OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. APPARATE DER CHEMISCHEN GROSSINDUSTRIE. ABDAMPF UND DESTILLIR- APPARATE FÜR LABORATORIEN UND PHARMACEUTISCHE ZWECKE, EISMASCHINEN UND APPARATE DER LEUCHTGASFABRICATION. ( Gruppe III.) BERICHT VON JOHANN STINGL, Präparator an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VFRLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. APPARATE DER CHEMISCHEN GROSSINDUSTRIE. ABDAMPF UND DESTILLIR APPARATE FÜR LABORATORIEN UND PHARMACEUTISCHE ZWECKE, EISMASCHINEN UND APPARATE DER LEUCHTGAS- FABRICATION. ( Gruppe III.) Bericht von JOHANN STINGL, Präparator an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. Die Mafchinen und Apparate, welche auf dem Gebiete der chemifchen Induftrie verwendet werden, waren auf der Ausftellung nicht in jenem Umfange vertreten, als es dem neueften Stande der Wiffenfchaft und dem wirklichen Zuftande der Induftrie entſprach. Es mag diefs zum Theile damit begründet fein, dafs in vielen Fällen in dér Anordnung und Conftruction der Apparate ein Fabriksgeheimnifs liegt; zum Theile aber auch darin feinen Grund haben, dafs viele derfelben ihrem Aeufseren nach fich nicht zu Schau- Objecten eignen. Dazu kommt noch, dafs mit wenigen Ausnahmen die betreffenden Fabriken nur die fertigen Endproducte zur Anfchauung brachten, ohne durch Modelle oder Zeichnungen die Methoden ihrer Fabrication zu verfinnlichen und doch ift nur diefe Art von Expofition entfcheidend über den Fortfchritt oder Stillftand eines Fabrica tionszweiges und bietet der Belehrung das weitefte Feld. Die Mafchinen, deren Fabrication an fich einen eigenen felbft ftändigen Fabrikszweig bilden, z. B. die Eismafchinen, Deftillirapparate, Gaserzeugungs- Mafchinen u. f. w., waren häufiger ausgeftellt. Es foll nun in diefen Blättern der Reihe nach über folgende Mafchinen und Apparate berichtet werden: 1) Ueber Apparate der chemifchen Grofs induftrie. 2) Ueber Abdampf- und Deftillirapparate für Laboratorien und pharmaceutifche Zwecke. 3) Ueber Eismafchinen und endlich 4) über Apparate der Leuchtgas- Fabrication. 2 S Johann Stingl. I. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. Unter den Erzeugniffen der chemifchen Grofsinduftrie fteht die Schwefelfäure- Fabrication fowohl ihrer Quantität als auch ihrer vielfeitigen Verwendung wegen zur Sulfat-, Soda-, Superphosphat- Fabrication u. f. w. an der Spitze. - Im Jahre 1867 wurden laut des Parifer Ausstellungsberichtes in England, Frankreich, Belgien, Oefterreich und Preufsen zufammen 6,300.000 Centner engliſche Schwefelfäure erzeugt. Diefe Menge ift im Verlaufe der letzten fünf Jahre riefig geftiegen. Man kann nun annehmen, dafs beiläufig 10 Percent der Gefammt Schwefelfäure direct aus natürlichem Schwefel erzeugt werden. Der bei Weitem gröfste Theil derfelben wird durch Röftung von Schwefelmetallen- Eifenkies, Kupferkies, Zinkblende, Lechen und Rohfteinen( Mansfeld) erzeugt, trotzdem im Jahre 1870, laut Wagner's Jahresbericht, 7,120.000 Centner Schwefel gewonnen wurden, der aber zum gröfsten Theile anderen Zwecken zugeführt wurde, als: zum Beftauben der Weinftöcke gegen die Traubenkrankheit( an 25 Percent der Gefammterzeugung) zum Schwefeln des Hopfens, zur SchiefspulverFabrication, zur Zündhölzchen- Fabrication, zur Erzeugung von Schwefelkohlenftoff, von Muffivgold, Ultramarin, Zinnober, zum Vulkanifiren von Kautfchuk u. f. w. Die Apparate, welche zum Ausfchmelzen und zur Raffination des natürlichen Schwefels verwendet werden, waren in der Ausftellung gar nicht vertreten. Die Firma Reis& Koch, welche jährlich 100.000 bis 120.000 Centner Schwefel in 16 Oefen nach Dujardin's Conftruction raffinirt, brachte grofse Stangen Schwefel konifcher Form zur Ausftellung, die mittelft eines finnreichen Apparates geformt werden.* Nach diefer kurzen Abfchweifung kehren wir zur Schwefelfäure- Fabrication zurück. Der folgenreichfte Fortfchritt in der Schwefelfäure- Fabrication war die gelungene Einführung eines rationell arbeitenden Kiesröftofens von Claude Marius Perret im Jahre 1833, mittelft deffen die eigene Verbrennungswärme der Kiefe, das find für Eifenkies nach Bode 1563 Grad Celfius, angenommen, dafs die aus den Bleikammern austretenden Gafe noch 6 Volumpercente Sauerstoff enthalten, benützt wird, um die weitere continuirliche Oxydation derfelben zu unterhalten, und der die Möglichkeit bot, die hiebei entſtehende fchwefelige Säure in der richtigen Menge( für den Betrieb) von fechs bis acht Volumpercenten und in continuirlichem Strome den Bleikammern zuzuführen. Einmal diefer Schritt glücklich gethan, wurden in kurzen Zeiträumen neue Rohmaterialien( Schwefelmetalle) für die Schwefelfäure- Fabrication nutzbar gemacht und folgten Verbefferungen des Röftofens, ja wurden folche, auf neuen Principien beruhend, gebaut. In folgender Tabelle follen die Verbrennungstemperaturen der für die Schwefelfäure- Fabrication wichtigen Schwefelmetalle und deren Zufammenfetzung angeführt werden, wie felbe aus einer gröfseren Zufammenftellung von Bode** entnommen find: * Siehe Ausftellungsbericht von Dr. A. Bauer. ** Bode: Beiträge zur Theorie und Praxis der Schwefelfäure- Fabrication. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. VerbrennungstempeFormel Schwefelgeratur Grad Celfius halt in Percenten Schwefelkies rein 2588 Fe S₂ 53.33 Schwefelkies mit 1, Gangart 2322 Magnetkies 2698 Fer Sg 39.5 Einfach Schwefeleifen 2725 Fe S 36.36 Rohftein 2810 Fe₂ S, Fe S 27.59 Kupferkies 2425 Cu₂ S, Fe, S 34.89 Kupferglanz. 1976 Cu₂ S 20 15 Kupferrohftein( Mansfeld) 2391 Cu₂ S, 2 Fe S 28.67 Spurftein( Mansfeld) 2161 5 Cu₂ S, 2 Fe S II'55 Zinkblende, reine 2850 Zn S 32.99 fchwarze 2815 3 Zn S Fe S " 33.77 Nickelkies 2551 Ni S 35.66 Kobaltkies 2572 Co₂ S3 44 44 Antimonglanz 2517 Sb Sg 28.52 Zinnkies 2456 2( Cu₂SFeS) SnS2 28.44 3 - Einen wefentlichen Einfluss auf die Ausdehnung der Anwendung von Kiefen zur Schwefelfäure Fabrication hatte die enorme Preiserhöhung des Schwefels feitens Siciliens im Jahre 1838; und obfchon bald das Schwefelmonopol aufgehoben wurde, hatte fich doch die Kiesverwendung fchon Bahn gebrochen und war aus den Verfuchsftadien herausgetreten in die praktiſche nationelle Anwendung. Dazu kam noch, bedingt durch den Fortfchritt der metallurgifchen Proceffe, dafs man anfing, kleine Mengen koftbarer Metalle aus bedeutenden Quantitäten von Schwefelverbindungen, z. B. aus gold- und filberhältigen Kupferkiefen, aus filberhältigen Kupferkiefen und Bleiglanzen etc., die hiebei einen Röftprocefs durchzumachen hatten, zum Theile mit Hilfe von Schwefelfäure, auf naffem Wege abzufcheiden, fowie dafs die Schadenerfatz- Koften wegen Vernichtung der Vegetation durch die in die Luft gehenden Röftgafe immer bedeutender wurden. Aus diefen Gründen bemächtigte fich die Metallurgie der Idee der Kiesröftöfen und verband mit ihren althergebrachten metallurgifchen Proceffen die Induftrie der Schwefelfäurefabrication, wodurch in vielen Fällen ein gröfserer Reingewinn refultirte( in Freiberg im Jahre 1870 gegen 60.000 Thaler) und die Umgebung der Hütten von den fchädlichen Gafen befreit wurden. Welchen Einfluss auf die Landfchaft die Verwendung der Kiesröftöfen gegenüber der früher üblichen Haufenröftung im Freien hat, das kann man am lehrreichften beobachten, wenn man die Umgebung der Okerhütte im Harz vergleicht mit der der Hütten bei Klausthal. Während hier auf einem grofsen Umkreife kein Baum und kein Gras gedeiht, trifft man dort Felder und Wiefen in nächfter Umgebung. Diefe Verbindung der Schwefelfäure- Fabrication mit metallurgifchen Proceffen machte den Schwefelkies zu einem gefuchten Mineral wegen feiner leichten Abröftbarkeit gegenüber von Kupferkies, Zinkblende und befonders Bleiglanz, deffen für die Schwefelfäure- Fabrication nutzbare- alleinige Abröftung nicht lohnend und mit vielen Hinderniffen verbunden ift. Aus diefem Grunde werden die erwäh ten fchwierig zur Fabrication anzuwendenden Schwefelmetalle mit Eifenkies im richtigen Verhältniffe gattirt und fo für - 4 Johann Stingl. die Schwefelfäure- Fabrication zugänglich gemacht. So erzeugten die Muldener und Halsbrückner Hütte bei Freiberg im Jahre 1870 162.478 Centner Schwefelsäure aus kiefigen Erzen mit Bleiglanz und Blende vermifcht, die Arfen und Silber enthielten; die Altenauer und Saiger Hütte in Preufsen im Jahre 1871 261.780 Centner Schwefelfäure aus Schwefelmetall; die Mansfelder Kupferhütte durch Röften des Rohfteines( 23 Percent Schwefel) 10.000 Centner Schwefelfäure; die Okerhütte 487.500 Centner Schwefelfäure u. f. w. Preufsen allein fördert jährlich 1,500.000 Centner Schwefelkies. Noch bedeutendere Quantitäten von Schwefelfäure werden von den Sodafabriken aus Kiefen erzeugt. Fünfzehn Sodafabriken Deutſchlands erzeugen nach einer beiläufigen Rechnung jährlich 1,500.000 Centner Schwefelfäure und zwar beinahe ausfchliefslich aus Kies. In Oefterreich werden beiläufig 500.000 Centner Schwefelsäure zum gröfsten Theile aus Kies erzeugt. Die franzöfifchen Fabriken zu Cheffy, Lyon, Saint- Fons, L'Océran und Marennes confumirten im Jahre 1867 nach Schrötter's Angabe zwei Millionen Centner Kiefe für Schwefelsäure. Die New caftle chemical works company, früher Alhufen& Comp., verröftet allein jährlich 460.000 Centner Schwefelkiefe. Aus diefen wenigen Daten erhellt die Wichtigkeit der Schwefelmetalle für die Induftrie. Es trat daher fchon bald nach der Einführung der Kiefe in die Induſtrie an die Fabrikanten das Bedürfnifs heran, neben den Stuferzen auch das Kiesklein und verwafchene Kiesfchliche zu verröften. Während man früher, als nur Stückerze verarbeitet wurden, mit einfachen Schachtöfen, den fogenannten Kilns, fein Auskommen fand, mufste man nun, der Koftbarkeit des Rohmaterials wegen, darauf bedacht fein, auch die Abfälle und Schliche des Kiefes aufzuarbeiten. Man half fich anfangs damit, dafs man aus dem Kiesklein mit Hilfe von Thon Batzen formte, diefe auch wohl mit Vitriollauge tränkte, mit abgehender Wärme trocknete und dann mit den Stückerzen in Kilns niederröftete. Solcher Vorgang ging an, wo Stuferze die Hauptmaffe und Kiesklein nur Abfall war. Häufig aber ift der umgekehrte Fall eintreffend, dafs Kiesklein und Schliche in überwiegender Maffe zur Verröftung gelangen; dann lohnte fich ein Batzenformen nicht. Aus diefem Grunde conftruirten Perret& Ollivier einen Ofen, der fowohl Stückerze als auch Kiesfchliche zu verröften erlaubte. Die Lyoner Kiefe zerfallen fehr fchnell und leicht zu ganz feinem Gries und geben daher viel Kiesklein. Diefer Perret- Ollivier'fche Ofen war bei der letzten Parifer Ausftellung im Modelle vertreten und wurde feit diefer Zeit wieder verbeffert. Er beſteht der Hauptfache nach aus einem niedern Kilnsofen mit beweglichen Roftftäben. Die heifse fchweflige Säure ftrömt nun in eine zweite Abtheilung, die höher liegt und aus einem viereckigen gemauerten Raume befteht, in welchem fieben horizontale Thonplatten in Abftänden von 20 Centimeter fich befinden, auf denen das Kiesklein in dünnen Schichten von o'3 bis o 5 Meter Höhe ausgebreitet wird. Die heifsen Gafe aus den Kilns ftreichen in fchlangenförmiger Windung über die Thonplatten und erhitzen diefelben von unten nach oben, und mit ihnen das Kiesklein, welches durch den mitgeführten Sauerftoff der Luft oxydirt wird, und fo lange diefer Einwirkung ausgefetzt bleiben kann, als es die Abröftbarkeit des Materiales erfordert. Die abgeröfteten Kiefe werden durch die feitlich angebrachte gut verfchliefsbare Oeffnung in einen durch die ganze Höhe des Ofens neben den Thonplatten gehenden Canal gezogen, der an der tiefften Stelle mit einer gut fchliefsenden Eifenthüre verfchloffen ift. Diefer Canal bleibt mit abgeröftetem Kiefe immer gefüllt und wird nur in dem Mafse entleert, als die Kiesrückstände von den Platten in denfelben gekrückt werden. Die Röftgafe ftreichen von der oberften Platte durch einen weiten Canal in die Bleikammern, nachdem fie zuvor auf beiläufig 70 Grad Celfius gekühlt wurden, was entweder dadurch gefchieht, dafs die Hitze derfelben zur Concentration von Kammerfäure auf 60 Grad verwendet Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 5 wird, was wohl meiftens gefchieht, oder dafs den Gafen die Wärme durch frifche Kiefe oder durch lange Leitungen entzogen wird. Auf je 35 Theile Stückkiefe follen in diefem Ofen 65 Theile Kiesklein abgeröftet werden. Mit der Einrichtung diefes Ofens ift die Möglichkeit gegeben, den Kies auf einer Thonplatte fo lange röften zu laffen, bis der Schwefel zum gröfsten Theile oxydirt ift, wobei freilich Zeit und Raum verloren geht und dort, wo auch das abgeröftete Gut verhüttet werden foll, in dem grofsen Bedarfe desfelben feine Grenze findet. Die Firma Gebrüder Schnorff in Uetikon bei Zürich hatten in der Schweizer Abtheilung unter anderen Producten der Soda- Induftrie auch die Kies- Abbrände ausgeftellt, die nur mehr 1 bis 11% Percent Schwefel enthielten, ein Refultat, welches nichts zu wünſchen übrig läfst, und welches die Möglichkeit bietet, die Kiesabbrände auf Eifen zu verhütten. In der erwähnten Fabrik wer den Lyoner Kiefe auf Schwefelfäure verarbeitet, und gefchieht diefs durch eigene Kies- Röftöfen, die eine ähnliche Einrichtung haben, wie der Theil des PerretOllivier'fchen Ofens, der zur Röftung der Kiesfchliche dient. In einem rechteckigen, gemauerten Raume find fünf aus feuerfeftem Thon geformte Platten derart horizontal befeftigt, dafs diefelben mit ihren längeren Kanten an den Mauern dicht anftehen, während die kürzeren abwechfelnd von den zwei gegenüberliegenden Mauern abftehen, fo dafs die bei der tiefften Platte eintretende oxydirende Luft einen fchlangenartigen Weg über die Platten nehmen. mufs, um die Kiefe zu beftreichen. Die Platten werden durch thönerne Träger unterſtützt. Nachdem der Ofen angeheizt, wird auf die oberfte Thonplatte der Kies durch eine Schüttvorrichtung aufgegeben und durch feitlich angebrachte Arbeitsöffnungen auf den Platten gleichmäfsig vertheilt. Kies und atmoſphärifche Luft machen nun den entgegengefetzten Weg. Der erftere wird nach und nach von der oberften Platte bis auf die unterfte gezogen und von dort als vorzüglich entfchwefelter Rückftand dem Ofen entnommen, während die zur Oxydation nöthige Luft über der tiefften Platte in den Ofen tritt und nach und nach über alle Platten ftreicht, um endlich, mit dem nöthigen Quantum fchwefeliger Säure beladen, in die Bleikammern zu treten. Bevor diefs gefchieht, werden die fehr heifsen Gafe neben den Ofen abwärts und unter der tiefften Thonplatte vorbei geführt, wodurch diefelbe immer glühend erhalten bleibt und fo die Luft gleichfam vorhitzt. Arbeitsöffnungen und Luftzüge ermöglichen einen geregelten Gang diefes Ofens, der einfach conftruirt ift und bei geeignetem Kiefe, wie der Lyoner, das genügende Quantum fchwefeliger Säure bei fo weit getriebener Entfchwefelung des angewendeten Materials gibt. Bei beiden diefer Oefen für Kiesfchlieche mufs diefelbe vom Arbeiter mittelft eiferner Krücken bewegt und weiter befördert