TMW- Bibl 87/7 TEL CO C B C WA87/ 7 UNGS- BERICHT OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. MATHEMATISCHE UND PHYSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1 und 2.) BERICHT VON BUCHERE MUSEUM FERDINAND LIPPICH, DR. W. TINTER, DITSCHEINER, DR. A. v. WALTENHOFEN, W. SCHÖNBERGER. Technologisches Gewerbe- Rxseam WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI, 1874. LEKDIA 2 TH BEBICH LE 70221Err/ C2- BEKICH.L LEICIE VII Ban 7 WISSENSCHAFTLICHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV.) MATHEMATISCHE UND ALLGEMEINE PHYSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1 und 2.) Bericht von FERDINAND LIPPICH, Profeffor an der Univerfität zu Prag. Der Bericht über Gruppe XIV, Section 1, 2, konnte mit Rückficht auf eine Vielfeitigkeit nur durch das vereinte Zufammenwirken mehrerer Berichterftatter die nöthige Vollständigkeit erhalten. Eine ftrenge Scheidung aber der zu befprechenden Objecte in gröfsere, für fich abgefchloffene Gruppen war nicht immer durchführbar, da bei der Einreihung der Inftrumente nicht nur ihr Zweck, fondern auch die zur Erreichung desfelben angewandten Mittel, ja oft die hiftorifche Entwicklung der Apparate in Frage kommt. Es werden daher Wiederholungen nicht zu vermeiden fein und die Titel nur der Hauptfache nach dem Inhalte der Berichte entſprechen können. Trotz der Arbeitstheilung waren für die Berichterstatter noch genug der Schwierigkeiten zu überwinden. Eine wirkliche Prüfung der Inftrumente konnte in den wenigften Fällen vorgenommen werden. Speciellere Daten waren von den Vertretern der Gruppen und von den Ausftellern oft gar nicht oder nur fehr dürftig zu erhalten. Die Juryverhandlungen, die wohl ein fehr reiches Materiale an allen möglichen Aufklärungen hätten bieten können, da die Ausfteller diefen Verhandlungen natürlich ein ganz befonderes Intereffe entgegenbringen, waren leider diefsmal den Berichterftattern unzugänglich. Daher war, es namentlich fchwierig ein Urtheil über den relativen Werth mancher Objecte zu erlangen, da hiezu eine fo genaue Bekanntfchaft mit den fpeciellen Eigenthümlichkeiten und Verhältniffen, unter denen der Ausfteller arbeitet, nöthig gewefen wäre, wie fie nur Angehörigen des betreffenden Landes zu Gebote ftehen können. Die geographifche Eintheilung, die der Weltausftellung in Wien zu Grunde gelegt war, hat unftreitig eine fehr vollſtändige Charakteriſtik der Länder und Staaten ermöglicht und fo eine der Hauptaufgaben der Ausftellung gelöft. Jeder aber, der vergleichende Specialftudien zu machen hatte, wird den grofsartigen Eindrücken, die er diefer Eintheilung verdankte, manche Opfer an Mühe und I* 2 Ferdinand Lippich. Zeit gebracht haben. Für einen Bericht, der es mit Objecten zu thun hat, die oft weder der Zahl noch der Aufftellung nach befonders hervortraten, mufsten die Schwierigkeiten um fo empfindlicher fein, als ihm gerade die Beftimmung zufällt, nach Materien wieder zu ordnen und zu überfchauen, was nach Ländern getrennt fich vorfand. Dazu kam noch, dafs manche Specialkataloge unvollständig, ja unrichtig waren und die Anordnung der Inftrumente dem Bedürfniffe der leichten Ueberfichtlichkeit nicht entfprach. So war in einem Theile der Gruppe XIV von Italien eine fo geniale Unordnung eingetreten, dafs ein Nichtbemerken vielleicht fehr trefflicher Ideen um fo leichter möglich wurde, als fie uns von den Mechanikern diefes Landes meift in einer mehr als anfpruchslofen äufseren Hülle vor Augen geführt wurden. Was die wiffenfchaftlichen Inftrumente anbelangt, fo find fie in mancher Hinficht befonders geeignet, einen Mafsftab für die geiftige Cultur eines Landes, namentlich in ihrer idealeren Richtung, zu bieten. Diefs trat auch fehr deutlich auf der Ausftellung zu Tage. Leider aber war gerade in diefer Gruppe wie vielleicht in keiner anderen, die Betheiligung mancher Länder weniger entſprechend den thatfächlichen Verhältniffen in denfelben. Wie viel mehr hätte nicht England, Belgien, Amerika und felbft Frankreich trotz feiner anerkennenswerthen Betheiligung auf diefem Gebiete vor Augen führen können! Allerdings hat der Transport und die Aufftellung wiffenfchaftlicher Apparate feine befonderen Schwierigkeiten. Auch dürfte die Meinung oft genug fich geltend machen, dafs eine Ausftellung nicht der geeignete Ort fei, um eine vollſtändige Würdigung folcher Erzeugniffe, die überdiefs dem fpeciellen Fachmanne meift fchon bekannt find, zu ermöglichen. Jedoch, fo triftig diefe Gründe für den Einzelnen fein mögen, für die Repräfentation und die Charakteriſtik des Landes war es keineswegs gleichgiltig, wenn es diefen Zweig feiner Thätigkeit unverhältnifsmäfsig wenig illuftrirte. Der folgende Bericht, der fich an die ausgeftellten Objecte allein hält, mag daher weniger als andere im Stande fein, ein treues Bild der thatfächlichen Betheiligung zu geben, welche die einzelnen Länder an dem Fortfchritte in jenem Gebiete nehmen, das er zu befprechen hat. Indem er aber möglichfte Vollständig. keit und Ueberfichtlichkeit anftrebt, dürfte der bemerkte Mangel minder fühlbar werden und dazu fchien es nothwendig, auch von bereits bekannten Inftrumenten mehr als den blofsen Namen hineinzufetzen, namentlich dort, wo es von Bedeutung war, den Zufammenhang zwifchen dem Neuen und dem Alten hervortreten zu laffen. In einigen Fällen wären Figuren zur Erleichterung des Verſtändniffes nicht unzweckmäfsig gewefen. Es dürfte aber nicht minder fchnell zum Ziele führen, wenn man fich nach der gegebenen Befchreibung, die nach Möglichkeit diefem Zwecke entsprechend gehalten ift, felbft eine Figur entwirft. Wir gehen nunmehr zur Detail befprechung über. Rechenmafchinen. Es ift nicht fehr lange her, feit die Rechenmafchinen fich einer fehr ausgebreiteten Anwendung erfreuen. Von den verfchiedenen in Anwendung gebrachten Syftemen( Maurel& Jayet, Staffel etc.) hat das von Thomas aus Colmar den Vorrang behauptet. Es hat fich nicht nur für eine dauerhafte Ausführung und bequeme Handhabung, fondern auch bezüglich mancher Verbefferungen und Erweiterungen in der Anwendnng als fehr geeignet bewährt. Hoart in Paris, rechtlicher Erzeuger diefer berühmt gewordenen Mafchinen von Thomas Duc de Bojano, hatte eine gröfsere Zahl derfelben ausgeftellt, die noch für Producte von 10 bis 20 Ziffern ausreichen. Neu war an der gröfseren Mafchine eine Vorrichtung zum Verfchieben des Ziffernlineals. Man erreicht diefs durch einfaches Rückwärtsdrehen der Kurbel. Doch kann diefes Verfchieben auch in der gewöhnlichen Weife mit der Hand gefchehen. Die mecha Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 3 nifche Ausführung diefer Arithmometer ift eine vortreffliche und die Bewegung, trotz des complicirten Mechanismus, leicht und gleichförmig zu bewirken. Augenfcheinlich nach demfelben Syfteme gebaut find die Rechenmafchinen von Julius Maffeur und Rudolf Dobefch in Wien; die gröfste derfelben reichte bis zu einem Producte von 22 Ziffern. Die Manipulation ift diefelbe wie bei den älteren franzöfifchen Arithmometern. An Dauerhaftigkeit und Präcifion der Ausführung dürften diefe Erzeugniffe den franzöfifchen nicht nachftehen, doch find die Preife der letzteren weit niedriger. Denken wir uns die obere Platte einer Thomas'fchen Mafchine, welche die Ziffernlücken und die Spalten mit den Schiebern zum Einftellen der Zahl, mit welcher eine Operation auszuführen ift, enthält, ftatt eben, durch die Oberfläche eines Cylinders gebildet, fo erhalten wir eine beiläufige Vorftellung der von Peterfon in Chriftiania conftruirten Rechenmafchinen. Der Cylinder felbft ift fchief geftellt, an feiner oberen, zur Achfe fenkrechten Endfläche ift die Kurbel um die Achfe des Cylinders drehbar angebracht. Die Manipulation ift ganz ähnlich der bei den Thomas'fchen Mafchinen, Wegen der centralen Stellung der Kurbel wird die Bewegungsübertragung weit einfacher und die Maſchine ift äufserft compendiös. Da jedoch die Ziffernlücken faft um den ganzen Umfang am oberen Rande des Cylindermantels herumreichen, fo mufs während des Ablefens des Refultates der Cylinder vom Rechner gewendet werden, was unbequem ift und leicht zu Irrungen Veranlaffung geben kann. Aufserdem läfst fich bei der getroffenen Anordnung das Refultat nicht auf einmal überblicken. Ferdinand Biringer und Hebetanz in Ofen haben Additionsmafchinen ausgeftellt. Die ältere Form derfelben fcheint nicht wefentlich verfchieden zu fein von der Mafchine, welche Schilt an der Londoner Weltausftellung im Jahre 1851 eine ehrenvolle Erwähnung einbrachte. Die neuere, jedenfalls viel zweckmäfsigere Einrichtung ift mit einem Uhrwerk verfehen, das den Mechanismus in Gang bringt. Diefes Uhrwerk wird durch Niederdrücken einer von den neun Taften der Claviatur ausgelöft und beforgt das Einftellen des Refultates in den zugehörigen Lücken. Diefes Einftellen gefchieht in äufserft kurzer Zeit, fo dafs das Abtaftiren einer zu addirenden Zifferncolonne faft mit der Gefchwindigkeit eines geübten Klavierfpielers möglich wird. Da die rafche und fichere Handhabung der Mafchine ebenfo eine Sache der Einübung ift wie das gewöhnliche Addiren, fo wird nur die Erfahrung darüber entfcheiden können, ob die Mafchine eine wefentliche Erleichterung und gröfsere Sicherheit zu gewähren im Stande ift. Auch von Petersfon war gleichzeitig mit der früher erwähnten Rechenmafchine eine Additionsmafchine ausgeftellt, bei welcher wie in der älteren Form der Biringer'fchen, der Mechanismus ohne Uhrwerk, blos durch das Niederdrücken der Tafte einer Claviatur, die nöthige Bewegung erhält. Indem wir noch die Rechenfchieber erwähnen, die namentlich in Frankreich gut vertreten waren, machen wir aufmerkfam auf die Einrichtung, welche Audeude in Paris erfonnen hat. Nebft der Ausführung der gewöhnlichen Rechnungsoperationen geftattet fein Rechnungslineal auch die Auflöfung einfacher Intereffenrechnungen. Planimeter. Nicht nur in der Geodäfie, auch in der Mechanik und in anderen Wiffenfchaften, die von graphifchen Darftellungen Gebrauch machen, handelt es fich fehr oft um die Ermittlung des Flächeninhaltes einer ebenen Figur. Das Planimeter hat daher aufgehört, ein fpeciell geodätifches Inftrument zu fein. Durch die Einfachheit feiner Conftruction und Handhabung, wie auch durch feine relative Billigkeit, hat das Amsler'fche Planimeter( Polarplanimeter) fich immer gröfsere Verbreitung und Beliebtheit errungen und diefs umfomehr, als es fein Erfinder trefflich verftanden hat, eine Genauigkeit zu erzielen, die in den meiften Anwendungen vollkommen ausreicht und jener wenig nachfteht, die mit einem forgfältig conftruirten Parallel coordinaten- Planimeter 4 Ferdinand Lippich. erreicht werden kann. Zum Beweife deffen führen wir an, dafs das Amsler'fche Planimeter in Preufsen und Italien officiell beim Katafter eingeführt wurde. Neuhöfer, Starke und Kammerer in Wien, Gebrüder Haff in Pfronten( Baiern), Allemano in Turin hatten Polarplanimeter ausgeftellt. Vor Allen aber mufs genannt werden die Firma des Erfinders AmslerLaffon in Schaffhaufen. Es waren fünf verfchieden conftruirte Planimeter, fowohl für mehrere wie auch nur für eine Mafseinheit eingerichtet, aus Meffing oder Neufilber verfertigt, ausgeftellt. Die Sammlung diefer mit bekannter vorzüglicher Präcifion gearbeiteten und rectificirten Inftrumente mufsten mit Recht die Aufmerkfamkeit der Techniker in hohem Grade erregen. Wir heben hervor ein Planimeter, das mit einer Vorrichtung verfehen war, die eine befonders bequeme Anwendung bei Berechnung der Indicator- Diagrammfläche geftattet, um aus diefer den mittleren Dampfdruck einer Dampfmaschine zu beftimmen. Weil die vom Fahrftift umfahrene Fläche dividirt durch die Entfernung diefes Stiftes vom Gelenkspunkte der beiden Planimeterarme proportional ift der Winkeldrehung des Laufrädchens, fo ift bei diefem Planimeter die Einrichtung getroffen, dafs die genannte Entfernung gleich gemacht werden kann der Länge des Diagrammes. Hiedurch wird die Winkeldrehung des Rädchens proportional der mittleren Höhe des Diagrammes und der Proportionalfactor ift für ein gegebenes Inftrument conftant. Ferner foll erwähnt werden die fehr finnreiche Conftruction eines Planimeters, das gleichzeitig zur Flächenbeftimmung fehr grofser und fehr kleiner Figuren dienen kann. Zu letzterem Zwecke ift an dem Inftrumente ein zweiter Fahrftift angebracht, der wie bei einem Pantograph mit den beiden Armen des Planimeters in Verbindung fteht. Befchreibt diefer Stift S den Umfang der vorgelegten Figur, fo befchreibt der andere Fahrftift S, eine vergröfsérte, der erfteren fehr nahe ähnliche Figur. Der Stift S₁ wird nun mit der Hand gefafst und fo bewegt, dafs S den Umfang der Fläche durchläuft Da eine Coïncidenz mit dem Auge viel genauer beurtheilt werden kann als fie die Hand herzuftellen vermag, fo werden bei diefem Vorgange die Fehler kleiner ausfallen, als wenn man die Fläche direct mit dem Stifte S umfahren würde. Herr Amsler verfertigt in neuefter Zeit Planimeter, bei denen das Laufrädchen nur eine rollende Bewegung ausführt und keine gleitende in der Richtung feiner Drehungsachfe. Von diefen, natürlich etwas complicirten Inftrumenten, konnte jedoch keines bis zum Beginne der Weltausftellung vollendet werden und fie fehlten daher in der Sammlung des Herrn Amsler. Die Parallel coordinaten- Planimeter waren nur durch zwei Exemplare nach dem Syfteme Wetli( Gonella) vertreten. Das eine aus der Handels- und Induftrie anft alt in Liffabon hatte keine wefentlichen Abweichungen von der gebräuchlichen Bauart aufzuweifen; das zweite aus der Werkstätte von Starke und Kammerer zeichnete fich, wie alle diefer Firma zugehörigen Inftrumente durch fchöne und äufserft präcife Ausführung aus. Es zeigte überdiefs eine wefentliche Abänderung, indem die verticale Zählfcheibe weggelaffen war und das Laufrädchen mit der Amsler'fchen Zählvorrichtung verbunden wurde. Hiedurch entfällt die lange, fchwierig auszuführende Zeigerachfe, die Bauart des Inftrumentes wird nicht nur einfacher und von compendiöferer Form, fondern es wird auch der vom Laufrädchen zu überwindende Widerftand kleiner und gleichförmiger als bei der bisherigen Einrichtung. Wird eine Fläche durch parallele Sehnen in lauter gleich breite, fchmale Flächenftreifen getheilt, fo kann man aus der Breite der Streifen und der Gefammtlänge der Sehnen fehr leicht den Flächeninhalt berechnen. Hierauf gründet fich das von Julian Majewfky in Warfchau conftruirte, etwas voluminöfe Planimeter. Durch ein Triebwerk wird ein Lineal fenkrecht gegen feine Länge immer um gleiche Stücke, etwa I Millimeter verfchoben. Ein zweites Triebwerk verfchiebt einen Stift längs des Lineals und ein mit der Kurbel des Triebwerkes verbundenes Zählwerk gibt die Länge des durchlaufenen Weges an. 1. