TMW- Bibl WA 87/6 D 30 D BB WA8716 FAJ 559 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873. DIE KESSELARMATUREN UND SCHMIERVORRICHTUNGEN. ( Gruppe XIII, Section 1.) BUCHERE BERICHT VON VICTOR NOVELLY, 2. Ingenieur bei der Generaldirection der Wiener Weltausstellung WER Technologisches Gewerbe- xseum WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. DIE KESSELARMATUREN UND SCHMIERVORRICHTUNGEN. ( Gruppe XIII, Section 1.) Bericht von VICTOR NOVELLY, f. z. Ingenieur bei der Generaldirection der Wiener Weltausstellung. 6. KESSELARMATUREN. Einleitung. Es kann im Allgemeinen als eine erfreuliche Thatfache hingeftellt werden, dafs fich heute bereits eine ftattliche Anzahl von folchen Unternehmungen und Etabliffements vorfinden, welche das Princip der Arbeitstheilung durch Erzeugung von Specialitäten angenommen und durchgeführt haben. Befonders die hierdurch zum currenten Handelsartikel gewordenen Keffelarmaturen, die als integrirende Beftandtheile der Producte der Mafchinenfabriken früher ausfchliefslich von denfelben oder nach ihren Modellen und Conftructionen von den Gelbgiefsern für diefelben theils unbearbeitet, theils fertig hergeftellt worden waren, befinden fich feit einer kurzen Reihe von Jahren beinahe ausfchliefslich in Händen eigener folcher Fabriken, die fich einzig und allein mit der Anfertigung diefer Artikel befaffen und in Folge der hiedurch erlangten Möglichkeit, das Gefammtaugenmerk auf diefes Zweigfach des Mafchinenbaues allein concentriren zu können, find auch zu folch' hoher Stufe der Vollkommenheit gebracht, dafs es heute fchwer möglich ift, Neueres und Befferes vorzuführen, als diefs bereits bei der letzten Parifer Induftrie- Ausftellung gefchehen. Wenn wir nun diefem fpeciellen Gegenftande trotzdem etwas mehr Aufmerkfamkeit fchenken und auch folche Objecte in den gegenwärtigen Bericht aufnehmen, die nicht mehr abfolut neu find, fo gefchieht diefs hauptfächlich darum, weil eben diefe an und für fich doch fo wichtigen Gegenftände bis jetzt ftets fehr nebenfächlich behandelt wurden. I. Die Manometer. Die häufigft vertretenen waren die Metallmanometer und unter diefen wieder jene mit dem Bourdon'fchen, oder, wie in Deutſchland auch genannt, Schinz'fchen Federfyfteme. Weniger war die Schäffer'fche einfache Plattenfeder, fowie die Gäbler'fche doppelte Stahlplatten- Feder anzutreffen. Verticale gewellte I* 2 Victor Novelly. Plattenfedern hatte die New- Yorker Cleveland Steam Gauge Company in der amerikanifchen und die Firma Raven& Zabel in Quedlinburg in der deutfchen Abtheilung ausgeftellt. Manometer zur graphifchen Darftellung der Dampfspannungen waren in Amerika, England und Deutfchland vertreten. Die Art der Bewegungsüberfetzung von der Feder oder Platte auf den Zeiger war meift die mittelft Zahnrad- Segment. Es warenjedoch mitunter die complicirteften Hebelüberfetzungen anzutreffen und war die deutfche Abtheilung in diefer, wie auch überhaupt in quantitativer und qualitativer Richtung von allen übrigen Ländern, diefe beinahe alle zufammengenommen, unübertroffen; es waren nicht weniger als 22 Ausfteller von Manometern in der deutfchen Abtheilung vertreten; Amerika mit 3, England ebenfalls mit 3 und Frankreich mit 8, Oefterreich mit 2, exclufive der Manometer der verfchiedenen Fabriken, welche folche auf den Locomotiven und Dampfkeffeln hatten, die jedoch nicht als felbftftändige Ausftellungsobjecte fungirten. Die Zifferblätter, meift aus Metall, verfilbert oder lackirt, mit fchwarzer, refpective weifser Schrift; welch' letztere bekanntlich in der kürzeften Zeit oft total unlesbar wird. Die deutfche Firma Suckow& Comp. in Breslau hatte fehr fchöne mit weifsem Email überzogene Kupferplatten mit fchwarzer Schrift als Zifferblätter, eben folche hatten die meiften öfterreichifchen Fabricate, was wohl das Deutlichfte und Dauerhaftefte ift. Durchfichtige Glas- Zifferblätter mit eingeätzter rother Schrift hatten Bourdon und Schäffer- Budenberg; letzterer hatte für Leuchtmanometer matte Glas- Zifferblätter mit fchwarzer Lackfchrift angewendet. Zur Markirung der Maximalfpannungen find fehr zweckmäfsig an den betreffenden Zahlen grelle rothe radiale Striche gemacht und zur Controle Maximalzeiger angewendet, die vom eigentlichen Hauptzeiger, auf deffen Achfe derfelbe lofe auffitzt, einfach mitgenommen werden, jedoch nur in der Richtung der höheren Spannungen; beim Rückgange des Hauptzeigers( Sinken der Spannung) bleibt der andere ftehen, fo dafs ftets die höchft erreichte Dampffpannung erfichtlich gemacht ift. Zur Controle auch diefes Controlzeigers hat Schäffer- Budenberg auch noch auf der Rückfeite diefes Manometers mit verfperrbarem Deckel diefelbe Vorrichtung angebracht. Statt der bisher üblichen Art der Beleuchtung des Manometers mittelft feparater feitlicher Lampe hatte Schäffer Budenberg ein Manometer nach E. Rau's Syftem ausgeftellt, das hinter dem durchfcheinenden Zifferblatte und dem Mechanismus eines gewöhnlichen Federmanometers in der verlängerten Kapfel eine Oellampe hatte, die feitlich einführbar ift. Da hier das Zifferblatt felbft die Lichtquelle ift, der Zeiger auch keinen Schatten wirft, fo ift ersterer bedeutend in die Augen fallender und deutlicher sichtbar als bei feitlicher Lampe. Das Zifferblatt aus matt gefchliffenem Glas ift auch bei Tag auf gröfsere Entfernung fehr deutlich lesbar. Queckfilber- Manometer waren beinahe gar nicht ausgeftellt; wahrfcheinlich des fchwierigen Transportes wegen, was wohl auch das Unpraktiſche diefer Inftrumente für den Gebrauch darthut. Controlmanometer, wie folche von der Gefetzgebung des deutfchen Reiches vorgefchrieben, waren auch nur ausfchliefslich von deutfchen Fabrikanten. exponirt. Die im Betriebe befindlichen Dampfkeffel, die übrigen Locomotiven und Motoren hatten mit ganz geringer Ausnahme Röhrenfeder- Manometer der Firmen Bourdon oder Schäffer- Budenberg. Im Allgemeinen ift feit der letzten Parifer Induftrie- Ausftellung doch ein entfchiedener Fortfchritt in der gefälligeren Form und Ausftattung diefer Inftrumente erreicht worden. Keffelarmaturen. 3 Die Metallmanometer. Aufser der Anwendung gebohrter und gebogener Gufsftahl- Röhrenfedern für hohe Spannungen, wie folche Schäffer- Budenberg, Julius Blanke& Comp. in Merfeburg, Bourdon und Andere heute anfertigen, wurde betreffs des Materiales fonft nichts nennenswerthes Neue vorgeführt; immerhin aber ift diefe Anwendung des Gufsftahles ein glücklicher Gedanke zu nennen, wenn wir bedenken, dafs folche Röhren zur Indicirung bis zu 2000 Atmofphären( bei hydraulifchen Preffen) dienen, und wir uns hiefür ein entſprechendes Queckfilber- Manometer denken. - Die meifte Variation war in der Montirungsart der Feder und in der Ueber. tragung ihrer Bewegungen auf den Zeiger zu bemerken. Von diefen war entfchieden die befte und finnreichfte, weil die einfachfte, diejenige, welche die Röhrenfeder in der Mitte, im Untertheile des Gehäufes gefafst, den zwei freien Enden ungehinderte Ausdehnung geftattet und ihre Ofcilationen direct auf den Zeiger, der daher excentrifch, überträgt. Diefe Art war in fehr fchöner Ausführung von der Firma Gäbler in Hamburg unter der Benennung Locomotiv Röhrenfeder- Manometer ausgeftellt; nebft dem erwähnten hat diefe Art der Montirung noch den Vorzug für fich, bei Erkalten des Keffels abfolut kein Waffer in der Feder zurückzulaffen, was bei Manometern, die der freien Luft ausgefetzt find, von hoher Wichtigkeit ift. Die andere häufigft angewendete Art der Bewegungsübertragung von der einen vollen Kreis bildenden Röhrenfeder auf die Zeigerwelle war die mittelft des an dem blos einen freien Ende derfelben angebrachten verzahnten Kreisfectors, der, in die verzahnte Welle oder in ein auf der Welle fixirtes Zahnrädchen eingreifend, felbe, mithin den ebenfalls auf diefer Welle fixen Zeiger in Bewegung brachte. Es ift eben diefes Syftem das urfprünglich von Bourdon angewendete und hat fich auch bis jetzt der meiften Anwendung zu erfreuen, obzwar dasfelbe bei Weitem nicht fo praktiſch ift, wie das früher erwähnte von Gäbler; aufserdem hat es den grofsen Nachtheil des fteten Zurücklaffens von Condenſationswaffer in der Röhre, was, abgefehen von dem fo gefährlichen Einfrieren, noch den Umftand der fortwährend anwachfenden Verfchmutzung der Röhre nach fich zieht.* Im Principe mit demfelben Bewegungsübertragungs- Syfteme, jedoch mit verkürztem( Gäbler'fchem) Rohre und feitlicher Anbringung des Sectors hatten Gäbler und die Firmen Lion Guichard und Bourdon in der franzöfifchen Abtheilung diefem Uebel zwar abgeholfen, hiedurch jedoch die gröfsere Empfindlichkeit der langen Feder beeinträchtigt. Bourdon hatte unter den ausgeftellten Manometern( ausfchliefslich feines Syftems) die gröfste Anzahl in ovaler Form, welche in Folge der befonderen Krümmung der Feder entftanden ift; diefelbe hat die Form einer Birne und an dem blos einen freien Ende derfelben, alfo excentrifch, durch einfache Hebelüberfetzung den Zeiger; hiedurch wurde eine gröfsere Pfeilhöhe der Federausdehnung erreicht und der Vortheil weiter auseinander ftehender Scalen erzielt. Sehr fchöne Manometer hatte diefelbe Firma in vollſtändig elliptifcher Form, die Röhrenfeder jedoch ebenfo finnreich als einfach 12mal als Spirale gedreht und den S- förmig gebogenen Zeiger fix auf dem ebenfalls einen freien Ende der Feder befeftigt. Die Spitze des Zeigers bildet fozufagen das eigentliche Ende der Feder. Im oberen Drittel des Gehäuſes ift eine kreisrunde Oeffnung, welche blos die Scala mit dem Zeiger fehen läfst. Solche Manometer waren in riefigen Dimenfionen angefertigt( Längenachfe 50 Centimeter in der auf diefelbe fenkrechten, 35 Centimter). Auch diefem Syfteme * Berichterstatter hatte felbft Gelegenheit, ein nach zweimonatlichem Betriebe geplatztes Manometerrohr durchgefchnitten zu fehen. Dasfelbe war vollkommen feft gepfropft, mit von den Wandungen des neuen Keffels durch den Dampf mitgeriffenem Eifenoxyd, gemengt mit dem Niederfchlage des Speifewaffers, eine fo fefte harte Maffe bildend, dafs felbft der Meifsel nur fchwer eindringen konnte. C 4 Victor Novelly. läfst fich der Nachtheil des ftets zurückbleibenden Waffers nicht abfprechen; es hat jedoch den andererfeits grofsen Vortheil hoher Empfindlichkeit und Anbringung fehr weit auseinander ftehender Theilungen. Für wiffenfchaftliche Unterfuchungen find jedenfalls gerade diefe diefer Vortheile wegen die beften, und kommt hiebei der erwähnte Nachtheil nicht als folcher in Betracht; endlich, weil in gröfseren Dimenfionen ausgeführt, find diefe Monometer auch leichter einer Reinigung zu unterziehen, und ist überhaupt auch eine forgfältigere und exactere Ausführung möglich. Um die conftanten Fehler, die mit der Zeit bei den Röhrenfedern eintreten, zu corrigiren, hat uns die Firma Raven und Zabel in der deutfchen Abtheilung eine einfache Regulirvorrichtung vorgeführt, die darin befteht, dafs das freie Ende der Feder, ftatt direct oder mit einem fixen Hebelarm mit dem Zahnradfector( ältere Bourdon'fche Anordnung) verbunden zu fein, als Zwifchenftück, refpective als Hebel eine mit einem Schraubengewinde verfehene Stange, die ihre Mutter im Endftücke der Feder hat, diefelbe jedoch durchdringend als Vierkant endet, um mittelft eines Piftonfchlüffels gedreht, das heifst verlängert oder verkürzt zu werden. Der vierkantige Theil ragt aus dem Gehäufe heraus; das andere Ende diefer Stange ift am Sector fixirt. In der Mitte trägt diefelbe ein Kugelgelenk eingefchaltet, um den verfchiedenen Bewegungsrichtungen leichter folgen zu können. Zur Gleichftellung mit dem Normalmanometer ift diefe Einrichtung recht praktiſch gedacht, und verdient befonders bei der Anfertigung und Juftirung der Scalen angewendet zu werden. An einem folchen Schraubenkopfe haben wir eine Plombe angebracht gefehen, die den Zweck hat, einer muthwilligen Zeigerftellung vorzubeugen. Die in der deutfchen Abtheilung ausgeftellten amtlichen und nicht amtlichen Control- Manometer waren Alle nach Bourdon's Syftem( gefetzlich in Deutſchland angeordnet) conftruirt und hatten Schäffer- Budenberg, Gäbler und Julius Blancke& Comp. das entfchieden Befte und Gefälligfte in diefem Fache aufzuweifen. 12 14 16 18 O H+ 10 12 14 16 18 In obenftehender Figur ift ein folcher, wie fie Gäbler anfertigt, in Einviertel der Natur dargestellt, und befteht aus zwei gleichen Bourdon- Manometern, mit einander zwar communicirend, jedoch mittelft der Hähne auch ifolirbar; die längliche Flantfche mit den Schlitzen dient zur Befeftigung an den Keffel, an welchem fich eine diefer correfpondirenden Flantfchen* befindet, mittelft der beiden Flügelfchrauben und Kautfchukfcheiben. Nach jeweiligem Gebrauche müffen die Manometer von einander durch Abfchrauben vom gemeinſamen Rohre getrennt und ftark gefchüttelt werden, um das zurückgebliebene Condenſationswaffer hinauszubringen, was wohl ziemlich zeitraubend und unbequem ift * Gefetzlich angeordnet. Keffelarmaturen. 5 Der ganze Apparat fammt Schrauben und Kautfchukfcheiben ift in einem Etui, fowie in der Figur zufammengeftellt, eingelegt. Schäffer- Budenberg hatte eben folche, jedoch mit vertical geftellter Scala und darauf fenkrecht ftehender Schrift; jedenfalls ift die Anbringung von Scalen mit verticaler Schrift rationeller. 10 100 6611 - - In diefer Figur, Einviertel der Naturgröfse, ift auch ein von Gäbler conftruirter Controlmanometer mit zweifacherSicherheit dargestellt. Derfelbe vereinigte die beiden früher erwähn' en Manometer in ein Gehäufe, jedenfalls das Zweckmäfsigere. Durch die Nähe der beiden Scalen ift auch eine bequemere Vergleichung und durch die compendiöfere Form ein handlicheres Inftrument gefchaffen worden. D. A. Löhdefink in Hannover hatte noch beffer bei derfelben Conftruction beide Scalen auf eine Seite nebeneinander gebracht( um eine Einheit vertical verfchoben; die Zeiger find daher nicht wie oben gekreuzt, fondern, von einem Punkte ausgehend, bilden beide einen der verfchobenen Einheit entſprechenden fpitzen Winkel). Die Zahlen find ebenfalls vertical. Manometer mit vierfacher Sicherheit hatte ebenfalls Gäbler durch Verbindung zweier feiner letztgenannten Manometer mit zweifacher Sicherheit auf Art der erftgenannten conftruirt. Diefelben haben den Zweck, den einen Manometer als Referve für allfälliges Befchädigen des anderen gleich bei der Hand zu haben, oder den einen Controlmanometer durch den andern Controlmanometer zu controliren. Es wird ftets durch das Abfperren des einen mittelft des eingefchalteten Hahnes nur einer in gewöhnlichen Gebrauch genommen. Die von Schäffer patentirten„ einfachen Plattenfedermanometer" waren von eben diefer Firma in fehr gefälliger und wirklich forgfältigfter Ausführung und verfchiedenen Dimenfionen ausgeftellt.( Einer war mit einem Durchmeffer von circa 70 Centimeter mit der, hinter der Mafchinenhalle vorüberführenden Niederdruck- Wafferleitung in Verbindung und zeigte deren Druckhöhe in der Mafchinenhalle an.) Obwohl diefe Stahlplatten- Feder gewellt, ift felbe doch bei zufälligen und plötzlichen Ueberfpannungen, wie fich folche oft als Folge des fogenannten Siedeverzuges ergeben, mehr oder weniger einem Ausbauchen, felbft manchmal, nicht mehr in ihre urfprüngliche Lage zurückkehrend, fogar dem Zerplatzen ausgefetzt wefshalb diefe auch nur bei verhältnifsmäfsig niederen Spannungen Anwendung finden, als Maximum wohl 15 bis 18 Atmoſphären. Schäffer- Budenberg hatte folche bis 20 Atmofphären ausgeftellt, was felbft für Obiges fpricht. - In nachftehender Figur dargestellte Conftruction ift die von Gäbler, ebenfalls im Schnitte von derfelben Firma in der deutfchen Abtheilung, unter der Benennung„ Doppelplatten Federmanometer" ausgeftellt, und an einem im Betriebe befindlichen Dampfkeffel in Verwendung. Diefe beugen dem früher erwähnten Ausbauchen vor, indem auf beide Seiten diefer doppelten Platte der Dampf gleichmäfsig wirkt, diefelbe daher ftets im Gleichgewichte hält; bei eintretenden Ueberfpannungen werden beide * Die Ziffern find, wie erfichtlich, vertical ftehend.( Verkürztes Rohr.) 6 Victor Novelly. Platten, refpective die Auflager feft aneinander gedrückt, aber nicht ausgebaucht, jedoch an den Verbindungsftellen der Platten undicht; - aus diefem Grunde wahrfcheinlich macht auch diefe Firma folche Manometer blos bis 20 Atmoſphären. Bei diefem Syfteme findet die Uebertragung der Bewegung der Plattenfeder auf die Zeigerwelle nicht, wie bei der Schäffer'fchen Conftruction, durch Zahnrad und Trieb ftatt, fondern es wird, durch die mit der unteren Plattenfeder verbundene verticale Stange, mittelft eines kleinen Hebels, ein Rechen auf- und abbewegt, welcher am oberen und unteren horizontalen Theile eine kleine Gall'fche Kette befeftigt hat, welche fich um die verzahnte Zeigerwelle fchlingt und derfelben jede ihrer Bewegungen mittheilt, hiedurch ift dem todten Gange des Zahnradfectors möglichft vorgebeugt. Wir halten jedoch diefe Conftruction für etwas zu complicirt, und glauben, dafs eine directe Uebertragung von der verticalen aufund abgehenden Stange auf den Zeiger, der demnach excentrifch fein müfste, eine wefentliche Vereinfachung wäre. Verticale Plattenfedern waren von der American Cleveland Steam Gauge Company und von Ashcroft in der amerikanifchen, und von Raven und Zabel in der deutfchen Abtheilung ausgeftellt. Von Erfteren konnte man abfolut keine Aufklärungen erhalten; fo viel fichtbar, war die Platte fehr ftark in concentrifchen Ringen gewellt, das Gehäufe verfilbert, der übrige fichtbare MeO e B $ Atm. chanismus jedoch der art complicirt erfchei nend, dafs deffen praktifche Anwendung fehr in Frage fteht. Nebenftehende Figur zeigt in Schnitt und Anficht den Raven& Zabel'fchen Manometer mit verticaler gewellter Stahlplattenfeder. Ein mit der Platte fefter horizontaler Stift drückt auf einen auf die Stiftrichtung fenkrechten horizontalen Hebel, deffen verticaler Arm in einem Spurzapfen laufend am unteren Ende ebenfalls einen horizontalen Arm hat, der gegen den erfteren jedoch um 90 Grad verftellt ift; diefer Hebelarm greift nun in eine Gabel ein, deffen Drehpunkt die Zeigerwelle bildet. Keffelarmaturen. 7 Durch diefe Lage der Feder im Gehäufe gewinnt zwar das gefällige Ausfehen des Inftrumentes, ift aber im Ganzen der Mechanismus viel zu complicirt; dann ist auch noch der Uebelftand vorhanden, daſs, indem der Dampf nicht auf die Mitte der Plattenfeder, fondern fchief von unten auf diefelbe geleitet wird, diefer Theil durch den directen Dampfftrahl mehr ausgedehnt und überhaupt mehr afficirt wird, als der obere; dafs diefe falfche Bewegung auf den ganzen Bewegungsmechanismus übertragen wird und diefen und die Platte felbft einem rafcheren Ruin entgegengeführt, ift wohl klar. - Auch wird nach kurzem Gebrauche der fchmale Dampfraum zwifchen Federplatte und Gehäuſewand fo ftark mit feften Niederfchlägen angefüllt fein, dafs blos der vom Dampfftrahl direct getroffene Theil der Feder von diefen frei bleibt und fodann abfolut blos eine excentrifche Blähung der Federplatte eintritt. Die in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellten Ducomet'fchen Federmanometer mit herzförmig gebogenem flachen Stahl- Federbande und Dampfbüchfe erfuhren feit ihrer Erfindung keine Aenderung. Die Anwen dung weifser Emailzifferblätter ftatt der früheren Metallblätter ift als ein entfchie dener Fortfchritt auch an den Manometern diefer Firma hervorzuheben. Die Claffe derjenigen Manometer, welche die in verfchiedenen Zeiteinheiten entwickelten Dampffpannungen„ graphifch" bleibend anzeigen, waren in mehreren, meift fehr finnreichen, mitunter jedoch auch fehr complicirten Exemplaren, von amerikaniſchen, englifchen und deutfchen Ausftellern exponirt. von Im öfterreichifchen Keffelhaufe an G. Sigl's Dampfkeffel war ein folcher den amerikanifchen Ingenieuren Marmont, B. Edson& Sohn in Newyork in Thätigkeit und mit der Benennung ,, Edfon's Recording Steam- Gauge" bezeichnet. Der eigentliche Manometer desfelben befteht aus kreisrunden, paarweife übereinander angeordneten Stahlplatten, wovon entweder ein oder mehrere Paare, je nach der Höhe der erforderlichen Dampffpannung, eingelegt und in Wirkung gebracht werden können. Diefelben find in ihren Mittelpunkten durch kurze Rohrftücke derart mit einander verbunden, dafs fie dem gefpannten Dampfe von einer auf diefe Art gebildeten Kammer in die andere zu gelangen geftatten. Die einzelnen Platten find, ohne jede andere Zwifchenlage, durch einen Metallring getrennt, und zwifchen zwei ftarken Eifenflantfchen durch Schrauben an der Peripherie eingeklemmt und gedichtet. Die Wirkung des Dampfes auf diefe Platten ift gerade die entgegengefetzte von der bei der Gäbler'fchen doppelten Plattenfeder, indem bei diefer der Dampf die zwei Platten zufammenprefst, bei den Edfon'fchen aber auseinandertreibt. Eine verticale Zahnftange greift in ein auf der Zeigerwelle befeftigtes Zahnrad und überträgt nun die verticale Bewegung der Federn in eine drehende, behufs Markirung der Dampffpannung, durch den auf die Welle fixirten Zeiger. Diefs die Einrichtung des Manometers. Die auf diefe Weife erlangte Drehbewegung wird nun auf ein anderes Zahnrad übertragen, welches ebenfalls in eine verticale Zahnftange greifend, diefe auf- und abbewegt; derfelben Bewegung folgt eine mit derfelben verbundene parallele Stange, welche am unteren Ende, in ein Auge gefafst, den horizontalen Zeichenftift trägt; diefer ruht auf einem, über zwei verticale Trommeln gefpannten, in Horizontal colummen, die Pfunde bezeichnend, getheilten Papierftreifen auf. Die Papiertrommeln find derart mit der Federbewegung des Manometers in Contact gebracht, dafs fich diefelben blos dann drehen( und den Papierftreifen unter dem Stifte wegziehen), wenn der Druck des Dampfes abnimmt und die * Officieller Bericht der Parifer Ausftellung 1867. Us 8 Federn fich zufammenziehen. - Victor Novelly. Es entſteht nun, da der Zeichenftift ebenfalls nieder geht, eine fchiefe gerade Linie. Hebt fich die Dampffpannung, fo bleibt die Papiertrommel ftehen, der Stift geht in die Höhe und befchreibt eine gerade verticale Linie. Bei conftantem Dampfdrucke ift der ganze Zeichenapparat in Ruhe. Das fo erhaltene Diagramm ift continuirlich und zeigt die Spannungen des Dampfes ohne Rückficht auf die Zeit an. An demfelben Inftrumente war auch noch ein regulirbares Allarmfignal angebracht, welches bei erreichter Maximalfpannung des Dampfes von der Manometerfeder aus durch ein Hebelwerk ein, refpective ausgerückt wird. Der ganze Apparat ift in einem circa 20 Centimeter breiten, 25 Centimeter langen und 10 Centimeter tiefen, verfchliefsbaren, mit Glasdeckel verfehenen Metallgehäufe. Der Dampfeinlafshahn ift innerhalb des Gehäufes, um einem willkürlichen Abfperren desfelben vorzubeugen. Bedeutend einfacher war der von John Dewrance& Comp. in London, im englifchen Keffelbaufe in Thätigkeit, ausgeftellte„ Manographe". Derfelbe, in einem Mahagoni- Holzgehäufe, hatte diefelben Dimenfionen wie der frühere. Der Manometer war ein gewöhnlicher mit Bourdon- Röhre, wobei jedoch diefelbe in einem eigenen, fehr ſtarken, vollkommen dichten Gehäufe eingefchloffen war, um bei eventuellem Platzen derfelben den übrigen Mechanismus nicht zu befchädigen. Statt des gewöhnlichen centrifchen Zeigers ift derfelbe hier excentrifch in Form einer Alhidade, deren Limbus das am unteren Theile befindliche Kreisfegment mit der Atmoſphärenfcala war. Das Ende des Zeigers ift gegen innen zu eingebogen und bildet das Auge zur Aufnahme des Zeichenftiftes, der wie früher fenkrecht auf die Verticalebene des Zeigers fteht. Durch einen Rechen, von dem Mechanismus der in der Mitte des Gehäuſes befindlichen Uhr bewegt, wird der Stift in gleichen, fehr kurzen Zeit Zwifchenräumen auf die, ebenfalls vom Uhrwerke gedrehte, horizontale, mit in Atmoſphären und Stunden eingetheilten farbigen Papierftreifen umfpannte Trommel angedrückt und abgehoben. Es entſtehen nun dadurch fchwarze, dicht angereihte Punkte, welche das Dampffpannungs- Diagramm geben. Die Papiertrommel dreht fich in 24 Stunden einmal um ihre Achfe und mufs fodann der Papierftreifen( Hülfe) erneuert werden. ( Der Preis diefes Apparates war mit 250 Francs angegeben.) Der conftructiv einfachfte derartige Apparat war der von Bourdon in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellte Nouveau Manomètre enregistreur“ bei Beibehaltung der früher erwähnten elliptifchen Gehäufeform mit fpiralförmig gebogener Röhrenfeder und fixem Zeiger an derfelben. Symmetrifch zur oberen kreisrunden Oeffnung( für die Scala) befindet fich unten eine andere, welche das Uhrwerk enthält. Der Zeichenftift mit dem Zeiger des Manometers bildet ein Stück, daher auch abfolut keine Uebertragungs- Vorrichtung nöthig. Das Papierblatt ift kreisrund und in einer verticalen Ebene, auf der Achfe des Uhrwerkés befeftigt. Es dreht fich in 24 Stunden einmal um die Achfe. Dieses Blatt ift in concentrifche Kreife und radiale Curven getheilt, die Kreife zeigen die Stunden, die Curven die Spannungen. Ift z. B. während 24 Stunden fortwährend eine gleich hohe Spannung im Keffel, fo bildet das durch den Zeichenftift gezeichnete Diagramm einen vollſtän digen Kreis, deffen Radius der betreffenden Dampffpannung entspricht. Hat jedoch der Dampfdruck während diefer Zeit variirt, fo entſteht dem entſprechend eine Abweichung von der Kreislinie, der Radius wird an der diefer Zeit entsprechenden Stelle verringert oder vergrössert. Keffelarmaturen. 9 Der ganze Apparat ift nicht gröfser als die übrigen gewöhnlichen Manometer und auch in feiner äufseren Form denfelben gleich. Das Uhrwerk kann auch ausgefchaltet und der Manometer allein benützt werden.( Derfelbe koftet 150 Francs.) Die Firma C. W. Julius Bancke& Co. in Merfeburg hatte in der deutfchen Abtheilung einen ganz ähnlichen Apparat; ftatt jedoch das Uhrwerk im Manometer felbft, hat derfelbe eine horizontale Walze, von dem feitlichen Uhrwerke bewegt, auf welcher das Papierblatt, in horizontalen und fenkrechten Colummen getheilt, in einem feparaten Gehäufe aufliegt. Der indicirende Stift wird mittelft Hebel vom Zeiger des Manometers geführt. Manometer, Uhr und Walzengehäufe find wieder in einem grofsen Gehäufe oder aber beide auf eine Tafel befeftigt. Schäfer- Budenberg hatte in feiner fehr hübfchen Ausftellungscollection. ebenfalls ,, Federmanometer mit graphifcher Darftellung des Druckes," u. zw. den Manometer mit Plattenfeder, bis zu 20 Atmoſphären, über diefe mit Bourdon'fcher Röhre( hartgezogene Metallcompofitionen, Silber, Gufsftahl). Die Papierwalze, die vertical geftellt ist, wird entweder von einem feparaten Uhrwerke, einmal in 12 Stunden um ihre Achfe gedreht, oder ohne die Stundenuhr durch einen Schlitzhebel, welcher mit irgend einem bewegenden Theile der Keffelfpeife- Pumpe etc. verbunden wird, in drehende Bewegung gebracht. Bei erfterer Einrichtung ift die Stunde, bei letzterer der Pumpenhub etc. die Zeiteinheit, in welcher die Spannungen aufgezeichnet werden. Die Bewegungsübertragung von dem Schlitzhebel der letzteren Art gefchieht, indem derfelbe beim Hingange in verticaler Ebene ein Sperrwerk und eine damit verbundene Schraube ohne Ende, welch' letztere in eine Schnecke greift und fo die die Walze tragende Welle zur Umdrehung bringt, bewegt. Der verfchiedenen Angriffsrichtungen der bewegenden Mafchinentheile wegen ift diefer Schlitzhebel in verticaler fowohl als auch in horizontaler Ebene drehbar. Der Zeichenftift ift bei beiden Arten durch Hebelüberfetzungen von der Zeigerwelle des Manometers, mit Hilfe von Gegenlenkern in verticaler Richtung auf- und abbewegt. Der Papierftreifen zur Aufnahme des Diagrammes ift in Horizontal colummen, welche mit dem Drucke, und in Vertical colummen, welche mit der Zeit correfpondiren, eingetheilt. Der developpirte Papierftreifen zeigt das Diagramm bei conftantem Drucke als gerade horizontale Linie. Uhr und Manometer find auf einer Platte von circa 45 Centimeter Breite und 25 Centimeter Höhe fymmetriſch rechts und links, die Papierwalze mit den Gegenlenkern und Zeichenftift oberhalb zwifchen beiden angeordnet, angebracht. Solche waren bis zur Indicirung von 600 Atmoſphären ausgeftellt und fertigt diefe Firma, diefe bis zu 2000 Atmoſphären als Hydraulikmanometer, für hydraulifche Preffen etc. an. ( Der Preis beträgt 100 Thaler.) Die Queckfilbermanometer. Diefe fcheinen fo ziemlich für den praktiſchen Dienft ein überwundener Standpunkt geworden; die in der Natur derfelben liegende höchft unbequeme und unpraktiſche Höhe, die leichte Verunreinigung und Gebrechlichkeit der Röhre, die Oxydation des Queckfilbers etc. find alle Factoren, die diefelben blos zu wiffenfchaftlichen Unterfuchungen und Richtigſtellung, Rectificirung aller anderen Manometer etc. in ruhigen Räumen brauchbar machen. Aus den Keffelhäufern find fie theils fchon ganz verbannt, theils im Zuge, es zu werden. 10 Victor Novelly. Diefen Gründen ift es wohl zuzufchreiben, dafs wir folche auf der Ausftellung fehr fpärlich vertreten fanden. Schäffer Budenberg hatte Queckfilber- Manometer mit verkürzter Scala am Fallrohr; hiebei zeigte der Stand des Queckfilbers die Spannungen an. Diefelbe Firma ftellte auch folche mit verkürzter Scala am Steigrohr aus, jedoch mit Schwimmer und Auffanggefäfs aus Eifen. Die Firma Dreyer, Rofenkranz& Droop in Hanover hatte ein Quecksilbermanometer ausgeftellt, deffen Einrichtung folgende war: Ein U- förmig gebogenes Metallrohr, deffen einer Schenkel mit dem Dampfraume in Verbindung, hatte in dem anderen eine Eifenftange in Queckfilber fchwimmend. Das obere, aus dem Rohre hinausreichende Ende ftützte fich auf den horizontalen Theil eines auf einer eben folchen Achfe drehbaren rechtwinkelig gebogenen Hebels, deffen verticales Ende ein Gewicht trägt, das horizontale jedoch zugleich die an einer Scala geführte Zeigerfpitze bildet. Das Gegengewicht dient dazu, den Auftrieb des Queckfilbers theilweife zu paralyfiren, um fo kleinere Theilungen an der Scala zu erhalten. Im öfterreichifchen Keffelhaufe war an G. Sigl's Keffel ein QueckfilberManometer von L. Lotter, deffen ganze Höhe 30 Centimeter war und die Compreffion, refpective Expanfion der eingefchloffenen Luftfäule zum Principe hatte. Als wir dasfelbe gefehen, war das Queckfilber fo ftark oxydirt, dafs das Ablefen ganz illuforifch geworden. Abgefehen von diefem Uebelftande find diefe doch ziemlich die am meiften für die Praxis geeigneten Queckfilber- Manometer; nebft ihrem gefälligen Aeufsern haben diefelben auch eine ganz handliche Form. وو Sogenannte Thermomanometer" waren blos in der deutfchen Abtheilung von der Firma Raven& Zabel in Quedlinburg und vom Mafchinenmeifter Volk in Regensburg ausgeftellt. Das Princip war bei beiden die Folgerung der Dampffpannung aus der Temperatur des Waffers oder des demfelben entſtiegenen Dampfes. Erfterer hatte zum Beftimmen der Wärmegrade einen Metallpyrometer, der auf dem Principe der ungleichen Ausdehnung verfchiedener Metalle bafirt. Die Scala zeigt die Wärmegrade und die diefen entſprechenden Dampffpannungen an. Diefes Inftrument läfst fehr gut, mit Vergleich eines gewöhnlichen Manometers, den Siedeverzug im Keffel erkennen. Mehr complicirter Art war der andere von Volk ausgeftellte Apparat. Derfelbe ift ein ,, Queckfilber Thermomanometer". Aus nebenftehender Figur ift derfelbe leicht verftändlich. Derfelbe ift, an die Wandung des Keffels befeftigt, in Ein Viertel Naturgröfse dargestellt. Das ganze Inftrument ift, ausgenommen die vor der Scala befindliche communicirende Glasröhre, aus Metall. Das Queckfilber befindet fich in dem vom Dampfe umfpielten gabelförmigen Rohre( innerhalb des Keffels) und ift derart angefüllt, dafs deffen Oberfläche ( diefe indicirt) beim Theilftrich 100 das unter dem Drucke einer Atmoſphäre ( 760 Millimeter Quecksilberfäule) fiedende Waffer anzeigt. Um nun die für die jeweiligen Atmoſphären von Volk angegebenen irregulären Wärmegrade in eine möglichft gleiche Atmoſphärenfcala zu bringen, hat. derfelbe eine Differenzröhre berechnet und conftruirt, deren Dimenfionen aus der Figur erfichtlich sind. Nach Volk's Angaben find für diefes Manometer, das bis 12 Atmoſphären indicirt, 1492 Gramm Queckfilber nöthig. Die ganze Scala hat eine Länge von 180 Millimeter, das konifche Rohr jene von 198 Millimeter, der mittlere Durchmeffer derfelben 2.9 Millimeter. Keffelarmaturen. 11 Der ganze Apparat hat eine Länge von circa 60 Centimeter. Ein folcher war angeblich zwei Jahre auf einer Locomotive nebft anderen ge wöhnlichen Metallmanometern in Verwendung und hat die letzteren an Gena uigkeit und Dauer übertroffen.* 22.0 13.0+ 12.5+ 17.0 16.0 14.5 13.0 12.5 12.5+ 12+ 12+ 125101200 FUA 100 th Grade Druck Atmos 193.7 12 190.0 11 186.0 10 181.5 9 177.0 172.1 اد 1665 6 1602 5 153.0 4 1+ 145H 3 135.1 1214 16 16 16+16+16+16+16+16+16+16+16> 0.5 9 0.5 +0.5 +1.0 16 +1.0 9 4.1.0 2.0 2.5 3.0 100.0 22 27.0 13.5 * Von den Vacuummetern, die eigentlich nicht in den Rahmen diefes Berichte s gehören, fei erwähnt, dafs diefelben mit Ausnahme der Schäffer'fchen Plattenfeder, von derfelben Firma auch ausgeftellt, ausfchliefslich Bourdon- Röhren hatten, und fand auch diefelbe Art der Montirung und Bewegungsübertragung, wie bei den betreffenden Manometern erwähnt, Anwendung. Die Firma Gäbler in Hamburg hatte ein Vacuummeter mit einem Manometer combinirt, um auf einem Zifferblatte Druck und Luftleere anzuzeigen. 12 Victor Novelly. II. Die Wafferftandszeiger. Beinahe fämmtliche früher angeführten Firmen hatten auch diefe unter ihren Ausstellungsobjecten, und zwar mit ganz vereinzelter Ausnahme ganz gleicher Conftruction. Die Anbringung des Wafferftandsglafes und der Probirhähne, fowie auch die des Manometers und der Controlflantfche auf einem feparaten, mit der Stirnwand oder dem Vorkopfe des Keffels zu verbindenden Gufsrohre( Geftell) ift gewifs eine ganz rationelle Einrichtung, da durch diefelbe erreicht wird, dafs alle, den Stand, die Arbeit im Keffel darftellenden, controlirenden Apparate zufammengedrängt den Wärter mit einem Blick das Nöthige erfehen laffen, und wird nächftdem auch das jeweilige Anbohren des Keffels für jeden einzelen Apparat erfpart. Diefe Vortheile erkennend, haben auch die meiften Ausfteller folche Wafferftands- Zeiger gebracht, welche bereits an diefen Gufsröhren nebft den übrigen Armaturen angebracht waren. Diefe Eifenkörper, meift fehr maffiv gehalten, waren in folgenden Dimenfionen: Entfernung von Mitte zu Mitte Hahnkopf( Höhe) von 250 bis 600 Millimeter; innerer Durchmeffer des Körpers von 30 bis 90 Millimeter; Durchmeffer der zwei Anfchlufsflantfchen von 120 bis 250 Millimeter, Wandftärke von 6 bis 20 Millimeter. Die Anbringung zweier Wafferftands- Gläfer, je eines an der rechten und linken Seite diefes Eifenrohres, war allgemein, nebftdem jedoch auch ftets mindeftens zwei Probirhähne an der Vorderseite. In Oefterreich, England und Frankreich ift noch immer die Art der directen Anbringung der Wafferftands- Hahnköpfe an der Stirnwand des Keffels, ohne jedwede Verbindung untereinander, beliebt, was oft( bei zugemauerter Vorderwand) fehr lange Verbindungsröhren erheifcht, welche unter fich felten jenes ftramme Syftem bilden, welches für das zwifchen diefe eingelegte Wafferftandsglasrohr bedingt ift.* Julius Blancke& Comp. in Merfeburg und Schäffer- Budenberg hatten Wafferftandsglas- Garnituren, auf einer ftarken Gufseifenplatte aufgefchraubt, welche wieder mit vier Schrauben direct an die Keffelwand befeftigt werden, ausgeftellt. Richtiger ift, diefe Haltfchiene unmittelbar an den Hahnköpfen und mit diefen feft verbunden anzubringen, wie felbe in der franzöfifchen Abtheilung von Herdevin in Paris ausgeftellt gewefen; diefe Art der Verfteifung der zwei Hahnköpfe hat noch den befonderen Vortheil, die Glasröhre gegen direct ftrahlende Wärme der Keffelwand zu fchützen. Die geneigte Lage der Wafferftandsgläfer ift befonders in den weftlichen Staaten fehr beliebt, in Oefterreich und Deutfchland dagegen, fanden wir diefelben ftets vertical. Eigenthümlich find die Unterfchiede in den Glasröhren- Dimenfionen, die von den verfchiedenen Ländern angewendet und ausgeftellt waren. Amerika, England und Frankreich hatten die längften, weiteften und dünnwandigften Röhren, während Oefterreich und Deutfchland die kürzeften, engften und dickwandigften anwendeten. Wir fanden folgende Dimenfionen: Länge der Röhre unter dem tiefften Wafferftande: * Berichterstatter hatte Gelegenheit, an einem auf der Ausftellung in Thätigkeit befindlichen Dampfkeffel eine Unzahl von Gläfern( verfchiedener Fabriken, die an anderen Keffeln vortrefflich Stand hielten), befonders bei Beginn des Anheizens, brechen zu fehen. Die beiden langen horizontalen Verbindungsröhren mit den Hahnköpfen waren direct an die vorgemauerte Stirnwand des Keffels ohne jede Verbindung unter einander befeftigt. Nachdem diefelben durch eine flache Eifenfchiene unter einander verbunden, hielt das Glas während der ganzen übrigen Ausftellungszeit; vorher jedoch wurde alles Mögliche vergeblich verfucht-- Metallhülfe, Einhüllung mit Tuchlappen etc. etc. Keffelarmaturen. 13 Amerika 40 Centimeter, England 25, Frankreich 20, Oefterreich und Deutfchland 10 bis 15 Centimeter. Innerer Durchmeffer: Amerika, England, Frankreich 20 bis 25 Millimeter, Deutfchland und Oefterreich 5 bis 10 Millimeter. Wandftärken: Erftere I bis 3 Millimeter, letztere fogar bis 8 Millimeter. In der franzöfifchen Abtheilung der Mafchinenhalle hatte die bekannte Firma Ducomet( Paris) Wafferftandsglas- Röhren ausgeftellt, die eine auffallend geringe Wandftärke befafsen, und thatfächlich an einer beinahe gänzlich im Freien. ftehenden Locomobile in Verwendung gewefen, und Berichterftatters Wiffens und laut der Aeufserung des Heizers während der ganzen fechsmonatlichen Betriebsdauer nicht ausgewechfelt wurden. Die in der deutfchen Abtheilung, ausgeftellten" Wafferftandsglas- Röhren waren alle mit fehr dicken Wänden. Vorrichtungen, um das Ausftrömen von Dampf oder Waffer beim Zerplatzen der Glasröhre zu verhindern, hatte blos ein Ausfteller in der öfterreichifchen Abtheilung vorgeführt, und zwar deren Patentinhaber Erneft Schebefta Dasfelbe beftand aus dem bereits von Mehreren angewendeten Kugelventil, das bei Entlaftung des ober der Kugel befindlichen Druckes zur Wirkung kommt. Neu hiebei ift die Art der Montirung des Ventils, die erlaubt, dasfelbe in jeden bereits vorhandenen Wafferftandsglas- Hahnkopf einzubringen. b Die nebenftehende Figur zeigt in halber Naturgröfse das eigentliche Ventil, aus dem unteren mit drei vorfpringenden Anfätzen verfehenen flachen Ring, dem darauf gefetzten Gehäufe mit der oberen Oeffnung( Sitzfläche der Kugel beim Abfchlufs) und der eingelegten Kugel beftehend, im Schnitte, den flachen Ring jedoch im Grundrifs, Alles aus Rothgufs. Die folgenden Figuren zeigen in Viertel- Naturgröfse, die nachträgliche Einbringung des Ventils in einige von einander verfchiedene Hahnköpfe, die nach den Normalien öfterreichifcher Eifenbahnen conftruirt find. Diefes Ventil wird blos in den unteren Hahnkopf eingelegt und beim Platzen des Rohres blos das Waffer abgefperrt; dem nun oben heftig ausftrömenden Dampfe, der bekanntlich weniger verbrüht, fällt die Aufgabe zu, die Glasfplitter gegen Boden zu reifsen und möglichst unfchädlich zu machen. Dem Verkruften beugt der Reinigungshahn des unteren Hahnkopfes vor, indem bei deffen fo oftmaligem Oeffnen der Dampfftrahl, an der Kugel gebrochen, diefe und das Kugelgehäuſe felbft reinigt. An einigen Locomotiven zeigten Täfelchen, dafs in den Wafferftandshahnkopf ein folches Ventil eingelegt ift. Die gewöhnliche Art der Umhüllung der Glasröhre mit einer gefchlitzten Metallhülfe war vorwiegend. An den in Betrieb befindlichen Keffeln jedoch war meift das blofse Glasrohr ohne jede Umhüllung angebracht. In der belgifchen Abtheilung hatte die Firma J. Go offens- Vancaenegem 14 Victor Novelly. in Gent ein fehr fchönes doppeltes Wafferftandsglas mit in der Mitte befindlichem Metallkörper zur Verfteifung, ausgeftellt. Die Glasröhren bei denfelben waren von einem zweiten, weiteren Glascylinder umgeben. Zur Herftellung, refpective dem Absperren der Communication der Waffer ftandsröhre mit dem Keffelinnern dienten vorwiegend Hähne mit Lilien( Kücken), feltener Ventile mit Spindel und Griffrad. Oefterreich und Frankreich brachten Hähne, Deutſchland und England Ventile. Die Verbindung des Hahngriffes, des unteren Hahnes mit dem des oberen durch eine Eifenftange, zum Zwecke des gleichzeitigen Abfchliefsens, ift in der belgifchen Abtheilung vorgeführt worden, was jedenfalls eine Vereinfachung in der Handhabung des Apparates und beim allfälligen Platzen der Röhre ein rafcheres Schliefsen der Hähne ermöglicht. Ein fehr finnreich conftruirter Hahnkopf war in der englifchen Ahtheilung von der Firma Whitley- Partners Railway Works in Leeds unter der Benennung: Webb's Patent ausgeftellt. Nachftehende Zeichnung zeigt das obere Garniturftück, an die Keffelwand gefchraubt im vertical- und horizontal Schnitte, in Fünftel- Naturgröfse. Der Hahnkopf ift ftets direct an die Keffelwand anzufchrauben, bedarf daher. keiner anderen Verfteifung. Der Dampf communicirt durch horizontale Seitencanäle mit dem Glasrohr. Das Ventil hat vorne und rückwärts Sitzflächen und ift mit der Spindel und dem Griffrädchen fix. Wird nun letzteres nach rechts gedreht, fo fperrt das Ventil den Dampf vom Glas, rohre ab. In dem Seitencanale jedoch, der vom Keffel nicht abgefperrt werden kann, befindet fich nun der Dampf, der fich durch das lockere Schraubengewinde der Spindel durchdrängt und an dem fcheibenförmigen concaven Griffrädchen bricht und einen fchrillen Ton gibt. Diefs zeigt an, dafs der Apparat nicht in derjenigen Stellung ift, in welcher er während des Betriebes des Keffels fein foll. Die Figur zeigt denfelben in eben diefer Stellung. Wird nun das Griffrädchen nach links gedreht, fo kommt die rückwärtige Seite des Ventilkonufs zur Wirkung und verhindert das Durchdrängen des Dampfes dem Gewinde entlang, öffnet jedoch den Zutritt zum Glasrohre und der Apparat befindet fich in feiner Normalftellung. Das auf das obere Ende aufgefetzte Kupferrohr mit Ueberwurfmutter hat den Zweck, das Manometer zu tragen, eventuell nach Abfchrauben desfelben das Einführen einer neuen Glasröhre zu ermöglichen. Das Manometer ſpielt, wenn der Wafferftandszeiger in Thätigkeit. Der untere Ventilkopf ift ganz dem oberen ähnlich, hat jedoch noch ein Ausblafeventil am unterften Ende, welches fo conftruirt ift, dafs es Dampf oder Keffelarmaturen. 15 Waffer nur dann durch das Gewinde läfst, wenn es offen; es hat daher nur einen Ventilfitz. Alle Theile waren aus Bronce. Die Ventile eingefchliffen, ohne jede Dichtung. In England follen angeblich alle Locomotiven der North- Western- Bahn mit folchen Wafferftandsglas- Ventilköpfen verfehen fein. Schwimmer zur Anzeige der Wafferſtände waren nur vereinzelt anzutreffen, und wo folche gewefen, waren diefe meift mit irgend einer mehr oder weniger wirkfamen Allarmvorrichtung, Speifewaffer- Rufer, Warner etc. in Verbindung. In der Anwendung diefer letzteren ift feit der letzten Parifer Ausstellung ein entfchiedener Fortfchritt zum Befferen gemacht worden. Während nämlich dort die meiſten Keffel mit derartigen Automaten überbürdet waren, waren die auf diefer Ausstellung vorgeführten Keffel, der Mehrzahl nach, von diefen wehkla genden Apparaten befreit und blos mit ihren normalen Ausrüftungsgegenständen verfehen. Im Nachftehenden glauben wir der Berichterstattung diefer Objecte zu genügen. Im Allgemeinen waren blos zwei Syfteme diefer Sicherheitsvorrichtungen refpective Wafferftands- Anzeiger anzutreffen, nämlich das Oeffnen, refpective Schliefsen eines Ventils( Pfeife) durch einen Schwimmer und die Anwendung leicht fchmelzbarer Metallpfropfen. Unter den Apparaten des erften Syſtems nimmt entfchieden der von SchäferBudenberg conftruirte( Officieller Bericht der Parifer Ausftellung 1867) auch bei diefer Ausstellung den erften Rang ein. Raven& Zabel in Quedlinburg hatten einen Univerfalapparat, der zu viel Waffer, zu viel Dampf und zu wenig Waffer durch die Pfeife anzeigen kann. Die hohle Ventilftange durch den Ventilkonus gehend ift ober demfelben durchlöchert und in Communication mit der Dampfpfeife. Durch diefe hohle Stange führt ein anderer Stab, welcher die erftere unten durch einen Anfatz abfchliefst und am oberen Ende durch eine Feder ftets in diefer Stellung gehalten wird. Die Schwimmerftange hat einen bügelförmigen Mitnehmer, welcher bei Hochwaffer beide Stangen nach aufwärts ftöfst und das Ventil hebt. Beim Sinken des Wafferftandes nimmt diefer Mitnehmer die innere Stange mit und läfst nun den Dampf in die hohle Ventilftange eintreten, von welcher diefer durch die Löcher derfelben zur Pfeife tritt. Diefer Apparat ift an und für fich recht finnreich und compendiös conftruirt. Ebenfalls auf dem Schwimmerprincip bafirend war der von derfelben Firma conftruirte elektro- galvanifche Wafferftandszeiger. Die Schwimmerftange hatte zwei vorfpringende Metallftifte, welche mit zwei ifolirten, an der Schwimmerftangen- Hülfe befeftigten und der Batterie verbundenen Schrauben correfpondirten; beim Sinken, refpective Erheben des Wafferftandes berühren nun diefe Metallftifte die Schrauben und fchliefsen den Strom, der ein Läutewerk in Bewegung bringt. Zu hohe Dampffpannungen zeigt diefer Apparat auch an; zu diefem Zwecke find in ein Queckfilber- Manometer zwei ifolirte Leitungsdrähte in der entſprechenden Höhe angebracht. Bei dem zu hohen Steigen des Queckfilbers werden diefe berührt und der Strom gefchloffen. Der Keffel der Compagnie Fives- Lille, hatte ebenfalls einen ähnlichen Wafferftandszeiger, deffen Einrichtung zu erforfchen uns leider nicht gegönnt wurde. Die Anwendung leicht fchmelzbarer Pfropfen,( Rofe'fches Metall) ift befonders in England beliebt und war fowohl in der Mafchinenhalle als auch an eng2 16 Victor Novelly. lifchen Keffeln unter der Benennung„ the Afhcroft Low- water Detector and Alarm" ausgeftellt. Derfelbe befteht aus einem circa 60 Centimeter hohen, verticalen, zwei Centimeter ftarken Rohre, das oben auf einer hohlen Kugel die Dampfpfeife hat, die durch einen eingefchraubten, bei 212 Grad Fahrenheit( Siedepunkt des Waffers unter dem gewöhnlichen Luftdruck) fchmelzenden Metallpfropfen abgeSperrt ift. Die untere Oeffnung des Rohres befindet fich im Niveau des Tiefwaffers; bei dem Fallen des Wafferfpiegels im Keffel bis zu diefer Höhe fällt das bis dahin in der Röhre befindliche Waffer herunter und es dringt nun Dampf in diefelbe, die den Pfropfen fchmilzt und die Pfeife ertönen läfst. In England, fagt der Profpect, find 10.000 folche Apparate in Verwendung. In der deutfchen Abtheilung waren die Apparate diefes Syſtems noch nach der Art der bekannten Black'fchen Conftructtion, mit einer KupferrohrSpirale.( Ausgeftellt von Watremetz und Kloth, welche bis 1871 laut Profpect über 6000 Stück erzeugten.) III Die Sicherheitsventile. Von diefen waren zwar ziemlich alle Syfteme vertreten, jedoch durchwegs nach ihren urfprünglichen Conftructionen ohne jedwede Aenderung; blos in der amerikanifchen Abtheilung fanden wir ein ganz eigenthümlich conftruirtes Sicherheitsventil, benannt" Afhcroft's Patent Nickel seat Pop( fchnell öffnendes) Safety valve". Der Ventilfitz ift aus Nickel; der Profpect fagt, fo hart wie Stahl, unoxydirbar wie Gold, fo dafs jede Corrosion unmöglich wird. Die eigenthümliche Conftruction des eigentlichen Ventils ift die, dafs das felbe über der konifchen Sitzfläche in der Peripherie nach abwärts geftülpt ift und fo eine halbkreisförmige Hohlkehle bildet. Der untere Sitz des Ventils jedoch hat in feiner äufseren Peripherie ebenfalls eine kreisförmige Hohlkehle, die jedoch nach aufwärts geftülpt und einen gröfseren Durchmeffer, als die obere hat. Beim Auffitzen des Ventils greift nun die obere Stulpe in jene der unteren ein. Hebt fich nun der Konus nur um ein Geringes, fo ftaut fich der ausftrö mende Dampf in diefen Mulden und vergröfsert momentan den Druck auf das Ventil, hebt dasfelbe höher, als es der im Keffel befindlichen Dampffpannung entfpricht ein Vortheil, welcher befonderen Werth bei plötzlich grofsen Dampfentwicklungen( Siedeverzug etc.) hat. Ausserdem ift die Ventilfläche demzufolge bedeutend kleiner, und leichtere Dichtung ermöglicht. Das Ventil wird auf feinen Sitz durch eine verticale Spiralfeder( quadratifchen Querfchnittes) niedergehalten und kann auch durch einen Hebel mit der Hand leicht geöffnet werden. Blos in England waren die Ventile direct mit Gufseifenplatten belaftet, alle anderen Keffel hatten Sicherheitsventile mittelft indirecter Hebelbelaftung. An den Locomotiven waren blos an einer belgifchen, zwei deutfchen und einer öfterreichifchen die Meggenhofer'fche Federwage mit verftellbaren Gegenlenkern, alle übrigen Locomotiven hatten die gewöhnlichen Federwagen mit Schraubenftellung. IV. Dampthähne und Ventile. Im Allgemeinen fanden wir weder zur Dampfentnahme, noch zur Abfperrung von Dampfleitungen Hähne in Thätigkeit, und fcheint die richtige Keffelarmaturen. 17 Erkenntnifs der bekannten Uebelftände der Hähne zu diefen Zwecken eine allgemeine zu fein.* Für beftimmte Zwecke jedoch ift auch den Hähnen ein gewiffer Vortheil eigen, der fich auch durch die grofse Anzahl der in der Maſchinenhalle ausgeftellten( meiftens blos in ihren Dimenfionen unterfchiedlichen) Hähnen kundgab. Unter allen jedoch war nur der in der englifchen Abtheilung von Whitley Partners ausgeftellte Hahn nach„ Farron" von allen anderen abweichen d. Nebenftehende Figur zeigt denfelben im Verticalfchnitte und ohne Weiteres verftändlich. Kücken und Gehäufe find aus Bronce, bedürfen weder Schmierung noch einer Packung. Die Figur zeigt das kleinfte Modell in Naturgröfse und werden folche bis zu fünf Centimeter Durchgangsöffnung angefertigt. Einen fehr fchön gearbeiteten Metallhahn mit Gehäufe, in Riefendimenfionen ausgeführt, hatte die Firma F. Hager in Wien ausgeftellt. Derfelbe hatte 165 Millimeter Durchgang, 325 Millimeter Flantfchendurchmeffer, 450 Millimeter von Flantfche zu Flantfche und eine Hahnlänge von 700 Millimeter, Alles aus Meffing. Die Speife, Dampf, Abfperr- und Ablafsventile waren allgemein noch nach den alten bekannten Conftructionen, mit Stegen und Schraubenfpindel in Verwendung. Für Letzteres waren, mit ganz geringer Ausnahme, Hähne angewendet. Unferes Wiffens hatte blos ein englifcher Keffel ein Champignonventil, ohne Stege und auf fcharfem Ventilfitze ruhend, zu diefem Zwecke in Thätigkeit. In der deutfchen Abtheilung hatte Schäffer. Budenberg in feiner Ausftellungsgruppe Ventile mit flachem Halbkugel- Ventilkegel( champignonartig), bei welchen die Führungsfchraube nach oben über dem Kegel angebracht ist, ausgeftellt. Den Ventilfitz bildet die innere Kante der flach abgefchliffenen kreisrunden Ventilöffnung, welche durch diefe Conftruction den vollen Quer fchnitt liefert. Nach demfelben Principe hatte diefe Firma ein„ Patent- Univerfalventil", welches fich fowohl als Durchgangs-, wie auch als Eckventil für alle Winkel zwifchen 180 und 90 Grad verwenden läfst. Das Gehäufe bildet eine vollkommene Kugel, an welcher fich im Winkel von 90 bis 180 Grad die Rohrftutzen und Flantfchen, für Ein- und Ausgang anfchliefsen. Die Kugel ift unter 45 Grad durch die Mitte gefchnitten und bilden diefe Schnittflächen gedichtete, mit Feder und Nuth verfehene Drehungsflächen. In der oberen Halbkugel befinden fich die Ventilöffnung, das Ventil und die Ventilftange mit der Stopfbüchfe; letztere fteht fenkrecht, alfo auch einen Winkel von 45 Grad mit der horizontalen bildend; in der Schnittfläche der Kugel ift die Ventilöffnung in einem Stege angebracht, deffen Verlängerung einen Bolzen bildet, der, in der Achfe der Ventilfpindel fich befindend, die untere Halbkugel durchbricht und mittelft einer Schraubenmutter von Aufsen angezogen * Blos im franzöfifchen Keffelhaufe waren Hähne zu diefen Zwecken in Verwendung. 2* 18 Victor Novelly. ( fixirt) werden kann. Die Ventilfpindel und deren Verlängerung, der Bolzen, bilden daher die Drehungsachfe des Ventilgehäuſes. Von neuen Schieberventilen zur Dampfabfperrung kam blos das feit kurzer Zeit auch in den öfterreichifchen Handel gebrachte Peet'fche Ventil zur Anwendung, und zwar im englifchen Keffelhaufe, wo es fich auch vollkommen bewährte. Die Verfertiger diefer Ventile, Whitley Partners in Leeds, hatten folche, in verfchiedenen Dimenfionen, in der englifchen Abtheilung der Mafchinenhalle ausgeftellt. Nebige Figur zeigt im Verticalfchnitte ein folches Ventil mit 12 Millimeter Durchgang in Naturgröfse. Die Abfchlufsbacken find kreisrund und werden diefelben durch einen als Keil wirkenden Konus an die Dichtungsränder angeprefst. Beim Linksdrehen der Spindel werden diefe Backen an ihren vorfpringenden Angüffen gefafst und durch den fich hebenden Konus gehoben und fo der volle Durchgangsquerfchnitt freigegeben. Die in der Figur an den Gleitflächen eingelegten Metallftücke werden blos bei gröfseren Ventilen angewendet, deffen übrige Theile aus Gufseifen angefertigt find; die kleineren Ventile jedoch find ganz aus Metall gearbeitet; diefelben werden von diefer Firma in den Dimenfionen von 10 bis 456 Millimeter( 18 Zoll englifch) typifch fabricirt. Wilhelm Ofimitfch in Pola hatte eine Zeichnung einer fehr zweckmässigen Verbefferung an Kingſton- Ventilen ausgeftellt, die darin beftand, dafs der frühere hutförmige Auffatz und die beiden daran befindlichen, den zweiten Verfchlufs bildenden Zweighähne durch einen einzigen Dreiweghahn erfetzt find. Keffelfpeife- Vorrichtungen, als zu dem fpeciellen Berichte über Pumpen gehörig, find in den Rahmen diefes Berichtes nicht aufgenommen worden. V. Dampfentwäfferungs- Apparate und CondenſationswafferSammler. Von jenen Apparaten, welche zur Verhütung des Mitreifsens von Waffer durch den dem Keffel entftrömenden Dampfe erfunden und bis jetzt angewendet wurden, war auf der Ausftellung aufser dem in einigen im Betriebe befindlichen deutfchen Keffeln, in dem Dampfdome, refpective vor der Mündung des Dampfrohres angebrachten Blechteller nur ein solcher eigener Apparat von R. R.Werner in Darm ftagt in der Mafchinenhalle ausgeftellt; derfelbe beftand aus einem nach innen eingebôrtelten horizontalen Teller mit einem nach unten, unter den tiefften Wafferfpiegel reichenden Rohre. In den Teller, auf Pratzen geftützt, reicht ein weites, kurzes, bis an die Mündung des Dampfrohres führendes, von der Verfchraubung desfelben jedoch unabhängiges Rohrftück, welches fich innerhalb der Umbörtelung des Tellers gegen diefen ausbiegt und fo den letzteren bis auf eine geringe Spalte in der Peripherie abfchliefst. Der Dampf tritt nun durch diefe fchmale Ringöffnung ein und wird fofort gebrochen, um durch eine nochmalige Biegung in das Dampfrohr zu gelangen. Durch diefes zweifache Drehen des Dampfftromes verliert derfelbe fein mechanifch mitgeriffenes Waffer, welches fich durch das nach abwärts gehende Rohr aus dem Teller nach dem Keffelinnern ergiefst. Keffelarmaturen. 19 Der Profpect fagt, dafs diefer Apparat auch in Dampfrohr- Leitungen eingefchaltet werden kann und dann nebft dem mechanifch mitgeführten Waffer auch jenes durch Condenfation fich angefammelte auszufcheiden im Stande ift. Die Apparate, welchen die ſpecielle Aufgabe zufällt, das in DampfrohrLeitungen angefammelte Condenfationswaffer abzuführen, waren blos in der deutfchen und englifchen Abtheilung der Mafchinenhalle ausgeftellt und in der Dampf- Rohrleitung der General direction in bedeutender Anzahl in Thätigkeit. Es bleibt uns blos zu bemerken übrig, dafs diefe Apparate theils nach dem bekannten Kirchweger'fchen Principe und von Schäffer& Budenberg verbefferten und patentirten automatifch wirkenden Schwimmergefäfs conftruirt waren, theils jedoch nach Robinſon's Syfteme ftatt des Schwimmergefä fses einen ſchwimmenden Drehhahn hatten und ebenfalls Automaten waren. Die in Thätigkeit befindlichen waren die erft erwähnten Schäffer- Buden berg'fchen und haben fich felbe während der ganzèn Arbeitsperiode als ganz praktifch bewährt.* VI. Dampf- Leitungsröhren. Die Ausstellung zeigte uns den unfchätzbaren Beweis der praktifchen Anwendung von Eifenblech- Röhren zu Dampfleitungen. Ein Vortheil, der fich wohl nur dann ermeffen läfst, wenn man fich die circa einen Kilometer lange Dampfleitung für die Mafchinenhalle aus Kupferröhren hergeftellt denkt! Diefe Eifenblech- Röhren aus der Fabrik der Brünner Zuckerformen- Eifenblech- Waaren- und Mafchinenfabriks- Gefellſchaft, vormals C. Brand& F. Lhuil lier, waren theils hart gelöthet( für Röhren mit kleinem Durchmeffer), theils genietet und verftemmt, mit abgedrehten Flantfchen und einem unter 125 Grad Celfius eingebrannten inneren und äufseren Miniumanftrich verfehen. Diefe Röhren waren bis 15 Atmoſphären Ueberdruck geprüft, und kamen während der ganzen Arbeitsperiode im gefammten Strange blos vier Fälle vor, wo das Rohr an der Nath platzte; von den meiften diefer Fälle ift jedoch die Schuld der Keffelwärter, durch plötzliches Oeffnen der Ventile beim Anlaffen erwiefen. Die Länge der Dampfleitung für die Inbetriebfetzung der Mafchinen der verfchiedenen Ländergruppen in der Mafchinenhalle war folgende: Amerika England Frankreich Belgien . Schweiz Deutſchland Oefterreich • • . " . • 44.87 Meter, • 144'75 91.98 29 131179 " 56.90 " 7 • I 10'30 258.19 27 27 99 Ungarn und Rufsland. 137.80 Gefammtlänge 976 58 Meter. Die Blechftärke war bei den kleinen Röhren 2, bei den gröfseren 3 bis 4 Millimeter. Die Durchmeffer variirten zwifchen 6 bis 30 Centimeter. Die Dichtung zwifchen durch Schrauben angezogenen, abgedrehten, ftarken Flantfchen bildeten Filzfcheiben, Hanfzöpfe und Kautfchukringe; von diefen hielten alle gleichmäfsig gut und dauerhaft. * Diefe Apparate waren bereits auf der Parifer Induftrie- Ausftellung im Jahre 1867 ausgeftellt und haben feither keinerlei nennenswerthe Aenderungen erfahren. Die Befchreibung bringt der betreffende öfterreichifche officielle Ausstellungsbericht. ** Sammt der Dampfleitung im Keffelhaufe der Niederdruck- Wafferleitung. 20 Victor Novelly. In der Mafchinenhalle hatte diefelbe Firma auch Eifenblech- Dampfröhren ausgeftellt, die gezogen, und ebenfalls auf 15 Atmoſphären erprobt waren. In der deutfchen Abtheilung waren von K. Dörfel in Kirchberg( Sachfen) verzinnte Eifenblech- Röhren ausgeftellt. Diefe hatten nur innen einen ftarken Miniumanftrich, waren doppelt gefalzt und mit Zinnloth gelöthet, ohne genietet zu fein. Bis 5 Atmoſphären Ueberdruck garantirt gemäfs Profpect der Fabrikant. Die Blechftärke ift 15 Millimeter. Die Flantfchen bilden gebogene und gefchweifste Winkeleifen, die auf das Rohr gefchoben find, deffen Ende dann aufgebörtelt wird. Diefe Flantfche ift mit dem Rohre nicht befonders befestigt und hat das den Vortheil, dafs die anftofsenden Rohrenden bedeutend fefter gegen einander geprefst werden können, als da, wo die Flantfchen fixirt find, und ift auch diefe Art bedeutend leichter und einfacher herzuftellen. werden. Wie fich das Zinn im hochgefpannten Dampfe verhält, konnte nicht erfahren Solche Röhren fertigt diefe Firma in den Durchmeffern von 25 bis 250 Millimeter, in einer Baulänge bis zu 2.8 Meter an. Für Dampfheizungs- Anlagen, wo die Dämpfe eine ganz unbedeutende Spannung und Gefchwindigkeit haben, dürften diefe Röhren praktiſcher fein, als für Dampfleitungen, die über 1½ Atmoſphären Ueberdruck haben. Ebenfo fteht es mit den von J. Hilger in Rheinbrohl in der deutfchen Abtheilung ausgeftellten Röhren aus verzinktem Eifenblech. Die in der franzöfifchen und englifchen Abtheilung ausgeftellten Kupferröhren zeichneten fich blos durch ihre Dimenfionen aus und bildeten lediglich Schauftücke der Producte des modernen Hüttenwefens. VII. Schutzmittel gegen Wärme- Ausftrahlung. Von diefen waren blos drei vertreten; das eine war die bereits fehr ftark verbreitete Leroy'fche, die Wärme nicht leitende Compofition, von der Firma Posmansky& Strelitz in Wien erzeugt und in der öfterreichifchen Mafchinenabtheilung, auf einem Rohrftück aufgetragen, ausgeftellt und im öfterreichiſchen Keffelhaufe auf den Dampfkeffeln G. Sigl's, in circa 6 Centimeter Stärke umhüllt, in Thätigkeit. So weit das Geheimnifs diefer Compofition zu fehen geftattete, beſteht diefelbe aus einer erdigen, mit organifchen Stoffen gemengten klebrigen Maffe. Der Profpect zeigt eine Achtung einflöfsende Anzahl von Fabrikshäufern, die diefe Maffe im Gebrauche haben. Thatfächlich war das öfterreichiſche Keffelhaus trotz feiner Riefenkeffel, befonders in heifsen Sommertagen, in auffallender Weife fühlbar kühler als das nachbarliche deutfche Keffelhaus, wo die Keffel mit Ausnahme eines einzigen, jeder Einhüllung entbehrten. Das andere, von W. Hafsmann in Augsburg in der deutfchen Maſchinenabtheilung ausgeftellte Schutzmittel war ebenfalls aus Erdtheilen und„ Chemikalien" fabricirt und ebenfalls als Umhüllung der Keffel und DampfleitungsRöhren anzuwenden. In vortheilhafter Weife unterfcheidet fich diefes vom erfteren durch in die Umhüllungsmaffe eingelegte Strohzöpfe, welche, in Spiralen um die erfte Lage der Maffe gewunden, durch die zweite überdeckt werden. Diefe bilden dann Luftcanäle, welche jedenfalls das Nichtwärmeleitungs- Vermögen diefer Umhüllung bedeutend erhöhen. In praktifcher Anwendung auf der Ausftellung war diefe Maffe nicht; wir fahen blos eine Zeichnung, ein Stück Mufter der Maffe und den Profpect. Das Dritte war von R. Schlichtegroll in Baiern, dem Leroy'fchen ähnlich, auf den erwähnten deutfchen Keffel aufgetragen. Keffelarmaturen. 21 Die Eifenblech- Röhren der im Betriebe befindlichen Dampfleitung waren theils mit Filz, theils mit Wollvliefsen umhüllt, theils lagen fie ganz frei. VIII. Apparate zur Verminderung und Regulirung der Dampffpannungen. Den Gegenstand der Vorführung und Befprechung diefer Apparate, ftrenge genommen nicht zu den eigentlichen Keffelarmaturen gehörig, bilden doch jene integrirenden, bei gewiffen Fabricationszweigen unentbehrlichen Theile derfelben, deren Aufnahme in den Rahmen diefes Berichtes umfomehr gerechtfertigt erfcheint, als eben diefe Apparate feit der Parifer Ausstellung vielfache Verbefferungen und Neugeftaltungen erlitten, welche uns auf diefer Ausstellung vorgeführt wurden. Es find wieder meift jene Firmen, Erzeuger und Ausfteller diefer Artikel, welche fchon bei den bereits genannten Armaturen Erwähnung fanden. Schäffer- Budenberg hatte feine ältere Conftruction mit Doppelfitzventil, deffen Stange in der Verlängerung nach unten einen Kolben hat, der durch eine regulirbare Spiralfeder dem Dampfdrucke entgegenwirkt und demfelben das Gleichgewicht hält. Die Feder ift durch eine Membrane vom Dampfraume abgefchloffen. Die Höhe der reducirten Dampffpannung zeigt ein oberhalb des Ventiles angebrachtes Manometer. Das Reducirventil von Crofsley& Hanfon in Halifax, in der englifchen Abtheilung von Whitley Partners ausgeftellt, ift ebenfalls ein Doppelfitz- Ventil. Nebenftehende Figur zeigt dasfelbe im Verticalfchnitte. Die Dampfdurchftrömung gefchieht von links nach rechts. Auf das eigentliche Ventilgehäufe ift eine oben mit kleinen Oeffnungen verfehene Hülfe gefchraubt, in welche das innerfte kurze Rohrftück reicht; innerhalb desfelben bewegt fich die mit direct wirkendem Gegengewichte verfehene Ventilſtange, mit welcher ein oben gefchloffenes Rohrftück feft und dampfdicht, innerhalb des Gehäufes verbunden ift. Zwischen der äufseren Hülfe und dem innerften Rohrftücke befindet fich das durch das Krummrohr eingebrachte Quecksilber, in welchem das an der Ventilftange hefeftigte Rohr fchwimmt und dadurch auch unten abgefchloffen wird. Tritt nun durch das im normalen Zuftande durch das Gegengewicht offen gehaltene Ventil Dampf von höherer Spannung, als benöthigt, fo wird der Schwimmer gehoben, das Ventil im Verhältniffe gefchloffen. 22 Victor Novelly. Bei Verminderung des Dampfdruckes wirken die regulirbaren Gufseifenfcheiben des Gegengewichtes auf das Ventil, diefes öffnend. Für den Fall, als fich das Ventil nicht in dem entſprechenden Momente fchliefsen follte( Unreinigkeiten etc.) und fortwährend Dampf von höherer Spannung einftrömt, als die das Gegengewicht paralyfiren kann, fo wird das Queckfilber durch die in der äufseren Hülfe oben befindlichen kleinen Löcher hinausgetrieben, die Strahlen an der über denfelben befindlichen Glocke gebrochen und in den Behälter abfallen, von wo es durch die verfchraubte Oeffnung abgezogen und neu verwendet werden kann Das Pfeifen des Dampfes bei feinem Entweichen zeigt, dafs der Apparat nicht in regelrechter Function ift. Diefer Apparat zeichnet fich befonders vortheilhaft vor allen anderen dadurch aus, dafs bei demfelben gar keine Dichtungs- und Reibungsflächen vorkommen. Der Umftand noch, dafs derfelbe fein Nichtfunctioniren felbft anzeigt und nicht allein dem nebenftehenden Manometer diefs Gefchäft überläfst, läfst diefen Apparat trotz des fonft unbequemen Queckfilbers als recht praktiſch erfcheinen. Der Ausfteller benützt folche Ventile, um Dämpfe von angeblich 40 Pfund auf 2 Pfund und folche von 160 auf 20 Pfund zu reduciren. 0 Der Dampfregulator von Suckow& Comp. in Breslau hat, wie aus nebenftehender Figur erfichtlich, ftatt des Ventils einen durch Waffernuthen abgedichteten hohlen Kolben, welcher die Einftrömung an feiner Peripherie ab. und zufchliefst. Der Dampf wirkt auf einen zweiten, mit der Kolbenftange verbundenen vollen unteren Kolben oder Stöpfel, welcher vom Dampfe durch eine Lederftulpe abgedichtet ift und die indirecte Belaftung des oberen Hohlkolbens trägt. Diefes Gegengewicht hält nun die Einftrömöffnung bei geringeremDrucke als zuläffig ftets offen; ift diefer Druck ftärker, fo wird durch den Ueberdruck desfelben das Gewicht am Hebel überwunden, gehoben und die Einftrömöffnung gefchloffen. Die Lederftulpe ift durch das in dem 30 Centimeter langen Rohre befindliche Condenfations Waffer gefchützt. Der ganze Apparat ift aus Rothgufs. Die richtige Höhe des reducirten Dampfdruckes zeigt das durch feitliche Oeffnungen mit dem Dampfraume communicirende Manometer. Der Gegengewichtshebel trägt eine Atmoſphärenfcala zur Juftirung des Gewichtes. Die Zeichnung ftellt den Apparat in dem Augenblicke dar, in welchem der Dampfzuflufs gänzlich abgefperrt ift. Durchgang des Dampfes in der Richtung von rechts nach links. Keffelarmaturen. 23 Dampfdruck- Reducirungsventil von Blancke& Comp. in Merfeburg. Nebenftehende Figur macht die Conftruction erfichtlich 1000000 Der Dampf tritt links ein und ftrömt reducirt rechts aus. Das Ventil bildet der hohle eingefchliffene Metallkolben, durch deffen durchbrochene Oeffnungen der Dampf( je nachdem diefelben mit dem Ventileingange correfpondiren) durchzieht. Der Durchgang hört auf, fobald der Kolben vom höher gefpannten Dampfe nach aufwärts bewegt wird. Um in Fällen, in denen der Druckregulator zum Durchlaffen von Dämpfen unter 5 Pfund Spannung benützt werden foll, ift der Gegengewichtshebel noch über feinen fixen Stützpunkt nach links verlängert und mit einem Gewichte verfehen, mittelft deffen man das Ausbalanciren des rechten eigentlichen Gegengewichtes leichter bewerkstelligen kann. Die Platte, auf welche der Stützpunkt des Hebels befeftigt ift, ift drehbar, um fo dem Hebel im Horizontalkreife jede beliebige Stellung geben zu können. Das dünne Rohr ober dem Kolben dient zur Abführung des Condenfations waffers. Das Röhrchen unten trägt auf einem fenkrecht aufgebogenen Anfatzrohre ( Wafferf ack) ein Manometer. O SCHMIERVORRICHTUNGEN. Einleitung. - Diefe, als zu den Mafchinenarmaturen gehörig, werden mit geringer Ausnahme von jenen Fabriken erzeugt, welche fich mit der fpeciellen Fabrication von Keffelarmaturen befaffen, thatfächlich fanden wir bei allen letztere Gegenftände ausftellenden Firmen auch Schmierapparate. Es dürfte daher gerechtfertigt erfcheinen, wenn wir diefe jenen folgen laffen, um fo die Erzeugniffe diefer fpeciellen Etabliffements, fo weit es der Rahmen diefes Berichtes geftattet, vereinigt zu haben. Im grofsen Ganzen fcheint noch immer die einfachfte Schmierbüchfe mit Docht, refpective der einfache und doppelte Schmierhahn, die neueren mehr oder weniger complicirten Automaten aus der Praxis fern zu halten. Diefem entgegen trachtet die ganz refpectable Anzahl„ neuefter" Erfinder von Schmiervorrichtungen die gröfstmögliche Complicirung zu erlangen. - Von der refpectiven Anzahl der auf der Wiener Ausftellung in Anwendung gewefenen Apparaten auf ihre factifche Verbreitung und ihre praktiſche Verwendbarkeit eine Confequenz zu ziehen, war ganz unmöglich, da nicht nur die meiſten Mafchinenausfteller ihre Schmiervorrichtungen aus„ ,, Freundlichkeit" zu dem betreffenden Erfinder oder Erzeuger von diefem für ihre Ausftellung annak men, fondern auch gar keine Vergleichsverfuche vorgenommen wurden, noch entſprechende Refultate vorlagen. I. Schmiervorrichtungen für nicht im Dampfe fich bewegende Mafchinentheile. Unftreitig die gröfste Verbreitung und häufigfte Anwendung finden und fanden auch an den Maſchinen und Apparaten der Ausftellung jene Schmierbüchfen, welche unter dem Namen des urfprünglichen Erfinders und Fabrikanten Lieuvain bekannt find. Diefelbe Firma V. Lieuvain in Rouen hatte eine Collection von folchen Nadelölern in der franzöfifchen Abtheilung in verfchiedenen Gröfsen ausgeftellt und fanden wir die fehr praktifchen und bereits allgemein verwendeten Holzftöpfel ftatt der früheren Metallverfchraubungen auch hier vor. Der Apparat hatte eine glatte bewegliche Nadel in der Hülfe und die Glasbüchfen in ovaler Form ohne jede andere Garnirung. * Die Achfenlager der Eifenbahnwagen und die Schmiervorrichtungen derfelben, als nicht in den Bereich diefes Berichtes gehörig, find hier nicht behandelt. Schmiervorrichtungen. 25 De la Coux in Paris, einer der gröfsten Fabrikanten für Schmierapparate, legt in feine Nadelöler ein Siebrohr ftatt der vollen Hülfe, gegen Unreinigkeiten und zum Zwecke langfameren Oelausfluffes. In der That haben diefe Nadelöler irgend ein Oelausflufs- Verzögerungsmittel nöthig, da in den meiften Fällen aus Furcht vor zu geringer Schmierung die Nadel recht feft abgefeilt, und der eigentliche Vortheil diefes Apparates iluforifch gemacht wird; andererfeits jedoch kommt fehr häufig vor, dafs der Raum zwifchen Hülfe und Nadel fo ftark mit dem unvermeidlichen Oelfatze verfetzt wird, dafs gar kein Oel durchfliefst, und dem nur durch Abnehmen und Reinigen des Apparates abgeholfen werden kann; natürlich nimmt der Maſchinift dann wieder eine noch dünnere Nadel und erweitert vielleicht noch dazu. die Hülfe, um einem Verftopfen, refpective Reinigen auf längere Zeit auszuweichen. Aus diefen und anderen Gründen halten wir die eigentlichen Lieuvain'fchen Nadelöler einfachfter Conftruction für den beften Schmierapparat diefes Syftems. Bei deffen Anwendung gilt der Grundfatz: für jeden Schmierort einen Wechfelöler ftets vorräthig zu haben, der für den Fall, dafs der eine Oeler leer wird, diefer durch den anderen bereit gehaltenen gefüllten fofort erfetzt werden kann, hiebei mufs unwillkürlich die Hülfe durch die Nadel felbft( beim Stellen) gereinigt werden, und kann ein Anfetzen während der verhältnifsmässig kurzen Functionsdauer nicht platzgreifen. - Diefs Auswechfeln gefchieht um fo leichter, als eben diefe urfprünglichen Nadelöler eine fehr einfache Manipulation erheifchen und fehr wohlfeil find( auf der Ausftellung waren diefe in jeder Gröfse mit 1 Franc bewerthet). Fixe Nadelöler, das heifst folche, die einmal eingefchraubt auch immer fo bleiben, und zum Füllen des Oeles einen verfchraubbaren Deckel haben, hatte De la Coux unter der Benennung: Graiffeur blindé ausgeftellt. Diefe beftehen je aus einem ftarken Glascylinder, der in einer mehrfach gefchlitzten Meffinghülfe( Blindage) eingebracht ift und oben einen mit Lederdichtung verfehenen, eingefchraubten Deckel hat. Solche waren auch von J. Blake borough in der englifchen Abtheilung und von mehreren amerikanifchen und deutfchen Ausftellern gebracht. Merkwürdig erfcheint der Umftand, dafs Lieuvain allein feine Nadel am unteren Ende gerade abfchneidet, und alle übrigen autorifirten Erzeuger Lieuvain'fcher Nadelöler diefen eine olivenförmige Abrundung geben; jedenfalls ift diefs das Richtigere;-wenn wir jedoch bedenken, dafs das untere Ende diefer Nadel fich in kürzefter Zeit an die Drehungsfläche des von ihr berührten Mafchinentheiles fchmiegt und deffen Fläche annimmt, zur fabriksmäfsigen Erzeugung jedoch jedenfalls das Lieuvain'fche Verfahren billiger zu ftehen kommt, fo entfällt wohl der einfeitige Vortheil der abgerundeten Nadel, der fich während kurzer Zeit beim Beginn der erften Ingangfetzung kundgibt. Unter der Benennung" The Havre Lubricator" fanden wir in der englifchen Abtheilung einen Nadelöler( mit Lieuvain's Patent bezeichnet), welcher aus einer oben und unten abgefchnittenen Glaskugel mit Meffingarmirung und verfchraubtem Deckel beftand und an das zu fchmierende Lager anzufchrauben ift. Die Nadelhülfe geht durch den Glasbehälter und hat an ihrem oberen Ende die Schraubenmutter für die am Deckel befindliche Schraube, welche nun fo die ganze obere Meffingarmirung mit der unteren verbindet; diefe Hülfe hat an mehreren Stellen ihres Umfanges kleine Löcher, die jedoch erft circa einen Centimeter vom Boden des Gefäfses beginnen und fo das Schlammabfetzen ermöglichen und einem zu rafchen Verftopfen der Hülfe vorbeugen, zugleich auch als Moderateur für den Oelabflufs dienen. Die fogenannten ärodynamifchen Schmierbüchfen erlitten blos ihren Formen nach Aenderungen, und zwar fanden wir allgemein die gefälligere 26 Victor Novelly. flach ovale Form des Glafes gegen die frühere Flafchenform vorherrschend und ebenfalls den praktiſchen Holzconus und eben folchen Deckel. Der in der englifchen Abtheilung ausgeftellte patentirte ,, Auftin'fche Syphon Lubricator" ift ein gewöhnliches ärodynamifches Schmierglas; dasfelbe wirkt jedoch als Heber, indem das Ausflufsrohr im Gehäufe durch ein zweites weiteres oben gefchloffenes Rohr umgeben ift, welches den kurzen Arm, das dünnere Ausflufsröhrchen den längeren Arm des Hebers bildet. Der eigentliche Zweck diefer Complicirung ift uns nicht bekannt. In der deutfchen Abtheilung hatte die Berliner Firma Schwartz einen ärodynamifchen Patent- Schmierapparat ausgeftellt. Derfelbe befteht aus einer nur von unten zu öffnenden Glaskugel, in welche mittelft Lederfcheibe abgedichtet ein Bündel feiner Metallröhrchen reicht. Diefe Capillarröhrchen find von einer ftarken Metallhülfe umgeben, welche am oberen Ende im Inneren der Glaskugel eine Saugkapfel trägt, welche mit einer einzigen Oeleinftrömungsöffnung( die je nach der abzugebenden Oelmenge vergröfsert werden kann) verfehen ift. Zwifchen der Metallhülfe und dem Röhrenfyfteme wird feine lockere Baumwolle( Watte) gelegt, um fo bei Entſtehen eines Vacuums das zu heftige Ausfpritzen des Oeles zu hindern und um gleichzeitig das Oel etwas zu reinigen. Die Metallhülfe fammt dem Röhrenbündel kann leicht von der Glaskugel abgefchraubt und mittelft heifsen Waffers gereinigt werden. Hiebei muss die inliegende, jedenfalls verkruftete Watte erfetzt werden, welcher Umftand der Handlichkeit diefes Apparates ftarken Abbruch thut; durch engere Aneinanderreihung der Capillarröhrchen, refpective bei Anwendung einer dünneren Hülfe, dürfte das„ Verftopfungsmittel" erfetzt fein. Berichterstatter hatte felbft Gelegenheit, diefen Apparat auch ohne eingelegte Baumwolle, jedoch mit feinem Drahtfieb verfehen, recht befriedigend arbeiten zu fehen. Sowohl die Nadelöler, als die ärodynamifchen Schmierbüchfen werden direct von dem rotirenden, zu fchmierenden Mafchinentheile in Betrieb gefetzt; bei den erfteren ift es die auf dem drehenden Körper aufruhende, durch diefen in Ofcillation gebrachte Nadel, bei den letzteren ift es das durch diefen rotirenden Körper erzeugte Saugen in dem ganz nahe an diefem befindlichen Oelausflufsrohre. Diefelben fchmieren daher blos beim Imgangefein der bezüglichen Theile und erzielen factifch eine ganz beträchtliche Oelökonomie gegen die gewöhnlichen Dochtbüchfen. Es ist jedoch für die richtige Function diefer Apparate Hauptbedingnifs, dafs mit denfelben ein fehr dünnflüffiges und reines Oel verwendet wird, da allen diefen das Capillarvermögen der Flüffigkeit als Conftructionsbafis dient, und das dicke Oel nicht nur diefe Eigenfchaft im geringften Mafse befitzt, fondern auch fehr rafch die dünnen Röhren verkruftet. In der That find auch auf der Ausftellung alle diefe Schmierapparate mit beftem, reinem Olivenöl verfehen worden.* Die Schmiervorrichtungen, welche diefen Apparaten am nächfte ftehen, find die Glasbecher mit lofem Deckel und conifchem Ausflufsrohr, das in den * Wir erfüllen unfere Pflicht, hier zu erwähnen, dafs oben genanntes Olivenöl für die Gefammtbedürfniffe der Mafchinenhalle, während der ganzen Ausftellungsperiode, von der bekannten Wiener Firma S. Eysler unentgeltlich geliefert wurde. Unter folchen Umständen war natürlich von einem ökonomifchen Schmieren keine Rede und wehe dem, der fich die Aufgabe geftellt, auf der Ausstellung Studien über Schmierung zu machen. Nicht unerwähnt können wir gleich hier laffen, dafs auch die Firma G. W agemann in Wien fich an der unentgeltlichen Lieferung von Schmiermaterial für die Mafchinenhalle in hervorragender Weife betheiligte. Es war Mineralöl, und wurde in der Mafchinenhalle ebenfalls angewendet. Schmiervorrichtungen. 27 Becher ragt und in welches ein Draht gefteckt ift, der fortwährend das Oel tropfenweife abgibt und nachfaugt. Diefe Apparate waren am häufigften in der öfterreichifchen Abtheilung zu finden in den übrigen beinahe gar nicht. Es ift diefs wohl dem unten bemerkten Umftande zuzufchreiben; wir fanden fogar im Laufe der Ausftellung beffere und neuere Apparate durch folche ausgewechfelt. II. Schmiervorrichtungen für die im Dampfe fich bewegenden Mafchinentheile. Die Grundprincipien diefer in diefe Claffe gehörenden Apparate find der Hauptfache nach die, welche continuirlich ein beſtimmtes Quantum Oel abgeben, und jene, welche diefs nur dann thun, wenn die bewegenden Theile( Dampfkolben, Schieber etc.) ohne Dampf arbeiten.( Bei den Locomotiven: Einlaufen in die Station, ftarkes Gefälle etc. Bei Fördermafchinen, Dampfkrahnen, beim Herablaffen der Laften durch die Bremfe etc.) Endlich diefe, welche in beliebigen Zeitintervallen eine unbeftimmte Menge Oel abgeben( einfache und doppelte Schmierhähne). A. Apparate mit continuirlicher Oelabgabe. Die in diefe Kategorie gehörigen Schmiervorrichtungen waren naturgemäfs am ftärksten vertreten, fo zwar, dafs alle übrigen, nicht diefes Princip befolgenden Apparate als Ausnahmen erfchienen. Naturgemäfs, weil die neuere Anficht: dafs eine fortwährend gleichmäfsige, geringe Oelzuführung beffer und ficherer fei, als die in Zeitintervallen abgegebene gröfsere Oelmenge, anfängt fich Bahn zu brechen und principiell auch factifch angewendet wird. Dafs diefes alle einfachen und doppelten Schmierhähne verbannende Princip trotzdem fehr langfam feine Bahn bricht, geht daraus hervor, dafs auf der Ausftellung verhältnifsmäfsig eine ganz bedeutende Anzahl von Dampfcylindern mit folchen verfehen war. Befonders auffallend erfchien diefer Umftand an den Maſchinen der englifchen Abtheilung, wo wir beinahe ausfchliefslich Doppelhähne bemerkten, jedoch als„ Ausftellungsobjecte" beinahe alle bekannten Schmierapparate von befferer und minderer Verwendbarkeit antrafen. " The Ashcroft patent Regulating Tallow Cup", von der gleichnamigen amerikaniſchen Firma ausgeftellt und auf einer Mafchine in Thätigkeit. Nebenftehende Figur zeigt diefen Apparat im Schnitte in circa einem Viertel der Naturgrösse. Der ganze Apparat ift aus Rothgufs, fehr maffiv gehalten und befteht eigentlich blos aus zwei Theilen, der Kugel( Oelbehälter) und dem eingefchraubten Deckel. Die übrigen Theile find in denfelben derart fixirt, dafs fie aus diefen nie herausgenommen zu werden brauchen. Der befondere Vortheil diefes Apparates ift der, dafs ein Oelnachfüllen auch während des Ganges der Mafchinen Ein Urtheil über diefe beiden ,, Fettwaaren" zu fällen, gehört nicht in den Bereich diefes Berichtes. 28 Victor Novelly. bewerkstelligt werden kann, ohne die läftigen verfchiedenen Hähne, wie bei vielen anderen Apparaten, zuerft handhaben zu müffen. Sobald man den Deckel von der Kugel abfchraubt, hebt der Dampf, oder, wenn die Mafchine leer geht, die Spiralfeder, das Ventil und fchliefst fo die Communication mit dem Innern des Cylinders ab. Die Figur zeigt den Apparat in diefem Momente. Um die Ausflufsmenge des Oeles zu reguliren, hat die obere Druckftange eine graduirte Scheibe, mit einem Prifonftift verfehen, fo die Gröfse der Ventilöffnung, die fehr genau eingeftellt werden kann, erfichtlich machend. Genau nach Afhcroft's Princip find die Schmierapparate von Scharn berger und Görgel conftruirt. Erfterer ftellte feinen Apparat in der deutfchen Abtheilung aus. Diefer hatte ftatt des Afhcroft'fchen Ventils eine konifche, fcharfgängige Schraube, durch deren Windungen, je nachdem diefelbe fefter oder lofer angezogen, weniger oder mehr Oel abfliefst. Die Regulirung diefer Schraube gefchieht durch einen in den angegoffenen Deckel mittelft einer Stellfchraube und eines Bügel niedergehaltenen, jedoch drehbaren konifch eingefchliffenem Knopf, in welchen die Regulirfchraube mit einem viereckigen Kopf eingreift. Der Knopf wirkt daher als Schraubenfchlüffel. Auch diefer Appariat kann während des Ganges der Mafchine gefüllt wer den; man fchraubt näml ch die konifche Regulirfchraube feft ein und löft den den Knopf niederhaltenden Bügel. Ift nun nach der Füllung wieder der Knopf in den Deckel und auf die Schraube gebracht, fo wird diefe gelüftet, um Oel durchzulaffen. Ob nun zu viel oder zu wenig in den Cylinder fliefst, kann bei diefem Apparate leider nicht fo wie bei dem Ashcroft's ermittelt werden. Auch Scharnberger's Apparat ift ganz aus Metall und recht maffiv gehalten. Die früheren Apparate desfelben Erfinders hatten einen feparaten, nicht luftdicht fchliefsenden Deckel( Ausfpritzen von Oel und Dampf), find jedoch fehr bald aus der Praxis verfchwunden, um dem gegenwärtig befchriebenen Platz zu räumen. Der andere Görgel'fche Apparat ift auch ziemlich verlaffen und war auch auf der Ausftellung unferes Wiffens nicht vertreten. Alle diese Vorrichtungen haben den gemeinfamen Nachtheil, bei plötzlicher Abftellung oder beträchtlicher Dampfdruck- Verminderung den ganzen oder einen grofsen Theil des Oelinhaltes auf einmal in den Schieberkaften oder Cylinder nutzlos zu ergiefsen. Es iſt diefs der im Oelgefäfse zurückgebliebene hochgefpannte Dampf, welcher, keinen Gegendruck habend, das unter ihm befindliche Oel vor fich hinaustreibt. Fr. Schauwecker in Weiden( Baiern) ftellte feinen bereits ziemlich allgemein bekannten felbftthätigen Oel- Tropfapparat in der deutfchen Abtheilung in verfchiedenen Gröfsen als felbftftändiges Ausftellungsobject aus; nebft diefem waren mehrere deutfche Locomotiven mit folchen Apparaten verfehen. Die Einrichtung desfelben ift kurz folgende: In einem weiten Rohre, das mit dem Dampfraume( Schieberkaften) direct in Verbindung ift und welches in den Oelbehälter, das Niveau des höchften Oelftandes überragend, eindringt, befindet fich nahe der Bodenebene des Behälters ein eingefchraubtes Capillarröhrchen, welchem die Aufgabe der tropfenweifen Oelzuführung in den Dampfraum zufällt, hervorgerufen durch die bei jedem Kolbenhube( Schieberwechfel) entſtehenden Dampffpannungs Aenderungen. Der in den Schieberkaften eintretende Dampf erfüllt nun ebenfalls den im Oelbehälter befindlichen freien, luftdicht abgefchloffenen Raum und ift bei Stillftand der Mafchine vollſtändig im Gleichgewichte, daher auf das Oel wirkungslos. Sobald nun aber die Schieberöffnung zur Einftrömung in den Dampfcylinder fich öffnet, Schmiervorrichtungen. 29 fo ftrömt auch aus dem Oelgefäfse durch die weite Röhre der Dampf ab; da jedoch der vor der Mündung der Capillarröhre befindliche früher entweicht, als jener, der über dem Oelfpiegel liegt, fo wird diefer durch den dadurch momentan erzeugten ftärkeren Druck auch einen folchen erleiden und durch das Röhrchen einige Tropfen herauspreffen, welche dann durch den nachftrömenden Dampf in den Cylinder geriffen werden und fein vertheilt die Schieberflächen und Kolben ölen. Zur Regulirung der auszufliefsenden Oelmenge dient eine in die untere, in den Schieberkaftenraum mündende, Oeffnung der weiten Röhre eingefchraubte Verjüngungsröhre, welche durch engere oder weitere ausgewechfelt werden kann und fo der rafchere oder verzögertere Dampfabfluss aus dem Oelbehälter erzeugt werden kann. Die Füllung gefchieht durch eine hohle, am unteren Ende in der Längenacafe zur Hälfte abgefchnittene, in den Deckel eingefchraubte kurze Schraube, die daher beim Füllen nie ganz herausgedreht zu werden braucht. Vor der Capillarröhre befindet fich ein die Unreinigkeiten abhalten des Metallfieb. Der ganze Apparat ift aus Metall und durch den aufgefchraubten, abge. dichteten Deckel dampfdicht. Diefs die urfprüngliche Conftruction, welche jedoch in den auf der Ausftellung vorgeführten Apparaten unter Beibehaltung des Principes mehrfache Verbefferungen erhielt und fo mehreren der urfprünglichen Conftruction anhaftenden Uebelftänden wie da find: das fich anfammelnde Condenfations- und mitgeriffene Keffelwaffer, das keine Oelfüllung geftattete und das Oel aufserdem durch Ueberfliefsen in die weite Röhre fehr fchnell aus dem Apparate hinaustrieb, dann das nur bei kalter Mafchine mögliche Nachfüllen- abgeholfen und hie durch eine fehr rationelle Schmiervorrichtung gefchaffen wurde. In erfter Linie ift gegen das mitgeriffene Keffelwaffer durch ein am unteren Ende der weiten Röhre in diefe felbft ein freies Stegventil eingelegt, welches wohl den Dampf durchläfst, das Waffer aber, das in diefer im Verhältniffe zur Dampfrohr- Leitung doch fehr dünnen Röhre einen ziemlich continuirlichen Strahl bildet und das Ventil an feinen Sitz treibt bekanntlich ift die lebendige Kraft des Dampfftrahles bedeutend geringer als jene des Wafferftrahles- beim Aufhören des Waffermitreifsens fällt das Ventil durch feine eigene Schwere nieder und läfst dem Dampf durch feine Seitenftege freie Communication. Nebft diefer Einrichtung ift das weite Rohr am oberen Ende ebenfalls mit einem Ventil verfehen, deffen Verlängerung die Füllfchraube bildet, die der früher befchriebenen ähnlich. Wird diefe gelüftet, alfo Oel gefüllt, fo fchliefst das Ventil die Einftrömröhre vom Dampfe ab und es kann diefer blos durch das Capillarröhrchen und auch durch diefes in kaum bemerkbarer Menge durch. Es kann dadurch nun ein Nachfüllen auch während des Betriebes bewerkstelligt werden. Der viereckige Füllfchraubenkopf( obere Ventilverlängerung) trägt eine Kurbel zur leichteren, rafcheren Manipulation. Die Apparate für im Freien arbeitende Maſchinen find noch aufserdem mit einem Metallmantel mit eingefchloffener Luftfchichte, der befferen Wärmehaltung wegen, verfehen. Der Profpect fagte uns, es feien 8000 Stück folcher Apparate in Ver wendung. Nachftehende Figur zeigt den Zabel'fchen felbftthätigen Schmierapparat, von der Firma Raven& Zabel in Quedlinburg in der deutfchen Abtheilung. ausgeftellt. Bei offenem Abſchluſshahne dringt der Dampf durch das weite Einftrömrohr in die Dofe, biegt dann feitlich in die zweite nach abwärts reichende dünnere Röhre, welche fich in einer an dem erfteren Rohre befeftigten Hülfe drehen läfst und auf diefe Art die Mündung zu erweitern oder zu verengern ermöglicht. Aus 30 R Victor Novelly. diefem Rohre fteigt nun der Dampf, das in der Büchfe enthaltene Oel durchbrechend, in den über dem Oelfpiegel befindlichen leeren Raum und drückt bei eintretendem Spannungswechfel auf denfelben, fo ein gewiffes Oelquantum in die weite Röhre drängend, welche oben mit einem Schieberdeckel mehr oder weniger abgefchloffen werden kann. Von da wird nun das Oel durch den direct durch die weite Röhre nachftrömenden Dampfin den Schieberkaften und Dampfcylinder in fein zertheiltem Zuftande getrieben. In der Figur ift a die weite Röhre mit dem oberen regulirbaren Schieberdeckel e ( in der nebenbefindlichen Fig. A im Grundriffe dargeftellt); 6 bildet das niederfteigende Rohr, das eigentlich ein Hahnkücken ift. Die Spalte K kann nun durch entſprechendes Drehen fehr fein eingeftellt werden. Der Deckel v fchliefst ventilartig dampfdicht. Vor zu rafcher Abkühlung ist auch diefer Apparat durch Doppelwand geſchützt. Diefe Schmierdofe und jene von Schauwecker haben ein gleiches Princip zu Grunde gelegt. Nur ift bei dem Zabel'fchen gegen das fich anfammelnde Condenfations waffer fehr wenig gethan und ift es jeden falls nöthig, den Apparat erft durch den Dampf indirect( bei gefchloffenem Hahne) erwärmen zu laffen, bevor er zur Wirkung gelangen foll. Die einzige diefsbezügliche Vorkehrung ift der auf dem Rohre e befindliche Schieberdeckel, welcher weiter geöffnet den Dampf rafcher ausläfst und demfelben zum Condenfiren keine Zeit läfst natürlich wenn der ganze Apparat die hiezu erforderliche Wärme bereits befitzt. Jedenfals aber ift diefe Schmiervorrichtung durch den Wegfall der Schauwecker'fchen Ventile etc. einfacher und leicht verftändlich" conftruirt. " Diefer Apparat arbeitet bei Leergang ebenfalls und kann fowohl an dem Haupt- Dampfzuleitungsrohr, am Schieberkaften, als auch direct an dem Dampfcylinder angebracht werden. Whitley's Ventillubricator in der englifchen Abtheilung hatte ebenfalls die Principien der beiden eben genannten Apparate zu Grunde gelegt. Statt der Schauwecker'fchen Capillarröhre ift an derfelben in die weite Röhre mündenden Stelle eine vier Millimeter weite Bohrung, welche durch das konifche Ende einer von der entgegengefetzten Seite eingefchraubten Schraube, deren Kopf aufser dem Oelbehälter ift, verengt, refpective erweitert oder abgefperrt werden kann. Die weite, fenkrechte Röhre hat im höchften Oelniveau eine horizontale Bohrung, durch welche der Dampf eintritt, aus dem unteren Rohre Oel ausdrückt und fich wieder auf demfelben Wege entfernt und das unten ausgetretene Oel mitreifst. Die Verlängerung der fenkrechten Röhre nach oben bildet einen eingefchraubten Trichter mit Seitenöffnungen zur Füllung und wird diefs durch geringes Lüften derfelben bewerkstelligt. Schmiervorrichtungen. 31 Auch diefer Apparat hat keine Wafferabhaltungs- Vorrichtung, überhaupt aufser den eben erwähnten Theilen keinen anderen. Jedenfalls der einfachfte Apparat diefes Syſtems. Die in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellte A. Gebauer'fche Schmiervafe ift gleichfalls den Zabel- Schauwecker'fchen Principien unterworfen. Die Dampfeinftrömungsröhre derfelben ift unten enger, erweitert fich nach oben und ift durch eine Schraube vollkommen gefchloffen. In der Mitte des erweiterten Rohrtheiles finden wir das Capillarrörchen, welches in ein zweites, dünneres, mit der Dampfeinftrömungsröhre paralleles Rohr mündet; diefes, bis nahe an den Boden des Oelgefäfses reichend, verjüngt fich gegen abwärts und kann, durch eine fehr fpitze glatte Nadel noch mehr verengt, regulirt werden. Diefe Nadel endet nach aufwärts in eine Schraube, deren Kopf eine Theilung zur genaueren Juftirung enthält. Ein nennenswerther Unterfchied gegenüber den anderen Apparaten diefes Syftemes befteht darin, dafs der Dampf fowohl beim Eintritt als auch beim Austritt die Capillarröhre, die regulirbare dünne fenkrechte Röhre und das Oel felbft paffiren mufs; ein Uebelftand, welcher jedenfalls zu Gunften der früher erwähnten fpricht. Gegen das Anfammeln des Condenfationswaffers ift ebenfalls nicht geforgt. Der Verfchlufs und die Füllung werden durch eine mit Blei abgedichtete Deckelfchraube bewerkstelligt. Von jenen Schmierbüchfen, welche das bei den bisher erwähnten fo nachtheilige Condensationswaffer zum Zwecke des continuirlichen Oelabgebens nutzbar machen, ift in erfter Reihe der in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellt gewefene und an fehr vielen dortigen Mafchinen angewendete automatifche Conden1 fations- Schmierapparat von M. J. Bouillon in Lyon, welcher dort eine im grofsen Mafsftabe eingerichtete Fabrik zur fpeciellen Erzeugung diefer Handelsartikel befitzt; daher wohl die fo auffallend grofse Anzahl diefer in Frankreich in Verwendung ftehenden Apparate. Obwohl Schäffer- Budenberg in Magdeburg bereits feit geraumer Zeit eben folche Apparate erzeugt und felbft einen folchen unter der Benennung Schmierhahn nach Jacobi" in feiner Ausftellungsgruppe hatte, find diefe am deutfch- öfterreichifchen Markte bedeutend fpärlicher anzutreffen. " Nebenftehende Figur zeigt einen Bouillonfchen Apparat mittlerer Sorte im Verticalfchnitte in Viertel natürlicher Gröfse. Die Handhabung und Wirkung ist folgende: Nachdem der Oelbehälter durch das Abfperren des unteren Hahnes vom Dampfe abgefchloffen, wird der obere geöffnet und die Büchfe mit Oel gefüllt; ift diefer nun gefchloffen und der untere Hahn geöffnet, fo tritt der Dampf durch die durch das Oel gehende, mit zwei gegenüberliegenden Seitenöffnungen verfehene Röhre ein und condenfirt fich, das hiedurch entstandene niederfinkende Waffer hebt den Oelfpiegel und lässt ihn durch die Seitenöffnungen in die Röhre fallen; der nicht condenfirte Dampf ftrömt dann beim nächften Spannungswechfel durch das oben offene 3 15 32 Victor Novelly. Rohr in den Schieberkaften oder Cylinder der Mafchine zurück und reifst fo das ausgetretene Oel mit fich. Zum Ablaffen des Condensationaswaffers beim Neufüllen ift feitlich am Boden des Gefäfses ein Hahn angebracht. Der ganze Apparat ift aus fehr dünnem Metall gearbeitet, um möglichft rafch abzukühlen. Um den Dampfraum( Condenſationsfläche) über dem Oelfpiegel nach Bedarf vergröfsern oder vermindern zu können, ift das Einftrömrohr am unteren Ende tiefer oder höher zu fchrauben und mittelft der Mutter arretirbar. Ein grofser Vortheil, der diefem und ähnlichen Principien unterlegten Apparate eigen ift, ift der, dafs das beim Anlaffen der Mafchine fo nothwendige ftärkere Schmieren in vorzüglicher Weife bewerkstelligt wird, indem fich, fo lange der Oelbehälter noch kalt ift, der gröfste Theil des einftrömenden Dampfes condenfirt und demzufolge mehr Oel in das Rohr abführt, als diefs beim bereits erwärmten Apparate gefchehen kann, wo auch oft der Fall eintreten kann, dafs abfolut keine Condenſation des Dampfes ftattfindet.* Durch das Oeffnen des Seitenhahnes kann man fich davon überzeugen, ob der Apparat in richtiger Function ift. Adolf Sehwartz in Berlin hatte eine ganz ähnliche Schmierdofe in der deutfchen Abtheilung ausgeftellt; diefe hatte ftatt der an dem Einftrömrohr angebrachten Regulirfchraube ein Schraubenventil feitlich aus der Büchfe ragend, welches einen zum Einftrömrohr führenden Seitencanal mehr oder weniger abfperren kann, fo den Dampfeintritt regulirend. Die Hauptröhre ift fix und kann die Condenfirfläche über dem Oelfpiegel nicht geändert werden. Zum Abführen des Condenfationswaffers hatte Schwartz ebenfalls ein Schraubenventil. Das erftere Ventil dient zugleich zur gänzlichen Abfperrung des Dampfes; zum Füllen blos der eingefchraubte Deckel. Diefer Apparat fieht bedeutend gefälliger aus, als der mit den drei Hähnen verfehene Bouillon'fche. Nur glauben wir, dafs das Vergröfsern oder Vermindern der Condenfirfläche zum Zwecke der Oelabflufsregulirung vortheilhafter fei, als die Regulirung der Dampfeinftrömmenge zum gleichen Zwecke. Dagegen ift die Anwendung von Ventilen ftatt Hähnen beffer, da bekanntlich die Hähne fehr bald von dem fehr felten fäurefreien Oel angegriffen werden und ihre bedingte Dichtheit verlieren. Dafür aber verlangen Ventile zu ihrer Führung eine Complicirung der Canäle, die jedoch den Vortheil des fteten Dichtfeins aufwiegt. - Die Conftruction des bereits ziemlich verbreiteten Wilfon'fchen Schmierhahnes ift nebenftehend von mehreren amerikanifchen, englifchen and deutfchen Keffel- und Mafchinenarmaturen- Fabriken ausgeftellt im Schnitte in einem Viertel Naturgröfse( gröfstes in der deutfchen Abtheilung ausgeftelltes Modell) dargestellt. Das Gefäfs zur Oelaufnahme ift cylindrifch und durch einen in dem oberen Theile des Gefäfses eingefchliffenen flachen Metallconus mittelft ein es mit umlegbarer Flügelfchraube fehr feft anziehbaren Bügels niedergedrückt, dampfdicht abgefchloffen. In dem Oelbehälter befindet fich ein hohler Hahnbolzen, in deffen äufserem Gehäuſe nach oben drei ungleich lange dünne Röhren ftehen. Nach abwärts führt von demfelben Gehäufe aus nur eine Röhre, welche am Ende durch eine eingelegte fiebartig durchbrochene Erweiterung abgefchloffen ift. Der Hahnbolzen hat derartig angelegte Querbohrungen, dafs man jedes der oberen drei Rohre einzeln mit dem unteren, in das Dampfleitungsrohr hinein* Oft wird dann der untere Hahn auf einige Minuten abgelperrt und nachdem das Gefäfs genügend abgekühlt ift, wieder geöffnet.( In diefem Falle haben wir dann die periodifche Wirkung eines gewöhnlichen Schmierhahnes vor uns. Schmiervorrichtungen. 33 ragende Rohr, in Verbindung fetzen kann. Auch kann man behufs der Oelfüllung den Hahnbolzen fo ftellen, dafs alle Rohre abgefperrt werden. An dem, aus dem Oelbehälter ragenden Theile des Hahnbolzens ift. eine Markirung angebracht, welche den jeweiligen Contact der unteren Röhre mit der betreffenden oberen, refpective den totalen Dampfabfchlufs ( fhut) anzeigt. Die Wirkungsweife diefes Apparates ift wie folgt: Wird die obere längfte Röhre mit der unteren in Verbindung gebracht( Marke I), fo ftrömt der Dampf über den Oelfpiegel und es fliefst derfelbe bis zum Rande diefes Rohres durch das Küken und das untere Rohr in die Siebkugel, von welcher es der vorüber- und durchftreifende Dampf( im Dampfleitungsrohre) mitreifst; nun condenfirt fich der zurückgebliebene Dampf und das Oelniveau fteigt, um durch dasfelbe Rohr wieder abzufallen. Stellt man den Bolzen auf die nächfte Marke( II), fo kommt das nächft gröfste obere Rohr zur gleichen Wirkung; es erfolgt jedoch eine kräftigere Schmierung, indem bei diefer Stellung dem Dampfe eine gröfsere Condenfationsfläche geboten wird, als früher, fich daher der Oelfpiegel rafcher, momentan höher über den Rand diefes Rohres heben wird. Dasfelbe gefchieht beim Gebrauche des kleinften Rohres( Marke III), jedoch in noch erhöhterem Mafse. Das kleine feitlich angebrachte Ventil dient für den Condenfations- Wafferablafs. Als Beigabe fanden wir an einem folchen Apparate noch ein äufserlich angebrachtes, Oelftands Glasrohr". Im Ganzen ift diefer fehr praktifche und höhft einfach conftruirte Oelhahn ein Bouillon Apparat mit fixer, jedoch relativ variabler Dampfeinftrömröhre. Die im Betrieb befindlichen haben fich auch auf der Ausftellung vortrefflich bewährt. Die Figur zeigt ,, Wilfon's Patent Impermeator" auf Marke II ftehend in Thätigkeit. Noch ift zu bemerken, dafs die im Betriebe befindlichen Oelhähne circa 3 Meter vom Cylinder entfernt auf dem Dampfzuleitungsrohre angebracht waren. Im Pavillon der k. k. ausfchl. priv. Kaifer Ferdinands- Nordbahn war eine ebenfalls in die Claffe der continuirlich- felbftthätigen Schmierapparate gehörige, vcn A. Anfchütz conftruirte Schmiervafe, die in ihrer Anordnung von den bisher befchriebenen wefentlich verfchieden ift. shildis O sid In dem Boden eines dampfdicht abgefchloffenen doppelwandigen Oelbehälters ift ein cylindrifches Metallftück eingefchraubt, welches mit zwei Bohrungen verfehen ift; in einer derfelben ist ein kleiner, mit einer Bourdon'fchen Manometerröhre verbundener Kolben eingepafst; die andere Bohrung, die mit 3" 16 34 Victor Novelly. dem Dampfraum des Schieberkaftens oder Cylinders in Verbindung fteht, dient zur directen Dampfeinftrömung einerfeits in die flexible Manometerröhre, andererfeits in die Bohrung der Kolbenführung. Die Communicationsröhre für den Dampf zur Kolbenbohrung hat ein kleines Schraubenventil zur Regulirung der Dampfeinftröm-, refpective Oelaus flufsmenge. Durch die entſtehenden Dampffpannungswechfel wird der ftets mit Schmiermaterial umgebene Kolben durch die Bewegungen der Bourdonfeder auf- und abbewegt und bringt fo ein beftimmtes Fettquantum vor die mit dem Dampfe communicirende Röhre, von wo der nachftrömende Dampf dasfelbe mit fich in den Schieberkaften, refpective Dampfcylinder reifst. Die diefen Schmierapparat austellende Eifenbahnverwaltung hebt eine befonders günftige Oelökonomi, bei diefen dort im Gebrauche ftehenden Apparaten, in ihren Berichten hervor. In der deutfchen Abtheilung hatte J. Sufenbeth in Frankfurt a/ M. eine ,, regulir bare felbftthätige Oelpumpe in Zeichrung und Modell ausgeftellt, welche ihrer Conftruction urd Anordnung nach von allen anderen Schmie vorrichtungen gänzlich abweicht. Der eigentliche Oelbehälter mit feinem felbftthätigen Pumpenmechanismus ift ab eits von dem zu fchmierenden Cylinder, Schieber oder Dampfrohr an der Mauer des Mafchinenhaufes oder an fonft einem fixen kalten Mafchinentheile angebracht und durch ein einen Waferfack bildendes, die Oelabgabe beforgendes dünnes Kupferrohr, von diefem durch ein Schrauben ventil abfchliefsbar, verbunden. Es ift demnach der Oelapparat nie vom Dampfe berührt und kommt deffen Wirkung auf den Pumpenmechanismus blos durch das denfelben von diefem abfchli sende, mit Oel gemengte Condenfationswaffer zur Geltur 3. Der im Oelbehälter befindliche, mit, Lederliederungen" veehene Kolben ift durchbohrt und durch ein ebenfalls mit Lederdichtung verfehenes Druckventil, mittelft einer Spiralfeder an diefen angedrückt, abgefchloffen. Der Kolben wird ebenfo durch eine ftarke Spiralfeder ftets herabgedrückt gehalten. Drückt nun der Dampf die Flüffigkeit im Bogenrohr( Wafferfack:) auf den Kolben fo fteigt derfelbe in eine nach Bedarf regulirbare( darci e Spirale) Höhe, um dann beim nächften Spannungswechfel durch die Feder herabgedrückt zu werden; hiebei faugt derfelbe ein gewiffes, durch die Hubhöbe bedingtes Quantum Oel nach und drückt diefes in das zu dem zu fchmierenden Mafchinentheil führende Bogenrohr, aus deffen in den Dampfraum mürdendem Ende eine eben folche Menge abfliefst. An diefer Stelle befindet fich auch das friher erwähnte Abfperrventi'. Die Oelfüllung gefchieht nach Löfung einer am oberen Ende der Oelvafe angebrachten Schraube. Die Vafe ift fchliefslich durch einen die ganze Oberfläche derfelben verfchallenden Kelchdeckel, der auf diefe Weife die Doppelwandung bildet, fehr folid abgefchloffer. Die Schmierdofe bildet daher in ihrer äufseren Form einen eine ganz glatte Oberfläche befitzeuden, oben und unten durch Ha'bkugelflächen abgefchloffenen Cylinder ohne Hähne, Ventile oder fonftige schrauben. So complicirt der Apparat zu fein fcheint, ift derfelbe doch einfacher als mancher andere und in der That blos aus dem Saugkolben, dem Druckventil und den refpectiven Spiralfedern beftehend. Die Oelbüchfe ift fehr grofs gehalten und aus fehr dünnflüffigem Rothguffe hergeftellt; die fehr zweckmäfsige Gröfse hat neben dem, dafs ein oftmaliges Nachfüllen vermieden wird, noch den Vortheil, dafs man von einem folchen Apparate mehrere Maſchinentheile( Zwillingsmafchinen oder Schieber und Kolben je für fich) mit Schmiere verfehen kann. - Schmiervorrichtungen. 35 Noch ift anzuführen, dafs das Bogenrohr, das fortwährend mit Waffer ( Oel) gefüllt fein mufs, beim erften Ingangfetzen des Apparates ein für alle Mal mit diefem angefüllt werden mufs, da, fobald der directe Dampf in den Behälter gelangt, alle feine Dichtungen, die, wie bereits bemerkt, aus Leder beftehen, verderben, und der Apparat deffen Hauptbedingnifs, die durch Leder fo vorzüglich dauerhaft und leicht beweglich herftellbaren Liederungen, verlierend, wirkungslos wird. B. Schmiervorrichtungen, welche blos beim Leergange der Mafchinen( ohne Dampf) Fett abgeben. Es ift die Errungenfchaft verhältnifsmäfsig ganz kurzer Zeit, dass man fich vergewiffert dafs fich unter Dampfdruck bewegende Mafchinentheile der Locomotive auch ohne c're befondere Schmierung mittelft Fettes gut erhalten, dicht bleiben und gleich hohen Effect erzeugen; Zeugnifs hiefür, dafs eine grofse Anzahl Locomotive beim Betriebe mittelft Dampfes thatfächlich ohne jede Fettintroduction functioniron und rur e folche bewirkt wird, wenn die Mafchine gezwungen wird, vermöge iurer während des Dampfganges aufgefpeicherten lebendigen Kraft auch ohre D: mpfeinwirkung fich weiter zu bewegen oder ftarke Gefälle zu überwinden e.c. Auch die letzte Ausftellung beftärkte uns darin, indem mit ganz geringer Ausnahme ale exponisten Locomotive bereits mit derartigen Schmiervorrichtungen verfchen ware., welche obigem Principe en.fprachen. Unwillkürlich drängt fich uns hier die Frage auf, warum wir nicht desgleichen mit unferen ftabilen Dampfmafchinen thun? Wesha'o find wir für diefelben in einem fortwährer den Kampfe mit uns felbft um einen recht, ausgiebigen" Schmierapparat von der in unzähligen Variationen auf den Markt gebrachten ausfindig zu machen? Freilich last fich dem entgegnen, dafs die ftabilen Mafchinen meift mit trockenem Dampe arbeiten- oder follen- und dafs bei Locomotiven ftets fehr uaffer Drmp in die Mafchine ftrört das Schmiervermögen des Dampfes jedoch blos in diefem Zuftande in richtigem Mafse befteht. Dom läfst fich aber erwidern, dafs einestheils die Anzahl der Mafchinen, welche mit facch trockenen Dämpfen arbeiten, eine verfchwindend kleine ift, andererfe is uns auch die Austellung die häufigfte Anwendung der alten Schmierhähne zeigte, welche doch den Kolben die längfte Zeit feines Laufes ohne Fett laffen, indem derfelbe periodifch- von der Laune des Mafchinenwärters abhängig geöffnet wird, um e Quantum Fett einzulaffen, von welchem jedoch der Cylinder nach einem bis zwei Kolbenhüben durch den ftark gefpannten Dampf vollſtändig gereinigt wird. Es gehen daber unfere meisten Dampfmafchinen, trotz der kolof falen Oelverfchwendung, ohne andere Schmiere als die des Dampfes. - Nur durch die Anwendung folcher Apparate, welche in dem erwähnten Zuftande des Leergebens den fich trocken reibenden Theilen felbftthätig Fett zuführen, kann diefer verfchwenderi chen Oelung vorgebeugt werden. Auf der Austellung waren folche Schmiervorrichtungen nach A. Anfchütz, Kefsler und Zabel. Der Anfchütz'fche Apparat, im Pavillon der k. k. ausschl. priv. KaiferFerdinands- Nordbahn und an mehreren in- und ausländifchen Locomotiven ausgeftellt, beruht, wie in nebenftehender Figur im Vertical- und Horizontalfchnitt in halber Naturgröfse* gezeigt ift, auf dem Zweiventil- Syftem, wobei beide Ventile derart * Unter Dampfdruck. 36 Victor Novelly. geftellt find, dafs fie durch den Dampfdruck ftets gefchloffen gehalten und blos bei dem durch den Leergang erzeugten Saugen fich von ihren Sitzen abheben und Fett ablaffen. Die Oelzuführung gefchieht von dem Oelbehälter aus durch den Garndocht, von welchem das Fett durch ein Metallfieb und zwei kleine Communicatbohrungen in den Raum unter das obere Ventil tritt und den Weg zum Ausflufs blos diefes paffirend machen kann. Die Gröfse der durch das Heben der Ventile erzeugten Durchlafsöffnung kann durch die oberhalb reſpective unterhalb derfelben befindlichen eingefchraubten Anfchläge regulirt werden. Der Horizontfchnitt zeigt den kreisrunden Oelbehälter und die Form des eigentlichen Apparates mit dem Sieb, den( punktirten) Communicationsbohrungen und dem oberen Ventile im Schnitt. Schmiervorrichtungen. 37 Durch diefe Anordnung ift der befondere Vortheil erreicht, dafs auch bereits beftehende gewöhnliche Schmiervafen ohne nennenswerthe Aenderungen mit diefem Apparate verfehen werden können. Vorftehende zweite Figur zeigt eine folche Adaptirung einer alten Schmierbüchfe, diefe im Schnitt und den eigentlichen Anfchütz'fchen Apparat in der Anficht und im Grundrifs. Das Füllen gefchieht nach Heben des im Deckel befindlichen Knopfes. Ein nur diefem Apparat eigenthümlicher, befonders hervorzuhebender Vortheil, anderen derartigen gegenüber, befteht darin, dafs beim kalten Stillftande der Mafchine das untere Ventil auf feinen Anfchlagefitz niederfällt und das zwifchen diefem und dem oberen Ventil befindliche Fett in den Schieberkaften, refpective Cylinder abläfst, wo dasfelbe die Wandungen mit einer dünnen Schichte überzieht und fo dem bei längerem Stillftande fonft unvermeidlichen An- und Verroften entgegenwirkt. Der Bericht der k. k. priv. öfterreichifchen Kaifer- Ferdinands- Nordbahn conftatirt eine Oelerfparnifs von 50 Percent, das durch diefes Princip der Schmierung mittelft diefes Apparates erzielt wurde. Anfchütz'fche Schmierbüchfen find bis jetzt 9400 Stück in Anwendung, wovon 6500 complete Apparate und 2900 in bereits vorhandene Vafen eingelegte Einfätze find. Kessler's Patent- Schmierapparat. Durch beiliegende Figur ift deffen Conftruction erfichtlich gemacht. Die Wirkung ift folgende: Die beiden übereinanderftehenden Ventile find bei Stillftand der Mafchine durch die Spiralfedern, beim Gange mit Dampf auch noch durch diefen, an ihren Sitzen angedrückt, das Oel abgefperrt. Arbeitet die Mafchine faugend( ohne Dampf), fo wird die Federkraft der Spiralen paralyfirt und das untere Ventil finkt bis auf den höher oder tiefer einfchraubbaren unteren Ring( Regulirung der Ausflufsmenge). Das obere Ventil fammt der mit demfelben ein Stück bildenden Hülfe, welche am Boden ein Sieb hat und das durch den Docht eingeführte Fett enthält, finkt ebenfalls und es dringt durch die Seitenöffnungen das Oel in das untere Ventil, welches dasfelbe ebenfalls durch Seitenlöcher in den Cylinder abgibt. Dafs diefer Apparat gegen jenen An fchütz's bedeutend complicirter ift, braucht nicht erft hervorgehoben zu werden. Ausserdem ift bei diefer Conftruction noch der Uebelftand, dafs die das untere Ventil an das obere drückende Spiralfeder ftets der directen Dampfeinwirkung ausgefetzt ift und gar bald ein Ruin derfelben eintreten mufs, wo dann die richtige Function des Apparates theilweife illuforifch wird. Kefsler'fche Apparate waren an einigen deutfchen Locomotiven und von Withley- Partners in der englifchen Abtheilung ausgeftellt. Befonders häufige Anwendung finden diefelben in Frankreich und Belgien. La . 38 Victor Novelly. Der Zabel'fche Apparat ift genau fo conftruirt, wie feine früher befchriebene continuirlich fchmierende Büchfe, mit dem Unterfchiede, dafs ftatt des den Dampfzutritt abfperrenden Hahnes ein fich nach unten zu öffnendes, durch eine Spiralfeder aufwärts gezogenes" corifches Ventil erfetzt ift. Man kann fehr leicht die anderen Zabel'chen Schmiervorrichtungen durch Einlegen der Feder und des Ventils in folche für den Leergang beſtimmte umgeftalten. C. Schmiervorrichtungen mit periodifcner, nicht felbftthätiger Fettabgabe. Von diefen bisher ihrer fo häufigen Anwendung wegen öfters erwähnten, in diefe Claffe gehörigen Oelhähnen kann natürlich wenig Neues erzeugt werden und find auch demzufolge auf der Ausstellung blos die urfprünglichen einfachen und doppelten Schmierhähne in mehr oder weniger gefälliger äufserer Form zur Anfchauung gelangt. Blos in der englifchen Abtheilung fanden wir ein dreifaches derartiges Schmierungethüm; es hiefs„ Sutcliffe's Patent" und hatte drei Hähre zwei durch diefe gefchloffene Oelbehälter( Kugeln) und eine halbkugelförmige Füllvafe, Alles fenkrecht übereinander angebracht; der angegebene Zweck diefer Anordnung war, dem fonft blos mit zwei Hähnen verfehenen Apparat durch Einschaltung diefes dritten eine 12 mal längere Dauer zu ertheilen.( Die Hähne werden nämlich ziemlich rafch vom Dampfdrucke leck gemacht und zwar zuerft der unterfte, der ⚫ zweite etc.) Schäffer- Budenberg hatte eine Schmiervafe, durch einen fehr forgfältig( dafür ziemlich complicirt) abgedichteten Schraubenventil- Deckel gefchloffen zur Anwendung von„ rohem Abfallfett" ausgeftellt. Die Büchfe hat ein eingelegtes Metallfieb an dem mit dem Cylinder in Verbindung ftehenden, durch einen Hahn von diefem abfperrbaren Rohrende am Boden des Behälters angebracht. Diefes kugelförmige Sieb ift drei Centimeter hoch mit Putzwolle zu überdecken. Ausserdem befitzt diefer Apparat keine andere Einrichtung. Schliefslich erwähnen wir noch die Oelkannen, die fich ebenfalls unter den Objecten der meiften bis jetzt erwähnten Ausfteller befanden, und bemerken, dafs diefe meift mit einem Druckventil verfehen und durch Schraubenftöpfel verfchliefsbar waren. Diefe Ventile, für den Oelausflufs beftimmt, find durch Spiralfedern zugehalten und durch einen äufserlich, in der Nähe des Henkels befindlichen Kropf beim Gebrauche zu öffnen. Der Form nach waren diefe am häufigften länglich flach mit grofser Auffitzbafis und langem Ausdufsfchnabel. Von der Schmiervorrichtung nach Leraul's Patent aus München wurde uns blos die äufsere Form zu beurtheilen geflattet. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. SPRITZEN UND PUMPEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON PETER Z WIAUER, Ingenieur. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K, K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. S SPRITZEN UND PUMPEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von PETER ZWIAUER, Ingenieur. Die Bewerkstelligung der Ortsveränderung von Waffer und Luft bildet einen wichtigen Gegenftand für die Thätigkeit des Ingenieurs. Wir finden deffen Sorge, Waffer und Luft herbeizufchaffen oder fortzuführen, auf zahlreiche induftrielle oder Zwecke des öffentlichen Gemeinwefens hingerichtet. Die Bewäfferung der Grundcomplexe zu Zwecken der Landwirthfchaft, die Antagfchaffung der Grundwäffer beim Bergwerksbetriebe, die Bewegung von Flüffigkeiten in den verfchiedenen Zweigen der chemifchen Induftrie, die Wafferverforgung der Städte, die Bekämpfung der verheerenden Flammen der Schadenfeuer, bieten dem Conftructeur ein nicht minder ergiebiges Feld des Schaffens, als die bedeutenden Probleme der Luft- Zu- und Abführung, deren Löfung für die Zwecke des Hochofenbetriebes, des Bergbaues( fchlagende Wetter) und der Ventilation der den Menfchen zum Aufenthalte dienenden Räume erheifcht wird. Mit Rückficht auf diefe ausgedehnte Anwendung der Pumpen, Spritzen, Gebläfe etc. konnte es denn auch nicht überrafchen, dafs diefe Objecte in den Ausftellungsräumen durch eine reichhaltige Sammlung vertreten waren. Wollen wir, damit die ganze Sache an Durchfichtigkeit gewinne, ein gewiffes Syftem beobachten, fo theilen wir die Pumpen in Kolbenpumpen, Kettenpumpen, in rotirende, und in Strahlpumpen ein. Ein zweiter Theil foll dann die Luftpumpen, gemeinhin Gebläfe und Exhauftoren behandeln. Die Kolbenpumpen erfcheinen uns in zwei verfchiedenen Anordnungen, als direct und als indirectwirkende, oder beffer gefagt, mit und ohne rotirende Bewegung. 2 Peter Zwiauer. Die in den gröfsten Dimenfionen ausgeführten directwirkenden Pumpen, welche zuerft in Cornwall zur Wafferhebung in den zahlreichen Bergwerken zur Verwendung kamen, und mit dem allgemeinen Namen Cornwallmafchinen bezeichnet werden, fehlten gänzlich, obwohl deren Ausftellung von einzelnen Etabliffements geplant wurde. Die Steuerung der Cornwallmafchinen beftand aus einem ziemlich complicirten Syftem von Ventilen, welche durch Anfchläge an zwei mit der Kolbenftange durch einen Balancier verbundenen Stangen( Steuerbäume) bewegt wurden, und die genaue Regulirung auf eine gewiffe Anzahl von Hüben per Minute war durch die fogenannte Katarakte bewirkt. Die Mafchinen, deren Dampfcylinder über Tag ftanden, hatten das lange und fchwere Geftänge der Pumpe zu heben, und arbeiteten daher nur im Aufgange. Beim Niedergang mufste der fchon gebrauchte Dampf comprimirt werden, und bildete fo eine Bremfe, um das Niederfinken der grofsen Geftängelaft langfamer zu machen. Sie verrichteten diefe Arbeit möglich ft ökonomifch, nämlich mit fehr grofser Expanfion, und es wurde faft ausnahmslos auch Condenfation angewendet. Ganz abweichend von diefem Mafchinentypus, find die erft feit wenigen Jahren bekannten, directwirkenden Pumpen horizontaler Aufftellung. Was fich bei den Cornwallmafchinen naturgemäfs gebot( die Anwendung von möglichft exact arbeitenden Steuerungstheilen, Ventilen, welche nicht langfam, fondern plötzlich und fcharf die Vertheilung bewirken etc.), konnte und durfte hier nicht gebraucht werden, und es blieb der Steuerungsapparat dasjenige, was bei diefen Conftructionen die Hauptfchwierigkeiten bot. Diefe wurden auf drei verfchiedene Arten gelöft, von Gebrüder Decker, von Cameron und von Maxwell& Cope, und die Pumpen werden vorzüglich von Gebrüder Decker, von Whitley Partner( und Anderen) und von Hayward Tyler& Comp. ausgeführt. Gebrüder Decker haben ihre Pumpen mit einer Steuerung verfehen, welche aus einem gewöhnlichen runden Schieber befteht, der durch eine Schieberftange von aufsen in Bewegung gefetzt und dann durch den Dampf felbft weiter bewegt wird. Die Schieberftange trägt Anfchläge mit Kautfchukpuffern, an welche ein an der Kolbenstange befeftigter Arm ftöfst und fo den Impuls zur Bewegung gibt. Durch diefe plötzliche Umkehrung der Bewegung entſteht immer ein Stofs, der nicht einmal durch die tiefen Fundamente der Pumpen aufgehoben wird. Die Pumpe von Maxwell& Cope, durch Hayward Tyler& Comp. auf der Ausstellung vertreten, ift von wefentlich anderer Conftruction. Die Dampfvertheilung findet durch einen im Kolben fich bewegenden Schieber ftatt und wird zur Bewegung des Schiebers der im Dampfcylinder enthaltene Dampf verwendet. Die Cameron'fche Pumpe von Whitley Partners, von Tangye Brothers, von A. Carr, von M. Nicol, von der Berliner Union, vom Neptun( Actiengeſellſchaft in Berlin) ausgeführt, enthält gleich der Decker'fchen Pumpe einen cylindrifchen Steuerkolben, welcher aber nicht von aufsen, fondern durch directen Dampf aus dem Schieberkaften bewegt wird. Diefe Bewegung wird durch zwei kleine Schieber vermittelt, welche von dem Kolben aus abwechſelnd vorne und hinten zwei kleine Dampfcanäle öffnen und hiedurch den Dampf hinter dem Steuerkolben ausftrömen laffen; auf der anderen Seite des Kolbens entſteht ein Ueberdruck, der Kolben bewegt fich und nimmt den Vertheilungsfchieber mit. Alle diefe directwirkenden Pumpen haben vom ökonomifchen Standpunkte aus den Nachtheil, dafs eine Expanfion des Dampfes unmöglich ift, weil dem Pumpenkolben ein im gröfsten Theile feines Weges gleicher Widerftand entgegengefetzt wird, und alfo der Druck auf den Dampfkolben auch gleich grofs fein mufs.- Wie die später folgenden Diagramme zeigen, haben die Pumpen der Gebrüder Decker auch nicht die Spur von - Spritzen und Pumpen. - - 3 Expanfion, fondern faft vollen Druck. Es ift diefs alfo für nur halbwegs. rationellen Betrieb der Anlage ein entfchiedener Nachtheil. Vortheil dagegen ift bei allen diefen Apparaten grofse Einfachheit in der Aufftellung. Die fämmtlichen hier angeführten Pumpen nehmen fehr geringen Raum ein, etwas mehr als den doppelten Hub in der Länge. Die Pumpe von Hayward Tyler hat keinen todten Punkt fie kann in jeder Stellung angelaffen werden und wird, fobald fie Dampf hat, gehen.- Die Cameron'fche Pumpe hat einen Handhebel, mittelft deffen man vor dem Anlaffen des Cylinders den Schieber fo ftellen kann, dafs auf die richtige Seite Dampf kommt. Die Pumpen, welche mit den Dampfcylindern diefer verfchiedenen Conftructionen in directer Verbindung ftehen, find fämmtlich Kolbenpumpen mit Lederdichtung( Stulpenliderung). Nur für heifse oder fōnft das Leder angreifende Flüffigkeiten werden Metallringe verwendet. Die Ventile find bei den Decker'fchen Pumpen Lederklappen mit ftarker fchmiedeiferner Armirung, bei den Hayward- Tyler'fchen Kautfchukkugeln mit feftem Metallkern, bei den Cameron'fche Lederklappen mit Armirung. Sobald aber andere Flüffigkeiten als kaltes Waffer zu heben find, müffen die Stoffe, aus denen jetzt die Ventile hergeftellt find, aufgegeben werden, um metallenen Sitzventilen Platz zu machen. Bei gröfseren Pumpen gebraucht Hayward- Tyler den Kunftgriff, mehrere kleinere Ventile ftatt des einen anzuwenden, fo dafs fchliefslich eine Pumpe von 305 Millimeter= 12 Zoll englifch Cylinderdurchmeffer 4. 16= 64 Ventile enthält. Eine andere Anordnung von einer directwirkenden Pumpe ift an der DampfFeuerfpritze von Merryweather& Sons angebracht. Die Dampfvertheilung wird bei diefer Mafchine durch zwei Schieber bewerkstelligt, deren Stangen an Hebeln angreifen, welche auf einer Achfe fitzen, parallel zur Achfe des Cylinders und auch in derfelben Horizontalebene. Ein Stück diefer Achfe ift fchwach fchraubenförmig verwunden und wird von einer Hülfe, welche an der Kolbenftange feftgemacht ift, umfafst. Bewegt fich der Kolben, fo ift diefe fchraubenflächige Achfe gezwungen, um die horizontale Erzeugende, in welche die befprochene Hülfe fie zwingt, beibehalten zu können, eine Drehung von einem beftimmten Winkel zu machen. Hierdurch wird ein verftellbarer Anfchlag in Berührung mit dem Hebel der Schieberftange gebracht, der Schieber verfchoben, und fo die richtige Dampfvertheilung bewirkt. Die Schieber beider Mafchinen find mit einander verbunden, fo dafs der eine von der Bewegung des andern abhängig ift. Eine Variation der Decker'fchen Anordnung war von einer franzöfifchen und einer amerikaniſchen Firma ausgeftellt. Statt des feften Armes war nämlich ein Daumen auf der Kolbenstange befeftigt, der an den Schieberhebel angreift, aber durch eine gewiffe Form des Daumens eine langfamere Umfteuerung, alfo einen ruhigeren Kolbenwechfel bewirkte. Die Pumpen mit rotirender Bewegung boten, wie die früher befprochenen mancherlei Unterfchiede dar. Namentlich war es das Beftreben, den grofsen Raum welchen diefe Construction durch das Schwungrad, durch Triebftangen etc. erfordert, auf ein Minimum herabzudrücken. Eine der gröfsten diefer Art war die Pumpe der Erften Brünner Maſchinenfabriks- Actiengefellſchaft. Sie bediente das Hochdruck- Refervoir und war alfo faft immer in Thätigkeit. Die Mafchine hatte Corlifs- Steuerung in der von Lutz angewendeten Form und die hintere Kolbenftange des Dampfcylinders trug den Pumpenkolben. Eine andere, am entgegengefetzten Ende der Mafchinenhalle aufgeftellte Pumpe war die von Prunier frères in Lyon gebaute, welche das NiederdruckRefervoir bediente. Sie hat in einem Cylinder zwei Kolben, welche fich ftets entgegengefetzt bewegen und dadurch bald ein Vacuum, bald einen gewiffen Ueberdruck zwifchen fich erzeugen. Die ihnen eigenthümliche Kolbenconftruction bedingt den Umftand, dafs fie nur auf fehr geringe Höhen drücken können. Die 4 Peter Zwiauer. Aufftellung der Pumpe ift vertical und fie erfordert keinen gemauerten Brunnenfchacht, fondern ein weites gufseifernes Rohr, in Verbindung mit dem ganzen Geftell, erfetzt denfelben. Ausserdem waren Pumpen in fehr grofser Anzahl vertreten, deren Conftructionen nichts Neues boten- Waffer Stationspumpen etc. Eine Pumpe, welche längft zu den Verfchollenen zählte, tauchte hier wieder auf; es ift die Kettenpumpe, noch angewendet für fehr unreine Flüffigkeiten; fie wurde namentlich von England und Amerika gebracht. Die Centrifugalpumpen nehmen wegen ihrer unbeftreitbaren Vorzüge eine unglaublich rafche Verbreitung. Sie find namentlich fo beliebt, weil fie bei ganz geringem Raume fehr grofse Wafferquantitäten fchaffen und weil aufserdem eine bedeutende Forcirung ihrer Leiftungsfähigkeit möglich ift. Dagegen geben faft fämmtliche nicht mehr als 60 bis 70 Percent Nutzeffect. Eine deutfche Firma baut nun, wohl zum erften Male, Centrifugalpumpen mit einem äufseren Leitfchaufelapparat, um hiedurch den Nutzeffect der Pumpe bedeutend zu erhöhen. Zum Anfüllen des Saugrohres, refpective zum Anfaugen, benützt diefelbe Firma Ejectionsapparate, und zwar Waffer- und Dampfejecturen beide ihr eigenthümliche Conftructionen. Sie wirkten, wie man an den ausgeftellten Pumpen fehen konnte, ganz vorzüglich. Mit diefen Apparaten erfpart man das läftige Bodenventil und ist aller diefsbezüglichen Unannehmlichkeiten enthoben. Die anderen Centrifugalpumpen hatten keine Leitfchaufeln, fondern nur centrale Anfaugung und tangentialen Austritt. Eine neue rotirende Pumpe haben Brotherhood& Hadingham in London gebracht, diefelbe Firma, welche die einfach wirkender Drei- Cylinder Mafchine„ Paragon" ausftellte. Auch eine Verbindung diefer beiden Objecte war zu fehen. Die ausgeftellte Pumpe, Helical"-Pumpe kann ftehend oder liegend angebracht werden. Sie befteht aus einem Rade, welches acht radial geftellte Arme von gleicher Höhe enthält. Um den Cylinder herum ift nun ein Canal von gleicher Breite fchraubenförmig gewunden. An einer Stelle des Umfangs geht nach einer Seite das Saugrohr, nach der anderen Seite das Druckrohr. Die Peripheriegefchwindigkeit diefer Pumpe ift wefentlich kleiner als die der übrigen. Um einen ruhigen Gang der Pumpen hervorzubringen, zeigte die Chemnitzer Mafchinenfabriks- Actiengefellſchaft, dafs man Centrifugalpumpen durch Frictionsräder antreiben kann. Das Hauptaugenmerk des Conftructeurs richtet fich bei den Centrifugal pumpen immer auf die leichte Demontirung der ganzen Pumpe und auf eine gute Zapfenconftruction. Durch die gefteigerten Ansprüche, die man an Centrifugalpumpen und an Ventilatoren ftellt, gelangte die Umfangsgefchwindigkeit diefer Mafchinen auf fehr grofse Ziffern und bei nicht genau äquilibrir. ten Flügelrädern entſtehen Schläge, welche für den Zapfen fehr fchädlich werden. Ein ganz neues Product find die Pumpen mit zwei ineinander greifenden Rädern, gleichfam rotirende Kolben. Eine folche Mafchine mit ungleichen Umdrehungszahlen der beiden Kolben war von der belgifchen Mafchinenfabrik ( L. Moreau Directeur Bruxelles) ausgeftellt. Die übrigen befanden fich aber durchgängig in der amerikanifchen Abtheilung, wo fogar auch eine Dampf- Feuerfpritze Mockba", Patent Holly, ausgeftellt war. " Diefe hatte alle ihre Bewegungsmechanismen rotirend, felbft die Dampfmaschine, nur eine kleine Speifepumpe für den ftehenden Keffel, war nicht rotirend, fondern hatte wie alle anderen Dampffpritzen einen Plungerkolben. Eine andere Art von Pumpen, fchon theilweife auf der Parifer Ausftellung bekannt, welche aber heute einen unendlich gröfseren Wirkungskreis haben, die Injectoren und Ejectoren haben grofse Verbreitung erfahren und waren bei der Ausftellung fehr zahlreich vertreten. Spritzen und Pumpen. 5 Namentlich find es die Conftructionen mit feften Düfen, welche heute fehr ftark angewendet werden, weil die innere Dichtung fchwer zu überwachen ift. Der in Oefterreich und auch fonft verbreitetfte ift der Friedmann'fche Injector, aus zwei Dampfdüfen und einer Wafferdüfe beftehend; fein Vorzug liegt in der grofsen Einfachheit, in der Leichtigkeit der Behandlung und in der Sicherheit der Function. Er hat nur zwei verftellbare Hähne oder Ventile, das Ueberlaufventil und den Wafferhahn, und zwei kleine Condenfations- Wafferhähnchen. Nächft ihm ift der Schau'fche Injector, welcher gleich dem Friedmannfchen ein feftes, unveränderliches Düfenfyftem hat. Die beiden Conftructionen unterfcheiden fich durch die Art der zweiten Wafferaufnahme, welche bei der Friedmann'fchen durch eine Wafferdüfe( Zwifchenrohr) ftattfindet, und bei der Schau'fchen durch den Ueberfprungraum ftattfinden foll. Beide Injectoren gehören zu den nicht faugenden, wie auch die Locomotiv- Injectoren Conftruction Borfig und Conftruction Haswell und es mufs ihnen das Speifewaffer aus einem höher gelegenen Refervoir zugeführt werden. Der Injector, welcher an der Borfig'fchen Locomotive angebracht war, gleichfalls Conftruction Borfig, zählt, wie die beiden erwähnten, unter die nicht faugenden Injectoren. Auch Haswell hat einen eigenen Injector an feinen Locomotiven, der aber auch nicht faugt. Unter die faugenden Injectoren gehört nur der Giffard'fche in feiner verbefferten Auflage als Patent Robinfon& Gresham und der Injector Syftem Blancke, welcher jedoch auch noch eine andere Eigenthümlichkeit hat, nämlich die, dafs er am Ueberlauf- ein zweites Saugrohr angefetzt hat, und dadurch eine zweite Wafferaufnahme dem Dampf ermöglichen foll. Alle diefe Injectoren geftatten nur Waffer bis zu 30 Grad Celfius zu faugen, und können durch ein vom Führerftand aus verfchliefs bares Ueberlaufventil zum Vorwärmen des Tenderwaffers verwendet werden. Die Decker'fche Pumpe. Die Decker'fche Pumpe beſteht aus einem Dampfcylinder und einem Pumpencylinder, zwifchen welchen ein Verbindungsftück liegt, welches die Deckel der beiden Cylinder, und gleichzeitig die Schlittenfläche für das Führungsftück der Kolbenstange bildet. An letzterer ift der Steuerarm befeftigt, welcher die Schieberftange mit einem Auge umfafst, das aber nicht genau darnach gebohrt ift. Die Schieberftange führt fich einerfeits in den Stopfbüchfen des Schieberkaftens, andererfeits in einem Auge, welches an das Cylinder- Verbindungsstück angegoffen ift. An diefelbe find in den richtigen Abftänden Stellringe angebracht und vor denfelben liegen je ein oder zwei Kautfchukpuffer. Stöfst der Steuerarm an den Puffer, fo mufs, nachdem diefer gehörig comprimirt ift, die Schieberftange dem Drucke des Armes weichen, der Schieber wird in feine mittlere Lage gebracht, wo alle Canäle gefchloffen find. Jetzt tritt ein Theil des im Cylinder bereits benutzten Dampfes hinter die Steuerkolbenfläche und im nächften Moment mufs der Steuerkolben in feine äufserfte Lage gehen, und öffnet hiedurch die entſprechenden Dampf- Ein- und Austrittscanäle, fo dafs der Kolbenwechfel ftattfinden kann. Die Schieberftangen find vorne und hinten in den Steuerkolben eingefchraubt, und dient die hintere einem Hebel zum Angriff, mittelft deffen man den Steuerkolben von aufsen vor dem Anlaffen der Pumpe nach Belieben ftellen kann. Die Anordnung hat einen Uebelftand, der nicht unwefentlich ift, und diefer befteht darin, dafs die Hubbegrenzung der Kolben keine fo genaue ift, weil, wenn die Pumpe im fchnellen Gang ift, die beweglichen Theile eine lebendige Kraft haben, mittelft deren fie, ehe noch die Umfteuerung ftattfindet, noch nach dem Anftoffe des Steuerarmes an die Puffer einen gewiffen Weg zurücklegen. Geht die Pumpe hingegen langfam, fo wird, fobald der Steuerarm den Schieber 6 Peter Zwiauer. Spritzen und Pumpen. 7 in Bewegung gefetzt hat, der Kolben nur mehr einen fehr kleinen Weg zurück. legen, und da die Umfteuerung in derfelben Zeit erfolgt, ift der Kolbenweg bedeutend kürzer als beim fchnellen Gang der Pumpe. Hiedurch wird der fchädliche Raum im Dampfcylinder fehr grofs, da diefe Ungleichheit bei den beiden Pumpen, welche zum Betriebe der Fontainen dienten, bis drei Zoll betrug. A Die Dispofition war folgende: Rechts und links von einem ftehenden Windkeffel waren die beiden Pumpen aufgeftellt, fo dafs der Windkeffel genau in dem Mittel des Verbindungsftückes ftand. Derfelbe war durch einen Blechboden in zwei Theile getheilt, von denen der obere als Druck- Windkeffel, der untere als Saug- Windkeffel diente. An demfelben waren alle nöthigen Armaturen angebracht. Der Pumpencylinder ift fo eingerichtet, dafs man den cylindrifchen Theil desfelben leicht herausnehmen kann, wenn er nachgedreht werden foll. Der Kolben hat Lederftulpenliderung und die Ventile beftehen defsgleichen aus ftark mit Schmiedeeifen armirten Lederklappen. Der Abdampf aus den Dampfcylindern wird bei den vorliegenden Pumpen nicht ins Freie, fondern in ein mit mehreren Düfen verfehenes Gehäufe( Strahlcondenfator) geleitet, welches zwifchen dem Saugrohr und dem Saug- Windkeffel 80 S Peter Zwiauer. angebracht ift. Der Dampf wird alfo in den Saug- Wafferftrahl geleitet und dadurch entſteht hinter dem Kolben ein leichtes Vacuum. Diefe Conftruction hat einen grofsen Werth für den Pumpenbetrieb unter Tag im Bergbau, weil man fo eine lange Abdampfleitung bis über Tag erfpart. Ausserdem ift noch ein Ventil angebracht, welches geftattet, den Strahlcondenfator auszufchalten und den Dampf direct ins Freie zu leiten. An dem Druck- Windkeffel ift ein Luftzuführungs Apparat vorhanden, welcher die mit dem Waffer entwichene Luft wieder erfetzen mufs. Der Apparat beſteht aus einem kleinen Keffel, welcher durch einen Hahn mit dem Wafferraum, durch einen zweiten Hahn mit dem Luftraum des Windkeffels in Verbindung fteht. Die andere Stellung beider Hähne bringt den Keffel mit der freien Luft in Verbindung. Die Wirkungsweife ift nun leicht einzufehen. Ift der Apparat mit Luft gefüllt, und communiciren beide Gefäfse, fo wird das eindringende Waffer die Luft in den Windkeffel drücken. Bringt man beide Hähne in die zweite Stellung, fo wird das Waffer aus dem Keffel ablaufen, und fich derfelbe wieder mit Luft füllen. Die Decker'fche Pumpe bietet den Vortheil, dafs fie fehr geringen Raum einnimmt, jedoch ift bei der Aufftellung im Pumpenfchachte zu beachten, dafs ein Nachfehen des Schiebers ermöglicht ift. Für ftabile Aufftellung und lange Zeit dauernde Benützung ift die Pumpe hinter eine folche mit Schwungrad und Triebftange zu ftellen, und zwar aus dem Grunde, weil fie einen fehr grofsen Dampf Spritzen und Pumpen. 9 verbrauch bedingt. Die nebenftehenden Diagramme zeigen, dafs die Pumpe faft ganz volle Füllung im Dampfcylinder hat, und wenn man mehrere Diagramme vergleicht, fo fieht man, dafs der Kolbenhub wirklich fehr verfchieden ift, wenn auch die Diagramme einer und derfelben Verfuchsreihe entftammen. Die directe Umkehrung der Kolbenbewegung und das damit verbundene Zurückfallen der Ventile verurfacht einen fehr heftigen Stofs, der am deutlichften fichtbar war an den am Windkeffel befeftigten Armaturftücken. Obgleich die Mafchine fehr tiefe Fundamente hatte, waren die Wirkungen der Stöffe noch immer fehr ftark. Die durch directe Einleitung des Dampfes in das Saugrohr herbeigeführte Condenfation ift fehr gering und beträgt nicht mehr als o'14 Atmoſphären gleich 175 Wiener Pfund pro I Quadratzoll. Von dem hiezu angewendeten Condenſationsapparat konnte der Berichterftatter keine Zeichnung erlangen, derfelbe entzieht fich folchergeftalt feiner Befchreibung. Die bei der Weltausftellung thätigen Pumpen waren zur Bedienung der Fontainen eingerichtet. Wegen der vorübergehenden Beftimmung waren die Pumpen fchon ftärker conftruirt, um eine etwaige ſpätere Verwendung im Bergbau als Wafferhaltungsmafchinen zu ermöglichen. Die Pumpencylinder hatten eine Wandftärke, welche eine Wafferfäule von 15 Atmoſphären oder circa 450 Fufs Höhe zu haben geftattete, nur müfsten dann gröfsere Dampfcylinder disponirt werden. Der cylindrifche Theil des Pumpenkörpers, in welchem fich der Pumpenkolben bewegt, ift durch Schrauben mit den beiden Endftücken verbunden, welche die Ventile enthalten, um dadurch das allfällige Nachdrehen oder Erfetzen bei zu grofser Abnützung zu erleichtern. Der Verwendung der Pumpen in Schachten fteht die Schwierigkeit der Demontirung des Cylinders entgegen, welche, wenn der Schacht einen runden Querfchnitt hat, faft zur Unmöglichkeit werden kann. Die Cameron'fche Pumpe. Die Pumpe befteht wie die Decker'fche aus einem Dampf- und einem Pumpencylinder, die durch ein Verbindungsftück, welches zugleich die beiden Deckel der Cylinder bildet, feft mit einander verbunden find. Die gebräuchliche Aufftellung ift die horizontale, doch kommen auch verticale Anwendungen vor. Die kleineren Gattungen haben eine eigene, von der Berliner Union, vormals M. Webers, beliebte Aufftellung; es find hier beide Cylinder gar nicht unterſtützt, fondern hängen frei an den Deckeln des erwähnten Verbindungsftückes, während diefes, um den vorkommenden Kräften möglichft Widerstand leiften zu können, ein halber Cylinder ift, deffen verticale Elemente fich gegen das Fundament verbreitern, um alfo eine gröfsere Anhaftungsfläche herzuftellen. Von dem cylinderifchen Verbindungsstück ift oben ein Theil ausgefchnitten, um die beiden Stopfbüchfen etc. zugänglich zu machen. 10 - Peter Zwiauer. Die gröfseren Gattungen find fundirt wie die meiften übrigen Pumpen, nämlich jeder der beiden Cylinder ift für fich auf einen Stein geftellt und feft. gefchraubt. Die fixe Verbindung beider ift durch das oben befprochene Deckel ftück hergeftellt, welches auch die genaue Stellung der beiden Cylinder in einer Achfe ermöglicht.- Uebrigens ift diefs nicht die einzige Anordnung; für Bergwerks- oder Wafferhaltungs- Zwecke wurde diefe Pumpe in grofsartigen Dimenfionen hergeftellt und damit die Undichtheit des Pumpenkolbens fich nicht dem Auge entziehe, gab man den Vortheil des geringen Raumbedarfes auf, und ftellte zwei Waffercylinder mit Plungerkolben fymmetrifch vom Dampfcylinder vorne und hinten auf. Für folche Anordnung gibt man, wie felbftredend, geringere Tourenzahlen, aber grofse Hübe. - Eine ausgeführte Pumpe hatte einen Dampfcylinder Durchmeffer von 32 Zoll englifch= 800 Millimeter, einen Pumpen cylinder- Durchmeffer von 102 Zoll englifch 263 Millimeter und einen Hub von 6 Schuh englifch= r825 Millimeter. Die Pumpe war beftimmt, 22.500 Gallons pro Stunde= 102,150 Liter zu fchaffen. Diefs entſpricht einer Anzahl von 9 bis II Hüben pro Minute und alf einer Kolbengefchwindigkeit von 550 bis 660 Millimeter, das ift 21 bis 25 Zoll pro Secunde. Diefe Pumpe, welche alfo ganz bedeutende Dimenfionen erhielt, fteht auf einem gufseifernen hohlen Rahmen, auf welchen beide Cylinder für fich angefchraubt find. Unter einander find diefelben durch ftarke fchmiedeeiferne Zugftangen verbunden, welche die in der Achfe der Cylinder auftretenden Kräfte aufheben. Dasfelbe Princip wurde auch für Prefspumpen bei hydraulifchen Preffen angewendet und werden dann zwei kleine hydraulifche Plungercylinder vor und hinter dem mächtig grofsen Dampfcylinder angeordnet. Die Cameron'fche Pumpe wird felbftverſtändlich noch in vielen anderen Modificationen auf ihrem Untergeftelle befeftigt. Als locomobile Mafchine ward fie mit einem Field'fchen Keffel zugleich auf eine eiferne Geftellplatte gefchraubt. Dann hat der Dampfcylinder zwei Füfse, der Pumpencylinder ift mit einer Nafe noch an der Kante der Geftellplatte feftgefetzt. Der Pumpen cylinder hat an feinen beiden Enden die Ventilköpfe angegoffen; die Ventile find aus Leder, mit Schmiedeeifen armirt für Förderung von kaltem Waffer. Für warme Flüffigkeiten oder folche, welche die Lederklappen zerftören, werden Metallventile verwendet. Der Windkeffel ift in der Mitte des Pumpencylinders über denfelben geftellt, eine Anordnung, welche nicht mehr ganz ihren Zweck erfüllt. Soll der Windkeffel ordentlich wirken, fo mufs das elaftifche Luftpolfter( als folches ift derfelbe aufzufaffen) gerade über dem Druckventile liegen Sind alfo bei einer doppeltwirkenden Pumpe zwei Druckventile, fo follen auch zwei Druckwindkeffel, aber gerade vertical über den Ventilen angebracht werden. Dann werden fie ihren Zweck, nämlich den eines elaftifchen Puffers, einer Befchwerung des Druckventiles erfüllen. Steht der Windkeffel von beiden vorliegenden Pumpen in der Mitte zwifchen den beiden Ventilköpfen fo hat keines derfelben den erwähnten Vortheil. Obgleich das Waffer den Druck überallhin gleich fortpflanzt, fo ift doch die Wirkung nicht diefelbe. Bei grösseren Pumpen würde es fich nach der Meinung des Berichterftatters empfehlen, über den Druckventilen kleine Windkeffel anzubringen, da der eigentliche Windkeffel als Druckregulator dient und nicht fenkrecht über den Ventilen angebracht werden kann. Das fchon befprochene Verbindungsftück hat in der Ausführung von Whitley Partners die Form eines halben cylindrifchen Rohres, welches durch einen horizontalen Schnitt durch die Achfe erzeugt wurde, damit die beiden Stopfbüchfen, übrigens mit achteckiger Mutter nachzufpannen, leichter zugänglich find. Zwifchen den Cylindern ift nur fo viel Raum, als nothwendig ift, um eine der beiden Stopfbüchfen ganz zu öffnen und eine neue Packung einzulegen Die Spritzen und Pumpen. 11 Dampfcylinderflanfchen find nicht kreisrund, weil fonft die Dampfcanäle nicht ordentlich anlaufen könnten, fondern die Flanfche hat an der oberen Seite einen Anfatz, welcher äquidiftant zu dem Schiebercanale ift. Oben trägt der Cylinder einen aufgefchraubten Schieberkaften, der aus dem kreisrunden Gehäufe für die Steuerkolben befteht, welches fich unten an die Dampfcanäle anfchliefst. In der Mitte diefes cylindrifchen Schieberkaftens ift oben eine Welle eingelagert, welche innen einen Hebel trägt. An der Fortfetzung der Welle aufser dem Schieberkaften ift ein gleicher, nur etwas längerer Hebel befeftigt, um durch Drehen den Hebel mit der Hand bewegen zu können. An den beiden Deckeln des Cylinders find kleinere Cylinder angefetzt, welche durch einen zweiten Canal mit dem Schieberkaften verbunden find. In den kleinen Cylindern fitzen die Steuerventile, deren Enden in den Raum, welchen der Dampfkolben bei jedem Hube befchreibt, hineinragen. Die beiden Ventile werden durch frifchen Dampf, welcher durch den fchrägen Canal ftets vom Schieberkaften kömmt, auf ihre Sitze angedrückt und verfchliefsen hierdurch kleinere verticale Canäle, welche, wenn die Ventile abgehoben find, den Dampfcylinder mit dem Raume hinter den Steuerkolben verbinden. Diefe fchliefsen nicht ganz dampfdicht an ihre Gehäufe und find durch einen Rahmen miteinander verbunden, zwifchen welchem der Schieber mit zwei Nafen gefasst wird. Das Spiel der Mafchine ift nun folgendes: Geht der Kolben in der beiftehenden Zeichnung von links nach rechts, fo wird er am Ende feines Hubes an das rechte Ventil anftoffen, dasfelbe von feinem Sitze abheben und dadurch den Canal frei machen, welcher von der rechten Seite des rechten Steuerkolbens zum Cylinder führt. Da die Steuerkolben nicht ganz dampfdicht paffen, fo hatte fich zwifchen den Kolben und den Deckeln Dampf gefammelt. Ift aber jetzt der Raum zwifchen dem rechten Steuerkolben und dem Deckel mit dem Dampfcylinder( auf der Seite, wo Dampfausftrömung ift) in Verbindung, fo wird der hinter dem Steuerkolben befindliche Dampf durch den Cylinder entweichen und der Steuerkolben wird durch den zwifchen dem linken Kolben und Deckel befind lichen gefpannten Dampf verfchoben. Der Schieber mufs die Bewegung der Kolben mitmachen und befindet fich dann in feiner äufserften rechten Stellung. Die Dampfvertheilung ift nun derart eingeleitet, dafs rechts vom Kolben Dampfeinftrömung ift, während links vom Kolben die Ausftrömung möglich wird. Eine bedeutende Expanfion des Dampfes ift fonach auch bei diefen Pumpen nicht möglich und daher für längere rationelle Arbeit diefelbe nicht zu empfehlen. Wohl gewährt fie dafür den Vortheil, dafs fie ziemlich leicht zum Gehen zu bringen ift, alfo auch für verzweifelte Fälle noch Sicherheit bietet. Sollte der Steuerkolben oder der Schieber fich feftgefreffen haben, fo genügt es den Kolbenwechfel einige Male durch Steuerung von Hand zu bewirken, um die Mafchine wieder in Gang zu haben. Durch die Dapmfeinftrömung vom Steuerkolben hinter 12 Peter Zwiauer. dem Dampfkolben fcheint das Harte des Kolbenwechiels vermieden zu fein. Was die Functionirung der Steuerung anbelangt, fo fagt ein Auffatz der englifchen Zeitfchrift Engineering, dafs, als die Pumpe mit 100 Pfund Druck im Windkeffel und im vollen Gange arbeitete, und man das Saugrohr plötzlich aus dem Waffer nahm, die Kolben die Cylinderdeckel nicht berührten. Jedenfalls arbeitete dann die Steuerung fehr exact, wenn durch eine fo plötzliche Entlaftung der Kolbenhub gar nicht irritirt wurde Bei der grofsen, vorerwähnten Dampfpumpe, welche für eine Kohlengrube hergeftellt wurde, ift im Allgemeinen genau diefelbe Anordnung vorhanden, nur find die beiden Theile des Schiebers getrennt, Ein- und Ausftrömung für beide Cylinderhälften gefchieden, aber das Steuerkolben Gehäufe in einem Stück. Defsgleichen find die Ventilköpfe zum Anfchrauben an den cylindrifchen Theil des Pumpenkörpers eingerichtet; fie enthalten je nur ein Ventil und find oben durch einen Deckel gefchloffen. Aus diefem Grunde find die Ventile leicht nachzufehen und leicht in Ordnung zu erhalten. Um die Bearbeitung zu erleichtern, ift fogar die Stopfbüchfe nicht an den Cylinder angegoffen, fondern durch Flanfchen mit demfelben verbunden. Sollte fich alfo der Cylinder fo ftark abgenutzt haben, dafs ein Nachdrehen nicht mehr möglich ift, fo kann man ohne grofsen Schaden den cylindrifchen Theil des Pumpenkörpers leicht erneuern. Auf der einen Seite der Pumpe find die Saugköpfe, auf der anderen die Druckköpfe befeftigt. Die gröfste Druckhöhe, welche mit diefen Pumpen erreicht wurde, beträgt 1140 Fufs englifch, das ift 347.5 Meter vom Saugwafferſpiegel bis zum Ausguffe gerechnet. Diefe Druckhöhe entſpricht einer Wafferfpannung von 34'3 Atmoſphären, einer Gröfse, welche man bei den alten directen, einfachwirkenden Wafferhaltungsmafchinen nicht erreichen konnte. Die Bergwerkspumpe, welche foeben befprochen wurde, finden wir in der Ausftellung noch einmal von A. Carr in New- York Norwalk Iron works, in Norwalk, Connecticut, nur mit dem Unterfchiede, dafs man die Federkolben- Dichtung, gegen eine von aufsen fichtbare von Stopfbüchfen auf Plungerkolben vertaufchte ( ein Princip, welches fehr oft bei der Ausftellung ausgeführt erfchien). Der erfte Plungerkolben ift an der Kolbenstange des Dampfcylinders befeftigt und bildet in feiner Forfetzung den zweiten Plungerkolben. Die Mafchine nimmt felbftredend einen bedeutend gröfseren Raum ein; fie gewährt dagegen den Vortheil, dafs die fämmtlichen Dichtungen von aufsen beobachtet werden können, Diefe Pumpe war in Thätigkeit gefetzt und ging fehr ruhig; freilich hatte fie kaum 3 Fufs Saughöhe und nicht viel mehr Druckhöhe. Was die Anwendbarkeit der Cameron'fchen Pumpe anbelangt, fo mufs gefagt werden, dafs fie durch die horizontale Stellung des Steuerkolbens, welche Bedingung für den Gang der Mafchine ift, viel daran verliert. Da es unbedingt nöthig ift, dafs die Steuerkolben horizontal liegen, was bei einer verticalen Stellung nicht der Fall fein würde, fo unternahm Herr A. Friedmann die Reconftruction, um den Pumpen eine möglichft kleine Grundfläche zu geben. Bei der von Alexander Friedmann ausgeführten Pumpe ift der Steuerkolben horizontal, die Cylinderachfen vertical. Die Dampfcanäle gehen ganz wie fonft, nur gegen das Schiebergeficht zu verändern fie fich von einem Rechteck durch das Quadrat in ein Rechteck, welches fenkrecht auf das urfprüngliche fteht. Die beiden Steuerventile, die kleinen Kegel, ftehen nun auch vertical, und ift die Anwendung von Federn oder fonft einem Mittel, um das untere Ventil zu fchliefsen, vollständig überflüffig, da dasfelbe durch den Dampf immer gefchloffen erhalten wird. Die Wirkung des Mechanismus ift genau diefelbe wie bei der horizontalen Pumpe. Für grofse Hube dürfte die Anwendung diefer Anordnung nicht zuläffig fein, da die beiden Accelerationen fich addiren, welche von der Kolbenbewegung durch den Dampfdruck und der Fallgefchwindigkeit des ganzen beweglichen Syftemes herrühren. Spritzen und Pumpen. 13 Die in der Fabrik des Herrn Alexander Friedmann aufgeftellte Pumpe diefer Conftruction hat einen aufserordentlich ruhigen Gang, geht fehr ficher und diefs empfiehlt diefelbe für die Anwendung als Schiffsleckpumpe. Durch die verticale Aufftellung der Pumpe ift die Befeftigung an den Spanten fehr erleichtert und foll diefelbe wirklich fchon von den meiften Marinen als Schiffsleckpumpe angenommen fein. Der Pumpencylinder ift nach den rationellften Principien conftruirt. Die Pumpe hat einen gufseifernen Kolben mit drei felbftfedernden Ringen. Die Ventile find leicht zugänglich, und es liegen die Saug- und Druckventile für je eine Kolbenfeite vertical übereinander. Gerade über den zwei Druckventilen, welche in einer Horizontalebene in der unteren Hälfte des Pumpencylinders liegen, find zwei Windkeffel angebracht. Die Uebergänge aus dem runden Querfchnitte der Rohrleitungen in die rechteckigen der Canäle find fehr forg. fältig ausgeführt. Bei der hier gezeichneten Pumpe find die beiden Cylinder wie bei Cameron's Originalconftruction durch ein Cylinderdeckel Verbindungsftück gegen einander fixirt; doch ift es ein unbeftreitbarer Vortheil der verticalen Aufftellung, dafs man diefelben auch auseinander rücken kann, wie es eben der fpecielle Zweck, für den die Pumpe beftimmt ift, verlangt. Der Schieberkaften ift wie bei Cameron's Conftruction auf den Cylinder gefchraubt und liegt das Schiebergeficht mit den Schieberkaftenflanfchen in einer Ebene. Diefs bietet für die Bearbeitung den Vortheil, dafs man das Ganze in einem Striche durchhobeln kann. Die Stopfbüchfen und fonftigen Theile fowie die Vorrichtung zur Bewegung des Schiebens von Hand find genau nach der Original conftruction gebildet. Der Pumpen cylinder hat unten noch zwei Füfse, obgleich die Befeftigung der Pumpe in der Regel, durch die feitlichen Flanfchen, welche an beide Cylinder angegoffen find, gefchieht. Die Pumpe hat noch den Vortheil, dafs man fie aufserordentlich leicht. demontiren kann. Durch Abheben der oberen Cylinderdeckel kann man zu den beiden Kolben gelangen. Bei der verticalen Anordnung hat man den Vortheil, dafs die bewegten Theile fich gleichmäfsig abnützen, denn wenn bei den horizontalen Pumpen das Gewicht der bewegten Theile( Kolben, Kolbenftange etc.) noch fo gering ift, fo wird eine ungleiche Abnützung an den unteren Cylinderhälften eintreten, welche fchliefslich das Auswechfeln der Brillen und das Nachdrehen der Cylinder für einen dichten Schlufs der Kolben nothwendig machen wird. Unter den englifchen Ausftellern fanden wir die Firma Mc. Nicol, welche drei„ Excelfiorpumpen" brachte, von denen eine gewöhnlich in Thätigkeit war. Die Pumpen haben im Aeufseren grofse Aehnlichkeit mit den Pumpen von Whitley Partners oder Tangye Brothers Specialpumpe. Auch bei der Excelfiorpumpe dient ein Steuerkolben zur Bewegung des Schiebers. Sie unterfcheidet fich nur durch den Mangel der kleinen Endventile, welche hier durch ein Syftem von Dampfcanälen erfetzt werden, welche im Princip dasfelbe bezwecken, was die kleinen Ventile follten: der Dampf hinter dem Steuerkolben konnte in den Dampfcylinder entweichen, und zwar auf die Seite, auf welcher gerade Ausftrömung ift; alfo kann der Dampf auf der anderen Steuerkolben- Seite den Schieber bewegen, und alfo umfteuern. Die Idee, fowie die Ausführung derfelben ift fehr fchön und die Arbeit an den Pumpen fehr exact. Der Gang der Pumpe war fehr ruhig; fie arbeitete allerdings mit fehr geringem Drucke. Die Pumpe von Maxwell& Cope. Die Pumpe, welche Hayward Tyler& Comp. nach dem Patente von Maxwell& Cope. ausgeftellt haben, hat die Schwierigkeit, eine correcte Steuerung 14 Peter Zwiauer. ohne eine rotirende Bewegung herzuftellen, auf ganz andere Weife gehoben, als die anderen vorerwähnten. Der Pumpen cylinder fteht, wie bei der Cameron'fchen Conftruction, mit dem Dampfcylinder durch ein Stück in fefter Verbindung, welches zugleich die Deckel der beiden Cylinder bildet. Die im Nachfolgenden befchriebene Steuerung wird durch die beiftehende Zeichnung verftändlicher. De Dampfcylinder zeigt von aufsen gar keinen Steuerungsapparat; man fieht nur einen Kolben- Schmierhahn und zwei Dampfrohre, welche direct in den Cylinder münden. Der Kolben, der an den Enden durch zwei felbftfedernde Ringe gegen die Cylinder wand abgedichtet ift, beſteht aus zwei concentrifchen Cylindern, deren ring förmiger Zwifchenraum während des Ganges mit Dampf erfüllt ist, und welche an beiden Enden durch aufgefchraubte Deckel verfchloffen find. I Innern des kleineren Cylinders be wegt fich der cylindrifche Schieber, welcher die Dampfvertheilung bewirkt. Die Dampfeinftrömung liegt in der horizontalen, die Ausftrömung in der verticalen Achfe des Cylinders. Der Kolben hat zwei längliche Schlitze, welche fo befchaffen find, dafs während des ganzen Kolbenweges die Ein- und Ausftrömungsöffnungen in der Cylinderwand auf diefen Schlitzen bleiben. Der Schlitz für die Einftrömung communicirt durch eine viereckige Oeffnung mit dem ringförmigen Raum im Kolben. Von hier kann der Dampf durch zwei rechteckige Oeffnungen, welche mit gleich grofsen in der Schieberwand in Verbindung ftehen, in den inneren Raum des Schiebers gelangen. An der unteren inneren Seite des Kolbens befindet fich nun das Schiebergeficht, welches der Schieber deckt, der ganz nach den Vertheilungsfchiebern gewöhnlicherDampfmafchinen conftruirt, aber rund geformt ift. Der Schieber ift um den Schieberhub kürzer als die lichte Länge des Dampfkolbens, um keinen überflüffigen Raum mit Dampf füllen zu müffen und dem Schieber eine längere Führung zu geben. Zwei kleine Spritzen und Pumpen. 15 Canäle, welche von dem innern Raume des Kolbens aufser dem Schieber gegen die Cylinderwand führen und deren Coincidiren mit anderen Canälen die Umfteuerung bewerkstelligt, find auf beiden Seiten des Steuerkolbens ausgefpart. In der Mitte des Schiebergefichtes liegen wie normal der Ausftrömungscanal, zu beiden Seiten die Einftrömungscanäle, welche je durch den Mufchelfchieber mit dem Ausftrömungscanal in Verbindung gefetzt werden. Die Einftrömungscanäle münden gegen aufsen durch die Deckel des Kolbens und laffen alfo den Raum hinter oder vor dem Kolben fich mit Dampf füllen. Der mittlere Canal führt in einen Schlitz im Kolben, welcher fich natürlich zwifchen den beiden Dichtungsringen befindet. Diefer Schlitz ift fo lang wie der für die Einftrömung und mufs auch in der ganzen Länge des Kolbenhubes mit der Oeffnung in der Cylinderwand für die Ausftrömung coincidiren. Dadurch kann, wenn der Schieber eine Stellung eingenommen, der Dampf während des ganzen Kolbenweges von der betreffenden Seite ausftrömen. Damit die betreffenden Canäle im Cylinder und im Kolben einander immer ganz decken, darf fich der Kolben um feine Achfe nicht verdrehen; es ift alfo an feinem Umfange irgendwo ein Stift angebracht, der fich in einem langen Schlitze in der Cylinderwand führt und eine Verdrehung hindert; defsgleichen ift ein folcher Stift am Schieber angebracht, da auch diefer in feiner Lage gegen den Kolben bleiben mufs, da fonft die ganze Steuerung problematifch würde. Die Dampfvertheilung ist nun folgende: Nehmen wir an, der Kolben gehe nach links, dann fteht der Schieber gleichfalls in feiner äufserften linken Stellung. Der Steuerfchieber ift jetzt im Gleichgewichte, denn der Dampfdruck ift auf beiden Seiten vorhanden. Ift der Kolben nahezu am Ende feines Weges angelangt, fo trifft ein kleiner, in die Cylinderwand eingegoffener Canal auf den Einftrömungsfchlitz des Kolbens, und enthält alfo dann frifchen Dampf. Gleich zeitig kommt der oben befprochene Canal des Kolbens in Verbindung mit der Ausmündung des erften Canals, und in Folge deffen tritt gefpannter Dampf links vom Schieber ein. Rechts vom Schieber befand fich noch Dampf von der letzten Schieberbewegung her, welcher nun austreten können mufs. Um diefs zu ermöglichen, kommt der fymetriſch liegende kleine Kolbencanal direct mit der Ausftrömungsöffnung in der Cylinderwand zum Decken, wie aus dem Querfchnitte erfichtlich ift. Das Coincidiren beider Canalpaare tritt gleichzeitig ein, der Schieber wird alfo exact in dem Moment in feine äufserfte Stellung verfchoben, wo das Gleichgewicht in dem inneren Kolbenraume aufgehoben wird. Die Dampfvertheilung ist nun für den neuen Hub eingeleitet, und es tritt am Ende desfelben das nämliche Spiel ein. Wie man aus diefer Befchreibung fieht, ist auch hier eine Expanfion des Dampfes, alfo eine rationelle Arbeit unmöglich. Der Hub der Pumpe ift geringer als die halbe Cylinderlänge, und der Kolben länger als der Hub. Die Hubbegrenzung ift fehr genau und die Steuerung arbeitet fehr exact. Selbft bei fchnellem Gange ift der Kolbenwechfel fehr ruhig. Es ist noch zu erwähnen, dafs der Kolben durch Anbringung fymetriſcher Ausfparungen gegenüber den Ein- und Ausftrömungsfchlitzen vollſtändig entlaftet ift. Defshalb kann die Abnutzung nur gering fein, denn der Kolben trägt nur fein eigenes Gewicht( und das des Schiebers), und zwar auf eine grofse Fläche vertheilt. Leider war es dem Berichterstatter nicht möglich, die Pumpe zu indiciren. Die Pumpe ift wie jede andere Pumpe conftruirt; fie hat Kolben mit Lederftulpen Dichtung und Kautfchuk- Kugelventile für Kaltwaffer und nicht zu grofse Druckhöhen, hat Kolben mit elaftifchen Ringen und Metall- Sitzventile für warme Flüffigkeiten, oder grofse Druckhöhen. - Um bei gröfseren Dimenfionen der Pumpen die Kautfchuk- Kugelventile, welche einen Metallkern enthalten, beibehalten zu können, ordneten Hayward 2 La 16 Peter Zwiauer. Tyler& Comp. mehrere kleine ftatt eines grofsen Ventils an. Die Anordnung ift fehr beliebt und gewährt den Vortheil, dafs die Ventile durch kleine Unreinigkeiten des Waffers nicht undicht werden, weil diefe beim nächften Hub der Pumpe weggefchwemmt werden; und felbft in dem Falle, dafs diefelben gerade am Ventilfitze fich befinden, das Spiel nicht hindern, weil die Kautfchukkugeln fo elaftifch find, dafs fie unter dem Drucke der Flüffigkeit fich der Form der eingefpülten Unreinigkeit anfchmiegen, und diefe fo an den Sitz anpreffen werden, dafs fie dennoch fchliefsen. In Confequenz diefer Conftruction kamen Hayward Tyler& Comp. bei einem zwölfzölligen Cylinder auf vier Ventile ftatt eines, alfo im Ganzen fechzehn Kugeln. Die Pumpen find in allen Gröfsen fehr uniform gebaut und haben durchwegs nur einen Windkeffel, der in der Mitte zwifchen den beiden Druckventil- Sätzen angebracht ift. Diefs ift bei der fonft fo fchön durchgeführten Conftruction ein entfchiedener Mangel. Bei den kleineren Pumpen ift der Windkeffel an den Deckel des Ventilgehäufes angegoffen, welches mit Vermeidung der vorftehenden Flanfchen durch Charnierefchrauben an den Pumpenkörper angeprefst wird. Diefe Pumpe, fowie alle die vorbefprochenen direct wirkenden Pumpen, haben den Nachtheil, dafs fie fämmtlich den Dampf nicht expandiren können. Es kommt alfo in Bezug auf die Oekonomie nur darauf an, welcher von ihnen am wenigften Kraft, refpective Dampf zur Umkehrung der Kolbenbewegung braucht. Bei der Decker'fchen Pumpe wird durch den Anftofs des Steuerarmes der Schieber in feine mittlere Lage geftofsen, von diefer durch den im Cylinder enthaltenen Dampf, welcher alfo hinter den Steuerkolben treten kann, in feine extreme Stellung gefchoben. Um fich ein Bild von dem Kraftverbrauche zur Steuerung zu machen, vergegenwärtige man fich, dafs der Schieber im Anfange feiner Bewegung durch den Steuerarm mitgenommen wird, alfo nicht mehr Kraft braucht, als fein paffiver Widerftand beträgt. Die Hubvollendung wird durch den Abdampf aus dem Cylinder bewirkt; der Kraftverbrauch ift jedenfalls gering. Bei der Cameronfchen Pumpe wird der Kolbenwechfel durch Anftofsen des Kolbens an die Steuerventile bewirkt, infoferne, als diefe den Raum hinter dem nicht ganz dicht fchliefsenden Steuerkolben mit der Ausftrömungsfeite des Cylinders in Verbin dung fetzen; die Bewegung des Steuerkolbens aber gefchieht durch friſchen Dampf, deffen Verbrauch jedenfalls gröfser ift, als zur Bewegung des Schiebers erforderlich wäre, indem der Widerftand des Schiebers in keinem Verhältniffe zur aufgewandten Dampfarbeit fteht. Die Pumpe wird alfo, abgefehen von allen zufälligen und unvermeidlichen Dampfverluften, mehr Dampf brauchen als die Decker'fche. Das Undichtfein der Steuerkolben bedingt von vornherein einen Mehrverbrauch an Dampfe, indem die Canäle zu den kleinen Endventilen bei jedem Hub mit frischem Dampf gefüllt werden müffen; verbindet fich damit noch eine geringe Undichtheit der Endventile, fo exiftirt eine continuirliche Dampfftrömung aus dem Schieberkaften durch den Cylinder in die Ausftrömung, welche Dampfverlufte bedingt, die man nicht beobachten kann und erft an dem gefteigerten Kohlenverbrauche erkennen wird. Bei der Maxwell& Cope'fchen Pumpe erfolgt die Umfteuerung ebenfalls durch frifchen Dampf, während auf der anderen Seite Dampfausftrömung erfolgt. Doch ift es leicht einzufehen, dafs auch diefe Pumpe mehr Dampf brauchen wird, als die Decker'fche, weil, wie bei der Cameron'fchen, zur Bewegung des Schiebers frifcher Dampf confumirt wird, und die fchädlichen Räume hier gröfser find als bei den beiden anderen. Die kleinen Canäle, deren Coincidenz die Umfteuerung bewirkt, müffen mit Dampf gefüllt fein. Der Steuerkolben, wenn die Pumpe nicht gerade für eine beftimmte Dampftemperatur gearbeitet ift, kann nie ganz genau dicht laufen, was ja doch erfordert wird; denn obgleich Kolben und Schieber von demfelben Materiale( Gufseifen) find, hat doch gewifs der Kolben vermöge feiner Form eine andere Ausdehnung als der Schieber, der ja viel Spritzen und Pumpen. 17 geringere Maffe hat. Eine vollſtändige Dichtung der beiden Theile gegen einander ift alfo unwahrfcheinlich. Diefe letzte Conftruction hat aber einen nicht unerheblichen Nachtheil. Diefer beſteht darin, dafs ein Nachfehen der bewegten Theile ( Kolben und Schieber) faft unmöglich wird. Will man felbft den Kolben herausnehmen, fo hat man dann den Schieber noch nicht vor den Augen. Wenn die Pumpe über Tage fteht, fo geht es noch an. Ift aber der Fall da, dafs man einen Schacht hat, in dem die Pumpe fteht, wo man alfo mit dem Raum, befchränkt ift, fo wird z. B. ein Auswechfeln des Schiebers fehr unbequem; denn hat man die Cylinderdeckel abgehoben, fo mufs man den Pumpenkolben losfchrauben, um dann die Kolbenftange fammt dem Dampfkolben und Schieber herausziehen zu können. Erft dann kann man den Deckel des Kolbens öffnen und den Schieber herausnehmen. Man mufs alfo faft die ganze Länge der Pumpe noch hinter derfelben an freiem Raume haben. Alle drei Syfteme von Pumpen haben eine grofse Anwendung im Bergbaue gefunden. Das Princip, lieber mehrere kleine Pumpen als eine grofse für diefelbe Gefammtleiftung zu bauen, ift gegenwärtig fehr beliebt geworden, und hat die Riefen unter den Mafchinen, die grofsen Wafferhaltungsmafchinen mit ihren koloffalen Dimenfionen faft ganz verdrängt. Die durch Aufftellung mehrerer kleineren Mafchinen, allenfalls mit einer Refervemafchine erhöhte Sicherheit im Betriebe, wurde vielfach erkannt, und unter Anderem von H. und R. Lamberts in Burtfcheid in der Art benutzt, dafs diefelben kleine Pumpen mit rotirender Bewegung, welche mit geringerer Füllung arbeiten( 1/4 bis 1/3), in gröfserer Anzahl in einer Grube neben einander aufftellen und von einer Dampfleitung aus fpeifen. Die befprochenen, von Hilt, Bergwerksdirector in Kohlfcheid, conftruirten Pumpen drücken auf 210 Meter in einem Satz und ihre Keffel ftehen über Tage. Die Druckhöhe foll aber bis auf 400 Meter kommen. Der Dampfcylinder ift direct mit 2 Pumpencylindern verbunden, welche hinter demfelben aufgeftellt find. In diefen arbeiten Plungerkolben, weil diefelben geringere Reibungswiderstände verurfachen und leicht zu beauffichtigen find. Vor dem Dampfcylinder liegt ein Führungsftück, welches auf 2 Flächen gleitet und das eine Ende der Triebftange fafst. Die gekröpfte Achfe ift von Gufsftahl und trägt 2 kleine, aber fchwere Schwungräder, welche die Gleichförmigkeit der Bewegung bezwecken. Steuerung gefchieht durch Doppelfchieber. Die Die Ventile find entlaftete Doppelfitzventile, welche bei 7 Zoll PlungerDurchmeffer, eine Weite von 8 Zoll erhielten. Da die Pumpen ziemlich rafch laufen( 45 bis 60 Touren per Minute), fo ift die Waffergefchwindigkeit in den Steigrohren fchon bedeutend und in Folge deffen trat eine Drucküberhöhung im Steigrohre um mehrere Atmoſphären ein. Es war alfo eine Mehrleiftung über das theoretische Wafferquantum. Freilich arbeitete dafür die Mafchine mit 5/10 Füllung. ftatt wie beabsichtigt mit 4/10. Der Conftructeur, Herr Hilt, hat in Folge deffen dem Druckventile 9 Zoll Diameter gegeben, und nun hat fich diefe Drucküberhöhung im Ventilkaften bedeutend vermindert. Die Aufftellung der Mafchine in Gruben ift die fchon befprochene, dafs man mehrere aus einem Dampfrohr fpeift. Der Hauptvortheil aber diefes Syftems von Plungerpumpen mit rotirender Bewegung und gröfserer Tourenzahl ift aber der, dafs es Billigkeit und geringen Raum mit fchneller Aufftellbarkeit und ökonomifcher Arbeit verbindet. Der Conftructeur will noch einen Condenfator mit dem Dampfcylinder in Verbindung ftellen, fo dafs man in der Expanfion noch höher gehen kann. Der Nachtheil, welchen die Aufftellung der Dampfkeffel über Tag bietet, mindert fich, wenn man bedenkt, dafs bei einer Länge der Rohrleitung von 210 Meter die Dampfverlufte durch Condenfation 5 Percent des verbrauchten Dampfes betragen, felbft ohne eine befondere Einhüllung der Dampfröhren, wie aus den Angaben des Herrn Hilt hervorgeht. Die erhöhte Sicherheit diefer Aufftellung nun geftattet eben, im Nothfalle in wenigen Tagen eine ähnliche 2* 18 Peter Zwiauer. kleine Pumpe in Thätigkeit zu fetzen und aus der fchon beftehenden Dampfleitung zu fpeifen, was wohl einigen Effectverluft zur Folge haben wird, den man aber im Falle der Noth gewifs gern ertragen wird. Der Conftructeur beabfichtigt, bei neuen Mafchinen die Ventile mit Spiralfedern zum Dichthalten zu verfehen, um einen möglichft genauen Schlufs derfelben zu erzielen, was bei grofsen Druckhöhen von Wichtigkeit ift. Diefelbe Aufftellung nun haben auch fchon Hayward Tyler& Comp. mit dem Maxwell& Cope'fchen Pumpen angewendet, und zwar ebenfalls mit Erfolg. Nur haben eben die letzteren Pumpen bei gleicher Capacität noch geringere Raumbeanfpruchung als die erfteren, und find alfo unter Umständen vorzuziehen, wo nämlich Brennmaterial fehr billig und die Herftellungskoften eines gröfseren Raumes in der Grube fehr grofs find. Untenftehend ift eine folche Anordnung fkizzirt: Es find die Pumpen parallel neben einander aufgeftellt gedacht, aus demfelben Dampfzuleitungsrohr gefpeift, natürlich mit Schiebern oder Hähnen verfehen, um jede einzelne Pumpe ausfchalten und nachfehen oder Reparaturen an ihr vornehmen zu können. Der abftrömende Dampf kann entweder in einem Wetterfchacht( upcast shaft) als Ventilationsmittel dienen, oder aber in einen Strahlcondenfator geleitet werden, um die Leiftung der Mafchine noch zu erhöhen. Jedenfalls ift die Dampfleitung in den Schacht bedeutend billiger und auch ficherer, als das Geftänge, welches die alten directwirkenden Wafferhaltungsmafchinen beanfpruchten. Auch ift die Aufftellung der kleinen Mafchinen viel einfacher, da keine grofsen, fchweren Stücke daran vorkommen, als etwa die Schwungräder. Sehr vortheilhaft dürfte es noch fein; wenn man die wefentlichften Beftandtheile fchon fertig montirt in die Grube bringen, die Ingangfetzung alfo dann in kürzefter Frift gefchehen kann. STEAM PIPE EXHAUST MICHHO HOP CHI HOH RISING PIPE MAIN SUCTION PIPE CHHO F.W. BADER.WIEN sc. Wie vortheilhaft übrigens diefe Anordnung ift, zeigt am beften der Erfolg, da man überall nach ihr greift, wo Neues erbaut wird. Spritzen und Pumpen. 19 Die Dampffpritze von Merryweather and Comp. Die von Mesrs Merryweather and Comp. ausgeftellten Dampf Feuerfpritzen( zwei in der Mafchinenhalle und eine im englifchen Tranfept des Induftriepalaftes) hatten eine von den übrigen Dampffpritzen vollſtändig abweichende Einrichtung. Die Mafchine, welche hier befonders befprochen werden foll, der Conqueror, ift zweicylindrig, und die beiden Cylinder find horizontal zwifchen den Rahmen der Mafchinen angebracht. In derfelben Achfe liegen die Pumpen cylinder, welche mit den Dampfcylindern durch ftarke fchmiedeeiferne Zugftangen verbunden find. Die Mafchinen hatten keine rotirende Bewegung, welche den Hub des Dampfkolbens begrenzen würde; es war defshalb eine andere von Mr. Field conftruirte Einrichtung angewendet, welche bei Verfuchen die zufriedenftellendften Refultate gegeben haben foll. Die leitenden Gedanken mögen ungefähr folgende gewefen fein: Jede Mafchine ift mit einem Mufchelfchieber verfehen, welcher aber eigentlich ein kleiner Cylinder ift. Die Bewegung desfelben erfolgt von einer etwa um 90 Grad verdrehten flachen Stahlftange, die von einem an der Kolbenftange feften Auge umfafst wird, und alfo während des ganzen Kolbenhubes continuirlich eine Drehung um weniger als 90 Grad machen muss. Der Mufchelfchieber ift alfo durch Hebel und Stange von diefer Stahlflange aus bewegt, welche durch den Kolbenhub eingeleitet wird; jeder der beiden Mufchelfchieber ift alfo in Rapport mit feiner Mafchine und hat noch einen kleinen Kolben, welcher von der Drehſtange der anderen Mafchine in Bewegung gefetzt wird. Die Kolbenftange diefes kleinen Kolbens ift in der halben Länge hohl und hat zwei eingebohrte Löcher, welche dem Dampf erlauben, zu jedem Ende des cylindrifchen Schiebers zu gelangen, um den Hub desfelben zu vervollſtändigen. Der Dampfzutritt zu dem kleinen letztbefprochenen Kolben ift durch einen dritten Schieber regulirt, welcher von derfelben Drehftange bewegt wird. Die Oeffnungen in der hohlen Kolbenstange find fo angebracht, dafs die Communication zwifchen dem dritten Schieber und der hohlen Kolbenftange hergeftellt ift, noch bevor jeder der Kolben der Mafchinen die Mitte des Hubes erreicht hat. Nun beginnt alfo die rechte Mafchine den linken Schieber aufzuziehen zu dem Zwecke, um den linken Kolben in dem Augenblicke des Kolbenwechfels aufzuhalten, noch ehe der rechte Kolben die Mitte feines Weges erreicht hat, fo dafs zur Zeit, wo die rechte Mafchine in der Mitte des Hubes angekommen ift, der Schieber von der linken Mafchine fchon wieder langfam aufgezogen wird und der Kolben gerade wechfelt. Die linke Mafchine beein flufst die rechte Mafchine auf ganz diefelbe Weife. Durch diefe wirklich finnreiche Einrichtung ift der Kolbenwechfel ohne irgend welchen Zeitaufwand ermöglicht und die Mafchine kann eine beliebige Anzahl von Hüben per Minute machen. Diefe Einrichtung foll nach den Angaben der Conftructeure fowohl die Leiftungsfähigkeit, als auch die effective Leiftung im Vergleiche zu den alten Mafchinen derfelben Firma bedeutend erhöht haben. Ein weiterer Vortheil ift in der Möglichkeit zu finden, dafs man jeden der beiden Cylinder für fich arbeiten laffen kann, wenn der andere vielleicht betriebsunfähig fein follte. Man ftellt dann den Kolben des nicht arbeitenden Cylinders auf Mitte Hub und fixirt feinen Schieber durch einen Stahlzapfen. Diefer Vortheil ift von nicht unbeträchtlichem Werthe und kann unter Umftänden für die Mafchine den Ausfchlag geben. Die übrige Mafchine hat ungefähr folgende Anordnung: Der Keffel, ein Field'fcher Patentkeffel, ruht auf der Hinterachfe, welcher um denfelben vorne herumgebogen ift. Der Wafferkaften ift über den beiden Dampfcylindern an der Verkleidung des Keffels befeftigt. Die Saugöffnungen der Pumpen S 20 Peter Zwiauer. find über den Vorderrädern und die Rohrftutzen vorne nach auswärts gebogen. Die Druckrohrftutzen liegen in der Mitte beider Pumpen cylinder. Der grofse Windkeffel ift gleichfalls im Mittel der Pumpen aufgeftellt und über demfelben ift der Kutfchbock. Hinter dem Kutfchbocke find Sitze für Mannfchaften und die Mafchinen find durch Fufsbretter vor Befchädigung gefchützt. Der Rahmen des Wagens ift von Blattfedern getragen, aus kräftigem Façoneifen hergeftellt. Gegen die Pumpen ift er nach abwärts gebogen, aber die Enden find wieder horizontal. Als Verbindungen zwifchen den Rahmen find die beiden Cylinderpaare zu betrachten. Was die Leiftung der Mafchine betrifft, fo kann der Berichterstatter nur die Angaben der Conftructeure anführen. Die Mafchine hat in 7 bis 8 Minuten Dampf von 100 Pfund englifch Preffung von kaltem Waffer erzeugt. Der Strahl von 21 Zoll englifch( 56 Millimeter) Durchmeffer wurde 320 englifche Fufs ( 97.5 Meter) weit horizontal geworfen und die Saugleitung war ungefähr 1000 Fufs ( 305 Meter) lang. - - Bei diefer Gelegenheit kann die principielle Anordnung der Prefspumpe der hydraulifchen Schmiedepreffen von John Haswell, Director der Mafchinenfabrik der k. k. öfterreichifchen Staatseifenbahn Gefellſchaft in Wien, nicht unerwähnt bleiben. Leider war die erwähnte Anlage bei der Ausftellung nur durch die damit erzeugten Producte vertreten.- Die dort aufgeftellte grofse Schmiedepreffe übt auf das eingelegte Schmiedeftück einen effectiven Druck von 24.000 Wiener Centner aus; die Wafferfpannung ift bei einem Plungerdurchmeffer von 24 Wiener Zoll circa 420 bis 430 Atmoſphären. Der zum Betriebe der Preffe gehörige feitwärts aufgeftellte Dampfcylinder hat einen Durchmeffer von 60 Wiener Zoll und arbeitet mit 5 Atmoſphären Dampfüberdruck. Die Pumpenkolben rechts und links haben 61, Zoll Durchmeffer, der Dampfcylinder ift mit jedem Pumpencylinder durch 2 flache Schmiedeifenftangen von 20 Quadratzoll Querfchnitt verbunden, welche die axialen Drücke aufzunehmen haben. Zugleich bilden diefe Lineale eine Gleitbahn, auf welcher ein Kreuzkopf( zur Verbindung von Kolbenftange und Plunger) läuft. Dadurch find alle in der Mafchine entſtehenden Drücke aufgehoben und das fchwache gufseiferne aus 2 getrennten Balken beftehende Bett, deffen Querverbindung die 3 darauf ruhenden Cylinder bilden, ift auf 2 Eichenpfoften gelegt und nur ganz leicht an ein circa 3 bis 4 Schuh tiefes Fundament gefchraubt, welches mehr dazu dient, eine unveränderliche Unterlage für die darauf ruhenden Theile zu bilden, als irgend welche ftörende Kräfte durch feine Maffe aufzunehmen. - Die Pumpe geht zur Bedienung der Preffe nur kurze Zeit; 2 bis 3 Hübe hintereinander ift fchon die gröfste Leiftung. Defshalb ift fie mit Ventilfteuerung verfehen und zur Bewegung der Ventile dient ein kleiner Steuercylinder, deffen Schieber der Mafchinenwärter entweder von Hand aus bewegt, oder der durch Anfchläge von dem Kreuzkopf des Pumpenkolbens aus bewegt wird. . Die eigentliche Preffe befteht aus einem Gerüfte, welches den oberen und den unteren Theil des Apparates bildet; diefe beiden Theile, mächtige Gufsftücke, find durch vier 9 Zoll ftarke fchmiedeiferne Schrauben miteinander verbunden. -In dem oberen Kopfe ift der Plunger, welcher den Druck auf das unten eingelegte Schmiedeflück ausübt, eingefetzt. Um den Plunger und die an denfelben befeftigten Gefenke wieder aufzuheben ist auf dem oberen Kopfe noch ein kleiner Cylinder geftellt, deffen Plunger ein Querftück trägt, an welchem mittelft Zugftangen der Prefsplunger aufgehängt ift. Da nun die als neu erfchienenen Pumpenfyfteme ohne rotirende Bewegung im Vorftehenden fo weit dargestellt find, als es die Umftände erlaubt haben, fo reiht fich die grofse und fehr reiche Claffe der Pumpen mit rotirender Bewegung folgerichtig hier an. 08 0.8 600 Spritzen und Pumpen. 4895 21 Die Prunier'fche Pumpe. Als die neueften und wichtigften find wohl die beiden Pumpen für Niederdruckleitungen zu nennen, welche Prunier in Lyon ausgeftellt hatte. Die Pumpen ftanden an dem öftlichen Ende der Mafchinenhalle in einem eigenen Gebäude, welches zugleich das franzöfifche Keffelhaus bildete, und verforgte die Speifung desNiederdruck- Refervoirs, welches in nächfter Nähe ftand. Auf einem thurmartigen, oben fich verjüngenden Gerüfte, welches fich auf ein Steinfundament ftützte, lagerte die Kurbelwelle mit zwei Schwungrädern. DerBrunnenfchacht war aus einem gufseifernen Rohre gebildet und mit dem Mafchinengerüfte feft verbunden. Der Dampfcylinder, fowie ein Querhaupt befinden fich in der unteren Hälfte der Säule; ein anderes Querhaupt über dem Cylinder führt die Triebftange. In demfelben fteckte ein zweites, unten offenes Rohr, der Pumpencylinder. Die Urfache nun, warum der Brunnenfchacht durch diefes Rohr erfetzt ift und der Pumpencylinder alfo ganz im Waffer fteht, geht klar aus der Befchreibung von Herrn Prunier hervor. Er betrachtet nämlich das Sauggebiet der Pumpe als einen Kegel, deffen Spitze eben das untere Ende des Brunnenfchachtes, deffen Bafis durch einen Kreis auf der Oberfläche der wafferführenden Schichte gebildet wird. Mehr wird fich die Wirkungsfphäre der Pumpe einer Kugel nähern, deren Centrum das offene Ende des Brunnenfchachtes ift. Selbftverftändlich legt der Ingenieur diefe Kegelfpitze möglichft tief in die wafferführende Schichte und gewinnt hiedurch ftets Waffer von gleicher Temperatur, welches weiters keine fchädlichen oder unfchädlichen Subftanzen enthält, als diejenigen, welche das Grundwafferjener Schichte eben führt. Dadurch nun, dafs die Pumpe in jenem Schachte arbeitet, der mit feinem unteren Ende in die Waffer. S 22 Peter Zwiauer. fchichte taucht, wird in demfelben ein luftverdünnter Raum erzeugt, welcher gleichfam eine Drainage der Schichte bewirken foll; alle Waffertheilchen werden aus dem Boden angefogen und müffen dem Wafferfchachte zueilen. Diefs ift das Princip der Wafferzuführung bei der Prunier'fchen Pumpe. Freilich bleibt das Waffer auch aus, wenn das Grundwaffer ausbleibt, gerade fo gut wie bei jeder anderen Pumpe; doch ift es wichtig, dafs der gufseiferne Brunnenfchacht billiger fein dürfte als ein gleich weiter gemauerter. Das Conftructionsprincip der Pumpe felbft befteht im Wefentlichen darin, dafs zwei Kolben, welche von einer Welle aus bewegt werden, in einem Cylinder fortwährend in entgegengefetzten Richtungen arbeiten. Hiedurch entfteht einmal, wenn fich die beiden Kolben von einander entfernen, ein luftverdünnter Raum zwifchen ihnen, und das andere Mal entſteht ein Ueberdruck, welcher das zwifchen den Kolben befindliche Wafferquantum über den oberen Kolben bringt, der es dann wegfchafft. Da aber der Pumpencylinder unten offen ift und in dem Brunnenfchachte fteht, fo wird durch den unteren Kolben wieder Waffer zum Cylinder gepumpt. Das ganze Syftem läfst fich als zwei getrennte Pumpen betrachten, von denen die eine das Waffer vom Schachte zum Cylinder, während die andere das Waffer durch den Cylinder oben wegfchafft. Die entgegengefetzte Bewegung der beiden Kolben gefchieht nun dadurch, dafs der untere Kolben an einer maffiven Kolbenstange befeftigt ift, welche in ihrer Fortfetzung den Dampfkolben trägt. Von demfelben geht die hin und hergehende Bewegung des unteren Kolbens direct aus. Nach oben zu trägt die Kolbenstange ein Gleitftück, an dem die Triebftange befeftigt ift und diefe greift an der gekröpften Schwungrad- Achfe an, welche in zwei Lagern läuft und aufsen zwei Schwungräder trägt. In denfelben befinden fich Kurbelzapfen, deren Radien genau der Richtung des Triebkurbelradius entgegengefetzt ftehen, aber denfelben Kurbelradius haben. An diefe beiden Zapfen in den Schwungrädern greifen zwei Triebftangen, welche an ihrem unteren Ende unter dem Dampfcylinder ein gerade geführtes Querftück bewegen; an demfelben ift die hohle Kolbenftange des oberen Pumpenkolbens befeftigt, welche die maffive Stange des unteren Kolbens umfchliefst und fich an diefer führt. Durch diefe Conftruction wird ftets die entgegengefetzte Bewegung der beiden Pumpenkolben bewerkstelligt. Diefe find aus Ringen derart zufammengefetzt, dafs die Ringe nach oben zu immer kleiner werden, der Kolben im Ganzen alfo eine conifche Form hat. Ueber die Ringe, welche mit Oeffnungen verfehen find, deren Gefammtquerfchnitt gleich ift dem des Pumpencylinders, find als Ventile, Kautfchukringe feft aufgezogen, welche einmal beim Saugen fich ausdehnen, dann beim Drücken auf die Sitze aufgeprefst werden. Diefe Conftruction ift Urfache, warum diefe Pumpen nur für niedrigen Druck gebraucht werden können ( etwa bis zu 1 Atmoſphäre- Ueberdruck). Die beiden conifchen Kolben bewegen fich alfo ftets in entgegengesetztem Sinne und die maffive und die hohle Kolbenftange führen fich gegenfeitig in Stopfbüchfen. Eine derfelben befindet fich an dem oberen Ende der hohlen Kolbenftange, und fie trennt den Raum zwifchen den beiden Kolben von der atmoſphärifchen Luft. Da die hohle Kolbenftange im oberen Cylinderdeckel gleichfalls in einer Stopfbüchfe läuft, fo hat man alfo eine Stopfbüchfe mehr zu beforgen. Ein Vortheil, welchen diefe Pumpe hat, befteht darin, dafs man in der Tourenzahl nicht befchränkt ift, weil die bewegten Maffen bei forgfältiger Conftruction ziem lich leicht zu balanciren find, und die Kautfchukringe an den Pumpenkolben ein fehr geringes Spiel haben und zugleich fich durch ihre Elafticität immer zu fchliefsen trachten. Jedenfalls ift aber die Anlage folcher Pumpen ziemlich theuer. Ift es nun der Fall, dafs das Grundwaffer tiefer unter der Oberfläche liegt, fo mufs der Schacht, fomit auch der Pumpencylinder nachrücken; es erfordert dann die Pumpe das theuere Geftänge, nur mit dem Unterfchiede, dafs man dann doppeltes Geftänge braucht. Spritzen und Pumpen. 23 Der Ausgleich der hin- und hergehenden Maffen ift gröfstentheils im Mechanismus felbft bewirkt, wenn die beiden Kolbenftangen nämlich gleiches Gewicht haben Dampfkolben und Triebftangen müffen fich dann mit den aufsen liegenden Stangen balanciren. Der Dampfcylinder, der alfo in der Mitte liegt, ift wie ein gewöhnlicher Cylinder conftruirt, nur ift die Steuerung für die obere und für die untere Kolbenfeite getrennt. Es find zwei Schieberkaften vorhanden, und es beforgt ein Schieber immer nur die Dampf- Ein- und Ausftrömung für eine Kolbenfeite. Die Schieberbewegung erfolgt durch unrunde Scheiben. welche in Rahmen laufen und das Aufziehen und Schliefsen der Schieber nicht in fchleichender, fondern in mehr ruckweifer Bewegung bewirken. Die ausgeftellten Pumpen waren mit Condenſation verfehen und es ftrömte das Waffer aus dem Abflufsrohre direct in den Condenfator, der unter dem Cylinder lag. Das Con denfationswaffer wurde durch zwei Luftpumpen, deren Kolbenstangen an das untere Querftück befeftigt waren, weggefchafft. Diefe Pumpen, im Ganzen recht hübfch in ihrer Aufftellung, arbeiteten auch mit gutem Erfolge. Namentlich erzeugten fie ein fehr gutes Vacuum. Wie fchon gefagt, find fie am beften anzuwenden, wenn das Grundwaffer nicht mehr als etwa 8 Meter unter dem Bodenniveau zu finden ist, weil fonft theueres Geftänge angebracht werden mufs. In der Höhe der oberen Führung war eine Gallerie um das thurmartige Gerüfte angebracht und zwifchen den beiden neben einander aufgeftellten Pumpen ein Verbindungsgang. Die Druckröhren vereinigten fich in der Mitte und führten dann das Waffer in das Niederdruck- Refervoir. Die Pumpe der erften Brünner Maſchinenfabrik. Gerade am entgegengefetzten Ende der Mafchinenhalle ftanden die Pumpen der erften Brünner Mafchinenfabrik, ebenfalls in einem eigenen Gebäude, welches gleichzeitig als Keffelhaus diente. Die Pumpen verforgten die Hochdruckleitung und drückten das Waffer in den von derfelben Firma gebauten Wafferthurm. Die Pumpe hatte an und für fich nichts Neues, doch war fie mit aller Sorgfalt conftruirt, mit aller Sorgfalt ausgeführt Die Aufftellung war horizontal. Die Pumpencylinder waren hinter den Dampfcylindern felbftftändig aufgeftellt. Von den Dampfcylindern waren die Führungen, Triebftangen, Kurbeln und das Schwungrad einer completen Dampfmafchine. Die beiden Mafchinen waren fyme trifch conftruirt, und es lag das Schwungrad, zur Ausgleichung der Bewegung in der Mitte. Was den Bau der Dampfmafchinen anbelangt, fo war diefelbe nach den erften Corlifs Syftem gebaut; fie hatte kein eigentliches Bett als fchweren Rahmen, fondern die Fortfetzung des Cylinderdeckels bildete Führung und Verbindung zwifchen Cylinder und Lager. Mit einem Worte, es war die fo beliebte Bayonnettaufftellung. Die Steuerung der Mafchinen war jene der Firma eigenthümliche Conftruction der Corlifsfteuerung mit den Schleifbogen und Federn, welche wir fchon auf der Parifer Ausftellung gefehen haben. Nur war hier die Einwirkung des Regulators auf die Steuerung nicht nothwendig, wefshalb auch der Regulator entfiel. Der Abdampf mufste, bevor er entweichen konnte, einen zwifchen den beiden Mafchinen unter dem Boden horizontal angeordneten Speifewaffervorwärmer paffiren, um einen Theil feiner Wärme abzugeben, und den Betrieb zu einem möglichst ökonomifchen zu geftalten. Die Pumpe felbft war als Kolbenpumpe und der Kolben mit Selbftfpan. nerfedern conftruirt. An den Cylinder waren unten die Saugventilkaften, oben die Druckventilkasten angegoffen. Die beiden Saugröhren, fowie die Druckröhren, paffirten den Windkeffel, der durch einen Boden in zwei Theile gefchieden war, in einen Saug und in einen Druckwindkeffel. 汇 ◎$ 24 約 Z 0 ° ° 0 ° 0 о 0 0 25 O ° 0 0 0 0 о 0 0 0 О 0 О L 26 Peter Zwiauer. Die Ventile, gewöhnliche Sitzventile, waren mit Stahlfedern garnirt, welche einen fichern Schlufs derfelben verforgten. Die Pumpen gingen im Durchschnitte mit 16 bis 18 Touren per Minute, ein ziemlich langfamer Gang. Es refultirt daraus eine Kolbengefchwindigkeit von circa 2 Fufs oder 630 Millimeter per Secunde. Die Mafchine war für hohe Expanfion gebaut, um möglichfte Dampferfparnifs zu erzielen. Im vorliegenden Diagramme, welches von Herrn Profeffor J. F Radinger aufgenommen wurde, zeigt fich, dafs die Mafchine mit circa o 15 Füllung arbeitete; das Manometer am Windkeffel zeigte 55 Pfunde. Man fieht klar, dafs, wo es fich um eine ftabile Anlage handelt, man immer diefe Pumpen, oder Pumpen mit rotirender Bewegung, hochgefpanntem Dampf und geringer Füllung, bauen wird, während für proviforifche Anlagen, oder doch folche, welche fehr ſchnell hergeftellt fein wollen, die direct wirkenden Pumpen irgend welcher Conftruction gut zu verwenden fein werden. Man mufs fich dann eben gefallen laffen, dafs die Mafchine das Brennmaterial geradezu frifst, und die Oekonomie des kurzen Betriebes hintanfetzen. to to 15. Ueber die anderen bei der Ausftellung befindlichen Pumpen mit rotirender Bewegung zu fprechen, würde zu weit führen, befonders, wo eigentlich Neues nicht geboten wurde. Als Anfänge der Eifeninduftrie in Italien mufs eine Pumpe von De Morfier e Mencotti in Bologna erwähnt werden, welche in ihren Details recht hübfch ausgeführt war und in der ganzen Dispofition das Beftreben zeigte, im Raume möglichft zu fparen. Direct hinter dem Dampfcylinder war eine Schwungradwelle eingelegt, welche zwei kleine fchwere Schwungräder mit Kurbelzapfen trug, von denen die Triebftangen zu dem Gleitftücke zwifchen Pumpen und Dampfcylinder gingen. Auf der Schwungradwelle war das Excenter gekeilt und die Bewegung durch einen Zwifchenhebel auf den über dem Cylinder liegenden Schieber übertragen. Aus der Reihe der gewöhnlichen, nach bekannten Principien conftruirten Pumpen mit Kraftbetrieb wollen wir die von Lehmann in Berlin, dem Erbauer der Calorimotoren, erwähnen; die Pumpen find nett conftruirt und für Riemenbetrieb eingerichtet. Es find liegende Pumpen für Keffelfpeifung und ftehende Pumpen für Schächte, Brunnen etc. Die Pumpen find Kolbenpumpen mit Lederftulpenlide rung conftruirt; die Ventile, auch Lederklappen, find geneigt angebracht, und zwar Saugventile und Druckventile oben. Direct über den Druckventilen ftand ein kleiner Windkeffel. Die Deckel für die Ventilkaften find, weil die Pumpen in fehr kleinen Dimenfionen ausgeführt find( 65 Millimeter Durchmeffer und 150 Millimeter Hub) durch vier Charnierfchrauben feftgehalten. Die beiden Rohre mündeten an entgegengefetzten Seiten. Die Pumpen ftanden auf einem kleinen fchwachen gufseifernen Bett, welches auf einem Ziegelfundamente ruhte. Die Führung der Kolbenstange gefchah in der Stopfbüchfe einestheils und in einem Auge anderntheils, welches von der gabelförmigen Triebftange umfafst war; auf der einen Seite der gekröpften Achfe war Feft und Losfcheibe für den Antrieb gekeilt, auf der anderen Seite ein kleines Spritzen und Pumpen. HG 0 27 28 Peter Zwiauer. Schwungrad. Für die beiden Riemenfcheiben war eine einfache Ausrücke vorrichtung angebracht. Die Pumpen gingen ziemlich ruhig, und wurden mittelft Riemen von den Calorimotoren derfelben Firma getrieben. Eine ähnliche Specialität war von Buffaud frères in Lyon gebracht. Kleine Speifepumpen für Dampfkeffel, an die Wand anzufchrauben. Der Pumpencylinder lag hinter dem Dampfcylinder. Die zweite Führung der Kolbenftange gefchah durch einen Kreuzkopf, der einfeitig conftruirt auf einer Gleitfläche an dem Wandbette lief. Excenter und Schwungrad, mit Kurbelzapfen, fafsen freitragend vor dem Lager auf der Achfe. Die Pumpe, als Kolbenpumpe conftruirt, hatte für Speifungen von kaltem Waffer Lederklappen, welche geneigt angebracht waren, und zwar die Druckventile über die Saugventile unter dem Cylinder. Ein Nachtheil der Conftruction befteht darin, dafs der Schieber fchwer zugänglich ift, denn man kann nur von oben oder von unten den Schieberkaften öffnen. Die Kolbenftange ift mit der Gabel zur Aufnahme der Triebftange aus einem Stücke gefchmiedet; hiedurch wird das Demontiren ziemlich erfchwert. Jeder einzelne Theil ist für fich an die Fundamentplatte gefchraubt und diefe wieder mit ftarken Schrauben an die Wand gehängt. Die Pumpe hat als Speifepumpe keinen Windkeffel und Saug- und Druckrohr fetzen fich unten und oben von den Ventilkaften fort Soll die Speifepumpe in warmem Waffer arbeiten, fo wird man wohl metallene Sitzventile ftatt der Lederklappen anwenden. Die ausgeftellten Pumpen zeichneten fich durch grofse Sorgfalt in der Ausführung aus und ift auch die Conftruction wohl durchdacht. Alex. Wilfon& Co. haben einfachwirkende Keffelfpeifepumpen, welche unter dem Namen Vauxhall- Donkey- Pumpen fehr bekannt find, und doppeltwirkende Pumpen ausgeftellt, deren Conftructionsprincip hier Erwähnung finden foll. Die Pumpen find fehr ingeniös conftruirt und in der Regel fo eingerichtet, dafs fie vertical oder horizontal an einer Wand zu befeftigen find. Die beiden Cylinder liegen in derfelben Achfe und ift der Pumpenplunger die Fortsetzung der Kolbenftange des Dampfkolbens. An der Kolbenftange ift durch einen kräftigen Bolzen ein Querftück befeftigt, welches in einem Auge fich an einer( an beiden Cylindern befeftigten) Stange führt, und trägt aufsen den Zapfen zur Aufnahme einer Triebftange. Ueber dem Dampfcylinder liegt eine kleine Welle, an welche aufsen eine Schwungfcheibe befeftigt ift, die auch den Kurbelzapfen trägt. Die Dampfvertheilung erfolgt durch einen Schieber, welcher von einer kleinen Kurbel am anderen Ende der Welle feine Bewegung erhält. Der Pumpen cylinder liegt unten und die Ventile find metallene Sitzventile, fo angeordnet, dafs Nachfehen und Ausnehmen fehr leicht ift. Bemerkenswerth ift aufser der wirklich compendiöfen Anordnung noch der Umftand, dafs die beiden Cylinder fammt dem kräftigen Bettftück, welches die gefammten Drucke aufzunehmen hat, aus einem Guffe find, fo dafs das Ausbohren der Cylinder auf einmal gefchieht und diefelben mathematifch- in einer Achfe find. Diefe wichtige Conftruction haben wir nirgends mehr gefunden, und müffen wir die Verwunderung ausfprechen, dafs man die vortheilhafte Neuerung fonft nicht angewendet hat. Bei den einfachwirkenden, den Donkey- Pumpen, haben die Conftructeure den Dampfkolben und den Plungerkolben, welcher die Kolbenftange bildet, aus einem Stück Bronze hergeftellt. Bei den doppeltwirkenden Pumpen haben fie die Kolbenftange aus Stahl gefertigt. Unter den Pumpen bekannter Conftruction befanden fich die von der Firma Hermann Lachapelle in Paris ausgeftellten Mafchinen für Wafferverforgungen, welche mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet wurden. Die Anord Spritzen und Pumpen. 29 nung der Pumpe mit Plungerkolben war derart, dafs die Schwungradwelle eines ftehenden Locomobils durch ein Zahnräderpaar die Kurbelwelle der Pumpen in Bewegung fetzt. Auf diefer Welle find zwei Kurbeln aufgefteckt, welche zwei einfachwirkende Pumpen zu beiden Seiten eines Ständers betreiben. Die Locomobile diefer Firma dürften längft fehr vortheilhaft bekannt fein, die Zufammenftellung mit einer folchen Pumpe hingegen weniger. Die beiden Stirnräder, Eifen in Holz arbeitend, find vielleicht das einzige Detail, welches zu Betriebsftörungen Anlafs geben könnte, denn die Zähne nützen fich ungünftig ab, und die Bewegung erfolgt dann mehr oder weniger ruckweife. Die Pumpencylinder find, wie erwähnt, fymetriſch rechts und links an einem hohlen gufseifernen Ständer befeftigt, deffen innerer Raum zugleich als Windkeffel dient und die Kurbeln der beiden Pumpen ftehen unter einem rechten Winkel. An der hinteren Seite find die Ventilgehäufe angebracht und der Ständer ift feparat an der gufseifernen Grundplatte befeftigt. Die geradlinige Bewegung wird durch die grofsen Stopfbüchfen, in welche der Mönchskolben geführt ift, genügend genau hergeftellt, und die Triebftange ift im Grunde des Mönchskolbens befeftigt. Um einen vollkommen gleichmässigen Wafferftrom zu erhalten, ift hinter dem Ständer ein Refervoir angebracht. Die Kolben, fowie die Stopfbüchfen find aus Bronze; die Fläche, auf welcher die Abnützung ftattfindet, auffallend klein, und laffen fich die Pumpen leicht controliren. Im Allgemeinen kann man von diefer Conftruction nur Rühmliches fagen. Namentlich find die Locomobilen für den Betrieb diefer Pumpen vor. züglich conftruirt, was übrigens in einem anderen Berichte befprochen werden wird. Die Ventile find Sitzventile und find leicht zugänglich; die Gehäufe find durch horizontale Deckel verfchloffen, nach deren Wegnahme man das Ventil unterfuchen und abnehmen kann Die Lager der beiden Wellen find mit Bronzefchalen verfehen und direct an den Ständer angegoffen. Die Bewegung wird von dem Locomobile aus verlangfamt, da die Kolbenpumpen keinen fehr rafchen Gang vertragen. Die bei der Ausftellung thätig gewefene Pumpe hatte, obgleich diefelbe nicht fo lange Zeit lief, fchon jene ruckweife Bewegung, welche die Exiftenz der Zähne fo fehr gefährdet. Die Schuld daran trägt der Umftand, dafs das gröfsere Rad, das getriebene, Holzzähne hatte, diefe alfo gegen die Richtung der Holzfafer beanfprucht wurden. In Folge deffen verfchleifsen die Zähne leich ter, und wenn nicht mehr ihre regelrechte Form vorhanden ift, fo geht die Deftruction rafch vorwärts. Die California- Pumpe wurde von mehreren Ausftellern gebracht. Wilhelm Knauft in Wien hatte diefelben für Handbetrieb ausgeftellt. Die Pointe der Conftruction befteht darin, dafs ein Stück Leder zwifchen die Flanfchen des Ventilkaftens eingefpannt wird und aus demfelben Stück die Klappen fo gebildet find, dafs Klappen und Dichtungsring aus einem Stück beftehen; hiedurch wird natürlich ein ficheres Arbeiten erzielt. Das eine Lederftück liegt alfo zwifchen dem Deckel des Ventilkaftens und einem Zwifchenftücke, das zweite Leder ift zwifchen diefem und dem Cylinderftücke eingefpannt; Saug- und Druckventile liegen über dem Cylinder. Die letzteren find horizontal angeordnet, die erfteren find geneigt. Was den Antrieb der Pumpen anbelangt, fo hatte Knauft eine eigenthümliche Vorrichtung angewendet, mit einer ofcillirenden Achfe, in welche fäbelförmig gebogene Stücke eingreifen, an denen die Kolbenstangen befeftigt find. Die Vorrichtung ift nicht mehr neu, hat aber den Nachtheil, dafs die bewegten Theile fehr unzugänglich find. Die Pumpe für Handbetrieb wird an einen ftarken, feft eingerammten Block gefchraubt und die Röhren gehen dann nach unten und durch den Block zum Ausguffe. Die Bewegung erfolgte durch einen horizontalen Doppelhebel, deffen Drehzapfen in dem unteren Pumpenkörper gelagert war. 30 Peter Zwiauer. Alexander Schmidt in Zürich, der einzige Ausfteller von Pumpen aus der Schweiz, hat folche in Verbindung mit feinen rühmlichft bekannten Waffermotoren ausgeftellt, welche ebenfo wie diefe den Ruf diefes Conftructeurs beftätigen. Die Pumpen können durch den Waffermotor, als auch durch Riemenantrieb in Bewegung gefetzt werden. Sie unterfcheidet fich in Nichts von dem Waffermotor und kann ebenfo gut als folcher oder als Pumpe dienen. Der Cylinder derfelben ift. ofcillirend, und zwar um das Mittel des Hubes, in der Achfe. Die Zapfen rechts und links werden durch zwei Hebel, und nicht durch fefte Lager niedergehalten, Der Cylinder ofcillirt und bewegt fich dabei mit feinem unteren Gefichte, welches den Schieber bildet, auf einer Fläche, in der die Ein- und Ausftrömungscanäle ausgefpart find. Die Fläche ift ein Stück Cylinder, deffen Achfe das Ofcillationsmittel ift. Sie ftellt gleichfam den Schieber dar, während der fich darauf bewegende Cylinder den Schieberfpiegel bildet. Man kann alfo die Wirkung leicht einfehen. Durch ein an der Seite des Bettes anzufchraubendes Rohr kann die Pumpe faugen, durch den an dem hinteren Ende des Bettes ausmündenden Canal tritt das Druckwaffer aus. Die Kolbenstange treibt die gekröpfte Welle, welche zwei kleine, aber fchwere Schwungräder trägt. Eines derfelben dient bei der Pumpe zugleich als Riemenfcheibe. Die Fixirung des Cylindermittels gefchieht durch zwei Hebel, welche an den Lagern befeftigt find, die Zapfen des Cylinders umfaffen und hinter dem Cylinder durch ein Querftück verbunden find. Diefes wird von einer Schraube niedergehalten, aber durch zwifchengelegte Kautfchukfcheiben ist der Druck elaftifcher gemacht. Die Arbeit an diefen Pumpen ift fehr fchön und exact und ift Alles fehr feft conftruirt. Der Kolben der Pumpe hat keine Dichtung, fondern er ift ziemlich breit und in den Cylinder eingefchliffen. Eine folche Pumpe, in Verbindung mit dem Waffermotor als Kraftmafchine, war täglich mehrere Stunden in Thätigkeit. Eine ganz eigenthümliche Pumpe war in der amerikanifchen Abtheilung aufgeftellt, die Submerged Pump, eine Verarbeitung einer ältern Idee, welche, um das Steigrohr zu fparen, die Kolbenstange hohl conftruirt und als folches Spritzen und Pumpen. 