OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. DIE MASCHINEN UND WERKSVORRICHTUNGEN IN DER THONWAAREN- INDUSTRIE. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON DR. EMIL TEIRICH, Mitglied der internationalen Jury. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. DIE MASCHINEN UND WERKSVORRICHTUNGEN IN DER THONWAAREN- INDUSTRIE. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von DR. EMIL TEIRICH, Mitglied der internationalen Jury. Die Maschinen zu dem Zwecke der Vorbereitung von Rohmaterialien oder der Formgebung in der Thonwaaren- Induftrie, fowie jene Vorrichtungen und Apparate, welche zum Brennen und Glafiren der geformten Stücke zu dienen haben, follen uns hier befchäftigen. Es mufs jedoch gleich jetzt hervorgehoben werden und ift lebhaft zu bedauern, dafs die Wiener Weltausftellung im Vergleiche zu den glänzenden Sammlungen fertiger Fabricate, die dort zu fehen waren, ganz unverhältnifsmäfsig wenig auf dem bezeichneten Gebiete brachte und dafs felbft unter dem Ausgeftellten nur fehr felten ganz Neues zu finden war. Meift fehlte das Wichtigfte und Intereffantefte. Es gilt diefs namentlich von folchen Mafchinen, die in neuefter Zeit von der englifchen Plattenfabrication nach Proffer's Proceſs, dann bei der Erzeugung der deutfchen( fogenannten Mettlacher) Fufsboden- Platten verwendet werden, es gilt diefs ferner von den verfchiedenen mechanifchen Töpferfcheiben für runde und ovale Formen, wie fie in franzöfifchen Fabriken( fo bei Hache Pepin Lehailleur frères in Vierzon) als Tellermafchinen im beften Gebrauche find, und von mannig fachen Drehbänken und ähnlichen Apparaten zur Bearbeitung des roh geformten und faft ganz getrockneten Thones, wie wir fie in ausgedehntefter Verwendung bei Dulton in Lambeth fanden. Die neueren englifchen Röhrenpreffen für bedeutende Durchmeffer und die Erzeugung angeformter Muffen, welche mit directem Dampfdruck arbeiten, oder jene fehr ingeniöfe hydraulifche Röhrenpreffe, die wir als Clark's Patent in einer der gröfsten Fabriken Englands vor Kurzem arbeiten fahen, fie waren ebenfo wenig ausgeftellt, wie Clayton's bekannte Vorrichtung zu gleichem Zwecke. Wir vermifsten endlich Alfing's Feldfpath- Mühle( Geſellſchaft Aluminia bei Kopenhagen), welche in neuefter Zeit beiſpielsweife von der Berliner königlichen Porzellanmanufactur verfuchsweife benützt wurde und die Trockenmühlen der Actiengeſellſchaft Humbolt, die auch ebenfowenig ihre renommirten Steinbrecher in Verbindung mit Walz- und Schüttelwerk zur Ausftellung fandten, 2 Dr. Emil Teirich. Es liefse fich die Reihe desjenigen, was wir auf der Ausftellung nicht fahen, noch um eine gute Länge vermehren, wollte man aller neueren Apparate gedenken, die namentlich von englifchen Fabrikanten eingeführt und benützt werden. Diefe felbft, wie der fchon einmal genannte und fehr bekannte Clayton, fowie auch Witehead oder Kirk und Pollock fehlten fonderbarer Weife im Prater gänzlich. Mehr noch als in manchen anderen Induftriezweigen werden in der Thonwaaren Fabrication Hilfsmaſchinen für ſpecielle Zwecke conftruirt und daher auch nicht felten än gftlich geheim gehalten. Das, was die Ausftellung brachte, aber zufammenzufuchen oder aufzufinden, war keine kleine Arbeit. Alle hier zu befprechenden Gegenftände fanden fich in die verfchiedenften Gruppen eingereiht und über den ganzen Ausftellungsrayon fo vertheilt vor, dafs einer Berichterstattung etwaige Auslaffungen kaum zum Vorwurf gemacht werden können. Das ganze Materiale war eben gewiffermafsen nur durch zufälliges Auffinden zu fammeln. Um das fo Gefundene zu ordnen, befprechen wir hier der Reihe nach: Maſchinen, beftimmt zur Vorbereitung des Rohmateriales; Mafchinen und Vorrichtungen, benützt zur Formgebung der vorbereiteten Thonmaffe. Apparate zum Trocknen und Brennen der geformten Gegenftände. Maſchinen zur Vorbereitung des Rohmateriales. Thonfchneider. Die älteften Vorbereitungsmafchinen für die Verarbeitung des plaftifchen Thones im feuchten Zuftande find die Thonfchneider, deren wefentlichfter Theil, die vertical oder horizontal geftellte rotirende Welle, mit Meffer oder fchaufelförmigen Armen verfehen ift, welche nach der archimedifchen Schraubenlinie mehr oder weniger genau geftellt, die Aufgabe haben, eine Zertheilung der aufgegebenen Thonftücke, ein inniges Vermengen der unhomogenen Theile des Thones oder verfchiedener Zufätze zu demfelben, wie Sand und dergl., zu bewirken. Eine zweite Function diefer Mefferwelle, welcher gewöhnlich durch ftete Benetzung mittelft Waffer die Arbeit erleichtert wird und die daher auch den Thon in den zu feiner ferneren Bearbeitung nöthigen Feuchtigkeitsgrad zu verfetzen hat, ift das Vordrücken der fo gemengten und gekneteten Maffe nach einem meift regulirbaren Mundftücke des Mantels, welcher die beweglichen Theile umfafst. Der Thon tritt als Strang heraus, und wird diefer Theil der Function des Apparates den fogenannten Fafsfchaufeln übertragen, welche auf dem der Austrittsöffnung zunächft liegenden Ende der Welle auffitzen. Weder an der allgemeinen Anordnung noch an den wefentlichften Details der Conftruction diefer Thonfchneider war Neues zu fehen. Wird der austretende Thonftrang durch eine Vorrichtung in Stücke zertheilt, fo ftehen wir bereits vor der Ziegelmafchine, die denn auch wirklich einem Abfchneidezumeift aus einem Thonfchneider in Verbindung mit apparate befteht. Bei Verwendung eines unreinen Materiales, namentlich alfo dort, wo der Thonfchneider ein folches zu verarbeiten hat, das keinem Schlämmprocefs noch unterworfen war, legt man vor denfelben ein Walzenpaar zur Verkleinerung und Befeitigung von Steinen, zum Zerdrücken harter Thonklumpen. An der Ziegelmafchine der Gebrüder Schmerber in Tagolsheim finden wir fogar ein doppeltes Walzwerk als Vorbereitungsmafchine für den Thonfchneider, nach welchem ein Transporteur( Band ohne Ende) das zerquetfchte Materiale führt. An den Mafchinen der Eifengiefserei und Mafchinen Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 3 fabrik in Nienburg an der Saale und an jener von L. Henrici in Wien fanden wir ein einfaches Walzenpaar dem Thonfchneider vorgelegt. Bei Befprechung der Ziegelpreffen, welche als Mafchinen zur Formgebung im zweiten Theile unferes Berichtes zu behandeln fein werden, müffen wir eingehender noch des Zufammhanges von Thonfchneider mit dem Walzwerke einerfeits und dem Abfchneideapparate anderfeits handeln. Schon oben gefchah der verfchiedenen Stellung der Thonfchneider- Welle Erwähnung. Wir finden fowohl die horizontale als auch die verticale Anordnung derfelben. Die letztere bietet gewiffe, nicht zu unterfchätzende Vortheile bei Lagerung der Welle, die fchwächer gehalten und ftabiler montirt werden kann und es werden diefe wohl nur zum Theil aufgewogen durch das erfchwerte Aufgeben des Thones bei gröfserer Höhe des Mantels, der zudem oft gerade dort, wo das Einfüllen des Rohmateriales erfolgt, dem Antrieb der Welle durch ein ftark überfetztes Kegelrad- Vorgelege einen Stützpunkt gewähren mufs, wodurch eine unbequeme Verengung der Füllöffnung und eine Gefahr für die Verunreinigung des Getriebes entſteht. Um diefem Uebelftande zu entgehen, treibt Schlickeyfen in Berlin feine verticale Thonfchneider- Welle an den Ziegelmafchinen von unten an. Es macht diefs natürlich eine Lagerung derfelben oben und ein Stopfzeug unten nothwendig, das den Austritt des unter Preffung befindlichen Thones hindert. Schlickeyfen's Maſchinen arbeiten gut, und haben überhaupt die verticalen Thonfchneider- Wellen den Vortheil einer längeren Dauer und Haltbarkeit als die horizontalen. Um das Einkarren auf fo bedeutende Höhe zu umgehen, finden wir die Anordnung eines Transporteurs, meift in Form eines, über zwei grofse Lattenwalzen gezogenen, von mehreren kleineren unterftützten, endlofen Bandes. Keiner der auf der Ausstellung befindlich gewefenen Transporteure bot irgend eine wefentliche Neuerung. Durch die horizontale Stellung der Thonfchneider- Welle hat befonders die Firma Gebrüder Sachfenberg in Rofslau an der Elbe eine zweckmäfsige Thonknete erhalten, deren Fülltrichter fich nur wenige Zolle über den Fufsboden. erhebt. Die ganze Anordnung ift zweckentfprechend und einfach. Angenehm ift die Möglichkeit, durch Lüften einiger Schrauben die obere Hälfte des gufseifernen Mantels abheben zu können, wodurch fich der Vortheil einer, bei manchen anderen Conftructionen leider nicht erreichten, Zugänglichkeit der Mefferwelle ergibt. Die befprochene Knete dient zur Verarbeitung eines fchon gefchlämmten Materiales, zur Mengung verfchiedener Thonforten und Beifätze für die Zwecke der Terracotta und Ofenkachel- Fabrication etc. und ift mit keinem Walzwerke verfehen. Kollergänge. Weniger in Deutfchland und Oefterreich als in England werden als Thonvorbereitungs- Mafchinen, namentlich in der Fabrication von feuerfeften Steinen die Kollergänge verwendet, welche ebenfo die Verkleinerung der aufgegebenen, fehr dichten, feuerfeften Thone, Chamotten und Quarze, fondern auch die Mifchung aller diefer Stoffe im feuchten Zuftande fehr zweckmäfsig vornehmen. Die neueren Kollergänge mit ftabilen Walzen und rotirender Tifchplatte bieten den Vortheil leichteren Antriebes und gröfserer Bequemlichkeit der Manipulation, die an jeder Stelle des Tifches ungeftört von den gewöhnlich umlaufenden Steinen vor fich gehen kann. Der Kraftaufwand beim Antriebe ift ein geringerer, die Centrifugalkraft der rotirenden Steine ift aufgehoben und hindert nicht mehr dem Apparate eine gröfsere Gefchwindigkeit als bei den alten Conftructionen zu geben, daher auch die Leiftungsfähigkeit der neueren eine viel gröfsere wurde. Gute Lagerung und Unterſtützung der rotirenden Platte durch Gleitrollen ift hiebei Hauptfache. Die Ausftellung freilich brachte faft gar nichts von folchen Kollergängen, wenigftens keine für die Zwecke der Thonwaaren- Induftrie, welchen 4 Dr. Emil Teirich. höchftens jener transportable Apparat von Herlop, Wilfon und Budden in Newcaftle upon Tyne dienen könnte. Auf einem gemeinfamen Fundamente, das auf vier Eifenbahn- Rädern montirt ift, fteht der Kollergang mit eifernen Quetfchwalzen und fixer Platte, welche direct durch eine, mit einem ftehenden Keffel vereinigte kleine Dampfmaschine mittelft