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 5 Wir haben hier von den Planimetern nur infoferne gefprochen, als diefelben in einem Berichte über mathematifche Inftrumente nicht fehlen dürfen. Da diefelben in dem Berichte über die geodætifchen Inftrumente ebenfalls einer noch eingehenderen Betrachtung unterzogen werden, fo wollen wir uns bezüglich der Planimeter von Adler, Horfky und Pofener, die vom k. k. öfterreichifchen Finanzminifterium ausgeftellt waren, damit begnügen, fie namhaft gemacht zu haben. Es fcheint aber gerechtfertigt, hier noch auf zwei Inftrumente näher einzugehen, weil ihre Conftruction auf dem Principe des Planimeters beruht. Das eine diefer Inftrumente ift der Integrator von Amsler. Schon im Jahre 1856 hat Amsler die Theorie und Befchreibung diefes intereffanten und wichtigen Inftrumentes gleichzeitig mit der feines Planimeters veröffentlicht. In feiner Ausftellung war ein Exemplar desfelben von neuer und etwas veränderter Bauart zu fehen. Diefes Inftrument gibt durch blofses Umfahren der Figur ihren Flächeninhalt, ihr ftatifches und Trägheitsmoment bezüglich einer beliebig in der Ebene gewählten Achfe. Ein Stahllineal ift mit einer Rinne verfehen, in welcher die Laufrollen eines Rahmens fich bewegen und hiedurch den Rahmen zwingen, eine zur Rinne parallele Bewegung auszuführen. Mit dieſen Rahmen in Verbindung und um eine verticale Achfe drehbar ift ein Rad angebracht, welches an einem längeren Arm den Fahrftift trägt. Diefes Rad ift an zwei gegenüberliegenden Stellen gezahnt längs zweier Bogenftücke, die weniger als 180 Grad umfaffen; die beiden Bogenftücke haben aber verfchiedenen Radius. In die Verzahnungen greifen zwei weitere Rädchen ein, die mit dem Rahmen verbunden, um verticale Achfen drehbar, fich diametral gegenüberftehen. Alle drei der genannten Räder haben Laufrollen mit Zählwerk. Der Gebrauch des Inftrumentes ift folgender: Man ftellt die Rinne im Lineal parallel der gewählten Achfe der Figur in einem beftimmten Abftande. Hiezu dienen zwei am Lineale angebrachte Arme, die am Ende mit Marken verfehen, durch Anfchlag fenkrecht zur Rinne geftellt werden können; die Achfe hat durch die beiden Marken der Arme zu gehen. Ift diefes erreicht, fo werden die Arme ohne das Lineal zu verrücken, zurückgefchlagen und der Fahrftift auf einen bezeichneten Punkt im Umfange der Figur geftellt. Nun notirt man die Stellung der Laufrollen; es fei w₁ die Stellung der Rolle am mittleren gröfseren Rade( oder an dem Arme, der den Fahrftift trägt), w, die Stellung der Rolle am Zahnrade, welches näher, und wa die der Rolle am Zahnrade, welches weiter von der Achfe des mittleren Rades abfteht. Man umfährt dann die gegebene Figur rechts herum, bis man auf den Ausgangpunkt zurückkommt und lieft die neuen Stellungen der Laufrollen ab, fie feien jetzt w'1, W'2, w'3. Sodann ift: W1 ( w1- w₁) der Flächeninhalt, o.6( w'2- w₁) das ftatifche Moment, ( w1- W1) 04( w's- w3) das Trägheitsmoment der Figur, als Längeneinheit I Decimeter vorausgesetzt. Das Inftrument gibt, wie man fieht dem Ingenieur gerade jene Daten, die er braucht, um die Tragfähigkeit eines Balkens zu beftimmen; es macht eine meift mühfame Rechnung oder, wenn man nach Cullmann verfahren will, eine nicht fehr fchnell beendigte Conftruction überflüffig. Einer nicht minder wichtigen Anwendung iſt das Inftrument fähig, wenn es fich darum handelt, Maffenbewegungen bei Anlage des Unterbaues einer Bahn zu berechnen. Rechnet man nämlich das Volumen des Auftrages eines Dammkörpers von beftimmter Länge in der gewöhnlichen Weife, fo kommt man zu einem Ausdruck, der fich aus zwei Factoren zufammenfetzen läfst. Der eine ift abhängig von der Böfchung des Dammes und der Neigung der Bahnftrecke, der andere ift das doppelte ftatifche Moment einer Fläche, welche begrenzt ift von * Ueber die mechanifche Beftimmung des Flächeninhaltes, der ftatifchen Momente und der Trägheitsmomente ebener Figuren, insbefondere über ein neues Planimeter. Schaffhaufen, Beck& Sohn. 6 Ferdinand Lippich. der Bahnlinie einerfeits und von der natürlichen Terrainlinie anderfeits( die Durchschnitte der Dammkrone und des natürlichen Terrains mit einer Verticalebene); und zwar ift diefes ftatifche Moment zu nehmen bezüglich jener Linie als Achfe, in welcher fich die verlängerten Seitenflächen des Dammes fchneiden. Diefes liefert aber das Inftrument fehr fchnell. Ueberhaupt, da die ftatifchen und Trägheitsmomente eine fo wichtige Rolle in der angewandten Mechanik fpielen, ihre Berechnung oder Conftruction aber ziemlich zeitraubend ift, fo fpringt die grofse Wichtigkeit eines Mefsinftrumentes in die Augen, das diefe Gröfsen fchnell und mit der gewünſchten Genauigkeit zu liefern vermag. Der Wafferftand- Zeiger, ausgeführt von Dennert& Pape in Altona nach Angabe des Ingenieurs Reitz, beftimmt den mittleren Wafferftand innerhalb einer gegebenen Zeit. Ein Schwimmer ift æquilibrirt an einem verticalen Rade aufgehängt, deffen Drehung eine horizontale Stange mittelft Zahneingriff verfchiebt, proportional der Aenderung des Wafferftandes. An dem einen Ende diefer Stange befindet fich eine Laufrolle mit Amsler'fcher Zählvorrichtung. Die Drehachfe der Rolle fällt zufammen mit der Achfe der Zahnftange. Diefe Rolle ruht auf einer Glasfcheibe, die mittelft Uhrwerk um eine verticale Achfe gleichförmig umgedreht wird. Diefe Achfe und die Achfe der Rolle liegen in einer verticalen Ebene. Ift w die Stellung des Laufrädchens zu Anfang der Zeit t und w' die Stellung nach Ablauf derfelben, C eine für w' W jedes Inftrument individuelle Conftante, fo ift C. der mittlere Wafferftand innerhalb der Zeit t, gerechnet von dem Niveau aus, welches der Anfangs ftellung der Rolle entfpricht. - t Pantographen. Apparate zum Verkleinern oder Vergröfsern von Zeich nungen waren nur in wenigen Exemplaren vorhanden. Schablafs& Sohn in Wien, Kraft in Wien und Hardy in Paris hatten Pantographen gewöhnlicher Bauart ausgeftellt, lezterer einen für Zwecke, die eine bedeutendere Präcifion erfordern. Die Stäbe diefer Pantographen waren Lineale, die ihre breite Seite der Papierfläche zuwenden. Röhren oder vertical geftellte Lineale, wie fie fehr zweckmäfsig von Breithaupt in Kaffel, Ertl& John in Berlin in Anwendung kamen und auch von Gavard in Paris bei feinen vorzüglichen Inftrumenten adoptirt wurden, waren nur in der Collection von Zeichnungen fichtbar, durch welche letztere Firma ihre verfchiedenen Erzeugniffe illuftrirte. Ein fehr fchön gearbeiteter Pantograph zum Graviren( nebft anderen Vorrichtungen zu demfelben Zwecke) war in der Mafchinenhalle von Ferdinand Lotz in Offenbach( Heffen) ausgeftellt. Nicht unerwähnt mag eine von Wirtenfohn in Wien erfonnene Vorrichtung bleiben, die in äufserft einfacher Weife die Aufgabe, von einer Zeichnung eine vergröfserte oder verkleinerte Copie zu entwerfen, löft. Auf der Zeichnungsebene fei im Punkte O eine elaftifche, möglichft gleichförmige Schnur befeftigt. An diefe ift ein Fahrftift F und an einer anderen Stelle z eine cylinderhutförmige Hülfe befeftigt, welche in ihrem Innern den Zeichenftift enthält und während des Zeichnens mit der Flanfche auf der Zeichnungsfläche gleitet. Ift z. B. die Länge des Schnurftückes OF gröfser als die Länge des Stückes Oz und man befchreibt, während die Schnur immer gefpannt bleibt, mit F irgend eine Figur, fo befchreibt z eine diefer ähnliche und ähnlich gelegene verkleinerte Copie diefer Figur, denn das Verhältnifs OF zu OZ bleibt bei jeder Dehnung der Schnur conftant. Die Vorrichtung kann auch zum Vergröfsern benützt werden, indem man OZ gröfser als OF macht und Z mit der Hand fo führt, dafs F die gegebene Figur befchreibt. Letzteres erfordert natürlich einige Uebung. Auf die angegebene Weife läfst fich ohne Koften ein Pantograph minderer Sorte erfetzen und dürfte auch in manchen Fällen die Genauigkeit des Apparates genügen. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 7 Ellipfo graphen. Inftrumente, um beftimmte Curven mit Genauigkeit mechanifch verzeichnen zu können, find nicht blofs für den praktifchen Zeichner und Conftructeur von Wichtigkeit, fie find es auch für den Rechner, der fich mittelft folcher Inftrumente fchnell und ficher fehr angenäherte Wurzelwerthe gewiffer Gleichungen zu verfchaffen vermag, fobald es nur gelungen ift, die Wurzelwerthe aus den Durchfchnittspunkten einer Curve mit einer zweiten zu beftimmen. Insbefonders wünfchenswerth mufs es erfcheinen, die fämmtlichen Formen der Kegelfchnitte mit jener Genauigkeit befchreiben zu können, die bei der fpeciellften diefer Formen, dem Kreife, erreicht wird. Obgleich in der Ausftellung verfchiedene Apparate diefer Art vorhanden waren, fo waren doch die Conftructionsprincipe, die fie zur Befchreibung der Curven in Anwendung brachten, nur wenige. Jene Erzeugungsweife der Kegelfchnitte, welche denfelben ihren Namen gegeben hat, wurde fchon von E. Stubendorf* der Einrichtung eines Ellipfenzirkels zu Grunde gelegt. In etwas anderer und allgemeinerer Weife gefchieht diefs durch den Ellipfographen von Drzewiecki( Wolhynien, Kreis Kremenezk). Auf einem kleinen elliptifchen Fufse, der mit Stiften zum Einftechen in die Zeichnungsfläche und am Umfange mit vier Marken verfehen ift, deren Verbindungslinien aufeinander fenkrecht ftehen, erhebt fich vertical eine kurze cylindrifche Säule. An ihrem oberen Ende ift mit diefer durch ein Gelenk, deffen Drehachfe der Verbindungslinie zweier der am Fufse befindlichen Marken parallel liegt, ein zweiter cylindrifcher Stab A verbunden; die Achfe diefes Stabes repräfentirt die Achfe des Kegels oder Cylinders, als deren Durchfchnitt mit einer horizontalen Ebene die Kegelfchnittlinien dargeftellt werden follen. Senkrecht zu A kann eine Schiene S verfchoben und durch eine Schraube feftgeklemmt werden. Am Ende diefer Schiene ift eine Hülfe H in einer durch AS gehenden Ebene drehbar angebracht, die mittelft eines Bogens in beliebiger Neigung gegen S und alfo auch gegen A feftgeklemmt werden kann. Das Syftem SH kann um A gedreht werden und es befchreibt alsdann die Achfe der Hülfe eine Kegelfläche. In diefer Hülfe verfchiebt fich ein Stab E, der mittelft eines cardanifchen Gelenkes ein kurzes cylindrifches Stück trägt, das zur Aufnahme des Zeichenftiftes oder einer Reifs. feder dient. Er ift mit dem Fufse durch ein horizontales, mit Hülfen zur Aufnahme des Fufses und diefes Stückes verfehenes Gelenk fo verbunden, dafs die Achfe des Stückes fich dem Fufse beliebig nähern und fich von demfelben entfernen kann, dabei aber immer vertical und der Mittelpunkt des cardanifchen Gelenkes mit dem unteren Fixpunkt der Achfe A in einer Horizontalebene bleibt. Diefer Mittelpunkt befchreibt alfo einen Kegelfchnitt und die Spitze des Zeichenftiftes feine Verticalprojection auf die Zeichnungsfläche. Noch ift Vorforge getroffen, dafs der Stab E in feiner Hülfe blofs gleiten, fich aber in derfelben nicht drehen kann. Hiedurch wird bei gehöriger Stellung der Reifsfeder diefelbe fo geführt, dafs fie mit ihrer Schneide immer in der Tangente zur Kegelfchnittlinie bleibt, was natürlich für ein reines Ausziehen der Curven nothwendig ift und es wird diefer Umftand zugleich benützt, um das Inftrument mit einer einfachen Vorrich. tung zu verfehen, die in jedem Punkte der Curve die Normale anzugeben geftattet. Eine durch ihre Hauptachfen vorgefchriebene Ellipfe wird am ficherften als Cylinderfchnitt verzeichnet. Sie kann aber auch durch ihre conjugirten Achfen gegeben fein, nur erfordert dann die Einftellung des Apparates einige, übrigens einfache, vorhergehende Conftructionen. Ueberhaupt läfst die Genauigkeit der Einftellung Manches zu wünſchen übrig, jedoch könnte fie durch einige Abänderungen in der Bauart des Inftrumentes unfchwer auf den gewünſchten Grad gebracht werden. Für den Schulgebrauch, als blofses Demonftrationsmittel beftimmt, ift der einfache Apparat, den Wirtenfohn conftruirt hat. An einer verticalen * Polytechnifches Centralblatt, 1868, pag. 595. 8 Ferdinand Lippich. Säule ift mittelft Kugelgelenk eine Hülfe drehbar, in der fich ein Stab verfchiebt, an feinem Ende mit dem Zeichenftifte verfehen. Auf einer Zeichnungsfläche, die in beliebiger Entfernung und Neigung feftgeftellt werden kann, wird der Zeichenftift fo bewegt, dafs der Stab fortwährend die innere Kante eines vertical auf geftellten Kreisringes berührt. Es feien zwei zu einander rechtwinklige Gerade A und B gegeben; eine dritte Gerade werde fo bewegt, dafs einer ihrer Punkte a immer auf A, ein anderer ihrer Punkte b auf B bleibt. Alsdann befchreibt bekanntlich irgend ein dritter Punkt c diefer Geraden eine Ellipfe, für welche A und B die Richtungen der Hauptachfen, ca und cb die Längen der Halbachfen find. Auf diefem Conftructionsprincipe bafirt, der ellipfographifche Zirkel von Angelo Segufo in Venedig. Ein gewöhnlicher Zirkel ift mit einem Kreisbogen verfehen, der radial einen dritten, in feiner Länge veränderlichen Schenkel trägt. Die Schenkel des Zirkels können an dem Kreisbogen feftgeklemmt werden. Die in eine Gerade gebrachten Spitzen der drei Schenkeln entſprechen den Punkten a, b, c. Auf Metallplatten find rechtwinklig zu einander zwei Nuten angebracht. Diefe find entweder fcharfkantig, dann dienen diefe Kanten zur Aufnahme der Zirkelfpitzen a, b; oder fie haben einen rechteckigen Querfchnitt. Im letzteren Falle paffen in die Nuten zwei kleine Metallftücke, welche in ihrer Mitte mit kleinen konifchen Vertiefungen verfehen find zur Aufnahme der Zirkelfpitzen a und b. Diefe Metallftücke gleiten bei der Bewegung des Zirkels in ihren Nuten. Diefes Conftructionsprincip ift infoferne für einen Ellipfenzirkel fehr gut gewählt, als ein Einſtellen des Apparates auf die gegebenen Elemente der Ellipfe mit grofser Genauigkeit möglich ift. Die eben befchriebene mechanifche Verwirklichung der geometrifchen Conftruction läfst freilich viel zu wünfchen übrig. Uebrigens wäre der dreifchenklige Zirkel für fich allein ein ganz brauchbares Inftrument und eine erwünſchte Zugabe in Reifszeugen. Ganz ähnlich conftruirt war der Ellipfograph von Sanchez( Carmena, Toledo), nur war ftatt des eben erwähnten Zirkels ein Stangenzirkel verwendet und die Nuten waren in zwei zu einander fenkrechten Armen angebracht, welche von einem Fufse getragen wurden. Das Inftrument war durch feine künftlerifch durchgeführte Holzfchnitz- Arbeit intereffant. Auch der Ellipfograph von Kraft in Wien benützt diefelbe Erzeugungsweife der Ellipfe. Zwei rechtwinklig zu einander geftellte Arme A' und B' find mit vier Füfsen verfehen, die in Spitzen auslaufen und die Richtungen der Linien A und B markiren. Auf den beiden Armen ruht eine Kreisfcheibe, die zwei an A' befeftigte Schienen tangirt, welche parallel zu B und gleich weit davon abftehend angebracht find. Ein auf der Kreisfcheibe in beliebigen Entfernungen von ihrem Mittelpunkte feftzuftellender Bolzen geht durch einen Schlitz im Arme A'. Wird die Scheibe gedreht, fo befchreibt der Mittelpunkt des Bolzens die Linie A' und der Mittelpunkt der Kreisfcheibe die Linie B, da er immer in der Mitte zwifchen den beiden Schienen liegt. Die genannten Mittelpunkte repräfentiren alfo die Punkte a und b. Am unteren Ende des Bolzens ift noch ein Arm mit dem Zeichenftift befeftigt. Da jeder Punkt der mit a und b verbunden gedachten Ebene eine Ellipfe befchreibt, fo erhält man immer eine folche, welche Stellung man auch dem Arme geben mag. Wenn man