werden, was neben der gröfseren Arbeit noch den Nachtheil hat, dafs zeitweife mehr Luft durch Oeffnen der Arbeitslöcher in die Oefen gelangt, hiedurch die Temperatur erniedrigt und die Kammergafe verdünnter werden. Die chemifche Fabrik Rhenania in Aachen brachte das Modell des Hafen clever Helbig'fchen Kies- Röftofens zur Anfchauung, der im Wefentlichen auf dem früher erwähnten Principe des Perret- Ollivier und Schnoff' fchen Ofens beruht, indem die heifsen Gafe aus den Kilns B( Fig. 1) mit beweglichen Roftftäben, in welchen die Stückkiefe verröftet werden, in fchlangenartigem Wege über die Kiesfchliche ftreichen, diefelben erhitzen und durch den mitgeführten überfchüffigen Sauerftoff oxydiren. Hafen clever& Helbig umgehen nun die Bewegung der Kiesfchliche durch Handarbeit geichickt dadurch, dafs fie die Platten a, b, c, d, e und f, die fchmäler( 1 Meter breit) als die früher erwähnten( von 2 Meter Breite) find, unter einem Winkel von 38 Grad gegen einander neigen. Durch diefen Kunftgriff rutfchen die Kiesfchliche vermöge ihrer Schwere als 6 Johann Stingl. D zufammenhängendes breites Band aus dem Trichter A über die fechs Thonplatten herab, wenn von der unterften eine Partie abgeröfteten Kiefes genommen wird, was durch eine gerippte Welle h gefchieht. Durch den Gang diefer Welle kann die Dauer der Röftung je nach Bedarf geregelt werden. Die aus den Kilns kommenden heifsen Röftgafe ftreichen von unten nach oben über die Thonplatten im Schraubengange indem diePlatten mit ihren kürzeren Seiten abwechfeln dan derOfenwand dicht anliegen und zwar derart, dafs z. B. die eine Platte auf der rechten Seite einen Raum für den Durchgang der Gafe läfst, und die darauf folgende den Gafen links den Ausweg ermöglicht und fo fort, bis diefelben endlich, gefchwängert mit fchwefeliger Säure, an der oberften Stelle anlangen, wo fie noch an die frifchen Kiefe Wärmeabgeben und durch D in die Bleikammern ftreichen. Hiebei kommt es hauptfächlich darauf an, dafs entweder durch Sinterung oder durch fehr ungleiches Korn keine Stauung an den Durchgangsftellen der Schliche ftattfindet, daher der Gang der Operation genau beobachtet werden mufs. Das Korn der Schliche kann bei diefem Ofen bis zu 15 Millimeter gehen. Vermöge der geneigten Lage der Platten werden die Oefen für Schliche höher( bis 8 Meter) als gewöhnlich und Hafenclever nennt diefelben daher auch Plattenthurm. Was nun das Durchfetzquantum bei diefem Ofen betrifft, fo foll dasfelbe nach der Angabe Hafen clever's auf 50 Theile Stückkies 50 Theile Schliche betragen, und Schliche in 24 Stunden, je nach der Erzqualität, 500 bis 800 Kilogramm, durchgefetzt werden. Die Kiefe werden bis auf 37 bis 5'9 Percent Schwefel abgeröftet. Auf Okerhütte am Harze werden Gemenge von Kupferkies, Schwefelkies, Bleiglanz und Zinkblende in diefen Oefen geröftet, und wurden hiebei durch acht Tage folgende Refultate in Bezug auf den Schwefelgehalt im Rückftande erhalten: 5.6, 6.5, 6.3 und 5.7 Percent.. Viele Fabriken und Hütten, die auf der Ausftellung vertreten waren, erzeugen ihre Schwefelfäure aus Schwefelmetallen mit Hilfe des Gerftenhöferh . i E Fig. 1. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 7 fchen Röft ofens, der leider durch kein Modell in feiner verbefferten Form vertreten war. Die Wichtigkeit und Verbreitung des Ofens geht aus folgender Zufammenftellung Bode's über die bis 1872 wirklich functionirenden Röftöfen nach diefem Syfteme hervor. 12 Oefen, wovon 4 neu erbaute, auf der königlich fächfifchen Muldnerhütte bei Freiberg für kiefige Erze mit wechfelndem Gehalt an Bleiglanz und Blende, Arfen und Silber. 6 Stück auf der königlich fächfifchen Halsbrückner Hütte bei Freiberg für ähnliche Erze wie früher. 13 Stück für Kupferrohftein im Mansfeld' fchen. 2 Stück in Lukawetz in Böhmen für Schwefelkies. 2 Stück auf dem Werke der öfterreichifchen Staatseifenbahn- Gefellſchaft zu Neu- Moldava im Banate für verwafchene Schwefelkiefe. 2 Stück auf dem Morgenfterner Werke zu Merzdorf an der Niederfchlefifchen Gebirgsbahn für aus dem kryftallinifchen Schiefer gewafchene Kiefe. I Stück auf der chemifchen Fabrik zu Nienburg an der Wefer. 4 Stück auf der Auguftenhütte zu Beuel bei Bonn. 6 Stück, darunter 4 neu erbaute, auf der chemifchen Fabrik von Harkort's Erben zu Harkorten bei Haspe in Weftphalen. 2 Stück auf der Superphosphatfabrik von Ohlendorf& Comp. in Hamburg. i I- - 6 Stück auf der chemifchen Fabrik zu Vedrin in Belgien( 1867). 2 Stück auf der Sodafabrik zu Chauny in Frankreich. 38 Stück auf den Hüttenwerken von Vivian und Sons zu Swanfea in Wales( 1866). 12 Stück zu Huelva in Spanien. Sowie die vorigen Werke für kupferhältigen Schwefelkies. I Stück auf der Zinkhütte der Vieille Montagne zu Flône in Belgien. I Stück auf der Zinkhütte der Vieille Montagne zu Berge- Borbeck bei Effen. 3 Stück auf der Waldmeifter Hütte bei Stollberg für Schwiefelkies und kiefige Zinkblende. 4 Stück auf der ungarifch- fchweizerifchen Sodafabrik zu NagyBocsko im MarmaroferComitat für kupferhältige Schwefelkiefe. Die Abröftung mufs vertragsmäfsig bis auf fünf Percent Schwefel im Rückftande erfolgen. Im Ganzen mithin 120 Oefen, ohne jene, die in Amerika beftehen und ohne den Zuwachs, den diefelben in England erfahren. Die Röftung der Schwefelmetalle geht in diefem Ofen bekanntlich auf die Weife vor fich, dafs das fchwefelhaltige Material, welches immer in Schliegform vorliegen mufs, durch einen fchachtartigen, 5.2 Meter hohen Raum fällt, in welchem eine fo hohe Temperatur herrfcht, dafs die Schwefelungsftufe, die zur Röftung vorliegt, mit Sauerftoff fich verbindet, fich entzündet. Um das zu röftende 8 Johann Stingl. Materiale in dem Röftfchachte vielfältig zu zerftreuen und mit dem entgegenftrömenden Sauerftoffe der Luft in Berührung zu bringen, befinden fich in dem Röftfchachte 17 Reihen dreieckiger Prismen aus feuerfeftem Thone angebracht. Gewöhnlich enthält je eine Reihe abwechfelnd 6 und 7 folcher Thonprismen, welche derart angeordnet find, dafs gleichfam„ voll" auf„ Fug" zu liegen kommt, fo dafs der Kiesftrom immer von einem entgegenstehenden Prisma gebrochen wird und hiedurch oftmals feine Fallrichtung wechſeln mufs. Jedem Thonprisma entfprechend, find in der breiteren Wand des Ofens rechteckige Oeffnungen angebracht, die mit einer Büchfe verfchloffen find, in welcher ein kleines rundes Loch fich befindet, das mit einem Thonpfropf verfchloffen werden kann. Die gröfseren Oeffnungen ermöglichen dem Arbeiter, dafs derfelbe im Falle der Sinterung des Röftgutes auf den Prismen die zufammengebackene Maffe mit einer eifernen Stange losbrechen kann. Die kleineren Oeffnungen in den Kapfeln dienen als Luftzüge und Gucklöcher, um den Gang der Röftung beobachten zu können. Durch diefe Einrichtung ift der Arbeiter im Stande, den Procefs der Röftung genau zu überwachen und die Temperatur des Ofens zu reguliren. In der Regel foll die höchfte Temperutur( Weifsgluth) in der oberen Hälfte des Ofens herrfchen, daher dort die energifchefte Oxidation und der gröfste SauerstoffVerbrauch ftattfindet. Das weifsglühende Erz trifft nun bei feinem weiteren Falle immer fauerftoffreichere Luft und wird daher auch weiter entfchwefelt, bis es endlich unter den Thonprismen in einem gröfseren Sammelraume fich anhäuft und von dort dem Ofen entnommen wird. Die Zuführung der gefiebten Schliche gefchieht durch eine Art Rumpfwerk, wobei die Schlichdecke gleichfam den Verfchlufs bildet, der dadurch erleichtert wird, dafs das Erz durch zwei cannelirte Walzen, die durch ein Getriebe und Riemenfchiebe nach entgegengefetzter Richtung bewegt werden, quantitativ je nach der Schnelligkeit der Bewegung der Walzen gehen mufs, die unmittelbar über einem Schlitze fich befinden, der in den Ofenfchacht mündet. Das Erz fällt zuerft auf den fogenannten Vertheiler, ein gröfseres Thonprisma, von hier in zwei Strahlen auf je vier folcher Prismen zu jeder Seite des Vertheilers und hierauf auf die früher erwähnten Prismen. Die fchwefelige Säure zieht am oberften Theile des Ofens zuerft in eine Flugftaub- Kammer und dann in die Bleikammern. Wenn noch erwähnt wird, dafs gut zu verfchliefsende Oeffnungen vorhanden find, um die Canäle und Flufsftaub- Kammern zu reinigen, fo ift im Allgemeinen die Einrichtung eines Gerftenhöfer'fchen Ofens gegeben. Das Durchfetzquantum in diefem Ofen kann ein fehr variables fein, je nach der Natur des zu verröftenden Productes. Und darin liegt ein grofser Vortheil diefes Ofens. Im Mansfeld' fchen werden nach Bode in 24 Stunden 200 Centner, ja 300 Centner Kupferrohftein geröftet und hiebei von 25 bis 29 Percent Schwefel etwa 12 bis 14 Percent abgeröftet und zur Schwefelfäure- Fabrication nutzbar gemacht. 24 Das Durchfetzquantum von Schwefelkies kann auf 40 bis 60 Centner in Stunden gebracht werden und ift der Grad der Entfchwefelung ein verfchiedener, je nach der Natur des Kiefes. Auf dem fürftlich Auersperg' fchen Werke in Lukawetz in Böhmen beträgt das Durchfetzquantum in 24 Stunden 35 Centner und werden die Kiefe bis auf zwei bis drei Percent Schwefel in den Rückständen abgeröftet. Die zur Erläuterung der Ausstellung des befagten Werkes auf der Weltausftellung aufliegende Brofchüre befprach den Gerftenhöfer'fchen Ofen fehr günftig, der im Jahre 1868 am 18. Auguft dafelbft in Betrieb gefetzt und wo im Jahre 1871 ein zweiter erbaut wurde, fo dafs die Schwefelfäure- Production aus Kies von 15.000 Centnern im Jahre 1869 auf 29.500 Centner im Jahre 1872 ftieg. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 9 Auf dem Morgenfterner Werke bei Merzdorf in Schlefien werden die Kiefe bis auf 4 Percent Schwefel im Rückftande entfchwefelt. Die Schwelmer Schwefelkiefe werden zu Beuel bei Bonn bis auf 3 bis 5 Percent Schwefel abgeröftet. Die kupferhaltigen Schwefelkiefe der ungarisch fchweizerifchen Sodafabrik zu Nagy- Bocsko müffen bis auf 5 Percent Schwefel abgeröftet werden. Die Muldnerhütte verröftet Gemenge von Zinkblende, Bleiglanz und Kies, wobei zu bemerken kommt, dafs Bleiglanz bei der Röfttemperatur leicht fintert und daher die Röftung fehr erfchwert. Es enthalten aus diefem Grunde die Kiesabbrände noch 10 bis 13 Percent Schwefel. Auf der Halsbrückner Hütte bei Freiberg, welche ein Gemenge von 1/ Blei- Erz und 2 kiefigen Erzen verröftet, finden fich in dem Röftgute noch 7 bis 9 Percent Schwefel.. Diefem Ofen wird hauptfächlich vorgeworfen, dafs der Flugftaub, der in Folge des zerfplitternden Falles der Kiesfchliche gegen den Luftftrom unvermeidlich ift, in folcher Menge auftrete, dafs er häufige Reinigungen der Canäle und Flugftaub Kammer erfordere. Um diefen Uebelftand zu beheben, hat G erftenhöfer die Einrichtung getroffen, dafs die mit fchwefliger Säure beladenen Gafe im oberften Theile des Ofens durch Seitenöffnungen entweichen und nicht, wie früher, in der Mitte durch eine Oeffnung während das Kiesklein in der Mitte durch eine Oeffnung in den Ofen fällt; ferner müffen die Gafe, bevor fie in die Flugftaub- Kammer treten, einen niedergehenden Weg einfchlagen, wodurch die gröfste Menge des Flugftaubes am Anfange der Kammer fich abfetzt. - - Die Flugftaub- Menge aus diefem Ofen beträgt z. B. in Lukawetz I 7 Percent des Durchfchnitts quantums, mithin o 6 Centner in 24 Stunden, fo dafs nach Angaben des Directors Waadt in Lukawetz der Ofen 5 bis 6 Monate betrieben werden kann, ohne dafs die Flugftaub- Kammern entleert werden müfsten; die oberen Träger werden täglich viermal, die unteren ein- bis zweimal gereinigt und die oberen Züge in zwei bis drei Wochen einmal ausgeleert. Im Mansfeld' fchen beträgt die Flugftaub- Menge, da eine bedeutende Durchfetzmenge durch den Ofen geht, gegen 5 Percent des Durchfetzquantums. Dort, wo Kiesfchliche vorliegen oder der Kies leicht in Schlichform zu bringen ift, wird der Gerftenhöfer'fche Ofen ftets dominiren, da er den grofsen Vortheil bietet, dafs er felbftftändig als Kiesfchlich- Röftofen functionirt und ein grofses Durchfetzquantum erlaubt, wenn der Rückftand noch weiter verhütet werden foll. Aber auch eine gute Entfchwefelung von Schwefelkies oder Kupferkies hältigem Kies wird erzielt, wenn diefelben auf Schwefelfäure verarbeitet werden, wie die früher erwähnten Refultate ergaben. In allen den bis jetzt erwähnten Oefen wird die eigene Oxydationswärme der Schwefelmetalle benützt, um die weitere continuirliche Röftung fortzuführen. Und es haben diefe Oefen die fogenannten Muffelöfen, wo die pulverförmigen Kiefe mit Hilfe von Brennmaterial in gefchloffenen Gehäufen abgeröftet wurden, in den meiften derjenigen Fällen verdrängt, wo es fich nicht um eine möglichft weit getriebene Entfchweflung des Röftrückftandes handelt. Um z. B. die Zinkblende zur Verarbeitung auf Zink tauglich zu machen, mufs diefelbe von ihrem Schwefelgehalte bis auf I, ja o 5 Percent befreit werden. Es ift in der Praxis jedoch noch nicht gelungen, das Ideal der Röftung der Zinkblende zu erreichen, nämlich die 32.99 Percent Schwefel, welche eine Zink blende enthalten, bis auf o 5 Percent der Schwefelfäure- Fabrication zuzuführen, Wird diefelbe im Gerftenhöfer'fchen Röftofen abgeröftet, fo enthalten die Röftrückftände im günftigen Falle noch fünf bis fechs, ja noch mehr Percent Schwefel, welcher Gehalt diefe Rückftände zur directen Verhüttung auf Zink untauglich macht. Bei diefem Schwefelgehalte im geröfteten Erze erhält man für die Schwefelfäure- Fabrication ein vollkommen taugliches Gasgemenge. Bode macht daher den Vorfchlag, die Zinkblende zuerft im Schüttofen bis auf die früher erwähnte Grenze zu ent S 10 Johann Stingl. fchwefeln und die hiebei fallenden an 6 bis 7 Volumpercente fchwefliger Säure bei 6 Volumpercenten freien Sauerftoffs in den Austrittsgafen enthaltenden Gafe der Schwefelfäure- Erzeugung zuzuführen, die Röftrückftände aber im Flammofen bis auf I bis 0'5 Percent Schwefel abzuröften, um diefelben auf Zink verhütten zu können. Die fchon einmal angeführte bekannte Firma Rhenania in Aachen brachte das Modell eines Röftofens für Zinkblende von R. Hafen clever Helbig ( Fig. 2) zur Ausftellung, welches die Möglichkeit bietet, den gröfseren Theil des Schwefelgehaltes nutzbar zu machen und hierauf durch weitere Röftung einen zur Zinkfabrication tauglichen Rückftand zu erhalten. 