt in zwei Anfichten eine Condenſationsmafchine für kleineren Kraftbedarf dar. Diefe befteht im Wefentlichen in einem in geneigter Lage rotirenden, nach oben zu fich erweiternden Blechmantel, welcher inwendig mit einem aus trichterförmig zugefchnittenem Blech hergestellten Schraubengang ausgestattet ift. Am unteren Ende ift diefer Blechmantel mit einem doppelten Boden verfehen und trägt am oberen Ende ein dem Blechfchraubengang entgegengesetzt gewundenes, den durch die Aufsenluft gekühlten Oberflächen Condenſator vorftellendes Spiralrohr. Der unten durch den doppelten Boden gebildete Raum bildet den Keffel und communicirt durch in den Blechmantel kreisförmig angebrachte Löcher mit dem inneren Raume desfelben. Das ganze in fich gefchloffene Syftem ift auf einer fchrägftehenden Welle montirt, welche unten auf ihrer Spitze und oben in einem auf einem Bock ruhenden Lager läuft. 8 266 J. F. Radinger. Die Kuppelung mit der horizontalen Triebwelle gefchieht in diefem Falle durch eine Spiralfeder( war in der Ausftellung durch ein Kegelradpaar bewirkt). Der Keffel und der untere Theil des Mantels find ferner mit einem, den. Ofen darftellenden Thonmantel umgeben, welcher unten mit einer das Feuer( eine Gasflamme) enthaltenden conifchen Verengung verfehen ift. Um die Heizfläche: zu vergrössern, kann der Thonmantel bis an das obere Ende des Blechmantels verlängert werden. Der nicht vom Feuer berührte Theil mufs aber durch einen fchlechten Wärmeleiter bedeckt werden. Die Kraftentwicklung findet nun folgendermassen ftatt: Nachdem der Blechmantel und folglich auch der Keffel durch ein im oberen Theil des Blechmantels hergeftelltes Füllloch entfprechend mit Waffer gefüllt und das Loch wieder verlöthet, zugefchraubt oder vernietet ift, wird erft das Feuer angemacht, refpective die Flamme angefteckt. Der fich im Keffel zuerft. entwickelnde Dampf tritt durch die Löcher in den Mantel und fängt fich in der Spirale ebenfo wie der im Mantel felbft entwickelte Dampf. Der Dampf ftrebt nach oben und verurfacht in Folge deffen eine Drehung des ganzen Syftems( wie fich eine fteil gefchnittene Schraube in ihrer Mutter in Folge der Schwerkraft niederdreht). In demfelben Mafse, wie der Dampf fich weiter entwickelt, fchraubt fich der ältere Dampf weiter hinauf, bis derfelbe in den oben verengten, nicht mit Spiralblechen verfehenen Theil an der Spitze des Mantels eintritt und entweder entweichen oder wie hier durch den Spiralrohr- Condenfator condenfirt werden kann. Für den letzteren Fall mufs zuerft alle Luft herausgetrieben werden, zu welchem Zwecke der erfte Dampf durch das noch offene Spiralrohr austreten mufs, worauf die Oeffnung am untern Ende des Spiralrohres verlöthet und das Feuer entfprechend der jetzt in dem freiliegenden, aufsen durch Ausftrahlung gekühlten( in doppelter Windung vorhandenen) Rohre eintretenden Condenfation des Dampfes reducirt wird. Weil die Windungen des äufsern Condenfator Schraubenrohres entgegengefetzt jenen der inneren treibenden Blechfpirale gerichtet find, fo wird das Condenfationswaffer dem in das Rohr eintretenden Dampf entgegen und in den geheizten Mantel zurückgefchraubt, in welchen es bereits wieder vorgewärmt einfällt. Da kein Waffer entweicht und Luft von Aufsen nicht zutritt, und bewegliche Dichtungen nicht vorhanden find, fo mufs die Mafchine, wenn einmal vollſtändig dicht, ohne irgend welche Aufmerksamkeit zu erfordern, als das Feuer im richtigen Gang zu halten, endlos fortarbeiten. Anftatt eines Sicherheitsventiles, welches Veranlaffung zu Undichtheiten und folglich Luftzutritt geben könnte, ift eine Oeffnung im oberen Theil des Mantels mit einem weichen Lothe verlöthet, welches bei der Temperatur einer höhern als zuläffigen Dampffpannung fchmilzt. Die Hauptfchwierigkeit bei der Herftellung diefes Motors beftand darin, eine Circulation des Waffers im Mantel und der Innenfpirale zu vermeiden und dennoch dem Waffer Gelegenheit zu geben, dem Dampf möglichft leicht auszuweichen, das heifst, fich innerhalb jeder Windung frei ins Niveau zu ftellen. Angenommen, das Waffer bewegte fich in dem Schraubengang mit dem Dampf, fo würde die Dampfentwicklung vorzugsweife in dem oberen Theil des Mantels ftattfinden, das Waffer fich dort in Folge der Verdampfung dem geringeren Drucke entſprechend kühlen. und in dem gekühlten Zuftande wieder in den unteren Theil gelangen, folglich jedesmal einer grofsen Menge Wärme bedürfen, um wieder verdampfungsfähig zu werden. Es liegt auf der Hand, dafs eine derartige Einrichtung eine im Vergleiche zur geleifteten Arbeit unverhältnifsmäfsig grofse Wärmemenge bedürfte, und folglich nicht mit Vortheil betriebsfähig fein könnte; ebenfo würde durch einen Dampfmotor von Friedrich Siemens. = == == 0 Centim. 100 267 I Meter Mafsitab 1: 25 der Natur. Answeichwiderftand des Waffers die Triebkraft des Dampfes fehr gefchwächt werden können. Diefe grofsen Uebelftände, welche fich bei den erften Verfuchen ſtark bemerkbar mach: en, find durch die befondere Einrichtung der Spirale vollſtändig befeitigt. Der innere Blechmantel ift nämlich an dem der Längenachfe zunächſtliegenden Theil gänzlich frei von Spiralen. Diefelben reichen von der äufsern 268 J. F. Radinger. Fläche nur ungefähr bis 4/5 zur Achfe und der fo entſtehende freie Raum verengt fich trichterförmig nach unten zu, fo dafs fich der Dampf fangen mufs, das Waffer aber nach unten zu frei entweichen kann. In Folge deffen rotirt das Waffer mit dem Mantel und bewegt fich nur, um dem Dampf im oberen Theil jeder Windung Platz zu machen, vielmehr fich ins Niveau zu ftellen, um bei erfolgter Drehung des Mantels die alte Stelle in demfelben wieder einzunehmen. Die Condenſations- Schraubenrohre find faft wafferleer, indem fie das in ihnen condenfirte Waffer fortwährend zurückfchrauben, und fo die Stelle der Speifepumpen erfetzen. Da das Zurückführen des Waffers entgegen dem Dampfftrom ftattfindet, fo tritt das durch die Condenfation gewonnene Speifewaffer vollftändig vorgewärmt in den Dampferzeuger zurück. Für gröfsere Dampfmafchinen diefer Art könnte man den Condenfator fortlaffen, weil derfelbe bei Ausnützung einer höheren Wafferdruck- Säule einen verhältnifsmässig geringen Nutzen gewähren würde.( Warum nicht in die Höhe, ftatt nach abwärts hängend gebaut werden? R.) Bei der Arbeit ohne Condenſation würde der Mantel in Folge der geringeren Expanfion des Dampfes mehr cylinderförmig eingerichtet und der verengte Theil des Mantels oben offen bleiben und mit einem Trichter verfehen werden, welcher als Wafferrefervoir benützt wird, durch welchen das verdampfte Waffer von Zeit zu Zeit nachgefüllt werden kann. Auch der Keffel als getrennter Raum dürfte dann fortfallen und zwar ohne die Leiftungsfähigkeit der Mafchine wefentlich zu beeinträchtigen. Die Form des Mantels mufs bei Condenſationsmafchinen mit natürlich fehr entwickelter Expanfion des Dampfes im Profil in der Form einer Expanfionscurve eingerichtet, und dem entſprechend die Spirale nach oben zu erweitert werden, je dem vergröfserten Volumen des Dampfes entſprechend. Anftatt mit Waffer kann diefe Mafchine auch mit anderen Flüffigkeiten, wie Oel oder Quecksilber, betrieben werden. Im letzteren Falle würde der Krafteffect in Folge des gröfseren fpecififchen Gewichtes der Flüffigkeit viel gröfser ausfallen und in Folge der geringeren ſpecififchen und latenten Wärme des Quecksilbers und der Queckfilberdämpfe eine wefentliche Oekonomie an Brennmaterial er zielt werden. Die Vortheile diefes Motors beftehen( nach Fried. Siemens) neben der grofsen Vereinfachung in der Anlage in einer eben fo grofsen Vereinfachung des Betriebes und der Handhabung, ferner in der Erfparung an Brennmaterial, welche aus folgenden Gründen fehr bedeutend fein mufs: 1. Die Wirkung des Dampfes ift direct, anftatt wie bei gewöhnlichen Dampfmaschinen in entfernt liegenden Mafchinentheilen allerlei Verluften durch Leckung und Abkühlung ausgefetzt zu fein. 2. Wegfall der fo nachtheiligen Flächencondenfation, welche in gewöhnlichen Dampfmaschinen dadurch entſteht, dafs der Dampf von höherer Spannung und entsprechend hoher Temperatur abwechfelnd denfelben Flächen ausgefetzt wird, mit welchen der expandirte Dampf, welcher bedeutend kälter ift, in Berührung gekommen war. 3. Faft vollkommene Ausnützung der Expanfionskraft des Dampfes. 4. Geringe Widerstände durch Reibung von Mafchinentheilen. Das in der Ausftellung vorhandene Modell diefes Motors hatte einen Mantel von 19 Meter Länge, deffen Durchmeffer unter 270 und oben, wo die Innenfpirale end ete, 540 Millimeter betrug. Die Condenfator Rohre, circa 25 Millimeter weit, waren aus Kupfer und lagen in einer Doppelfchraube von 0.84 Meter gröfstem Durchmeffer. Die Heizung foll mit einer Gasflamme ftattfinden, deren Schornftein beim Verlaffen der Umhüllung 65 Millimeter Weite befafs. Calorimotor von Friedrich Siemens. Diefer neue Calorimotor befteht aus zw ei concentrifchen halbkugelförmigen Schalen, deren jede doppelte Calorimotor von Friedrich Siemens. 269 Wandungen befitzt und durch eingefetzte Radialwände in je zwölf Fächer getheilt ift. Diefe Radialwände befinden fich jedoch nur im oberen Theil der ringförmigen Schalenräume, während unten die zwölf Abtheilungen mit einander und noch durch einzelne Bodenöffnungen mit dem vom Ganzen umfchloffenen Innenraum in Verbindung ftehen. Oben find die einzelnen Abtheilungen der inneren und der äufseren Schale abermals, aber derart verbunden, dafs je eine Abtheilung des inneren mit einer um 60 Grade vorgefchrittenen Abtheilung des äufseren Raumes communicirt. Diefe Verbindung gefchieht durch rechteckige Rohre, welche Metallnetze enthalten und als Regeneratoren wirken. Diefe beiden Schalen ftecken auf einer unter 45 Grad geneigt gelagerten Drehachfe und die äufsere Schale wird unten durch eine Flamme geheizt. Der gefammte Innenraum ift etwa zur Hälfte mit Waffer, refpective einer anderen Flüffigkeit gefüllt, welches alfo auch bis in die Einzelabtheilungen der Ringräume reicht und diefelben unten abfchliefst. Die oberen Theile derfelben fowie die Verbindungs-( Regenerator-) Rohre find aber mit Luft gefüllt. Die unteren Räume der äufsern Schale werden alfo geheizt, während die der inneren Schale durch das Waffer gekühlt bleiben. Solange nun dem alfo vorbereiteten Apparat keine Wärme zugeführt wird, fteht das Waffer in allen Räumen im Niveau und es ift kein Beftreben einer Drehung geweckt. Denkt man fich nun eine Drehung angeregt, fo taucht auf der niedergehenden Seite ein unterer Raum der Aufsenfchale tiefer ins Waffer, die oben enthaltene Luft wird verdrängt und zieht durch das obere Rohr in den um 1/6 Drehung zurück ftehenden Raum der Innenfchale. Wird aber der Aufsenraum gleichzeitig geheizt, fo wird fich die Luft noch ausdehnen, ein Theil ihres Waffers unten austreten und das Gewicht ihrer Abtheilung vermindern, wodurch das Beftreben zu einer der angeregten entgegengefetzten Bewegung geweckt wird. Diefes Beftreben ist aber nur von geringer Gröfse, denn indem die Wärme nicht fofort durch die Wandung hindurchwirkt, und die enthaltene Luft in den ungeheizten Regeneratornetzen und der grofsen Luftfläche der höher ſtehenden Innenzelle gekühlt wird, fo fteigt die Temperatur- und Volumsvergröfserung nur langfam. Paffirt nun diefe Zelle( unter Reaction) den tiefften Punkt, fo beginnt fie fich( erft durch den Zwang der Kreisbewegung) zu heben. Dabei wächft der von Luft erfüllte Raum und die angefaugte Luft kommt aus der mit ihm verbundenen aber um 1/6 Drehung zurückftehenden und eben tiefer ins Waffer eintauchenden Zelle der Innenfchale und zwar durch den Regenerator an, deffen Netze durch den früher befchriebenen Vorgang angewärmt wurden. Die Luft tritt alfo bereits warm in die Aufsenzelle, und nachdem auch deren wachfende Heizwände bereits von der Flammenwärme durchdrungen find, und die allenfalls kühlen wollende Innenzelle faft ganz ins Waffer getaucht wenig Luft- und daher wenig Kühlfläche bietet, fo fteigt die Temperatur in der Aufsenzelle rapid und wird gröfser, als fie während des Niederganges der Zelle war. Die Folge davon ift eine bedeutende Volumsvergröfserung des Luft-( und Dampf-) Inhaltes und wegen der damit verbundenen Wafferausdrängung durch die untere Oeffnung eine bedeutende Gewichtsverringerung diefer gegenüber einer fymmetriſch liegenden Zelle der Gegenfeite. Diefe Gewichtsänderung bewirkt nun das energifche Auffteigen diefer Abtheilung, und da in jeder folgenden Zelle der gleiche Vorgang ftattfindet, fo dreht fich das Syftem unter der Differenzwirkung der diefs und jenfeits der tiefften Lage befindlichen Waffergewichte in conftantem Kreislauf. Da in dem ausgeftellten Modelle Waffer, welches nur eine geringe Temperaturdifferenz unter dem Siedepunkt zuläfst, als Medium für die die Triebkraft bildenden Gewichtsdifferenzen angenommen ift, fo würde auch nur eine geringe Temperaturdifferenz der Luft und folglich auch eine nur geringe Trieb 270 J. F. Radinger. kraft erzielt werden, wenn nicht der Wafferdampf eine eigenthümliche Rolle dabei fpielte. Ift beiſpielsweife( nach Siemens) die Temperatur der kalten Schale 50 Grad Celfius und die der heifsen 100 Grad, fo würde fich die Luft nur ihres Volumens durch die Erwärmung um 50 Grade ausdehnen, während gefättigter Dampf durch eine Temperaturerhöhung von 50 auf 100 Grad das 1ofache Volumen erreichen würde. Durch beide vereint würde mithin eine Volumsvergröfserung auf nahezu das Doppelte ftattfinden. ( Bei Anwefenheit von 15 Volumeinheiten Luft würde fich diefelbe auf 171/2 Einheiten ausdehnen. Sind aber nur 11 Volumeinheiten Dampf von 50 Grad beigemifcht, fo füllt diefer bei 100 Grad bereits 15 Volumeinheiten. Die Summe beider kommt alfo von 162 auf 322, mithin nahezu auf das Doppelte.) Die Regeneratoren dienen daher nicht allein dazu, der Luft abwechselnd Wärme zu entziehen und wiederzugeben, fondern fie condenfiren auch den Dampf, um ihn wieder zu entwickeln, was bei genügender Gröfse der Regeneratorflächen und Anwefenheit von Luft als Träger des Dampfes fo lange auf das Vollkommenfte. erreicht wird, als das Waffer nicht kocht. Wird die Erhitzung des Aufsengefäfses fo weit getrieben, dafs das Waffer zum Sieden kommt, fo würden die Innenräume und die Regeneratoren als Condenfatoren dienen, und fich fomit rafch bis zum Kochpunkt erwärmen, womit jede Wirkfamkeit der Mafchine aufhören würde, indem dann keine Temperatur-, refpective Spannungsdifferenzen zwifchen den Zellen diefs- und jenfeits der tiefften Lage auftreten könnten. Es darf daher unter normalem Druck und Anwendung von Waffer die Temperatur von 100 Grad nicht erreicht werden. Aber andere Flüffigkeiten könnten zur Verwendung kommen, deren höherliegende Siedep unkte grofse Temperaturdifferenzen zu affen. Die nöthige Kühlung gefchieht durch Einführen von kaltem Waffer in den inneren Hohlraum der Mafchine. Nachdem nun die fämmtlichen Abtheilungen beider Schalenringe durch die unteren Oeffnungen ftets mit diefem oben offenen Innenraume in Verbindung bleiben, fo ift das ganze Syftem unter fich als auch mit der Atmoſphäre verbunden, mithin kann kein anderer als der durch die innere Centim. 100 Calorimotor von Friedrich Siemens. 271 ° I Meter Mafsftab 2: 25 der Natur. niedere Wafferhöhe mefsbarer Ueberdruck entſtehen und jede Gefahr einer Explofion ift derart entrückt. Das aus dem offenen Kühlraume verdampfende Waffer mufs von Zeit zu Zeit erfetzt werden, das nöthige Luftquantum in den Zellen regulirt fich aber bei richtiger Höhe des Kühlwaffers von felbft, indem die Zellen bei jeder Umdrehung aus dem Waffer auffteigen. 272 J. F. Radinger. Um die Triebkraft zu verftärken, will Siemens fpecififch fchwerere Flüffig. keiten, etwa Queckfilber verwenden, und um diefs zuzulaffen, find fämmtliche Theile der Maſchine aus Eifen. Will man den Dampf des Queckfilbers hintanhalten, fo bedeckt man dasfelbe mit einer Wafferfchichte. Das von einer Gasflamme geheizte und im Gange befindliche eine der beiden ausgeftellten Modelle konnte mit einem Finger der Hand aufgehalten werden. Beim gröfseren der beiden Modelle war die äufserfte Schalenfläche nach einer Halbkugel von 700 Millimeter Radius gekrümmt, auf welche fich noch eine 125 Millimeter hohe Cylinderfläche anfetzte. Der Halbmeffer der innerften Wand mafs 390 Millimeter. Der Gefammtrauminhalt der heifsen Schale betrug 330, der der kalten Schale 140 und der mittlere Inhalt der Verdrängflüffigkeit 240 Liter. Magneto- elektrifche Mafchine, Syftem Gramme. Diefe Mafchine gehört nicht in den Rahmen diefes Berichtes und fie wurde von ihrem Erfinder nur als zur Erzeugung continuirlicher Ströme für die Galvanoplaſtik, des elektrifchen Lichtes, zur Entzündung von Minen und für medicinifche und chemifche Zwecke geeignet erklärt. Da fie jedoch die elektriſchen Ströme durch äufsere Arbeit erzeugt, und umgekehrt durch elektriſche Ströme Arbeit zurückzugeben im Stande ift, fo fcheint fie vielleicht mehr als eine andere Mafchine zur Ferntransmiffion von Arbeit geeignet, und da ich nicht nur mit der kleinen in der Ausftellung gewefenen, fondern auch' fpäter mit einer bedeutend gröfseren folchen Maſchine Verfuche vornahm, fo mag Folgendes darüber bemerkt werden: Die Gramme'fche Mafchine befteht im Wefentlichen aus einem Magnet, zwifchen deffen beiden Polen ein Elektromagnet von einer neuen Form durch eine Riemenfcheibe betrieben rotirt. Diefer Elektromagnet befteht nun aus einem ringförmigen Kern von weichem Eifen, um den herum ein ifolirter endlofer Kupferdraht gewunden ift. Man kann diefen Theil alfo auch aus einem gewöhnlichen geraden Elektromagnete entstanden denken, den man kreisförmig zufammengebogen und dann nicht nur an beiden Enden des Eifenkernes, fondern auch an beiden Drahtenden verlöthet hat. Man erhält fo einen Elektromagnet ohne Ende, da fowohl der Eifenkern als auch der ihn umhüllende Draht keine Unterbrechung erleiden. Diefer Draht ift wohl ohne Ende, indeffen in z. B. 40 Sectionen oder Elemente eingetheilt, von denen jedes 100 Windungen haben mag, fo zwar, dafs das Ende des einen der betrachteten Elemente zugleich der Anfang der Windungen des folgenden ift. Denkt man fich nun ein einzelnes Element( ideell) aus der Verbindung mit den anderen durch einen Schnitt getrennt und dreht man die Scheibe zwifchen den Polen des natürlichen Magnetes, zwifchen welchen diefer Elementenring gelagert ift, fo wird der Eifenkern bei der Annäherung an einen der Pole magnetifch und folglich entſteht( wie fchon Faraday 1831 entdeckte) in dem ihn umwindenden Drahte ein inducirter elektrifcher Strom. Diefer Strom wird feine Richtung ändern, wenn fich der Eifenkern von dem betrachteten Pole entfernt und fich dem entgegengefetzten nähert. Denkt man fich nun wieder das Element, wie es wirklich befteht, mit all feinen Nachbarn verbunden, fo leuchtet es ein, dafs in dem Drahte des rotirenden Ringes zwei Ströme von entgegengefetzter Richtung entſtehen, indem der Vorgang des einen Elementes in allen übrigen wiederkehrt. In irgend einem Durchmeffer( es ift jener, welcher fenkrecht auf die Verbindungslinie der beiden Pole fteht) wird die Umkehrung der Ströme erfolgen und es ift klar, dafs, wenn auch die Stromftärke in den einzelnen Elementen je nach ihrer augenblicklichen Entfernung vom Pole des Magnetes verfchieden iſt, doch ihre Summe ftets diefelbe bleibt, denn in dem Mafse, als ein Element unter Magneto- elektrifche Mafchine, Syftem Gramme. 273 der Umkehrlinie verfchwindet, taucht auf der anderen Seite derfelben ein anderes auf. So erzeugen die einfeits der Theillinie befindlichen Elemente einen conftanten Strom, beispielsweife pofitiver Richtung, während die auf der anderen Hälfte befindlichen Elemente einen gleich ftarken negativer Richtung ergeben. Hätte die Mafchine keine weitere Zugabe, fo wurden fich die Ströme ftets in der Theillinie aufheben und man würde nichts von dem inneren Vorgange erfahren. Nun find die Enden jeder einzelnen Section der fortlaufenden Drahtfpule mit je zwei radialen Kupferftäben verbunden, welche, obgleich nahe aneinander ftehend, doch völlig von einand ifolirt find. Diefe radialen Stäbe find in der Nähe des Mittelpunktes im rechten Winkel umgebogen und laufen dann zu je zwei und zwei in einen gemeinſamen Kupferkeil aus, fo dafs das Ende des Drahtes des einen Elementes und der Anfang des nächften durch dasfelbe Kupferftück in Verbindung fteht, wodurch die Continuität der Windung principiell nicht geftört erfcheint. Diefe einzelnen Kupfer Keilftücke, welche natürlich vollständig von einand ifolirt fein müffen, bilden einen zum weichen Eifenkern concentrifchen Ring. Die äufsere Cylinderfläche diefes Ringes wird nun von zwei aus dünnen Kupferdrähten hergeftellten Bürften berührt, und zwar genau in jener Theillinie, in welcher die von den beiden Gruppen von Elementen herrührenden gleichftarken Ströme fich gegenfeitig aufheben. Dadurch werden nun aber die Ströme den mit den Auffangbürften verbundenen Drähten folgen und diefe werden con tinuirliche Ströme führen, indem die Bürften, ftets über mehrere Keilftücke reichend, nie aufser metallifchen Contact gelangen. Die init der Mafchine zu erzielenden Effecte ändern fich mit der Umfangsgefchwindigkeit des rotirenden Magnetes; es dürfte jedoch nach den bisherigen Verfuchen fehr wahrfcheinlich erfcheinen, dafs der Effect bei einer gewiffen Gefchwindigkeit ein Maximum erreicht, dann aber, wenn man diefe überfchreitet. entweder conftant bleibt oder gar abnimmt. Dafs die Stromftärke um fo gröfser wird, je längerer Draht auf den Kern gewickelt ift, dafs zur Erzielung gröfserer Strömftärken mehrere Maſchinen gekuppelt werden können und durch Vergrösserung der Dimenfionen überhaupt der Effect gefteigert werden mufs, bedarf keiner weiteren Begründung. Die gröfsere mir bekannte Mafchine befteht aus vier Elektromagneten, deren acht Säulen zu zwei und zwei übereinand ftehen, wodurch zwei Gruppen von Magneten und Folge dem auch zwei rotirende Scheiben auf der gemeinfamen Welle erfcheinen. Diefe find auf einem gufseifernen Sockel von 580 bis 590 Millimeter Seite und 400 Millimeter Höhe aufgeftellt. Die Säulen felbft meffen 120 Millimeter im Durchmeffer und 680 Millimeter in der gekuppelten Höhe. Die rotirenden Drahtfpulen haben je 280 Millimeter Durchmeffer und 150 Millimeter Breite, die kupfernen Ableitungsfcheiben meffen 150 Millimeter Durchmeffer bei 60 Millimeter Breite. Die Welle wird von einer 300 Millimeter grofsen, 80 Millimeter breiten. Riemenfcheibe mit 300 Umdrehungen per Minute betrieben und die Mafchine confumirt ungefähr 1 Pferdeftärke. Gramme fchliefst nun aus folgenden Thatfachen, welche auch bei den von mir vorgenommenen Verfuchen auftraten, auf die Vollkommenheit feiner Mafchine: Wenn man von der in rafcher Bewegung befindlichen Mafchine einen Strom ableitet, welcher einen gleichen oder gröfseren Widerftand findet, als feine eigene Stärke beträgt, fo erhitzt fich kein Theil der Mafchine, woraus man fchliefsen mufs, dafs die ganze in die Mafchine geleitete Arbeit in Elektricität umgewandelt wird, indem fich kein Theil in Wärme verwandelt. 274 J. F. Radinger. Die Mafchine erhitzt fich auch nicht, wenn man durch Oeffnen der Kette den Strom unterbricht, was, da weder Elektricität noch Wärme auftritt, beweift, dafs auch kein Aufwand an mechanifcher Arbeit ftattfindet. Wenn aber gerade fo viel Arbeit in die Mafchine kommt als zur Einhaltung der beftimmten Umdrehungszahl hinreicht und man unterbricht den Strom, fo fteigt die Gefchwindigkeit und gegentheils, erhöht man den Widerſtand, fo verzögert fich ihr Gang.( Ich bemerkte dann ftets das Pfeifen der durch kurze Zeit gleitenden Riemen.) Beides fpricht wieder dafür, dafs fich Elektricität und Arbeit ziemlich vollkommen in der Mafchine umfetzen. Wie hier nun aber mittelft einer aufgewendeten Arbeitsgröfse Elektricität erzeugt wird, fo würde diefelbe oder eine andere ähnliche Maſchine( z. B. jene von Kravogl in Innsbruck, welche in Paris 1867 ausgeftellt war, und von welcher vielleicht Gramme den rotirenden Eifenkern entlehnte) wieder Elektricität in Arbeit umfetzen, indem fich die Factoren einfach vertaufchen. Dadurch wäre aber die Möglichkeit einer bequemen und billigen Ferntransmiffion gefchaffen, welche die Wafferkräfte der Gebirge und der fluthenden Meere weit in die kohlenarmen Thäler, und die ober Tage erzeugten motorifchen Effecte in das Innere der Bergwerke leiten könnte, indem das ifolirte Legen eines verbindenden Kupferdrahtes von circa vier Millimeter Dicke per Pferdekraft fo viel wie gar keine Schwierig. keiten macht. Nun ift es mir allerdings noch nicht gelungen, den directen Verfuch über das Güteverhältnifs folch einer Transmiffion, refpective folch eines Motors anzuftellen, indem diefe neue Gramme'fche Mafchine noch nicht in gleich grofsen Doppelexemplaren exiftirt. Aber aus den Ergebniffen der Bremfung einer Kravogl'fchen Mafchine( durch Prof. Dr. Pierre in Wien), deren kleine Dimen fionen und verfchwindende Effecte von circa o o1 Pferdekraft allerdings für den Mafchinenbauer keinen Werth haben und den Schlufs ins Grofse nicht direct zulaffen, mag angeführt werden, dafs bei der Umfetzung von Strömen, welche mit Bunfen- Elementen erzeugt wurden, in Arbeit, bis 15 Procent Nutzeffect nachgewiefen wurde. Nimmt man nun an, dafs der Nutzeffect folch eines Motors ähnlich dem einer Dampfmafchine mit zunehmender Gröfse fteigt, fo klingt die Behauptung Gramme's. dafs feine Mafchinen auf über 50 Percent Nutzeffect gebracht werden können, durchaus nicht unwahrfcheinlich, und da die Umfetzung zweimal vor fich geht, fo würde eine durch elektrifche Transmiffion übermittelte Arbeit zu circa 20 bis 25 Percent in ziemliche Fernen übertragen werden können, wobei der Leitungswiderftand fchon berücksichtigt ift. Allerdings fcheinen folche Transmiffionen heute noch nicht an der Zeit und ob fie uns in der Zukunft dienen können, hängt noch von Manchem und unter Anderem auch davon ab, ob folche Mafchinen dauernd wirkfam bleiben. Bis jetzt fcheinen fie nämlich nach längerem Gebrauche an Kraft zu verlieren, weil fich ( nach Pierre) die Contacte und die Ifolirungen in der Mafchine durch Abreiben des Kupfers etc. verfchlechtern. Eine neuere Kravo gl'fche Mafchine enthalt Contactrollen ftatt der Bürften, um diefem Abreiben zu begegnen. ind yelloms Die Petroleum Kraftmafchinen. Vit Diefe Mafchinen waren in den Räumen der Ausstellung nicht vertreten, was einzig und allein dadurch begründet ist, dafs fie im Frühlinge 1873 noch nicht erfunden waren. Nachdem fie aber während der Zeit der Ausstellung oder kurz nachher auftraten und ich eine derfelben mit Indicator und Bremfe zu unterfuchen und die andere doch wenigftens arbeitend zu fehen in die Lage kam, ſo ſcheinen einige Angaben darüber am Platz. Der Petroleum Motor von E. Hock in Wien. Die Wirkungsweife diefer Mafchine ift aus den unterdeffen in den technifchen Zeitfchriften erfchienenen Befchreibungen und Zeichnungen bekannt Petroleum- Motor von E Hock in Wien. 275 Sie befteht aus einem liegenden, vorne offenen Cylinder mit einem Taucherkolben, von deffen Boden die Schubftange zur gekröpften Kurbel reicht. Der Cylinder ift doppelwandig gegoffen und mit Waffer gekühlt. Das Petroleum befindet fich rückwärts der Mafchine in einem gefonderten Gefäfse, in welchem ein Schwimmer mit einer Schraubenfpindel niedergedrückt und dadurch die Höhe des Petroleumsniveaus geregelt und in Stand gehalten werden kann. Von diefem Petroleumgefäfs führt ein Rohr mit eingefchaltetem Rückfchlag. ventil durch den Boden des Mafchinencylinders, wo es an feiner freien Mündung rechtwinklich vor ein gleichfalls mit einem Rückfchlagventil verfehenes Luftrohr trifft. Bildet nun der Kolben, zu Beginn feines Hubes durch das Schwungrad gezogen, hinter fich einen luftverdünnten Kaum, fo treten Petroleum und atmofphärifche Luft durch die beiden Rohre ein nnd vermifchen fich, indem die Mundstücke derart gebogen find, dafs fich beide Ströme kreuzen. Diefes Mifchen ift ein mechanifches, das heifst, das Petroleum zerftäubt, wie man fich überzeugen kann, wenn man das herausgefchraubte Mundftück durch natürlichen Flüffigkeitsdruck und einen Blasbalg betreibt. Das zerftäubte Petroleum füllt nun den Raum hinter den Kolben, mifcht fich noch weiters mit Luft. welche durch eine andere Klappe zuftrömt, und wird nach ungefähr 1/3 bis 12 des Hubes durch eine Petroleum- Gasflamme entzündet, welche rechtzeitig entfacht und in den Cylinder geblafen wird. Das Entfachen gefchieht einfach durch einen Puffer, den ein Daumen auf der Schwungrad Welle gegen einen luftgefüllten Kautfchukballen ftöfst. Der dadurch gebildete Luftftrom paffirt eine Schichte( fpecififchen leichten) Petroleums in einem eigenen kleineren Gefäfse, fchwängert fich mit deffen Dampf und gelangt felber brennbar über eine kleine fortwährend brennende Flamme vor den Cylinder. In der Cylinderwand öffnet fich mittlerweile eine Klappe und die einfchlagende Flamme entzündet das bereits angefaugte Gemifch von zerftäubtem Petroleum und atmoſphärifcher Luft. Die auftretende Spannung wirft die Rückfchlagventile zu und treibt nun den Kolben nach vorwärts. Einige Percente vor Ende des Hubes überftreift der Kolben eine Auslafsöffnung, wodurch ein Theil des expandirten Gafes entweicht und den Gegendruck zu Beginn des Rücklaufes losbringen hilft, was durch eine möglicherweise verSpätet auftretende Explofion erfchwert wäre. Während des Anfaugens fowohl, als während des ganzen Rücklaufes, hat das Schwungrad allein die der Mafchine aufgebürdete Arbeit abzugeben, während es folche nur während der Explofions- und Expanfionsperiode empfängt. Cylinderand Rad müffen daher grofs und das Ganze trotzdem fchwer werden, dafs der Cylinder, des Vorderdeckels und der Kolbenftange entbehrt und eine weitere Führung als blos am Umfange des Taucherkolbens entfällt. Der Cylinder der von mir unterfuchten Mafchine mafs 220 Millimeter Durchmeffer und der Kolben machte o'380 Meter Hub. Bei 70 Umdrehungen des Schwungrades zeigte fich bei einem unter Druck durchlaufenen Arbeitsweg von 0 215 Meter der mittlere Druck von 105 Atmosphären, was einer indicirten Arbeit von 133 Pferden entspricht. Diefer Effect, von welchem 40 Percent auf die Bremfe kamen, wurde mit einer Menge von II Kilogramm Petroleum per Stunde erhalten, wobei der Aufwand für die Entzündungsflamme( damals fpeciell Leuchtgas) nicht inbegriffen 16 276 J. F. Radinger. erfcheint. Solch eine Mafchine wiegt laut Angabe circa 1100 Kilogramm und koftet 1600 Gulden inclufive einer kleinen Pumpe, welche von einem Excenter betrieben feitlich am Mafchinenbette liegt und den kühlenden Wafferkreislauf durch die Doppelwand des Cylinders beforgt. Ich habe mittlerweile eine andere fogenannte I pferdige Mafchine gebremft. welche andauernd 1 ½ Pferdeftärken leiftete. Diefe Mafchine hatte 210 Millimeter Cylinder Durchmeffer und 420 Millimeter Hub und ging 120 Mal in der Minute. Die Mafchine hat fich bereits in andauernder Arbeit bewährt. Ein Mifsftand lag in dem theilweifen Rückfchlag von halbverbranntem Petroleum durch die Oeffnung der Entzündungsflamme, durch deffen Geftank die Umgebung litt, was aber bei den neueren Mafchinen nicht mehr vorkommen foll. Die Petroleum Mafchine von Siegfried Markus in Wien arbeitet nicht mit zerfträubtem, fondern mit verflüchtigtem Petroleum, welches nach feiner Entflammung auf ähnliche Weife wirkt, wie das Gas in der Otto Langen'fchen Mafchine, das ift fich frei ausdehnen kann, und dann durch das entftehende Vacuum arbeitet. Die Erzeugung des explofiblen Gafes gefchieht einfach dadurch, dafs der Kolben im erften Theil feines Laufes atmoſphärifche Luft durch einen Petroleumkörper hindurch anfaugt und die Entzündung gefchieht durch den Funken eines äufserft kräftigen Inductionsftromes, den ein Daumen auf der Schwungrad- Welle mit jeder Umdrehung neu erzeugt. Solch kräftige Funken zu erzeugen, um Petroleum damit zu entzünden, war bis heute eine un gelöfte Aufgabe, aber der Apparat von Markus, welcher in einem kleinen Blechkaften an der Mafchine angebracht ift, zündete ficher bei jedem Hub, wie ich mich während des Ganges diefer Mafchine felbft überzeugte. Diefe Mafchine dürfte aus doppeltem Grunde ökonomifcher wirken, als die vorſtehende. Denn wegen der freien Ausdehnung der entzündeten Gasmaffe, kann alle Wärme in Arbeit umgefetzt werden( wefshalb auch weniger Kühlwaffer nöthig ift) und die Einbringung des Petroleums im verflüchtigtem Zuftand fichert deffen vollkommen gleichartige Mifchung, mit der dasfelbe tragenden Luft, und eine vollkommenere Verbrennung als im zerftäubten Zuftand, bei welchem ein Theil unverbrannt entweichen kann. Auch kommen bei diefer Mafchine durchwegs gezwungene Bewegungen der Abfchlüffe Drehfchieber) und keine felbftwirkenden Klappen vor, welche ftets nacheilen und lärmen. Andere Motoren. Die mit comprimirter Luft betriebenen Haspel, Pumpen, Gefteins Bohrmaſchinen etc. gehören nicht in diefen Bericht. Von Whitley Partners in Leeds wird zum Betriebe der Nähmaschinen ein aus fechs Ringfedern in einer Gufseifenhülfe beftehendes Triebwerk empfohlen. Das an den Umfang der Hülfe gegoffene Zahnrad wirkt mit einem eingefchalteten Vorgelege auf die Schnurfcheibe der Mafchine und der Gang diefes ganzen Uhr. werkes, welches 75 bis 90 Minuten lang laufen foll, wird durch eine FufstrittBremie regulirt. Ferner war ein Halbperpetuum Mobile, der Motor Debaudis aus Zala- Apati ausgeftellt, womit der Erfinder durch die Arbeit zweier Menfchen an einem Hebelayftem ganz bedeutende Effecte, zum Beiſpiel zum Betriebe eines Malganges hin. Jeichend ausüben wollte. Der Erfinder fcheint aber bald bekehrt worden zu fein. denn zuletzt lag das Ding verftaubt. Mafchinentheile. Die wichtigften Theile der ausgeftellten Motoren erfcheinen bereits im allgemeinen Theile und bei den einzelnen Mafchinen angeführt. Hier erübrigt nur die Anführung der gefondett ausgeftellten Beftandtheile. Die Regulatoren. Soweit die Regulatoren für den Eingriff in die Steuerung verwendet waren find fie im Zufammenhange mit diefer an den betreffenden Stellen erörtert, und es finden fich neuere Regulatoren von W.& J. Galloway bei deffen Mafchine, Seite 23. Tangye Brothers bei deren Mafchine, Seite 40. Hartnell& Guthrie bei Turner's Mafchine, Seite 54. Friedrich& Comp. bei deren Mafchine, Seite 191. der Société Centrale bei der Halblocomobile, Seite 216. Aufser diefen waren ausgeftellt: Der Regulator von Allen. Von Whitley Partners in Leeds war der Allen- Regulator ausgeftellt, welcher eigentlich von Reuben Kidder Hontoon in Bofton erfunden wurde und von obiger Gefellſchaft fabriksmäfsig erzeugt wird. Der Allen- Regulator befteht aus einem kleinem Schaufelrade, welches von der Dampfmafchine aus getrieben innerhalb eines theilweife( circa 3/4) mit Oel gefüllten cylindrifchen Broncegehäuſes mit bedeutender Gefchwindigkeit( 400 bis 500 Umdrehungen per Minute) rotirt. Diefes Gehäufe ift auf der Innenfeite der Mantelfläche mit vorragenden Rippen verfehen, welche von den Schaufeln des Rades beinahe berührt werden, und fteckt lofe auf der Achfe des rotiren. den Rades. Der Widerftand nun, den die Rippen dem Durchgang des vom Schaufelrade bewegten Oeles entgegenfetzen, fucht das Gehäufe in derfelben Richtung mitdrehen zu machen, in welcher das Rad fich dreht. Aufsen am Gehäufe aber befindet fich eine( unrunde) Rolle, über welche fich eine fchwache Gliederkette fchlingt und mittelft angehangener Gewichte das Gehäufe zurückzudrehen ftrebt. Diefe Belaftungsgewichte können durch Zugabe oder Wegnahme einiger ihrer Metallfcheiben derart ausprobirt werden, dafs fich die beiden im entgegen gefetzten Sinne wirkenden Kräfte eben ausgleichen, wenn die Normalgefchwindigkeit der Drehung eingetreten ift. 16* 278 J. F. Radinger. Die Gewichte ftehen mit dem rohrförmigen Einlafsventil der Mafchine durch einen Hebel derart in Verbindung, dafs fich die Durchgangsöffnung fchliefst, falls die Gewichte in Folge anfteigender Gefchwindigkeit gehoben werden, und Allen fetzt gleich auf den Deckel diefes droffelnden Ventiles jene Lagergabel, welche das Gehäufe umfchliefst. Diefem Regulator wird nachgerühmt, dafs er nur ganz geringe Maffen befitrend( daher ift das Gehäufe aus dünnwandiger Bronce) faft augenblicklich jeder Gefchwindigkeitsänderung folgen kann, aber auch fehr empfindlich ift, indem die unrunde Scheibe den Belaftungsgewichten einen längeren Hebelarm bietet, falls fie fich heben müffen und umgekehrt. Da ferner die dem Gehäufe durch die Rotation des Oeles mitgetheilte Kraft nur klein ift, fo ift das ganz entlaftete Röhrenventil und die bronceumkleidete Stange in der Stopfbüchfe für deffen Hub völlig am Platz. Solche Regulatoren follen an dem Dampfrohre grofser Walzwerks- Mafchinen angebracht, das Walzen bei völlig offenem Handventil und mit unmerklichen Gefchwindigkeitsunterfchieden zwifchen Leer- und Vollgang und den Uebergängen zulaffen und Whitley Partners bieten den Regulator Jedermann zur unentgeltlichen Probe durch einen Monat hindurch an, wobei fie felbft die Hinund Rückfracht( innerhalb Englands) bezahlen, falls er wegen ungenügender Wirkung zurückkommt. Für Schiffsmafchinen verwendet, wobei es die Mafchine nicht anzeigen foll, ob die Schraube in oder aufser Waffer arbeitet, wird ftatt des Gewichtes eine gefpannte Spiralfeder benützt. Solche Regulatoren koften complet aber ohne Abfperrventil bei einem Durchmeffer von 25, 100 und 150 Millimeter 60 Livres, IO, 40 " während die Rohrventile ungefähr 14 Livres per Centimeter Durchmeffer koften.. Brotherhood& Hardingham in London. Eine in der Mitte getheilte und durch Flanfchen verbundene Hohlkugel, welche in die Dampfleitung eingefchaltet wird, enthält im Innern ein gelochtes. ftehendes Rohr, durch welches die Weiterleitung des feitlich in die Kugel tretenden Dampfes ftattfindet. Diefes Rohr ift von zwei von der Mitte nach auf- und abwärts beweglichen fchweren Hülfen umgeben, deren Löcher jene erfteren in der einen Extremftellung völlig öffnen und in der andern fchliessen. In der Trennungsfuge lagert eine horizontale Achfe, um welche ein fchwerer Ring drehbar ift; diefer Ring trägt zu beiden Seiten der Achfe innen je eine Nafe, welche in die Fugen zwifchen den beiden Hülfen greift und diefe im Sinne des Schliefsens verfchiebt, falls fich der Ring aus feiner urfprünglichen fteilen, in eine mehr liegende Lage begibt. Nun empfängt die Ringachfe eine rotirende Bewegung, indem fie durch. eine centrifche Verticalwelle gefteckt ift, an der aufsen ein kleines conifches Radpaar durch einen Schnurlauf betrieben wird. Die Lagerung der horizontalen Radwelle gefchieht in einem Angufs der oberen Hälfte der Kugelfchale und die Verticalwelle tritt in deren Inneres ohne Stopfbüchfe und blos an einem conifch eingefchlieffenen Abfatze gedichtet ein, welch letzterer durch eine obere im verlängerten Lagerangufs eingefchraubte Körnerfchraube angedrückt wird. Durch die Drehung verringert fich die Neigung des im Dampfraume rotirenden Ringes gegen die Horizontale und die dadurch verfchobenen Deckhülfen des inneren Dampfrohres droffeln den Druck. Diefer Ringregulator wird durch die fchwer gehaltenen Hülfen belaftet und durch eine derfelben in feine Ausgangsftellung zurückzuftellen gefucht. Dei Ofcillationsregulator. 279 Bekanntlich hat folch ein Regulator nur die halbe Energie eines gleich fchweren Pendels, aber die Einfachheit des Einbaues und der Wegfall jedes Geftänges fprechen für ihn In geöltem Dampf, welcher auch keine von andern Urfachen herrührende Niederfchläge befürchten läfst, mag er anwendbar fein. Solche Regulatoren, werden von 20 bis 150 Millimeter Dampfrohrweite vorräthig gehalten und koften 7 bis 44 Pfund Sterling. Der Ofcillationsregulator, Patent L. A. Groth& Comp. in Stockholm. Diefer Regulator befteht aus einem fchweren Ring, welcher, ohne fich zu drehen, um feine fefte Achfe fchwankt. Diefes Schwanken, welches man fich in einem im Kreife weiterrückenden Vor und Rückwärtspendeln jedes einzelnen Durchmeffers denken kann, wird durch die zwei aufeinand fenkrecht ftehenden Zapfenpaare eines zwifchen Ring und Stütze eingebauten Univerfalgelenkes ermöglicht, und das Schwanker ( Ofcilliren) wird im Princip durch drei aufser dem Ring liegende Punkte an geregt, welche in einer zur Ebene des Ringes geneigten Ebene kreisen. Werden diefe drei Punkte an den Ring gedrückt, fo ftellen fie denfelben fchief, und fotiren fie um eine Achíe, welche mit der Achfe des Ringes zufammenfällt, fo bewirken fie die im Kreife fortfchreitende Schiefftellung des Ofcillationsringes. Für kleine Ausführung werden thatfächlich drei folcher Punkte in Geſtalt von halbkugelförmigen Schraubenköpfen an den Enden eines Dreiarms gebildet, deffen Welle gegenüber der Ringachfe liegt und durch eine Schraube angenähert werden kann. Für gröfsere Ausführung aber tritt diefe geneigte Ebene direct und zwar in Geftalt einer dünnen Ringplatte( Frictionsplatte) auf, welche vor dem eigent lichen Ofcillationsring fteht; fie wird von zwei Armen am Ende einer Welle getragen, welche durch die hohle Stütze( Achfe) des Ofcillat onsringes hinaustritt und rückwärts der Stütze von einer Riemenfcheibe eine dauernde Drehung empfängt. Wenn nun die Ringplatte in Drehung kommt und fie drückt gleichzeitig auf den der Drehung nicht folgenden Ofcillationsring, fo bewirkt doch jener Druck, welcher zum Schiefftellen des letzteren nöthig ift, eine Reibung. Und weil diefer Druck( Ofcillationsdruck) dauernd auftreten mufs, indem das Zurückdrücken der einzelnen Durchmeffer des Ofcillationsringes dauernd weiterfchreitet, fo wirken fortwährend zwei Kräfte, nämlich der Ofcillationsdruck und die dadurch geweckte Reibung zwifchen der rotirenden Druckplatte und dem ofcillirenden Ring. Es läfst fich nun leicht einfehen, dafs bei fteigender Gefchwindigkeit des rotirenden Ringes der Ausfchlagwinkel des Ofcillationsringes fteigen will, und in Folge deffen der Ofcillationsdruck und mit ihm die Reibung wächft. Wird nun der Ofcillationsdruck der normalen Gefchwingkeit durch eine Feder aufgehoben, welche z. B. die Normalneigung der Frictionsfcheibe beſtimmt, fo mufs der fteigende Druck jene Federfpannung überwinden, und wenn diefe Federfpannung die Lage eines Stellzeuges beftimmte, fo wird diefes verfchoben, wodurch der Eingriff in die Arbeitsweife der Mafchine erfolgt. Ebenfo läfst fich auch die Reibung zwifchen Frictionsfcheibe und Ofcillationsring benützen, indem diefe die Drehwelle zurückzuhalten fucht. Steigt diefe Reibung, fo erfolgt durch die kurze Verzögerung eine Aenderung der relativen Stellungen, welche zum Einrücken einer Räderkuppelung benützt werden kann, wenn die Welle der geneigten Scheibe und ihre Antriebs- Riemenfcheibe nicht feft, fondern durch eine Frictionskuppelung verbunden find. Der Erfinder behauptet eine ungemeine Empfindlichkeit mit diefer Anordnung gewonnen zu haben, was aber in der Ausftellung nicht nachgewiefen werden konnte, indem diefer Regulator an keiner Mafchine in Gang war. 280 Regulator Tfchebycheff. In der verticalen Regulatorachfe liegt der Drehpunkt der Kugelflangen; letztere reichen einerfeits erft nach abwärts, find aber auch andrerfeits nach auf. wärts über diefen Drehpunkt in geneigter Richtung verlängert und werden durch ein oberhalb befindliches Belaftungsgewicht mittelft eines Parallelogrammes nieder zudrücken gefucht. Die Kugelarme felbft krümmen fich vom Drehpunkt um das Belaftungsgewicht herum nach aufwärts und die Verbindungslinie ihres Schwer punktes mit der Drehachfe bildet gegen die belaftete Verlängerung diefer Stange den beftimmten Winkel von 119° 10'. Für diefe Anordnung wird nachgewiefen, dafs fie innerhalb eines bedeutenden Bogenweges nahezu vollkommen aftatifch wirkt, wenn die einzelnen Längen folgende beftimmte relative Gröfsen erhalten: Nimmt man die Länge der Armverlängerung I, fo wird die Länge der belaftenden Stange= 1'313 die Entfernung des Kugel Mittelpunktes zum Drehpunkt Und nimmt man das Gewicht einer Kugel= 1 g 1-549 W2 I - fo wird das Belaftungsgewicht auf der Achfe= 3.657 wobei w die normale Winkelgefchwindigkeit bedeutet. g W2 Die Regulatoren von Stephan Drzewiecki in Odeffa. Der Regulator Syftem Stephan, befteht aus einer verticalen Antriebswelle, welche oben in gufseifene Querträger endet. Deffen gleichlange Arme fteigen beiderfeits fchwach gegen Aufsen an und formen ie das Gelenkftück für die Kugelftangen. Diefe Kugelftangen ragen in ihrer mittleren Lage fenkrecht nach aufwärts, während fie bei niederer Gefchwindigkeit gegen die Verticalachfe zu und bei höherer von derfelben abftehen. Die Kugelftangen biegen fich aber beim Gelenkftück nach einwärts, wo fie hochkantige und fich kreuzende, eventuell von der Horizontallage auffteigende Schienen bilden und in der Mitte von einer gemeinfamen Rolle überdeckt find, an deren Achfe ein centrales Belaftungsgewicht niederhängt. Je mehr nun der Regulator anfteigt, defto weniger wirkt die Schwerkraft der Centrifugalkraft entgegen, um, die Verticale paffirend, in ihrem Sinne mitzuwirken. Das Zurückführen der Kugeln gefchieht durch das Belaftungsgewicht und Drzewiecki behauptet, dafs dadurch eine hohe Empfindlichkeit und ftärkere Energie bei grofsem Weg der Manchette nebft einem innerhalb gewiffer Grenzen aftatifchen Verhalten des Regulators gewonnen wurde. Der parabolifche Regulator von Drzewiecki. Die Führung des Schwunggewichtes in einer ftrengen Parabelbahn findet in geiftreicher Weife durch die gleichzeitige Führung der Kugel in einer Kegelfläche und einer diefelbe parallel zur Erzeugenden fchneidenden Ebene ftatt, wodurch die Parabelbahn principiell entfteht. Die verticale Regulatorfäule trägt nämlich in halber Höhe ein horizontales fymmetrifches Querhaupt, von deffen Aufsenenden je eine unter 45 Grad anfteigende Stange zur Spitze der Regulatorfpindel reicht. Diefe beiden fchiefen Stangen find an beiden Enden gelagert und bilden die Hypotenufen und Drehachfen für je ein an fie gefchmiedetes Dreieck, deffen Katheten horizontal und vertical nach Innen ragen. Die Horizontalkathete jedes Dreieckes ift durch eine Rundftange gebildet, welche fich über den Scheitelpunkt beim rechten Winkel des Dreieckes( geger Der Regulator von Pioell. 