die beiden mit A und B bezeichneten Geraden nicht rechtwinklig zu einander wählt, fo befchreibt der Punkt c noch immer eine Ellipfe. Die eine der beiden Geraden fteht dann mit der zur anderen conjugirten Achfe in einer fehr einfachen Beziehung. Es feien nämlich, wenn O den Mittelpunkt der Ellipfe bezeichnet, OM und ON zwei conjugirte Halbachfen und OM werde als die Gerade A genommen. Fällt man von N aus eine Senkrechte auf A und wählt auf diefer einen Punkt P fo, dafs NP OM wird, fo ift die Verbindungsgerade OP die Gerade B, und wenn man auf der beweglichen Geraden die Punkte a, b und c fo wählt, dafs cb= OM und ca gleich wird dem fenkrechten Abftande des Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 9 Punktes N von der Geraden A, fo befchreibt c die durch OM und ON gegebene Ellipfe, wenn a auf A oder OM und b auf B bleibt. Diefe Erweiterung der Conftruction verbunden mit einer wohldurchdachten Anordnung des Mechanismus liegt dem von Profeffor Z murko in Lemberg erfonnenen Ellipfographen zu Grunde. Diefer Ellipfograph geftattet beliebig kleine Ellipfen und folche mit beliebig kleinen Excentricitäten zu verzeichnen und zwar, was befonders hervorgehoben zu werden verdient, aus zwei conjugirten Achfen, die bei den meiften Aufgaben und Anwendungen als unmittelbar gegebene Conftructionselemente auftreten. Man hat nur nöthig, die foeben bemerkte höchft einfache Conftruction auszuführen. Eine halbkreisförmige, hölzerne Platte von etwas gröfserer Dicke ift mit zwei Nuten verfehen. Die eine befindet fich in der ebenen verticalen Seitenfläche, die andere in einem verftellbaren Arm, der unter beliebiger Neigung gegen erftere fixirt werden kann. In den Nuten gleiten prismatifche Stücke, welche drehbare verticale Bolzen enthalten. Diefe Bolzen tragen ihrerfeits zwei Hülfen, durch welche ein prismatifcher Stab hindurchgeht, der den Zeichenftift enthält. Die Achfen der Bolzen entfprechen den früher mit a und b bezeichneten Punkten. Zweckmäfsig angebrachte Marken dienen zum Einftellen des Inftrumentes. Man zeichnet zuerft die eine Hälfte der Ellipfe und nachdem den Zeichenftift durch eine man umgelegt hat die andere. Erfetzt man Reifsfeder, fo wird diefe beim Fortbewegen nicht mit der Schärfe in der Bewegungsrichtung bleiben, ein kleiner Uebelftand, der fich übrigens beheben liefse. Herr Z murko hat überdiefs einen Conographen conftruirt, der nebft der Ellipfe auch noch Parabel und Hyperbel zu zeichnen erlaubt und zwar unter der Vorausfetzung, dafs von den beiden erftgenannten Kegelfchnitten die Hauptachfen von der Parabel der Parameter und ihr Scheitel gegeben find. Für die Ellipfe kommt das fchon erwähnte Conftructionsprincip in Anwendung, mit der Befchränkung auf die Hauptachfen als gegebene Richtungen A und B. Für die Hyperbel und Parabel find die folgenden dem Mechanismus zu Grunde gelegt. Wenn ein rechter Winkel, deffen Scheitel S fortwährend auf A bleibt, mit dem einen Schenkel beftändig einen Kreis vom Radius a, deffen Mittelpunkt auf A liegt, tangirt, und man beftimmt auf dem zweiten Schenkel einen Punkt Pfo, dafs die Projection von PS auf A conftant gleich 6 ift, fo wird P einer Hyperbel mit den Halbachfen a und b angehören. Sucht man auf der Verlängerung von PSden bezüglich Szu P fymmetriſch gelegenen Punkt P', fo gehört diefer ebenfalls einer Hyperbel mit denfelben Halbachfen an. Wenn man aber den Scheitel S des rechten Winkels auf einer zu 4 fenkrechten Geraden B fich bewegen läfst, während der eine Schenkel durch einen auf A liegenden Fixpunkt hindurchgeht und man conftruirt auf dem zweiten Schenkel einen Punkt P, der bezüglich S fymmetrifch ift zum Schnittpunkte diefes zweiten Schenkels mit A; fo gehört P einer Parabel an, deren Brennpunkt der Fixpunkt auf A ift. Da fich bei der angewandten mechanifchen Ausführung namentlich der zweite der genannten Hyperbeläfte zum Verzeichnen gut eignet, fo wird es fowohl bei der Hyperbel wie bei der Parabel nothwendig, zu gewiffen Punkten ihre fymmetrifchen bezüglich eines beweglichen Punktes zu beftimmen. Die mechaniſche Vorrichtung, durch welche diefes geleiftet wird und die ein charakteriftifcher Beftandtheil des vollständigen Conographen ift, beſteht im Wefentlichen aus einem gröfseren Zirkel, der in den Mitten feines Schenkel mittelft Gelenken die Enden eines zweiten halbfogrofsen Zirkels aufnimmt. Der Kopf diefes Zirkels und die Endpunkte der Schenkel des erften beftimmen drei in einer Geraden liegende Punkte, von denen die beiden äufseren gleich weit vom mittleren abftehen. Bezüglich der genauen Befchreibung des Conographen verweifen wir auf:„ Beitrag zur Erweiterung der Operationslehre der conftructiven Geometerie von Lorenz Zmurko, Lemberg 1873". 10 - Ferdinand Lippich. - - Der Ellipfograph von Eugenio Geiringer in Trieft beruht auf einer anderen ebenfalls fehr bekannten Conftruction der Ellipfe. Wir befchreiben fogleich die Einrichtung des Inftrumentes. Um zwei in der Zeichnungsebene gelegene Fixpunkte O und O' find zwei Stäbe S und S' drehbar, die in zwei Punkten A und A', wobei OA= OA'= a, durch ein Querftück AA'= 00' mittelft Charniere verbunden find. Die Figur 00' A'A ift demnach in jeder Stellung ein Parallelogramm. In derfelben Weife find S und S¹ noch durch ein zweites Querftück BB' verbunden, wobei alfo wieder OB OB'= b ift. Beim Drehen diefer Stabverbindung befchreiben die Punkte von AA' und BB' Kreife, deren Radien beziehungsweife a und b find. Die von den Mittelpunkten M auf AA' und N auf BB' befchriebenen Kreife find concentrifch und haben ihren Mittelpunkt im Halbirungspunkte C von 00'. Denkt man fich in M fenkrecht zu AA eine Gerade G feft mit AA' verbunden, fo wird diefe die Gerade BB' in einem Punkte fchneiden, der zur Ellipfe mit den Halbachfen a und 6 gehört und deren kleinere Achfe in 00' liegt. In der That erfcheinen G und BB' zu einander fenkrecht gezogen aus zwei Punkten der Kreife mit den Radien a und b, die auf derfelben durch C geführten Geraden liegen, ein bekanntes Verfahren behufs Conftruction der Ellipfe. BB fowohl als auch G find mit Schlitzen verfehene Arme und in beide Schlitze pafst ein quadratifches Stück, in deffen Achfe der Zeichenftift befeftigt ift. Selbft bei vorzüglicher mechanifcher Ausführung und fehr genauer Einftellung dürfte die Bewegung namentlich über die Endpunkte der kleinen Achfe hinüber etwas unficher werden. Bewegt man einen Punkt fo, dafs der Unterfchied feiner Entfernungen von einer feften Geraden G und einem fixen Punkt Funverändert bleibt, fo befchreibt der bewegliche Punkt eine Parabel, deren Brennpukt Fift. Diefe geometrifche Conftruction wird in dem Parabolographen von Seiner kaiferlichen Hoheit dem Prinzen Georg von Oldenburg verwirklicht. Der Mechanismus, durch welchen diefes erreicht wird, befteht der Hauptfache nach in Folgendem. Denken wir uns ein Zahnrädchen, deffen Achfe vertical ſteht und in welches zwei horizontale Zahnftangen S und S' eingreifen. Die eine Zahnftange erhält mittelft eines Schlittens eine zu ihrer Länge fenkrechte Bewegung, fo dafs ein Punkt von S die Gerade G befchreibt, die andere S' ift drehbar um einen Fixpunkt F, der mit dem Mittelpunkte des Rädchens auf einer Parallelen liegt zur Mittellinie der Verzahnung. Da das Rädchen längs S und S' nur rollen kann, fo wird fich dasfelbe bei einer Bewegung des Schlittens um gleiche Stücke auf den Zahnftangen verfchieben und ift die Zahnftange S' richtig angelegt, fo wird, wenn das Rädchen fich von G entfernt, dasfelbe fich auch von Fund zwar um gleich viel entfernen. Die Differenz der Abftände des Rad- Mittelpunktes von G und Fbleibt alfo in der That conftant. Das Inftrument war von Hardy in Paris vorzüglich ausgeführt. Leider geftattet es, nur ein ziemlich kleines Stück der Parabel zu zeichnen. Die hübfche Idee des Abrollens eines Rädchens auf zwei mit demfelben in Berührung bleibenden Tangenten liefse fich übrigens auch zur Conftruction von Ellipfe und Hyperbel aus ihren Brennpunkten verwenden. Wir erwähnen endlich noch der Geradführung von Lipkin( Gouvernement St. Petersburg, Pawlowfk). Aus zwei Mittelpunkten A und B feien zwei Kreife mit den refpectiven Radien a und b befchrieben. Eine Gerade von der Länge 7 werde fo bewegt, dafs der eine ihrer Endpunkte M auf dem Kreife vom Radius a, der andere Endpunkt N auf dem Kreife vom Radius b bleibt. Zieht man den Radius AM, projicirt auf diefen den Punkt N nach N' und fucht auf AM einen Punkt P, der zu M bezüglich N' fymmetriſch liegt, fo gehört P einem Kreife an. Wählt man aber den Radius a gleich dem Abftande AB der Kreismittelpunkte, fo geht der Kreis in eine Gerade über, die fenkrecht fteht auf der Linie AB. Durch Gelenkverbindungen läfst fich die Bewegung von Pleicht den angegebenen Bedingungen gemäfs hervorbringen. Zu dem Zwecke bemerke man, dafs Pangefehen werden kann als der Eckpunkt eines Parallelogrammes von der Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 11 Seitenlänge, von welchem ein Eckpunkt M den Kreis vom Radius a befchreibt, ein anderer Eckpunkt N und der zu ihm bezüglich N fymmetriſche N" aber immer auf dem Kreife vom Radius b bleiben. Es genügt alfo M mit A durch einen Stab von der Länge a, N und N" durch zwei Stäbe von den Längen 6 mit B als fixe Drehungspunkte zu verbinden, in den übrigen Knotenpunkten der Figur die zufammentreffenden Stäbe um Charniere beweglich zu machen. Man fieht, der Lipkin'fche Apparat löft die geftellte Aufgabe in ebenfo einfacher wie präcifer Weife. Theilmafchinen. Wie in früheren Ausftellungen, fo nahmen auch diefsmal die von L. G. Perreaux in Paris ausgeftellten Theilmafchinen einen hervorragenden Platz ein. In der That verdanken diefe wichtigen Inftrumente Herrn Perreaux manche wefentliche Verbefferungen fo wohl bezüglich der automatifchen Regulirung der Länge der Theilftriche, wie auch namentlich bezüglich des von Ramsden an feiner Kreis- Theilmafchine in Anwendung gebrachten Principes behufs Fractionirung der Schraubenbewegung. Die exponirten Mafchinen zeigten in ihrer Bauart und Anordnung keine wefentlichen Abweichungen von der früheren Form. Sie waren vertreten durch eine grofse Theilmafchine, deren Mikrometerfchraube mehr als I Meter Länge hatte und durch zwei kleinere mit Schrauben von nahe 12 und 13 Meter Länge. Ganz Aufserordentliches leiftet die mikrometifche Theilmafchine diefes Künftlers. Die Ganghöhe der etwa 2 Centimeter langen Mikrometerfchraube beträgt nur o'I Millimeter. Am Umfange des Zahnrades, durch welches mittelft Sperrklinke die Bewegung der Kurbel auf die Schraube übertragen wird, find 300 Zähne angebracht. Diefe Mafchine vermag alfo noch 3000 Linien auf die Länge eines Millimeters zu ziehen. Die Theilung gefchieht auf Glas mittelft. eines Diamantenfplitters. Ein Uhrwerk bewegt die Kurbel und beforgt während des Stillftehens der Schraube das Auffetzen des Diamanten, feine Bewegung und das Abheben desfelben mit äufserfter Zartheit. Der Druck des Diamanten gegen die Glasplatte wird durch ein Gewicht regulirt. Schon bei feinen Theilungen an Normal Längenmafsen werden, wie z. B. von Froment und der Société Génevoife automatifch bewegte Theilmafchinen in Anwendung gebracht, um den fchädlichen Einflufs der Körperwärme, der nothwendig eintretenden Ermüdung in Folge der gefpannten Aufmerkfamkeit, zu vermeiden. Umfo mehr begreift man die Nothwendigkeit der automatifchen Bewegung bei diefem kleinen Meifterſtück der Präcifionsmechanik. Dasfelbe ift befchrieben in Dingler's Journal Band CLXXXVI, p. 330. Bei einer kleineren Kreis- Theilmafchine von nahe 15 Centimeter Durchmeffer war die Bewegung des Grabftichels und der Schraube wie an den LängenTheilmafchinen eingerichtet. - Eine kleinere Längen Theilmafchine, im Wefentlichen nach dem von Perreaux adoptirten Syfteme gebaut und von der berühmten Firma Dumoulin Froment in Paris ausgeftellt, hatte eine Mikrometerfchraube von etwas mehr als 2 Meter Länge. An diefer war die zweckmäfsige Einrichtung getroffen, dafs die Platte, welche den zu theilenden Gegenſtand trägt, parallel zur Schraubenachfe verfchoben werden kann. In Deutfchland war von Stollenreuter in München eine gröfsere Theilmafchine von Meter Länge aufgeftellt. Das Einſtellen, entſprechend den Winkeldrehungen von gleichen Intervallen gefchieht auf die gewöhnliche Weife mittelft der Theilung am Kopfe der Schraube. Die Tifchplatte war mit verftellbaren Mikrofkopen verfehen, von denen einem ein Fadenmikrometer beigegeben war, zu dem Zwecke, um gröfsere Längen durch Anftofsen theilen zu können. Die Schrauben- Theilmafchine für Glasmikrometer von Voigt& Hochgerang in Göttingen war durch fchöne und folide Bauart ausgezeichnet. Sie geftattet I Millimeter noch in 400 gleiche Theile mit Sicherheit zu theilen. Das C 12 Ferdinand Lippich. Tifchchen, auf welchem die Glasplatte befeftigt wird, ift um eine verticale Achfe drehbar und die Drehung kann an einer Theilung am Rande des Tifchchens abgelefen werden. Hiedurch wird es möglich, auch mikrometrifche Kreistheilungen mit derfelben Mafchine auszuführen, Kreife zu ziehen etc. Eine Längen- Theilmafchine, beftimmt für rafch auszuführende Theilungen, zeigte die Genfer Gefellfchaft zur Anfertigung phyfikalifcher Inftrumente in Genf. Diefe Mafchine, nach dem Syfteme von L Bourette,* befteht aus einem gezahnten Meterftabe, auf welchem der Schlitten mittelft eines Triebes verfchoben wird. Die Länge der Theilftriche wird automatiſch regulirt und die Einftellung gefchieht durch einen am Schlitten angebrachten Nonius. Die Arbeit war, wie bei allen Erzeugniffen diefer Gefellſchaft, eine vorzügliche. Längenmafse. Unverkennbar war der Einflufs, welchen die Einführung des neuen metrifchen Mafs- und Gewichtsfyftemes in Deutſchland und Oefterreich auf die Erzeugung von Längenmafsen, Längen- Mefsapparaten, Wagen und Gewichten etc. ausgeübt. Nicht nur dafs in diefer Richtung beide Länder durch vorzügliche Handelswaare fich hervorthaten, auch in Präcifionsartikeln leiften fie Hervorragendes und haben in manchen Richtungen die anderen Länder überholt. Speciell die Längenmafse betreffend haben in Oefterreich ausgeftellt: Florenz in Wien, Meterftäbe aus Meffing und Eifen in Decimeter getheilt; Kraft in Wien, Meter in Zollftäbe aus Meffing, Buchsholz und Bein, fowohl zufammenlegbare als auch feinere facettirte Zeichnen- Mafsftäbe, Klafter und Doppelmeter. Ein Normalmeter aus Eifen durchaus in Centimeter, die letzten 10 Centimeter in Millimeter getheilt, ebenfo ein Normal- Doppelmeter. Ein Meter aus Meffing durchaus in Millimeter gerade und transverfal getheilt. Neuhöfer in Wien, Mafsftäbe aus Meffing mit transverfaler Theilung und Proportional- Mafsftäbe; Roft in Wien, Mafsftäbe aus Holz, Elfenbein und Metall, Meter und Doppelmeter. Darunter zeigte ein Meter, durchaus in Millimeter getheilt und ein Doppelmeter aus Eifen, durchaus in Centimeter getheilt, eine ganz vorzügliche Arbeit. Schablafs in Wien, eine Collection verfchiedener Meter- und Zollftäbe aus Meffing, Buchsholz und Bein mit gewöhnlicher und feinerer Theilung. Hervorzuheben ist die Arbeit diefes äufserft gefchickten Mechanikers an einem Meter aus Meffing mit verfilberter Scala, durchaus in Centimeter, der erfte Decimeter in Millimeter getheilt. Der Querfchnitt des Stabes war faft quadratifch und die Genauigkeit wurde zu o'001 Millimeter angegeben. Endlich hat die im In- und Auslande wohlrenommirte Firma Schubert in Wien Glieder- Mafsftäbe von den verfchiedenften Sorten aus Buchsbaum- Holz ausgeftellt. Der Fabriksbetrieb ift ein fehr bedeutender( die Fabrik befchäftigt nicht weniger als 30 Arbeiter) und die Erzeugniffe durchaus fehr folid und preiswürdig. Aus Deutfchland brachten Mafsftäbe aus Holz, Metall und Bein fowie Mefsbänder die Firmen Böhme in Berlin, Bube in Hannover, Finkh, Hartmann in Neuftadt( Sachfen), Herrmans Henry in Ehrenfeld, Kessler in Speier( Baiern), Mahr in Efslingen( Württemberg), Preifinger in Augsburg, Reifacher in Kempten( Baiern), Ullrich in Maikammer( Baiern). Ganz befonders fchöne und präcife Arbeiten lieferten die Ateliers von Bube, Mahr, Ullrich und Böhme, namentlich ift des letzteren Sammlung an feineren Mefsapparaten hervorzuheben. Speciell an Präcifions- Mafsftäben führen wir an von Hildebrand in Berlin ein Haupt- Normalmeter aus Meffing mit Silberfcala, durchaus in Centimeter, der erfte Decimeter noch in Millimeter getheilt; ein Control- Normalmeter aus Aluminiumbronce und ein zweiter aus Meffing, wie der Haupt- Normalmeter getheilt. Es find diefs jene Längenmafse, welche vorfchriftsmäfsig in den deutfchen Aichämtern angewendet werden. Ferner von Bube ein Normalmeter aus Meffing, * Dingler's Journal. Band CLXXXIII. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 13 durchaus in Centimeter und im erften Decimeter die einzelnen Centimeter abwechfelnd in Millimeter und halbe Millimeter getheilt. Die Arbeit an diefem Mafsftabe fowie an zwei Meterftäben aus Stahl, wovon einer durchaus in MilliEndlich von meter getheilt war, verdient befonders hervorgehoben zu werden. der allbekannten Firma Breithaupt& Sohn in Kaffel ein Normal- Doppelmeter aus Stahl, durchaus in Centimeter, erfter und letzter Decimeter in Millimeter getheilt. Die Genauigkeit der Theilung war zu o'0002 der ganzen Länge angegeben. Dann ein Normalmeter aus Meffing und verfilbert. Auf diefem waren zwei Theilungen aufgetragen; die eine entspricht bei o Grad Celfius einem richtigen Meter, die andere etwas kürzere hat die richtige Länge von einem Meter bei Die Differenz beider Längen einer mittleren Temperatur von 20 Grad Celfius. beträgt o 4 Millimeter, ift aber keineswegs fehr unbedeutend und erfordert bei manchen Arbeiten des Technikers Beachtung. Auch bei diefem Normalmeter waren die erften Decimeter in Millimeter getheilt, und die Genauigkeit der Thei lung wurde zu o'0001 der ganzen Länge angegeben. Zum Schluffe erwähnen wir noch der Mefsbänder von Stahl, welche in anerkannt vorzüglicher Qualität Rafchke in Grofs- Glogau( Schlefien) verfertigt. Die StahlSie find beftimmt die Mefsketten bei Terrainaufnahmen zu erfetzen. bänder werden entweder auf Holzkreuze gewickelt oder in Metallkapfeln nach Art der gewöhnlichen Bandmafse eingefchloffen. Die einzelnen Decimeter der Theilung find durch gebohrte mit Meffing vernietete Löcher markirt, die halben und ganzen Meter durch kleinere refpective gröfsere Meffingplatten kenntlich, die an den 5- und 10- Meterftellen grofse erhabene Zahlen tragen. Diefe Bandmafse find bei den Geometern bereits vielfach in Gebrauch. Der In Frankreich haben wir zu nennen: Dumoulin Froment in Paris; diefer brachte einen Meter à bout aus Stahl, richtig bei o Grad Celfius. Ausdehungscoëfficient o'00001081 war auf dem Etalon eingravirt. Die Endflächen, welche die Länge des Meters zwifchen fich faffen, reichen nur in die halbe Breite des Stabes und durch zwei kurze feine, der Länge des Stabes parallele Striche, an denfelben find die Stellen bezeichnet, die um einen Meter abftehen. anderen Hälfte der Breite fpringt der Stab zu beiden Seiten etwas vor, zum befferen Schutze der Endflächen. In der Ein zweiter Meter à traits aus Stahl war durchaus in Millimeter getheilt und ein Meter à bout aus Platiniridium zeigte die von der Metercommiffion adoptirte neue Form diefes Urmafses. Der Querfchnitt hat beiläufig die Form des griechifchen x. Dafs die Ausführung eine durchaus exacte und elegante ift, verfteht fich bei Erzeugniffen, die aus diefem Atelier ftammen, von felbft. Jacquement Verget in St. Claude ftellte aufser gewöhnlicheren Mafsftäben verfchiedenfter Art und Feinheit einen Mafsvergleicher aus. Auf einem Meffingcylinder, der um eine horizontale Achfe gedreht werden kann, find parallel der Achfe die gebräuchlichften Längenmafse fammt ihren Unterabtheilungen eingravirt. An den beiden Lagern der Drehachfe ift, mit der Schneide möglichft nahe der Mantelfläche des Cylinders geftellt, eine Metallfchiene mit metriſcher Theilung befeftigt. Durch Drehung des Cylinders kann man jedes Längenmafs unter den Meterftab bringen und mit diefem vergleichen. Die Spiegelbilder an den polirten Flächen geftatten ein fehr genaues Ablefen. Barbier in Paris erzeugt fchöne Mafsftäbe aus Holz, gewöhnliche wie auch feinere Zeichen- Mafsftäbe und Bandmafse; defsgleichen Lelièvre in Paris. Ganz befonders müffen aber deffen Zeichen- Mafsftäbe aus Bein hervorgehoben werden, die durch Ausführung und Dimenfionen alle anderen Artikel diefer Gattung übertrafen. Die Société Genevoife befitzt eine Theilmafchine, auf deren Conftruction alle erdenkliche Sorgfalt verwendet wurde. Sie wird automatifch bewegt und während der Theilung können die aus Temperaturänderungen entſpringenden Ungleichförmigkeiten compenfirt werden. Die Fehler der Schraube find genau 14 Ferdinand Lippich. unterfucht und die Genauigkeit auf o'or Millimeter beftimmt worden. Die von diefem Inftitute erzeugten Längenmafse verdienen daher befonderes Vertrauen. Ausgeftellt waren ein Normalmeter aus Meffing und ein Normal Doppelmeter aus Stahl, die erften Decimeter in Millimeter getheilt. Sie waren nach den Vorfchriften der Aichämter in Baden und Deutfchland ausgeführt. Die Feinheit und Gleichmäfsigkeit der Theilftriche läfst kaum etwas zu wünfchen übrig. Indem wir diefen Abfchnitt fchliefsen, wollen wir noch der Zeichnungs- Mafsftäbe von Pillifcher in London und der Werk- Mafsftäbe aus Holz fowie der Mefsbänder von Rabone in Birmingham anerkennend erwähnen. Längen- Mefsapparate. Die fämmtlichen Vorrichtungen zum Meffen von Längen, wie gewöhnliche Zirkel, Stangen und Dickenzirkel, Schublehren etc., welche faft von allen Fabrikanten, die Mafsftäbe aus Metall verfertigen, ausgeftellt waren, wollen wir nicht namentlich anführen, fondern unfere Aufmerkfamkeit auf jene Apparate richten, welche, zum wiffenfchaftlichen Gebrauche beftimmt, einen höheren Grad von Genauigkeit geftatten. In diefer Beziehung nennen wir zuerft Stollenreuter's Comparator. Diefer ift zum Vergleichen von Etalons a bout und fpeciell für jene Form des Urmeters eingerichtet, wie fie in Deutſchland und Oefterreich nach dem Vorfchlage von Steinheil acceptirt wurden. Diefe Urmeter find aus möglichft hartem Glafe in Form von breiten Lamellen hergeftellt. Die Enden der Lamellen find nach einer Kugel abgefchliffen, die ihren Mittelpunkt in der Mitte des Stabes hat. Von diefer Kugelfläche find an den beiden Endflächen nur kleine Stücke übrig gelaffen, indem erftere noch durch Kugelflächen von kleinerem Radius facettirt werden. Der Durchmeffer der erfteren Kugel gibt die Länge des Meters, wenn der Stab die Temperatur o Grad Celfius befitzt. Der Apparat von Stollenreuter ift eine Abänderung des von Steinheil bei feinen Vergleichungen der Urmafse benützten Comparators, welche der Hauptfache nach auf der Poggendorff'fchen Spiegelablefung bafirt. Auf einer maffiven Unterlage ift eine plane Glasplatte, deren Stellung durch Schrauben corrigirt werden kann, vertical befeftigt. Diefer gegenüber in der Entfernung von etwa einem Meter befindet fich eine zweite plane Glasplatte, die durch einen längeren Arm mit einem zu ihr parallelen Spiegel verbunden ift, um eine horizontale Achfe drehbar. Die Drehachfe ift parallel den beiden einander zugekehrten Glasflächen und fteht fenkrecht auf der Längsrichtung des Apparates. Nahezu in der Höhe der Drehachfe ift die eine Glasfchiene horizontal geftellt, auf welche mehrere gläferne cylindrifche Walzen gebracht werden. Einer der zu vergleichenden Etalons wird auf diefelben gelegt und durch eine entsprechende Schlittenvorrichtung die drehbare Glasplatte herangefchoben und mittelft eines verftellbaren Gewichtes an dem fie tragenden Meffingarme fanft gegen die Endflächen des Etalons gedrückt. Die Manipulation ift zwar ähnlich wie beim Steinheil'fchen Comparator, fcheint uns aber weniger einfach und ficher. Eine Blechwanne umgibt den Etalon und die beiden ihn berührenden Glasplatten. Der Apparat kann natürlich auch zur Beftimmung von Ausdehnungscoëfficienten benützt werden. Verticale Abftände, namentlich die Höhendifferenz zweier Quecksilberniveaun oder Höhenänderungen eines Niveaus mit gröfstmöglicher Genauigkeit und unter Vermeidung der durch die Nähe des Beobachters bedingten Fehlerquellen zu meffen, ift eine Aufgabe, die Phyfiker wie Chemiker häufig zu löfen haben. Das zu diefem Zwecke urfprünglich von Dulong und Petit erfonnene, durch Puillet, namentlich aber durch die berühmten Arbeiten von Regnault allgemeiner bekannt gewordene Kathetometer war denn auch in der Ausftellung im Vergleiche zu anderen Präcifionsinftrumenten für Längenmeffungen, * Sitzungsberichte der königl. baierifchen Akademie der Wiffenfchaften zu München. 186 3. I p. 329. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 15 gut vertreten. So durch die Firma Starke& Kammerer mit einem fchönen Exemplar von über I Meter Länge. Die Scala, direct in Millimeter getheilt, geftattet mittelft Nonius noch eine Ablefung von 150 Millimeter. Diefes Kathetometer war beſtimmt, mehrere von Töpler angegebene Verbefferungen aufzunehmen. Das Wefentliche derfelben befteht in der Anbringung eines nach abwärts gerichteten Collimators am oberen Ende des Inftrumentes. An dem Schlitten befindet fich aufser dem Beobachtungsfernrohr noch ein zweites Berichtigungsfernrohr, vor deffen Objectiv ein Reflexionsprisma fich befindet. Durch dasfelbe wird das Fadenkreuz des Collimators fichtbar. Da Beobachtungs- und Berichtigungsfernrohr an demfelben Träger angebracht find, fo kann man durch diefe Einrichtung das Beabachtungsrohr fchneller und genauer als mittelft der Libelle einftellen. Ein Queckfilberhorizont am unteren Ende der drehbaren Röhre und unter dem Collimator befeftigt, in welchen man auch nach Drehung in feinen Lagern durch das Berichtigungsrohr fehen kann, dient zu einer äufserft genauen Verticalftellung der Drehachfe. Nach der gewöhnlich adoptirten Bauart von Perreaux waren von diefen wie von Dumoulin- Froment Kathetometer ausgeftellt, bei welchen die Ablefung mittelft Nonius bis auf 100 Millimeter gefchehen kann. Ebenfo eingerichtet war das Kathetometer der Société Genèvoife mit Ablefung auf 1/50 Millimeter. Jüngers in Kopenhagen brachte ein fehr fchön gearbeitetes kleineres Inftrument diefer Art, deffen Scala bis 590 Millimeter reichend, noch in halbe Millimeter getheilt war; die Ablefung ging bis 1/100 Millimeter. Das Rohr, welches die verticale Drehachfe umgibt, war kürzer, als die daran befeftigte Schiene mit der Schlittenverfchiebung. Ein grofses Doppel- Kathetometer brachte Adam Gued villo in Moskau. Diefes vorzügliche Inftrument hatte zu beiden Seiten der verticalen, drehbaren Röhre Schienen mit Scala und auf Schlitten bewegliche Beobachtungsfernröhre. Die Nonien geben 1/20 Millimeter, die Mikrometerfchrauben zum Feinftellen der Fernrohre haben eine Ganghöhe von etwa 1/2 Millimeter und einen in 100 Theile getheilten Kopf und geben daher noch 200 Millimeter an. Der fymmetriſche Bau des Inftrumentes verhindert ohne Weiteres einen einfeitigen Druck auf die Drehachfe. An Vorrichtungen zum Meffen kleinerer Längen brachte die Société Genèvoife vier Dickenzirkel gewöhnlicher Form, ebenfo Dumoulin- Froment drei derartige Inftrumente. An dem einen von diefen war der fixe Stahlarm am Ende des die Theilung tragenden Prismas durch eine Mikrometerfchraube verftellbar, der Nonius an der verfchiebbaren Hülfe gab noch 150 Millimeter. An dem zweiten Zirkel war der fixe Contact mit einem feinen Fühlhebel in Verbindung und die Hülfe war durch eine Mikrometerfchraube verfchiebbar. Sorgt man alfo dafür, dafs der Fühlhebel fowohl bei unmittelbarer Berührung der beiden Stahlarme, als auch nach Einfchaltung des zu meffenden Objectes diefelbe Stellung annimmt, fo kann die Dimenfion fehr genau beftimmt werden und man ift zugleich ficher, den Körper nicht zufammengeprefst zu haben; die Ablefung geht bis auf 1/100 Millimeter. An einem dritten Apparate wird die der Dicke des Körpers entſprechende Verfchiebung gemeffen, indem der bewegliche Arm an einer Zahnftange befeftigt ift, die mittelft einer Räderüberfetzung einen Zeiger in Bewegung fetzt. Auch diefes Inftrument, das mit Contactfühlhebel und Schraube zum Feinftellen verfehen war, gibt die Längen bis auf 100 Millimeter. Noch erwähnen wir der Glasmikrometer diefer Firma, bei denen ein Millimeter in 100 und 500 Theile getheilt und mit Bezifferung verfehen war. Der Uhrenfabrikant Lange in Glashütte( Sachfen) conftruirt kleine, fehr compendiöfe Mikrometer zum Meffen der Dicke feiner Drähte, Fäden etc. in Form und Gröfse einer Tafchenuhr. Am äusseren Rande des Gehäufes ift eine Stahlfchneide befeftigt, gegen welche eine zweite Schneide anftöfst, die das Ende eines Hebels bildet. Derfelbe hat feinen Drehpunkt im Innern des Gehäufes und trägt einen gezahnten Bogen, in welchem ein Rädchen mit Zeiger eingreift. Ein zweiter 2 16 Ferdinand Lippich. gleicher Bogen greift in das Rädchen und drückt mittelft einer Spiralfeder den Hebel gegen die fixe Stahlfchneide. Ein todter Gang ift hiedurch befeitigt. Das Intervall zwifchen zwei Theilftrichen am Zifferblatt entspricht einer Dicke von 1/100 Millimeter. Diefes Inftrumentchen mifst eigentlich nicht den Durchmeffer, fondern eine Sehne des kreisförmigen Drahtquerfchnittes und überdiefs ift es nicht gleichgiltig, ob man den Draht näher oder entfernter vom Drehpunkte des Hebels zwifchen die Stahlfchneiden bringt. Starke& Kammerer haben ein Sphärometer ausgeftellt, das fchon im Jahre 1858 nach einer Idee des Profeffor Strampfer ausgeführt wurde und an welchem mehrere fehr wefentliche Verbefferungen angebracht find. Durch die Achfe der durchbohrten Mikrometerfchraube geht eine Stahlnadel, die mit ihrem oberen Ende gegen einen Doppelfühlhebel wirkt, deffen Drehachfen am Kopfe der Schraube ihre Lager haben. Ihr eigenes Gewicht und das des Hebels drücken die Stahlnadel nach abwärts, fo dafs fie um ein Geringes aus dem unteren Ende der Schraube hervortritt. Nach erfolgtem Contact des Nadelendes mit der Unterlage bewirkt ein weiteres Abwärtsdrehen der Schraube fofort die Bewegung des Fühlhebels. Hiedurch wird der Contact vollkommen ficher angezeigt und der Druck, dem der zu meffende Körper ausgefetzt wird, ift nur