00 P a L E R Fig. Fig. 2. G' R R R Diefer Zinkblend- Röftofen hat der Hauptfache nach folgende Einrichtung: Das Erzklein gelangt durch eine Schüttvorrichtung Z auf eine unter einem Winkel von 43 Grad geneigte fchiefe Ebene A, welche 9 Meter lang und 1.75 Meter Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 11 breit ift. Diefe fchiefe Ebene wird von unten durch die abgehende Wärme eine Flamm- Röftherdes B, nachdem diefelbe zuvor eine Mufel C umfpielt hat, auf eine Temperatur erhitzt, dafs an allen Stellen Antimon fchmilzt. Damit die Erzfchliche auf diefer geneigten Fläche gleichmäfsig nach abwärts gleitet und nicht an der tiefften Stelle fich anhäuft, find 15 Scheidewände 6 in Abftänden von 05 Meter angebracht, die perpendiculär auf die fchiefe Ebene ftehen, von derfelben aber um o'or Meter abftehen, um dem Erze einen Weg frei zu laffen. Diefe Scheidewände erftrecken fich nicht über die ganze Breite der fchiefen Röftplatte, fondern ftehen abwechfelnd bald von der linken, bald von der rechten Umfaffungsmauer der Röftfläche um o 4 Meter ab, während fie mit dem entgegengefetzten Ende, an die Mauer dicht anliegend, befeftigt find, fo dafs die Röftgafe in Zickzackwindung auf einem langen Wege über die zu röftende Blende ftreichen Am unteren Ende der fchiefen Fläche befindet fich eine cannelirte Walze a welche die Breite der erwähnten Fläche abfchliefst. Diefe Walze ift innen hohl damit ein Luftftrom hindurchftreichen kann, um diefelbe zu kühlen. Wird nun diefe Walze gedreht, fo wirft fie ein beftimmtes Quantum Erz, von der Röftfläche entnehmend, auf die Sohle der Muffel C. Nach der Schnelligkeit diefer Bewegung läfst fich die Menge des Erzes genau reguliren, die in einer beftimmten Zeit in die Muffel gebracht werden foll. Hiedurch kommt die auf der Röftplatte ausgebreitete Blendefchicht in Bewegung und rutfcht in dem Mafse abwärts, als die Walze Erz in die Muffel wirft. Diefe befitzt eine Länge von 6.4 Meter, eine Breite von 1.8 Meter und eine Höhe von o'3 Meter und wird von den Feuergafen eines unter der Muffel liegenden Flammen- Röftherdes B umfpült und fo erhitzt. Das in die Muffel gelangende Erz wird nun von Arbeitern von Zeit zu Zeit durch feitlich angebrachte Arbeitsöffnungen R( Fig. 3), 5 an der Zahl, die zugleich den Luftzutritt vermitteln, auf der Sohle der Muffel nach vorwärts bewegt bis dasfelbe nahe am Ende der Muffel zu einer Oeffnung t gelangt, durch welche es auf die Sohle eines Flammen- Röftherdes B fällt, wo die Erze durch ein directes Flammenfeuer zu Ende geröftet werden. Während nun die Röftgafe aus der gefchloffenen Muffel über die fchiefe Röftfläche ftreichen und von hier mit 7 bis 9 Volumen Percent fchwefliger Säure beladen in die Kühlkammer und hierauf in die Bleikammer ftreichen, fo geht jener Theil der fchwefligen Säure, der im Röftherde fällt, mit den Feuergafen des Flammenofens, nachdem fie die Muffel- und Röftfläche erhitzt, in den Schornftein S und fomit für die Schwefelfäure- Fabrication verloren. Die Heizung des Flammenherdes gefchieht durch Gasfeuerung. Was nun den Grad der Abröftung in den drei verfchiedenen Röfträumen diefes Ofens betrifft, fo möge folgendes Beiſpiel denfelben erläutern. Nach Hafenclever zeigten fich bei einer fchwefelarmen Blende mit 20 Percent Schwefelgehalt: am Ende der fchiefen Ebene noch ein Schwefelgehalt von Muffel noch ein Schwefelgehalt von " 9 29 99 B ΙΟ Percent 6.9 I'2 " 79 und abgeröftet am Ende des Röftherdes ein Schwefelgehalt von fo dafs 82 Percent des Gefammtfchwefels der Schwefelfäure- Fabrication zu gute kamen und die geröftete Zinkblende nur mehr 12 Percent Schwefel enthielt, ein Schwefelgehalt, der die Verhüttung der Zinkblende vortheilhaft geftattet. Ueber die Gröfse des Durchfetzquantums und die Menge des Brennmaterial- Verbrauches für ein beftimmtes Quantum abzuröftender Blende liegen für diefen Röftofen keine Daten vor. Die Vortheile diefes finnreichen Röftapparates find mehrfach. Vor Allem geftattet er die vollkommene Abröftung der Blende in einem Zuge ohne Unterbrechung der Röftoperation; ferner wird der gröfste Theil des Schwefelgehaltes gegen 80 Percent zur SchwefelsäureFabrication verwendet und doch fallen Röftrückftände, die zur Verhüttung auf Zink vollkommen tauglich find. Brennmaterial- Verbrauch und geringeres Durch fetzquantum gegenüber den Schüttöfen wird ihm vorgeworfen. 12 Johann Stingl. Es ift nicht zu verkennen, dafs diefer Röftofen berufen ift, die gewöhn lichen Muffel- Röftöfen und die Flammen- Röftöfen der Zinkhütten zu verdrängen und die Zinkblende in den Kreis der Schwefelverbindungen zu erheben, deren Schwefelgehalt zur Schwefelfäure- Fabrication nutzbar gemacht wird, ftatt die fchweflige Säure in die Luft zu jagen. Für die Güte diefer Röftvorrichtung fpricht auch der Umftand, dafs feit der kurzen Zeit feiner Bekanntgabe( 1872) fchon gegen 45 folcher Oefen theils im Baue begriffen find, theils fchon im Betriebe ftehen und zwar in Deutfchland, Frankreich und Dänemark. Die Verwendung der früher erwähnten Schwefelmeta lle zur Schwefelfäuere- Fabrication mit Hilfe der befchriebenen Kies- Röftöfen brachte den grofsen Uebelftand mit fich, dafs die fo gewonnene Säure mehr oder weniger mit Arfen verunreinigt war, in Folge des Arfengehaltes der meiften in der Natur vorkommenden Schwefelungen. Man musste daher bedacht fein, den oft bedeutenden Gehalt an Arfen aus der Säure zum gröfsten Theile zu entfernen. Man erreichte diefs nur durch Ausfällung des Arfens als Dreifach- Schwefelarfen mittelft Schwefelwafferft off. Die Freiberger Hütten hatten die Producte diefer Reinigung im Pavillon der deutfchen Metallurgie zur Anfchauung gebracht. Es gefchieht diefe Reinigung dort, fowie auf der Okerhütte u. f. w. in dem fogenannten Fällungsthurme. Derfelbe beſteht im Wefentlichen aus einem rechteckigen, 20 bis 25 Fufs hohen, aus Bleiplatten geformten Thurme, in deffen Innern reihenweife eine grofse Anzahl aus Bleiftreifen dachförmig geformter Querftücke angebracht find, über welche von obenher die 50gradige Kammerfäure vielfach vertheilt nach abwärts fliefst, während ein Strom Schwefelwaffergas entgegenftreicht und das Arfen in unlösliches Schwefelarfen verwandelt, das, in der Säure fuspendirt, mit nach unten gelangt. Die ungereinigte Säure wird mittelft Dampfdruckes in Bleirohren nach oben gehoben, fliefst in mehrere auf der Plattenform des Thurmes fich nebeneinander befindliche Kippapparate, die das Säurequantum abwechfefnd nach rechts und links vertheilen. Unterhalb jedes Kippapparates befindet fich eine Bleiplatte, die mit Löchern verfehen ift, zum Durchlaffen der Säure. Diefe Platten liegen auf einem Rahmen, der mittelft hydraulifchen Verfchluffes den Thurm oben abfchliefst. Auf jede folche Platte wird ein kaftenartiger Bleideckel gelegt, der an feinem längern Rande Einſchnitte hat, um der Säure Durchgang zu gewähren. Der Schwefelwafferft off wird in einem Bleigefäfse aus Rohft ein und Schwefelfäure entwickelt und gelangt an der tiefften Stelle des Thurmes unter einer Bleiplatte weg in die Mitte des Thurmes und ftrömt der herabtropfenden Säure entgegen. Wegen der Giftigkeit des Schwefelwafferftoffgafes mufs bei diefer Reinigung der Schwefelfäure grofse Vorficht geübt werden und der Apparat derart conftruirt fein, dafs fo wenig als möglich Schwefelwafferftoff in das Innere des Haufes, in welchem der Fällungsthurm fteht, ftrömt; daher ift die Deckplatte in einer Rinne mit Wafferverfchlufs aufgefetzt und das zufliefsende Säurequantum ift derart regulirt, dafs die Zulauföffnungen mit einer Säuerefchicht immer überdeckt find. Die Säure, welche den Fällungsthurm paffirt hat und das Dreifach- Schwefelarfen als unlöslichen Niederfchlag fuspendirt enthält, fliefst an der tiefften Stelle in mit Blei ausgelegte Setzbottiche und wird durch Leinwand filtrirt, um hierauf der weiteren Concentration zugeführt zu werden. Obfchon diefer Fällungsapparat nicht allen Anforderungen betreffs der Gasdichtigkeit entspricht, fo ift er doch allgemein eingeführt und functionirt beffer als der früher benüzte, bei welchem bekanntlich die Säure von unten in den Thurm gefpritzt wurde und dann bei ihrem Zurückfallen mit Schwefelwafferftoff in Berührung kam. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. Concentration der Schwefelsäure. 13 In diefem Zweige der Schwefelfäure- Fabrication wurden in neuefter Zeit wefentliche Fortfchritte gemacht, da einestheils durch die Maffenhaftigkeit der erzeugten Schwefelfäure, andererfeits durch die Preiserhöhung der Brennftoffe der Fabrikant genöthigt war, diefen Umftänden Rechnung zu tragen. In letzterer Beziehung war es vorzüglich die rationelle Benützung der mit den Röftgafen abgehenden grofsen Wärme quantitäten zum Behufe der Concentration, welche eine wefentliche Erfparnifs an Brennftoffen und mithin billigere Erzeugung ermöglichte. Ein zweckmäfsiger Apparat, um den erwähnten Zweck zu erreichen, indem derfelbe hiedurch die heifse fchwefelige Säure auf 70 Grad Celfius kühlt, ift der Glowerthurm, in welchem aufser den früher erwähnten Vorgängen auch die Zerfetzung der nitrofen Säure bewerkstelligt wird. Derfelbe kam zwar nicht zur Ausftellung, allein da er in den SchwefelfäureFabriken, die Kiefe verröften, immer mehr und mehr Eingang findet, foll er hier kurz befchrieben werden. Er beſteht aus einem aus Bleiplatten geformten Thurme von 20 bis 25 Fufs Höhe, der innerhalb der Bleiplatten ausgemauert ift, um dem Thurme Feftigkeit zu geben und hauptfächlich, um die rafche Temperaturverminderung in Folge des guten Wärmeleitungsvermögens des Bleies zu verhindern. Diefer Thurm ift nun von unten nach oben angefüllt mit einem Gitterwerke aus feuerfeften Ziegeln( wegen ihrer Reinheit benützt), dann mit Quarzftücken und zuletzt mit Coaks. Gefchloffen ift der Thurm durch Bleiplatten. Ueber dem Thurme befinden fich zwei Refervoirs, wovon das eine für die 50grädige Kammerfäure und das zweite für die aus dem Gay- Luffa c- Thurme kommende nitrofe Säure dient. Jede diefer Flüffigkeiten läuft genau regulirt auf ein aus Glasröhren verfertigtes Segner'fches Rad, damit diefelben ordentlich vertheilt werden; denn die Säuren werden hiedurch in durch Zwifchenwände abgetheilte runde Bleigefäfse entleert. Aus jeder diefer Abtheilungen geht ein Bleirohr weg. Ein folches Rohr mit 500 Säure und ein entſprechendes mit nitrofer Säure münden immer gemeinfchaftlich in eine Oeffnung der oberen Decke des Thurmes. Diefe Oeffnungen find nun regelmässig vertheilt, fo dafs Kammer- und nitrofe Säure gemifcht, gleichmäfsig und richtig vertheilt über die Füllmaffe des Thurmes, der heifsen fchwefeligen Säure entgegenfliefsen, hiedurch Waffer abgeben, welches im Vereine mit Wärme die nitrofen Dämpfe entbindet, welche mit fchwefeliger Säure gemengt wieder der Schwefelfäure- Fabrication zu gute kommen. Die beiden Säuren gelangen an der unterften Stelle des Thurmes auf 60 Grad B. concentrirt an. Lunge behauptet gegen Bode, dafs die Concentration bis 62 Grad Beaumé im Glowerthurm getrieben werden kann. Handelt es fich bei der Schwefelfäure- Fabrication um eine concentrirte 66grädige Säure, fo gefchieht diefe Concentration jetzt beinahe ausfchliefslich in den Platinretorten, deren Werth in Folge der Concurrenz und der Bearbeitungsmethode des Platins nach H. St. Cl. Deville, welche die Engländer acceptirten, bedeutend heruntergegangen ift. Auf der Ausftellung hatten die zwei berühmten Firmen: Johnfon, Mathey& Comp. in London und Desmoutis, Quenneffen& Comp. in Paris neben anderen Platingegenständen auch Platinkeffel zur Ausftellung gebracht. Der Keffel der englifchen Firma hatte eine fchlanke Form und war mufterhaft gearbeitet; dadurch, dafs der Helm unter einem ftumpfen Winkel nach aufwärts ftieg, mithin höher wurde, ift die Möglichkeit einer vollkommeneren Condenſation der mitgeriffenen Schwefelfäure gegeben. Statt der bis jetzt gebräuchlichen Breant'fchen Kühlvorrichtung der concentrirten heifsen Schwefelfäure, beftehend aus einer heberartigen Vorrichtung, deren. längerer Schenkel in mehrere enge gerade Röhren getheilt ift, welche in Kühlwaffer liegen, verwenden J. Mathey& Comp. als Erfatz für diefe Röhren eine Kühl 14 Johann Stingl. fchlange aus Platin, welche mehr Oberfläche der Säure bietet, diefelbe daher beffer kühlt. An den Platinkeffeln beider erwähnter Firmen waren an den Ablafsvorrichtungen fogenannte Sicherheitsröhren angebracht, welche verhindern follen, dafs der Arbeiter aus dem Keffel mehr Säure ablaffen kann, als ohne Gefahr der Ueberhitzung des von Flüffigkeit entblöfsten Keffelbleches möglich ift. Diefe Einrichtung befteht darin, dafs in die kürzere Heberröhre, die bis beinahe zum Boden des Keffels reicht, durch eine Stopfbüchfe eine enge Röhre A ( Fig. 3) gefchoben ift, die oben in einen Trichter B endet, auf welchen ein kleiner B A 1 1 Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. 15 Deckel d pafst, der ein Anfatzrohr hat. Die Röhre ift unten offen und wird fo weit in die Heberröhre gefchoben, dafs ihr unteres Ende etwas über die oberfte Feuergrenze a b zu ftehen kommt. Oeffnet nun bei diefem Stande der Röhre der Arbeiter den Ablafshahn, fo wird folange Säure aus dem Keffel fliefsen, als das Ende der Röhre noch in Säure taucht, mithin gefchloffen ift. Sobald diefs nicht mehr der Fall, tritt durch die offene Röhre Luft in den Heber, derfelbe entleert fich und hört auf, als Heber zu functioniren. Soll der Keffel ganz abgelaffen werden, fo wird das obere Ende der Röhre durch einen Platinpfropfen luftdicht verfchloffen und diefelbe fo wirkungslos gemacht. Diefe Vorrichtung hat den Nachtheil, dafs beim Stofsen der fiedenden Flüffigkeit im Keffel, welches häufig vorkommt, Säure aus demfelben durch die Röhre herausgefchleudert wird. Die Firma Johnfon, Mathey& Comp. brachte auch den bekannten Platinapparat zur quantitativen Beftimmung von Gold in Legirungen mittelft Salpeterfäure zur Ausftellung. Aufser der hier erwähnten Methode der Concentration der Schwefelsäure auf 66 Grad Beaumé brachte A. de Hemptinne fein Syftem der Schwefelfäure Concentration durch eine Zeichnung zur Anfchauung. Dasfelbe beruht auf den fchon von Kuhlmann 1844 gemachten Beobachtungen, dafs 66grädige Schwefelfäure, die bei gewöhnlichem Drucke bekanntlich erft bei 325 bis 327 Grad Celfius fiedet, in einem luftverdünnten Raume von 3 bis 4 Centimeter Queckfilberdruck fchon bei 190 bis 195 Grad Celfius fiedet, wobei Blei noch nicht angegriffen werden foll.** musiqu De Hemptinne conftruirte nun einen ziemlich complicirten Apparat, um die früher erwähnten Thatfachen nutzbar zu verwerthen, was fchon im Jahre 1859 von Keller gefchah.*** Diefer Apparat befteht der Hauptfache nach aus einem bleiernen Keffel, der mit Kiefelfteinftücken oder Kugeln von Steinzeug oder Glas angefüllt iſt, damit er dem Atmoſphärendrucke widerfteht. In diefen Keffel gelangt die vorgewärmte verdünnte Schwefelfäure und füllt die Zwifchenräume aus. Auf diefem Keffel befindet fich ein Dom, aus welchem eine im Kühlwaffer liegende horizontale Röhre geht, die fich in eine Schlangenröhre fortfetzt, welche vertical in einem Kühlgefäfse fich befindet; diefe Schlangenröhre mündet in ein Refervoir und entleert in dasfelbe das fchwefelfäurehältige, aus dem Keffel abdeftillirte Waffer. Alle diefe Verbindungen find luftdicht. Das Sammelrefervoir für das abdeftillirte Waffer fteht in directer Verbindung mit einem zweiten wichtigen Theile des Apparates, mit der Luftverdünnungsvorrichtung. Diefelbe befteht nach de Hemptin ne aus einem innen mit Holzdauben ausgelegten Eifenkeffel, in welchen oben ein Dampfrohr und daneben ein Rohr zum Einfpritzen von kaltem Waffer mündet. Durch eine Röhre ift diefer Keffel mit dem früher erwähnten Sammelrefervoir in Verbindung. Wenn noch erwähnt wird, dafs auf diefem Sammelrefervoir eine Barometervorrichtung fich befindet, um den Grad der Luftverdünnung zu beftimmen, dafs ferner der Concentrationskeffel einen Ablafsheber hat, welcher in einen Brunnen von fechs Meter Tiefe mündet, und dafs die Säure, nachdem fie concentrirt und gekühlt ift, durch mit Asbeft, Kiefelfand oder Glasftückchen gefüllte Bleifiebe filtrirt wird, um das fchwefelfaure Bleioxyd zurückzuhalten, fo find die Hauptbeftandtheile erwähnt, die den Gang des Apparates leicht verftändlich machen. Ift die verdünnte Säure in den Bleikeffel gefüllt, fo wird ein Hahn gefchloffen, der die Verbindung der Deftillationsvorrichtung mit dem Luftverdün * Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 243. ** Siehe dagegen Hafenclever's Angabe in Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 238. *** Wagner's Jahresbericht 1859, pag. 139. 