281 die Regulatorachfe zu) verlängert und in eine Gabel übergeht, welche die Schwungkugel umklammert und hält. Weil nun die verticale Kathete jedes der beiden Dreiecksfyfteme eine Kegelfläche erzeugt, falls fie um die fchiefliegende Hypotenufe eine volle oder theilweife Drehung annimmt, fo folgt, dafs auch der von der verlängerten Dreiecksftange gehaltene Schwerpunkt jedes Schwunggewichtes in einer und derfelben Kegelfläche verbleibt, falls er andrerfeits feinen Platz nur in der geraden Erzeugenden verändern kann. Jedes der zwei Schwunggewichte wird nun durch je eine Führungsftange zum Verbleiben in einer und derfelben Ebene gezwungen, längs welcher es aufund abgleiten kann; jede diefer Führungsftange ift aber die Seite eines gelenkigen Trapezes, deffen Langfeite von der Regulatorfpindel gebildet wird, deffen oberes Gelenkftück an der Spitze der Spindel fitzt, während die unteren Seiten an der Manchette hängen. Diefe Trapeze geftatten nun den Schwunggewichten wohl einen Ausfchlag, aber nur in ihrer eigenen Ebene, und da diefe fenkrecht zur Ebene durch die beiden Kegelachfen ftehen, fo folgt, dafs die Gewichte durch den Zwang beider Führungen gehalten, nur der gemeinfamen Durchdringungslinie, der Parabel folgen können. Durch die Hebung der Kugeln wird die Man chette mitgenommen ,, wie es fchon oben erfichtlich wurde und fo ein parabolifcher Regulator gewonnen, welcher, wenn er auch nicht die gleitende Reibung einer einfachen Schienenführung entfallen liefs und defshalb keine weite Verbreitung finden wird, doch die Gewinnung eines angeftrebten Zieles durch originelle und geiftreiche Combination vorführt. Der Regulator von R. Pro ell. Um die Empfindlichkeit eines Regulators zu fteigern, das ift, ihm die Möglichkeit zu geben, die Widerftände desStellzeuges fchnell und innerhalb geringer Gefchwindigkeitsänderungen zu überwinden, ift man bisher gewohnt, die Kugeln an gekreuzten Armen und die Hülfe mit einem Gewichte verwenden. letzteres Durch erfteres folgen die Kugeln bei paffender Wahl der Aufhäugpunkte nahezu einer Parabelbahn und durch wächft die Empfindlichkeit trotz geringem Gefammtgewicht. Für die Wirkung der Kräfte ift es nun gleichgiltig, auf welche Weife die Kugel. mittelpunkte gezwungen werden, fich in der geeigneten( Parabel-) Bahn zu bewegen, und das Verdienft Proell's beſteht darin, dafs er für gleiche Wirkung eine andere Aufhängung als jene langbekannte mit den gekreuzten Armen erfann. befchwert zu dod In Proell's Regulatoren ift die Gelenkverbindung derart angeordnet, dafs eine Kreuzung der Arme nicht mehr vorkommt, und dafs die Spindel keine fo bedeutende Höhe mehr erhält, wie es bei der Verhängung nothwendig wird, wenn die Punkte richtig eingehalten werden follen. Hier ftützt fich jede Kugel auf den oberen Arm einer feften ſtumpfwinklig abgebogenen Stange, welche felbft wieder an einer im Scheitel der Abbiegung gelenkig eingreifenden und oben von der Spindel getragenen Stange hängt. Das untere Ende der Winkelftange ift durch die Verbindung mit der Manchettenhülfe zu einem der Drehachfe parallelen Weg gezwungen und durch die vorläufig probeweife vorgehende Conftruction folch eines Zufammenhanges findet man die 202 J. F. Radinger. richtigen Punkte und Längen für die Bildung der pfeudo- parobolifchen Kugelbahn. Durch folch eine Aufhängung erhält aber das Syftem bei offenen Armen ungefähr nur die Hälfte jener Höhe, welche es bei der Aufhängung an gekreuzten Armen verlangt. Das vollkommene Regulirungsvermögen eines Regulators hängt ferner aufser von der gut erzwungenen Bewegungsbahn auch noch von der Wahl der Verhältniffe zwifchen feinen Gewichten und den Widerständen ab, und hier beanfpruchen diefe Regulatoren nur das Verdienft eben richtig gerechnet zu fein. Wegen der kurzen Arme werden die Hebellängen klein, an welchen die fchädlichen Kräfte in Folge plötzlich vorkommender Gefchwindigkeitsänderungen( fenkrecht auf die Ebene durch die Arme) auftreten und diefs veringert den Verfchleifs der Gelenkverbindungen. Die Spindel ift wegen der geringen Höhe weniger Schwankungen ausgefetzt, und kann in einer leichteren Säule untergebracht fein als fonft und die einfache Befeftigungsweife der Kugeln an den freien Armenden geftattet ein Verrücken ihrer Lage beim Montiren, wodurch( innerhalb naher Grenzen) auch eine Veränderung der richtigen Umdrehungszahlen eingeftellt werden kann, was auch manchmal wünſchenswerth erfcheint. Diefe Regulatoren find fo gerechnet, dafs ie den bei gewöhnlichen Verhältniffen auftretenden Druck für die Bewegung der Droffelklappe bei 2 Percent Tourenänderung überwinden, und bei 3 Percent Gefchwindigkeitsänderung die Hülfe an ihre äufserfte Stellung bringen. In der Ausstellung hing die Zeichnung eines folchen Regulators, welcher ( mit einem zweiten ebenfogrofsen) auf einer 200pferdigen Mafchine mit Farcotfteuerung angebracht werden foll. Die bewegten Maffen wiegen dabei 280 Kilo gramm, überwinden bei 2 Percent Gefchwindigkeitsänderung einen Druck von 8 Kilogramm auf die Hülfe und fteigen bei 4 Percent Gefchwindigkeitsänderung von der unterften bis zur höchften Lage( Hub 155 Millimeter) auf. Dabei beträgt die freie Länge der Spindel und die gröfste Breite bei ausgefchlagenen Kugeln nur wenig mehr als ein Meter. Für Deutfchland übernahm die Mafchinenfabrik von C W. Julius Blancke & Comp, in Merfeburg die fabriksmässige Ausführung diefes Syftems. Der Regulator von Bufs. An den zwei Enden je eines der beiden fymmetrifch vorkommenden Winkelhebel wirkt je ein Gewicht. Jeder diefer Winkelhebel ift um eine Achfe drehbar, welche fich feitlich der verticalen Regulatorfpindel und zwar in den paarweifen Armen eines gufseifernen, von der Spitze der Spindel niederhängenden Pendelträgers vorfindet. Diefer Winkelhebel trägt an feinem aufftehenden Arm( alfo oberhalb der Drehachfe) ein kleineres kugelförmiges und an feinem liegenden Arm( alfo jenfeits der Regulatorachfe) ein gröfseres, fafsförmiges Gewicht. Die Materialgebung des Winkelhebels folgt nicht deffen wirkenden Linien, fondern befteht aus einem nur wenig gekrümmten Verbindungsstück zwifchen der oberen Kugel und dem auf der entgegengefetzten Seite befindlichen Faffe. Senk recht an das Verbindungsftück fetzt fich eine Querftange und an deffen Enden je ein kurzer Arm, welcher den Drehzapfen enthält und fo den Winkelhebel vollendet. Die beiden Gewichte, die Querftange und die Arme bilden ein einziges Gufsftück. Die Arme für die Drehzapfen enden mit je einem unten gefchloffenen Der Regulator von Bufs. 283 Gabelftück, in welches der Pendelträger taucht und durch einen Stahlzapfen hält. Die Formgebung wurde nöthig, um der verticalen Regulatorfpindel, welche zwifchen den beiden Gewichten durchgeht, auszuweichen, wobei noch erwähnt fein mufs, dafs das fafsförmige Gewicht nur einfeitig mit einem breiten Steg an der Querftange fitzt, während jenfeits der Spindel der Steg des zweiten fymmetrifchen Syftemes Platz findet. Aufser dem Pendelträger und den WinkelhebelSyftemen befindet fich noch ein hohler Muff auf der Welle, welcher unten in die Manchette übergeht. Diefer Muff trägt zwei Platten angegoffen, auf welchen die normale Umdrehungszahl des Regulators etc. gefchrieben fteht. Diefe Plattenangüffe dienen aber zugleich, um die Bewegung der Winkelhebel auf die Manchette zu übertragen, indem der kurze Arm des Pendelfyftems dort mittelft eines Klobens hängt. Diefe Regulatorconftruction wirkt nun in folgender Art: Denkt man fich die beiden Schwungmaffen an den Enden eines Winkelhebels von 90 Grad, welcher im Scheitel, aber excentrifch feiner Umdrehungsachfe und der art geftützt ift, dafs der eine Gewichtsarm fenkrecht nach aufwärts und der horizontale Arm auf die drübere Seite der Umdrehungsachfe reicht, fo wird die Schwerkraft am verticalen und die Fliehkraft am horizontalen Arm als durch den Stützpunkt im Scheitel gehend wirkungslos bleiben. Es erübrigen alfo nur die Fliehkraft am verticalen und die Schwerkraft am horizontalen Arme und wenn deren Momente gleich find, findet keine Bewegung ftatt. Neigt fich aber der Winkelhebel, fo treten Componenten der früher aufgehobenen Kräfte neu ins Spiel. Und zwar verkleinert oder vergröfsert fich die Fliehkraft am aufrechten Arm, wenn fich diefer der Umdrehungsachfe annä hert oder fich von derfelben entfernt, und im gleichen verringernden oder vermehrenden Sinne wirkt die Gewichtscomponente, indem diefe die Abweichung von der Verticalen fowohl nach einwärts als nach auswärts befchleunigen will. Am liegenden Arm tritt aber dann der Einflufs des fich verkürzenden Hebelarmes, an dem das Gewicht wirkt, nur in unmerklichem Mafse auf, indem der Bogen der Schwingung wenig von der Verticalen abweicht. Aber die Fliehkrafts Componente fucht das Winkelhebel Syftem in die ursprüngliche Lage zurückzuführen, ob die Neigung nach ein- oder auswärts ftattfand. Die auftretende Fliehkrafts- Componente, am unteren Arm bekämpft daher die Kräftedifferenz oben, und wenn die Dimenfionen derart gewählt wurden, dafs die Momentenfummen innerhalb gewiffer Grenzen gleich bleiben, was nach dem eben erörterten möglich ift, fo wird der Regulator in jeder Lage ftehen bleiben. in welcher ihn eben die Normalgefchwindigkeit trifft; aber er wird bereits bei einer kleinen Aenderung derfelben feinen Grenzftellungen zueilen, und da er in Folge einer hohen Umdrehungsgefchwindigkeit und fchwerer Maffen eine bedeutende Energie befitzt, in fich felbft aber wenig Widerftände findet, den Gleichgang der Mafchine mit hoher Empfindlichkeit( Zufage: höchftens I Percent Aenderung auf- oder abwärts) erhalten. Diefe Regulatoren werden von Schäfer und Budenberg in Magdeburg fabriksmäfsig angefertigt und koften für Dampfrohrweiten von 25, per Stück 60 und 130 Millimeter . 36, 55 55 115 Thaler. 99 284 J. F. Radinger. Der Regulator von Adler& Panowsky Paulshütte bei Sohrau. In einem cylindrifchen Blechgehäufe rotiren um eine verticale Achfe vier von kurzen Armen getragene Flügel mit bedeutender Gefchwindigkeit und der Apparat wirkt daher als Luftfchraube. Die gleichfalls in Blech ausgeführten Flügel find in einer Nabe verbunden, welche erft eine mehr oder minder fchwere Belaftungsfcheibe und tiefer unten die Manchette für das Stellzeug trägt Steigt die Gefchwindigkeit der Mafchine fo wächft die Energie, mit de fich die Schraubenflügel erheben wollen, und die fteigende Manchette bewegt dann das fernere Geftänge. während bei verzögerndem Gang das Umgekehrte eintritt. Selbstverständlich ift folch ein Regulator völlig aftatifch und durch das Gewicht der Belaftungsfcheibe für geänderte Normalgefchwindigkeit einzuftellen. er bedarf aber dagegen ähnlich dem Allen- Regulator fortwährender thatfächlicher Arbeit, während bei den Pendel regulatoren nur die Reibungswiderftände zu überwinden find. Jedesfalls ift aber folch ein Regulator einfach und billig und fcheint in gefchloffenen Räumen wirken zu können. In der Ausftellung war diefer Regulator nicht in Gang. Die Riemen. Die Güte der Riemen hängt felb ftverſtändlich vom Rohmateriale und dem Gerbeprocefs ab, und es ift Sache des Berichtes über Leder, fich über beide zu ergehen. Im Allgemeinen fcheint darin keine Aenderung eingetreten zu fein und faft alle Ausfteller brachten Riemen von bekanntem Anfehen, wobei gewöhnlich ein Mufterexemplar von 500-520 Millimeter Breite vorkam. In Deutfchland fcheint fich die Gerbung auf Riemen mit Hemlok( amerikanifche Fichte) zu verbreiten, deren Ergebnifs fich äufserlich durch eine rothe Oberfläche und im Schnitt durch ein weifses, faft kryftallinifches Anfehen kennzeichnet. Diefe Riemen find weicher, biegfamer, und daher in Folge ihres innigeren Anfchmiegens an die Scheiben für den Transmiffionsbetrieb von diefem Standpunkte beffer, als die mehr fteif erhaltenen Riemen der alten Geromethoden. Jene Scheiben in der Ausftellung, über welche folche Riemen liefen, bewahrten eine trübe Lauffläche, zum Zeichen, dafs kein Gleiten auf ihnen ftattfindet, was übrigens auch von geringer Kraftübertragung herrühren mochte und keinen directen Mafsftab abgibt. Feftigkeitsproben konnte ich mit folchen Riemen nicht vornehmen und erfuhr auch keine Refultate von anderwärts darüber. Einer unferer bedeutendften Lederfabrikanten, den ich über diefe Gerbmethode befragte, verwirft diefelbe und begründet fein Urtheil aus dem erwähnten kryftallinifchen Anblick des Querfchnittes, welcher von Gerbftoff Kryftallen herrühre, während eine Grundbedingung der Güte das vollständige Auswafchen der Gerbfäure, welche fonft fortarbeitet, aus dem Leder fei. Ueberdiefs fei die Fafer mehr umhüllt als verfilzt, was den Riemen wohl weich, aber minder feft werden laffe. Whitley Partner's„ Helvetia"- Riemen follen durch eine eigene Gerbmethode eine höhere Feftigkeit und Gefchmeidigkeit als gewöhnliche Riemen erhalten. Verfuche, welche von Kirkaldy damit vorgenommen wurden, ergaben folgendes Verhalten: Riemenbreite 304 Millimeter ማን 99 254 201 99 Bruch bei einfachen Riemen Doppelriemen 8030 Kilogramm 5380 1790 " 9 2710 während gewöhnliche englifche Riemen eine um 10 bis 30 Percent geringere Zerreifsfeftigkeit zeigen. Die Riemen. 285 Nachdem gröfsere Breiten als folche von 2 Meter nicht wohl zu erhalten find und die Riemen durch die mehrfache Verdopplung unerträglich fteif werden, verfuchen es die Fabrikanten, durch andere Zufammenfetzungen jene Stärke zu erlangen, welche die einfache Form nicht gibt, und hier ift zu erwähnen: Scellos Domange& Comp. in Paris erreichen einen Riemen von 20 Millimeter Dicke bei 500 Millimeter Breite durch flaches Aneinanderleimen von circa 120 einzelnen hochkantig laufenden Lederftreifen, deren auslaufende Stöfse felbftverftändlich Voll auf Fug liegen. Solch ein Riemen, homogener Riemen genannt, foll 250 Pferde( ohne weitere Angaben) übertragen können Andere Riemen diefes Haufes waren einfach und mit zwei aufgenähten Seitenborten verfehen. Sampfon& Comp. in Manchefter verbreitern die Riemen durch Aneinandnähen einzelner Streifen. Die Nah.fäden liegen nicht fenkrecht auf die Riemenfläche, fondern parallel mit derfelben, indem die Längsfeite jedes Streifens aufgebogen genäht und der Rand wieder deckend niedergedrückt erfcheint, wodurch einer Abnützung von der Scheibe aus vorgebeugt ift. Ein anderer Riemen beftand aus einem 250 Millimeter breiten Unterriemen, auf welchem ftatt eines einzigen fieben Längsftreifen( an den Rändern genäht, auf den Flächen mit Holzftiften genagelt) befeftigt waren, und fo ein Doppelriemen erzeugt war, welcher infoferne ftärker als ein gewöhnlicher fein kann, als die Stöfse nicht auf die ganze, fondern nur der Breite durchlaufen. Der Riemen der Derham'fchen Mafchine war II Millimeter dick und 300 breit. Er beftand aus einem Hauptriemen, welcher fowohl oben als unten je 50 Millimeter breite Randftreifen und im mittleren Theile 60 Millimeter breite dicht aneinander fchliefsende Diagonalftreifen trug. Diefe Diagonalftreifen lagen ungefähr unter 45 Grad auf den Riemen und ihre Enden waren unter die Rand ftreifen eingenäht. Diefe waren aufsen mit Pechdraht, dann drei Längsreihen breit mit Holznägeln( 14 Millimeter Abftand) mit dem Unterriemen verbunden, während über die Diagonalftreifen 3 Nähte und 6 Holznagel Reihen der Länge des Riemens hin liefen. Durch diefe Form foll der Riemen ftärker und trotz der dreifachen Lederlage biegfamer und, da er kleinere Lederftücke verwendet, nicht theurer fein als ein Doppelriemen. Er lief auf ebenen( nicht gewölbten) Scheiben. Guftav Richard Becker in Mühlheim a. d. Ruhr brachte den breiteften Riemen der Ausftellung. Diefer war doppelt, 520 Millimeter breit und trug an den Rändern der Aufsenfeite noch überdiefs je einen Seitenftreifen von 100 Millimeter Breite. Die dreifache Dicke am Rande mafs 20 Millimeter. Diefer doppelte bis dreifache Riemen war mit engen Längsnähten bedeckt. Gliederriemen, welche ähnlich wie eine Lafchenkette aus ausgeftanzten Lederabfällen hergeftellt werden, find fchon lange bekannt. Solche Riemen laufen wenigftens für den Anfang fehr gerade, ſpannen fich bei fchiefer Uebertragung durch ihr bedeutendes Eigengewicht von felbft und können in beliebiger Breite und dennoch zu ungefähr felbem Preife als Kernleder- Riemen hergeftellt werden. Die Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Actien gefellſchaft verwendete einen folchen von 320 Millimeter Breite, der aus je 53 Ledergliedern ( 106 im Stofs) von je 38 Millimeter Länge und 15 Millimeter Höhe beſtand, während die Nutzlänge eines Gliedes, die Entfernung der Bolzen 21 Millimeter betrug Solcher Riemen follen mehrere bereits durch 6 Jahre dauernd- arbeiten. Der Keilriemen, wie er an der Pickeringmafchine in Verwendung kam, ift bei diefer Mafchine felbft( Seite 18) fammt der zugehörigen Scheibe befprochen und im Mafsitab gezeichnet. 286 J. F. Radinger. Kautfchuk riemen find lange bekannt und für feuchte Räume verwendet. In der Ausftellung war die Dinglermafchine mit einem folchen von 180 Millimeter Breite verfehen. Ein Riemen aus Nilpferde- Haut war von Fr. Hanncke jun. in Berlin ausgeftellt. Diefer Riemen war einfach und 23 Millimeter dick; über Feftigkeit und Preis war aber nichts zu erfahren, indem eine fchriftliche Anfrage dahin beantwortet wurde, dafs er mit Recht beachtenswerth und der einzige in der Ausstellung fei. Ihre Verfe Spelmans Ant. Brichta& Comp. in Brüffel bieten Riemen bis 7 Millimeter Dicke( bei 300 Millimeter maximaler Breite) an. Doppelriemen find mit hohlen Oefen genietet. Sie ftellen es dem Befteller frei, Riemen zu verlangen, welche in der Feuchtigkeit, oder folche, welche in trockener Hitze ohne Veränderung arbeiten. E. Hagen& Comp. in Hamburg. Kronleder- Riemen eigener Gerbung( Preller's& Comp. Patent). Solche Riemen waren an der Mafchine der Carlshütte bei Rendsburg verwendet. Sie gingen fehr fanft und follen 6 Kilogramm Zerreifsfeftigkeit per Quadratmillimeter befitzen L Stark& Comp. in Mainz empfehlen die Riemenfcheiben mit Lederbandagen zu umkleiden, was felbftverſtändlich eine weit geringere Spannung der Riemen für die Uebertragung des gleichen Effectes zuläfst. Diefe Firma bringt geprefste Riemen in den Handel, deren Dicke gegen die urfprüngliche um 20-25 Percent reducirt und deren Tragfähigkeit mit 3 0 Kilogramm bei den kleineren und 2.5 Kilogramm bei den gröfseren per Quadratmillimeter angegeben erfcheint. Kanten Riemen. Hochkantig laufende und quer vernähte Riemen fertigen Carl Reimers& Comp. in Altona in beliebiger Breite an. Gekittete Riemen, das find folche, welche in zwei bis dreifacher Lederftärke durch warmen und noch weiters präparirten Leim unter Druck hergeftellt werden, waren von mehreren Fabriken, unter anderen der Berliner Mafchinen Treibriemen- Fabrik und der Actiengefellfchaft für Mafchinenriemen in Dresden ausgeftellt. Nachdem fich hiebei keine Nähte abnützen können, fo follen fie dauerhafter, und weil deren Mangel ein gleichmäfsiges Aufliegen zuläfst, auch beffer arbeiten als die alten Doppelriemen. Dafs die Kittung weder in trockenen noch feuchten Räumen aufgeht, wird garantirt. Die Riemen der letzteren Fabrik follen. gereckt und deren Ränder auf der Planfcheibe gedreht fein, fo dafs fie genauen geraden Lauf bekommen und fich auch nicht längen können. Gewöhnlich find die Doppelriemen genäht, genietete Riemen kamen in manchen Formen vor. F. Gierke in Brünn verfah die Mafchine von Wannieck mit einem folchen Doppelriemen, deffen Nieten in 50 Millimeter Diagonal- und 85 Millimeter Querentfernung ftanden. Einzeltheile. Dampfkolben von Ed. Dubied in Convet( Schweiz). Diefe Dampfkolben zeichnen fich durch die völlig logifche Anfertigungsart der Dichtungsringe aus. Der zweitheilige Kolben felbft weicht in feiner Form nicht von der gewöhnlichen Conftruction ab und dichtet mit zwei äussern über Einzeltheile. 287 einandliegenden, an einer einzigen Stelle durchſchnittenen Gufsringen, hinter welche fich ein dritter gleichfalls durchſchnittener Ring von einer Höhe gleich der Summenhöhe der beiden äufseren elaftifch fchmiegt. Im Kolbeninnern ftehen noch drei verficherte Radialfchrauben, um die Ringe centrifch zu erhalten. Die Herftellung diefer Ringe gefchieht nun auf einer Planfcheibe mit mehren( 12) Radialfchrauben, zwifchen welche der Ring gefpannt und fo gedreht wird. Die Stellung der Schrauben gefchieht aber unter Einfchaltung je einer um fie gewundenen Drathfpiralfeder und diefe wird vor der Arbeit durch ein angehangenes Gewicht( wobei fie mit der Planfcheibe der Reihe nach in die fenkrechte Lage gedreht werden) auf die verlangte Spannung gebracht. Werden dann die Muttern bei eingefpanntem Ring fo weit angezogen, als früher unter dem Gewicht, fo erfolgt ein gleichmäfsiger und bekannter Druck auf den Umfang und der darunter gedrehte Ring federt im Cylinder mit der gleichen Reaction. Bei einem fo ausgeführten Kolben von 196 Millimeter Durchmeffer und 42 Millimeter Gefammthöhe der äufsern Dichtungsringe wurde jede Feder der Planfcheibe mit 7 Kilos und für den innern Ring mit 15 Kilos vorbelaftet welcher Druck von jeder der 12 Planfcheiben Schrauben geübt in Summe 348 Kilogramm gibt. Diefe follen, auf die 259 Quadratcentimeter Ringumfangs- Fläche vertheilt, den Dichtungsdruck von 1'34 Kilogramm per Quadratcentimeter hervorbringen, wobei der Kolben mit Leichtigkeit gehen und 5 Atmoſphären Ueberdruck vollkommen abfchliefsen foll. E. Dubied gibt diefes von von ihm erfundene Verfahren allen Conftructeuren frei. Körtings Patent- Strahl condenfator. Diefer Apparat erfcheint bereits im Berichte über Pumpen( Heft 80 des Berichtes) befchrieben, abgebildet und von Diagrammen begleitet. Meine Erfahrungen über diefen und einen ähnlichen Apparat finden fich Seite 129 des vorliegenden Berichtes. Drehfchieberhähne von J. Eckel. J. Eckel in Arad ftellte ein neues Syftem von Drehfchieberhähnen aus, welche aus einer zwifchen die fchiefgefchnittenen Flanfchen zweier fymmetriſcher Gehäufe gefchraubten Kreisplatte befteht, deren zwei Radial- Durchgangsfpalten von einer Drehplatte geöffnet oder gefchloffen werden. Die Achfe der Deckplatte geht durch eine Stopfbüchfe nach aufsen, wo fie mit einem Griff ähnlich einem Wirbelhahn gedreht werden kann. Sowohl Grund- als Drehplatte find aus Gufseifen und derartig hoch, dafs jene Federung nicht vorkommt, welche eine ungleiche Abnützung hervorruft, und ein Hauptvortheil liegt in der Möglichkeit, durch einfache Verdrehung der einen gegen die andere fchiefgefchnittene Gehäufeflanfche jede Winkelabbiegungen der Dampf- oder anderen Flüffigkeitsleitung mit dem Abfperr- Schiebergehäufe felbft einftellen zu können. Auch die Auswechslung der nur eingelegten Grundplatte im Falle ihres Verderbens ift leicht. Diefe Schieber fcheinen weiterer Er probung werth. M. Chaudré in Paris umgeht die Stopfbüchfen für folche Stangen; welche dicht in ein Gefäfs eintreten follen, jedoch nur eine ofcillirende Bewegung zu übertragen haben, wie es beiſpielweife an Schwimmern, Dampf Droffelklappen, Facot Steuerdaumen etc. vorkommt, durch ein kurzes Kautfchukrohr, welches einfeits auf eine eingekerbte Verdickung der Stange und andrerfeits über einen nach innen reichenden Rohrangufs am Verfchlufsdeckel gefchoben wird. Diefes hält nun dicht und geftattet durch die eigene Elafticität eine ziemlich bedeutende Winkeldrehung. Für manche Zwecke, befonders bei kaltem Waffer, dürfte folch ein aufgezogenes Kautfchukrohr thatfächlich alle andern Stopfbüchsen verdrängen können. 288 J. F. Radinger. Das Material. Ueber das Material, feine Feftigkeit und deffen übriges Verhalten ergeht fich ein anderer Bericht( Heft 30). Eine neue für den Mafchinenbau verwendbare Verbindung dürfte in der Phosphorbronce gefunden fein, über welche dort gleichfalls ein Näheres zu finden ift. Hier kommt allenfalls zu erwähnen: Das hämmerbare Gufseifen, wie folches von Clarke Bros.& Odling in Nottingham und von F. Fifcher in Traifen( Oesterreich) ausgeftellt wurde, fcheint fich insbefondere für den Klein- Motorenbau bereits einzubürgern und die Verwendung von Schmiedeifen zu complicirteren Formen ziemlich verdrängen zu können. Clarke behauptet, dafs ihr Material dem Gufsftahl an Güte gleichkommt, fich aber dabei leichter drehen und verarbeiten läfst. Es kann gehärtet und polirt werden wie Stahl. Verwendet erfchien es zu Kurbeln und Kurbelachfen, Kreuzköpfen, Couliffen, Schrauben, Zahn- und Sperrrädern etc., ferner mit eingegoffenen Nietlöchern zu Kingeinlagen der Locomotiv- Feuerthüren, zu Schraubenfchlüffeln etc. Vor meinen Augen wurde ein Kreuzkopf zufammengedrückt und ein Schraubenfchlüffel um 90 Grad verwunden, ohne dafs fich eine Rifsfpur zeigte. Zerreifsproben gaben bei Fifcher's Material ziemlich gleichmäfsig circa 28 Kilogramm Zugfeftigkeit per Quadratmillimeter und o o1 Längen Dehnung nach dem Bruche. Der Preis beträgt für kleinere Stücke, o 5 und für gröfsere o 2 Gulden per Kilogramm. Die Gufsftahl und Waffenfabrik Witten( vormals Berger& Comp.) in Witten an der Ruhr, welche feit Jahren das Schmieden ſchwieriger Maſchinenbeftandtheile aus Stahl als Specialität betreibt, ftellte eine doppelt gekröpfte Kurbelachfe für eine Zwillingsmaschine von circa 300 Millimeter Cylinderweite und eine Sammlung von Kolben- und Schubftangen etc., alles in jenem halbfertigen Zuftande aus, wie es diefes Etabliffement meiftens liefert. Erwähnenswerth find zwei ftählerne Dampfkolben von 400 Millimeter Durchmeffer, welche mit ihren 65 Millimeter dicken, über ein Meter langen Kolbenstangen und Kreuzkopfftau in Einem, das ist ohne Schweifsung hergestellt waren. Einer diefer Kolben war in gefchmiedetem und der andere in fertigem Zuftande ausgeftellt und der Letztere liefs das vorzügliche Material beftens erkennen. Bochumer Verein Eine Gufsftahlwelle von 5.60 Meter Gefammtlänge und 418 Millimeter gröfster Dicke mit zwei um 90 Grad verdrehten Kurbelkröpfungen( in o 425 Meter Halbmeffer), wie fie für eine Walzenzugsmaschine beftimmt ift, bildete nebft dem Dampfcylinder eines Hammers von 15.000 Kilogramm Fallgewicht, der mit Dampfcanäien, Tragplatten etc. aus einem Stück Tiegelftahl( 7000 Kilogramm fchwer) hergestellt war, die hier zu erwähnende Ausstellung diefer bekannten Werke für Bergbau und Gufsftahl- Fabrication. Unter Anderem waren hier auch zwei hydraulifche Prefscylinder für 483 und von 632 Millimeter Kolbendurchmeffer ausgeftellt, deren letztere bei 102 Millimeter Wandftärke( zu Haswell's Schmiedepreße in Wien verwendet) 460 Atmoſphären mit Sicherheit erträgt. Apparate zur Unterfuchung der Mafchinen. Zur Beftimmung der geleifteten Effecte der Motoren dienen im Allgemeinen die Brems Dynamometer und überdiefs fpeciell noch für die Dampf- und ähnliche mit beweglichen Kolben arbeitenden Mafchinen die Indicatoren. Hubzähler, Waffermeffer etc., welche wohl auch dabei zur Verwendung kommen können, liegen diefem Berichte zu fern. Die Bremsdynamometer. In der Ausftellung waren nur an wenigen Mafchinen Bremfen angebracht und Bremsdynamometer als folche waren nur von einer einzigen Firma ausgeftellt. Ich habe mit fämmtlichen vorhandenen Bremfen( ausgenommen jener von Friedrich& Comp in Wien) Verfuche vorgenommen und die Refultate bei den betreffenden Mafchinen angeführt. Doch waren die zu bremfenden Effecte nur klein und überftiegen nie 20 Pferdekräfte. Englifche Brems dynamometer. Durch die jährlichen Preisheizungen bei den Locomobilen Ausftellungen in England hat fich unter Anderem folgende einfache Bremsconftruction herausgebildet, welche an der Ranfome Sims& Head'fchen Stroh- Heizlocomobile in ihrer einfachen Form und ferner in zwei Exemplaren einer von Eaftons vervollkommneten Conftruction in der Aus ftellung vertreten war. Ich habe mit jedem diefer Apparate wiederholt und je mehrere Stunden lang Bremfungen vorgenommen( fiehe Keffelbericht Locomobilen) und mich von deren verläfslichen Arbeitsweife überzeugt. Die Bremfung gefchieht ftets mit einem rund um das abgedrehte Riemenfchwungrad gelegten und ziemlich dicht mit Holzklötzen bekleideten Eifenband, welches des Transportes halber aus mehreren mit Gelenken verbundenen Theilen befteht. Die Ranfome'fche Brem fe trug bei 152 Meter Scheibendurchmeffer and 195 Millimeter Breite 18 Holzbacken von je 150 Millimeter Länge, 190 Breite, und 37 Millimeter Dicke, wodurch fie einen Abftand von ungefähr je 80 Millimeter frei liefsen. Diefe Holzbacken waren auf ein 150 Millimeter breites, ein Millimeter dickes Blech mit je 4 Schrauben befeftigt und waren vor dem Abfallen von der Scheibe durch drei Paare von Hartholznafen gefchützt, welche einfach an die Seite der Bremsbacken gefchraubt waren. Zum Anziehen der Bremfe diente eine Doppelfchraube mit entgegengesetzt gefchnittenen Gewinden, welche zwifchen diefen, das ift in inrer halben Länge eine querdurchlochte Verdickung trug. Die Hand des Beobachters fafst einfach diefe Verdickung an und die leichtgehende Schraube ſpannt das Bremsband durch die an den Brems- Bandenden angenieteten und die Muttern enthaltenden Winkel. Diefe Schraube war im Ganzen 300 Millimeter lang und 25 dick, und nicht in der Achshöhe, fondern an einem Ort derart tiefer eingefchaltet, daſs fie in die Handhöhe kam. Für das Bremsgewicht hing ein 120 Millimeter breites Riemenftück von der Höhe des horizontalen Durchmeffers auf der Gegenfeite der Handfchraube 290 J. F. Radinger. nieder, und trug unten eine mit 6 Nieten befeftigte Eifenfchleife, während es oben durch ein Schraubenpaar am Bremsband hielt. An dem tiefften Punkt des Bandes war noch ein Auge für eine ftets lofe hängende Sicherheitskette angebracht, um einem allfälligen Herumfchleudern der Gewichte zu begegnen. Letztere hingen mit je einem langen Drahthaken in der Schleife und berührten faft den Boden. Diefe Bremfe, deren Eigengewichte fich völlig balanciren, konnte halbftundenlang einen Effect von 18 5 Pferdeftärken bei 140 Umdrehungen per Minute ohne fich zu erhitzen aufnehmen, obgleich fie trocken lief. Von Eaftons& Ande: fon in London waren zwei Brems- Dinamometer. gefandt, mit deren einem ich die Garett'fche Locomobile beobachtete( fiehe Keffelbericht). Von diefen Bremfen hatte eine nur eine und die andere( unbenützte) zwei Bremsfcheiben, welche je 154 Meter Durchmeffer und 135 Millimeter Breite zwifchen den Seiten rändern befafsen. Die Bremfung gefchah ähnlich wie bei der vorigen Bremfe mit einem umlegten und 12 Holzbacken enthaltenden Doppel. band und einer Handfchraube. Die Belaftung war mit einzelnen 10 und 5 Kilos fchweren Gufsfcheiben, auf einem centrifch aufgehangenen Teller vorzunehmen, welchen ein Fangarm vor dem Zutieffinken fchützte. Das Bremsband war aber hier noch einmal und zwar am tiefften Punkte unterbrochen und fafste( aber nicht in gerader Flucht) das untere Ende zweier der Symmetrie halber zu beiden Seiten der Bremsfcheibe ftehender, je 570 Millimeter langen Hängfchienen an; diefe konnten oben in einem verticalen Langfchlitz um den feften Bolzen je einer kleinen Standfäule fchwingen, unten fchlofs fich das Bremsband, welches von der Gewichtsfeite her kam. an, während das entgegengefetzte von einem um 50 Millimeter höher liegenden Punkt derfelben Hängfchiene fortlief. Durch diefe Einfchaltung war das Belaftungsgewicht vor einem Zuhoch heben gefchützt, aber noch der weitere Vortheil erreicht, dafs fich das Band felbft genau fpannte, wenn es von der Handfchraube nur beiläufig eingeftellt war. Die Schwankungen der Gefchwindigkeiten des Motors glichen fich derartig aus und der Beobachter hatte nicht jene dauernden Correcturen vorzunehmen, welche fonft nöthig fcheinen, ohne es zu fein, und feine Aufmerksamkeit unfruchtbar beanſpruchen. Der Apparat war wohl aufserhalb des einen Lagers mit einer 152 Meter grofsen, 150 Millimeter breiten Riemenfcheibe, aber aufserdem zur directen Kuppelung an die Kurbelwelle der zu unterfuchenden Locomobilen eingerichtet, indem die weiter verlängerte Achfe des Bremsrades ein Hoock'fches Gelenk trug und eine Zwifchenwelle mit einem zweiten Gelenk beigegeben war, welche mit Stellfchrauben an die Lokomobilwelle zu fetzen ift. Dadurch wird der Effect von der Mafchinenwelle direct genommen, ohne die Zapfenreibung ins Spiel zu bekommen, welche die Riemenfpannung weckt. Um aber diefe Kuppelung ohne Winkelabweichung bewerkstelligen zu können, befanden fich die beiden fchiefgefchnittenen Lager des Bremsrades in einem gemeinfamen unten herumgehenden Rahmen, welcher vorne an den zwei je 2.750 Meter hohen Ständern der Maſchine fchwalbenfchwanzförmig vertical geführt und mit je einer langen Schraubenfpindel und oberem Griffrad höher oder tiefer verfchoben werden konnte, worauf zwei jederfeits im Schlitze eingelaffene Schrauben die Feftftellung des Rahmens beforgten Die Ständer hatten eine dreieckige Form und ftanden auf einer gemeinfamen Grundplatte, deren taffenförmige Vertiefung das abträufelnde Kühlwaffer aufnahm, welches aus einem oben angebrachten Gefäfs über die Bremfe lief. Diefe Bremfe wurde unter dem Effect der Garett'fchen Mafchine( 16 Pferde bei 120 bis 140 Umdrehungen der Scheibe) trotz reichlichen Kühlwaffers Die Bremfen. 291 nach einer continuirlichen Benützung durch eine Stunde fchon beträchtlich heifs. Die Straub'fchen Bremfen. Die an den Wafferrädern von Daniel Straub angelegten Bremfen erfchienen für diefe Motoren oder wenigftens für den in der Ausftellung platz greifenden Effect derfelben zu grofs angelegt und liefsen daher keinen directen Einblick in ihre eigene gute Wirkung bei Vollbeanspruchung zu. Was deren Conftruction betrifft, fo beftanden diefe aus einem abgedrehten Rade von 130 Meter Durchmeffer und 130 Millimeter Breite zwifchen den Rändern, auf welche fich oben ein mit angefchraubten Bremswangen verfehener Balken von 18 und( bei einer zweiten Bremfe) von 2.86 Meter Länge legte, von welchem ein Eifenband niederhing, welches unten das Rad umfchlofs. Diefes Band war mit Holzbacken gefüttert und diefe bedeckten gleich dem oberen Wangen je 1/3 des Umfanges der Scheibe. Das Spannen der Bremfe gefchah durch zwei Schraubenbolzen, an welchen die beiden Enden des unteren Bandes hingen. Diefe Schrauben gingen durch den Horizontalbalken und konnten mit Muttern angezogen werden, welche je in die Nabe eines Schraubenrades gefchnitten waren und durch die zwei Wurmräder einer gemeinfchaftlichen obenhin laufenden Welle zu drehen waren, welche hinten mit einem Griffrad endete. Diefe Bremfen nahmen nur ganz kleine Effecte von 2 und von 3 Pferdestärken auf, mufsten aber dennoch ziemlich ſtark gefpannt werden, nachdem fie mit den kleinen Umdrehungszahlen von 2.63 bis 4.05 per Minute zu arbeiten hatten. Ich überzeugte mich bei mehreren Verfuchen von der guten Arbeitsweife und führte fie hauptfächlich aus dem Grunde an, weil Straub diefe Conftruction auch für Bremfungen von 150 bis 200 Pferdeftärken verwendet. Als Mafsftab für die Dimenſionsgebung folch' grofser Bremfen nimmt Straub dabei an, dafs das Bremsrad eine derartige Umfangsfläche befitzen mufs, dafs jede der Breite nach am Bremsrad gedachte Gerade( jede Erzeugende) für jede einzelne zu bremfende Pferdekraft eine Fläche von o o125 Quadratmeter per Secunde zu erzeugen hat. Dabei follen 2/3 des Umfanges von den Backen bedeckt und die Anzugsfchrauben mit unterlegten Spiralen gefedert fein. Eine Scheibe von 2.8 Meter Durchmeffer und 316 Millimeter Breite foll bei 40 Umdrehungen per Minute 150 bis 200 Pferde anftandslos aufgenommen haben, was nach obigem Mafsftab o 0124 bis 0.02 Quadratmeter gibt. Walter Zuppinger theilte mir mit, dafs er jüngft 120 Pferde mit einer folchen Scheibe von 1 26 Meter Durchmeffer und 316 Millimeter Breite bei 60 Umgängen bremfte, was, nachdem er nach ähnlichem Mafsftab rechnet, o'0104 Quadratmeter per Pferd und Secunde gibt. Filipp Meyer in Wien legte auf das Rad feines hydraulifchen Motors eine Bremfe, welche aus einem mit Holzbacken gefütterten Riemen beftand, der zu beiden Seiten belaftet aus der Gewichtsdifferenz die Umfangskraft gab. Bei den geringen Effecten diefes Motors und der hohen Gefchwindigkeit gab fich auch hier keine Schwierigkeit. Friedrich& Comp. in Wien hatten auf ihrer Mafchine eine hölzerne Bremfe mit hinausragendem Arm ganz einfacher Conftruction, welche nichts Erwähnenswerthes zeigte. Der Brems Dynamometer von Profeffor Dr. E. Hartig in Dresden, welcher gleichfalls in der Ausftellung war und mit welchem Verfuche vorgenommen wurden, ift bereits länger bekannt, und gehört auch als nicht für 17 292 J. F. Radinger. die Beftimmung des an Motoren auftretenden, fondern des von Arbeitsmaschinen verbrauchten Effectes, nicht in diefen Bericht. Sonft waren keine Bremfen in der Ausftellung. Die Indicatoren. Der weitaus verbreitetfte Indicator ift der von Richards, deffen Conftruction und gute Eigenfchaften fchon lange bekannt find. In jedem gröfseren Staate ift eine einzige Firma, welche diefelben anfertigt, wie diefs eintheils bei der verlangten Präcifion des Inftrumentes und an lerntheils durch den Umftand bedingt ift, dafs dasfelbe häufig( eigentlich nach jedem anftrengenderen Verfuch) zum Erzeuger zurück foll, um in den Gelenken etc. gründlich gereinigt zu werden. Die Richards'fchen Indicatoren werden in England von Elliot in London, in Deutfchland von Schäfer& Budenberg und in Oefterreich von J. Kraft in Wien überall in eben genügender Güte angefertigt, während die Mafsftabs- Beftimmung, welche der Fabrikant dem Inftrument beigibt, ausnahmslos falfch ift und vom Benützer( falls er verlässliche Beobachtungen machen will) felbft und individuell für jedes Inftrument und jede feiner Federn unter Dampf von genau bekannter Spannung vorgenommen und von Zeit zu Zeit wiederholt werden mufs. Diefer meift vernachläffigte Umftand liefs mich keine Effects beftimmungen in diefem Bericht aufnehmen, welche die Fabrikanten auf Grund felbft auigenommener Diagramme bereitwilligft mittheilen und wenn ich trotzdem in der Ausstellung mit fremden Indicatoren, welche meift beigeftellt waren, Verfuche wo immer möglich vornahm und die Diagramme hier wiedergab, fo gefchah diefs mehr, um ein Bild der Dampfvertheilung als ein Mafs der Arbeit zu bringen. Die beigefügten Mafsftäbe find meift( wo ich nicht mit meinen Indicatoren arbeitete) die, welche der Erzeuger angab. Aufser dem Richards'fchen waren noch folgende, der Mehrzahl für fpecielle Zwecke beftimmte Indicatoren zu finden. Totalifirender Indicator von Carl Pieper in Dresden. Diefes Inftrument( Patent Ashton& Storiey) foll die Summe derjenigen Arbeiten in Kilogramm Meter anzeigen, welche in einer längeren Zeit auf beiden Kolben feiten einer Dampfmafchine auftritt. Das Inftrument befteht aus einem Indicator- Planimeter und enthält einen kleinen ftehenden Cylinder mit eingefchliffenem Kolben, deffen Stange durch eine obere Stopfbüchfe hindurchgeht. Die Spiralfeder, welche die Spannung mifst, befindet fich oben aufserhalb des Indicatorcylinders, deffen beide Enden mit den beiden Enden des Dampfmaschinen- Cylinders durch entſprechend lange Rohre in Verbindung stehen. Der Indicatorkolben foll Folge deffen ftets genau den am Dampfkolben herrfchenden Ueberdruck erfahren und der Weg feiner Stange nicht wie bei den gewöhnlichen Indicatoren den Spannungen, fondern dem auftretenden Gefammt. drucke nach Abfchlag des Gegendruckes proportional fein. Wenn die Preffungs differenz Null herrfcht, fo fteht der Kolben des Inftrumentes in der Mitte feines Laufes und die den Einflüffen der Wärme entzogene Indicatorfe der wird in dem Mafse abwechſelnd gefpannt oder geprefst, wie der Hub in der Mafchine wechfelt. Aufserhalb des Indicatorcylinders und zwar zwifchen ihm und der hochliegenden Feder trägt deffen Kolbenstange noch ein kleines fchmalrandiges Laufrad und darüber einen langen Zahnradcylinder, welcher mit einem Vorgelege auf ein Zeigerwerk wirkt. Ware nun Alles beendet, fo würde der Kolben wohl im Mafse der auftretenden Dampfdrücke auf- und niedergehen und der Zahnrad- Cylinder diefei Bewegung in der Richtung feiner Längsachfe folgen, aber da kein Anlafs zu einer Die Indicatoren. 293 Drehung vorkommt, fo würden feine Zähne die Lücken des Vorgeleges der Länge nach durchftreichen, ohne diefes und das Zeigerwerk mitzunehmen. Nun erhält aber das Zahnrad eine Rundbewegung im Mafse des Kolbenwegs oder vielmehr des Productes von Dampfdruck und Kolbenweg, indem das fchmalrandige Laufrad, weiches mit ihm aus einem Stück gearbeitet ift und feft auf der Indicator Kolbenstange fitzt, an der Kreisfläche einer kleinen Planfcheibe auf- und abfteigt, deren Achfe durch eine aufgekeilte Schnur Rolle die Längsbewegung des Mafchinenkolbens reducirt empfängt. Das Laufrad, deffen glatter Rand an der Ebene der Planfcheibe gleitet, wird nun durch die Reibung mitgenommen eine defto gröfsere Winkelbewegung eriahren, je weiter fie der Dampfdruck vom Mittel der Scheibe( wo fie unter dem Druck Null fteht) nach auf- oder abwärts und dem Rande der Scheibe zu führt. Diefe auf das Zahnrad und das Zifferwerk übertragene Bewegung fchreitet im gleichen Sinne vor, wenn der Hub wechfelt, indem dann auch das Laufrad durch den gewechfelten Druck auf die diametrale Gegenfeite der oscillirenden Planfcheibe kommt. Diefe, genau dem Polarplanimeter entnomm ne Meffungsweife einer flächenbildenden Bewegung fetzt fich in einem Zählwerk fort und bringt die Umdrehungszahlen auf ein fichtbares Zifferblatt; die Einheit derfelben foll bei den gewählten Dimenfionen des Apparates eben 1000 Fufs- Pfund per Kreiszoll( englifches Mafs) werthen, wobei man durch die Multiplication der Ablefung mit dem Quadrat des Cylinderdurchmeffers die während der verfloffenen Zeit geleiftete Arbeit erhält. Diefer Apparat ift unftreitig ein geiftreich erdachtes Mittel, um den am Kolben einer Dampfmafchine auftretenden Effect zu totalifiren. Er berücksichtigt alle Aenderungen des Dampfdruckes und der Gefchwindigkeit und gibt den Mittelwerth einer langen mühelofen Beobachtungszeit ohne allen Vergleich einfacher als der gewöhnliche Indicator. Dafür gibt er aber keinen Auffchlufs über die Urfachen eines allfälligen Minder Effectes und keine Andeutung über eine mögliche Verbefferung der Steuerung, und die Beftimmung oder Controle feines eigenen Einheitswerthes ( wenn derfelbe überhaupt für jeden Druck proportional bleibt) fcheint eine unge. mein fchwierige und umftändliche Aufgabe. Solch' ein totali firender Indicator war in der Ausftellung an einem der Cylinder der grofsen Mafchine von G. Sigl angebracht( wobei die Hubüberfetzung, der Antrieb der Schnurfcheibe durch eine fchraubenförmig gewundene Flachfchiene erfolgte, deren Mutter vom Kreuzkopf mitgenommen wurde); diefer Apparat war aber zu Ende der Ausftellung fchon ziemlich abgenützt, indem die Planfcheibe innerhalb der gewöhnlichen Hubgrenzen fühlbar ausgelaufen war und der Indicatorkolben derartig undicht erfchien, dafs das Vacuum fofort von 595 auf 620 Millimeter ftieg, wenn man den Apparat durch Abiperren der Hähne ausfchaltete und umgekehrt fiel, wenn man ihn wieder einrückte, was bei den grofsen Abmeffungen des Cylinders gegenüber dem Indicator ganz bedeutende Undichtheiten verräth. Dafs ferner eine Dampfleitung durch ein längeres und öfter gebogenes Rohr zu einem Indicator hin deffen Angaben trübt, ift eine bekannte Sache, und wenn man noch bedenkt, dafs das Laufrad falfche Drehungen erfahren wird, wenn Unreinigkeit oder Fett auf die Planfcheibe kommt, fo wird man unter Zuſammenfaffung all' diefer Fehlerquellen ermeffen, dafs die Angaben diefes Inftrumentes wohl nur vorfichtig hinzunehmen find. Herr Ingenieur Pieper behauptet, die Angaben feien auf 1/10 Percent genau. Ich konnte aber trotz mündlicher Anfrage nicht erfahren, wie er zur Kenntnifs diefer Genauigkeitsgrenze gelangte. 294 J. F. Radinger. Hopkinfon's Indicator. Von Whitley Partners ausgeftellt war ein einfacher Indicator, deffen Schreibftift direct an der Kolbenftange fafs. Das Inftrument unterfchied fich nur in den Detailen von dem alten Watt'fchen Indicator, mit welchem es das Princip des langen Hubes gemeinſam hatte. Der grofse Kolben( 25 Millimeter Durchmeffer) und die lange Feder von 135 Millimeter Länge( gegen 55 einer Richards'fchen Feder) eignet den Apparat daher mehr für langfamer gehende Mafchinen. Die Kolbenstange ging durch eine vollkommene Stopfbüchse im Deckel des Indicatorcylinders, welcher die Bohrung für das Entweichen der Luft feitlich trug. Statt der federnden Zangen trug hier die Papiertrommel einen federnden Reiber, welcher das Papier von felbft fpannte und ohne einen Bug zu verlangen, hielt, nachdem der Rand des Blattes auf einem kurzen Dorn in der Trommelmittel gefteckt war. Ich verfuchte diefen Indicator an der Galloway Mafchine und überzeugte mich von deffen vorzüglicher Arbeit. Fortfchreitender Indicator von J. B. de Hennault et Fils in Fontaine l'Evêque. Ein prächtig gearbeiteter Richards'fcher Indicator unter fchied fich nur dadurch von der Normalconftruction, dafs die Papiertrommel unten mit einem Schraubenrad verfehen war, in welches eine Schraube ohne Ende eingriff. Auf der Achfe der letzteren fafs ein Sperrad in einem Federgehäuse und aufserdem eine Scheibe mit abwickelbarem Stahlband, durch welches der Antrieb vom Kreuzkopf der Mafchine erfolgt. Die Papiertrommel erhielt dadurch eine ftetig fortlaufende Bewegung, welche, wenn ich mich recht erinnere, durch 36 Umdrehungen hindurch möglich war. Sie wickelte dadurch einen Streifen endlofen Papieres von einer mit einer kleinen Bremfe verfehenen Vorrathsrolle ab, und diefes ging gefpannt an einer Leerrolle hin, an welcher der Bleiftift des Indicatorkolbens die Drucklinie und ein zweiter fefter Stift eine Null Linie fchrieb. Solch' ein Inftrument pafst hauptfächlich für Fördermafchinen und ähnliche Motoren mit ftetig verändertem Widerftand; es kann Auffchlufs geben über die Grenzen des Dampfwegs- Querfchnittes neuer Steuerungen, indem es bei befchleunigtem Angehen den Beginn der fallenden Admiffionsfpannung zeigt, und es wird den Einfluss jeder Aenderung der Arbeitsfactoren einer beftehenden Maſchine bequemer und ficherer erkennen laffen als der einfache Indicator. Indicator für fchnell gehende Mafchinen von J. Amsler in Schaffhaufen. Bei fchnellerem Gang der Dampfmafchinen gibt ein gewöhnlicher Indicator kein reines Diagramm, fondern feine fchwingenden Maffen laffen den Stift um die wahre Drucklinie auf und niederwogen, das Inftrument peitfcht. Diefes Peitfchen beginnt in der Regel bei 100 bis 150 Touren, wird bei circa 250 Touren fchon läftig arg und verwehrt das Erkennen der charakteriſchen Formen und für noch grössere Gefchwindigkeiten verfagt das Inftrument. Um nun bei folchen und höheren Gefchwindigkeiten dennoch vollkommen reine Diagramme zu erhalten, conftruirte Amsler folgenden Indicator, der der auf- und niedergehenden Maffen faft gänzlich entbehrt. Zwifchen zwei durch Auseinanderfchrauben zugängigen Ringfitzen des Indicatorgehäufes befindet fich eine Ventilplatte, welche fowohl nach oben als nach unten aufgefchliffen ift und dichten kann. Diefe Ventilplatte ift aber nicht zwifchen ihren beiden Sitzen eingespannt, fondern findet circa 5 Millimeter Spiel für einen möglichen Hub. Damit bei einem Sitzwechfel kein Dampf um das Ventil paffirt, reicht der Kern des Ventiles in die Bohrung des unteren Sitzes, wo er wie ein Kolben wirkt und die Oeffnung für den Dampfaustritt verfperrt. Die Indicatoren. 295 Diefes Ventil mit feiner Hubhöhe von 15 Millimeter erfetzt nun den Indicatorkolben. Auf diefes drückt die Belaftungsfeder und die Spitze feiner( Kolben-) Stange trägt den fchreibenden Stift. Nun würde fich die ganze Wirkungsweife des Instrumentes darauf befchränken, auf der von der Mafchine in gewöhnlicher Weife angetriebenen Papier- Trommel fo lange eine Horizontale zu fchreiben, als der Dampf unter jener Spannung bleibt, welche dem Druck der Feder entspricht und dann einen 15 Millimeter hohen Ruck zu machen, wenn die Dampf die Federfpannung überholt, worauf wieder die Linie horizontal fortginge. Diefs gefchieht auch thatfächlich, nur kann wäh rend des Verfuches die Federfpannung mittelft einer Schraubenfpindel und Kurbel von der Hand des Beobachters in beliebigem Zeitmafs geändert werden, wodurch die Millimeter hohe Stufe in der Horizontalen, welche ftets jene Punkte des Kolbenweges kennzeichnet, wo fich Dampf- und Federfpannung gleichen, entsprechend weiterrückt. Wird aber auch die Papiertrommel auf ihrer Achfe und zwar durch diefelbe Spindel verfchoben, welche die Federfpannung ändert, fo decken fich die einzelnen Horizontalen nicht mehr, fondern bilden ein Syftem paralleler Linien, deren jede eine einzelne kleine Stufe zeigt, aber deren Gefammttheil das Dampfdiagramm gibt. Die Schraubenfpindel fteht zwifchen Gehäufe und Trommel. Die Federftange des erfteren wird nun durch eines von den drei Radpaaren verfchiedener Ueberfetzung mitgenommen, welche zwifchen Spindel- und Federfchraube eingefchalten find, wodurch man das eine oder andere in Eingriff nehmend die Theilung des Diagramms feiner oder gröber einftellen kann. Diefes Inftrument ift derartig wohl erdacht, dafs es für den erften Anblick überraschend einfach und zweifellos ficher erfcheint. Wenn man aber näher nachdenkt, fo kommt man zur Einficht und durch anderweitige Verfuche kam ich zur Ueberzeugung, dafs felbft diefes Inftrument bei fchnellem Gang nicht abfolut genaue Angaben machen kann. Jeder Körper braucht nämlich zu feiner Ingangbringung einer gewiffen Arbeit, welche in feiner Maffe die Bewegungsgefchwindigkeit erzeugt. Diefe Arbeit kann als endlich grofs nur in einer endlichen Zeit aufgenommen werden und daher erfolgt jede Bewegung mit einer gewiffen Nacheilung gegen ihren Impuls. Diefes Nacheilen ift in der Regel verfchwindend, aber bei fchnellgehenden Dampfmaschinen bereits merkbar. Macht beispielsweife eine Mafchine nur 180 Umdrehungen per Minute, fo kommen drei ganze oder fechs halbe Umgänge per Secunde. In der Nähe der fenkrechten Lage entfpricht ferner 120 des Kolbenhubes TT ∙ 20 ungefähr 1/31 des halben Umfanges und findet die Drehung mit gleicher WinkelgefchwinI I I digkeit ftatt, fo vergehen weniger als 0.0054 Secunden, 31 6 186 während der Kolben 5 Percent Weges zurücklegt. Ein verfpätetes Eintreten der Bewegung um 1/186 Secunde fcheint aber nicht unmöglich, wenn man die kleinen Druckdifferenzen bedenkt, welche die Bewegung von der Ruhe aus veranlaffen und wird zur vollen Gewifsheit, wenn 296 J. F. Radinger. man mit einem gewöhnlichen( Richards-) Indicator- Diagramme einer fich befchleunigenden Mafchine nimmt, wo trotz fixer Expanfion der fcheinbare Eintritt der Dampfabfperrung weiter hinausrückt, je ſchneller die Mafchine geht. Von diefem Standpunkte aus betrachtet, fcheint daher diefer neue Indicator auch noch nicht das rechte Inftrument zu fein, welches die Drücke ſchnellgehender Mafchinen angibt. In der Ausftellung und auch später bot fich mir aber keine Gelegenheit zur Richtigstellung diefer Anficht durch den thatfächlichen Verfuch. * Solches Diagramm fiehe Radinger. Ueber Dampfmafchinen mit hoher Kolbengefchwindigkeit. 2. Auflage Diagramm Seite 96. Land Mafchinenfabrik Pferdekräfte Cylinder durchmeffer Kolbenhub Mill. Meter Die ftabilen Dampfm afchinen der Weltaus ftellung. Dampfrohre Verhältniffe Führung Kreuzkopf- Zapfen Kurbelzapfen Kurbellager Schwungrad Riemen Zahnkranz Luftpumpe Umdrehungen Kolbengefchwindigkeit per Secunde Einftrömung- Durchmeffer Ausftrömung- Durchmeffer Einftrömquerfchnitt Cylinderquerfchnitt Auströmquerfchnitt Cylinderquerfchnitt Conftante aus f Dampfdruck Kolbenftangen- Durchmeffer Länge Breite Auflagedruck Durchmeffer Länge Auflagedruck Durchmeffer Länge Auflagedruck Abnützarbeit per I Quadrat Cent. per 1 Secunde Durchmeffer Länge Auflagedruck Abnützarbeit per I Quadrat Cent. per I Secunde Wellendurchmeffer Durchmeffer Gewicht Scheibendurchmeffer Breite Durchmeffer Zähne 1 heilung Zahnbreite Durchmeffer Dampfcylinder- Volum Luftpumpen- Volum. Gewicht der Mafchine ohne mit Anmerkung Hub Schwungrad 5 Kil. Kil. f₁ f11 pr. Min. ข Mill. Mill. C Atm. Mill. Mill. Mill. Atm Mill. Mill. Atm. Mill. Mill. Atm. Mill. Mill. Atm. Mill. Meter Kil. Mill. Mill. Meter Zahl Mill. Mill. Mill. Meter Kil. Kil. Meter Meter Meter f f Amerika. Norwalk Iron Company. 305 0.610 100 2'0 80 IOO 1/14 1/ 1/28 5 50 240 90 3'4 45 65 122 60 IOO 61 0.91 125 210 14 0'43 140 2.600 2.600 300 7° $ 355 W.& J. Galloway in Manchefter 610 0.760 60 I'5 IIO 200 1/13 1/9 1/20 John J. Derham in Blackburn 406 0.750 54 I'35 II 457 0'910 48 I'45 114 160 1/16 1/8 1/24 " England. Reading Iron Works 25 432 0.761 70 I'78 88 127 1/23 1/41 Clayton& Shuttleworth in Lincoln John& Henry Gwinne in London 16 33° 0.457 85 I'3 76 102 1/19 1/10 25 44444 76 260 33° I'I 7° 2.70 51 120 170 59 0.66 200 250 ΤΟ 0° 32 190 3'100 . 3'100 290 70 290 2.120 I'4 75 115 7° 89 120 65 0.70 200 300 10'5 0° 29 160 3'700 2'200 300 75 320 2 120 2'0 7° IIO 103 85 120 78 0.80 200 300 132 0.32 210 4.000 6000 2.300 300 52 225 2.112 30 72 87 116 97 0.97 76 1'30 140 207 24 0'00 140 3° 040 50 200 2.63 2.6 102 IIO 30 0.65 102 2.105 IO O'22 102 2'450 1700 2'450 180 203 0.760 1/9 • o'900 140 0.761 1/ 9.5 3.400 II.500 5.100 Woolf- Mafchine 165 O'165 400 2'2 51 76 1/11 32 70 36 57 04 24 I'34 57 2. 102 74 0'42 24 II 280 0* 280 200 I'53 70 83 1/16 1/24 38 114 57 64 75 55 1.64 70 2.165 IO'5 037 Dimenfionen nicht felbft gemeffen. Direct- wirkende Centrifugal- PumpenMaſchinen " " Belgien. Frankreich. Rufsland. G. A. Lefsner in Petersburg Gebrüder Sulzer in Winterthur Houget& Tefton 50 450 1'000 45 1.50 125 150 1/ 12-6 1/9 1/19 4.5 75 430 280 1'4 60 90 157 115 150 49 0.64 190 33° 13 0'29 220 4'500 6000 4'500 325 160 1'000 1/8 11.000 Fives Lille. 350 0.700 40 0.93 60 IOO 1/33 1/12 1/30 5 54 250 140 2'7 120 130 30 0* 36 150 2.200 8 O'12 130 2'400 2'400 2.160 60 458 o'900 60 1.80 105 120 1/18 1/4 1/32 4 70 440 2.90 2 I 65 2.80 77 IOO 125 64 0.95 160 290 15 0.41 190 3'900 535° 3° 900 190 185 0 900 1/ 6.1 II · 240 0* 440 IOO 1.46 40 . 1/35 36 200 90 2° 4 . 55 7° 57 0.79 75 29 0'55 1.840 1.840 120 د" " I 70 45° I'050 50 I'75 102 150 1/19 1/12 1/33 ΙΟ 200 O'500 85 I'4 45 60 1/19 1/11 1/27 Schweiz. Efcher Wyss& Comp. in Zürich 170 600 I'350 42 1° 9 20 15 1/38 Socin& Wick in Bafel 25 33° 0'750 65 1* 6 85 IOO 1/15 11 1/24 Scheller& Berchtold in Thalweil 15 300 0.600 70 I'4 63 1/22 1/20 1/31 Mafchinenfabrik Augsburg 35 345 0.740 62 I 53 95 140 1/13 1/6 1/20 Sächfifche Mafchinenfabrik in Chemnitz'. IOO 980 I'30 38 I 05 100 180 1/18 1/15 Stollberg'fche Factorei 45 445 0.80 55 I˚47 IOO 100 1/20 1/20 Reinike in Königsberg 42 450 0.87 46 I 33 105 . 1/18 1/13 ཐག་ སའ སེམས 255555 66 34° 230 2'4 80 125 30 105 IIO 20 35 70 90 420 180 3'5 105 170 55 300 130 2.6 75 90 44 300 250 I'I 45 2.65 5544 52 250 180 60 24 90 ΤΟΙ ANONNO 93 IOO 130 72 o'90 200 360 13 O'25 240 4'54 7150 4° 54° 240 65 180 180 I˚050 1/6 75 93 53 50 60 61 0.65 IOO 170 I I 0'23 95 2.50 2* 500 200 145 175 66 I'OO 280 420 14 0° 42 6.72 6.720 .. 170 0'200 1/ 6.8 11.850 2.500 19.000 1/ 2.350 450 0.600 1/8 74 75 IOO 66 0.80 150 260 13 0* 32 3.20 3'20 168 58 150 72 80 IIO 48 0.66 125 220 15 4 0'33 150 2.70 1700 2.700 250 125 0'400 1/12 5.000 6.700 80 100 68 0.85 170 235 13'7 0.36 160 3.60 3.600 260 100 45° 300 3º 120 150 118 130 100 102 1* 26 275 420 184 0.48 300 5'228 14000 5'228 216 76 280 380 Q'55 1/ 7-6 68 365 135 3'1 65 90 130 80 IOO 95 1'04 200 310 12 2 0.34 200 3.9° 2'70 250 200 0.80 1/ 8-8 0 13.700 • 85 ITO 82 0.80 ° 3.85 3.85 35° 4 ( 125 3º Dingler in Zweibrücken 250 0.50 115 19 45 70 1/7 1/12 1/13 ΤΟ 210 145 0.6 4° Brüder Decker in Cannstatt 50 400 0.80 54 I 44 80 95 1/25 1/17 1/36 16 63 300 250 2'3 Deutfchland. ( 310 50 Görlitzer Mafchinenbau 50 ( 580 0.80 60 1.6 80 145 1/15 1/16 1/24 5 270 2.130 2'7 95 72 Berliner Union. 