fehr gering und überdiefs immer derfelbe, fobald die Ablefung immer bei derfelben Stellung des Fühlhebels gefchieht. Die drei Füsse des Sphärometers endigen nicht in Spitzen, fondern in kleine Stahlkugeln. In der That laffen fich wirkliche Spitzen nicht herftellen; je mehr man aber die ideelle Form einer Spitze erreicht, defto mehr Gefahr läuft man, durch das Inftrument die Platte oder Linfe, auf welcher es ruht, zu befchädigen. Läfst man hingegen die Spitzen ftumpfer, fo hat man Berührungsflächen von unregelmässiger und zum Theile nicht beftimmbarer Form. Diefer Umftand kann aber bei Meffung von Linfenkrümmungen einen merklichen Fehler verurfachen. Daher erfcheint das Anbringen der kleinen Kugeln, deren Radien man auf optifchem Wege zu beftimmen vermag, fehr zweckmäfsig. Die Füfse können an den drei Armen der Schraubenmutter verftellt werden und es find überdiefs dem Inftrumente Dreifüfse von verfchiedenen Dimenfionen beigegeben. Dasfelbe hat eine Empfindlichkeit von 1/2000 Millimeter. Ganz in derfelben Weife hat auch Perreaux mit feinem Sphärometer einen Fühlhebel in Verbindung gebracht; er fpielt an einem Gradbogen, der mittelft Charnier vertical geftellt werden kann. Auch an diefem Inftrumente find die Füfse, die aber in Spitzen endigen, verftellbar. Seine Empfindlichkeit beträgt 1/4000 Millimeter und 1/1000 Millimeter läfst fich noch mit Sicherheit meffen. Ueber dasfelbe wurden feinerzeit im Kosmos, Band XXV, p. 264, Mittheilungen veröffentlicht. Der Mefskeil von P. Schönemann in Halle dient zum Meffen kleiner Dicken, Durchmeffer cylindrifcher Körper etc. Denken wir uns zwei congruente, rechtwinkelige Dreiecke, von denen die Hypothenufe etwa fünfmal länger ift als eine der beiden Katheten, mit ihren Hypothenufen an einander gelegt. Das eine Dreieck fei auf der Unterlage befeftigt, das andere längs einer feften Schiene mit der längeren Kathete verfchiebbar. Werden die Hypothenufen von der Berührung aus bis in einen gewiffen Abftand gebracht, fo wird die Verfchiebung der Kathete längs der feften Schiene fünfmal gröfser fein. Keil und Schiene find refpective mit Nonius und Theilung verfehen. Von den beiden ausgeftelten Mefskeilen war der eine aus Metall, der andere aus Glas. Aehnliche Mefsvorrichtungen mit Keilnonius find übrigens fchon von Kleritj( Polytechn. Centralblatt 1869) und Hünich( Berg- und Hüttenmännifche Zeitung, Jahrg. 1867) angegeben worden. Wagen und Gewichte. Wohl kein Zweig der Präcifionsmechanik hatte in der Ausstellung fo reichliche und zugleich fo vorzügliche Leiftungen aufzuweifen als die Fabrication von Wagen und Gewichten. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 17 bag Wieder waren es Oefterreich und Deutfchland, welche weitaus das Meifte und Befte boten; die berühmteften franzöfifchen, englifchen und belgifchen Firmen waren faft gar nicht vertreten. Im Grofsen und Ganzen find die einzelnen Ausfteller bei ihrer bisherigen Bauart geblieben und find wefentliche Neuerungen nur wenige zu verzeichnen. Balken aus Aluminium, von denen man fich einmal viel verfprochen, waren ganz verfchwunden; defsgleichen der Präcifionsbogen von Gallois felbft in der von Hempel und namentlich von Breithaupt verbefferten Geftalt; die Berzelius' fche Reiterverfchiebung ift durchweg und auch mit vollem Rechte beibehalten. Der Wagebalken maffiv, meift aber durchbrochen, hat die Rauten- oder Dreieckform und ift durchgängig mittelft einer prismatifchen Schneide aufgehängt, die auf harter Unterlage ruht. Auch die Aufhängung der Schalen gefchieht in den meiften Fällen mittelft Schneiden. Auf die Arretirung wird mit gutem Grunde viel Sorgfalt verwendet und fie ift bei feineren Wagen faft durchgängig eine dreifache. Die Bewegung des Mechanismus erfolgt nach Oertling's Vorgange mittelft excentrifcher Scheiben, die Unterſtützung des Balkens und der Gehänge fehr häufig mittelft Spitzen, die regulirt werden können und in kleine conifche Vertiefungen eingreifen, welche am Balken und den Gehängen befeftigt find. Diefe fehr fichere und genaue Arretirungsmethode wurde zuerft von Girgenfohn** in Anwendung gebracht; nur waren bei ihm die Schrauben mit den Contactfpitzen am Balken, was weniger vortheilhaft erfcheint. Von demfelben Künftler rührt noch eine andere Contacteinrichtung her, bei welcher kleine cylindrifche Stifte, die an der Vorder- und Hinterfeite von Balken und Gehängen horizontal befeftigt warer, fich in gabelförmige Lager legten, die, durch Schrauben regulirbar, an den Armen der Arretirungsvorrichtung fich befinden. Auch diefer, vielleicht noch zweckmäfsigere Contact war an einigen Wagen der Ausftellung anzutreffen.bl Von befonderer Wichtigkeit für die Zuverläffigkeit der Angaben einer Wage ift die Aufhängung des Wagebalkens und der Schalen. Wiewohl man es in der Herftellung der Aufhängefchneiden zu einem grofsen Grade der Vollkommenheit gebracht hat, durch welchen vorzugsweife die hohe Empfindlichkeit der jetzigen Wagen bedingt ift; fo wären doch eingehende Verfuche, andere Methoden in Anwendung zu bringen, keineswegs überflüffig und namentlich folche Vorfchläge im Auge zu behalten, welche darauf hinzielen, die von der Reibung, Adhäfion und der nicht vollkommen exacten Schärfe und Geradlinigkeit der Schneiden etc. bedingten Unregelmässigkeiten zu befeitigen. Als ein folcher, fehr beachtenswerther, aber leider, wie es fcheint, in Vergeffenheit gerathener Vorfchlag kann der von G. E. Weber*** gemachte bezeichnet werden: Balken und Schalen an dünnen elaftifchen Stahlbändern aufzuhängen. Diefe Aufhängung, von der Weber nachgewiefen hat, dafs fie einer fehr hohen Empfindlichkeit fähig ift, würde in der That die Conftruction der Wage in vielen Punkten wefentlich vereinfachen.oe si di Wir wollen an diefer Stelle noch einer Neuerung der letzten Jahre erwähnen, die zuerft durch P. Bunge in Hamburg zur Durchführung gelangte; es ift diefs die Conftruction von Wagen mit möglichft kurzem Wagebalken. Die Empfindlichkeit einer Wage ift um fo gröfser, je länger die Wagarme und je kleiner das Gewicht des Wagebalkens ift. Allein das Gewicht des letzteren ift wieder abhängig von der Länge der Arme und weiter bedingt durch die Forderung, dafs die Biegung des Balkens durch die Belaftung gewiffe Grenzen nicht überfchreiten darf. Die Gröfse diefer Biegung hängt unter fonft gleichen Umftänden von der geometrifchen Form des Balkens ab. Wenn man mit Rückficht auf fämmtliche Anforderungen die Form des Balkens fo wählte, dafs fein Gewicht in demfelben * Poggendorff, Annalen, Band CXVI, p. 339.. ** Dingler, polytechnifches Journal, Band LXXII, p. 381. *** De tribus novis librarum conftruendarum methodis. Gottingæ MDCCCXLI, p. 11. 2* 18 Ferdinand Lippich. Verhältniffe zunimmt wie feine Länge, fo wäre bei derartigen Wagen die Empfindlichkeit nicht mehr abhängig von der Länge der Wagarme; und nur wenn man die Form fo wählen könnte, dafs das Gewicht weniger rafch als die Länge wächft, würde die Empfindlichkeit durch Verlängerung der Arme erhöht werden. Aber in Wirklichkeit tritt das Gegentheil ein, das Gewicht des Balkens nimmt rafcher zu als feine Länge und man follte daher die Wagarme möglichft kurz halten. Auf diefen Umftand hat Holtzmann, allerdings nur mit wenigen Worten, fchon vor längerer Zeit hingewiefen in einem trefflichen Auffatze, der enthalten ift im Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie. Band IX, P. 495, Artikel, Wage". Solche Wagen mit kurzen Armen befitzen eine kürzere Schwingungsdauer. Diefs bewirkt, dafs mit Rückficht auf die an den Schneiden thätigen Widerstände die Schwingungen einen regelmäfsigeren Verlauf nehmen und auf die eigentliche Gleichgewichtslage ſchneller und ficherer gefchloffen werden kann. Herr Zech hat diefs an einer Bunge' fchen Wage von I Kilogramm Tragkraft durch forgfältige Verfuche nachgewiefen. Ferner wird mit derartigen Wagen eine Wägung in kürzerer Zeit vollendet werden können, was nicht nur bei Wägungen verdampfender Flüffigkeiten fehr werthvoll ift, fondern auch bei Anwendung der Methode der doppelten Wägung den ftörenden Einfluss ungleichförmig vertheilter Tempe ratursänderungen, die von einer Wägung zur anderen eintreten, vermindert. Da der Balken geringere Maffe befitzt und die Temperatur des Luftraumes ſchneller annimmt, fo wird man auch den Thermometerangaben mehr Vertrauen fchenken. Endlich wird jedem, der fich, mit difficilen Wägungen befafst hat, die ftörende Wirkung der Luftftrömungen unangenehm geworden fein, die entweder durch ungleiche Erwärmung des Luftraumes im Wagekaften oder beim Wägen erwärmter Körper auftreten es ift klar, dafs bei kurzen Wagarmen diefe Störungen geringer ausfallen werden. Kurz, wir halten die befprochene Neuerung für einen Fortfchritt in der Conftruction von Präcifionswagen und müffen demnach auch das Verdienft des Herrn Bunge, diefen Fortfchritt angebahnt zu haben, gehörig hervorheben. Nach diefen allgemeinen Bemerkungen wollen wir auf die einzelnen Objecte näher eingehen und hiebei mit Oefterreich beginnen. Hier begegnen wir zuerft dem weithin bekannten und wohlrenommirten Namen Rue precht in Wien. Die fämmtlichen Ausftellungsobjecte diefes Künftlers waren nicht nur einfach, fondern viele von ihnen 5 bis 6 Mal verkauft. In der That laffen aber auch feine Wagen- und Gewichtseinfätze, was Genauigkeit, Solidität und Eleganz der Arbeit anbelangt, trotz der relativ mässigen Preife, wenig zu wünſchen übrig. Seine Wage, in Form und Bauart aus der Kufchefchen Wage hervorgegangen, ift durch forgfältigfte Ausführung und Anordnung ihrer Theile wohl nahe an die erreichbare Grenze der Leiftungsfähigkeit gebracht worden. Die Balken haben Rautenform und ſpielen wie die Schalengehänge mit Stahlfchneiden auf Steinlager. Die Arretirung, auf deren präcife mechanifche Ausführung ganz befondere Sorgfalt verwendet wird ift bei den feineren Wagen eine dreifache; fie find in ftaubdichte Glaskäften mit Meffingfaffung eingefchloffen und haben eine doppelte Reiterverfchiebung. Ausgeftellt waren: Eine grofse analytifche Wage, bei 2 Kilogramm einfeitiger Belaftung noch auf o 2 Milligramm empfindlich. Drei analytifche Wagen für 250, 200 und 100 Gramm Belaftung noch auf O'I Milligramm empfindlich. Zwei Korn- Probirwagen für o or Milligramm empfindlich, mit nicht durchbrochenen Balken und Schalenaufhängung mittelft Ringen und Haken. Eine Wage für technifche Zwecke, bei 2 Kilogramm einfeitiger Belaftung noch 2 Milligramm angebend; fie hat ihrem Zwecke entfprechend einen verhältnifsmäfsig kurzen Wagebalken. Eine Schlichtwage und eine hydroftatifche Wage für Schulverfuche und bis 2 Kilogramm Belaftung, fehr zweckmäfsig conftruirt. Endlich Gewichtseinfätze von 2 Kilogramm und 1 Kilogramm abwärts aus Meffing und vergoldet, in der gebräuchlichen Weife untergetheilt. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 19 Rueprecht verfertigt überdiefs noch grofse Wagen für phyfiologifche Zwecke von 75 und 20 Kilogramm Tragkraft, die erftere bis 200 die letztere bis 20 Milligramm empfindlich; jedoch waren fie nicht im Ausftellungspalafte aufgeftellt. Ganz Anerkennenswerthes leiftet die Firma Hauber( vormals Reiter) in Innsbruck. Ihre Wagen, ähnlich wie die Rueprecht'fchen gebaut, haben nur verhältnifsmäfsig längere Balken. Ausgeftellt waren: eine analytifche Wage für 2 Kilogramm Belaftung noch o 25 Milligramm angebend, mit Schalen und Balkenarretirung; eine kleinere Wage für 150 Gramm Belaftung auf o'1 Milligramm empfindlich und die Schalen mit Haken in Ringen aufgehängt; ein Gewichtseinfatz bis I Kilogramm und ein kleinerer bis zu 50 Gramm. Eine reiche und fchöne Sammlung von Tarawagen, Münz-, Gold- und Silberwagen, Tafelwagen nach den verfchiedenften Syftemen von gewöhnlicher bis zur eleganteften Ausftattung hatte die grofsartig eingerichtete Wagen- und Gewichtefabrik von Florenz in Wien gebracht. Die Präcifionswagen für Silber geben bei 100 Pfund Belaftung noch 5 Decigramm an. Auch Buganyi in Wien und Schuk in Peft leiften in diefen Artikeln Nennenswerthes. Wir dürfen Oefterreich nicht verlaffen, ohne auf eine höchft intereffante Mafchine aufmerkfam zu machen, die allerdings nicht in Gruppe XIV, fondern in der Mafchinenhalle aufgeftellt war, die aber als ein Präcifionsinftrument feiner Art bezeichnet werden mufs und ein fchwieriges Problem in fo exacter Weife löft, dafs auf dem betretenen Wege kaum erheblich Befferes zu erreichen fein dürfte. Es ift diefs die Münzplatten- Sortirmafchine von Seyfs& Comp. in Atzgersdorf bei Wien, erfunden von Ludwig Seyfs. Diefe Mafchine, die bereits im k. k. Haupt- Münzamte in Wien feit einiger Zeit zur vollften Zufriedenheit in Verwendung ift, fortirt die Münzplatten in fechs verfchiedene Gruppen: unbrauchbar leicht, bis zur gefetzlichen Grenze zu leicht und normal, normal und bis zur gefetzlichen Grenze zu fchwer, dann zwei Sorten mit fteigendem Uebergewicht und die letzte Sorte enthält alle Platten, die fchwerer find als die fchwerften der fünften Sorte. Die eigentliche Sortirvorrichtung iſt eine empfindliche Wage( Mittel und Seitenfchneiden auf Carneollager fpielend), die auf der einen Seite die conftante Belaftung trägt, auf der anderen. Seite die zu fortirende Platte mittelft einer zweckmäfsig geformten Wagfchale in aufrechter Stellung. Je nach der Sorte der eingelegten Münzplatte foll nun die Wage in einer beſtimmten Neigung und hiedurch die Wagfchale mit der Münzplatte in einer beftimmten Höhe zur Ruhe kommen. Es wird diefs erreicht durch Abheben von Reitergewichten, die auf dem Wagebalken hängen und auf Paaren von Unterlagen, welche an der Vorder- und Rückfeite der Wagebalken aufgeftellt. find, fich auflegen können. Um die Wirkungsweife diefer Reiter beffer erklären zu können, wollen wir annehmen, es feien nur zwei Reiter in gleichen Entfernungen von der Mittelfchneide aufgefetzt und ihre Gewichte, reducirt auf die Endpunkte der Wagarme, feien gleich den Toleranzgewichten, um welche die Platten zu fchwer oder zu leicht als das Normalgewicht fein dürfen. Wir wollen ferner vorausfetzen, der linke Wagarm fei durch das Normalgewicht, der rechte durch die Münzplatte belaftet. Hätte diefelbe ebenfalls das Normalgewicht, fo bliebe der Balken in feiner horizontalen Gleichgewichtslage. Wäre fie aber, und zwar noch innerhalb der zuläffigen Toleranz zu leicht, fo wird der linke Arm der Wage fich nach abwärts drehen und das linke Reitergewicht hiebei an die Unterlage gelangen. Dadurch wird die Wage auf diefer Seite entlaftet und fie muſs fofort wieder die entgegengefetzte Bewegung machen, bis in die Stellung, wo fie das Reitergewicht wieder aufnehmen würde. Diefe Lage, in welcher der Balken den Reiter eben berührt, ift alfo die fchliefsliche Ruhelage desfelben. Ganz ähnlich ift das Spiel der Wage in den complicirteren Fällen unferes Apparates, indem dann je nach Umständen die Wage von mehreren Reitern entlaftet wird Für die unbrauchbar leichten und die Sorten der VI. Gruppe ift die Stellung des Wagebalkens durch fefte Widerlager limitirt. 