2 ப 16 Johann Stingl. nungskeffel aufhebt. In diefen wird Dampf durch eine Röhre ftrömen gelaffen, der alle Luft aus demfelben durch eine zweite geöffnete Röhre entfernt. Ift diefs gefchehen, wird diefe Röhre, fowie die Dampfröhre gefchloffen und hierauf kaltes Waffer fo lange eingefpritzt, bis der Dampf condenfirt und fo ein Vacuum hergeftellt ift. Nun wird der früher erwähnte Hahn geöffnet und die Luft foweit als möglich aus den Deftillationsapparate entfernt. Der Keffel wird nun geheizt und die Deftillation beginnt unter den früher hergeftellten Bedingungen der Luftverdünnung. Das überdeftillirende Waffer mufs vollſtändig condenfirt werden, damit die Verdünnung nicht zu ftark behoben wird. Man verdampft nun fo lange, bis die am Keffel angebrachten Thermometer 200 bis 205 Grad Celfius zeigen, ftellt hierauf das Feuer ab, läfst durch Oeffnen eines Hahnes Luft in den Apparat und zieht die concentrirte Säure ab. Die Hemptin ne gibt eine Erfparnifs von 44 Percent mit diefem Verfahren gegenüber dem gewöhnlich an. Zum Schluffe diefes Capitels mufs noch des Salzfäure- Conden fationsapparates erwähnt werden, den die Auffiger Sodafabrik voll. ftändig adjuftirt ausgeftellt hatte und der für die vorzügliche Leiftung diefes Etabliffements auch in Bezug auf Thonwaaren Zeugnifs ablegte. Auch die Hrufchauer Sodafabrik brachte fchön gearbeitete Thonappaebenfo die bekannte Firma rate für chemifche Zwecke zur Ausftellung Fikentfcher F. Chr. in Zwickau. - Deftillir- und Abdampfapparate für pharmaceutifche Zwecke und Laboratorien. Eine eigene Abtheilung von Apparaten bildeten die obengenannten Vorerwähnen. richtungen und find auf diefem Gebiete einige Neuerungen zu Deutfchland und Oefterreich waren in diefer Branche am beften vertreten. Allen voran ftand die Firma F. A. Wolf& Söhne in Heilbronn und Wien; hieran reihten fich Wilhelm Bitter in Bielefeld, Stefan Baumann in Wien, G. Mürle in Pforzheim( Baden) und Grafek& Stäter Beindorf's Nachfolger in Frankfurt am Main. Die gewöhnlichen Dampf- Deftillirapparate find im Principe einfach. In einem kupfernen, direct im Feuer liegenden Keffel, wird eine kleinere, meift zinnerne Abdampffchale luftdicht eingepafst. Auf diefe eigentliche Deftillir. vorrichtung wird der fogenannte Deftillirhelm befeftigt, deffen Abzugsrohr in einen Kühlbottich mündet und dort in Form einer Schlangenröhre durch das Kühlwaffer geht. Aus dem eigentlichen Dampferzeuger geht oben ein Dampfrohr ab, welches fich umbiegt und in die Deftillirblafe mündet und fo hier die Verflüchtigung des betreffenden Körpers bewerkstelligt. Von dem Dampfkeffel geht eine zweite Röhre ab, die in den Kühlapparat mündet und hier ebenfalls in Form einer Schlangenröhre durch das Kühlwaffer geht. Diefe Röhre dient zur Condenſation des Wafferdampfes und liefert an ihrem Ende das deftillirte Waffer für Pharmaceuten u. f. w. Man läfst nun oft diefe zweite Dampfröhre, bevor fie in den Kühlbottich mündet, durch einen Trockenfchrank mit mehreren Fächern ftreichen. Solche Einrichtungen eignen fich befonders für kleinere Labora torien. Der Trockenfchrank mufs natürlich an feiner tiefften Stelle eine Vorrichtung zum Ablaffen des condenfirten Waffers haben. Fig. 1 zeigt einen derartigen Apparat, wie deren mehrere ausgeftellt waren. A Deftillirblafe, B Helm, C Schlangenrohr, D Dampfröhren, K Kühlfafs, S Trockenfchrank, m Ablafshahn für condenfirtes Waffer im Trockenfchrank. In vielen Fällen handelt es fich bei Deftillationen und Extractionen darum. den Dampf bei 100 Grad Celfius einwirken zu laffen. Deftillir- und Abdampfapparate für pharmaceutifche Zwecke und Laboratorien. Bi Fig. 1. D D D 17 Man erreicht diefs durch die Deftillation mittelft gefpannter Dämpfe, welche bei ihrer Wirkung auf die abzudeftillirende Subftanz zwar ihre Spannung verlieren, aber hiebei doch eine Tem peratur von 100 Grad Celfius befitzen, fo bald fie zur Wir kung kommen. Einrichtung Die diefer Apparate befteht in einem Dampferzeuger nach Art des Papin'fchen Topfes mit Sicherheitsventil und Thermometer. Wenn der Dampf in diefem Theile des Apparates die nöthige Spannung bis zu I Atmoſphäre Ueberdruck entfprechend 120 Grad Celfius befitzt, fo öffnet man den Hahn an der Dampfröhre und läfst den überhitzten Dampf in einen cylindrifchen Deftillirapparat, in welchem das Rohmaterial, deffen flüchtiger Beftandtheil abdeftillirt werden foll, auf Sieben ausgebreitet ift. Aus diefem Deftillationsapparate münden die Dämpfe fammt dem gewonnenen flüchtigen Producte in das Kühlfafs, worin Dampf und Deftillat fich condenfiren. Die Einrichtung eines folchen Apparates erhellt aus Fig. 2. A Dampferzeuger, O Windofen, a Sicherheitsventil, B Dampfrohr, b Hahn, um den gefpannten Dampf durch B in den Deftillirapparat C gelangen zu laffen, c Siebe, D Dampfrohr, KKühlfafs. B B Fig 2. D Um nun in der Praxis Subftanzen im luftverdünnten Raume abzudampfen, was auch in Laboratorien und bei vielen pharmaceutifchen Prä paraten oft erwünſcht ift, fo gefchieht das bekanntlich in fogenannten Vacuumapparaten. Für kleineren Be darf wurden diefelben bis jetzt ganz nach dem Principe der Vacuumapparate der Zuckerfabriken ausgeführt; das heifst, das Vacuum wurde mittelft Luftpumpen und Condenfation des Wafferdampfes erzeugt, nur waren dem entfprechend auch die Apparate 2% 18 Johann Stingl. kleiner; allein trotzdem haben diefelben den grofsen Uebelftand, dafs ihre Anfchaffung theuer, dafs man ferner eines Motors zum Betriebe der Luftpumpen benöthigt und dafs ihre ganze Einrichtung für kleinere Abdampfungen viel zu fcomplicirt ift. Auf der Ausftellung war ein derartiger Apparat durch die Firma Bitter in Bielefeld ausgeftellt, der, was Nettigkeit und Präcifion in der Arbeit betrifft, muftergiltig war. Die früher erwähnte Firma F. Wolf& Söhne kam nun auf die glückliche Idee, die Bunfen- Sprengel'fche Luftpumpe zur Erzeugung des Vacuum bei derlei Abdampfapparaten zu verwerthen. Diefe Firma hatte einen Apparat nach diefem Syfteme ausgeftellt, deffen Abdampffchale 200 Liter Faffungsraum hatte und der fich vollkommen bewährte. Die Firma F. Wolf& Söhne änderte die Waffer- Luftpumpe in der Art ab, dafs der Wafferftrahl durch eine enge Röhre nach Art des Giffard- Apparates in die Fallröhre gelangt und fenkrecht darauf in das weitere Luftrohr mündet, aus welchem durch das fallende Waffer die Luft angefaugt wird. An diefem Luftrohre wurde ein nach aufwärts fich öffnendes Ventil angebracht in der Art, dafs die Luft durch die Röhre ungehindert paffirt, aber, fobald Waffer in die Luft- Zuführungsröhre gelangt, das Ventil fich fchliefst. An diefer Pumpe ift ein Queckfilbermanometer angebracht, welches neben der Verdünnung auch die Temperatur anzeigt, welche bei diefer Verdünnung im Abdampfraume herrfcht. Bo Siedepunkte des Wassers nach Celsins bei einem Barometerstand von 28 Zoll- 760 Millimeter. WASSERLUFTPUMPE von F.A.WOLFF& SÖHNE in HEILBRONN Württemberg. Fig. 3. Grade Millimeter 760 750.3 728.5 712.3 26 105 1 Fig. 3 zeigt die nähere Einrichtung diefer Pumpe, a das Rohr für das einftrömende Waffer mit dem Hahne h, der den Wafferzuflufs genau zu reguliren geftattet, 6 das Luftrohr, welches durch einen ftarken Gummifchlauch mit der Abdampffchale in der gehörigen Weife verbunden ift, c die Fallröhre, die bei 8 Millimeter lichter Weite bei 3 Meter Länge eine Luftleere von 130 Millimeter gibt 456789 " 9 99 29 99 " 200 280 " 99 99 " " 27 " 99 45 663-6 25 50 55 668 " " " " 17 320 " 9 642 99 " " " 400 29 60 611 " " 7 " " 22 99 " 65 573 " 99 " " 27 " 21 IO 20 " " " " " 29 70 526-3 II எ " M " " 29 75 18 12 " " 99 705 471-5 17 13 " 19 99 715 16 14 27 " " " 2 728 R 79 99 " P. Zoll 32222222-4229287 80 15 4054 14 13 85 3774 12 11 10 90 2346 95 16 5 126-3 3 471 526 580 642 bei einem Barometerftande von 750 Millimeter. Die genannte Firma gibt ferner an, dafs bei einer Fallröhrenhöhe von 14 Meter und 8 Millimeter lichter Weite ein Gefäfs von 10 Liter Inhalt innerhalb 10 Minuten bis 573 Millimeter luftleer gemacht wurde und hiebei blos. 10 Liter Waffer die Fallröhre paffiren. Der Abdampfapparat felbft hat folgende Einrichtung, wobei wir drei Fälle unterfcheiden müffen: I. Ift der Abdampfapparat nahe bei der Luft pumpe, fo dafs ein Verbindungsfchlauch von 2 Fufs Länge hinreicht, fo ift die Abdampfvorrichtung folgendermassen eingerichtet.( Fig.4.) Auf den gut abgefchliffenen Rand einer Abdampffchale A ( ftarke Kupferfchale, verzinnte Kupferfchale oder Glasfchale) von runder oder elliptifcher unterer Wölbung wird ein dicker Kautfchukring B genau aufgepafst und auf denfelben Deftillir- und Abdampfapparate für pharmaceutifche Zwecke und Laboratorien. 19 ein gläferner Deckel C, in der Form, wie die Figur zeigt, gedrückt. Mit D wird die Luftpumpe verbunden. Diefer Abdampfapparat läfst an Einfachheit nichts zu wünſchen übrig. Nach der Angabe von F. Wolf& Söhne foll ein Springen diefer Glasdeckel weder durch Druck, noch durch Temperaturerhöhung zu befürchten fein. Diefer Glasdeckel geftattet ein genaues Beobachten der abzudampfenden Subftanz, was ein grofser Vorzug ift. 2. Ift nun die Luftpumpe von der Abdampffchale weiter entfernt, fo dafs die Dämpfe in der langen Leitung fich condenfiren, wodurch ein Zurückfliefsen des condenfirten Waffers in die Abdampffchale ftattfindet, fo wird zwifchen die Abdampffchale und den Deckel ein kurzer Metallcylinder a( Fig. 5) eingefchaltet, der an feiner inneren Seite einen Metallftreifen/ an der unteren Bafis des Cylinders in der Art angelöthet enthält, dafs er eine nach oben offene Rinne bildet, Fig. 4. Fig. 5. D a B C B b die rings um die Abdampffchale läuft und verhindert, dafs die condenfirte Flüffigkeit in die Abdampffchale zurückfliefsen kann. Die Röhre b mit den zwei Hähnen h dient zum Ablaffen diefer Flüffigkeit von Zeit zu Zeit, ohne dafs das Vacuum aufgehoben wird. Natürlich find bei diefer Anordnung des Apparates zwei Kautfchukringe nöthig. Die Luftleere wirkt hier ferner durch die Röhre c nahe über der Flüffigkeitfchicht in der Abdampffchale. 3. Wird diefer Abdampfapparat als gleichzeitiger Deftillirapparat für Deftillationen im luftverdünnten Raume benützt, fo bekommt derfelbe folgende Einrichtung: Die Adjuftirung der Abdampffchale ift diefelbe, wie früher angegeben wurde. Der Unterfchied zwifchen der vorigen Anordnung und diefer( Fig. 6), liegt darin, dafs die Luftpumpe mit der Vorlage A durch die Röhre a in Verbindung fteht und hier ein Vacuum erzeugt, das fich durch die Röhre 6 dem Abdampfraume mittheilt. Durch diefe Röhre b gelangt gleichzeitig das Deftillat in die Vorlage A. Diefelbe ift ein ftarkes Glas, auf welches ein Zinndeckel mittelft eines Kautfchukringes luftdicht pafst Der Deckel Cder Abdampffchale hat an feinem oberen Ende eine Röhre c eingefchraubt, die mit einem Hahne verfchliefsbar ift. Durch diefe Röhre und das Vorrathsgefäfs B wird die Füllung der Abdampffchale bewerkstelligt. Aus diefen kurzen Mittheilungen erhellt die Wichtigkeit und Einfachheit diefes Apparates, der einem viel gewünſchten Bedürfniffe auf eine finnreiche Art LA 20 Johann Stingl. Fig. 6. B b b a gerecht wird. Nach den Mittheilungen des Herrn Wolft find feit der Ausftellung fchon mehrere derartige Apparate fowohl an gröfsere Laboratorien, als auch für andere Etabliffements- z. B. in die Schweiz zur Fabrication von condenfirter Milch abgefetzt worden. - -- Diefe kurzen Notizen mögen genügen, um eine Idee zu bekommen von der Art und dem jetzigen Stande der Fabrication der Abdampf- und Deftillirapparate für Laboratorien und pharmaceutifche Zwecke. Es mufs hier bemerkt werden, dafs diefer Fabricationszweig rüftig vorwärts fchreitet. Eismafchinen. Bei wenig Fabricationszweigen erkennt man das Streben des Menfchen, gewiffe Naturerfcheinungen, die an beftimmte Zeiten und Orte gebunden find, künftlich herbeizuführen, und fich diefelben allerorts und zu beliebigen Zeiten nutzbar zu machen, fo deutlich, als bei dem der künftlichen Eiserzeugung. Für Bierbrauerein, für Conditoreien, für Haushaltungen, für medicinifche Zwecke u. f. w. trat zuerft die Frage der Eisconfervirung und endlich die der künftlichen Eiserzeugung in den Vordergrund. Seit der Parifer Ausftellung im Jahre 1867, auf welcher der inter mittiren de Ammoniak Eisapparat von Carré, dann die continuir lich wirkende Carré'fche Ammoniak- Eismafchine und der Luftpumpen- Eisapparat von Edmund Carré vertreten waren, und über welche K. Swoboda in feinem Buche:„ Die Eisapparate der Neuzeit", Weimar 1868, Bernhard Fr. Voigt, ausführlich berichtet, wurden mehrere Patente auf Verbefferungen der erwähnten und auf Herftellung neuer Eismafchinen genommen. Die grofse Zahl der conftruirten und ausgeführten Eismafchinen kann man in zwei Gruppen bringen: Eismafchinen. 