31 benützt. Die Pumpe wird vorzugsweife als nicht faugende conftruirt und verfenkt man fie dann ganz unter das Wafferniveau. Die Anordnung derfelben ift fehr einfach. Im Brunnenfchachte wird ein feftes Gerüft eingebaut, an das der Cylinder vertical angefchraubt wird. Das Steigrohr als Kolbenftange geht über den Schacht hinaus und wird oben durch einen zweiarmigen Hebel in hin- und hergehende Bewegung verfetzt. Hiedurch wird das Waffer gehoben und fliefst an dem offenen umgebogenen Ende der Kolbenstange aus. Das Bodenventil in der Pumpe ift Saugventil und ein zweites im Kolben Druckventil. Es ift dem Berichterftatter unbekannt, dafs die Pumpe auch für Kraftbetrieb. eingerichtet wäre, doch als Handpumpe mag fie in Fällen, wo man fich auf eine primitive Förderung befchränkt, ganz angezeigt fein. Um das Roften der unter Waffer befindlichen Theile zu verhindern, find diefelben galvanifirt, was namentlich für Seewaffer fehr angezeigt erfcheint, da die Pumpen auch als Schiffsleck- Pumpen Verwendung finden. Die Pumpen find auch als doppeltwirkende conftruirt und haben zwei Saugventile, während das Druckventil im hohlen Kolben liegt. Die beiden Saugventile liegen unten am Pumpencylinder, eines im Mittel des Deckels, das andere in einem Canal, welcher zum oberen Ende des Cylinders führt. Die Pumpe wird, wie erwähnt, meiftens als nichtfaugend benützt und dann unter die Wafferoberfläche verfenkt; wenn fie faugen foll, fo wird der untere Deckel zu einem Rohranfatze zufammengezogen und an demfelben das Saugrohr befeftigt. Eine andere Erfcheinung auf dem amerikanifchen Gebiete waren die Mintzer Pumpen, welche fehr originell conftruirt und namentlich für unreine, dicke Flüffigkeiten beftimmt find. Es beftehen diefe Pumpen aus einem halben, innen ganz glatten Cylinder, in welchem fich um die Cylinderachfe zwei diametral gegenüberftehende Flügel, deren mittlere Lage die horizontale ift, bewegen laffen. Von der Achfe vertical geht eine Scheidewand nach abwärts, welche feft ift und die beiden Räume in zwei Hälften theilt. Die Bewegung der Flügel ift eine Ofcillation um einen Winkel von etwa 90 Grad. Die Achfe fetzt fich aufser dem cylindrifchen Gehäufe fort und trägt einen Hebel, mittelft deffen man diefelbe und alfo auch die an ihr befeftigten Flügel bewegen kann. Die Flügel fchliefsen möglichft genau den cylindrif chen Raum ab und die Kautfchukklappen, welche beide nach oben zu öffnen find, bilden zugleich die Dichtung gegen die Cylinderwand. Unten am Cylinder ift ein Saugrohr, deffen Mündung in den Cylinder getheilt ift und durch zwei Saugklappen verfchloffen wird; über der Achfe ift das Abflufsrohr. Selbftverftändlich kann bei einer fo einfachen Anordnung von einer grofsen Saugoder Druckhöhe nicht die Rede fein, weil zwifchen den Flügeln( welche gleichfam den Kolben vorftellen follen) und dem Cylinder nur Kautfchukdichtung ift, alfo unter den Flügeln kein beträchtliches Vacuum entſtehen kann. Die Wirkungsweife dürfte nun einleuchtend fein; wenn der Hebel von rechts nach links bewegt wird, fo wird der linke Flügel die obere Klappe offen haben und das Waffer wird durch diefelbe paffiren. Der rechte Flügel hat die Klappe gefchloffen und erzeugt Luftverdünnung hinter fich. Dadurch faugt er aus dem Saugrohr Waffer nach, während das über dem Flügel befindliche in dem Abflufsrohre ausläuft. Die bei der Ausftellung aufgeftellten Pumpen hatten fehr geringe Saug und gar keine Druckhöhe; diefelben arbeiteten fehr gut; wie die Leiftung der Mafchine bei gröfseren Höhen fein mag, bleibt zu unterfuchen. Da, wie erwähnt, die beiden Flügel keine eigentliche Dichtung gegen die Cylinderwand haben, fondern nur die Kautfchukftreifen an diefelbe möglichft genau paffen, fo ift felbft. verftändlich, dafs dabei immer Verlufte vorhanden find. Eine grofse Berechtigung haben die Pumpen für unreine Flüffigkeit, da eine Befchädigung und Undichtwerden des Kolbens oder der Ventile eben nicht vorkommen kann. Diefelben follen von der amerikanifchen Marine angenommen fein. 3 32 Peter Zwiauer. Aufser den auf der Ausftellung befindlichen ganzen Pumpen und Feuerfpritzen waren noch befondere Details ausgeftellt, welche ich der Vollständigkeit halber erwähnen mufs. Ich beginne mit dem Pifton Génefte à contraction von John Dewrance& Comp. in London. Es ift diefs ein Kolben für einfach wirkende Pumpen, der nur beim Aufgange wirkt, im Niedergange aber das Waffer durchläfst. Dewrance ging dabei von dem Principe aus. das Waffer nicht nur durch das Innere des Kolbens durchzulaffen, fondern auch am Umfange desfelben der Flüffigkeit freien Durchgang zu geftatten. Zu diefem Behufe ift die Dichtungsfläche nicht als ein Ganzes, fondern aus drei oder mehr Segmenten, welche zwifchen fich freien Raum laffen, hergeftellt, deren Anzahl fich nach der Gröfse des Kolbens richtet. Diefe Segmente haben an verticalen, radial liegenden Rippen Zapfen, um welche fich diefelben drehen können, und alle find in einem Ring, gelagert. Die Kolbenftange ift fehr dünn und am Kolben durch eine Mutter befeftigt. Ueber den Segmenten liegt ein Lederring, welcher nicht nur diefelben, fondern auch die Zwifchenräume bedeckt und zugleich die Dichtung gegen die Cylinderwand bildet. Die Wirkung diefes Apparates ift nun klar. Der Kolben finkt durch fein eigenes Gewicht nieder. Dabei hebt fich die Lederplatte von den Segmenten ab und diefe haben Raum, fich um ihre Achfe zu drehen und fächerartig aneinander zu legen. Sie bilden dann einen fchwachen Trichter nach oben. Dann ift der ganze Umfang dem Durchgange des Waffers frei. Aufserdem kann dasfelbe noch durch die in den Segmenten befindlichen Oeffnungen treten. Hat der Kolben feinen Weg zurückgelegt, fo fallen die Segmente durch ihr eigenes Gewicht, fowie durch die darüber laftende Wafferfäule wieder in ihre urfprüngliche Lage zurück, wo die oberen Flächen eine Ebene bilden, auf welche fich der ftark armirte Lederring legt und fo den Abfchlufs bewirkt. Im Aufgehen des Kolbens wird dann unten gesaugt und oben gedrückt. Die Kolbenstange ift nur auf Zug beansprucht, defshalb fehr dünn und kann, wie der Conftructeur angiebt, durch ein Seil oder eine Kette erfetzt werden. Durch feine eigenthümliche Conftruction empfiehlt fich diefer Kolben vor Allem für fandiges Waffer, welches eine metallifche Liderung bald zerftören würde. Die Segmente find für gröfsere Kolbendurchmeffer als 150 Millimeter aus Gufseifen; nur der Ring, in welchem fie gelagert find, ift aus Bronze hergeftellt. Die eigentliche Klappe ift aus Leder oder Kautfchuk und durch einen Ring an dem Kolbenkörper befeftigt. Ein zweites fehr intereffantes Detail find die von Civilingenieur Alexander Friedmann ausgeftellten Ventile, welche anfänglich für Schiffsleck- Pumpen verwendet waren, nun aber allgemeinere Anwendung finden dürften. Diefelben find, wie aus der beiftehenden Figur erfichtlich ift, im Wefentlichen aus zwei übereinander liegenden conifchen Sitzventilen combinirt, und zwar fo, dafs das untere Ventil feine Führung im Ventil befitzt, das obere in einem Angufs am Deckel des Gehäufes hat. Beide Ventile können fich felbftftändig heben, meiftens aber werden fie in gleichem Abftand von einander aufgehen. Schliefst fich das untere Ventil, fo ift die zwifchen beiden befindliche Luft ein elaftifches Mittel, welches das harte Zufchlagen des oberen verhindert. Die Ventile gewähren den Vortheil, dafs man fie für jede Flüffigkeit benützen kann, denn Unreinigkeiten werden wahrfcheinlich nicht zu gleicher Zeit auf beiden Ventilfitzen aufliegen, fo dafs das eine oder das andere ziemlich ficher fchliefst. Friedmann hatte in feiner Fabrik eine mit folchen Ventilen verfehene Pumpe aufgeftellt, welche allen Anforderungen entſprach und aufserordentlich ruhig ging. Selbft die Probe, die Pumpe anftatt in Waffer in Luft laufen zu laffen, um zu fehen, ob Ventile und Kolben auch luftdicht gingen, gab fehr befriedigende Refultate, und es wäre zu wünſchen, dafs diefe Ventilconftruction allgemeineren Eingang finden würde. adioDiefs wären die wichtigften Erfcheinungen auf dem Gebiete ftabiler Pum pen. Es erübrigt nur noch, die Dampf- Feuerfpritzen als Kolbenpumpen einer R Spritzen und Pumpen, 33 Q V N B M A Betrachtung zu unterziehen. Nächft Merryweather& Sons, deren Dampffeuerfpritzen- Syftem wir fchon betrachtet haben, waren Feuerfpritzen von Shand Mafon& Co. in London ausgeftellt. Abweichend von den Spritzen von Merryweather, haben diefe ihre Pumpen theils horizontal, theils vertical, immer mit rotirender Bewegung eingerichtet, von dem Standpunkte ausgehend, dafs gerade bei kleinen, fchnell laufenden, unter hohem Druck arbeitenden Pumpen eine Hubbegrenzung durch den Kurbelmechanismus nothwendig fei. Um nun aber doch an Raum zu fparen, wenden Shand Mafon& Comp. folgende Conftruction an. Der Dampfkolben hat zwei Kolbenftangen, deren Verbindungsebene durch die Achfe geht und circa unter 45 Grad geneigt ift. Die beiden Kolbenstangen greifen direct an den hohlen Plungerkolben an, welcher in einem Gelenk im Grunde der Höhlung die Triebftange aufnimmt. Dadurch wird bei gröfserer Länge der Triebftange doch an Platz gefpart und nicht viel mehr gebraucht als bei dem anderen Syfteme. Die Achfe mit dem Schwungrade liegt alfo zwifchen den beiden Cylindern und ift für jeden Dampfcylinder gekröpft. Die Steuerung gefchieht durch Excenter oder kleine Kurbeln, und es liegen die Schieberkaften den Cylindern zur Seite oder über denfelben blod Shand Mafon& Co. bauen drei verfchiedene Syfteme von Pumpen, eincylindrige verticale, zweicylindrige horizontale und dreicylindrige verticale ( Equilibriummafchine). Es lag die Idee fehr nahe, eine Pumpe mit drei Cylindern zu conftruiren, da hiedurch die Bewegung fehr gleichmäfsig wird, erftens das Schwungrad erfpart ift und zweitens ein conftanter Wafferftrahl erzielt wird. Die 3* ப 34 Peter Zwiauer eincylindrige und die dreicylindrige Spritze deren Maſchinen vertical angeordnet find, haben diefelben hinten am Keffel angefchraubt. Hiedurch wurde es noth wendig, die Feuerung zur Seite zwifchen die Räder zu verlegen. Die ganze hintere Seite, welche fonft geftattete, auch während der Fahrt zu feuern, wird nun von den Cylindern, von den Windkeffeln etc. eingenommen. Vor dem Dampfkeffel find Sitze für die Bedienungsmannfchaft und der Schlauchkaften etc. Der Keffel fteht vor der Hinterachfe und die ganze Mafchine wird von kräftigen Rahmen mit U förmigem Querfchnitt getragen, die auf ftarken Blattfedern ruhen. Die Räder haben je nach der Befchaffenheit des Bodens, auf welchem die Dampffpritze fahren foll, entweder breite gufseiferne Kränze und fchmiedeiferne Arme oder find aus Holz, mit aufgezogenen fchmiedeifernen Laufkränzen. Der Keffel, welchen Shand Mafon& Co. anwenden, ift ein eigenthümlicher, mit einer Anzahl geneigter Röhren verfehener ftehender Keffel, welcher von diefer Firma zu allen möglichen Zwecken benützt wird. Derfelbe hat die Hauptfeuerungsthüre zwifchen den Rädern bei den ein- und dreicylindrigen; nur für die Benützung während der Fahrt ift noch hinten eine kleine Thüre angebracht, durch welche von dem Fufsbret aus gefchürt werden kann. Der Kohlenbehälter ift gerade unter dem Vordergeftelle des Wagens angebracht. Bei den horizontalen. zweicylindrigen Mafchinen liegt die Mafchine zwifchen den Rahmen, vor dem Keffel. Die Hinterwand derfelben ift frei und die Feuerung wird von dem Fufs bret auf welchem noch der Kohlenkaften angebracht ift, beforgt. Der Abdampf wird von den Dampfcylindern in den Schornftein geleitet, um den Zug durch den Keffel zu erhöhen. Um auch bei der ein cylindrigen Feuerfpritze das Schwungrad, welches gewifs ein ftörendes Moment bei der Bedienung wäre, zu eliminiren, wenden die Conftructeure einen zweiten Cylinder an, der in eigenthümlicher Weife den todten Punkt in der Kurbelbewegung aufhebt. Es ift nämlich in der Achfe des Schieberkaftens gegen vorne ein kleiner Cylinder angefchraubt, in dem ein auf der Schieberftange befeftigter Dampfkolben fich bewegt. Die Bewegung des Hauptfchiebers gefchieht hier nicht durch ein Excenter, fondern durch eine kleine Kurbel, und die Bewegung wird durch einen kleinen Kurbelrahmen auf die Stange übertragen. An dem Schieberrahmen des Hauptfchiebers ift ein Anfchlag angebracht, welcher auf einen kleineren Schieber wirkt und diefen ruckweife bewegt. Diefer Schieber läuft auf einer Fläche fenkrecht zur Fläche des Hauptfchiebers. Die Kurbel des Hauptfchiebers ift unter einem Winkel von etwas mehr als 100 Grad gegen die Hauptkurbel geftellt, und die Wirkung des ganzen Syftemes ift alfo die, dafs der Hilfskolben beinahe in der Mitte feines Hubes ift, wenn der Mafchinenkolben an feinem todten Punkte fteht. Geht der Mafchinenkolben gegen die Mitte feines Hubes, fo fteht der Hilfskolben und alfo der Hauptfchieber am Ende feines Weges. Er hat auf einem Stücke Weges den Hilfsfchieber mitgenommen und die Dampfvertheilung für den Hilfskolben eingeleitet. Die Anwendung eines Schwungrades ift alfo überflüffig, denn die Mafchine hat keinen eigentlichen todten Punkt. Im Wefentlichen aber ift die ganze Conftruction nur eine etwas vereinfacht: Form einer zweicylindrigen gekuppelten Maſchine mit ungleichen Cylindern. Die Ausftrömung des kleinen Kolbens mündet in die Ausftrömung unter dem Hauptfchieber und ift durch einen im Gufs gefparten Canal hergeftellt. Die Einftrömungen gehen zur einen Seite durch den Schieberkaften- Deckel, zur anderen Seite durch ein Kupferrohr. Beide Maſchinen, die Hauptmafchine, fowic die Hilfsmafchine haben Kurbelrahmen, deren Fortfetzung bei der Hauptkurbel die Kolbenstange des Pumpen cylinders bildet. Der Hilfsfchieber wird von dem Hauptfchieber- Rahmen nur immer ein kurzes Stück des Weges mitgenommen, die Canäle find ziemlich klein, alfo auch die Schieberbewegung unbedeutend. Bei der eincylindrigen Mafchine, welche Spritzen und Pumpen. 35 auf der Ausstellung war, ftand die Mafchine vertical und ftatt der kleinen vorer. wähnten Kurbel war ein kleines Excenter angebracht, welches fowohl die Steuerung des Hauptfchiebers als auch die Hilfswirkung auf die Welle zu beforgen hatte. Bei den Mafchinen mit zwei und drei Hauptcylindern fällt felbftverſtändlich diefe Einrichtung weg, denn diefelben haben keinen todten Punkt mehr. Solche eincylindrige Mafchinen find im Befitze der Städte Wien und Peft, und follen fehr zufriedenftellende Refultate geben. Die fämmtlichen Pumpen von Shand find mit Speifepumpen fowohl als Injectoren verfehen, welches von grofser Vorficht zeigt. Diefe Beftandtheile, fowie fämmtliche Keffelarmaturen find von Kanonenmetall, und die Ein- und Ausftrömmungsrohre find Kupfer, beide für die grofsen Cylinder gemeinfchaftlich. Die Mafchinen können 30 bis 200 Touren machen. Ziehen wir aus den Betrachtungen über diefe Pumpen einen Schlufs, fo müffen wir uns geftehen, dafs durch die Kurbeln, Excenter mit ihren Lagern und Büchfen ein gewifs nicht unbeträchtlicher Theil der aufgewendeten Dampfarbeit durch Reibungswiderstände verloren geht. Jedenfalls aber haben diefe den Vortheil, dafs man eine genaue Hubbegrenzung hat und, falls etwas an der Mafchine in Unordnung fein follte, auch durch Drehung der Achfe von Hand die Pumpen leicht in Gang bringen kan was bei den direct wirkenden Pumpen faft unmöglich ift. Ift bei den Spritzen ohne rotirende Bewegung etwas feft geworden, fo ift es fchwer, dem Uebel ohne Dampf abzuhelfen, und dann gehört grofse Vorficht dazu. Doch dürfte bei ordentlicher Wartung diefer Unfall nicht oft vorkommen. Vergleichen wir nun die beiden Syfteme gegeneinander, fo finden wir, dafs jedes derfelben feine Vorzüge hat, welche eben nach Umftänden höher oder geringer anzufchlagen find. Je nachdem man alfo gröfsere Sicherheit gegen das Feftfetzen der einzelnen Theile und durch genaue Hubbegrenzung und geringere fchädliche Räume geringeren Dampf, refpective Kohlenverbrauch ver langt, fich dagegen das Unangenehme, was die gröfsere Complicirtheit diefer Pumpen mit fich bringt, gefallen laffen will, fo verdient die Spritze von Shand Mafon& Co. den Vorzug; will man Einfachheit im Mechanismus, wie diefe bei den Spritzen von Merryweather geboten wird und durch fleifsiges Nachfehen der Kolben ein Feftfetzen derfelben vermeiden, dagegen einen etwas gröfseren Dampfverbrauch( derfelbe ift nur nach Percenten zu meffen), fo wähle man das Syftem von Merryweather& Sons. Noch einer Dampf- Feuerfpritze haben wir zu gedenken, welche im deutfchen Annex ftand, und von Lange& Gehrckens in Ottenfen ausgeftellt war Es ift diefs eine dreicylindrige horizontale Spritze mit rotirender Bewegung. Die Schwierigkeit, die Schwungradachfe in die Mitte zwifchen Dampf- und Waffercylinder zu legen, ift durch Anwendung von Kurbelrahmen behoben. Die Anordnung der übrigen Theile ift fehr ähnlich der Spritze von Shand Mafon& Comp. Die Belaftung durch den Keffel fällt direct auf die hintere Achfe. Feuerthüre und Kohlenbehälter find felbftverſtändlich hinten angebracht, um von dem Fufsbret aus die Feuerung zu beforgen. Diefs find die ausgeftellten Syfteme von Dampffpritzen mit Kolbenpumpen. Wir werden fpäter noch einer Dampffpritze begegnen, welche nach ganz anderen neuen Principien conftruirt ift, und fchliefsen hiemit den Theil über Kolbenpumpen ab. Die fchon bei der Cameron'fchen Pumpe erwähnte Firma Whitley Partner hatte ein fehr intereffantes Pumpendetail ausgeftellt, die Field'fchen Lippenventile. Diefelben beftehen aus zwei runden Kautfchuktrichtern, welche aus ziemlich ftarken Platten gefchnitten werden und an dem inneren Umfang durch uförmige Ringe umfasst werden. Die Kautfchukklappen haben ftets die Neigung, ihre conifche Form einzunehmen. Daran find fie dadurch verhindert, dafs man beide gleich ப 36 Peter Zwiauer. grofse Trichter durch eine centrale Schraube gegeneinander drückt. Die Form wird dadurch verändert, und an dem äufsern Rand, an welchem fich die beiden Ringe berühren, ift ein gewiffer Druck vorhanden. Damit man die Trichter nicht zu ftark aneinander fpannen kann, find die beiden uförmigen Ringe durch 6 bis 12 Rippen mit einander verbunden, fo dafs die beiden Trichter einander nicht bis über ein gewiffes Mafs genähert werden können. Um das Aufftecken der ftarken Kautfchuktrichter zu ermöglichen, ift der uförmige Ring aus zwei Theilen, welche durch den Druck oder Zug der Centralfchraube genügend ftark aneinander geprefst werden. Die Wirkungsweife ift leicht einzufehen. Das Druckwaffer kommt in den inneren Ring. Ift die Spannung gröfser als der Druck der Ventilklappen gegeneinander, fo werden die Trichter aufgebogen und das Waffer hat eine Ringfläche zum Durchftrömen. Das Schliefsen der Ventile gefchieht, fobald der Wafferdruck nachläfst. Das dann eintretende Vacuum ift bei dem äufseren Drucke nun noch geeignet, die beiden Lippen noch fefter auf einander zu preffen. Die dem Durchgange des Waffers geöffnete Ringfläche ift, wenn die Trichter nicht zu fchwach find, ziemlich klein. Diefem Uebelftande kann man durch Anwendung mehrerer folcher Lippenventile, welche einfach über einander aufgeftellt und alle durch eine Zug- oder Druckfchraube aneinander geprefst werden, abhelfen. Diefe Anordnung bedingt ziemlich grofse Ventilgehäufe, aber das läfst fich bei diefer Conftruction nicht umgehen. b to aldatu Es ergibt fich auch noch der Uebelftand, dafs diefe uförmigen Stücke, in denen die Kautfchuktrichter eingeklemmt find, auf die Wand des Ventilgehäufes abgedichtet werden müffen, welche auch den Saugraum vom Druckraum trennen. Diefe Dichtung wird durch Bleiringe hervorgebracht, aber eben weil fie im Innern des Gehäufes, ift fie fchwer zugänglich und kann nur nach Wegnahme der Ventile erneuert werden. Sind mehrere Lippenventile übereinander angeordnet, fo mufs zwifchen je zwei auch wieder eine folche Packung eingelegt werden, die Uebelftände find alsdann noch vergröfsert. Allerdings hat die Conftruction dafür den Vortheil, dafs man fie für unreines Waffer anwenden kann, denn ein Sandkorn wird nur von den elaftifchen Platten zufammengedrückt, welche aber trotzdem dichten Schlufs erzielen. Die Anbringung diefer Ventile an einer Pumpe hat keine weiteren Schwierigkeiten. Am beften auf der einen Seite des Pumpencylinders die Saugventile, auf der anderen die Druckventile, welche ganz gleich conftruirt find. Nur find die Sitze derfelben verfchieden angeordnet. Wie erwähnt, werden hiedurch die Ventilgehäufe bedeutend grofs. Um die Ventile demontiren zu können, mufs der entfprechende Deckel des Gehäufes abgenommen, die Druck- oder Zugfchraube gelüftet werden, alsdann kann man die armirten Scheiben herausnehmen. sdio Die nächfte Kategorie von Pumpen, auf welche wir unfer Augenmerk richten wollen, eine alte Conftruction, welche fchon in den älteften Werken über mafchinelle Einrichtungen fich findet, find die Kettenpumpen. Die Kettenpumpe beſteht im Allgemeinen aus einer endlofen Kette, welche in gewiffen Abftänden kleine Teller oder Scheibchen an den Gliedern befeftigt hat, deren Ebenen fenkrecht auf der Längenachfe der Kette ftehen. Der eine Theil der Kette geht durch ein cylindrifches Rohr, in deffen lichten Querfchnitt die Scheibchen( Teller) möglichft genau paffen. Am oberen Ende diefes Rohres ift eine Spritzen und Pumpen. 37 Ausgufsöffnung angebracht, aus welcher die gehobene Flüffigkeit abftrömt. Die Bewegung des in dem Rohre befindlichen Theiles der Kette ift felbftverständlich die auffteigende. Um die Kette zu bewegen, ift diefelbe oben über ein Ketten. rad gefchlagen, welches genau der Form der Kettenglieder und Teller ent fprechende Vertiefungen an feinem Umfange hat. Wird diefes Rad in drehende Bewegung verfetzt( durch eine Handkurbel), fo folgt die Kette diefer Bewegung und geht durch das Rohr aufwärts, auf der andern Seite abwärts. In dem Brunnen, oder überhaupt in dem auszufchöpfenden Raume faffen die Scheibchen( Teller) Flüffigkeit in das Rohr,( welches in die Flüffigkeit taucht) und bilden alsdann kleine Kolben, welche aber, da keine befondern Dichtungen vorhanden find, keinen genauen Abfchlufs mit der Cylinderwand hervorbringen. Bis die Teller an das obere Ende des Rohres gelangen, ift felbftverständlich nur wenig Flüffigkeit gefolgt, doch wird das Zurückbleibende von den nachfolgenden Scheibchen aufgenommen. Dafs der Wirkungsgrad einer folchen Pumpe nicht fehr grofs ift, liegt auf der Hand, doch haben fie ihre Berechtigung zum Schöpfen von fehr unreinen, confiftenten Flüffigkeiten( Jauche, dickflüffige Maifche etc.), weil kein Theil an der einfachen Mafchine vorhanden ift, der fich verftopfen könnte oder durch Verunreinigung leiden würde. Für diefe Zwecke ift es fchwer, gute Pumpen zu bauen, und find alsdann höchftens Schieberpumpen noch anwendbar. Jeden. falls find die Kettenpumpen nur dort zu empfehlen, wo man nicht fehr hohe Anfprüche an die Kraftverwerthung macht. Ausgeftellt war diefe Pumpe oder eigentlich nur das Gehäufe mit dem Kettenrade von der amerikanifchen Firma W. B. Douglas durch John G. Rollins& Comp. in London, aufserdem von J. Warner& Sons in London. Bemerkenswerthes ift an beiden Conftruc tionen nichts. Die nun zu befprechenden Pumpen find die rotirenden. Es waren diefe von allen Ländern in grofsen Mengen ausgeftellt, erhoben fich aber nur felten über das Niveau des Bekannten. Obgleich erwiefen ift, dafs die Centrifugalpumpen faft immer einen geringeren Nutzeffect haben als Kolbenpumpen und nament lich durch die grofse Umfangsgefchwindigkeit fehr oft Anlass zu Mifslichkeiten durch die Zapfen geben, dafs ferner auch fehr ftarke Vibrationen entſtehen, fo wird doch diefe Pumpe mehr angewendet als fonft irgend eine, weil fie einige aufserordentliche Vortheile bietet im geringen Anspruch an Raum und in der grofsen Ausdehnbarkeit der Leiftung durch Vergröfserung der Umfangsgefchwindigkeit. Die Nachtheile können unter Umständen verfchwindend fein gegen die Vortheile, wenn man bedenkt, wie grofs Unterfchied an Raum und an Kapital bei einer Centrifugal- und einer Kolbenpumpe für gleiche Leiftungen ift. Es ift alfo erklärlich, dafs diefe Pumpen in grofser Anzahl ausgeftellt waren. Was die Con ftruction anbelangt, fo war faft durchgängig das bekannte Syftem vertreten, von Rädern mit gekrümmten Schaufeln und gekrümmten Seitenwänden, wobei die Einftrömung im Innern des Rades gefchah, während die Ausftrömung tangential auslief. Was die Schaufelform anlangt, fo dürfte wohl kaum noch fo arg gefündigt worden fein, als mit den Schaufelcurven. Man konnte die allerverfchiedenften Conftructionen fehen. Eine ganz eigenthümliche Conftruction hatten die von der Firma Nagel und Kaemp in Hamburg ausgeftellten Centrifugalpumpen mit äufserem Leitfchaufelapparat und radialem Austritte, eine mit verticaler, eine mit horizontaler Achfe. Die Anwendung des Leitfchaufelapparates bei Centrifugalpumpen bezweckt den Austrittsquerfchnitt je nach der Förderhöhe gröfser oder kleiner machen zu können. Nähere Auskünfte konnten und wollten die Herren Nagel& Kaemp über ihre Conftructionen nicht geben, weil fie für ihre Originalität fürchteten. Es war daher'dem Berichterstatter unmöglich, genaueren Einblick in die Conftruction zu 38 Peter Zwiauer. gewinnen. Intereffant bei diefen Conftructionen war der Mangel eines Bodenventils. Diefes ift durch eigenthümliche, von derfelben Firma erzeugte Ejectionsapparate erfetzt. Sobald die Pumpe in Gang gefetzt werden foll, wird der Ejector dazu benützt, das Saugrohr mit Waffer zu füllen, worauf die Pumpe anlaufen kann. Die Conftruction diefer Ejectionsapparate foll indefs in einem späteren Abſchnitte foweit beleuchtet werden, als es das geheimnifsvolle Dunkel, welches über den Producten diefer Firma liegt, geftattet. Eine andere, gleichfalls neue Conftruction bietet die Helicalpumpe, Patent Boulton& Imray, von Brotherhood& Hardingham, derfelben Firma, welche mit ihrer Paragon dreicylindrigen Dampfmafchine gerechtes Auffehen hervorrief. Diefe Pumpe war auch in Verbindung mit einer folchen Dampfmafchine in Thätigkeit und arbeitete bei geringer Tourenzahl fehr ruhig. Die Pumpe befteht aus einem Rade an deffen äufserem Umfange acht genau radial geftellte, gegen die Achfe etwas verdrehte Schaufeln angegoffen. Das Gehäufe um das Rad ift fo befchaffen, dafs der Canal in der doppelten Breite der Schaufeln fich von einem Punkte des Umfanges in einer Schraubenlinie um den ganzen Umfang herum zieht. Am Eingange liegt die freie Hälfte des Ca nales ganz unten an den Schaufeln, am Austritte ganz oben. Der Canal befchreibt alfo eine richtige Schraubenlinie. Er ift, fobald er fich dem Rade nähert, aus dem cylindrifchen Querfchnitt gegen den rechteckigen zugeführt und beim Austritte wieder in den cylindrifchen. Die Zapfen laufen in zwei Stopfbüchfen, und die Riemenfcheibe zum Antrieb fitzt freitragend. In Verbindung mit der dreicylindrigen Mafchine war die Aufftellung horizontal; unten das Pumpengehäufe, über welchem die Mafchine fituirt war, fo dafs die Kurbelwelle direct an die Achfe des Pumpenrades angriff. Die Pumpe ohne Mafchine ftand vertical, das heifst, die Achfe horizontal. Das Gehäufe beftand aus zwei Theilen und war aufserdem noch mit einem Deckel verfehen. Der untere Theil dient nur dazu, die Pumpe an ein Fundament zu befeftigen. Der gröfste Vortheil diefer Pumpe ift der, dafs, wie durch Verfuche bewiefen wurde, für die gleiche Leiftung die Umfangsgefchwindigkeit halb fo grofs ift, als die einer gewöhnlichen Centrifugalpumpe. In der englifchen Abtheilung der Mafchinenhalle war ferner von John& Henry Gwynne in London eine ganze Reihe von Centrifugalpumpen in den verfchiedenften Aufftellungen zu den verfchiedenften Zwecken ausgeftellt. Neben den gewöhnlichen Centrifugalpumpen für Riementrieb waren Schwingpumpen mit Dampfantrieb, welche bald. direct auf die Achfe eines Laufräderpaares gefetzt, bald auf einem Geftell, welches auf den Achfen der zwei Laufräder ruht, befeftigt waren. Auf ein gemeinfchaftliches, gufseifernes, hohles Bett war fowohl das Pumpengehäufe gefchraubt, als auch der Dampfcylinder einer kleinen Dampfmafchine. Die Achfe des Flügelrades war zugleich Kurbelwelle, und mufs alfo die Mafchine fehr bedeutende Gefchwindigkeiten annehmen. Die Achfe war gekröpft und an einer Seite war das Pumpenrad, an der andern Seite eine Riemenfcheibe, welche zugleich als Schwungrad dient, angebracht, um die Pumpe bei ausgehängter Triebftange auch durch Riemen in Bewegung fetzen zu können. Die Steuerung der Dampfmafchine war durch einen Mufchelfchieber bewirkt Die Mafchine war complet und die Triebftange war am Kreuzkopfe gegabelt. Diefer war in einer einfachen Schlittenführung und durch übergelegte Lineale am Abheben gehindert. Die Regulirung der Dampfzuleitung war durch einen von Hand zu bewegenden Schieber, wahrfcheinlich Gitterfchieber bewirkt; das Spritzen und Pumpen. 39 Pumpengehäufe ift durch eine zur Achfe fenkrechten Ebene getheilt, wodurch auch die Flanfchen des Ein- und Ausftröm- Rohrftutzens getheilt wurden. Ueber die Conftruction der Pumpen ift weiters nichts Befonderes zu fagen. Die ganze Mafchine fah äufserft kräftig aus, es war augenfcheinlich vermieden an den ein zelnen Theilen viele Linien zu haben, und das Bett glich einem maffiven Blocke. Um die lebendige Kraft, welche bei den vorkommenden Gefchwindigkeiten jedenfalls grofs wird, auf ein Minimum zu reduciren, waren alle bewegten Theile, als Trieb- und Kolbenftangen, Wellen etc., Wellen etc., von Stahl. Die hauptfächlichfte Verwendung finden diefe Pumpen bei OberflächenCondenſatoren aller Art, wo es gilt, grofse Waffermengen auf geringe Höhen zu fchaffen, was übrigens eine charakteriftifche Eigenfchaft der fämmtlichen Centrifugalpumpen ift. Die vorerwähnten Schwingpumpen, welche auf einem zweirädrigen Geftelle angebracht find, haben den Zweck, durch Pferde leicht transportirt zu werden, und wenn dann die Röhren angefchraubt find, in jeder beliebigen Lage und Neigung fofort arbeiten zu können. Der Antrieb erfolgt von einem Locomobil durch Riemen. Diefe Conftruction hat einen grofsen Werth für landwirth fchaftliche Anlagen, wo es fich um rafche Befchaffung gröfserer Waffermengen handelt, für Brückenbauten und zum Trockenlegen naffer Grundftücke etc. Diefelbe Firma baut auch fahrbare Dampf- Centrifugalpumpen auf eifernen Wagen mit Keffel etc. Leider war eine folche Mafchine bei der Ausftellung nicht vorhanden. Die Centrifugalpumpen mit Frictionsantrieb, welche von der Chemnitzer Mafchinen Baugefellfchaft, vormals A. Münnich, ausgeftellt wurden, verdienten Beachtung, infoferne diefelben fehr gut gearbeitet waren. Der Zweck der Pumpen ift, Bier oder Maifchen in einem Sudwerke zu heben, und es war eine Pumpe auch in Verbindung mit einem folchen ausgeftellt. Der Antrieb gefchah durch conifche Frictionsräder. Dadurch ift der Gang derfelben aufserordentlich ruhig. Die beiden Frictionsrollen find von Gufseifen, mit Lederfcheiben bezogen, welche gegen einander gedrückt werden. Die Pumpe ift auf einem gufseifernen Bett befeftigt, welches die Lage für die Achfen der Frictionsrollen bildet. Die Flügel haben die gewöhnliche Spiralenform, und muss nur bemerkt werden, dafs die Wafferzuführung nur auf einer Seite des Rades gefchieht, wodurch der Deckel, welcher in der Mitte vertieft ift, genau kreisrund ift, ohne an den Flanfchen der Rohre zu participiren. Dadurch ift die Demontirung fehr erleichtert; man braucht an den Rohren, um nachzufehen, nichts wegzunehmen. Ein fehr intereffantes Detail der Centrifugalpumpen, welches zu befprechen nothwendig erfcheint, find die Zapfen der Pumpe von J. Bernay, ausgeftellt an einer Pumpe von Owens and Comp. Der leitende Gedanke dabei ift folgender: Die Einftrömung in das Rad ift fymetriſch, der Saugraum liegt alfo zu beiden Seiten desfelben. Die Achfe ift dreimal gelagert. Auf einer Seite aufserhalb ift die Riemenfcheibe aufgekeilt, durch welche das Rad in Drehung verfetzt wird, während das andere Zapfenende in einem Lager läuft. Von dem Druckraume des Rades führt nun ein eingegoffener Canal in die Lagerbüchfe und von diefer eine kleine Nuth wieder in den Saugraum. Durch die Bewegung des Rades felbft wird wegen der Druckdifferenz von Saug- und Druckraum Waffer durch die Lagerbüchfe hindurchgetrieben. Es ift ein continuirlicher kleiner Wafferftrom, fo dafs ein Feftfetzen der Zapfen unmöglich ift. Früher waren anftatt der eingegoffenen Canäle Röhrchen angebracht, welche den Wafferzuflufs zu dem Achslager bewirkten, doch zeigte fich fchon damals der Vortheil diefer Conftruction. Die ganze Einrichtung ift doppelt vorhanden, für die beiden Lagerbüchfen in dem Gehäufe. Die dritte ift an einem feparaten Arme angebracht, alfo vollſtändig aufser dem Waffer. Das Gehäufe der Pumpe ift durch die Mitte getheilt, Saug- und Druckrohr- Flanfche ift zweitheilig. 40 120TH 248 -105320 650435 Peter Zwiauer. Spritzen und Pumpen. 41 Das Flügelrad ift auf beiden Seiten durch dünne Wände gefchloffen, zu deren Verftärkung innen am Umfange der Saugöffnung und aufsen am Umfange der Drucköffnung Ringe angegoffen find, welche die Wände des Druck- und Saugraumes nahezu berühren. Die Drucköffnung( das Abflufsrohr) kann, da das Waffer in einem cylindrifchen Ringe gefammelt ift, an irgend einer beliebigen Stelle des Umfanges angebracht werden. Einer Pumpe mufs hier erwähnt werden, welche von L. Moreau, Brüffel, ausgeftellt war. Die Bezeichnung derfelben war Pompes brevetées Syſtem Greindl. Der Antrieb erfolgte durch Riemen und fafs die getriebene Scheibe auf der Welle des gröfseren Rades. Auf der anderen Seite des Pumpengehäuſes befand fich ein Zahnräderpaar, von ungleichen Diametern, fo dafs eine Welle, fenkrecht über der Hauptwelle liegend, eine gröfsere Tourenzahl erhielt. Auskunft konnte der Berichterftatter über diefe Pumpe nicht erlangen. Dem Gehäufe nach fcheint es eine Combination von zwei Centrifugalpumpen zu fein, und würde dann den Uebergang zu einer ganz neuen Art zu den nach Root's Blowern conftruirten Pumpen bilden. Diefen begegneten wir allerdings nur in der amerikaniſchen Abtheilung; dort aber in ziemlich grofsen Mengen. Das leitende Princip bei der Conftruction diefer Pumpen beftand darin, durch zwei fchnell rotirende Räder, welche mit Unebenheiten auf ihrem Umfange ineinanderpaffen, einen luftverdünnten Raum zu erzeugen, welchem die Flüffigkeit folgt. Um eine gröfsere Saug- und Druckhöhe zu erreichen, müffen die Kolben, welche durch aufsenliegende Zahnräder mit einander ver: bunden find und im entgegengefetzten Sinne rotiren, fehr dicht gegen einander und gegen die Cylinderwand fchliefsen, was jedenfalls Schwierigkeiten bietet. Am Intereffanteften war die Dampf- Feuerfpritze Mockba von Charles Holly, durch Charles Churchill& Comp. in London ausgeftellt. Die Aufftellung der einzelnen Theile war der Aufftellung der Spritzen von Merryweather fehr ähnlich. Die Hauptlaft des Keffels ruhte auf der Hinterachfe, während ein kräftiger Rahmen von U förmigem Querfchnitte die ganze Mafchine trug. Die Räder waren nach dem Suspenfionsprincip conftruirt und hatten fehr fchwache Arme aus Rundeifen, die in den maffiven Kranz und in die Nabe eingegoffen waren. Vor dem Dampfkeffel befanden fich die beiden Dampfcylinder, ein Gehäufe bildend, welches dem eines Root'fchen Blowers fehr ähnlich war. In diefem Gehäuſe bewegten fich die beiden Kolben, wie in der beiftehenden Skizze angedeutet ift. Die Kolben find Räder mit je zwei gröfseren Erhöhungen und Vertiefungen am Umfange, von denen die erfteren durch eingelegte Stücke gedichtet werden. Zwifchen den Erhöhungen und Vertiefungen find Zähne angegoffen, um die Rotation der beiden Kolben zu erleichtern. Vor dem Dampfcylinder befand fich ein ähnliches Schutzgehäufe über einem Paar Stirnräder, mittelft deffen die rotirende Bewegung beider Kolben ausgeglichen, und die gefammte Kraft auf eine Achfe übertragen wird. In der Fortfetzung der kraftübertragenden Achfe folgten zwei Paare von Pumpencylindern, je mit einem Paar von aufsen liegenden gleich grofsen Stirnrädern zur Herftellung der entgegengefetzten drehenden Bewegung beider Kolben und zur Kraftübertragung. Die Pumpenkolben find ähnlich oder gleich conftruirt wie die Dampfkolben, nur find ihre Durchmeffer bedeutend kleiner. An der Keffelverkleidung ift aufser einem Robinfon'fchen Injector noch eine Speifepumpe angebracht, welche aber als Kolbenpumpe mit geradliniger Bewegung conftruirt ift, gleichfam, als ob der Conftructeur felbft der ganzen rotirenden Mafchine mit diefer Speifepumpe ein Mifstrauensvotum ausftellen wollte. Es ift diefs allerdings, ziemlich merkwürdig, warum gerade diefe Speifepumpe eine Ausnahme von den rotirenden Kolben machen mufste, und es fcheint, dafs das Vertrauen auf die Conftruction der Pumpe nicht gar fo grofs wäre. 42 Peter Zwiauer. Es wäre diefs allerdings das Ideal einer Mafchine, wenn man fich des rotirenden Syftemes überall bedienen könnte, da man alle Zapfen, Stangen, Geradführungen erfparen könnte und die bewegten Maffen, welche fo häufig Störungen veranlaffen, befeitigt wären; aber es fcheint, wie gefagt, diefes Ideal noch nicht erreicht zu fein. Der Berichterftatter vermuthet, dafs die Mafchine während der Ausftellung nie in Gang gefetzt wurde. Es wäre allerdings fehr intereffant gewefen, zu erfahren, wie grofs die Saughöhe ist, bis zu welcher die Mafchine arbeiten kann, fowie Tourenzahl etc. Es wäre wünfchenswerth gewefen, diefe Verfuche anzuftellen. Durch die rotirende Pumpe würde man den Windkeffel erfparen und die Wafferlieferung würde von felbft fehr gleichmäfsig. Die Spritze war fehr fchön gearbeitet und namentlich grofse Sorgfalt auf die blanke meffingene Keffelverfchalung gerichtet. Der Abdampf der Maſchine ging durch das Blasrohr in den Schornftein. Dafs diefe Pumpen mit zwei rotirenden Kolben auch bei geringer Tourenzahl Waffer lieferten, konnte man an den Handpumpen derfelben Firma fehen, welche im amerikanifchen Annexe des Induftriepalaftes aufgeftellt waren. Die Zahnräder zur Uebertragung der Bewegung auf den zweiten Kolben lagen in demfelben Gehäufe und müffen jedenfalls genau an die Wand des Gehäuſes anfchliefsen, denn fonft wäre ein grofser schädlicher Raum vorhanden gewefen. Die Dichtung war fehr gut, denn die Pumpen förderten nach wenigen Umdrehungen Waffer. Die Pumpen waren in mehreren verfchiedenen Gröfsen aufgeftellt, fämmtlich mit Handkurbeln zu bewegen. Die nächste Kategorie, welche zur Befprechung kommen foll, find die Dampfftrahlpumpen oder Injectoren. In der Menge, in welcher diefelben bei der Ausftellung vorhanden waren, zeigte fich die Wichtigkeit, welche diefe Mafchine heute hat. Es ift die einfachfte Art der Dampfpumpe und hat keine beweglichen Theile, welche Reibungsverlufte verurfachen könnten. Schon auf der Parifer Ausftellung 1867 war der Injector Giffard's bekannt geworden und ift derfelbe auch heute noch fehr im Gebrauche. In der Ausftellung war er von Sharp Sewart& Comp. in Mancheſter, von Schäffer& Budenberg in Buckau bei Magdeburg hauptfächlich vertreten. Die Geftalt desfelben ift heute noch unverändert, und obgleich manche Veränderungen vorgenommen wurden, fo blieb der Injector mit feinen Vortheilen und Nachtheilen derfelbe. Es ift bekannt, dafs Giffard die Düfe beweglich gemacht und ebenfo den Ueberfprung( overflow oder trop plein Raum) zum Verftellen eingerichtet hat. Später änderte er die Conftruction feines Injectors, obgleich derfelbe in feiner Wefenheit unverändert blieb. Aufser diefer Conftruction waren eine grofse Anzahl von fehr ähnlichen Conftructionen ausgeftellt, aber auch viele, welche bedeutend von demfelben abweichen. B Spritzen und Pumpen. 43 Am häufigften wurde der Friedmann'fche Injector namentlich an Locomotiven gefunden. Man fand ihn an franzöfifchen, an belgifchen, an ruffifchen, deutfchen und öfterreichifchen Locomotiven, weil er fich durch Einfachheit und. Leiftungsfähigkeit vortheilhaft auszeichnet. Der Unterfchied zwifchen dem Giffard'fchen und dem Friedmann'fchen Injector wird klar, wenn man bedenkt, dafs Friedmann, von dem Gedanken einer befferen Condenfation des Dampfftrahles und einer mehr fucceffiven Befchleunigung des Wafferftrahles ausgehend, zwifchen Dampfdüfe und Condenfationskamin eine Anzahl von Zwifchenröhren anbringt. Hiedurch wird der Zweck, den Friedmann im Auge hatte, vollſtändig erreicht. Es wird nämlich nach dem Zwifchenrohre( wenn, wie bei LocomobilB D A + ₹ 44 W Peter Zwiauer. F S D k K A A C Injectoren, nur ein folches angebracht ift) der aus der Dampfdüfe kommende, alfo vor dem Zwifchenrohre fchon theilweife condenfirte Dampfftrahl unter erneuerter Wafferaufnahme und Gefchwindigkeitsabgabe vollſtändig condenfiren. Die Aufnahme von Waffer gefchieht vor und nach dem Zwifchenrohre. Dadurch wird das Waffer nicht plötzlich mitgeriffen, fondern in conifchen, trichterförmigen Schichten ihm die Gefchwindigkeit des Dampfftrahles übertragen. Gleichzeitig wird dadurch auch die Condenfation vollſtändiger. Auferdem gebraucht Friedmann für gewiffe Fälle, um die Berührungsflächen von Dampf und Waffer zu vergröfsern, ovale ftatt runde Querfchnitte. Die langfame, fucceffive Gefchwindigkeitsänderung des Wafferftrahles gewährt den Vor theil, dafs wenige oder gar keine Verlufte durch Stofs oder Wirbelbildung eintreten, was bei den übrigen Injectoren nicht fo vollſtändig erreicht wird. Ein anderer, ziemlich häufig vorkommender Injector ift der Schau'fche, gleichfalls mit feftftehenden Düfen. Die Eigenthümlichkeit des Schau'fchen Injectors befteht in einer Communication zwifchen dem Ueberfprungraum mit dem Saugraum. Es foll dort eine zweite Wafferaufnahme ftattfinden. In den wefentlichen Theilen ift er folgendermassen eingerichtet. In die Achfe des Injectors mündet das Dampfrohr, welches fich in eine kurze Düfe verläuft. Seitlich mündet das Wafferrohr. In dem Rohr, in welches jetzt das Gemifch Spritzen und Pumpen, 45 NUUUUL von Dampf und Waffer eintritt, dem Condenfationskamin, erfolgt die Mittheilung der Gefchwindigkeit an den Wafferftrahl. Das Condenfationskamin ift mit der Fangdüfe aus einem Stücke; der Ueberfprungraum, durch den das überfprühende Waffer austreten foll, ift durch vier längliche Ausfchnitte gebildet. Das Kamin und die Düfe find in einem gufseifernen Gehäufe eingefchloffen, welches mit dem Raum vor dem Kamin in 46 Peter Zwiauer. freier Verbindung fteht. Es fcheint also die Abficht des Conftructeurs gewefen zu fein, in dem Ueberfprungraume noch eine zweite Wafferaufnahme zu veranlaffen. Diese Vorausfetzung wird aber nicht eintreten; denn ist im Ueberfprungraume eine gröfsere Spannung als im Saugraume, was in der Regel der Fall fein wird, fo kann kein Waffer mehr aufgenommen werden. Im entgegengefetzten Falle würde fchon vor dem Condenfationskamine foviel Waffer aufgenommen werden, dafs der Ueberfprungsraum eine gröfsere als die Saugfpannung zeigt. Hingegen hat die Conftruction den Nachtheil, dafs das Vacuum im Saugraume das Waffer im Ueberfprungraume abzieht, weil die Spannung im Ueberfprungraume gröfser ift, als die im Saugraume, fo dafs der Strahl Waffer verliert, anftatt nachzufaugen. Die Anwendung diefes Injectors ift gleichwohl nicht gering, namentlich wird er in Deutfchland mit Vorliebe angewendet. Die Form, in welcher er gegenwärtig ausgeführt wird, weicht nicht infoferne von der eben befprochenen urfprünglichen ab, als der Ueberfprungraum vom Saugraume getrennt ift, und auf die zweite Wafferaufnahme verzichtet wird. Die Regulirung des Ganges erfolgt durch das Wafferventil. Der Friedmann'fche Injector für Refervoirbedienung ift ganz dem für Keffelfpeifung analog conftruirt. Bei gröfseren Injectoren ift das Zwifchenrohr C B C L Spritzen und Pumpen. 47 wiederholt. Es wird dann das zweite Zwischenrohr zum selben Zwecke benützt, gegenüber dem erften, wie diefes gegenüber der Dampfdüfe. Schliefslich ist noch das Condenfationskamin, welcher dann die Propulfion des Strahles vollzieht. Friedmann verfieht das erfte Zwifchenrohr bei grofsen Injectoren mit fchraubenförmigen Zügen, durch welche er eine genaue centrale Richtung des Strahles erlangen will. In bisher unbekannten Dimenfionen führt Friedmann den Injector als Schiffsleckpumpe aus, mit vielen( bis 7) Zwifchenröhren. Die Wirkungsweife ift diefelbe, wie bei der Keffelfpeife und Refervoirinjectoren; nur leuchtet hier die Nothwendigkeit der Zwifchenröhren mehr ein. Die Apparate find bis zu 10.000 Cubik. fufs Leiftung per Stunde und per Atmoſphäre Dampfdruck conftruirt. In dem Wafferabflufsrohr ift bei folchen Apparaten in der Regel ein Ventil oder eine Klappe eingefchaltet, welches man leicht von Hand fchliefsen kann, um den Dampf zurückzufchlagen, fo dafs er durch das Saugfieb austreten mufs und diefes gründlich vor dem Verftopfen bewahrt, welches der gefährlichfte Umftand bei Schiffsleckpumpen ift. Häufige Anwendung findet der Friedmann'fche Injector zum Ausfchöpfen von Brunnen, Baugruben etc., nur mufs er dann ftets unter das Wafferniveau gelegt werden. Er ift dann ebenfalls mit einem Saugfieb und mit der erwähnten Vorrichtung zum Reinigen desfelben verfehen. Der Haswell'fche Injector ift eine etwas veränderte Art des Sellers'fchen. Die Dampfnadel ift beweglich und öffnet die Düfe mehr oder weniger weit. Ein Zwifchenrohr ift nicht vorhanden und bemerkenswerth mögen nur die in das Condenfationskamin gehauenen Nuthen fein, welche fowohl als Ringe, als auch der Länge nach bis ungefähr in die Hälfte des Kamins reichen. Durch die Nuthen beabfichtigt der Conftructeur eine vollständigere Mifchung von Dampf und Waffer zu erlangen; jedenfalls aber wird die Anordnung nicht unbedeutende Verlufte durch Reibungswiderstände verurfachen. Das Condenfationskamin ift auch hier aus einem Stücke mit der Fangdüfe, und der Ueberfprungraum fteht mit dem Saugraume in keiner Verbindung. Der Injector faugt auch und kann auf der Plattform der Locomotiven angebracht werden. Blancke's Injectoren find gleich den Haswell'fchen Variationen über den Seller'fchen. Auch fie haben eine Dampfnadel, welche den Dampfftrahl als Ring formt, um dadurch eine beffere Vereinigung mit dem Waffer zu erzielen. Der Blancke'fche faugende Injector unterfcheidet fich von dem vorher befprochenen dadurch, dafs eine zweite Wafferaufnahme vom Ueberfprungraume beabfichtigt, wefshalb in dem Schlabberrohr noch ein Saugventil angebracht ift; der nicht faugende Injector ift dem Schau'fchen nachgebildet. Doch haben auch fie, wie die faugenden eine zweite, ja fogar eine dritte Wafferaufnahme. Die zweite findet nicht im Ueberfprungraume ftatt, fondern es ift das Condenfationskamin von zwei Reihen kleiner Löcher durchbrochen, noch bevor der Saugraum abgefchloffen ist; die Conftruction läuft im Wefentlichen auf das Friedmann'fche Zwifchenrohr hinaus. Im Schlabberrohrftutzen ift ein Saugventil angebracht, durch welches die dritte Wafferaufnahme ftattfinden foll. Das Rohr von dem Stutzen foll in einem Wafferbehälter münden und Waffer bis zu 60 Grad Cels. aufnehmen können. 4 48 Peter Zwiauer. Paul Suckow in Breslau ftellte Originalconftructionen von Injectoren aus, welche in gar nichts Anderem beftanden als in Seller's Injector, nur mit dem Unterfchiede, dafs Condenſationskamin, Fangdüfe und die Dampfnadel fix und die Dampfdüfe einmal durch Zahnftange und Segment, ein zweites Mal durch heine Schraube auf der feften Spindel adder Nadel bewegt wird. Die Stellung der Düfe beſtimmt der Conftructeur je nach der Dampffpannung und giebt diefs am Segment zu erkennen. Einmal gefchieht der Dampfeintritt durch das obere Ende der Düfe, das zweite Mal durch eine Anzahl von kleinen Löchern in der cylindrifchen Wand der Düfe. Die erftere Conftruction heifst Paul Suckow, die letztere R. Mayer. Schäffer und Budenberg in Buckau ( Magdeburg) ftellten Injectoren von Schäffer'fcher Conftruction aus, bei welchen anftatt der Spindel des Sellerfchen Injectors die Düfe durch einen Handgriff an der freien Stelle des Düfenrohres bewegt wird. Offenbar das Original der Suckow'fchen Conftruction. Ferner ftellte diefelbe Firma, verticale Injectoren, Conftruction Delpêche, aus, an dem Alles Giffard war, mit Ausnahme der verticalen Stellung des Injectors. Der Schau'fche Injector von derfelben Firma zeigte uns keine wefentlichen Veränderungen. Er hat immer Condenfationskamin und Fangdüfe aus einem Stücke, und diefes fteckt in einem Gehäufe, an dem der Wafferhahn angegoffen ist. Nach den Angaben der Conftructeure foll auch der Dampfverbrauch geringer fein, als bei den übrigen Conftructionen. Raven& Zabel in Quedlinburg ftellten Injectoren aus, welche wieder genau die Eigenfchaften der Blancke'fchen faugenden Injectoren hatten. Von den englifchen Firmen fahen wir faft durchgängig nur Giffard'fche Injectoren, welche aber ohne Ausnahme irgend eine Verbefferung haben follen. Es ift nun noch der Borfig'fche Injector, welcher an der Eilzugsmafchine , Bismarck" angebracht war, zu erwähnen. Es iſt ein Seller'fcher Injector, mit beweglicher Düfennadel, aber feftftehendem Condenfationskamine und Fangdüfe. Der Injector ift nicht faugend, und es ift an ihm bemerkenswerth, dafs er nicht, wie die meiften Injectoren, fonft gleich hinter der Fangdüfe ein Ventil hat, fondern überhaupt nur das Speifeventil direct vor dem Keffel. Das Material, aus dem das Gehäufe gebildet, war Gufseifen, die Düfen aus Bronze. Es mag hier der Ort fein, um die Ejectoren zu befprechen, das find nämlich die Apparate, um durch die lebendige Kraft des ausftrömenden Waffers oder Dampfes Waffer zu heben. Ueber die Ejectoren, welche Nagel und Kämp zum Füllen ihrer Centrifugalpumpen anwenden, kann der Berichterstatter nichts fagen, da die genannten Herren keinerlei genaue Auskunft geben wollten. Der Wafferejector befteht im Wefentlichen aus einem langen conifchen Rohr, in welchem fich eine gewiffe Gefchwindigkeit des durchftrömenden Waffers e ntwickeln mufs. Führt man den Strom in der gleichen Richtung fort, fo wird er, plötzlich in einen weiteren Querfchnitt übergeführt, nicht anders können, als Spritzen und Pumpen 49 11 nach einer ftarken Contraction ein Vacuum zu erzeugen. Steht nun der Raum, in dem das Waffer ein Vacuum erzeugt hat, mit dem Saugwaffer in Communication, fo wird dasfelbe angefaugt, durch die lebendige Kraft des fliefsenden Waffers mit fortgeriffen, und weggeführt; fo tritt eben diefelbe Wirkung ein, die beim Dampf durch fein Gefchwindigkeitsmoment entſteht. Dem Dampf- Ejectionsapparat liegt diefelbe Idee zu Grunde, nur dafs noch die Condenfationswirkung hinzu kommt, welche die Saugwirkung nur vermehren kann. Aehnlich mag der leitende Gedanke bei der Conftruction der Jet- Condenfors ( Strahlcondenſatoren) fein, welche uns in zwei Geftalten begegneten. Gebrüder Decker haben für unterirdifche Wafferhaltungsmafchinen Strahlcondenfatoren ausgeführt, von denen aber dem Berichterstatter nur bekannt ift, dafs diefelben aus einem Syfteme fefter Düfen beftehen und ungefähr den verkehrten Weg des Injectors verfolgen. Das Waffer, welches man aus dem Druckrohre in Menge entnehmen kann, wird in den Raum des Dampfes eingeführt und die Pumpe ift fich felbft Luftpumpe, denn das gebrauchte warme Waffer wird in das Saugrohr geleitet, um von dort wieder den Weg durch die Pumpe zu nehmen. Einen auf demfelben Principe beruhenden Strahlcondenfator haben Gebrüder Körting in Hannover ausgeftellt. Es ift diefs auch gleichfam ein verkehrter Injector, und er befteht aus einer conifch fich verengenden Düfe, durch welche das Waffer einftrömt. Ein Zwifchenrohr und eine in der erften Düfe fixirte Nadel haben den Zweck, dem Waffer die genaue centrale Richtung zu geben und den Wefferzuflufs ringförmig zu geftalten, während von der Seite das Dampfrohr mündet. Der Dampf mufs die Wafferdüfe umgeben und tritt dann mit dem rafch ftлömenden Waffer zufammen. Das Gemifch kommt nun in eine Art von Condenfationskamin, in welchem fich aber eine bedeutende bauchige Erweiterung befindet. Hier fcheint die eigentliche Condenfation vor fich zu gehen. Von hier verengt fich das Rohr wieder und kommt fchliefslich auf den urfprünglichen Durchmeffer zurück. Die Condenſation ift fehr vollständig und die Volumsvermehrung durch den condenfirten Dampf beträgt ungefähr zwei Percent. Das mit dem Condenſator 4* 50 Peter Zwiauer. erreichbare Vacuum kommt bis auf 740 Millimeter Quecksilberfäule, doch mufs alsdann fehr reichlich kaltes Waffer auch mit etwas Gefälle dem Apparate zulaufen.( Ungefähr 12 Liter per Secunde und Pferdekraft.) Diefe Condenfatoren werden auch je nach ihren Gröfsen mit verfchiedenen Curven an den Düfen und am Condenfationskamine und mit verfchiedener Anzahl Düfen hergestellt. Es hat fich überhaupt bei den Verfuchen herausgeftellt, dafs der Gebrauch eines Strahlcondenfators die Luftpumpe vollſtändig erfetzen kann, wenn kaltes Waffer in gröfserer Menge zufliefst. Die ausgezeichnete Fähigkeit, ein bedeutendes Vacuum zu erzeugen, fichert dem Apparate feine Anwendung zu Vacuumpfannen in den verfchiedenen Branchen der chemifchen Induſtrie. Es ift auch klar, dafs fich dadurch dann Kohlenerfparnifs ergibt, wenn man gegen den Strahl condenfator eine gewöhnliche Luftpumpe nimmt. Es liegt auch die Möglichkeit eines vollkommeneren Vacuums vor, wenn alle Flanfchen und Packungen dicht hielten. Es zeigt fich aus verfchiedenen Atteften, dafs die Luftleere 24 Zoll, 632 bis 740 Millimeter betragen kann, welches jedenfalls eine fehr gute Leiftung zu nennen ift. Ausserdem gewährt die Anwendung des Strahlcondenfators den Vortheil, dafs man gar keine von den complicirten Apparaten, als Kaltwaffer- und Luftpumpen, benöthigt. Die Aufftellung der Con denfations Mafchinen wird eine wefentlich leichtere, weil der Condenſator jetzt faft gar keinen Platz beansprucht und überall hingeftellt werden kann; er verlangt gar keine Bedienung mehr, wenn der Wafferzuflufs einmal geregelt ift. Die Gehäufe der Condenſatoren find von Gufseifen, die inneren Theile, Düfen etc. von Kanonenmetall, und ohne jede innere Packung. Die Luftpumpen, welche nothwendig hier angereiht werden müffen, dürften wahrfcheinlicherweife ihre eingehendere Befprechung bei den meift hüttenmännifchen Fächern finden, für deren Zwecke fie dienen. Es waren ihrer auch nur wenige bei der Ausftellung zu finden. Vor Allem ragte im buchstäblihen Sinne des Wortes die grofs Gebläfemafchine hervor, welche die Werke Sir John Cockerill's in Seraing, Belgien, ausftellten. Es Spritzen und Pumpen. 51 war eine grofse Gebläfemafchine zur Bedienung eines Hochofens und von der Fabrik fchon in der enormen Zahl von 103 Exemplaren ausgeführt. Es iſt eine Kolbenpumpe, und foll vor Allem die Aufftellungsweife derfelben hier Beachtung finden. Man hat nämlich den Dampfcylinder unten hingeftellt und den Gebläfe cylinder auf einem Gerüfte von vier gufseifernen runden Säulen hoch angebracht. Die Dampfmafchine ift zweicylindrig nach Woolf'fchem Syfteme conftruirt. Von dem Querhaupte, welches die beiden Kolbenstangen und die Stange des Gebläfekolbens aufnimmt, gehen die Triebftangen aus und zu den koloffalen Schwungrädern hinab, in deren Naben die Kurbelzapfen eingefetzt find. Die beiden Kolbenstangen find fo an das Querhaupt befeftigt, dafs die Kolbenftange des Gebläfekolbens gerade in der Refultirenden der Kräfte angreift. Zwifchen den Zapfen der Triebftangen und den Kolbenstangen find die Führungsbacken angebracht, welche auf den Führungen, die an die Säulen angefchraubt find, gleiten. Für die Luftpumpen des Condenfators find zwei Balanciers wirkfam, die durch kurze Lenkftangen am Querhaupte befeftigt find. Die Lager für die gemeinfame Balancierachfe find in zwei Confolen gebohrt, welche an die Säulen angegoffen find. Man wird fich aus diefen wenigen Angaben ein Bild der Aufftellung machen können. Die beiden Dampfcylinder haben jeder für die beiden Cylinderfeiten getrennte Steuerungen, weil fonft die Dampfwege zu lang würden. Die Bewegung der Schieber erfolgte durch eine Welle, auf welcher mehrere unrunde Scheiben( Kämme) fafsen, fo dafs jeder Schieber fchneller aufgezogen wird, als durch Excenter, deren Anwendung nicht erlaubt war, weil die Schwungradwelle unter den beiden Cylindern in einem gufseifernen Kaften lag, auf welchem die Dampfcylinder ftanden. Auf der Schwungradwelle fafs ein Zahnrad, in welches mehrere gleich grofse Räder eingriffen, bis endlich die Welle des vierten Rades als Steuerwelle benutzt wurde. Der Gebläfecylinder war mit Lederklappen verfehen, welche in zwei Ringen oben und unten angeordnet waren. Die Druckventile waren von cylindrifchen Gehäufen umfchloffen, die mit einander durch ein Rohr verrbunden waren. Die Pumpe arbeitete ziemlich oft und ihr Gang ift bei den gerir.gen Gefchwindigkeiten aufserordentlich ruhig. Der Condenfator an der Mafchine lag unter den Cylindern und bildete einen Theil des vorerwähnten Kaftens, in dem auch die Lager der Schwungradwelle aufgeftellt waren. Eine Säule, wie fie zu der Mafchine verwendet wurde, war als rohes, ungeputztes Gufsftück ausgeftellt, und konnte man die aufserordentliche Reinheit des etwas phosphorhaltigen Guffes bewundern. Die zahlreichen Cannelirungen, die an den Capitälern und an den Ringen angebracht waren, die feinften Hohlkehlen und Platten waren ganz rein, obgleich man fie nach der Montirung in diefer Höhe nicht gut fehen wird. Der Berichterstatter befchränkt fich auf diefs Wenige, da die Mafchine von anderer Seite Beurtheilung erfahren wird. Eine liegende Gebläfemafchine für den Beffemerproceſs war von der Simmeringer Mafchinen- und Waggonfabriks- Gefellfchaft, vormals H. D. Schmid in Simmering, ausgeftellt und hatte die vom Civilingenieur Leyfer erfundenen und patentirten Ventilklappen. Diefelben waren conftruirt, um den grofsen Windverluften mit der gewöhnlichen Klappenanordnung abzuhelfen. Wie aus der nebenftehenden Zeichnung erfichtlich ift, haben die Klappen eine folche Anordnung, dafs fie fehr leicht zugänglich find und das Auswechfeln derfelben ohne irgend eine Demontirung des Deckels oder Cylinders gefchehen kann. Die Saugklappen haben eine gewiffe Neigung, fo dafs deren felbftthätiges Oeffnen und Schliefsen ohne Zuhilfenahme von Federn, Gegengewichten oder ähnlichen Armaturftücken erfolgt, Um die Durchgangsöffnungen zu vergrössern oder refpective die Anzahl der Klappen zu vermehren, find ftets mehrere in einem Gehäufe angeordnet, welches an die Cylinderdeckel befeftigt ift. ப 52 Peter Zwiau er. LK ODD 0000 0000 0 Spritzen und Pumpen. 53 Die Klappen beftehen aus Kautfchuk oder Filzfcheiben, welche mit Leder armirt find und auf dem Gitter der Unterlage auffitzen; fie find durch mehrere Schrauben an ihren Sitzen befeftigt. Die Vortheile diefer Klappenanordnung beftehen hauptfächlich in der leichten Zugänglichkeit der Ventile und im felbftthätigen Schliefsen derfelben. Mehrere Werke, bei deren Gebläfemaſchinen diefe Ventilanordnung angebracht wurde, atteftiren die gute Wirkfamkeit derfelben namentlich bei erhöhter Kolbengefchwindigkeit. Diefe Conftruction ift hauptfächlich für liegende Gebläfemafchinen, welche den Beffemerprocefs mit Wind zu verforgen haben, gedacht, doch kann fie auch für andere induftrielle Zwecke und auch für verticale Gebläfe ihre vortheilhafte Anwendung finden. Für den erftgenannten Zweck, bei welchem Windpreffungen von 25 und mehr Pfund per Quadratzoll vorkommen, ift die auftretende Winderhitzung durch die Compreffion fo bedeutend, dafs ein mit der Anwendung diefer Klappenanordnung verbundenes Verfahren zur Wafferkühlung des Cylinders ausgeführt wurde, da fonft durch die erhitzte Luft die Ventile und ihre Armaturen zu fehr leiden und zu fchnell ausgewechfelt werden müfsten. 54 L Peter Zwiauer. Z. B. war bei dem Beffemerwerke der k. k. Staatseifenbahn- Gefellſchaft in Refchitza die Lufttemperatur im Gebläfehaufe Temperatur des Kühlwaffers.. Zeitdauer der Charge in Minuten Maximal- Windpreffung in Wiener Pfund per I Quadratzoll. Temperatur des gekühlten Windes 26 Grad Celfius 4 27 32.5 26 85 Grad Celfius. Man fieht, dafs die Temperaturen fehr hoch fteigen können, wodurch die Ventile bedeutend leiden. Die Aufftellung war gekuppelt. Es waren zwei complete Dampfmaschinen, die durch eine Welle miteinander gekuppelt waren, nur dafs vorne in der Verlängerung der Kolbenstange noch der Gebläfecylinder angebracht war. Zwifchen den beiden Mafchinen war ein Schwungrad, um die Gleichförmigkeit der Bewegung zu erhöhen. Die Mafchinen hatten die früher von derfelben Firma üblich gewefenen Aufftellungen, auf einem Bette, welches aus zwei hohlen, unten offenen Balken aus Gufseifen bestand, welche bei den Geradführungen in einen zufammengezogen waren. Zwifchen den beiden Cylindern waren gemeinfchaftliche Geradführungen für die Kolbenftangen angebracht. Sämmtliche Führungen waren durch Schuhe gebildet, die durch zwei übergelegte Lineale vom Abheben gehindert waren. Die Druckleitungen beider Cylinder vereinigten fich unter denfelben in einem Rohre, wobei jedoch in jeder Rohrleitung Abfperrfchieber etc. eingefchaltet waren. Die Steuerung der Mafchine wurde durch zwei Schieber bewerkstelligt, wie man diefe unter der Bezeichnung, Mayer'fche Steuerung" kennt, und wie fie von diefer Fabrik auch fonft ausgeführt wurde. Die Arbeit an der Mafchine war, wie an den fämmtlichen diefer Fabrik, fehr exact und fchön und läfst fich nur das Befte fagen. Es bleibt von den Luftpumpen, welche im Allgemeinen befprochen werden müffen, noch die von Profeffor Daniel Colladon aus der Schweiz ausgeftellte zu befprechen. Der leitende Gedanke diefer Conftruction mag etwa folgender fein: Die bekanntlich eintretende ftarke Erhitzung der Luft durch die Compreffion mufs für einen regelrechten Gang der Mafchine aufgehoben werden, und es gefchieht diefs durch Wafferkühlung. Es kann auf zweierlei Arten erreicht werden: entweder durch Einfpritzung ins Innere des Cylinders, oder durch Kühlung der Wände, der Kolbenftange und des Kolbens in Folge continuirlicher Wafferzuführung. Bei der ausgeftellten Pumpe war das Letztere angewendet, das Erftere mag fchon aufgegeben worden fein. Der Antrieb der Pumpe gefchieht Spritzen und Pumpen. 55 durch Riemenfcheiben oder Zahnräder, von welchen die Bewegung, durch die Kurbel in eine hin- und hergehende verwandelt, auf die Koibenftange übertragen wird. Die durchgehende Kolbenftange ift hohl und trägt einen gleichfalls hohlen Kolben. Die Cylinderwand ift hohl, es circulirt in dem Zwifchenraume zwifchen den beiden Wänden kaltes Waffer. Der Kolben ift conifch gegen das Centrum zu erweitert, und find defshalb die beiden Cylinderdeckel gleichfalls conifch gebildet. In denfelben find die Druck- und Saugventile angebracht, und zwar in eigenen Gehäufen, nach deren Abnahme man die Ventile unterfuchen und etwaige Schäden ausbeffern kann. Die Sitze, fowie die Ventile find aus Bronze, und die erfteren in die Deckel ganz genau eingefchliffen. Die Kolbenftange ift in den Deckeln durch Stopfbüchfen mit Stulpliderungen dicht gehalten. Der Kolben ift aus zwei Theilen gebildet von Gufseifen und zwifchen den beiden ift die doppelte Stulpliderung. Die Kolbentheile find auf die Kolbenstange aufgefchraubt. Im Kolben befinden fich zwei hohle, ringförmige Räume, welche fowohl miteinander, als auch mit dem Innern der hohlen Kolbenftange communiciren und eine ausgebreitete Waffercirculation ermöglichen. Damit frifches Waffer continuirlich in das Innere der Stange komme, ift in diefelbe ein kupfernes Rohr eingeführt, welches fix bleibt, und alfo gegen die Kolbenftange eine relative Bewegung macht. Diefes Rohr ift von einem etwas gröfseren Rohre umgeben, welches gleichfam für das erftere den Cylinder bildet und in der Nähe des Kolbens durch eine Klappe verfchliefsbar ift. Die Verlängerung desfelben hat einen etwas geringeren Durchmeffer und endigt offen am Ende der Kolbenftange. Auf dem letztbefprochenen Rohr ift zwifchen den beiden Löchern im Kolben eine Scheidewand befeftigt. Die Wirkungsweife ift klar: Das fefte Rohr mit feiner relativen Bewegung taucht aufsen in einen Wafferbehälter und treibt bei jedem Doppelhub ein gewiffes Quantum Waffer in die Kolbenftange. Das Waffer tritt durch das fefte Rohr ein, paffirt die Klappe in dem umgebenden Rohre und gelangt fo an das vordere Ende der Kolbenstange, mufs feine Bewegungsrichtung ändern und die Kolbenftange bis zum Kolben kühlen. Nun trifft es auf die fefte Scheidewand, durch welche es gezwungen wird, in den Kolben einzutreten, beide Kolbenflächen zu kühlen, um durch die zweite Oeffnung vor der feften Scheidewand wieder in die Kolbenftange zu gelangen und endlich durch ein Röhrchen abzufliefsen. Die Anordnung ift fehr finnreich, denn die Menge des zugeführten Waffers richtet fich hiebei nach dem Volumen der comprimirten Luft, oder vielmehr nach der Anzahl der Kolbenhübe. Diefe, fowie die Luftpumpe, welche jetzt befchrieben werden foll, find für die Benützung der comprimirten Luft als Kraftträger, und beide find eigentliche Luftcompreffions- Mafchinen. Die Mafchine, welche jetzt behandelt werden foll, war von mehreren Firmen ausgeftellt, und ihre Unterfchiede find unwefentliche Aenderungen. Die Brünner Mafchinenfabriks- Gefellſchaft, vormals Th. Bracegirdle& H. A. Luz in Brünn, hatte eine Luftcompreffions- Mafchine ausgeftellt, welche als Typus gelten kann und defshalb ausführlicher befprochen werden foll. Die Mafchine bafirt auf der Vorausfetzung, dafs die Pumpe nicht in der Luft, fondern unter Waffer arbeiten foll, wodurch die fchädliche Erhitzung beim Comprimiren von felbft vermieden wird. Die Pumpe ift doppeltwirkend und der Cylinder trägt an jedem Ende einen gröfseren Ventilkopf, in welchem fich Waffer befindet. Die Ventile 5 56 Peter Zwiauer. 北 أفــــ beftehen aus Kautfchukringen, welche aber verfchieden geftaltet find. Der Druck. ring ift aus einer Scheibe hergeftellt, welche geringe Höhe hat( 15 bis 20 Millimeter); der Saugring ift aus einem Cylinder gefertigt, deffen Höhe etwa 100 bis 200 Millimeter beträgt und 15 bis 20 Millimeter ftark ift. Der Saugring liegt am äufseren Umfange eines Cylinders, der unten in einen Trichter ausläuft und in einer Spritzen und Pumpen. 57 conifchen Verjüngung endet. Die Ventilfläche ift gitterartig durchbrochen. Ift die Mafchine im Saugen, fo mufs fich diefer hohe Ring ausdehnen, um fich von dem Sitze nach aufsen abheben zu können, wie aus der Zeichnung erfichtlich ift. Der Druckring ift wie die gewöhnlichen Kautfchukventile befchaffen und hat auch die gewöhnlichen Functionen. Der ganze Cylinder und der untere Raum der Ventilköpfe ift mit Waffer gefüllt, fo dafs der Kolben niemals trocken gehen kann. In der Luftleitung mag irgendwo eine Erweiterung angebracht fein, um das mechanifch mitgeriffene Waffer abzufetzen. Diefes wird von der Maſchine durch eine kleine feitwärts angebrachte Pumpe erfetzt. Die Thätigkeit der Mafchine als Luftcompreffor ift jetzt klar. Es erübrigt noch, über die Anordnung der Dampfmafchine dazu etwas zu fagen. Zwifchen den Pumpen und dem Dampfcylinder ift eine Geradführung mit Querhaupt angebracht, an welchem die Triebftangen zum Schwungrad und eingehangen find. Der Dampfcylinder liegt vor der Geradführung, ift mit einem gufseifernen Kolben mit felbftfpannenden Ringen verfehen, fowie der Pumpenkolben. Die Schwungradwelle liegt knapp vor dem Dampfcylinder und die Schwungräder fitzen zu beiden Seiten der Welle. Die Kurbelzapfen find in den Armen eingefetzt. Die Steuerung der Mafchine gefchieht durch zwei Excenter, welche an Hebeln wirken, die ihren feften Drehpunkt im Geftelle haben und an deren Ende eine Zugftange die Schieberftange angreift. Die beiden Schieber find Mayer'fche, und wird aber die Mafchine fonft auch für Volldruck ausgeführt. Weil zu beiden Seiten des Bettes die Schwungräder liegen, fo mufste der Schieberkaften über dem Cylinder angeordnet werden. Die erfte diefer Mafchinen wurde bei dem Baue der Mont- Cenis- Tunnels verwendet und haben. fich diefelben ungemein rafch verbreitet. Auch von der Mafchinenfabrik Humboldt in Kalk bei Deutz war eine Luftcompreffions- Mafchine ausgeftellt, deren Luftcylinder derfelbe war, wie der der Brünner Mafchine, nur mit Plungerkolben verfehen, und alfo auf zwei Cylinder angeordnet. Die Details, fowie Ausftellung etc. waren genau wie bei der erfterwähnten Mafchine, nur follten eben die Kolben mit federnden Ringen vermieden und durch zwei Plungerkolben erfetzt werden. Man hat alsdann um eine Stopfbüchfe mehr dicht zu halten. An beiden Maſchinen ift durch eine kleine Pumpe beftändige Wafferzuführung als Erfatz des mitgeriffenen oder verfprühten Waffers. Die Claffe der nun zu befprechenden Mafchinen ift nothwendig die der Blower. Es find diefs im Allgemeineren Maſchinen mit zwei rotirenden Körpern, welche entgegengefetzten Drehungsfinn haben und mit Erhabenheiten und Ver. tiefungen ineinandergreifen. Bei gröfseren Gefchwindigkeiten entſtehen dadurch luftverdünnte Räume auf einer Seite und Ueberdruck auf der anderen Seite. Diefe Art von Mafchinen war fowohl von Oefterreich als auch von England ausgeftellt. In Oefterreich waren es G. Sigl in Wien und Carl Lenz in Wien, in England Thwaites& Carbutt, die einen Root's Blower mit dazu gehöriger Dampfmafchine ausftellten. Der Root's Blower befteht aus zwei Rädern, deren jedes zwei Flügel hat, die fich gleichfam auf einander abwälzen. Diefe Flügel find, wie der hier beigegebene Querfchnitt zeigt, aus Kreisbogen zufammengefetzt und aus Holz gebildet. Die find mit einer Schmiere bedeckt, welche lange feucht bleiben mufs und dadurch einen dichteren Ab. fchlufs bilden wird. Die damit zu erreichende Wind. preffung beträgt ungefähr I bis 2 Wiener Pfund per Quadratzoll. Dafs dasfelbe Princip auch auf Pumpen für Waffer angewendet werde, ift fchon gefagt. 5* wwwwwwwwww 58 Peter Zwiauer. Spritzen und Pumpen. Die Ventilatoren und Exhauftoren, welche bei der Ausftellung zu fehen waren, boten wenig Neues, und waren es meift Blechconftructionen. Die bekannten Ventilatoren von Schiele, mit faft radial geftellten Blech fchaufeln, waren in gröfserer Anzahl vertreten, desgleichen auch Exhauftoren. Die Exhauftoren find gemeinhin Ventilatoren, welche durch ein Rohr mit dem Raume in Verbindung flehen, aus dem Luft ausgepumpt werden foll. Die Conftruction befteht im Allgemeineren aus einem Flügelrade, welches zu beiden Seiten fenkrecht auf der Achfe durch Blechfcheiben gefchloffen ift. Die Lufteinftrömung gefchieht durch das Centrum, und wird die Luft am äufseren Umfange ausgeworfen. Die Schaufeln find bei Schiele's Exhauftoren gerade etwas aus dem Radius geftellt, nur die Enden radial. In den übrigen Fällen find diefelben etwas gekrümmt, doch nur fehr wenig. Die Flügelräder laufen in Gehäufen von Blech, welche fich auf einer Seite zu dem Abführungsrohr vereinigen. Die Umdrehungsgefchwindigkeiten bei diefen Mafchinen find fehr bedeu tend und betragen oft 1200 Touren. Bei diefen Umftänden erhält man fehr fchwer eine gute Conftruction der Zapfen und ift diefes die Hauptaufgabe des Conftructeurs. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. APPARATE DER CHEMISCHEN GROSSINDUSTRIE. ABDAMPF UND DESTILLIR- APPARATE FÜR LABORATORIEN UND PHARMACEUTISCHE ZWECKE, EISMASCHINEN UND APPARATE DER LEUCHTGASFABRICATION. ( Gruppe III.) BERICHT VON JOHANN STINGL, Präparator an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VFRLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. APPARATE DER CHEMISCHEN GROSSINDUSTRIE. ABDAMPF UND DESTILLIR APPARATE FÜR LABORATORIEN UND PHARMACEUTISCHE ZWECKE, EISMASCHINEN UND APPARATE DER LEUCHTGAS- FABRICATION. ( Gruppe III.) Bericht von JOHANN STINGL, Präparator an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. Die Mafchinen und Apparate, welche auf dem Gebiete der chemifchen Induftrie verwendet werden, waren auf der Ausftellung nicht in jenem Umfange vertreten, als es dem neueften Stande der Wiffenfchaft und dem wirklichen Zuftande der Induftrie entſprach. Es mag diefs zum Theile damit begründet fein, dafs in vielen Fällen in dér Anordnung und Conftruction der Apparate ein Fabriksgeheimnifs liegt; zum Theile aber auch darin feinen Grund haben, dafs viele derfelben ihrem Aeufseren nach fich nicht zu Schau- Objecten eignen. Dazu kommt noch, dafs mit wenigen Ausnahmen die betreffenden Fabriken nur die fertigen Endproducte zur Anfchauung brachten, ohne durch Modelle oder Zeichnungen die Methoden ihrer Fabrication zu verfinnlichen und doch ift nur diefe Art von Expofition entfcheidend über den Fortfchritt oder Stillftand eines Fabrica tionszweiges und bietet der Belehrung das weitefte Feld. Die Mafchinen, deren Fabrication an fich einen eigenen felbft ftändigen Fabrikszweig bilden, z. B. die Eismafchinen, Deftillirapparate, Gaserzeugungs- Mafchinen u. f. w., waren häufiger ausgeftellt. Es foll nun in diefen Blättern der Reihe nach über folgende Mafchinen und Apparate berichtet werden: 1) Ueber Apparate der chemifchen Grofs induftrie. 2) Ueber Abdampf- und Deftillirapparate für Laboratorien und pharmaceutifche Zwecke. 3) Ueber Eismafchinen und endlich 4) über Apparate der Leuchtgas- Fabrication. 2 S Johann Stingl. I. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. Unter den Erzeugniffen der chemifchen Grofsinduftrie fteht die Schwefelfäure- Fabrication fowohl ihrer Quantität als auch ihrer vielfeitigen Verwendung wegen zur Sulfat-, Soda-, Superphosphat- Fabrication u. f. w. an der Spitze. - Im Jahre 1867 wurden laut des Parifer Ausstellungsberichtes in England, Frankreich, Belgien, Oefterreich und Preufsen zufammen 6,300.000 Centner engliſche Schwefelfäure erzeugt. Diefe Menge ift im Verlaufe der letzten fünf Jahre riefig geftiegen. Man kann nun annehmen, dafs beiläufig 10 Percent der Gefammt Schwefelfäure direct aus natürlichem Schwefel erzeugt werden. Der bei Weitem gröfste Theil derfelben wird durch Röftung von Schwefelmetallen- Eifenkies, Kupferkies, Zinkblende, Lechen und Rohfteinen( Mansfeld) erzeugt, trotzdem im Jahre 1870, laut Wagner's Jahresbericht, 7,120.000 Centner Schwefel gewonnen wurden, der aber zum gröfsten Theile anderen Zwecken zugeführt wurde, als: zum Beftauben der Weinftöcke gegen die Traubenkrankheit( an 25 Percent der Gefammterzeugung) zum Schwefeln des Hopfens, zur SchiefspulverFabrication, zur Zündhölzchen- Fabrication, zur Erzeugung von Schwefelkohlenftoff, von Muffivgold, Ultramarin, Zinnober, zum Vulkanifiren von Kautfchuk u. f. w. Die Apparate, welche zum Ausfchmelzen und zur Raffination des natürlichen Schwefels verwendet werden, waren in der Ausftellung gar nicht vertreten. Die Firma Reis& Koch, welche jährlich 100.000 bis 120.000 Centner Schwefel in 16 Oefen nach Dujardin's Conftruction raffinirt, brachte grofse Stangen Schwefel konifcher Form zur Ausftellung, die mittelft eines finnreichen Apparates geformt werden.* Nach diefer kurzen Abfchweifung kehren wir zur Schwefelfäure- Fabrication zurück. Der folgenreichfte Fortfchritt in der Schwefelfäure- Fabrication war die gelungene Einführung eines rationell arbeitenden Kiesröftofens von Claude Marius Perret im Jahre 1833, mittelft deffen die eigene Verbrennungswärme der Kiefe, das find für Eifenkies nach Bode 1563 Grad Celfius, angenommen, dafs die aus den Bleikammern austretenden Gafe noch 6 Volumpercente Sauerstoff enthalten, benützt wird, um die weitere continuirliche Oxydation derfelben zu unterhalten, und der die Möglichkeit bot, die hiebei entſtehende fchwefelige Säure in der richtigen Menge( für den Betrieb) von fechs bis acht Volumpercenten und in continuirlichem Strome den Bleikammern zuzuführen. Einmal diefer Schritt glücklich gethan, wurden in kurzen Zeiträumen neue Rohmaterialien( Schwefelmetalle) für die Schwefelfäure- Fabrication nutzbar gemacht und folgten Verbefferungen des Röftofens, ja wurden folche, auf neuen Principien beruhend, gebaut. In folgender Tabelle follen die Verbrennungstemperaturen der für die Schwefelfäure- Fabrication wichtigen Schwefelmetalle und deren Zufammenfetzung angeführt werden, wie felbe aus einer gröfseren Zufammenftellung von Bode** entnommen find: * Siehe Ausftellungsbericht von Dr. A. Bauer. ** Bode: Beiträge zur Theorie und Praxis der Schwefelfäure- Fabrication. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. VerbrennungstempeFormel Schwefelgeratur Grad Celfius halt in Percenten Schwefelkies rein 2588 Fe S₂ 53.33 Schwefelkies mit 1, Gangart 2322 Magnetkies 2698 Fer Sg 39.5 Einfach Schwefeleifen 2725 Fe S 36.36 Rohftein 2810 Fe₂ S, Fe S 27.59 Kupferkies 2425 Cu₂ S, Fe, S 34.89 Kupferglanz. 1976 Cu₂ S 20 15 Kupferrohftein( Mansfeld) 2391 Cu₂ S, 2 Fe S 28.67 Spurftein( Mansfeld) 2161 5 Cu₂ S, 2 Fe S II'55 Zinkblende, reine 2850 Zn S 32.99 fchwarze 2815 3 Zn S Fe S " 33.77 Nickelkies 2551 Ni S 35.66 Kobaltkies 2572 Co₂ S3 44 44 Antimonglanz 2517 Sb Sg 28.52 Zinnkies 2456 2( Cu₂SFeS) SnS2 28.44 3 - Einen wefentlichen Einfluss auf die Ausdehnung der Anwendung von Kiefen zur Schwefelfäure Fabrication hatte die enorme Preiserhöhung des Schwefels feitens Siciliens im Jahre 1838; und obfchon bald das Schwefelmonopol aufgehoben wurde, hatte fich doch die Kiesverwendung fchon Bahn gebrochen und war aus den Verfuchsftadien herausgetreten in die praktiſche nationelle Anwendung. Dazu kam noch, bedingt durch den Fortfchritt der metallurgifchen Proceffe, dafs man anfing, kleine Mengen koftbarer Metalle aus bedeutenden Quantitäten von Schwefelverbindungen, z. B. aus gold- und filberhältigen Kupferkiefen, aus filberhältigen Kupferkiefen und Bleiglanzen etc., die hiebei einen Röftprocefs durchzumachen hatten, zum Theile mit Hilfe von Schwefelfäure, auf naffem Wege abzufcheiden, fowie dafs die Schadenerfatz- Koften wegen Vernichtung der Vegetation durch die in die Luft gehenden Röftgafe immer bedeutender wurden. Aus diefen Gründen bemächtigte fich die Metallurgie der Idee der Kiesröftöfen und verband mit ihren althergebrachten metallurgifchen Proceffen die Induftrie der Schwefelfäurefabrication, wodurch in vielen Fällen ein gröfserer Reingewinn refultirte( in Freiberg im Jahre 1870 gegen 60.000 Thaler) und die Umgebung der Hütten von den fchädlichen Gafen befreit wurden. Welchen Einfluss auf die Landfchaft die Verwendung der Kiesröftöfen gegenüber der früher üblichen Haufenröftung im Freien hat, das kann man am lehrreichften beobachten, wenn man die Umgebung der Okerhütte im Harz vergleicht mit der der Hütten bei Klausthal. Während hier auf einem grofsen Umkreife kein Baum und kein Gras gedeiht, trifft man dort Felder und Wiefen in nächfter Umgebung. Diefe Verbindung der Schwefelfäure- Fabrication mit metallurgifchen Proceffen machte den Schwefelkies zu einem gefuchten Mineral wegen feiner leichten Abröftbarkeit gegenüber von Kupferkies, Zinkblende und befonders Bleiglanz, deffen für die Schwefelfäure- Fabrication nutzbare- alleinige Abröftung nicht lohnend und mit vielen Hinderniffen verbunden ift. Aus diefem Grunde werden die erwäh ten fchwierig zur Fabrication anzuwendenden Schwefelmetalle mit Eifenkies im richtigen Verhältniffe gattirt und fo für - 4 Johann Stingl. die Schwefelfäure- Fabrication zugänglich gemacht. So erzeugten die Muldener und Halsbrückner Hütte bei Freiberg im Jahre 1870 162.478 Centner Schwefelsäure aus kiefigen Erzen mit Bleiglanz und Blende vermifcht, die Arfen und Silber enthielten; die Altenauer und Saiger Hütte in Preufsen im Jahre 1871 261.780 Centner Schwefelfäure aus Schwefelmetall; die Mansfelder Kupferhütte durch Röften des Rohfteines( 23 Percent Schwefel) 10.000 Centner Schwefelfäure; die Okerhütte 487.500 Centner Schwefelfäure u. f. w. Preufsen allein fördert jährlich 1,500.000 Centner Schwefelkies. Noch bedeutendere Quantitäten von Schwefelfäure werden von den Sodafabriken aus Kiefen erzeugt. Fünfzehn Sodafabriken Deutſchlands erzeugen nach einer beiläufigen Rechnung jährlich 1,500.000 Centner Schwefelfäure und zwar beinahe ausfchliefslich aus Kies. In Oefterreich werden beiläufig 500.000 Centner Schwefelsäure zum gröfsten Theile aus Kies erzeugt. Die franzöfifchen Fabriken zu Cheffy, Lyon, Saint- Fons, L'Océran und Marennes confumirten im Jahre 1867 nach Schrötter's Angabe zwei Millionen Centner Kiefe für Schwefelsäure. Die New caftle chemical works company, früher Alhufen& Comp., verröftet allein jährlich 460.000 Centner Schwefelkiefe. Aus diefen wenigen Daten erhellt die Wichtigkeit der Schwefelmetalle für die Induftrie. Es trat daher fchon bald nach der Einführung der Kiefe in die Induſtrie an die Fabrikanten das Bedürfnifs heran, neben den Stuferzen auch das Kiesklein und verwafchene Kiesfchliche zu verröften. Während man früher, als nur Stückerze verarbeitet wurden, mit einfachen Schachtöfen, den fogenannten Kilns, fein Auskommen fand, mufste man nun, der Koftbarkeit des Rohmaterials wegen, darauf bedacht fein, auch die Abfälle und Schliche des Kiefes aufzuarbeiten. Man half fich anfangs damit, dafs man aus dem Kiesklein mit Hilfe von Thon Batzen formte, diefe auch wohl mit Vitriollauge tränkte, mit abgehender Wärme trocknete und dann mit den Stückerzen in Kilns niederröftete. Solcher Vorgang ging an, wo Stuferze die Hauptmaffe und Kiesklein nur Abfall war. Häufig aber ift der umgekehrte Fall eintreffend, dafs Kiesklein und Schliche in überwiegender Maffe zur Verröftung gelangen; dann lohnte fich ein Batzenformen nicht. Aus diefem Grunde conftruirten Perret& Ollivier einen Ofen, der fowohl Stückerze als auch Kiesfchliche zu verröften erlaubte. Die Lyoner Kiefe zerfallen fehr fchnell und leicht zu ganz feinem Gries und geben daher viel Kiesklein. Diefer Perret- Ollivier'fche Ofen war bei der letzten Parifer Ausftellung im Modelle vertreten und wurde feit diefer Zeit wieder verbeffert. Er beſteht der Hauptfache nach aus einem niedern Kilnsofen mit beweglichen Roftftäben. Die heifse fchweflige Säure ftrömt nun in eine zweite Abtheilung, die höher liegt und aus einem viereckigen gemauerten Raume befteht, in welchem fieben horizontale Thonplatten in Abftänden von 20 Centimeter fich befinden, auf denen das Kiesklein in dünnen Schichten von o'3 bis o 5 Meter Höhe ausgebreitet wird. Die heifsen Gafe aus den Kilns ftreichen in fchlangenförmiger Windung über die Thonplatten und erhitzen diefelben von unten nach oben, und mit ihnen das Kiesklein, welches durch den mitgeführten Sauerftoff der Luft oxydirt wird, und fo lange diefer Einwirkung ausgefetzt bleiben kann, als es die Abröftbarkeit des Materiales erfordert. Die abgeröfteten Kiefe werden durch die feitlich angebrachte gut verfchliefsbare Oeffnung in einen durch die ganze Höhe des Ofens neben den Thonplatten gehenden Canal gezogen, der an der tiefften Stelle mit einer gut fchliefsenden Eifenthüre verfchloffen ift. Diefer Canal bleibt mit abgeröftetem Kiefe immer gefüllt und wird nur in dem Mafse entleert, als die Kiesrückstände von den Platten in denfelben gekrückt werden. Die Röftgafe ftreichen von der oberften Platte durch einen weiten Canal in die Bleikammern, nachdem fie zuvor auf beiläufig 70 Grad Celfius gekühlt wurden, was entweder dadurch gefchieht, dafs die Hitze derfelben zur Concentration von Kammerfäure auf 60 Grad verwendet Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 5 wird, was wohl meiftens gefchieht, oder dafs den Gafen die Wärme durch frifche Kiefe oder durch lange Leitungen entzogen wird. Auf je 35 Theile Stückkiefe follen in diefem Ofen 65 Theile Kiesklein abgeröftet werden. Mit der Einrichtung diefes Ofens ift die Möglichkeit gegeben, den Kies auf einer Thonplatte fo lange röften zu laffen, bis der Schwefel zum gröfsten Theile oxydirt ift, wobei freilich Zeit und Raum verloren geht und dort, wo auch das abgeröftete Gut verhüttet werden foll, in dem grofsen Bedarfe desfelben feine Grenze findet. Die Firma Gebrüder Schnorff in Uetikon bei Zürich hatten in der Schweizer Abtheilung unter anderen Producten der Soda- Induftrie auch die Kies- Abbrände ausgeftellt, die nur mehr 1 bis 11% Percent Schwefel enthielten, ein Refultat, welches nichts zu wünſchen übrig läfst, und welches die Möglichkeit bietet, die Kiesabbrände auf Eifen zu verhütten. In der erwähnten Fabrik wer den Lyoner Kiefe auf Schwefelfäure verarbeitet, und gefchieht diefs durch eigene Kies- Röftöfen, die eine ähnliche Einrichtung haben, wie der Theil des PerretOllivier'fchen Ofens, der zur Röftung der Kiesfchliche dient. In einem rechteckigen, gemauerten Raume find fünf aus feuerfeftem Thon geformte Platten derart horizontal befeftigt, dafs diefelben mit ihren längeren Kanten an den Mauern dicht anftehen, während die kürzeren abwechfelnd von den zwei gegenüberliegenden Mauern abftehen, fo dafs die bei der tiefften Platte eintretende oxydirende Luft einen fchlangenartigen Weg über die Platten nehmen. mufs, um die Kiefe zu beftreichen. Die Platten werden durch thönerne Träger unterſtützt. Nachdem der Ofen angeheizt, wird auf die oberfte Thonplatte der Kies durch eine Schüttvorrichtung aufgegeben und durch feitlich angebrachte Arbeitsöffnungen auf den Platten gleichmäfsig vertheilt. Kies und atmoſphärifche Luft machen nun den entgegengefetzten Weg. Der erftere wird nach und nach von der oberften Platte bis auf die unterfte gezogen und von dort als vorzüglich entfchwefelter Rückftand dem Ofen entnommen, während die zur Oxydation nöthige Luft über der tiefften Platte in den Ofen tritt und nach und nach über alle Platten ftreicht, um endlich, mit dem nöthigen Quantum fchwefeliger Säure beladen, in die Bleikammern zu treten. Bevor diefs gefchieht, werden die fehr heifsen Gafe neben den Ofen abwärts und unter der tiefften Thonplatte vorbei geführt, wodurch diefelbe immer glühend erhalten bleibt und fo die Luft gleichfam vorhitzt. Arbeitsöffnungen und Luftzüge ermöglichen einen geregelten Gang diefes Ofens, der einfach conftruirt ift und bei geeignetem Kiefe, wie der Lyoner, das genügende Quantum fchwefeliger Säure bei fo weit getriebener Entfchwefelung des angewendeten Materials gibt. Bei beiden diefer Oefen für Kiesfchlieche mufs diefelbe vom Arbeiter mittelft eiferner Krücken bewegt und weiter befördert werden, was neben der gröfseren Arbeit noch den Nachtheil hat, dafs zeitweife mehr Luft durch Oeffnen der Arbeitslöcher in die Oefen gelangt, hiedurch die Temperatur erniedrigt und die Kammergafe verdünnter werden. Die chemifche Fabrik Rhenania in Aachen brachte das Modell des Hafen clever Helbig'fchen Kies- Röftofens zur Anfchauung, der im Wefentlichen auf dem früher erwähnten Principe des Perret- Ollivier und Schnoff' fchen Ofens beruht, indem die heifsen Gafe aus den Kilns B( Fig. 1) mit beweglichen Roftftäben, in welchen die Stückkiefe verröftet werden, in fchlangenartigem Wege über die Kiesfchliche ftreichen, diefelben erhitzen und durch den mitgeführten überfchüffigen Sauerftoff oxydiren. Hafen clever& Helbig umgehen nun die Bewegung der Kiesfchliche durch Handarbeit geichickt dadurch, dafs fie die Platten a, b, c, d, e und f, die fchmäler( 1 Meter breit) als die früher erwähnten( von 2 Meter Breite) find, unter einem Winkel von 38 Grad gegen einander neigen. Durch diefen Kunftgriff rutfchen die Kiesfchliche vermöge ihrer Schwere als 6 Johann Stingl. D zufammenhängendes breites Band aus dem Trichter A über die fechs Thonplatten herab, wenn von der unterften eine Partie abgeröfteten Kiefes genommen wird, was durch eine gerippte Welle h gefchieht. Durch den Gang diefer Welle kann die Dauer der Röftung je nach Bedarf geregelt werden. Die aus den Kilns kommenden heifsen Röftgafe ftreichen von unten nach oben über die Thonplatten im Schraubengange indem diePlatten mit ihren kürzeren Seiten abwechfeln dan derOfenwand dicht anliegen und zwar derart, dafs z. B. die eine Platte auf der rechten Seite einen Raum für den Durchgang der Gafe läfst, und die darauf folgende den Gafen links den Ausweg ermöglicht und fo fort, bis diefelben endlich, gefchwängert mit fchwefeliger Säure, an der oberften Stelle anlangen, wo fie noch an die frifchen Kiefe Wärmeabgeben und durch D in die Bleikammern ftreichen. Hiebei kommt es hauptfächlich darauf an, dafs entweder durch Sinterung oder durch fehr ungleiches Korn keine Stauung an den Durchgangsftellen der Schliche ftattfindet, daher der Gang der Operation genau beobachtet werden mufs. Das Korn der Schliche kann bei diefem Ofen bis zu 15 Millimeter gehen. Vermöge der geneigten Lage der Platten werden die Oefen für Schliche höher( bis 8 Meter) als gewöhnlich und Hafenclever nennt diefelben daher auch Plattenthurm. Was nun das Durchfetzquantum bei diefem Ofen betrifft, fo foll dasfelbe nach der Angabe Hafen clever's auf 50 Theile Stückkies 50 Theile Schliche betragen, und Schliche in 24 Stunden, je nach der Erzqualität, 500 bis 800 Kilogramm, durchgefetzt werden. Die Kiefe werden bis auf 37 bis 5'9 Percent Schwefel abgeröftet. Auf Okerhütte am Harze werden Gemenge von Kupferkies, Schwefelkies, Bleiglanz und Zinkblende in diefen Oefen geröftet, und wurden hiebei durch acht Tage folgende Refultate in Bezug auf den Schwefelgehalt im Rückftande erhalten: 5.6, 6.5, 6.3 und 5.7 Percent.. Viele Fabriken und Hütten, die auf der Ausftellung vertreten waren, erzeugen ihre Schwefelfäure aus Schwefelmetallen mit Hilfe des Gerftenhöferh . i E Fig. 1. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 7 fchen Röft ofens, der leider durch kein Modell in feiner verbefferten Form vertreten war. Die Wichtigkeit und Verbreitung des Ofens geht aus folgender Zufammenftellung Bode's über die bis 1872 wirklich functionirenden Röftöfen nach diefem Syfteme hervor. 12 Oefen, wovon 4 neu erbaute, auf der königlich fächfifchen Muldnerhütte bei Freiberg für kiefige Erze mit wechfelndem Gehalt an Bleiglanz und Blende, Arfen und Silber. 6 Stück auf der königlich fächfifchen Halsbrückner Hütte bei Freiberg für ähnliche Erze wie früher. 13 Stück für Kupferrohftein im Mansfeld' fchen. 2 Stück in Lukawetz in Böhmen für Schwefelkies. 2 Stück auf dem Werke der öfterreichifchen Staatseifenbahn- Gefellſchaft zu Neu- Moldava im Banate für verwafchene Schwefelkiefe. 2 Stück auf dem Morgenfterner Werke zu Merzdorf an der Niederfchlefifchen Gebirgsbahn für aus dem kryftallinifchen Schiefer gewafchene Kiefe. I Stück auf der chemifchen Fabrik zu Nienburg an der Wefer. 4 Stück auf der Auguftenhütte zu Beuel bei Bonn. 6 Stück, darunter 4 neu erbaute, auf der chemifchen Fabrik von Harkort's Erben zu Harkorten bei Haspe in Weftphalen. 2 Stück auf der Superphosphatfabrik von Ohlendorf& Comp. in Hamburg. i I- - 6 Stück auf der chemifchen Fabrik zu Vedrin in Belgien( 1867). 2 Stück auf der Sodafabrik zu Chauny in Frankreich. 38 Stück auf den Hüttenwerken von Vivian und Sons zu Swanfea in Wales( 1866). 12 Stück zu Huelva in Spanien. Sowie die vorigen Werke für kupferhältigen Schwefelkies. I Stück auf der Zinkhütte der Vieille Montagne zu Flône in Belgien. I Stück auf der Zinkhütte der Vieille Montagne zu Berge- Borbeck bei Effen. 3 Stück auf der Waldmeifter Hütte bei Stollberg für Schwiefelkies und kiefige Zinkblende. 4 Stück auf der ungarifch- fchweizerifchen Sodafabrik zu NagyBocsko im MarmaroferComitat für kupferhältige Schwefelkiefe. Die Abröftung mufs vertragsmäfsig bis auf fünf Percent Schwefel im Rückftande erfolgen. Im Ganzen mithin 120 Oefen, ohne jene, die in Amerika beftehen und ohne den Zuwachs, den diefelben in England erfahren. Die Röftung der Schwefelmetalle geht in diefem Ofen bekanntlich auf die Weife vor fich, dafs das fchwefelhaltige Material, welches immer in Schliegform vorliegen mufs, durch einen fchachtartigen, 5.2 Meter hohen Raum fällt, in welchem eine fo hohe Temperatur herrfcht, dafs die Schwefelungsftufe, die zur Röftung vorliegt, mit Sauerftoff fich verbindet, fich entzündet. Um das zu röftende 8 Johann Stingl. Materiale in dem Röftfchachte vielfältig zu zerftreuen und mit dem entgegenftrömenden Sauerftoffe der Luft in Berührung zu bringen, befinden fich in dem Röftfchachte 17 Reihen dreieckiger Prismen aus feuerfeftem Thone angebracht. Gewöhnlich enthält je eine Reihe abwechfelnd 6 und 7 folcher Thonprismen, welche derart angeordnet find, dafs gleichfam„ voll" auf„ Fug" zu liegen kommt, fo dafs der Kiesftrom immer von einem entgegenstehenden Prisma gebrochen wird und hiedurch oftmals feine Fallrichtung wechſeln mufs. Jedem Thonprisma entfprechend, find in der breiteren Wand des Ofens rechteckige Oeffnungen angebracht, die mit einer Büchfe verfchloffen find, in welcher ein kleines rundes Loch fich befindet, das mit einem Thonpfropf verfchloffen werden kann. Die gröfseren Oeffnungen ermöglichen dem Arbeiter, dafs derfelbe im Falle der Sinterung des Röftgutes auf den Prismen die zufammengebackene Maffe mit einer eifernen Stange losbrechen kann. Die kleineren Oeffnungen in den Kapfeln dienen als Luftzüge und Gucklöcher, um den Gang der Röftung beobachten zu können. Durch diefe Einrichtung ift der Arbeiter im Stande, den Procefs der Röftung genau zu überwachen und die Temperatur des Ofens zu reguliren. In der Regel foll die höchfte Temperutur( Weifsgluth) in der oberen Hälfte des Ofens herrfchen, daher dort die energifchefte Oxidation und der gröfste SauerstoffVerbrauch ftattfindet. Das weifsglühende Erz trifft nun bei feinem weiteren Falle immer fauerftoffreichere Luft und wird daher auch weiter entfchwefelt, bis es endlich unter den Thonprismen in einem gröfseren Sammelraume fich anhäuft und von dort dem Ofen entnommen wird. Die Zuführung der gefiebten Schliche gefchieht durch eine Art Rumpfwerk, wobei die Schlichdecke gleichfam den Verfchlufs bildet, der dadurch erleichtert wird, dafs das Erz durch zwei cannelirte Walzen, die durch ein Getriebe und Riemenfchiebe nach entgegengefetzter Richtung bewegt werden, quantitativ je nach der Schnelligkeit der Bewegung der Walzen gehen mufs, die unmittelbar über einem Schlitze fich befinden, der in den Ofenfchacht mündet. Das Erz fällt zuerft auf den fogenannten Vertheiler, ein gröfseres Thonprisma, von hier in zwei Strahlen auf je vier folcher Prismen zu jeder Seite des Vertheilers und hierauf auf die früher erwähnten Prismen. Die fchwefelige Säure zieht am oberften Theile des Ofens zuerft in eine Flugftaub- Kammer und dann in die Bleikammern. Wenn noch erwähnt wird, dafs gut zu verfchliefsende Oeffnungen vorhanden find, um die Canäle und Flufsftaub- Kammern zu reinigen, fo ift im Allgemeinen die Einrichtung eines Gerftenhöfer'fchen Ofens gegeben. Das Durchfetzquantum in diefem Ofen kann ein fehr variables fein, je nach der Natur des zu verröftenden Productes. Und darin liegt ein grofser Vortheil diefes Ofens. Im Mansfeld' fchen werden nach Bode in 24 Stunden 200 Centner, ja 300 Centner Kupferrohftein geröftet und hiebei von 25 bis 29 Percent Schwefel etwa 12 bis 14 Percent abgeröftet und zur Schwefelfäure- Fabrication nutzbar gemacht. 24 Das Durchfetzquantum von Schwefelkies kann auf 40 bis 60 Centner in Stunden gebracht werden und ift der Grad der Entfchwefelung ein verfchiedener, je nach der Natur des Kiefes. Auf dem fürftlich Auersperg' fchen Werke in Lukawetz in Böhmen beträgt das Durchfetzquantum in 24 Stunden 35 Centner und werden die Kiefe bis auf zwei bis drei Percent Schwefel in den Rückständen abgeröftet. Die zur Erläuterung der Ausstellung des befagten Werkes auf der Weltausftellung aufliegende Brofchüre befprach den Gerftenhöfer'fchen Ofen fehr günftig, der im Jahre 1868 am 18. Auguft dafelbft in Betrieb gefetzt und wo im Jahre 1871 ein zweiter erbaut wurde, fo dafs die Schwefelfäure- Production aus Kies von 15.000 Centnern im Jahre 1869 auf 29.500 Centner im Jahre 1872 ftieg. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 9 Auf dem Morgenfterner Werke bei Merzdorf in Schlefien werden die Kiefe bis auf 4 Percent Schwefel im Rückftande entfchwefelt. Die Schwelmer Schwefelkiefe werden zu Beuel bei Bonn bis auf 3 bis 5 Percent Schwefel abgeröftet. Die kupferhaltigen Schwefelkiefe der ungarisch fchweizerifchen Sodafabrik zu Nagy- Bocsko müffen bis auf 5 Percent Schwefel abgeröftet werden. Die Muldnerhütte verröftet Gemenge von Zinkblende, Bleiglanz und Kies, wobei zu bemerken kommt, dafs Bleiglanz bei der Röfttemperatur leicht fintert und daher die Röftung fehr erfchwert. Es enthalten aus diefem Grunde die Kiesabbrände noch 10 bis 13 Percent Schwefel. Auf der Halsbrückner Hütte bei Freiberg, welche ein Gemenge von 1/ Blei- Erz und 2 kiefigen Erzen verröftet, finden fich in dem Röftgute noch 7 bis 9 Percent Schwefel.. Diefem Ofen wird hauptfächlich vorgeworfen, dafs der Flugftaub, der in Folge des zerfplitternden Falles der Kiesfchliche gegen den Luftftrom unvermeidlich ift, in folcher Menge auftrete, dafs er häufige Reinigungen der Canäle und Flugftaub Kammer erfordere. Um diefen Uebelftand zu beheben, hat G erftenhöfer die Einrichtung getroffen, dafs die mit fchwefliger Säure beladenen Gafe im oberften Theile des Ofens durch Seitenöffnungen entweichen und nicht, wie früher, in der Mitte durch eine Oeffnung während das Kiesklein in der Mitte durch eine Oeffnung in den Ofen fällt; ferner müffen die Gafe, bevor fie in die Flugftaub- Kammer treten, einen niedergehenden Weg einfchlagen, wodurch die gröfste Menge des Flugftaubes am Anfange der Kammer fich abfetzt. - - Die Flugftaub- Menge aus diefem Ofen beträgt z. B. in Lukawetz I 7 Percent des Durchfchnitts quantums, mithin o 6 Centner in 24 Stunden, fo dafs nach Angaben des Directors Waadt in Lukawetz der Ofen 5 bis 6 Monate betrieben werden kann, ohne dafs die Flugftaub- Kammern entleert werden müfsten; die oberen Träger werden täglich viermal, die unteren ein- bis zweimal gereinigt und die oberen Züge in zwei bis drei Wochen einmal ausgeleert. Im Mansfeld' fchen beträgt die Flugftaub- Menge, da eine bedeutende Durchfetzmenge durch den Ofen geht, gegen 5 Percent des Durchfetzquantums. Dort, wo Kiesfchliche vorliegen oder der Kies leicht in Schlichform zu bringen ift, wird der Gerftenhöfer'fche Ofen ftets dominiren, da er den grofsen Vortheil bietet, dafs er felbftftändig als Kiesfchlich- Röftofen functionirt und ein grofses Durchfetzquantum erlaubt, wenn der Rückftand noch weiter verhütet werden foll. Aber auch eine gute Entfchwefelung von Schwefelkies oder Kupferkies hältigem Kies wird erzielt, wenn diefelben auf Schwefelfäure verarbeitet werden, wie die früher erwähnten Refultate ergaben. In allen den bis jetzt erwähnten Oefen wird die eigene Oxydationswärme der Schwefelmetalle benützt, um die weitere continuirliche Röftung fortzuführen. Und es haben diefe Oefen die fogenannten Muffelöfen, wo die pulverförmigen Kiefe mit Hilfe von Brennmaterial in gefchloffenen Gehäufen abgeröftet wurden, in den meiften derjenigen Fällen verdrängt, wo es fich nicht um eine möglichft weit getriebene Entfchweflung des Röftrückftandes handelt. Um z. B. die Zinkblende zur Verarbeitung auf Zink tauglich zu machen, mufs diefelbe von ihrem Schwefelgehalte bis auf I, ja o 5 Percent befreit werden. Es ift in der Praxis jedoch noch nicht gelungen, das Ideal der Röftung der Zinkblende zu erreichen, nämlich die 32.99 Percent Schwefel, welche eine Zink blende enthalten, bis auf o 5 Percent der Schwefelfäure- Fabrication zuzuführen, Wird diefelbe im Gerftenhöfer'fchen Röftofen abgeröftet, fo enthalten die Röftrückftände im günftigen Falle noch fünf bis fechs, ja noch mehr Percent Schwefel, welcher Gehalt diefe Rückftände zur directen Verhüttung auf Zink untauglich macht. Bei diefem Schwefelgehalte im geröfteten Erze erhält man für die Schwefelfäure- Fabrication ein vollkommen taugliches Gasgemenge. Bode macht daher den Vorfchlag, die Zinkblende zuerft im Schüttofen bis auf die früher erwähnte Grenze zu ent S 10 Johann Stingl. fchwefeln und die hiebei fallenden an 6 bis 7 Volumpercente fchwefliger Säure bei 6 Volumpercenten freien Sauerftoffs in den Austrittsgafen enthaltenden Gafe der Schwefelfäure- Erzeugung zuzuführen, die Röftrückftände aber im Flammofen bis auf I bis 0'5 Percent Schwefel abzuröften, um diefelben auf Zink verhütten zu können. Die fchon einmal angeführte bekannte Firma Rhenania in Aachen brachte das Modell eines Röftofens für Zinkblende von R. Hafen clever Helbig ( Fig. 2) zur Ausftellung, welches die Möglichkeit bietet, den gröfseren Theil des Schwefelgehaltes nutzbar zu machen und hierauf durch weitere Röftung einen zur Zinkfabrication tauglichen Rückftand zu erhalten. 00 P a L E R Fig. Fig. 2. G' R R R Diefer Zinkblend- Röftofen hat der Hauptfache nach folgende Einrichtung: Das Erzklein gelangt durch eine Schüttvorrichtung Z auf eine unter einem Winkel von 43 Grad geneigte fchiefe Ebene A, welche 9 Meter lang und 1.75 Meter Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 11 breit ift. Diefe fchiefe Ebene wird von unten durch die abgehende Wärme eine Flamm- Röftherdes B, nachdem diefelbe zuvor eine Mufel C umfpielt hat, auf eine Temperatur erhitzt, dafs an allen Stellen Antimon fchmilzt. Damit die Erzfchliche auf diefer geneigten Fläche gleichmäfsig nach abwärts gleitet und nicht an der tiefften Stelle fich anhäuft, find 15 Scheidewände 6 in Abftänden von 05 Meter angebracht, die perpendiculär auf die fchiefe Ebene ftehen, von derfelben aber um o'or Meter abftehen, um dem Erze einen Weg frei zu laffen. Diefe Scheidewände erftrecken fich nicht über die ganze Breite der fchiefen Röftplatte, fondern ftehen abwechfelnd bald von der linken, bald von der rechten Umfaffungsmauer der Röftfläche um o 4 Meter ab, während fie mit dem entgegengefetzten Ende, an die Mauer dicht anliegend, befeftigt find, fo dafs die Röftgafe in Zickzackwindung auf einem langen Wege über die zu röftende Blende ftreichen Am unteren Ende der fchiefen Fläche befindet fich eine cannelirte Walze a welche die Breite der erwähnten Fläche abfchliefst. Diefe Walze ift innen hohl damit ein Luftftrom hindurchftreichen kann, um diefelbe zu kühlen. Wird nun diefe Walze gedreht, fo wirft fie ein beftimmtes Quantum Erz, von der Röftfläche entnehmend, auf die Sohle der Muffel C. Nach der Schnelligkeit diefer Bewegung läfst fich die Menge des Erzes genau reguliren, die in einer beftimmten Zeit in die Muffel gebracht werden foll. Hiedurch kommt die auf der Röftplatte ausgebreitete Blendefchicht in Bewegung und rutfcht in dem Mafse abwärts, als die Walze Erz in die Muffel wirft. Diefe befitzt eine Länge von 6.4 Meter, eine Breite von 1.8 Meter und eine Höhe von o'3 Meter und wird von den Feuergafen eines unter der Muffel liegenden Flammen- Röftherdes B umfpült und fo erhitzt. Das in die Muffel gelangende Erz wird nun von Arbeitern von Zeit zu Zeit durch feitlich angebrachte Arbeitsöffnungen R( Fig. 3), 5 an der Zahl, die zugleich den Luftzutritt vermitteln, auf der Sohle der Muffel nach vorwärts bewegt bis dasfelbe nahe am Ende der Muffel zu einer Oeffnung t gelangt, durch welche es auf die Sohle eines Flammen- Röftherdes B fällt, wo die Erze durch ein directes Flammenfeuer zu Ende geröftet werden. Während nun die Röftgafe aus der gefchloffenen Muffel über die fchiefe Röftfläche ftreichen und von hier mit 7 bis 9 Volumen Percent fchwefliger Säure beladen in die Kühlkammer und hierauf in die Bleikammer ftreichen, fo geht jener Theil der fchwefligen Säure, der im Röftherde fällt, mit den Feuergafen des Flammenofens, nachdem fie die Muffel- und Röftfläche erhitzt, in den Schornftein S und fomit für die Schwefelfäure- Fabrication verloren. Die Heizung des Flammenherdes gefchieht durch Gasfeuerung. Was nun den Grad der Abröftung in den drei verfchiedenen Röfträumen diefes Ofens betrifft, fo möge folgendes Beiſpiel denfelben erläutern. Nach Hafenclever zeigten fich bei einer fchwefelarmen Blende mit 20 Percent Schwefelgehalt: am Ende der fchiefen Ebene noch ein Schwefelgehalt von Muffel noch ein Schwefelgehalt von " 9 29 99 B ΙΟ Percent 6.9 I'2 " 79 und abgeröftet am Ende des Röftherdes ein Schwefelgehalt von fo dafs 82 Percent des Gefammtfchwefels der Schwefelfäure- Fabrication zu gute kamen und die geröftete Zinkblende nur mehr 12 Percent Schwefel enthielt, ein Schwefelgehalt, der die Verhüttung der Zinkblende vortheilhaft geftattet. Ueber die Gröfse des Durchfetzquantums und die Menge des Brennmaterial- Verbrauches für ein beftimmtes Quantum abzuröftender Blende liegen für diefen Röftofen keine Daten vor. Die Vortheile diefes finnreichen Röftapparates find mehrfach. Vor Allem geftattet er die vollkommene Abröftung der Blende in einem Zuge ohne Unterbrechung der Röftoperation; ferner wird der gröfste Theil des Schwefelgehaltes gegen 80 Percent zur SchwefelsäureFabrication verwendet und doch fallen Röftrückftände, die zur Verhüttung auf Zink vollkommen tauglich find. Brennmaterial- Verbrauch und geringeres Durch fetzquantum gegenüber den Schüttöfen wird ihm vorgeworfen. 12 Johann Stingl. Es ift nicht zu verkennen, dafs diefer Röftofen berufen ift, die gewöhn lichen Muffel- Röftöfen und die Flammen- Röftöfen der Zinkhütten zu verdrängen und die Zinkblende in den Kreis der Schwefelverbindungen zu erheben, deren Schwefelgehalt zur Schwefelfäure- Fabrication nutzbar gemacht wird, ftatt die fchweflige Säure in die Luft zu jagen. Für die Güte diefer Röftvorrichtung fpricht auch der Umftand, dafs feit der kurzen Zeit feiner Bekanntgabe( 1872) fchon gegen 45 folcher Oefen theils im Baue begriffen find, theils fchon im Betriebe ftehen und zwar in Deutfchland, Frankreich und Dänemark. Die Verwendung der früher erwähnten Schwefelmeta lle zur Schwefelfäuere- Fabrication mit Hilfe der befchriebenen Kies- Röftöfen brachte den grofsen Uebelftand mit fich, dafs die fo gewonnene Säure mehr oder weniger mit Arfen verunreinigt war, in Folge des Arfengehaltes der meiften in der Natur vorkommenden Schwefelungen. Man musste daher bedacht fein, den oft bedeutenden Gehalt an Arfen aus der Säure zum gröfsten Theile zu entfernen. Man erreichte diefs nur durch Ausfällung des Arfens als Dreifach- Schwefelarfen mittelft Schwefelwafferft off. Die Freiberger Hütten hatten die Producte diefer Reinigung im Pavillon der deutfchen Metallurgie zur Anfchauung gebracht. Es gefchieht diefe Reinigung dort, fowie auf der Okerhütte u. f. w. in dem fogenannten Fällungsthurme. Derfelbe beſteht im Wefentlichen aus einem rechteckigen, 20 bis 25 Fufs hohen, aus Bleiplatten geformten Thurme, in deffen Innern reihenweife eine grofse Anzahl aus Bleiftreifen dachförmig geformter Querftücke angebracht find, über welche von obenher die 50gradige Kammerfäure vielfach vertheilt nach abwärts fliefst, während ein Strom Schwefelwaffergas entgegenftreicht und das Arfen in unlösliches Schwefelarfen verwandelt, das, in der Säure fuspendirt, mit nach unten gelangt. Die ungereinigte Säure wird mittelft Dampfdruckes in Bleirohren nach oben gehoben, fliefst in mehrere auf der Plattenform des Thurmes fich nebeneinander befindliche Kippapparate, die das Säurequantum abwechfefnd nach rechts und links vertheilen. Unterhalb jedes Kippapparates befindet fich eine Bleiplatte, die mit Löchern verfehen ift, zum Durchlaffen der Säure. Diefe Platten liegen auf einem Rahmen, der mittelft hydraulifchen Verfchluffes den Thurm oben abfchliefst. Auf jede folche Platte wird ein kaftenartiger Bleideckel gelegt, der an feinem längern Rande Einſchnitte hat, um der Säure Durchgang zu gewähren. Der Schwefelwafferft off wird in einem Bleigefäfse aus Rohft ein und Schwefelfäure entwickelt und gelangt an der tiefften Stelle des Thurmes unter einer Bleiplatte weg in die Mitte des Thurmes und ftrömt der herabtropfenden Säure entgegen. Wegen der Giftigkeit des Schwefelwafferftoffgafes mufs bei diefer Reinigung der Schwefelfäure grofse Vorficht geübt werden und der Apparat derart conftruirt fein, dafs fo wenig als möglich Schwefelwafferftoff in das Innere des Haufes, in welchem der Fällungsthurm fteht, ftrömt; daher ift die Deckplatte in einer Rinne mit Wafferverfchlufs aufgefetzt und das zufliefsende Säurequantum ift derart regulirt, dafs die Zulauföffnungen mit einer Säuerefchicht immer überdeckt find. Die Säure, welche den Fällungsthurm paffirt hat und das Dreifach- Schwefelarfen als unlöslichen Niederfchlag fuspendirt enthält, fliefst an der tiefften Stelle in mit Blei ausgelegte Setzbottiche und wird durch Leinwand filtrirt, um hierauf der weiteren Concentration zugeführt zu werden. Obfchon diefer Fällungsapparat nicht allen Anforderungen betreffs der Gasdichtigkeit entspricht, fo ift er doch allgemein eingeführt und functionirt beffer als der früher benüzte, bei welchem bekanntlich die Säure von unten in den Thurm gefpritzt wurde und dann bei ihrem Zurückfallen mit Schwefelwafferftoff in Berührung kam. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. Concentration der Schwefelsäure. 13 In diefem Zweige der Schwefelfäure- Fabrication wurden in neuefter Zeit wefentliche Fortfchritte gemacht, da einestheils durch die Maffenhaftigkeit der erzeugten Schwefelfäure, andererfeits durch die Preiserhöhung der Brennftoffe der Fabrikant genöthigt war, diefen Umftänden Rechnung zu tragen. In letzterer Beziehung war es vorzüglich die rationelle Benützung der mit den Röftgafen abgehenden grofsen Wärme quantitäten zum Behufe der Concentration, welche eine wefentliche Erfparnifs an Brennftoffen und mithin billigere Erzeugung ermöglichte. Ein zweckmäfsiger Apparat, um den erwähnten Zweck zu erreichen, indem derfelbe hiedurch die heifse fchwefelige Säure auf 70 Grad Celfius kühlt, ift der Glowerthurm, in welchem aufser den früher erwähnten Vorgängen auch die Zerfetzung der nitrofen Säure bewerkstelligt wird. Derfelbe kam zwar nicht zur Ausftellung, allein da er in den SchwefelfäureFabriken, die Kiefe verröften, immer mehr und mehr Eingang findet, foll er hier kurz befchrieben werden. Er beſteht aus einem aus Bleiplatten geformten Thurme von 20 bis 25 Fufs Höhe, der innerhalb der Bleiplatten ausgemauert ift, um dem Thurme Feftigkeit zu geben und hauptfächlich, um die rafche Temperaturverminderung in Folge des guten Wärmeleitungsvermögens des Bleies zu verhindern. Diefer Thurm ift nun von unten nach oben angefüllt mit einem Gitterwerke aus feuerfeften Ziegeln( wegen ihrer Reinheit benützt), dann mit Quarzftücken und zuletzt mit Coaks. Gefchloffen ift der Thurm durch Bleiplatten. Ueber dem Thurme befinden fich zwei Refervoirs, wovon das eine für die 50grädige Kammerfäure und das zweite für die aus dem Gay- Luffa c- Thurme kommende nitrofe Säure dient. Jede diefer Flüffigkeiten läuft genau regulirt auf ein aus Glasröhren verfertigtes Segner'fches Rad, damit diefelben ordentlich vertheilt werden; denn die Säuren werden hiedurch in durch Zwifchenwände abgetheilte runde Bleigefäfse entleert. Aus jeder diefer Abtheilungen geht ein Bleirohr weg. Ein folches Rohr mit 500 Säure und ein entſprechendes mit nitrofer Säure münden immer gemeinfchaftlich in eine Oeffnung der oberen Decke des Thurmes. Diefe Oeffnungen find nun regelmässig vertheilt, fo dafs Kammer- und nitrofe Säure gemifcht, gleichmäfsig und richtig vertheilt über die Füllmaffe des Thurmes, der heifsen fchwefeligen Säure entgegenfliefsen, hiedurch Waffer abgeben, welches im Vereine mit Wärme die nitrofen Dämpfe entbindet, welche mit fchwefeliger Säure gemengt wieder der Schwefelfäure- Fabrication zu gute kommen. Die beiden Säuren gelangen an der unterften Stelle des Thurmes auf 60 Grad B. concentrirt an. Lunge behauptet gegen Bode, dafs die Concentration bis 62 Grad Beaumé im Glowerthurm getrieben werden kann. Handelt es fich bei der Schwefelfäure- Fabrication um eine concentrirte 66grädige Säure, fo gefchieht diefe Concentration jetzt beinahe ausfchliefslich in den Platinretorten, deren Werth in Folge der Concurrenz und der Bearbeitungsmethode des Platins nach H. St. Cl. Deville, welche die Engländer acceptirten, bedeutend heruntergegangen ift. Auf der Ausftellung hatten die zwei berühmten Firmen: Johnfon, Mathey& Comp. in London und Desmoutis, Quenneffen& Comp. in Paris neben anderen Platingegenständen auch Platinkeffel zur Ausftellung gebracht. Der Keffel der englifchen Firma hatte eine fchlanke Form und war mufterhaft gearbeitet; dadurch, dafs der Helm unter einem ftumpfen Winkel nach aufwärts ftieg, mithin höher wurde, ift die Möglichkeit einer vollkommeneren Condenſation der mitgeriffenen Schwefelfäure gegeben. Statt der bis jetzt gebräuchlichen Breant'fchen Kühlvorrichtung der concentrirten heifsen Schwefelfäure, beftehend aus einer heberartigen Vorrichtung, deren. längerer Schenkel in mehrere enge gerade Röhren getheilt ift, welche in Kühlwaffer liegen, verwenden J. Mathey& Comp. als Erfatz für diefe Röhren eine Kühl 14 Johann Stingl. fchlange aus Platin, welche mehr Oberfläche der Säure bietet, diefelbe daher beffer kühlt. An den Platinkeffeln beider erwähnter Firmen waren an den Ablafsvorrichtungen fogenannte Sicherheitsröhren angebracht, welche verhindern follen, dafs der Arbeiter aus dem Keffel mehr Säure ablaffen kann, als ohne Gefahr der Ueberhitzung des von Flüffigkeit entblöfsten Keffelbleches möglich ift. Diefe Einrichtung befteht darin, dafs in die kürzere Heberröhre, die bis beinahe zum Boden des Keffels reicht, durch eine Stopfbüchfe eine enge Röhre A ( Fig. 3) gefchoben ift, die oben in einen Trichter B endet, auf welchen ein kleiner B A 1 1 Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 15 Deckel d pafst, der ein Anfatzrohr hat. Die Röhre ift unten offen und wird fo weit in die Heberröhre gefchoben, dafs ihr unteres Ende etwas über die oberfte Feuergrenze a b zu ftehen kommt. Oeffnet nun bei diefem Stande der Röhre der Arbeiter den Ablafshahn, fo wird folange Säure aus dem Keffel fliefsen, als das Ende der Röhre noch in Säure taucht, mithin gefchloffen ift. Sobald diefs nicht mehr der Fall, tritt durch die offene Röhre Luft in den Heber, derfelbe entleert fich und hört auf, als Heber zu functioniren. Soll der Keffel ganz abgelaffen werden, fo wird das obere Ende der Röhre durch einen Platinpfropfen luftdicht verfchloffen und diefelbe fo wirkungslos gemacht. Diefe Vorrichtung hat den Nachtheil, dafs beim Stofsen der fiedenden Flüffigkeit im Keffel, welches häufig vorkommt, Säure aus demfelben durch die Röhre herausgefchleudert wird. Die Firma Johnfon, Mathey& Comp. brachte auch den bekannten Platinapparat zur quantitativen Beftimmung von Gold in Legirungen mittelft Salpeterfäure zur Ausftellung. Aufser der hier erwähnten Methode der Concentration der Schwefelsäure auf 66 Grad Beaumé brachte A. de Hemptinne fein Syftem der Schwefelfäure Concentration durch eine Zeichnung zur Anfchauung. Dasfelbe beruht auf den fchon von Kuhlmann 1844 gemachten Beobachtungen, dafs 66grädige Schwefelfäure, die bei gewöhnlichem Drucke bekanntlich erft bei 325 bis 327 Grad Celfius fiedet, in einem luftverdünnten Raume von 3 bis 4 Centimeter Queckfilberdruck fchon bei 190 bis 195 Grad Celfius fiedet, wobei Blei noch nicht angegriffen werden foll.** musiqu De Hemptinne conftruirte nun einen ziemlich complicirten Apparat, um die früher erwähnten Thatfachen nutzbar zu verwerthen, was fchon im Jahre 1859 von Keller gefchah.*** Diefer Apparat befteht der Hauptfache nach aus einem bleiernen Keffel, der mit Kiefelfteinftücken oder Kugeln von Steinzeug oder Glas angefüllt iſt, damit er dem Atmoſphärendrucke widerfteht. In diefen Keffel gelangt die vorgewärmte verdünnte Schwefelfäure und füllt die Zwifchenräume aus. Auf diefem Keffel befindet fich ein Dom, aus welchem eine im Kühlwaffer liegende horizontale Röhre geht, die fich in eine Schlangenröhre fortfetzt, welche vertical in einem Kühlgefäfse fich befindet; diefe Schlangenröhre mündet in ein Refervoir und entleert in dasfelbe das fchwefelfäurehältige, aus dem Keffel abdeftillirte Waffer. Alle diefe Verbindungen find luftdicht. Das Sammelrefervoir für das abdeftillirte Waffer fteht in directer Verbindung mit einem zweiten wichtigen Theile des Apparates, mit der Luftverdünnungsvorrichtung. Diefelbe befteht nach de Hemptin ne aus einem innen mit Holzdauben ausgelegten Eifenkeffel, in welchen oben ein Dampfrohr und daneben ein Rohr zum Einfpritzen von kaltem Waffer mündet. Durch eine Röhre ift diefer Keffel mit dem früher erwähnten Sammelrefervoir in Verbindung. Wenn noch erwähnt wird, dafs auf diefem Sammelrefervoir eine Barometervorrichtung fich befindet, um den Grad der Luftverdünnung zu beftimmen, dafs ferner der Concentrationskeffel einen Ablafsheber hat, welcher in einen Brunnen von fechs Meter Tiefe mündet, und dafs die Säure, nachdem fie concentrirt und gekühlt ift, durch mit Asbeft, Kiefelfand oder Glasftückchen gefüllte Bleifiebe filtrirt wird, um das fchwefelfaure Bleioxyd zurückzuhalten, fo find die Hauptbeftandtheile erwähnt, die den Gang des Apparates leicht verftändlich machen. Ift die verdünnte Säure in den Bleikeffel gefüllt, fo wird ein Hahn gefchloffen, der die Verbindung der Deftillationsvorrichtung mit dem Luftverdün * Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 243. ** Siehe dagegen Hafenclever's Angabe in Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 238. *** Wagner's Jahresbericht 1859, pag. 139. 2 ப 16 Johann Stingl. nungskeffel aufhebt. In diefen wird Dampf durch eine Röhre ftrömen gelaffen, der alle Luft aus demfelben durch eine zweite geöffnete Röhre entfernt. Ift diefs gefchehen, wird diefe Röhre, fowie die Dampfröhre gefchloffen und hierauf kaltes Waffer fo lange eingefpritzt, bis der Dampf condenfirt und fo ein Vacuum hergeftellt ift. Nun wird der früher erwähnte Hahn geöffnet und die Luft foweit als möglich aus den Deftillationsapparate entfernt. Der Keffel wird nun geheizt und die Deftillation beginnt unter den früher hergeftellten Bedingungen der Luftverdünnung. Das überdeftillirende Waffer mufs vollſtändig condenfirt werden, damit die Verdünnung nicht zu ftark behoben wird. Man verdampft nun fo lange, bis die am Keffel angebrachten Thermometer 200 bis 205 Grad Celfius zeigen, ftellt hierauf das Feuer ab, läfst durch Oeffnen eines Hahnes Luft in den Apparat und zieht die concentrirte Säure ab. Die Hemptin ne gibt eine Erfparnifs von 44 Percent mit diefem Verfahren gegenüber dem gewöhnlich an. Zum Schluffe diefes Capitels mufs noch des Salzfäure- Conden fationsapparates erwähnt werden, den die Auffiger Sodafabrik voll. ftändig adjuftirt ausgeftellt hatte und der für die vorzügliche Leiftung diefes Etabliffements auch in Bezug auf Thonwaaren Zeugnifs ablegte. Auch die Hrufchauer Sodafabrik brachte fchön gearbeitete Thonappaebenfo die bekannte Firma rate für chemifche Zwecke zur Ausftellung Fikentfcher F. Chr. in Zwickau. - Deftillir- und Abdampfapparate für pharmaceutifche Zwecke und Laboratorien. Eine eigene Abtheilung von Apparaten bildeten die obengenannten Vorerwähnen. richtungen und find auf diefem Gebiete einige Neuerungen zu Deutfchland und Oefterreich waren in diefer Branche am beften vertreten. Allen voran ftand die Firma F. A. Wolf& Söhne in Heilbronn und Wien; hieran reihten fich Wilhelm Bitter in Bielefeld, Stefan Baumann in Wien, G. Mürle in Pforzheim( Baden) und Grafek& Stäter Beindorf's Nachfolger in Frankfurt am Main. Die gewöhnlichen Dampf- Deftillirapparate find im Principe einfach. In einem kupfernen, direct im Feuer liegenden Keffel, wird eine kleinere, meift zinnerne Abdampffchale luftdicht eingepafst. Auf diefe eigentliche Deftillir. vorrichtung wird der fogenannte Deftillirhelm befeftigt, deffen Abzugsrohr in einen Kühlbottich mündet und dort in Form einer Schlangenröhre durch das Kühlwaffer geht. Aus dem eigentlichen Dampferzeuger geht oben ein Dampfrohr ab, welches fich umbiegt und in die Deftillirblafe mündet und fo hier die Verflüchtigung des betreffenden Körpers bewerkstelligt. Von dem Dampfkeffel geht eine zweite Röhre ab, die in den Kühlapparat mündet und hier ebenfalls in Form einer Schlangenröhre durch das Kühlwaffer geht. Diefe Röhre dient zur Condenſation des Wafferdampfes und liefert an ihrem Ende das deftillirte Waffer für Pharmaceuten u. f. w. Man läfst nun oft diefe zweite Dampfröhre, bevor fie in den Kühlbottich mündet, durch einen Trockenfchrank mit mehreren Fächern ftreichen. Solche Einrichtungen eignen fich befonders für kleinere Labora torien. Der Trockenfchrank mufs natürlich an feiner tiefften Stelle eine Vorrichtung zum Ablaffen des condenfirten Waffers haben. Fig. 1 zeigt einen derartigen Apparat, wie deren mehrere ausgeftellt waren. A Deftillirblafe, B Helm, C Schlangenrohr, D Dampfröhren, K Kühlfafs, S Trockenfchrank, m Ablafshahn für condenfirtes Waffer im Trockenfchrank. In vielen Fällen handelt es fich bei Deftillationen und Extractionen darum. den Dampf bei 100 Grad Celfius einwirken zu laffen. Deftillir- und Abdampfapparate für pharmaceutifche Zwecke und Laboratorien. Bi Fig. 1. D D D 17 Man erreicht diefs durch die Deftillation mittelft gefpannter Dämpfe, welche bei ihrer Wirkung auf die abzudeftillirende Subftanz zwar ihre Spannung verlieren, aber hiebei doch eine Tem peratur von 100 Grad Celfius befitzen, fo bald fie zur Wir kung kommen. Einrichtung Die diefer Apparate befteht in einem Dampferzeuger nach Art des Papin'fchen Topfes mit Sicherheitsventil und Thermometer. Wenn der Dampf in diefem Theile des Apparates die nöthige Spannung bis zu I Atmoſphäre Ueberdruck entfprechend 120 Grad Celfius befitzt, fo öffnet man den Hahn an der Dampfröhre und läfst den überhitzten Dampf in einen cylindrifchen Deftillirapparat, in welchem das Rohmaterial, deffen flüchtiger Beftandtheil abdeftillirt werden foll, auf Sieben ausgebreitet ift. Aus diefem Deftillationsapparate münden die Dämpfe fammt dem gewonnenen flüchtigen Producte in das Kühlfafs, worin Dampf und Deftillat fich condenfiren. Die Einrichtung eines folchen Apparates erhellt aus Fig. 2. A Dampferzeuger, O Windofen, a Sicherheitsventil, B Dampfrohr, b Hahn, um den gefpannten Dampf durch B in den Deftillirapparat C gelangen zu laffen, c Siebe, D Dampfrohr, KKühlfafs. B B Fig 2. D Um nun in der Praxis Subftanzen im luftverdünnten Raume abzudampfen, was auch in Laboratorien und bei vielen pharmaceutifchen Prä paraten oft erwünſcht ift, fo gefchieht das bekanntlich in fogenannten Vacuumapparaten. Für kleineren Be darf wurden diefelben bis jetzt ganz nach dem Principe der Vacuumapparate der Zuckerfabriken ausgeführt; das heifst, das Vacuum wurde mittelft Luftpumpen und Condenfation des Wafferdampfes erzeugt, nur waren dem entfprechend auch die Apparate 2% 18 Johann Stingl. kleiner; allein trotzdem haben diefelben den grofsen Uebelftand, dafs ihre Anfchaffung theuer, dafs man ferner eines Motors zum Betriebe der Luftpumpen benöthigt und dafs ihre ganze Einrichtung für kleinere Abdampfungen viel zu fcomplicirt ift. Auf der Ausftellung war ein derartiger Apparat durch die Firma Bitter in Bielefeld ausgeftellt, der, was Nettigkeit und Präcifion in der Arbeit betrifft, muftergiltig war. Die früher erwähnte Firma F. Wolf& Söhne kam nun auf die glückliche Idee, die Bunfen- Sprengel'fche Luftpumpe zur Erzeugung des Vacuum bei derlei Abdampfapparaten zu verwerthen. Diefe Firma hatte einen Apparat nach diefem Syfteme ausgeftellt, deffen Abdampffchale 200 Liter Faffungsraum hatte und der fich vollkommen bewährte. Die Firma F. Wolf& Söhne änderte die Waffer- Luftpumpe in der Art ab, dafs der Wafferftrahl durch eine enge Röhre nach Art des Giffard- Apparates in die Fallröhre gelangt und fenkrecht darauf in das weitere Luftrohr mündet, aus welchem durch das fallende Waffer die Luft angefaugt wird. An diefem Luftrohre wurde ein nach aufwärts fich öffnendes Ventil angebracht in der Art, dafs die Luft durch die Röhre ungehindert paffirt, aber, fobald Waffer in die Luft- Zuführungsröhre gelangt, das Ventil fich fchliefst. An diefer Pumpe ift ein Queckfilbermanometer angebracht, welches neben der Verdünnung auch die Temperatur anzeigt, welche bei diefer Verdünnung im Abdampfraume herrfcht. Bo Siedepunkte des Wassers nach Celsins bei einem Barometerstand von 28 Zoll- 760 Millimeter. WASSERLUFTPUMPE von F.A.WOLFF& SÖHNE in HEILBRONN Württemberg. Fig. 3. Grade Millimeter 760 750.3 728.5 712.3 26 105 1 Fig. 3 zeigt die nähere Einrichtung diefer Pumpe, a das Rohr für das einftrömende Waffer mit dem Hahne h, der den Wafferzuflufs genau zu reguliren geftattet, 6 das Luftrohr, welches durch einen ftarken Gummifchlauch mit der Abdampffchale in der gehörigen Weife verbunden ift, c die Fallröhre, die bei 8 Millimeter lichter Weite bei 3 Meter Länge eine Luftleere von 130 Millimeter gibt 456789 " 9 99 29 99 " 200 280 " 99 99 " " 27 " 99 45 663-6 25 50 55 668 " " " " 17 320 " 9 642 99 " " " 400 29 60 611 " " 7 " " 22 99 " 65 573 " 99 " " 27 " 21 IO 20 " " " " " 29 70 526-3 II எ " M " " 29 75 18 12 " " 99 705 471-5 17 13 " 19 99 715 16 14 27 " " " 2 728 R 79 99 " P. Zoll 32222222-4229287 80 15 4054 14 13 85 3774 12 11 10 90 2346 95 16 5 126-3 3 471 526 580 642 bei einem Barometerftande von 750 Millimeter. Die genannte Firma gibt ferner an, dafs bei einer Fallröhrenhöhe von 14 Meter und 8 Millimeter lichter Weite ein Gefäfs von 10 Liter Inhalt innerhalb 10 Minuten bis 573 Millimeter luftleer gemacht wurde und hiebei blos. 10 Liter Waffer die Fallröhre paffiren. Der Abdampfapparat felbft hat folgende Einrichtung, wobei wir drei Fälle unterfcheiden müffen: I. Ift der Abdampfapparat nahe bei der Luft pumpe, fo dafs ein Verbindungsfchlauch von 2 Fufs Länge hinreicht, fo ift die Abdampfvorrichtung folgendermassen eingerichtet.( Fig.4.) Auf den gut abgefchliffenen Rand einer Abdampffchale A ( ftarke Kupferfchale, verzinnte Kupferfchale oder Glasfchale) von runder oder elliptifcher unterer Wölbung wird ein dicker Kautfchukring B genau aufgepafst und auf denfelben Deftillir- und Abdampfapparate für pharmaceutifche Zwecke und Laboratorien. 19 ein gläferner Deckel C, in der Form, wie die Figur zeigt, gedrückt. Mit D wird die Luftpumpe verbunden. Diefer Abdampfapparat läfst an Einfachheit nichts zu wünſchen übrig. Nach der Angabe von F. Wolf& Söhne foll ein Springen diefer Glasdeckel weder durch Druck, noch durch Temperaturerhöhung zu befürchten fein. Diefer Glasdeckel geftattet ein genaues Beobachten der abzudampfenden Subftanz, was ein grofser Vorzug ift. 2. Ift nun die Luftpumpe von der Abdampffchale weiter entfernt, fo dafs die Dämpfe in der langen Leitung fich condenfiren, wodurch ein Zurückfliefsen des condenfirten Waffers in die Abdampffchale ftattfindet, fo wird zwifchen die Abdampffchale und den Deckel ein kurzer Metallcylinder a( Fig. 5) eingefchaltet, der an feiner inneren Seite einen Metallftreifen/ an der unteren Bafis des Cylinders in der Art angelöthet enthält, dafs er eine nach oben offene Rinne bildet, Fig. 4. Fig. 5. D a B C B b die rings um die Abdampffchale läuft und verhindert, dafs die condenfirte Flüffigkeit in die Abdampffchale zurückfliefsen kann. Die Röhre b mit den zwei Hähnen h dient zum Ablaffen diefer Flüffigkeit von Zeit zu Zeit, ohne dafs das Vacuum aufgehoben wird. Natürlich find bei diefer Anordnung des Apparates zwei Kautfchukringe nöthig. Die Luftleere wirkt hier ferner durch die Röhre c nahe über der Flüffigkeitfchicht in der Abdampffchale. 3. Wird diefer Abdampfapparat als gleichzeitiger Deftillirapparat für Deftillationen im luftverdünnten Raume benützt, fo bekommt derfelbe folgende Einrichtung: Die Adjuftirung der Abdampffchale ift diefelbe, wie früher angegeben wurde. Der Unterfchied zwifchen der vorigen Anordnung und diefer( Fig. 6), liegt darin, dafs die Luftpumpe mit der Vorlage A durch die Röhre a in Verbindung fteht und hier ein Vacuum erzeugt, das fich durch die Röhre 6 dem Abdampfraume mittheilt. Durch diefe Röhre b gelangt gleichzeitig das Deftillat in die Vorlage A. Diefelbe ift ein ftarkes Glas, auf welches ein Zinndeckel mittelft eines Kautfchukringes luftdicht pafst Der Deckel Cder Abdampffchale hat an feinem oberen Ende eine Röhre c eingefchraubt, die mit einem Hahne verfchliefsbar ift. Durch diefe Röhre und das Vorrathsgefäfs B wird die Füllung der Abdampffchale bewerkstelligt. Aus diefen kurzen Mittheilungen erhellt die Wichtigkeit und Einfachheit diefes Apparates, der einem viel gewünſchten Bedürfniffe auf eine finnreiche Art LA 20 Johann Stingl. Fig. 6. B b b a gerecht wird. Nach den Mittheilungen des Herrn Wolft find feit der Ausftellung fchon mehrere derartige Apparate fowohl an gröfsere Laboratorien, als auch für andere Etabliffements- z. B. in die Schweiz zur Fabrication von condenfirter Milch abgefetzt worden. - -- Diefe kurzen Notizen mögen genügen, um eine Idee zu bekommen von der Art und dem jetzigen Stande der Fabrication der Abdampf- und Deftillirapparate für Laboratorien und pharmaceutifche Zwecke. Es mufs hier bemerkt werden, dafs diefer Fabricationszweig rüftig vorwärts fchreitet. Eismafchinen. Bei wenig Fabricationszweigen erkennt man das Streben des Menfchen, gewiffe Naturerfcheinungen, die an beftimmte Zeiten und Orte gebunden find, künftlich herbeizuführen, und fich diefelben allerorts und zu beliebigen Zeiten nutzbar zu machen, fo deutlich, als bei dem der künftlichen Eiserzeugung. Für Bierbrauerein, für Conditoreien, für Haushaltungen, für medicinifche Zwecke u. f. w. trat zuerft die Frage der Eisconfervirung und endlich die der künftlichen Eiserzeugung in den Vordergrund. Seit der Parifer Ausftellung im Jahre 1867, auf welcher der inter mittiren de Ammoniak Eisapparat von Carré, dann die continuir lich wirkende Carré'fche Ammoniak- Eismafchine und der Luftpumpen- Eisapparat von Edmund Carré vertreten waren, und über welche K. Swoboda in feinem Buche:„ Die Eisapparate der Neuzeit", Weimar 1868, Bernhard Fr. Voigt, ausführlich berichtet, wurden mehrere Patente auf Verbefferungen der erwähnten und auf Herftellung neuer Eismafchinen genommen. Die grofse Zahl der conftruirten und ausgeführten Eismafchinen kann man in zwei Gruppen bringen: Eismafchinen. 21 1. In jene, bei welchen eine Flüffigkeit in einem gefchloffenen Apparate zum rafchen Verdampfen gebracht wird, wodurch diefelbe Wärme bindet, da bei dem Uebergange vom flüffigen in den gasförmigen Zuftand eine Arbeit geleiftet werden mufs, indem ein Widerftand überwunden wird. Diefe Arbeitsleiftung wird durch die Wärme erzeugt. Diefe Wärme wird der Umgebung entzogen; in diefem Falle einer Salzlöfung, welche bis auf- 10 bis- 15 Grad Celfius abgekühlt werden kann, ohne zu gefrieren. In diefe gekühlte Flüffigkeit werden die fogenannten Gefriergefäfse, mit Waffer gefüllt, gebracht und fo das Waffer in Eis verwandelt. Indem nun die verdampfte Flüffigkeit in ihrem weiteren Gange durch den Apparat wieder condenfirt oder vom Waffer abforbirt wird( wie Ammoniakgas), um den Kreislauf von Neuem zu beginnen, nennt man folche Maſchinen cotinuirlich wirkende zum Unterfchiede von den intermittirenden, urfprünglichen Carr é'fchen Eismaschinen, die nur mehr in Laboratorien verwendet werden. Es follen hier kurz die verfchiedenen Flüffigkeiten erwähnt werden, die in Folge ihrer Flüchtigkeit zur Eisfabrication vorgefchlagen wurden und zum Theile auch wirklich angewendet werden. Athyläther( Harrifon's Patent); Methyläther( Tellier); diefe Flüffigkeit fiedet fchon bei 21 Grad Celfius und ist mithin weit flüchtiger als Athyläther, deffen Siedepunkt bei 35 Grad Celfius liegt; Amyläther( Menard); Ammoniak( Carré). Tellier, Budin und Husmann beanfpruchen ebenfalls die Priorität für den Ammoniak- Eisapparat. Methylamin( Tellier). Diefes ift in Waffer viel löslicher als Ammoniak; während 1 Volumtheil Waffer 670 Volu mina Ammoniak löft, löft es 1070 Volumina Methylamin bei 12 Grad Celfius; auch fchweflige Säure wurde in den Kreis jener Körper gezogen, die zur Eisfabrication verwendbar find; diefelbe bedarf nämlich zur Verflüffigung nur der Hälfte des Druckes als das Ammoniakgas, dafür ift aber die fchweflige Säure fchwerer in Waffer löslich und greift die Metalle an; Koehler liefs fich eine Eismafchine patentiren, in welcher die Kälte durch Verdunften von Chloräthyl, das fchon bei 12 Grad Celfius fiedet, erzeugt wird; endlich wurde von Ed. Carré die rafche Verdunftung des Waffers unter Mitwirkung von concentrirter Schwefelfäure zur Eiserzeugung benützt und auf diefes Princip hin eine Eismaschine gebaut. Auch die flüchtigeren Deftillationsproducte des Petroleum kamen unter verfchiedenen Namen zur Eiserzeugung in Verwendung. Von all' diefen Flüffigkeiten kommt nur das Ammoniak in Betracht zu ziehen, in folange es nicht gelingt, alle die vorgefchlagenen und theoretifch günftiger wirkenden Subftanzen leicht und in gröfs erer Menge billig darzuftellen. In die zweite Gruppe gehören jene Eismafchinen, bei denen ein Gas: atmofphärifche Luft, Kohlenfäure, Wafferftoffgas u. f. w. durch eine Pumpe ftark comprimirt wird Hiebei wird ein beftimmtes Wärmequantum frei. Diefer comprimirten Luft wird nun durch Wafferkühlung die freigewordene Wärme entzogen, und diefelbe fo auf die gewöhnliche Temperatur von 7 bis 12 Grad Celfius gebracht. Diefe gekühlte, comprimirte Luft wird hierauf zur rafchen Expanfion durch diefelbe Pumpe gezwungen, welche fie früher compri mirte. Zu diefer Ausdehnung nun bedarf die Luft Wärme und gerade fo viel, als fie früher bei der Compreffion frei gab. Diefe Wärme wird wieder, wie früher, einer Salzlöfung entnommen, in welcher dann das Waffer in den Gefrierapparaten zu Eis wird. Die erfte nach diefem Principe conftruirte Eismafchine war die von Kirk, hierauf folgte die von Windhaufen und die neueften find die von Mignot und von Giffard& Armen geaud. Auf der Ausftellung waren von diefen verfchiedenen Mafchinen die continuirlich wirkende Carré'fche Ammoniak- Eismafchine von den 22 Johann Stingl. zwei deutfchen Firmen Actiengefellfchaft für Fabrication von Eismafchinen, Mineralwaffer und fonftigen technifchen Apparaten( vormals Oscar Kropf& Comp. zu Nordhaufen) und Vaas& Littmann in Halle an der Saale; erner war ausgeftellt eine Aether Eismafchine( durch die Firma Siebe& Weft, Mafon ftreet, Lambeth, London). Die Carré fche Ammoniak- Eismafchine hat bis jetzt fich am meiften Bahn gebrochen und findet in ausgedehnterem Mafse Anwendung. Wefentliche Neuerungen in der Conftruction wurden an derfelben feit der Parifer Ausftellung nicht vorgenommen. Die Firma Vaas& Littmann, die feit fünf Jahren befteht und gegen 90 Arbeiter befchäftigt, erzeugte in diefem Zeitraume 34 Eismaschinen von einer Leiftungsfähigkeit von 50 bis 1000 Pfund Eis in der Stunde. Die genannte Firma verwendet ftatt der bisher gebräuchlichen genieteten Verdampfkeffel gefchweifste Keffel, die gefahrlos eine Spannung von 16 bis 20 Atmoſphären aushalten und nicht fo leicht rinnen wie die genieteten. Jede Röhre befitzt ferner einen forgfältig gearbeiteten Hahn, fo dafs man in der Lage ift, bei nothwendigen Reparaturen nicht die ganze Mafchine in Unthätigkeit verfetzen zu müffen, fondern in vielen Fällen durch die entfprechende Hahnftellung abgeholfen werden kann. Vaas und Littmann verwenden bei ihren gröfseren Eismafchinen zwei, ja drei Gefrierer, in der Art, dafs die das flüffige Ammoniak führende Röhre in zwei, refpective drei Zweigröhren fich theilt, deren jede durch einen Hahn gefchloffen oder geöffnet werden kann. Um die in den Gefriergefäfsen befindliche Chlorcalciumlöfung gleichmäfsig abzukühlen, befindet fich in denfelben ein Rührwerk, aus einem kleinen Flügelrade beſtehend. Die Mafchinen von Vaas& Littmann liefern Eisplatten von 80 Millimeter Stärke, 185 Millimeter Breite und 750 Millimeter Länge und einem Gewichte von 20 Zollpfund. Die Preife und Leiftungsfähigkeit der continuirlichen Carré'fchen Ammoniak- Eismafchine ftellen fich nach den Mittheilungen der Firma Vaas und Littmann wie folgt: Leiftungsfähigkeit per Stunde in Zollpfunden Preis der Mafchine inclufive Ammoniaklöfung und Chlorcalcium in Thalern per Centner Erforderliches Kühlwaffer bei 14 Grad Celfius per Stunde in Litern. Verbrauch an Steinkohle per Stunde in Pfunden Zur Bedienung der Mafchine erfor derliche Arbeiter Erforderliche Betriebskraft für die Eismafchine und Wafferpumpe in Pferdekräften 50 IOO 200 400 IOOO 1600 2600 4300 6400 I 0000 75° 1500 3000 6000 15000 8 IO 18 30 60 2 2 2 3 4 0 2 3 4 Beiläufiges Gewicht der Maſchine in Centnern 75 120 200 310 480 Der tägliche Bedarf an Kohle, Ammoniakflüffigkeit und Chlorcalcium ift für diefe Eismafchine von verfchiedener Leiftungsfähigkeit folgender: Eismaschinen. 23 Ammoniak- Chlor Kohle löfung calcium Pfund Eismafchine von 50 Pfund ftündlicher Leiftung 150 I IOO 29 " " 99 27 300 1 ½ 200 " 22 י 99 600 313 " " 400 99 " 9 1800 99 IO 1000 29 وو 2400 15 12348 Berücksichtigt man alle einfchlägigen Factoren, fo ftellt fich I Centner Eis je nach der verfchiedenen Leiftungsfähigkeit der Mafchinen, wie folgt: Bei einer Leiftungsfähigkeit der Mafchine von 50 Pfund in der Stunde, koftet I Centner Eis II Silbergrofchen 10 Pfennig, IOO 200 " 99 I " 27 " 9 7 I " 9 "? 29 17 " 22 I 99 " 9 " 7 5 400 1000 دو " I 25 99 29 22 72 22 " 9 " 9 27 99 543 79 9 79 4 6 " 3 77 " 9 Aus diefen Daten erfieht man, dafs die Preife des Eifes bei gröfserer Leiftung der Mafchine niederer zu ftehen kommen. Nach der Angabe der Firma ,, Actiengefellfchaft für Fabrication von Eismafchinen etc."( vormals Oscar Kropf), deren Mafchinen im Wefentlichen denen der früheren Firma gleichen, und welche am früheften die Eismaſchinen in Deutſchland fabricirte, ftellen fich die Preisverhältniffe und Leiftungsfähigkeit der Eismaschinen folgendermafsen: Leiftungsfähigkeit per Stunde in Pfunden Preis der Mafchine in Thalern Kühlwaffer von 12 Grad Celfius per Stunde in Liter. Verbrauch an Steinkohle per Stunde in Pfunden Erforderliche 15 IOO 50 500 750 1500 2400 4000 6000 · 200 1000 10000 35° 75° 1500 3000 6000 I 2000 4 IO 18 40 70 Arbeiter zur 2 2 2 2 3 3 . 8 Bedienung Beiläufiges Gewicht der Mafchine fammt Verpackung in Centnern Menge der Ammoniaklöfung zur erften Füllung in Centnern Menge der Chlorcalciumlöfung zur erften Füllung in Centnern 40 75 I 20 200 310 450 2 3 5 IO 25 45 2 3 5 IO 25 50 Nach den Angaben von Oscar Kropf findet bei einer Mafchine, die täglich 40 Centner Eis erzeugt, ein Ammoniakverluft von 2 Pfund täglich ftatt. Vaas& Littmann geben, bei einer Production von 12 Centner Eis täglich, einen Ammoniakverluft in der Höhe von 12 Pfund täglich an. Man kann ferner nach den Angaben der genannten Firma annehmen, dafs für 2 Pfund erzeugtes Eis circa 1 Pfund Kühlwaffer von 14 Grad Celfius erforderlich ift, welches Kühl L 24 Johann Stingl. waffer durchschnittlich mit 22 Grad Celfius abfliefst; es darf die Temperatur von 30 Grad Celfius nie erreichen, da fonft in Folge ungenügender Condenſation des Ammoniaks der Druck im Keffel weit über 10 Atmoſphären fteigen würde. Was nun die Frage betreffs des Nutzeffectes der continuirlichen AmmoniakEismafchinen anbetrifft, fo liegt darüber eine intereffante Arbeit von Profeffor Pouillet vor. Diefelbe läfst fich kurz in Folgendem refumiren: I Kilogramm Waffer von gewöhnlicher Temperatur( 10 bis 14 Grad Celfius) mufs 100 Calorien verlieren( Bruhn nimmt 100 Calorien auf 12 Kilo Waffer an), um fich in Eis zu verwandeln. Pouillet macht hier darauf aufmerkfam, dafs man bei der Feftfetzung der Leiftung einer Eismafchine nach der Anzahl der ftündlich einem Körper entzogenen Calorien nicht die Intenfität der erzeugten Kälte überfehen darf, indem es nämlich durchaus nicht gleichbedeutend ift, ob ein Körper 30 Grad von 10 Grad auf o Grad, alfo um 10 Grad Celfius oder von Celfius, alfo wieder um 10 Grad Celfius abgekühlt werde. Es gehört mithin zur Schätzung der Leiftung einer Eismafchine fowohl die Angabe der ftündlich entzogenen Calorien, als auch die Kenntnifs der Temperaturgrenzen, zwifchen welchen die Abkühlung ftattfindet. - 20 auf - Auf diefes Moment legte Bruhn** in feiner Arbeit über die Maximalleiftung einer Windhaufen'fchen Luft- Eismafchine keinen Werth und doch gilt auch hier das von Pouillet angegebene Moment betreffs der Intenſität der erzeug. ten Kälte; wie auch C. Linde*** in einer intereffanten Arbeit gegen Bruhn treffend durch das Gleichnifs darthut: , So wenig die Frage beantwortbar ift, welches Gewicht durch eine gegebene Arbeitsgröfse gehoben werden könne, wenn die Förderhöhe nicht angegeben ift, ebenfo entfchieden läfst fich die angeführte Frage( wie viel Kälte kann durch eine gegebene mechanifche Arbeitsgröfse im Maximum erzeugt werden?) nicht beantworten, ohne dafs die Temperaturhöhen gegeben find, bei welchen das Wärmegewicht dem abzukühlenden Körper entzogen werden foll." Nehmen wir nun mit Pouillet eine Leiftung der Ammoniak- Eismaschine von 100.000 Calorien in der Stunde an, fo müffen im Gefrierer der Eismafchine 200 Kilogramme Ammoniak in der Stunde verdampfen, da die latente Wärme des Ammoniak nach Favre und Silbermann 500 Calorien beträgt. Da nun diefelbe Menge Ammoniak in derfelben Zeit im Condenfator verdichtet und diefelbe Menge im Abforptionsgefäfse von der erfchöpften und abgekühlten Keffelflüffigkeit abforbirt werden mufs, welche beide Vorgänge offenbar unter Wärmeabgabe, und zwar in jedem Falle 100.000 Calorien, ftattfinden, fo mufs diefes Wärmequantum von 200.000 Calorien durch Kühlwaffer aus jedem der erwähnten Theile der Eismafchine entzogen werden. Nehmen wir nun an, das Kühlwaffer befäfse eine Temperatur von 120 Celfius und es dürfte nur um 100 Celfius feine Temperatur erhöht werden, fo erhellt, dafs man ftündlich bei der angenommenen Leiftung der Mafchine 20.000 Kilogramm Kühlwaffer benöthigt, wovon 10.000 Kilo auf den Kühler und 10.000 Kilo auf die Abforptionsvafe kommen. Der Brennmaterial- Verbrauch mufs mithin auch in der Stunde 100.000 Calorien äquivalent fein, abgefehen von anderweitigen Verluften an Wärme. Der Keffel und der Gefrierer entziehen mithin Wärme; der Keffel dem Brennmateriale( dem Ofen), der Gefrierer der umgebenden Salzlöfung, da beide durch Verdampfung wirken; hingegen wird im Condenfator und im Abforbirer Wärme frei, da beide auf das Gas verdichtend wirken, und diefe Wärme mufs durch Kühlwaffer weggefchafft werden. * Bulletin de la Société d'Encouragement: Jänner 1863, Seite 32 und Dingler's polyt. Journal, Band, 168 Seite 171. ** Dingler's polytechnifches Journal CXCVII, Seite 20; Wagner's Jahresbericht 1870, *** Baierifches Induftrie- und Gewerbeblatt 1870, pag. 207, 321 und 363; Wagner's Jahresbericht 1870, Seite 596. pag. 595. 著 Eismafchinen. 25 Nach den Angaben Davy's und Carré's abforbirt I Kilo erfchöpfter und gekühlter Keffelflüffigkeit, wie felbe in dem Abforptionsgfäfse ankommt, 50 Gramme Ammoniak und wird hiedurch wieder zu einer ftarken tauglichen Ammoniaklöfung, die zum Keffel zurückgelangt. Da nun in unferem Falle ftündlich 200 Kilo Ammoniakdampf im Eiserzeuger( Gefrierer) entſtehen, welche durch Abforption weggefchafft werden müffen, fo benöthigt man hiezu 200000/ 50= 4000 Kilogramm erfchöpfter Keffelflüffigkeit, die von 130 Grad Celfius( Keffeltemperatur) zuvor auf 20 bis 25 Grad Celfius abgekühlt werden mufs. Hiedurch entſtehen mithin 4200 Kilogramm Ammoniaklöfung. Soll nun diefes Gewicht Flüffigkeit in den Keffel, der 10 Atmoſphären oder 100 KilogrammMeter Spannung befitzt, geprefst werden, fo ift hiezu ein Kraftaufwand von 420.000 Kilogramm- Meter oder etwa zwei Pferdekräfte nöthig, die" günftigften Vorausfetzungen angenommen. Aus diefer Darftellung erfieht man, dafs die Leiftungsfähigkeit einer der. artigen Mafchine von der Menge der im Eiserzeuger verdampfenden Ammoniakflüffigkeit abhängt. Diefe aber ift bedingt durch die rafchere oder langfamere Abforption des verdampften Ammoniak in dem Abforptionsgefäfse. Alles, was daher diefe Abforption erhöht, begünftigt die Leiftungsfähigkeit der Maſchine. Am geeignetften für die Abforption wären die beiden Subftanzen Waffer und Ammoniakgas, wenn erfteres ammoniak- und letzteres wafferfrei wäre. Das ift aber bei der gewöhnlichen Carré'fchen Eismafchine nicht der Fall; denn nach den Angaben Reece's foll die in den Gefrierer gelangende Flüffigkeit aus 25 Percent Waffer und 75 Percent Ammoniak beftehen. Um nun diefen einen Uebelftand zu beheben, conftruirten Reece* und Mont& Nicolle** Ammoniak Eismafchinen und liefsen fich diefelben patentiren. Die Mafchine Reece's will den erwähnten Zweck in der Art erreichen, dafs man in den Keffel eine verdünnte Ammoniaklöfung bringt und diefelbe unter einem Drucke von 10 Atmoſphären verdampft, während man eine kalte concentrirte Ammoniaklöfung über viele in einem hohen fchmalen Cylinder fenkrecht über einander ftehende Schalen den gefpannten Dämpfen entgegenfliefsen läfst. Hiedurch wird das Ammoniakgas frei, während der Wafferdampf zum gröfsten Theile condenfirt wird. Diefer Apparat wird daher Analyfator genannt. Die noch mit Wafferdampf gemengten Ammoniakdämpfe gelangen hieraus in ein fenkrecht ftehendes Röhrenfyftem, das gekühlt wird; hiedurch wird der Reft des Wafferdampfes condenfirt und fliefst in den Keffel zurück. Diefer Theil des Apparates heifst Rectificator. Das Ammoniakgas wird hierauf condenfirt, verdampft, wieder abforbirt und gelangt abermals in Form einer concentrirten Löfung in den Analyfator. Nach Reece kann man mit einer Tonne Steinkohle 5 bis 8 Tonnen Ammoniak überdeftilliren und flüffig machen. Mittelft einer Tonne wafferfreien flüffigen Ammoniaks kann man vier Tonnen Eis aus Waffer von 26% Grad Celfius bereiten. Mont& Nicolle erzeugen mittelft einer Pumpe im Eiserzeuger eine Luftverdünnung, in Folge deffen aus einer auf einem cascadenartigen Schalenfyfteme vertheilten concentrirten kalten Ammoniaklöfung das Ammoniak frei wird und hiebei Wärme bindet, welche dem Gefäfse, refpective dem zu gefrierenden Waffer entzogen wird, welches in einem durch die Mitte der Schalen gehenden Cylinder fich befindet. Die früher erwähnte Pumpe faugt nun aus dem Gefrierer gleichzeitig das verdampfte Ammoniak( vom oberen Theile des Gefrierers) und die erfchöpfte Ammoniaklöfung, welche aus dem unteren Theile des Gefriereis in eine Schlangenröhre fliefst, die fich in einem gefchloffenen Gefäfse befindet, in * Moniteur scientif. 1869, pag. 484. Dingler's polytechnifches Journal CXCV, pag. 40. ** Mechan. Magazine 1870, March, pag. 169. Polytechnifches Centralblatt 1870, pag. 464. 26 Johann Stingl. welchem die concentrirte Ammoniakflüffigkeit ift, die hie durch abgekühlt, bevor fie in den oberen Theil des Gefrierers geprefst wird. Ammoniak und erfchöpfte Flüffig. keit kommen alfo beim Herabgehen des Pumpenkolbens ober dem Kolben an; beim Hinaufgehen des Kolbens öffnet fich das Ventil des Kolbens nach abwärts. Die beiden Körper- Ammoniak und Waffer- gelangen hiedurch unter den Kolben, zum Theile fchon verbunden. Beim Niedergange des Kolbens werden Ammoniak und Waffer durch den Druck noch weiter vereinigt, was in einer Schlangenröhre gefchieht, die im Kühlwaffer unter der Pumpe liegt und zuletzt in das früher erwähnte Gefäfs offen ausmündet, fo dafs darin die gefättigte Ammoniaklöfung angefammelt, gekühlt und hierauf in den Gefrierer geprefst wird. Die Aether- Eismafchine von Siebe und Weft repräfentirte die Gattung jener Mafchinen, bei denen die Abkühlung durch Verdampfen eines gewöhnlich flüffigen- aber bei niederer Temperatur fiedenden Körpers hervorgebracht wird, fo dafs diefe Art von Mafchinen dadurch wirken, dafs durch Luftverdünnung mittelft Luftpumpe die erwähnte Flüffigkeit zum rafchen Verdampfen kommt, hiedurch Wärme bindet und hierauf durch Druck und Abkühlung wieder flüffige Form annimmt, um von Neuem wieder zu verdunften und fo fort fo lange eine Luftpumpe wirkt. - Die am häufigften hiezu verwendete Flüffigkeit ift der gewöhnliche A ethyläther, der bei 35 Grad Celfius fiedet und deffen latente Wärme beiläufig 90 Calorien beträgt, fo dafs, wenn z. B. 10 Kilogramm Aether verdampfen, 900 Calorien gebunden werden. Siebe und Weft adoptirten das zuerft von Harrifon angegebene Princip; und fchon auf der Londoner Ausftellung im Jahre 1862 functionirte eine derartige Aether Eismafchine, die im Wefentlichen diefelbe Einrichtung hatte wie die auf der jüngften Ausftellung vorhandene: Eine durch Waffer kühlbare, doppeltwirkende Luftpumpe mit ftarken Kautfchukventilen, ein ftarkes kupfernes Röhrenfyftem, in welchem der Aether in Folge der Luftverdünnung rafch verdunftet und Wärme entzieht, Aetherkeffel genannt, eine Kühlfchlange aus dichtem Schmiedeifen, Conden fator genannt, in welchem der Aetherdampf durch Druck der Pumpe und Abküh lung wieder verflüffigt wird, find die drei Hauptbeftandtheile diefer Art von Eismafchinen. Diefer fogenannte Aetherkeffel ift aufsen von fchlechten Wärmeleitern umgeben und wirkt abkühlend auf einen Salz- Wafferftrom, der in einem gefchloffenen Röhrenfyfteme neben dem verdampfenden Aether kreift und der als eigentlicher Uebertrager der Kälte auf die Gefriergefäfse, die in einem in Fächer getheilten Gefrierkaften fich befinden, zu betrachten ift. Die Bewegung diefes in gefchloffenen Röhren kreifenden Salz- Wafferftromes regelt eine kleine Pumpe in der Art, dafs die im Aetherkeffel gekühlte Salzlöfung in den Gefrierer gelangt, hier die aus Zinkblech verfertigten Gefrierzellen eng umkreift und hierauf von der Pumpe wieder in den Aetherkeffel getrieben wird, um dort abermals gekühlt zu werden. Auf dem Wege zum Aetherkeffel paffirt die noch kalte Löfung den Condenfator, um hier abkühlend auf den verdichteten Aether zu wirken. Aether und Salzwaffer machen daher jedes für fich in gefchloffenen Röhrenfyftemen einen immerwährenden Kreislauf, der durch mechanifche Kraft ermöglicht wird. Nach den Angaben von Siebe und Weft foll fo gut wie kein Aetherverluft bei ihren neuen Mafchinen ftattfinden, während Dr. R. Schmidt in einem Berichte über Siebe's Aether Eismaschinen angibt, dafs bei einer Leiftungsfähig. keit der Mafchine von 20 Centner Eis täglich der Verluft an Aether Ein Pfund beträgt. Eine derartige Mafchine mit einer Leiftung von 100 Centner Eis in 24 Stunden benöthigt zu ihrem Betriebe eine Dampfmafchine von 24 effectiven Pferdekräften, alfo jedenfalls eine tüchtige Arbeitsleiftung. * Dingler's polyt. Journal. CLXVIII. Pag. 434. Eismaschinen. 27 Siebe und Weft geben an, dafs 10 bis 30 Pfund Eis, mit ihrer Mafchine erzeugt, auf nur ein Penny, alfo beiläufig 5 kr. zu ftehen kommen; ferner foll I Pfund Kohle 3 bis IO Pfund Eis produciren. Der beigegebene HolzFig. 1. 28 Johann Stingl. fchnitt Fig. 1 foll die Anwendung diefer Aether- Eismafchine verfinnlichen. A ift die doppeltwirkende Luftpumpe, die durch die Röhren a mit dem Aetherkeffel B in Verbindung fteht. Durch die Röhren 6 wird der Aetherdampf von der Luft. pumpe nach dem Condenſator D gedrückt. Durch die Röhre und den Hahn d gelangt der flüffige Aether aus dem Condenfator D in den Aetherkeffel B, in welchem auch das Salzwaffer- Rohr liegt. Die gekühlte Salzwaffer Löfung kommt durch die Röhre e in den Gefrierer C und von hier, nachdem fie gewirkt, durch D wieder nach B. Eine Eismafchine nach Kirk, Windhaufen, Mignot oder Giffard& Armengeaud war nicht ausgeftellt, was zu bedauern ift, da aus ihrem Nichterfcheinen auf der Ausftellung durchaus nicht gefchloffen werden darf, als ob diefelben keine Verwendung fänden oder nicht erzeugt würden. In Deutfchland erzeugen die Firmen Franz Windhaufen in Braunfchweig und Pröfsdorf& Koch in Leipzig derartige Luftmafchinen. Die letztere Firma gibt an, dafs man mit 40 Pfund Kohlen und einer Dampfmaschine von vier Pferdekräften 100 Pfund Eis per Stunde zu erzeugen im Stande ift. Bei einer Leiftung von 1000 Pfund ftündlich braucht man 240 Pfund Kohle und eine Dampfmafchine von 40 Pferdekräften. Profeffor Meidinger* gibt an: dafs bei niederer Productionsfähigkeit eine Luft- Eismafchine koft fpieliger arbeitet als eine Ammoniak- Eismafchine; dafs aber fchon bei einer Leiftung von vier Centner per Stunde die Preife des Eifes nahezu gleichzuftehen kommen. Dr. R. Schmidt ftellt eine Vergleichung der Herftellungskoften von künftlichem Eife, einerfeits mit der Carré'fchen, andererfeits mit der Windhaufen'fchen Eismafchine erzeugt, auf** und gelangt bei einer Leiftungsfähig. keit der Mafchine von je 400 Pfund Eis in der Stunde zu dem Reſultate, dafs ein Centner Eis unter diefen Umständen, mittelft der Carré'fchen Mafchine hergeſtellt, auf 5% Silbergrofchen zu ftehen käme, während er, durch die Windhaufen'fche Mafchine erzeugt, 75% Silbergrofchen koften würde. Aus allen diefen, zum Theile widerfprechenden Angaben folgt, dafs auf dem Gebiete der künftlichen Eisfabrication noch viel zu leiften ift und die Arbeiten hierüber intereffant und lohnend find. Ein wichtiger Umftand bei diefer Gattung von Eismaschinen ift der, dafs die comprimirte Luft fo wenig als möglich vor ihrer Wirkung im Kälteerzeuger expandiren foll, was bei der Windhaufen'fchen nicht der Fall ift, indem hier die Luft fchon bei ihrer Abkühlung, die aufserhalb der Compreffionspumpe in einem eigenen Röhrenfyfteme gefchieht, expandirt und fo einen Theil ihrer Wirkung verliert. Mignot und Giffard& Armengaud umgehen diefen Uebelftand dadurch, dafs fie in den Compreffionsraum der Pumpe das Kühlwaffer direct einfpritzen und fo die gekühlte Luft mit voller Compreffion in den Gefrierer bringen. Freilich fchlagen diefe Maſchinen fehr ftark und confumiren eine unverhältnifsmässig grofse Kraft, bei mittleren Leiftungen 16 bis 20 Pferdekräfte. Uebrigens dürfte die Zukunft diefer Art von Kälte- Erzeugungsmafchinen darin liegen, dafs fie zur Abkühlung der Luft verwendet werden, zu welchem Zwecke fie vermöge ihrer Conftruction befonders geeignet sind. Apparate der Leuchtgasfabrication. Wohl wenig Induftriezweige, die mit der Chemie in Verbindung ftehen, waren auf der Ausftellung fo ausführlich illuftrirt, als diefs bei der Leuchtgasfabrication der Fall war. Um fo bedauerlicher aber war es, dafs diefs ganz fyftemlos gefchah. In verfchiedenen Räumen und verfchiedenen Gruppen mufste das Zufammengehörige aufgefucht werden, was den Totaleindruck und die Ueberficht beeinträchtigte. * Wagner's Jahresbericht. 1869. Pag. 508. * Dingler's polyt. Journal. CLXLIX. Pag. 38. Apparate der Leuchtgasfabrication. 29 Die Steinkohlen- Gasfabrication hat in Folge des grofsartigen Auffchwunges, den die Benützung diefes bequemen und billigen Beleuchtungsmateriales genommen hat, fchon einen bedeutenden Grad von Vollkommenheit erreicht, was befonders von der Conftruction und Ausführung der Apparate gilt. Aus diefem Grunde durfte man auf diefem Gebiete nicht grofse Neuerungen erwarten. Gasretorten verfchiedenfter Art waren zahlreich ausgeftellt. Die englifche Gasgefellfchaft hatte fehr fchön gearbeitete Retorten und feuerfefte Formfteine ausgeftellt, die in dem Erdberger Gaswerk zu Wien verfertigt werden. Deutſchland war durch die Firmen: J. Geith in Coburg, K. Kulmitz in Saarau( Schlefien). Stettiner Chamotte Fabrik Actiengefellfchaft Didier vormals Kornhardt, ferner durch H. J. Vygen& Comp. in Duisburg am Rhein vertreten. J. Geith brachte innen glafirte Retorten zur Anfchauung. Nach einer Angabe von Gatellier, der zuerft glafirte Zinkretorten herftellte, wird eine derartige Glafur auf die Art erhalten, dafs man eine mit Gummi arabicum verfetzte concentrirte Kochfalzlöfung auf die Thonmaffe aufftreicht und bei hoher Temperatur auffchmilzt. Es waren von diefer Firma Retorten von 3230 Zollpfund Gewicht ausgeftellt. Vorzüglich gearbeitete Gasretorten brachten die bekannten belgifchen Firmen: Société de produits réfractaires in St. Ghislain und A. de Lattre& Comp. in Seilles. Hieran reihten fich würdig die franzöfifchen Firmen: Bousquet L.& Comp. in Lyon und die Parifer Gefellfchaft für Gasbeleuchtung und Gasheizung, welche beide vorzügliche ChamotteGasretorten ausftellten. Die Producte der erfteren Firma befitzen einen wohlbegründeten Ruf. Aufser den Gasretorten hatte die fchon früher erwähnte Firma Didier den fogenannten Kornhardt'fchen Dreierofen vollſtändig ausgeführt, fammt Zeichnungen und Plänen zur Ausftellung gebracht. Die Actiengeſellſchaft für Gas- und Heizanlagen in Wien ftellte ein äufserft nett und vollſtändig ausgearbeitetes Modell fammt Plänen einer Gasfabrik aus. Das Modell repräfentirt eine Anlage für acht Millionen Cubikfufs Leuchtgas per Jahr. Dasfelbe enthielt 3 Oefen, 8 Condenfationsröhren, 2 Wafchgefäfse, 4 Reiniger, Gasuhr, Regulator und einen Gafometer. Die Patent Gas Company in London brachte eine Gasanftalt zur Anfchauung, welche Leuchtgas nach der Eveleigh'fchen Methode darftellen follte. Es ift diefes Verfahren die bedeutendfte Neuerung, welche in jüngster Zeit auf dem Gebiete der Leuchtgasfabrication in gröfserem Mafsftabe ausgeführt wurde. Das Princip desfelben befteht bekanntlich darin, dafs die Kohlen bei niederer Temperatur, fchwacher Rothgluth, deftillirt werden. Das hiebei entftehende leichte Kohlenöl wird hierauf durch eine zweite Deftillation vergaft, fo dafs gleichzeitig bei regelmäfsigem Betriebe Kohle und leichte Theeröle( von der vorhergehenden Deftillation) deftillirt und vergaft werden. Betrachtet man diefen Vorgang genauer, fo läfst fich nicht läugnen, dafs derfelbe den theoretifchen Unterfuchungen mehr Genüge leiftet, als die bisher gebräuchliche Methode der Gaserzeugung bei hoher Temperatur, wobei ja wieder Zerfetzung der gebildeten Kohlenwafferftoffe unter Kohlenabfcheidung ftattfindet. Auch die Leuchtkraft eines bei niederer Temperatur erzeugten Gafes mufs gröfser fein, als des bei höherer Temperatur gewonnenen. * Dingler's Journal, Band 168. Pag. 278. ப 30 Johann Stingl. Bei diefem Verfahren kommt aber der wichtige Factor zu berücksichtigen, dafs hiebei kein, oder beffer gefagt, fehr wenig Theer als Nebenproduct der Leuchtgasfabrication fällt. Die Retorten, in denen die Kohlen bei fchwacher Rothglühhitze deftillirt werden, find halbkreisförmig, aus Gufseifen und auf die gewöhnliche Art im Ofen angeordnet. Das Abzugsrohr für Gas und Oeldampf ift kurz und gleich am hinteren Ende der Retorte, damit der Oeldampf fich nicht rafch condenfiren kann. Diefe Abzugsröhren münden in eine Vorlage, worin der Theer fich condenfirt und von wo das Gas durch die Reiniger in den Gafometer geht. Auf diefem Wege mengt es fich mit jenem Gafe, welches durch Vergafung des früher erhaltenen Kohlenöles erzeugt wird. Diefe Oelvergafung gefchieht nun in einem eigenen Apparate, der aus drei Theilen befteht: Aus dem Verdampfer, das ift einer keffelartigen Retorte, in welche das Kohlenöl( leichter Theer) aus dem Sammelrefervoir fliefst und den Verdampfer bis zu einer gewiffen Höhe füllt. In diefem Gefäfse beginnt bei der niederften Temperatur des ganzen Apparates, 800 bis 900 Grad Fahrenheit( beiläufig 500 Grad Celfius), die Verdampfung des Oeles. Die Oeldämpfe der leichteren Oele fteigen in einem Rohre nach aufwärts in einen der Feuerung näher gelegenen Verdampfapparat, der durch eine Zwifchenwand in zwei Abtheilungen getheilt ift und fo die Dämpfe zwingt, einen gröfseren Weg zurückzulegen. Die Temperatur in diefem Die hier fich Raume beträgt 1100 Grad Fahrenheit oder 605 Grad Celfius. bildenden und nicht vergaften fchweren Oele fliefsen an dem unteren Ende des Apparates durch eine Röhre in den erften Verdampfer zurück, von wo aus die fchweren Oele überhaupt an der tiefften Stelle abgelaffen werden können. Aus diefer zweiten Abtheilung des Vergafungsapparates ftreichen die Gafe und Dämpfe endlich in den letzten und heifseften Theil, nämlich in einen Cylinder, der mit glühenden Holzkohlen gefüllt ift und von den Feuergafen der Feuerung direct umfpült wird. In diefem Apparate findet die vollständige Vergafung ftatt und das erzeugte Gas wird unterhalb der auf einer fiebartigen Scheidewand liegenden Kohlen durch ein Abzugsrohr in den Condenfator geleitet, wo die nicht vergaften Oeldämpfe zurückgehalten werden und von wo das Gas feiner weiteren Reinigung und Verwendung zugeführt wird. Das condenfirte Oel wird abermals in den Deftillationsapparat zurückgebracht. macht. Wir fehen, dafs das Theeröl den entgegengeletzten Weg der Feuergafe Dafs diefer Apparat complicirt und umftändlich bei feiner Ueberwachung ift, geht aus der Befchreibung hervor. Die Anfichten über die Vortheile und Rentabilität diefer Methode der Leuchtgasfabrication find noch fehr getheilt. Jedenfalls fcheinen die Angaben in dem Profpecte der Ausfteller fehr fanguinifch zu fein, und man müfste ftaunen über das Verkennen des eigenen Vortheiles feitens der Leuchtgasfabriken, wenn fie fich gegen diefes Verfahren ablehnend benähmen, vorausgefetzt, dafs die Angaben, die zu Gunften des Eveleigh'fchen Verfahrens gemacht werden, fich in der Praxis bewähren. Die Herren F. Keates und Profeffor W. Odling ftellten auf Veranlaffung der Patent Gascompany mehrere Verfuche im Grofsen in den Gasanftalten zu Barnet und Peckham, wo diefe Methode im Grofsen geübt wird, an, und gelangten zu folgenden Refultaten*. Die Quantität und Qualität des bei niedriger Temperatur aus der Gaskohle direct gewonnenen Gafes( ,, bei einer bei Tage noch fichtbaren Kirfchrothhitze") * Journal für Gasbeleuchtung von Dr. N. H. Schilling, 1873, März, S. 85. Apparate der Leuchtgasfabrication. 31 ift eine beffere als bei der gewöhnlichen Leuchtgaserzeugung bei hoher Temperatur. Allein entgegen diefen Vortheilen ftehen ein gröfserer Brennmaterial- Verbrauch( ungefähr 33 Percent der der Deftillation unterworfenen Kohlenmenge) und ein höherer Arbeitslohn in Folge der länger dauernden Deftillation. Das Gas befitzt durchfchnittlich eine Lichtftärke von zwanzig Kerzen. Die Coaksausbeute zeigte wenig Differenz gegen die gewöhnliche Methode. Viel ungünftigere Refultate ergibt die Vergafung des Kohlenöles: 20 Cent ner( 1 Tonne) Oel benöthigten zu ihrer Vergafung 19 Centner Coaks und ergaben nur 6267 Cubikfufs Gas von 25 Kerzen Leuchtkraft und 14% Centner Theerpech; wobei bemerkt werden mufs, dafs 20 Centner Silkftonkohle bei der erwähnten Deftillation 16: 4 Gallons Oel neben 8587 Cubikfufs Gas liefern. Die genannten Forfcher fprechen auf Grund diefer Thatfachen fich gegen die genannte Methode aus. Sie fagen: " Wir müffen fomit gezwungen uns gegen Eveleigh's Methode zur Erzeugung von Gas für gröfsere Städte ausfprechen, wenn auch vielleicht gewiffe Ortslagen und Anlagen derfelben Vorfchub leiften könnten. Der Preis des Oelgafes ift in Bezug zur Leuchtkraft ein hoher und fein ganzer Effect beftand nur darin, das Kohlengas aus Silkftonkohle auf 23 bis 24 Neuner Kerzen Leuchtkraft zu erhöhen. Bei fteigender Hitze bemerkten wir immer Störungen im Apparate. Die Temperatur hat fomit Einfluss auf den Gang der Methode. Verftopfungen der Abzugsröhren kamen nicht vor. Die Permanenz des Gafes hielt fich unter fehr ungünftigen Umständen gut und blieb nicht hinter der des gewöhn lichen Kohlengafes zurück." Es ift daher noch abzuwarten, wie diefe jedenfalls intereffante Methode weiter ausgebildet wird. Auf der Ausftellung präfentirte fie fich nicht im Feftgewande. Die jetzt gebräuchliche Methode der Leuchtgas- Fabrication aus Steinkohlen bei hoher Temperatur hat einen hohen Grad technifcher Vollkommenheit erreicht, und es heifst, etwas wahrhaft Tüchtiges und Erprobtes bringen, foll dasfelbe die jetzige Methode verdrängen. Es gilt diefs für die Erzeugung von Leuchtgas im Grofsen, wo es fich um die Beleuchtung ganzer Städte oder fehr grofser Etabliffements handelt. Kommt aber die Frage der Gasbeleuchtung, die ob ihrer Bequemlichkeit und Billigkeit immer beliebter wird, für kleinere Locale oder Fabriksetabliffements in Betracht, fo zeigte uns die Ausftellung, wie zahlreich die Apparate und Methoden find, die Leuchtgas aus anderem Materiale als Stein kohlen erzeugen. Viele diefer Apparate find fchon längst bekannt und befchrieben; aber es war immerhin intereffant, durch die Ausftellung ihre Lebensfähigkeit und ihre Fortfchritte in Betreff ihrer Verwendung kennen zu lernen. Der intereffantefte und auch neuefte unter diefen Gasapparaten war die fogenannte Excelfior Gasmafchine von Th. B. Fogarty Warren, Maffa chuffetts, Vereinigte Staaten in Nordamerika. Diefer Apparat erzeugt eine carbonirte Luft zu Beleuchtungszwecken. Luft und Gafolin( flüchtigere Producte des Petroleums) find die Rohmaterialien für diefe Art von Leuchtgas. Nur wird der Zweck hiebei auf eine fehr finnreiche Art, die abweichend von den gewöhnlichen Vorfchlägen ift, erreicht. Der Apparat Fig. 1 hat folgende Einrichtung: In der Erde vergraben befindet fich ein Refervoir für das Gafolin, das ein fpecififches Gewicht von o 665 hat und bei 30 G. Cels. fiedet. Eine kleine HandLuftpumpe drückt das Gafolin mit 8 bis 10 Pfund Druck per Quadratzoll durch die Röhre a in eine in dem Blechmantel A befindliche eiferne Retorte. Diefe Retorte wird durch eine Gasflamme, die durch die Röhre b aus dem Gafometer C mit Gas verfehen wird, erhitzt und hiedurch das Gafolin vergaft. B ift ein Schornftein. Das Abzugsrohr der Retorte c ift mit einem Ventile verfchloffen, welches 3 32 Johann Stingl. Ventil durch ein Hebelwerk d, e, f und die Feder g periodifch geöffnet und gefchloffen wird. Fig. 1. a h b - - Die Bewegung diefes Hebelwerkes beforgt die vermöge ihres eigenen Gewichtes niederfinkende Gafometerglocke C. Ift nämlich nahezu alles im Gafometer befindliche Gas verbraucht die Glocke alfo an der tiefften Stelle angelangt fo löft das Hebelwerk die Feder g aus und das Ventil des Retorten- Endes wird plötzlich geöffnet. Da in der Retorte eine Spannung von mindeſtens 12 bis 14 Pfund per Quadratzoll herrfcht, fo entftrömt das Gas mit ziemlicher Heftigkeit durch eine enge Oeffnung nach Art eines Giffard- Appa rates in die Gaszuleitungsröhre D. Hiebei nun faugt diefer Gasftrom durch die Röhre E atmoſphärifche Luft, welche das Gafolingas verdünnt. Das Gasgemenge gelangt fo durch D in den Gafometer C, füllt denfelben und hebt die Glocke. Sobald der Gafometer gefüllt ist, wird das Ventil der Retorte gefchloffen. Gafolin tritt wieder in die Retorte fo lange, bis der Druck in der Retorte dem Drucke auf die Oberfläche der Gafolinflüffigkeit das Gleichgewicht hält. Es kann hiedurch nur ein ganz beftimmtes Quantum Gafolin in die Retorte gelangen; denn fobald die beiden erwähnten Drücke gleich find, kann kein Gafolin in die Retorte fliefsen. Ift nun die Gafometerglocke wieder unten angekommen, beginnt das Spiel des Apparates von Neuem, und es geht das fo fort, bis die Flamme unter der Retorte gelöfcht wird, was durch Abfperrung des Gafes mittelft des Hahnes und Regulators r gefchieht. Apparate der Leuchtgasfabrication. 33 Der Luftzutritt bei E kann durch den Hahn h genau regulirt werden. Sollte zu viel Gafolin in die Retorte fliefsen, fo wird durch das überflüffige Gas ein im Gafometer fich befindlicher Regulator bewegt, welcher durch ein Hebelwerk und das Gewicht einen Hahn bei m fchliefst und fo den Zulauf des Gafolins hemmt. Durch die Röhre F wird das Gas in die Röhrenleitung geführt; n regulirt den Strom des Gafolin. Diefer Apparat ift gewifs geiftreich. Er arbeitet ficher und gefahrlos wenigftens nicht gefährlicher als bei der gewöhnlichen Leuchtgas Fabrication. Er wurde fchon vielfach angewendet und verdient es auch. Gafolin- Gasapparate hatten ferner ausgeftellt Langsdorf& Mayer in Hamburg und A. S. Badt in Hamburg. Der Apparat der erfteren Firma functionirte, war nett gearbeitet und follen hievon fchon mehr als 100 im Gebrauche fein". Diefer Luftgas- Apparat ift mit kleinen, unwefentlichen Aenderungen der felbe, der von Wirth& Comp. in Frankfurt am Main 1869 in den Handel gebracht wurde. Der Apparat Fig. 2** befteht in Wefentlichem in Folgendem: C B e Fig. 2. A G A ift ein Refervoir mit Gafolin. Diefes Refervoir ift ziemlich grofs und hat aufsen ein Standglas. Von hier tropft das Gafolin durch die Röhre a in das Gefäfs B- Carburateur genannt. Dasfelbe ift innen mit Baumwolle locker gefüllt, welche das Gafolin auffaugt. Aufserhalb des Apparates befindet fich ein Waffergefäfs C, welches durch die Gasflamme f erwärmt wird ( 40 bis 45 Grad Celfius). Das warme Waffer ftrömt nun durch die Röhre r * Wagner's ,, Jahresbericht" 1869, S. 745; Dingler's Journal CXCIV. pag. 33. ** Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 869. 3* 34 Johann Stingl. in die Umhüllung von B, erwärmt dort das Gafolin fammt Wolle, erfetzt die durch das verdampfende Gafolin gebundene Wärme und kommt als abgekühltes dichteres Waffer durch s wieder nach C, um von Neuem erwärmt zu werden u. f. w. Durch diefe mit Gafolin getränkte und erwärmte Wolle wird nun ein genau regulirter Luftftrom getrieben, welcher dadurch mit Gafolindampf fich fättigt und als Leuchtgas durch die Röhren e aus dem Carbura teur ftrömt. Der Luftftrom wird durch ein Trommelgebläfe D, das mittelft der Gewichte G bewegt wird, durch die Röhre h in einen Regulator R getrieben, von wo derfelbe durch n in den Carburateur B gelangt. Diefes fo erhaltene Gas verträgt keine langen Leitungen und verliert bei gröfserer Temperaturerniedrigung an Leuchtkraft, da die Dämpfe der fchweren Kohlenwafferftoffe zum Theile condenfirt werden. Für kleine Etabliffements hat jedoch diefe Art der Leuchtgasfabrication gewifs ihr Gutes. I Pfund Gafolin foll 60 Cubikfufs Gas geben. - Der Unter Der Apparat von A. S. Badt war fehr vernachläffigt. fchied gegen den vorigen lag nur in der Art der Erzeugung des Luftftromes. Badt bewerkstelligt diefs durch pumpenartige Vorrichtungen. Da es bei derartigen Apparaten wichtig ift, dafs wegen der Conftanz der Leuchtkraft der Flammen eine ziemlich gleiche Menge Gafolindampf in der Luft enthalten iſt, fo find Gafometer angezeigt. Die Firma Julius Pintfch in Berlin hatte auf der Ausstellung einen Mineralöl Gasapparat in Betrieb, wie folcher im Grofsen benützt wird, um das Gas für die Niederfchlefifch Märkifche Eifenbahn zu erzeugen, welche Bahn die Waggons mit demfelben beleuchtet. Es ift J. Pintfch gelungen, einen Regulator zu conftruiren, der geftattet, das Leuchtgas, welches aus dem Gafometer der Gasanftalt durch eine Pumpe in cylindrifche, gufseiferne Gefäfse, Recipienten, von 50 bis 84 Cubikfufs Inhalt bis auf 6 bis 10 Atmoſphären comprimirt wird, ruhig und regelmäfsig in den Waggons zu brennen. Diefer Regulator befteht aus einer eifernen Büchfe, deren eine Seite durch eine Membrane lofe überfpannt ift. An diefer Membrane ift ein Stab befeftigt, der durch ein Hebelwerk mit dem Ventil verbunden ift, das die Gaszuftrömung regulirt. Kommt zu viel Gas in den Regulator, fo wird die Membrane gefpannt und der Stab zieht an dem Hebel, der hiedurch das Ventil theilweife fchliefst, fo dafs weniger Gas durchftrömen kann. Der Oelgas- Apparat felbft befteht aus zwei übereinander liegenden eifernen Retorten. Das Braunkohlentheer Oel tropft in die obere Zerfetzungsretorte und wird der Hauptmaffe nach verdampft; die Dämpfe fammt einem Theile unzerfetzten Oeles gelangen in die zweite, tiefer liegende und ftärker erhitzte Vergafungsretorte, wo die vollſtändige Vergafung ftattfinden foll. Gafe und Dämpfe ftreichen durch eine horizontale, dann durch eine fenkrecht nach abwärts gehende Röhre in die noch tiefer liegende Vorlage, wo die unzerfetzten Producte fich fammeln. Aus der Vorlage gelangt das Gas in einen Condenfator, von hier in einfache Kalkreiniger und zuletzt in einen Gafometer. Der von J. Pintfch aus geftellte Ofen enthielt zwei Doppelretorten. I Centner Oel gibt 1000 Cubikfufs Gas. P. Sukow& Comp. brachten ihren Erdöl- Gasapparat für 300 Flammen zur Ausstellung; er war zwar nicht zum Betriebe geeignet, aber doch voll ftändig in feinen einzelnen Beftandtheilen. Derfelbe beftand aus zwei nebeneinander liegenden, etwas nach vorne geneigten eifernen Retorten von viereckigem Querfchnitte, 6% Fufs lang, 9 Zoll breit und 3 Zoll hoch. Oberhalb des rückwärtigen Endes jeder Retorte befanden fich die Oelgefäfse, welche mit Schwimmern und Scalen verfehen waren. Das Oel gelangt mit einem gewiffen Drucke in den rückwärtigen Theil der roth glühenden Retorte und wird darin vergaft. Das Gas fteigt innerhalb Apparate der Leuchtgasfabrication. 35 der Ofenwand an der vorderen Seite der Retorte in einem Rohre in die Höhe und mündet dann in eine Vorlage oberhalb des Ofens. Hier wird der fich condenfirende Theer gefammelt und kann zur Feuerung verwendet werden. Aus diefer Vorlage gelangt das Gas in vier hohe cylindrifche mit Coaks gefüllte Scrubber und aus diefen in den Gafometer. Neben diefem Apparate hatten K. Drefcher& Küchler in Chemnitz ebenfalls einen Mineralöl Gasapparat ausgeftellt, deffen Retorten in einem eifernen Ofen lagen und bei welchen das Gas durch einen Wafchapparat, durch Scrubber und Kalkreiniger ging, bevor es in den Gafometer gelangte. Beide Firmen haben ihre Apparate an mehreren Orten und Etabliffements eingeführt und brachten günftige Zeuguiffe für ihre Gaserzeugungs- Apparate. Hirzel war übrigens der Erfte, der rationell und ökonomisch Petroleum und Petroleumrückstände zur Leuchtgasfabrication verwendete. Er liefs fich fchon 1866 einen Apparat hiezu patentiren, der allen derartigen Apparaten als Vorbild diente. Dr. H. Grothe gibt in einer ausführlicheren Arbeit über LeuchtgasErzeugungsmethoden, über das Petroleumgas, welches nach Profeffor H. Kolbe der Hauptfache nach aus Acetylen befteht und beinahe fchwefelfrei ift, folgende Daten: Das fpecififche Gewicht des Petroleumgafes beträgt 0.698 und feine Leuchtkraft ift 5% mal gröfser als die des gewöhnlichen Gafes. Aufser den hier befchriebenen und erwähnten Apparaten gibt es noch viele derartige Vorrichtungen zur Erzeugung von Leuchtgas, jedoch bei den meiften derfelben findet man nur ganz unwefentliche Aenderungen der für ein beftimmtes Rohmaterial urfprünglich ausgeführten Apparate. Wir wenden uns nun zu jenen Apparaten der Leuchtgasinduftrie, die zur Regulirung, zur Meffung, zur Prüfung u. f. w. des zum Verbrauche tauglichen, alfo gereinigten Gafes, in den Strom des Leuchtgafes eingefchaltet werden. Es find diefs äufserft wichtige Apparate von finnreicher und präcifer Conftruction, die in vielen Fällen wahre wiffenfchaftliche Inftrumente find und die für eine richtige und ökonomifche Verwendung des Leuchtgafes abfolut unentbehrlich find. Hieher gehören Gasuhren, Druckregulatoren, Photometer, Manometer, regiſtrirende Druckmeffer, Kerzenwagen, Signalapparate für Gasanftalten, Apparate zur Kohlenfäurebeſtimmung im Leuchtgafe u. f. w. Alle diefe Apparate waren durch mehrere Firmen zur Anfchauung gebracht. Die reichhaltigfte Collection diefer Art war die der Firma S. Elfter in Berlin, Neue Königftrafse. Es gelangten zur Ausftellung: 1. Gasmeffer, fowohl naffe als trockene; ein naffer Experimentir Gasmeffer, deffen Zifferblat das Ablefen von 120 Liter Gas geftattete; ferner ein InftructionsGasmeffer für Schulen zur Beobachtung der inneren Einrichtung. Alle diefe Gasmeffer waren genau gearbeitet und fehr empfindlich. 2. Prüfungsapparate für Gasanftalten, als: Multiplicirende Druckmeffer nach Elfter und nach King, graphifche Druckmeffer nach Crowsley und nach Wrigh, AllarmDruckmeffer nach Profeffor Heeren. Diefer Apparat gibt beim Ueberfchreiten des zuläffigen Gasdruckes ein andauerndes Glockenfignal. Intereffant ift der trockene. Regulator für 10 Flammen( fogenannter Cafernenbrenner, da er in allen gröfseren Cafernen des deutfchen Reiches eingeführt ift). Diefer Regulator in Verbindung mit den zehn Brennern gibt einen conftanten Gasverbrauch. Die Einrichtung diefes Regulators ift folgende ( Fig. 3) Durch E gelangt das Gas an dem Kegelventile c vorbei in der Richtung der Pfeile in einen mit einer elaftifchen Membrane b gefchloffenen Raum, die Membrane enthält in ihrer Mitte die Stange g befeftigt; an diefer Stange fitzt das Kegelventil c. Wird nun der Gasdruck ein gröfserer, fo wird die Membrane b gehoben mit ihr die Stange g und das Ventil c und der Gasweg bei f verengt, * Wagner's Jahresbericht 1867, Seite 751. 36 a b Fig. 3. d 19 +9 E i b Johann Stingl. la A in Folge deffen weniger Gas bei A ausftrömen kann. Bei zu geringem Drucke findet das Gegenfpiel ftatt: K dient zur Entleerung des condenfirten Waffers, d ift eine Schutzkappe für die Membrane. Diefe Regulatoren werden für 5 bis 250 Flammen fabricirt und können auch für noch mehr Flammen verwendet werden. Ferner waren ausgeftellt ein Apparat zur Beftimmung der Kohlenfäure im Leuchtgas nach Rüdorf; ein Apparat zur Beftimmung des fpecififchen Gewichtes des Leuchtgafes nach Bunfen; ein Controlphotometer nach Bunfen; S. Elfter's Differential Photometer mit Foucault's Schirme. Diefes Photometer wollen wir etwas näher betrachten. Wird Gaslicht mit dem Lichte der Normalkerze oder Lampe verglichen, fo zeigt der Schirm des Photometers auf der Seite des Gaslichtes einen bläulichen, auf Seite der Normal- Leuchtquelle einen gelben Ton. Diefe Farbendifferenz bedingt eine Unficherheit im Vergleiche. Die Verbefferung an Elfter's Photometer befteht nun darin, dafs der Farbenton ein einheitlicher wird, was man dadurch erreicht, dafs der Farbenton des ölbildenden Gafes möglichft fcharf erkennbargemacht wird und der Vergleich mit Gaslicht erft dann erfolgt, wenn der Gasbrenner durch richtige Wahl der Brennermündung und durch Regulirung des Luftzutrittes auf den Farbenton gebracht wird, welcher das Maximum der Leuchtkraft gibt und bei allen Gafen nahezu den Farbenton des ölbildenden Gafes erreicht. Die Darftellung des Farbentones gefchieht auf dem erwähnten Foucault'fchen Schirm, der aus einer sehr dünnen Schicht Stärkemehl zwifchen zwei Gläfern befteht, wodurch die Farbe der Lichtftrahlen nicht geändert wird. Das Maximum der Leuchtkraft des Gases( Farbenton des brennenden ölbildenden Gafes) wird bei dem Photometer durch einen Argandbrenner mit genauer Luftregulirung hergeftellt. Die erwähnte Firma hatte ferner eine Kerzenwage in Aräometerform und Controlapparate und Normalmafse für Aichämter ausgeftellt. Aehnliche Apparate finden wir ausgeftellt durch die Firmen J. Pintfch in Berlin( die Apparate find fehr fauber ausgeführt), A. Faas& Comp. Wir fehen, dafs Frankfurt am Main und Kromfchröder in Osnabrück. Deutfchland auch in diefer Fabrication auf der Höhe der Zeit fteht. Die bekannte Firma H. Giroud aus Paris brachte aufser an raten zwei befonders intereffante Objecte, die die Aufmerkfamkei in hohem Grade feffelten. deren Appacaller Fachleute ten, mit der raffinirteegulators zu beheben fucht arat, der fogenannte RheoWährend der eine, der Druckregulator für Gasanfta' ften Genauigkeit alle Fehlerquellen des Clegg'fchen P und fo ziemlich complicirt wird, ift der zweite Apr meter, ob feiner Einfachheit und Genialität ei Firma befchreibt ihre Apparate ausführlich preffion du gaz d'éclairage et des mo H. Giroud, Paris, Gauthier- Villars. Werk hiermit befonders aufmer¹ Der Clegg'fche Re feitlichen Gleitrollen e . wahres Ei des Columbus. Diefe und gründlich in dem Werke: ,, De la yens à employer pour la régularifer par , Quai des Grands- Augustins 55" auf welches xfam gemacht fein foll. -gulator befteht bekanntlich aus einer Glocke, welche an ne Führung befitzt und fonach auf und abwärts fich bewegen Apparate der Leuchtgasfabrication. 37 kann, je nachdem an ihrer inneren Oberfläche der Gasdruck gröfser oder geringer wird. Im Mittelpunkte der oberen Wölbung der Glocke ift ein Kegelventil befeftigt, deffen Bafis nach unten und die Spitze nach oben gekehrt ift. Mit der Bewegung der Glocke fpielt alfo auch diefes Ventil. Dasfelbe befindet fich nun in dem Endftücke des Gaszuftrömungsrohres, welches das Gas aus dem Gafometer entnimmt und unter der Glocke ausmündet. Parallel mit diefem Rohre geht nach abwärts ein zweites Rohr, deffen Oeffnung vollkommen frei und das ebenfalls noch unter der Glocke fich befindet und welches dazu beftimmt ift, die regulirte Gasmenge in das Röhrennetz zu führen. Die Glocke ift unter hydraulifchem Verfchluffe. Steigt nun der Gasconfum im Röhrennetze, fo tritt eine Art Verdünnung unter der Glocke ein, diefelbe finkt und mit ihr das Kegelventil; es kommt hie durch ein kleinerer Querfchnitt in die horizontale Endfläche der Ausftrömungsröhre, wodurch die Ausftrömungsöffnung vergröfsert wird. Dadurch kann mehr Gas aus dem Gafometer unter die Glocke und von hier in das Röhrennetz. Im entgegengefetzten Falle fteigt die Glocke, verengert die Ausftrömungsöffnung des Gafes und verringert fomit die Gasmenge, die in das Röhrennetz geht. Wir fehen alfo, dafs diefer Clegg'fche Regulator eine der wichtigften Functionen der Gasbeleuchtung ausübt. Diefer Regulator hat nun nach Giroud folgende Fehlerquellen: 1) ift derfelbe in Folge der Reibung an den Führungsrollen nicht empfindlich genug; 2) entſteht ein Fehler dadurch, dafs der Gasdruck von unten auf die breite Fläche des Kegelventils drückt, fo dafs bei verfchiedenem Gasdruck im Gafometer eine Ungenauigkeit entſteht; 3) wird die Glocke beim Steigen fchwerer und beim Sinken leichter, indem fie hiebei verfchieden tief in das Waffer taucht; 4) dadurch, dafs der Gasdruck von unten auf die breite Fläche des Kegelventils drückt und fo den Druck vergröfsert, mufs dem entſprechend das Einftrömungsrohr unter der Glocke einen gröfseren Querfchnitt haben, als das Gasausftrömungsrohr. Alle diefe Fehler follen nun durch Giroud's Regulator auf folgende Art behoben werden: 1) Die fchwimmende Glocke hat keine Gleitrollenführung, fondern ift durch mit Luft gefüllte blecherne Schwimmer vollkommen leicht beweglich erhalten und ift der Schwerpunkt des ganzen beweglichen Theiles unter die Glocke verlegt, wodurch eine grofse Empfindlichkeit derfelben bedingt wird. 2) Der Gasdruck wirkt im entgegengefetzten Sinne gleichzeitig auf den Kegel und eine entsprechende gleich grofse Fläche des fchwimmenden Syſtems. 3) Um das verfchiedene Gewicht der Glocke je nach der Tiefe der Eintauchung derfelben auszugleichen, find mit derfelben zwei fyphonartige Gefäfse verbunden, derart, dafs deren äufserer Wafferftand mit dem des Wafferbehälters, in welchem die Glocke fchwimmt, communicirt. Wird die Glocke aus dem Waffer gehoben und hiedurch fchwerer, fo finkt das Waffer im inneren Gefäfse und hiemit auch in der äufseren weiteren Syphonröhre, wodurch diefelbe leichter wird und fo den Ueberfchufs des Gewichtes der Glocke compenfirt. Der Querfchnitt der äufseren Syphonröhre mufs dafür genau berechnet fein. Sinkt die Glocke, fo fteigt das Waffer in der Syphonröhre und diefelbe wird fchwerer, und fo die Gewichtsdifferenz ausgeglichen. 4) Dadurch, dais der Druck auf die untere Fläche des Kegelventiles durch einen gleichgrofsen Gegendruck aufgehoben wird, der in entgegengefetzter Richtung zur Wirkung gelangt, ift Giroud in der Lage, der Bafis des Kegelventiles denfelben Durchmeffer zu geben, wie der des Einftrömungs- und des Aus ftrömungsrohres ift. Giroud verfertigt Regulatoren in verfchiedener Gröfse und unterfcheidet folche für Confumenten( Régulateurs de confommation) für 5 Brenner 38 Johann Stingl. bis zu 150 Brenner und für 200 Brenner und darüber; ferner Regulatoren für gröfsere Gasleitungen( Régulateurs d'émiffion). Diefe letzteren Regulatoren haben eine etwas abweichende Conftruction von den früheren. Während bei den erfteren der Druck für einen beftimmt begrenzten Gasconfum merkbare Veränderungen nicht erleidet und diefelben rafch durch den Regulator ausgeglichen werden, find diefe Druckfchwankungen bei gröfseren Städteleitungen oft bedeutendere und es handelt fich darum, diefe Druckfchwankungen rafch auszugleichen und in der Stadt einen conftanten Druck zu erhalten. Diefs erreicht Giroud dadurch, dafs er von einem beftimmten Punkte des Röhrennetzes der Stadt ein enges Rohr,( tuyau de retour)( 25 bis 30 Milli meter im Lichten) zu dem Druckregulator in der Gasfabrik zurückführt, welches das Gas unter die Glocke des Regulators bringt und fo die Schwankungen im Drucke demfelben mittheilt. Fig. 4 ftellt einen Régulateur de confommation für über 200 Brenner dar. Die Einrichtung desfelben ift folgende: m Fig. 5. G Das Leuchtgas gelangt aus dem Refervoir durch A in die Kammer B; von da zwifchen dem Ventil 6 und der unteren Wand der Kammer B in den Raum C. Durch das Rohr D wird das Gas weiter geführt. Die Kammer B fteht mit ihrem Inneren durch die Röhre Emit dem Raume Fin Verbindung, der nach unten zu mit Waffer abgefchloffen ift. Der Druck, der in B herrfcht, theilt fich daher F mit. Steigt derfelbe in B, fo auch in F. Hiedurch wird die Glocke G, die mit ihr verbundenen Schwimmer h, ferner die Syphon n, m und die Röhre o gehoben. Da nun das Kegelventil b durch die Röhre a und durch die Verfteifung v mit der Glocke feft verbunden ift, fo mufs das Ventil in diefem Falle fich ebenfalls heben, wodurch die Durchlafsöffnung für das Gas verengert und hiedurch die ungünftige Wirkung des erhöhten Druckes behoben wird. Ift der Druck bei B geringer, fo öffnet fich das Ventil 6 nach abwärts, es kann mehr Gas nach C gelangen. Treten nun Gasfchwankungen im Confume ein, fo werden diefelben durch D fich bemerkbar machen. Ift der Confum zum Beiſpiel ein erhöhter, fo tritt momentan eine Art Verdünnung im Raume Cein. Diefe Verdünnung wird fogleich ausgeglichen durch die Röhre a und den Raum K, der durch s mit a in Verbindung fteht. Gas ftrömt alfo in entgegengefetzter Richtung der Pfeile nach C hin. Hiedurch kommt das früher erwähnte bewegliche Syftem zum Sinken, das Ventil b bewegt fich nach abwärts und mehr Gas kann nach C gelangen. Umgekehrt find die Bewegungen von Gas und Glocke, wenn der Confum fich plötzlich verringert. Dabei fchliefst fich das Ventil in entsprechendem Mafse. Dafs die Dimenfionen und Belaftungen durch die Gewichteg ganz genau berechnet und approbirt find, verfteht fich von felbft. Die nähere Einrichtung eines Régulateur d'émiffion mit einem Rückflufsrohre( tuyau de retour) erhellt aus der Fig. 5. 0 X Fig. 5. x R Apparate der Leuchtgasfabrication. Q M I N B A N 39 Der Unterfchied zwifchen diefem Regulator und dem früheren befteht darin, dafs das Rückflufsrohr nicht mehr im Innern des Apparates wie bei a in dem vorigen Regulator, fondern dafs dasfelbe aufsen bei Mangebracht ift und durch die hohle Säule Z, ferner durch die Röhren P und Q mit dem Raume Punter der Glocke in Verbindung fteht. Die Stange d, welche das Ventil a mit der Glocke verbindet, ift maffiv. Der Ueberdruck in G, entstanden durch erhöhten Druck im Gasbehälter, pflanzt fich durch x fort nach y und hebt das ganze bewegliche Syftem fammt Glocke und Syphon. Hiedurch wird das Ventil ebenfalls gehoben und der Ausftrömungsweg des Gafes verengt. Die Röhre N ftellt einen Gleichgewichtszuftand her zwifchen den Drucken in Z und dem Raume unter dem Ventile. Der bei Weitem intereffantere Apparat war das Rheometer. conwaren, Während alle Regulatoren, die man bisher für einzelne Brenner ftruirte, Druckregulatoren welche den Brennern von verfchiedener Conftruction das Gas unter demfelben Drucke lieferten, ift das Rheometer ein Volum regulator, der den verfchiedenen Brennern immer dasfelbe Gasvolumen liefert. Bei den erfteren Regulatoren ift alfo der Gasconfum abhängig von der Brennerconftruction, er ift der Brennerweite proportional; bei dem Volumregulator ift der Druck am Brenner veränderlich, je nach der Weite desfelben, und er ist für jeden Brenner fo grofs, dafs das zum Brennen nöthige Gasvolumen durch die Brennerweite ausftrömen kann. Bei einem Druckregulator ändert fich daher mit der Aenderung eines Brennerfyftems auch die Menge des verbrauchten Gafes; bei dem Rheometer tritt mit dem Wechfel des Brenners keine Aenderung des Gasconfums ein, da derfelbe für ein Gas von beftimmtem fpecififchen Gewichte und einer beftimmten Ausftrömungsöffnung im Rheometer immer das felbe Gasquantum liefert. C Fig. 6 zeigt ein Rheometer für einen Brenner. Das Gas kommt durch A unter die Glocke B, welche in dem Gehäufe C in Glycerin frei fchwimmt; der Stift s dient zur Führung derfelben. Die Glocke B hat bei 0 eine runde Oeffnung, durch die das Gas ftrömt, um an dem Kegelventil v vorbei nach f und von hier zu dem Brenner zu gelangen. Bei diefem Apparate ift nun die Druck differenz zwifchen dem Gafe ober der Glocke Balfo im Brenner und unter der Glocke - alfo dem Leitungsrohre immer conftant und hängt die Gasmenge, die zum 4 B 40 Fig. 6. C Fig. 8. B Johann Stingl. Fig. 7. B L Fig. 9. Brenner ftrömt, nur von der Gröfse der Oeffnung o ab, wie folgender einfacher Calcül zeigt. Es fei q der Querfchnitt der Glocke, der wegen der geringen Dicke des Bleches, woraus die Glocke verfertigt ift, für die äufsere Oberfläche und die innere gleichgenommen wird. Mit g bezeichnen wir das Gewicht der ganzen Glocke. Ift nun p₁ der Druck, der unter der Glocke herrfcht, und p2 der Druck, der aufserhalb derfelben ftattfindet, fo befteht für das Gleichgewicht der Glocke offenbar folgende Gleichung: P19P29+ g oder ( P₁ - P2) 9= 8; hieraus folgt Apparate der Leuchtgasfabrication P₁- P2= 41 g = Conftante, bei einem und demfelben Apparate und derfelben Oeffnung o, von deren Weite mithin das Gasquantum abhängt, das zur Verbrennung gelangt. Fig. 7 ftellt ein Rheometer dar, bei welchem das Kegelventil im Ga'seinftrömungsrohre fpielt, und für welches ganz diefelben Erwägungen gelten, wie bei dem vorhergehenden Rheometer. Bei einer ftrengen Prüfung, die mit diefen Rheometern vorgenommen wurde, erhielt man ausgezeichnete Refultate. Diefe Apparate werden für die verfchiedenften Gasmengen und fpecififchen Gewichte der Gafe geliefert und kommt es hiebei hauptfächlich auf die Weite der Oeffnung o an, die genau berechnet und erprobt ift; darin liegt das Geheimnifs der Fabrik. Diefe Rheometer können nun zu den verfchiedenften Zwecken beftimmt werden, unter Anderem auch zur Herftellung einer conftanten Temperatur in den Laboratorien. Zu diefem Ende erzeugt Giroud auch Regulatoren nach Art der früher befchriebenen, wie Fig. 8 zeigt. Bei denfelben ift der Druck auf die breite Fläche des Kegelventiles d dadurch aufgehoben, dafs dasfelbe eine Röhre bildet, die unten in Glycerin eintaucht und durch die Oeffnungen mit dem Gafe communicirt. B und B' zeigen die Druckdifferenz vor und nach dem Regulator an. Durch Gewichte g kann der Druck beliebig regulirt werden. Oft ift es bei Experimenten nothwendig, das Gasquantum zu vergrössern und doch einen beftimmten Confum zu haben, alfo gleichfam die Oeffnung o in der Glocke veränderlich zu haben. Es wird das dadurch erreicht, dafs Giroud Rheometer conftruirt, die unter der Glocke eine Ausftrömungsröhre für das Gas haben, welche Röhre dann aufserhalb der Glocke nach aufwärts fich biegt und oberhalb der Glocke mündet. An einer beftimmten Stelle kann nun der Querfchnitt diefer Ausftrömungsröhre durch Ventile verringert oder vergröfsert werden, je nachdem man weniger oder mehr Gas bedarf. Fig. 9 zeigt ein derartiges Rheometer, in welchem H diefe Röhre und K das Ventil vorftellt. Aufser diefen äufserft intereffanten Apparaten hatte diefe Firma noch mehrere andere ausgeftellt, und wir müffen auf das früher erwähnte Werk verweifen, das alle diefe Apparate genau befchrieben und gezeichnet enthält. Wenn wir noch erwähnen, dafs Klingmüller aus Prag mehrere Gasuhren, George Glover& Comp., London, trockene Gasuhren von anerkannter Güte, die bekannte Firma Lizars& Comp. in Paris Druckregulatoren, naffe und trockene Gasuhren u. f. w., Lefueur in Paris einen Apparat zur Prüfung der Kohlen auf ihren Werth zur Leuchtgasfabrication ausgeftellt hatten, fo können wir diefe Abtheilung unferes Berichtes fchliefsen, nochmals erwähnend, dafs diefer Theil der Ausftellungsobjecte, wenn auch unfcheinbar in feiner Repräsentation, mit zu den wichtigften und intereffanteften der ganzen Ausstellung gehörte. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 187 3. DIE SPINNEREIMASCHINEN ( Gruppe XIII, Section 2, a) Bericht von JOHANN ZEMAN, Docent am deutfchen Polytechnicum in Prag UND DIE NÄHMASCHINEN, STRICK UND STICKMASCHINEN ( Gruppe XIII, Section 2, b) Bericht von CARL KOHN, Civilingenieur in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DIE SPINNEREIMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2, a.) Bericht von JOHANN ZEMAN, Docent am deutfchen Polytechnicum in Prag. I. Baumwoll- Spinnereimaſchinen. Nachdem die Mafchinen für Verarbeitung der Baumwolle durch bekannte Umftände in den fechziger Jahren einen ziemlich hohen Grad von Vollkommenheit und Leiftungsfähigkeit bereits erlangt haben, fo laffen fich heute wefentliche Erfindungen und Verbefferungen kaum mehr erwarten. In der Mafchinenhalle fand fich denn auch nur ein Ausfteller mit einem Sortiment von Baumwoll- Spinnereimafchinen für mittlere und für feine Garnnummern, welche fich aber in jeder Richtung, fowohl durch forgfältige und gefällige Ausführung im Allgemeinen, als auch verfchiedene Verbefferungen in Details, endlich durch beachtenswerthe, eine nachhaltige Wirkung verfprechende Neuerungen auszeichneten und der ausftellenden Firma neuerdings Ehre machten. Aufser diefen waren nur zwei zum Entkörnen der Baumwolle beftimmte Mafchinen ausgeftellt, welche zunächft erledigt werden follen. In der landwirthschaftlichen Mafchinenhalle von Nordamerika ftand die Needle Cotton Gin von H. V. Scattergood, welche, wie diefs die Bezeichnung ausdrücken foll, ftatt der Sägeblätter runde, mit Nadeln befetzte Scheiben befitzt, fonft aber wie die bekannte Sägen- Egrenirmafchine eingerichtet ift.- Höheres Intereffe nimmt die von der Firma Platt Brothers& Comp. in Oldham( England), welche fonft nur Wollmafchinen exponirt hat, zur Ausstellung gebrachte verbefferte Maccarthy- Egrenirmafchine in Anfpruch. Diefelbe dient vorzüglich für amerikaniſche( Upland-) Baumwolle, welche wollige, mit kurzen Fäferchen bedeckte Samenkörner befitzt. Diefe Körner laffen fich auf gewöhnlichen Maccarthy- Gins fchwierig entfernen, daher diefes Mafchinenfyftem bisher, trotz feiner fonftigen Vorzüge, in Amerika wenig in Anwendung gekommen ift. Dem Uebelftande zu begegnen, ift nun mit dem fchwingenden Meffer ein Samenabftreif- Mechanismus in Verbindung gebracht worden; ein mit dem Meffer I 2 Johann Zeman. auf- und niedergehender Rechen, welcher jedesmal durch die Zähne eines feſten Roftes durchftreicht, wodurch die abgezogenen Samenkörner zurückgehalten und zu Boden befördert werden. Im Vergleiche mit früheren Mafchinen desfelben Principes hat die Platt'fche Egrenirmafchine noch weitere Vortheile. Sie iſt zweifeitig angeordnet, daher die rafch bewegten Theile gleichförmig ausbalancirt find. Statt wie früher das unbewegliche Meffer mittelft Federn gegen die Lederwalze anzudrücken, ift diefes Meffer jetzt ganz feft und die Lederwalze mittelft Hebelgewichten angedrückt, wobei die Baumwolle ebenfo ficher erfafst, die Abnützung der Walze jedoch gleichförmiger auf die ganze Länge derfelben vertheilt wird.- Nach diefer Abfchweifung kommen wir zu den eingangs erwähnten, von J. J. Rieter& Comp. in Winterthur( Schweiz) ausgeftellten Baumwoll- Spinnereimaſchinen. Beginnen wir mit den Vorbereitungsmafchinen, fo hat der Opener mit verticaler conifcher Schlagtrommel( Crighton's Syftem) ein verbeffertes Zuführrohr erhalten. Um Verftopfungen bei unachtfamer Bedienung zu vermeiden, ift der Zuführtrichter zur Hälfte mit doppelter Wand verfehen, fo dafs durch den hie durch entſtehenden Spalt ftets Luft zutritt, wodurch das Niederfallen der zwifchen Trommel und Roft befindlichen Baumwolle, was die ganze Manipulation der Mafchine ftören könnte, verhindert wird. Bei dem Taylor- Lang'fchen Opener mit horizontalem Zackentambour und continuirlicher Zu- und Abführung find die übereinander liegenden Speifecylinder, welche die Samenkörner zerquetfchen und die Schalenfplitter in die Fafern eindrücken, durch eine grobe Stachelwalze mit muldenförmiger Schiene darüber erfetzt worden, wobei die Baumwolle dennoch fo feftgehalten wird, dafs die Trommel nie gröfsere Flocken auf einmal herausreifst. Die Schlagmafchine ift mit einem verbefferten Lord'fchen Speiferegulator ausgeftattet. Da bei der bekannten ursprünglichen Einrichtung die Röllchen zwifchen den keilförmigen Belaftungsftäben der Zuführhebel in kurzer Zeit einfeitig ausgenützt werden, fo fteckt hier jeder Gewichtftab zwifchen zwei Röllchen ftatt zwifchen je einem wie früher. Um den hiezu erforderlichen Raum zu gewinnen, find je zwei Zuführhebel am hinteren Ende durch einen Doppelring verbunden und mit einem gemeinfchaftlichen Gewichtftab belaftet. Zur Erzielung einer leichteren Beweglichkeit der Zuführhebel umfaffen diefelben ihre Drehachfe nur zur Hälfte, fo dafs die Achfe nach unten frei ift. Diefs erleichtert einerfeits das Auseinandernehmen und Zufammenftellen des Apparates aufserordentlich; anderfeits kann die Drehachfe von unten geputzt und geölt werden. Durch eine halbe Drehung der Achfe mittelft eines Schlüffels am vierkantigen Ende wird die geölte Fläche der Achfe gegen die Lagerflächen der Zuführhebel gewendet. Bei den Karden finden fich unterhalb des Tambours die bekannten Putzwalzen; diefe und der Untertheil der Trommel find durch einen Roft aus verfchieden weit gelochtem Zinkblech umfchloffen. Die Zapfen der Arbeiter und Wender laufen in einer Scheibenbüchfe, deren Scheibe den Zwifchenraum zwifchen Walze und Geftelle ausfüllt, wodurch aufser dem Wickeln der Baumwolle zugleich auch die Befchmutzung derfelben mit Oel verhütet wird. Die felbftthätigen Deckel- Putzapparate an der Feinkarde weifen eine Verbefferung in der Bewegung der Deckel nach, um die möglichft kurze Zeit beim Putzen gelüftet zu bleiben und dergeftalt ein Anfammeln von Baumwollfafern an der Stelle des gehobenen Deckels hintanzuhalten. Zu diefem Zwecke ift die Leitcurve im Excenterrad möglichft günftig gewählt; ferner erhält diefs Rad während des Hebens und Putzens des Deckels durch ein zum Eingriff kommendes grofseres Getriebe eine rafchere Drehung. Vor dem Schleifen der Kardenwalzen oder der Deckel ift es von Vortheil, ein Ausputzen derfelben in einem verfchloffenen Walzen- Bürftapparat vor Die Spinnereimafchinen. 3 zunehmen, aus welchem der Staub und der Flug durch einen Ventilator in den Staub canal abgeführt wird. Es ift diefe Operation keine neue; aber wie oft noch wird in Krempelfälen gerade in diefer Beziehung gegen alle Gefetze der Reinlichkeit gefündigt und ohne Rückficht auf die Gefundheit der dabei befchäftigten Arbeiter vorgegangen. Will man fchon keine eigene Ausputzmafchine aufftellen, fo werde die Schleifmafchine felbft mit einem Gehäufe umfchloffen, welches den im Beginne des Schleifens aufwirbelnden Staub unmittelbar ins Freie abführt.- , Gute, fcharfe Kratzenbefchläge und genau runde Walzen, das find die Grundbedingungen einer guten Arbeit auf den Krempeln" für Baumwoll- wie für Schafwoll- Spinnerei. Wir befprechen daher hier fchon die von Cöleftin Martin in Verviers eine Specialität für Wollbearbeitungs- Mafchinen ausgeftellte neue Mafchine mit zwei Schmirgelfcheiben( Dronsfield's Patent), welche ein Spitzfchleifen der Befchläge ermöglichen. " Die an beiden Enden einer horizontalen Achfe aufgefteckten, alfo in verticalen Ebenen fich drehenden Schmirgelfcheiben erhalten nicht blofs eine rotirende Bewegung, fondern gleichzeitig eine Hin- und Herbewegung in der Längenrichtung der zu fchleifenden Walze. Beide Bewegungen gehen von einer Nuthwelle aus: die rotirende durch Schraubengetriebe, und die hin- und hergehende Bewegung, in Folge Eingriff einer auf diefer Welle gleitenden Schraube ohne Ende, in eine im Schleifgehäufe eingelegte Zahnftange. Diefes Gehäufe bildet die Führung für den Support, in welchem die Schmirgelfcheiben mit ihren Getrieben gelagert find. Damit die Enden der Walzen gut gefchliffen werden, darf die Umkehr nicht zu fchnell erfolgen. Daher ift die Zahnftange nicht feft, fondern innerhalb gewiffer Grenzen verfchiebbar eingelaffen. Kommt die Schleiffcheibe an das Ende des Weges und wird dadurch die Riemenumftellung, hiemit auch die entgegengeſetzte Drehung der Nuthwelle und der Getriebe für die Schmirgelfcheiben bewerkstelligt, fo mufs die Zahnftange vorerft, bei dem ununterbrochenen Eingriff der Schnecke, in die entgegengefetzte Stellung rücken. In der Zwifchenzeit fteht der Support mit den umgekehrt rotirenden Schleiffcheiben feft, tritt aber nach beendeter Verfchiebung der Zahnftange feine Rückbewegung an. Es zeigt diefe Conftruction eine wefentliche Vereinfachung im Bewegungsmechanismus diefer Schleifmafchine, wie fie zuerst auf der Londoner Specialausftellung im Jahre 1871 bekannt wurde. Auf die übrigen zur Wollbranche gehörigen Mafchinen von C. Martin kommen wir an geeigneter Stelle mit der ihnen gebührenden Ausführlichkeit zurück. Hier mufs auch noch die Platt'fche Schleifmafchine mit Schmirgelwalze Erwähnung finden, da diefelbe wegen der verbefferten Stellung der zu fchleifenden Walze auch für Baumwoll- Spinner intereffant ift. Die beiden Stelllager laffen fich nur gemeinfchaftlich, ftets parallel zur Achfe der Schleifwalze verftellen durch Drehung einer Querwelle, welche durch Kegelrädchen und Schraubenfpindeln mit den Stelllagern in Verbindung gebracht ift.