37° 0.71 55 I'3 80 90 1/20 1/16 1/26 Sächfifche Dampffchiffs- und Mafchinenfabrik 12 300 0.60 52 1'04 80 80 1/14 1/14 1/14 Carlshütte bei Rendsburg. 30 460 084 45 I'26 90 25 1/18 31 Chemnitzer Mafchinenbau 30 43° 0.80 45 I'20 IOO IIO 1/18 1/15 1/21 Englerth& Cünzer in Eichweiler 630 0.80 75 2'0 150 116 1 17 1/15 1/34 1 Metzger& Vernuleth in Darmstadt 200 50 90 0.45 16 / 11 Mafchinenbau- Verein in Chemnitz 16 382 0'732 44 1'07 70 95 1/30 1/16 1/32 Prager Mafchinenbau- Gefellfchaft 30 420 0.95 60 1'9 105 135 1/15 1/ 9.5 1/28 II 500 1.90 32 2'0 120 170 1/17 1/ 8.4 34 " دو د, G. Sigl in Wien Oesterreich. ", Friedrich Wannieck in Brünn Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Actiengeſellſchaft Karolinenthaler Mafchinenbau- Actiengefellſchaft Simmringer Mafch.& Waggonbau- Fabriks- Act.- Gefellfch. Mafchinenbau Danek in Prag 35 435 0.95 50 1* 6 115 150 1/14 1/8 22 30 395 0.95 60 1'9 105 140 1/14 1/8 1/25 5445+ 4454 300 200 I'5 40 140 65 30 67 410 145 2'2 70 260 140 3'3 90 260 2. 130 3'6 35 120 2.40 3.1 22 55588. 80 85 0.28 220 2. 110 . IIO 1.60 1'60 2.180 125 0* 180 1/11 7° IIO 114 IOO 130 2. 100 II5 IIO 120 85 IIO 80 90 50 75 74 65 90 2.85 04 80 1ΟΟ 88 100 90 125 I 10 160 70 IIO 160 ° 45 69 60 5457785on 67 0.91 170 320 τό 0'37 250 4'15 4250 4'15 300 150 0.80 1/71 II.750 16.000 114( 1.9 ( 37 168 50'94 ( 0.95 240 18 ( o˚47 185 3.82 3 82 350 170 0.80 1/ 11-6 Woolf- Mafchine 71 0.78 140 240 1215 0.29 ° 3.00 3.00 260 0* 40 120 140 16.5 0* 26 130 3.50 2250 0.58 200 220 I5 0'33 185 3'50 2775 3° 50 12.510 64 0'72 I 20 220 27 0.36 150 3.50 4500 3.5° 250 7° I 43 220 320 17 0'71 260 5.96 13000 90 IIO • 90 3.25 2000 12.350 21.000 34.000 5.125 7.125 Fördermafchine Walzwerksmaschine • 66 315 263 I'5 73 105 84 86 120 65 0.84 160 300 14 0'34 170 3.80 3.80 400 85 400 2. 130 86 I'5 130 68 92 130 64 0 47 237 400 8 O'15 203 67 47° 150 2'5 70 IOO 124 95 132 69 0.82 171 342 15 0.32 171 4:24 4000 4 240 180 IIO 200 310 O'315 1/6 66 290 190 2'2 92 IIO Il 50 500 1.106 54 2'0 4 80 320 220 2'2 IOO 125 420 0.95 50 1:58 90 IOO 1/21 1/17 5 70 240 160 80 2.9 130 596 56 61 65 92 IIO 56 0.78 162 390 I I 0'26 200 3.80 3600 3.80 320 JOO 140 55 0'74 190 395 ΙΟ 0° 20 260 5'05 4500 95 120 59 0'70 150 300 14 0.28 150 4° 10 4800 4'10 260 50 526 I 05 40 I'40 118 157 1/19 1/11 1/30 5 II IS 315 0.63 57 I'2 76 95 1/17 1/11 25 5 475 0.95 50 1.58 9° 120 1/20 1/15 33 5 I 500 I IOO '30 80 3.5 300 1/13 1/ 0 4 II 79° 1.26 80 3.36 200 1/15 1/45 4 75662 35° 400 1.8 80 92 172 96 115 II5 I'I 190 290 23 044 240 4.5° 6590 4° 50 216 52 280 260 I'O 53 62 115 92 80 76 0.67 120 190 ΙΟ 0.28 140 2.90 2000 2'90 288 65 37° 240 2° 0 65 80 167 90 IOO I'I 97 170 200 20 0'41 200 4'05 405 150 160 600 2.230 2'7 190 260 75 230 260 62 3.58 380 600 16 I'55 460 ° 2° 40 37 120 405 2.205 1.8 180 200 53 185 210 1.81 49 37° 550 9° 4 0.69 420 " 3 " " I.I 534 1.086 45 1.6 II5 135 1/21 1/15 / 3 5 82 300 2. 125 3.5 IOO 140 94 IIO 130 I'02 91 190 410 17 G. Topham in Wien Stefan Vidats in Peft. 448 0'79 55 I'45 5 65 235 2.90 3'5 66 100 II7 88 105 83 I'O 100 210 23 15 290 0.526 70 I'23 65 72 1/20 1/16 1/20 5 52 224 99 2.8 45 74 98 0.61 112 168 5° 93 7 I 17 434 0.36 0* 50 0.34 210 184 132 4'72 3'79 3.79 180 2'53 900 Fürft Salm'fche Maschinenfabrik in Blansko 553 1-58 25 I 3 105 132 1/27 1/17 1/28 3'5 90 342 2.92 2.9 97 118 88 II2 100 90 O'CI 224 316 I I 0.19 263 ....... 246 0.237 1/10 300 0'270 1/11 5.400 8.000 9.000 12.500 55 85 210 1/ 2.210 1/ 2.260 1/ 2.600 1'05 1/ 6.2 9.500 3.200 7.500 5.200 Walzwerksmaschinen 210 1* 086 1/ 6.3 66 155 1.850 2.750 Fördermafchine SP OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. DAMPFKESSEL. ( Gruppe XIII, Section 1.) BERICHT VON J. F. R A DINGER, a o. Profeffor der k. k. technifchen Hochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1874.. MASCHINENWESEN. ( Gruppe XIII.) DIE DAMPFKESSEL. ( Gruppe XIII, Section 1.) Bericht von J. F. RA DINGER, 6. o. Profeffor der k. k. technifchen Hochschule in Wien. ALLGEMEINES. In der Ausstellung waren faft alle der beftehenden und eine Anzahl neuer Syfteme jener Apparate vertreten, in welchen Waffer unter hohem Drucke zu fieden und zu verdampfen hat. Die gröfseren derfelben lagen meift im Feuer und ihr Dampf ftrömte zu den Motoren der Mafchinenhalle und fchaffte Leben in die Maffen, oder trieb die Pumpwerke für das Nutzwaffer und den fpringenden Strahl. Diefe arbeitenden Keffel waren, mit Ausnahme der letzteren, in einzelnen Keffelhäufern an der hinteren Langfeite der Mafchinenhalle nach Ländern zufammengefafst, und ihre Mehrzahl diente alfo fowohl der eigenen Ausftellung, als dem öffentlichen Zwecke Die kleineren transportablen Keffel ftanden meift kalt bei ihren Motoren in der Mafchinenhalle oder der landwirthschaftlichen Ausftellung und nur einige Locomobile betrieben entlegenere Transmiffionen. Die Keffelhäufer waren fämmtlich halb in den Boden verfenkt und unten mit maffiv gemauerten Wänden verfehen, welche oben das hochgelegene Dach init einer allfeitig offenen, einfach gefchmackvollen Holzconftruction trugen. So war ein bequemer Einblick von aufsen geftattet, während feitliche Stiegen nach abwärts und an den Keffeln vorbei führten. Vorne, nächft dem Schienenftrange, lagen gleichfalls verfenkt die Kohlenkammern, und hinter den Keffelhäufern ftanden die 30 Meter hohen eifernen Kamine. Unterirdifche Dampfleitungen zur Mafchinenhalle hin ergaben fich nun von felbft, und deren gewünſchte zwangslofe Möglichkeit war nebft den Verhältniffen des abfallenden natürlichen Terrains, welches noch immer die Wafferentleerung zuliefs, mit der Beweggrund für diefe glückliche Anlage der Keffelhäufer. 1* 2 J. F. Radinger. Was die Syfteme der Keffel betrifft, fo finden wir manche derfelben neu, und diefe ftreben nach der doppelten Richtung: Vergröfserung der Heizfläche und Erhöhung des Druckes. Um Beides zu gewinnen, kommen die Röhrenfyfteme mehr und mehr zur Geltung. Manche diefer neuen Syfteme find mifsglückt, indem fich der Roft in ihnen nicht im gleichen Mafse als die Heizfläche vergröfsern liefs oder der benöthigte Zug- Querfchnitt ergab; einzelne geben zu naffen Dampf, tragen den Wärmedehnungen keine Rechnung oder find in den Detaillöfungen noch nicht wünschenswerth klar; aber wieder andere ftehen auf der Höhe heutiger Erkenntnifs und alle Beurtheilung fpricht für ihren bleibenden Beftand. Sogenannte Verdampfverfuche wurden( mit Grund) nicht vorgenommen, obgleich die Gelegenheit dazu aufzufordern fchien. Es iſt aber bekannt, dafs viele Keffelfyfteme näfferen Dampf geben als andere, und da bis heute kein anderes Mittel bekannt ift, die„ Dampfmenge" zu beftimmen, als durch Meffung des in den Keffel gebrachten Waffers, fo würde ein fpeiender Keffel beffer ſcheinen, als ein befferer ift. Meiner Anficht nach wäre nur durch Aichung des erzeugten Dampfes ein Schlufs auf feinen Erzeuger möglich. Würde nämlich eine und diefelbe Dampfmafchine, ohne demontirt zu werden, von Keffel zu Keffel gebracht und von diefem betrieben, fo müfste fich unter Einhaltung gleicher Verhältniffe durch die Bremfung bei gleichem Drucke und Füllung ein völlig zutreffender Schlufs auf die Güte der Keffel ergeben. Die verfchiedene Tourenzahl bei gleicher Kohlenmenge wäre das directe Mafs und wäre umfo leichter zu erhalten, wenn fchon vor der Ausftellung auf annähernd gleiche Gröfse der Concurrenzkeffel hingewirkt würde, welche überdiefs hier von felbft auftrat. Ich habe mich bei dem nachfolgenden Studium der Keffel bemüht, einen Anhalt für die Beurtheilung nach diefer Richtung hin zu gewinnen, und ftelle, bis Befferes vorliegt, jene Dampfmenge als Mafs hin, welche bei gleich angenommener Heizung dem Quadratmeter der Wafferfpiegel- Fläche im Keffel per Stunde entfteigt. Diefe Dampfmenge, welche bei einer Verdampfung von 20 Kilogramm per Quadratmeter Heizfläche im einfachen Cylinderkeffel 40 Kilogramm beträgt, fteigt bei einzelnen neueren Syftemen bis 6- und 800 und wächft in einem Falle über 4000 und einem anderen über 16.000 Kilogramm hinaus. Dort, wo der Dampf, mit der Gefchwindigkeit wie die Luft durch die Roftfpalten, durch die oberfte Wafferfchichte bricht, wo er gleichfam im Schaume geboren wird, geht natürlich ein Schlufs von dem zugebrachten auf das verdampfte Waffer nicht an. Diefes Näfferwerden des Dampfes bei concentrirterer Heizfläche ift mit der Grund, welcher grofse ftehende Keffel nicht aufkommen läfst. Bei fteigenden Dimenfionen wächft nämlich die Wafferfpiegel- Fläche eines Verticalkeffels mit dem Quadrate, die Heizfläche aber mit dem Cubus der Vergröfserung, während bei liegender Conftruction das Wachfen beider in gleichem quadratifchen Verhältniffe erfolgt und in diefer Hinficht ihre Güte gleichbleibt. Von diefem Standpunkte aus erkennt man, dafs jede der neueren Keffelformen näfferen Dampf liefert als die alten Syfteme. Eine weitere Rückficht ift den Blechdicken gewidmet, und um einen Ver gleich zu erhalten, zwängte ich fämmtliche in die Formel = x. Dp+ 3 Millimeter, wobei D den jedesmal bekannten Keffeldurchmeffer in Meter und p die Spannung in Atmoſphären- Ueberdruck bedeutet, für welche jeder Keffel beftimmt und wobei jedesmal angeführt ift, ob die Verniethung einfach oder doppelt war. Dampfkeffel. 3 Da ergibt fich die merkwürdige Thatfache, dafs Oefterreich die relativ fchwächften Bleche verwendet, dann kommt England mit wohl etwas dünneren. aber ftets in den Langnäthen doppelt genietheten Blechen. Dann Deutſchland, deffen Tafeln trotz doppelter Niethung dicker als die öfterreichischen find, und endlich Frankreich mit den dickften Platten. Eigentlich follte der amerikanifche Keffel weit zu oberft ftehen, denn er befafs bei einfacher Niethung nur circa halb fo dicke Bleche, als die europäifchen nach dem Vergleiche find. Im grofsen weiten Durchfchnitte gibt aber die Formel= 11 D p+ 3 Millimeter die Wandftärke der europäifchen Keffel mit innerem Drucke, welche fich fowohl aus dem Ganzen aller ausgeftellten, als auch aus den Keffeln jedes einzelnen Landes für fich annähernd ermitteln läfst. Die normale Dampffpannung fcheint in England 4 bis 4%, im übrigen Europa 5 bis 6 Atmoſphären Ueberdruck zu fein. Zehn Atmoſphären werden auch für Stabilkeffel einzuführen gefucht, obgleich ich glaube( und anderenorts begründete), dafs 8 Atmoſphären die verwendbarfte Spannung für den Mafchinenbetrieb find. Stahlblech kam auf der Ausftellung nur an zwei englifchen Stabilkeffeln vor. Einer war ganz daraus gefertigt, während der andere nur einige Feuerplatten diefes Materiales befafs. Stahlblech fcheint trotz feiner höheren Feftigkeit bis heute noch weniger in Verwendung zu kommen, als man vorauszufetzen begann, weil abgefehen vom höheren Gefammtpreife des Keffels gleicher Fläche bei dünneren Wandungen die vorkommenden ungleichen Härten fowohl der Anfertigung als dem Beftande drohen. - - Ein bedeutender Schritt nach vorwärts wäre durch die Herftellung ganz gewalzter Blechtrommeln( ähnlich den Tyres ohne Schweifsung) gethan, welche höhere Sicherheit und befferen Effect bei zwei Dritteln des Gewichtes genietheter Bleche gewähren würden. Diefe können aber die Hüttenmänner noch nicht liefern, und fo müffen fich die Keffelfchmiede noch fort mit guten und mit doppelten Verniethungen helfen, oder das Schweifsen der Fugen verfuchen, wie es bei den einzelnen Keffeln zu finden ift. Im Allgemeinen läfst fich dagegen ein bedeutender Fortfchritt in der Herftellung und der Behandlung des Materiales conftatiren. Die Gröfse der Blechtafeln( weniger deren gute Befchaffenheit) fteigt, und das Winkeleifen wird durch die aufgebogenen Ränder verdrängt. Deren mannigfaltige Formen, das häufige Niethen mit Mafchinen, das genaue Einpaffen der Röhren etc. im Einzelnen, fowie die neuen Keffelfyfteme im Grofsen, laffen erfehen, wie fehr die Natur des Eiſens mit fteigender Erkenntnifs erfafst und darnach behandelt wird. Die Heiz- und Sicherheitsarmatur ift faft auf der ganzen Erde diefelbe. Amerika fetzte nur ein Sicherheitsventil auf feinen grofsen Keffel, alle andere Welt deren zwei. In England find fchmelzbare Pfropfen oder Alarmfchwimmer( und Entfchäumer) beliebt, und ein franzöfifcher Keffel war mit Automaten überbürdet, während man fich in Deutfchland und Oefterreich mit Recht auf die Treue der Wärter allein verlässt. So weit es durch Nachrichten zu erhalten war, folgen überall die Gewichte der Keffel und ihr Preis. Es wäre nun möglich das Gewicht per Quadratmeter Heizfläche und den Koftenbetrag diefer Einheit hinzuftellen, und einen Schlufs auf das billigfte Syftem zu ziehen. Ich unterliefs diefs aber aus Gründen, die zu nahe liegend und zu zahlreich find, als dafs ich fie hier aufzählen darf. 4 J. F. Radinger. Nur in der Tabelle, welche am Schluffe der Stabilkeffel folgt, habe ich die Gewichte per Quadratmeter Heizfläche eingeftellt; diefs hat aber dennoch wenig Werth, weil Dampfdruck und verfchieden beliebte Sicherheit die Blechftärke beeinfluffen und die Gewichte gleich grofser Keffel gleichen Syftemes weit auseinander treiben. Jene Weite, welche die Verbindungsftutzen untengeheizter Doppelfyfteme erhalten, um den Kreislauf der( erwünfcht) entſtehenden Dampf- und Wafferftröme im Keffelinnern zuzulaffen, fchwankt bis heute noch in weiten Grenzen. In der Ausftellung waren drei folcher Syfteme vertreten, und die Grenzverhältniffe des Verbindungsdurchschnittes zur untenliegenden Heizfläche betrugen 1: 100 und 1: 280. Letzteres war ganz entfchieden zu klein, wie es der unruhigere, geftaute Gang des Keffels verrieth. Erfteres Verhältnifs war aber am franzöfifchen Keffel zu finden, welcher, aus dem Lande der Bouilleurs kommend, deffen erprobte relative Dimenfionen trug. an den Die Dampfnachtrocknung und theilweife Ueberhitzung war deutfchen und öfterreichifchen Keffeln häufig zu finden, fehlte aber gänzlich( wohl nur zufällig) in den weftlichen Keffelhäufern; dort trat theilweife felbft das Fehlen der oberen Befchüttung, des einfachften Schutzes gegen die Abkühlung, als normal auf. Die Heizflächen- Gröfse, Roft- und Zugquerfchnitte und ähnliche mafsgebende Abmeffungen und deren gegenfeitige Verhältniffe find bei dem Grofskeffel überall hervorgehoben und in die Tabelle am Schluffe zufammengetragen. Bei den Kleinkeffeln, welche überhaupt weniger eingehend behandelt werden, entfällt diefs zumeift. Da aber deren Mehrzahl lang bekannten und erprobten Syftemen angehört, ihre Wichtigkeit gegenüber den Grofskeffeln zurückfteht und auch die irdifchen Grenzen: Zeit( zum Studium) und Raum( zum Berichte), dem Berichterstatter fühlbar wurden, fo mufste es wohl fo gefchehen. Locomotiv- und Schiffskeffel werden, als anderen Kreifen zugewiefen, hier nicht befprochen. Die mitfolgenden Zeichnungen find mit wenig Ausnahmen( Dingler-& MeynKeffel) fämmtlich im gleichen Mafsftabe von 1: 100 gehalten, welcher, obgleich mit durch das Format gegeben, doch für das Erkennen der Conftruction ausreichen dürfte, und beftimmt der bequemfte für das Abnehmen von Dimenfionen ift. Mit Rückficht darauf und aus Deutlichkeitsgründen find keine Coten eingefchrieben, deren wichtigfte fich überdiefs im Texte finden. Die Zeichnungen wurden nach den Plänen angefertigt, welche ich entweder durch die Güte der ausftellenden Fabriken, dem Entgegenkommen der Generaldirection oder durch eigene Aufnahmen( auch bei den theils von mir vor genommenen amtlichen Erprobungen diefer Keffel) erhielt. Pilkin- Keffel. 5 Die Stabilkeffel Der amerikaniſche Keffel. Der Röhrenkeffel von Pilkin Brothers& Comp., Hartford, Conn. U. S. A. Ein Röhrenkeffel einfachfter Art verforgte die Motoren der amerikaniſchen Abtheilung mit dem nöthigen Dampfe. Er arbeitete mit fünf Atmoſphären Maximaldruck, beftand aus vier Trommeln durchwegs einfach genietheter Eifenbleche von 8 Millimeter Dicke und hatte 18 Meter Durchmeffer bei 7.25 Meter Aufsenlänge. Die Rohrwände waren aufgebogen, die hinteren in normaler Weife eingefetzt, die vorderen aber um 50 Centimeter nach einwärts gerückt, wodurch die vorftehenden Bleche des Cylinderkeffels luftdichte Seitenwände einer kreisförmigen Rauchbüchfe bildeten. Unmittelbar hinter der Vorderwand befanden fich zwei fymmetriſche Seitenpratzen, welche zufammen das halbe Keffelgewicht zu tragen hatten, indem fie nahe dem Stirn- Mauerwerke ruhten. Unter der Hinterwand war derfelbe ein zweites Mal mittelft eines breiten Gufsträgers geftützt. Durch diefe Lagerung wird der wefentliche Vortheil erreicht, dafs das Tragen des Gewichtes nur an Orten ſtattfindet, welche durch die Böden( Rohrwände) mächtigft verfteift find, und dadurch das Einbiegen der dünnen Bleche umgangen wird, welches unzweifelhaft eintritt, wenn die Lagerung( oder Aufhängung mittelft Pratzen) an dünner Blechftelle gefchieht. In diefem letzteren Falle werden die Bleche örtlich überangeftrengt, und die wechfelnden Biegungen rufen leicht jene Corrosionen hervor, welche dort noch öfter zu finden wären, wenn nicht eine gehäufte Stützung den Druck vertheilen und eine übermäfsige Blechftärke denfelben aufnehmen würde. Hier aber, wo eine minimale Blechdicke zur Verwendung kam, erfchien diefe Lagerung an den beiden fteifen Enden als eine glückliche Löfung. Sie ift ficher, weil fie ins Dreieck geordnet den Keffel vor jedem Kippen wahrt und weil felbft eine ungleiche Senkung des Mauerwerkes und ungleiche Streckung in Folge der Wärmeunterfchiede die unterftellte Lagerung nicht ftört. Doch fcheint fie bei diefer Länge kühn. Rechnet man aber den Keffel wie einen an den Enden frei aufliegenden Brückenträger, fo ergibt fich bei 7 Meter Weite, 18 Durchmeffer, 8 Millimeter Blechdicke und 8000 Kilogramm Gewicht ( die Rohre find nicht mitzutragen) als maximale Spannung durch das Eigengewicht o7 Kilogramm per Quadratmillimeter. Dabei wirkte nicht nur die Ringniethung, fondern auch der innere Dampfdruck als Verfteifung, und wenn man bedenkt, dafs die Beanfpruchung des Bleches gegen das Aufreifsen doppelt fo grofs als jene gegen das Abreifsen ift, fo kann zu letzterer immerhin jene geringe Spannung durch das Eigengewicht gefahrlos hinzukommen. Die Heizung gefchah vorne unter dem Keffel, und die Gafe fanden hinter der Feuerbrücke einen ungewöhnlich weiten Querfchnitt, wie es aus der Skizze zu erfehen ift. Den Rückweg fanden fie durch 49 fchmiedeeiferne Feuerrohre von je 105 Millimeter, deren oberfte Reihe im Horizontal durchmeffer des Keffels lag, und gelangten dann in jene durch die verlängerten Keffelbleche gebildete Rauchkammer. Die Bleche derfelben waren oben ausgefchnitten und der Fuchs zog quer von diefem Ausfchnitte horizontal und gerade zum nahen Kamine, 6 J. F. Radinger. 12 Weil der Keffel ringsum frei und inmitten feines Haufes ftand, fo mufste der Canal den Gang mit einer Brücke überfetzen und der Kamin kam feitlich vorne und ohne Rückficht auf irgend eine Symmetrie an das Gebäude. Erfte res war durch eine leichte Ziegelarchitektur gedeckt und letzteres ftörte nicht. Aber da fich die Gafe auf ihrem Wege vom Rofte zurEffe nirgends nach abwärts zu fenken hatten und nur einen kurzen, ganz geraden Fuchs zu paffiren brauchten, fo war der Zug möglichst wenig geftört, was hier um fo forgfältiger zu beachten war, als derfelbe in den Rohren ohnediefs einen bedeutenden Widerftand fand. Der Gefammtquerfchnitt der Rohre( o 42 Quadratmeter) war nämlich klein, der Roftfläche, und der Conftructeur, der den Schornftein 0.79 Meter weit( der Roftfläche) anlegte und auch den Fuchs fo weit hielt, wufste wohl, was er that. ddoss Die Rohre lagen nur bis zum horizontalen Durchmeffer und waren vom Waffer 30 Centimeter hoch überdeckt. Damit war ein gröfserer Wafferraum, als fonft bei Röhrenkeffeln üblich, erreicht und trockenerer Dampf als dort erzeugt, wo die Heizgafe nur wenig unter dem Wafferfpiegel hinziehen. Je fünf aufgeniethete Winkeleifen verfteiften dann die oberen frei gebliebenen Hälften der beiden ebenen Rohrwände. Den Keffel überfpannte ein concentrifches Gewölbe in einem Abftande von 10 Centimeter, welcher wohl nur ftagnirende Luft enthalten foll. Doch da diefer Luftmantel hinten offen an den Zug und fein Gewölbe vorne an den Fuchs ftöfst, fo fcheint es nicht unmöglich, dafs dort durch Zufall oder Abficht eine Verbindung entſteht, welche im Bedarfsfalle einer Forcirung den engen Rohren hilft. Oben lag noch ein Dampffammler, der nur mit einem einzigen Stutzen nach abwärts verbunden war, um der freien Dehnung kein Hindernifs zu bieten, wie es bei einem Stutzenpaare der Fall wäre. - Dafs der Dampf durch denfelben, ungefähr ober dem Schwerpunkt" der Dampfentwicklung entnommen, möglichft trocken zu dem oben fitzenden Abzugrohre gelangte, dafs hinten am tiefften Punkte des Keffels ein Speife- und vorne ein Abfchaumrohr an demfelben faís, dafs das Mauerwerk doppelt mit Luftfpalte aufgeführt war und oben eine gepflafterte Schüttung den Keffel deckte, dafs fchliefsende Putzthüren im Mauerwerke und ein Mann- und ein Auswafchloch am Keffel etc. vorhanden waren, braucht nicht betont zu werden. Elegant und Mauerwerk fpai end erfchien die Verwendung der grofsen Gufsplatte an der Stirnwand. Sie enthielt nur einen halbkreisförmigen Ausfchnitt vor den Rohren, welchen ein Falldeckel fchlofs, und die Heiz- und Aichthüren, wovon letztere gleich als eines der Regifter dienten. Aufserdem war aber noch eine Drehklappe bei der Mündung der Rauchkammer in den Fuchs und noch ein Regifter im Rauchcanale( 60.5 Centimeter im Quadrate) vorhanden, um ein nächtliches Abkühlen möglichst hintanzuhalten. Sowohl der Kranz für den aufzufchraubenden Dampffammler- Stutzen als der für das Mannloch waren aus Gufseifen und aufgeniethet. Der MannlochDeckel war von aufsen aufzufchrauben, wie diefs für gute Keffel jetzt vorgezogen wird, wenn der Verfchlufs auch theuerer als mit dem alten Vorlegdeckel kommt. Centimeter 100 Pilkin- Keffel. 7 ☐ 3 4 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Der Keffel trug nur ein Sicherheitsventil gewöhnlicher Conftruction, und zwar auf der Spitze des einzigen auf den Dampffammler gefchraubten Kreuz rohres, an deffen einer Querfeite das Dampfventil von 90 Millimeter Durchmeffer kam, während die Gegenfeite blind gefchloffen war. Die fchmiedeeifernen Verbindungsrohre für das lange Wafferftand Glas und drei Probirventile waren in die vordere Rohrwand ganz einfach fchwach conifch ( eine rinnend, die anderen dicht) eingefchraubt, durchreichten die Rauchkammer und Stirnplatte und trugen vor derfelben die ftarken Anfatzftücke, deren Verfchluſs durchwegs mit Ventilfpindeln und Griffrädchen gefchah. Ein grofses Manometer, gegitterte Heizthüren mit Drehfchieber und eine gefonderte Speife( Stofs-) Pumpe vervollſtändigten die Armatur. Die Heizfläche betrug 120 Quadratmeter( davon 100 Quadratmeter Rohre) und der etwas geneigte Roft, welcher aus 15 Meter langen, 25 Millimeter dicken Stäben mit 15 Millimeter Spaltenweite beftand, hatte 3 Quadratmeter Fläche, was 140 der Heizfläche entſpricht. Der Zug mit o 42 Quadratmeter in den Rohren, 1/8 der Roftfläche erweiterte fich im Schornfteine auf derfelben. Das Mifsverhältnifs fpricht klar aus diefen Zahlen. Was der Keffel an Wärme aufnehmen könnte, kann der kleine Roft nicht liefern. Was aber felbft diefer liefern könnte, laffen die( engen) Rohre nicht hindurch. So mochte denn der Keffel für mittlere Beanfpruchung eben hingehen und dann felbft ökonomisch arbeiten, aber in feinen Formen ebenmäfsig und einer gleichmäfsigen Steigerung der Leiftung feiner Organe fähig war er nicht. Nun wurde aber der Keffel von der Fabrik aus als ein folcher von 60 Quadrat meter Heizfläche bezeichnet und einem folchen bezüglich der Dampflieferung gleichgeftellt. Diefe Heizfläche, welche fich ergibt, wenn man nur o 37 des Rohrumfanges als heizend annimmt, ſteht allerdings mit der Roftgröfse( dann I: 20) im Einklange, aber das Keffelgewicht bleibt auf feiner alten Höhe, der eines 8 J. F. Radinger. Apparates doppelter Gröfse. Selbft als Vorwärmer laffen fich die übrigen Blechflächen nicht bezeichnen, denn fie umfehliefsen ja das Waffer der hohen Temperatur. Und da ferner die langen Rohre, abgefehen von ihrem geringen GefammtQuerfchnitte, noch durch ihre Länge einen bedeutenden Reibungswiderftand wachrufen, welcher durch höhere Betriebswärme des Schornfteines zu überwinden ift, fo kann ich den Keffel nichts weniger als in feinen Heizverhältniffen geglückt bezeichnen. Die Blechdicke von 8 Millimeter fcheint der Form nach in d= 0.6 Dp+ 3 zu paffen und war circa halb fo grofs als bei uns üblich. Die Feftigkeit in der Niethung gewährt dabei eine 3 bis 4fache Sicherheit gegen das Aufreifsen. Wird er nun mit einer Dampflieferung von circa 1200 Kilogramm per Stunde herangezogen, wie es einer Heizfläche von 60 Quadratmeter entspricht, fo gibt er faft fo trockenen Dampf als irgend ein Keffel der weiten Syfteme. Sein Wafferfpiegel mifst nämlich 12 Quadratmeter, daher dem einzelnen desfelben 100 Kilogramm Dampf per Stunde entſteigen. Bei dem alten Syftem( Sieden- und Rauchrohrkeffeln) kommen aber 70 bis 90 Kilogramm Dampf durch eine gleichgrofse Wafferfläche in gleicher Zeit und die Differenz gegen den nun betrachteten ift nicht grofs. Würde er aber feiner Heizfläche gemäfs ausgenützt( durch Unterwind möglich), fo müfste eine doppelt fo grofse fpecififche Dampfmenge durch die Wafferfläche„ ,, filtriren" und doppelt fo ftarkes Sprühen gäbe einen näfferen Dampf. Die englifchen Keffel. Im englifchen Keffelhaufe befanden fich in Thätigkeit: 2 Keffel von W.& J. Galloway in Mancheſter, وو Daniel Adamfon in Mancheſter, 2 " " I Cater& Walker in London, 9° I 27 " " " 9 Howard in Bedford, und aufserhalb desfelben ftand: M. Nicolin Glasgow und drei Economifers. Die erfteren entſprachen den langbekannten weiten Keffelformen, welche die Heizflächen mit behäbiger Dimenfion und bewährter, höchftens verbefferter Herftellungstechnik erreichen. Die letzteren fuchen im engen Raume und mit neuen Verbindungsdetails die Leiftung der alten und noch eine Reihe von Vortheilen mehr zu gewinnen, welcher die erfteren entbehren. Nirgends ftanden fich die Extreme fo fchroff gegenüber als hier, wo der Dampf aus 7 Fufs weiten und aus 9 Zoll weiten Röhren erftand; wo er mit 4 oder( ohne Zwifchenglied) mit 10 Atmoſphären erzeugt wurde, und dem Gebrauche einer, bei uns wenigftens, vergangenen oder dem einer kommenden Zeit zu dienen beftimmt erfchien. Dabei wurde der erftere in hoch expandirende Woolfmafchinen geleitet und der letztere vor einem fimplen Cylinder gedroffelt. Hier fanden wir Keffel ohne alle Blechbordnung, wo jede Kante durch Winkeleifen- Einlagen hergeftellt wurde, und andere, wo das Feuer keine Niethung, fondern nur gefchweifste Bleche traf. - Wenn fo aber auch das zu beharrliche Fefthalten an lang Gebrauchtem oder das vielleicht Zuweitgehen in der Richtung der Zukunft mehr die confer vative oder die wagende Empirie als die vorwärtsfchreitende und wägende Erkenntnifs der englifchen Keffelausfteller zeigte und nirgends fo extreme Syfteme neben einander flanden als hier fo waren doch alle geeinigt und gemeinfam ausgezeichnet durch jene Findigkeit der Detail conftructionen und Solidität der Ausführung, welche ein Grund des Auffchwunges und eine Folge der Concurrenz der englifchen Arbeit war und ift. - Keiner der englifchen Keffel befafs einen Dampfdom, worüber ich mich bei der erften fich bietenden Gelegenheit in diefem Berichte weiter ausfprechen Galloway- Keffel. 9 will. Die Speifung gefchah bei allen mit direct wirkenden( Stofs-) Dampfpumpen, und die übrige Armatur unterfchied fich nur wenig von der bei uns üblichen Form. Die Monometer von Schäfer- Budenberg, Manchefter" mit englifcher Scala( 15 Pfund= 1 Atmoſphäre), fanden fich nicht nur hier, fondern auch auf der Mehrzahl der englifchen Locomobile, welche Verbreitung wohl am beften für deren Güte fpricht. Auf die Reinhaltung durch periodifches Abblafen wird mehr gefehen als bei uns, und die betreffenden Vorkehrungen find bequem zur Hand. Die Verhältniffe der Roft- zu der Heizfläche gleichen im Allgemeinen den unfrigen; weil aber im Allgemeinen die Kohle beffer, fo ift die Vergröfserung der Heizfläche durch Vorwärmer( Economifers) dort mehr am Platze. Von allen ausgeftellten englifchen Keffeln war kein einziger, deffen Längsnäthe einfach geniethet waren. Alle trugen dort entweder doppelte Niethung oder waren gefchweifst. Die Galloway- Keffel. W.& J. Galloway& Sons in Manchefter ftellten zwei Keffel ihres bekannten Syftems auf und verkündeten, dafs beinahe 3500 derfelben in England im Betriebe feien. Die Form diefer Keffel ift zu bekannt, als dafs eine Zeichnung noth wäre, deren eine übrigens bereits im öfterreichifchen officiellen Berichte über die Parifer Weltausftellung 1867 IV, 18, enthalten ift, nachdem dort drei folcher Keffel ausgeftellt waren und feit jener Zeit nur unwefentliche Aenderungen hinzukamen. Die Aufsenkeffel waren 7.3 Meter lang bei 2'13 Meter Durchmeffer und beftanden aus verhältnifsmäfsig kleinen Platten( 8 Trommeln à 3 Bleche) 9 bis II Millimeter dicker Eifenbleche, welche in den Längsreihen doppelte Niethung hielt. Die zwei vorderen Feuerrohre von o'86 Meter Durchmeffer und 2 13 Meter Länge beftanden aus gefchweifsten Trommeln, waren an den Stöfsen mit Ringen verbunden und verftärkt und enthielten die Rofte von je 3mal 0.61 Meter Länge. Unmittelbar hinter den Feuerbrücken gingen diefe beiden Kreisrohre mittelft einer Rohrwand in ein einziges elliptifches Feuerrohr über, welches 172 Meter Horizontal- und o'91 Meter Verticalachfe befafs. Diefes beftand in jeder Trommel aus 4 Blechen im Umfange mit einfacher Niethung und enthielt 24 Galloway- Röhren nebft 6 Seitentafchen. Die letzteren ftehen wie Halbfäulen voll auf Fug in der Krümmung, erhöhen die Feftigkeit und verhüten wirkfam das Hinziehen eines gefchloffenen Feuerftromes längs der Wand. Im Gegentheile zwingen fie diefen zu einem Schlangenwege zwifchen den Röhren hindurch und fördern fo jenes Anprallen der Heizgafe an den Blechflächen, welches die Wärmeabgabe fo fehr erleichtert. Die Rohre find nicht geniethet, fondern gefchweifst und( conifch) gewalzt; die Seitentafchen aus je einer Blechtafel getrieben und nach der elliptifchen Durchdringungslinie eingeniethet. Sämmtliche Kantenbildungen erfchienen mit Winkelringen hergeftellt und die beiden ebenen Keffelböden forgfältigft und doppelt verfteift, was faft auf böfe Erfahrungen fchliefsen macht. Aufser 3 Eckblechen an jedem Boden, die je mit langem Doppelwinkel gehalten waren, zogen nämlich noch zwei ganz durchgehende Ankerfchrauben von 55 Millimeter Durchmeffer von Boden zu Boden und fafsten jeden mit hohen 240 Millimeter grofsen Gufsfcheiben. Derartig erfcheint aber dem Innenrohre jede Längsänderung durch Hinausdrücken einer federnden Stirnplatte verwehrt, und er mufs fich in fich felber helfen. Dazu follen jene förmigen Rundbänder dienen, welche vorne in den Kreisrohren die Niethungen vermitteln. Dafs fich aber diefe Bänder wirklich federnd verhalten, kommt mir wenig wahrfcheinlich vor, felbft wenn es ein Theil 10 J. F. Radinger. ftück im freien Zuftande thut, weil gefchloffen und eingeniethet ihr Verhalten ein ganz anderes wird, als es dort war, und ein Federn nur eintreten kann, wenn fich die Rundfafern in gröfsere Kreife begeben würden, alfo bedeutend ftreckten. Solch' ein Compenfationsftück mit derartig geringer Bauchung würde man im dünnwandigften Kupferrohre als ungenügend erklären, und hier erfcheint es im ftarken Keffelblech mit niethverfteiftem Rand. Es dürfte dem Rohre alfo nichts Anderes übrig bleiben, als fich durchzufchlagen und an den Eckverbindungen zu zerren, und hier oder in ihrem eigenen Bleche jene Stellen zu fchaffen, an welchen fich die Bewegung ftaut und welche in um fe gröfserem Verhältniffe auftritt, als der Aufsenkeffel oben mit einem vollen Viertelumfang frei der Abkühlung ausgefetzt daliegt. Die Führung der Feuergafe war die bei folchen Keffeln normale; fie ziehen von den Roften durch die Rohre, dann feitwärts nach vorne und fallen dort in jenen letzten gemeinfamen Zug, welcher fie längs des Keffelbauches zum rückwärts ftehenden Kamin leitet. In England fucht man die bei uns üblichen Dampfdome zu vermeiden, weil man mit theilweifem Rechte in der Schwächung des weit ausgehauenen Keffelbleches eine der Explofion surfachen gefunden zu haben glaubt. Die Galloway- Keffel der Parifer Ausftellung zeigten nun einen cylindrifchen Dampffammler längs über dem Keffel, welcher mit zwei ziemlich weit auseinander gelegenen Stutzen den Dampf aufnahm und das Rohr zu deffen Fortleitung trug. Diefs fchien fich jedoch aus naheliegenden Gründen nicht bewährt zu haben, und nun fanden wir das Dampfventil( von 170 Millimeter) fcheinbar direct auf den Dampfraum gefetzt. Thatfächlich mündete es jedoch innen nicht frei, fondern an ein horizontales, oben gefchlitztes Rohr, welches fich über circa ein Viertel der Keffellänge erftreckend eine gleichförmige Entnahme des Dampfes und fomit das Nicht- Entftehen jener Wafferhofen ficherte, welche fich fonft unter niedrig fitzenden Abftrömungen bilden und naffen Dampf, ja Waffer ftatt Dampf liefern könnten. Die Sicherheitsventile von 100 Millimeter waren an einem gemeinfamen Paarftutzen ganz knapp hinter dem Vorderboden angebracht, was mir mit Rückficht auf die grofse Feuerfläche des Keffels von faft 70 Quadratmeter höchst unzweckmäfsig fcheint. Den Drehpunkt fand jeder Belaftungshebel in je einer Stahlſchneide, welche in einen Ausfchnitt der Gehäufeflanfche eingelegt war. Am Keffel oben befand fich ferner noch eine Alarmpfeife für das Tiefwaffer und ein Mannloch- Stutzen mit aufzufchraubendem, aufgefchliffenem Deckel, während ein zweiter mit Vorlegdeckel vorne zwifchen den Feuerrohren unten war. Der Sitz des letzteren war foweit in das rohrförmige Auffatzftück zurückgerückt, dafs die Bügel innerhalb desfelben Platz fanden, und eine Blechplatte, die ebene Vorderflucht herftellen konnte, was Schönheits- und Reinlichkeitsrückfichten entſprach. Zwei Wafferftand- Gläser, die bronzenen Speife- und Schaumventile, welche fymmetriſch an der Stirnwand fafsen und eingegoffene Infchriften hatten, welche dem Heizer ihre Handhabung lehrten, und die zierlichen mit Drehfchieber verfehenen Heizthüren gaben jedem Keffel ein elegantes und folides Aeufsere. Er lag vorne um 5 Centimeter tiefer als rückwärts, um das Waffer völlig durch das Ausblasrohr entleeren zu können, welches fich mit einem gufseifernen Knierohre dem tiefften Punkte anfchlofs. Die Feuerfläche betrug 69 5 Quadratmeter, die Rofte hatten 3.1 Quadratmeter oder circa 1/22 der Keffelfläche, die Züge o 53 Quadratmeter, das ift etwas weniger als 16 des Roftes zum Querfchnitt, was völlig ausreichende Verhältniffe zu nennen find. Der Adamfon- Keffel. 11 Bei Verdampfproben mufs diefer Keffel nicht nur eines Syftems überhaupt, fondern befonders der in das Feuerrohr eingefetzten Galloway- Rohre halber gute Refultate geben. Ich will weniger die 10 8fache Verdampfung hervorheben, welche nach vertrauenswerthen Verfuchen mit( natürlich befter) Welfhkohle erzielt wurde, und bei der man nicht weifs, wie viel auf das mitgeriffene Waffer fällt, als anführen, dafs man dabei o 86 Kilogramm( 19 Pfund englifch) per Stunde und indicirte Pferdekraft bei einer circa 50pferdekräftigen Mafchine benöthigte. Mit einer Condenfationsmafchine, welche in gutem Stande arbeitet, follen folche Keffel bei 3 bis 4 Atmoſphären genügenden Dampf für 250 indicirte Pferdekräfte liefern, was o 28 Quadratmeter Heizfläche per Pferd entſpräche. Die Ausftellungskeffel waren für vier Atmoſphären Maximalfpannung erklärt und ihre Blechdicke fcheint nach der Formel 6094 Dp+ 3 beftimmt worden zu fein, wobei nicht vergeffen werden darf, dafs fie an den entfcheidenden Stellen doppelt verniethet waren. Die Adamfon- Keffel. Die zwei Dampfkeffel von Daniel Adam fon& Comp. in Hyde Junction bei Manchefter hatten diefelben Aufsendimenfionen als die vorherigen, nämlich 7:30 Meter Länge und 2.13 Meter Durchmeffer. Die zwei Feuerrohre gingen faft der ganzen Länge nach cylindrifch durch, und nur die vorletzte Innentrommel war conifch und verkleinerte den Durchmeffer von 837 auf 762 Millimeter. Einer der beiden Keffel beftand aus Eifen-, der andere aus Stahlblech; der Aufsenkörper eines jeden war aus acht cylindrifchen Trommeln mit je zwei Tafeln im Umfange angefertigt; beim Eifenkeffel waren die Längsreihen der 13 Millimeter ftarken Bleche doppelt, die Rundftöfse einfach geniethet, während der Stahlkeffel an feinen 10 Millimeter dicken Platten durchwegs doppelte Verniethung trug. Die Innenrohre beftanden gleichfalls aus je acht Trommeln, deren Enden durchwegs flanfchenartig aufgebogen und immer mit einem Zwifchenringe verniethet waren, um das Verftemmen möglich zu machen. Die Langnäthe derfelben waren gefchweifst, mit Ausnahme der zwei erften unmittelbar den Feuerherd umfchliefsenden Ringe, welche aus Stahlblech gefertigt und an den Längsfugen ( unterhalb des Roftes) doppelt geniethet erfchienen. Die rückwärtigen Trommeln enthielten dann noch je eine bis zwei conifche( Galloway-) Röhren eingefchweifst, deren in jedem Feuerrohre acht in gekreuzter Lage vorkamen. Eine lag zur Anficht im Keffelhaufe, deren Schweifsftellen kaum zu finden waren; nach Schlufs der Ausftellung fand ich aber am gebrauchten Keffel an der conifchen Trommel hinten beim Flanfch eine Schweifsftelle, mehrere Centimeter lang fehr deutlich fichtbar. Die beiden Böden waren je aus einem Stück, und der hintere mit eingebogenen abgedrehten Rändern in den Aufsenkeffel geniethet, während die aufgebogenen Flanfchenenden der Feuerrohre an die auf der Drehbank herausgeftochenen Oeffnungen ftiefsen. 000000 Die Böden waren mit je fünf oberen und zwei unteren Eckverfteifungen verfehen, welche fich abwechfelnd an die erfte und zweite Aufsentrommel fchloffen, und hatten aufserdem noch einen Kreiswinkel zwifchen Rohrmündungen und Aufsenrand aufgeniethet. Wo die Rohre mündeten, waren aber auch deren aufgebogene Flanfchen, oder vielmehr deren Kreiskanten mit einem einfchmiegenden Winkelringe umgeben, welcher mit an den Boden und das Rohr geniethet, jene durch die Rohrfpannung auf Biegung beanfpruchten Kanten und 12 Flächen fteif hielt, und fo der Corrofion vorbeugen follte, die fonft an ähnlichen Stellen zu erwarten fteht. Aber auch das Dichthalten wird erleichtert, wo unbiegfame Stöfse aufeinander treffen. Die anderen FeuerrohrFlanfchen erfchienen aber mit grofsen Halbmeffern gekrümmt, und ihre bedeutende Anzahl mag wohl jene Verlängerung geftatten, welche folche Rohre verlangen; überdiefs werden mit diefer Verbindungsart auch fämmtliche J. F. Radinger. Niethköpfe und Materialhäufungen der Wirkung des erften Feuers entzogen, wie diefs fchon lange bekannt, wenn auch der Koftfpieligkeit halber nicht fehr verbreitet ift. Die fämmtlichen Niethlöcher wurden angeblich mit den eigens zu diefem Zwecke conftruirten Bohrmaschinen nach dem Biegen der Platten gebohrt, wodurch die Bolzen die nicht verzogenen, fondern genau runden Löcher aufs Befte ausfüllen können, wie man aus einer durchſchnittenen Niethung erfah, welche im Keffelhaufe auflag. Nur waren dort Kupferniethen ftatt der eifernen eingeſetzt, um, durch die Farbendifferenz geleitet, defto beffer zu erkennen, was Niethe war und was Blech. An bemerkenswerthen Armaturftücken waren diefe Keffel mit je einem Dampfventile verfehen, welches ganz fo wie bei den Galloway- Keffeln mit dem gefchlitzten Sammelrohre ins Innere reichte; dann mit zwei getrennten, direct belafteten Sicherheitsventilen, nach jener bekannten Zeichnung des Mancheſter Keffelvereines, wo das Ventil am oberen Ende eines ziemlich hohen Rohres fitzt, und welches von einem Bügel niedergedrückt wird, an dem die( 9) Belaftungsfcheiben, das Rohr umgebend, hängen. Diefe Belaftungsweife hat aber, abgefehen von der Unbequemlichkeit des Abnehmens und des leicht möglichen Excentrifchwirkens der Ringfcheiben den Hauptnachtheil, dafs das Probelüften defto fchwerer wird, je weiter der Dampfdruck von feiner Grenze entfernt ift. Unter dem rückwärtigen Ventile befand fich noch im Innern des Keffels ein Hebel, an deffen langem Arm ein balancirter Schwimmer hing und deffen Uebergewicht die Ventilplatte mittelft einer Druckftange heben follte, falls das Zutieffinken des Wafferftandes denfelben trocken legte. Auch diefs ift eine wahrfcheinlich oft verfagende Complication. Ferner trug jedes Feuerrohr ein Meffing- Rohrftück oben auf der zweiten Trommel, auf welches ein Meffinghütchen mit fchmelzbarem Deckpfropfen gefchraubt war, um das Feuer fchon bei einem Tiefwaffer zu löfchen, welches immerhin noch einige Centi, meter ober den Rohren fteht. Die Schaum- und die Speifewechfel mündeten hier gerade fo wie bei den Galloway- Keffeln vorne, fymmetriích zu beiden Seiten, an der Stirnplatte oben in der Mittel- Wafferhöhe, und jeder war im Innern mittelft eines horizontalen Rohres fortgefetzt. Das Speiferohr hatte der Keffelachfe zugekehrte Schlitze und follte beim Speifen den Wafferfchaum, der die Oberfläche deckt, zur entgegengefetzten Langfeite des Keffeis ftofsen, hinfegen. Dort lag aber das Entfchaumrohr. Der Adamfon- Keffel. 13 Centimeter 100 I 3 4 5 Meter. ড Mafsftab 1: 100 der Natur. welches den beiftehenden Querfchnitt hatte und go Centimeter lang war. Deffen obere Rinne mündete mittelft drei enger Löcher an das untere 55 Millimeter weite Rohr, und diefes an das aufsenftehende Schaumventil, auf welchem die Infchrift den Wärter aufforderte, täglich zwei Mal je zwei Zoll des Keffelwaffers auszublafen. Ein unterer Ablafs- oder Schlammwechfel, der fich mit einem Trichter Gufsknie an den Keffel fchlofs, erlaubte dann noch die Wegfchaffung der fchwereren Niederfchläge durch theilweifes Abblafen oder das gänzliche Entleeren. Diefe Keffel waren ganz gleich mit dem Galloway- Keffel mit je einem oberen und unteren Mannloche verfehen, deren oberes rund und mit circa 20 Schrauben aufgefchraubt war, während das untere foweit nach einwärts gedrückt erfchien, dafs eine Schutzplatte vor die Bügel kommen konnte, wodurch der Keffel eine ebene Stirnanficht bot. Die Feuerung der Keffel fand vorne innen, auf den je 185 Meter langen Roften ftatt, und die Gafe fielen dann in den unteren Canal, deffen Länge fie nach vorne gemeinfam durchzogen, nachdem durch eine kurze( 50 Centimeter lange) Zunge ihr Nebeneinandftrömen eingeleitet war. Vorne mufsten fie fich wieder trennen, um in den zwei Seitenzügen nach rückwärts und zur Effe zu gelangen. Jeder diefer beiden Seitenzüge hatte feine gefonderte Drehklappe zur Regelung feines Zuges, welche mit Kegelrädern, Welle und Kurbel von vorne ftellbar war. Ich kann mir keinen anderen Grund diefer abweichenden Einmauerung denken, als dafs vielleicht dem Entfchäumen durch Concentrirung des Feuers auf einer Keffelfeite Vorfchub geleiftet werden follte. Diefe Vermuthung wird durch die Querfchnitts- Verhältniffe der Züge unterſtützt, welche im gemein famen unteren Canal o 60 Quadratmeter, in jedem Seiten canale aber o 40 und bei den Drehklappen o 55 Quadratmeter Fläche befassen. Die Heizfläche berechnet fich auf circa 65 Quadratmeter, die Roftfläche auf 2.9 Quadratmeter und 1/22 der Heizfläche, während der Zug ½ der Roftfläche einnahm, was völlig richtige und reichliche Verhältniffe find. Sie waren für 4% Atmoſphären höchften Druck beftimmt, und die doppeli genietheten Eifenbleche fcheinen nach der Form= 1. Dp+ 3 Millimeter bemeffen zu fein. 14 J. F. Radinger. Der Eifenkeffel wog 10.500, der Stahlkeffel 10.000 Kilogramm; fie waren zu Ende der Ausftellung um 625 und 670 Pfund Sterling, unverzollt und loco Ausftellung, fammt aller Armatur, complet verkäuflich. Cater& Walker. Ein bemerkenswerther und in mancher Beziehung von den bisherigen Syftemen abweichender Keffel war Cater's Patentkeffel von Cater& Walker zu Southwark bei London. Der cylindrifche Aufsenkeffel von 4.26 Meter Länge und 2.13 Meter Durchmeffer wurde unten vorne von einem 2 Meter langen, 1.22 Meter breiten Rofte geheizt. Die Gafe ftrömten am halben Keffelumfange, aber nicht ganz nach hinten, denn 74 Centimeter vom Hinterboden entfernt ſchnitt quer in den Keffel eine unten und feitlich offene, 84 Centimeter hohe, 55 Centimeter breite Umkehrkammer, deren obere Vorderwand 42 eiferne Rohre von 95 Millimeter Weite aufnahm, während die Rückwand noch 19 Centimeter breit vom Waffer gekühlt blieb. Die Rohre zogen nun mit fchwacher Steigung nach aufwärts vornehin and mündeten in eine zweite( 55 Centimeter tiefe) Kammer, welche vorne in den Keffel eingefchoben erfchien. Diefe hatte mit dem Aufsenkeffel im Abftande von 16 Centimeter concentrifche Seitenwände, während ihre Höhe von I Meter durch ebene Blechflächen begrenzt wurde. Eine zweite Gruppe von 62 engeren Rohren( à 75 Millimeter Weite) zog nun aus der oberen Hälfte diefer Kammer wieder mit fchwacher Steigung nach rückwärts und endete an dem Keffelboden, von wo ein Blechfchlot zur Effe ging. Die vordere Kammer enthielt drei ftehende, die rückwärtige ein liegendes Rohr von je 130 und von 150 Millimeter Durchmeffer eingeniethet, welche fowohl die flachen Wände mächtig verfteiften, als auch dem Waffer eine gefunde Circulation erlaubten. Die Keffelböden waren auch, und zwar durch je vier obere Eckwinkel verfteift; der vordere hatte noch zwei untere Eckwinkel, der rückwärtige aber Stehbolzen, welche ihn mit der hinteren Umkehrkammer- Wand verbanden. Jeder Keffelboden war aus einem Stücke und aufgebogen; der Hinterboden aber fo weit ausgehauen, als es die anftofsenden Rohre verlangten, welche durch ein eigens aufgeniethetes Blech mündeten, wie es die Vorficht einer Reparatur verlangt. Der Aufsenkeffel beftand aus fünf conifchen Trommeln 16 Millimeter dicken Blechen, deren Langftöfse doppelt geniethet waren, was d= 15 D p+ 3 entfprechen würde. In dem Profpecte, welcher für die Ausftellung gedruckt und dort vertheilt wurde, erfchien ein Dampfdom auf den Keffel gefetzt; in Wirklichkeit erhielt er aber einen Dampffammler von 2.6 Meter Länge und 12 Meter Durchmeffer, welchen der einzige, 40 Centimeter weite Verbindungsftutzen balancirend trug. Es fcheint alfo, dafs der Dom erft im letzten Augenblicke durch den Sammler verdrängt wurde, wie es der fchon früher begründeten, neueren englifchen Richtung entſpricht, welche die Dome verwirft. Oben am Sammler fafs das Dampfventil. Um aber die Bildung eines Wafferkegels unter dem Stutzen zu vermeiden, wurde es nicht in deffen verticale Flucht, fondern nach hinten gefetzt, und um den Sammler doch wieder centrifch zu belaften, bog es fich mit einem angegoffenen Knierohre über die Mitte, fo dafs die Griffrad- Spindel horizontal zu liegen kam. Diefer Keffel ftellte ein Syftem dar, welches für den Transport ganz prächtig geeignet ift, indem das Mauerwerk aus einem einfachen Bett für die ° ° ° ° Cater& Walker. wwwwww H Centimeter 100 2 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. 15 Lagerung des Keffelkörpers befteht, von jeder Stichflamme verfchont bleibt, und keine weitere Anforderung an dasfelbe herantritt. Die vordere Kammer hat zwei Auffchlagthüren, um die Rohre durchfahren zu können, und eine Putzthür hinten, welche die Umkehrkammer zugänglich macht. Armirt war der Keffel in gewöhnlicher Art. Er befafs zwei WafferftandGläfer vorne, ein Manometer oben( letzteres war zu Anfang der Ausftellung fo angebracht, dafs es der Heizer von unten nicht fehen konnte) und zwei Sicherheitsventile am Paarftutzen vorne mit Hebelbelaftung. Eines der letzteren war in einem gefchloffenen Gehäufe untergebracht, welches in der Nähe der Ventilplatte gegittert erfchien. Der Keffel trug drei Auffätze, einen für die Ventile, einen für den Dampffammler und einen für das Mannloch; alle drei waren mit aufgebogenem Rand gefchmiedet und aufgeniethet. Der Mannloch- Deckel konnte, je nachdem es dem Heizer gefallen mochte, als aufgefchraubt oder vorgelegt behandelt werden, indem die aufgefchraubte Blechplatte einen elliptifchen Mannloch Deckel aus verfteiſtem Blech mittelft zweier Bügel hielt. Vorne unten am Keffelboden war noch ein zweites Mannloch mit Vorlegdeckel angebracht, durch welches man in den Raum unter den Rohren gelangte. Der Betriebsdruck follte im Maximum nicht mehr als vier Atmosphären betragen, die Heizfläche ftellte fich auf circa 105 Quadratmeter, die Roftgröfse auf 2.4 Quadratmeter, 44 der erften: die unteren Rohre gaben o 30, die oberen 0.27 Quadratmeter Querfchnitt, was 8 und der Roftfläche gleichkommt. Man fieht daraus, dafs der Roft gegenüber den Rohrquerfchnitten fchon ungewöhnlich grofs, gegenüber der Heizfläche aber zu klein erfcheint. Diefes Mifsverhältnifs wird auch durch den Umftand noch weiter klar gemacht, dafs der Keffel laut Angabe für 50 Pferde Dampf liefert oder normal 50 Cubikfufs englifch 2 બાળ વા 16 J. F. Radinger. 14 Cubikmeter Waffer per Stunde verdampft. Daher entfallen per Quadratmeter Heizfläche nur 13 Kilo( per Pferd 21 Quadratmeter Heizfläche), was ungefähr die Hälfte deffen ift, was man von anderen guten Keffeln erhält, deren Querfchnitte aber nicht fo unglücklich klein ausfallen wie hier. Ein zeitweiliges Forciren wird bei diefem Keffel unmöglich fein, wo fchon für den normalen Betrieb ein ftark ziehender Kamin nöthig ift, um die Gafe durch die droffelnden Rohre und über die fcharfen Biegungen zu führen. Die als vorfichtig bekannten Reading Iron Works nahmen ihn empfehlend in ihren Katalog. In der Londoner Ansftellung 1862 waren drei folche Keffel, der Wiener zeigte die Fabriksnummer 340. Letzterer wog 12.500 Kilo und war zu Ende der Ausftellung um 650 Pfund Sterling feil. وو Der Howard- Keffel. J.