21 1. In jene, bei welchen eine Flüffigkeit in einem gefchloffenen Apparate zum rafchen Verdampfen gebracht wird, wodurch diefelbe Wärme bindet, da bei dem Uebergange vom flüffigen in den gasförmigen Zuftand eine Arbeit geleiftet werden mufs, indem ein Widerftand überwunden wird. Diefe Arbeitsleiftung wird durch die Wärme erzeugt. Diefe Wärme wird der Umgebung entzogen; in diefem Falle einer Salzlöfung, welche bis auf- 10 bis- 15 Grad Celfius abgekühlt werden kann, ohne zu gefrieren. In diefe gekühlte Flüffigkeit werden die fogenannten Gefriergefäfse, mit Waffer gefüllt, gebracht und fo das Waffer in Eis verwandelt. Indem nun die verdampfte Flüffigkeit in ihrem weiteren Gange durch den Apparat wieder condenfirt oder vom Waffer abforbirt wird( wie Ammoniakgas), um den Kreislauf von Neuem zu beginnen, nennt man folche Maſchinen cotinuirlich wirkende zum Unterfchiede von den intermittirenden, urfprünglichen Carr é'fchen Eismaschinen, die nur mehr in Laboratorien verwendet werden. Es follen hier kurz die verfchiedenen Flüffigkeiten erwähnt werden, die in Folge ihrer Flüchtigkeit zur Eisfabrication vorgefchlagen wurden und zum Theile auch wirklich angewendet werden. Athyläther( Harrifon's Patent); Methyläther( Tellier); diefe Flüffigkeit fiedet fchon bei 21 Grad Celfius und ist mithin weit flüchtiger als Athyläther, deffen Siedepunkt bei 35 Grad Celfius liegt; Amyläther( Menard); Ammoniak( Carré). Tellier, Budin und Husmann beanfpruchen ebenfalls die Priorität für den Ammoniak- Eisapparat. Methylamin( Tellier). Diefes ift in Waffer viel löslicher als Ammoniak; während 1 Volumtheil Waffer 670 Volu mina Ammoniak löft, löft es 1070 Volumina Methylamin bei 12 Grad Celfius; auch fchweflige Säure wurde in den Kreis jener Körper gezogen, die zur Eisfabrication verwendbar find; diefelbe bedarf nämlich zur Verflüffigung nur der Hälfte des Druckes als das Ammoniakgas, dafür ift aber die fchweflige Säure fchwerer in Waffer löslich und greift die Metalle an; Koehler liefs fich eine Eismafchine patentiren, in welcher die Kälte durch Verdunften von Chloräthyl, das fchon bei 12 Grad Celfius fiedet, erzeugt wird; endlich wurde von Ed. Carré die rafche Verdunftung des Waffers unter Mitwirkung von concentrirter Schwefelfäure zur Eiserzeugung benützt und auf diefes Princip hin eine Eismaschine gebaut. Auch die flüchtigeren Deftillationsproducte des Petroleum kamen unter verfchiedenen Namen zur Eiserzeugung in Verwendung. Von all' diefen Flüffigkeiten kommt nur das Ammoniak in Betracht zu ziehen, in folange es nicht gelingt, alle die vorgefchlagenen und theoretifch günftiger wirkenden Subftanzen leicht und in gröfs erer Menge billig darzuftellen. In die zweite Gruppe gehören jene Eismafchinen, bei denen ein Gas: atmofphärifche Luft, Kohlenfäure, Wafferftoffgas u. f. w. durch eine Pumpe ftark comprimirt wird Hiebei wird ein beftimmtes Wärmequantum frei. Diefer comprimirten Luft wird nun durch Wafferkühlung die freigewordene Wärme entzogen, und diefelbe fo auf die gewöhnliche Temperatur von 7 bis 12 Grad Celfius gebracht. Diefe gekühlte, comprimirte Luft wird hierauf zur rafchen Expanfion durch diefelbe Pumpe gezwungen, welche fie früher compri mirte. Zu diefer Ausdehnung nun bedarf die Luft Wärme und gerade fo viel, als fie früher bei der Compreffion frei gab. Diefe Wärme wird wieder, wie früher, einer Salzlöfung entnommen, in welcher dann das Waffer in den Gefrierapparaten zu Eis wird. Die erfte nach diefem Principe conftruirte Eismafchine war die von Kirk, hierauf folgte die von Windhaufen und die neueften find die von Mignot und von Giffard& Armen geaud. Auf der Ausftellung waren von diefen verfchiedenen Mafchinen die continuirlich wirkende Carré'fche Ammoniak- Eismafchine von den 22 Johann Stingl. zwei deutfchen Firmen Actiengefellfchaft für Fabrication von Eismafchinen, Mineralwaffer und fonftigen technifchen Apparaten( vormals Oscar Kropf& Comp. zu Nordhaufen) und Vaas& Littmann in Halle an der Saale; erner war ausgeftellt eine Aether Eismafchine( durch die Firma Siebe& Weft, Mafon ftreet, Lambeth, London). Die Carré fche Ammoniak- Eismafchine hat bis jetzt fich am meiften Bahn gebrochen und findet in ausgedehnterem Mafse Anwendung. Wefentliche Neuerungen in der Conftruction wurden an derfelben feit der Parifer Ausftellung nicht vorgenommen. Die Firma Vaas& Littmann, die feit fünf Jahren befteht und gegen 90 Arbeiter befchäftigt, erzeugte in diefem Zeitraume 34 Eismaschinen von einer Leiftungsfähigkeit von 50 bis 1000 Pfund Eis in der Stunde. Die genannte Firma verwendet ftatt der bisher gebräuchlichen genieteten Verdampfkeffel gefchweifste Keffel, die gefahrlos eine Spannung von 16 bis 20 Atmoſphären aushalten und nicht fo leicht rinnen wie die genieteten. Jede Röhre befitzt ferner einen forgfältig gearbeiteten Hahn, fo dafs man in der Lage ift, bei nothwendigen Reparaturen nicht die ganze Mafchine in Unthätigkeit verfetzen zu müffen, fondern in vielen Fällen durch die entfprechende Hahnftellung abgeholfen werden kann. Vaas und Littmann verwenden bei ihren gröfseren Eismafchinen zwei, ja drei Gefrierer, in der Art, dafs die das flüffige Ammoniak führende Röhre in zwei, refpective drei Zweigröhren fich theilt, deren jede durch einen Hahn gefchloffen oder geöffnet werden kann. Um die in den Gefriergefäfsen befindliche Chlorcalciumlöfung gleichmäfsig abzukühlen, befindet fich in denfelben ein Rührwerk, aus einem kleinen Flügelrade beſtehend. Die Mafchinen von Vaas& Littmann liefern Eisplatten von 80 Millimeter Stärke, 185 Millimeter Breite und 750 Millimeter Länge und einem Gewichte von 20 Zollpfund. Die Preife und Leiftungsfähigkeit der continuirlichen Carré'fchen Ammoniak- Eismafchine ftellen fich nach den Mittheilungen der Firma Vaas und Littmann wie folgt: Leiftungsfähigkeit per Stunde in Zollpfunden Preis der Mafchine inclufive Ammoniaklöfung und Chlorcalcium in Thalern per Centner Erforderliches Kühlwaffer bei 14 Grad Celfius per Stunde in Litern. Verbrauch an Steinkohle per Stunde in Pfunden Zur Bedienung der Mafchine erfor derliche Arbeiter Erforderliche Betriebskraft für die Eismafchine und Wafferpumpe in Pferdekräften 50 IOO 200 400 IOOO 1600 2600 4300 6400 I 0000 75° 1500 3000 6000 15000 8 IO 18 30 60 2 2 2 3 4 0 2 3 4 Beiläufiges Gewicht der Maſchine in Centnern 75 120 200 310 480 Der tägliche Bedarf an Kohle, Ammoniakflüffigkeit und Chlorcalcium ift für diefe Eismafchine von verfchiedener Leiftungsfähigkeit folgender: Eismaschinen. 23 Ammoniak- Chlor Kohle löfung calcium Pfund Eismafchine von 50 Pfund ftündlicher Leiftung 150 I IOO 29 " " 99 27 300 1 ½ 200 " 22 י 99 600 313 " " 400 99 " 9 1800 99 IO 1000 29 وو 2400 15 12348 Berücksichtigt man alle einfchlägigen Factoren, fo ftellt fich I Centner Eis je nach der verfchiedenen Leiftungsfähigkeit der Mafchinen, wie folgt: Bei einer Leiftungsfähigkeit der Mafchine von 50 Pfund in der Stunde, koftet I Centner Eis II Silbergrofchen 10 Pfennig, IOO 200 " 99 I " 27 " 9 7 I " 9 "? 29 17 " 22 I 99 " 9 " 7 5 400 1000 دو " I 25 99 29 22 72 22 " 9 " 9 27 99 543 79 9 79 4 6 " 3 77 " 9 Aus diefen Daten erfieht man, dafs die Preife des Eifes bei gröfserer Leiftung der Mafchine niederer zu ftehen kommen. Nach der Angabe der Firma ,, Actiengefellfchaft für Fabrication von Eismafchinen etc."( vormals Oscar Kropf), deren Mafchinen im Wefentlichen denen der früheren Firma gleichen, und welche am früheften die Eismaſchinen in Deutſchland fabricirte, ftellen fich die Preisverhältniffe und Leiftungsfähigkeit der Eismaschinen folgendermafsen: Leiftungsfähigkeit per Stunde in Pfunden Preis der Mafchine in Thalern Kühlwaffer von 12 Grad Celfius per Stunde in Liter. Verbrauch an Steinkohle per Stunde in Pfunden Erforderliche 15 IOO 50 500 750 1500 2400 4000 6000 · 200 1000 10000 35° 75° 1500 3000 6000 I 2000 4 IO 18 40 70 Arbeiter zur 2 2 2 2 3 3 . 8 Bedienung Beiläufiges Gewicht der Mafchine fammt Verpackung in Centnern Menge der Ammoniaklöfung zur erften Füllung in Centnern Menge der Chlorcalciumlöfung zur erften Füllung in Centnern 40 75 I 20 200 310 450 2 3 5 IO 25 45 2 3 5 IO 25 50 Nach den Angaben von Oscar Kropf findet bei einer Mafchine, die täglich 40 Centner Eis erzeugt, ein Ammoniakverluft von 2 Pfund täglich ftatt. Vaas& Littmann geben, bei einer Production von 12 Centner Eis täglich, einen Ammoniakverluft in der Höhe von 12 Pfund täglich an. Man kann ferner nach den Angaben der genannten Firma annehmen, dafs für 2 Pfund erzeugtes Eis circa 1 Pfund Kühlwaffer von 14 Grad Celfius erforderlich ift, welches Kühl L 24 Johann Stingl. waffer durchschnittlich mit 22 Grad Celfius abfliefst; es darf die Temperatur von 30 Grad Celfius nie erreichen, da fonft in Folge ungenügender Condenſation des Ammoniaks der Druck im Keffel weit über 10 Atmoſphären fteigen würde. Was nun die Frage betreffs des Nutzeffectes der continuirlichen AmmoniakEismafchinen anbetrifft, fo liegt darüber eine intereffante Arbeit von Profeffor Pouillet vor. Diefelbe läfst fich kurz in Folgendem refumiren: I Kilogramm Waffer von gewöhnlicher Temperatur( 10 bis 14 Grad Celfius) mufs 100 Calorien verlieren( Bruhn nimmt 100 Calorien auf 12 Kilo Waffer an), um fich in Eis zu verwandeln. Pouillet macht hier darauf aufmerkfam, dafs man bei der Feftfetzung der Leiftung einer Eismafchine nach der Anzahl der ftündlich einem Körper entzogenen Calorien nicht die Intenfität der erzeugten Kälte überfehen darf, indem es nämlich durchaus nicht gleichbedeutend ift, ob ein Körper 30 Grad von 10 Grad auf o Grad, alfo um 10 Grad Celfius oder von Celfius, alfo wieder um 10 Grad Celfius abgekühlt werde. Es gehört mithin zur Schätzung der Leiftung einer Eismafchine fowohl die Angabe der ftündlich entzogenen Calorien, als auch die Kenntnifs der Temperaturgrenzen, zwifchen welchen die Abkühlung ftattfindet. - 20 auf - Auf diefes Moment legte Bruhn** in feiner Arbeit über die Maximalleiftung einer Windhaufen'fchen Luft- Eismafchine keinen Werth und doch gilt auch hier das von Pouillet angegebene Moment betreffs der Intenſität der erzeug. ten Kälte; wie auch C. Linde*** in einer intereffanten Arbeit gegen Bruhn treffend durch das Gleichnifs darthut: , So wenig die Frage beantwortbar ift, welches Gewicht durch eine gegebene Arbeitsgröfse gehoben werden könne, wenn die Förderhöhe nicht angegeben ift, ebenfo entfchieden läfst fich die angeführte Frage( wie viel Kälte kann durch eine gegebene mechanifche Arbeitsgröfse im Maximum erzeugt werden?) nicht beantworten, ohne dafs die Temperaturhöhen gegeben find, bei welchen das Wärmegewicht dem abzukühlenden Körper entzogen werden foll." Nehmen wir nun mit Pouillet eine Leiftung der Ammoniak- Eismaschine von 100.000 Calorien in der Stunde an, fo müffen im Gefrierer der Eismafchine 200 Kilogramme Ammoniak in der Stunde verdampfen, da die latente Wärme des Ammoniak nach Favre und Silbermann 500 Calorien beträgt. Da nun diefelbe Menge Ammoniak in derfelben Zeit im Condenfator verdichtet und diefelbe Menge im Abforptionsgefäfse von der erfchöpften und abgekühlten Keffelflüffigkeit abforbirt werden mufs, welche beide Vorgänge offenbar unter Wärmeabgabe, und zwar in jedem Falle 100.000 Calorien, ftattfinden, fo mufs diefes Wärmequantum von 200.000 Calorien durch Kühlwaffer aus jedem der erwähnten Theile der Eismafchine entzogen werden. Nehmen wir nun an, das Kühlwaffer befäfse eine Temperatur von 120 Celfius und es dürfte nur um 100 Celfius feine Temperatur erhöht werden, fo erhellt, dafs man ftündlich bei der angenommenen Leiftung der Mafchine 20.000 Kilogramm Kühlwaffer benöthigt, wovon 10.000 Kilo auf den Kühler und 10.000 Kilo auf die Abforptionsvafe kommen. Der Brennmaterial- Verbrauch mufs mithin auch in der Stunde 100.000 Calorien äquivalent fein, abgefehen von anderweitigen Verluften an Wärme. Der Keffel und der Gefrierer entziehen mithin Wärme; der Keffel dem Brennmateriale( dem Ofen), der Gefrierer der umgebenden Salzlöfung, da beide durch Verdampfung wirken; hingegen wird im Condenfator und im Abforbirer Wärme frei, da beide auf das Gas verdichtend wirken, und diefe Wärme mufs durch Kühlwaffer weggefchafft werden. * Bulletin de la Société d'Encouragement: Jänner 1863, Seite 32 und Dingler's polyt. Journal, Band, 168 Seite 171. ** Dingler's polytechnifches Journal CXCVII, Seite 20; Wagner's Jahresbericht 1870, *** Baierifches Induftrie- und Gewerbeblatt 1870, pag. 207, 321 und 363; Wagner's Jahresbericht 1870, Seite 596. pag. 595. 著 Eismafchinen. 25 Nach den Angaben Davy's und Carré's abforbirt I Kilo erfchöpfter und gekühlter Keffelflüffigkeit, wie felbe in dem Abforptionsgfäfse ankommt, 50 Gramme Ammoniak und wird hiedurch wieder zu einer ftarken tauglichen Ammoniaklöfung, die zum Keffel zurückgelangt. Da nun in unferem Falle ftündlich 200 Kilo Ammoniakdampf im Eiserzeuger( Gefrierer) entſtehen, welche durch Abforption weggefchafft werden müffen, fo benöthigt man hiezu 200000/ 50= 4000 Kilogramm erfchöpfter Keffelflüffigkeit, die von 130 Grad Celfius( Keffeltemperatur) zuvor auf 20 bis 25 Grad Celfius abgekühlt werden mufs. Hiedurch entſtehen mithin 4200 Kilogramm Ammoniaklöfung. Soll nun diefes Gewicht Flüffigkeit in den Keffel, der 10 Atmoſphären oder 100 KilogrammMeter Spannung befitzt, geprefst werden, fo ift hiezu ein Kraftaufwand von 420.000 Kilogramm- Meter oder etwa zwei Pferdekräfte nöthig, die" günftigften Vorausfetzungen angenommen. Aus diefer Darftellung erfieht man, dafs die Leiftungsfähigkeit einer der. artigen Mafchine von der Menge der im Eiserzeuger verdampfenden Ammoniakflüffigkeit abhängt. Diefe aber ift bedingt durch die rafchere oder langfamere Abforption des verdampften Ammoniak in dem Abforptionsgefäfse. Alles, was daher diefe Abforption erhöht, begünftigt die Leiftungsfähigkeit der Maſchine. Am geeignetften für die Abforption wären die beiden Subftanzen Waffer und Ammoniakgas, wenn erfteres ammoniak- und letzteres wafferfrei wäre. Das ift aber bei der gewöhnlichen Carré'fchen Eismafchine nicht der Fall; denn nach den Angaben Reece's foll die in den Gefrierer gelangende Flüffigkeit aus 25 Percent Waffer und 75 Percent Ammoniak beftehen. Um nun diefen einen Uebelftand zu beheben, conftruirten Reece* und Mont& Nicolle** Ammoniak Eismafchinen und liefsen fich diefelben patentiren. Die Mafchine Reece's will den erwähnten Zweck in der Art erreichen, dafs man in den Keffel eine verdünnte Ammoniaklöfung bringt und diefelbe unter einem Drucke von 10 Atmoſphären verdampft, während man eine kalte concentrirte Ammoniaklöfung über viele in einem hohen fchmalen Cylinder fenkrecht über einander ftehende Schalen den gefpannten Dämpfen entgegenfliefsen läfst. Hiedurch wird das Ammoniakgas frei, während der Wafferdampf zum gröfsten Theile condenfirt wird. Diefer Apparat wird daher Analyfator genannt. Die noch mit Wafferdampf gemengten Ammoniakdämpfe gelangen hieraus in ein fenkrecht ftehendes Röhrenfyftem, das gekühlt wird; hiedurch wird der Reft des Wafferdampfes condenfirt und fliefst in den Keffel zurück. Diefer Theil des Apparates heifst Rectificator. Das Ammoniakgas wird hierauf condenfirt, verdampft, wieder abforbirt und gelangt abermals in Form einer concentrirten Löfung in den Analyfator. Nach Reece kann man mit einer Tonne Steinkohle 5 bis 8 Tonnen Ammoniak überdeftilliren und flüffig machen. Mittelft einer Tonne wafferfreien flüffigen Ammoniaks kann man vier Tonnen Eis aus Waffer von 26% Grad Celfius bereiten. Mont& Nicolle erzeugen mittelft einer Pumpe im Eiserzeuger eine Luftverdünnung, in Folge deffen aus einer auf einem cascadenartigen Schalenfyfteme vertheilten concentrirten kalten Ammoniaklöfung das Ammoniak frei wird und hiebei Wärme bindet, welche dem Gefäfse, refpective dem zu gefrierenden Waffer entzogen wird, welches in einem durch die Mitte der Schalen gehenden Cylinder fich befindet. Die früher erwähnte Pumpe faugt nun aus dem Gefrierer gleichzeitig das verdampfte Ammoniak( vom oberen Theile des Gefrierers) und die erfchöpfte Ammoniaklöfung, welche aus dem unteren Theile des Gefriereis in eine Schlangenröhre fliefst, die fich in einem gefchloffenen Gefäfse befindet, in * Moniteur scientif. 1869, pag. 484. Dingler's polytechnifches Journal CXCV, pag. 40. ** Mechan. Magazine 1870, March, pag. 169. Polytechnifches Centralblatt 1870, pag. 464. 