- Wir fetzen nach diefer Unterbrechung mit den Rieter'fchen Spinnereimafchinen fort. Die ausgeftellte Doublirmafchine, welche 24 Bänder der Grobkarde zu einem Wickel für die Feinkrempel vereinigt, ift dadurch erwähnenswerth, dafs diefelbe fammt Kannen nicht mehr Platz wie eine Karde beansprucht, daher ohne Weiteres in eine Krempelreihe eingeftellt werden kann, was in Hinficht auf den fonft läftigen Transport der Kannen gewiffe Vortheile bieten kann. Die Streckmafchinen waren mit fechs Reihen cannellirter Cylinder verfehen, um den Verzug zwifchen den einzelnen Walzenpaaren zu ermäfsigen, hierdurch aber eine gröfsere Gleichförmigkeit im Band und gröfsere Schonung der Fafern zu erzielen. Bei kleinerem Verzug ift auch die Belaftung geringer, was der Dauerhaftigkeit der Maſchinen zu Statten kommt. Abftellung bei Bandbrüchen am Ein- und Auslauf. Belaftung der Druckcylinder, ftatt durch direct angehängte I* 4 Johann Zeman. Gewichte oder durch Hebelgewichte, mittelft Ketten, Rollen und Gewichthebel zur Erleichterung der Aushängung der Preffionsgewichte. Die fchon von Paris 1867 her bekannte Lagerung der Flyerfpindeln bei Vorfpinnmafchinen und die Lagerung des unteren Conus des Differentialmechanismus hat fich feither fehr gut bewährt. Drähte, welche zwifchen den zwei Fadenreihen vor den vorderften Streckcylindern ausgefpannt wurden, vermindern das Zufammenlaufen eines geriffenen Bändchens mit einem guten Faden und erhöhen dadurch nicht unbedeutend die Production der Flyer. Etwas eingehender mufs von den Verbefferungen und Neuerungen am Selfactor gefprochen werden. Beide ausgeftellte Selfactors waren mit Parr Curtis- Steuerung eingerichtet. Der Selfactor für mittlere Nummern weicht von bekannten Conftructionen zumeift dadurch ab, dafs der Abwindemechanismus fich im Wagen befindet. Bei jedem Wagenfpiel müffen bekanntermafsen die mit hoher Gefchwindigkeit fich drehenden Spindeln behufs Abfchlagens der Fäden zum Stillftand gebracht und in entgegengefetzter Richtung gedreht werden. Bisher gefchah dies durch Verfchiebung des Treibriemens auf eine zweite Scheibe, welche mit dem Abfchlagconus gekuppelt, durch geeignete Räderüberfetzung die Hauptwelle und den ganzen anfchliefsenden Bewegungsmechanismus für die Spindeln in rückläufige Drehung verfetzte. Durch Verlegung des Abwindemechanismus in den Wagen entfällt die Nothwendigkeit, bei jedem Wagenfpiel die Hauptwelle und alle Rollen, über welche die Twiftfchnur läuft, in der Bewegung aufzuhalten und umzukehren, was eine nicht unbedeutende Erfparnifs an Kraft, Abnutzung und Zeit vorftellt. Die Ausführung näher betreffend, fo trägt die frei auf der Spindel- Trommelwelle im Wagen laufende Seilrolle auf der einen Seite eine excentrifche Nabe, auf welche ein doppeltes Stirnrad aufgefchoben ift, deffen Zähne in zwei entfprechende, innen verzahnte Räder eingreifen. Das eine derfelben ift feft auf der Welle, das andere lofe und mit einem Ring verfehen, auf welchen ein feft auf der Welle aufgeftecktes Frictionsrad A aufgefchoben werden kann. Auf der anderen Seite ift die Seilrolle conifch ausgedreht, entſprechend einem anderen Frictionsrade B, welches wie A mit Feder und Nuth auf der Welle fitzt und vom Drehungszähler die Umftellung empfängt. Beim Ausfahren des Wagens ift das Frictionsrad A eingerückt, daher die Seilrolle die Bewegung der Twiftfchnur direct auf die Spindel- Trommelwelle übergibt. Hat letztere die erforderliche Zahl von Umdrehungen vollendet, fo rückt der im Wagen von der Trommelwelle angetriebene Drehungszähler das Frictionsrad A aus, B dagegen ein; es erfolgt nun die Bewegungsübertragung von der lofen Seilrolle vermittelft der Differentialräder auf das Frictionsrad B, beziehentlich die Trommelwelle, langfam im rückgängigen Sinne. Aus diefer Dispofition ergeben fich verfchiedene Vortheile: 1. Schonung des Riemens, welcher fich fonft beim unausgefetzten Hin- und Herfchieben von der Triebfcheibe auf die Abfchlagfcheibe und umgekehrt rafcher abnützt. 2. Die lofe Riemenfcheibe läuft nun nicht mehr auf der Hauptwelle, fondern auf einer Verlängerung des vorderen Lagers mit eigener Schmiervorrichtung. 3. Die Hauptwelle erhält bedeutend vergröfserte Lagerflächen, daher geringere Abnützung. 4. Verminderung der Erfchütterungen im Wagen. Derfelbe wird nun ohne Sperrhaken in feiner äufserften Stellung gehalten, lediglich durch den Zug der ftets nach derfelben Richtung bewegten Twiftfchnur. 5. Da der Drehungszähler für den Twift im Garn von der Spindel- Trommelwelle aus bewegt wird, fo erhalten die Fäden zuverläffiger die berechneten Drehungen; ein Gleiten der Twiftfchnur bleibt ohne Einfluss. Die Spinnereimafchinen. 5 Neben diefer belangreichen Neuerung können folgende Modificationen kurz angeführt werden. Von den beiden Einzugsfchnecken wirkt die eine auf den Wagen, die andere auf die Auszugswelle, daher von beiden Enden derfelben der Wagen, nicht mehr von der Mitte allein, eingezogen wird. Die mechanifche Verkürzung der Abwindekette bringt am Ende des Wagenauszuges den Aufwindedraht in die unmittelbare Nähe der Spindelfpitzen; es folgt derfelbe beim Abfchlagen fofort dem frei werdenden Faden, fo dafs die Schleifenbildung gehindert ift. Die Leitfchiene von etwa einem Viertel der gewöhnlichen Länge ift nicht feft am Boden, fondern im Wagen- Mittelftück beweglich eingefetzt. Bei der Ausfahrt rückt die Leitfchiene durch Zahnftangen- Getriebe in die äufserfte Stellung; bei der Einfahrt, wenn der Schlepphebel des Winders fich auf die Coppingplate auf. legt, geht diefelbe wieder zurück, um fucceffive alle Punkte ihrer Bahn unter den Winder- Schlepphebel zu bringen und die Aufwindebewegung in bekannter Weife hervorzurufen. Man ftrebt mit diefer, im Princip fchon früher verfuchten Anordnung, die Leitfchiene von den Erfchütterungen des Fufsbodens unabhängig zu machen und ein befferes Zufammenarbeiten des Aufwindemechanismus zu erzielen; unferer Anficht nach aber auf Koften der bequemen Zugänglichkeit der Leitfchiene in jedem Punkte des Wageneinzuges, wenn etwaige Aufwindefehler zu rectificiren find. Die beiden Spindellager find ftatt in Holzleiften in Winkeleifen eingefchraubt, was gröfsere Feftigkeit, ferner Sicherheit gegen Werfen und Leichtigkeit im Austaufchen der Spindeln gewährt. Bei dem zweiten Selfactor für feine Garnnummern mit gewöhnlicher Abfchlagbewegung find einige fpeciell für feines Spinnen nützliche Verbefferungen erwähnenswerth. Wenn die Fäden zwischen den Cylindern nach vollendeter Lieferung ftets an derfelben Stelle feftgehalten werden, fo entſteht fehr leicht ein fpitziges Garn. Dem ift dadurch vorgebeugt, dafs die Cylinder beim Nachftrecken und Nachdrehen zwar fortwährend, aber fehr langfam fich drehen. Dadurch ift zugleich für das Spinnen von Kette eine eigene Wagenrücklauf- Bewegung überflüffig gemacht. Aus gleichem Grunde und um die Lieferung des Selfactor zu erhöhen, bewegen fich die Cylinder auch beim Einfahren des Wagens, was übrigens als„ Nachlieferung" bereits bei vielen Selfactors eingeführt ift. Der Selfactor fpinnt mit zwei Gefchwindigkeiten, langfam beim Ausfahren und rafch beim Nachdrehen. Zur Vereinfachung der Riemenanordnung ift der Mechanismus für die doppelte Gefchwindigkeit im Wagen angebracht. Beim Nachdraht ift die Seilrolle durch einen Frictionsmuff direct mit der Trommelwelle verbunden und überträgt unverändert die Gefchwindigkeit der Twiftfchnur auf die Spindeln. Während der Ausfahrt jedoch wird die Seilgefchwindigkeit, durch eine Differentialrad- Ueberfetzung geeignet reducirt, auf die Trommelwelle übermittelt. Es fallen bei diefer Anordnung die gewöhnlich complicirten Riemenanordnungen der Vorgelegewelle hinweg und kann ein folcher Selfactor direct von der Haupttransmiffion betrieben werden. Unferes Wiffens hat fchon vor vielen Jahren Rich. Hartmann in Chemnitz zur leichteren Beweglichkeit des Gegenwinders deffen Auflagerung auf zwei kleinen Frictionsrollen verfucht; diefer Gedanke ift nun bei Rieter mit günftigerem Erfolg zur Ausführung gekommen, wo der Gegenwinder auf einer grofsen AntiFrictionsrolle läuft, daher leicht beweglich ift und die Fadenfpannung, ob in aufoder abfteigender Bewegung begriffen, ftets gleichförmig erhält. - Nachdem wir hiermit unfere Betrachtungen über die ausgeftellten Spinnereimafchinen für Baumwolle beendet haben, fo gelangen wir, da für Abfallſpinnerei 6 Johann Zeman. nichts Erwähnenswerthes zur Ausftellung gekommen ift, fofort zu den noch hier zu befprechenden Hafpeln und Zwirnmafchinen. Der mechanifche Garnhafpel und der Doublirhafpel von Wegemann& Comp. in Baden( Schweiz) find mit mechanifchen oder elektrifchen Abftellvorrichtungen für den Fall eines Fadenbruches verfehen. Reifst bei der Doublirmafchine ein Faden, fo bewerkstelligt der elektrifche Selbftabfteller unter Einem auch das Abfchneiden der andern Fäden des betroffenen Fadentheiles, um nur gleiche Länge auf dem Hafpel zu erzielen.- C. Martin in Verviers( Belgien) hat die Snoek'fche Abftellvorrichtung am mechanifchen Garnhafpel zur Anfchauung gebracht. Recht zweckmäfsige Zwirnmafchinen haben Gebrüder Franke in Chemnitz( Deutſchland) ausgeftellt. Uns fiel bei denfelben der einfache Rädertrieb für die Spindeln auf, welcher durch einen Hebel, beziehungsweife durch Auseinanderrückung zweier Frictionsfcheibchen für jede Spindel gefondert, leicht eingeftellt werden kann.- Die Verbefferung bei Platt'fchen Zwirnmafchinen erwähnen wir bei den Woll- Spinnmafchinen. Die Firmen Clark& Comp., fowie Kerr, Price& Comp., beide im Befitze ausgedehnter Baumwollzwirn- Spinnereien in Paisley bei Glasgow, hatten jede eine Weil d'fche Spulmafchine ausgeftellt, bei welcher bekanntlich alle Bewegungen felbft thätig verrichtet werden, um Zwirn auf kleinen Holzfpulchen regelmäfsig aufzuwinden, den Faden abzufchneiden und das Ende desfelben in einen Schnitt des Spulenrandes einzulegen, endlich die fertige Spule abzuwerfen und eine frifche Spule zur Bewickelung herzunehmen. Die Arbeiterin hat nur für das Wegnehmen der bewickelten und für das Auflegen der frischen Spulen zu forgen. - Die kleine, hübfche Kötzertüten- Mafchine von Efcher, Wyss& Comp. in Leesdorf( Oefterreich) Filiale der Fabrik in Zürich ift fchon zu verbreitet und bekannt, um hier eine nähere Erklärung zu bedürfen.- - II. Mafchinen zur Bearbeitung von Flachs, Hanf und Jute. Flachs- und Jutefpinnerei-Mafchinen waren nur von zwei bekannten englifchen Firmen zur Ausftellung gefendet worden, und da an deren Conftruction wefentliche Aenderungen nicht eingetreten find, fo verweifen wir fofort auf die betreffenden, nach Erledigung der Zubereitungsmaschinen folgenden Notizen., Zur Verarbeitung von Hanf zu Seilgarn dagegen ift ein neues Syftem von Streckmaschinen nach des Amerikaners Good Patent aufgekommen, welches feiner Einfachheit wegen befondere Beachtung verdient. Die Schraubenführung für die Hechelftäbe ift durch eine gelungene Kettenführung erfetzt, welche einen gröfseren Abftand der Streckwalzen zuläfst, daher das Schneiden des Hanfes vor dem Verfpinnen überflüffig macht. Bevor wir auf die Spinnereimafchinen näher eingehen können, müffen die zur erften Zubereitung von Flachs, Hanf und Jute dienlichen Brech- und Schwingmafchinen erledigt werden. Dr. Collyer hatte in der amerikanifchen Abtheilung der Mafchinenhalle eine Handbrech- Mafchine für Flachs ausgeftellt, mit einer langfam rotirenden Brechwalze und zwei auf der oberen Seite derfelben vorwärts- und zurückfchwingenden, etwa halb fo grofsen eifernen Riffelcylindern. Der Antrieb geht von der Hauptwelle durch ein Räderpaar auf die grofse Brechwalze, welche die kleinen Riffelcylinder mitnimmt. Dabei erhalten letztere aufserdem mit ihrem Lagerftück eine um die Achfe der grofsen Walze fchwingende Bewegung, welche von Die Spinnereimafchinen. 7 einer vor der Hauptwelle gelegenen Hilfswelle mit Kurbel und Lenkftange hervorgerufen wird.*) An der von demfelben Ausfteller aufgeftellten Schwingmafchine bemerkten wir, dafs die Schwingmeffer nicht feft an den Armfternen, fondern mit Zwifchenftücken von federnden Stahlblättern feftgefchraubt find. - Die von S. Lawson and Sons in Leeds( England) zum Erweichen und Zertheilen von Jute gebaute Brechmafchine( softing machine) hat 6 Paar in einem grofsen Viertelkreife vertheilte Riffelwalzen mit Pilgerfchritt- Bewegung. Die unteren Riffelwalzen ftehen mittelft kleiner Getriebe im Eingriff mit einem innen verzahnten grofsen Treibrad, welches im tiefften Punkte durch ein Rädchen von der Hauptwelle aus die Vorwärtsdrehung empfängt. Diefes Rädchen ift nun in einer um die Treibrad- Achfe pendelnden Schwinge gelagert, ruft daher in Folge deffen eine abgefetzt vor- und rückdrehende Bewegung des Treibrades, beziehungsweife der Riffelwalzen hervor. - Die von Gebrüder Mure in Turin( Italien) ausgeftellte Brechmafchine befand fich in der weftlichen Agriculturhalle. Bei diefer Mafchine find vier Brechwalzen in gleichen Abftänden in einem grofsen Rade eingelegt, welches durch eine Riemenfcheibe direct in Umdrehung gefetzt wird und hiebei die Brechwalzen der Reihe nach über concentrifch mit dem Rade angeordnete, cannelirte Platten führt. Die Brechplatten, über welche der zu bearbeitende Flachs etc. gelegt wird, dehnen fich ungefähr auf 1/6 des Radumfanges aus; fie find, um die Wirkung zu mildern, rechts und links auf Stahlfedern und ſpannbaren Riemen gebettet. Andere Brechmaſchinen ftanden in der öftlichen landwirthfchaftlichen Mafchinenhalle. Zunächft fahen wir an der von F. W. Warneck in Oels( Preufsisch- Schlefien) ausgeftellten 6reihigen Walzen- Brechmafchine ftatt Zahnradbewegung Kurbelbetrieb. Die Kurbeln an der einen Seite jeder der unteren Riffelwalzen erhalten gemeinfchaftlich durch ein Excenter an der unterhalb der Walzen gelagerten Hauptwelle und durch einen dreieckförmigen Verbindungsrahmen ihre drehende Bewegung. Eine zweite Handmafchine desfelben Ausftellers war mit PilgerfchrittBewegung ausgeftattet. Diefelbe hat zwei Paar in gröfserem Abftand gelagerte Brechwalzen, welche durch ein Stirnräderpaar( ein Zahnrad an der unteren Einzugswalze und ein Zahnrad an der oberen Abzugswalze) gekuppelt find und von der Schwungradwelle durch Keilräder eine abgefetzt hin- und herdrehende Bewegung erhalten. Das Treibrad auf der Hauptwelle befteht aus zwei Sectoren von verfchiedener Länge. Das kürzere Stück greift in das Keilrad an der Achfe der unteren Einzugswalze und ertheilt diefem eine gewiffe Rückdrehung, welche zu Folge der Stirnrad- Kuppelung auch von dem anderen Walzenpaare mitgemacht wird. Kommt hierauf der längere Sector an der Hauptwelle mit dem Keilrad an der oberen Achfe der den Flachs abgebenden Brechwalzen zum Eingriff, fo findet die umgekehrte gröfsere Drehung der beiden Brechwalzen- Paare ftatt u. f. w., welches Spiel fich bei continuirlicher Drehung des Schwungrades ununterbrochen wiederholt. - Wohl die einfachfte und zweckmäfsigfte ift die Kafelovsky'fche Brechmafchine, welche W. Hallerberg in Oberlübbe bei Minden ausgeftellt hatte. Hier erfolgt bekanntlich das Brechen des Flach fes mittelft rafch auf- und niederfteigender ſtumpfer Meffer, welche abwechfelnd in die Zwifchenräume einer fich drehenden Meffertrommel eingefchoben werden. Ein Paar cannelirter Cylinder führen den Flachs der Meffertrommel zu. Der Betrieb geht direct von der Hauptwelle mittelft kurzer Kurbeln auf den Mefferkaften, welcher durch je eine Stange *) Eine gleiche Brechmafchine war in der belgifchen Abtheilung von P. Laga e- Crombet aus Kortryk ausgeftellt, aber nach der Erklärung des Herrn Dr. Collyer von diefem herrührend. 8 Johann Zeman. an beiden Enden zwifchen der Trommelwelle und einer am Geftelle angebrachten Rolle Führung erhält; ferner durch ein Räderpaar auf die Meffertrommel und von deren Achfe durch ein Laternengetriebe auf die Einziehwalzen. Bei der Kafelovsky'fchen Schwingmafchine desfelben Ausftellers find wie bekannt die Schlagmeffer auf dem Umfange eines Rades vertheilt und der Schwingftock federnd vor der Schwingtrommel angeordnet. Nach jedem Schlag mit den Meffern wird der Flachs noch durch vorftehende Metallfinger durchgeftrichen.- Die von Leopold Böhm in Leopoldfchlag bei Freiftadt( Oberösterreich) ausgeftellte Mafchine war eine vierreihige Walzenbreche gewöhnlicher Conftruction. Eigenthümlich find die Brechwalzen der von C. Luft exponirten Mafchine; es find diefs Mefferwalzen aus radialen, durch Bundringe zufammengehaltenen Linealen( Pini's Patent), durch deren Zwifchenräume die Schäbe leicht abfällt. Im Uebrigen befteht die Mafchine aus fünf Paaren, in einem Viertelkreis vertheilter Mefferwalzen, welche paarweife zufammengreifen und durch Zahnrad und Getriebe an den unteren Walzen vorwärts gedreht werden. Die oberen Mefferwalzen find wie bei Collyer in einem fchwingenden Lagerrahmen eingelegt, welcher auf kreisförmigen Führungen des Geftelles gleitet und feine oscillatorifche Bewegung durch zwei auf der Hauptwelle angebrachte Stufenräder erhält. Je nach der Ausführung der Mefferwalzen dient die Mafchine zum Brechen von Hanf oder von Flachs. Endlich ift noch die von F. Wagner in Effegg( Slavonien) ausgeftellte Brechmafchine mit neun Cylinderpaaren zu erwähnen, welche im Principe mit der Lawson'fchen Softingmafchine übereinftimmt. Der Betrieb ift hier ftatt horizontal nach aufwärts entwickelt, daher die Wagner'fche Mafchine- Patent Narbutheinen geringeren Raum einnimmt. Ausserdem erhalten die Brechwalzen ihre Drehung nicht durch ein innen, fondern durch ein aufsen verzahntes Treibrad. Nach Erledigung der Zubereitungsmaschinen gelangen wir nun zur Befprechung der für Flachs, Jute und Hanf dienlichen Spinnereimafchinen. Für Flachs hatte die Firma Combe& Barbour( vormals J. Combe& Comp.) in Belfaft einen fchönen Satz ihrer bekannten Mafchinen ausgeftellt. Darunter ift vor Allem auf die Verbefferung bei der Hechelmafchine aufmerkfam zu machen. Bekanntlich ift das Auf- und Zufchrauben der Flachskluppen eine fehr ermüdende Arbeit, welche erfahrungsgemäfs nach mehrftündiger Anftrengung von den Jungen nicht mehr fo rafch und fo ficher wie anfangs ausgeführt wird, was dann ein Ausreifsen guter Fafern und eine Verminderung der Leiftungsfähigkeit der Hechelmafchine zur Folge hat. Aus diefen Gründen wurde ein höchft einfacher, finnreicher mechanifcher Einfpanner( Barbour's Patent) eingeführt. Ein vertical gelagerter Schraubenfchlüffel zum Drehen der Mutter an der einen Kluppenhälfte erhält durch Kegelrädchen, je nach Stellung einer Zahnkuppelung, eine Drehung nach rechts oder nach links zum Anziehen oder Lüften der Kluppenfchraube. Diefe Kuppelung fteht mittelft eines Steuerhebels und Zugftangen mit Fufstritten in Verbindung. Das untere Ende des Steuerhebels ift mit zwei fchiefen Anfchlagflächen verfehen und zwifchen beiden, zur Aufnahme des Endes eines Belaftungshebels, ausgerundet. In der Mittellage des Steuerhebels und der Kuppelung fteht der Apparat ftill. Durch Treten eines Fufstrittes wird der Steuerhebel nach der einen Seite gerückt, die Kuppelung gefchloffen und der Einfpannfchlüffel gedreht. Hiebei legt fich in Folge der Schiefftellung des Steuerhebels das Ende des Gewichthebels gegen die eine fchiefe Anfchlagfläche des Steuerhebels und hält die Kuppelung mit einer beftimmten Kraft gefchloffen. Es wird nun die Kluppenhälfte mit der Schraubenmutter, welche mittelft eines eingedrehten Halfes gegen Herabfallen gefichert ift, auf den Einfpannapparat gelegt und die Flachsrifte mit dem oberen Kluppentheil, an welchem die Schraube fteckt, bedeckt und beim richtigen Die Spinnereimafchinen. 9 Drehen der Mutter eingefchloffen. Ift das Zuziehen der Kluppenmutter foweit vorgefchritten, dafs hier der Widerftand gröfser ift, als der Gröfse und Stellung des Belaftungsgewichtes unten am Steuerhebel entſpricht, fo öffnet fich die Kuppelung und drückt den Steuerhebel mit dem Gewichthebel in die Mittelftellung zurück. Das feftere oder lofere Einfpannen des Flachfes hängt alfo unter übrigens gleichen Umftänden nur von der Gröfse des Gewichtes ab, welches einer Umlegung des Steuerhebels entgegenwirkt. An jener Seite der Hechelmafchine, wo der Flachs auf der einen Hälfte gehechelt ankommt und verkehrt in eine andere Kluppe eingefpannt wird, hat der befchriebene Apparat eine Anordnung, um das Umfpannen auf einmal zu bewerkstelligen. Die beiden Kluppen, die zugekommene und die frifche, liegen hinter einander auf dem Tifche. Während die alte Kluppe fich öffnet und die noch auszuhechelnde Hälfte der Flachsrifte freiläfst, wird die frifche Kluppe mit dem fchon gekämmten Flachstheil gefchloffen. Die ganze Manipulation ift höchft einfach und rafch, ohne irgend eine Anftrengung auszuführen. Eine andere Verbefferung der Combe'fchen Hechelmafchine beſteht in der Einrichtung, dafs die Kluppen mit Flachs durch eine zweite Schieberftange auf der Kluppenbahn über die letzten Felder hinweggefchoben werden können, wenn eine beftimmte Gattung weniger gehechelt werden, refpective nicht durch die letzten feinen Hechelfelder durchgehen foll. Zu der Auflegemafchine, dem Durchzug und der Vorfpinnmafchine ift eine gemeinfchaftliche Bemerkung über die Lagerung der Führungsfchrauben für die Hechelftäbe zu machen. Um die Lager der oberen Führungsfchrauben gegen den beim Durchgang der Flachsbänder nach rückwärts ausgeübten Druck zu fchützen, ftemmen fich die Enden diefer Schrauben gegen Stahlplättchen, welche feft am Geftelle befeftigt find. Die expanfible Seilfcheibe aus zwei in einander greifenden Kegelgerippen, welche bei Combe'fchen Vorfpinnmafchinen den fonft gebräuchliche:. Riemenkegel erfetzt, hat ftatt gerader radialer, gekrümmte Rippen erhalten, wodurch beim Zufammengehen der beiden Kegelgerippe jedes Schneiden des Lederfeiles verhütet wird. Nebenbei müffen wir auch die für Flachsfpinner unentbehrliche Riffelbank und Walzen- Drehbank erwähnen.*) Die Riffelbank hat einen Einftellapparat für das Meffer bekommen, um die zu riffelnde Walze auf genaue Stärke, d. h. den Walzendurchmeffer in ein genaues Verhältnifs zur Zahl der Riffelungen zu bringen. Ift die Walze vollendet, fo bleibt der Schlitten auf dem äufserften Punkt feines Hubes ftehen und macht hiedurch den Arbeiter auf die ftattzuhabende Auswechfelung der Walze aufmerkfam. Aufserdem werden durch diefe Selbftabftellung die rein ausgefchnittenen Riffeln nicht wieder durch einen zweiten Angriff des Meffers verdorben. Bei der Walzen- Drehbank fiel die bequeme und fichere Einfpannvorrichtung für die Walzen auf. Die Spindel ift mit einem Schraubengewinde verfehen, längs welchem in zwei Nuthen zwei Mitnehmer vermittelft einer Mutter vor- oder zurückgefchoben werden können. Diefe Mitnehmer werden in die Walze eingedrückt, welche durch den Reitftock centrirt ift, und übertragen die Drehung der Spindel. Es entfällt durch diefe Anordnung die Nothwendigkeit des jedesmaligen Auffchraubens eines Mitnehmers und die hiedurch entſtehenden Spuren auf der Walze. - Die Firma S. Lawson and Sons in Leeds brachte einen Satz JuteSpinnereimafchinen und Mafchinen zum Verfpinnen von Hanf zu groben Garnen für Seilfabrication. *) Die Spulmafchine für Schützenkötzer gehört als Vormafchine zur Weberei. 10 Johann Zeman. Die Softing- Mafchine, auf welcher die eingefprengten Jutebüfchel behufs Erleichterung des Krempelproceffes erweicht und in dünnere Faferftränge zertheilt werden, ift fchon oben bei den Brechmafchinen berührt worden und unterfcheidet fich wefentlich von den fonft üblichen zwanzig- und mehrreihigen Walzenquetfchen. Bei den Durchzügen, ebenfo bei den Vorfpinnmafchinen fitzen die Kegelrädchen für die oberen Führungsfchrauben der Hechelftäbe nicht mehr unmittelbar auf der Einzugswelle, fondern auf kurzen, aufgekeilten Büchfen, mit welchen die Getriebe nur durch dünne Eifenftifte verbunden find. Sowie durch irgend einen Zufall die Hechelftäbe eines Kopfes geklemmt und der Gefahr des Brechens ausgefetzt werden, brechen eher, als irgend fonft ein Mafchinentheil, die Stifte der betreffenden zwei Kegelrädchen; die Maſchine aber läuft unbehindert, diefen Streckkopf ausgenommen, weiter, bis man die erforderliche Zeit zur vollen Inftandfetzung findet. Die Spindel- und Spulenbank bei Vorfpinnmafchinen find vollkommen verdeckt, um den Staub möglichft von den ölgefchmierten Lagern abzuhalten. Die Flyerfpindeln laufen in langen Lagerbüchfen oder find am oberen Ende in charnierartig, nach innen aufklappenden Lagerfchienen geführt. Vor kurzer Zeit erft hat die Firma S. Lawson and Sons mit der Anfertigung neuer Spinnereimafchinen für Hanf und für Seilgarn begonnen und fchon haben fich die hervorragendften englifchen Seilereien mit diefen Maſchinen ausgerüftet. Bei den Streckmafchinen diefes Syſtems finden fich je zwei aufeinanderfolgende Felder von Hechelftäben, von welchen das zweite Feld mit bedeutend gröfserer Gefchwindigkeit fich vorwärts bewegt und dabei das von den erften Hecheln zugebrachte Band auskämmt, verzieht und zu den Abzugswalzen weiterführt. Die erfte Mafchine diefes Syftems ift eine Band- und Anlegemafchine, auf welcher der vorbereitete Hanf in einzelnen Riften aufgegeben und in ein endlofes Band umgewandelt wird. Mehrere diefer Bänder gehen fodann zur zweiten, ähnlich gebauten Mafchine, der Strecke, und zum Schlufs auf die Spinnmafchine, wo das Streckband nochmals verzogen, gedreht und aufgewunden wird. Auch bei der Spinnmafchine ift die Kettenführung für die Hechelftäbe angebracht und dadurch ein erheblich gröfserer Abftand der Streckwalzen erreicht, daher der Hanf bei diefem Syftem vor dem Verfpinnen nicht gefchnitten werden mufs. Der Spindelbetrieb erfolgt durch Riemchen mit 1200 Umdrehungen per Minute. Die Spindeln find in zwei Spindelbänken eingelagert. Was die Ausführung der Ketten zur Führung der Hechelftäbe betrifft, fo haben die einzelnen Glieder abwechfelnd grofse und enge Augen angegoffen erhalten, welche, übereinandergefchoben, den Zug von einem Glied unmittelbar zum anderen und nicht wie fonft durch die Verbindungsbolzen, als welche die Hechelftäbe dienten, fortpflanzen. Die nun lofe in den engeren Augen der Kettenglieder fteckenden Hechelftäbe find dadurch vollkommen frei und vor jedem ungleichen Zuge gefichert. Damit die Hechelnadeln fenkrecht in das Band ein- und austreten, fo find an beiden Enden der Hechelftäbe, aufsen neben den Führungsketten, kleine Arme aufgefteckt, welche mittelft Bolzen längs entſprechend gekrümmter Führungen am Ein- und Ablauf der Ketten hingleiten. Die fenkrechte Stellung der Nadeln in der oberen Bahn wird analog durch gerade horizontale Führungsfchinen erzielt.- Die von Th. Barraclough in Manchefter ausgeführte Ronald'fche Seilfpinn Mafchine ift in ihrer bekannten einfachen Conftruction unverändert geblieben.- Die im vorigen Abfchnitt erwähnten Gebrüder Franke in Chemnitz bauen auch Zwirnmafchinen für Leinengarn. Die Spinnereimafchinen. 11 Zum Schlufs verdient noch die von der Sächfifchen Mafchinenfabrik( vormals Rich. Hartmann) in Chemnitz ausgeftellte Garn- Trockenmafchine nähere Erwähnung, indem in derfelben Garn in Strähnen in rationeller Weife rafch und in einem verhältnifsmäfsig kleinen Raum getrocknet werden kann. Bis auf das Auflegen der mit Strähnen verfehenen Stäbe und Abnehmen derfelben beim Ausgang der Mafchinen, find alle Arbeiten felbftthätig. Die Stäbe mit den Garnfträhnen werden in einem gefchloffenen Kaften mittelft zweier endlofen Ketten eingebracht, in auf- und abfteigenden Zickzackgängen durchgeführt und am anderen Ende der Mafchine wieder abgenommen. Die Trocknung erfolgt hierbei durch erwärmte Luft, welche längs Heizröhren am Boden des Kaftens hinftreicht und mittelft Windflügel zwifchen die einzelnen langfam auf und abfteigenden Reihen der Garnfträhne, entgegengefetzt ihrer Bewegungsrichtung, getrieben und endlich mit Feuchtigkeit beladen durch eine Abzugsöffnung entfernt wird. Damit das Waffer auf dem unteren Strähntheil fich nicht zufammenziehe, und um eine gleichmässige Durchtrocknung der einzelnen Strähne zu erleichtern, findet regelmäfsig ein Verhängen des Garnes um einen Theil des Strähnumfanges ftatt. III. Schafwoll- Spinnereimafchinen. a) Mafchinen für Streichwolle. Wie auf der letzten internationalen Ausftellung in Paris, fo fanden fich auch in Wien für diefe Spinnereibranche die meiſten Ausfteller und die gröfste Zahl von Mafchinen. Diefsmal aber lernten wir weittragende Neuerungen kennen, welche zum Theil fchon durch die Praxis approbirt, zum Theil noch ganz neu, aber ficherlich einen bedeutenden Einfluss auf die Streichgarn- Spinnerei auszuüben berufen find. Zu den erften Vorbereitungsmaschinen brachte uns die Wiener Weltausftellung nicht viel, aber manches Intereffante. Reichlicher dagegen waren Krempelfortimente und Streichgarn- Spinnmafchinen beider Syfteme( Selfactor und Watermafchinen), letztere mit originellen Verbefferungen, vertreten. Bei dem Wolf zur Auflockerung der Wolle erfchien die aus der Baumwoll- Spinnerei entnommene Klariermulden- Zuführung in Anwendung gebracht. Die Klettenwölfe, zum Reinigen und Auslefen von Kletten, Stroh und compacteren Schmutztheilen aus der Wolle, zeigten im Allgemeinen eine gröfsere Kammtrommel und ftärkere, zweckmäfsiger conftruirte Kämme. Die Krempeln betreffend, fo waren an denfelben, abgefehen von der Vorfpinnkrempel, weniger Aenderungen zu bemerken; wir weifen nebenbei darauf hin, dafs englifche und belgifche Conftructeure bei der Reifskrempel die Klettenwalze nicht direct mit dem Tambour arbeiten laffen, wie diefs bei den Kratzen der deutfchen und öfterreichifchen Ausfteller der Fall ift. Die felbftthätigen Speife apparate für Wölfe und Reifskrempeln haben eine weitere Ausbildung erfahren; für letztere ift fogar ein ziemlich gelungener Selbftwäge- und Auflegeapparat zu Stande gekommen. Es foll mit diefem Selbftfpeifer auf eine möglichft gleichförmige Arbeit der Karde hingewirkt werden. Möglichfte Gleichförmigkeit und Feinheit im Vorgefpinnft zu erzielen, ift auch der Zweck des Martin'fchen Fadenapparates, welcher durch die in London im Jahre 1871 abgehaltene Specialausftellung ungemein rafch bekannt und verbreitet wurde. Wie im Jahre 1867 die Horsfall'fchen Schleifrollen für Krempeln Auffehen erregten, fo hat in London 1871 und jetzt die feit London wefentlich im LA 12 Johann Zeman. Bewegungsmechanismus vereinfachte Dronsfield'fche Schleiffcheibe für Kratzwalzen die Aufmerkfamkeit der Spinner auf fich gezogen. So zeigt fich immer ernfter das Beftreben, die regelmäfsigfte Arbeit der Krempeln zu fichern und gewifs mit vollftem Recht, da grofse Ungleichheiten des Vorgefpinnftes beim Spinnen fchwierig, wenn überhaupt noch befeitigt werden können. Wohl läfst fich auf Mulemaſchinen eine gewiffe Ausgleichung der Dichtigkeitsfehler im Vorgarn erreichen; fchlimm dagegen ſtand es bisher mit den Erfolgen auf feftftehenden Spinnmaſchinen. Trotz der anerkennenswerthen Bemühungen von Vimont und Sykes konnten fich die bekannten Streichgarn- Watermafchinen keine allgemeinere Anwendung verfchaffen; denn die Heftigkeit der Erfchütterung der Fäden durch den Vibrationsapparat im Streckwerke befchränkt zu fehr den Vorzug und felbft die angeftrebte Ausgleichung des Vorgefpinnftes durch die abwechfelnde Moderation des Röhrchendrahtes bleibt unvollkommen. Mit Freude ift daher das neue Streckwerk für Streichgarn zu begrüfsen, welche der erfindungsreiche Conftructeur C. Martin nach Vollendung feines Vorfpinnapparates ausgearbeitet hat und welches die Ausgleichung der bei den Krempeln unvermeidlichen Dichtigkeitsfehler im Vorgefpinnft durch eigene, für jeden Faden unabhängig wirkende und mit der gröfsten Schonung für die lockeren Wollbändchen einfetzende Regulatoren in überraschender Weife erreicht. Bemerkenswerth und vielverfprechend ift auch das von Amerika uns zugekommene Avery'fche Streckwerk für Streichgarn- Watermafchinen, weniger durch den Einzugsapparat, welcher die Lieferungsweife einer Mule nachahmen foll, als durch eine ganz vortreffliche Anordnung der Röhrchen( tubes) und der vorderen Streckcylinder. Vergleicht man die ausgeftellten Selfactors unter einander, fo findet man, dafs bei diefen die von einem deutfchen Conftructeur zuerft ausgeführte, beffere Vertheilung der Spindeldrehungen beim Ausfahren und Nachdrehen allgemeine Nachahmung gefunden hat. Richard Hartmann in Chemnitz trat bekanntlich anfangs der fechziger Jahre mit dem Syftem der dreifachen Spindelgefchwindigkeit für StreichgarnSelfactors auf, um langfam anfpinnen, bei ftatthabender Wagenftreckung etwas rafcher weiterfpinnen, endlich in der Periode des Nachdrehens mit der gröfsten Spindelgefchwindigkeit den Twift in die Fäden legen zu können. Hiemit war allerdings eine complicirtere Bauart des Headftock verknüpft und aus diefem, wohl auch aus anderen Gründen wurde diefes Syftem anfangs vielfach bekämpft. - Nach allmäligen Verbefferungen ift der Hartmann'fche Selfactor wefentlich vereinfacht, überfichtlich und leicht zugänglich geworden; die deutſchen Mafchinenbauer haben nach Ablauf des Patentes das Syſtem der drei Spindelgefchwindigkeiten, wenn auch mit abweichenden Dispofitionen, acceptirt und felbft jenfeits des Canales verfchlofs man den Vortheilen der befferen Gefchwindigkeitsvertheilung nicht länger die Augen und führte, unter Beibehaltung der zwei Twiftfcheiben für einfache und doppelte Gefchwindigkeit, eine dritte fchwache Spindeldrehung nach rafchem Anfpinnen ein, durch eine mehr oder weniger lösbare Frictionsverbindung der Seilrolle auf der Spindel- Trommelwelle im Wagenmittelftück. Zum Zwirnen hat fich die Ringfpindel, ebenfo wie bei den feftftehenden Spinnmafchinen, bisher noch am zweckmäfsigften bewährt. Statt mit Wechfelrädern die Spindelgefchwindigkeit zu ändern, hat man die alten mehrfpurigen Seilrollen verbeffert als Stufenconuffe für Riemenbetrieb wieder eingeführt. Mit der allgemeineren Einführung felbftthätiger Spinnmafchinen in der Wollenbranche kommt auch der mechanifche Hafpel ftärker in Anwendung, Die Spinnereimafchinen. 13 wobei jedoch die Conftructeure über die befte Selbftabftellung bei Fadenbruch noch nicht einig geworden zu fein fcheinen. Mit patriotifcher Befriedigung erwähnen wir hier, dafs endlich auch in Oefterreich der Selfactorbau mit gefchickten Händen in Angriff genommen wurde. Wohl konnte die betreffende Maſchinenfabrik mit einem neuen Syfteme auf der Wiener Weltausftellung nicht erfcheinen; aber der Conftructeur bewies durch die zweckmäfsige Wahl feiner Vorbilder und durch eigenartige Vereinfachungen im Mechanismus, dafs er mit Verſtändniss an die fchwierige Unternehmung gefchritten, dem einheimifchen Spinner, neben den englifchen und deutfchen altrenommirten Selfactor- Werkstätten, eine gute Mulemafchine zu bieten. An Schwierigkeiten, den Selfactorbau in Oefterreich dauernd einzubürgern, wird es nicht fehlen; aber wir hoffen, dafs es auch der feften Ausdauer und des lohnenden Erfolges für diefe Bemühungen nicht ermangeln werde. Bei der zahlreichen Befchickung, mehr noch bei der hohen Entwicklung, welche die öfterreichiſche Streichgarn- Induftrie im Vereine mit der Tuchmanufactur erreicht hat, glaubt Referent- felbft auf die Gefahr hin, weitfchweifig zu erfcheinen die zur Bearbeitung der Streichwolle ausgeftellten Mafchinen mit aller Ausführlichkeit befprechen zu müffen. Es empfiehlt fich hiebei wegen des bequemeren Studiums jeder Eigenthümlichkeit, alle Mafchinen eines Ausftellers im Zufammenhange zu befprechen. Die Petrie'fche Wollwafch- Mafchine und Trockenmafchine, welche von J. und W. Mc. Naught in Rochdale( England) ausgeftellt wurden, haben verfchiedene zweckmäfsige Verbefferungen aufzuweifen. Die Rührgabeln der Wafchmafchine find ausbalancirt und mit einem bequem ftellbaren Antrieb für die oscillatorifche Bewegung verfehen. Die Abzugsvorrichtung für die gewafchene Wolle befteht aus einem geneigt liegenden Tifch, auf welchem die Wolle durch die letzte doppelte Aushebegabel aufgelegt und mittelft eines Rechens fortgefchoben wird. Diefer Rechen erhält feine Bewegung durch Kurbel und Hebedaumen in der Art, dafs derfelbe nur beim Vorfchub mit der Wolle felbft in Berührung tritt, dann fenkrecht auffteigt, um den Rückweg zurückzulegen, und endlich unten wieder in die neu aufgelegte Wolle einfällt. Damit die im Abzug begriffene Wolle während des Rückganges des Rechens von dem fchrägen Abführtifch nicht zurückrutfcht, fteigen aus dem Boden desfelben Zinken auf, welche jedoch, vor Beginn eines jeden Vorfchubes des Abzugrechens, rafch wieder herabfinken. Stehen mehrere einfache Mafchinen unter einander in Verbindung und rückt die Wolle fucceffive aus dem einen Wafchtrog in den nächften zum weiteren Auswafchen, fo kann die Wafchflüffigkeit aus einem Baffin in die vorhergehende, mit noch nicht fo rein gewafchener Wolle gefüllte Abtheilung durch einen Dampfftrahl- Apparat( Steam Jet Transmittor) befördert werden. Die obere Quetfchwalze beim Abzug wird mittelft Stirnrad und Zahnkuppelung angetrieben; letztere öffnet fich im Falle des Vorlaufes der Druckwalze und verhütet dadurch einen etwaigen Bruch im Rad oder eine Befchädigung der Wolle. Bei der Trockenmafchine zum Trocknen der Wolle mit erwärmter Luft find die Windflügel im Innern des Kaftens angebracht und erfolgt die Luftzuführung durch je eine Oeffnung an beiden Seitenwänden um die Flügelachfe herum, ferner durch Löcher, welche in den drei Lagerfüfsen jeder Flügelwelle angebracht find, im Ganzen alfo, da die Mafchine aus zwei völlig gefchiedenen fymmetrifchen Hälften befteht, durch 10 Luftöffnungen. Die Dampfrohre zur Erwärmung der vorbeiftreichenden Luft liegen nahe unter den Drahtnetzen, auf welchen die Wolle ausgebreitet wird. - Zum Entwäffern der gewafchenen oder gefärbten Wolle dienen auch Centrifugal- Trockenmaſchinen, welche in grofser Zahl von Appretur- Mafchinenfabriken zur Ausftellung gekommen find. - 14 Johann Zeman. Zu den eigentlichen Woll- Spinnmafchinen übergehend, beginnen wir mit der Expofition von Platt Brothers& Comp. in Oldham( England).*) Das ausgeftellt gewefene Sortiment Karden dient fpeciell zur Erzeugung eines fehr wolligen, filzfähigen Garnes, aus welchem Grunde zwifchen der zweiten und dritten Krempel eine Kreuzung der Faferlage durch Anwendung des Ferrabe e'fchen Vliefsapparates ftattfindet. Sämmtliche Karden find mit zwei Einzugs- und einen Putzcylinder, ferner mit Vorreifswalze verfehen, welche jedoch nicht direct, fondern vermittelft einer Uebertrag oder Wenderwalze die Wolle an den Tambour übergibt. Der Abzug der Grobkarde findet feitlich ftatt; es erhält das abgelöfte Wollvliefs durch einen rotirenden Trichter eine Verdichtung und kommt nach zweimaligem rechtwinkeligen Wechfel des Laufes um Leitrollen zu einem Wickelapparat, an Stelle der Pelztrommel vor der Mafchine ftehend, um auf eine drei Zoll breite Spule feft aufgewunden zu werden. Die Einrichtung des PatentwickelApparates ift von dem Canalfyftem bei Baumwoll- Kratzmafchinen bekannt; auch hier findet die Umftellung des Spulgeftelles nach Aufwicklung einer beftimmten Länge, ebenfo das Abreifsen des auf die frifche Spule fich fortwickelnden Bandes felbftthätig ftatt. Die zweite Krempel hat einen Auffteckrahmen für 64 Wickel, von welchen die Bänder durch eine Bandleitung knapp vor den Einzugscylinder hindurchgehen. Damit der Tambour fich nicht muldenförmig ausarbeite- was bei der urfprünglichen Reichenberger Anordnung diefer Art der Fall war erhielt die Bandleitung eine kleine Querbewegung. - Der Abzug des Vliefses erfolgt mit Hilfe eines verbefferten Ferrabeefchen Apparates. Das Abzuglattentuch, welches zum Wagen führt, beſteht nicht mehr aus einem, fondern aus zwei endlofen Theilen, welche in einem knieförmigen Rahmen über Rollen laufen. Zu diefem Zwecke find zwei Antriebsketten für das auffteigende und dann für das abwärts führende Lattentuch getrennt in Anwendung gebracht, auch die Spiralfeder zur Spannung des früheren Lattentuches als überflüffig befeitigt. Die hin- und wiederkehrende Wagenbewegung findet hier nicht mehr mittelft eines endlofen Lederriemens, fondern durch ein Mangelgetriebe ftatt. Eine nach dem Principe des Mangelrades conftruirte Zahnftange- ,, Mangelftange" ift fo eingerichtet, dafs durch Verftellung der Wendeftücke an beiden Enden derfelben der Ausfchlag des Wagens, fomit die Breite des entſtehenden Vliefses abgeändert werden kann. Die Mangelftange liegt äquilibrirt in parallel gefchlitzten Stelleifen und verfchiebt fich fehr leicht beim Wechfel des Eingriffes des Getriebes nach aufwärts oder abwärts. Der Wagen läuft mittelft Laufrollen auf Schienen und wird hiebei durch Zahnftangengetriebe auf beiden Seiten ftets parallel geführt. Die Fortrückung des Vliefstuches gefchieht von der unteren LattentuchWalze aus, nahe dem Peigneur, ftatt mittelft Riemenkegel durch Stellkurbel und Sperrrad- Mechanismus. Was endlich die Vorfpinnkrempel anlangt, welcher zwei Wickel der Mittelkarde vorgelegt werden können, fo ift diefelbe mit dem von Cöleftin Martin in Verviers erfundenen Fadenapparat verfehen. Um nämlich möglichft gleichförmige und feinere Vorfpinnfäden zu erzielen, wird das Vliefs von der voll befchlagenen Kammwalze durch einen Hacker ungetheilt abgenommen und darauf in einem zwifchen dem Peigneur und den Würgelwerken eingefchalteten Riemchen- Theilapparat in einzelne Bänder getrennt. * Von Weften nach Often durch die Mafchinenhalle fchreitend, wäre die amerikanifche Spinnmafchine von J. Avery zunächft zu behandeln. Wir knüpfen aber deren Befprechung an die Martin'fche Spinnmafchine( S. 20) an. Die Spinnereimafchinen. 15 Diefer Apparat befteht aus zwei Syftemen abwechfelnd neben einander laufender, fchmaler, endlofer Riemen, welche in entſprechenden Rinnen zweier übereinander gelagerter Führungswalzen eingelegt find. Dort, wo das Wollvliefs zwifchen diefe zwei fich berührenden Walzen eintritt, liegen die Riemchen in ihren Führungsrinnen eingefenkt, fo dafs die einziehenden Walzen eine glatte Oberfläche darbieten und das Vliefs ficher erfaffen. Nach' dem aber das Wollvliefs zwifchen die beiden Walzen eingetreten ift, trennen fich die beiden Riemenfyfteme, indem die Riemchen der unteren Walze nach aufwärts und die Riemchen der oberen Walze nach abwärts geführt werden und dadurch das eingezogene Vliefs in eben fo viele Bändchen theilen, als Riemen vorhanden find. Die erzielten Wollbändchen werden durch ihre Riemen bis zu den Würgelapparaten gebracht, von denen für jedes Riemenfyftem einer vorhanden ift, da verdichtet und alsdann zu je zwei Spulen zur Aufwicklung geführt. Da die Riemchen mit gleicher Gefchwindigkeit fich fortbewegen wie das eintretende Wollvliefs, fo findet die Theilung desfelben ohne Anftrengung und ohne Verfchiebung der einzelnen Wollhaare, ferner wegen der durchaus gleichen Breite aller Riemen und wegen der Führung derfelben in fcharf eingefchnittenen und genau paffenden Nuthen der das Vliefs einziehenden Führungswalzen mit der gröfsten Gleichförmigkeit ftatt. Nachdem überdies jeder Riemen das erzeugte Wollbändchen bis zum Würgelapparat trägt und vor allen nachtheiligen Verzügen bewahrt, fo kann man unter fonft gleichen Umftänden durch geeignete Wahl der Riemchenbreite eine gröfsere Zahl feinerer Vorfpinnfäden von der Krempel abziehen, wie diefs bei allen anderen Theilapparaten noch nicht erreicht wurde. Die Platt'fche Schleifmafchine für Kardenwalzen zeigt die im vorigen Abfchnitt fchon erwähnte Verbefferung, dafs die beiden Stelllager für die zu fchleifende Walze nur gemeinfchaftlich und ftets parallel zur Schleifwalze bewegt werden können. Befchäftigen wir uns näher mit den Verbefferungen am Platt'fchen Streichgarn- Selfactor, fo ift erinnerlich, dafs bei deffen früherer Anordnung nur zwei verfchiedene Gefchwindigkeiten für die Spindeldrehungen und diefs noch unter der Befchränkung gegeben werden konnten, dafs die zweite gröfsere, die fogenannte doppelte Gefchwindigkeit erft nach ftattgehabter halber Drehung der Steuerwelle am Schlufs der Wagenausfahrt zum Nachdrehen einfetzte, indem die Riemenumftellung vollkommen von der Steuerwelle abhängig gemacht war. Auch jetzt hat Platt nur einen Riemen für die beiden Triebfcheiben, welche in Verbindung mit einem kleinen, beziehungsweife mit einem grofsen Twiftwirtel ftehen; doch kann der Eintritt der doppelten Spindelgefchwindigkeit in jedem Punkt der Ausfahrt vom Wagen aus gefteuert werden. Um nun auch noch eine kleinere als die einfache Spindelgefchwindigkeit im Beginne der erften Periode unter Aufrechthaltung des einfachen, Platt eigenthümlichen Antriebes zu ermöglichen, ift die Seilrolle auf der Spindel- Trommelwelle nicht feft, fondern mit einem Frictionsrad in Verbindung gebracht, durch deffen theilweife oder gänzliche Ausrückung die Spindeldrehungen verlangfamt oder vollkommen eingeftellt werden. Hiezu dient ein Hebel am Frictionsrad, welcher durch eine Ausrückfchiene am Verbindungsftück des grofsen und kleinen Headftock bei Wagenausfahrt ausgelegt wird. Es findet hiernach beim Beginne der erften Periode( Lieferung und Wagenausfahrt) ein rafches Anfpinnen des Vorgarnes ftatt, worauf die Spindeln für einen Theil des Wagenweges ganz ftehen bleiben oder fehr langfam fich drehen, der aufgegebene Twift aber fich gleichförmig vertheilt mit demfelben Erfolg, als ob das Anfpinnen bis zum Eintritt der unveränderten Gefchwindigkeit des kleinen Twiftwirtels mit einer gleichmässigen, aber geringeren erften Gefchwindigkeit gefchehen wäre. Beim Doppelfpinnen, wenn das gedrehte Vorgefpinnft rafch aufgedreht und dann erft mit entgegengefetztem Twift gefponnen werden muss, kann man mit der doppelten Gefchwindigkeit beginnen, hierauf die einfache und nachher wieder die doppelte Gefchwindigkeit einfetzen. 16 Johann Zeman. Die jetzige Quadrantenfchraube hat eine gegen oben abnehmende Ganghöhe; die Quadrantenregulirung wird in Folge deffen wieder einfach durch eine endlofe Schnur erzielt, welche eine lofe Rolle mit Sperrrad im Wagen umfchlingt und immer dann an der Wageneinzugs- Bewegung theilnimmt, wenn vom Gegenwinder aus durch Einfallen einer Klinke ins Sperrrad die Scheibe verhindert wird, fich frei zu drehen. In dem Mafse, als der Kötzeranfatz gröfser wird, erhebt fich die Laufmutter wegen der abnehmenden Gewindhöhe der Quadrantenfchraube immer weniger, ohne Anwendung eines eigenen Regulirungsmechanismus, wie das z. B. bei dem Buckley'fchen Quadrantenregulator der Fall ift. Um die Kötzerfpitzen in jedem Stadium der Aufwicklung feft zu winden, ift der Aufhängepunkt der Quadrantenkette nicht feft an der Laufmutter, fondern mittelft eines Sperrrades befeftigt, durch deffen Drehung eine Verkürzung der Quadrantenkette erreicht wird mit derfelben Wirkung, wie mit dem bekannten am Quadrantenarm rechtwinkelig abftehenden Correctionhebel. Das Sperrrad läfst fich jederzeit mit einem Griff leichter manipuliren, wie der in den Schlitz des Correctionshebels verftellbare Bolzen, welcher gegen Ende der Wageneinfahrt die Kette noch ein wenig von der Quadranten- Kettentrommel abzieht. Die Steuerwelle, welche fchon vor der letzten Parifer Weltausftellung als Zweitempo- Welle( arbre à deux temps; two motion shaft) ähnlich wie bei dem bekannten Parr- Curtis Selfactor eingerichtet wurde, erhält, unabhängig von der Hauptwelle, ihre Bewegung durch eine eigene Riemenfcheibe auf einer parallel, hinter derfelben gelagerten Hilfswelle, von welcher auch noch die Drehung der Einzugswelle durch Kegelräder und die Bewegung des auf der Hauptwelle fitzenden Abfchlagrades durch ein Stirnrad abgeleitet wird. Stellt fich dem ausfahrenden Wagen ein Hindernifs entgegen, fo kann der Riemen von feiner Scheibe abrutfchen und der Wagen bleibt ftehen. Im gewünſchten Falle kann jedoch die Hauptwelle und die Hilfswelle direct durch zwei Räder verbunden werden, wobei das Rad auf der Hilfswelle an der Stelle der Riemenfcheibe aufgekeilt wird. Seit mehreren Jahren ift der Platt'fche Selfactor mit einer Ausrückftange ausgerüftet, welche parallel unter der Gegenwinderwelle angeordnet ift und geftattet, die Mafchine von irgend einem Punkte des Wagens bei deffen Einfahren durch Verfchieben diefer Ausrückftange zum Stillftand zu bringen. Der Wagen vollendet hiebei die Einfahrt, auch die Steuerwelle macht noch ihre halbe Umdrehung und bereitet Alles für den neuen Auszug vor; aber der Riemen wird durch den mit der Ausrückftange verbundenen Mechanismus gehindert, auf die Triebfcheibe zu rücken. Diefe Verbefferung ift rafch von allen andern Conftructeuren nachgeahmt worden. Der grofse und kleine Headstock ruhen jeder für fich auf Unterlagsplatten, welche durch zwei breite Traverfen zu einem feften Bodenrahmen verbunden find. Die Traverfen dienen zugleich als Wagenfchienen. Was endlich den Auffteckrahmen des Selfactor anlangt, fo ift derfelbe fowohl zur Aufnahme von Vorgefpinnftfpulen als auch, für den Fall des Doppelfpinnens, zum Aufftecken von Vorgefpinnftkötzer eingerichtet. Bei der Woll doublir- und Zwirnmafchine ift zunächft bei der Ringfpindel der Läufer nicht einfach, nur auf der oberen Kante der Ringbank laufend, fondern langgeftreckt, doppelt oben und unten die Ringkante umfaffend. Statt Wechfelräder zur Veränderung der Spindelgefchwindigkeit find Stufenconuffe mit neun Abftufungen für Riemenbetrieb angewendet. Die Mafchine ift doppelfeitig und jede Seite für fich unabhängig von der anderen in Gang zu fetzen. Die Ringbank- Bewegung ift fo eingerichtet, dafs ein Unterwinden der Fäden ftattfinden kann, um ähnlich wie beim Selfactor ohne grofsen Zeitverluft nach dem Abnehmen der fertigen Kötzer die frifche Aufwindung beginnen zu können. - Der nächſte Ausfteller für Wollspinnerei- Mafchinen war die belgiſche Firma Bède& Comp.( Société Houget& Teston) in Verviers. Ihre Mafchinen waren mit Ausnahme des Selfactor und der Sykes'fchen Spinnmafchine nicht zum Betriebe ausgerüftet. Die Spinnereimafchinen. 17 Der bekannte Houget'fche Klettenwolf erhielt einen felbftthätigen Speifeapparat( Patent Deru), welcher die Wolle auflockert und zum Entkletten zweckmäfsig einführt. Der Apparat befteht im Wefentlichen aus einem mit langen Stiften befchlagenen Tambour, über welchem etwas vorhängend ein dreiflügeliger, ebenfalls mit ftarken Stiften befetzter Schläger fich rafch umdreht. Die aufgegebene Wolle fällt auf den Stiftentambour, vor welchem ein verticales Lattentuch den Abfchlufs des Aufgebekaftens bildet, und geht mit demfelben nach unten herum mit, um alsdann von dem entgegengefetzt vorlaufenden Flügel nach und nach abgenommen und auf das Speifetuch der Klettenmafchine abgeworfen zu werden. Den Flügel umgibt auf nahezu ein Drittel des Umfanges ein Roft, durch welchen eine Abfonderung von Staub und lofen Schmutztheilchen aus der aufgelockerten Wolle ftattfindet. Im Uebrigen hat die Kammtrommel einen gröfseren Durchmeffer und ftärkere Kämme und ift auch der Raum zur Aufnahme der abgefchlagenen Kletten etc. geräumiger gehalten. Das Sortiment Karden beftand aus einer Grobkratze mit Avanttrain und modificirtem Bolette'fchen Zuführapparat, ferner aus einer Vorfpinnkarde mit fchottifchem Auflegeapparat. Der angeführte Zuführapparat für die Grobkarde beſteht aus einem fchräg anfteigenden und dann horizontal weiterlaufenden, endlofen Lattentuch, über welches am Uebergangspunkte ein zweiarmiger, mit groben Spitzen befetzter Schläger in der Richtung der Lattentuch- Bewegung fich umdreht und die zugeführte Wolle flockenweife zu den Einzugwalzen befördert. Durch eine entgegengefetzt laufende glatte Walze, zwifchen dem Flügel und den Speifewalzen, wird die Regelmäfsigkeit der Auflage in der Weife erzielt, dafs die zu viel mitgeriffene Wolle vom Flügel wieder zur Aufgebeftelle zurückgetragen wird. Soll die Auflage von Hand in gewöhnlicher Weife beforgt werden, fo wird die fchräg liegende Hälfte des Lattentuches in die Horizontale gehoben und der Flügel parallel zum Lattentuch feftgeftellt. Der Avanttrain befteht aus zwei Speifecylindern und einer Klettenwalze mit Abfchläger, von welcher die Wolle durch eine kleine Uebertragwalze und ein tief herabgeftelltes Arbeiter- und Wenderpaar an den kleinen Tambour übergeht. Der kleine Tambour arbeitet aufserdem mit zwei, alfo im Ganzen mit drei Paar Arbeiter und Wender. Die Wolle gelangt durch eine Uebertragwalze vom kleinen zum grofsen Tambour, über welchem fechs Arbeiter- und Wenderwalzen vertheilt find. Der Abzug des abgelöften Wollvliefses findet feitlich ohne Einfchaltung eines Drehtrichters ftatt und wird das Band in einander berührenden Zickzackgängen rechtwinkelig quer über das Speifetuch der Feinkarde durch den bekannten fchottifchen Bandapparat vorgelegt. Ein in Naturgröfse ausgeführtes Modell ftellte einen modificirten Martinfchen Apparat zur Theilung des Wollvliefses dar, welcher etwaigen Befürchtungen über Dauerhaftigkeit und Inftandhaltung der gleichmäfsigen Spannung der Lederriemchen mittelft Erfetzung derfelben durch dünne Stahlbänder abhelfen foll. Der Bède'fche Vorfpinnapparat befteht aus zwei Syftemen feftliegender Stahlftreifen gleicher Breite, welche abwechfelnd nicht zwifchen zwei eingedrehten Eifenwalzen, fondern gleich zwifchen zwei vertical gefpannten, in drehender Bewegung befindlichen Würgeltüchern- von den Spinnern auch Lederhofen genannt vertheilt find. Nachdem nun das eine Syftem der Stahlbänder von unten nach aufwärts um das obere Würgelleder gefpannt ift, fo erfafst diefes bei feiner Bewegung nur die von diefen Stahlbändern zurückgehaltenen Streifen des ungetheilt eintretenden Wollvliefses, während die anderen Stahlbänder, welche fymmetriſch aber von oben nach abwärts um das untere Frottirleder gelegt find, diefer die übrigbleibenden Wollftreifen zur Fortbewegung referviren. 2 5% 18 Johann Zeman. Es findet zweifelsohne bei der Bewegung des Apparates durch die Würgeltücher und die unbeweglichen Stahlbänder eine Theilung des eingeführten Vliefses in fo viel Streifen, als Stahlbänder vorhanden find, ftatt. Ob aber diefe Theilung trotz der Glätte der Stahlbänder, auf welchen die Wollbändchen weitergefchoben werden müffen, mit der erforderlichen Gleichmässigkeit vor fich geht, diefs entgiltig zu entfcheiden, ift wohl noch nicht möglich, umfomehr als die Ausfteller unterliefsen, den Apparat in Betrieb zu fetzen. Bei dem Bède'fchen Selfactor erfolgt wie bei Platt der Antrieb der Steuerwelle, Einzugswelle und Abfchlagmechanismus unabhängig von der Hauptwelle und der Spindeldrehung; im Gegenfatz zum Platt'fchen Selfactor aber durch eine Riemenfcheibe auf der Einzugswelle und von diefer aus ftatt durch Räder mittelft eines endlofen Seiles, welches von der Einzugswelle zur Parr- Curtis- Steuerwelle, von hier zur Vorgelegewelle für das Abfchlagrad und endlich zurück zur Einzugswelle läuft. Die Spindeldrehungen gehen wie bei dem vorhin abgehandelten Platt'fchen Selfactor vor fich. Um den Verzug der Streckfäden in einer Vimont- Sykes'fchen Spinnmafchine zu unterſtützen, ift der vordere, rafch umlaufende Schläger durch einen langfam fich drehenden, zweiarmigen und mit Kratzleder befetzten Flügel erfetzt worden! Der Antrieb der Streckwalzen und der Röhrchen erfolgt zweckmäfsig von der Hauptwelle mittelft eines rafch regulirbaren Frictionsvorgeleges; daher Gefchwindigkeitsänderungen je nach Qualität der zur Spinnmafchine kommenden Wolle ausgeführt werden können. - Wenden wir uns nun zu den von Cöleftin Martin in Verviers( Belgien) zur Wiener Weltausftellung gebrachten und in Gang gefetzten Maſchinen zur Verarbeitung von Wolle. Vorerft wäre da der Reifswolf für Abgänge( Shoddywolf) zu erwähnen, bei welchem die untere Zuführwalze durch eine fefte Mulde erfetzt ift und ftatt des oberen, geriffelten Cylinders eine mit Kautfchuk überzogene Walze eingelegt werden kann. Der Klettenwolf wies in der Conftruction der Kammtrommel eine Die einzelnen Zähne der Kämme find fehr wichtige Verbefferung nach. durch eingefräfte, etwa 11 Millimeter tiefe und breite Rinnen von ein12 ander getrennt und fteht jedem Zahn eine Rinne des vorhergehenden Kammes gegenüber. Die der Kammtrommel zugebrachte Wolle hat Platz und Gelegenheit in die Rinnen zwifchen den Kammzähnen fich einzulegen und dadurch jeder Befchädigung durch die Schläger zu entgehen, während Kletten und dergleichen über der Oberfläche des Kammtambours liegen bleiben und durch die Schläger abgeftreift werden. Auch der felbftthätige Schmelzwolf, mit welchem Martin fchon im Jahre 1862 in London zuerft aufgetreten ift, zeigte eine neuere Vervollkommnung dahin, dafs die Einfprengflüffigkeit nicht mehr vorher gemifcht und vorbereitet in den Behälter auf der Mafchine gebracht werden mufs. Oel und Waffer werden gefondert aufgegeben und durch die Abftreifbürfte mit dem Einfprengen der Wolle zugleich gemifcht. Zu diefem Behufe find an Stelle des einen Troges zwei getrennte, halb fo grofse Behälter für Oel und Waffer vorhanden, welche unabhängig von einander eine Drehung erhalten und beliebige Mengen abfliefsen laffen. Das ausfliefsende Waffer und Oel gelangt über zwei über einander liegende und die ganze Breite der Mafchine einnehmende Vertheilungsrinnen in gleichförmig vertheilten Tropfen auf jene Abflufsplatte, von welcher durch die fchnell rotirende Bürftenwalze die Vermifchung der Flüffigkeit bei deren Ausbreitung über die zukommende Wolle bewerkstelligt wird. Die Spinnereimafchinen. 19 Durch Aenderung zweier Wechfelrädchen in dem Rädertrieb für die beiden Tröge wird fowohl das Mifchungsverhältnifs, fowie der Zuflufs der Einfprengflüffigkeit nach Bedürfnifs regulirt. Sämmtliche Theile der Mafchine find leicht zugänglich, was behufs forgfältiger Reinigung derfelben nach jeder Partie Wolle von Belang ift. Zur Bearbeitung feiner und mittlerer Wollen war ein Sortiment von drei Karden aufgeftellt. Die Reifskrempel zeigt den bekannten und viel verbreiteten Bolette'fchen Speifeapparat, von welchem die Wolle durch ein Vorreifswerk aus zwei Klettenwalzen an den Tambour zwar nicht direct, fondern durch eine Wenderwalze abgegeben wird. Statt der Pelztrommel ift ein endlofes Pelztuch vorhanden. Auch die Mittelkarde wickelt das Wollvliefs auf ein„ doppeltes" Pelztuch von 14 Meter Länge auf. Die Pelztücher erhalten jetzt ihre Spannung ftatt mittelft einer ftellbaren Führungswalze durch eine freie Gewichtswalze, ferner eine Gradführung über die Walzen im Geftelle durch eingenähte Querftäbe, welche knapp zwifchen die Geftellwände paffen. Auf der Feinkarde werden durch den Martin'fchen Vorfpinnapparat 120 gute Fäden bei 15 Meter Befchlagbreite abgegeben. Wir haben uns fchon oben ausführlich über diefen Apparat ausgelaffen, deffen Vorzüge wohl nicht fchlagender ausgedrückt werden können, als durch den Hinweis auf deffen ungemein rafche Verbreitung feit der Londoner Specialausftellung im Jahre 1871, wo der Vliefs- Theilapparat zum erften Male vor die Oeffentlichkeit getreten ift. Ein anderer Satz von zwei Krempeln für Kunft wolle und Wollabgänge war durch den fchottifchen Bandlege- Apparat in Verbindung gefetzt. Einfach und zweckmäfsig ift hiebei die Anordnung des Balancegewichtes der auf- und niederfteigenden Bandführung, welche das Kardenband in den Wagen des Legeapparates abgibt. Im Uebrigen können die Eigenthümlichkeiten der Martin'fchen Krempeln, insbefondere die Anwendung fehr fchwacher Wenderwalzen als bekannt vorausgefetzt werden. Das gröfste Intereffe unter den Mafchinen diefes und fämmtlicher anderen Ausfteller diefer Branche beansprucht unftreitig die Streichgarn- Watermafchine mit Martin's neuem Streckwerk. Die Hauptfchwierigkelt beim continuirlichen Spinnen liegt in den Unregelmässigkeiten des von den Krempeln kommenden Vorgefpinnftes, welche bisher nur auf Mulemaſchinen bis zu einem gewiffen Grade ausgeglichen werden konnten. Durch die Mifserfolge der Streckwerke bei den Spinnmaschinen von Vimont und Sykes belehrt, erkannte Martin als erfte Nothwendigkeit eines guten Streichgarn- Streckwerks die getrennte Behandlung jedes einzelnen Fadens, um durch ftärkere Verftreckung der dichteren Fadenftücke eine Ausgleichung in der ganzen Länge des Garnes thunlichft zu erreichen. War diefe Regulirung des Verzuges, das ift Egalifirung der einzelnen Fäden in einer praktiſch brauchbaren Mafchine, ohne Rückficht auf die Zahl der Spindeln durchführbar, fo unterlag es keinem Zweifel, dafs bei der vorausgegangenen Vervollkommnung der Vorfpinnkrempeln ein fchönes und gleichförmiges Streichgarn auch auf feftftehenden Spinnmafchinen gefponnen werden könnte. Einmal auf dem richtigen Wege und ermuthigt durch den aufserordentlichen Erfolg feines Vorfpinnapparates, brachte Martin auch einen originellen Verzugsregulator im Streckwerk für jeden einzelnen Faden zu Stande; eine Erfindung, welche als weittragend begrüfst und behandelt werden mufs. Es ift vorweg ausdrücklich zu bemerken, dafs diefer Vorzugsregulator nicht etwa die normal zwifchen den Streckcylindern herrfchende Streckung je nach der Dicke des eintretenden Vorgefpinnftes wechfelt, fondern der Regulator forgt nur für eine fchwächere Drehung dickerer Fadentheile; diefe können aber im Zuftand 2* L 20 Johann Zeman. des lockeren Zufammenhanges der Wollhaare reichlicher verzogen werden als die dünneren Stellen, welche fofort einen ftärkeren Twift erhalten. Das geftellte Ziel hat Martin auf folgende Weife erreicht: Die Drehung der einzelnen Fäden in einem Streckwerk mit fehr weit geftellten Cylindern erfolgt vorübergehend durch die bekannten Röhrchen( tubes). Nun verliert ein Faden durch Drehung um fo mehr an Länge, je dicker derfelbe bei gleichbleibender Drehung ift. Diefe Eigenfchaft wird dazu benützt, den Regulator in Thätigkeit zu fetzen. Der Regulator zur richtigen Vertheilung des Röhrchendrahtes und, in weiterer Folge hievon, des Verzuges befteht aus einem nächft dem Röhrchen angebrachten Fühlhebel und einer unmittelbar dahinter angeordneten feften Bremsfchiene, über welch' letztere der Faden in einem geringen Abftand zu dem Röhrchen herabftreicht. Jeder Faden liegt über einem eigenen Fühlhebel, welcher im normalen Stande den von dem Röhrchen ausgehenden Draht nicht alterirt. Kommt aber eine dichtere Fadenftelle durch die Einziehwalzen und wird in Folge der fofort ftattfindenden Drehung und Verkürzung des Fadens der Fühlhebel niedergedrückt, fo findet diefer nun auf der Bremsfchiene auflaufende Faden fo viel Reibung, dafs der Röhrchendraht entſprechend fchwächer nach dem dickeren Fadentheil fortgepflanzt wird. Der fchon gegebene Twift verläuft rafch nach dem ftets frifch zukommenden Vorgefpinnft, wefshalb der Verzug der dichteren Stelle ohne Anftrengung erfolgt und beim Eintritt der normalen Fadenfpannung der Fühlhebel in die vorige Pofition fofort zurückkehrt, worauf wieder der Röhrchendraht ungefchwächt bis zu den Einziehwalzen verlaufen kann. Solange alfo egales Vorgefpinnft der beftimmten Nummer einläuft, fteht der Fühlhebel ganz ruhig und ftreicht der Faden in einem kleinen Abftand über die Bremsfchiene hin. Sowie aber ftärkere Fadenftücke durch die Einziehwalzen eintreten, beginnt der Regulator feine Thätigkeit und ganz deutlich lässt es fich an der Mafchine verfolgen, wie dichtere Fadentheile nahezu offen, d. h. mit ganz fchwachem Drahte verfehen, gegen den Fühlhebel herabftreichen und langfam, ohne irgend gewaltthätige Schläge oder Erfchütterungen zu erleiden, fich ausziehen. Die vorderen Streckwalzen geben daher ununterbrochen einen gleichmässig ftarken Faden ab, welcher nun in bekannter Weife durch eine Ringfpindel den bleibenden Twift empfängt und aufgewunden wird. Von den drei ausgeftellten und fämmtlich in Gang gefetzten Martin'fchen Spinnmafchinen diente die eine für feine Wollen, die zweite für lange und ordinäre, fogenannte Donskoywolle, und endlich die dritte für reine Kunftwolle. Zum Weifen des gefponnenen Garnes empfiehlt Martin den von ihm ausgeftellten mechanifchen Haspel mit der von A. Snoek in Ensival bei Verviers patentirten Selbftabftellung bei Fadenbruch. Anfchliefsend an die eben befprochene Watermafchine gehen wir näher auf die von dem Amerikaner John Avery ausgeftellte continuirliche Spinnmafchine für Streichgarn ein, bei welcher ebenfalls das Streckwerk unfere Aufmerkſamkeit feffelt. Wie bei Vimont, Sykes und Martin hat auch hier der Faden im Streckwerk eine beträchtliche Länge, um dadurch fchon ähnlich wie bei der Mule- eine Ausgleichung der Ungleichheiten im Vorgefpinnft zu befördern. Auch das Röhrchen zur falfchen Drahtgebung während des Verzuges fehlt nicht, ift aber, was gerade diefer Spinnmafchine ihren befonderen Werth verleiht, ebenfo wie die Auflagerung der Oberwalzen des vorderen Streckcylinder- Paares ganz neuartig und in einer für die Bedienung der Mafchine äufserft vortheilhaften Weife ausgeführt. Eine wefentliche Abweichung von allem Bekannten zeigt aber der Einzug des Vorgefpinnftes. Derfelbe findet nicht durch Walzen ununterbrochen ftatt, Die Spinnereimafchinen. 21 fondern, um den Vorgang bei der Mule nachzuahmen, abgefetzt in längeren Fadenftücken auf einmal, welche gegen die vorderen Streckwalzen langfam vorwärtsfchreiten und durch die gröfsere Gefchwindigkeit derfelben entfprechend verzogen werden. Indem die Drehung und Verziehung intermittirend auf längere Fadenftücke vertheilt wird, bietet fich die Möglichkeit, das unegale Vorgefpinnft wie bei der Mulemafchine auszugleichen. Da aber die vorderen Streckwalzen in feften Lagern fich umdrehen, fo mufs nothwendigerweife der Einzugsapparat bei feiner abgefetzten Drehung eine fortfchreitende Bewegung des gelieferten Fadenftückes gegen die vorderen Streckcylinder geftatten, zugleich auch ermöglichen, das ins Streckwerk übergebene Fadenftück bis zu deffen beendetem Verzuge von dem nachkommenden Fadentheil getrennt zu halten. Der Einzugsapparat befteht desshalb aus einem über die Mafchine fich erftreckenden Haspel von etwa 20 Centimeter Durchmeffer, deffen 5 Arme durch glatte Drähte verbunden find. Ueber dem Einzugshaspel hängt drehbar in einem Schwinglager ein vierarmiger Flügel, deffen Arme am Ende ausgerundet find und nach einander zur Auflage auf die Einzugsdrähte gelangen, wenn der Hafpel fich in Drehung fetzt. Beide Theile bilden dergeftalt einen beweglichen Zangenapparat zur Lieferung des Vorgefpinnftes, welches hinten zwifchen einem der Einzugsdrähte und dem aufliegenden Flügelarm eingeklemmt und dadurch von der Spule abgefchloffen ift, nach vorn dagegen durch das Röhrchen nach den Streckwalzen läuft. Das zwifchen je zwei Einzugsdrähten und den aufliegenden Flügelarmen eingefchloffene Fadenftück bildet die jedesmalige Lieferung für einen Auszug. Verfolgen wir von diefer Stellung des Zangenapparates aus den weiteren Verlauf der Sache. Dreht fich der Einzugsapparat gegen die vorderen Streckwalzen, fo öffnet fich die vorderfte Zange, d. h der vierarmige Flügel hebt und dreht fich, fo dafs nur der hintere Arm auf dem Einzugsdraht ruhen bleibt. Die Röhrchendrehungen und der Verzug äufsern fich fofort auf das frifch dargebotene Fadenftück, ohne über die hintere Zange weiterlaufen zu können. Der Einzugshaspel macht nach jeder neuen Lieferung einen kurzen Stillftand, wobei das dargebotene Vorgarn am ftärksten verzogen wird. Bei Wiederaufnahme der Drehung rückt auch die am hinteren Ende des Streckfadens gefchloffene Zange langfam vorwärts. Erreicht nun endlich diefe Zange die äufserfte Stellung gegen die Abzugswalzen, fo ift inzwifchen vom Spulenwickel eine frifche Lieferung abgezogen und das Fadenftück zwifchen der vorderen und der nun hinten neu einfetzenden Zange eingelegt worden, worauf die Zange vorn fich öffnet und die hintere Zange vollends fich fchliefst und in ähnlicher Weife wie früher das Spiel ftattfindet. So fchön und ingeniös auch der Grundgedanke des Avery' fchen Einzugsapparates zu nennen ift, fo kann unferer Ueberzeugung nach die factifche Ausführung wenig Anklang finden, indem das Vorgarn in nicht hinlänglich fchonender Weife ergriffen und weiter geliefert wird. Unbeftritten bleiben dagegen dem Röhrchen und der Auflagerung der Druckwalzen ihre grofsen Vorzüge, auf welche wir daher noch mit einiger Ausführlichkeit eintreten müffen. vorn Das Röhrchen ift fehr weit und erhält feine Drehung durch zwei unterhalb demfelben im Cylinderbaum eingelagerten Frictionsrollen. An dem Röhrchen ift an dem verengten Auslauf ein am Ende öfenförmig gebogener Draht angebracht, welchen der austretende Faden umfchlingt, um unmittelbar zwifchen die Streckwalzen eingeleitet zu werden. Das Röhrchen ift aber aufserdem mit einem fchrägen Schlitz verfehen, durch welchen der Faden ohne Hilfe eines Hakens und ohne befondere Uebung leicht ins Röhrchen eingelegt werden kann. Findet daher hinter dem Röhrchen ein Fadenbruch ftatt, fo knüpft man ohne Weiteres den Faden von der Spindel an das Fadenende im Streckwerk, hebt. 22 Johann Zeman. hierauf das Röhrchen, um den Faden einzulegen und vorn um den Führungsdraht zu fchlingen. Legt man alsdann das Röhrchen nieder, fo rückt der Faden in Folge der eigenthümlichen Auflagerung der Druckwalze von felbft zwifchen die Streckcylinder, ohne die Druckwalze aufheben zu müffen. Das Spinnen und Aufwinden des von den Streckcylindern ablaufenden Fadens erfolgt mittelft Ringfpindel. Der öfenförmige Läufer, welchen gewöhnlich der Faden auf dem Ring herumnimmt, ift durch ein in der Mitte fchwach ausgebogenes Drahtftäbchen( Patent Potter) erfetzt, welches mit feinen geraden Enden in einer kreisförmigen Nuth der Ringbank herumläuft. Der Faden geht, bevor er zur Spindel kommt, um diefes Stäbchen herum. Wir gelangen nun zu den Ausftellern des deutfchen Reiches. - Von den fehr fchön ausgeführten Mafchinen, welche die Firma Oscar Schimmel& Comp. in Chemnitz ausgeftellt hatte, nennen wir zunächft den Reifswolf für mittlere Wollen, wegen feiner Klariermulden- Zuführung. Der untere Speifecylinder ift analog wie bei der Lor d'fchen BaumwollSchlagmafchine durch eine Klariermulde aus 40 Hebeln erfetzt, welche durch Gewichte gegen die obere Zuführwalze angedrückt werden und in Folge deffen die Wolle felbft bei unegaler Auflage ficherer halten und dem Stiftentambour zum Oeffnen darbieten, wie diefs mit gewöhnlichen Zuführcylindern der Fall ift. Der Trommelbefchlag geht von der Mitte in fchrägen Linien nach rechts und links aufwärts, wefshalb die Wolle beffer nach beiden Seiten getrieben wird; ein Vortheil, da die Auflage faft immer in der Mitte etwas zu dick aufgelegt ift. Die Krempeln( darunter auch eine für Baumwoll- Abfall) zeichneten fich Die Scheibenbüchfen, durch zweckmäfsige Lagerung der Kratzwalzen aus. welche Schimmel zuerft aufbrachte, verhüten das Wickeln der Wolle um die Walzenachfen. Bei der Vorkrempel arbeitet die Klettenwalze direct mit dem Tambour. Behufs regelmässigen Aufreifsens des Pelzes auf der Mittelkarde ift an die Pelztrommel ein felbftthätiger Aufreifs- Mechanismus angebracht, welchen man durch Umfchlagen eines kleinen Hebels in Thätigkeit fetzt. Gefchieht diefs, fo klappen zwei auf der Trommel drehbar befeftigte Brettchen, welche mit Stiften befetzt find, auf und reifsen bei ihrem Auseinandergehen den Pelz regelmäfsiger, wie diefs mit Hand gefchehen kann, aus einander. Das Würgelzeug der Vorfpinnkrempel befteht aus drei mit Leder überzogenen Nitfchelwalzen. Für ftarke Leiften-, Teppich- und Deckengarne aus langen Wollen oder deren Mifchungen hatte die Firma O. Schimmel& Comp. eine bereits mit Erfolg in die Praxis eingeführte Spinnkrempel ausgeftellt, auf welcher das Feinkardiren und Fertigfpinnen zur Vereinfachung des Spinnproceffes zugleich ſtattfindet. Es treten nämlich die 12 oder 14 erzeugten Fäden aus dem Würgelapparat unmittelbar zu den Flügelfpindeln, welche horizontal in einem paffenden Antriebsgeftell gelagert find.- Der Mafchinenbau- Verein, vormals C. F. Schellenberg in Chemnitz, brachte einen Satz feiner gangbarften Krempeln und einen Streichgarn- Selfactor zur Ausftellung. Diefer Selfacttor fpinnt nun auch mit drei Gefchwindigkeiten. Die Auszugsfchnecke und die Einzugsfchnecke für den Wagen find mit doppelter Spur verfehen, um zwei dünnere Schnüre ftatt eines dicken, aber weniger dauerhaften Seiles zur Anwendung zu bringen. Der Wagen- Rücklauf beim Nachzwirnen wird durch einen fehr einfachen, hübfchen Mechanismus ausgeführt. Da die Frictionskuppelung der Einzugswelle wegen der Gefammtanordnung im Headftock einen zu kleinen Durchmeffer erhielt, fo wurde diefe Kuppelung durch Keilmitnehmer verfichert, welche einen Moment vor der Einrückung des Frictionsmuffes, ebenfo kurz vor Ausrückung desfelben hervor- oder zurücktreten. Die Spinnereimaſchinen. 23 Dadurch wird das Einzugs- Kegelrad ficher mitgedreht, während die Frictionskuppelung mehr zur fanften Umfetzung der Bewegungen dient. Im Vorbeigehen weifen wir kurz auf den von E. Gefsner in Aue( Sachfen) exponirten Speife apparat für Vigogne- Krempeln etc. Der Boden und die vordere Wand des Aufgebekaftens werden durch zwei endlofe Lattentücher, erfteres horizontal, letzeres vertical und etwas abftehend, gebildet. Vor dem verticalen Lattentuch fteht noch ein fchmalftäbiges Gitter, durch deffen Spalten fägeartig ausgefchnittene Scheiben eingreifen und bei der Drehung Partien von Wolle erfaffen und durch die Roftfpalten durchziehen, worauf ein rafcher rotirender Lederflügel die zugebrachte Wolle auf das Speifetuch gegen die Einziehwalzen der Grobkrempel abftreift. Als hervorragendfte deutfche Werkstätte für Spinnereimaſchinen bewährte fich auch auf der Wiener Weltausftellung die Sächfifche Mafchinenfabrik ( vormals Rich. Hartmann) in Chemnitz, welche aufser einem Satz Krempeln auch noch ihren Selfactor mit dreifacher Spindelgefchwindigkeit in verbefferter Anordnung exponirt hat. Die Reifskrempel arbeitet mit dem Vorreifsapparat direct an den Tambour. Die Ablieferung erfolgt mittelft feitlichen Abzugs zu dem an der Mittelkrempel angebrachten, von der Sächfifchen Mafchinenfabrik feit 1862 acceptirten Apperly'fchen Diagonal- Legeapparat. Befonders bemerkenswerth ift King's Patent- Selbftauflege- Apparat, welcher jeder Reifskrempel vorgeftellt werden kann. Die in einem eifernen Kaften mit Lattentuch- Boden aufgegebene Wolle wird durch eine Stiftentrommel, Abfchläger und vierarmigem Flügel aufgelockert nach der vor dem Kaften aufgehängten Wage abgegeben. Ift das beliebig einzuftellende Auflegegewicht der Wolle erreicht, fo finkt die gefüllte Wagfchale ein wenig und löft die Bewegung des Zuführmechanismus bis auf Weiteres auf. Ift endlich das Speifetuch der Karde um die beftimmte Länge vorgerückt, fo kippt die Wagfchale um und entleert den Inthalt auf das Speifetuch. Bei dem darauf folgenden Rückgang der Wage wird auch die Bewegung der Zuführtrommel etc. wieder eingeleitet. Damit nun die von der Wage abgegebene Wolle gleichförmig auf dem Lattentuch ausgebreitet werde, wirkt auf die Wolle ein zackenförmig ausgefchnittener Drehflügel im Vereine mit einem über das Lattentuch fich erftreckenden fchwingenden Abftreifer. Es fcheint mit diefem aus England eingeführten Apparate, das Problem felbftthätig aufzulegen, glücklich gelöft, wefshalb wir den mechanifchen Aufleger der befonderen Aufmerkfamkeit und Prüfung der Spinner empfehlen. Die Mittelkrempel ift, wie fchon erwähnt wurde, mit Apperly's DiagonalLegetifch verfehen. Das Vliefs wird auf einer Pelztrommel aufgewickelt. Die Vorfpinnkrempel ift mit gewöhnlichem Einhacker- Fadenapparat verfehen, da das ausgeftellte Sortiment eben nur zur Verarbeitung mittlerer Wollen beftimmt war.( Für feinere Gefpinnfte wird der Martin'fche Riemchen- Theilapparat geliefert.) Die Eckbändchen werden aus der Kammwalze durch befondere fchmale Hacker, welche unterhalb des grofsen Hackers angeordnet find, ausgekämmt, um, ohne im Würgelwerk verdichtet zu werden, zu Boden zu fallen.. Bemerkenswerth an der ausgeftellten Vorfpinnkrempel war noch die conftructiv durchgeführte Excenterbewegung für das Würgelwerk. Der Selfactor der in Befprechung ftehenden Firma repräfentirt das von Hartmann zuerft, etwa vor zehn Jahren, eingeführte Syftem der dreifachen Spindelgefchwindigkeit für Mulemaſchinen. Nach unausgefetzten Bemühungen erhielt der urfprünglich etwas complicirte Triebftock eine einfache, überfichtliche und leicht zugängliche Conftruction. Es wurde der Spindelwagen vollkommen entlaftet und die Verftellung der drei 24 Johann Zeman. Riemen auf den Riemenfcheiben für die drei verfchiedenen Gefchwindigkeiten nur von dem am Headſtock angebrachten Drehungszähler abhängig gemacht. Die Gefchwindigkeiten der Spindeln find in Folge deffen fowohl unter fich als auch von jenen des Wagens vollſtändig unabhängig und laffen fich in jeder erforderlichen Weife vertheilen: die 1. oder 1. und 2. Gefchwindigkeit zum Vorfpinnen; die 1., 2. und 3. Gefchwindigkeit zum Feinfpinnen; die I. und 3. Gefchwindigkeit zum Zwirnen; endlich die 3., 2. und 3. Gefchwindigkeit zum Doppelfpinnen( surfiler). Der Antrieb des Quadranten ift durch eine befondere Verbindung mit dem Wagenauszugs Mechanismus verfichert worden. Die Steuerwelle ift nach ParrCurtis, jedoch mit ftellbaren Excentern, um bei allfälligen Abnützungen derfelben bequem nachhelfen zu können. 99 Bemerkenswerth ift der Moderateur", eine einfache Vorrichtung, um das Einfetzen der Frictionsfcheiben zum Abfchlagen der Fäden nicht allzurafch eintreten zu laffen und dadurch bei der vorhergehenden grofsen Spindelgefchwindigkeit, im entgegengefetzten Sinne, fchädliche Stöfse herbeizuführen. Auf der verticalen Spindel, welche die Hauptwelle mit der Einzugswelle verbindet, fitzt eine Schraube ohne Ende, in deren Gänge ein Winkelhebel im Momente der Umfteuerung am Ende der Nachdrahtsperiode einfällt und dadurch das fofortige Schliefsen der Abfchlagskuppelung aufhält. Ift aber der ModerateurWinkelhebel an das Ende der Schraube angekommen, fo hört der Widerftand gegen die Einrückung der genannten Frictionskuppelung auf und die Spindeln werden erft jetzt entgegengefetzt gedreht. Je nachdem der Moderateurhebel mehr oder weniger Schraubengänge zu durchlaufen hat, je tiefer oder höher alfo die Moderateurfchraube geftellt ist, tritt der Zeitpunkt des Abfchlagens der Fäden, das ift die Retourdrehung der Spindeln fpäter oder früher ein. Ueberhaupt find die Mechanismen für Abfchlagbremfe, Wageneinzug und Wagenrücklauf recht conftructiv ausgeführt. Um ein feftes Aufwinden beim Spinnen von Schufs- oder Kunft- Wollgarn ohne fchwere Kettenbelaftung des Gegenwinders zu erzielen, ift derfelbe- nach Köechlinin kurzen, an der Aufwinderftange angelenkten Schwingen gelagert, wodurch feine Empfindlichkeit gegen Differenzen in der Fadenfpannung fehr gefteigert wird. Die längs des Wagens laufende Ausrückftange, fowie die folide Unterlage für den grofsen und kleinen Headftock und für das Verbindungs- Mittelftück ift ähnlich wie beim Platt'fchen Selfactor angeordnet. - Wir haben hier noch auf zwei deutfche Ausfteller hinzuweifen. L. Ph. Hemmer in Aachen hatte eine intereffant conftruirte Garn- Hafpelmafchine ausgeftellt, bei welcher das Unterbinden oder Fitzen der Gebinde felbftthätig bewerkstelligt wurde. Ift auch diefe Aufgabe ziemlich einfach gelöft, fo meinen wir doch, dafs diefe Mafchine eine allgemeinere Anwendung kaum finden wird, da eben das Bedürfnifs nach foweit getriebener Selbftthätigkeit der Weifen noch nicht vorhanden ift. Der Zwirnmafchinen von Gebrüder Franke in Chemnitz wurde fchon in den anderen Abfchnitten gedacht; die ausgeftellte Mafchine für Strumpfgarn war im Allgemeinen nach englifchem Syftem gebaut, aber mit zweifpurigen Spindelwirteln, um welche die Spindelfchnur zweimal umläuft, verfehen, um das Schlaffwerden der Schnüre hintanzuhalten.Und fo gelangen wir zum Schlufs zu den öfterreichifchen Ausftellern diefer Branche, welche zwar durch befcheidene, nichts defto weniger aber anerkennenswerthe Leiftungen der ausländifchen Concurrenz fich zur Seite ftellten. Diefer Umftand allein fchon fordert alle öfterreichifchen Spinner zur eingehendften Beachtung der ausgeftellten Mafchinen und, wenn diefe ihre Anfprüche nur einigermassen befriedigen, zur wirkfamen Unterſtützung diefes fich entfaltenden Zweiges der vaterländifchen Mafchineninduftrie durch Wort und That auf. Die Spinnereimafchinen. 25 Die Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Gefellfchaft brachte einen Satz Krempeln und eine Mule- Jenny in fauberer Ausführung zur Ausstellung. Der Vorreifser ift unmittelbar mit dem Tambour in Berührung. Die Mittelkarde ift mit Martin's Pelztuch, jedoch noch ohne Führungsftäbe ausgerüftet. Der Würgelapparat bei der Vorfpinnkrempel befteht aus zwei oberen und drei unteren Lederwalzen, welche zwei Syfteme von Walzen- Frotteurs bilden, zwifchen denen ein kleiner Verzug ftattfindet. Der Antrieb des Kardentambours erfolgt ftatt direct mit einem Riemen durch ein Rädervorgelege. Von der Zwifchenwelle erhalten unabhängig von einander die Wenderwalzen und der Volant durch gefonderte Riemen ihre Drehung.Von der Mafchinenfabrik derk. k. priv. Baumwoll- Spinnfabrik in Tannwald( Böhmen) fanden wir eine Vorfpinnkrempel für Wolle und für Barchentgarn, mit 6 Paar Arbeiter und Wender. Die Abnahme vom Tambour erfolgt durch zwei Kammwalzen, jede davon mit zwei Hackern und zwei Würgelapparaten im Ganzen für 80 Fäden. Wenn wir diefer Mafchine hier gedenken, fo gefchieht es nicht, weil wir diefe Conftruction etwa empfehlenswerth halten die Ausführung war eine fehr fleissige-fondern um darauf hinzuweifen, wie noch manche Spinner an veralteten, überholten Dispofitionen zähe fefthalten und eine Werkstätte, gegen ihre beffere Ueberzeugung nöthigen zu conftruiren und zu bauen. - Last but not least fei die Firma G. Jofephy's Erben in Bielitz( Oefterreichifch- Schlefien) erwähnt, welche fich als erfte Selfactor bauende Mafchinenwerkstätte in Oefterreich fehr günftig eingeführt hatte. Der Selfactor ift mit Parr- Curtis- Steuerwelle und Schlumberger's Quadrantenbewegung ausgeftattet. Der Betrieb erfolgt mit zwei gefonderten Riemen; der eine für drei verfchiedene Spindelgefchwindigkeiten und der andere für Cylinder- und Wagenbewegung. Der Riemen für Drehung der Spindeln liegt abwechſelnd auf den zwei Scheiben, welche mit dem kleinen, refpective dem grofsen Twiftwirtel in Verbindung ftehen. Doch wird die kleinfte Spindelgefchwindigkeit nicht durch eine Frictionskuppelung der Seilrolle im Wagen, fondern in der Weife erzielt, dafs der Treibriemen beim Anfpinnen nur zum Theile auf der erften Riemenfcheibe aufliegt, daher den kleinen Twiftwirtel nicht mit der vollen Gefchwindigkeit mitnimmt. Erft wenn der Wagen beim Ausfahren gegen einen Anfchlag trifft, rückt der Riemen vollends auf feine Scheibe. Der Wagen- Rücklauf und verfchiedene andere Mechanismen waren felbftftändig conftruirt und die Ausführung des Selfactors im Ganzen fo gelungen, dafs wir der ausftellenden Firma allen Erfolg in der fchwierigen Unternehmung wünfchen können, den Selfactorbau in Oefterreich dauernd einzubürgern. Nach den exponirten Photographien liefern Jofephy's Erben alle Vorbereitungsmaschinen für Schafwolle, insbefondere auch Vorfpinnkrempeln mit Martin's Fadenapparat. b) Mafchinen für Kammwolle. Die grofsen Umwälzungen auf dem Gebiete der Kammgarn- Spinnerei durch gründliche Verbefferungen der Karden, Kämmmafchinen und Strecken, fowie durch allgemeinere Anwendung der Frottoirs als Vorfpinnmafchinen u. a. m. waren bereits vor der letzten internationalen Parifer Ausftellung eingetreten und find in der Zwifchenzeit nur weiter ausgebildet worden, fo dafs es uns nicht Wunder nehmen darf, auf der Wiener Weltausftellung nur einem Ausfteller, nämlich Platt Brothers& Comp. in Oldham begegnet zu fein, welcher eine neue Kämmmafchine nach Little und Eastwood's Patent vorführte. 26 Johann Zeman. Diefe Mafchine dient fpeciell zum Kämmen kürzerer und klettenreicher Wollen, wie z. B. der Buenos- Ayres- und Montevideo- Wollen und zeichnet fich gegenüber der Noble'fchen Kämmmafchine durch gröfsere Schonung des Nadelringes, durch höhere Productionsfähigkeit und noch durch den Vortheil aus, dafs auf derfelben kürzere Wollen gekämmt werden können. In der Wirkungsweife ftimmt die zu befprechende Kämmmafchine mit der Lifter'fchen principiell überein; doch ift der Raumbedarf ein wefentlich geringerer, ohne durch die gedrängte Aufftellung die Zugänglichkeit der Mafchine aufzugeben. Die Platt'fche Kämmmafchine ift doppelfeitig angeordnet, d. h. mit dem Nadelring arbeiten unabhängig von einander zwei Einfchlags- und Abzugsapparate. Statt dafs nun, wie bei Lifter, die beiden Speifeköpfe und die Spulenrahmen rechts und links neben dem Kammring aufgeftellt find, liegen hier die beiden Gillbox in der Mitte über dem Kammring, nach beiden Seiten hin unter einem Winkel von 60 Grad geneigt, um die jetzt horizontal angeordneten Spulenrahmen in bequem zugänglicher Höhe zu erhalten. Die hin und herfchwingenden Zangen und Uebertragkämme find hier durch je eine abgefetzt fich drehende, mit 6 Zangen verfehene Walze zwifchen Speifekopf und Nadelring erfetzt, welche das Erfaffen und Ausziehen des vom Gillbox dargebotenen Wollbartes, fowie deffen Uebertragung in den Kammring zu beforgen hat. Entfprechend der Krümmung diefes Ringes ift die Contour der Zangenwalze eine kreisförmige; ebenfo find die Kammftäbe im Speifekopf kreisförmig gebogen. Da der Zangenapparat nur um eine fefte Achfe drehbar ift, alfo keine hinund hergehende Bewegung verrichten kann, fo mufs ftatt desfelben der Speifekopf, unbekümmert der beizubehaltenden Fortrückung der Kammftäbe, vorwärtsund zurückgleiten, um einmal nach dem Herabfallen des vorderften Kammftabes, den frei vorſtehenden Wollbart der gerade ankommenden Zange zu übergeben, dann aber, nach Schliefsen der Zangenbacken, den Auszug des Wollbartes aus den Kammftäben zu bewirken. Nach/ Umdrehung kommt die Zangenwalze mit diefem vorher ausgezogenen Wollbart zum Nadelring und läfst, beim Oeffnen und späteren Weiterfchreiten die ausgekämmten Wollhaare nach aufsen hin durch die Einfchlagbürfte in den dreireihigen Kammring einlegen. Nun wiederholt fich mit jeder Sechftelumdrehung der Zangenwalze der gleiche Vorgang, fo dafs der Nadelring einen ununterbrochenen Kammzug den Abzugswalzen darbietet, welche vor der äufserften Nadelreihe vertical aufgeftellt find. Das Ausftofsen des Kämmlings gefchieht in bekannter Art durch in die Nadelreihen eingefchobene, fchiefe Platten. Der Speifekopf bewegt fich alfo aus oben bemerkten Gründen auf feiner fchrägen Führungsbahn bei jeder Sechstelumdrehung der Zangenwalze einmal herab und hinauf. Beim Aufgang des Speifekopfes ftehen die Kammftäbe ftill; allein beim Niedergang müffen diefelben um die Einzugslänge des Wollbandes vorwärts gedreht und dem entſprechend auch die hinter den Kammftäben gelagerten Einzugscylinder bewegt werden. Zu diefem Behufe fitzt an der oberen Einzugswalze ein Getriebe, welches in eine der oberen Führungsfchrauben für die Kammftäbe eingreift. Drehen fich alfo beim Herabgleiten des Gillbox diefe Führungsfchrauben, fo bewegen fich auch die Einzugscylinder; beim Hinaufgleiten aber erhalten Kammftäbe und Einzugscylinder keine Bewegung. Aus diefem Grunde fitzt auf der Welle, welche durch Kegelrädchen mit den beiden oberen Führungsfchrauben verbunden ift, ein lofes Zahnrad, welches auf einer am Geftelle befeftigten Zahnftange bei der alternirenden Bewegung des Speifekopfes fich abwälzt. Durch einen Sperrrad- Mechanismus ift die Einrichtung nun fo getroffen, dafs die Abwälzung des bemerkten lofen Zahnrades nur beim Die Spinnereimafchinen. 27 Herabgang des Gillbox auf die Welle und weiterhin auf Kammftäbe und Einzugscylinder übertragen wird. Bei bedeutenderen Aenderungen im Stapel der Wolle müffen, behufs gröfserer oder geringerer Verrückung der Kammftäbe, Führungsfchrauben mit ftärkerer oder fchwächerer Ganghöhe im Speifekopf eingefetzt werden. Die ausgeftellte Mafchine, mit einem Nadelring von 5 englifchen Fufs Durchmeffer, diente zum Kämmen von I bis 6 Zoll langen Wollen; für 6- bis 12zöllige Stapellänge wird eine andere Mafchine geliefert. Die Vorbereitung der zur Kämmmafchine kommenden Wolle gefchah auf einer Schraubengill- Strecke mit Wickelapparat. IV. Mafchinen für Seidenfpinnerei. Einige Apparate zum Abhafpeln von Cocons und zum Zwirnen von Saide waren von Italien, Frankreich und der Schweiz zur Wiener Weltausstellung eingefendet; darunter kaum etwas Neues, das Meifte aber in mangelhafter Ausführung. Eine rühmliche Ausnahme davon machten die fchönen Seidenhafpel, welche Jouffray Cadet fils aus Vienne( Departement Isère, Frankreich) ausgeftellt hatten. Grofses Auffehen erregte die von Caspar Honegger in Rüti bei Zürich, einer insbefondere für Seidenftoff- Webmaſchinen auf dem ganzen Continente rühmlichft bekannten Firma, ausgeftellte Seiden- Titrirmafchine, welche zu dem Schönften in der Mafchinenhalle gerechnet werden konnte. Zweck diefer Wägemaſchine ift die Titrirung der Seide ohne Hilfe vieler Perfonen und Wagen rafch und verlässlich zu ermöglichen, wie diefs in grofsen Waarenhäufern, Spinnereien, Zwirnereien und Webereien bei Uebernahme ganzer Sendungen oft gewünſcht wird. - Die Nummerbeftimmung der Seide erfolgt bekanntermafsen durch Abwägung eines Gebindes von 400 Stab Länge nach Gran. Die fich ergebende Zahl gibt ohne Weiteres auch das Gewicht des Strähns- 9600 Stab in Denier ausgedrückt, alfo den Titer der unterfuchten Probe. Auf diefer Grundlage beruht die Einrichtung der vorliegenden Mafchine. Die Titrirmafchine beſteht aus einer Anzahl von Winkelhebeln, welche in einem cylindrifchen Lagergehäufe radial aufgehängt find und die Stelle von Wagebalken vertreten. Der äufsere, durch eine Oeffnung im Gehäufe hervorragende, nahezu horizontale Arm des Wagebalkens dient zur Aufnahme der zu wiegenden Probegebinde, welche bei der Drehung des Lagergehäufes von dem Zuführapparat hinter einander aufgelegt werden. Der innere, nach abwärts gebogene Arm des Wagebalkens trägt ein fixes Gewicht, welches unter dem Einflufs der aufgelegten Probe gehoben wird. Der vordere, mit der Probe belaftete Arm gleitet dabei mittelft eines Stiftes auf der fucceffive abfallenden Oberkante eines feftftehenden Cylinders und verläfst diefelbe bei der continuirlichen Rotation des Lagergehäufes erft dann, wenn der Wagebalken fo weit ausgefchlagen hat, dafs Gewicht und Belaftung im Gleichgewicht ftehen, während die Führungskante weiter herabfinkt. Im felben Moment aber, wo der Gleitftift die Führungsbahn verläfst, alfo der Gleichgewichtszuftand für den Wagebalken eingetreten ift, kommt eine Abftofsvorrichtung zur Wirkung, welche die Probe auf einen der Auffangftäbe abfchnellt, die um das Lagergehäufe herum, jedem Abftofser gegenüber, angeordnet find. Indem diefe Stäbe nach den fucceffiven Höhen der Führungsbahn bezeichnet find, fo ift an dem betreffenden Stab, auf welchem das Probegebinde abgeworfen wurde, fofort auch der Titer diefer Seidenprobe abzulefen. Der entlaftete Winkelhebel kehrt fogleich aufwärts in die urfprüngliche Lage zurück und ift auf's Neue 28 Johann Zeman. zur Aufnahme einer frifchen Probe bereit, fobald er durch Drehen des Lagergehäuſes wieder vor die Zuführftelle gebracht wird. Es wird aus dem Gefagten fchon klar hervorgehen, dafs es nur von der Curve der Führungsbahn, von dem Abftand der Abftofser und von dem feften Gewicht am Wagebalken abhängt, welche Titer auf einer Mafchine und in welchen Intervallen die Nummern der Seidenproben angegeben werden. Die Ausftellungsmafchine hatte 10 Wagebalken, 22 Abftofsplatten im Führungscylinder und rings herum gegenüber jedem Abftofser einen Auffangftab. Der erfte Stab erhielt alle Proben entſprechend 18 Deniers, der zweite Stab Proben von 18 bis 20, der dritte Stab von 20 bis 22 und fo fort bis 64 Deniers. Es wurden alfo die Titer der Seidenproben nur in geraden Ziffern angegeben und alle Zwifchennummern fielen ftets dem nächftfolgenden geraden Titer zu. Ein dreiundzwanzigfter Stab erhielt zuletzt alle über 64 Gran wiegenden Gebinde, welche entweder auf eine andere ftärkere Mafchine gelangen müffen oder, wenn man fie mit nur halber Probelänge von 200 Stab auflegte, auch auf derfelben Mafchine mit Sprüngen von 4 zu 4 Nummern abgewogen werden konnten. Im normalen Zuftand wird die Titrirmafchine mittelft eines Riemens von einer Transmiffionswelle aus in Gang gefetzt und das Lagergehäufe der Wagebalken fünf Mal pro Minute umgedreht, was in der Minute 50 Abwägungen ergeben würde. Der Arbeiter hat nur für eine regelmässige Verforgung des Zuführapparates mit abgehafpelten Probegebinden zu forgen, da das Abfchieben und Auflegen der einzelnen Proben auf die vorbeigehenden Wagebalken vollkommen felbftthätig bewerkstelligt wird. Behufs Auflegung von frifchen Probegebinden in den Zuführapparat mufs die Mafchine von Zeit zu Zeit abgeftellt werden, wefshalb die angegebene Leiftung etwas herabzumindern ift. Nach beendeter Abwägung nimmt man die Proben von den einzelnen Stäben ab, bezeichnet fie mit den entſprechenden Nummern und rechnet aus dem Durchfchnitt aller, den Titer der in Unterfuchung ftehenden Partie Seide.- Eine Seidenzwirn- Mafchine hatte A. Frey in Küttigen bei Aarau ( Schweiz) allerdings in wenig empfehlenswerther Ausführung ausgeftellt Die Mafchine ift doppelfeitig und nimmt, in Folge der Vertheilung der Spindeln in drei Etagen, fehr wenig Platz ein. Die Spindelcónftruction ift fehr primitiv: auf feften fenkrechten Spindeln laufen mittelft Riementrieb eiferne Spulenröhrchen, an deren oberem Ende der Drahtflügel lofe aufgefetzt ift. Das Abtreibzeug für die Spulen der doublirten Seidenfäden liegt oberhalb jeder Spindelreihe. Um den Antrieb der Spindelfpulen jeder Etage durch einen endlofen Riemen zu ermöglichen, find die Spindeln nicht in einer geraden Linie angeordnet, fondern in einer Kreislinie aufgeftellt, deren convexe Seite gegen den Riemen zugekekrt ift. Die Spulen haben dort, wo der Riemen anliegt, einen etwas gröfseren Durchmeffer.- Der eigenthümlichen felbftthätigen Abftellvorrichtung wegen erwähnen wir hier die Doublirmafchine von Jofef Rohner in Wien; endlich noch wegen der fauberen und zweckmässigen Ausführung die Goldfpinn- Mafchine von G. Hutter in Wien, eine Mafchine, um Seidenfäden mit feinem Gold- oder auch Silberdraht zu überfpinnen. So gelangen wir endlich zur Befprechung der letzten Gruppe hierher gehöriger Ausftellungsmafchinen, nämlich folcher zur Zubereitung von Seidenabfällen für die Florettfpinnerei. Hiefür werden zweierlei Arten von Abfällen verwendet: I. Strufi und 2. durchbiffene, befchädigte und Doppel- Cocons. Mit Strufi bezeichnet man die beim Sammeln und Abhafpeln der Cocons fich ergebenden Abgänge von wirren Fäden und die nach dem Abfpinnen der Cocons zurückbleibenden inneren Häutchen derfelben. Die Spinnereimafchinen. 29 Die Zubereitungsmaschinen für Seidenabfälle wurden bisher nur aus England bezogen; defshalb hat fich die Schweizer Firma Theod. und Fried. Bell in Kriens bei Luzern unferes Wiffens als die erfte auf dem Continent für diefe Branche fpeciell eingerichtet und mit einigen diefer Mafchinen auf der Wiener Weltausftellung erfolgreich eingeführt. Diefe Mafchinen, welche zur unmittelbaren Vorbereitung der Seidenabgänge für die Florettfpinnerei dienen, waren nach englifchen Muſtern fehr fauber und folid mit kleinen, geringfügigen Abänderungen conftruirt. Es mag nicht unintereffant erfcheinen, zugleich mit der Befprechung der ausgeftellten Mafchinen eine kurze Ueberficht über die ganze VorbereitungsOperationen der Seidenabfälle zu geben, um fo mehr, als hierüber noch wenig gefchrieben worden ift. Die im Handel vorkommende rohe Strufi mufs zunächft einem Gährungsprocefs, dem Maceriren, unterzogen werden, um durch eine Zerftörung der Leimfubftanz den Zufammenhang der einzelnen Fäden unter einander zu zerstören. Diefen Procefs nimmt man in Bottichen oder gemauerten Behältern vor, welche mit dem Florettmaterial und heifsem Waffer angefüllt und bei ziemlich gleich bleibender Temperatur mehrere Tage lang ftehen gelaffen werden. Ift die Degummirung, welche, beiläufig bemerkt, ftellenweife auch nur durch Kochen mit Seifenwaffer durchgeführt wird, hinlänglich vorgefchritten, fo nimmt man die Abfälle aus den Behältern heraus, um diefelben gehörig auszuwafchen und nachher zu trocknen. Die Cocons dagegen werden nur an einzelnen Orten etwas angefäult, häufiger aber direct durch einen mehrftündigen Stampf- oder Quetfchproceſs präparirt Die hiezu dienliche ausgeftellte Stampfmafchine befteht im Wefen aus einem langfam rotirenden Keffel und vier darin auf- und abbewegten Stampfen. Vor Ingangfetzung der Mafchine werden die Cocons mit warmem Waffer begoffen. Der unter dem falfchen Boden im Keffel fich anfammelnde Schlamm wird als Düngmittel verwerthet. Zur Erneuerung der Flüffigkeit, insbefondere behufs Auswafchens der Cocons gegen Ende diefer Behandlung ift nahe des Bodens des Stampfkeffels eine leicht verfchliefsbare Oeffnung angebracht. Das eigentliche Auswafchen der geftampften Cocons und der gefäulten Strufi erfolgt unter reichlichem Zuflufs von kaltem Waffer auf eigenen combinirten Stampf- und Wafchmaschinen. Bevor man jedoch die aus den Gährbottichen ausgezogene Strufimaffe hier behandelt, empfiehlt es fich, diefe in der oben befchriebenen Stampfmaschine mit lauem Waffer auszufpülen. Die wegen Mangels an Raum nicht exponirte Wafchmafchine beſteht der Hauptfache nach aus einer um eine verticale Achfe langfam rotirenden, kreisförmigen Rinne, in welcher das Material aufgelegt und unter zwei diametral gegen über ftehenden Sätzen von Stampfen vorbeigeführt wird, unter reichlichem Zulauf von Waffer, welches mit den Schmutztheilchen durch Löcher in der Rinne feinen. Abflufs findet. Nach dem Wafchen und hierauf ftattfindenden Ausfchleudern auf Centrifugen erfolgt das Trocknen des Seidenmateriales auf Lattenwerk im Freien oder in luftigen Räumen; zuweilen auch unter vorfichtiger Anwendung von künftlicher Wärme in Trockenkammern oder auf eigenen Trockenmafchinen. Hierauf kommt die Strufi zur weiteren Verarbeitung zur Fillingmafchine; die Cocons aber werden zunächft durch Klopfen auf Tifchen mit dünnen Holzftäbchen oder auf einer Klopfmafchine aufgelockert, dann auf dem fogenannten Cocon- Opener geöffnet und entwirrt und diefe Arbeit fchliefslich ebenfalls. auf einer Fillingmafchine weiter ausgeführt. Um aber die Behandlung auf diefen Mafchinen zu erleichtern, pflegt man die Florettmaffen-ähnlich wie diess bei der Wolle der Fall ift mit Waffer, Seifenwaffer, Glycerin oder irgend einem Gemenge davon einzufprengen. 30 Johann Zeman. Der Cocon- Opener, welchen wir in dem ausgeftellten Mafchinenfatz fanden, erinnert in der Hauptfache an die Nappeufe der Kammgarn- Spinnerei. Es werden auch hier die einzelnen Seidenfäden durch eine mit groben Befchlag garnirte Trommel von der Zuführwalze abgenommen, wodurch fich nach und nach der ganze Tambourbefchlag mit auf einander fich legenden dünnen Seidenvliefsen überzieht, deren Fafern dabei durch eine Kratz- und Bürftenwalze glattgeftrichen werden. Ift die vorgewogene Auflage auf dem Tambour vollkommen aufgezogen, fo reifst die Arbeiterin nach Abftellung der Mafchine und nach geringer Verfchiebung der Trommel von der Zuführwalze das Vliefs quer auf und zieht es beim Rückdrehen der Trommel direct oder mit Hilfe eines Abzugtuches ab. - - Auf der Fillingmafchine wird die Seidenwatte vom Opener oder die vorgewogene Strufi letztere zur erften Bearbeitung vorgelegt, um auf diefer Mafchine durch fortgefetztes Auskratzen und Ausziehen die Knoten und Büfchelchen vollends aufzulöfen und die Fäden noch mehr zu entwirren und auch parallel zu legen und dadurch das Material auf das Befte für das unmittelbar darauf folgende Kämmen zuzurichten. Den Haupttheil der ebenfalls ausgeftellt gewefenen Filling mafchine bildet ein Tambour mit regelmässigen, parallel zur Achfe liegenden, fperrradähnlichen Abftufungen am Umfang. Die nahezu radialen Stufenflächen find mit normal zu denfelben aufftehenden, einreihigen Kammftäben befetzt, deren Nadeln das durch zwei übereinanderliegende, endlofe Kratzbänder zugeführte Florettmaterial fucceffive ausziehen und den Tambour gleichförmig mit Seidenfäden überziehen. Die Seidenfäden werden durch eine oberhalb der Trommel gelegene Kratzwalze und Bürfte gehörig ausgeftrichen. Ift das vorgelegte Material aufgearbeitet, fo werden nach ftattgehabter Einstellung der Maſchine und geringer Verfchiebung des Tambours von der Zuführftelle die Fäden von Kamm zu Kamm durchgefchnitten und durch eigenthümliche Holzklappen, allgemein unter der Bezeichnung Bücher gebraucht, als fogenannte Seidenbärte abgenommen. Wie es bei der gefchilderten Behandlung des Florettmateriales nicht anders zu erwarten ift, enthalten die von der Fillingmafchine abgezogenen Bärte Seidenfäden von ganz verfchiedener Länge; angefangen von den langen, geraden Fäden, welche von einem Kamm zum andern auf der Fillingtrommel fich erftreckt haben, bis herab zu den kürzeften, beim Stampfen und Wafchen, fowie durch Kratzen entstandenen Fäferchen. Um aber beim Verfpinnen möglichft egales und fchönes Seidengarn zu erzielen, ift es vor Allem erforderlich, die Seidenfäden der Fillingbärte zu fortiren und nach gleichen Längen zufammenzubringen, hiebei alle Fäden, insbefondere die doppelt gelegten oder zufammengefalteten gerade zu ftrecken und parallel zu legen und endlich allzu kurze Fafern, nicht minder alle Unreinlichkeiten und Knötchen gänzlich abzufondern. Diefe Aufgabe erfüllt nun die auch auf der Ausftellung befindlich gewefene Kämmmafchine oder Dreffingmafchine, welche zuletzt bis 6 u. m. Sorten von Kammzug zur Weiterverfpinnung zu Florettfeide abgibt, während die abfallende kurzfaferige, unreine Putzmaffe zur Verwerthung in der Seidenwergfpinnerei gelangt. Die Kämmmafchine befteht in der Hauptfache aus einer auf einem Wagen ruhenden geraden und horizontalen Preffe, in welcher die Bücher mit den zur Hälfte vorftehenden Fillingbärten eingefpannt werden, und aus einem über der Preffe angebrachten endlofen Tuch, welches in paffenden Abftänden mit Kratzleiften. befetzt ift und langfam über alle nach einer Seite hingelegten Bärte hinftreicht. Die einzelnen Bücher mit den Seidenbärten find nicht unmittelbar neben einander, fondern unter Zuhilfenahme von Zwifchenleiften correspondirend mit der Länge des vorftehenden Bartes, in der Preffe oder wie man fie auch nennt- im Wagen eingefpannt, damit die Fäden zweier benachbarten Bärte nicht über einander liegen können. - Die Spinnereimafchinen. 31 Das endlofe Kammtuch dringt nur allmälig tiefer in die Fillingbärte ein, um die Kratzen von vornhinein nicht allzu fcharf einwirken und viele Fäden zerreifsen zu laffen. Zu diefem Behufe wird die Preffe mit den Büchern durch Hebedaumen von der Mafchine langfam gehoben, bis endlich in der gewünſchten Stellung derfelben die Bewegung des Kratztuches und der Hebedaumen felbftthätig eingeftellt wird. Ift diess gefchehen, fo läfst man die Preffe wieder herab und führt den Wagen vollkommen heraus, dreht die Preffe um eine im Wagenunterfatz befeftigte Achfe um 180 Grad herum und führt endlich den Wagen wieder unter das endlofe Kammtuch zurück, nachdem man vorher noch die Bärte nach der anderen Seite hin umgelegt hat, um das vollkommene Auskämmen diefer Barthälften durch neues Ingangfetzen der Mafchine zu erzielen. Ganz derfelbe Vorgang wird behufs des Auskämmens der in den Büchern eingefchloffenen Hälfte der Seidenbärte beobachtet, zu welchem Zwecke der Wagen wieder herausgezogen, die Bärte umgefpannt und die Manipulation wie vorher wiederholt wird. Ehe jedoch diefes Umfpannen vor fich geht, fchaltet man zwifchen den Kratzleiften des endlofen Bandes zwei feiner befchlagene und tiefer eingreifende. Putzleiften ein, um mit Hilfe derfelben aus den ausgekratzten Bärten auch die kürzeften Fafern und allfällige Schmutztheilchen auszukämmen. Indeffen haben fich in den Kratzleiften des endlofen Tuches alle kürzeren und zufammengefalteten, in den Büchern nicht eingeklemmten Seidenfäden angefammelt, welche von Zeit zu Zeit mittelft frifcher Klappbrettchen erfafst und als zweite Seidenbärte einer anderen Kämmmafchine zur ähnlichen Behandlung übergeben werden. So erhält man endlich von der erften Dreffingmafchine den längften, fchönften und werthvollften Zug Nr. 1. Durch fortgefetztes Kämmen der angefammelten Kämmlinge auf einer zweiten, dritten etc. Dreffingmafchine ganz in der vorgefchriebenen, allmälig fortfchreitenden Weife wird der Seidenzug Nr. 2, Nr. 3 u. f. w. gewonnen. Gewöhnlich bilden drei Kämmmafchinen mit fucceffive feinerem Befchlag der Kratzdeckel, fowie fchmäleren Zwifchenleiften für die in der Preffe aufzunehmenden Bücher mit den fpäteren, immer kürzeren Bärten ein Sortiment, von welchem jede Mafchine jedoch einmal oder zweimal, je nach dem Material und der Zahl der daraus erzielbaren Kammzüge, paffirt wird. Ueberblickt man den ganzen Procefs, fo leuchtet ein, dafs derfelbe durch die öfter nothwendigen Wiederholungen grofse Mühe und Sorgfalt, fowie bedeutenden Zeitaufwand erfordert, was aber dem hohen Werthe des Florett- Spinnmaterials vollkommen entſpricht. Die weitere Verarbeitung der Kammzüge erfolgt in den Florettfpinnereien auf Anlege- und Bandmafchinen, Strecken und Spindelbänken mit Kammftäben und endlich auf Watermafchinen; es bietet indeffen keine Ausstellungsmafchine zur Befprechung diefes übrigens mit der Flachsfpinnerei vielfach übereinftimmenden Spinnproceffes einen Anlafs. Nachdem wir uns aber fchon fo weit in die Sache eingelaffen haben, weil diefe Branche unferes Wiffens zum erftenmale auf einer Weltausftellung vertreten war, fo fei hier noch bemerkt, dafs man zur Zeiterfparnifs die befprochenen geraden Kämmmafchinen ſpeciell für die letzten Züge, auch zum continuirlichen Betriebe eingerichtet hat, durch Anwendung kürzerer, auf Schienen zu- und ablaufender Wagenpreffen, welche auf Zwifchenftationen im Vorrath vorbereitet, nämlich umgelegt und umgefpannt und nach Erfordernifs der nächften Kämmmaſchine zugefchoben werden. Noch weiter in Zeit- und Raumerfparnifs, fowie in Hinficht auf gröfsere Leiftungsfähigkeit geht die ziemlich neue, noch wenig bekannte CircularDreffingmafchine ebenfalls für kürzere Züge, bei welcher die zur Aufnahme der gefüllten Bücher dienliche Preffe kreisförmig und um eine horizontale Achfe drehbar angeordnet ift, und die eingeſpannten Seidenbärte bei langfamer 32 Johann Zeman. Die Spinnereimafchinen. Bewegung der Preffe( etwa drei Umdrehungen per Stunde) nach und nach an drei continuirlich bewegten, an die Cylinderpreffe fich anfchmiegenden Kratztüchern ohne Ende vorbeigeführt werden. Nach vollendeter Kämmung werden die Bücher mit den zur Hälfte ausgekämmten Seidenbärten felbftthätig ausgefpannt und an deren Stelle von einer Arbeiterin frifche Bücher eingelegt, welche gleichfalls ohne deren weiteres Zuthun von der Mafchine feftgeklemmt werden. Das erfte endlofe Band mit Kratzdeckeln liegt oberhalb der Circularpreffe und kämmt die zugeführten Seidenbärte entgegengefetzt der Bewegungsrichtung der letzteren. Am Ende des erften Kratzbandes legt eine Bürftenwalze die vorftehenden Seidenbärte nach der anderen Seite um, welche alsdann von dem zweiten, entgegengefetzt fich bewegenden Kratztuche ausgekämmt wird. Zuletzt kommen die neuerdings umgelegten Seidenbärte an das dritte, unterhalb der Rundpreffe ausgebreitete und derfelben am nächften geftellte Kammtuch, welches die kürzeften Fafern auszieht. Diefe Seidenfafern werden durch eine Bürftwalze von den Kratzleiften abgenommen und der Wergfpinnerei zugeführt. Die Seidenkämmlinge des zweiten Kratztuches dagegen werden durch eine Bürftwalze an das erfte Kratzband übertragen, hier zeitweilig von den Kammleiften mittelft Klappbrettchen entnommen und, fofern die Qualität es noch geftattet, auf einer anderen CircularKämmmafchine nochmals behandelt. Im Allgemeinen ift es bei der Geheimthuerei der Befitzer von Florettfpinnereien fchwierig über die Manipulation des Kämmens fich eingehend zu belehren; daher mag manche Abweichung des oben fkizzirten Vorganges der Zubereitung von Florettmaterial vorkommen. Es lag aber auch nicht in unferer Abficht, hier eine erfchöpfende Abhandlung über die Seidenkämmerei zu bieten, bemerken daher zum Schluffe ebenfalls nur flüchtig, dafs in Feinfpinnereien auch Heilmann'fche Kämmmafchinen verwendet werden, um eine Abfonderung der kurzen Fafern von den fchönften, langen Seidenfäden zu bewerkstelligen. Anhang. Was die Garnituren und kleineren Beftandtheile für Spinnereimafchinen aller Branchen betrifft, fo war kaum etwas Neues zu bemerken und könnten wir daher hier nur verfchiedene, zum Theile wohlbekannte Firmen, darunter auch manchen fehr angefehenen Namen aus Oefterreich, mit den verfchiedenen Ausftellungs- Objecten einfach anführen, was wir aber, als aufser dem Rahmen unferes Berichtes gelegen, unterlaffen müffen. Nur darauf foll hingedeutet werden, dafs bei Kardenbefchlägen ftatt Runddraht die Anwendung von Flachdraht eine immer gröfsere Bedeutung erlangt. Diefe Befchläge befitzen folgende Vortheile: Beffere Schärfen der Drahtfpitzen; längere Erhaltung der Schärfe; geringere Inanfpruchnahme und gröfsere Feftigkeit der Befchläge wegen der hochkantigen Stellung der Drähte gegen die Angriffsrichtung; unter fonft gleichen Verhältniffen breitere Zwifchenräume für Ablagerung der aus der Baumwolle fich abfcheidenden Unreinlichkeiten etc. Der flache oder dreikantige Draht für die Befchläge wird entweder direct durch Ziehen oder neuerdings auch durch Plätten von rundem Stahldraht ( Ashworth's Patent) erzeugt. Kratzbefchläge aus gezogenem Flachdraht( Dreikant- Draht) hatte die engliſche Firma D. Bateman and Sons zu Bradford exponirt; darunter auch Mufter von verzinnten Garnituren für Schafwoll- Krempeln. Deutfcherfeits war die mechanifche Kratzenfabrik, vormals. A. C. Lossius Nachfolger in Mittweida( Sachfen) mit Flachdraht- Kratzen aus geplättetem Runddraht zur Wiener Weltausftellung gekommen. DIE NÄHMASCHINEN, STRICK- UND STICKMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2, b.) Bericht von CARL KOHN, Civilingenieur in Wien. Die Nähmafchinen- Induftrie war auf der Wiener Weltausftellung in folgender Weife vertreten: Nordamerika zählte 7, Frankreich 5, Italien I, Schweden I, Dänemark 5, England 4, Belgien I Ausfteller, dagegen war Deutſchland durch 47 Nähmafchinen Fabrikanten und 3 Beftandtheil- Fabriken, Oefterreich durch II Ausfteller repräfentirt. - Diefe 82 Ausfteller hatten grofse Collectionen von allen Gattungen Nähmaſchinen zur Anficht gebracht, und zwar von den kleinften Handmaſchinen bis zu den fchwerften Lederfohlen- Mafchinen. Und wenn man die grofse Zahl der Maſchinen fah, welche die Ausfteller zur Anficht gebracht haben, konnte man faft zweifeln, ein fo reiches Gebiet im Studium zu bewältigen. Und doch! Sämmtliche Kategorien der Nähmaschinen laffen fich auf zwei Syfteme zurückführen, nämlich auf das Schiffchenfyftem und auf das Syftem der Greifer.*) Erfteres hat Elias Howe erfunden, letzteres Wheeler & Wilfon in New- York, beide heute Namen von einem feltenen Weltruf. Es dürfte kaum jemals ein Gegenftand kurz nach feiner Erfindung eine fo rafche Verbreitung gefunden haben als die Nähmafchine. Weder die Dampfmafchinen, noch die unentbehrlichen Tafchenuhren haben zwölf Jahre nach ihrer Erfindung eine fo allgemeine Anerkennung und rafche Benützung erfahren. Die Urfache diefer auffallenden Erfcheinung liegt einzig und allein darin, dafs man von allem Anfang daran dachte, die fehr complicirten Mechanismen der erften erfundenen Nähmafchinen von Madersperger in Oefterreich, von Thimonnier in Frankreich, von Howe und Wheeler& Wilfon in Amerika zu vereinfachen. Diefe vier erften Exemplare konnte man in der additionellen Ausftellung der Gefchichte der Erfindungen, wo Oefterreich nicht nur feine erfte, fondern überhaupt die erfte Nähmafchine ausgeftellt hatte, und in der Maſchinenhalle, wo das franzöfifche Exemplar ftand, im Pavillon der Vereinigten Staaten, wo die erften amerikanifchen Mafchinen zur Anfchauung gebracht wurden, fehen. *) Rotirende Haken. 34 Carl Kohn. Die erwähnte Vereinfachung der Mafchine ging dahin, dafs fie erftens für jedwedes Individuum handfam gemacht wurde, zweitens, dafs die arbeitenden Beftandtheile unverändert blieben und drittens, dafs die Preife derart geftellt wurden, dafs die Mafchinen auch dem Minderbemittelten zugänglich gemacht wurden. Das erreicht, war die Bafis der rafchen Nutzverwerthung der Nähmafchinen im Haufe und im Gewerbe. Die gröfste Nähmafchinen- Fabrik der Welt ift jene von Wheeler& Wilfon in New- York, welche allein fchon über 900.000 Nähmafchinen in den Handel gebracht hat. Die Maffenfabrication in getheilter Arbeit mittelft Maſchinen ift derart eingerichtet, dafs jede einzelne im Handel vorkommende Nähmaschine als Ausftellungsobject benützt werden könnte. Die genannte Firma erzeugt heute fchon 600 adjuftirte Nähmafchinen per Tag, hat die Errichtung einer eigenen Näh- Garnfpinnerei für den Verbrauch ihrer Mafchinen ins Leben gerufen und über 100 Nähfchulen errichtet, wo das Mafchinnähen unentgeltlich gelehrt wurde, nur um die Mafchinnäherei in allen Kreifen der Bevölkerung und in allen Ländern rafch zu verbreiten. Auch hat diefe Firma die Knopfloch- Nähapparate erfunden, die heute allgemeine Verwendung finden. Die neuefte Erfindung diefer Firma, welche die Wiener Weltausstellung bewundern konnte, befteht in der Nähmafchine Nr. 6, an welcher fchon feit fechs Jahren mit einem experimentellen Aufwand von 200.000 Dollars gearbeitet wurde. Diefe Univerfalmafchine näht nämlich die ftärksten Leder- Pferdegefchirre und die feinften Vapeurs mit einem kaum bemerkbaren Perlftich. Wheeler& Wilfon wurde bei allen Weltausftellungen mit den höchften Preifen betheilt und, wurde auch in Wien ausgezeichnet. Generalagentien befinden fich in allen Hauptftädten Europas, ebenfo wie in allen Staaten von Amerika. Die amerikanifchen Firmen Howe, Singer, Secor und mehrere Andere liefern heute Maſchinen nach den beiden oben angeführten Syſtemen, Mafchinenfabriken deutfche ebenfo wie heute englifche, franzöfifche und Nähmafchinen erzeugen. Die von der Firma Henrikfen in Kopenhagen exponirten Handfchuh- Nähmafchinen, ebenfo die Mafchinen von Nörholm, Bergmann und Hüttenmeier zeichnen fich durch befonders fleifsige Arbeit aus. Deutfchland, Frankreich und England haben ihre hervorragenden Leiftungen in dem Fach der Nähmafchinen- Induftrie exponirt, ohne jedoch, alle Schönheit und Tüchtigkeit der Leiftung wohl gewürdigt, etwas Neues gefchaffen zu haben. Deutſchland imponirte in Wien zumeift durch feine Maffenfabrication. In Oefterreich wurde die erfte Fabrik für Nähmafchinen nach Grover & Baker( Kettenftich- Mafchine) in den fünfziger Jahren von Louis Bollmann errichtet. Später gründete er eine neue Fabrik für Greifermaſchinen, nach Wheeler& Wilfon eingerichtet, die eine Leiftungsfähigkeit von 60.000 Mafchinen per Jahr hat. Die Firma Anger in Hernals bei Wien producirt ausfchliefslich Schiffchenmafchinen für fchwere Arbeiten, für Schuhwaaren und Kleider. Nachdem heute bereits alle Vorurtheile gegen die Nähmafchinen gefchwunden und diefe fchon fich allerorts eingebürgert haben, ift es nicht fchwer, die Fortfchritte in den einzelnen Kreifen der Textilinduftrie zu erkennen, die Sicherheit des Erwerbes für Frauen und Mädchen, die Befferung der Gefundheitsverhältniffe ganzer Arbeitskreife, die nicht mehr gezwungen find, für die Naht eines Hemdes ihre Gefundheit hinzugeben. Ein weiterer Verfuch, der gemacht wurde, den Frauen und Mädchen auch die Stricknadel aus den Händen zu nehmen und ihre Strickarbeiten ebenfalls mittelft Strickmafchinen verrichten zu laffen, hat namentlich in Amerika zu einigen Die Nähmafchinen, Strick- und Stickmafchinen. 35 günftigen Refultaten geführt, obgleich der Erfindungsgeift in diefer Richtung noch nicht das Befte gefchaffen hat. Aufser unferem alten Strumpfwirker- Stuhl, erfunden von William Lee 1589 in England, hat zuerft Dalton in New- York im Jahre 1862 eine compendiöfe Strickmafchine conftruirt: ein Rundftuhl für verfchiedene Strickftoffe. Dann hat Lamb in New- York eine vollſtändige Strickmafchine, die mit 120 Nadeln Strümpfe jeder Dimenfion erzeugt, und zwar mit Auf- und Abnehmen der Mafchen, was bei Rundftühlen nicht ftattfinden kann, erfunden. Auf der Ausftellung kamen zumeift aus Deutſchland allein 22 Strickftühle als Rundftühle zur Anficht, die eine bedeutende Leiftungsfähigkeit zeigten. Bemerkenswerth find namentlich jene von Hilfcher in Chemnitz, Terrot in Stuttgart, Fourquet& Franz in Rottenburg bei Stuttgart und Ferdinand Groeber. Alle diefe Rundftühle erzeugen Strickftoffe glatt und deffinirt nach Bedarf, aus welchem Stoff die Gegenftände, welche verlangt werden, zufammengenäht oder geftrickt werden. Neues war jedoch weder bei den Flachftühlen, noch bei den ausgeftellten Rundftühlen zu finden, denn alle diefe Arten von Strickmafchinen wurden fchon in den früheren Weltaus ftellungen vorgeführt. Eine von Carbonier exponirte verbefferte Flachftuhl- Strickmafchine, nach dem Syftem Lamb, dürfte als eine der beften Familien- Strickmaschinen angefehen werden, indem ohne Schwierigkeit Alles darauf erzeugt werden kann, ohne mit dem Nadelfyftem in Collifion zu gerathen. Es ift zu bedauern, dafs auf der Wiener Weltausftellung die FamilienStrickmafchine von Hinkley nicht ausgeftellt war. Diefe ftrickt mit einer einzigen Nadel 4-5000 Mafchen per Minute, ift zum Auf- und Abnehmen des Stoffes eingerichtet, zeichnet fich durch fehr leichte Handhabung aus und hat einen Preis von 25 Dollars, während alle anderen Sorten das Drei- bis Vierfache koften. Die Leiftungsfähigkeit der oben angeführten Linear- Strickmafchine von Lamb und von Carbonier ift derart entwickelt, dafs fie durchfchnittlich 20 Paar Frauenftrümpfe per Tag, jedoch nur von Baumwoll- Strickwolle Nr. 16, 18 bis 20 liefern. Am ficherften und fchnellften arbeiten diefe Mafchinen mit Schafwoll- Garn. Wenn nun auch keine wefentlichen Neuerungen bei den Rundftühlen fich gezeigt haben, fo ift es nicht zu leugnen, dafs diefe Mafchinen doch vereinfacht. und in eine bequemere Handhabung gebracht wurden, auch in der Durchführung gegenüber den früheren derartigen Maſchinen ganz bedeutende Verbefferungen eingeführt worden find. Eine wefentlich wahrnehmbare Verbefferung oder eine Neuerung im Principe haben wir nicht gefunden. Die endlich in diefe Gruppe noch gehörigen und zur Ausstellung gebrachten Stickmafchinen gehörten der Chemnitzer Stickmaſchinen- Fabrik und den St. Georger Mafchinen- Werkstätten bei St. Gallen in der Schweiz an. Aus diefem Kreife hatten fich fechs Ausfteller betheiligt: Die Mafchinenfabrik St. Georgen, Gebrüder Renninger in Niederuzwyl( St. Gallen), C. Burkhard( St. Gallen), Grüninger& Ebneter( St. Gallen), Saurer F.& Söhne in Arbon bei St. Gallen. Die von diefen Firmen collectiv exponirte Mafchine zeichnet fich befonders dadurch aus, dafs fie eine fehr vereinfachte Conftruction hat, die Nadelhalter unfehlbar functioniren, der Fadenabfchneider vollkommen arbeitet und die ganze Mafchine derart conftruirt ift, dafs keine Fundirung nöthig wird. Auch arbeitet fie doppelt. Die Mafchine hat 208 Nadeln, die in ihrer präcifen Thätigkeit in einer Breite von drei Metern arbeiten. Diefe Mafchinen aus den bezeichneten Fabriken finden in England bedeutenden Abfatz. Die Preife find fehr billig geftellt. Eine complete Mafchine fammt Feftonnier- und Bohrapparat kommt auf 1280 Gulden zu ftehen. ப 36 Carl Kohn. Die Nähmaschinen, Strick- und Stickmaschinen. Derartige Stickmaschinen, dem Hauptprincip nach aber fehr complicirter Natur, beftanden fchon im Jahre 1839 in Lettowitz nächft Brünn, in der Damböck'fchen Tull- Anglaisfabrik. Ausfchliefslich werden heute diefe Maſchinen in der Schweiz fabricirt, wozu die Sticknadeln aus Aachen bezogen werden. Auch Chemnitz und Sachfen machte Anftrengungen, derlei Mafchinen zu fertigen, die fich aber noch keinen fo grofsen Ruf erworben haben, dafs fie in einen grofsen Handel eintreten könnten. * OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. WEBEREIMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON JOHANN ZEMAN, Redacteur von Dingler's polytechnischem Journal in Augsburg, ehemals Docent am deutfchen Polytechnicum in Prag. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1875. GE WEBEREIMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von JOHANN ZEMAN, Redacteur von Dingler's polytechnifchem Journal in Augsburg, ehemals Docent am deutfchen Polytechnicum in Frag. VORWORT. Mit einigem Zögern tritt der Referent an die Berichterstattung über Weberei und Appreturmafchinen auf der Wiener Weltausftellung 1873. Während die Spinnereimafchinen durch deren allgemeinere Behandlung auf gewerblichen und polytechniſchen Schulen eine gründliche, wiffenfchaftliche Durcharbeitung und demzufolge fyftematiſche Eintheilung bereits erfahren haben, welche allerdings durch die gefchloffene Aufeinanderfolge der einzelnen Spinnoperationen wefentlich erleichtert ift, entbehren wir für Mafchinen der Weberei und Appretur folcher Unterlagen, um, auf diefelben geftützt, an Bekanntes anknüpfen und das Neue oder weniger Bekanntgewordene mit kurzen Worten präcifiren zu können. Wefentlich erfchwert wird aber die Aufgabe noch dadurch, dafs bei Webereimafchinen, insbefondere aber bei den Mafchinen für das Zurichten der Stoffe eine folche Mannigfaltigkeit in der Conftruction und noch mehr in der Verwendung der Mafchine platzgreift, dafs jede einzelne Branche die Forfchungen eines eigenen, durchaus erfahrenen Fachmannes auf der Weltausftellung erfordert hätte. Wir konnten uns defshalb lange nicht entfchliefsen, die Verantwortlichkeit für diefen Theilbericht auf uns zu nehmen, und erft als anderweitige Bemühungen des Herrn Chefredacteurs Profeffor Dr. Richter vergeblich blieben, glaubte Referent den wiederholten ehrenvollen Ruf nicht mehr ablehnen zu dürfen in der Ueberzeugung, dafs unter folchen Umständen feiner Arbeit eine nachfichtige Beurtheilung nicht ausbleiben würde. Und eine folche müffen wir heute doppelt in Anspruch nehmen. - - Zunächft waren wir gegen Schlufs der Ausftellung das Referat übernehmend darauf angewiefen auf langwierigem, fchriftlichem Wege von den Ausftellern das erforderliche Material zufammenzutragen, was denn auch- mit einigen Ausnahmen Dank dem verftändnifsvollen Entgegenkommen der Ausfteller( freilich nach monatelangem Correfpondiren) gelang. - Zwei rafch nach einander folgende Berufungen( an die Wiener HandelsHochfchule und später an die Redaction von Dingler's polytechniſchem Journal in Augsburg) hinderten aber den Berichterftatter in der gegebenen Zeit die beabI* Sx 21 Johann Zeman. fichtigte gründliche Durcharbeitung feiner Studien vorzunehmen, insbefondere aber fein Referat durch Illuftrationen zu vervollſtändigen. Nach diefem Hinweife, welchen wir den Ausftellern fowohl zu fchulden glauben, die uns mit werthvollen Skizzen verfahen, als auch den Lefern diefes Berichtes, welche wir durch unferen Spinnereibericht zu gröfseren Anfprüchen vielleicht berechtigt haben, gehen wir zur Sache felbft über. Webereimafchinen. Eine gröfsere Zahl von Mafchinen für Weberei war auf der Wiener Weltausftellung vertreten; aber wie fchon der Berichterstatter über die Parifer Aus ftellung 1867 urtheilte, fo kann auch hier bemerkt werden, dafs der in Rede ftehende Induftriezweig keine folche Neuerungen aufzuweifen hat, welche eine wefentliche Umwälzung des Principes der bisherigen Verfahrungsweifen hervorbringen könnten. Wir werden aber einer Reihe von Detailverbefferungen weittragender Bedeutung fowohl als auch von nebenfächlichem Werthe begegnen, aus welchen wir wegen ihrer befonderen Vervollkommnung fpeciell die Mafchinen für Seidenftoff- Fabrikation hervorzuheben haben. Vorbereitungsmafchinen für Kette und Schufs. Die k. k. priv. Tannwalder Baumwoll- Spinnfabrik hatte eine Spulmafchine, Zettelmafchine und Schlichtmafchine( fchottifches Syftem) für Baumwolle von bekannter, daher nicht weiter auszuführender Einrichtung ausgeftellt. Die in England fchon mehrfach eingeführte, bei Fadenbruch felbftthätig welche die in Paris ausrückende Zettelmafchine- Patent Singleton** bekannt gewordene Conftruction an Einfachheit und Verlässlichkeit weit überragt, ferner die fehr zweckmäfsig fcheinende Anwendung von Heizröhren ftatt umfangreicher Trockencylinder bei Schlichtmafchinen Patent Lancafter und Bullough in Accrington*** waren in Wien leider nicht vertreten. - - Von Henry Livefey in Blackburn war eine Spulmafchine aufgeftellt worden, bei welcher die Abwindung von Cops, Bobinen oder Strähnen in Kötzer oder Spulenform etc. je nach Bedarf erfolgt eine übrigens nicht unbekannte Einrichtung, welche auch von Chemnitzer Conftructeuren( H. F. Küchenmeifter, Rudolf Voigt) fpeciell für Schafwolle in gelungener Weife ausgeführt wird. Für Schafwolle haben wir vor Allem auf ein in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenes Mafchinenfyftem zum Spulen, Scheren, Leimen, Trocknen und Aufbäumen von wollenen Ketten hinzuweifen, welches von der Erften Brünner Mafchinen Fabriksgefellfchaft nach franzöfifchem Vorbilde**** conftruirt war und unferes Wiffens fo wenig bekannt ift, dafs eine nähere Auseinanderfetzung hier am Platze erfcheint. Das Wefentliche diefes Verfahrens befteht darin, dafs das Leimen, Trocknen und Aufbäumen der vorher gefpulten und gefcherten Kette zu gleicher Zeit ftattfindet ein Vorgang, welcher für Tuchfabrikation vollkommen aus - * A. v. Scala im officiellen Ausftellungsberichte vom Jahre 1867; Band IV, Seite 585. ** Engineer, September 1870, Seite 168 und daraus u. a. Dingler's polytechnisches Journal, 1870, Band CXCVIII, Seite 294. *** Dingler's polytechn. Journal, 1873, Band CCVII, Seite 189. **** Dieles Mafchinenfyftem wurde vor mehreren Jahren durch Offermann in Brünn von Eugen Lacrois in Rouen bezogen und nach vollkommener Erprobung der Leiftungsfähigkeit in gröfserer Zahl aufgeftellt. Webereimafchinen. 3 reichende Refultate bei wefentlich gefteigerter Leiftungsfähigkeit gewährt. Das ausgeftellte Maſchinenfyftem beftand aus: 1) einem Bobin oir auf 40 Fäden, um von Kötzern, Spulen( 100 Millimeter hoch und ebenfo dick) zu fpulen; 2) einer Schermafchine, in welcher die Kette vom Spulengeftelle abgezogen und bandweife auf einen Garnbaum, welcher mittelft Scheiben in einzelne Abtheilungen von der Breite des Scherganges eingetheilt ift, aufgewunden wird. Zur Erzielung genau übereinftimmender Länge und durchaus gleichmässiger Spannung der Kettenfäden ift zwifchen Garnbaum und Spulengeftelle ein der englifchen Ketten- Schermafchine für Baumwolle ganz ähnlicher Apparat ( nicht der grofse Schönherr'fche Hafpel) eingefchaltet, und es geht daher Scheren und Aufwinden eines Kettenbandes nach dem anderen ununterbrochen vor fich. Ift der Garnbaum voll, fo gelangt derfelbe, indem gleichzeitig eine frifche Walze eingelegt wird, auf die 3) Leim und Trockenmafchine, auf welcher die Kette in ganzer Breite auf einmal geleimt und durch Anwendung von Windflügel und Heizröhren getrocknet und unmittelbar darauf auf den Kettenbaum, der nunmehr nur mit zwei Randfcheiben verfehen ift, definitiv aufgewickelt wird.* Der Bobinoir( Spulmafchine) zeichnet fich durch eine höchft zweckmässige Conftruction aus, welche einen rafchen Lauf bei verhältnifsmäfsig fehr wenig Fadenbruch zuläfst. Eine von der bekannten, wefentlich abweichende Disposition hat das Spulengeftelle der Schermafchine. Dasfelbe erhielt mit Rücksicht auf möglichfte Platzerfparnifs eine keilförmige Anordnung in mehreren Etagen übereinander, die immer fchmäler werden und im Grundriffe Dreiecke bilden, deren abgeftumpfte Spitze gegen den Garnbaum zugewendet ift; die oberfte Etage gibt im Grundriffe ein gleichfchenkeliges Dreieck mit nicht abgeftumpfter Spitze. Auf jeder der fechs Etagen werden 60 Spulen vertical aufgefteckt, und um die erforderliche Ueberfichtlichkeit über alle Fäden zu erlangen, find in jeder Etage der Länge nach horizontale Führungsftangen gezogen, gegen welche fenkrecht zwifchen je 4 bis 6 Spulen Stängelchen von oben herablaufend eingelegt find. Die Fäden ftreichen über die horizontalen Leitftangen, während die fchräg auffteigenden das Auffinden gebrochener Fäden aufserordentlich erleichtern. Die von dem Auffteckzeug abgehenden Fäden gelangen nun in den eigentlichen Scherapparat, beftehend aus drei in einem Niveau liegenden Walzen, von welchen die beiden äusseren eine glatte, die mittlere dagegen eine rauhe Schmirgel- Oberfläche befitzt. Die Kettenfäden gehen, durch einen Reihekamm( Lefeblatt) eingezogen, über die hintere Walze, dann unter die Schmirgelwalze und endlich wieder über die vordere glatte Walze, hierauf abermals durch einen Kamm zum Aufbäumapparat, welcher in einigem Abftand feft aufgeftellt ift. Unmittelbar hinter dem vorderen Lefeblatt findet fich eine Anordnung, welche auch bei den Baumwoll- Schermafchinen zur Verhinderung des Schlaffwerdens der rückgängig abgerollten Kette vorhanden iſt, hier aber mehr zu dem Zwecke eingefchaltet wurde, um durch beliebiges Auflegen von eifernen Stängelchen eine gröfsere oder geringere Reibung, beziehungsweife Spannung der Fäden hervorzubringen. Um gebrochene Fäden leicht auffinden zu können, müffen die Fäden auf der Schermafchine ins Kreuz gefchlagen werden. Aus diefem Grunde haben die beiden vertical aufgehängten und verftellbaren Kämme eine befondere( für uns * Soviel uns bekannt wurde, hat auch die Sächfifche Webftuhlfabrik( vormals L. Schönherr) in Chemnitz im Jahre 1871 ein Patent auf eine Leimmafchine für wollene Ketten erworben, wobei die Kette in derfelben Breite, in welcher diefelbe gefchert oder aufgebäumt ift, geleimt, dann aber noch nafs oder feucht auf einen Baum aufgewickelt wird, um eine gleichmässige Vertheilung des Leimes in den Kettenfäden durch Auffaugen zu erzielen. Das Trocknen der von der Leimmafchine abzuwickelnden Kette gefchieht in beliebiger Weife. 4 Johann Zeman. neue) Einrichtung. Die einzelnen Zwifchenräume der Kämme find nämlich in regelmäfsiger Abwechslung einmal oben, einmal unten auf etwa 14 der Blatthöhe durch Lothzinn verfchloffen. Der erfte, dritte, fünfte... Spalt A geht demnach von der oberen Blattleifte nur bis 3/4 der Höhe frei herab; die zwifchenliegenden Spalten B find dagegen im oberen Viertel verlöthet. Denkt man fich nun die Kette regelrecht eingezogen, fo werden beim Heben des Kammes alle in den Zwifchenräumen A liegenden Fäden gleichfam in ein Oberfach gebracht, während die Fäden B unten liegen bleiben können. Und umgekehrt müffen beim Niederlaffen desfelben Kammes alle A- Fäden ins Unterfach herabtreten. Man kann fomit auf eine rafche und einfache Weife mit jedem Kamm für fich( daher nicht zu verwechfeln mit der gleichen Operation bei Anwendung zweier Lefekämme zugleich) die Kette ins Kreuz fchlagen und die Kreuzftäbe oder Kreuzfchnuren einziehen. Das vordere Lefeblatt hat eine Fächerform, das heifst, es ift oben breit und unten fchmal. Bei gleicher Fadenzahl läfst fich daher, wie bekannt, durch Verftellung des Blattes die Dichte der Kette entſprechend reguliren. Mit der Schmirgelwalze ift ein Zählwerk in Verbindung gebracht. Da nun die einzelnen Kettenfäden mit hinlänglicher Reibung gegen diefe Rauhwalze anliegen und diefelbe beim Aufbäumen drehen, fo zeigt das Zählwerk die genaue Länge des gefcherten Kettentheiles an, wie denn auch die Schmirgelwalze die Möglichkeit bietet, dafs alle Fäden unter gleicher Spannung zur Aufbäumwalze gelangen,-- eine glücklich überwundene Schwierigkeit bei der Conftruction mechanifcher Schafwoll- Schermafchinen. Zur Aufbäumung der gefcherten und ins Kreuz gefchlagenen Kette dient ein getrennt gelagerter und von der Transmiffion aus betriebener Garnbaum, welcher durch ftellbare Scheiben für die einzelnen Schergänge( bis zu 360 Fäden) getheilt ift. Ein mit einem Gewichte befchwerter Winkelhebel, deffen oberes, gegen die auflaufenden Fäden angedrücktes Ende mit einem Bremsklotz armirt ift, forgt für die gleichmäfsig dichte Aufbäumung aller Kettentheile. Das Aus- und Einrücken der Triebfcheibe kann von jedem Punkte des Apparates rafch bewerkftelligt werden. Damit die vom Spulengeftell abgehenden Fäden nicht in zu fchräger Richtung durch die Kämme gehen und ftets fenkrecht zum Garnbaum, deffen Lagergeftell feft auf dem Boden ruht, geleitet werden, ift der Scherapparat auf mit Rollen Querfchienen fahrbar eingerichtet und ebenfo das Spulengeftell verfehen einer Querverftellung fähig. - - In der Ketten-, Leim- und Trockenmafchine geht die Kette in ihrer ganzen Breite vom Garnbaum, welcher vorne und ziemlich nahe dem Boden eingelegt wurde, über eine hölzerne Leitrolle herab in den Leimtrog, dafelbft um zwei Führungswalzen herum nach aufwärts zwifchen zwei oberhalb des Leimtroges übereinander gelagerten Quetfchwalzen hindurch, die mit Filz überkleidet find, worauf die Kette fofort getrocknet wird. Die Kettenfäden ftreichen zu diefem Zwecke über eine Leitwalze zu einem grofsen, fich langfam drehenden Hafpel ( mit ziemlich fcharf zugefchrägten Latten an den radialen Armen der Speichenkränze), deffen Umfang die Kette nahezu vollkommen umfchliefst. Dicht oberhalb der Zuführwalze vor dem Hafpel wendet fich die Kette über eine andere Leitwalze ab und fteigt fchräg nach rückwärts gegen die Decke des Arbeitslocales, unter welcher die Kette über zwei Leitwalzen frei ausgefpannt ift, kehrt dann unter einem beiläufigen Winkel von 45 Grad von vorne nach rückwärts herab zum Kettenbaum, welcher oberhalb des Garnbaumes- ein wenig vorhängend gelagert ift. Zur rafchen Beförderung der Trocknung liegt unter dem Führungshafpel der Kette( am hinteren Ende der Mafchine) zwifchen diefem und dem Leimtrog ein Schlangenrohr und an der Decke unter der freifchwebenden Kette ein Syftem von dampfgeheizten Röhren. Webereimafchinen. 5 Innerhalb des Hafpels aber dreht fich ein vierarmiger Flügel, durch welchen eine Luftbewegung hervorgerufen wird, welche die Trocknung der Kette beftens einleitet. Wenn nun auch die Erfte Brünner Mafchinen- Fabriksgefellfchaft nicht als Originalconftructeur des befchriebenen Maſchinenfyftems angefehen werden kann, fo hat fie durch Aufnahme und die Aufftellung desfelben in der Mafchinenhalle ein unbeftrittenes Verdienft fich erworben, fo dafs wir auch nicht anftehen, die Hauptvortheile diefer maſchinenmäfsigen Vorbereitung der Schafwoll- Ketten gegenüber der Handarbeit mit den eigenen Worten der obigen Firma nachftehend zufammenzufaffen. " Vor Allem ift hier die grofse Leiftungsfähigkeit hervorzuheben, nachdem diefes Mafchinenfyftem mit einer Bedienung von fieben Perfonen darunter fechs Mädchen mit einem beiläufigen Kraftaufwand von 2 Pferdekraft per Stunde 70 Meter fertige, aufgebäumte Kette in jeder Fadenzahl liefert. - Neben diefer anfehnlichen Production gewährt die Einfachheit, leichte Zugänglichkeit und grofse Ueberfichtlichkeit der verfchiedenen Mafchinen, eine fo leichte Bedienung, wie fie keinem anderen Syfteme eigen ift. Die Kette wird in ihrer ganzen Breite zugleich geleimt, getrocknet und aufgebäumt, ohne dafs die Fäden über einen Trocken cylinder gehen; vielmehr werden fie fchwebend in der Luft getrocknet, fo dafs ihre Elafticität erhalten bleibt. Die Kette ift in der Qualität fo befchaffen, dafs die mechanifchen Webftühle 20 bis 30 Procent Mehrleiſtung ergeben, weil eben die Kette viel egaler und beffer geleimt, daher viel fefter ift; Fadenbrüche werden unter folchen Umftänden feltener eintreten. Eine folche Einrichtung genügt für 30 bis 40 mechanifche Webftühle und koftet ohne Heizröhren loco Brünn 2800 Gulden." Neben diefen fowohl an Gröfse wie auch wirklicher Bedeutung am meiften hervorragenden Ausftellungsobjecten find an diefer Stelle nur noch einige kleinere defshalb nicht unnütze Apparate oder Vorrichtungen zu bemerken. - Bei den bekannten Schufsfpulmafchinen von L. Schönherr( jetzt Sächfifche Webftuhlfabrik), ferner bei den fchon oben bemerkten Spulmafchinen von Küchenmeifter und von Voigt ift kaum auf etwas Neues hinzuweifen. Nähere Beachtung verdient aber die höchft zweckmäfsig eingerichtete Anfeuchtund Ausfchwingmafchine von Rudolf Voigt in Chemnitz, welche fchon in vielen Schafwollwebereien Eingang gefunden hat. Es ift bekannt, dafs neben anderen Gründen auch zur Erleichterung der Arbeit des Webers der Einfchlag vielfach feucht eingefchoffen wird. Ungleich gefeuchtetes Schufsgarn erzeugt aber, wie man befonders nach dem Walken bemerkt, dünne und dicke Stellen in der Waare und defshalb ift ein verlässlicher Apparat für diefe Operation jedem Weber fehr willkommen. Es befteht derfelbe zunächst aus einer kleinen Handpumpe, deren mundftückähnlich erweitertes Saugrohr in einen kleinen Wafferkaften reicht. Hält man nun die Schufsfpulen einzeln unter das Mundftück, fo werden diefelben durch einige Kolbenfpiele vollkommen durchnäfst. Ein Ausfchleudern des zuviel aufgenommenen Waffers erfolgt durch Aufftecken der Spulen auf eine horizontale, mit Stiften befetzte Scheibe, welche durch Kurbel und Schneckentrieb mit einer genügenden Gefchwindigkeit herumgedreht werden kann. Hierdurch erhält man alle Spulen gleichmäfsig feucht; auch bleibt bei diefer Manipulation das Garn vollſtändig unverfehrt und läuft leicht und ficher beim fpäteren Verweben ab. Die Ausfchleuderfcheibe ift in einem oben offenen cylindrifchen Gehäufe eingelagert, an welches die Handpumpe mit dem Wafferkaften direct angefchraubt ift. Platt Brothers& Comp. in Oldham waren auch mit einer fchönen Schufsfpulmafchine vertreten, auf welcher man von Kötzern, Spulen oder auch Strähnen auf Blechpfeifen oder Papierröhrchen abwickeln konnte. Die eine LA 6 Johann Zeman. Seite der Mafchine war nebftbei mit einer ganz netten, ficher einfetzenden Fadenbruch- Abftellung verfehen, welche wohl angedeutet zu werden verdient. Ein winkelförmig gebogener Draht ift auf der Spindelbank um einen Punkt des kurzen, nahezu wagrechten Armes drehbar fo aufgeftellt, dafs er durch das Uebergewicht des aufrechten Armes ftets nach einer Seite fällt und dadurch den wagrechten Arm fo nahe zum Spindelwirtel rückt, dafs ein Stift an demfelben gegen den Arm anftöfst und demzufolge die weitere Drehung der Spindel einftellt. Bei normalem Betriebe verhindert die Spannung des um das obere Drahtende herumgelegten Fadens das Niederfallen des Fadenwächters, der aber fofort einfetzt, wenn die Fadenfpannung aus welchen Gründen immer nachläfst. Für Flachs etc. war nur Combe's Schufs fpulmafchine durch die Firma Combe& Barbour in Belfaft ausgeftellt und zwar in bekannter vortrefflicher Ausführung, mit Selbftabftellung bei Fadenbruch, mit Regulirung zum Weich- oder Feftwinden der Cops, mit Vorrichtung, um von Spulen oder Garnfträhnen zu winden u. f. w. Seide. Reichhaltiger wie für Baumwolle, Schafwolle und Flachs waren die Vorbereitungsmafchinen für Seidenftoff- Fabrikation vertreten und obenan find mit Rückficht auf Neuerungen, Eleganz und Zweckmässigkeit der Conftruction die Mafchinen der Firma Cafpar Honegger in Rüti( Schweiz) zu nennen, welche unferer Anficht nach die höchfte Auszeichnung das Ehrendiplom ftatt der zuerkannten Fortfchrittsmedaille verdienten. - Schon auf der Parifer Ausftellung 1867 hatte Honegger eine Zettelund Aufbäummafchine exponirt; diefelbe wurde aber in der Zwifchenzeit fo umgeftaltet, dafs eine eingehendere Auseinanderfetzung hier am Platze ift. Das Zetteln( Scheren) und Aufbäumen findet nicht mehr wie früher* auf einer und derfelben Mafchine nach einander, fondern auf zwei getrennten, unabhängig von einander arbeitenden Maſchinen ſtatt. Nachdem das Abmelden oder Scheren der für die Zeugkette erforderlichen Fadenzahl mehr Zeit erfordert, wie das Aufwickeln oder Aufbäumen der gefcherten Fäden auf den Kettenbaum, fo kann bei Anwendung des neuen Mafchinenfyftems eine relativ höhere Production erzielt werden. Die Seiden- Zettelmafchine von C. Honegger befteht im wefentlichen aus einem um eine horizontale Achfe drehbar angeordneten Hafpel oder Scherrahmen, welcher durch Riementrieb in Drehung gefetzt wird und hierbei den durch Lefekämme eingezogenen Kettentheil regelmäfsig aufnimmt. Ift die beftimmte Fadenlänge aufgewunden, fo rückt die Mafchine felbftthäthig aus, die Arbeiterin verftellt den Support mit dem Lefekamm( Blattträger) in entſprechender Weife und fetzt die Arbeit bis zum letzten Kettentheil regelmäfsig fort. Die Aufwickelung jedes Kettentheiles auf dem Scherrahmen findet in cylindrifchen Ringen, wie bekannt, aber nicht mit eben-, fondern mit conifchbegrenzten Endflächen ftatt, um das Abrutfchen der Endfäden zu vermeiden. Zu diefem Behufe liegen an der einen Seite der Scherlatten Keilftücke zur Unterftützung der inneren Endfläche des erften Fadenringes; ferner werden die Kettenfäden in einer fchwach anfteigenden Schraubenlinie um den Hafpel umgelegt, bis endlich die feftgefetzte Länge erreicht ift. Behufs diefer Aufwicklung der Fäden nach einer Schraubenlinie erhielt der Hafpel bei der Parifer Ausstellungsmaschine neben feiner drehenden Bewegung auch noch die erforderliche Seitenverfchiebung; einfacher war die Einrichtung in Wien, da der Blatt- oder Kammträger correfpondirend mit der Drehung des Hafpels parallel zur Achfe desfelben durch eine Schraubenfpindel verfchoben wird. * Officieller Ausftellungsbericht vom Jahre 1867; Band IV, Seite 590. Webereimafchinen. 7 Es ift darauf hingewiefen worden, dafs der erfte auf dem Hafpel gebildete Schergang auf Keilftücke in den Latten gewunden wird; bei der fchraubenförmigen Aufwickelung des Kettenbandes erfcheint eine correfpondirende Abdachung auf der äufseren Endfläche, welche als Unterlage für die innere Endfläche des zweiten Kettenringes dient. Um nun der Feinheit der Seide Rechnung zu tragen, beziehentlich die Keilftücke mehr oder weniger geneigt einftellen zu können, ftecken die Endzapfen der Keile in fchrägen Schlitzen einer auf der Hafpelachfe ftellbaren Scheibe. Während alfo früher jedes Keilftück durch eine eigene Stellfchraube juftirt werden musste, wird jetzt die Regulirung der Keile durch einfaches Verdrehen diefer Scheibe hervorgebracht. Ohne Hinweis auf nähere Zeichnungen ift der ingeniös angelegte Bewegungsmechanismus der Zettelmaſchine nicht zu erklären. Referent verweift diefsbezüglich auf Dingler's polytechnifches Journal, 1873, Band CCXII, Seite 25. Die Honegger'fchen Band- Zettelmafchinen find nach gleichen Principien conftruirt, aber für Fufs- oder Riemenbetrieb eingerichtet. Die Keile an den Hafpelplatten find feft, da hier Seide von ziemlich gleichem Titre verarbeitet wird. Ift das Scheren der Seidenkette vollendet, fo wird der Hafpel aus der Mafchine ausgehoben, ein frifcher Scherrahmen eingelegt und die Arbeit wie früher ausgeführt. Der gefüllte Hafpel aber gelangt in die Aufbäummafchine ( Enroulage) und wird hier die Kette direct auf den Seidenbaum abgewickelt. Damit nun die in Schraubengängen auf dem Scherrahmen liegenden Fäden fenkrecht auf den Kettenbaum auflaufen, erhält der Hafpel bei feiner Rückdrehung die entſprechende feitliche Verfchiebung, indem derfelbe in einem durch eine Schraubenfpindel bewegten Geftell ruht. Um die Kanten der Kette gegen Abrutfchen zu fchützen( der Seidenbaum erhält keine Randfcheiben) und um das Ablaufen der Kettenfäden im Webftuhl zu erleichtern, erhalten diefelbe auf dem Kettenbaum dadurch eine gekreuzte Lage, dafs der zwifchen Hafpel und Kettenbaum gelegene Streichbaum bei feiner Umdrehung auch noch regelmässig etwas hin- und hergefchoben wird. Das Abrutfchen der Endfäden wird übrigens noch dadurch hintangehalten, dafs von Zeit zu Zeit ein Carton in die Kette eingelegt wird. Die Mafchinenfabrik Scheller und Berchtold in Thalweil bei Zürich hatte auch eine Seiden- Zettelmafchine( jedoch ohne Aufbäummafchine) mit verfchiedenen Modificationen im Bewegungsmechanismus vorgeführt, deren Zweckmässigkeit uns jedoch nicht einleuchten mochte. In wie weit die Erklärung der öfterreichifchen Firma Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz, welche ebenfalls eine Zettelmafchine für Seide( älterer Conftruction) exponirt hatte und für fich die Erfindung diefer angeblich vor 13 Jahren fchon gebauten Mafchine in Anspruch nimmt, begründet ift, fand der Referent keine Gelegenheit feftzuftellen. Die Vorbereitung des Seidenfchuffes betreffend, erwähnen wir zunächſt Honegger's Bobinoir( Schufsfpulmafchine), welcher zwar verfchiedene kleine Detailverbefferungen, im Ganzen aber die bekannte, fchon vielverbreitete Einrichtung zeigte. Die Mafchine ift doppelfeitig; die Trommelwelle treibt mittelft endlofer Schnüre je vier Spindeln( zwei auf jeder Seite) zugleich. Die Gefchwindigkeit der Spindeln ift variabel, fo dafs die Spindeln rafcher gedreht werden, wenn der Faden gegen die Spitze geleitet wird, wodurch bekanntlich eine gleichmäfsige Spannung des Fadens erzielt wird. Damit die Fadenwindungen nicht jedesmal auf die nämliche Stelle gelegt werden, wohin fie bei dem vorigen Gang gefallen waren- was beim Abziehen ein Abrutfchen ganzer Fadenfchichten zur Folge haben kann- fo ift die Herzfcheibe zur Bewegung der Faden- Führerftange nicht centrifch auf ihrer Welle befeftigt, fondern auf ein kleines Excenter aufgefchoben, welches durch ein Räderwerk eine voreilende Drehung erhält und demzufolge die Herzfcheibe in angemeffen veränderte Stellung bringt. 8 Johann Zeman. Für Handweber, welche nicht in der Lage find, einen Bobinoir aufzuftellen, hat Honegger einen kleinen Hand- Spulapparat conftruirt, welcher, nebenbei bemerkt feiner Einfachheit und Zweckmäfsigkeit halber von dem„ Seideninduftrie- Verein in Zürich" mit einer Prämie von 300 Franken ausgezeichnet wurde. Diefer Apparat wird mittelft Handrad betrieben, von welchem eine horizontal gelagerte und in der Längenrichtung leicht verfchiebbare Spindel durch eine Schnur ihre Drehung bekommt. Parallel zur Spindel liegt der Fadenführer, welcher von derfelben durch Schneckengetriebe und Herzfcheibe fo bewegt wird, dafs der Faden auf die am vorderen Ende der Spindel fteckende conifche Holzpfeife in kurzen, regelmäfsig hin und hergehenden Windungen aufläuft. Da knapp unterhalb der Spindel unter einem beftimmten Winkel eine fich lofe drehende Rolle angebracht ift, fo mufs bei fortfchreitender Bewicklung Spule und Spindel zurückweichen( defshalb ift auch die Spindel leicht verfchiebbar gelagert), womit die kötzerförmige Windung der Spule in ähnlicher Weife erzielt wird, wie bei Platt's oder Combe's und anderen Spulmafchinen mit den bekannten conifch ausgehöhlten Köpfen( Trichter). Für Bandftühle hatten Spulmafchinen ausgeftellt: Franz Laubek in Wien, F. Kufsmaul Sohn in Bafel und Felix Tonnar in Dülken. Die für Fufsbetrieb auf 10 Spindeln vorgerichtete Tonnar'fche Spulmafchine für Scheibenfpulen zu Bandftühlen zeichnete fich durch eine fehr einfache, felbftthätig wirkende Ausrückung der Spindeldrehung, fobald die betreffende Spule ihren im Voraus beſtimmten Durchmeffer erreicht hat, aus. Der Antrieb der horizontal gelagerten Spindeln, an deren vorderem Ende die Spulen aufgefteckt werden, erfolgt durch eine endlofe Lederfchnur, welche mittelft Spannrollen gegen die Spindelwirtel angedrückt, felbft aber durch FufstrittMechanismus in Umlauf gefetzt wird. Unterhalb jeder Spindel ift eine Frictionsrolle angebracht, welche durch die Spule im Momente ihrer Vollbewicklung zunächft um 180 Grad gedreht wird. In Folge deffen kommt ein Stift an der Achfe der Frictionsrolle in die Nähe der nun auszurückenden Spindel, welche fich noch ungehindert weiterdreht, durch einen Mitnehmer aber obigen Stift, daher die Achfe der Frictionsrolle, an der eine Nafe fitzt, mitnimmt und dergeftalt durch diefe Nafe ein federndes Zahngefperre für die Spindel auslöft*. So wie diefs erfolgt, drückt eine Spiralfeder die Spindel etwa 8 Millimeter in die Höhe und der Wirtel kommt aufser Berührung mit der Antriebsfchnur. - Tonnar hat ferner. Vorforge getroffen, dafs nicht nur verfchieden dicke, fondern auch verfchieden lange Spulen auf feiner Mafchine mit aller Präcifion gewickelt werden können, indem der Ausfchlag des Fadenführers einfach regulirbar gemacht ift. Es ift eine bekannte Thatfache, dafs der Schufsfaden beim Abziehen von Schützen- Schleiffpulen eine Drehung( Zwirn) erhält, deren Gröfse mit dem Spulendurchmeffer im umgekehrten Verhältnifs fteht, indem jedes Fadenftück, gleich dem Umfange der Spule, gerade einmal um fich felbft gedreht wird. Vor nicht langer Zeit war in der Seidenweberei die Lauffpule( Abrollfpule) faft ausfchliesslich in Verwendung; aber mit der Verarbeitung geringwerthiger und fchwergefärbter Seide ward man auch auf die Schleiffpulen hingewiefen. Bei mehrfachem Eintrag, welcher flott im Gewebe liegen foll, mufs man denfelben- fofern es das Anfehen oder die Weichheit der Waare verlangt- vor dem Einfchiefsen, beziehungsweife vor oder bei dem Aufwinden auf die Spule mit einem Twift verfehen, welcher der durch das nachfolgende Abziehen von der Schleiffpule hervorgerufenen Drehung entgegengefetzt ift. Honegger hatte hierfür feinem Failles- Webftuhl einen recht netten kleinen Doubli r- und Zwirnapparat beigegeben, auf welchem vor dem * Zur Schonung der Seide darf man die Reibung zwifchen Spule und Frictionsrolle nicht fo weit fteigern, um direct das Zahngefperre auszulöfen. Diefs gefchieht vielmehr durch die mit voller Kraft betriebene Spindel felbft. Webereimafchinen. 9 Spulen das Zwirnen des mehrfachen Eintrages erfolgt und zwar mit Hilfe einer Ringfpindel, welche durch ein Handrad gedreht wird. Diefe Drehung wird durch Zahnrädchen auf eine parallel zur Ringfpindel gelagerte verticale Achfe und an deren oberem Ende durch Kegelrädchen auf die Zuführrolle der Eintragfäden übertragen. In der unteren Hälfte hat die verticale Achfe ein rechtes und linkes Schraubengewinde eingefchnitten, um der Ringbank die auf- und niedergehende Bewegung zu ertheilen. Der Wiener Mechaniker Franz Laubek dagegen zwirnt den mehrfachen Seideneintrag zugleich mit dem Bewickeln der Schleiffpulen. Bei der von diefem Ausfteller conftruirten beachtenswerthen Schufsfpulmafchine ftehen die Spulenfpindeln vertical und feft in der auf- und niederfteigenden Spulenbank. Der zugeleitete doublirte Faden wird durch eine die Spule umfaffende Gabel fowohl gedreht als auch in regelmässigen conifchen Schichten um die Spule gewunden. Der eine Arm der Gabel trägt auf einem eingefchnittenen Schraubengewinde das Fadenführerauge, welches behufs Bildung der conifchen Fadenfchichten eine allmälige Verfchiebung erleidet in ähnlicher Weife, wie diefs bei den allgemein bekannten Schönherr'fchen Schufsfpulmafchinen erfolgt. Neben diefer fehr folid gebauten Mafchine hatte Laubek, wie fchon gefagt wurde, noch eine erwähnenswerthe Band- Spulmafchine ausgeftellt. Die Wiener Induftrie war diefsfalls auch noch durch Spulmafchinen von Alois Röder& Comp. und durch Carl Arzt vertreten. - Handftühle und Jacquard ftühle. - Bei der immer weiteren Ausbreitung der Mafchineninduftrie würde es wohl Niemanden überrafchen, wenn wir berichteten, keiner Novität auf dem Gebiete der Hand- Webftühle begegnet zu fein. Eigentlich ift diefs auch der Fall, indem das einzig bemerkte Object der Hand- Webftuhl von de Grave in Gent bereits auf mehreren Ausftellungen figurirte, ohne jedoch bisher bei Berichterstattungen berücksichtigt worden zu fein. Wahrfcheinlich wurde das kleine, ohne nähere Erklärung auch unverftändliche Modell überfehen, und faft wäre es fo auch in Wien wieder gefchehen, wo man das ganz kleine WebſtuhlModell in der Seitenhalle unter den koloffalen Ausftellungsobjecten der belgifchen Eifenwerke, welche die Aufmerkſamkeit des Befuchers fo fehr ablenkten, aufgeftellt hatte, ohne irgend eine Erklärung oder Erläuterung. Zufällig war Referent früher fchon auf de Grave's Webftuhl aufmerkfam geworden und verdankt ferner dem bereitwilligen Entgegenkommen des Erfinders nähere Auffchlüffe. In den verfchiedenen Handwebereien Flanderns war man entweder nur für Leinenweberei oder nur für die Herftellung geköperterWaare eingerichtet. Theils hatten die betreffenden Weber nur die eine oder nur die andere Zurichtung des Stuhles erlernt, theils verhindern die engen Wohnräume und die grofsen Koften die Aufftellung zweier, doch nur abwechſelnd zu betreibender Stühle, den einen für leinwandartige und den anderen für geköperte Waare. Bei wechselnden Conjuncturen war bald der eine Theil der Weber bitterer Noth ausgefetzt, während der andere Ueberflufs an Arbeit fand, und umgekehrt. - - Zur Ausgleichung diefes Uebelftandes fuchte nun de Grave damals Fabrikfchul- Infpector in Gent dem Webftuhl eine folche Einrichtung zu geben, dafs derfelbe bei den ftrengften Anfprüchen an Solidität und Zweckmäfsigkeit in einfachfter Weife aus einem Leinenftuhl in einen Webftuhl für gemufterte Zeuge und umgekehrt umgewandelt werden könne. De Grave hat die fich geftellte Aufgabe glänzend gelöft, und feine Stühle wurden fofort vom Gouvernement in den verfchiedenen Fabrikfchulen aufgeftellt, um den jungen Webern Gelegenheit zu bieten, nach beiden Richtungen fich auszubilden, um den eintretenden Eventualitäten beffer gewachfen zu fein. 10 Johann Zeman. Der Stuhl für Leinenweberei vorgerichtet zeigt im Ganzen die bekannte Einrichtung. Das Geftelle ift aus Holz mittlerer Stärke, durch Zapfen und Schrauben zufammengefügt, fo dafs es ein feftes Ganze bildet und felbft bei längerer Benützung folid verbleibt. Die einzelnen Theile zur Aufnahme der Kette und des Gefchirres, die Lade und der Trittmechanismus find fo befchaffen, dafs man in kürzester Zeit jene Veränderungen vornehmen kann, um mit den inzwifchen bei Seite gelegenen Stuhltheilen den Webftuhl zum Weben von geköperter Waare aus Baumwolle, Flachs oder Schafwolle vorzurichten. An das Hauptgeftell wird hinten ein kleines rechteckiges Geftell angefteckt, in welches nun der Kettenbaum eingelagert wird, um einen grösseren Abftand desfelben vom Bruftbaum zu erzielen. Auch kann für Arbeiten mit Doppelketten noch ein zweiter Kettenbaum im Hintergeftelle eingelegt werden. Die fefte Kettenfpannung wird durch eine nachgiebige Belaftung mit Waagegewicht erfetzt, dagegen die Aufwicklung der Waare von einem felbftthätig einfetzenden Regulator controlirt. Statt der einfachen Schaft- und Trittvorrichtung hängt der Weber einen Kontermarfch, ftatt der fchweren Lade eine leichtere Lade mit Wechfelkäften ein. Für etwaige Zugarbeit( ftatt Trittarbeit) kann für die Schäfte auch eine kleine Jacquardmafchine auf das Stuhlgeftell aufgefetzt werden. Der Univerfal- Handwebftuhl, Syftem de Grave, erfcheint dem Referenten einer eingehenden Beachtung werth. Auch bei uns könnten in verfchiedenen Webereibezirken folche Stühle Nutzen bringen; verfuchsweife follten fie wenig. ftens in den ftaatlichen Fachſchulen eingeführt werden. Zu diefem Vorfchlage muntern uns die vorgelegten günftigen officiellen Begutachtungen auf, welche uns doppelt bedauern liefsen, dafs wir nicht noch während der Ausftellung felbft Gelegenheit fanden, das befcheidene, von den meiften( ob von der Jury auch, wiffen wir nicht zu fagen) überfehene Webſtuhlmodell der Beurtheilung einheimifcher Fachmänner vorzulegen. Während die letzte Parifer Ausftellung verfchiedenes Bemerkenwerthe zu Jacquardftühlen lieferte*, können wir von Wien 1873 gar nichts Neues berichten. Die Leiftungen der Wiener Jacquardmafchinen und Deffinkarten- Fabrik von Willibald Schramm waren zwar fehr hervorragend, boten indefs keine Neuerungen. Auch die Jacquardmaſchinen von Johann Bachmayer und von Franz Surbek bezeugten nur die alte Solidität diefer Wiener Fabrikate. Bei dem von F. Kufsmaul Sohn in Bafel ausgeftellten Seidenbandftuhl waren ftatt Platinen Knotenfchnuren angewendet, um alles Eifen, das zur Verunreinigung der Seide Anlafs geben kann, zu vermeiden. Holzplatinen find aus Platzrückfichten nicht anwendbar gewefen.** Die von dem ungarifchen Ausfteller M. Melitska in Hermannftadt herrührende Tifchzeug- Mafchine( für Herftellung von Tifchzeug, Servietten, Handtüchern etc. etc.) blieb uns leider fowohl nach dem ausgeftellten Modelle, welches wir ganz zuletzt in vollkommen derangirtem Zuftande auffanden, als auch nach der erhaltenen ungenügenden fchriftlichen Auseinanderfetzung vollkommen unverftändlich. *) Vergleiche Dr. H. Grothe: Spinnerei, Weberei und Appretur auf der Weltausftellung zu Paris 1867( J. Springer. Berlin 1868.); ferner den fchon oben citirten officiellen Bericht vom Jahre 1867, Bd. IV. Seite 83 u. f. f. ** Bezüglich der Jacquardmafchinen verweifen wir hier auf eine jüngst erfchienene Monographie von Profeffor Fr. Kohl: Gefchichte der Jacquardmafchine und der fich ihr anschliefsenden Abänderungen und Verbefferungen nebft der Biographie Jacquard's. Eine von dem Verein zur Beförderung des Gewerbefleifses in Preufsen gekrönte Preisfchrift. Mit dem Bildniffe Jacquard's, 16 lithographirten Tafeln und 18 Abbildungen in Holzfchnitt. 197 S. in Quart. ( Nikolai'fche Verlagsbuchhandlung. Berlin 1873.) Webereimafchinen. 11 Mechanifche Webftühle. Schlagender, wie durch das Capitel„ Vorbereitungsmaschinen" oder ,, Mechanifche Webftühle", kann die Unzulänglichkeit der Weltausftellungen in Hin ficht einer Vorführung der fucceffiven Entwicklung und Vervollkommnung, fowie einer completen und getreuen Darftellung der Fortfchritte im Bau unferer Arbeitsmafchinen u. f. w. nicht dargelegt werden. Vermissten wir fchon oben das in Paris als entwicklungsfähig anerkannte und thatfächlich feither wefentlich vervollkommnete, in Wien aber gar nicht vertretene Syftem der felbftabftellenden Zettelmafchine, fo müfste nun nach dem Ergebnifs unferer Ausftellung der im Jahre 1867 zwar mannigfach kritifirte, aber dennoch allfeitig anerkannte Webftuhl mit felbftthätigem Schützenwechfel beim Reifsen oder Ausgehen des Schufsfadens wieder fpurlos verfchwunden fein. Freilich wurde damals ein Experimentftuhl vorgeführt, im erften Stadium einer Conftruction, welche feine Einführung in Webereien noch nicht räthlich erfcheinen laffen konnte.* Der Bewegungsmechanismus diefes Stuhles ift aber in der Zwifchenzeit verbeffert worden und wenn auch die einfeitige Auswerfung fehlerhaft gewordener Schützen den Gebrauch des Webftuhles immer noch fehr befchränken mufs, in der Mafchinenhalle hätte derfelbe unzweifelhaft grofses Intereffe erregt und vielleicht zu weiterer Verbefferung und Entwicklung Anftofs gegeben. Diefs nur als ein Beiſpiel von fo vielen, welche fich in jeder Claffe herausziehen laffen könnten. Aber aus diefem Grunde und weil uns die Inbetrachtnahme der anderweitig bekannt gewordenen Fortfchritte zu weit führen müfste, wird man dem Referenten eine einleitende Zuſammenfaffung der hier in Wien conftatirten Verbefferungen in Webftühlen wohl erlaffen. Das Neuere oder Intereffante findet fich nachftehend thunlichft nach zufammengehörigen Bewegungsmechanismen oder nach Ausftellern geordnet kurz befprochen vor. Dabei bedauern wir im Voraus, wenn wir ftellenweife aus Mangel hinreichender Aufklärungen die Intentionen des Conftructeurs nicht präcis genug charakterifirt haben. An Mühe haben wir es kaum fehlen laffen; aber einige der Ausfteller hielten es geradezu für überflüffig, wiederholte officielle Anfragen für diefen Bericht zu beantworten; mehrfeitig gefchah es lange nach Schlufs der Ausftellung, wo uns alfo eine nähere Prüfung der blofs angedeuteten Verbefferungen geradezu unmöglich geworden war. In der Mafchinenhalle befanden fich als Ausfteller*** von A. Webftühlen für glatte und geköperte Waare. E. L. Rofs in Providence( Rhode Island, Amerika). Henry Livefey in Blackburn( England) George Hodgfon in Bradford( England). Cafpar Honegger in Rüti( Schweiz). * Ein im Jahre 1868 von einer kleinen Weberei in Prag bezogener Stuhl diefes Syftems mufste fchon aus Mangel eines bewanderten Mafchinenmeifters bald zur Seite geftellt werden. ** Referent fand bei einer Studienreife in England durch die Freundlichkeit der Herren Howard und Bullough in Accrington( October 1872) Gelegenheit, einen wefentlich vervollkommneten Webftuhl zu fehen, leider zu flüchtig, um eine genauere Analyfe der Veränderungen bieten zu können. *** Der Vollständigkeit halber fei noch nach dem officiellen Generalkatalog angeführt, dafs die Firma C. G. Peisker& Comp. in Schweidnitz( Preufsifch- Schlefien) Univerfalftühle ausgeftellt hatte. 12 Johann Zeman. Sächfifche Webftuhl- Fabrik( vormals Louis Schönherr) in Chemnitz( Deutſchland). Felix Tonnar in Dülken( Deutfchland). Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz( Oefterreich). K. k. priv. Tannwalder Baumwoll- Spinnfabrik in Tannwald ( Oefterreich). Gottfried Bernhardt in Wien( Oefterreich). B. Wechfelftühlen und Schaftmafchinen. Platt Brothers& Comp. in Oldham( England). George Hodgfon in Bradford( England). Cafpar Honegger in Rüti( Schweiz). Efcher, Wyfs& Comp. in Zürich( Schweiz). Socin und Wick in Bafel( Schweiz). Sächfifche Webftuhl Fabrik( vormals Louis Schönherr) in Chemnitz( Deutfchland). Möhring& Comp. in Berlin( Deutſchland). Gebrüder Gminder in Reutlingen( Deutſchland). Felix Tonnar in Dülken( Deutfchland). Sächfifche Mafchinenfabrik( vormals Richard Hartmann) in Chemnitz( Deutſchland). Max Strakofch in Brünn( Oefterreich). Sternickel und Gülcher in Biala( Oefterreich). K. k. priv. Tannwalder Baumwoll- Spinnfabrik in Tannwald ( Oefterreich). Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz( Oefterreich). C. Bandftühlen( Dochtftühlen): F. Kufsmaul Sohn in Bafel( Schweiz). Felix Tonnar in Dülken( Deutſchland). Anton Ehrlich in Wien( Oefterreich). A. Webftühle für glatte und geköperte Waare. Der amerikanifche Web ftuhl für Calico von Rofs zeigte zwei Eigenthümlichkeiten, in der Schützenbewegung und in der Anordnung der Triebfcheibe. Um die Gefchwindigkeit der Schütze von dem Gange des Stuhles unabhängig zu machen, wird diefelbe, wie diefs Schönherr für feine breiten Tuchftühle fchon lange eingeführt hat, nicht durch Daumen auf der unteren Stuhlwelle, fondern durch Federkraft in Gang gefetzt. Diefe Federkraft wird jedoch nicht aus langen Spiralen und in ihrer Längenachfe entnommen, fondern aus kürzeren, dafür in gröfserer Anzahl vorhandenen Drahtfedern und in einer zur Längenachfe fenkrechten Richtung, im Sinne der Drehung des Drahtes. Solche Federn follen kräftiger und andauernder wirken. Die Einrichtung war im Ganzen einfach und bei den kurzen Proben, welchen Referent beiwohnte, ging der Stuhl ganz vortrefflich. Auf beiden Seiten des Stuhles nahe dem Boden ift eine eiferne Spindel gelagert, um welche je fieben Drahtfedern gewunden und an einem Ende in der Spindel felbft befeftigt sind; das andere hervortretende Drahtende legt fich um eine fefte Stange parallel zur Federfpindel. Mit Hilfe einer Herzfcheibe an Webereimafchinen. 13 der Stuhlwelle werden nun die beiden Federfpindeln abwechfelnd langfam gedreht und dadurch die Drahtfedern angefpannt. Sowie nun der Schützenfchlag erfolgen foll, wird durch einen Daumen an der Stuhlwelle ein Gefperre, welches die Federfpindel bisher zurückgehalten hat, ausgelöft und durch einen kurzen Arm unter Vermittlung eines Riemens der Schützentreiber angezogen, d. h. die Schütze abgefchnellt. Auf der anderen Seite des Webftuhles findet inzwifchen in ganz derfelben Weife das Anfpannen der anderen dafelbft befindlichen Federfpindel ftatt, um fodann die Schütze zurückzutreiben u. f. w. Die Anordnung ift eine Verbefferung der unter dem Namen Terrel im Jahre 1870 in Amerika patentirten Federfchlagvorrichtung.* Zur rafchen Abftellung des Stuhles war ftatt der gewöhnlichen Riemenfcheiben eine Triebrolle mit der ebenfalls fchon durch ihre Patentbefchreibung bekannt gewordenen Alle n'fchen Frictionskupplung** vorhanden. Während wir der Federfchlagvorrichtung einige Bedeutung beilegen, glauben wir dagegen nicht, dafs die Dispofition der Triebfcheibe in der vorliegenden Form, wiewohl die Kupplung vortrefflich ein- und ausrückt, viel Nachahmung finden wird. Uebrigens ift die Anwendung der Triebrolle mit Frictionskupplung bei Webftühlen nicht neu. In gleicher Abficht, nämlich die Schützenbewegung vom fchnellen oder langfamen Gang des Stuhles unabhängig zu machen, hat die Firma Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz ihre fpeciell für Seidenftoff- Fabrikation conftruirten Stühle mit Federabfchlag eingerichtet. Hier liegt auf beiden inneren Seiten parallel zu den Geftellwänden des Stuhles eine kräftige Feder, welche an einem Ende um einen Zapfen gewunden, am anderen fehr lange vorftehenden, freien Ende mit dem Spannhebel verbunden ift. Der letztere ſpannt bei jedem Umgange der unteren Stuhlwelle durch einen Daumen die Feder, deren Gefperre im Moment des zu erfolgenden Schuffes durch die Lade bei ihrem Rückgange ausgelöft wird. Das Auslöfen der Schlagfeder kann auch von Hand erfolgen, fo dafs der Arbeiter beim Anlaffen der Mafchine Schufs von links oder von rechts geben kann. Schmid hat noch verfchiedene, nicht gering zu fchätzende Verbefferungen an feinen Webftühlen angebracht, welche an Ort und Stelle gründlicher kennen zu lernen uns leider nicht vergönnt wurde; trotzdem möchten wir unfere Seidenweber auch auf diefe Firma nachdrücklich aufmerkfam machen, welche in ihrer Seidenftoff- Fabrik Gelegenheit findet, alle Conftruction en vor ihrer Einführung in andere Webereien gründlich zu erproben. Die Schützenbewegung bei einem 6.7 Meter breiten Webftuhl für Segelleinwand, welchen die Sächfifche Webftuhl- Fabrik( vormals Louis Schönherr) in Chemnitz exponirt hatte, erfolgte auf die bei SchönherrStühlen bekannte Weife, in Rückficht jedoch auf die aufserordentliche Länge der Schützenbahn mit doppelt neben einander angeordneten Federn. Gröfsere Schwierigkeiten bot bei diefem ungewöhnlichen Stuhle die Herftellung der paffendften Unterftützung des Kettenbaumes und der Streichbäume, welche fich bei fo bedeutender Länge unfehlbar einbiegen und dadurch die Leiftung des Stuhles fchliefslich geradezu unmöglich machen würden. Defshalb hat Schönherr den langen Kettenbaum getrennt, die beiden Hälften neben einander angeordnet und die zufammenftofsenden Enden derfelben in einem eigenen gufseifernen Mittelſtänder gelagert. Auf diefem Ständer liegt hinten der Streichbaum, auf einem unter der horizontal ausgefpannten Kette fich nach vorwärts erftreckenden Arm der Bruftbaum und endlich auf einem zweiten nach * Vergleiche Scientific American, December 1870, Seite 400 und daraus u. a. in Dingler's polytechn. Journal, 1871, Band CXCIX, Seite 508. ** Ebendafelbft, Juni 1871, Seite 390, bezieh. Band CCI, Seite 285. S 14 Johann Zeman. aufwärts gekrümmten Arm der eiferne Verbindungsriegel der Geftellwände. Von diefem Querriegel geht eine Schnur zu der über den Bruftbaum fich erftreckenden Ausrückftange. Am äufserften Ende der beiden Kettenbäume find die bekannten Bremfen angebracht und der Regulator am Zeugbaum. Wenn nun auch die Kette hinten durch den Mittelftänder in zwei Hälften getheilt ift, fo vereinigen fich die Fäden vorne doch fo vollkommen, als ob fie von einem ununterbrochenen Kettenbaum fich abwickeln würden. Der von der renommirten Firma George Hodgson in Bradford ausgeftellt gewefene Rips ftuhl, welcher in Frankreich, Deutſchland( Elfafs), Oefterreich und anderwärts grofse Verbreitung gefunden hat, war mit einer neueren Dispofition der Bremsvorrichtung für den Kettenbaum verfehen, welche aus Ketten, Winkelhebeln und einem Waagegewichte fo zufammengefetzt ift, dafs die Bremfung auf beiden Seiten des Kettenbaumes ftets gleichmäfsig vertheilt wird. Gröfseres Intereffe beanspruchte aber ein vom Werkmeifter diefer Firma J. Oldfield uns vorgelegter kleiner Apparat, in welchem eine neue Idee zur Fadenbewegung bei der Fachbildung auf Webftühlen und zwar zunächft für Gewebeleiften in höchft finnreicher Weife ausgeführt war. - Wenn auf einem Webftuhle mehrere Breiten nebeneinander erzeugt werden follen, dann erhalten die einzelnen Streifen an der Verbindungsftelle, welche nachträglich aufgefchnitten wird, feftere Leiften dadurch, dafs man diefe mit gekreuzter Kette webt. Es werden die Kettenfäden an den Rändern der Gewebeftreifen nicht wie gewöhnlich ins Fach genommen, fondern durch eine vom Gazegewebe her bekannte Litzenanordnung. Mit dem Oldfield'fchen Fachbilder wird die Bindung der Leiften- Kettenfäden nun nicht mit gekreuzten, fondern mit ununterbrochen in einem Sinne herumgedrehten Kettenfäden erzielt. Es findet thatfächlich ein Zwirnen je zweier zufammengehörigen Kettenfäden ftatt; doch liegen zwifchen den einzelnen Drehungen die Schufsfäden, welche dergeftalt fefter umfchlungen die Leifte ficherer zufammenhalten follen.* Es liegt nun nahe, den Oldfield'fchen Apparat bei der Fachbildung für Gazegewebe überhaupt in Anwendung zu bringen. Wenn man aber ftatt der continuirlichen Drehung eine ofcillirende Bewegung des die Fäden tragenden Spulenringes eintreten läfst, fo erzielt man die reine leinwandartige Bindung in einer von der bisherigen vollkommen abweichenden Weife, worauf von anderer Seite näher hingewiefen wurde.** Bei der Aufzählung der Neuerungen in den verfchiedenen Bewegungsmechanismen beziehungsweife Conftructions details der mechanifchen Webftühle für glatte Waare etc. haben wir die von Cafpar Honegger in Rüti( Schweiz) ausgeftellten Webftühle für Seidenftoff- Fabrikation bisher unerwähnt gelaffen, um diefelben wegen ihrer hervorragenden Bedeutung und ihrer intereffanten Verbefferungen im Zuſammenhange vorzuführen. Honegger hatte ausgeftellt: 1. Webftuhl für Marzellin oder Doppeltafft, auch für leichtere Seidenftoffe wie Tafft. Schaftbewegung bei entlafteten Flügeln. Verbefferte Aufwindung. Fliegendes Rietblatt mit regulirbarer Spannung. - 2. Webftuhl für fchweren Tafft fogenannten Failles( Lyoner Waare). Verbefferte Gefchirrbewegung. Aufwindung wie vorher. Freier Blattfchlag( battant libre) mit Regulirung des Momentes und der Kraft des Schlages. Roftförmige Schützenbahn zur Schonung der Seidenkette. * Abgebildet und näher befchrieben in Dingler's polytechnifchem Journal, 1873, Band CCIX, Seite 169. ** Vergleiche Dr. H. Grothe in der ,, Allgemeinen deutfchen polytechnifchen Zeitung" 1874, Seite 245. Webereimafchinen. 15 3. Webftuhl für Serge und Satin etc.- Trittvorrichtung mit auswechfelbaren Excenterfcheiben. Aufwindung wie oben. Fliegendes Blatt mit regulirbarer Spannung. Zur näheren Erläuterung der vorftehend nur kurz angedeuteten Neuerungen übergehend, betrachten wir zunächft die Schaftbewegung. Bei dem Marzellinftuhl hängen die Schäfte( Flügel) an je zwei kurzen Sectoren, welche auf einer, parallel zur oberen Verbindungstraverfe der beiden Geftellwände gelagerten, dünnen Welle A links und rechts befeftigt find. Die untere Schaftleifte ift mittelft Schnur an den horizontalen Arm eines Winkelhebels B geknüpft, an deffen anderem aufrechten Arm eine mittelft Flügelmutter mehr oder weniger ſpannbare Spiralfe der wirkt. Die Drehachfe des winkelförmigen Schafthebels B geht unten nahe dem Boden durch eine Geftellwand hindurch und trägt aufsen einen Arm C. Oberhalb desfelben ift auf der Schaftwelle A ein Doppelhebel D aufgefetzt, welcher an feinem vorderen Ende durch ein Stängelchen mit dem Arm C verbunden ift. Ein zweites Stängelchen verbindet das hintere Ende des Schafthebels D mit dem unterhalb der unteren Stuhlwelle auf der Aufsenfeite der Geftellwand angebrachten Tritt. Wird alfo der Tritt niedergedrückt, fo dreht der Doppelhebel D die Schaftwelle A und der betreffende Flügel geht ins Oberfach. Gleichzeitig zieht der Hebel D durch den Arm C den Winkelhebel B fo an, dafs die Spiralfeder auf den Flügel vollkommen wirkungslos gemacht, derfelbe alfo völlig entlaftet ift. Sowie aber das Trittexcenter nachläfst, zieht die gefpannte Spiralfeder durch den Winkelhebel B den Doppelhebel D zurück, in Folge deffen die Schaftwelle A entgegengefetzt gedreht und der Flügel ins Unterfach herabgelaffen wird, ohne Zerrung oder plötzliches Anreifsen des Flügels, welcher dergeftalt factifch vollkommen entlaftet bleibt und ftets eine ruhige und zugleich genaue Bewegung beibehält, welche fowohl die Seidenfäden als die Litzen felbft fehr fchont. Die Verbindung zwifchen Doppelhebel D( an der Schaftwelle A) und Tritt ift keine fefte. Das Verbindungsftängelchen läfst fich in zahnartigen Einfchnitten verftellen, um den Ausfchlag, beziehungsweife die Höhe des Faches ( Sprunghöhe), nach Erfordernifs reguliren zu können. Es iſt felbftverſtändlich, dafs der Mechanismus, entſprechend den zwei Schäften, doppelt und zwar gegenfeitig verfetzt angeordnet ift. Eine andere, ebenfo ruhige, zuverläffige und finnreiche Flügelbewegung ift an dem achtfchäftigen Failles- Webftuh! angebracht. An dem oberen Querftege finden fich horizontal drehbar zwei conifche Büchfen mit je acht kreisförmig eingedrehten Rinnen; es fieht dadurch jede Büchfe wie eine achtläufige conifche Schnurrolle aus. In jeder Spur läfst fich an einem Stift ein Flügel einhängen, fo dafs im Stuhle bis acht Schäfte angebracht werden können, welche direct durch an den unteren Schaftleiften hängende Bleigewichte belaftet find. An dem hinteren Ende der Drehzapfen der Schaft- Aufhängerollen fitzen kleine Kegelrädchen im Eingriffe mit Radfectoren, welche auf einer Querwelle knapp oberhalb des Querfteges befeftigt find. Diefe Querwelle ift nun durch einen Arm und eine Verbindungsftange mit einer Kurbelfcheibe verbunden, welche am Ende der unteren Stuhlwelle aufgefetzt. ift. Bei Drehung derfelben wird alfo die Schaftwelle oben ofcilliren und demzufolge die Schäfte abwechfelnd heben oder fenken, da deren Aufhängefchnur das eine Mal rechts, das andere Mal links herum um die Aufhängerolle gelegt ift. Ein reines Fach wird dadurch erzielt, dafs die hinteren Schäfte immer grössere Sprunghöhe durch Aufhängen an einem gröfseren Radius der conifchen Aufhänge rolle erhalten. Zur Erleichterung der ganzen Bewegung fitzt an der Schaftwelle ein Gegengewicht, und zur bequemeren Erkennung der Fachhöhe dreht fich mit der Aufhängerolle ein Zeiger vor einem feften, eingetheilten Sector vorbei. 2 LA 16 Johann Zeman. Eine Aenderung der Fachhöhe läfst fich in naheliegender Weife durch Verrückung des Zapfens an der Kurbelfcheibe erzielen, welche die Aufhängerolle in hin- und wiederkehrende Drehungen verfetzt. Durch Verdrehung der Kurbelfcheibe felbft auf ihrer Welle kann ferner in der einfachften Weife das Zufammentreffen der Schlag- und Schaftbewegung ganz nach Belieben( Ladenfchlag bei ganz oder theilweife offenem, bei gefchloffenem oder gekreuztem Fache) regulirt werden. Defshalb fitzt die Kurbelfcheibe nicht feft auf der Stuhlwelle, fondern unter Vermittlung einer Zahnkupplung, deren eine Hälfte feft und deren andere Hälfte mit der Kurbelfcheibe verdrehbar aufgefchoben ift. Der Serge- Webftuhl zeigt eine von der vorhergehenden ganz verfchiedene Anordnung der Gefchirrbewegung. Die eigentliche Trittvorrichtung, das find die Tritte und die darauf ruhenden Excenter, befindet fich aufsen leicht zugänglich neben der Stuhlwand. Jeder Flügel hängt an zwei mit der oberen Stuhltraverfe parallel laufenden und mit einem Sector endenden Hebeln, welche unter fich fo verbunden find, dafs fie fich zufammen aufwärts oder abwärts drehen. Der äufsere der paarweife zufammengehörigen Schafthebel ift über die Stuhlwand hinaus verlängert, um mit feinem Tritt in Verbindung gebracht werden zu können. - Sämmtliche Tritte können durch einen Stellhebel auf einmal niedergedrückt, die Schäfte alfo alle auf gleiche Höhe gehoben werden zur Erleichterung des Einziehens gebrochener Kettenfäden, fowie zum Schliefsen des Faches, wenn der Stuhl aufser Thätigkeit gefetzt wird. -- Eine weitergehende und wohl beachtenswerthe Schonung der Seidenkette- nicht bei ihrer Bewegung zur Fachbildung, fondern gegen die Reibung durch das unausgefetzte Hinüber und Herübergleiten der Schütze über die ins Unterfach gelangenden Fäden hat Honegger bei feinem Failles- Webftuhl dadurch zu erreichen gefucht, dafs die Schützenbahn( die obere Seite des Ladenklotzes) roft artig durchbrochen ift. Zwifchen die einzelnen Klingen diefes auf dem tiefer ausgefchnittenen Ladenklotz eingefetzten ftählernen Roftes legen fich die Unterfachfäden und kommen dadurch aufser Bereich der Schütze, welche bei der gewählten Roftweite anftandlos ihren Weg von einem Kaften zum anderen zurücklegt. Die Aufwindung bei den Honegger'fchen Seidenftühlen betreffend, fo wird die Waare auf eine Rolle aufgenommen, welche feft gegen die vom Regulator aus betriebene Einziehwalze angedrückt wird. Diefe Einziehwalze ift jetzt mit Kautschuk bekleidet, auf welchem der Stoff, ohne eine der älteren Spannvorrichtungen, die denfelben trotz zarter Ausführung immer noch zu ftark angriffen, fchön glatt und gefpannt gehalten wird. Damit der Stoff nicht befchädigt werde, ift die Kautfchuk- Einzieh- und Spannwalze auf der dem Arbeiter zugekehrten Seite mit einem Schutzbret bedeckt, welches rechts und links auf den Seitenwänden aufruht. Neben der zweckmäfsigen Dispofition des Regulators ift noch die Druckvorrichtung und deren bequeme Auslöfung anerkennend hervorzuheben. Eine unter der Einziehwalze nahe dem Boden angebrachte Welle trägt einen nach hinten fich ausftreckenden Gewichtshebel, welcher zwei kurze Arme an diefer Welle mit dem erforderlichen Druck gegen die an beiden Enden des Waarenbaumes angebrachten verticalen Lagerungshebel anprefst. Aufserhalb der Stuhlwand fitzt auf der Druckwelle ein Handgriff( mit Gefperre), welcher vorwärts oder rückwärts gedreht werden kann mit dem Erfolge, dafs entweder der Druck des Belaftungsgewichtes auf den Waarenbaum aufgehoben oder aber wirkfam gemacht wird. Haben nun alle bisher fkizzirten Mechanismen einen grofsen Einfluss auf die Leiftung des Webftuhles, fo werden fie alle durch die Ladenbewegung an Wichtigkeit überboten, in Folge der Wirkung des Ladenfchlages auf die Qualität der Waare. Gerade in diefer Beziehung war der Hand Seidenftuhl fo fchwierig Webereimafchinen. 17 von dem Kraftftuhl zu verdrängen, indem die Regulirung des Ladenfchlages den Conftructeuren lange nicht in gewünſchtem Mafse gelingen wollte. Honegger ift diefer Schwierigkeit glücklich beigekommen. Er liefs die bekannte Ladenbewegung von der Kurbelwelle aus unverändert; aber indem das Rietblatt eine gewiffe Beweglichkeit und Regulirbarkeit erhielt, wurde es möglich, einen jeden Kraftftuhl dem jeweiligen Materiale entſprechend vorzurichten, den Ladenfchlag wie beim Hand- Webftuhl zu modificiren, fowie durch ein nachgiebiges Blatt ein Verderben der Waare durch zu ftarken Schlag fozufagen ganz unmöglich zu machen.* - - Bei dem Webftuhle für Marzellin fahen wir zunächft eine Lade mit fliegendem Blatt. Letzteres wird unmittelbar vor dem Anfchlag durch Winkelhebel, welche beiderfeits auf einer parallel hinter dem Ladenklotze gelagerten Achfe fitzen, feftgeftellt, indem der horizontale Arm der Winkelhebel unter je einem bei gewöhnlichen Webftühlen bekanntlich ganz feften Backen hingleitet und dadurch den verticalen Arm feft gegen die untere Blattleifte anprefst. Macht man aber diefe Backen beweglich, indem jeder derfelben an einem mittelft Stellfchraube höher oder tiefer zu fetzenden Arm drehbar angebracht und unter die Einwirkung einer mittelft Flügelmutter ftärker oder fchwächer zu fpannenden Spiralfeder geftellt wird, fo hat man ein bequemes Mittel an der Hand, durch diefe Spannfedern einen mehr oder weniger kräftigen Schlag der Lade zu geftatten oder nach den Worten des Conftructeurs die Spannung des Blattes" zu reguliren, wie diefs einem leichteren oder fchwereren Stoffe angemeffen ift, und wie diefs bei einem Handftuhl vom Arbeiter durch eine kleine oder grofse Schwingung der pendelnden Lade oder auch durch verfchiedene Aufhängung derfelben erreicht wird. Bei ganz fchweren Seidenftoffen, welche auf dem neuen Failles Webftuhl erzeugt werden, ift der Schlag noch finnreicher eingerichtet und von dem todten Punkt der Kurbelbewegung ganz unabhängig gemacht. Das Blatt ift mit einem Rahmen drehbar um eine hinreichend tief unterhalb des Ladenklotzes gelegene Achfe in die Lade eingefetzt und macht mit letzterer durch Kurbelbewegung die Schwingungen vorwärts und rückwärts. Durch eine Spiralfeder wird der Blattrahmen, wenn vorher um feine Drehachfe nach hinten gedreht, wieder in die Normalpofition zurückgefchnellt. Denkt man fich nun diefes Zurückfchnellen des Blattes im äufserften Stande der Lade bei ihrer Vorwärtsbewegung thatfächlich ausgeführt, fo hat man darin ein Mittel, durch Anziehen der Spannfeder einen beliebig ftarken und doch elaftifchen, in allen Fällen aber rafchen, momentanen Schlag auszuführen, welcher den gerade ein. gelegten Schufs wirkfamft an den vorhergehenden Eintrag anfchiebt. Nun ift an dem Blattrahmen zu beiden Seiten ein Arm angelenkt, der durch eine Schlitzführung unter eine gewiffe Lage nicht fallen kann. An dem hinteren freien Ende diefes Armes ift ein Zapfen angefetzt, welcher beim Rückgange der Lade über einen fchräg abgerichteten Backen am Stuhlftänder hingleitet. Schiebt aber die Kurbelwelle bei ihrer Bewegung die Lade nach vorwärts, fo mufs der Zapfen unter die fchief abgerichteten Backen zurück, wobei dann - weil der Arm nicht weiter ausweichen kann der ganze Blattrahmen um feine Achfe gedreht und das Blatt fozufagen zurückgehalten wird. Sowie die Lade ihrem äufserften Stande fich nähert, verläfst der Zapfen den fixen Backen, und das Blatt fchnellt durch den Zug einer Spiralfeder in die verticale Lage zurück, indem es dabei feinen Schlag auf den Schufs ausübt. * Ein nachgiebiger Anfchlag ift uns nur durch die Ladenbewegungen von J. Osbaldefton( Patent 1842) und J. Railton( Patent 1842) bekannt geworden, wobei die Nachgiebigkeit durch Einschaltung einer Feder in der die Lade treibenden und aus zwei Theilen zufammengefetzten Kurbelftange erzielt wurde. Vergleiche Profeffor Kohl: ,, Zufammenftellung der verfchiedenen Ladenbewegungen an mechanifchen Webftühlen" in den Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1872, Heft 6. 2* 18 - Johann Zeman. - Je nachdem man die Backen an den Seitenwänden weiter vor- oder zurück. fchiebt und zu diefem Zwecke ift jeder Backen in einer Schlitzführung mit Hilfe einer Stellfchraube verftellbar wird das Rückfchnellen des zurückgehaltenen Blattes etwas später oder früher erfolgen und, je nachdem man die Blattfpannfeder mehr oder weniger angezogen hat, wird der Schlag kräftiger oder fanfter ausfallen- Umstände, welche die Bezeichnung, battant libre" oder ,, freier Blattfchlag" in dem Sinne vollkommen rechtfertigen, dafs es dem Arbeiter vollkommen freigelaffen ift, durch Stellung des Mechanismus den für das zu verwebende Material, für die zu erzielende Waarenqualität denkbar beften Schlageffect, wie der Handweber mit feiner Pendellade, zu erzielen, zumal noch durch eine Stellfchraube der Verdrehungswinkel des Blattes variirt und dadurch die Gröfse der Blatt- Schlagbewegung regulirt werden kann. Die einer Abnützung ausgefetzten Theile diefer Schlagvorrichtung find folid aus Stahl hergeftellt, fo dafs die Gewähr einer grofsen Dauer und unverändert guten Wirkfamkeit geboten ift. In wieweit der Laden- oder Blattfchlag bei offenem oder gefchloffenem Fach gegeben werden kann, ift fchon oben bei der Gefchirrbewegung bemerkt worden. Es bleibt uns fomit, um diefe intereffanten und lehrreichen Ausftellungsobjecte zu erledigen, nur noch übrig, die Conductorfchütze zu erwähnen, welche Honegger für feinen Faillesftuhl conftruirt hat, um den Faden möglichft weit in die Spitze des Faches einzulegen, fo dafs er beim Ablauf von der Schütze nicht zu lang, der Stoff nicht kraus, fondern feiner Qualität entſprechend möglichft glatt werde. Für leichtere Waare bleibt die fchon feit der Parifer Ausftellung bekannte Schütze in Verwendung. Der Hauptkörper der Conductorfchütze ift fymmetriſch gebaut wie alle Schnellſchützen; an der vorderen Seite jedoch, welche der Spitze des Faches zugekehrt ift, fchliefst fich an den Schützenkörper eine allmälig verjüngte Ausbauchung an. Der von der Schleiffpule abgehende Faden tritt, nachdem er die eine oder die andere Spannvorrichtung paffirt hat, durch ein in der Mitte des Schützenkörpers und der Ausbauchung( Conductor) durchbohrtes Loch heraus. Im Uebrigen ift in diefem Capitel kaum mehr etwas Befonderes vorzubringen. Felix Tonnar in Dülken führte den Sallier'fchen Webftuhl vor, welcher von der Parifer Ausftellung her bekannt ift.** Demfelben war, um jedes beliebige einfache Muftergewebe herftellen zu können, eine einfache, in der Seidenweberei vielfach gebräuchliche Kamm- Mafchine( Schaftmafchine) beigegeben. Von öfterreichifchen Ausftellern haben wir Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz bereits erwähnt. Bei den Tannwalder Webftühlen, welche in Böhmen ziemlich verbreitet find, ift das Leder auf ein Minimum reducirt und meift durch Stahlfedern erfetzt. Der ausgeftellte 5fchäftige Cloth- oder Atlas ftuhl derfelben Firma ( k. k. priv. Tannwalder Baumwoll- Spinnfabrik) war mit Unterfchlag im Gange für 100er Kette und 120er Schufs; 75 Fäden per 4 Zoll. Die Tritt. vorrichtung kann mittelft Wechfelräder und zugehörigen Trittherzen auf zwei bis fünf Schäfte gewechfelt werden. Erwähnen wollen wir hier fchon den von der gleichen Mafchinenfabrik ausgeführten dritten Webftuhl mit einer einfachen Schaftmafchine, bei welcher die Bewegung der Platinen für die Schäfte und die Drehung des Jacquard cylinders von einem Excenter an der unteren Stuhlwelle erzielt wird. * Vergleiche den officiellen Ausstellungsbericht vom Jahre 1867, Band IV, Seite 595; ferner Dr. H. Grothe: Spinnerei, Weberei und Appretur auf der Weltausftellung zu Paris 1867.( Julius Springer. Berlin 1868.) ** Ebendafelbft Seite 595, beziehungsweife Seite 88 und 89. Webereimafchinen. 19 Gottfried Bernhardt in Wien hatte einen Drahtwebftuhl für Metalltücher und daneben eine Mafchine zur Herstellung von Drahtgeflechten, deren hübfches Princip bereits bekannt ift,* ausgeftellt. B. Wechfelftühle und Schaftmafchinen können wir hier ohne Zuhilfenahme von ausführlichen Figuren, welche allein das Referat verftändlicher machen würden, nur kurz behandeln. Auch wollen wir uns wie früher darauf befchränken, auf neuere Conftructiondetails hinzuweifen und uns einer vergleichs. weifen Kritik der verfchiedenen Stuhlfyfteme enthalten. Sind doch hierin die Weber felbft nicht immer übereinftimmender Anficht, und unfere eigenen noch nicht abgefchloffenen Erfahrungen geftatten uns nicht, an einer Stelle, welche wie keine andere die ftrengfte Objectivität bedingt, für die eine oder für die andere Stuhl conftruction befondere Partei zu ergreifen, und diefs um fo weniger, als man diefs berührt fpeciell die Tuchftühle von Schönherr und CromptonHartmann in vielen beftgeleiteten Etabliffements verfchiedene Syſteme in friedlicher Concurrenz neben einander arbeiten und neben einander fich vermehren fieht; wohl nur ein deutlicher Beweis dafür, dafs jedes Syftem eigene Vorzüge befitzt, aber eines dem anderen nicht geradezu als überlegen bezeichnet werden kann. - In Buntwebftühlen waren die Schweizer durch Efcher- Wyfs, Honegger und Socin Wick, England blofs durch Hodgfon vertreten. Einen neuen Webftuhl ſpeciell für Seidenftoffe( Gros d'Afrique etc.) hatte, wie wir leider erft nach Schlufs der Ausftellung unterrichtet wurden, die Firma Gebrüder Schmid& Comp. in Bregenz ausgeftellt, deffen Neuerungen wir eventuell auf anderem Wege veröffentlichen wollen. Der Honegger'fche Buntwebftuhl ift von Paris her wohl bekannt.** Das zur Hebung des Platinenmeffers dienende Excenter fafs früher feft aufgekeilt auf der unteren Stuhlwelle. Um nun jede Gefahr eines etwaigen Bruches beim zufälligen Steckenbleiben des Wechfelkaftens zu vermeiden, ift diefes Excenter jetzt auslösbar, nämlich unter Vermittlung einer durch Federkraft zufammengehaltenen Zahnkupplung auf die Welle aufgefchoben. Das Gegengewicht für den Zellenkaften und die Spiralfeder am Abftofsarm find gemeinfchaftlich durch eine kräftige Spiralfeder erfetzt, welche nun zwifchen einem Fortfatz am Abftofsarm und einem Vorfprung am Hubhebel des Zellenkaftens angebracht ift. Der Buntwebftuhl von Socin und Wick in Bafel ein Spröfsling des vorhergehenden Syftemes- unterfcheidet fich hauptfächlich durch eine verfchiedene Führung der Kartenkette, nämlich unterhalb des Zellenkaftens ftatt in der Höhe, um den Zutritt des Lichtes auf die Arbeitsftelle nicht zu behindern. Damit wird aber die Handlichkeit der Wechfelvorrichtung wefentlich beeinträchtigt, während uns der Vorwurf einer fchlechten Dispofition mit Rücksicht auf das Licht bei Honegger'fchen Stühlen bisher nirgends entgegengebracht wurde. Efcher, Wyfs& Comp. in Zürich waren mit drei Wechfelftühlen für Buntweberei erfchienen, zwei davon mit einfeitigem Wechfelkaften, der dritte Stuhl mit dreizelligem Schützenkaften auf beiden Seiten. Auf diefem Lancirftuhl läfst fich bekanntlich der Eintrag Schufs um Schufs wechfeln. Eine nähere Darftellung der intereffanten Wechfelvorrichtung ift ohne Beihilfe von Zeichnungen gar nicht möglich. * Vergleiche Kick's Mittheilung in den Technifchen Blättern", 1870, Seite 231 und daraus u. a. in Dingler's polytechnifchem Journal, 1871, Band CXCIX, Seite 154. ** Befchrieben und abgebildet im officiellen Bericht vom Jahre 1867, Band IV, Seite 596 und Tafel 20 Johann Zeman. Der Buntwebftuhl von George Hodgfon in Bradford mit drehbarem fechszelligen Schützenkaften( Revolverlade) hat noch eine Auskehrvorrichtung für die Bewegung der Revolverbüchfe fowie der Kartenkette erhalten, fo dafs der Weber im Falle der felbftthätigen Abftellung des Stuhles bei ftattfindendem Fadenbruch oder Auslaufen des Fadens von der Schufsfpule, wobei gleichfalls die obige Auskehrung stattfindet, nicht mehr nach dem Schufs zu fuchen braucht, fondern ohne Rückdrehen nach frischem Einlegen der Schütze unmittelbar weiter arbeiten kann. Die Zugklinke für die Vorwärtsdrehung des Cylinders, auf welchem die Kartenkette weiterrückt, fowie die Winkelhebel, welche die beiden Platinen für die Mitnehmhaken der Revolverbüchfe nach Mafsgabe der Lochung in der Kartenkette zum oder vom Hebmeffer bewegen, ftehen durch zwei an beiden Enden einer horizontalen Verbindungswelle aufgefetzte Arme mit jener Ausrückfchiene auf der entgegengeſetzten Stuhlfeite in Verbindung, welche beim Ausbleiben des Schuffes durch den Gabel- Schufswächter den Stuhl in bekannter Weife zum Stillftand bringt. Sowie diefs thatfächlich gefchieht, wird auch fofort die Zugklinke am Kartencylinder gehoben, fomit eine etwaige Weiterdrehnng der Kette, wie diefs früher möglich war, hintangehalten. Gleichzeitig werden auch die beiden Hebel, die mit ihren Stiften in die Löcher der Karte einzufallen fuchen, fo gelüftet, dafs die beiden Platinen zurückgelegt und von dem etwa noch in die Höhe fchwingenden Meffer nicht mehr erfafst werden. Es entfällt alfo für die Revolverbüchfe jeder Anlafs zu einer Weiterdrehung. Nachdem diefe Sicherheitsvorkehrungen zu der fchon früher eingeführten Sperrvorrichtung, welche ein Ueberwerfen der Revolverbüchfe verhütet,* hinzugetreten find, kann Hodgfon die Gefchwindigkeit feines Wechſelftuhles nunmehr von 135 Schlägen bis auf 170 Schläge per Minute fteigern. Um diesen Ausfteller zu erledigen, erwähnen wir anfchliefsend feinen neuen Tuchft uhl mit fchwingendem zweizelligen Schützenkaften auf beiden Seiten, zu welchem verfchiedene Neuerungen zu bemerken wären. Die erbetene Patentfpecification ift uns aber leider nicht überfendet worden; auf eine unverläfsliche Erinnerung hin möchten wir aber keine Skizzirung wagen, zumal diefer Stuhl wohl bald auf dem Continente heimisch und für ein gründlicheres Studium leichter zugänglich fein wird. Betrachten wir daher den anderen englifchen Wechfelftuhl mit Schaftmafchine für façonnirte Wollftoffe( unter anderen Buckskin), welche Platt Brothers& Comp. in Thätigkeit gefetzt hatten, fo ift am Webftuhl felbft auf die bemerkenswerthe Aufwindebewegung hinzuweifen, in welcher fich eine ältere Idee in vollkommenster Weife conftructiv ausgeführt findet. Der Zeugbaum nimmt die Waare nach Mafsgabe des durch einen Rädermechanismus fucceffive gedrehten Kettenbaumes auf. Diefer Mechanismus wird durch die Vorwärtsfchwingung der Lade in Gang gefetzt, indem hierbei die Druckklinke eines Sperrrades eine horizontal und parallel neben der Stuhlwand gelagerte Achfe umdreht, welche hinten durch zwei Zahnrädchen das Schneckengetriebe am Kettenbaum bewegt. Die Schaltrad- Klinke kommt bei jeder Ladenfchwingung an den gleichen Endpunkt ihrer um die Drehachfe des mitzunehmenden Rades alternirenden Bogenbewegung. Aber indem man deren rückläufigen Leergang je nach der ftärkeren oder fchwächeren Spannung der Kettenfäden variiren läfst, wird die Klinke um eine gröfsere oder geringere Zahl von Zähnen zurückfallen, und es kann in Folge deffen bei der nächften Schaltung und Drehung der Kettenbaum mehr oder weniger Kette abgeben, und dergeftalt die Kettenfpannung innerhalb gewiffer enger Grenzen ftets gleichmässig erhalten werden. * Englifches Patent vom Jahre 1865; mitgetheilt im„ Polytechnifchen Centralblatt", 1865, S. 598. Webereimafchinen. 21 Um die Spannung der Kette auf die Bewegung des Radgefperres, welches vorne unter dem Waarenbaum disponirt ift, einwirken zu laffen, ift der hinten über dem Kettenbaum befindliche Streichbaum nicht feft, fondern links und rechts in dem verticalen Arme je eines um feine Achfe drehbaren Winkelhebels eingehängt. Der verticale Arm des einen diefer Lagerhebel fteht durch ein Hebelwerk mit der Klinke am erwähnten Radgefperre in folcher Verbindung, dafs bei veränderter Spannung der Kette die Klinke bei ihrem Rückgange über weniger, eventuell über keinen Zahn des Schaltrades zurückgeht und umgekehrt bei der ftärksten zuläffigen Spannung der Kette das Maximum ihres Rücklaufes erreicht. Es wird fodann beim nächften Ladenfchlag, wie oben angedeutet wurde, die Abwicklung am Kettenbaum dem entſprechend gröfser oder kleiner, correfpondirend mit der durch den Eintrag bedingten verfchiedenen Aufarbeitung der Kette. Die Abwindewelle ift vorne, um die Abwicklung der Kette auch von Hand zu ermöglichen, mit einem Handrade verfehen. Bei dem gleichen Stuhle könnte noch von den verfchiedenen Verbefferungen jene in der Cylinderbewegung der Schaftmafchine erwähnt werden. Jetzt beendet der Cylinder vollkommen feine Drehung, ehe er gegen die Nadeln anfchlägt, während früher Dreh- und Anfchlagbewegung des Cylinders nicht fo ftrenge getrennt waren, um eine ganz präcife Wirkung zu erzielen, wie diefs bei der neuen Anordnung der Fall ift. So gelangen wir zu den unftreitig wichtigften Buckskin ftühlen Syftem Schönherr und Syftem Crompton Hartmann welche die beiden bekannten Chemnitzer Firmen zur Ausftellung gebracht hatten. Seit dem letzten Ausftellungsjahre 1867 hat der Schönherr- Stuhl aufser kleineren Modificationen nachftehende Verbefferungen erhalten: 1) die Einrichtung, um mit fünf Schützen zu wechſeln; 2) eine neue Schützenbremfe, mit welcher der Gang der Schütze fofort gehemmt werden kann; 3) eine Vorrichtung, um den Stuhl auszurücken, wenn die Lade am Anfchlag ift, mit welcher zugleich ein Räderfchutz verbunden wurde; 4) eine Einrichtung, dafs die Schützen nicht zufammentreffen, wenn eine derfelben in einen falfchen Schützenkaften gefteckt wurde; 5) einen neuen Schufswächter, welcher bei offenem Fach ausrückt. Ehe wir aber den ingeniöfen Schönherr'fchen Nadel- Schufswächter für Webftühle näher charakterifiren, fei erwähnt, dafs auch der Crompton Hartmann'fche Buckskinftuhl feit feiner Acquifition durch die Sächfifche Mafchinenfabrik( vormals Richard Hartmann) in Chemnitz wefentlich verbeffert worden ift. Das Einrücken und Ausrücken des Stuhles erfolgt fofort durch eine hölzerne Stange vor dem Bruftbaum, und es läfst fich beim Ausrücken die Lade gleich fo ftellen, wie es zum Fadeneinziehen oder zum Schützeneinlegen erforderlich ift, ohne die Lade nach dem Ausrücken erft richtig ftellen zu müffen. Bleibt die Schütze im Fache ftecken, fo rückt der Stuhl in bekannter Weife aus; es wird aber die Lade durch Anfchlag einer Zunge an derfelben * Vergleiche die Befchreibung des Schönherr'fchen Tuchftuhles( ohne Schaftmafchine und Wechfellade) von Profeffor F. Kohl in den Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1871, Heft 5. " Ferne r enthält das Programm der königlichen höheren Gewerbefchule etc. zu Chemnitz, Oftern 1872, eine fehr lehrreiche Abhandlung von Profeffor H. Falke: Die Bewegungsmechanismen am Mafchinen- Webftuhl", worin auch die intereffanteften Theile obiger und anderer Webftühle mit Schaftmafchine und Wechfellade befprochen und abgebildet find. Der Crompton'fche Tuch- Webftuhl mit Schaftmafchine und Wechfellade ift von Profeffor Kohl in den Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1868, Heft 1 und daraus u. a. in Dingler's polytechnischem Journal, 1868, Band CLXXXIX, Seite 33 befchrieben worden. S 22 Johann Zeman. gegen die fogenannte Bufferfeder foweit zurückgeworfen, dafs man die Schütze aus dem Fache nehmen und in den Kaften ftecken kann. Dasfelbe gefchieht bei Fadenbruch oder Ausgehen des Schufsfadens, wenn die neue Schütze mit Schufswächter in Anwendung ift, worüber weiter unten das Nähere angeführt wird. Der Schützenfchlag erfolgt bekanntlich durch Schlagdaumen auf der unteren Stuhlwelle, welche verftellbar gemacht find, um die Schütze fchneller oder langfamer laufen laffen zu können. Durch die Schützen Fangvorrichtung wird der Treiber durch den Schlaghebel der ankommenden Schütze entgegengeführt, um deren Anprall zu mildern, beziehentlich jede Störung des Wechfels durch die Schütze und den Treiber hintanzuhalten. Auch das doppelte Abfchiefsen der Schützen, wenn zwei fich gegenüber ftehen und zufammenlaufen würden, ift zufolge der Dispofition des ganzen Schlagmechanismus verhütet. Die Ladenbewegung gefchieht bei den neueren Stühlen durch Kreisexcenter, wodurch mehr Platz im Stuhle gewonnen und der Lade mehr Stillftand gegeben wurde, während die Schütze durch das Fach hindurchgeht. Die Schaftmafchine wird nicht mehr durch eine Querweile von der Kurbelwelle, fondern mittelft Excenter von der unteren Stuhlwelle aus angetrieben. Im höchften Punkte bleibt die Mafchine kurze Zeit ftehen, folange nämlich die Schütze durch das Fach geht; dann fällt fie rafch zufammen, noch bevor der Zufchlag erfolgt. Die Regulirung des Einfallens der Schaftmafchine gefchieht durch Vorwärts- oder Rückwärtsftellen des Excenters auf der Stuhlwelle. Mit der neuen Wechfelvorrichtung kann der Schützenkaften geftellt werden, wie man nur immer will, mit Ueberfpringung des mittleren Kaftens, fo dafs man alle Schufsmufter innerhalb 5 Schützen mit drei Käften auf jeder Seite der Lade beliebig ausführen kann. Die Wechfelkarte befindet fich nun auf dem Schaftcylinder, und fomit drehen fich Schufsmufter und Schaftmufter ftets gemeinfchaftlich, was insbefondere beim Retourweben grofse Erleichterung bietet. Bei der ganzen Durchführung wurde Rückficht darauf genommen, den Gefammtmechanismus aufserhalb der Kettenfäden und der Waare zu legen, um alle fchädlichen Flecken durch herabtröpfelndes, eifenhaltiges Schmieröl zu vermeiden. Nach diefer Aufzählung der verfchiedenen Verbefferungen und Aenderungen an den weiteftverbreiteten Buckskinftühlen müffen wir zum Schlufs die Schufswächter, welche von allen Fortfchritten diefer Stühle die intereffanteften find, etwas näher ins Auge faffen, da gerade folche Sicherheitsvorrichtungen einen erhöhten Impuls zur Entwicklung der mechanifchen Weberei gewähren und da es wohl auch des Referenten Pflicht ist, unter den gerade nicht zahlreichen Novitäten, welche wir als Fortfchritte auf der„ Wiener Weltausftellung 1873" zu verzeichnen fanden, das wirklich originelle und durchfchlagend Neue befonders anerkennend hervorzuheben. Die Gabel- Schufswächter, d. i. der Mechanismus zum felbftthätigen Abftellen des Stuhles, im Falle der Schufsfaden abläuft oder reifst, können bekanntermafsen bei Wechfelftühlen mit zweifeitigem Wechfelkaften( alfo bei Buckskinftühlen), wenn von einer Seite zwei oder mehr Schüffe hintereinander abgehen, nicht in Anwendung gebracht werden. Um nun das die Webftühle bedienende Perfonal beffer auszunützen, und um auch die Leiftungsfähigkeit diefer Stühle zu erhöhen, war man feit länger fchon auf die Erfindung eines geeigneten Schufswächters bedacht. Vor etwa vier Jahren ift diefs in einer für die Praxis befriedigenden Weife zuerft der Sächfifchen Mafchinenfabrik( vormals Richard Hartmann) durch Einführung einer Schütze mit Schufswächter gelungen- eine Einrichtung, bei welcher der Mechanismus zur Einleitung des Stillftandes in der Schütze felbft angebracht ift, daher der Name Schützen Schufswächter Webereimafchinen. 