Vorgelege angetrieben werden. Die ganze Zufammenftellung ift äufserft compendiös gedacht, doch möchte diefes enge Aneinanderftellen der gegen Staub und fonftige Verunreinigungen fehr empfindlichen Dampfmaschine mit dem Kollergange nur in den feltenften Fällen anzuempfehlen fein. Die Zugänglichkeit faft aller Theile der Mafchine ift geftört und der Raum für Aufgeben des Rohmateriales fowie für Entfernung des bearbeiteten fehr beengt. Am eheften eignet fich eine folche Anordnung wohl als Mörtelmafchine und Bétonknete bei Bauten, wo der Vortheil der leichten Fortbewegung des Ganzen fehr zu Gunften diefer, fonft weniger zweckmäfsigen Conftruction spricht. Kollergänge zur Verkleinerung der Glafurfchmelze, ehe fie auf die Mahlmühlen gelangt, waren gar nicht ausgeftellt worden. Behufs der Verkleinerung von Quarz und Chamotte, ja felbft mit ausgezeichnetem Erfolge als Bearbeitungsmaschine für feuchten Thon, hat fich der Desintegrator bewährt, den in der Originalconftruction von Carr die Parifer Ausftellung zum erften Male zeigte. Bekanntlich befteht diefer höchft intereffante Apparat aus zwei bis drei horizontalen, in einander gefteckten Trommeln, an deren Peripherie Schlagftäbe aus Schmiedeifen, oder für fehr hartes Materiale aus Stahl eingefetzt find. Jede diefer Trommeln rotirt mit fehr bedeutender Gefchwindigkeit, aber ftets nach der entgegengefetzten Richtung wie die vorhergehende. Das zu verkleinernde Materiale wird in der Richtung der horizontalen Rotationsaxe aufgegeben, paffirt, durch Hunderte von Schlägen zerkleinert, die Trommelperipherien und gelangt in fehr rafcher Zeit in den Zwifchenraum derfelben mit einem, den ganzen Apparat umhüllenden Mantel, aus dem zweckmäfsig ein Paternofterwerk die verkleinerten Stoffe entfernt. Die benöthigte Kraft für den Antrieb diefer Mafchine ift wohl bedeutend, die Abnützung aller ihrer Theile eine fehr empfindliche, dagegen aber auch ihre Leiftungsfähigkeit eine ganz erftaunliche. Durch manche Verbefferung, namentlich der Lagerung hinfichtlich der ftark beanfpruchten Wellen, hat man diefem trefflichen Apparate, der fich befonders in Thonwaaren- Fabriken noch viel zu wenig Eingang verfchafft hat, gröfsere Stabilität und Dauerhaftigkeit zu geben gewufst. Durch Vergröfserung des Trommeldurchmeffers ift es möglich geworden, die Umdrehungszahlen für die ftark beanspruchten Wellen zu reduciren, immer aber machen die gröfsten bis jetzt gebauten Desintegratoren von 1'500 Meter Diameter eine Umdrehungszahl von 400 bis 550 Touren, was einer enormen Umfangsgefchwindigkeit von circa 30 Meter entspricht. Bei folcher Arbeit benöthigt der Apparat dann freilich zwifchen 15 bis 20 Pferdeftärken zum Antriebe, leiftet dann aber auch 20.000 Kilogramm per Stunde, felbft bei einem fehr harten Materiale, da er im Gegenfatze zu anderen Pulverifatoren die härteften Körper am leichteften zermalt. Desintegratoren der bisher am häufigften angewandten Gröfse, von einem Durchmeffer von 1'00 Meter verarbeiten mit 7 Pferdeftärken Betriebskraft durchfchnittlich 7000 Kilogramm Rohmateriale zu Pulver von ganz bedeutender Feinheit. Als Mifchapparat für verfchiedene Thonforten ift ein Desintegrator trefflich zu verwerthen, ebenfo als Vorbereitung für Maſchinen, die trockenen Thon zu verarbeiten oder für Ziegelpreffen, welche grubenfeuchtes Materiale zu formen haben. Namentlich kalksteinhaltige oder fchotterige Thonforten werden folcher weife, und zwar auch billig und zweckmäfsig gereinigt, refpective die ftörenden Beimengungen fo fehr vertheilt, dafs fie in der ganzen Maffe unfchädlich Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. 5 werden. In der deutfchen Thonwaaren- Induftrie hat fich der Desintegrator nun freilich noch kaum eingebürgert. Anders in England, dort wird er häufig bereits verwendet. Wir haben ihn bei Gibbs and Canning in Tamworth, bei G. Jennings in Poole, Perrens and Harrifon in Stourbridge, Enfor and Sons in Burton upon Trent und bei Cliff and Son in Leeds zur vollen Zufriedenheit arbeiten gefehen. Selbach und Deiters in Mannheim ftellten zwei fehr fchön gearbeitete Desintegratoren aus, welche fich durch die Möglichkeit der Regulirung während des Ganges mittelft Anziehen von Keilen ebenfo auszeichnen wie durch die fehr zweckmäfsige Conftruction der ganz gefchloffenen Lager, welche vor Staub, der ftets im Gefolge folcher Verkleinerungsmafchinen fich findet, vollständig gefchützt und fo eingerichtet find, dafs mit geringftem Oelverbrauch die, bei fo hohen Umdrehungszahlen nöthige, ausgiebige Schmierung gewifsermaffen felbftthätig vorgenommen wird. Ein Apparat, der fich in der Thonwaaren- Induftrie ebenfalls bereits einzubürgern fucht, ift der Steinbrecher, von dem verfchiedene Conftructionen. theils ausgeführt, theils in Zeichnung und Modell auf der Ausftellung zu finden waren. Der Steinbrecher wird vorzüglich, und dort ganz zweckmäfsig, in der Fabrication refractärer Producte, zum Verkleinern von Quarz, Chamotte, alten Kapfeln und dergl. benutzt und zeichnet fich durch eine befondere Leiftungsfähigkeit und Einfachheit der Conftruction aus; was bei fo fehr angeftrengten Mafchinen ftets ein wefentlicher Vortheil ift. Aufser dem Bruche einer leicht zu erfetzenden Backe des Brechmaules ift ein folcher Steinbrecher guter Conftruction faft unverwüftlich. Im Vereine mit einem Walzen Quetfchwerk und Siebapparat kann er auch die Verkleinerung der Rohftoffe auf einen fehr hohen Grad der Feinheit bringen. Mannigfache, mehr oder minder abweichende Conftructionen, welche zumeift darin culminiren, die Stellung der Backen des Steinbrechers während des Ganges zu reguliren, fanden wir ausgeftellt. Wefentlich bei diefem, fonft fo einfachen Apparate, ift die Befchaffenheit des Eifenguffes, der, wenn fpröde, felbft bei den ftärksten Dimenfionen in Stücke geht. Es wäre wünſchenswerth, dafs die Fabrikanten hierauf mehr Rückficht nehmen würden, als diefs bisher oft gefchah. Von öfterreichifchen Firmen hat Koröfi in Graz einen, der Conftruction nach ganz guten, fehr ftark gebauten Steinbrecher ausgeftellt. Sehr fauber und fleifsig ausgeführt ift ein fchönes Stück von Selbach& Deiters in Mannheim, deffen Conftruction die Regulirung des Ganges der Mafchine, refpective die Gröfse der zu erzeugenden Stücke ebenfo zuläfst wie bei Koröfi. Hinfichtlich der Leiftungsfähigkeit diefer Mafchine folgen wir den Angaben der Fabrikanten, welche uns von verfchiedenen Seiten beftätigt wurden, und die wir felbft zu erproben Gelegenheit fanden. Ein Steinbrecher Nr. 1 Brechmaul- Oeffnung 500 Mm. X 300 Mm. braucht 8 Pfft. u. verarb. 75.000 Kg. Nr. 2 Nr. 3 99 " " 45° X 250 325 X 220 8 99 95 99 وو 8 59 99 99 " ን 22 50.000" 30.000 99 bei einer Arbeitszeit von 12 Stunden. Die Koften eines folchen Apparates variiren je nach der Gröfse zwifchen 1.600 bis 800 Gulden. Gewöhnlich find die beiden Backen des Brechmaules mit zwei leicht auszuwechfelnden, gufsftählernen oder in Schalenhartgufs hergeftellten gerippten Platten armirt, welche fo ziemlich bei guter Conftruction die einzigen, allerdings dann auch fehr ftarker Abnützung unterworfenen Theile find. Ferdinand Del in Vierzon( Cher) verwendet jedoch an feinem transportablen Steinbrecher gehärtete Stahlbleche zum Schutze der gufseifernen Backen, welche glatt, ohne Riefung bleiben. Del ftellte feine Steinbrecher auf einen, für deffen immerhin bedeutendes Gewicht denn doch zu fchwindfüchtig 6 Dr. Emil Teirich. conftruirten, hölzernen Wagen. Auch hier ift durch Anziehen eines Keiles die Brechmaulweite zwifchen 5 und 60 Millimeter während des Ganges veränderlich, im Uebrigen fteht Conftruction und Solidität der Ausführung den vorhin genannten Apparaten nach, von welchen namentlich die der Mannheimer Fabrik fehr compendiös und gut angeordnet find. Die Leiftungsfähigkeit des franzöfifchen Concaffeur wird bei einer Brechmaulweite von 350 Millimeter auf circa 30 bis 35 Cubikmeter bei einer Betriebskraft von 5 Pferdeftärken angegeben. Der Preis von 4400 Francs ift gegenüber den deutfchen Fabricaten ein relativ hoher. Bei allen bisher befprochenen Steinbrechern finden wir das urfprünglich Blacke fche Syftem in Anwendung, bei welchem ein, um einen feften Aufhängepunkt fchwingender Backen mittelft Excenterbewegung gegen einen feftftehenden angeprefst wird. Anders arbeitet der Steinbrecher aber nach Archer's Patent( England). Eine horizontale, rotirende und canellirte Hartgufs- Walze wird annähernd zur Hälfte von einer ftarken gufseifernen, an der Innenfeite gerippten und ebenfo breiten Gabel umfafst, die um eine fixe Achfe ofcillirt, welche etwas höher als die der Walze, aber mit derfelben parallel gelagert ift, fo zwar, dafs zwifchen Walze und Gabel oben ein weiterer, unten ein enger Zwifchenraum bleibt. Diefe Stellung zu der genannten Walze macht es möglich, dafs in dem weiten Zwifchenraum von Gabel und Walze die zu zerbrechenden Materialien eingeführt und durch die Walze mitgenommen, an das der Peripherie am nächften ftehende, andere Gabelende gebracht werden, während nun rafche Zerkleinerung ftattfindet. Der Apparat ift aufserordentlich wirkfam und leiftungsfähig. Leider find die abgenutzten Theile fchwer auszuwechfeln und die Conftruction überhaupt fehr dem Zerbrechen dann ausgefetzt, wenn allzu ungleichförmiges Materiale aufgegeben wird. Diefer Steinbrecher war nur als Zeichnung auf der Ausftellung zu fehen, fand aber bereits vielfach praktiſche Verwendung. Für gewiffe Zwecke, namentlich dort, wo es fich um Zerkleinerung, refpective das Pochen fehr harter und befonders grofser Stücke eines Rohmaterials handelt, wird in neuefter Zeit anftatt der bisher nicht felten üblichen Schwanzhämmer, der Dampfhammer angewandt, ähnlich wie diefs fchon feit Jahren bei der Verkleinerung des Naxosfchmirgels gefchieht. Gewöhnlich find es folche von 3- bis 400 Pfund Fallgewicht, die fich zu folchen Zwecken am beften eignen und hiefür völlig ausreichend find. Zweckmäfsig find Schnellhämmer, die bei vier Athmofphären Admiffions- Dampffpannung 300 bis 350 Schläge per Minute machen und dadurch zu äufserft leiftungsfähigen Maſchinen für die Zwecke der Grofsinduftrie werden. Der leichteren Zugänglichkeit wegen und um Raum zur Anbringung einer Auffchüttvorrichtung zu haben, find einftändrige Hämmer vorzuziehen. Da folche genügen, deren Hub nicht variabel ift, fo kann die Steuerung eine einfache fein, was umfo nothwendiger wird, wenn es fich darum handelt, fehr ftark ftaubende Materialien zu pochen. Die feinen fcharfkörnigen Staubtheilchen nützen die Steuerungsapparate ungemein rafch ab und wird es nöthig, was übrigens ganz leicht gefchehen kann, die Kolbenftange vor deren Einwirkung zu fchützen. Vorftehenden Bedingungen entspricht wohl am beften der von Brinkmann in Witten an der Ruhr ausgeftellte Viercentner- Schnellhammer mit conftantem Hub, der gar keine aufsen liegenden Steuerungstheile hat und auch fonft von einer fehr foliden Conftruction ift. Die bekannten Firmen, zu deren Specialität Dampfhämmer zählen, haben fich auch diefsmal eingefunden, und mehr oder weniger für unferen Zweck Paffendes geliefert. Nennen wir darunter Banninger in Wetter an der Ruhr, Ducommun in Mühlhaufen, B.