20 otcominñal od Ferdinand Lippich. Entfprechend den fechs verfchiedenen Höhen, in welchen die Wagfchale mit der Münzplatte zur Ruhe kommen kann, find leitwärts von derfelben fechs flache, nach abwärts geneigte Canäle angebracht. Ift die Wage zur Ruhe gekommen, fo wird zunächft durch den Mechanismus die Wagfchale feitlich feftgeklemmt, die Canäle werden an die Wagfchale herangerückt, die Münzplatte wird ausgelöft und gleitet in den entſprechenden Canal und durch diefen in ein Sammelgefäfs. Sodann treten die Canäle wieder zurück, in die noch feftgeklemmte Wagfchale fällt eine neue Münzplatte, die fich in einem geeigneten Behälter über der Wagfchale bereits befand und in diefem aus einem feitwärts ftehenden Cylinder, in welchem die Platten übereinander gefchlichtet find, durch den Mechanismus vor gefchoben wurde. Nachdem die neue Platte in die Wagfchale gelangt ift, wird die Klemmung aufgehoben, Balken und Schalen werden arretirt und nachdem diefs erfolgt ift, werden erft die Schalen, fodann der Balken wieder freigelaffen und ein neuer Turnus beginnt. Die Mafchine enthält zwölf nebeneinander geftelite Wagen und wird durch die Umdrehung einer Welle mit 10 Pferdekraft in Betrieb erhalten. In der Minute fortirt fie 40 Platten; werden nur drei Sorten verlangt, fo fteigt ihre Leiftung auf wenigftens 100 Stück per Minute. Diefe Mafchine ift, aufser in Wien, bereits in den Münzen von Berlin, München, Dresden, Kremnitz und Cofta- Rica acceptirt. Allerdings ift der Grundgedanke, die Stellung der Wage nach gewiffen Gewichtsabftufungen durch Abheben oder Auffetzen von Gewichten zu limitiren, wobei durch die Bewegung der Wage von diefer felbft das Belaften oder Entlaften ausgeführt wird, nicht neu. Ségnier hat nach diefem Principe vor mehr als 20 Jahren Münzwagen erfonnen, die von Deleuil in Paris ausgeführt wurden. Allein diefe Wage hatte nur die Beftimmung, drei Sorten zu liefern. Eine von Smith nach anderem Principe conftruirte Münzwage, die nach zehn Sorten ordnete, hat fich keinen Eingang verfchaffen können wegen der zu geringen Zuver läffigkeit, mit der fie arbeitete. Die Mafchine von Seyfs repräfentirt daher, was Leiftungsfähigkeit und Anordnung des Mechanismus anbelangt, einen entfchiedenen Fortfchritt auf diefem Gebiete. Indem wir nunmehr die aus Deutfchland erfchienenen Wagen namhaft machen wollen, beginnen wir mit der bereits früher genannten Firma P. Bunge in Hamburg. Diefe hat leider nur eine kleinere Wage für 200 Gramm einfeitiger Belaftung ausgeftellt. Die Länge des Balkens beträgt 13 Centimeter, fein Gewicht nur 12 Gramm. Die Wage gibt bei der Maximalbelaftung und 01 Milligramm Uebergewicht noch einen Scalentheil Ausfchlag. Der Balken hat die Form eines mit der Spitze nach aufwärts gekehrten Dreieckes von beträchtlicher Höhe mit einer Mittelftrebe. Die geneigten Dreiecks- Seiten werden daher nur auf Zug beansprucht und es entfällt die Nothwendigkeit von Seitenftreben. Zum Zwecke der Reiteraufhängung ift eine eigene horizontale Schiene angebracht. Was bei der Bunge'fchen Conftruction immerhin etwas bedenklich erfcheinen kann, ift die Zufammenfetzung des Balkens aus mehreren miteinander verfchraubten Theilen, die überdiefs aus verfchiedenem Materiale beftehen. Es ift. wohl nur durch die Erfahrung eine Entfcheidung über die Zweckmäfsigkeit diefer Einrichtung zu erwarten. Uebrigens erfreuen fich die Bunge'fchen Wagen fchon jetzt einer grofsen Verbreitung und Beliebtheit. Ganz befonders ragte durch feine prächtige Ausftellung Schickert in Dresden hervor; an feinen Wagen ift ein beftimmtes Syftem überall mit wohlverftandener Confequenz durchgeführt. Die Wagebalken haben meift die DreieckForm mit nach abwärts gekehrter Spitze, wodurch die Anbringung zweier oder mehrerer Seitenftreben bedingt wird. Feinere Wagen befitzen Arretirung des Balkens und der Schalengehänge, die Schalen werden durch Pinfel beruhigt. Diefs ift in der That der gewöhnlichen Arretirung der Schalen mit Stützplatten vorzuziehen, da bei letzterer Einrichtung durch feitliches Auffetzen der Gewichte ftärkere Schwingungen der Schalen nach Abziehen der Stützplatten nur ſchwer zu Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 21 vermeiden find. Sehr beachtenswerth ift, dafs Schickert von den feineren Wagen bei gleicher Tragkraft und Empfindlichkeit zwei Sorten conftruirt, langfam und fchnellfchwingende. Von den ausgeftellten Objecten heben wir hervor: Eine grofse Wage, bei 50 Kilogramm einfeitiger Belaftung noch 20 Milligramm angebend, der Balken aus Stahl, die Schneiden auf Stahlplatten fpielend; eine kleinere Wage für 5 Kilogramm Belaftung und noch für 5 Milligramm empfindlich, der Balken aus Meffing, die Schneiden auf Carneollager und eine ebenfo conftruirte bei I Kilogramm Belaftung noch 1 Milligramm anzeigend. An diefen drei Wagen war die fehr zweckmäfsige Einrichtung getroffen, dafs je nach Wunfch die Gehänge der Schalen allein oder mit den Balken zugleich arretirt werden konnten. Zu dem Zwecke find an den Enden der Wagarme in der Richtung feiner Längsachfe cylindrifche Stahlftifte befeftigt. An den Armen der Abhebevorrichtung find hufeifenförmige Rahmen angebracht und die bogenförmigen Theile derfelben enthalten Nuten, in welche fich beim Abheben die Stahlftifte einlegen; aufwärts gerichtete Spitzen an diefen Rahmen ergreifen die Gehänge. Die bogenförmigen Theile mit den Nuten find mittelft Charniere zur Seite zu drehen, wodurch beim Heben der Arretirungsvorrichtung die Stahlftifte am Balken frei bleiben und nur die Gehänge abgenommen werden. Weiter feien erwähnt drei kleinere Wagen für 200, 100 und 50 Gramme Belaftung und beziehungsweife für 01, 0'2 und oor Milligramm empfindlich; endlich Gewichtseinfätze von 5 Kilogramm und 500 Gramm abwärts. G. Weftphal in Celle( Hannover) vergoldet feine Wagebalken, die Stahlfchneiden, Zunge, Gehänge und Schalenbügel. Ausserdem ift feine Schalenarretirung eigenthümlich; die Tragteller in Form von Kreisringen führen nämlich zur welche die Schalen um fchnellen Beruhigung der Schalen Pinfel mit fich, Weniges früher berühren als die Ränder der Teller. Hiedurch find die Vortheile beider gebräuchlichen Schalenarretirungen vereinigt. Zwei Wagen für 100 Gramm Belaftung und für o'I Milligramm empfindlich, davon die eine vergoldet, eine gröfsere Wage für 750 Gramm Belaftung und noch o'r Milligramm angebend und eine vergoldete Wage für 250 Gramm Belaftung und der gleichen Empfindlichkeit, zeigten in allen Theilen eine fehr forgfältige und vorzügliche Bearbeitung. Eine kleine Wage zur Beftimmung der fpecififchen Gewichte von Flüffigkeiten durch Eintauchen und Verfchieben eines am Wagearm aufgehängten ThermometerKörpers, nach dem Principe von A. Gadolin foll noch die vierte Decimale der Dichte richtig beftimmen laffen. Schöne, vergoldete Gewichtseinfätze waren in verfchiedenen Exemplaren vorhanden. Die Vergoldung ift an allen Theilen von unübertrefflicher Reinlichkeit. E. André in Kaffel macht bei feinen Wagen fowohl die Lager als auch die Schneiden aus Achat und erzielt hiedurch nicht nur einen feineren Schliff, fondern vermeidet auf diefe Weife zugleich den fchädlichen Einflufs, welchem Stahlfchneiden durch Dämpfe und feuchte Luft ausgefetzt find. Bei einer fehr feinen Wage, deren Tragkraft nicht mehr als 5 Gramm betragen dürfte, ſpielte die Mittelfchneide auf zwei Achat cylindern, die Schalengehänge auf je zwei Spitzen; die Arretirung war mit Gabelcontact verfehen. An einer gröfseren Wage hatten die Schneidenlager der Gehänge die Form einer förmigen Platte; von dem in die Längsrichtung des Balkens geftellten Anfatzftücke führt ein Bügel, das Ende des Wagebalkens umgehend nach abwärs bis vertical unter die Schneide, wo dann die Schalenketten eingehängt werden. Die Möglichkeit eines Streifens der Gehänge an den Balken ift hiedurch vermieden. Die Arbeiten diefer Firma, die mit Gefchick eingebürgerte Conftructionsarten durch neue zu erfetzen weifs, verdienen alle Anerkennung und Beachtung. Die Wagen von Oertling in Berlin und Staudinger in Giefsen find bekannt. Sie zeigten keine wefentlichen Abänderungen ihrer früheren Bauart. Bornhardt in Braunfchweig gibt feinen Wagen eine Aluminiumsfchiene zur Aufnahme des Reiters bei und macht auch die Zunge aus Aluminium. Die Arre 22 Ferdinand Lippich. tirung iſt nach Girgenfohn mit Spitzen contact eingerichtet. Hugershoff in Leipzig brachte eine Wage zu phyfiologifchen Zwecken für 5 Kilogramm Belaftung noch 5 Milligramm angebend; eine kleinere Wage bei 150 Gramm Belaftung noch für o'i Milligramm empfindlich; eine Löthrohr- Probirwage für 20 Gramm Belaftung noch 20 Milligramm anzeigend. Die trefflichen Leiftungen diefes Mechanikers wie die der Firmen Sauter in Ebingen( Württemberg) und Kern in Onftmettingen( Württemberg) find fchon lange anerkannt genug. Bofch in Jungingen( Hohenzollern) legt die Mittelfchneide der ganzen Länge nach auf ebene Steinlager; feine Wagen zeigen bei der Maximalbelaftung noch ein Milliontel derfelben an. Diefer wie auch Reimann und Müller in Berlin brachten hübfche Handels- und Tarawagen. Letzterer überdiefs eine Bunge'fche Wage für 500 Gramm Belaftung und noch o 2 Milligramm angebend. Die Schönemann'fchen Wagen von Kuhtz in Brandenburg zeigen bei 150 Kilogramm Belaftung noch o 25 Gramm an. Sehr preiswürdig find Lotter's( in Nürnberg) Tafelwagen, fowie die Handelswagen von Chriftian und Wehfritz. Köpping's( in Nürnberg) fehr compendiöfe Federwage reicht bis 9 Kilogramm und dient zum Wägen kleiner Kinder. Das Gegenftück hiezu bildet die von Stollenreuter ausgeftellte Federwage nach Jolly.* Sie beſteht aus einem langen, ſpiralförmig gewundenen dünnen Drahte, an deffen Ende zwei Schälchen hängen; das unterfte taucht unter Waffer und dämpft hiedurch die Bewegung. Die Feder hängt vor einem Spiegelftreifen mit Millimetertheilung, um die Senkungen der Schalen ablefen zu können. Der Apparat ift fehr empfindlich und kann namentlich zu Dichtenbeftim mungen von Mineralien etc. zweckmäfsig verwendet werden. Nicht fehr viel erübrigt von den übrigen Ländern zu berichten. In Frankreich konnte man eine Sammlung von Säulenwagen fehen, die zur Aichung der Gewichte dienen und von Callot in Paris gebaut waren. Eine analytifche Wage von derfelben Firma hatte eine Aluminiumsfchiene zu Aufnahme des Reiters und Balkenarretirung mit Spitzencontact, Hardy in Paris hat feine frühere Bauart der Wagen beibehalten. Schneiden und Haken der Schalenaufhängung find ähnlich wie bei Staudinger und Buff angebracht; allein der Bügel mit der lanzettförmig zugefchärften Aufhängefchneide reicht behufs Anbringung einer Correctionsfchraube foweit nach abwärts, dafs die Haken ftreifen müfsten, würde man den aufwärts gerichteteten Arm nicht fchief ftellen. Dadurch erhält die Wage ein eigenthümliches Ausfehen. In der Armlänge ift eine dritte Schneide angebracht, die beim Wägen kleinerer Maffen zur Aufnahme der Gewichtsftücke dient. Adam Guedvillo in Moskau hat in feinen Wagen Vorzügliches geleiftet. Wenn auch etwas maffiv gehalten, find fie in allen ihren Theilen wohldurchdacht angeordnet und von folider Bauart. Im Wefentlichen ift diefe übereinftimmend mit der von Deleuil adoptirten. Die Arme der Abhebevorrichtung erhalten an ihren Enden eine Führung mittelft verticaler Stahlftifte und find für Spitzencontact eingerichtet. Die Lager der Aufhängefchneiden für die Schalen find fchwalbenfchweifförmig vertieft, was wohl weniger zweckmäfsig erfcheint. Für die drei Wagen, die ausgeftellt waren, fehlten leider die Angaben über ihre Empfindlichkeit. Bruny in Chaux de fonds, Neuenburg, brachte eine fchön gearbeitete Goldund Silberwage; die Société Genèvoife eine fehr compendiöfe Federwage von nur 600 Gramm Gewicht, in einem Etui, 17 Centimeter lang und 7 Centimeter breit. Sie reicht bis 10 Kilogramm mit einer Genauigkeit von wenigftens 5 Gramm und dient für ärztliche Zwecke zum Wägen Neugeborener. In Italien waren Wagen für verfchiedene Zwecke, Tara-, Seide- und Goldwagen, Decimal- und Tafelwagen von Schiavi in Udine, Mercanti in Udine, Opeffi in Turin ausgeftellt, von letzteren auch eine analytifche Wage, die * Sitzungsberichte der königlich baierifchen Akademie der Wiffenfchaften zu München, 1864, I, pag. 262. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 23 Schneiden auf Steinlager ruhend und dreifacher Arretirung mit Gabelcontact. Abgefehen von der äufseren Ausftattung, fcheint fie mit Gefchick conftruirt zu fein. Im Allgemeinen jedoch haben fich die bedeutenden Fortfchritte, welche in Italien die Präcifionsmechanik gemacht hat, noch nicht in gleichem Grade auf die Fabrication von Wagen erftreckt. Wir erwähnen noch in Spanien Vich's Schnellwage; in den Niederlanden Olland in Utrecht, der eine chemifche Wage zeigte; die Tafelwagen von Hoas in Chriftiania und Berg in Kopenhagen; endlich K aftrup's( Kopenhagen) Centefimal- Zeigerwagen. Berg's Tafelwagen( Syftem Roberval) verdienen wegen ihrer fchönen und guten Arbeit hervorgehoben zu werden. Die Tafeln aus Steinplatten und nahe an einander geftellt liegen in der Gleichgewichtslage genau in einer Ebene; eine Zunge wird überflüffig. Chronographe und Chronofkope. Chronographe, wie die von Siemens, Hipp, Hasler etc., die fpeciell zum Zwecke der Regulirung namentlich aftronomifcher Beobachtungen conftruirt find, werden in einem anderen Berichte befprochen; wir haben es hier nur mit jenen Apparaten zu thun, welche die Zeitdauer gewiffer Phänome zu meffen geftatten, an welchen wir direct den Moment des Beginnes und des Endes nicht mehr oder doch nicht ficher genug zu unterfcheiden vermögen. Die meiſten der neueren Chronographe benützen die mechanifche Wirkung des elektrifchen Stromes zur Erzeugung der Zeitmarken in Verbindung mit einer gleichförmigen oder fchwingenden Bewegung. In letztere Kategorie gehört das einfache und leicht zu handhabende elektrifche Vibrations chronofkop von W. Beetz, welches Edelmann in München ausgeftellt hat. Eine fchwingende Stimmgabel, die, an einem Schlitten befeftigt, mit der Hand rafch verfchoben wird, zeichnet mit der einen Zinke eine Wellenlinie etwa auf Papier, während durch einen mit der Gabel gleichzeitig mitbewegten Stift, ganz nahe an dem fchreibenden Zinkenende, der überspringende Funke einer Leydener Flafche Anfang und Ende der zu meffenden Zeit markirt. Mit diefem Apparate ift es noch leicht 1/1000 Secunde zu meffen. Diefelbe Idee war fchon früher von Liffajons und Schulz an einem complicirteren, aber auch noch wirkfameren Apparate nur Ausführung gekommen. Bei Hardy war der Chronograph von de Brettes** durch ein fchönes Exemplar vertreten. Ein conifches Pendel, cardanifch aufgehängt, ift zugleich Regulator eines durch Gewicht getriebenen Uhrwerkes und gibt einem horizontalen Zeiger eine gleichförmige Umdrehung. Concentrifch mit der verticalen Umdrehungs achfe ift ein Metall cylinder aufgeftellt, der mit Papier überzogen wird und gegen deffen Mantelfläche faft berührend eine mit dem Zeiger verbundene und verftellbare Spitze gerichtet ift. Ein Inductionsftrom wird durch die Pendelftange dem Zeiger zugeleitet und der zum Cylinder überfpringende Funke gibt die Zeitmarke. Damit viele aufeinander folgende Zeitmarken verzeichnet und abgelefen werden können, erhält der Cylinder eine mit der Achfe parallel fortfchreitende Bewegung, fo dafs die Zeitmarken in einer Spirale angeordnet erfcheinen. Bei den grofsen Apparaten ift der Weg des Zeigers in einer Secunde gleich zwei Meter und da noch Zeitmarken unterfchieden werden können, die um/ Millimeter abftehen, fo geftattet der Chronograph noch 1/10000 Secunde zu meffen. Einen Chronograph nach dem Syfteme von Liais brachte E. Defchiens in Paris. Durch verftellbare Windflügel regulirt, dreht ein Uhrwerk eine horizontale, mit Papier überfpannte Scheibe um eine verticale Achfe. Durch dasfelbe Uhrwerk wird eine horizontale Schraube umgedreht und hiedurch ein Schlitten * Kosmos, Band XX, p. 296. ** Comptes rendus, vol. LII, p. 667. 