& F. Howard in Bedford hatten im englifchen Keffelhaufe einen ihrer Sicherheitskeffel" eingebaut, welche für hohen Druck( 10 Atmofphären) beftimmt find. An diefen Keffeln kommt abfolut keine Nietung vor, und fie beftanden aus zwanzig einzelnen gefchweifsten und gezogenen, wenig anfteigenden Rohren aus 8 Millimeter dickem Eifenbleche von je 230 Millimeter Durchmeffer und 3.65 Meter Länge. Jedes Rohr war nur am rückwärtigen Ende gehalten, nach vorne aber frei, fo dafs feiner ungehinderten Ausdehnung nichts entgegenwirkte. Diefes rückwärtige Halten zum Zwecke der Verbindung des Innenraumes eines jeden Rohres mit den übrigen gefchah durch die Verfchraubung von je fünf übereinander liegenden Rohren an vier nebeneinander ftehende Verticalrohre, welche oben durch je ein engeres Knie in einen querliegenden Dampffammler mündeten. Letzterer war von Gufseifen, hatte 18 Meter Länge, 350 Millimeter Durchmeffer, 21 Millimeter dicke Wände und trug drei Angüffe für je ein Dampf- und zwei Sicherheitsventile. Vor der unterften Rohrreihe lief quer das Speifewaffer- Rohr hin, welches mit jedem der dortigen Rohre verfchraubt war, und Field'fche Einlagen in fämmtlichen Rohren erleichterten die Waffercirculation während des Betriebes. Das Feuer brannte vorne unter den Rohren und feine Gafe durchbrachen deren Zwifchenräume, um zum Fuchs zu gelangen, der fich oben rückwärts anfchlofs. Dabei war ihr Weg nicht der gerade, fondern fie wurden durch eingelegte Gufsplatten gezwungen, zuerft an den beiden Unterreihen nach rückwärts, dann an der nächften Reihe nach vorne, und dann wieder zurück zu ftrömen, und ihr Weg glich fo einem S. Der niederfte Wafferftand füllte eben die drei unteren Zeilen von Rohren, während auch der höchfte nicht in die oberfte Reihe trat. Daher waren immer eine oder zwei Rohrzeilen von Waffer entblöfst, und indem fie der letzte Zug der Gafe beftrich, konnte der darin enthaltene( ftagnirende?) Dampf getrocknet, refpective überhitzt werden. Zum Zwecke des Verfchluffes und der Reinigung trug jedes Rohr vorne an feinem freien Ende ein kurzes Schaltrohr, worauf eine mit Gewinden eingezogene Schmiedeflanfche kam, gegen welche eine aufgefchliffene Gufsplatte mit vier Eckfchrauben geprefst wurde. Diefe Schlufsplatten lagen aber von der Einwirkung des Feuers durch einzelne Gufstafeln getrennt, die vorne zwifchen den Rohren eingelegt wurden und eine Wand bildeten. Ueberdiefs waren dort noch Halfen aus Flacheifen verwendet, welche die Rohre ftützten und ihnen einen gleichbleibenden mittleren Abftand von 360 Millimeter ficherten. Die Verbindung hinten mit den Stehrohren gefchah je durch ein kurzes, 5 Centimeter freiliegendes Zwifchenrohr, welches an beiden Enden ein Schraubengewinde trug, mit dem es einerfeits in die Länge des Horizontalrohres, anderfeits aber in die Wand des fchmiedeifernen Stehrohres griff. Diefes letztere war Der Howardkeffel. 冠 冠 OOO Centimete 100 7 3 4 5 Meter 17 Mafsftab 1: 100 der Natur. nämlich vorne und hinten abgeflacht, und fein Querfchnitt mafs 26 Centimeter zwifchen und 20 Centimeter längs den Flachfeiten. Es war 178 Meter hoch, 11 Millimeter in den Wänden ftark, und durch eingefchweifste ebene Böden oben und unten gefchloffen. Das viertelkreisförmige Verbindungsrohr mit dem Dampffammler fetzte fich oben mit einem Gewinde und Gegenmutter in die Decke des Stehrohres und mit einem Holländer an den Sammler. Die Heizrohre waren aber an beiden Enden durch eingefchweifste Ringe verftärkt und erft in diefe griffen die Gewinde der Verbindungsftücke. Die Einmauerung wurde oben durch Gufsplatten gefchloffen, welche auf verrippten Querträgern ruhten und ein dünnes Pflafter deckte das Ganze. Auch die Vorderwand beftand aus einzelnen wegnehmbaren Gufsplatten, welche eine leichte Caffettirung fchmückte. Das Abwärtsfallen der Gafe durch einen verticalen Fuchs am hinteren Ende der Mauerung mufste aus örtlichen Rückfichten eingeleitet werden. Was die Arbeit betrifft, fc waren die Rohre wunderbar hergeftellt, und alle Verbindungen dauernd dicht. Ich nahm vor der Aufftellung eine hydraulifche Probe mit 17 Atmoſphären Ueberdruck vor, und befah den Keffel wieder, als er nach fechsmonatlichem Betriebe aus feinem Mauerwerk geriffen war. Mit einer einzigen kleinen Ausnahme in einer Verfchraubung war aber nirgends eine Spur von Lecken oder eines Schadens im Bleche zu finden, fo dafs ihn bezüglich des Feft- und Dichthaltens kein Vorwurf treffen kann. Anders ift es aber bezüglich feiner Arbeitsweife. Der Waffer- und der Dampfraum find im Vergleiche zu anderen, bei diefem Keffel klein. Ein Schwanken des Druckes und der Wafferhöhe wird alfo bei ungleichförmigem Betriebe rafcher, ja cft ungeahnt plötzlich einfallen, und es bedarf eines befonders aufmerkſamen Heizers und wohl functionirender Apparate, um beide in ungefährlichen Grenzen zu halten. Der Keffel darf nicht überangeftrengt werden, was auch manchmal zu können wünſchenswerth fcheint. Denn nachdem fchon bei normalem Betriebe dadurch, dafs der aus vier, vielleicht auch aus fünf Röhren( 10 bis 12'5 Quadrat2* 18 J. F. Radinger. meter Heizfläche) kommende Dampf aus dem kleinen Waffer- ,, Spiegel" des Stehrohres von circa o'05 Quadratmeter entfteigt( 4000 bis 5000 Kilogramm per Stunde und Quadratmeter Wafferfläche), wird er ftark nafs in den Sammler gelangen, und der Condenfirtopf wird in feiner Leitung eine wichtigere Rolle fpielen und befchäftigter fein als fonft. Bei einem Forciren aber müfste fich das Uebel verfchlimmern und den beabfichtigten Betrieb fchäumend wehren. Wo aber ein ruhiger gleichmässiger Bedarf mit reichlich bemeffenem derartigen Keffel gedeckt wird, mufs der Vortheil, den die Zulaffung höherer Spannung gewährt, felbftverſtändlich zur Geltung kommen. Die Sicherheit gegen directes Aufreifsen der Rohre ift Dank ihres kleinen Durchmeffers bedeutend höher als bei den älteren Syftemen, und war bei dem ausgeftellten Keffel bei 10 Atmoſphären Druck circa 30fach, während fich felbft die alten Keffelgefetze mit 8- facher Sicherheit begnügten. Die Herren Howard's gaben an, dafs die Rohre einen Druck von 100 Atmoſphären ohne den geringften Schaden zu nehmen, aushalten, was mit Obigem ftimmt. Freilich darf aber auch keine Verfchraubung oder andere Verbindung aus was immer für Gründen nachgeben, und ein Ausfchleudern des Rohres zulaffen, was bei ähnlichen explodirten Keffeln vorkam, wenn der Name Sicherheitskeffel beftehen foll. Es erfcheint daher als eine wefentliche Verbefferung, und ich bemerkte es an einem erft nach der Ausftellung eingeführten Keffel, wenn jedes Rohr von einer Ankerfchraube durchzogen wird, deren Kopf an der Hinterwand des Stehrohres dichtet, deren Mutter aber auf einen Bügel drückt, welcher innen ganz dicht hinter der vorderen Abfchlufskappe fitzt. Allerdings wird die Reinigung dadurch erfchwert, aber die Sicherheit wefentlich erhöht. Diefe Keffel find leicht zu transportiren und aufzuftellen. Die Auswechslung eines allenfalls befchädigten Rohres durch einfaches Ausfchrauben( nach Auflage eines erhitzten Ringes auf das zu löfende Gewinde) und Eindrehen eines neuen gefchieht mit einem eigenen paffenden Schlüffel, welcher ftatt des abgenommenen Deckels an die Flanfchen gefchraubt wird leicht und fchnell, und duldet. keinen Vergleich mit Zeit und Arbeit, den das Auswechfeln einer Feuerplatte bei den Normalkeffeln koftet. Der Raum, den fie einnehmen, ift gering, und das Reinhalten nicht fchwer. Allerdings will fich der Keffelftein gerade auf den Feuerblechen mehr als anderwärts anfetzen, weil fämmtliches Waffer beim Speifen dort eintritt; aber da man weifs, wo er zu finden, und durch Ausblafen oder Putzen beftimmt zu entfernen ift, fo entfällt diefer Mifsftand zum Theile. Früher wurden fie( fiehe Parifer Ausftellung 1867) mit ftehenden Heizröhren ftatt der jetzt verwendeten liegenden gebaut. Die Rückficht auf die leichtere Reinigung brachte das nun vorgeführte Syftem, in welchem auch den Dampfblafen ihr Anfteigen und dem Keffelfteine das Niederfallen in der gewünſchten Richtung vorgezeichnet erfcheint, aber dennoch jedes Rohr zugänglicher wurde. Auch die Verbindungsart der Stehrohre mit dem feitlich gelegten Sammler durch ein gebogenes Rohr entftammt der neueren Zeit; früher lag derfelbe direct quer über jenen, und ein kurzer Hals kuppelte die beiden. Aber die ungleichen Ausdehnungen verlangten das nachgiebige Glied. Für Hüttenzwecke erfcheinen fie mit vergrössertem Sammler entworfen, und wo fie in der Ueberhitze liegen follen, verwehrt eine feuerfefte Decke den Heizgafen ihr Spiel an den oberen Rohrzeilen. Die Heizfläche des ausgeftellt gewefenen Howard- Keffels( Fabriksnummer 1612) war 42 Quadratmeter, die Roftfläche mafs 17 Quadratmeter oder nahe 1/25 Der Sinclair- Keffel. 19 der erften. Der Zug mit o 4 Quadratmeter befafs etwas weniger als 14 der Roftfläche. Er wog 6000 Kilogramm und koftet circa 3400 fl. Der Sinclair- Keffel. John Mr. Nicol in Glasgow brachte einen uneingemauerten Keffel, im Freien liegend zur Anficht, deffen Gefammtanordnung fich von der Howard'fchen dadurch unterfcheidet, dafs die geneigten Heizrohre fowohl vorne als hinten in Stehrohre münden, wodurch ein Waffer- Kreislauf entstehen foll. Dann find noch vier geniethete cylindrifche Keffel mit dem dampferzeugenden Syfteme verbunden, deren zwei untere die Wafferhöhe( im halben Durchmeffer) leichter erhalten follen, während die beiden oberen als Dampffammler dienen. Der Verfchlufs jener Oeffnungen in den Stehrohren, welche das innere Reinigen der Heizrohre geftatten, war durch eingefchliffene kegelförmige Pfropfen bewerkstelligt, welche durch Innenbügel und Aufsenfchraube gehalten wurden. Ob fich die conifche Einpaffung der Heiz- in die Stehrohre bewährt und die ftarren Rohrgitter auch im Betriebe dicht bleiben, konnte am kalten, neuen Keffel nicht beurtheilt werden. Die Economifers. Die Kohlenfparer oder Economifers find Druckvorwärmer, welche, im abziehenden Rauche liegend, deffen letzte verfügbare Wärme durch das Speifewaffer ausnützen. Deren Conftruction und Wirkungsweife ift wohl zu bekannt, als dafs eine Befchreibung hier am Platze wäre, und ich will nur anführen, dafs jedes einzelne der gufseifernen Rohre, deren fo viele angewendet werden, als der betreffende Keffel Pferdekräfte" hat, eine Oberfläche von I Quadratmeter, eine Höhe von 3 Metern, einen Durchmeffer von II Centimetern und eine Wandftärke von 10 Millimetern befitzt. Sie follen die Temperatur des Speifewaffers um mindeſtens 60 Grad Celfius erhöhen und find befonders dort angezeigt und thatfächlich in häufiger Verwendung, wo eine Steigerung der Dampfproduction durch Forciren der Keffel erwünſcht wird. Ift nun der Zug ausreichend, dafs auf den beftehenden Roften unverhältnifsmäfsig mehr Wärme erzeugt werde, als die Heizfläche aufnehmen kann, fo mufs deren Vergröfserung durch was immer für einen Vorwärmapparat, welcher dann in den abziehenden Gafen liegt, von günftigem Einfluffe auf den Heizeffect werden. Ob gerade die dickwandigen, doch nur halbflächig geheizten, innen fchwer zu reinigenden, nicht von jeder Fabrik reparirbaren Economifers die paffendften Apparate find, oder ob nicht durch eine andere Vergröfserung der Heizfläche ( Zugabe eines Vorwärmers) oder gar durch Aufftellung neuer Keffel und Rückführung der alten überangeftrengten in den Normalzuftand der beabsichtigte Zweck im Gefammten ökonomifcher zu erreichen ift habe ich noch nicht ftudirt. Jedenfalls ift es aber gewifs, dafs ein gefund dimenfionirter und normal zur Arbeit herangezogener Keffel keinen Economifer braucht oder felbft verträgt, weil bei einem folchen die Gafe nur mit jener Temperatur abgehen, welche fie eben zu ihrem Auffteigen im Schornfteine benöthigen, und daher keine Wärme mehr abgeben können. Wie richtig diefes ift, dafs der Economifer nur bei forcirten Keffeln wohl angewendet wird, geht daraus hervor, dafs derfelbe den Zug laut Zeugniffen verbeffern foll. Diefer ift bekanntlich ein Maximum für circa 250 bis 300 Grad im Schornfteine, und finkt mit fteigender( und fallender) Temperatur. Folglich müfste 20 J. F. Radinger. vor Einbau des Apparates eine höhere als diefe Wärme abgezogen fein, wo dann allerdings der Economifer als Kohlenfparer wirkt. Die Detaillöfungen diefer Apparate find höchft vollendet. Der Green'fche Economifer ift der weiteftverbreitete. Seine Rohre find oben und unten mit conifchen Enden in die Gufsmuffen der Hauptrohre eingerieben und mit fechsfachem Normaldrucke mit hydraulifchen Preffen eingedrückt. In der Flucht der Rohre oben find eingefchliffene Deckel angebracht, und eine eigene Bohrmaschine beforgt das zeitweilig nothwendig werdende Ausbohren von gleichzeitig acht Rohren von Keffelftein. Die Rufsfchaber, welche durch eine Transmiffion aufsen das Rohr auf und niederfahren, find zweitheilig und das einwärts hängende Eigengewicht drückt ihre verftählten Schneiden gegen das Rohr. In Paris 1867 waren fie noch eintheilig. Die Transmiffion felbft erfchien einfacher als die frühere. Ein anderer war Twibill's Economifer, ähnlich dem Green'fchen Apparat, er hatte aber fchraubenförmige Schneiden ftatt in der Ebene liegende. Seine Rohre waren oben mit Flanfchen verfehen und verfchraubt, ftatt des conifch eingerie. benen Verfchluffes von Green. Bell's Economifer fcheint mehr ein Giefserei- Kunftftück als ein Dauerapparat. Es find weite gegoffene Schraubenrohre, das heifst Kohre von circa 10 Centimeter Durchmeffer, welche nicht gerade find, fondern nach einer Schraubenlinie mit 8 bis 10 Windungen gebogen erfcheinen und an welchen fich der Kratzer, den eine centrale Umfteuerwelle mitnimmt, von felber führt. Solch ein Schrauben. rohr ift natürlich nicht in Einem, fondern in Stücken von je einer Halbwindung mit beiderfeits engeren Anfätzen vorgegoffen, welch letztere dann durch übergoffenes Eifen verfchweifst find. Eine innere Reinigung ift dabei nicht möglich, wohl aber die Verbindung mit den aufgegoffenen Muffen unlösbar dicht. Die franzöfifchen Keffel. Frankreich hielt fich von der Mafchinenausstellung ziemlich fern. Seine gröfsten Firmen( Cail& Derosne, Farcot& Söhne, Gouin& Comp., Flaud, de Coster u. A.) waren gar nicht vertreten, und fo kann felbftverftändlich aus dem Wenigen, was man fand, kein Schlufs über die Gefammtanfchauungen diefes regen Landes auf diefem Felde neu gezogen werden. Im Allgemeinen ift es bekannt, dafs dort faft ausfchliefslich Bouilleur- und Röhrenkeffel verwendet werden; dafs man mit den Spannungen höher geht, als es in England für Stabilkeffel normal ift. ohne aber an die Extreme zu langen, und dafs die( fonft aber tüchtigen) franzöfifchen Conftructionen in der Regel nicht den allereinfachften Weg nehmen, fondern es lieben, ftets etwas Neues zu zeigen, was fich insbefondere an den minder wefentlichen Details entfaltet und immer geift. reich, aber häufig als gefucht erfcheint. Obgleich auch in Frankreich kein Zwang mehr befteht, welcher die Blechdicken regelt, fo fcheint man an dem vergangenen Gefetze noch heute freiwillig feftzuhalten, während man überall anders deffen Fall als Erleichterung anfah und benützt. Die Ausführung ift faft ausnahmslos tadellos, wie es z. B. die häufige Verwendung von völlig dichthaltenden Dampfhähnen( ftatt der Ventile) felbft bis zu den gröfsten Durchmeffern( 10 Centimeter und mehr) kennzeichnet. An Bronze wird weniger gefpart als bei uns, und auf blanke Flächen mehr gefehen als irgend anderswo. Unterstützt wird die Keffelfabrication durch die Nähe und Einrichtungen der grofsartigen Eifenwerke in Frankreich felbft und dem nahen Belgien. St. Etienne z. B. ftellte hier Keffelbleche aus, welche die gröfsten bis heute erreichten Dimenfionen haben dürften: Eine Kreisplatte Der Parent Schaken- Keffel. 21 2'6 Meter Durchm., 16 Mm. dick 960 Kg. fchwer 99 Blechtafel 16 Meter lang 1'6 breit 16 " 99 29 3200 99 ,, " 9 99 8.5 99 24 16 99 99 " 99 2500 99 97 " An franzöfifchen Keffeln waren ausgeftellt: I Keffel von Parent Schaken( Compagnie von Fives Lille), I " 99 I 99 99 I " Claparede& Grenier in Lyon, Belleville in St. Denis, -Modell der Société Centrale de Conftruction des Machines, -Zeichnung von Albaret& Comp. in Liancourt. Der Parent Schaken Keffel. All - Der Keffel von Parent Schaken, Houet& Caillet( Compagnie de Fives Lille) ftellte einen Zufammenbau des Sieder- und Röhrenfyftemes vor. Der Hauptkeffel von 148 Meter Durchmeffer und 5.62 Meter Länge war mittelft je zweier kurzer, angenietheter Verbindungsftutzen mit zwei untenliegenden Siedern( Bouilleurs von je o 70 Meter Durchmeffer und gleicher Länge wie oben) verfehen, unter welchen vorne das Feuer brannte. Der ganze Heizumfang des Oberkeffels, fowie die beiden Sieder lagen insgefammt der Strahlung und dem erften Zuge des Feuers ausgefetzt, deffen Gafe nach rückwärts zogen. Dort ftiegen fie völlig zum Oberkeffel empor, durch deffen Länge 110 Rohre von je 68 Millimeter Durchmeffer nach vorne in eine Rauchkammer und zur Effe führten. Diefe Rauchkammer ward dadurch gebildet, dafs die vordere Rohrwand um circa o 5 Meter mehr nach einwärts ftand als das eigentliche Keffelende. Die nun vorftehenden Mantelplatten trugen vorne eine Putzthüre, hatten aber rechts und links fenfterförmige Oeffnungen, welche an zwei Canäle mündeten, die etwas rückwärts und dann zu beiden Seiten des Roftes fenkrecht niederführend fich in dem quer unter dem Afchfall durchlaufenden Rauchcanale vereinigten. So ftand der Keffel wohl von allen Seiten frei, aber die 4 Meter tief fenkrecht abfallenden Canäle übten einen Einfluís höchft nachtheiliger Art auf den Zug. Nicht nur, dafs ihre Richtung allein in folcher Länge verwerflich erfcheint, fo waren die Langfeiten derfelben nur aus 20 Centimeter dickem Mauerwerke aufgeführt. Solches trennte nun innen die Gafe von der Gluth auf dem Roft, und das dadurch herrührende Nachheizen mufste fie eher zu einem neuerlichen Auffteigen, einem Rückftau, als zu einem vier Meter tiefen Niederfallen geneigt machen. Aufsen kühlte fie aber die Luft durch eine gleich dünne Wand. Ich kann mir daher den Wirbelzug lebhaft vorftellen, der, die Querfchnitte auf die Hälfte verengend, dort auftrat, und die Gafe mufsten um fo zögernder dem Kamine folgen, als die Mauerung noch fünfmal ihre Richtung zwifchen den Rohren und dem Fuchfe brach. Dazu kam noch ein Mifsftand, an dem faft alle Röhrenkeffel leiden, deren Feuerung kein Blasrohr anfacht. Es ift diefs der kleine Gefammtquerfchnitt, den die Rohre im Verhältnifs zum Rofte unterzubringen erlauben, und welcher fich hier auf 1 des letzteren ftellte. Wäre diefes Verhältnifs günftiger gewefen und hätte ein feitlich oder hochliegender Canal( wie beim amerikanifchen Keffel) den Rauch feiner Kammer entführt, fo könnte diefe Anlage gewifs nicht fchon von Ferne durch den am meiften qualmenden Schornftein gekennzeichnet gewefen fein, wie es in der That der Fall war. Sonft zeigte aber diefer Keffel manche gute Conftruction. Schon der Umftand, dafs viele und dünnwandige Feuerflächen ober dem Rofte lagen, fteigerte 22 die Ausbeute des Verbrennproceffes Die Verbindungs- Stutzen zwifchen Oberkeffel und Sieder boten den erregten Dampf- und Wafferftrömen mit einem Durchmeffer von o 35 Meter eine Fläche von je o 096 Quadratmeter dar; weil nun die Heizfläche eines Sieders circa 9.6 Quadratmeter war, fo ftellte fich das mafsgebende Verhältnifsvon Durchflufs zur Feuerfläche auf 1: 100, was felbft für forcirten Betrieb ausreicht und keine Dampf- und Wafferftauungen bringt. Sie waren je aus einem einzigen an beiden Enden aufgebogenen Blechrohrehergestellt J. F. Radinger. 8 und der Mangel jeder Verfchraubung machte die Möglichkeit des Leckens entfallen. Er war ungewöhnlich forgfältig geftützt, und ruhte oben auf dem Mauerwerk und acht Pratzen( in Entfernungen von 14 Meter paarweife in der Mitte jeder Blechtrommel angeniethet), unten aber auf der die Heizthüre enthaltenden hochkantigen und ftark verrippten Stirnplatte und vier T- Trägern. Ober dem Roft hingen die Sieder an den Stutzen. Der Dom war im unteren Drittel feiner Höhe durch eine Verfchraubung getheilt und trug oben in der Gufsdecke die Flanfchenkniee für Dampf- und Sicherheitsventile. Die Gröfse der letzteren mit je 142 Millimeter Durchmeffer fcheint einer gefährlichen Anfchauung ihren Urfprung zu danken. Noch ftand ein Schwimmer mit magnetiſchem Wafferftand- Zeiger in Verwendung, und die übrige Ausrüftung trug eine gewiffe fichere Vollkommenheit und Formvollendung zur Schau. Der Keffel hatte mit fünf Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten und beftand oben aus fünf conifchen Trommeln, 15 Millimeter dickem Eifenbleche, was 16 Dp+ 3 Millimeter, faft die alte franzöfifche gefetzliche Stärke gibt, obgleich doppelte Längsniethung vorkam. Jede hatte zwei Platten im Umkreife, deren Längsftöfse fich genau im Horizontal durchmeffer trafen und doppelt geniethet waren; fie waren nicht verfetzt, fondern lagen fämmtlich in einer Flucht. Die Rundnäthe trugen einfache Niethung. Die Rohrwände waren aufgebogen und 20 Millimeter dick; ober den Rohren waren je vier Reihen Niethen zu fehen, welche wahrfcheinlich Verfteif winkel trugen. Die einfach genietheten Sieder hatten 10 Millimeter Wandftärke nach 62 Dp+ 3, alfo mehr als die frühere gefetzliche Beftimmung verlangte, und befafsen hinten im Feuerzug geprefste Böden, während die vorderen, welche das Mauerwerk durchragten, aus Gufseifen beftanden und die Mannlöcher enthielten. - Centimeter 100 Der Parent Schaken- Keffel. JU 00 3 4 5 Meter. 23 Mafsftab 1: 100 der Natur. Die Heizfläche ftellte fich auf 140 Quadratmeter. Der Roft war 2 2 Meter lang und 1.25 Meter breit, feine Fläche 2.75 Quadratmeter oder 51 der Heizfläche. Die Züge anfangs 1, in den Rohren 17, dann in den niederfallenden Canälen 14.3 und endlich im Fuchfe 1.8 der Roftfläche. Der Schornftein hatte oben 15.5 der felben, indem fein Durchmeffer 80 Centimeter mafs. Man erfieht aus diefen Verhältnifszahlen, welche Mifsftände mit den Röhrenkeffeln noch verbunden find. Der Roft ift zu klein für die Heizfläche, der Röhrenquerfchnitt zu klein für den Roft. Daher kann auch diefer Keffel nicht liefern, was feinem Aeufsern entſpricht; für kleinen Bedarf ift feine Fläche zu grofs, für grofsen Bedarf fein Roft zu klein. Er wog 12.500 Kilogramm und fchliefslich wurden 16.900 Francs für ihn begehrt. Claparede& Grenier in Lyon. Ein grofser Röhrenkeffel diefer Firma foll noch beim Ballon captif geftanden haben. Er beftand, wie ich authentifch vernahm, aus einem 2'1 weiten Aufsen- und einem 0.95 Meter weiten Innenrohre, deren Bleche 17 6 und 16 5 Millimeter ftark und einfach verniethet waren. 112 Gegenrohre, à 70 Millimeter weit und 2.2 Meter lang, führten das Innenfeuer nach vorwärts, wo fich der Schornftein erhob. Seine Heizfläche betrug 50 Quadratmeter und feine Dampffpannung follte 6 Atmoſphären betragen. 24 J. F. Radinger. Ich erfuhr aber von diefem entlegenen und ftets kalt gebliebenen Keffel erft lange nach Schlufs der Ausftellung und habe ihn nie gefehen. Der Belleville- Keffel. J. Belleville's& Comp. ,, unexplodirbare" Dampfkeffel find wohl fchon länger und hauptfächlich feit der Parifer Ausftellung her bekannt, und nachdem fie in deren officiellem öfterreichifchen Berichte in hervorragenderer Weife behandelt erfcheinen, fo würde hier wenig mehr zu fagen erübrigen. Doch waren einige Aenderungen in der Anordnung und den Einzelnheiten gegen dort zu bemerken, und die Mehrzahl jener artigen Daraufgaben durch neuere erfetzt, welche bei franzöfifchen Conftructionen fo üblich find. " So unterfcheidet fich das Modell 1872" von den früheren durch die aus. fchliefsliche Verwendung von geraden Röhren, während in Paris noch aus doppelter Länge abgebogene vorkamen. Die Zufammenftellung der Rohre zu einzelnen von unten nach oben ziehen< den Spiralen, welche nur an den beiden Enden durch Speife- und Dampfrohr mit den Nachbarrohren in Verbindung treten, und die Dimenfionen erfuhren keine wefentliche Aenderung. Ihre Kupplungsftücke, U- Kappen, aus hämmerbarem Gufse, in welche die Rohre mit Gegenmutter- Ring eingefchraubt find, und welche die Reinigungsöffnungen in der Rohrachfe mit ihren aufgefchliffenen, durch einen Innenbügel gehaltenen Vorlegdeckel enthalten, blieben fich gleich. Dafür war aber die Ausrüftung völlig geändert. In Paris folgte bei diefen Keffeln ein Dampftrockner, ein Dampfüberhitzer und ein Dampffammler übereinander; hier mündeten die einzelnen Heizfchlangen wohl auch in ein Querrohr, aber der Dampf zog, demfelben durch ein einfaches Gabelrohr entnommen, direct feiner Verwendung zu. Jene Keffel, welche kalt in der Mafchinenhalle ftanden, waren noch mit einem durch Centrifugalkraft wirkenden automatifchen Wafferfcheider verfehen. ( Der Keffeldampf wird tangirend in ein rundes Gehäufe geleitet, aus deffen Mitte fein Rohr weiter führt, während das an die Wand gefchleuderte Waffer durch den offenen Condenfationswechfel fliefst.) In Paris ward die Speifung durch jenen automatifchen Speife- Apparat von. Houget& Tefton in Verviers beforgt, welcher mit 4 Schwimmern, 6 Hebeln, ▸ Ventilen und einer Anzahl Ausrückungs-, Führungs-, Häng- und anderer Stangen, Klinken, Hähne etc. arbeiten und zugleich Waffermeffer fein foll. Diefer Apparat erfchien auch diefsmal vom obigen Haufe in der Mafchinenhalle ausgeftellt, aber die Belleville- Keffel wurden auf eine„ einfachere" Art automatiſch gefpeift. Seitlich des Keffels ftand nämlich ein weiter Gufscylinder und mit deffen Waffer- und Dampfraum in Communication. Er enthielt einen aufsen durch Gewichte balancirten Schwimmer, welcher die fortwährend gehende Speife. pumpe entweder mit dem Keffel oder dem Ablauf in Verbindung fetzte oder auch eine Alarmpfeife öffnete, falls die Pumpe nicht nachkommt oder verfagt., Ferner war hier der Keffel mit einer automatifchen Vorrichtung zur felbft. thätigen Stellung des Rauchzug- Schiebers verfehen; der Dampf- Wafferdruck wirkte nämlich mit einem Kolben auf eine unterftellte Spiralfedei, und die von Hand eingedrehte Kolbenftange griff das kurze Ende eines hochliegenden, 2'4 Meter meffenden Hebels an, deffen langes Ende das Regifter fenkte, wenn der Dampfdruck ftieg, aber bei deffen Fallen hob. Dafs diefe Apparate alle unveriäffig find, und den einfachen Mann, der als Heizer bei folchen Keffeln fteht, entweder einfchläfern, wenn ſie wirken, oder verwirren, wenn sie es nicht thun, beftreitet wohl Niemand. Centimeter 100 CH Der Bellevillekeffel. 5 Meter. 25 Mafsftab 1: 100 der Natur. Dafs aber das Nichtwirken öfters eintritt, ift nicht nur logifch vorauszufetzen, wenn man bedenkt, dafs die wenigften Heizer ihre einfachen Probirwechfel in Ordnung zu halten belieben, fondern ich fand es auch durch directe Erkundigung beftätigt. Uebrigens ift die Pumpe fo klein, dafs fie faft fortwährend fpeifen mufs, und wenn das Waffer einmal wärmer als gewöhnlich ift, fo kommt fie nicht mehr recht nach. Allerdings fetzen die Herren Belleville voraus, dafs dank ihren Zugaben die Keffelwartung ausfchliefslich im Autwerfen von Kohle zu beftehen braucht, indem fich alles Andere vom Speifen bis zum Dampfdruck und Zugreguliren von felber thut. Der arbeitende Keffel beftand aus 90 Rohren, welche in 5 Doppelreihen nebeneinander lagen, fo dafs je 18 Rohre eine Schlange bildeten. Diefe wurde unten gefpeift und ihr Dampf entwich aus der oberen Mündung. Dabei war nur die untere Hälfte des Ganzen mit Waffer erfüllt, und der Schaum, der fich durch die ausfcheidenden Dämpfe formte, konnte in der oberen Hälfte weiters in Dampf umwandelt werden, der aber dennoch nafs entwich. Ich beobachtete wiederholt ein Auf- und Niederwogen um 20 Centimetimeter höher im Glas, gar nicht zu wundern ift, wenn man die Verhältniffe näher befieht. Nimmt man nämlich nur die untere Hälfte der Rohre als waffergefüllt an, und fetzt die mäísige Dampfbildung von 20 Kilogramm per Stunde und Quadratmeter Heizfläche voraus, was bei dem grofsen Roft diefes Keffels felbft auf das Dreifache gefteigert werden könnte, fo folgt, dafs die Heizfläche eines einzelnen Rohrfyftemes( circa 6.6 Quadratmeter), 132 Kilogramm oder bei 10 Atmoſphären Druck 26 Cubikmeter Dampf ftündlich entfendet. Diefe müffen durch den RohrQuerfchnitt von o 00785 Quadratmeter paffiren, fo dafs der Dampf mit faft I Meter Gefchwindigkeit per Secunde dem Waffer entfteigt, oder genauer genommen, dafs 3300 Cubikmeter oder 16.800 Kilogramm Dampf per Stunde aus dem einzelnen Quadratmeter ,, Wafferfpiegel" entkommen. nt Mois Bei einem einfachen Cylinderkeffel von I Meter Durchmeffer und 2 Meter Heizumfang tauchten bei gleicher Heizung nur 40 Kilogramım Dampf ftündlich aus dem Quadratmeter des Wafferfpiegels oder der 420. Theil Dafs alfo beim Belleville Keffel mehrere Rohrreihen mit Schaum gefüllt find, welcher der Nachheizung dringendft bedarf, um in halbwegs trockenen Dampf verwandelt zu werden, ift klar 26 J. F. Radinger. Die Rohre waren 165 Meter ohne, 180 Meter mit den Anfatzftücken lang. befassen 100 Millimeter Durchmeffer und 6 Millimeter Wand. Die Sicherheit gegen das Zerreifsen ist nun allerdings hoch und bei 10 Atmofphären Ueberdruck noch immer circa fünfzigfach. Auch die Löfung einer Verbindung bleibt ziemlich ungefährlich, indem das betroffene, zweifeitig gehaltene, aufsen umfchraubte Rohr nicht leicht fortgefchleudert werden kann. In Frankreich follen folche Keffel allerorts und ohne Conceffion gegen einfache Anzeige aufgeftellt werden können. Aufser diefer Sicherheit gewährt das Syftem noch den Vortheil der geringen Raumbeanspruchung, einer rafchen Dampferzeugung, leichter Reinigung und leichten Gewichtes und Transportes. Die Auswechslung eines fchadhaft gewordenen Rohres ift nicht fo leicht wie beim Howard- Keffel, wo jedes unabhängig und frei liegt. Der Umftand, dafs folche Keffel nicht forcirt werden dürfen, und der Einflufs, welchen der geringe Wafferinhalt des Keffels auf die Conftanz des Druckes und die Regelmässigkeit der Speifung bei ftark wechfelndem Dampfverbrauche hervorbringen, wurde bereits gewürdigt, und der Umftand, dafs es ein ParallelftromApparat ift und das frifche Speifewaffer die heifseften Bleche trifft, oben aber theilweife wieder fortgeriffen wird, wiegt fo ziemlich den der dünnen Wandungen auf. Es fcheint mir aber das Sicherfte aller Syfteme und bei gutem Waffer, conftantem kleinen Betriebe, Raummangel etc. trefflich geeignet. Die hohe Spannung, welche es zuläfst, macht es umfomehr bemerkenswerth, und der Wegfall aller Automaten würde die Sicherheit noch weiter erhöhen. Die Verbindungen halten vollkommen dicht, wie ich mich durch eine Probe mit 20 Atmoſphären beim neuen und durch Befichtigung des gebrauchten Keffels überzeugte, als er wieder aus der Ausftellung gefchafft wurde. Diefer Keffel hatte 50 Quadratmeter Wand- und 19 Quadratmeter( 126) Roftfläche. Nimmt man aber felbft 2/3 der Rohre als waffergefüllt und die anderen als trocken an, fo wird die Heizfläche 33 Quadratmeter und das Roftverhältnifs 1/16 bis 117. Der Zug hatte o 24 Quadratmeter,% der Roftfläche, wahrfcheinlich der leichteren automatifchen Hebung halber fo übermäfsig klein. Der Schornftein hatte bei o 79 Meter Durchmeffer 14 der Roftfläche. Société Centrale de Conftruction de Machines. Diefe ftellte im landwirthschaftlichen Zubaue das Modell eines Keffels in 1 der natürlichen Gröfse aus, welcher aus einem Unterkeffel mit ausziehbarem centrifchen Flammrohre und einem Oberkeffel beftand, in welchen das Waffer bis zum horizontalen Durchmeffer reichte. Der ringförmige Wafferraum unten zwifchen Flammrohr und Aufsenkeffel war von 35 Stück circa 100 Millimeter weiten Rohren durchzogen, und die Gafe follten, fich am Rofte im Flammrohre entwickelnd, zuerft nach hinten, dann durch die Rohre zurück, längs des Unterkeffelbauches wieder nach rückwärts und endlich an deffen Decke und dem Oberkeffel in den feitlich ftehenden Schornftein gezogen werden. Ich habe keine Mafse diefes Modells, wohl aber den Grund zur Vermuthung genommen, dafs es bezüglich der Rohr- Querfchnitte dasfelbe Bewandtnifs wie bei den meiften der vorbefprochenen Röhrenkeffel hat. Der Keffel von John Cockerill. 27 Als Detail mufs aber erwähnt werden, dafs die zwei Verbindungsftutzen vom Ober- zum Unterkeffel ganz ungewöhnlich weit erfchienen und den halben Keffel- Durchmeffer im Lichten befafsen, was in Anbetracht der bedeutenden Heizfläche, welche ihren Dampf und die begleitenden Wafferftröme durch fie nach oben fendet, ganz am Platze erfchien. Die übrige Ausrüftung mit Dom, magnetifchen Schwimmern und Alarmpfeife, Sicherheitsventilen an einem einzigen Paarftutzen etc. war fo, wie man es an franzöfifchen Keffeln zu fehen gewohnt ift. Albaret& Comp. in Liancourt ftellten die Zeichnung eines obengeheizten Doppelkeffels aus, deffen Unterrohr hinten wie gewöhnlich mit einem weiten Stutzen nach aufwärts verbunden war. Vorne jedoch hinter der Feuerbrücke verband die beiden Keffel noch ein zweiter, aber enger Stutzen, durch deffen Mitte das Speiferohr in den Unterkeffel trat. Dort war es in der Richtung gegen den grofsen Stutzen zu gekrümmt und die Austrittsgefchwindigkeit feines Waffers foll nun den Kreislauf einleiten und eine Gegenftrömung fördern, deren Mangel fonft Doppelkeffeln öfter vorgeworfen wird. Die belgifchen Keffel. Belgien war nur durch zwei Firmen auf diefem Gebiete vertreten: Pietry Chaudoir in Lüttich, Gefellſchaft John Cockerill in Seraing. Der Ausftellungskeffel der erfteren Firma entzieht fich aber faft gänzlich einer Befprechung, indem er nichts weiter als die Haut eines grofsen FieldKeffels ohne Röhren und ohne Armatur war, der mehr als Niethungs- denn als Keffelmufter nebft einigen aufgebogenen Böden in der Mafchinenhalle lag. Bemerkenswerth erfchien dabei nur die Detaillöfung des Zufammenftofses der Langnäthe des Aufsenkeffels mit der Decke oben. Dort war nämlich das Blech des Cylindermantels auf drei oder vier Niethfernen gefchweifst und ausgebohrt, fo dafs die geprefste Deckplatte mit ihrem Rande beffer fchlofs, als es mit dem normalen ausgefchmiedeten Blechkeile möglich ift. Aehnlich war der Zufammen. ftofs unten und an den Innenflächen bewirkt. Ich kenne Flammenrohr- Keffel diefer Firma, welche fchon vor Jahren angefertigt wurden, deren grofse Stirnplatten aus zwei Tafeln beftanden, welche gleichfalls durch fonft normale Niethung, aber gefchweifste Enden hergeftellt waren und ftets ohne jede bemerkbare Veränderung arbeiten. Dadurch fcheint diefe Löfung erprobt und der Bemerkung werth. Ueberdiefs brachte diefe Firma auch noch einen Locomobilkeffel zur Anficht, von welchem fpäter die Sprache fein wird. Der Keffel von John Cockerill. Der Keffel, welchen diefe berühmte Mafchinenbau- Gefellfchaft zur Ausftellung brachte, hatte hauptfächlich den Dampf für deren leergehende Gebläfemafchine zu liefern, und das Vorübergehende diefes Zweckes erklärt das verwendete Syftem. Es war ein freiliegender Röhrenkeffel mit innerer Feuerung. Die Verbrennung gefchah auf einem 19 Meter langen Rofte in einem cylin drifchen Feuerrohre von 2.7 Meter Länge und 1 Meter Durchmeffer. Diefer endete mit einer Rohrwand, von welcher 62 Feuerrohre, 25. Meter lang, 90 Millimeter ftark, in eine Blech- Rauchkammer zogen, auf welcher unmittelbar der 10 Meter hohe eiferne Schlot von o 65 Meter Durchmeffer ftand. 28 J. F. Radinger. Centimeter 100 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Ein Aufsenkeffel umfchlofs nun die Innenheizung und den Waffer- und Dampfraum. Seine Länge war 5'23, fein Durchmeffer 185 Meter und fein Dienft nur der einer Gefängnifswand, welche wohl die Hälfte des ganzen Keffelgewichtes ( und Preifes) bedingte, aber zur Heizung nichts beitrug. Dafs übrigens deffen bedeutende Abkühlfläche durch keine weitere Hülle gefchützt wurde, ift auf Rechnung der kurzen Verwendungsdauer zu fetzen. Er war für 4 Atmoſphären probirt und die Platten feines Aufsenmantels ganz logifch in den Längsftöfsen doppelt geniethet, während die Rundnäthe einfach blieben; fie fowohl als auch das Feuerrohr vorne ftiefsen an die beiden ebenen, aber verfteiften Böden mittelft Winkeleifen- Ringen, deren hinterer innen, deren vorderer aufsen fafs. Oben befand fich ein Dampfdom von o 9 Meter Höhe und Durchmeffer, auf deffen gewölbte Blechdecke ein Dreirohr Stutzen das Dampfventil mittelft Flanfch und die beiden Sicherheitsventile direct trug. Die Drehbolzen der hinten gefpalteten Belaftungshebel ruhten in angegoffenen Augen und die Hebel felbft erfchienen befremdlich fchwer gefchmiedet; fie griffen mit Hängdaumen unter die Borden, wodurch das Lüften begrenzt wurde. Ein Mannloch vorne über den Feuerplatten, eine gelochte Feuerthür mit gleichfalls gelochter Schutzplatte und die üblichen Armirungsgegenstände vervollftändigten das Ganze, wobei höchftens noch eines Afchencanals zu erwähnen kommt, der fich zwifchen Feuerbrücke und Rohrwand quer in einer Breite von 0.6 Meter unter dem Keffel hinzog, und das Ausziehen des Rufses geftattete, welcher bei einem Reinigen der Rohre von hinten aus durchgeftofsen wurde. Ein eingenietheter Ring fchlofs dort die Wände und eine Blechthüre den falfchen Zug während der übrigen Zeit. Der Keffel hatte an feuerbewährter Fläche circa 48 Quadratmeter und der Roft 25 derfelben. Der Röhrenquerfchnitt war und der der Effe/ der Roftfläche, was vollkommen richtige Verhältniffe zu nennen find. Der Sulzer- Keffel. 29 Der Schweizer Keffel. Gebrüder Sulzer in Winterthur. Gebrüder Sulzer in Winterthur ftellten einen Dampfkeffel aus, welcher ihre und die anderen Schweizer Mafchinen zu betreiben hatte. Es war ein Keffel mit zwei inneren Flammrohren, 6.15 Meter lang, bei. 1.92 Meter Durchmeffer des Aufsenmantels und je 0.72 Meter der Innenrohre. Er ruhte auf drei breitbafigen Füfsen, fo dafs das Umfchliefsungs- Mauerwerk nichts von feiner Laft erfuhr. Letzteres war durchwegs doppelwandig aufgeführt und eine vorfpringende Ziegelfchaar fchlofs, auf längshin laufenden Gufsplatten liegend, fich 10 Centimeter höher als die Rohre an den Keffel aufsen an. Das Mauerwerk reichte aber noch weiter nach aufwärts und trug oben I Meter weit auseinander querliegende Gufs- T- Träger, zwifchen welchen eine Decke gewölbt war. Zwifchen der Decke und dem Obertheile des Keffels entftand fo ein Canal, und in diefem hingen zwei Druck- Vorwärmerrohre von je 0.50 Meter Durchmeffer und 8.50 Meter Länge mit eingenietheten Ankern an zwei Trägern der Decke. An die Druckvorwärmer fchlofs fich hinten das gegabelte, 15 Centimeter weite Speiferohr, welches mit fechs oder fieben fchlangenförmigen Windungen im letzten Rauchzuge lag und fo auch noch einen Waffervorwärmer bildete. Die Flammrohre beftanden aus je fünf genietheten und aufgeflanfchten Trommeln, deren letztere zwei eingeniethete Galloway- Conuffe enthielten. Nachdem nun die Flammen, vom Rofte vorne kommend, die Rohre durchzogen hatten, ftrömten fie an der ganzen Heizfläche des Aufsenkeffels zurück und dann im Obercanal längs feines Dampfraumes und den Druckvorwärmern wieder nach hinten hin, um endlich an der Speifefchlange niederfallend zum Fuchfe zu gelangen. W 1 So war die Dampftrocknung und Speifewaffer- Vorwärmung auf verhältnifsmäfsig einfache Art erzielt. Das Letztere gefchah auf einer Fläche von nahezu gleicher Gröfse als die Heizfläche felbft. Der Keffel hatte mit 5 Atmofphären Ueberdruck zu arbeiten, feine Bleche ( aus dem Creuzot) waren 14 Millimeter an dem doppelt( längs) genietheten Aufsenkeffel, 13 und 10 Millimeter an den Flammrohren und Vorwärmern ftark. Für den doppelt genietheten Aufsenkeffel fcheint die Formel= 12 Dp+ 3 Millimeter mafsgebend gewefen zu fein, während die Flammrohre nach der bekannten Fainbairn Formel beftimmt fein dürften. Von den 20 Millimeter dicken Böden waren der hintere aufgebogene mit vier, der vordere mit drei Eckverfteifungen verfehen. Letzterer war ganz eben und mit einem Aufsenwinkel- Ringe und Zwifchenbleche an den Cylinderkeffel geniethet. Die Flammrohre ftanden vorne vor die Stirnplatte hinaus und gleichfalls durch Aufsen Winkeleifen mit ihr in Verbindung, während rückwärts je der aufgebogene Flanfch innen an den Boden ftiefs. Um die drei erften Blechplatten in jedem Rohre herum bogen fich oben im Abftande von circa fünf Centimetern concentrifche Dünnbleche, um die Feuerplatten vor einem rapiden Keffelftein- Niederfchlage zu fchirmen. Sie waren durch je ein Flacheifen- Band mit Schraubenkluppe an den Flammrohren gehalten und viele Löcher an ihrer höchften Stelle liefsen die Dampfblafen entweichen, welche fich unter ihnen bildeten., 30 J. F. Radinger. Genau in der halben Keifellänge ftand der Dom mit einer Gufsdecke, welche das Mannloch und die Ventilfätze trug. Ein zweites Einſteigloch mit unverfteiftem Rand befand fich vorne zwifchen den Feuern in der ebenen Wand. Die Heizung gefchah mit einem Mehl'fchen Rofte von 12 Meter Länge, deffen Stäbe in vier Reihen lagen, à 300 Millimeter lang und 5 Millimeter dick waren und deren Enden, kammartig ineinander greifend, Spalten von gleicher Weite entſtehen liefsen, deren grofser Gefammtquerfchnitt( faft 2 der Roftfläche betragend) erlaubt, das kleinfte und fchlechtefte Material zu verbrennen. Eine einfeitige Verfchneidung wahrte das Hinabgleiten der Stäbe von der fcharfen Auflagkante. Die Heizthüren mit Spaltfchieberung und gelochter Schutzplatte wurden durch je eine federnde Schlufsfalle gehalten. Sie befanden fich in einer grofsen eifernen Stirnplatte, die mit dem Vorderboden des Keffels eine ftagnirende Luftfchichte einfchlofs, welche nur von den eingenietheten vier Wafferftand- Röhren und den heraustretenden Blechen der Innenkeffel durchbrochen wurde. Das Vorwärm- Speiferohr war aus einzelnen geraden gufseifernen Röhren zufammengefetzt, deren jedes zwei angegoffene Kniee nach entgegengefetzter Seite für die Flanfchenverfchraubung enthielt. In der Rohrflucht zeigte jedes Knie einen Angufs mit einem Reinigungs- Schraubenpfropfen und in das Mauerwerk waren Thüren eingebaut welche den Zutritt zu denfelben erlaubten. C an beiden Die obenliegenden Vorwärmer waren Enden durch Gufsvorköpfe mit Mannlöchern gefchloffen. Hinten fetzte fich je ein Aft des Druck- Speiferohres an fie, aber vorne verband fie wieder ein zwifchengefchraubtes T- Rohr. Aus diefem zog das Waffer durch ein am Oberpflafter hinlaufendes Rohr zum Speifekopf hinter dem Dome und fiel in den Keffel mittelft eines Rohres, welches in der Tiefwafferlinie zwifchen den vier Galloway. Stutzen( aber nicht gerade auf die Blechniethung) mündete. Der Sorge, dafs der hochliegende Vorwärmer fein Waffer durch das Speiferohr in den Keffel finken läfst und diefen erfäuft, war durch die Einfchaltung des normalen felbftwirkenden Speifeventiles gänzlich vorgebeugt, denn die geringe Druckhöhe der Wafferfäule kann das dampfbelaftete Ventil nicht heben. Sollte aber dennoch bei forcirtem Betrieb einmal eine höhere Spannung in jenem Vorwärmer entſtehen, fo müfste dann aber gerade das fteigende Waffer it. ilauptkeffel dem Heizer ein Signal fein, dafs er nicht weiter gehen darf. Centimeter 100 Der Sulzerkeffel. 31 テーテ 3 5 Meter Mafsftab 1: 100 der Natur. Dafs die End- Deckträger mit Schliefsen zur Aufnahme des Gewölbfchubes hineingebunden waren und letzteres ein Pflafterwerk trug, ift felbftverſtändlich. Der Keffel hatte ein Manometer, zwei Sicherheitsventile( à 90 Millimeter Durchmeffer) mit Auffteckgewichten und zwei Wafferftand- Gläfer, deren jedes unabhängig an dem Keffel fafs, aber im Unterfchiede zu den englifchen und franzöfifchen Keffeln keine weitere automatiſche Armatur. Für die Möglichkeit der Reinhaltung und Unterfuchung ift überall geforgt, aber felbftthätig zu wirken hat lobenswerther Weife nichts als des Wärters Verftand. Der wenig geneigte Keffel hatte vorne unten das Ablafsrohr und aufser den Afchthüren noch ein Regifter rückwärts, welches von vorne mit dem Balanzgewicht ftellbar war. Die Heizfläche des Keffels beträgt 40 Quadratmeter, die Fläche der beiden Rofte zufammen 17 oder 123 der erften. Jeder Roft hatte o 86 Quadratmeter, während der freie Querfchnitt jedes Flammrohres in der Verengung beim Galloway- Stutzen o 25 Quadratmeter oder 1/ 3.5 des Roftes blieb. Die beiden Züge längs des Aufsenkeffels und im Obercanal waren weit und befafsen über 2 der Roftfläche, und der Fuchs( 0.75 tief und o 60 breit) bot den Gafen 4, der o 79 Meter weite Schornftein 135 der Roftfläche als Querfchnitt. Die Vorwärmerfläche erhebt fich bei diefem Keffel auf 38 Quadratmeter, das ift faft fo viel als die Heizfläche felbft beträgt; fie ift fo reichlich wie die der englifchen Economifer bemeffen, welche I Quadratmeter per ,, Pferd" nehmen. Der Keffel wog einfchliefslich der oberen Vorwärmer, aber ohne die gufseifernen Schlangen 10.150 Kilogramm; das Gewicht der letzteren allein betrug circa 2400 bis 2500 Kilogramm. Er follte um 18.900 Francs ohne diefe Gufsrohre verkauft werden. 3 32 J. F. Radinger. Die deutfchen Keffel. Aus Deutſchland kamen Keffel der verfchiedenften Conftruction. Die Mehrzahl gehörte neu zu verfuchenden Syftemen an, und diefe wichen weit von einander ab. Im Allgemeinen waren um circa 10 Percent relativ ftärkere Bleche verwendet als in England und genaue Verbindungen durch Mafchinenarbeit gewonnen wie dort. Die doppelte Niethung an den Langftöfsen fcheint fich auch hier mit Recht überall einzubürgern, wo fie der Einwirkung des erften Feuers entrückbar bleibt und das Schweifsen der Bleche an Stelle der Niethung wird auch hier verfucht, wenn auch das grofse Publicum diefe unerprobte Technik oder mehr noch das Unmögliche einer Reparatur durch die alten Keffelfchmiede fcheut. Die geprefsten Blechböden haben fich rafchen Eingang verfchafft und werden aus den betreffenden Fabriken auch von uns in Oefterreich bezogen. Die Firma Schulz, Knaudt& Comp. z. B. brachte eine Stufenfammlung derfelben, deren gröfster 2.35 Meter Durchmeffer in aufgebogenem Zuftande befafs( während eine ebene Kreisplatte von circa 2.55 Meter Durchmeffer daneben lag). Diefe gepressten Böden bieten, abgefehen von ihrer genauen Kreisform, den Vortheil, dafs die ftarke Kantenrundung gefund und ohne Unebenheiten durch Hammerfchläge und dafs der aufftehende Blechrand, in welchen die Verniethung kommt, durchſchnittlich um 1 Millimeter dicker ift als das normale Blech. Auch das Werk Styrum brachte eine 15 Millimeter dicke KeffelbodenPlatte von 2:55 Meter Durchmeffer( 625 Kilo) und aufserdem eine 13 Millimeter ftarke Platte von 3.77 Meter bei 2.30 Meter 1050 Kilo fchwer, und viele andere bedeutende Walzwerke liefern der Keffelfabrication das benöthigte Material, wenn auch nicht von vorzüglichfter, fo doch genügender Güte. Die fchmiedeeifernen Rohre für Keffelzwecke und für Leitungen werden gleichfalls im Lande angefertigt, und fo unterſtützt eine Fabrication die andere und hält fie minder abhängig von auswärtiger Conjunctur. Die Spannungen in den Keffeln erfchienen mit faft allen Zwifchengliedern zwifchen 4 und 10 Atmoſphären, letztere wurde für einen fie voll ausnützenden Motor erzeugt. Die Armatur zeigte keinen anderen auffallenden Unterfchied gegen die der Keffel anderer Länder, als dafs die Sicherheitsventile noch meift in gefchloffenen Sitzen verborgen lagen, wie es das frühere preufsifche Regulativ verlangte, und dafs die Niederhaltung complicirter ift als anderwärts. Ein Entfchäumen kam nirgends vor, aber für das Abblafen des Schiammes oder deffen Fefthaltung in eigenen Taffen war überall geforgt. Ein richtiges Vorwärmen des noch kalten Speifewaffers durch den abziehenden Rauch trat mehrfach in directer Verbindung mit der eigentlichen Keffelanlage auf und macht die eigens aufzubauenden„ Economifers" entfallen, welche wohl gleiche Wirkung, aber höhere Anfprüche an Anlagekoften und Platz mit fich bringen. Der Dampftrocknung ift faft überall Rechnung getragen, indem die von der Heizfläche kommenden Gafe in der Regel den Dampfraum beftreichen, bevor Die deutfchen Keffel. 33 fie zu dem Waffervorwärmer oder in die Effe gelangen. Diefs wird durch das neue deutfche Regulativ geftattet oder es wird vielmehr faft darauf hingewiefen, indem es ausdrücklich eine wafferbefpülte Keffelfläche von mindeftens zwanzig Mal der Roftfläche verlangt. Folge deffen werden, nachdem diefs erfüllt, die den Dampfraum umfchliefsenden Keffeltheile der Wärmewirkung preisgegeben und fo zur Arbeit herangezogen, während diefelben Theile in den englifchen Keffelhäufern unbedeckt an der Luft liegen und Wärme ausftrahlen. Ausgeftellt waren: 2 Keffel von der Carlshütte bei Rendsburg( Meyn's Keffel). " 99 I " " 99 " 2 " " I 27 * ን " ን " Pauckfch& Freund in Landshut a. W. Jean Affolter in Chemnitz. Dingler in Zweibrücken, fämmtlich im Betriebe. Bergmann in Hattingen an der Ruhr. W. Fitzner in Laurahütte, und F. Schmidt in Halle, welch' letztere kalt und ohne Mauerwerk vor dem Keffelhaufe oder im landwirthschaftlichen Hofe lagen. Sämmtliche Keffel waren Röhrenkeffel und fo vollkommen fie alle in der übrigen Conftruction und der gefammten Ausführung waren, fcheint es mir doch, dafs alle an dem Gattungsübel der Röhrenkeffel, den beengten Rohrquerfchnitten, litten. Der Meyn'fche Keffel. Die Gefellfchaft der Holler'fchen Carlshütte bei Rendsburg fandte zwei ihrer J. C. C. Meyn'fchen Patent- Hochdruck- Dampfkeffel. Diefs find verticale innengeheizte Apparate, welche durch ein doppeltes Röhrenfyftem eine ungewöhnlich grofse Feuerfläche bergen. Jeder beftand aus einem ftehenden cylindrifchen Aufsenkeffel von 2.32 Meter Höhe und 1825 Meter Durchmeffer, welcher oben einen Dampfdom von 1067 Meter Weite trug. Eine fchwach conifche Feuerbüchfe enthielt unten der Roft, welcher nach aufsen verlängert war und als Vorfeuerung fchlofs. Die Feuerbüchfe hatte unten 75 und oben, wo fie in eine Erweiterung, in die Rohrkammer mündete, 61 Centimeter Durchmeffer. Letztere war o 74 Meter hoch und ihre Wand ftand um circa 8 Centimeter von der des Aufsenmantels ab. Sie war oben mit einer kreisrunden Decke gefchloffen, über welche das Waffer ftand und von welcher zweierlei Rohre ausgingen. Die einen erhoben fich nahe des Randes diefer Decke, durchfetzten den Wafferraum und mündeten an dem oberen horizontalen Keffelboden rund um den Dom. Die anderen fenkten fich von der Decke zum ringförmigen Boden der inneren Rohrkammer nieder und waren waffergefüllt. Die erften, die Feuerrohre 64 an der Zahl, hatten 63 Millimeter Durchmeffer o 78 Meter Länge und ftanden in einer einzigen zickzackförmigen Kreislinie. Die letzteren, die Wafferrohre, waren keilförmigen Querschnittes und ihrer 70 ftanden derart eng in der Rundung, dafs nur eine Spalte zwifchen ihnen blieb, welche 9 Millimeter innen und II Millimeter aufsen mafs. Das Feuer aus der Feuerbüchfe kommend, mufste nun durch diefe 70 Spalten zwifchen dem Keilrohre hindurch, wobei es fein zertheilt an deren Wafferwänden vorbeiftrich; darauf verliefs es durch die runden Rohre den eigentlichen Keffel und trat in einen Mantel, welcher den Dom umgab. Diefer Mantel ging oben in den direct aufgefetzten eifernen Schornftein über und die Feuergafe konnten auf ihrem Wege dahin noch den Dampf trocknen, 3* 34 J. F. Radinger. welchen der Dom enthielt. Aufserdem war aber das kupferne Dampfrohi in einer dreimaligen Windung um den Dom gelegt und fchlofs erft aufserhalb des Mantels mit dem Ventil, fo dafs auch noch der abziehende Dampf der letzten Wärmewirkung ausgefetzt wurde. bar Diefs ift ziemlich wichtig, indem hier wie bei allen Stehkeffeln die WafferSpiegelfläche, aus welcher die Dampfblafen entſteigen, klein im Verhältnifs zur Heizfläche wird und das mechanifche Mitreifsen von Waffer bedeutender auftritt als dort. Hier, wo die Heizfläche 35 Quadratmeter, die Waffer- Spiegelfläche 2:42 Quadratmeter beträgt, müffen circa per Stunde und Quadratmeter Wafferfläche 300 Kilogramm Dampf austreten, während bei einem einfachen Cylinderkeffel bei gleicher Heizung nur 50 Kilogramm die Wafferfläche durchbrechen. ( Bei einem Verfuche wurden bis 46.8 Kilogramm Dampf per Quadratmeter Heizfläche oder 660 Kilogramm per Quadratmeter Waffer- Spiegelfläche erzwungen, wobei natürlich ein Vergleich mit der verbrannten Kohlenmenge unzuläffig wird.) Durch diefe gefammte Anordnung ward aber nun eine bedeutende Heizund Trockenfläche auf einer kleinen Bafis gewonnen, eine lebhafe Waffercirculation ermöglicht und genügend trockener Dampf erzeugt. Das Innere des Keffels ift leicht zugänglich und die Rohre, welche ftets nur in einer Reihe ftehen, können bequem vom Keffelfteine befreit werden, während fich unten ein weiter Raum dem Schlamme zur Ablagerung bietet. Was die Ausführung der Keffelfchmied- Arbeit betrifft, fo zeigten diefe Keffel vielleicht das Vollendetfte, was die Ausftellung in diefer Hinficht bot. Die Feuerbüchfe war gefchweifst und die Kanten, welche theilweife wegen des Ueberganges in die Vorfeuerung ftark gewundenen Linien folgten, durchwegs aufgebogen. Die Niethungen der 10 und 12 Millimeter dicken Bleche, welche an allen nicht dem Feuer ausgefetzten Stellen doppelt und in der Regel mit hydraulifchem Drucke hergeftellt waren, zeichneten fich durch befonders grofse, breitfaffende Köpfe aus, deren richtiger Faferflufs( aus einigen durchfchnittenen und geätzten Stücken erfichtlich) die Bedenken entkräfteten, welche man vom Stande der Handarbeit gegen folche Formen hegt. Uebrigens bemerkte man um jeden Niethkopf noch einen breiten Rand als Spur des Stempels und in durchſchnittenen Näthen unterfchied man keinen Uebergang von einem Blech ins andere, fondern fie erfchienen wie aus einem Stücke gewalzt. Die keilförmigen Wafferrohre von 5 Millimeter Wandftärke erfchienen im Querfchnitte nach Bögen von 19 und von 22½ Millimeter Aufsenhalbmeffer an den fchmalen Enden begrenzt und hatten 150 Millimeter Höhe zwifchen deren Scheiteln. Die Seitenwände waren nicht flach, fondern gewellt und boten den Anblick, als ob fie durch ein weitgeftelltes Zahnräder- Paar( von 30 Millimeter Theilung) hindurchgegangen wären, wenn auch ihre Herftellung mittelft hydraulifchen Verticaldruckes erfolgte. Ihr Einpaffen in die Rohrwände foll mittelft dreier Keile durch hydraulische Preffung gefchehen, und angeblich foll nie eine Reparatur dort nöthig werden, indem ein Durchbrennen diefer Rohre nicht eintreten kann, deren federnde Bewegungen durch die Druck- und Wärme- Einwirkungen das baldige Abfpringen des Keffelfteines bewirkt. Die rundlaufenden Niethungen am Aufsenkeffel und Dom waren mit breiten Bändern vermittelt; wohl nur zu dem Zwecke, um dem ganzen Aufbau mehr Stabilität zu fichern. Ferner ift ein reichliches Eck- und Bodenverfteifungs- Syftem eingebracht, deren Anker und Bleche faft des Guten zu viel fein dürften. Die Reinigung ging leicht von Statten. Auf der fchwach gewölbten Decke der Innenkammer ftanden eine centrifche und acht eng gefchloffene fegmentförmige Schaumtaffen mit kurzen Füssen und in die mittiere gefchah die Speifung Centimeter: Der Meyn'fche Keffel. O о IOO 50 I 2 Meter Mafsftab 1:45 der Natur. 