& S. Maffey in Mancheſter und Sellers in Philadelphia, die durchwegs ausgezeichnete Hämmer brachten, von denen einige zu fehr billigen Preifen verkauft wurden. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 7 Handelt es fich um Verkleinerung geringerer Quantitäten, fo ift wohl immer noch in den Thonwaaren- Fabriken das Stampfwerk im Gebrauche. Die oft noch übliche, recht primitive Conftruction desfelben aus Holz mit Daumenwelle, wird aber jetzt gewöhnlich erfetzt durch die ausfchliefsliche Anwendung des Eifens, wie wir fie an dem fchönen Pochwerke der fchon mehrfach genannten Firma Selbach& Deiters in Mannheim finden. Das fehr fchön gearbeitete Pochwerk hat fechs rotirende Stempel, je im Gewichte von 250 Pfund. Die Rofte find mit gelochten Stahlplatten garnirt und der Stampftrog durch einen gufseifernen zweitheiligen Auffatz verfchloffen, der durch angebrachte Thüren zugänglich gemacht wird. Namentlich für ftark ftaubendes Materiale ift diefe Anordnung zweckmäfsig. Die Auswechslung der abgenutzten gufseifernen Stempelfchuhe ift leicht vorzunehmen. Der Apparat, welcher circa fünf Pferdeftärken zum Betriebe bedarf, leiftet je nach der Art des aufgegebenen Materiales fehr viel, immerhin aber viel weniger als die vorgenannten Hämmer. Ganz nach demfelben Syfteme und gleichfalls mit einem rotirenden Stempel verfehen, fanden wir eine hübfche Anordnung bei Beyer frères in Paris, die allerdings auf der Ausftellung von denfelben zur Verkleinerung von Subftanzen angewendet wurde, die in der Chocoladefabrication Verwendung finden, welche wir aber dort auch empfehlen würden, wo es gilt, kleinere Quantitäten von Emails, Farbflüffen u. f. w. zu zerftampfen, die man auf die fonft üblichen grofsen Kollerwerke nicht bringen kann. Ein einziger Stempel, gehoben durch einen von der Hand oder mittelft Mafchine getriebenen Daumen an einer Welle, fällt in einen Mörfer. Während des Hubes erhält er eine rotirende Bewegung durch einfeitigen Angriff des Daumens an einen horizontalen Bund des Stempels. Um Reibung, Abnützung und Geräufch zu vermeiden, ift an diefen Bund eine Lederfcheibe ausgefteckt, welche alfo zwifchen den arbeitenden Eifentheilen bleibt. Auch beim Pochwerke von Selbach& Deiters wäre diefe Lederfcheibe zweckmäfsig einzufchalten. Beyer bringt zudem recht finnreich angetriebene Sieb- und Schüttelvorrichtungen, die in der Thonwaaren- Fabrication gleichfalls gute Verwendung finden können. Glafurmühlen und folche zur Vermahlung trockenen Thones, waren auf der Ausftellung gar nicht vertreten, jedoch ift hieher eine Feldfpathmühle von A. W. Schmidt in Berlin zu zählen, die im Modelle ausgeftellt gewefen fein foll.* Von neueren Apparaten für das Schlämmen des Thones war gar Nichts ausgeftellt, und doch weift die moderne Thonwaaren- Induftrie auch hierin manche Verbefferung der alten, primitiven Verfahrungsweifen auf, die zum Theile mit der Anwendung von Thon- Filterpreffen im Zufammenhange fteht. Anftatt in Schlämmkaften oder fogenannten Rainen die Verdickung der Schlämmmaffe abzuwarten, wird immer häufiger, ja in der Porzellaninduftrie faft allgemein fchon, die Filterpreffe angewendet. Bei kurzen und darum auch poröferen, fandigen Maffen functioniren diefe Apparate eben ganz vorzüglich. Anders ift diefs in der Terracottainduftrie und überall dort der Fall, wo es fich darum handelt, fehr fette Maffen zu entwäffern. Da finkt die Leiftungsfähigkeit der Preffen fehr herab und oft verfagen diefe Apparate ganz den Dienft. Man ift dann immer * Dank der ganz unüberfichtlichen Ausftellungsweife der hier behandelten Mafchinen ift es dem Verfaffer nicht gelungen, obiges Modell aufzufinden. Eine directe briefliche Anfrage beim Ausfteller hierüber, fowie über die Wirkungsweife feines Apparates, blieb refultatlos, ganz ebenfo wie ein Erfuchen an den Vertreter der deutfchen Reichs commiffion, welcher den Ort der Aufftellung des Ob'ectes nicht zu wiffen vorgab. 8 Dr. Emil Teirich. wieder auf die Verdampfung des Waffers auf natürlichem Wege oder durch Zuführung künftlicher Wärme in gemauerten Pfannen u. f. w. angewiefen. Erftere Procedur ift zeitraubend und fetzt den Thon manchen Zufälligkeiten und Verunreinigungen aus, die zweite Methode, vielfach geübt in England, wo eben billiger Brennftoff zur Verfügung steht, ist bei uns meift allzu koftfpielig, liefert aber wohl die homogenften und am feinften vertheilten Maffen. A. L. G. Dehne in Halle an der Saale ftellte eine Filterpreffe aus, welche direct mit der Zuführungspumpe für den aufgefchlämmten Thon verfehen ift. Dehne baut zweierlei Syfteme folcher Pumpen, eines mit centralem, ein zweites mit aufsenliegendem Zuleitungsrohr und einer Vorrichtung zur Selbftentleerung der zurückgebliebenen Maffakuchen. Beide Syfteme arbeiten gleich gut bei gleichem Materiale. Für eine ftündliche Production von 300 bis 350 Pfund refpective 150 bis 200 Pfund trockener Maffe koften die Mafchinen erfter Conftruction 750 fl. und 600 fl., jene der zweiten Conftruction 600 fl. und 450 fl., ja von letzterer werden auch noch kleiner Preffen für eine Leiftungsfähigkeit von 70 bis 100 Pfund Maffe zum Preife von 300 fl. gebaut. Die Ausführung diefer Maichinen ift eine vorzügliche und deren Koften nicht allzu hoch. Der gewünſchte Feuchtigkeitsgehalt der zu erzeugenden Maffe ift durch variable Belaftung eines Sicherheitsventiles an der Pumpe beftimmbar, was die Möglichkeit, ziemlich homogene Maffen aus verfchiedenen aufeinander folgenden Preffungen zu erhalten, fehr erleichtert. Mafchinen zur Formgebung. Die Ziegelmafchinen ſpielen in der Praxis fowohl als auf der Ausftellung die hervorragendfte Rolle unter den Vorrichtungen zum Formen des Thones. Wir haben fchon hervorgehoben, dafs die diefsjährige Ausftellung wenig Neues auf diefem Gebiete brachte, dafs namentlich keine neuen Principien und Conftructionsweifen an den Mafchinen zu fehen waren. Deutſchland wies in diefem Zweige der Mafchineninduftrie die meiften Ausfteller auf, ohne aber dafs die von denfelben gelieferten Ziegelpreffen wefentliche Abänderungen gegen die im Jahre 1867 in Paris gefehenen zeigten. England fandte zwei, Oefterreich und Amerika je eine Ziegelmafchine zur Ausftellung. Im Allgemeinen laffen fich diefe in zwei Haupttypen fcheiden, je nachdem der, durch ein Walzwerk oder einen Malaxator, oder durch beide zugleich, vorbereitete Thon beim Austritte aus dem Thonfchneide- Apparat ein Mundstück paffirt, darin die Form eines regelmässigen Stranges erhält, der durch eine Schneidevorrichtung in einzelne Ziegel getrennt wird, oder ein Streichen desfelben in untergefchobene Formen ftattfindet, deren Entleerung von Hand- oder mittelft Mafchinenkraft gefchieht. Zu erfteren Mafchinen zählen die meiſten Deutſchlands und Oefterreichs, das letztere Syftem wird feit Jahren mit grofser Beharrlichkeit von Engländern und Amerikanern cultivirt. Die Mafchine von Gregg in Philadelphia, welche in Paris, die von Pollak in Leeds, welche in London 1871 fo viel Auffehen erregte, die aber in Wien diefsmal gar nicht erfchienen find, zählen hiezu und find das Prototyp ihrer Gattung. Ihre Anwendbarkeit befchränkt fich leider auf die Verarbeitung eines mageren, fandigen Materiales. Ein fetter Thon, wie er beifpielsweife von den Wiener Ziegeleien verarbeitet wird, füllt die Formen zu fchlecht aus und gibt allzu fchwere Ziegel, die fich noch fchwerer mit dem Maurerhammer bearbeiten laffen, als die der hier üblichen deutfchen Knetmafchinen mit Abfchneidetifch. Mafchinen zur Verarbei Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 9 tung ganz trockenen Thones, wie folche in England in Verwendung zum Theile noch ftehen, haben fich keinen Eingang zu verfchaffen gewufst. Alle Ziegelpreffen im Prater waren beftimmt erdfeuchten oder genetzten Thon zu verarbeiten In Oefterreich hat fich die Hertel'fche Ziegelpreffe, jetzt gebaut von der Mafchinenfabriks- Actiengefellfchaft in Nienburg an der Saale, am meiften eingebürgert. Diefelbe ift aber auch anderen Ortes und mit gutem Erfolge in Betrieb gefetzt worden und dürften über 350 Exemplare derfelben fchon in Thätigkeit fein. Eine fchön gearbeitete Mafchine diefer Art zeigt unter Beibehaltung des alten Syftems einige Neuerungen im Detail, die erwähnenswerth find. Einer der Hauptnachtheile des alten Syſtems der horizontalen Thonfchneider an der urfprünglichen Hertelmafchine, war die Lagerung der horizontalen Mefferwelle, die nur hinten am Antriebe doppelt gelagert, nach vornehin jedoch auf eine Länge von circa drei Fufs frei überhängend blieb. Dabei war es unvermeidlich, dafs die auch noch mit fchweren Meffern und Schaufeln belaftete Welle fich fenkte und nun die Schaufeln an der unteren Seite des Rumpfes der Mafchine aufliefen. Unterſtützt durch den fandigen Thon, der als Schleifmittel wirkte, nützten fich beide Theile rafch ab, viel Kraft des Antriebes ging verloren, und ein ewiges Auswechfeln der verbrauchten Schaufeln, endlich des ganzen gufseifernen Mantels, waren hievon die Folge. Wenig nur war durch Anbringung eines Lagers geholfen, das, auf drei fchmiedeifernen Armen ruhend, welche ihrer Form nach dem durchtretenden Thone möglichft wenig Widerftand boten, durch eine Metallbüchfe gebildet wurde, in der die Welle lief. Der fandige Thon nützte auch diefes, übrigens ganz primitive Lager ab und beide, Welle fowohl als Büchfe, liefen fich