26 Johann Stingl. welchem die concentrirte Ammoniakflüffigkeit ift, die hie durch abgekühlt, bevor fie in den oberen Theil des Gefrierers geprefst wird. Ammoniak und erfchöpfte Flüffig. keit kommen alfo beim Herabgehen des Pumpenkolbens ober dem Kolben an; beim Hinaufgehen des Kolbens öffnet fich das Ventil des Kolbens nach abwärts. Die beiden Körper- Ammoniak und Waffer- gelangen hiedurch unter den Kolben, zum Theile fchon verbunden. Beim Niedergange des Kolbens werden Ammoniak und Waffer durch den Druck noch weiter vereinigt, was in einer Schlangenröhre gefchieht, die im Kühlwaffer unter der Pumpe liegt und zuletzt in das früher erwähnte Gefäfs offen ausmündet, fo dafs darin die gefättigte Ammoniaklöfung angefammelt, gekühlt und hierauf in den Gefrierer geprefst wird. Die Aether- Eismafchine von Siebe und Weft repräfentirte die Gattung jener Mafchinen, bei denen die Abkühlung durch Verdampfen eines gewöhnlich flüffigen- aber bei niederer Temperatur fiedenden Körpers hervorgebracht wird, fo dafs diefe Art von Mafchinen dadurch wirken, dafs durch Luftverdünnung mittelft Luftpumpe die erwähnte Flüffigkeit zum rafchen Verdampfen kommt, hiedurch Wärme bindet und hierauf durch Druck und Abkühlung wieder flüffige Form annimmt, um von Neuem wieder zu verdunften und fo fort fo lange eine Luftpumpe wirkt. - Die am häufigften hiezu verwendete Flüffigkeit ift der gewöhnliche A ethyläther, der bei 35 Grad Celfius fiedet und deffen latente Wärme beiläufig 90 Calorien beträgt, fo dafs, wenn z. B. 10 Kilogramm Aether verdampfen, 900 Calorien gebunden werden. Siebe und Weft adoptirten das zuerft von Harrifon angegebene Princip; und fchon auf der Londoner Ausftellung im Jahre 1862 functionirte eine derartige Aether Eismafchine, die im Wefentlichen diefelbe Einrichtung hatte wie die auf der jüngften Ausftellung vorhandene: Eine durch Waffer kühlbare, doppeltwirkende Luftpumpe mit ftarken Kautfchukventilen, ein ftarkes kupfernes Röhrenfyftem, in welchem der Aether in Folge der Luftverdünnung rafch verdunftet und Wärme entzieht, Aetherkeffel genannt, eine Kühlfchlange aus dichtem Schmiedeifen, Conden fator genannt, in welchem der Aetherdampf durch Druck der Pumpe und Abküh lung wieder verflüffigt wird, find die drei Hauptbeftandtheile diefer Art von Eismafchinen. Diefer fogenannte Aetherkeffel ift aufsen von fchlechten Wärmeleitern umgeben und wirkt abkühlend auf einen Salz- Wafferftrom, der in einem gefchloffenen Röhrenfyfteme neben dem verdampfenden Aether kreift und der als eigentlicher Uebertrager der Kälte auf die Gefriergefäfse, die in einem in Fächer getheilten Gefrierkaften fich befinden, zu betrachten ift. Die Bewegung diefes in gefchloffenen Röhren kreifenden Salz- Wafferftromes regelt eine kleine Pumpe in der Art, dafs die im Aetherkeffel gekühlte Salzlöfung in den Gefrierer gelangt, hier die aus Zinkblech verfertigten Gefrierzellen eng umkreift und hierauf von der Pumpe wieder in den Aetherkeffel getrieben wird, um dort abermals gekühlt zu werden. Auf dem Wege zum Aetherkeffel paffirt die noch kalte Löfung den Condenfator, um hier abkühlend auf den verdichteten Aether zu wirken. Aether und Salzwaffer machen daher jedes für fich in gefchloffenen Röhrenfyftemen einen immerwährenden Kreislauf, der durch mechanifche Kraft ermöglicht wird. Nach den Angaben von Siebe und Weft foll fo gut wie kein Aetherverluft bei ihren neuen Mafchinen ftattfinden, während Dr. R. Schmidt in einem Berichte über Siebe's Aether Eismaschinen angibt, dafs bei einer Leiftungsfähig. keit der Mafchine von 20 Centner Eis täglich der Verluft an Aether Ein Pfund beträgt. Eine derartige Mafchine mit einer Leiftung von 100 Centner Eis in 24 Stunden benöthigt zu ihrem Betriebe eine Dampfmafchine von 24 effectiven Pferdekräften, alfo jedenfalls eine tüchtige Arbeitsleiftung. * Dingler's polyt. Journal. CLXVIII. Pag. 434. Eismaschinen. 27 Siebe und Weft geben an, dafs 10 bis 30 Pfund Eis, mit ihrer Mafchine erzeugt, auf nur ein Penny, alfo beiläufig 5 kr. zu ftehen kommen; ferner foll I Pfund Kohle 3 bis IO Pfund Eis produciren. Der beigegebene HolzFig. 1. 28 Johann Stingl. fchnitt Fig. 1 foll die Anwendung diefer Aether- Eismafchine verfinnlichen. A ift die doppeltwirkende Luftpumpe, die durch die Röhren a mit dem Aetherkeffel B in Verbindung fteht. Durch die Röhren 6 wird der Aetherdampf von der Luft. pumpe nach dem Condenſator D gedrückt. Durch die Röhre und den Hahn d gelangt der flüffige Aether aus dem Condenfator D in den Aetherkeffel B, in welchem auch das Salzwaffer- Rohr liegt. Die gekühlte Salzwaffer Löfung kommt durch die Röhre e in den Gefrierer C und von hier, nachdem fie gewirkt, durch D wieder nach B. Eine Eismafchine nach Kirk, Windhaufen, Mignot oder Giffard& Armengeaud war nicht ausgeftellt, was zu bedauern ift, da aus ihrem Nichterfcheinen auf der Ausftellung durchaus nicht gefchloffen werden darf, als ob diefelben keine Verwendung fänden oder nicht erzeugt würden. In Deutfchland erzeugen die Firmen Franz Windhaufen in Braunfchweig und Pröfsdorf& Koch in Leipzig derartige Luftmafchinen. Die letztere Firma gibt an, dafs man mit 40 Pfund Kohlen und einer Dampfmaschine von vier Pferdekräften 100 Pfund Eis per Stunde zu erzeugen im Stande ift. Bei einer Leiftung von 1000 Pfund ftündlich braucht man 240 Pfund Kohle und eine Dampfmafchine von 40 Pferdekräften. Profeffor Meidinger* gibt an: dafs bei niederer Productionsfähigkeit eine Luft- Eismafchine koft fpieliger arbeitet als eine Ammoniak- Eismafchine; dafs aber fchon bei einer Leiftung von vier Centner per Stunde die Preife des Eifes nahezu gleichzuftehen kommen. Dr. R. Schmidt ftellt eine Vergleichung der Herftellungskoften von künftlichem Eife, einerfeits mit der Carré'fchen, andererfeits mit der Windhaufen'fchen Eismafchine erzeugt, auf** und gelangt bei einer Leiftungsfähig. keit der Mafchine von je 400 Pfund Eis in der Stunde zu dem Reſultate, dafs ein Centner Eis unter diefen Umständen, mittelft der Carré'fchen Mafchine hergeſtellt, auf 5% Silbergrofchen zu ftehen käme, während er, durch die Windhaufen'fche Mafchine erzeugt, 75% Silbergrofchen koften würde. Aus allen diefen, zum Theile widerfprechenden Angaben folgt, dafs auf dem Gebiete der künftlichen Eisfabrication noch viel zu leiften ift und die Arbeiten hierüber intereffant und lohnend find. Ein wichtiger Umftand bei diefer Gattung von Eismaschinen ift der, dafs die comprimirte Luft fo wenig als möglich vor ihrer Wirkung im Kälteerzeuger expandiren foll, was bei der Windhaufen'fchen nicht der Fall ift, indem hier die Luft fchon bei ihrer Abkühlung, die aufserhalb der Compreffionspumpe in einem eigenen Röhrenfyfteme gefchieht, expandirt und fo einen Theil ihrer Wirkung verliert. Mignot und Giffard& Armengaud umgehen diefen Uebelftand dadurch, dafs fie in den Compreffionsraum der Pumpe das Kühlwaffer direct einfpritzen und fo die gekühlte Luft mit voller Compreffion in den Gefrierer bringen. Freilich fchlagen diefe Maſchinen fehr ftark und confumiren eine unverhältnifsmässig grofse Kraft, bei mittleren Leiftungen 16 bis 20 Pferdekräfte. Uebrigens dürfte die Zukunft diefer Art von Kälte- Erzeugungsmafchinen darin liegen, dafs fie zur Abkühlung der Luft verwendet werden, zu welchem Zwecke fie vermöge ihrer Conftruction befonders geeignet sind. Apparate der Leuchtgasfabrication. Wohl wenig Induftriezweige, die mit der Chemie in Verbindung ftehen, waren auf der Ausftellung fo ausführlich illuftrirt, als diefs bei der Leuchtgasfabrication der Fall war. Um fo bedauerlicher aber war es, dafs diefs ganz fyftemlos gefchah. In verfchiedenen Räumen und verfchiedenen Gruppen mufste das Zufammengehörige aufgefucht werden, was den Totaleindruck und die Ueberficht beeinträchtigte. * Wagner's Jahresbericht. 1869. Pag. 508. * Dingler's polyt. Journal. CLXLIX. Pag. 38. Apparate der Leuchtgasfabrication. 29 Die Steinkohlen- Gasfabrication hat in Folge des grofsartigen Auffchwunges, den die Benützung diefes bequemen und billigen Beleuchtungsmateriales genommen hat, fchon einen bedeutenden Grad von Vollkommenheit erreicht, was befonders von der Conftruction und Ausführung der Apparate gilt. Aus diefem Grunde durfte man auf diefem Gebiete nicht grofse Neuerungen erwarten. Gasretorten verfchiedenfter Art waren zahlreich ausgeftellt. Die englifche Gasgefellfchaft hatte fehr fchön gearbeitete Retorten und feuerfefte Formfteine ausgeftellt, die in dem Erdberger Gaswerk zu Wien verfertigt werden. Deutſchland war durch die Firmen: J. Geith in Coburg, K. Kulmitz in Saarau( Schlefien). Stettiner Chamotte Fabrik Actiengefellfchaft Didier vormals Kornhardt, ferner durch H. J. Vygen& Comp. in Duisburg am Rhein vertreten. J. Geith brachte innen glafirte Retorten zur Anfchauung. Nach einer Angabe von Gatellier, der zuerft glafirte Zinkretorten herftellte, wird eine derartige Glafur auf die Art erhalten, dafs man eine mit Gummi arabicum verfetzte concentrirte Kochfalzlöfung auf die Thonmaffe aufftreicht und bei hoher Temperatur auffchmilzt. Es waren von diefer Firma Retorten von 3230 Zollpfund Gewicht ausgeftellt. Vorzüglich gearbeitete Gasretorten brachten die bekannten belgifchen Firmen: Société de produits réfractaires in St. Ghislain und A. de Lattre& Comp. in Seilles. Hieran reihten fich würdig die franzöfifchen Firmen: Bousquet L.& Comp. in Lyon und die Parifer Gefellfchaft für Gasbeleuchtung und Gasheizung, welche beide vorzügliche ChamotteGasretorten ausftellten. Die Producte der erfteren Firma befitzen einen wohlbegründeten Ruf. Aufser den Gasretorten hatte die fchon früher erwähnte Firma Didier den fogenannten Kornhardt'fchen Dreierofen vollſtändig ausgeführt, fammt Zeichnungen und Plänen zur Ausftellung gebracht. Die Actiengeſellſchaft für Gas- und Heizanlagen in Wien ftellte ein äufserft nett und vollſtändig ausgearbeitetes Modell fammt Plänen einer Gasfabrik aus. Das Modell repräfentirt eine Anlage für acht Millionen Cubikfufs Leuchtgas per Jahr. Dasfelbe enthielt 3 Oefen, 8 Condenfationsröhren, 2 Wafchgefäfse, 4 Reiniger, Gasuhr, Regulator und einen Gafometer. Die Patent Gas Company in London brachte eine Gasanftalt zur Anfchauung, welche Leuchtgas nach der Eveleigh'fchen Methode darftellen follte. Es ift diefes Verfahren die bedeutendfte Neuerung, welche in jüngster Zeit auf dem Gebiete der Leuchtgasfabrication in gröfserem Mafsftabe ausgeführt wurde. Das Princip desfelben befteht bekanntlich darin, dafs die Kohlen bei niederer Temperatur, fchwacher Rothgluth, deftillirt werden. Das hiebei entftehende leichte Kohlenöl wird hierauf durch eine zweite Deftillation vergaft, fo dafs gleichzeitig bei regelmäfsigem Betriebe Kohle und leichte Theeröle( von der vorhergehenden Deftillation) deftillirt und vergaft werden. Betrachtet man diefen Vorgang genauer, fo läfst fich nicht läugnen, dafs derfelbe den theoretifchen Unterfuchungen mehr Genüge leiftet, als die bisher gebräuchliche Methode der Gaserzeugung bei hoher Temperatur, wobei ja wieder Zerfetzung der gebildeten Kohlenwafferftoffe unter Kohlenabfcheidung ftattfindet. Auch die Leuchtkraft eines bei niederer Temperatur erzeugten Gafes mufs gröfser fein, als des bei höherer Temperatur gewonnenen. * Dingler's Journal, Band 168. Pag. 278. ப 30 Johann Stingl. Bei diefem Verfahren kommt aber der wichtige Factor zu berücksichtigen, dafs hiebei kein, oder beffer gefagt, fehr wenig Theer als Nebenproduct der Leuchtgasfabrication fällt. Die Retorten, in denen die Kohlen bei fchwacher Rothglühhitze deftillirt werden, find halbkreisförmig, aus Gufseifen und auf die gewöhnliche Art im Ofen angeordnet. Das Abzugsrohr für Gas und Oeldampf ift kurz und gleich am hinteren Ende der Retorte, damit der Oeldampf fich nicht rafch condenfiren kann. Diefe Abzugsröhren münden in eine Vorlage, worin der Theer fich condenfirt und von wo das Gas durch die Reiniger in den Gafometer geht. Auf diefem Wege mengt es fich mit jenem Gafe, welches durch Vergafung des früher erhaltenen Kohlenöles erzeugt wird. Diefe Oelvergafung gefchieht nun in einem eigenen Apparate, der aus drei Theilen befteht: Aus dem Verdampfer, das ift einer keffelartigen Retorte, in welche das Kohlenöl( leichter Theer) aus dem Sammelrefervoir fliefst und den Verdampfer bis zu einer gewiffen Höhe füllt. In diefem Gefäfse beginnt bei der niederften Temperatur des ganzen Apparates, 800 bis 900 Grad Fahrenheit( beiläufig 500 Grad Celfius), die Verdampfung des Oeles. Die Oeldämpfe der leichteren Oele fteigen in einem Rohre nach aufwärts in einen der Feuerung näher gelegenen Verdampfapparat, der durch eine Zwifchenwand in zwei Abtheilungen getheilt ift und fo die Dämpfe zwingt, einen gröfseren Weg zurückzulegen. Die Temperatur in diefem Die hier fich Raume beträgt 1100 Grad Fahrenheit oder 605 Grad Celfius. bildenden und nicht vergaften fchweren Oele fliefsen an dem unteren Ende des Apparates durch eine Röhre in den erften Verdampfer zurück, von wo aus die fchweren Oele überhaupt an der tiefften Stelle abgelaffen werden können. Aus diefer zweiten Abtheilung des Vergafungsapparates ftreichen die Gafe und Dämpfe endlich in den letzten und heifseften Theil, nämlich in einen Cylinder, der mit glühenden Holzkohlen gefüllt ift und von den Feuergafen der Feuerung direct umfpült wird. In diefem Apparate findet die vollständige Vergafung ftatt und das erzeugte Gas wird unterhalb der auf einer fiebartigen Scheidewand liegenden Kohlen durch ein Abzugsrohr in den Condenfator geleitet, wo die nicht vergaften Oeldämpfe zurückgehalten werden und von wo das Gas feiner weiteren Reinigung und Verwendung zugeführt wird. Das condenfirte Oel wird abermals in den Deftillationsapparat zurückgebracht. macht. Wir fehen, dafs das Theeröl den entgegengeletzten Weg der Feuergafe Dafs diefer Apparat complicirt und umftändlich bei feiner Ueberwachung ift, geht aus der Befchreibung hervor. Die Anfichten über die Vortheile und Rentabilität diefer Methode der Leuchtgasfabrication find noch fehr getheilt. Jedenfalls fcheinen die Angaben in dem Profpecte der Ausfteller fehr fanguinifch zu fein, und man müfste ftaunen über das Verkennen des eigenen Vortheiles feitens der Leuchtgasfabriken, wenn fie fich gegen diefes Verfahren ablehnend benähmen, vorausgefetzt, dafs die Angaben, die zu Gunften des Eveleigh'fchen Verfahrens gemacht werden, fich in der Praxis bewähren. Die Herren F. Keates und Profeffor W. Odling ftellten auf Veranlaffung der Patent Gascompany mehrere Verfuche im Grofsen in den Gasanftalten zu Barnet und Peckham, wo diefe Methode im Grofsen geübt wird, an, und gelangten zu folgenden Refultaten*. Die Quantität und Qualität des bei niedriger Temperatur aus der Gaskohle direct gewonnenen Gafes( ,, bei einer bei Tage noch fichtbaren Kirfchrothhitze") * Journal für Gasbeleuchtung von Dr. N. H. Schilling, 1873, März, S. 85. Apparate der Leuchtgasfabrication. 