35 36 J. F. Radinger. Unten in dem breiten, ringförmigen Raume um die Feuerbüchfe herum ftanden. ähnliche Schlammtaffen und durch deren Aushebung war die Sache leicht. Ueberdiefs wurde das Speifewaffer vor feiner Verwendung in einem grofsen Eifenkaften über die Ränder von zwanzig Taffen fallend dem abziehenden Dampfe der Betriebsmafchine ausgefetzt, wodurch ein grofser Theil des Keffelfteines ausgefchieden und von einem Coaks filter zurückgehalten wurde, bevor es die Speifepumpe anfog. Die Keilrohr- Flanken wurden aufsen mittelft eines Dampfftrahles vom Rufse befreit; zu diefem Zwecke ging ein 20 bis 30 Millimeter weites Eifenrohr vom Sicherheitsventil- Stutzen nieder und mittelft eines kurzen Kautfchukrohres in ein Meter langes, holzgriffarmirtes, wenig gekrümmtes Mundftück von 5 Millimeter Weite über. Durch Putzthüren konnte man zu den Rohren und deren Abblafen war durch den fegenden Dampfftrahl in wenig Minuten gethan. Diefes Abblafen war aber ziemlich nothwendig, wie aus Folgendem erhellt: Die Heizfläche, berechnet fo weit das Feuer wafferbenetzte Flächen trifft, betrug 35 Quadratmeter. Der Roft, welcher, nebenbei gefagt, wegen feiner Länge von circa 19 Meter nicht leicht mehr zu bedienen war, befafs 14 Quadratmeter oder 25 der Heizfläche. Der Schornftein( 0.62 Meter Durchmeffer) hat 1/6 der Roftfläche, und bisher find die Verhältniffe untadelhaft richtig. Die Spalten zwifchen den Stehrohren find aufsen wohl II, innen jedoch fchwach 9 Millimeter breit, und da diefe Rohre o 74 Meter hoch find, fo ift die Durchgangsfläche nicht mehr als o 46 Quadratmeter, was ohne Rückficht auf die entfallende Contraction das fcheinbar Ausreichende von 1/3 der Roftfläche beträgt. Würde fich jedoch nur ein Rufspelz von 2 Millimeter Dicke anfetzen, fo kommt diefes Verhältnifs auf faft die Hälfte herunter und diefs genügt den heifsen Gafen nicht, wefshalb eben ein Abblafen in um fo kürzeren Paufen nöthiger wird, je mehr die Kohle rufst.. Zwifchen diefen Keilrohren rufst fie aber leicht. Denn die dünnen Feuerbänder werden an jenen dargebotenen breiten Wafferwangen derart rafch gekühlt, dafs aufser denfelben keine Verbrenntemperatur mehr herrfcht, wie man fich leicht überzeugen konnte, wenn man bei wenigft geöffneter Putzthür ins Innere fah; denn die Flammen durchzüngelten felbft bei vollftem Betriebe gar nicht oder kaum die Spalten der Wafferrohre, fondern fchienen dazwifchen zu erfterben, wie immer auch der Gang des Feuers war. Wo aber eine flammende Verbrennung durch vorzeitige Kühlung geftört wird, zerfallen die Kohlen- Wafferftoffe wieder und ,, rufsen", wie es hier auch der Fall war. Die oberen runden Rohre befafsen o 2 Quadratmeter, 1½ der Roftfläche, was als klein und nur bei fehr gutem Zuge ausreichend bezeichnet werden mufs. Warum die Keffel ausdrücklich„ Hochdruck"-Keffel benannt wurden, ift mir nicht ganz klar, denn fie wurden( von mir) auf die erklärte Normalfpannung von 4 Atmoſphären geprüft und auch die Bleche, welche in= 12 Dp+ 3 paffen, geftatten nicht viel anderen Druck. Sie enthielten je ein fehr langes gufseifernes Waffer- Standrohr, an welches fich erft die übrige Armirung fchlofs, wobei ein Speifewaffer Rufer mitzählt. Die Sicherheitsventile fafsen im gefchloffenen Gehäufe, wie es dem norddeutfchen Regulativ entſprach. Die Mauerung der Vorfeuerung war ganz in gufseifernen Platten gefafst und der Keffel mit Holz und Blech umhüllt. Solche Keffel werden vorzügliche Dienfte leiften, wo es fich darum handelt, auf kleiner Bodenfläche eine reichliche Dampfentwicklung zu erzwingen und wo gutes Waffer und aufmerkſame Wärter zu Dienften ftehen. Reparaturen werden bei diefem von einer Seite" Kunftkeffel" benannten Apparate mit ungeübten Die Röhrenkeffel von Pauckfch& Freund. 37 Arbeitern fchwer fallen, und feine Anlagekoften kommen principiell hoch, nachdem fo viel ungeheiztes Aufsenblech mitwägt und werthet. In Krupp's Werken follen 25 folcher Keffel im Betriebe und weitere 24 im Baue dafür begriffen fein. Die Ausftellungskeffel trugen die Fabriksnummern 274 und 275 und wogen circa je 6500 ohne, 11.250 Kilogramm mit den Armirungsgegenständen. Die Röhrenkeffel von Pauckfch& Freund. Die Dampfkeffel von Pauckfch& Freund in Landsberg an der Warthe find einfache, aber in mancher Hinficht wefentlich verbefferte Röhrenkeffel. Ausgeftellt und im Betriebe waren deren zwei von je 1.88 Meter Durchmeffer und 5:02 Meter Länge, welche je 92 eiferne 76 Millimeter im Lichten weite Siederohre durchzogen. Die Heizflächen berechnen fich daraus rund auf 121 Quadratmeter; fie konnten bis 6 Atmoſphären Ueberdruck gefpannt werden und beftanden je aus vier Trommeln 12 Millimeter dicker, an den Langftöfsen doppelt genietheter Borfigbleche, welche Stärke in o8 Dp+ 3 zu paffen fcheint. Die Böden waren aufgebogen und mittelft acht wohlvertheilter Ankerfchrauben durch die ganze Länge des Keffels hindurch verbunden. Die Rohre zogen nicht in einer gefchloffenen, fondern in zwei zu beiden Seiten gleichmässig geordneten Gruppen von Boden zu Boden und liefsen ihrer ( und der Keffel-) Länge noch einen Zwifchengang von circa 30 Centimeter Breite frei. Diefer Raum erweiterte fich aber abwärts noch auf die Breite des unteren Feuerzuges, fo dafs die ganzen Feuerplatten völlig blofs und der Befichtigung und Reinigung zugänglich blieben. Die Heizung gefchah nämlich von einem Rofte aus, welcher vorne unter dem Keffel lag und feine Gafe zueift unter diefem hin, durch die Rohre ftirnwärts und dann zu beiden Seiten des Keffels zurück- und zum Schornftein fandte. Das Mauerwerk, welches jeden Keffel umgab, hatte in der Stirnwand zwei Oeffnungen, die die Flucht der beiden Rohrgruppen umrahmten und war mit einer grofsen gufseifernen Stirnplatte armirt, welche Thüren vor jenen Oeffnungen befafs. Durch diefe Thüren konnten die Rohre mehrere Male( bis fechs Mal) des Tages durchbürftet und von jener Flugafchen- und Rufsfchichte befreit werden, welche fonft den Zug und die Wärmeleitung hemmt. Zwei kleinere Thüren in jener Stirnplatte erlaubten das Reinigen der Seitenzüge. Ferner lief im Mauerwerk unter dem Keffel und noch unter dem erften Feuerzug ein Gang, gleichfam als Verlängerung des Afchfalles hin, welcher wohl von letzterer abgefchloffen, aber doch durch ein Einſteigloch befahrbar blieb. Im Gewölbe diefes Canales war rückwärts ein Schlitz, durch welchen der Schmutz einfiel, welcher beim Durchftofsen der Rohre nach hinten kam, und durch den auch ein Mann in die Feuerzüge und zur zweiten Rohrwand gelangen konnte. War fo für die Reinigung und Befichtigung der Züge und Bleche des Keffels von Aufsen mit einer feltenen Vollkommenheit geforgt, fo war diefs bezüglich der Innenfeiten nicht minder der Fall. Auf der letzten Trommel hinten fafs oben ein niederes Mannloch direct am Keffel; vorne unten aber ftiefs an die Rohrwand ein Vorkopf, welcher durch die Stirnmauer und die Gufsplatte reichte und einen aufgefchraubten Deckel trug. Durch beide Oeffnungen war der Keffel zugängig, richtig ventilirt und Dank des„ Rohrganges" bot fich die Reinigung der Feuerplatten und der meiften Rohrflächen leicht. Nun foll aber in Folge zweier weiterer Eigenthümlichkeiten der Anordnung ein felteneres Reinigen genügen. Denn nachdem fich im Gang" zwifchen 27 38 J. F. Radinger. den Rohrfyftemen eine gröfsere Waffermaffe befindet, welche nur von unten, aber nicht von einem Rohrbündel in ihrem Innern geheizt wird, fo foll deren relative Ruhe den ausfallenden Keffelftein feffeln und die Rohre rein halten. Ferner foll der Vorkopf als Schlammfänger wirken und da er abfolut ftagnirendes Waffer enthält, die feften Ablagerungen aufnehmen, welche fonft dem Waffer- Kreislaufe folgend, in diefem fo lange in Schwebe bleiben, bis die Erkaltung ihr Niederfinken auf die Rohre etc. erlaubt. Dafs diefer Vorkopf wirklich mit Maffen dicken Schlammes gefüllt wird, überzeugte ich mich felbft. Den Schlamm aber wegzuholen, der fich ober den Bodenblechen fammelt und niederfchlagen will, dient ein Schlammrohr mit Ventilfchlufs, welches durch den Verfchlufsdeckel des Vorkopfes reicht, ober der Feuerplatte mündet und durch welches ein oder mehr Mal des Tages ein Ausblafen( in den Afchfall) platzgreift. Bei den neueren Keffeln ift das Verfchlufsventil gleich in den Deckel eingegoffen, womit das Demontirer diefes wohl angebrachten Apparates beim jedesmaligen Befahren weniger Arbeit verlangt. Die Befeftigung der Heizrohre in ihre Wände gefchieht bei diefen Keffeln durch einfaches Eindrücken der durch aufgefchweifste Ringe verdickten und nach gleichfteigendem LUH Conus geformten Enden der Rohre in die forgfältig ausgeriebenen Bohrungen der Rohrwände. Diefes gleichzeitige Eindrücken gefchieht mittelft Schraubenzug. Frei über das Ende des hinteren dünneren Conus kommt nämlich eine gelochte Kappe. deren Rand fich auf die Rohrwand ftützt, während eine Schraube durch fie und das Rohr hindurch bis an deffen vorderes dickeres Ende reicht, wo fie das Rohr mit einer( der centrifchen Führung halber verfchnittenen) Kreisplatte anfafst. Nun hat man durch das Anziehen der Muttern an den Gewind- Enden der Stange den Druck in feiner Gewalt, unter welchem das Einpaffen erfolgt. Auf gleiche Art, nur mit verwechfelten Kappen werden auch die Róhre wieder ausgezogen und gegen neue ausgewechfelt, falls eines fchadhaft werden follte. Nachdem aber alle Kegel- Enden der Rohre nach denfelben Schablonen gedreht und gerieben und beide Rohrwände zugänglich find, fo ift die Auswechslung von Rohren unvergleichlich einfacher als bei irgend einem anderen Syfteme. Der Gefahr, dafs die Rohre der Länge nach hinausgeblafen werden, ift. durch das Gleichhalten der inneren Sitzkreife möglichft vorgebeugt. Von dem Dichthalten der Verbindung überzeugte mich eine von mir vorgenommene Probe mit 10 Atmoſphären Ueberdruck vor Beginn und genaue Befichtigung während und nach Schlufs der Ausftellung; dafs bei der Auswechslung der Rohre die gefchliffenen Conusflächen der Wände leiden, wurde verneint. Jeder der zwei Keffel befafs noch einen Dom mit unverfteifter Blechdecke, welcher nichts als das Dampfventil trug. Von diefem aus verband fie ein 100 Die Röhrenkeffel von! Pauckfchs& Freund. I Centimeter 100 0 I 4 5 Meter. 391 Mafsftab 1: 100 der Natur. Millimeter weites Kupferrohr mit einem gemeinfamen cylindrifchen, o 650 Meter weiten und mehr als 4 Meter langen Dampffammler, welcher, halb ins Keffelpflafter verfenkt, oben quer lag und dort abermals Ventile trug, wo die Dampfzuleitungen mündeten. In feiner Mitte ftand aber das Hauptventil, und durch deffen Rohr zog der Dampf zu den Mafchinen der Halle Die Obertheile der Keffel, die Bleche ober dem Dampfraume lagen anfangs blofs. Später jedoch wurde einer der Keffel und deffen Rohre mit der Maffe von Schlichtegroll in Erlangen überkleidet, welche fich dem Befühlen der Hand nach gut bewährte, während der andere unverkleidet blieb. Die Ausrüftung der Keffel ftimmte nicht ganz mit jenen Anfchauungen, welche erfahrene öfterreichifche Ingenieure über diefe Theile hegen. So wurde das Wafferftand- Rohr, wie es übrigens auch noch beim amerikanifchen und Caterkeffel, aber bei fonft keinem der Ausftellung der Fall war, ftatt von einem Vorkopf durch zwei, hier 70 Centimeter lange Rohre gehalten, welche fich leichter verlegen, als es bei erfterer Praxis gefchehen kann; ein Schwimmer fchien umfoweniger am Platze, als zu deffen anderen Mifsftänden hier noch die Reibung einer fechs Atmofphären dichtenden Stopfbüchfe hinzukam. Die Sicherheitsventile fafsen in gefchloffenen Gehäufen, wie es weder bei uns, noch in England oder Frankreich geübt wird, aber allerdings für Preufsen durch das Regulativ vorgefchrieben war. Ueberdiefs trug fie trotz der Gröfse des Keffels von 120 Quadratmeter Feuerfläche ein einziger Paarftutzen direct am Dampfraume, was darum beliebt worden fcheint, um den allenfalls abblafenden Dampf aus dem Gehäufe mit einem einzigen Kupferrohre übers Dach zu führen, während ein anderes Rohr das Condenfationswaffer in den Afchfall leitete. Diefe Keffel erfreuen fich in Nord- Deutfchland und Rufsland einer weiten Verbreitung. Am 31. Mai 1873 ftanden bereits deren 800 in Verwendung, und die 40 J. F. Radinger. unzweifelhaften Vortheile und die Sicherheit, welche eine derartige Conftruction durch die leichte Zugänglichkeit und Reinigung bieten, veranlafsten mich zu diefem längeren Verweilen. Dafs übrigens diefe Keffel wie alle, in welchen das Feuer an einer concentrirten Heizfläche feicht unter der relativ kleineren Wafferfpiegel- Fläche hinzieht, viel mechanifch fortgeriffenes Waffer mit dem Dampfe entfenden, ift eine felbftverständliche Sache und wird hier durch die Verwendung von Dom und Sammler, wenn auch verbeffert, fo doch conftatirt. Die Heizfläche betrug 121 Quadratmeter, der Roft hatte 2'48 Quadratmeter oder 149 der Heizfläche. Der Gefammtquerfchnitt der Rohre entſprach circa 1/6 der Roftfläche, der Züge vor dem Regiſter 1 und der des Einzelfuchfes 12.5 derfelben. Die Züge ftanden daher in gutem Verhältniffe zum Roft; diefer war aber felbft wieder zu klein gegenüber der Feuerfläche, wie es das beliebte Auskunftsmittel bei Röhrenkeffeln ift, wo doch auch auf der ganzen Roftfläche der Brand erhalten werden foll. Was dann am Rofte verbrennt, wird natürlich von der übergrofsen Heizfläche faft völlig ausgenützt und eine höhere Wafferverdampfung hier mit 50facher als mit einem anderen Keffel gewonnen werden, der nur eine 20fach fo grofse Fläche als der Roft zu bieten hat. Ginge man aber von gleichen Heizflächen aus( ftatt vom Rofte), fo müfste das Entgegengefetzte eintreten und eine reducirte Dampflieferung die Erwartungen täufchen, die man an den Keffel feiner Gröfse nach knüpft. Bei der Nachrechnung eines Verfuches, welcher auf Veranlaffung der Herren Pauckfch& Freund unternommen wurde,* ftellt fich heraus, dafs bei ftark forcirter Feuerung( 104 Kilogramm Kohle per I Quadratmeter Roft und Stunde) * Der Verfuch wurde mit einem neuen Cornwall- und einem vierjährigen PauckfchFreund- Keffel gleichzeitig mit gleichen Kohlen von fichtlich fachverständigen Ingenieuren eine Brochure bekanntvorgenommen und von den Herren Pauckfch& Freund durch gegeben. Ich rechne daraus: Der Cornwallkeffel hatte Der Röhrenkeffel Roftfläche Heizfläche • Verhältnifs. • Verdampfung per Quadratmeter Heizfläche und Stunde. Gefammtverdampfung per Stunde. Wafferfpiegel- Fläche. Entfteigender Dampf per 1 Quadratmeter Wafferfpiegel und Stunde Bemerkung. Verbrannte Kohle per Quadratmeter Roft Gefammt- Kohlenverbrennung pr. Stunde Gefammt- Wafferverdampfung pr. Stunde Verhältnifs Bemerkung.. Waffer Kohle 25 Quadratmeter 78 " I: 32 2'5 Quadratmeter 133 I: 51 " "" " 20 Kilogramm 1580 19 Quadratmeter 83 Kilogramm kann ziemlich trockenen Dampf geben 104 Kilogramm 260 " 1580 "" 6.08 "" 17 Kilogramm 2120 " 10 Quadratmeter 212 Kilogramm Jedenfalls näfferer Dampf als links 104 Kilogramm 260 2120 8.15 " "" " Jedenfalls günftiger als links Der Keffel von Jean Affolter. 41 nur 17 Kilogramm Dampf per I Quadratmeter Heizfläche und Stunde entstanden. Im Vergleiche zu den Nichtröhren- Syftemen mufs alfo die Heizfläche circa doppelt fo grofs vorgefehen, und bedacht werden, dafs das Reinhalten der Rohre viel Mühe verurfacht. Dagegen fteht es feft, dafs fie dann die Vortheile einer guten Ausbeute der Kohlen Heizkraft als Folge ihrer grofsen dünnwandigen Feuerfläche bieten, wenig Raum einnehmen und leichter zugängig find als andere Röhrenkeffel. Mit Armatur wogen, fie einzeln 13.000, ohne diefelbe 7800 Kilogramm und kofteten 4200, refpective 3500 Thaler. Der Keffel von Jean Affolter. 0000 10000 0.00 0000 00 0000 10 0 0 0 0 0 00 00 00 Centimeter 100 I 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Der Röhrenkeffel von Jean Affolter in Chemnitz zeigte im Allgemeinen eine grofse Aehnlichkeit mit dem eben befprochenen von Pauckfch& Freund. Das Feuer brannte auf einem Roft unter dem Keffel von 4.25 Meter Länge und 160 Meter Durchmeffer, welcher aus drei conifchen Trommeln durchwegs einfach genietheter Bleche von 12 Millimeter Stärke beftand; zog durch 50 eiferne 75 Millimeter weite Rohre nach vorne hin, und kehrte durch zwei Seitenzüge wieder nach rückwärts, um in den Fuchs abzufallen. mel o Die Spannung war mit 5 Atmoſphären begrenzt, was beiläufig in eine For11 Dp+ 3 ftimmt. Die Anordnung der Rohre in zwei fymmetriſche Gruppen, wobei ein Gang in der Mitte für die Reinhaltung von Feuerplatten und Rohren ausgefpart erfchien, die Verwendung eines hier elliptifchen Vorkopfes mit Mannloch, als Schlamm. fänger und Einfteigtunnel, das zweite Mannloch am Keffel oben, die grofse Gufs. Stirnplatte mit den Rohrthüren etc. waren aber ganz fo wie dort. Abweichungen zeigte nur die Montirung. So lag ober dem Keffel auf zwei Drittel längshin ein 60 Centimeter weiter Dampffammler( mit Stirn- Mannloch), der 42 J. F. Radinger. durch zwei 44 Centimeter weite Stutzen den Keffeldampf aufnahm und zu den Ventilen leitete, welche er auf feinem Rücken trug. Diefe Stutzen hatten keine Schraubung, fondern beftanden je aus einem einzigen an beiden Enden aufgeflanfchten und angenietheten Rohre. Diefs erfcheint hier zum halbwegs dauernden Dichthalten auch unumgäng. lich nöthig, wo ungleiche Dehnungen und Biegungen in Unterkeffel und Dampffammler auftreten und zwei fernftehende kurze, nicht federnde Stutzen in die Anordnung genommen wurden. Ein einziger Stutzen, welcher den Sammler balancirend trägt, wäre von diefem Standpunkte vorzuziehen gewefen, eine gleichmäfsigere, vielleicht trockenere Dampfentnahme erfolgte aber fo. Ferner war ein zweiter elliptifcher Vorkopf oben an die Stirnwand des Keffels geniethet, deffen kleine Achfe in der Linie der mittleren Wafferhöhe lag, und welcher an feinem eingenietheten Blechboden zwei Wafferftandgläfer mit Ventilverfchlüffen( aber Ausblashähnen) trug. Das Speiferohr zog von oben unmittelbar vor der hinteren Rohrwand zum Keffelboden, wo es feine Mündung nach vorwärts bog. Eine geringe Längsftrömung des Waffers ift wohl möglich, obgleich dem Auffteigen ober den Feuerplatten vorne ein Gleiches bei Beginn der concentrirteren Heizfläche durch die Rohre hinten begegnen will. Der Roft war zweitheilig, durch eine Mittelwand getrennt. Der Regifterzug mit Drahtfeil war feitlich gelegt und durch ein kleines Windwerk mit Trommel, Sperrrad und Griffrad in hübfcher, aber gefährlicher Weife beforgt; beim Auslöfen der Klinke konnte nämlich die eine freigebliebene Hand des Heizers die unbalancirte Laft der Regifterplatte nicht halten, daher faft immer zwei Mann zum Regifterziehen gehen mufsten. = Der Keffel hatte 60 Quadratmeter Heizfläche, 2 Quadratmeter Roftfläche = 30 der erften. Die Summe der Rohr- Querſchnitte gab 19, die Seitenzüge zufammen 14 und der Fuchs 16 der Roftfläche, was durchwegs Verhältniffe find, welche diefer Bericht fchon mehrfach befprach. Er war zu Ende der Ausstellung um 4400 fl. verkäuflich. Der Dingler- Hochdruck keffel. Die Dingler'fche Mafchinenfabrik in Zweibrücken brachte zum Betriebe ihrer Mafchine einen der bemerkenswertheften Keffel der ganzen Ausftellung, welcher jener neueren Einficht Rechnung trug, die höher gefpannten Dampf( hier 10 Atmoſphären) für den Mafchinenbetrieb verlangt. Er beftand aus einem Unter- und einem Oberkeffel von zufammen 25 Quadratmeter nebft einem ausfchaltbaren Röhrenvorwärmer von 6 Quadratmeter wafferberührter Heiz- Oberfläche, welche nach folgendem, völlig rationellem Plane ( Director Erhardt's) angeordnet waren. Der Unterkeffel war ein Röhrenkeffel mit innerer Feuerung. Feuerbüchfe fammt Röhren waren ausziehbar. Unter- und Oberkeffel ftanden durch weite Blechftutzen mit einander in Verbindung. Alle Keffeltheile mit Ausnahme der vorderen Stirnwände waren geheizt, indem die Gafe nach dem Paffiren der eigentlichen Heizflächen den ganzen Dampfraum des Oberkeffels umfpülten und fo den Dampf vollkommen trocknen, vielleicht auch theilweife überhitzen konnten. Auf ihrem letzten Wege zum Kamine beftrichen die Gafe den Speifewaffer Röhren- Vorwärmer, welcher ihnen dann vermöge feiner niedrigeren Temperatur noch den letzten Reft ausnützbarer Wärme entzog. Das Feuer ging alfo vom Roft durch die Rohre, kehrte an den unteren drei Vierteln der Aufsenfläche zurück, ftieg zum Oberkeffel empor, deffen untere Der Dingler- Hochdruckkeffel. 43 Hälfte es( fammt dem Rücken des Unterkeffels) beftrich, zog an dem Dampfraume des Oberkeffels nochmals nach vorne, um endlich durch den Vorwärmer RöhrenCanal zum Schornftein zu gelangen. Dabei ward der Zug nirgends nach abwärts geführt, denn auch die letzte Verbindung zwifchen Keffel und Schlott fand durch ein horizontales Eifenrohr ftatt. Der weitere logiſche Gedankengang, nach welchem fich auch anderfeits die Dimenfionen diefes Keffels gaben und auseinander entwickelten, war folgender: Mehr als 15 Millimeter dicke Bleche find für geheizte Keffelwandungen nicht mehr zuläffig, weil fich folche bei der Herstellung und dem Betriebe unficher verhalten. Der Unterkeffel vorliegender Conftruction und für 1o Atmoſphären Druck konnte defshalb nur einen Durchmeffer von höchftens 100 Meter bekommen ( was 12 Dp+ 3 entfpricht). Diefer Durchmeffer bedingte den Durchmeffer der Feuerbüchfe von o'70 Meter im Lichten, da man doch 15 Centimeter Abftand für das zweifeitig geheizte ftrömende Waffer und die enthaltenen Dampfblafen etc. zwifchen den beiden Wandungen laffen musste. In der Stirnwand diefer Feuerbüchfe liefsen fich nicht mehr als 31 Feuerröhren von 3 Zoll engliſch Durchmeffer( 76 Millimeter äufserem, 70 Millimeter innerem, 38 Quadrat centimeter lichtem Querfchnitte) unterbringen. Die Gefammtöffnung diefer Rohre bildete den Zug- Querfchnitt 31 X 38.48= 1192 Quadratcentimeter.* Diefer Zug- Querfchnitt befchränkt die zuläffige Roft- Oberfläche auf 9 X 1192 10.728 Quadratcentimeter oder rund I Quadratmeter, wobei fchon ein ungewöhnlich gut ziehender Kamin vorausgefetzt werden mufs.** Der Roft durfte alfo bei o 7 Meter Breite nicht mehr als 14 Meter Länge erhalten. Wollte man den Roft länger, alfo die Roffläche gröfser nehmen, fo wäre bei dem geringen Röhren- Querfchnitte ohne künftlichen Zug keine richtige Verbrennung mehr zu erzielen gewefen. Ein Roft aber von den obigen Dimenfionen fchien fehr überfichtlich und gut zu bedienen, während er doch fchon eine recht intenfive und vollſtändige Verbrennung erhoffen liefs. Da bei der Steinkohlen- Feuerung eine Vergrösserung der Heizfläche über das 25fache der Roftgröfse hinaus erfahrungsgemäfs nur mehr wenig Einzeln- aber gar keine ökonomifchen Vortheile mehr im Ganzen bietet, fo wurde die unter Waffer ftehende Heizfläche diefes Keffels auf 25 Quadratmeter begrenzt und darnach alle übrigen Dimenfionen beftimmt.. So erhielt denn der Unterkeffel eine Länge von 3.48 Meter, von welchen 125 Meter( nutzbar) auf die Röhren entfielen. Der Oberkeffel follte aus etwas dünnerem Blech angefertigt werden und bekam o 86 Meter Durchmeffer bei 3.62 Meter Länge; er wurde, wie bereits erwähnt, mittelft zwei Verbindungsftutzen, * Chevalier& Grenier in Lyon, welche ähnliche Keffel bauen, helfen fich dennoch bedeutend dadurch, dafs fie die gleichfalls 70 Centimeter weiten Feuerbüchfen hinten kurz wulftförmig auf 82 Centimeter Durchmeffer austreiben, wodurch 34 Rohre à 82 Millimeter lichter Weite untergebracht werden können, und ein Röhren- Querfchnitt von rund 1800 Quadratcentimeter ftatt wie an Dingler's gleicher Feuerbüchfe von rund 1200 Quadratcentimeter gewonnen wird. Solche Keffel von Chevalier ftehen noch gegenwärtig in ziemlicher Anzahl auf den Baggerfchiffen der Donauregulirungs Unternehmung bei Wien, und das Detail hält tadellos. Dabei ift die Feuerbüchfe excentrifch im Aufsenkeffel( von I'I Meter Durchmeffer) und bei Dingler's Keffel verwendet, bliebe für die Wafferftrömung noch immer ein Ring von 9 Centimeter, mehr als nöthig, frei. Das Verhältnifs der Rohr- Querschnitte zum Rofte käme aber dann von auf 1; und wäre jedenfalls günftiger für den Brand. ** Die Verbrennung wurde dabei doch fchon fehr befchränkt, und zwar mit 45 bis 50 Kilogramm Kohle per 1 Quadratmeter Roffläche und Stunde angenommen. 44 und zwar von je o 48 Meter Weite( bei 04 Meter Fenſter im Blech) mit erfterem gekuppelt. Er war zu 25 mit Waffer gefüllt und 3/5 desfelben bildeten den Dampfraum. Die Gafe kamen, nachdem fie auch diefen in ihrem ftetigen Wege nach aufwärts umzogen hatten, zum Druckvorwärmer, der aus fechs Schmiederohren von je 90 Millimeter äufseren Durchmeffers und 3.6 Meter effectiver Länge beftehen konnte und fo eine Vorwärmfläche von circa 6 Quadratmeter bot. Alle Keffeldimenfionen entwickelten fich derart aus der einzigen Annahme, dafs die Blechftärke des Hauptkeffels 15 Millimeter nicht überfchreiten und doch für 10 Atmoſphären Ueberdruck genügende Sicher heit bieten follte. J. F. Radinger. Vorliegender Keffel repräs fentirte alfo zugleich die gröfste Heiz- und Roftfläche, welche fich ( ohne das Chevalier- Detail) in einem Keffel diefes Syftemes unterbringen läfst. Grössere Heizflächen müssten durch Nebeneinanderreihen mehrerer Keffel, deren jeder für fich betriebsfähig fein könnte, erzeugt werden. Alle Garnituren, beftehend aus Dampf-, Speife- und Ausblasventilen, dann je zwei Wafferftand- Gläfern, Sicherventilen und Manometern, waren in übersichtlicher Weife aufserhalb der Einmauerung an der Keffelftirne angebracht. Die Einmauerung felber war fehr einfach und hatte nichts des Keffelgewichtes zu tragen, welcher auf zwei breitbafigen Gufskäften ficher ruhte. Am hinteren Ende des Mauerwerkes waren gro'se Thüren, durch welche der Keffel in allen Theilen äufserlich befichtigt, gereinigt und in Stand gehalten werden konnte. Der obere Keffel enthielt gegenüber einer Thüre im Mauerwerk ein Mann: loch, der innere Unterkeffel war ausziehbar und in Folge deffen das ganze Syftem gut zu reinigen. Uebrigens erfchien ein Kreislauf des Waffers durch die beiden Stutzen ermöglicht, und da der hintere Verbindungsftutzen gerade in die halbe Länge der Rohre traf, fo ftand zu erwarten, dafs der Zug des durchftrömenden Waffers die Ablagerung von Schlamm zwifchen denfelben verwehrt. Unmittelbar hinter dem vorderen Stutzen lag aber im Oberkeffel ein Trog, deffen Platz für die Aufnahme des Schlammes fich glücklich gewählt erwies, weil dort das Waffer, wo es den gröfsten Querfchnitt fand und nur mehr wenig geheizt wurde, mit der kleinften Gefchwindigkeit zog. Vorne an dem Unterkeffel befand fich auch noch ein Schlammfack, gleichfalls an einem Punkte, den nur gefchwächte Wafferftrömung ftreifte, und da aus beiden Schlammfängern je ein Ausblaferohr mündete, fo konnte durch tägliches Oeffnen der beiden zugehörigen Ventile dem Anfetzen von Keffelftein wirkfam vorgebeugt werden. Der Dingler- Hochdruckkeffel. 45 wwwwww Centimeter 100 0 3 5 Meter. Mafsftab 1:45 der Natur, Thatfächlich wurde auch der Keffel während der Ausftellungszeit( meines Wiffens) kein einziges Mal geöffnet. Endlich mufste darauf Bedacht genommen werden, dafs fich die im letzten Zuge liegenden Speiferohre verlegen und ihr Reinigen nothwendig machen dürften. Sie wurden daher ausfchaltbar und nur wie eine Schleife in die Leitung gebracht und ihr Ausnehmen hätte keine Betriebsftörung geweckt. Die Verbindungsftutzen befafsen an ihrer engften Stelle je o 4 Meter Durchmeffer, durch welche eine Heizfläche von 22 Quadratmeter ihre Dampf- und Wafferftröme hindurchfandte. Das Flächenverhältnifs ergibt fich mit 1: 180 als etwas knapp, aber für mäfsigen Betrieb ausreichend. Der Keffel erhielt keinen Dom, fondern ein oben gefchlitztes Rohr zog längs der Decke des Oberkeffels auf deffen halber Länge hin und entnahm nahe der wärmenden Wand den getrockneten Dampf. 46 J. F. Radinger. Bei Hochwaffer fuchte ein Schwimmer das Speifeventil mit einem ftark überfetzten Hebel zu fchliefsen, und weckte mit dem einen Widerftand, der die Speifung reduciren oder gänzlich unterbrechen konnte. In der Feuerbüchfe lag keine Niethe und kein doppeltes Blech, welche ein paffendes und verfteifendes Aufbiegen der Hitze entrückte; die anderen Böden waren ausgetrieben, die Stutzen aus einem Stücke und beiderfeits angeniethet, und das Mannloch durch einen Ring verftärkt. Die Verfchraubung des ausziehbaren Innenkeffels vorne, welche möglicherweife fchweifsen konnte, barg eine aufgelegte Gufsplatte, die gleich die( gegitterte) Heizthüre und den einen Roftträger enthielt. Das Ausziehen wäre durch fünf oder fechs Lüftfchrauben im vorderen Rande und zwei Schlitteneifen hinten erleichtert gewefen. Zwei Ankerfchrauben im horizontalen Durchmeffer, gleichfam der neutralen Achfe liegend, verbanden noch die Rohrwände und fichern die richtige Entfernung, wenn felbft fämmtliche Rohre zum Auswechfeln kämen. So lag der Keffel, vollendet nach heutiger Art, im deutfchen Keffelhaufe. Ein Blechrohr von 0.5 Meter Quadratfeite enthielt die Droffelklappe und führte vom letzten Zuge zum eifernen Schlote, der unten 60, oben 40 Centimeter Weite befafs. Der Roft hatte alfo 25 der Heizfläche, und es boten feinen Gafen die Rohre 19, die Züge zum Keffel und zum Schornfteine 4 und diefe felbft unten 1/ 3.5 und oben 1/8 der Roftfläche dar. Ich brauche nicht zu wiederholen, dafs ich trotz der ausgezeichneten übrigen Conftruction diefes Keffels den Rohrquerfchnitt von der Roftfläche nicht gutheifsen kann. Der Zug war kein völlig energifcher, und bei geöffneter Feuerthür verrieth eine ftarke, rückfchlagende Hitze den gedroffelten Gang. Diefs wird auch noch durch Mittheilung der Fabrik beftärkt, dafs an Quadratmeter Roft im Mittel 45 bis 50 Kilogramm Kohle per Stunde verbrennen, während bei gutem Zuge das Doppelte und mehr erreichbar und das 1% fache normal ift. Er foll damit und wird 270 bis 300 Kilogramm Dampf erzeugen, wovon alfo per Quadratmeter Heizfläche und Stunde II bis 12 Kilogramm entfallen, was im gleichen Verhältniffe wie oben zurückfteht. An ein Forciren des Keffels, was doch auch manchmal wünschenswerth oder nothwendig werden kann, ift dabei ohne Unterwind gar nicht zu denken.* Aus dem Ganzen ift nun zu entnehmen, dafs diefes fonft gute und logifche Syftem mit dem Ausftellungskeffel faft in feinem gröfstmöglichen, in einem übergrofsen Exemplare vertreten war, und dafs es für 10 Atmoſphären Druck und geniethete Bleche nur bis ungefähr/ diefer Gröfse als normal verwendbar erfcheint, wenn das Chevalier'fche Detail nicht herangezogen wird und hilft. Was die Ausführung betrifft, fo war diefelbe tadellos und das Verhalten des Keffels während der ganzen Ausftellungszeit derartig vollkommen, dafs feine Mafchine nie zu ftehen brauchte. Als er aus dem Mauerwerke kam und verladen wurde, zeigte er fich ohne irgend welche fchweifsende Stellen, deren Auftreten gerade bei innen geheizten Syftemen am früheften zu erwarten fteht. Das Gewicht diefes Keffels ftellte fich ohne Armatur auf 4421 Kilogramm; der Röhren- Vorwärmer hatte 353 und die ganze übrige Heiz- und Sicherheits* Zur Begründung diefer Anficht habe ich ferner noch beizufügen, dafs bei guten Locomobilen das Verhältnifs zwifchen Rohr- und Roftquerfchnitt zwifchen 1/5 bis höchftens 1½ fchwankt. Die Clayton'fchen Spferdigen( 15 Quadratmeter Heizfläche) z. B. haben 750 Quadratzoll Roft und 30 Rohre à 23% Zoll licht; dic 20pferdigen( 31 Quadratmeter Heizfläche) 1550 Quadratzoll Roft and 49 Rohre à 23 Zoll. Die Verhältniffe ftellen fich daraus auf 1: 5'6 und auf 1: 7'1, und der Zug wird durch das Blasrohr angefacht. Der Bergmann- Keffel. 47 armatur fammt Roft erhöhte das Gewicht auf 7014 Kilogramm, welche der complete Keffel wog. Loco Fabrik koftet letzterer 2400 Thaler. Er ward( fammt der Mafchine, mit welcher er ein Ganzes bildete) mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet. Der Bergmann Keffel. He Centimeter 100 ° 3 5 Meter. 1 Mafsftab 1: 100 der Natur. Die Dampfkeffel Fabrik Julius Bergmann in Hattingen an der Ruhr fandte zwei Exemplare einer Patentconftruction ftehender Dampfkeffel, welche aufserhalb des deutfchen Keffelhaufes in unmontirtem Zuftande aufgeftellt waren. Jeder beftand aus einem weiten Ober- und einem engeren Unterkeffel, deren Uebergang ein abgefteifter Ringboden vermittelte. Von diefem Ringboden hingen lange Field- Rohre nieder, welche mit aufgefchweifstem Conus in den ausgeriebenen Löchern von innen eingefteckt dichteten. Die Heizung foll mit einer Vorfeuerung gefchehen, welche angeblich ebenfo gut ober den Rohren angebracht werden kann, als fie es gewöhnlich unten beim 4 48 J. F. Radinger. Keffelfufse ift, und die Flamme in einfacher Spirale um den rohrumgebenen Keffel und zur Effe ziehen. Einfteigftutzen und Wafferftand- Vorkopf vervollständigen diefen Apparat. Bei dem einen Keffel, deffen Zeichnung mir vorliegt, beträgt die Heizfläche 100 Quadratmeter, die Roftfläche 4'3 Quadratmeter oder 1/23 der erfteren. Unten beträgt der Zug 14.3, beim Regifter 1-5, im Schornftein der Roftfläche. Diefe richtigen Verhältniffe laffen eine forcirte Feuerung zu, welcher aber der Mifsftand anhaftet, in einem Vorraum untergebracht werden zu müffen, wo fich ftets ein Theil der Wärme auf's Niederfchmelzen der Gewölbfteine verlegt und nach Aufsen verftrahlt. Diefer Keffel mufs alle Vortheile, aber vermöge feiner Gröfse concentrirt auch alle Nachtheile an fich tragen, welche die Fieldröhre bringt. Dafs er wenig Raum beansprucht und rafch zu heizen ift, aber auch rafch den Stand des Waffers und des Druckes fchwankt, ift eben fo bekannt, als dafs fich die Rohre, deren Länge hier über 3 Meter wächft, wegen des Verlegens nur für ununterbrochene oder ganz feltene Heizung eignen. Der Keffel wird bei halbwegs normalem Betriebe leicht naffen Dampf geben. Verdampft derfelbe mäfsig, wie es in Bochum conftatirt wurde, 215 Kilogramm per Stunde und Quadratmeter Heizfläche, fo werden bei 100 Quadratmeter 2150 Kilogramm Dampf gebildet, welche der Wafferfpiegel- Fläche von 1-88 Meter Durchmeffer oder 2'77 Quadratmeter per Stunde entfteigen müffen, was über 770 Kilogramm per einzelnen Quadratmeter( gegenüber von 43 Kilogramm beim Cylinder- und 212 beim Pauck'fch- Freundkeffel) beträgt. Schliefslich will ich noch erwähnen, dafs die Firma KohlenausbeuteRefultate bekannt gibt, welche theils auf Grund von 2/ 3- bis Iftündigen Heizungen gewonnen und wobei. wie ich nachrechne, nur die geringe Menge von 8.5 bis 104 Kilogramm Dampf per Quadratmeter Heizfläche und Stunde entwickelt wurden. Bei folch kurzer Beobachtungsdauer kommt der Einflufs des Mauerwerkes leicht zur übrigen Heizung hinzu. Der Vortheil diefes Syftems foll in der Vermeidung der inneren Feuerbüchfe und dem Gehalte eines gröfseren Wafferraumes liegen, als es bei dem alten Fieldkeffel der Fall war. Der Keffel von W. Fitzner. W. Fitzner in Laurahütte O. S. brachte einen Cornwallkeffel gewöhnlicher Conftruction, aber mufterhafter Arbeit. Er lag unarmirt bei der öftlichen Landwirthschafts- Halle und zeichnete fich durch die Verwendung der möglichft grofsen Blechtafeln aus. Er war für 4% Atmoſphären Druck beftimmt und feine Länge von 8:55 Meter bei faft 2 Meter( 197) Durchmeffer aus vier Trommeln zufammengefetzt, deren jede aus vier, 15 Millimeter dicken, einfach genietheten Blechen beftand. Die Wandftärke aufsen folgt alfo der Formel d= 136 D p+ 3 Millimeter. Die grofsen Böden waren aus je einem Stücke gearbeitet, mit aufgebogenen Rändern eingezogen und mit zwei durchgehenden Zugfchrauben mit ftarken Unterlagplatten verankert. Die zwei Feuerröhren( à o 70 Meter weit) zeichneten fich dadurch aus, dafs jeder Schufs nur aus einer einzigen Tafel beftand und die( 6) Schüffe unter fich durchwegs mittelft Umbörtelung und eines zwifchengelegten Flacheifen- Ringes verbunden waren. Hiedurch erhalten die Röhren eine grosse Steifigkeit und bieten einen faft abfoluten Schutz gegen das Zufammengedrücktwerden, indem im Falle des Glühendwerdens erfahrungsmässig immer nur das Blechfeld zwifchen den Ringen fich wirft, und die fortfchreitende Deformation Ruhepunkte findet, welche das Aufreifsen länger hintanhalten. Der Keffel von F. Schmidt in Halle. 49 Weil erner jeder Schufs nur aus einer einzigen Tafel beftand, fo konnten die Niethfugen unten hingelegt werden, wo fie die Afche bald bedeckt, fo dafs in den Röhren nirgends eine Nieth- oder eine doppelte Blechftärke ins Feuer kommt. Der Keffel hatte wohl ein Mannloch oben mit verfteiftem und eines unten in der Stirnplatte zwifchen den Rohren mit unverfleiftem Rande, aber noch keinen Dom oder fonftige Armirung. Der Keffel von F. Schmidt in Halle. Ein einfacher Flammrohr- Keffel von 125 Meter Aufsen- und o'55 Meter Rohrdurchmeffer bei 3.65 Meter Länge lag neben dem eben erwähnten im Hofe der landwirthschaftlichen Abtheilung. Er beftand aufsen aus drei Trommeln, welche doppelt geniethete Längs- und einfache Rundftöfse hatten und wurde hauptfächlich dadurch bemerkenswerth, dafs feine Innenfchüffe gleichfalls je aus einer einzigen Tafel beftanden, deren einfache Längsniethungen jedoch abwechfelnd rechts und bei der nächften Trommel links im horizontalen Durchmeffer lagen. Ein Boden war aufgebogen, der andere mit einem gedrehten Winkeleifen eingefetzt, beide durch zwei Dreieck- Tafeln in den Ecken verfteift. Den Dom fchlofs oben eine Blechdecke, und ein durch einen Ring verftärktes Mannloch befand fich gefondert am Keffel. Er wog 1750 Kilogramm und koftete 420 Thaler. Die öfterreichifchen Keffel. Mit hoher Befriedigung konnten wir der Ausftellung neuerdings entnehmen, dafs die Arbeit unferes Reiches nicht nur hinter keiner fremdländifchen zurück fteht, fondern im Gegentheile vielfach das Gepräge der Vollendung und der Muftergiltigkeit trägt. Diefes ift unter Anderem auch bei den Keffeln der Fall. Originale, zielbewufste und zutreffende Conftruction einigt fich mit gediegener Ausführung, und unfer gutartiges Eifen hilft für die Fernhaltung der auswärtigen Concurrenz mit, welche fich thatfächlich( mit Ausnahme der Kleinkeffel und Locomobile) hier keiner Erfolge erfreut. Wohl ftellen fich die Centnerpreife fremdländifcher Keffel, einfchliefslich Fracht und Zoll, oftmals billiger als das inländifche Fabricat, aber der Beſteller gewinnt dennoch Nichts, weil das nothwendige dickere Blech den geringeren Preis überwiegt oder bei gleicher Stärke nur geringere Dauer in fich trägt. Bei keinem Apparate foll aber weniger an den Mehrkoften für das beſte Material gefpart werden, als bei den Dampfkeffeln, und kein Eifen der Erde ift beffer dafür geeignet( wenn auch die fchwedifchen Sorten Low- moor etc. ihm gleichen) als unfer fteierifches Blech. Daraus beſtehen nun unfere Keffel; mit Ausnahme der Feuerplatten arbeiten folche an einzelnen Orten bereits über 30 Jahre im conftanten Betriebe mit hohem Drucke. Faft nie kam bei uns eine Explofion in Folge des Bruches einer gefund fcheinenden Platte vor; Beulen bilden fich in Folge der Stichflammen, und Feuerrohre werden hier fo gut eingedrückt als anderwärts, aber nie rifs das Blech und veranlafste ein Unglück, fondern es dehnte fich, zog fich und hielt. - Ich habe felbft durch hundert Verfuche erhoben, dafs fich diefes Eifen unter einer Ueberlaft eher auf die Hälfte des urfprünglichen Querfchnittes ftreckt, * Ich kenne Keffel, welche zum Deftilliren von Erdwachs dicnen, deren 1'5 Meterböden, mit 4000 Kilogramm belaftet, feit fechs Jahren jeden zweiten Tag zur Rothgluth erhitzt und nach jedem Auskühlen mit Hammer und Meifsel von der dicken Coaksfchichte gereinigt werden deren Neuberger Blech, obgleich geworfen und gefaltet, aber heute noch fchliefst. - 4* B 50 J. F. Radinger ehe es reifst. Zu alldem kommt noch eine langgeübte amtliche Controle, welche z. B. in England völlig unbekannt ift, und als ein Hauptumftand der, dafs die Wartung der Keffel nur von geprüften Heizern beforgt werden darf. Wo aber derart alle Verhältniffe fich glücklich treffen, klare Conftruction und forgfältige Ausführung über das befte Material verfügen und eine verſtändige und überwachte Wartung die Keffel betreut- darf es nicht Wunder nehmen, dafs ein Minimum von Explofionen auftritt. In keinem Lande der Erde explodirt ein geringerer Percentfatz der Dampfkeffel als in Oefterreich. Wir haben rund 16.000 Dampfkeffel innerhalb unferer Grenzen( darunter circa 4000 Locomotive und 4000 Locomobile), aber im zehnjährigen Mittel explodirten nur 1½ per Jahr, das ift noch nicht Einer von Zehntaufend. Die normale Dampffpannung beträgt 5 bis 6 Atmoſphären; die Bleche wurden feit der Auflaffung des alten Gefetzes, welches die Dicken mit rund d= 18 Dp+ 3 vorfchrieb, auf circa 2/3 herabgefetzt und ift meift um 10 Percent fchwächer als die der deutfchen Keffel und gleich dick mit den englifchen Blechen, obwohl dort doppelte Verniethungen gang und gäbe find. Doppelte Niethungen find für Stationärkeffel erft wenig in Verwendung, find aber felbftverständlich nicht unverfucht und kamen auch in der Ausstellung vor. Der Dampfdom überherrfcht noch, wenn auch fchon der beffere cylindrifche Sammler, welcher durch einen einzigen Stutzen mit dem Keffel in Verbindung fteht, aufzutreten beginnt und gleichfalls in der Ausftellung war. Für geprefste Keffelböden und fchmiedeeiferne Rohre beftehen im Inlande keine Fabriken, fondern erftere werden aus dem Rheinlande, letztere meift von England bezogen. Aber die Blechtafeln bleiben, was ihre Gröfse betrifft, hinter den ausländifchen nicht mehr zurück, feit auch unfere Walzwerke die 3- MeterWalzen befitzen. Spaltungen find in unferen Platten feltener als anderswo. Mit Mafchinen wird noch nirgends geniethet. Unfere im Allgemeinen jüngeren Kohlen veranlafsten eine Reihe abweichender Roftconftructionen, auf welche aber diefer Bericht, als zu weit führend, nicht erfchöpfend eingehen kann. Von öfterreichifchen Keffelfabriken ftanden in der Ausstellung: 2 Keffel von der Erften Brünner Mafchinenfabriks- Actiengefell. 221 " " " 7 " 99 79 99 fchaft, G. Sigl in Wien, Tedesco in Prag- Schlan, Baechle& Comp. in Wien, der Grazer Waggon, Mafchinenbau- und StahlwerksGefellfchaft. Diefe waren alle eingemauert und im Betriebe. Ferner waren vorhanden: 1 Keffel von der Prager Mafchinenbau Actiengefellfchaft, I Keffelzeichnung von Tedesco in Prag- Schlan, Keffeleinmauerungs- Zeichnungen von Franz Mörth in Wien. Mehrere unferer gröfsten Keffelfchmieden befchickten die Ausftellung nicht, was in der Gefchäftsüberbürdung der damaligen Zeit eine theilweife Erklärung findet. Der Depuis- Keffel. Von der Erften Brünner Mafchinenfabriks- Actiengeſellſchaft wurden zwei Dampfkeffel zum Betriebe der Hochdruck- Wafferleitung der Ausftellung gebracht, deren Syftem von A. Lutz in Mähren eingeführt wurde und bereits ziemlich verbreitet erfcheint. Centimeter 100 Der Depuiskeffel. 51 3 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Sie beftanden aus je einem liegenden einfachen Cylinderkeffel, I'I Meter Durchmeffer, 6.3 Meter lang, der an feiner hinteren Seite ftatt mit einem kreisrunden Blechboden gefchloffen zu fein, an einen 174 Meter weiten verticalen Keffel geniethet war und mit deffen Inneren in offener Verbindung ftand. Deffen ganze Höhe( 2:37 Meter) war von 80 Rohren durchzogen, welche, von Boden zu Boden reichend, den heifsen Gafen einen Weg durch den Wafferund Dampfraum diefes ftehenden Keffels boten. Das Feuer brannte nämlich in ganz normaler Weife vorne unter dem Langkeffel, und nachdem es diefen und die Aufs enfeite des Stehkeffels umfpült, hatte es zum Unterboden des Stehkeffels abzufallen, um durch die eingezogenen Rohre nach aufwärts und durch einen horizontalen Canal in die Effe zu gelangen. Die 80 Rohre, à 73 Millimeter im Lichten weit, ftanden in vier getrennten Gruppen, fo dafs fie mitten des Stehkeffels einen freien Kreuzgang liefsen, von wo aus ihre Reinigung erleichtert vor fich gehen konnte. Ueberdiefs legt fich an ftehenden Rohren der Keffelftein nicht fo leicht als auf liegenden Flächen an, und ein Mifsftand aus diefer Quelle fcheint umfoweniger auftauchen zu können, als die Feuerplatten, auf welchen das ftärkfte Ausfcheiden ftattfindet und unmittelbare Gefahr für den Beftand erwächft, dem gänzlich hohlen, leicht zu befahrenden Horizontalkeffel angehörten, während die Rohre nur geringeren Temperaturen ausgefetzt find. Die Verticalanordnung erlaubt es ferner auch der Flugafche nicht fo leicht fich anzulegen, wodurch fowohl der Zug als die Wirkung des Feuers unbeeinträchtigt bleibt. Das Speifewaffer trat durch ein auch zum Abblafen benütztes Rohr im centrifchen Tragfufse des Stehkeffels ein, während der Dampf demfelben oben entnommen wurde. Weil die Heizrohre auch den Dampfraum durchzogen, fo wurde der Dampf getrocknet. Einem Ueberhitzen ward durch die nahe Wafferfläche vorgebeugt. 52 J. F. Radinger. Die Stützung und ungezwungene Ausdehnung wurde jedem diefer Keffel durch die Aufhängung an einen( einzigen) Gufsbogen vorne gewährt, deffen Sprengung vielleicht fo gewählt wurde, dafs dem Vorrücken des Horizontalkeffels. und der rückwärtigen Hebung defselben mit dem Stehkeffel gleichzeitig Recht gefchah. Die Heizfläche berechnet fich auf 55 Quadratmeter, die Roftfläche macht 2'2 Quadratmeter oder 1/25 der erfteren. Der Schornftein hatte I Meter Durch meffer oder weil ftets nur einer der beiden Keffel geheizt wurde 12.8 des Roftes zur Fläche. Die Rohre boten einen Querfchnitt von 1.6 des Roftes, der Zug 1 desfelben, was ganz gute Verhältniffe find, wenn auch ein allenfalls beabfichtigtes bedeutendes Forciren( der Rohre wegen) nicht zutreffen könnte. Um Letzteres zu ermöglichen, fah ich andernorts vorfichtige Ingenieure eine Anzahl verticaler Canäle in jenem Mauerwerke ausfparen, welches den Stehkeffel umgibt. Diefe Canäle liefen oben aus dem Mauerkranze bei der Feuerlinie des Stehkeffels parallel zu deffen Innenrohren nach aufwärts und mündeten beim beginnenden Fuchs. Sie waren je mit einem Ziegel bedeckt, der für den Bedarf weggeftofsen wird. Ein vom Afchfall aus befahrbarer Gang erlaubte noch das Zukommen zum unteren Rohrboden, und ein abhebbarer( mehrtheiliger) Gufsdeckel oben geftattete das Reinigen der Rohre oder die Freilegung der ganzen Rohrdecke. Der kleine Durchmeffer des Horizontalkeffels läfst eine geringe Eifenftärke zu, und da folche gleichfalls an den Rohren auftritt, in welchem auch keine Flugafche in Folge der verticalen Stellung lagern kann, fo erfcheint die möglichft vollständige Ausnützung der Wärme hier beffer als bei irgend einem anderen Syfteme erreichbar. Das ganze Syftem ruht auf drei Punkten. Die Blechverbindung des Steh- mit dem Horizontalkeffel gefchah durch folide Niethung. Innerhalb derfelben war das Blech des Stehkeffels nicht gänzlich, fondern nur in zwei Kreisfenftern ausgenommen, welche wohl weite Querschnitte für die Waffer- und Dampfbewegung boten, aber doch die Feftigkeit der Conftruction weniger unterbrachen als ein voller Ausfchnitt. Ein Mannloch mit verfteiftem Rande oben am Horizontalkeffel, ein Vorkopf für die Wafferftand- und Dampfdruck- Zeiger und eine. verhältnifsmässig kleine Thürplatte von gefälliger Form vollendeten das Ganze. So fprechen alle Bedingungen für eine gute Betriebsfähigkeit diefes Syftemes, welches die Vortheile des einfachen mit jenem des Röhrenkeffels vereinigt, wenig Raum bei grofser Heizfläche beanfprucht, befte Ausnützung der Wärme wegen feinen dünnen Wandungen, lange Dauer wegen deren ungezwungener Drehung verfpricht, leicht zu repariren, zu reinigen und, weil viel Waffer enthaltend, leicht zu warten ift, trockenen Dampf liefert, aber auch forcirt werden kann, wenn der Bedarf es erheifcht. Die Dicke der Bleche des Horizontalkeffels betrug vorne 10 Millimeter. Rückwärts, wo fie, fich an den Stehkeffel ftützend, auf Biegung beanfprucht wurden, erhöhte fie fich auf 11 Millimeter. Der Stehkeffel felbft hatte 13.5 Millimeter Wand. Der untere Rohrboden war 19 Millimeter dick, nachdem ihn mehr als das halbe Keffel- und Waffergewicht einzudrücken ftrebt. Der Dampfdruck betrug 5% Atmoſphären und die Blechdicken paffen genau in die Form d= 11 D p X 3 Millimeter. Jeder wog 6765 Kilogramm und koftete ohne Ausrüftung 4400 fl., mit der completen Heiz- und Sicherheitsarmatur aber 5000 fl. G. Sigl's Dampfkeffel. 