bald oval aus. Das alte Uebel blieb. Bei der jetzt ausgeftellten Mafchine ift die letztere Idee wohl beibehalten, jedoch anftatt auf den drei Armen ruht das Lager nur auf zweien, die der Länge nach eine Bohrung tragen. Sie dient zur Schmierung der Lagerflächen, die gegen das Eindringen von Thon mittelft einer Stopfbüchfenpackung gefchützt find. Damit ift die Hertelmafchine wohl allein fchon um Vieles brauchbarer geworden, aber fie hat auch weiter in manchen Details gewonnen, ihre Theile find conftructiver geformt, mitunter leichter zugänglich gemacht, einige auch verftärkt, was ftellenweife fehr noth that. Auch der Abfchneidetifch hat einige Veränderungen erfahren, fowie die Lagerung der Zuführungs- und Quetfchwalzen für den aufgegebenen Thon. Während früher eine Trennung des austretenden Thonftranges fofort in vier Ziegelſtärken und zwei Abfchnitten gefchah, fchneidet jetzt die Mafchine quer durch den Thonftrang, der keine Abfälle mehr gibt. Diefe Querabfchneide- Vorrichtung, welche wir an den meiften Ziegelpreffen jetzt finden, ift jedenfalls der erfteren vorzuziehen, wenn auch mehr Kraft zum Abfchnitte erforderlich wird. Die Drähte am Mundftücke kommen leicht in Unordnung, reifsen oder geben zu Verftopfungen durch etwas unreineren Thon Anlafs. Die Mafchine erzeugt per Arbeitsftunde bis 1500 Steine, benöthigt hiezu bei 10 Pferdeftärken an Betriebskraft. Die Firma fcheint von dem, früher fehr empfohlenen Doppel- Walzwerke abgegangen zu fein, das in der Anordnung, wie wir fie kennen, auch wahrlich ein kraft- und raumverfchwendendes Ding war. Im Allgemeinen aber gebührt Hertel, dem früheren Inhaber des Gefchäftes, das Verdienft, mit grofsem Eifer die Ziegelmafchine verbeffert und namentlich in Deutſchland und Oefterreich eingeführt zu haben. Mannigfache Nachbildungen feiner Conftructionsweifen waren daher nicht zu vermeiden. Eine folche trafen wir denn auch in Oefterreichs Mafchinenhalle. L. Henrici in Wien hat das Hertel'fche Syftem adoptirt und ift für Einführung desfelben in Oefterreich feit Jahren thätig. Auf der diefsjährigen Ausftellung trat er mit einer felbftftändigen Conftruction des Abfchneideapparates LA 10 Dr. Emil Teirich. auf, die beftimmt ift, fowohl das Abfchneiden des durch fixe Drähte getheilten Thonftranges auf Ziegellänge, fowie den Transport der Ziegel auf bereitftehende Wägelchen automatifch zu ermöglichen. Der austretende Thonftrang beforgt felbftthätig das Einrücken eines Riemens und bringt damit die Schneidevorrichtung in Gang. Jedenfalls wäre durch diefe Anordnung, von der nur zu fürchten ift, dafs das Ausfehen der erzeugten Ziegel leiden wird, und die durch manche Zufälligkeiten vielleicht Störungen ausgefetzt ift, die fich bis jetzt an der probeweife zum erften Male zur Ausführung gelangten Mafchine kaum noch genau präcifiren laffen, ein fehr penibler Theil der nöthigen Handarbeit der Ziegelmafchine eliminirt, und ift fehr zu wünſchen, dafs die in Ausficht ſtehende Einführung der Mafchine in die Praxis die Erwartungen beftätigt und erfüllt, die man an einen fo fehr angeftrengten Apparat zu ftellen genöthigt ift. Henrici's Mafchine wiegt circa 11.000 Pfund, braucht 10 bis 12 Pferdeftärken zum Betriebe, erzeugt bei jedem Abfchnitte 5 Ziegel und zwei feitliche Abfchnitte. Die Production per Stunde beläuft fich auf 1500 bis 1600 Steine. Der Preis der Mafchine ift 3600 fl. C. Schlickeyfen in Berlin liefs täglich im Ausftellungsraume feine grofse ftabile Dampf- Ziegelpreffe bekannter Conftruction arbeiten. Wir verweifen auf das fchon eingangs über feinen zweckmäfsig angeordneten verticalen Thonfchneider Gefagte und wollen nur hervorheben, dafs aus demfelben nach zwei Seiten Thonftränge austreten, welche durch einen fehr einfachen Schneideapparat in Ziegelbreiten getheilt werden. Jeder Schnitt liefert 2, auch 3 Steine. Die aus Holz conftruirten und mit Metallfutter verfehenen Mundftücke erhalten zur Verringerung der Reibung Wafferfchmierung. Die ganze Anordnung charakterifirt fich durch Einfachheit und leichte Zugänglichkeit der arbeitenden Theile. Die erzeugten Ziegel erhalten fowohl am Kopfe als an den Seiten glatte Flächen, können daher fowohl als Binder, als auch als Laufer vermauert werden. Die Leiftung diefer Mafchine ift per Mundftück und Arbeitsftunde circa 1000 Steine bei einer Betriebskraft von 10 bis 12 Pferdeftärken. Der Koftenpreis beläuft fich bei einem Gewichte von 110 Centnern für den completen Apparat auf circa 4500 fl. Wir halten die Maſchine von Schlickeyfen für eine fehr brauchbare. Gleichfalls einen verticalen Thonfchneider, dem ein Band ohne Ende den Thon zuführt, welcher ein Vorwalzwerk zuerft paffirt hat, ftellten Schmerber frères in Tagolsheim( Elfafs- Lothringen) aus. Das Verwalzwerk ift ein doppeltes. Hier, wie zumeift, find die Walzen aus Hartgufs hergeftellt und bis auf einen Zwifchenraum von 6 Millimeter verftellbar. Weniger zweckmäfsig als bei Schlickeyfen ift hier der Antrieb der Thonfchneider- Welle von oben und zwar mittelft doppeltem, einem conifchen und einem Stirnräder- Vorgelege vermittelt. Die Mafchine ift mit einem Mundftück verfehen, das fo wie bei der vorher befchriebenen mit Wafferfchmierung arbeitet. Eigenthümlich ift der Schneidetifch conftruirt. Der Thonftrang, welcher fchon am Mundftück der Länge nach in vier Streifen von Ziegeldicke getrennt wird, gelangt auf Gypsplatten, welche auf Röllchen laufen. Ein fahrbares TransverfalSchneidegatter trennt die Ziegel der Länge nach. Der eine einzige Schneidedraht macht eine Bewegung fenkrecht nach abwärts und mufs denfelben Weg nach Entfernung der abgetrennten Ziegel wieder leer zurückgehen. Diefe Abfchneidevorrichtung ift entfchieden die fchwache Seite der ganzen Anordnung, welche bei allen anderen Ziegelmafchinen zweckmäfsiger gedacht ift. Auch diefe Mafchine macht bei 1000 Ziegel in der Arbeitsftunde und koftet 2500 fl. Die erforderliche Betriebskraft ift je nach der Thonforte 8 bis 10 Pferdeftärken. * Wir geben hier ftets die Arbeitsleiftung der Mafchine, unter Zugrundelegung des öfterreichifchen gefetzlichen Ziegelmafses von 11 X 512 X 21/2 Zoll. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. 11 Wir können hier nicht umhin, zu bemerken, dafs alle Angaben über den Kraftverbrauch der Ziegelmafchinen vage find und fehr variiren, je nach dem Materiale, welches verarbeitet werden mufs, dem Feuchtigkeitsgehalte und Aggregatzuftande desfelben( ob z. B. gewinterter Thon verarbeitet wird oder frifch gegrabener u. f. w.). Noch immer fehlen die fo wünſchenswerthen wiffen. fchaftlichen dynamometrifchen Verfuche mit Ziegelmafchinen, die anzuftellen wohl am eheften jenen Firmen zukäme, welche die Erzeugung der Ziegelmafchinen zu ihrer Specialität gemacht haben. Hoffen wir, dafs wenigftens die Bemühungen des Vereins deutfcher Ziegelfabrikanten, welcher eben daran ift, in umfaffendfter Weife Daten über die Leiftungsfähigkeit der Ziegelmafchine zu fammeln, in diefer Richtung auch verlässliche Angaben, wenn auch nur annähernd, aus der Praxis erhalten. Freilich wird auch damit noch nicht Alles geleiftet fein, denn nur vergleichende Verfuche an einer und derfelben Mafchine können hier die gewünſchten Aufklärungen und jene Anhaltspunkte geben, die zu einer ficheren Conftructionsweife der noch ziemlich empyrifch gebauten Thonfchneider- Wellen fammt Rühr- und Prefsfchrauben führen. Unferer Erfahrung nach leiden in den Ziegelfabriken die meiſten Ziegelmaſchinen Mangel an Betriebskraft. Eine gute Formmafchine zur Herftellung von hohlen Verkleidungsziegeln war gleichfalls von Schmerber frères eingefandt worden. Diefelbe ift nach einem in Nord- Deutfchland vielfach gebrauchten Syfteme conftruirt. Ein Walzenpaar erfafst den, von einem Thonfchneider bereits vorbereiteten oder gefchlämmten Thon und drückt ihn durch ein Mundftück, das mit Bronceformen für Hohlfteine oder fonftige Façonziegel verfehen ift. Die austretenden beiden Thonftränge( bei Hohlftein- Fabrication) gelangen auf einen, mit Gypswalzen garnirten Schneidetifch mit feftftehendem TransverfalSchneidegatter, das 4 bis 5 Steine auf ihre beiläufige Länge bringt. Bekanntlich findet ein genaues Befchneiden und Adjuftiren der Steine erft fpäter, nach dem Uebertrocknen derfelben, ftatt. Die Mafchine ift bei einem Preife von 1350 fl. fehr leiftungsfähig und bedarf nur einer Kraft von 2½ bis 3 Pferdeftärken zum Betriebe. Sie erzeugt bis 1500 Steine in der Arbeitsftunde. Zu den Ziegelmafchinen der eingangs erwähnten Kategorie gehört Mo rand's Patent- Ziegelmafchine, ausgeftellt von Derham in Leeds. Diefelbe befteht aus einem verticalen Thonfchneider, der von oben und zwar mit einem Schneckenrade angetrieben wird. Diefe Arbeit, fowie die intermittirende Drehung des runden horizontalen Formtifches, welcher die verfenkten Ziegelformen enthält,. wird von zwei an den beiden Seiten des Geftelles der ganzen Mafchine anmontirten, fchiefliegenden Dampfmaschinen verrichtet. Der Boden der Ziegelformen ift beweglich, wie ein Stempel geftaltet, der am unteren Ende ein kleines Laufrad trägt, das auf einer fchiefen Ebene läuft. Gelangt die Form bei Drehung des Tifches unter das, am Boden des Thonfchneiders angebrachte Mundftück desfelben, fo füllt fich diefelbe, da ihr Stempel am tiefften Punkt, an dem Beginne der ebenfalls kreisrund herumgelegten, fchiefen Ebene fteht. Beim Vorwärtsgehen des Tifches aber hebt fich der Boden der Form durch Auflaufen des Rädchens auf die fchiefe Ebene und drückt fo den fertig geprefsten Ziegel heraus. Eine Abftreichvorrichtung befördert ihn auf ein Tuch ohne Ende, von dem ein Arbeiter die fertige Waare abnimmt. Die Mafchine wird auch ohne directen Dampfmafchinen- Antrieb gebaut und würde uns dann wahrfcheinlich beffer gefallen. Wir haben fchon mehrfach Gelegenheit gehabt, uns gegen diefe, allerdings compendiöfe Conftructionsweife auszufprechen und müffen es auch hier wieder thun. Die Kraftübertragung mittelft Schneckenrad und Schraube ohne Ende ift aber auch ein Verwüften von Arbeit. 