31 ift eine beffere als bei der gewöhnlichen Leuchtgaserzeugung bei hoher Temperatur. Allein entgegen diefen Vortheilen ftehen ein gröfserer Brennmaterial- Verbrauch( ungefähr 33 Percent der der Deftillation unterworfenen Kohlenmenge) und ein höherer Arbeitslohn in Folge der länger dauernden Deftillation. Das Gas befitzt durchfchnittlich eine Lichtftärke von zwanzig Kerzen. Die Coaksausbeute zeigte wenig Differenz gegen die gewöhnliche Methode. Viel ungünftigere Refultate ergibt die Vergafung des Kohlenöles: 20 Cent ner( 1 Tonne) Oel benöthigten zu ihrer Vergafung 19 Centner Coaks und ergaben nur 6267 Cubikfufs Gas von 25 Kerzen Leuchtkraft und 14% Centner Theerpech; wobei bemerkt werden mufs, dafs 20 Centner Silkftonkohle bei der erwähnten Deftillation 16: 4 Gallons Oel neben 8587 Cubikfufs Gas liefern. Die genannten Forfcher fprechen auf Grund diefer Thatfachen fich gegen die genannte Methode aus. Sie fagen: " Wir müffen fomit gezwungen uns gegen Eveleigh's Methode zur Erzeugung von Gas für gröfsere Städte ausfprechen, wenn auch vielleicht gewiffe Ortslagen und Anlagen derfelben Vorfchub leiften könnten. Der Preis des Oelgafes ift in Bezug zur Leuchtkraft ein hoher und fein ganzer Effect beftand nur darin, das Kohlengas aus Silkftonkohle auf 23 bis 24 Neuner Kerzen Leuchtkraft zu erhöhen. Bei fteigender Hitze bemerkten wir immer Störungen im Apparate. Die Temperatur hat fomit Einfluss auf den Gang der Methode. Verftopfungen der Abzugsröhren kamen nicht vor. Die Permanenz des Gafes hielt fich unter fehr ungünftigen Umständen gut und blieb nicht hinter der des gewöhn lichen Kohlengafes zurück." Es ift daher noch abzuwarten, wie diefe jedenfalls intereffante Methode weiter ausgebildet wird. Auf der Ausftellung präfentirte fie fich nicht im Feftgewande. Die jetzt gebräuchliche Methode der Leuchtgas- Fabrication aus Steinkohlen bei hoher Temperatur hat einen hohen Grad technifcher Vollkommenheit erreicht, und es heifst, etwas wahrhaft Tüchtiges und Erprobtes bringen, foll dasfelbe die jetzige Methode verdrängen. Es gilt diefs für die Erzeugung von Leuchtgas im Grofsen, wo es fich um die Beleuchtung ganzer Städte oder fehr grofser Etabliffements handelt. Kommt aber die Frage der Gasbeleuchtung, die ob ihrer Bequemlichkeit und Billigkeit immer beliebter wird, für kleinere Locale oder Fabriksetabliffements in Betracht, fo zeigte uns die Ausftellung, wie zahlreich die Apparate und Methoden find, die Leuchtgas aus anderem Materiale als Stein kohlen erzeugen. Viele diefer Apparate find fchon längst bekannt und befchrieben; aber es war immerhin intereffant, durch die Ausftellung ihre Lebensfähigkeit und ihre Fortfchritte in Betreff ihrer Verwendung kennen zu lernen. Der intereffantefte und auch neuefte unter diefen Gasapparaten war die fogenannte Excelfior Gasmafchine von Th. B. Fogarty Warren, Maffa chuffetts, Vereinigte Staaten in Nordamerika. Diefer Apparat erzeugt eine carbonirte Luft zu Beleuchtungszwecken. Luft und Gafolin( flüchtigere Producte des Petroleums) find die Rohmaterialien für diefe Art von Leuchtgas. Nur wird der Zweck hiebei auf eine fehr finnreiche Art, die abweichend von den gewöhnlichen Vorfchlägen ift, erreicht. Der Apparat Fig. 1 hat folgende Einrichtung: In der Erde vergraben befindet fich ein Refervoir für das Gafolin, das ein fpecififches Gewicht von o 665 hat und bei 30 G. Cels. fiedet. Eine kleine HandLuftpumpe drückt das Gafolin mit 8 bis 10 Pfund Druck per Quadratzoll durch die Röhre a in eine in dem Blechmantel A befindliche eiferne Retorte. Diefe Retorte wird durch eine Gasflamme, die durch die Röhre b aus dem Gafometer C mit Gas verfehen wird, erhitzt und hiedurch das Gafolin vergaft. B ift ein Schornftein. Das Abzugsrohr der Retorte c ift mit einem Ventile verfchloffen, welches 3 32 Johann Stingl. Ventil durch ein Hebelwerk d, e, f und die Feder g periodifch geöffnet und gefchloffen wird. Fig. 1. a h b - - Die Bewegung diefes Hebelwerkes beforgt die vermöge ihres eigenen Gewichtes niederfinkende Gafometerglocke C. Ift nämlich nahezu alles im Gafometer befindliche Gas verbraucht die Glocke alfo an der tiefften Stelle angelangt fo löft das Hebelwerk die Feder g aus und das Ventil des Retorten- Endes wird plötzlich geöffnet. Da in der Retorte eine Spannung von mindeſtens 12 bis 14 Pfund per Quadratzoll herrfcht, fo entftrömt das Gas mit ziemlicher Heftigkeit durch eine enge Oeffnung nach Art eines Giffard- Appa rates in die Gaszuleitungsröhre D. Hiebei nun faugt diefer Gasftrom durch die Röhre E atmoſphärifche Luft, welche das Gafolingas verdünnt. Das Gasgemenge gelangt fo durch D in den Gafometer C, füllt denfelben und hebt die Glocke. Sobald der Gafometer gefüllt ist, wird das Ventil der Retorte gefchloffen. Gafolin tritt wieder in die Retorte fo lange, bis der Druck in der Retorte dem Drucke auf die Oberfläche der Gafolinflüffigkeit das Gleichgewicht hält. Es kann hiedurch nur ein ganz beftimmtes Quantum Gafolin in die Retorte gelangen; denn fobald die beiden erwähnten Drücke gleich find, kann kein Gafolin in die Retorte fliefsen. Ift nun die Gafometerglocke wieder unten angekommen, beginnt das Spiel des Apparates von Neuem, und es geht das fo fort, bis die Flamme unter der Retorte gelöfcht wird, was durch Abfperrung des Gafes mittelft des Hahnes und Regulators r gefchieht. Apparate der Leuchtgasfabrication. 33 Der Luftzutritt bei E kann durch den Hahn h genau regulirt werden. Sollte zu viel Gafolin in die Retorte fliefsen, fo wird durch das überflüffige Gas ein im Gafometer fich befindlicher Regulator bewegt, welcher durch ein Hebelwerk und das Gewicht einen Hahn bei m fchliefst und fo den Zulauf des Gafolins hemmt. Durch die Röhre F wird das Gas in die Röhrenleitung geführt; n regulirt den Strom des Gafolin. Diefer Apparat ift gewifs geiftreich. Er arbeitet ficher und gefahrlos wenigftens nicht gefährlicher als bei der gewöhnlichen Leuchtgas Fabrication. Er wurde fchon vielfach angewendet und verdient es auch. Gafolin- Gasapparate hatten ferner ausgeftellt Langsdorf& Mayer in Hamburg und A. S. Badt in Hamburg. Der Apparat der erfteren Firma functionirte, war nett gearbeitet und follen hievon fchon mehr als 100 im Gebrauche fein". Diefer Luftgas- Apparat ift mit kleinen, unwefentlichen Aenderungen der felbe, der von Wirth& Comp. in Frankfurt am Main 1869 in den Handel gebracht wurde. Der Apparat Fig. 2** befteht in Wefentlichem in Folgendem: C B e Fig. 2. A G A ift ein Refervoir mit Gafolin. Diefes Refervoir ift ziemlich grofs und hat aufsen ein Standglas. Von hier tropft das Gafolin durch die Röhre a in das Gefäfs B- Carburateur genannt. Dasfelbe ift innen mit Baumwolle locker gefüllt, welche das Gafolin auffaugt. Aufserhalb des Apparates befindet fich ein Waffergefäfs C, welches durch die Gasflamme f erwärmt wird ( 40 bis 45 Grad Celfius). Das warme Waffer ftrömt nun durch die Röhre r * Wagner's ,, Jahresbericht" 1869, S. 745; Dingler's Journal CXCIV. pag. 33. ** Wagner's Jahresbericht 1872, pag. 869. 3* 34 Johann Stingl. in die Umhüllung von B, erwärmt dort das Gafolin fammt Wolle, erfetzt die durch das verdampfende Gafolin gebundene Wärme und kommt als abgekühltes dichteres Waffer durch s wieder nach C, um von Neuem erwärmt zu werden u. f. w. Durch diefe mit Gafolin getränkte und erwärmte Wolle wird nun ein genau regulirter Luftftrom getrieben, welcher dadurch mit Gafolindampf fich fättigt und als Leuchtgas durch die Röhren e aus dem Carbura teur ftrömt. Der Luftftrom wird durch ein Trommelgebläfe D, das mittelft der Gewichte G bewegt wird, durch die Röhre h in einen Regulator R getrieben, von wo derfelbe durch n in den Carburateur B gelangt. Diefes fo erhaltene Gas verträgt keine langen Leitungen und verliert bei gröfserer Temperaturerniedrigung an Leuchtkraft, da die Dämpfe der fchweren Kohlenwafferftoffe zum Theile condenfirt werden. Für kleine Etabliffements hat jedoch diefe Art der Leuchtgasfabrication gewifs ihr Gutes. I Pfund Gafolin foll 60 Cubikfufs Gas geben. - Der Unter Der Apparat von A. S. Badt war fehr vernachläffigt. fchied gegen den vorigen lag nur in der Art der Erzeugung des Luftftromes. Badt bewerkstelligt diefs durch pumpenartige Vorrichtungen. Da es bei derartigen Apparaten wichtig ift, dafs wegen der Conftanz der Leuchtkraft der Flammen eine ziemlich gleiche Menge Gafolindampf in der Luft enthalten iſt, fo find Gafometer angezeigt. Die Firma Julius Pintfch in Berlin hatte auf der Ausstellung einen Mineralöl Gasapparat in Betrieb, wie folcher im Grofsen benützt wird, um das Gas für die Niederfchlefifch Märkifche Eifenbahn zu erzeugen, welche Bahn die Waggons mit demfelben beleuchtet. Es ift J. Pintfch gelungen, einen Regulator zu conftruiren, der geftattet, das Leuchtgas, welches aus dem Gafometer der Gasanftalt durch eine Pumpe in cylindrifche, gufseiferne Gefäfse, Recipienten, von 50 bis 84 Cubikfufs Inhalt bis auf 6 bis 10 Atmoſphären comprimirt wird, ruhig und regelmäfsig in den Waggons zu brennen. Diefer Regulator befteht aus einer eifernen Büchfe, deren eine Seite durch eine Membrane lofe überfpannt ift. An diefer Membrane ift ein Stab befeftigt, der durch ein Hebelwerk mit dem Ventil verbunden ift, das die Gaszuftrömung regulirt. Kommt zu viel Gas in den Regulator, fo wird die Membrane gefpannt und der Stab zieht an dem Hebel, der hiedurch das Ventil theilweife fchliefst, fo dafs weniger Gas durchftrömen kann. Der Oelgas- Apparat felbft befteht aus zwei übereinander liegenden eifernen Retorten. Das Braunkohlentheer Oel tropft in die obere Zerfetzungsretorte und wird der Hauptmaffe nach verdampft; die Dämpfe fammt einem Theile unzerfetzten Oeles gelangen in die zweite, tiefer liegende und ftärker erhitzte Vergafungsretorte, wo die vollſtändige Vergafung ftattfinden foll. Gafe und Dämpfe ftreichen durch eine horizontale, dann durch eine fenkrecht nach abwärts gehende Röhre in die noch tiefer liegende Vorlage, wo die unzerfetzten Producte fich fammeln. Aus der Vorlage gelangt das Gas in einen Condenfator, von hier in einfache Kalkreiniger und zuletzt in einen Gafometer. Der von J. Pintfch aus geftellte Ofen enthielt zwei Doppelretorten. I Centner Oel gibt 1000 Cubikfufs Gas. P. Sukow& Comp. brachten ihren Erdöl- Gasapparat für 300 Flammen zur Ausstellung; er war zwar nicht zum Betriebe geeignet, aber doch voll ftändig in feinen einzelnen Beftandtheilen. Derfelbe beftand aus zwei nebeneinander liegenden, etwas nach vorne geneigten eifernen Retorten von viereckigem Querfchnitte, 6% Fufs lang, 9 Zoll breit und 3 Zoll hoch. Oberhalb des rückwärtigen Endes jeder Retorte befanden fich die Oelgefäfse, welche mit Schwimmern und Scalen verfehen waren. Das Oel gelangt mit einem gewiffen Drucke in den rückwärtigen Theil der roth glühenden Retorte und wird darin vergaft. Das Gas fteigt innerhalb Apparate der Leuchtgasfabrication. 35 der Ofenwand an der vorderen Seite der Retorte in einem Rohre in die Höhe und mündet dann in eine Vorlage oberhalb des Ofens. Hier wird der fich condenfirende Theer gefammelt und kann zur Feuerung verwendet werden. Aus diefer Vorlage gelangt das Gas in vier hohe cylindrifche mit Coaks gefüllte Scrubber und aus diefen in den Gafometer. Neben diefem Apparate hatten K. Drefcher& Küchler in Chemnitz ebenfalls einen Mineralöl Gasapparat ausgeftellt, deffen Retorten in einem eifernen Ofen lagen und bei welchen das Gas durch einen Wafchapparat, durch Scrubber und Kalkreiniger ging, bevor es in den Gafometer gelangte. Beide Firmen haben ihre Apparate an mehreren Orten und Etabliffements eingeführt und brachten günftige Zeuguiffe für ihre Gaserzeugungs- Apparate. Hirzel war übrigens der Erfte, der rationell und ökonomisch Petroleum und Petroleumrückstände zur Leuchtgasfabrication verwendete. Er liefs fich fchon 1866 einen Apparat hiezu patentiren, der allen derartigen Apparaten als Vorbild diente. Dr. H. Grothe gibt in einer ausführlicheren Arbeit über LeuchtgasErzeugungsmethoden, über das Petroleumgas, welches nach Profeffor H. Kolbe der Hauptfache nach aus Acetylen befteht und beinahe fchwefelfrei ift, folgende Daten: Das fpecififche Gewicht des Petroleumgafes beträgt 0.698 und feine Leuchtkraft ift 5% mal gröfser als die des gewöhnlichen Gafes. Aufser den hier befchriebenen und erwähnten Apparaten gibt es noch viele derartige Vorrichtungen zur Erzeugung von Leuchtgas, jedoch bei den meiften derfelben findet man nur ganz unwefentliche Aenderungen der für ein beftimmtes Rohmaterial urfprünglich ausgeführten Apparate. Wir wenden uns nun zu jenen Apparaten der Leuchtgasinduftrie, die zur Regulirung, zur Meffung, zur Prüfung u. f. w. des zum Verbrauche tauglichen, alfo gereinigten Gafes, in den Strom des Leuchtgafes eingefchaltet werden. Es find diefs äufserft wichtige Apparate von finnreicher und präcifer Conftruction, die in vielen Fällen wahre wiffenfchaftliche Inftrumente find und die für eine richtige und ökonomifche Verwendung des Leuchtgafes abfolut unentbehrlich find. Hieher gehören Gasuhren, Druckregulatoren, Photometer, Manometer, regiſtrirende Druckmeffer, Kerzenwagen, Signalapparate für Gasanftalten, Apparate zur Kohlenfäurebeſtimmung im Leuchtgafe u. f. w. Alle diefe Apparate waren durch mehrere Firmen zur Anfchauung gebracht. Die reichhaltigfte Collection diefer Art war die der Firma S. Elfter in Berlin, Neue Königftrafse. Es gelangten zur Ausftellung: 1. Gasmeffer, fowohl naffe als trockene; ein naffer Experimentir Gasmeffer, deffen Zifferblat das Ablefen von 120 Liter Gas geftattete; ferner ein InftructionsGasmeffer für Schulen zur Beobachtung der inneren Einrichtung. Alle diefe Gasmeffer waren genau gearbeitet und fehr empfindlich. 2. Prüfungsapparate für Gasanftalten, als: Multiplicirende Druckmeffer nach Elfter und nach King, graphifche Druckmeffer nach Crowsley und nach Wrigh, AllarmDruckmeffer nach Profeffor Heeren. Diefer Apparat gibt beim Ueberfchreiten des zuläffigen Gasdruckes ein andauerndes Glockenfignal. Intereffant ift der trockene. Regulator für 10 Flammen( fogenannter Cafernenbrenner, da er in allen gröfseren Cafernen des deutfchen Reiches eingeführt ift). Diefer Regulator in Verbindung mit den zehn Brennern gibt einen conftanten Gasverbrauch. Die Einrichtung diefes Regulators ift folgende ( Fig. 3) Durch E gelangt das Gas an dem Kegelventile c vorbei in der Richtung der Pfeile in einen mit einer elaftifchen Membrane b gefchloffenen Raum, die Membrane enthält in ihrer Mitte die Stange g befeftigt; an diefer Stange fitzt das Kegelventil c. Wird nun der Gasdruck ein gröfserer, fo wird die Membrane b gehoben mit ihr die Stange g und das Ventil c und der Gasweg bei f verengt, * Wagner's Jahresbericht 1867, Seite 751. 