53 Die Keffel von G. Sigl in Wien. Im eigenen Keffelhaufe und zum Betriebe unferer Motoren in der Mafchinenhalle lagen drei gleiche Keffel von G. Sigl in Wien, welche nach dem Typus der in Oefterreich als beft anerkannten und hauptfächlich verbreiteten Dampferzeuger gebaut waren und alle jene Vervollkommungen trugen, welche die Erfahrung der letzten Jahre verlangt. Jeder Keffel beftand aus einem faft horizontalen Hauptkeffel und zwei untenliegenden Vorwärmer oder Siederkeffe! n. Das Waffer trat am rückwärtigen Ende des einen Sieders durch das Speifeventil ein und durchftrömte langfam deffen Länge. Vorne kehrte es durch ein eingeniethetes, oben tangirendes Zwifchenrohr in den zweiten benachbarten Sieder, in welchem es nach rückwärts zog, um dort durch einen weiten Stutzen aufwärts und in den Hauptkeffel zu gelangen, wo feine Verdampfung erfolgte. Das Feuer brannte vorne unter dem Hauptkeffei und feine Gafe frichen in der entgegengefetzten Richtung des Wafferzuges, fo dafs fie im Mafse ihrer fortfchreitenden Abkühlung an Keffelwandungen kamen, welche Waffe: von geringerer Temperatur umfchloffen, was die volle Ausnützung der Wärme verfpricht. Die drei Keffelrohre lagen nicht völlig horizontal, fondern fo geneigt, dafs das Waffer ftetig bergan zog, wodurch ein Haftenbleiben von Luft und Dampfblafen an den Siederdecken, das Anfetzen des Schlammes auf den Feuerplatten und( Folge eines zweiten unteren Verbindungsrohres der beiden Unterkeffei) das Zurückbleiben von Waffer bei der Entleerung der Keffel entfiel. Die obere Verbindung der zwei Sieder durch ein zwifchengeniethetes, oben tangirendes, weites Blechrohr ift ein noch wenig angewandter Vorgang, während man gewöhnlich U- förmige Stirnrohre dort benützt. Diefe werden aber in Folge der ungleichen Ausdehnungen häufig undicht oder brechen, falls fie aus Gufseifen find, ganz ab und verlegen fich leicht, da fie dann unter dem Rofte und deffen ftrahlender Hitze preisgegeben liegen. Der Oberkeffel von 145 Meter Durchmeffer und 10 92 Meter Länge beftand aus 13 Millimeter- und jeder Unterkeffel von 0.8 Meter Durchmeffer und 9.9 Meter Länge aus 8 Millimeter dicken fteierifchen Eifenblechen, welche durchaus einfach genietet waren. Sie hatten 5 Atmoſphären Normaldruck zu beftehen und fcheinen nach der Formel 13 Dp+ 3 und 6-12 Dp+ 3, je nachdem fie im erften Feuer oder deffen abziehenden Producten liegen, gerechnet zu fein. Der Oberkeffel lag hinten um 24 Centimeter tiefer als vorne, und die Sieder hatten je den gleichen Fall in der oben erwähnten Richtung, was 2'2 bis 24 Percent der Länge entfpricht. Die Mannlöcher von normaler Conftruction mit je zwei Bügeln befanden fich eines oben in der halben Keffellänge in einem aufgenietheten Sitz und je eines an der Stirne der Sieder. Der Hauptkeffel war oben ungefähr im Schwerpunkte der Dampfentwicklung mit einem grofsen Blechdom mit abgefteifter Blechdecke verfehen, welcher das Dampf und ein Sicherheitsventil trug, während das andere weiter hinten ftand. Der Ausfchnitt im Blech unter dem Dome war bedeutend kleiner als der Durchmeffer des Domes felbft und befafs nur Mannlochs- Gröfse. Dadurch wird die Feftigkeit des Keffels wenig geftört, während bei grofsen Ausschnitten fchon oft Riffe von hier ihren Ausgang nahmen. An der Stirnfeite, wo der Standplatz des Wärters ift, reichte ein Vorkopf durch das Mauerwerk und trug ohne die Vermittlung unverlässlicher Verbindungs. rohre die normale Armatur. 54 JJ. F. Radinger. G. Sigl's Dampfkeffel Längenfchnitt. away til br CE donis zeed Querfchnitt. 2 Centimeter 100 Meter. olod eno Mafsftab 100 der Natur. SA 55 Has AdA 56 J. F. Radinger. Diefes Keffelfyftem ift in England und Frankreich faft gar nicht verwendet, jedoch in Deutſchland und Oefterreich eines der beliebteften und häufigft gewähl ten. Dic Vortheile, welche es bietet, beſtehen hauptfächlich in hoher Sicherheit und leichter Reinigung; es liefert trockenen Dampf( per 1, Quadratmeter Wafferfläche entfteigen circa 80 Kilogramm Dampf per Stunde gegen 300 bei den horizontalen Röhrenkeffeln) und hält in Folge des grofsen Inhaltes Druck und Wafferhöhe mühelos conftant. Die Bleche liegen allfeitig für die Unterfuchung frei, und eine Reparatur fällt nirgend leichter als hier. Die verfchiedenen Temperaturen können einem Syfteme keinen Schaden bringen, wo fowohl der Hauptkeffel als der letzte Sieder nur durch je einen einzigen Stutzen nahe an ihren Enden feftgehalten werden, und fomit Nichts die Ausdehnung unter Wärme und Druck hemmt. Solche Keffel werden im zerlegten Zuftande transportirt und der Vorwurf, den man ihnen mit dem möglichen Undichtwerden der Verbindungsverfchraubung machte, entfällt. feit die Dichtung zwifchen den gedrehten Flächen der angenietheten Flanfchen bewirkt oder noch beffer ganz umgangen wird, indem man die Stutzen aus Einem herftellt und deren aufgebogene Ränder am Orte der bleibenden Aufstellung verniethet. Die Nachtheile, welche feine Gegner betonen, find: gröfseres und tief gehendes Volumen der Anlage, theueres Mauerwerk, längeres Anheizen und leichter eintretende Corrofion der Siedertafeln. Letzterer Mifsftand, deffen häufiges Vorkommen nicht blofs den Blechen zugefchrieben werden darf, hat doppelten Grund. Liegen die Sieder zu wenig oder gar falfch geneigt( was befonders bei Ein- Siederkeffel wegen des hinteren Ablaufes öfter beliebt wird), fo geber. die Luftblafen Veranlaffung zum Durchbrennen etc. der Platten. Zweitens ift es aber im Syfteme liegend, dafs das eingeführte Waffer nicht wie anderswo durch eine Circulation erfafst und im ganzen Keffelraume vertheilt wird, fondern als compacte Maffe hinten bleibt und nur langfam vorrückt. Enthält es nun für die Bleche fchädliche Beftandtheile, fo concentrirt fich deren Wirkung auf kurzer Länge, und der Keffel leidet örtlich, aber rapid. Dem erften Fehler beugt nun die Senkung des Keffels, dem zweiten die Verwendung reinen Speifewaffers vor, und Beides wird hier verlangt. Von der Einmauerung der Ausftellungskeffel mufs noch bemerkt werden, dafs der Feuercanal bis circa 12 Centimeter über den horizontalen Durchmeffer des Hauptkeffels reichte. Dort fchlofs er mit mehreren Ziegelfchaaren dicht an die zu begrenzende Wand. Oben wölbte fich jedoch eine freigespannte Tonne in Abftand von 8 Centimeter über dem Keffel, und der fchmale Raum, der dadurch entftand, blieb hinten durch eine verengte, aber offene Stelle mit dem Feuerzuge in Verbindung und hielt fo rings um den Dampfraum( und den Dom) ruhende, aber doch heizende Luft. Zwifchen je zwei Keffeln blieb ein Spalt im Mauerwerke ausgefpart. Die Blechftöfse waren derart vertheilt und die Feuerbrücke fo gerundet, dafs die Stichflamme keine Niethung traf. Die Keffel waren weitaus geräumig, dafs ihr Befahren und Putzen bequeni vor fich gehen konnte, wie es alle jene Keffel erheifchen, welche ftarke Niederfchläge aus dem verdampften Waffer erwarten laffen, und diefs beifpielsweife am Rande der Alpen der Fall ift, wo oft ein Keffelftein an die Wandungen wächft, der mit dem Meifselhammer Splitter für Splitter weggefchlagen werden mufs, denn er ift hart wie ein Fels. Jeder Keffel bot ungefähr 60 Quadratmeter Heizfläche dar. Die Zeh'fchen Schüttelrofte, deren Bewegung eine Transmiffion von den innengehenden Speifepumpen aus beſorgte, hatten je 177 Quadratmeter, was 1/3 entfprach. Die Züge waren ganz befonders weit und befaffen um die Keffel 1/ 1.8, beim Regifter 1.7 und wenn man die Effe( Durchmeffer 12 Meter) für zwei gleichzeitig betriebene Keffel hält, dort der Roftfläche. Jeder wog 11.000 Kilogramm ohne Armatur und koftete 4840 fl.( 44 fl. per 100 Kilogramm). Röhrenkeffel von Tedesco& Comp. Röhrenkeffel von Tedesco& Comp. 57 Die Mafchinenfabrik von Tedesco& Comp. in Prag- Schlan( heute Bolzano, Tedesco& Comp.) lieferte zwei Keffel, deren Dampf die Decker'fchen Pumpen für den Fontainenbetrieb verfah. Es waren cylindrifche kurze Keffel von 174 Meter Durchmeffer und 3.16 Meter Länge, welche je 83 Rohre von 79 Millimeter äufserer, 73 Millimeter innerer Weite zwifchen ihren ebenen Böden durchzogen. Oben hielt jeder Keffel mittelft eines einzigen 55 Centimeter weiten Stutzens noch einen Dampffammler von 0.87 Meter Durchmeffer und 4'42 Meter Länge. Diefer wurde nicht balancirt, fondern aufser dem Stutzen vorne noch von einem Blech- Doppel- T hinten getragen, das unverniethet zwifchen Sammler und Keffel lag und fo der freien Ausdehnung kein Hindernifs bot. Die Feuerung gefchah unter dem Hauptkeffel auf Bolzano- Roften, und die Gafe ftrömten längs dem ganzen Heizumfange der Unterkeffel nach hinten, umfetzten die Rückwand, um durch die Rohre in eine Rauchkammer zu kommen, von wo fie durch einen Canal( in welchem frei der Dampfsammler lag) in den hochliegenden Fuchs und zum Schornfteine gelangten. Die Keffel waren je an der Stirnfeite mit einem Vorkopfe für die Wafferftänder und rückwärts mit einem( 2 Meter langen) elliptifchen Hinterftutzen verfehen, welch' letzterer die Speife- und Ablafsrohre aufnahm und als Schlammfack und Einfteigcanal diente, indem deffen abzufchraubender Deckel das Zukommen in den Raum unter den Rohren geftattete. Diefe füllten nämlich den Keffel nicht ganz, denn ihre unterfte Horizontalreihe( 13 Rohre enthaltend) ftand circa 50 Centimeter über der Keffelfohle, und fo war das Reinigen der Feuerplatten von angefetztem und niedergefallenem Keffelfteine leicht. Ferner war auch der Sammler durch die Stirnwand hindurchgeführt und feine gufseiferne Abfchlufsplatte nahm aufser den Sicherheitsventilen noch ein Mannloch auf. Durch diefes und den Dampfflutzen hindurch wurde der Hauptkeffel ober den Rohren befahrbar, und deren Zwifchenräume konnten von oben um fo beffer gereinigt werden, als die Rohre vertical übereinander gereiht ftanden. Der Dampf entftrömte ganz rückwärts dem Sammler, in deffen weiter Länge er das mechanifch mitgeriffene Waffer gröfstentheils verlor, und deffen geheizte Wände ihm noch Wärme zur weiteren Trocknung( vielleicht Ueberhitzung) zuführten. Die Rauchkammer war durch eine gutfchliefsende Doppelthüre derart zugänglich, dafs man jedes Rohr durchfahren oder herausziehen konnte, wie es Reinigung oder Reparatur verlangt. Unter dem Feuercanale war noch ein Fahrcanal angelegt, deffen für gewöhnlich verlegte Einfteigöffnung das Herausholen des Rufses und der Flugasche erlaubte, die beim Durchftofsen der Rohre hinten einfiel, aber auch die dortige Rohrwand freigab. Um den Hauptkeffel erfchien das Mauerwerk doppelt ausgeführt und konnte den Dehnungen zwanglos folgen, welche die Temperatursunterfchiede mit fich brachten. Das Gleiche war auch den Keffeln möglich, deren Obertheile je ein weiter Bogen überfpannte, der fie warm, aber entlaftet hielt. Aehnlich den amerikanifchen waren auch diefe Keffel nur an drei Punkter. mit zwei Vorderpratzen und einem hinteren Doppel- T- Fufs getragen. Diefe Lagerung wurde bereits dort gewürdigt, und es erübrigt hier höchftens noch zu bemerken, dafs diefer hintere Gufsträger allfeitig ummauert war, was zur Schonung des anliegenden Bleches wefentlich beiträgt. Bei jedem Keffel war die höchfte Sorge darauf verwendet, dafs die Stichflamme, welche ober der Feuerbrücke zu erwarten ftand, die Bleche ftreifte und nicht ftöfst und nicht eben eine Niethung traf. 1071 58 J. F. Radinger. Letzter Umftand führte hier zu der Detailconftruction der Zufammenfetzung der des Keffels nach zwei Halbcylindern, welche in den horizontalen Längsnähten verbunden waren. Der obere Halbcylinder beftand aus drei, der untere aus zwei Platten, und letztere trugen an ihren nach innen gebogenen Flanfchen mit zwifchengelegtem Stemmblech die Verniethung. Derart kam nun allerdings kein gehäuftes Material ins Feuer. Aber bei nicht fehr reinem Waffer ift ein mächtiger Keffelftein- Wulft hinter jenen Kanten zu befürchten, die kein Kreislauf fpült. Diefs macht dann felbftverſtändlich den erft erreichten Vortheil rafch verfchwinden, wie man es an einigen Keffeln in Oberfchlefien erfuhr, an welcher diefes Detail zuerft erfchien. ++++++ +++++++ 144 ++++ +++ 48414 Die Feuerung gefchah auf Bolzano- Roften( Ausführungsnummern 513 und 514). Es find diefs wenig( 12 Grad gegen den Horizont) geneigte Treppenrcfte, deren Spalten von Afche und Schlackentheilen durch eine zeitweilige Schüttelung von Hand aus freigehalten werden, welche jeden zweiten Roftftab um circa 20 Millimeter zwifchen feinen ruhenden Nachbarn hebt. Die frifche Kohle wird durch einen Kipptrog auf den Roft gebracht, und theils durch das plötzliche Aufkollern, theils durch die Schüttelung und endlich die Schürftange fo auf der ganzen Roftfläche vertheilt, wie diefs bei einem gewöhnlichen Planroft gefchieht. Es kommt dabei das neue Material ftets auf eine brennende Schichte und entzündet fich fofort, nur ift der Nachtheil umgangen, eine Heizthüre zu haben, welche für das Aufwerfen und Schüren zeitweife offen ftehen mufs. Die Roftftabs- Enden find ftufenförmig gefchnitten, wodurch gröfsere Kohlenftücke von dem Hinabrollen bis auf das Schlackengitter bewahrt werden follen, womit der Unterroft hier endet. Schaulöcher zu beiden Seiten geftatten die Ueberficht, und eine Blechplatte unterhalb des erften Abfatzes fängt die Kleinkohlen auf, welche dort allenfalls durchfallen. Diefe werden auf den unteren Rofttheil gefchoben und verbrannt. Bei den Ausftellungsroften lag der Obertheil wie in einer Vorfeuerung unter der überwölbenden Stirnmauer der Keffelanlage und die erften qualmenden Verbrennproducte konnten fich an der feuerfeften Decke( welche die Einniethung des Rohrbodens forgfam untergriff) allenfalls noch entzünden. Der Unterroft, auf dem es gewiffer rauchfrei brennt, lag aber frei unter dem Keffel und fandte auch die ftrahlende Wärme zum Blech. Aus dem Gefagten geht hervor, dafs ein Forciren des Feuers hier wohl angeht, wo die frifche Kohle auf die brennende kommt, während fie bei anderen fchiefen und Treppenroften nur durch die zurückzüngelnde Flamme in Brand gerathen kann. Dagegen werden die Stäbe hier auch leicht verbrennen, wenn der Roft nicht rein gehalten bleibt. Der Roft geftattet, wie ich mich felbft verfchiedenen Ortes überzeugte, die Verwendung des ſchlechteften Brennmaterials, indem eine hohe Temperatur auf ihm herrfcht. Die vollſtändige Verbrennung, welche dadurch entsteht, fichert die volle Ausnützung der Heizkraft und mit dem einen höheren ökonomifchen Effect Röhrenkeffel von Tedesco& Comp. 59 Centimeter 100 2 3 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. als fonft. Glaubwürdigen Verfuchen ift zu entnehmen, dafs bei Forcirung bis über 130 Kilogramm Kohle per Stunde und Quadratmeter verbrannt wurden, was wohl bei keinem anderen Treppenroft geht. Und insbefondere für böhmifche Kohle ift er ausprobirt und fcheint fich mit Vortheil eingebürgert zu haben, während er mit rheinifcher Kohle nicht fo gute Refultate gab.: Auch in der Ausftellung wurde er ausnahmsweife und über fpecielles Anfuchen der Fabrik mit fchlechter Duxkohle, Klarkohle betrieben und arbeitete trefflich, obgleich ihn vielleicht der mindeft intelligente Heizer des Platzes bediente. Die Keffel der Ausstellung hatten jeder 65 Quadratmeter Heizfläche; die Rofte à 24 Quadratmeter oder 127 der zu heizenden Fläche. Die Rohre waren eng wie gewöhnlich und befafsen/ der Roftfläche als freien Querfchnitt. Die Züge und der Fuchs befafsen/ und die Effe, wenn, was ftets der Fall, nur ein Keffe! betrieben war, 13.1 der Roftfläche. Der Normaldruck diefer Keffel betrug 5 Atmoſphären und die Blechftärke II Millimeter unten am Hauptkeffel und 7 Millimeter am Sammler, was die Formel 0.9 D p+ 3 Millimeter gibt. Die hinreichend verfteiften Rohrftirn- Wände hatten 14 Millimeter Stärke. * Eine intereffante Abhandlung darüber von einem höheren und allgemeinen Standpunkte erfchien in der Zeitfchrift des öfterreichiſchen Ingenieur- und Architekten- Vereines 1872 von Profeffor Guftav Schmidt. 60 J. F. Radinger. Sie wogen je exclufive Armatur 5840 Kilogramm, wovon 1260 auf den Sammler entfielen, und kofteten am 1. Mai 1873 mit der Gefammtarmirung, aber ohne Roft 4150 fl. Der Roft von 24 Quadratmeter wog circa 1350 Kilogramm und koftete 400 fl.( 30 fl. per 100 Kilo), Beides loco Bahnhof Brandeisl. Geputzt wurde jeder Keffel zweimal während der ganzen Ausftellung, aber nach 4 bis 5 Tagen und längftens jede Woche wegen des fchlechten Waffers gänzlich abgeblafen, was wegen des möglichen Betriebswechfels leicht gefchehen konrte. Tedesco's Dreirohr Keffel. Diefelbe Fabrik, welche die eben befchriebenen Röhrenkeffel brachte, zeigte auch in ihrem Keffelhaufe die Zeichnung eines Dreirohr- Keffels und theilte mir übe fchriftliche Anfrage mit, dafs fie bereits 7 Stück diefes Syftemes theils ausgeführt hat und theils eben anfertigt. Alle drei Rohre find gleichen Durchmeffers( 80 Centimeter); die beiden oberen liegen im erften Feuer und find mit dem unteren, das als Gegenftrom Vorwärmer dient, hinten durch je einen Stutzen verbunden. Ein gemeinfamer Dampffammler liegt oben querüber, und mancher beachtenswerthe Vortheil fcheint mir fo erreicht. Diefes Syftem geftattet felbft für höhere Spannungen noch dünne Bleche, bringt den Ausdehnungen kein Hindernifs und trägt die Möglichkeit fabriksmässiger Erzeugung. Solche Keffel werden gewöhnlich mit 50 Quadrat. meter Heizfläche ausgeführt. Der Fink'fche Keffel. Von der Mafchinenfabrik und Keffelfchmiede Baechle& Comp. in Wien ftand ein Röhrenkeffel zum Betriebe der Niederdruck- Wafferleitung beigeftellt, der fich von einem gewöhnlichen Locomotivkeffel aufser den Dimenfionen nur durch die Form feiner Feuerkaften- Decke unterfchied. Diefe beftand nach dem Patente Pius Fink aus dem Bauch eines gewöhnlichen Cylinderkeffels. Die Feuerung gefchah alfo in einer Feuerkifte, deren Doppelwandungen mit Waffer gefüllt und der ftrahlenden Wärme preisgegeben waren, und deren Decke aus einer längscylindrifchen, gegen das Feuer niederhängenden Platte beftand. Die allfeitig aufgebogenen Ränder fügten fich an die Verticalwände des Heizraumes und ihre Niethung lag dem Feuer entrückt. Der Dampf, welcher auf die cylindrifche Schale drückte, fuchte deren Form zu ändern und ihre Krümmung auf kleineren Radius zu bringen. Dem dadurch angeftrebten Kürzerwerden der Sehne widerfetzten fich aber nun zwei quer eingelegte ftarke C- Façon- Eifen, und indem diefe das Zufammenbringen der Längsränder verwehrten, dienten fie zur Erhaltung der urfprünglichen Form. So wurde hier die Deckbarren- und jede andere Conftruction umgangen, welche fonft diefen Keffeltheil fowohl dem Gewichte nach, als für die Reinigung fchwer erfcheinen läfst. Merkwürdiger Weife legt fich kein Keffelftein in diefe trogartig vertiefte Decke, indem die niedere Wafferfchicht ober ihr keine bedeutenden Depots beim Centimeter 100 Ier Fink'fche Keffel. 61 3 5 Meter Mat's ftab 1: 100 der Natur. Erkalten zu vergeben hat, und die elaftifche Formänderung nach Aufhören von Druck und Wärme jenen Stein zum Abfpringen bringt, der fich während des Betriebes niederfchlug. Die heftigen Wafferwallungen beim nächften Heizen werfen dann Alles aus, was dort lagert, und das Blech bleibt frei. Ich überzeugte mich von diefer Reinheit der Decken- Innenfeite fowohl am Ausftellungsplatze, als auch in einer Werkstätte bei Wien, wo drei folcher Keffel arbeiten. Die Gefammtlänge des Keffels mafs 5.48 Meter, von welchen 2.08 auf den Heizmantel, 2.70 auf den Cylinder und o 70 auf die Rauchkammer entfielen. Die Breite des Heizmantels war 1'28 und feine Höhe 19 Meter. Der Durchmeffer des Cylinderkeffels betrug 1'2 Meter, und er war von 102 Röhren, von je 60 Millimeter lichter Weite und 2.55 Meter Länge durchzogen. Die Feuerkiften- Wände( 132 Meter hoch) waren geneigt und umfchloffen einen( Roft-) Raun von 187 Meter Länge bei 108 Meter Breite am unteren Schlufsringe. Den Dom von circa o 70 Meter Durchmeffer und 1 Meter Höhe fchlofs oben ein Gufsboden, welcher ein gewöhnliches Einfteigloch und die Dampf- und Sicherheitsventile trug. Die Maximalfpannung konnte 6 Atmoſphären erreichen, und war von den Blechen von II[= 1'o Dp+ 3] bis 13 Millimeter( 22 in den Rohrwänden) mit genügender Sicherheit ertragen. í Der Keffel war felbftverſtändlich mit allen übrigen modernen Detailconftructionen ausgeftattet. Eine aus einem einzigen Bleche gefchmiedete Krebswand mit befonders grofs gerundeten Uebergängen und eine Anzahl verlängerter Stehbolz- Schrauben verband den Heizmantel mit dem Aufsencylinder. Dennoch foll fich die RauchRohrwand um 2 Millimeter bei normalem und bereits um 6 Millimeter bei anderthalbfachem Drucke elaftifch heben. Die Verbindung des Dampfraumes mit dem Dome gefchah durch einen kleineren Ausfchnitt, und diefen verftärkte noch ein innerhalb des Domes aufgenietheter Ring. Das Putzloch in der Stirnwand, durch welches der Trog zu überfehen war, trug einen nach einwärts gebogenen Rand und verfteifte fich dadurch direct. Die eingezogene Feuerthüre, die möglichft hoch hinaufreichenden Stehbolzen, die Spannftangen durch die Keffellänge hindurch, die Eckabbindungen der Krebswand etc. etc. waren bewährte und bekannte Details. 62 J. F. Radinger. Die Heizfläche betrug 56 Quadratmeter, der Roft 187 Quadratmeter. Das Verhältnifs ftellte fich daher auf den Gefammtwerth von 1:30. Die 102 Rohre von 60 Millimeter lichter Weite boten 15 der Roftfläche, was ein ausreichendes Verhältnifs zu nennen ift. Den einzigen Vorwurf mufs diefer wie die anderen innen geheizten Stationär keffel tragen, dafs hiebei ein höchft beträchtlicher Percentfatz, wohl mehr als die Hälfte, des Gefammt- Keffelgewichtes nur zum Abfchlufs oder zur VerfteifungsConftruction dient und alfo dem Hauptzwecke des Keffels entfremdet bleibt, ja durch Wärmeftrahlung noch fchädlich wird. Bei halbwegs unreinem Waffer und normal dauerndem Betriebe hält folch' ein Keffel nur kurze Zeit, und kaum nach Jahresfrift können Rohr- oder Feuerbox- Auswechslungen nöthig werden, weil fich die Wände mit Keffelftein verwachfen. Die Wartung wird durch das Rohrputzen und die gröfsere Sorge um Druck und Wafferftand fchwieriger und der Dampf leicht näffer als bei einer anderen Form. Daher wird fowohl die Anlage als der Betrieb gerade nicht am billigften, und wo nicht die Nothwendigkeit das kleinfte Volumen des Dampferzeugers gebieterifch verlangt( wie bei der Locomotive etc.), fcheint folch' ein Syftem wohl nicht als Ideal. Die geiftreiche Erlöfung der Feuerbox Decke von ihren Barren und Hängfchrauben wird, wenn fie die Erfahrung gutheifst und insbesondere nicht etwa die Rohrwand leidet, wohl noch manche Anwendung finden. Die Speifung gefchah mit einem jener Friedmann'fchen Injectoren, welche bekanntlich die einfachften find und nie verfagen. fertigt Der Ausftellungskeffel wog circa 7000 Kilogramm und würde, neu ange4900 fl.( 70 fl. per 100 Kilogramm) 430, alfo complet 5330 fl. koften. Der gebrauchte Keffel wurde aber von der Fabrik mit 3550 fl. inclufive aller Armatur bewerthet. dazu die ganze Armatur Der Fairbairn Keffel. Die Grazer Waggon, Mafchinenbau- und Stahlwerks- Gefellfchaft fandte einen DreirohrKeffel, Syftem Fairbairn, zur Ausftellung und liefs ihn für den Betrieb der NiederdruckWafferleitung arbeiten. Er beftand aus einem innen geheizten 0.63 Meter weiten Feuerrohr, welches völlig central in einem Aufsenkeffel von 118 Meter Durchmeffer und 6.8 Meter Länge lag, und einem o 95 Meter weiten Oberkeffel, der fich mit zwei Stutzen an letzteren fchlofs. Das Waffer füllte den unteren Ring- Querfchnitt und ftand oben bis zum horizontalen Durchmeffer. Das Feuer ging nach feinem Austritte aus dem Flammrohre längs des ganzen Aufsenumfanges des Unterkeffels nach vorne und dann am Oberkeffel zurück zum Schornfteine. Der Unterkeffel hatte einen leichten Fall ( 8 Centimeter) nach vorne, um die erwartete Circulation zu erleichtern, dem Anfetzen eines Dampfpelzes oben beim Anheizen vorzubeugen und das Ausblafen und völlige Entleeren des Keffels zu erleichtern. Das Flammrohr mufste zum Ausziehen fein, weil der Raum rings um dasDie lösbaren Verfchraubungsftellen felbe kein Putzen anderwegs geftattete. H Centimeter 100 Der Fairbairn- Keffel. 63 5 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur waren( ebenfo die der Stutzen) zur angeftrebten aufserften Solidität nicht an Winkel, fondern an maffiven( 80 Millimeter-) Quadrateifen- Ringen vorgenommen, welche vorerft aufgeniethet, einen völlig unbiegfamen Flanfch bildeten. Diefer war gedreht und an ihn der Blechrand der Auszugtheile durch nahegefetzte ( 20 Millimeter-) Schrauben und mit mit einer zwifchengelegten Kupferfcheibe gedichtet. Flanfch und Schrauben des hinteren Endes fchützte noch ein eingebauter Ring aus feuerfeftem Thone vor dem Anpralle des Feuers. Das Flammrohr beftand aus fechs Trommeln, deren Rundftöfse abwechfelnd durch ein umlegtes Band oder einen Ring verbunden waren. Letztere follten nun federnd die relativen Längsänderungen ausgleichen, welche fich zwifchen dem erftgeheizten Innenrohre und dem kühleren Aussenrohre 0 00 0 0 0 0 5 64 J. F. Radinger. erwarteten und gleichzeitig einen Mitfchutz gegen eine radiale Formänderung des von aufsen geprefsten Rohres gewähren. Die erfte Bedingung fordert einen dünnen, die zweite einen ftarken Querfchnitt des Ringes, und die rechte Mitte trifft, wenn überhaupt beftehend, nur die Erfahrung für den fpeciellen Fall. Nachdem aber die Sicherheit unbedingt vorangeht, fo ift die Wahl eines zu ftarken Querfchnittes für einen Verfuchskeffel naheliegend und machte fich auch hier bemerkbar. Das Flammrohr war nämlich ausnehmend ftark, aber federte zu wenig, in Folge deffen es an den Verfchraubungen zerrte und ein Schweifsen Platz greifen liefs. Diefes bemerkte man aber nur in den oberen Theilen, wie es fich auch ganz logifch durch die gröfsere Erwärmung der oberen Hälfte erklärt, welche von der ftrahlenden Hitze ober dem Rofte und den hinftrömenden Flammen getroffen wurde, während unten eine geringere Wärme und vorne felbft eine Kühlung durch die zum Rofte kommende Luft eintrat. Als aber nach Schlufs der Ausftellung der Keffel zerlegt im Hofe war, konnte man durch den vorderen Stutzen ins Innere des Unterkeffels und auf den Ring fehen. Der Keffelftein war von demfelben nicht abgefprungen, fondern bedeckte ihn ebenfo ungeftört wie die anderen Tafeln, wodurch das Nichtfedern des Ringes wohl am deutlichften kundlag. Die Verbindungsftutzen befafsen je 40 Centimeter lichten Durchmeffer oder eine Querfchnittsfläche von 0 125 Quadratmeter, welche die Dampf- und Wafferftröme vom Unter- zum Oberkeffel leiten mufste. Die untere Heizfläche berechnet fich auf 35 Quadratmeter und das Verhältnifs der Stutzenweite zu diefer betrug daher 1: 280, was fich durch ftarkes Schwanken im Glafe als einen Grenzwerth anzeigte. Die Ausführung der Keffelfchmied- Arbeit war, wie ich mich fchliesslich an dem vom Mauerwerke entblöfsten Keffel felbft überzeugte, eine felten mufterhafte. Nirgends waren die Biegungen reiner, die Kanten fchärfer, die Niethungen ungezwungener als hier. Mit letzteren war noch mancher Luxus getrieben, und beiſpielsweife die Niethenköpfe der Stutzenflanfchen und der gufseifernen Domdecke verfenkt. Die Ausrüftung des Keffels war die normale. Ein centrifcher Vorkopf oben trug zwei Wafferftands- Gläfer und ein Manometer; Dampf- und Sicherheitsventile fafsen auf einem Dome mit Gufsdecke, deffen Platz nicht eben ganz glücklich gerade über den Vorderftutzen kam. Ein gefondertes Mannloch mit aufgeniethetem Gufskranze, ein vorne unten mündendes Knierohr für Speifung und Ablaffen etc. dienten der Wartung und Reinigung. Zu letzterem Zwecke wurde das Flammrohr. während der Ausftellungszeit( meines Wiffens) nicht herausgezogen. Im Mauerwerke geftattete ein für gewöhnlich vermauerter Zugang das nöthige Nachfehen und allfällige Reparaturen an der Hinterwand und die Reinigung der Züge und des ganzen Unterkeffels von Flugafche und Rufs. Die Heizfläche ftellte fich auf circa 44 Quadratmeter, die Roftfläche auf 15 Quadratmeter, das ift faft 10 der erften. Der Endzug hatte o 4 Quadratmeter oder 18 des Roftes. Der Keffel war für 6 Atmoſphären Betriebsdruck beftimmt, und aus 9 Millimeter dicken Blechen oben und folchen von II Millimeter unten hergestellt, was einer Formel von= II D p+ 3 zu entfprechen fcheint. Diefer Dampfkeffel fammt Feuerungsanlage und Armatur wurde der Generaldirection von Seite der Mafchinenfabrik für die Dauer der Ausftellung ganz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Nun beabsichtigt die Fabrik an diefem Verfuchskeffel weitere Studien vorzunehmen; z. B. ob fich nicht die Verfchraubung des Flammrohres mit dem Unterkeffel durch fefte Niethung erfetzen liefse und die Abfchreckung des Keffelfteines, wie es in ftehenden Feuerrohr- Keffeln genügt, nicht auch hier ausreicht. Hauptfächlich zielt die Fabrik mit diefem Keffel zu einem Syfteme zu gelangen, welches bei ftufenweife wechſelndem Dampfverbrauche( z. B. Beffemer- Anlagen) pafst. Kux' neueftes Dampfkeffel- Syftem. 65 Uebrigens ift der eben befprochene Ausftellungskeffel wohl einer der gröfsten feines Syftemes, weil weder eine Verlängerung des Roftes, noch eine bedeutende Verbreiterung desfelben durch Vergröfserung des von aufsen gepressten Rohres wohl angeht, und das Verhältnifs der Heiz- zur Roflfläche bereits auf der äufserften Grenze der Wirkung fteht. Kux' neueftes Dampfkeffel- Syftem. Unter diefem Namen ftellte die Prager Maſchinenbau- Actiengeſellſchaft einen Keffel aus, welcher, kalt und nur in halber Einmauerung befindlich, beffer als irgend ein anderer der Befichtigung preisgegeben lag. Es war ein Cylinderkeffel mit zwei inneren Feuern, deffen Heizfläche noch ein Syftem ftehender Röhren und ein untenliegender Vorwärmer vergröfserte. Die Feuergafe zogen von den Roften zuerft durch die Flammrohre, und trafen bei ihrem Austritte auf einen Bund verticaler waffergefüllter Rohre, welche fie durchbrachen und mit zwei hinten anfchliefsenden gemauerten Zügen umfetzten. Hierauf ftrichen fie längs des Heizumfanges des Hauptkeffels wieder nach vorne, fielen in den Vorwärmercanal und kamen endlich am Boden des Rohrfackes hin zum Fuchfe. Der Hauptkeffel hatte 8:22 Meter Länge und 192 Meter, die zwei Flammrohre je o 8 Meter Durchmeffer. Die 132 Stehrohre waren je 90 Millimeter aufsen weit und verbanden die zwei im Abftande von 1'21 Meter einander zugekehrten Kreisböden zweier kurzer Cylinder von je 19 Meter Durchmeffer. In den unteren derfelben mündete der o 8 Meter weite Vorwärmer mit einem centrifchen, in den oberen der Hauptkeffel mit einem in der Wafferhöhe liegenden Stutzen. Ein dritter Stutzen verband noch Vorwärmer und Hauptkeffel vorne unter der Stirn. Die Rohre, welche ftets waffergefüllt bleiben, follen nun ein entfchiedenes Auffteigen des Waffers und fomit einen Kreislauf im ganzen Syfteme einleiten; diefes wird allerdings durch die drei Stutzen ermöglicht, wenn auch das Niederftrömen im fchmalen Spalte zwifchen den erftgeheizten Flammrohren erfchwert ift. Am Hauptkeffel befand fich ferner ein Dom, und ich denke, es dürfte noch ein Verbindungsrohr zwifchen diefem und der Rohrkappe eingefchaltet werden, falls der Betrieb beginnt, um ftarken Wafferfchwankungen zuvor zu kommen. Der Keffel beftand durchwegs aus cylindrifchen Trommeln, deren Bleche in den Längsftöfsen doppelt geniethet waren. Der Boden des Hauptkeffels war vorne flach mit Aufsen- Winkelring angeniethet und fechs Eckverfteifungen oben, zwei unten ausgeftattet. Der Boden hinten war mit aufgebogenem Rande eingeniethet und ihn hielt keine weitere Verficherung als die eigene Conftruction feft, welche noch der Verbindungsftutzen unterftützte. Von den Flammrohren erfchien nur die erfte und zweite Rundnath mit aufgebogenen Rändern. Bei der Ausgangsftelle der Flammrohre vorne an der Stirnplatte war das Blech nach einwärts geflanfcht, was den Vortheil des leichten Fertigmethens wahrt, aber bei fchlechtem Feuerzuge auch leichter zu Grunde geht. Die Stutzen dürften fchwer dicht zu halten fein, denn bei ihrer Kürze federn fie nicht, und wenn fich der Hauptkeffel durch die Wärme dehnt, biegt er fie oder die Rohrenden auf. Dagegen findet die Einpaffung der Rohre an Stellen ftatt, welche dem Feueranpralle entrückt find, und ein Rinnen ift umfoweniger zu erwarten, als fich kein Keffelftein an ihren Enden lagern kann. Im Innern ift derfelbe wenig zu fürchten, denn nicht nur, dafs er fich nicht fo leicht an verticale Wände legt, fo erlaubt das beiderfeits offene Rohr auch leicht, ihn wieder zu entfernen. 5* 66 J. F. Radinger. 000 000000 000 000 000 000 00 000000 OOOOOO 0 00 000 000 000 000 000 Centimeter 100 I 2 3 5 Mcter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Ein Auswechfeln der Rohre wäre aber noch immer möglich, weil die Höhe des Obercylinders, wenn auch nicht gröfser als die Rohrlänge, aber doch hinreichend fcheint, um ihr Einfchieben zu geftatten, wenn fie mit ausgetriebenem Oberende einzurollen find. Das untere Ende würde dann vom Untercylinder aus gedichtet. Diefer letztere dient auch für die Ablagerung des Schlammes, indem er, nur wenig gewärmt, eine grofse und theilweiſe ftagnirende Waffermaffe hält. Noch wäre zu erwähnen, dafs je eine Reihe der ftehenden Wafferrohre an der Flucht der beiden Flammrohre ausgelaffen wurde, wodurch eine Zeile von 17 Centimeter lichter Breite entſteht, welche wohl kein Begehen geftattet, aber doch die äufsere Reinigung erleichtert. Weil diefs hier wie bei allen Röhrenkeffeln bei afchender Kohle auch während des Betriebes vorgenommen werden mufs, war eine Thüre in der gemauerten Rückwand vorhanden. Die Heizfläche diefes Keffels berechnet fich nach mässigen Annahmen auf circa 130 Quadratmeter. Länger als 2 Meter können wohl die Rofte nicht leicht gemacht werden, und fo ftellt fich deren Fläche auf 3 2 Quadratmeter, 4 der Heizfläche. Man erfieht daraus, dafs der Vorwärmer fchon ziemlich überflüffig feine 13 Quadratmeter Fläche den abziehenden Gafen darbietet und daher mehr der erwarteten Wafferftrömung als dem Heizeffecte dienend eingefchaltet liegt. Kux' neueftes Dampfkeffel- Syftem. 67 Ohne ihn würde aber die freie Ausdehnung der Einzeltheile zwanglos möglich, und ob nicht durch deffen Weglaffung, wobei für die Wafferftrömung auf andere Art leicht geforgt werden könnte, die übrigen Vortheile des Syftemes ungetrübter zur Geltung kämen, müfste wohl die Erfahrung lehren. Durch ausgeftellte Zeichnungen war die Verbindung des Keffels mit der Rohrkappe ftatt mittelft Stutzens auch durch directe Verfchneidung der beiden Cylinder dargestellt, was mich auf das Mitfühlen der Sorge um die Stutzendichtung und der einfeitigen Dampfentnahme fchliefsen läfst. Auch war die Anwendung des Syftemes auf aufsengeheizte Ein- oder ZweifiederKeffel gleichfalls vorgeführt, wovon aber nichts wefentlich Neues mehr zu berichten kommt. Intereffant ift die von dem Director diefer Fabrik Herrn Dautzenberg gewöhnlich benützte Formel zur Beftimmung der Roftgröfse ftationärer Keffel. Diefe lautet für Quadratmeter umwandelt: I I R= - F+ F 30 150 und gibt für kleine Keffel gröfsere relative Roftgröfsen als bei grofsen Conftruc. tionen. Für F16 oder F= 100 Quadratmeter werden die Rofte 0.86 oder 3.96 Quadratmeter, das ift 18 oder 25 der Feuerfläche. Die Tabelle. In folgender Tabelle ftelle ich nun die wefentlichen Conftructionsverhältniffe der bisher befprochenen Stabilkeffel zufammen. Die Erkenntnifs, welche ich diefen Zahlenwerthen entnahm, befindet fich am Eingange diefes Berichtes ausgefprochen, und hier möge noch die Bemerkung geftattet fein, dafs die eingefetzten Keffelgewichte ftets die Refultate von Wägungen und nicht von Berechnungen find. Wo ich diefe oder andere Werthe nicht beftimmt wufste, folgt ein Strich ſtatt der blos vermutheten Zahl. Die Roft, Zugs- und Schornftein Querfchnitte erfcheinen nicht direct, fondern nur in der mafsgebenden relativen Gröfse eingefetzt. Die Durchmeffer der Schornfteine find meift fchon im Texte angegeben und auf Seite 103 nochmals zufammengeftellt. In der Tabelle kommen nur die thatfächlich ausgeftellten Dampfkeffel vor. Jene, welche in Zeichnungen oder Modellen eingefandt waren, gaben in der Regel zu wenig Anhaltspunkte für den umfaffenden Vergleich. 68 J. F. Radinger. Dampfdruck Aus fteller Land der Keffel P Atmofphären LängsNiethung Die ftabilen Dampfkeffel dicke x Dp+ 3 Formel der Blech= X Durchmeffer D Meter Heizfläche Quadratmeter Roftfläche Heizfläche Röhrenquerfchnitt Roft Die ftabilen Dampfkeffel der Weltausftellung. der Weltausftellung. Zugquerfchnitt Roft Schornftein Roft Gewicht des Keffels ohne Armirung Quadratmeter Gewicht per Heizfläche gend perStunde Dampf entſteiu. 1 Q.- Meter Wafferſpiegel Kilogramm Anmerkung der Keffel Syftem Amerika Pilkin 5 einfach 0.6 1.8 120 140 1/8 1/8 1/6 200 Wird nur mit 100 Kilo benützt. Röhrenkeffel Galloway 4 doppelt Adamfon 412 ΙΟ O'94 2'13 2'13 70 22 16 1/ 4.8 - 90 65 122 1/5 1/ 4.8 10.500 " England Cater- Walker 4 I'5 2.13 105 144 19 1/4 1/5 12.500 161 128 Schornftein gemeinfam. 84 233 Wird nur mit 155 benützt. " Howard. IO gefchw. 2.2 0.23 42 125 1/4 - 8.750 - 4.500 Gewicht mit Armatur. Dampftrocknung. Gallowaykeffel Feuerrohrkeffel Röhrenkeffel Howard- Keffel Parent- Schaken Frankreich Claparede Belleville 50 doppelt 6 . IO einfach gefchw. 1.6 148 140 11 7 I'16 2.10 50 3.0 ΟΙΟ 50 16 1/4 5.5 12 500 89 337 - 1/8 1/4 16.800 Mit Dampftrocknung. Röhrenkeffel mit Sieder. Röhrenkeffel Bellevillekeffel • Belgien Cockerill 4 doppelt I'I 1-85 48 1/25/5 1/6 IOO Röhrenkeffel Schweiz Gebrüder Sulzer 5 doppelt I'2 I- 92 40 23 1/ 3-5 1/4 1/ 3.5 10.150 68 und Armatur. Carlshütte 4 doppelt I'2 1.82 35 125 1/7 1. 1/6 Pauckfch- Freund. 6 0.8 1.88 121 49 1/6 1/ 2-5 1/4 6.550 7.800 187 289 64 256 4 " Deutfchland Jean Affolter einfach I'I 1 60 60 130 19 1/ 3.6 1/4 Gewicht fammt Vorwärmer Dampftrocknung. Wird höher benützt. Dampftrocknung. 4 Wird nur mit der Hälfte benützt. Schornftein gemeinfam. Feuerrohrkeffel Meyn's Keffel Röhrenkeffel 6.100 ΙΟΙ 176 99 5 Dingler. IO I'2 I OO 25 125 1/9 1/4 3-5/ 8 13.58 4.421 177 160 5 5 Wird nur mit 96 benützt. Dampftrocknung. " 12 1/4 I'2 188 100 1/23 1/3 - 772 6 Wird höher benützt. 99 Field- Keffel - Bergmann 5 " " einfach G. Sigl 145 1'3 60/ 12 1/ 3-1 II.000 183 76 Siederkeffel - Brünner Mafchinenfab. 55 512 I'I 1-74 55 25 66 1,3 1/ 2.8 6.765 123 118 Dupuis- Keffel " OefterTedesco reich Baechle. 5 " 0.9 1.74 65 27/7 1/3 1/ 3-1 5.840 90 236 Mit Dampftrocknung. Röhrenkeffel 6 " " I'O I'20 56 06-5 1/ 14-3 1/3 t 1/ 4-3 7.000 1).000 - Grazer Mafchinenfab. 6 I'I " Prager A. G. 5 doppelt 1.18 0.84 190 44 0 - 128 16 1/ 3.5 16.700 1301 125 190 136 138 Schornftein gemeinfam. Gewicht fammt Armatur. Fink's Keffel Fairbairnkeffe Kux- Keffel 27 69 70 J. F. Radinger. Franz Mörth's neues Keffelfyftem. Ingenieur Mörth in Wien bemüht fich bereits feit Jahren, einige Verbefferungen an der Heizungsart der Keffel einzuführen. Sein Syftem befteht aus drei übereinander gelagerten Cylinderrohren, deren oberftes, längs welchem aufsenhin der letzte Feuerzug ftreicht, als Dampffammler und Ueberhitzer dient. Die Normal- Wafferhöhe füllt drei Viertel des mittleren( Haupt-) Cylinders, unter welchem vorne das Feuer brennt. Der Unterkeffel, welcher als Speifewaffer- Vorwärmer wirken foll und hier fälfchlich Economifer benannt wird, liegt aber im felben erften Feuerzuge, der, hinter der Feuerbrücke beginnend, ihn und den Hauptcylinder gemeinfam umwölbt. Der Dampfraum des letzteren, welcher durch einen vorderen Stutzen mit dem Dampfüberhitzer in Verbindung fteht, ift aber von ftagnirender hochheifser Luft umgeben, indem die die Feuerlinie begrenzenden vorfpringenden Ziegel der Mauerung fich nur bis zwei Drittel der Keffellänge erftrecken und den Reft als langen Schlitz offen laffen, durch den die heifsen Gafe zwifchen Wölbung und Keffeldecke eintreten können. Das Verhältnifs der Roft- zur wafferbefpülten Fläche ftellt fich bei einem Keffel, deffen Zeichnung mir vorliegt, auf weniger als 1:16, wobei felbftverſtändlich eine bedeutende Wärmemenge zur Ueberhitzung im Oberkeffel verfügbar bleibt. Wo nun der Dampf in weit entlegene Räume vom Keffel weggeführt werden foll, wird fich der Einfluss der vorangegangenen Ueberhitzung durch eine geringere Menge oder felbft den Mangel an Condenfationswaffer vortheilhaft bemerkbar machen. Der Siebert- Keffel. Schliefslich will ich noch eines Keffels erwähnen, welcher wohl nicht in der Ausstellung war, deffen Conftruction jedoch der allerneueften Zeit angehörig und, mehrfach in Schlefien ausgeführt, manches Beachtenswerthe bietet. Siebert in Friedland fchiebt an den Oberkeffel zwei untere Bouilleurs ganz nahe an und kuppelt diefe an erfteren mit zwifchengefchraubten maffiven 40 MillimeterQuadrateifen- Kränzen, welche felbftverſtändlich an die Trommelkrümmungen paffen, je ein Stemmblech zwifchenhalten und im Innern eine freie Verbindung von unten nach aufwärts bieten. Nun liegt der Bauch des Hauptkeffels und beide Bouilleurs( unter denen das Feuer brennt) im erften Zuge. Ueber den Roft kommt alfo die grofse und dünne Blechfläche des entwickelten Umfanges, nimmt die ftrahlende Wärme auf, und nachdem Keffelbauch und Bouilleurs im felben erften Zuge liegen, bleibt ihre Längsdehnung gleich, wodurch die Verbindung gewinnt. Solcher Verbindungen längselliptifcher Form mit den zwifchengefchraubten Eifenkränzen find bei einem Keffel von II 6 Meter Länge und 19 Meter Durchmeffer fünf für jeden Bouilleur( von à o 87 Meter Durchmeffer) angebracht, welche eine ungeftaute Wafferftrömung zulaffen. Durch den Oberkeffeil zieht noch ein Rohr von o 87 Meter Durchmeffer und durch diefes der Rauch nach vorne, um aufsen am ganzen Seiten- und OberUmfange des Hauptkeffels zurück und zur Effe zu gelangen. Die Heizfläche beträgt ohne die des letzten Zuges 24 Mal die Roftgröfse, und der freie Querfchnitt der Züge unter der Annahme eines 3 bis 4 Centimeter dicken Afchenpelzes an den Umfängen überall mindeſtens 15 des Roftes. * Für Maſchinenbetrieb im Allgemeinen hat fich die Verwendung des überhitzten Dampfes keinen weiteren Eingang verfchafft. Der Uebelftand der verbrennenden Liederungen entfiel wohl, feit die Seifenftein- Asbeftringe in die Stopfbüchfen kamen; aber Vortheile bezüglich des Kohlenaufwandes wurden trotz ausgedehnter, forgfältiger Verfuche nicht oder nur in fo geringem Mafse erhalten, dafs der dabei befchleunigt auftretende Ruin der Bleche und Mafchinentheile nicht bezahlt erfcheint. Insbefondere in Amerika wurde, wie ich von direct betheiligten Ingenieuren erfuhr, viel in diefer Richtung verfucht, jedoch itets brach fich die Erkenntnifs Bahn, dafs für die Stabilmafchinen wohl getrockneter, aber kein überhitzter Dampf zum Betriebe taugt. Der Siebert- Keffel. 71 Der Dampf wird einem Dome entnommen, unter welchen: aber das Keffelblech gar nicht ausgehauen, fondern nur mit 35 Millimeter weiten Löchern ( Gefammtquerfchnitt gleich dreifachem Dampfrohre) verfehen ift. Dadurch wird der Zweck des Domes erfüllt, aber der Nachtheil der Keffelfchwächung umgangen. Auch die Dichtung der Verbindungsrohre für die Wafferftänder, deren Sitzftelle am Keffelboden hier im Feuer liegt, ift neu und rationell. Jedes Rohr. erhält nämlich einen dünnen aufgefchweifsten Schlufsring, welcher, conifch abgedreht, von aufsen in das ausgeriebene Loch des Bodens gedrückt wird, worauf ein von innen eingefchlagener kurzer Rohrconus die Sitzftelle auftreibt und hält. Andere Staaten. Von anderen Staaten waren keine Grofskeffel für ftabilen Betrieb gefendet. Als Schauftück lag ein eingedrücktes Flammrohr in der Rotunde, welches aus Eifen der Weftan Fors& Fagerfta Works, Schweden, erzeugt war und trotz feines Glühens bei Waffermangel und mehrfeitigen Eingedrücktfeins um circa 15 Centimeter keine Rifsfpur zeigte. Diefes Rohr von o 65 Meter Weite und circa 18 Meter Gefammtlänge beftand aber aus zwei Trommeln, welche durch aufgebogene Flanfchen verniethet und verfteift waren; der fo gebildete Ring in der Mitte hielt felbftverftändlich das ohnediefs nur kurze Rohr, unterband die Einfendungen und verwehrte einen fonft möglichen Bruch. Diefes Werk ftellte auch eine Reihe von Feftigkeitsproben aus, welche mit deffen Material von Kirkaldy in London vorgenommen wurden. Hier find die Proben mit( wie für Verniethungen beftimmten) gelochten Blechen erwähnenswerth, bei welchen erfichtlich ift, dafs die Operation des Stanzens oder Bohrens felbft( und wahrfcheinlich die nicht völlig gleich vertheilte Laft) die Feftigkeit zwifchen den Löchern mehr verringert als es der Querfchnittsabnahme allein entspricht. Derjenige Zug, welcher die Flächeneinheit des thatfächlich zwifchen den Löchern zurückbleibenden Materiales bereits abreifst, ift nämlich durchfchnittlich bei geftanzten um 34 und bei gebohrten Löchern um 23 Percent kleiner als in der gleichen Fläche desfelben Bleches, aber im gefunden Theile. Im erften Falle fchwankten die Verlufte zwifchen 30 bis 50, im zweiten Falle von 21 bis 27 Percent, und ftets war das gebohrte Loch das weniger fchwächende. W. Crichton& Comp. in Abó, Finland, legten ein dem oberen ähnlich eingedrücktes Flammrohr in der ruffifchen Abtheilung der Mafchinenhalle nieder, in welchem fich eine Beule auf 2 Meter Länge in einer einzigen 10 Millimeter dicken Tafel erftreckend ohne Bruch des Bleches fand. Solche Schauftücke laffen fich nicht nur mit fchwedifchem, fondern auch mit fteierifchem Eifen gewinnen und find bei uns nichts Seltenes. Aus Italien hing nur die Zeichnung einer Keffelanlage in der Maschinenhalle, deffen Conftructeur fo klug war, fich nicht zu nennen. Es waren aufsengeheizte Röhrenkeffel, und die erfte Rundnath fiel unglücklicher Weife gerade über die Feuerbrücke und bot fich der Stichflamme mit verkehrtem Stofse. Mehrere der Meffingrohre follten Bronzemuttern aufgefchraubt erhalten, um die Rohrwände zu halten. Alle Aufbiegungen waren heillos lang, und das oben querlaufende gufseiferne Dampfrohr hatte drei Compenfations- Stopfbüchfen erhalten, weil es mit je einem fteifen Gufsknie an die drei Dome kam. Dann waren noch Dampfventile gezeichnet, deren Spindelfchrauben Gewinde allein dichten follten, und überhaupt noch manch' andere idyllifche Gedanken verrathen. 72 J. F. Radinger. Die Halb- Locomobilkeffel. Die Keffel, welche wegen ihres geringen Gewichtes und der fehlenden Einmauerung leicht transportirt werden können und darum auch Halb Locomobiikeffel genannt werden, haben faft alle innere Feuerung. Der Aufsenmantel, der in Folge feines gröfseren Durchmeffers aus den dickften am Keffel vorkommenden Blechen befteht und daher einen bedeutenden Theil des Gefammtgewichtes und der Gefammtkoften des Keffels bedingt, trägt hier nie zum Zwecke der Anlage, zur Dampfbildung bei, fondern er dient ftets nur als Abfchlufswand. Auf den einzelnen Quadratmeter wirkfamer Heizfläche wird hier alfo principiell mehr Keffelgewicht entfallen als dort und wog bei den Keffeln der Ausftellung thatfächlich 200 bis 250 Kilogramm gegen ungefähr 180 der Grofskeffel, deren Wände faft ganz im Feuer liegen. Dann koftet auch die Gewichtseinheit mehr, weil die kleinere Arbeit, die Verwendung der Röhren etc. den Einheitspreis fteigern, und es fällt die Keffelfchmied- Arbeit für gleiche Leiftung hier theuerer aus als dort. Abgefehen von diefen Umftänden begrenzt noch ein anderer Einfluss die Verwendung diefer meift ftehenden Syfteme. Bei fteigenden Dimenfionen wächft nämlich bei den liegenden Keffeln, wie es die ftationären Grofskeffel meiſt find, Wafferfpiegel und Heizfläche in gleichem quadratifchen Verhältniffe, und die dem Quadratmeter Wafferfläche in gleichen Zeiten entſpringenden Dampfmengen bleiben bei jedem diefer Syfteme conftant, wie grofs immer die Einzeldimenfionen auch find. Anders bei den ftehenden Keffeln. Mit Vergröfserung der Dimenfionen wächft die Wafferfpiegel- Fläche im quadratifchen, die Heizfläche jedoch( wegen der mitzunehmenden Höhe) im cubifchen Mafse, und hier mufs defto mehr Dampf in gleicher Zeit aus der Flächeneinheit des Wafferfpiegels treten, je gröfser die Ausführung wird. Diefe Menge ſteht aber im directen Verhältniffe mit dem Feuchtigkeitsgrade des gelieferten Dampfes, und man kann im Allgemeinen fagen: ftehende Keffel geben näfferen Dampf als liegende und werden in diefer Hinsicht defto fchlechter, je gröfser fie find. Da ferner noch die Ausbeute der Heizwärme in den kürzeren Zügen minder vortheilhaft, dagegen der Verluft durch Ausftrahlung empfindlicher wird, so kann fich der ökonomifche Gefammteffect nur zum Nachtheile der Kleinkeffel äufsern. Nun ift endlich die Reinigung im Innern vom Keffelfteine und aufsen von Flugafche fehr erfchwert, und eine Reparatur an vielen Stellen, ohne vorher den ganzen Keffel aufser Rand und Band zu bringen, unmöglich. In einigen ausgeftellten Keffeln wurde diefer Mifsftand theils auf bekannten, theils auf neuen Wegen zu mildern verfucht. Alle diefe Syfteme mit herausziehbaren Innenflächen leiden aber an anderen Uebeln, welche ihrer Verbreitung entgegenwirken. Der Field- Keffel kommt nur mehr vereinzelt, meift bei Dampf- Feuerfpritzen, wofür er der feltenen Verwendung und fchnellen Anheizbarkeit halber prächtig pafst, vor, während das Querröhrenfyftem fich( mit Recht) immer mehr einbürgert. Neuere Syfteme kamen durch die Ausftellung mehrere vor, deren manche manchen Vortheil bergen. Aber auch der Unverftand macht fich hier, wie überhaupt auf dem Gebiete der Kleinmechanismen, defto leichter breit, als geringe Mittel dazu genügen. Der Dampfdruck ift wie bei den Grofskeffeln in den verfchiedenen Ländern verfchieden und beträgt faft regelmäfsig 4 Atmoſphären in England, 5 bis 6 in Deutfchland und Oefterreich und 6 bis 8 Atmoſphären in franzöfifchen Conftructionen. Die Keffel der Dampfkrahne und ähnlich periodifch arbeitender Motoren zeigen meift die ungewöhnlich grofsen Roftflächen von 1 bis 10 der Die Halb- Locomobilkeffel. 