12 Dr. Emil Teirich. So weit fich diefs beurtheilen liefs, arbeitet die Mafchine übrigens präcife und dürfte eben nur jene Nachtheile an fich haben, die mit dem Syfteme faft unabänderlich verbunden fcheinen. Vor Allem ift es die ftarke Ausnützung der Formen und der bedeutende Confum an Schmiermateriale, den ein gutes Functioniren aller Theile erfordert, was hier in Betracht kommt. Was endlich bei diefer Mafchine befonders unangenehm wird, ift die Schwierigkeit, die Form der Ziegel zu ändern, da neue Einfätze in den Form tifch, fowie natürlich auch neue Stahlftempel hiebei eingefügt werden müffen. Ob zudem der Riemenantrieb des Tifches wirklich vor Brüchen fchützt, wenn ein harter Stein zwifchen Thonfchneider- Mundloch und den rotirenden Tifch geräth, mufs erft die Erfahrung lehren. Alles reibt, zwängt und drückt fich an Morand's Mafchine und ftarke, weitgehende Reparaturen werden an ihr bald unvermeidlich fein. Der von ihr gelieferte Ziegel ift jedoch ein ganz gutes Fabricat, ähnlich dem von Hand geformten, fcharfkantig und ziemlich homogen im Bruch. Die verfchiedene Befchaffenheit des Thones wird, wenn derfelbe nicht allzu fett ift, weniger Einflufs auf diefe Mafchine als auf manche andere ähnlicher Conftruction haben. Ihr Preis ftellt fich inclufive Dampfantrieb auf 4500 Gulden, ohne diefem auf 3500 Gulden loco England. Die Leiftungsfähigkeit einer folchen Preffe bei einem Kraftverbrauch von angeblich acht Pferdeftärken( den angewandten Cylinderdimenfionen nach foll es wohl beffer 15 H. P. heifsen) beträgt 12- bis 1500 Steine per Arbeitsftunde, wobei angenommen wird, dafs der Formtiſch vier Umdrehungen per Minute macht. Die amerikaniſche Ausftellung brachte, wenn auch verfpätet, fo dafs die Jury nicht mehr in die Lage kam, ihr Urtheil zu fällen, eine Ziegelmafchine von Winn in Pennſylvania, Eigenthum von J. G. Mytinger in Philadelphia. Die urfprüngliche Mafchine und das Ideal des Ausftellers ift transportabel und wieder eines jener Syfteme, das Alles leiften will und nichts gehörig verrichtet. An einem auf Rädern montirten horizontalen Dampfkeffel ift eine Dampfmafchine zum Betriebe eines, ebenfalls auf dem Keffel ftehenden Thonfchneiders angebracht, der von oben directe von der Pleuelftange mittelft einfachen Vorgeleges angetrieben wird. Der aus Eifenblech conftruirte Mantel des Thonfchneiders ift doppelwandig, und innen durchbohrt. Der Zwiſchenraum ift mit Waffer gefüllt( im Winter mit warmem), das durch die feitlichen Oeffnungen in die Thonmaffe eintreten foll. Der Thonfchneider hat feitlich ein Mundftück, das fo angeordnet ift, dafs ein hölzerner Rahmen, welcher fechs Ziegelformen( amerikanifches Format, alfo 100 Cubikzoll englifch) enthält, feitlich eingefchoben werden kann. Die Formen werden vorher eingefandet und hinter das Mundftück gebracht, dort von einem Schieber erfafst, unter die Austrittsöffnung gebracht, mit Thon vollgefüllt, bei dem nächften Hub herausgedrückt und auf einen Tifch gefchoben, von dem fie ein Arbeiter abnimmt. Mit dem einfachen Anfüllen der Formen durch den austretenden Thon aus dem Malaxator würden jedoch die Kanten des Ziegels zu unrein ausfallen; vor dem Mundstücke ift daher eine Prefsvorrichtung angeordnet, die im Momente des Austrittes der Form einen Druck ausübt, der regulirbar gemacht ift. Der Antrieb des Thonfchneiders gefchieht von oben und bedarf eines Motors von circa zehn Pferdeftärken. Jedenfalls werden die Arbeiter ftark angeftrengt, welche mit den gefüllten, an fich fchon fchweren Holzmodeln für fechs Steine zu hantiren haben, namentlich wenn die Angaben des Fabrikanten auch nur annähernd richtig find, welcher 4000 Stück Ziegel in der Arbeitsftunde als Leiftungsfähigkeit der Mafchine angibt. Dafs bei Erzeugung von Ziegeln unferes Wiener Formates diefe Maffenproduction eine ftarke Herabminderung erfahren mufs, ift klar. Wann werden wir doch von unferen koloffalen Ziegeldimenfionen Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 13 erlöft, welche jetzt doch fchon lange im Intereffe des Producenten fowohl als des Käufers. durch das norddeutfche Normalziegel- Format erfetzt fein follten! Auf der Ausftellung war eine felbftftändige, nur auf Räder geftellte Mafchine zu fehen. Wie wir hören, arbeitet eine folche bereits mit beftem Erfolge auf einer Ziegelei der Gebrüder Lönholdt in Bockenheim bei Frankfurt am Main, ohne dafs es uns möglich gewefen wäre, genauere Daten über ihre Leiftungsfähigkeit mit dem dort zu Gebote ftehenden fandigen Thone zu erfahren. Der Preis der completen Mafchine fammt Zubehör ift 9100 Gulden, der einer folchen ohne Keffel und Motor 4700 Gulden frei an Bord geftellt. Hand- Ziegelpreffen waren diefsmal fo gut wie gar nicht zu fehen Die einzige Preffe, die wir vorfanden, ift jene von L. Jäger in Burfcheidt, eine etwas complicirte Kniehebel- Preffe, difficil zu behandeln und kaum den bereits bekannten Conftructionen vorzuziehen. Diefe, fowie jede andere diefer Hand- Ziegelmafchinen eignet fich nicht für die Erzeugung gewöhnlicher Mauerziegel, fondern höchftens zum Nachpreffen derfelben behufs Herſtellung von Verblendfteinen. Aber auch zu diefem Werke kommt die Nachpreffe fchon aufser Gebrauch, da denn doch mittelft der Ziegelpreffe mit Walzendruck, etwa wie fie Gebrüder Schmerber ausftellten, eine gröfsere Leiftung und ein vollkommeneres Materiale zu erzielen ift. Kaum ift die Production bei den Hand- Ziegelpreffen über 2000 Stück pro Tag zu bringen, der Ziegel wird ungleichförmig dicht und find folche Mafchinen zur Verarbeitung fehr plaftifchen Thones unbrauchbar. Jäger's Preffe, welche natürlich nur halbtrockenes, ftark krümmliges Rohmateriale zu verarbeiten in der Lage ift, koftet fammt Rädergeftelle, das fie transportabel macht, 460 Gulden. Die Form- Ziegelpreffe von H. Peters( vertreten durch F. Hoffmann in Berlin) ift eine eigenthümliche originelle Vorrichtung zur Herftellung ornamentirter Ziegel oder Terracotten, welche auf mehreren Seiten eine Deffinirung erhalten follen. Das Princip diefer, übrigens nicht befonders einfachen und für eine Maffenproduction auch kaum geeigneten Mafchine beſteht in der Anwendung von viertheiligen gufseifernen Formen, die fich blumenkelchartig auseinander legen. Von oben wird ein Stempel mittelft einer Schraube in die mit Lehm gefüllte Form eingedrückt, während die Theile der Letzteren durch einen leicht auffchiebbaren Ring zufammengehalten find. Die Idee als folche verdient jedenfalls feftgehalten zu werden, die praktiſche Ausführung derfelben im vorliegenden Falle läfst aber gewifs noch Manches zu wünfchen übrig und vermag noch lange nicht den Zwecken der praktifchen Thonwaaren- Fabrication zu dienen. An die mit Mafchinkraft bewegten, vorhin befprochenen Ziegelmaſchinen fchliefsen fich die Röhrenpreffen directe an, welche auch nicht felten zur Herftellung von Façonziegeln, Dachplatten u. f. w. dienen. Preffen für Drainröhren- Fabrication gewöhnlichfter Conftruction, an denen eine Zahnftange mit Druckplatte den Thon aus dem Füllkaften treibt, ftellte Bernhard Borofch in Prag aus, die durch ihre, gefchmacklos genug mit fcharlachrothem Tuch überzogenen Walzen am Abſchneidetifch, mehr als nöthig aufgefallen find. Für ganz kleine Arbeiten, für das Preffen von Kachelftegen u. f. w. wird fogar nur eine Schraube zum Ausdrücken des Thones benützt. Ebenfowenig wie die erftgenannten Preffen bietet jene von Page& Comp. in Bedford Neues. Mittelft doppelter Zahnftange wird der Thon ausgetrieben und gefchieht die Kraftübertragung durch ein kräftiges doppeltes Vorgelege. Vier Drainröhren werden auf einmal erzeugt. Mit den Drainröhren verfchwinden nach und nach auch diefe Mafchinen, um continuirlich wirkenden Platz zu machen. Die Steinzeug- Röhrenfabrication, 14 Dr. Emil Teirich. welche aus England auf den Continent übertragen wurde und die hier, namentlich in Deutfchland, feit längerer Zeit fchon gut betrieben wird, gewinnt immer gröfsere Verbreitung und bürgert fich auch in Oefterreich, das einige vorzüglich fchöne Erzeugniffe diefer Art ausftellte, immer weiter ein. Im Allgemeinen ift es die Herftellung gut geformter, dichter, undurchdringlicher Muffenrohre, die angeftrebt wird und fchon feit Langem find in England Maſchinen im Gebrauche, die es ermöglichen, die Muffen mit dem Rohre unter Einem zu preffen. Die Mafchine von H. Clayton, welche mit doppeltem ZahnftangenTrieb einen Pifton in den mit Thon gefüllten Cylinder treibt und fo die mächtigen Rohre ausprefst, nachdem die Muffen fich in der eigenthümlich conftruirten Form gebildet haben, ift wohl die bekanntefte, und diente zuerft zum Erfatze der Handarbeit, mittelft welcher auf der Töpferfcheibe oder durch Anfchlickern gröfserer Rohrftutzen die Muffe auch heute noch häufig in England felbft gebildet wird. Intereffanter noch als diefe Vorrichtung Clayton's ift jene, welche wir bei Gibbs and Canning in Tamworth in Thätigkeit fahen und die mittelft hydraulifchem Druck arbeitet. Die Muffen werden hier erft gebildet, wenn das Rohr fchon ganz fertig geprefst ift, und erhalten ganz diefelbe Homogenität wie feine Hauptmaffe. Im Prater war von diefen, übrigens nicht continuirlich wirkenden Mafchinen keine erfchienen, dagegen führten die Gebrüder Sachfenberg in Rofslau an der Elbe eine mächtige, continuirliche Thonröhren- Preffe vor, geeignet, Rohre bis zu einem Diameter von 800 Millimeter lichte Weite zu erzeugen. Im Wefentlichen ift diefe Preffe nichts Anderes, als eine vertical geftellte Sachfenberg'fche Ziegelmafchine. Zwei Walzen übernehmen den, natürlich fehr gut vorbereiteten Thon vom Elevator und preffen ihn durch einen kurzen Rumpf in ein kreisrundes Mundftück, das dem an der Clayton'fchen Mafchine nachgebildet ift. In der Mitte desfelben ift ein flaches, fchalenförmiges Mittelftück in die Oeffnung fo eingefügt, dafs der Abftand der Peripherie derfelben von jener der Mundftück- Oeffnung der beabsichtigten Rohrftärke entſpricht. Nach unten erweitern fich die Wände des Mundftückes gemäfs der äufseren Muffenform. Ein zwifchen Leitrollen vertical auf und ab beweglicher, mit Gewichten ausbalancirter Tifch dient zum Auffangen des austretenden Rohres, deffen eigene Schwere ein Abreifsen der Thonmaffe zur Folge hätte. Soll die Mafchine in Thätigkeit kommen, fo wird eine Holzchablone von der inneren Muffenform in das Mundftück eingefügt, der Tifch bis ganz hart an dasfelbe angeprefst und nun mit der Arbeit begonnen, deren Refultat ein Rohrftück vom Diameter der Muffe ift. Sobald diefes rein und dicht austritt, wird es mittelft eines Drahtes glatt abgefchnitten, der Muffenkern entfernt, die vorher herabgelaffene Tifchplatte wieder angefchoben und nun mit der Preffung fortgefahren, welche jetzt ein Rohr fördert, das der zunächft gebildeten Muffe folgt. Gewöhnlich werden diefe Rohre auf eine Meter- Länge ausgeprefst und ift es einem gefchickten Arbeiter ganz leicht, durch Abbiegen des austretenden Rohres demfelben auch jede beliebige Krümmung zu geben, fo lange der Rohrdurchmeffer nicht gröfser als als 200 Millimeter wird. Ueber diefen hinaus Die tritt dabei freilich fchon eine Deformation des Rohrquerfchnittes ein. näheren Details diefer Operationen, fowie die weiter noch folgenden, fo das Behandeln der Rohre beim Trocknen, deren Putzen und Nachbeffern, zu welchem Ende die gröfsten mittelft eines eigenen Kraniches gehoben und gewendet werden, würde uns zu weit führen. Jedenfalls ift die befchriebene Mafchine eines der intereffanteften und zweckmäfsigften der ganzen hieher einfchlägigen Ausftellungsobjecte. Mehrfache Verfuche in der Praxis fprechen für deren Leiftungsfähigkeit. Die von E. Polko in Bitterfeld auf derfelben hergeftellten Steinzeug- Röhren find ganz fchöne Producte. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. Die Mafchine erzeugt per Stunde Arbeitszeit Muffenrohre von 500 Millimeter bis 800 Millimeter lichten Diameter 7 Stück 400 240 99 29 200 دو 300 160 29 120 99 وو 77 15 وو 27 وو 25 99 " 2 99 30 99 รา 99 50 وو " 2 " 65 " 15 Eine fehr vorzügliche Mafchine, die bereits vielfache Verwendung nicht nur in Belgien gefunden hat, fondern auch anderen Ortes mit Vortheil eingeführt wurde, ift die hydraulifche Zinkretorten- Preffe von N. J. Dor, dem verdienten Director der grofsen Fabriken von Ampfin( im Befitze von Laminne) in Belgien. Immer mehr gewinnt die Anwendung des hydraulifchen Druckes Verbreitung in der Thonwaaren- Induftrie. In der Erzeugung feuerfefter Producte, der der Fufsboden- Belegplatten, der Thonröhren, der Schmelztiegel und fo fort, ift die hydraulifche Preffe bereits ziemlich eingebürgert. Dor verwendet in paffender Weife einen folchen Apparat zur Herftellung der Zinkretorten nach belgifchem Modell( mit gefchloffenem Boden). Hier, wo es ganz darauf ankommt, eine befondere Dichte der Muffelwand zu erzielen, ift die Anwendung ftarker Compreffion für die plaftifche Chamotte compofition fehr am Platze. Zudem wird Handarbeit gefpart, die bedeutenden Koften des Retortenverbrauches, der erzielten gröfseren Dauerhaftigkeit wegen, vermindert. Die Mafchine ift feit etwa fünf Jahren in der Fabrik von Laminne, in der von Valentin Coq und auf den grofsen Werken von Vieille Montagne in Verwendung. Faft noch gar keine Anwendung haben in Oefterreich die Falzziegel gefunden, ein Dacheindeckungs- Materiale, das urfprünglich zuerft wohl in der Schweiz erzeugt, fpäter aber die gröfste Verbreitung in ganz Frankreich, Italien, in Deutfchland, längs des Rheins und im Norden bis Königsberg gewonnen hat. Die Vorzüge des Falzziegel- Daches, das in feiner heutigen Geftalt von einem Werkführer Müller( jetzt bei Gebrüder Schmerber), und von Gilardoni herrührt, laffen fich kurz zufammenfaffen. Sie beftehen in grofser Leichtigkeit, Möglichkeit der Herftellung von Ziegel- Dachflächen bis zu 20 Grad Neigung, Sicherheit gegen das Auftreten durch Wind und Eintreiben von Regen, endlich in einem gefälligen Ausfehen. Während ein gewöhnliches, doppelt gedecktes Dach( circa 110 fogenannte Biberfchwänze gerechnet) ein Gewicht von 350 Pfund hat, wiegt eine gleiche Dachfläche( mit 54 Stücken Falzziegeln gedeckt) nur 270 Pfund, alfo faft um 25 Percent weniger, was eine bedeutend leichtere Dachconftruction zuläfst. Namentlich für Fabriks- und Bahngebäude gibt es keine zweckentfprechendere Bedachung. Die Verfuche, welche die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellſchaft mit diefen Ziegeln feit einigen Jahren an ihren eigenen Gebäuden anftellte( Ziegel ihrer Fabrication waren unter deren fehr intereffanten Collection von diverfen Thonwaaren ausgeftellt gewefen), gaben ein fo zufriedenftellendes Refultat, dafs diefelbe, wie wir hören, die Fabrication folcher Dachplatten im Grofsen vornehmen und die Falzziegel hier einführen wird. Aufser denen der genannten Firma waren vielfache, mitunter fehr fchön gearbeitete Dach- Falzziegel zu fehen, und namentlich manche Proben von folchen ausgeftellt, die eine gewöhnliche Bleiglafur oder Thonbegufs trugen. Wir erwähnen der Fabricate von E. Bihl& Comp. in Waiblingen bei Stuttgart, von Ziegler in Schaffhaufen und von Villain de Kergal in Brindifi. Am meiften verdient um die Einführung diefes trefflichen Dachbedeckungs- Materiales haben fich die Gebrüder Schmerber in Tagolsheim gemacht, deren continuirliche Falzziegel- Preffe fo ziemlich die weitefte Verbreitung gefunden hat. Schon in Paris arbeitete diefelbe im Jahre 1867 recht befriedigend und erfchien auf der Wiener Ausftellung neu 2 16 Dr. Emil Teirich. verbeffert in völlig praktifcher Conftruction. Im Wefentlichen wird durch eine Excenterbewegung, ähnlich wie an einer Stanzmafchine, ein Kolben gehoben und gefenkt, welcher die obere Matrize des Dachziegels enthält, während die untere in die Seite eines fünfeckigen Prismas angebracht ift, in das fünf folcher Formen eingepafst find und wovon jeweilig eine andere durch intermittirende Rotation unter den Stempel gebracht wird. Ein Arbeiter belegt mit vorgefchnittenen und durch eine Thonknete homogen vorbereiteten Thonplatten die leeren Formen, während auf der anderen Seite der Mafchine ein zweiter die fertigen Ziegel abnimmt. Die Formen find in hartem Modellirgyps hergeftellt und halten je nach deffen Güte bis 3000 Preffungen aus. Die Mafchine braucht 21, Pferdeftärken zur Bewegung und erzeugt im Tage 7- bis 8000 Falzziegel, welche jedoch erft von Hand nachgeputzt werden müffen. Die zur Firftbekrönung nöthigen Firftziegel werden entweder aus Gypsmodeln von Hand geftrichen oder auf Handpreffen erzeugt, von denen Schmerber's zweierlei Typen bauen. Der eine ift eine Spindelpreffe mit mechanifchem Frictionsräder- Antrieb, in welche die gefüllten Formen von Hand eingefchoben und ausgenommen werden, der andere, kleinfte ift eine Spindelpreffe, die auch von Hand niedergefchraubt wird. Erftere Preffe erzeugt ftündlich circa 200 Ziege! und koftet fammt Utenfilien, Referveformen etc. 1350 fl., die letztere prefst ftünd lich 100 bis 120 Stück und koftet 900 fl. Eine recht gut gearbeitete Falzziegel- Preffe der letztbefprochenen Art ift ferner die von E. Laeis& Comp. in Trier gebaute, für Handbetrieb eingerichtete. Alle aus diefer Fabrik hervorgehenden Arbeiten zeichnen fich durch Präcifion der Arbeit aus und fo ift auch diefe Falzziegel- Preffe ein fchönes Stück. Eine auch nur irgend rentable Fabrication wird mit diefen Handpreffen freilich nie fo recht zu erzielen fein, und wir glauben, dafs mit denfelben Verfuche zur Einführung der Falzziegel bei uns in Oefterreich geradezu fcheitern müfsten. Apparate zum Trocknen und Brennen. Als hervorragendfte Novität unter den Brennöfen für die Zwecke der Thonwaaren- Induftrie ift der neuerliche und diefsmal fozufagen völlig gelungene Verfuch der Einführung der reinen Gasfeuerung zu nennen. Das Verdienft hiebei gebührt vor Allem dem thätigen Civilingenieur Georg Mendheim in Berlin, dann aber dem Director der königlichen Porzellanmanufactur dafelbft, dem Regierungsrathe v. Möller, der dem Erfinder diefes Ofenfyftemes beim Neubau der Por zellanfabrik in dem Thiergarten Gelegenheit gab, zum erften Male eine grossartige Feuerungsanlage von 22 Kammern in luxuriöfefter Weife auszuführen und feit December 1871 in Betrieb zu fetzen. Seither find zwölf folcher Oefen an den verfchiedenen Orten im Betriebe, fechs andere im Bau und dient diefes Syftem ebenfowohl zum Brennen von Porzellan, als auch von Steinzeug, Terracotta und Ziegeln. Die wefentlichften Eigenfchaften diefer Brennöfen laffen fich wie folgt zufammenfaffen: Erfolgt die Verbrennung der Generatorgafe koftenfrei mit der, den in Abkühlung begriffenen Kammern, entnommenen heifsen Luft; Wird die heifse Verbrennungsluft aufserdem zum Vorwärmen der zunächſt gar zu brennenden Ofenkammer völlig ausgenützt. Allen fpeciellen Ausführungen der Mendheim'fchen Oefen find diefe Principien gemeinfam, während die fpecielle Conftruction der Kammern je nach dem vorliegenden Zwecke den gröfsten Modificationen unterliegt. Eine möglichft gleichförmige Mifchung von Gas und Luft, eine gleich mässige Vertheilung der Flamme, refpective Hitze, in der ganzen Ofenkammer Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 17 und die Vermeidung einer unnöthigen Ueberhitzung gewiffer Theile des Ofens, find die, bei allen Varianten angeftrebten Principien des Conftructeurs. In allen jenen Fällen, in denen das zu brennende Fabricat gegen eine, nicht ganz gleichförmige Mifchung der Flamme fehr empfindlich ist, wie bei Porzellan-, Steingut- oder bleiglafirtem Gefchirre, ift eine centrale Einführung des Gasgemenges erforderlich, was freilich den Nachtheil hat, dafs eine gewiffe Wärmemenge durch Zufammenführen von Gas und Luft unterhalb der Ofenfohle dem Brennproceffe entzogen wird und auch die Baukoften der Anlage fich erhöhen. Für Terracotten und Ziegel ift eine folche Vorficht nicht nothwendig. Hier kann man Gas und Luft an mehreren Punkten der Kammer frei eintreten laffen, die Bauart derfelben wird einfacher, dauerhafter, die Brennftoff- Erfparnifs erheblicher. Die angewandten Gasgeneratoren find von bekannter Conftruction, in ihnen bildet fich aus dem aufgegebenen Brennmateriale unter Zuftrömen eines geringeren Luftquantums, als zur völligen Verbrennung nöthig ift, das Gemenge von Kohlenoxyd- Gas, Wafferftoff und Kohlenwaffer- Stoffen, welches neben dem gebildeten Waffer und dem Stickftoffe der eingeftrömten atmoſphärifchen Luft in zwei Canälen den Kammern zugeleitet wird, welche in gröfserer Zahl und in zwei Reihen angeordnet find. Die Gaszuftrömungs- Canäle laufen an den beiden Aufsenfeiten der doppelten Kammerreihe. Jede Kammer hat ihre befondere, durch ein Ventil fperrbare Gaszuführung und eine Verbindung mit den beiden anftofsenden Kammern durch Canäle in den Trennungswänden, welche ihrerfeits durch eiferne Schieber