23 wohl gerechtfertigt erfcheint. Derfelbe functionirt in Verbindung mit jener Abftellvorrichtung, welche felbftthätig beim Steckenbleiben der Schütze im Fach einfetzt. Der von der Schützenfpindel ablaufende Schufs paffirt vor dem Heraustreten aus der Schütze das Oehr eines zweiarmigen Hebels, welcher in Folge deffen auf diefer Seite durch die Fadenfpannung entgegen feinem Uebergewichte in gehobener Stellung gehalten wird; der andere Arm verfchliefst hierbei in feiner gefenkten Lage ein Loch in der Schützenwand, wodurch das Eintreten eines Stiftes an dem federnden Backen der Schütze verhütet wird. Fehlt jedoch der Schufsfaden, fo fällt die Oehrfeite des Wächterhebels herab, und das Loch in der Schützenwand wird frei. Kommt daher die Schütze mit abgelaufenem oder abgeriffenem Schufs in den Kaften, fo drückt die Kaftenklappe den federnden Backen an der Schütze zufammen, und der Stuhl rückt aus gerade fo, als ob keine Schütze in dem Schützenkaften angekommen wäre.* Wie oben fchon erwähnt wurde, fpringt bei diefer Ausrückung die Lade fo weit zurück, dafs ohne weiters- alfo ohne Zurückdrehen der Lade der Schufsfaden eingelegt werden kann. - Die Erfchütterungen während des Laufes der Schütze fichern beim Fehlen des Schuffes das Niederfenken des Wächterhebels, wenn derfelbe nicht gerade durch Staub oder verharztes Oel feftgehalten ift. Darum ift bei diefem SchützenSchufswächter auf die Reinhaltung befonders zu achten, wenn der Apparat feinen Dienft nicht verfagen foll. Bei geringem, kurzfaferigem Eintrag verlegt fich nun allerdings der Wäch terhebel fehr leicht, wogegen der von der Sächfifchen Web ftuhl- Fabrik ( vormals Louis Schönherr) gelieferte Nadel- Schufswächter einem folchen Vorwurfe nicht ausgefetzt ift. Derfelbe repräfentirt eine ganz neue, finnreiche und bereits vollkommen ausgebildete Erfindung in der Webereibranche, der wir hier keine zweite zur Seite zu ftellen vermögen. Schönherr's Nadel- Schufswächter ift( wie der Gabel- Schufswächter) nach dem Fühlerfyfteme eingerichtet, d. h. derfelbe fühlt nach dem Vorhandenfein des Schuffes, um bei deffen Ausbleiben fofort die Einftellung des Stuhles hervorzurufen. Dabei unterfcheidet er fich höchft vortheilhaft vom Gabel- Schufswächter und vom Schützen- Schufswächter, dafs er bei mangelndem Einfchlag während des Laufes der Schütze durch das offene Fach und im Vergleiche zum Gabel- Schufswächter auch noch ohne Rückficht auf die Zahl der von einer Seite hintereinander abgehenden Schützen abftellt. Zugleich ift der Schön herr'fche Schufswächter auch an beiden Seiten des Gewebes wirkfam und feine Einrichtung bei allem fo einfach und verläfslich, dafs er mit Recht die Aufmerkfamkeit und Anerkennung aller Sachverständigen auf fich gelenkt hat. - Um diefe fchöne Erfindung hier wenigftens anzudeuten,** fo befindet fich auf jeder Seite des Gewebes eine nach zwei Richtungen drehbar aufgehängte, etwa 30 Millimeter von den äufserften Leiftenfäden entfernte Nadel aus fchwach gekrümmtem Stahldraht, welche während des Rückganges der Lade und vor Abgang der Schütze durch einen Mechanismus von der Hauptwelle aus fo geftellt wird, dafs der abgefchoffene Eintrag fich um die Nadel umlegen und dadurch diefelbe mit fortziehend bis zur Gewebeleifte hin verdrehen muſs. - - Gefchieht diefs, fo findet der Ausrückhebel ein Hindernifs, um den Stuhl in Stillftand zu fetzen. Fehlt aber der Schufs oder ift derfelbe zu kurz, alfo der Zug des übrig bleibenden Fadenftückes zu fchwach, um die Verdrehung der Nadel zur Gewebeleifte auszuführen fo fteht dem Ausrückhebel nunmehr nichts im als * Näher befchrieben und abgebildet in Dingler's polytechnifchem Journal, 1872, Band CCIII, Seite 4. ** Bezüglich der näheren Ausführung verweife ich auf meine unter den ,, Notizen aus der Wiener Weltausftellung" in Dingler's polytechnifchem Journal, 1873, Band CCX, Seite 241 u. ff. mit ausführlichen Abbildungen mitgetheilte Befchreibung. J. Z. 24 Johann Zeman. Wege, den Stuhl durch Auslöfung der Falle am Schlofsrad dem bekannten --fofort einzuZahnrad an der Hauptwelle des Schönherr'fchen Webſtuhles ftellen, ehe noch die Lade ihren Vorgang und die Schäfte das Fach zu wechfeln beginnen. Das doppelte Abfchiefsen der Schützen, wenn zwei in gegenüber liegenden Zellen ftecken würden, ift durch die Schlagvorrichtung felbft hintangehalten. Bei Anwendung des vorftehenden Nadel- Schufswächters wird aber in einem folchen Falle der Stuhl auch fofort abgeftellt und jeder Zeit- und Arbeitsverluft vermieden. Bevor wir weiterfchreiten, wollen wir noch über die neue und fehr hübfche Anordnung zum Feft halten der Spule in der Schütze referiren, welche die Sächfifche Webftuhl- Fabrik ebenfalls exponirt hatte. Statt des fonft üblichen federnden Scharnierftückes am Spulenhalter ( Zwecke oder Seele) ift um ein Scharnierband drehbar ein Keil in eine Nuth der Spulenzwecke eingelaffen in folcher Weife, dafs in aufgeklappter Stellung derfelben die Spule ungehindert auf- oder abgefchoben werden kann. Schlägt man aber den Spulenhalter mit der Spule in die Schütze nieder, fo wird durch das Scharnierband in Folge der gegenseitigen Lage der Drehachfe des Scharniers und der Spulenzwecke der Keil fo weit aufwärts getrieben, dafs die Spule ftets mit grofser Sicherheit feftgehalten wird, während bisher das allmälige Schlaffwerden der Feder mancherlei Störung verurfachen konnte.* - Ein Tuchftuhl nach Schönherr's Syftem war in der öfterreichifchen Abtheilung durch die Firma Sternikel und Gülcher in Biala, welche das Ausführungsrecht für Oefterreich erworben hat, ausgeftellt. Inwieweit die Combination diefes Stuhlfyſtems mit der Crompton'fchen Schaftmafchine, auf welche diefe Firma Patente erhoben hat, mehr als eine locale Bedeutung erlangen wird, mag die Erfahrung lehren. Max Strakofch in Brünn hatte ebenfalls einen Buckskinftuhl mit modificirter Crompton- Schaftmafchine exponirt, welcher indefs nur einen Uebergang zu einem gründlich umgeftalteten Syftem bilden follte, mit dem fich diefer gefchickte Conftructeur feit längerer Zeit fchon befchäftigt. Erwähnten wir die beiden letzten Ausfteller in diefem Berichte nur, um die befcheidene Betheiligung unferes Landes nicht ganz zu übergehen, fo müffen wir noch den Tuch- und Buckskinftuhl der Maschinenfabrik für mechanifche Weberei von Möhring& Comp. in Berlin wegen feiner Einfachheit und mancher gelungenen Conftructions details einer näheren Beachtung würdigen.** Die Ladenbewegung erfolgt durch Excenter, und die Regulirung der Aufwindung durch einen Schneckenregulator. Die Schützen werden durch eine nahe dem Boden ausgeftreckte Spiralfeder abgefchnellt. Der Schützenwechfel gefchieht in bekannter alter Weife durch Hebung der Wechſelkäften mittelft je einer neben der Stuhlwand angebrachten Mufterkette. Sinnreich und für uns neu ift die Schaftmafchine eingerichtet. Je ein Flügel hängt oben und unten zwifchen zwei Schafthebeln, deren jeder mit einer Platine, welche rücklings aneinander geftellt werden, verbunden ift. Durch Anwendung von zwei nach entgegengefetzten Richtungen fich bewegenden Mefferrahmen wird ein volles offenes und reines Fach gebildet rein, da die Meffer in Folge der an den Mefferrahmen angebrachten Verzahnung und darin eingreifenden feften Getrieben eine geneigte Lage annehmen und die hinteren Schäfte höher heben. Einen würdigen Abfchlufs diefer allerdings lückenhaft, aber nach dem vorliegenden Berichte denn doch nicht ganz fo dürftig befchickten Maſchinenclaffe, * Beschreibung mit Abbild. in Dingler's polytechn. Journal, 1873, Bd. CCX, S. 338. ** Bis auf die Schaftmafchine und eine etwas veränderte Schützenbewegung findet fich diefer Stuhl von Dr. H. Grothe befchrieben und abgebildet in der Zeitfchrift des Vereins der Wollintereffenten Deutfchlands", 1870, Seite 121 und Tafel VI. Webereimafchinen. 25 bietet die Besprechung der Revolver- Schaft mafchine von Gebrüder Gminder in Reutlingen, welche eine originelle und glücklich conftruirte Gefchirrbewegung repräfentirt, bei welcher weder die Jacquardmafchine noch eine Stiften oder Löcherwalze mit Platinen oder ähnlichen Theilen benützt wird. Wenn wir fchon die Revolver- Schaftmafchine mit etwas Bekanntem annähernd vergleichen follen, fo wäre es mit dem Mechanismus zum Heben und Senken der Wechfelkäften mittels einer fich drehenden Mufterkette; doch erfolgt bei Gminder die unmittelbare Wirkung auf die Schafthebel felbft ohne alle Zwifchentheile und Zwifchenbewegungen, wie denn auch die Deffinkette eine ruhige und continuirliche Kreisbewegung macht, ferner ein bequemes Umftecken der Trittrollen, daher eine beliebige Aenderung im Rapport ermöglicht ift. Zunächft gehört Gminder's Revolver- Schaftmafchine zu jener Claffe von Gefchirrbewegungen, bei denen mit dem Aufzug der Hochfchäfte nicht ein gleichzeitiges Niederziehen der Tieffchäfte verbunden ift; letztere werden aber durch Federn fo weit niedergehalten, dafs annähernd ein volles Fach entſteht. Die Flügel hängen an je zwei ungleicharmigen Doppelhebeln, deren einander zugewendete kürzere Arme in einander greifende verzahnte Sectoren befitzen. Wird der eine der zufammenarbeitenden Schafthebel gedreht, fo bewegt fich der andere im gleichen Sinne, um nämlich gleichmäfsig den Flügel zu heben oder dem Zuge feiner Feder entſprechend den Uebergang ins Tieffach zu geftatten. Eine ganze Reihe folcher Schafthebel ftecken nebeneinander auf zwei über den Verbindungsfteg der beiden Stuhlwände in einem Rahmen gelagerten Achfen. Denkt man fich nun oben auf dem kürzeren Ende eines der zufammengreifenden Hebelpaare einen paffend gekrümmten Anfatz( nennen wir denfelben Kopf des Schafthebels), fo werden bei jedesmaligem Niederdrücken desfelben die beiden nach links und rechts fich ausftreckenden Schafthebel und mit ihnen direct der angehängte Flügel gehoben. Der Lagerrahmen der Schafthebel ift nun in die Höhe beliebig fortgefetzt, um eine endlofe eiferne Doppelkette über zwei Kettenrollen aufnehmen zu können, von denen die untere durch Kegelräder und ftehende Achfe von der unteren Stuhlwelle continuirlich umgedreht wird. Es paffiren in Folge deffen die einzelnen Kettenbolzen in regelmässiger Aufeinanderfolge die Köpfe an den Schafthebeln, während die Glieder felbft, ohne anderen Zweck als jenen der Verbindung, aufserhalb der Schafthebel fich fortbewegen. Um nun eine Gefchirrbewegung zu erzielen, hat man nur auf die Kettenbolzen in regelrechter Vertheilung Rollen aufzufchieben, welche bei der Drehung der Kette auf die Köpfe der Schafthebel einwirken und die betreffenden Flügel der Reihe nach ins Oberfach heben. Da nun die Bewegungsübertragung derart erfolgt, dafs bei jeder Umdrehung der Kurbelwelle( entfprechend alfo einer halben Umdrehung der unteren Stuhlwelle) die Rollenkette um eine Theilung forfchreitet und eine beftimmte Partie der Schafthebel ins Hochfach verfetzt, fo ftellt fich in leicht begreiflicher Weife die erwünſchte Gefchirrbewegung nach Mafsgabe des in die Rollenkette niedergelegten Rapportes von felbft ein. Um einen richtigen Eingriff zu fichern, find die Köpfe an den Schafthebeln genuthet und die ebenfo breiten Rollen am runden Rand entſprechend V- förmig abgedreht, daher auch die Schafthebel vor allen Seitenfchwankungen bewahrt bleiben. Auch kann die Bewegung der Flügel durch fchickliche Wahl der Curven des Schafthebel- Kopfes mit fanftem Anhub und ebenfolchem Nachlaffen erfolgen. Der Lagerrahmen ift durch eingegoffene Querftege in den Seitenwänden fo eingerichtet, dafs die Rollenkette je nach dem Rapport verlängert oder verkürzt werden kann, wie denn auch das Umftecken der Rollen felbft rafch und ohne befondere Gefchicklichkeit vorzunehmen ift. S 26 Johann Zeman. Für ganz einfache Fälle, z. B. für ein vier- oder fünffchäftiges Mufter, läfst man die Rollen ftatt in Kettenführung in eine Trommel einfetzen, welche über den Schafthebeln in Rotation gebracht wird. Eine forgfältige Ausführung der Mafchine vorausgefetzt, wird der Verfchleifs der Rollen und der Schafthebel- Köpfe ein minimaler, und fo ergeben fich als Vortheile der Gminder'fchen Revolver- Schaftmafchine: fefte Bewegung und unmittelbare Uebertragung derfelben auf die Schäfte; Möglichkeit eines fehr rafchen Ganges ohne Zucken oder Auslaffen der Flügel; beliebiger Rapportwechfel innerhalb weiter Grenzen; Einfachheit und Verläfslichkeit des Apparates und andere mehr. Unter folchen Umftänden können wir uns nur dem Ausfpruche* anfchliefsen, dafs die Gmindner'fche Schaftmafchine zu den beften der bekannten Gefchirrbewegungen zu zählen ift. C. Eine durch erprobte und verbefferte Conftructionen fehr intereffante und inftructive Collection von Bandftühlen hatte die wohlbekannte Mafchinenwerkstätte von F. Kufsmaul Sohn in Bafel zur Wiener Weltausftellung eingefendet. Wir geben nachftehend eine kurze Ueberficht über die uns weniger bekannt fcheinenden Eigenthümlichkeiten diefer Stühle, wobei es wohl möglich fein kann, dafs wir da und dort Bekanntes anführten und neuere Anordnungen überfahen. Es mag diefs aber dadurch entfchuldigt werden, dafs unfere Literatur hier sehr wenig aufweift, und uns ein eingehenderes Studium der Bandftühle überhaupt bisher noch nicht im erwünſchten Mafse vergönnt war. Der fechsfchiffige, viergängige Seidenband- Stuhl war mit einem 1500er Schnur- Jacquard ausgerüftet, deffen Einrichtung wir bereits weiter oben ( Seite 10) bemerkt haben. Der Wechfel zum Heben und Senken der Schiffchen hat eine vereinfachte Einrichtung, welche alle Variationen auf und nieder geftattet. Das fertige Band wird durch einen Selbftregulator aufgezogen, und ftellt fich derfelbe für Brofchirfchüffe durch feine Verbindung mit dem Jacquard von felbft aus und ein. Am achtgängigen Tafftband- Stuhl war eine fogenannte Kreislade ( d. i. eine folche mit bogenförmiger Schützenbahn) angebracht, bei welcher bekanntlich mehr Gänge auf die Stuhlbreite kommen, wie bei Laden mit geraden Schützenbahnen. Die Gefchirrbewegung ift nach einem neuen Patent fo eingerichtet, daſs die Hoch- und Tieffchäfte nicht zugleich ihre Stellung zu wechfeln beginnen, und das Fach längere Zeit offen bleibt, wodurch einerfeits eine gröfsere Schonung der Seidenkette ermöglicht, und diefs ift befonders bei der jetzt üblichen Befchwerung der fchwarzen Seide fehr erwünſcht andererfeits eine vollkommenere Deckung des Schuffes und in Folge deffen fchöneres Anfehen des Bandes erzielt werden foll. - - Das zusammengehörige Flügelpaar hängt mittelft Schnüren und Drähten an Armen eines in der Höhe horizontal gelagerten Schaftbaumes, welcher durch eine Kurbel und Schubftange von der Stuhlwelle aus, und zwar vermittelft unrunder Zahnräder eine ungleichmäfsige Schwingung erhält. An den unteren Schaftleiften hängen Gewichte. Der fechsgängige, zweifchifflige Stuhl für Schuh- Elaftique von 180 Millimeter Breite hat entsprechend der fchwereren Waare, welche auf demfelben erzeugt wird, eine kräftigere Bauart wie Seidenband- Stühle. Es find vier Ketten vorhanden, welche wie beim Stoffweben auf Rollen aufgebäumt und hinten in das Stuhlgeftelle eingelegt find. Zwifchen der Oberkette( von feinerer Qualität Seide oder auch Baumwolle) und der Unterkette( geringerer Qualität) liegt die * Vergleiche Dr. H. Grothe in der ,, Allgemeinen deutfchen polytechnifchen Zeitung", 1873, Seite 390. Webereimafchinen 27 horizontal geführte Kautschukkette, welcher die fogenannte Stengelkette das find ftarke Baumwollfäden, auf einer eigenen Rolle aufgewunden beigegeben ift. Letztere hat bekanntlich den Zweck, ein zu ftarkes Anfpannen der Kautfchukfäden beziehungsweife ein Mattwerden oder Reifsen derfelben hintanzu halten. Zwei verfchiedene Wechfelräder laffen ein vier- oder fechsfchäftiges Arbeiten der Waare zu, und ein Wechfelkreuz dient zum Heben und Senken der Lade für drei oder vierfchüffiges Abbinden der Kette. - Die Aufwindebewegung ift eigenartig. Von der vorderen Streichwalze geht das Band herab um eine lofe Rolle a, dann über und um die Regulatorwalzė b beiläufig dreiviertel herum zwifchen diefer und einer Prefsrolle chérab zur Aufnehmrolle d. Die Rollen a und c find an derfelben Seite eines durch Gewichte belafteten Doppelhebels angebracht, doch derart, dafs nur die Druckrolle c, nicht aber auch die Leitrolle a gegen die Regulatorwalze anliegt. Da nun die Spannkraft des Elaftiquebandes die Rolle a in die Höhe zu heben fucht, fo vermehrt fich dadurch der Druck zwifchen b und c, fichert alfo auch bei erhöhter Spannung das richtige Abziehen der Waare. Hat man jedoch feidene Oberkette, fo darf nicht fo ftark geprefst werden, und das Band geht fofort von der Streichwalze herab zur Regulatorwalze b, hinten herum und zwifchen diefer und der Druckrolle c hindurch zur Aufwinderolle d. Der Regulator mufs nun umgekehrt fchalten. Der Hofenträger- Knopfloch- Stuhl ift zweifchiffig, mit feitwärts aufgefetztem Jacquard. Die Ketten find hier wegen geringer Breite nicht auf Rollen gewunden, fondern in der Höhe des Stuhles auf- und abgehängt und mit belafteten Rollen gefpannt. Eine eigene, hier aber ohne Skizze kaum deutlich zu machende Vorrichtung regulirt die Spannung der einzuwebenden Kautfchukfäden. Die Bandaufwindung ift verfchieden von der vorhergehenden. Von der Streichwalze gehen die Bänder herab zu zwei von beiden Seiten regulirten Walzen a und b, welche in geringem Abftande von einander parallel gelagert find, und zwar um die hintere Rolle a herum, dann über eine auf a und 6 frei aufgelegte, aber entſprechend belaftete Druckrolle c und zwifchen diefer und der zweiten Regulatorrolle 6 herab entweder zur Aufwindefpule d oder frei in einen Bandkaften. Im erfteren Falle erfpart man das fpätere Aufrollen, welches vor dem Appretiren der Waare ohne diefs ftattfinden mufs. Von Sammt ft ühlen hatte Kufsmaul zwei Exemplare aufgeftellt: der eine Stuhl für Sammtband mit geraden Leiften, der andere Stuhl für Sammtbänder mit façonnirten Kanten. Auf beiden Stühlen werden Doppelbänder gewebt, welche die Polkette zwifchen fich enthalten. Diefelbe wird durch Meffer, welche auf einer in flacher Bogenlinie hin- und herfchiebenden Latte befeftigt find, auf dem Stuhle felbft durchfchnitten, und dadurch auch das obere Sammtband vom unteren abgetrennt. Die hölzerne Mefferlatte ift, um jeder Deformation vorzubeugen, aus mehreren Lagen zufammengeleimt. von der Die beiden Grundgewebe werden in einem Abftand von 21 bis 3 Millimeter jedes für fich gewebt und durch die Polkette mit einander verbunden. Die Länge der nach dem Schneiden entſtehenden Florfädchen hängt nun Stellung des fogenannten Flor- oder Polregulators ab, da von diefem das Nachlaffen der Polkettenfäden abhängt. Durch Wechfelrädchen wird hier das Spiel einfach regulirt. Es ift dabei Rückficht zu nehmen, ob man zweifchäftigen oder vierfchäftigen Sammt herſtellt. ba Die billigere Sorte ift der zweifchäftige Sammt, welcher nachftehend im idellen Längenfchnitt des noch ungefchnitten gedachten Doppelbandes veranfchaulicht ist. 28 Grund Grund Johann Zeman. Polkette Polkette Man fieht auf den erften Blick, dafs die durchfchnittenen Polfäden im Tafftgewebe des Grundes nur an einer Stelle durch zwei benachbarte Schufsfäden gehalten find. Beim vierfchäftigen Sammt dagegen, welcher( bis auf die Kette der Grundgewebe) analog durch die zweite Skizze repräfentirt ift, werden die Polfäden nach je vier Schufs abgebunden und find alfo nach dem Durchfchneiden an zwei Stellen durch je zwei Schufsfäden feftgehalten; die aufgefchnittenen Florfäden können weniger leicht ausgezogen werden. Freilich webt fich die Polkette mehr ein, und find diefe Sammtbänder koftfpieliger. Grund Grund Polkette Polkette Beide Bandforten werden am einfachften hergeftellt durch Verwendung eigener Schützen für die obere und für die untere Grundkette, wobei die Leiften rein wie bei gewöhnlichen Bändern entſtehen. ( Man webt indefs auch in der Weife, dafs nur ein Schiffchen, diefes aber zuerft durch das Fach der oberen, dann durch jenes der unteren Kette u. f. f. geführt wird, indem man die Lade hebt und fenkt. In der gleichen Zeit kann man jedoch nur halb fo viel wie oben weben; ferner haben die beiden Grundgewebe an der einen Seite eine gemeinfchaftliche Leifte, welche alfo durch das Meffer mit aufgefchnitten werden mufs.) Der Stuhl für Sammtbänder mit façonnirten Kanten war mit Jacquard verfehen. Soviel über diefe Ausstellung, neben der nun noch die Bandftühle der Firma Felix Tonnar in Dülken bei Crefeld zu erwähnen find, welche den bisher in der Schweiz beinahe monopolifirten Bau von Seidenwebftühlen, fpeciell Bandftühlen, mit beftem Erfolge nach Deutſchland verpflanzt hat. Wir haben fchon oben die hübfche Spulmafchine von Tonnar befprochen, ferner den ausgeftellten Sallier'fchen Seidenwebftuhl und die dazu gehörige Kamm- Mafchine erwähnt. Hieran ift nun noch anzufchliefsen der SammtbandStuhl mit felbftthätiger Abftellung beim Sitzenbleiben der Schiffchen im Fach, das heifst bei irgend einem ungewöhnlichen Gange der Treibftange für die Schiffchen, um alle fonft etwa vorkommenden Webfehler oder Brüche zu vermeiden. Bei der Conftruction der Seidenbandftühie läfst fich Tonnar zunächft von dem Grundfatze leiten, alles Holzwerk am Stuhl möglichft zu befeitigen; es unterfcheiden fich daher feine Stühle von dem fchweizerifchen wie auch von den franzöfifchen Stühlen dadurch, dafs ftatt der hölzernen Traverfen eiferne ange wendet find, welche dem Stuhle ein leichteres Anfehen gewähren; ferner ift ftatt der hölzernen Führungslatte für die Meffer zum Schneiden des doppelten Sammtbandes eine eiferne Führungsfchiene angebracht. An Stelle der hölzernen Trit t- fcheiben find eiferne gefetzt, welche länger widerftehen und fich nicht leicht deformiren; die Flügel werden nicht an Darmfaiten, fondern an eifernen Ketten angehängt u. a. m. Webereimafchinen. 29 Anfchliefsend möge noch das naturgrofse Modell eines Dochtwebftuhles erwähnt werden, welchen die Pofamentierwaaren- und Dochtfabrik von Anton Ehrlich in Wien ausgeftellt hatte. Auf diefen Stühlen laffen fich nebeneinander herftellen: a) flache Dochte für Petroleumlampen; b) hohle Dochte für Rundbrenner; c) gefüllte Dochte für Bergwerkslampen und d) Banddochte, welche mittelft Jacquard gewebt werden und für Oel,( feltener Petroleum-) Lampen, fpeciell für Eifenbahnfahrzeuge, Verwendung finden. Den Schlufs diefes Abfchnittes bilde ein Hinweis auf das Kufsmaul'fche Syftem der Aufftellung von Bandftühlen in Shedanlagen.* Die Webftühle follen natürlich fo geftellt werden, dafs der Arbeiter fich felbft keinen Schatten wirft, insbefondere nicht beim Anknüpfen zerriffener Fäden. Hierbei mufs der Arbeiter mit der linken Hand die Fadenenden zufammenhalten und mit der rechten knüpfen; er mufs alfo die linke Hand deutlich beleuchtet finden, und diefs gefchieht, wenn das Licht von rechts in die linke Hand einfällt. Diefer Umftand bedingt allein die richtige Aufftellung gegen die Fenfter, deren Dispofition für fich durch die Himmelsgegend beftimmt ift. An den Bandwebftühlen gibt es nun herausragende Theile: Seitenjacquard, Trittwerke und dergleichen mehr. Diefe müffen, um keinen ftörenden Schatten zu werfen, an der linken Stuhlfeite angebracht werden und die anderen das Licht weniger hemmenden Mechanismen rechts am Stuhl. Da nun auch die Stühle links an die Säulenreihe im Shed angefchoben werden, wo die Transmiffion angebracht ift, fo wird nebftdem der am meiften Kraft verzehrende Jacquard etc. etc. fehr zweckmäfsig auf derfelben Seite angebracht fein, wo die directe Kraftübertragung ftattfindet. Die Transmiffionen werden in der Richtung von Often nach Weften gelegt, und die Stühle durch halbgefchränkte Riemen von oben angetrieben. Von Often aus gefehen drehen fich die Riemen von links nach rechts und fteht der abwärts gehende Riementheil fenkrecht. Die Befprechung der näheren Einrichtung des Shedbaues felbft gehört nicht hierher. Anhang. Was die ausgeftellt gewefenen Utenfilien und Hilfsapparate etc. etc. für Weberei betrifft, fo befchränken wir uns auf einige wenige Bemerkungen, da wir über die in Käften eingefchloffen gewefenen Maillons, Litzen, Riete, Schützen, Regulatoren u. f. w. nichts zu fagen wiffen. Henry Livefey in Blackburn hatte eine Mafchine zum Knüpfen und Auflöfen von Litzen eingefendet, welche während der Ausftellung in Thätigkeit gewefen fein foll, von uns aber überfehen wurde. Zur Verfertigung der Rietblätter waren drei Mafchinen ausgeftellt: eine von Carl Winter in Wien, welcher das Blatt ftehend in verticaler Lage bindet, während die beiden anderen von J. Ruegg in Aarburg( Schweiz) beziehungsweife von dem Agenten Thomas Barraclough in Mancheſter ausgeftellten Kammfetzmaſchinen eine horizontale Dispofition mit liegendem Blatt haben, welche wir trotz gröfseren Raumbedarfes gegenüber der erften Anordnung vorziehen möchten. Die einfachfte und beftconftruirte war entfchieden die englifche Mafchine. Eine weite Verbreitung und demzufolge allgemeinere Bekanntschaft hat auch der Patent- Spannftab( mit fchräg gelagerten Stachelfcheiben) von Johann Mathis in Dornbirn( Vorarlberg) in Folge feiner einfachen Einrichtung und * Herr Kufsmaul hat fein Syftem in einer mit Zeichnungen begleiteten Broschüre niedergelegt, welche in Uhland's praktifchem Maſchinenconftructeur, 1873, Seite 340 wiedergegeben ift. 30 Johann Zeman. feiner fehr günftigen Wirkungsweife gefunden.* Es verwendet die Sächfifche Mafchinenfabrik in Chemnitz diefen Spannftab bei allen ihren Tuchftühlen. So erübrigt nur noch die Anführung der Apparate zum Prüfen der Gewebe auf ihre Haltbarkeit,** welche in zwei Syftemen vertreten waren. Der Apparat von L. S. Perraux in Paris prüft nur die Zugfeftigkeit des Stoffes in der Richtung der Kette oder des Schuffes, je nachdem man das Gewebeftück zwifchen zwei Klemmen einfpannt, von welchen die eine feft, die andere aber mittelft Schraubenfpindel verfchoben werden kann. Ein Zeigerwerk gibt den Grad der Feftigkeit an. In jeder Beziehung überlegen ift der zweite Apparat: der Hiftometer von Profeffor O. Beylich in München, mit welchem der Stoff auf feine Haltbarkeit gerade fo durch Reibung, Zug, Biegung u. f. w. geprüft wird, wie derfelbe etwa bei feinem Gebrauche beansprucht werden kann. Je länger der Stoff diefen Einwirkungen Widerftand leiftet, defto haltbarer wird derfelbe genannt werden können. Der zur Prüfung der Stoffe hinfichtlich ihrer Haltbarkeit von Beylich erdachte und in der mechanifchen Werkstätte der königlich bayerifchen Induftriefchule zu München ausgeführte Apparat erfüllt folgende Bedingungen: 1. Die Stoffe werden vermittelft des Apparates möglichft denfelben zerftörenden Einwirkungen, welche ihre Abnützung beim Gebrauche verurfachen, gleichzeitig und in fchneller Folge ausgefetzt. 2. Die durch den Apparat bewirkten Abnützungen der Stoffe gehen aus einer Reihenfolge von vollkommen gleichartigen Actionen hervor, wobei keine anderen Aenderungen der auftretenden Widerstände ftattfinden als folche, welche durch die Abnützung felbft verurfacht werden. 3. Der Apparat zählt die ftattgehabten Actionen, und die bis zur Abnützung eines Stoffes auf einen beftimmten Grad, z. B. bis zur gänzlichen Zerstörung, producirte Zahl liefert den Ausdruck für die relative Haltbarkeit des Stoffes eine Zahl, welche Vergleichungen geftattet mit allen denjenigen Zahlen, die irgendwelche andere bei der Probe vollkommen gleich behandelte Stoffe ergeben haben. - - 4. Der Apparat ift übrigens fo eingerichtet, dafs die Stärke der verfchiedenartigen ,, Beanfpruchung", welche die Stoffe erfahren, und zwar jede derfelben unabhängig von den übrigen verändert werden kann. Hierdurch ift es ermöglicht, die Abnützung der Stoffe verfchiedener Gattung in der ihnen angemeffenften Weife, nämlich fehr nahe übereinftimmend mit der Abnützung, welche fie beim gewöhnlichen Gebrauche erleiden, zu bewerkstelligen. Im Wefentlichen befteht der Beylich'fche Hiftometer aus einem Syftem von Walzen, über welche der zu prüfende Stoff gelegt ift, und zwar in doppelter Lage um die untere Hälfte der Hauptwalze herum, welche durch ein Waagegewicht entſprechend belaftet ift. Die eine der Führungswalzen erhält durch einen Kurbelmechanismus eine ofcillirende Bewegung, welche durch das angefpannte Stoffband auf die übrigen Walzen übertragen wird. Die wefentlichfte Inanspruchnahme findet hierbei offenbar in beiden Theilen des Gewebeftückes ftatt, welche unterhalb der belafteten Hauptwalze fich berühren und, indem fich beide immer wiederkehrend gleichzeitig nach entgegengefetzten Richtungen bewegen, auf einander reiben. Diefe Theile des Gewebes find aufserdem noch gewiffen Anfpannungen und wiederholten Biegungen ausgefetzt. Die Stärke der Reibung ift bedingt durch den Druck des äufseren Stoffbandes gegen das innere unmittelbar an der Walze liegende; der Druck * Patentirt in Oefterreich am 14. März 1861; befchrieben in Dingler's polytechniſchem Journal, 1864, Band CLXXII, Seite 411. Vergleiche auch die Befchreibung und Abbildungen von H. Richard in den Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1873, Heft 6. ** Vergleiche Dr. H. Grothe in der ,, Allgemeinen deutfchen polytechnifchen Zeitung", 1874, Seite 112. Webereimafchinen. 31 aber hängt von der Lage diefer Walze ab und kann durch deren Verftellung von einem zuläffigen Maximum bis herab nahe an Null variirt werden. So lange jedoch die gegenfeitige Lage der Walzen und des Waagegewichtes unverändert bleibt, ift auch der Reibungsdruck conftant. Die Reibungsflächen erleiden auf der Mafchine keine andere Veränderung als folche, welche die Reibung felbft verurfacht, und es ift diefer Vorgang an fich, abgefehen von der rafchen Folge und der Regelmässigkeit der Actionen, ganz analog demjenigen beim Abtragen eines aus diefem Stoffe gefertigten Kleidungsftückes. Nach dem Gefagten ift wohl die Manipulation der Prüfung verfchiedener Stoffe von felbft einleuchtend. Die Zahl der Actionen bis zum Eintritt der völligen Zerftörung gleichbreiter auf dem Hiftometer gleichmässig behandelter Stoffproben wird durch ein Zählwerk angegeben, und drückt diefe Zahl ein Mafs des Widerftandes der betreffenden Proben aus. Wenn beifpielsweife bei zwei gleich behandelten Leinwandforten die Auflöfung der Bänder nach 200 beziehungsweife nach 250, Umdrehungen erfolgt, fo ift offenbar der Schlufs gerechtfertigt, dafs die Haltbarkeit der beiden Stoffe fich wie 200: 250 verhält, das heifst, dafs letzterer bei gleichem Gebrauch um ein Viertel länger als erfterer aushalten werde. Bei den in die Augen fpringenden Vortheilen des Beylich'fchen Hiftometers war ein längeres Verweilen bei demfelben gewifs gerechtfertigt, und fo fei derfelbe auch der eingehendften Beachtung empfohlen: den Fabrikanten, welche über den Einfluss der Arbeitsverfahren auf die Qualität ihrer Erzeugniffe Auffchlufs fuchen, dem Kaufmann und dem Publicum( insbefondere den Monturbehörden), welche ihre Waare vor dem Einkauf zu prüfen wünſchen. 3 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. DIE MASCHINEN UND WERKSVORRICHTUNGEN IN DER THONWAAREN- INDUSTRIE. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON DR. EMIL TEIRICH, Mitglied der internationalen Jury. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. DIE MASCHINEN UND WERKSVORRICHTUNGEN IN DER THONWAAREN- INDUSTRIE. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von DR. EMIL TEIRICH, Mitglied der internationalen Jury. Die Maschinen zu dem Zwecke der Vorbereitung von Rohmaterialien oder der Formgebung in der Thonwaaren- Induftrie, fowie jene Vorrichtungen und Apparate, welche zum Brennen und Glafiren der geformten Stücke zu dienen haben, follen uns hier befchäftigen. Es mufs jedoch gleich jetzt hervorgehoben werden und ift lebhaft zu bedauern, dafs die Wiener Weltausftellung im Vergleiche zu den glänzenden Sammlungen fertiger Fabricate, die dort zu fehen waren, ganz unverhältnifsmäfsig wenig auf dem bezeichneten Gebiete brachte und dafs felbft unter dem Ausgeftellten nur fehr felten ganz Neues zu finden war. Meift fehlte das Wichtigfte und Intereffantefte. Es gilt diefs namentlich von folchen Mafchinen, die in neuefter Zeit von der englifchen Plattenfabrication nach Proffer's Proceſs, dann bei der Erzeugung der deutfchen( fogenannten Mettlacher) Fufsboden- Platten verwendet werden, es gilt diefs ferner von den verfchiedenen mechanifchen Töpferfcheiben für runde und ovale Formen, wie fie in franzöfifchen Fabriken( fo bei Hache Pepin Lehailleur frères in Vierzon) als Tellermafchinen im beften Gebrauche find, und von mannig fachen Drehbänken und ähnlichen Apparaten zur Bearbeitung des roh geformten und faft ganz getrockneten Thones, wie wir fie in ausgedehntefter Verwendung bei Dulton in Lambeth fanden. Die neueren englifchen Röhrenpreffen für bedeutende Durchmeffer und die Erzeugung angeformter Muffen, welche mit directem Dampfdruck arbeiten, oder jene fehr ingeniöfe hydraulifche Röhrenpreffe, die wir als Clark's Patent in einer der gröfsten Fabriken Englands vor Kurzem arbeiten fahen, fie waren ebenfo wenig ausgeftellt, wie Clayton's bekannte Vorrichtung zu gleichem Zwecke. Wir vermifsten endlich Alfing's Feldfpath- Mühle( Geſellſchaft Aluminia bei Kopenhagen), welche in neuefter Zeit beiſpielsweife von der Berliner königlichen Porzellanmanufactur verfuchsweife benützt wurde und die Trockenmühlen der Actiengeſellſchaft Humbolt, die auch ebenfowenig ihre renommirten Steinbrecher in Verbindung mit Walz- und Schüttelwerk zur Ausftellung fandten, 2 Dr. Emil Teirich. Es liefse fich die Reihe desjenigen, was wir auf der Ausftellung nicht fahen, noch um eine gute Länge vermehren, wollte man aller neueren Apparate gedenken, die namentlich von englifchen Fabrikanten eingeführt und benützt werden. Diefe felbft, wie der fchon einmal genannte und fehr bekannte Clayton, fowie auch Witehead oder Kirk und Pollock fehlten fonderbarer Weife im Prater gänzlich. Mehr noch als in manchen anderen Induftriezweigen werden in der Thonwaaren Fabrication Hilfsmaſchinen für ſpecielle Zwecke conftruirt und daher auch nicht felten än gftlich geheim gehalten. Das, was die Ausftellung brachte, aber zufammenzufuchen oder aufzufinden, war keine kleine Arbeit. Alle hier zu befprechenden Gegenftände fanden fich in die verfchiedenften Gruppen eingereiht und über den ganzen Ausftellungsrayon fo vertheilt vor, dafs einer Berichterstattung etwaige Auslaffungen kaum zum Vorwurf gemacht werden können. Das ganze Materiale war eben gewiffermafsen nur durch zufälliges Auffinden zu fammeln. Um das fo Gefundene zu ordnen, befprechen wir hier der Reihe nach: Maſchinen, beftimmt zur Vorbereitung des Rohmateriales; Mafchinen und Vorrichtungen, benützt zur Formgebung der vorbereiteten Thonmaffe. Apparate zum Trocknen und Brennen der geformten Gegenftände. Maſchinen zur Vorbereitung des Rohmateriales. Thonfchneider. Die älteften Vorbereitungsmafchinen für die Verarbeitung des plaftifchen Thones im feuchten Zuftande find die Thonfchneider, deren wefentlichfter Theil, die vertical oder horizontal geftellte rotirende Welle, mit Meffer oder fchaufelförmigen Armen verfehen ift, welche nach der archimedifchen Schraubenlinie mehr oder weniger genau geftellt, die Aufgabe haben, eine Zertheilung der aufgegebenen Thonftücke, ein inniges Vermengen der unhomogenen Theile des Thones oder verfchiedener Zufätze zu demfelben, wie Sand und dergl., zu bewirken. Eine zweite Function diefer Mefferwelle, welcher gewöhnlich durch ftete Benetzung mittelft Waffer die Arbeit erleichtert wird und die daher auch den Thon in den zu feiner ferneren Bearbeitung nöthigen Feuchtigkeitsgrad zu verfetzen hat, ift das Vordrücken der fo gemengten und gekneteten Maffe nach einem meift regulirbaren Mundftücke des Mantels, welcher die beweglichen Theile umfafst. Der Thon tritt als Strang heraus, und wird diefer Theil der Function des Apparates den fogenannten Fafsfchaufeln übertragen, welche auf dem der Austrittsöffnung zunächft liegenden Ende der Welle auffitzen. Weder an der allgemeinen Anordnung noch an den wefentlichften Details der Conftruction diefer Thonfchneider war Neues zu fehen. Wird der austretende Thonftrang durch eine Vorrichtung in Stücke zertheilt, fo ftehen wir bereits vor der Ziegelmafchine, die denn auch wirklich einem Abfchneidezumeift aus einem Thonfchneider in Verbindung mit apparate befteht. Bei Verwendung eines unreinen Materiales, namentlich alfo dort, wo der Thonfchneider ein folches zu verarbeiten hat, das keinem Schlämmprocefs noch unterworfen war, legt man vor denfelben ein Walzenpaar zur Verkleinerung und Befeitigung von Steinen, zum Zerdrücken harter Thonklumpen. An der Ziegelmafchine der Gebrüder Schmerber in Tagolsheim finden wir fogar ein doppeltes Walzwerk als Vorbereitungsmafchine für den Thonfchneider, nach welchem ein Transporteur( Band ohne Ende) das zerquetfchte Materiale führt. An den Mafchinen der Eifengiefserei und Mafchinen Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 3 fabrik in Nienburg an der Saale und an jener von L. Henrici in Wien fanden wir ein einfaches Walzenpaar dem Thonfchneider vorgelegt. Bei Befprechung der Ziegelpreffen, welche als Mafchinen zur Formgebung im zweiten Theile unferes Berichtes zu behandeln fein werden, müffen wir eingehender noch des Zufammhanges von Thonfchneider mit dem Walzwerke einerfeits und dem Abfchneideapparate anderfeits handeln. Schon oben gefchah der verfchiedenen Stellung der Thonfchneider- Welle Erwähnung. Wir finden fowohl die horizontale als auch die verticale Anordnung derfelben. Die letztere bietet gewiffe, nicht zu unterfchätzende Vortheile bei Lagerung der Welle, die fchwächer gehalten und ftabiler montirt werden kann und es werden diefe wohl nur zum Theil aufgewogen durch das erfchwerte Aufgeben des Thones bei gröfserer Höhe des Mantels, der zudem oft gerade dort, wo das Einfüllen des Rohmateriales erfolgt, dem Antrieb der Welle durch ein ftark überfetztes Kegelrad- Vorgelege einen Stützpunkt gewähren mufs, wodurch eine unbequeme Verengung der Füllöffnung und eine Gefahr für die Verunreinigung des Getriebes entſteht. Um diefem Uebelftande zu entgehen, treibt Schlickeyfen in Berlin feine verticale Thonfchneider- Welle an den Ziegelmafchinen von unten an. Es macht diefs natürlich eine Lagerung derfelben oben und ein Stopfzeug unten nothwendig, das den Austritt des unter Preffung befindlichen Thones hindert. Schlickeyfen's Maſchinen arbeiten gut, und haben überhaupt die verticalen Thonfchneider- Wellen den Vortheil einer längeren Dauer und Haltbarkeit als die horizontalen. Um das Einkarren auf fo bedeutende Höhe zu umgehen, finden wir die Anordnung eines Transporteurs, meift in Form eines, über zwei grofse Lattenwalzen gezogenen, von mehreren kleineren unterftützten, endlofen Bandes. Keiner der auf der Ausstellung befindlich gewefenen Transporteure bot irgend eine wefentliche Neuerung. Durch die horizontale Stellung der Thonfchneider- Welle hat befonders die Firma Gebrüder Sachfenberg in Rofslau an der Elbe eine zweckmäfsige Thonknete erhalten, deren Fülltrichter fich nur wenige Zolle über den Fufsboden. erhebt. Die ganze Anordnung ift zweckentfprechend und einfach. Angenehm ift die Möglichkeit, durch Lüften einiger Schrauben die obere Hälfte des gufseifernen Mantels abheben zu können, wodurch fich der Vortheil einer, bei manchen anderen Conftructionen leider nicht erreichten, Zugänglichkeit der Mefferwelle ergibt. Die befprochene Knete dient zur Verarbeitung eines fchon gefchlämmten Materiales, zur Mengung verfchiedener Thonforten und Beifätze für die Zwecke der Terracotta und Ofenkachel- Fabrication etc. und ift mit keinem Walzwerke verfehen. Kollergänge. Weniger in Deutfchland und Oefterreich als in England werden als Thonvorbereitungs- Mafchinen, namentlich in der Fabrication von feuerfeften Steinen die Kollergänge verwendet, welche ebenfo die Verkleinerung der aufgegebenen, fehr dichten, feuerfeften Thone, Chamotten und Quarze, fondern auch die Mifchung aller diefer Stoffe im feuchten Zuftande fehr zweckmäfsig vornehmen. Die neueren Kollergänge mit ftabilen Walzen und rotirender Tifchplatte bieten den Vortheil leichteren Antriebes und gröfserer Bequemlichkeit der Manipulation, die an jeder Stelle des Tifches ungeftört von den gewöhnlich umlaufenden Steinen vor fich gehen kann. Der Kraftaufwand beim Antriebe ift ein geringerer, die Centrifugalkraft der rotirenden Steine ift aufgehoben und hindert nicht mehr dem Apparate eine gröfsere Gefchwindigkeit als bei den alten Conftructionen zu geben, daher auch die Leiftungsfähigkeit der neueren eine viel gröfsere wurde. Gute Lagerung und Unterſtützung der rotirenden Platte durch Gleitrollen ift hiebei Hauptfache. Die Ausftellung freilich brachte faft gar nichts von folchen Kollergängen, wenigftens keine für die Zwecke der Thonwaaren- Induftrie, welchen 4 Dr. Emil Teirich. höchftens jener transportable Apparat von Herlop, Wilfon und Budden in Newcaftle upon Tyne dienen könnte. Auf einem gemeinfamen Fundamente, das auf vier Eifenbahn- Rädern montirt ift, fteht der Kollergang mit eifernen Quetfchwalzen und fixer Platte, welche direct durch eine, mit einem ftehenden Keffel vereinigte kleine Dampfmaschine mittelft Vorgelege angetrieben werden. Die ganze Zufammenftellung ift äufserft compendiös gedacht, doch möchte diefes enge Aneinanderftellen der gegen Staub und fonftige Verunreinigungen fehr empfindlichen Dampfmaschine mit dem Kollergange nur in den feltenften Fällen anzuempfehlen fein. Die Zugänglichkeit faft aller Theile der Mafchine ift geftört und der Raum für Aufgeben des Rohmateriales fowie für Entfernung des bearbeiteten fehr beengt. Am eheften eignet fich eine folche Anordnung wohl als Mörtelmafchine und Bétonknete bei Bauten, wo der Vortheil der leichten Fortbewegung des Ganzen fehr zu Gunften diefer, fonft weniger zweckmäfsigen Conftruction spricht. Kollergänge zur Verkleinerung der Glafurfchmelze, ehe fie auf die Mahlmühlen gelangt, waren gar nicht ausgeftellt worden. Behufs der Verkleinerung von Quarz und Chamotte, ja felbft mit ausgezeichnetem Erfolge als Bearbeitungsmaschine für feuchten Thon, hat fich der Desintegrator bewährt, den in der Originalconftruction von Carr die Parifer Ausftellung zum erften Male zeigte. Bekanntlich befteht diefer höchft intereffante Apparat aus zwei bis drei horizontalen, in einander gefteckten Trommeln, an deren Peripherie Schlagftäbe aus Schmiedeifen, oder für fehr hartes Materiale aus Stahl eingefetzt find. Jede diefer Trommeln rotirt mit fehr bedeutender Gefchwindigkeit, aber ftets nach der entgegengefetzten Richtung wie die vorhergehende. Das zu verkleinernde Materiale wird in der Richtung der horizontalen Rotationsaxe aufgegeben, paffirt, durch Hunderte von Schlägen zerkleinert, die Trommelperipherien und gelangt in fehr rafcher Zeit in den Zwifchenraum derfelben mit einem, den ganzen Apparat umhüllenden Mantel, aus dem zweckmäfsig ein Paternofterwerk die verkleinerten Stoffe entfernt. Die benöthigte Kraft für den Antrieb diefer Mafchine ift wohl bedeutend, die Abnützung aller ihrer Theile eine fehr empfindliche, dagegen aber auch ihre Leiftungsfähigkeit eine ganz erftaunliche. Durch manche Verbefferung, namentlich der Lagerung hinfichtlich der ftark beanfpruchten Wellen, hat man diefem trefflichen Apparate, der fich befonders in Thonwaaren- Fabriken noch viel zu wenig Eingang verfchafft hat, gröfsere Stabilität und Dauerhaftigkeit zu geben gewufst. Durch Vergröfserung des Trommeldurchmeffers ift es möglich geworden, die Umdrehungszahlen für die ftark beanspruchten Wellen zu reduciren, immer aber machen die gröfsten bis jetzt gebauten Desintegratoren von 1'500 Meter Diameter eine Umdrehungszahl von 400 bis 550 Touren, was einer enormen Umfangsgefchwindigkeit von circa 30 Meter entspricht. Bei folcher Arbeit benöthigt der Apparat dann freilich zwifchen 15 bis 20 Pferdeftärken zum Antriebe, leiftet dann aber auch 20.000 Kilogramm per Stunde, felbft bei einem fehr harten Materiale, da er im Gegenfatze zu anderen Pulverifatoren die härteften Körper am leichteften zermalt. Desintegratoren der bisher am häufigften angewandten Gröfse, von einem Durchmeffer von 1'00 Meter verarbeiten mit 7 Pferdeftärken Betriebskraft durchfchnittlich 7000 Kilogramm Rohmateriale zu Pulver von ganz bedeutender Feinheit. Als Mifchapparat für verfchiedene Thonforten ift ein Desintegrator trefflich zu verwerthen, ebenfo als Vorbereitung für Maſchinen, die trockenen Thon zu verarbeiten oder für Ziegelpreffen, welche grubenfeuchtes Materiale zu formen haben. Namentlich kalksteinhaltige oder fchotterige Thonforten werden folcher weife, und zwar auch billig und zweckmäfsig gereinigt, refpective die ftörenden Beimengungen fo fehr vertheilt, dafs fie in der ganzen Maffe unfchädlich Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. 5 werden. In der deutfchen Thonwaaren- Induftrie hat fich der Desintegrator nun freilich noch kaum eingebürgert. Anders in England, dort wird er häufig bereits verwendet. Wir haben ihn bei Gibbs and Canning in Tamworth, bei G. Jennings in Poole, Perrens and Harrifon in Stourbridge, Enfor and Sons in Burton upon Trent und bei Cliff and Son in Leeds zur vollen Zufriedenheit arbeiten gefehen. Selbach und Deiters in Mannheim ftellten zwei fehr fchön gearbeitete Desintegratoren aus, welche fich durch die Möglichkeit der Regulirung während des Ganges mittelft Anziehen von Keilen ebenfo auszeichnen wie durch die fehr zweckmäfsige Conftruction der ganz gefchloffenen Lager, welche vor Staub, der ftets im Gefolge folcher Verkleinerungsmafchinen fich findet, vollständig gefchützt und fo eingerichtet find, dafs mit geringftem Oelverbrauch die, bei fo hohen Umdrehungszahlen nöthige, ausgiebige Schmierung gewifsermaffen felbftthätig vorgenommen wird. Ein Apparat, der fich in der Thonwaaren- Induftrie ebenfalls bereits einzubürgern fucht, ift der Steinbrecher, von dem verfchiedene Conftructionen. theils ausgeführt, theils in Zeichnung und Modell auf der Ausftellung zu finden waren. Der Steinbrecher wird vorzüglich, und dort ganz zweckmäfsig, in der Fabrication refractärer Producte, zum Verkleinern von Quarz, Chamotte, alten Kapfeln und dergl. benutzt und zeichnet fich durch eine befondere Leiftungsfähigkeit und Einfachheit der Conftruction aus; was bei fo fehr angeftrengten Mafchinen ftets ein wefentlicher Vortheil ift. Aufser dem Bruche einer leicht zu erfetzenden Backe des Brechmaules ift ein folcher Steinbrecher guter Conftruction faft unverwüftlich. Im Vereine mit einem Walzen Quetfchwerk und Siebapparat kann er auch die Verkleinerung der Rohftoffe auf einen fehr hohen Grad der Feinheit bringen. Mannigfache, mehr oder minder abweichende Conftructionen, welche zumeift darin culminiren, die Stellung der Backen des Steinbrechers während des Ganges zu reguliren, fanden wir ausgeftellt. Wefentlich bei diefem, fonft fo einfachen Apparate, ift die Befchaffenheit des Eifenguffes, der, wenn fpröde, felbft bei den ftärksten Dimenfionen in Stücke geht. Es wäre wünſchenswerth, dafs die Fabrikanten hierauf mehr Rückficht nehmen würden, als diefs bisher oft gefchah. Von öfterreichifchen Firmen hat Koröfi in Graz einen, der Conftruction nach ganz guten, fehr ftark gebauten Steinbrecher ausgeftellt. Sehr fauber und fleifsig ausgeführt ift ein fchönes Stück von Selbach& Deiters in Mannheim, deffen Conftruction die Regulirung des Ganges der Mafchine, refpective die Gröfse der zu erzeugenden Stücke ebenfo zuläfst wie bei Koröfi. Hinfichtlich der Leiftungsfähigkeit diefer Mafchine folgen wir den Angaben der Fabrikanten, welche uns von verfchiedenen Seiten beftätigt wurden, und die wir felbft zu erproben Gelegenheit fanden. Ein Steinbrecher Nr. 1 Brechmaul- Oeffnung 500 Mm. X 300 Mm. braucht 8 Pfft. u. verarb. 75.000 Kg. Nr. 2 Nr. 3 99 " " 45° X 250 325 X 220 8 99 95 99 وو 8 59 99 99 " ን 22 50.000" 30.000 99 bei einer Arbeitszeit von 12 Stunden. Die Koften eines folchen Apparates variiren je nach der Gröfse zwifchen 1.600 bis 800 Gulden. Gewöhnlich find die beiden Backen des Brechmaules mit zwei leicht auszuwechfelnden, gufsftählernen oder in Schalenhartgufs hergeftellten gerippten Platten armirt, welche fo ziemlich bei guter Conftruction die einzigen, allerdings dann auch fehr ftarker Abnützung unterworfenen Theile find. Ferdinand Del in Vierzon( Cher) verwendet jedoch an feinem transportablen Steinbrecher gehärtete Stahlbleche zum Schutze der gufseifernen Backen, welche glatt, ohne Riefung bleiben. Del ftellte feine Steinbrecher auf einen, für deffen immerhin bedeutendes Gewicht denn doch zu fchwindfüchtig 6 Dr. Emil Teirich. conftruirten, hölzernen Wagen. Auch hier ift durch Anziehen eines Keiles die Brechmaulweite zwifchen 5 und 60 Millimeter während des Ganges veränderlich, im Uebrigen fteht Conftruction und Solidität der Ausführung den vorhin genannten Apparaten nach, von welchen namentlich die der Mannheimer Fabrik fehr compendiös und gut angeordnet find. Die Leiftungsfähigkeit des franzöfifchen Concaffeur wird bei einer Brechmaulweite von 350 Millimeter auf circa 30 bis 35 Cubikmeter bei einer Betriebskraft von 5 Pferdeftärken angegeben. Der Preis von 4400 Francs ift gegenüber den deutfchen Fabricaten ein relativ hoher. Bei allen bisher befprochenen Steinbrechern finden wir das urfprünglich Blacke fche Syftem in Anwendung, bei welchem ein, um einen feften Aufhängepunkt fchwingender Backen mittelft Excenterbewegung gegen einen feftftehenden angeprefst wird. Anders arbeitet der Steinbrecher aber nach Archer's Patent( England). Eine horizontale, rotirende und canellirte Hartgufs- Walze wird annähernd zur Hälfte von einer ftarken gufseifernen, an der Innenfeite gerippten und ebenfo breiten Gabel umfafst, die um eine fixe Achfe ofcillirt, welche etwas höher als die der Walze, aber mit derfelben parallel gelagert ift, fo zwar, dafs zwifchen Walze und Gabel oben ein weiterer, unten ein enger Zwifchenraum bleibt. Diefe Stellung zu der genannten Walze macht es möglich, dafs in dem weiten Zwifchenraum von Gabel und Walze die zu zerbrechenden Materialien eingeführt und durch die Walze mitgenommen, an das der Peripherie am nächften ftehende, andere Gabelende gebracht werden, während nun rafche Zerkleinerung ftattfindet. Der Apparat ift aufserordentlich wirkfam und leiftungsfähig. Leider find die abgenutzten Theile fchwer auszuwechfeln und die Conftruction überhaupt fehr dem Zerbrechen dann ausgefetzt, wenn allzu ungleichförmiges Materiale aufgegeben wird. Diefer Steinbrecher war nur als Zeichnung auf der Ausftellung zu fehen, fand aber bereits vielfach praktiſche Verwendung. Für gewiffe Zwecke, namentlich dort, wo es fich um Zerkleinerung, refpective das Pochen fehr harter und befonders grofser Stücke eines Rohmaterials handelt, wird in neuefter Zeit anftatt der bisher nicht felten üblichen Schwanzhämmer, der Dampfhammer angewandt, ähnlich wie diefs fchon feit Jahren bei der Verkleinerung des Naxosfchmirgels gefchieht. Gewöhnlich find es folche von 3- bis 400 Pfund Fallgewicht, die fich zu folchen Zwecken am beften eignen und hiefür völlig ausreichend find. Zweckmäfsig find Schnellhämmer, die bei vier Athmofphären Admiffions- Dampffpannung 300 bis 350 Schläge per Minute machen und dadurch zu äufserft leiftungsfähigen Maſchinen für die Zwecke der Grofsinduftrie werden. Der leichteren Zugänglichkeit wegen und um Raum zur Anbringung einer Auffchüttvorrichtung zu haben, find einftändrige Hämmer vorzuziehen. Da folche genügen, deren Hub nicht variabel ift, fo kann die Steuerung eine einfache fein, was umfo nothwendiger wird, wenn es fich darum handelt, fehr ftark ftaubende Materialien zu pochen. Die feinen fcharfkörnigen Staubtheilchen nützen die Steuerungsapparate ungemein rafch ab und wird es nöthig, was übrigens ganz leicht gefchehen kann, die Kolbenftange vor deren Einwirkung zu fchützen. Vorftehenden Bedingungen entspricht wohl am beften der von Brinkmann in Witten an der Ruhr ausgeftellte Viercentner- Schnellhammer mit conftantem Hub, der gar keine aufsen liegenden Steuerungstheile hat und auch fonft von einer fehr foliden Conftruction ift. Die bekannten Firmen, zu deren Specialität Dampfhämmer zählen, haben fich auch diefsmal eingefunden, und mehr oder weniger für unferen Zweck Paffendes geliefert. Nennen wir darunter Banninger in Wetter an der Ruhr, Ducommun in Mühlhaufen, B.& S. Maffey in Mancheſter und Sellers in Philadelphia, die durchwegs ausgezeichnete Hämmer brachten, von denen einige zu fehr billigen Preifen verkauft wurden. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 7 Handelt es fich um Verkleinerung geringerer Quantitäten, fo ift wohl immer noch in den Thonwaaren- Fabriken das Stampfwerk im Gebrauche. Die oft noch übliche, recht primitive Conftruction desfelben aus Holz mit Daumenwelle, wird aber jetzt gewöhnlich erfetzt durch die ausfchliefsliche Anwendung des Eifens, wie wir fie an dem fchönen Pochwerke der fchon mehrfach genannten Firma Selbach& Deiters in Mannheim finden. Das fehr fchön gearbeitete Pochwerk hat fechs rotirende Stempel, je im Gewichte von 250 Pfund. Die Rofte find mit gelochten Stahlplatten garnirt und der Stampftrog durch einen gufseifernen zweitheiligen Auffatz verfchloffen, der durch angebrachte Thüren zugänglich gemacht wird. Namentlich für ftark ftaubendes Materiale ift diefe Anordnung zweckmäfsig. Die Auswechslung der abgenutzten gufseifernen Stempelfchuhe ift leicht vorzunehmen. Der Apparat, welcher circa fünf Pferdeftärken zum Betriebe bedarf, leiftet je nach der Art des aufgegebenen Materiales fehr viel, immerhin aber viel weniger als die vorgenannten Hämmer. Ganz nach demfelben Syfteme und gleichfalls mit einem rotirenden Stempel verfehen, fanden wir eine hübfche Anordnung bei Beyer frères in Paris, die allerdings auf der Ausftellung von denfelben zur Verkleinerung von Subftanzen angewendet wurde, die in der Chocoladefabrication Verwendung finden, welche wir aber dort auch empfehlen würden, wo es gilt, kleinere Quantitäten von Emails, Farbflüffen u. f. w. zu zerftampfen, die man auf die fonft üblichen grofsen Kollerwerke nicht bringen kann. Ein einziger Stempel, gehoben durch einen von der Hand oder mittelft Mafchine getriebenen Daumen an einer Welle, fällt in einen Mörfer. Während des Hubes erhält er eine rotirende Bewegung durch einfeitigen Angriff des Daumens an einen horizontalen Bund des Stempels. Um Reibung, Abnützung und Geräufch zu vermeiden, ift an diefen Bund eine Lederfcheibe ausgefteckt, welche alfo zwifchen den arbeitenden Eifentheilen bleibt. Auch beim Pochwerke von Selbach& Deiters wäre diefe Lederfcheibe zweckmäfsig einzufchalten. Beyer bringt zudem recht finnreich angetriebene Sieb- und Schüttelvorrichtungen, die in der Thonwaaren- Fabrication gleichfalls gute Verwendung finden können. Glafurmühlen und folche zur Vermahlung trockenen Thones, waren auf der Ausftellung gar nicht vertreten, jedoch ift hieher eine Feldfpathmühle von A. W. Schmidt in Berlin zu zählen, die im Modelle ausgeftellt gewefen fein foll.* Von neueren Apparaten für das Schlämmen des Thones war gar Nichts ausgeftellt, und doch weift die moderne Thonwaaren- Induftrie auch hierin manche Verbefferung der alten, primitiven Verfahrungsweifen auf, die zum Theile mit der Anwendung von Thon- Filterpreffen im Zufammenhange fteht. Anftatt in Schlämmkaften oder fogenannten Rainen die Verdickung der Schlämmmaffe abzuwarten, wird immer häufiger, ja in der Porzellaninduftrie faft allgemein fchon, die Filterpreffe angewendet. Bei kurzen und darum auch poröferen, fandigen Maffen functioniren diefe Apparate eben ganz vorzüglich. Anders ift diefs in der Terracottainduftrie und überall dort der Fall, wo es fich darum handelt, fehr fette Maffen zu entwäffern. Da finkt die Leiftungsfähigkeit der Preffen fehr herab und oft verfagen diefe Apparate ganz den Dienft. Man ift dann immer * Dank der ganz unüberfichtlichen Ausftellungsweife der hier behandelten Mafchinen ift es dem Verfaffer nicht gelungen, obiges Modell aufzufinden. Eine directe briefliche Anfrage beim Ausfteller hierüber, fowie über die Wirkungsweife feines Apparates, blieb refultatlos, ganz ebenfo wie ein Erfuchen an den Vertreter der deutfchen Reichs commiffion, welcher den Ort der Aufftellung des Ob'ectes nicht zu wiffen vorgab. 8 Dr. Emil Teirich. wieder auf die Verdampfung des Waffers auf natürlichem Wege oder durch Zuführung künftlicher Wärme in gemauerten Pfannen u. f. w. angewiefen. Erftere Procedur ift zeitraubend und fetzt den Thon manchen Zufälligkeiten und Verunreinigungen aus, die zweite Methode, vielfach geübt in England, wo eben billiger Brennftoff zur Verfügung steht, ist bei uns meift allzu koftfpielig, liefert aber wohl die homogenften und am feinften vertheilten Maffen. A. L. G. Dehne in Halle an der Saale ftellte eine Filterpreffe aus, welche direct mit der Zuführungspumpe für den aufgefchlämmten Thon verfehen ift. Dehne baut zweierlei Syfteme folcher Pumpen, eines mit centralem, ein zweites mit aufsenliegendem Zuleitungsrohr und einer Vorrichtung zur Selbftentleerung der zurückgebliebenen Maffakuchen. Beide Syfteme arbeiten gleich gut bei gleichem Materiale. Für eine ftündliche Production von 300 bis 350 Pfund refpective 150 bis 200 Pfund trockener Maffe koften die Mafchinen erfter Conftruction 750 fl. und 600 fl., jene der zweiten Conftruction 600 fl. und 450 fl., ja von letzterer werden auch noch kleiner Preffen für eine Leiftungsfähigkeit von 70 bis 100 Pfund Maffe zum Preife von 300 fl. gebaut. Die Ausführung diefer Maichinen ift eine vorzügliche und deren Koften nicht allzu hoch. Der gewünſchte Feuchtigkeitsgehalt der zu erzeugenden Maffe ift durch variable Belaftung eines Sicherheitsventiles an der Pumpe beftimmbar, was die Möglichkeit, ziemlich homogene Maffen aus verfchiedenen aufeinander folgenden Preffungen zu erhalten, fehr erleichtert. Mafchinen zur Formgebung. Die Ziegelmafchinen ſpielen in der Praxis fowohl als auf der Ausftellung die hervorragendfte Rolle unter den Vorrichtungen zum Formen des Thones. Wir haben fchon hervorgehoben, dafs die diefsjährige Ausftellung wenig Neues auf diefem Gebiete brachte, dafs namentlich keine neuen Principien und Conftructionsweifen an den Mafchinen zu fehen waren. Deutſchland wies in diefem Zweige der Mafchineninduftrie die meiften Ausfteller auf, ohne aber dafs die von denfelben gelieferten Ziegelpreffen wefentliche Abänderungen gegen die im Jahre 1867 in Paris gefehenen zeigten. England fandte zwei, Oefterreich und Amerika je eine Ziegelmafchine zur Ausftellung. Im Allgemeinen laffen fich diefe in zwei Haupttypen fcheiden, je nachdem der, durch ein Walzwerk oder einen Malaxator, oder durch beide zugleich, vorbereitete Thon beim Austritte aus dem Thonfchneide- Apparat ein Mundstück paffirt, darin die Form eines regelmässigen Stranges erhält, der durch eine Schneidevorrichtung in einzelne Ziegel getrennt wird, oder ein Streichen desfelben in untergefchobene Formen ftattfindet, deren Entleerung von Hand- oder mittelft Mafchinenkraft gefchieht. Zu erfteren Mafchinen zählen die meiſten Deutſchlands und Oefterreichs, das letztere Syftem wird feit Jahren mit grofser Beharrlichkeit von Engländern und Amerikanern cultivirt. Die Mafchine von Gregg in Philadelphia, welche in Paris, die von Pollak in Leeds, welche in London 1871 fo viel Auffehen erregte, die aber in Wien diefsmal gar nicht erfchienen find, zählen hiezu und find das Prototyp ihrer Gattung. Ihre Anwendbarkeit befchränkt fich leider auf die Verarbeitung eines mageren, fandigen Materiales. Ein fetter Thon, wie er beifpielsweife von den Wiener Ziegeleien verarbeitet wird, füllt die Formen zu fchlecht aus und gibt allzu fchwere Ziegel, die fich noch fchwerer mit dem Maurerhammer bearbeiten laffen, als die der hier üblichen deutfchen Knetmafchinen mit Abfchneidetifch. Mafchinen zur Verarbei Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 9 tung ganz trockenen Thones, wie folche in England in Verwendung zum Theile noch ftehen, haben fich keinen Eingang zu verfchaffen gewufst. Alle Ziegelpreffen im Prater waren beftimmt erdfeuchten oder genetzten Thon zu verarbeiten In Oefterreich hat fich die Hertel'fche Ziegelpreffe, jetzt gebaut von der Mafchinenfabriks- Actiengefellfchaft in Nienburg an der Saale, am meiften eingebürgert. Diefelbe ift aber auch anderen Ortes und mit gutem Erfolge in Betrieb gefetzt worden und dürften über 350 Exemplare derfelben fchon in Thätigkeit fein. Eine fchön gearbeitete Mafchine diefer Art zeigt unter Beibehaltung des alten Syftems einige Neuerungen im Detail, die erwähnenswerth find. Einer der Hauptnachtheile des alten Syſtems der horizontalen Thonfchneider an der urfprünglichen Hertelmafchine, war die Lagerung der horizontalen Mefferwelle, die nur hinten am Antriebe doppelt gelagert, nach vornehin jedoch auf eine Länge von circa drei Fufs frei überhängend blieb. Dabei war es unvermeidlich, dafs die auch noch mit fchweren Meffern und Schaufeln belaftete Welle fich fenkte und nun die Schaufeln an der unteren Seite des Rumpfes der Mafchine aufliefen. Unterſtützt durch den fandigen Thon, der als Schleifmittel wirkte, nützten fich beide Theile rafch ab, viel Kraft des Antriebes ging verloren, und ein ewiges Auswechfeln der verbrauchten Schaufeln, endlich des ganzen gufseifernen Mantels, waren hievon die Folge. Wenig nur war durch Anbringung eines Lagers geholfen, das, auf drei fchmiedeifernen Armen ruhend, welche ihrer Form nach dem durchtretenden Thone möglichft wenig Widerftand boten, durch eine Metallbüchfe gebildet wurde, in der die Welle lief. Der fandige Thon nützte auch diefes, übrigens ganz primitive Lager ab und beide, Welle fowohl als Büchfe, liefen fich bald oval aus. Das alte Uebel blieb. Bei der jetzt ausgeftellten Mafchine ift die letztere Idee wohl beibehalten, jedoch anftatt auf den drei Armen ruht das Lager nur auf zweien, die der Länge nach eine Bohrung tragen. Sie dient zur Schmierung der Lagerflächen, die gegen das Eindringen von Thon mittelft einer Stopfbüchfenpackung gefchützt find. Damit ift die Hertelmafchine wohl allein fchon um Vieles brauchbarer geworden, aber fie hat auch weiter in manchen Details gewonnen, ihre Theile find conftructiver geformt, mitunter leichter zugänglich gemacht, einige auch verftärkt, was ftellenweife fehr noth that. Auch der Abfchneidetifch hat einige Veränderungen erfahren, fowie die Lagerung der Zuführungs- und Quetfchwalzen für den aufgegebenen Thon. Während früher eine Trennung des austretenden Thonftranges fofort in vier Ziegelſtärken und zwei Abfchnitten gefchah, fchneidet jetzt die Mafchine quer durch den Thonftrang, der keine Abfälle mehr gibt. Diefe Querabfchneide- Vorrichtung, welche wir an den meiften Ziegelpreffen jetzt finden, ift jedenfalls der erfteren vorzuziehen, wenn auch mehr Kraft zum Abfchnitte erforderlich wird. Die Drähte am Mundftücke kommen leicht in Unordnung, reifsen oder geben zu Verftopfungen durch etwas unreineren Thon Anlafs. Die Mafchine erzeugt per Arbeitsftunde bis 1500 Steine, benöthigt hiezu bei 10 Pferdeftärken an Betriebskraft. Die Firma fcheint von dem, früher fehr empfohlenen Doppel- Walzwerke abgegangen zu fein, das in der Anordnung, wie wir fie kennen, auch wahrlich ein kraft- und raumverfchwendendes Ding war. Im Allgemeinen aber gebührt Hertel, dem früheren Inhaber des Gefchäftes, das Verdienft, mit grofsem Eifer die Ziegelmafchine verbeffert und namentlich in Deutſchland und Oefterreich eingeführt zu haben. Mannigfache Nachbildungen feiner Conftructionsweifen waren daher nicht zu vermeiden. Eine folche trafen wir denn auch in Oefterreichs Mafchinenhalle. L. Henrici in Wien hat das Hertel'fche Syftem adoptirt und ift für Einführung desfelben in Oefterreich feit Jahren thätig. Auf der diefsjährigen Ausftellung trat er mit einer felbftftändigen Conftruction des Abfchneideapparates LA 10 Dr. Emil Teirich. auf, die beftimmt ift, fowohl das Abfchneiden des durch fixe Drähte getheilten Thonftranges auf Ziegellänge, fowie den Transport der Ziegel auf bereitftehende Wägelchen automatifch zu ermöglichen. Der austretende Thonftrang beforgt felbftthätig das Einrücken eines Riemens und bringt damit die Schneidevorrichtung in Gang. Jedenfalls wäre durch diefe Anordnung, von der nur zu fürchten ift, dafs das Ausfehen der erzeugten Ziegel leiden wird, und die durch manche Zufälligkeiten vielleicht Störungen ausgefetzt ift, die fich bis jetzt an der probeweife zum erften Male zur Ausführung gelangten Mafchine kaum noch genau präcifiren laffen, ein fehr penibler Theil der nöthigen Handarbeit der Ziegelmafchine eliminirt, und ift fehr zu wünſchen, dafs die in Ausficht ſtehende Einführung der Mafchine in die Praxis die Erwartungen beftätigt und erfüllt, die man an einen fo fehr angeftrengten Apparat zu ftellen genöthigt ift. Henrici's Mafchine wiegt circa 11.000 Pfund, braucht 10 bis 12 Pferdeftärken zum Betriebe, erzeugt bei jedem Abfchnitte 5 Ziegel und zwei feitliche Abfchnitte. Die Production per Stunde beläuft fich auf 1500 bis 1600 Steine. Der Preis der Mafchine ift 3600 fl. C. Schlickeyfen in Berlin liefs täglich im Ausftellungsraume feine grofse ftabile Dampf- Ziegelpreffe bekannter Conftruction arbeiten. Wir verweifen auf das fchon eingangs über feinen zweckmäfsig angeordneten verticalen Thonfchneider Gefagte und wollen nur hervorheben, dafs aus demfelben nach zwei Seiten Thonftränge austreten, welche durch einen fehr einfachen Schneideapparat in Ziegelbreiten getheilt werden. Jeder Schnitt liefert 2, auch 3 Steine. Die aus Holz conftruirten und mit Metallfutter verfehenen Mundftücke erhalten zur Verringerung der Reibung Wafferfchmierung. Die ganze Anordnung charakterifirt fich durch Einfachheit und leichte Zugänglichkeit der arbeitenden Theile. Die erzeugten Ziegel erhalten fowohl am Kopfe als an den Seiten glatte Flächen, können daher fowohl als Binder, als auch als Laufer vermauert werden. Die Leiftung diefer Mafchine ift per Mundftück und Arbeitsftunde circa 1000 Steine bei einer Betriebskraft von 10 bis 12 Pferdeftärken. Der Koftenpreis beläuft fich bei einem Gewichte von 110 Centnern für den completen Apparat auf circa 4500 fl. Wir halten die Maſchine von Schlickeyfen für eine fehr brauchbare. Gleichfalls einen verticalen Thonfchneider, dem ein Band ohne Ende den Thon zuführt, welcher ein Vorwalzwerk zuerft paffirt hat, ftellten Schmerber frères in Tagolsheim( Elfafs- Lothringen) aus. Das Verwalzwerk ift ein doppeltes. Hier, wie zumeift, find die Walzen aus Hartgufs hergeftellt und bis auf einen Zwifchenraum von 6 Millimeter verftellbar. Weniger zweckmäfsig als bei Schlickeyfen ift hier der Antrieb der Thonfchneider- Welle von oben und zwar mittelft doppeltem, einem conifchen und einem Stirnräder- Vorgelege vermittelt. Die Mafchine ift mit einem Mundftück verfehen, das fo wie bei der vorher befchriebenen mit Wafferfchmierung arbeitet. Eigenthümlich ift der Schneidetifch conftruirt. Der Thonftrang, welcher fchon am Mundftück der Länge nach in vier Streifen von Ziegeldicke getrennt wird, gelangt auf Gypsplatten, welche auf Röllchen laufen. Ein fahrbares TransverfalSchneidegatter trennt die Ziegel der Länge nach. Der eine einzige Schneidedraht macht eine Bewegung fenkrecht nach abwärts und mufs denfelben Weg nach Entfernung der abgetrennten Ziegel wieder leer zurückgehen. Diefe Abfchneidevorrichtung ift entfchieden die fchwache Seite der ganzen Anordnung, welche bei allen anderen Ziegelmafchinen zweckmäfsiger gedacht ift. Auch diefe Mafchine macht bei 1000 Ziegel in der Arbeitsftunde und koftet 2500 fl. Die erforderliche Betriebskraft ift je nach der Thonforte 8 bis 10 Pferdeftärken. * Wir geben hier ftets die Arbeitsleiftung der Mafchine, unter Zugrundelegung des öfterreichifchen gefetzlichen Ziegelmafses von 11 X 512 X 21/2 Zoll. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. 11 Wir können hier nicht umhin, zu bemerken, dafs alle Angaben über den Kraftverbrauch der Ziegelmafchinen vage find und fehr variiren, je nach dem Materiale, welches verarbeitet werden mufs, dem Feuchtigkeitsgehalte und Aggregatzuftande desfelben( ob z. B. gewinterter Thon verarbeitet wird oder frifch gegrabener u. f. w.). Noch immer fehlen die fo wünſchenswerthen wiffen. fchaftlichen dynamometrifchen Verfuche mit Ziegelmafchinen, die anzuftellen wohl am eheften jenen Firmen zukäme, welche die Erzeugung der Ziegelmafchinen zu ihrer Specialität gemacht haben. Hoffen wir, dafs wenigftens die Bemühungen des Vereins deutfcher Ziegelfabrikanten, welcher eben daran ift, in umfaffendfter Weife Daten über die Leiftungsfähigkeit der Ziegelmafchine zu fammeln, in diefer Richtung auch verlässliche Angaben, wenn auch nur annähernd, aus der Praxis erhalten. Freilich wird auch damit noch nicht Alles geleiftet fein, denn nur vergleichende Verfuche an einer und derfelben Mafchine können hier die gewünſchten Aufklärungen und jene Anhaltspunkte geben, die zu einer ficheren Conftructionsweife der noch ziemlich empyrifch gebauten Thonfchneider- Wellen fammt Rühr- und Prefsfchrauben führen. Unferer Erfahrung nach leiden in den Ziegelfabriken die meiſten Ziegelmaſchinen Mangel an Betriebskraft. Eine gute Formmafchine zur Herftellung von hohlen Verkleidungsziegeln war gleichfalls von Schmerber frères eingefandt worden. Diefelbe ift nach einem in Nord- Deutfchland vielfach gebrauchten Syfteme conftruirt. Ein Walzenpaar erfafst den, von einem Thonfchneider bereits vorbereiteten oder gefchlämmten Thon und drückt ihn durch ein Mundftück, das mit Bronceformen für Hohlfteine oder fonftige Façonziegel verfehen ift. Die austretenden beiden Thonftränge( bei Hohlftein- Fabrication) gelangen auf einen, mit Gypswalzen garnirten Schneidetifch mit feftftehendem TransverfalSchneidegatter, das 4 bis 5 Steine auf ihre beiläufige Länge bringt. Bekanntlich findet ein genaues Befchneiden und Adjuftiren der Steine erft fpäter, nach dem Uebertrocknen derfelben, ftatt. Die Mafchine ift bei einem Preife von 1350 fl. fehr leiftungsfähig und bedarf nur einer Kraft von 2½ bis 3 Pferdeftärken zum Betriebe. Sie erzeugt bis 1500 Steine in der Arbeitsftunde. Zu den Ziegelmafchinen der eingangs erwähnten Kategorie gehört Mo rand's Patent- Ziegelmafchine, ausgeftellt von Derham in Leeds. Diefelbe befteht aus einem verticalen Thonfchneider, der von oben und zwar mit einem Schneckenrade angetrieben wird. Diefe Arbeit, fowie die intermittirende Drehung des runden horizontalen Formtifches, welcher die verfenkten Ziegelformen enthält,. wird von zwei an den beiden Seiten des Geftelles der ganzen Mafchine anmontirten, fchiefliegenden Dampfmaschinen verrichtet. Der Boden der Ziegelformen ift beweglich, wie ein Stempel geftaltet, der am unteren Ende ein kleines Laufrad trägt, das auf einer fchiefen Ebene läuft. Gelangt die Form bei Drehung des Tifches unter das, am Boden des Thonfchneiders angebrachte Mundftück desfelben, fo füllt fich diefelbe, da ihr Stempel am tiefften Punkt, an dem Beginne der ebenfalls kreisrund herumgelegten, fchiefen Ebene fteht. Beim Vorwärtsgehen des Tifches aber hebt fich der Boden der Form durch Auflaufen des Rädchens auf die fchiefe Ebene und drückt fo den fertig geprefsten Ziegel heraus. Eine Abftreichvorrichtung befördert ihn auf ein Tuch ohne Ende, von dem ein Arbeiter die fertige Waare abnimmt. Die Mafchine wird auch ohne directen Dampfmafchinen- Antrieb gebaut und würde uns dann wahrfcheinlich beffer gefallen. Wir haben fchon mehrfach Gelegenheit gehabt, uns gegen diefe, allerdings compendiöfe Conftructionsweife auszufprechen und müffen es auch hier wieder thun. Die Kraftübertragung mittelft Schneckenrad und Schraube ohne Ende ift aber auch ein Verwüften von Arbeit. 12 Dr. Emil Teirich. So weit fich diefs beurtheilen liefs, arbeitet die Mafchine übrigens präcife und dürfte eben nur jene Nachtheile an fich haben, die mit dem Syfteme faft unabänderlich verbunden fcheinen. Vor Allem ift es die ftarke Ausnützung der Formen und der bedeutende Confum an Schmiermateriale, den ein gutes Functioniren aller Theile erfordert, was hier in Betracht kommt. Was endlich bei diefer Mafchine befonders unangenehm wird, ift die Schwierigkeit, die Form der Ziegel zu ändern, da neue Einfätze in den Form tifch, fowie natürlich auch neue Stahlftempel hiebei eingefügt werden müffen. Ob zudem der Riemenantrieb des Tifches wirklich vor Brüchen fchützt, wenn ein harter Stein zwifchen Thonfchneider- Mundloch und den rotirenden Tifch geräth, mufs erft die Erfahrung lehren. Alles reibt, zwängt und drückt fich an Morand's Mafchine und ftarke, weitgehende Reparaturen werden an ihr bald unvermeidlich fein. Der von ihr gelieferte Ziegel ift jedoch ein ganz gutes Fabricat, ähnlich dem von Hand geformten, fcharfkantig und ziemlich homogen im Bruch. Die verfchiedene Befchaffenheit des Thones wird, wenn derfelbe nicht allzu fett ift, weniger Einflufs auf diefe Mafchine als auf manche andere ähnlicher Conftruction haben. Ihr Preis ftellt fich inclufive Dampfantrieb auf 4500 Gulden, ohne diefem auf 3500 Gulden loco England. Die Leiftungsfähigkeit einer folchen Preffe bei einem Kraftverbrauch von angeblich acht Pferdeftärken( den angewandten Cylinderdimenfionen nach foll es wohl beffer 15 H. P. heifsen) beträgt 12- bis 1500 Steine per Arbeitsftunde, wobei angenommen wird, dafs der Formtiſch vier Umdrehungen per Minute macht. Die amerikaniſche Ausftellung brachte, wenn auch verfpätet, fo dafs die Jury nicht mehr in die Lage kam, ihr Urtheil zu fällen, eine Ziegelmafchine von Winn in Pennſylvania, Eigenthum von J. G. Mytinger in Philadelphia. Die urfprüngliche Mafchine und das Ideal des Ausftellers ift transportabel und wieder eines jener Syfteme, das Alles leiften will und nichts gehörig verrichtet. An einem auf Rädern montirten horizontalen Dampfkeffel ift eine Dampfmafchine zum Betriebe eines, ebenfalls auf dem Keffel ftehenden Thonfchneiders angebracht, der von oben directe von der Pleuelftange mittelft einfachen Vorgeleges angetrieben wird. Der aus Eifenblech conftruirte Mantel des Thonfchneiders ift doppelwandig, und innen durchbohrt. Der Zwiſchenraum ift mit Waffer gefüllt( im Winter mit warmem), das durch die feitlichen Oeffnungen in die Thonmaffe eintreten foll. Der Thonfchneider hat feitlich ein Mundftück, das fo angeordnet ift, dafs ein hölzerner Rahmen, welcher fechs Ziegelformen( amerikanifches Format, alfo 100 Cubikzoll englifch) enthält, feitlich eingefchoben werden kann. Die Formen werden vorher eingefandet und hinter das Mundftück gebracht, dort von einem Schieber erfafst, unter die Austrittsöffnung gebracht, mit Thon vollgefüllt, bei dem nächften Hub herausgedrückt und auf einen Tifch gefchoben, von dem fie ein Arbeiter abnimmt. Mit dem einfachen Anfüllen der Formen durch den austretenden Thon aus dem Malaxator würden jedoch die Kanten des Ziegels zu unrein ausfallen; vor dem Mundstücke ift daher eine Prefsvorrichtung angeordnet, die im Momente des Austrittes der Form einen Druck ausübt, der regulirbar gemacht ift. Der Antrieb des Thonfchneiders gefchieht von oben und bedarf eines Motors von circa zehn Pferdeftärken. Jedenfalls werden die Arbeiter ftark angeftrengt, welche mit den gefüllten, an fich fchon fchweren Holzmodeln für fechs Steine zu hantiren haben, namentlich wenn die Angaben des Fabrikanten auch nur annähernd richtig find, welcher 4000 Stück Ziegel in der Arbeitsftunde als Leiftungsfähigkeit der Mafchine angibt. Dafs bei Erzeugung von Ziegeln unferes Wiener Formates diefe Maffenproduction eine ftarke Herabminderung erfahren mufs, ift klar. Wann werden wir doch von unferen koloffalen Ziegeldimenfionen Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 13 erlöft, welche jetzt doch fchon lange im Intereffe des Producenten fowohl als des Käufers. durch das norddeutfche Normalziegel- Format erfetzt fein follten! Auf der Ausftellung war eine felbftftändige, nur auf Räder geftellte Mafchine zu fehen. Wie wir hören, arbeitet eine folche bereits mit beftem Erfolge auf einer Ziegelei der Gebrüder Lönholdt in Bockenheim bei Frankfurt am Main, ohne dafs es uns möglich gewefen wäre, genauere Daten über ihre Leiftungsfähigkeit mit dem dort zu Gebote ftehenden fandigen Thone zu erfahren. Der Preis der completen Mafchine fammt Zubehör ift 9100 Gulden, der einer folchen ohne Keffel und Motor 4700 Gulden frei an Bord geftellt. Hand- Ziegelpreffen waren diefsmal fo gut wie gar nicht zu fehen Die einzige Preffe, die wir vorfanden, ift jene von L. Jäger in Burfcheidt, eine etwas complicirte Kniehebel- Preffe, difficil zu behandeln und kaum den bereits bekannten Conftructionen vorzuziehen. Diefe, fowie jede andere diefer Hand- Ziegelmafchinen eignet fich nicht für die Erzeugung gewöhnlicher Mauerziegel, fondern höchftens zum Nachpreffen derfelben behufs Herſtellung von Verblendfteinen. Aber auch zu diefem Werke kommt die Nachpreffe fchon aufser Gebrauch, da denn doch mittelft der Ziegelpreffe mit Walzendruck, etwa wie fie Gebrüder Schmerber ausftellten, eine gröfsere Leiftung und ein vollkommeneres Materiale zu erzielen ift. Kaum ift die Production bei den Hand- Ziegelpreffen über 2000 Stück pro Tag zu bringen, der Ziegel wird ungleichförmig dicht und find folche Mafchinen zur Verarbeitung fehr plaftifchen Thones unbrauchbar. Jäger's Preffe, welche natürlich nur halbtrockenes, ftark krümmliges Rohmateriale zu verarbeiten in der Lage ift, koftet fammt Rädergeftelle, das fie transportabel macht, 460 Gulden. Die Form- Ziegelpreffe von H. Peters( vertreten durch F. Hoffmann in Berlin) ift eine eigenthümliche originelle Vorrichtung zur Herftellung ornamentirter Ziegel oder Terracotten, welche auf mehreren Seiten eine Deffinirung erhalten follen. Das Princip diefer, übrigens nicht befonders einfachen und für eine Maffenproduction auch kaum geeigneten Mafchine beſteht in der Anwendung von viertheiligen gufseifernen Formen, die fich blumenkelchartig auseinander legen. Von oben wird ein Stempel mittelft einer Schraube in die mit Lehm gefüllte Form eingedrückt, während die Theile der Letzteren durch einen leicht auffchiebbaren Ring zufammengehalten find. Die Idee als folche verdient jedenfalls feftgehalten zu werden, die praktiſche Ausführung derfelben im vorliegenden Falle läfst aber gewifs noch Manches zu wünfchen übrig und vermag noch lange nicht den Zwecken der praktifchen Thonwaaren- Fabrication zu dienen. An die mit Mafchinkraft bewegten, vorhin befprochenen Ziegelmaſchinen fchliefsen fich die Röhrenpreffen directe an, welche auch nicht felten zur Herftellung von Façonziegeln, Dachplatten u. f. w. dienen. Preffen für Drainröhren- Fabrication gewöhnlichfter Conftruction, an denen eine Zahnftange mit Druckplatte den Thon aus dem Füllkaften treibt, ftellte Bernhard Borofch in Prag aus, die durch ihre, gefchmacklos genug mit fcharlachrothem Tuch überzogenen Walzen am Abſchneidetifch, mehr als nöthig aufgefallen find. Für ganz kleine Arbeiten, für das Preffen von Kachelftegen u. f. w. wird fogar nur eine Schraube zum Ausdrücken des Thones benützt. Ebenfowenig wie die erftgenannten Preffen bietet jene von Page& Comp. in Bedford Neues. Mittelft doppelter Zahnftange wird der Thon ausgetrieben und gefchieht die Kraftübertragung durch ein kräftiges doppeltes Vorgelege. Vier Drainröhren werden auf einmal erzeugt. Mit den Drainröhren verfchwinden nach und nach auch diefe Mafchinen, um continuirlich wirkenden Platz zu machen. Die Steinzeug- Röhrenfabrication, 14 Dr. Emil Teirich. welche aus England auf den Continent übertragen wurde und die hier, namentlich in Deutfchland, feit längerer Zeit fchon gut betrieben wird, gewinnt immer gröfsere Verbreitung und bürgert fich auch in Oefterreich, das einige vorzüglich fchöne Erzeugniffe diefer Art ausftellte, immer weiter ein. Im Allgemeinen ift es die Herftellung gut geformter, dichter, undurchdringlicher Muffenrohre, die angeftrebt wird und fchon feit Langem find in England Maſchinen im Gebrauche, die es ermöglichen, die Muffen mit dem Rohre unter Einem zu preffen. Die Mafchine von H. Clayton, welche mit doppeltem ZahnftangenTrieb einen Pifton in den mit Thon gefüllten Cylinder treibt und fo die mächtigen Rohre ausprefst, nachdem die Muffen fich in der eigenthümlich conftruirten Form gebildet haben, ift wohl die bekanntefte, und diente zuerft zum Erfatze der Handarbeit, mittelft welcher auf der Töpferfcheibe oder durch Anfchlickern gröfserer Rohrftutzen die Muffe auch heute noch häufig in England felbft gebildet wird. Intereffanter noch als diefe Vorrichtung Clayton's ift jene, welche wir bei Gibbs and Canning in Tamworth in Thätigkeit fahen und die mittelft hydraulifchem Druck arbeitet. Die Muffen werden hier erft gebildet, wenn das Rohr fchon ganz fertig geprefst ift, und erhalten ganz diefelbe Homogenität wie feine Hauptmaffe. Im Prater war von diefen, übrigens nicht continuirlich wirkenden Mafchinen keine erfchienen, dagegen führten die Gebrüder Sachfenberg in Rofslau an der Elbe eine mächtige, continuirliche Thonröhren- Preffe vor, geeignet, Rohre bis zu einem Diameter von 800 Millimeter lichte Weite zu erzeugen. Im Wefentlichen ift diefe Preffe nichts Anderes, als eine vertical geftellte Sachfenberg'fche Ziegelmafchine. Zwei Walzen übernehmen den, natürlich fehr gut vorbereiteten Thon vom Elevator und preffen ihn durch einen kurzen Rumpf in ein kreisrundes Mundftück, das dem an der Clayton'fchen Mafchine nachgebildet ift. In der Mitte desfelben ift ein flaches, fchalenförmiges Mittelftück in die Oeffnung fo eingefügt, dafs der Abftand der Peripherie derfelben von jener der Mundftück- Oeffnung der beabsichtigten Rohrftärke entſpricht. Nach unten erweitern fich die Wände des Mundftückes gemäfs der äufseren Muffenform. Ein zwifchen Leitrollen vertical auf und ab beweglicher, mit Gewichten ausbalancirter Tifch dient zum Auffangen des austretenden Rohres, deffen eigene Schwere ein Abreifsen der Thonmaffe zur Folge hätte. Soll die Mafchine in Thätigkeit kommen, fo wird eine Holzchablone von der inneren Muffenform in das Mundftück eingefügt, der Tifch bis ganz hart an dasfelbe angeprefst und nun mit der Arbeit begonnen, deren Refultat ein Rohrftück vom Diameter der Muffe ift. Sobald diefes rein und dicht austritt, wird es mittelft eines Drahtes glatt abgefchnitten, der Muffenkern entfernt, die vorher herabgelaffene Tifchplatte wieder angefchoben und nun mit der Preffung fortgefahren, welche jetzt ein Rohr fördert, das der zunächft gebildeten Muffe folgt. Gewöhnlich werden diefe Rohre auf eine Meter- Länge ausgeprefst und ift es einem gefchickten Arbeiter ganz leicht, durch Abbiegen des austretenden Rohres demfelben auch jede beliebige Krümmung zu geben, fo lange der Rohrdurchmeffer nicht gröfser als als 200 Millimeter wird. Ueber diefen hinaus Die tritt dabei freilich fchon eine Deformation des Rohrquerfchnittes ein. näheren Details diefer Operationen, fowie die weiter noch folgenden, fo das Behandeln der Rohre beim Trocknen, deren Putzen und Nachbeffern, zu welchem Ende die gröfsten mittelft eines eigenen Kraniches gehoben und gewendet werden, würde uns zu weit führen. Jedenfalls ift die befchriebene Mafchine eines der intereffanteften und zweckmäfsigften der ganzen hieher einfchlägigen Ausftellungsobjecte. Mehrfache Verfuche in der Praxis fprechen für deren Leiftungsfähigkeit. Die von E. Polko in Bitterfeld auf derfelben hergeftellten Steinzeug- Röhren find ganz fchöne Producte. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. Die Mafchine erzeugt per Stunde Arbeitszeit Muffenrohre von 500 Millimeter bis 800 Millimeter lichten Diameter 7 Stück 400 240 99 29 200 دو 300 160 29 120 99 وو 77 15 وو 27 وو 25 99 " 2 99 30 99 รา 99 50 وو " 2 " 65 " 15 Eine fehr vorzügliche Mafchine, die bereits vielfache Verwendung nicht nur in Belgien gefunden hat, fondern auch anderen Ortes mit Vortheil eingeführt wurde, ift die hydraulifche Zinkretorten- Preffe von N. J. Dor, dem verdienten Director der grofsen Fabriken von Ampfin( im Befitze von Laminne) in Belgien. Immer mehr gewinnt die Anwendung des hydraulifchen Druckes Verbreitung in der Thonwaaren- Induftrie. In der Erzeugung feuerfefter Producte, der der Fufsboden- Belegplatten, der Thonröhren, der Schmelztiegel und fo fort, ift die hydraulifche Preffe bereits ziemlich eingebürgert. Dor verwendet in paffender Weife einen folchen Apparat zur Herftellung der Zinkretorten nach belgifchem Modell( mit gefchloffenem Boden). Hier, wo es ganz darauf ankommt, eine befondere Dichte der Muffelwand zu erzielen, ift die Anwendung ftarker Compreffion für die plaftifche Chamotte compofition fehr am Platze. Zudem wird Handarbeit gefpart, die bedeutenden Koften des Retortenverbrauches, der erzielten gröfseren Dauerhaftigkeit wegen, vermindert. Die Mafchine ift feit etwa fünf Jahren in der Fabrik von Laminne, in der von Valentin Coq und auf den grofsen Werken von Vieille Montagne in Verwendung. Faft noch gar keine Anwendung haben in Oefterreich die Falzziegel gefunden, ein Dacheindeckungs- Materiale, das urfprünglich zuerft wohl in der Schweiz erzeugt, fpäter aber die gröfste Verbreitung in ganz Frankreich, Italien, in Deutfchland, längs des Rheins und im Norden bis Königsberg gewonnen hat. Die Vorzüge des Falzziegel- Daches, das in feiner heutigen Geftalt von einem Werkführer Müller( jetzt bei Gebrüder Schmerber), und von Gilardoni herrührt, laffen fich kurz zufammenfaffen. Sie beftehen in grofser Leichtigkeit, Möglichkeit der Herftellung von Ziegel- Dachflächen bis zu 20 Grad Neigung, Sicherheit gegen das Auftreten durch Wind und Eintreiben von Regen, endlich in einem gefälligen Ausfehen. Während ein gewöhnliches, doppelt gedecktes Dach( circa 110 fogenannte Biberfchwänze gerechnet) ein Gewicht von 350 Pfund hat, wiegt eine gleiche Dachfläche( mit 54 Stücken Falzziegeln gedeckt) nur 270 Pfund, alfo faft um 25 Percent weniger, was eine bedeutend leichtere Dachconftruction zuläfst. Namentlich für Fabriks- und Bahngebäude gibt es keine zweckentfprechendere Bedachung. Die Verfuche, welche die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellſchaft mit diefen Ziegeln feit einigen Jahren an ihren eigenen Gebäuden anftellte( Ziegel ihrer Fabrication waren unter deren fehr intereffanten Collection von diverfen Thonwaaren ausgeftellt gewefen), gaben ein fo zufriedenftellendes Refultat, dafs diefelbe, wie wir hören, die Fabrication folcher Dachplatten im Grofsen vornehmen und die Falzziegel hier einführen wird. Aufser denen der genannten Firma waren vielfache, mitunter fehr fchön gearbeitete Dach- Falzziegel zu fehen, und namentlich manche Proben von folchen ausgeftellt, die eine gewöhnliche Bleiglafur oder Thonbegufs trugen. Wir erwähnen der Fabricate von E. Bihl& Comp. in Waiblingen bei Stuttgart, von Ziegler in Schaffhaufen und von Villain de Kergal in Brindifi. Am meiften verdient um die Einführung diefes trefflichen Dachbedeckungs- Materiales haben fich die Gebrüder Schmerber in Tagolsheim gemacht, deren continuirliche Falzziegel- Preffe fo ziemlich die weitefte Verbreitung gefunden hat. Schon in Paris arbeitete diefelbe im Jahre 1867 recht befriedigend und erfchien auf der Wiener Ausftellung neu 2 16 Dr. Emil Teirich. verbeffert in völlig praktifcher Conftruction. Im Wefentlichen wird durch eine Excenterbewegung, ähnlich wie an einer Stanzmafchine, ein Kolben gehoben und gefenkt, welcher die obere Matrize des Dachziegels enthält, während die untere in die Seite eines fünfeckigen Prismas angebracht ift, in das fünf folcher Formen eingepafst find und wovon jeweilig eine andere durch intermittirende Rotation unter den Stempel gebracht wird. Ein Arbeiter belegt mit vorgefchnittenen und durch eine Thonknete homogen vorbereiteten Thonplatten die leeren Formen, während auf der anderen Seite der Mafchine ein zweiter die fertigen Ziegel abnimmt. Die Formen find in hartem Modellirgyps hergeftellt und halten je nach deffen Güte bis 3000 Preffungen aus. Die Mafchine braucht 21, Pferdeftärken zur Bewegung und erzeugt im Tage 7- bis 8000 Falzziegel, welche jedoch erft von Hand nachgeputzt werden müffen. Die zur Firftbekrönung nöthigen Firftziegel werden entweder aus Gypsmodeln von Hand geftrichen oder auf Handpreffen erzeugt, von denen Schmerber's zweierlei Typen bauen. Der eine ift eine Spindelpreffe mit mechanifchem Frictionsräder- Antrieb, in welche die gefüllten Formen von Hand eingefchoben und ausgenommen werden, der andere, kleinfte ift eine Spindelpreffe, die auch von Hand niedergefchraubt wird. Erftere Preffe erzeugt ftündlich circa 200 Ziege! und koftet fammt Utenfilien, Referveformen etc. 1350 fl., die letztere prefst ftünd lich 100 bis 120 Stück und koftet 900 fl. Eine recht gut gearbeitete Falzziegel- Preffe der letztbefprochenen Art ift ferner die von E. Laeis& Comp. in Trier gebaute, für Handbetrieb eingerichtete. Alle aus diefer Fabrik hervorgehenden Arbeiten zeichnen fich durch Präcifion der Arbeit aus und fo ift auch diefe Falzziegel- Preffe ein fchönes Stück. Eine auch nur irgend rentable Fabrication wird mit diefen Handpreffen freilich nie fo recht zu erzielen fein, und wir glauben, dafs mit denfelben Verfuche zur Einführung der Falzziegel bei uns in Oefterreich geradezu fcheitern müfsten. Apparate zum Trocknen und Brennen. Als hervorragendfte Novität unter den Brennöfen für die Zwecke der Thonwaaren- Induftrie ift der neuerliche und diefsmal fozufagen völlig gelungene Verfuch der Einführung der reinen Gasfeuerung zu nennen. Das Verdienft hiebei gebührt vor Allem dem thätigen Civilingenieur Georg Mendheim in Berlin, dann aber dem Director der königlichen Porzellanmanufactur dafelbft, dem Regierungsrathe v. Möller, der dem Erfinder diefes Ofenfyftemes beim Neubau der Por zellanfabrik in dem Thiergarten Gelegenheit gab, zum erften Male eine grossartige Feuerungsanlage von 22 Kammern in luxuriöfefter Weife auszuführen und feit December 1871 in Betrieb zu fetzen. Seither find zwölf folcher Oefen an den verfchiedenen Orten im Betriebe, fechs andere im Bau und dient diefes Syftem ebenfowohl zum Brennen von Porzellan, als auch von Steinzeug, Terracotta und Ziegeln. Die wefentlichften Eigenfchaften diefer Brennöfen laffen fich wie folgt zufammenfaffen: Erfolgt die Verbrennung der Generatorgafe koftenfrei mit der, den in Abkühlung begriffenen Kammern, entnommenen heifsen Luft; Wird die heifse Verbrennungsluft aufserdem zum Vorwärmen der zunächſt gar zu brennenden Ofenkammer völlig ausgenützt. Allen fpeciellen Ausführungen der Mendheim'fchen Oefen find diefe Principien gemeinfam, während die fpecielle Conftruction der Kammern je nach dem vorliegenden Zwecke den gröfsten Modificationen unterliegt. Eine möglichft gleichförmige Mifchung von Gas und Luft, eine gleich mässige Vertheilung der Flamme, refpective Hitze, in der ganzen Ofenkammer Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 17 und die Vermeidung einer unnöthigen Ueberhitzung gewiffer Theile des Ofens, find die, bei allen Varianten angeftrebten Principien des Conftructeurs. In allen jenen Fällen, in denen das zu brennende Fabricat gegen eine, nicht ganz gleichförmige Mifchung der Flamme fehr empfindlich ist, wie bei Porzellan-, Steingut- oder bleiglafirtem Gefchirre, ift eine centrale Einführung des Gasgemenges erforderlich, was freilich den Nachtheil hat, dafs eine gewiffe Wärmemenge durch Zufammenführen von Gas und Luft unterhalb der Ofenfohle dem Brennproceffe entzogen wird und auch die Baukoften der Anlage fich erhöhen. Für Terracotten und Ziegel ift eine folche Vorficht nicht nothwendig. Hier kann man Gas und Luft an mehreren Punkten der Kammer frei eintreten laffen, die Bauart derfelben wird einfacher, dauerhafter, die Brennftoff- Erfparnifs erheblicher. Die angewandten Gasgeneratoren find von bekannter Conftruction, in ihnen bildet fich aus dem aufgegebenen Brennmateriale unter Zuftrömen eines geringeren Luftquantums, als zur völligen Verbrennung nöthig ift, das Gemenge von Kohlenoxyd- Gas, Wafferftoff und Kohlenwaffer- Stoffen, welches neben dem gebildeten Waffer und dem Stickftoffe der eingeftrömten atmoſphärifchen Luft in zwei Canälen den Kammern zugeleitet wird, welche in gröfserer Zahl und in zwei Reihen angeordnet find. Die Gaszuftrömungs- Canäle laufen an den beiden Aufsenfeiten der doppelten Kammerreihe. Jede Kammer hat ihre befondere, durch ein Ventil fperrbare Gaszuführung und eine Verbindung mit den beiden anftofsenden Kammern durch Canäle in den Trennungswänden, welche ihrerfeits durch eiferne Schieber abfperrbar find. Durch ein eifernes Glockenkegel- Ventil fteht zudem jede Kammer mit dem Rauch- Abzugskanale in Verbindung, der zwifchen den beiden Kammerreihen liegt und in den Schornftein des Ofenfyftemes mündet. - Soll eine folche Kammerreihe in Betrieb gefetzt werden, fo bringt man die Generatoren in Gang, leitet das Gas in eine Ofenkammer, welche vorher mittelft directen Feuers in Rothgluth gebracht ift, oder man zündet das Gas, auch wenn die Befchaffenheit der zu brennenden Waare diefs zuläfst, bei feinem Eintritte in eine kalte Kammer directe an. Sobald die Kammer gar gebrannt ift was man freilich bei kalter Verbrennungsluft etwas fchwer erreicht wird das Gas. ventil derfelben gefchloffen und das zu der nächften Kammer führende geöffnet, welche durch die abziehenden heifsen Verbrennungs- Producte aus der erften bereits ftark vorgewärmt ift. Die Luft, welche nun zur Verbrennung nöthig ift, paffirt durch die Oeffnungen in den Kammer- Scheidewänden, tritt erhitzt an das Gas, entzündet es und erhöht deffen Heizkraft wefentlich. In folcher Weife fetzt fich nun ein continuirlicher Brennprocefs von Kammer zu Kammer regelmäfsig fort. Für Ziegel und Chamottewaaren genügt eine Kammerzahl von vierzehn bis fechzehn, in zwei Reihen von je fieben bis acht Kammern angeordnet, welche an ihren Enden durch Canäle verbunden find. Wenn bei einem, im vollen Gange befindlichen Ofen von fechzehn Kammern beifpielsweife die Kammer 8 durch Einleitung von Gas befeuert wird, fo empfängt letzteres die nöthige Verbrennungsluft durch den etwas geöffneten Eingang der Kammer 5, nachdem diefe Luft Kammer 5, 6, 7 paffirt und aus denfelben Wärme entnommen hat. Die Kammern 9, 10 und II werden von den aus 8 abgehenden Verbrennungsproducten durchftrichen und hiedurch vorgewärmt, Kammer II ift von 12 dabei durch Schieber getrennt. Auch die fertig gebrannt ftehenden Kammern 1, 2, 3 und 4 haben dann noch eine ziemlich erhebliche Temperatur. Man läfst Luft durch diefelben ftreichen, welche nach Belieben zur Erwärmung der Trockenräume in der Fabrik verwendet oder durch einen befonderen kleinen Canal in die Kammern 13 und 14 geleitet wird. Diefe find mit frifchem Einfatz verfehen, jede für fich durch Schieber abgefchloffen und mit dem Schornftein in Verbindung gefetzt. Durch den, ganz allmälig den frifchen Einfatz paffirenden, vom Schornftein angefogenen, warmen Luftftrom werden 2% LA 18 Dr. Emil Teirich. nicht nur alle etwa noch feuchten Stücke nachgetrocknet, fondern auch bis zu dem Grade erwärmt, dafs die in den Verbrennungsproducten enthaltenen, aus den erhitzten Waaren entweichenden Wafferdämpfe fich nicht an der Oberfläche der frifchen Waare niederfchlagen und diefelbe dadurch verunftalten. Es iſt felbftverftändlich, dafs diefes Schmauchverfahren in der Regel nur bei maffigen Fabricaten, wie beifpielsweife bei Ziegelwaaren, nicht aber bei Porzellan oder Steingut angewendet wird, die wenig Wafferdämpfe geben und bei denen die Verbrennungsproducte bei höherer Temperatur entweichen. Die Kammergröfse kann ohne fichtlichen Einfluss auf die Gleichförmigkeit des Brandes zwifchen 6 bis 44 Cubikmeter variiren, ja letztere Dimenfion noch übersteigen. Nach diefen und der Waarenforte ändert fich die Brenndauer der Kammer. Verblend- und Chamotteziegel brauchen 15 bis 25 Stunden, feine Verblender und Terracotten 25 bis 40 Stunden je nach Empfindlichkeit des Materiales, Thonröhren 10 bis 12, Porzellan- Verglühbrand circa 4 Stunden, Scharfbrand bei Vollfeuer in demfelben Ofenfyftem 10 Stunden im Durchschnitte. Gegenüber den alten Porzellanöfen mit Benützung der abgehenden Hitze für das Verglühen ftellt fich die Brennftoff- Erfparnifs in Mendheim's Ofen auf circa 25 Percent, da bei diefem Syfteme Verglüh und Kapfelbrände gefondert gemacht werden müffen. Für leicht brennende Ziegel( vom Normalmafs 250 X 120 X 65 Millimeter) genügen circa 500 Pfund oberfchlefifche Steinkohle pro 10.000 Pfund Waare, ein Brennftoff- Verbrauch, der fich bei fehr fchwer brennenden Materialien und Klinkerbränden auch verdoppeln kann. Bei Thonröhren und Steingut rechnet man 100 bis 160 Pfund per Cubikmeter Kammerinhalt je nach dem zu erzielenden Feuergrade. Es ist zwar einleuchtend, dafs die Vorzüge diefes Ofenfyftemes in vollftem Mafse nur dann hervortreten, wenn dasfelbe für continuirlichen Betrieb gebaut ift und ein folcher darin auch wirklich unterhalten wird, doch fchliefst diefs keineswegs aus, dafs im gegebenen Falle nur ein Complex von 4 oder 5 etc. Kammern für intermittirenden Betrieb in Anwendung kommt. Alle jene Brennmaterialien, welche für Flammfeuerungen gut verwendbar find, können auch für Generatorbetrieb verwendet werden. In neuerer Zeit, wo die, beiſpielsweife in Steiermark mit den Leobner Grieskohlen angeftellten Verfuche, deren Verwendbarkeit im Siemens'fchen Gasofen gezeigt haben, können diefe, dann aber wahrfcheinlich auch jüngere Braunkohle, Lignit und Torf zur Gaserzeugung, und dann mit grofsem ökonomifchen Vortheile verwendet werden. Der Mendheim'fche Ofen hat jedenfalls die gröfste Zukunft in der Thonwaaren- Induftrie bei Erzeugung feinerer Waaren; zum Brennen für Ziegel, ja vielleicht felbft noch für gewöhnliche Steinzeug- Röhren brennt er naturgemäfs zu theuer und macht daher dem bekannten Ofen von Friedrich Hoffmann in Berlin keine Concurrenz. Mit deffen Erfindung und Ausbreitung begann unftreitig eine neue Epoche für die Thonwaaren- Induftrie, die befonders jenem Zweige derfelben, welcher die gröfsten Maffen zu bewältigen hatte, alfo der Ziegelfabrication, zu gute kam und fich von diefer auf die Erzeugung von Kalk, Cement und Gyps übertragen hat. Als im Jahre 1858 Hoffmann zuerft mit feinen Ringöfen vor die Oeffentlichkeit trat, wurden diefelben zwar lebhaft von der Wiffenfchaft als theoretisch vollkommenfter Brennapparat begrüfst, aber nur allmälig fand die neue Idee eine praktiſche Geftaltung; als aber die überrafchenden Refultate der enormen Brennftoff- Erfparnifs und die Güte des erzielten Productes Würdigung gefunden hatten, nahm die Zahl der Ringöfen in erftaunlicher Weife fo zu, dafs heute beinahe taufend nach den Entwürfen des Erfinders errichtet worden find. Sieben Achtel davon dienen der Ziegelinduftrie, der Reft zur Erzeugung von Kalk und Cementen. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 19 In keinem Induftriezweige konnte die Brennftoff- Erfparnifs weitergehende, national- ökonomifche Vortheile bieten als gerade hier. Nimmt man fchätzungsweife die jährliche Leiftung eines der beftehenden Ringöfen nur mit 3 Millionen Steinen an( es gibt deren folche, die neun bis zwölf Millionen Ziegel im Jahre brennen, wie folche beifpielsweife in Inzersdorf bei Wien zu fehen find) und die BrennftoffErfparnifs per taufend Ziegel nur mit 600 Pfund Kohle, fo ergibt fich ein jährlicher Minderverbrauch von achtzehn Millionen Centner Kohlen im Werthe von neun bis zehn Millionen Gulden, welche jährlich für andere Induftriezweige disponibel gemacht werden. In Oefterreich war es bekanntlich Heinrich v. Drafche, welcher, nachdem er die treffliche Wirkungsweife des Hoffmann'fchen Brennapparates erkannt, für die Einführung desfelben auf feinen grofsartigen Ziegeleien zu Wien und Peft mit allen Mitteln eintrat. In gleicher Weife gab feine Gefchäftsnachfolgerin, die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellſchaft dem Ringofen- Betrieb eine weitere, bis jetzt noch nirgends fonft erreichte Vollkommenheit. Mit der, in den letzten Jahren immer weiter um fich greifenden Anwendung der Ringöfen, hat die Ausbildung derfelben fowohl im Bau als auch im Betriebe gleichen Schritt gehalten. Die urfprünglich kreisrunde Form des Ofenringes hat vielfach, nicht gerade principiell geänderten, aber durch locale Verhältniffe bedingten Grundrifs- Formen weichen müffen. Für Oefen in gröfseren Dimenfionen hat fich, angeregt durch die in den vereinigten Wienerberger Fabriken durchgeführten Verfuche, namentlich die langgeftreckte Form, fowie die Anwendung zweier hinter einander wandernder Feuer im Ofenringe feit einigen Jahren eingebürgert. Die Conftruction von Glocken mit eingefetzten Kegeln zum Abſchluſs der Rauchcanäle anftatt der einfachen, urfprünglichen Glockenverfchlüffe, hat die exactefte Regulirung des Zuges ermöglicht und die Sicherheit des Betriebes damit wefentlich erhöht. In vielen Fällen hat fich der Betrieb des Hoffmann'fchen Ofens auch unter Aufgeben des Principes der Continuität bewährt, natürlich aber unter Beibehal tung der demfelben eigenthümlichen Befeuerungsweife. So vollkommen der Ringofen als Brennapparat angefehen werden mufs, fo find doch an demfelben noch Wärmeverlufte zu beobachten, deren Vermeidung wünfchenswerth erfcheint. Die auf der Weltausftellung vorgeführten RingofenModelle Hoffmann's veranfchaulichen die Art und Weife, wie diefe Verlufte künftig in der Praxis zu umgehen find. Befonders find es zwei neue Organe des Ringofens, welche in diefer Richtung Erwähnung verdienen der Schmauchcanal, um das Trocknen, Vorwärmen und Ausfchmauchen der Steine durch die warme, trockene, den zu entleerenden Kammern entftrömende Luft zu bewerkstelligen, und die Trockenkammern, um das, durch Strahlung aus den Ofenwänden entweichende Wärme quantum zum Trocknen von Steinen zu benützen, und zwar in derfelben continuirlichen Weife, wie es beim Brennen gefchieht, und mit diefem Schritt haltend. Der Schmauchcanal geftattet unter Anwendung dreier Schieber zur Sper rung des Ofencanales neben einem Gewinn von Wärme, die Ziegel in einem nicht ganz trockenen Zuftande einzubringen, ohne dafs fie namentlich in ihrer Farbe leiden, da fie während des Beginnes des Schma uchproceffes von den mit Wafferdämpfen gefchwängerten Feuergafen abgefchloffen find. Der Schmauchcanal hat in befriedigendfter Weife das Problem gelöft, auch zartere Objecte, wie Verblendfteine und Bauornamente fehlerfrei zu brennen. Die Trockenkammern geftatten den Betrieb einer Ziegelei räumlich und in Bezug auf Handarbeit auf ein Minimum zu reduciren. Eine Reihe von Vorfchlägen Hoffmann's, die Vortheile des Ringofen- Betriebes auch auf andere keramifche Proceffe als das Brennen von Ziegeln zu übertragen, wie das Auffchmelzen von Glafuren, die Erzeugung gefalzener Steinzeug- Röhren, fchwarz gedämpfter Ziegel, 20 Dr. Emil Teirich. zarter Ornamente und dergl. haben endlich auch noch zu Conftructions weifen feines Ofens geführt, auf die einzugehen wir uns hier verfagen müffen. Die durch die Bemühungen einer beutegierigen Concurrenz leider in Preufsen und in Oefterreich durchgefetzte Aufhebung des Hoffmann'fchen Privilegiums kurz vor deffen nahe bevorstehendem Ausgang hat in technifchen und juridifchen Kreifen viel Staub aufgewirbelt. Und mit Recht, denn nie wurde gröfseres Verdienft in fchnöderer Weife mifsachtet, nie wohlerworbene Rechte rückfichtslofer mit Füssen getreten als bei diefem, in der Gefchichte der Privilegien zum Glücke beiſpiellofen Proceffe. Zu den vielen Nachbildungen, welche der Hoffmann'fche Ofen erfahren hat, und die ihr Entftehen urfprünglich nur dem Bemühen verdanken, das feinerzeit noch beftandene Privilegium zu umgehen, ift auch jener Ofen von Paul Loeff, Baumeifter in Berlin, zu erwähnen, dem wir auf der Ausftellung begegneten. Der Form fowie den Details in der Ofenconftruction nach find Hoffmann's Ideen völlig beibehalten und die von Loeff angewandten Abänderungen der Hoffmann'fchen Bauweife gereichen dem ganzen Apparate kaum zum Vortheile. Hier wie dort treffen wir auf den continuirlichen Ofencanal den beweglichen eifernen Schieber zur Trennung der Kammern, die Abzugscanäle nach einem gemeinfamen Rauchfammler, der nach einem ifolirt ftehenden Schornftein führt. Die Grundform des Ofenringes ift die Oblonge, die Heizung gefchieht durch Oeffnungen im Gewölbe der Kammern ohne befondere Feuerftelle. Was wir aber an Loeff's Ofen vermiffen, das ift die äufserft folide, conftructiv fo fehr durchdachte Bauart Hoffmann's, die Wärmeverlufte durch Strahlung und Mittheilung vermeiden läfst und den ganzen Brennapparat vor den zerftörenden Wirkungen des fortwährenden grellen Temperaturwechfels fchützt. Mit einem Worte, wir halten Loeff's Ofen für einen unvollkommenen Hoffmann'fchen Ringofen, deffen Herftellungskoften vielleicht um weniges verringert wurden, ein Vortheil, der fich jedenfalls theuer genug bezahlt macht, wenn nach kurzer Betriebszeit koftfpielige und durchgreifende Reparaturen nöthig werden. Zum guten Theile gilt das eben Gefagte auch von dem Ringofen von Benno Schneider in Berlin, der fich womöglich noch enger an den Hoffmann'fchen Ofen anfchliefst. Auch hier haben wir alle wefentlichen Beftandtheile des Originales gefunden. Der Ofen ift 18kammerig, jede Kammer mit einem Kuppelgewölbe gefchloffen und von der nächften mittelft durchbrochener Scheidewände getrennt, unter denen aufserdem ein Canal die Communication der Feuergafe vermittelt, wenn die Gitterwand durch Sandfchieber abgefchloffen wird. Der Rauchfammler ift getheilt in zwei, oben am Ofen liegende Canäle und fteht durch ebenfolche mit jeder Kammer in Verbindung. Der Schornftein ſteht in Mitten des Ofens. Die Feuerung gefchieht feitlich mittelft Roften, welche vertieft unter der Ofenfohle liegen. Jede Kammer hat eine einzige Feuerftelle. Ein Exemplar diefes Ofens fteht in Baden bei Wien im Betriebe. Auch von diefer Conftructionsweife ift wenig mehr zu erwarten als von allen anderen mit ähnlicher Feuerung. Keinesfalls ift diefe, dem Hoffmann'fchen Ofen gegenüber fogar complicirtere Anordnung als ein Fortfchritt in unferer Ofenbaukunft anzufehen. Die bei Wien mit dem Ofen erzielten Refultate find, wenn auch nicht geradezu ungünftig, doch auch wieder nicht fo encouragirend, dafs wir die Anlage diefes Syftemes befürworten könnten. Ein ganz eigenthümlicher und von den bisher behandelten völlig verfchiedener Brennapparat ift jener von A. Morand in Broocklyn U. S. A. Eine Reihe von 5 bis 6 Kammern ſteht durch je zwei Längscanäle unter dem Boden und zwei ebenfolche ober dem Gewölbe mit einander fo in Verbindung, dafs durch die oberen Canäle aus jeder Kammer die feuchten Schmauchgafe und Rauch nach dem Schornfteine feparat abgeführt werden können, während die unteren dazu dienen, einerfeits die heifsen Feuergafe nach demfelben zu bringen, Die Maschinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. 21 anderfeits aber die heisfe Luft von einer Kammer zum Zwecke der Vortrocknung neuer Waare in die andere zu leiten. Die Kammern find durch Scheidewände mit Oeffnungen getrennt, jede derfelben hat eine feitliche Einkarrthüre und eine Oeffnung zum Entleeren der fertig gebrannten Steine vis à vis der erfteren. Durch ein complicirtes Schieberfyftem wird nun allerdings der Vortheil aufs Vollkommenfte erreicht, die Dämpfe von den trockenen Gafen völlig und ficher zu trennen, ja noch mehr, es wird die Möglichkeit hier geboten, eine in der Reihe der im Betriebe ftehenden Kammern gelegene Kammer auszufchalten, für fich allein abzukühlen oder mit höherer Temperatur und für längere Zeit im Feuer zu halten. Erreicht wird diefs einerfeits durch die doppelte Befchickung des Ofens mit Brennmaterial durch horizontale Roftfeuerung von zwei Seiten und dann gleichzeitig durch Heizlöcher im Scheitel der Gewölbe, anderfeits durch einen eigenthümlichen Apparat, welcher geftattet, kalte Luft von Aufsen durch Rohre, welche mit einem Ventilator in Verbindung ftehen, in jede Kammer einzublafen, um entweder die Verbrennung darin zu befördern oder die Abkühlung der fchon fertig gebrannten Waare zu befchleunigen. Obwohl ohne in fich wiederkehrenden ringförmigen Ofencanal ift diefes einreihige Syftem dennoch ein ganz' continuirliches. In Amerika und England find Morands Oefen bereits in einigen Exemplaren ausgeführt und in Betrieb gefetzt worden. Ueber die erzielten Refultate verlautet nichts Ungünftiges, die Brennkoften werden fogar als ganz befonders niedrige angegeben. In der bekannten koloffalen Ziegelei von J. W. Beanland bei Bradfort ift diefer Ofen feit 1871 im dauernden und zufriedenftellenden Betriebe. Uns würde vorläufig feine complicirte Bauweife und koftfpielige Anlage von feiner Anwendung noch abhalten. Seine Aehnlichkeit mit Mendheims Gasofen ift unleugbar. Wir würden der deutfchen Erfindung aber den Vorzug einräumen, denn wenn fchon die Feuergafe lange Wege zu machen haben und Luft von Aufsen eingeblafen werden mufs, fo ift doch die Centralifation der Gaserzeugung einer vielfach getrennten Feuerung vorzuziehen. Anfchliefsend an diefe continuirlichen Oefen wäre das Syftem des Freiherrn v. Steinäcker in Liechtenau in Preufsifch- Schlefien zu nennen, der es fich zur Aufgabe gemacht hat, gleichfalls eine Trennung der Schmauchgafe von den trockenen Feuergafen an nicht continuirlichen Oefen für einen kleinen Betrieb zu erzielen. Steinäcker ordnet zwei Brennöfen io aneinander an, dafs die abziehende Wärme des einen zum Vorwärmen im anderen benützt werden kann. Diefs gefchieht in der Weife, dafs nach dem Abbrennen des Ofens I deffen Afchenfälle, Heizthüren und die im Gewölbe befindlichen Schürlöcher ebenfo gefchloffen werden wie die Verbindung des Ofens mit dem Schornftein, der für beide Oefen zufammen wirkt. Dafür ftellt man nun die Communication des Innern von I mit dem vorher eingefchobenen Ofen II her und öffnet deffen Verbindung mit dem Schornftein, der folcherweife ganz langfam die kalte Luft durch I nach II zieht, die fich auf diefem Wege erwärmt, dabei die fertige Waare kühlt und die neu eingefetzte in II vorwärmt. Natürlich wiederholt fich das Spiel nach der anderen Seite, fobald II ausgebrannt und I wieder neu befchickt ift. Es ift zudem möglich noch während des Auskarrens eines fertigen Ofens die darin enthaltene immerhin trockene und laue Luft unter den Roft des im Brande befindlichen Ofens ftreichen zu laffen. Alles diefs ift nun freilich recht fchön, aber auch nur durch ein Heer von Schiebern und Canälen erreicht, das von vorneherein jeden Glauben an eine billige Herftellungsweife diefer Brennöfen ausfchliefst, was hier umfomehr zu beachten ift, als ja die erzielte Ausnützung der verloren gegangenen Wärme nur eine theilweife ift, da ja während des eigentlichen Brandes des einen Ofens doch die heifsen Gafe nach dem Schornfteine unbenützt ftreichen. 22 Dr. Emil Teirich. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. Wir haben aus der Betrachtung der vorſtehend genannten Ofenfyfteme erfehen, wie zumeift dahin getrachtet wird, Schmauchfeuer und trockene Heizgafe zu trennen, refpective dahin zu wirken, dafs die, in einer Abtheilung des Ofcas verflüchtigten Waffertheile, fich nicht in den kälteren Ofenparthien an der ungebrannten Waare neuerdings niederfchlagen und derfelben damit ein fleckiges Ausfehen verleihen, was namentlich beim Brennen von Terracotten und Verblendfteinen fehr mifslich ift. Dafs die Vermeidung diefes Uebelftandes auf Koften des Brennftoff- Verbrauches geht, ift klar. Die Zeichnung eines Terracotta- Ofens nach einer Conftruction von Ed. Lehner in Wien bot nichts Neues. Der Ofen unterfcheidet fich in nichts von den in den oberfchlefifchen Fabriken benützten mit radialer Feuerung und Abzug der Feuergafe durch den Boden nach einem Schornfteine. Als Anhang an die Brennöfen fei endlich nur noch eines neuerlichen Verfuches gedacht, den der Amerikaner C. A. Winn in Philadelphia, deffen Ziegelmafchine wir vorftehend bereis erwähnten, in der Abficht machte, die auf feiner Mafchine erzeugten Ziegel rafch auf künftlichem Wege zu trocknen. Die Einrichtung unterfcheidet fich in nichts von jener, die wir mehrfach in den englifchen und fchottifchen Chamottefabriken angewendet fanden. Ein gepflafterter Boden wird durch hin und wieder kehrende, gemauerte Heizcanäle erwärmt, die mit einigen Schüren in Verbindung ftehen. In der fchon genannten Ziegelei der Gebrüder Lönholdt bei Frankfurt am Main ift auch diefer Apparat in Function und trocknet täglich foviel als eine Mafchine Winn's erzeugt. Der Aufwand an Brennmaterial foll circa 30 Kr. per mille Ziegel betragen. Für gewiffe Zwecke, namentlich für die Erzeugung von Chamottefteinen gröfserer Dimenfionen, welche, fowie die gewöhnlichen Mauerziegel ohne weiters auf dem erwärmten Boden gefchlagen oder geformt werden, ift eine folche Trockenvorrichtung von Vortheil. Ein ähnlicher Trockenboden dient übrigens auch zum Trocknen feuerfefter und anderer Thone vor deren Vermahlung auf Mühlen behufs Verwendung im Proffer'fchen Trockenformproceffe. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 187 3. HOLZBEARBEITUNGSMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON DR. W. F. EXNER, k. k Regierungsrath, o. ö. Profeffor an der k. k. Forftakademie Mariabrunn und Honorardocent an der Handelshochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. HOLZBEARBEITUNGS- MASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von PROFESSOR DR. W. F. EXNER, k. k. Regierungsrath. Vorbemerkung. Hippolyte Fontaine fagt in feinem foeben erfchienenen Berichte ,, Defcription des machines à l'expofition de Vienne 1873" bei Gelegenheit einer höchft mangelhaften Befprechung der Holzbearbeitungsmaschinen: ,, Les Américains vifent à la fpécialiſation et à l'originalité, les Anglais à la concentration de plufieurs outils fur un bâti unique, les Français à l'ingéniofité et la fimplicité des mouvements; quant aux Allemands, ils ne cherchent abfolument qu'à copier les conftructeurs étrangers, fans la moindre pudeur et la moindre honnêteté commerciale!" Wie getrübten Auges der franzöfifche Fachmann im Jahre 1873 fieht, beweift deffen eigene Aeufserung über die 1867er Parifer Ausstellung, in welcher, wie er zugibt, Deutſchland in Bezug auf Holzbearbeitungsmaschinen ſehr gut vertreten war. - Schon die Leichtfertigkeit, mit welcher fremde, namentlich franzöfifche Berichterftattungen zu Werke gehen das obige Citat mag in diefer Hinficht genügen gebietet uns Oefterreichern im Vereine mit den Deutfchen, für unfere Leiftungen einzutreten, um durch Gründlichkeit und Objectivität unferes Urtheils zugleich unfere Stellung unter den productiven Völkern zu behaupten. Abgefehen von diefem Momente, welches für eine eingehende Behandlung aller Gruppen plaidirt, fpricht für eine befonders umftändliche Berichterstattung über die Holzbearbeitungsmafchinen die enorme Wichtigkeit der Holzinduftrie für Oefterreich und die im Allgemeinen felbft bei denjenigen, welche Werkzeugsmafchinen für die Holzumformung befitzen und verwenden, herrfchende Unkenntnifs diefer Branche des Mafchinenwefens. Wir hätten gewünſcht, die Holzbearbeitungsmafchinen, die ohnehin bisher in der Literatur fo fehr vernachläffigt waren, welche aber in der öfterreichifchen Literatur bisher faft gänzlich unberücksichtigt geblieben find, von mehreren Fachmännern und nach verfchiedenen Gefichtspunkten befprochen zu fehen. In letzterer Beziehung ist allerdings unfer Wunfch in Erfüllung gegangen; in erfterer fcheint er ohne Ausficht auf Realifirung zu fein. Unfer Bericht über Holzbearbeitungsmafchinen im zweiten Bande( Forftwefen) des vom k. k. Ackerbau- Minifterium herausgegebenen Werkes„ Die BodenI* 2 Dr. Exner. cultur auf der Weltausftellung"( Faefy& Frick) ift felbftverſtändlich mit Rücksicht auf die Bedürfniffe der Forstwirthschaft verfafst. Sägemaſchinen, Hobel- und Fraismafchinen find dort ausführlich abgehandelt und namentlich reich illuftrirt. An diefer Stelle geben wir einen Auszug des Wefentlichen ohne fpeciellen Hinblick auf die Forftleute. Die übrigen Gruppen von Holzbearbeitungsmafchinen, welche in jenem Werke fehr fummarifch abgethan werden, da fie über den Rahmen der Forftinduftrie hinausfallen, find wieder hier ausführlicher in Wort und Bild erläutert. Die beiden Abhandlungen ergänzen fich und wie wir hier auf jene hinweifen, haben wir dort fchon die nun vorliegende angekündigt. - Allerdings wäre, wir müffen es nochmals hervorheben, eine Bearbeitung der Materie von zwei oder mehreren Autoren wünfchenswerther gewefen; nachdem fich diefelben aber nicht fanden, fo glaubten wir unferer Pflicht felbft unter fchweren Opfern gerecht werden zu müffen. W. F. Exner. Einleitung. Die Ausbildung der Holzbearbeitungsmafchine ift bis jetzt noch nicht zu einem völlig befriedigenden Refultate gelangt, über Conftructionsfragen von einfchneidender Wichtigkeit herrfchen noch heute einander diametral gegenüberftehende Anfichten und wir find weit davon entfernt, für die Holzbear beitungsmaschine und ihre wichtigften Beftandtheile jene allgemein angenommenen Formverhältniffe und Bauregeln zu befitzen, wie fie für die Mehrzahl der Metallbearbeitungsmafchinen gelten. Die aufserordentliche Mannigfaltigkeit der Eigenfchaften des Rohftoffes, die Bedeutung der Structur des Holzes für die Gewinnung neuer Formen, endlich die durch die Weichheit des Rohftoffes ermöglichte immenfe Vielartigkeit des eigentlichen Arbeitsproceffes bilden die Schwierigkeiten, unum ftöfsliche Regeln für die Conftruction der vielen typifchen Grundformen zu finden. Eine Hauptfchwierigkeit aber, die der vollkommenen Löfung der Frage hinderlich ift, beſteht in der Forderung grofser Schnelligkeit bei den rotirenden Wellen. Gefchwindigkeiten, die bei anderen Maſchinen nur ausnahmsweife vorkommen, bilden bei den Holzbearbeitungsmaschinen die Regel. Ein weiteres Hindernifs für die Entwicklung der Holzbearbeitungsmafchinen befteht darin, dafs fie„ keinen hohen Preis" vertragen; erftens ift der Werth der zu erzeugenden Producte auch heute noch, trotz der gefteigerten Holzpreife, ein folcher, dafs die Werkstätte keine hohen Anlagecapitalien verträgt, und zweitens will man für eine Mafchine von kurzer Lebensdauer oder doch von einer Befchaffenheit, bei der man eine baldige Verbefferung in Betracht ziehen mufs, nicht viel Geld ausgeben. Der Bau der Werkzeugsmaschinen für die Holzbearbeitung wurde urfprünglich von denjenigen Gewerbsleuten betrieben, welche diefer Mafchinen zu ihrem Gefchäfte felbft bedurften. Sie kannten wohl fehr genau den Zweck der Einrichtungen, die fie fchaffen wollten, waren aber dafür weder mit den Erfahrungen, noch mit den Gefetzen des Mafchinenbaues genügend vertraut. Wendeten fie fich an Mafchinenbauer von Profeffion um Hilfe, fo entbehrten diefe wiederum der genauen Vertrautheit mit dem zu verarbeitenden Stoffe, der genauen Kenntnifs der anzuftrebenden Formgebung. Holzbearbeitungsmafchinen. 3 Es entstand dadurch eine Art Dilettantismus, deffen Spuren auch noch in den Formen mancher modernen Hoizbearbeitungsmafchinen zu finden find. Der Bau der Holzbearbeitungsmafchinen wurde defshalb auch lange Zeit hindurch nicht als ein vollberechtigter Zweig des Ingenieurwefens betrachtet. Die gefammte technifche Literatur diefes Faches verfügt bis auf den heutigen Tag kaum über ein Dutzend beachtenswerther Erfcheinungen. Ein Hauptübelftand für die Entwicklung diefer Branche aber beſteht darin, dafs die Holzinduftrie häufig nicht in den Centren technifcher Leiftungsfähigkeit, das ift in den grofsen Städten, concentrirt erfcheint, fondern über den ganzen Flächenraum des Landes verbreitet ift. Die hier flüchtig angedeuteten Verhältniffe haben zur Folge, dafs der Gegenftand unferer Berichterstattung befonders fchwierig zu behandeln ift. Ein Urtheil über Einrichtungen zu fällen, die fich noch im Zuftande fortwährender Entwicklung befinden, ift fehr mifslich. Dafür war aber das von der Ausftellung gebotene Materiale ein fehr reichhaltiges, bemerkenswerthes. Eine Anordnung des Stoffes nach Ländern und Firmen fcheint uns nicht zweckmäfsig; wir werden daher die einzelnen Hauptgattungen der Mafchinen der Reihe nach behandeln und an die Befprechung der exponirten Gegenftände Bemerkungen über technifche Fragen und den gegenwärtigen Zuftand ihrer Löfung knüpfen. I. Sägemafchinen. Die an eigenartig geftalteten Individualitäten überreiche Familie der Sägemafchinen läfst fich überfichtlich gliedern, wenn man die Bewegungsweife, Befeftigungsart und Form des Werkzeuges zum Eintheilungsgrunde wählt. Es ergeben fich da vor Allem zwei grofse Gruppen: I. Sägen mit hin und hergehender oder reciproker Bewegung und gung. 2. Sägen mit continuirlicher oder fortlaufender BeweDie erftere Gruppe zerfällt wieder in Gatter fägen und Sägen ohne Spannrahmen. Die Gatter fägen können aufrechte und liegende fein. Zu den Sägen ohne Gatter gehören die Muley- Säge und die Decoupir oder Schweiffäge. Zu den Sägemaschinen mit continuirlicher Bewegung, alfo mit einer in demfelben Sinne fortdauernden Bewegung, zählen: die Bandfäge ohne Ende, die Kreis oder Circularfäge und die Cylinderfäge. I. Gatterfägen. Unter den Sägen mit hin- und hergehender Bewegung ift die Gatterfäge nicht nur die ältefte, fondern auch weitaus die wichtigfte; fie ſpielt unter den Mafchinen, welche zur erften Formgebung des Holzes dienen, unbedingt die Hauptrolle. Für Länder, in denen der Waldboden ein hohes Percent der productiven Fläche bildet, namentlich aber dann, wenn ein grofser Reich 4 Dr. Exner. thum au haubaren Holz überfchüffen vorhanden ift, hat der Zuftand des Gatter fägebetriebes grofse Tragweite. Wenn man erwägt, welchen Einflufs es hat, ob in einem folchen Lande die Mehrzahl der Säge Anlagen verfchwenderifch oder fparfam arbeitet: verfchwenderifch mit dem Rohstoffe durch grofse Maffe von Abfällen, verfchwenderifch mit der Arbeitskraft, verfchwenderifch endlich mit den Koften für Betriebsperfonale oder aber fparfam, rationell in allen diefen Richtungen: fo wird man es gerechtfertigt finden, wenn wir die eingehend fte Beachtung diefer Angelegenheit als wünfchenswerfth erachten. - Viele öfterreichifche Grofs- Grundbefitzer haben inmitten ihrer Forfte an guten Verkehrslinien oder beim Auslaufe der Thaleinfchnitte in die Ebene oder an der Grenze des Waldgebietes Sägen mit ftändigem Betriebe errichtet; auch in Städten, namentlich dann, wenn fie an fchiffbaren Gewäffern liegen, find von Holzhändlern, Zimmerleuten, Bautifchlern Sägewerke in grofser Anzahl errichtet worden. Wir fehen in den öfterreichifchen Sägemühlen zwei Extreme vertreten: entweder ganz aus Eifen hergeftellte Gatterfägen mit koloffalen gufseifernen Ständern, welche frei im Sägehaufe aufgeftellt werden, an und für fich theuer find und durch Transport und Montirung das Anlagecapital noch beträchtlich fteigern- oder wir fehen die alten Wald- Sägemühlen, bei denen, mit Ausnahme des Sägeblattes, Alles von Holz ift, mit dem fchwerfälligen Wagen, dem klappernden Sperrrade und dem defecten Waffermotor. Das Bild einer amerikanifchen Säge mit dem ingeniös conftruirten Holzgerüfte und dem technifch vollendeten Bundgatterrahmen aus Stahl mit Röhren- Querfchnittform, wodurch der höchfte Grad von Leichtigkeit bei vollkommener Feftigkeit erzielt wird, der rapiden Gefchwindigkeit der Sägen und den fonftigen mafchinellen Einrichtungen gröfster Vollkommenheit;- diefes amerikanifche Vorbild hat in Oefter reich noch wenigen Erbauern von Sägen vorgefchwebt. Die Weltausftellung zeigte indeffen die Beftrebungen zweier Firmen, welche einigermafsen im Sinne unferes Ideales thätig find. Es find dies Peter Steffens in Goldenkron bei Budweis und die Prager Mafchinenbau- Actiengefellfchaft. Steffens hat fich um die Aufarbeitung der Holzvorräthe im füdlichen Böhmen Verdienfte erworben; namentlich hat er zur Rettung der durch Windbrüche auf Schwarzenberg'fchem Gebiete zu Boden geworfenen Holzmaffen wefentlich beigetragen. Unter einem offenen Schoppen in der Nähe des Coburg'fchen Forftpavillons waren mehrere Gatterfägen von Steffens aufgeftellt, die auch ab und zu in Betrieb gefetzt wurden; ein Bund gatter mit eifernem Geftelle und Walzenvorfchub nach englifchem Vorbilde, fchiefftehender Calla' fcher Prefsft ange zur Verhinderung der Oscillation des Sägeblockes; dann eine fogenannte Univerfalfäge zum Fournier- oder Bretterfchneiden; Eifengeftelle, Schlittenvorfchub; endlich ein Bundgatter zum Aufftellen an Orten, Grundwaffers wegen eine Verfenkung der Mafchinen in den Boden unthunlich ift. wo des Die fogenannte Univerfalfäge ift jedenfalls die intereffantefte; fie fchneidet Fourniere bis zu den fchwächften Dimenfionen, aber auch Bretter aus Stämmen bis zu 36 Zoll Durchmeffer, in welch' letzterem Falle 3 bis 6 Sägeblätter eingefpannt werden können. Diefe Mafchine kann für fpecielle Fälle mit fehr kleinem Betriebe gute Dienfte leiften. Holzbearbeitungsmaschinen. 5 Die Prager Mafchinenbau- Actiengefellfchaft hatte ebenfalls eine Gatterfäge ausgeftellt, und zwar ausgerüftet mit dem Nattland'fchen Wechfelrahmen. Die eifernen Hohlgufsftänder find auf einer Fundamentplatte verfchraubt, in welche die Lager für die Angriffswelle eingebaut find. Die zweitheilige Rahmenführung ift an den Trämen der Decke befeftigt; Antrieb mittelft zweier Pleuelftangen von unten. Der intermittirende Vorfchub wird durch die doppelte Keil- Frictionsfchaltung, welche zum Vor und Rückwärtsfteuern eingerichtet ift, bewerkstelligt. Der Nattland'fche Patent- Wechfelrahmen hat den Zweck, die durch Auswechslung der ftumpf gewordenen Sägeblätter mit den frifch gefchärften in einem und demfelben Gatter für die Arbeit verloren gehende Zeit zu gewinnen. Diefe Auswechslung mufs, um vorzügliches. Schnittmateriale zu liefern, beiläufig alle fechs Stunden vorgenommen werden und nimmt bei einem Bundgatter von etwa zwanzig Blättern circa eine Stunde in Anfpruch. Durch das Nattland'fche Patent ift es ermöglicht, während der Function des einen Gatters ein anderes mit gefchärften Blättern vollftändig zu adjuftiren, das erftere mittelft Flafchenzugs aus dem Gattergeftelle herauszunehmen und das letztere an deffen Stelle zu verfenken, was insgefammt nur eine Viertelftunde in Anspruch nimmt. Die Mafchinen der beiden abgehandelten Etabliffements erinnern an das amerikaniſche Princip völlig ftabiler, in die Werkstätten eingebauter Sägegatter. Ein anderes Princip liegt den eigentlich marktfähigen Gatterfägen. zu Grunde; fie beftehen aus einem mit dem Gattergebäude nicht organifch zufammenhängenden Ganzen, das an jedem beliebigen Orte montirt und nach dem Gebrauch mit allen feinen Beftandtheilen übertragen werden kann. Diefe Sägemaschinen werden in ihrer Gänze von den Maschinenfabriken geliefert und auch von diefen die Aufftellung beforgt, während die Amerikaner nur den Rahmen und allenfalls einzelne Beftandtheile der Schaltung und Transmiffion aus der mechanifchen Werkftätte beziehen. Die europäiſchen Gatterfägen find alfo mehr oder weniger transportable Mafchinen; die Fähigkeit, den Standort zu wechfeln, kann durch die Conftruction fo gefteigert werden, dafs man die Sägemaschinen dann als locomobil bezeichnen kann. Abgefehen von diefer Eignung zur Ortsveränderung und von verfchiedenen conftructiven Details, liegt den Sägegattern eine zweifache Auffaffung zu Grunde. Die Einen bauen fchwere Gatterrahmen, in Folge deffen kolof fale Ständer und arbeiten mit relativ geringer Geschwindigkeit und kleinem Vorfchube. Die Anderen ftreben die möglichfte Leichtigkeit des Gatterrahmens an, laffen dasfelbe fehr fchnell laufen und können dabei die ganze Anlage minder maffiv herftellen. In Amerika und Frankreich ift das Princip leichter Gatter völlig zum Durchbruche gekommen. In England fteht man heute fo ziemlich in der Mitte zwifchen der extremen Durchführung der beiden einander entgegenftehenden Principien. Viele deutfche und öfterreichische Fabrikanten find noch in der bereits aufgegebenen Vorftellung befangen und bauen nach altem englifchen Vorbilde, möglich ft maffig und fchwer. G. Topham in Wien hatte ein grofses Sägegatter ausgeftellt. 6 Dr. Exner. Seit einer Reihe von Jahren wirkt Topham äufserft verdienftlich für das Sägemühlwefen in Oefterreich; er befafst fich, abgefehen vom Baue der Dampfmaschinen, ausfchliefslich mit der Conftruction von Holzbearbeitungsmafchinen. Die grofse Mehrzahl der in Oefterreich im Betriebe ftehenden Sägemafchinen rührt von Topham her. Die auf englifcher Grundlage erbaute Form ift alfo in gewiffem Sinne für die inländifchen Sägen typifch geworden. Ein folcher Erfolg ift nur bei Gefchäftstüchtigkeit nach jeder Richtung hin möglich. Die Topham'fchen Sägen arbeiten mit continuirlichem Walzenvorfchube; dabei erhält nicht nur die untere Walze eine rotirende Bewegung, fondern auch die obere Riffelwalze, welche fonft häufig blos als Druckwalze dient, wird durch conifche Zahnräder in Rotation verfetzt. Diefs ift bei grofsen Blöcken, wo viele Sägeblätter agiren, fehr werth voll. Das Auswechfeln der Sägeblätter ift durch Bügel von genau gleicher Stärke, in welche das Sägeblatt nur eingehängt zu werden braucht, fehr erleichtert. Carl Pfaff in Ottakring baut ähnliche Gatter von vorzüglicher Befchaffenheit. In der deutfchen Abtheilung der Mafchinenhalle waren im Ganzen nur zwei Gatterfägen und diefe von der renommirten Mafchinenfabrik der Gebrüder Schmaltz in Offenbach am Rhein ausgeftellt. Diefes Etabliffement verwendet mit beftem Erfolge eine Sorte fehr zähen, nicht härtbaren Gufsftahles zu feinen Gatterrahmen. Der Vorfchub gefchieht während des Schnittes, alfo beim Niedergange der Säge. Wird das Holz während des Schnittes, alfo während des Niedergan ges vorgefchoben, fo kommt jeder Zahn zur Action, die Sägen brauchen nur ganz wenig oben vorzuhängen und der Vorfchub läfst fich während des Schneidens innerhalb gewiffer Grenzen vergröfsern oder verkleinern, ohne dafs dadurch eine Gefährdung der Blätter oder ein todter Gang entſteht. Der continuirliche Vorfchub dagegen hat feine volle Berechtigung überhaupt nur bei continuirlichem Schnitte, nicht aber bei intermittirendem. Das eine Schmaltz'fche Walzengatter mit freiftehenden gufseifernen Stän dern war auf abgehobeltem Fundamentrahmen montirt; die Frictionsfchaltung für intermittirenden Vorfchub bewegt zwei Paare cannelirter Walzen, von denen die oberen, als Druckwalzen dienend, mit den unteren durch conifche Räder verbunden find; zwei auf Schienen laufende Karren tragen die Enden des zu fchneidenden Stammes. Der Antrieb findet von unten ftatt, was, wenn überhaupt die Fundamentverhältniffe es erlauben, wohl immer dem Antriebe von oben vorzuziehen ift. Die zweite exponirte Mafchine war eine doppelte Bretter- und Schwartenfäge, freiftehend, für mindeſtens auf einer Seite befäumte Hölzer. Auf einer abgehobelten Fundamentplatte mit zwei Lagern und Schwungradwelle fteht ein einziger kräftiger Hohlftänder mit Doppelgatter aus Schmiedeeifen, das auf jeder Seite bis acht Sägeblätter aufnehmen kann. Auch hier ift für intermittirenden Vorfchub durch Frictionsfchaltwerk und verticale cannelirte Walzen geforgt. Diefe Sägen können auf das Befte zur Verwerthung von ftarken Schwarten, zum Verfchneiden von ftarken Bohlen zu dünnen Brettern und zu ähnlichen Zwecken empfohlen werden. Holzbearbeitungsmafchinen. 7 Die englifche Section der Mafchinenhalle bot viel des Intereffanten und Lehrreichen, was jedoch die Sägegatter anbelangt, war keineswegs ein reiches Material vorhanden. Vor Allem müffen wir bedauern, dafs eine der verdienteften Firmen, nämlich John Mc. Dowall& Sons in Glasgow, gänzlich fehlte. Bekanntlich war es diefe Firma, welche die directe Verbindung des Gatterrahmens mit dem Kolben des Cylinders einer Dampfmafchine zuerft vorfchlug. Diefe Einrichtung, welche wegen der grofsen Kolbengefchwindigkeit und der rafchen Abnützung vielfach angezweifelt wurde, hat für forftliche Zwecke eine eminente Wichtigkeit. Mit einem einzigen Bundgatter am Fällungsorte der Stämme oder in Windbruch- Flächen könnte man oft durch den erleichterten Transport einer rafch gewonnenen Halbwaare Erftaunliches leiften. Hat man dann Sägegatterund Dampfmafchine gleichfam in einem Stücke, fo erleichtert diefs wefentlich die Montirung, man erfpart die Aufftellung der Dampfmafchine und hat nur für den Keffel Sorge zu tragen. Trotz der geltend gemachten Bedenken taucht diefe Idee, mit Rück ficht auf die Vortheile für das Forftwefen, immer und immer wieder in neuen Verkörperungen auf und wurde auch auf die Anwendung bei Muley-, Band- und Circularfägen ausgedehnt. Jedenfalls erfcheint es oft praktifcher, die Mafchine zu den Holzvorräthen, als das Holz zur Mafchine zu transportiren. Allen Ranfome& Comp., London, ein verhältnifsmäfsig junges Etabliffement, präfentirte fich fo grofsartig auf der Wiener Weltausstellung, dafs ein gewiffer Grad von Unbefangenheit dazu gehörte, demfelben nicht fofort den erften Rang einzuräumen. Ranfome hat unter Anderem ein fogenanntes transportables BlockSägegatter ausgeftellt, das wegen Einfachheit und bequemer Unterkunft Beachtung verdient. Transportabel ift diefe Mafchine allerdings nicht im en gften Sinne des Wortes, wie jene, fchon feit einiger Zeit in Handel gefetzten Sägegatter auf Rollwagen, welche in ganz vorzüglicher Befchaffenheit z. B. Thomas Robinfon& Sons aus Rochdale und S. Worffam in London liefern, indeffen ift die Transportabilität infofern hergestellt, als das Gatter leicht abgebrochen und fchnell wieder aufgeftellt werden kann. Es fordert nur eine unbedeutende Fundamenttiefe und eignet fich daher vorzüglich zur Aufftellung in der Nähe von Gewäffern. Der Gatterrahmen ift aus Schmiedeeifen, die Sägblöcke ruhen auf hölzernen Eifenbahnkarren, welche feitliche Bewegungen, wie fie bei krummen Bäumen vorkommen, zulaffen. Der intermittirende Vorfchub gefchieht durch die, jetzt allgemein in England angewandte,„ geräufchlofe" Schaltvorrichtung( filent feed motion) und kann nach Belieben innerhalb Grenzen von I bis 3 Fufs per Minute regulirt werden. der Bei zehn eingefpannten Sägeblättern im Gatter kann man in je einer Stunde fünf 20 Fufs lange Stämme weichen Holzes fchneiden. Ranfome baut auch combinirte Stamm- und Brett fäge- Gatter, welche für folche Werke mit kleinem Betriebe, die nur ein Gatter aufftellen können, entfchiedenen Vortheil darbieten. Was den Abfatz von Sägegattern nach dem Continente und den Einflufs auf den deutfchen und öfterreichifchen Mafchin- Sägebau betrifft, nimmt unbedingt Samuel Worffam& Co., London, eine der hervor ragendften Stellungen unter den Mafchinenfabrikanten der Welt ein. 8 Dr. Exner. Worffam baut locomobile Gatter für Rund- und Kantholz; der Rahmen ift theils aus Stahl, theils aus Eifen; Antrieb von unten durch Pleuelftangen, die das Gatter beim oberen Riegel anfaffen; Walzen- und Wagenzuführung. Fig. 1 und 2. Fig. 1. S.WORSSAM& Co.OAKLEY.WORKS.CHELSEA LONDON Aufser diefer ohne Wagen exponirt gewefenen Mafchine conftruirt Worffam Doppel Bundgatter Doppelbrett- Sägegatter und gekuppelte HARE Fig. 2. S.WORSSAM& CO OAKLEY WORKS CHELSEA LONDON HARE Holzbearbeitungsmafchinen. 9 Bretter- Bundgatter, bei welchen an einer gekröpften Welle zwei Pleuelftangen fo eingehängt find, dafs die erfte ein Gatter niederzieht, während die zweite ein anderes in die Höhe treibt, wodurch eine fehr gute A equilibrirung erreicht wird. Ueber die einft von Worffam gebauten Gatterfägen, bei denen die Ausgleichung des Gattergewichtes durch Luftcompreffion in einem Cylinder vorgenommen wird, für welche fo viel Reclame gemacht wurde, ift es ganz ftille geworden. Was die Preife der englifchen Mafchinen überhaupt anbelangt, fo find fie um ein Drittel höher, als die amerikanifchen von gleicher Leiftungsfähigkeit; die deutfchen, welche fich an das englifche Mufter anlehnen, befinden fich in dem gleichen Falle. Ganz ihren eigenen Weg gingen einige franzöfifche Conftructeure. Der einflussreichfte unter ihnen ift Arbey, der bedeutendfte Fabrikant von Holzbearbeitungsmafchinen in Paris. Die Arbey' fchen Mafchinen verhalten fich zu den Worffam' fchen etwa folgendermafsen: Bei jenen Leichtigkeit, Lebhaftigkeit, glänzende Ideen und Zierlichkeit, bei diefen fchwere, Vertrauen einflöfsende Maffen, ruhige, ernfte Entwicklung der Formen, Stärke und Dauerhaftigkeit. Eine Bund gatterfäge befand fich unter den Arbey'fchen Objecten; fie ift fehr ftabil auf einem Rahmen aus ftarken Balken montirt; diefer Rahmen wird ohne Weiteres auf den horizontal abgeglichenen Boden gelegt; das Gatter kann auf diefe Weife ohne grofse Vorbereitungen fehr leicht im Forfte felbft inftallirt werden. Die Säge ermöglicht, fowohl Blöcke, als auch roh vierkantig befchlagene Balken zu verfchneiden und durch eine eigene Vorrichtung aufserdem die Umwandlung der fchon im Rohen bearbeiteten Hölzer in dünne Bretter. Der Gatterrahmen ift, fowie alle übrigen beweglichen Beftandtheile der Mafchine überaus leicht conftruirt und dabei von den vortheilhafteften Querfchnitten, wie T Eifen, gerippten Trägereifen I und Röhrenprofilen Anwendung gemacht. Die Pleuelftangen find aus Holz angefertigt, für den zierlichen Gatterrahmen hinreichend ftark uud dabei ebenfalls fehr leicht. Die Zuführung gefchieht mittelft Karren, welche durch eine Gelenkkette ohne Ende in Bewegung gefetzt werden.* Arbey perhorrescirt den Vorfchub mittelft horizontaler Riffelwalzen, indem er diefe nur für regelmäfsig runde, exact befäumte oder forgfältig befchlagene Hölzer als zuläffig erklärt. Richtig ift, dafs die Riffelwalzen in jedem Falle ftarke Preffun. gen ausüben müffen, und dafs die Sägeblätter bei windfchiefen, widerfonnigen und überhaupt fehr unregelmäfsig geformten Hölzern unter dem Einfluffe der geriffelten Cylinder mitunter ftark gezerrt werden. Es fcheint indeffen, als ob eine Combination von den in neuerer Zeit durch englifche Conftructeure eingeführten Vorfchubrollen von ellipfoidalem Längsfchnitte mit der wenig koftfpieligen Kette ohne Ende grofse Vortheile gewähren würde. Die Arbey'fchen Gatterrahmen geftatten nicht, dafs die Sägeblätter fehr ftark gefpannt werden und zwingen den Arbeiter zu gröfserer Aufmerkfamkeit, während die übermäfsige Stärke mancher englifcher * Auch Charles Powis verwendet zum Vorfchube eine Kette. 10 Dr. Exner. und deutfcher Gatterrahmen ihn zu exceffiver Spannung der Sägen verleiten. Der Zufuhrwagen kann die Einrichtung haben, dafs auf dem vierrädrigen Karren ein zweiter, ebenfalls vierrädriger Wagen ruht, welcher unmittelbar mittelft zweier Prefsfchrauben den Block einklemmt. Diefer zweite, obere Wagen läuft auf einem gegen die Vorfchubrichtung fenkrecht liegenden Geleife und geftattet dem Ende des Blockes eine horizontale feitliche Bewegung. Da diefes Arrangement auf beiden Zufuhrskarren befteht, fo können auch bogenförmige Stämme parallel zu ihrer Achfe, oder gerade Stämme bogenförmig gefchnitten werden.( Diefes, namentlich für Schiffbauhölzer höchft wichtige Problem ift allerdings früher fchon vielfach gelöft worden.) Zu den Gatter fägen gehören auch jene Sägemafchinen, bei welchen das Sägeblatt nach Art der Spannfäge des Schreiners, alfo wie bei der Oerterfäge, eingehängt ift. Das Sägeblatt bildet dann eine Längsfeite des Rahmen- Rechteckes, liegt alfo nach Aufsen hin, während zur Verfteifung diefes Rahmens, beiläufig in der Mitte, eine Stange, bei den Handfägen Steg genannt, durchläuft. Diefe Sägemafchinen, welche zunächft zum Verfchneiden dünnerer Holzfortimente, alfo vorwiegend für die Fabrication von Fournieren verwendet werden, kann man wohl mit den Namen„ Halbgatterfägen" oder " Seitengatter" bezeichnen. Halbgatterfägen laufen entweder fenkrecht, reciprok, oder fie haben eine geradlinige oder bogenförmige hin- und herlaufende Bewegung in horizontaler Ebene. Im letzteren Falle, welcher durch die vortreffliche erfte Einrichtung von Cochot eine grofse Verbreitung erlangt hat, heifsen fie wohl auch fchlechtweg Horizontalfägen und dienen faft ausfchliefslich zur Fourniererzeugung. Dabei kann entweder das Arbeitsftück in horizontaler oder verticaler Ebene mittelft Walzen oder Schlitten oder mittelft Beider gleichzeitig vorgefchoben werden. In Oefterreich ftehen folche Sägen vielfach mit beftem Erfolge in Verwendung und auch die öfterreichifchen Mafchinenbauer befaffen fich mit der Herftellung derfelben. Die Weltausftellung bot in diefem Artikel nichts Neues; es fcheint, als ob man den durch eine lange Reihe von Jahren fich hinziehenden Verbefferungsprocefs bei der Halbgatterfäge als abgefchloffen betrach ten könne. Wenn das Sägeblatt in feinen Dimenfionen bis auf circa 120 Millimeter Länge, I Millimeter Breite und 1/3 Millimeter Dicke herabfinkt, wo dann der Steg im Halbgatter überflüffig und der Betrieb der Mafchine häufig durch Menfchenkraft bewerkstelligt wird, fo hat man es mit der kleinften Erfcheinung in der Reihe der Gatterfäge, mit der Laubfägemafchine zu thun. Weder die ausgeftellten Exemplare diefer Säge, noch fonftige Quellen geftatten die Annahme, dafs diefes mechanifche Hilfsmittel eine fortfchreitende Vervollkommnung oder Bedeutung zeige. Nach diefer Skizze der ausgeftellten Gatterfägen gehen wir über auf Holzbearbeitungsmaschinen. 11 2. Die Sägen mit reciproker Bewegung ohne Gatter. Eine Mafchine diefer Gattung ift die Muley- Säge. Bei derfelben werden die Sägeblätter nicht in einen Gatterrahmen gefpannt, fondern fie fpannen fich während der Action, das ift, während des Zuges von unten durch den Widerftand des Holzes gegen das Zerfchneiden von felbft. - Beim Aufgange hat das Sägeblatt nichts zu leiften, als fich felbft in feiner Geftalt zu erhalten, wozu es auch die nöthige Steifigkeit befitzt, und wobei es durch eine Führung unterftützt wird. Die Ausftellung hat keine diefer höchft beachtenswerthen Sägemaschinen gebracht, wohl aber folche mit einem einzigen, ebenfalls nicht im Rahmen befindlichen Sägeblatte. Diefe gewöhnlich in kleinen Dimenfionen auftretenden Mafchinen werden zum Ausfchneiden von durchbrochener Arbeit, Ornamentik in Zierbrettern für die Holzarchitektur, für MarqueterieArbeiten u. dgl. verwendet. Sie tritt unter den verfchiedenartigften Bezeichnungen im Handel auf: Decoupirfäge, Schweiffäge, Jig saw, Scroll saw; und ebenfo mannigfaltig wie ihr Name ift auch ihre Conftruction. Die vielen Verfuche, die Mafchine zu verbeffern mit gleichzeitigem ewigen Wechfeln ihrer Form, mag als ein Zeichen der fteten Unzufriedenheit mit den Leiftungen diefer Mafchine angefehen werden. Trotz Einführung in den fabriksmäfsigen Betrieb ift fchliesslich die Decoupirfäge immer wieder zu den kleinen Werkstätten zurückgekehrt, wo fie durch Fufs- oder Handbetrieb ihre Arbeit leiftet. Die populärfte Form ift jene, bei welcher das Blatt oben mittelft einer Schnur an den beiden Enden einer horizontal liegendenFeder aufgehängtift; unten hängt das Sägeblatt mittelft eines Führungsftückes an einer Kurbel. Diefe Form hat auch Arbey adoptirt und in einem Exemplare zur Ausftellung gebracht. Dadurch, dafs die Bogenfeder von einer vertical verftellbaren Stange getragen wird, kann man Blätter von verfchiedener Länge anwenden. Der Arbeitstifch kann mittelft Bogenführung unter einem beliebigen Winkel geneigt werden; man kann daher das Holzftück mit verfchieden fchrägem Schnitte bearbeiten. gebaut. Die Theile mit hin- und hergehender Bewegung find äufserft leicht Die Kurbel wird durch Fufstritt bewegt. Aufser der Spannung mittelft bogenförmiger Feder wurden auch Spiral- oder Kautfchuk federn, dann ein armige Federn aus Stahl und Holz gebraucht. Federn aus Efchenholz haben namentlich in Amerika Anwendung gefunden, wo man auch verfucht hat, während der Arbeit nicht das Holz, fondern das Sägeblatt zu drehen. Worffam conftruirte folche Schweiffägen von zwei verfchiedenen Gröfsen für Motorenbetrieb mit Federfpannung und gufseifernem Ständer, adjuftirbarem Tifche und einer Vorrichtung zum Fefthalten des Holzes. Jene Decoupirfägen, bei welchen das Sägeblatt oben und unten mit einer über Rollen laufenden Schnur zufammenhängt, fo dafs das Ganze ein mässig gefpanntes Band ohne Ende darftellt, eine Anordnung, die in Chemnitz und bei 12 Dr. Exner. Powis in London gepflegt wurde, findet immer und immer wieder Freunde. Kürzlich erbaute eine folche billige Decoupirfäge für Fufsbetrieb der ver. dienftvolle Werkzeugfabrikant J. B. Weifs' Sohn in Wien. Eine Decoupirfäge mit völlig freiftehendem Blatt, das von unten aus gehoben und herabgezogen wird, der nöthigen Steifigkeit wegen ziemlich dick gemacht werden mufs und das nach dem Belieben des Arbeiters verfchieden gewendet werden kann, wurde von Chemnitz aus( Zimmermann) in den Handel gebracht. Weder diefe, noch die früher erwähnte Weifs'fche Säge war ausgeftellt. Unferes Erachtens follten die Entwürfe für durchbrochene Arbeit bei Zierbrettern u. dgl. fo gezeichnet werden, dafs die aushängbare Schweiffäge, deren Arbeit ftets umftändlich und unvollkommen ift, gänzlich überflüffig wird und man fich in den Baufabriken auf die Anwendung von Bandfägen und Fraismafchinen befchränken könnte. 3. Bandfägen. . Uebergehend zu den Sägemaschinen mit einer in de miel en Sinne andauernden Bewegung mufs die Bandfäge, abgefehen von einigen unüberfteiglich fcheinenden technifchen Schwierigkeiten, nicht nur als die befte Säge ihrer Gattung, fondern als die vollkommenfte Sägemafchine überhaupt angefehen werden, und es ift zweifellos, dafs fie einer grofsartigen Verwendung entgegengeht. Trotz den jeder Neuerung entgegenwirkenden Vorurtheilen, trotzdem, dafs die Bandfäge einen gefchickten und gewiffen haften Arbeiter nicht entbehren kann, hat fie nicht nur die Decoupirfäge, welche fie um das Drei- bis Vierfache an Leiftungsfähigkeit übertrifft, faft allenthalben verdrängt, ja fie hat auch der Kreisfäge eine empfindliche Concurrenz bereitet und nimmt fogar dem Saum- und Mittelgatter von Tag zu Tag mehr Arbeiten ab. Es gibt heute wenige Etabliffements, in denen die Bandfäge fehlt. Sie hat folgende Vorzüge: ein dünnes, in verfchiedenem Gradefpannbares Blatt, eine geradlinige Bewegung des arbeitenden Theiles bei ausfchliefslich rotirenden Mechanismen; eine faft nnbegrenzte Gefchwindigkeit, welche felbft jene der Circularfäge überfteigt, eine einfache Conftruction der Mafchine, rafche Abfuhr der Sägefpähne und endlich die Möglichkeit, dem zu fchneidenden Körper je de Form in der Ebene und im Raume geben zu können. Die mechanifchen Schwierigkeiten, welche als Schattenfeite der Mafchine zu betrachten find, dürfen defshalb nicht unterfchätzt werden. Die Biegung und das darauffolgende Gerad richten des Blattes, welche Vorgänge fich unaufhörlich abwechfelnd wiederholen, machen das Blatt fpröde, indem fie demfelben eine kryftallinifche Structur verleihen. Eine weitere Schwierigkeit befteht darin, dafs das Blatt fich bedeutend erhitzt, während der Arbeit länger wird, nicht gut geölt werden kann und noch weniger eine ftricte Führung geftattet. Die Löthung der Bandfägeblätter bietet heute keine befonderen Umftände mehr dar. Gufseiferne, hohle Ständer entfprechen am beften dem geforderten hohen Grade von Widerftandsfähigkeit und Stabilität. Dagegen find die Anfichten über fchwächere oder ftärkere Spannung noch verfchieden; eine weitere Meinungsverfchiedenheit befteht darin, dafs man die bei Erwärmung des Sägeblattes, alfo Holzbearbeitungsmaschinen. 13 während der Arbeit, nöthige Nachfpannung entweder dem Arbeiter überläfst, wie diefs franzöfifche Conftructeure thun, oder dafs man nach englifchem Beiſpiele diefe Ausgleichung durch Federn oder Balancirgewichte bewerkstelligt. Eine noch gröfsere Mannigfaltigkeit befteht in den Anordnungen der Führung des Sägeblattes, welche zweifacher Art fein kann, je nachdem die Sägeblattrollen einen aufgeftülpten Rand haben, an den fich die Rückfeite des Bandes anlehnt, oder diefen Stulp entbehren und dann auf andere Weife für die Führung des Blattes am Rücken Vorforge getroffen werden mufs. Geringe Schwierigkeit bietet die Führung des Blattes an den beiden breiten Seitenflächen zur Verhinderung des feitlichen Abweichens von dem fenkrecht geradlinigen Laufe des Blattes. Es gibt hiefür mehrere, vollkommen entſprechende Einrichtungen. Diefe Mannigfaltigkeit wird noch vermehrt durch die verfchiedenen Einrichtungen zur Neigung des Arbeitstifches oder der Verftellung der oberen Sägeblattrolle, was Beides einen fchiefen Schnitt bezweckt. An der Wiener Weltausftellung hat fich Perin aus Paris in grofsartiger Weife betheiligt. Was allein an der glänzenden Expofition zu bedauern war, iſt, dafs die Sägen von Perin nicht in Bewegung gefetzt wurden; fie ftanden in dem füdlichen Seitenfchiffe der Mafchinenhalle und haben nicht je ne Propaganda für die weitere Verbreitung der Bandfäge gemacht, welche im Intereffe der öfterreichifchen Induftrie zu wünfchen gewefen wäre. Wir müffen ausdrücklich hervorheben, dafs Perin nicht nur die Bandfäge mit Leitung des Arbeitsftückes durch die Hand des Arbeiters, fondern auch Block- und Brettfägen exponirt hat, welche fo Vollkommenes leiften, dafs fie einem Bundgatter von 5 bis 6 Blättern gleichgeftellt werden können. Die technifche Ausführung der Perin'fchen Sägen fteht unerreicht da. Aber auch Arbey hat in diefer Branche hübfche Ausftellungsobjecte gebracht, und zwar eine Bandfäge für Mafchinenbetrieb( Fig. 3) und wei kleine Bandfägen, die eine mit Hand-, die andere mit Fufsbetrieb: Hilfsmittel für kunft gewerbliche Werkstätten. Die Nachfpannung ift dem Arbeiter überlaffen und wird mittelft einer Schraube, durch Erhöhung der Lager der oberen Zahnblattrolle, bewerkstelligt. Perin und Arbey verzichten auf die Spannung des Sägeblattes durch Federn oder Gewichte, denn fie rechnen mit aufmerkfamen und geübten Arbeitern. Ein Reifsen des Sägeblattes ift hier nicht wahrfcheinlich, da der Arbeiter nach dem Gebrauche die Spannung der Säge nachläfst, um die nach der Arbeit durch Erkalten erfolgende Zufammenziehung zu ermöglichen. Zur Verhinderung des feitlichen Abweichens der Blätter von der Verticalen find an den Trägern der oberen Sägefcheiben hölzerne Gabeln befeftigt. Die Tendenz des Sägeblattes, in Folge des Vordrängens des Holzes, nach hinten auszuweichen, wird dadurch genügend bekämpft, dafs die Sägefcheiben dort einen aufgeftülpten Rand befitzen, wo fie den Rücken des Sägeblattes tragen, wodurch fie fich von einer gewöhnlichen Riemenfcheibe unterfcheiden. Von den englifchen Firmen haben unter Anderen Powis, James Weftern& Comp., London, Bandfägen exponirt. 14 L PARIS BOURDELIN Fig. 3. EBELLOCHE Holzbearbeitungsmafchinen. 15 Zur Federfpannung iſt eine Art Waggonfeder benützt, welche entweder im Mittelpunkte oder an den beiden Enden fix unterſtützt wird. Bei einer diefer Bandfägen ift aufser der Verftellbarkeit des Tifches die Säge felbft fo eingerichtet, dafs das Lager der oberen Sägblattfcheibe in einer gekrümmten Couliffe verfchoben werden kann, deren Form einem Kreisbogen, befchrieben vom unteren Sägerollen- Mittelpunkte aus, entſpricht. Diefelbe Firma fabricirt auch Bandfägen mit Handbetrieb mit der Eigenthümlichkeit, dafs das Sägeband nicht über zwei, fondern über drei Rollen läuft, von denen die zwei kleineren von gleichem Durchmeffer je über und unter dem Arbeitstifche ftehen, die dritte, bedeutend gröfsere, feitwärts liegt. Derartige dreirollige Bandfägen waren auch von Heckner in Braunfchweig ausgeftellt, deffen raftlofes Streben, dem Kleingewerbe allerlei billige Formen von Sägen zu liefern, volle Anerkennung und Ermunterung verdient. Unter den Ranfome'fchen Bandfägen mit Federfpannung Fig. 4 erfchien eine neue Modification, welche darin befteht, dafs eine felbftthätige Bewegung des Tifches in vier verfchiedenen Gefchwindigkeiten ermöglicht ift, welche durch eine bogenförmige Scala controlirt werden kann. Worffam baut feine Bandfägen mit Balancirgewicht. Robinfon excellirt in der Erbauung grofser Block- und BretterBandfägen mit Spannung durch Gewicht und felbftthätigem Zuführungsmechanismus. Baxter D. Whitney, Winchendon, Maffachufets, producirte in der amerikanifchen Abtheilung eine Bandfäge mit Federfpannung und höchft intereffanter Sägeführung durch zwei Holzklötzchen, die unter einander einen Winkel bilden, der durch das Sägeblatt halbirt wird. Die Klötzchen find durchbohrt und werden mit Mafchinenöl gefpeift, das Oel fickert mittelft eines Tuchlappens auf das am Rücken des Sägeblattes anliegende, rotirende Führungswälzchen und auf jenes felbft. Eine weitere Eigenthümlichkeit der Whitney'fchen Bandfäge, die übrigens auch eine intereffante Vorrichtung zum Adjuftiren der oberen Sägeblattrolle befitzt, beſteht darin, dafs die Speichen der Sägerolle nicht in der Ebene des Umfanges liegen, fondern einer krummen, hohlen Rotationsfläche angehören, deren Achfe mit der Welle der Sägeblattrolle zufammenfällt. Die Stellung der Speichen erinnert an die eine Kegelfläche bildende Lage der Radfpeichen bei unferen Fuhrwerken.* Preis der Mafchine 400 Dollars. Nebft Whitney haben auch Robinfon& Son und Richards, London & Kelley aus Philadelphia Bandfägen exponirt, wo die Führung des Sägeblattrückens durch rotirende Stahlwalzen, und zwar entweder an der Mantelfläche der letzteren oder an der ebenen Stirnfläche bewerkstelligt wird. Von den deutfchen Mafchinenfabrikanten waren nur noch zwei Firmen aufser Heckner, den wir weiter oben erwähnten, Ausfteller von Bandfägen. Schmaltz conftruirt Bandfägen, bei welchen die Rollen mit Kautfchukoder Lederbandagen verfehen find, durch Anwendung von Kautfchukpuffern elaftifch aufgehängt. Dem Uebelftande, dafs die Säge dadurch leidet, wenn nur die Triebrolle gebremst wird, fucht Schmaltz dadurch zu begegnen, dafs er eine beide Rollen gleichzeitig erfaffende Doppelbremfe anwendet. * Die erfte conftructive Darftellung der Whitney'fchen Bandfäge ift im ,, Engeneering" erfchienen, leider ift fie in Wort und Bild höchft undeutlich. 2 16 EX 48 00 Dr. Exner. Fig. 4. RANSOME SCHELSEA CONDOR HARE Die Chemnitzer Werkzeug- Mafchinenfabrik hatte ebenfalls eine Bandfäge mit elaftifcher Spannung durch zwei fchraubenförmige Federn, Kautfchukbandagen auf den Scheiben und ftarkem Hohlgufsftänder exponirt. In Oefterreich hat der Bau von Bandfägen bis jetzt keine grofsen Dimenfionen angenommen, obwohl die Anwendung derfelben eine fehr allgemeine geworden ift. Entweder begnügt man fich mit einer dilettantenmäfsigen Herftellung in der nächften Werkstätte oder man bezieht die Mafchine vom Auslande. Die zweite Gattung von Sägen mit continuirlicher Bewegung bilden die 4. Kreis- oder Circularfägen. So lange man die Circularfägen blos zum Befäumen von Brettern, zum Quer- und Längsfchneiden nur mäfsig grofser Holzfortimente, mit einem Worte, als Hilfsmafchine im Auge hat, kann man diefe einfache Mafchine als vollkommen ausgebildet und kaum einer weiteren Verbefferung fähig anfehen. Holzbearbeitungsmaschinen. 17 Sie wird auch allenthalben gebaut und entspricht meiſtens den an fie geftellten Forderungen; die fchwache Seite bilden gewöhnlich nur die Zapfenlager. Die Fabrik landwirthfchaftlicher Mafchinen von Hofherr in Wien hat zwei Gröfsen von Circularfägen ausgeftellt; gufseiferne Tifche mit gehobelter Platte; verftellbare Parallelführung des Arbeitsftückes n ach dem Principe des Parallellineales. Wir können wohl die übrigen Circularfägen von gewöhnlicher Einrichtung übergehen und werden blos einige intereffantere Objecte erwähnen. Die Arbey'fche Circularfäge mit Fufsbetrieb hat einen neigbaren Tifch. Fig. 5. LAMBERTI SC. Fig. 5. ARMENGAUD. AIE Eine zweite von Arbey ausgeftellte Kreisfäge hat eine verftellbare Sägeblattachfe, fo dafs das Blatt mehr oder minder über die 2* 18 Dr. Exner. Tifchfläche vorragen und daher fowohl zu geradem Schnitte, als zum Nuten-, Federn und Zapfenfchneiden verwendet werden kann. Diefe Mafchine ift für Handbetrieb eingerichtet. Der billige Preis und die gute forgfältige Ausführung laffen die Arbey'fchen Maſchinen als fehr empfehlenswerthe Unterſtützung des gewerbsmäfsigen Betriebes erfcheinen. Nebft Arbey find noch Gérard und Perin im Baue von Circularfägen renommirt. Keine einzige franzöfifche Firma pflegt jedoch die von Boileau angegebene Combination von zwei in einer Ebene über einanderrotirenden Kreisfägen zum Schneiden grofser Blöcke, eine Idee, welche in den mittleren und weftlichen Staaten Nordamerikas eine fabelhaft ausgedehnte Anwendung erfahren hat. Leider war keine diefer berühmt gewordenen Einrichtungen, um welche fich auch engliſche Firmen verdient gemacht haben, aus geftellt. Gröfsere Kreisfägen mit felbftthätigem Vorfchube zum Verfchneiden von Stämmen hatten Schmaltz und Ranfome ausgeftellt. Wir erwähnen zum Schluffe nur noch einer Specialität, der fogenannten Radius- Circularfäge. Die Achfe des Sägeblattes ift an dem Ende eines Hebels, der um einen beftimmten Punkt drehbar ift, eingebettet. Diefe Radius- Circularfägen find zunächft zum Querfchneiden von Stämmen, Balken und Pfoften beftimmt und werden entweder durch den Arbeiter oder felbftthätig von der Mafchine gegen das Holzftück geführt. Bei einer diefer Robinfon' fchen Mafchinen kann das Sägeblatt an jedem beliebigen Punkte des Bogens feftgeftellt und dann wie eine gewöhnliche Circularfäge auch zum Längsfchneiden benützt werden. Bei einer anderen Form diefer Mafchinen find an den beiden Enden eines fchwingenden Hebels die Achfen von Kreisfäge- Blättern, gewöhnlich einem kleineren und einem gröfseren, eingelagert. Je nach der Stellung des Hebels gelangt das gröfsere oder kleinere Sägeblatt über den Tifch und zur Action; dabei kann die Zahnform des einen auf Querfchnitt, die andere auf Längs fchnitt des Holzes eingerichtet fein. Die Robinfon'fchen Circularfägen verfammelten ftets einen Kreis von Fachmännern und ftaunenden Laien um fich, fobald fie auf der Ausstellung in Function gefetzt wurden. Was die Combinirung von Sägemaſchinen untereinander anbelangt, fo find bisher blos folgende Vorfchläge zur praktifchen Anwendung gelangt. Bandfägen mit Decoupirfägen( Heckner und Powis), Bandfägen mit Kreisfägen, Kreisfägen mit Decoupirfägen und endlich Kreisfägen untereinander. Von allen diefen Verbindungen mehrerer Sägen untereinander haben blos die combinirten Kreisfägen fich völlig bewährt und eine dauernde Zukunft. Zwei parallele Kreisfägen laffen fich namentlich häufig im induftriellen Betriebe mit Erfolg verwenden.( Carl Pfaff, Ottakring; Zimmermann, Chemnitz.) Eine aufserordentlich zweckmäfsige Combination von Zirkelfägen finden wir in vielen Etabliffements zur Herftellung der Zapfen verwendet. Wir können fie unbedingt empfehlen und geben ihr vor der Zapfenfraismafchine den Vorzug Arbey hat eine ausgezeichnete Mafchine jener Art exponirt.( Fig. 6.) Ueber die jüngfte Gattung der Sägen mit fortlaufender Bewegung, die fogenannten Cylinderfägen, deren breites Sägeblatt zu einem hohlen Cylinder zufammengebogen und an den beiden Enden verlöthet ift, wird bemerkt, dafs diefelbe in Verbindung mit Circularfägen, Nuthmaſchinen u. f. w. bei der von Whitney exponirten Fafs- und Kübelmafchine, auf die wir fpäter zurückkommen werden, in ihrer heutigen Vollendung veranschaulicht war. C. LAPLATE. Fig. 6. F. ARBEY Ingenieur. PARIS J. Fouche Holzbearbeitungsmaschinen. 19 II. Hobel- und Fraismafchinen. 1. Hobelmaschinen mit geradlinig- reciproker Bewegung. Wie alle anderen Mafchinen fo waren auch die erften Hobelmafchinen nichts weiter als Copien der Handarbeit. Wie der mit der Hand geführte Hobel bei dem nach einer geraden Linie erfolgenden Hingang einen Spahn wegnimmt, und dann ohne zu arbeiten zurückgeführt wird, fo beftand urfprünglich die Hobelmafchine aus einem Hobel mit Alternativbewegung der im Hinwege arbeitete und im Rückwege leerging. Diefe Art von Hobelmechanismus ift bei der Buchen- und Fichtenfpahnerzeugung und bei einigen älteren Jaloufiebrettchen- und Schindelhobelmafchinen noch Heute in Verwendung. Eine Modification befteht darin, dafs ftatt des Hobels, das Holz die Alternativbewegung vollbringt, während der Hobel feftfteht. In neuefter Zeit hat man auf diefes Syftem von Hobelmaschinen mit reciproker Bewegung zurückgegriffen, bei der Erzeugung von gehobelten Fournieren. Zimmermann hat in der Wiener Weltausftellung feine bekannte Fournier Hobelmafchine exponirt. Sie ist eine gefchickte Nachahmung der Mafchine von Bernier& Arbey( Dingler's polytechnifches Journal, Band 192, Seite 22), welche die Einführung der gehobelten Fourniere fo fehr begünftigt hat. Die höchfte, uns bekannt gewordene, Leiftung in der Fournierfchneiderei mit Sägema fchinen, war in der Wiener Weltausftellung durch ein Hamburger Haus( G. C. Bartels& Söhne) repräfentirt. Es waren nämlich mit der Säge gefchnittene Fourniere von folcher Feinheit exponirt, dafs z. B. aus einem 20 Millimeter dicken Mahagonibrett 25 Fourniere gefchnitten erſchienen. Und doch ift felbft ein folch exorbitantes Refultat durch die Fournierhobelmafchine noch zu überbieten, da man aus einer Dicke von 20 Millimeter bis 100 Fournierblätter hobeln kann, wobei felbftverftändlich kein Abfall in Spähnen vorkommt. Das Hobeln der Fourniere aus gedämpftem Holz ift noch relativ jung aber bei den ftetig fteigenden Preifen edler Hölzer von grofser Wichtigkeit. Für Oefterreich mit feinen, noch immer beachtenswerthen Vorräthen an werthvollen Fournierhölzern( Nufs, Efche, Ahorn) ift die Angelegenheit von Bedeutung, wir bemerken alfo nochmals ausdrücklich, dafs die exact aus geführte Zimmermann'fche Mafchine ökonomifch und technifch vorzüglich arbeitet. 10 bis 15 Blätter von 1'50 bis 3 Meter Breite werden in einer Minute hergestellt. Die Mafchine ift nichts weiter als ein durch eine Zahnftange getriebener Doppeleifen- Schlichthobel, welcher eben fo breit, als das Holz ift. Die Mefferklinge fteht nicht fenkrecht, fondern geneigt zur Bewegungsrichtung, fo wie bei den gewöhnlichen Handfalzhobeln. Die Hauptfchwierigkeit befteht in dem accuraten Schliff der langen Hobeleifenklinge und find hiezu gewandte Arbeiter unerlässlich. Der Kraftbedarf beträgt 3 bis 4 Pferde. 2. Parallel- Hobelmaschinen. Die Parallel- Hobelmafchinen find trotz der mannigfaltigen Verbefferungen, die fie feit ihrer Erfindung erfahren haben, verhältnifsmäfsig wenig in Anwendung. Trotz der eigentlich ungünftigen Angriffsweife auf die Holzfafer haben diefe Transverfal Hobelmafchinen doch zum Abrichten der Parqueten Blindböden, zum Abgleichen verfchieden dicker 20 Dr. Exner. Pfoften und als Schropp Hobelmafchine eine vortreffliche Verwendbarkeit; ja fogar zu Schlicht- Hobelmafchinen haben fie unter gewiffen Bedingungen vorzügliche Eignung. In der Werkzeug- Fabrik von J. B. Weifs& Sohn in Wien find ParallelHobelmafchinen mit horizontal liegender Welle, und einer kleinen, äufserft fchnell rotirenden Mefferfcheibe aus Bronzegufs im Betriebe, welche zum Abhobeln der Seitenflächen der Handhobel- Kaften mit dem beften Erfolge dienen. Worffam hat eine fogenannte Surfacingmachine conftruirt und auch ausgeftellt, welche man füglich auch eine Parallel- Hobelmafchine nennen könnte, obwohl der Hobel feftſteht und das Werkftück, das Parquet, auf einer Scheibe befeftigt, um eine horizontale Achfe rotirt. Die Action des Werkzeuges ift hier identifch mit jener bei der Weifs'fchen und jeder anderen Parallel- Hobelmafchine. In Fig. 7 und 8 find zwei Aufriffe der Worffam'fchen ParquetenHobelmafchine gegeben, die ohne jede weitere Erläuterung für den Fachmann verſtändlich find. H Fig. 7. idioze S.WORSSAM& C° ENGINEERS CHELSEA LONDON. Im Allgemeinen fteht die Rotationsachfe bei Parallel- Hobelmafchinen vertical und die wenigen ausgeftellten Mafchinen diefer Art hatten durchgehends verticale Achfen, alfo horizontal liegende Scheiben oder Arme, an denen die Hobel befeftigt waren. Schmaltz ftellte eine combinirte Tifch- Hobelmafchine aus, bei welcher nebft der verticalen Scheibenwelle zum Abfchroppen der oberen Fläche noch ein horizontaler und zwei verticale Walzenhobel angebracht waren. Diefe Mafchine eignet fich, um Balken, Pfoften, Treppentritte, Staffelhölzer u. f. w. fertig Holzbearbeitungsmafchinen. 21 zu hobeln bis zu Dimenfionen von 8 Meter Länge, o 75 Meter Breite und o 4 Meter Dicke. Die Tifchbewegung mittelft Zahnftangen- Betriebes kann während des Ganges der Mafchine umgefteuert werden. Gewicht 2600 Kilogramm, Preis 2300 Reichsthaler. Eine ähnliche Mafchine war von Powis, James, Weſtern& Comp. ausgeftellt. Auch bei ihr wurde die obere Fläche mittelft einer um eine verticale Achfe rotirenden Scheibe, welche die Hobel trägt, abgeglichen und gerichtet, während an beiden Seiten Fraisköpfe, etwa zum Nuthen und Federn der fchmalen Flächen wirkfam fein können. Die Fabrik baut zwei Gröfsen diefer Maſchinen, bei welchen Holz von 6 oder 12 Zoll Breite, 4 oder 9 Fufs Länge gehobelt werden kann. Man erfieht daraus, dafs diefe, vornehmlich auf Parqueten berechnete Mafchine für uns nicht brauchbar ift, da unfere Parqueten mindeſtens 18 Zoll im Gevierte haben. Die erforderliche Betriebskraft beträgt ein bis zwei Pferdekräfte und die Tourenzahl der Vorgelegewelle ift 800. Fig. 8. PATENT www HARE Eine andere Maſchine diefer Art befand fich in der franzöfifchen Abtheilung bei Perin; fie zeichnete fich durch eine überaus fchwere, gegoffene Mefferfcheibe aus, welche durch ihre Maffe wie ein Schwungrad zu wirken beftimmt fchien. Sie war für Hölzer von 4 Meter Länge, 06 Meter Breite und 0'2 Meter Dicke berechnet und koftete 6000 Francs. Alle diefe Mafchinen mit felbftthätigem Vorfchube haben eine Tifchplatte, welche entweder wie ein Wagen auf Rädern läuft oder in irgend einer anderen Weife hin- und zurückbewegt werden kann. 22 Dr. Exner. Englifche Ingenieure nennen diefe Hobelmaschinen Transverfalma fchinen oder auch Wagen Hobelmafchinen( carriage planing- machine), welch' letztere Bezeichnung fie felbftverſtändlich auch für die TangentialHobelmafchine gebrauchen, wenn diefelbe mit Wagenvorfchub verfehen ift. Sie haben dafür einen guten Grund; denn wenn auch die Wirkungsweife des Werkzeuges völlig verfchieden ift, je nachdem ein fchmaler Hobel auf einer Scheibe befeftigt in einer Ebene rotirt, oder aber wenn eine lange HobeleifenSchneide eine Cylinderoberfläche befchreibt, fo ift der Total effect der Arbeit eigentlich mehr von der Zuführungsart abhängig. Wird das Holz auf eine Tifchfläche feftgefpannt, fo erhält es oben fowohl auf der Transverfal- als auf der Tangential Hobelmafchine eine zur Tifchebene parallele Oberfläche; man benützt defshalb die Hobelmafchinen mit Wagenvorfchub, will fagen Tifchauflagerung, vornämlich dazu, um Holzftücke auf gewiffe geradlinige exacte Dimenfionen zu bringen. Jene Hobelmafchinen aber, welche der fchon beftehenden Form eines Arbeitsftückes folgend, ob diefe nun windfchief verdreht fei oder nicht, überall einen folchen Spahn wegnehmen, dafs die obere Fläche des Holzes mit der unteren parallel wird, wie diefs wohl bei Walzenvorfchub möglich ift- folche Hobelmaschinen nennen die Engländer Parallel Hobelmafchinen. Man fieht demnach, dafs die englifehe Terminologie den Ausdruck Parallel- Hobelmafchine ganz anders gebraucht, als wir diefs thun. Wir beziehen das Wort parallel auf den Umftand, dafs die Rotationsebene des Werkzeuges parallel zur Hauptlage des Holzes ift, z. B. bei liegenden Parqueten; die Engländer dagegen beziehen das Wort parallel auf das Verhältnifs der Oberflächen des Holzes nach der Bearbeitung.* Um auch der englifchen Auffaffung, ohne dafs wir die daraus folgende Eintheilung der Hobelmaschinen acceptiren, Rechnung zu tragen, bemerken wir, dafs alle bis jetzt abgehandelten Mafchinen Abricht oder Abgleichmafchinen waren. 3. Tangential- Hobelmaschinen. Die Claffe der Tangential Hobelmafchinen mit Wagenvorfchub oder einer ähnlich wirkenden Zufchiebungsvorrichtung und die Tangential- Hobelmafchinen mit Vorfchub zwifchen Riffelwalzen waren in der Weltausftellung überaus zahlreich vertreten. In diefe an Mitgliedern überreiche Familie von Maſchinen gehören auch die Spund- und Nuth- und die Zapfenfrais- Mafchinen. Von allen exponirten Tangential Hobelmafchinen zogen die Aufmerkfamkeit der Fachmänner wohl am meiften die bis dahin wenig bekannten fchwedifchen Hobelmafchinen von Wilhelm Gibfon& Söhne in Gothenburg auf fich. Sie hatten mehrere Eigenthümlichkeiten und namentlich die wieder aufgenommenen feftftehenden Schneidzeuge, die wie Putzhobel wirken, intereffir* Wohl bei keiner anderen Mafchine ift die Benennung der verfchiedenen Varietäten fo verworren wie bei der Hobelmafchine. Theoretisch genommen gehören die TangentialhobelMafchinen zu den Fraismafchinen; zu den Hobelmaschinen hingegen nur jene mechanifchen Vorrichtungen, wo ein Hobeleifen in einer Ebene eine reciproke oder rotirende Bewegung vollbringt. Diefe Auffaffung wird fich in der Verkehrsfprache ebenfowenig mehr einbürgern laffen, wie die Bezeichnungen: Quer- und Längs- Hobelmafchine, Scheiben- und Walzen- Hobelmafchine u. f. w. Ein Abkommen unter den Fabrikanten und den Vertretern der Technologie an den Lehranstalten wäre das einzige Mittel hierin Ordnung zu machen, doch zweifeln wir an dem Zuftandekommen einer folchen Convention. Holzbearbeitungsmaschinen. 23 ten allgemein. Es ift nicht zu läugnen, dafs die Maschinen complicirt find und ein etwas fremdartiges, abfonderliches Ausfehen haben; die wirklich vortreffliche Arbeit aber und hauptfächlich der grofse Erfolg der fchwedifchen Holzexpor teure mit gehobelten Holzfortimenten rechtfertigten das ihnen zugewandte allgemeine Intereffe. Gibfon hatte vier Hobelmafchinen ausgeftellt, deren ausführliche Befchreibung fich in der Eingangs erwähnten Berichterstattung( ,, Die Bodencultur auf der Wiener Weltausftellung", II. Band) vorfindet, welche wir noch überdiefs durch exacte Zeichnungen unterftützt haben. Der Bau diefer Maſchinen, welcher auch die internationale Jury zur Verleihung der Fortfchritts medaille bewog. entſpricht nicht nur den als richtig erkannten Principien, z. B. der Feftlegung der Schneidkopfwellen, fondern ftellt fogar einen ziemlich hohen Grad von Vollkommenheit dar. Wir möchten noch ausdrücklich hervorheben, dafs jeder ausgeübte Druck, fowohl der Walzen als der Führungsfedern, regulirt und auf ein Minimum gebracht werden kann, wefshalb auch der Kraftverluft durch Reibung bei diefen Mafchinen ein fehr mäfsiger ift. Endlich find der continuirliche Betrieb und die Erfparnifs an Arbeitern hervorzuheben. Das Etabliffement von Gibfon ift mit einer Spinnerei vereinigt und benützt im Ganzen 310 Pferdekräfte und 600 Arbeiter, fcheint alfo einen Umfang zu befitzen, welcher die gleichmäfsige Herftellung von Werkzeugsmafchinen gewährleiftet. Eine andere Hobelmafchine von eigenthümlicher Bauart war von der Firma Ganz& Comp. in Ofen ausgeftellt, welche zur fabriksmässigen Erzeugung der fogenannten franzöfifchen Fries- oder amerikanifchen Parquetboden beftimmt ift. Bei den noch immer grofsen Vorräthen an Rothbuchenholz, für welche von den Forftverwaltungen ftets eine lohnende Verwerthung gefucht wird, verdient die Mafchine fchon ihrer fpeciellen Beftimmung wegen unfere Aufmerksamkeit. Diefe Hobelmafchine hat bei einer faft immer gleichbleibenden Breite und Länge des Holzftückes die obere Fläche glatt zu hobeln und die beiden Seitenflächen zu nuthen. Neu an der Mafchine ift die Anwendung der endlofen Gliederkette mit kleinen Stahlfpitzen an der oberen Fläche zum Anheften des Holzes behufs Vorfchubes.** Diefe Anordnung hat zur Folge, dafs das Holz während deffen Bearbeitung keinerlei Veränderung in der Lage der Fafern zu erleiden hat. Ferner ift es neu, dafs die obere Fläche des Friefes erft dann gehobelt wird, nachdem die bereits früher erzeugten Nuthen durch eine Geradführung erfafst worden find. Der Conftructeur diefer Mafchine thut fich befonders viel auf die Vermeidung des Walzenvorfchubes zu gute und meint, durch die von ihm erfundene Art der Führung das nachherige Schwinden der Friefe mehr zu vermeiden. Er meint ferner, dafs bei den bis jetzt conftruirten Parquet- Hobelmafchinen das Holz während der Bearbeitung faft immer in feiner natürlichen Spannung alterirt und nach der Bearbeitung die ursprüngliche Form wieder anftreben werde; fo würde ein convex gekrümmtes Brettchen durch den Walzenvorfchub in eine ebene Form geprefst oder gerade gebogen, in diefem Zuftande gehobelt, und wenn es die Mafchine verlaffen hat, kehre dann das Holzftück in feine frühere, gekrümmte Form zurück. Es ist nun ganz richtig, dafs die Ganz'fche Mafchine vermeidet, der Form des Holzes Gewalt anzuthun; andererfeits aber ift das Werfen der Friefe nach der Bearbeitung doch nicht völlig vermieden, da im Falle von Veränderun gen des Feuchtigkeitszuftandes, bei dem Umftande, dafs durch das Hobeln ver* Auch bei einer äufserft fauber gearbeiteten Sims- und Bretterhobelmafchine der fächfifchen Mafchinenfabrik in Chemnitz war ein fixes Doppelfchlichthobeleifen zum Abputzen der unteren Fläche von harten oder halbharten Pfoften angebracht. ** Hobelmafchinen mit Kettenvorfchub hat, zur Umgehung des Woodworth'fchen Patentes, James Farrar fchon vor 20 Jahren conftruirt. 24 Dr. Exner. fchiedene Faferfchichten blofsgelegt worden find, auch eine verfchieden ſtarke Ausdehnung oder Zufammenziehung an einzelnen Stellen der Oberfläche herbeigeführt werden dürfte. Indeffen ift diefe letztere Wirkung gewifs weniger draftifch und müffen wir die der Ganz'fchen Hobelmafchine zu Grunde liegende Idee immerhin als eine bemerkenswerthe Neuerung bezeichnen. Da bei diefer Hobelmafchine die Nuthen felbft zur Führung verwendet werden, fo ift es einleuchtend, dafs die obere Fläche, welche während der Dauer diefer Führung hergeftellt wird, mit den Nuthen felbft vollkommen parallel fein mufs. Der aus den Friefen gebildete Boden macht ein Nachhobeln mit der Hand in der Nähe der Fugen vollkommen überflüffig, denn er wird ganz eben ausfallen. Wir glauben nun, wenn wir noch die ordentliche Ausführung der Mafchine anerkannt, die Vorzüge derfelben genügend charakterifirt zu haben. Diefelbe Firma hat noch eine andere Hobelmaschine ausgeftellt, welche dazu dient, verfchieden dicke Holzftücke dadurch abzugleichen, dafs fie auf einem kreisförmigen, ebenen Tifche, welcher um feine Achfe rotirt, einem tangential wirkenden Schneidkopfe fucceffive unterworfen werden. Wir können auf die Befchreibung diefer Mafchine verzichten, da fie im „ Engeneering" vom 19. October 1873 umftändlich gefchildert und durch deutliche Zeichnungen erläutert worden ift. Damit hätten wir die auffallendften Novitäten in Bezug auf Hobelmafchinen abfolvirt, werden aber doch noch die wichtigeren übrigen Ausftellungsobjecte diefer Kategorie anführen. Unter allen Holzbearbeitungsmaschinen ift wohl die Arbey' fche Mafchine mit Meffern von der Form einer Schraubenfläche eine der genialften und vollkommenften. Sie wurde häufig befchrieben und ift jedem Fachmanne bekannt. Auch in der öfterreichifchen Literatur ift fie fchon behandelt worden und wir verweifen auf die fchematifche Darftellung, welche wir in dem öfterreichiſchen Berichte über die Parifer Ausftellung 1867, II. Band, Seite 224 u. ff. gefunden. Die Arbey' fche Hobelmafchine hat fich zwar fchon hie und da in Oefterreich Eingang verfchafft, doch ift fie noch lange nicht fo viel verwendet, als fie verdient, es zu fein. Wir möchten alfo noch einmal darauf hinweifen, dafs durch die fchraubenförmigen Meffer nach dem Syfteme Maréchal& Godeau das ftofsweife Angreifen des Holzes, welches bei geradlinigen Schneiden ftattfindet, gänzlich vermieden wird, dafs ferner bei der Arbey' fchen Hobelmafchine, wo jederzeit ein Punkt der Schneidklinge auf der Oberfläche des Holzes fich befindet, fchon mit 2000 Touren, alfo bei verhältnifsmäfsig geringer Gefchwindigkeit, eine vollkommene Arbeit erzielt wird, wobei viel weniger Lärm entſteht und die Abnützung von Zapfen und Lagern langfamer vor fich geht. Der in Rede ftehende Schneidkopf fchlichtet fo exact, dafs die an der fchwedifchen Hobelmafchine und bei manchen deutfchen Mafchinen diefer Art angewendeten feftftehenden Hobeleifen überflüffig gemacht werden. Sollen diefe feftftehenden Schlicht- Hobeleifen nicht Holzfpähne einreifsen machen, fo mufs die Gefchwindigkeit des Holzvorfchubes eine beträchtliche fein; fie mag fich auf 20 Meter per Minute belaufen. Bei der Arbey' fchen Mafchine genügt dagegen eine Vorfchubsgefchwindigkeit von 4 bis 6 Meter. Da das Schleifen der Hobeleifen durch die Mafchine felbft vollzogen wird, fo geht bei der Arbey' fchen Hobelmafchine viel weniger Zeit durch das Auswechfeln der Hobeleifen verloren. Die Meffer greifen das Holz immer unter dem für die Hobelarbeit günftigen Winkel an. Man kann defshalb ebenfo gut längs, als quer der Fafer hobeln, auch ift das Abhobeln von zufammengefügten Rahmen nicht ausgefchloffen. Ohne dafs der Arbeitswiderftand wefentlich vermehrt wird, ift eine Breite der Arbeitsfläche bis über/ Meter hinaus zuläffig. Die Hobelfpähne werden Holzbearbeitungsmafchinen. 25 feitwärts ausgeworfen, was für die Mafchine und den Arbeiter convenabler iſt, als wenn fie, wie bei der gewöhnlichen Tangential- Hobelmafchine, fenkrecht auf die Achfe des Schneidkopfes von der Holzfläche abfliegen. In neuefter Zeit hat man ftatt der früher angewendeten Meffer von 10 bis 15 Millimeter Dicke nur mehr Meffer von I bis 2 Millimeter Dicke in Anwendung gebracht, welche, ursprünglich eben ausgefchmiedet, erft bei ihrer Befeftigung auf dem Schneidkopfe in die Schraubenflächen- Form überführt werden. Das Schleifen der Meffer durch die Mafchine felbft macht uns in diefer wichtigen Angelegenheit von dem Arbeiter unabhängig. Ranfome hat eine Suite von nicht weniger als fünf Hobelmafchinen zur Ausftellung gebracht, welche das fachmännifche Publicum fehr befriedigten. Eine grofse Tangential- Hobelmafchine mit Zuführungstifch verdient, dafs über fie einige Daten angeführt werden. Der Schneidkopf ift aus Schmiedeifen angefertigt, während die Achfe aus weichkernigem Gufsftahle in langen Lagern aus Kanonenmetall ruht. Der Tifch wird nicht mittelft Zahnftangen- Uebertragung, fondern durch ein eigenes Patent- Zufuhrwerk in Motion gefetzt, wobei der Vorfchub jederzeit von 10 bis 30 Fufs per Minute regulirt werden kann. Der Rücklauf erfolgt mit 40 Fufs Gefchwindigkeit. Nebft diefer, zunächft zum Hobeln von Brettern und Blindholz beftimmten grofsen Carriage- Planing- Machine hat Ranfome eine kleinere Brett- und SimsHobelmafchine in zwei Exemplaren von verfchiedener Gröfse exponirt. Der Bau diefer Mafchinen ift ein überaus vollkommener, die Zufuhrmotion wird mittelft Walzen bewerkstelligt und kann innerhalb der Grenzen von 10 bis 30 Fufs variirt werden. Der Apparat zum Befchweren der Zufuhrwalzen ift einfach. Bei diefen Mafchinen kann das Holz gleichzeitig auf allen vier Seiten bearbeitet werden, wozu vier Schneidköpfe vorhanden find. Das, was bei der früher befprochenen Ranfome'fchen Mafchine über den Schneidkopf gefagt wurde, gilt auch hier. Die Zugänglichkeit der einzelnen Schneidköpfe ermöglicht auch das Umftellen der Eifen ohne grofsen Zeitverluft. Der untere Schneidkopf ift im Gegenfatze zu anderen derartigen Mafchinen am Ende des gufseifernen Hauptgeftelles angebracht. Eine fehr compendiöfe Mafchine desfelben Conftructeurs, zum Hobeln und Glätten fehr dünner Hölzer beftimmt, welche Füllungshobelmafchine genannt wurde, hobelt die durch glatte Walzen zugeführten Brettchen auf den beiden breiten Flächen. Zuführungsapparat, Druckapparat und Schneidkopf wirken fo präcife, dafs man die Brettchen bis auf 18 Zoll Dicke hobeln kann, ohne fie zu zerbrechen. Bei einer diefer Hobelmaschinen hat Ranfome feinen pneumatifchen Spahnabführer angebracht, welcher durch die vortreffliche Arbeit in der Ausftellung gewifs manchen neuen Freund gewann. Worffam hat ebenfalls eine ganz ausgezeichnet arrangirte TangentialHobelmafchine mit langem Tifche und felbftthätigem Vorfchube ausgeftellt. Sehr wichtig find die Beftrebungen diefer Firma, direct der Parquetenfabrication dienende Hobelmaschinen zu liefern. Die Verdienfte Worffam's in diefer Richtung find allerdings fehr bekannt, doch halten wir es für unfere Pflicht, von feinen Parqueten- Abvier- und Beft ofs mafchinen, von feinen Parqueten Hobelmafchinen, die wir fchon weiter oben erwähnt haben, endlich von feinen Parqueten- Nuth- und Federmafchinen, die mit Recht eine grofse Verbreitung gewonnen haben, nochmals zu fprechen. Die Letzteren greifen wir als Beiſpiel heraus, geben in Fig. 9 und 10 Seitenanficht und Grundrifs, erinnern an das Lob, welches diefe Maſchinen in 26 Dr. Exner. Fig 9. 星期 PATENT S WORSSAM& CO OAKLEY WORKS CHELSEA LONDON Fig. 10. HARE der technifchen Literatur, jüngst erft wieder im„ Engeneering" gefunden haben und bemerken über diefelben noch Folgendes: An der Mafchine find gleichzeitig zwei Arbeiter thätig; fie dient zum Federn oder Nuthen, je nachdem die entſprechend geformten Meffer an Holzbearbeitungsmaschinen. 27 dem Schneidkopfe befeftigt werden; endlich kann die Mafchine auch zum Kantenbeftoffen der fertig zufammengeleimten Parqueten benutzt werden. Die Führung ift eine fichere, die Nuth wird genau gerade. Bei gefchickter Behandlung leiftet die Mafchine Erftaunliches. Von den zwei hervorragendften deutfchen Ausftellern, Zimmermann und Schmaltz, haben fich beide mit Tangential- Hobelmafchinen an der Wiener Weltausftellung betheiligt. Schmaltz hat eine Hobelmafchine mit Walzenvorfchub, einem Tifch und drei Mefferköpfen, dann eine gröfsere und eine kleinere Hobelmafchine mit Walzenvorfchub ohne Tifch zur Bearbeitung des Holzes auf allen vier Seiten und endlich eine kleine Walzen- Hobelmafchine mit einem Mefferkopfe aufgeftellt. Die Abfichten, welche die Firma Schmaltz bei dem Baue der Hobelmafchinen für Holz verfolgt und die aus denfelben entſpringenden guten Eigenfchaften ihrer Hobelmafchinen laffen fich mit wenigen Worten charakterifiren. Die Riemenfcheiben find mit Lederbandagen verfehen, die Mefferwellen gut gelagert und forgfältig centrirt, die Anordnung der ganzen Mafchine ift fo getroffen, dafs alle Beftandtheile leicht zugänglich und die Ab- und Einftellvorrichtungen, fowie das Verftellen der Mefferwellen von dem Standplatze des Arbeiters aus leicht zu dirigiren find. Die Druckvorrichtungen befinden fich möglichft nahe bei den Mefferwellen. Das hauptfächlichfte Verdienft der genannten Firma ift jedoch die Einführung des automatifchen Schleifapparates für Hobelmeffer, von deffen vortrefflicher Wirkfamkeit wir uns nicht nur in der Ausftellung, fondern fchon früher in mehreren Werkstätten überzeugt haben. In der Reparatur- und Montirwerkftätte der Elifabeth Weftbahn in Wien ift eine folche Mafchine in der zufriedenftellendften Weife feit Jahren verwendet. Die Chemnitzer Werkzeug- Mafchinenfabrik, vormals Zimmermann, war eine der erften in Deutfchland, welche fich mit dem Baue von Hobelmafchinen erfolgreich befafst hat. Eine grofse Zahl von Etabliffements hat Walzen Hobelmafchinen mit Wagen oder Riffelwalzen Vorfchub von Zimmermann bezogen und allgemein ift man mit den Leiftungen der Firma zufrieden. Die in Wien ausgeftellt gewefene Sims- und Brett Hobelmafchine zeigte, dafs das Etabliffement ftets Fortfchritte macht. Das Geftell wird neuefter Zeit in Hohlgufs ausgeführt und ift fehr ftabil. Der Antrieb der Mafchine ift durch ifolirte Stellung des Vorgeleges von ihr feparirt worden, was den Gang der Arbeit ruhiger geftaltet. Eine weitere Vervollkommnung ift durch die der Fabrik patentirten Doppelmeffer erreicht worden. Von den vielen anderen Hobel- und Fraismafchinen, welche in Wien zur Ausftellung gebracht worden find, zeichneten fich noch jene von Powis und Robinfon aus. Die Hobelmafchinen von Whitney, welche zu den kühnften und eigenthümlichften amerikanifchen Mafchinen gehören, find fchon durch die Parifer Ausftellung dem fachlichen Publicum bekannt geworden.( Officieller Ausftellungsbericht, II. B., S. 246.) Es wird übrigens für weitere Kreife nicht überflüffig fein, zu bemerken, dafs die Whitney' fche Schlicht- Hobelmafchine blos den Zweck hat, eine bereits gegebene Oberfläche zu glätten, ohne dabei die Hauptform des Holzftückes irgendwie zu verändern. Sie befchränkt fich darauf, von dem Holzftücke eine dünne Schicht abzuziehen, und folgt dabei der durch eine frühere Bearbeitung hergeftellten Oberfläche. Auch hat Whitney eine eigenthümliche, gute Hobeleifen- Schleifmafchine exponirt. Die vortrefflichen Mafchinen von C. B. Rogers& Comp. in Norwich, Connecticut, welche fich befonders durch die Anordnung der Mefferwellen od 28 Dr. Exner. und Zuführungswalzen auszeichnen, waren auch auf der Wiener Ausftellung vertreten, ohne feitens des Publicums jene Beachtung zu finden, die fie verdienen. Näheres über diefelben findet man in dem Parifer Ausftellungsberichte von Scharff und in dem Werke von Richards. Die Weltausftellung enthielt auch mehrfache Mahnungen an den Benützer von Holzbearbeitungs Mafchinen, fich mit guten Schleifvorrichtungen für Hobeleifen Meffer zu verfehen. In diefen für Fachmänner beftimmten Ausführungen ift es wohl überflüffig, die eminente Wichtigkeit eines accuraten Schliffes der Hobeleifen zu betonen; der Zuftand eines ganzen Etabliffements kann ja nach der Befchaffenheit des Schleiffteines beurtheilt werden. Mehrere Mafchinenfabrikanten, unter ihnen befonders Ranfome, Worffam, Schmaltz und Arbey, haben auf die Verbefferung von Schleifapparaten für gerade und Sims Hobeleifen ihr Augenmerk gerichtet. Ranfome's Schleifapparat für gerade Hobeleifen befteht aus einem ftarken Troge von Gufseifen mit Spindel- Zapfenlager, Triebrolle und Klammerplatten zum Halten des Steines; er nimmt einen Stein bis 5 Fufs Durchmeffer und 12 Zoll Breite auf. Eine gufseiferne Platte, mit Segmenten von ,, Water- of- Ayr"- Steinen verfehen, ift gewöhnlich an einem Ende der Steinfpindel feftgemacht und dreht fich in einem für fich befonderen, an der Seite befeftigten Troge. Die Tröge find mit adjuftirbaren Führungen und Schiebern, welche die Hobeleifen in dem gewünſchten Winkel gegen die Oberfläche der Steine halten, verfehen, und der ,, Water- of- Ayr"- Stein wirkt wie ein rotirender Wetzftein, indem die Schneiden ihn vollkommen fcharf gefchliffen verlaffen. Der mit der Mafchine gewöhnlich gefandte und in dem Preife inbegriffene Schleifftein mifst 4 Fufs im Durchmeffer und 8 Zoll Dicke. Der Apparat wird auch etwas kleiner gemacht, fo dafs er fich zum Schleifen von gewöhnlichen Tifchler- Werkzeugen eignet; er gleicht dem obigen und hat einen Stein bis 3 Fufs 6 Zoll im Durchmeffer. Ausserdem hat Ranfome auch einen Sims Eifenfchleifer exponirt, durch deffen Anwendung die Arbeit des Weichmachens und Härtens, welche beim Schärfen mittelft Feile nöthig wird, vermieden werden kann. Die Mafchine befteht aus einer Spindel, welche mit fieben kleinen Schleiffteinen verfchiedener Dicke, die fich in einem Troge drehen, verfehen ift. Die Schleiffteine find fo geftaltet, dafs fie auf die Krümmungen und Aushöhlungen der Sims- Hobeleifen verfchiedener Form paffen, und jeder der Steine wird durch einen darüber befindlichen Wafferhahn aus Kanonenmetall mit Waffer verfehen. Die Wafferhähne ftehen mit einer Cifterne von Gufseifen in directer Verbindung. Aehnliche Schleifapparate für gerade und Kehleifen waren auch von Worffam ausgeftellt und find in der Praxis längst bekannt. Da wir die weiter oben erwähnte, ebenfalls exponirt gewefene Schmaltz'fche Hobeleifen Schleifmafchine auf das Lebhaftefte empfehlen können, fo geben wir hier noch eine etwas umftändlichere Befchreibung Das Schleifen und Schärfen der Hobelmeffer gefchieht häufig auf einem rotirenden, gewöhnlichen Schleiffteine, erfordert aber grofse Uebung und Aufmerkfamkeit. Um dies zu erleichtern, bringt man am Geftelle einen langen Querfupport an, auf welchen das Hoheleifen gefpannt und durch feitliche hin- und hergehende Bewegung der Wirkung des Schleiffteines ausgefetzt wird. Es ist aber hiebei erforderlich, dafs der Stein immer eine gerade Oberfläche hat und genau rund läuft, was bei Utenfilien, worauf jeder fein Handwerkszeug fchleift, nicht lange der Fall bleiben kann. Holzbearbeitungsmafchinen. Diefe Umftände veranlafsten Schmaltz, 29 zum Schleifen von geraden, langen Hobelmeffern eine befondere Mafchine zu conftruiren. Das Schleifmittel bei diefer Mafchine ift Schmirgel und Oel auf einer horizontal rotirenden Metallfcheibe von entsprechendem Durchmeffer. Diefe Scheibe, aus einer Mifchung von Blei, Antimon und Zinn beftehend,* ift genau abgedreht und das Schleifen gefchieht durchaus felbftthätig, fo dafs der Arbeiter nur das Hobelmeffer einzufpannen und die Mafchine in Bewegung zu fetzen hat. Die Scheibe foll 120 bis 140 Umdrehungen per Minute machen und imprägnirt fich in kurzer Zeit fo mit Schmirgel, dafs ein wenig Oel genügt, ein ftumpfes Meffer wieder zu fchärfen. Handelt es fich darum, tiefe Scharten auszufchleifen, fo ftreut man von Zeit zu Zeit während der Operation etwas Mittelkorn- Schmirgel auf die Scheibe, nachdem man vorher einen kleinen Strahl Oel darauf gegeben hat. Durch die Bewegung des Meffers vertheilt fich der Schmirgel fofort gleichmässig über die ganze Oberfläche; felbft ziemlich grober Schmirgel verurfacht keinen Schaden. Nach längerem Gebrauche bildet fich eine kleifterartige Krufte, die man mit einer Ziehklinge abfchabt, bevor frifches Oel und Schmirgel zugege ben wird. Die Scheibe ift faft keiner Abnützung unterworfen, wenigftens wurde bei der erften Mafchine diefer Art aus dem Jahre 1865 bis heute ein Abdrehen der Oberfläche nicht nothwendig. Die früher beliebten Doppel- Schleiffteine nach Muir& Comp. in Manchefter haben zwar hinfichtlich des gegenfeitigen Rundhaltens fich bewährt, allein durch das Aufeinanderfchleifen beider Steine entstand eine glatte, faft polirte Oberfläche, welche den Stahl nicht mehr gut angriff. Nichtsdeftoweniger bietet diefe Conftruction für Tifchlerwerkftätten manchen Vortheil, wenn man die Steine fich leicht berühren läfst. Der erfte Stein kann alsdann für fchmale Stemmeifen, Meifsel u. f. w. benützt werden; hiedurch wird der zweite Stein, der eine feitliche hin- und hergehende Bewegung hat, gefchont, bleibt länger rund und kann für nicht zu breite Hobeleifen mit Vortheil benützt werden. In neuefter Zeit hat man die Schmirgel- Sägefchärf- Mafchine nachgeahmt und eine Schleiffcheibe auf die Drehbank Spindel gefetzt, um damit Kehleifen und dergleichen zu fchärfen. In der Wiener Weltausftellung war ein an der ganzen Mantelfläche mit Schmirgel überzogener Cylinder exponirt, welcher, mit eiferner Achfe verfehen, in Rotation gebracht, als Schleifapparat zu dienen beftimmt war. 4. Fraismafchinen. Die Verwendung der Fraismafchinen ift binnen verhältnifsmäfsig kurzer Zeit eine grofsartige geworden Eigentliche Fraisköpfe, wie fie für die Metallbearbeitung erfunden wurden find dabei wohl allerdings felten im Gebrauche, vielmehr find es Schneidköpfe, mit denen die profilirten Klingen auf irgend eine Art verbunden werden, die das Werkzeug der Fraismafchinen bilden. Um eine Unterfcheidung zwifchen Frais- und Tangential- Hobelmaschinen zu machen, eine Unterfcheidung, welche bei der Holzbearbeitung in Beziehung auf Anordnung und Wirkungsweife des Werkzeuges nicht aufgeftellt werden kann, nennen wir Fraismafchinen diejenigen Mafchinen, bei welchen die am Holz hervorgebrachte Oberfläche keine geradlinigen Erzeugenden hat, das heifst, bei welchen die Zufchiebung des Holzes keine geradlinige, alfo eine von der geradlinigen oder regelmäfsig kreisrunden Bewegung des Werkstückes bei den Hebelmaschinen abweichende ift. * Manche Fabrikanten verwenden hiezu nur Blei. 1% 30 Dr. Exner. Am häufigften im Gebrauch und auf der Ansftellung zahlreich vertreten find die kleinen Fraismafchinen, bei denen der Fraiskopfüber die horizontale Tifchfläche hervorragt. Die zu bearbeitenden Holzftücke, wie Rahmen, Tifchplatten und andere Möbelbeftandtheile, werden mit freier Hand zugefchoben und fo mit Kehlungen und anderen Kegelformen verfehen. Es wird alfo kein automatifcher Vorfchub angebracht. Fig. 11 ift die Abbildung einer folchen Fraismafchine, die felbſtverſtändlich für alle Arten Gefimfe, wie zum Nuten und Federn von krummen und gefchweiften Seitenflächen dienen kann. Die Mafchine hat einen gufseifernen Tifch und Niederhaltung( liegt in der Abbildung am Boden), koftet 1000 Francs und wird in diefer Anordnung von F. Arbey gebaut. Sie iſt aus dem Faubourg St. Antoine hervorgegangen und hat eine grofse Verbreitung in den Ateliers gefunden. Eine zufriedenftellende Leiftung, welche nur wenige Nacharbeit erfordert, kann man bei diefer Mafchine nur gewärtigen, wenn die Gefchwindigkeit des Fraiskopfes eine fehr bedeutende ift. 4000 Touren find bei dem geringen Halbmeffer des von der Fraisklinge befchriebenen Kreifes durchaus nichts Exorbitantes. Der eben erwähnten fehr ähnliche Fraismafchinen mit einer verticalen Fraiswelle oder auch mit zwei folchen bauen die meiſten englifchen und deutfchen Mafchinenfabriken. So z. B. liefert S. Worffam in London nahezu um den gleichen Preis, wie Arbey, Fraismafchinen diefer Art. Das beiläufige Gewicht einer einfpindeligen Mafchine beträgt 16 Centner. Die Tourenzahl der Vorgelagewelle ift 800( 12 Zoll Durchmeffer der Riemfcheibe), Arbeitsverbrauch: ein Pferd. Die Einführung diefer Mafchinen in die öfterreichifche Möbelinduftrie ift fehr dringend zu wünfchen. Diefs wird wohl dadurch begünftigt, dafs fich auch öfterreichifche Firmen mit dem Baue folcher Mafchinen befaffen.( Top ham z. B. hat eine zweifpindelige Fraismafchine exponirt.) Schmaltz in Offenbach a. M. hat nicht weniger als vier Formen in feinem Preis- Courant und davon drei zur Ausftellung gebracht. Die kleinfte derfelben, welche nur 100 Thaler koftet, hat einen verftellbaren, abnehmbaren Tifch, fchmale Auflage für doppelt gekrümmte Hölzer, das Vorgelage am Geftell angebracht und befitzt eine ausgezeichnete auf ausrückbaren Frictions kegeln beruhende Vorrichtung zum Wechfeln der Rotationsrichtung.( Gewicht 200 Kilogramm.) Die Fabrication von Fensterrahmen, von Mafswerk in denfelben, von allerlei Bautifchlerarbeiten wird durch diefe Mafchine nicht wenig gefördert, wefshalb wir fie nochmals dringend empfehlen. Es ift zu bemerken, dafs ein wefentliches Kriterium der Güte und Dauerhaftigkeit der Mafchinen das Material und die Conftruction der Fraisspindel und der fie haltenden Lager bilden, wefshalb auf diefen Umftand beim Ankauf befondere Aufmerkfamkeit gerichtet werden mufs. - Ein anderes Syftem von Fraismafchinen ſtellt das von Ranfome exponirte Mufter dar. Thomas Robinfon& Son's in Rochdale bei Manchefter führten fchon vor einiger Zeit Fraismafchinen mit vertical ftehender Spindel ein, bei welchen jedoch die Spindel nicht in Lagern des Geftelltifches liegt, fondern oberhalb des Tifches in durch einen Support getragene Lager eingebettet ift. Diefe Fraisfpindel kann in Folge deffen gefenkt und gehoben, nach links und rechts verftellt werden, und wenn man wollte, könnte noch überdiefs der Trager des Supportes wie ein Krahn drehbar eingerichtet werden. Diefe Modification, die Fraiswelle von unterhalb des Tifches nach oben zu verlegen und noch dazu ihr eine gewiffe Mobilität zu verleihen, ermöglicht ARBEY A PARIS L.GUIGUET Fig. 11. 