36 a b Fig. 3. d 19 +9 E i b Johann Stingl. la A in Folge deffen weniger Gas bei A ausftrömen kann. Bei zu geringem Drucke findet das Gegenfpiel ftatt: K dient zur Entleerung des condenfirten Waffers, d ift eine Schutzkappe für die Membrane. Diefe Regulatoren werden für 5 bis 250 Flammen fabricirt und können auch für noch mehr Flammen verwendet werden. Ferner waren ausgeftellt ein Apparat zur Beftimmung der Kohlenfäure im Leuchtgas nach Rüdorf; ein Apparat zur Beftimmung des fpecififchen Gewichtes des Leuchtgafes nach Bunfen; ein Controlphotometer nach Bunfen; S. Elfter's Differential Photometer mit Foucault's Schirme. Diefes Photometer wollen wir etwas näher betrachten. Wird Gaslicht mit dem Lichte der Normalkerze oder Lampe verglichen, fo zeigt der Schirm des Photometers auf der Seite des Gaslichtes einen bläulichen, auf Seite der Normal- Leuchtquelle einen gelben Ton. Diefe Farbendifferenz bedingt eine Unficherheit im Vergleiche. Die Verbefferung an Elfter's Photometer befteht nun darin, dafs der Farbenton ein einheitlicher wird, was man dadurch erreicht, dafs der Farbenton des ölbildenden Gafes möglichft fcharf erkennbargemacht wird und der Vergleich mit Gaslicht erft dann erfolgt, wenn der Gasbrenner durch richtige Wahl der Brennermündung und durch Regulirung des Luftzutrittes auf den Farbenton gebracht wird, welcher das Maximum der Leuchtkraft gibt und bei allen Gafen nahezu den Farbenton des ölbildenden Gafes erreicht. Die Darftellung des Farbentones gefchieht auf dem erwähnten Foucault'fchen Schirm, der aus einer sehr dünnen Schicht Stärkemehl zwifchen zwei Gläfern befteht, wodurch die Farbe der Lichtftrahlen nicht geändert wird. Das Maximum der Leuchtkraft des Gases( Farbenton des brennenden ölbildenden Gafes) wird bei dem Photometer durch einen Argandbrenner mit genauer Luftregulirung hergeftellt. Die erwähnte Firma hatte ferner eine Kerzenwage in Aräometerform und Controlapparate und Normalmafse für Aichämter ausgeftellt. Aehnliche Apparate finden wir ausgeftellt durch die Firmen J. Pintfch in Berlin( die Apparate find fehr fauber ausgeführt), A. Faas& Comp. Wir fehen, dafs Frankfurt am Main und Kromfchröder in Osnabrück. Deutfchland auch in diefer Fabrication auf der Höhe der Zeit fteht. Die bekannte Firma H. Giroud aus Paris brachte aufser an raten zwei befonders intereffante Objecte, die die Aufmerkfamkei in hohem Grade feffelten. deren Appacaller Fachleute ten, mit der raffinirteegulators zu beheben fucht arat, der fogenannte RheoWährend der eine, der Druckregulator für Gasanfta' ften Genauigkeit alle Fehlerquellen des Clegg'fchen P und fo ziemlich complicirt wird, ift der zweite Apr meter, ob feiner Einfachheit und Genialität ei Firma befchreibt ihre Apparate ausführlich preffion du gaz d'éclairage et des mo H. Giroud, Paris, Gauthier- Villars. Werk hiermit befonders aufmer¹ Der Clegg'fche Re feitlichen Gleitrollen e . wahres Ei des Columbus. Diefe und gründlich in dem Werke: ,, De la yens à employer pour la régularifer par , Quai des Grands- Augustins 55" auf welches xfam gemacht fein foll. -gulator befteht bekanntlich aus einer Glocke, welche an ne Führung befitzt und fonach auf und abwärts fich bewegen Apparate der Leuchtgasfabrication. 37 kann, je nachdem an ihrer inneren Oberfläche der Gasdruck gröfser oder geringer wird. Im Mittelpunkte der oberen Wölbung der Glocke ift ein Kegelventil befeftigt, deffen Bafis nach unten und die Spitze nach oben gekehrt ift. Mit der Bewegung der Glocke fpielt alfo auch diefes Ventil. Dasfelbe befindet fich nun in dem Endftücke des Gaszuftrömungsrohres, welches das Gas aus dem Gafometer entnimmt und unter der Glocke ausmündet. Parallel mit diefem Rohre geht nach abwärts ein zweites Rohr, deffen Oeffnung vollkommen frei und das ebenfalls noch unter der Glocke fich befindet und welches dazu beftimmt ift, die regulirte Gasmenge in das Röhrennetz zu führen. Die Glocke ift unter hydraulifchem Verfchluffe. Steigt nun der Gasconfum im Röhrennetze, fo tritt eine Art Verdünnung unter der Glocke ein, diefelbe finkt und mit ihr das Kegelventil; es kommt hie durch ein kleinerer Querfchnitt in die horizontale Endfläche der Ausftrömungsröhre, wodurch die Ausftrömungsöffnung vergröfsert wird. Dadurch kann mehr Gas aus dem Gafometer unter die Glocke und von hier in das Röhrennetz. Im entgegengefetzten Falle fteigt die Glocke, verengert die Ausftrömungsöffnung des Gafes und verringert fomit die Gasmenge, die in das Röhrennetz geht. Wir fehen alfo, dafs diefer Clegg'fche Regulator eine der wichtigften Functionen der Gasbeleuchtung ausübt. Diefer Regulator hat nun nach Giroud folgende Fehlerquellen: 1) ift derfelbe in Folge der Reibung an den Führungsrollen nicht empfindlich genug; 2) entſteht ein Fehler dadurch, dafs der Gasdruck von unten auf die breite Fläche des Kegelventils drückt, fo dafs bei verfchiedenem Gasdruck im Gafometer eine Ungenauigkeit entſteht; 3) wird die Glocke beim Steigen fchwerer und beim Sinken leichter, indem fie hiebei verfchieden tief in das Waffer taucht; 4) dadurch, dafs der Gasdruck von unten auf die breite Fläche des Kegelventils drückt und fo den Druck vergröfsert, mufs dem entſprechend das Einftrömungsrohr unter der Glocke einen gröfseren Querfchnitt haben, als das Gasausftrömungsrohr. Alle diefe Fehler follen nun durch Giroud's Regulator auf folgende Art behoben werden: 1) Die fchwimmende Glocke hat keine Gleitrollenführung, fondern ift durch mit Luft gefüllte blecherne Schwimmer vollkommen leicht beweglich erhalten und ift der Schwerpunkt des ganzen beweglichen Theiles unter die Glocke verlegt, wodurch eine grofse Empfindlichkeit derfelben bedingt wird. 2) Der Gasdruck wirkt im entgegengefetzten Sinne gleichzeitig auf den Kegel und eine entsprechende gleich grofse Fläche des fchwimmenden Syſtems. 3) Um das verfchiedene Gewicht der Glocke je nach der Tiefe der Eintauchung derfelben auszugleichen, find mit derfelben zwei fyphonartige Gefäfse verbunden, derart, dafs deren äufserer Wafferftand mit dem des Wafferbehälters, in welchem die Glocke fchwimmt, communicirt. Wird die Glocke aus dem Waffer gehoben und hiedurch fchwerer, fo finkt das Waffer im inneren Gefäfse und hiemit auch in der äufseren weiteren Syphonröhre, wodurch diefelbe leichter wird und fo den Ueberfchufs des Gewichtes der Glocke compenfirt. Der Querfchnitt der äufseren Syphonröhre mufs dafür genau berechnet fein. Sinkt die Glocke, fo fteigt das Waffer in der Syphonröhre und diefelbe wird fchwerer, und fo die Gewichtsdifferenz ausgeglichen. 4) Dadurch, dais der Druck auf die untere Fläche des Kegelventiles durch einen gleichgrofsen Gegendruck aufgehoben wird, der in entgegengefetzter Richtung zur Wirkung gelangt, ift Giroud in der Lage, der Bafis des Kegelventiles denfelben Durchmeffer zu geben, wie der des Einftrömungs- und des Aus ftrömungsrohres ift. Giroud verfertigt Regulatoren in verfchiedener Gröfse und unterfcheidet folche für Confumenten( Régulateurs de confommation) für 5 Brenner 38 Johann Stingl. bis zu 150 Brenner und für 200 Brenner und darüber; ferner Regulatoren für gröfsere Gasleitungen( Régulateurs d'émiffion). Diefe letzteren Regulatoren haben eine etwas abweichende Conftruction von den früheren. Während bei den erfteren der Druck für einen beftimmt begrenzten Gasconfum merkbare Veränderungen nicht erleidet und diefelben rafch durch den Regulator ausgeglichen werden, find diefe Druckfchwankungen bei gröfseren Städteleitungen oft bedeutendere und es handelt fich darum, diefe Druckfchwankungen rafch auszugleichen und in der Stadt einen conftanten Druck zu erhalten. Diefs erreicht Giroud dadurch, dafs er von einem beftimmten Punkte des Röhrennetzes der Stadt ein enges Rohr,( tuyau de retour)( 25 bis 30 Milli meter im Lichten) zu dem Druckregulator in der Gasfabrik zurückführt, welches das Gas unter die Glocke des Regulators bringt und fo die Schwankungen im Drucke demfelben mittheilt. Fig. 4 ftellt einen Régulateur de confommation für über 200 Brenner dar. Die Einrichtung desfelben ift folgende: m Fig. 5. G Das Leuchtgas gelangt aus dem Refervoir durch A in die Kammer B; von da zwifchen dem Ventil 6 und der unteren Wand der Kammer B in den Raum C. Durch das Rohr D wird das Gas weiter geführt. Die Kammer B fteht mit ihrem Inneren durch die Röhre Emit dem Raume Fin Verbindung, der nach unten zu mit Waffer abgefchloffen ift. Der Druck, der in B herrfcht, theilt fich daher F mit. Steigt derfelbe in B, fo auch in F. Hiedurch wird die Glocke G, die mit ihr verbundenen Schwimmer h, ferner die Syphon n, m und die Röhre o gehoben. Da nun das Kegelventil b durch die Röhre a und durch die Verfteifung v mit der Glocke feft verbunden ift, fo mufs das Ventil in diefem Falle fich ebenfalls heben, wodurch die Durchlafsöffnung für das Gas verengert und hiedurch die ungünftige Wirkung des erhöhten Druckes behoben wird. Ift der Druck bei B geringer, fo öffnet fich das Ventil 6 nach abwärts, es kann mehr Gas nach C gelangen. Treten nun Gasfchwankungen im Confume ein, fo werden diefelben durch D fich bemerkbar machen. Ift der Confum zum Beiſpiel ein erhöhter, fo tritt momentan eine Art Verdünnung im Raume Cein. Diefe Verdünnung wird fogleich ausgeglichen durch die Röhre a und den Raum K, der durch s mit a in Verbindung fteht. Gas ftrömt alfo in entgegengefetzter Richtung der Pfeile nach C hin. Hiedurch kommt das früher erwähnte bewegliche Syftem zum Sinken, das Ventil b bewegt fich nach abwärts und mehr Gas kann nach C gelangen. Umgekehrt find die Bewegungen von Gas und Glocke, wenn der Confum fich plötzlich verringert. Dabei fchliefst fich das Ventil in entsprechendem Mafse. Dafs die Dimenfionen und Belaftungen durch die Gewichteg ganz genau berechnet und approbirt find, verfteht fich von felbft. Die nähere Einrichtung eines Régulateur d'émiffion mit einem Rückflufsrohre( tuyau de retour) erhellt aus der Fig. 5. 0 X Fig. 5. x R Apparate der Leuchtgasfabrication. Q M I N B A N 39 Der Unterfchied zwifchen diefem Regulator und dem früheren befteht darin, dafs das Rückflufsrohr nicht mehr im Innern des Apparates wie bei a in dem vorigen Regulator, fondern dafs dasfelbe aufsen bei Mangebracht ift und durch die hohle Säule Z, ferner durch die Röhren P und Q mit dem Raume Punter der Glocke in Verbindung fteht. Die Stange d, welche das Ventil a mit der Glocke verbindet, ift maffiv. Der Ueberdruck in G, entstanden durch erhöhten Druck im Gasbehälter, pflanzt fich durch x fort nach y und hebt das ganze bewegliche Syftem fammt Glocke und Syphon. Hiedurch wird das Ventil ebenfalls gehoben und der Ausftrömungsweg des Gafes verengt. Die Röhre N ftellt einen Gleichgewichtszuftand her zwifchen den Drucken in Z und dem Raume unter dem Ventile. Der bei Weitem intereffantere Apparat war das Rheometer. conwaren, Während alle Regulatoren, die man bisher für einzelne Brenner ftruirte, Druckregulatoren welche den Brennern von verfchiedener Conftruction das Gas unter demfelben Drucke lieferten, ift das Rheometer ein Volum regulator, der den verfchiedenen Brennern immer dasfelbe Gasvolumen liefert. Bei den erfteren Regulatoren ift alfo der Gasconfum abhängig von der Brennerconftruction, er ift der Brennerweite proportional; bei dem Volumregulator ift der Druck am Brenner veränderlich, je nach der Weite desfelben, und er ist für jeden Brenner fo grofs, dafs das zum Brennen nöthige Gasvolumen durch die Brennerweite ausftrömen kann. Bei einem Druckregulator ändert fich daher mit der Aenderung eines Brennerfyftems auch die Menge des verbrauchten Gafes; bei dem Rheometer tritt mit dem Wechfel des Brenners keine Aenderung des Gasconfums ein, da derfelbe für ein Gas von beftimmtem fpecififchen Gewichte und einer beftimmten Ausftrömungsöffnung im Rheometer immer das felbe Gasquantum liefert. C Fig. 6 zeigt ein Rheometer für einen Brenner. Das Gas kommt durch A unter die Glocke B, welche in dem Gehäufe C in Glycerin frei fchwimmt; der Stift s dient zur Führung derfelben. Die Glocke B hat bei 0 eine runde Oeffnung, durch die das Gas ftrömt, um an dem Kegelventil v vorbei nach f und von hier zu dem Brenner zu gelangen. Bei diefem Apparate ift nun die Druck differenz zwifchen dem Gafe ober der Glocke Balfo im Brenner und unter der Glocke - alfo dem Leitungsrohre immer conftant und hängt die Gasmenge, die zum 4 B 40 Fig. 6. C Fig. 8. B Johann Stingl. Fig. 7. B L Fig. 9. Brenner ftrömt, nur von der Gröfse der Oeffnung o ab, wie folgender einfacher Calcül zeigt. Es fei q der Querfchnitt der Glocke, der wegen der geringen Dicke des Bleches, woraus die Glocke verfertigt ift, für die äufsere Oberfläche und die innere gleichgenommen wird. Mit g bezeichnen wir das Gewicht der ganzen Glocke. Ift nun p₁ der Druck, der unter der Glocke herrfcht, und p2 der Druck, der aufserhalb derfelben ftattfindet, fo befteht für das Gleichgewicht der Glocke offenbar folgende Gleichung: P19P29+ g oder ( P₁ - P2) 9= 8; hieraus folgt Apparate der Leuchtgasfabrication P₁- P2= 41 g = Conftante, bei einem und demfelben Apparate und derfelben Oeffnung o, von deren Weite mithin das Gasquantum abhängt, das zur Verbrennung gelangt. Fig. 7 ftellt ein Rheometer dar, bei welchem das Kegelventil im Ga'seinftrömungsrohre fpielt, und für welches ganz diefelben Erwägungen gelten, wie bei dem vorhergehenden Rheometer. Bei einer ftrengen Prüfung, die mit diefen Rheometern vorgenommen wurde, erhielt man ausgezeichnete Refultate. Diefe Apparate werden für die verfchiedenften Gasmengen und fpecififchen Gewichte der Gafe geliefert und kommt es hiebei hauptfächlich auf die Weite der Oeffnung o an, die genau berechnet und erprobt ift; darin liegt das Geheimnifs der Fabrik. Diefe Rheometer können nun zu den verfchiedenften Zwecken beftimmt werden, unter Anderem auch zur Herftellung einer conftanten Temperatur in den Laboratorien. Zu diefem Ende erzeugt Giroud auch Regulatoren nach Art der früher befchriebenen, wie Fig. 8 zeigt. Bei denfelben ift der Druck auf die breite Fläche des Kegelventiles d dadurch aufgehoben, dafs dasfelbe eine Röhre bildet, die unten in Glycerin eintaucht und durch die Oeffnungen mit dem Gafe communicirt. B und B' zeigen die Druckdifferenz vor und nach dem Regulator an. Durch Gewichte g kann der Druck beliebig regulirt werden. Oft ift es bei Experimenten nothwendig, das Gasquantum zu vergrössern und doch einen beftimmten Confum zu haben, alfo gleichfam die Oeffnung o in der Glocke veränderlich zu haben. Es wird das dadurch erreicht, dafs Giroud Rheometer conftruirt, die unter der Glocke eine Ausftrömungsröhre für das Gas haben, welche Röhre dann aufserhalb der Glocke nach aufwärts fich biegt und oberhalb der Glocke mündet. An einer beftimmten Stelle kann nun der Querfchnitt diefer Ausftrömungsröhre durch Ventile verringert oder vergröfsert werden, je nachdem man weniger oder mehr Gas bedarf. Fig. 9 zeigt ein derartiges Rheometer, in welchem H diefe Röhre und K das Ventil vorftellt. Aufser diefen äufserft intereffanten Apparaten hatte diefe Firma noch mehrere andere ausgeftellt, und wir müffen auf das früher erwähnte Werk verweifen, das alle diefe Apparate genau befchrieben und gezeichnet enthält. Wenn wir noch erwähnen, dafs Klingmüller aus Prag mehrere Gasuhren, George Glover& Comp., London, trockene Gasuhren von anerkannter Güte, die bekannte Firma Lizars& Comp. in Paris Druckregulatoren, naffe und trockene Gasuhren u. f. w., Lefueur in Paris einen Apparat zur Prüfung der Kohlen auf ihren Werth zur Leuchtgasfabrication ausgeftellt hatten, fo können wir diefe Abtheilung unferes Berichtes fchliefsen, nochmals erwähnend, dafs diefer Theil der Ausftellungsobjecte, wenn auch unfcheinbar in feiner Repräsentation, mit zu den wichtigften und intereffanteften der ganzen Ausstellung gehörte.