73 Heizfläche. Das normale Verhältnifs ift 1: 20 bis 1: 30, während es bei einzelnen bis 1:50 finkt. Letzteres ift nur eine Verfchwendung an Blech, wie es auch die von einzelnen Ausftellern veröffentlichten Verfuchsergebniffe erkennen laffen, wo bei forcirtefter Feuerung( über 100 Kilogramm Kohle per Quadratmeter Roft und Stunde verbrannt) nur circa 15 Kilogramm Dampf per Stunde von einzelnen Quadratmetern Heizfläche gewonnen werden und dennoch über 3 Kilogramm Kohle per Pferd verbraucht wurden. An Ausrüftungsgegenständen kam hierbei nichts bemerkenswerth Neues vor. Amerika. Syls by Manufactur Island Works gaben der Feuerfpritze„ Mockba" einen ftehenden Field- Keffel mit oberem centrifchen Schornfteine. Die Rohre im gröfsten Kreife hingen faft den Roft berührend gerade nieder; die der inneren Kreife wurden immer kürzer und bogen fich mehr und mehr der Mitte zu, fo dafs das Feuer ihre Zwifchenräume durchbrechen mufs, wenn es zum Schornfteine zieht. England. Appleby Brother's in London gaben ihren Dampfkrahnen ſtehende Keffel, deren einer aufsen II Meter Durchmeffer und 187 Meter Höhe mafs und innen eine runde Feuerbüchfe von o'91 Meter Weite bei 1'17 Meter Höhe hatte. Letztere war noch von zwei Querrohren( à 20 Centimeter) durchzogen. Seine Heizfläche ftellte fich auf 4'3 Quadratmeter, der Roft auf 1, derfelben, und das Blech hatte mit 10 Millimeter Stärke einem Dampfdrucke von 4 Atmoſphären zu widerftehen. Von den zwei Sicherheitsventilen war eines mit Federwage, das andere mit directer Belaftung( über 40 Kilogramm) niedergehalten. Der Rauchabzug gefchah durch ein centrifches Rohr, welches Feuerbüchs- und Keffeldecke verband und abfteifte; oberhalb letzterer ging er in einen Schornftein mit fchwach conifcher Erweiterung nach oben über. Die Keffel waren auf ihrem eifernen Speifewaffer- Behälter befeftigt. C Die Reading Iron Works brachten die Zeichnungen eines neuen Keffelfyftemes. Ihr Nozzle-( Schnauzen-) Keffel war ein Querrohrkeffel, deffen innere runde Feuerbüchfe oben in eine viereckige Röh renkammer überging, in der fich mehrere Reihen waffergefüllter enger Horizontal. röhren rechtwinklig kreuzten. Vor den Mündungen jeder Röhrenzeile lag je ein gemeinfamer Trog, deffen nach auf oder abwärts gekehrte offene Seite die Richtung der Wafferftrömung regelte. Hier müffen die Heizgafe durch das gehäufte Rohrnetz dringen und werden in Folge des ftetigen Anprallens gut benützt, fo lange der Keffel frei von Flug. afche bleibt. Zum inneren Reinigen der Rohre mufs der Obertheil des Aufsenmantels weggehoben werden, was wegen der Verbindung mit dem hindurch gehenden 74 J. F. Radinger. Schornftein eine doppelte Verfchraubung und deren Mifsftände mit fich bringt. Ein folcher Keffel von 6.5 Quadratmeter Ileizfläche wiegt fammt Fundamentplatte und Roftftäben 1250 Kilogramm oder circa 200 Kilogramm per Quadratmeter und koftet 94 Pfund Sterling. Robey& Comp. ftehender Field- Keffel. W. N. Nicholfon& Son ftellten eine Reihe von Kleinmafchinen. aus, deren ftehende Keffel von 2 bis 6 Pferdekraft 15 bis 2.3 Meter hoch, o 76 bis 10 Meter weit waren und innen je eine Feuerbüchfe mit durchwegs zwei conifchen Querrohren enthielten. Heflop& Wilfon in Newcaftle o. T. gaben ihrer Dampf Mörtelmafchine einen ftehenden Keffel, der aufsen 21 Meter Höhe und o 9 Meter Durchmeffer und deffen Feuerbüchfe 15 Meter Höhe bei o 75 Weite befafs. Diefe enthielt zwei 19 Centimeter ftarke Querrohre. Der Schornftein von 25 Centimeter ftieg centrifch von der Feuerbüchsdecke auf. Die Heizfläche berechnet fich auf 45 Quadratmeter, die Roftfläche faft 1/10 davon, die Dampffpannung betrug 4 Atmoſphären Maximum und die Bleche waren 10 Millimeter dick. Er hatte nur ein Sicherheitsventil. Niederlande. Backer& Rueb in Breda verwenden für ihre Kleinmafchinen ſtehende Querröhrenkeffel, welche fich dadurch vor allen anderen auszeichnen, dafs alle Innentheile conifch find. Die Feuerbüchfe wird nach oben enger( von 0.65 auf 0.57) und der Schornftein, welcher von ihrer Decke ausgeht, erweitert fich von 0'19 auf 0.22 gegen oben. Die Querrohre erfcheinen nicht wie gewöhnlich von innen in die Büchfe gefchoben, fondern find quer durch diefelbe gefteckt und an Winkelringen geniethet, welche die Büchfe auf der Wafferfeite trägt. Auch diefe( drei) Querrohre find conifch und haben je 0.16 gegen 0.25 Meter Weite. Die ganze Höhe des Keffels betrug 2:15 und die der Büchfe 165 Meter. Dem Boden- Feuerthür- Ringe zu war das Blech eingezogen. Centim. 100 2 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Sein Aufsendurchmeffer mafs o 8 Meter, die Dampffpannung 4 Atmoſphären und die Bleche waren 8 Millimeter aufsen und 9 Millimeter an dem Innenkeffel ftark. Merkwürdigerweife hatte ein kleinerer Keffel desfelben Syftemes mit nur einem Querrohre und einer Heizfläche von nur 4'1 Quadratmeter doch gröfsere Aufsendimenfionen( 2.3 Meter Höhe und o 9 Meter Durchmeffer). Auch der Roft war gröfser als bei erfterem und betrug hier o 73 Meter Durchmeffer gegen 0.65 dort. Es läfst fich diefs durch die Beftimmung für anderes Brennmaterial erklären, befremdet aber dennoch. Frankreich. Claparede& Comp. in Sct. Denis gaben ihrem Dampfkrahne einen ftehenden Röhrenkeffel, deffen Höhe 2.66 Meter bei einem Durchmeffer von o'90 Meter betrug. Er erhielt eine o 76 Meter weite Feuerbüchfe, von deren Decke 37 Rohre ( à 61 Millimeter weit) durch Waffer- und Dampfraum hindurch zur Keffeldecke zogen. Die wafferbedeckte Heizfläche ftellte fich hieraus auf circa II Quadrat Die Halb- Locomobilkeffel. 75 meter und das Verhältnifs der Roftgröfse zu ihr wie 1: 25. Der Rohrquerfchnitt betrug 45 des Roftes. Er war für 8 Atmoſphären Druck beftimmt und fein Aufsenblech II Millimeter ftark. Unten hatte er keinen Ring, fondern die ausgetriebene Feuerbüchfe fchlofs mit einer einzigen Niethung an den Mantel. Bon& Luftremant( Paris) verfahen ihren Krahn mit Dampf von 7 Atmoſphären Ueberdruck mittelft eines ftehenden, I Meter weiten und 18 Meter hohen Keffels, deffen Feuerbüchfe( o.8 Meter Durchmeffer bei 12 Meter Höhe) zwei Querrohre von 36 Centimeter Weite kreuzten. Der Schornftein ging cen trifch von der Feuerbüchs zur Keffeldecke. Die Heizfläche betrug 4'7 Quadratmeter, die Roftfläche 1/10 derfelben, die Blechftärke 12 Millimeter. Hermann Lachapelle's in Paris Querröhrenkeffel werden ftark nach Oefterreich importirt und waren in all' ihren Gröfsen von 1 bis 15 Pferdeftärken ausgeftellt. Sie haben alle mit 6% Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten und beftehen aus einem Aufsenmantel, deffen ganze Fläche mit einer einzigen im Langftofse doppelt genietheten Blechtafel hergeſtellt wird. Im Innern fteht eine ähnliche Feuerbüchfe, welche unten beim Rofte erft conifch auf kleinerem Durchmeffer eingezogen und dann nach aufsen geflanfcht erfcheint. Zwei oder drei( 1 bis 6) weite Querrohre kreuzen diefe Feuerbüchfe und wirken auf den Betrieb und den Beftand günftigft ein, indem fie die Heizfläche vergröfsern, einen WafferKreislauf erleichtern und den ganzen, fonft gefährlich geprefsten Innenkeffel mächtigft verfteifen. Durch Putzlöcher find fie wie der untere Schlammraum leicht zu überfehen und zu reinigen; letzterer verwächft, Dank feiner Erweiterung, nicht fo leicht, und die Neigung entzieht überdiefs das Blech der Feuereinwirkung dort faft gänzlich, wo fonft Unten das erfte Abbrennen auftritt. fchliefst ein ringförmiger Blechboden, welcher etwas tiefer liegt als der Roft, der vom Gufsfockel des Keffels direct getragen wird. Centim. 100 I 2 Meter. Mafsftab 1: 100 der Natur. Der Schornftein geht fchief durch Feuerbüchs- und Keffeldecke, was wohl eine nicht ganz vortheilhafte Stellung ift, indem fie fchiefe Drücke weckt und den Verbindungs- Winkelring an der Decke ftärker beansprucht; doch wird diefe Stellung aus anderen Gründen( um der mittequer gelegten Mafchinenwelle auszuweichen) nöthig. Diefe Keffel danken ihre weite Verbreitung aufser dem richtigen Syfteme und der meift ganz tadellofen Ausführung hauptfächlich ihren gefunden Verhältniffen. Die Roftgröfse beträgt 17 bis 14 der Heizfläche, und der Schorn ftein- Querfchnitt 3 bei den kleinften, bis 1 der Roftfläche bei den gröfsten Keffeln, was mit Rückficht auf die relative Roftgröfse des ganz kurzen Zuges und des Umftandes, dafs der Keffel keine Röhrenwiderftände bietet, ausreichend genannt werden mufs. Ein derartiger Keffel von 8 Pferdekraft hat 20 Meter Aufsenhöhe und 125 Meter Durchmeffer. Seine Feuerbüchfe von 15 Meter Höhe und 11 Meter Durchmeffer enthält drei je o 3 Meter weite Querrohre. Die Bleche find 9 bis 76 J. F. Radinger. II Millimeter dick, die Heizfläche ift 8.5 Quadratmeter, das Gewicht ungefähr 2000 Kilogramm und der Preis loco Paris 1850 Francs ohne, oder 2550 Francs mit voller Ausrüftung. Der Quadratmeter Heizfläche bedingt daher 235 Kilogramm Keffelgewicht. Ein einziger Vorwurf trifft die Lachapelle'fchen Fabricate, und das ift der ihrer Kleinheit. Heizflächen von 1'15 Quadratmeter für eine einpferdige und von 1.06 Quadratmeter per Pferd für eine achtpferdige Mafchine zu beftimmen, wie es hier erfcheint, ift doch des Wenigen zu viel. Und dabei ift die ganze Innenfläche als Heizfläche angenommen, während das obere Drittel des Rohrumfanges aufser Rechnung bleiben follte. Der grofse Roft erlaubt wohl( auf Koften der Oekonomie), jene Dampfmenge zu erzwingen, welche die vollbetriebene Mafchine verlangt, jedoch wird bei folchen Keffeln die nominelle mit der maximalen Leiftung zufammenfallen. Maulde, Geibel& Wibart haben für die Dampflieferung zu ihren Kleinmotoren von I bis 12 Pferdeftärken ftehende Keffel, welche im Innern eine Centim. 100 I 2 Meter. Feuerbüchfe enthalten; ftatt der Decke derfelben ift aber ein tief niederreichender cylindrifcher Hängefack mittelft eines oben zwifchengenietheten maffiven Ringes eingebaut. Letzterer kann durch ein Putzloch gereinigt werden, indem ein Stutzen zwifchen Hängefackund Feuerbüchs- Wand einfeitig eingeniethet ift, deffen Flucht ein Vorlegdeckel an der Aufsenwand des Keffels fchliefst. Oben unmittelbar unterm Deckringe entführt ein zwifchen Feuerbüchfe und Aufsenblech geniethetes Rohr den Rauch zum feitlichen Kamine. Diefe Zwifchenniethungen müffen den Keffel gefährden, weil fie die freie Ausdehnung der verfchiedenen warm.n. Theile excentrifch hemmen. Pro fteigender Pferdekraft erfcheinen abnehmend nur 13 bis II Quadratmeter Heizfläche. geboten Die Roftgröfsen fchwanken unregelmässig zwifchen 13 bis 18 der Heizflächen, und der Effenquerschnitt finkt wieder ziemlich gleichförmig von 1 bis 113 des Roftes. Letzteres ift bei der Mehrzahl 10 und wohl nur mit Rückficht auf deffen Gröfse gegenüber der Heizfläche, mit Rückficht der Zugsanfachung durch das Blasrohr und dem gänzlichen Mangel von zu überwindenden Rohrwiderftänden möglich. Diefe Keffel haben alle mit fechs Atmoſphären Maximaldruck zu arbeiten und find durchwegs einfach geniethet. Mafsftab 1: 100 der Natur. Ein derartiger Keffel von bekannt 8 Pferdeftärken befafs 2.8 Meter Höhe und 10 Meter Durchmeffer, aufsen 1'9 Meter Höhe bei o 78 Meter Durchmeffer innen, und enthielt einen o 65 Meter weiten Hängfack von 176 Meter Höhe innen. Die Bleche waren 13 Millimeter dick und fein Gewicht bei 9.5 Quadratmeter Heizfläche circa 2000 Kilogramm, das ift über 210 Kilogramm per Quadratmeter Heizfläche. Buffaud frères verwendeten zu ihren kleinen Motoren von I bis 15 Pferden ftehende Field- Keffel mit oben central auffteigendem Kamine. Die Preislifte der Herren Buffaud hält diefs als das vorzüglichfte aller bestehenden Syfteme und„ garantirt" fpeciell feinen Keffeln die Unexplodirbarkeit durch einen Die Halb- Locomobilkeffel. 77 ,, net vervollkommneten, automatifch regulirten Speifewaffer- Apparat", welcher( ein Schwimmer) das ,, Desideratum" aller möglichen guten Eigenfchaften fein foll. Die Höhen- Niethfuge des Aufsenkeffels lag hinter dem Mafchinenftänder verfteckt. Die Société Centrale de Conftruction brachte liegende Keffel mit rückkehrender Flamme. Der Aufsenmantel war hinten mit dem eingenietheten C Centim 100 0 2 Mafsftab 1: 100 der Natur. 3 Meter. Kreisboden auf gewöhnliche Weife gefchloffen, hielt aber vorne die Stirnplatte mit den verfchraubten Flanfchen zweier Winkelringe feft, wovon einer an feinem Vorderende und der andere an die aufgebogene Stirnwand geniethet war. Letztere hielt nun ein kreisförmiges Flammrohr, welches vorne den Roft aufnahm, nach hinten enger wurde und endlich an die gröfsere Vorderwand einer in den Wafferraum des Keffels verfenkten Umkehrkammer mündete. Diefe war gröfseren Durchmeffers als das Flammrohr, und von dem freigebliebenen Theile feiner Vorderwand liefen eine Anzahl Feuerröhren längs des Flammrohres wieder zurück zur Keffelftirn. Dort war noch eine Rauchkammer vorgebaut, deren gefälligerer Form mit fenkrechten Wänden zuliebe das Flammrohr unnützer Weife vorfpringen mufste. Oben auf diefer Rauchkammer fafs der Schlot, während entsprechende Thüren vorne das Reinigen der Rohre geftatteten. Die hintere Rohrwand ift bei diefer Conftruction nicht direct zugänglich, weil die Dimenfion der Umkehrkammer kein Befahren erlaubt. Daher mufste auch die Vorderwand der Umkehrkammer mit angenietheten Winkeleifen- Flanfchen zum Abfchrauben eingerichtet werden, und diefs Alles macht den Keffel complicirt, unverlässlich und fchwer. Vorausfichtlich wird fich die excentrifch belaftete Innen- Rohrwand fehr fchlecht halten, und da man ohne eine zeitraubende Zerlegung des Keffels zu ihr nicht kommt und nicht einmal ein Rinnen wahrnimmt oder deuten kann, fo fcheint der Vortheil der ausziehbaren Heizflächen, welche allerdings das Reinigen von Keffelftein an und für fich fehr erleichtern, doch zu theuer erkauft. Zwei folche Keffel, welche bei den Wafferpumpen für die Straub'fche Anlage arbeiteten, wirkten mit fieben Atmoſphären. Einer davon mufste einmal wegen Rinnen aufser Betrieb kommen. Chevalier& Grenier brachten mehrere liegende Keffel mit rückkehrender Flamme. Den weiten Aussenkeffel umgab vorne ein aufsen umnietheter Winkelring, an dem eine ebene Stirnplatte gefchraubt war. Von diefer zog ein Flammrohr nach rückwärts, welches an den hinteren ebenen Boden des Aufsenkeffels mit dem Flanfche eines dort eingenietheten Winkeleifens abermals mittelft Verfchraubung fchlofs. Das Blech des hinteren Kreisbodens war nach dem Durchmeffer des Winkelringes ausgenommen und die Oeffnung für gewöhnlich mit einem Deckel verlegt. Nun walen hinten in die Decke des Flammrohres kurze Bogenknie gefchraubt, welche in die geraden, nach vorne zur Stirnwand ziehenden Feuerröhren übergingen, wo fie in eine Rauchkammer mündeten. Diefe umgab gabelförmig und nach oben mehr und mehr ausfpringend die Heizthüre und endete 78 78 Centim. 100 10000 Mafsftab 1: 100 der Natur. J. F. Radinger. 3 Meter. fchliefslich in den von ihr getragenen Schlot. Ober den Rohrmündungen verfteifte eine angeniethete horizontale Winkelfchiene die obere Stirn. Diefe Aufftellung bietet den Vortheil, dafs felbft während des Letriebes alle Stellen überwachbar bleiben, an welchen Schäden auftreten können; ift aber dafür mit dem Nachtheile behaftet, dafs das Auswechfeln eines inneren Bogenknie- Stückes ohne weitgehende Zerlegungen und Ausnehmen von vielleicht vollkommen guten, aber deckenden Rohren nicht möglich ift. Das Syftem der Keffel mit ausnehmbaren Innentheilen ift zu bekannt, als dafs hier der Platz weiterer Auslaffungen darüber wäre; doch will ich erwähnen, dafs die Rufsablagerung in den Knieftücken fchneller merkbar werden wird als bei geraden Rohren, und auch das Durchftofsen derfelben fchwieriger ift als fonft. Belgien. Hier wäre nur der Field- Keffel zu erwähnen, der von Petry Chaudoir in Lüttich kam. Diefer lag aber ohne Rohre und ohne jede Armirung, blos als ein Mufter von Keffelfchmied Arbeit da und wurde als folche fchon vorne gewürdigt. Italien. Guppa& Comp. in Neapel hatten einen liegenden Keffel mit innerer Feuerung und 19 Stück 80 Millimeter weiten Rückkehr- Rohren. Diefes Keffelinnere war nicht ausziehbar, und der Aufsenmantel beftand aus zwei Halbcylindern, Die oberen deren oberer zwei, der untere drei Bleche der Länge nach enthielt. Tafeln hatten eine innere Bandverniethung, während die unteren Bleche einander übergriffen. Unter der Kurbel war das Blech nach einwärts getrieben, wodurch wohl die Mafchinenachfe tiefer gelagert werden kann als bei voller Rundung, was aber trotzdem auf der ganzen Ausftellung kein zweites Mal vorkam, weil fo das Blech immer bricht. Schweiz. B. Morell in Bern hing die Zeichnung eines ftehenden Röhrenkeffels an einen Pfeiler der Mafchinenhalle. Derfelbe ift mit einer Vorfeuerung gedacht, deren Roftbedienung und Einwölbung Manches zu wünfchen übrig laffen würde. Die erfte Flamme prallt nun gegen eine Boden- Rohrwand; der Conftructeur überfah, dafs diefe Platte die natürliche Ablagerungsftelle fowohl für den ausgefchiedenen als den abgefprungenen Keffelftein abgibt, und da fie an und für fich dick fein muís, kaum eine Heizungsweife erfonnen werden könnte, welche fchneller als diefe zum Rinnen und einem Bruche führt. Durch die 28 Rohre aufgeftiegen, follen die Gafe zwifchen dem Aufsenkeffel und einem Gufsmantel nach abwärts zum Fuchfe fallen, aber noch füher zwei tiefftehende Vorwärmrohre beftreichen, von welchen der Erfinder annimmt, dafs deren 50 Die Halb- Locomobilkeffel. Centim. 100 I 2 Meter Mafsftab 1: 100 der Natur. 79 fchiefes Kupplungsrohr eine Wafferftrömung im ganzen Syfteme einleitet. Da aber die Heizung mit dem erften Feuer zu oberft liegt, fo fcheint die Vorftellung der Wirkung eines oder zweier unten im kalten Rauche hängenden Wafferfäcke wohl fanguinifch. Der Dampf- Sammelraum war ringförmig um den Keffel gelegt, welche Anordnung nicht nur dem beabfich tigten Zwecke wenig dienen dürfte, fondern auch ein ganz verwerfliches Einniethen eines Theiles der Keffelbleche in andere bedingt. Selbft eine gefunde Detailconftruction fcheint mir faft unmöglich. Ueberdiefs ift das Zukommen zu den unteren Rohrdichtungen ohne Wegheben des ziemlich grofs gedachten Keffels gar nicht möglich, und da diefer mit einer Mafchine von angeblich 10 Pferden auf einer gemeinſamen Grundplatte fteht, auch nicht leicht. Der Ausfendurchmeffer war mit 106 Meter und die Keffelhöhe mit 153 Meter befchrieben. Das mittlere Rohr foll 220 und jedes der 28 Seitenrohre 95 Millimeter erhalten. Die Heizfläche ftellte fich mit dem auf 20 Quadratmeter und der Roft foll o 8 Quadratmeter, 125 betragen. Deutfchland. Joh. Haag in Augsburg wendet für feine kleinen oscillirenden Dampfmafchinen jene ftehenden Röhrenkeffel an, welche keine gefonderte obere Rauchkammer befitzen, fondern die Rohre durch den Dampfraum hindurch zur kreisförmigen Keffeldecke führen. Die Feuerbüchfe eines ausgeftellten zwei- bis dreipferdigen Keffels hatte o 6 Meter Durchmeffer und enthielt innen einen quadratifchen Roft von 0'4 Meter Seitenlänge. Die übrig bleibenden feitlichen Flächen waren durch ein Mauerwerk verlegt. Die Decke diefer Feuerbüchfe, welche mit einer centralen Ankerfchraube mit der oberen Rohrwand verbunden war, nahm aber 84 Rohre à 35 Millimeter lichter Weite auf, deren Querfchnitt zufammen 1/2 der Roftfläche betrugen. Sie boten bis zur Mittelwaffer- Höhe und inclufive des Feuerbüchs- Umfanges eine Heizfläche von 5.6 Quadratmeter oder 35mal die Roftfläche. Der Schornftein befafs 1/3 der letzten, was insgefammt gute Verhältniffe find. Oben gingen die Rohre noch o 4 Meter lang durch den Dampfraum. Ein grofses Mannloch( mit unverfteiftem Rande) am Aufsenmantel, deffen Platz in die halbe Höhe der wafferbenetzten Rohrpartie fiel, erlaubte fo weit als thunlich die innere Reinigung. Kleyer& Beck in Darmftadt wendeten einen liegenden Keffel mit( 10) rückkehrenden engen Heizröhren zum Betriebe ihrer vierpferdigen Halblocomobile an. Die in den Wafferraum verfenkte Umkehrkammer, in deren Vorderwand das weite Flammrohr mündet, ift durch fefte Niethung gefchloffen und läfst daher ein Auswechfeln der Rohre nicht wohl zu. Der Vorderboden ift ftark ausgetrieben, was die Anbringung des Schornfteines erleichtert. 6 SO J. F. Radinger. R. Wolf in Buckau bei Magdeburg verwendet einfache, auf Gufsfüfsen liegende, geradflammige Röhrenkeffel mit innerer Heizung in einem kreisrunden Feuerrohre. Diefes enthält den Roft und ift rückwärts mit einer Rohrwand gefchloffen, von deren oberem Theile eine Anzahl Siederöhren zur Rauch- Rohrwand läuft. Dort fchliefst fich eine gefonderte Rauchkammer an, welche oben den Schornfl ein trägt. Der Aufsenmantel, welcher das Feuer und die Röhren umfchliefst, ift beiderfeits mit angenietheten ebenen Abfchlufsböden durch aufsen umlegte Winkelringe verbunden. Diefe Böden find aber derart gefenftert, dafs vorne eine zweite aufgefchraubte Stirnplatte mit der angenietheten Feuerbüchfe, den Röhren und der Rohrhinterwand herausgezogen werden kann, wenn letztere von ihrer Verfchraubung an der Innenfeite des Hauptbodens gelöst wurde. Das Rohrfyftem wird auf diefe Art für die Reinigung zugängig, welche von geeigneten Inftrumenten unterſtützt fammt dem Wiederzufammenbringen des Keffels circa drei Tage beansprucht. Die Verbindungsflächen werden mit Gummiringen gedichtet, welche fich ausgezeichnet bewährt haben follen. Die Firma baut folche Keffel von 2 bis 25 Pferdekraft( je 15 Quadratmeter). Die Rofte find verhältnifsmäfsig klein und befitzen mit Ausnahme der erften drei Nummern( hier 1/25 bis 1/30) 130 bis 1/40 der Heizfläche. Die Rohrquerfchnitte und die Effe von annähernd gleicher Fläche erfcheinen aber gefund bemeffen und weifen circa 16 des Roftes. Ein derartiger ausgeftellter Keffel( für 16 bis 19 Pferdekraft) hatte eine Aufsenlänge ohne Rauchkammer von 3.4 Meter und einen Durchmeffer von 1'25. Die liegende o 8 Meter weite Feuerbüchfe war 15 Meter lang, wovon 0.85 Meter auf den ftark geneigten Roft entfiel. Er befafs 60 Stück 50 Millimeter( aufsen 57 Millimeter) weite Siederohre von je 19 Meter Länge und einen Schornftein von circa o 35 Meter Durchmeffer. Seine Heizfläche war 24 Quadratmeter, das Gewicht ohne alle Armatur circa 3500 Kilo und die Dampffpannung 6 Atmoſphären. Der Preis ftellte fich auf 1250 Thaler ohne und auf 1840 Thaler mit completer Ausrüftung, aber ohne Schornftein und Saugrohre für den Injector loco Fabrik Buckau. Von zwei in den Verhältniffen wenig anderen Keffeln diefer Firma wurden mir die Ergebniffe mehrftündiger Bremfung eingefendet, welche der Charakteriſtik halber ausgerechnet und in folgende Form gebracht angeführt werden mögen: Heizfläche 12'3 8.2 Quadratmeter Roftfläche 1.49 145 " 9 Heizfläche Gebremfte Pferde. 9.77 5.85 Pferde Verdampftes Waffer per Quadratmeter Heizfläche und Stunde 15.5 17 9 Kilogramm Verbrannte Kohle per Quadratmeter Roft und Stunde IOO • 115 2.75 3.0 " " Verbrauchte Kohle per Pferdekraft und Stunde. Man entnimmt daraus, dafs die Feuerung fehr forcirt werden und die Vergröfserung der Heizfläche über das normale Mafs hinaus nur wenig nützen konnte. Die fächfifche Dampffchiff- und Mafchinenbau Anftalt in Dresden gibt ihren Kleinmotoren einen ftehenden Dampfkeffel, welcher ganz an die Conftruction Hermann Lachapelle's in Paris erinnert und fich nur darin unterfcheidet, dafs ftatt der weiten Querrohre je eine Gruppe von fechs engen Meffingröhren( 55 Millimeter licht) angewendet ift. Bei dem ausgeftellt gewefenen Keffel kreuzten fich drei folcher Gruppen in der Feuerbüchfe, vor deren jeder eine Putzöffnung im Aufsenmantel war. Diefer war in der Längsnath einfach geniethet. Die Heizflächen der einzelnen nominellen Pferdekraft waren die fchwächft bemeffenen der Ausftellung und betrugen 1'17, o'92 und 0.71 Quadratmeter bei den drei-, fünf- und achtpferdigen Motoren. Die Halb- Locomobilkeffel. 81 Köbner& Kanty in Breslau hatten an zwei Orten der Ausstellung ftehende Field- Keffel arbeiten. Der Aufsenmantel beftand der Höhe nach aus zwei Trommeln mit Bandverniethung in der halben Höhe. Innen wird die Feuerbüchfe durch eine Wand getheilt, über welche die Gafe zum unteren Fuchfe abfallen. Einer diefer Keffel betrieb die Pumpe des hydraulifchen Rotundenaufzuges, hatte 21 Quadratmeter Heizfläche und war auf 5 Atmofphären Ueberdruck probirt. Бия Die Actiengefellfchaft ,, Neptun" in Berlin ftellte in der landwirthfchaftlichen Abtheilung eine Halblocomobile aus, deren liegender Aufsenmantel einen ausziehbaren Innenkeffel enthielt. Seitlich war ein Vorwärmer angebracht, welcher den Abdampf ausnützen foll. Die Wafferftands- Zeiger waren durch ein langes Gufsrohr- Paar mit dem Keffel verbunden. กา + Centim. 10 O 2 0000 Mafsftab 1: 100 der Natur. 3 Meter Die Carlshütte bei Rendsburg hatte vor dem deutfchen Keffelhaufe noch einen Stehkeffel liegen, welcher in der Feuerbüchfe zwei gefchweifste Querrohre und von der Decke auffteigend 31 Siederöhren enthielt, welche rund um einen grofsen Dampfdom in einen Mantel mündeten, welcher den Rauch zum obenftehenden Schornfteine führte. Zur Verfteifung des ziemlich hohen Baues waren die Aufsenbleche an den Rundftöfsen mit umgelegten Bändern verniethet; die Feuerbüchs Decke war gewölbt und noch mit drei Zugftangen an den Dom gehängt. Die Heizfläche betrug 16, der Roft o'5 Quadratmeter, 1/32 derfelben. Der Schornftein und die Röhren boten/ und 1 der Roftfläche. Diefe guten Verhältniffe werden durch den Umftand getrübt, dafs das Zukommen zu den unteren Rohrenden nach Vollendung des Keffels nicht mehr möglich ift. Die Reinigung von Keffelftein gefchieht aber bequem durch ein Einfteigloch im Dome und die grofsen Putzlöcher vor den Querröhren. Rufsland. W. Baronowfky in Sct. Petersburg ftellte einen Field- Keffel aus, der mehrere wohl überdachte Eigenthümlichkeiten enthielt. Die Feuerbuchfe war conifch nach oben verengt und zwifchen ihr und dem Aufsenkeffel ftand ein dünner Blechmantel eingefchoben, welcher die auffteigende von der niederfinkenden Wafferpartie trennte. Durch den oben breiter werdenden Wafferring war der 6* 82 J. F. Radinger. gefteigerten Dampfmenge gegen oben zu Raum geboten und gleichzeitig follten die Dampfblafen von dem Heizbleche abgezogen und deffen ganze Ausdehnung der Wafferfpülung freigegeben werden. Die Field- Rohre waren gekrümmt, aber ihre Circulationsrohre gerade; die unteren Schlufsböden diefer Heizrohre lagen oberhalb einer Gufsfchale und dem Feuer entrückt, was in mehrerer Hinficht gutgeheifsen werden mufs. Von dem fonft normalen Blasrohre zweigte ein Mundftück nach abwärts, und der austretende Dampfftrahl follte feitlich angefaugte frifche Luft durch das im Schornfteine hängende Rohr nach abwärts fördern, welches die RauchprallGufsfchale trägt. Oberhalb derfelben austretend follte fie letzte kühlen und als vertheilter heifser Luftftrom in den Rauch kommend diefen verzehren. - Solche Keffel follen fchon mehrere ausgeführt fein und die Erwartungen erfüllt haben, welche eben befprochen find. In der Ausstellung ftand aber diefer Keffel kalt in der Mafchinenhalle. Lilpop Rau& Comp. in Warfchau. Speifewaffers durch den Abdampf. Field- Keffel mit Vorwärmung des Oefterreich. Die erfte Brünner Mafchinenfabriks- Actiengefellfchaft ftellte u. A. einen guten ftehenden Keffel nach dem Syfteme ihres Directors Ruckenfteiner für eine fechspferdige Mafchine aus. Er beftand aus einem 165 Meter hohen, und 122 Meter weiten Aufsenkeffel, welcher im Innern eine excentrifche Feuerbüchfe von 0-85 Meter Durchmeffer enthielt. Eine nicht ganz bis zur Decke reichende Chamottewand theilte diefe in zwei ungleiche Hälften, und während in der vorderen ( gröfseren) der Roft lag, diente die rückwärtige als Zug, durch welchen das Feuer niederftürzte. Seine Gafe kamen unten durch den ausgelegten Gufsfockel in 22 Heizrohre( à 70 Millimeter licht), welche in dem fichelförmigen Raume zwifchen Aussenmantel. und Box vom Unterboden zur Keffeldecke zogen. Oben wurde der Rauch durch eine Kammer zufammengefafst, auf welcher die Effe ftand. Centim. 100 COO 000 2 3 Meter. Das Waffer foll circa 0.3 Meter hoch über die Feuerdecke kommen und die Rohrtheile, welche den Dampfraum durchbrechen, bilden dann eine Ueberhitzfläche von 2.8 Quadratmeter. Da aber der Roft 0 42 Quadratmeter und die vom Waffer bedeckte Heizfläche 8.4 Quadratmeter, das Verhältnifs alfo 1: 20 beträgt, fo bringt diefe Führung wohl die Erzeugung eines trockenen Dampfes, aber keine Gefahr. Die Rohrquerfchnitte halten in Summe 1/5 der Roftfläche, und der wohl verfchalte Keffel zeigt alfo völlig richtige Verhältniffe; da fich die Feuerbüchfe frei ftrecken kann und auch der Rohrfchub hier, wo ihn nicht das erfte Feuer weckt, nur klein Mafsftab 1: 100 der Natur Die Halb- Locomobilkeffel. 83 fein wird, fo mufs diefes Syftem fich wohl bewähren, wenn reines Waffer zur Verfügung steht. Bei folchen Keffeln gröfserer Art hängen noch Fieldrohre von der Feuerdecke nieder; dann wird aber der von der Mafchine abgehende Dampf in den Schornftein geleitet, was bei dem oben befchriebenen kleineren nicht nöthig ift. Die Fürft Liechtenftein'fche Mafchinenfabrik und Eifengiefserei in Adamsthal ftellte direct über eine( 16- pferdige) Mafchine einen Dampferzeuger, welcher mit 6 Atmoſphären zu arbeiten hatte, und vollkommen die Anordnung des gewöhnlichen Locomotivkeffels mit oben rundem Heizmantel zeigte. fur of Den Anftofs des cylindrifchen Keffeltheiles fowohl an die Krebsplatte als die Rauchrohr- Wand vermittelte je ein umnietheter Winkelring, deffen in der Verticalebene ftehende Niethköpfe verfenkt erfcheinen. Der unmittelbar hinter dem Schornftein ftehende Dom war ganz aus Gufseifen und auf den Keffel gefchraubt. Diefer letztere enthielt 55 Röhren, jede 2.32 Meter lang und 60 Millimeter im Lichten weit; die oberfte Reihe lag im horizontalen Durchmeffer, was die verftändige Mäfsigkeit des Conftructeurs bekundet. Die Heizfläche war nämlich 28.5 Quadratmeter und der Roft 105 Quadratmeter. Das Verhältnifs beider 1/27 und weder diefes noch das QuerfchnittsVerhältnifs der Rohre zum Roft von 1/68 verlangte( bei Blasrohr- Anfachung) eine Rohrzugabe mehr; fie war auch vermieden obwohl fich der Platz dafür bot. Dafür konnte der Wafferftand tiefer gehalten bleiben und der gewonnene Raum liefert trockeneren Dampf. Die Speifung konnte aufser mit einem Injector noch mit einer Pumpe von der Mafchine aus gefchehen, deren Hub mit Schraubenfpindel verftellbar war und ein fortwährendes Speifen erlaubte. T. Fifcher's inexplofibler Dampferzeuger". Ich zögere faft, diefen Keffel zu erwähnen. Sechs Röhren à 18.5 Centimeter weit und 80 Centimeter hoch, waren unter fich und mit einem fiebenten mittleren Rohre zufammen Centim. 100 Maistab 1: 100 der Natur. 3 Meter gegoffen und bildeten ein einziges Stück. Oben und unten war eine Kreisplatte angegoffen, an welche die Rohre mündeten. Ueber die Deckplatte war ein gufseiferner Sturz von 61 Centimeter Weite mit Flanfchen gefchraubt, der als Dampfdom wirkte. Unter die Bodenplatte war ein 16 Millimeter dicker Blechboden gefchraubt, der in jenen Kreifen, welche die Mündungen der äufseren Rohre umfchreiben, je 7 Fieldröhren von 55 Centimeter Länge niederhängen liefs. Das Mittelrohr war aber durch ein Blechrohr tief nach abwärts verlängert, welches weiter unten in ein Gufsknie überging und die Speife- und Ablafswechfel trug. Nun ftand der ganze Apparat mit feinem theilweife doppelwandigem Boden über einer ge 84 BJ. F. Radinger. mauerten Feuerung mit vorgelegtem Rofte, und die Gafe beftrichen auf ihrem Wege zum rückwärts ftehenden Kamine die Field- Rohre, das mittlere Blechrohr und die Bodenplatte. Das Mauerwerk diefer Feuerung war noch rings mit Gufsplatten armirt oder vielmehr in einem gufseifernen Kaften eingefetzt. Das Waffer ftand hoch über dem Boden und reichte ungefähr bis zur halben Höhe des grofsen Gufsftückes, deren einzelne Rohre mit einander durch unten ausgefparte Fenfter in Verbindung ftanden. Eine Hängfchraube trug noch den Blechboden und hielt ihn am Mittelrohre. Diefer Keffel, deffen Field- Röhren 3.6 Quadratmeter Heizfläche boten, follte mit 3 Atmoſphären arbeiten, und die Befchreibung fagt, dafs daher das Feuer kein intenfives fei. Der Roft hatte 1/18 der Heizfläche und der Schlot 1/34 des Roftes zum Querfchnitte. Die Befchreibung fagt ferner, dafs diefer Keffel billig fei, unexplodirbar wäre und einem längft gefühlten Bedürfniffe abhelfen folle. Wie er zu reinigen ift und wie fich deffen Verfchraubungen oder der doppelwandige Rohrboden hält, konnte fie aber nicht fagen, indem das erfte Exemplar diefes Keffels erft für die Ausftellung angefertigt wurde.* Franz Szabo& Comp. in Peft ftellten einen, Patent zerlegbaren Röhrenkeffel" in die Mafchinenhalle. Derfelbe war nicht zu öffnen; nie fand ich Jemand, der darüber Auskunft hätte geben können, und trotz zweimaliger brieflicher Anfrage bekam ich keinen Befcheid. * Diefer Keffel hat eigentlich eine gewiffe Aehnlichkeit mit den Keffeln der englifchen und amerikaniſchen Dampf- Feuerfpritzen. Merryweather& Sons z. B. gaben einer ihrer ausgeftellten Mafchinen einen einfachen niederen Cylinderkeffel( felbftverſtändlich in normaler Blechconftruction), welcher o'60 Meter hoch war und o'66 Meter Durchmeffer befafs. Der 19 Centimeter im Lichten weite Schlot ging centrifch durch die Kreisböden, und während der obere vier grofse Putzlöcher mit Blech- Vorlagdeckeln trug, hingen von dem unteren( 16 Millimeter dicken) Boden 162 Field- Rohre von je 28 Millimeter Aufsendurchmeffer nieder. Das Feuer brannte nun auf einem o 60 Meter tiefer liegenden Rofte, welcher 0.7 Meter Durchmeffer befafs und von einem Blechmantel umfchloffen und getragen war, welcher ganz einfach und ohne eine Wafferwand zu halten, als fchwach erweiterte Fortfetzung des Obercylinders erfchien. Diefer Mantel nahm eine( bei anderen Spritzen zwei) Feuerthüre auf, und den Roft umgab noch ein ftarker Gufsring, welcher die Gluth zufammenhielt. Die Rohre hingen aber in fünf concentrifchen Kreifen von dem Unterboden nieder. Jene der zwei äufserften Reihen bogen fich nach auswärts und fchloffen fich, faft den Ring berührend, ganz unten beim Rofte Rohr an Rohr. Die der inneren Kreife aber hingen nach einwärts gebogen und deren elf fchlossen fich gleichfalls zu einem dichten Kranze; die mittleren blieben gerade oder nur wenig gekrümmt in dem fo gebildeten Heizraume. ( Hier mag noch einfchaltend erwähnt werden, dafs nach einem Patent W. Knauft's in Wien eine Drahtfpirale in den ringförmigen Raum, zwifchen Innen- und Aufsen- Field- Rohr, eingefchoben werden kann, welche ein längeres Verweilen des Waffers an der Heizwand bewirkt.) Noch wäre zu erwähnen, dafs der Rauchprall( die eingehangene Gufsplatte, welche das directe Auffteigen des Feuers verhindert) hohl und vom Auspuffohre getragen war, welches feitlich in den Schornftein niederführend und in fie mündend feinen Dampf durch ihr mittleres Mundftück entfandte. Diefs gefchah alfo tief unter der gewöhnlichen Blasrohr- Höhe, und der Schornftein war länger als es von Aufsen fchien. Die mittlere Rohrlänge betrug o'5 Meter und die Heizfläche 70 Quadratmeter. Der Roft ftellt fich auf 1/18 derfelben und der Schornftein auf 13 des Roftes, was hier wohl noch angeht, wo die directen Pumpen ohne Schwungrad( ohne Expanfion) arbeiten und hoch gefpannter Dampf ins Blasrohr kommt. Diefe Keffel find für ihren Zweck ganz vorzüglich geeignet. Sie find leicht im Gewichte, und die feltene Benützung erlaubt und die fchnelle Anheizbarkeit fördert das Field'fche Rohr; mir find Verfuche bekannt, wo binnen neun Minuten Dampf von acht Atmoſphären Druck aus dem früher kalten Waffer entftieg. Ein Syftem aber, welches für die Feuerfpritzen zwekentfprechend ift und überdiefs in normaler folider Blechconftruction ausgeführt erfcheint, pafst für den halb fixen Keffe! fo wenig als die guſseiferne Wand. Die Locomobilkeffel. 85 Die Locomobilkeffel. " Die Verbreitung, welche die direct und unlösbar auf ihren Keffel gefetzte und mit ihm auf Rädern transportable Dampfmafchine, die Locomobile", in der kurzen Zeit fand, welche feit ihrem erften Auftreten verflofs, ift mit eine Folge der glücklichen Form ihres Keffels. In der Mehrzahl der Fälle weicht diefer nur in den Verhältniffen, nicht aber in der Anordnung von dem Locomotivkeffel ab, und er entlehnte felbft die meiſten Detailentwicklungen von dem älteren Bruder. In der Heizfläche und dem Dampfdrucke bleibt er wohl wefentlich gegen jenen zurück, wie es den geringeren Effecten, für die er dient, und dem geringen Gewichte entspricht, welches einen Transport auf gewöhnlicher Strafse noch anftandslos erlaubt. Aber die Solidität, die Gefchloffenheit des Baues, der tiefe Schwerpunkt, das kleine Volumen bei grofser Heizfläche, die Möglichkeit, fowohl Roft als Rohre in genügender Weife zu bemeffen und das Zukommen zu jeder Verbindungsstelle fcheinen der heutigen Form den Beftand zu verbürgen. Wohl weichen die franzöfifchen fchon mehr als blos im Detail von den englifchen Grundformen ab; aber erftere fcheinen im Niedergange begriffen und die letzteren dürften bald die allein herrfchenden fein. Diefe Abweichung befteht in der Verwendung runder Feuerbüchfen mit rundem Mantel vor dem cylindrifchen Röhrenkeffel ftatt des fonft üblichen und auch in Deutfchland und bei uns angenommenen flachwandigen Heizraumes. Von Amerika kam kein einziger Locomobilkeffel zur Ausstellung. Defto grofsartiger ſtand aber eben England da, deffen erfte Firmen in diefem Fache fämmtlich vertreten waren und fchon durch die Zahl allein zeigten, dafs hauptfächlich fie diefen Bedarf des Weltmarktes decken. Die englifchen Heizflächen, Rofte und fonftigen Querfchnitte geftatten in der Regel eine Steigerung der Arbeitsleiftung weit über die nominelle Kraft. Die franzöfifchen Verhältniffe geftatten diefs feltener oder gar nicht, und der Käufer mufs fich mit der Garantie derjenigen Leiftung begnügen, für welche er die Locomobile kauft. Die Dampffpannungen find bei gleichen Blechdicken in englifchen niedriger als in den franzöfifchen Keffeln, und betragen felten mehr als 4 Atmoſphären, während letztere faft den doppelten Druck benützen. Deutfchland ftellte hier fo gut wie gar nicht und Oefterreich nur in höchft befcheidenem Mafse aus, wie diefs jenen Umftänden entſpricht, die ich bei den öfterreichifchen Locomobilen berühren will. Die englifche Locomobile. Die Keffel der englifchen Locomobile haben alle eine und diefelbe Anordnung und Form. Die viereckige Feuerkifte mit ebener Decke in einem Heizmantel, der feitlich eine circa 7 Centimeter dicke Wafferwand hält und oben halbkreisförmig gerundet ift. Stehbolzen verfteifen die Seitenwände und Ueberleg. barren die Feuerdecke. Eine Firma brachte ganz gefchweifste Feuerkiften. Der Cylinderkeffel geht entweder in den Obertheil des Heizmantels direct über, oder falls diefer( wegen der Roftgröfse) breiter ift als der Keffeldurchmeffer, fchliefst er fich, meift mit einem Winkeleifen- Ringe, an die Hinterwand, den„ Krebs". Die Niethung gefchieht meift mit Dampf- oder mit hydraulifchen Mafchinen, und die Verbindungsftellen find noch bei doppeltem Drucke abfolut dicht. dia 86 J. F. Radinger. Stets find eiferne Rohre und meift in Verticalreihen voll auf Fug geordnet angewendet, welche in der Feuerbüchfe meift( nicht immer) mit Stahlringen ver fehen find. Stets find die Cylinderkeffel mit Holz und Blech verfchalt, der Heizmantel ift es manchmal, die Stirnwand nie. Alle arbeiten mit dem niedrigen Drucke von 3% bis 4 Atmoſphären. Stets find die Sicherheitsventile vertheilt( eines vorne mit Feder-, das andere hinten mit Gewichtsbelaftung) am Keffel. Die Dampfentnahme wird mit einem Regulatorhebel und einem innen am Dampfcylinder- Gufsftücke fitzenden Schieber geregelt, ohne dafs ein Rohr nach Aufsen tritt. Die Speifung gefchieht meift durch eine Pumpe mit drei Ventilen. Vorwärmung des Waffers ift überall angewendet. Preisheizungen wurden hier während der Ausftellung fo wenig als an den ftationären Keffeln vorgenommen. In England finden regelmäfsige Preisheizungen diefer Maſchinen ſtatt, wobei fich die Thatfache ergibt, dafs einzelne Firmen mit unglaublich kleinen Kohlenmengen( 1 Kilogramm per Stunde und gebremftes Pferd) auslangen, während andere mit faft gleichen Keffeln das Fünf und Sechsfache brauchen. Wenn dabei nun auch felbftverftändlich die Mafchine und die Steuerung, Waffervorwärmung etc. ins Spiel kommen, fo ift doch der Hauptgrund in zwei Behandlungsweifen des Keffels zu fuchen, welche den Gewinnern bekannt und den Uebrigen( fo fcheint es) noch heute fremd find. Für's Erfte darf die Locomobile. nur kaum mit ihrem nominellen Effecte arbeiten, während die Anderen ihren Ruhm in der doppelten Leiftung fuchen. Diefs Letztere wäre nun auch den ökonomifchen Modellen möglich, indem fie folch' grofse Rofte und folch' weiten Rohrquerfchnitt haben, dafs die andernorts gewünſchte und benöthigte Forcirung gleich gut anginge. Wo aber die Dampferzeugung und daher die Feuerung mäfsigft gehalten wird, wie es dem kleinften Effecte entſpricht, wo. pro Pferdekraft faft zwei Quadratmeter Heizfläche entfallen, finkt felbftverftändlich der relative Verbrauch an Kohle. Zweitens wären aber die Rohrquerfchnitte für die fchwächere Heizung zu weit, und diefe werden nun durch eingefchobene Ringe gerade fo verengt, dafs eben noch das Blasrohr ein Luftminimum der Verbrennung erzieht. Diefs wird nun wochenlang vor dem Wetttage( felbftverftändlich mit weichem Waffer im reinen Keffel) bei der unter der Bremfe arbeitenden Concurrenzmafchine ausprobirt und die lichten Ringdurchmeffer mit MillimeterDifferenzen gewechfelt. Manchmal müffen diefe Ringe vorne, manchmal hinten fitzen, um den beften Effect zu geben, d. h. die Gafe gerade fo zu ftauen, dafs fie die gröfste Wärme differenz erfahren, aber dennoch den Zug für die ftrengbenöthigte Dampflieferung geben. Nun ift aber die directe Heizfläche der Feuerbüchfe für die fchwache Heizung grofs, und die Verbrennproducte treten fchon kühler in die dünnwandigen Rohre. Dafs aufser diefem verftändigen Vorgange, den ich darum fo ausführlich erwähnte, weil er auch für ftationäre Keffel völlig pafst, noch andere ,, Witze" geübt werden, zu Ende des Verfuches weniger Waffer im Keffel ift als zu Beginn ( was fich mit dem Wafferftands- Glafe verbergen läfst) und ähnliche Praxis im Kampfeseifer erwachfen könnte, darf man nicht vorausfetzen, nachdem diefe Verfuche unter der Obhut ausgezeichneter Ingenieure vor fich gehen. Die englifchen Ausfteller vereinten fich aber zu dem beftimmten gemeinfamen Vorgehen: hier bei der Wiener Weltausftellung keine Heizproben vorzunehmen. Diefer bedauerliche Entfchlufs wurde mit der gröfsten Strenge aufrecht erhalten, und als einzelne Fabrikschefs ihre Locomobile zu vereinzelten( nicht Die Locomobilkeffe!. 87 Concurrenz-) Probeheizungen aus der Reihe ihrer Ausftellungsgegenstände in den Hof führen wollten, verwehrte diefs ihre Commiffion mit der vollen Autorität. Die Betreffenden liefsen dann andere Locomobile von England kommen, und mit folchen wurden auch jene( Strohheizungs-) Refultate erhalten, die fich gehörigen Ortes in diefem Berichte finden. Clayton& Shuttleworth in Lincoln. Die Locomobile diefer Firma find die verbreitetften der Welt. Ueber 13.000 Stück gingen aus ihren Lincolner Werkstätten hervor, und von den 4000 Locomobilen in Oefterreich ftammt die gute Hälfte von ihr. Den hierländifchen Verhältniffen entsprechend find die Feuerboxen gegen die übrigen englifchen Modelle ungewöhnlich erweitert, um eine gröfsere Heizund Roftfläche mit fich zu bringen. Die Conftruction ift die ganz normale. Der cylindrifche Keffel fchliefst fich mit einem Winkeleifen- Ringe an die gegen die Seitenwände des Heizmantels zu aufgebogene Krebsplatte und mit einem zweiten Winkelringe an die gröfsere Rauchrohr- Wand. Auch diefe ift im Aufsenkreife aufgebogen und trägt die Mantelfläche der Rauchkammer. Alle Niethungen find mit Maſchinen hergeftellt und halten felbft beim doppelten Betriebsdrucke ohne eine einzige Ausnahme abfolut dicht, wie ich mich oft überzeugte. Die Rohre find am Feuerende eingezogen( d. i. kleiner im Durchmeffer) und am Rauchende ausgetrieben, was das Herausziehen der keffeifteinbedeckten Flächen erleichtert und die Rohrwand fchont. Vorne drückt fie ein conifcher Stahlring ein, während fie rückwärts ziemlich weit vorftehen und einfach eingerollt bleiben. Die Feuerbox- Decke ift mit Deckbarren, die Seiten mit einem normalen Stehbolzen- Plane abgefteift und von der Stirn des Heizmantels ziehen je nach der Gröfse 2 bis 4 Ankerfchrauben durch den ganzen Keffei zur Rauchrohr Wand. Der Schornftein- Fufs und die Bügel und Deckel des verfteiften Mannloches find aus Schmiedeeifen, und letzterer nimmt gleich die Füllfchraube auf. In der Feuerdecke fteckt ein fchmelzbarer Pfropfen, was bei der oft unglaublich befcheidenen Intelligenz mancher Locomobilwartung nothwendiger ift als irgend anderswo. Die Sicherheitsventil- Hebel find aus Eifen, aber mit bronzegefütterten Augen angefertigt, und die Manometer von Schäfer- Budenberg„ Manchefter". Putzlöcher in der Boden- und in der halben Höhe des Heizmantels und in der Rauchrohr- Wand und ein Abfchlammhahn dienen nebft dem Mannloche zur möglichften Reinhaltung der Bleche von den Niederfchlägen. Der Maximal- Arbeitsdruck beträgt wie bei der Mehrzahl englifcher Keffel 4 Atmofphären. Die Heizfläche der achtpferdigen Locomobilen diefer Firma beträgt circa 14 Quadratmeter oder 175 Quadratmeter per nominelles Pferd. Der Roft o'52 Quadratmeter, 27 der Heizfläche, indem er den Querfchnitt der Feuerkifte von 0.8 Meter Breite und o 66 Meter Länge fchliefst. Im Cylinderkeffel von 0.83 Meter Durchmeffer befinden fich 30 Stück 65 Millimeter im Lichten weite eiferne Rohre( à 19 Meter lang), deren Gefammmit- Querfchnittsfläche genau o'r Quadratmeter oder 1/2 der Roftgröfse beträgt. Die Effe ift o 29 Meter weit und befitzt 1 des Roftes. Die vorderen Rohrringe haben im Lichten 50 Millimeter, was wohl einem Querschnitte von 1/8 Roftfläche gleichkäme. Jedoch kommt diefe Verengung auf den kleinen Querfchnitt nur örtlich( 6 Centimeter lang) vor und wirkt ähnlich der Feuerbrücke eines Stabilkeffels. Roftes, Mafsgebend bleibt allein die beträchtliche Rohrweite von faft% des 88 J. F. Radinger. In Verbindung mit der grofsen fpecififchen Heizfläche laffen fich daher folche Keffel leicht forciren, und da noch ein Blasrohr das Feuer anfacht, liefern fie genügend Dampf, felbft für doppelt fo grofsen Effect als ihre nominelle Stärke reicht. Diefs kann thatfächlich hier wie bei jedem anderen gefunden Organismus ohne befondere, unmittelbar gefahrdrohende Ueberanftrengung durch kurze Zeit hindurch gefchehen, während felbftverftändlich die Oekonomie am meiften gewinnt, wenn der Keffel mäfsig beanfprucht bleibt. Ranfomes, Sims& Head in Ipswich. Das hervorragendfte Ausstellungsobject diefer Firma war ein Locomobile für Strohheizung. Der Keffel felbft hatte eine innere Feuerkifte, o 92 Meter lang und o 79 Meter breit, welche einen ( Verbrenn)-Querfchnitt von o'72 Quadratmeter bot. Den Cylinderkeffel von o 83 Meter Durchmeffer und 1:82 Meter Länge durchzogen 48 Rohre von 56 Millimeter lichter Weite, woraus fich die Feuerfläche auf 18 Quadratmeter, der Roft auf 25 derfelben und der Röhrenquerfchnitt auf% des Roftes ftellt. Der Stroh Heizapparat felbft, eine gemeinfame Erfindung von Schemioth und Head, befteht aus einem leichten Bretertifche, an deffen Ende fich ein StachelWalzenpaar befindet. Eine der Walzen wird durch einen Riementrieb von der Schwungrad Welle her direct bewegt und die andere durch ein Kraufelrad mit genommen. Der Heizer bringt nun das Stroh auf die Tifchfläche, breitet es aus und fchiebt es den Walzen zu, welche die Partie erfaffend ihm Zeit zum Zutragen neuen Strohes gönnen. Ein an der Stirnfeite der Locomobile zwifchen Feuerkifte und Heizmantel eingenietheter flacher Rechtecks- Kranz bietet nun eine Heizöffnung, vor welche der Apparat gefchoben wird und durch die das breite, aus den Walzen kommende Strohband in den Feuerraum tritt. Die Verbrennung gefchieht nun fofort und hauptfächlich innerhalb jener Zeit, während noch die einzelnen Halme. von den Walzen niederhängen. Einige wenige( vier) tieferliegende Längs- Roftftäbe verhüten das Ausfallen unverbrannter Theile und geftatten ein lofes Vorftauen des Strohes in der Feuerbüchfe bei gefteigertem Betriebe. Zeitweilig wird der weite Zwifchenraum diefer Stäbe je mit dem aufftehen. den Zahne eines Rechens durchfahren, der fich unter diefem Rofte hin- und herfchieben läfst und die Kiefelafche entfernt, die fonft den Luftzug hemmt. Ferner befindet fich ober den Speifewalzen eine fchmale Fallklappe, durch welche die Feuerbleche öfter abgekehrt werden, das Anzünden erfolgt und auch fonft der Gang der Heizung überwachbar bleibt. Die Locomobilkeffel. 89 Die Rohre müffen öfter energifch durchfahren werden, und um die zähglafige Flugafche hinauszubringen, fehlen die Rohrringe an der Feuerfeite. Das Anheizen kann mit Holz etc. oder auch gleich mit Stroh gefchehen. So lange aber die Mafchine nicht geht, mufs ein Arbeiter die Zufuhrwalzen mittelft einer kleinen Kurbel drehen, welche nach abgeworfenen Riemen anzuftecken ift. Zu diefem Drehen gehört nur eine unmerkbare Kraft, aber eine Stunde und mehr Zeit, wenn der Keffel kalt war. Unter dem Rofte ift ein vorne offener Afchfall, vor dem ein gelochtes Wafferrohr quer läuft. Die Speifepumpe kann nun von Zeit zu Zeit einen zertheilten Wafferftrahl über die allfalls glühenden Abfälle ausbreiten und die Gefahr für das umliegende frifche Stroh dämpfen. Der Schornftein trägt oben ein kupfernes Funkengitter mit Deckblech; dadurch werden die mitgeriffenen kleinen Theile gekühlt und die anprallenden gröfseren fallen in die Rauchkammer zurück. Ich nahm nun über Einladung Mr. II e ad's am 16 Auguft 1873 eine Probe diefer Heizungsart am Locomobil 2688 mit gleichzeitiger Waffermeffung und Mafchinenbremfung vor. Die Ergebniffe diefes Verfuches find folgende Gewogene Strohmenge: ( Garben 77 Kilogramm) lofes Stroh 100'5 = 1775 Kilogramm. 