9 RARE Holzbearbeitungsmaschinen. 31 eben, Holzplatten von oben zu bearbeiten und nicht blos am Rande zu formen Man fenkt die Fraiswelle defshalb heifst die Mafchine auch ,, Senkmafchine" und läfst fie im Holze beliebige profilirte Rinnen eingraben. Jedes Ornament kann durch die Doppelbewegung der rotirenden Fraife oder durch die einfache Bewegung der Fraife, der ein Vorfchub des Holzes zu Hilfe kommt, verfolgt werden. Die Fraismafchine wird dadurch zu einer Art Relief- und Sculpturmafchine und die Mannigfaltigkeit ihrer Verwendung wächft ins Unendliche. Die Mafchine von Ranfome gibt nun eine noch höhere Potenzirung der Befähigung der Mafchine. Ranfome hat nämlich den von Robinson erfolgreich propagirten Mechanismus und eine Fraismafchine mit ftabiler Tifchwelle combinirt. In den Fig. 12 und 13 ift die fogenannte„ verbefferte Univerfal Simshobel, Frais und Senkmafchine" Ranfome's in zwei Aufriffen dargestellt Fig. 12. A RANSOME& CH Fig. 13. Der überhängende Arm, welcher die obere Fraiswelle trägt, kann leicht abgenommen werden, wenn man mit der unteren Fraife allein arbeiten will. Das Gewicht der Mafchine ift 1100 Kilo, das Krafterfordernifs ein Pferd; der Durchmeffer der Rollen an der Triebwelle ift 6 Zoll grofs und diefe macht 1000 Touren in der Minute. Preis fammt allem Zubehör 160 Pfund Sterling. Die Mafchine fand in Wien neuerlich viel Anklang, verdient gewifs alle Beachtung und trotz des etwas hohen Preifes auch bald die Einführung in unferen heimifchen Werkstätten. Eine wirklich hochgetriebene Potenzirung der Maſchinenarbeit wurde durch die Verquickung des Copirprincipes mit der Fraifearbeit erreicht. Wenn man eine Fraismafchine fo einrichtet, dafs die Fraife nach Mafsgabe der Form eines eifernen Modelles feinen Standort fortwährend ändert, während ihr immer neue Stellen an dem Werkftücke dargeboten werden, fo mufs eine völlige Congruenz von Modell und Holzarbeit erzielt werden. Man kann aber 3 32 Dr. Exner. auch die Fraife an ihrem Standorte fix einbetten und dagegen das Werkstück, nach der Form eines Modells, das fich ftets dreht und dabei an einen„ Führer", recte„ Fühler" anlehnt, fich der Fraife mehr oder weniger nähern oder entfernen laffen. Diefs find die Grundideen für die zwei Hauptarten von copirenden Fraismafchinen. Das erfte Princip ift auf das Engfte mit der ,, Copir- Drehbank" verwandt( Blanchard's Erfindung, fiehe Kohn's Ausftellungsbericht 1862). Mit der Einführung des Copirens jeder beliebigen regellofen Form, wodurch die mafchinelle Erzeugung von Schuhleiften, Stuhlbeinen, Gewehrfchäften, Radfpeichen, Axt- und Hammerftielen etc. realifirt wurde, ift fcheinbar das eigentliche Gebiet der Mafchinenarbeit verlaffen, die Natur der Mafchinen, welche nur eine geradlinige, kreisförmige Bewegung zuzulaffen fcheint, verläugnet. Diefs wäre indeffen ein Trugfchlufs. Sobald es fich um die taufendfältige Wiederholung von Arbeiten handelt, welche auf Herſtellung einer unregelmäfsi gen Form hinauslaufen, ift die Mafchine in ihrer ureigenften Domäne, und die Handarbeit hat kein Recht, fich über einen Eingriff in ihr Gebiet zu beklagen. Nur dort, wo die Hand individuell fchafft, wo fie eine beftimmte Idee zum Ausdruck bringt, zur Erreichung eines gewiffen Zweckes, fei es, um dem Schönheitsfinne zu dienen, nur dort ift die Mafchine ausgefchloffen, aber auch für immer ausgefchloffen. Die Weltausftellung hat an C opir- Fraismafchinen nicht eine Neuigkeit zu Tage gefördert, wohl aber zwei bekannte, vielfach mit dem beften Erfolge arbeitende Mafchinen wieder zur Anficht gebracht. Da man in Oefterreich die in die Praxis des Fabrikswefens eingeführten Copir- Fraismafchinen an den Fingern von ein Paar Händen herzählen kann, die Einführung diefer Mafchinen aber auch aufserhalb der Werkstätten für das Kriegsmaterial wünfchenswerth ift, fo wollen wir uns mit den exponirten Mafchinen etwas befaffen. Der Vorwurf, dafs wir Bekanntes mittheilen, ift nicht fo bedenklich, wie jener, dafs wir etwas Wichtiges, wenig Bekanntes nur oberflächlich berührt hätten. Fr. Arbey hat eine in Fig. 14 abgebildete, überaus vollkommene Mafchine zum Fraifen von Radfpeichen, Gewehr- und Piftolenfchäften, Schuhleiften etc. ( Fig. 15 bis 19) nach gegebenem Modell exponirt, welche vier Stücke gleichzeitig arbeitet. Derfelbe Fabrikant baut eine folche Mafchine, welche nur zwei Stücke gleichzeitig fraift; erftere koftet 3500, letztere 2200 Francs. Die Conftruction ift aus der Figur erfichtlich. Die mit der Bandfäge und Hacke im Rohen ausgeformten Holzftücke wer den auf der Mafchine fo vollftändig ausgearbeitet, dafs jede weitere Nacharbeit ausgenommen das Abreiben der fertigen Stücke mit Glaspapier, überflüffig wird. Die Mafchine producirt in je 10 bis 15 Minuten vier Exemplare, alfo in einem Arbeitstage beiläufig 200 Stücke. Ein befonderer Vorzug der Arbey'fchen Mafchine vor ähnlichen Conftructionen deutfcher und englifcher Fabrikanten befteht darin, dafs die Rotation der eingefpannten Holzftücke durch ein Getriebe konifcher Zahnräder in einer Art eingeleitet ift, welche eine fehr exacte, mit der Drehung des gufseifernen Modells minutiös genau übereinftimmende Transmiffion liefert. Wenn die Räder durch den Gebrauch etwas ausgelaufen find, fo kann man diefelben nachftellen und fo das„ Spielen" vermeiden. Bei den von Zimmermann und Robinfon gebauten Mafchinen derfelben Gattung ift die Uebertragung der Drehbewegung des Modells auf die Arbeitsftücke durch gerade Stirnräder eingeleitet, fo dafs fich die Fehler multipliciren und eine minder präcife Form refultirt. A. Ranfome hat feine vortreffliche Copir- Fraismafchine, bei welcher die Fraifen in einer fenkrechten Couliffe fich heben und fenken, nicht nach Wien gefandt. F.BOURDELIN FARBEY PARIS Fig.14. CBELLOCHE.. Fig. 15. Fig. 16. Holzbearbeitungsmaschinen. Fig. 17. E. B Fig. 19. Fig. 18. Die andere Gattung von Copir- Fraismafchinen, bei denen, wie weiter oben bemerkt wurde, die Fraife feftliegt und das Werkftück nach Mafsgabe eines metallenen Modells hin und herbewegt wird, war in der Ausstellung nur durch ein von Ch. Powis in London exponirtes Exemplar vertreten. Von den Fraismafchinen, welche eine ganz fpecififche Einrichtung für beftimmte Zwecke haben, wären noch hervorzuheben die Zapfen- Fraismafchinen und die Zinken Fraismafchinen. Wenn an dem Ende eines Holzftückes mehr als ein Zapfen, alfo ein Doppelzapfen oder gar mehrere Zapfen herzuftellen find, wie bei den Eckverbindungen der Leimzwingen oder Leimknechte, befonders aber dann, wenn 3* 33 34 Dr. Exner. Zapfen mit verfchiedenen Schultern herzuftellen find, fo läfst fich diefs mit Combinationen von Circularfägen nicht mehr erreichen; die Fraismafchinen dagegen erfüllen diefe Aufgabe in vollkommener Weife. In der Ausstellung waren viele Mafchinen zu fehen, welche die Zapfen mittelft Fraifen ausarbeiten. Namentlich bei combinirten Mafchinen trat diefer Mechanismus häufig auf, doch auch mehrere blos zum Zapfenfraifen eingerichtete Mafchinen waren vorhanden. Eine vorzügliche Mafchine diefer Art ift die von Allen Ranfome gebaute in den Fig. 20 und 21 in zwei Aufriffen dargestellte. Fig. 20. Holz bis zu 6 Zoll Dicke und 18 Zoll Breite wird durch diefe Mafchine bei einem einzigen Durchgange durch die Mafchine mit einem oder mehreren Zapfen ausgeftattet. Die Frais- Kopfwellen find aus weichkernigem Gufsftahl hergeftellt und laufen mit grofser Gefchwindigkeit in felbftfchmierenden Lagern. Die horizontalen Wellen können gehoben und gefenkt und von einander mehr oder weniger entfernt gehalten werden, fowie der horizontal rotirende Fraiskopf an der fenkrecht ftehenden Welle ausgewechfelt werden kann, um dem verfchiedenartigften Bedarfe zu genügen. Der Tifch ift fehr ftark conftruirt und läuft mit dem von ihm getragenen Holz mittelft abgedrehter exacter Laufrollen auf planirten Führungen. Die Befeftigungen des Holzes find ficher und doch leicht lösbar. Das Gewicht der Mafchine beträgt 1200 Kilo, fie erfordert zwei Pferde und koftet loco Chelſea 100 Pfund Sterling. Aehnliche Mafchinen bauen Worffam; Richards, London und Kelley; John Mc. Dowall& Sons; Robinfon& Son; Arbey u. f. w. Bei der eben befchriebenen Mafchine von Ranfome liegen die obere und untere Fraife auf horizontalen Wellen; diefe Wellen find demnach parallel zur Holzfafer und die Mefferfchneide befchreibt eine Cylinderfläche, die von der Ebene der Fafern tangirt wird Die Wirkung der Schneide ift alfo ähnlich wie die bei der Tangential- Hobelmafchine, nur mit dem Unterfchiede, dafs bei letzterer die Achfe des Rotationscylinders in der Regel fenkrecht zur Fafer, bei erfterer parallel zu derfelben liegt. Um die Arbeit des Schneidens zu begünftigen, ftellt man die Klinge fchief zur Achfe, damit die Schneide der Fafer unter einem mäfsigen Holzbearbeitungsmafchinen. 35 fpitzen Winkel begegnet.* Arbey bringt dabei feine fchraubenflächigen Meffer, von deffen Hobelmafchine her vortheilhaft bekannt, an, und hier ift ihre Wirkfamkeit ganz befonders gut. Die helicoidalen Schneidmeffer an Fraifewellen für Zapfenmafchinen halten wir für einen wichtigen technifchen Fortfchritt. Die Zapfen erhalten eine fehr vollkommene glatte Oberfläche und können beliebig breit und lang fein, ohne dafs diefs die geringfte Schwierigkeit macht. Fig. 21. A RANSOME& CL CHELSEA, SW Wird nur ein Zapfen erzeugt, fo kann man die linke und rechte Seiten fläche des Zapfens auf diefe eben angedeutete, der Tangential- Hobelmaschine ähnliche Art erzeugen. Hat man aber zwei oder mehrere Zapfen herzuftellen, fo mufs man Fraifen anwenden, deren Achfen fenkrecht zur Fafer ftehen. Die Schneide der Fraife arbeitet dann wie bei der in unferen Abbildungen 20 und 21 angedeuteten mittleren Fraife auf lothrechter Welle über Hirn; die einzelnen Spähne werden von der Länge der Fafer quer abgefchnitten. Bei Zapfenfrais- und Nuthmafchinen, wo man eben zwei oder mehrere Zapfen regelmäfsig herzuftellen hat, wie bei Holzbearbeitungs Maſchinen für den Eifenbahn- Waggonbau, bei Werkzeug- Fabriken und dergleichen Anftalten, zieht man es häufig vor, alle Fraifen an eine Achfe zu legen und in der zuletzt angedeuteten Weife über Hirn wirken zu laffen. Allerdings ift der Kraftverbrauch bei der Bearbeitung über Hirn ein höherer, aber die Adjuftirung auf einer Welle ift eine einfachere. Man trifft dabei auch die Anordnung fo, dafs das Holz feft liegt und die Fraifewelle an der Hirnfläche, in diefelbe mittelft der Fraifen eingreifend, vorbeiwandert. Die Fabriken von Arbey, Ranfome, Robinfon und Mc. Dowall, ganz befonders aber amerikanifche Etabliffements haben diefe Mafchine fehr ausgebildet; bei der Werkzeug- Fabrication hat fie Weifs in Wien mit beftem Erfolge angewendet. Die Herftellung von Nuthen und Zapfen wird auch mittelft fchiefftehender Circularfägen erzielt, fo zwar, dafs durch die Säge nach Mafsgabe ihres Schiefftellung verfchieden breite Nuthen oder Zapfenzwifchenräume durch Verwandlung der betreffenden Holztheile in Spähne erzeugt werden. Es ift diefs eine fehr viel Kraft abforbirende Procedur und daher nur in einem fpäter zu erwähnenden Falle zuläffig. * Diefe fchiefe Stellung der Mefferfchneiden zur Holzfafer hat Topham bei kleinen Hobelmafchinen angewandt. 36 Dr. Exner. Ringförmige Fraisköpfe, wo die Fraismefferfchneiden im inneren Umfange des Ringes liegen, dienen zum Abfraifen runder Zapfen, für Stuhlfüffe, Radfpeichen und dergl. Ch. Powis hat eine diefem Zweeke dienende Mafchine exponirt. Die Gebrüder Thonet haben eine verwandte, von ihnen felbft conftruirte Mafchine in ihren weltberühmten Fabriken feit Jahren in Verwendung. Die fchon von Paris her feit 1867 bekannte Zinken- Fraismafchine von Zimmermann in Chemnitz hätte nicht verfehlt, neue Freunde zu gewinnen, wäre fie in der Ausstellung in Thätigkeit verfetzt worden. Aber auch im Zustande der Ruhe konnte manche Verbefferung an ihr wahrgenommen werden. III. Bohrmaschinen. Wegen der grofsen Verwandtfchaft der Arbeit der Bohrmaſchine mit jener der Fraismafchine mag jene nun hier angereiht werden. Die Bohrmafchine dient bekanntlich zur Herftellung von kreisrunden und oblongen Löchern, und wird im letzteren Falle Langlochbohr- oder Schlitzmafchine genannt. Wird der Bohrer nicht blos rotirend in das Loch verfenkt, fondern auch noch überdiefs lateral bewegt, fo entſteht eine Oeffnung im Holze, die zwei parallele geradlinige Seitenwände und halbkreisförmige Endabgrenzungen hat. Diefe dienen häufig auch als Zapfenlöcher bei Holzverbindungen. Die Bohrmafchinen haben mit Rückficht auf die Form des Werkzeuges und Bewegungsart eine überaus mannigfaltige Einrichtung erhalten. Schon die dem Bohrer zu verleihende rotirende Bewegung kann eine umftellbare( Hin- und Rücklauf), oder eine conftante, oder endlich eine während der Rotation zu variirende fein.* Was aber die Bewegung des Bohrers fenkrecht zur Holzoberfläche, das heifst, in das Werkstück fich verfenkend anbelangt und zweitens was die Bewegung des Bohrers bei der Langloch- Bohrmaſchine, fenkrecht auf die Achfe des Bohrers, betrifft, fo können diefe Bewegungen fowohl durch die Hand des Arbeiters mittelft eines Hebels oder durch die Mafchine felbft und fie können entweder mit dem Bohrer oder mit dem Holze bewerkstelligt werden. Aus diefer Expofition dürfte die Verfchiedenartigkeit der Bohrmaſchinen fchon erhellen. Bei der Einfachheit der Bohrmaſchinen und den geringen Schwierigkeiten, die fie zu überwinden haben, da die Action durch eine Drehbewegung hergeſtellt wird und die Zufchiebung nach jeder Richtung eine mäfsig fchnelle ift, hat die Bohrmaſchine verhältnifsmäfsig geringes Intereffe für den Conftructeur. Sie iſt vollkommen entwickelt. Wenn die Ausftellung in diefer Richtung einen Werth haben konnte, fo beftand er nur darin, dafs man neuerdings beftätigt fand, was man ohnehin wufste, nämlich 1. dafs die Längsbewegung im Sinne der Fafer am beften durch Verfchiebung des Holzes hervorgebracht wird, wobei die Handarbeit ausreicht, wenn kleinere Holzftücke zu bewegen find; * In der Parquettenfabrik von Gebrüder Bauer in Breslau arbeitet eine RundlochBohrmafchine, bei welcher der Bohrer durch eine an feiner Achfe fteckende Scheibe mit glatter Mantelfläche von einer zu derfelben fenkrecht liegenden Scheibe mittelft Friction getrieben wird. Findet die Transmiffion näher am Umfange der letzteren Scheibe ftatt, fo rotirt der Bohrer rafcher, eine Anordnung, die fich fehr empfiehlt, da der Bohrer, je tiefer er ins Holz eindringt, alfo fich die mit ihm feft verbundene Scheibe fenkt und näher zur Peripherie der treibenden Scheibe rückt, fich auch fchneller bewegt, was gerade dann fehr zweckmäffig ift. Diefe empfehlenswerthe Anordnung war an keiner der exponirten Bohrmaschinen zu fehen. Es ift überhaupt zu bedauern, dafs die Werkstätte von Hoffmann aus Breslau, aus der wenn wir nicht irren diefe Mafchine ftammt, fich an der Ausftellung nicht betheiligt hat. - Holzbearbeitungsmaschinen. 37 2. dafs die Verfenkung des Werkzeuges ins Holz durch Bewegung des Werkzeuges ftattzufinden hat und am beften durch die Hand des Arbeiters erzielt werden mag; 3 dafs man, trotz der vielfältigen Verfuche, den Bohrer felbft umzugeftalten und zu verbeffern, doch bis heute dem feit mehr als einem Vierteljahrhundert in Gebrauch ftehenden flachgedrehten Spiralbohrer treu geblieben ift. Die Ausftellung enthielt eine ziemlich grofse Anzahl von verticalen und bei combinirten Maſchinen auch von horizontalen Bohrwerken; leider fehlten Röhrenbohrmaschinen, deren Amerika fo intereffante in Verwendung hat. Die meiften der exponirten Bohrmaſchinen waren mit anderen Maſchinen combinirt; eine beliebte Verquickung ift die mit der Stemmmafchine, weil viele diefer letzteren in dem Holzftück ein Loch vorgebohrt haben müffen, um die Arbeit beginnen zu können. Eine Bohrmaſchine des Amerikaners B. D. Whitney fiel auf. Sie hat zwei horizontale Bohrfpindeln, deren gegenfeitige Entfernung verändert werden kann. IV. Drehbänke. Die Drehbank ift dem ihr zu Grunde liegenden Principe nach eine uralte Mafchine. Sie iſt auch die einzige Holzbearbeitungsmafchine, welche von den in der mafchinellen Technik fo weit zurückgebliebenen Orientalen zur Ausftellung gebracht wurde. Der Palaft des Vicekönigs von Egypten war durch ein eigenthümliches Gitterwerk vor den Fenftern ausgeftattet. Diefe Vorbaue find aus taufenden von einzelnen auf der Drehbank angefertigten Stückchen( Kugeln, Scheiben und Wälzchen) zufammengefetzt. Diefe in vielen Fällen reizend componirten Gitterkörbe waren nun theils echt egyptifch, theils nach den Angaben des Architekten Schmoranz in der Bautifchlerei der allgemeinen öfterreichifchen Baugefellfchaft ( jetzt Baumaterialien- Gefellfchaft) imitirt angefertigt. In einer der ebenerdigen Aufsenlocalitäten( Verkaufsläden) war überdiefs ein Drechsler poftirt und damit befchäftigt vor den Augen des Publicums gedrechfelte Gegenftände aus Holz, unter Anderem folche zierliche Gitter anzufertigen. Man kann alfo füglich fagen, dafs Egypten feine Drechslerei auf der Ausftellung repräfentirte. In einer anderen Art brachte Indien die Drechslerei der Eingebornen zur Anfchauung einerfeits durch exponirte Arbeiten, andererfeits durch Zeichnungen von eingebornen Gewerbetreibenden in ihrer Berufsthätigkeit dargeftellt( Skizzen von J. L. Kipling of the Sir Jamfet Jee Jejeehoy School of art and induftry. Bombay). im Aus diefen letzteren Zeichnungen, verfchiedene Handwerksverfahren vorführend, und aus der Boutique im Palafte des Khedive geht hervor, dafs ganzen Orient nur eine Manier des Drehens üblich ift. Der Arbeiter fitzt auf der Erde und bringt das auf fehr primitiven Decken ruhende Arbeitsftück mit einem Fufse in Rotation, während der andere unterſtützt und fefthält und die Hände das Abdreheifen führen. Welcher koloffale Contraft diefes höchft unvollkommenen Verfahrens mit Baxter D. Whitney's Patent Gauge Lathe, einer Schlichtdrehbank, bei welcher nach dem rohen felbftthätigen Zufchroppen, die Mafchine ebenfalls felbftthätig verfchieden profilirte Schlichtmeffer in verticalem Rahmen herabfenkt und in Action verfetzt.* * Die Whitney fche Drehbank für Geländerftäbe, Möbeltheile u. dgl. ift fchon 1867 ausgeftellt und im officiellen öfterreichifchen Bericht befprochen und gut illuftrirt worden.( IV. 257, 2. Band.) Auch Tresca befchreibt fie in feinem Berichte( Rapports du Jury International, 9. Band) und macht dabei die Bemerkung, dafs die Schwierigkeit des Schleifens der profilirten Schlichtmeffer der Verbreitung diefer Mafchine entgegenftünde. Diefe Einwendung dürfte jedoch bei der für Maffenproductionen beſtimmten Mafchine nicht völlig berechtigt fein. 38 Dr. Exner. Zwifchen diefen beiden Extremen liegen eine Unzahl von Abftufungen. Für den Handwerksbetrieb liefern die gewöhnlichen Holzdrehbänke unfere Werkzeug- Fabrikanten; in ausreichender Weife war Oefterreich in diefer Hinficht durch mehrere Firmen vertreten. Die höchft ungefchickte Combination einer Drehbank mit einer Laubfägemafchine, wie fie von der Firma Franz Werthei m, noch dazu in einer diefer verdienftvollen Firma wenig Ehre machenden Ausführung, exponirt wurde, wird hoffentlich keine allzu grofse Verbreitung finden Von bis heute weniger bekannten Neuigkeiten müfste erwähnt werden: eine Drehbank von Fr. Guillet in Auxerre( Frankreich), bei welcher der auf dem Reitel liegende oder in den Support eingefpannte Drehftahl durch einen Fraiskopf erfetzt wird. Die fich begegnenden Rotationen von Werkstück und Werkzeug wirken nicht wenig geräuſch- und effectvoll. Für fpecielle Zwecke, wie bei der Guillet'fchen Mafchine, die auf Radnaben eingerichtet war, ift diefe Anordnung ficher zweckdienlich und nachahmungswürdig; doch erfordern jedenfalls die verfchiedenen Holzgattungen und Formen eine Reihe von Erfahrungen über Schliffart und Drehgefchwindigkeiten, damit die Mafchine zufriedenftellend arbeitet. Combe& Comp. in Belfaft zeigte in der Ausftellung eine Drechfel- und Riffelmafchine zur Herftellung von Streckwerks Oberwalzen. Der Werkzeugfabrikant J. B. Weifs& Sohn in Wien hat eine Reihe zum Theile neuer Drehwerkzeuge vorgeführt, die zum Abdrehen verjüngt zulaufender Regenfchirmftöcke, gewundener Säulen und Schrauben mit allerlei Schraubengangsprofilen dienen. Es ift fchade, dafs die Firma Thonet noch nie ihre einfach gebauten, vortrefflichèn Mafchinendrehbänke für Möbelbeftandtheile exponirt hat. Diefe Schablonen- Drehbänke, die felbft Fachmännern wenig bekannt find, würden nicht verfehlen, Auffehen zu erregen. Im Allgemeinen kann man die Drehbänke, fowie die Bohrmafchinen als bis an die äufserfte Grenze ihrer Entwicklungsfähigkeit gebracht auffaffen, und die Ausftellung felbft gab uns defshalb nichts frappirend Neues und deutete auch kein ungelöftes Problem an. V. Stemm- und Spaltmafchinen. Die Stemmmafchine ift eine Nachahmung der Handarbeit des Stemmens. Trotz der Mängel, welche den Stemmmafchinen im Allgemeinen anhaften und nicht zu befeitigen find, wie die rafche reciproke Bewegung des Werkzeuges, haben fich diefe Mafchinen nicht nur in der Praxis erhalten und die ftets energifcher auftretende Concurrenz durch die Frais- und Bohrmaſchinen bisher ausgehalten, fondern es treten fortwährend neue Conftructionen auf, welche die Lebensfähigkeit der Holzstemmmafchinen erhöhen. - Als eine Art Stemmmafchine mag wohl auch die Gehrungs- Schneidemafchine von Shute aufgefafst werden, welche in der Wiener Weltausftellung in drei Exemplaren vorhanden war. A. Ranfome, S. Worffam und die Chemnitzer Werkzeug. Mafchinenfabrik hatten je ein Exemplar diefes einfachen aber fehr zweckmäfsigen Mechanismus exponirt. Wir wollen hoffen, dafs diefer Umftand auf die, noch immer geringe, Einbürgerung des Mafchinchens fördernd einwirken werde. Die Mafchine tritt in zwei Formen auf. Die Leifte, Latte oder der Rahmentheil, welcher unter einem Winkel von 45 Grad gegen die Faferrichtung befchnitten werden foll, wird entweder horizontal zugefchoben und dann fteht die Führung des Meffers, welches durch den Handhebel vorgedrückt wird, unter 45 Grad zum Holzbearbeitungsmafchinen. 39 Horizont geneigt( Fig. 22, Ranfome und Zimmermann), oder die Zufchiebung des Holzes erfolgt unter einem halben rechten Winkel zur Horizontalebene und dann lauft das Meffer in verticalen Couliffen( Worffam). Fig 22. SHUTE'S PATENT. Die erftere Anordnung ift für die Einführung des mitunter fehr langen Holzftückes günftiger, die letztere geftattet dem Arbeiter, einen ausgiebigeren Druck mit der Hand auszuüben. Es fcheint, als wollte fich die erftere Dispofition mehr bewähren und einleben. Die Mafchine ift billig( 40 bis 75 fl.) und wirkt vortrefflich bei Leiften bis 71 Zoll Breite und 4 Zoll Stärke. Die doppelt geneigte Lage der Schneidkante fichert eine reine glatte Schnittfläche, ohne zu fplittern und macht eine Nachhilfe, wie beim Sägenfchnitt durch Hobeln, überflüffig. Der Hauptvortheil ift aber die überaus exacte Herftellung des Winkels. Durch die Shute'fche Mafchine dürften die übrigen GehrungsSchneidemafchinen, wie z. B. die Robinfo n'fche, dauernd aufser Curs gefetzt fein. Die eigentlichen Stemmmafchinen bilden wohl den Inhalt eines der fchwierigften Capitel' der Holzbearbeitung. Die Forderung grofser Schnelligkeit des reciprok bewegten Werkzeuges, der grofse Unterfchied im Kraftaufwand beim Auf- und Niedergang, der intime Zufammenhang zwifchen Zufchiebung und Werkzeug- Bewegung, die Nothwendigkeit, das Werkzeug zu wenden am Ende des Zapfenloches, das es ausarbeitet, bilden eine Complication von Forderungen, wie fie bei keiner anderen Holzbearbeitungsmafchine wieder vorkommt. Dazu erfcheint als erfte Bedingung: grofse Einfachheit der Mafchine, damit fie bei den rafch fich folgenden Stöfsen weniger leide. Die europäiſchen Conftructeure haben fich längere Zeit vergeblich abgemüht, eine völlig zweckentfprechende Conftruction zu finden und haben defshalb die Stemmmafchinen halb aufgegeben und entweder durch Langloch- Bohrmaschinen erfetzt oder das Stemmen der Handarbeit überlaffen. Die Amerikaner jedoch haben, die theoretifchen Bedenken nicht kennend, und gewohnt durch abenteuerlich kühn fcheinende Arrangements den Schwierigkeiten zu begegnen, immer und immer wieder die Verbefferung der Stemmmafchinen aufgenommen. Nach einer verläfslichen Angabe follen in Amerika in den letzten 15 Jahren von drei Maſchinenfabriken allein über 2500 Stemmmafchinen verkauft worden fein. Man unterfcheidet mehrere principiell von einander verfchiedene Syfteme von Stemmmafchinen, um welche fich unter anderen die Firmen Lane& Bodley in Cincinnati; Richards London& Kelley in Philadelphia verdient gemacht haben. Die letztere Firma vertritt feit den letzten Sechsziger Jahren die jüngste Species der Stemmmaſchinen, die wir hier kurz charakterifiren wollen. Ein überaus rafch reciprok auf und abwärts gehendes Stemmeifen ( 600 Touren in der Minute, Gefchwindigkeit gegen drei Meter) in fixer Führung, angetrieben durch Kurbelfcheibe und Pleuelftange könnte nur auf eine beftimmte Tiefe ins Holz eindringen, alfo nur Zapfenlöcher von einer gegebenen Tiefe erzeugen, wenn nicht der Tifch, welcher das Holz trägt, vertical verftellbar wäre. 40 Dr. Exner. Es fetzt diefe Mafchine weniger fchwere Holzftücke voraus, ift alfo mehr für Tifchlerarbeiten eingerichtet. Die Verfchiebung des Holzes wird mit der Hand bewerkstelligt. Die Einfachheit der Werkzeugführung geftattet auf die Dauer die fchnelle Bewegung. Der Tifch ift ziemlich fchwer gebaut, fo dafs feine träge Maffe den Stofs auffängt und diefer auf den Fufs nicht reagirt, durch welchen der Tifch mittelft Trethebel gehoben und gefenkt wird. Von allen Stemmmaſchinen hat diefe leichte einfache Vorrichtung die meifte Ausficht auf individuelle Dauer und Dauer der ganzen Gattung. Diefes Princip von Stemmmafchinen erhielt einen wefentlichen und charakteriftifchen Vorzug durch die Beifügung eines ingeniös erdachten Mechanismus zum Umwenden des Meifsels( reverfing device). Ein amerikanifcher Ingenieur, Smith in Lowell, liefs fich 1854 diefen Apparat patentiren, im Jahre 1870 wurde er zum erften Male befchrieben( Journal of the Franklin Inftitute) und 1873 erfchien er auf der Weltausftellung an einer von Allen Ranfome, einem Richards'fchen Originale, nachgebauten Stemmmaſchine. Diefelbe ift in den Fig. 23 und 24 dargestellt. Leider ftehen uns keine deutlicheren Abbildungen zur Verfügung und der Lefer wird die Erklärung aufmerkfam verfolgen müffen. Fig. 23. Fig. 24 A.RANSOME& C CHELSEA LONDON. HARE An der Triebwelle( Fig. 23), neben der dritten Riemfcheibe von links, ift eine Schnurfcheibe befeftigt, in deren Nuth eine Schnur liegt, welche fenkrecht aufwärts zu einer zweiten Scheibe und von diefer zu einer dritten horizontal liegenden, Holzbearbeitungsmafchinen. 41 mit dem Stemmeifenträger auf Drehung durch Feder und Nuth verbundenen Scheibe läuft und von diefer wieder zur erften Schnurfcheibe auf der Antriebswelle mittelft entſprechender Uebertragung zurückkehrt. Die Schnur ohne Ende fucht alfo von der Triebwelle aus die rotirende Bewegung auf jene zuletzt genannte Scheibe zu übertragen, welche mit der Stemmeifenftange in Verbindung ift.( Diefe Scheibe ift auch in der Mitte der Figur 24 ganz oben zu fehen.) Der Schaft, mit welchem das Stemmeifen verbunden, fich auf und ab bewegt, ift wie erwähnt, durch Feder und Nuth mit der oberen Scheibe vereinigt und follte fich defshalb in drehender Bewegung befinden. Nun ift aber diefe Scheibe felbft durch einen fich an einen Arm der Scheibe anlehnenden Riegel an jeder Drehung gehindert, die Schnur gleitet daher fortwährend über Scheibe 2 und 3, ohne fie mitzunehmen, hat aber ununterbrochen die Tendenz, es zu thun. Der erwähnte Riegel ift mittelft einer fchraubenlinigen Feder in feiner Pofition erhalten. In der Figur 24 bemerkt man rechts von der Stemmeifenfpindel eine dünne Stange, welche unten einen rechtwinkelig gebogenen Handgriff trägt; auch fieht man die Büchfe, in welche die die Stange faffende Feder eingelegt ift. Zieht man den Handgriff und mit ihm die Stange abwärts, wobei die Feder zufammengedrückt wird, fo verlässt der Riegel oben das Schnurfcheibchen, diefes beginnt zu rotiren und wird mit der Stemmeifenfpindel fo lange rotiren, bis der Riegel wieder angelegt ift. Läfst man die Handhabe einfach los, fo fchnellt fie fofort zurück und erreicht die Scheibe, um fie an einer zweiten Speiche, welche die geradlinige Fortfetzung der erfteren bildet, feftzuhalten. Auf diefe Art macht die Scheibe nur eine 180gradige Drehung, das heifst, das Stemmeifen eine Wendung. Aus den Figuren 23 und 24 geht ferner hervor, dafs der rechts unten in Figur 23 fichtbare Fufstritt mittelft einer Gelenkſtange und einer Schraubenfpindel, die in der Mitte ein Handrad trägt, den Tifch höher ftellen und dem auf- und abgehenden Stemmeifen entgegenführen kann, erfterer abwärts gedrückt wird. wenn Ift der Fufstritt am Boden angelangt, feine jetzt rechts oben frei liegende abgerundete Endkante auf den Fufsboden gedrückt, fo kann man noch immer die Lage des Tifches und mit ihr jene des Arbeitsftückes verändern, indem man mittelft des Handrades die Schraubenftange dreht. Diefe hat oben ein rechtes, unten ein linkes Gewinde, welche durch die entſprechenden Muttern laufen, diefe alfo entweder nähert oder entfernt, das heifst, den Tifch gegen das Fufstrittgelenk rückt oder ihn höher ftellt. In der Figur 24 ift das Stemmeifen von der Seite fichtbar, und man bemerkt wohl den Widerhaken, welcher dazu dient, um die Spähne herauszuwerfen Die Stemmmafchine ift mit einer Bohrmafchine bei dem in der Ausstellung exponirten Exemplar vereinigt gewefen, was aber nicht etwa zu bedeuten hat, dafs auch bei diefer Stemmmafchine zuerft ein rundes Loch vorgebohrt werden mufs. Diefs ift im Gegentheile gerade bei der Richards'fchen Anordnung nicht der Fall. Ranfome hat es eben beliebt, die Stemmmafchine in einem mit einer Bohrmaſchine combinirten Exemplare vorzuführen, der Grund davon folgt unten. Der Ausftellungskatalog von Ranfome enthält über die Mafchine folgende Angaben, die wir hier wiedergeben: " Diefe Mafchine kann mit vollem Rechte als die befte zum Stemmen von Zapfenlöchern für den Gebrauch von Tifchlern empfohlen werden: fie macht im weichen Holz drei vollkommene Zapfenlöcher in einer Minute, ohne Bohrung, und da der Meifsel die Späne herauszieht, fofort, nachdem fie gemacht find, ift man nicht genöthigt, den Kern auszutreiben, nachdem das Zapfenloch gebildet ift. Die Mafchine verarbeitet Holz bis zu II Zoll tief, und der Schlag des Meifsels ift 4½ Zoll Der Hauptftänder ift ein hohles Gufsftück, und die Kurbel, welche die Meifselfpindel treibt und welche nahe an der Fundamentplatte angebracht ift, 42 Dr. Exner. wird mit einer Gefchwindigkeit von 600 Umdrehungen per Minute getrieben, ohne die Mafchine zu erfchüttern. Der Tifch, auf welchen das Holz gelegt wird, wird durch einen Fufshebel gehoben, fo dafs der Meifsel allmälig in das Holz eindringt und fich mit jedem Schlage tiefer und tiefer in das Holz hineinarbeitet, bis die gewünſchte Tiefe erreicht ift. In Folge diefer Arbeitsweife wird die grofse Erfchütterung vermieden, welche ftets ftattfindet, wenn der Meifsel mit einem Schlage zur vollen Länge eindringt. Der Meifsel wird fofort umgekehrt durch eine einfache und fehr wirkfame felbftthätige Motion, welche durch eine Federfperre regulirt wird, deren Handhabe an dem für den Arbeiter bequemften Platze angebracht ift. Die in der Abbildung gezeigte Bohrfpindel wird nur gebraucht, wenn die Mafchine zum Stofsen von Zapfenlöchern in hartem Holz gebraucht wird, oder wenn fie mit einem Meifsel breiter als 3/4 Zoll in weichem Holze arbeitet. Wenn daher die Mafchine nur für Tifchlerarbeit in weichem Holze im Gebrauche iſt, ift die Bohrvorrichtung nicht nöthig." Nöthige Kraft Gewicht im Durchfchnitt Durchmeffer der Gefchwindigkeit Rollen an der Triebwelle der Triebwelle Preis Ungefähr 750 Kilo Ungefähr 12 Zoll I Pferdekraft 600 Revolutionen per Minute 80 Pfd. Sterl. IO Shill. Ohne Bohrmaſchine, Preis 68 Pfund Sterling. Wir haben diefe Mafchine defshalb fo ausführlich behandelt, weil fie am Continent noch fehr wenig bekannt, den öfterreichifchen Boden aber zum erften Male betreten hat und zu den auffallendften Novitäten in unferer Gruppe zählte. Alles Uebrige in diefes Capitel gehörige wird rafch abgethan fein können. A. Ranfome hat auch eine Handftemmmafchine exponirt. Unfere Anficht über Holzbearbeitungs- Mafchinen für Handbetrieb ift bereits wiederholt ausgefprochen worden. Sie gilt für die Stemmmafchine in erhöhtem Maſse. Wir erwähnen die Ranfome'fche, weil fie trotz aller Bedenken gegen die Handbetriebs- Mafchine immerhin unter gewiffen Verhältniffen nützlich fein kann. Sie leiftet fo viel wie fechs Arbeiter. Holz bis 11 Zoll Breite und 6 Zoll Dicke kann durch fie bearbeitet werden. Der Tifch ift verftellbar ebenfo wie bei der früher befchriebenen mit Schraube und Handrad. Der Preis ift 25 Pfund Sterling, alles Uebrige geht aus der Fig. 25 hervor. Nebft Ranfome befchäftigt fich auch Worffam viel mit Stemmmafchiner und weift deffen illuftrirter Katalog eine merkwürdige Uebereinstimmung im Texte zu den gründlich verfchieden conftruirten Stemmmafchinen mit jenem in Ranfome's Preislifte auf. Ausgeftellt hat Worifam keine feiner Mafchinen diefer Art. Auf die Stemmmafchinen von Charles Powis; Robinfon; Powis, James und Rodgers& Comp. etc. kommen wir noch bei den combinirten Mafchinen zurück. Spaltmafchinen für Brennholz- Verkleinerungsanftalten und Haushaltungen, fowie für Holzfchleifereien zum Spalten der Klötzchen waren leider in Holzbearbeitungsmafchinen. 43 der Ausftellung nicht zu fehen, ein Umftand, den wir befonders mit Rückficht auf die Bedürfniffe der öfterreichiſchen Induftrie lebhaft bedauern. Fig. 25. AHANSOMO CHELSEA VI. Combinirte Mafchinen. Um an Raum in den Werkstätten für Holzbearbeitung zu gewinnen, um auf einem und demfelben Geftelle mehrere Mafchinen zu vereinigen, alfo an Eifengufs zu sparen, um eine möglichft niedrige Summe für die Möglichkeit mittelft Mafchine zu bohren oder zu fraifen oder zu ftemmen, aufzuwenden, um endlich an einem Werkftück aufeinanderfolgende Proceduren vornehmen zu können, ohne diefes von einer Mafchine zur andern bewegen zu müffen; aus diefen und vielen ähnlichen Gründen combinirt man häufig mehrere HolzbearbeitungsMafchinen zu einer und hat damit manche recht fchätzenswerthe, nützliche Einrichtung gewonnen. Jeder Ingenieur, welcher mit der Branche der Holzbearbeitung näher vertraut ift, wird folche Combinationen erfinden können und die Zahl der diefsbezüglichen Vorfchläge und der wirklich in die Praxis eingeführten combinir. ten Mafchinen ift eine fehr grofse. Auch die Wiener Weltausftellung war überreich an zum Theile zweckmäfsigen, zum Theile nur aus der Neuerungsfucht entfpringenden und minder zweckdienlich combinirten Mafchinen. Um eine Ueberficht auch über diefe Leiftungen der jüngften Zeit zu gewinnen, theilen wir die combinirten Mafchinen ein in folche, welche keinem beftimmten, fpeciellen Zwecke dienen und in folche, bei welchen diefs der Fall ift, und fcheiden überdiefs völlig aus, die nicht zu einem Ganzen, alfo nicht auf einem Geftelle aufgebauten Mafchinen zu befonderen Zwecken, und widmen den Mafchinengruppen ein eigenes, das letzte Capitel diefer Abhandlung. 44 Dr. Exner. 1. Combinirte Mafchinen ohne fpeciellen Zweck. Bei den Sägen, alfo bei eventuellen Vereinigungen der verfchiedenen Arten von Sägen ift nur die Combinirung der Band mit der Decoupirfäge halbwegs berechtigt. Eine folche Combination war von Heckner in Braunfchweig exponirt. Befonders erwärmen konnten wir uns jedoch für diefe Mafchine nicht, fie ftand der von Powis, Weſtern exponirten nach. Ein fruchtbareres Feld für Combinationen bieten fchon die Frais und Hobelmafchinen. Die Doppel- Fraismafchinen haben einen ziemlich bedeutenden Markt gewonnen. Eine ganze Gattung von Stemmmafchinen kann ohne Vereinigung mit Bohrmaschinen nicht gedacht werden. Die Stemm- und Bohrmafchine. von Ch. Powis, jene von Robinfon& Sohn und die von Powis, James, Weſtern& Comp. exponirte Handstemm- und Bohrmaschine find Beifpiele für diefe Gattung von Mafchinen, welche indeffen durch die wirkfame Raufome- Richards'fche, wie oben erwähnt, übertroffen werden. Eine fehr glückliche Conftruction ftellt die Ranfom e'fche Hobel-, Frais-, Kant, Stemm- und Bohrmaſchine dar. Diefe kleine Mafchine, welche nur 250 Kilo wiegt, 12 Pferdekraft confumirt und bei 5 Zoll zuläffiger Holzbreite zum Hobeln 42 Pfund Sterling koftet, ift überaus zweckmäfsig und einfach. An einer Welle fitzt ein Schneidkopf, der abwechfelnd zum Hobeln, Fraifen und Abkanten dienen kann, während an derfelben Welle ein Horizontalbohrer fitzt, der gleichzeitig arbeitet, wenn es gewünſcht werden follte. Für Tifchlerwerkstätten ift diefe in den Fig. 26 und 27 abgebildete Mafchine immerhin zu empfehlen, obwohl es nicht zu billigen ift, dafs die Fraife genau mit derfelben Tourenzahl arbeitet wie der Hobel. RANSOMENG Fig. 26. CHELSEASW Fig. 27. MARE Auf die Combinationen von zwei Mafchinen, den Amben, folgen die Ternen, Combinationen zu Dreien, und fo weiter. Enthält eine folche combinirte Mafchine Vorrichtungen für alle wichtigeren Holzbearbeitungs- Methoden, alfo Circularfäge, Hobel- und Fraisköpfe, eine Drehfpindel, Bohrer etc., fo nennt man diefe Mafchine ,, Univerfal Tifchler"," General- Joiner". Ueber diefe Mafchinen ift zu fagen, dafs fie die an der Spitze des Capitels angeführten Vortheile combinirter Mafchinen in umfo erhöhterem Mafsftabe bieten, je mehr Mafchinen fie in fich vereinigen. Raumerfparnifs, Anfchaffungskoften Ermäfsigung, Verminderung des Transportes der Ar Holzbearbeitungsmafchinen. 45 beitsftücke von einer Mafchine zur andern etc. etc. Dagegen ift die Leiftungsfähigkeit eines ,, Univerfal- Tifchlers" im Vergleiche mit einer Suite felbftftändiger Mafchinen von gleicher Beftimmung wie die Beftandtheile der combinirten eine ungleich geringere. Ein ,, General Joiner" ift immer nur ein Surrogat. Die einzelnen Theile eines ,, Univerfal Tifchlers" können nie fämmtlich gleichzeitig arbeiten, und wenn nur einige Theile befchäftigt find, fo behindern fich die Arbeiten häufig gegenfeitig. Arbeitet aber nur ein Theil, oder find felbft zwei Werkzeuge in Function, fo lauft doch die eine oder andere Welle unnütz. Wird auf dem„ Univerfal- Tifchler" regelmässig nur ein Beftandtheil in Function erhalten, während man doch mehrere Mafchinen befchäftigen könnte, fo ftellt der ,, Univerfal- Tifchler" eine unökonomifche Anordnung dar. Fafst man das Gefagte zufammen, fo geht daraus hervor, dafs der ,, Univerfal- Tifchler" unter gewiffen Verhältniffen, aber auch nur unter gewiffen Verhältniffen Vortheile gewährt, z. B. in grofsen Städten, bei hoher Miethe und einem vorhandenen Motor, oder als Aushilfsmafchine in einer Werkstätte, wo nebftbei allerlei Holzarbeiten, einmal diefe, einmal jene vorkommen, ohne dafs alle diefe Arbeiten continuirlich gemacht werden müffen, und fo weiter. " 9 Abgefehen von diefer generellen Beurtheilung des General Joiner" ift er felbft fehr mannigfaltig in feiner Anordnung und daher fehr verfchieden in feinem Werth. Je mehr er fich von feiner Bedeutung als billige, compendiöfe Aushilfsmafchine entfernt, defto minder empfehlenswerth wird er. Jede Werkzeug- Mafchinenfabrik baut einen„ General Joiner" und die Wiener Weltausftellung enthielt nicht weniger als fechs folche Mafchinen( Worffam, Raufome, Robinfon, Ch. Powis, Powis Weſtern& Comp. und Schmaltz). Die Mafchine von Worffam fchien uns einer folchen Beachtung werth, dafs wir eine Specialaufnahme von derfelben machten, und diefe auf Tafel I und 2 im Auf- und Grundrifs wiedergeben. Diefe Mafchine bekundet zugleich einen Fortfchritt in der Anlage des von der genannten Firma früher gebauten ,, General Joiner", fo dafs ein näheres Eingehen willkommen fein dürfte. Die ,, Patent- Univerfal- Tifchlerbank" ift geeignet, die meiften in der Tifchlerwerkstätte vorkommenden Handarbeiten auf mechanifchem Wege zu vollführen, man kann auf ihr längs- und querfchneiden, plan- und kehlhobeln, spunden, nuthen und federn, abvieren, ftemmen, Rund- und Langlöcher bohren, Zapfen formen etc. Mehrere der Arbeiten können ftets gleichzeitig vorgenommen werden und überdiefs ift der Uebergang von einer derfelben zur anderen fehr erleichtert. Die Mafchine wird von einem Arbeiter bedient, wenn nur eine Procedur vorgenommen wird, fonft verwendet der Arbeiter einen oder mehrere Gehilfen. Die Einrichtung wird durch folgende Befchreibung hinreichend klar werden Die fämmtlichen Vorrichtungen find auf einem gufseifernen durch Rippenprofile fehr verftärkten und mässig fchweren Tifch A montirt.( Das Gewicht der ganzen Mafchine beträgt 35 Centner.) Eine Hauptwelle a trägt den Schneidkopf b, auf welchen augenblicklich Kehlhobeleifen c aufgefchraubt find, der aber ebenfo gut geradfchneidige Planhobeleifen, oder Nuth-, Zapfen- oder endlich beliebige Fraifemeffer tragen kann. Das Holz wird unter dem Schneidkopfe auf einem Zuführungstifch d zugefchoben, mittelft der Riffelwalze vor und den Backen g ( Grundrifs) nach der Bearbeitung niedergehalten. Die Riffelwalzenwelle h wird durch einen Hebel i mit dem Laufgewichte k nach abwärts geprefst. Eine geneigte Platte, welche fich mit einer Seitenkante auf die Oberfläche des Holzes legt, und in diefer Pofition durch einen anderen Druckhebel' k' erhalten wird, ftreift die Späne von der Oberfläche des Holzes weg, bevor dasfelbe unter den Schneidkopf gelangt. Die Hobel- und Kehlvorrichtung läfst Dimenfionen bis 240 Millimeter Breite und 80 Millimeter Dicke des zu bearbeitenden Holzes zu. 46 Dr. Exner. Die Gefchwindigkeit der Zuführung, welche von der Mafchine felbftthätig beforgt wird, kann mit Rückficht auf die Befchaffenheit des Holzes verfchieden grofs gewählt werden, doch ift das Maximum derfelben 8 Meter per Minute. - An derfelben Hauptwelle a fitzt der Bohrer 7. Auf einem Tifch, der durch die Hand des Arbeiters die nöthige Bewegung erhält( mittelft des Hebels m und der Kurbeln an der Führungs- Schraubenfpindel o, Länge und Tiefe des Bohrloches), liegt das zu bohrende Holz, das auf der Tifchplatte durch eine Klemmfchraube feftgehalten wird. Dabei ift der Tifch mit Hemmungen verfehen, um eine beftimmte Länge und Tiefe der Löcher zu erhalten. Zum Höher und Tieferftellen des ganzen Tifches fammt longitudinaler und transverfaler Motionsvorrichtung dient das Schrauben- Handrad q. Weniger deutlich find die Figuren in Beziehung auf den dritten Haupttheil, der zum Zapfenfchneiden mittelft vier Circularfägeblättern S1, S2, S3 und S4, adjuftirt ift, von denen die zwei erfteren vertical an der Hauptwelle a aufgefteckt find, während die letzteren zwei horizontal liegend durch zwei feparate aufrecht ftehende Spindeln getrieben werden. Um an Raum zu gewinnen, ift das mit Zapfen zu verfehende Holz in verticaler Stellung an eine ebenfolche Führungswand befeftigt. Diefe ganze Führungsplatte kann entweder gegen die Mitte der Mafchine zu geneigt oder völlig weggenommen, die Sägeblätter aber können durch Fraisköpfe erfetzt werden. Selbſtverſtändlich ift eine Verftellung der verticalen Cirkelfägen in Beziehung auf ihre gegenfeitige Entfernung( um die Zapfen dicker zu machen), und eine Hebung oder Senkung der wagrechten Kreisfägen( um die Zapfen kürzer oder länger herzuftellen) ermöglicht. Zum Fefthalten des Holzes beziehungsweife zur Verftellung der aufrechten Tifchplatte und zum Neigen derfelben dienen die Schrauben t, t₁, to, tg und t4, die Kegelräder u, u₁, die Führung v und die Handhaben x, x1. Die Deutlichkeit der Darstellung wird noch gewinnen, wenn der Lefer einen Blick auf Fig. 28 wirft, welche ich dem Preiskataloge Worffam's entnommen habe. Sie ftellt den General- Joiner von der Seite aus dar, wo er den Zapfenfchneid- Apparat trägt. Fig. 28. Die bekannte Thatfache, dafs eine Circularfäge, wenn fie geneigt fteht, in eine ihr dargebotene Holzfläche eine Nuth fraift, konnte beim Worffam'fchen General Joiner vor den Augen des Publicums hundert Male in der Ausftellung Holzbearbeitungsmafchinen. 47 demonftrirt werden, da dem Univerfaltifchler eine finnreiche, einfache Vorrichtung beigegeben ift, durch welche man ein Kreisfägeblatt mehr oder weniger fchiefgeftellt einfpannen und daher mehr oder weniger breite( 3 bis 33 Millimeter) Nuthen fraifen kann.( Drunken faw apparatus.) Der foeben befchriebene Worffam'fche Univerfaltifchler koftet fammt diverfem Zubehör an Werkzeugen circa 2100 fl. Die Vorgelegwelle macht 600 Touren, die Treibrollen ineffen 320 Millimeter, erforderliche Betriebskraft 6 Pferde. Das in Wien exponirte Exemplar war ausgezeichnet gearbeitet und functionirte fehr zufriedenftellend; es wurde auch an einen Wiener Tifchlermeifter verkauft. Uebrigens fahen wir diefe Mafchine fchon im Sommer des Jahres 1872 in Verviers in den Werkstätten der Herren Houget& Teston arbeiten. Um einen Vergleich zu ermöglichen, bringen wir noch A. Ranfome's Univerfaltifchler in den Abbildungen, Fig. 29 und 30. Die Firma hat ihn unter dem Namen ,, Patentirter Complet- Tifchler" in den Handel gebracht, und gibt felbft aus Anlafs der Wiener Weltausftellung folgende Befchreibung: ,, Diefe Mafchine ift entworfen worden, um den Einwendungen, welche mit mehr oder weniger Grund gegen die als„ General-" oder", Univerfal- Tifchler" bekannten Mafchinen erhoben werden, entgegenzutreten. Sie verrichtet alle die folgenden Operationen auf eine durchaus befriedigende Weife und wird fo garantirt. Sägen.-Sie treibt Sägen bis zu 24 Zoll Durchmeffer und fägt Holz bis zu 8 Zoll Dicke. Querfchneiden.- Sie fchneidet Holz der Quere, nach irgend einer Länge bis zu 4 Zoll dick. - Hobeln. Sie hobelt, fpundet, federt, fchwartet ab, fügt und verftäbt in einer Operation Bretter bis zu 9 Zoll breit. Simshobeln.-Sie hobelt einfache oder doppelte Simfe irgend einer Form, auf allen vier Seiten, bis zu 9 Zoll breit. Rundbogenfriefen. Sie fchneidet Rundbogenfriefe irgend einer Form bis zu 3 Zoll breit. Ausnuthen. Sie fpundet Nuthen 1 Zoll bis zu 1½ Zoll breit. Zapfenfchneiden.- Sie ſchneidet einfache oder doppelte Zapfen in einer Operation. Stemmen. Sie ftemmt Zapfenlöcher von 1 Zoll bis 1½ Zoll breit, irgend einer Länge, in irgend einer Holzart. - Bohren. Sie bohrt Löcher von 1 Zoll bis 2 Zoll im Durchmeffer. Die Sägefpindel ift unabhängig von jenen der Hobel- und Simshobeleifen; die Operationen des Sägens und Hobelns oder Simshobelns können daher gleichzeitig oder allein, wie in zwei verfchiedenen Maſchinen, verrichtet werden. Der Sägetifch fteigt und fällt zum Ausnuthen, Ausfalzen u. f. w., und ift mit einem verbefferten Führungswinkel verfehen, welcher zu irgend einem Winkel gefetzt werden kann und an Scharnieren hängt, fo dafs er hinabgefchlagen werden kann am Ende des Tifches, im Falle die Säge zum Querfchneiden benutzt werden foll. Der Hobel- und Simshobel- Apparat ift permanent und ift daher ftets zum Gebrauch fertig. Die Spindeln des obern und unteren Schneidkopfs ruhen auf Lagern und auf beiden Seiten, wodurch Erfchütterungen vermieden werden und mit der Maſchine fehr reine Arbeit gethan werden kann. Das zu hobelnde oder zu fimshobelnde Holz wird durch ein Paar fich drehende Speifewalzen vorwärts gebracht, welche beide getrieben werden, wodurch eine fehr vermehrte Triebkraft erzeugt wird Die Zuführgefchwindigkeit kann nach der Holzart regulirt werden. Zapfen werden durch Eifen gefchnitten, welche fie viel genauer abfchlichten, als wenn fie gefägt werden. Doppelte Zapfen werden gefchnitten, in einer Operation, durch Mefferköpfe, welche an einer der aufrechten Schneidfpindeln. befeftigt find, wie es in der Abbildung gezeigt wird. Zapfen können mit Schultern 4 48 Dr. Exner. Fig. 29. ungleicher Länge geformt werden, indem man einfach die Stellung eines der Zapfenmeffer- Köpfe an der Spindel verändert. Sämmtliche Schneidfpindeln find von beftem weichkernigen Gufsftahl und die Lager find fo conftruirt, dafs fie grofse Gefchwindigkeiten aushalten. Sie find alle felbftfchmierend und vergeuden kein Oel." Gewicht. Nöthige Dampfkraft im Durchfchnitt. Durchmeffer der Rollen der Sägefpindel. Durchmeffer der Rollen der Trieb. fpindel für das Hobeln. Gefchwindigkeit der Sägefpindel. Gefchwindigkeit der Triebfpindel für das Hobeln. Preis 1540 Kilo. 4 Pferdek. 8 Zoll. 8 Zoll. 1500 Rev. 1500 Rev. 215 Pf. St. 15 Schill. Die beiden Beiſpiele charakterifiren denn zur Genüge die englifchen Conftructionen des General Joiner. Mit Ausnahme der englifchen war nur noch ein einziges, und zwar ein deutfches Exemplar in der Ausftellung. Die Schmaltz'fche Univerfaltifchler Bank zeichnet fich vor Allem durch ihre Billigkeit aus; allerdings kann fie auch kaum mit den englifchen Mafchinen diefer Art verglichen werden. Sie enthält auf einem hölzernen, vierbeinigen Tifch: eine Kreisfäge mit vertical verftellbarem Blatt bis o 6 Meter Durchmeffer, Univerfalführungen zum Längs-, Quer- und Schrägfchneiden, Nuthen- und Zapfenfchneiden; einen vor der Spindel befindlichen Querfupport mit Vorrichtung zum Bohren, Langlochbohren und Fraifen; Hobelvorrichtung mit felbftthätigem Walzenvorfchub für kleine Carniesleiften; am Geftell befindliche Vorgelege für zwei Gefchwindigkeiten. Sammt Zubehör und Werkzeugen, 800 Kilogramm Gewicht( halb fo fchwer wie die englifchen), Preis 650 Thaler. Bei der relativen Nützlichkeit und dem relativen Werthe der Mafchine glauben wir, dafs auch die Schmaltz'fche Mafchinencombination eine gewiffe Berechtigung und Empfehlungswürdigkeit hat. Holzbearbeitungsmafchinen. Fig. 30. FATENTEES.. HARE 49 2. Combinirte Maſchinen für fpecielle Zwecke. Unter den in der Ausftellung vorhandenen combinirten Mafchinen, welche beftimmten Branchen der Holzinduftrie zu dienen berufen find, waren allerdings viele gute Bekannte, welche fich entweder von früheren Ausstellungen her in die Werkstätten Bahn gebrochen hatten oder aber aus den Ateliers ihrer Conftructeure ihren Weg direct zu vielfeitiger Anwendung fanden. So fahen wir wieder die vortreffliche Zinken- Schneidmafchine nach dem Patente Armstrong Davenport, welche der Hauptfache nach aus zwei fchiefftehenden Circularfäge- Blättern mit zum Theile umgeftülptem Rande befteht, und von Robinfon& Son in Rochdale und von Hartmann in Chemnitz fo vollendet gebaut wird. Erftere Firma hat fie zur Ausftellung gebracht. Die Mafchine ift nicht nur durch die technifche Literatur, fondern auch durch ihre ziemlich häufige Anwendung in der Praxis( auch im k. k. Arfenal in Wien ift feit einer Reihe von Jahren diefe Mafchine in Function) bekannt geworden. Ein deutfcher Ausfteller Ad. Moritz in Schwerin, hatte an einen Pfeiler der M afchinenhalle angelehnt, ziemlich verfteckt, ein Mafchinchen zum Spalten des fpanifchen Rohres für Rohrflecht- und Korbwaaren Fabriken exponirt, welches fich nicht wefentlich von den bereits in allen gröfseren Etabliffements eingeführten Maſchinen unterfchied. In dem durch die Stuhlfitz- Flechterei in der Nähe der Koritzfchan'er Thonet'fchen Fabrik entstandenen Etabliffement von Johann Platzer, wohl einem der gröfsten feiner Art in Oefterreich, find folche Mafchinen feit Jahren in Thätigkeit. Aufser diefen bekannten Specialmafchinen waren jedoch auch einige vollkommen neue exponirt. Sie waren vielleicht, die eine oder andere, fchon in einer Zeitungsnotiz erwähnt worden, aber man hatte zum erften Male Gelegenheit, fie zu fehen oder gar bei der Arbeit zu beobachten. Eine Bohr- und Stemmmafchine zur Herftellung von Radnaben von Rodgers& Comp. in Norwich ift geeignet, die in Amerika fo hochentwickelte Fabrication von Wagenrädern in der praktifcheften Weife zu unterftützen. Eine ziemlich complicirte Frais- und Bohrmafchine zur Herftellung der durch Fig. 31 in Anficht und Profil naturgrofs verfinnlichten Eckverbin dung von zwei aufeinander fenkrecht ftehenden Brettern bei Kiften, Tifchund Schrank- Schubladen und Fächern aller Art von Knapp in Northampton, Maffachuſetts, zog mit Recht die allgemeine Aufmerkfamkeit auf fich. Die Eckverbände find überaus dicht und nett, fo dafs fie fich für die feinfte Möbel4* 50 Fig. 31. Dr. Exner. arbeit eben fo gut eignen, wie für Kiften. Die ruffifche Regierung foll mit Kiften diefer Art Proben vornehmen, ob fich diefelben zum Verfandt von Schiefspulver eignen. Wenn man nun gar das amerikanifche Nufsholz und Whitewood zu einem folchen Eckverband verwendet, fo erhält man überdiefs eine fehr hübfche Ornamentation der Aufsen feite der Kifte. Auch eignen fich gewifs nicht alle Holzarten fo gut wie die genannten zur Bearbeitung durch diefe Mafchine. Das eine Brett wird durch eine Fraife, das andere gleichzeitig an der zugehörigen Stelle durch einen Bohrer und durch drei zufammen einen Halbkreis ausftechende Stemmeifen formirt. Die Knapp'fche ,, AmeDove- tailing- machine", welche fchon auf der Induftrie- Ausftellung 1871 in Cincinnati den erften Preis gewann, koftet 450 Dollars loco New- York und arbeitet fo rafch wie 10 Männer, welche einen gewöhnlichen Zinkenverband herftellen wollen.* rican - die Einem foeben erfchienenen, fehr gediegenen Berichte des Profeffors Meidinger( Bad.Gewerbezeitung 1874, Nr. 5 und 6) über Bürften waaren entnehmen wir, dafs ein gewiffer Herr Brender in Todtnau eine Bürften Bohrmafchine exponirt hat, die einzige vorhandene- von der Jury beifällig aufgenommen worden ift. Wir müffen geftehen, dafs fie uns entgangen ift. Dagegen haben wir wohl die Bürfteneinzieh- Mafchine von Woodbury bewundert. Bei diefer Mafchine wurden von Mafchinen fehr exact vorgebohrte Bürftenhölzer verwendet, welche man aus Amerika mitgebracht hatte. Ebenfo wie hier unfere Wifsbegierde unbefriedigt blieb, war es bei jener Schuhmafchine in der amerikanifchen Abtheilung der Fall, welche aus einem fpiralförmig zufammengerollten Band aus Ahornholz, das auf einer feiner fchmalen Seitenflächen zugefchürft war, fich die einzelnen Schuhftifte( von deutfcher Form) heraus- und fofort in die Schuhfohle hineinfchlug. Auch bei diefer Mafchine, fo fehenswerth fie war, hätte uns mehr jene zu ftudiren gelüftet, deren Product wir hier als Hilfsmaterial vorfanden, ohne ihre Wirkungsweife näher zu kennen. Wir haben hier ein paar Beiſpiele von Specialmafchinen erwähnt, deren Abwefenheit uns auffiel. Es wäre uns indeffen ein Leichtes, eine lange Lifte von neuen, bereits ziemlich renommirten Mafchinen anzuführen, welche wir in der Ausstellung vergebens fuchten. Es fcheint faft, als würden fich folche zu fpeciellen Zwecken beftimmte und in einer verhältnifsmäfsig kleinen Zahl von Etabliffements verwendbare Mafchinen vor der Oeffentlichkeit fcheu zurückziehen und lieber verborgen, in ihrem engen Wirkungskreife, fortwirken. * Eine Skizze von diefer Mafchine findet fich in dem Werke: Description des machines par Hippolyte Fontaine, Paris 1874. Holzbearbeitungsmafchinen. 51 VII. Mafchinengruppen für beftimmte Zwecke. Die meifte Anziehungskraft üben auf das Publicum der Ausstellungen jene Suiten von Werkzeugsmafchinen, welche Gegenftände, die nach der allgemeinen Anficht der Handarbeit vorbehalten find, vom Rohen bis zur vollftändigen Vollendung vor den Augen der Befucher herftellen Eine auf mechanifchen Proceduren bafirende Fabrication wird eben einer Serie von Mafchinen bedürfen, welche eine nach der anderen das in feiner Ausfertigung fortfchreitende Werkstück übernehmen, bearbeiten und weitergeben. Ift das Etabliffement dazu beftimmt, ein gewiffes, wenig Abwechslung zulaffendes Product zu liefern, fo wird man die Mafchine in Hinblick auf die Eigenart des Erzeugniffes organifiren, und fo bilden fich eben mehr oder weniger originelle und fcharffinnig angeordnete„ Mafchinengruppen für fpecielle Zwecke". Die Holzbearbeitung bot dem Mafchinenconftructeur eine grofse Zahl von Problemen dar, welche früher oder fpäter durch Mafchinengruppen von der Handarbeit emancipirt wurden. Die Erzeugung von Zündhölzchen, Schuhftiften, Chairnägeln, Schuhleiften, Stühlen, Brennholz, Fenfterrouleaux und Jaloufien etc. ift nach und nach dem mechanifchen Fabriksbetriebe überantwortet worden. Zwei Probleme haben indeffen bis in die neuefte Zeit dem mechanifchen Genie getrotzt. Es find diefs die Verdrängung der Handarbeit in der Korkpfropfen- Darftellung und in der Böttcherei. Die Wiener Weltausstellung hat zwei hochwichtige Beiträge zur Löfung der beiden Aufgaben geliefert. Die Kork- Schneidemafchinen von E. Boëthius und die Kübelmafchinen von Baxter D. Whitney bildeten vielbefprochene und bewunderte Hauptftücke der Wiener internationalen Expofition. Wenn man die Patentliften durchblättert, oder die technifche Journalliteratur verfolgt, fo wird man fehr häufig Vorfchlägen begegnen, welche auf die endgiltig zu acceptirende Korkpfropfen- Mafchine abzielen. In den letzten 10 Jahren erfcheinen in dem englifchen Patentregifter allein 26 Erfinder von Propfenfchneidemaſchinen. Die Urfache diefes häufigen Auftretens von Verfuchen ift einerfeits der hohe Preis der Handarbeit, der fich immer einftellt, wenn grofse Uebung und genaue Vertrautheit mit dem Materiale unerlässliche Bedingungen find, andrerfeits aber, dafs die Aufgabe unendlich fchwierig zu bewältigen war. Die nachgewiefene grofse Gefundheitsfchädlichkeit der Pfropfenmanufactur für den Arbeiter und die geringe Zahl gefchickter Korkfchneider machen aber einen vollgiltigen Erfatz der Hand durch die Mafchine dringend wünfchenswerth. Es iſt unentfchieden, ob die auf dem Princip der„ Rohr." oder„ Tubus-" meffer beruhenden, oder die ein Circularmeffer in Bewegung fetzenden, oder endlich jene Mafchinen die beften find, welche mit ebenen, geraden( dem Handwerkzeug völlig gleichenden) Meffern functioniren. Die Hauptmafchine von E. Boëthius in Stockholm fcheint nach dem, was wir in der Ausftellung, wo fie in Thätigkeit gefetzt war, beobachten konnten, ein überaus gelungener Verfuch zu fein, die mit einem ebenen geraden Meffer armirte Hand erfolgreich nachzuahmen. Das Schneiden der Korke wird mit den Mafchinen von Boëthius in vier Operationen bewerkstelligt. Bekanntlich wird der Kork vor der Bearbeitung genäfst. Wenn er im Innern genügend wafferhältig aber die Oberfläche fchon etwas abgetrocknet ift, fo wird er von einer Mafchine quer zu feiner Längsfafer in beliebig breite Streifen gefchnitten. Diefe Breite gibt die Länge der anzufertigenden Pfropfen, welche fich ihrerfeits wieder nach der Dicke richtet, die der Kork erhalten foll. Der nächfte Mechanismus, den der Kork paffirt, dient dazu, die 52 Dr. Exner. Streifen zu egalifiren, das heifst, ihnen überall die richtige gleichmässige Dicke zu geben. Die beiden Mafchinen liefern Materiale für fünf RundfchneideMafchinen. Die dritte Mafchine fchneidet den Streifen in parallelopipe difche Stücke, bei denen jetzt ihre Länge der Dicke des Streifens entfpricht. Diefe Parallelopipede zeigen nun fchon die Dimenfionen des werdenden Pfropfens. Bei allen den drei erwähnten Mafchinen find Circularmeffer in Verwendung, welche während der Action durch Schleifapparate fcharf erhalten werden; auch find diefe fämmtlichen Mafchinen felbft thätig eingerichtet. Diefe drei Mafchinen arbeiten nach der Verficherung des Vertreters der Firma, eines intelligenten Ingenieurs( L. A. Groth), zwei bis vier Wochen, bis die Meffer herausgenommen und von der Hand regelrecht nachgefchliffen werden müffen. Die vierte Mafchine ift die Hauptmafchine; fie ift auch am complicirteften und erfordert die umfichtigfte Leiftung Die Rundfchneide Mafchine befteht dem Wefen nach aus einem ebenen, geraden Meffer, das nach jedem Schnitte mittelft rotirender Scheiben gefchärft wird und aus einem Paar von Drehfpindeln, welche den Kork in der Regel im Mittelpunkte der breiten quadratifchen Stirnflächen erfaffen, ihn aber auch nach der Willkür des Leiters der Mafchine aufserhalb diefes Mittelpunktes erfaffen können. Durch eine geeignete Vorrichtung können die Korke auch in elliptifcher Form durch das Meffer herausgefchält werden, wenn es die Befchaffenheit des Rohftückes erfordert. Da die Mafchine die Handarbeit copirt, müffen nur die fehlerhaften Stellen nachgearbeitet werden, während bei der„ Rohrmafchine" die ganzen Korke nachzuputzen find. Herr L. A. Groth ftellt uns folgende Mittheilung zur Dispofition, die intereffant genug ift, um hier reproducirt zu werden. ,, In der Fabrik, welche der„ Korkfabrik- Actiengefellfchaft in Stockholm" gehört, werden jetzt auf fünf Rundfchneide- Mafchinen mit dazu gehörenden Theilungs-, Schälungs-, und Zerftückungsmaschinen 1600 Ballen Kork im Jahre zu ungefähr 20 Millionen Pfropfen verarbeitet. Mitdem Betrieb genannter Maſchinen find zehn Frauen und Kinder befchäftigt. Zum Schneiden des Abfalls werden fünfzehn Perfonen angewendet. Schliefslich werden dreizehn Perfonen mit dem Sortiren befchäftigt, wobei die allergröfste Genauigkeit beobachtet werden mufs; aber diefe Anzahl könnte reducirt werden, nachdem Herr Boëthius einen Apparat erfunden, der den Kork der Gröfse nach fortirt, wonach nur ein Sortiren nach der Qualität erübrigt. Das ganze Perfonal in diefer Fabrik, an den Mafchinen u. f. w. mit eingerechnet, macht eine Anzahl von 45 Perfonen aus, welche Anzahl beibehalten werden wird, obgleich die Fabrication um 50 Percent erhöht werden foll. Diefes Perfonal entſpricht alfo einer Anzahl von 150 Perfonen in einer Handfchneide- Fabrik." " 9 Die Vortheile des von Herrn Boëthius erfundenen Mafchinenfyftems find in Folgendem zufammenzufaffen: 1. Eine Herabfetzung der Verfertigungskoften des Fabricats wird gewonnen, welches den bisher gewöhnlichen Gewinn von diefer Induftrie in bedeutendem Grade erhöht. 2. Der Anwendbarkeit des Syftems für alle Arten von Rindenforten zufolge kann dasfelbe in Fabriken in grofser Scala angewendet und der Rohftoff direct vom Ausfchiffungsorte verfchrieben werden, wodurch ein nicht unbedeutender Gewinn entsteht. Die Arbeitskoften werden in höchft bedeutendem Mafse herabgefetzt und der Preis im Verhältniffe zur Qualität ebenfalls. 3. Die Güte der Waare fichern dem Fabricat einen vollſtändigen Verkauf. Befonders mag hier erwähnt werden, dafs fich diefe Mafchinen für Wein- und Porter Korke eignen. * Nach obiger Quelle fchneidet das Meffer etwa 15.000 bis 50.000 Korke, ehe es herausgenommen und durch die Hand gefchliffen werden mufs. Holzbearbeitungsmaschinen. 53 4. Das Korkfchneiden verfchwindet aus der Kategorie der fchädlichen Gewerbe, fo dafs diefe Arbeit für die Gefundheit nicht fchädlicher wird, als die meiften anderen Fabriksarbeiten. 5. Der Fabrikant kann fein Gefchäft ungeftört betreiben, ohne, wie bei der Handarbeit, von den Launen oder der mehr oder weniger grofsen Ordnungsliebe feiner Arbeiter abhängig zu fein." Die Kübelmaschinen von B. D. Whitney, welche wie die Korkmafchinen von Befuchern immer förmlich belagert waren, find fchon in der tech nifchen Literatur mehrfach erwähnt worden. Am ausführlichften befpricht fie der ,, Engineering", Deutfche Ausgabe I. Band, 4, doch ift auch diefe Mittheilung eine fehr oberflächliche. Da die Mafchinen Whitney's eine eingehende techniſche Darftellung verdienen, fo haben wir für diefelben eine befondere Publication vorbereitet, indem wir die Mafchinen genau aufgenommen und alle technifchen Daten erhoben haben. Eine folche Behandlung würde indeffen weit über den Rahmen des vorliegenden Berichtes hinausgreifen, und wir befchränken uns daher, nebft dem Hinweife auf die in Ausficht ftehende Bearbeitung und mit dem Bemerken, dafs wir, fo wie für alle abgehandelten Gegenftände, auch für die Kübelmaschine Jedermann zu näheren Auskünften zur Verfügung stehen, auf folgende kurze Mittheilung. Die Dauben für die Kübel werden durch eine Cylinderfäge aus dem Rohen gefchnitten; fie find daher fowohl auf der convexen als auf der concaven Seite nach einer genau cylindrifchen Fläche abgerundet. Die Herftellung einer folchen Cylinderfäge ift nicht fehr einfach, denn fie beſteht aus einem Stahlring, welcher mit einem Eifenblech- Cylinder zufammengefchweifst und dann präcife abgedreht werden mufs. Die Dauben haben convergirende Seitenflächen, von denen die eine eine Feder, die andere eine Nuth angefraift erhält. Die Dauben find alfo untereinander verfpundet. Ueberdiefs enthält der Set von Mafchinen- Fraifen für die Abrundung der Dauben an ihren Enden, für Herftellung des Bodens und zur Einfügung des felben Vorrichtungen zum Abputzen mit Glaspapier, zum Aufziehen der Reifen etc. Das Product ift ein überraschend fchönes, beftechendes, obwohl dasfelbe per Stück nur auf 30 Kreuzer zu ftehen kommt, wovon 10 Kreuzer auf das Holz, 10 Kreuzer auf die Reifen und 10 Kreuzer auf die Herftellung entfallen. Die ganze Mafchinengruppe, mit der man täglich 1000 Kübel zu erzeugen im Stande ift, koftet nur 1200 Dollars. Exner. Holzbearbeitungs- Maschinen. n Originalzeichnung m q P S. WORSSAM& Co PATENT GENERAL JOINER. - - X d Aufrifs. k a a A Su S S₁ 3 X 1 Taf. I. K. k Hof- u. Staatsdruckerei. Exner. Holzbearbeitungs- Maschinen. S. WORSSAM& Co PATENT- GENERAL- JOINER. Grundrifs, Originalzeichnung m P 9 6 k h A a a a U Ալ S, S Taf. II. K. k. Hof- u. Staatsdruckerei. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 187 3. MASCHINEN ZUR BEARBEITUNG DER METALLE. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON CARL PFAFF, Mafchinenfabrikant in Ottakring bei Wien. WIEN DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI 1878. VORWORT. Bei der fpäten Herausgabe des nachftehenden Berichtes, mufs ich die freundliche Bitte um Nachficht nach mehreren Richtungen dringend vorausfchicken. Die Umstände brachten es mit fich, dafs mir die BerichtErftattung erft lange nach Schlufs der Ausstellung übertragen wurde, fo dafs die Sammlung des Materiales und feine erfte Bearbeitung nachträglich und nicht mehr unter dem frifchen lebendigen Eindrucke der wirklich gegenwärtigen Objecte gemacht werden konnten. Nicht geübt in literarifchen Arbeiten, musste ich unter erfchwerenden Umftänden zum erften Male für die Oeffentlichkeit fchreiben, während doch die Leitung eines grofsen FabriksGefchäftes eigentlich fchon alle meine Kräfte in Anspruch nahm. Ich darf daher wohl auf die gütige Nachficht des Lefers wegen der späten Erscheinung fowohl, als auch wegen Mängeln in der Form und Vollständigkeit meines Berichtes hoffen. Bei der Zufammenftellung und Reihenfolge der Objecte habe ich mir die Aufftellung derfelben in der Maſchinenhalle zur Richtfchnur genommen, und fie nach Ländern fo eingetheilt, wie fie dort aufeinanderfolgten. Bei ihrer Besprechung find die wichtigeren womöglich genau und ausführlich gefchildert, fo dafs fie auch in ihren Details voll1* LA kommen verftanden werden, eventuell als Mufter dienen können. Freimüthige Kritik wurde überall geübt. Vor allem aber war ich bemüht, der blofsen gefchäftlichen Routine gegenüber, welche zwar oft vorübergehende Erfolge feiert, aber recht eigentlich unproductiv ift, die fchaffende Idee hervorzuheben, und ihr, der wir allein allen Fortfchritt verdanken, OV die fchuldige Anerkennung zu zollen. Wien, im Mai 1878. ben og bru CARL PFAFF. us bag MASCHINEN ZUR BEARBEITUNG DER METALLE. b( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von CARL PFAFF, Mafchinenfabrikant in Ottakring bei Wien. Amerika. Die Amerikaner excelliren fchon lange in Specialmafchinen, welche fie durch fcharfes Eindringen in den Gegenftand meift auf eine hohe Stufe bringen. Diefe Maſchinen haben alle den Zweck, die Handarbeit zu erfetzen, welche nirgends fo theuer ift als in Amerika. Patentgefetzgebung und Gefchäftsgewohnheiten machen es dort für Jeden lucrativ, einer guten Idee in diefer Richtung nachzuhängen und fie zur Reife zu bringen, wobei praktiſchen Verfuchen der gröfste Antheil überlaffen wird. Mit englifchem common fenfe mifcht der Amerikaner glücklich deutfche Grübelei und Gründlichkeit und bringt fo unter dem Einfluss der Verhältniffe, belebt und angefpornt durch einen rafch pulfirenden Verkehr, Conftructionen zu Stande, deren fchlagende Zweckmäfsigkeit uns überrafcht und deren gänzliches Abweichen vom Hergebrachten uns imponirt. Auf die äufseren Formèn ihrer Maſchinen verwenden die Amerikaner oft gar keine Sorgfalt, meift aber einen Gefchmack, welcher von dem unfrigen fehr verfchieden ift. Während wir in Europa unter dem Einfluss der englifchen Schule grofses Gewicht auf Formen legen, die einen faft monumentalen Charakter haben und auf den erften Blick das Gefühl der Sicherheit und Ruhe erwecken; Formen, welche ganz und gar aus der Natur des Materiales und der Conftruction abgeleitet find, und in den Händen berühmter Conftructeure eine wahrhaft künftlerifche Durchbildung erfahren haben: fuchen die Amerikaner oft nur dem augenblick- lichen nackten Bedürfniffe und der äufserften Billigkeit zu genügen und kümmern fich weiter nicht um die äufsere Form. Jene Ausführungen aber, welche breiter auftreten und für längere Dauer berechnet find, bei denen offenbar Werth auf die äufsere Form gelegt wird, entlehnen diefelbe nur zu oft von Möbeln, Tempeln, gothifchen Domen und allen möglichen und unmöglichen Muftern. 6 Carl Pfaff. Die Bearbeitung der Theile von Mafchinen letzterer Gattung ift meiftens ganz ausgezeichnet fchön und exact und die Ausstattung elegant. Letztere wird aber oft fchreiend luxuriös. Grelle Farben, glänzender Lack, bunte Bemalung und brennende Politur werden öfter angewandt, als es unferen Begriffen von ruhiger Eleganz entſpricht. Alles diefs zufammengenommen gibt den amerikaniſchen Maſchinen einen ganz befonderen Charakter, deffen Reiz für uns durch die relative Neuheit wefentlich erhöht wurde. MIHOZAM William Sellers& Co. in Philadelphia. Wir beginnen die Befchreibung der amerikaniſchen Maſchinen mit denen der voranftehenden Firma, welche fich mit dem Bau von Werkzeugmaschinen im Allgemeinen befafst. Ihre Erzeugniffe nehmen einen hohen Rang ein und find in der ganzen Welt gut accreditirt. Sie verdanken diefs der Originalität ihrer Conftruction und der ausgezeichneten Ausführung. Ihre Formen find wohl durchdacht und lehnen fich wefentlich an die englifchen an. Das verwendete Material ift gut, die Bearbeitung der einzelnen Theile mit grofser Sorgfalt den refpectiven Zwecken angepasst und durchwegs ausgezeichnet, die Ausftattung von ruhiger Eleganz. Schraubenfchneidmafchine. Diefe Mafchine ift unfere ältefte Bekannte unter den von Sellers herrührenden. Sie hat ihren Weg in alle Theile der Welt gefunden und wird überall nachgebaut. Die ausgeftellte Mafchine war mit einer etwas abweichenden neuen Einrichtung verfehen und wir wollen fie in Folgendem ganz ausführlich befchreiben. Das Charakteriftifche an der Mafchine ift die Anordnung der Schneidbacken, welche auf einen Durchgang ein Gewinde fertig fchneiden, nach Vollendung diefer Arbeit auseinandergehen, dem gefchnittenen Bolzen den Austritt erlauben, ohne dafs die Mafchine reverfirt oder abgeftellt wird, und dann von felbft wieder jene Stellung annehmen, welche zum Schneiden des nächften. Gewindes erforderlich ift. Es mufs gleich hier bemerkt werden, dafs die Backen in Sellers' Mafchine das Gewinde wirklich auf den Bolzen fchneiden, während die älteren Mafchinen, befonders die mit zweitheiligen Backen mehr quetfchen, wodurch viel Zeit und Kraft verbraucht das Einhalten genauer Dimenfionen, erfchwert und Gelegenheit zu allerlei Streckungen und Deformationen des Arbeitsflückes gegeben wird. Jos. Whitworth hat fchon früher bei feinen Schraubenfchneidmafchinen. vier Schneidbacken angewandt, welche recht gut geftellt, aber nicht frei von quetfchender Wirkung find und das Gewinde nicht auf einen Durchgang fertig fchneiden. Es ist aber nicht möglich, Schneidbacken fo zu machen, dafs fie vor wärts und rückwärts gleich gut fchneiden. Von diefem Erfahrungsfatze ging Sellers bei feiner Anordnung aus, für die ihm die Priorität vor vielen ähnlichen gebührt, welche nachträglich entstanden find. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. T Die Mafchine( Fig. 1 bis 3, Taf. 1) hat ihre Schneidbacken in einen Kopf eingefetzt, der fich fortwährend in einer Richtung dreht. Der zu fchneidende Bolzen ift feft eingefpannt, fo dafs er fich nicht drehen kann und wird nach Mafsgabe des fortfchreitenden Gewindes durch die Backen vorwärts gezogen. Diefe Anordnung hat bei langen Schrauben den Vorzug vor jener, bei welcher das Arbeitsftück fich dreht. Der Backenkopf oder Schneidkopf wird durch die Enden zweier hohler Spindeln gebildet, welche ineinander gefchoben find und fich gegen einander frei verdrehen können. Die innere längere Spindel hat einen fchmiedeifernen Mitnehmer aufgefchraubt, in dem drei radiale Schlitze( Fig. 4) ausgearbeitet find. In diefen liegen fleifsig eingepafst die Schneidbacken, und find gezwungen, jede Drehung der inneren Spindel( Treibfpindel) mitzumachen. Der Mitnehmer ift umgeben von der äufseren Spindel, beziehungsweife von drei auf diefer aufgefchraubten, äufserlich concentrifch abgedrehten fchmiedeifernen Stücken, den Druckftücken. Diefe find inwendig excentrifch ausgedreht, fo dafs fich gegenüber den Schlitzen des Mitnehmers drei fymmetriſch excentrifche Flächen darbieten. Gegen diefe Flächen ftemmen fich die Enden der Schneidbacken. Ueber die Druckftücke ift ein Deckel( Fig. 5) gefchraubt, welcher nur in der Mitte eine Oeffnung hat und drei fchmale excentrifch geftellte Vorfprünge oder Federn befitzt, deren Bögen aus den Mitteln der Innenflächen der Druckftücke befchrieben find. Jeder Schneidbacken hat eine mit einer folchen excentrifchen Feder correfpondirende Nuth. Wenn daher die äufsere Spindel( Stellfpindel) fammt den befchriebenen Theilen eine Drehung gegen die Treibfpindel macht, fo werden alle drei Schneidbacken gleichzeitig und gleichviel in ihren Schlitzen verfchoben, und zwar entweder gegen das Centrum zu oder von demfelben weg. Der Deckel mit feinen drei Federn hat den Zweck, die Schneidbacken in ihren Schlitzen einzufchliefsen und fie bei Vollendung des Schnittes zu öffnen. Zu letzterem Zwecke genügen die gebotenen fchmalen Berührungsflächen vollkommen. Der Druck aber, welcher auf die Backen beim Schneiden ausgeübt wird, pflanzt fich auf die breiten Innenflächen der Druckftücke fort und findet hier die entfprechende Aufnahme. Die mehrgenannten Druckftücke an der Stellfpindel bilden nicht ein Ganzes, fondern laffen drei Schlitze zwifchen fich, welche mit denen des Mitnehmers in der Gröfse übereinftimmen und die auch in ihrer Stellung mit letzteren correfpondiren können. Ebenfo find die excentrifchen Federn des Deckels angeordnet. In den Zwifchenräumen derfelben fteht je ein eingefchraubter Stift vor und verfchliefst diefelben. Werden diefe Stifte entfernt und die Schlitze fämmtlich in Uebereinstimmung gebracht, fo können die Schneidbacken aus der Mafchine genommen oder in diefelbe eingefetzt werden, ohne dafs irgend ein anderer Beftandtheil losgenommen zu werden braucht. Treibfpindel und Stellfpindel find in einer langen Hülfe folid gelagert. Die äufsere, Stellfpindel tritt um die Breite eines rückwärts auffitzenden Rades ( Stellrad) aus diefer Hülfe heraus, die innere Treibfpindel überragt die äufsere abermals um eines Rades( des Treibrades), und aufserdem eines Hebels( des Stellhebels) Breite. Beide Räder haben verfchiedene Durchmeffer und Zähnezahlen. Das Treibrad ift etwas gröfser als das Stellrad. Unterhalb im Geftell ift eine Achfe gelagert, welche durch eine Stufen fcheibe betrieben wird. Auf diefer Achfe ift ein Getriebe feft aufgekeilt, welches mit dem Treibrade, und ein Getriebe lofe aufgefetzt, welches mit dem Stellrade correfpondirt. Letzteres ift etwas gröfser als erfteres. Beide Getriebe befitzen an den einander zugekehrten Seiten vorſtehende Flantfchen, zwifchen welche Lederfcheiben gelegt find. Das Stellradgetriebe hat aber auch gegen das Geftell der Mafchine zu einen vorftehenden konifch abgedrehten Flantfch, der in eine konifche Bohrung des Fufses pafst. Hinter diefem Flantfch befitzt es noch eine eingedrehte Hülfe, die von einem Hebel mittels geeigneten Backens 8 Carl Pfaff. wererfafst wird, fo dafs das Stellradgetriebe auf der Achfe verfchoben den kann. Die Achfe ihrerfeits hat in einer kleinen Diftanz einen Stellring. Die zwifchen Getriebe und Stellring freigelaffene Stelle ift mit einer Spiralfeder umwunden, welche beftrebt ift, das letztgenannte Getriebe gegen das Treibradgetriebe fanft anzupreffen. Das Stellradgetriebe wird alfo durch Reibung mitgenommen, und da es gröfser als das des Treibrades ift, das Stellrad aber kleiner als letzteres, fo ift das Stellrad genöthigt, fo weit vorzulaufen als es kann. Durch das Vorlaufen wird aber den Schneidbacken eine Verſchiebung nach dem Centrum zu mitgetheilt, wodurch fie die zum Schneiden erforderliche Stellung erhalten. Es ift nun nothwendig, die Backen in diefer Stellung zu erhalten, unabhängig von dem Beftreben des Stellrades weiter vorzueilen. Diefs gefchieht durch einen Einſchnitt in der Nabe des Stellrades, gegen den fich ein Vorfprung an der des Treibrades anlegt. Damit aber für verfchiedene Gewinde Durchmeffer, fowie auch für verfchiedene Backenlängen die richtigen Stellungen gegeben werden können, obwohl das Voreilen des Stellrades immer von ein und demfelben Punkte begrenzt wird, ift das Treibrad nicht feft auf feiner Spindel aufgekeilt, fondern nimmt diefelbe nur mit Hilfe eines zweiarmigen Stellhebels mit, der feft aufgekeilt ift und kreisförmige Schlitze hat. Diefe correfpondiren mit ähnlichen des Treibrades und laffen Schrau ben paffiren, durch deren Anziehen beide Theile feft verbunden werden. Der Stellhebel hat einen Zeiger und das Rad einen getheilten Bogen. Wenn nun Schneidbacken für irgend einen Durchmeffer eingefetzt werden, fo findet fich in einer von Sellers beigegebenen Tabelle die Stellung angegeben, welche Rad und Stellhebel gegen einander haben müffen. Durch die hiernach gemachte Einftellung werden die excentrifchen Theile des Schneidkopfes die paffende Stellung den Schneidbacken gegenüber annehmen, und da das Stellrad ftets an derfelben Stelle arretirt wird, ift auch ein immer gleicher Durchmeffer der Gewinde gefichert. Der Arbeiter braucht nicht nachzumeffen. Aus dem gefchilderten Arrangement geht auch noch der Vortheil hervor, dafs mittels einer kleinen Abweichung von der normalen Einftellung Bolzengewinde naeh Belieben ftreng oder locker gehend gefchnitten werden können. Denken wir uns nun Backen eingefetzt, die Treibfpindel richtig eingeftellt und die Mafchine in Bewegung gefetzt, fo wird das Stellrad fofort voreilen, bis es an den Anfatz an der Nabe des Treibrades kommt. Nun kann eine weitere Verdrehung der beiden Räder und Spindeln gegen einander nicht mehr ftattfinden und die Backen werden ihre zum Arbeiten richtige Stellung haben. Die beiden Getriebe reiben fich an einander. Wird nun der Handhebel angezogen, der mit der Hülfe des Stellradgetriebes verbunden ift, fo entfernt fich diefes vom Treibradgetriebe und der konifch abgedrehte Flantfch tritt in die Bohrung des Fuſses ein. Die Reibung zwifchen beiden Getrieben wird aufgehoben und eine neue zwifchen Stellradgetriebe und Fufs erzeugt, fomit erfteres gebremft. Wollte vorhin das Stellrad voreilen, fo ift es nun zum Stillftand geneigt und das Treibrad eilt vor. Hierdurch werden die Schneidbacken geöffnet. Indem die anderen Seiten der erwähnten Einfchnitte und Vorfprünge in den Radnaben fich an einander anlegen, wird die Wirkung der Bremfe abermals begrenzt und die Backen bleiben geöffnet, fo lange der Handhebel angezogen wird. Sowie er losgelaffen wird, tritt die Spiralfeder in Wirkfamkeit, prefst das Stellradgetriebe gegen fein benachbartes und die Backen fchliefsen fich wieder. Früher hatte Sellers feine Mafchinen nach demfelben Principe, aber derart umgekehrt eingerichtet, dafs der Arbeiter gezwungen war, den Handhebel fo lange anzuziehen, als die Backen ſchneiden follten. Sie öffneten fich beim Loslaffen des Hebels, dem ftatt der Feder ein Gegengewicht angehängt war. Die befchriebene neue Einrichtung kann wohl mit Recht eine Verbefferung genannt werden. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 9 Die Schraubenbolzen, welche gefchnitten werden follen, werden durch einen Einfpannkopf( einem Schraubftock ähnlich) central feftgehalten, fo dafs fie fich nicht drehen können. Diefe Einfpannvorrichtung( Fig. 6) ift auf dem Bette der Mafchine verfchiebbar und kann durch einen Hebel mit zwei Sperrkegeln, welche in Zahnftangen an beiden Seiten des Bettes eingreifen, mit einigem Drucke vorgefchoben werden, wenn diefs beim Anfange der Operation nöthig fein follte. Sowie einmal ein Gewinde angefangen ift, ziehen die Backen das eingefpannte Stück felbft nach. Die ausgeftellte Mafchine hatte einen Einfpannkopf nach Fig. 7 und 8. Es erübrigt nur noch, die Werkzeuge zu befprechen, welche Sellers bei feiner Schraubenfchneidmafchine anwendet. Von diefen hängt der Effect ganz befonders ab und da gerade die Werkzeuge ausgezeichnet gut durchgeführt find, wollen wir etwas länger bei ihnen verweilen. Die Schneidbacken( Fig. 9) find aus flachem Gufsftahl gebildet und fleifsig in die Schlitze des Mitnehmers eingepafst. Sie haben für verfchiedene Gewinde verfchiedene Längen, um fie der möglichen Verftellung des Treibrades anzupaffen. Wir nehmen die Backen als mit Gewinde verfehen an. Die ſchneidende Kante ift nahezu radial zugefchliffen. Sollten die Backen ftumpf werden, fo kann das Zufchleifen wiederholt werden, bis die Schneide an der Mittellinie des Backens ankommt. Von rückwärts find die Backen ebenfalls etwas abgefchliffen, um ihnen die überflüffige Breite zu nehmen und das Ausbrechen zu verhindern. Betrachten wir einen Backen von feiner breiten Seite, fo fehen wir, dass nur einige Gewinde in ihrer vollen Form vorhanden find; nach vorn, wo der Backen anfängt zu fchneiden, find fie, einer fanften Curve folgend, weggefchliffen, fo dafs endlich nur noch Spuren von ihnen zu fehen find. Die vorderen Theile der Backen drehen fomit den zu fchneidenden Bolzen erft ab, bevor das Gewinde gebildet wird, woraus eine Schonung derjenigen Zähne refultirt, die das Gewinde fertig fchneiden. Jeder gefchnittene Bolzen zeigt am Ende feines Gewindes den konifchen Ausgang, welcher die Feftigkeit wefentlich erhöht. Es ist aber nicht möglich, Gewinde bis dicht an Anfätze oder Köpfe heran zu fchneiden. Das Gewinde wird in die Backen durch Meiſterbohrer( mafter taps, Fig. 10) gefchnitten, welche den Durchmeffer der zu erzeugenden Gewinde haben und mit einer grofsen Anzahl von Nuthen( 10) verfehen find. Diefe Meiſterbohrer haben cylindrifche Verlängerungen, mit denen fie fich in Büchfen führen, welche in die Treibfpindel eingeſetzt werden. Bei dem Schneiden der Backen wird das Treibrad gegen den Stellhebel fo eingeftellt, wie es später für das betreffende Gewinde zu ftehen hat, die Backen find auf das richtige Mafs vorgearbeitet und die Mafchine wird abwechfelnd vorwärts und rückwärts betrieben. Beim Vorwärtslauf wird der Handhebel die Räder zu angedrückt, beim Rückwärtslauf aber angezogen, um den Backen immer den nöthigen Druck zu geben. gegen Die Mutterbohrer( Fig. 11) find bei Sellers kürzer als gewöhnlich fie haben 26 Gänge, wovon 6 zum Fertigfchneiden cylindrifch gelaffen find. Von diefen aus ift der Mutterbohrer nach vorn zugefchliffen bis auf den Grund des Gewindes Ganz befonders bemerkenswerth ift die Form und Anzahl( 5) der Nuthen in den Mutterbohrern, welche fehr günftige radiale Schneiden bilden, ein Nachfchleifen erlauben und den Bohrer eigentlich zu einer Reihenfolge günftig ftehender Meffer machen. In der That fchneiden diefe Bohrer fehr fchön, fchnell und trotz ihrer Kürze ohne Erhitzung. Zum Einfpannen der Mutterbohrer in den Schneidkopf find Einfatzftücke mit quadratifchen Oeffnungen beigegeben. Das Deckenvorgelege ift mit zwei lofen und einer feften Riemenfcheibe verfehen, um einen offenen und einen gekreuzten Riemen anwenden zu können, fo dafs die Bewegung der Mafchine reverfirt werden kann. Hiervon wird jedoch nur beim Schneiden der Backen Gebrauch gemacht. 10 Carl Pfaff. Sellers gibt an, dafs die Deckenvorgelege aller von ihm gebauten Schraubenfchneidmafchinen 200 Touren per Minute machen follen. Diefs ergibt für die gröfseren Durchmeffer beiläufig 60 Millimeter Schnittgefchwindigkeit per Secunde, für die kleineren um fo weniger, je weiter fie herabgehen. Hobelmafchine. Nächft der Schraubenfchneidmafchine ift es die Hobelmafchine, welche feit ihrer Einführung das meifte Auffehen gemacht und die gröfste Verbreitung gefunden hat. Sie kam zuerft auf der Parifer Ausftellung von 1867 zur Kenntnifs des europäiſchen Publicums und verdient vollkommen die günftige Aufnahme, welche fie allerorts fand. Diefe Mafchine hat auf die einfachfte Weife eine fehr grofse Ueber fetzung und eine von der Riemenführung unabhängige Steuerung der Suporte, welche der Erbauer mit Recht eine pofitive nennt. Der Tifch wird durch eine Zahnftange getrieben, in welche eine Schnecke eingreift. Hobelmafchinen wurden gewöhnlich auf zwei verfchiedene Arten betrieben, nämlich durch Zahnftange, Getriebe und Räderüberfetzung und durch Schraubenfpindel und Mutter. Die letztere Art, namentlich von Whitworth empfohlen foll eine ruhigere Bewegung des Tifches ermöglichen als erftere. Sie iſt auch in der That geeignet, eine abfolut ruhige Bewegung hervorzubringen, indem Schraube und Mutter auf der Drehbank genau hergeftellt werden können und einen continuirlichen. Eingriff haben. Zahnftangen und Getriebe müffen fchon fehr exact ausgeführt fein, wenn fie letzterer Bedingung entſprechen follen, und es ift nicht die genau arbeitende Drehbank, auf welche man fich bei ihrer Anfertigung ftützen kann, fondern die unzuverläfsigere Giefserei. Aber auch die Conftruction fällt fchon fehr zu Ungunften der Zahnftange mit Getriebe aus, indem letzteres ftets fehr klein wird, woraus eine hebende Wirkung beim Eingriff der Zähne folgt. Deffen ungeachtet ift die Bewegung durch Zahnftange und Getriebe beliebter, weil es einestheils factifch möglich ift, fie hinreichend ruhig und ftetig zu machen, und weil andererfeits der Antrieb der Schraube Schwierigkeiten bietet, indem für die nöthigen Räder nicht der hinreichende Raum gefunden werden kann. Auch wird die Schraube bei langen Hobelmafchinen unangenehm. Letzterem Uebelftande wurde wohl durch eine Conftruction abgeholfen, welche wir feit den erften fünfziger Jahren kennen und hier nur defshalb anführen, weil fie ein Uebergang zu der von Sellers genannt werden könnte. Dort waren unten am Tifche eine Anzahl halber Schraubenmuttern angefchraubt, welche auf der Drehbank gefchnitten waren und eine ununterbrochene Reihe bildeten. Von rückwärts ging eine lange Welle im Mittel des Bettes bis unter den Meifsel, und endigte in eine Schnecke, welche in die Muttergewinde eingriff. Solch eine Welle könnte mit der Mafchine beliebig lang gemacht werden, indem keine Schwierigkeit mehr befteht, die nöthigen Lager anzuordnen. Auch an den Mafchinen mit Zahnftangen- Antrieb wurden manche Verbefferungen verfucht und wir kennen eine folche von Sellers, welche er nicht lange vor Einführung der gegenwärtigen Mafchine gemacht haben dürfte. Hier greift das kleine Getriebe nicht direct in die Zahnftange ein, fondern es iſt ein grofses Zwifchenrad eingefchaltet, welches die Bewegung überträgt, eine hebende Wirkung alfo weniger ausüben kann. Vergleichen wir den Antrieb durch Schnecke und Zahnftange von Sellers mit den beiden gewöhnlichen, fo finden wir, dafs er den Vortheil direct, eine grofse Ueberfetzung zu bieten, mit der Schraube gemein hat, ohne aber Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 11 ganz abfolut auch den ruhigen Gang derfelben mit fich zu bringen. Die Schnecke, welche leicht mit gleichmäfsiger Steigung herzuftellen ift, wird keine, Stöfse hervorbringen; dagegen kann diefs die gegoffene Zahnftange thun, welche denfelben Unregelmässigkeiten unterworfen ift, wie die des gewöhnlichen Antriebes. Bestimmt bleibt aber der Vortheil, dafs die hebende Wirkung des Getriebes wegfällt. Auch ift die grofse Räderüberfetzung vermieden, welche beim Antrieb durch Getriebe erforderlich wird, und durch die Lage der Schneckenwelle, welche fchräg aus dem Bett der Mafchine hervortritt, ift es möglich, ihren Antrieb nach Belieben auszubilden, was wir bei dem Schraubenantrieb nicht können. Es mufs daher der von Sellers angewandte Mechanismus als der vorzüglichfte bezeichnet werden. Wir können nicht umhin, hier noch auf den Unterfchied aufmerksam zu machen, welcher zwifchen dem Sellers'fchen Schneckenantrieb und den gewöhnlichen oft verwendeten Schneckenüberfetzungen befteht. Vor Allem ift die Anordnung derart, dafs aufser den Eigenfchaften einer reinen Schnecke auch noch andere auftreten, welche, wie wir fpäter fehen werden, vom Getriebe her geleitet find. Dann beftehen die gewöhnlichen Antriebe faft immer aus Schnecke und Rad. Der Eingriff erfolgt bei denfelben nur an wenig Punkten und fchnelle Abnützung, fowie grofse Kraftverlufte find die Folge. Zur Uebertragung von Kräften find auch defshalb die Schneckenüberfetzungen nicht fehr beliebt. Wird aber das Rad zur Zahnftange, fo kann die Schnecke in beliebig vielen Punkten und mit ganz entſprechenden Flächen angreifen, fo dafs der Druck auf die Flächeneinheit das rechte Mafs nicht überfteigt. Principiell wichtig ift ferner die fogenannte pofitive Steuerung von Sellers. Faft allgemein werden bisher die vorrückenden Bewegungen der Meifsel bei Hobelmafchinen ſtofsweife und von denfelben Organen beforgt, welche die Riemenführung, refp. Umfteuerung des Tifches zum Zwecke haben. Es kann nur darin ein Unterfchied gemacht werden, dafs bei den einen Ueberfchlaggewichte zur Anwendung kommen, bei den anderen nicht. Sollen die Gewichte nicht nachtheilige Stöfse oder verderbliche Einwirkungen auf die Riemen im Gefolge haben, fo mufs ihre Wirkfamkeit möglichft eingefchränkt und in der That fo klein gemacht werden, dafs fie wenig mehr helfen können. Es find daher jene Conftructionen, welche durch directe Einwirkung auf richtig proportionirte kurze Daumen die Umfteuerung bewirken, beffer und beliebter. Beiden Arten haften aber diefelben Mängel an, wenn fie zugleich zur Steuerung der Suporte verwendet werden, indem fie wefentlich verfchiedene Schnittbreiten nicht zulaffen und auch unter Umständen die einmal eingeftellten nicht gleichmässig geben. Diefs hängt von den Bewegungswiderftänden der Suporte und von der Gefchwindigkeit ab, mit welcher die Mafchinen betrieben werden. Kraft und Bewegung werden dabei von verftellbaren Anfchlägen genom. men, welche in paffenden Stellen am Tifche befeftigt find, und auf Daumen wirken, von denen die Uebertragung weiter bis zur Riemengabel und den Suporten mehr oder weniger einfach gefchieht. Die Riemen haben in allen Fällen einen Weg von zweimal ihrer Breite zu machen, um von der einen Treibfcheibe über die Leerfcheibe vollkommen auf die zweite Treibfcheibe zu gelangen. Die meiften Mafchinen gehen aber auch, ohne dafs der Riemen vollkommen auf der einen oder der anderen Treibfcheibe aufliegt, und da der ganze Umfteuerungsmechanismus einen beftimmten vollen Hub nicht zu machen gezwungen ift, fo fällt diefer eben nach den Umständen verfchieden, kürzer oder länger aus. Stellen wir z. B. eine Mafchine auf fehr geringen Vorfchub des Meifsels ein fo ift die hierdurch confumirte Arbeit klein und die Steuerung functionirt gut. Nehmen wir aber einen grofsen Vorfchub, fo findet das Umgekehrte ftatt, und die Breite der Schnitte, welche wir mit den bisher üblichen Steuerungen . 12 Carl Pfaff. nehmen können, ift dadurch aufserordentlich befchränkt. Noch ärger tritt der Uebelftand hervor, wenn von der horizontalen zur verticalen Steuerung der Suporte übergegangen wird, und am fchlimmften bei folchen Mafchinen, die mehrere Suporte haben, welche nicht immer gleichzeitig arbeiten. Kommt nun eine Veränderung in der Gefchwindigkeit dazu, fo nehmen die Stofswirkungen, durch welche der Steuerungsmechanismus in Bewegung gefetzt wird, andere Werthe an und treiben ihn mehr oder weniger weit. Man hat fich früher bei Hobelmaschinen mit äufserft geringen Variationen im Vorfchube oder der Schnittbreite begnügt, ja die älteren Mafchiniften hielten eine Fläche für um fo fchöner und beffer gehobelt, je geringer die Schnittbreite war. Bei einem folchen Verfahren konnten die gerügten Mängel der Steuerung wenig fühlbar werden. Heute hat fich aber die Erkenntnifs Bahn gebrochen, dafs die letzten Schnitte über eine Fläche möglichft breit genommen werden müffen, wenn diefe vollkommen eben und zur weiteren Bearbeitung gefchickt fein foll, und gerade diefe breiten Schnitte können wir mit keiner der älteren Steuerungen felbftthätig nehmen, wo fie dennoch vorkommen, find fie durch Steuerung von der Hand erzielt. Sellers hatte alfo fehr Recht, wenn er feinen Steuerungsmechanismus zwang, einen beſtimmten, unter allen Umständen gleichmässigen Hub zu machen, indem er ihn mit der Antriebswelle verband, und ebenfo, wenn er ihn einen pofitiven nannte. Aufser den beiden genannten Neuerungen hat Sellers noch eine eigenthümliche Vorrichtung angebracht, um den Suport beim Rückgang zu heben, und fo den Meifsel von dem Arbeitsftück zu entfernen, auf welche wir bei der Befchreibung kommen werden. Endlich ift noch die eigenthümliche Lage der Antriebsriemfcheiben zu erwähnen, welche geftattet, dafs die Hobelmaschinen parallel mit der Transmiffion und in einer Linie mit Drehbänken und anderen Mafchinen aufgeftellt werden. Hierin liegt ohne Weiters ein grofser Vortheil, welcher dadurch erhöht wird, dafs weder die Riemen, noch der Antriebsmechanismus jemals in Collifion, mit irgend einem Arbeitsftück kommen können. Sellers erblickt noch einen bedeutenden Vortheil darin, dafs die Antriebstheile nahe zur Hand des Arbeiters liegen, welcher Anficht wir uns nur zum Theil anfchliefsen können. Gehen wir nun mit Rückficht auf die Zeichnungen Fig. 12 und 13, Taf. II, zur detaillirten Befchreibung über, fo fehen wir, dafs die Antriebsriemenfcheiben am vorderen Ständer gelagert find und ihre Achfe parallel der Längenachfe der Mafchine haben. Sie find von fehr grofsem Durchmeffer, dagegen ziemlich fchmal. Die beiden äufseren Scheiben find lofe, die mittlere ift feft. Zum Antrieb werden zwei Riemen gebraucht, ein offener und ein gekreuzter. Ihre Verfchiebung wird in der gewöhnlichen Weife erzielt, und zwar durch verftellbare Anfchläge, die auf einen horizontal liegenden Hebel mit zwei verfchieden langen Daumen wir ken. Bemerkenswerth ift hierbei, dafs Sellers feine Daumen, weil fie nicht mehr zu thun haben, als die Riemen zu verfchieben, von Gufseifen macht, während fie bei gewöhnlichen Mafchinen, deren Suportfteuerung fie mitbewirken müffen, von gehärtetem Schmiedeifen genommen werden und dennoch bald zu Grunde gehen. Die eigentliche Riemenführung, welche mit dem Daumenhebel durch ein dünnes Stängelchen verbunden ift, zeigt ein intereffantes Detail. ( Fig. 14.) Sie ift fo angeordnet, dafs ftets nur ein Riemen auf der Treibfcheibe laufen kann. Der andere ift inzwifchen an jeder Verfchiebung gehindert. Bei der Umfteuerung wird zuerft der treibende Riemen ganz von der feften Scheibe entfernt, dann hört feine Verſchiebung auf und feine Riemengabel ift verfchloffen. Hierauf fetzt fich erft der zweite Riemen in feitliche Bewegung und kommt auf die Treibfcheibe. In diefer Stellung find beide Riemengabeln verfchloffen. Soll abgeftellt werden, fo wird die Bewegung nur mit einem Riemen gemacht, und Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 13 dann unterbrochen, worauf beide Riemengabeln ebenfalls verfchloffen, das heifst an jeder Bewegung gehindert find, welche fie aus fich felbft oder vom Riemen her machen möchten. redend. Die Vortheile diefer aufserordentlich netten Anordnung find felbftHier dürfen wir noch auf die Conftruction der Antriebsriemenfcheiben felbft aufmerkfam machen, welche überraschend leicht und elegant find. Obwohl diefs nicht ganz fpeciell zu unferer Aufgabe gehört, können wir nicht umhin, daran zu erinnern, dafs Sellers' ein fehr fchön und eingehend ausgearbeitetes Syftem von Riemenfcheiben, Kuppelungen, Lagern etc. zur Schau ftellte, worüber wir in einem Anhange Bericht erftatten und dadurch wieder auf die Riemenfcheiben zurückkommen werden. Zum Antriebe der Mafchine wird ein Deckenvorgelege gebraucht, welches eine kleine und eine grofse Riemenfcheibe neben der Feft- und Losfcheibe befitzt. Von der kleinen Scheibe geht der gekreuzte Riemen herab und treibt die Mafchine vorwärts, von der grofsen kommt der offene und bewirkt den Rückgang. Da die Durchmeffer diefer Scheiben fich wie I: 2 verhalten, erfolgt der Rückgang des Tifches mit der doppelten Gefchwindigkeit des Schnittganges. Das Deckenvorgelege hat einen ganz beftimmten Platz, indem es fo geftellt werden mufs, dafs die Riemen richtig in die Augen der Riemenführer treffen. Die Nothwendigkeit zweier Riemen und des Deckenvorgeleges, der ganz beftimmt gegebene Platz für das letztere und die befchränkte Befchleunigung des Rückganges find wohl nicht als Vortheile des Syftemes zu nennen. Von der Achfe der Antriebsfcheiben wird die Bewegung auf die fchräg liegende Schneckenwelle durch ein paar Kegelräder übertragen, die durch ein Gehäufe gedeckt find. Das Ueberfetzungsverhältnifs ift fo gewählt, dafs die Antriebsfcheiben eine grofse Tourenzahl erhalten und nur fchmale einfache Riemen erforderlich find. In unferem Falle hat das kleine Rad 16, das grofse 55 Zähne und die viergängige Schnecke 164 Millimeter Steigung in der Schneckenachfe gemeffen. Der Winkel, welchen die Schneckenachfe mit der Bewegungsrichtung der Zahnftange und des Tifches einfchliefst, beträgt 262°. Es kommt nun von der Steigung der Schnecke s nur ein Theil e zur Wirkung auf den Tifch, und zwar ift es cos a. Aus Figur 15 ift die Lage der Schnecke zu erfehen und wird bei Betrachtung diefer Figur fogleich erfichtlich, dafs hier keine reine Schnecke vorhanden. Damit diefs der Fall wäre, müfste die Achfe derfelben parallel znr Bewegungsrichtung liegen. Dann würden die Schneckengänge an den Zähnen der Zahnftange vorbeigleiten, indem fie diefelbe gleichzeitig verfchieben. Nun liegt aber unfere Schneckenachfe in einem Winkel zur Mittellinie der Zahnftange. Denken wir uns diefen gleich 90°, fo ift klar, dafs wir dann ein Stirnradgetriebe hätten, deffen Zähne fich an denen der Zahnftange abwälzen, ohne die mindeſte feitliche Bewegung gegen diefelben zu machen. Schon bei einer ganz kleinen Verfchiebung der Achfe aus dem rechten Winkel wird aber eine proportionale feitliche Gleitung der Getriebszähne zu der Wälzung hinzutreten und die Eigenfchaften der Schnecke werden fich mit denen des Getriebes combiniren. Diefs wird in allen Lagen der Achfe der Fall fein, welche innerhalb des rechten Winkels, alfo zwifchen dem reinen Stirnradgetriebe und der reinen Schnecke gedacht werden können, wobei immer die vorherrschenden Eigenfchaften von demjenigen Organe entlehnt fein werden, deffen Lage fich die Achfe am meiften nähert. In unferem Falle wurde fich der Schnecke genähert, und wenn wir die Wirkungsweife verfolgen, fo fehen wir, dafs irgend ein Punkt der Zahnftange bei feinem Vorfchreiten allmälig in die Schnecke feitlich eintritt, diefelbe überfchreitet und fie wieder verläfst, mit anderen Worten: die Zahnftangenzähne 14 Carl Pfaff. begleiten die Schneckengänge in ihrer Richtung, aber mit kleinerer Gefchwindigkeit. Diefes partielle Begleiten kann natürlich nur von Vortheil fein. Sellers hat die Zahnftangenzähne nicht normal zur Bewegungsrichtung aufgefetzt, fondern ihnen eine Neigung gegen dieselbe gegeben, damit die Componente aus dem Vorfchiebungsdrucke und der Reibung der Schneckenzähne gegen die der Zahnftange möglichft in die Bewegungsrichtung falle und kein feitlicher Druck auf den Tifch und feine Führungen ausgeübt werde. Zur Ermittlung diefer Neigung wurden zahlreiche Verfuche angeftellt und der Erfolg ſpricht in der That für die Richtigkeit diefes Arrangements. Wie uns Figur 15 ferner zeigt, ift die Schnecke unterhalb von einem Gehäufe umgeben, welches fie vor Schmutz und Staub fchützt und das Oel aufnimmt, das aus den Lagern überfliefst, diefes genügt vollkommen, um die Schnecke hinreichend zu ölen und es foll durchaus nicht etwa das Gehäuſe in der Art als Oelrefervoir dienen, dafs die Schnecke darin getaucht ift. Diefs wäre nicht allein unnöthig, fondern auch geradezu nachtheilig, indem das Oel durch Centrifugalkraft weit herumgefchleudert werden würde. Der axiale Druck auf die Schneckenwelle wird einerfeits durch einen nachftellbaren Stahlzapfen, andererfeits durch gehärtete Ringe aufgenommen. Zwifchen den Ständern ift das Bett durch eine ftarke kaftenförmige Verbindung fehr verfteift. Der Tifch läuft beiderfeits in V förmigen Bahnen, die fteiler und fchmäler find, als es unferen hiefigen Gewohnheiten entſpricht. Indem wir, was Form und Anordnung der Theile im Allgemeinen betrifft, nochmals auf die Figuren 12 und 13 verweifen, gehen wir zur fpeciellen Befchreibung des Suports über, worin uns die Figuren 16, 17 und 18, Taf. III, unterſtützen follen. Der Suport befitzt alle Functionen, die wir bei einem folchen zu finden gewohnt find, und unterfcheidet fich von den allgemein üblichen durch die Art, wie er gehoben und gefenkt, d. h. vertical gefteuert wird und durch feine Vorrichtung, den Meifsel beim Rückgang von dem Arbeitsftück abzuheben. Auch finden wir anftatt der beigelegten und durch Schrauben ftellbaren Anzugleiften Keile angewandt. Abweichend vom allgemeinen Gebrauche ift auch noch die Befeftigung des Suportmitteltheiles auf der erften Platte. Während bei den gewöhnlichen Maſchinen die kreisförmige Nuth, welche dem Suport Verdrehung geftattet, meift fchwalbenfchwanzförmig oder T- förmig ausgedreht ift, und den Schraubenköpfen, welche etwa von rückwärts durch eine Oeffnung eingeführt werden, beiderfeits Anlage gewähren, find hier fegmentförmige Platten mit Hilfe eines Schlitzes von vornen eingelegt, haben Muttergewinde für je zwei Schrauben und liegen nur an einer unter fich ausgedrehten Kante an, während ihre gegenüberliegende Seite durch Anlage am Suportmitteltheil gehalten und am Kippen gehindert wird. Die Schraubenmittel liegen möglichft nahe an der äufseren klemmenden Kante. Der Suportmitteltheil ift fehr kurz, während der auf ihm verfchiebbare Obertheil zu grofser Länge ausgebildet ift. Auf letzterem ift der Mefferträger befeftigt, der eine mäfsige Verdrehung zuläfst, und wie gewöhnlich mit einer Klappe verfehen ift, welche die Hebung des Stahles oder Meffers beim Rückgange auch ohne befondere Vorrichtung geftattet. Die Schraubenfpindel, welche den Suporto bertheil vertical oder im Winkel verftellt oder fteuert, ift im Obertheile gelagert, jedoch fo, dafs fie durch Anziehen der Mutter, die fich gegen die Nabe der Handkurbel ftemmt, nach Belieben feftgeftellt werden kann. Ihr Muttergewinde hat fie in dem kleinen Schrägrade, welches im Suportmitteltheil gelagert und durch ein glatt ausgebohrtes Führungsftück am Platze gehalten ift. Wenn die Schraubenfpindel nicht durch Anziehen feftgeftellt ist und von der Hand gedreht wird, fo dient genanntes Schrägrad als fefte Mutter, da es fich durch die mit ihm weiter im Zufammenhange ftehenden Organe am Drehen Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 15 verhindert fieht und man kann den Suporto bertheil in gewöhnlicher Weife höher oder tiefer ftellen. Wird fie aber feftgeftellt, dagegen das Schrägrad mit Hilfe der horizontalen genutheten Spindel und der Uebertragungsräder gedreht, fo refultirt hieraus ebenfalls eine verticale Verftellung des Suportobertheiles mit dem daran befeftig. ten Mefferhalter. Sobald daher die felbftthätige Steuerung mit jener horizontalen genutheten Spindel verbunden wird, übernimmt fie die Steuerung auf- oder abwärts, vertical oder in irgend einem Winkel. Zur felbftthätigen Hebung des Meifsels beim Rückgange wird eine Schnur benützt, welche an der Steuerfcheibe angehängt ift und über ein Paar Rollen am Querfchlitten des Suports geführt wird. Von diefen aus geht fie im Innern des Querfchlittens weiter und fchlingt fich hier einmal um eine aus der Suportplatte hervorragende Rolle, durch welche fie ihre Bewegungen auf den Suport überträgt. Von hier aus geht fie an das andere Ende des Querfchlittens über ein letztes Rollenpaar ins Freie, wo ihr belaftetes Ende herabhängt. Die aus der Suportplatte hervorragende Rolle hat am inneren Ende ihrer Achfe ein kleines Getriebe. Diefes greift in eine gezahnte Scheibe, welche fich um den ftarken centralen Anfatz der Suportplatte drehen kann. Die gezahnte Scheibe trägt eine aufgefchraubte dünne Platte mit excentrifchem Schlitz und wird durch diefe, fowie ein gegenüber angebrachtes Füh rungsstück am Platze gehalten. In den excentrifchen Schlitz greift der Zapfen einer Hülfe, welche die Schraubenfpindel lofe umgibt und fich an ihr führt. Diefe Hülfe tritt oben durch den Suportmitteltheil heraus und endet in einen klammerartigen Kopf, welcher feinerfeits eine Schiene mit adjuftirbaren Backen, alfo veränderlicher Reibung umfafst. Diefe Schiene ift am Suportobertheil begrenzt verfchiebbar angebracht und endet an jener Stelle in einen verftärkten Theil, an welcher der Zapfen für die Drehung des Mefferhalters fich befindet. Noch innerhalb des genannten am Suportobertheile angegoffenen Zapfens ift ein kleiner Winkelhebel ange bracht, deffen langes horizontales Ende in einem Schlitze der Frictionsfchiene fteckt, während fein kurzes, verticales auf die Klappe des Mefferhalters drückt. Wird nun beim Wechfel der Bewegung die Schnur durch die felbftthätige Steuerung gezogen, fo macht die gezahnte Scheibe eine drehende Bewegung, der excentrifche Schlitz verfchiebt die Hülfe und die durch Reibung mitgenommene Schiene, welche endlich den kleinen Winkelhebel bewegt. Ging die Verfchie. bung nach aufwärts, fo wurde dadurch der Klappe erlaubt, fich gegen ihren Sitz anzulegen, umgekehrt wurde fie gehoben und dadurch der Stahl vom Arbeitsftücke entfernt. Soll nun der Suport von Hand längs des Querfchlitten verfchoben oder vertical verftellt werden, fo wird unvermerkt die kleine Reibung der Schnur auf der Rolle oder die an der Frictionsfchine überwunden, während der ganze Apparat im Augenblicke und ohne Zuthun wieder bereit ift, felbftthätig zu functioniren. Verfolgen wir nun die Bewegungen des Suports weiter bis zu der felbftthätigen Steuerung, von der fie ausgehen, fo treffen wir noch am Querfchlitten befeftigt ein Zahnfegment, welches durch eine verticale dünne Stange nahezu in der Hälfte feines Radius erfafst und bewegt wird. Der Zufammenhang des Segments mit der Steuerftange wird während verticaler Verftellungen des Querfchlittens gelöft. Das Zahnfegment greift in ein kleines Getriebe, welches abwechfelnd auf dem Viereck der Schraubenfpindel oder auf dem der genutheten Spindel aufgefteckt werden kann, je nachdem man horizontal oder vertical fteuern will. Diefes kleine Getriebe ift nicht mit der gewöhnlichen Sperrkegel- Einrichtung verfehen, welche von aufsen wirkt, fondern trägt ein fehr zierlich und fein aus gearbeitetes Sperrwerk( Fig. 19) in feinem Innern, deffen Dimenfionen weit unter L 16 Carl Pfaff. das gewöhnlich bei Maſchinen angewandte Mafs hinabgehen, welches aber deffen ungeachtet feiner Aufgabe vollkommen gewachſen ift. ho Der Hub der Steuerftange ift in weiten Grenzen variabel, der Radius des Zahnfegments grofs, das Getriebe zur Uebertragung endlich klein, fo dafs die verfchiedenartigften Vorfchübe angewendet und die fchwächften, fowie die breiteften Schnitte mit Sicherheit genommen werden können. Mögen nun auch die eben befchriebenen Organe das Ihrige hierzu beitragen, die Hauptbedingung wird dadurch erfüllt, dafs die Steuerfcheibe gezwungen ift, bei jedem Wechfel eine volle halbe Umdrehung zu machen. Wir geben die höchft intereffanten Details des Steuerungsmechanismus in den Figuren 20( äufsere Anficht), 21( Mitnehmerfcheibe von aufsen), 22( Schnitt und Anficht nach weggedachter Mitnehmerfcheibe), 23( Querfchnitt) und 24 ( Steuerfcheibe). Taf. III. Schon früher wurde darauf hingewiefen, dafs die Steuerung des Suports durchaus nichts mit der Riemenführung zu thun hat. Sie wird vielmehr durch die erften Bewegungen der Mafchine in Gang gefetzt, und zwar, da diefs von der Welle der Riemenfcheiben aus gefchieht, fehr rafch. Wir fehen in Figur 23 das Ende genannter Welle mit einem kleinen Getriebe verfehen. Letzteres greift in eine gezahnte Scheibe und treibt diefe, welche auf der Spindel der Steuerfcheibe lofe fitzt, fortwährend, und zwar je nachdem der Tifch vorwärts oder rückwärts geht, nach links oder nach rechts. Die gezahnte Scheibe hat einen innen aufgefchraubten Kranz mit feichten Zähnen, welcher hinter fich eine kreisförmige Nuth läfst Ein federnder, an einer Stelle aufgefchnittener Ring findet darin feinen Platz und liegt mit mässiger Reibung gegen die gezahnte Scheibe an. Dicht vor diefer fitzt der Mitnehmer feft auf der Spindel der Steuerfcheibe. Er trägt in feinem Ausfchnitt einen Sperrkegel, welcher um einen Zapfen drehbar und kreuzförmig gebildet ift. Am Ende des längeren Theiles hat er einen Stift, welcher in den Spalt des federnden Ringes eingreift. Erfolgt eine Drehung der gezahnten Scheibe, fo nimmt fie den federnden Ring durch fchwache Reibung mit und diefer das lange Ende des Sperrkegels. Der Mitnehmer fteht aber noch ftill. Der Sperrkegel wird fomit um feinen Zapfen gedreht und eines feiner kurzen Enden kommt zum Eingriff in den feichten Zahnkranz, der feinerfeits mit der gezahnten Scheibe umläuft. Nun ift auch der Mitnehmer zum Mitgehen gezwungen, und zwar fo lange, bis der Sperrkegel wieder ausgelöft wird. Diefs gefchieht fowohl rechts als links durch Anfchläge, an welche das lange fteuernde Ende ftöfst. Der federnde Ring mufs fich gegen die gezahnte Scheibe etwas verfchieben und der Sperrkegel kommt wieder in die normale Lage. Gleichzeitig kommt eine feft auf dem Mitnehmer fitzende Knagge zum Anfchlag und verhindert fowohl eine weitere Dre hung, als auch eine Bewegung des Sperrkegels. Die gezahnte Scheibe geht nun mit der ganzen Mafchine allein weiter, bis der Wechfel eintritt. Auch die gezahnte Scheibe wechfelt ihre Richtung und das Spiel beginnt von Neuem, eine halbe Umdrehung der Steuerfcheibe wird im entgegengefetzten Sinne gemacht. Damit aber, fei es durch das Gewicht der Steuerungstheile, fei es durch Rückwirkung vom Suport aus, der Mechanismus nicht zurückbewegt werden kann. find an beiden Seiten Sperrhaken angebracht, die durch kleine Federn angedrückt werden. Der eingelöfte Sperrkegel fteht mit feinem fteuernden Ende wenig vor der Mitnehmerfcheibe vor und fährt leicht ein. Ihm folgt auf dem Fufse eine feftgefchraubte Knagge, welche von dem Sperrhaken erfafst und feftgehalten wird. Bewegt fich beim Wechfel das fteuernde Ende des Sperrkegels unter dem Einflusse des federnden Ringes, fo gleitet es an der fchiefen Ebene des Sperrhakens entlang und öffnet diefen, bevor noch die Mitnehmerfcheibe in Gang kommt. Die ganze Einrichtung arbeitet ungemein ficher und faft geräuſchlos, nur ein leifes Tactfchlagen verräth dem Ohr ihr Wirken. Die bei Sellers Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 17 fehr gern angewandte Reibung wird hier nur foweit in Anfpruch genommen, als es nöthig ist, um den Sperrkegel zu bewegen. Ein älteres Arrangement von Sellers beruhte ganz auf Reibung und man konnte ihm den Vorwurf machen, dafs es unnöthig Kraft verbrauche. Es mag wohl diefs der Grund gewefen fein, um deffen Willen es aufgegeben wurde, denn wir fahen eines viele Jahre nach feiner Anfertigung tadellos functioniren und fanden es viel einfacher. Zum Schlufse fei nur noch bemerkt, dafs die Steuerfcheibe einen drehbaren Winkelhebel trägt, welcher durch eine Schraube mit Handrad verftellt, den Hub der Steuerftange variirt. Ausserdem ift, wie fchon oben bemerkt, die Schnur, welche den Mefferhalter hebt, mit unveränderlichem Hube an der Steuerfcheibe eingehängt. Die bezügliche Einrichtung erhellt ohne Weiteres aus der Figur 24. Suportdrehbank. Noch eine Mafchine von Sellers wollen wir ganz ausführlich behandeln und in ihre einzelnen Theile zerlegen, um zu zeigen, mit welcher Energie der Genannte gegen alles Herkömmliche meift unbewufst von Werkſtatt zu Werkſtatt getragene Detail zu Felde zieht. Es ift diefs feine Suportdrehbank. Wir müffen aber für einen Augenblick den amerikaniſchen Standpunkt ins Auge faffen, um diefs recht zu verftehen. Während in England und bei uns die geraden Oberflächen der Drehbanksbetten, die Bahnen, für die Auflage der Köpfe und der Suportfchlitten Regel find, hing man noch bis vor Kurzem in Amerika an der älteren Form feft, welche ftatt gerader Flächen Vförmige fchmale Leiften, mit der Spitze nach oben, darbot. Es ist wohl nicht nöthig, bei einer Auseinanderfetzung zu verweilen, welche Nachtheile diefe ältere Form in Bezug auf Dauerhaftigkeit und Steifigkeit darbietet, und wie viel fchwerer fie herzuftellen ift, als unfere gewöhnliche, welcher die Hobelmafchine alle wünfchenswerthe Genauigkeit faft von felbft gibt. Sie ftammt eben aus einer Zeit, wo es noch keine Hobelmafchinen gab. Trotz ihrer Mängel war diefe ältere Form in Amerika beliebt und man hing mit aller Macht des Vorurtheils daran, fo dafs es ein Verdienft unferes Ausftellers war, die ftärkere, einfachere und dauerhaftere englifche Form eingeführt zu haben. Wenn wir in der Schraubenfchneidmafchine und Hobelmafchine principielle Neuerungen fanden, fo ift diefs in der Drehbank von Sellers weniger der Fall. Die Drehbank ift das ältefte und am meiften gebrauchte Werkzeug und es fcheint die Praxis trotz gänzlichen Mangels einer theoretifchen Beleuchtung im Laufe der Jahre dennoch die richtigen Conftructions- und Stärkeverhältniffe getroffen zu haben, fo dafs alle guten Drehbänke einander überrafchend ähnlich find und wenig Spielraum für Erfindungen bleibt. Neu und von Wichtigkeit find indeffen bei Sellers die Anordnung der Ueberfetzung im Spindelftock; die Einrichtung, um den axialen Druck auf die Spindel aufzunehmen, die variable Frictionsfteuerung, einige Details an der Steuerung des Suportfchlittens, die durchausgehende Lagerung der Leitfpindel, und die Einrichtung, durch welche der Reitftock immer in der Richtung erhalten wird. Im Allgemeinen wäre noch zu bemerken, dafs der fchwache fchmale Suport bei uns wenig Beifall fand. Wenn Sellers dennoch diefe Conftruction, neben ähnlichen bei uns noch unmöglicheren Drehbanks- Suporten beibehält, fo hat diefs feinen Grund in den ihm mafsgebenden landesüblichen Gewohnheiten, und wahrfcheinlich auch in einem Umftande, auf den wir fpäter zurückkommen 2 18 LA Carl Pfaff. werden, nämlich darin, dafs das amerikaniſche Material im Allgemeinen leichter zu bearbeiten ift, als unferes. Das Enſemble der Drehbank ift in den Fig. 25 und 26, Taf. IV, dargestellt. Das Bett ift fehr kräftig und reichlich mit Querverbindungen verfehen, die hoch. heraufgehen. Unter dem Spindelftock, der mittels durchgehender Schraubenbolzen befeftigt ist, hat es den beliebten Werkzeugkaften. Die Bahnen find von der bei uns gewöhnlichen Form ftark und breit. Der Spindelftock hat dreifache Räderüberfetzung. Die erfte Ueberfetzung am hinteren Ende der Stufenfcheibe ift gegen die gewöhnlichen fehr grofs, die zweite, bei gewöhnlicher Conftruction letzte, dagegen fehr klein und als Uebergangsftufe zu betrachten, während endlich noch die Planfcheibe äufsere Verzahnung hat und durch ein kleines Getriebe bewegt werden kann. Diefes wird nach vornen abgezogen, wenn ohne oder mit fchwächerer Ueberfetzung gearbeitet werden foll. Die Vorgelegewelle ift durch excentrifche Lager, welche durch einen Rahmen verbunden find, ausrückbar. Soll die gröfste Ueberfetzung durch Planfcheibe und Getriebe benützt werden, fo wird das mittlere Ueberfetzungsrad auf der Vorgelegewelle verfchoben. Eine Feder, die im Keile eingelaffen ift, hält dasfelbe im eingerückten, fowie im ausgerückten Zuftande feft. Durch die gefchilderte Einrichtung und die gewählten Abftufungen des Riemenkonus( Fig. 27) wird eine fehr ftetig verlaufende Reihe von Gefchwindigkeiten erzielt. Der Konus oder die Stufenfcheibe hat fünf Stufen, fo dafs für diefelbe Tourenzahl des Deckenvorgeleges fünfzehn ziemlich gut in einander übergehende Gefchwindigkeiten zur Anwendung kommen können. Für eine Tour des Deckenvorgeleges erhalten wir folgende Werthe: Konus allein 0.128 I. Ueberfetzung 0128 I. Ueberfetzung 0.025 II. Ueberfetzung 2: 333 " 99 0.298 0.058 27 1-5 0 192 6.037 " " " ΙΟ 0.128 0.025 " " 0.666 0.428 " 0.085 0.055 0 016 27 0.911 " 27 " " " Es ift alfo leicht, für jedes beliebige Arbeitsftück die vortheilhaftefte Gefchwindigkeit zu finden und anzuwenden. Allerdings ift hierbei der Uebelftand mit in den Kauf zu nehmen, dafs die Planfcheibe nicht abgenommen und mit anderen Vorrichtungen gewechfelt werden kann.. Die befchriebene Anordnung wird aber nur bei gröfseren Drehbänken ausgeführt, die eine folche Auswechslung weniger erfordern. Die Spindel ift im vorderen Lager cylindrifch und infofern frei eingelegt, als auf keiner Seite ein Bund oder Anlauf vorhanden. Der ganze axiale Druck wird auf einen Ring übertragen, der auf dem hinteren Ende der Spindel fitzt. Diefer Ring, gehärtet und genau rundgefchliffen, legt fich nach vornen fowohl an den Anfatz der Spindel, als auch an die Lagerbüchfe an und hat eine fchwächere Fortfetzung, welche fich gegen das aufgefetzte und durch eine Schraube angezogene Wechfelrad ftemmt. Ueber das Ganze ift eine gefchloffene gufseiferne Büchfe( Fig. 28) centrifch angefchraubt, welche innen mit einem ebenfalls gehärteten und gefchliffenen Ringe armirt ift. Letzterer liegt wieder derart an dem auf der Spindel befeftigten an, dafs zwar eine Drehung, aber durchaus keine Verſchiebung der Spindel in der Längenrichtung eintreten kann. Die rückwärtige Lagerbüchfe ift fchwach konifch und die Lage der Spindel in der Büchfe kann durch fchwache metallene Beilagen regulirt werden, welche in den ausgedrehten Theil des auf der Spindel fitzenden Ringes kommen. Sollten die Flächen der beiden Druckringe durch Abnützung Spielraum bekommen, fo wird die Höhe der aufgefchraubten Büchfe vermindert. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 19 Diefe Einrichtung bietet den Vortheil, dafs ein gefchloffenes Oelrefervoir vorhanden ist und die Theile vor Schmutz und Befchädigung gefichert find. Sie iſt fehr folid, macht alles Reguliren überflüffig, und geftattet, die Wechfelräder direct aufzuftecken. Sellers betrachtet es auch als einen Vortheil, dafs der Arbeiter an diefer Vorrichtung nichts verändern, verftellen oder verkünfteln kann. Sollte einmal eine Adjuftirung nöthig werden, fo wäre fie als ein Ereignifs zu betrachten, bei dem fchon der Werkführer interveniren mufs. Wir geben ihm hierin von Herzen Recht, zweifeln aber, ob diefs auch bei den Arbeitern und Werkführern der Fall ift, die fich gern mit Reguliren und dergleichen zu fchaffen machen. Erfahrungen mit ähnlichen Conftructionen führten uns feinerzeit zu eingehender Betrachtung der Bedingungen, unter welchen zwei kreisförmige ebene Flächen mit Druck gegen einander laufen. Mögen fie noch fo hart, noch fo fchön polirt und noch fo forgfältig gefchmiert fein, immer find fie dem Verreiben und Warmlaufen ausgefetzt. Diefs ift bei Bunden oder Anläufen an Wellen, bei grofsen Spurzapfen und ähnlichen Theilen ebenfo der Fall, wie bei den von Whitworth innen am Spindelftock angebrachten Druckringen und endlich auch bei den von Sellers aufsen in die Büchfe verlegten. Der Grund davon ift darin zu fuchen, dafs folche ebene Flächen auf allen Punkten ihrer Radien mit vollkommen gleichem Drucke gegen einander geprefst werden, während die Gefchwindigkeit dieser Punkte verfchieden ift. Die Abnützung, welche abfolut nie zu vermeiden ift, findet nun an den fchneller laufenden Theilen früher ftatt, als an den langfamer gehenden näher dem Mittelpunkte, wodurch die Eigenfchaften der Ebene verloren gehen. Ein gröfserer Antheil am Totaldrucke wird nun den Punkten aufgeladen, welche fich näher der Mitte befinden und beginnt feinerfeits diefe ftärker abzunützen. So geht das Spiel hin und her, die urfprünglichen Conditionen können nicht aufrecht erhalten werden und bei dem mindeſten Anlafs tritt Warmlaufen und Verreiben ein. Am fchlimmften find jene Conftructionen daran, bei denen auf fichere und ausgiebige Oelung nicht gefehen wurde oder welche das Schmiermittel durch rafche Umdrehung von fich fchleudern. Jedenfalls müffen auch bei dem beftconditionirten derartigen Lager alle durch Abnützung nahe der Mitte abgelösten Metalltheile den Reft der Flächen nach auswärts paffiren und hier als Anlafs zu weiteren Störungen auftreten. Als Beweis für die Richtigkeit des Gefagten führen wir die Schiele'fchen Antifrictionslager an, die nach einer Curve gebildet find, welche den ſchneller umlaufenden Punkten kleineren Druck gibt und fomit ausgleichend wirkt. Die vorzüglich gute Erhaltung folcher Lager ift allgemein bekannt. Wir haben, auf diefe Anfchauung geftützt, mit dem beften Erfolge eine Verminderung der berührenden Flächen in ihrer Breite eingeführt, welche fich nach dem Materiale und dem Maximaldrucke richtet. Aehnliche Druckringe wie die von Sellers drehen wir an den berührenden Seiten convex ab und geben ihnen durch Schleifen eine ebene Zone von nur 3 bis 5 Millimeter Breite, je nach der Gröfse der Drehbänke. Hiebei kommen die angeführten Uebelſtände faft ganz in Wegfall und es tritt weder ein Warmlaufen noch Verreiben ein. Um mit der Befchreibung des Spindelftockes abzufchliefsen, erwähnen wir noch, dafs die rückwärtige Lagerbüchfe in Einem Stücke gemacht und mit Hilfe eines T- förmig eingepafsten Deckels am Platze erhalten wird, welcher fich fammt der Lagerbüchfe nach rückwärts herausziehen läfst, fobald die Schlufsbüchfe abgenommen ift. Es mufs auch noch auf die aus der Zeichnung erfichtliche Conftruction der Stufenfcheibe aufmerkfam gemacht werden, welche Sellers innen ausdreht, um fie genau zu balanciren. Rückwärts, am Spindelftock und am Bett find die erften Uebertragungsorgane für die Bewegungen des Suports angebracht. Die, welche zur Leitfpindel führen, weichen in nichts von der gewöhnlichen Ausführung ab, während jene für die Schneckenwelle ein intereffantes Detail befitzen. Es ift diefs die variable Vorfchubvorrichtung, welche 2* 20 Carl Pfaff. durch Reibung wirkt. Auf dem Zapfen für die erfte Uebertragung fitzt neben den erforderlichen Rädern eine gufseiferne Scheibe mit fchmalem, eben abgedrehtem Kranz und empfängt ihre Drehung von der Drehbanksfpindel im Verhältnifs der aufgefteckten Räder. Sie foll nun ihre Bewegung an eine weiter unten gelagerte gleiche Scheibe übertragen, jedoch nicht conftant, wie fie diefelbe vom Spindelftocke empfängt, fondern vermehrt oder vermindert, fo daís eine gröfsere oder kleinere Vorrückung des Suports erzielt wird. Sie thut diefs mit Hilfe zweier fchwach konifch abgedrehter Scheiben, die fich um den Zapfen eines ftellbaren Winkelhebels drehen und die Kränze der erftgenannten beiden Scheiben mit Druck zwifchen fich fassen. Der Druck wird durch eine anziehbare Schraube und eine Feder regulirt, welche auf kugelförmige Lager drücken, um den beiden Uebertragungsfcheiben ein vollkommenes Anfchmiegen an die Kränze der treibenden Scheibe und der getriebenen zu geftatten. Die fchwach konifche Form der Uebertragungsfcheiben ift nöthig, damit nur an einer Stelle Berührung und kein weiteres Schleifen der Scheiben unter fich erfolgt. Sie bringt es mit ich, dafs die Uebertragungsfcheiben nur in ihrer mittleren Stellung parallel zu einander, in allen anderen aber etwas geneigt ftehen. Die Wirkung des Apparates ift nach dem Gefagten von felbft klar. Wenn der Winkelhebel, um deffen Zapfen fich die Uebertragungsfcheiben drehen, mit Hilfe feiner Stellfpindel höher oder tiefer gefchraubt wird, ändern fich die Radien der Angriffsftellen, und mit ihnen die Gefchwindigkeit, welche auf die Schneckenwelle übertragen wird. Wie es die Einrichtung des Spindelftockes ermöglichte, die paffendfte Umdrehungsgefchwindigkeit für das Arbeitsftück anzuwenden, fo geftattet auch diefe Vorrichtung die vortheilhaftefte Vorfchubgefchwindigkeit für den Stahl. Die Schneckenwelle läuft nahe der unteren, vorderen Kante am Bette entlang. Sie wird durch die vordere tief herabgehende Wand des Suportfchlit tens ein Stück weit bedeckt und trägt an diefer Stelle eine verfchiebbare Doppelfchnecke mit rechtem und linkem Gewinde. Das mitnehmende Lager diefer Schnecke ift in einem Schlitze der Wand mittels durchgehenden anziehbaren Handgriffes verftellbar, fo dafs entweder gar kein Eingriff in das Schneckenrad, oder der des linken oder rechten Gewindes herbeigeführt werden kann. Um diefs mit einem einzigen Schneckenrade zu ermöglichen, wurden die Zähne desfelben auf einer Seite mit der Neigung für die rechte, auf der anderen mit der für die linke Schnecke verfehen, fo dafs fie an der gegen das Bett zugekehrten Seite fehr stark find und nach vornen fpitz zulaufen. Die Aus- und Einrückung der Schnecken geht fehr leicht und ficher vor fich und das ganze originelle Arrangement entſpricht dem Zwecke auf das Vollkommenfte. Das Schneckenrad fitzt feft auf einer hohlen Spindel, welche horizontal in der vorderen Wand des Suportfchlittens( Fig. 29, 30) gelagert ift und vor derfelben eine feft aufgekeilte konifche Bremsfcheibe trägt. Gegen diefe kann durch Umdrehung des Handrades mit Gewinde ein konifch ausgedrehtes, lofe aufgeftecktes Zahnrad mit voller Scheibe angeprefst und fohin verkuppelt werden, welches in das kleine Getriebe im Inneren des Suportfchlittens eingreift. Hier treffen wir wieder das Detail vom Hobelmafchinen- Suport Das Getriebe ift nämlich zugleich Mutter für die Suportfpindel, welche feftgeftellt wird, wenn die felbftthätige Steuerung wirken foll. Mit den befchriebenen Organen wird die Steuerung des Suports rechtwinklicht zum Bette, die Planfteuerung bewirkt. Parallel zum Bette wird der Suport durch folgende Beftandtheile bewegt: Am Bette felbft ift eine nach unten gekehrte Zahnftange angegoffen. In diefe greift ein kleines Getriebe, deffen Achfe mit einem gröfseren Ueberfetzungsrade verfehen ift, welches feinerfeits mit einem Getriebe in Eingriff ſteht, das fich auf der oben genannten hohlen Spindel lofe und verfchiebbar befindet. Es iſt Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 21 mit einer konifchen Bremsfcheibe zufammengefchraubt, die im Schneckenrade liegt und gegen dasfelbe angeprefst werden kann. Getriebe und Bremsscheibe laffen in ihrem Innern einen hohlen Raum, den ein Metallring ausfüllt, welcher durch einen Keil mit der Stange im Centrum der hohlen Spindel verbunden ift. Auf diefe Weife ift das Getriebe fammt Bremsfcheibe zwar nicht an der Umdrehung verhindert, jedoch mit der Schubftange in axialer Richtung feft verbunden. Beim Austritt aus der hohlen Spindel und dem Handrade hat die Schubftange einen drehbaren zweigriffigen, aufsen mit Gewinde verfehenen Wirbel, der feine Muttergänge in der Nabe des Handrades findet. Aufgabe diefes Wirbels ift es, die Schubftange in der hohlen Spindel und mit ihr das Getriebe mit Bremsfcheibe derart zu verftellen, dafs entweder nur die vordere Bremsfcheibe für die Planbewegung oder die weiter innen liegende für die Längsbewegung zum Angriffe kommt, fobald das Handrad von links nach rechts gedreht wird. Für beide Selbftgänge ift alfo die ein und auslöfende Bewegung gleich und nur die Verftellung der centralen Schubftange mittels des Wirbels entfcheidet darüber, welcher in Thätigkeit kommt. Die rafche Verftellung des Suportfchlittens von Hand erfolgt durch das feitwärts liegende grofse Handrad, deffen Getriebe mit der Ueberfetzung für die Zahnftange im Eingriff fteht. Die Leitfpindel, von der die Bewegung des Suports beim Schraubenfchneiden hergeleitet wird, liegt innerhalb des Bettes dicht unter der vorderen Bahn in einer durchausgehenden ausgehobelten Rinne, welche nicht ganz die Hälfte ihres Umfanges für den Eingriff der Mutter frei läfst. Sie iſt von fehr geringem Durchmeffer, weil auf ihrer ganzen Länge unterſtützt und vor Biegung bewahrt. Beim Spindelftock hat fie das gewöhnliche Scheeren- Arrangement und vermittelft breiten Bundes ihr Lager. Am hinteren Ende des Bettes ift fie in axialer Richtung vollkommen frei. Die Mutter ift fchmal, aber fehr lang und hat Geradführung an der unteren Seite des Schlittens. Sie wird durch eine gegen aufsen vordringende Stange eingerückt oder ausgelöft, welche durch einen kleinen feitwärts angebrachten Excenterhebel bewegt und im eingerückten Zuftande feftgeftellt werden kann. Auch diefes Arrangement ift vollkommen originell, und wenn die Leitfpindel überhaupt der Unterftützung in ihrer Länge bedarf, jedenfalls das Befte. Bei den gewöhnlichen Unterſtützungslagern, welche wir bei den Leitfpindeln langer Drehbänke finden, ift die aufliegende Fläche zu klein, fo dafs bald Abnützung der Schraubengänge und bleibende Durchbiegung der Spindel eintritt. Wir kommen nun zum Reitftocke. Seine äufsere Form ift abweichend von unferer gewöhnlichen, aber nicht unangenehm. Nur möchten wir fie um defswillen tadeln, dafs fie zwei Schrauben. zum Anziehen oder Feftftellen bedingt, wovon die eine hinter dem Reitftocke, alfo fehr unbequem fituirt ift. Es ift, wie faft allgemein, eine Platte vorhanden( Fig. 31), auf welcher der Reitftock zum Konifchdrehen durch Stellfchrauben feitlich verftellt werden kann, ein Anfchlag oder Zeiger fehlt jedoch, nach welchem er ohne weiteres in die normale Stellung gebracht werden könnte. Die Reitftockfpindel oder der Stofs wird durch innenliegende Schraube verftellt und durch eine centrale Klemmvorrichtung am vorderen Ende feftgehalten. Dort ift die Hülfe äufserlich mit Gewinde verfehen und innen konifch ausgebohrt. Auf dem Gewinde bewegt fich eine Mutter mit Handgriff, wird jedoch durch einen Stift verhindert, mehr als eine halbe Umdrehung zu machen. Die konifche Bohrung wird durch einen Ring ausgefüllt, der in 3 Theile zerfchnitten ift und den Stofs leicht anfchliefsend umfafst. Wird durch Drehung der Mutter der konifche Ring tiefer in feinen Sitz gedrückt, fo klemmt er den 22 LA Carl Pfaff. Stofs feft, indem er fich central verengen mufs. Durch die umgekehrte Drehung der Mutter wird der Ring frei und da fein Konus fo flach gewählt ift, dafs er fich nicht feftklemmt, auch der Stofs. Diefes Arrangement fieht fehr verführerifch aus. Es ift aber nicht neu und, wie wir glauben, auch nicht gut. Der Stofs mufs jedenfalls in der Hülfe fo viel Luft haben, dafs Oel zwifchen die Flächen dringen und er fich bewegen kann. Denken wir ihn uns zur Hälfte herausgefchoben, fo conftituirt fich die centrale Klemmvorrichtung als Drehpunkt und erlaubt dem noch im Innern der Hülfe fteckenden Ende des Stofses fich durch feinen Spielraum hin und her zu bewe gen. Mag diefer auch noch fo klein fein, fo wird immer eine gewiffe Bewegung refultiren, welche bei weit vorgefchobenem Stofse durch das Hebelverhältnifs ungünftig vermehrt wird. Whith worth verlegte fein Druckftück für den Stofs ziemlich weit vom Ende der Hülfe nach rückwärts und erreichte dadurch ein Anpreffen gegen eine lange Fläche, welches jede fchwankende Bewegung ausfchliefst. Allerdings wird beim Anziehen der vorhandene Spielraum ganz auf eine Seite und dadurch die Spitze aus ihrer Richtung gebracht. Wenn aber hierauf von Anfang an Rücksicht genommen wurde und die Drehbank nur mit angezogenem Stofse als richtig betrachtet wird, fo entfällt diefer Uebelftand von felbft. Vorzüglich mufs aber an dem Sellers'fchen Reitftocke die Einrichtung genannt werden, durch welche er ftets in feiner Richtung gehalten wird. Da er keine bestimmte Stelle hat, fondern längs des Bettes faft bei jedem Stücke verfchoben werden mufs, können die Führungen, welche ihm das Bett gibt, nicht fehr dicht anliegen, und würden, wenn auch fo gemacht, fehr bald durch Abnützung Spielraum erhalten. Der Reitftock könnte fich dann bald nach rechts, bald nach links anlegen oder auch diagonal ftellen. Um diefs zu verhindern und bei vollkommen leichter Verfchiebbarkeit unferem Objecte durch das Anziehen eine jedesmal richtige Stellung zu geben, bringt Sellers unterhalb an der rückwärtigen Bahn einen prismatifchen Vorfprung an, den die Anzugplatte umgreift. Sie greift ferner in die Reitftockplatte ein, fo dafs beim Anziehen der Schraube der ganze Reitftock gezwungen ift, fich gegen die Kante der rückwärtigen Bahn anzulegen. - Um mit der Drehbank abzufchliefsen, erwähnen wir noch, dafs ihre Spietzenhöhe 143/8 Zoll engl.= 365 Millimeter betrug. Der Amerikaner pflegt aber feine Drehbänke nach dem Durchmeffer zu benennen, welchen der gröfste noch umzudrehende Cylinder haben kann, wobei er noch die mittlere Oeffnung im Bette benützt und fo ift unfere Drehbank in Amerika eine dreifsigzöllige. Nuthstofsmafchine. - Die Nuthftofsmafchine von W. Sellers& Co. Fig. 32, Taf.V, hatte 12 Zoll engl.= 304 Millimeter gröfsten Hub und 24 Zoll engl.= 609 Millimeter Ausladung. Sie unterfchied fich von den gewöhnlichen hauptfächlich durch die verticale Führung des Mefferträgers oder Stofses, welche nicht im Ganzen mit dem Ständer, fondern als Stück für fich ausgeführt war und höher oder tiefer geftellt werden konnte. Hierdurch kann die Führung bis möglichft nahe an das jeweilige Arbeitsftück herangebracht werden. Die Bewegung wird von der Stufenfcheibe durch einfache Räderüberfetzung im Verhältniffe von nicht ganz 1: 6 mit Intervention der Whitworth'fchen Schleife auf die Kurbelfcheibe übertragen. Der Zapfen ift in diefer durch Schraubenfpindel verftellbar. Die Mitte der Kurbelfcheibe liegt gegen die der verticalen Stofsführung etwas einfeitig, fo dafs beim Schnittgange die kleineren Winkel der Leitftange in Anwendung kommen. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 23 An den im Stofse ebenfalls durch Schraubenfpindel verftellbaren Zapfen ift ein Hebel mit Gegengewicht angehangen, deffen Wirkung die Schwere der zu balancirenden Theile übertrifft, fo das ganze Syftem in einfeitiger Spannung erhält und Stöfse durch todten Gang etc. verhindert. Der Tifch hat die bekannten Längs-, Quer- und Kreisbewegungen, feine Auffpannplatte ift auf das Untertheil nur platt aufgelegt und mittels centralen Bolzens gehalten. Ihre Auffpannfchlitze find durch Querrippen ftellenweife unterbrochen, wodurch grofse Steifigkeit erzielt wird. Die Schnecke und das Schneckenrad zur Kreisbewegung liegen im Inneren. Zur Steuerung ift eine horizontale Schraubenfpindel von rückwärts her im Inneren und parallel zu diefer eine genuthete Welle aufserhalb des Ständers angebracht. Das Schaltrad befindet fich auf letzterer. Die Schraubenfpindel wird bewegt, wenn auf ihr vorftehendes Viereck ein paffendes Getriebe aufgefteckt wird, ebenfo ift das Getriebe für die Quer- und Kreisbewegung auf den bezüg lichen Spindeln zu wechfeln oder ganz abzuziehen. Am vorderen Ende der Mafchine befindet fich keinerlei Steuerungsmechanismus Der Arbeiter fteht vielmehr feitwärts, etwas nach rückwärts zu und kann von da aus am beften auf den Stahl und die etwa vorgeriffenen Linien fehen. Durch eine Winkelradüberfetzung ist auch die Bewegung der inneren Schraubenfpindel von Hand in feinen Bereich gebracht, fo dafs er fchnell und bequem arbeiten kann. Im Untertheile des Ständers ift ein Werkzeugkaften angebracht. Die Form diefer Mafchine ift elegant und angenehm, die Stärkenverhältniffe ftehen hinter denen unferer continentalen und englifchen Maſchinen gleicher Capacität zurück. Als Vorzüge müffen die Anordnung der Steuerung und des Gegengewichtes hervorgehoben werden. Die verftellbare Geradführung und die excentrifche Lage der Kurbelfcheibe können als geiftreiche Neuerungen gelten, die aber nicht abfolut nöthig find. Wir vermiffen auch ein Schwungrad, deffen Wegbleiben allerdings in den fchwächeren Dimenfionen einige Rechtfertigung findet, und glauben, dafs der Auffpanntifch leicht kippen wird Bohrerfchleif- Apparat. Ein wunderhübfcher kleiner Apparat, um Spitzbohrer zu fchleifen, zog die Aufmerkſamkeit der Sachverständigen in hohem Grade an. Wir bringen ihn in Figur 33, Taf. VI, zur Anfchauung. Auf einer feftftehenden Achfe find drei Riemenfcheiben angebracht, wovon die äufserfte( erfte) als Losfcheibe dient. Die zweite ift mit der dritten, gröfseren feft verbunden und nimmt fie in ihrer Umdrehung mit. Diefe Scheiben follen 500 Umdrehungen per Minute machen. Aufser den Riemenfcheiben ift noch ein beweglicher Arm auf die fefte Achfe aufgefteckt, der durch eine Schraube herab, durch eine Feder hinaufgedrückt wird, fohin im Bogen verftellbar ift. Diefer Arm erweitert fich am vorderen Ende zu einem Gehäufe mit zwei kleinen Lagern. Die Futter derfelben find äufserlich konifch, aufgefchlitzt und in der Längenrichtung anziehbar. Eine kleine Achfe ift darin gelagert und kann mit Hilfe des Handhebelchens feitlich verfchoben werden. Zwifchen den Lagern trägt die kleine Achfe eine Schnur. rolle mit Nuth für eben genanntes Handhebelchen, in dem äufseren erweiterten Theile des Gehäufes eine Smirgelfcheibe. In dem feften Geftelle ift nach abwärts eine fchräg ftehende genuthete Stange befeftigt, an welcher ein Arm auf- oder abwärts verftellt werden kann. Diefer hat in feinem vortretenden Ende eine gut eingepafste drehbare Büchfe mit gezahntem Rande, in welchem diametral gegenüber Löcher für einen federn L 24 Carl Pfaff. den Stellftift gebohrt find. Die Büchfe ift nach der Form ausgebohrt, welche die Enden der zu fchleifenden Bohrer haben und dient zu ihrer Aufnahme. Oberhalb finden wir einen Parallelfchraubftock, welcher das obere Ende der Bohrer fefthält. Ift nun der Bohrer in der Büchfe und in dem Schraubftock eingefpannt, fo macht feine Mittellinie mit der Achfe des Schleifrädchens gerade den Winkel, den die Schneide haben foll. Im Grundrifs gedacht, liegt aber diefe Achfe etwas vor der Mitte des eingefpannten Bohrers, fo dafs durch die Kreisform des Schleifrädchens auch der richtige Schnittwinkel hergestellt wird. Das Schleifrädchen, durch einen fchwachen runden Riemen von der grofsen Scheibe aus in fchnelle Umdrehung verfetzt und mit dem Handhebelchen feitwärts hin- und herbewegt, berührt beim fucceffiven Herabftellen des beweglichen Armes die Bohrerfchneide und fchleift fie in kurzer Zeit vollkommen rein und fcharf. Der bewegliche Arm wird nun in feiner Stellung gelaffen, der Bohrer um einen Halbkreis gedreht, wieder im Schraubftock feft gemacht und die zweite fich fohin darbietende Schneide vorfichtig von der Seite her angefchliffen. Hierbei erhalten die Schneiden unter fich fowohl als auch zum Schnitt ftets den richtigen Winkel und ihre Spitze fällt immer in die Mittellinie des Bohrers. Diefe Vorrichtung legt für die Werkstättenpraxis unferer Zeit und befonders für die der Herren W. Sellers& Co. ein glänzendes Zeugnifs ab. Sie iſt. zwar nur für Spiralbohrer und gedrehte Spitzbohrer anzuwenden, würde fich aber durch eine kleine Aenderung auch für Centrumbohrer eignen, vorausgefetzt, dafs auch diefe gedreht find. Bohrer mit vierkantigen Enden verdienen heute gar keine Berücksichtigung mehr. Räderfchneidmafchine. Die Rädertheil- und Fraismafchine von W. Sellers& Co. ftellte fich als wahres Prachtftück mechanifchen Raffinements dar, war aber fo complicirt, dafs wohl mancher Fachmann von ihr ging, nicht ohne Bewunderung zwar, aber ohne eine klare Vorftellung von den Mechanismen zu haben, welche in diefer Mafchine harmonifch verbunden alle zum Theilen und Schneiden eines Rades erforderlichen Bewegungen vollkommen felbftthätig und ohne Nachhilfe des Arbeiters verrichten. Wir find offen genug, uns felbft zu diefen zu rechnen, und führen zu unferer Entfchuldigung nur an, dafs diefe Mafchine keine allgemein verwendbare und durch praktifchen Nutzen hervorragende ift, fo dafs wir uns unter der Laft des in genannter Richtung Gebotenen jenes minutiöfen Studiums enthoben glaubten, welches die überrafchend auf einander folgenden, zum Theil verfteckten Bewegungen erfordert hätten. Mit Hilfe der Fig. 34, Taf. VII wollen wir aber fo viel von der Maſchine fagen, als wir während der Ausftellung erhafchen und später herausklügeln konnten; genug, um eine allgemeine Vorftellung zu geben, zu wenig, um eine Reproduction zu ermöglichen. Die Action der Mafchine ift folgende: Wenn das Rad oder die Räder, welche gefchnitten werden follen, aufgefpannt, alle Vorrichtungen richtig eingeftellt find und die Mafchine in Gang gefetzt wird, fchreitet der fich drehende Fraifer langfam vor und fchneidet eine Lücke, dann kehrt er rafch an feinen früheren Ort zurück, das Kad wird um eine Zahntheilung weiter gedreht und der Fraifer fchreitet wieder fchneidend langfam vor. Diefs wiederholt fich bis zur gänzlichen Vollendung des Rades, worauf die Mafchine abgeftellt und zu neuer Thätigkeit vorgerichtet wird. Ganz diefelben Operationen werden bei jeder gewöhnlichen Räderfchneid mafchine gemacht, nur mit dem Unterfchiede, dafs viele der genannten Bewegungen von der Hand des Arbeiters ausgeführt werden müffen. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 25 Wir finden daher auch bei der Räderfchneidmafchine von Sellers viele Theile der gewöhnlichen wieder, namentlich den verftellbaren Spindelftock mit dem Theilrade und der Schnecke, die Vorrichtung zum Eintheilen mit Hilfe von Wechfelrädern.. Das Bett unferer Mafchine ift ftark und nach einem rechten Winkel gebildet, in deffen Spitze eine verticale Säule fteht, auf und in welcher der Antrieb angebracht ift, und welche einen ftarken horizontalen Arm zur Führung des Fraiskopfes trägt. Diefe Säule ift auf dem Bette drehbar und verftellbar, um fich den verfchiedenen Anforderungen zu bequemen. Da aber die Lage des Deckenvorgeleges unverändert bleibt, ift der obere Theil mit den Antriebsriemencheiben auf der Säule ebenfalls drehbar und kann fomit die gegen das Deckenvorgelege erforderliche Lage behalten. Von der rückwärts aus der Säule hervorragenden Stufenfcheibe geht der Riemen über ein Paar Leitrollen auf die am Fraiskopf befeftigte über und treibt hier den Fraifer, fowie einen Theil der Steuerung, während die in der Säule herabgehende Spindel für die übrigen Bewegungen benützt wird. Innerhalb der Stufenfcheibe des Fraiskopfes liegen Winkelräder, welche durch denfelben Frictionsmechanismus, den wir bei der Drehbank kennen lernten, eine fchwache horizontale genuthete Spindel mit variabler Gefchwindigkeit in Bewegung fetzen. Diefe Spindel geht durch die Säule neben der verticalen durch und treibt mittels eines kleinen Getriebes ein Hülfenrad, welches mit dem Mittelgetriebe eines fogenannten Planetenräderwerkes in Verbindung fteht. Beim Schnittgange nimmt das mit den beiden Planetenrädern verbundene Schrägräderpaar nicht an der Bewegung Theil, es ift an der Drehung verhindert und das grofse, auch aufsen verzahnte Rad treibt durch gleiche Ueberfetzung die unten im Führungsarme des Fraiskopfes liegende genuthete Spindel langfam an. Von hier aus wird die Bewegung durch kleine Räder auf die Mutter übertragen, welche rückwärts am Fraiskopfe gelagert ift. Die Schraubenfpindel inmitten des Führungsarmes ift drehbar eingefetzt, jedoch mit einer Reibung, welche die der Muttergewinde überfteigt, fo dafs fie während der Vorwärtsbewegung ftillfteht. Sie trägt zwei verftellbare Muffen, welche den Hub des Fraiskopfes begrenzen. Sobald die fich drehende Mutter an eine der Muffen herankommt, und fie mittels eines Vorfprunges erfafst, theilt fie der Muffe und mit ihr der Schraubenfpindel eine drehende Bewegung mit. Durch eine im Innern der Säule auf der Schraubenfpindel angebrachte Kurbel wird nun das bisher feftgehaltene Schrägräderpaar erft frei, und dann fofort mit der verticalen Spindel verkuppelt. Hierdurch in rafche Umdrehung verfetzt, nimmt es das ganze Planetenradfyftem mit und dreht durch die unten im Arme liegende genuthete Welle die Schraubenmutter rafch und entgegengefetzt zur früheren Richtung um. Der Fraiskopf geht rafch in feine Anfangsftellung zurück, feine Schraubenmutter kommt an die diefsfeitige Muffe, erfafst fie und dreht die Schraubenfpindel in ihre vorige Stellung zurück. Hierbei wird nicht nur der vorige Stand in Hinficht auf die Vorwärtsbewegung des Fraiskopfes wieder hergeftellt, fondern auch eine weitere Vorrichtung im Innern des Bettes in Thätigkeit gefetzt, welche die obere Welle im Bette veranlafst, fich einmal umzudrehen. Diefe eine Umdrehung wird nun durch Stirnräder auf die zweite untere Welle übertragen, und zwar fo, dafs fie gleichfalls eine, zwei oder drei Umdre hungen macht. Die Stirnräderpaare ftehen in den hierzu nöthigen Ueberfetzungsverhältniffen zu einander und man hat nur das betreffende Rad auf der oberen Spindel feftzuftellen und die beiden anderen lofe zu laffen, um die zur gegebenen Eintheilung nöthige Umdrehungszahl zu erzielen. Durch die am anderen Ende der unteren Welle angebrachte Kurbel icheibe mit Zahnftange und Getriebe wird nun der Stellhebel einmal, zweimal oder dreimal im Kreife gedreht, wobei die Klinke jedesmal ausgelöft wurde und diefe Umdrehungen übertragen fich durch die Stellfpindel auf die Wechfelräder, 26 Carl Pfaff. welche ganz wie bei gewöhnlichen Mafchinen die Verfchiebung des zu fchneidenden Rades um eine Zahntheilung beforgen. Die Mafchine kann Stirnräder bis zu 4 Schuh 6 Zoll engl. 1371 Millimeter Durchmeffer und 9 Zoll 228 Millimeter Breite ſchneiden. Es können auch mehrere gleiche Räder bis zur Erreichung diefer Breite zufammen aufgefpannt und gefchnitten werden. Der lange Dorn findet dann an feinem freien Ende Unterſtützung durch einen lünettenartigen Arm, welcher von der Winkelfeite des Bettes herüberreicht. Wie von allen Rädertheil- und Fraismaschinen wird auch von diefer gefagt, dafs fie zum Schneiden von Winkelrädern geeignet fei. Es mag diefs wohl auch unter Anwendung fpecieller Zahnformen und mehrmaligen Durchfraifens möglich. fein, eine praktifche Verwendung der Mafchine wird es aber nie bilden. Schneckenräder können auf unferer Mafchine durch Schrägftellen der Fraifenfpindel, aber nicht felbftthätig gefchnitten werden. Man mufs vielmehr den Spindelftock mit dem zu fchneidenden Rade bis zur Erreichung der erforder lichen Zahntiefe vorrücken, ihn dann zurückziehen, die Verfchiebung um eine Zahntheilung vornehmen und dann den Spindelftock wieder vorrücken. Alle diefe Bewegungen müffen von Hand gemacht werden, der Fraiskopf verſchiebt fich dabei nicht. Sehr bemerkenswerth war auch der von Sellers verwendete Fraifer felbft, welcher von unferen gewöhnlichen wefentlich abweicht. Wir kommen auf denfelben bei einem anderen Ausfteller zurück, wiffen aber nicht, welchem von Beiden die Ehre feiner Erfindung gebührt. Zur Maffenfabrication gefchnittener Räder ift die befchriebene Mafchine unftreitig ganz befonders geeignet, allein es drängt fich die Frage auf, ob es denn überhaupt gut und richtig fei, gefchnittene Räder anzuwenden. Wir beantworten diefelbe mit„ Nein" und bekennen uns als Anhänger der gegoffenen. Die Theil und Fraismafchine halten wir allerdings für unentbehrlich, möchten fie aber nur zur Herſtellung der Modelle verwendet wiffen und da genügt die gewöhnliche Conftruction vollkommen. Wir halten die gefchnittenen Räder für nicht fo widerftandsfähig als die gegoffenen und nicht fo genau als diefe. Den erften Vorwurf wird Jedermann dadurch begründet finden, dafs die dichte Gufshaut auf der Oberfläche der Zähne fehlt, dem zweiten wird wohl manches ungläubige Lächeln entgegengebracht werden. Ja wir machen uns wohl gar einer Inconfequenz fchuldig, da wir doch die Räderfchneidmafchine zur Herftellung der Modelle benützen wollen! Und dennoch, wohlgeneigter Lefer, hat die Sache nach allen Seiten ihre Richtigkeit. Modelle, welche von der Räderfchneidmafchine kommen, können nie direct zum Abguffe verwendet werden. Sie find einmal zu rauh und bedürfen der Politur. Vorher müffen fie aber eine Probe auf ihre Richtigkeit beftehen, und zwar fo, dafs man zwei zufammengehörige Räder auf parallelen Achfen in richtiger Diftanz gegen einander langfam umdreht und zufieht, ob alle Zähne einander richtig berühren, keiner den andern abhebt oder zu fpät kommt. Bei folcher Probe kommt man auf die Fehler der Räderfchneidmafchinen, welche grösser und häufiger find, als man allgemein glaubt. Unter Wiederholung diefer Probe werden nun die Modellräder adjuftirt, indem auch Sorge getragen wird, dafs immer neue Zähne zufammentreffen. Abgüffe fo hergestellter Modelle find richtiger, als gefchnittene Räder. Bei näherer Betrachtung zeigt fich diefs auch als ganz natürlich, und wir werden uns fogleich überzeugen, dafs auch die exactefte Mafchine nicht im Stande ift, ganz genaue Räder zu produciren. Die Urfache liegt aber nicht in der Mafchine felbft, fondern in der Natur des Fraifers und feiner Wirkungsweife. Schon die erfte Herftellung eines Fraifers ift mit grofsen Schwierigkeiten ver Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 27 bunden, wenn er die gewünſchte Zahnform genau wiedergeben foll, und es laufen hierbei von vornherein kleine Fehler mit unter. Beim Härten verzieht er fich, auf die Spindel gebracht, fchlägt er und producirt eine Lücke, die von der vorgefchriebenen abweicht. Wenn es aber auch endlich geglückt ift, den Fraifer richtig herzuftellen, fo kann er auf einer Seite fchärfer fein als auf der anderen, oder auf härtere Stellen im Materiale treffen, wodurch fowohl die richtige Form als auch die genaue Theilung der Zähne beeinträchtigt wird. Endlich tritt nach einer gewiffen Anzahl von Schnitten Abftumpfung und Abnützung des Fraifers ein, welche wieder ihr Theil zur Ungenauigkeit beitragen. Auch neue Fraifer haben keineswegs fehr günftige Schnittwinkel und können nur unter einem ftarken Drucke arbeiten, der am allerwenigften vermindert werden kann, wenn es fich um die Herftellung zahlreicher Räder handelt. Als weiterer Uebelftand mufs erwähnt werden, dafs es faft unmöglich ift, die zu fchneidenden Räder feft genug auf der Mafchine einzufpannen und fie vor dem Nachgeben und Federn zu fchützen. Allen diefen Umftänden gegenüber befindet fich das Formen und Giefsen der Räder nach genauen Modellen entfchieden im Vortheile, fobald nur einige einfache Vorfichtsmafsregeln getroffen find. Das Modell mufs aufser feiner Richtigkeit auch noch die Eigenfchaft haben, dafs es leicht aus dem Sande geht, und mufs, wenn es öfters benützt werden foll, von Metall oder Gufseifen fein. Es mufs ferner als Regel gelten, dafs umgewor fene oder lofe gewordene Zähne nicht geflickt werden dürfen. In folchem Falle mufs die Form friſch gemacht werden. Man kann zur Erleichterung auch Ringe anwenden, welche genau an die Zahnflanken anfchliefsend, die verkehrte Zahnung haben und um das Modell herum den Sand niederhalten. Ueberhaupt mufs mit Vorficht verfahren werden. Dann ift aber das Refultat ficher, denn es findet auf die Form kein bedeutender, am allerwenigften ein einfeitiger Druck ftatt. Wir find daher der Anficht, dafs alle öfters vorkommenden Räder nach guten Modellen mit Sorgfalt gegoffen, und die Mafchinen nur zum Schneiden der Modelle und der ungewöhnlichen, einzeln vorkommenden Räder verwendet werden follten. Die Pratt& Whitney Company in Hartford, Connecticut. Durch vorftehende Firma wurde eine Collection echt amerikaniſcher Werkzeugmafchinen zur Anfchauung gebracht. Diefelben find ausfchliefslich zur Fabrication von Nähmafchinen und Handfeuerwaffen beftimmt, es ift alfo nicht nur ihre Conftruction, fondern auch ihre Beftimmung, welche ihnen diefen Namen fichert. Von Amerika kamen in der That folche und ähnliche Maſchinen in die ganze übrige Welt, nachdem die Nähmafchine und das neuere Hinterladungsgewehr vorher angenommen worden waren. Die Ausführungen der genannten Firma find von tadellofer Schönheit und Genauigkeit. Die angewandten Formen originell und die Conftructionen den verlangten Leiftungen bewunderungswürdig angepasst. Die Collection war fehr reichhaltig, fie umfafste 14 Stück kleine Werkzeugmafchinen, und zwar zwei kleine Drehbänke, eine verticale Bohrmaschine, eine kleine Hobelmafchine, eine fechsfpindelige Revolver- Bohrbank, eine vierfpindelige verticale Bohrmaſchine, zwei Gefenkfraismafchinen, eine Copirmafchine, zwei Fraismafchinen, zwei Revolverbänke und eine Fraifenfchleifmafchine. Es würde uns zu weit führen, wenn wir alle diefe Mafchinen ausführlich befchreiben wollten. Wir führen als charakteriftifch an, dafs fie alle auf das Princip der ftrengften Arbeitstheilung bafiren und fo eingerichtet find, um immer eine beftimmte Bearbeitung an einer grofsen Anzahl gleicher Stücke vorzu 28 Carl Pfaff. nehmen. Die Einfpannung diefer Stücke ift fo vorgerichtet, dafs fie rafch und ohne alles Nachmeffen vorgenommen werden kann. Sie ftützt fich auf irgend eine gerade Seite oder vorausgegangene Bearbeitung desfelben Stückes und fichert ihm ftets die richtige Lage. Hat ein Detail auf diefe Weife eine Reihe von Mafchinen paffirt, fo ift es fertig, und eines ift in feiner Gröfse und Form den taufend anderen, welche denfelben Weg gemacht haben, fo vollkommen gleich, dafs fie unter einander verwechfelt werden können. Die Fabricationsmethode ift unter dem Namen des„ Interchangeable- Syftem" bekannt. Zu näherer, wenn auch kurzer Befchreibung wählen wir einige Maſchinen aus, welche fich theils durch allgemeinere Verwendbarkeit, theils durch Neuheit auszeichnen. Drehbank. Die kleine Drehbank( Fig. 35, Taf. VIII) hat keine Räderüberfetzung, einen vierftufigen Konus für 2 Zoll= 51 Millimeter Riemen, offene cylindrifche Lager mit Spindelftock und eine verhältnifsmäfsig ftarke Stahlfpindel, welche mit einer durchgehenden Bohrung von 9/16 Zoll engl. 14 Millimeter verfehen ift. Das Bett hat breite Bahnen, auf welchen dreieckig prismatifche Kanten zur Führung des Reitftockes und Suportfchlittens angebracht find. Wir finden diefe Form bei vielen amerikanifchen Schlittenbewegungen wieder. Der Reitftock hat einen vollen Körper und defshalb Anziehvorrichtung mit Excenter und feitlich zur Hand ftehendem Hebel. Er ift fehr lang. Der Suportfchlitten ift lang und breit. Er wird durch eine Schneckenwelle mit drei Gefchwindigkeiten zum Egalifiren felbftthätig bewegt und kann von Hand rafch verftellt werden. Aufser der Bewegung längs des Bettes ift nur noch eine Querbewegung des Mittelftückes angebracht, welches eben fo lang ift, als der Schlitten und ohne Umgreifung auf V- förmigen Bahnen gleitet. Schlitten und Mittelftück find in der Mitte fehr fchmal gelaffen und fchieben fich mit ihren langen Flügeln an Reitftock oder Spindelftock vorbei, fo dafs der einfache Stahlhalter bis dicht an die Spitzen herankommen kann. Auf dem Mittelftück liegt ein kreuzförmiger Theil, Fig. 36, in deffen Schlitzen der Stahlhalter von Hand verftellbar ift und welcher fich vorn um zwei an den Enden liegende, nur halb umfafste horizontale Zäpfchen drehen kann. Rückwärts ift das fchmale Ende geführt und mit eine Stellfchraube verfehen. In der Mitte hängt ein ftarkes Gewicht und hält die ganze Conftruction nieder. Durch Heben oder Nachlaffen des drehbaren Obertheiles wird eine viel feinere Einftellung der Stahlfpitze ermöglicht, als mit der Querbewegung, und eben die feine Einftellung, refp. Erzielung genauer Durchmeffer ift Zweck diefer in Amerika häufig angewandten Einrichtung. An der zweiten Drehbank, welche ganz ähnlich, nur mit Räderüberfetzung verfehen war, fand fich aufserdem eine Vorrichtung angebracht, um konifch zu drehen. Auch diefe ift in Amerika häufig und geht unter dem Namen„ Former attachment". Rückwärts ift oben am Bett eine Führungsfchiene angebracht, welche in verfchiedenen Winkeln zur Bettrichtung feftgeftellt werden kann. Das Stück, welches fich an ihr führt, ift bis zur Schraubenmutter der Querbewegung ver längert und hält diefe feft, fo dafs der Suport der Schiene folgen und eine kleine Querbewegung machen mufs, wenn er längs des Bettes verfchoben wird. Hier. durch können konifche Theile gedreht werden, ohne dafs die Reitftockfpitze aus ihrer Richtung zu kommen braucht, und es ift klar, dafs auch fchwach gefchweifte Gegenstände mit Hilfe ähnlicher Führungsfchienen hergeftellt werden können. Für kleinere und mittlere Drehbänke eignet fich die befchriebene Einrichtung vorzüglich. Sie hat vor der gewöhnlichen Manier den Vorzug, dafs die Spitzen in der Mittellinie des zu drehenden Gegenftandes bleiben und ift fehr einfach, auch kann fie zum Bohren oder Ausdrehen konifcher Löcher verwendet Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 29 werden. Die neuerdings bei uns eingeführte Methode, konifche Formen durch gleichzeitige felbftthätige Steuerung des Suports in Länge und Quere zu bilden, hat nur den Vorzug, dafs der Konus genau durch die aufgefteckten Wechfelräder präcifirt ift und es zur Reproduction nur deren Notirung und Wiederanwendung bedarf. Bohrmaſchinen. Die in Fig. 37, Taf. IX fkizzirte vierfpindelige Bohrmaſchine hat den Zweck, das Auswechfeln der Bohrer zu vermeiden, wenn nach einander verfchie dene Bohrungen ausgeführt werden follen. Es werden zu diefem Ende die verfchieden geformten Bohrer gleichzeitig in den Spindeln befeftigt und betrieben. Durch Riemenfcheiben von verfchiedener Gröfse ift für die den Bohrerftärken entfprechenden Gefchwindigkeiten nach Möglichkeit geforgt. Der Antrieb erfolgt ausfchliefslich durch Riemen und ift die Anordnung aus der Zeichnung erfichtlich. Zur Erzielung gröfserer Genauigkeit find die Bohrfpindeln feft und forgfältig gelagert, der Vorfchub wird durch den unterhalb gut geführten ausbalancirten und fowohl von Hand als auch durch Fufstritt verftellbaren Tifch beforgt. Die zu bohrenden Gegenftände find in eigenen Vorrichtungen, welche gute Auflage auf den Tifch bieten, fo befeftigt, dafs fie die Bohrung in der vorgefchriebenen Richtung empfangen, und, wo es möglich ift, finden fich an der Vorrichtung Führungen für den Bohrer angebracht, welche gleich die Stelle angeben, in welche das Bohrloch treffen foll und gegen Verlaufen des Bohrers fchützen. An der Führung des Tifches ift eine Platte mit vorſtehendem Rande angebracht, welche die bei der Arbeit verwendeten und überfliefsenden Schmiermittel, Späne u dgl. aufnimmt. Die ganze Mafchine ift nur für die Maffenproduction kleiner Gegenftände nach dem Interchangeable- Syftem, aber hiefür ganz ausgezeichnet geeignet und mit hervorragender Präcifion ausgeführt. Auch bei einer einfpindeligen gröfseren Bohrmaſchine, welche unfere Firma ausftellte, war das Princip durchgeführt, die Lagerung der Bohrfpindel möglichft nahe am Bohrer zu behalten. Wir geben auch diefe Mafchine, weil wir jenes Princip für vollkommen richtig halten und in ihm die Richtung finden, in welcher unfere Bohrmaſchinen zu verbeffern wären. Die lange Bohrfpindel( Fig. 38) wird von oben durch ein Winkelrad angetrieben, in welchem fie fich verfchieben kann. verfchieben kann. Sie ist unten in einem Arme gelagert, welcher an der hohlen Säule höher oder tiefer feftgeftellt werden kann, und zu diefem Zwecke mit breitem Fufse Geradführung und Gegengewicht ( in der Säule) verfehen ift. Somit kann die Mafchine leicht für mehr oder weniger hohe Arbeitsftücke hergerichtet werden und bietet darin fogar mehr Spielraum als unfere gewöhnlichen, während doch das Lager ftets nahe beim Arbeitsftücke bleibt. Die Bohrfpindel dreht fich aber nicht direct im unteren Lager, fondern in einer Hülfe von mäfsiger Länge, die fich im unteren Arme durch angefetzte Zahnftange verfchiebt. In diefer Hülfe kann fich die Bohrfpindel nur drehen, aber nicht verfchieben, fie empfängt von ihr die Vorfchubbewegung und den zum Bohren nöthigen Druck. Auf die Zahnftange wirkt das kleine Getriebe einer quer durch den Arm gehenden kurzen Achfe, welche durch doppelte Schneckenüberfetzung langfam angetrieben wird. Die horizontale Schnecke ift mit dem Handrade feft, mit dem erften Schneckenrade aber durch Frictions kuppelung lösbar verbunden, fo dafs fowohl die schnelle Aufwärtsbewegung, als auch das Anftellen zum Bohren durch das Handrad bewirkt werden können. An der dem 2ten Schneckenrade entgegen 30 Carl Pfaff. gefetzten Seite ift auf der horizontalen Druckwelle eine eingetheilte Scheibe angebracht und wird durch Reibung mitgenommen. Löft man die getheilte Scheibe beim Anftellen eines Bohrers, ftellt fie auf Null und kuppelt fie wieder durch Anziehen einer geränderten Mutter, fo zeigt fie auf ihrem Umfange fortan die Tiefe, bis zu welcher die Bohrerfpitze eingedrungen ift. Horizontale Bohrmaſchine mit fechs Spindeln. Wenn es fich um abfolute Genauigkeit und etwas längere Bohrungen handelt, fo können die verticalen Bohrmaſchinen, mögen fie auch noch fo vollkommen ausgeführt fein, niemals die Leiftungen einer zum Bohren eingerichteten Drehbank erreichen. Wir geben eine folche, denn nichts Anderes ift unfere horizontale Bohrmafchine in Figur 39, Taf. X. Die zu bohrenden Gegenftände werden mit paffenden Vorrichtungen aufgefpannt und laufen wie auf der gewöhnlichen Drehbank um. Anftatt des Reitftockes hat unfere Bank eine Gruppe von fechs horizontalen Spindeln, welche fo im Kreife angeordnet find, dafs immer die oberfte genau ins Mittel der Dreh bankfpindel fällt. Die gerade oben ftehende Spindel wird von dem Vorfchubmechanismus erfafst und kann von Hand vorgefchoben und zurückgezogen werden, ohne dafs die übrigen an der Bewegung theilnehmen. Sämmtliche Spindeln können fich nicht um ihre Achfen drehen, fondern nur in der Längenrichtung verfchieben; das ganze Syftem ift aber durch eine eigenthümlich geformte Vorrichtung, welche die Mitte zwifchen Hebel und Verzahnung hält, in der Art drehbar, dafs nach einander alle Spindeln in die obere mit der Drehbankfpindel correfpondirende Stellung gebracht werden können. Ein federnder Riegel hält fie dann bis zu neuer Drehung feft. In die Enden der Spindeln werden nun jene Bohrer oder Werkzeuge eingefetzt, welche zur Herftellung ciner gewiffen, meift complicirten abgefetzten Bohrung nöthig find, und fucceffive zur Anwendung gebracht. Fraismafchine. Die Fraismafchine( Fig. 40, Taf. X) ift für die Maffenfabrication kleiner Beftandtheile berechnet. Von der feitlich feft gelagerten Antriebswelle mit dreiftufiger Scheibe wird die Bewegung durch einfache Räderüberfetzung auf die ver tical verftellbare Fraifenfpindel übertragen. Die Verzahnung geftattet die hierbei fich ergebenden geringen Diftanzveränderungen der Achfen. Die Schraubenfpindeln, welche die verticale Verftellung beforgen, gehen bis unterhalb des Bettes durch und find dort durch Getriebe und ein verfchiebbares, beiderfeits geflantfchtes Rad zu gleichzeitiger Bewegung verbunden. Sie können oben durch Gegenmuttern feftgeftellt werden. Gegenüber der Fraifenfpindel ift auf dem Bette ein ftellbares Lager für lange Fraifer oder deren Dorne angebracht. Die Arbeitsftücke werden in einem ftarken Parallelfchraubftock oben auf dem Suport eingefpannt. Der letztere hat Längs- und Querbewegung von Hand zum Einftellen und von der Mafchine aus zum Arbeiten. Auf der uns nicht fichtbaren Seite ift eine Vorrichtung angebracht, um die Mafchine anzuhalten, wenn die Arbeit vollendet ift. Am Suport fehen wir ein Beiſpiel rechteckiger Einpaffung, fowie ferner an der Mafchine jene Form von gedrehten Handgriffen und Kurbeln, welche in Amerika beliebt ift. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 31 Brown& Sharpe Manufacturing Company, in Providence Rhode Island. Gleichen Zwecken, wie die eben befchriebenen Maſchinen, waren die der voranftehenden Firma gewidmet. In ihrem Charakter zeigte fich die gröfste Aehnlichkeit, und die äufserft genaue. elegante und folide Ausführung ftand mindeftens eben fo hoch, wenn nicht höher. Es waren fieben verfchiedene Mafchinen ausgeftellt, von denen wir folgende zur Befchreibung auswählen: Univerfal- Fraismafchine, Eine fehr complete, mit finnreichen Verbefferungen ausgerüftete Mafchine.. Sie arbeitet ohne Räderüberfetzung und hat einen vertical am Geftell verfchiebbaren Tifch, welcher oben eine Platte trägt, die parallel zur Fraifenachfe, alfo heraus oder herein verftellbar ift. Verticale und horizontale Einftellung diefer Theile erfolgt von Hand, der Tifch ift mit einer befonderen Arretirungsfpindel verfehen. Auf der genannten Platte befindet fich drehbar der eigentliche lange Suport, welcher felbftthätig vorgefchoben wird und fich dabei rechtwinklig oder unter einem fpitzen Winkel zur Fraifenachfe bewegt( Fig. 41, Taf XI). Der felbftthätige Vorfchub wird durch eine Welle mit zwei Univerfalgelenken und ein paar Winkelräder auf die Leitfpindel des Suports übertragen. Zwifchen beiden Univerfalgelenken befteht die Welle aus zwei Theilen, die fich in einander verfchieben können, fo dafs die Verbindung in allen Stellungen des Tifches und des Suports ungeftört bleibt. Auf dem Suport kann irgend ein Gegenftand oder eine beliebige Vorrichtung, meiftens ein Parallelfchraubftock, befeftigt werden. Ausserdem find noch ein paar Köpfe mit befonderer Einrichtung vorhanden, welche zum Einfpannen von Spindeln, Bohrern Reibahlen, Fraifen etc. dienen. Der eine gleicht faft dem Reitftock einer Drehbank und hat auch deffen Function. Der andere ift dem Spindelftock zu vergleichen und erfafst mit feiner Spindel den zu bearbeitenden Gegenftand. Rückwärts befitzt die Spindel einen Theilapparat, fo dafs fie um beliebige Winkel verdreht werden kann. Hiedurch ift es möglich, regelmäfsig vertheilte Nuthen in die aufgefpannten Gegenftände zu fchneiden. Es ist aber auch dafür geforgt, dafs von der Leitfpindel aus durch geeignete Wechfelräder eine langfame Drehung auf die Spindel des Einfpannkopfes übertragen werden kann, wodurch dann die Nuthen auf cylindrifchen Gegenständen fpiralförmig werden, wie z. B. bei den Spiralbohrern. Bei diefen wird auch die fchräge Einftellung des Suports gebraucht, um einen günftigen Schnittwinkel zu erzielen. Kurze konifche Gegenftände können dadurch auf ihren Mantelflächen gefraift werden, dafs die Spindel des Einfpannkopfes, wie gezeichnet, fchräg eingeftellt wird. Eine ähnliche gröfsere Vorrichtung( Fig. 42, Taf. XI) kann zum Schneiden von Stirn- und Schneckenrädern bis 13 Zoll= 330 Millimeter verwendet werden. Auf der Einfpannfpindel fitzt eine Theilfcheibe von 20 Zoll 508 Millimeter Durchmeffer mit zahlreichen Theilkreifen, Am rückwärtigen Lagerſtänder ift der Arm für den Theilftift angebracht und kann leicht auf den betreffenden Kreis eingeftellt werden. Der Theilftift hat folide Führung in einer langen Hülfe und wird durch eine gedeckte Spiralfeder angedrückt. Im vorderen Lagerſtänder ift eine Stellfchraube angebracht, die dem zu fchneidenden Rade während der Operation als Stütze dient. Das eingefpannte Rad wird mit den beiden Köpfen und der unten gezahnten Führungsplatte von Hand hin- und herbewegt. 32 bracht. Carl Pfaff. Zur leichteren Auffindung der Theilpunkte find verftellbare Zeiger angeAehnliche Zeiger finden wir auch bei der Theilvorrichtung des kleinen Apparates. Hier haben fie aber den Zweck, eine gröfsere Anzahl von Theilungen zu ermöglichen, als die kleine Theilfcheibe ohne Weiteres erlauben würde. Man ftellt hierzu die Zeiger fo ein, dafs fie genau eine gewiffe Zahl von Theilpunkten zwifchen fich faffen, einen Bruchtheil des ganzen Umfanges. Hierbei liegt der Theilftift an der Kante eines der Zeiger fo an, dafs diefer hinter ihm bleibt. Der Stift wird gelöft und eine viertel, halbe, ganze oder mehrfache Umdrehung gemacht, was dadurch conftatirt wird, dafs der Stift wieder die Kante des Zeigers tangirt, von dem er ausging. Nun wird aber die Drehung fortgefetzt bis zur Berührung des nächften Zeigers, fo dafs die Summe der ganzen Winkelbewegung gleich der gemachten Umdrehung mehr dem Bruchtheil ift, welche die Zeiger zwifchen fich fafsten. Endlich werden die beiden unter fich jetzt nicht verftellbaren, aber als Ganzes auf der Spindel nur durch Reibung gehaltenen Zeiger um ihren Winkel vorgerückt, fo dafs der Theilftift rückwärts wieder am Ausgangszeiger anliegt. Viel einfacher und derber war eine weiters von unferer Firma ausgeftellte Fraismafchine mit Räderüberfetzung, deren Spindel in einem Doppelarm gelagert war, welcher fich um die Antriebsachfe drehen konnte, und fo eine verticale Verftellung im Bogen zuliefs. Die Vorfchubbewegungen erfolgten von Hand. Revolver- Drehbank. Unter diefem Namen ift die in Fig. 43, Taf. XI dargestellte Mafchine bef uns bekannt. Derfelbe ift von dem drehbaren Werkzeughalter entlehnt, welcher nacheinander das geeignete Specialwerkzeug zur Arbeit darbietet. Der Amerikaner nennt fie einfach ,, Screw- Mafchine"( Schraubenmafchine). Aehnliche Maſchinen waren auch von der Firma Pratt& Whitney Co. ausgeftellt und nur in Nebendingen von der gegenwärtigen verfchieden. Diefe Mafchinen find beftimmt, von rundem Draht oder Rundeifen, in einzelnen Fällen auch von Stäben mit vier- oder fechskantigem Querschnitt, welche von rückwärts durch die hohle Spindel eingeführt werden, auf die fchnellfte Weife kleine Schrauben, Stifte, Griffe u. dgl. herabzudrehen. Dabei wird das Princip befolgt, dafs zu jeder der fucceffiven Operationen ein geeignetes, genau vorgerichtetes Werkzeug benützt wird, deffen Wirkung ganz beftimmt abgegrenzt ift. Sind die zu erzeugenden Gegenstände Schrauben, fo wird das Gewinde unter den anderen Operationen mitgefchnitten, woraus folgt, dafs es mit den übrigen Theilen concentrifch ift, oder wie man zu fagen pflegt, rund läuft. Es ift in der That erftaunlich, welche Maffen von complicirt geformten kleinen Gegenftänden in kurzer Zeit auf einer folchen Mafchine gemacht werden können, doch mufs auch im Gegenfatze erwähnt werden, dafs fie nur da anwendbar find, wo eben taufende gleicher Stücke gebraucht werden, da das Herrich ten, Einfpannen und Einftellen der Werkzeuge umftändlich und theuer ift. Die Mafchine befteht aus einem kurzen Drehbankbett mit Spindelftock ohne Räderüberfetzung. Die Spindel ift hohl und hat am vorderen Ende ein Klemmfutter( ,, chuck") zum Halten der Materialftäbe. Sie hat vorn einen Bund, der mittels gehärteter Beilagsfcheibe am Lager anliegt und ift rückwärts durch Muttern angezogen. Die vorderen Lagerfchalen( Bronze) find viertheilig mit Seitenftellung. Rückwärts fteht die Spindel ziemlich weit vor und trägt eine Patrone( Leitfchraube), deren Muttergewinde in einem Handhebel befeſtigt iſt und durch Niederdrücken zum Eingriff gebracht wird. Der Handhebel fitzt auf Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 33 einer gedrehten Stange, welche am Spindelftock in zwei Armen verfchiebbar gelagert ift, beiläufig an der Stelle, wo gewöhnliche Drehbänke die Vorgelegewelle haben. Auf diefer Stange ift der Handhebel verftellbar. Sie trägt an ihrem vorderen Ende hinter dem Klemmfutter einen Suport, deffen lange Bahn behufs Einftellung eine mäfsige radiale Verftellung auf der Stange zuläfst, und durch einen Anfchlag verhindert ift, eine gewiffe Stellung zu überfchreiten. Durch ein angehängtes Gewicht wird die Stange mit Handhebel und Suport fortwährend nach rückwärts gezogen. Ift nun ein geeigneter Meifsel im Suport eingefpannt und ein vorher abgedrehtes Stück im Klemmfutter, fo kann auf diefes ein Gewinde gefchnitten werden, welches in der Steigung der Patrone entspricht, feine Form aber vom Meifsel und feine Tiefe von dem genannten Anfchlage erhält. Man braucht nur die Bank verkehrt umlaufen zu laffen, den Handhebel herabzudrücken und am Ende des Gewindes wieder aufzuheben. Zuerft wird durch die Patrone der Handhebel mit Stange und Suport vorgefchoben, dann zieht das Gewicht das ganze Syftem zurück. und die Operation wird wiederholt, bis das Gewinde rein ausgefchnitten und der Anfchlag in Wirksamkeit getreten ift. Das Mutterſtück und die Patrone haben gröfsere Gangtiefe als das zu fchneidende Gewinde, um auch beim Anfang der Operation den Eingriff zu geftatten. Je nach der Entfernung, die das Gewinde in axialer Richtung vom Spindelkopfe haben foll, wird der Handhebel auf der gedrehten Stange ein geftellt. Weiters finden wir auf unferer Mafchine einen Doppelfuport, mit zwei gegen einander überftehenden Stahlhaltern. Diefer wird zum Andrehen von Spitzen und Flächen, Einftechen von Nuthen und zum Abftechen der fertigen Stücke gebraucht. Er ift längs des Bettes verftellbar, wird aber in einer beftimmten Pofition feftgemacht und hat dann nur eine Verfchiebung in der Querrichtung. Die verfchiebbare Platte hat rückwärts eine Nuth, in welcher der Stahlhalter parallel zur Spindel und vornen zwei Nuthen, in denen er rechtwinklig darauf verfchoben und eingeftellt werden kann, fo dafs die nöthigen Veränderungen vorgenommen werden können, analog der bei der Pratt& Whitney Co. fkizzirten Einrichtung. Die Querbewegung, durch welche entweder das vordere oder das hintere Werkzeug zum Angriff gebracht wird, ift beiderfeits durch ftellbare Anfchläge begrenzt. Sie kann durch Schraubenfpindel und Handgriff oder auch durch einen Hebel bewirkt werden, welcher nach Entfernung der Schraubenfpindel eingehängt wird. Diefer Hebel war uns bemerkenswerth durch eine Art Manfchette, welche das Herabfliefsen des Oeles auf den Handgriff verhindert und diefes zur Seite abtropfen läfst. Die charakteriftifche Eigenthümlichkeit unferer Mafchine ift aber der rotirende Werkzeughalter. Er ift am vorderen Ende eines Schlittens angebracht, der fich in einem langen Rahmen fchieben kann, welcher auf dem Bett verftellbar ift. Der Werkzeugträger dreht fich um eine verticale ftählerne Achfe in gehärteten Büchfen. Er hat fieben radiale, hart ausgebüchfte Bohrungen, in welchen die betreffenden Werkzeuge mit Stellfchrauben befestigt werden können. Correfpondirend mit diefen find an der unteren Fläche eben fo viele verticale Bohrungen angebracht und mit konifchen Stahlbüchfen ausgefüttert, in welche ein paffender gut geführter Stahlftift durch Federdruck einfpringt und den Werkzeugträger fefthält. Es fteht dann jedesmal eine der horizontalen radialen Bohrungen genau gegenüber der Drehbankfpindel und in ihrer Achfenrichtung. Das etwa eingefpannte Werkzeug kann den Gegenftand bearbeiten, wenn es entſprechend vorgefchoben wird. Der Vorfchub wird dem Schlitten und dem Werkzeugträger durch das Handkreuz mitgetheilt, an deffen Welle im Innern des Rahmens ein Getriebe fitzt, welches in die Zahnftange des Schlittens eingreift. Statt des Kreuzes kann auch ein Hebel aufgefteckt werden, welcher in dem oben auf dem 3 34 Carl Pfaff. Schlitten angebrachten Bolzen feinen Drehpunkt in dem rückwärts am Rahmen fitzenden drehbaren Lager feinen Stützpunkt findet, fich in letzterem verfchieben kann und eine bequeme horizontale Lage hat. Der ftählerne Arretirungsftift, von dem wir vorhin fprachen, ift mit einem Hebel verbunden, der wie genannter Stift feine Führung, auch feinen Drehpunkt. am Schlitten hat, an deffen Bewegungen theilnimmt und im eingefchobenen Stande des Schlittens frei ift. Wird diefer Hebel von Hand bewegt, fo löft er den Arretirungsftift aus dem Werkzeughalter und geftattet deffen Drehung und Einftellung.. Wird aber der Schlitten mittels des Handkreuzes nach rückwärts bewegt ,. fo kommt zuerft der Hebel an eine im Rahmen angebrachte fchiefe Ebene ,. welche ihn bewegt und fo den Stift auslöft. Dann fchlägt der Arm eines fiebentheiligen Sternrades an einen feften Stift, und da das Sternrad mit dem Werkzeugträger feft verbunden ist, wird diefer bei der Weiterbewegung um ein Siebentel, das heifst fo weit gedreht, dafs der Arretirungsftift bei der darauf folgenden Vorwärtsbewegung wieder einfpringen kann und fich ein neues Werkzeug zur Benützung darbietet. Der Schlitten geht eben nur fo weit zurück, um diefs zu ermöglichen. Rückwärts am Schlitten ift eine Stellfchraube angebracht, um den Vorfchub gegen das Arbeitsftück zu begrenzen. Eigenthümlich ift an unferer Mafchine noch die Zweitheilung des Geftelles. An der eigentlichen Mafchine find nur ganz kurze Füfschen angebracht, mit welchen fie auf der Platte eines Untergeftells aufruht. Rings um diefe läuft eine Rinne zur Anfammlung des ablaufenden Oeles, während die Späne auf die ebene Tifchfläche fallen, die aufserdem zum Ablegen von Arbeitsftücken und. Werkzeugen benützt werden kann. Diefelbe Einrichtung fanden wir bei vielen der ausgeftellten amerikanifchen Maſchinen, fo auch bei denen der Pratt& Whitney Co., welche noch aufserdem inmitten der Tifchplatte ein geräumiges, herabhängendes, unten mit , Ablafshahn montirtes Sammelgefäfs hatten. Aufser der befchriebenen Mafchine waren noch mehrere Modificationen. derfelben in kleineren Dimenfionen ausgeftellt, von welchen eine mit felbftthätiger Zuführung des Materialdrahtes verfehen war. Der Draht wurde in eine rückwärts angebrachte Führung gelegt, welche durch ein angehängtes Gewicht ftets nach vorwärts gezogen ward. Beim Oeffnen des Klemmfutters, welches vorgenommen werden konnte, ohne die Mafchine abzuftellen, glitt der Draht vor bis an einen Anfchlag, das Klemmfutter wurde wieder angezogen und die Arbeit ging weiter. Die Deckenvorgelege der befchriebenen Mafchinen waren nicht mit Feftund Losfcheiben verfehen, wie wir fie gewöhnt find, fondern mit Frictionsfcheiben nach Brown's Patent. Diefe fitzen lofe auf der Spindel und werden nach Wunſch durch Frictionskuppelungen damit verbunden, welche durch eine gleitende Muffe in Thätigkeit gefetzt werden. Wir haben nun die wichtigften typifchen Mafchinen aus jener Gruppe befchrieben, welche der Fabrication kleiner Beftandtheile nach dem Interchangeable- Syftem gewidmet find, und gehen zum Refte der amerikanifchen Ausftellung über. Stiles& Parker Press Co. in Middletown, Connecticut. Von der Ausftellung diefer Herren wählen wir den intereffanten Fallhammer und zwei Excenterpreffen zur Befchreibung. Selbftthätiger Fallhammer. Der in Fig 44, Taf. XI, dargestellte Fallhammer, Drop Press" kann fowohl zum Schmieden mit ununterbrochenen als auch zum Prägen, Stanzen, Preffen mit * Vergl. Anmerkung, Seite 114. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 35 einzelnen Schlägen benützt werden. Der Fallbär wird durch einen Riemen aufgezogen, welcher fich um eine oberhalb umlaufende Spule wickelt, und die Einrichtung ift fo getroffen, dafs er gleich nach dem Schlage wieder emporge. zogen und dadurch verhindert wird, einen fogenannten Rückfchlag zu machen. Der Rückfchlag entſteht durch die Elafticität von Hammer, Ambos und Zwifchenlage, d. i. Arbeitsftück, und ift beim kalten Stanzen von Gegenftänden: wie Löffel, Gabeln etc. am bedeutendften. Er wird defshalb gefürchtet, weil die Gefenke, welche niemals abfolut genau gegen einander geführt werden können, beim zweiten Schlage die Arbeit des erften verderben. Das Geftell des Fallhammers beſteht aus dem Ambofsftocke und 2 fchmiedeifernen, aus ftarken Winkeleifen gebildeten Ständern oder Säulen, zwifchen welchen der Fallklotz geführt ift. Oberhalb find diefe Säulen durch einen gufseifernen Rahmen verbunden, welcher die Antriebsachfe und den Steuerungsmechanismus trägt. Die Antriebsachfe fteht hier ftill und die Riemenfcheiben, fowie die Spule, auf welche fich der Zugriemen windet, drehen fich auf derfelben. Die eine Riemenfcheibe empfängt einen gekreuzten, die andere einen offenen Riemen, fie laufen alfo in entgegengefetzter Richtung um, haben aber gleiche Gefchwindigkeit. Zwifchen beiden Riemenfcheiben liegt die Spule für den Aufzugriemen. Sie kann für fich feftgehalten, losgelaffen oder mit einer der beiden Riemenfcheiben verkuppelt werden. Wird fie feftgehalten, fo fchwebt der Fallklotz in entſprechender Höhe, losgelaffen, wickelt fich der Riemen rafch ab, und der Fallklotz fällt. Mit einer der beiden Riemenfcheiben verkuppelt, nimmt die Spule an der Drehung derfelben nach links oder rechts Theil und der Fallklotz wird aufgewunden. Beim Herabfallen des Fallklotzes dreht fich die Spule rafch um, und zwar mit befchleunigter Gefchwindigkeit. Es würde alfo ein gewiffer Stofs entſtehen, wenn die Spule behufs Wiederaufwindung des Riemens ſchnell in der entgegengefetzten Richtung in Bewegung gefetzt werden müfste. Hierzu käme noch das Moment des zu hebenden Fallklotzes. Bei unferem Hammer wird aber der Spule die Richtung der Bewegung gelaffen, welche fie durch Abwicklung des Riemens erhielt und fie wird nur in derfelben weiter getrieben. Es wird alfo die lebendige Kraft, welche in der Spule angefammelt ift, nicht nur nicht vernichtet, fondern fie wird noch gegen die Trägheit des Fallklotzes benützt. Die mechaniſche Einrichtung ist folgende: Zwifchen den beiden Riemenfcheiben, welche drehbar, aber nicht verfchiebbar auf der Achfe angebracht find, liegt die Spule, welche fich frei drehen und auch etwas in der Achfenrichtung verfchieben kann. Sie hat an ihren beiden Enden Kuppelungseinfchnitte, welche mit Zapfen in den Riemenfcheiben correfpondiren. Ausserdem hat fie auf einer Seite Einſchnitte, welche zu dem Vorfprung eines horizontalen Hebels paffen, der durch eine Zugftange mit dem Fufstritt verbunden ift. Auf der entgegengefetzten Seite ift eine Nuth eingedreht, in welche der Zapfen des Führungshebels eingreift, welcher die feitliche Stellung der Spule regelt. In der Mitte ift die Spur für den Aufzugriemen gelaffen. Der Führungs- oder Steuerhebel liegt horizontal unter der Spule und biegt fich vor derfelben in die Höhe, fo dafs fein Endzapfen in die Nuth der Steuerungs- oder Wechfelplatte eingreift, deren Form ganz eigenthümlich aus Bogendreiecken zufammengefetzt ift. Der Amerikaner nennt diefelbe switch". Ihr Drehpunkt liegt links, während rechts die Steuerftange herabgeht, welche durch einen Arm am Fallklotz paffirt und entweder von diefem mitgenommen oder auch von Hand bewegt wird. Wenn der Fallklotz aufgewunden ift und an den verftellbaren Anfchlag der Steuerftange ftöfst, fo hebt er diefe und mit ihr die Wechfelplatte, wie in Pofition I und Ia der Figur 45 zu fehen. Der Zahn a erlaubt dem Arretirungshebel einzufallen, der Zapfen des Steuerhebels fteht in der Mitte der Nuth und die Spule befindet fich in ihrer mittleren Stellung feftgehalten und frei von beiden 3* 36 Carl Pfaff. Riemenfcheiben. Indem fich der Zahn a gegen den Arretirungshebel anlegt, ift auch die Wechfelplatte an der Drehung gehindert und das ganze Syftem verfchloffen. Wird nun durch den Fufstritt und die rückwärts liegende Stange der Arretirungshebel ausgelöft, fo wird die Spule frei, der Riemen wickelt fich rafch ab und der Fallklotz fällt herab. Jetzt ift auch die Wechfelplatte frei und fällt mit dem Hammer herab. Hierbei kommt fie in Pofition II. In der Wechfelplatte befindet fich eine Nuth, deren äufsere fefte Wände von der Platte und deren innere von einem verftellbaren Daumen gebildet werden. Indem nun die Platte finkt, gleitet der Daumen an dem Zapfen des Steuerhebels vorbei und verfchiebt ihn, nehmen wir an, nach links fo lange, bis der Anfatz des Daumens auf den Zapfen ftöfst. Dann hört die Bewegung der Wechfelplatte auf und der Daumen wird z. B. in Pofition II nach links gedrückt. Hierbei überfpringt ein Dreieck am oberen Ende des Daumens die darauf wirkende Feder, fo dafs diefe fortan den Daumen nach links drücken will. Wird nun die Wechfelplatte wieder gehoben, fo macht fich der Zapfen des Steuerhebels zwifchen der feften Wand der Nuth und dem Daumen gerade fo viel Platz, um durchzukommen. Sobald er aber paffirt ift, fchliefst fich der Daumen an die fefte Wand an und beim nächsten Fallen der Wechfelplatte mufs der Zapfen des Steuerhebels nach rechts gehen. Pofition III. Wenn bei der Ingangfetzung des Hammers darauf gefehen wird, dafs die Richtung des Riemens auf der Spule mit der Stellung der Wechfelplatte übereinstimmt, fo wird beim weiteren Betriebe die Spule immer mit derjenigen Riemenfcheibe verkuppelt werden, deren Umdrehung in demfelben Sinne erfolgt, wie die der Spule beim Abwickeln des Zugriemens. Ift dann weiter die Länge des Riemens fo regulirt, dafs er gerade abgewickelt ift, wenn der Fallklotz auffitzt, fo erfolgt die neue Hebung fofort nach dem Auffchlagen. Der Hammer fchlägt fo lange fort, als der Arretirungshebel ausgelöft ift. Sobald aber der Fufstritt losgelaffen wird und der Fallklotz emporgehoben ift, und mit ihm die Wechſelfcheibe, fällt der Arretirungshebel wieder ein und hält die Spule fammt dem Fallklotz feft. Das ganze Arrangement ift fehr hübfch ausgedacht und eignet fich vorzüglich für leichte Fallhämmer. Excenterpreffen. In Fig. 46, Taf. XII, ftellen wir eine Durchftofsmafchine und Excenterpreffe derfelben Firma vor, bei welcher das Hauptgewicht auf die Verwendung als Preffe gelegt ift. Es ift nämlich die Tiefe, bis zu welcher der Stofs bei fonft gleich bleibendem Hube herabgehen kann, regulirbar. Auf dem excentrifchen Zapfen der Antriebswelle fitzt eine ziemlich grofse excentrifche Büchfe, welche in der Mitte ihres Umfanges Schneckenzähne trägt, zu beiden Seiten derfelben aber glatte Flächen darbietet, deren vordere durch einen fchwachen Flantfch begrenzt ift. Sie ift in dem erweiterten und oben aufgefchnittenen Ende des Druckstückés eingelagert, und es ift klar, dafs durch Verdrehung der excentrifchen Büchfe die wirkfame Länge des Druckftückes verändert wird. Diefe Verdrehung erfolgt mittels einer Schnecke, die im oberen Ausfchnitte des Druckftückes liegt und rechts einen Handgriff hat. Damit aber bei der Arbeit kein übermäfsiger Druck auf die Zähne komme, wird die Schneckenachfe als Klemmfchraube benützt, um das obere Ende des Druckftückes zufammenzuziehen und die excentrifche Büchfe durch Reibung feftzuhalten. Sobald die richtige Einftellung vollendet ift, wird zu genanntem Zwecke die Schneckenachfe feftgehalten und die links befindliche Mutter feft angezogen. Eine weitere Eigenthümlichkeit unferer Mafchine befteht in der übrigens auch fchon durch Patronenpreffen bekannt gewordenen Auslöfung. Das grofse Antriebsrad ift lofe auf der Excenterwelle und kann mit derfelben durch einen Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 37 Keil verbunden werden, der fich in axialer Richtung verfchiebt und durch eine Feder im eingelöften Zuftande erhalten werden will. Der Keil liegt in einer Hülfe, welche auf der Achfe feftfitzt und ihm hinreichend Führung gibt. Gegen den Ständer zu hat er einen vorfpringenden Anfatz. Es ift nun ein halbkreisförmig gebildetes Keilftück vorhanden, welches fich ebenfalls durch eine Feder feft gegen die Hülfe anlegt, in welcher fich der Keil fchiebt und die fchiefe Ebene desfelben ift gegen den Ständer zu gekehrt. Durch den Fufstritt kann das halbkreisförmige Stück von der Hülfe fo weit entfernt werden, dafs der Anfatz des Keiles frei paffirt; wird aber der Fufstritt frei gelaffen, fo legt fich das halbkreisförmige Stück an die Hülfe an, der Vorfprung des Keiles trifft auf die fchiefe Ebene und der Keil wird zurückgezogen. Die Räder gehen weiter, aber die Achfe fteht ftill. Die Einrichtung ift fo getroffen, dafs der Stillftand immer dann erfolgt, wenn der Stofs am höchften ſteht. Wenn der Arbeiter den Fufstritt niederdrückt und gleich wieder frei läfst, fobald die Achfe in Bewegung kommt, fo macht fie eine Umdrehung und bleibt auf dem höchften Hube ftehen. Die Bewegung dauert im anderen Falle fo lange fort, als der Fufstritt niedergedrückt wird. Eine echt amerikaniſche Mafchine tritt uns in der zweiten Excenterpreffe ( Fig. 47, Taf. XII) entgegen. Hier haben wir es in gleicher Weife mit Gefchmack und Witz echt amerikanifchen Charakters zu thun. Die Mafchine ift ohne Stempel und Gefenke gezeichnet, nur um die allgemeinen Umriffe zu zeigen, aber es ift wieder die Regulirung des Stofses, welche uns hauptfächlich intereffirt und wir wenden uns daher gleich zu Figur 48. Diefe ftellt den Stofs mit gehobenem Staubdeckel dar, und es ift der Gleitklotz erfichtlich, welcher die Bewegung vom Excenterzapfen auf den Stofs überträgt. In diefem Gleitklotz ift eine excentrifche Büchfe gelagert, welche vorn auf ihrem Umfange etwa bis zum Drittel ihrer Breite feine Zähne befitzt, hinter diefen aber glatt eingepafst ift und nur noch eine feine Nuth eingedreht hat. Der Gleitklotz befitzt die den Zähnen correfpondirenden Lücken und die Büchfe ift fo fleifsig eingepasst, dafs nur noch die feinen Contouren der Zähne fichtbar find, wenn fie bündig eingefchoben ift. Seitwärts oben ift ein Handgriff zu fehen, den wir uns auf das Viereck einer verfenkt liegenden Stahlfchraube aufgefteckt denken müffen. Die Stahlfchraube hat eine Mutter, welche fich nicht drehen, aber verfchieben kann, und die mit einem Vorfprung in die Nuthe der excentrifchen Büchfe eingreift, fo dafs letztere durch eine Drehung der Schraube hervorgezogen oder in ihren Sitz zurückgebracht werden kann. Sobald die Büchfe hervorgezogen ift, kann fie um einen oder mehrere Zähne verdreht und dann wieder eingefchoben werden. Zur Verdrehung bedient man fich des Schlüffels, welcher in unferer Figur links erfichtlich ift. Bei diefem Arrangement können die Veränderungen in der Stellung des Stofses nicht beliebig gemacht werden, fondern fie betragen ftets fo viel, als die Verdrehung der Büchfe um einen Zahn ergibt oder ein Vielfaches davon. Der Ausfteller gab die Verftellung auf einen Zahn zu 1/100 engl. Zoll an. Wir würden die früher gefchilderte Einrichtung vorziehen, welche unbegrenzt kleine Verftellungen zuläfst, und aufserdem den Vortheil des Druckftückes hat, welches wie eine Lenkftange, alfo beffer arbeitet als der Gleitklotz. Jedenfalls ift aber die eben gefchilderte Vorrichtung originell und gut erdacht. Sie war höchft bemerkenswerth durch ihre exacte Ausführung. Die übrige Einrichtung der Mafchine entspricht ganz der vorher gefchilderten, nur ift die Auslöfung etwas abweichend. Hier fitzt auf dem über das Triebrad hinaus verlängerten Ende der Excenterwelle eine verfchiebbare Muffe, die fich mit dem Triebrade dreht und durch die Gabel des langen Fufstritthebels erfafst wird In diefer Muffe fitzt ein Keil feft, der durch die Radnabe geht und in ihr Führung hat. Dicht vor dem Rade ift eine Scheibe auf der Achfe feft angebracht, die einen Ausfchnitt hat, in welchen der Keil eintreten 38 Carl Pfaff. kann, wenn er mit der Muffe vorgefchoben wird. Hiermit wird die Verkuppelung bewirkt Der lange Hebel des Fufstritts ift ein Winkelhebel und wird durch eine ftarke Feder mit feinem vorderen Ende in die Höhe gezogen, fo dafs die Muffe mit dem Kuppelungskeil ausgelöft wird. Er ift aber durch einen vertical dicht am Ständer niedergehenden Einfallhebel, gegen welchen er fich in der verticalen Lage des letzteren ftützt, verhindert, dem Impulfe der Feder zu folgen, und mufs die Kuppelung fo lange eingelöft laffen, bis ihn diefer Hebel frei läfst. Diefs gefchieht bei jeder Umdrehung einmal, und zwar beim höchften Hube dadurch, dafs an der früher genannten feften Kuppelungsfcheibe ein Anfatz angebracht ift, der bei jeder Umdrehung einmal das obere Ende des Einfallhebels antrifft und diefen zur Seite fchiebt. In diefem Momente wirkt der lange Winkelhebel und löft die Verkuppelung aus. Die Mafchine bleibt fo lange ftehen, bis der Fufstritt neuerdings niedergedrückt wird. Wird er fogleich wieder frei gelaffen, fo tritt die automatifche Auslöfung in Wirksamkeit und die Excenterachfe macht nur eine Umdrehung. Will man die Preffe ohne die automatifche Auslöfung betreiben, fo nimmt man den Einfallhebel ab. Sie geht dann fo lange, als man den Fufstritt niederdrückt, und bleibt ftehen, fobald man ihn freiläfst. Die Lifte der Werkzeugmafchinen aus Amerika ift nun erfchöpft und wir wollen nur noch einige intereffante Expofitionen erwähnen, welche mit unferem Fache in engem Zufammenhange ftanden und auch mitten unter den gefchil derten Maſchinen Platz gefunden hatten. Hierher gehören vor Allem die ausgezeichneten Mefsinftrumente von Darling, Brown& Sharpe, Providence R. I. Diefe Herren hatten Mafsftäbe, Schublehren, Winkel und andere einfchlägige Mefsinftrumente für den Werkstättengebrauch ausgeftellt. welche fich durchaus durch Schärfe, höchfte Genauigkeit und Schönheit der Ausführung auszeichneten. Als charakteriftifch führen wir ein kleines Inftrument an, welches in Fig. 49, Taf. XIII, dargeftellt ift. Es befteht aus einem Stahlplättchen, welches an einem Ende einen vorfpringenden, am anderen Ende einen einfpringenden Winkel von 60° hat. Auf einer Seite ift ein englifcher Zoll in 24 Theile, auf der anderen in 32 Theile getheilt und überdiefs nochmals ein einfpringender Winkel von 60° angebracht. Nun mufs bemerkt werden, dafs man in Amerika nicht genau das Whitworth'fche Gewinde hat, fondern ein ähnliches, deffen Gänge nach einem Winkel von 60° gebildet find. Unfer Inftrument dient alfo dazu, die Gewindegänge zu controliren, und hauptfächlich, um die Gewindeftähle richtig zu fchleifen. Es ift aber auch nöthig, einen Gewindeftahl auf der Drehbank richtig einzufpannen, und dazu dient abermals unfer kleiner Controleur fowohl für Schrauben- als Muttergewinde. Schliefslich gibt der Amerikaner feiner Drehbankfpitze, dem Körner, denfelben Winkel von 60° und benützt das Inftrument dazu, um alle Körner in einer Werkſtatt mit gleicher Conicität herzustellen. Schon bei Befprechung der Räderfchneidmafchine von Sellers thaten wir des eigenthümlichen Fraifers, Cutter" Erwähnung, welcher in Verwendung war. Nach den amerikaniſchen Katalogen fcheint es, dafs derfelbe von Brown& Sharpe herrührt, er war aber mit den Mefswerkzeugen von Darling, Brown& Sharpe ausgeftellt.( Fig. 50, Taf XIII.) Diefer Fraifer hat die Eigenfchaft, dafs er nachgefchliffen werden kann, ohne die Form der Lücke zu verändern, welche er fchneidet. Er bietet eine Anzahl möglichft günftig geftalteter Meffer dar, welche von der Schneide ab nach rückwärts ganz gleiche radiale Querfchnitte befitzen. Die Mittellinie aller diefer Querfchnitte ift aber eine Schneckenlinie, fo dafs der Radius aller Querfchnittspunkte nach rückwärts kleiner wird. Hierdurch wird ein für Fraifer immer noch günftiger Schnittwinkel und völliges Freifchneiden der angefchlif fenen Fläche erzielt und diefe kann fortwährend nachgefchliffen werden, ohne dafs der Fraifer ausgeglüht zu werden braucht. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle.. 39 Mit dem gewöhnlichen Fraifer verglichen, hat der befchriebene viel weniger Zähne oder fchneidende Kanten. Diefelben können aber ftets in guter Ordnung erhalten werden, ohne den Querfchnitt zu verändern, während der gewöhnliche Fraifer beim geringften Stumpfwerden fchon feine Form verändert und dann nur durch Ausglühen, Nachdrehen, Nachfraifen und Wiederhärten corrigirt werden kann. Wir wollen die Befprechung der amerikanifchen Ausftellung mit dem Schraubftock von Thomas Hall aus Florence, Mass., befchliefsen. Derfelbe verdient infofern den Namen Schraubftock nicht, als keine Schraube zum Zufpannen verwendet wird, fondern eine Combination von Keil und Kniehebel; allein wir wären in Verlegenheit, um einen Namen, welcher diefer Thatfache entſpräche und dennoch das Werkzeug charakterifirte, und fo mag es denn bei dem Alten bleiben. Wie Figur 51 zeigt, haben wir es mit einem Parallelfchraubftock zu thun. Derfelbe ift an der Bank durch eine zweitheilige, mit kreisförmigem Prisma verfehene Scheibe befeftigt, welche in den entfprechend ausgedrehten feften Theil eingreift. Zweitheilig ift die Scheibe, um überhaupt in den feften Theil eingeführt zu werden und um ftets einen dichten Gang zu ermöglichen. Zu diefem Ende ift der Mittelfpalt durch einen fchlanken Keil ausgefüllt. Der ganze Schraubftock kann fich auf der Scheibe drehen, alfo die dem Arbeiter bequemfte Stellung annehmen, fo lange er nicht zugefpannt ift. Mit dem Feftfpannen des Gegenftandes ift aber ein ftarker Druck auf die Befeftigungsfcheibe verbunden, woraus ein Klemmen im Prisma und eine Feftftellung des Schraubftockes folgt. In unferer Zeichnung ift der Schraubftock zugefpannt. Wird aber der herabftehende Handhebel aufgezogen und horizontal geftellt, fo ift die bewegliche Backe frei und kann mit der Hand hin- und hergefchoben werden. Das Führungsftück ift, wie bei den gewöhnlichen Parallelfchraubftöcken, prismatifch mit halbrundem Rücken und gleitet in dem entfprechend ausgearbeiteten feften Theil. Es ift hohl und hat nahe am rückwärtigen Ende einen feften Steg, gegen den fich ein kurzes ftarkes Druckftück anlegt, welches mit einem zweiten den Kniehebel bildet und auf eine gezahnte Schiene wirkt. Diefe drei Beftandtheile werden durch eine Feder in beftändiger Berührung erhalten. Der beweglichen gezahnten Schiene entſprechend, ift eine fefte an dem feftftehenden Theile an gebracht. Ift nun der Schraubftock geöffnet, fo drückt der im Handhebel fitzende kleine Stift auf den Zwifchenhebel und diefer hält die bewegliche gezahnte Schiene in der Höhe, aufser Eingriff mit der feften Zahnftange. In der horizontalen Stellung wird der Handhebel durch eine Art Bremsband erhalten, welches ihn mit fchwacher Reibung umfafst und zugleich fein Lager nach aufsen bildet. Wird nun ein Gegenftand zwifchen die Backen gebracht, der Schraubftock entfprechend zufammengefchoben und der Handhebel herabgedrückt, fo zieht er die in einen Keil auslaufende Stange nach vorwärts, läfst die bewegliche Zahnftange in die fefte einfallen und prefst fie im Weitergehen durch die vereinigte Wirkung von Keil und Kniehebel mit ftarkem Drucke an. Diefer Druck findet feinen Stützpunkt im beweglichen Theile und wirkt faft ganz parallel auf dasfelbe, fo dafs der eingefpannte Gegenſtand fehr feft gehalten ift. An ein felbftthätiges Aufgehen des Schraubftockes oder Nachlaffen des Druckes ift bei der angewandten Conftruction nicht zu denken. Wir bemerken nur noch, dafs die Theilung der Zahnftangen in Wirklichkeit feiner ift, als in der Zeichnung der Deutlichkeit halber angenommen wurde. 