abfperrbar find. Durch ein eifernes Glockenkegel- Ventil fteht zudem jede Kammer mit dem Rauch- Abzugskanale in Verbindung, der zwifchen den beiden Kammerreihen liegt und in den Schornftein des Ofenfyftemes mündet. - Soll eine folche Kammerreihe in Betrieb gefetzt werden, fo bringt man die Generatoren in Gang, leitet das Gas in eine Ofenkammer, welche vorher mittelft directen Feuers in Rothgluth gebracht ift, oder man zündet das Gas, auch wenn die Befchaffenheit der zu brennenden Waare diefs zuläfst, bei feinem Eintritte in eine kalte Kammer directe an. Sobald die Kammer gar gebrannt ift was man freilich bei kalter Verbrennungsluft etwas fchwer erreicht wird das Gas. ventil derfelben gefchloffen und das zu der nächften Kammer führende geöffnet, welche durch die abziehenden heifsen Verbrennungs- Producte aus der erften bereits ftark vorgewärmt ift. Die Luft, welche nun zur Verbrennung nöthig ift, paffirt durch die Oeffnungen in den Kammer- Scheidewänden, tritt erhitzt an das Gas, entzündet es und erhöht deffen Heizkraft wefentlich. In folcher Weife fetzt fich nun ein continuirlicher Brennprocefs von Kammer zu Kammer regelmäfsig fort. Für Ziegel und Chamottewaaren genügt eine Kammerzahl von vierzehn bis fechzehn, in zwei Reihen von je fieben bis acht Kammern angeordnet, welche an ihren Enden durch Canäle verbunden find. Wenn bei einem, im vollen Gange befindlichen Ofen von fechzehn Kammern beifpielsweife die Kammer 8 durch Einleitung von Gas befeuert wird, fo empfängt letzteres die nöthige Verbrennungsluft durch den etwas geöffneten Eingang der Kammer 5, nachdem diefe Luft Kammer 5, 6, 7 paffirt und aus denfelben Wärme entnommen hat. Die Kammern 9, 10 und II werden von den aus 8 abgehenden Verbrennungsproducten durchftrichen und hiedurch vorgewärmt, Kammer II ift von 12 dabei durch Schieber getrennt. Auch die fertig gebrannt ftehenden Kammern 1, 2, 3 und 4 haben dann noch eine ziemlich erhebliche Temperatur. Man läfst Luft durch diefelben ftreichen, welche nach Belieben zur Erwärmung der Trockenräume in der Fabrik verwendet oder durch einen befonderen kleinen Canal in die Kammern 13 und 14 geleitet wird. Diefe find mit frifchem Einfatz verfehen, jede für fich durch Schieber abgefchloffen und mit dem Schornftein in Verbindung gefetzt. Durch den, ganz allmälig den frifchen Einfatz paffirenden, vom Schornftein angefogenen, warmen Luftftrom werden 2% LA 18 Dr. Emil Teirich. nicht nur alle etwa noch feuchten Stücke nachgetrocknet, fondern auch bis zu dem Grade erwärmt, dafs die in den Verbrennungsproducten enthaltenen, aus den erhitzten Waaren entweichenden Wafferdämpfe fich nicht an der Oberfläche der frifchen Waare niederfchlagen und diefelbe dadurch verunftalten. Es iſt felbftverftändlich, dafs diefes Schmauchverfahren in der Regel nur bei maffigen Fabricaten, wie beifpielsweife bei Ziegelwaaren, nicht aber bei Porzellan oder Steingut angewendet wird, die wenig Wafferdämpfe geben und bei denen die Verbrennungsproducte bei höherer Temperatur entweichen. Die Kammergröfse kann ohne fichtlichen Einfluss auf die Gleichförmigkeit des Brandes zwifchen 6 bis 44 Cubikmeter variiren, ja letztere Dimenfion noch übersteigen. Nach diefen und der Waarenforte ändert fich die Brenndauer der Kammer. Verblend- und Chamotteziegel brauchen 15 bis 25 Stunden, feine Verblender und Terracotten 25 bis 40 Stunden je nach Empfindlichkeit des Materiales, Thonröhren 10 bis 12, Porzellan- Verglühbrand circa 4 Stunden, Scharfbrand bei Vollfeuer in demfelben Ofenfyftem 10 Stunden im Durchschnitte. Gegenüber den alten Porzellanöfen mit Benützung der abgehenden Hitze für das Verglühen ftellt fich die Brennftoff- Erfparnifs in Mendheim's Ofen auf circa 25 Percent, da bei diefem Syfteme Verglüh und Kapfelbrände gefondert gemacht werden müffen. Für leicht brennende Ziegel( vom Normalmafs 250 X 120 X 65 Millimeter) genügen circa 500 Pfund oberfchlefifche Steinkohle pro 10.000 Pfund Waare, ein Brennftoff- Verbrauch, der fich bei fehr fchwer brennenden Materialien und Klinkerbränden auch verdoppeln kann. Bei Thonröhren und Steingut rechnet man 100 bis 160 Pfund per Cubikmeter Kammerinhalt je nach dem zu erzielenden Feuergrade. Es ist zwar einleuchtend, dafs die Vorzüge diefes Ofenfyftemes in vollftem Mafse nur dann hervortreten, wenn dasfelbe für continuirlichen Betrieb gebaut ift und ein folcher darin auch wirklich unterhalten wird, doch fchliefst diefs keineswegs aus, dafs im gegebenen Falle nur ein Complex von 4 oder 5 etc. Kammern für intermittirenden Betrieb in Anwendung kommt. Alle jene Brennmaterialien, welche für Flammfeuerungen gut verwendbar find, können auch für Generatorbetrieb verwendet werden. In neuerer Zeit, wo die, beiſpielsweife in Steiermark mit den Leobner Grieskohlen angeftellten Verfuche, deren Verwendbarkeit im Siemens'fchen Gasofen gezeigt haben, können diefe, dann aber wahrfcheinlich auch jüngere Braunkohle, Lignit und Torf zur Gaserzeugung, und dann mit grofsem ökonomifchen Vortheile verwendet werden. Der Mendheim'fche Ofen hat jedenfalls die gröfste Zukunft in der Thonwaaren- Induftrie bei Erzeugung feinerer Waaren; zum Brennen für Ziegel, ja vielleicht felbft noch für gewöhnliche Steinzeug- Röhren brennt er naturgemäfs zu theuer und macht daher dem bekannten Ofen von Friedrich Hoffmann in Berlin keine Concurrenz. Mit deffen Erfindung und Ausbreitung begann unftreitig eine neue Epoche für die Thonwaaren- Induftrie, die befonders jenem Zweige derfelben, welcher die gröfsten Maffen zu bewältigen hatte, alfo der Ziegelfabrication, zu gute kam und fich von diefer auf die Erzeugung von Kalk, Cement und Gyps übertragen hat. Als im Jahre 1858 Hoffmann zuerft mit feinen Ringöfen vor die Oeffentlichkeit trat, wurden diefelben zwar lebhaft von der Wiffenfchaft als theoretisch vollkommenfter Brennapparat begrüfst, aber nur allmälig fand die neue Idee eine praktiſche Geftaltung; als aber die überrafchenden Refultate der enormen Brennftoff- Erfparnifs und die Güte des erzielten Productes Würdigung gefunden hatten, nahm die Zahl der Ringöfen in erftaunlicher Weife fo zu, dafs heute beinahe taufend nach den Entwürfen des Erfinders errichtet worden find. Sieben Achtel davon dienen der Ziegelinduftrie, der Reft zur Erzeugung von Kalk und Cementen. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induftrie. 19 In keinem Induftriezweige konnte die Brennftoff- Erfparnifs weitergehende, national- ökonomifche Vortheile bieten als gerade hier. Nimmt man fchätzungsweife die jährliche Leiftung eines der beftehenden Ringöfen nur mit 3 Millionen Steinen an( es gibt deren folche, die neun bis zwölf Millionen Ziegel im Jahre brennen, wie folche beifpielsweife in Inzersdorf bei Wien zu fehen find) und die BrennftoffErfparnifs per taufend Ziegel nur mit 600 Pfund Kohle, fo ergibt fich ein jährlicher Minderverbrauch von achtzehn Millionen Centner Kohlen im Werthe von neun bis zehn Millionen Gulden, welche jährlich für andere Induftriezweige disponibel gemacht werden. In Oefterreich war es bekanntlich Heinrich v. Drafche, welcher, nachdem er die treffliche Wirkungsweife des Hoffmann'fchen Brennapparates erkannt, für die Einführung desfelben auf feinen grofsartigen Ziegeleien zu Wien und Peft mit allen Mitteln eintrat. In gleicher Weife gab feine Gefchäftsnachfolgerin, die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellſchaft dem Ringofen- Betrieb eine weitere, bis jetzt noch nirgends fonft erreichte Vollkommenheit. Mit der, in den letzten Jahren immer weiter um fich greifenden Anwendung der Ringöfen, hat die Ausbildung derfelben fowohl im Bau als auch im Betriebe gleichen Schritt gehalten. Die urfprünglich kreisrunde Form des Ofenringes hat vielfach, nicht gerade principiell geänderten, aber durch locale Verhältniffe bedingten Grundrifs- Formen weichen müffen. Für Oefen in gröfseren Dimenfionen hat fich, angeregt durch die in den vereinigten Wienerberger Fabriken durchgeführten Verfuche, namentlich die langgeftreckte Form, fowie die Anwendung zweier hinter einander wandernder Feuer im Ofenringe feit einigen Jahren eingebürgert. Die Conftruction von Glocken mit eingefetzten Kegeln zum Abſchluſs der Rauchcanäle anftatt der einfachen, urfprünglichen Glockenverfchlüffe, hat die exactefte Regulirung des Zuges ermöglicht und die Sicherheit des Betriebes damit wefentlich erhöht. In vielen Fällen hat fich der Betrieb des Hoffmann'fchen Ofens auch unter Aufgeben des Principes der Continuität bewährt, natürlich aber unter Beibehal tung der demfelben eigenthümlichen Befeuerungsweife. So vollkommen der Ringofen als Brennapparat angefehen werden mufs, fo find doch an demfelben noch Wärmeverlufte zu beobachten, deren Vermeidung wünfchenswerth erfcheint. Die auf der Weltausftellung vorgeführten RingofenModelle Hoffmann's veranfchaulichen die Art und Weife, wie diefe Verlufte künftig in der Praxis zu umgehen find. Befonders find es zwei neue Organe des Ringofens, welche in diefer Richtung Erwähnung verdienen der Schmauchcanal, um das Trocknen, Vorwärmen und Ausfchmauchen der Steine durch die warme, trockene, den zu entleerenden Kammern entftrömende Luft zu bewerkstelligen, und die Trockenkammern, um das, durch Strahlung aus den Ofenwänden entweichende Wärme quantum zum Trocknen von Steinen zu benützen, und zwar in derfelben continuirlichen Weife, wie es beim Brennen gefchieht, und mit diefem Schritt haltend. Der Schmauchcanal geftattet unter Anwendung dreier Schieber zur Sper rung des Ofencanales neben einem Gewinn von Wärme, die Ziegel in einem nicht ganz trockenen Zuftande einzubringen, ohne dafs fie namentlich in ihrer Farbe leiden, da fie während des Beginnes des Schma uchproceffes von den mit Wafferdämpfen gefchwängerten Feuergafen abgefchloffen find. Der Schmauchcanal hat in befriedigendfter Weife das Problem gelöft, auch zartere Objecte, wie Verblendfteine und Bauornamente fehlerfrei zu brennen. Die Trockenkammern geftatten den Betrieb einer Ziegelei räumlich und in Bezug auf Handarbeit auf ein Minimum zu reduciren. Eine Reihe von Vorfchlägen Hoffmann's, die Vortheile des Ringofen- Betriebes auch auf andere keramifche Proceffe als das Brennen von Ziegeln zu übertragen, wie das Auffchmelzen von Glafuren, die Erzeugung gefalzener