99 Damit verdampfte Gefammt- Waffermenge während der 45 Minuten langen Verfuchsdauer: 365 Kilogramm, reducirt auf o Grad.. 330 330 Kilogramm. I Kilogramm Stroh verdampft daher 186 Kilogramm Waffer von o Grad. Die Verdampffähigkeit mittelguter Kohlen zu 6.5 angenommen, verhält fich bei gleichem Gewichte der Heizwerth des Strohes zu jenem der Kohle wie I: 3.5. Gebremft wurden an den Schwungring der fogenannt zehnpferdigen Locomobile bei conftant gehaltenem Druck von 70 Pfund englifch und conftanter Tourenzahl von 140 per Minute 18 6 Pferdeftärken. Fer Stunde und Pferd genügt daher eine Menge von 12'6 Kilogramm Stroh. In Rufsland follen bereits viele diefer Apparate in Thätigkeit fein und man rechnet für das Drefchen 8 bis 9 zu verbrennender für je 100 gedrofchene Garben. Eine einfache Rechnung gibt nun unter Zugründelage der örtlichen Preife das Mafs der Zuläffigkeit diefer Heizung. Im Allgemeinen wird bei einem Preife guter Kohlen gleich vier Mal dem des Strohes die Verbrennung des letzteren beftimmt vortheilhafter als der Verkauf fein, wenn eine Feuerung benöthigt wird. In den Fällen, wo wieder Holz oder Kohlen gebrannt werden follen, läfst fich der Apparat vom Keffel entfernen, eine Thüre vor den Schlitz fetzen und nachdem auf die Roftträger in der reuerbüchfe normale Stäbe gelegt worden find, die Heizung auf gewöhnliche Art vollbringen. Von den anderen Locomobilen( Keffeln) diefer Firma ift noch zu erwähnen, dafs jene für Expanfionsmafchinen mit zwei Pumpen verfehen werden, deren eine das kalte Waffer in ein Refervoir im Rauchkaften hebt, wo es faft bis 100 Grad Celfius vorgewärmt, von der anderen Pumpe angeíaugt und in den Keffel gedrückt wird. Durch diefes Vorwärmen des Speifewaffers wird eine bedeutende Brennmaterial- Erfparnifs erwirkt. R. Garett& Sons, in Suffolk. Ein wefentlich neues Ausftellungsobject diefer Firma bildete gleichfalls eine Locomobile für Strohheizung. 90 J. F. Radinger. + Der Keffel felbft beftand aus einer Feuerkifte von o 70 Meter Breite und o 60 Meter Länge, von deren Rückwand 28 Stück, je 60 Millimeter weiter Rohre zur Rauchbüchfe zogen. DieHeizfläche des achtpferdig genannten Keffels beftimmt fich daraus auf 125 Quadratmeter ( 155 per Pferd), die Roftgröfse auf 1/20 der Heizfläche und die Rohrquerfchnitte auf 12 des Roftes. Die Rohre find ohne Stutzen in die Feuerkifte gedrückt, was Bedingung für das Reinigen bei Strohheizung ift und von diefer Firma zuerft angewendet wurde. Der Apparat für die Strohheizung ift der denkbar einfachfte und befteht aus einem grofsen gufseifernen Trichter, welcher unter der gewöhnlichen Feuerthüre an der Keffelftirn fitzt und in den Heizraum mündet. Die Feuerung gefchieht nun durch das regelmäfsige Einführen gröfserer lockerer Strohballen durch den Trichter mit Hilfe einer eifernen Gabel. Ein einfacher Main, der damit eine von fonfther gewohnte Verrichtung übt, genügt dazu vollkommen, und da kein Mechanismus vorkommt, entfällt die Gefahr eines Unftandes von felbft. Der Strohballen in der Feuerbüchfe brennt nun frei in der Luft, da fein Ende, gleichzeitig einen falfchen Luftzug wehrend noch hinten im Trichter fteckt. Wie er niederbrennt, lichtet fich der Schlund und gibt dem Heizer das Zeichen zu frifchem Nachfüllen. Die niederbrennenden Halme werden dann von drei oder vier Stäben am Boden der Feuerkifte aufgehalten in den tiefliegenden Afclraum zu fallen. Die ober dem Feuerloche befindliche Heizthüre geftattet ein zeitweiliges Abkehren der Innenwände von der ſpinnwebartig glafigen Schlacke, welche die Strohverbrennung kennzeichnet. Durch diefe Heizthüre kann aber auch mit Kohle geheizt werden, nachdem auf die Roftträger in der Büchfe gewöhnliche Stäbe gelegt worden find. Ich nahm über Einladung des Generalagenten der Firma, Heirn Paul Kotzo, am 6. October 1873 eine Heizprobe mit gleichzeitiger Waffermeffung und Bremfung einer folchen Locomobile vor. o Grad Die Ergebniffe diefes 5812 Minuten dauernden Verfuches waren folgende: 163 Kilogramm. Gewogene Strohmenge. Damit verdampfte Gefammt- Waffermenge 380 Kilogramm reducirt auf 321 Kilogramm. I Kilogramm Stroh verdampft daher 197 Kilogramm Waffer von o Grad. Die Verdampffähigkeit mittel guter Kohle zu 65 angenommen, verhält fich bei gleichem Gewichte der Heizwerth des Strohes zu jenem der Kohle wie 1: 3.3. Gebremft wurden von diefer fogenannt achtpferdigen Mafchine an der Eafton'fchen Bremsfcheibe, unter Zufchlag von 12 Pferd als Reibungsarbeit des Apparates, 16 Pferdeftärken, wobei der Dampf während der Verfuchszeit von 72 auf 60 Pfund englifch und die Tourenzahl von 140 auf 120 per Minute fank. Pro Stunde und Pferd genügt daher eine Menge von 10 44 Kilogramm Stroh. Noch ift zu erwähnen, dafs der Fülltrichter einen auffchlagbaren Deckel hat, welcher den Feuerraum in den Ruhepaufen fchliefst, und dafs der Schornftein ein Funkennetz, aber ohne Blechdecke trägt. Dafs letztere nöthig wäre, bezeugton einige Brandlöcher in meinen Kleidern. In Ungarn follen bereits viele folcher ftrohgeheizter Locomobilen zur Zufriedenheit ihrer Benützer in Arbeit ftehen. Der Brief eines Gutsbesitzers gibt Die Locomobilkeffel. 91 nach deffen eigenen Proben noch günftigere Refultate an als ich felber fand, was vielleicht durch die Vergleichung mit fchlechteren Kohlen herrühren mag. Eine weitere Eigenthümlichkeit der Garett'fchen Keffel ift ein Strahl- Vorwärmer, nämlich ein concentrifches Zuſammenführen des in den Speifewaffer- Kübel zurückgehenden Wafferftrahles beim Leergang der Pumpe mit einem Theile des Abdampfes. Durch die Erwärmung des Speifewaffers( bis zu 60 Grad) wird auf diefe Art eine merkbare Brennmaterial- Erfparnifs gewonnen. ibid John Fowler& Comp. in Leeds haben für ihre Strafsenlocomobile Keffel faft normaler Conftruction. Bei einem( Nr. 2001) mafs die Heizbüchfe o 60 Meter in der Breite, o 79 Meter in der Länge und durch den Cylindertheil von o'74 Meter Durchmeffer gingen 22 Rohre, jedes 66 Millimeter weit und 17 Meter lang. Die Heizfläche war daher II Quadratmeter, wovon 3 auf den Roft entfiel der Rohrquerfchnitt hatte 1/64 der Roftfläche. Er arbeitete mit circa 7 Atmoſphären als höchften Druck und feinen Cylindertheil bildeten 8 Millimeter dicke Bleche.cont Aveling& Porter in Rochefter. Zum Betrieb der Strafsenwalzen und der Dampfkrahne wendet diefe Firma Locomobilkeffel an, welche fich in manchen Punkten von der Normalconftruction entfernen. Unähnlich dem Locomotivkeffel mufs diefer hier als organifches Glied im Zugmechanismus dienen und den Rahmen dort erfetzen. Zu diefem Zwecke find die Seitenbleche des äufseren Heizmantels befonders ftark( 14 Millimeter) und ftehen über den Keffel hinaus nach auf- und nach rückwärts vor. Oben tragen diefe Bleche viereckige Einfchnitte für die eingenietheten Kurbelachs- Lager und rückwärts nehmen Bohrungen die Vorgelegwellen auf. Zwifchen geniethet und als Traverfen dienend befinden fich die Stirnwand und die Oberdecke des Heizmantels. Letztere verwächft mit dem Cylinderkeffel und reicht bis in die halbe Rohrlänge, wo eine äufsere Bandverniethung die zweite vordere Blechtrommel, welche den Dampfcylinder und( vor der Rauchbüchfen- Thüre) die verticale Steuerwelle trägt, mit dem vollen Blechquerfchnitt ftumpf anftofsend hält. Die Rauchrohr- Wand erfcheint daher tief in diefe Vordertrommel verfenkt, und der Cylinderkeffel hat viel kürzere Rohre als ein äufserer Anblick vermuthen läfst. Der ausgeftellte Keffel eines 8 Tons Rollers( Locomobil Nr. 900) hatte eine Feuerbüchfe von o 50 Meter Breite, o 66 Meter Länge und o 80 Meter Höhe; er enthielt 24 Rohre von je 46 Millimeter lichter Weite und II Meter Länge. Die Heizfläche gibt fich daraus mit 5.8 Quadratmeter, der Roft mit o 33 Quadratmeter oder 17 bis 18 der erften. Die Rohrquerfchnitte von o'04 Quadratmeter betragen des Roftes. Die Bleche des Cylindertheiles waren 8 Millimeter ftark und die DampfSpannung betrug 612 Atmoſphären. Ein anderer gleicher Keffel[ Nr. 959] hat mit 8 Atmofphären zu arbeiten. lis had Die Feuerbüchs- Bleche waren unten ausgebogen und mit einem Winkel. eifen Kranze an den Aufsenmantel geniethet. Durch die vorgelagerten Zahnräder- Wellen und die hochgelagerte Plattform, welche über der Hinterachfe liegt, erfcheint die Keffelftirn ftark gedeckt und es erübrigt der Platz für die Armirung um fo fchwerer, als auch die vorragenden Seitenbleche den Raum verfchmälern und hinten ein Kohlenbehälter liegt. R. Hornsby& Sons in Grantham. Hier zeichnen fich die Locomobilkeffel durch den überhöhten Heizmantel aus, deffen Bleche den Dampfcylinder um. fchliefsen Eine Locomobile diefer Firma( Nr. 2359) betrieb mit 4 Atmosphären Druck die Reparaturs- Werkstätte der Ausftellung. Ihre Feuerkifte war o'66 Meter breit, 92 J. F. Radinger. 0 40 Meter lang und 26 Rohre von je 50 Millimeter Weite zogen 18 Meter entlang Die Heizfläche rechnet fich hieraus 9 Quadratmeter, wovon die Roftgröfse 1/34 beträgt. Der Rohr- Querfchnitt bot 15.3 des Roftes. Auffallend waren die faft 2 Meter langen S- förmig gebogenen Belaftungs hebel der Sicherheitsventile, deren Gehäufe in brandrother Farbe prangten. Die Reading Iron Works ftellte Locomobile aus, welche der Niethungen in der Feuerbox gänzlich entbehrten, indem dort die aufgebogenen Lowmoorbleche an ihren Stöfsen durchwegs gefchweifst waren. Der cylindrifche Rauchkammer- Mantel war doppelt und der Zwifchen raum diente als Vorwärmer des Speifewaffers. Dort foll es auf 100 Grad Celfius erwärmt werden, und die Firma behauptet, dafs ein bei einem Preisheizen errungener Erfolg( 108 Kilogramm Kohle per Stunde und gebremften Pferd) hauptfächlich von diefer Vorwärmung abhängt. Stephen Lewin in Poole Dorfet. Diefe Locomobile fiel durch die fcandalöfe Rohheit ihrer Ausführung auf. Robey& Comp. in Lincoln. Die„ Patent"-Locomobilkeffel diefer Firma haben die Seitenwände der Feuerkifte unter Roft und Afchfall verlängert und die Wafferwand reicht noch horizontal unter demfelben hindurch. In diefem tiefftliegenden grofsen, keiner Heizung mehr ausgefetzten Raume fammeln fich Schlamm und Steinfplitter, werden durch den Ablafshahn leichter ausgeblafen und derart fcheinen die Heizbleche bei fchlechtem Waffer, wofür diefes Detail beftimmt ift. beffer gefchont als fonft. Die Heizthür- Oeffnung war ganz durch das ausgetriebene Vorderblech der Feuerkifte gewonnen und der Afchfall mündete mit einem Winkelringe. Die Boden. wände waren flach und lelbftverftändlich mit Stehbolzen verfehen. Die Speifewaffer- Vorwärmung durch directenAbdampf eines der Sicherheitsventile unter Kappe mit Vorhängefchlofs und die übrige Ausrüftung ftimmten ganz in die Mehrzahl der übrigen Locomobile. Rufton Proctor& Comp., Lincoln. Die Locomobile diefer Firma zeigten die gewohnten guten Verhältniffe englifcher Keffel. Eine reichliche Heizfläche ( 20 bis 18 Quadratmeter per Pferdekraft), Roftfläche 1/30 der Heizung und RohrQuerfchnitt 1 des Roftes find auch hier normal. Ein zehnpferdiger Keffel( Nr. 2937) hatte eine 0.87 Meter breite, o 68 Meter lange Feuerbüchfe und 32 Rohre, deren jedes 72 Millimeter weit und 2:13 Meter lang war. Die Heizfläche berechnet fich daraus zu 18 Quadratmeter und die Verhältniffe finden fich oben angeführt. Diefe Keffel haben nur 3% Atmoſphären als Maximaldruck beftimmt, welchem die 8 Millimeter dicken Bleche des 0.84 Meter weiten Cylinders reichlich widerftehen. Der vordere Sicherheitsventil- Hebel ift aus Bronze, während die directe Belaftung eines zweiten Sicherheitsventiles im Keffelinnern hängt. J.D. Garett, Buckau bei Magdeburg. Diefe Locomobilen zeichneten fich, was den Keffel betrifft, dadurch aus, dafs weder beim unteren Abfchluffe des Heizmantels, noch bei der Feuerthüre ein eingenietheter Kranz- oder eine Winkeleifen- Verwendung vorkam, fondern die Blechränder je bis zur halben Entfernung einander zugetrieben und direct verniethet waren. Eine Krebsplatte mit Kreisflanfch gegen den Cylinderkeffel und aufgebogenen Borden gegen die Kifte zu zeugte gleichfalls von gefchickter Keffelfchmiedung, indem die kleineren Dimenfionen ftärkere relative Faferftauungen und Streckungen verlangen. Zwei Eck- Zugftangen gingen vom Cylindertheile zur Stirnplatte und entiafteten die gebogenen Kanten der Krebswand. Die Locomobilkeffel. 93 Der Keffel Nr. 531 in der Ausftellung hatte o 83 und o 65 Meter zur Breite und Länge der Feuerkifte und befafs 30 Rohre je 2:13 Meter zwifchen den Rohrwänden lang und 64 Millimeter im Lichten weit. Die Heizfläche beftimmt fich daraus mit 15 2 Quadratmeter, die Roftgrösse 128 und die Rohrquerfchnitte betragen 5 davon. Er hatte mit 4 Atmofphären Ueberdruck zu arbeiten und die Bleche des 0.84 Meter weiten Cylinderk effels waren 9 Millimeter dick. Garett. Andere Locomobile waren noch ausgeftellt von Marfhall Sons& Comp. in Gainsborough. E. R.& F. Turner in Ipswich hat einen ähnlichen Strahlvorwärmer wie Woods& Comp. in Stowmarket. Kockum's Mek. Werkftad in Malmö. Die Speifepumpe hatte nur ein Druckventil, aber einen Windkeffel aus Meffing, und das Speiferohr formte im Rauchkaften eine Schleife. Die franzöfifchen Locomobile. Die Locomobilkeffel franzöfifcher Conftruction haben meift eine Feuerbüchfe, welche im Grundriffe zwei Drittel eines Kreifes bildet, der durch die ebene Rohrwand befchnitten ift. Der Heizmantel ift dann ein reiner Vertical cylinder von beträchtlicher Höhe, an den fich der runde Horizontalkeffel in ftark gefchwungener Durchdringungslinie mit Hilfe eines Winkeleifen- Bandes fchliefst. Die ebene Rohrwand mufs unten mächtig ausgebogen werden, um fich zum eingenietheten Boden Schlufsringe zwifchen Heizmantel und Feuerbüchfe zu finden, und der Kreisroft untergreift diefe überhängende Blechwand. Der Cylinderkeffel ift meift fehr klein im Durchmeffer und fo tief gerückt, dafs er viel höher als die englifchen Keffel und felbft gänzlich mit Feuerröhren gefüllt erfcheint. Der überhöhte Heizmantel dient dann als Dom, deffen Kreisdecke mit der Feuerdecke durch eine centrifche Hängfchraube gekuppelt ift. Eine Reihe kleinerer artiger Detailconftructionen fügen fich dann noch an. Wohl bauen auch einige franzöfifche Firmen die Locomobilkeffel mit viereckigen Feuerkiften, wie ich es z. B. von Flaud und von Vincent beftimmt weifs. Diefe traten aber in der Ausftellung nicht auf, und da auch Andere fehlten, welche runde Feuerbüchfen machen( Claparede, Caftor etc.), fo kann immerhin die vorgeführte Form als die heute charakteriftifch franzöfifche gelten. Alle arbeiten mit höherem Drucke als in England beliebt ift, und gewöhnlich erfcheinen 6 bis 7 Atmoſphären gewählt. Faft durchwegs ift ein Drehhahn im freiliegen len Dampfrohre zur Regulirung des Ganges verwendet, und ftets fitzen die Sicherheitsventile direct neben einander auf einem gemeinfamen Paarftutzen. nasbail odos Bede& Comp. in Verviers. Der Keffel der Strafsenlocomobile diefer Firma pafste völlig in den eben befchriebenen Typus. Die Feuerbüchfe( der Roft unten) hatte 0.68 Meter, der Aufsenmantel o 84 Meter Durchmeffer. Die Rohrwand fchnitt derart in die Feuerbüchfe, dafs fie gegenüber der Heizthüre nur o'53 Meter als gröfste Tiefe befafs.druh mosted slidea Die Feuerdecke lag o 9 Meter über dem Rofte und lag in gleicher Höhe mit der oberften Erzeugenden des die Röhren umfchliefsenden Langkeffels. Diefer hatte o 60 Meter Durchmeffer und war von 51 Röhren( à 45 Millimeter licht) gänzlich und völlig fymmetrifch erfüllt. Die Rauch- Rohrwand lag 162 Meter weit von derjenigen der Feuerbüchfe entfernt, war kreisrund, eben und mit einem Winkelringe angefetzt. 94 J. F. Radinger. Der Heizmantel hatte eine Höhe von über 2 Meter, diente in feinem oberen Theile als Dampfdom und enthielt dort ein grofses Einfteig- Mannloch ohne irgend eine Randverfteifung im Bleche. Am Langkeffel unmittelbar hinter dem Schornfteine befand fich noch eine kleine( o 26 Meter weite) Dampfhaube aufgeniethet, welche, um die Wafferfchwankungen zu brechen, nur durch die fiebartige Oeffnung einzelner gebohrter Löcher im Cylinderbleche mit dem Raume unten in Verbindung ftand, während oben ein Rohr zum grofsen Dampfraume führte. Diefs ift bei derartigen Locomobilen nöthig. indem fonft, befonders bei Fahrten bergauf der Wafferftand unruhig würde und die Rohre verbrennen könnten. Der innen o 2 Meter weite Schornftein war doppelwandig, und eine dop pelte Rauchkammer- Thüre fchlofs möglichft dicht. Die Heizfläche berechnet fich aus den eingangs gegebenen Abmeffungen auf 14 Quadratmeter, die Roftfläche auf 40 derfelben, die Rohre hatten einen Gefammtquerfchnitt von 15 und der Schlot kaum 11 der Roftgröfse. Diefer Keffel hatte mit 8 Atmoſphären zu arbeiten, und die Bleche der Feuerkifte mufsten, weil nicht gefchloffen, rund und ohne Stehbolzen ausgeführt, befonders dick genommen werden. Sie beftand aus 16 Millimeter, die Feuerbüchswie die Dampfraum- Decke( und die Rohrwände) aus 18 Millimeter ftarken belgi. fchen Eifenblechen. Albaret& Comp. in Liancourt Rantigny haben ganz diefelben Keffel wie die eben befchriebenen, nur war der Horizontalkeffel nicht voll bis oben mit Röhren gefüllt, dafür aber verhältnifsmäfsig länger. Sie arbeiten mit 6% Atmofphären und befitzen feitlich ein kleines Speiferefervoir, in deffen Waffer das darüber hinführende Auspuff- Dampfrohr wie eine Schleife eintaucht. An einer folchen fechspferdigen Locomobile garantirt die Firma einen Verbrauch von weniger als 2 Kilo Kohle per Stunde und gebremften Pferd. Del Ferdinand in Vierzon hatte diefelbe Art der Locomobile mit kreiscylindrifcher Feuerkifte. Die Ausftellungslocomobile unterfchied fich in nichts Erwähnenswerthem von den früheren als durch die Art der Speifewaffer- Vorwärmung, welche in einem vom Cylinder bis zur Effe reichenden Gufsrohre beftand, in deffen Längsachfe das kupferne Auspuff- Dampfrohr lag. In dem ringförmigen Zwifchenraume zog das Druckwaffer. Hermann Lachapelle in Paris. Die Locomobile diefes Haufes bildete einen Uebergang der franzöfifchen zur englifchen Form. Die runde Feuerbüchfe ( mit der abflachenden Rohrwand) ftand in einem äufseren Heizmantel, welcher ebene Stirn- und Seitenwände hatte, deffen Rückwand aber einem ftehenden Kreiscylinder angehörte. Letzterer verfchnitt fich mit dem Langkeffel, deffen obere Hälfte bis zur Stirnwand vorreichte und dort einen kleinen Gufsdom trug; fo blieb vom ganzen Stehcylinder nicht mehr übrig, als die kleinen charakteriftifchen Rudimente. Am Boden waren die Bleche fowohl der Feuerbüchfe als des Aufsenmantels nach auswärts geflanfcht und an eine ebene Fufsplatte geniethet; auch die Heizöffnung beftand aus einer getriebenen Platte, und überhaupt kam am ganzen Keffel kein Winkeleifen vor. Pferd. Diefe Locomobile befitzen durchwegs 13 Quadratmeter Heizfläche per Die Rofte find durchwegs 133 der Heizfläche, die Rohrquerfchnitte 1 bis 14, die Schornfteine 4 bis% des Roftes. Sie haben mit 612 Atmoſphären Ueberdruck zu arbeiten, geben aber garan tirt fchon bei 6 Atmoſphären und der Normalgefchwindigkeit den nominellen Effect. Der achtpferdige Keffel befitzt einen Roftdurchmeffer von o 65 Meter und hat 25 Rohre von 70 Millimeter Aufsen- oder 65 Millimeter Innenweite. Diefc Die Jocomobilkeffel. 95 find 173 Meter lang und die Gefammt- Heizfläche ftellt fich auf 10.7 Quadratmeter. Der Schornftein hat o 3 Meter Durchmeffer. Er foll 320 Kilogr. Waffer( 30 per 1 Quadratmeter) in der Stunde verdampfen, was bei den obigen, einer forcirten Feuerung angepafsten Verhältniffen wohl möglich ist. Die Ausführung aller Theile des Keffels und feiner Armirung war mufterhaft. J. Belleville in St. Denis gibt feinen Locomobilen den hier fchon früher befchriebenen und auch fonft bekannten Röhrenkeffel. Andere franzöfifche Locomobile hatten Keffel mit den rückkehrenden Rohren der gleichen Anordnungen, wie fie bereits bei den Halb- Locomobilen befchrieben erfcheinen. Daher entfällt hier deren Befprechung. Die öfterreichifchen Locomobile. Von den circa 4000 Locomobilen, welche gegenwärtig in Oefterreich arbeiten, find wohl 85 Percent englifches Fabricat und die im Inlande gebauten folgten dem eingeführten Mufter. Diefes findet fich in Zweckmässigkeit der Conftruction und Solidität der Ausführung auch im heimifchen Producte; aber das fremdländifche billige Material und die Vortheile der durch den errungenen Markt erwachfenen Maffenproduction ermöglichen keine Concurrenz trotz Fracht und Zoll. Dazu kommt noch der Umftand, dafs die Engländer über ein dichtes Netz von ausgezeichneten Agenten verfügen, und Dank ihres billigen Capitals grofse Lager fertiger Mafchinen halten können, wie es der fuchende Käufer liebt. Der Kauf befchränkt fich dabei faft nur auf wenige Wochen des Jahres( der Erntezeit) und ein bedeutender Vorrath fcheint Bedingung für diefes Gefchäft. Sie können längere Zahlungsfriften bewilligen, ohne dadurch oder den gehaltenen Vorrath folche Zinsverlufte zu tragen, wie es unferen Verhältniffen entſpräche, und endlich ift die complet zufammengeftellte auf ihren eigenen Rädern fahrbare Locomobile an und für fich leichter verfendbar als irgend eine andere Laft. Der Druck der auswärtigen Concurrenz ift fo ftark, dafs felbft von den inländifchen Fabrikanten manche die Keffelkörper ihrer Locomobile fremdwärts erzeugen laffen, und hier nur die felbftgebaute Dampfmafchine darauffetzend, die Vollendung beforgen. So legte Petry Chaudoir in Lüttich einen Locomobilkeffel in die Maſchinenhalle der Ausftellung und fchrieb darauf, dafs bereits 150 folcher Keffel von ihm nach Oefterreich kamen und weitere 24 dafür in Beftellung find. Der Arbeitsdruck beträgt bei den hier gebauten Locomobilen 5 bis 6 Atmosphären gegen 4 Atmoſphären in den englifchen. Ausgeftellt waren nur wenige öfterreichifche Locomobile, und diefer Bericht mag fich mit der Vorführung der einfchlägigen Keffel von G. Sigl in Wien befcheiden, aus deffen Fabrik noch weitaus die Mehrzahl aller inländifchen Locomobile hervorging. G. Sigl in Wien bringt Locomobile von 8 und 12 Pferdekraft. Die Keffel der erften haben 13.8, die der zweiten 20 7 Quadratmeter Heizfläche und Roftgröfsen von 0'49 und o 75 Quadratmeter, was je 1/28 der erfteren beträgt. Die ( 26 und 34) Rohre find je 70 Millimeter im Lichten weit und bieten den Gafen eine Gefammt- Querfchnittsfläche von 1/5 bis 1 der Roftgröfse. Per Pferdekraft 96 J. F. Radinger. entfallen daher bei beiden je 17 Quadratmeter Heizfläche und die reichlichen Roft- und Rohrquerfchnitte fichern ein verlässliches Arbeiten. Heizmantel und Cylinderkeffel gehen ohne Krebswand direct in einander über. Die Rauchrohr- Wand ift aufgebogen und in den verlängerten Cylinderkeffel eingeniethet, um welchen herum( mit einem eingelegten Zwifchenringe) die Rauch.büchfe fchliefst. Der untere Schlufskranz und die Feuerthür- Oeffnung find mit eingelegten maffiven Quadrateifen verniethet und überhaupt kommt kein Winkel. eifen am Keffel vor. Bei den achtpferdigen( zwölfpferdigen) ift die Feuerbüchfe o 66( 0.79) Meter lang und o 71( 0.95) Meter breit. Der Cylinderkeffel befitzt 182( 2.1) Meter Länge, 0.87( 0.9) Meter Durchmeffer und hat mit 8 Millimeter dicken Blechen dem inneren Drucke von 5 Atmoſphären zu widerftehen. Die Sicherheitsventile find am Keffel vertheilt, und wohlangebrachte Putzlöcher nebft einem grofsen Mannloche( mit verfteiftem Rande und fchmiedeeifernem Deckel und Bügeln) bei den Deckbarren geftatten das möglichfte Reinigen. Zum Schutze gegen das Funkenwerfen liegt in der Rauchbüchfe ober den Rohren ein Drahtgitter, welches den Vortheil der leichteren Reinigung bietet, wenn es auch leichter verbrennt, indem es nicht wie eine oben fitzende Schornfteinkappe von der Luft gekühlt bleibt. Andere öfterreichifche Locomobilkeffel waren noch ausgeftellt von der Fürft Liechtenſtein'fchen Fabrik in Adamsthal, Bernhard Eichmann in Prag und, wenn ich mich recht erinnere, der Mafchinenfabrik der k. k. Staatsbahn in Refchitza. Von diefen Firmen erhielt ich aber( im Gegenfatze zu englifchen und franzöfifchen Ausftellern) abfolut gar keine Mittheilungen über diefen Gegenftand, und auch zum Selbftftudium wie dort fehlte mir in Mitanbetracht der geringeren Wichtigkeit die Zeit. Die Heiz- und Sicherheitsausrüftung der Keffel. 97 Die Heiz- und Sicherheits- Ausrüftung der Keffel. Die eigentliche Ausrüftung für Bedienung und Sicherheit der Keffel, foweit in der Ausftellung Neues und Bemerkenswerthes davon vorkam, zu befprechen, übernahm ein anderer Berichterstatter. Mir erübrigen alfo nur noch die zwifchenftehenden Vorkehrungen gegen die Keffelftein- Ablagerung, die Heizapparate und die Schornfteine. Die Vorkehrungen gegen die Keffelftein- Ablagerung. Mittel, welche mit der nöthigen praktifchen Einfachheit jede Ablagerung von Stein an den Keffelwänden verwehren, gibt es nicht. Alle drei Methoden aber, welche diefes Uebel bekämpfen, nämlich Reinigung des Waffers vor der Verwendung, Keffelftein- Gegenmaffen und Schlamm( und Schaum-) Fänger, waren in der Ausstellung vertreten. Letztere crfcheinen bereits bei den einzelnen Keffeln erwähnt, bei welchen fie zur Anwendung kamen. Die Reinigung des Waffers vor feiner Verwendung war an den Meyn'fchen Keffeln der Carlshütte und bei den Sigl'fchen Keffeln( Patent Berenger) vorgeführt. Die Carlshütte begnügte fich, doppelt kohlenfaueren Kalk und Magnefia, welche die meiften Niederfchläge verurfachen, dadurch wegzufchaffen, dafs fie das Speifewaffer in einem( des Wechfels halber) zweier grofser Blechkäften in zertheilter Maffe verweilen läfst, welche der Abdampf der Mafchine durchzieht. Das Waffer fällt nämlich oben in den Kaften und im Zickzackwege über zwanzig eingefchobene Taffen, wobei es hoch erwärmt wird und die halbgebundene Kohlenfäure gröfstentheils verliert. Dann fallen aber die einfach kohlenfaueren Salze als unlöslich aus, und verbleiben auf den Taffen oder auf dem Coaksfilter, welches den Boden deckt. Das Mittel wirkt, wie ich mich verfchiedenen Orts überzeugte, beftimmt, aber doch nur theilweife, indem fämmtliche Kohlenfäure nur durch anhaltendes. Kochen ausgetrieben werden kann. Auch waren bei dem Meyn'fchen Keffel dennoch Schlammtaffen eingeftellt wie es bei deren Befchreibung oben erwähnt wurde; in diefen Taffen fanden fich ftets ganz beträchtliche Mengen von Niederfchlag. Der Berenger'fche Vorgang zum Weichmachen des Waffers, welcher in einem eigenen Zubau bei Sigl's Ausftellungskeffeln gepflogen wurde, ift gründlicher, aber etwas complicirter. Eine eigene kleine Dampfpumpe drückt nämlich klares Kalkwaffer( welches durch Abrühren von gelöfchtem Weifskalk mit dem hundertfachen Waffergewichte und Abfetzenlaffen erzeugt wird) rechtwinklig in das Zulaufrohr des Speifewaffers, worin fich beide mifchen und fämmtlicher doppelt kohlenfauerer Kalk in den unlöslichen einfach faueren verwandelt wird. Die fofort getrübte Flüffigkeit paffirt einen Windkeffel, worin fich die Vermengung und flockenförmige Ausfcheidung vollendet, und kommt nun durch ein Filter gereinigt in das Weichwaffer- Refervoir. Das Filter befteht aus Coaks und Holz- Hobelfpänen, welche zwifchen zwei Weidengeflechten in einem niederen Blechkeffel eingebracht find. Sein Widerftand, fowie das Auffteigen zum Refervoir mufs durch einen entsprechenden Ueberdruck des zulaufenden Waffers überwunden werden. Ob die Pumpe gerade die rechte Menge Kalkwaffers beibringt, kann durch zeitweilige( zweiftündige) Proben nachgefehen werden, welche einfach durch Ein7 x 98 J. F. Radinger. tauchen eines Streifens Curcumæpapieres und Zufchütten von frifchem Kalkwaffer in ein Glas voll gereinigten Waffers befteht. Wird erfteres geröthet, fo kommt zu viel, macht letzteres eine Trübung, fo kommt zu wenig Kalkwaffer zu, und der Gang der Pumpe wird darnach geregelt. Bei dem eben verwendeten Speifewaffer brauchte man circa 1/10 desfelben an Kalkwaffer und ein Filter von I Meter Durchmeffer und o.8 Meter Höhe läfst per Stunde etwas mehr als 3 Cubikmeter durch. Es hält ungefähr 14 Tage, bis es verlegt ift, wenn es nicht etwa ein plötzlicher Wafferdruck bis zur Undurchläffigkeit comprimirt. Stets find wenigftens zwei Filter für das Wechfeln noth. Nach dem Kalkzufatze könnte noch durch eine zweite Pumpe Soda oder Chlorbarium zugefpritzt werden, um auch den Gyps zu fällen. Diefs Ganze ift natürlich die rationellfte Art und entfernt beftimmt die fchädlichen Salze. Ob aber die Anlage- und( allerdings geringen) Erhaltungskoften, Raum etc. nicht ein Capital verlangen, mit deffen Intereffen man das Keffelputzen weitaus decken kann, und ob mögliche Störungen nicht dennoch verleidend auftreten iſt eine Specialfrage, die nicht allgemein zu entfcheiden kommt. - Bei den Ausstellungskeffeln wurde nur c'er kohlenfauere Kalk angefchafft, daher doch des Gypfes halber das Keffelputzen( aber feltener als fonft) nöthig wurde. Der Keffelstein- Apparat von Fr. Wohnlich. In Mitte eines Dampfdomes ſteht ein unten gefchloffenes Rohr aus Weifsblech, welches von der Kopfplatte des Domes bis zum Keffelboden reicht. Oben tritt das Speiferohr central hinein und mündet nahe dem unteren Ende des weiten Rohres, in welchem das Waffer auffteigt und an deffen Oberrande es überfällt. Aufsen trägt diefes Rohr eine aufgelöthete Spiralrinne, und das Waffer foll in diefer niederkreifend feine kohlenfaueren Salze ausfcheiden und zurücklaffen, indem es bereits ins Kochen kommend die halbgebundene Kohlenfäure verliert. Der Gyps foll dann durch Kochfalz und Catechu unfchädlich gemacht werden, welche zu gleichen Gewichtstheilen in einem gegebenen Verhältniffe zum Wafferinhalte des Keffels( ohne Analyfe?) einzubringen find. Von Zeit zu Zeit hat der Apparat gereinigt zu werden. Er ift wahrfcheinlich nur für kleine Keffel verwendbar, denn bei den riefigen Maffen, welche ein grofser Keffel gibt, würde er fich bald ganz begraben. Keffelftein Gegenmaffen allgemeiner Wirkfamkeit kann es felbftverftändlich nicht geben, nachdem die Mineralgehalte der Wäffer weit von einander weichen. Der Chemiker findet wohl die paffenden Zufätze und ihre Verhältniffe zu jedem Speifewaffer, welche deffen Rückstände entweder löfen oder pulve rig machen, jedoch in der Hand des Laien find alle diefe Mittel nur eine gefährliche Arznei. Oefter wird dann ein folches, für ein beftimmtes Waffer bewährtes, aber bei anderer Zufammenfetzung den Keffel unnöthig befchwerendes, wenn nicht gar fchädigendes Mittel von einem Unternehmer aufgefafst, mit billigen organifchen Subftanzen verunreinigt, um das„ Geheimnifs" zu bedecken, und dann Jedem verkauft, der es( über-) zahlt. In die Ausftellung kam nur: Die Keffelftein- Maffe von Carl König in Wien. Es ift immer erfreulich, wenn Jemand durch feine Erfindung nicht felbit enttäufcht wird, und Herr König ift fortwährend überzeugt, dafs feine Maffe zu„, 40 bis 65 Percent Erfparung an Brennmaterial und zur Verhütung jeder Exploſion bei Dampfkeffeln dient". Diefe Maffe befteht nur aus vegetabilifchen Stoffen, und wie es ein Handelschemiker in Hamburg dem Herrn König beftätigte, enthält fie Nichts, was dem Keffel oder den Ventilen fchädlich wäre. In der Ausftellung wurde fie einmal verfucht und hat fich auch dem Keffelfteine gegenüber ähnlich verhalten. Von den zahlreichen Atteften( hiefiger Firmen), welche während der Ausftellung darüber vertheilt wurden, war Keines unter zwanzig Jahre alt. Die Heiz- und Sicherheitsausrüftung der Keffel. Die Heizapparate. 99 Weitaus die meiſten Heizungen der Keffel gefchehen auf dem ebenen normalen Rofte, deffen Einfachheit nichts und deffen Wirkungsweife bei entſprechen. der Conftruction und Wartung nur wenig zu wünfchen übrig läfst. Gute( manchmal auch nur complicirte) Roftconftructionen oder folche, welche ihre Befchickung nur auf rationellere Art zulaffen als es der gröbfte Unverftand will, werden von ihren Erfindern meift ,, rauchverzehrende" genannt. Derartige waren auch mehrere in der Ausftellung zu finden, und wenn auch wo immer fie im Gange waren das Epitheta getrübt erfchien, fo foll doch nicht beftritten werden, dafs fie unter gewiffen Verhältniffen der Empfehlung werth fein können. In der Ausstellung waren mehrere folcher Rofte im Betriebe, aber vergleichende Verfuche wurden nicht vorgenommen, obgleich es bei einer guten Zahl von Keffeln, welche je in zwei congruenten Exemplaren vorlagen, um fo leichter möglich gewefen wäre, als auch der Dampfverbrauch( z. B. für den Pumpenbetrieb} conftant zu erhalten war. Andere folcher Heizapparate lagen kalt und liefsen einen Schlufs auf ihre Wirkung noch fchwieriger zu. Jene nachträglichen Einleitungen frifcher oder erwärmter Luft in den Verbrennraum oder die Züge, welche manchmal verfucht wurden und die fich gleichfalls, Rauchverbrennungen" benennen, kamen auf der Ausftellung gar nicht vor. Die Planroft e. Um der Kleinkohle bei dünnen Spalten und langen( ftarken) Stäben dennoch genügende Luft zuzuführen, ift die Verwendung der Querfpalten mit feitlich angegoffenen Kämmen ein bewährtes Mittel. Hier werden öfter zwei bis drei Stäbe zufammengegoffen, welche entweder fämmtlich oder deren nur einer( dann der mittlere) die aufliegende Laft der Kohle trägt. Um die Roftftäbc kühl zu halten, find fie manchmal mit Afchenrinnen, Querfchnitten oben oder mit Fenfterungen in der Mittelhöhe verfehen. Erfteres war beim amerikanifchen Keffel der Fall, deffen ganz maffive einfache Roftbarren 15 Meter lang und oben 25 Millimeter dick waren. Ueber den Nafen erhielten fie 40 Millimeter Breite, fo dafs die einzelnen Spalten 25 Millimeter Luft boten und nur für grobe Kohle pafsten. Die Querfpalten etc. waren bei den englifchen und deutfchen Roften häufig verwendet, deren Stäbe meift o 6 bis o 8 Meter lang waren und Breitfpalten von 10 Millimeter Luft frei liefsen. In Oefterreich find fie gleichfalls häufig verbreitet, wo fie nach dem Patentträger„ Zoder" benannt werden. Die Roftftäbe von Brüder Nobak& Fritze in Prag( ausgeftellt in der landwirthfchaftlichen Abtheilung) beruhen auf gleichem Principe, nur ftehen die Seitenkämme nicht fenkrecht, fondern beiderfeits unter circa 60 Grad vom tragenden Längsftabe weg. Aehnlich dem erften find auch fie für die geringfte Kleinkohle brauchbar und follen noch den Vortheil haben, dafs die Schürftange leichter die Schlacken abfchneidet, aber dennoch die Zähne des Roftes beffer fchont. Für Kleinkohle ift ferner die Verwendung ganz einfacher dünner Stäbe, welche dann nur kurz fein können, in ziemlicher Verbreitung. Sie bieten bis 5 Millimeter weite Spalten, aber weil die Roftfläche viele folcher Stäbe verlangt, kommt fie leichter in Unftand, als wenn fie aus weniger, aber zufammengegoffenen ftärkeren Stäben mit Querfugen befteht. Die dünnen, einfachen Stabe waren unter Anderem beim Dingler- und beim Sulzer- Keffel zu finden, wo fie( beim letzteren) diefer Bericht befchreibt. Schiefe Rofte werden für Dampfkeffel- Feuerungen wenig mehr verwendet und waren in der Ausftellung nur unter öfterreichiſchen Keffein zu finden. Jener im öfterreichifchen Keffelhaufe bei G. Sigl war der Zeh'fche Schüttelroft, deffen Längsftäbe nach einem kleineren Winkel, als derBöfchung des Kleinmateriales entſpricht, geneigt liegen. Durch eine von der Speifepumpe getriebene Transmiffion oder von der Hand des Wärters werden fie nun zeitweilig leife um ihre 100 J. F. Radinger. Längsachfe ofcillirend gefchüttelt, wodurch die Afche durchfällt und die Kohle nach abwärts gleitet. Oben ift aber ein Fülltrichter mit Stellfchieber, durch welchen das Material fich erfetzt. Die Schlacke fammelt fich endlich unten auf einem Kipprofte. Dabei kommt kein Oeffnen einer Heizthüre vor, aber fchliefsbare kleine Schaulöcher geftatten den Verfolg des Feuers. Der Bolzano- Roft, der ähnlich wirkt, erfcheint fchon oben bei den Bolzano- Tedesco- Keffeln befchrieben, nachdem er diefer Firma eigenthümlich ift. Von neueren Heizapparaten waren nur noch drei ausgeftellt: F. A. Grüner's Dampfkeffel- Feuerung( Oederau in Sachfen) befteht aus einem fchwach muldenförmigen Rofte mit querliegenden Roftftäben, welcher durch einen feitlichen Fülltrichter und Füllftollen befchickt wird. In dem langen Füllftollen foll die Kohle vorgewärmt werden und keine kalte Luft in den Keffel kommen, wenn jene vorgeftofsen wird. Aufser diefer feitlichen Füllöffnung befindet fich aber noch eine Thüre in der Stirnwand zum Schlackenputzen. Diefe kann nicht geöffnet werden, ohne den Rauchfchieber bis auf eine ganz fchmale Oeffnung( 2 Centimeter) zu fchliefsen, indem der Thürkegel eine Rolle trägt, um welche die Regifterkette gefchlungen ift. Diefe Rolle wird nicht direct, fondern durch eine feintheilige leicht lösliche Klauenkuppelung mitgenommen, wodurch die Verftellbarkeit des Schiebers von Hand aus gewahrt bleibt. Das Kohlenerfparnifs foll dabei laut Profpect ,, bis 30 Percent mindeftens" betragen. Dillwyn Smith'fcher felbftthätiger Feuerungsapparat. Im deutfchen Keffelhaufe war von den Patenterwerbern Pieper& Heine in Dresden ein völlig neuer Feuerungsapparat aufgeftellt, mit welchem eine hohe Erfparnifs, aber nicht durch befonders höhere Ausbeute des Heizmateriales, fondern durch die Verwendung desfelben in deffen billigfter Form der Staubkohle erzielt werden foll. Der Apparat befteht aus einem flachen gufseifernen Kaften, welcher ober der mit Spaltfchieber verfehenen Heizthüre an den Feuerraum mündet. In diefem Kaften drehen fich rafch zwei Kreisplatten, deren je vier angegoffen niedrige, radiale Flügelrippen den Kohlenftaub ins Feuer fchleudern, welches fich aus den niederfallenden gröfseren Theilchen vom Rofte aus entwickelt. Die Verbrennung des Staubes gefchieht alfo in jener heifsen Luft, die für die liegende Schicht überflüffig durch die Roftfpalten kommt, und foll Folge deffen ziemlich vollſtändig und rauchfrei vor fich gehen. An anderen Beftandtheilen enthält der Apparat noch einen feitwärts ftehenden Fülltrichter, aus dem der Kohlengries in ein weites, horizontales Gufsrohr finkt, in welchem fich eine Fortbewegungsfchraube langfam dreht. Das Rohr mündet oberhalb zwifchen den beiden Schleuderplatten und diefe ftreuen den Staub über die Gluth. Die zugeführte Kohlenmenge läfst fich auf doppelte Art reguliren; erftens ift die Weite der Einfallsfpalte mit einem Schieber verftellbar, und zweitens erfolgt der Antrieb der Speifefchnecke mittelft Schraubenrad und einem Riemen- Conuspaare von einer verticalen Haupt- Antriebswelle aus. An dem Fufse der letzteren fitzt nämlich die eine Schleuderplatte, während die andere durch einen gekreuzten Riementrieb oben mitgenommen wird. In ihrer halben Höhe trägt aber die Welle einen nach aufwärts zulaufenden Riemenconus, von welchem der Riemen zu jenem abwärts fpitzen Conus führt, der auf der Verticalwelle des Wurmrades fitzt. Diefer greift in das Zahnrad der Zubringungsfchnecke ein, deren Tourenzahl oder Leiftung fich nun durch Verfchiebung des Riemens an dem Conus in weiten Grenzen ändern läfst. Die Schleuderteller hatten ungefähr je 350 Millimeter Durchmeffer und 30 Rippenhöhe. Ihre Achfen waren circa 380 Millimeter von einander entfernt Das Gufsrohr, in welchem die( gufseiferne) Schnecke ging, hatte 200 Millimeter Die Heiz- und Sicherheits- Ausrüftung der Keffel. 101 lichte Weite, und war mit zwei Putz- oder Schaulöchern verfehen. Zum Betriebe foll Pferdekraft ausreichen, was ganz glaubwürdig erfcheint. Diefer Apparat verbrennt nun thatfächlich Staubkohle nach Profeffor Weifs's verlässlichem Zeugniffe. Die Verdampffähigkeit derfelben ftellt fich etwas geringer heraus, als jene der Stückkohle, weil, abgefehen von der geringeren Reinheit, wahrfcheinlich einige Percente des Keffelftaubes unverbrannt durch die Effe gingen. Da fich aber der Preis loco Grube zwifchen beiden Sorten ungefähr wie 2: I verhält, fo ift dort ein ganz bedeutendes Erfparnifs gewifs. In weiteren Entfernungen vermindert fich der Vortheil, weil die gleichbleibende Centnerfracht den Preisunterfchied mehr und mehr verwifcht; aber dennoch bleibt er pofitiv, wenn keine anderen Nachtheile vorkommen, was ich bei dem leer und kalt ftehenden Ausftellungsapparate nicht beurtheilen konnte. In England follen deren einige fechzig in Thätigkeit fein. Alex. Friedmann's Heizung der Schiffskeffel. Nachdem der Erfinder felbft den Bericht über das Marinewefen geliefert hat und darin diefe vorgefchlagene und in Zeichnung ausgeftellte Feuerung ausführlich behandelt( auch die Schiffskeffel überhaupt diefer vorliegenden Arbeit entfallen), fo wäre hier keine Erwähnung derfelben noth. Weil aber diefe Feuerung auch für ftabile Keffel ihre Zukunft haben kann und dafür fofort anwendbar fcheint, wenn fie fich nur erft bei dem eben in Ausführung begriffenen Verfuche bewährt, fo gebührt ihr auch hier der Platz. Alex. Friedmann fchlägt vor, einen Schachtofen, ungefähr wie einen grofsen Cupolofen, ohne jedweden Feuerroft, aber mit einer verfchliefsbaren Gichtöffnung und Gasauffang- Vorrichtung verfehen aufzuftellen, und mittelft eines Ventilators oder fonftigen Gebläfes und mittelft Zufchläge behufs Verwandlung der Afchentheile in flüffige Schlacke zu betreiben. Die Füllung foll mittelft eines Kipptroges( Tabernakel) von der Gicht aus erfolgen, fo dafs der Abfchlufs des inneren Brennraumes von diefer Seite ein ftetiger bleibt. Die Gebläfeluft foll aus einem äufseren concentrifchen Mantel, der als Windrefervoir und Luftvorwärmer dient, durch Düfen in den Ofen ftrömen und die unterfte Kohlenfchichte zu Kohlenfäure verbrennen. Die dabei auftretende hohe Temperatur wird die Schlacken niederfchmelzen, welche zeitweilig durch eine Form abzuziehen find. Die entstandene heifse Kohlenfäure aber fteigt durch die nächfthöheren rothglühenden Schichten der Kohle des Ofens. In Berührung mit diefen reducirt fie fich zu Kohlenoxydgas, welches nun nebft den Producten der trockenen Deftillation in den oberften Theilen und ziemlich abgekühlt zum Gasfang kommt, von wo fie die Gasleitung unter den( die) Keffel führt. Dort wird fie nun fo verbrannt, wie es bei Feuerungen mit Gichtgafen erprobter Weife gefchieht. Durch einen derartigen Gasofen würde das Heizen leicht, und der Vortheil der neuen Methode müfste ihr defto fchneller Bahn brechen, je mehr Feuerftellen nebeneinander ftehen und je mühfamer die Bedienung der Rofte fei es wegen der Gröfse oder der Kohlenbefchaffenheit gegenwärtig ift. Ich erkundigte mich bei einem unferer erften Chemiker, welcher mir das Thatfächliche der eintretenden Reduction der Kohlenfäure zu Kohlenoxydgas beftätigte, wenn erftere vor den Düfen entſtehend durch die oberen glühenden Kohlenfchichten bricht. Vom Standpunkte der Ausführbarkeit kann alfo diefes Project kein Vorwurf treffen. Und follten die Verfuche, welche eben im Beginnen find, das factifche Auftreten der anderweitigen Vortheile darlegen, welche man von diefer neuen Heizmethode zu erwarten Recht hat, fo könnte eine durchgreifende Verbefferung der Heizanlagen und nicht nur auf den Schiffen allein erwachfen. Hauptfächlich wäre es dann die Luft, deren zuzuführende Mengen mit genauer Hand zu regeln 102 J. F. Radinger. S ftünde und eine volle Ausbeute des Heizeffectes der Kohle geben müfste, wie es bei keinem Rofte der Fall ift. Aber auch der Nachtheil des oftmaligen Heizthür- Oeffnens und die Mühe des Kohlenaufwerfens und Schürens würde gänzlich entfallen. Ferner wäre hier noch zu erwähnen: Wohnlich's Verfahren, die Abfälle der Coaks- und Steinkohlen- Feuerungen zu fcheiden und wieder zum Feuern zu benützen; es beſteht aus einem Wafchen und Sieben der Abfälle mit höchft einfachen Apparaten( Bottich und Siebe), wobei fich bei gewiffen Brennmaterialien und Heizungen ein nicht zu verachtender Gewinn zu ergeben fcheint. Sonft aber fchien anderes Brennmaterial als directe Kohle der Thatfache im Widerspruch, aber der Ausftellung nach kaum zu exiftiren. Von Heizungen mit Ueberhitzen oder( Hochofen etc.) Gafen fiel mir nichts Erinnernswerthes auf. Die Heizung mit Stroh ift eine gelöfte Frage und die dafür verwendeten ( neuen) Apparate find bei den Locomobilkeffeln, an welchen fie vorkamen, bereits befchrieben. Aber die Verbrennung von Sägefpänen, Lohe und ähnlichen Abfällen, worin in den letzten Jahren wefentliche Fortfchritte gemacht wurden, zeigte kein einziges Object. Schliefslich ift noch anzuführen: Petroleumheizung von F. Janke in Brünn. Der naheliegende Gedanke, Petroleum als Heizmittel einzuführen, fcheiterte bis heute am Koftenpunkte. Nach der chemifchen Zufammenfetzung berechnet fich deffen Heizkraft auf circa 11.000 Wärme- Einheiten, und daraus, fowie aus dem nachfolgenden Verfuche des Ingenieurs Janke ergibt fich der Heizwerth desfelben als ungefähr doppelt fo grofs als jener der Steinkohlen. Wären alfo die Preife im annähernd gleichen Verhältniffe, fo könnten Vortheile anderer Art wohl für deffen Anwendung fprechen. Heute ift aber diefes Preisverhältnifs mindeſtens 16: 1, das heifst dem Feuerungswerthe nach achtmal zu theuer, und fo verwehrt fich diefes Heizmaterial fchon aus diefem Grund allein. Anders würde fich bereits die Sache geftalten, wenn ftatt des raffinirten Productes die rohen oder jene„ Schweröle" genommen würden, welche bei der Deftillation des Rohpetroleums und des Ozokerits zurückbleiben. Diefe find der chemifchen Zufammenfetzung, alfo dem Heizwerthe nach dem theureren Producte gleich, werden aber nur der Erzeugung von Schmieren, von Leuchtgas und ähnlichen vereinzelten Verwendungen zugeführt, und ihr Preis ift nur ungefähr halb fo hoch oder noch weniger als der des überall gefuchten Leuchtöles. Auch wäre deffen höhere Entzündungstemperatur( 200 Grad Celfius) der Grofsverwendung günftiger, indem unter Anderem auch die Gefahr mit dem Steigen jener finkt. Die Ausftellung zeigte aber keinen Verfuch einer neuen derartigen Verwendung des letzteren zur Heizung, welche überdiefs noch immerhin( bei uns) drei bis viermal theuerer käme als mit Kohlen. F. Janke fuchte aber durch Zeichnungen zu verfinnlichen, wie er fich die Verwerthung des raffinirten Petroleums zu Heizzwecken denkt. Unter dem betreffen. den Röhrenkeffel foll einfach eine gröfsere Zahl von gewöhnlichen, grofsen Petroleumlampen mit Rundflammen brennen. Da deren Gläfer nie fpringen und keine Lampe raucht, fo wäre die Wartung leicht und ein Schornftein unnöthig. Für die Kleininduftrie follte die Keffelfeuerung gleichzeitig das Arbeitslocal heizen und beleuchten. Herr Janke theilte Verfuche mit, welche er an einem älteren Keffel von 0.5 Meter Durchmeffer und 1 Meter Länge mit 10 Stück Petroleum RundbrennerLampen( Dochtdurchmeffer 40 Millimeter) angeftellt hatte, wobei der Waffer Die Heiz- und Sicherheits- Ausrüftung der Keffel. 103 inhalt von 425 Kilogramm in 100 Minuten von 15 auf 100 Grad Celfius erwärmt wurde. Nach 30 weiteren Minuten zeigte das regelmäfsig anfteigende Manometer circa 12 Atmoſphären und nun wurde eine Stunde lang der fich bildende Dampf bei I Atmosphäre Druck im Keffel abgelaffen. Darauf wurde der ganze übrige Dampf freigegeben, und nun ergab fich das( nicht näher klargeftellte) Refultat, dafs das Petroleum fein vierzehnfaches Gewicht an Waffer verdampfte. Die Schornfteine. Die für die Verbrennung nöthige Luftmenge wurde den geheizten Grofskeffeln der Ausftellung ausfchliefslich durch den natürlichen Luftzug hoher Kamine befchafft. Auch unter den übrigen Ausftellungsgegenständen war mit felbftverſtändlicher Ausnahme der Verwendung des Blasrohres bei Locomobil- und Locomotivkeffeln kein anderes Luft- Förderungsmittel für die Keffelfeuerung vorgeführt, und fo erfcheint denn diefes als das allein herrfchende. Die Schornfteine der Ausftellung hatten mit geringen Ausnahmen je 30 Meter Höhe und einen Querfchnitt, welcher 1/3 bis 14 der zu verforgenden Roftfläche entſprach. Alle waren mit Rückficht ihrer Verwerthbarkeit nach der halbjährigen Benützung in Eifenblech ausgeführt, und entbehrten oben frei mündend aller Funkennetze, Zugsklappen, Regendächer, Blitzableiter und ähnlicher Beigaben zweifelhaften Werthes. Faft fämmtliche Schornfteine wurden von der Mafchinenfabrik Bolzano, Tedesco& Comp. in Prag- Schlan geliefert, und diefe hatten durchwegs 30 Meter Höhe Schaft und einen in Cement gemauerten Unterbau, deffen Höhe ober dem Grund zwifchen I und 32 Meter fchwankte. Der Schaft beftand ftets aus 32 conifchen einfachen Trommeln, deren unterfte vier in 6 Millimeter, die mittleren vier zehn in 5 Millimeter und der oberfte Reft in 4 Millimeter dickem Bleche ausgeführt waren. Unten war jeder Schornftein mit einem Winkelringe an die Kreisflanfche eines Gufskranzes gefchraubt, welcher mit der quadratifchen Grundplatte durch ein cylindrifches, rippenverfteiftes Zwiſchenftück zufammengegoffen war. Jede Grundplatte hielten vier nach abwärts divergirende Fundamentfchrauben nieder, die tief im Mauerwerke ihre Gegenplatten untergriffen. Im oberen Drittel der Höhe fetzten fich drei Sturmketten mit Spannkloben an, welche meift an Pilotenköpfen mit Durchfteckfchrauben hingen. Oben endete jeder Schaft fchmucklos cylindrifch und nur mit einem umnietheten Flacheifenringe armirt, der eine kleine Kettenrolle trug. An grofsen Kaminen wurden durch die Generaldirection eilf Stück in vier Gröfsen aufgeftellt, und zwar: 4 Stück à o 79 Meter Durchmeffer, 30 Meter Höhe je für die Keffelhäufer Amerika, 4" 2 m " " I OO P " 9 I'20 " I" " 1.26 " 29 Frankreich, Belgien und die Schweiz; 30 Meter Höhe bei den Keffelhäufern England, und Oefterreich( I für Cater- Walker- und für Howard- Keffel zufammen, je I für Niederdruck-, Hochdruck und Fontainen- Wafferleitung, alfo: I für Fink- und Fairbairn- Keffel zufammen, I für 2 Dupuis- und 1 für 2 Tedesco- Keffel); 30 Meter Höhe für die Keffelhäufer Deutſchland und Oefterreich( 1 für Affolter- und 2 Paukfch. Freund- Keffel zufammen, I für die 3 Keffel von Sigl); 30 Meter Höhe für das Keffelhaus England( für die 2 Galloway- und die 2 Adamfon- Keffel zufammen). 8 104 J. F. Radinger. Die Heiz- und Sicherheitsausrüftung der Keffel. Die Gewichte und Preife diefer Schornfteine ftellten fich folgendermafsen: Gewicht in Kilogrammen. Durchmeffer in Metern 0.79 I OO I'20 1.26 Gegenplatten, Ankerfchrauben und Muttern Fundamentplatten Schaft fammt oberem Ringe und Rollen. Schrauben, Sturmketten und Kloben • • Gefammtgewicht. · - 251 630 • 520 532 740 753 3308 4065 4635 4824 172 1 72 225 233 4000 5020 5600 6440 Zu den Schornfteinen von 0.79 und 120 Meter wurden die Fundirungstheile anderwärts bezogen. Die Totalpreife betrugen 44 fl. bis 40 fl. per 100 Kilogramm, fallend nach der fteigenden Gröfse. Daraus ergibt fich das Eifengewicht des Schornfteines von I Meter Durchmeffer mit 167 Kilogramm( bei 1 26 Meter mit 215 Kilogramm) per Meter Schaftlänge und der Preis 68 fl. 81 kr., was ungefähr auch ein fteinerner Schlot koftet. Bei diefen Preifen war die Aufftellung( exclufive Fracht) mit inbegriffen, jedoch wurden die Ausgaben für Taglöhner, Gerüftung, Winden etc. von der Generaldirection getragen. Die Kamine wurden in drei Theilen gefandt, an Ort und Stelle verniethet und in einem Stücke aufgeftellt. Ausserdem beforgten einige Ausfteller ihre Kamine felbft. Die Einmauerung fämmtlicher Keffel wurde vom Bauunternehmer Ingenieur Seliger in Wien nach den Originalplänen der ausftellenden Firmen in einer Weife vorgenommen, welche felbft ein vorzüglicher Ausftellungsgegenftand war. Er proponirte, die Schornfteine nach feinem Patente doppelwandig in 15 Centimeter dickem Ziegel- Mauerwerke mit einer Luftfpalte zwifchen aufzuführen. Diefes wurde aber durch die Zeit verwehrt. Die Kohlen für die Heizung der ausgeftellten Keffel wurden von der General direction unentgeltlich beigeftellt; ihr felbft lieferte fie eine grofse Kohlenfirma zu den Geftehungskoften. 333 B 3 B S 33 B TMW- Bibliothek 0020921 2