40 Carl Pfaff. England. Wir kommen zum Mutterlande der heutigen Induftrie. Schon lange vor Amerika hinreichend entwickelt, und lange bevor der Continent von Europa. Frieden und Reichthum genug gefunden, um fich mit England im induftriellen Wetteifer zu verfuchen, blühte dort die moderne Induftrie und befafs alle Märkte der Welt. So ift heute die induftrielle Thätigkeit und namentlich die im Maſchinen bau in England eine altererbte volksthümliche und zu allen Künften und Verrichtungen, welche fie erfordert, find ganze Volksclaffen vorhanden, deren Individuen fchon als Kinder von ihren Vätern lernen und in der fo überkommenen Thätigkeit aufwachfen und grofs werden konnten. Die Producte des englifchen Maſchinenbaues ftehen aber auch bisher unerreicht da. Die Breite der Anlage und Conftruction, die Gediegenheit der Ausführung, die vornehme Eleganz der Ausftattung find bisher noch nirgends in gleicher Weife Eigenthum eines Volkes oder Landes geworden. Befonders gilt diefs von den Werkzeugmafchinen, deren Entwicklung bis vor kurzem allein von England ausging, welches der ganzen Welt die Mufter lieferte. Wer kennt nicht die alten Meifter, welche die Werkzeugmafchinen eben fo rafch fchufen, als fich das Bedürfnifs dazu einftellte, die Whitworth, Roberts, Bodmer, Nasmith Fairbairn, oder die ausgezeichneten Werkftätten von Sharp Stewart& Co., früher Sharp Roberts& Co., Shepperd Hill& Spinx, Maclea& March, Collier u. a. m., welche fich aufser den Genannten um den Bau und die Vervollkommnung von Werkzeugmaschinen verdient machten. Leider waren alle diefe mit Ausnahme von Sharp Stewart& Co. auf unferer Ausstellung nicht vertreten. Von Whitworth war nur eine Mefsmafchine in einer anderen Abtheilung und eine Anzahl von Photographien an den Pfei lern der Mafchinenhalle vorhanden. Aufserdem war England durch einige jüngere Firmen vertreten, wovon indeffen nur eine den Charakter des englifchen Werkzeug Mafchinenbaues vollkommen würdig zur Anfchauung brachte. Sharp Stewart& Co. in Mancheſter. Der alte Ruhm diefer Firma wurde durch die Ausführung der ausgeftellten Maſchinen neuerdings bewährt. Man konnte daran nicht den mindeften Tadel finden, es waren vielmehr keine Mafchinen von irgendwo her ausgeftellt, welche fich in diefer Beziehung mit ihnen meffen konnten. Leider war aber hinfichtlich der Conftructionen eine allzu confervative Richtung zu conftatiren, welche auch alte, zum Theil fchon vielfach übertroffene Modelle beibehalten hatte. Während die Ausführung der Mafchinen über alles Lob erhaben war, bekundete die Conftruction bei einigen nicht nur keinen Fortfchritt, fondern entfchiedenen Stillftand. Shapingmaſchine. Die Shapingmafchine( Fig. 52, Taf.XIV) hat beiläufig 400 Millimeter Hub und etwas über 2000 Millimeter Bettlänge. Sie ist mit traverfirendem Werkzeug und zwei Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 41 Tifchen verfehen, welche zum Auffpannen der Arbeitsftücke in die gewünſchte Lage gebracht werden können, während der Arbeit aber feftftehen. Das Werkzeug hat befchleunigten Rückgang durch die unferes Wiffens zuerft von unferen Ausftellern angewandten Schleifhebel. Die Steuerungsbewegung ift direct von dem Ueberfetzungsrade abgeleitet, welches eine angegoffene Nuth mit herzförmigem Verlauf hat, in welcher der Zapfen eines Hebels geht, der fich mit dem Werkzeugträger auf einer genutheten Welle verfchiebt. Von diefer Welle wird die Bewegung am Ende der Mafchine auf die gewöhnlichen Steuerungsorgane übertragen. Der Suport ift mit Wurmradfegment zum Hohlhobeln verfehen. Mitten im Bett ift die gewöhnliche Vorrichtung zum Rundhobeln angebracht. Schon die ungewöhnlich ftarken Auflagplatten der Tifche zeigen, dafs man fich einmal bemühte, dem Federn bei tiefer Stellung der Tifche zu begegnen. Die Verftärkung der Platten allein fcheint aber nicht entfprochen zu haben und es kam, vermuthlich noch fpäter, die gehobelte Schiene unten an den Füfsen hinzu, welche als weitere Stütze dient. Wir können fie nur als Nothbehelf gelten laffen, und meinen, es wäre fchöner und beffer gewefen, das Bett der Mafchine vorn tiefer herabzuführen und dann fchwächere Auflagplatten für die Tifche anzuwenden. Doppelte Langloch- Bohrmaſchine. Eine doppelte Langloch- Bohrmaschine für Locomotivbeftandtheile berechnet, war ganz in der Form ausgeftellt, in welcher diefe fchöne Mafchine zuerft von unferer Firma eingeführt wurde, welche die Patente Furnival's erwarb. Neuerungen an diefer Mafchine anzubringen, wäre allerdings unnöthig gewefen, und wir verweifen für Jene, welchen fie weniger bekannt fein follte, auf Armengand Publications induftrielles und Clark ,, The exhibited Machinery of 1862". Ebenfo wollen wir uns bei den Schraubenfchneidmafchinen nicht aufhalten, welche nach Sellers Mufter gebaut, uns aus Vorhergehendem bekannt find. Ebenfalls nach Sellers, aber mit wefentlichen Modificationen war eine Hobelmafchine mittlerer Gröfse ausgeftellt." Hobelmafchine. Diefe Mafchine befitzt den Antrieb durch Zahnftange und Schneckengetriebe mit fchräg liegender Achfe. Anftatt aber die Riemenfcheiben vorne an den Arbeiterftand zu legen, wurden diefelben, europäifchen Gewohnheiten mehr entfprechend, an das gegenüberliegende rückwärtige Ende des Bettes gebracht. Uebrigens find die Verhältniffe, Gefchwindigkeiten und die Riemenführung von Sellers beibehalten, und wir glauben nicht, dafs die Mafchine durch die Umlegung der Riemfcheiben fchlechter geworden. Die Steuerung der Suporte ift durch diefelben Anfchläge bewirkt, welche auch den Riemen verfchieben, erfolgt alfo durch den Tifch und kann fohin nicht die Variationen bieten, wie die pofitive von Sellers. Die Bewegung der Suporte in verticaler Richtung, fowie das Heben der Meifsel beim Rückgange gefchieht durch eine Schnur, welche aufserhalb um Rollen geht und mittels verftellbarer Anfchläge von der auf- und abgehenden Steuerftange bewegt wird. Die Einrichtung, für einen Suportfkizzirt, ift aus Fig.53, Taf.XV zu entnehmen. Am Querfuport ift auf der Arbeitsfeite ein ziemlich weit ausladendes Lager ange. bracht, welches auf parallel zur Länge der Mafchine liegender Achfe eine grofse Rolle trägt, die mit einer gleichen ebenfo auf der entgegengefetzten Seite des Querfuports angebrachten correfpondirt. Die Achfe der vorderen Rolle hat auch noch einen Hebel, welcher durch die auf der Steuerftange fitzenden Anfchläge Bewegung empfängt. Ueber diefe Rollen ift eine runde lederne Schnur 42 Carl Pfaff. gelegt, deren unteres Ende über eine Rolle am Suport geht, auf der fie einmal umgefchlungen ift. Diefe letztere Rolle ift mit dem Segment eines Kegelrades verfehen, welches in ein entſprechendes, lofe auf der verticalen Schraubenfpindel des Suports laufendes eingreift. Hier ift noch ein gerade verzahntes Sperrrad angebracht, welches die Schraubenfpindel mit Nuth und Feder erfafst und ihr fo eine Drehung nach links oder rechts mittheilen kann, je nachdem ein auf dem Kegelradfegment befeftigter Sperrkegel eingelegt ift. Der Sperrkegel hat Federdruck und kann dadurch auch in ausgelöfter Stellung erhalten werden. Die Achfe der am Suport angebrachten Rolle hat auch noch einen excentrifchen Daumen oder Stift, welcher eine zwifchen den Suporttheilen liegende Stange auf und abbewegt, die am unteren Ende in einen Keil ausläuft und vermittels eines kurzen Stiftes den Mefferhalter hebt oder wieder fallen läfst. Für die verticale Verftellung oder bedeutendes Schrägftellen des Suports refultirt eine Verlängerung oder Verkürzung der Schnur, wofür aufzukommen theils der Elafticität derfelben, theils einer Vorrichtung zur Veränderung ihrer Länge überlaffen ift, die fich im oberen Ende eingefchaltet findet. Wir können uns überhaupt nicht für derartige Schnurenbetriebe mit intermittirender Bewegung begeiſtern, und wenn fie noch mit fo vielerlei Verftellungen behaftet find, wie hier, fo können wir fie noch weniger empfehlen. Im Allgemeinen wollen wir noch bemerken, dafs die befchriebene Hobelmafchine ziemlich hoch geftellt ift, und dafs Ständer und Querverbindung zwar ftark find, aber von fo übler Materialvertheilung, dafs fie den gewöhnlichen Ausführungen gegenüber fchwächlich ausfehen. Plandrehbank. Einfachheit, in des Wortes verwegenfter Bedeutung, war durch eine Plandrehbank repräfentirt, welche fpeciell zum Ausdrehen von Radreifen, Tyres beftimmt ift. Der Spindelftock hoch und über alle Mafsen kurz, frappirte durch diefs Verhältnifs, die Planfcheibe hatte Schneckenantrieb am Umfange, alfo ungemein wenig Variation in der Gefchwindigkeit, jedenfalls nicht genug für die ver fchiedenen möglichen Durchmeffer der Tyres, deren Material ja aufserdem fehr verfchieden hart, Eifen oder Stahl fein kann. Shapingmafchine für Radkränze. Die Shapingmafchine für Radkränze( Fig. 54, Taf. XV) ift beftimmt, um die inneren, zwifchen den Speichen liegenden Flächen der Kränze von Eiſenbahnrädern, fowie ihre Uebergänge in die Speichen zu bearbeiten. Sie thut diefs durch einen Stahl, der in dem Ende eines oscillirenden Hebels fo eingefpannt ift, dafs eine Horizontale durch die Mitte des Radkranzes, die Spitze des Stahles und die Dre hungsachfe des Hebels geht. Die Stahlfpitze befchreibt bei der Bewegung einen Kreisbogen, der fymmetrifch zum Radkranze liegt. Ausserdem ift der Stahl durch Schnecke und Schneckenrad drehbar. Seine fchneidende Spitze wird um den Radius des zwifchen Speiche und Kranz gewünſchten Uebergangbogens über die Drehungsachfe nach innen verlegt. Verfolgen wir die Bearbeitung eines Radkranzes zwifchen zwei Speichen. Das Rad ift auf einem zufammengefetzten Tifche aufgefpannt, der eine Bewegung längs des Bettes zur Einstellung für verfchiedene Raddurchmeffer und Spandicken hat. Die rückwärts gezeichnete Rolle gehört bei grofsen Rädern, welche weit über den Tifch hinausreichen, nach vorn unter den Stahl und dient dann zur Unterſtützung des Radkranzes. Der Obertheil des Tifches ift drehbar durch Schnecke und Rad. Die Drehung kann durch felbftthätige Steuerung oder von Hand bewirkt werden Maſchinen zur Bearbeitung der Metalle. 43 Denken wir uns nun ein Rad fo aufgefpannt, dafs fein Mittel mit dem des drehbaren Tifches zufammenfällt und die Mitte feines Kranzes mit der Achsmitte des Mefferhebels in einer Horizontalen liegt. Stellen wir dann den Stahl fo, dafs feine Schneide gegen die Bildfläche zugekehrt ift, und mit der Innenfläche der erften Speiche zufammenfällt und fetzen die Mafchine in Bewegung, fo befchreibt die Schneide in der Ebene der Speiche einen Bogen, und wenn fie etwas wegzunehmen hat, fo gefchieht diefs noch parallel zu diefer Ebene. Drehen wir nun durch das Handrad den Stahl langfam um, fo arbeitet er den Uebergang von der geraden Speiche zum convexen Radkranze fpanweiſe nach einem Viertelkreisbogen aus. Sobald die Drehung des Stahles fo weit gediehen ift, dafs eine Linie durch feine Schneide und Drehungsachfe normal zur Hebelachfe fteht, ftellen wir fie ein und beginnen fofort mit der Drehung des Rades felbft, wodurch der zwifchen den Uebergängen liegende Kranztheil bearbeitet wird. Am Beginn des zweiten Ueberganges wird die Drehung des Rades aufgegeben und die des Stahles analog dem erften Uebergange wieder aufgenommen. Nach Vollendung des zweiten Ueberganges wird das Rad um fo viel verdreht, dafs die inzwifchen zurückgeftellte Schneide des Stahles wieder auf die Speichenfläche trifft und die ganze Arbeit von neuem begonnen. Die Anordnung der Mafchine ift aus unferer Skizze erfichtlich. Der Mefferhebel hat gegenüber dem Triebrade einen Schlitz und wird durch einen darin laufenden Schleifklotz und den im Rade befeftigten Kurbelzapfen bewegt. Die Antriebswelle liegt unterhalb im Geftell und die Riemenfcheiben befinden fich auf der in unferer Anficht abgewandten Seite. So viel wir wiffen, wurde die Mafchine von unferen Ausftellern zuerft eingeführt. Sie hat feither viele Nachahmung gefunden. Nuthftofsmafchine. Ein fchönes Werkzeug, deffen erften Urfprung wir auch in den gleichen Werkftätten fuchen müffen, war die Nuthftofsmafchine( Fig. 55, Taf.XVI). Bei diefer Mafchine können wir es fehr gut entfchuldigen, dafs fie wenig Neues bietet, fie bedarf deffen nicht, fondern ift fchön und zweckmäfsig, wie fie ift. Wir brauchen nicht erft das Wefen einer Nuthftofsmafchine zu befchreiben, können uns vielmehr auf Hervorhebung der Vorzüge unferer Mafchine befchränken. Da ift vor Allem der gut ausgebildete Antrieb zu nennen. Die Stufenfcheibe hat drei.. Abfätze und ift ungewöhnlich grofs. Sie bietet aber für die Gröfse der Mafchine fehr günftige Gefchwindigkeiten und erlaubt im Zufammenwirken mit der ftarken Räderüberfetzung und dem ausgiebigen Schwungrade die ftärksten Schnitte, ohne den Riemen übermäfsig in Anspruch zu nehmen. Die Kurbelfcheibe ift an ihrem äufseren Umfange gelagert und dadurch der Ueberhang auf ein Minimum reducirt. Die Führung des Stofses ift lang, die Steuerung einfach und bequem, der Tifch grofs und mit reichlicher Verfchiebung verfehen. Wir haben mit einem Worte ein recht vollkommenes und handliches Werkzeug vor uns. Der Hub beträgt 260 Millimeter, die Ausladung 650 Millimeter. Tyres- Bohrmaschine. Neu war uns die Tyres Bohrmafchine( Fig. 56, Taf.XV). Sie dient dazu, um jene Löcher zu bohren, in welche die Schrauben zur Befeftigung der Radreifen auf den Radfternen eingefetzt werden und verrichtet diefe Arbeit von der Innenfeite des Rades nach aufsen. Man wählt diefe Richtung defshalb, weil bei vielen Rädern die genannten Schrauben nicht ganz durch den Radkranz gehen, und wo diefs doch der Fall, find die Bohrungen von innen am leichteften zu treffen, fobald es fich darum handelt, für alte, im Radkranze befindliche Löcher die correfpondirenden im neuen Radreifen( Tyre) zu bohren. 44 Carl Pfaff. Ausserdem pafst vorliegende Mafchine, da die Radreifen und Kränze nahezu gleich dick find, ohne Weiteres für jeden Raddurchmeffer. Eine Mafchine, um die gleiche Arbeit von aufsen zu verrichten, kann nur bei durchgehenden Schraubenlöchern verwendet und mufs für jeden Raddurchmeffer verftellt werden. Sie kann allerdings gleichzeitig das Ausreiben oder Verfenken der konifchen Bohrungen beforgen, und überhaupt ftärker gebaut und fo entwickelt werden, dafs fie rafcher arbeitet. Wir wollen aus diefem nur nebenher zur Orientirung angeftellten Vergleiche keinen Vorwurf für unfere Mafchine ableiten, die ja für ihren Zweck ganz vorzüglich und unter allen Umständen klein, einfach und billig ift. Auf einer Grundplatte find zwei Rollenpaare angebracht, welche die gewöhnliche Spurweite zwifchen fich haben und an welche fich zu beiden Seiten die Schienen des Stranges anfchliefsen, auf dem die Räderpaare zugerollt werden. Auf diefen Rollen ftehen die Räder während des Bohrens. Je eine Rolle auf jeder Seite hat zum Verdrehen und Einftellen der Räder eine feft eingekeilte Achfe, deren fechseckiges Ende über das Lager hinausfteht und durch einen gewöhn lichen Schlüffel gedreht werden kann, die anderen beiden laufen lofe auf ihren Zapfen. Rechts ift auf der Grundplatte ein kurzes Bett mit prismatifchen Leiften angebracht, auf welchem der Bohrftänder durch den Handhebel mit Sperrrad verfchoben werden kann. Die Achfe des Sperrrades ift im Bett gelagert und hat innen ein Getriebe, welches in eine Zahnftange am Bohrftänder eingreift. Von rückwärts her geht eine horizontale Achfe in das Innere des Bettes. Sie dient zum Antrieb und trägt aufserhalb fefte und lofe Riemenfcheiben. Der innen liegende Theil ift genuthet und trägt ein Kegelrad, welches durch ein Lager vom Bohrftänder mitgenommen wird und ein zweites Kegelrad auf der vertical in demfelben gelagerten Welle antreibt. Von der vertical en Welle wird die kurze, konifch gelagerte Bohrfpindel durch ein Zwifchenrad angetrieben. Bohrfpindel, Zwifchenrad und Antriebsrad find in einem gemeinfamen Schlitten gelagert, der am Bohrftänder auf und ab verftellbar ift und deffen eine Hälfte fich im Innern des Bohrftänders befindet. Das Antriebsrad ift verfchiebbar auf der verticalen Welle und mit ihr durch Nuth und Feder verbunden. Weiters befitzt der genannte Schlitten noch eine Mutter, welche die hinter der verticalen Welle in gleicher Richtung gelagerte Schraubenfpindel umfafst. Diefe kann durch Schnecke und Rad gedreht werden und beforgt das Höher- und Tieferftellen der Bohrfpindel. C. De Bergue& Co. Manchefter. Die zweite englifche Firma, deren Ausftellung in unferer Specialität wirklich fchön und intereffant war. Sie hat fich fchon vor Jahren durch Einführung ganz neuer Typen für Lochmafchinen und Scheeren, Mafchinen zur Nietenfabrication etc. bekannt gemacht, und es konnte uns nur freuen, ihren originellen Conftructionen in fo tadellofer, ungefucht fchöner und fachgemäfser Ausführung zu begegnen, wie diefs auf unferer Ausftellung der Fall war. De Bergue& Co. hatten eine grofse und eine kleine Lochmafchine und Scheere mit oscillirenden Hebeln, eine Mafchine zur Fabrication von Nieten und eine folche zur Entfernung der Ränder, von den Nietköpfen ausgeftellt, welche fämmtlich in Bewegung waren. Lochmaschine und Scheere. Als typifch befprechen wir zuerft die grofse Lochmafchine und Scheere, und zwar aus dem Grunde etwas eingehender, weil diefe Conftruction bei uns nur durch bildliche Darstellung, keineswegs aber im Detail bekannt ift. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle 45 Die Figuren 57, 58 und 59, Taf. XVII, repräfentiren die Anfichten der Mafchine in 1: 20 der natürlichen Gröfse, jene Fig. 60 und 61 Details in I: 10. Das Eigenthümliche an den Mafchinen von De Bergue ift, dafs fich fowoh! der Lochftempel als auch das Scheerenmeffer in Kreisbögen bewegen und weiter keine Führung haben, als die, welche ihnen der oscillirende Hebel gibt, an welchem fie befeftigt find. Bei den gewöhnlichen modernen Mafchinen gleicher Gattung find befondere Geradführungen für die arbeitenden Werkzeuge angebracht und es wird die kreisförmige Bewegung einer Kurbel, eines Excenters oder eines Hebels durch Druckgelenke oder Schleifbacken auf fie übertragen und in die geradlinige verwandelt. Wenn wir nun in dem Arangement von De Bergue fchon von vornherein eine Vereinfachung finden, fo müffen wir diefer noch einen um fo höheren Werth zugeftehen, wenn wir berücksichtigen, wie frei und zugänglich die arbeitenden Werkzeuge liegen. Letzteres ift befonders bei dem Lochftempe! von Werth wegen des Einbringens gekrümmter Bleche oder Winkel und wegen des ficheren Abfehens, wodurch die auf dem Bleche oder fonftigen Arbeitsftücke markiten Theilpunkte leicht richtig unter den Lochftempel gebracht werden können. Die Kreisbögen, welche Lochftempel und Scheerenmeffer beiderfeits befchreiben, find fo kurz, und aus einem in der Angriffslinie liegenden Mittelpunkte mit verhältnifsmässig fo langen Radien befchrieben, dafs die Werkzeuge factifch fo arbeiten, als wären fie in geraden Linien geführt. Die räumliche Entwicklung unferer Mafchine geht in die Höhe, und die erforderliche Bodenfläche ift daher fehr gering. Die Excenterwelle liegt oberhalb in zwei ftarken Armen, welche fymmetrifch zur Mittellinie in die Höhe gehen und überträgt ihre Bewegung auf einen in Dreieckform gebildeten Mafchinentheil, der in der That ein gut verfteifter doppelter Winkelhebel ift. Diefer hat feinen Drehpunkt unterhalb in der Höhe des feften Scheerenmeffers und der Matrize. Oberhalb befitzt er einen Schlitz, in welchem fich der Schleifklotz der Excenterwelle bewegt. Durch letztere wird er in eine oscillirende Bewegung verfetzt, und da die Werkzeuge zum Schneiden und Lochen an den unteren Hebelfarmen angebracht find, kommen fie abwechfelnd zur Wirkung. Unfere Mafchine ift von der ftärksten Gattung und befitzt doppelte Räderüberfetzung Die Antriebsriemenfcheiben drehen fich lofe auf einem Fortfatz der Excenterwelle. Die Feftfcheibe, hier nur uneigentlich fo genannt, ift mit dem erften Getriebe und dem Schwungrade verbunden und bildet mit diefen nur ein Ganzes. Die Vorgelegewelle geht etwas tiefer durch den zweiarmigen Ständer und fteht auf der andern Seite durch ein Getriebe in Verbindung mit dem Rade der Excenterwelle. In dem dreieckigen Winkelhebel ift eine grofse Oeffnung für den Durchgang der Vorgelegewelle ausgefparrt Auf diefe Weife ift eine fehr kräftige Ueberfetzung hergestellt. Der bewegliche Winkelhebel ift unterhalb, um feinen Drehzapfen herum, fowie zwifchen den Einfaffungsrippen der beiden Ständerarme eingepafst, und findet oberhalb, nahe der Excenterachfe, nochmals Führung zwifchen denfelben. Diefe Führungen und die Steifigkeit, welche ihm in feitlicher Richtung gegeben wurde, fichern den arbeitenden Werkzeugen einen vollkommen richtigen Gang. Eigenthümlich ift ferner das Detail der Befeftigung und Ausrückung des Lochftempels, welches wir in Fig. 60 darftellen. Die in der Mitte angebrachte Winkelfcheere iſt zwar kein charakteriftifcher Theil der De Bergue'fchen Conftruction, fondern nur eine zufällige Hinzufügung. Eigenthümlich ist aber auch hier das Detail der Ausrückung( Fig. 61), die Anordnung des feften Scheerenmeffers in zwei Hälften und die Einrichtung, vermöge welcher die Meffer zum Winkel fchneiden entfernt, und durch folche zum Abfchneiden von fchwachem Rundeifen erfetzt werden können, welche ihrerfeits nochmals ein Wenden geftatten. 46 Carl Pfaff. Die ausgeftellte kleinere Mafchine war mit einfacher Räderüberfetzung verfehen, hatte einen einarmigen Ständer und keine Winkelfcheere. Sie zeichnete fich durch Einfachheit und gefällige Form aus, wefshalb wir fie in Fig. 62 zur Darſtellung bringen. Mafchinen zur Fabrikation von Nieten. Die Mafchine zur Anfertigung von Nieten ist in Fig.63, Taf.XVIII, dargestellt. Sie foll, nach Angabe der Erbauer, gegen 35 Nieten per Minute machen. Die Antriebsriemenfcheiben machen dabei 135 Umdrehungen per Minute. Die Arbeit erfolgt zwifchen der Matrizenfcheibe, welche auf einer Seite des Geftelles frei liegt und fich langfam umdreht, und dem Stempel, welcher fich ihr nähert und fich wieder entfernt. Die Matrizenfcheibe macht eine Umdrehung auf 8 der Stempelwelle und hat 8 Matrizen oder Einfätze, in welche die rothglühenden Rundeifenftückchen eingeſetzt werden, aus denen die Nieten gebildet werden follen. Der Stempel ift an einer ftarken, beiderfeits geführten fchmiedeifernen Stange befeftigt, welche durch einen excentrifchen Zapfen der bezüglichen Welle in hin- und hergehender Bewegung verfetzt wird. Der Eingriff der Räder, welche die Achfen des Stempels und der Matrizenfcheibe bewegen, ift fo angeordnet, dafs dem Stempel in feiner tiefften Stellung jedesmal eine Matrize genau gegenüber fteht. Um diefs für alle Fälle zu fichern, ift das Getriebe, welches in das Rad der Matrizenwelle eingreift, nicht feft mit diefer verkeilt, fondern durch Schrauben mit einer Flantfche derfelben verbunden, welche eine gewiffe Verdrehung, alfo Adjuftirung zulaffen. Auch der Stempel hat in zweifacher Beziehung eine Adjuftirung. Erftens in Hinficht auf feine Länge durch Beilage und anziehbaren Keil und zweitens hinfichtlich feiner Bewegung durch eine Daumenfcheibe. Die erftgenannte Adjuftirung ift nöthig, damit der Stempel in feiner tiefften Stellung immer feft auf der Matrize auffitzt. Die erwähnte Beilage hat noch den Zweck, Brüche zu vermeiden, im Falle irgend ein Hindernifs zwifchen Stempel und Matrize käme, befteht defshalb aus Gufseifen, und ift nur fo ftark, um den Druck bei der Bildung normaler Nietköpfe auszuhalten, bei einem grösseren wird fie zerdrückt und gibt Raum zu ungehinderter Weiterbewegung der Mafchine. Wegen verfchiedener Längen der Stempel und Matrizen werden auch diefe Sicherheitsbeilagen in verfchiedenen Längen angewandt. Kleine Dif ferenzen werden durch den Stellkeil ausgeglichen, mittels deffen auch der Stempel fo weit vorgerückt wird, dafs er beim Leergang die Matrizen mit einem fchwachen Schlage berührt. Der Stempel, aus Gufsftahl, auf feiner arbeitenden Fläche gehärtet, fitzt in einem Gehäufe, welches mit der oben erwähnten Schubftange drehbar verbunden ift. Auf der Drehungsachfe fitzt aufserhalb ein ftarker Hebel feft, der durch die an feinem Ende angebrachte Rolle mit einer verſtellbaren Daumenfcheibe in Berührung fteht. Diefe ift fo eingeftellt, dafs der Stempel in dem Augenblicke, wo er das in die Matrize eingefetzte Eifen berührt und anfängt, den Nietenkopf zu bilden, eine Winkelbewegung erhält, durch die er fo geführt wird, als ware er mit der Matrizenfcheibe durch Verzahnung ver bunden. Durch diefe mitgehende Bewegung, während welcher fich der Stempel der Matrize nähert, bleibt er ihr immer in der richtigen Lage gegenüber bis der Kopf vollendet ift. Die Matrizenfcheibe dreht fich um ein feftftehendes Excenter, deffen Mittelpunkt der Linie der Schubftange oder der Angriffslinie des Stempels gegenüber liegt. In der Scheibe befinden fich 8 radiale Bohrungen, welche mit fchmiedeifernen Büchfen ausgefüttert find, die bei Abnützung ausgewechfelt werden. Diefelben nehmen die eigentlichen Matrizen für die Nieten auf, welche von zahem, harten Gufseifen gemacht werden. Diefe haben keinen Boden, fondern werden unten durch Stahlftifte ausgefüllt, welche nach der jeweiligen Länge der Nieten eingerichtet find, und dem eingefetzten Eifen als Auflage dienen. Sie Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 47 dienen aber auch dazu, um die fertigen Nieten aus den Matrizen zu entfernen und verrichten diefs, indem fie auf dem erwähnten fe ftehenden Excenter gleiten, welcher fie in jenen Matrizen vorfchiebt, welche die unterften Stellungen erreicht haben. Am äufseren Ende haben die Matrizen vorfpringende Rände, zwifchen welche der Kopf des Stempels pafst. Zwifchen dem Mafchinengeftell ift eine kleine Hebelfcheere angebracht, welche von der Stempelwelle durch einen doppelten Daumen bewegt wird, alfo zwei Schnitte auf einen Hub des Stempels macht. Das Eifen, welches immer um eine Kleinigkeit, in England z. B. um 1/64 Zoll fchwächer genommen wird, als die Niete werden foll, wird in einem nahe bei der Mafchine ftehenden Ofen bis zur Rothgluth erwärmt und dann unter Vorfchieben bis zu einem eingeftellten Anfchlag auf Länge abgefchnitten. Die Stücke fallen von der Scheere in die darunter angebrachte Rinne und werden fofort in die Matrizen gebracht. Die Scheere macht defshalb doppelt foviel Hübe als der Stempel, damit kein Zeitverluft zwifchen Abfchneiden und Einftecken der glühenden Stückchen entſteht. Um fowohl die Matrizen und den Stempel, als auch die Scheere vor zu rafcher Abnützung zu fchützen, wird während der Arbeit ein fchwacher Strom kalten Waffers durch zweckmäfsig angebrachte Röhrchen auf fie geleitet. Aufser genannten Mafchinen hatten De Bergue& Co. auch noch eine Vorrichtung ausgeftellt, um die Nietenköpfe, welche manchmal mit Rändern von überflüffigem Materiale verfehen find, zu putzen, refp. diefe Ränder abzupreffen, indem die Nieten durch eine Matrize von der richtigen Weite gedrückt wurden. H. Hind& Son. Nottingham. Vorftehende, fowie die nächfte und leider die letzte der englifchen Firmen, welche in Metallbearbeitungsmafchinen ausgeftellt hatten, gehören nicht zu den hervorragenden in ihrem Fache, fondern begnügen fich damit, gute Marktwaare zu erzeugen, die denn auch nicht die hohen Preife beansprucht, welche von erften Firmen gefordert werden. H. Hind& Son hatten mehrere Werkzeugsmafchinen ausgeftellt, welche eben den Charakter des allgemein gangbaren Mittelgutes darftellten und in deren Conftruction Originalität in keiner Weife angeftrebt war. Wir wählen eine Drehbank, eine Horizontalbohrmaſchie und eine Wandbohrmaschine zur Befchreibung aus. Spindelftöcke der felbftthätigen Drehbänke. Bevor wir jedoch zu diefer felbft übergehen, möchte es uns geftattet fein, eine allgemeine Auseinanderfetzung über die verfchiedenen Conftructionen zu geben, welche bei den Spindelftöcken der felbftthätigen Drehbänke mittlerer Gröfse im Gebrauche find, indem wir hoffen, die nachfolgenden Befchreibungen dadurch wefentlich zu erleichtern. Von der Spindel einer Drehbank wird verlangt, dafs fie fich in unverückbarer Lage um ihre geometrifche Achfe gleichmässig und leicht drehen laffe, und diefe Bedingungen trotz der unvermeidlichen Abnützung beim Gebrauch durch längere Zeit erfülle. Die Spindel wird in den verfchiedenften Richtungen in Anfpruch genommen. Die auf fie wirkenden Kräfte äufsern fich entweder in einem Drucke auf die Lager der Spindel, oder in einem folchen parallel mit der geometrifchen Achfe, meiftens aber gleichzeitig in beiden Richtungen. Die Lagerung der Spindel hat alfo folgenden Hauptbedingungen zu entſprechen: fefte 48 Carl Pfaff. unverrückbare Lage der Spindel bei leichtem Gang derfelben, Ausgleichung oder Verhinderung der Abnützung, gute Aufnahme des axialen Druckes. Wir wollen nun die verfchiedenen gebräuchlichen Syfteme vergleichen, um zu fehen, wie fie diefen Bedingungen entſprechen. Wir kennen Spindelftöcke mit konifchen Lagern, folche mit cylindrifchen und endlich combinirte, welche an einem Ende cylindrifche, am andern konifche Lager haben. Da ift vor allem Anderen der Spindelftock vonWhitworth, Fig.64, Taf.XIX. Derfelbe hat konifche Lager. Beide laufen nach der gleichen Richtung zu und haben nur fo viel Anlauf, um eine Ausgleichung der Abnützung zu geftatten. Die Lagerbüchfen find feft in den Spindelftock eingefetzt und die konifchen Laufflächen an die Spindel felbft angedreht. Der axiale Druck wird durch einen flachen Ring, welcher mittels zweier Muttern verftellbar ift, auf die Flantfche der rückwärtigen Lagerbüchfe übertragen. Angezogen wird die Spindel durch einen ähnlichen Ring, der fich gegen die andere Seite genannter Lagerbüchfe anlegt und ebenfalls durch Muttern regulirt und feftgeftellt wird. Mittels diefer Ringe wird die Lage der Spindel, alfo auch ihr mehr oder weniger dichter Gang in den Lagern regulirt, und der vordere hat aufserdem noch den Zweck, den axialen Druck auf zunehmen. Das rückwärtige Ende der Spindel bleibt frei für das Aufftecken der Wechfelräder. Bei der berühmt exacten Ausführung Whitworth's, welcher alle diefe Lagerbüchfen, Spindeln und Muttern glashart und mathematiſch genau rund herftellt, haben feine Spindelftöcke erfahrungsmäfsig eine Dauer von noch nicht bekannter Begrenzung. Sie veranlaffen keine Reparaturen und bleiben ftets richtig. Der einzige Fehler, der ihnen anhaftet, liegt in dem flachen Druckringe, der fich, wie wir bei Gelegenheit der Befprechung von Seller's Drehbank gezeigt haben, leicht verreibt. Aber trotzdem laufen Whitworth's Spindeln mit verriebenen Druckringen noch immer gut, und es ift nur die fchwierige Anfertigung und der hohe Preis, welche der allgemeinen Anwendung im Wege ftehen. Weit weniger Sorgfalt erfordern die allgemein üblichen Lagerungen nach Fig. 65. Die Conicität der Lager ift bedeutend gröfser als bei Whithworth, weil, wie wir gleich fehen werden, die Lage der Spindel zum Theil durch die konifchen Lauftheile felbft regulirt wird und bei gröfserem Anlaufe nicht fo leicht ein Festfetzen der Spindel eintritt. Die Kegel, deren Theile beide Lager bilden, ftehen einander mit den Spitzen gegenüber. Der Lauftheil im rückwärtigen Lager ift als lofe Büchfe gebildet, welche auf die Spindel aufgefchoben und durch eine Feder an der Verdrehung gehindert ift. Diefe konifche Büchfe wird durch Stell- und Gegenmuttern regulirt, und abgefehen von dem vom vordern Ende der Spindel nach rückwärts gehenden Achfendruck wird die Spindel durch die beiden konifchen Lauftheile in ihrer Lage gehalten, der erwähnte Achfendruck aber wird durch eine Druckfcheibe aufgenommen, welche meift in einem durch zwei Säulchen oder Stützen rückwärts am Spindelftock befeftigten Querftück angebracht ift. Das Querftück kann auch durch anders geformte Theile, Arme, Büchfen etc. erfetzt werden. Allemal ift aber das Aufftecken der Wechfelräder gehindert und man findet die verfchiedenften Conftructionen, um diefem Uebelftande abzuhelfen, am meiften eine Reverfirvorrichtung oder Wechfelbolzen. Der axiale Druck wird durch die Druckfchraube am beften aufgenommen, indem er hier am wenigften Reibung und Abnützung hervorruft. Bei der hier befchriebenen Spindelconftruction ift zumeift nur Vorficht beim Aufpaffen der lofen konifchen Büchfe zu beobachten. Alles Andere daran ift leicht auszuführen und in Ordnung zu halten. Gehärtete und genau rund gefchliffene Lager und Spindeln find nicht nothwendig, indem fchmiedeeiferne Spindeln und Rothgufsbüchfen fchon fehr gute Refultate geben, und fo ausgerührte Spindelftöcke eine ganz refpectable Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 49 Dauer haben. In der That find fie auch die am meiften ausgeführten, und wir werden fie in der Folge mit dem Namen gewöhnliche Spindelftöcke mit konifchen Lagern bezeichnen. Der Hauptübelftand, welchen fie mit fich bringen, befteht in der Behinderung des Auffteckens beliebiger Wechfelräder. Man kann diefem allerdings begegnen, aber immer nur durch Geftattung eines anderen Nachtheiles, nämlich der Vermehrung von Rädern und Achfen. Ferner ift die Regulirung, welche immer gleichzeitig am rückwärtigen Lager und an der Druckfchraube vorzunehmen ift, ziemlich fchwierig und endlich dürfte noch das ungefällige Ausfehen der am Spindelftocke rückwärts vorftehenden Anhängfel erwähnt werden. Alle Spindelftöcke mit konifchen Lagern, denen wir in diefem Berichte begegnen werden, laffen fich auf eine der beiden obgenannten Conftructionen zurückführen. Wenn wir uns aber die Frage ftellen, ob denn überhaupt konifch gelagerte Spindeln den cylindrifch gelagerten vorzuziehen feien, fo werden wir darauf kaum eine entfcheidende Antwort finden können. Theoretisch betrachtet, erfcheinen konifche Lager als die allein rationellen. Die Praxis aber beweift, dafs auch Spindeln mit cylindrifchen Lagern ebenfo gut befunden, ja in manchen Ländern durchaus vorgezogen werden. Während in England faft ausfchliesslich Drehbankfpindeln mit konifchen Lagern angewandt werden, kommen in Amerika faft nur folche mit cylindrifchen Lagern vor und in Deutfchland theilen fich beide Syfteme gleichmässig in die Herrfchaft. Wie in vielen Fällen, fo ift auch hier die Theorie auf gewiffe Annahmen und Voraussetzungen geftützt, welche in der Ausführung fchwer zu erreichen find. In der That ift die Ausführung und Erhaltung konifch gelagerter Spindeln mit Schwierigkeiten verbunden, welche einerfeits die Anfertigung überall dort verhindern, wo billige Preife mafsgebend find, anderfeits die Erhaltung zweifelhaft machen, wo weniger geübte und vorfichtige Arbeiter zur Verfügung stehen. Man hat auch beim Gebrauche die konifchen Lager dann nicht gern, wenn viel auf der Planfcheibe gedreht werden foll, ohne dafs die Reitftockfpitze zur Anwendung kommt. Während nämlich bei Anwendung der Reitftockfpitze mit mehr oder weniger ftarkem Achfendruck eine gewifse Elafticität fämmtlicher Theile, guten dichten Schlufs in den konifchen Lagern hervorbringt, fehlt derfelbe, fobald die Reitftockfpitze diefen Druck nicht hervorbringt und man mufs die Spindel für das Plandrehen anders reguliren, als für das Drehen zwifchen den Spitzen. Bei cylindrifchen Lagern fällt diefer Uebelftand weg, und man hat noch den Vortheil in der Hand, durch einfaches Nachziehen der Deckelfchrauben beim Plandrehen eine oft erwünſchte Bremfung der Spindel hervorzurufen. Laffen wir die Syftemfrage unentfchieden, begnügen uns mit diefen Andeutungen und gehen direct zu den Spindelftöcken mit cylindrifchen Lagern über. Ein folcher ift in Fig. 66 dargestellt. Während alle konifchen Lager als gefchloffene Büchfen gemacht werden, in welchen die Ausgleichung der Abnützung durch Verfchiebung der Spindel in der Achfenrichtung erfolgt, find alle cylindrifchen Lager zweitheilig und die Abnützung wird durch Zuſammenziehen der beiden Hälften ausgeglichen. Der axiale Druck wird ebenfo wie bei den gewöhnlichen Spindelftöcken mit konifchen Lagern durch eine Druckfchraube aufgenommen, während die Spindel entweder durch einen Bund am vordern Lager oder durch Ring- und Stellmuttern am rückwärtigen in ihrer Lage erhalten wird. Der axiale Druck kann auch durch Druckringe wie bei Whitworth's Spindelftock aufgenommen werden, es ift diefs jedoch, trotzdem dabei das Spindelende ganz frei bleibt, nur für grofse Drehbänke zu empfehlen. Die Druckfchraube ift meift in einem rückwärts durch Stützen gehaltenen Querftück angebracht, kann aber auch ganz dicht an den Lagerfchalen liegen, wobei dann eine befondere Uebertragungsachfe für die Wechfelräder ein4 50 Carl Pfaff. gefchaltet werden mufs. Man hat auch Spindeln mit cylindrifchen Lagern in der Weife ausgeführt, dafs der vordere Bund, gegen welchen fich die Planfcheibe lehnt, allen Achfendruck auf die Flantfche des vordern Lagers überträgt und die Spindel durch Ring und Stellmutter von rückwärts her angezogen und in ihrer Lage gehalten wird. So fehr diefes einfache Syftem, welches alle auftretenden Spannungen in eine Richtung bringt, für ganz grofse Drehbänke, wie z. B. Räderdrehbänke und grofse Plandrehbänke, pafst, fo wenig ift es für kleine und mittlere Drehbänke geeignet, mufs vielmehr für diefe geradezu verworfen werden. Nach diefer allgemeinen Befchreibung der cylindrifch gelagerten Spindeln erübrigt uns noch der combinirten Spindelftöcke zu erwähnen, welche in den vordern Lagern cylindrifche, im rückwärtigen konifche Bohrungen haben. Diefe treten nur felten auf. Ein Beiſpiel bietet der Spindelftock von Sellers, Fig. 25 und 27, Tafel IV, auf den wir hiermit verweifen. Suportdrehbank. Kehren wir nun zu unferem Ausfteller zurück, und betrachten die Suportdrehbank zum Egalifiren und Schraubenfchneiden, Fig. 67, Taf. XIX. Die Spitzenhöhe beträgt 178 Mm. und ift die ganze Drehbank entſprechend ftark ausgeführt. Der Spindelftock ift der gewöhnliche mit konifchen Lagern. Die Druckfchraube ift in einem ziemlich entfernt liegenden Querftück gehalten, deffen Stützen weit genug auseinanderliegen, um auch gröfsere Wechfelräder paffiren zu laffen. Für Gewinde, welche eine fehr grofse Ueberfetzung verlangen, ift durch einen übrigen Wechfelbolzen in der Scheere vorgeforgt. Die Achfe für das Rädervorgelege wird durch Excenterbewegung aus und eingerückt. Der Reitftock ift nicht zum Konifchdrehen verftellbar, das Anziehen des Stofses erfolgt durch Zufammenpreffen der einfeitig aufgefchlitzten Hülfe. Aufser der Leitfpindel zum Schraubenfchneiden ift auch noch eine felbftthätige Bewegung des Suports durch Schnecke und Zahnftange angebracht, welche vorwärts und rückwärts gebraucht werden kann. Schlitten, Suport, Bett etc. find gut ausgebildet, aber von den gewöhnlichften Typen. Die Ausführung entſpricht dem eingangs Gefagten. Horizontalbohrmaſchine. Die Horizontalbohrmaschine, Fig. 68, 69 und 70, war eine ganz gefchickte Modification der bekannten und viel angewandten Horizontalbohr mafchinen. Während diefe gewöhnlich etwas gröfser und auf niedrig liegenden Fundamentplatten angeordnet find, hatte Hind, wie wir aus unfern Zeichnungen erfehen, feine Fundament- oder Auffpannplatte etwas über den Fussboden erhoben. Er konnte diefs thun, weil feine Mafchine nicht univerfell, fondern nur zum Bohren kleinerer Stücke wie: Dampfcylinder, Lager etc., beftimmt war. Die Mafchine bohrt bis zu 410 Millimeter Durchmeffer und ift mit einer Vorrichtung verfehen, um Flangen von Cylindern, Lagern etc. abzudrehen. Die Bohrfpindel hat eine horizontale Verfchiebung von 750 Millimeter, kann auf alle Höhen von 180 bis zu 730 Millimeter von der Auffpannplatte eingeftellt und feitlich um 460 Millimeter verfchoben werden. Die Auffpannplatte ift 2134 Millimeter lang und 915 Millimeter breit. Auf derfelben werden die Arbeitsftücke direct und ohne Unterlagen aufgefpannt und die Verfchiebbarkeit der Bohrfpindel wird benützt, um diefelbe in Sind mehrere das Mittel der zu machenden Bohrung richtig einzuftellen. Bohrungen parallel zu einander in einem Arbeitsftücke auszuführen, fo wird die Bohripindel nach und nach in alle eingeftellt und der Vortheil des Syftemes tritt Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 51 dann befonders klar zu Tage. Die Einrichtung der Mafchine ift, wie aus den angeführten Figuren erfichtlich, folgende: An einem rechteckigen Rahmen findet fich feitwärts der Antrieb mit Räderüberfetzung in der Art eines Drehbanksfpindelftockes angebracht. Die Antriebsachfe hat in der für die Verfchiebung des Bohrftänders erforderlichen Entfernung ein drittes Lager und ift mit einer Nuth verfehen. Auf dem Rahmen fteht verfchiebbar der Bohrftänder und erfafst mit herabgehendem Arme die Hülfe eines Schrägrades, welches mit der Antriebsachfe verfchiebbar verbunden ift. Ein zweites Schrägrad ift im horizontalen Arme des Bohrftänders gelagert und überträgt durch eine verticale genuhete Welle die Bewegung nach oben. Am Bohrftänder felbft ift der Bohrzeugträger vertical verftellbar angebracht und empfängt die Bewegung mittels zweier Schrägräder, welche ähnlich wie die unteren eingerichtet find. Zwifchen den letztgenannten Schrägrädern und der Hülfe der Bohrfpindel vermitteln eine kurze horizontale Achfe und ein Paar Stirnräder, die im Verhältniffe von etwa 1: 3 ftehen, die letzte Ueberfetzung. Die Hülfe liegt in anziehbaren cylindrifchen Lagern und nimmt die Bohrfpindel durch diametral gegenüberftehende Nuthen und Federn mit. Die Verfchiebung der Bohrfpindel kann mittels der feft mit ihr verbundenen Druckfchraube und der drehbaren Mutter von Hand oder durch Differenzialräderwerk felbftthätig erfolgen. Die beiden Getriebe des letzteren find durch excentrifchen Bolzen ausrückbar. Das Differenzialräderwerk gibt zwar einen fehr gleichmässigen kontinuirlichen Vorfchub, geftattet aber keine Variation des felben. In Verbindung mit dem Rahmen oder Geftell des Bohrftänders fteht die Auffpannplatte dadurch, dafs beide an den Ecken verfchraubt find. Entfprechend dem Bohrftänder ift auf derfelben ein verftellbares Lager angebracht, welches leicht in die mit der Bohrfpindel correfpondirende Stellung gebracht werden kann, und ihr dann als Stütze dient. Die Arbeitsftücke werden meift zwifchen dem Bohrftänder und dem Lager aufgefpannt, es kann jedoch auch das letztere zur Verfteifung der Bohrfpindel vor dem zu bohrenden Gegenftande aufgeftellt und dann mit dem freien Spindelende gebohrt werden. Zum Abdrehen von Flangen ift auf der Bohrfpindel ein Doppelarm verfchiebbar aufgefteckt, deffen Nabe im Lager geführt ift. Steuerfterne und ein unterhalb vorgefehener verftellbarer Anfchlag bewirken den radialen Vorfchub der in die Mefferhalter eingefpannten Werkzeuge; für den horizontalen Vorfchub kann die nur auf Fig. 68 fichtbare, am Fufse des Lagers angebrachte Stellfchraube dienen. Wandbohrmaſchine. Die Wandbohrmaschine, Fig. 71, Taf. XX ift ein ftarkes und einfaches Werkzeug, intereffant durch die Anwendung befonderer Füfse. Die Ausladung der Bohrfpindel von der Wand wird in der Praxis oft ganz verfchieden grofs verlangt und es ift für den Conftructeur die leichtefte Art, diefen mannigfachen Anforderungen dadurch zu entfprechen, dafs er derartige Füfse oder Zwifchenftücke einfchaltet, deren Veränderung von Fall zu Fall fchnell und billig möglich ist, während die Abänderung eines ganzen Bohrmaſchinenmodelles unverhältnifsmäfsigen Aufenthalt und Koften verurfacht. Wir glauben bei der Einfachheit des Gegenftandes und der Deutlichkeit unferer Zeichnung der fpeciellen Befchreibung enthoben zu fein; erwähnen nochmals, dafs die Ausführung aller Maſchinen eine mittelgute war, und gehen zu unferem nächsten Ausfteller über. 4* 52 Carl Pfaff. D. New& Co. Nottingham. Diefe Firma hatte eine folche Menge von Werkzeugmafchinen auf engem Raume ausgeftellt, dafs einzelne nur fchwer zu befichtigen waren und die überhäufte ungeordnete Collection den Eindruck eines Jahrmarktstandes machte. Hievon abgefehen, bot die Ausstellung der jungen, aber im Ganzen emporftrebenden Firma einiges Intereffe und wir wählen zur Befchreibung eine Drehbank, eine Achfendrehbank, eine Räderdrehbank, eine Hobelmafchine und eine Radialbohrmafchine aus. Suportdrehbank. Die Drehbank, Fig. 72, Taf. XX hatte 130 Millimeter Spitzenhöhe, Räderüberfetzung und gekröpfte Wange mit Einlegplatte. Der Spindelftock war der gewöhnliche mit konifchen Lagern und das Aufftecken der Wechfelräder erfolgte auf der Hülfe einer Reverfirvorrichtung, durch welche das Egalifiren vor- und rückwärts, fowie das Schneiden rechter und linker Gewinde ermöglicht wurde. Wir müffen hier bemerken, dafs diefe Art von Reverfirvorrichtung zwar fehr vertheilhaft für das gewöhnliche felbftthätige Drehen, dagegen fehr ungünftig für das Schraubenfchneiden ift, indem zu viele fchwache Theile in der Verbindung mit der Leitfpindel auftreten. Das Rädervorgelege des Spindelftockes war durch Excenterbewegung ausrückbar. Eine zweite felbftthätige Bewegung für den Suport, wie wir fie bei Hind fanden, war hier nicht vorhanden, und wir erklären unumwunden, dafs wir eine folche Complication auch in den meiften Fällen für ganz unnöthig halten. Der Reitftock war nicht zum Konifchdrehen verfchiebbar, der Stofs desfelben wurde durch Druckftück und Schraube feft geftellt. Der Suport konnte vom Schlitten entfernt und letzterer, ganz frei gemacht, zum Auffpannen von Arbeitsftücken verwendet werden. Die ganze Drehbank war gut proportionirt aber gewöhnlich. Achfendrehbank. Die Achfendrehbank, Fig. 73, Tafel XXI ift beftimmt, Achfen von Eifenbahnfahrzeugen an beiden Enden zugleich zu bearbeiten. Die Achfen werden zwifchen feften Spitzen eingefpannt und von der fie umgebenden Hülfe in der Mitte angetrieben. Bei unferer Mafchine begegneten wir zum erften Male dem gut ausgebildeten, feitwärts angebrachten Antrieb mit Räderüberfetzung Whitworth hat fchon früher einen ähnlichen Antrieb ausgeführt, welcher aber nur eine Ueberfetzung und nur die zum Ausfchroppen und Vordrehen der Achslager nöthigen Gefchwindigkeiten darbot. Das Fertigdrehen, Ausfchlichten und Ueberfeilen der Achfen konnte bei diefer Einrichtung nur unter den ungünftigften Bedingungen vorgenommen werden. Es mag diefs in Werkstätten, welche nur neue Achfen erzeugen, defshalb ganz gut angehen, weil die fortwährend gleiche Arbeit leicht auf zwei verfchiedene Bänke vertheilt werden kann. In Reparaturwerkftätten aber ift diefs fchon wegen der befchränkten Zahl der Werkzeugmafchinen nicht gut ftatthaft und würde bei dem vereinzelten Auftreten der Arbeiten diefe fehr vertheuern Es ift defshalb der vorliegende Antrieb als eine entfchiedene Verbefferung anzufehen, indem er die verfchiedenen zum Ausfchroppen und zum Fertigmachen nöthigen Gefchwindigkeiten gibt. Wenden wir uns zu unferer Figur, fo fehen wir am Ende der Drehbank einen Anbau mit der vollſtändigen Ueberfetzung eines Spindelftockes. Das Rädervorgelege ift durch Excenter auslösbar. Die Antriebsachfe geht innerhalb des Bettes bis in die Mitte, wo fie wieder gelagert ift und ein Getriebe trägt, das Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 53 in ein Rad auf der hohlen, im Mafchinenmittel gelagerten Hülfe eingreift. Diefes Rad ift mit einem am Lager angegoffenen Schutzbogen umgeben. Die Verhältniffe der Räder find folgende: de cod Erftes Getriebe an der Stufenfcheibe 5/8" engl. Diameter Ueberfetzungsrad Zweite Ueberfetzung Getriebe auf der Achfe Rad auf der Hülfe 18" 99 I: I " 81/4" 24"" 99 99 " woraus eine totale Ueberfetzung von beiläufig I zu 10 refultirt. Wir fehen aus der Wahl der ungewöhnlichen zweiten Ueberfetzung, dafs die ganze Anordnung mit dem gehörigen Studium durchgeführt wurde und können das Ergebnifs nur anerkennend hervorheben. Auf der Mittelhülfe ift ein Excenter angebracht, welches in fehr einfacher Weife die Bewegung der Leitfpindeln vermittelt. Im Uebrigen ift die einfache und klare Anordnung aus unferer Zeichnung zu erfehen, und hätten wir nur gewünſcht, dafs die Formen diefes ftarken und zweckmäfsigen Werkzeuges etwas weniger roh gewefen wären, was recht leicht fein konnte, ohne dafs dadurch der Ausdruck der Stärke gelitten hätte. Räderdrehbank Ueber die Räderdrehbank, Fig. 74. Taf.XXI ift wenig Befonderes zu fagen. Sie repräfentirte recht gut die neuerer Zeit allgemein üblichen ftarken Werkzeuge diefer Gattung und zeichnete fich nur durch befonders kräftige Räderüberfetzung aus, indem ftatt der gewöhnlich angewandten einfachen Räderüberfetzung zwifchen der ersten Antriebsachfe und der Bodenwelle eine doppelte vorhanden war. Das Bett war fehr ftark und mit T förmigen Schlitzen zur Befeftigung der Spindelftöcke und Suporte verfehen. Die Suportplatten waren durch Zahnftangen und Getriebe, die Suporte durch Schrauben verftellbar. Die Spindelftöcke waren kräftig gebildet und hatten fehr breite Auflage. Hobelmafchine. Auch die Hobelmafchine, Fig. 75, Taf. XXII bringen wir mehr um einer Repräfentation der Gattung als um fpecieiler Bemerkungen willen. Sie war kräftig, einfach und praktifch angeordnet, wie es eben alle in England üblichen derartigen Mafchinen find. Der Antrieb des Tifches erfolgte durch Zahnftange, Getriebe und Räderüberfetzung, mit langfamer Schnitt- und befchleunigter Retourbewegung. Der Tifch, mit feitwärts offenen Schlitzen, war kräftig und lief in breiten prismatifchen Bahnen, deren Flächen im günftigften Winkel zu einander ftanden. Bett, Ständer und Suporte waren gleichfalls kräftig und gut proportionirt. Die Querverbindung der Ständer mufste fehr kräftig genannt werden, hatte aber eine befremdende Ornamentation. Radialbohrmaſchine. Weit mehr als über die beiden letzten Mafchinen haben wir über die Radialbohrmaſchine, Fig. 76, Taf. XXII zu fagen. Sie zeigt eine jener Conftructionen, welche von Zeit zu Zeit gemacht werden, um die älteren Typen von Whitworth und Fairbairn zu umgehen. Wir wiffen heute nicht für gewifs zu fagen, von wem die erfte Radialbohrmaschine gebaut wurde, glauben aber nicht zu irren, wenn wir eine der erften der ehemaligen Firma Sharp, Roberts& Co. zufchreiben. Es war diefs eine an der Wand zu befeftigende Mafchine, bei welcher der radiale 54 Carl Pfaff. Arm zwei lange cylindrifche Zapfen hatte, die fich in Lagern drehen und vertical verfchieben laffen konnten. Später führte Whitworth feine freiftehende Radialbohrmafchine ein, welche die Zapfen am radialen Arm behalten, die verticale Verftellung aber in einen befondern Schlitten verlegt hatte. Hierauf entstanden die Mafchinen, bei welchen der radiale Arm fich um eine feftftehende cylindrifche. Säule drehte, unter denen die von Fairbairn am bekannteften find. Fairbairn hatte immer die verticale Verftellung des Armes durch einen befonderen Schlitten vermittelt, und es find nun eben die neueften Conftructionen, welche diefes zu umgehen und den radialen Arm direct auf der Säule zu drehen, zu heben und zu fenken fuchen. Unter diefe gehört unfere Mafchine. Ihr radialer Arm läuft in eine lange Hülfe aus, welche rückwärts aufgefchlitzt und mit ftarken Flantfchen und Schrauben verfehen ift, um eine Zufammenziehung zu erlauben, welche nicht nur zur Feftftellung des Armes während des Bohrens, fondern auch zur Ausgleichung der mit der Zeit auftretenden Abnützung gebraucht werden kann und deren Anwendung fehr zu loben ift. Vermittels genannter Hülfe ift der radiale Arm auf der feftftehenden cylindrifchen Säule drehbar, verfchiebbar und zum Feftftellen vorgerichtet. Die Drehung und Feftftellung erfolgt von Hand, die verticale Verfchiebung aber durch die Mafchine felbft, wie wir fpäter fehen werden. Die Bewegung wird zuerft auf eine kurze horizontale Achfe mit Stufenfcheibe und Rädervorgelege übertragen, welche nach Art eines Spindelftockes eingerichtet ift und Auslöfung durch Excenter hat. Im Innern der feftftehenden Säule geht eine verticale Achfe in die Höhe, welche mit der horizontalen durch ein Paar Schrägräder verbunden und oben in einem drehbar auf der Säule angebrachten Deckel gelagert ift. Gleich über diefem hat fie ein Stirnrad, welches die Bewegung durch ein Gleiches auf eine zweite verticale Achfe überträgt, die aufserhalb herabgeht und bei ihrem Durchgang durch den radialen Arm verfchiebbar mit einem Schrägrade verbunden ift, durch das endlich die Bewegung auf die horizontale Achfe im Arme und von diefer abermals durch 4 Schrägräder auf die Bohrfpindel übertragen wird. Letztere Uebertragung ift complicirt und wir werden bald einer ähnlichen Mafchine mit einfacherer, befferer Anordnung begegnen. Die Steuerung der Bohrfpindel wird durch Schnecke und Rad bewirkt, welche ihre Bewegung von einer kurzen horizontalen Achfe nehmen, die nochmals mit Schrägrädern von der Bohrfpindel getrieben wird. In diefen Mechanismen, fowie in der Verfchiebung des Bohrzeugträgers durch Schraube war nichts Befonderes zu finden. Eigenthümlich ift die Vorrichtung zum Heben und Senken des radialen Armes. Ueber dem Rade nämlich, welches zur Uebertragung der Bewegung auf die Bohrfpindel dient, ift noch ein zweites, kleineres angebracht und in Verbindung mit zwei ähnlichen Stirnrädchen gefetzt, die nach Art der Reverfirvorrichtungen angeordnet und in einem oben den Abfchlufs bildenden, hebelartig beweglichen Stücke gelagert find. Eine fchwache, aufserhalb herabgehende, mit Handgriff verfchiebbar verbundene Achfe dient dazu, die befchriebene Vorrichtung fo zu ftellen, dafs die Schraube zum Heben und Senken des radialen Armes, entweder links oder rechts oder gar nicht gedreht, diefer alfo gefenkt, gehoben oder ftill gehalten wird. Der drehbare Deckel auf der Säule, in welchem alle diefe Theile gelagert find, mufs fich mit dem radialen Arme drehen, indem er mit ihm durch zwei Achfen und eine Schraube verbunden ift. Er kann nur durch die Steifigkeit diefer verbindenden Theile mitgenommen werden, was uns denn doch bedenklich erfcheint. Im Ganzen können alle Verfuche, bekannte Conftructionen durch neue zu erfetzen, nur gelobt und ermuntert werden. Jede, welche Vereinfachung bringt, findet immer Eingang. Die Hauptdimenfionen unferer Mafchine find folgende: Gröfste Ausladung der Bohrfpindel 1600 Millimeter, verticale Verftellung des radialen Armes Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 55 640 Millimeter. Wir ſchliefsen die Befprechung der von New& Co. ausgeftellten Mafchinen mit der Bemerkung, dafs alle mittelgut ausgeführt waren. Bandfäge zum Schneiden von Metallen. Wir entlehnen der Abtheilung für Holzbearbeitungsmafchinen noch ein Stück zur Befchreibung, welche hieher gehört. Es ift diefs die Bandfäge zum Schneiden von Metallen von Powis, James, Weſtern& Co. in London. Diefe Mafchine, Fig. 77, Taf. XXIII ift ganz wie eine Bandfäge zum Schnei den von Holz gebaut, nur in allen Theilen viel ftärker, mit einem befonders grossen Tifch und einem Antrieb durch Räderüberfetzung. Die Rollen haben 1100 Millimeter Diameter und machen 23 Touren per Minute, was einer Blattgefchwindigkeit von 1300 Millimeter per Secunde ent fpricht. Die untere ift mit einem Zahnkranz mit innerer Verzahnung verfehen, der durch ein Getriebe auf der Vorgelegewelle angetrieben wird. Das Blatt lehnt fich mit feinem Rücken gegen Führungsrollen an, was bei der kleinen Gefchwindigkeit ganz wohl angeht und ift feitwärts in der gewöhnlichen Weife geführt. Die Spannung desfelben gefchieht durch eine lange Blattfeder und Schraube. Es follen auf diefer Mafchine Eifenbleche zu verfchiedenen Zwecken des Maſchinen- und Schiffbaues mit Vortheil gefchnitten werden. Die Sägenblätter find auf der gezahnten Seite etwas ftärker als am Rücken, fo dafs fie mit möglichft wenig Reibung arbeiten. Zur Abkühlung werden fie beim Schneiden mit Seifenwaffer oder Oel benetzt und ift diefe eine viel vollkommenere, als z. B. bei Fraifern, fchon aus dem Grunde, weil ein und derfelbe Zahn erft lange durch die freie Luft geführt wird, bevor er wieder zum Angriff kommt. 36 Carl Pfaff. Schweiz, Belgien, Frankreich. Die Schweiz, Belgien und Frankreich waren in unferem fpeciellen Fache leider numerifch fo fchwach vertreten, dafs wir uns genöthigt fehen, diefe Länder collectiv anzuführen, wozu uns wohl auch der Umftand berechtigt, dafs ihre Mafchineninduftrie auf gleich hoher Entwicklungsftufe fteht. J. J. Rieter& Co. Winterthur. Schweiz. - Die von diefer alten, rühmlichft bekannten Firma ausgeftellten Werkzeugmafchinen waren fämmtlich von grofser Vollkommenheit und fchöner Durchbildung in der Form, was um fo beachtenswerther ift, als gerade diefe Firma derartige Mafchinen nicht als alleinige Specialität baut, fondern fich hauptfächlich mit der Anlage von Wafferwerken, Spinnereien u. dgl. befafst. J. J. Rieter& Co. ftellten folgende Werkzeugmafchinen aus: Eine Band fäge für Eifen, eine grofse Langlochbohrmaſchine, eine Hobelmafchine, eine Radialbohrmaſchine und eine Fraismafchine. Bandfäge zum Schneiden von Metallen. Die in Fig. 78, Taf. XXIII dargestellte Bandfäge hatte denfelben Zweck, wie die bereits befchriebene englifche, war auch in faft gleicher Gröfse ausgeführt und unterfchied fich von diefer nur durch einzelne Conftructions details. So hatte beiſpielsweife der Ständer eine fchlankere Form und die Räderüberfetzung zum Antrieb der untern Sägenrolle zeigte eine von der englifchen abweichende Anordnung. Die Spannung des Sägeblattes gefchah bei unferer Mafchine mittels eines Hebels und einer eingefchalteten Federbüchfe. Zur Auflage der zu fchneidenden Bleche waren kleine Unterlagen( Fig. 79), die je aus einer Anzahl von zwifchen zwei Blechen gefafsten Kugeln beftanden, beigegeben, welche eine leichte Handhabung und Bewegung derfelben ermöglichten. Wir kennen zwar derartige Bandfägen zum Schneiden von Metallen noch nicht aus eigener Erfahrung, zweifeln aber keineswegs an ihrer praktischen Verwendbarkeit. Langlochbohrmaschine. Die Langlochbohrmafchine, Fig. 80, Taf. XXIV ift für gröfsere, ungewöhnlich geformte Mafchinenbeftandtheile beftimmt, wefshalb fie am Rande einer Grube placirt ift und ein fehr tiefes Herablaffen des Tifches geftattet. Auch die Form des Ständers deutet auf die erwähnte Beftimmung hin, indem derfelbe zweiarmig ift und wie aus der Figur erfichtlich in der Mitte eine grofse Oeffnung freiläfst. Die fefte Verbindung der beiden Arme erfolgt oberhalb durch ein ftarkes, mit Führungsprismen verfehenes Querftück, unterhalb aber durch eine Winkelrippe. Auf dem Quertheil wird der Bohrzeugträger durch den bekannten Mechanismus hin und herbewegt. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 57 Die felbftthätige intermittirende Steuerung des Bohrers wird beim Schlitzbohren durch die feitswärts fichtbare Vorrichtung bewirkt, doch ift aufser diefer noch eine zweite felbftthätige Steuerung angebracht, welche den continuirlichen, zum Bohren cylindrifcher Löcher geeigneten Vorfchub geftattet und zugleich erlaubt, die Bohrfpindel fowohl für das Bohren von Schlitzen, als auch für jenes von cylindrifchen Löchern von Hand zu bewegen. Beide felbftthätigen Steuerungen können je nach der auszuführenden Arbeit abwechfelnd benützt werden. Der Antrieb der Bohrfpindel erfolgt feitwärts durch Stufenfcheibe und freitragend auf excentrifchen Zapfen angeordnetes Rädervorgelege. Die Antriebsachfe verfchiebt fich bei der Bewegung des Bohrzeugträgers in ihren Lagern und den Stufenfcheiben, von welchen die zum Antrieb der Steuerung beftimmte aufsenliegende durch eine lange Nabe im Lager gehalten ift. Hobelmafchine. Die ausgeftellte Hobelmafchine war mit dem Antrieb von Sellers, jedoch in etwas abweichender Anordnung verfehen, hatte an den Suporten- Vorrichtungen zum Heben der Meffer beim Rückgange, wie wir diefelben fchon bei Gelegenheit der Maſchine von Sharp, Steward& Co. befprochen haben, und war offenbar auch im Uebrigen nach dem Mufter der letzteren gebaut. Wir können nicht umhin, diefe Mafchine für die fchwächfte der von J. J. Rieter& Co. ausgeftellten zu erklären. Radialbohrmaſchine. Die Radialbohrmafchine, Fig. 81, Taf. XXV ift ganz nach dem Principe gebaut welches New& Co. bei der Conftruction ihrer Mafchine im Auge hatten und erinnern wir an das bei diefer Gelegenheit hierüber Gefagte.is Der Antrieb der Mafchine erfolgt auch hier durch Stufenfcheibe und Räderüberfetzung, welch' letztere jedoch freitragend auf excentrifchem Zapfen angeordnet ift. Die weitere Uebertragung der Bewegung auf die Bohrfpindel erfolgt ganz ähnlich, wie bei New& Co., ift nur viel einfacher und gefunder angeordnet, indem die horizontale Welle des Bohrzeugträgers fich in Lagern verfchiebt, welche an der Hülfe angegoffen find, und hiedurch fowie durch den Umftand, dafs die Bewegung für die felbftthätige Steuerung direct von diefer Achfe genommen wird, 4 Schrägräder erfpart wurden. Die verticale, aufserhalb der Säule herabgehende Achfe verfchiebt fich gleichfalls, u. z. in ihrem oberen Lager. Das Heben und Senken des radialen Armes gefchieht ganz fo, wie bei New& Co. felbftthätig durch eine Reverfirvorrichtung und aufserhalb der Säule herabgehende Schraube, welche jedoch hier in einem rechteckig prismatifchen Kaften eingelagert ift. Diefer Kaften bildet ein Stück mit dem auf der Säule. beweglichen Deckel, ift gut in einem Anfatz der Hülfe des radialen Armes geführt und hat den Zweck, bei der Drehung des radialen Armes den beweglichen Deckel mitzunehmen, ohne dafs irgend ein Mafchinentheil in unnatürlicher Weife in Anspruch genommen würde, wie wir diefes bei New& Co. gerügt haben. Die Mutter für die Spindel zum Heben und Senken ift nahe dem untern Ende der Hülfe angebracht und tritt durch einen Schlitz in der äufseren Wand des prismatifchen Kaftens mit der Spindel in Verbindung. Die Hülfe felbft ift fehr lang und mufs diefes auch aus dem Grunde fein, weil fie keine Vorrichtung zum Anziehen, refpective zur Ausgleichung der Abnützung hat. Wir würden für diefelbe die Conftruction von New& Co. vorziehen. Die Hülfe könnte dann bedeutend kürzer gehalten werden, ohne den dichten Schlufs zu verlieren. 58 Carl Pfaff. Der Bohrzeugträger ift fehr fchön ausgebildet und mit langen Führungslagern für die Spindel verfehen. Die horizontale Verfchiebung kann fowohl vom Bohrzeugträger felbft aus durch Handrad, Schnecke, Schneckenrad und Mutter, als auch vom Ende des radialen Armes aus durch Handrad und Schraube bewirkt werden, wobei Schraube und Mutter wechfelweife in Bewegung treten. Die gefchilderte Anordnung der horizontalen Verfchiebung vom Bohrzeugträger felbft aus kann jedenfalls uur eine fehr langfame Bewegung geftatten und fcheint uns defshalb nicht vortheilhaft, auch ift diefelbe an einer Stelle angebracht, welche unbedingt für die Bewegung der Bohrfpindel in verticaler Richtung refervirt fein follte, und auch defshalb nicht ganz lobenswerth. Weit beffer wäre es gewefen, die Verftellung vom Ende des radialen Armes aus ganz zu unterdrücken, ftatt der Schraube eine Zahnftange auzuwenden und den Bohrzeugträger vermittels horizontaler Achfe mit Getriebe und aufsen weit vorftehendem Handrad direct zu verfchieben. - Die Hauptdimenfionen diefer Mafchine find folgende: Die gröfste Auslegung der Bohrfpindel= 6'6' engl.= 1980 Millimeter gröfste Höhe bis unter den Bohrkopf auch= 6'6", engl. 1980 Millimeter. - Doppelte Fraismafchine. Die ausgeftellte doppelte Fraismafchine hatte zwei einander gegenüber ftehende, zu beiden Seiten des Bettes vertical und horizontal verftellbar angebrachte Spindelftöcke mit Räderüberfetzung, deren Hauptfpindeln an dem nach innen gekehrten Ende je eine Fraifenfcheibe trugen, deren Diftanz von einander durch die horizontale Verftellung der Spindelftöcke regulirt werden konnte. Unter denfelben befand fich ein horizontal felbftthätiger ftarker Auffpanntifch, auf welchen verfchiedene Arbeitsftücke direct oder vermittels Theilvorrichtungen aufgefpannt werden konnten. Die Mafchine war fehr ftark und mag zu fpeciellen Zwecken ganz befonders gut geeignet fein, befitzt aber nicht den Charakter eines allgemein verwendbaren Werkzeuges. Wie fchon eingangs erwähnt, zeichneten fich die fämmtlichen von Rieter & Co. ausgeftellten Mafchinen durch gute Ausführung, reichlich ftarke Verhältniffe und confequent durchgebildete fchöne Form aus. Aus der Schweiz waren ferner eine reiche und fchöne Collection von Mafchinen ausgeftellt, welche fpeciell für Spenglerarbeiten beftimmt waren. Der Fabrikant Rudolf Jäklin in Bafel hat es in der Herftellung folcher Mafchinen zu grofser Vollkommenheit gebracht. Diefelben finden fich fehr ausführlich in dem deutfchen officiellen Bericht des Herrn Profeffor Dr. Hartig aus Dresden befchrieben und da fie eigentlich nicht in das Gebiet Desjenigen fallen, was wir bisher befchrieben haben, und weiter zu befchreiben gedenken, fo verweifen wir auf den genannten Bericht. Bede& Co. in Verviers.- Belgien. Von diefer Firma kann in Beziehung auf Werkzeugmafchinen füglich das felbe gefagt werden, wie von Rieter& Co., indem fie fich nicht ausfchliefslich mit dem Bau von Werkzeugmaschinen, fondern auch mit dem von Dampfmaschinen, Locomobilen, Spinnerei- und Appreturmafchinen befafst. Die ausgeftellten Werkzeugmaschinen waren fehr refpectable Producte. und ftanden in der Ausführung denen von Rieter& Co. kaum nach, während die Conftruction in Formgebung allerdings nicht jener Originalität und Eleganz befafsen, die wir dort angetroffen haben. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 59 Ausgeftellt waren: Zwei Drehbänke, eine Univerfalbohrmaſchine. eine Bohrmaſchine mit vier Spindeln und eine kleine horizontale Bohrmaſchine. Drehbänke. Der Die beiden Drehbänke waren nach englifchen Mufter u. z: die erfte von 260 Millimeter Spitzenhöhe nach dem von Whitworth ausgeführt. Der Spindelftock diefer Drehbank befafs jedoch cylindrifche Lager. Schlitten war mit Duplexsuporten verfehen und der eine der beiden Werkzeughalter hatte die bekannte Vorrichtung, um das Meffer beim Schraubenfchneiden rafch zurückzuziehen. Die zweite Drehbank von 275 Millimeter Spitzenhöhe war fpeciell zum Bohren durch den Reitftock eingerichtet, zu welchem Ende diefer mit einer felbftthätigen Vorfchubvorrichtung, beftehend aus einfacher Räderüberfetzung und Riemenfcheibe, welche bei erreichter Bohrtiefe felbftthätig ausgerückt wurde, verfehen war. Die Planfcheibe hatte Univerfal- Einfpannbacken, deren Schrauben mittels konifcher Räder derart verbunden waren, dafs die Drehung einer einzelnen, auch die aller andern nach fich zog. Univerfalbohrmaſchine. Die Univerfalbohrmafchine war eine doppelte, d. h. es waren zwei Syfteme auf gemeinfchaftlichem langen Bette angebracht. Wir bringen diefelbe in 3 Anfichten, Fig. 82, 83 und 84, Taf. XXVI zur Darstellung. Beide Syfteme find einander vollkommen gleich. Auf dem langen Bette befindet fich bei jedem durch Schraubenfpindel verfchiebbar ein kräftiger Spindelftock mit hohler Spindel und auf excentrifcher Achfe auslösbaren Rädervorgelege. Innerhalb der hohlen Spindel ift die eigentliche Bohrfpindel verfchiebbar angebracht und wird bei der Drehung durch Nuth und Feder mitgenommen. Den Vorfchub empfängt die Bohrfpindel durch eine rückwärts mit ihr verbundene Schraubenfpindel, drehbare Mutter und Differenzialräderwerk, wovon das eine Paar auf einem in der Verlängerung der Vorgelegeachfe feft angebrachten excentrifchen Zapfen läuft und vermöge des letzteren ausgerückt werden kann. Das Handrad am Ende der drehbaren Mutter dient zur Verftellung der Bohrfpindel von Hand. Der Tifch eines jeden Syftemes ift horizontal an dem gemeinfchaftlichen Bette der Mafchine durch Schraubenfpindel verfchiebbar und kann an der ftarken Platte, welche ihn mit diefem Bette verbindet, vertical verftellt werden. Er befitzt einen Suporttifch, welcher horizontal in zwei Richtungen verftellbar, und deffen Auffpannplatte drehbar ift. Beim Bohren wird der Tifch mit feiner Mitte genau in die der Bohrfpindel eingeftellt, welche dann am Ende ein vertical verftellbares Lager zur Unterſtützung findet. Es können zweierlei Vorfchubbewegungen angewendet werden, u. z. die der Bohrfpindel, die wir fchon befprochen haben, und bei deren Anwendung der Tifch und das Arbeitsftück ftille fteht, oder die des Tifches felbft, bei der fich das Arbeitsftück mitbewegt. Letztere wird von einer genutheten, beiden Syftemen gemeinfamen, nahe dem Fufsboden am Bette hinlaufenden Welle abgeleitet, welche in jedem Tifche durch Schnecke und Schneckenrad mit einer verticalen Spindel in Verbindung fteht. Diefe überträgt oberhalb durch ein Paar Schrägräder ihre Bewegung auf eine horizontale Welle, welche an der Stirnfeite des Tifches mit der Schrauben 60 Carl Pfaff. fpindel des Suportes durch Getriebe verbunden ift, die auch aufser Eingriff gebracht werden können, fo dafs die Verftellung des Suportes von Hand aus ermöglicht ift. Die früher erwähnte gemeinfchaftliche Welle wird am Ende des langen Bettes durch Schraubenrad, und eine an der Stirnfeite eingelagerte kurze Achfe augetrieben, welch' letztere ihre Bewegung von einem der beiden Spindelftöcke empfängt u. z. z. dadurch, dafs mit dem Differenzialräderwerk eine kleine Stufenfcheibe verbunden ift, von welcher aus ein Riemen auf die der genannten kurzen Welle geleitet wird. Bei Anwendung diefer Steuerung mufs das eine der Differenzialräder, welches auf der drehbaren Mutter fitzt, ausgelöft werden. Die Bewegungsrichtung des felbftthätigen, auf diefe Weife erzielten Vorfchubes kann dadurch reverfirt werden, dafs der Riemen auf den beiden Stufenfcheiben gekreuzt oder offen aufgelegt wird. So weit haben wir unfere Mafchine als Bohrmaſchine befprochen und erwähnen nur noch, dafs diefelbe hauptfächlich dort, wo es fich um die Herftellung einer gröfseren Anzahl von Mafchinentheile handelt, welche parallele Bohrungen in gleichen Diftanzen haben, fehr vortheilhaft erfcheint. Sie kann jedoch auch zum Bohren einzelner kleiner Mafchinentheile mit Vortheil benützt werden, da jedes Syftem vollkommen unabhängig von dem andern zu arbeiten im Stande ift. Um aber der Mafchine einen noch gröfseren Wirkungskreis zu fichern, wurde fie auch zum Fraifen eingerichtet, indem der Suport eine felbftthätige Querbewegung erhielt, deren Einrichtung aus der Zeichnung vollkommen erfichtlich ift. Die Hauptdimenfionen diefer Mafchine find: Länge des Bettes= 5100 Millim. Gröfste Entferung der Bohrfpindelmittel von einander= 4500 Millim., kleinfte Entfernung derfelben= 550 Millimeter. - Verticalbohrmafchine mit vier Spindeln. Die verticale Bohrmaſchine mit vier Spindeln, Fig. 85, Taf. XXVII iſt ein Werkzeug mittlerer Gröfse, hauptfächlich für Keffelfchmiedearbeiten beftimmt. Sie hat auf zwei mit einer gemeinfchaftlichen Fundamentplatte verbundenen Ständern oben ein horizontales Querbett, auf welchem vier Bohrzeugträger verfchiebbar an geordnet find. Die Verfchiebung derfelben kann bei jedem einzeln für fich vorgenommen werden, indem eine cylindrifch eingelagerte Stellmutter längs einer am untern Prisma hinlaufenden Schraubenfpindel gedreht wird. Sind auf diefe Weife die Bohrzeugträger auf die gewünſchte Diſtanz eingeftellt, fo werden die Stellmuttern durch Druckfchrauben feftgehalten und es werden dann alle Bohrzeugträger gleichzeitig durch erwähnte Schraubenfpindel, welche an ihrem freien Ende einen Ratfchenhebel hat, verfchoben. Auf diefe Weife ift es möglich, Reihen von Nietlöchern in immer genau gleichbleibenden Diftanzen zu bohren, ohne dafs mehr als die erften eingetheilt zu werden brauchen. Der Antrieb der Bohrfpindeln erfolgt von einer gemeinfchaftlichen Achfe aus durch hyperbolifche Räder und können einzelne Bohrfpindeln während des Ganges nicht ausgelöft oder ftill geftellt werden. Der verticale Vorfchub der Bohrer erfolgt ebenfalls durch eine gemeinfchaftliche Achfe mit Schnecken, welche in Schneckenräder eingreifen, die in Ausfparungen der Bohrzeugträger gelagert find. Die Druckfpindeln haben Nuthen, in welche Federn der oberhalb angebrachten Handräder eingreifen. Werden diefe Handräder durch die auf ihre Naben wirkenden Druckfchrauben feftgeftellt, fo gehen die Bohrfpindeln felbftthätig nieder, find die Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 61 Handräder gelöft, fo können fie fich mit den Druckfpindeln drehen und es erfolgt kein Niedergang der Bohrfpindeln. Im gelöften Zuftande können aber auch die Handräder zur verticalen Verftellung der Bohrfpindeln von Hand benützt werden. Die gemeinfchaftliche Vorfchubachfe ift mit der für den Antrieb beftimmten auf zweierlei Art verbunden, u. z. durch zwei kleine Stufenfcheiben, über welche ein Riemen gelegt ift, und durch ein Paar Stirnräder, wovon das grössere auf der Antriebachfe fitzt. Eine zwifchen beiden verfchiebbare Kuppelung geftattet diefe Verbindungen auszulöfen oder eine von ihnen in Thätigkeit zu fetzen. Wenn die langfamer treibende Ueberfetzung durch den Riemen eingelöft ift, fo erfolgt der Niedergang der Bohrfpindeln, während im andern Falle der felbftthätige Rückgang befchleunigt vor fich geht. Die Bohrer werden in den aufgefchlitzten Spindeln mit ihren konifchen, gut eingepafsten Enden durch Anziehen aufserhalb auf konifchen Gewinden laufender Muttern befeftigt. Horizontalbohrmaſchine. Schliefslich erwähnen wir noch eine kleine Horizontalbohrmaſchine, ebenfalls für Bohrungen in Blechen oder Trägern beftimmt, deren Bohrzeugträger auf einem leichten verticalen Ständer auf- und abbewegt und feft geftellt werden konnte und deren Antriebs- und Steuerungsmechanismus eine der foeben befchriebenen analoge Einrichtung hatten. Wenn es fich darum handelt, eine gröfsere Anzahl von Löchern in verticalen Reihen zu bohren fo kann diefe Mafchine ganz vorzügliche Dienfte leiften. Das dritte Land unferer Gruppe, Frankreich, veranlafst uns nochmals das Bedauern darüber auszufprechen dafs feine Ausftellung in unferem fpeciellen Fache fo gut wie gar nicht vertreten war. Wir fanden aufser einer künftlichen Drehbank zum Drehen rechteckiger und poligonaler Formen von Baftie in Paris, einer fehr fchönen Collection von Fraifern von Bariguand& Fils in Paris nur noch zwei hieher gehörige Ausfteller, von denen der eine, Louis Deny in Paris, zwar ganz Hervorragendes brachte, welches jedoch feiner Natur nach nicht recht in den Rahmen unferer Befprechungen pafst. Louis Deny in Paris. Frankreich. Die von Deny ausgeftellten Preffen mit Hand- und Mafchinenbetrieb, fowie befonders die Mafchinen zum Stanzen und Drücken waren alle fehr fchön ausgeführt und zum Theil äufserft finnreich erdacht; da fie aber alle nur zum Preffen von Medaillen, zur Erzeugung gelochter, gerippter und verzierter Bleche, oder zur Herftellung meffingener Uhrketten u. dergl. dienten, fo liegen fie uns wohl etwas zu fern, als dafs wir auf eine detaillirte Befprechung eingehen follten. Wir können jedoch nicht umhin, Herrn Deny durch nochmalige Hervorhebung der ausgezeichneten Qualität feiner Ausstellung die verdiente An erkennung zu zollen Dandoy, Mailliard, Lucq& Co. in Maubeuge. Frankreich Unfer zweiter Ausfteller, die Firma Dandoy, Mailliard, Lucq& Co., in Maubeuge, brachte eine grofse Collection ihrer bekannten billigen Werkzeugmafchinen zur Anfchauung. 62 Carl Pfaff. Diefe Firma nimmt bei ihrer Fabrication einen ganz andern Standpunkt ein, als alle, die bisher genannten, indem fie nicht fowohl präcife Ausführung, hohe Leiftungfähigkeit und fchöne Formen bei ihren Erzeugniffen anftrebt, als vielmehr die äufserfte Billigkeit derfelben. Auch diefer Standpunkt hat feine Berechtigung, indem es eine grofse Anzahl von Gewerben gibt, welche fich der wohlfeilen Mafchinen mit Vortheil bedienen können, während ihnen das theuere Präcifionswerkzeug vollkommen unzugänglich ift. Wir finden die Mafchinen von Maubeuge in aller Welt verbreitet, und bei Schloffern, Schmieden, Bauhandwerkern fowie in Reparaturswerkstätten, kurz überall dort fehr beliebt, wo es weniger auf präcife Leiftung und lange Dauer der Mafchine bei ftarker Inanspruchnahme ankommt. Nachdem wir den Unterfchied zwifchen den Mafchinen von Maubeuge und den übrigen bisher befchriebenen hiemit genügend hervorgehoben haben, nehmen wir keinen Anftand, die Leiftungen der Herren Dandoy; Mailliard, Lucq& Co. als höchft verdienftvoll zu bezeichnen, und würden fehr wünfchen, dafs in den Gebirgsländern unferes Vaterlandes, wo fich alle Vorbedingungen hiezu finden, Aehnliches gefchaffen würde. Zur Darftellung und Befchreibung wählen wir aus der grofsen Maffe des gebotenen folgende Mafchinen, welche die Fabrikation von Maubeuge charakterifiren. Diefe find: Zwei Bohrmaſchinen, eine Reifenbiegmafchine, eine Handlochmafchine und Scheere und fchliefslich eine Shapingmafchine. Bohrmaſchine. Die Bohrmafchine, Fig. 86, Taf. XXVIII, ift zur Befestigung auf einer Werkbank eingerichtet und kann mit und ohne Schraubftock zum Fefthalten der Arbeitsftücke gebraucht werden. Der letztere ift im Ganzen verfchiebbar in einer Art Gabel angebracht, welche am Fufse der Bohrmaſchine eingehängt werden kann, und geftattet, das Arbeitsftück leicht unter den Bohrer zu bringen oder auch eine Reihe von Löchern nach einander zu bohren. Die Bohrfpindel ift in cylindrifch ausgebohrten Lagern geführt und hat zwei verfchiedene Räderüberfetzungen, wovon eine ins Schnelle, die andere in's Langfame überfetzt. Die beiden auf der Spindel befindlichen Ueberfetzungsräder find unter fich durch eine Hülfe verbunden und treiben die Bohrfpfndel durch Nuth und Feder an. Die Ueberfetzungen werden durch Verfchieben diefer Räder gewechfelt und letztere durch eine Art Schelle an ihrem Platze erhalten. Der Vorfchub der Bohrfpindel erfolgt felbftthätig durch Excenter, Sperr kegel und Sperrrad, welch' letzteres mit abgerundeten Kanten verfehen ift und auch als Handrad dient. Die Ueberfetzungswelle ift nach oben verlängert und mit einem aus. giebigen Schwungrade verfehen. Der Preis diefer Mafchine beträgt 125 Francs. Eine andere Bohrmaſchine, Fig. 87, Taf. XXIX, ift freiftehend und für Mafchinenbetrieb eingerichtet. Bohrfpindel und Steuerung entſprechen den foeben Befchriebenen. Der Tifch ift doppelt, an einer gedrehten Säule vertical durch Schraube verftellbar und um erftere drehbar, fo dafs Gegenstände auf dem Fufsboden, im Schraubftock oder auf dem Tifch gebohrt wurden können. Der Preis diefer Mafchine ift 290 Francs. Maſchinen zur Bearbeitung der Metalle. Radreifenbiegmafchine. 63 Die Radreifenbiegmafchine, Fig. 88, Taf. XXX, hat ein aus Schmiedeifen gebildetes Geftell, und drei Walzen, zwifchen welchen Radreifen von circa 150 Mm. Breite und 45 Millimeter Dicke gebogen werden können. Zwei davon find geriffelt und werden durch Räderüberfetzung angetrieben; die dritte ift glatt und zwifchen zwei verticalen Führungen durch Schraube verstellbar Eine der Führungen kann zur Seite gedreht werden, um ganz zugebogenen Reifen den Austritt zu geftatten. Diefe Mafchine koftet 200 Francs. Handlochmafchine mit Scheere. Die Handlochmafchine mit Scheere, Fig. 89, Taf. XXXI, ift fo eingerichtet, dafs entweder die Vorrichtung zum Lochen oder jene zum Schneiden abwechfelnd angebracht werden kann. Der Niedergang des Werkzeuges wird durch eine excentrifche Welle mit langem Handhebel bewirkt. Die Mafchine kann 10 Millimeter dicke Bleche bearbeiten und koftet 125 Francs. Shapingmafchine. Die Shapingmafchine, Fig. 90, Taf. XXXII, ift für Hand- und Mafchinenbetrieb angeordnet mit Räderüberfetzung und ausgiebigem Schwungrade verfehen. Sie ift für kleine Arbeiten beftimmt und hat zum Fefthalten der Arbeitsftücke einen Schraubftock Originell ift die Handkurbel, welche durch Verftellung einen gröfseren oder kleineren Radius gewährt. Der Hub diefer Mafchine beträgt 150 Millimeter, die Arbeitslänge= 400 Millimeter und der Preis ift 550 Francs. 64 Carl Pfaff. Deutfchland. 62 aim onidotandoolbasH Deutfchland war im Mittelalter auf dem Gebiete der mechanifchen Künfte allen andern Ländern weit vorangeeilt. Durch die unglücklichen Kriege jener Epoche aber wurde es in feiner Entwicklung fo einfchneidend und nachhaltig geftört, dafs es von England überholt und auf dem Felde der Induftrie gänzlich in den Schatten geftellt werden konnte. Die Vortheile, welche England in feiner politifchen Verfaffung, feinem Seehandel und in feinen Rohmaterialfchätzen befafs, ficherten ihm diefen Vorfprung ganz entfchieden bis vor kurzem, und wir fehen heute, dafs Deutfchland in dem Maafse, als es fich ähnliche Vortheile errungen hat, auch den Kampf auf dem Gebiete der Induftrie mit Eifer und Beharrlichkeit aufnimmt. Eine leitende Stelle wird es fich aber erft dann erringen können, wenn fich feine politifchen Verhältniffe bewähren und befeftigen, fein Handel fich ausdehnt und ihm nach und nach auch jener Reichthum zu Theil wird, den fich England durch feine Induftrie erworben hat. Als innig befreundete und verbündete Nachbarn nehmen wir den wärmften Antheil an Deutſchlands induftriellen Beftrebungen, und indem wir uns fagen, dafs feine Wege hierin unbedingt auch die unferigen fein müffen, betrachten wir feine Erfolge mit dem gröfsten Intereffe. Bei der Beurtheilung der ausgeftellten Mafchinen, müffen wir uns ftets gegenwärtig halten, dafs die Bedürfniffe, wenn wir fo fagen dürfen, die Vorwürfe zu den Conftructionen zumeift und in lebhaftefter Weife in England zu Tage treten und daher auch dort zuerft gelöft werden. Deutfchland empfängt dann fchon fertige Conftructionen und kann fie nur nachahmen, vervollkommnen und feinen Bedürfniffen anpaffen. Diefs ift wenigftens die gegenwärtige Lage der Dinge. Es ist aber noch nicht zu lange her, dafs Deutſchland gezwungen war, nicht nur die Conftructionen, fondern fogar die fertigen Mafchinen von England zu beziehen, und wir müffen bei der Beurtheilung der heutigen deutſchen Maſchineninduftrie aufser diefen Umständen ihre verhältnifsmäfsige Jugend und ihr mühevolles Entſtehen berückfichtigen und fchon ihr blofses Dafein als einen grofsen Fortfchritt betrachten. Der jüngfte Zweig der deutfchen Mafchineninduftrie ift aber der als Specialität betriebene Bau von Werkzeugmaschinen, mit denen wir es hier zu thun haben. Wenn auch fchon in früheren Jahren einzelne Firmen fich mit diefem Artikel befchäftigen, wie z. B. Haman in Berlin und Mannhardt in München, fo konnten fie es doch zu keiner rechten Entwicklung bringen, und es datirt der deutſche Werkzeugmafchinenbau erft von den Fünfziger Jahren unferes Säculums her. Um diefe Zeit fand ein grofser Auffchwung der Eifen- und Mafchinen- Induftrie in Deutſchland, namentlich in Weftphalen und Oberfchlefien ftatt, welcher den Impuls dazu gegeben haben mag, die nöthigen Werkzeuge im Lande felbft zu bauen. Hauptfächlich war es Chemnitz in Sachfen, wo man fich demfelben zuerſt hingab, und mufs wohl der dortige Maſchinenfabrikant Johann Zimmermann als derjenige genannt werden, der zuerft den Bau von Werkzeugsmaschinen als felbftftändige Specialität organifirte und, freilich nach englifchen Muftern, folche Maſchinen zur Bearbeitung der Metalle. 65 Werkzeugmafchinen baute, die allen Anforderungen entſprachen und den Bezug derfelben von England unnöthig machten Zimmermann hielt fich in Allem an gute englifche Vorbilder, die er in confequenter Weife nach feinem Style umformte oder, wenn man fo fagen darf, überfetzte, und erreichte dadurch, fowie durch ausgezeichnete Ordnung in feinem Gefchäfte grofsartige Erfolge. Ferner müffen wir hier noch Richard Hartmann in Chemnitz nennen, welcher zwar fchon früher Werkzeugmafchinen gebaut hatte, diefes Gefchäft jedoch erft nach Zimmermann's glücklichem Auftreten zur bewussten Specialität ausbildete und fo zu deffen weiterer Entwicklung beitrug. Es ift ganz natürlich, dafs fich alsbald zahlreiche Nachahmer fanden, welche fich jedoch nicht damit begnügten, den Bau von Werkzeugmafchinen, die ein gefuchter Artikel geworden waren, bei fich einzuführen und nach eigenem Wiffen und Können weiter auszubilden, fondern meift foweit gingen, geradezu die couranten Chemnitzer Modelle zu copiren, fo dafs fich eine förmliche Schule bildete, welche wir die Chemnitzer Schule nennen wollen. Diefe ift über einen grofsen Theil von Nord- und Mitteldeutfchland verbreitet und nur wenige gröfsere Firmen bewegen fich in mehr felbftftändiger Richtung, wie z. B. Collet& Engelhard in Offenbach, Gfchwindt& Co. in Carlsruhe und Heilmann Ducommun& Steinlen in Mühlhaufen. Alle übrigen ftehen mehr oder weniger unter dem Einfluffe deffen, was in Chemnitz gemacht wurde, und wir dürfen wohl der Befchreibung der deutfchen Werkzeug maſchinen einige Auseinanderfetzungen über die Chemnitzer Schule vorausfchicken. Die Formen derfelben find durchwegs den beften englifchen Muſtern nachgebildet und ziemlich confequent ftylifirt, ohne jedoch die einfache, ungefuchte Eleganz ihrer Vorbilder zu erreichen. Sie find etwas fteif und entfchieden zu eckig fowohl im Verlauf ihrer Hauptlinien, als auch in den Querfchnitten. Die Maſchinen find durchwegs leichter gehalten, als die englifchen, und verrathen überall die Tendenz zu fparen. In der Conftruction haben fich nach und nach gewiffe Typen herausgebildet, von denen wir hier einige der wichtigften befprechen wollen. Typen der Chemnitzer Schule. Die Spindelftöcke der Drehbänke find faft ausfchliefslich fo conftruirt, wie wir fie fchon früher unter der Bezeichnung gewöhnliche Spindelftöcke mit konifchen Lagern" gefchildert haben und befitzen zum Aufftecken der Wechfelräder Reverfirvorrichtungen oder fefte Wechfelbolzen. Die Körner der Spindelund Reitftöcke find in langen, fchwach konifchen Bohrungen gehalten und haben an der Stelle, wo fie aus diefen hervortreten, feine Gewinde angefchnitten. Eine hierauf paffende Mutter, welche jeder Drehbank beigegeben wird, dient dazu, um die Körner aus ihren Sitzen hervorzuziehen, ohne dafs, wie diefs bei unordentlichen Leuten üblich ift, die Körner durch Hammerfchläge gelockert werden. Es iſt diefs eine höchft einfache Anordnung, welche allgemeine Nachahmung verdient. Die Reitftöcke, faft durchgehends mit Vorrichtungen zum Verfchieben beim Konifchdrehen, ausgerüftet, haben eine von der englifchen abweichende Conftruction. Sie find charakterifirt durch die in gleicher Stärke verlaufenden Stöfse, welche fehr lang und an ihren rückwärtigen Enden mit dem zur Verftellung nöthigen Gewinde verfehen find. Das Muttergewinde ift in die Nabe des Handrades gefchnitten, welches durch einen eingreifenden zweitheiligen Deckel in einer Erweiterung am rückwärtigen Ende der Hülfe drehbar feftgehalten wird. Das Feftftellen des Stofses erfolgt durch Zufammenpreffen der am vorderen Ende einfeitig aufgefchlitzten Reitftockhülfe. 5 66 Carl Pfaff. Diefer Reitftock ift in Fig.91( Taf.XXXIII) dargestellt, er hat gute Führung des Stofses, falls derfelbe auch im Muttergewinde gut pafst, und einfache Herſtellung für fich. Während bei dem englifchen Reitftock die Druckfchraube als fchwacher Theil erfcheinen möchte, finden wir diefelbe hier fehr kräftig ausgebildet, dagegen die Schrauben, welche den zweitheiligen Deckel halten und durch ihn den ganzen Spitzendruck empfangen, fehr in Anfpruch genommen. In Wirklichkeit. functioniren jedoch beide Arten vollkommen gleich gut, und haben die hier ange regten, nur fchwach erfcheinenden Theile niemals Anftände herbeigeführt. In der Form ift jedoch der engliſche Reitſtock entfchieden eleganter. Eine typifche, für kleine und mittlere Drehbänke oft angewendete Conftruction repräfentirt das Schlofs Fig 92( Taf. XXXIII). Schlofs nennen wir jene Vorrichtung, welche die Verbindung der Leitfpindel mit dem Suportfchlitten herftellt, und die verfchiedenen Bewegungen, fowie die Feftftellung des letzteren vermittelt. Das in Rede ftehende ift zufammengefetzt aus einem Schrägrade mit einfeitig gefchlitzter Hülfe, in deren Bohrung fich das Muttergewinde für die Leitfpindel befindet, und aus einem zweiten Schrägrade auf einer kurzen rechtwinklich zur Leitfpindel ſtehenden horizontalen. Achfe, welche beide in einem Winkellager gehalten find. Die kurze horizontaleAchfe kann durch eine Druckfchraube feftgeftellt werden. Ift die letztere gleichzeitig mit der Hülfe des Schrägrades auf der Leitfpindel gelüftet, fo kann mit Hilfe einer Kurbel der Suportfchlitten von Hand verfchoben werden, was natürlich wegen der geringen Steigung des Leitfpindelgewindes nur langfam vor fich geht. Um diefem Uebelftande zu begegnen, findet man oft das treibende Schrägrad gröfser, als jenes auf der Leitfpindel. Wird die horizontale Achfe feſtgeſtellt, fo ift das Schrägrad auf der Leitfpindel verhindert, fich zu drehen und wirkt als Mutter, fo dafs der Schlitten durch die Leitfpindel der Wange entlang transportirt wird. Ift endlich nur das Schrägrad auf der Leitfpindel durch Zufammenziehen feiner Hülfe feſtgeſtellt, fo wird es gezwungen, die Drehbewegung mitzumachen, welche es dann durch die kurze horizontale Achfe und aufgefteckte Räder auf die Schraubenfpindel des Suports überträgt und fo die Planfteuerung bewirkt. Beim Drehen von Hand bleibt die Leitfpindel ftill ftehen und die Fixirung des Schrägrades auf derfelben bewirkt dann auch die Feftftellung des Suportfchlittens. Es ift nicht zu leugnen, dafs diefes Schlofs ungemein einfach ift und für kurze Drehbänke alle Functionen auf das vollkommenfte verrichtet; für längere Drehbänke würde es jedoch wegen des langfamen Handtransportes nicht zu empfehlen fein. Faft alle Drehbänke der Chemnitzer Schule haben gekröpfte Wangen und Platten, welche in die Ausfchnitte eingelegt werden können, um dem Suportfchlitten Führung bis dicht an die Planfcheibe heran zu geben. Die Leitfpindeln find ohne Ausnahme aufsenliegend. Doppelte Bewegungsmechanismen für die Suportfchlitten find häufig, indem für das Schraubenfchneiden Leitfpindeln, für das Egalifiren und Plandrehen Antriebe mit Zahnftangen und Schnecken gleichzeitig. angebracht werden, welcher Einrichtung wir jedoch nur unter befonderen Umftänden eine Berechtigung zugeftehen können. Wir finden ferner eine typifche Conftruction bei den Spindeln der verticalen Bohrmaschine und der Lagerung derfelben. Die Bohrfpindel, Fig. 93( Taf. XXXIII), hat an ihrem unteren Ende den gewöhnlichen gut ausgebildeten Bohrkopf, deffen konifche Bohrung Einſatzſtücke oder Bohrftangen aufnimmt, die durch flache Fortfätze, welche in einen querdurchgehenden Schlitz eingreifen, mitgenommen werden. Der Haupttheil der Bohrfpindel ift cylindrifch und verfchiebt fich in einer langen Hülfe. Das obere Ende ift fchwächer gehalten und in der Druckfpindel drehbar gelagert. Eine Druckfchraube im Ende der Druckfpindel erfüllt hier denfelben Zweck, wie bei der Drehbankfpindel, indem fie den axialen Druck beim Bohren aufnimmt, während Stellmuttern die Bohrfpindel in der entgegengefetzten Richtung fefthalten. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 67 Die Druckfpindel dient zur Auf- und Niederbewegung der Bohrfpindei und findet ihr Muttergewinde in dem Steuerrade, welches in einem Ausfchnitte des Ständers drehbar gelagert ift. Ihre Führung hat fie in den zu beiden Seiten diefes Steuerrades liegenden, glatt ausgebohrten Ständertheilen, in welchen fie fich zwar verfchieben, aber nicht drehen kann. Im unteren Arme des Bohrmaſchinenftänders ift, mit dem weiten Ende nach unten, eine konifch ausgebohrte Büchfe eingefetzt, in welcher fich eine anziehbare konifche Hülfe dreht, die der Bohrfpindel als Lagerlauf dient und mit ihr durch Nuth und Feder verbunden ift. Zum Anziehen diefer Hülfe dienen zwei Stellmuttern. Diefe finden ihren Platz zwifchen dem Lager und der langen Hülfe, welche die ganze übrige Länge zwifchen den beiden Armen des Bohrmaschinenftänders ausfüllt. Zweck diefer Hülfe ift die Uebertragung der Bewegung auf die durch Nuth und Feder mit ihr verbundene Bohrfpindel, wefshalb eines der beiden Schrägräder auf der Hülfe feftgekeilt ift. Die Verbindung der Bohrfpindel mit der Druckfpindel ift fehr gut, der Druck wird in der zweckmafsigften Weife übertragen und durch die Stellbarkeit der Verbindung ift jeder todte Gang zu vermeiden mit Ausnahme desjenigen, der in dem Muttergewinde der Druckfchraube entſteht. Die Tifche der Bohrmaschinen find meift fo eingerichtet, dafs fie ganz zur Seite gedreht werden können, und haben ihre Drehungsachfe nicht im Maſchinenmittel, fondern fo weit feitwärts liegen, dafs faft der ganze Raum unter der Bohrfpindel frei gemacht werden kann. Die Suporte der Hobelmafchinen haben faft durchgängig eingefchobene Bügel zur Befeftigung der Meffer und die Mefferhalter geftatten nur eine fehr kleine Verdrehung. Solche und ähnliche bezeichnende Details finden wir bei allen Anhängern der Chemnitzer Schule wieder, und wir haben uns erlaubt, hier einige derfelben näher zu befprechen, weil wir uns in den folgenden Befchreibungen mehr mit den Meiſtern als mit den Schülern befchäftigen wollen. Den letzteren möchten wir aber die Frage vorlegen, ob fie denn in der blinden Nachahmung Solcher, die doch auch fchon keine Originale mehr find, wirklich ihr Heil finden. Wir glauben, dafs eine folche weder im Intereffe des Fortfchrittes liegt, noch in dem einer gefunden commerziellen Entwicklung. Nach diefen allgemeinen Bemerkungen über den deutfchen Werkzeugmafchinenbau gehen wir zur Befchreibung der einzelnen Ausftellungen über, wobei wir mit der Chemnitzer Schule beginnen. Chemnitzer Werkzeugmafchinenfabrik, vormals Johann Zimmermann in Chemnitz. Diefe Firma, deren Gründer wir fchon eingangs erwähnten, hatte eine fehr grofse Sammlung von Werkzeugmafchinen für Metalle und Holz ausgeftellt, von denen wir jedoch nur die erfteren in Betracht ziehen. Der Effect der Ausftellungsgruppe wäre gewifs durch Weglaffung einiger Exemplare und beffere Gruppirung der übrigen erhöht worden, fie zeigte indeffen vieles Intereffante und verdient jedenfalls als vornehmfte und befte Repräfentantin der Chemnitzer Schule unfere volle Aufmerkſamkeit. Ueber den Charakter der Conftruction und der Formen haben wir uns fchon eingangs diefes Abfchnittes ausgefprochen, und es bleibt uns nur noch die Ausführung zu befprechen. Diefe war durchwegs ausgezeichnet und von hoher, vielleicht für die Ausstellung befonders gefteigerter Eleganz. Wohl jeder Ausfteller thut für diefe Gelegenheit in der Ausftattung und Ausführung feiner Artikel ein Uebriges und ftellt fie gleichfam im Feierkleide zur Schau, aber das kann uns doch über den wahren Werth einer Fabrikationsmethode und den durch5* 68 Carl Pfaff. schnittlichen Charakter ihrer Producte nicht täufchen, denn ebenfo wie wir aus der Art eines Feiertagsgewandes und der Manier, wie es getragen wird, auf den Alltagsanzug eines Menfchen ſchliefsen, thun wir diefs auch aus der Ausftellungsarbeit auf die gewöhnliche einer Fabrik. Von keinem der bisher befprochenen Ausfteller können wir behaupten, dafs er nicht ebenfogut das herkömmliche Plus für die Ausftellung gethan, wie die Chemnitzer Werkzeugmafchinenfabrik, und dürfen, unter gebührender Berücksichtigung des eben Gefagten, ihre Ausführung den beften unferer Zeit anreihen. Unter den ausgeftellten Mafchinen nahm eine grofse Mafchine zum Hobeln von Stirn- und Schrägrädern den erften Platz ein. Sie ist jedoch fo grofs, dafs fie nur in wenigen Fällen zur Anwendung kommen kann und überdiefs in Armengoud's Publications induftrielles fo ausführlich dargeftellt und befchrieben, dafs wir füglich auf diefe Quelle verweifen können. Räderdrehbank. Die Räderdrehbank, Fig. 94( Taf. XXXIV), ift für Wagen und Tenderräder beftimmt und hat 660 Millimeter Spitzenhöhe. Das Bett ift nicht fehr ftark und hat zur Befestigung der Spindelftöcke und Suportplatten ftatt der in England üblichen förmigen Schlitze vorfpringende Leiften, welche von hakenförmigen Schraubenköpfen umfafst werden. Diefe Anordnung läfst fich mit weniger Material und geringerer Arbeit durchführen, als die engliſche, ſteht ihr aber im praktifchen Werthe nach. Der fefte Spindelftock hat die vollſtändige Einrichtung eines gewöhnlichen, für die mittelgrofsen Drehbänke üblichen, mit Stufenfcheibe und Räderüberfetzung. Von der nicht auslösbaren Vorgelegewelle aus kann durch ein kleines Getriebe und ein verfchiebbares Zwifchenrad die Bewegung auf das Ueberfetzungsrad der durchgehenden Bodenwelle übertragen werden, welche mittels ihrer Getriebe die beiden Zahnkranzplanfcheiben antreibt. Von den Getrieben der Bodenwelle ift nur das im feften Spindelftocke auslösbar, das im lofen aber nicht, indem feine Bewegung durch Verſchieben des fchon erwähnten Zwifchenrades fiftirt werden kann. Die Zahnkränze der Planfcheiben find angefchraubt und nicht angegoffen, welch letzteres wir allerdings vorziehen würden. Aus der gefchilderten Einrichtung der Räderüberfetzungen geht hervor, dafs unfere Räderdrehbank drei verfchiedene Ueberfetzungsverhältniffe für das Arbeiten darbietet, und da die Stufenfcheibe fünf Abfätze hat, im Ganzen 15 Gefchwindigkeiten, welche es geftatten, alle vorkommenden Arbeiten vortheilhaft auszuführen. Dabei ift es auch möglich, nicht nur beide Planfcheiben mit gleichen, fondern auch mit verfchiedenen Gefchwindigkeiten gleichzeitig laufen zu laffen, oder eine von ihnen gänzlich abzuftellen. Nur die Abftellung der Planfcheibe des lofen Spindelftockes ift unmöglich, wenn die des feften gleichzeitig mit der kleinften Gefchwindigkeit laufen foll. Die Stufenfcheibe des feften Spindelftockes ift direct auf der Hauptfpindel desfelben angebracht und kann diefe ohne Räderüberfetzung treiben, wobei das Getriebe auf der Vorgelegewelle durch Verfchieben aufser Eingriff gebracht wird, diefs gibt die gröfste Gefchwindigkeit, an welcher der lofe Spindelftock jedoch nicht theilnehmen kann. Ebenfo kann die Spindel des feften allein durch die Stufenfcheibe und eingelöfte Räderüberfetzung betrieben werden. Beide Gefchwindigkeiten dienen zum Reguliren von Achfen und Ausbohren von Radnaben und functionirt bei erfterer der lofe Spindelftock nur als Reitftock, bei letzterer ift er entweder aufser Gebrauch oder wird mit geringerer Tourenzahl zum Ausdrehen von Tyres etc. betrieben Die kleinften, zum Abdrehen der Räder nöthigen Gefchwindigkeiten werden durch die zuerft erwähnte Ueberfetzung und die Bodenwelle auf beide Planfcheiben zugleich übertragen. Der lofe Spindelftock Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 69 ift auf dem Bette vermittels einer Schraube verfchiebbar. Er hat aufserdem einen verftellbaren Stofs in der Art eines Reitftockes. Die Spindeln beider Spindelftöcke haben cylindrifche Lager und Druckfchrauben zur Aufnahme des axialen Druckes. Da das Handrad zur Verftellung des Stofses im lofen Spindelftocke zwifchen den Stützen der Druckfchraube zu klein werden und unbequem liegen würde, ift es auf eine der Stützen verlegt und mit einem Getriebe verbunden, welches in das auf der Schraubenfpindel des Stofses fitzende Stirnrad eingreift. Die Suporte find fehr kräftig und gut ausgebildet, fie haben jene Verftellung der Bahnen unter fich, welche es erlaubt, die obere nach der Schräge der Tyres einzuftellen, während die untere zum Abftechen der Seitenflächen, rechtwinklig zur Radachfe ftehen bleibt. Ihre felbftthätige Bewegung erfolgt durch befchwerte Ratfchenhebel und Kettenzüge, deren Rollen über der Drehbank : angebracht und deren Bewegungen von den mit den Spindeln in Eingriff ſtehenden Kurbelrädern abgeleitet werden. Suportdrehbank. Die Suportdrehbank, Fig. 95( Taf. XXXIV), ift zum Egali firen und Plan- drehen beſtimmt und mit gekröpfter Wange und Einlegplatte verfehen. Der Spindelftock ift der gewöhnliche mit konifchen Lagern und hat Räderüberfetzung, welche durch Verſchiebung ausgelöft werden kann. Von dem auf der Spindel zwifchen den Stützen der Druckfchraube fitzenden Getriebe wird durch ein Zwifchenrad die Bewegung auf eine in der Verlängerung der Vorgelegewelle angebrachte Stufenfcheibe übertragen, welche mittels Riemen eine gröfsere Stufenfcheibe auf dem Bolzen der Reverfirvorrichtung treibt, und durch letztere mit der Leitfpindel nach Rechts oder Links in Verbindung gefetzt werden kann. Schlitten und Suport find gut ausgebildet, bieten aber nichts Befonderes. Das Schlofs ift von der typifchen, eingangs diefes Abfchnittes befchriebenen Conftruction, ebenfo wie auch der Reitftock. Von der ausgeftellten Plandrehbank für 2000 Millimeter Maximaldurchmeffer wollen wir nur die eigenthümliche Räderüberfetzung erwähnen. Die Vorgelegewelle war in Lagern gehalten, welche fich rechtwinklig zur Spindel verfchieben und in drei Pofitionen feftftellen liefsen. In der erften, der Spindel am nächften, war die gewöhnliche Räderüberfetzung im Eingriff, in der zweiten, mittleren, war diefer gelöft und der Betrieb durch die Stufenfcheibe allein ermöglicht. In der dritten, von der Spindel entfernteften, griff das auf der Verlängerung der Vorgelegewelle fitzende Getriebe in die nach Innen gekehrte Verzahnung der Planfcheibe ein, und ein Hilfsgetriebe, welches nunmehr eingefchoben werden konnte, vermittelte den Eingriff zwifchen dem grofsen Rade der Vorgelegewelle und dem Getriebe der Stufenfcheibe. Plan- und Spitzendrehbank. Die grofse Plan- und Spitzendrehbank, Fig. 96( Taf. XXXV), hat Spindelftock und Bett getrennt auf Steinfundament und zwifchen beiden eine Grube für Gegenstände bis zu 3500 Millimeter Durchmeffer. Der Spindelftock hat gewöhnliche konifche Lager mit Druckfchraube und feitwärts liegende Stufenfcheibe mit Räderüberfetzung. Die Planfcheibe befitzt einen angefchraubten Kranz mit innerer Verzahnung, und wird nur durch diefe und das auf der Achfe der Stufenfcheibe fitzende Getriebe in Bewegung gefetzt. Das Bett ift auf Fundamentplatten, die mit dem Steinfundamente folid verfchraubt find, verfchiebbar, und kann in den paffenden Entfernungen von der Planfcheibe feftgeftellt werden. Es trägt einen breiten und rechtwinklig zum Bett fehr lang gehaltenen Suportfchlitten mit zwei gut ausgebildeten Suporten, die 70 Carl Pfaff. doppelte Verfchiebung haben. Die Bewegungen des Schlittens und der SuportUnterfätze find durch eine Schneckenwelle felbftthätig, welche nahe am Bette auf der rückwärtigen Seite hin läuft und ihren Antrieb von einer hinter dem Spindelftocke angebrachten Welle empfängt, welche jedoch in gröfserer Entfernung angeordnet ift, um die aufgefpannten Gegenftände paffiren zu laffen. Der Reitftock, zum Konifchdrehen verftellbar, ift von der befchriebenen typifchen Conftruction. Die ganze Drehbank ift fehr ftark, einfach und zweckmäfsig conftruirt und macht einen fehr guten Eindruck. Shapingmafchine. Die Shapingmafchine, Fig. 97( Taf. XXXVI), hat 380 Millimeter gröfsten Hub und befchleunigten Rückgang des Werkzeuges durch Whitworth's Kurbelfchleife. Das Werkzeug macht die zum Vorfchub nöthige traverfirende Bewegung längs des Bettes, während das Arbeitsftück auf den Tifchen in irgend einer Art befeftigt wird. Die Tifche find horizontal durch Zahnftange und Getriebe, vertical durch eben folche und Schneckenradüberfetzung verftellbar, und haben an dem tief herabgehenden Bette gute Unterſtützung. Sie find ferner je auf einer Seite gerade und rechtwinklicht herabgeführt und mit Schlitzen verfehen, fo dafs auch feitwärts Gegenftände aufgefpannt werden können. Die Steuerung erfolgt durch die herzförmige Nuth eines auf feftem Bolzen angebrachten Stirnrades, welches von der Antriebswelle durch ein Getriebe mit demfelben Ueberfetzungsverhältniffe in Bewegung gefetzt wird, wie die Kurbelwelle. Für die grofse und in guten Verhältniffen angeordnete Antriebsftufenfcheibe ift eine Lage gewählt, die dem Werkzeuge die Benützung des ganzen Bettes fichert und die Antriebsachfe hat aufserhalb diefer Stufenfcheibe in einem Arm fichere Lagerung. Der Suport befitzt die in England faft allgemeine Vorrichtung zum Hohlhobeln nicht, ift aber mit einer folchen zum Hobeln in verticaler oder geneigter Richtung verfehen Der Mafchine wird in der Regel ein ftarker Parallelfchraubftock beigegeben, eventuell auch eine befonders anzubringende Vorrichtung zum Rundhobeln. Nuthftofsmafchine. Die Nuthftofsmafchine, Fig. 98( Taf. XXXVII), hat 330 Millimeter Hub und 700 Milllimeter Ausladung. Sie iſt ganz befonders ftark und würden wir, mit Aus nahme der im Verhältniffe fchwach ausfehenden unteren Theile des Suporttifches und der unnöthig grofsen Entfernung zwifchen Kurbelfcheibe und Stofs, durchaus nichts an ihr zu tadeln finden. Die Kurbelfcheibe ift vertieft eingelagert und ftützt fich an ihrem Umfange gegen ein oben verftellbar angebrachtes Lagerftück. Die Räderüberfetzung ift innerhalb des Ständers angebracht und läfst den Raum aufserhalb desfelben für eine grofse Antriebsftufenfcheibe frei, deren Achfe in einem ftarken Arme gelagert und mit ganz befonders ausgiebigem Schwungrade verfehen ift. Die Steuerung ift nach Whitworth's Mufter eingerichtet, welches die wenigften in rafche alternirende Bewegung verfetzten Maffen darbietet. Die früher von unferer Ausftellerin ſtark begünftigte Einrichtung, den Stofs mit befchleunigter Gefchwindigkeit zurückgehen zu laffen, fehlt hier ganz, und nach unferer Meinung mit Recht, da fie nur Complicationen, aber keinen greifbaren Vortheil mit fich brachte. Freiftehende Bohrmaſchine. Indem wir zu der freiftehenden Bohrmaſchine, Fig. 99( Taf. XXXIII), übergehen, verweifen wir auf das über die Conftruction der Bohrfpindel und des Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 71 Tifches früher Gefagte, und erinnern gleichzeitig an unfer Urtheil über die Formen der Chemnitzer Schule, welches in diefem Beiſpiel eine paffende Illuftration finden mag. Radialbohrmaſchine. Viel fchöner ift die Radialbohrmaſchine, Fig. 100( Taf.XXXVIII), welche auch dem Mufter von Whitworth treuer nachgebildet ift. Sie ift von der gröfseren Gattung und hat 1840 Millimeter gröfste Ausladung bei 1500 Millimeter Höhe bis unter den Bohrkopf. Der Antrieb ift mit ausrückbarem Rädervorgelege verfehen und im Uebrigen ganz nach der bekannten Conftruction von Whitworth zur Bohrfpindel hin geleitet, deren Steuerung gleichfalls dem angeführten Vorbilde entfpricht, während die Conftruction der Spindel und ihre Lagerung nach der eingangs befchriebenen Type durchgeführt ift. Die horizontale Verfchiebung des Bohrzeug. trägers gefchieht von diefem felbft aus, durch Handrad und Innen gelagerte, mit Schrägrädern angetriebene Mutter, welche auf der feftftehenden Schraubenfpindel läuft. Wir können gerade diefe Anordnung unbedingt empfehlen und ziehen fie den bisher befchriebenen vor. Zweifelhafter erfcheint uns die Vorrichtung zum Drehen des radialen Armes. Diefe kann bei der vorliegenden Mafchine oft förderlich und ebenfo oft hinderlich fein, indem es doch noch ganz wohl angeht, gut eingepafste radiale Arme von diefer Gröfse direct von Hand zu verftellen. Wenn wir ferner die exponirte Lage des gebrechlichen Handrades in Betracht ziehen, fo glauben wir fagen zu dürfen, dafs diefe Vorrichtung beffer ganz weggeblieben wäre. Die Mafchine fteht auf einer grofsen, gehobelten und gefchlitzten Grundplatte, auf welcher auch ein verftellbarer Tifch angebracht werden kann, den wir als eine weitere Chemnitzer Eigenthümlichkeit bezeichnen, aber nicht zur Nachahmung empfehlen können. Es ift uns unmöglich, bei der intereffanten Ausftellung der leitenden Chemnitzer Firma länger zu verweilen und wir gehen zu der nächften ganz gleich rangirenden über. Sächfifche Mafchinenfabrik in Chemnitz, vormals Richard Hartmann. Vorftehendes Etabliffement ift eines der gröfsten der Welt und befchäftigt fich nahezu mit allen Zweigen des Mafchinenbaues. Diefs kam auch auf unferer Ausstellung zum Ausdruck, wir werden jedoch, unferm bisherigen Modus treu, nur die Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle befprechen. Man kann nicht fagen, dafs die Werkzeugmafchinen unferer Firma denen von Joh. Zimmermann nachgebildet worden wären, aber es wird bei ihrer Conftruction hier und dort derfelbe Vorgang beobachtet, derfelbe Geift herrfcht in diefem Etabliffement wie in jenem. Ebenfo ift hinfichtlich der Ausführung von der jetzt befprochenen Firma ganz dasfelbe zu fagen, wie von der vorhergehenden: fie gehört zu den beften unferer Zeit. Räderdrehbank. Eine originelle Räderdrehbank, Fig. 101( Taf. XXXIX), verdient vor allem unfere Aufmerkſamkeit. Sie ist für das Abdrehen von Wagenrädern beftimmt und hat bis in die Mittellinie der Planfcheiben 580 Millimeter Höhe. Die Achfen laufen beim Drehen in feften Lagern, und werden der Länge nach durch ftumpfe, ftellbare Körner gehalten. Die Planfcheiben fungiren hier nur als Mitnehmer, und 72 Carl Pfaff. laufen auf grofsen, an die Spindelftöcke direct angegoffenen Lagerläufen. Um fie an ihre Plätze bringen zu können, find fie zweitheilig gemacht, und zur Ausgleichung der Abnützung mit eingelegten ftellbaren Metallbacken verfehen. Im Innern der Spindelftöcke, wenn wir fie hier fo nennen dürfen, find die reitftockartigen Vorrichtungen für die fchon erwähnten ftumpfen Körner angegoffen, und vor den Planfcheiben bilden fich die angegoffenen erweiterten Zapfen oder Läufe derfelben in ftarke viertelskugelförmige Schalen um, welche die Lager für die Achfenftummel tragen. Die Lager find mit rechteckig eingefafsten, ftellbaren Futtern verfehen, die jedes für fich nach einem Dreieck ausgearbeitet find, zufammen aber ein um den Achsftummel befchriebenes Quadrat mit vertical ſtehender Diagonale bilden. Die Lagerdeckel find je auf einer Seite um einen Bolzen drehbar und auf der andren durch einen Bügel mit Druckfchraube fchliefsbar. Der Bügel feinerfeits. kann auch um einen unterhalb angebrachten Bolzen ganz zur Seite gedreht werden, fo dafs das Aus- und Einbringen der Achfen mit grofer Leichtigkeit vor fich geht. Wenn eine Bahn alle Achfenftummel einer Kategorie von gleichem Durchmeffer erhält, fo hat das Syftem fie beim Nachdrehen der Räder in feften Lagern laufen zu laffen, grofse Vortheile, indem rafch aus- und eingespannt und mit möglichft ftarken Schnitten gearbeitet werden kann. Kleine Differenzen in den Durchmeffern der Zapfen können leicht durch Nachftellen der Lagerfutter behoben werden, und es kommt dabei nicht einmal fo genau darauf an, dafs das Achfenmittel mit dem des Drehbankfyftems zufammenfällt. Sollte diefs verfehlt worden fein, fo würde der Uebelftand daraus entſtehen, dafs die Mitnehmer fich an den Radarmen etwas verfchieben, auch wäre eine Tendenz vorhanden, die Räder mit wechfelnden Gefchwindigkeiten anzutreiben, beides aber könnte doch nur in unfchädlichem Maafse auftreten und das richtige und fchnelle Nachdrehen der Räder nicht. beeinfluffen. Hinfichtlich ihres Antriebes ift die vorliegende Räderdrehbank in gewöhn licher Weife conftruirt. Die eine der beiden Planfcheiben kann durch Verfchiebung ihres Getriebes ausgelöft werden, und wir verfehlen nicht hier darauf aufmerkfam zu machen, dafs diefs nöthig ift, um die Mitnehmer fchnell zur Anlagezu bringen. Die Radarme ftehen fich nicht immer ganz genau gegenüber und fordern oft eine Verftellung der Mitnehmer, welche am fchnellften und einfacbften durch die ausgelöfte Planfcheibe bewirkt wird. Das Bett ift verhältnifsmäfsig hoch, und hat zur Befeftigung der Spindelftöcke und Suportplatten vorfpringende Leiften, welche von Hakenfchrauben umfasst werden, wie wir diefs fchon bei der Räderdrehbank, Fig. 94( Taf. XXXVI), befprochen haben. Die Suporte find fehr kräftig gehalten, haben Verftellung für den Konus der Tyres, und find durch Kettenfchaltwerk felbftthätig. Wir müffen das Arrangement diefer Drehbank, welches feiner Zeit von Herrn J. Hardy, Infpector der Südbahn in Wien, angegeben wurde, für die gefündefte, uns bekannte Löfung der geftellten Aufgabe erklären, und zu allgemeiner Anwendung beftens empfehlen. Suportdrehbank. Die Suportdrehbank, Fig. 102( Taf. XL), ift zum Schraubenfchneiden. mittels Leitfpindel und patentirter Ausrückung, fowie zum Egalifiren Plan- und Conifchdrehen eingerichtet. Der Spindelftock ift der gewöhnliche mit konifchen Lagern und hat rückwärts im Querftücke der Druckfchraube eine Uebertragungsachfe eingelagert, auf deren freies Ende die Wechfelräder gefteckt werden. Das Rädervorgelege ift. durch Verſchiebung auslösbar. In der Stufenfcheibe verborgen, liegt die erwähnte Vorrichtung zur felbftthätigen Auslöfung des Rädervorgeleges für den Rückgang Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 73 beim Schraubenfchneiden. Es handelt fich nämlich darum, den Rückgang des Suportfchlittens längs des Bettes möglichft fchnell zu bewirken, ohne dass die Verbindung zwifchen Drehbankfpindel und Leitfpindel gelöft oder mit andern Worten: die Pofition des Arbeitsftückes gegenüber der der Leitfpindel verändert werde. Diefs kann erreicht werden, wenn das Rädervorgelege beim Schneiden benützt, beim Rückgange aber ausgelöft und die Spindel von der Stufenfcheibe direct bewegt wird, wodurch die Rückgangsbewegung acht- bis neunmal fo fchnell als die des Schnittes vor fich geht. Auf den Spindelftock und deffen Antriebsorgane bezogen, befteht alfo die Aufgabe darin, während des Schnittes die Stufenfcheibe mit dem Rädervorgelege und das vordere Rad mit der Spindel zu verbinden, bei Beginn des Rückganges aber diefe Verbindung zu löfen, die Stufenfcheibe direct mit der Spindel zu verkuppeln und das vordere Rad leer auf derfelben laufen zu laffen. bewirkt. Wir haben in Fig. 103( Taf. XL) die Vorrichtung fkizzirt, welche diefs Das vordere Stirnrad ift nicht wie gewöhnlich feft auf der Spindel, fondern läuft lofe auf der Nabe eines Mitnehmers, der aber feinerfeits auf der Spindel aufgekeilt ift. Das Stirnrad trägt an der Innenfeite einen vorfpringenden Kranz mit acht Einſchnitten, in welche fich der Vorfprung eines Sperrkegels legen kann, der drehbar und mit Federzuhaltung am Mitnehmer befeftigt ist. Wenn wir nun unferen von der Innenfeite der Stufenfcheibe aus gefehenen Aufrifs betrachten, fo finden wir, dafs das, durch das Vorgelege und fein Getriebe in der Richtung des Pfeiles umgetriebene Stirnrad den in einen Einſchnitt eingreifenden Sperrkegel und durch ihn den Mitnehmer, alfo in letzter Linie die Spindel mitrimmt, wodurch der Schnittgang vollführt wird. Sobald aber der Rückgang beginnt und die Stufenfcheibe in der entgegengefetzten Richtung umläuft, nimmt fie den, auf der Nabe ihres Deckels fitzenden Frictionsring mit, welcher früher durch den Hebel a gezwungen wurde die Drehung des Mitnehmers mitzumachen, indem erfterer fich einerfeits im Ausfchnitte des Frictionsringes, anderfeits an den Stift 6 des Mitnehmers anlegte. Der Hebel a lehnt fich aber auch mit feinem Ende gegen einen Arm des Winkelhebels c, welcher ebenfalls drehbar am Mitnehmer befeftigt ift, und kann fich defshalb an der Drehung des Frictionsringes nicht frei betheiligen, fondern mufs fich gegen diefen felbft etwas verdrehen, wodurch fein kurzes Ende gegen die Nabe des Deckels geprefst und dadurch der Frictionsring feft mit derfelben verbunden wird. In diefem Augenblicke wird durch das Ende des nunmehr einen fteifen Arm der Stufenfcheibe bildenden Hebels a ein Druck auf den Winkelhebel c ausgeübt, welcher diefen zwingt, fo lange auszuweichen bis er an den Anfatz d des Mitnehmers trifft. Hierbei hat er aber durch einen, den Mitnehmer paffirenden Stift den Sperrkegel gehoben und aufser Eingriff mit dem vorderen Stirnrade gebracht. Während nun diefes lofe auf der Nabe des Mitnehmers langfam, aber in derfelben Richtung wie die Stufenfcheibe umläuft, ift die letztere durch den Hebel a mit der Spindel verbunden und treibt diefe direct mit gröfserer Gefchwindigkeit an. Das ganze Syftem läuft nun in der unferem Pfeile entgegengefetzten Richtung um, vollführt den Rückgang, und da diefer leer gemacht wird, entſteht aus der verhältnifsmässig fchwachen Uebertragung durch den Hebel a kein Nachtheil. Soll die felbftthätige Auslöfung aufser Wirkfamkeit gefetzt werden, fo wird der Frictionsring durch Einfchrauben des konifchen Stiftes e feftgeftellt, es kann dann keine Auslöfung des Sperrkegels mehr erfolgen, und nur mit Räderüberfetzung gearbeitet werden. Zum Arbeiten ohne diefe ift es erforderlich, die Schraube f foweit herauszudrehen, bis ihr cylindrifcher mit hohlein Viereck verfehener Kopf in die Bohrung am Umfange der Stufenfcheibe eintritt, und diefe mit dem Mitnehmer feft verbindet. Das Rädervorgelege wird dann ausgerückt. Aufser diefer finnreichen Vorrichtung hat die Drehbank noch einen ungewöhnlichen Antrieb für das Plan- und Konifchdrehen. Am rückwärtigen Ende der 74 Carl Pfaff. Wange befindet fich ganz diefelbe Scheere mit Bolzen zur Aufnahme verfchiedener Wechfelräder, wie fie fonft nur für die Leitfpindel angewendet und in der That auch am vorderen Ende des Bettes vorhanden ift. Von dem Scheerenlager aus erftrect fich, nur durch eine Reverfirvorrichtung mit konifchen Rädern unterbrochen, eine genuthete Welle längs der Rückfeite des Bettes bis an den Ausfchnitt desfelben, und fteuert durch die gewöhnliche Schneckenüberfetzung den Suport der Quere nach. Die Bewegung wird von der Leitfpindel entnommen, welche in diefem Falle als Transmiffionswelle functionirt. Es kann nun mit diefer Einrichtung Plan gedreht werden, wenn die Verbindung zwifchen Schlitten und Leitfpindel aufgehoben, erfterer feſtgeſtellt und der Schneckenantrieb eingelöft ift. Ebenfo gut kann aber auch konifch gedreht werden, wenn beide Bewegungen gleichzeitig ftattfinden und der Grad der Conicität wird fich ftets nach dem Ueberfetzungsverhältniffe der rückwärts aufgefteckten Wechfelräder richten, woraus umgekehrt der Vortheil refultirt, dafs durch Anwendung der gleichen Räder ftets die gleiche Conicität erzielt wird. Im Uebrigen haben wir von der vorliegenden Drehbank noch zu fagen, dats die Schlofsmutter halb, aber fehr lang ausgeführt und die Leitfpindel zur Aufnahme des hieraus entſtehenden Seitendruckes durch öftere Lagerung und halbkreisförmige Unterſtützungen verfteift ift. Der Handtransport des Schlittens gefchieht durch ein in die Leitfpindel eingreifendes Getriebe. Der Reitftock zeigt die ältere englifche Form und hat Arretirung des Stofses durch Zufammenpreffen der einfeitig gefchlitzten Hülfe. Der Ausfchnitt des Bettes hat keine Platte zur Ausfüllung oder Ueberbrückung, fondern der Suportfchlitten ift fo lang und kräftig gehalten und die Breite des Ausfchnittes fo gewählt, dafs der Suport bis ganz nahe an die Plan fcheibe heran gebracht werden kann, ohne feine gute Führung zu verlieren. Horizontalbohrmaſchine. Die ausgeftellte fchöne Horizontalbohrmaschine finden wir in Fig. 104 und 105( Taf. XLI) dargestellt. Zu diefer Mafchine gehören noch eine breite und lange Platte, welche zum Auffpannen der Arbeitsftücke dient und zwei Lagerftänder zur Unterſtützung der Bohrfpindel. Sie waren jedoch nicht mit ausgeftellt, weil fie als einfache Stücke kein Intereffe erregen, fondern nur den Platz verftellen konnten. Die Platte, deren Anfang wir in Fig. 104 zeigen, wird mit dem Anfatz des Bettes verbunden und mit diefem auf gemeinfchaftlichem gemauerten Fundament niedergefchraubt. Die Mafchine felbft befitzt einen Bohrftänder, welcher fich auf einem langen Bette hin- und herfchieben läfst. An dem Ständer ift der Bohrzeugträger vertical verftellbar und durch beide Bewegungen kann die Bohrfpindel in alle Punkte innerhalb eines Rechteckes von beiläufig 4000 Millimeter Länge und 1500 Millimeter Höhe gebracht und dort betrieben werden, fo dafs es möglich ift, die Arbeitsftücke direct und ohne Unterlagen aufzufpannen und die Bohrfpindel in das Mittel der zu machenden Bohrung einzuftellen. Gegenüber den Syftemen, Lager am Arbeitsftücke felbft anzufchrauben und in diefen die Bohrfpindel auszurichten, oder die Arbeitsftücke nach eingelagerten Bohrfpindeln aufzufpannen, hat das der vorliegenden Mafchine den Vortheil der rafchen und leichten Einftellung, aber auch noch den gröfserer Präzision, weil bei den erfteren die ftets veränderlichen Holzunterlagen kaum vermieden werden können. Unfere Mafchine kann in zweierlei Weife betrieben werden, und zwar als Bohrmafchine, wobei die horizontalen und verticalen Verfchiebungen nur zum Einftellen der Bohrfpindel benützt werden oder als Fraismafchine, wobei eine der beiden Verfchiebungen gleichzeitig mit der Drehung der Bohrfpindel in Thätigkeit ift. Beim Bohren fteht alfo das Mittel der Bohrfpindel ftill, und diefe wird Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 75 in axialer Richtung dem Spahne entgegengefchoben, beim Fraifen aber verfchiebt fich das Bohrfpindelmitttel horizontal oder vertical und die Spindel felbft wird in axialer Richtung am gleichen Platze gehalten. Die Bewegung wird durch eine fünffache Stufenfcheibe mit auslösbarer Räderüberfetzung aufgenommen und durch eine lange genuthete Welle, welche am Fufse des Bettes hinläuft, fowie durch ein paar Schrägräder auf die verticale Welle des Bohrftänders übertragen. Der Bohrzeugträger hat ähnliche Schrägräder in gleitender Verbindung mit der verticalen Welle, durch welche eine horizontale Achfe und endlich durch Getriebe und Stirnrad die Bohrfpindel in Betrieb gefetzt werden. Die zuerft erwähnte lange genuthete Welle überträgt aber ferner durch eine Reverfirvorrichtung mit Schrägrädern ihre Bewegung auf die am Ende des Bettes angebrachten Wechfelräder, welche fowohl die Schraubenfpindel zur horizontalen Verftellung des Bohrftänders, als auch die zur verticalen des Bohrzeugträgers in Bewegung fetzen können. Erftere wird direct, letztere durch eine im Bett liegende horizontale Welle und Schrägräder angetrieben. Das ganze Räderwerk am Ende des Bettes kann durch Ausrückung der Reverfirvorrichtung ftillgefetzt werden, wie diefs immer während des Bohrens gefchieht. Beim Einftellen der Mafchine und beim Fraisen aber, wo diefe Ausrückung nicht angewendet werden kann, werden die beiden Räder, welche die Schraubenfpindeln treiben, durch Aus- und Einrücken einer Klauenkuppelung in oder aufser Dienft gefetzt. Beide Verftellungen können auch von Hand erfolgen. Die Bohrfpindel und ihre Steuerung hat ganz diefelbe Einrichtung, wie wir fie bei der Mafchine von Hind & Son befprochen, nur ift das Differenzialräderwerk hier beffer ausgebildet, indem es zwei Gefchwindigkeiten für Vorwärts und zwei für Rückwärts darbietet. Wir können von der Mafchine fagen, dafs fie fehr leiftungsfähig und fchön, aber wohl etwas zu grofs und fchwer gerathen war. Tyresbohrmafchine. Wir erwähnen fchliesslich noch die Tyresbohrmaſchine, Fig. 106( Tafel XLVI, obwohl wir diefelbe nicht loben können. Sie befitzt die Einrichtung zur Verdrehung der Bohrfpindel, fo dafs fowohl von innen als von aufsen gebohrt wer den kann. So löblich an fich der Verfuch ift, diefer Aufgabe zu genügen, fo wenig kann die hier durchgeführte Löfung als glücklich bezeichnet werden, und wir müffen die vorliegende Mafchine als weit unter der von Sharp Stewart & Co. für einen ähnlichen Zweck ausgeftellten bezeichnen. Die Räderpaare werden hier vermittels ihrer Achfen eingelagert, erfordern daher zu beiden Seiten der Mafchine tiefe, unbequeme Gruben und find ohne befondere Hebzeuge nicht zu handhaben. Aufserdem bringt diefes Einlagerungsfyftem ein öfteres und namhaftes Verftellen des Bohrzeugträgers in verticaler Richtung mit fich. Das Bohren von innen erfolgt von unten nach oben, fo dafs der Bohrer unmöglich die zu entsprechender Leiftung erforderliche Schmierung erhalten kann. Am meisten befremdet aber die fchwächliche Ausführung der Bohrfpindel und ihrer Schrägräder, welche in gar keinem Verhältniffe zu den übrigen mehr als reichlich bemeffenen Dimenfionen der Mafchine fteht und eine flotte Arbeit überhaupt nicht zuläfst, fo dafs der Vortheil, von aufsen bohren zu können, vollſtändig illuforifch gemacht wird. Deutfche Werkzeugmafchinenfabrik, vormals Sondermann& Stier in Chemnitz. Von diefer Firma waren nur zwei Specialmafchinen ausgeftellt, welche die Bearbeitung gefchmiedeter Locomotivräder zum Zwecke hatten, und zwar folcher mit fchmiedeeifernen Naben. Bei der Herftellung derartiger Räder ift es nicht 76 Carl Pfaff. möglich, den Kränzen, Speichen und Naben vom Feuer aus jene vollendete und glatte Form zu geben, welche mit Recht gefordert wird, und es mufs nach dem Schmieden zur Bearbeitung diefer Theile gefchritten werden, welche bisher theils auf der Drehbank, theils auf der fchon früher befchriebenen Radkranzftofsmafchine von Sharp, Stewart& Co. und aufserdem noch auf Nuthftofsmafchinen und Fraismafchinen vorgenommen wurde. Diefe Mafchinen bearbeiteten die Radkränze, kreisförmig geformte Naben, fowie die Uebergänge der Speichen in Kranz und Nabe. Die Speichen felbft und folche Naben, welche mit Kurbeln verfehen waren,' mufsten von Hand bearbeitet werden, und es ift diefe Handarbeit, welche die beiden ausgeftellten Mafchinen erfetzen follen. Speichenhobelmafchine. Die Speichenhobelmafchine, Fig. 107 und 108( Taf. XLII), ift einer Shapingmafchine nachgebildet, hat jedoch ein im Grundrifs kreuzförmiges Bett, auf deffen vorderem niedrigen Flügel ein Suport mit runder Auffpannplatte angebracht ift. Der Suport kann von Hand rechtwinklig zur Bahn des Werkzeugfchlittens verftellt und die Auffpannplatte ebenfo im Kreife verdreht werden. Eine Querverfchiebung, hier eine folche parallel mit der Bahn des Werkzeugfchlittens, ift überflüffig, weil die bezüglichen Bewegungen von letzterem felbft gemacht werden. Der befchriebene Tifch dient zur Aufnahme der zu bearbeitenden Räder und wird je nach deren Durchmeffer eingeftellt, während die Verdrehung der Aufpannplatte dazu benützt wird, die Speichen eine nach der andern unter das Meffer zu bringen. Der Werkzeugfchlitten hat gegenüber dem mit der Whitworth'fchen Schleife verfehenen Triebrade eine ftarke verticale Wand, an welcher die Führungsplatte für den Stofs fo angebracht ift, dafs fie im Winkel verftellt werden kann, fo dafs dem Stofse die zur Bearbeitung konifcher Speichen erforderliche Richtung gegeben wird. Ferner ift der Suport an kreisförmigen Prismen derart geführt und mit einer Steuerung verfehen, dafs das Meffer die kreisförmig convexen Stirnfeiten der Speichen felbftthätig bearbeiten kann. In diefen beiden Details und in der Anordnung des Tifches liegt der Unterfchied zwifchen unferer Mafchine und einer gewöhnlichen Shapingmafchine, von welcher alle übrigen Theile auch hier vorhanden find. Es ift aus den Zeichnungen leicht zu erfehen, dafs auch Speichen mit geraden Stirnflächen felbftthätig bearbeitet werden können; die Seitenflächen werden es durch Aufftecken der Steuerratfche auf die verticale Spindel des Suports. Nabenbearbeitungsmafchine. Die Nabenbearbeitungsmafchine, Fig. 109 und 110( Taf. XLIII), hat einen Ständer, deffen obere Partien von einer Bohrmafchine entlehnt find, während die unteren einer Nuthftofsmafchine nachgebildet wurden. Sie bearbeitet Naben mit Kurbeln durch ein Meffer, welches in Kreisbögen hin- und hergeht, kann alfo für alle benützt werden. deren Form durch folche begrenzt ift. Auf dem horizontalen Bette der Mafchine befindet fich ein Tifch, welcher ganz wie der einer Nuthftofsmafchine conftruirt ift und auch alle Verfchiebungen befitzt wie ein folcher. Da diefe aber nur zum Einftellen des Arbeitsftückes und nicht zur Steuerung für den Spahn benützt werden, find fie nicht felbftthätig, fondern von Hand zu bewegen. Ausserdem hat die Auffpannplatte noch eine kleine Winkelverftellung, indem fie um einen Bolzen drehbar gemacht ift, und auf einem mit Schraube verftellbaren Keil ruht. Die Feftftellung in der gewählten Lage erfolgt durch feitlich angebrachte Stellfchrauben. Diefe Verftellung der Auffpannplatte wird bei folchen Rädern gebraucht, welche konifch anlaufende Speichen haben, wodurch der Abftand von der Oberfläche der Nabe bis zum Anfchluffe an die, von den Maschinen zur Bearbeitung der Metalle. 77 Speichen gebildete Kegeloberfläche mit den weiter vom Mittel entfernten Theilen wächft, fo dafs das Meffer an diefen tiefer greifen mufs als an den zunächft dem Mittel liegenden. In den Armen des Ständers ift eine ftarke Hülfe gelagert, in welcher fich, ähnlich wie bei einer Bohrmaſchine, eine kräftige Spindel verfchieben läfst, die jedoch durch Nuth und Feder gezwungen ift an der Drehung Theil zu nehmen. Am unteren Ende diefer Spindel ift, ein radialer Arm angebracht, welcher auf feinen Führungsprismen einen completen radial und vertical verftellbaren Suport trägt. Diefer ift, entſprechend der hin- und hergehenden Bewegung mit einer Klappe verfehen, um dem Meffer beim Rückgange das Ausweichen zu geftatten, überhaupt ganz wie der Suport einer Hobel- oder Shapingmafchine gebildet. Der Vorfchub kann entweder felbftthätig durch die Spindel, oder von Hand durch den Suport, beforgt werden, wie auch die Einstellung bei Beginn und die Zurückführung bei Schlufs der Arbeit. Bewegung empfängt die Hülfe und durch fie die Spindel mit dem Suport, von einer Schneckenradüberfetzung mit horizontaler, feitwärts am Ständer gelagerter Antriebsachfe und zwei PaarRiemenfcheiben von verfchiedenen Durchmeffern. Die kleineren hievon find zum Rückgang, die gröfseren zum Schnittgange beſtimmt und empfangen die einen den Riemen gekreuzt, die andern offen. Die Verfchiebung der Riemen, alfo Umftellung der Bewegung erfolgt felbftthätig durch Anfchläge, welche in einer Nuth des Schneckenrades verftellbar find und auf einen Hebel wirken, der auf einer kurzen Achfe in der Mitte des Ständers angebracht ift. Von hier aus wird einerfeits durch Schrägräder die Riemenführung, anderfeits durch Zugftange die felbftthätige Steuerung im geeigneten Momente bewegt, nachdem die Anfchläge fo eingeftellt wurden, dafs fie den gewünſch ten Theil eines Kreisumfanges zwifchen fich einfchliefsen. Wir können beide Maſchinen als neu und originell bezeichnen und zweifeln nicht an ihrer nützlichen Verwendbarkeit in grofsen Locomotiv- oder Räderfabriken. Conftruction und Ausführung waren fehr folid und lobenswerth. Wagner& Co. in Dortmund. Wir fchalten diefe Firma hier ein, weil fie in jeder Beziehung der Chem nitzer Schule angehört. Ihre Ausftellung allerdings zeigte diefs weniger, da sie nur Maſchinen zur Schienenappretur enthielt, wer aber mit den übrigen Leiftungen der vorftehenden Firma bekannt ift, mufs ihr den angewiefenen Platz unbedingt zuerkennen. Die ausgeftellten Maſchinen waren, wie gefagt, fämmtlich für Walzwerks. zwecke und zwar zur Vorbereitung und Vollendung bei der Schienenfabrikation beftimmt, fallen alío immerhin noch in den Rahmen des gegenwärtigen Berichtes. Materialfcheere. Die Materialfcheere Fig. III und 112( Taf. XLIV) ift doppelt, und zwar nach dem früher allgemein gebräuchlichen Hebelfyfteme, gebaut. Wir können diefe fcheinbare Rückkehr zum alten Syſtem nicht tadeln. Die allgemeine Anordnung fällt bei dem Hebelfyfteme zwar nicht fo glatt und compendiös aus, wie bei den Mafchinen mit Kurbel oder Excenterwellen, alle einzelnen Theile find aber einfacher, leichter herzuftellen und in Stand zu halten, und können beffer. der rauhen Behandlung angepasst werden, welche in Walzwerken unvermeidlich ift. Namentlich find es die langen Excenterwellen der neueren Maſchinen, welche viele Gegner haben, da fie fich leicht verreiben und feftfetzen, fo dafs fie dann kaum von der Stelle zu bringen find. Unfere Mafchine hat eine einfache ftarke Grundplatte, an welcher nur die Lager für die Drehachfen der Hebel angegoffen, alle andern Beftandtheile aber 78 Cari Pfaff. angefchraubt find. In der Mitte ift vorn eine kleine Dampfmafchine mit einem Cylinder von 240 Millimeter Durchmeffer angebracht, von welcher die oberhalb gelagerte Welle mit Schwungrad von 2750 Millimeter Durchmeffer angetrieben wird. Durch einfache Räderüberfetzung pflanzt fich die Bewegung auf die tiefer unten gelagerte Achfe fort, welche mit zwei daumenartigen Hubfcheiben verfehen ift, und die Scheerenhebel bewegt. Letztere find entſprechend gekrümmt, und zwar einer von ihnen auch feitwärts, um an feinem Nachbar vorbei zu kommen. Sie find fo wie die Hubfcheiben von Gufseifen, aber fehr ftark und an ihren. Berührungs- oder Arbeitsftellen mit Stahl belegt. Vor den Scheeren find entfprechende Sicherheitsftangen, hinter denfelben verftellbare Anfchläge angebracht, um eine Anzahl Stücke von gleicher Länge abfchneiden zu können. Alle Lager find leicht zugänglich und mit anziehbaren Metallfchalen ausgerüftet. Die Scheere ift geeignet, um Quadrateifen bis 65 Millimeter zu fchneiden. Richtmaschine. Die Richtmafchine, Fig 113 und 114( Taf. XLV), dient zum Geraderichten von Eifenbahnfchienen und Façon- oder Trägereifen, welche zwar fchon nach dem Walzen im noch heifsen Zuftande auf Richtplatten mit hölzernen Hämmern gerichtet werden, fich jedoch meiftens beim Erkalten verziehen und abgefehen davon, fchon wegen der oberflächlichen Art der genannten Ausrichtung einer Nachhilfe im kalten Zuftande bedürfen. An dem ftarken Bette der vorliegenden Mafchine find zwei Vorfprünge angegoffen, welche horizontale fchwalbenfchwanzförmige Nathen haben, die in unferer Zeichnung durch Deckel gefchloffen find. In diefen Nuthen bewegen fich Vorfprünge der beiden prismatifch geformten Auflageftücke, welche mit Handgriffen verfehen find und je nach Erfordernifs näher zufammen oder weiter aus einander gefchoben werden können. In der Mitte der Mafchine ift ein ftarker Stofs geführt, welcher durchbohrt und rückwärts mit einer Mutter, vorn mit einem ftählernen, ſtumpf gefpitzten Druckftück verfehen ift. In die Mutter tritt eine 160 Millimeter ftarke Schraube mit einfachem Gewinde ein und ftemmt fich mit ihrem Bunde an das rückwärtige Lager. Sie iſt mit einem Stirnrade verfehen, welches durch das Getriebe der oberhalb liegenden Achfe in Bewegung gefetzt werden kann. Je nachdem nun die Frictionskuppelung mit einer der beiden Riemenfcheiben verbunden ift, wird die Schraube nach rechts oder links gedreht, da die Scheiben mit gekreuztem und offenem Riemen laufen. Läfst man die Kuppelung in der Mitte ſtehen, fo dafs fie in keine der beiden Riemenfcheiben eingreift, fo fteht die Schraube ftill. Durch die eine Drehungsrichtung der Schraube wird der Stofs nach vorwärts bewegt und kann einen bedeutenden Druck auf die zwifchen feinem Kopf und den Auflageftücken eingelegte Schiene ausüben, fo dafs diefe gezwungen wird, die gewünſchte Richtung anzunehmen; hiebei werden die Auflageftücke je nach der Länge des auszurichtenden Buges verftellt. Die andere Drehungsrichtung führt den Stofs zurück und erlaubt eine Verfchiebung der Schiene der Länge nach, welche durch, zu beiden Seiten ange. brachte Rollen erleichtert wird. Die Arbeit wird fo lange wiederholt, bis die Schiene auf ihrer ganzen Länge und in beiden Ebenen vollkommen gerade ift. Die Mafchine kann aber eben fo gut benützt werden, um Schienen und Träger nach beftimmten Dimenfionen zu biegen. Schienenfäge. Die Schienenfäge, Fig. 115 und 116( Taf. XLVI), dient zum Abfchneiden der Schienen im kalten Zuftande und wir möchten fie eigentlich Schienenfraife nennen, um die langfame Arbeit beffer zu charakterifiren. Mit dieſem Namen werden aber gewohnheitsmäfsig folche Mafchinen bezeichnet, welche die Enden Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 79 der Schienen von der Stirnfeite her bearbeiten, wie wir an dem nächften Beiſpiele fehen werden. In der That ift es aber eine grofse dünne Fraife, welche hier als fchneidendes Werkzeug dient; fie ift es wegen der Art ihrer Verzahnung, und nur die äufsere Aehnlichkeit mit einer Kreisfäge hat ihr den Namen einer folchen eingetragen, den wir nun wohl oder übel beibehalten müffen. Die vorliegende. Mafchine ift fehr einfach gebaut. Der Vorfchub erfolgt durch Verſchieben des Tifches auf dem die Schiene befeftigt wird. Derfelbe ift mit feiner Suportplatte ganz getrennt von dem übrigen Geftell der Mafchine und nur durch den gemeinfchaftlichen Fundamentftein mit demfelben verbunden, was dem Bedürfniffe nach billiger Herftellung und den an eine folche Mafchine zu ftellenden Anforderungen ganz gut entſpricht. Die übrige Anordnung ift nach unferen Zeichnungen leicht verftändlich und foll nur hervorgehoben werden, dafs die auffallende Ueber fetzung auf die Fraifenfpindel wegen des Vorbeipaffirens der vorftehenden Schienenenden nöthig ift. Die Steuerung erfolgt durch Räderüberfetzung und Schneckenantrieb felbftthätig, jedoch nur für den Schnitt. Durch Verſchieben des mit dem Handrade verbundenen Schneckenrades wird die Verbindung gelöft und kann alsdann die Rückwärtsbewegung, fowie die Einftellung, von Hand bewerkstelligt werden. Schienenfraife. Die Schienenfraife, Fig. 117 und 118( Taf. XLVII), bearbeitet die Enden der Schienen von der Stirnfeite her, um diefe glatt und rechtwinklicht zu machen, und um der Schiene die genaue Länge zu geben. Die Schienen werden zwar nach dem Walzen in noch warmem Zuftande auf Länge abgefägt, allein die Temperaturen, bei welchen diefs gefchieht, entziehen fich der Controle und find fo verfchieden, dafs daraus bei der bedeutenden Länge der Schienen noch Unterfchiede in ihren Abmeffungen nach dem Erkalten refultiren, welche von den Eifenbahnen nicht mehr geftattet werden. Man ift nun zwar beftens bemüht, diefe unvermeidlichen Fabrikationsfehler fo klein als möglich zu machen, eine nachträgliche Adjuftirung ift aber nicht zu umgehen und wird auf unferer Mafchine vorgenommen, welche demnach nur kleine Längenüberfchüffe wegzunehmen hat. Schienen werden meift in zwei oder mehr verfchiedenen Längen geliefert, fallen daher lange Schienen mit Fehlern an den Enden vor, fo werden diefelben auf der im vorhergehenden befchriebenen Schienenfäge zu kürzeren abgefchnitten, beide Mafchinen haben alfo ganz verfchiedene Zwecke. Die Arbeit wird auf vorliegender Mafchine durch zwei oder vier Meffer verrichtet, welche in einem fcheibenförmigen Kopfe eingekeilt find. Die Schiene wird auf einer entſprechend profilirten Unterlage vor der Mefferfcheibe eingefpannt, und zwar etwas tiefer, fo dafs die Drehungsachfe der letzteren fammt dem unwirkfamen Theile der Meffer vollkommen aufserhalb des Schienenprofiles fällt. Die Mefferfcheibe ift in einem Stücke mit einer ftarken Spindel gefchmiedet, welche in einer Hülfe verfchiebbar if, während fie an deren Umdrehung theilnehmen muss. Die Hülfe ift im Ständer gelagert und empfängt ihre Bewegung von der Antriebsriemenfcheibe durch ftarke Räderüberfetzung. Sie erftreckt fich ähnlich wie bei den verticalen Bohrmaſchinen bis an das rückwärtige Lager des Ständers, in welchem eine Mutter feft und hinter diefer ein Stirnrädchen eingefetzt ift. Diefes erfafst die Druckfchraube durch Nuth und Feder und bewirkt eventuell deren Drehung und fomit die Vorwärts- oder Retourbewegung der Spindel mit der Mefferfcheibe, von welchen erftere durch Excenter und Sperrrad felbftthätig erfolgen kann. Schienen- Langlochbohrmaſchine. Die letzte Mafchine, welche von Wagner& Co. befprochen werden foll, ift eine Langlochbohrmaschine für Schienen, Fig. 119 und 120( Taf. XLVIII). Sie 80 Carl Pfaff. ift mit drei Spindeln ausgerüftet und weicht hierin von der öfterreichifchen Praxis ab, welche in jeder Schiene bisher nur zwei Löcher für die Lafchenbolzen forderte. Die drei Bohrfpindeln find neben einander in horizontaler Lage in einem doppelten Rahmen angeordnet und die beiden äufseren feitlich verfchiebbar, um den verfchiedenen Lochdiftanzen zu entfprechen. Sie haben keine felbftftändige Längenverfchiebung, fondern find unverrückbar in den Rahmen eingelagert, während diefer die Vorfchubbewegung im Ganzen machen kann, fo dafs alle drei Spindeln gleichzeitig vorrücken. Die mittlere Spindel ift über den Rahmen hinaus verlängert und dort mit einem befonders eingelagerten Stirnrade durch Nuth und Feder verbunden. Durch ein Getriebe empfängt diefes Stirnrad feine Bewegung von der Antriebsriemenfcheibe aus und überträgt fie auf die mittlere Bohrfpindel von der fie auch auf die beiden Nachbarfpindeln durch je drei Stirnradgetriebe übertragen wird, von welchen zwei auf den bezüglichen Spindeln feftfitzen, während das dritte in Gelenkftücken gelagert ift, die ihm ftets gleiche Diftanz von den Spindeln fichern, diefen aber eine Veränderung ihrer Entfernung geftatten. Soweit wäre nun die Mafchine zum Bohren cylindrifcher Löcher geeig net, um diefe aber oval zu machen, wird der Rahmen mit den drei Bohrfpindeln während des Bohrens langfam hin und her bewegt, was dadurch ermöglicht ift, dafs er auf einem Schlitten fteht, der das Bett der Mafchine zur Bafis hat. Seine hin- und hergehende Bewegung empfängt er von einer Kurbelfcheibe mit verftellbarem Hube, welche feitwärts auf dem Rücken eines Schrägrades angebracht ift, das durch einen Schneckenantrieb in langfame Umdrehung verfetzt wird. Neben dem erften Getriebe für den Antrieb der mittleren Bohrfpindel fitzt eine kleine Riemenfcheibe, von welcher aus die gröfsere des Schneckenantriebes bewegt wird. Das Schrägrad mit Kurbelfcheibe pflanzt feine Bewegung auf ein weiteres Schrägrad fort, deffen Achfe durch das Bett der Mafchine geht und mit einem Stirnradgetriebe verfehen ift, welches feinerfeits das Stirnrad der Vorfchubwelle in Bewegung fetzt. Diefes Rad ift auf der genannten Welle lofe und kann mit dem feft auf derfelben fitzenden Handrade durch eine in gedrehter Nuth gehende Klemmfchraube verbunden werden, in welchem Falle die Drehung auf die Vorfchubwelle fortgepflanzt wird, welche fie durch Getriebe und Zahnftange in die geradlinige des Bohrfpindelrahmens verwandelt. Bei gelöfter Klemmfchraube kann die Vorfchubwelle von Hand bewegt und dadurch der Bohrfpindelrahmen vor oder zurück bewegt werden. Das Getriebe ift breiter als das Stirnrad, weil fich das letztere mit dem Schlitten verfchieben mufs. Die Länge der ovalen Löcher in den Schienen, mithin die Verfchiebung der Bohrfpindeln, ift fehr gering, fo dafs hier auf die gleichmäfsige Gefchwindig keit der Verfchiebung, fowie auf die intermittirende, nur an den Enden der Bohrungen wirkende Steuerung, wie fie bei gewöhnlichen Langlochbohrmaſchinen üblich ift, verzichtet werden konnte. Die gefammte Anordnung der vorliegenden Mafchine ift fehr zweckentfprechend, nur wäre es im Intereffe der rafcheren Arbeit und mit Hinblick auf die dadurch namentlich bei Stahlfchienen bedingte Schmierung der Bohrer doch beffer gewefen, die letzteren vertical ſtatt horizontal anzuordnen, wobei noch der Vortheil von felbft entftünde, dafs die Schienen nur einfach aufgelegt und nicht befeftigt zu werden brauchten. Uebrigens mufs man allen von Wagner& Co. ausgeftellten Mafchinen das Lob ertheilen, dafs fie einfach, kräftig und mit befonderer Rückficht auf ihre Verwendung in Walzwerken conftruirt und demgemäfs ausgeführt waren. Unter den jüngeren Anhängern der Chemnitzer Schule wäre in erfter Linie noch die Firma„ Vulkan", vormals Wm. Benndorf zu nennen. Sie hatte unter andern eine Suportdrehbank zum Schraubenfchneiden ausgeftellt, welche mit einer Vorrichtung zum rafchen Rückgange verfehen war, wie wir eine folche bei der Sächfifchen Mafchinenfabrik gefui.den haben. Die Conftruction des Vulkan Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 81 ift aber älter als die früher befchriebene, da fie fchon aus den fechziger Jahren ftammt. Sie ift einfacher, indem zwifchen dem Riemenkonus und dem Triebrade, welche zu diefem Zwecke auseinandergerückt find, eine mit der Riemenführung verbundene Klauenkuppelung angebracht ift, die abwechfelnd in das eine oder das andere Organ eingerückt oder in der Mitte ftehen gelaffen werden kann. Wir würden diefer einfachen Conftruction den Vorzug vor der weiter oben befchriebenen complicirteren geben, müffen aber conftatiren, dafs fie fich keinen namhaften Eingang in die Praxis verfchafft hat. Ausserdem war die Drehbank mit einer Vorrichtung verfehen, um durch Wechfelräder beliebige Konufe zu drehen. ähnlich wie diefs bei der Drehbank der Sächfifchen Mafchinenfabrik befchrieben wurde. Die Ausführungen des Vulkan find recht brauch bares Mittelgut, ohne aber höhere Anfprüche zu machen. Anfchliefsend erwähnen wir noch die Firmen: Mafchinenbau- Verein, vormals L. Schellenberg. in Chemnitz; Schöne& Sohn in Leipzig; Berliner Eifengiefserei und Mafchinenfabrik vormals Wm. Tietfch, welche in abfteigender Linie die neuerdings aufgetauchten Anfänger der Chemnitzer Schule repräfentiren. Ferner führen wir noch Alfred Kühn in Gera und F. X. Honer in Ravensburg an, von denen erfterer mit einer von Collet& Engelhard copirten Horizontalbohrmaſchine debutirte, letzterer in einer Doppelbohrmaschine und einer Drehbank gangbare Marktwaare geringfter Sorte zur Anfchauung brachte. Ganz befonderer und eingehender Erwähnung würden die verhältnismässig bedeutenden Ausftellungen von E. Kircheis in Aue und L. Kneufel in Zeulenroda verdienen, welche ausfchliefslich Mafchinen zur Blechbearbeitung für Spängler und verwandte Gewerbe enthielten, wenn eben diefe letzteren nicht allzufehr aus dem Rahmen des hier Befchriebenen fielen. Wir verweifen defshalb wegen ihrer Befchreibung auf den deutfchen Ausftellungsbericht, und zwar auf den von Dr. Hartig in Dresden behandelten Abſchnitt, welcher diefe beiden Ausftellungen eingeh end und mit grofser Klarheit befchreibt. Bevor wir nun zu den gröfseren Firmen übergehen, welche, wie wir eingangs diefes Abſchnittes erwähnten, unabhängig von der Chemnitzer Schule arbeiten, finden wir noch einige zu nennen, welche in keine der aufgeftellten Kategorien paffen, und daher befonders befprochen werden follen. Ludwig Löwe& Co. in Berlin. Diefe Firma befchäftigt fich mit dem Baue von Werkzeugmafchinen nach amerikanifchen Muftern, und hatte einige derfelben ausgeftellt. Sie waren von der Pratt& Whitney Co. und der Brown& Sharpe Manufacturring Co. mit möglichfter Treue copirt, bedürfen alfo hier keiner befonderen Befchreibung. Die Ausführung war recht anftändig, ohne aber die amerikaniſchen Mufter in ihrer fatten Vollendung zu erreichen.-Wenn eine Fabrik offen genug ift, die Quellen zu nennen, aus denen fie fchöpft und letzteres in gutem Einvernehmen thut, fo kann ihr die Verpflanzung guter fremder Conftructionen auf heimifchem Boden als verdienftliche patriotifche That angerechnet werden. L. A. Riedinger in Augsburg. Schrägräderhobelmafchine. L. A. Riedinger in Augsburg hatte Leupold's Mafchine zum Hobeln von Schrägrädern ausgeftellt. Wir haben fchon bei Gelegenheit der Räderfchneidemaschine von Sellers darauf hingewiefen, dafs die Bearbeitung von 6 82 Carl Pfaff. Zähnen konifcher Räder mit Fraifern faft gar nicht möglich ift, und wiederholen: diefs hier mit der Begründung, dafs veränderliche Querfchnitte mit einem unveränderlichen Werkzeuge nur durch oft wiederholte fuccefive Angriffe hergeſtellt werden können. Diefs weift von felbft auf das Hobeln hin, und die vorliegende Mafchine, welche ihre Hobelftähle in den Erzeugenden der Kegelflächen führt, aus denen ein Schrägrad gebildet ift, löft die Aufgabe auf das Einfachfte und Glücklichfte. Sie ift in den Figuren 121-127, Taf. XLIX und L, dargestellt und von einigen Details in gröfserem Maafsftabe begleitet. Die Mafchine befitzt ein ftarkes Bett, auf welchem einerfeits ein Ständer fteht, welcher die Lager für den Antrieb und die verticale Drehachfe für den Hobelapparat enthält, anderfeits ein Spindelftock verfchiebbar angebracht ift, der am rückwärtigen Ende den Theilapparat trägt, während der vordere freie Theil der Spindel zum Auffpannen der zu bearbeitenden Räder dient, endlich tritt feitwärts die Rundwange hervor, auf welcher der Leitapparat entſprechend eingeftellt werden kann. Die durch die Stufenfcheibe eingeleitete rotirende Bewegung wird durch Schrägräderüberfetzung auf die horizontale Kurbelfcheibe, und von diefer durch eine Leitftange als hin- und hergehende Bewegung auf ein hohles Segmentftück übertragen welches um die verticale, jedoch nur durch zwei kurze Zapfen vertretene Achfe des Ständers fchwingt. In dem Punkte, welcher durch den Schnitt der verticalen Schwingungsachfe mit der verlängerten horizontalen Achfe des Spindelftockes gebildet wird, liegt das Centrum des ganzen Syftems, welches wir das theoretifche Mittel der Mafchine nennen wollen. Beide Zapfen der eben genannten Leitftange find verftellbar, der eine im Schlitze der Kurbelfcheibe, um den Hub zu verändern, der andere in einem kreisförmigen Schlitze des Segmentes, um die Einftellung vornehmen zu können, welche fich durch das Segment bis auf die Hobelftähle erftreckt. Letztere werden in Schlitten längs zweier prismatifchen Schienen geführt, und erlauben endlich nochmals eine Verftellung der Leitftangenzapfen. Innerhalb des hohlen Segmentes ift auf denfelben Drehzapfen, welche die verticale Achfe darftellen, ein befonderer gabelförmiger Theil angebracht, welcher in feiner Mitte die nach Kreisabfchnitten mit Schwalbenfchwanzprofil gebildeten Enden der genannten prismatifchen Leitfchienen umfafst, und ihnen eine Drehung in horizontaler und verticaler Richtung geftattet. Die entgegengefetzten Enden diefer Leitfchienen find rechtwinklig umgebogen und tragen Stahlzapfen, welche halbkreisförmig mit vertical ftehenden Durchmeffern, und zwar dadurch gebildet find, dafs genau eine Hälfte der urfprünglich rund gedrehten Zapfen weggenommen wurde. Mit den gegen einander gerichteten geraden Kanten liegen diefe Zapfen ( Führungszapfen), an der Chablone an, die am Leitapparate angefchraubt ift, und werden durch eine Platte mit fchräg gegen einander laufenden Schlitzen, in welchen die rund gelaffenen Fufsenden der ftählernen Führungszapfen laufen, gegen diefelbe angedrückt, indem die Schlitzplatte in einer Führung am Leitapparate beweglich und durch einen Gewichtshebel veranlafst ift, ftets den geeig. neten Druck auf die Führungszapfen auszuüben. Dicht über der befchriebenen Schlitzplatte liegt ebenfalls verfchiebbar eine ähnliche, deren Schlitze jedoch in entgegengefetzter Richtung divergiren. Diefe ift mit der Schraubenfpindel der Steuerung verbunden, und kann von Hand oder während des Ganges der Mafchine durch den Steuerungsmechanismus felbftthätig verfchoben werden, wodurch die Führungszapfen gezwungen werden, längs der angefchraubten Chablone zu gleiten. Hiebei gehen die Leitfchienen in verticaler Richtung aus einander oder zufammen, und machen gleichzeitig eine Winkelbewegung in der horizontalen. Wenn nun Meffer eingefpannt find, deren Spitzen genau in die Linien fallen, welche von den leitenden Kanten der Führungszapfen nach dem theo Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 83 retifchen Mittel der Mafchine laufen, fo befchreiben diefe Spitzen oder Schneiden bei der Arbeit diejenigen Flächen, welche für die Zahnflanken gewünſcht wurden. Hiezu gehört aber noch, dafs der Spindelftock mit dem aufgefpannten Rade fo eingeftellt ist, dafs die Spitze des Radkegels mit dem theoretischen Mittel der Mafchine zufammenfällt und der Leitappa: at auf der Rundwange fo, dafs die Chablone mit den verlängert gedachten Zahnflanken übereinstimmt. Denken wir uns Räder von verfchiedenen Durchmeffern, Winkeln und Zahnbreiten zur Bearbeitung vorliegen, fo wird auch der Zweck der mehrmals genannten Verftellungen der Leitftangenzapfen fofort klar, diefelben dienen zur richtigen Einftellung der Stähle, wozu aufserdem noch ein zweites Paar von Stahlhaltern an den Suporten vorgefehen wurde, fo dafs die inneren für kleinere, die äusseren für gröfsere Räder zur Verwendung kommen. Wie wir fchon aus der Zeichnung erfehen, find zwei Stähle zu gleichzeitiger Arbeit vorhanden, welche fo weit hinter einander liegen, dafs ihre Schneiden auch in eine Linie zufammenfallen können. Diefs gefchieht beim Aushobeln des Grundes einer Zahnlücke im Augenblicke der Vollendung. Beide Führungszapfen der Leitfchienen berühren fich dann am Ende der Chablone. Eine gekrümmte Form des Grundes der Zahnlücke ift Bedingung für das Hobeln auf unferer Mafchine, der Grund kann aber auch unbearbeitet bleiben, und dann beliebige Formen haben. Die Stähle beginnen ihre Arbeit an den Zahnfpitzen, fchneiden von der äufseren Kante des Rades gegen feine Mitte zu, und rücken gegen den Grund der Zahnlücke vor, bearbeiten alfo gleichzeitig eine Lücke zu beiden Seiten. Sie find flach und in drehbare Halter befeftigt, damit fie beim Rückgange ausweichen können. Flache Federn, welche je auf einen Daumen der Stahlhalter wirken, fichern ihnen den rechtzeitigen Wiederangriff. Während die Schneiden der Stähle ftets auf das theoretiſche Mittel zu laufen, und die Leitfchienen den fo befchriebenen Linien parallel ftehen, find die Schlitten oder Suporte der Stahlhalter zwifchen den Leitfchienen durch, in Arme mit Schlitzen verlängert, welche um den Betrag jenes Radius von den Stahlfchneiden abftehen, in welchem die Leitftangen an dem hohlen Segmente eingehangen find. In den Schlitzen find Kugelzapfen für die Leitftangen verftellbar angebracht, am Segmente findet die Einhängung der letzteren mittels Univerfalgelenke ftatt. Der Vorfchub oder die Steuerung der Leitfchienen und durch diefe der Stähle erfolgt durch die vorhin genannte Schlitzplatte, welche von einer Schraube verfchoben wird, deren intermittirende Bewegung durch ein Räderpaar vermittelt ift, wovon das grössere Rad durch einen Sperrkegel vorgefchoben wird. Eine am Segment eingehängte Steuerftange bewegt ihrerfeits vermittels verftellbarer Anfchläge in einem gefchlitzten Bogen den Sperrkegel, und befitzt ebenfalls die nöthige Verftellbarkeit. An dem auf der Steuerungsfchraube fitzenden Getriebe ift eine Frictionskuppelung angebracht, um Brüche zu vermeiden, falls die rechtzeitige Auslöfung des Steuerungsmechanismus verfäumt werden follte. Der Theilapparat am Spindelftocke arbeitet durch Schnecke, Schneckenrad und aufgefteckte Wechfelräder. Er unterfcheidet fich von dem bei Räderfchneidmafchinen gewöhnlich angebrachten dadurch, dafs nur zwei Wechfelräder zur Verwendung kommen. Die Achfe des äufseren ift in der Scheere verftellbar gelagert, und trägt eine Theilfcheibe mit fechs Einfchnitten, welche fo ftehen, dafs halbe, Viertel- und Drittel Umdrehungen gemacht werden können, worauf ein am drehbaren Hebel angebrachter Zahn eingelegt wird, welcher die Stellung fixirt. Die ganze Mafchine ift fehr wohl durchdacht und enthält durchaus keine überflüffigen Theile; fie dürfte heute die befte in ihrer Art fein. Seitens der ausftellenden Firma war in der Ausführung nichts gefpart, um fie ihrer Aufgabe vollkommen entfprechend zu machen. 6* 84 Carl Pfaff. Neftler& Breitfeld in Erlaa( Königreich Sachfen). Vierfache Gewindefchneidemaschine. Neftler& Breitfeld in Erlaa( Königreich Sachfen), ftellten ihre wohlbekannte vierfache Gewindefchneidemafchine aus. Diefelbe hat vier verticale Spindeln, die in einem Geftelle gelagert find, das mit dem kreisförmigen Tifche, welcher die Muttern oder Schneidkluppen trägt, verbunden ift, und um die zu diefem Zwecke befonders ftark gehaltene Antriebsachfe gedreht werden kann. Hiedurch wird es dem Arbeiter ermöglicht, immer an der Stelle ftehen zu bleiben, wo er feinen Vorrath von ungefchnittenen Muttern oder Schrauben zur Hand hat und die vier arbeitenden Spindeln nach und nach vor fich zu bringen. Das Syftem ift aus der Fig. 128, Taf. XI, deutlich zu erkennen. Ein Riegel am feften Untergeftell, welcher in die am beweglichen Tifche angebrachten Einfchnitte einfallen kann, hält das ganze Syftem nach Belieben am Platze. Die Spindeln find vertical durch Hebel verftellbar und durch Gegengewichte ausbalancirt. Sie nehmen am unteren Ende die Gewindebohrer oder die zu fchneidenden Bolzen auf, während auf dem Tifche die Einlagen für Muttern( Fig. 129) oder die Schneidkluppen befeftigt find. An der auf der Ausftellung befindlichen Mafchine waren Einfpannvorichtungen und Schneidkluppen für Schraubenbolzen mit einem gewiffen Raffinement entwickelt. Wir glauben aber nicht recht an ihre praktifche Verwendbarkeit, halten vielmehr die Mafchine für befonders und faft ausfchliefslich geeignet, um Muttern zu fchneiden. Indem wir daher auf die Befchreibung der Vorrichtungen zum Schneiden von Schraubenbolzen verweifen, welche Prof. Hartig in Dingler's, polytechnifchem Journal 212. Band, Jahrgang 1874, gegeben hat, erwähnen wir nur noch, dafs die Mafchine ganz entſprechend ausgeführt war, und zur Maffenfabrication von Muttern vorzügliche Dienfte leiften kann. Heilmann Ducommun& Steinlen in Mühlhaufen( Elfafs). Diefes Haus, auch unter dem Namen der Ateliers Ducommun bekannt, befteht feit 1834, und gehört feit 1871 zu Deutſchland, ift fomit das ältefte unter allen denen, welche fich in Deutfchland mit Werkzeugmaschinenbau befchäftigen, und ohne Zweifel, Dank den Principien, von welchen es bei deren Conftruction und Ausführung geleitet wird, das vornehmfte. In der That ift fein Beftreben weniger auf Begegnung aller Concurrenz, als auf Erreichung der höchften Vollkommenheit in feinen Erzeugniffen gerichtet. Ganz befondere Sorgfalt wird der Ausführung zugewandt. Die Ausftellung unferer Firma zeigte diefs auf das deutlichfte, und wer ihre gewöhnlichen Ausführungen kennt, mufs geftehen, dafs auch fie nicht minder gut hergeftellt find. Wir können die genaue und folide Arbeit, die fogar manchmal bis in das Gefuchte geht, mit der von Jof. Whitworth in Manchefter, welche den erften Platz in der ganzen Welt behauptet, vollkommen gleichftellen. In der Conftruction gehen die Ateliers Ducommun fo viel als möglich ihren eigenen Weg, und legen darin ein confequentes eingehendes Studium an den Tag. Wo fie fremde Conftructionen benützen, thun fie es unter Nennung der Quelle. Ihre Ausftellung war eine fehr grofse, und wir müffen uns defshalb darauf befchränken, nur einige charakteriftifche Mafchinen zur Befprechung hervorzuheben. Suportdrehbänke. Die Suportdrehbank wird in den Ateliers Ducommun mit ganz befonderer Vorliebe und Sorgfalt gepflegt. Die Ausftellung zeigte eine grofse Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 85 Anzahl von Modificationen, welche mit ein und demfelben Grundmodell vorgenommen werden können, um daraus Drehbänke zu machen, die für die verfchiedenften Claffen von Arbeiten paffen. Wir können uns als einfachfte Drehbank, die wir unter der Bezeichnung Grundmodell verftehen, eine denken, welche nur den Spindelftock, den Reitftock und einen auf rechteckig geformtem Bett verfchiebbaren Suport enthält. Vermittels der gewöhnlichen, natürlich auch hierher gehörigen Organe als: Planfcheibe, Mitnehmer, Futterkopf können alle in das Bereich diefer Drehbank fallenden Mafchinentheile auf derfelben aufgefpannt, gedreht und gebohrt werden. Der Vorfchub kann aber nur von Hand erfolgen, und erhält die Drehbank hienach gewöhnlich den Namen Handfuportdrehbank. Diefelbe kann ein gerades oder auch ein gekröpftes Bett haben, und noch aufser oben angeführten Zugaben mit einer Handauflage, einer Führung für Bohrer und einer Lünette( Setzftock) ausgerüftet fein. Denken wir uns noch das Deckenvorgelege und die Schraubenfchlüffel hinzu, fo ift die Drehbank zum Gebrauche fertig. Selbftthätig in befchränkter Weife wird fie fofort, wenn rückwärts an dem Spindelftock ein Kurbelzapfen, weiters ein Kettenzug und endlich am Suport eine Ratfchenvorrichtung angebracht wird, wodurch ein bei jedem Umgange des Arbeitsftückes intermittirend wirkender Vorfchub eingeleitet wird. Immer wird es aber bei einer derartigen Drehbank nöthig fein, den Suport weiter zu fchieben, fobald eine Stelle bearbeitet werden foll, welche länger ift als fein Ausfchub, uud bei diefer Verfchiebung ift jedesmal die Richtung des Suports von neuem mit der Achfe der Drehbank parallel zu machen. Um diefs zu vermeiden, wird bei einer erften Modification das Bett mit prismatifchen Führungen verfehen, und erhält einen Schlitten, auf welchem fich der Suport längs des Arbeitsftückes verfchieben läfst, ohne an feiner Parallelität etwas einzubüfsen; ferner lässt fich nach Ducommun's Anordnung der Suport auch rechtwinklig zur erften Richtung auf dem Schlitten verfchieben, alfo ohne Weiteres zum Drehen ebener Flächen verwenden Der Schlitten wird durch Zahnstange und Getriebe von Hand verfchoben, die Thätigkeit des Suports kann von Hand oder durch Kettenfchaltwerk felbftthätig wachgerufen werden. Sobald aber zu den hier befchriebenen Theilen noch eine Leitfpindel kommt, welche den Suportfchlitten längs des Bettes bewegen kann, ift die felbftthätige Drehbank im ftrengen Sinne des Wortes gegeben. Die Verfchiebungen des Suportes dienen bei diefer nur noch zum Anftellen des Stahles, hören aber während der Arbeit ganz auf, indem der Vorfchub durch die Leitfpindel beforgt wird. Diefe kann nun entweder durch Wechfelräder mit der Drehbankfpindel in Verbindung ftehen, und dann zum Egalifiren und Schraubenfchneiden gebraucht, oder fie kann auch durch eine Riemenüberfetzung betrieben und dann nur zum Egalifiren benützt werden. In beiden Fällen ift es thunlich, eine Umfteuerung, ( Reverfirvorrichtung) zwifchen Drehbanks- und Leitfpindel einzufchalten, fo dafs die Längsverfchiebung des Schlittens nach beiden Richtungen möglich ift, während das Arbeitsftück fich ftets in der gleichen bewegt. Die Mutter, vermittelft welcher die Leitfpindel auf den Suportfchlitten wirkt, ift in der Regel zweitheilig und zum Schliefsen und Oeffnen eingerichtet. Bei dem letzteren Stande kann der Suportfchlitten rafch von Hand längs des Bettes transportirt werden, und zwar durch befonders angebrachte Zahnftange und Getriebe, oder auch durch letztere, welche direct in die Leitfpindel greifen und diefe als Zahnftange benützen. Wie wir fchon bei früheren Befchreibungen gefunden haben, kann auch die felbftthätige Planbewegung von der Leitfpindel abgeleitet werden, und gefchieht diefs zum Beiſpiel bei Whitworth, obwohl er die Leitfpindel zwifchen dem Bett liegen hat; es ift diefs jedoch in den Ateliers Ducommun nicht üblich. Sobald eine Drehbank felbftt hätig ist, wird auch die Vorrichtung am Reit 86 Carl Pfaff. ftocke angebracht, um ihn zum Konifchdrehen verfchieben zu können. Bei Handdrehbänken hätte eine folche keinen Sinn. Die felbftthätige Eigenfchaft, jedoch nur zum Egalifiren und Plandrehen, kann einer Drehbank auch durch Anwendung von Zahnftange und Schnecke gegeben werden, wobei in der Regel Reverfirvorrichtungen eingefchaltet find. Will man die Leitfpindel befonders fchonen und fie nur zum Schraubenfchneiden verwenden, fo kann endlich eine Drehbank mit einer folchen und einem Selbftgang, durch Zahnftange und Schnecke verfehen, und mit diefen abwechfelnd betrieben werden. Zum Bohren mittels Spitzbohrer, Kanonenbohrer oder Bohrftangen richtet Ducommun feine Reitftöcke mit befonders langen Hülfen und Stöfsen ein und bringt eine durch Kettenfchaltwerk felbftthätige Vorrückung an. Diefes Arrangement kann auf allen Drehbänken angebracht werden, ebenfo können diefelben gerade oder gekröpfte Wangen haben. Wenn wir fchliefslich noch erwähnen, dafs die Betten auch beim Spindelftocke ganz abgefchnitten und in verfchiedener Weife verfchiebbar gemacht werden können, fo haben wir eine Ueberficht der Veränderungen gegeben, welche mit einer Drehbank von übrigens gleicher Spitzenhöhe und Drehlänge vorgenommen werden können. Eine der ausgeftellten Drehbänke war in ihre Theile zerlegt, und zeigte die ausgezeichnete und forgfältige Ausführung derfelben. Die Spindel des Spindelftockes war im Einfatz gehärtet, in den Lagern glashart und vollkommen rund gefchliffen. Der Stofs des Reitftockes war in der ausgefchliffenen Hülfe mit einem Minimum von Spielraum und Reibung eingepafst, die Ueberfetzungsräder mit fchöner Cykloidenverzahnung verfehen, welche noch mit der Gufshaut ohne Nacharbeit ausgezeichnet ruhig und geräufchios arbeitete. Rein gefchnittene Gewinde und Muttern, ohne Schlottern und todten Gang, ausgezeichneter Schlufs aller Suporttheile und der Schlittenführung, häufige Verwendung von eingefetztem Schmiedeeifen, fowie überhaupt vorzüglicher und reiner Materialien vereinigten fich mit der gut durchdachten Conftruction zu einer harmonifchen vollkommenen Ausführung. Zur Befchreibung der allgemeinen Details übergehend, finden wir an Ducommun's Spindelftock cylindrifche Lager mit rückwärts in einem Querftück angebrachter Druckfchraube. Für die zum Aufftecken der Wechfelräder oder anderer Selbftgangorgane nöthige Uebertragungsachfe ift das Querftück mit einer Lagerhülfe verfehen. Die Lagerfutter der Spindel find cylindrifch eingepafst und durch vorfpringende Nafen am Drehen verhindert. Hiemit ift eine wichtige Verbefferung der cylindrifchen Lager überhaupt eingeführt, indem es möglich wird, die Lage der Spindel mit den geringften Koften ftets richtig zu erhalten. Die Bohrungen im Körper des Spindelftockes, welche die Lagerfutter aufnehmen, find nämlich von Haus aus vollkommen genau und richtig gemacht, das heifst fie liegen in der geometrifchen Achfe der Drehbank. Wenn fich nun die Lagerfutter nach längerem Gebrauche ausnützen und zu weit werden, fo braucht man nur neue einzulegen, was aufserordentlich leicht geht, da fie ganz auf der Drehbank vollendet werden können. Hierauf ift die letztere hinsichtlich der Lagerung der Spindel wieder fo gut und richtig wie im neuen Zuftande. Die Koften diefer Operation find nicht bedeutend, weil das Material der alten Lagerfchalen wefentfich zum Erſatze beiträgt, und ihr Erfolg ift jedenfalls ficherer, als der des Unterlegens rechteckig eingepafster Lagerfchalen. Die Räderüberfetzung des Spindelftockes ift durch Excenterwelle auslösbar, demnach der möglichft gröfste Raum für die gute Ausbildung der Stufenfcheibe verwendet. Der Spindelftock felbft fitzt auf der Wange nicht mittels eingepafster Rippe feft, fondern hat zu feiner Regulirung Schrauben, welche durch eine ftarke Mittelrippe gehen, und fich gegen die inneren Kanten des Bettes anftemmen. Auf diefe Weife ift es leicht, ihn richtig und parallel zur geometrifchen Achfe der Drehbank einzuftellen. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 87 Der Reitftock hat die gewöhnliche engliſche Form und ift zur Feftftellung des Stofses am vorderen Ende der Hülfe aufgefchlitzt und mit Anzugfchraube verfehen. Wenn er zum Konifchdrehen verftellbar ift, fo fteht er auf einer Platte mit zwei prismatifchen Leiften, welche in gewöhnlicher Art zwifchen die inneren Kanten der Wange eingepasst und mit einer Schraube zur Verfchiebung des Reitftockes verfehen ift. In Fig. 130, Taf. LII bringen wir die einfache Handfuportdrehbank, das Grundmodell, zur Darstellung. Die punktirten Linien zeigen das Kettenfchalt werk und die eventuelle Kröpfung der Wange an. Nach dem fchon oben Gefagten ift es nicht nöthig, noch mehr über diefe Drehbank anzuführen, und wir fchreiten fogleich zu der felbftthätigen Drehbank, Fig. 131, Taf. LII. Sie befitzt eine Leitfpindel, welche innerhalb des Bettes liegt. Diefe Anordnung ift charakteriftifch bei den Ateliers Ducommun und wird von ihnen auch bei den gekröpften Betten nicht ohne Schwierigkeiten feftgehalten. Es läfst fich wohl fchwerlich feftftellen, ob diefelbe beffer ift als die äufsere Lage der Leitfpindel, da die mittlere Diftanz vom Leitfpindelmittel bis zur Schneide des Stahles in beiden Fällen gleichgrofs wird, alfo der Angriff der Kraft gegenüber dem Widerftande unter ganz ähnlichen Bedingungen erfolgt. Es kann nur zu Gunften der Mittel lage angeführt werden, dafs die Kraft mehr fymmetriſch zu den beiden Prismen des Schlittens wirkt, was jedoch bei nur einigermassen genügender Länge desfelben nicht von Werth zu fein fcheint. Dagegen behindert die im Innern des Bettes angebrachte Leitfpindel, um welche herum auch noch Raum für das Paffiren der geöffneten Mutter fein mufs, die Anbringung hoch heraufgehender Querverbindungen. Um letztere genügend ausbilden zu können und ein hinreichend fteifes Bett zu erhalten, mufs diefes viel höher gemacht werden, als ein folches mit aufsenliegender Leitfpindel, deffen Querverbindungen bis dicht unter die Oberfläche heraufgehen. Auch ift es viel fchwerer, eine innenliegende Leitfpindel rein zu erhalten, als eine aufsenliegende, dagegen ift aber ohne Zweifel das Anfehen einer Drehbank mit erfterer viel glätter und eleganter. Die Mutter der Leitfpindel befteht aus zwei Theilen, die fich in hebel förmigen Armen befinden, und mit diefen durch Hebel und excentrifch gefchlitztem Wirbel geöffnet und gefchloffen werden. Der Handgriff hiezu ift links am Schlitten fichtbar. Rechts an demfelben befindet fich die Welle für den Handtransport, welche auf eine Stirnradüberfetzung rückwärts am Schlitten, und durch diefe auf die Zahnftange wirkt, welche mit den Zähnen nach unten angefchraubt ift, um fich nicht durch Spähne zu verftopfen. Unfere nächfte Fig. 132, Taf. LII, zeigt eine der complicirteren Modificationen des Grundmodelles. Sie hat ein gekröpftes Bett, und um die innenliegende Leitfpindel möglich zu machen, eine befondere, unter diefer durchgehende Uebertragungsachfe, welche beim Spindelftock die gewöhnliche Scheere mit Wechfelrädern, rückwärts eine einfache Stirn radüberfetzung trägt. Aufser der Leitfpindel ift unfere Drehbank aber auch noch mit dem Selbftgang durch Zahnftange und Schnecke ausgerüftet, welcher zum Egalifiren und Plandrehen verwandt und deffen Bewegungen durch Reverfirvorrichtung umgekehrt werden können. Die Anordnung eines folchen dürfen wir als bekannt vorausfetzen, und erwähnen nur, dafs die hier angewandte Reverfirvorrichtung aus drei Schrägrädern gebildet ift und durch den vorn am Spindelftocke angebrachten Handhebel umgefteuert wird. Beim Gebrauche von Zahnftange und Schnecke wird ftatt des erften Wechfelrades eine kleine zweiftufige Riemenfcheibe aufgefteckt, deren Riemen auf eine correfpondirende unten am Fußse des Bettes geht, welche fich, mit einer drei- und vierftufigen Scheibe verbunden, auf feftem Zapfen dreht. Von der letzteren Stufenfcheibe geht der Riemen auf die der Schneckenwelle und es werden durch diefes Arrangement gute Riemenlängen und 6 refp. 8 Variationen für die Steuerung gewonnen. Die Bewegungen zum Langdrehen oder Egalifiren und zum Plandrehen werden am Schlitten durch Verfchiebung der rückwärts liegenden Räder eingeleitet, abgeftellt oder gewechfelt, 88 Carl Pfaff. und find zu diefem Zwecke Zugftangen vorhanden, die den Schlitten durchfetzen. und vorn mit Zahnftangen verfehen find, welche durch Getriebe bewegt werden, deren Handgriffe unter dem Schlitten herabhängen. Diefe Einrichtung ift für den Dreher fehr bequem, bietet den Vortheil, dafs keine Räder oder fonftige Theile vorhanden find, welche feine Kleider erfaffen könnten, und fieht fehr nett aus. Der Reitftock ift durch bedeutend verlängerte Hülfe und ftählernen, forg. fältig eingepafsten Stofs zum Bohren eingerichtet. Er trägt hinter feinem Handrade ein kleineres Stirnrad mit Ratfchenhebel zum felbftthätigen Vorfchub. Um das Kettenfchaltwerk zu betreiben, wird der Kurbelzapfen benützt, welcher in der bereits erwähnten zweiftufigen Riemenfcheibe angebracht ift. Die Spindel im Spindelftocke ift an ihrem vorderen Ende auf eine gewiffe Länge ausgebohrt.. Sie erhält paffende Einfätze und kann alsdann als Führung für eine Bohrftange dienen. Indem wir noch auf die zufammengefetzten Klauen der Univerfalplanfcheibe aufmerkfam machen, welche eine grofse Variation für das rafche Auffpannen bieten, glauben wir die Befprechung der Drehbänke fchliefsen zu müffen. An fie anfchliefsend können wir die Bänke zur Schraubenfabrication, Revolverbänke, anführen, welche nach dem Mufter der Brown& Sharpe Manufacturing Co. gebaut und in zwei Exemplaren ausgeftellt waren. Ihre Conftruction wich von der amerikanifchen nicht wefentlich ab ihre Ausführung war ausgezeichnet und ftand eher über dem Mufter als unter demfelben. Ebenfalls in zwei Gröfsen waren Schraubenfchneidmafchinen, Syftem Reifs, zur Expofition gebracht. Diefe fchneiden Schrauben von 60 refp. 30 Millimeter Durchmeffer auf einen Schnitt mittels einer Kluppe, welche vier ftellbare Backen. enthält. Der charakteriftifche Unterfchied zwifchen dem Syfteme Reifs und den gewöhnlichen befteht aber darin, dafs bei ihm die Kluppe vermittels eines am Bett geführten Schlittens, einer Leitfpindel und Wechfelradüberfetzung in der Steigung des zu fchneidenden Gewindes vorwärts bewegt wird, während es bei den gewöhnlichen, dem frifch gefchnittenen Gewinde felbft überlaffen ift, die Kluppe mit ihrem Schlitten, oder wie bei Sellers das Arbeitsftück mit der Einfpannvorrichtung nach fich zu ziehen. Auch werden bei Reifs die zu fchneidenden Schrauben meift zwifchen Spitzen eingespannt, zu welchem Ende jede Mafchine einen Reitftock enthält. Der Schlitten kann von Hand rafch zurückbewegt werden, fobald die Schneidbacken geöffnet find, was durch Schrauben mit rechtem und linkem Gewinde gleichzeitig gefchieht. Ein Zeiger am Handrade fichert ihnen die richtige Stellung beim Schliefsen. Die Spindel ift durchbohrt, um auch längere Schrauben paffiren zu laffen. Zur Schmierung, fowie zum Auffangen der überflüffigen Schmiermittel find geeignete Gefäfse angebracht. Die Mafchine, Syftem Reifs, ift mit der Abficht gebaut, genaue Gewinde auf vorgedrehte Schrauben zu fchneiden, welche namentlich mit den bereits gedrehten Theilen concentrifch find, und erfüllt diefen Zweck auf das vollkommenfte. Freiftehende Bohrmaſchine. Die freiftehende Bohrmaſchine, Fig. 133, Taf. LIII, befitzt doppelte Räderüberfetzung, welche durch Excenterwelle auslösbar ift. Die Bohrfpindel liegt in einer langen Hülfe, welche in fchmiedeeifernen, gehärteten Büchfen in den Armen des Ständers gelagert ift, und kann fich in diefer Hülfe verfchieben. Sie ift durch einen Hebel mit Gegengewicht ausbalancirt und in nachftellbarer Verbindung mit einer Zahnftange, durch welche ihre verticale Bewegung vermittelt wird. Diefelbe kann von Hand oder durch die doppelte, an der unteren Stelle auslösbare Schneckenüberfetzung erfolgen, welche letztere von den beiden fünfftufigen Riemenfcheiben mit reichlicher Variation betrieben wird. Der Tifch ift mittels Schraubenfpindel vertical verftellbar und kann fehr weit herabgebracht werden. Er trägt einen completen Kreuzfuport mit drehbarer Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 89 Tifchplatte von einer bei Nuthftofsmafchinen gebräuchlichen Einrichtung, und zwar zu dem Zwecke, um die Mafchine auch zum Fraifen benützen zu können, was zum Beiſpiel bei der Herstellung der Steuerungstheile von Locomotiven fehr erwünſcht ift. Ausserdem enthält der Tifch noch eine auswechfelbare Führung für etwaige Bohrftangen. Die ganze Mafchine ift für ihre Gröfse recht kräftig, und kann zwar nicht als Mufter eines einfachen, recht gut aber als das eines Präcifionswerkzeuges dienen. Aufser ihr enthielt unfere Ausftellung noch eine kleinere, freiftehende Bohrmaſchine mit abgedrehter Säule und einem Tifche, welcher vertical verftellt, aber auch um die Säule gedreht werden konnte. Derfelbe enthielt auf einer Seite eine glatte Tifchplatte mit Schlitzen und Führung für Bohrftangen, auf der andern einen grofsen Parallelfchraubftock zum Einfpannen von Gegenständen. Wir haben fchon früher bei Dandoy Mailliard Lucq& Co. unter Fig. 87, Taf. XXIX eine ähnliche Conftruction befchrieben, und erwähnen fie hier nochmals, weil fie in Frankreich und Belgien fehr beliebt ift, brauchen aber wohl kaum hinzuzufetzen, dafs die aus den Ateliers Ducommun ftammende in Conftruction, Form und Ausführung fehr fchön und exact war, während oben. angezogene Mafchine mit dem Hauptaugenmerk auf Wohlfeilheit zu Stande kam. Es ift uns unmöglich, fämmtliche von unferen Ausftellern gebrachte Mafchinen zu befprechen, wir erwähnen daher von den Hobelmaschinen nur, dafs fie mit Zahnftangenantrieb und fehr fchön gegoffenen Ueberfetzungsrädern verfehen waren, und dafs die Laufprismen ihrer Tifche aus befonders dichtem und reinem Gufseifen hergeſtellt und angefchraubt waren. Bei der gröfseren Stofsmafchine fand dasfelbe hinfichtlich des Stofses und feiner Führung ftatt. Die Kurbelfcheibe war mit der Antriebsachfe aus einem Stücke gefchmiedet und die Lagerftellen der letzteren im Einfatz gehärtet und gefchliffen. Kleine Stofsmafchine. Wir bringen die kleine Stofsmafchine in Fig. 134, Taf. LIV, zur Darftellung. Sie iſt zur Bearbeitung kleiner Beftandtheile beftimmt und hat nur 100 Millimeter gröfsten Hub. Ihre Ausladung beträgt bis zur Stahlfchneide 260 Millimeter, die Höhe vom Tifche bis unter die Führung 220 Millimeter. Sie ift ohne Räderüberfetzung, hat aber rafchen Rückgang des Stofses durch Whitworth'fche Schleife und in der Stufenfcheibe angegoffenen Schwungring. Die Achfe fammt Kurbelfcheibe ift ebenfalls aus einem Stücke gefchmiedet und im Einfatze gehärtet. Sie läuft mit verftärkter Lagerftelle am vorderen Ende in einer gleichfalls gehärteten Büchfe. Dagegen hat die Kurbelfcheibe an ihrem äusseren Umfange keine Anlage. Die Führung des Stofses geht in der ganzen Länge durch und ift aus befonders dichtem Gufseifen hergeftellt. Der Stofs kann durch eine Schraubenfpindel höher und tiefer geftellt werden, und empfängt das Meffer oder den Stahl durch zwei in Schlitzen gehende Bügel mit ftarken Stellfchrauben. Der Tifch ist mit Kreuzbewegung und einer runden Auffpannplatte ausgerüftet, welche durch Schnecke im Kreife bewegt werden kann. Sämmtliche Bewegungen können felbftthätig in beiden Richtungen ausgeführt werden und zwar durch einen Steuerungsmechanismus, welcher dem von Sharp nachgebildet ift. Um das hiebei, namentlich bei rafchem Gange auftretende, durch die Schwungkraft. der Beftandtheile hervorgebrachte Vorauslaufen in Etwas zu mildern, ift die Steuerungsachfe an ihrem rückwärtigen Lager mit Federanzug verfehen, welcher eine geeignete Bremfung hervorruft. Lochmafchine und Scheere. Ganz eigenthümlich ift die ausgeftellte Lochmaschine und Scheere, Fig. 135, Taf. LV. Sie befitzt einen einfachen, fchön gefchwung en en Ständer, 90 Carl Pfaff. welcher fich in feiner Form der theorefifchen mit möglichfter Treue anfchliefst, hat eine fehr grofse Ausladung und kann durch Auswechfeln der arbeitenden Organe abwechfelnd in eine Scheere und in eine Lochmafchine verwandelt werden. Der Stofs ift breit und kräftig entwickelt, und wird durch eine lange Druckftange von der ftählernen Excenterachfe betrieben, welche ihrerfeits den Ständer durchfetzt und rückwärts ein ftarkes Ueberfetzungsrad trägt, während fie vorn in gehärteter Lagerbüchfe läuft. Ein Gegengewichtshebel balancirt den Stofs mit Zugtendenz nach oben und eine verfchiebbare Druckplatte dient, wenn ausgezogen, zur Ausrückung der Bewegung. Da der Stofs durch das Gegengewicht, fortwährend nach oben gezogen, fich bei ausgezogener Druckplatte dennoch an die Druckftange anlegen und ihre Bewegung mitmachen würde, was z. B. beim Auswechfeln oder Richten der arbeitenden Organe hinderlich wäre, fo ift noch ein befonderer Hebel angebracht, der mit einem Daumen einfallen und diefe Bewegung des Stofses vollkommen hintanhalten kann. Unfere Mafchine war beftimmt, Bleche von 20 Millimeter Dicke mit Löchern von gleichem Durchmeffer zu lochen, und Bleche bis 15 Millimeter Dicke zu fchneiden. Die Ausladung betrug beim Lochen 450 Millimeter, beim Schneiden 500 Millimeter. Fraismafchinen. Die verticale Fraismafchine Fig. 136, Taf. LVI ift ein fehr fchönes Präcifionswerkzeug und ganz abweichend von den amerikaniſchen Mafchinen gleicher Beftimmung gebaut. Sie hat eine verticale, in einem langen verftellbaren Lager gut geführte Spindel, welche fich in einer Büchfe am oberen Arme des Ständers verfchieben kann und von diefer die drehende Bewegung empfängt. Die zu bearbeitenden Gegenftände werden auf den langen Suporttifch unter der Spindel angespannt, und zwar direct mittels Schraubftockes oder zwifchen einen Spitzenapparat mit Theilvorrichtung. Die Fraifer kommen in das untere Ende der verticalen Spindel. Sowohl die verticale Verftellung des Tifches, als auch die horizontalen feiner Kreuzfuporttheile können durch ftellbare Anfchläge mit feingängigen und feftftellbaren Schrauben begrenzt werden. Die verticale Verfchiebung des Spindellagers wird es in gleicher Weife, jedoch mit Intervention einer Mikrometerfchraube, welche die Einftellung von 1/10 Millimeter geftattet. Sowohl die verticale Fraifenfpindel als auch der Auffpanntifch haben felbftthätige Bewegungen, welche durch runde Schnüre übertragen werden. Die Schnur zum Antrieb der felbftthätigen Tifchbewegung geht von der Fraifenfpindel über zwei Leitrollen auf eine Stufenrolle; für die verticale Bewegung der Fraifenfpindel ift eine Leitrolle des Hauptantriebsriemens in ihrer Nabe verlängert und mit einer kleinen Schnurrolle verfehen, von welcher eine ähnliche auf der horizontalen Achfe des getheilten Handrades getrieben wird. Genannte Achfe fetzt fich in das Innere des Ständers fort, und trägt dort eine Schnecke, aufsen aber ein Ueberfetzungsrad, welches mit einem gleichen auf paralleler kurzer Achfe im Eingriff fteht. Letztere liegt im Mittel der Stellfpindel und trägt ein Kegelrad, welches in und aufser Eingriff mit einem ähnlichen Kegelrade gebracht werden kann, das auf der Stellfpindel verfchiebbar und durch feine Nabe mit einem Schneckenrade verbunden ift. Durch einen Handhebel kann nun entweder das Kegelräderpaar oder das Schneckenrad mit der Schnecke in Verbindung gebracht, und fo eine rafche und eine langfame verticale Bewegung der Fraifen fpindel erzielt werden. Die Schnur für die felbftthätige Längenbewegung des Tifches geht von der Stufenrolle auf eine gleiche am Fufse des Ständers, und treibt eine horizontale Achfe, welche eine verticale durch Kegelräder antreibt, die zur Umfteuerung eingerichtet find. Die verticale Achfe wird oberhalb durch die Nabe eines Kegelrades im Arme des Tifches geführt, in welcher fie gleiten kann, und treibt endlich durch die Kegelräder eine horizontale Welle, welche fich in der zwifchen den Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 91 feften Lagern gehaltenen Schnecke verfchieben kann. Von der letzteren wird durch geeignetes Schneckenrad eine Achfe getrieben, die unter der Auffpannplatte im Suporte parallel zur Stellfpindel liegt, und durch Stirnradüberfetzung die drehbar eingelagerte Mutter bewegt. Die Stellfpindel wird gelinde angezogen, fo dafs fie der Mutter gegenüber feftfteht, aber doch von Hand bewegt werden. kann, wenn eine rafche Verftellung nöthig ift. Durch die Verfchiebbarkeit der beiden Achfen bleibt das Syftem in fteter Verbindung, welches auch immer die Stellung des Tifches fei. Durch die Umfteuerung ift die Bewegung nach vorwärts und rückwärts und durch die Stufenrollen, ift fie es in drei Variationen möglich. Die Anordnung diefer fchönen und viel bewunderten Mafchine ift aus unferer Zeichnung klar erfichtlich. Die beiden andern ausgeftellten Fraismafchinen hatten horizontale feft. liegende Spindeln mit Riemenantrieb und Tifche, welche in der Einrichtung ganz dem foeben vorgeführten glichen. Der Apparat zum Fraifenfchneiden befafs Univerfalgelenke für die Spindel des fchneidenden Werkzeuges und konnte dasfelbe nach einer Chablone führen, welche die Form des zu erzeugenden Fraifers angab. Gfchwindt& Co. in Carlsruhe. Wir folgen nicht nur einem gewiffen Zuge von Süd nach Nord, wenn wir diefe Firma der vorhergehenden anreihen, fondern thun diefs auch in voller Anerkennung ihrer tüchtigen, meift durch den früheren Theilhaber, Friedrich Zimmermann, begründeten Leiftungen. Ihre Ausftellung war zahlreich befchickt und enthielt auch Holzbearbeitungsmafchinen vorzüglicher Qualität, die wir jedoch nur im Vorbeigehen erwähnen. Drehbänke. In der Conftruction von Drehbänken verfolgen Gfchwindt& Co. eine Richtung, welche der von Ducommun ähnlich, und wohl dem franzöfifchen Einfluffe zuzufchreiben ift, der fich in Baden mehr als im übrigen Deutſchland geltend macht. Eine kleine Drehbank von beiläufig 160 Millimeter Spitzenhöhe war mit beweglichem Suport verfehen und zum Drehen abgefetzt excenterifcher Querfchnitte eingerichtet, wie folche z. B. bei Gewindebohrern gebraucht werden. Der Suport konnte fich heben und fenken, und that diefs nach dem Impulfe und nach Mafsgabe eines Leitftückes, welches auf einer parallel zum Bette längs deffen rückwärtiger Kante durchlaufenden Welle gleichzeitig mit der Spindel umlief. Zur Darftellung wählen wir die gröfsere Suportdrehbank, Fig. 137, Tafel LVII, von 300 Millimeter Spitzenhöhe. Der Spindelftock hat cylindrifche rechteckig eingepafste Lager und Druckfchraube in einem kurzen angeg offenen Arme. Zum Aufftecken der Wechfelräder oder anderer Selbftgangsorgane ift eine Uebertragungsachfe vorhanden, welche aber hier durch den rückwärtigen Theil des Spindelftockes hindurchgeht und die treibenden Räder innerhalb desfelben hat. Die Räderüberfetzung des Spindelftockes felbft ift durch excentrifche Achfe auslösbar. Der Reitftock hat durchgehenden Stofs, der mit der Druckfchraube aus einem Stücke ift, und Fixirung durch Zufammenziehen der gefchlitzten Hülfe. Wir haben diefe Conftruction als typifch bei der Chemnitzer Schule angeführt, es ist aber hier am Platze zu conftatiren, dafs diefelbe bereits früher im Elfass bekannt und beliebt war und wohl von dort nach Deutfchland gekommen fein mag. Das Bett unferer Drehbank ift gerade, fehr kräftig und hat aufsen liegende Leitfpindel in angefchraubten Lagern. Ausserdem ift auch noch ein Selbftgang für das Egalifiren und Plandrehen durch Zahnftange und Schnecke vorhanden, welcher Umfteuerung durch Stirnräder befitzt und zum Gebrauche 92 Carl Pfaff. durch eine an Stelle des erften Wechfelrades aufgefteckte Stufenfcheibe betrieben wird. Der Schlitten ift fehr lang, mit den Organen zur Manipulation der Ueberfetzungsräder des Selbftganges und zum rafchen Handtransporte, fowie mit einer zweitheiligen, fich in Geradführungen öffnenden und fchliefsenden Mutter verfehen. Der kräftig ausgebildete Suport hat an feinem Obertheile eine Vorrichtung zum rafchen Zurückziehen des Stahles beim Schraubenfchneiden, welche im Wefentlichen darin befteht, dafs die eigentliche Stellfpindel in einer Büchfe gelagert ift, auf welcher ein fehr rafch anfteigender Schraubengang gefchnitten ift, der feine Mutter im feften Suporttheil findet, fo dafs durch eine halbe Umdrehung Büchfe, Stellfpindel und Suport- Obertheil um beiläufig 20 Millimeter verfchoben werden. Der Hebel, vermittels deffen die halbe Umdrehung gemacht wird, legt fich nach Vollendung einer folchen in eine federnde Falle und wird von diefer feftgehalten. Vermittels des feingezahnten Kurbelrades und deffen Sperrkegel wird während der Umdrehung der Lagerbüchfe die Stellfpindel felbft an der Drehung verhindert und später um ein leicht controlirbares Maafs behufs neuen Angriffes des Stahles vorgedreht. Mutterndrehbank. Die Mutterndrehbank, Fig. 138, Taf. LVIII, ift nach englifchem Mufter gebaut. Sie befitzt ein hohles, als Kaften für Werkzeuge und Geräthe benütztes Geftell, an welches der Spindelftock und ein confolartiger Fortfatz für den Suport angegoffen find. Die Spindel läuft in cylindrifchen, rechteckig eingepafsten Lagern und hat Druckfchraube in angegoffenem Arme. Der Antrieb erfolgt durch eine kräftige fünfftufige Riemenfcheibe ohne Räderüberfetzung. Die zu drehen-den Muttern werden auf Dorne gefchrubt, welche in einem Univerfal- Klemmfutter eingefpannt find. Da die Spindel hohl ift, können auch Schrauben eingefpannt und an den Köpfen gedreht werden. Das Drehen der Muttern erfordert drei Operationen, u. z.: Herftellung einer ebenen Oberfläche, Abfchrägung derfelben nach aufsen, Abfchrägung innen am Anfange des Gewindes. Hiezu find zwei Stähle eingefpannt, von denen der zur Herftellung der ebenen Oberfläche beftimmte breiter ift als diefe felbft und rückwärts einen zahnartigen Vorsprung befitzt, welcher nach Vollendung der Oberfläche durch Verfchieben des Suportobertheiles die innere Abfchrägung beforgt. Der andere Stahl wirkt nach der entgegengefetzten Verfchiebung des Suports von aufsen nach innen, und befitzt eine der gewünſchten Abfchrägung entfprechende fchrägftehende Schneide. Diefe Operationen find fehr rafch vollendet und es handelt fich nun darum, die auf einer Seite gedrehte Mutter um- oder eine neue einzufpannen. Zu diefem Zwecke wird die Bewegung der Mafchine, welche bisher in der bei Drehbänken üblichen Weife nach vorwärts ftattfand umgekehrt, wobei der mit der Riemenführung verbundene drehbare und für jede Muttergröfse ftellbare Schlüffel fich fenkt, die Mutter erfafst und vom Dorne losfchraubt. Bei der, nun wieder erfol genden Einleitung der früheren Bewegung geht auch der Schlüffel in feine frühere Lage zurück und läfst die Mutter auf ein Gitter in dem rückwärts vom Suporte angebrachten Troge fallen; wobei fie von anhängenden Spänen und Oel befreit wird. Hierauf wird diefelbe oder eine neue gegen den umlaufenden Dorn angedrückt, von feinem Gewinde erfafst und aufgefchraubt, um mit ihm umzulaufen und bearbeitet zu werden. Beim Drehen von Schraubenköpfen haben der drehbare Schlüffel und die Umfteuerung nicht zu functioniren. Die Mafchine mufs vielmehr bei jedem Stücke abgeftellt und das Klemmfutter geöffnet werden. Shapingmafchine. Eine fehr nette kleine Shapingmafchine, Fig. 139, Taf. LVII, verdient wegen ihrer gefälligen und compendiöfen Anordnung hervorgehoben zu werden. Auch Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 93 fie hat einen hohlen, zum Werkzeugkaften eingerichteten Fufs, welcher mit dem oben etwas erweiterten Mafchinenbett zufammengegoffen ift. Das Werkzeug traverfirt auf diefem mittels breit und kräftig entwickelten Schlittens und wird von einer rückwärts liegenden Welle, auf der das Getriebe gleiten kann, durch Räderüberfetzung und Kurbelfcheibe getrieben. Die Antriebsftufenfcheibe ift mit Schwungring verfehen. Die Steuerung erfolgt durch eine Leitcurve, welche innen an dem kleinen Stirnrade angegoffen ift, welches zur Rücküberfetzung dient, und ebenfoviel Umdrehungen macht, wie die Kurbelfcheibe. Durch gefchlitzte Hebel, in welchen die Zapfen der Verbindungsftangen verftellt werden können, ift entfprechende Variation des Vorfchubes gegeben. Eine Rundhobelvorrichtung mit innerhalb des Bettes gelagerter Spindel und Antrieb ebendafelbft ift vorhanden und wird von der Hauptfteuerung durch Abzweigung mitbewegt. Der Tifch ift nicht verfchiebbar, aber am Schlitzen vertical verftellbar. Arbeitsftücke können auf demfelben direct oder mit Hilfe eines Schraubftockes aufgefpannt werden, deffen eine Backe zum Einfpannen von Keilen drehbar gemacht ift. Der gröfste Hub des Werkzeuges beträgt 100 Millimeter. Radialbohrmaschinen. Die kleine Radialbohrmafchine mit circa 1200 Millimeter Ausladung, Fig 140, Taf. LVIII, ift nach dem bekannten Mufter von Fairbairn gebaut. Sie beftizt ein kaftenförmiges Untergeftell mit Schlitzen zum Auffpannen von Gegenftänden. deffen hohler Raum als Werkzeugkaften benützt und durch eine Thüre von rückwärts zugänglich ift. Der radiale Arm ift mit der Hülfe in einem Stücke gegoffen und dreht fich um eine feftftehende Säule, kann aber nicht gehoben und gefenkt werden, was bei der Kleinheit der Mafchine und dem Vorhandenfein des hohen Unterfatzes auch gar nicht nothwendig wäre. Der Bohrzeugträger wird längs des radialen Armes durch Schraube und aufsen angebrachtes Handrad ver. fchoben und befitzt vortreffliche Lagerung für die Hülfe, welche oberhalb durch Schrägräder angetrieben wird und die Bohrfpindel umfafst. Die Druckfpindel ift durchbohrt und nimmt die fchwächere Fortfetzung der Bohrfpindel auf, welche am oberen Ende mit Anzugmuttern verfehen ift, und fich gegen eine gehärtete Druckfchraube im Bügel der Druckfpindel ftützt. Die Mutter der Druckfpindel fitzt im oberen Anfatze des Bohrzeugträgers feft, in welchem fich auch das Steuerrad dreht und durch Nuth und Feder die Druckfpindel mitnimmt. Die Steuerung erfolgt durch eine verticale Welle mit auslösbarer Schneckenüberfetzung, die ihre Bewegung von zwei Stufenfcheiben empfängt, welche hinter dem radialen Arme liegen, und deren erfte von einem dritten, oben angebrachten Schrägrade Bewegung empfängt. Zum Einfpannen der Bohrer verwenden Gfchwindt& Co. konifche anziehbare Büchfen, welche gefchlitzt find, und bei ihrer Zufammenziehung den Bohrer feftklemmen. Der Antrieb der Mafchine erfolgt durch eine Stufenfcheibe mit auslösbarer Räderüberfetzung, welche an einer Seite der Stufenfcheibe angeordnet und deren Ueberfetzungspaar auf einem freiftehenden Zapfen läuft und durch excentrifche Büchfe auslösbar ift. Wir finden diefe Anordnung bei allen Bohrmaschinen unferes Ausftellers und können ihr durchaus nichts Uebles nachfagen. Die Verhältniffe der Räderüberfetzung find fo gewählt, dafs eine möglichft ftetig verlaufende Reihe von Gefchwindigkeiten. welche ohne Sprünge in einander übergehen, erreicht wird. Von der erften Antriebswelle wird die Bewegung im Innern der hohlen Säule durch Schrägräder auf die verticale Welle übertragen, welche oben mit einem Schrägrade hervortritt und durch diefes ein ähnliches Rad betreibt, deffen Hülfe in angegoffenem Arme gehalten ift, und in welchem die horizontale Welle gleiten kann, welche endlich die Bohrfpindel bewegt. Gegenkonus und die Antriebsriemenfcheiben fammt Abfteller, Gegenftände, welche gewöhnlich das Deckenvorgelege bilden, find hier direct an der Maſchine 94 Carl Pfaff. angebracht. Wir können diefe Anordnung nur loben, und bemerken, dafs man fich durchaus nicht vor den kurzen Riemen zu fürchten hat, wenn nur ihre Breiten reichlich bemeffen find. Ebenfalls nach Fairbairn's Syftem ift die gröfsere Radialbohrmaſchine, Fig. 141, Taf. LIX mit pp. 2000 Millimeter Ausladung entworfen. Um die feftftehende Säule dreht fich an zwei beftimmten Lagerftellen ein vertical ftehendes Bett, deffen Rippen einen eigenthümlichen Schwung befitzen, und an deffen prismatifchen Führungen der radiale Arm vertical verftellt werden kann. Die Säule fteht auf einer ftarken und grofsen Fundamentplatte. Die übrigen Details find mit Ausnahme der Verfchiebung des Bohrzeug. trägers, welche hier von diefem felbft aus eingeleitet werden kann, ganz analog den bei der kleineren Radialbohrmaschine befchriebenen und aus der Zeichnung klar erfichtlich. Wir erwähnen noch einige Mafchinen, z. B. die fchönen Schraubenfchneidmafchinen nach Sellers' Syftem, welche von Gfchwindt& Co. ausgeftellt waren. Die Schneidköpfe derfelben waren von Schmiedeeifen in Einem Stücke hergestellt und im Einfatze gehärtet, die Auslöfung nach dem älteren Mufter von Sellers, da das neue auf der Ausftellung von 1873 zum erften Male erfchien. Die Hobelmafchine, gleichfalls nach Sellers' Syftem gebaut, unterfchied fich von dem Original durch die Form der Ständer, Suporte und übrigen Theile, welche nach den bei uns gebräuchlichen Typen gebildet waren, und befonders durch die Anordnung der Antriebsriemenfcheiben, welche direct auf der fchräg liegenden Schneckenwelle, an der dem Arbeiterftande gegenüber liegenden Seite angebracht waren. Die von Sellers eingefchaltete Schrägradüberfetzung fehlte ganz und müffen die Riemen wegen der nicht mit dem Mafchinenmittel parallelen Lage der Riemenfcheiben über Leitrollen geführt oder die Mafchinen felbft nicht parallel zur Transmiffion aufgeftellt werden. Letzteres macht fich, wenn zwei oder mehrere derartige Hobelmafchinen hinter einander aufgeftellt werden können, fehr gut. Die Steuerung war nicht wie bei Sellers eine pofitive, von der Riemenführung unabhängige, fondern von diefer, refp. dem Anfchlagsdaumen bewirkte. Die Stahlhalter der Suporte konnten auf fehr einfache Weife beim Rückgange gehoben werden und zwar durch eine mit der Steuerung verbundene, horizontal über den Querfuport hinlaufende genuthete Achfe, auf welcher federnde Hebel mit Verlängerungen der Stahlhalter correfpondirten und die Bewegung vermittelten. Collet& Engelhard in Offenbach. Diefe jüngere, äufserft rührige Firma, deren Theilhaber ihre Erfahrungen in England, und zwar bei Sharp Stewart& Co., gefammelt haben, hat es verftanden, fich in kurzer Zeit zu einer grofsen Bedeutung aufzufchwingen und behauptet ihren Platz durch gute, oft mit Raffinement vereinfachte Conftructionen und folide Ausführung. Auch ihre Ausftellung war zahlreich befchickt und gibt uns Anlafs zu mehreren ausführlichen Befprechungen. Drehbänke. Wie nicht anders zu erwarten, zeigt fich an allen von Collet& Engelhard gebauten Maſchinen der Einflufs ihrer englifchen Schule; es find jedoch nach und nach den continentalen Bedürfniffen bedeutende Conceffionen gemacht und demnach Modificationen an den urfprünglichen Typen eingeführt worden, welche fie unferen Anforderungen beffer anpaffen. Diefs ift auch bei den Drehbänken der Fall. Die Fufsdrehbank, Fig. 142, Taf. LX, hat einen Spindelftock mit konifchen Lagern und Druckringen. Spindel, Lagerbüchfen und Ringe find auf das befte Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 95 gehärtet und gefchliffen. Zum Antrieb dient eine Schnurrolle mit Räderüber fetzung, welche durch excentrifche Achfe ausgerückt werden kann. Der Reitftock ift nach der Chemnitzer Type ausgeführt, das Bett gerade, hat aufsenliegende, durch Wechfelräder betriebene Leitfpindel. Der Schlitten ift durch ein einfaches Schlofs mit Schrägrädern und gefchloffener Mutter mit ihr verbunden, und kann durch erfteres zwar von Hand verftellt, aber nicht zum felbftthätigen Plandrehen verwendet werden. Das. Schwungrad ift auf einem freiftehenden Zapfen gelegert, welcher in einem Hebel feftfitzt, der am Fufse auf- und abbewegt und feftgeftellt werden kann, fo dafs man in der Lage ift, die Schnur leicht aufzubringen, zu wechfeln und zu ſpannen. Diefe Anordnung ift fehr einfach und zweckmäfsig, die Ausführung der Drehbank war von bemerkenswerther Präzifion. Die kleinere Suportdrehbank, Fig. 143, Taf. LXI, hat pp. 190 Millimeter Spitzenhöhe. Der Spindelftock hat konifche Lager mit Druckfchraube in einem langen und weit abftehenden Querftück. Der Raum zwifchen den Säulen desfelben ift fo grofs, dafs nicht allein die gröfsten Wechfelräder, fondern auch der Antriebskonus für den Schneckenfelbftgang abwechfelnd direct auf die Verlän gerung der Drehbankfpindel aufgeftellt werden können. Um bei dem Auswechfeln diefer Organe nicht jedesmal das ganze Querftück abnehmen zu müffen, ift die Bohrung desfelben bei der einen Säule aufgefchnitten und das Stück um die andere drehbar gemacht. Der Reitftock ift nach der Chemnitzer Type ausgeführt. Unfere Drehbank hat ein gerades Bett und aufsenliegende Leitfpindel, welche durch Wechfelräder betrieben werden kann. Die Mutter am Schlitten ift. vertical getheilt und die beiden Theile werden durch einen Hebel mit excentrifchen Schlitzen in Geradführungen horizontal verfchoben. Sie umfaffen nicht den ganzen Umfang der Leitfpindel, fondern laffen am unteren Theile fo viel frei, dafs diefelbe in Unterſtützungen laufen kann, über welche fie ungehindert hinweggehen. Zum Egalifiren und Plandrehen ift ein Selbftgang durch Zahnftange und Schnecke angebracht, deffen Ueberfetzungsräder zum Theile rückwärts liegen und durch eine Zugftange, welche die hohle Suportfpindel durchfetzt, angezogen. fomit durch Reibung verkuppelt oder gelöst werden können. Der andere Theil nebft den Rädern zum Handtransport des Schlittens liegt vorn, wo auch die Zahnftange mit den Zähnen nach unten am Prisma angebracht ift. Eine Reverfirvorrichtung mit Stirnrädern erlaubt die Umfteuerung oder Abftellung der Bewegung, ihre Zugftange ift vorn unter dem Spindelftocke in fehr guter Lage angeordnet. In Fig. 144, Taf. LXI, ftellen wir die gröfsere Suportdrehbank dar, welche circa 400 Millimeter Spitzenhöhe hat, und im Allgemeinen die Anordnung und die Details der foeben befchriebenen befitzt. Ihr Spindelftock ift mit konifchen Lagern ausgerüftet, hat jedoch keine Druckfchraube. Die Spindel ftützt fich viel mehr gegen Druckringe am rückwärtigen Lager. Dei Reitftock ift wie bei der vorhergehenden Drehbank conftruirt, und hat zu feiner Längsverfchiebung einen Anfatz, durch den er mit dem Suportfchlitten mittels eines Stiftes verkuppelt werden kann. Wandradialbohrmaſchine. Die Wandradialbohrmaſchine, Fig. 145, Taf. LXII, hat beiläufig 1300 Millimeter gröfste Ausladung und einen radialen Arm, welcher fich an ftarker Grundplatte um beiläufig 500 Millimeter in Schlitzen verfchieben läfst. Zu diefem Ende ift unten an der Grundplatte eine fefte Mutter angebracht, in der fich eine Schraubenfpindel auf- und abbewegen kann, deren oberes Ende das Lager des radialen Armes ftützt und dort durch Schneckenüberfetzung von Hand bewegt werden kann. Die Lager des radialen Armes find theils mit der verfchiebbaren Platte zufammengegoffen, theils auf ihr angefchraubt, und konnten daher gefchloffen aus 96 Carl Pfaff. geführt werden. Sie haben fchon an und für fich eine bedeutende Ausladung, wodurch die Leiftung der Mafchine, z. B. bei Blecharbeiten, fehr erhöht wird. Der Antrieb erfolgt vom oberen Ende der Grundplatte, wo ein ftarker Arm angegoffen ift, der die Stufenfcheibe mit Räderüberfetzung und das Lager für das zweite Schrägrad trägt. Die Räderüberfetzung ift durch Excenterwelle auslösbar. Das zweite Schrägrad ift in dem erwähnten Lager durch feine lange Büchfe gehalten und geftattet der verticalen Uebertragungswelle, fich in diefer zu verfchieben. Auch die zweite im radialen Arme horizontal liegende Uebertragungsachfe kann fich in einem der beiden Schrägräder verfchieben, welche im Innern der Drehhülfe liegen und ihr die Bewegung zumitteln. Dasjenige der beiden letzten Schrägräder, welches die Bohrfpindel treibt, läuft mit feiner langen Hülfe in einem cylindrifchen anziehbaren Lager am Bohrzeugträger. Die Bohrfpindel und Druckfpindel felbft find von der öfters befchriebenen Einrichtung und zeichnet letztere fich nur durch eine aufgefchraubte, ganz gefchloffene Büchfe für die Anzugmuttern und die Druckfchraube aus. Die felbftthätige Vorrückung wird durch Excenter und Sperrrad bewirkt, die horizontale Verfchiebung des Bohrzeugträgers durch Schraubenfpindel und aufsen aufgefteckte Kurbel. In diefer Mafchine find alle Zwecke auf die einfachfte und glücklichfte Weife erreicht, und fie bildet ein Werkzeug, welches befonders für Locomotiv fabriken, Keffelfchmieden, Brückenbau- Etabliffements und Verwandte von grofsem Werthe ift. Cylinderbohrmaſchine. Die Cylinderbohrmaſchine, Fig. 146, Taf. LXIII, beſteht aus einem ftarken mit Schlitzen verfehenen Bett, auf welchem an einem Ende ein kurzer Spindelftock fteht, der in zwei cylindrifchen Lagern die Bohrfpindel hält, welche am andern Ende in einem einfachen Lagerftänder geführt ift. Die Bohrfpindel ift hohl und hat auf einer Seite einen ausgehobelten Schlitz, in ihrer Mitte aber eine Schraubenfpindel liegen, welche durch eine in jenem Schlitze geführte Mutter mit dem Bohrkopfe in Verbindung fteht. Beim Bohren dreht fich die Bohrfpindel, behält aber in axialer Richtung ihre Lage bei, während fich der Bohrkopf und die eingefpannten Meffer mitdrehen, aber gleichzeitig vorgefchoben werden. Der Vorfchub erfolgt vom rückwärtigen Ende aus durch auslösbare Differenzialräderwerke, wovon das rechtsfeitige beim Bohren gebraucht wird, das linksfeitige aber durch Intervention des kleinen, auf dem Drehbolzen des Syftemes fitzenden Getriebes die Schraubenfpindel rafch in entgegengefetzter Richtung zur Bohr fpindel umtreibt, um fo den Rückgang des Bohrkopfes bewirkt. Ein grofser Vortheil der vorliegenden Conftruction ift es, dafs die Bohrfpindel beim Auf oder Abfpannen der Cylinder in zwei Lagern gehalten ift und fomit am freien Ende keiner weiteren Unterftützung bedarf. Blechkantenhobelmafchine. Es ift den Walzwerken gelungen, Bleche von immer gröfseren Dimenfionen herzuftellen, welche auch zu nicht Keffel Brücken, fondern Keffel- Brücken- und ähnlichen Conftructionsarbeiten mit Vorliebe verwendet werden. Je gröfser aber die Ausdehnung einer ununterbrochenen Blechkante ift, defto nothwendiger ift es, fie fchön gerade zu machen, und defto fchwieriger wird es, diefs mit Handarbeit zu erzielen. Bei den kurzen Blechen früherer Jahre thaten die Scheeren das meiſte, heute gefchieht die Bearbeitung auf eigenen Hobelmafchinen, wovon wir ein fchönes Exemplar in Fig. 147, Taf. LXIII, zur Darstellung bringen. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 97 Die Mafchine befitzt einen langen Auflagetifch für die Bleche, welcher rückwärts, wo er nur zum Tragen derfelben dient, fchwach gehalten ift, vorn aber einen fehr ftarken Doppelbalken bildet, welcher in feinem Schlitze die zu bearbeitenden Bleche fefthält, indem diefelben mittels Beilagen und ftarker Schrauben im oberen Balkentheile feftgefpannt werden. Beide Balkentheile find zufammengegoffen und an ihren Verbindungsftellen. fo geformt, dafs fie auch längeren Blechen den Durchgang geftatten, und folche durch Fortrücken gehobelt werden können. Auf denfelben Füfsen, welche den zum Einfpannen der Bleche beftimmten Doppelbalken tragen, liegt auch dicht hinter diefem eine Wange, welche ganz ähnlich wie die einer felbftthätigen Drehbank geformt ift, und welche an ihren Prismen einen Schlitten führt, dem durch eine im Bette liegende ftarke Schraubenfpindel Bewegung mitgetheilt werden kann Diefes Bett, welches, wie wir gleich fehen werden, zur Führung der Hobelftähle dient, ift von dem Einfpannbalken möglichft ifolirt, damit es von deffen etwaigen Biegungen nicht beeinflusst und aus feiner Richtung gebracht werden. kann. Auf dem oben erwähnten ftarken Schlitten befinden fich zwei aufrechte Ständer, an deren Prismen vertical verftellbare Stahlhalter angebracht find, welche jeder für fich beim Rückgange ausweichen können und einander zugewendet ftehen. Die Ständer felbft haben Verfchiebung rechtwinklig zur Wange und können felbftthätig durch ftellbare Anfchläge und Ratfchen oder von Hand zugeftellt werden. Zum Arbeiten werden zwei Stähle eingefpannt, wovon der eine beim Hin-, der andere beim Hergange des Schlittens zum Angriff kommt. Diefe alternirende Bewegung wird dem letzteren durch die erwähnte ftarke Schraubenfpindel im Innern des Bettes mitgetheilt, welche fie ihrerfeits von den am Ende der Mafchine angebrachten Riemenfcheiben empfängt, auf deren mittleren, feften, abwechfelnd ein offener und ein gekreuzter Riemen läuft. Die Umfteuerung erfolgt von Hand oder felbftthätig durch eine Stange mit Anfchlägen, welche zwifchen dem Bett und dem Einfpannbalken placirt ift. Aufser den hier befchriebenen Mafchinen müffen wir noch einige andere, wenigftens erwähnen, ohne jedoch in ihre detaillirte Befchreibung eingehen zu können. Da war befonders eine fehr fchöne Shapingmafchine mit beiläufig 300 Millimeter Maximalhub, nach dem Mufter von Sharp Stewart& Co., gebaut, aber dadurch bedeutend verbeffert, dafs das Bett vorn bis auf den Fufsboden herabging und den Tifchen vollkommene Unterſtützung bot. Ferner brachten unfere Ausfteller eine Tyres- Bohrmaſchine, ebenfalls nach dem Mufter des oben genannten Haufes, jedoch bedeutend einfacher und billiger durchgeführt, indem das lange Bett erfpart war und die Räder auf dem nur durch eingelegte Rollen an der Bohrftelle unterbrochenen Zufuhrsgeleife ftanden. Die Antriebsriemenfcheibe blieb nicht wie bei dem englifchen Mufter an ihrem Platze, fondern ging mit dem Bohrftänder hin und her, was bei der Kürze des zurückgelegten Weges fehr leicht angeht. Mafchinenfabrik Saxonia, vormals Conftantin Pfaff in Chemnitz. Diefe Firma ift die allerjüngfte unter denen, die fich mit Werkzeugmafchinenbau befaffen. Sie befteht zwar fchon feit Anfang der vierziger Jahre, befchäftigt fich aber faft ausfchliefslich mit Mafchinen für Spinnerei und Weberei. Zu unferer Specialität ging fie erft vor kurzem über, als die letztgenannte aufhörte, ein lohnendes Gefchäft zu fein. In ihren Conftructionen hat fie fich möglichft frei von den Chemnitzer Muftern gehalten, und es jedenfalls vermieden, Zeichnungen und Preiscourante von den älteren leitenden Firmen zu copiren. Ihre Ausführungen find folid, nett und den befferen anzureihen. 7 98 Cail Pfaff. Suportdrehbank. Die Suportdrehbank, Fig. 148, Taf. LXIV, hat circa 325 Millimeter Spitzenhöhe, ein gekröpftes Bett und Einlegplatte. Der Spindelftock befitzt konifche Lager, welche behufs Nachftellung verfchiebbar find, während die Spindel mit Rädern und Stufenfcheibe in ihrer Lage bleibt. Sie find von Metall und ftatt der Flantfchen auf beiden Seiten mit Muttern verfehen. Die Spindel läuft nicht gegen eine Druckfchraube an, fondern hat hinter den Anzugmuttern des rückwärtigen Lagerkonus einen feft aufgekeilten, gehärteten und gefchliffenen Druckring, der fich gegen den Rand einer Stahlbüchfe anlegt, welche die Spindel umgibt und in einem angegoffenen Arme durch zwei Muttern verftellbar ift. Im Wefen ift diefe Einrichtung nichts anderes als der nach aufsen verlegte und im Durchmeffer reducirte Druckring Whitworth's, in ihrer Zufammenfetzung jedoch neu und jedenfalls von gutem Erfolge. Die Spindel trägt auf ihrer Verlängerung Wechfelräder oder andere Selbftgangsorgane direct und ift zu deren Aufftecken und Wechfeln vollkommen frei. Der Reitftock unferer Drehbank ift nach der Chemnitzer Type gebaut.. Die Leitfpindel liegt aufsen und dient fowohl zum Schraubenfchneiden als auch zum Egalifiren und Plandrehen. Erfteres gefchieht auf die gewöhnliche Weife durch Wechfelräder und Vermittlung der rechts am Schlitten angebrachten zweitheiligen Mutter. Bei den übrigen Bewegungen functionirt die Leitfpindel als Welle, indem fie der Länge nach mit einer Nuth verfehen ift, in welche der Keil eines Schrägrades links am Schlitten eingreift. Diefes Schrägrad, welches weiter innen durch einen Lagerhals mitgenommen wird, überträgt feine Bewegung durch ein zweites auf eine Stirnräderumfteuerung, welche fie nach vorwärts oder rückwärts an die zur Plan- und Längsbewegung dienenden Ueberfetzungsräder abgibt. Die Ueberfetzung für die Planbewegung ift einfach und wirkt auf das kleine Getriebe der Stellfpindel am Suportfchlitten. Sie wird durch Verfchieben oder Abnehmen desfelben aufser Thätigkeit gefetzt. Für die Längsbewegung ift doppelte Ueberfetzung vorhanden. Sie wirkt durch ein Getriebe, welches in excentrifcher Hülfe gelagert ift und durch diefe in oder aufser Eingriff mit der unter dem Prisma angebrachten Zahnftange gebracht werden kann. Die Achfe diefes Getriebes trägt ein Handkreuz, welches beim Transporte des Schlittens von Hand gebraucht wird Die ganze Anordnung ift neu, und es ift jedenfalls wünſchenswerth, alle Veränderungen in der Bewegung des Suportfchlittens an diefem felbft vornehmen zu können, ja bei langen Drehbänken kann diefs von grofsem Werthe fein; allein wir getrauen uns nicht, jetzt fchon ein Urtheil über ihren wirklichen Werth abzugeben, überlaffen diefs vielmehr der Erfahrung. Freiftehende Bohrmaſchine. Die freiftehende Bohrmaſchine, Fig. 149, Taf. LXV, hat doppelte Räderüberfetzung mit feitwärts gelagerter, durch Excenter auslösbarer Vorgelegewelle. Die Bohrfpindel ift nach der früher befchriebenen Chemnitzer Type conftruirt, die felbftthätige Zuftellung aber durch Riemenüberfetzung mit zwei Variationen und auslösbarem Schneckengetriebe eingeleitet. Der ftarke, mit verftellbarer Auffpannplatte verfehene Tifch ift vertical verftellbar und kann ganz zur Seite gedreht werden, wenn Gegenftände auf der Grundplatte gebohrt werden follen. Sein Drehzapfen liegt zu diefem Zwecke feitwärts auf der unferer Bildfläche abgewandten Seite. Wir bringen diefe Mafchine wegen ihrer gefälligen Form und foliden Anordnung und können ihr auch gute Ausführung nachrühmen. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 99 Langlochbohrmaſchine.ib olla metsib ai Siled mislla soft dosub bo Ganz dasfelbe können wir von der kleinen Langlochbohrmafchine. Fig. 150, Taf. LXV, fagen, welche nach Fournival's Syftem gebaut ift. Das Bett ift mit den Füfsen zufammengegoffen und ebenfo wie der traverfirende Bohrzeugträger in kräftigen gefälligen Formen ausgebildet. Der Antrieb erfolgt ohne Räderüberfetzung durch die innerhalb des Bohrzeugträgers liegende vierftufige Riemenfcheibe, von deren Achfe einerfeits die Hülfe der Bohrfpindel durch Schrägräder, anderfeits die Verfchiebung des Bohrzeugträgers durch Riemenüberfetzung mit vier Variationen betrieben wird. Die Achfe der fo getriebenen, hier nur zum kleinften Theile fichtbaren Stufenfcheibe geht bis in das Innere des Bettes, und läuft dort in eine Schnecke aus, welche ein Schneckenrad in Bewegung fetzt, deffen verticale Welle weiter oben ein kleines excentrifches Getriebe trägt und durch diefes im Eingriff mit einem gröfseren elliptifchen Rade fteht. Letzteres trägt eine Kurbelfcheibe, in deren Schlitz die Leitftange für die Verfchiebung des Bohrzeugträgers verftellbar eingehangen ift. Durch die Intervention der elliptifchen, refp. excentrifchen Räder, von denen eines noch einmal fo viel Zähne hat als das andere, wird die Gefchwindigkeit des Bohrzeugträgers nahezu gleichförmig während eines ganzen Hubes. An dem gröfseren elliptifchen Rade ift unterhalb eine Steuerungsrinne angebracht, welche durch Hebel und Sperrrad die verticale Zuftellung des Bohrers in den Momenten beforgt, wo derfelbe je an einem Ende feines Weges angelangt ift. Die Bohrfpindel bewegt fich in einer Hülfe und hat die mehrfach befchriebene Conftruction der Chemnitzer Type. Der Tifch hat eine verftellbare Auffpannplatte und ift felbft am Bette vertical verftellbar. Shapingmafchine. Die doppelte Shapingmafchine, Fig. 151-152, Taf. LXVI, zeichnete fich durch ein wohlgeformtes, vorn tief herabgehendes Bett aus und befitzt aufserdem eine neue Einrichtung des Steuerungsmechanismus, welche grofse Aufmerksamkeit erregte. Die Mafchine ift im Allgemeinen nach Sharp's Mufter gebaut, indem die Bewegung des Werkzeuges durch Schleifhebel beforgt und beim Schnitte ziemlich gleichmäfsig verläuft, beim Rückgange aber befchleunigt wird. Die Werkzeugfchlitten, ihr Antrieb, die Tifche mit ihren Vorrichtungen zum Verftellen gleichen ganz den entſprechenden Theilen von Sharp's Mafchine, nur find die Tifche etwas fchwerer geformt und mit verticalen Wänden zum Auffpannen verfehen. Ihre verticale Verftellung gefchieht durch Schraubenfpindeln mit unterhalb liegenden Handrädern, welche ein tiefes Herabftellen nicht geftatten und nicht gut zugänglich find, wefshalb wir diefen Theil der fonft fo guten Mafchine geradezu tadeln müffen. Die Steuerung der Werkzeugfchlitten gefchieht an diefen felbft längs einer im Bette feftftehenden Schraubenfpindel, deren Muttern in den betreffenden Schlitten gelagert find und durch Stirnradüberfetzung gedreht werden können. Das obere der beiden Ueberfetzungsräder kann durch den Sperrkegel vorwärts oder rückwärts bewegt werden, und da diefer fich am Schlitten felbft befindet, fo wird fein Umlegen oder Ausrücken fehr leicht durch den Arbeiter bewirkt, er braucht fich zu diefem Zwecke nicht an das Ende der Mafchine zu begeben und feine Aufmerkſamkeit wird kaum vom Arbeitsftücke abgelenkt. Der Sperrkegel wird durch eine in Schlitzen verftellbare Zugftange von einem Doppelhebel bewegt, welcher rückwärts am Schlitten gelagert und durch fein unteres Ende mit der Steuernuthe des Antriebsrades in Verbindung gefetzt ift. Die rafche Verftellung der Werkzeugfchlitten von Hand erfolgt von den 7* 100 Carl Pfaff. Enden der Mafchine aus, wo die Schraubenfpindel für gewöhnlich feftgehalten, in diefem Falle durch ein gezahntes Handrad und Ratfche um ein Beftimmtes oder durch erfteres allein beliebig gedreht werden kann. Indem wir diefe fehr gute Neuerung befchreiben, verbinden wir damit den Wunfch, dafs diefelbe fo vervollkommnet werden möge, dafs auch der Handtransport der Schlitten von diefen felbft aus erfolgen kann. Hobelmafchine. Die kleine Hobelmafchine, Fig. 153, Taf. LXVII, hat einen an Prismen geführten Tifch, welcher durch einfache Räderüberfetzung und Schleifhebel bewegt wird. Der Suport ift horizontal durch eine Sperrradbewegung felbftthätig, welche von einer Steuercurve auf der Achfe des Antriebsrades durch zweiarmigen Hebel abgeleitet und durch eine verftellbare Stange nach oben übertragen wird. Die verticale Zuftellung gefchieht von Hand. Um auch hiebei ein gleichmäfsiges Vorrücken des Stahles zu erzielen, ift das Handrad der Stellfpindel mit eingefchnittenen Zähnen verfehen und kann durch eine Ratfche bewegt werden, deren Hub durch ftellbare Anfchläge auf eine gleichbleibende Gröfse fixirt ift. Die übrige Einrichtung der Mafchine ift bekannt, und wir bringen fie, wie auch die folgende, wegen ihrer kräftig eleganten Form und in Anerkennung ihrer guten Ausführung. Stofsmafchine. Die kleine Stofsmafchine, Fig. 154, Taf. LXVII, arbeitet ohne Räderüberfetzung und wird nur durch zweiftufige breite Riemenfcheibe betrieben, was auch bei dem kleinen Hube vollkommen genügt. Die Kurbelfcheibe läuft an ihrem Umfange gegen eine oben angebrachte verftellbare fogenannte Druckplatte an, und überträgt fomit den gröfsten Theil des Schnittdruckes direct auf diefe. Der Tifch ift in gewöhnlicher Weife mit Lang-, Quer- und Rundbewegung verfehen, von denen die beiden erfteren felbftthätig erfolgen können. Die Schraubenfpindel für den Längsvorfchub ift ähnlich wie bei Sellers rückwärts durch den Ständer geführt, und trägt dort lofe ein Getriebe, welches mit ihr durch verfchiebbare Klauenkuppelung verbunden werden kann. Parallel zu ihr liegt aufsen die Welle für die Querbewegung, welche durch Schraubenräder mit ihrer Stellfpindel in Verbindung fteht und ein gleiches Getriebe befitzt. In beide greift ein gemeinfchaftliches Rad ein, welches durch den mittels eines Hebels bewegten Sperrkegel in intermittirende Bewegung verfetzt werden kann. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 101 Verschiedene Länder. Italien und Griechenland waren auf der Ausftellung im Mafchinenwefen nur fehr fchwach vertreten, und in unferer fpeciellen Branche fo gut wie gar nicht. Spanien, Portugal und die überfeeifchen Länder, mit Ausnahme von Nordamerika, fehlten ganz. Der Mafchinenbau ift eine Kunft, welche offenbar im Norden am kräftigften blüht, unter füdlichen Himmelsftrichen aber nicht aufkommen kann. Diefs mag wohl der Umftand fein, warum Schweden und Rufsland trotz ihrer grofsen Entfernungen und gänzlich mangelnden commerziellen Intereffen doch relativ, zahlreich und gut ausgeftellt hatten. In unferem ſpeciellen Fache war allerdings von Schweden nur Th. Munktell in Eskilstuna zu bemerken, welcher, ähnlich wie Löwe& Co., gute Copien amerikanifcher Werkzeugmaschinen brachte. Wir müffen aber wenigftens im Vorbeigehen noch J. C. Bolinder in Stockholm mit feinen Maſchinen zur Patronenhülfenfabrication, feinen Holzbearbeitungsmafchinen und E. Boethius in Stockholm mit feinen geiftreich concipirten und vortrefflich ausgeführten Mafchinen zum Schneiden von Flafchenkorken erwähnen, und conftatiren, dafs in diefen, fowie auch in den übrigen fchwedifchen Ausführungen eine gewiffe Solidität angenehm auffiel. Rufsland hat grofse Anftrengungen gemacht, um zu zeigen, was es in der Mafchinen- Induftrie durch heimifche Kräfte bisher erreicht hat. Wenn diefes pofitive Refultat auch bisher noch relativ gering genannt werden mufs, fo nöthigen uns die gleichfalls ausgeftellten Lehrmittel und die Refultate der techniſchen Schulen um fo gröfsere Achtung ab, und wir führen das hieher Gehörige mit Vergnügen an. Es waren z. B. die Hifsmittel, um die Lehren der defcriptiven Geo. metrie in die Praxis zu übertragen, Anreifstifche und dazugehörige Werkzeuge von Rufsland in feltener Vollkommenheit zur Anfchauung gebracht; ferner hatten die Inftitute von St. Petersberg und Moskau kleinere Werkzeugmaschinen ausgeftellt. welche in ihren Schulwerkftätten gebaut worden waren. Diefelben hielten fich ftreng an Whitwort'fche Mufter und verdienten hinfichtlich ihrer Ausführung die höchfte Anerkennung. Es ift ganz gleichgiltig, ob diefe Mafchinen wirklich nur von den jungen ruffifchen Technikern ausgeführt wurden oder nicht. Die blofse Richtung, das Aufftellen fo hoher Ziele genügt zur Charakteriftik und beweift, dafs ein ernftes, gut geleitetes und reich dotirtes techniſches Studium in jenem Lande betrieben wird, deffen wahre Verhältniffe wir noch fo wenig kennen. Aus den Reihen der Privat- Induftriellen hatte nur Lefsner in St. Petersburg eine Drehbank zum Egalifiren und Schraubenfchneiden mit gekröpftem Bette ausgeftellt, die keine beftimmte Type verrieth und recht anftändig ausgeführt war. Oefterreich- Ungarn. Die Induftrie hat im Allgemeinen in unferem Vaterlande erft in den letzten Decennien einen bemerkenswerthen Auffchwung genommen, und ganz befonders 102 Mob Carl Pfaff. acidon M gilt diefs von der Mafchinen- Induftrie, welche mit den gröfsten Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Wir haben daher alte berühmte Firmen im Mafchinenfache nicht aufzuweifen, dürfen jedoch mit Genugthuung conftatiren, dafs die beftehenden tapfer vorwärts fchreiten, in Conftruction und Ausführung meift eine gediegene Richtung verfolgen und für den Fortfchritt Opfer bringen. Der Werkzeugmafchinenbau, überall die jüngfte Specialität, ift in Oefterreich- Ungarn eigentlich nur durch eine bedeutendere Firma, die Ottakringer Eifengiefserei und Mafchinenfabrik in Wien, vertreten, jedoch werden einfachere und kleinere Werkzeugmafchinen, befonders die wohlfeilen Gattungen, auch noch von einigen kleineren und ganz kleinen Fabriken nach allerhand Muftern gebaut oder handwerksmässig erzeugt. Der Umftand, dafs wir felbft in der Ottakringer Eifengiefserei und Mafchinenfabrik betheiligt find, legt uns eine gewiffe Referve auf, und wir bitten daher um Erlaubnifs, die Ausftellung diefes Haufes der Vollständigkeit halber befchreiben, uns aber dabei aller Kritik enthalten zu dürfen. Ottakringer Eifengiefserei und Mafchinenfabrik in Wien. Indem wir die Holzbearbeitungsmafchinen unferer Firma als nicht hieher gehörig übergehen, fchreiten wir zur Befchreibung der Locomotivräderdrehbank. Diefe in Fig. 155, Taf. LXVIII, dargestellte Räderdrehbank hat 1000 Millim. Spitzenhöhe und eine folche Entfernung der Spitzen, dafs Achfen mit Hall'fchen Kurbeln oder Gegenkurbeln eingefpannt werden können. Sie befitzt zwei auf ftarkem, aus zwei Theilen gebildetem Bett in Schlitzen montirte Spindelftöcke mit hohlen gufseifernen Spindeln und Planfcheiben mit angegoffenen Zahnkränzen. Ein Spindelftock fteht am Ende des Bettes feft, der andere ift durch Zahnftange und Getriebe verftellbar. Die Mafchine hat dreifachen Antrieb für kleine, mittlere und grofse Gefchwindigkeiten, und ift fo eingerichtet, dafs diefe leicht gewechfelt werden können. Der erfte Antrieb erfolgt durch Getriebe, welche auf der im Bette gelagerten Bodenwelle angebracht find und in die äufseren Verzahnungen der Planfcheiben eingreifen. Die Bodenwelle trägt ein grofses Stirnrad, welches von dem auf der Welle der Stufenfcheibe verfchiebbar angebrachten Getriebe bewegt wird. Die fo erzielte grofse Ueberfetzung bewirkt die kleinften Gefchwindigkeiten, die zum Abdrehen der Tyres gebraucht werden. Mittlere Gefchwindigkeiten für das Ausbohren oder Abdrehen von Radnaben etc. werden dadurch erzielt, dafs ein auf der Welle der Stufenfcheibe verfchiebbar angebrachtes, bisher ganz in das grofse Lager am Spindelftocke zurückgezogenes Getriebe, deffen Hülfe den äufseren, über die Zähne gemeffenen Durchmeffer hat, gegen die Planfcheibe vorgefchoben und mit ihrer inneren Verzahnung in Eingriff gebracht wird. an establog tug Grofse Gefchwindigkeiten für das Reguliren oder Centrirer der Achfen erhält man durch Zurückziehen des genannten Getriebes, auf deffen verlängerter Hülfe ein Stirnrad angebracht ift, bis das erftere aufser Eingriff mit der Planfcheibe, das letztere in Eingriff mit einem ähnlichen auf der Hauptfpindel fitzenden Rade kommt. Die Verfchiebungen des Getriebes und das durch die lange Hülfe mit ihm verbundenen Rades für die directe Ueberfetzung erfolgen durch eine mittels Ringes mit ihnen verbundene Zahnftange und ein Getriebe auf der Achfe des am vorderen Lager fichtbaren Handrades, an welcher auch die Fixirung der jeweilig gebrauchten Pofition vorgenommen wird. Mittlere und grofse Gefchwindigkeiten können nur auf den feftſtehenden Spindelftock übertragen werden. Es kann jedoch auch die Planfcheibe des lofen gleichzeitig mit kleiner Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 103 Gefchwindigkeit betrieben und beiſpielsweife auf ihr ein Radreifen ausgedreht werden, während auf der des feften Spindelftockes eine Nabe oder andere kleine Oeffnung ausgebohrt wird. Die Getriebe auf der Bodenwelle find jedes für fich durch Handhebel aus rückbar, und werden, wie das nur von Hand direct verfchiebbare erfte Getriebe bei den verfchiedenen Gefchwindigkeiten nach Bedürfnifs ein- oder ausgerückt. Die Suporte haben Kreuzbewegung und Verftellung für den Konus der Tyres, find auf ftarken Ständern angebracht und ftehen mit diefen auf gefchlitzten Platten, auf welchen fie fich rechtwinklig zur Längenachfe der Drehbank verfchieben und feftftellen laffen, während die Platten felbft fowohl in diefer Richtung als auch parallel zur erfteren in den Schlitzen des Bettes verftellbar find. Die Steuerung erfolgt durch Kettenfchaltwerk, deffen Rollen an der Decke angebracht werden, uud welches die Bewegung von kleinen verftellbaren Kurbelzapfen erhält, die in Ueberfetzungsrädchen an den rückwärtigen Lagern der Spindel. ftöcke angebracht find. Die Dimenfionen der Räderdrehbank find folgende: Spitzenhöhe 1100 Millimeter. Durchmeffer der Planfcheiben 1975 Mm. Gröfste Entfernung zwifchen den Spitzen 3000 Mm. Suportdrehbank. Die Suportdrehbank zum Egalifiren und Schraubenfchneiden hatte dreifache Räderüberfetzung und eine Planfcheibe mit angegoffenem Zahnkranz. Das Bett war gekröpft und an diefer Stelle in den Boden verfenkt. Der Spindelftock hatte offene cylindrifche Lager ohne Gegenfchraube. Die Leitfpindel war aufsenliegend und hatte eine Unterſtützung in der Mitte, welche behufs Paffirung des Schloffes ausweichen und hierauf durch Gegengewichte felbftthätig wieder in feine frühere Lage kommen konnte. Zum Plandrehen war das Schlofs mit einer Schräg. räderüberfetzung verfehen, wie wir fie fchon früher befchrieben haben, zum Egalifiren und Schraubenfchneiden diente eine zweitheilige Mutter, welche durch aufsenliegenden Hebel mit excentrifchen Schlitzen geöffnet oder gefchloffen wer den konnte. Zum Handtransport des Schlittens diente eine unter dem Prisma angebrachte Zahnftange mit Getriebe und fchmiedeifernem Handkreuz. Der Reitftock hatte die gewöhnliche englifche Form und keine Verftellung zum Konifchdrehen. Die Dimenfionen der Drehbank waren: Spitzenhöhe 500 Millimeter; gröfster Durchmeffer, welcher im Ausfchnitt gedreht werden kann, 1500 Mm., Breite des Gegenftandes, der im Ausfchnitt gedreht werden kann, 650 Mm.; Entfernung zwifchen den Spitzen 5600 Mm. Kleine Plandrehbank. Die Plandrehbank, Fig. 156 und 157. Taf. LXIX, hat ein eifernes Bett und dreifache Räderüberfetzung. Die Planfcheibe befitzt einen angegoffenen Zahnkranz mit innerer Verzahnung. Das Bett ift mit prismatifchen Führungen für den Suportfchlitten verfehen, welcher feinerfeits rechtwinklig zu den erfteren laufende prismatifche Bahnen hat und den vollkommen mit Kreuz- und Drehbewegung ausgebildeten Suport trägt. Die Steuerung erfolgt felbftthätig durch Schraubenfpindeln, welche ihre Bewegung durch Uebertragungswellen und ausrückbare Getriebe von einer rückwärts am Spindelftock angebrachten Riemenüberfetzung mit eingefchaltéter Reverfirvorrichtung empfangen. Sie kann in der Achfenrichtung der Drehbank, fowie rechtwinklig zu diefer vor und rückwärts gebraucht werden. Aufserdem ift aber auch noch der lange Obertheil des Suports durch eine Schrägradüberfetzung mit in der Drehungsachfe nach aufwärts gehender kleiner Spindel 104 Cari Pfaff. felbftthätig gemacht. Die Schraubenfpindel des Obertheiles kann mit dem letzten Schrägrade des Uebertragungsfyftemes durch Frictionskuppelung verbunden werden und wirkt dann in allen Winkeln felbftthätig. Die Planfcheibe hat 1450 Millimeter Durchmeffer. Der gröfste noch zu drehende Gegenftand darf 1580 Mm. Durchmeffer haben. Grofse Plandrehbank. Die grofse Plandrehbank war zur Aufftellung auf Steinfundament mit Grube eingerichtet und mit einem langen Querfuport verfehen, welcher die letztere überfpannte. Seine Auflage fand er auf gehobelten und gefchlitzten, zu beiden Seiten der Grube angebrachten Platten, auf welchen er durch beiderfeitige Zahnftangen und an durchgehender Welle befeftigte Getriebe verfchoben, demnach bis dicht an die Planfcheibe heran oder in die dem Arbeitsftücke entſprechende Entfernung eingeftellt werden konnte. Auf dem Querfuporte befanden fich zwei vollſtändige, durch Kettenfchaltwerk felbftthätige Kreuzfuporte, um an gröfseren Arbeitsftücken zwei Stähle zu gleicher Zeit angreifen laffen zu können. Die Planfcheibe hatte angegoffenen Zahnkranz. Die Räderüberfetzung war feitwärts von der Hauptfpindel in vorgebauten Lagern angebracht und wirkte durch das auf ihrer Spindel angebrachte Getriebe auf den Zahnkranz. Die Planfcheibe hatte 2530 Millimeter, das gröfste ohne Abfatz zu drehende Stück 4000 Mm. Durchmeffer. Freiftehende doppelte Bohrmaſchine. Die freiftehende doppelte Bohrmaſchine vereinigt eigentlich zwei Mafchinen von verfchiedener Gröfse an einem Ständer und kann daher in kleineren Fabriken allen vorkommenden Arbeiten entſprechen( Fig. 158, Taf. LXX). Auf der gröfseren Seite ift fie mit ausrückbarem Rädervorgelege und einem vertical ver ftellbaren, doppellt drehbaren Tifche verfehen, welcher ganz zur Seite gedreht werden kann, wenn Gegenftände auf der breiten gefchlitzten und gehobelten Grundplatte gebohrt werden follen. Die kleinere Seite ift ohne Räderüberfetzung, mit vertical verftellbarem Suporttifch ausgeführt. Die Bohrfpindeln haben felbftthätigen Niedergang durch Excenter und Sperrrad und laufen verfchiebbar in ihren mit konifchen Naben eingelagerten Antriebsrädern. Die Dimenfionen find: a) grofse Seite: Durchmeffer der Bohrfpindel 65 Millimeter, Ausladung 645 Mm., Bohrtiefe 520 Mm.; b) kleine Seite: Durchmeffer der Bohrfpindel 45 Mm., Aus ladung 400 Mm., Bohrtiefe 250 Mm. Radialbohrmaschine. Die grofse Radialbohrmaſchine, Fig. 159, Taf. LXXI, ift nach dem Mufter von Fairbairn gebaut. Sie hat ein kaftenförmiges Untergeftell mit vorgelegter Auffpannplatte, fo dafs in zwei Höhen horizontal oder auch an der verticalen Wand des Untergeftelles Gegenftände zum Bohren aufgefpannt werden können. Auf dem Untergeftell fteht eine ftarke Säule, um welche fich die Hülfe dreht, welche einen nahezu rechteckigen Querfchnitt und auf einer Seite die prismatifche Führung für den radialen Arm hat, welcher an diefer vertical verftellt werden kann. Die Drehung der Hülfe mit dem Arme wird durch feftes Schneckenrad an der Säule und Schnecke mit Handrad an der Hülfe bewirkt, die verticale Verftellung des radialen Armes durch Schraube zwifchen den Führungsprismen, deren Mutter im Arme gelagert ift und durch Schrägräder und Sperrrad. Der Bohrzeugträger ift längs des radialen Armes durch Zahnftange, Getriebe und Handrad verftellbar, welche letzteren beiden Theile am Bohrzeugträger felbft angebracht find. Das Schrägrad, welches die Bohrfpindel antreibt, ift in konifcher Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 105 Büchfe anziehbar gelagert und fichert der Spindel ftets die richtige Lage. Der Niedergang ift felbftthätig durch Excenter und Sperrrad. Die Bewegung wird von der am Fufse des kaftenförmigen Untergeftelles angebrachten Stufenfcheibe mit auslösbarer Räderüberfetzung zuerft in das Innere übertragen und von dort durch verticale Welle und Schrägräder bis an das obere Ende der Säule geleitet, wo fie durch ein Stirnräderpaar an eine zwifchen der Führung des radialen Armes vertical herabgehende genuthete Welle abgegeben wird. Letztere fteht durch ein Paar Schrägräder, wovon eines auf ihr verfchiebbar ift, mit der horizontalen Achfe des radialen Armes in conftanter Verbindung, welche ihrerfeits durch Ueberfetzungsräder, kurze Uebertragungsachfe und ein letztes Schrägräderpaar die Bohrfpindel treibt. Die Dimenfionen find: Durchmeffer der Bohrfpindel 80 Millimeter, gröfste Ausladung 2530 Mm., kleinfte Ausladung 1060 Mm., gröfste Höhe von der Fufsplatte bis zum Bohrkopf 2845 Mm. Horizontalbohrmaſchine. Die Horizontalbohrmaſchine, Fig. 160-161, Taf. LXXII, hat ein gerades mit dem Endftänder verbundenes Bett, auf welchem, an Prismen geführt, ein langer und breiter Suporttifch gleitet, deffen quer verftellbares Obertheil mit Auffpannfchlitzen verfehen ift. Auf dem Ständer befindet fich der Bohrzeugträger mit horizontaler Bohrfpindel, welcher an Prismen geführt und durch eine zwifchen diefen liegende Schraubenfpindel vertical verftellbar ift. Das Handrand am oberen Ende der Schraubenfpindel erlaubt genaue Einstellung der Bohrfpindel, worauf der Bohrzeugträger durch einen Bremskeil fixirt werden kann, deffen Griffmutter vorn über dem Lager der Bohrfpindel fitzt. Die Bohrfpindel liegt in einem nach Schiele's Antifrictions curve gebildeten vorderen und einem cylindrifchen rückwärtigen Lager und ift durch Muttern, die innerhalb des treibenden Schrägrades liegen, anziehbar. Sie hat an ihrem freien Ende Gewinde und Bund wie eine Drehbanksfpindel und kann verfchiedene Bohrköpfe oder auch Fraifenfcheiben aufnehmen. Die als Fortfetzung der Bohrfpindel dienende Bohrftange liegt in feftftehenden Lagern, welche an Ständern vertical verftellt werden können, die in beliebiger Entfernung auf dem Bett befeftigt find. Der zu bohrende Gegenftand ift zwifchen den Lagerftändern auf dem Suporttifche befeftigt und wird durch diefen vorgerückt, indem eine Schraubenfpindel im Innern des Bettes auf feine fefte Mutter wirkt. Ihre Bewegung empfängt die Schraubenfpindel durch eine am rückwärtigen Ende des Bettes angebrachte Räderüberfetzung, welche fie von einer hinter dem Bette entlang laufenden Welle nimmt, die im Innern des verticalen Ständers durch Räderüberfetzung mit eingefchalteter Reverfirvorrichtung vom Ende der erften Antriebsachfe aus in Bewegung gefetzt wird. Ein Rad der rückwärtigen Ueberfetzung ift verfchiebbar, mit doppelt breitem Getriebe und Handgriff verfehen. Es dient zur Bewegung des Suporttifches von Hand, fobald es fo verfchoben ift, dafs es felbft aufser Eingriff mit der felbftthätigen Steuerung, fein breites Getriebe aber noch im Eingriff mit dem Rade der Schraubenfpindel ſteht. Der zu bohrende Gegenftand kann auch vom freien Ende der Bohrftange aus bearbeitet werden und befindet fich dann nicht zwifchen den Lagerſtändern, fondern hinter ihnen. Die Bohrftange kann aber in den meiften Fällen mit einem Lagerftänder hinreichende Führung erhalten. Unfere Mafchine kann auch zum Abfraifen von Flächen verwendet werden. In diefem Falle kommt auf das Ende der Bohrfpindel eine Fraifenfcheibe, während der Gegenftand wie gewöhnlich auf den Suporttifch befeftigt wird, fo dafs feine zu bearbeitende Seite der Fraifenfcheibe zugewendet ift. Der Suporttifch wird dann in den meiften Fällen nur zum Anftellen des Spanes benützt, wäh rend die felbftthätige Fortrückung auf die Fraifenfcheibe felbft wirkt und fie in 106 Carl Pfaff. verticaler Richtung auf oder abbewegt. Diefs gefchieht durch ein Sperrrad am oberen Ende der Stellfpindel des Bohrzeugträgers, deffen Sperrkegel von der verticalen Antriebswelle aus durch verftellbaren Kurbelzapfen bewegt werden kann. Sollte es erwünſcht fein, fo kann auch die Fraifenfcheibe an ihrem Platze bleiben und der Vorfchub von Hand in horizontaler Richtung durch den Suporttifch bewirkt werden. Robin as Ueber den Antrieb der Mafchine glauben wir bei feiner Einfachheit weiter nichts fagen zu follen, und bemerken nur noch, dafs der Mafsftab der beigegebe nen Zeichnung 120 der natürlichen Gröfse ift. Nuthftofsmafchinen. Von den beiden ausgeftellten Nuthftofsmafchinen war die eine mit fefter Räderüberfetzung verfehen und hatte 770 Millimeter Ausladung bei 395 Mm. Hub. Die Stufenfcheibe war mit ihrer Achfe und dem erften Getriebe zwifchen Ständer und einem nach rückwärts ausladenden Arme gelagert, das grofse Antriebsrad lag rückwärts vom Ständer. In der Anordnung war die Mafchine ganz der von Sharp, Stewart& Co. ausgeftellten und früher befchriebenen Mafchine, Fig. 55, Taf. XVI, ähnlich, in der Form jedoch der hier folgenden kleineren. Wir bemerken nur noch ausdrücklich, dafs der Stofs keine Vorrichtung zum rafchen Rückgange hatte. Die kleine Nuthftofsmafchine, Fig. 162, Taf LXX, zeichnete fich nur durch die Anwendung eines doppelten ausrückbaren Rädervorgeleges aus, welches nach einem Mufter von Fairbairn angeordnet ift, und die Mafchine fowohl für fchnelle und leichte als auch für langfame und fchwere Schnitte geeignet macht. Im Uebrigen gleicht fie ganz den bisher befchriebenen Nuthftofsmafchinen und hat ebenfalls keinen rafchen Rückgang des Stofses. Ausladung 400 Milli. meter, Hub 260 Mm. bau sbai Wm. Schwabe& Co. in Hernals. Unter den zu unferer Specialität gehörigen öfterreichifchen Ausftellern müffen wir noch einige anführen, wie z. B. obige Firma, welche fich zwar haupt fächlich mit dem Bau von Federhämmern befchäftigt, aber als hieher gehörig eine recht nett gearbeitete kleine Drehbank und eine Schraubenfchneidmafchine brachten, welche in der äufseren Form der von Sellers glich, das Schneiden der Bolzengewinde aber durch fefte Backen bewerkstelligte. Diefe feften Backen beftehen aus einem Stücke Stahl, welches das Gewinde und mehrere durch Einfchnitte hergeftellte fchneidende Kanten enthält, und deffen innere Form fo gemacht ift, dafs fie fich nach vorn parabolifch erweitert und zum Vordrehen des Arbeitsftückes, fowie zum Anfange des Gewindes geeignet ift. of as bladet bash nov J. Müller in Wien. Som J. Müller in Wien ift der bedeutendfte von den Fabrikanten und Meiftern, welche bei uns Werkzeugmaschinen auf handwerksmässige Weife erzeugen. Er hatte eine fehr achtungswerthe Sammlung derfelben, beftehend aus Drehbän ken, Bohrmaſchinen und einer Hobelmafchine, alle von mittlerer Gröfse, aus geftellt. Die Mafchinen waren alle folid in den Dimenfionen, und nach dem Gefchmacke des betreffenden Kundenkreifes fogar fehr fchön ausgeführt, indem blanke Theile nicht gefpart und fogar Einfaffungsrippen an Gufsftücken blank gemacht waren. Die Conftructionen waren von allerhand älteren englifchen und franzöfifchen Muflern zweiter Claffe ohne grofse Wahl copirt. Wenn wir auch vom Standpunkte des Ingenieurs einer folchen Production nicht den geringften Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 107 Werth beilegen können, fo müffen wir anerkennen, dafs fie in ihrer Art tüchtig und für ihre Kreife fehr nothwendig, mithin höchft achtenswerth fein kann, was Alles bei unferem Ausfteller vollkommen zutrifft. Efcher Wyfs& Co. in Leesdorf. Diefe Firma hatte an Werkzeugmafchinen eine Räderdrehbank von circa 700 Millimeter Spitzenhöhe mit vier Suporten und eine Räderfchneidmafchine ausgeftellt. Erftere war nach etwas veralteten, eckigen Modellen fehr kräftig, aber für eine fo alte berühmte Firma merkwürdig unfchön ausgeführt. Die Räderfchneidmafchine war eine Copie der Chemnitzer Maſchinen gleicher Gattung und konnte ebenfalls nicht durch fchöne und exacte Ausführung imponiren. Eine Reihe von kleineren Fabriken und Mechanikern hatten zum gröfsten Theil fehr refpectable Erzeugniffe ausgeftellt, welche aber alle nicht recht hieher gehören. Ernft Efslinger in Wien. Diefe Firma brachte mehrere kleinere leichtgehaltene Werkzeugmafchinen zur Ausftellung, welche eine nähere Befchreibung hier nicht verdienen, hatte aber darunter: Kay's Keilnuthenfraifs- Apparat, welchen wir feiner Neuheit und Originalität halber in Fig. 163, Taf. LXXIII, zur Darftellung bringen. Der Apparat ift für Handbetrieb eingerichtet und befitzt als Betriebsmechanismus eine kräftige Bohrratfche, die in einem traverfirenden Schlitten reichliche Lagerung findet. Ihre Spindel ift durch einfache Druckfchraube verftellbar und kann durch ein Handrad mit Gegenmutter arretirt werden. Am unteren Ende nimmt fie einen Bohrer auf, wie folche bei Langlochbohrmafchinen gebraucht werden, und arbeitet in diefem Falle die gewünſchte Keilnuthe Span für Span von obenher durch oft wiederholtes Hin- und Hergehen aus. Es kann diefs aber auch durch einen Fraifer, der an feiner Kopffläche und am Umfange verzahnt ift, gefchehen, und wird ein folcher gleich von Anfang an auf die erforderliche Tiefe eingeftellt, was bei einer beiderfeits gefchloffenen Nuth durch Vorbohren möglich ift. Es ift dann nur ein einmaliges Traverfiren der Bohrfpindel erforderlich. Dicht neben dem Sperrrade der Ratfche liegt eine Schnecke, welche auf ein Schneckenrad wirkt, deffen Nabe eine Schraubenmutter enthält und in einer Fortfetzung des Schlittens gelagert ift. Die zugehörige Stellfpindel liegt im feften Geftell der Mafchine, und kann, während der Arbeit durch Friction feftgehalten, zum rafchen Verfchieben des Schlittens aber gelöft und von Hand betrieben werden. Die ganze Verrichtung ift fehr compendiös, und kann nicht nur in kleineren Werkstätten, fondern auch befonders auswärts bei Montirungen vorzügliche Dienfte. leiften. Mafchinen und Waggonfabrik der königlich- ungarifchen Staatsbahnen in Budapeft. Räderdrehbank. Diefes Etabliffement, welches fich hauptfächlich mit dem Baue von Fahrbetriebsmitteln und Einrichtungen der Eifenbahnen befchäftigt, fteht gegenwärtig unter der Leitung des Herrn Fr. Zimmermann, deffen Namen wir fchon bei Gfchwindt& Co. erwähnten. Es hatte neben einer Locomotive und einer 108 Carl Pfaff. Schiebebühne auch eine fehr ſchöne Räderdrehbank von 600 Millimeter Spitzenhöhe, Fig. 164-167, Taf. LXXIV, ausgeftellt. Diefelbe befitzt ein fehr ftarkes und breites, aus zwei Theilen zufammengefetztes Bett, auf welchen zwei Spindelftöcke in Schlitzen montirt find, von denen der eine feftfteht, der andere durch Zahnftange und Getriebe verftellt werden kann. Beide haben hohle gufseiferne Spindeln und Planfcheiben mit angegoffenen Zahnkränzen. Der Antrieb erfolgt durch eine zwifchen Armen des feften Spindelftockes gelagerte vierflufige Riemenfcheibe, von deren Achfe aus die Bewegung durch ein Getriebe auf das rückwärts liegende grofse Ueberfetzungsrad der Bodenwelle und von diefer durch weitere Getriebe auf die Zahnkranzplanfcheiben übertragen wird. Diefer Weg giebt die langfamen, zum Abdrehen der Tyres gebrauchten Gefchwindigkeiten. Schnellere, zum Ausbohren von Radnaben geeignete können der Planfcheibe des feften Spindelftockes direct von der Achfe der Antriebsftufenfcheibe aus durch ein Getriebe mitgetheilt werden, deffen lange Hülfe im vorderen Lager liegt und mit einer Klauenkuppelung zur Ein- und Auslöfung verfehen ift. Auch die Getriebe der Bodenwelle haben Klauenkuppelungen und werden nicht wie gewöhnlich durch Verfchieben ein- und ausgelöft. In beiden Spindeln find verftellbare Stöfse mit Körnern angebracht und konifche zweitheilige Büchfen vorgefehen, um Achfen in ihren Lagern zu faffen. Die Planfcheiben befitzen Univerfalkloben. Die Suporte find fehr kräftig entwickelt und als Curvenfuporte durchgeführt, d. h. ihre Obertheile werden längs eingelegter Stahlfchablonen geführt, gegen welche fie fortwährend durch befchwerte Hebel angedrückt find und deren Profilirung fie folgen können. Aus diefem Grunde konnte auch die fonft übliche befondere Verftellung für den Konus der Tyres wegfallen. Die Anbringung und Verftellung der Suporte, die Bewegung des Kettenfchaltwerkes und andere Details find in gewöhnlicher Weife angeordnet und aus den Zeichnungen klar erfichtlich. Die Drehbank zog durch ihre fchönen Proportionen, elegant gerundeten Formen und mufterhafte Ausführung die allgemeine Aufmerkſamkeit in hohem Grade auf fich, und es freut uns ganz befonders, unfere Befprechungen mit einem fo ausgezeichneten Objecte vaterländifchen Urfprunges fchliefsen zu können. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 109 ANHANG. Transmiffionsbeftandtheile von Wm. Sellers& Co. in Philadelphia.. Wir haben fchon bei den übrigen Ausftellungsobjecten genannter Firma erwähnt, dafs fie ein ganz eigenes Syftem für Transmiffionen aufgeftellt hat. Da dasfelbe in Amerika vielfach angewandt und bei uns mit grofser Aufmerksamkeit aufgenommen wurde, jedoch noch nicht allgemein bekannt ift, fo wollen wir es hier in den Hauptgrundzügen kurz befchreiben. Es befteht der Hauptfache nach in einer neuen Conftruction der Lager und der Kuppelungen. Die Lager von Wm. Sellers& Co. find von Gufseifen, ausgebohrt, aber nicht mit Metall oder Compofition ausgefüttert. Die Erfahrung hat ergeben, dafs fchmale Lager, von was immer für einem Materiale, fchlecht laufen, weil der Flächendruck zu grofs und das Schmiermittel zwifchen den arbeitenden Flächen hinaus gedrückt wird. Während fchmale Lager von Gufseifen der Abnützung ganz befonders ausgefetzt find, widerftehen folche von grofser Breite, alfo geringem Drucke auf die Flächeneinheit, auf das vorzüglichfte und find fogar folchen von Metall und Compofitionen vorzuziehen, welche wegen ihrer gröfseren Weichheit leicht fremde Körper: Sand, Staub etc in ihre Oberflächen aufnehmen, die dann verreibend wirken. Wenn es fich um Mafchinen mit feften, unverrückbaren Ständern handelt, fo hat es gar keine Schwierigkeit, Lager von grofser Länge anzuwenden; fobald diefe aber, wie bei den Transmiffionen, an nachgiebigen, dem Werfen ausgefetzten Holzconftructionen, Säulen, Decken etc. angebracht werden follen, ift ihre Lage nicht mehr gefichert, und es müffen Vorkehrungen getroffen werden, damit die innige und gleichmässige Anlage zwifchen Welle und Lager auf der ganzen Länge ftattfinden und eine etwa eingetretene Unrichtigkeit corrigirt werden kann. Diefe Erkentnnifs ift fchon alt, und es wurden mancherlei Conftructionen erdacht, welche den Lagerfchalen die nöthige Beweglichkeit allein oder in Verbindung mit Vorrichtungen zum Verftellen ficherten. Es iſt aber das Verdienft von Wm. Sellers& Co., die Frage energifch aufgefafst und ihre Löfung in einem practifch werthvollen Syfteme verkörpert zu haben. Wir ftellen in Fig. 168 ein Hängelager in Anficht und Durchfchnitt dar. Der Körper des Lagers ift zweiarmig, von kreuzförmigem Querfchnitte und befitzt in diefer Form eine grofse Feftigkeit, ohne fchwer zu werden. In der Mitte befitzt er zwei Stege mit Erweiterungen, in welche Gewinde gefchnitten find, in denen gufseiferne hohle Schrauben vertical verftellt werden können. Diefe find zum Theil cylindrifch, ohne Gewinde gelaffen und können durch Druckfchrauben feftgeftellt werden. An den einander zugekehrten Enden find die gufseifernen Schrauben nach einem Kugelabfchnitte ausgedreht, an den entgegengefetzten haben fie fechseckige Oeffnungen, um durch den Schlüffel erfafst zu werden. Die Lager find zweitheilig und flach zufammengepafst. Sie befitzen an jeder Hälfte einen Kugelabfchnitt, deffen Radius in der Lagermitte liegt und paffen mit diefem in die gufseifernen Schrauben. An der Verdrehung um die horizontale Achfe find fie durch einen hohen Rand gehindert, welcher den Kugelabfchnitt in paffender Entfernung umgiebt. 110 Carl Pfaff. Es ift nun leicht zu fehen, dafs ein folches durch die gufseifernen Schrauben nicht zu feft, aber gerade dicht zufammengeftelltes Lager fich nach allen Richtungen in feinem Kugelgelenke verdrehen und fomit der Lage der Welle in vollkommenfter Weife anpaffen kann. Fig. 168. 0000 Sollten mit der Zeit Senkungen oder ähnliche Veränderungen an den Gebäudetheilen eintreten, an denen das Lager befeftigt ift, fo geben die Schrauben Gelegenheit, diefelben wieder auszugleichen. Sie dienen aber auch gleichzeitig zur wefentlichen Erleichterung bei der erften Aufftellung. hanol Zum Schmieren wird Oel verwendet, deffen Zuflufs aus gläfernen Schmier büchfen in der Mitte ftattfindet und nach Angabe des Herrn Sellers nach und nach auf ein Minimum regulirt werden kann. Sollte es einmal nöthig befunden werden, fchnell etwas mehr Oel in das Lager zu bringen, fo dienen hiezu zwei Schmierlöcher, welche zwifchen dem Kugelabfchnitte und dem umgebenden Rande gebohrt find. Endlich find noch zwei Sicherheitsfchmierbüchfen angebracht, die mit einer Mifchung aus Talg und Schweinfett gefüllt werden und deren Inhalt bei einer etwa eintretenden Erhitzung der Lager fchmilzt und die Schmierung wenigftens folange beforgt, bis Abhilfe gefchaffen wird. An der unteren Lagerfchale find Tropfnafen angebracht, welche das überflüffige Schmiermate riale in die grofse ovale Tropffchale leiten, die unter dem Lager aufgehängt ift. Die Aufhängung derfelben gefchieht durch einen Bolzen mit zwei Köpfen, welche gerade durch die Bohrungen in den Lappen der Tropffchale und in dem des Lagerftänders paffiren können, wenn die Tropffchale in die Höhe gehalten wird. Sobald fie fich felbft überlaffen wird, fenkt fie fich und hängt nun an dem Bolzen, der felbft durch heftige Erfchütterungen nicht aus feiner Lage gebracht werden kann, bis nicht die Tropffchale genau in die Pofition gehoben wird, in welcher ihre Oeffnungen mit der am Lagerſtänder correfpondiren, worauf der Bolzen herausgezogen werden kann. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 111 Ganz analog ift das Wandconfol, Fig. 169, conftruirt, ebenfo das gewöhnliche Stehlager, Fig. 170, dem jedoch die Verftellbarkeit fehlt. Die Kuppelung ift vollkommen neu und ohne Präcedenz. Die meiften der bisher verwendeten Kuppelungen hielten die Wellen durch Keile feft, mit denen fie mehr oder weniger angezogen wurden. Wenn die Bohrung einer Kuppelung אנר רוזן Fig. 169. br monageused oslo sib ba vollkommen genau auf das Ende der Welle pafst, fo dafs fie fchon mit einem gewiffen Drucke aufgebracht werden mufs, und der die Verbindung fchliefsende Keil mit Vorficht und zwar fo eingepafst wird, dafs er nur an den Seitenflächen anliegt, aber durchaus keinen Druck auf die Welle und die Kuppelung inradialer Richtung ausübt, fo kann die Kuppelung unmöglich anders als concentrifch mit der Welle laufen. Wir fehen aber fchon aus den vielen zu erfüllenden Bedingungen, dafs diefe Ausführung nicht leicht zu erreichen, und bei Transmiffionen, welche billig hergestellt werden müffen, gar nicht zu verlangen ift. Bei den feften Kuppelungshülfen kann man fich dann abfolut nicht helfen und muſs fich das Schlagen und Werfen gefallen laffen. Bei Scheiben- und Flangenkuppelungen wird, adi isd pidion adoin dous der Fehler bei der Neuherfus ftellung dadurch corrigirt, sib Fig. 170.bo dafs man diefelben nach dem Tisd Ai Aufkeilen nachdreht. Soll aber einmal eine folche Kuppelung von der Welle losgenommen werden, fo wird es beim Wiederzufammenfetzen unmöglich fein, den ursprünglichen Zuftand wieder herzuftellen und ein neues Nachaddrehen nöthig oder die Welle bindzum Schlagen und Werfen 112 Carl Pfaff. verurtheilt werden. Ueberhaupt bietet die Abnahme folcher feft aufgekeilter Kuppelungen, zu denen meift nur auf fchwankenden Gerüften zu gelangen ift, fo grofse Schwierigkeiten, dafs man in neuerer Zeit fyftematifch darauf verzichtet und lieber alle Riemenfcheiben, Räder etc. aus zwei Theilen macht, um fie ohne Weiteres auf die Wellen bringen oder abnehmen zu können. Die Kuppelung von Sellers hat keinen der erwähnten Nachtheile, fie macht auch keine folchen Anfprüche an die Ausführung, fondern verbindet fogar zwei Wellen, deren Enden nicht genau gleiche Durchmeffer haben, vollkommen feft und concentrifch. Sie ist in den Fig. 171 und 172 dargestellt und befteht aus Fig. 171 einer äufserlich cylindrifchen Hülfe, welche innen von beiden Seiten her kegelförmig ausgedreht ift. In diefe Hülfe paffen zwei kegelförmig abgedrehte Büchfen, die nach dem Wellendurchmeffer cylindrifch gebohrt find und deren jede ein Wellenende aufnimmt. Durch die äufsere Hülfe und die kegelförmigen Büchfen gehen drei rechteckige Nuthen, in denen ebenfolche Bolzen liegen, die auf der einen Seite in einen Kopf, auf der anderen in ein Schraubengewinde auslaufen und durch Muttern gezogen werden können. Eine der drei Nuthen in jeder Büchfe ift vollends bis zum Grunde fortgefetzt und bildet einen offenen Schlitz, durch deffen Vorhandenfein die Büchfe zu einer federnden wird. Ift nun in jede Büchfe ein Wellenende gebracht und werden die Schraubenmuttern der Bolzen angezogen, fo werden auch die Büchfen etwas zufammengeprefst und halten die Wellen feft. Damit aber nicht die ganze Wirkung durch das Anpreffen erfolgen mufs, ift noch auf jeder Seite ein Keil angebracht, der aber nur an den fchmalen Seitenflächen und nicht an den breiten Flächen oben und unten anliegt. Wie das Schliefsen, fo erfolgt auch das Löfen einer folchen Kuppelung ohne jeden Hammerfchlag. Nachdem die Muttern gelöft und die Bolzen herausgenommen find, wird in der Mitte eine Schraube in die äufsere Hülfe eingeführt, deren fchlank konifche Spitze zwifchen die Büchfen eindringt und fie aus einander fchiebt, Fig. 172. worauf alle Theile mit der Hand abgenommen werden können. Man kann eine derartige Kuppelung beliebig oft löfen und wieder fchliefsen, immer wird fie ihre urfprüngliche Bedingungen wieder erfüllen und die Wellen feft und concentrifch verbinden. Aus diefem Grunde ift es auch nicht nöthig bei ihrer Anwendung die Lager mit einfeitigen Armen zu machen, da man alle Wellen leicht durchziehen kann; ebenfo ift es möglich, Riemenfcheiben oder Räder im Ganzen aufzubringen. Letztere kommen nun allerdings in Amerika bei Transmiffionen faft gar nicht vor, da alle Antriebe und Ueberfetzungen durch Riemen beforgt werden. Wir würden auch für diejenigen Theile, welche durch Räderwerk betrieben werden müffen, und welche ja doch nur an den beffer befeftigten Punkten vorkommen und als Ausgangsftellen betrachtet werden können, nicht die Sellers'fchen Lager, fondern gewöhnliche fefte anwenden, dagegen alle weiteren Fortfetzungen nur nach Sellers' Syftem ausführen. Die Riemenfcheiben bringt Sellers im Ganzen auf und befeftigt fie nicht mit Keilen, fondern mit Stellfchrauben. Ihre Kränze find fehr dünn, die Arme gerade und von ovalem Querfchnitt, das Ganze, Fig. 173, fehr leicht und gefällig. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. 113 Ganz befonders ift aber die Sorgfalt hervorzuheben, mit welcher die Riemenfcheiben balancirt werden, damit fie ihren Schwerpunkt wirklich in der Mitte haben. Zu diefem Ende werden fie nach dem Abdrehen auf einen Dorn gefteckt, der auf zwei horizontalen Linealen läuft und mehrere Male in Umdrehung verfetzt, wobei fich die fchwere Seite fofort verräth, indem fie beim Eintritt der Ruhe nach unten zu ftehen kommt. Nun wird entgegengefetzt innen am Kranze ein entfprechendes Gewicht, meift in Form eines ovalen Blechftückes, befeftigt, deffen Betrag durch Probiren ermittelt und fo die Riemenfcheibe vollkommen gleich fchwer nach allen Seiten gemacht. Diefe Ausgleichung ist bei Transmiffionen von einiger Länge und nur mäfsiger Gefchwindigkeit von grofsem Werthe, unerlässlich aber bei fchneilgehenden. Es würde uns zu weit führen, alle ferneren Details des Sellers'fchen Transmiffionsfyftems wie: Leitrollen, Spannrollen etc. zu befprechen. Wir heben nur noch hervor, dafs das Haus die Transmiffionen nicht nach dem Gewichte, fondern nach Stücken verkauft, die einen beftimmten Preis haben und in grofsen Tabellen verzeichnet find, fo dafs jeder Confument im voraus wiffen kann, was er für eine gegebene Transmiffion zu bezahlen haben wird. Auch diefe Seite des Syftem es verdient bei uns zur Nachahmung dringend empfohlen zu werden. Fig. 173. 8 114 Carl Pfaff. Bemerkung. Während der Zeit, welche mit der Zufammenftellung diefes Berichtes verging, hatten wir Gelegenheit, die Conftruction des Falihammers der Styles& Parker Co.( fiehe Amerika, Fig. 44. Taf. XI) praktifch zu erproben. Hiebei fand fich, zu unferem Erstaunen, dafs fich diefelbe durchaus nicht bewährte. Die Verfuche wurden allerdings mit einem fchweren Hammer gemacht, allein der Umftand, dafs auch die Herren Erfinder das Syftem feither verlaffen haben, spricht dafür, dafs der gute Gang des kleinen Hammers, welcher auf unferer Ausftellung functionirte, nur einem glücklichen Zufammentreffen von Zufälligkeiten zu danken war, auf welche natürlich nicht zu rechnen ift. Wir verfehlen nicht, diefs hier anzumerken, um vor Verfuchen zu warnen, welche nicht gut ausfallen könnten. Fig.1. Fig. 2. Fig. 3. Tafel I. wwwwwww Fig. 4. Fig. 5. Fig. 7. Fig. 8. ร О Fig. 6. O Fig.9. 3/4 K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig. 10. Fig.11. 1" www Sellers Schraubenschneidmaschine. nat.Gr. nat.Gr. TI " " " """ " " " " 17 " " F 11 # " 11 " " " #### 11 2 " 14 # 1 11. " # " Fig. 12. Sellers' Hobelmaschine. Fig. 15. " Th " " 11 " 1 " " 11 " " " " " " " 11 " " " " " 4 14 11 # " " " 11" 14 0 h TT πT 14 " 11 " TT TI 17 " " " 14 " 14. 11 " " " " " 24 11 " " 11 11 11 " 1 " " $ 1 11 11 11 11 " 11 11 11 11 " 扎扎 11 " " " 1 " " 11 " 11 " " " # 1 " " 11 " " 11 " 1# 1#" 14" " t th th the t 11 ப 14. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig. 13. ரிக 口 00000605 0988888888888 Fig.14. Tafel II. Fig.20. Fig. 16. wwwwwwwwwwwwww Fig.18. Fig. 17. www O 0 wwwwww Fig. 22. Fig.21. Fig. 24 K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig.23.5 www Tafel III. www wwwwwwww Fig. 19. www Details zu Sellers' Hobelmaschine. H Fig.25. Fig. 27. Fig.28. 000001 Sellers' Suportdrehbank. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig.26. Fig. 29. Tafel IV. Fig.31. Fig. 30. Ω 0 1333 0 30000000 000 25 Sellers' Nuthstossmaschine. 19 Fig. 32. EO EO EO BO 25288 252525 25252525 K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel V. Fig. 33. Sellers' Bohrerschleif- Apparat. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel VI. D Sellers' Räderschneidmaschine. Fig.34. ААААААААААААА K.k. Hof- u. Staatsdruckerei 25 Tafel VII. Fig. 35. Pratt& Whitney Company. Drehbank. இ K.k.Hof- u. Staatsdruckerei.. Fig.36. Suport Detail Tafel VIII. Fig.37. 0000 Fig.38. Pratt& Whitney Company Bohrmaschinen. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel IX. 刺 Fig.39. go Fig.40. Horizontale Bohrmaschine Fraismaschine. Pratt& Whitney Company Tafel X. Fig. 42. Brown& Sharpe Fraismaschine Fig. 41. a I Fig.45. Ia Fig. 43. II Brown& Sharpe Revolverdrehbank H.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel XI. Stiles& Parker Press Co. Selbstthätiger Fallhammer Fig. 44. Fig 46. wwww Fig.48. AP RKER על פה PAT EN APRIL 121867. MAR APRI ERIDEN. BRO 31858 23 CONN A Fig. 47. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei AR ER ERS POTHY Stiles& Parker Press Co. Durchstossmaschinen und Excenterpressen. wwwwwww wwwwwww Tafel XII. D 776 32 0% 32 Fig: 49. F 24 Darling, Brown& Sharpe, Gewindewinkel- Lehre. P Amerikanische Werkzeuge. Fig. 51. Z Fig.50. Thomas Hall Schraubstock. Hk. Hof- u Staatsdruckerei. Darling, Brown& Sharpe: Fraiser 20001 Tafel XIII. Sharp Stewart& Co. Shapingmaschine. Fig. 52. 迪 K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel XIV. Fig.54. EBBS- PATENT N° 3. [ SHARP STRWART& CO LIMITED MANCHESTER B Sharp Stewart& Co. Shapingmaschine für Radkränze Fig.56. Sharp Stewart& Co. Tyres Bohrmaschine. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei 0 BO AB Fig.53. Sharp Stewart& Co. Suport Detail zur Hobelmaschine nach Sellers' System. 曲 Tafel XV. Sharp Stewart& Co. Nuthstossmaschine. EO Bo EO DB DB 묘 B Ea 1111 www Fig. 55 H 0 0 CEE00000000004 0 0 D wwww K.k. Hof- u. Staatsdruckerei 0 Tafel XVI. wwwwwww D 用 D 中 0 0 E ကား Η FO 凸 12 Fig.57. www. 0 0 www Fig. 59. о 0 000 0 Fig.58 spry 0 O C.De Bergue& Co. Lochmaschine und Scheere. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig. 60. a Tafel XVII. Fig.61. Fig. 62. wwww BBC 1000 Tafel XVIII. C. De Bergue& Co. Lochmaschine und Scheere. Maschine zur Fabrikation von Nieten. Fig. 63. www 0 0 இ 0 0 0 0 Fig. 68. Fig.69. wwwwww 0 Fig. 70. H. Hind& Son. Horizontalbohrmaschine. Fig.64. e O 00000 이 0 Fig. 67. Tafel XIX. H. Hind& Son. Suportdrehbank. Spindelstöcke der selbstthätigen Drehbänke. Fig.65. K.k.Hofu Staatsdruckerei. Fig.66. D Fig. 71. Tafel XX. H. Hind& Son. Wandbohrmaschine. Fig. 72. La 1 D. New& Co. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei DDDDDDDDDDD Suportdrehbank. ㅁ لها 25 25 2525 22 th Fig. 714. Fig.73. A 0 25 西西 Räderdrehbank. und Achsendrehbank von D. New& Co. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel XXI. 25 Fig. 75. Fig. 76. D.NEW& CKER ENGLAND NOTTINGHAM 70 D. New& Co. Hobelmaschine. ☐ O P 25 25 52 K.k. Hof- u. Staatsdruckerei D. New& Co. Radialbohrmaschine. 25 Tafel XXII. D Fig. 77. Bandsägen zum Schneiden von Metallen. Fig. 79. Powis, James, Western& Co. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei a Fig. 78 J. J. Rieter& Co. Tafel XXIII. A P P Fig. 80. www J. J. Rieter& Co. Langlochbohrmaschine. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel XXIV. 15 O Radialbohrmaschine. J. J. Rieter& Co. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Boffe Fig. 81. Tafel XXV. ☑ ☐ Fig. 83. Z Fig.82. O wwwww... Universalbohrmaschine von Bede& Co. Fig.84. I I H HHHHH K.k.Hof- u. Staatsdruckerei. TH th la © O ttb Tafel XXVI. Fig.85. о O 0 о O O 0 Tafel XXVII. H 0 10 ☐ CH Ο O [ Q Verticalbohrmaschine mit vier Spindeln von Bede& Co. Kk Hof- u. Staatsdruckerei ร Fig. 86. Bohrmaschine von Daudoy, Mailliard, Lucq& Co. kk. Hof- u. Staasdruckerei. Tafel XXVIII: Bohrmaschine von Daudoy, Mailliard, Lucq& Co. О Fig.87. K.k.Hofu. Staatsdruckerei. 10 Fig.88. 0 Radreifenbiegmaschine von Daudoy, Mailliard, Lucq& Co. K.k.Hof- u. Staatsdruckerei. www րուղ www Tafel XXX. Fig.89. Handlochmaschine mit Scheere von Dandoy, Mailliard, Lucq& Co. Kk. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel XXXI. Shapingmaschine. von Dandoy, Mailliard, Lucq& Co. Fig.90. Kk.Hofu Staatsdruckerei. A 0 Tafel XXXII. Typen der Chemnitzer Schule. RedFig.91. BARGES Fig. 93. Reitstock Bohrspindel O Fig.92. Schloss K.k. Hof- u. Staatsdruckerei 25 25 25 25 252525 2525 Fig.99. Tafel XXXIII. Verticale Bohrmaschine der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik. Fig.95. 0 N fh Z Fig.94. K.k.Hofu Staatsdruckerei. T 25 25 Tafel XXXIV. Chemnitzer Werkzeugmaschinen Fabrik Suportdrehbank, Räderdrehbank. O e Fig.96. wwww wwwwwww Plan& Spitzendrehbank der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik. KK.Hof- u. Staatsdruckerei www www E ப- D non Tafel XXXV. www பாதி L Fig.97. Oth 25 25 25 25 25 25 0 n مكبر O 0 Tafel XXXVI Shapingmaschine der Chemnitzer Werkzeugmaschinen Fabrik kk. Hof- u. Staasdruckerei. Nuthstossmaschine der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik. H C C E Ø 25 Fig.98. Tafel XXXVII. K.k.Hofu. Staatsdruckerei. Radialbohrmaschine. der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik. E Fig. 100. Tafel XXXVIII. 25 Kk Hofu Staatsdruckerei. Z JUS Fig. 101. TED Wagenräderdrehbank der Sächsischen Maschinenfabrik. Kk Hofu Staatsdruckerei. Tafel XXXIX. DOGCOCOO Z TO Fig.102. Fig.103. Suportdrehbänke zum Schraubenschneiden. der Sächsischen Maschinenfabrik. Kk Hof u. Staatsdruckerei. Tafel XL.. Horizontalbohrmaschine der Sächsischen Maschinenfabrik. Fig. 104. www www www Fig.105. Tafel XLI. k.k. Hof- u. Staasdruckerei. 0 Fig.107. 目 www. 0 0 சூர் tan Fig. 108. ΩΡ Speichenhobelmaschine der deutschen Werkzeugmaschinenfabrik. K.k. Hof- u.Staatsdruckerei. 月 Tafel XLII. 110 Fig. 109. Nabenbearbeitungsmaschine der deutschen Werkzeugmaschinenfabrik. 25 25 20 25 25 25 OO K.k.Hof- u.Staatsdruckerei. Ο 0 Fig. 110. LUI 0 0 0 Tafel XLIII. Fig. III. Fig.112. Materialscheere von Wagner& Co. K.k.Hof- u.Staatsdruckerei. Tafel XLIV 70 Fig. 113. Fig. 114. וד Richtmaschine von Wagner& Co. K.k.Hof- u.Staatsdruckerei. Tafel XLV. пц Fig.106. urina رلمة Go Tyresbohrmaschine der sächsischen Maschinenfabrik. EH a Fig. 115. Tafel XLVI. Fig.116. I Schienensäge von Wagner& Co. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig. 117.- Fig.118. wwwwwww Schienenfraise von Wagner& Co. kk. Hof- u. Staasdruckerei. Tafel XLVII. www Fig. 119. Fig. 120. 00 o Schienen Langlochbohrmaschine von Wagner& Co. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei wwww Tafel XLVIII. 育 Fig.121. Fig.123. Tafel XLIX. A Fig.122. 。 O Schrägräderhobelmaschine von Leupold. K.k Hof- u. Staatsdruckerei. Fig.124. Fig. 126. ԿԱՆՈՆ Fig.127. Fig. 125. Tafel L. Schrägräderhobelmaschine von Leupold. K.k.Hof- u. Staatsdruckerei. Fig. 128. Fig. 129. Vierfache Mutterschneidmaschine mit Details von Nestler& Breitfeld. KK.Hof- u. Staatsdruckerei. Hul 0 O Fig. 130. Fig. 132. 0 o f Fig. 131. Suportdrehbänke von Heilmann- Ducommun& Steinlen. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel LII. 25 25 th Fig. 133. Freistehende Bohrmaschine von Heilmann- Ducommun O & Steinleu O kk.Hof- u. Staasdruckerei. O 윤 Tafel LIII. Kleine Stossmaschine von Heilmann- Ducommun & Steinleu. H 四 四 凸 Kk Hof- u. Staatsdruckerei Fig.134. Tafel LIV. T О D www O О О E О О Fig. 135. Lochmaschine& Scheere von Heilmann- Ducommun & Steinleu, Tafel LV. www K.k. Hof- u. Staatsdruckerei EO O Fig. 136. 1 P www O Fraismaschine von Heilmann- Ducommun & Steinleu, 0 0 Tafel LVI. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig.137. O Suportdrehbank und kleine Shapingmaschine von Gschwindt& Co. Fig. 139. Tafel LVII. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei 0 Fig. 138. Mutterndrehbank& Radialbohrmaschine von Gschwindt& Co. Fig.140. Kk.Hof- u. Staatsdruckerei. Tafel LVIII. Fig.141. 10 D 10 Co 10 e @ Tafel LIX. A ΙΟ Grosse Radialbohrmaschine von Gschwindt& Co. k.k. Hof- u. Staasdruckerei. Fig.142. Fussdrehbank von Collet& Engelhard kk.Hof- u. Staasdruckerei. Tafel IX. of wwwwww Fig.143. Fig.144. о Suportdrehbänke von Collet& Engelhard kk Hof- u Staasdruckerei. Tafel LXI. Fig.145. EHE Tafel LXII. Wandradialbohrmaschine von Collet& Engelhard kk. Hof- u. Staasdruckerei. Fig.146. 100000 Fig.147. 30000 画 Tafel LXIII. Cilinderbohrmaschine und Blechkantenhobelmaschine von Collet& Engelhard K.k. Hof- u. Staatsdruckerei O K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig.148. Suportdrehbank der Werkzeugmaschinenfabrik Saxonia Tafel LXIV. Fig. 149. B ED D о Fig.150. Freistehende Bohrmaschine Langlochbohrmaschine der Werkzeugmaschinenfabrik Saxonia K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Tafel LXV. 抗 画 Fig.151 TP 0 52.52 Fig.152. Tafel LXVI. 同 nnan Doppelte Shapingmaschine der Werkzeugmaschinenfabrik Saxonia K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig.153. 50 E Fig.154. B. Tafel LXVII. Kleine Hobelmaschine und Stossmaschine der Werkzeugmaschinenfabrik Saxonia K.k. Hof- u. Staatsdruckerei Fig.155. 違 Räderdrehbank der Ottakringer Eisengiesserei und Maschinenfabrik Kk Hof- u. Staatsdruckerei Tafel LXVIII. Kleine Plandrehbank der Ottakringer Eisengiesserei und Maschinenfabrik Fig.156. m, m 25 Fig.157. K.k. Hof- u. Staatsdruckerei ☐ Tafel LXIX. ☐ D D ☐ ☐ ☐ 0 ☐ ☐ ☐ ☐ ☐ ☐ Π ☐ Fig. 158. kk. Hof- u. Staasdruckerei. D 0 D 2525252 8 Freistehende doppelte Bohrmaschine und Nuthstossmaschine der Ottakringer Eisengiesserei und Maschinenfabrik. Fig. 162. 画 Tafel LXX. Grosse Radialbohr maschine der Ottakringer Eisengiesserei und Maschinenfabrik Fig.159. wwwwww wwwww.l 0 K.k.Hof- u. Staatsdruckerei. 25 2525 O 52 52 ALHOONHOL Tafel LXXL CO a Fig. 160. 2525252525 252 25 E Horizontalbohrmaschine der Ottakringer Eisengiesserei und Maschinenfabrik K.K.Hofu. Staatsdruckerei. Fig.161. Tafel LXXII. Fig.163. 0 Kay's Keilnuthenfrais- Apparat von Ernst Esslinger K.k.Hof- u. Staatsdruckerei. Tafel LXXIII. 4 Fig. 164. 豆 Ο Fig.165. ° ZL 0 O tth O A 1 DI ហ O ՄՄՄՄՄ Fig.167. Tafel LXXIV. Räderdrehbank der Maschinen- und Wagonfabrik der königlich ungarischen Staatsbahnen Fig. 166. บ บ บ บ บ บ บ! wwwwww D OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. TRANSPORTMITTEL UND ANDERES BETRIEBSMATERIAL FÜR EISENBAHNEN ( Gruppe XIII, Section 4.) BERICHT VON EMIL TIL P, Majchinen- und Werkstätter- Ober- Infpector der Kaifer Franz Jofefbahn. Mit Zeichnungen und Tabellen. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREL 1873. 70281EFT 2- BEBICHI VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. ** Тя biod of mob doen isdblow, to TRANSPORTMITTEL UND ANDERES BETRIEBSMATERIAL FÜR EISENBAHNEN. ( Gruppe XIII, Section 4.) Bericht von EMIL TIL P, Mafchinen- und Werkstätten- Ober- Infpector der Kaifer Franz Jofefbahn. Mit Zeichnungen und Tabellen. www EINLEITUNG. Die Anfprüche des Weltverkehrs an die modernen Transportmittel find in vielfeitiger und rafcher Steigerung begriffen. Das Eifenbahn- Wefen, wie es aus feinem Mutterlande Britannien und durch deffen und theilweife durch amerikanifche Ingenieure auf dem Continente eingeführt wurde, konnte den Verhältniffen, hier gewaltiger in Bezug auf techniſche Schwierigkeiten und commercielle Complicationen, fowie auf räumliche Gröfsen, nicht lange genügen, und fo kam es, dafs die Geftaltung der Verkehrsmittel in mannigfacher Art wechfelte und jetzt noch in fteter Umwandlung begriffen ift, während die correfpondirenden Verhältniffe des kleinen Infelreiches mit feinen kurzen und ebenen Verkehrslinien feither nahezu diefelben blieben. In Kurzem laffen fich die Aufgaben der Transportmittel formuliren: Bei den Motoren, in gröfsere Leiftung bei erhöhter Gefchwindigkeit für Eilzüge der Hauptbahnen, Schaffung von Gebirgsmafchinen, von Loco motiven für Secundärbahnen; bei den Wagen, in Erhöhung der Bequemlichkeit und gefundheitlichen Vorkehrungen durch Verpflanzung der Einrichtungen des Salons, Wohn- und Schlafzimmers ins Coupé. Wenn die Erfindung des Locomotivs, als Prototyp alles modernen Transportes, für immer den genialen Köpfen Englands gedankt werden mufs, ift die Fortbildung desfelben und Durchgeiftigung der Conftruction bis in die kleinften Details der Locomotiven und Wagen wohl auch Amerikas, ganz überwiegend und wefentlich aber das Verdienft Deutfchlands, Oefterreichs und Belgiens, während Englands Typen in den übrigen Ländern noch lange und theilweife bis gegenwärtig die gleichen und herrfchenden blieben. Theuere Kohlen, meift von minderer Güte, fchwierige Tracen, ja die Anlage von Schienenwegen in Gebirgen und Alpen erheifchten in erfter Linie andere Motoren, und es war Oefterreich, welches mit und fchon vor dem Semmeringbaue die Initiative zur Conftruction ftärkerer und doch ökonomifcher arbeitender Laftmafchinen ergriff und damit eine ganz neue Richtung anwies. Es find faft 30 Jahre, dafs die erften Sechs- und Achtkuppler überhaupt, und zwar in Wien erbaut wurden. letztere mit verfchiebbarer Hinterachfe. I 2 Emil Tilp. Schon damals war man auf Erreichung gröfster Adhäfion und Heizfläche, vorerft durch grofse und lange Keffel, ausgegangen; die wefentlichere Vergröfserung der directen Heiz- und der Roftfläche ift erft feit einigen Jahren allgemein erkannt und acceptirt worden, wie die Parifer Ausftellung fchon zum Theile, die unferige ganz entfchieden zeigte. Oefterreich hat fomit unftreitig den Impuls gegeben für die Verhältniffe, nach denen die Laft- und noch mehr die Gebirgsmafchinen der Gegenwart gebaut werden. Was insbefondere die letztgenannte Locomotivgattung anbelangt, fo find alle neueren Syfteme aus den Typen der Semmeringlocomotiven gefchöpft und wefentlich Neues ift keineswegs zu Tage getreten. Die vielbefprochenen Syfteme Fairlie und Meyer find nichts Anderes als Wiedergeburten der Semmeringmafchinen, ,, Seraing"( conftruirt von dem Deutfchen Lausmann)* und ,, Neuftadt", entworfen vom Conftructeur Franke; ja es haften namentlich der Type Fairlie heute noch diefelben Mängel an, die ihre Vorgängerin hatte, und die in dem Betriebe der Gebirgsftrecke Poti- Tiflis hervortreten follen. Doch foll den genannten beiden als neu aufgetauchten Syftemen die Anerkennung nicht benommen fein, dafs fie in der Detailanordnung vielfach geiftreich und geradezu genial ausgeführt find und mit Benützung aller neuen Fortfchritte ganz auf der Höhe des entwickelteften Locomotivbaues ftehen. Ferner mufs der Semmeringæra noch zuerkannt werden, dafs auch Fell's Syftem fchon in dem Kraufs'fchen Projecte, die Zahnftangen- Bahnen im Staate New- York und auf dem Rigi, wenn auch in anderer Weife und abweichend in der Zahnkuppelung der Semmeringbahn und endlich in Patenten enthalten waren, welche an Oefterreicher fchon viel früher ertheilt worden find. Ebenfo wenig konnte der englifche Typus der Perfonen- und Eilmafchine für die continentalen Verhältniffe vorhalten, weil letztere nicht kurze, leichte und fchnell fahrende, fondern ftark befetzte und doch mit 30, reſpective 45 Kilometer verkehrende Züge erforderten und von den ungekuppelten, übermässig hohen englifchen Triebrädern daher abgegangen werden musste. In neuefter Zeit verurfachen aber Concurrenz und allgemeines Bedürfnifs nach gröfserer Zeiterfparnifs das Hinausgehen bis 70 und 75 Kilometer per Stunde, alfo die Anwendung gröfserer Räder, natürlicher Weife gekuppelt, und fchwererer Mafchinen. Was die hohen Raddurchmeffer betrifft, fo fcheint die Furcht vor zu grofser Kolbengefchwindigkeit der bei uns gebräuchlichen Räder von 158 bis 174 vielleicht übertrieben; gröfsere Räder bringen die Verlegung der Trieb- oder Kuppelachfe unter oder hinter die Feuerbüchfe und geringere Adhäfion mit fich. Der refultirende und auch erwünſchte gröfsere Radftand ift mifslich für Bahnen mit fcharfen Curven, bedingt alfo die Anwendung von Truckgeftellen oder beweglichen Achfen. An den ausgeftellten Eillocomotiven war diefs Raifonnement durchaus erkennbar. Unftreitig ift es eine fchwierige Aufgabe, eine fchwere Eilmafchine zu entwerfen, die bei enormer Leiftung grofse Beweglichkeit in fcharfen Curven und günftige Radbelaftung vereinigt, und fie wird erft gelöft fein, bis ein vollkommen ruhig und ftetig geführtes bewegliches Geftell vorhanden fein wird. Die üblichen Dreh-, Deichfel- und Pendelgeftelle, feitlich gerade und radial verfchiebbare Achfen, erfüllen keines vollkommen die Bedingung ftetigen Ganges in gerader Bahn und es werden fteife Maſchinen folcher Art nur auf wenigen grofsen Bahnen Deutfchlands, Rufslands, Frankreichs und Ungarns zweckmäfsig fein, daher ein bewegliches Geftell mit einer oder zwei Achfen, welches in jeder Richtung gezogen, nicht aber gefchoben wird, erforderlich ift. Nachdem grofse Leiftung fchwere Mafchinen und in Folge deffen entfprechenden Oberbau bedingt, kann das Bedauern nicht unterdrückt werden, dafs fich die Bahn- und Mafchinen- Baumeifter da nicht entgegenkommen. Für folche fchwere Eilmafchinen, wie fie der moderne Verkehr verlangt, haben die * Die Fairlie- Locomotive", von Alfons Petshold. Berlin, Verlag des ,, Cyclop". S. 19. 23 Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 3 Schienenftränge immer noch nicht die erforderliche Stabilität gegen feitliches Verfchieben und Umwerfen, und auch die neueren Oberbau- Syfteme tragen mit wenigen Ausnahmen, wie man felbft auf der Ausftellung fehen konnte, dem nicht genug Rechnung. Der Mechaniker kann blofs durch gute Gewichtsvertheilung, günftige und tiefe Schwerpunkts- Lage, die durch hohe Räder und grofsen Keffel aber schon befchränkt wird, durch Aufsenlegung der Rahmen, und allenfalls Anwendung des Hall'fchen Syftemes, welches den fchädlichen Hebelarm zwifchen Kolben- und Lagermitte am meiften kürzt, helfen; das Schlingern auf gerader Bahn und Anlegen in Curven kann er nie vermeiden, da die Schienenftränge in keiner Richtungsebene mathematiíche Linien bilden. Mit Hall's Syftem erfchienen ausgeftellt die ungarifchen drei Sechs- und Achtkuppler; Borfig's Mafchine hat die Triebachfe darnach eingerichtet, und Maffei's Laftlocomotiv. Wie prägnant all' diefe angeführten Umftände in den Motoren zu Tage treten, zeigte die Wiener Ausftellung in hervorragender Weife. Gleich inftructiv brachte fie auch eine reiche Fülle folcher Verkehrsmittel für Rangirzwecke auf Stationen und für Secundärbahnen. Diefe letzteren, das fei gleich hier erwähnt, find beftimmt, gleich den Communal- und Feldwegen im Strafsenfyfteme, der Verbindung der Hauptbahnen mit dem localen Verkehre zu dienen. deren befte Anordnung find alle techniſchen Geifter in grofser Erregung begriffen und kaum bis zur Feftftellung der beften Spurweite gelangt. So fahen wir faft ein Dutzend Locomotiven für folche Zwecke ausgeftellt, mit der Spurweite von 670 bis zur normalen. Ueber Es muss die Ausstellung der Locomotiven, welche obigen Ausführungen deutliches Relief verlieh, höchft reichhaltig und vielfeitig genannt werden, fowohl in Bezug auf Zahl der Objecte, als auch auf die durch fie verkörperten Syfteme und Ideen. Hatten die Ausftellung von 1862 den Duplex und die Steyerdorf, von 1867 ein Fell- Locomotiv, fo haben wir unfere Typen Meyer, Belpaire, Stainz und die der Südbahn aus G. Sigl's Fabrik, eine reiche Collection ftarker Eil-, Perfonen- und Laft, dann Gebirgs- und Secundär Bahnlocomotiven entgegenzuftellen. Epoche machende Erfindungen von ungewöhnlicher Tragweite konnten indefs umfoweniger erwartet werden, als anlafsgebende neue Aufgaben feit 1867 nicht geftellt worden waren, und die Fabriken überdiefs mit Schaffung der Objecte für die dem Eifenbahn- Baue fo fruchtbare Aera vollauf zu thun hatten. Wenn Amerika gar nicht, England nur fchwach, Frankreich, Italien und Rufsland etwas beffer ausgeftellt, fo waren Oefterreich, Deutfchland und Belgien geradezu impofant vertreten, und wenn etwas zu vermiffen, fo war es eine der neuen Exprefslocomotiven Englands, z. B. der Great- Northern- Bahn, ein Locomotiv der Rigibahn, Sigl's transportables Locomotiv für Bahnbau und Materialzüge und befonders eine Mafchine für Secundärbahnen mit dem Grund'fchen Apparate zur Begrenzung der Maximalgefchwindigkeit; dagegen entfchädigten uns viele höchft intereffante, namentlich belgifche Neuconftructionen. Mag man auch zweifeln, ob die meiſten derfelben von fruchtbarer Nachbildung gefolgt fein werden, nichts deftoweniger gebührt dem Erfindungs- und Conftructionsgeifte, wenn er derart auftritt, Dank und Ehre für die Anregung neuer Ideen, wie ja auch der feinerzeit belächelte Semmering eine neue Aera von Fruchtbarkeit und hoher Folgen für das gefammte Eifenbahn- Wefen inaugurirte. Das Entwerfen auf dem Papiere iſt ja minder von directem Nutzen im Maſchinen- Bauwefen, als die directe Conftruction wie fo viele grofse Erfindungen zeigen, z. B. der franzöfifche Injector, die Stephenson'fche Expanfionsfteuerung und viele andere, die erft nach der praktifchen Ausführung Rifs und Theorie erhielten. Nicht minder hat die Conftruction der Details in den letzten Jahren Fortfchritte gemacht und war deutlich fichtbar, dafs die Empirie mehr und mehr von 4 Emil Tilp. richtig angewandter Theorie verdrängt wird, ohne den praktifchen Verfuchen grundfätzlich aus dem Wege zu gehen. Indefs ift die damals gefchöpfte Vorausficht, dafs das Material der Dampfkeffel ausfchliefslich Stahl fein werde, nur bedingungsweife eingetroffen, denn alle Länder mit fchlechtem, kalkhältigem Speifewaffer ziehen das Eifenblech noch vor, weil feine gröfsere Dicke und Homogenität der Corroſion mehr Widerftand leiften, weil es nicht fo empfindlich ift gegen rafche Temperaturänderung während der Anarbeitung und des Keffelbetriebes, weil es leichter zu bearbeiten und zu erhalten ift, Vortheile, welche die unwefentliche Gewichtserfparnifs des Stahles reichlich aufwiegen. Schweden führte kalt gebogene Keffelbleche aus Martinftahl vor. Die Verfteifung der Feuerbox- Decken mittelft eiferner Stehfchrauben anftatt der fchweren, mit Keffelftein bald verlegten Deckenbarren ift fchon früher durch Belpaire angewandt, neueftens durch Becker in der Art wefentlich verbeffert worden, dafs die Radien der nach den inneren und auch äufseren Seitenwänden ablaufenden Hohlkehlen möglichft grofs angenommen, wodurch mehrere Reihen Stehfchrauben wegfallen und die Anordnung derSiederohr- Wände erleichtert, das fcharfe Abbiegen in den Kanten vermieden und an abfolutem Gewicht erfpart wird. Haswell conftruirt die Decken der inneren Feuerbüchfen ganz ohne Schrauben und Anker, verfteift fie durch wellenförmige Ein- und Ausbiegungen normal auf die Keffelachfe, wie feine ausgeftellten Locomotiven„ Stainz", , Orient" und Refchitzas ,, Hungaria" zeigten. " Fink's Conftruction ift auch einfach, indem er die Decke nach abwärts wölbt und durch horizontale U- Träger, nach der Keffelachfe laufend, feftigt( ift ausgeführt, aber war nicht ausgeftellt). Die Seiten- Stehbolzen führte man auch hier und da aus Beffemerftahl aus, gab es aber wegen baldigem Angriff der Gewindgänge durch fchlechtes Waffer bald auf, wie überhaupt bemerkbar ift, dafs Beffemer- und felbft Gufsftahl, wahrfcheinlich wegen ungleicher Textur, der Corrofion weniger widerftehen als felbft Eifenblech und- Bolzen minderer Güte. Als Materiale für die Siederohre wird Eifen, bei fchlechtem Waffer Meffing, ftets in gezogenen Röhren, verwendet. Da man mit Recht und Vortheil hohe Dampffpannungen, bis 12 Atmoſphären, acceptïrt, nietet man auch die Quer- und Langwechfel der Keffel doppelt. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs man künftig noch höhere Drucke verwenden und mit höherer Expanfion arbeiten wird. Die Fortfchritte der Blechfabrication allenthalben geftatten, die Ringe der Keffelcylinder, wenn nicht immer aus einem, fo doch aus zwei Blechen zu machen, deren Fugen in die Seiten verlegt werden, weil fie am Bauche durch das Beftreben des Dampfes, die vollkommene Kreisform herzuftellen, im Verein mit angreifendem Waffer bald Rinnen von gefährlicher Tiefe bilden. Die Speifung ift faft überall durch zwei ungleich grofse Injectoren angenommen, nur in Frankreich, dem Mutterlande diefer Erfindung, liebt man es, eine Kolbenpumpe, getrieben durch die Achfe und nur einen Injector anzuwenden. Die gröfste Verbreitung haben feit 1867 die Injectoren Friedmann's erlangt, wegen ihrer Einfachheit und ficheren Wirkung innerhalb grofser Grenzen des Druckes und der Temperatur; feither find neue Injectoren aufgetaucht von Fink( am Locomotiv ,, Stainz"), die fehr gelobt werden, und Dixon, ausgeftellt in mehreren Exemplaren und im Modell. Auch Syftem Schau wird hier und da noch verwendet, wie auch der urfprüngliche Giffard in mehreren Geftalten, endlich der von Kraufs, einer der erften Verbefferer Giffard's. Gegen den Keffelftein find in neuefter Zeit wirkfame Mafsregeln erdacht worden. An der Spitze fteht das Verfahren Berenger's, in Oefterreich erfunden und zuerft ausgeführt. Die Ausftellung brachte einen completen Apparat in voller Thätigkeit zur Anficht, deffen rationelle Wirkfamkeit auf der Klärung, Entmifchung und Filtrirung des kalkhältigen Speifewaffers vor deffen Einführung in den Keffel Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 5 beruht. Durch Zufatz von Kalkmilch( Aetzkalk), ohne Zeitverluft für den Niederfchlag, gelingt es, den kohlenfauren Kalk und die Magnefia auszufcheiden. Die Titrirung zur Vermeidung koftfpieliger Verfuche über den Percentfatz des Kalkgehalts ift durch Stingl und Profeffor Bauer in Wien angegeben worden, welcher auch ein Verfahren mittelft kohlenfaurem Natron oder Baryt zur Ausfcheidung des Gypfes angeregt hat.( 1872.) Die Anlagekoften find mäfsig, die Betriebskoften gering mit Bezug auf den Umftand, dafs namentlich alle Flüffe und Brunnen im Gletſchergebiete der grofsen Alpen reichen Kalkgehalt haben und dafs die Zerftörung der kaum 8 bis 10 Jahre dauernden Keffel, die innerhalb Jahresfrift oft 12 bis 15 Centner Keffelftein anfammeln, faft zu einer volkswirthfchaftlichen Calamität geworden ift. Andere Methoden bezwecken die Ableitung und Sammlung des noch lofen Keffelfteins behufs Ausblafen, innerhalb des Keffels, wie z. B. Haswell's Sack an den Locomotiven ,, Stainz“ und„ Orient", der am Ende ein Kolbenventil nebft Hahn trägt, vom Führerftande aus zu dirigiren und während und nach der Fahrt zu öffnen ift. Friedmann's Apparate( ähnlich fo auch Becker's, nicht vorgeführt) beruhen auf der Circulation des Waffers, das den Cylinderkeffel entlang hinab um die Feuerbüchfe ftrömt und dort den erften und meiften Keffelftein abfetzt. Durch eine Scheidewand auf dem Boden und Beginne des Keffels abgeleitet, geht der Zug des Waffers vermittelft zweier Rohre, die den Boden nächft dem Rauchkaften mit den unteren Feuerbox- Räumen verbinden, dahin und in einen in die Rohre eingefchalteten Sack. Zur ökonomifchen Verbrennung find feit jeher verfchiedene Schüttelrofte und Feuerbrücken, meift mit wohl nur eingebildetem Erfolge, in Anwendung. Neuerdings macht man in der Mitte des Roftes eine Oeffnung, die mittelft eines feuerfeften Cylinders überbaut und mit einer Blechkappe überdeckt wird, wie die Mafchine von Wöhlert in Berlin einen folchen Rauchverzehr- Apparat befitzt. Gas und Petroleum als Brennftoff find nicht vorgeführt worden, doch brachte Frankreich die Zeichnung eines mit Gas heizbaren Locomotivs. Durch ein Ventil gelangt das Gas aus dem Tenderrefervoir unter den mit Oeffnungen verfehenen Roft. Der abftrömende Dampf condenfirt in den Wafferkäften. Unter den Funkenfänger- Apparaten ift der öfterreichifche noch immer, in der ihm durch Klein verliehenen Form, der befte für die leichteften Kohlengattungen. Doch tauchen immer noch neue und einfache Vorrichtungen auf, die den Schornftein als Cylinder beibehalten, z. B. jene des Locomotivs Dniepr u. A. Auch Schirme zur Abhaltung des Niederfchlages von Rauch und Dampf werden hie und da angewendet. Das Ueberdachen des Führerftandes, von Amerika ausgegangen, ift wohl fchon allgemein acceptirt. An Sicherheitsventilen find häufig Ramsbottom, Meggenhofen, in Oefterreich noch Klotz beliebt. Als Bremsmittel ift in Frankreich und überall, wo feine Normen, mafsgebend find, der Apparat von Lechatelier in Thätigkeit; hier und da verwendet man ihn in etwas veränderter Form zur Anfeuchtung der Kolben und Schieber bei der Thalfahrt. Die belgifche Gebirgsmafchine hat eine einfache Dampfkolben- Bremfe, die direct auf die Zugftangen der Klötze wirkt, auch fah man vielerlei Spindelbremfen an ausgeftellten Locomotiven, wie auch die Vorrichtung zum Syfteme Heberlein, weniger die Dampfbremfe von Kraus. Die Schlittenbremfe war nicht erfchienen. Schweden brachte das Modell eines Locomotivs mit überhöhten Bahnfchienen, auf deren Unterfläche, vielleicht zu Adhäfions- und zugleich Bremszwecken, Rollen drücken, die mittelft Bremsmechanismus beliebig angeprefst werden können, Italien ein noch phantaftifcheres, mit gänzlicher Abweichung von den üblichen Normen, Rufsland das trefflich ausgeführte Modell eines 6 Emil Tilp completen Locomotiv- Längenfchnittes; aufserdem waren etliche Steuerungsmodelle erfchienen. Unter den Steuerungen hat Belgien das Syftem Heufinger v. Waldegg an fast allen feinen ausgeftellten Locomotiven mit dem Prädicate: Walfchaert angewendet. Ausserdem war die Stephenfon'fche und Allan'fche Couliffe in der Majorität. Sie iſt es auch in der grofsen Praxis. Ein einziges belgifches Locomotiv hat auf Walfchaert noch einen Expanfionsfchieber gepfropft. Die Entlaftung der Schieber erregt immer wieder andere Ideen, obwohl bisher keine die praktiſche Giltigkeit erlangt hat. Die neueren Syfteme beruhen entweder auf Anlaufen eines mit dem Schieber verbundenen Stückes am Deckel des Schieberkaftens, oder in der Zwifchenlage eines federnden Blattes. So haben Afhton u. A. conftruirt; die Ausftellung brachte eine folche Vorrichtung in der englifchen Abtheilung. Die Reverfirung, beim Apparat Lechatelier mittelft Schraube bedungen, gefchieht in neuefter Zeit häufig ebenfo, doch auch mit Hebel zugleich. Sturmhahn, Löfchrohr in Rauch- und Afchenkaften find wohl auf dem Continente fchon allgemein. Die Heizthüren find an vielen der exponirten Locomotiven feitlich verfchiebbar, die Manometer mit transparentem Zifferblatte. Die Anordnung der Hauptrahmen gefchieht durchwegs mittelft zweier verfteifter Bleche. Hall's vortreffliches Syftem wird aufserhalb Oefterreichs wenig angewendet, mehr liebt man es, die Rahmen fchnellfahrender Mafchinen nach aufsen zu legen, die Radkurbeln zur Erzielung fchmächtigerer Lagergehäufe aufsen aufzuftecken. Stellbare Keile werden vielfeitig- trotz problematifchen Nutzens- angewendet, doch macht man das Rad mehr und mehr an die übergreifende Metallflanfche des Futters, ftatt direct ans Lagerhaus anlaufend. " An beweglichen Geftellen und Achfenführungen hatte die Ausftellung wenig Neues gebracht. Intereffant ift die verfchiebbare Vorderachfe des Locomotivs ,, Vulcan", deren Befchreibung an Ort und Stelle folgen wird, und des Locomotivs ,, Nord"; nicht minder die Lagerführung an Haswell's Locomotiven Stainz" und Conforten, wobei die correfpondirenden Lager derfelben Achfe durch Querbleche feft verbunden, in der Mitte zwifchen den Rädern ein gemeinfchaftliches Spiel, alfo eine Art Drehpunkt in fenkrechter Ebene erhielten, fo dafs fich Spiel und Belaftung bei der Fahrt ausgleichen und eine vollkommenere Benützung und Conftantbleiben der Adhäfion bewirken, da nach Anficht des Conftructeurs bei der bisher allgemein üblichen Art jedes Rad bald theils ent-, theils überlaftet wird, während es den Unebenheiten der Bahn folgt. Es ift gewifs, dafs diefs Syftem nicht nur von hohem Werthe in diefer Richtung, fondern mehr noch für den ficheren Gang fchnellfahrender Locomotiven wäre. Das Locomotiv ,, Stainz" hat mit dem beziehungsweife mäfsigen Adhäfionsgewichte von 32'2 Tons die Laft von 400 Tons über die Steigung von 1: 110 bei Nebelwetter ohne Räderfchleifen gezogen. Die horizontale Lage der Cylinder war die überwiegend herrfchende und nur an einigen kleineren Locomotiven verlaffen. Unter den Dampfkolben ift die fchwedifche Form, mit Ringen von weichem, zähem, dichtem Gufseifen die beliebtefte geworden, da fie die Cylinder fchont, und felbft bei langen Thalfahrten ohne Verwendung irgend welcher Spannfedern genügt, unterſtützt durch zweckmäfsige Schmierapparate, namentlich von Kéfsler, Anfchütz, Schauwecker und Gebauer, die fämmtlich auf der Ausftellung vertreten waren. Die doppelte Kolbenführung ift nicht allgemein acceptirt. Als Stopfbüchfen- Packung fungiren meift Compofitionen von Asbeft und Federweifs und anderen felbftfchmierenden Stoffen, auch eine Stopfbüchfe mit Waffer: ichmierung war vorhanden. Die Zeichnung der Köpfe für Treib- und Kuppelftangen war in der Ausftellung mannigfach; obwohl Bügel wenig vorkamen, waren doch viele offene Stangenenden verfchiedener Art angewandt, die das Herabnehmen erleichtern. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 7 Das Ausgiefsen der Lagerfutter und Schieberfohlen mit Weifsmetall ift viel beliebt. An den Tendern, deren fich Viele noch felbft für grofse Mafchinen in vierrädriger Form bedienen und dadurch eine ftarke Belaftung und den Entgang eines Drittels der bremsbaren Räder herbeiführen, macht man Schwimmer oder Wafferftände, in Deutfchland und bei uns läfst man den Wafferkaften verfchmälert zwifchen die Rahmen herabgehen, und macht hie und da zur Erfparung der Nietung und Eckwinkel rund abgebogene Kanten. Puffer zwifchen Mafchine und Tender werden, wie die Ausftellung zeigte, wenig verwendet, hier und da ftatt der fteifen die Schraubenkuppel. Zur Ausrüftung verwendet man häufig fchon die hydraulifchen Winden. An Schneepflügen brachte die Ausftellung, mit Ausnahme des Modells von einem Schnee- Dampfbagger mit unmöglicher Wirkung, nur bekannte Formen. Ein Dynamometer war von Holzt exponirt, bekannt von 1867 her; der felbe beruht auf dem Spiel einer ftarken, in den Tender- Zughaben und in ein mit der Kuppel verbundenes Hebelwerk mit Ueberfetzung von 1:50 eingefchalteten SpiralDrahtfeder. Ein Zeiger am Ende des einen Hebels bewegt fich demzufolge auf einer kurzen Scala. In Verbindung damit ift ein Uhrwerk, welches den über zwei Walzen gehenden Papierftreif zur graphifchen Regiftrirung des Zeigerfpiels gleichmässig abrollt, während der Stift in breiten, gefchlängelten Linien die Variationen der Zugkraft durch die ungleichen Kolbendrücke, die Aenderung der Laft, durch Neigung und Unebenheiten der Bahn bedingt, zeichnet. Das Papier enthält Längenlinien für die Kraft, Querlinien für die Zeit in gleichen Abftänden. Betrachtet man die Nullkraft- Linie als Achfe eines Coordinatenfyftems, fo ergibt fich die kleinfte Ordinate auf Gefällen, beim Halten des Zuges mit Null. Um auch die Zeit des vollſtändigen Haltens des Zuges zu verzeichnen, ift noch ein Hebelwerk mit dem ausfchlagenden Zeigerarme in Verbindung, getrieben durch Excentrique auf der letzten Tenderachfe. Es kann der Apparat fonach regiſtriren die Zeit der Zugsabfahrt, die Gefchwindigkeit, Leiftung, Ankunft und Aufenthalte; mit Hilfe des letztgenannten Tenderexcentriques( bei Leer- und Rückfahrt gibt es keine Kraftverzeichnung) immer noch die Abfahrt, Ankunft, Aufenthalte jeder Mafchinenbewegung. Fabriks- und Werkstätten- Pläne waren fpärlich vertreten, zahlreicher in Aufriffen und Photographien. Complete Normalien brachten die reich dotirten Pavillons der öfterreichifchen Nord- und Nordweft- Bahn, befonders enthielt letzterer die vollständigfte Bau- und Betriebseinrichtung feiner Bahn. Unter den neu entftandenen Locomotivfabriken ift jene von Floridsdorf trefflich angelegt und aus gerüftet, die älteren und gröfseren bieten wegen ftufenweifen Entstehens nur mehr hiftorifches Intereffe. Die Fabricationsweifen der Locomotiven haben durch die neuen Stahlforten, Beffemer der Gegenwart, Martin vielleicht der Zukunft,( wohl fchon 1867 vorgeführt, doch feither verallgemeinert) und verfchiedene Legirungen bedeutende Fortfchritte erfahren. Das Gufseifen wurde theilweife und mit Hilfe der Haswell'fchen hydraulifchen Schmiedepreffe, das Schmiedeifen durch den Beffemerftahl verdrängt, doch haben die feinften Qualitäten des Gufsftahls vielfach auch letzterem weichen müffen. Unter Anderem wird fich vielleicht die Phosphorbronce Terrain erwerben. Die Adjuftirung ift durch präcifere und vielfeitigere Mafchinenarbeit in den letzten Jahren genauer geworden, wie auch die Intelligenz der Monteure begreiflich im Steigen begriffen ift, trotzdem deren Aufgabe durch Mafchinenhilfe mehr und mehr erleichtert wird. Auch die Verhältniffe im Grofsen, die Formen der Details im Kleinen verriethen, wie namentlich die deutfchen, öfterreichifchen und belgifchen Ausftellungs 8 Emil Tilp. objecte zeigten, eine hohe Stufe des Conftructionswefens, fo dafs gänzlich oder nur in bedeutenden Theilen verfehlte Compofitionen, unconftructive Formen faft ganz fehlten. Namentlich waren die Räder und die kleineren Theile der Mechanismen faft durchwegs von erfreulicher Formenfchönheit und richtigen Conftructionslinien, näherten fich alfo mehr dem Ideale, als bisher erreichbar fchien, fo dafs die Ausstellung hierin gewifs jedem Vorurtheilslofen als höchft inftructiv gelten konnte. Auch an die Perfonenwagen werden fteigende Forderungen in Bezug auf Gefundheit, Bequemlichkeit, ja felbft auf einen gewiffen Luxus geftellt, deren Erfüllung wegen enger gefteckten Grenzen fogar ziemlich fchwierig ift. Während fich der Einfluss der Bahngeleife bei der Conftruction der Motoren nur auf einzelne, wenn auch Hauptverhältniffe erftreckt, ift man bei den Waggons in viel weitgehender Art von ihm abhängig und ift es noch mehr geworden durch die allgemeine Annahme des vierrädrigen und Coupéfyftems für den Perfonentransport. Das Bahngeleife beftimmt die Breite, das Coupéfyftem fixirt die Länge des Kaftens, welcher in kleine Räume von 6 bis 8 Cubikmetern getheilt, äufserft fchwer zu heizen, zu ventiliren und wohnlich einzurichten ift, da es fich nebftdem auch darum handelt, bei dem ohne diefs ungünftig überwiegenden, todten Gewichte möglichft viele Sitzplätze zu erzielen. In Europa hatte man wohl fchon feit Beginn der Eifenbahn- Aera bequem und luxuriös eingerichtete Specialwagen für Perfonen hohen Standes, und in Deutſchland und Oefterreich bot man fchon feit Langem den Reifenden bequemere und elegantere Wagen, als diefs in England und Frankreich der Fall war und theilweife noch ift, doch hat die Pacificbahn mit ihrer 6 bis 7- tägigen Fahrt den Impuls zur Demokratifirung von Einrichtungen gegeben, die den Waggon nach Bedarf zum Salon, Schlaf- und Wohnzimmer umfchufen; wohl erleichterte das amerikaniſche Syftem mit feinen langen und breiten Kaften diefs wefentlich. Wie nun unfere Ausftellung eine Reihe von theilweife mit wahrhaft künft lerifchem Gefchmack ausgeftatteten Special- oder Hof-( Salon-) Wagen vorführte, fo brachte fie auch eine ganze Collection eigens zum Schlafen eingerichteter Wagen und zum erften Male fahen wir Vorrichtungen zum Heizen und Ventiliren in allen bisherigen Methoden complet ausgeftellt- beftimmt für den allgemeinen Verkehr, die Schlafeinrichtungen für die oberften, die Heizung für alle Claffen. Wir finden nebft dem Poftwagen, vierrädrig, und als zwei gekuppelte vierrädrige Wagen mit bequemem Uebergange, conftruirt von Kamper, und eingerichtet in zweckmäfsigfter, bis ins kleinfte Detail durchdachter Weife für den ambulanten Brief-, Gepäcks- und Frachtendienft der Poftanftalt, für Eil- und Perfonenzüge, mit Bureaux, Magazin, mit Meifsner'fcher Heizung, Ventilation, mit Abort, Toilette, kurz als completes ambulantes Poftbureau für Tag- und Nachtdienft; endlich ift die Wiener Ausftellung die erfte, welche in mehrlei Syftemen zeigte, wie der Transport der Verwundeten feit den letzten amerikanifchen und deutfchen Kriegen in rationellfter, der Humanität des modernen Jahrhunderts würdiger Weife Methode und praktiſche Ausführung erhielt. Zwei complete Lazarethtrains find für Techniker und Aerzte gleich inftructiv. Die Einrichtungen zum Schlafen beruhen in den Wagen für den allgemeinen Verkehr durchwegs auf Vorrichtungen, nach welchen die Sitze in mehr oder weniger vollſtändig ausgerüftete und abgefchloffene Lagerftätten oder Betten, deren Befchreibung folgen wird, umgeftaltet werden können. Die Heizung, theilweife mit Ventilationseinrichtung verbunden, war in eilf Syftemen ausgeftellt, und zwar Heizung mit präparirter Kohle, mit Weingeift, mit Wafferdampf aus feparatem Keffel, mit Oefen in und unter dem Wagenkaften, mit Briquettes, in verfenkbaren Oefen zu verbrennen, ferner die bekannte Meifsner'fche Luftheizung( in den ärarifchen Poftwagen im Gebrauche, an Eifenbahn- Wagen in Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 9 Oefterreich fchon 1850 erprobt), dann noch zwei faft congruente Syfteme der directen Erwärmung der Luft, dann mittelft eines Röhrenfyftems und Circulation von erhitztem Waffer und endlich mittelft der Rauchkaften- Gafe aus der Zugsmafchine. Mit praktiſchem Erfolge ausgeführt, mit Ventilation verbunden, neu und zweckmäfsig ift die Luftheizung von Thamm und Rothmüller. Sie erzielt eine conftante innere Temperatur, unabhängig von der äufseren, von+ 10° R.,* und fteten Luftwechfel. Unterhalb des Wagengeftelles ift ein abgefchloffener Raum gebildet, der einen horizontalen, zu den Achfen parallelen Heizapparat in der Mitte trägt, beftehend aus einem mittelft Thüre abgefchloffenen Blechcylinder. Diefer nimmt einen Korb aus Eifenftäben auf, beftimmt für die Füllung mit Coaks. Die Luft tritt zunächft in einen Afchenkaften, angenietet an den unteren Theil des Blechcylinders und von da zum Coaks. Die Eintrittsöffnungen können ganz oder theilweife gefchloffen werden. Die Gafe finden Abzug durch ein Kupferrohr am Boden des Cylinders, das Rohr hat am Ende einen Saugapparat zum Anfachen. Der Blechcylinder ift von einem doppelten Blechmantel concentrifch umgeben, von dem zwei Rohre abzweigen, welche rechts und links an den Böden der Coupés münden und dafelbft die warme Luft abgeben. Neben diefen Ausmündungen befinden fich Oeffnungen im Fufsboden, durch welche die kalte Luft aus dem Wagen zum Apparat ftrömt, von wo fie erwärmt wieder durch jenes Rohr rückkehrt. Die frifche Luft gelangt durch Luftfauger an beiden Seiten des Wagens zu einer Schutzwand, an welcher fie fich erwärmt, und die, unmittelbar oberhalb des Apparats angebracht, die Erhitzung der umgebenden Holztheile verhindern foll. Auf dem Dache find Ventilatoren zur Regulirung der Wärme und Abfuhr der ausgeathmeten Luft angebracht. Die Betriebskoften follen fich einfchliefslich Erhaltung und 10 Percent Amortifation auf 29 Kreuzer per Zugsmeile( bei der öfterreichifchen Nordbahn) ftellen, die Brenndauer einer Füllung( 10 Kilo) ift 12 Stunden, die Auswechslung des ausgebrannten Korbes gegen den gefüllten leicht zu bewerkstelligen. Ift auch diefes Heizungsprincip früher fchon( ich glaube in Amerika) verfucht worden, fo war deffen originelle und durchdachte Ausführung in Wien als neu und von eminent praktiſchem Werthe anzufehen. Die Kienaft'fche, auf gleicher Bafis beruhende Heizungsmethode kann nicht auf gleiche Höhe mit der vorigen geftellt werden. Die Heizung mittelft Niederdruck- Warmwaffer- Circulation von Weibel, Briquet& Comp. in Genf ift ebenfalls neu und vereinigt mit den vorherbefchriebenen den Vortheil der Unabhängigkeit des Wagens im Zuge, welcher der Haag'fchen( Augsburger) Dampfheizung in fo hohem Grade abgeht. Sie befteht aus einem kleinen, am Ende des Wagens unter dem Fufsboden angebrachten Coaks- Füllofen mit Waffermantel und Rauchrohr, fowie einem Rofte auf dem Boden, der wohl mit einem Afchenkaften verfchloffen werden follte. Vom Waffermantel aus zweigen fich Rohre ab, die in horizontalen und verticalen Ausläufern jedes Coupé berühren. Neigung( Fall) gegen den Ofen hat nur das unterfte Rohr unterhalb des Fufsbodens. Der Ofen ift durch einen, aufserhalb der Stirnwand mündenden, mit Thüre verfchliefsbaren Hals leicht zu füllen. Der Bedarf für 24 Stunden foll 20 Kilo Coaks betragen, Fülltrichter und Ofen faffen zufammen 10 5 Kilo. Der Querfchnitt der Rohre, mit Ausnahme der unter den Sitzbänken laufenden viel weiteren Querrohre, ift circa 30 Millimeter. Das heifse Waffer fteigt * Es werde hier bemerkt, dafs man bei aller Beftimmtheit der Forderung der Waggonheizung überhaupt, felbft ärztlicherfeits die Anfprüche noch nicht formulirt hat, indem ein Theil die Wagentemperatur im Innern conftant, der andere aber verlangt, dafs das geheizte Coupé ftets eine Plusdifferenz von 10° R. gegen aufsen habe. Ift eine voll kommene rationelle Heizung an und für fich eine der fchwierigften technifchen Aufgaben, fo wird fie es noch mehr durch die fo grofse Verfchiedenheit der Wünſche. 10 Emil Tilp. naturgemäfs in die fenkrechten Rohrzweige, während das kältere zum Ofen hin gedrückt wird. Um den Druck des Waffers zu reguliren und deffen Erhöhung zu verhüten, mufs der höchfte Circulationspunkt mit der Atmoſphäre in directer Verbindung ftehen. Diefs gefchieht durch ein Expanfionsgefäfs, welches, nach oben geöffnet, die Luftblafen entläfst. Die fpecielle Einrichtung diefes Gefäfses, die Vorrichtungen zur Vermeidung des Ueberfliefsens bei heftigem Anftofse des Wagens, kurz alle Details diefer Heizung find in wahrhaft ingeniöfer Weife durchdacht und conftruirt. Die Proben follen dargethan haben, dafs die Ausftrahlung an der Oberfläche der Rohre hinreicht, das Innere der Coupés bis zu einer conftanten Plusdifferenz gegen aufsen von 15° C. zu erwärmen. Die Regulirung gefchieht mittelft einer ftellbaren Schlüffelklappe im Rauchrohre, die indefs nur von aufsen gehandhabt werden kann. Die Rohre werden nicht mit reinem Waffer, fondern mit einer Mifchung von 40 Percent Glycerin und 60 Percent Waffer gefüllt, welche erft bei-17.5° C. gefriert, aber bei Undichtheiten durch die kleinften Fugen dringt. Die neuefte Methode der Waggonheizung ift die von Pereira- Michaelis, öfterreichiſch- amerikanifchen Urfprungs, inWien dargestellt in Zeichnungen, verfucht auf einer öfterreichifchen Bahn. Sie beruht auf der Benützung der heifsen Gafe im Rauchkaften der Zugsmafchine, welche eine Höhe von 600° R. und mehr erreichen ( beim Verfuche ift das Pyrometer bei 800 ftehen geblieben, indem deffen Ende abfchmolz). Diefelben werden ohne Beeinträchtigung der Dampferzeugung mittelft eines durch die Achfe des Gepäckswagens getriebenen Flügelrades durch continuirliche Rohrleitung bis ans Ende des Zuges getrieben. Für die Zeit des Zugsftillftandes und bei der Thalfahrt kann in das Rohr directer Dampf gelaffen werden. Die Kuppelung der Rohrleitung zwifchen den Wagen gefchieht automatifch durch grofse Puffer, deren die Wagen einen an jeder Stirnfeiten- Mitte tragen; diefe Puffer haben einen hohlen, mit Federn ausgerüfteten, feuerfeften und wafferdichten Stoffcylinder, der fich jeder Bewegung des Wagens und der wechfelnden Pufferhöhe accomodirt, fehr breite Filzflanfchen, die fich dicht aneinanderpreffen. So ift jeder Wagen mit feinem Rohre unterhalb des Traggerippes, mündend in die erwähnten hohlen Puffer, für fich. Das Rohr trägt Luftfänge mit Ventilklappen, die fich nach der Zugsrichtung öffnen, um frifche Luft in den Wagen zu bringen oder leicht abgenommen und ganz gefchloffen werden können. Beim Verfuche beftand nämlich die Leitung aus einem centralen Rohre mit Umhüllung, erſtere für die Gafe, letztere, endend vor beiden Puffern, zur Aufnahme der frifchen, zu erwärmenden Luft, die durch fenkrechte Zweige direct ins Innere ftrömt. Es kann die Wärme aber auch durch Ausftrahlung der Oberfläche der einfachen Rohrleitung benützt werden. In Verbindung hiermit fteht ein Intercommunications- Alarmfignal( handbar aus dem Coupé- Innern und durch den Schaffner) ein im Gepäckswagen befindliches Glockenwerk( dort ift auch die elektriſche Batterie) bewegend. Zur Fortleitung dienen kleine in die Oberfläche der Pufferflanchen eingefchaltete federnde Metallfcheiben, endend in Drähte, deren zweite Verbindung die Zugvorrichtung abgibt. Diefes Syftem, obwohl noch im Stadium des Verfuches, ift jedenfalls beachtenswerth. Die erzielte Differenz der Temperaturen betrug bis 9° R. Die Heizung mittelft Weingeift dürfte ihrer Koftfpieligkeit halber allein wohl fchwerlich allgemein werden. Die übrigen Heizmethoden find theilweife fchon im Jahr 1867 nach ihrer Befchaffenheit vielfeitig gewürdigt und bekannt. Mit Ausnahme eines belgifchen Salonwagens und der für Rufsland beftimmten fechsrädrigen, waren alle Perfonenwagen vierrädrig, doch war in das Coupéfyftem verfchiedentlich Brefche gefchoffen, dasfelbe mit Intercommunications- Gängen und Endtreppen theils verbunden, theils hierdurch verdrängt, auch war ein Wagen mit gedeckter Imperiale oder Stockwerk, für kurze Fahrten, erfchienen. Für Tramways hatten Amerika und Oefterreich ganz zweckmäfsige und ſchöne Mufter Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 11 gebracht, die von Amerika fehr bequem und elegant, mit Endplateaux, Oberlichte, Längsfitzen, jene von Oefterreich mit Innen- und End- Galleriefitzen parallel zu den Achfen, einfach, folid und praktifch. Ein Dienftwagen für Bahninfpicirungen vervollſtändigte die Specialzwecke. Ein italienifches Modell verfinnlichte ein fahrbares Wohnhaus. Der deutfche Lazarethzug war für den Techniker infoferne anregend, als deffen Wagen aus gewöhnlichen Güterwaggons durch Verfchwächung der Tragfedern, einfach hergeftellte Stirnthüren und Uebergänge, fowie gleicherweife durch Umgeftaltung der inneren Einrichtung für Krankenlager, Apotheke, Küche, Manipulationsraum u. f. f. in kurzer Zeit zweck dienlich adaptirt werden können. Die Beleuchtung war durch das Ausbleiben des Silber'fchen Lichts, der neueften Reform, wenig variirend. Mit Gasbeleuchtung war ein fchlefifcher Perfonenwagen( die Refervoire unterhalb des Traggerippes), ferner der Wagen im Mont Cenis- Tunnel eingerichtet, bei welchem der Gepäckswagen die Gaskammer enthält. Mit Ausnahme des fchweizerifchen Salonwagens ift die Beleuchtung wohl durchgehends vom Dache aus zu handhaben und für Oel eingerichtet. Die Wagenfenfter mit federnden Rahmengehäufen haben trotz allgemeiner Anwendung viele Gegner wegen etwas unbequemeren Herablaffens und leichterer Befchädigung. In Folge aller vorbefchriebenen Einrichtungen ift das todte Gewicht begreiflicherweife geftiegen, die Zahl der Sitzplätze vermindert, doch gilt diefs nur für die I. Wagenclaffe, und ift alfo nur bei Eilzügen von Bedeutung, auch die doppelte Federung und Anwendung der Schalldämpfer( Reiffert und Becker) geben zur Gewichtsvermehrung ihren ſtarken Antheil. Bei den Güterwagen ift diefer Factor von ganz wefentlichem Belange, doch ift das Verhältnifs hier wenigftens nicht verfchlechtert worden und überfteigt die Ziffer von 50 Percent der todten zur Traglaft nur wenig, felbft bei den ganz aus Eifen conftruirten Wagen, deren, wie auf der Parifer Ausftellung, Schlefien und Belgien mehrere Exemplare, eiferne Kohlenwagen, exponirt haben. Auch in Paris fchon war das Ueberhandnehmen der Façon- und Winkeleifen in Verdrängung des Holzes befonders an den Traggerippen vorherrschend. Bei den hölzernen Kaften macht man wie immer die Verfchalung doppelt oder einfach, fchräg, wagrecht oder fenkrecht, die Dachbogen von geleimten Lamellen oder T- Eifen, man fetzt den Kaften auf Querfchwellen, die über das Traggerippe vertheilt find( meift in Deutſchland) oder unmittelbar auf das Untergeftelle( Oefterreich). Zur Erzielung einer gewiffen Univerfalität und Ermöglichung des Transportes verfchiedenartiger lebender und todter Güter, fowie auch des Militärs, gibt man den Käften fchliefsbare, vergitterte Fenfter, Thüren an der Stirnfeite, Ringe im Innern und andere kleine Vorrichtungen. An dem Bedürfniffe diefer Vielfeitigkeit fcheiterten auch bisher die Conftructionen der Viehwagen, da der Viehtransport ohnediefs nicht lucrativ ift und noch ungünftiger wird, wenn die Waggons bei der auf dem Continente oft langen Rückfahrt nicht anderweitig beladen werden können. Der Durchgangs- Verkehr erfordert gebieterifch die Einheit aller Wagenbeftandtheile, die regelmäfsiger Abnützung unterliegen, dabei die Lauffähigkeit bedingen, und es ift eine bedeutende volkswirthschaftliche Calamität, alle Induftrieländer des Continents, mit Ausnahme Rufslands, gleich treffend, dafs eine enorme Summe von Tagen, Wochen, ja Monaten verftreicht, während welcher reparaturfähig gewordene Wagen, für welche die Erfatztheile aus der Heimatbahn requirirt werden müffen, unbenützt ftehen. Der deutfche Eifenbahn- Verein ift diefsbezüglich ein Inftitut von allgemeiner und höchft heilfamer Bedeutung, er hat bisher wenigftens einheitliche Puffer- und Zugfyfteme, ferner Normalprofile und Hauptmafse der Transportmittel durchgefetzt. Hoffen wir, dafs fich feine 12 Emil Tilp. Wirkfamkeit zu einer internationalen geftalten und auf Achfen, Räder, Lager und Federn erftrecken werde, deren zahllofe Verfchiedenheiten vor dem Forum technifcher Conftructionsregeln keineswegs ftichhältig gerechtfertigt werden können. Schon ftofsen die wichtigen Fragen auch der Waggonheizung, des Intercommunications- Signales, der continuirlichen Bremfen auf grofse Hinderniffe beim Durchgangs- Verkehr,- die Emancipation von den föderaliftifchen und feparatiftifchen Beftrebungen der einzelnen Anftalten wird und mufs die Zukunft gewifs erreichen. Das vierrädrige Syftem ift nun heute fchon für Laftwagen das herrfchende, und zwar mit fteifen Achfen und genügendem Spiele der Lagergehäufe nach beiden, der Futter nach der auf den Schienenftrang fenkrechten Richtung. Wohl brachte die Ausftellung auch Abweichungen, die aber fchon 1867 da waren, und Specialwagen für grofse Laften, Spiegel u. A. die gleichfalls fchon bekannt find. Das Syftem des Dr. Martin zum leichten Durchfahren der fchärfften Krümmungen, beruhend auf Verdopplung der Räder und Achfen, wovon die vier neuen Räder auf getheilten, nach dem kleinften Curvenradius fchief geftellten Achfen ftecken, und in der Krümmung, die gewöhnlichen Räderpaare in den Geraden auflaufen, behufs weffen die Schienenftränge nicht continuirlich, fondern beim Einlauf und Ausgang der Curven mit verfchiedener Spurweite und Höhe angeordnet find diefs Syftem hat wenigftens auf Hauptbahnen keine Zukunft, denn das leichtere Durchfahren der Krümmung wird paralifirt durch die koftfpielige Verdopplung der Räderpaare und dadurch, dafs die Zugsmafchine in Curven nur mit der halben Adhäfion einfeitig und mit Entgleifungsgefahr arbeitet. - Die Wagenachfen find mehr als früher von Gufs- und Beffemerftahl, mit Beibehaltung der früheren Stärken, die Räder meift ganz aus Schmiedeifen in rationeller Weife, ohne Gufsnaben, häufig mit geraden ungenieteten Speichen, in fchöner Form und bei gröfserer Leichtigkeit mit Vermehrung der Feftigkeit hergeftellt. Eine überaus reiche Collection aus faft allen Hüttenwerken und Fabriken Europas bot die mannigfachften Formen: englifche, mit Gufseifen- Scheiben und Gufsftahl- Tyre, deutfche mit Gufsftahl- Scheiben und Tyre aus einem Stück und angefchraubt; andere mittelft Ambel- Verfahrens erzeugte und mit Blechfcheiben und Holzkeilen( Syftem Heufinger v. Waldegg); doch fehlten die Räder mit Scheiben aus mittelft hydraulifchen Druckes geprefstem Papiere. Solche mit Holzfcheiben brachte der öfterreichiſche Hofwagen der Südbahn. Schalengufs- Räder waren erfchienen aus Oefterreich, Schweden und Amerika. Maffenfabrication findet indefs nur wie bisher in der bekannten Ganz'fchen Fabrik in Ofen ftatt, deren Räder noch immer den Continent beherrfchen. Bergmann in Graz exponirte ein Rad mit in Gufsnaben und SchalengufsReif eingegoffenen fchmiedeifernen Speichen( Ludwig's Patent). Die Tyres find ohne Schweifs, aus Beffemerftahl, faft allgemein gebräuchlich, nachdem der koftbare Gufsftahl durch das Bremfen zu fehr leidet, die Befeftigung verfchieden, doch wenig mehr mit conifchen Durchfchrauben oder Nieten. - An Bremsfyftemen, namentlich continuirlichen oder automatifchen, waren einzelne der fchon von Paris her bekannten, im Allgemeinen aber keine neuen erfchienen; die Klötze werden mehr und mehr von Gufs- oder Schmiedeifen, Stahl oder Stahlgufs anftatt des Holzes gemacht und mit vielem Recht. Der Streit über die doppelt- und einfachfaffenden Schuhe ift noch nicht entfchieden. Die„ runde Bremfe" von Schubersky, zum Anhalten der Eifenbahnzüge in 10 Minuten", verwendet Excenterfcheiben an Stelle der Klötze, welche durch den Druck comprimirter Luft von den Rädern abftehend gehalten werden. Der Gepäckswagen enthält Windkeffel und Hand- Luftpumpe, von wo aus die Schlauchverbindung über den ganzen Zug geht. Ein Lufthahn kann an jedem einzelnen oder im Gepäckswagen geöffnet werden, der Luftdruck vermindert fich, ein Gegengewicht wird wirkfam, die Hebelverbindung, auf deren Welle an jedem Wagen ein Kolben des Luftraumes drückt, läfst die Scheiben an den Rädern durch Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 13 Friction bremfen. Ob die Schlauchkuppelung zwifchen den Wagen, die Differenzen der Pufferhöhe, der Raddurchmeffer trotz des zwifchen den Excentriquesftangen eingefchalteten Kautfchuks die ganze Wirkfamkeit anders geftalten, als an den vorgeführten Modellen, dürfte die Praxis lehren. Andere ausgeftellte Bremsfyfteme dürften nicht ernsthaft zu nehmen fein. Die Handhabung der Bremfen gefchieht vorwiegend vom Dache, weniger von raumverfchwendenden Plateaux aus. Neue Arten von Achfenlagern waren vielfach vorgeführt; doch, nachdem die Einfachheit hier vorwiegend von Wichtigkeit, die Anwendung von Schmierpolftern, Schwimmern und Ventilen fubtile Behandlung vorausfetzen und das Percent der heifslaufenden Wagen nur zu erhöhen geeignet find, kann man keinen Fortfchritt conftatiren, umfomehr, als der wunde Punkt aller Lagergehäufe: der Abfchlufs gegen das Rad zu, noch nicht radical verbeffert ift. Die Verwendung der Mineralöle, überhaupt und noch vor dem Auftauchen in Amerika durch Becker in Oefterreich eingeführt, gewinnt an Boden. Die Starrfchmiere findet noch Anhänger, obwohl fie im Winter die Zugförderung beeinträchtigt, doch ift fie billiger, die Lager find leichter zu beauffichtigen, weniger fubtil zu behandeln und der Verluft nach hinten ift geringer. Für die Compofition der Futter ift das Rothmetall noch vorherrfchend, doch verwendet man hie und da billigere Legirungen, wie z. B. im Nordbahn- Pavillon erfichtlich war. Je nachdem man die Langträger aus U- oder Doppel T- Eifen wählt, find die Mitnehmer an der unteren Flanfche vernietet, oder an der Hochrippe verfchraubt. An Laftwagen werden die Federftützen gerne direct an die Mitnehmer gefchweifst, d. h. mit felben aus einem Stücke erzeugt. Tragfedern von Gufs- und Cementftahl waren zahlreich exponirt. Bekannt find die Draht- Spiralfedern, mit geprefster Wolle von Thomfon und andere ähnliche mit Kautfchuk gefüllt. Eine neue Gattung find die aus gewellten runden, durchlochten Stahlplatten, ähnlich den Manometereinlagen, beftehenden Federn von Egan. Für Puffer- und Zugvorrichtungen find Volutfedern und Kautfchuk vorherrfchend. Neue Syfteme von derlei Vorrichtungen, von Ofimitfch und aus Deutfchland, mit gemeinfchaftlichen Pufferftangen, werden weder die durchgehende Zugvorrichtung, noch die übliche getrennte Federung der Puffer verdrängen. Die Einführung der Schraubenkuppeln, auch für Laftwagen, ift acceptirt. Mit Bezugnahme auf die Preisausfchreibung des Vereines deutfcher EifenbahnVerwaltungen, zur Handhabung des Kuppelns ohne Eintritt zwifchen die Puffer, war in der ruffifchen Abtheilung das Modell einer Vorrichtung, jedoch in primitiver Weife gedacht, ausgeftellt die nächfte Ausftellung wird gewifs die praktiſche Erfüllung diefes Strebens zur Erreichung des humanen Zweckes bethätigen. Zur Verftändigung zwifchen Schaffner und Mafchinenführer ift hie und da die einfache Zugleine in Verwendung, als Intercommunications- Signal hatten Frankreich, Deutſchland( ein elektriſches), Oefterreich( ein mechanifches ohne praktifche Bedeutung) exponirt, abgefehen von dem bei der Heizung mit den RauchkaftenGafen befchriebenen. In neuefter Zeit ift das Lager mit rollender Reibung, urfprünglich eine Idee des unfterblichen Reffel, in etwas veränderter Form wieder aufgetaucht. Die Ausftellung brachte eine Draifine mit folchen Lagern, die fich bei den neuen Verfuchen wohl an Transmiffionen, Schiebebühnen, nicht aber an Eifenbahn- Wagen bewährten, überdiefs eine aufsergewöhnliche Sorgfalt in der Adjuftirung bedingen. Auch hier find die Fabrications- und Conftructionsweifen jene von 1867 geblieben. BETRIEBSMATERIAL. Locomotiven. Die Ausstellung von Locomotiven umfafste deren 47. Hievon hatten Deutſchland 18, Oefterreich 15, Belgien 6, Frankreich 3, England und Rufsland je 2, Italien I gebracht. Die Mafchine im Mont- Cenis- Tunnel ift als deutfches. die 14 Emil Tilp. Laftmafchine für Italien in der belgifchen Abtheilung als Erzeugung Belgiens betrachtet; unter den öfterreichifchen Locomotiven befinden fich die in Ungarn, natürlich überwiegend deutfcher Thätigkeit entfproffenen, inbegriffen. Anderfeits theilt fich die genannte Zahl in 13 Perfonen- und Eil, ferner in 24 Laft, Gebirgs und Rangirmafchinen, endlich in 10 Locomotiven für fecundäre Zwecke. Am Schluffe des Berichtes folgen drei Tabellen mit den Hauptmafsen der intereffanteften Locomotiven. Betreffs der Perfonenlocomotiven hat Belgien an ungewöhnlichen Conftructionen und intereffanten Ideen den Vorrang An der Spitze fteht das Locomotiv der Mafchinenwerkftätte von Carels in Gent, für fchwerbeladene Perfonenzüge, wie es der Conftructeur nennt, obwohl es für folchen Zweck nicht fo hoher Räder bedurft hätte, denn mit einen 38 Tons fchweren Sechskuppler wird ja doch nicht eine Gefchwindigkeit von 40 bis 50 Kilometer beabfichtigt, bei welcher folche Räder noch immer nicht die zuläffige Maximal- Kolbenhubzahl und Leiftung erreicht haben. Die Hauptfache und das Neue im Mechanismus beſteht in der Uebertragung des Kolbenhubs auf das Triebrad mittelft Balancier, der feinen Fixpunkt im Rahmen hat, und wodurch die in Bewegung befindlichen Maffen equilibrirt fein follen. Ob diefs zur Gänze gefchieht, da die Hauptkräfte in fo verfchiedenen und entfernten Ebenen wirken, während diefer Ausgleich beim Duplex von 1862, freilich mittelft vier Cylindern, trefflich erzielt war, dürfte vielleicht angezweifelt werden können, jedoch foll der ruhige Gang der Mafchine fehr dafür gefprochen haben. Die Cylinder, deren Mittel 1100 Meter über den Radcentren liegen, find ganz fymmetriſch und identifch zwifchen den Hinterachfen beiderfeits des Feuerkaftens fituirt. Die dadurch bedingte Anhäufung fo zahlreicher Theile, der Balanciers mit den Hebeln, der Kolbenführungen, Steuerungen und Speifeapparate verurfachen nebft der ungewöhnlich grofsen 2.740 Meter langen Feuerbüchfe eine Ueberlaftung der Hinterachfen, insbefondere der letzten, zugleich Triebachfe, wie fchon deren doppelte Tragfedern beweifen. Durch in Winkelhebeln greifende Balancierftangen zwifchen den unterhalb der Lager fitzenden Tragfedern wird die Laft auf die vier Hinterräder für fich, die Belaftung der Vorderräder unter fich eben fo gleichmässig vertheilt, wie durch ein ähnliches Syftem fenk- und wagrechter Winkelhebel und Gabelftangen, rings um die Mafchine laufend. Obwohl die Vorderachfe um 2.970 Meter hinter der Pufferfläche zurückfteht, ift ihre Belaftung ohne Zweifel viel geringer. Die Steuerung, original Heufinger v. Waldegg,„ verbeffert durch Walfchaert", wie es heifst, gefchieht, indem jede Kolbenftange auf die jenfeitige Schieberftange wirkt. Die Welle liegt oberhalb des Feuerkaftens, die Gegengewichte beiderfeitig, die Expanfion gefchieht durch einen kurzen Hebel vom Balanciercentrum aus, mittelft geeigneter Winkelüberfetzung bis zum Ständer, auf den mittelft Schraube oder Reverfirhebel eingewirkt werden kann. Die Anwendung diefer Steuerungsart, die im Allgemeinen der Stephenfonfchen in Nichts überlegen, aber weniger complicirt ift, als fie ausfieht, begründet fich hier wegen Mangel an Längenraum für Excenterftangen von felbft. Dafs fie in Belgien allgemein angewendet wird, mag in technifchem Patriotismus gelegen fein. Die Feuerbüchfe mit der riefigen Roftfläche, welche letztere faft fo grofs ift als jene der fpäter zu befchreibenden zwölfrädrigen Gebirgs- Doppelmafchine, ift mit flacher Decke und Stehfchrauben nach Belpaire, dem Schöpfer des ganzen befchriebenen Syftems. An den oberen Aufsenkanten trägt fie beiderfeits Auswafchoder Gucklöcher. Der Roft hat enge Spalten und ift hauptfächlich für Kleinkohle beftimmt( wir in Oefterreich pflegen für Kohlengries im Gegentheile weite Spalten zu geben). Trotzdem wäre eine höhere Dampffpannung als neun Atmoſphären entfchieden gerechtfertigt, umfomehr als das Gefammtgewicht des Locomotivs zugleich Adhäfionsgewicht ift; vielleicht ift diefs die Urfache des fehr weiten CylinderDurchmeffers. Die Rahmen liegen aufsen, die Kurbeln find neben den Lagern aufgefteckt. Die Achfenentfernung beider Cylinder ift mit 2'030 Meter noch Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 15 ziemlich grofs. Die Triebräder liegen hinter, die Kuppelräder vor dem Feuerkasten. Die übrigen Vortheile, welche der geiftreiche Erfinder feinem Syfteme vindicirt, als: Entfernung der Bewegungstheile vom Staube der Bahn, Ueberfichtlichkeit für den Führer, Identität der Cylinder, find ganz untergeordneter Natur. Trotzdem( und obwohl diefs Syftem ein geniales Experiment bleiben wird) war diefe Mafchine eine Zierde der Ausstellung und foll nicht abhalten, mit Neuem ftets wieder hervorzutreten. Warum diefs Equilibrirungsfyftem nicht an einer Eilmafchine, wo es doch von höherem Werthe wäre, ftatt an einem Zwitterding zwifchen Laftund Perfonenmafchine verfucht wurde, ift unklar. Die Ausführung des Ganzen entbehrte aber jener Eleganz, die uns an Ausftellungsmaschinen noch immer entgegengetreten ift. Eine andere belgifche Eilmafchine,„ gemifchtes Locomotiv für Eilgefchwindigkeit" benannt nach ihren Erbauern, der anonymen Gefellſchaft von Marcinelle und Couillet, war ein gekuppelter Crampton, die Triebachfe hinter; Kuppel- und Laufachfe vor dem Feuerkaften, Cylinder zwifchen letztgenannten gelegen. Ein fehr grofser Radftand befähigt fie nicht für fcharfe Curven; fie ift auch nicht fehr Stark und foll doch mit 40 Kilometer per Stunde neun Wagen über die Steigung von I: 55 ziehen, und 21 Wagen mit 60 Kilometer über 1: 200. Bemerkenswerth ift ferner die Steuerung, wieder nach„ Walfchaert", jedoch mit zweitem Expanfionsfchieber. Sie iſt in der That complicirt, fo dafs den Bahnen, die bereits über 50 folcher Locomotiven befitzen, zu ihren intelligenten Bedienungsmannſchaften nur zu gratuliren ift. Walfchaert ift durch Guinotte vermehrt. Der untere Schieber dient zur Umfteuerung, hat ftetigen Hub, der obere variirt die Einftrömung durch veränderlichen Hub. Bei der Umfteuerung wird der Expanfionsfchieber nicht alterirt; fein Mechanismus ift nahezu eine diminutive Verdopplung jener des grofsen Schiebers. Die Wellen liegen oberhalb des Feuerkaftens und gehen durch einander, indem jene der Expanfionsfchieber hohl ift. Diefes Syftem gewährt lange Treibftangen und hätte daher eine fehr vortheilhafte Stephenfon'fche Steuerung geboten. Die Tragfedern liegen bei Trieb- und Kuppelachfe unterhalb der Lager und find durch Balanciers verbunden. Die Hinterköpfe der Treib- und Kuppelftangen find nach rückwärts offen. Der Manometer ift ein transparenter, nach Rau. Die Dampffpannung blofs 8 Atmoſphären. Die Speifung gefchieht durch zwei Friedmann'fche Injectors, wie gewöhnlich mit 7 und 9 Millimeter. Der Feuerkaften nach Belpaire. Bei 23.2 Tons Gewicht und 106.680 Total- Heizfläche mufs diefes Locomotiv unter die fchwächeren gerechnet werden und darf man die erwähnte Leiftung billig anftaunen. Der Schwerpunkt der Mafchine liegt 160 vor der Kuppelachfe. Die dritte belgifche Eilmafchine, von Tübize, zeichnete fich nicht durch Befonderheiten, wohl aber durch praktifche, einfache Anordnung und forgfame Adjuftirung aus. Die einfeitige Trägerform der Bläuel- und Kuppelftangen ift kein Fortfchritt und ebenfo unfchön als unconftructiv. Sie hat das Triebrad und Laufrad vor, das Kuppelrad unter der Belpaire'fchen Feuerbüchfe, ift alfo eine jener Conftructionen, die fich auf der Ausftellung mehrfach wiederfand. Die Frames find innen. Die Federn der gekuppelten Räder find mit Balanciers in Winkelhebeln verbunden und unterhalb der Achfen gelagert. Die Steuerung ift natürlich Walfchaert, die Reverfirung kann mittelft Schraube und Hebel gefchehen. Der vierrädrige Tender hat nur einfeitig wirkende Bremsfchuhe, die aber in einfacher Weife kräftig angedrückt werden können, indem die mit Muffen verfehenen Streck ftangen der Klötze an der einen Seite knapp vor dem Hängeifen einen kurzen Hebel tragen; die Spindel wirkt unmittelbar auf den daran befindlichen Zughebel. Das Locomotiv Rittinger aus G. Sigl's Fabrik ift eigentlich als Verfuchsmafchine zu betrachten. Die öfterreichische Südbahn befördert ihre Eilzüge mit 16 Emil Tilp. Locomotiven ähnlichen Baues, wie Rittinger's Nachbar Rafael Donner. Zur Erhöhung der Gefchwindigkeit fand man fich veranlafst, zu grófserem Radftande und höheren Rädern zu greifen. Erfterer bedingt bei der Befchaffenheit der Bahn ein bewegliches Vordergeftell, und man fuchte die Mängel des gewöhnlichen Truckgeftells mit feinem unruhigen Gange in der Geraden dadurch zu paralifiren, dafs man ihm 1320 Meter Radbafis und 950 hohe Räder gab, Beides zu wenig für diefen Zweck. Die neuefte Eilmafchine der Great Northern- Bahn erhielt ein Geftell mit 1980. Meter Bafis. Im Uebrigen dürfte der bedeutende Gefammt- Radftand einen ziemlich ruhigen Gang halbwegs herbeiführen, den die Mafchine auch bei 80 Kilometern bethätigt haben foll. Die Die Rahmen liegen bei den gekuppelten Rädern aufsen, die Kurbeln aufser den Lagern aufgefteckt, Steuerung, mit Stephenfon'fcher Couliffe, aufsen, die Schieberkaften oberhalb der Cylinder, nach rückwärts geneigt, Kolben- und Schieberftangen mit einfacher Führung, die Oelung der Dampfräume gefchieht mittelft Doppelhahn. Die Triebachfe liegt vor, die Kuppelachfe hinter der Feuerbüchfe. Wie man fieht, liegt der ganzen Anordnung die Abficht zu Grunde, eine ftarke, trotz des grofsen Radftandes bewegliche Eilmafchine zu fchaffen. Bauart erinnert an die in kleineren Mafsen in England früher durch Gooch, dann auf den badifchen und württemberg'fchen Staatsbahnen ausgeführten ,, ähnlichen Conftructionsweifen, ohne wefentliche Verbefferung im Ganzen und Grofsen, da das Drehgeftell die alten Mängel hat. Die Anwendung von Hall's Syftem hätte fie compendiöfer geftaltet. An Stärke fteht fie fowohl in der Verbrennungsfähigkeit als Adhäfion hinter dem Rafael Donner zurück, denn die mit der gleichen Ziffer angegebene Adhäfion mufs bei dem Umftande bewundert werden, als fie der Rafael Donner mit der ganzen überhängenden Feuerbüchfe auch nicht höher angibt. Die Leiftung der Mafchine hat bei 30 Kilometer Gefchwindigkeit, auf der Steigung von 1: 130, mit 68 Achfen, 200 Tons betragen, wobei die Expanfion bei 41 Percent des Kolbenlaufs begann, die Verdampfung bei o 5 Kilo Köflacher Braunkohle 175 Kilo Waffer. Die Ausführung ift ganz fo, wie fie von einer der älteften und gröfsten Locomotivfabriken zu erwarten war. Der Rafael Donner aus der Wiener Locomotivfabriks- Actiengeſellſchaft hatte einen älteren Zwillingsbruder im Nordweftbahn- Pavillon, gebaut von G. Sigl. Mit Truckgeftell von kleinen Rädern und kurzer Bafis, vier gekuppelten Rädern, fämmtlich vor dem Feuerkaften, Aufsenframes und Steuerung, die Kurbeln neben den Lagern aufgefteckt, find fie bis auf wenige Einzelheiten identifch. Das fpäter, nach dem älteren Mufter erbaute Locomotiv hat die Becker'fche Feuerbox- Decke, auf welcher Manometer, Einlafsventile für Speifeinjectoren, Sicherheitsventil, Pfeife direct auffitzen, des naffen Dampfes wegen vielleicht nicht ganz anzuempfehlen, obwohl ein Auffatz erfpart ift. Gut ift die Verbindung der Feuerkaften- Seiten mit den Rahmen, die fonft auf der Federung der eingenieteten Zwifchenbleche nach der kurzen Fafer beruht; hier fitzt zwifchen den fchief abgefchnittenen Winkeln ein nach der gröfseren Höhenrichtung federndes Zwifchenblatt oben und unten einfach auf, und bietet weniger Widerſtand. Denkt man fich ftatt des Drehgeftelles ein fteifes Laufrad, fo hat man den meift verbreiteten Typus eines Locomotives, das die vielfeitigfte Verwendung für leichte Laft-, für gemifchte und Perfonenzüge bis 60 Kilometer Gefchwindigkeit, bei grofser Leiftung und der ausgenützteften Adhäfion gewährt, auch in der Einfachheit des Baues nicht übertroffen werden kann. Die Tendermafchine Auftria nach Syftem Engerth, mit vier gekuppelten Rädern vor, fechs kleineren unter und hinter dem Feuerkaften, war die einzige Mafchine mit Kränkachfe und Innencylindern auf der Ausftellung. Diefes Syftem ift übrigens bereits genügend bekannt und entſprechend gefchätzt. Unter den deutfchen Perfonenlocomotiven zeichnete fich durch blendende Eleganz und präcifefte Adjuftirung wie immer die Fabrik Efslingen aus. Sie brachte Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 17 das Locomotiv„ Dniepr". Auch den Verhältniffen entſprechend conftruirt, für welche fie beſtimmt ift, wäre das Verlegen der hohen Räder nach vorne bei fcharfen Krümmungen etwas dem technifchen Gemüthe Unfympathifches, da diefelben trotz der geringeren Umfangsgefchwindigkeit eine bedeutend ftärkere Tendenz zum Auffteigen haben, wegen der gröfseren Sehne. Sie ift von minderer Stärke, der Roft für gute Kohlen berechnet, der Schornftein mit einem einfachen Funkenapparat. Die Steuerung( Allan) liegt innen, die Speifung gefchieht durch zwei Schauinjectors, die Rahmen liegen innerhalb der Räder was die Mafchine wohl leichter, den Gang aber etwas unfteter macht die Federn der gekuppelten Räder unterhalb der Achfen und find mittelft Balanciers verbunden. Die Feuerkaften- Decke ift mittelft Trägern verfteift. Die Laufachfe liegt rückwärts. - - Betreffs der vollendeten Eleganz und Genauigkeit der Detailadjuftirung reihte fich Borfig's 3031fte Mafchine würdig an, obwohl die grofsen Verhältniffe des Keffels und der Räder vielleicht zu den keufchen Mafsen der( unfchön ausgehöhlten) Stangen und Zapfen fich nicht ganz harmonifch ftellen. Die Rahmen aufsen, die Lager der nebft dem fteifen Laufrade vor dem Belpaire'fchen Feuerkaften gelegenen Triebräder nach Hall, der hinter demfelben befindlichen Kuppel achfe mit aufsen aufgefteckten Kurbeln, ift die Bläuelftange innerhalb der Kuppelftange aufgekeilt. Die Federn der gekuppelten Räder find mit Balanciers verbunden. Die Steuerung mit Allan'fcher Couliffe innen, die Reverfirung mittelft Schraube. Eine ähnliche Conftruction war die Eilmafchine„ Bismarck" der Han-" nover'fchen Actiengeſellſchaft, vormals Egeftorff, in glänzender Ausführung, Die Feder der unter aber mit Innenframes. der Feuerbüchfe liegenden Kuppelräder liegt querüber. Die Bruft des Hinterplateaus ift mit kleinen Puffern armirt. Höchft intereffant und durchdacht ift die Mafchine für gemifchte und fchwere Perfonenzüge ,,, Vulcan", der Stettiner Mafchinenbau- Actiengefellſchaft, mit vier gekuppelten Rädern entſprechender Gröfse, die Kuppelachfe unter dem gebrochenen, ftark abfallenden Rofte, vorne eine Laufachfe, mittelft Deichfelgeftell um 50 Millimeter radial verfchiebbar, Innenframes, Aufsenfteuerung( Allan), Schieberkaften geneigt nach hinten, oberhalb der Cylinder. Die unter den Achfen liegenden Federn der gekuppelten Räder haben Balanciers, die Laufachfe trägt eine ftarke Querfeder. Erftgenannte Balanciers find an den Enden behufs Vermeidung von Seitenfpiel geführt. Die Feuerkaften- Decken mit Stehbolzen gefteift, 2 Sicherheitsventile nach Ramsbottom, I anderes nach Meggenhofen an der Domfpitze, 2 Schau'fche Injectoren, Prüsmann'fcher Funkenfänger, die Aufsenverbrämung und alles Metall durch Neufilber erfetzt, das koftfpielig, und vielleicht weil ungewohnt, wenig gefällig. Die bewegliche Vorderachfe( conftruirt von Stambke und Biffell) trägt den fixen Deichfelzapfen in der Höhe und unweit der Triebachfe. Der Hauptrahmen ift vorn ausgefchnitten und trägt blofs die keilförmig zufammenlaufenden Verschiebflächen- Obertheile, die drehbar in Zapfen ftecken. Zur Begrenzung des Spieles find diefe Obertheile nach innen mit einer Art Haken verlängert, ferner tragen die Hauptframes zwei Bolzen, die in Segmentfchlitzen gehen, befeftigt an den Lagern. Die gewaltige Feder ruht mit den Enden mittelft drehbarer Platten auf den Lagerobertheilen, in der Mitte ftemmt fich ihr Bolzen an die ftarke Querverbindung. Der zur Verfchiebung der Achfe nöthige Druck wird auf maximal 1 Ton angegeben. Zur Vergröfserung der Adhäfion ift das Kuppelgehäufe der Plattform nächft dem Hinterrade 25 Centner fchwer gemacht worden. Die gefammte und Detailanordnung diefes Locomotivs ift fo harmoniſch und zweckdienlich, dafs für den ihm zugedachten Zweck kaum eine beffere zu finden fein dürfte. Die bedeutende Leiftung beträgt 140 Tons mit 50 Kilometer Gefchwindigkeit per Stunde auf der Steigung von I: 72, bei Curven von 300 Meter 2 18 Emil Tilp. Das Locomotiv der Mont Cenis- Tunnelbahn, erbaut von Köchlin in Mühlhaufen( Elfafs), ift von den ftärksten Verhältniffen, nach Borfig'fchem Mufter, jedoch mit Innenframen und Aufsenfteuerung. Mit eben folcher Räderanordnung, Innenframes und Innenfteuerung( Allan) war die durch Rufsland ausgeftellte Perfonenmafchine der grofsen ruffifchen Eifenbahn- Gefellfchaft, erzeugt in deren Petersburger Werkstätten. Die Tragfedern des vorderen und mittleren( Trieb-) Räderpaares find mittelft ungleicharmigem Balancier verbunden, fo dafs das gröfsere Gewicht der Laufachfe entfpricht. Auch die Federn der beiden Vorderachfen des fechsrädrigen Tenders haben Balanciers. Kuppelachfe und gemeinfchaftliche Querfeder wie bei der Egeftorff'fchen Mafchine. Am reichhaltigften war die Gattung der Locomotiven für Güterzüge und Stationsdienst normaler Hauptbahnen in der Ausftellung vertreten. Mächtige Giganten für Gebirgsbahnen bis zu Laftmafchinen zweiten Ranges, mit gröfster Leiftungsfähigkeit dürften nicht oft in fo verfchiedener Geftalt bei einander gefehen werden. Den gröfsten Colofs hatte wiederum Belgien gebracht mit feiner zwölfrädrigen„ Type Meyer", den verbefferten Nachfolger des" Avenir". Ueber die Originalität diefes Syftems und deffen Aehnlichkeit mit der Type Fairlie ift bereits gefprochen worden und ift diefes Tenderlocomotiv nur mehr bemerklich durch die geniale Detailconftruction und das Studium, dem diefe forgfältigft unterzogen worden ift. Es besteht aus einem mächtigen Keffel mit 2-896 Meter langer Feuerbüchfe und 5.500 Meter langem Cylinder, ruhend auf drei Punkten zweier beweglichen Drehgeftelle, jedes mit fechs gekuppelten Rädern, deren äufserfte die Triebräder find, zwei Dampfcylindern und äufserer Steuerung nach Walfchaert. Die Wafferkäften liegen zu beiden Seiten des Keffels, unabhängig von den Untergeftellen. Das Vordergeftell trägt einen fphärifchen Drehzapfen, durch deffen Höhlung die gemeinfchaftliche Dampfausftrömung ftattfindet; auf das rückwärtige drückt der Keffel mit zwei feitlichen Zapfen in Schlittenführungen, befeftigt an der Feuerbüchfe. Verbunden find beide Geftelle mittelft der Stradal'schen Kupplung, fo dafs bei jeder Fahrtrichtung immer eines derfelben gezogen wird, welches Kuppelfyftem auch an beiden Zughaken angewendet ift. Die Kuppelftange geht durch einen hohlen Puffer, der den Geftellrahmen gemeinfchaftlich ift. Die Räderanordnung und die der Federn ift fymmetrifch, ebenfo die zu einander ftehenden Cylinder. Die Entfernung der Stützpunkt- Mittel ift o 150 Meter vor und hinter den Mittelachfen. Für die Verfchiebung des Hintergeftells in Curven ift ein begrenztes Längenfpiel in den Gleitfupporten vorhanden. Die Dampfabnahme gefchieht aus einem Dome mittelft zweier Regulatorfchieber, deren jeder für fich oder beide zugleich bewegt werden, fo dafs jeder der Doppelmechanismen nach Belieben getrieben werden kann. Senkrechte Rohre mit Kugelgelenken reichen an die horizontalen Verbindungsrohre je zweier correfpondirender Schieberkaften. Das senkrechte Rohr verfchiebt fich innerhalb eines Gelenkkaftens in fenkrechter Richtung auf dem Stutzen des horizontalen Rohres. Die Verbindung der Ausftrömungsrohre der vier Cylinder gefchieht auch durch Gelenke. Das Locomotiv hat dreierlei Bremfen: erftens die Lechatelier'fche; dann werden die Hinterräder des rückwärtigen Geftells mittelft Schraubenbremfe geftellt, endlich wirkt eine Dampfbremfe auf das Vordergeftell derart, dafs der Kolben eines Cylinders mittelft Querbaum auf die Bremshebel wirkt; das Aus- und Einftrömen des Dampfes in den Cylinder gefchieht durch das nämliche Rohr. Um das Federfpiel beim Bremfen nicht zu beeinträchtigen, find die Hängeifen mit Kautfchuk verfehen. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 19 Die Feuerkaften- Decke( fammt Roft von Belpaire) fteigt etwas nach vorn aufwärts, der Schüttelroft, im Beginn mit Quer-, zum gröfsten Längentheile mit Langftäben, fällt nach vorn. Die Speifung gefchieht durch zwei der bekannten Friedmann'fchen Injectoren, an den Kohlenkäften angebracht. Das Reverfiren gefchieht mittelft Schraube und Hebel für die verfchiedenen Steuerungen. Die Tragfedern der äufserften vier, refp. acht Räderpaare find durch Balanciers verbunden und liegen alle Federn oberhalb der Lager. Die Rahmen der Geftelle find innerhalb der Räder und in folider Weife verfteift. Die Ausführung war durchwegs mit gröfster Sorgfalt, mit Auswahl der beften in Belgien erreichbaren Materialien bewirkt. Von Gufsftahl find Treib- und Kuppelftangen, Kolbenstangen, Schieber( deren Sohlen mit Zinngufs), Supporte der Drehftützen, Achslager- Schleifbacken und Keile, Tyres, Achfen, die Lagergehäufe von Schmiedeifen, ebenfo die Räder fammt Gegengewichten und aus einem Stücke. Sämmtliches Rothmetall ift neue Montefiore'fche Phosphorbronce. Die ſchwedifchen Kolben mit gufseifernen Ringen. Die in der Tabelle nicht enthaltenen Mafse find: Achfenftand dèr fechs Achfen, von vorne an fortlaufend: 1300 1: 360, 3.400 1360 und 1300 Meter. Total 8.720 Meter. Entfernung der Stützpunkt- Centren 6 420 Meter. Entfernung der Cylindermittel 2020 Meter. Länge der Treibftangen 2.550 Meter, ganze Länge der Mafchine 12.780 Meter, innere Entfernung der Frames I 250 Meter, Höhe der Keffelmitte über den Schienen 2: 280 Meter. Wafferinhalt des Keffels 8.600 Cubikmeter= 5.000 Kilo, Waffergehalt des Tenders 7.450 Kilo, Kohlenraum des Tenders 3.000 Kilo, Zugkraft 9.500. Warum der Erbauer für eine Gebirgsmafchine, die auf geringfte Gefchwindig. keit und gröfste Kraft angewiefen ift, den bedeutenden Raddurchmeffer von 1'220 Meter angenommen hat, ift durch das Beftreben, die Theile möglichft von den Schienen zu entfernen, nicht genügend gerechtfertigt. Ein anderer Vortheil kleinerer Räder( wir geben hier unferen Sechskupplern nur II10 bis 1190 Meter) wäre die kürzere Achfenftellung gewefen. Die Mafchine foll beim Verlaffen der Fabrik eine Steigung von 1: 20 und Curven von 80 Meter anftandslos paffirt haben. Ohne auf die Erörterung einzugehen, ob diefes Syftem wirklich das der Zukunfts- Gebirgsmafchine fein wird, mufs dem Ausfteller für die koftfpielige und mühevolle That, fowie den Conftructeuren für die geiftreiche Conception alle Ehre zuerkannt werden. An diefen Riefen fchloffen fich an Kraft und Gewicht die ausgeftellte Achtkuppler-, und zwar die von G. Sigl erbaute Semmeringmafchine, welche feit Jahren den Betrieb der Laftzüge auf dem Semmering, Brenner und den anderen Gebirgsftrecken der öfterreichifchen Südbahn vermittelt; die von Schneider in Creuzot, die von G. Sigl für die ungarifche Staatsbahn, die von Haswell für die Staats- Eifenbahn- Gefellfchaft in hundert Exemplaren gefertigte Mafchine, Kaifer Franz Jofef", endlich das Locomotiv " Tauern" aus der Chemnitzer Fabrik. Es ift intereffant, die Hauptmafse diefer mächtigen Laftmafchinen an einanderzureihen: Roftfläche Heizfläche Rohre Radftand Gewicht in Tons Semmering Creuzot Haswell 2.16 Q.M. 1.86 1.96 170 Q.M. 205 3.56 M. 51 208 270 99 ንን 3.86 54 180 207 " 3.79 m 44 Sigl( Ungarn) 2.00 180 99 223 3.60" 46 Tauern I- 75 151 99 199 3:58" 42 2* 20 Emil Tilp. Die beften Verhältniffe, befonders der directen Heiz- und der Roft- zur Totalfläche hat entfchieden G. Sigl's Semmeringmafchine, und ihre Leiftung wird auch trotz der kleineren Gefammt- Heizfläche und des um drei Tons geringeren Gewichtes, da fie zudem den kleinften Radftand hat, unübertroffen fein. Nach Angabe der Südbahn werden die Züge auf den Gebirgsftrecken nicht mehr getheilt und befördern diefe Locomotiven bei fehr ökonomifchem Brennftoff- Gebrauche die Laft von 400 Tons mit 15 Kilometer Gefchwindigkeit per Stunde auf Steigungen von 1: 40( Semmering und Brenner), jedoch mit Hilfe von Schiebemaſchinen. Bei allen diefen Locomotiven ift die dritte Achfe die Triebachfe, die Hinterachfe feitlich verfchiebbar. Die Rahmen liegen innen bei denen von Creuzot, Haswell, Chemnitz und der Semmeringmafchine. Aufsenfteuerung haben Creuzot und die Semmeringmafchine, an allen iſt die Stephenfon'fche. Die Speifung gefchieht, wie diefs in Frankreich üblich, an Creuzot's Locomotiv durch einen links angebrachten Injector und eine rechts durch Excenter von der erften Achfe aus getriebene Kolbenpumpe; das letzte Räderpaar ift mittelft Spindelbremfe an den hinteren Seiten bremsbar. Es find vier Probirhähne und zwei Wafferſtände des weiten Keffels wegen vorhanden. Die Kuppelſtangen haben beide, wovon die Hälfte überflüffig, in fenk- und wagrechter Linie drehbare Charniere. Zum Tender führen die bei uns wenig mehr gebräuchlichen Gummifchläuche. Der Raddurchmeffer ift eben auch grofs, die Augen der Schleif bogen der Steuerung trotz langer Excenterftangen unvortheilhaft zufammengerückt. Es ift intereffant, dafs diefe Bauart nach fo vielen Jahren nach dem Lande zurückkehrte und dafelbft zur Anwendung für jene fpeciellen Zwecke gelangte, wo und für welches diefelbe erfunden worden. Die öfterreichifche Semmeringmafchine trägt an den Federn der Hinterachfe einen Querbalancier; die Sandkäften find unter dem Keffel nahe der Rauchkammer zwifchen den Frames angebracht. Die ungarifche von G. Sigl erbaute Mafchine hat für die zwei Mittelachfen gemeinfchaftliche Tragfedern und Balanciers, fo das Haswell'fche Locomotiv und das Chemnitzer für die beiden letzten Achfen. Die Achfen liegen vor den Feuerbüchsen, die dritte ift Triebachfe. Die Ausführung aller diefer Achtkuppler war tadellos; mit einem ganz exquifiten, koftfpieligen, nur für die Ausftellung berechneten und, offen gefagt, überflüffigen Glanze ausgeftattet aber das Locomotiv von Creuzot. Von den fich anfchliefsenden Sechskupplern war Haswell's ,, Stainz" der bemerkenswerthefte, weil er vielfache Abweichungen von der Norm zeigt. Der Keffel ift, entgegen dem Gebrauche, fammt Feuerbüchfe über die Rahmen emporgehoben, an welchen letztere frei aufgehängt ift. Die hohe Schwerpunkts- Lage wird nicht für fchädlich gehalten- bei Laftmafchinen wohl angängig. Diefe Anwendung gefchah aus dem Grunde, um einen mächtigen, breiten, nicht durch die Rahmen begrenzten Roft zu erzielen, da der Radftand gegeben und ein ftarkes Ueberhängen zu vermeiden war. Die Führung der Achslager gefchieht in der am Anfange erwähnten centralen Weife. Die Federn der Vorder- und Mittelräder haben Balanciers. Vier Sandkäften bedecken die Vorder- und letzten Räder. Die Injectoren nach Fink's Syftem find auf der Plattform angebracht. Die Rahmen lieger innerhalb, die Steuerungen aufserhalb der Räder, das Reverfiren gefchieht mittelft Schraube, der innere Feuerkaften hat die Haswell'fche gewellte Decke. Die letzte Achfe, zugleich Triebachfe, liegt unterhalb des fchief abgefchnittenen Afchenkaftens. Die Sechskuppler( mit Tender), von G. Sigl, Maffei, Egeftorff, Cockerill, aus Caffel und aus Petersburg find durchwegs Locomotiven von trefflichen Conftructions- Verhältniffen und fehr guter Ausführung. Die Sigl'fche Mafchine ,, Hall" trägt einen Schmierapparat an den Aufsenrädern, der aus einer mit Unfchlitt gefüllten Zinkblech- Hülfe befteht, die, unter 45° geneigt, an der Hohlkehle des Spurkranzes anfteht und beim Durchlaufen der Curven in trockenem Wetter fich Transportmittel und anderes Betriebsmaterial der Eifenbahnen. 21 abnützt, und zwar foll diefs mit Hülfe und Inhalt gleichmässig der Fall fein; bei naffen Schienen foll keine Abnützung ftattfinden, die Adhäfion foll nicht beeinDas Locomotiv ift trächtiget, das Ablaufen der Tyres merklich verzögert fein. nach den Normen der ungarifchen Regierung, als zweiten Ranges, conftruirt. Maffei's Locomotiv hat innenliegende Allanfteuerung, Prüsmanncamin, Ramsbottom'fche Sicherheitsventile, ift für Heberlein's Bremfe, mittelft StahlgufsBremsklötzen, auf Vor- und Hinterräder wirkend, eingerichtet. Cockerill's italienifches Locomotiv hat Innenframes( gleich dem von Egeftorff), Innenfteuerung, die Speifung gefchieht durch den Friedmann fchen Injector rechts, einen Giffard links. 29 Nicht minder vorzüglich ift Henfchel's Mafchine Heffen" befchaffen. Die hinteren beiden Achfen haben zwei gemeinfchaftliche Tragfedern. Das ruffifche Locomotiv mit Innenrahmen, innerer Steuerung, ift für Heberlein's Bremfe und an den letzten zwei Räderpaaren mittelft Stahl- Gufsklötzen zum Bremfen eingerichtet. Diefe Klötze find mit Querbäumen und Federn zum Der Roft ift zum Entfchlacken mit Schüttelgleichzeitigen Anpreffen verfehen. vorrichtung, der Schornftein mit Prüsmann's Apparat ausgerüftet; die rückwärtigen Tragfedern haben einen Querbalancier, eines der Sicherheitsventile ift nach Meggenhofen. Die Speifung gefchieht durch zwei Friedmann's. Ein fechsrädriger Tender ift beigegeben. Die Mafchine von Claparede aus St. Denis hat Innenframes, Aufsenfteuerung mit unfchöner Schieberführung, in Geftalt eines Klotzes, den Cylindern angegoffen. Andere ungewöhnliche Apparate trifft man noch: die Cylinder und Schieberkäften befitzen mehrere Schmierhähne, jeder Cylinderdeckel hat fein Luftventil, der Schornftein fein Wafferablauf- Rohr, die den Tender ziehende Schraubenkuppel ift in ein bis zu den Keffelträgern vor dem Feuerkaften reichendes Parallelogramm eingefchaltet, die Speifung ift wie beim franzöfifchen Achtkuppler. Die Aufsenverfchalung ift von Meffingblech, die ganze Ausführung und Conftruction keineswegs muſterhaft. Der Sechskuppler aus Neapel, mit vierrädrigem Tender, ftach unvortheilhaft durch nichts weniger als elegante Arbeit ab. Die Conftruction bot keinerlei Befonderheiten, nur umfafst das gabelförmige Ende der Kuppelftange den Bügel der nächften, Schraubenkeil und Backe verfichern die Verbindung. Die in dem für Bahntechniker fehr inftructiven Pavillon der öfterreichifchen Nordbahn ausgeftellte, fechsrädrig gekuppelte Sigl'fche Laftmafchine ( ,, Altvater") ift nach den beften Proportionen gebaut. Aufsenrahmen, Innenfteuerung, eine Tragfeder für jedes Rad, kurz Einfachheit, Solidität, Kraft find in diefem Typus vereinigt. Um die Belaftung nicht übermäfsig zu geftalten, wurde der Keffel aus Beffemerblech erzeugt. Der in den Werkstätten der ungarifchen Regierung durch Zimmermann erbaute Sechskuppler fchliefst fich der Conftruction nach an Nr 1533( Sigl) und Hall. Alle vorgenannten Sechskuppler haben die Achfen zwifchen Feuer- und Rauchkammer, deren mittlere die Triebachfe ift. Sechsrädrig gekuppelte Tenderlocomotiven( normal) waren von Sigl, Wöhlert und Kraufs. Erftere beiden tragen die Wafferkäften feitlich oberhalb, letzteres zwifchen den Rahmen, die nach des Erbauers Patent als Wände mitbenützt werden. Wöhlert's Mafchine hat bei inneren Rahmen innere Steuerung, alle Tragfedern unter den Achfen, die vorderen balancirt; die bremsbare Hinterachfe fteht unter der abfallenden Feuerbüchfe, die nach Belpaire und mit einem cylindrifchen Rauchverzehrer( vorher befchrieben) verfehen ift. Der Keffel ift von Gufsftahl- Blech. Der Kraufs'fche Sechskuppler hat innere Rahmen, Aufsenfteuerung nach Allan, trägerförmige Leit- und Kuppelftangen, die Schieberkaften nach aufsen und rückwärts abfallend. Die beiden rückwärtigen Räderpaare find an den Vorderflächen mit Stahlgufs- Schuhen bremsbar. 22 Emil Tilp. Kraufs gibt deren Leiftung auf 370 Pferdekraft, 3700 Kilometer Zugkraft, gleich 130 Tons auf der Steigung von I: 40 mit 22 Kilometer per Stunde an, wobei 408 Cylinderweite, 632 Hub, 1185 Raddurchmeffer, 10 Atmoſphären Druck, 118 Quadratmeter Heiz-, 1500 Quadratmeter Roftfläche, 38 Tons Adhäfion, Raum für 2 Tons Kohlen, 5000 Liter Speifewaffer. Der Radftand ift 3160.( Alle in diefem Berichte angezogenen Leiftungen berechnen fich exclufive Zugsmaschine und Tender.) Die im Nordbahn Pavillon ausgeftellte Sigl'fche Tendermafchine ,, Michalkowitz" hat drei gekuppelte, vor dem Feuerkaften liegende Achfen, Aufsenframes, die Kurbeln neben den Lagern aufgefteckt, Innenfteuerung( Allan); die beiden Hinterräder- Paare find an den Aufsenfeiten mit Stahlklötzen bremsbar. Die Wafferkäften liegen hoch, noch über den Tragfedern, feitlich des Cylinderkeffels, die Kohlenkäften feitlich des Feuerkaftens. Es ift eine Dampf- und eine Handbremfe vorhanden. Auch bei diefen drei Tenderlocomotiven ift die mittlere die Triebachfe. Zwei fechsräderige Vierkuppler( Tendermafchinen) waren die„ Auftria" ( reconftruirt in den Nordbahn- Werkstätten, ausgeftellt in deren Pavillon) und der , Nord" aus der ehemals Schwarzkopf'fchen Fabrik in Berlin. Erfterer hat vorne eine fteife Laufachfe, vor dem Feuerkaften die Trieb, rückwärts die Kuppelachfe. Als Tragfedern find noch Volutfedern verwendet, die man früher häufig an Laftmafchinen traf. Die Rahmen liegen innen, ebenfo die Steuerung. Der Wafferkaften ift fattelförmig über den Keffelcylinder gelagert und reicht vom Feuerkaften bis zum Dom nächft des Schornfteines. Ein kleines Refervoir liegt noch unterhalb der Führerbrücke. Der Keffel ift nebft der äufseren Feuerkifte aus 9 Millimeter dicken Beffemerblechen, die beiden Feuerkaftendecken find halbkreisförmig gebogen, ohne jede Verankerung und geht die oberfte Stehbolzen- Reihe bis über den Anlauf der Kreisbogen. Beide Triebräder werden an den Innenflächen blofs an der Heizerfeite mit gufseifernen Klötzen gebremft. Die Rofte an allen Nordbahn- Mafchinen find, aus Façoneifen- Stäben ohne Köpfe beftehend, in Rechen gelagert. Das Tenderlocomotiv„ Nord" hat vier Kuppelräder vor, ein Laufrad hinter dem Feuerkaften. Die Mittelachfe ift Triebachfe und bremsbar. Die Wafferkaften liegen zu beiden Seiten des Keffels, Steuerung und Rahmen innen, Sicherheitsventil nach Ramsbottom. Für folche Objecte, deren Wafferbedarf behufs Gewinnung von Adhäfion auf die Mafchine verlegt wird, darf die Dotirung eines Laufrades wohl Verfchwendung genannt werden. Ueberdiefs find die Conftructionsmafse( übergrofse Räder und Cylinder bei kleiner Heizfläche) nicht günftig. Die Laufachfe ift mittelft Rollen feitlich radial verfchiebbar, die Feder liegt quer. Beffer durchdacht war der Vierkuppler, das Tenderlocomotiv von Kraufs in München, welcher Conftructeur fich mit Erfolg auf die Schöpfung von Tenderlocomotiven für normale und Secundärbahnen verlegt. Das Tenderlocomotiv D armftadt" war ähnlich conftruirt. Innenframes. Allan'fche äufsere Steuerung, zwei gekuppelte Achfen, wovon die rückwärtige bremsbare( Triebachfe) unter dem Feuerkaften, Wafferkaften unter dem Keffel zwifchen den Rahmen, Kohlenkaften neben dem Feuerkaften auf dem Plateau, im Ganzen noch um 14 leichter und fchwächer als Kraufs' vorbefchriebenes und faft mehr für Secundärbahnen mit normaler Spur tauglich. Der Ausführung nach reiht diefes Object hinter allen fchon vorgeführten und kann nur mit einigen fpäter befchriebenen fchmalspurigen Locomotiven gleich fparfamer Ausarbeitung verglichen werden! Nachdem die Grenze zwifchen Locomotiven der Haupt- und Secundärbahnen noch unbeftimmt, und die Rangir- und Locomotiven für Kohleninduftrie- und andere normalspurige Bahnen vielleicht einen Uebergang zu bilden berufen Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 23 find, mag man es nicht allzufcharf mit der hier getroffenen Eintheilung nehmen, welche die folgenden Locomotiven für fecundäre Zwecke erbaut denkt, obwohl mehrere der im Vorhergehenden Abgehandelten vielleicht auch hieher paffen würden. Es waren zehn folcher Locomotiven, wovon je zwei aus Oefterreich und England, je eins aus Belgien und Frankreich, vier aus Deutfchland. Ihr Dienftgewicht variirt von 6 bis 20 Tons, die Heizfläche von 8 bis 46 Quadratmeter. Eins war achträdrig, eins fechsrädrig gekuppelt, eins fechsrädrig, wovon vier Kuppelräder, alle anderen vierrädrig gekuppelt. Es find mit Ausnahme des Achtkupplers durchwegs Tendermaſchinen, zwei mit ftehendem Keffel. Sonft beftehen die Hauptverfchiedenheiten in innerer oder äufserer Steuerung, in feitlicher, oberer fattelförmiger, oder unterer innerer Situirung der Wafferkäften. Die Rahmen find sämmtlich innerhalb der Räder, die Cylinder aufsen gelagert. 22 Das ftärkfte hierunter ift der Orient", aus der Fabrik der Staats- EisenbahnGefellſchaft in Wien, fonft ganz nach dem normalen Sechskuppler Stainz conftruirt durch Haswell. Unter ihren vier gekuppelten Achfen ift die letzte um 35 Millimeter feitlich verfchiebbar, die Tragfedern der vorderen zwei, ebenfo wie der rückwärtigen zwei Räderpaare find durch Balanciers, die Letzteren ebenfo querüber verbunden. Achslager- Conftruction und Feuerdecke find nebft dem Keffelftein- Apparat fo wie bei der fchon genannten„ Stainz". Die Steuerung iſt aufsen, Lechatelier's Bremfe ift vorhanden, ein vierrädriger Tender beigegeben. Ob die hohe Keffellage hier abfolut anzuwenden nöthig war, wie es felbft bei dem gröfseren Sechskuppler vielleicht hätte vermieden werden können, mag bezweifelt werden, da die Schwankungen der weit vom Schwerpunkt entfernten Maffen doch zweifelsohne wachfen müffen und ihnen gröfsere Wege geboten find. Da der Radftand, verhältnifsmäfsig betrachtet, gröfser ift als dort, hätte die Roftfläche durch Verlängerung, ohne Nachtheil in der gewünſchten Gröfse, ähnlich wie bei den normalen Achtkupplern gewonnen und der Keffel bedeutend tiefer gelegt werden können. Das Locomotiv„ Hungaria" des Banater Eifenwerks Refchitza, Syftem Haswell, hat bezüglich des Roftes und der Feuerbüchfe die gleiche Anordnung, auch gleiche Achfenlager- Führung; die Wafferkaften find zwifchen, die Steuerung ( Allan) aufserhalb der Rahmen, die Kohlen auf der Heizerfeite. Bei den Stangen ift der runde Querfchnitt vorherrfchend. Das für das Petroszenyer Kohlenwerk erbaute Tenderlocomotiv der Carlsruher Mafchinenfabrik hat gute Verhältniffe. Steuerung aufsen, Cylinder und Schieberkaften horizontal, letzterer nach Aufsen geneigt, die Triebräder beiderfeits bremsbar, die Wafferkäften feitens des Keffelcylinders. Der Feuerkaften hat die alten üblichen Träger und bewegt fich in den Frames mittelft gufseifernen Schlitten mit Metallfutter. Der Keffel ruht auf drei Federn, da jene der Triebachfe querüber liegt. Die Räder find wie bei faft allen diefen kleinen Mafchinen aus Scheiben von Gufseifen mit Stahlreifen. Ein kleines Locomotiv mit ftehendem Keffel, oberhalb der Vorderräder liegenden fchiefen Cylindern, ftammte aus der Mafchinenfabrik der Harzer Werke in Zorge. Das vordere( Kuppel-) Rad ift an der Aufsenfeite bremsbar. Die Steuerung ift höchft einfach, mit einem Excenter; die Umfteuerung gefchieht mittelft befonderer Steuerfchieber. Das Wafferrefervoir fitzt vor dem Keffel zwifchen und auf dem Rahmen, der Kohlenraum ift hinten am Plateau des Führers. Zwei Injectoren„ Schau" liegen an der unteren Pufferwand ebendafelbft. Zur Vergröfserung des Raumes und Erzielung trockenen Dampfes ift über der oberen Bodendecke des Keffels noch ein hohler Ring hergeftellt, welcher durch Oeffnungen in der Oberdecke mit dem Keffel communicirt. Die Stärke wird auf 23 Pferdekräfte, die Zugkraft auf 150 Tons horizontal, 42 Tons auf 1: 100 Steigung angegeben. 1 24 Emil Tilp. Das vierräderige Tenderlocomotiv, Syftem Kraufs, ift von der Parifer Ausstellung her bekannt; ähnlich demfelben warjenes aus Darmstadt, wenn auch minder forgfältig ausgearbeitet, doch mit befferer Anlage, da der Keffel bei Kraus zu hoch liegt. Die von Cockerill exponirte Mafchine für Berg- und Hüttenwerks- Zwecke hatte im Ganzen die Anordnung des befchriebenen Locomotivs von Zorge; die Speifung gefchieht mittelft Injector. Sie wird gleich allen diefen kleinen Motoren in mehreren Modellen verfchiedener Gröfse gebaut. Aus Fives Lille kam ein Sechskuppler von anfprechenden Verhältniffen, deffen Leiftung auf 1:50 mit 45 Tons, horizontal mit 220 Tons bei 20 Kilometer Gefchwindigkeit angegeben wird. Die Mittelräder haben keine Spurkränze. Das Gewicht der zu verwendenden Schienen wird gefordert mit 18, 1634 oder 15% 2 Kilometer, wenn die Schwellen 1000, o 900 oder o 800 entfernt find offenbar ift Stahl gemeint. - Von Henry Hughes in Loughborough war ein vierrädrig gekuppeltes Tenderlocomotiv mit fattelförmigem Wafferkaften hier, ohne Befonderheiten in Conftruction und Arbeit. Das Tenderlocomotiv ,, Victoria" von Fox, Walker& Comp. in Briftol hat vier gekuppelte und zwei Laufräder, letztere und die Triebräder vor, die Kuppelräder hinter dem Feuerkaften. Die Laufachfe, deren Anwendung die Adhäfion kürzt, hat Adam'fche Radial- Achsbüchfen( verfchiebbar). Ein drittes Kuppelrad, feitlich verfchiebbar, wäre zweckdienlicher gewefen. Die Speifung gefchieht durch eine Pumpe und einen Giffard, die Steuerung liegt innen, die Wafferkaften find zu beiden Seiten des Keffels. Die Kuppelräder find bremsbar. Nebftdem ift Lechalier's Apparat vorhanden. Die Köpfe der Leit- und Kuppelftangen decken die Enden der Krummzapfen. Die Ausführung iſt im Ganzen beffer als die Conftruction der Hauptverhältniffe, doch wäre es nicht nöthig gewefen, die Spurkränze dünn abzudrehen. Wenn nach diefen kurzen Ausführungen nochmals mit voller Anerkennung der belgifchen Locomotiv- Fabrication gedacht wird, die in unermüdlicher Thätigkeit unfere Ausftellung durch Objecte hervorragend bereichert hat, deren geiftreiche Entwürfe zeigen, wie diefs kleine Land in der Induſtrie raftlos fortfchreitet, fei es auch geftattet, der einheimifchen Production vorübergehend zu gedenken, welche feit dem erften Beginne der continentalen Eifenbahnen Anftrengungen machte, deren Erfolg fie auf eine gleich hohe Stufe ftellt mit der genannten und mit jener der zahlreichen deutfchen Werkstätten. Aus den Fabriken von G. Sigl( früher W. Günther) find Preislocomotiven des Semmerings hervorgegangen, deren Bauart noch heute als Bafis für Gebirgsmafchinen gilt; das Hall'fche Syftem, das transportable Locomotiv und eine grofse Zahl von praktiſch vielfeitig verwertheten Conftructionen. Die Fabrik der Staats- Eifenbahn- Gefellſchaft hat die erften Sechs- und Achtkuppler, die Syfteme der„ Steyerdorf", des Duplex", der„ Stainz", und eine reichhaltige Collection von Modellen gefchaffen, die feit 30 Jahren bis heute noch als Mufter gelten. Auch die Haswell'fche Schmiedepreffe entſtand hier. So kann behauptet werden, dafs das Urfprungsland des Locomotivbaues von feinen Schülern nicht nur erreicht, fondern auch grofsentheils überflügelt wurde, fo dafs Deutfchland bereits nach anderen Welttheilen, Oefterreich nach dem ganzen Continent exportirt, und letzteres auch ohne Hilfe von Ausfuhrprämien und ohne alle Unterſtützung feitens der verfchiedenen öffentlichen Gewalten, im Befitze vorzüglichen Materials, ganz jene Stufe einnimmt, die es als Locomotiv Producenten erften Ranges qualificirt. Einfachheit und Zweckmäfsigkeit der Conftruction, folide Dimenfionen charakterifiren Oefterreich, während Deutfchland durch brillante Ausführung, gediegene und präcife Arbeit glänzt, wodurch es die mindere Güte der ihm und Belgien zu Gebote ſtehenden Materialien erfetzt. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 25 Wagen. Die in der Mafchinenhalle, in verfchiedenen Annexen, im Mont Cenis- Tunnel und bis im Sanitätspavillon zerftreute Collection der Perfonen-, Lazareth-, Gepäcks-, Poft, Hilfs- und Laftwagen aller Gattungen umfafste etwa fechzig Objecte und mehre Modelle. Oefterreich und Deutfchland hatten jedes ein Drittel diefer Zahl ausgeftellt, der Reft vertheilte fich in einzelnen Exemplaren auf Frankreich, Belgien, Italien, Rufsland und die Schweiz. Nebftdem hatte Amerika einen neuen Tramwaywagen gebracht. Sehr fchöne Salonwagen für Zwecke des Hofes oder gefchloffener Gefellfchaften waren erfchienen in der öfterreichifchen, deutfchen und belgifchen Abtheilung. Mit gröfstem Aufwande und wahrhaft künftlerifcher Ausstattung iſt der in der Wiener Südbahn- Werkstätte ausgeführte Jagd wagen des Monarchen erbaut. Der Wagen ift vierrädrig, hat englifche Holzfcheiben- Räder, die bei der Südbahn üblichen Lager für Starrfchmiere und einfache Federn. Ein durch zwei Treppen befteigbares grofses Plateau ift durch grofse, herabzulaffende, mit Vorhängen verfehene Spiegelfcheiben eingefafst, Plafond und Rückwand mit Seidentapeten, bemalt mit Objecten der Jagd und kaiferlichen Jagdhütten, ausgeftattet mit Sculpturen, Ornamentik und Malerei, die durchwegs fich auf diefen Sport beziehen. Eine Mittelthüre führt in den Salon mit prachtvoller Decoration und befonders fchönem Plafond. Ein verfenkbarer Ofen wird behufs der Heizung mit Briquettes gefüllt. Den Schlufs bilden Abtheilungen für die Toilette. Arbeit und Ausführung find ebenfo forgfältig als koftfpielig; die einfachen und doch angemeffenen Aufsenfeiten laffen die innere Pracht nicht ahnen. Minder koftbar, aber gleich gediegen ausgearbeitet, ift ein Perfonenwagen I. Claffe mit Schlafcoupé, eigentlich Salonwagen, der Grazer Waggonfabrik vormals Weizer. Der Kaften ruht mittelft zehn Confolen auf Kautfchukfcheiben und ift durch die Reiffert'fchen Schwungarreten gefichert. Er enthält einen Salon mit zwei mechanifchen Schlafftühlen, Toilette und Clofet mit Wafferrefervoir auf dem Dache und mit fchmalen, fich automatifch nach beiden Seiten öffnenden Thüren, ein Coupé erfter Claffe mit fünf und eines mit drei Sitzen, endlich ein Plateau mit Geländer. Die Räume find mittelft Thüren verbunden, nur das Batard- Coupé ift ifolirt; deffen Sitze find in bekannter Weife herauszufchieben, während die Stirnwand umfchlagbare Klappen enthält. Mit den herausgefchobenen Sitzen legt fich auch die Unterhälfte der Rücklehne nach vorwärts. Der Wagen hat die Luftheizung von Thamm und Rothmüller, Luftventilation ift mittelft doppelter Dachverfchalung und Schieber hergeftellt. Wie die Decoration und Ausftattung gefchmack voll, ift die Arbeit folid und elegant. Der Salonwagen der Waggonfabrik Bubna enthält einen über 7 QuadratMeter grofsen Salon an einem, eine kleinere Schlafabtheilung mit zwei Divans am anderen Ende, in der Mitte die Einfteigthüren und einen 895 breiten Gang über die ganze Wagenbreite, von dem eine Thür in den Salon, ein 690 breiter Gang zum Schlafraum führt. Zu beiden Seiten diefes Ganges find Toilette und Clofet. Die Ausftattung diefes Wagens ift einfacher, die Eintheilung zweckmäfsig, die Thamm'fche Heizung vorhanden. Bemerkenswerth war der Perfonenwagen I. Claffe( eigentlich aber Salonwagen) der vereinigten Schweizer Bahnen, von Rathgeber in München. Er vexeinigt das Coupé- mit dem Durchgangfyftem in eigenthümlicher Weife und enthält aufserdem mehrere ungewönliche Anordnungen, ift mit Ausnahme des Fussbodens und Kaftengerippes ganz aus Eifen erzeugt, Eifen fogar die Fenfterrahmen; die zwei Räderpaare mit 4.500 Meter Radftand haben nach der Längenrichtung 012 Spiel, und find durch eine Art Kreuz- und Querverbindung, ausgehend aus der Mitte der 26 Emil Tilp. Feder Hänglafchen, zu einem Geftell verbunden, und zwar in entbehrlicher Weife, umfomehr als fich die Achfen nicht in allen Lagen, beim Ein- und Ausfahren in Curven, richtig einftellen können, und das übliche Spiel bei fteifen Achfen und feftgekuppelten Wagen zur ftetigen Führung ausreicht, und als endlich auch bei der Kaftenlänge von blofs 8.650 Meter ein kleinerer Radftand für fchärfere Curven hätte gewählt werden können. Sobald beide Achfen in der Curve find, werden fie fich wohl allerdings radial ftellen. Man gelangt in den Wagen durch zwei diametral entgegengefetzte Eifentreppen mit halbrundem Abſchnitte und zwei gewöhnliche, die auf die Endplateaux und mittelft 2.075 Meter langer, 700 breiter, fenkrecht zum Plateau ftehender kurzer Seitengallerien ins Innere führen. Den Mittelraum des Kaftens nimmt ein 2'940 Meter langer Saal der ganzen Breite nach ein, aus dem drei Thüren auf die Seitengänge und zur Toilette führen. Aufserdem ift ein Coupé für fechs und eins für drei Sitze vorhanden. Beide wegen der Aufsengänge nur 2'120 Meter lang. Die lichte Kaftenbreite beträgt 2.870 Meter, über die ganze Länge reicht ein Oberbau mit Seitenlicht, 1500 Meter breit. Da der Wagen nur für kurze Touren beftimmt ift, befitzt er keine Schlafeinrichtungen. Von beiden Plateaux führen Charnierbleche zum nächsten Wagen. Ausftattung und Arbeit, namentlich die Holztäfelung exquifit; fchlecht pafst die, noch dazu von Innen aus zu bewerkstelligende Beleuchtung mit Petroleum. Die durch die eifernen ( broncirten) Fenfterrahmen etwas fchweren Fenfter find durch Gegengewichte, die zwifchen den Fensterpfeilern über zweckdienlich grofse Rollen laufen, equilibrirt. Die Kloben der Nothketten find hinter der Bruft durch Stangen und Winkelhebel verbunden und balancirt. Der fechsrädrige Salonwagen der Compagnie belge pour la conftruction de machines et de matériels de chemins de fer zu Brüffel gewährt mit feinem 10 450 Meter langen, 2.500 Meter breiten, 2.600 Meter hohen Kaften eine bequeme Eintheilung, die denn auch gut getroffen fcheint. An jeder Stirnfeite ift ein Raum für Toilette und Clofet, anftofsend einerfeits ein Damen-, anderfeits ein Herrencoupé mit der fpäter zu befchreibenden Nagelmaker'fchen Schlafeinrichtung. Neben dem Damen- Coupé ift der Gang über die ganze Wagenbreite, mit den Einſteigthüren beiderfeits und einfachen Sitzen für die Diener. Den reftlichen Mittelraum nimmt ein grofser Salon mit zwei als Doppelbetten einrichtbaren Schlafdivans, Tifchen und Fauteuils ein. Durch den ganzen Wagen ift der Durchgang mittelft Charnierthüren hergeftellt. Die Heizung gefchieht mittelft acht Weingeift- Lampen, aufsen angebracht; ein Rohr führt unter dem Kaften, welches die Aufsenluft aufnimmt und fie erwärmt durch Oeffnungen in kupfernen Platten nach Innen abgibt. Die Ventilation wird durch Apparate im Dache hergeſtellt, die Beleuchtung gefchieht durch Oel. Die Ausftattung ift gediegen, die Wahl der Stoffe und Deffins im Salon Sache des individuellen Gefchmacks. Das Traggerippe ift von Eifen, die Träger in U- Form. Radftand 6400 Meter die mittlere Achfe feitlich verfchiebbar, die Tragfedern 2000 Meter lang, Gewicht des Wagens 13 Tons. Ein unfcheinbarer Salonwagen aus Neapel hat zwei Achfen, Bremfe, Schalldämpfer. Die Lagergabeln find durch breite Flacheifen verbunden, die zur Führung der Bremsfchuhe dienen. Durch beiderfeitige Einfteigthüren gelangt man in einen gefchloffenen Vorraum mit drei Fenſtern in der Stirnwand, zwei Sitzen und die Mittelthüre, die in den Salon führt. Diefer enthält Sitze an beiden Langfeiten, in der Mitte einen Tifch mit vollſtändigem Service. Von da geht es in den Schlaffalon, deffen Tifch zur Gepäcksaufnahme beftimmt ift. Den engen Reft nimmt Toilette mit Clofet ein, zu denen zwei fchräg zufammenftehende Thüren führen. Nebftdem enthält eine Zwifchenwand einen herausfchiebbaren grofsen Spiegel. Die Ausführung ift die in Italien und Frankreich gewöhnliche, namentlich aufsen nichts weniger als prächtig. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 27 Schlafwagen, nämlich folche Wagen, deren Sitze fämmtlich in comfortable Betten umftaltbar find, erfchienen in der Wiener Ausftellung zum erftenmale. Der, von der öfterreichifchen Nordbahn in deren Pavillon ausgeftellte, nach Becker's Angabe, von Klett& Comp. in Nürnberg ausgeführte Schlafwagen hält zehn Sitze, umzugeftalten in ebenfoviele Lagerftätten. Derfelbe ift ein 8.900 Meter langer Intercommunications- Wagen mit zwei Achfen. An den Stirnfeiten find gefchloffene Plateaux, beiderfeits durch Stiegen zugänglich. Ein in der Breite knapp bemeffener Gang verbindet fie, und ift nicht genau in der Mitte gelegen. Der Kaften hat gerade Wände und einen Aufbau der ganzen Länge nach, das Innere ift durch eine nahe zur Decke reichende Längen- Scheidewand in zwei Hälften, eine diefer Hälften durch Querwände in drei abgefonderte Cabinen getheilt, die durch verfchliefsbare, in den Gang fich öffnende Thüren zugänglich find, je zwei gegenüberliegende Sitze enthalten, wovon der eine die ganze Breite einnimmt, fo dafs zwei Perfonen und ein Kind Platz finden. Durch Zufammenfchieben und Bedecken mit Matratze ergibt fich ein Bett, ausreichend für eine Perfon und ein Kind. Ein an der einen Querwand jeder Cabine befeftigter Charniertifch( auch als Wafchtifch benützbar), darüber ein Spiegel, eine Lefelampe bilden den übrigen Comfort. Das oberhalb der Sitze auffchlagbare, bei Tage gegen das Dach aufgezogene Hängeblatt dient der zweiten, refp. dritten Perfon. Die zweite, fchmälere Hälfte des Wagens bietet noch vier, je zwei gegenüberftehende, Einzelfitze mit derfelben Betteinrichtung und ift abfperrbar gegen den Gang mittelft Vorhang. Den verfügbaren Reft nehmen Toilette und Clofet ein. Thamm's Heizung completirt die Einrichtung. Die Schlafwagen, wie fie von der Compagnie Internationale des Waggons Lits( Belgien) gebaut und an die Eifenbahnen des Continents verliehen werden, und wie fie die Waggonfabriken in Simmering und Hernals bei Wien auch ausgeftellt hatten, find nach dem Coupéfyftem. In der Mitte jeder Langfeite ift eine Thür, die in einen Mittel- oder Vorraum mit Sitzen für Diener, fowie mit Toilette und Clofet beiderfeits und einen Zwifchenraum führt, durch welchen man in das Endcoupé mit 4 Sitzen gelangt. Aus dem Mittelraum führt eine Thür zu den zwei vierfitzigen, durch Querwand und Thür getrennten übrigen Coupés, fo dafs der Wagen 12 Sitze, eventuell 12 Schlafftellen befitzt. Das nach der Mitte auffteigende Dach hat einen Aufbau der Länge nach. Ein Lufttelegraph vermittelt die Correfpondenz zum Diener. Die Heizung ift nach Thamm und Rothmüller. Die Umftaltung der Sitze gefchieht ähnlich wie beim Nordbahn- Wagen, indem zwei gegenüberliegende Sitze die ebenerdige, ein aufgehängtes, herabzulaffendes, mittelft Leiter zu erfteigendes Bett darüber, die obere Schlafftelle bildet. Zu wünfchen wäre noch etwas mehr Raum für Handgepäck und eine kräftigere Ventilation für die kleinen, in kurzer Zeit überhitzten Schlafräume; das Abhängigkeitsverhältnifs der Schlafenden von einander beim Beginne und Ende der Nacht ift wohl nicht zu befeitigen, ohne die Zahl der Sitzplätte empfindlich zu fchmälern. Das todte Gewicht folcher Wagen ftellt fich mit II 3 Tons gegen 12 Sitze ohne dies höchft ungünftig. Die äufsere Kaftenlänge ift 7.700 Meter, Breite 2.700 Meter, Höhe in der Mitte 2.750 Meter, Lichte eines Coupés 1850 Meter lang, Radftand 4 100 Meter. Obige Gefellſchaft baut diefe Wagen auf ihre Koften, verleiht fie an die Bahnanftalten unentgeltlich und zieht ihre Rente aus dem Plus, welches der Reifende per Bett und Nacht über den an die Bahn zu erftattenden Fahrpreis I. Classe an fie entrichtet, wogegen fie jedem Wagen einen Diener und die nöthige Bettwäsche beigibt, auch die innere Erhaltung des Wagens beftreitet. Bis jetzt follen fünfzehn folcher Wagen im Betriebe fein. Ein ruffifcher fechsrädriger Schlafwagen mit Salon und Coupés, die durch einen Gang der Länge nach gefchieden, auf der breiten Seite je zwei, auf der fchmäleren je einen Sitz gegenüber haben, ift einfacher eingerichtet. Die Schlaf 28 Emil Tilp. ftellen auf der Schmalen Seite entſtehen ähnlich wie bei den vorbefchriebenen, auf der breiten bilden je zwei Nachbarfitze die ebenerdige, ein oberhalb herabzufchlagender Rahmen mit Polfterung die obere Schlafftelle, fo dafs ebenfoviele Schlafftellen entſtehen als Sitze. Die Heizung gefchieht mittelft Oefen, die Circulation durch Oeffnungen der Coupé- Scheidewände. An allen ruffifchen Wagen find Dop pelfenfter vorhanden. Einzelne Coupés und Sitze mit Schlafeinrichtung find fchon 1867 erfchienen, hier in verfchiedenen Formen verbeffert. So auch wieder an den Wagen der öfterreichiſchen Nordbahn. In Halbcoupés fchieben fich die Sitze horizontal vorwärts, in der Gegenwand find durch Einbau ins nächſte Coupé zweiter Claffe gefchloffene Käften gebildet, die fich herauslegen, das Lager vervollſtändigen, Matratze und Decke enthalten. Der Rücklehnen- Untertheil bildet durch Umkehren einen bequemen Kopfpolfter. Die Betten laffen noch je einen Zwifchenraum und haben die volle Länge. Der Wagen im Mont Cenis- Tunnel hatte ein Stirn- Batardcoupé mit drei vorfchiebbaren Sitzen und aus der Stirnwand herausfchlagbaren Schämeln. Oberhalb derfelben ift jedem Sitze eine kleine Toilettevorrichtung gegenüber geftellt. Aufserdem waren faft alle Wagen in der I., theilweife auch in der II. Claffe, zum Herausfchieben der Sitze, in den Halbcoupés mit Schämeln oder Klappen eingerichtet, mit Spiegeln, Armfchleifen ausgerüftet, die Wände entweder getäfelt oder mit Seiden- oder Wollftoffen überzogen, mit Gold- oder koftbaren Holzfimfen geziert, die Sitze meift mit Sammt überzogen, die Böden mit Teppichen belegt, Verbefferungen, mit denen Deutfchland und Oefterreich, abgefehen von der reichlicheren Raumbemeffung für jeden Reifenden, feit Jahren allen anderen Ländern vorangeeilt find. Solche Wagen I. und auch gemifchter Claffen hatten namentlich die Grazer Waggonfabrik, Ringhoffer in Prag, Rathgeber in München, Reiffert in Bockenheim und die fchweizerifche Induftriegefellſchaft in Neuhaufen und Pefter Fabriken ausgeftellt, theilweife mit Abgehen von der ftricten Coupé- Eintheilung und mit 14 bis 18 Sitzen für einen Wagen I., mit 16 bis 25 Sitzen für einen Wagen I. und II. Claffe, meift mit Anwendung des Auflagerns der Käften auf Confolen oder Platten von Kautfchuk. Reiffert und die Breslauer Actiengefellfchaft hatten Wagen mit Reiffert's Syftem der Doppelfedern gebracht; der gemifchte Wagen letzterer Gefellfchaft hat vier Haupt- und acht dreiblättrige Kaften- Tragfedern, die Arrêten beftehen aus Kautfchukcylindern, deren eine Serie an Riemen hängt. Der Commiffionswagen aus der Simmeringer Waggonfabrik, fehr praktifch eingetheilt, nett und gediegen ausgeführt, hat ein 2.600 Meter langes Plateau, einen 3.350 Meter langen Salon mit Divans, ein Entrée, Toilette, Abort und ein kleines Bremsplateau. Die Poftwagen aus gleicher Fabrik find mit dem erforderlichen Raffinement und, entſprechend den Anforderungen aller Zwecke, beftens ausgearbeitet. Die Südbahn- Gefellſchaft( Werkstätte Marburg) brachte einen Intercommu. nications- Wagen dritter Claffe mit Plateau und Treppen an beiden Enden; der Längenraum ift durch Querwände mit Thüren getrennt. Kaftenlänge, Sitzzahl und Gewicht wenig variirend mit gleichen Wagen des Coupéfyftems. Der Etagenwagen mit Bremfe, aus der Hernalfer Fabrik bei Wien, hält. 90 Plätze bei 113/4 Tons Gewicht. Die Federn haben 1345 Meter Länge bei 12 Blät tern, o'080 Meter breit, o'013 Meter dick. Die untere Etage fowie die obere ( gedeckte) find 1920 Meter licht hoch, die Räder haben o 790 Meter Durchmeffer, der Radftand ift 4'000, die äufsere Kaftenlänge 7.000, die gröfste KaftenAufsenbreite unten 2.770, oben 2-560, die lichte Länge der oberen Etage, erfteigbar durch die vier Endtreppen 6.860 Meter. Die lichte Länge eines unteren Coupés ift 1335 Meter. Der Fufsboden der oberen Etage, zugleich Plafond der untern, aus 26 Millimeter dicken Föhrenbretern mit Feder und Nuth, ift kalfatert und mit Kautfchuk belegt. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 29 Einen Gepäckswagen mit dem für Dampfheizung beftimmten Stabilkeffel., hatte Ringhoffer in Prag ausgeftellt. Die Anordnung ift bekannt. Der franzöfifche Lazarethzug aus der Fabrik in Ivry beftand aus acht Wagen, von denen je einer für den Arzt, einer als Magazin, als Küche, als Ambulance und Speifefaal, dann für Aprovifionirung, der Reft für Krankenbetten dienen. Der Arztwagen ist mit grofsem Luxus ausgeftattet. Nebftdem find einzelne Wagen und Modelle gleichen Zweckes ausgeftellt gewefen. Anfpruchslofer, aber höchft zweckmässig und mit fehr befcheidenen Mitteln aus beſtehenden alten Wagen adaptirt, war der deutfche Lazarethzug. Unter den Güterwagen war für den Viehtransport befonders geforgt. Englifche Modelle brachten vier- und fechsrädrige Wagen mit fehr zweckmäfsiger Eintheilung, verfchiebbaren und drehbaren Wänden und Couliffen, Wafferrefervoirs auf dem Dache, mit Rohrleitung und allen anderen Erforderniffen eines förmlichen Mufterftalles, aus denen wohl nur jene für Luxuspferde zu acceptiren wären, da fich die Wagen eben nur, ihrer durchbrochenen Aufsenwände wegen, ausfchliefslich für den Thiertransport, und da vielleicht nicht im ftrengen Winter, eignen. Der Dorn'fche Hornviehwagen aus der Bubnaer Waggonfabrik war einfacher und nahezu einem gedeckten Laftwagen gleich, nur ift der Fufsboden behufs. Ablauf geneigt, Gitter find eingefchaltet zum Durchlafs der Excremente, die Tröge hängen in Charnieren, vergitterte Fenfter vermitteln Ein- und Austritt der Luft, und ein Hüttchen ift für den Wärter auf dem Dache. Zahlreicher waren die eifernen Kohlenwagen vertreten. Jene des Ateliers Nivelle in Belgien haben gemeinfchaftliche Lang- und Kaftenträger, aus welchem Grunde die Lagergabeln nach Aufsen gebogen find. Derlei Wagen waren aufserdem noch vorhanden von Schmid in Breslau, aus Löwen, mit Holzkaften aus Nürnberg, Warfchau, Teplitz und den hiefigen Nordbahn- Werkstätten, welche letztere die forgfältigfte und reinfte Arbeit in diefem Genre ausgeftellt hatten. Gedeckte Laftwagen waren aus mehreren deutfchen und öfterreichifchen Fabriken, meift gut und fchön adjuftirt, doch ohne befondere Neuerungen, erfchienen. Ein höchft elegant adjuftirter Hilfswagen war mit einem Drehkrahn verfehen. Einen Apparat zum Auffangen entrollter Wagen brachte Semann; er beſteht aus einem tragbaren und fahrbaren Geftelle mit viertelkreisförmigem Ausfchnitte, das fich in eine etwa 14 Meter lange, auf dem Schienenkopfe liegende Zunge verlängert. Beim Zeichen, dafs Wagen entflohen find, hat der Bahnwächter diefs Geftell auf den Schienenftrang zu ftellen, Ausfchnitt und Zunge gegen die kommenden Wagen gerichtet, deren Vorderräder über die Zunge laufen, bis fie den Ausfchnitt berühren und dadurch das Geftell mit fich vorfchieben; das Schleifen der Zunge auf der Schiene und der ftehen bleibenden Räder bewirken das Bremfen. Zum Schluffe ergibt fich aus dem reichen Gefammtbilde der Ausftellung der Eifenbahn- Betriebsmittel, dafs in Bezug auf Motoren epochemachende Neuerungen feit 1867 nicht vorgeführt wurden, dafs die erfchienenen Neuconftructionen trotz ihres vielfeitig Intereffanten wenig Ausficht auf praktiſchen Erfolg bieten, dafs aber trotzdem feit jener kurzen Zeit doch mehrfeitige Fortfchritte im Conftructionswefen Platz griffen, indem die allgemeine Anordnung der Verhältniffe und Mafse rationeller in Bezug auf Spannung, Roft- und Heizfläche, Adhäfion und Achfenvertheilung, ebenfo die Details und die Ausführung ganz insbefondere beffer ftudirt und forgfältiger geworden find, und es gab die Ausftellung ein faft erfchöpfendes Bild des Wefens der modernften Transportmittel, wie fich's nach Mafsgabe der Verkehrsbedürfniffe herausgebildet hat. 30 Emil Tilp Gleich inftructiv war die Expofition der Wagen, namentlich für den Perfonen verkehr, und konnten hier auch der Natur der Sache nach noch weniger radicale Reformen eintreten, fo zeigte fich dennoch der vorgefchrittenfte Stand der WagenBaukunft als Folge der modernen Reifeanfprüche und die Fortbildung der auf der Parifer Ausftellung nur obenhin angedeuteten Richtung. Eine noch eingehendere Behandlung der einzelnen Objecte war fomit einerfeits, wegen ihrer den Fachmännern meift geläufigen Conftruction, nicht abfolut geboten, anderfeits, wegen Mangel detaillirter Angaben feitens vieler Ausfteller, ausgefchloffen, auch räumlich nicht im Sinne des Programms der Berichterftattung gelegen. Eine Beigabe der Zeichnungen hielten wir defshalb nur infoweit nöthig, als fie die intereffanteften und neuen Typen anfchaulicher machen follen. Locomotiven für Perfonen- und Eilzüge. Gattung Fabrik Name und Eroder Nummer zeugungsort Räd. Spurweite Zahl Triebrades Durchmeffer des davon gekupp. Radftand I. 2. 3. zur zur zur 2. 3. 4. Tabelle I. Fläche Total directe Heizder Rohre TotalRoftZahl Weite Länge Millim. Weite Hub Rohre Kolben Keffeldurchmeffer Atm. fpannung DampfGewicht im Dienft I. 2. Achfe 3. 4. Total Anmerkung Achfe Rittinger G.Sigl, Wr. Neuftadt 8 41.900 1.320 1.650 2.400 5.370 Quadratmeter 7'9 99 8 107 7 160 179 50 3'55 411 632 1'26 10 Tons 7 7 12 II 372 Rafael Donner W. L. F. Actiengef., Floridsdorf 8 4 1.580 1.030 1.485 1.660 4.175 8.8 124'2 133'0 170 174 51 430 410 632 1'30 8 6 9 Gleich m. dem I2 12 36 Siglfchen im Nordwb.- Pav. Staats2.002 Auftria eifenbhng., Wien ΙΟ 4 1.580 2.634 2.213 8.324 80 1250 133'0 175 179 52 4'24 412 579 1'30 9 II 13 1.475 66 6 51 Dniepr Kefsler, Efslingen 6 4 1.896 2.016 2.094 4.110 7'9 900 97'9 149 155 53 3'93 396 632 8 I2 12/2 7/2 32 Actiengef. Vulcan Vulcan, Stettin Bismarck Egeftorff, 6 41.530 1.800 2.600 4.400 7'0 890 960 165 188 46 3.79 420 600 1'26 10 III I 6 4 1.829 4.267 79 1071 115'0 186 190 51 3.60 406 659 IO 0 Hannover 10/2 1234 121/ 35% 2 35* * Im leeren Zuftande n Köchlin, Ariofto Mühl6 42.000 4 648 90 94'5 103'5 204 191 50 3'50 406 648 6 haufen 47 Carels, Gent 6 6 1.700 1.800 2.500 4.300 109 99 6 110'5 3'06 226 45 3'51 450 600 130 9 P P . 38 177 Tubize 6 4 1.800 2.050 2.250 4.300 8.8 100'2 109'0 2'26 217 45 3'68 420 600 131 9 I I 13 I2 36 291 Marcinelle, Couillet 6 42.100 2.630 2.300 2.630 2.300 4.930 7'1 99'6 1067 167 223 45 3'31 440 600 1'22 996 106.7 8 112 213 331/4 31 Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 32 Gattung Fabrik Name oder Nummer und Erzeugungsort Spurweite Emil Tilp. Tabelle II. Räder Rad ft and Zahl davon gekupp. Durchmeffer des Triebrades I. 2. 3. zur zur zur 2. 3. 4. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. Tabelle II. Gewicht im Dienft che Rohre Kolben FlaTotal directe Heizder Rohre TotalAtm. ſpannung I. 2. 3. 4. Achfe Total WafferKohlenKaften . Achfe meter Millim. Tons Quadrat1583 G. Sigl, Wr.- Neuftadt 8 8 1.106 1.190 1.190 ( Semmering) 1.180 3.560 10'7 159'0 170 2.16 205 52 4'76 500 610 150 9 122 122 13 13 51 1533 dto. ( Ungarn) 80 8 1.070 1.300 I.150 1.150 3.600 9.8 170'2 180 2.00 223 52 4.66 520 610 146 82 103 113 113 113446 Hall dto. 6 6 1.180 66 087 101 52 369 345 580 . 82 73 73 7/3 • 22 1.730 1.270 3.000 5'1 610 Kaifer Franz Jofef Haswell, Wien 8 Altvater Michalkowitz Heffen Wien Henfchel, Caffel Stainz dto. G. Sigl, Wien 6 6 reconftr. Auftria Nordb., Wien. 6 4 1.264 G. Sigl, 9 80 9 1.186 1.278 1.258 1.258 3.794 98 1706 180 1'96 207 52 5'01 470 632 1'40 9 113 11 II I I 44/3 1.077 1.265 1.582 2.847 7.8 104 2'00 183 52 3'13 395 632 1'34 10 10/ 10/ 112/ s . 96.2 1.205 145 1'92 200 52 4'11 434 632 ΙΟ I2 12 12 . 321/4 36 . . 3.239 9'3 136'0 57 126 107 52 284 395 579 80 . 3.555 6'2 50'4 6 9 1.200 . 3.100 6: 4 84-6 91 150 132 52 3'90 410 632 1'17 10 12 12 I2 2 9 6 9 1.281 1.701 1.360 3.061 132 148 200 45 4'32 445 628 1'39 10 8: 0 124'2 III Nr. 900 Maffei, München 6 0 Wöhlert, r 9 130 160 181 51 4'10 486 660 IO • . 36 123 124 124 37½ 361/2 1.245 . 3.480 7'5 122'5 386 n Berlin 6 9 1.410 1.909 1.857 99 3.766 . 99 Hartmann, Tauern Chemnitz 208 Kraufs, München 6 80 8 1.106 6 1.185 . . 3.582 9'4 141'6 151 175 199 . 211 46 3'25 445 630 130 448 580 • . . . 4° . 9/2 102 101 102 10/2 42 . 3.160 7.8 IIO'2 118 150 169 47 4'00 408 632 IO . • 302 dto. + 58 045 127 44 3'35 290 540 IO . . 24 . 4 970 Locomotiven für Laftzüge und Stationsdienft auf Hauptbahnen. Nord Darmſtadt Schwarzkopf, Berlin M. F. u. E. G., Darmſtadt Evrard, 300 Brüffel 872 1001 230 Cockerill, f. Italien Schneider, Creuzot Petersburg 1524 6 + 4 1.770 +4 1.000 . 2.450 4'5 53'5 3.730 6.5 67 4 74 . 156 51 . 420 559 26 2.000 3'2 33.8 37 0'59 83 50 2'59 300 500 8 9 94 205 3'34 289 50 4'50 440 500 150 9 1.220 8.720 11'0 194 I 125 140 195 56 99 12 16 9 6 1.310 00 9 8 1.200 . 6 1.270 1.900 1.450 4'25 450 650 1'33 . 3.370 8.0 117'0 280 1.86 270 . . 4'90 450 610 9 3.860 10'9 197 1 121 1'64 168 50 4 27 457 609 133 9 427 3-350 841127 . . . . 33 Anmerkung . Tenderlocom. dto. 4c.m. k. 1.500 Tenderlocom. a 1. tons 38 5.000 2. Tenderlocom. 9 35 . . a dto. dto. 181/2 dto. 72 k. k. 7.450 3.000 dto. 34% 2 54 54 leer 9 29 Fabrik und Erzeugungsort Räd. Spurweite Zahl davon gekupp. P Durchmeffer des Triebrades Radftand I. 2. 3. zur zur zur 2. 3. 4. Achfe Eifenwerk Refchitza 948 4 4 711 1.423 • Tabelle Fläche Rohre III. Kolben Quadratmeter Total Millim. Zahl directe Heizder Rohre Total Roft Weite Länge Weite Hub I.423 3'2 17'0 20'2 0'7 54 52 Haswell, 1.000 8 8 720 800 800 800 2.400 6'0 40'0 46'0 1'4 102 52 34 Emil Tilp. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. Locomotiven für Secundärbahnen. Victoria 1947 897 51 265 752 12 | Orient Hungaria Gattung Name od. Nummer nor- 4 4 600 1.570 1.570 mal Wien M. B. G. Zorge am Harz M. B. G., Carlsruhe Kraufs, München M. F. u. E. G., Darmstadt Cockerill 790 4 4 680 1.440 670 4 4 580 1.100 900 4 4 656 1.400 + 4 605 1.400 Fives, Lille 1.000 6 6 800 . . 1.440 . Keffeldurchmeffer Atm. Dampffpan. Gewicht im Dienft I. 2. 3. 4. Achfe Kaften Total WafferKohlenTons Lit. Kilo 19 237 316 790 10 53 5 . II/ 2 900 2'4 350 316 1.120 12 5 5 5 5 20 11'9 0'25 104 51 23'2 0'4 77.42 . 200 250 . 8 413 41/ s 2'3 250 33° 726 10 . • I.IOO 1'3 16'9 182 034 • 1.400 2'1 14'9 17'0 0'3 64 1.400 Fox Walker, Briftol 1.06 6 4 914 3.353 . 8.0 . 3.6 25.8 29'4 063 . . . . . 160 300 12 . 1'8 225 350 604 8 42 42 200 250 250 360 • . o'65 96 2'5 305 457 913 8 . 8 29 co Anmerkung Tender300 locomotiv II 835 Tenderlocom. mit Stehkeffel 275 Tenderlocomotiv 61/3 660 c. m. 0'340 9 dto. dto. 7/2 c. m. 675 dto. mit 0195 Stehkeffel 43 43 42. 14 1.600 300 Tenderlocomotiv qu. dto. 2.000 1.000 Schlafwagen der belgischen Gesellschaft, erbaut in Wien. I a. Tafel I. Wagen für die Schweiz von Rathgeber in München. Schlafwagen der belgischen Gesellschaft, erbaut in Wien I a. Wagen für die Schweiz von Rathgeber in München. HE H Tafel II. II III GOATRICO D+ Tafel III. Luftheizung von Thamm& Rothmüller. A டை Tafel IV. Luftheizung von Thamm& Rothmüller. Wagen mit Warmwasserheizung von Weibl& Briquet. Combinirter Etagenwagen. Fabrik Hernals. r Tafel V. Combinirter Etagenwagen. Fabrik Hernals. Schlafwagen der Nordbahn, mit Luftheizung von Th ann& Rothmüller. 1:20 H Tafel VI. H Austria Staatseisenbahng. Wien. Nro 300 Evrard Brüssel. E.TILP. NEO 51. M.F.& E.G. Darmstadt. Tafel VII. Altvater G. Sigl in Wien N1583. G. Sigl W Neustadt. ( für Ungarn.) N12 M. B. G. Zorge am Harz. E.TILP. Tafel VIII. Rafael Donner W. L. F. Actiengesellschaft. Floridsdorf. Nro 291 Marcinelle Couillet. ம Michalkowitz. G.Sigl. Wien. Tafel IX. Rittinger G. Sigl. Wöhlert Berlin Nro 47 Carels Gent. Tafel X. No 1947 Fives- Lille. N302 Kraus in München. 0-0-0 Stainz Haswell in Wien. A Nro 50 M. F.& E. G. Darmstadt. U D WESEC MG 20 Tafel XI. Dniepr. Kessler in Esslingen No 177 Tubize T Vulcan Actieng.Vulcan Stettin. Tafel XII. Hall G. Sigl. ( Ungarn.) Nr 752 M.B.G. Carlsruhe D Austria reconstr. Nord b. Wien. Hungaria Eisenwerk Reschiza. FFB OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. 0. Ö. PROFESSOR IN PRAG. STRASSEN- FUHRWERKE UND ANDERE TRANSPORTMITTEL. ( Gruppe XIII, Section 5.) BERICHT VON M. B. RIDELI, Ingenieur in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. STRASSEN- FUHRWERKE UND ANDERE TRANSPORTMITTEL. ( Gruppe XIII, Section 5.) Bericht von M. B. RIDELI, Ingenieur in Wien. Um einen nützlichen Vergleich zwifchen den zahlreichen in Wien während des Jahres 1873 zur Ausftellung gelangten Arten jener Fuhrwerke, welche mit Ausfchlufs von Spurbahnen die Locomotion von Perfonen und Gütern vermitteln, ziehen zu können, fei es geftattet, vorerft einige Worte über deren muthmafslichen Urfprung, fowie deren fucceffive Entwicklung vorauszufchicken. Die fubtile, von der gegenwärtigen Generation mit fo viel Leidenfchaft verfolgte Controverfe, ob nach dem gewaltthätigen Abfchluffe der Tertiärformation der präfumtive Simiadenfpröfsling, erfchaffen" worden fei, oder aber fich entwickelt" habe, ift in Bezug auf die Beurtheilung des durch diefes Ereignifs auf die zeitgenöffifchen Raubthiere möglicherweife ausgeübten Einfluffes mit entfcheidenden für eine diefer Thefen fprechenden Argumenten nicht bereichert worden. Vollkommen unbewehrt, dürfte vielmehr der neue Ankömmling in beiden diefen ftrittigen Fällen von den Diluvialcarnivoren als ein höchft willkommenes Jagdobject aufgefafst und behandelt worden fein. Diefe anfänglich fo mifslichen Verhältniffe, verbunden mit der Unbill der nach einer foeben überftandenen beifpiellofen Kataftrophe häufiger als jetzt entfeffelten Elemente zwangen den hilflofen Bimanus fehr frühzeitig und ohne Zweifel fchon während der Höhlenzeit, fich auf jenes Feld der Erfindungen zu begeben, welches zu verlaffen ihm feitdem nicht mehr befchieden war. Die gefährliche Zudringlichkeit des Höhlenbären namentlich, deffen wiederholte Befuche möglicherweife unferes Urahnen, fowie feiner ganzen Species Dafein mit imminenter Vertilgung bedrohten, mag vielleicht zum Behufe der Heranwälzung eines mächtigen den Zugang zur Troglodytenhöhle erfchwerenden Hindernifses, die unauffchiebbare Erfindung der wichtigſten und ſpeciell im Wagenbau unentbehrlichen einfachen Mafchine, des Hebels, erzwungen haben. Aber nicht nur gegen die feindfeligen Natureinflüffe vielmehr, als bei unverändert gebliebener Menge der begehrten Objecte und bei Vermehrung von Seinesgleichen, die Concupifcenz der letzteren ftetig zunahm, mufste fich beim I 2 M. B. Rideli. Urmenfchen die Nothwendigkeit zur Erfindung fowohl von Vertheidigungs- als Angriffsmitteln, refpective Werkzeugen, unaufhörlich geltend machen. Eine Zwangslage, deren Befchaffenheit uns ebenfalls ganz unbekannt geblieben ift, wobei jedoch höchft wahrfcheinlich viel Gut und Leben auf dem Spiele ftand, wird auch wieder Veranlaffung gegeben haben, die Welle, etwa in Form eines Baumftammes gleichzeitig mit dem Hebel in Anwendung zu bringen und fich diefer Werkzeuge bei Bewältigung grofser, der directen Muskelkraft der einzelnen Individuen fpottender Laften zu bedienen. Die muthmafsliche Dauer der Ausübung diefer nach ihrer Erfindung gewohnheitsmäfsig angeeigneten Fertigkeiten kann gar nicht combinirt werden, es läfst fich jedoch annehmen, dafs diefelbe ein Ende erreichte, fobald ein zum Kampf ums Dafein befonders geeignetes Mitglied irgend eines halbwilden Stammes auf den glücklichen Gedanken kam, zur Verminderung des Reibungswiderftandes dem als Welle benützten Baumftamme blofs an deffen beiden Enden den urfprünglichen Durchmeffer zu belaffen, den dazwifchen liegenden Baumkörper jedoch in feiner Dicke durch Abfchälung mittelft der mittlerweile auch fchon erfundenen Stein- Werkzeuge herabzumindern. In diefer Weife ungefähr läfst fich vermuthen, wie jene wichtige Vorrichtung, die man gegenwärtig ein„ Räderpaar" nennt, das Licht der Welt erblickte und es beftand diefes Räderpaar demnach höchft wahrscheinlich aus zwei an den Achfenenden feftfitzenden Scheibenrädern. Unter den damaligen Umftänden repräfentirte diefe Vorrichtung in Bezug auf Krafterfparnifs einen fehr bedeutenden Fortfchritt und jener halbwilde Stamm, bei welchem diefe Erfindung vor fich ging, konnte nicht ermangeln, ein namhaftes Uebergewicht über jene Gemeinfchaften zu erlangen, welche diefelbe entbehrten, obgleich die Handhabung diefer verbefferten Mafchine noch viel zu wünfchen übrig liefs. Sobald jedoch im weiteren Verlaufe der Urzeit Jemand auftrat, der die Achfe des erfundenen Räderpaares in Lager zu zwängen verftand und darauf ein Balkengeftelle errichtete, fo ward hiemit eine der für die gefaminte Menfchheit wichtigften Mafchinen, der Wagen, erfunden und der unvergängliche Ruhm des feiner Zeit vorange eilten Erfinders für alle Zeiten begründet. Da jedoch diefe in der Culturgefchichte der Menfchheit fo denkwürdige Begebenheit in jene Epoche der Urzeit fällt, wo kaum die Rudimente der damals noch zu conftruirenden Sprache, vielweniger irgend welche Mittel zur Conftatirung der Identität des Erfinders vorhanden waren, fo wird das Andenken desfelben in ein ewiges Dunkel gehüllt bleiben müffen. Als die herangewachfenen Völker nach Verlauf von Jahrtaufenden zu Sprache und Schrift gelangten, konnten fie fich des erften aus ihren Reihen etwa hervorgegangenen Wagenbauers nicht mehr erinnern, da fie jedoch jener Zeit, wo noch keine Wagen rollten, verhältnifsmäfsig näher ftanden und die dadurch erlangten Vortheile beffer wie die über diefen Punkt blafirte Gegenwart würdigen konnten, fo fchrieben fie in Ermanglung pofitiver Anhaltspunkte und in dankbarer Erinnerung an die hieraus gefloffenen günftigen Veränderungen, die Erfindung der Wagen ihren Nationalgöttern zu; fo konnte namentlich bei den Griechen der allererfte für den Helios fabricirte Sonnenwagen nur von Vulcan gebaut worden fein, während der Minerva frenatrix die fpecielle Fürforge und der Schutz des Wagenbaues von den Römern anvertraut worden ift. Die oben erwähnte Annahme, dafs die erften Wagen auf den Achfen feftgekeilte Scheibenräder hatten, ift aber keine ganz willkürliche, denn diefe von unendlich entlegener prähiftorifcher Zeit herrührenden Wagen findet man bei Beginn der jeweiligen gefchichtlichen Epoche bei allen hiftorifchen Völkern des Alterthums als Laftwagen in ganz allgemeiner Anwendung und da diefelben nicht nur in China feit Jahrtaufenden gebräuchlich waren, fondern auch von den fpanifchen Conquistadores in der neuen Welt angetroffen worden find, fo mufs derer Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 3 Erfindung in die entlegenfte Urzeit hinaufreichen und vielleicht nicht viel jünger als die Erfindung des Feuerzündens, unter allen Umftänden aber der Erfindung der Speichenräder vorausgegangen fein. Die Pfahlbauten- Funde haben durch Conftatirung des Ackerbaues bei den paläolitifchen Pfahlbauern damit auch die gleichzeitige Exiftenz des prähiftorifchen Fuhrwerkes nachgewiefen. Dafs die bisherigen Funde keine Fragmente von unzweifelhaften Wagenbeftandtheilen zu Tage gefördert haben, kann nicht dem abfoluten Abgange diefer Objecte überhaupt zugefchrieben werden, da die Pfahlbauten doch nur während einer verhältnifsmäfsig fehr kurzen Jahreszeit ihrem präfumtiven Zwecke entſprechen und in diefem Falle höchftens als Sommerfrifchen benützt werden konnten, während die eigentlichen Wirthschaftsgebäude mit den Ackergeräthen und Fuhrwerks- Utenfilien am Ufer ftunden. Ueberdiefs fetzte der Bau der uns bekannt gewordenen Pfahlbauten an und für fich die Anwendung irgend eines wenn auch noch fo primitiven Fuhrwerkes voraus; diefes durfte namentlich nicht fehlen bei der den Pfahlbauten fo eigenthümlichen Dammanfchüttung im tiefen Waffer und mag auch das Geheimnifs diefes wichtigen Zweiges der Bautechnik von diefer fo entlegenen Urzeit herab durch eine wohlwollende mündliche Ueberlieferung bis auf die recenten Trieftiner Hafenbauten, wenn auch da mit weniger Erfolg verpflanzt worden fein. Die erften beglaubigten hiftorifchen Documente über Wagen verdanken wir dem chamitifchen Menfchenftamme in Egypten, wo der Phra- on Khoufou ( Cheops) beim Bau feiner Pyramide 4230 bis 4200 Jahre vor unferer Zeitrechnung die Scheibenräder- Fuhrwerke, fowie bei feinen zahlreichen gegen die Mentus auf der finaitifchen Halbinfel unternommenen Feldzügen auch bereits die mit Speichenrädern verfehenen, durchwegs aus Metall conftruirten Streitwagen zur Anwendung brachte, wie diefs auf den bei Oudy- Maghera in Porphyrfelfen gehauenen und gegenwärtig noch wohl erhaltenen bildlichen Darftellungen erfichtlich fein foll. Eine aufserordentlich wichtige Rolle ift dem Wagen in feiner Eigenfchaft als Kriegsmafchine bei den Indogermanen zugefallen und Niemand geringerer als Homer führt denfelben bei Belagerung von Ilium 1200 vor Chr. in die Gefchichte der verfchiedenen Völker diefes Stammes ein. Die einzelnen, den hervorragendften Führern gehörigen, durchgehends aus Bronce und Eifen** hergeftellten und mit Speichenrädern verfehenen griechifchen und trojanifchen Streitwagen( die überwiegende, Mehrzahl davon war Diphros, nämlich mit zwei ausgemittelten Plätzen und zwar für den Streiter ὁπλίτης" und den danebenftehenden Fuhrmann παραβάτης") fowie das Material und die Verzierungen aller Wagenbeftandtheile werden in dem unfterblichen Epos mit grofser Gewiffenhaftigkeit der Nachwelt überliefert. * Sollte die von Friedrich v. Hellwald in deffen neuefter Publication ,, Der vorgefchichtliche Menfch", Band I, Seite 229 und Band II, Seite 322 gebrachte Abbildung und Erläuterung nach dem Dafürhalten diefes ausgezeichneten Forfchers wirklich ein in den Pfahlbauten am Lago maggiore bei Mercurago gefundenes Wagen rad darftellen, fo wäre damit die Kenntnifs des Wagenbaues fowie der Gebrauch der Fuhrwerke bei den fubalpinen Pfahlbauern unwiderlegbar documentirt. Da bei diefem aus Birkenholz conftruirten Wagenrad bereits der Anfatz zu einer Radnabe fowie zwei primitive Radfpeichen deutlich zum Vorfchein kommen follen, fo müfste in Folge diefes höchft intereffanten Fundes überdiefs angenommen werden, dafs der mühfame Uebergang von Scheiben- zu Speichenrädern fchon während der Pfahlbauten- Zeit begonnen habe. ** Das aus den Erzen fo fchwer zu gewinnende Eifen kommt verhältnifsmäfsig fehr frühzeitig bei den verfchiedenen Völkern zur Verwendung, wefswegen von competenten Forfchern die in unglaublichen Quantitäten während der Urzeit auf der Planetenoberfläche angefammelten Meteor- Eifenftücke als das allgemein benützte Eifenmagazin der Vorzeit angenommen werden. Diefs ift um fo wahrfcheinlicher, als ja vor nicht gar langer Zeit ein grofser Theil der Einwohner des Arvaer Comitates in Oberungarn den Eifenbedarf für Hufeifen, Radreifen u. f. w. mehrere Jahre hindurch einem ftattlichen bei Arva gefallenen Meteor- Eifenblocke zu entnehmen pflegte. 