Steinzeug- Röhren, fchwarz gedämpfter Ziegel, 20 Dr. Emil Teirich. zarter Ornamente und dergl. haben endlich auch noch zu Conftructions weifen feines Ofens geführt, auf die einzugehen wir uns hier verfagen müffen. Die durch die Bemühungen einer beutegierigen Concurrenz leider in Preufsen und in Oefterreich durchgefetzte Aufhebung des Hoffmann'fchen Privilegiums kurz vor deffen nahe bevorstehendem Ausgang hat in technifchen und juridifchen Kreifen viel Staub aufgewirbelt. Und mit Recht, denn nie wurde gröfseres Verdienft in fchnöderer Weife mifsachtet, nie wohlerworbene Rechte rückfichtslofer mit Füssen getreten als bei diefem, in der Gefchichte der Privilegien zum Glücke beiſpiellofen Proceffe. Zu den vielen Nachbildungen, welche der Hoffmann'fche Ofen erfahren hat, und die ihr Entftehen urfprünglich nur dem Bemühen verdanken, das feinerzeit noch beftandene Privilegium zu umgehen, ift auch jener Ofen von Paul Loeff, Baumeifter in Berlin, zu erwähnen, dem wir auf der Ausftellung begegneten. Der Form fowie den Details in der Ofenconftruction nach find Hoffmann's Ideen völlig beibehalten und die von Loeff angewandten Abänderungen der Hoffmann'fchen Bauweife gereichen dem ganzen Apparate kaum zum Vortheile. Hier wie dort treffen wir auf den continuirlichen Ofencanal den beweglichen eifernen Schieber zur Trennung der Kammern, die Abzugscanäle nach einem gemeinfamen Rauchfammler, der nach einem ifolirt ftehenden Schornftein führt. Die Grundform des Ofenringes ift die Oblonge, die Heizung gefchieht durch Oeffnungen im Gewölbe der Kammern ohne befondere Feuerftelle. Was wir aber an Loeff's Ofen vermiffen, das ift die äufserft folide, conftructiv fo fehr durchdachte Bauart Hoffmann's, die Wärmeverlufte durch Strahlung und Mittheilung vermeiden läfst und den ganzen Brennapparat vor den zerftörenden Wirkungen des fortwährenden grellen Temperaturwechfels fchützt. Mit einem Worte, wir halten Loeff's Ofen für einen unvollkommenen Hoffmann'fchen Ringofen, deffen Herftellungskoften vielleicht um weniges verringert wurden, ein Vortheil, der fich jedenfalls theuer genug bezahlt macht, wenn nach kurzer Betriebszeit koftfpielige und durchgreifende Reparaturen nöthig werden. Zum guten Theile gilt das eben Gefagte auch von dem Ringofen von Benno Schneider in Berlin, der fich womöglich noch enger an den Hoffmann'fchen Ofen anfchliefst. Auch hier haben wir alle wefentlichen Beftandtheile des Originales gefunden. Der Ofen ift 18kammerig, jede Kammer mit einem Kuppelgewölbe gefchloffen und von der nächften mittelft durchbrochener Scheidewände getrennt, unter denen aufserdem ein Canal die Communication der Feuergafe vermittelt, wenn die Gitterwand durch Sandfchieber abgefchloffen wird. Der Rauchfammler ift getheilt in zwei, oben am Ofen liegende Canäle und fteht durch ebenfolche mit jeder Kammer in Verbindung. Der Schornftein ſteht in Mitten des Ofens. Die Feuerung gefchieht feitlich mittelft Roften, welche vertieft unter der Ofenfohle liegen. Jede Kammer hat eine einzige Feuerftelle. Ein Exemplar diefes Ofens fteht in Baden bei Wien im Betriebe. Auch von diefer Conftructionsweife ift wenig mehr zu erwarten als von allen anderen mit ähnlicher Feuerung. Keinesfalls ift diefe, dem Hoffmann'fchen Ofen gegenüber fogar complicirtere Anordnung als ein Fortfchritt in unferer Ofenbaukunft anzufehen. Die bei Wien mit dem Ofen erzielten Refultate find, wenn auch nicht geradezu ungünftig, doch auch wieder nicht fo encouragirend, dafs wir die Anlage diefes Syftemes befürworten könnten. Ein ganz eigenthümlicher und von den bisher behandelten völlig verfchiedener Brennapparat ift jener von A. Morand in Broocklyn U. S. A. Eine Reihe von 5 bis 6 Kammern ſteht durch je zwei Längscanäle unter dem Boden und zwei ebenfolche ober dem Gewölbe mit einander fo in Verbindung, dafs durch die oberen Canäle aus jeder Kammer die feuchten Schmauchgafe und Rauch nach dem Schornfteine feparat abgeführt werden können, während die unteren dazu dienen, einerfeits die heifsen Feuergafe nach demfelben zu bringen, Die Maschinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. 21 anderfeits aber die heisfe Luft von einer Kammer zum Zwecke der Vortrocknung neuer Waare in die andere zu leiten. Die Kammern find durch Scheidewände mit Oeffnungen getrennt, jede derfelben hat eine feitliche Einkarrthüre und eine Oeffnung zum Entleeren der fertig gebrannten Steine vis à vis der erfteren. Durch ein complicirtes Schieberfyftem wird nun allerdings der Vortheil aufs Vollkommenfte erreicht, die Dämpfe von den trockenen Gafen völlig und ficher zu trennen, ja noch mehr, es wird die Möglichkeit hier geboten, eine in der Reihe der im Betriebe ftehenden Kammern gelegene Kammer auszufchalten, für fich allein abzukühlen oder mit höherer Temperatur und für längere Zeit im Feuer zu halten. Erreicht wird diefs einerfeits durch die doppelte Befchickung des Ofens mit Brennmaterial durch horizontale Roftfeuerung von zwei Seiten und dann gleichzeitig durch Heizlöcher im Scheitel der Gewölbe, anderfeits durch einen eigenthümlichen Apparat, welcher geftattet, kalte Luft von Aufsen durch Rohre, welche mit einem Ventilator in Verbindung ftehen, in jede Kammer einzublafen, um entweder die Verbrennung darin zu befördern oder die Abkühlung der fchon fertig gebrannten Waare zu befchleunigen. Obwohl ohne in fich wiederkehrenden ringförmigen Ofencanal ift diefes einreihige Syftem dennoch ein ganz' continuirliches. In Amerika und England find Morands Oefen bereits in einigen Exemplaren ausgeführt und in Betrieb gefetzt worden. Ueber die erzielten Refultate verlautet nichts Ungünftiges, die Brennkoften werden fogar als ganz befonders niedrige angegeben. In der bekannten koloffalen Ziegelei von J. W. Beanland bei Bradfort ift diefer Ofen feit 1871 im dauernden und zufriedenftellenden Betriebe. Uns würde vorläufig feine complicirte Bauweife und koftfpielige Anlage von feiner Anwendung noch abhalten. Seine Aehnlichkeit mit Mendheims Gasofen ift unleugbar. Wir würden der deutfchen Erfindung aber den Vorzug einräumen, denn wenn fchon die Feuergafe lange Wege zu machen haben und Luft von Aufsen eingeblafen werden mufs, fo ift doch die Centralifation der Gaserzeugung einer vielfach getrennten Feuerung vorzuziehen. Anfchliefsend an diefe continuirlichen Oefen wäre das Syftem des Freiherrn v. Steinäcker in Liechtenau in Preufsifch- Schlefien zu nennen, der es fich zur Aufgabe gemacht hat, gleichfalls eine Trennung der Schmauchgafe von den trockenen Feuergafen an nicht continuirlichen Oefen für einen kleinen Betrieb zu erzielen. Steinäcker ordnet zwei Brennöfen io aneinander an, dafs die abziehende Wärme des einen zum Vorwärmen im anderen benützt werden kann. Diefs gefchieht in der Weife, dafs nach dem Abbrennen des Ofens I deffen Afchenfälle, Heizthüren und die im Gewölbe befindlichen Schürlöcher ebenfo gefchloffen werden wie die Verbindung des Ofens mit dem Schornftein, der für beide Oefen zufammen wirkt. Dafür ftellt man nun die Communication des Innern von I mit dem vorher eingefchobenen Ofen II her und öffnet deffen Verbindung mit dem Schornftein, der folcherweife ganz langfam die kalte Luft durch I nach II zieht, die fich auf diefem Wege erwärmt, dabei die fertige Waare kühlt und die neu eingefetzte in II vorwärmt. Natürlich wiederholt fich das Spiel nach der anderen Seite, fobald II ausgebrannt und I wieder neu befchickt ift. Es ift zudem möglich noch während des Auskarrens eines fertigen Ofens die darin enthaltene immerhin trockene und laue Luft unter den Roft des im Brande befindlichen Ofens ftreichen zu laffen. Alles diefs ift nun freilich recht fchön, aber auch nur durch ein Heer von Schiebern und Canälen erreicht, das von vorneherein jeden Glauben an eine billige Herftellungsweife diefer Brennöfen ausfchliefst, was hier umfomehr zu beachten ift, als ja die erzielte Ausnützung der verloren gegangenen Wärme nur eine theilweife ift, da ja während des eigentlichen Brandes des einen Ofens doch die heifsen Gafe nach dem Schornfteine unbenützt ftreichen. 22 Dr. Emil Teirich. Die Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren- Induſtrie. Wir haben aus der Betrachtung der vorſtehend genannten Ofenfyfteme erfehen, wie zumeift dahin getrachtet wird, Schmauchfeuer und trockene Heizgafe zu trennen, refpective dahin zu wirken, dafs die, in einer Abtheilung des Ofcas verflüchtigten Waffertheile, fich nicht in den kälteren Ofenparthien an der ungebrannten Waare neuerdings niederfchlagen und derfelben damit ein fleckiges Ausfehen verleihen, was namentlich beim Brennen von Terracotten und Verblendfteinen fehr mifslich ift. Dafs die Vermeidung diefes Uebelftandes auf Koften des Brennftoff- Verbrauches geht, ift klar. Die Zeichnung eines Terracotta- Ofens nach einer Conftruction von Ed. Lehner in Wien bot nichts Neues. Der Ofen unterfcheidet fich in nichts von den in den oberfchlefifchen Fabriken benützten mit radialer Feuerung und Abzug der Feuergafe durch den Boden nach einem Schornfteine. Als Anhang an die Brennöfen fei endlich nur noch eines neuerlichen Verfuches gedacht, den der Amerikaner C. A. Winn in Philadelphia, deffen Ziegelmafchine wir vorftehend bereis erwähnten, in der Abficht machte, die auf feiner Mafchine erzeugten Ziegel rafch auf künftlichem Wege zu trocknen. Die Einrichtung unterfcheidet fich in nichts von jener, die wir mehrfach in den englifchen und fchottifchen Chamottefabriken angewendet fanden. Ein gepflafterter Boden wird durch hin und wieder kehrende, gemauerte Heizcanäle erwärmt, die mit einigen Schüren in Verbindung ftehen. In der fchon genannten Ziegelei der Gebrüder Lönholdt bei Frankfurt am Main ift auch diefer Apparat in Function und trocknet täglich foviel als eine Mafchine Winn's erzeugt. Der Aufwand an Brennmaterial foll circa 30 Kr. per mille Ziegel betragen. Für gewiffe Zwecke, namentlich für die Erzeugung von Chamottefteinen gröfserer Dimenfionen, welche, fowie die gewöhnlichen Mauerziegel ohne weiters auf dem erwärmten Boden gefchlagen oder geformt werden, ift eine folche Trockenvorrichtung von Vortheil. Ein ähnlicher Trockenboden dient übrigens auch zum Trocknen feuerfefter und anderer Thone vor deren Vermahlung auf Mühlen behufs Verwendung im Proffer'fchen Trockenformproceffe.