4 M. B. Rideli. Troja felbft fiel bekanntlich als Opfer einer nach des ränkevollen Odyffeus hinterliftigen Plänen auf Rädern conftruirten Kriegsmafchine und als nach entfchiedenem Kampfe die Sieger wegen den erbeuteten Princeffinen und Streitwagen aneinander geriethen, da mufsten namentlich die letzteren zur Verhütung grofsen Unheils durch Agamemnon auf eine gerechte Weife unter die königlichen Bundesgenoffen vertheilt werden. Diefer Theil der Beute wurde dann bekanntlich in den diverfen Refidenzen in langen Reihen der Befichtigung von Einheimifchen und Fremden zugänglich gemacht, wie diefs auch noch gegenwärtig bei den eroberten Feldftücken der allgemeine Brauch ift, da der in beiden Fällen mit diefen Kampf- Werkzeugen erzielte Kriegserfolg hier wie dort als identifch angenommen werden kann. Die bei weitem reichlichfte Information über antike Fuhrwerke fliefst der Gegenwart von den Römern zu und erftreckt fich diefelbe nicht nur auf die eigentlich römifchen oder italifchen als vielmehr auch auf jene Wagen, welche bei den mit den Welteroberern in Contact gekommenen Völkern im Gebrauch gewefen find. Es zeigt fich aber daraus, dafs alle Laft- und landwirthschaftlichen Fuhrwerke der fämmtlichen Italiker, Griechen und Kelten mit auf der Achfe feftgekeilten Scheibenrädern verfehen und unter der allgemeinen Benennung " plauftrum" bekannt waren. Nach und nach ift das Scheibenrad( tympanum) vom Speichenrad( rota) auch bei den Laft- Fuhrwerken verdrängt worden und find die alten wegen ihrem unausftehlichen Knarren von den römifchen Dichtern befonders perhorrefcirten ftridentia plauftra" nur noch bei den Nachkommen der Keltiberen in Portugal und auf der Infel Sicilien im Gebrauche. " Nachfolgende Fig. 1 ftellt eine Tympanumachfe fammt den dazu gehörigen Geftellbalken dar, wie folche auf einem gallorömifchen, einem WagenbeftandtheilFabrikanten von deffen trauernder Witwe in Evreux gefetzten Grabftein gefunden worden ift und deren Conftruction fich in Portugal und Sicilien beinahe unverändert bis zum heutigen Tag erhalten hat. Fig. 1. Die Erfindung des Speichenrades, refpective die Verbefferung des Schei benrades wird dem erften Erbauer des Pfluges Triptolemus zugefchrieben und war der Gebrauch desfelben anfänglich nur auf Kriegs, Staats- und Luxuswagen befchränkt, die je nach ihrer Conftruction oder Beftimmung auf das Genauefte durch eigene Benennungen unterfchieden wurden. So verftand man unter Currus nur den im Circus oder bei Triumphzügen gebrauchten, zum Einfteigen von rückwärts eingerichteten antiken Kriegswagen, unter Carpentum den Staats- Galawagen der höchften Würdenträger, deffen Benützung nur ausnahmsweife mittelft Senatus Confult auch anderen Perfonen wie z. B. der Meffalina und Agrippina zuerkannt werden konnte, unter der von den Galliern adoptirten Carucca( fpäter hievon derivirt Carozza, Caroffe, Carriage) die fonft von Vornehmen oder Vermöglichen benützte Equipage und eine unzäh lige Menge anderer Fuhrwerke, deren genaue Abbildungen oder Befchreibungen fich bis auf unfere Zeiten erhalten haben. Die Ausplünderung der ganzen bekannten Welt durch die Römer ermöglichte namentlich bei Wagen und Befpannung die Entwicklung einer derart verfchwenderifchen Pracht, dafs der Gedanke, derfelben in Bezug auf Vollendung Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 5 der Formen oder Bequemlichkeit und Reichthum der Ausftattung je nachkommen zu können, vollkommen ausgefchloffen werden mufs. Während einestheils fichergeftellt ift, dafs die dem indogermanifchen Stamme angehörigen Griechen, Italiker und Kelten beim Ueberfchreiten des Hellefponts noch im Befitze von Tympanwagen waren und erft in ihren neuen Wohnfitzen die Speichenräder kennen lernten, reſpective felbft erfanden, fo berechtigt uns die auffallende Uebereinstimmung der den Germanen und Slaven als den jüngsten Gliedern desfelben Stammes eigenthümlichen Fuhrwerke fowie deren erhalten gebliebenen Befchreibungen zu der weiteren Annahme, dafs diefe zwei Völker bei dem fucceffiven Verlaffen ihrer früheren gemeinfchaftlichen afiatifchen Heimath bereits Speichenräder- Wagen hatten und im Befitz derfelben ftehend die Pontosflüffe hinaufzogen. Die bei den flavifchen Scythen fo ausgebildete Wagenbau- Kunft fowie die mit Hilfe der uneinnehmbaren fcythifchen Wagenburgen den perfifchen Weltbeherrschern beigebrachten fchweren Niederlagen( 500 vor Chr.) find ebenfo bekannt, als die den Cimbern und Teutonen fo verhängnifsvollen und mit deren Vernichtung fowie mit der Wegnahme ihrer Wagenburgen endigenden Doppelfchlachten von Aquæ Sextiæ und Vercellae ( 109 vor Chr.). In dem vom römifchen Feldherrn C. Marius über diefen Sieg erftatteten Berichte finden fich in der That bei der Aufzählung der erbeuteten Wagen zum gröfsten Theile nur folche, die bei den Römern nur mit Speichenrädern verfehen zu fein pflegten und wobei Currus, Rheda, Carpentum,( die letzteren wahrfcheinlich dem überwundenen Teutoboch und deffen Unterfeldherrn gehörig) mit der gröfsten Anzahl unter den Beuteftücken figurirten, während die Plauftra fehr fchwach vertreten waren und höchft wahrfcheinlich auf dem damals fchon ziemlich cultivirten Requifitionswege von den umliegenden gallifchen Völkerfchaften in den proviforifchen Befitz der Teutonen gelangt fein mochten. Die Völker des femitifchen Stammes haben als fpecififche Nomaden mit allfälliger Ausnahme der Phöniker keine befondere Veranlaffung bei Erfinduug und Ausbildung des Wagenbaues wahrnehmen können und diefs umfoweniger, als ihnen das„ Schiff der Wüfte" ohnehin die beften Dienfte leiftete, es finden fich auch weder in ihrer Mythologie noch Gefchichte derlei Erfindungsanfprüche erhoben oder auch nur angedeutet. Den Schriftgelehrten wird namentlich nicht unbekannt fein, dafs in der vorfalomonifchen Zeit das auserwählte Volk den Bedarf an Wagen in Egypten deckte und bei einer fpeciellen Gelegenheit auf einmal nicht weniger als 600 Wagen von dort importirte und das Stück mit 700 Silberlingen per comptant bezahlte. König Salomo felbft fah fich fpäter, ungefähr 1000 Jahre vor Chr., bei Gelegenheit des Tempelbaues gezwungen, die für die Tempel- Feuerwehr beftimmte Lieferung von zehn Wagengeftellen zum Tragen der zehn ehernen Wafferk effel dem phönikifchen Wagenbauer Hiram Abif in Tyrus zu übertragen( Buch I der Könige, 7. Capitel), da in der königlichen Refidenz Niemand die Lieferungsbedingniffe für die aus„ lauterem Erz" beizuftellenden Naben, Speichen, Felgen und Achfen einzuhalten im Stande war. Die bei den femitifchen Völkern damals fo auffallend zu Tage getretene Vernachläffigung des Wagenbaues konnte in der Gegenwart gewifs auf keine erfreulichere Weife als durch die bereitwilligfte Uebernahme der Verwaltungsforgen bei einem grofsen Theile der grofsen modernen Transportanftalten, wobei namentlich in Oefterreich mitunter eine wahrhaft antike Selbſtverleugnung entwickelt wird, gutgemacht werden. Neben der Conftruction des Wagens fpielt die zur Fortbewegung diefer höchft complicirten Mafchine angewendete Locomotionskraft eine fehr wichtige Rolle. In diefer Beziehung unterliegt es keinem Zweifel, dafs analog den während der Urzeit beim Fortwälzen der Laften angewendeten Hebebäumen auch die 6 M. B. Rideli. Vorwärtsbewegung der erften prähiftorifchen Wagen durch Anfchieben von rückwärts ftattfinden mufste, wobei der Herr der Schöpfung in Perfon oder durch feine Familienangehörigen die lebendige Kraft während einer ftattlichen Reihe von Jahrtaufenden beizuftellen bemüffigt war. Die„ Langwied" dürfte demnach bei einem vierrädrigen Wagen ein viel höheres Alter haben als die,, Deichfelft ange". Diefe Sachlage mufste auf die Länge fehr drückend und befchwerlich geworden fein, wie diefs aus dem grofsen in Griechenland entstandenen Jubel hervorgeht, als es Prometheus gelang, die erften Pferde vor den Wagen zu fpannen. Durch Zuführung diefes ebenfo ftarken als fleifsigen und an Nützlichkeit: nur dem fpäter gebändigten Rinde nachftehenden Mitarbeiters hat diefer im Alterthum fo hoch gefeierte Heroe unferen viel geplagten Urahnen nicht viel weniger Erleichterung verfchafft als durch feine, allerdings bei weitem wichtigere Erfindung des Feuerzündens. Prometheus fcheint anfänglich blofs zwei Roffe vorgefpannt zu haben, denn es entſtand ein weiterer Jubel, als Erichtonius bei den Panathäneifchen. Spielen zuerft mit einer Quadriga erfchien und den Preis gewann. Primus Erichthonius currus et quatuor aufus Jungere equos rapidisque rotis infiftere victor. ( Virg. III Georg.) Die darüber entstandene Freude war fo allgemein, dafs Erichthonius, wahrfcheinlich in Ermanglung einer einträglichen vacanten Sinecure bei einer Transportgefellſchaft, mit der damals üblichen höchften Auszeichnung", deren. Vorrath gegenwärtig leider fchon erfchöpft ift, beehrt und unter die Sterne verfetzt wurde, wo er als ,, Auriga" ohne Zweifel noch manche Conceffionsdauer überleben dürfte. Die beliebtefte, von den Vornehmen des Alterthums bei ihren fo vielfältigen Wagen benützte Befpannung war unftreitig die Quadriga; nur bei weiten Reifen wurde fie in Folge eines tief eingewurzelten Aberglaubens beinahe nie angewendet, indem es da nicht rathfam erfchien, durch ein allzulange andauerndes. Nebeneinanderfpannen von vier Pferden das Aufpicium jugi zu provociren. Diefes Aufpicium war aber von der allerbedenklichften Vorbedeutung und trat fofort ein, wenn die Quadriga gleichzeitig miftete. Es wurde daher bei längeren Reifen die gallifche Befpannungsart, nämlich. je zwei Pferde voreinander zur Anwendung gebracht. Das Zweigefpann( Biga) war, wie diefs auch heutzutage der Fall it, am häufigften gebraucht, minder häufig war das Dreigefpann( Triga, woraus die ruffifche Trojka) wobei dem mittleren im Joche ziehenden Pferde die Leitung zufiel, zum Unterfchied von dem keilförmigen aus der Tartarei ftammenden Dreigefpann, welches gegenwärtig in Wien bei den Omnibus- und Tramway Fuhrwerken zur Ueberwindung der Betriebsfchwierigkeiten bei gröfseren Steigungen oder bei Befahrung der Praterfümpfe ganz allgemein in Aufnahme zu kommen fcheint. Das Zehngefpann, Decemjuga, wurde zuerft von Kaifer Nero während der olympifchen Spiele beim Wagenrennen gebraucht. Der Kaifer wurde zwar gleich am Anfang des Rennens aus dem Wagen gefchleudert, nichts destoweniger aber mit dem erften Preife bedacht.** * Aeschylos läfst ihn in der Trilogie ,, die Prometheide" ausrufen:„ Ich der erfte habe ,, die gebifstragenden Roffe an den Wagen gefpannt". Πρῶτος ὑφ᾽ ἅρματ' ἤγαγον ψιληνίους " IRROUS ** ,, Eburneis quadrigis quotidie in abaco lufit.- Aurigavit quoque plurifariam. Olym ,, piis vero etiam decemjugem. Sed excuffus curru ac rurfus repofitus, cum perdurare non poffet, ,, deftitit aute decurfum, nec eo fecius coronatus eft". Suetonius. Liber VI, C. I. 24. Die Pferde wurden im Alterthum allgemein ins Joch gefpannt; bei der Quadriga war diefs namentlich bei den zwei inneren Deichfelpferden der Fall, während die äufseren zwei Pferde fiei an Strängen zogen und defswegen equi funales hiefsen. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 7 Der berühmtefte monumentale Wagen des Alterthums war unftreitig der Leichenwagen Alexander des Grofsen, deffen Conftruction zwei volle Jahre in Anfpruch nahm. Diefer königliche mit orientalifch- griechifcher Pracht ausgeftattete Leichenwagen wurde an vier Deichfelftangen von nicht weniger als 64 hochgewachfenen in vier Reihen im Joch gefpannten Maulthieren unter glänzender Begleitung im Jahre 321 vor Chr. von Babylon nach Alexandrien in Egypten geführt und die Ueberrefte des grofsen Eroberers in der letzteren von ihm gegründeten Stadt in einem eigens zu diefem Zwecke erbauten Tempel beigefetzt. Zur Befpannung des Wagens wurden nach Emancipation des Menfchen vom Wagenfchieben, von Alters her die verfchiedenartigften Zugthiere verwendet, von denen traditionsmäffig bei öffentlichen Feften und Spielen die unterfchiedlichen Fuhrwerke gezogen wurden und wobei neben dem ehrwürdigen Gaul und dem Maulthier, der Wolf, Bock, Ochfe, Büffel und mehrere Andere nicht fehlen durften. die Nach der Unterjochung der Welt durch die Römer wurden, um fouveräne plebs ftets bei guter Laune zu erhalten, von den jeweiligen Machthabern nach und nach Bären, Tiger, Löwen, Elephanten u. f. w. bei den Triumphund anderen feftlichen Umzügen als Gefpann vorgeführt. Der jugendliche Kaifer Heliogabal hat fpäter in der Abficht, den überfättigten Römern ,, Etwas noch nicht Dagewefenes" zu produciren, fogar das von ihm neuerfundene„ Pampillum", gezogen von einem Viergefpann junger Mädchen bei den Baalsfeften zur Verwendung gebracht und fich nicht entblödet, durch Prägung von darauf Bezug habenden Münzen und Medaillen die tugendhaften Lebensanfchauungen einer fpäten Nachwelt auf das Empfindlichfte zu kränken. In der Auffindung von ganz neuen Zugkräften hat jedoch erft die neuere Zeit das bei Weitem Unglaublichfte geleiftet. Als nämlich im vorigen Jahrhunderte bei einem europäiſchen Infulaner die beforgnifserregenden Symptome einer mehr oder weniger angeborenen Gemüthsdispofition in einem ftarren Hinblicken auf einen fiedenden Theekeffel Ausdruck fanden, wurde durch eine wohlthätige Erregung der lebhaften Phantafie des Patienten nicht nur deffen theilweife Heilung bewirkt, fondern auch das vollkommen unerwartete und höchft merkwürdige Naturgefetz entdeckt, wonach die Veränderung des Aggregatzuftandes des Waffers unter gewiffen Umftänden als bewegende Kraft verwendet und bei Fortfchaffung von Laften und Fuhrwerken anftatt der Büffel und Ochfen ausgenüzt werden könnte.* Die mit vollem Rechte ganz allgemein angenommenen Vorausfetzungen, dafs das auf der ganzen Erdoberfläche in unerfchöpflichen Maffen frei vorkommende, daher ungemein billige Subftrat diefer neuen Zugkraft, namentlich bei forgfältiger Aufserachtlaffung des fogenannten Wafferreinigungs- Apparates von Mr. Bérenger, eine ftetige Herabminderung der von den Spurbahnen abgeforderten Fahrpreife nach fich ziehen würde, find leider nicht in Erfüllung gegangen. Diefs zeigen nur zu deutlich die gegenwärtig in den fo unleidigen Tarifangelegenheiten permanent auf der Tagesordnung ftehenden Enqueten, Commiffionen und Petitionen, wobei noch immer fraglich ift adhuc sub judice lis est ob die ungerechtfertigte Ueberhandnahme diefes troftlofen Zuftandes von der Koft-- * Das wirklich Unerwartete diefer Erfindung wird nur durch die Perplexität des durch die plötzlich eingetretenen berühmten Bologneter Profeffors überboten, als diefer heftigen Zuckungen eines vollkommen verblichenen Batrachiers in Entfetzen verfiel, jedoch nach ruhigerer Erwägung und nach zweifellofer Conftat rung der bei diefem Vorfall wirkenden Naturgefetze der Urheber des gegenwärtig beide Hemisphären verbindenden Telegraphen geworden ift. Durch die Ausnützung diefer neuentdeckten Naturkräfte find feitdem in beiden Fällen die erfpriefslichften Refultate errungen worden, die nur durch den höchft unmässigen auch bei den unpaffendften Gelegenheiten wiederkehrenden Gebrauch von ſtereotypen auf um fo diefen Fortfchritt Bezug habenden Redewendungen beeinträchtigt erfcheinen, was bedauerlicher ift, als diefe monotonen rhetorifchen Behelfe zumeift von Perfonen und Corporationen herrühren, die in gar keinen irgendwie wahrnehmbaren Zufammenhang mit diefen Neuerungen gebracht werden können. 8 M. B. Rideli. fpieligkeit des Locomotions- oder aber des Verwaltungsmechanismus verfchuldet worden ift. Es ift begreiflich, dafs der Erfinder der neuen Zugkraft den Ehrgeiz befafs, für diefelbe auch einen ganz neuen originellen Bewegungsmechanismus zu conftruiren und es wurden zu diefem Zwecke in der That beim Beginne der Locomotionsexperimente anfänglich zwei Adhäfionskrallen beliebt welche durch den regulirten Dampfdruck alternirend vorgezogen und zurückgelegt, die dem thierifchen Laufe nachgeahmte Vorwärtsbewegung bei den zuerft in England conftruirten Locomotionsmafchinen vermitteln follten. Die Refultate haben bekanntlich den gehegten Erwartungen auch nicht entfprochen und man war gezwungen, zum ehrwürdigen alten Wagenrad, welches vor unzähligen Jahrtaufenden von prähiftorifchen und höchft wahrfcheinlich der Antropophagie noch eifrig huldigenden Wilden* erfunden und vervollkommnet worden war, reumüthig zurückzukehren. Die prähiftorifchen Erfinder waren übrigens auf die Vorzüglichkeit und relative Unentbehrlichkeit ihres rotirenden Werkzeuges nicht wenig ftolz und das von den modernen Eifenbahn- Auguren bewerkstelligte Abcopiren des auf antiken hetrurifchen Vafen als Attribut des Speichenrad- Erfinders Triptolemus vorkommenden geflügelten Rades fowie die gleichzeitige Adoption desfelben zum Symbole der Sicherheit und Schnelligkeit der Eifenbahn- Locomotion kann nur als ein unverantwortliches Plagiat bezeichnet werden. Diefes Vorgehen ift um fo bedauerlicher, als bekanntlich die Wahl diefes Emblems in Bezug auf deffen obenerwähnten conventionellen Sinn überdiefs bei mehreren Eifenbahnen mindeſtens als ziemlich unpaffend angefehen werden kann. Die allgemeinen Verdienfte des prähiftorifchen, ganz unbekannt gebliehenen Raderfinders können aber nicht beffer als durch Conftatirung der Thatfache gewürdigt werden, dafs, während z. B. nach Eliminirung der Dampfkraft alle damit zufammenhängenden Induftrien ihre leidliche Exiftenz auch ohne diefelbe weiter friften könnten, das momentane Verfchwinden des Rades hingegen den augenblicklichen Stillftand einer unendlich grofsen Anzahl von Induftrien inclufive der Landwirthfchaft zur unmittelbaren Folge haben müfste. Der Ausfpruch eines mit Recht gefeierten englifchen Forfchers, dafs es in der hiftorifchen Epoche wenig Fortfchritt gegeben habe, derfelbe aber in vorgefchichtlicher Zeit unendlich grofs gewefen fein müffe", hat nirgends mehr als beim Wagenbaue feine volle Richtigkeit und es mufs die von unferen Urahnen entwickelte Rührigkeit um fo höher angefchlagen werden, als neben den vielen ebenfo unentbehrlichen als höchft originellen Erfindungen auch die Sprache felbft fammt allen darauf bafirten Inftitutionen gefchaffen werden mufste. Nur diefer raftlofen Thätigkeit ift es zu verdanken, dafs die Gegenwart den früher in allem Ernfte geführten„ Kampf ums Dafein" mit akademifcher Gelaffenheit heutzutage als ftrittigés Theorem behandeln und fich des unter viel Müh' und Drangfal erfundenen Wagens beim Befitze der nöthigen Mittel, mit Ruhe erfreuen kann. Den folgenden Generationen fiel die verhältnifsmäfsig leichtere Aufgabe zu, diefe Erfindungen, worunter fich die fämmtlichen einfachen Elemente jeder + * Die neueften Forfchungen unferes berühmten vaterländifchen Ethnologen Friedrich Müller, fowie jene von Ernft Häckel, W. Bagehot und Anderen haben dargethan, dafs die fogenannten Menfchenfreffer nur mit dem gröfsten Widerftreben und nur aus dem Grunde ihren Nächften verzehren, weil fie der Meinung find, dafs nicht nur das Fleifch und die Knochen des Verfpeiften, fondern auch deffen hervorragende Eigenfchaften als: Tapferkeit, Schönheit, Muth, Erfindungsgabe.u. f. w. nach eventuell ftattgefundener Verdauung denfelben zugute kommen würden. Ohne irgendwie das mitunter fehr unerquickliche Verhältnifs zwifchen den zeitgenöffifchen Patentinhabern und Patentausübern berühren zu wollen, ift es dennoch fehr erfreulich, dafs aus Anlafs der Weltausftellung ein Patentcongrefs fich angelegen fein liefs, die verfchiedenen divergirenden Verhältnifse cer Patentintereffenten nach Thunlichkeit zu regeln, wodurch vielleicht für alle künftigen Zeiten jede Anlehnung an prähiftorifche Ufancen vermieden werden könnte, an welchem günftigen Refultate übrigens die Erwägung der vollkommenen Nutzlofigkeit diefer barbarifchen Uebungen den meiften Antheil haben dürfte. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 9 noch fo complicirten Mafchine befanden, zu fichten, ein genau fpecificirtes Inventar davon anzulegen, die Richtigkeit in Anwendung der unabänderlichen Naturgefetze mittelft a+ b nachzuweifen und die hieraus abgeleiteten mehr oder weniger klar gefafsten Lehrfätze in ebenfo voluminöfen als unverhältnifsmäfsig theueren Lehrbüchern über„ Mechanik und Maſchinenbau" zu compiliren. Am Schluffe diefer Einleitung dürfte es vielleicht erlaubt fein zu bemerken, dafs nach dem Dafürhalten der Linguiften die fprachlichen Bezeichnungen für die diverfen Wagenbeftandtheile bei allen, den europäiſchen Continent und deffen Infeln bewohnenden indogermanifchen Völkern eine überraschende Verwandtfchaft aufzuweifen haben. Diefe auffallende Aehnlichkeit wird auf den gemeinfchaftlichen Urfprung aller europäiſchen Sprachen aus dem Sanskrit zurückgeführt und findet felbftverſtändlich auf die innerhalb der compacten Maffen der indogermanifchen Ureinwohner fporadifch eingefprengten und davon auch fonft fpecififch verfchiedenen Turanier. und Semiten keine Anwendung. So wird beifpielsweife der Wagen im Sanskrit mit Ratha, der Fuhrmann mit Rutumanna und die im Wagen fahrenden mit Rhetica bezeichnet; die Gallier nannten aber das bei denfelben gebräuchlichfte Fuhrwerk Rheda, während bei den Römern rota ein Speichenrad bedeutet und alle romanifchen Völker fich ähnlicher Bezeichnungen für dasfelbe bedienen. Defsgleichen foll Ess im Sanskrit die Benennung für eine Achfe fein, die keltifchen Britannen bezeichneten aber mit Efs einen gewöhnlichen Wagen, mit Effeda einen Streitwagen; die Benennungen axis, axle, axe, effieu, affe, fowie bei den Slaven ofs( Achfe) und das derivirte wofs( Wagen) dürften einer und derfelben Quelle entftammen und vielleicht auch mit dem Namen der zu den Achfen fo häufig verwendeten Efche, engliſch afh, fraxinus, fraffino, flavifch jafion in irgend einer Beziehung ftehen. Noch prägnanter ift die Uebereinftimmung des fanfkritifchen Jugon mit Joch, joug, yoke, Cuyóv, jugum, il giogo, el Yugo, jarzmo, Igo, woraus dann Duga, die Benennung für den Bogen des Mittelpferdes bei der ruffifchen Trojka. Der Wagen verdankt feine Benennung wahrfcheinlich einem feiner conftitutiven Beftandtheile, der Waage, welche an der Deichfelftange wagrecht zum Anbringen der Zugkräfte befeftigt wird. Das Derivat ,, Waggon" ift bekanntlich von allen eifenbahnfahrenden Nationen beider Hemiſphären feit längerer Zeit ohne Schwierigkeit adoptirt worden. Der Fuhrwerke im Allgemeinen gab es mit Einſchluſs der landwirthschaftlichen, Kriegs-, Feuerwehr- und Rüft- Fuhrwerke, die auf den Strafsenbetrieb angewiefen find, auf der Wiener Ausftellung einige Taufend, davon follen jedoch im Folgenden blos jene Vehikel befprochen werden, die in der Anzahl von ungefähr 300 Stück zur Ausftellung gelangt find und als Laft- und Luxus- Fuhrwerke charakterifirt erfcheinen. Vorerft fei der vom ftändifchen Grazer Joanneum im Pavillon des erwähnt, welcher Amateurs ausgeftellt gewefene prähiftorifche Wagen nach feinem Fundorte und feiner wahrfcheinlichen Beftimmung ,, Stretweger Opferwagen" geheifsen, ein werthvolles Unicum bildet und in Fig. 2 abgebildet ift. Unter allen bis jetzt bekannt gewordenen prähiftorifchen Fuhrwerken ift diefs unftreitig das ältefte fowie auch das befterhaltene Wagen exemplar, ftammend aus jener grauen Vorzeit, wo die Steiermark, namentlich die Gegend um Judenburg noch von Kelten bewohnt war und deffen Alter nach vielen Jahrtaufenden zu bemeffen fein wird. Der in der Mitte angebrachte Ständer, fowie 12 Figuren, welche, zum Theile mit einem männlich- kriegerifchen Schmucke angethan, den oberen Theil des durchgehends bronzenen, von edlem Rofte( Aerugo nobilis oder Patina) überwucherten Fuhrwerkes zierten, find in der Zeichnung als für den vorliegenden Fall minder wefentlich, weggelaffen. Die zwei Haupttragbalken eines jeden vierrädrigen Wagens 10 M. B. Rideli. Fig. 2. Prähiftorifcher Bronzewagen. nämlich die Achfen, fowie die zwei Längenbalken beftanden aus gewalztem Bronzeblech, während die mit conifchen fowohl als jene mit flachen Köpfen verfehenen und zur Befeftigung an eine Unterlage erforderlichen Bronzenägel wegen der aufserordentlich genauen Uebereinftimmung in ihren Dimenfionen offenbar Mafchinennägel gewefen fein müffen. Der Wagen hatte vier auf den ausgefchmiedeten Achfenftummeln rotirende Speichenräder aus Bronzegufs; aus Allem diefem ift aber erfichtlich, dafs die Anwendung von metallifchen Poutrellen und von metallifchen Rädern beim Wagenbaue fchon in der graueften Vorzeit bekannt war und dafs anderfeits zwifchen den damaligen Vorbildern der heutigen Engländer, nämlich den metallkundigen Etruskern und den auf einer verhältnifsmäfsig fehr tiefen Culturftufe ftehenden fteierifchen Kelten in der Bronzezeit ein recht lebhafter Austaufch von bronzenen Räderpaaren, gewalzten Bronzeblechen und Maſchinennägeln aus Erz gegen keltifche Bärendecken, Flachs u. f. w. ftattgefunden haben müffe. Diefer Stretweger Wagen erlaubt aber den weiteren wichtigen Schlufs, dafs die anderen gleichzeitig gebrauchten Fuhrwerke ebenfalls einen hohen Grad von Vollkommenheit bereits erreicht haben mufsten, dafs fomit für den Anfang der Benützung des Wagens überhaupt, refpective für die Erfindung diefer Vorrichtung auf einen Zeitpunkt der Vergangenheit zurückgegriffen werden müffe, der viele Combinationen über den muthmafslichen Gang der Entwicklung des Menfchengefchlechtes zu erfchüttern im Stande wäre. Einen directen Gegenfatz zu diefem bronzenen Wagen bildete der im Szeklerhaufe zur Ausftellung gelangte, in einem grofsen Theile Siebenbürgens allgemein in Verwendung ftehende Szeklerwagen, deffen Beftandtheile bis auf den eifernen Reibnagel und einige wenige eiferne Klammern durchwegs aus Holz ausgeführt waren und deffen Abbildung in Fig. 3 folgt. Der Durchmeffer der vorderen Räder betrug o 800 Meter, jener der rückwärtigen Räder 0.900 Meter bei einem Radftande von 1500 Meter und einer Spurweite der rückwärtigen Räder von 1150 Meter. Die Achfen diefes Wagens ebenfo wie die Radfelgen, die Wage und die Drittel waren aus Rothbuchen, während die Radnaben und die Speichen aus Eichenholz beftanden. Die vorderen Leixen ftanden fenkrecht auf dem Wendfcheit, die hinteren fenkrecht auf der rückwärtigen Achsfchale und gaben im Zufammenhange mit den übrigen Dimenfionen der Vermuthung Raum, dafs aus diefem Wagen fich nach und nach der nationale ungarifche ,, Sandlaufer" entwickelt haben müffe. Zwifchen den Leixen ftand der Kaften aus Fichtenholz und war darüber eine Rohrdecke angebracht. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 11 Der Szeklerwagen. Fig. 3. Die gegenwärtig in Chiwa und Turkeftan gebräuchlichen Wagen find mit dem vorliegenden Szekler- Wagen beinahe identifch; bei der Belagerung von Wien im Jahre 1683 war diefe Art von Packwagen bei der türkifch- ungarifchen Belagerungs- Armee vorherrfchend, wie die aus jener Zeit ftammenden in der hiftorifchen Ausftellung der Stadt Wien befindlich gewefenen Abbildungen gezeigt haben. Diefer Ahnherr des„ Sandlaufers" fcheint alfo der Provenienz nach turanifchen Urfprunges zu fein, und dürfte bereits bei den Siegeszügen des Attila zum Transporte von Rüftgegenständen, Proviant, Beuteftücken u. f. w. Verwendung gefunden haben. 12 M. B. Rideli. Später erfcheint diefes Fuhrwerk noch einmal als unvermeidlicher Begleiter der erobernden Ungarn bei deren verheerenden Kriegszügen zwifchen Leitha und Rhein, gleichwie auch in Ober- Italien, bis durch den von Kaifer Otto I. am 10. Auguft 955 im Lechfelde herbeigeführten Zwifchenfall diefer handliche Wagen für eine Reihe von Jahrhunderten der friedlichen Benützung zurückgegeben werden konnte. Gegenwärtig wird derfelbe von den Szeklern in Siebenbürgen bei der Landwirthfchaft fowohl als auch beim Transporte von Gütern, namentlich aber bei der Verführung vom Borszeker Sauerbrunnen mitunter auf fehr bedeutende Entfernungen in Verwendung gehalten.. Die erften vierrädrigen Wagen haben wahrfcheinlich jene primitive Form befeffen, zu welcher gegenwärtig die vierrädrigen Eifenbahn- Waggons endlich zurückgeführt worden find, fie entbehrten nämlich einer Vorrichtung zum Umwenden des Wagens, wie diefs ja auch beim Stretweger Bronzewagen der Fall ift. Diefe Vorrichtung ift gegenwärtig bei allen Wagen in der Hauptfache vollkommen übereinftimmend. Gleichwie bei fämmtlichen anderen Fuhrwerken bildet auch beim vorliegenden Szekler- Wagen der durch die Mitte des Wendfcheites, der Achsfchale und des Achsftockes, fowie durch das vordere Ende der beide Achfen verbindenden Langwied gefteckte Reibnagel das Pivot bei der Umdrehung des Vordergeftelles, wobei die Reibflächen zwifchen Wendfcheit und Achsfchale zu liegen kommen, und das mit dem oberen Wagentheil feft verbundene Wendfcheit unbeweglich bleibt. Die am Befeftigungspunkte der Wage gabelförmig von der Deichfelftange abzweigenden, zwifchen Achfe und Achsfchale eingekeilten und damit feft verbundenen zwei Stangenarme find an ihren Enden durch ein bogenförmiges Holzftück, das ,, Reibfcheit", zufammengehalten, welches bei einer durch die feitliche Bewegung der Deichfelftange bewirkten Umdrehung des Vordergeftelles unter der Langwied gleitet, und wegen der dabei ftattfindenden rafchen Abnützung an der Reibfläche gewöhnlich mit Blech befchlagen ift. Diefes bei fämmtlichen in Wien zur Ausftellung gelangten Fracht- und Laftwagen angewendete Untergeftelle hat feit feiner uns durch die egyptifchen Denkmäler bekannt gewordene Einrichtung, fomit innerhalb der letzten 6000 Jahre in Wefenheit gar keine Veränderung erlitten, und mufs diefe Behauptung auch in Bezug auf das letzte zwifchen der Parifer und Wiener Weltausstellung begriffene Luftrum aufrecht erhalten werden. Das Untergeftelle jener Fuhrwerke, welche ausfchliefslich auf die Locomotion von Perfonen beftimmt, entweder durch Auspolfterung und Decorirung der im Inneren des Wagens ausgemittelten Sitzplätze oder durch luxuriöfe Ausftattung der äufseren Wagenbeftandtheile von allen anderen Vehikeln unterfchieden und als Luxuswagen bezeichnet werden, war bei den Alten von dem foeben befprochenen Untergeftelle nicht verfchieden. Diejenigen Theile des Wagens jedoch, welche zu diefem Zwecke dem Untergeftelle aufgefetzt, und in der antiken Wagenbau- Kunft mit dem fo prägnanten Ausdrucke ,, Hypertheria" bezeichnet wurden, bildeten durch ihre zweckmäfsige Gliederung und durch ihren fymmetrifchen Zufammenhang mit dem Untergeftelle jenes harmonifche Ganze, welches, da eine Renaiffance der Wagenbau- Kunft noch immer ausftändig ift, leider der Mehrzahl der modernen Luxuswagen, bei denen die monftröfe, häufig bis zu einem Drittel der Kaftenhöhe unterachfig geftellte Tragfeffel- Form definitiv adoptirt worden ift, vollkommen abzugehen fcheint. Die meiſten Veränderungen haben beim Vordergeftelle ftattgefunden, indem fowohl das mit dem Obergeftelle, refpective mit dem Kutfchbock feft verbundene Wendfcheit, als auch die Achsfchale in ,, Sproffenftänder" umgewandelt wurden, welche je einen„ Felgenkranz" tragen, und innerhalb derfelben die Drehung des Vordergeftelles um den mittlerweile zu einer„ Spindel" avancirten Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 13 Reibnagel infoweit möglich machen, als diefs die Stellung der Langwied geftattet. Aufser diefer, den Wegfall des Reibfcheites" unter Einem in fich fchliefsenden Veränderung ift aber das Untergeftelle der meiften modernen Luxuswagen auch noch durch Einfchaltung eines ganz neuen, die gröfste Mannigfaltigkeit im Bau des Obergeftelles mit fich führenden Elementes, nämlich der Wagenfeder gründlich modificirt worden. Es mufs aber fogleich erinnert werden, dafs die meiften durch das Hinzutreten von neuen Elementen im Bau von Luxuswagen hervorgerufenen Fortfchrittebereits im Laufe des vorigen und in der erften Hälfte des gegenwärtigen Jahrhundertes zu Tage getreten find, und nur ein verhältnifsmäfsig fehr geringer beinahe vollkommen verfchwindender aliquoter Theil davon der feit der letzten Parifer Weltausftellung verfloffenen Zeit gutgefchrieben werden könne. Es wird fonach die uns obliegende Aufgabe nicht fowohl darin beftehen. müffen, die abfolut conftatirten, feit den letzten fünf Jahren vor fich gegangenen Fortfchritte im Bau von Strafsen Fuhrwerken zum alleinigen Gegenftande diefer Zeilen zu machen, da in diefem Falle fchon einige Worte die Materie erfchöpfen würden, als vielmehr neben der Befchreibung der wirklich zur Ausstellung gelangten diverfen Fahrzeuge auch wo möglich eine objective Beurtheilung derfelben fowie die Art und Weife ihrer Entwicklung zu liefern. Denn allerdings fcheinen z. B. auf den erften Blick zwifchen dem eingangs befprochenen Szeklerwagen und einem„ huitrefforts" von Mrs. Binder frères in Paris alle Vergleichungselemente vollſtändig abzugehen, bei näherer Betrachtung der fucceffive zur Auswechslung oder zur Einfchaltung gelangenden Aequivalente ift jedoch der ftetige Uebergang fehr wohl bemerkbar, wenn hiebei fchliefslich auch keine gröfsere Aehnlichkeit herausgefunden werden follte, als ungefähr zwifchen einem Trilobiten aus dem böhmifchen Silur und einem„ modernen" Hummer aus der Adria. Japan. Aus Japan gelangten zwei kleine Rollwagen zur Ausftellung, deren fämmtliche Beftandtheile, inclufive Achfen und Federn, von einem der drei in Kioto bereits etablirten japanifchen Equipagenfabrikanten erzeugt worden find. Der aus Fichtenholz( Hinoki) beftehende Kaften des einen diefer zweirädrigen Wägelchens hatte einen fchwarzen Anftrich, deffen forgfältige Lackirung die charakteriftifchen fehr fchwach profilirten goldenen Verzierungen hervortreten liefs; die Räder hatten I Meter im Durchmeffer und waren wie überhaupt das ganze Untergeftell fchwarz lackirt, roth befchnitten; der gepolsterte Sitz war mit fchwarzem Sammt und fchwerer fchwarzer Seide ausgefchlagen. Das Verdeck diefes Wagens beftand aus einem wafferdichten, fchwarzen Seidenftoff, gefüttert mit weifser Seide. Bei den Rädern waren die Naben aus Ruftenholz( ulmus campestris), die Radfelgen, die Speichen und die Deichfelftange aus Efchenholz; fowohl Achfen als Feder- Hängtafchen waren aus Schmiedeeifen, die elliptifchen Druckfedern aus Cementftahl. Der andere japanifche Rollwagen hatte eine ganz analoge Conftruction, unterfchied fich jedoch von dem vorſtehenden durch feine innere Ausftattung. Das Untergeftell war braun lackirt, der Sitz mit buntem Seidenbrokat ausgefchlagen, die Wagenkiffen mit blauem Goldbrokat überzogen. Aufser diefen zwei Rollwagen find im Pavillon des kleinen Kindes noch zwei Kinderwagen, und zwar Tricycles aus Japan zur Ausftellung gelangt. Die Japanefen find bekanntlich gegenwärtig in einem fehr merkwürdigen Uebergangsftadium begriffen, indem diefelben der feit Jahrtaufenden gepflogenen Nachahmung des übrigens fehr erfindungsreichen, originellen Chinefen überdrüffig geworden, nunmehr mit einer oft krankhaften Ueberftürzung daran gehen, die Europäer in Allem und Jedem zum nachahmungswürdigen Mufter zu nehmen. 14 M. B. Rideli. Diefe Neigung äufsert fich auch beim Gebrauche der Luxuswagen, in Folge deffen die früher nach chinefifcher Sitte allgemein üblich gewefenen Sänften, wovon einige Modelle auch zur Ausftellung gelangten, nach und nach in der letzteren Zeit bei Seite gefchoben worden find, um den europäifchen Equipagen Platz zu machen. Die Japaner haben jedoch nicht die geringfte Abficht, diefe Objecte von Europa in ihr Land zu importiren; es find im Gegentheil viele Anzeichen vorhanden, dafs fie in den errichteten Wagenbau- Anftalten nicht nur ihren eigenen Bedarf an Wagen zu decken wünſchen, als vielmehr die Engländer und Holländer nachahmend, durch Export derfelben erkleckliche Summen ins Verdienen zu bringen hoffen. Die in der Japanefifchen Abtheilung zur Ausstellung gekommenen Eifenerze und die daraus gewonnenen Hüttenproducte geftatten die Annahme, dafs die zur Wagenfabrication nothwendigen Eifen- und Stahl- Beftandtheile im Ueberfluffe und aufserdem von einer fehr guten Qualität im Lande felbft vorhanden find. Die reichhaltige japaniſche Holzausftellung hat aufser den bei der Con ftruction der Wagencarcaffe verwenbaren, in den gröfsten Quantitäten vorkom. menden gemeinen Holzgattungen auch die vortrefflichften Werkhölzer vorgeführt, worunter beiſpielsweife Taxus cuspidata ein lebhaft fleifchrothes, Liviftona chinensis ein ausgezeichnet getigertes, Dyftilium racemosum ein dunkel violettes, ungemein dichtes Material liefern, wodurch fowohl das Mahagony- als das Nufsholz bei der Verkleidung des Wagenkaftens mit viel Vortheil erfetzt werden kann. Da überdiefs der feiner Zeit nach Europa aus China introducirte feinfte Kutfchenlack", fowie auch vieux lacq" gegenwärtig in Japan noch immer viel beffer als in Europa nachgeahmt wird und in diefem Fabrikationszweige felbft Nobles& Hoare in England den Japanefen nachftehen, auch die zur inneren Ausftattung mitunter verwendeten fchweren Seidenftoffe nicht nothwendigerweife aus Lyon bezogen werden müffen und fchliefslich für die in Europa gegenwärtig übliche Zeichnung des Kaftenprofils am Ende die japanefifchen Künftler recht gut auch ohne fremde Beihilfe aufkommen dürften, fo kann der japanefifchen Wagenfabrication ein ganz günftiges Horofkop für die Zukunft geftellt werden. Durch diefe und ähnliche andere Umftände wird aber auch erklärlich, warum von gewiffer Seite feit einiger Zeit der aufserordentlichen Gelehrigkeit der Japanefen nur mit getheilten Freudegefühlen Erwähnung gefchieht und die früher fonft allgemein üblich gewefenen Ausbrüche der höchften Bewunderung nur in Begleitung einer dämpfenden Sourdine zum Ausdrucke gelangen können. China. Die Ausftellung von China war in Anbetracht der Wichtigkeit diefes mächtigften afatifchen Reiches, welches um 150 Millionen Einwohner mehr zählt, als alle europäiſchen Staaten zufammengenommen, diefen Verhältniffen nicht im Entfernteften adäquat und auch nur von dritten Perfonen, unter Ausfchlufs von wirklichen Chinefen, befchickt. Nachftehend folgt in Fig. 4 der in einem Theile diefes ebenfo grofsen als ehrwürdigen Reiches der Mitte gebräuchliche Schubkarren, wovon zwei ziemlich gleiche Exemplare zur Ausftellung gelangten. Das o 900 Meter im Durchmeffer haltende Schubkarrenrad war nach obenzu durch einen aus horizontalen Stäben gebildeten Korb gefchützt, der ftark genug fchien, um darüber etwa in Säcken verpackte Transportobjecte ausbreiten zu können. Dem Korbe und gleichzeitig der Radachfe, diente die zur weiteren Aufnahme der Laft taugliche Plattform zur Stütze, deren Handhaben bei einer Länge von 2 Meter, am äufserften Ende 1 Meter von einander abftanden und durch diefes bedeutende Ecartement dem Arbeiter das. Erhalten der Laft im Gleichgewichte wefentlich erleichterten. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 15 Fig. 4. Chinefifcher Schubkarren. Korb und Plattiorm waren aus Buchenholz, die 0100 Meter hohen und 30 Millimeter dicken Radfelgen aus Pappelholz, die 18 Radfpeichen von 25 Millimeter Dicke aus Efchen. An den Tragarmen waren Stützen zum Ausruhen und dazwifchen ein kleiner korbähnlicher Behälter für die von den Coolies nicht leicht zu vermiffenden kleineren Werkzeuge angebracht. Die hölzerne Achfe fteckte in Lagern, die an den zwei Hauptarmen befeftigt waren. Da bei diefer Conftruction des Schiebkarrens die Laft ganz vom Rade getragen wird, fo handelt es fich bei Feftftellung des auf horizontaler Bahn durch ein Individuum geleifteten Nutzeffectes blos um die Ueberwindung der Reibung, und wenn deren Coëfficient unter Berücksichtigung des bedeutenden Raddurchmeffers mit 30 der Laft angenommen wird, fo ftellt fich für MGK bei der Annahme von M50 und K= 130, der Werth von G50.30 oder 1500 Kilogramm. Ganz anders ftellt fich diefer Nutzeffect bei einer Steigung von 1/10, wo derfelbe auf 484 Kilogramm herabfinkt. Selbſtverſtändlich mufs eine gute harte Bahn, wie fie übrigens auf den vortrefflich erhaltenen chinefifchen Strafsen allgemein zu finden, vorausgefetzt und eine eiferne Achfe ftatt der holzernen angenommen werden. Der Gebrauch diefes Schiebkarrens dürfte fich auf den Transport von voluminöfen Gegenftänden, wie folche etwa von Landleuten zu Markte gebracht werden, befchränken und für die Erd- und Schotterverführungen weniger geeignet fein. Die vor ungefähr 200 Jahren in Frankreich zuerft von Pascal angegebene Form des einarmigen Hebels, welche feitdem als unfer gewöhnlicher Schiebkarren ganz allgemein zur Verwendung gekommen ift, unterfcheidet fich fomit ganz wefentlich von dem chinefifchen, da bei dem europäifchen Schiebkarren die Laft 2 16 M. B. Rideli. zwifchen dem Unterftützungspunkte des Rades und dem Angriffpunkte der Kraft zu liegen kommt und die Arbeitskraft neben der Ueberwindung der Reibung auch zur Hebung der Laft herangezogen werden mufs. Ein Vergleich diefes chinefifchen mit einem in der öfterreichifchen Abtheilung von Jacobfon aus Makow in Galizien ausgeftellten gewöhnlichen Schiebkarren, deffen Rad o 400 Meter im Durchmeffer, die totale Länge 1600 Meter, die Entfernung des Kaftenmittelpunktes von der Achfenmitte o 600 Meter betrug, hat bei der Annahme von 1/20 der Laft als Reibungs- Coëfficienten für die horizontale Bahn bei fonft gleichen Verhältniffen einen Nutzeffect von 123 Kilogramm und für 1/10 Steigung einen folchen von 107 Kilogramm ergeben. Es verhält fich daher die Leiftung diefer beiden Schiebkarren auf horizontaler Bahn wie 123: 1500 oder 1: 12 und bei 1/10 Steigung wie 107: 484 oder 1: 45; in jedem Falle refultirt aber daraus die einigermafsen fchmerzvolle Wahrnehmung, dafs die galizifchen Schiebkarren- Erzeuger beim letzten Völkerturnier von den chinefifchen Fabrikanten um mehrere Nafenlängen total aus dem Felde gefchlagen worden find und nur den Troft übrig haben, nach drei Jahren hoffentlich in Philadelphia diefe Scharte wieder auswetzen zu können.* Türkei. Die Türkei befchickte die Wiener Weltausftellung mit einem Fuhrwerke, welches, am äufserften Ende der öftlichen Hauptgallerie aufgeftellt, durch die Conftruction fowohl als durch die lebhaften Farben der äufseren Ausftattung einen grofsen Erfolg bei den Befuchern davontrug. Beim Untergeftelle diefes Wagens mafsen die Vorderräder 110 Meter im Durchmeffer, die rückwärtigen Räder 130 Meter bei einem Radftande von 2 Meter, der Kaften in der totalen Länge von 3:20 Meter, vorne und rückwärts offen, erhob fich über den Boden um 120 Meter auf einer Achsfchale von 0.570 Meter Höhe; das Untergeftell hatte einen hochrothen Anftrich, der Kaften fowohl als die Achsfchalen waren grün, mit vergoldeten Zierathen reichlich gefchmückt und das Ganze mit einem purpurrothen mit goldenen Franfen verfehenen Verdecke überhängt. Das Einſteigen fand an der offenen rückwärtigen Stirnfeite wegen der bedeutenden Höhe mittelft einer reichverzierten Leiter von 1500 Meter Länge ftatt, welche beim Gebrauche in zwei an der Achsfchale angebrachte Haken eingehängt wurde. Die reichverzierte Deichfelftange hatte keine Stangenarme, als deren Aequivalent fteckte jedoch ein o 600 Meter breites, als Kutfcherfitz verwendbares Deichfelbret zwifchen dem eichenen Achsftocke und der Achsfchale, welche Bestandtheile fämmtlich durch den entfprechend langen Reibnagel zufammengehalten wurden. Diefer Wagen wird von den Türken Araba oder Eküfs Arabaffe genannt und befonders in Kleinafien noch immer als Promenadevehikel für die Haremzöglinge verwendet. Diefem Zwecke entſprechend. ift auch die innere mit Polftern und Teppichen reichlich verfehene Ausftattung eingerichtet. Die Annehmlichkeiten des Fahrens erfcheinen nur infoferne bei der Araba beeinträchtigt, als diefes Fuhrwerk der Wagenfedern vollkommen entbehrt. Die Araba war für ein Büffelgefpann berechnet und bildeten auch die zwei mit Spiegeln verzierten und meifterhaft gearbeiteten Büffeljoche fammt dem dazugehörigen buntfärbigen Fliegenwedel während der ganzen Dauer der Weltausftellung den Gegenftand einer ungetheilten Bewunderung. * Die Schubkarren waren den Alten vollkommen unbekannt. Es erhellt diefs auch bei Suetonius, Lib. VI ,, de Caefaribus", wo bei Erwähnung der vom Imperator Nero begonnenen Durchftechung des Ifthmus vor Korinth folgende Stelle vorkommt: ,, Ifthmum perfodere agreffus, primus raftello humum effodit et corbulæ congeftam humeris extulit." Die auf den Bau der Pyramiden Bezug habenden Darftellungen zeigen nur zweirädrige Karren und Tragkörbe. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 17 Die Befchreibung jenes Wagens, deffen fich der altersfchwache König Priamos und deffen Prinzeffinen während der langwierigen Belagerung von Ilium bei ihren Ausflügen oder beim Revuepaffiren der trojanifchen Truppen bedienten, und welcher von Homer fo häufig unter der Benennung Apene erwähnt wird, pafst ziemlich vollständig auf die in Wien ausgeftellt gewefene Araba. Diefe Befchreibung konnte fich allerdings auf den zu diefem Fuhrwerke gehörigen und mitausgeftellten 2 Meter langen, 20 Millimeter dicken Spiefs, welcher gegenwärtig in Kleinafien zum Behufe der Aufmunterung des Büffelgefpannes in Verwendung fteht, noch nicht erftrecken, indem zu jener Zeit die Alten das Ochfen- und Büffelgefpann ihrer Fuhrwerke durch das Gebell von fpeciell zu diefem Zwecke dreffirten Haushunden zum eifrigen Vorwärtsfchreiten anzutreiben pflegten. Namentlich waren es Mopse und Bulldoggen, welchen auf antiken Münzen und Sculpturen diefe Rolle zugedacht erfcheint, und wobei die Vermuthung berechtigt ift, dafs vielleicht der heutige Stallpintfcher( Canis Gryphus) das letzte, diefem einft fo allgemeinen Gebrauche zu Grunde liegende Ueberlebfel fein könnte. Die ausgeftellte Araba wurde in Conftantinopel von den Zöglingen der dortigen türkifchen Gewerbefchule mit viel Sorgfalt ausgeführt und ift diefelbe von einem englifchen Muſeum käuflich erworben worden. Es fteht daher zu erwarten, dafs diefelbe eheftens in irgend einer modificirten Geftalt vervielfältigt werden dürfte, nachdem bereits ein Beftandtheil derfelben, nämlich die zum Hinauffteigen der Damen beftimmte Leiter vorläufig bei mehreren in Wien ausgeftellt gewefenen englifchen Luxus- Fuhrwerken, wenn auch nicht in der hier vorgelegenen zierlichen Form, in Verwendung genommen worden ift. Rufsland. Ein aufmerkfamer Zeitgenoffe der Wiener Weltausftellung der, vom fernen Often aus feine Wanderungen beginnend, zur fucceffiven Bereicherung feiner Kenntniffe nach entgegengefetzter Richtung feine weiteren Schritte, gelenkt hatte, mufste in Bezug auf die Fabrication von Strafsen- Fuhrwerken, da Japan, China und die Türkei fowie auch Perfien nur verhältnifsmäfsig fehr fpärlich vertreten waren, zuerft in der Mafchinenhalle auf Rufsland als jenes Reich ftofsen, wo diefer Fabricationszweig nicht nur fehr ausgebildet, fondern auch, um eine von der Tagesliteratur allgemein adoptirte, leider durch zu häufigen Gebrauch beinahe fchon ganz unwirkfam gewordene Phrafe zu gebrauchen, ganz auf der Höhe der Zeit" ftehend erfcheint. Die Parifer Ausftellung 1867 wurde von Rufsland mit acht Fuhrwerken, wovon fieben Wagen und ein Schlitten, befchickt, während in Wien 17 Luxuswagen und vier Schlitten von Rufsland zur Ausftellung gebracht worden find. Es wurde fchon oben bei Befprechung des Szeklerwagens, als Repräfentanten der in Centralafien noch gegenwärtig üblichen turanifchen Fuhrwerke, erwähnt, dafs die conftitutiven Beftandtheile der gegenwärtig auf beiden Hemi fphären in Gebrauch ftehenden Strafsenfuhrwerke bis auf ein einziges Element fich bereits bei diefem Wagen nachweifen laffen, und dafs diefes eine Element von der elaftifchen Wagenfeder gebildet wird. Diefem Elemente kommt aber in der That eine fo wichtige Rolle zu, dafs es faft unmöglich erfcheint, die fucceffive Entwicklung desfelben zum Behufe der Beurtheilung des gegenwärtigen Standes des Wagenbaues mit Stillfchweigen zu übergehen. Wenn die elaftifche Wagenfeder als eine Vorrichtung aufgefafst wird, welche den Zweck hat, die bei der Vorwärtsbewegung eines Fuhrwerkes auf die Räder und mittelbar auf die Wagenachfe wirkenden Stöfse entweder ganz aufzuheben oder nur bedeutend vermindert zum Wagenkaften und deffen Inhalt gelangen zu laffen, fo mufs nach vielen fruchtlofen Verfuchen zur Habhaftwerdung von Gegengründen angenommen werden, dafs diefe Wirkung der elaftifchen Wagenfeder den Alten vollkommen unbekannt geblieben ift. 2* 18 M. B. Rideli. Eine derartige Wirkfamkeit ift nämlich nur dann möglich, wenn die Wagenfeder aufserhalb des Wagenkaftens, und zwar zwifchen denfelben und die Achfe eingefchaltet gedacht wird; diefe Lage kommt aber dem höhnifchen„ plumis penfilibus vehi" von Juvenal, oder den„ ofcilla mollia", wovon fehr häufig bei den Römern Erwähnung gefchieht, gar nicht zu, und kann nur auf die verfchiedenen Kiffen, Teppiche u. f. w., welche innerhalb des Wagenkaftens mittelft Riemen, Schnüren aufgehängt wurden und den beabfichtigten Zweck der Verminderung des Stofses, wenn auch in einer minder vollkommenen Weife, erreichten, Bezug haben. Die Hypertheria oder das gefammte Obergeftelle inclufive des Wagenkaftens waren aber unmittelbar auf den Achfen befeftigt, fowie auch der Vorderwagen mittelft des Reibfcheites und nicht im Scheibengeftelle oder Felgenkranze umgedreht werden konnte. Diefs fchliefst jedoch nicht aus, dafs die Alten in Bezug auf die raffinirteften Bequemlichkeitseinrichtungen bei ihren Wagen eine ebenfo grofse Sorgfalt verwendeten, als auf die äufsere Pracht derfelben; fo wurden beifpielsweife nach Ermordung des Kaifers Commodus von deffen Nachiolger Pertinax eine Unzahl Hofwagen verkauft, die fchon ihrer Benennung nach: Carucca dormitoria, Carucca lusoria, Schlafcaroffe, Spielcaroffe u. f. w. eine ebenfo forgfältige als bequeme innere Einrichtung verrathen, wobei auch ein Wagen mit einer Vorrichtung zum Abmeffen des zurückgelegten Weges mit unter den Hammer kam und für diefen von den koftbarften Edelſteinen und Metallen ftrotzenden Wagenpark ein aufserordentlich hoher Kauffchilling realifirt werden konnte. Es liegt die Vermuthung nahe, dafs ein Theil der fo häufig noch vorkommenden antiken Metallfeder- Spiralen als Möbelfedern verwendet wurde, namentlich könnte diefs bei den von Georg Rath aus Peft in der ungarifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen fehr gut erhaltenen cylindrifchen Federfpiralen von circa o 200 Meter Höhe und 80 Millimeter Durchmeffer im Lichten bei 2 Millimetern Fleifchdicke, beiderfeits mit Spiralkappen gefchloffen, der Fall gewefen fein, wovon auch im k. k. Antiken- Cabinet ähnliche Exemplare vorkommen, in welcher Form diefer antike Reffort à boudin bei der inneren Wagengarnirung der Alten eine fehr wichtige Rolle gefpielt haben dürfte. Mit dem Verfalle des römifchen Reiches verfiel auch die Kunft und die Pracht der fchönen antiken Wagen, fie verfchwanden und wurden durch einfachere Fuhrwerke erfetzt. In den erften chriftlichen Jahrhunderten war die Form der neu eingeführten Fuhrwerke noch unbeftimmt, obgleich genug vortreffliche Urbilder zur Nachahmung von den Römern übrig geblieben waren. Aber die Form der Wagen jener erften Chriften durfte nichts Aehnliches mit denen des Heidenthums an sich tragen, die früher meiftens den Götzen und ihren Dienften, fowie den Prieſtern gewidmet waren, daher trugen die erften felbftftändigen Bauwerke, fowie alle da maligen Kunftverfuche der beginnenden chriftlichen Epoche den fchweren Stempel der Gefchmacklofigkeit. Während des Mittelalters erhielt fich in den ehemals den Römern unterworfenen Ländern von den früher in Gebrauch geftandenen Fuhrwerken blos die vierrädrige gallifche Rheda, die übrigens mit der heutigen ruffifchen Kibitka grofse Aehnlichkeit hat, und der zweirädrige gallifche Kar( davon der jetzige Char, Chariot), welchen die Franken fpäter durchgehends mit Speichenrädern verfehen hatten, der aber fonft und auch in Bezug auf die in langen Reihen einzelweiſe vorgefpannten Zugthiere genau fo ausfieht, wie er vor beinahe 2000 Jahren von Julius Caefar gefchildert wird. Nachdem ein Theil der reifenden Menfchheit die längfte Zeit hierauf im Bauernwagen rechtfchaffen gefchüttelt worden war, während nur die Bevorzugten fich in Sänften tragen liefsen, kam man auf den Einfall, diefe zwei Locomotionsarten zu vereinigen und von der Wagenleiter blos die zwei unteren Schrotbäume auf den Untergeftellen zu belaffen, dazwifchen aber eine mehr oder weniger reich verzierte Sänfte in zwei breiten Riemen, welche nach Bedürfnifs mitfammt der Sänfte Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 19 mittelft zweier über den Achfen placirter Riemen- Winden höher oder tiefer gefpannt werden konnten, einzuhängen, die Sänfte aber überdiefs, um das feitliche Umkippen zu verhindern, an die zwei Schrotleitern in der Mitte anzufchnallen. Die fo entstandene Chaife war bekanntlich während der lezten zwei Jahrhunderte ganz allgemein gebräuchlich. In den k. k. Hofwagen- Remifen befindet fich eine grofse Anzahl von in Riemen hängenden, fehr gut confervirten Hof- und Staatswagen diefer Art, aus jener Periode ftammend, in Aufbewahrung. Auch der berühmte, für Kaifer Carl VI. gebaute und im Jahre 1867 als Krönungswagen benützte Rubens- Wagen hat gar keine Federn, es hängt vielmehr der mit den bekannten unvergleichlichen Gemälden decorirte Kaften in mehreren breiten mit purpurrothem Sammt überzogenen Riemen, wenn auch für diefen fpeciellen Fall die fonft üblich gewefene Einrichtung der Riemenwinden bei diefen ebenfo kunftvoll als reich verzierten Prachtwagen entsprechend modificirt erfcheint. Einen fehr lehrreichen Beitrag zur Gefchichte der Wagen- Baukunft hat während der Wiener Weltausftellung die kaiferlich deutfche Reichspoft geboten, von welcher neben vielen anderen inftructiven Sammlungen auch eine Collection von 28 ausgezeichnet modellirten, in den verfchiedenften Zeitepochen in Gebrauch geftandenen Poftwagen ausgeftellt war. Darunter befand fich auch das Modell eines im XVIII. Jahrhunderte gebrauchten königlich preufsifchen Poftwagens, welcher als Uebergangsglied zwifchen der Riemen- und Federeinhängung angenommen werden kann und welcher in Fig. 5 dargeftellt erfcheint. Fig. 5. www www. Königl. preufsifcher Poftwagen.( XVIII. Jahrhundert.) Wie aus Fig. 5 deutlich erfichtlich, wurde die Schrotleiter diefes gedeckten, mit einem gewöhnlichen Untergeftelle verbundenen Wagenkaftens mittelft Ketten an aufrechtftehende über der Achfe angebrachte Holzpfoften eingehängt. Obgleich nun diefe Einhängungsart in Bezug auf Elafticität Manches zu wünfchen übrig liefs, hat diefelbe im Wagenbaue dennoch einige wichtige Veränderungen zur Folge gehabt. Der Schloffermeifter Mr. Dlême in Paris verfertigte nämlich ftatt der hölzernen Ständer 4 aus mehreren elaftifchen Stahlblättern beftehende Packete, welche je in die Form eines aufrechtftehenden S gebracht, mit dem unteren Theile paarweife an jede Achfe gefchmiedet wurden, während im oberen ausgebogenen Theile der Packete die mit dem Wagenkaften feftverbundenen Riemen die Einhängung 20 M. B. Rideli. erhielten. Der Wagenkaften felbft bekam eine ovale Form und die ehemaligen Schrotleitern fammt der Langwied wurden, um das Durchlaufen der Vorderräder beim Umwenden zu ermöglichen, beim Felgenkranz- Vordergeftelle fchwanenhalsartig ausgebogen, und das ganze Fuhrwerk„ Berline" genannt, wahrfcheinlich um den Ursprung diefer ftattgefundenen Neuerung für die nachfolgenden Zeiten ficherzuftellen. Erft feit diefer Zeit ift durch die Einführung der elaftifchen Stahl- Wagenfedern die Riemen- und Kettenaufhängung ganz aus der Mode gekommen, fowie der Kunftausdruck, Riemenwinden" im Wagenbaue felbft obfolet geworden. Die Herrfchaft der S- förmigen Wagenfedern dauerte nur kurze Zeit und wurden diefelben bald von den Parifer Wagenbauern, nachdem die Refforts à la Polignac fich hierauf nur eines kurzen Interregnums erfreuen konnten, durch die C- förmige oder fogenannte Schneckenfeder( Reffort à limaçon) definitiv erfetzt, welche Federgattung während eines Zeitraumes von über 100 Jahren beim Wagenbaue ausfchliefslich in Verwendung ftand. Der günftige Umftand, dafs der Equipagefeder- Fabrikant J. Mokhoff aus Moskau die Wiener Weltausftellung mit einer Suite von allen gegenwärtig gebräuchlichen Wagenfedern unter Beigabe eines Feder- Dynamometers befchickte, macht es möglich, den von Mokho ff anfchaulich gemachten, in Rufsland feit einiger Zeit mit viel Erfolg cultivirten Fabricationszweig mit der fucceffiven Entwicklung der Wagenfeder zu verbinden. Unter den von J. Mokhoff ausgeftellten, fehr gut gearbeiteten GufsftahlWagenfedern befanden fich auch die oben erwähnten C- Federn, wovon nachftehende Fig. 6 eine derlei lofe und Fig 7 eine Schneckenfeder mit der gegenwärtig gebräuchlichften Riemenbefeftigung mittelft Wellbaum, Zackenblatt und Windenkloben darftellt. Der Bedarf beinahe fämmtlicher in Europa während des vorigen Jahrhundertes gebrauchten Hof- und Staats- Caroffen wurde von den Parifer Wagenbauern gedeckt und davon ein namhafter Theil von dem Hofe von England fammt der Nobility und Gentry confumirt. Seitdem haben fich die Verhältniffe namentlich in Folge der fucceffiven in Frankreich ftattgefundenen Umwälzungen bedeutend geändert und find bereits in der erften Hälfte diefes Säculums die englifchen Wagenbauer definitiv in den Vordergrund getreten. Neben dem mit C- Federn und Langbäumen verfehenen Luxuswagen kamen bei den englifchen Wagenfabrikanten ebenfo mannigfaltige als originelle Wagenformen zur Ausführung. 99 Beim zweirädrigen, in England feit jeher der allgemeinften Beliebtheit fich erfreuenden Karren fing man bald an, den Kaften auf zwei elliptifche Federn von bedeutender Sprengweite und Pfeilhöhe aufzufetzen, wodurch anfänglich jeder Stofs, dem Sprunge der Heufchrecken nicht unähnlich, den Kaften fammt dem höchft refpectablen outfide Paffenger" bemerkbar in die Höhe fchnellte und diefer Federform ziemlich rafch zu der allgemein gewordenen Benennung ,, grashoppers" verhalf. Die Wagenbau- Anftalten in Limmeriek und Southampton, die leider in Wien gar nicht vertreten waren, die jedoch bekannterweife feit jeher die billigften, wenn auch von den Franzofen als„ en pacotille" verfchrieenen Luxuswagen in grofsen Maffen für den Export fabriciren, waren die erften, welche die Verwendung der„ grashoppers" auch bei vierrädrigen Wagen verfuchten und dadurch vor ungefähr 40 Jahren eine grofse Veränderung im Wagenbau her vorbrachten. Fig. 6. 21 Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. Fig. 7. Diefe feitdem modificirte Wagenfeder erfreut fich gegenwärtig der in Fig. 8 erfichtlichen elliptifchen Form und haben diefe ,, Refforts à pincettes" im Baue der Luxuswagen ohne Zweifel eine ähnliche Umwälzung verurfacht wie feiner Zeit die Schraube im Schiffbau. - si licet parva componere magnis Fig. 8. Wenn nämlich der bei Anwendung der Schneckenfedern früher ganz lofe hängende Wagenkaften mittelft des Wagenhalfes( col de voiture, in Wien, die Butte" genannt) mit dem Kutfchbocke in eine fefte Verbindung gebracht ward, fo entfiel bei der Anwendung diefer Art Federn nicht nur der bei den Schneckenfedern unentbehrliche Langbaum und fämmtliches Häng- und Riemenzeug, fondern es wurde damit auch die Möglichkeit geboten, die Dimenfionen des Wagens nach allen Richtungen beliebig zu verändern, ohne der Feftigkeit des Fuhrwerkes irgendwie Eintrag zu thun. Ueberdiefs gewann fozufagen die Manövrirfähigkeit des Wagens aufserordentlich, da bei Wegfall des Langbaumes und durch die entſprechende Wölbung des Wagenhalfes die Vorderräder fammt Achfe und den darauf ruhenden Druckfedern um die Wagenfpindel innerhalb 360 Grad frei pivotiren und neben diefen unverkennbaren Vortheilen auch in Folge Wegfalles koftfpieliger Beftandtheile die ganze Erzeugung der Wagen feitdem mit weniger Unkoften verbunden werden konnte. Die Mokhoff'fche Wagenfedern- Ausstellung enthält aufserdem die in Fig. 9 und 10 dargestellte Modification des Reffort à pincettes, wonach ein Theil der Federblätter in zwei innenliegende Charniere zufammengefasst und das zu rafche Sichfetzen" der Feder verhindert werden foll, wobei allerdings die 22 M. B. Rideli. Fig. 9. Fig. 10. OD Frage offen bleibt, ob die Mehrkoften für je zwei von Herrn Mokhoff hinzugefügten Charniere die relativ längere Dauer einer folchen Feder aufzuwiegen im Stande find. Während beim Vordergeftelle beinahe fämmtlicher in der Wiener Ausftellung befindlicher Luxuswagen die in Fig. 8 dargestellte Feder in Verwendung ift und darauf das Gewicht des Kutfchbockes ruht, hängt im Arrièretrain vieler Wagen der Kaften mittelft ftarker fchmiedeiferner mit dem eifernen Kaftenrahmen feftverbundenen Hängtafchen auf Federn von der Form Fig. 9, in welchem Falle jedoch noch eine dritte Feder, die fogenannte Balancier- oder Rollfeder, parallel zur Achfe mittelft zwei Charnieren mit diefen zwei rückwärtigen Federn und mit dem Kaftenrahmen durch eine Hängtafche in Verbindung fteht. Diefe Art Wagenfeder wird gegenwärtig in Oefterreich vorzugsweife angewendet und ift in Wien unter dem ziemlich myfteriöfen Localausdrucke" Telegraphfeder" bekannt. Bei der Telegraphfeder, Fig. 9, ift übrigens ein Mokhoff'fches Nothcharnier angebracht, welches bei den in Oefterreich gebrauchten Federn diefer Gattung noch keinen Eingang gefunden hat. Um Wiederholungen vorzubeugen, fchien diefe Digreffion über die fucceffive Entwicklung der gegenwärtig im Gebrauche ftehenden Wagenfedern, deren Blätteranzahl, Blattftärke, Pfeilhöhe, Länge und Breite, fowie auch die Stahlqualität vom Gewicht und den Dimenfionen des Wagenkaftens abhängt, bei Befprechung der Mokhoff'fchen Federausftellung von einiger Erfpriefslichkeit zu fein und folgt nun in Fig. 11 ein von Nicolaus Arbatfky aus Moskau aus. geftellter und in Rufsland fehr beliebter Drofchkywagen für eine Perfon, daher auch„ Egoift" genannt. Der mit blauem Tuche ausgefchlagene Kaften- Sitzplatz diefes kleinen Wagens war vorne o 500 Meter breit bei einer Tiéfe von ebenfalls o 500 Meter, während die rückwärtige Breite des Sitzes nur 0 320 Meter betrug. Die vorderen Räder hatten 0.700 Meter, die rückwärtigen o'900 Meter im Durchmeffer, mit Felgen und Speichen aus Efchenholz, bei einer Spurweite Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 23 Fig. 11. Drofchke von Nicolaus Arbatsky in Moskau. der rückwärtigen Räder von beinahe I Meter. Der mit einem fchwarzen Anftriche verfehene Kaften war gut lackirt, wobei unter Einem bemerkt wird, dafs in Rufsland der feine Kutfchenlack ebenfo wie in Oefterreich meift aus England importirt zu werden pflegt. Die Kothflügel hatten die enorme Breite von o 320, die Zugvorrichtung war ebenfo gut für Einfpänner wie zur Trojka geeignet, und für letzteren Fall eine Vorrichtung unmittelbar an der vorderen Achfe angebracht. Da diefer Wagen ausnahmsweife in Schneckenfedern hing, fo hatte er eine runde fchmiedeeiferne Langwied aufzuweifen, die fich von der Mitte aus gegen beide Achfen gabelt und mit je einem Gabelarm mit den Federn zufammenhängt, wovon die rückwärtigen unmittelbar auf der Achfe, die vorderen Federn aber auf dem oberen Felgenkranze aufgefetzt find und beim Umwenden das Durchlaufen der Vorderräder unter dem Kutfchbocke nicht geftatten. Aufser diefem Egoiftwagen, im Preife von 500 Silberrubel, ftellte die Arbatfky'fche Wagenfabrik, welche eine der älteften in Rufsland ift und jährlich gegen 250 Wagen erzeugt, noch einen fehr forgfältig gearbeiteten Luxusfchlitten aus. Der in fein politirtem Nufsholze ausgeführte Kaften diefes Schlittens hatte eine Länge von 140 Meter, rückwärtige Breite o 700 Meter, vordere Breite 0.570 Meter, blaue Tuchgarnitur und darüber eine in Winterszeit fehr begehrungswürdige, glänzendfchwarze mit braunem Plüfch gefütterte Bärendecke. Der aufserordentlich fchmale Kutfcherftand diefes mit fchmiedeeifernen 20 Millimeter ftarken Kuffen verfehenen Schlittens befand fich vorne an den breiten Kothflügeln, allwo zur gröfseren Bequemlichkeit des Rofselenkers an der rechten Seite ein Steigbügel herunterhing. Der Preis diefes Schlittens war mit 550 Silberrubel angefetzt. Aehnlich wie Arbatfky, hat Leonidas Korfch aus Sct. Petersburg die Ausftellung mit einem zweiten Schlitten und einem zweifitzigen offenen Drofchky, deffen brauner Kaften inwendig mit lichtbraunem Chagrinleder garnirt war, befchickt, wobei jedoch ftatt Schneckenfedern die gewöhnlichen elliptifchen Druckfedern ohne Langbaum zur Anwendung gekommen find. Auch Bafil Pirogoff aus Moskau, fowie Peter Jackowleff aus Sct. Petersburg haben Drofchky zur Ausftellung gefendet; der letztere Fabrikant hat aufserdem aus feiner bereits 1790 gegründeten Wagenfabrik einen lichtbraunen Char à banc mit braunem Chagrinleder ausgefchlagen, mit Druckfedern verfehen, 24 M. B. Rideli. zum Preife von 700 Rubeln, fowie einen blauen, mit blauem Tuche ausgefchlagenen Phaeton, deffen blaues Untergeftelle roth befchnitten und wofür ein Preis von 700 Rubel ausgefetzt war. Befonderen Anwerth fand das ausgezeichnete Fabricat von Brüder Markoff aus Moskau, beftehend aus einer grünen Victoria, mit grünem, lichtgrün befchnittenen Untergeftelle, grüner Maroquingarnitur und einem Rückfitz verfehen, durchgehends mit Druckfedern, zum Preife von 900 Rubeln; ferner ein blauer Clarence, ausgeftellt vom Wagenfabrikanten H. Schwartz in Sct. Petersburg. Das blaze Untergeftelle des letzteren Wagens war gelb befchnitten und das Innere mit blauem Atlas ausgelegt. Die Seitenfenfter, fowie die runden, vorderen Wagenfenfter waren mit Mécanique verfehen. Preis 1000 Rubel. In der Ausftellung des Sct. Petersburger Wagenfabrikanten C. Nellis war namentlich ein grüner Herrenphaeton bemerkbar, der die feit einiger Zeit in Aufnahme gekommene Verdopplung der Anzahl der Wagenfedern zur Anfchauung brachte. Auf die gewöhnlichen Druckfedern werden in diefem Falle auch noch Schneckenfedern aufgefetzt, wobei der wieder auftauchende Langbaum bedeutenden Krümmungen unterworfen werden mut. ,, um einestheils die Gefammtlänge des Wagens nicht übermäfsig zu fteigern und auch die Manövrirfähigkeit des Vordergeftelles nicht zu alteriren. Bei dem letzteren find dann die Schneckenfedern mit dem oberen Felgenkranz und dem Kutfchbocke in fefter Verbindung, während die Druckfedern wie früher unmittelbar auf der Achfe fitzen. Diefe ,, Voitures à huit refforts" bilden gegenwärtig das non plus ultra in der Wagenfabrication, und es gibt namentlich in Paris Wagenbau- Anftalten, die fich ausfchliesslich mit deren Erzeugung befaffen. Die darin befindlichen Infaffen find allerdings gegen die Unbilden des Schüttelns und des Stoffens viel mehr gefichert, als in einem blos mit vier Federn verfehenen Wagen, müffen fich jedoch die beinahe doppelt fo hohen Anfchaffungskoften auch gefallen laffen. Aus Warfchau find von drei Wagenfabrikanten fechs Wagen zur Ausftellung gelangt, darunter von J. Rentel ein elegantes braunes Coupé, Untergeftell lichtbraun, fchwarz befchnitten, mit röthlichbraunem Atlas garnirt, und ein blauer Herrenphaeton mit blauem Chagrinleder ausgelegt. Aufserdem ftellte derfelbe Fabrikant vier gufseiferne Radnaben eigener Conftruction aus, die bei den in feiner Anftalt fabricirten Rädern zur Verwendung kommen. Aus der Wagenfabrik von W. Romanowski kam ein blaues, mit blauem Atlas garnirtes Coupé zum Preife von 900 Rubel, fowie eine grüne, mit grünem Chagrin ausgelegte Victoria zur Ausftellung. Erwähnenswerth find ferner in der ruffifchen Ausftellung fehr gut ausgeführte, von Leonhard Loofchen, Techniker für Wagenbau in Sct. Petersburg, herrührende Zeichnungen von vier Luxuswagen und zwar von einem Coupé und einer Victoria mit je vier Federn, fowie von einer Kalefche und einem Galawagen à huit refforts. Eine mit dem Wagenbau innig verbundene Ausftellung wurde von Nicolaus Lopatine in Sct. Petersburg ins Werk gefetzt, beftehend aus Kumeten, Pferdegefchirren, Zäumen und der Duga für das Mittelpferd im ruffifchen Dreigefpann, wobei die ruffifchen Juchtenriemen mit vergoldeten und filberplattirten Verzierungen reich und gefchmackvoll ausgeftattet waren. Aufserdem find in der Abtheilung für ruffifche Landwirthfchaft Wagenbeftandtheile aus Eichenholz als: Speichen, Felgen, fowie eine Nabe von 0.200 Meter Durchmeffer für eine ruffifche " Telega" zur Ausftellung gelangt. In der Samojedenhütte waren die zur Locomotion der Samojeden* dienlichen Rennthier- Schlitten durch zwei Exemplare vertreten, beide mit Schlitten* Samo- jed bedeutet in der ruffifchen Sprache fo viel als ,, Selbft effer" und werden damit anthropophagifche Gelüfte diefer Völkerfchaften wohl mit Unrecht in Verbindung gebracht. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 25 kuffen aus Fichtenholz, mit Sproffen aus demfelben Materiale, worauf eine Breterlage zur Aufnahme der famojedifchen Paffagiere fich befand; an den vorderen nach aufwärts gebogenen Kuffenenden befand fich beiderfeits eine aus Wallrofshaut- Strängen beftehende Zugvorrichtung, woran zwei Rennthiere gefpannt zu werden pflegen. Schliefslich mufs bemerkt werden, dafs der gröfste Rad- Durchmeffer aller auf der Wiener Ausftel'ung befindlichen Strafsenfuhrwerke bei einem ruffifchen Fahrzeug beobachtet worden ift, nämlich bei der im ruffifchen Hofeinbau aufgeftellten Lafette, deren Rad- Durchmeffer 3 200 Meter, die Breite des eifernen Radreifes aber 0.260 Meter und deffen Stärke 20 Millimeter betragen hatte. Das Strafsenfuhrwerk mit dem längften Geftelle ift jedoch von Deutfchland eingelangt und zwar von der deutfchen Gefellſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen, das Wagengeftelle für das ausgeftellte und nach dem Peack'fchen Syfteme conftruirte Rettungsboot hatte nämlich eine Länge von über 6 Meter. Im Vergleiche mit den gewaltigen Strafsenfuhrwerken des Alterthumes können allerdings diefe Dimenfionen nicht befonders imponiren, fo liefs z. B. der Triumvir M. Antonius nach den Plänen des M. Vitruvius einen Aries fubrotatus" bauen, deffen Länge nicht weniger als 80 Fufs betrug, und welcher der Armee überall nachgeführt werden musste, wo in die Mauern einer widerfpenftigen Commune mit Gewalt ein Eingang erzwungen werden follte. Rumänien. Aus Rumänien wurde die Ausstellung von der Hof- Wagen fabrik des F. Jean in Bukareft mit zwei Fuhrwerken befchickt. Eines diefer Fuhrwerke ftellte einen mit Rohrgeflecht gedeckten Jagdwagen dar, deffen Kaften rückwärts auf zwei Druckfedern ruhte, das Vordergeftell der Federn entbehrte und deffen Inneres mit einer grofsen Quantität fegeltuchener Jagdtafchen diverfer Capacität austapezirt war. Diefer Wagen wurde von deffen Erbauer als ausfchliefslich zur Trappenjagd geeignet bezeichnet, nöthigenfalls könnte er jedoch ohne Anftand auch zu irgend einem anderen beliebigen Zwecke in Verwendung genommen werden. Das andere Fuhrwerk diefes Fabrikanten beftand aus einem Schlitten mit fchmiedeeifernen Kuffen, die auf vergoldeten eifernen Sproffen einen blauen fein lackirten Kaften trugen; das blaue Geftelle war gold und roth befchnitten, das Innere mit ausgefucht fchönen Wolfspelzen ausgelegt, wodurch dem Ganzen ein ganz gutes Ausfehen verfchafft worden ift. Ungarn und deffen Partes adnexae. Aus Ungarn ift bekanntlich im Jahre 1867 gar kein Luxuswagen zur Ausftellung nach Paris gefendet worden, bei der Wiener Ausstellung find dagegen die Länder der Stefanskrone durch 17 Luxuswagen und ein Vélocipède vertreten gewefen. Unter den Ausftellern wären folgende Wagenfabrikanten hervorzuheben: Pálfy Sándor aus Oedenburg mit drei Equipagen, worunter eine Victoria mit buntem Kaften, rothem Untergeftelle mit weifsen Streifen, taubengrauer Atlasgarnitur auf gewöhnlichen Druckfedern im Preife von 860 fl. öfterreichifcher Währung. Chriften Ferencz aus Raab mit einem ganz artigen Phaeton, deffen Kaften mit rohgefirnifstem Nufsholz ausgelegt, das Untergeftell aus gefirnifstem Efchenholz, die fämmtlichen Eifentheile blank polirt und das Innere mit einer blauen Seidengarnitur ausgeftattet war. Pantz Alois aus Raab ftellte einen Phaeton aus, welcher durch die Verfchiedenheit der dabei verwendeten und fehr gut bearbeiteten Holzgattungen bemerkbar wurde, der Kaften aus gefirnifsten Efchen, Kothflügel aus Nufsholz, Radbeftandtheile aus Efchenholz, die fämmtlichen Eifentheile fchwarz lackirt, das Kafteninnere mit hellbraunem Tuche ausgefchlagen. 26 M. B. Rideli. Porft Franz aus Buda Peft ftellte zwei Wagen aus, die ein gutes Ausfehen hatten, darunter war eine Calefche mit blauem Kaften, gelb befchnitten und mit gelbem Untergeftelle, blau befchnitten und mit blauer Atlasgarnitur. Das andere Fuhrwerk war ein Parkwagen ohne Bock zum Selbftkutfchiren, rückwärts mit einem Bedientenfitz. Der forgfältig gearbeitete Kaftenrahmen war aus gefirnifstem Efchenholz mit Sproffen aus Nufsholz, Kothflügel und Radbeftandtheile aus gefirnifsten Efchen, Eifentheile braun lackirt, die Sitze mit havannabraunem Chagrinleder garnirt. Die bedeutendfte ungarifche Luxuswagen- Ausftellung kam aus Peft von den königlich ungarifchen Hof- Wagenfabrikanten Brüder Kölber, deren Fabrik feit dem Jahre 1775 befteht und jährlich gegen 350 Wagen, theilweife auch für den Export erzeugt. Unter den zur Ausftellung gelangten fechs Wagen war vorerst ein zweifitziger blauer Landau mit blauem Untergeftelle auf Druckfedern, mit blauem Atlas garnirt, im Preife von 1400 fl. Die zur Conftruction diefes Wagens angefertigte Zeichnung in Naturgröfse wurde von Kölber junior ausgeftellt. In der Kölber'fchen Ausftellung waren durch ihre forgfältige Ausführung befonders bemerkenswerth zwei ungarifche„ Sandlaufer". Das ganze Geftelle inclufive Kothflügel beftand bei beiden Fuhrwerken aus gefirnifstem Efchenholz, das Korbgeflecht lichtbraun gehalten, Eifen- Beftandtheile fchwarz lackirt; das Innere des Kaftens hatte eine graue Ripsgarnitur. Einer von diefen beiden Sandlaufern hing auf fchwarz lackirten Druckfedern, während der andere gar keine Federn hatte und dadurch auch die Preisdifferenz erklärlich wurde, da der erftere 400 fl., der zweite aber blofs 280 fl koftete. Eine Garnitur in Schweinsleder ftatt in Rips wurde eventuell um 60 fl. per Wagen mehr berechnet. Die Partes adnexae befchickten die Ausstellung aus Kolozsvár durch die dortigen Wagenfabrikanten Porm und Klimefch mit einer blauen Victoria auf Druckfedern, blauem Untergeftelle und weifser Seidengarnitur. Aus Fiume kam vom Wagenfabrikanten Giuſeppe Schnor eine Kalefche mit grünem Kaften, grünem Untergeftelle, mit Gold befchnitten und mit grauer Atlasgarnitur. Wie bei allen erwähnten Luxuswagen war diefer Wagen im Vordergeftelle auf Druckfedern gehängt, rückwärts waren jedoch zwei Schneckenfedern angebracht, die einestheils mit einer zur Achfe parallel gelegten Rollfeder, anderentheils ftatt durch Riemen mittelft fchmiedeeiferner Hängtafchen mit dem Kaftenrahmen befeftigt waren, wodurch ein Wagen mit Schneckenfedern ohne Langbaum zur Ausführung kam. In der ungarifchen landwirthschaftlichen Abtheilung ftellte Kefzey Michael aus Cfoór vier gut gearbeitete Räder für Frachtwagen aus, wobei die Speichen und der aus einem Stücke beftehende Felgenkreis aus Efchen, die Nabe aus Ulmenholz. Die landwirthfchaftliche Anftalt in Debreczin ftellte eine grofse Anzahl in Efchenholz ausgeführter Wagenbeftandtheile und ein completes Rad ohne Eifenbefchläge aus. In der Abtheilung für Forftwefen der ungarifchen Länder war auch eine ziemlich grofse Anzahl von Radbeftandtheilen, fertigen Rädern, Schlitten, Schiebkarren, Modellen von den landesüblichen Ochfenwagen fammt den zugehörigen in Efchen- und Buchenholz gefchnitzten Jochen ausgeftellt. Die croatifchen Staatsforfte ftellten aus: fertige Wagenachfen und Achsftöcke aus Eichenholz, Schlittenkuffen und Deichfelftangen aus Birkenholz. Ein in der ungarifchen landwirthschaftlichen Abtheilung von Ferdinand Bokor aus Grofs Zinkendorf ausgeftellter Wirthschaftswagen mit ganz fchmiedeeifernem Vordergeftelle, eifernen Radnaben, eifernen Stangenarmen und fonft in Efchenholz ausgeführt, verdient wegen feiner Feftigkeit, feinem verhältnifsmäfsig Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 27 fehr geringen Gewicht und feinem billigen Preife von 150 fl. befonders hervorgehoben zu werden. Schliefslich mufs bemerkt werden, dafs unter fämmtlichen ungarifchen Luxuswagen kein einziger, Huit refforts" der Beobachtung unterzogen werden konnte. Aufser dem bereits früher erwähnten Szeklerwagen hat an fonftigen Strafsenvehikeln Seibert Antal in Verfetz ein Vélocipèdetricycle ausgeftellt, deffen Geftelle fowie die drei Räder gelb angeftrichen und roth befchnitten waren. Das vordere leitende Triebrad von I Meter Durchmeffer hatte auf feiner Achfe die gewöhnlichen unter einem Winkel von 180 Grad geftellten Kurbeln aufgefteckt, die rückwärtige mit zwei Rädern von I Meter Durchmeffer verfehene Kurbelachfe trug aufserdem in Lagern einen gepolfterten Sitz, von wo aus mittelft zwei Handhaben diefe Achfe in Bewegung gefetzt und die Triebkraft des Vorreiters unterſtützt werden konnte. Der Radftand diefes Tricycles betrug 1350 Meter, überdiefs war noch für eine dritte Perfon ein Rückfitz angebracht und das Ganze mittelft fchmiedeeiferner Bogen feft verbunden. Cisleithanien. Die Parifer Ausftellung 1867 wurde von Cisleithanien nur mit zwei Luxuswagen befchickt, wobei aufserdem in Folge eines unaufgeklärt gebliebenen Verhängniffes zu einem diefer Wagen die Räder fehlten, um fo gröfser ift jetzt die Genugthuung, mit welcher auf die hervorragende Betheili gung der öfterreichiſchen, namentlich der Wiener Wagenfabrikanten geblickt werden kann, welche mit der namhaften Anzahl von 118 Wagen zum friedlichen Wettftreit im Prater eingetreten find, um mit Lorbeern gefchmückt als Sieger heimzukehren. Unter den 118 von Cisleithanien ausgeftellten Fuhrwerken befanden fich 5 Schlitten, 2 Omnibus, 2 Frachtwagen, 2 Vélocipèdes, I Photographenwagen, 8 k. k. Poftwagen, 2 k. k. Telegraphenwagen, 94 Luxuswagen der verfchiedenften Conftructionen und überdiefs laft but not leaft" zwei Vehikel, an welchen nach Angabe der Herren Patentinhaber eine radicale Transformirung unferes ganzen bisherigen Strafsen- Locomotionsfyftems zur Anfchauung gebracht werden follte. Unter den Wiener Wagenbauern haben die folgenden Fabrikanten bemerkenswerthe Ausstellungsobjecte geliefert: Emanuel Henke einen Clarence mit blauem, gelb befchnittenen Kaften und blauer Atlasgarnitur; im Vordergeftelle waren elliptifche Druckfedern, im Hintergeftelle, die in Wien fo allgemein verbreiteten, bereits früher befprochenen Telegraphfedern angebracht. Der Preis diefes Clarence wurde mit 1600 fl. angegeben. Ferdinand Schmidt( vormals Brandmeyer) ftellte zwei Equipagen aus, darunter ein Coupé, deffen blau lackirter Kaften mit Silber befchnitten und mit blauem Atlas und Perlmutterknöpfen garnirt war; die Einhängung fand genau in denfelben Federn ftatt wie beim vorerft erwähnten Henke'fchen Wagen, und um Wiederholungen vorzubeugen, werden diefe bei einem jeden Wagen vorausgefetzt, wo nicht ſpeciell eine abweichende Einhängung hervorgehoben werden follte. Preis 1600 fl. Der andere Schmidt'fche Wagen war ein brauner Phaeton mit Gold befchnitten und brauner Chagringarnitur. Der Stutzenbock zum Abnehmen beim Selbftkutfchiren. Preis 1200 fl. Alle Beftandtheile diefer Wagen namentlich die Lederarbeiten, waren mit grofser Sorgfalt ausgeführt. Anton Niclas ftellte aufser einem braunem Coupé auch einen mit blauem Chagrin garnirten, blau lackirten und lichtblau befchnittenen Phaeton mit feftem Bock aus; J. Hübfchmann aber ein dunkelblaues, mit blauem Tuche ausgefchlagenes Coupé. In der Ausftellung von G. Gerhardt& Sohn wurde befonders bemerkt ein brauner Clarence, goldbefchnitten mit brauner Seide ausgefchlagen, in jener 28 M. B. Rideli. hingegen von C. Schweikert ein lichtbrauner Phaeton mit taubengrauer Chagringarnitur. Der Wagenfabrikant Anton Prohaska ftellte vier Wagen aus, darunter ein Coupé im Rohbau mit Eichenrahmen, Nufsholz- Täfelung, Radfelgen und Radfpeichen aus Efchenholz, Radnaben aus Ruftenholz, alle Eifentheile blank polirt, daneben einen Rococcophaeton mit grünem Kaften, goldbefchnittenen, grünem Untergeftelle, das Wageninnere mit grüner Seide garnirt, der rückwärtige Bedientenfitz mit grünem Tuche ausgelegt. W. Schwanzar& Sohn ftellte aufser einem blauen Rococcophaeton und einem blauen Coupé auch einen für Baron Riefenfels ausgeführten Rennfchlitten aus, deffen Geftelle und der aufwärts gehende Theil der Kuffen aus Hirfchgeweihen, die angeblich alle vom Abwurf eines einzigen Hirfchen herrühren, conftruirt worden ift. Von den gegenwärtig immer mehr und mehr unter der Benennung ,, huit refforts in Aufnahme kommenden Wagen hat der Fabrikant Friedrich Flach ein Exemplar ausgeftellt, nämlich ein mit grünem Atlas ausgefchlagenes, grünlackirtes Coupé, deffen Kaften in vier Schneckenfedern hing, welche hinwieder auf vier elliptifchen Druckfedern ruhten und wobei felbftverftändlich die zwei Wagenachfen mit einem fchmiedeeifernen Langbaum verbunden waren. Anton Sturma aus Hernals ftellte einen kleinen, fehr zierlich gebauten Draglandau für vier Perfonen aus mit blaulackirtem, goldbefchnittenen Kaften und blauer Chagringarnitur; defsgleichen Anton Ott aus Neulerchenfeld zwei kleine Kutfchirphaetons, deren Kaften auf je vier refsorts à pincettes aufgefetzt waren und ein ganz gutes Ausfehen hatten. Die Wagenfabrikanten Anton Weifer& Sohn ftellten 4Wagen aus, darunter einen Phaeton, deffen grünlackirter und mit lichtgrauer Seide ausgelegter Kaften eine ganz eigenthümliche mittelft vom Fabrikanten patentirter neuer Federconftruction bewirkte Aufhängung aufzuweifen hatte und wovon in Fig. 12 eine approximative Darftellung folgt. I Fig. 12. Phaeton von Weifer& Sohn in Wien. Wie aus vorftehender Fig. 12 erfichtlich, entſteht die von Weifer& Sohn bei diefem Phaeton angewendete Feder durch die mittelft eines Charniers bewirkte Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 29 Verbindung einer Schneckenfeder zu 4 Blatt von je 4 Millimeter Dicke mit einer dreiblättrigen Druckfeder. Im Hintergeftelle fitzt diefe combinirte Wagenfeder unmittelbar auf der Achfe, während diefelbe im Vordergeftelle auf dem oberen Felgenkranze ruht und die fefte Verbindung mit dem Kutfchbocke vermittelt. Der vom Arrière- Train gabelförmig auslaufende, beide Achfen verbindende fchmiedeeiferne Langbaum ift im Vordergeftelle entſprechend ausgebogen, um beim Umwenden das Durchlaufen der Vorderräder zu geftatten. Bei einem Radftand von 2: 140 Metern betrug der Durchmeffer der vorderen Räder o 900 Meter, jener der rückwärtigen Räder I 120 Meter. Durch die von Weifer& Sohn an den Federn angebrachten Modificationen follen dem Infaffen des Wagens die mit 8 Wagenfedern verbundenen Bequemlichkeiten zu Theil werden, ohne dafs die Auslagen eine bedeutende Steigerung erfahren. Auíser obigem Phaeton ftellten diefe Fabrikanten 2 Coupés und einen blauen mit blauem Atlas ausgelegten, mit patentirter Fenfterconftruction verfehenen Landau aus, bei welchen Fuhrwerken fowohl die Wahl des Materiales und der Kaftenprofile, als auch die tadellofe Ausführung alles Lob verdient. Der Wagenfabrikant J. Trivelli ftellte 3 Wagen aus, wovon ein Coupé im Rohbau mit Nufsholz- Täfelung, Efchenrahmen und Efchenvordergeftelle mit Eifenbefchlag. Gottfried Ziegler& Sohn ftellten 6 Wagen aus, deren Ausführung nichts zu wünſchen übrig liess, darunter waren zwei ,, huit refforts", und zwar ein fuperbes fchwarz lakirtes Coupé auf einem fchwarzen, gelb befchnittenen Untergeftelle, inwendig eine fchwarze Seidengarnitur mit fchwarzgelben Quaften und Galonen, Der zweite achtfedrige Wagen war eine braune Victoria, weifs befchnitten mit lichtgrauer Atlasgarnitur. Aufserdem war aus diefer Fabrik ein blaues Cabriolet mit Langbaum wegen der Art der Aufhängung bemerkbar, indem deffen Kaften beiderfeits auf 4 im Carré geftellten Federn fafs, welche hinwiederum auf elliptifche Druckfedern aufgeſetzt waren. Alois Deifel ftellte 3 Wagen aus, darunter ein Coupé im Rohbau von guter Ausführung. Die Wagenfabrik von Sebaftian Armbrufter ftellte 5 Fuhrwerke aus, worunter fich auch ein Schlitten befunden hat, der für fich ein kleines Meifterftück darftellte; der Kaftenrahmen hievon war aus Nufsholz, die innerhalb diefes Rahmens befindlichen Felder mit blauem Sammt überfpannt. Auf den Kuffen aus Efchenholz mit Eifenfchienen waren fchmiedeeiferne goldbronzirte Stützen angebracht, die aufser dem Kaften auch noch einen Rückfitz für den Kutfcher trugen. Der vordere breite Kothflügel beftand aus Lackleder in einem Eifenrahmen aufgefpannt. Das Innere des Schlittenkaftens war mit blauem Maroquin austapezirt und über das Ganze eine prachtvolle, mit Agraffen verfehene Eisbär- Decke ausgebreitet. Neben dem Schlitten bemerkenswerth war in der Armbrufter'fchen Ausftellung noch ein blauer Phaeton auf 8 Federn, fowie ein blaues Coupé auf II Federn, wovon 6 im Vordergeftelle, und zwar zu unterft zwei elliptifche Druckfedern, worüber 4 Tragfedern im Carré, ganz ähnlich wie beim Ziegler'fchen Cabriolet; das Hintergeftelle hatte zu unterft ebenfalls zwei Refforts à pincettes. Diefen zwei Federn war auf Sproffen eine einzelne lange Tragfeder aufgefetzt, welche ihrerfeits nicht mittelft Hängtafchen, fondern mittelft weiterer zwei Federn an dem rückwärtigen Kaftenrahmen befeftigt war und eine ganz neue Aufhängungsart dargeboten hat, welche in der Ausftellung nur von dem Parifer Wagenfabrikanten Million Guiet& Comp. bei einem Phaeton in einer ganz identifchen Weife angewendet worden ift, daher es auch fchwierig fein dürfte, die Prioritätsfrage in diefer Beziehung richtig zu beantworten. Von Franz Bohrn kamen 2 Wagen, worunter fich ein durch die mannigfal tigfte Farbenvereinigung bemerkbarer Phaeton befand. Der Kaften war nämlich lichtgrün, mit breiten goldenen und fchmäleren fchwarzen Streifen, das Untergeftelle 30 M. B. Rideli. roth, gold und fchwarz, während der Kutfchbock und die Kothflügel ein goldbronzirtes Befchläge aufzuweifen hatten, diefe Mannigfaltigkeit konnte durch eine rothe Sammtgarnitur nur weiter erhöht werden. Aus der Wagenfabrik von Jofef Rohrbacher kamen zur Ausftellung 3 Luxuswagen und 1 Omnibus. Diefes letztere, nach Marienbad beftimmte Fuhrwerk hatte einen dunkelgrün lackirten Kaften, deffen Interieur, für acht Perfonen beftimmt, mit rothem Plüfch tapezirt war. Die Breite war die gröfste zuläffige von 190 Meter, der Kaften zum Behufe gröfserer Bequemlichkeit beim Einſteigen tief gelegt, wefswegen die rückwärtige Achfe um o 225 Meter ausgekröpft war. Der Plafond und die Seitenwände hatten eine Mahagonytäfelung. Mittelft eines telegraphifchen Apparates, deffen mit einer Glocke in Verbindung ftehende Batterie unter dem Kutfchbocke fich befand, können fowohl die Paffagiere als der aufsenftehende Conducteur mit dem Kutfcher communiciren, welche Einrichtung um fo wünſchenswerther bei den Wiener Omnibuffen wäre, als bekanntlich die mit defecten oder gar keinen Schnüren verfehenen Glockenzüge in der Regel den Dienft verfagen und das Wiener Omnibuspublikum in den meiften Fällen auf eine unerquickliche und zumeift erfolglofe Geberdenfprache mit Kutfcher oder Conducteur angewiefen ift. Aufser den 8 inneren Plätzen hatte diefer Omnibuswagen, deffen Totalgewicht 20 Centner betrug, noch vier Aufsenplätze am Wagendache. Sowohl die Wahl der Materialien als die Ausführung der fämmtlichen Beftandtheile diefes Wagens mufs als eine ganz gelungene bezeichnet werden. Aufser diefem Omnibus wurden von diefer Fabrik drei forgfältig gearbeitete Landau ausgeftellt, einer hievon, blau lackirt und mit blauem Atlas tapezirt, war in 8 Federn gehängt, während die zwei anderen Landau die in Wien allgemein üblichen fogenannten Telegraphfedern hatten. Unter den vom k. k. Hof Wagenfabrikanten Carl Marius zur Ausstellung gekommenen 10 Luxuswagen, welche den Glanzpunkt der öfterreichifchen Wagen abtheilung bildeten, befanden fich zwei mit je 8 Federn verfehene Hof- Galawagen, welche in Bezug auf ihre bedeutenden Dimenfionen als auch wegen der künftlerifchen Zuſammenſtellung der Decorationselemente die allgemeinfte Anerkennung gefunden haben. Der untere Theil des ovalen, fchwarzlackirten Kaftens eines diefer HofGalawagen war beiderfeits mit eifernen, vergoldeten Hängtafchen umfpannt, welche in vier vergoldete Adlerköpfe ausgehend, den vier überreich decorirten Schneckenfedern als Aufhängpunkte dienten. Das mit fchwerer weisser Seide ausgefchlagene Coupé hatte beiderfeits fechs Spiegelfcheiben in fchwarzgoldenen Rahmen; an den mit dem kaiferlichen Wappen gefchmückten Portièren ftellten die Thürklinken kaiferliche Adler vor, während an den vier Ecken des mit einer vergoldeten Gallerie umgebenen Wagendaches ebenfoviel prachtvolle Laternen in kunftvoll getriebener, vergoldeter Einfaffung befeftigt waren. Die fämmtlichen Beftandtheile des Untergeftelles waren ebenfalls reich vergoldet und fchwarz befchnitten, der hohe Kutfchbock aber von einer reich verzierten mit goldenen Franfen verfehenen Houffe überdeckt. Ein zwifchen den rückwärtigen Schneckenfedern für den Hof- Lakaienftand ausgemittelter Auffatz, die decorirten Druckfedern und Wagentritte würden die Befchreibung der einzelnen, mit vollendeter Kunft. fertigkeit ausgeführten Beftandtheile diefes impofanten Hof- Galawagens noch immer nicht erfchöpfen, wefswegen fchliefslich nur bemerkt werden mufs, dafs ein gewaltiger Langbaum von der Mitte der rückwärtigen Achfe ausgehend zum Vordergeftelle, refpective zur Wagenfpindel geführt war und dem Wagen einen hohen Grad von Feftigkeit verlieh. Der mit nicht geringerer Pracht ausgeftattete zweite Hof- Galawagen war mit gleicher Kunftfertigkeit ausgeführt und verdienen aufserdem bei der Marius'fchen Ausftellung noch eine Victoria, fchwarz lackirt, gelb befchnitten, mit fchwarzem Atlas austapezirt, eine gelbe Kalefche, fchwarz befchnitten mit blauer Seide garnirt, fowie ein für Seine Majeftät den König von Hannover gebautes fchwarzblaues Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 31 Huit- refforts- Coupé roth befchnitten, mit blauem Atlas garnirt, hervorgehoben zu werden. Die lange Reihe der Wiener Wagenfabrikanten findet einen würdigen Abfchlufs in der ebenfo reichhaltigen als vortrefflich durchgeführten Ausftellung des Herrn Jacob Lohner, von deffen Wagenfabrik nicht weniger als 12 Equipagen zur Ausftellung gelangten; darunter eine Huit- reffort- Kalefche mit grün lackirtem Kaften und Untergeftelle und mit perlgrauer Seide ausgefchlagen, ein blauer Landau mit patentirter ebenfo einfacher als finnreicher Mechanik zum Niederlaffen und Wiederaufrichten des Vorderdaches; ein Huit- refforts- Coupé mit fchwarz lackirtem Kaften und Untergeftelle, das letztere gelb befchnitten, die innere fchwarze Seidengarnitur mit fchwarzgelben Gallonen verfehen. Von den ausgeftellten höchft eleganten 3 Victorias hatte jene mit dem blau lackirten Kaften die Aufhängung in 8 Federn, wovon die unteren elliptifche Druckfedern, die oberen aber Schneckenfedern waren. Die zwei anderen Victorias hatten jedoch eine von den anderen Wagen ganz verfchiedeue Federeinhängung, wie diefs aus beifolgender Fig. 13 erfichtlich ift. Fig. 13. Victoria von Jacob Lohner in Wien. die Diefs war eine kleine Victoria deren rückwärtige Räder I Meter, vorderen hingegen blos o 70 Meter im Durchmeffer hatten, der braun lackirte Kaften mit lackledernen Kothflügeln war mit brauner Seide austapezirt, das braune Untergeftelle goldbefchnitten. Der Wagen ohne Bock zum Selbftkutfchiren. Zu unterft waren auf beiden Achfen die gewöhnlichen elliptifchen Druckfedern aufgefetzt. Im Arrièretrain fafsen unmittelbar auf den Druckfedern die Schneckenfedern, welche nach oben zu an Riemen in den fchmiedeeifernen mit den Kaftenrahmen verbundenen Hängtafchen hingen, der untere Theil der rückwärtigen Schneckenfedern ftand zu beiden Seiten mit je einem fchmalen fchmiedeeifernen Langbaum in Verbindung, der fich unter dem Wagenkaften fortfetzend mit den correfpondirenden Schneckenfedern des Vordergeftelles vereinigte und einen mit zwei Langbäumen verfehenen Wagen darftellte, der ein ganz gefälliges Aeufsere aufzuweifen hatte. Daneben ftand eine ähnliche kleine, blaue Victoria mit perlgrauer Seide ausgelegt. 3 32 M. B. Rideli. - Diefe zwei höchft eleganten kleinen Victorias waren in Bezug auf die Conftruction und Federeinhängung als eine gelungene haute nouveauté aufzufaffen und haben als folche viel Anwerth gefunden, es kann jedoch nicht geleugnet werden, dafs in den k. k. Wagen remifen drei ältere Wagen fich vorfinden, welche eine identifche Conftruction in Bezug auf zwei fchmale Langbäume und Schneckenfeder Einhängung aufweifen, darunter der fehr gut confervirte Parkwagen für ein Bockgefpann aus den Kinderjahren Kaifer Jofef II. und der italienifche Krönungswagen von Napoleon I. Ungleich den anderen Ländern, wo zumeift nur von den refpectiven Hauptftädten die Wiener Ausftellung mit Luxuswagen befchickt worden ist, haben die Wagenfabrikanten der öfterreichifchen Kronländer einen erheblichen Antheil diefem Zweige der öfterreichifchen Induftrie während der Expofition aufzuweifen gehabt. an J. Berger& Sohn aus Neutitfchein haben zwei Phaetons und einen Landau ausgeftellt, welche zwar keine Befonderheiten in der Conftruction zeigten, jedoch gut ausgeführt waren. Die Wagenfabrik von Rudolf Fuchs aus Biala, welche auch in Brünn eine Filiale befitzt, ftellte ebenfalls 3 fehr gut gebaute Wagen aus, und zwar einen dunkelgrünen Clarence, einen dunkelblauen Phaeton und einen Kutfchirphaeton mit Korbgeflecht, der fich gut präfentirte. Der Wagenfabrikant Johann Puftówka in Tefchen ftellte einen Wagen aus, der auf dreifache Weife benützt werden konnte, und zwar als offener Herrenphaeton, Kutfchirphaeton und als halbgedeckte Calefche. Der Kaften war rothbraun, fämmtliche Eifentheile fchwarz lackirt, wobei die Radfelgen aus Einem Stücke, das efchene Untergeftelle roh gefirnifst. Diefer Wagen war aber aufserdem durch eine ganz neuartige Verbindung des Vordergeftelles mit dem Hintergeftelle bemerkbar, wobei die Stangenarme, der Achsftock, Wendefchämel und der Reibnagel in Wegfall kamen und in Folge deffen nicht nur das Gewicht des Wagens erheblich vermindert, fondern auch die in der Bodenfchwelle des Kutfchbockes angebrachte kleine Drehfcheibe vor Koth gefchützt und deren Einölen von Innen aus ermöglicht werden konnte. Es wurde wohl eine graphifche Wiedergabe diefer neuen und zweckdienlichen Conftruction hier beabfichtigt, konnte jedoch nicht durchgeführt werden, da diefer Wagen vor Schlufs der Ausftellung aus der öfterreichifchen Wagenabtheilung entfernt worden ift. Eine fehr reichhaltige Wagenausftellung, beſtehend aus 13 Luxuswagen, kam aus der Hof- Wagenfabrik von Schuftala& Comp. in Neffeldorf in Mähren, welche nebft Filialen vielleicht die gröfste Anzahl Wagen nämlich 800 Stück per Jahr fabricirt. Unter den Wagen diefer Fabrik waren befonders hervorzuheben: ein Huitrefforts- Phaeton( angekauft vom Grafen von Flandern) mit braunem Kaften und brauner Maroquingarnitur, ferner eine blaue, höchft elegante Huit- refforts- Victoria mit gelbem Untergeftelle, blau befchnitten und mit lichtblauer Seide ausgefchlagen. Ein Pürfchwagen mit Langbaum, Geftelle und Kothflügel aus gefirnifstem Efchenholze, Eifentheile fchwarz lackirt, mit grauer Wollftoff- Garnitur. Aufser mehreren Phaetons, Coupés, Landaus befand fich noch eine blaue Victoria mit verftellbarem Bock auf Stützen, zum Fahren à la Daumont. Neben diefen in jeder Beziehung ausgezeichneten Wagen waren in der Schuftala'fchen Ausstellung diverfe felbftfabricirte Wagenbeftandtheile, eine Achfe mit completem Vordergeftelle, zwei fertige Räder, wobei die Naben aus Akazienholz, die Speichen aus Hickory Nufsholz( Carya alba), welches aus Nordcarolina feit einiger Zeit in fehr grofsen Quantitäten zum Wagenbaue nach Europa importirt wird. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 33 Die Wagenfabrik von Johann Weigl in Profsnitz, ftellte 2 fehr gut ausgeführte Wagen aus; einer hievon war ein befonders gelungener KutfchirPhaeton mit Kaften aus Palifanderholz( Jacaranda brasilienfis), Untergeftelle fammt Rädern aus gefirnifstem Efchenholze, Eifentheile fchwarz lackirt mit einer chamoisfärbigen Chagringarnitur. Der Durchmeffer der hinteren Räder betrug I'120 Meter, der vorderen 0.920 Meter, der Radftand 1350 Meter und war der Kaften im vorderen und rückwärtigen Geftelle von elliptifchen Druckfedern getragen. Der von demfelben Fabrikanten ausgeftellte braune Phaeton war ein Huit- Refforts mit der Modification jedoch, dafs der Wagenkaften an den vorderen Schneckenfedern nicht mittelft fchmiedeeifernen Hängtafchen, fondern mittelft zwei weiteren Flachfedern hing und dadurch diefer Wagen eigentlich zehn Federn aufzuweifen hatte. Der Wagenfabrikant Johann Lickendorff in Lemberg ftellte einen Schlitten aus, bei deffen Conftruction eine, wenn auch nicht ganz wefentliche Neuerung ftattfand. Da nämlich während der Winterszeit in Galizien der Schlitten in Bezug auf Locomotion von Perfonen und Gütern eine hervorr gende Rolle spielt, die Schlittenbahn aber ftellenweife Unvollkommenheiten oder auch Lücken aufzuweifen hat, fo wird die von dem gewöhnlichen Schlittenvehikel bei dem gröfseren oder geringeren Schneeftande zu löfende Aufgabe häufig derart complicirt, dafs Herr Lickendorff fich bemüffigt fah, wie aus Fig. 14 erfichtlich, neben den mit dem Geftelle feft verbundenen fchmalen fchmiedeeifernen Schlittenkuffen auch noch breitere, mittelft der am Kutfchbocke befeftigten Kurbel verfchiebbare Kuffen anzubringen und durch deren Auf- und Niederlaffen bei diverfem Schneeftande den Reibungswiderftand nach Bedarf zu reguliren. Fig. 14. Schlitten von J. Lickendorfi in Lemberg. Der Kaftenrahmen diefes Schlittens war aus gebogenem Efchenholze, die Zwifchenfelder mit amerikaniſchem Nufsholze ausgetäfelt. Das Innere war mit ponceaurothem Tuche austapezirt, wobei die kirfchrothen Quaften und Gallonen nicht befonders paffend waren. An diefe Luxuswagen fchlofs fich in der öfterreichifchen Abtheilung die Ausftellung eines Omnibuswagens an, welcher für die neue Wiener Omnibusgefellſchaft von der Hernalfer Waggonfabriks Actiengefellfchaft conftruirt worden ift. 3* 34 M. B. Rideli. Bei der Conftruction diefer Omnibuswagen hat man die bisher in Wien übliche Form mit dem abgefonderten Kutfchbocke und den mehrfachen Eingängen verlaffen und aus Rückfichten der Oekonomie, fowie der Sicherheit des Betriebes die in Paris und London bewährte Form adoptirt. Bei diefem nach allen vier Seiten gefchloffenen Omnibus befindet fich an der vorderen Stirnfeite der Kutfchbock, an der rückwärtigen die einzige Eingangsthüre. Eine leichte, aus Eifen conftruirte Stiege führt zur Gallerie, die für 10 Sitzplätze berechnet ift. Der innere Raum bildet ein Coupé mit zwei gegenüberliegenden gepolfterten Sitzbänken mit zufammen zwölf Plätzen. Die Wandflächen ober den Sitzplätzen, fowie der Plafond haben eine Täfelung aus Mahagonyholz( Swietenia Mahagoni). Das Kaftengerippe ift aus Rothbuchenholz und der gefammte Wagenkaften mit Eifenblech von 1 Millimeter Dicke bekleidet, gelb lackirt, fchwarz befchnitten. Die Federn, in welchen der Wagenkaften hängt, find von den bisher befchriebenen verfchieden, im Vordergeftelle hängt nämlich diefer Omnibuswagen in zwei Tragfedern aus Stahl von 1070 Meter Länge und 65 Millimeter Breite à 7 Blatt von 8 Millimeter Dicke, diefe zwei Tragfedern ftehen mit einer dritten zur Achfe parallelen, fogenannten Balancierfeder von 1020 Meter Länge, 65 Millimeter Breite à 8 Blatt von 8 Millimeter Stärke in Verbindung Im Arrièretrain hängt der Omnibus in zwei Tragfedern von 1'200 Meter Länge, 65 Millimeter Breite à 9 Blatt von 8 Millimeter Stärke und in der damit zufammenhängenden Balancierfeder von 1220 Meter Länge, 65 Millimeter Breite zu II Blatt von 8 Millimeter Dicke. Die übrigen Dimenfionen find: Aeufsere Kaftenlänge Innere " 9 Aeufsere Kaftenbreite Innere 99 Lichte Höhe in der Mitte Radftand. Durchmeffer der vorderen Räder وو " hinteren Spurweite der vorderen Räder 99 " Radfturz " 29 " " hinteren vorderen hinteren Stärke der vorderen Achsftummel وو • 2.800 Meter 2.660 1.610 27 " 99 I 470 46 , 1.765 I- 705" 0.900 99 1325 1380 " 27 1.610 " 35 Millimeter 46 50 " 55 275 300 ##* 2 99 " 99 " 29 hinteren Länge vorderen " " hinteren das Eigengewicht 30 Zollcentner. " Die Achfen find aus beftem Schmiedeeifen, die rückwärtigen ftark ausge kröpft, die Achsbüchfen aus Gufseifen mit Schmiermuttern verfehen, und befteht deren Verfchlufs aus je 2 Verfchlufsringen, einem Gegenringe und einem Stücke Verfchlufsbüchfe, fämmtlich aus Metall. Die Felgen der Räder aus Rothbuchenholz, Speichen aus Efchenholz, Naben aus Ruftenholz. Der Preis eines derartigen Omnibus mit Mahagonytäfelung und Tuchtapezirung beträgt 1500 fl., mit Lederleinwand und Tapeten 1400 fl. öfterr. Währung, und find davon bereits 125 Stück an die Neue Wiener Omnibusgefellſchaft von der Hernalfer Waggonfabrik geliefert worden, welche neben der Fabrication von Eifenbahn-, Tramway- und Omnibuswagen auch zur Erzeugung von allen Arten Luxusfuhrwerken wohl eingerichtet ift. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 35 Schwere Frachtwagen waren in der öfterreichifchen Wagenabtheilung verhältnifsmässig fchwach und nur durch 2 Exemplare vertreten. Hievon wurde ein Transportwagen, deffen Tragfähigkeit 145 Zollcentner betrug, von dem Hernalfer Wagenfabrikanten Auguft Opawfky ausgeftellt. Bei einem Radftande von 2 700 Meter hatten die vorderen Räder einen Durchmeffer von I Meter, die hinteren Räder 1 200 Meter; Radfpeichen und Radfelgen, fowie das ganze Geftelle waren aus gefirnifstem, wohl ausgefuchtem Efchenholze, alle Eifenbeftandtheile fchwarz lackirt, die Radreifen hatten eine Stärke von 23 Millimeter bei einer Breite von 0 160 Meter und wurde deren Aufzug mittelft einer vom Fabrikanten eigens hiezu conftruirten Mafchine bewerkstelligt. Zwifchen dem efchenen, mit fteierifchen Eifenachfen montirten Achsftocke und der Achsfchale war mittelft ftarken Spangen und Eifenklammern ein 0 140 Meter mächtiger Langbaum in der Länge von 3.90 Meter fammt Zwiefeln eingezwängt und derfelbe im Vordergeftelle aufserdem mittelft eines entſprechend ftarken Reibnagels mit dem Wendfcheit in Verbindung gebracht. Von den drei Wagenträgern war der letzte am Ende des Langbaumes angebrachte mit der Bremsfpindel montirt, mittelft welcher zwei Efchenholz- Bremsklötze an die rückwärtigen Räder geprefst werden konnten. Die mit der gröfsten Sorgfalt gearbeiteten Wagenbeftandtheile boten in ihrer zweckmässigen Zufammenfetzung ein fehr ftattliches Bild dar, und es konnte diefes Ausftellungsobject der öfterreichifchen Wagenfabrication nur zur weiteren Zierde gereichen. Die allgemeine öfterreichifche Transportgefellfchaft ftellte einen Frachtwagen von analogen Dimenfionen aus, deffen Holzbeftandtheile grün, die Eifentheile fchwarz angeftrichen waren. Diefer in den Werkftätten obiger Gefellſchaft gebaute Wagen ftand mit dem ,, Patent Wiefenburg" in Verbindung. Diefes Patent bezweckt die Verminderung der Betriebsfchwierigkeiten bei Befahrung von bedeutenden Steigungen. Zu diefem Behufe werden beliebig conftruirte Frachtwagen in der Mitte ihres Langbaumes mit einem aus ftarken Balken gezimmerten Unterfatze in Verbindung gebracht, welcher zu unterft eine 45 Millimeter ftarke Eifenachfe mit darauf gefetzten 2 kleinen Schalengufs- Rädern von circa o 300 Meter Durchmeffer trägt, die fich bei einem Radftande von o'315 Meter unter normalen Verhältniffen um o 260 Meter über das Strafsenniveau erheben. Wenn daher bei Ueberfchreitung von fteilen Bergrücken im Strafsenkörper ein entsprechend hoher, an den Kanten mit Flachfchienen verfehener Holzbalken in der erforderlichen Länge eingelaffen worden ift, der zur Spurweite des kleinen Räderpaares pafst, fo kann der fchwer beladene Frachtwagen auf dem um circa o 260 Meter über dem Strafsenniveau vorfpringenden Balken mit Leichtigkeit hinaufgeführt werden, ohne einer Vorfpann benöthigen zu müffen. Dabei fchweben die vorderen Räder um circa o 160 Meter über dem Boden, während 1/10 der Gefammtlaft des Wagens auf die hinteren Räder und% 10 auf das kleine Schalengufs Räderpaar vertheilt find. Derartige Uebergangsbalken find bereits an mehreren Strafsen, fo namentlich am Karft in der kroatifchen Militärgrenze, eingelegt und kann jeder gröfsere Frachtwagen mit dem entſprechenden Mittelgeftelle ohne Schwierigkeit verfehen werden. Der k. k. Hoflieferant A. Moll, ftellte einen kleinen, für grössere Excurfionen geeigneten, vollſtändig eingerichteten, zweirädrigen Photographenwagen aus. Der grüne Kaften fafs in 2 auf der Achfe befeftigten Druckfedern; Raddurchmeffer 1080 Meter. Vorne am Wagen befand fich zum Ausbreiten der Utenfilien eine Plattform, der eine verftellbare Stütze beigegeben war. Da bekanntlich die Photographiebefliffenen mit grofser, oft unüberlegter Vorliebe pittoreske, mitunter höchft gefährlich fituirte Ruhepunkte aufzufuchen . 36 M. B. Rideli. pflegen, fo ift diefer Wagen überdiefs rückwärts mit zwei Gabeln gegen etwaiges Hinabrollen montirt, um für den Fall des Verunglückens des aufopferungsfähigen Künftlers wenigftens die effectuirten Aufnahmen für eine etwaige Vervielfältigung retten zu können. Der nach Bedarf leicht zu demontirende und mit einer Bremfe verfehene Wagen koftete ohne Utenfilien und Apparate 130 fl. Vom Ingenieur Lenz waren zwei Vélocipèdes von der gebräuchlichften Form ausgeftellt, deren Triebräder o 90 Meter im Durchmeffer hatten und mit alternirend auf der Nabe fitzenden hölzernen Speichen verfehen waren. Einigermafsen bemerkenswerth bei diefen zwei Vélocipèdes war deren Bremsvorrichtung, da hiebei zum erften Male eine Verwendung von Guitarrefaiten ftattgefunden hat, welche, in gewiffen Zwifchenräumen Schwingungsknoten bildend, vom erfindungsreichen Ausfteller offenbar auch zur Erzielung irgend einer phonetifchen Wirkung auserkoren worden find und dem hiezu competenten Berichterftatter der Gruppe XV ohne Zweifel reichlichen Stoff zu einer ehrenvollen Erwähnung liefern dürften. Die bei den k. k. Poftanftalten gegenwärtig am häufigften gebrauchten Fuhrwerke wurden vom k. k. Handelsminifterium im Pavillon für den Welthandel feparat ausgeftellt. Unter den ausgeftellten 8 Poftführwerken hatte fich ein für Separatfahrten befonders geeigneter Poftlandau, der auf den Poftftrafsen des Salzkammergutes in mehreren neuen Exemplaren in Verwendung fteht, einer ebenfo grofsen als wohlverdienten Anerkennung zu erfreuen. Der auf 4 Perfonen berechnete, mit dem bekannten hellglänzenden chromgelben Anftriche verfehene und fein lackirte Kaften diefes Landaus, war an den Portièren mit dem k. Wappen und dem Pofthorne gefchmückt, hing vorne auf zwei elliptifchen Druckfedern, rückwärts in drei ftarken Tragfedern, und hatte inwendig eine drapfarbene Tuchgarnitur. Aufser diefem Landau war noch ein Doppelcoupé, drei Poftmaille wagen, ein Poftpackwagen mit Cabriolet und zwei Poftcariolwagen ausgeftellt. Von den letzteren hatte der kleinere Cariolwagen einen Radftand von 1 Meter und war mit einem Langbaume verfehen, da der Kaften auf beiden Achfen nur in je Einer parallel über der Achfe befeftigten Feder hing. Der in neuefter Zeit eingeführte Poftcariolwagen für den Briefeinfammlun gs- Dienft hatte eine Kaftenlänge von 180 Meter, wobei der chromgelbe Kaften mittelft Wagenhalfes mit dem abgefonderten, fchwarzlackirten Kutfchbocke zufammenhing. Der für das Placiren von 18 Briefbeuteln eingerichtete Kaften hatte einen verfchliefsbaren, fchwarzlackirten Blechdeckel. Bei einem Radftande von 180 Meter fafs der Kutfchbock in zwei auf der vorderen Achfe befeftigten elliptifchen Druckfedern, während das Gewicht des Kaftens auf der rückwärtigen Achfe in zwei Trag- und einer Balancierfeder ruhte und trotz der beträchtlichen totalen Wagenlänge die Anwendung eines Langbaumes entbehrlich machte. Die fämmtlichen Wagenbeftandtheile und Ausstattungsgegenstände diefer k. k. Poftwagen find inländifcher Provenienz; die nach den Zeichnungen und Bedingniffen des k. k. Handelsminifteriums auszuführenden Arbeiten werden an die diverfen Fabrikanten vergeben und dann gewöhnlich in der Lohner'fchen Wagenfabrik montirt, wo auch der Anftrich, fowie die Lackirung, Tapezierung u. f. w. beforgt zu werden pflegt. Bei der Vorzüglichkeit der Ausführung diefer k. k. Poftwagen könnte allenfalls nur die Wahl der zum Anftriche des Untergeftelles verwendeten Farben, nämlich röthlich- orangegelb mit fchwarzen Streifen als mit dem lichten Chromgelb des Kaftens gar nicht harmonirend bezeichnet werden. Die k. preufsifche Poft benützt, wie aus den ausgeftellten 28 Modellen von Poftwagen erfichtlich war, dasfelbe Chromgelb zum Anftriche des Kaftens fowohl, als des Untergeftelles, während eine vom Turiner Wagenbauer Locati ausgeftellte Mail- Coach mit chrom Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 37 gelbem Kaften und zinnoberrothem Untergeftelle einen ganz effectvollen Anblick darzubieten geeignet war. Die auf den Dienft der k. k. Poftwagen Bezug habende Ausftellung des k. k. Handelsminifteriums war auch in hiftorifcher Beziehung von grofsem Intereffe. Es mag hier geftattet fein zu erwähnen, dafs die gefchichtlich verzeichnete Verbindung von verfchiedenen, relativ fehr entlegenen Punkten eines ftaatlichen Territoriums mittelft permanent auf denfelben poftirten Wagen und Relais auf den Perferkönig Cyrus( 550 Jahre vor Chriftus) zurückreicht, und im Alterthume auch ftets unter dem perfifchen Namen„ Angara" bekannt war, bis unter den römifchen Imperatoren von der Bezeichnung der Zwifchenftationen mit dem Namen„ posta" die gegenwärtige Benennung nach zahlreichen, wechfelvollen Zwifchenfällen im internationalen Verkehr die Oberhand gewann. Die Briefpoft ift ebenfalls perfifchen Ursprunges, und wurde in diefem ehemals vom Indus bis zum mittelländifchen Meere fich ausbreitenden Weltreiche neben unzähligen anderen Methoden zur Beförderung von fchriftlichen Mittheilungen in fpeciellen Fällen auch jene in Anwendung gebracht, dafs dem zum Paffiren von unwirthlichen Gegenden beftimmten Poftboten nach Abrafirung des Haupthaares die Depefche auf die Kopfhaut tätowirt und der betreffende Poftbeamte erft nach Wiedererlangung eines reichlichen Kopffchmuckes dem Adreffaten zur Entzifferung der Depefche zugefchickt worden ift.* Wenn nun einestheils diefe Depefchen- Beförderungsweife, abgefehen von anderen Gründen, heutzutage auch in Folge der wirklich troftlofen HaarwuchsVerhältniffe der Gegenwart die frühere praktiſche Bedeutung nicht mehr erlangen dürfte, fo mufste anderfeits die bei Poftverfpätungen im Alterthume möglicherweife geltend gemachte Ausrede wegen verzögerten Haarwuchfes des Poftboten" mit der fortfchreitenden Entwicklung des Poftwefens ihre Berechtigung nach und nach verlieren und anderen, geeigneter erfcheinenden Vorwänden Platz machen, wie diefs ja dem correfpondirenden Publicum in vieler Herren Länder ohnehin fattfam bekannt ift. Der Bergbau- Beamte Johann N. Jandl aus Graz hat ein gut ausgeführtes Kohlenwagen Modell ausgeftellt. Dasfelbe war vierrädrig und hatte an beiden Wagenenden je einen geräumigen Kaften für Kohlen, während dazwifchen in der Mitte des Wagens für den eventuellen Detailverkauf eine Brückenwage auf zwei Eifenfchienen angebracht war, um unmittelbar unter den Augen des Käufers die erftandenen Kohlenquantitäten abwägen zu können. Genau nach diefem ausgeftellten Modelle fteht eine gröfsere Anzahl Kohlenwagen in Graz bereits feit zwei Jahren mit dem beften Erfolge in Verwendung, und könnte dadurch vielleicht auch in Wien den leider an der Tagesordnung ftehenden Uebervortheilungen des Publicums durch die Kohlenhändler Einhalt gethan werden. Vom Mechaniker Jofeph Matfcheg in Wien wurde das für alle Arten von Locomotion bei Schiffen, Drahtfeil- Bahnen, Aufzügen, Heb- und Dampfmafchinen u. f. w. tauglich fein follende ,, Rotationsfyftem Matfcheg" an einem vierrädrigen Fuhrwerke zur Anfchauung gebracht. Dasfelbe beftand in feiner Wefenheit aus einer Abart von zwei mit einander gekuppelten Vélocipèdes, deren fämmtliche vier Räder den gleichen Durchmeffer von I Meter hatten und mit einem Blechkaften umgeben waren, innerhalb deffen drei Perfonen Platz nehmen und durch eine allerdings fehr anftrengende Entwicklung der Muskelkraft der Unterfchenkel den Wagen zum Fortrollen auf einer ebenen Bahn veranlaffen konnten. * Diefe antike Nachricht ift gefchöpft aus dem foeben in Paris von Arthur Freiherrn von Rothfchild publicirten Werke ,, Hiftoire de la pofte aux lettres"( Librairie nouvelle 1873) Chap. I. S. 20, und es ift nur zu bedauern, dafs, während die meiſten anderen Mittheilungen diefer Arbeit mit den gewiffenhafteften Quellenangaben verfehen find, der Urfprung gerade diefer fo werthvollen Notiz dem wifs begierigen Lefer hartnäckig vorenthalten worden ift; wefswegen wir diefsfalls mit der alleinigen Autorität des Herrn Verfaffers vorlieb nehmen müffen. 38 M. B. Rideli. Da aber für die oberen Extremitäten der Paffagiere diefes Fuhrwerkes gar keine Stützpunkte innerhalb des Wagenkaftens ausgemittelt worden waren, fo müfsten während der Locomotion die durch die Fufsbewegungen unvermeidlich gewordenen energifchen Schwankungen des Oberkörpers auf die Gefammtentwicklung der lebendigen Kraft fehr ftörend wirken, ja es könnte bei diefem Vehikel fogar hin und wieder der Fall eintreten, dafs in Folge der gegenfeitigen erheblichen Befchädigungen der Reifetheilnehmer auf die Anwendung diefes Rotationsfyftemes momentan verzichtet werden müfste. Diefe und mehrere andere diefem Syfteme anhaften den Unzukömmlichkeiten werden vielleicht deffen Einführung noch einige Zeit verzögern, umfomehr als dasfelbe ein zu weites Gebiet zu umfaffen fich vorgenommen hatte. Im Gegenfatze dazu ift mit der Ausftellung des vom k. k. Staatsanwalte in Brünn Theodor Tomafchek conftruirten" Pendelwagens" lediglich eine Anregung zur Umgeftaltung des gegenwärtig üblichen Baues von Fracht- und Luxuswagen beabfichtigt worden. Das grün angeftrichene, einer Achfe vollkommen entbehrende Wagengeftelle ruht hiebei fammt der aufzunehmenden Laft zwifchen zwei Rädern von 2 Meter Durchmeffer auf den Achsftummeln wie ein Pendel, mufs kraft der eigenen Schwere die perpendiculäre Lage allezeit fefthalten und, aus ihr geftört, felbe wieder zu gewinnen fuchen. Nach weiterer Angabe des Herrn Ausftellers kann diefes Pendelfahrzeug nie umftürzen, bietet Vortheile beim Aufladen fchwerer, nicht voluminöfer Laften* und kann auch vierrädrig conftruirt werden. Einen integrirenden Beftandtheil diefer Ausftellung bildeten tadellos ausgeführte, mit erläutern dem Texte verfehene graphifche Darstellungen einiger Gravitationsgefetze, welche, die weiteren Vortheile diefes Fuhrwerkes entwickelnd, den Beweis liefern follten, dafs durch die in bedeutender Höhe über der Achfe angebrachten Angriffspunkte der Zugkraft eine namhafte Erfparnifs der letzteren bewirkt werden müfste, eine Eigenfchaft, die übrigens mehr oder weniger die fämmtlichen im Prater zur Ausftellung gelangten Strafsen- und Eifenbahn- Fuhrwerke mit dem„ Pendelwagen" gemeinſam hatten. Eine fchwache Seite diefes Fuhrwerkes wird jedoch ftets der Abgang einer Achfe bilden, welchem Wagenbeftandtheile bekanntlich nicht nur die Vermittlung der Vorwärtsbewegung zukommt, dadurch vielmehr, abgefehen von der Tragfähig. keit, auch die Feftigkeit eines jeden Fahrzeuges bedingt wird, der vorliegende Pendelwagen hingegen wegen Mangels einer entſprechend ftarken Achfe im Strafsenverkehre fchon in Folge unbedeutender Seitenftöfse in Trümmer gelegt werden könnte. Der Tomafchek'fche Pendelwagen hatte die weitere Eigenthümlichkeit, dafs durch Vermittlung einer Querftange, welche mit den zwei in bedeutender Höhe über den Achsftummeln am oberen Theile des Geftelles angebrachten Zugftangen in fester Verbindung ftand, in normaler Lage die zwei PendelwagenRäder vollständig gebremft werden mufsten und der Wagen nur dann von der Stelle zu bringen war, wenn die zwei Brancards bis zu einer erftaunlichen Höhe gelüftet worden waren. Unter diefen Umftänden müfste aber die mit der Einführung des Pendelwagens beabsichtigte Wagenbau- Umwälzung unbedingt auch auf das gegenwärtig übliche Befpannungsfyftem ausgedehnt und abnorm hochgewachſene mit entfprechend conformirten Schulterblättern verfehene Zugthiere zur Domefticirung herangezogen werden, von denen derartige Pendelwagen unter Entwicklung der * Diefem fpeciellen Zwecke entgegen war in Folge eines Mifsverftändniffes der hutfchenartige Behälter diefes Pendelwagens während der Ausftellung nicht mit derlei fchweren Gegenftänden beladen, feine Belaftung beftand vielmehr neben einigen Gypsfiguren und Gypsornamenten zeitweilig noch aus einem voluminöfen Album, enthaltend die bekannten ,, Accidents de chaffe" von unferem launigen vaterländifchen Künftler Tony Strafsgfchwandtner. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 39 fpecificirten Vortheile in Betrieb gefetzt werden könnten, in welchem Falle jedoch der Gebrauch diefes Fuhrwerkes allerdings nur auf das innerhalb der Wendekreife gelegene geographifche Verbreitungsgebiet diefer neuen Zugthiere befchränkt bleiben müfste. Die blos in kurzen eifernen Zapfen laufenden, unter der Bezeichnung ,, roues à vouffoir" bekannten Räder wurden übrigens bereits im Jahre 1825 wegen der denfelben damals fchon zugemutheten Eigenfchaft, fortan jedes Umwerfen unmöglich zu machen, von dem Parifer Wagenfabrikanten Mr. Leim gruber zur Conftruirung von ganz neuartigen Kutfchen, den fogenannten ,, Inversables", benützt, deren Gebrauch jedoch in Folge von mehrfach vorgekommenen Unglücksfällen behördlich unterfagt werden mufste. Bei diefem Leimgruber'fchen Wagenfyfteme wurde aber geltend gemacht, dafs bereits im Jahre 1763 von einem ficheren Mr. Fagott ein Patent dafür erwirkt worden war, und da dasfelbe Project, wenn auch in modificirter Form, in gewiffen Zwifchenräumen ftets wieder aufzutauchen pflegt, fo wird vielleicht die Erwähnung am Platze fein, dafs ein Pendelwagen bereits im Jahre 500 vor Chr. beim Bau des weltberühmten Tempels der Diana zu Ephefus in Verwendung kam. Da diefes für einen fpeciellen Fall vom Tempel- Baumeifter Metagenes conftruirte Fuhrwerk nicht nur feinen damaligen Zweck vollſtändig erfüllte, fondern auch gegenwärtig von unferen modernen Baumaterial- Gefellſchaften bei der mit Vortheil demnächftigen Wiederaufnahme der Bau- Arbeiten vielleicht angewendet werden könnte, fo erlaubt man fich dasfelbe in Fig. 15, wenn auch in ganz primitiven Umriffen, anfchaulich zu machen. Fig. 15 b Pendelwagen des Metagenes. Der berühmte römifche Kriegs Baumeifter M. Vitruvius Pollio berichtet nämlich in feiner für den Triumvir Octavius Caesar( nachmaligen Kaifer Auguftus) verfafsten Abhandlung ,, de Architectura" über diefes Fuhrwerk, dafs, nachdem alle 128 Säulen des Diana- Tempels aufgeftellt worden waren, und nunmehr zum Herbeifchaffen und Auffetzen des Architravs gefchritten werden musste, der ephefifche Baumeifter Metagenes genöthigt war, für den Transport der koloffalen Architravtheile eine ähnliche Vorrichtung herzuftellen, wie deffen Vorgänger Cherfiphron für das Ueberführen der 60 Fufs hohen Säulenfchäfte. Metagenes conftruirte fonach zu diefem Zwecke Räder von 12 Fufs Durchmeffer, und nachdem er in die Stirnfeiten der Architravtheile eiferne Zapfen eingelaffen und die letzteren in den Radnaben eingefchloffen hatte, fo mufsten die Zapfen der als Achsftöcke fungirenden Architrave beim Anziehen des Ochfengefpanns die continuirliche Umdrehung der Räder bewirken, auf welche Weife der Archi 40° M. B. Rideli. trav in der kürzeften Frift, ebenfo wie früher die Säulenfchäfte, von den Marmorbrüchen auf den Bauplatz in Ephefus gefchafft werden konnte.* Schliefslich kann aus diefem Anlaffe die Bemerkung nicht unterdrückt. werden, dafs in den erhalten gebliebenen Fragmenten des M. Vitruvius noch heutigen Tages eine unerfchöpfliche Fundgrube von neuen, oder für neu gehaltenen Projecten zu fuchen fei, und dafs bei einer halbwegs richtigen Interpretirung diefes Schriftftellers die vaterländifchen Privilegiumsarchive von ausdauernden Patentliebhabern noch vor Beginn der nächften Weltausstellung auf das reichhaltigfte vermehrt werden könnten. Aufser den Fracht- und Luxuswagen waren in der öfterreichifchen Abtheilung viele theils ganz fertige Wagenbeftandtheile, theils die dazu gehörigen Halbfabricate ausgeftellt. Von den Eifen und Hüttenwerken des Grafen Alexander Branicki in Sucha( Galizien) waren diverfe Achfen ausgeftellt, wovon die ftärkfte im Gewichte von 1'13 Centner à 12 fl. 75 kr. oder per Stück 14 fl. 40 kr. öfterr. Währung, die fchwächfte im Gewichte von 21 Pfund zu 2 fl. 68 kr. per Stück. Von der Eifen- und Stahlgewerkfchaft Eibiswald waren aufser fertigen Equipagefedern und Omnibus- Tragfedern aus Gufsftahl auch Flachfedergufsftahl, gerippter Cementfederftahl, fowie Eifenachfen in fehr vielen Dimenfionen ausgeftellt, welche den früheren Ruf diefes Etabliffements vollkommen rechtfertigten. Ferdinand Hüffel in Hainfeld( Niederöfterreich) fowie G. Gaismayer& Schürhagel in Scheibbs waren je durch eine reichhaltige Ausftellung von geraden und gekröpften Achfen mit und ohne Büchfen, die letzteren Fabrikanten auch durch eine Ausftellnng von Rädern mit fchmiedeeifernen Naben vertreten. Paul Abl& Comp. in Scheibbs ftellten einen Satz fchwerer FrachtwagenRäder auf Achfen mit Büchfen und Muttern, lofe Räder ohne Reifen und complete Bremsvorrichtungen aus, wobei eine fehr forgfältige Bearbeitung beobachtet werden konnte. Die Prager Eifeninduftrie- Gefellfchaft ftellte Eifenachfen roh und abgedreht aus, während die Ternitzer Walzwerke Frachtwagen- Achfen und Hufeifen aus Beffemerftahl verführten. Von der Erzherzog Albrecht'fchen Kameraldirection in Tefchen waren Wagenachfen aus Frifcheifen mit und ohne Büchfen und Muttern zur Ausftellung gelangt. Michael Finft erle in Wien ftellte 8 Räder aus, deren Ausführung eine ganz vorzügliche genannt werden mufs, dabei waren Speichen und Felgen aus Efchen, die Naben hingegen aus Ruftenholz. Vom Schloffermeifter Jofef Hornig in Wien waren die von demfelben für die Wagenbauer fabricirten Eifenbeftandtheile als: Wagentritte, Hängtafchen, Klammern, Rahmen für den Kutfchbock u. f. w. ausgeftellt, deren Ausführung nichts zu wünſchen übrig liefs, während M. Ed. Schmiedt in Wien nebft Wagenachfen auch feine patentirte eiferne Radnabe zur Ausftellung brachte, Die k. k. Hof- Eifenwaarenfabrik von Jofef Heifer in Gaming ſtellte zahlreiche Mufter von allen in Oefterreich gebräuchlichen und nach ihrer Länge als deutfche, böhmifche und ungarifche unterfchiedenen Frachtwagenachfen mit Gufsbüchfen und gefchmiedeten Stöfseln aus, ferner eine grofse Auswahl von den jetzt fehr bevorzugten ,, Coling's Patent- Oel- Achfen" inclusive Büchfen, Muttern, * ,, Fecit enim( Metagenes) rotas circiter pedum duodenum, et epistyliorum capita in medias rotas inclusit; eadem ratione cum cnodaces et armillas in capitibus inclusit. Ita cum trientes a bubus ducerentur, in armillis inclusi cnodaces versabant rotas: epistylia vero inclusa uti axes in rotis eadem ratione qua scapi sine mora ad opus pervenerunt." M. Vitruvius ,, de Architectura" Liber X, Cap. II, 12. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 41 Lederfütterung und mit aus dem Achskörper gefchmiedeten Lappen zur Aufnahme der Feder verfehen. Fracht- und Luxuswagen- Achfen fammt Zugehör bilden den hauptfächlichften Fabricationszweig diefes Eifenwerkes, und werden dort fertige Achfen im Gewichte von über 25.000 Zentner jährlich erzeugt, von deren Qualität namentlich die öfterreichifchen Wagenbauer nur Vortheilhaftes zu erzählen wiffen. Die Innerberger Actiengefellfchaft ftellte 3 von der Reichenauer Gewerkschaft beigeftellte Frachtwagen- Achfen aus, die Eifenhütte Krieglach 26 Stück Equipagen- und Frachtwagen Achfen, Jofef Pefendorfer's Erben in Rottenmann 30 diverfe Achfen mit Büchfen, darunter Flügelachfen und PflugradAchfen aus Beffemerftahl; von der erften Brünner Mafchinenfabriks- Gefellfchaft find einige Omnibusfedern, von den Graf Henck e l'fchen Werken in Wolfsberg die rühmlichft bekannten Equipagefedern in gröfserer Auswahl zur Ausftellung gelangt. In der ausgezeichnet arrangirten Prinz Coburg'fchen Collectiv- Ausftellung wurden Radfpeichen aus Akazie, Felgen aus Ailanthus und Naben aus Ruften, fowie aus derartigen Radbeftandtheilen zufammengefetzte fertige Räder, daneben auch Kothflügel und zierlich gefchnitzte Ochfenjoche aus Ailanthus bemerkt, welche von einer vortrefflichen Verwerthung diefer Holzgattungen Zeugnifs geben. * Die nicht minder forgfältig zufammengeftellte fürftlich Schwarzenberg'fche Gefammt- Expofition hatte aufzuweifen: Radfelgen aus Rothbuchenholz für leichte Wagen per 1 Schock 6 fl., defsgleichen für fchwere Wagen 9 fl. ab Krumau, Radfpeichen aus Rothbuchenholz, Deichfelftangen aus Birkenholz, ein Handfchlitten- Modell aus dem Böhmerwalde, ferner Schubkarren aus Buchenholz, befchlagen, I Stück zu 5 fl., aufserdem befchlagene Steinkarren per I Stück zu 6 fl., unbefchlagen I fl. 70 kr. Die Collectiv Ausftellung der Staatsbahn hatte ebenfalls eine grofse Anzahl von bearbeiteten Wagenhölzern, überdiefs auch fertige Wagenräder mit Felgen aus Buchen, Speichen aus Eichen und Naben aus Ruften aufzuweifen. Die ländliche Induſtrie aus Galizien war durch einige aus der Gegend von Jaworow ftammende Wagenbeftandtheile vertreten, darunter 4 kleine Räder, deren Felgen aus je einem mittelft Handarbeit gebogenen Aftftücke von Corylus avellana beftanden; aufserdem wurde die Ausftellung vom gräflich St. Genois'fchen Waldamte in Makow mit einem unbefchlagenen Land- Schubkarren und vom Grafen W. Dziedus zycki in Pieniaki bei Brody mit Radfelgen aus je einem Stück, fowie mit Achsfchalen befchickt. In der Kautfchukwaaren- Ausftellung von J. M. Reithoffer befand fich ein Rad, auf deffen eifernen Radreif ein 30 Millimeter ftarker Kautfchukring gespannt war. Diefe Art Räder finden jedoch bei den öfterreichiſchen Wagenbauern wenig Anklang, da der beabfichtigte Zweck ebenfo gut und mit weniger Auslagen durch Kautfchuk- oder Lederunterlagen, welche auf den zur Aufnahme der Druckfedern beftimmten Achslappen angebacht zu werden pflegen, erreicht werden kann. Eine der inftructivften Collectiv- Expofitionen wurde vom k. k. AckerbauMinifterium veranlafst; innerhalb des Pavillons waren zahlreiche Modelle derauf den verfchiedenen noch nicht veräusserten Staatsdomänen im Gebrauche ftehenden Fuhrwerke ausgeftellt, darunter Modelle von Ochfenwagen fammt * Das mit der Deichfelftange eines dem Zeus zu Gordium geweihten Wagens verbundene Jochpaar gab bekanntlich die Veranlaffung zu jener Legende, vermöge welcher verfchiedenen Perfönlichkeiten bei mehr oder minder paffender Gelegenheit die gewaltfame Löfung von verwickelten Aufgaben empfohlen wird. Nun fteht aber nach fehr glaubwürdigen Zeugniffen ziemlich feft, dafs Alexander der Grofse diefen das Jochpaar mit der Deichfel verbindenden Baftknoten gar nicht zerhieb, vielmehr den hölzernen Vorftecknagel mit der flachen Klinge, feines Schwertes von unten herausfchlug, wodurch die verwickelten Mafchen, der Stütze beraubt, von felbft zufammenfielen und auf diefe Weife die wirkliche Löfung des für ganz Phrygien damals verhängnifsvollen Knotens zur Folge hatten. 42 M. B. Rideli. Joch ohne jedes Stück Eifen, ein Wagenmodell mit Patent Wiefenburg, 10 Schlittenmodelle, 5 Handfchlitten, ein Radbock Modell u. f. w. Bei Weitem intereffanter war jedoch der im Freien ausfchliefslich aus Wagenbeftandtheilen impofant zufammengeftellte kegelförmige Aufbau, in deffen Mitte ein completer, fehr feft gebauter Arbeitswagen und ein Ziehfchlitten ftanden. In den auf die Gegenwart gekommenen Schriften des Philofophen Plato ift über den Wagen und deffen Beftandtheile folgender bemerkenswerthe Ausfpruch enthalten: ,, Hefiod fagt, dafs ein Wagen aus hunderterlei verfchiedenen Hölzern zufammengefügt ift. Aber wenn man uns fragte, aus was ein Wagen beftehe, fo würden wir glauben, fchon viel gefagt zu haben, zu antworten aus den Rädern der Achfe, dem Kaften und der Deichfel." Es ift unzweifelhaft, dafs diefe klagende Betrachtung den competenten Organen des k. k. Ackerbau- Minifteriums eine willkommene Veranlaffung geboten. habe, um bei Gelegenheit der Weltausftellung die Kenntniffe des wifs begierigen Publicums über die populärfte Mafchine des Univerfums und deren Theile nach Thunlichkeit zu erweitern. Es waren fonach in der oberwähnten kegelförmigen Ausstellung im rohen fowohl, als im bearbeiteten Zuftande aneinander gereiht: Radhaufen aus Ruften- und Eichenholz Radfpeichen aus Efchen und Eichenholz Radfelgen " 11 Deichfelftangen aus Birkenholz " Leixen 99 27 Achsftock Eichenholz " 9 Achsfchale 29 99 Stangenarme 99 Kippftöcke " 9 21 Langwied 99 " Wagenheber " " Wagenleitern 77 " 9 Wagenträger י " Tragbaum 95 99 Schwebftangen " " Wage Buchenholz 99 Drittel 99 " Schleifenprügel " 29 Schlittenkuffen 39 99 Schlittenfchläppen„ Schiebkarrenbaum Birkenholz Eichenholz Geigl Efchenholz 19 Schwingen " Hebebaum Eichenholz " Schrotleiter Beifser 99 99 Diefs gibt im Ganzen 27 Wagenbeftandtheile und würden fomit nach Hefiod und Plato zur Ergänzung und Vervollſtändigung diefer Ausftellung noch weitere 73 Beftandtheile nöthig fein, welche durch Hinzurechnung der fehlenden, fowie der als rechts- und linksfeitig zu repetirenden und durch Hinzufügung der höchft mannigfaltigen fecundären Bindeglieder und Befeftigungsmittel ohne Schwierigkeit gefunden werden können. Der kegelförmige Wagenkiosk hat auf die zahlreichen, die Ausstellung befuchenden wackeren öfterreichifchen Ackerbauer, namentlich auf jene der weftlichen Theile von Cisleithanien eine grofse Anziehungskraft ausgeübt, es Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 43 wurden jedoch von Seite diefer competenten Preisrichter bei Gelegenheit einer diefsfalls ftattgefundenen Confultirung einige Bedenken laut, welche möglicherweife daraus floffen, dafs in Folge einer Verwechslung hin und wieder die Identität des ausgeftellten Wagenbeftandtheiles von der darauf angebrachten Auffchrift nicht hinlänglich gedeckt erfchien. In Folge diefes Umftandes konnte eine merkliche Sinnesänderung über Wagenbeftandtheile und deren Benennungen bei diefem Theile der Sachverständigen nicht beobachtet und mufste vielmehr conftatirt werden, dafs der gröfste Theil hievon, jeder Ueberredung abhold, allzumal im Zuftande einer beklagenswerthen Unbufsfertigkeit diefen lehrreichen kegelförmigen Wagenaufbau verliefs. Die in der öfterreichifchen Wagenabtheilung zur Ausstellung gelangten Fuhrwerke haben zwar fowohl in Bezug auf ihre grofse Anzahl als ihre äufsere Erfcheinung einen fehr günftigen, mitunter fogar einen imponirenden Eindruck gemacht. Die öfterreichifchen Wagenfabrikanten, namentlich die Wiener find aber zu einfichtsvoll, um fich übertriebenen Illufionen über den wahren Stand diefes Fabricationszweiges hinzugeben. Obgleich in dem von Oefterreich früher ausfchliefslich beherrschten Abfatzgebiete für Luxuswagen, nämlich in Rufsland fammt Polen, den Donaufürftenthümern, der Türkei und Perfien feit einer Reihe von Jahren der Confum für diefe Objecte fich aufserordentlich gehoben hat und gegenwärtig das Fünf- bis Sechsfache der früher confumirten Menge beträgt, ift der Export von Oefterreich nach diefen Ländern beinahe ftationär geblieben, wie aus folgender, die Zeit zwifchen den letzten zwei Ausftellungen begreifenden Tabelle erfichtlich ift. Ausfuhr Einfuhr 1867 1872 1867 1872 Laftwagen und Laftfchlitten Stück Perfonenwagen ohne Leder- und Polfter173 377 150 467 • arbeit Perfonenwagen und Schlitten mit Lederund Polfterarbeit 1438 1668 43 80 1013 1201 8 49 Diefes Zurückbleiben im Exporte der öfterreichifch- ungarifchen Wagenfabricate ift wohl theilweife auf den mittlerweile in einem Theile des früheren Abfatzgebietes, namentlich in Russland ftattgefundenen Auffchwung im Wagenbaue zurückzuführen; es kann jedoch nicht geleugnet werden, dafs anderfeits die Ueberlegenheit der mit uns concurrirenden ausländifchen Wagenbauer einen Beitrag zu diefem für uns negativen Refultate geliefert hat. Die nach und nach zu Tage tretende Inferiorität in der Exportfähigkeit diefes Induftriezweiges hat aber mehrere Urfachen. Als die hauptfächlichfte davon mufs die relativ bedeutende Preisdifferenz bei Anfchaffung der Rohmaterialien und Halbfabricate, wobei die ausländifchen Wagenbau- Concurrenten in Vortheil kommen, bezeichnet werden. Unter den vom Auslande bezogenen, durch Zoll- und Transportfpefen, fowie durch die Valutaverhältniffe den öfterreichifchen Wagenfabrikanten ungünftig beeinfluffenden Objecten befinden fich die fchweren Seidenftoffe, die feinen Pofamenterien, die zur Einrichtung und Ausfchmückung der Wagenkaften als Specialität in Paris und auch anderwärts cultivirten, aus Silber, Elfenbein, Büffelund Nashorn u. f. w. beftehenden Decorationsobjecte, ferner die aufsereuropäiſchen Werkhölzer und der feine Kutfchenlack, vor Allem aber das fämmliche beim Wagenbau verwendete Verdeck- und Lackleder. Der Import des letzteren Artikels ift bei dem hohen Eingangszolle von 13 fl. Silber per Zollcentner für die öfterreichiſch- ungarifchen Wagenfabrikanten befonders drückend und ftellt überdiefs bei dem Umftande, als der gröfste Theil 44 M. B. Rideli. des nach Oefterreich importirten genarbten, gefchmierten und lackirten Wagenverdeck- Leders aus öfterreichiſch- ungarifchen Rindshäuten mit öfterreichifchen Gerbeftoffen im Auslande fabricirt zu werden pflegt, eine gewifs beifpiellofe Anomalie dar. In den letzteren Jahren haben zwar einige öfterreichifche Lederfabrikanten der vaterländifchen Lederinduftrie im Allgemeinen mit Hilfe des Affociationswefens einen ungeahnten Auffchwung geben wollen und auch das grofse Publicum als Theilnehmer an derlei Unternehmungen zu mitunter hohen Emiffions curfen der Antheilfcheine herangezogen, während die früheren Lederfabriks eigenthümer fich mit Vorliebe den legislatorifchen Arbeiten und auch der diplomatifchen Laufbahn zu widmen begannen. Diefe Veränderungen haben aber bis jetzt gar keinen irgendwie fichtbaren günftigen Einfluss auf die Fortfchritte der öfterreichifchen Lederinduftrie ausgeübt, es fteht vielmehr zu befürchten, dafs nach wie vor keine einzige„ Vache à capote" im Inlande fertig gebracht wird und in Folge deffen die öfterreichifchen Wagenfabrikanten exportunfähig werden bleiben müffen. Noch trauriger geftaltet fich die Situation der öfterreichifchen Wagenbauer im Vergleiche zu ihren ausländifchen Concurrenten mit Bezug auf die Eifen- und Stahlbeftandtheile, welche ungefähr 50 Percent des Eigengewichtes eines jeden Wagens ausmachen und nothwendigerweife einen grofsen Einfluss auf den Preis, fomit auf die Concurrenzfähigkeit der in Oefterreich fabricirten Fuhrwerke ausüben müffen. Da unter Vorausfetzung einer vollkommen gleichen Qualität die vom Auslande bezogenen Achfen, Wagenfedern u. f. w., trotz des Eingangszolles, der Transportkoften und des Agio, in Wien noch immer billiger als die correfpondirenden inländifchen Fabricate zu ftehen kommen, fo repräfentirt die beim Ankaufe der Eifen und Stahlbeftandtheile refultirende Preisdifferenz zu Gunften des ausländifchen Wagen- und Mafchinenbauers einen derartigen Vortheil, dafs dadurch allein die öfterreichifchen Wagenfabricate in ihrer Concurrenzfähigkeit beeinträchtigt werden müffen. Der von den öfterreichifchen Eifenwerken bei diefem und in jedem ähnlichen Falle ohne Unterlafs geltend gemachte Einwand, dafs die weit beffere Qualität ihrer Producte diefe Preisdifferenz aufzuwiegen geeignet fei, kann nicht immer ernft genommen werden, da ja dié deutfchen und englifchen Eifenwerke je nach Wunſch und Bedarf ein gleich gutes Rohmaterial zur Verfügung haben, aber durch eine beffere Behandlung beim Raffiniren die Qualität desfelben mindeſtens auf gleicher Stufe, den Preis jedoch bedeutend niedriger halten können. Ueberdiefs erhellt aus officiellen ftatiftifchen Daten, dafs in Folge Unzulänglichkeit der einheimifchen Hochofenunternehmungen beiſpielsweife die nach Oefterreich- Ungarn im Jahre 1867 ftattgefundene Roheifeneinfuhr im Gewichte von 294.635 Zollcentnern fich bereits im Jahre 1872 auf 4.381.570 Zollcentner erhöht hatte, ohne dafs durch die angeblich geringere Qualität, mithin gröfsere Billigkeit ein entſprechender Nachlafs im Preife der daraus fabricirten Producte eingetreten wäre, die öfterreichifchen Confumenten vielmehr mit einem nicht unbedeutenden Preisauffchlage bedacht worden find. Gegenwärtig ift es unzweifelhaft, dafs die öfterreichifch- ungarifche EifenInduſtrie, namentlich der auf Actien gegründete überwiegende Theil derfelben durch die andauernde Finanz- und Handelskrifis ungewöhnlich hart betroffen wird. Es ift jedoch auch ganz allgemein bekannt, dafs, da derartige Actiengefellfchaften trotz der letztverfloffenen, für die Eifeninduftrie fo aufserordentlich günftigen Gefchäftsjahre, deren Wiederkehr leider zur Unmöglichkeit gehört, ihr nominell unverhältnifsmäfsig hohes Anlage capital bis jetzt in den meiſten Fällen nur durch Angriff der Refervebeſtände, nachträgliche Einzahlungen oder gar durch Emiffion neuer Schuldtitel zu verzinfen im Stande waren, die Annahme der Möglichkeit ihrer zukünftigen Profperität aus guten Gründen beftritten werden mufs. Strafsenfuhrwerke und andere Transportinittel. - 45 Um aber wenigftens annähernd die in wohlgefetzten Programmen und fogenannten fachmännifchen Gutachten den bedauernswerthenActionären in Ausficht geftellten Intereffen von den nominell engagirten Capitalien hereinzubringen, werden die ausnehmend hohen Preife der öfterreichiſch ungarifchen Eifen- und Stahlproducte auch in Hinkunft aufrecht erhalten werden müffen und können daher die davon abhängigen fehr zahlreichen Induftriezweige, fomit auch die Wagenfabrikanten auf eine Herabminderung der Erzeugungskoften, refpective auf die daraus refultirende Concurrenzfähigkeit mit dem Auslande keinesfalls rechnen. Das gegenwärtig an der Tagesordnung ftehende, ganz anormale, weil nothgedrungene Ausgebot der Eifen- und Stahlproducte zu Spottpreifen bildet einen beforgnifserregenden Vorläufer von möglicherweife bevorstehenden Kataftrophen und ift mit ein Refultat von früheren Unterlaffungsfünden, fowie einer ungenügenden Berücksichtigung der allgemeinen Verhältniffe, durch deren vorhergegangene Nichtbeachtung die Haupt confumenten eben auch lahm gelegt worden find und nun auch zu den allerbilligften Preifen gar keine Käufer gefunden werden können. Nun wäre es aber vielleicht an der Zeit, genau abzuwägen, ob der innerhalb der Grenzen der Möglichkeit allenfalls gelegene Auffchwung der in Folge des troftlofen Zuftandes der öfterreichifchen Eifeninduftrie darniederliegenden, von der letzteren abhängigen Fabricationszweige dem öfterreichifch- ungarifchen Gemeinwefen gröfsere Vortheile bieten würde, als die ftets mit den gröfsten Opfern verbundene, fo häufig wiederkehrende Unterftützung einer Induftrie, woran die offenbaren Merkmale eines unheilbaren, überdiefs felbftverfchuldeten Siechthums mit jedem Tage deutlicher hervortreten? Es kann in der That nicht geleugnet werden, dafs die während der Herrfchaft der gegenwärtigen Schutzzölle verfloffene Zeit von der ausländifchen Eifeninduftrie viel erfolgreicher als von unferer einheimifchen ausgenützt worden ift, und dafs diefe Superiorität ebenfo die Qualität als auch die aufserordentlich maffenhafte, weit über den Bedarf des eigenen Landes reichende exportfähige Production in fich begreift. Nachdem alfo unter Vorausfetzungen die nicht in Erfüllung gingen, eine lange Zeit nutzlos verftrichen ift, fo wäre es vielleicht angezeigt, durch Aufhebung der Schutzölle auf Stahl und Eifen eine Menge von profperitätsfähigen öfterreichifchen Induftriezweigen von diefen drückenden Feffeln, fowie dafs grofse Publicum von der bis nun vollkommen zwecklos entrichteten Prämienzahlung zu befreien, ohne dadurch die in bewährten Händen einiger früheren Befitzer gegenwärtig noch verbleibenden Eifenwerke, welche auf gefunder Bafis gegründet find und rationell geleitet werden, irgendwie zu fchädigen. Diefe Erleichterung, verbunden mit den feit langer Zeit beim Eifenbahn Transporte fehnlichft erwarteten Tarifermäfsigungen, würde unzweifelhaft einer grofsen Anzahl von früher in Oefterreich florirenden Induftriezweigen ein frifches Leben verleihen und die Steuerkraft des Landes nicht unerheblich ftärken. Deutfches Reich. Die Parifer Weltausftellung wurde im Jahre 1867 von den norddeutfchen Bundesftaaten mit 4 Luxuswägen, und zwar aus Berlin befchickt, während Süd- Deufchland in diefem Induftriezweige gar nicht vertreten war. Die Wiener Weltausftellung hatte hingegen 40 Luxuswagen, I Schlitten und 28 Modelle von diverfen Poftwagen, deren fich die deutfche Reichspoft gegenwärtig bedient, oder die früher im Gebrauche ftanden, aufzuweifen. Die bemerkenswerthen Luxusfuhrwerke waren von folgenden Wagenfabrikanten ausgeftellt: Louis Widerkehr in Colmar( Elfafs- Lothringen) ftellte zwei vorzüglich ausgeführte Wagen aus; der eine davon war ein zweifitziges, fchwarz lackirtes und gelb befchnittenes Coupé mit Refforts à pincettes, inwendig mit fchwerer, fchwarzer Seide und gelben Knöpfen ausgefchlagen, der zweite Wagen war ein braunlackirter, weifs befchnittener, mit lichtem drap 46 M. B. Rideli. farbenen Tuche ausgefchlagener Kutfchirphaeton für fechs Perfonen, deffen Ausführung, fowie die des vorhergehenden Wagens eine fehr elegante genannt zu werden verdiente. Diefe beiden Ausftellungsobjecte wurden vom Fürften R. Metternich angekauft. J. Erich Bufsmann inOsnabrück( Hannover) ftellte einen lichtbraunen, gelb befchnittenen Char- à- banc mit gekröpfter Hinterachfe und inwendiger lichtbrauner Seidengarnitur aus. Heinrich Jacobi in Linden vor Hannover hatte ein blaues, mit blauem Atlas garnirtes Coupé mit einem Radftande von 2 Meter ausgeftellt, gewöhnliche Druckfedern. Aus der feit fehr langer Zeit fchon beftehenden Wagenfabrik von J.H. Schombardt in Kaffel kam ein fehr feiner Kutfchirphaeton, grün lackirt, gelb befchnitten, mit einem Radftande von r40 Meter, Durchmeffer der Vorderräder 120 Meter, der Hinterräder 130 Meter, beiderfeits mit Refforts à pincettes. Preis 450 Thaler. Die Wagenfabrikanten F. Sachs& Sohn in Hamburg fchickten zur Ausftellung 3 Equipagen, worunter ein Landau auf 8 Federn mit Mechanik zum Umlegen des Vorderdaches vom Kutfchbocke aus. Untergeftelle fchwarz, weifs befchnitten; havannabraune Seidengarnitur, auswendig Silberbefchläge. Von der Wagenbau Anftalt S. E. Pengel in Hamburg kam eine fehr diftinguirte Huit- refforts- Victoria mit einem feften Bocke auf Stützen zur Ausftellung. Diefelbe war fchwarz lackirt, goldbefchnitten und mit blauem Atlas ausgefchlagen. Der Wagenfabrikant W. Focke in Altona( Schleswig Holftein) befchickte die Ausstellung mit 3 Equipagen, worunter ein Landau, deffen Kaften mit Palifanderholz getäfelt war, die Eiſentheile blank polirt, havannabrauhe Seidengarnitur und das Verdeck mit Mechanik verfehen. Aufserdem war von demfelben Fabrikanten ein grüner Clarence und ein Kutfchirphaeton mit Kaften aus Palifanderholz auf Druckfedern ausgeftellt. Aus Duisburg kam vom Wagenfabrikanten W. Schürmann ein lichtbrauner Clarence, goldbefchnitten, mit taubengrauer Seide gefüttert zur Ausftellung, deffen Räder mit einem 20 Millimeter dicken Kautfchukreifen verfehen waren. Der Wagenfabrikant Ferdinand Munck in Stuttgart ftellte einen dunkelgrünen Damenphaeton und überdiefs einen Huit- refforts- Wagen, nämlich einen blauen mit blauer Seide ausgefchlagenen, fehr gut ausgeführten Landau aus. Adolf Zaifer aus Urach in Württemberg ftellte aufser einem gutgebauten, auf Druckfedern ruhenden, mit grünem Tuche ausgefchlagenen, grünen Rococophaeton auch noch zwei Wagen- Carcaffen zu einem Coupé und zu einem Clarence aus. Aus Baiern betheiligten fich vier Wagenbauer mit 6 Fuhrwerken an der Wiener Ausftellung, und zwar der Wagenfabrikant M. Lutz in Kiffingen mit einem gut gebauten, braunen, goldbefchnittenen Landau, mit licht havannabrauner Seide ausgefchlagen. Vom Wagenfabrikanten Georg Meitinger in München, welcher gleichzeitig Gründer und Herausgeber der„ Illuftrirten allgemeinen Wagenbau- Zeitung" und des ,, Journals für Wagenbauer" ift, kamen neben gebogenen Radfelgen aus Efchenholz( Preis der Garnitur zu vier Rädern 7 Thaler), auch mehrere Wagenkaften in Rohbau von einer vorzüglichen Ausführung zur Ausftellung. Nach den tabellarifch fpecificirten Preifen wurde ein Coupékaften, mit 80 Millimeter Rundung vorne, mit 112 Thalern berechnet. Derfelbe Wagen in Rohbau fertig, mit fämmtlichem Schmiedebefchlag, im Gewichte von 9 Centnern, ftellt fich auf 300 Thaler, fertig garnirt und lackirt auf 570 Thaler. Der k. Hoffattler und Wagenfabrikant J. M. Mayer in München ftellte eine impofante Calefche auf 8 Federn, mit einem rückwärts angebrachten Bedientenfitze aus. Der Kaften war lichtblau lackirt, goldbefchnitten und hatte inwendig eine lichtbraune Seidengarnitur, aufserdem war an den Portièren ein fchön ausgeführtes baierifches Königswappen angebracht. Strafsenfuhrwerke und andere Transport mittel. 47 Diefe Calefche hatte keinen Kutfchbock, und war zum Fahren à la Daumont eingerichtet. Vom Wagenfabrikanten Benedict Flamm in Kempten kam ein Schlitten zur Ausstellung, deffen mit rothem Plüfch ausgefchlagener Kaften blau lackirt und goldbefchniften war. Der vordere breite Kothflügel fowie die eifernen Schlittenkuffen hatten einen rothen Anftrich, gold und fchwarz befchnitten. Die kunftvoll ausgeführten, den Kaften mit den Kuffen verbindenden Stützen waren aus bronzirtem Eifen, während der rückwärts angebrachte, fehr hohe Kutfcherfitz mit einem Wolfspelz- Spritzleder verfehen war. A. Feldtau aus Freiburg( Schlefien) ftellte einen braunen, fowie einen Korbgeflecht- Phaeton aus, beide mit Refforts à pincettes, aufserdem einen mit blauer Seide ausgefchlagenen, blaulackirten Clarence. Von den fämmtlichen Berliner Wagenbauern gelangten 6 Stück Luxuswagen zur Ausftellung. Es befand fich darunter vom Hofwagen- Fabrikanten C. Siewert ein fehr elegantes Huit- Refforts- Coupé fchwarz lackirt, roth befchnitten, inwendig eine fchwarze Seidengarnitur mit rothen Knöpfen und Gallonen; die Radreife waren mit 20 Millimeter ftarken Kautfchukringen verfehen. G. Stolle in Berlin war durch ein fchwarzes, gelb befchnittenes, mit grüner Seide gefüttertes, auf gewöhnlichen Druckfedern ruhendes Coupé vertreten, wobei die Radreifen ebenfalls mit Kautfchukringen montirt waren. Der Hoflieferaut E. Kühlftein in Berlin brachte ein Huit- Refforts. Coupé, deffen mit gelbem Atlas ausgefchlagener Kaften fchwarz lackirt war, während das Untergeftelle eine gelbe Farbe mit fchwarzem Befchnitt aufzuweifen hatte. Die Berliner Actiengeſellſchaft für Wagenbau( vormals Jofef Neufs) brachte zwei Wagen zur Ausftellung, worunter ein blaues Coupé auf Druckfedern, mit blauer Sammtgarnitur und Kautfchukringen an den Radreifen, aufserdem eine Calefche mit blauem Kaften und lichtgrauer Seidengarnitur. Der Kaften diefer Calefche war in gewöhnliche Druckfedern gehängt, es folgte jedoch noch ein weiterer Aufputz von darüber angebrachten Schneckenfedern, um eine Aehnlichkeit mit den modern gewordenen, Huit- Refforts hervorzubringen. Selbſtverſtändlich ift bei einer derart maskirten Aufhängung ein Langbaum gar nicht nothwendig und wird nur das Eigengewicht des Wagens fowie der Preis desfelben durch Anbringung von diefen unwirkfamen Schneckenfedern unnützer Weife vermehrt. E. Lipowfky fowie Fifcher& Comp. in Heidelberg haben fehr zweckmässig conftruirte Trag- und Rollfeffel zur Ausftellung gebracht. Aus dem Königreiche Sachfen kamen zwar keine fertigen Luxus- Fuhrwerke zur Ausftellung, dafür wurde diefelbe vom Hof- Schmiedmeifter H. Hildebrandt in Dresden mit einem von diefem Fabrikanten patentirten Wagenrade, deffen Speichen und Felgen aus gefirnifsten Efchen beftanden, die Nabe hingegen aus Schmiedeeifen ausgeführt war, befchickt. Da in Bezug auf die Conftruction von ſchmiedeeifernen Naben für Strafsen- Fuhrwerke diefes mit grofser Präcifion und Eleganz ausgeführte Wagenrad ohne Zweifel der Löfung diefer Aufgabe am beften entſprach, fo erlaubt man fich dasfelbe in Fig. 16 zur Anfchauung zu bringen. Zum Schmieren der Achsfchenkel mufs das Rad von denfelben losgezogen werden. Zu diefem Zwecke wird zunächft die äufsere fein polirte Meffingkapfel, welche mit rechtsgängigem Gewinde verfehen auf die Nabe aufgefchraubt ift, losgenommen. Ilierauf wird der in der Achfe feftfitzende Vorftecker entfernt und darauf die zwei mit entgegengefetzt laufenden Gewinden verfehenen MeffingAchsmuttern abgefchraubt. Durch Abziehen des Rades löft fich der nur aufgefchobene letzte Ring von felbft los und man hat nur die in der Meffingbüchfe eingedrehte Oelkammer mit Oel zu füllen und fämmtliche Beftandtheile in gehöriger Ordnung wieder zu befeftigen. 4 48 Fig. 16. 雞 M. B. Rideli. Es laufen bereits viele mit derlei Rädern verfehene Fuhrwerke und haben fich diefelben namentlich bei den Hofequipagen Sr. Majeftät des gegenwärtig regierenden Königs von Sachfen ausgezeichnet gut bewährt. Die vom deutfchen Reiche, namentlich von Preufsen ausgeftellten fehr zahlreichen Kriegs- und landwirthschaftlichen Fahrzeuge haben eine aufserordentliche Feftigkeit und Zweckmäfsigkeit in der Conftruction der einzelnen Wagen. Beftandtheile, namentlich der Räder und Achfen zur Anfchauung gebracht. Die einfchlägigen Berichte dürften ohne Zweifel den verfchiedenen dabei zu Tage getretenen Vorzügen die entfprechende Würdigung angedeihen laffen, und es kann hier ausnahmsweife nur eines Ackerwagens gedacht werden, welcher von der Fabrik des Herrn H. F. Eckert in Berlin in der landwirthschaftlichen Abtheilung figurirte. Diefer Ackerwagen war mit der eigenthümlichen eifernen getheilten Eckert's Patent Radnabe verfehen, die jedes Bockloswerden der Speichen unmöglich macht und denfel ben an der Peripherie der Nabe, ihrer gewöhnlichen Bruchftelle, eine weit Wagenrad mit fchmiedeeiferner gröfsere Stärke geftattet als die hölNabe von H. Hildebrandt in Dresden. zernen Naben. Diefe Radnabe befteht aus 2 Theilen. Dem eigentlichen Nabenkörper ift eine mit prismatifchen Vertiefungen verfehene Scheibe angegoffen, in welche bei der Zufammenftellung des Rades die Speichen eingelegt werden. Auf diefe wird eine lofe ringförmige Scheibe mit gleichen Vertiefungen mittelft kräftiger Schraubenbolzen fo feft gefchraubt, dafs die Speichen unbeweglich feftbleiben. Trocknet das Holz etwas nach, fo dürfen nur die Schrauben angezogen werden. Die Felgen find mit den Radreifen fowohl, als auch untereinander mittelft Schrauben verbunden. Tritt der Fall ein, dafs an einem folchen Rade eine Speiche oder Felge fchadhaft wird, fo erfolgt das Einfetzen neuer Theile auf folgende Weife: Zunächft werden die Schrauben der Nabe gelöft und die lofe Scheibe abgenommen, dadurch find die Speichen freigelegt, und es kann das fchadhafte Stück herausgenommen werden; alsdann löft man die beiden Schrauben der zugehörigen Felge und kann fo auch diefe auswechfeln. Die Vortheile der mit diefer neuen Nabe verfehenen Räder find mannig faltig das Rad läfst fich nämlich vorerft fehr genau und mit grofser Leichtigkeit zufammenftellen, die Speichen haben ferner da, wo überhaupt ein Brechen derfelben einzutreten pflegt, nämlich an der Peripherie der Nabe, die gröfstmögliche Stärke, daher grofse Widerftandsfähigkeit. Ausserdem kann der Erfatz der Speichen und Felgen ohne Abnahme des Reifes erfolgen, und die Speichen können niemals bocklos( klapperig) werden. Die Zweckmässigkeit diefer Radnabe wird durch die feitdem erfolgte Fabrication von über 1000 damit verfehenen Fuhrwerken am beften nachgewiefen. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 49 In Bezug auf die diverfen, beim Wagenbaue verwendeten fertigen oder halbfertigen Beftandtheile war die Ausstellung des deutfchen Reiches ebenfalls eine fehr reichhaltige; insbefondere könnten hervorgehoben werden: Dick& Kirfchten in Offenbach am Main, deren Fabrik von Achfen, Federn, Rädern, Befchlägen und Hölzern für den Wagenbau eine bemerkenswerthe Räderpyramide in der Mafchinenhalle aufgerichtet hatte, brachten aufserdem eine grofse Quantität der gangbarften Gufsftahl- Federn, fowie Achfen, Vordergeftelle aus Holz mit Eifen befchlagen, Schraubenfchlüffel, Thürfchlöffer, Speichen, Naben, Büchfen u. f. w. zur Ausftellung, deren Ausführung ebenfo vorzüglich als der Preis ein billiger genannt werden muss. Gebrüder Heim aus Offenbach ftellten eine gröfsere Anzahl Achfen, Achsbüchfen und Schlüffel aus. Gebrüder Gouvy in Homburg( Lothringen) betheiligten fich mit einer fehr reichhaltigen Ausstellung von fertigen Equipage- und Omnibusfedern, fowie fertigen Federcharnieren. Asbeck, Ofthaus, Eicken& Comp. in Hagen( Weftphalen) ftellten aufser Federftahl auch eine grofse Anzahl von mannigfaltigen Wagenfedern aus, ebenfo wie diefs bei den Hagener Gufsftahl Werken der Fall war. Wilhelm Holoch in Stuttgart ftellte eine complete Sammlung der im Wagenbaue gebrauchten Werkzeuge aus, welche fehr viel Anwerth gefunden haben. Schweiz. Aus der Schweiz kamen zur Wiener Ausftellung I Parkwagen, I Vélocipède und 3 Kinderwagen, während die letzte Parifer Ausftellung gar keine Vehikel aus diefem Lande aufzuweifen hatte. Der Wagenfabrikant Joh. Urfer aus Jnterlaken fandte einen fehr fchönen, ganz aus Stahl und Eifen beftehenden Pony- Parkwagen, der auf Druckfedern hing, deffen Räder dünne Stahlfpeichen und Stahlfelgen hatten und mit einem Kautfchuk ringe verfehen waren. Preis 500 fl. Silber. Das ebenfalls aus Stahl beftehende Vélocipède wurde von der ,, Fabrique de Vélòcipèdes à Wohlen de Albin Wiellisbach" zur Ausstellung gebracht und hatte auf beiden Rädern ziemlich ftarke Kautfchukringe. Die drei niedlich ausgeführten und in Druckfedern hängenden Kinderwagen ftammten aus der Fabrik von N. Corrodi in Zürich. Italien. Aus Italien kam im Jahre 1867 kein einziger Luxuswagen nach Paris, die Wiener Ausftellung hatte deren 16 Stück aufzuweifen. Es ftellten bemerkenswerthere Objecte aus: Angelo Bardelli, fabricatore di caffe di carozze in Mailand, zwei fehr gut in Rohbau ausgeführte Obergeſtelle und Kaften fammt Verdeckgeftelle von einem Brougham und einem Landau. Marco Fiorini in Bologna aufser zwei leichtgebauten zweirädrigen, in gefirnifstem Efchenholze ausgeführten Gigs auch noch einen grünen Clarence auf Druckfedern mit grüner Seide ausgefchlagen. Vincenzo Celfa in Turin einen Dos- à- dos- Kutfchirphaeton auf Refforts à pincettes, fowie eine blaue Victoria, ausgefchlagen mit lichtgrauer Seide. Die Wagenausftellung des Turiner Fabrikanten Aleffandro Locati nahm nicht nur den erften Rang unter den italienifchen Ausftellern ein, die ausgeftellten Objecte konnten fich vielmehr in Bezug auf Material und Ausführung mit den beften gleichartigen Producten der übrigen Ausfteller meffen. Locati ftellte 3 Wagen aus, und zwar ein Caretello( offener Phaëton), rückwärts auf 3 Federn, vorne auf einer einzigen Druckfeder eingehängt, blau lackirt, roth befchnitten, mit blauem Chagrin garnirt, Preis 1000 Francs; einen englifchen Drag für 15 Perfonen mit chromgelbem Kaften und rothem Untergeftelle, Preis 6000 Francs; einen remarquablen Galawagen in Form eines Landau auf 4* 50 M. B. Rideli. 8 Federn, wovon die C- Federn 8 Blätter, die Druckfedern 6 Blätter hatten. Der Kaften war grün, das Untergeftelle fchwarz mit Grün und Gold bordirt und befchnitten, das Innere mit fchwerer weifser Seide ausgefchlagen. Der hohe Kutfcherfitz war mit einer goldbetrefsten Houffe überdeckt und die mit Spiegelfcheiben verfehenen Portièren mit dem fchön ausgeführten öfterreichifchen Wappen gefchmückt. Preis 20.000 Francs.nimba il Fratelli Pieresca zu Trevifo ftellten ein blaues zweifitziges Coupé aus, welches mit einer zweckmäfsigen Mechanik zum Oeffnen von Fenstern und Thüren vom Kutfchbocke aus oder vom Wageninfaffen, fowie mit automatifchen Wagentritten verfehen war und dem Ausftellungspublicum unter der Benennung ,, Egoift- Brougham" präfentirt wurde. sdn Die alte renommirte Mailänder Wagenfabrik von Cefare Sala ftellte zwei vortrefflich ausgeführte Wagen aus, der eine hievon war ein vierrädriger Miethcab mit blauem Kaften, rothem Geftelle, fchwarz befchnitten; der Paffagierfitz mit blauem Chagrin ausgefchlagen, die Innenwände und Plafond mit MahagonyTäfelung, Kutfcherfitz rückwärts; der zweite Sala'fche Wagen war ein Huits refortsLandau, grün lackirt, goldbefchnitten, grüne Atlasgarnitur, rückwärts Bedientenfitz, eingerichtet zum Fahren vom Bocke oder à la Daumont. Der Wagenfabrikant Clemente Calzolare aus Mantua fchickte ein Rad ein, welches mit einer neuartigen gufseifernen Nabe verfehen war. Der gegenwärtige Stand der italienifchen Wagenfabrication verbunden mit den Transportverhältniffen und anderen Umständen laffen die Befürchtung zu, daſs die mageren, noch übrig gebliebenen Ueberrefte unferer ehemaligen orientalifchen Kundfchaften den unternehmenden und fehr viel Gefchick entwickelnden italienifchen Caroffiers zufallen werden. ad astrays Dänemark. Die dänifchen Wagenbauer haben fich mit 3 Equipagen und 1 Vélocipède an der Wiener Weltausstellung betheiligt.onio F. C. Schulz aus Kopenhagen ftellte einen eleganten Phaeton aus, deffen Kaften grün lackirt, weifs befchnitten und mit grüner Seide ausgefchlagen war; der Bock war zum Abnehmen, um aus dem Phaeton fahren zu können. Der Wagenfabrikant Wilhelm Hanfen aus Kopenhagen befchickte die Ausftellung mit zwei Wagen, darunter war ein gut gebautes Coupé mit blauem Kaften, gelb befchnitten, mit Seidengarnitur. Das zweite Hanfen'fche Ausstellungsobject war ein gedeckter Char- à- banc mit braunem Kaften, roth befchnitten, das Innere mit lichtdrapp farbenem Tuche ausgefchlagen. Diefer Char- à- banc war durch zahlreiche mit graphifchen Demonftrationen in Verbindung ftehende Placate der befonderen Aufmerkſamkeit des Ausftellungspublicums empfohlen. In Folge einer finnreichen Erfindung des Herrn Hanfen war nämlich das Verdeck diefes Wagens derart eingerichtet, dafs beim Zufammenlegen desfelben nach den Längenfeiten in einem jeden aufserhalb des Wagens befindlichen Beobachter die täufchende Vorftellung erregt werden mufste, als ob die in der Locomotion begriffenen Paffagiere nicht in einem Char- à- banc, fondern in einem Landau fäffen. Diefe mittelft der Hanfen'fchen Mechanik jeden Augenblick ausführbare Transformirung des Wagenäufseren kann felbftverftändlich auf die etwaige Vermehrung der Bequemlichkeit der Wageninfaffen nicht den geringften Einfluss äufsern und mag die mit Erfolg gekrönte Geltendmachung diefer Erfindung den weiteren Beweis liefern, wie wenig wefentliche Fortfchritte in der Wagenbaukunft während der zuletzt verfloffenen Zeit gemacht worden find. Das vom Fabrikanten A. Johanfen aus Kopenhagen ausgeftellte Vélocipède war ein Tricycle mit braunem Anftriche, grün befchnitten. Das Triebrad hatte I Meter, die Laufräder o 90 Meter im Durchmeffer, Radftand 12 Meter, der Preis war mit 112 fl. notirt. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 51 Schweden und Norwegen. Die norwegifche Wagenfabrik von Sörenfen& Klöv ft ad in Chriftiania fandte zur Wiener Ausftellung zwei zweirädrige Cariolen. Diefs waren kleine, fehr elegant ausgeführte Gigs für je eine Perfon zum Selbftkutfchiren geeignet, rückwärts mit einem Bedientenfitze verfehen. Die eine von diefen Cariolen hatte einen dunkelgrün lackirten, goldbefchnittenen Kaften, der auf der fchmiedeeifernen Achfe in zwei Druckfedern hing, und inwendig mit weifser Seide ausgefchlagen war. Die zweite Cariole war von der erfteren nicht wefentlich verfchieden. Ein nicht wenig intereffantes Ausftellungsobject bildete in der fchwedifchen Abtheilung die getreu nachgebildete Lappländergruppe, wobei der in Lappland während der Winterszeit beinahe ausfchliefslich zur Locomotion verwendete lap pländifche Einbaumfchlitten in natura vorgeführt wurde. Derfelbe beftand aus einem theilweife ausgehöhlten Fichtenftamme von ungefähr 0.500 Meter Durchmeffer. Myviais able Bei der Aushöhlung des Stammes wurde an dem dickeren Ende desfelben eine ziemlich ftarke Scheibe unter Beibehaltung des urfprünglichen Durchmeffers als Rücklehne ausgemittelt, während das fchmälere Ende eine nach aufwärts fchnabelförmig auslaufende Biegung erhielt. Sed Die totale Schlittenlänge betrug 1680 Meter, wovon ungefähr Schnabelende an gedeckt und mit einem Wolfspelz überzogen war. agher vom Der Hohlraum war fchwach ausgefüttert und mit Rennthierleder überzogen; der reifende Lappe fitzt darin frei mit dem Oberkörper an die mit Leder überzogene Rücklehne geftützt, während deffen Füfse in der fchnabelförmigen gedeckten Verlängerung gut verwahrt find. In dem äusseren flachen Boden des Einbäumlers war zur Verminderung des Reibungswiderftandes beim Fortgleiten über die Schneeflächen in deffen Mitte der ganzen Länge nach eine o 150 Meter breite und um 40 Millimeter vorfpringende Schiene aus Birkenholz fchwalbenfchwanzförmig eingekeilt, während die aus einem einzigen Strange beftehende und am Schnabelende befeftigte Zugvorrichtung unter dem Bauche des Rennthieres bis zu der am Lederkummet befindlichen Befeftigungsbadi lom ftelle reichte. Die unteren Seitentheile des Schlittens waren überdiefs mit birkenen, mittelft Eifenklammern an den Rumpf befeftigten Pfoften verftärkt. Vor einer unabfehbaren Reihe von Jahrhunderten leiftete höchft wahrfcheinlich ein genau auf diefe Art gezimmerter Schlitten in Frankreich und in Mitteleuropa die Dienfte der in diefen Ländern gegenwärtig üblichen StrafsenFuhrwerke und verfchwand erft, als deffen Erfinder, die autochtonen lappländifchen Aborigines Mitteleuropas von neuen Ankömmlingen gegen den fkandinavifchen hohen Norden abgedrängt worden find. lofant on Fa Neben diefem Schlitten und dem darin lehnenden Lappländer kam aber noch ein anderes, nicht minder bemerkenswerthes Locomotionsmittel aus Lappland zur Ausftellung, nämlich ein Paar der dort allgemein gehräuchlichen Schneefchuhe. diorus Diefelben waren aus Lärchenholz, hatten die beträchtliche Länge von 2.500 Meter und gegen die Mitte zu eine Breite von O 100 Meter; die Dicke derfelben betrug an den beiderfeits zugefpitzten Enden blofs 10 Millimeter, nahm aber gegen die Mitte zu, bis diefelbe an der Fufs Befeftigungsftelle die Dicke von 50 Millimeter erreichte und dort die Anbringung eines Schlitzes zur Aufnahme und Befeftigung des Schuhriemens möglich machte. Der vordere aufwärts gebogene Schuhfchnabel fteht gewöhnlich 0 160 Meter vom Boden ab, während die rückwärtige Hälfte beinahe flach aufliegt. Aufser diefen Schneefchuhen war der zur Ausstellung gelangte Lappländer auch noch mit dem bei diefer Locomotionsart unentbehrlichen Birkenstocke von 2:30 Meter Länge und 40 Millimeter Dicke verfehen. 52 M. B. Rideli. Portugal. Ein Vélocipède und acht Stück Wagenachfen ganz neuer Conftruction waren die aus Portugal eingelangten, auf den Wagenbau Bezug habenden Ausftellungsobjecte. Das von Dom Alves Pena Joao Antonio in Liffabon ausgeftellte Vélocipède war ein Bicycle ganz gewöhnlicher Conftruction, unterfchied fich jedoch von den hier gebräuchlichen infoferne, als auf den Achfenkurbeln des Triebrades ein Paar fehr elegant ausgeführte gold- und filbergeftickte Pantoffeln befeftigt waren. Von Dom Luiz Ferreira de Soufa Cruz, Eigenthümer der Eifengiefserei do Ouro in Porto, find die foeben erwähnten acht Wagenachfen zur Ausftellung gefendet worden. Es waren diefs ftark ausgekröpfte, fchwere FrachtwagenAchfen aus Schmiedeeifen mit den zugehörigen Büchfen und Muttern, wobei jedoch jede Achfe vier Achsfchenkel aufzuweifen hatte. In einem vom Ausfteller eigens zu diefem Zwecke verfafsten ausführlichen Expofé wurde nämlich der grofsen Verlegenheit gedacht, in welche ein Fuhrwerk durch einen Achsfchenkel- Bruch gerathen kann, wenn kein entſprechender Referve- Beftandtheil bei der Hand ift. Um den daraus refultirenden fchweren Unzukömmlichkeiten möglichft abzuhelfen, läfst Dom Louiz Ferreira in feiner Fabrik den Achskörper feparat von den zugehörigen Achsftummeln erzeugen. Bei einem ausgekröpften Achsftocke wird nun in dem nach abwärts umgebogenen Achfentheil eine mit einem Gewinde verfehene Bohrung angebracht und darin zwei in einander gefchraubte identifche Achfenftummeln eingezogen, wovon der eine innerhalb der Radnabe fo lange in der Activität verbleibt, bis durch deffen Hinfälligkeit oder in Folge eines eventuellen Schenkelbruches dem in Referve hingeftellten Achsftummel eine reelle Wirkfamkeit zugewiefen werden kann. Der Erfinder gibt in feinem Mémoire felbft zu, dafs die fehr hohen Anfchaffungskoften von derlei mit vier Achsftummeln verfehenen Achfen der allgemeinen Verwendung derfelben hinderlich fein würden( ein Paar folcher Achfen mit acht zugehörigen Stummeln koftet 320 Francs), wobei auch namentlich zu beachten fein würde, dafs die Achsftummeln mit grofser Vorliebe an ihrer Bafis zu brechen pflegen, in welch' fpeciellem Falle allerdings fowohl der active als der Referveftummel ihre Wirkfamkeit gleichzeitig verfagen müfsten. Frankreich. In Bezug auf Strafsen- Fuhrwerke hat fich blofs Paris an der Wiener Ausstellung betheiligt; es ftellten nämli h fünf Parifer Wagenfabrikanten je vier Luxuswagen aus, während noch ein Parifer Caroffier mit einem Luxuswagen und ein Parifer Mechaniker mit zwei höchft intereffanten Dampfvélocipèden vertreten war, fo dafs die Wiener Ausftellung im Ganzen 23 Parifer Strafsen- Fuhrwerke aufzuweifen hatte. Zur Parifer Ausstellung 1867 find allerdings die franzöfifchen Wagenbauer mit der ftattlichen Anzahl von 80 Luxuswagen zum Wettkampfe angetreten und bildeten die Hälfte der damals ausgeftellt gewefenen Strafsenvehikel. Der Wagenfabrikant Mr. C. Poitraffon ftellte ein zweifitziges Coupé aus, deffen Kaften dunkelgrün, das Untergeftelle grün, roth befchnitten war und deffen inwendige Garnitur aus fchwarzer Seide mit rothen Knöpfen beftand und überdiefs einen verfteilbaren kleinen Toilettetifch in fich begriff, Preis 4000 Francs; ferner einen gelben Landau- Clarence, mit fchwarzem Untergeftelle, gelb befchnitten und blauer Chagringarnitur; der daneben ausgeftellte Kutfchirphaëton( Phaëton fans capote) hatte einen fchwarzen Kaften, ein rothes Untergeftelle fchwarz befchnitten mit lichtgrauem Tuche ausgelegt, Preis 2500 Francs; zuletzt einen grünen VictoriaMylord mit grüner Chagringarnitur zum Preife von 3000 Francs. Diefe fämmtlichen Wagen von C. Poitraffon hatten je vier Refforts à pincettes und beftanden alle Radbeftandtheile aus amerikaniſchem Akazienholze. Aus der Wagenfabrik von Mrs. Million, Guiet& Comp kamen: Ein Omnibus de famille mit blauem, roth befchnittenem Kaften, Untergeftelle roth, blau befchnitten, blaue Chagringarnitur. Diefer kleine fehr feft und in aus Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 53 gezeichneten Proportionen gebaute Omnibus hatte inwendig 6 Plätze, auf der Impèriale 4 Plätze und neben dem Kutfcherfitz noch einen weiteren Sitzplatz. Der Vordertheil des Wagens, refpective der Kutfchbock, fafs auf zwei Refforts à pincettes, der Kaften war hingegen auf der rückwärtigen ftark gekröpften Achfe auf zwei quer über der Achfe angebrachten Tragfedern eingehängt, welche mit einer dritten parallel zur Achfe geftellten Balancirfeder in Verbindung ftanden. Diefe Verbindung wird gegenwärtig von den meiften Parifer Wagenbauern nicht mittelft Federcharnieren, fondern mittelft ftarken Riemenringen bewerkstelligt, durch deren Elafticität fowohl die verticale als horizontale Componente der auf die Achfe wirkenden Stöfse viel wirkfamer abgefchwächt wird; der Preis diefes Omnibus de famille wurde mit 5000 Francs notirt. Der von derfelben Fabrik ausgeftellte Herrenphaëton( Mylord) war durchgehends braun gehalten mit rothen Streifen eingefafst und mit braunem Chagrinleder ausgefchlagen. Die Aufhängung diefes Wagens fand mittelft eilf Federn, und zwar genau in derfelben Weife ftatt, wie diefs durch den Wiener Wagenfabrikanten S. Armbruft er bei einem bereits früher befchriebenen Coupé durchgeführt worden ist, mit dem Unterfchiede jedoch, dafs beim Parifer Wagenbauer einige Charniere durch Riemenringe erfetzt erfcheinen. Mrs. Million, Guiet& Comp. ftellten aufserdem ein ausnehmend elegantes Coupé à huits refforts( Coupé d'Orfay) aus, welches fchwarz lackirt, gelb befchnitten und. mit braunem Atlas ausgefchlagen war und um den Preis von 6000 Francs von einer Wiener Theaterprinceffin erftanden worden ift; das vierte Ausftellungsobject diefer Firma beftand aus einem grünen Landau à huits refforts zum Preife von 7000 Francs. Die Räder der fämmtlichen von diefen Fabrikanten ausgeftellten Fuhrwerke hatten Radreifen aus Gufsftahl und waren deren Speichen Felgen und Naben aus amerikanifchem, von Hondouras importirtem Akazienholze erzeugt; ein grofser Theil der ausgezeichneten Fabricate diefer renommirten Firma wird nach den fpanifchen Colonien und nach Südamerika exportirt. Den Glanzpunkt der franzöfifchen Wagenabtheilung bildete unftreitig die aus vier Equipagen beftehende Ausftellung der Parifer Wagenbauer Mrs. Binder frères, deren Fabricate die folgenden waren: Eine Caléche à huits refforts mit braunem Kaften, lichtbraun befchnitten, braune Seidengarnitur, Langbaum aus Schmiedeeifen. Ein Galawagen( Coupé à houffe) à huits refforts, fchwarz lackirter Kaften, gelbes Untergeftelle fchwarz befchnitten. Auf den Portièren war das öfterreichische Reichswappen angebracht, während die Thürklinken das öfterreichische Erzherzogwappen darftellten, das Innere des Coupés war mit fchwarzer Seide und gelben Knöpfen austapezirt. Zwifchen den Schneckenfedern befand fich der Stand für die Dienerfchaft, die Houffe war aus fchwarzem Sammt mit feidenen, gelben Franfen und trug beiderfeits das kaiferlich öfterreichifche Wappen aus vergoldetem Kupfer. Preis 8000 Francs. Eine Victoria à huits refforts, grün lackirt fchwarz befchnitten, grüne Chagringarnitur, rückwärts ein Bedientenfitz. Bock auf Stutzen. Preis 5200 Francs. Ein englifcher Drag( Mail- Coach) für 18 Perfonen berechnet. Der Kaften war grün, das Untergeftelle roth lackirt, grüne Chagringarnitur. Vorne zwei refforts à pincettes, rückwärts zwei ftarke Tragfedern in einer Balancirfeder mittelft Riemenringen eingehängt. Diefer Drag war mit einem Langbaum verfehen und hatte ausnahmsweife auch eine complete Bremsvorrichtung, welches bei keinem Parifer Wagen, nicht einmal bei einem Parifer Omnibus der Fall ift, da die dortigen Pferdelenker mit der Handhabung diefer ebenfo gelehrigen als geduldigen Zugthiere viel beffer als anderswo vertraut find. Aus der Parifer Wagenfabrik von Mr. Defouche Touchard kamen drei Landau und ein Mylord, fämmtlich auf je vier Refforts à pincettes.. Unter diefen vier Wagen befand fich ein fehr eleganter grüner Landau mit rothem Untergeftelle und grüner Chagrinleder- Garnitur mit verftellbaren Sitzen, indem 54 M. B. Rideli. mittelft einer einfachen Mechanik die Sitzplätze nach Bedarf höher oder niederer geftellt werden konnten. Der Parifer Caroffier Mr. L. G. Mühlbacher ftellte eine Calèche à huits refforts aus, welche grün lackirt, gelb befchnitten und mit grüner Chagringarnitur verfehen war. Aufserdem ftellte derfelbe Fabrikant noch drei Wagen mit refforts à princettes aus, nämlich ein blaues Coupé, einen blauen Mylord und einen dunkelbraunen Duc zum Selbftkutfchiren ohne Bock mit rückwärts angebrachtem Bedientenfitze. Aus der berühmten Parifer Wagenfabrik von Mr. G. Ehrler kam zwar nur ein einziger Wagen zur Ausftellung, die Befchaffenheit desfelben war jedoch geeignet, manche fehr zahlreiche Wagenexpofitionen vollkommen in Schatten zu ftellen. Der betreffende Wagen ftellte eine fehr ftattliche Calèche à huits refforts dar mit grünlackirtem Kaften, grünem Untergeftelle, lichtgrün befchnitten, mit lichtgrüner Atlasgarnitur, ohne Bock zum Fahren à la Daumont eingerichtet und mit rückwärts angebrachtem Bedientenfitze verfehen. Der bekannte Parifer Ingénieur- Mécanicien Mr. L. G. Perreaux hat fich an der Wiener Ausftellung mit zwei Dampfvélocipèden betheiligt, die in viel facher Beziehung eine grofse Aufmerkfamkeit erregt haben. And Es waren diefs ein Tricycle und ein Bicycle. Beim Bicycle hatte das vordere Leitrad o 800 Meter im Durchmeffer, das Triebrad war rückwärts geftellt und mafs o 680 Meter im Durchmeffer, der Radftand betrug o 830 Meter. Beide Räder waren durch ein, ftarkes fchmiedeeifernes Rahmengeftelle verbunden, welches fowohl dem Vélocipèdiften als dem Bewegungsmechanismus inclufive des Dampfgenerators zur Stütze diente. Der cylindrifche o 180 Meter lange und mit einem Blechmantel umgebene Dampfgenerator fafste 11 Liter Waffer. Derfelbe wurde aus einem fünf Liter haltenden Refervoir gefpeift, diefe Waffermenge konnte jedoch durch weitere, in einem feparaten Refervoir durch Dampfcondenfirung eventuell zu gewinnende drei Liter vermehrt werden. Der Kolbendurchmeffer betrug 25 Millimeter bei einem Kolbenhube von 80 Millimeter; die in einem centrifch geftellten Metallcylinder gleitende Kolbenftange war im Mittelpunkte der im Rahmengeftelle auf Metalllagern fteckenden Kurbelachfe befeftigt. An den Enden diefer Kurbelachfe befanden fich zwei Schwungräder aus Gufseifen und zwifchen den letzteren zu beiden Seiten des Angriffspunktes der Kolbenftange zwei weitere, kleine Räder, an deren Peripherien je eine mit einem Kautfchuküberzuge verfehenen Transmiffionskette zu dem correfpondirenden, auf der gemeinfchaftlichen Achfe des grofsen Vélocipèd- Triebrades aufgefetzten Räderpaare von Durchmeffer führte. 0-300 Meter Das von Mr. Perreaux zur Locomotion diefes Bicycle verwendete Brennmaterial befteht aus Benzin oder Weingeift und hat der Ausfteller ein fpeciell für diefen Zweck conftruirtes, fehr finnreich angelegtes Aeolipile in Anwendung gebracht, bei deffen Functionirung fchon innerhalb 10 bis 12 Minuten eine Dampffpannung von 3 bis 4 Atmoſphären erreicht werden kann. Bei dem oben erwähnten Wafferquantum ift ein erwachfener Mann von mittlerer Taille im Stande, auf diefem Vélocipèd Bicycle mit Leichtigkeit 25 bis 30 Kilometer während einer Stunde auf einer guten Fahrftrafse zurückzulegen. während die Koften für das entfprechende Brennmaterial fich nicht höher als 20 Kreuzer öfterr. Währung per Stunde belaufen follen. Der Dampfgenerator des Tricycle fafst fieben Liter Waffer und wird aus einem Refervoir gefpeift, welches ebenfalls einen Faffungsraum von fieben Liter enthält. Das Tricycle war für die Verbrennung von Holz oder Steinkohlen eingerichtet, der Kolbendurchmeffer betrug 30 Millimeter, der Kolbenhub 80 Millimeter, die Fahrgefchwindigkeit 12 bis 14 Kilometer in einer Stunde. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 55 Mr. Perreaux glaubt hoffen zu können, dafs dieies mit einem fehr bequemen Lehnfitze verfehene und ungemein leicht zu dirigirende Tricycle unter die vielgeplagten franzöfifchen Land- Briefträger( facteurs ruraux) in der hiefür benöthigten Anzahl von 30.000 Stück demnächst zur Vertheilung kommen dürfte. Mit Bezug auf das beim Wagenbau zur Verwendung kommende Material könnten folgende franzöfifche Ausfteller erwähnt worden: Die Compagnie anonyme des Aciéries et forges de Firminy ftellte eine reichhaltige Sammlung der gebräuchlichften in diefem fehr gut geleiteten Etabliffement erzeugten Kutfchenfedern, Radreifen, Werkzeugen u. f. w aus. Von Mr. A. Jubert frères in Charleville( Ardennes) kamen verfchiedenartige bei der Carrofferie zur Verwendung kommende Eifenbeftandtheile zur Ausstellung. Mr. G. Anthoni, Ingenieur- Mécaninien in Levallois bei Paris, betheiligte fich mit einer ebenfo reichhaltigen als mufterhaften Zufammenftellung von Achfen mit Büchfen und Muttern, Wagenfedern der verfchiedenften Conftructionsarten, befchlagenen Vordergeftellen, Laternen, gebogenen Hölzern und fertigen Rädern; alles von einer fehr guten Ausführung und verhältnifsmäfsig billigen Preifen. Von Mrs. Boyriven frères in Paris und Lyon kam eine grofse Auswahl von ausfchliefslich von den Wagenbauern verwendeten Seidenftoffen, Paffementerien, Gallonen, Etuis, Spiegeln u. f. w. Eine aufserordentlich gelungene Ausftellung warjene von Mr. Ledoux, Plaqueur in Paris, enthaltend fämmtliche zur Einrichtung und Decorirung der Wagen dienlichen Beftandtheile, wobei eine Anzahl von 427 verfchiedenen Objecten zum Vorfchein kam, als: Klinken, Griffe, Knöpfe, Schrauben, Charniere, Sprachrohre, Afchenbecher, Signalpfeifen, Wappen, Monogramme u. f. w. Alle Gegenftände waren mit befonderer Präcifion und Eleganz in allen möglichen Stoffen, als Gold, Silber, Elfenbein, Alpacca, Büffel- und Nashorn, Schildkröte u. f. w. ausgeführt und die hiefür erhaltene Medaille für guten Gefchmack" ganz gerechtfertigt. 29 Mr. H. Cauvin in Paris ftellte gefpaltene Rindshäute( Vaches à capote pour Carrofferie) aus, die bei vorzüglicher Bearbeitung einen fehr billigen Preis hatten. Die franzöfifchen Wagenfabricate zeichnen fich vornehmlich durch ihre aufserordentlich grofse Feftigkeit, ihr verhältnifsmäfsig geringes Eigengewicht fowie durch eine harmonifche Eleganz fowohl in der Conftruction als in der Zufammenftellung der einzelnen Beftandtheile aus und find in Folge diefer Eigenfchaften in allen Welttheilen ein fehr gefuchter und gefchätzter Handelsartikel. Beinahe alle in Wien ausgeftellt gewefenen franzöfifchen Wagen haben trotz ihrer hohen Preife nicht nur willige Abnehmer gefunden fondern auch nicht unbedeutende Nachbeftellungen im Gefolge gehabt, obgleich nicht zu verhehlen fein wird, dafs durch diefen Umftand der öfterreichifche Exportmarkt in diefem Artikel in Folge der Weltausftellung eine Schmälerung erlitten haben dürfte, welches übrigens auch bei einigen anderen Induftriezweigen der Fall fein foll. Bis zum Abfchluffe des in letzterer Zeit zwifchen Frankreich und England errichteten und gegenwärtig noch in Kraft beftehenden Handelsvertrages war die franzöfifche Zoll- Gefetzgebung bezüglich der Einfuhr von Luxuswagen im Hinblicke auf die gefürchtete englifche Concurrenz fehr ftreng. Namentlich bezüglich Englands galt das unerbittlichfte Prohibitivfyftem und es durfte kein einziger neuer in England gebauter Wagen nach Frankreich importirt werden. Die in Frankreich aus irgend einem Grunde refidirenden Engländer durften nur bereits mehr oder weniger gebrauchte englifche Wagen nach Frankreich bringen, mufsten jedoch bei der franzöfifchen Einbruchsftation den vollen Werth des Wagens als Eingangszoll erlegen, wovon allerdings drei Viertel in dem Falle zurückerstattet werden follten, wenn derfelbe Wagen innerhalb der nächften drei Jahre von Frankreich nach England wieder zurückging. 56 M. B. Rideli. Es läfst fich leicht begreifen, dafs die franzöfifchen Wagenbauer in den verfchiedenen vor Abfchlufs des Handelstractates ftattgefundenen Enquêten die heftigfte Oppofition gegen die freie Zulaffung der englifchen Wagnereiproducte ins Werk fetzten, umfomehr als die meiſten franzöfifchen Carroffiers entweder in Paris felbft oder in den mit Paris demnächft zu vereinigenden Vororten ihren Sitz hatten, wo fowohl die Rohftoffe als die Brennmaterialien einer empfindlichen Octroifteuer unterworfen waren und dadurch die Erzeugungskoften der Wagen um einen nicht unbedeutenden Percentfatz erhöht werden mussten. Nichtsdeftoweniger nahmen fie mit dem noch gegenwärtig aufrechtftehenden, fehr niederen Zolltarife vorlieb und fahen in Folge des freihändlerifchen Handelsvertrages ihre Induſtrie nicht nur nicht erfchüttert, diefelbe vielmehr fo gekräftigt aus dem Kampfe hervorgehen, dafs den englifchen Wagenbauern ein nicht unbedeutender Theil des früheren Abfatzgebietes entzogen werden konnte und gegenwärtig drei Viertel der fehr namhaften franzöfifchen Wagenproduction zu hohen Preifen im Auslande placirt werden. Die Herbeiführung einer fo günftigen Situation ift nur auf diefe Weife ermöglicht worden, dafs durch den gleichzeitig freigegebenen Import von Eifenund Stahlerzeugniffen, fowie von anderen beim Wagenbau verwendeten Materialien die Erzeugungskoften der Wagen felbft viel niedriger und die franzöfifchen Wagenbauer mit den Engländern concurrenzfähig geworden waren. Selbstverständlich find die gefund fundirten, wohlgeleiteten, daher leiftungsfähigen franzöfifchen Eifen- und Stahlwerke durch den Handelsvertrag auch nicht zu Schaden gekommen, da die veränderten Verhältniffe denfelben einen fehr nützlichen Wetteifer zum rationellen Betriebe, refpective zur billigeren Erzeugung ihrer Producte aufdrängen mufsten, wodurch nur alle Theile gewinnen konnten. Die öfterreichifche Wagen- und Maſchinenbau- Induftrie möge fich aber daran ein Beiſpiel nehmen und die Aufhebung der drückenden Feffeln, worin fie von der fo auffallend ftark zurückgebliebenen öfterreichifchen Eifeninduftrie auf eine unwürdige Weife gehalten wird, mit Energie anftreben. England. Das grofsbritannifche Königreich war in Paris 1867 durch 41 Luxuswagen vertreten, während die Wiener Ausftellung nur 19 deratige Fuhrwerke aus England zeitweilig zu beherbergen in die Lage kam. Die unter dem Namen ,, West of England Carriage Works" bekannte Wagenbau- Firma von John Roberts& Sons in Bridgewater war durch ein zweiräderiges kleines Vehikel, für Einfpänner eingerichtet, vertreten, welches in der Umgebung des Fabricationsortes als ,, Univerfal Whitechapel Dog Cart" fehr ftark in Verwendung ftehen foll. Auf der fchmiedeeifernen Achfe diefes zweirädrigen Fuhrwerkes waren zwei lange, vierblättrige Tragfedern befeftigt, in denen ein grünlackirter mit Sproffen verfehener Kaften hing, in welchem mehrere Perfonen dos- à- dos Platz nehmen konnten. Der Wagenfabrikant H. Mulliner in Leamington Spa ftellte drei ausgezeichnet ausgeführte Wagen aus, darunter befand fich eine grüne Victoria ( Parc- Phaëton) ohne Bock zum Selbftkutfchiren auf vier Refforts à pincettes mit grünem Chagrinleder ausgefchlagen, ferner aufser einem leichten Dog Cart noch ein Landau auf vier Refforts à pincettes, deffen Kaften blau lackirt, das Untergeftelle grünlich weifs, blau befchnitten und das Kafteninnere mit blauem Chagrinleder austapezirt war. Die Wagenfabrik von James Evans in Liverpool ftellte einen ,, Improved Hanfom Cab" aus, auf deffen gekröpfter Achfe der braunlackirte Kaften auf zwei langen Tragfedern hing und überdiefs den Kutfcher- Rückfitz zu tragen hatte; der Kaften war mit lichtblauer Seide ausgefchlagen und hatte ſtatt dem vorderen Spritzleder einen wafferdicht fchliefsenden mit Glanzleder über Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 57 zogenen Deckel, welcher mittelft einer Feder auf- und zugemacht werden konnte. Der Cab war für einen Einfpänner eingerichtet, und musste das betreffende Zugthier während des Fahrens auch zum Tragen eines Gewichtsantheiles des Wagenkaftens herangezogen werden. Die von dem Londoner Wagenbauer und englifchen Hoflieferanten Thomas Peters& Sons ausgeftellten fünf Luxuswagen gehören unbedingt zu den gediegenften Fuhrwerken diefer Gattung, welche überhaupt während der Wiener Ausftellung zu fehen waren. Aufser einem zweifitzigen Brougham auf vier Refforts à pincettes war von diefen Fabrikanten ein höchft elegantes Coupé d'Orfay à huits refforts ausgeftellt mit grün lackirtem, goldbefchnittenem Kaften, grüner Atlasgarnitur. Auf den Portièren war das kaiferlich öfterreichifche Wappen angebracht, die Thürklinken ftellten vergoldete öfterreichifche Doppeladler dar. Als pièce de réfiftance der englifchen Wagenausftellung fungirte die ebenfalls von T. Peters& Sons ausgeftellte für„ four in hands" eingerichtete, mit allem bei den Wettrennen erforderlichen Comfort ausgeftattete Mail- Coach, mit blau lackirtem Kaften, lichtrothem Geftelle und blauer Chagrin Garnitur. Der Kaften fafs auf beiden Achfen, auf je 4 im Quarré geftellten fehr ftarken Tragfedern, wobei die zwei Achfen durch einen Langbaum von bedeutenden Dimenfionen verbunden waren. Die Vorderräder konnten wegen der Stellung des Langbaumes um die Wagenfpindel nicht durchlaufend pivotiren, wie denn auch bei diefem Wagen das Umwenden nicht im Scheibengeftelle, fondern mittelft des wohlbewährten alten und zu diefem fpeciellen Zwecke neuerfundenen Reibfcheites vor fich ging. Diefe Mail- Coach war aufser einer kräftigen Bremsvorrichtung auch mit einer, luncheon box" fowie mit ,, wine cifterns" überdiefs zum Behufe der Befteigung der höher gelegenen Wagenabtheilungen mit einer zerlegbaren Leiter verfehen, welche Vorrichtung übrigens auch bei den türkifchen Haremswagen vorkommt und von dort entlehnt zu fein fcheint. Nicht minder comfortabel und elegant waren die von denfelben Fabrikanten noch ausgeftellten weiteren zwei Wagen, nämlich eine Park Barouche à huit refforts und ein Mail- Char à banc ausgeführt. Unter den vom Wagenfabrikanten C. T horn in Norwich ausgeftellten zwei Wagen war der zweirädrige ,, Lorne Car" infoferne bemerkenswerth, als er eine patentirte Vorrichtung zur beliebigen, der Länge des Pferdes angepassten Verkürzung oder Verlängerung der Brancards zur Anfchauung brachte und aufserdem ftatt einer Stange eine dreiblättrige Zugfeder in Verwendung hatte. Der zweite von C. Thorn ausgeftellte und vom Grafen Adlerberg angekaufte Wagen war ein zweirädriger Norfolk fhooting Cart" mit dos- à- dos Sitz. Der Kaften aus Korbgeflecht mit blaulackirtem Rahmen fafs auf zwei 1500 Meter langen Tragfedern, die auf der Achfe befeftigt waren. Die Wagenfabrik von F.& R. Shanks in London ftellte drei vortrefflich ausgeführte Equipagen aus. Die eine hievon beftand aus einem ,, Four horfe Drag" mit einer Einrichtung, um das Viergefpann dichter neben einander zu halten. Der Kaften war blau, das Untergeftelle roth, inwendig blaue Chagringarnitur, fonft analog eingerichtet, wie die vorher erwähnte Mail- Coach. Aufser diefem Wagen ,, Driving ftellte diefer Fabrikant noch einen ,, Small Sociable Landau" und einen Phaëton with patent head" aus, welche Fuhrwerke mit der gröfsten Sorgfalt fabricirt worden waren. Der Londoner Wagenfabrikant C. S. Windover ftellte zwei Wagen aus, darunter eine Victoria zum Selbftkutfchiren, mit grünem Sproffenkaften, grüner Chagringarnitur und rückwärts angebrachtem Bedientenfitze. Ueber den fämmtlichen Sitzplätzen diefer Victoria war ein mit grünen Franfen verfehener Baldachin ausgebreitet, der einen einzigen im Kaftenrahmen angebrachten Stützpunkt hatte und mittelft eines Schnürchens in eine beliebige Lage gebracht werden konnte. 58 M. B. Rideli. Der Baldachin konnte auch durch einen Handgriff mit fammt der Stütze entfernt und in ein Parapluifutteral gefteckt oder auch fogleich als Regenfchirm verwendet werden. Das während der ganzen Dauer der Ausftellung der jedesmaligen ,, performance" diefes practical joke" feitens der mitunter aus hohen Würdenträgern beftehenden grofsbritannifchen Befucher dargebrachte Intereffe mufs als ein ganz aufserordentliches bezeichnet werden. Vom Fabrikanten und Hoflieferanten John Ward in London find ebenfo zahlreiche als vortrefflich ausgeführte Tragfeffel, Kinderwagen, Rollwagen für Kranke und Invaliden ausgeftellt worden. In Bezug auf die Ausstellung von Rädern, Achfen, Federn und anderen Wagen- Beftandtheilen haben fich diefsmal die grofsen englifchen Fabrikanten beinahe gar nicht betheiligt; blofs die ,, Kirkstall Forge Company" bei Leeds hat fieben Paar Wagenachfen fammt Büchfen und Muttern, fowie einige Befchläge für Vorder- Trains zur Ausftellung gefchickt. Von der Firma Homes& Hickton in Halefowen bei Birmingham war eine Sammlung von Hufeifen- Nägeln angelangt.com Der Londoner Fabrikant H. Hopton& Son betheiligte fich mit einer reichhaltigen Ausftellung von Radfpeichen, Naben, Felgen, Kothflügeln, Deichfeln Stangenarmen u. f. w. in den verfchiedenften Holzarten. Die Situation der englifchen Wagenfabrication ift bekanntlich die allergünftigfte in ganz Europa. Die Anfchaffungskoften der Rohmaterialien find die denkbar niedrigften, fo kommt einem englifchen Wagenbauer die für einen kleinen Wagen benöthigte Stahlquantität auf höchftens 16 Francs zu ftehen, während für einen Wagen mit doppelter Federeinhängung kaum 50 Francs für Federftahl ausgegeben werden. Die ausländifchen Werkhölzer, worunter aufser Mahagony, Hickorynufs, amerikanifcher Akazie gegenwärtig auch ziemlich viel Teakholz( Tectona grandis), Ebenholz( Diospyros Melanoxylon), Paliffanderholz( Jacaranda brasiliensis) u. f. w. in Verwendung kommt, finden fich alle entweder in Oftindien oder auf den engli fchen Colonien und kommt der Ankaufspreis davon den englifchen Wagenbauern noch immer um circa 30 Percent billiger als den franzöfifchen Wagenfabrikanten zu ftehen. In Bezug auf den feinften Kutfchenlack find die fämmtlichen europäiſchen Wagenbauer auf die englifchen Fabrikanten angewiefen, ebenfo wie hinfichtlich der Farben, wovon fogar die Franzofen gegenwärtig noch immer die, Vermillons" und die Verts" aus England zu beziehen gezwungen find. " Trotzdem find theils in Folge der höheren Arbeitslöhne, theils in Folge des Umftandes, dafs beinahe jeder vermögliche Engländer eine eigene Wagenfpecialität für fich beanfprucht, alle complicirter conftruirten englifchen Wagen, namentlich die unzähligen„ Voitures de fantaifie" viel theuerer als felbft in Frankreich, während jene grofsen englifchen Wagenbau- Anftalten, welche in ihrem Outillage allein über 300.000 Francs zu inveftiren pflegen, fehr grofse Mengen von Wagen nach einem einzigen Modelle fabriciren, daher auch ungemein billige Preife machen können. Solche billige Wagen find unter der Benennung ,, Articles de Southampton" meift für den überfeeifchen Transport beftimmt und follen in letzterer Zeit von Entdeckungsreifenden im Innern von Afrika und auch auf den Südfee- Infeln mitunter nicht unbeträchtliche Quantitäten von diefen englifchen Artikeln bereits vorgefunden worden fein, wo diefe Objecte wahrfcheinlich im Wege des Taufchhandels gegen die dortigen Landesproducte in die Hände der bedauernswerthen Eingeborenen gelangt fein mögen. Nordamerika. Die Wagenfabrikanten der Vereinigten Staaten von Nordamerika betheiligten fich an der Wiener Weltausftellung mit zwei Fuhrwerken, während diefelben in Paris 1867 mit drei Stück figurirten. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 59 Die Kimball Manufacturing Comp. in San Francisco ftellte einen einfpännigen Wagen aus, welcher in Californien unter dem Namen ,, Buggy" bekannt ift und deffen Abbildung unter Fig. 17 folgt. Fig 17. Californifcher Buggy. Die vorderen Räder diefes Buggy haben 1 140 Meter, die hinteren 1'260 Meter im Durchmeffer bei einem Radftande von 1'450 Meter. Sämmtliche RadBeftandtheile waren aus Hickorynufs( Carya alba). Die aus Efchenholz beftehenden Achsftöcke hatten zwifchen den Radnaben gemeffen eine Länge von I140 Meter und waren mittelft mehrerer Klammern mit den fchmiedeeifernen Achfen feft verbunden. Ueber den Achsftöcken waren zwei aus gefirnifsten Efchen beftehende, 35 Millimeter dicke Langbäume, die je mit einem 15 Millimeter ftarken Federriemen in Verbindung ftanden, angebracht und in diefe Riemen der Kaften eingehängt. Der zierlich conftruirte, für einen Sitzplatz berechnete Kaften, war aus Ahorn, feine Länge betrug 120 Meter, die Breite o 570 Meter. Trotz aller Leichtigkeit zeigte diefer Buggy eine grofse Feftigkeit in allen Beftandtheilen. Die Tubular Barrow and Truck Manufacturing Company" in New- York ftellte einen zur Erdbewegung geeigneten, ganz aus Hohleifen conftruirten Schubkarren von 75 Pfund Eigengewicht und 3 Kubikfufs Faffungsraum aus. Wagen- Beftandtheile ftellten aus: Charles Weeks& Comp. in New- York 12 fertige, jedoch unbefchlagene Räder, die verfchiedene Durchmeffer hatten, und deren Felgen, Speichen und Naben, theils aus Eichen, theils aus Hickorynufs beftanden. John Radin aus Lyon( Maffachuſetts) ftellte Wagenräder mit alternirend auf den Nabenenden fitzenden fchmiedeeifernen Speichen aus. Die ,, Mowry Axle and Machine Company" in Genefee( New- York) ftellte eine Vorrichtung zum Aufziehen von Radreifen aus, welche während der Ausftellung die nach diefer Richtung fchadhaft gewordenen Räder der innerhalb der Eceinte circulirenden Fuhrwerke aufs Schnellfte reparirte. 60 M. B. Rideli. Die„ Union Spoke Works" in Philadelphia ftellten Naben, Speichen aus Hickorynufs, fowie eine gröfsere Quantität Felgen, wovon jede einen Halbkreis bildete, aus. Die bei Weitem bedeutendfte Ausftellung von Wagen- Beftandtheilen aus Nordamerika war jene von der„ Royer Wheel Company" aus Cincinnati ( Ohio), deren Specialität in der ausgedehnteften Fabrication von Rädern und Rad- Beftandtheilen befteht. Eine Gattung Räder, genannt ,, Sarven Patent Wheel", fcheint gegenwärtig die Oberhand zu haben, da hievon in den letzten fünf Jahren 32.000 Satz von obiger Fabrik allein verkauft worden find. Die von der Royer Wheel- Company ausgeftellt gewefenen 20 Stück Sarven Patent- Räder hatten einen Durchmeffer von 1260, Bohrung der Nabe 25 Milli meter, Durchmeffer der Nabe 70 Millimeter, Speichendicke 20 Millimeter, Dicke der Felgen 25 Millimeter, Felgenbreite 20 Millimeter, jedes Rad hat 14 Speichen, welche an der Nabe durch zwei Flanfchen aus hämmerbarem Gufseifen zufammengehalten wurden. Die Naben der Sarvenräder beftanden aus Ruftenholz, Speichen und Felgen aus Hickorynufs und war auch der oben befprochene Buggy mit derlei Rädern verfehen. Das Arrangement für die Aufftellung der bei der Wiener Expofition figurirenden Luxus und anderen Fuhrwerke liefs kein einheitliches Princip wahrnehmen, da weder nach den Ländern, nochnach den verfchiedenen Kategorien der Vehikel eine Ueberficht geboten war. Die Zerftreuung der fonft zufammengehörigen Objecte innerhalb des fehr ausgedehnten Ausftellungsraumes machte in Ermanglung eines Generalkataloges förmliche Entdeckungsreifen, die viel Zeit und Mühe in Anfpruch nahmen, unbedingt nothwendig; ein Wagen wurde unter chemifchen Producten aufgeftellt gefunden, während ein gewiffer Theil von kleinen Fuhrwerken der Einwirkung der Elemente unter freiem Himmel überliefert war, wefswegen für etwaige Lücken Nachficht erbeten werden mufs. Es war urfprünglich beftimmt, innerhalb des vorliegenden Rahmens auch einer Locomotionsart zu gedenken, deren fpecieller Apparat von zahlreichen Koryphäen mit minutiöfer Sorgfalt in Thätigkeit gefetzt werden follte. Nachdem jedoch der fogenannte„ Ballon captif" in Folge eines heftigeren, oftwärts gerichteten Windſtofses fich durch rafche Flucht einer jeden Beurtheilung entzogen hatte und das die unwandelbaren Principien feiner Wirkfamkeit enthaltende Expofé in den betreffenden Ausftellungsräumen nicht aufgefunden werden konnte, fo mufs auf diefe Mittheilung verzichtet werden. Diefer Verzicht kann umfo leichteren Herzens erfolgen, als man fich ohne hin durch Darlegung diefer Principien vielleicht einer Verbreitung falfcher Nachrichten fchuldig gemacht und später etwa auftretende aëronautifche Dilettanten auf Irrwege geleitet haben würde. D AAA TMW- Bibliothek 0020922 9 AA