24 Ferdinand Lippich. verfchoben. Diefer Schlitten trägt zwei horizontale Arme, die bis an jenen Durchmeffer der Scheibe reichen, welcher der Schraubenachfe parallel liegt. Am Ende der Arme find zwei Schreibftifte fchief und nahe gegen einander geftellt angebracht, fo dafs fie beim Rotiren der Scheibe eine doppellinige Spirale aufzeichnen. Die Arme werden durch Elektromagnete nach links und rechts gezogen und es gibt der eine Stift die Secunden, der andere die Marken des zu regiftrirenden Zeitmomentes. Durch Stromfchlufs kann das Uhrwerk rafch angehalten werden und ebenfo nimmt es, in Bewegung gefetzt, fehr bald die conftante Grenzgefchwindigkeit an. Diefer Chronograph ift zunächft für aftronomifche Zwecke beftimmt, kann aber auch zur Meffung fehr kleiner Zeiten dienen, wenn die Zeitmarken durch überfpringende Funken erzeugt werden. Von Jaspar in Lüttich war der fchon feit längerer Zeit bekannte Chronograph von Le Boulengé* ausgeftellt. Aus der Fallhöhe während der zu beftimmenden Zeit wird auf diefe gefchloffen. An einer verticalen Säule find zu beiden Seiten und in verfchiedenen Höhen zwei Elektromagnete befeftigt. Jeder hält bei vorhandenem elektrifchen Strome einen cylindrifchen Anker feft, von denen der eine an dem höher liegenden Elektromagnet mit Papier überzogen wird und zur Aufnahme der Zeitmarken dient. Diefe werden durch einen Hebel erzeugt, der mit einer Schneide gegen den fallenden Cylinder fchnellt und diefer Hebel wird ausgelöft durch das Herabfallen des anderen Ankers. Damit die Anker bei Unterbrechung des Stromes fofort abfallen, wird der remanente Magnetismus durch einen Zweigftrom compenfirt. Läfst man zuerft denfelben Strom um beide Elektromagnete gehen und unterbricht ihn, fo erhält man eine Marke, die als Ausgangspunkt dient. Gehen aber durch die Magnetifirungsfpiralen verfchiedene Strome, die zu verfchiedenen Zeiten unterbrochen werden, fo erhält man andere Marken, aus deren Lage die Zeit gefunden werden kann, die zwifchen der Unterbrechung des einen und des anderen Stromes verfloffen ift. Der Apparat hat fich bei Beftimmung der Gefchwindigkeiten von Gefchoffen fehr gut bewährt. Auch das wohlbekannte Chronofkop von Hipp in Neuenburg war durch ein Exemplar vertreten. Der Grundidee nach von Wheatfton herrührend, erhielt es erft durch Hipp jenen Grad von Vollkommenheit, die es zu exacten Meffungen tauglich machte. Diefes Uhrchronofkop gibt noch 1/1000 Secunde an und wird noch heutzutage in vielen Unterfuchungen mit Vortheil angewendet. - Barometer. Das Queckfilber Barometer ift zwar in letzter Zeit bei vielfachen Anwendungen durch die Dofenbarometer verdrängt worden, in feiner wichtigften Bedeutung als wiffenfchaftliches Mefsinftrument bleibt es nach wie vor unberührt und es ift die Grundlage, der auch die Aneroide nicht entbehren können, wenn fie bei gewiffen Operationen mit einiger Zuverläffigkeit dem Queckfilberbarometer fubftituirt werden follen. Queckfilberbarometer als Präcifionsinftrumente find in Oefterreich nur von L. J. Kappeller in Wien ausgeftellt worden. Dafür war aber auch das Gebotene an Reichhaltigkeit und Ausführung bedeutend genug, um Oefterreich in diefer Richtung eine hervorragende Stellung zu fichern. Der Name Kappeller hat fich auch bereits einen fo guten Klang verfchafft, dafs man nur Treffliches erwarten konnte. Wir heben hervor: Ein Normalheber- Barometer in Meffing gefafst, die Röhre nahe an 15 Millimeter weit, mit beweglicher, auf Silber getheilter Scala; die Einftellung gefchieht mittelft Mikroikope. Beim Nichtgebrauch ift das Inftrument in geneigter Stellung fixirt und wird erft vor der Ablefung in verticaler Lage befeftigt. Die Scala, in halbe Millimeter getheilt, geftattet, mit Nonius noch o'o1 Millimeter abzulefen. Reifeheber Barometer in Holzkaften und Fortin'fcher Schneideeinftellung. * Bulletins de l'Académie Royale des sciences de Belgique, vol. XVII. 2, p. 92. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 25 Normalgefäfs- Barometer, nach Fortin mit 10 Milimeter weiter Glasröhre in Pakfong gefafst, Mikrofkopeinftellung und Vorrichtung zum Verticalftellen. Ebenfolches, jedoch nur das Gefäfs aus Pakfong. Ferner Gefäfsbarometer, bei welchen nur auf das obere Niveau eingeftellt wird. Das Gefäfs ift fehr nahe cylindrifch und die Niveau- Aenderung im Gefäfse wird durch eine einfache Formel in Rechnung gebracht. Die Werthe der Conftanten find auf jedem Inftrumente angegeben. Diefe Barometer werden von der k. k. meteorologifchen Centralanftalt als Stationsbarometer verwendet. Endlich ein grofses Normalgefäfs- Barometer, mit Vorrichtung zum Vertical ftellen. Das ganze Barometer ift in einen Glaskaften eingefchloffen. Die Ein ftellung gefchieht mittelft Mikrofkope und die verfchiebbare Scala, in halbe Millimeter getheilt, geftattet mit Nonius noch o'or Millimeter abzulefen. In Deutfchland hatte Geifsler in Bonn leider feine Barometer nicht ausgeftellt. In Frankreich fahen wir bei Dutrou in Paris ein fchönes Barometer nach Fortin mit Ablefung auf 150 Millimeter, defsgleichen ein Heberbarometer, in der Schweiz von Herrman und Pfifter in Bern ein Stations Gefäfsbarometer nach Fortin und ein Reife- Heberbarometer, ferner ein grofses StationsGefäfsbarometer nach Fortin. Aus Spanien, brachte Arce in Madrid ein NormalGefäfsbarometer, das leider für eine nähere Befichtigung fehr ungünftig aufgeftellt war. Das Glasrohr ftan d zwifchen zwei maffiven prismatifchen Meffingfäulen, die das Gefäfs trugen; an einer diefer Säulen war der Nonius fammt Einftellungsloupe mittelft Trieb verfchiebbar und das Inftrument konnte vertical geftellt werden. In dem Deckel des fonft gefchloffenen Gefäffes war ein Hahn angebracht, vielleicht auch dazu dienend, um durch Abfperren desfelben während der oberen Einftellung von den Aenderungen des Luftdruckes unabhängig zu fein. Die mechanifche Durchführung wie die Ausftattung war an diefem Inftrumente eine meifterhafte. Aehnlich gebaut war ein von Pillifcher in London verfertigtes Gefäfsbarometer in Pakfong montirt. Die beiden prismatifchen Säulen waren mit zwei Scalen für Ablefung nach Millimeter und englifchen Linien verfehen. Vecchi in Parma brachte( wenn wir nicht irren) ein Barometer Fortin; ebenfo Edelberg in Charkow; zum Einftellen auf die Queckfilber- Kuppe waren in den Oeffnungen der verfchiebbaren Hülfe zwei parallele feine Metallfäden ausgefpannt. An einem fchönen Normal- Heberbarometer desfelben Mechanikers ging die Ablefung bis auf 1/50 Millimeter und die Einftellung gefchah mit Mikrofkopen; das Rohr war in Holz montirt und mit Aufhängevorrichtung verfehen. Von der grofsen Zahl der Dofenbarometer intereffen zumeift jene, die eine gröfsere Genauigkeit anftreben und namentlich als Höhenmafs- oder Schiffsund Reifebarometer Verwendung finden follen. Ueber die Eignung der Dofenbarometer zu diefen Zwecken wird gegenwärtig noch viel geftritten. In der Complicirtheit des Mechanismus, durch welchen die äufserft kleinen Bewegungen der luftleeren Kapfel vergröfsert und fichtbar werden, liegt wohl zumeift der Grund, wefshalb die Angaben der Aneroide je nach Umständen und Behandlungsart bald als brauchbar, bald als zu unficher bezeichnet werden. Es war daher ein bememerkenswerthes Beftreben, als Goldfchmid in Zürich daran ging, Aneroide mit möglichft einfachem Mechanismus zu conftruiren. Seine Ausftellung mag daher auch etwas eingehender befprochen werden. Der Grund gedanke, welcher zur Ausführung gekommen ift, befteht der Hauptfache nach darin, die Bewegung der Kapfel gar nicht oder nur wenig zu vergrössern und mikrometrifch mit Hilfe einer Schraube zu meffen; die Einrichtung welche diefes leiftet, ift folgende: Die Aneroidkapfel ift mittelft eines kurzen Stieles in der Mitte der unteren Fläche an der Bodenfläche einer fie umgebenden Dose befeftigt. Durch die Mitte des Deckels diefer Dofe hindurch geht eine Mikrometerfchraube, deren Spitze gegen die obere Fläche der Aneroidkapfel gerichtet ift. Von der Mitte diefer Fläche ausgehend ift radial ein Arm befeftigt, der am Ende eine 26 Ferdinand Lippich. nach Aufwärts gerichtete Schneide trägt, und auf diefe ftützt fich ein Hebel, der über den erwähnten Arm hinweg bis zu einer Spalte im cylindrifchen Mantel der Dofe reicht, wo fein Ende, mit einer Marke auf einem Blättchen verfehen, fichtbar wird. Der Drehpunkt diefes Hebels, fehr nahe an der Schneide gelegen, befindet fich an einem Säulchen, das am Boden der Dofe befeftigt ift. Die Bewegung diefes Hebels, noch zu klein, um direct an einer Scala abgelefen zu werden, wird nun mittelft der Mikrometerfchraube gemeffen. Hiebei kann man aber nicht die Spitze direct mit dem Hebel in Contact bringen, denn der Moment des wirklichen Contactes könnte nicht ficher beurtheilt werden. Goldfchmid bringt daher in fehr finnreicher Weife die fogenannte Fühlhebel- Feder an. Es ift diefes eine feine Stahlfeder, welche an dem Hebel nahe bei feinem Drehungspunkte befeftigt und nach aufwärts gebogen ift. Sie trägt an ihrem Ende ein Blättchen mit einer Marke, die im Spalt des Gehäuſes neben der Marke des Hebels erfcheint. Bringt man beide Marken mit Hilfe der Schraube zur Coincidenz, fo hat auch die Spitze der Schraube gegen den Hebel eine ganz beftimmte Stellung, die immer diefelbe ift, wenn der Luftdruck derfelbe wird. Diefs genügt im Allgemeinen, um das Inftrument mit Hilfe eines Queckfilber- Barometers graduiren und fodann mit demfelben richtige Beobachtungen machen zu können. In Wirklichkeit find übrigens die Aenderungen in der Stellung der Mikrometerfchraube fehr nahe den Luftdruckänderungen proportional. Die Ganghöhe der Mikrometerfchraube ift durchfchnittlich o 25 Millimeter; beiläufig ebenfo grofs ift die Bewegung des Mittel. punktes im oberen Deckel der luftleeren Kapfel, welche einer Aenderung des Luftdruckes um 100 Millimeter Queckfilber- Höhe entſpricht. Die Coincidenz der Marken wird mit Hilfe einer Loupe beobachtet, die an einem Röhrchen fich befindet, das feitlich mit einer Oeffnung verfehen ift, um die Blättchen gehörig beleuchten zu können. Die befchriebene Einrichtung ift die des Aneroides für Topographie; der Kopf der Schraube ift in 100 Theile getheilt, geftattet noch Höhen von 0.5 Meter zu meffen und reicht bis zu einer Höhe von 4000 bis 5000 Meter aus. Die Empfindlichkeit des Inftrumentes bleibt hiebei nahe diefelbe. Mittelft diefes Barometers, eines einfachen Winkel- Mefsinftrumentes und eines Schrittmafses ift man im Stande, Croquis für topographifche Aufnahmen auszuführen. Ebenfo eingerichtet ift das Tafchen- Aneoridbarometer, das noch für die gröfsten Höhen verwendbar ift und diefelbe Empfindlichkeit behält. Die Genauigkeit der Einftellung beträgt o1 bis o 2 Millimeter Quecksilber- Druck. Das Marine- und Obfervations- Aneroidbarometer ift nur für ein kleineres Intervall der Luftdruck- Aenderung eingerichtet und zwar fo, dafs diefes Intervall nicht mehr als eine Umdrehung der Mikrometerfchraube erfordert. Für das Marinebarometer reicht das Intervall von 700 bis 800 Millimeter Queckfilber- Druck; für Standbarometer mufs bei Beſtellung der mittlere Barometerftand oder die Meereshöhe des Beobachtungsortes angegeben werden. Mit Hilfe des Inftrumentes laffen fich noch o'r Millimeter Queckfilber- Druck angeben. Beim Tracirungs- Aneroid ift die Hebelüberfetzung weggelaffen, und das eine Blättchen ift unmittelbar am erften Arm befeftigt, der bis zum Schlitz reicht. Diefes Inftrumentchen geftattet, noch Höhenunterfchiede von I bis 2 Meter zu meffen und reicht von 400 bis 800 Millimeter Quecksilber- Druck. Genau fo ift auch das Tafchenaneroid eingerichtet, das fo klein ift, dafs es ganz bequem in der Tafche getragen werden kann. Es reicht noch für die gröfsten Höhen aus und geftattet eine Ablefung bis auf o 2 Milimeter. Die fämmtlichen von Goldfchmid verfertigten Aneoride werden fehr forgfältig mittelft eines eigens zu diefem Zwecke conftruirten Apparates mit einem Queckfilberbarometer durch Anwendung der Luftpumpe verglichen. Die Werthe der Ablefungen find in einer kleinen Tabelle am Deckel des Aneroides zufammengeftellt Defsgleichen werden die Temperaturcorrectionen durch einen Erwärmungsapparat beftimmt und in einer Tabelle graphifch dargestellt. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 27 Thermometer, welche in das Innere des Gehäufes gebracht werden können, fowie entſprechend eingerichtete Etuis, die zugleich beim Ablefen das Inftrument vor Erwärmung durch die Hand fchützen, find beigegeben. Allerdings ift durch die Fühlhebel- Feder ein möglicherweife veränderliches Element in den Apparat eingeführt, das, wenn auch alles Ubrige keinen ftetigen Aenderungen unterworfen wäre, eine Variation der Conftanten herbeiführen könnte. Die Erfahrung wird hierüber bald Auffchlufs zu geben im Stande fein. Uebrigens könnte die Fühlhebelfeder ganz befeitigt werden, wenn man die Mikrometerfchraube nach Art der früher befchriebenen Sphärometer einrichten würde, was unferes Erachtens manche Vortheile mit fich brächte. Goldfchmid conftruirt auch portative, felbft regiftrirende Aneroidbarometer. Um die Bewegung des Hebels zu vergröfsern, find hier 10 luftleere Büchfen über einander befeftigt. Der Hebel ift mit einem Stifte ver fehen, der mittelft des Uhrwerkes von Viertel zu Viertel Stunde gegen eine Trommel gefchnellt wird, die, durch das Uhrwerk in Umdrehung um eine verticale Achfe verfetzt, einen Papierftreifen aufwickelt. Da die Trommel nur eine geringe Höhe befitzt, wie fie für gewöhnliche Aenderungen des Luftdruckes ausreicht, fo ift noch eine Vorrichtung angebracht, durch welche das ganze Büchfenfyftem in mefsbarer Weife gehoben und gefenkt werden kann. Hievon ift namentlich auf Reifen Gebrauch zu machen, wenn das Inftrument in Stationen mit verfchiedenen Höhen über der Meeresfläche in Anwendung kommen foll. Das Uhrwerk ist für einen Gang von 50 Stunden berechnet. Von den übrigen Ausftellern, die in diefer Gruppe noch zu nennen find, brachte Gottlieb in Wien gewöhnliche Queckfilber- Barometer und Aneroide eigener Erzeugung, die fich bereits grofser Anerkennung erfreuen; Stettinger und Neuhöfer, beide in Wien, Zimmerbarometer und Aneroide, erfterer noch ein Patentmanometer, letzterer Höhenmefs- Aneroide; Lafer und Hetfchel, ebenfalls beide in Wien, Zimmerbarometer, die durch folide und gefchmackvolle Arbeit hervortraten; Deutfchbein in Hamburg eine reiche Collection von Aneroiden in fehr eleganter Ausftattung; Pillifcher in London und Bréguet, Carre, Lion und Gouichard, fämmtlich in Paris, Aneroide von den verfchiedenften Gröfsen, von vorzüglichfter Arbeit und Ausftattung. Die Tafchenaneroide letzterer Firma find fehr bekannt und verbreitet. Das Bourdon'fche Holofteric fcheint auch in Frankreich durch die Vidi'fchen und Naudet'fchen Aneroide ganz verdrängt zu werden. Ein von Le coz in Briene erfundenes Barometer, welches die LuftdruckAenderungen in vergröfsertem Mafsftabe darftellt, war auf dem Transporte befchädigt worden. Infoweit die vorhandenen Beftandtheile errathen liefsen, fcheint die Einrichtung auf dem Principe des Morland'fchen Wagebarometers zu beruhen. Luftpumpen und Compreffionsapparate. Obgleich die Luftpumpen nichts weniger als zahlreich vertreten waren, fo werden wir doch einige wichtige Inftrumente diefer Art zu verzeichnen haben. Hauck in Wien brachte nebft gewöhnlichen Luftpumpen zum Evacuiren und Comprimiren eingerichtet. den Compreffionsapparat von Natterer zur Erzeugung flüffiger Kohlenfäure in fehr fchöner Ausführung, eine Deleuil'fche Pumpe mit freien Kolben, ganz nach Deleuil's Conftruction und eine Queckfilber- Luftpumpe nach Töpler. In fehr finnreicher Weife find an diefer Pumpe Hähne oder Ventile vermieden; wir wollen das Schema derfelben angeben. Von einem Glasballon führt aus feinem oberften Punkte O ein Glasrohr A nach abwärts, das etwas länger als die Barometerhöhe ift und mit feinem unteren offenen Ende in ein cylindrifches Glasgefäfs unter Quecksilber taucht. Vom unterften Punkte U desfelben Ballons zweigen fich zwei Rohre ab. Das eine Rohr D geht erft vertical nach aufwärts, bis es eine Länge von mehr als die Barometerhöhe erreicht hat, biegt dann wieder nach abwärts und führt fchliefslich 28 Ferdinand Lippich. M zum Recipienten, das zweite Rohr C geht von U aus vertical nach abwärts und fteht mit dem Schlauche in Verbindung, der in das Queckfilber- Gefäfs endigt, welches abwechfelnd gehoben und gefenkt wird. Diefe Senkung mufs foweit erfolgen können, dafs das Queckfilber- Niveau im Gefäfse tiefer als die Barometer höhe unter U zu liegen kommt. Beim Heben des Queckfilber- Refervoirs wird zuerft bei U durch das in C fteigende Queckfilber die Communication zwifchen. dem Recipienten und Ballon abgefperrt und beim weiteren Heben die Luft aus letzteren durch A ausgetrieben. Wird das Refervoir wieder gefenkt, fo entſteht zuerft im Ballon ein luftleerer Raum, in welchen, wenn das Queckfilber- Niveau in B bei U angekommen ift, die Luft aus dem Recipienten tritt. Durch aber maliges Heben wird diefe wieder durch A ausgetrieben u. f. f. Die Länge des Rohres B verhindert ein Ueberfliefsen des Queckfilbers in den Recipienten, wenn derfelbe auch ganz luftleer wäre. Diefe Pumpe läfst fich natürlich ganz aus Glas herftellen. Hauck befeftigt. die einzelnen Röhren mittelft Stahlflanfchen aneinander Steflitfchek in Wien brachte eine zweiftiefelige Ventil- Luftpumpe Hugershoff in Leipzig eine zweiftieflige Hahn- Luftpumpe mit liegenden Cylindern; Greiner& Friedrichs in Stützenbach( Provinz Sachfen) eine Queckfilber- Luftpumpe nach Geifsler Jolly zu phyfiologifchen Zwecken( nach Angaben von Profeffor Ludwig), Stollenreuter eine Jolly'fche Queckfilber Luftpumpe und endlich Geifsler in Bonn ebenfalls feine Pumpe. Diefe war ganz aus Glas hergeſtellt. Die gewöhnlich U- förmigen Röhren zum Trocknen, Reinigen etc der zu füllenden Gafe haben an diefer Pumpe beiläufig die Form Wulf fcher Flafchen, an welchen die beiden Seitenröhren verlängert find. Sie ragen etwas über das horizontale Verbindungsrohr der Recipienten hinaus und find, fowie der mittlere Hals durch eingeriebene Stöpfel verfchliefsbar. Aus der Hand eines Künftlers wie Geifsler, wird man trotz der vielen Stöpfel und Hähne das Inftrument mit vollem Vertrauen verwenden können. Vom Gewerbeinftitute in Liffabon war eine hydro- pneumatifche Pumpe, erfunden von Silva Pinto ausgeftellt; fie gründet fich auf die bekannte faugende Wirkung eines Wafferftrahles. Auf einem Tifche mit portativem Luftpumpen- Teller und Recipienien ift vertical eine hölzerne Wand von etwa I Meter Höhe aufgeftellt. Durch diefe Wand, nahe im unteren Drittel der Höhe, führt das vom Refervoir kommende Zuleitungsrohr hindurch und biegt vertical nach abwärts. Unmittelbar über der Biegung mündet ein Piezometer in das Zuleitungsrohr, an welchem man die Gröfse des hydraulifchen Druckes ablefen kann. Das Zuleitungsrohr führt durch einen Abfperrhahn in einen Conus von 12° Oeffnungswinkel und die Ausftrömungsöffnung diefes Conus hat nur einen Durchmeffer von 3 Millimeter. Er mündet in das weitere ihn umgebende Abflufsrohr, welcher in das Innere eines Ballons leitet, aus welchem der Abflufs fo geregelt wird, dafs das Rohr immer unter Waffer taucht. Zu beiden Seiten der Ausftrömungsöffnung des Conus zweigen aus dem Hauptrohre die Saugröhren ab, die fchliefslich in den Recipienten münden. Sie find jedoch früher an der Wand vertical nach aufwärts geleitet zu einer cylindrifchen Kapfel, die ein Sicherheitsventil enthält, um vorkommenden Falles das Eintreten des Waffers in den Recipienten zu verhüten. Von diefem Ventile führt durch einen zweckmäfsig conftruirten Hahn der Luftweg durch zwei lange, an der Wand befeftigte Trockenröhren und fodann noch einmal durch den Hahn hindurch in ein verticales Rohr bis an den Fufs der Wand, wo dann durch ein Kautfchukrohr die Verbindung mit dem Recipienten erfolgt. Aus den früher genannten Hahn führt noch eine Zweig. leitung zu einem Barometer. Derfelbe Hahn dient auch dazu, um Luft in den Recipienten treten zu laffen. Mit diefer Pumpe foll die Luftverdünnung bis auf 15 Millimeter getrieben werden können; bei welcher Druckhöhe wird nicht angegeben. Jedenfalls ift die Dispofition des Apparates fehr gut und bequem gewählt. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 99 29 Es erübrigt noch eine Pumpe ausführlicher zu befprechen, die leider nur durch Zeichnungen und Photographien illuftrirt war, nämlich die neue Queck filber- Luftpumpe oder, wie fie der Erfinder nennt, die Barometer Luftpumpe" von Kravogl in Wilten bei Innsbruck. Die Conftruction derfelben datirt aus dem Jahre 1872; fie konnte defshalb nicht ausgeftellt werden, weil ihre fofortige Verfendung nach Amerika bedungen war und der Verfertiger, ohne Gehilfen arbeitend, eine Vervielfältigung feiner Inftrumente nur langfam zu Stande bringen kann. Kravogel hatte auf der Parifer Weltausftellung für eine Quecksilber. Luftpumpe eine Auszeichnung erhalten; die neue Pumpe ift eigentlich nicht als eine Vervollkommnung diefer früheren zu betrachten, denn fie bafirt auf einem anderen Principe. Sie ift überdiefs doppeltwirkend und geftattet die Anwendung des Babinet'fchen Hahnes. Wir wollen verfuchen, ihre Einrichtung verftändlich zu machen. Zwei hohle gufseiferne Röhren( nahe 5 Meter lang) find vertical geftellt, an ihren oberen Enden fchüffelförmig erweitert, an ihren unteren gefchloffen. Sie umgeben jedes einen maffiven Eifencylinder, der etwas kürzer als fein Mantel oben conifch ausläuft. Zwifchen dem Mantel und dem Kern bleibt demnach ein Hohlraum von ringförmigem Querfchnitt, der unten gefchloffen ift. In diefen fchiebt fich von oben her ein anderer Hohlcylinder von faft gleicher Länge wie die feften Kerne und oben conifch fich verengend. Diefe beweglichen Cylinder haben die Bedeutung der Stiefel einer gewöhnlichen Pumpe und die Kerne erfetzen die Kolben. Die beiden erftgenannten Röhren werden mit Queckfilber gefüllt, deffen Menge fo bemeffen ift, daſs, wenn die Stiefel die tieffte Stellung haben und der Raum zwifchen Stiefel und Kolben ganz mit Queckfilber ausgefüllt ist, dasfelbe aufserhalb der Stiefel bis in die fchüffelförmigen Erweiterungen reicht; wenn fie aber die höchfte Stellung einnehmen, dürfen ihre unteren Ränder nicht aus dem Queckfilber, deffen Niveau dann in der Röhre tiefer gerückt ift, heraustreten. In den oberen Theil eines jeden Stiefels münden zwei Röhren, die mit dem inneren Raume des Stiefels vermittelft eines um die verticale Achfe deffelben drehbaren Hahnes in Communication treten können. Die eine diefer Röhren führt durch einen biegfamen Schlauch zum Recipienten, die andere in die freie Atmoſphäre. Die Bohrungen, welche vom Hahne zu den Röhren leiten, enthalten Stöpfelventile, deren cylindrifche Stöpfel beim Eindringen des Queckfilbers in die Bohrungen gehoben und gegen die flafchenhalsförmig fich verengenden Wandungen des Ventilraumes gedrückt werden. Das Eintreten des Queckfilbers in die Röhren ift hiedurch verhindert. Die Art und Weife, wie die Pumpe functionirt, ift nun leicht einzufehen. Der Stiefel habe feine tieffte Stellung; im Recipienten fei bereits ein gewiffer Grad der Verdünnung vorhanden und durch den Hahn der Recipienten canal mit dem Stiefelraum in Communication gefetzt. Wird der Stiefel gehoben, fo bleibt er anfänglich mit Queckfilber gefüllt, bis durch das Sinken desfelben aufserhalb des Stiefels die Queckfilber- Höhe über diefem Niveau der Druckdifferenz zwifchen äufserer Atmoſphäre und dem Recipienten entſpricht. In diefem Momente öffnet fich das Ventil und es tritt die Luft aus dem Recipienten in die fich ver-, gröfsernde Luftkammer des Stiefels. Hat diefer feine gröfste Höhe erreicht, fo wird die Communication mit der äufseren Atmoſphäre hergeftellt, der Recipientencanal ift abgefperrt und beim Niedergehen wird die Luft wieder ausgetrieben, bis das Ventil durch das herantretende Quecksilber wieder gefchloffen wird. Der zweite Stiefel macht natürlich gleichzeitig die entgegengefetzte Bewegung. Diefe Pumpe befitzt keinen fchädlichen Raum; denn der ganze Stiefel und die Bohrung im Hahne, welche zum Ausblaferohr führte, find im Momente der Drehung gegen das Recipientenventil vollſtändig mit Queckfilber ausgefüllt. Auch mufs die Oeffnung des Recipientenventils bei jeder Spannung der Luft im Recipienten, felbft wenn fie Null wäre, erfolgen. Trotz der Ventile und Hähne 30 Ferdinand Lippich. befitzt alfo die Pumpe keinen der Mängel gewöhnlicher Hahn- oder Ventil- Luftpumpen. Wie fchon erwähnt, hat Kravo gl feiner Pumpe einen Babinet'fchen Hahn beigegeben und er erfcheint auch in der That durchaus nicht überflüffig. Es ift nämlich zu bedenken, dafs beim Ausblafen der Luft, folche, wenn auch in fehr kleinen Quantitäten an den Wänden des Stiefels und der Hahnbohrung hängen bleiben kann, dafs aber auch die gröfsere Abforption von Luft durch das Queckfilber unter atmoſphärifchem Druck, fowie das Condenfiren von Feuchtigkeit, die mit der äufseren Luft in den Stiefel eindringt, möglicherweife zu berückſichtigen kommt. Alle diefe Umstände wirken aber genau fo, wie ein fchädlicher Raum. Bei den übrigen Queckfilber- Luftpumpen kommen diefe Uebelſtände ebenfalls vor, fie können aber meift nicht befeitigt werden. Bei der Töpler'fchen Pumpe dürften fie noch am geringften fein. Die Ingangfetzung der Pumpe gefchieht mittelft Kammrads und zweier verzahnten Stangen durch geringen Kraftaufwand. Der ausgeftellten Photographie nach zu fchliefsen, find die Dispofitionen der Mafchine fehr glücklich und bequem gewählt. Dafs nicht nur die Ausführung, fondern auch die äufsere Ausstattung eine ganz vorzügliche fein werde, dafür bürgen nicht nur die früheren Erzeugniffe diefes trefflichen Mechanikers, fondern auch ein Blick auf die übrigen ausgeftellten Objecte mufste diefe Ueberzeugung verfchaffen. Die Pumpe foll nach den mit ihr vorgenommenen Proben noch kaum erreichte Refultate geliefert haben. Herr Kravogl gibt an, dafs alle, auch die beftausgekochten Barometerproben mit feiner Pumpe unterfucht, im offenen Schenkel einen höheren Stand zeigen. Bedenkt man die Gebrechlichkeit und etwas difficile Handhabung der bisher gebräuchlichen Queckfilber- Luftpumpen, die Gefahren ihres Transportes und endlich ihre wegen der grofsen Hubhöhe unbequemen Dimenfionen, fo werden die bedeutenden Vortheile der befchriebenen Pumpe auch in diefer Richtung in die Augen fpringen. Sie dürfte wohl das vollkommenfte und präcifefte Inftrument ihrer Art fein und nicht verfehlen, die Aufmerkſamkeit der Phyfiker in hohem Grade auf fich zu lenken. So wird dem Erfinder die wohlverdiente Anerkennung nicht ausbleiben, wenn derfelbe auch augenblicklich von der Jury unberückfichtigt geblieben ift. Der Grund hievon lag wohl zum Theil darin, dafs das Inftrument nur durch Zeichnungen illuftrirt war; aber wir glauben, die übrigen der thatfächlich ausgeftellten Objecte feien derart gewefen, dafs man fich über einen folchen durch Ungunft der Verhältniffe bedingten Mangel hätte hinweg fetzen können. Thermometer, Pyrometer, Aräometer. Ziemlich reichhaltig waren namentlich in Oefterreich und Deutfchland Thermometer und Aräometer vertreten, befonders derartige Inftrumente zum gewöhnlichen Gebrauche oder zur Verwendung in Fabriken beftimmt. So haben ausgeftellt in Oefterreich: Neuhöfer eine Sammlung derartiger Glasinftrumente, namentlich Thermometer fur Fabriksgebrauch; Gottlieb fehr fchöne Thermometer für Fabriken und zu wiffenfchaftlichem Gebrauch, fowie Aräometer der verfchiedenften Gattung; defsgleichen Stettinger in Wien, Weinzierl in Wien, Batka in Prag und befonders hervorzuheben Lafer und Hetfchel, beide in Wien. An Reichhaltigkeit und Vorzüglichkeit der exponirten Objecte ragten aber ganz befonders hervor L. Kappeller und H. Kappeller jun. Die hieher gehörigen Inftrumente für wiffenfchaftliche Zwecke geniefsen denfelben wohlverdienten Ruf wie die bereits befprochenen Barometer. In Deutfchland hatten Stafchen in Mellenbach und Wilhelm's Söhne in Oberweifsbach( Schwarzburg Rudolftadt) Thermometer und andere Glasgeräthe ausgeftellt; Geifsler brachte neben folchen und feinen bekannten GlasbläferWaaren eine ausgezeichnete Sammlung von Normalthermometern. Jeder diefer Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente. 31 Thermometer umfafst ein Intervall von etwas mehr als 10 Grad Celfius, ein Grad hat eine Länge von mehr als 2 Centimeter, fo dafs man 150 Grad Celfius noch gut ablefen kann. Unter dem Punkte, an welchem die Theilung beginnt, ift das Capillarrohr erweitert und unter der Erweiterung befindet fich der Nullpunkt. Auf diefe Weife ift es möglich gemacht, die Correctionen wegen Aenderung diefes Nullpunktes anzubringen. Frankreich war durch Dutrou mit einer fchönen Sammlung von Thermometern, Aräometern, Pfychrometern etc. vertreten, England durch Pillifcher, Spanien durch Arce, endlich Rufsland durch Bernardaky in Petersburg mit Alkoholometern. Speciell wollen wir noch anführen: Ein Luftthermometer nach Jolly von Stollenreuter. Wie bei Regnault wird die Temperatur eines conftanten Luftvolumens durch die Expanfionskraft beftimmt. Ein Glasballon fteht durch ein enges Glasrohr mit einem weiteren verticalen in Communication, an deffen Ende fich ein Stahlhahn und mit diefem verbunden ein elaftifcher Schlauch, der in ein Glasrohr endigt, befindet. Ballon fowohl als diefes Glasrohr find zu beiden Seiten einer verticalen Säule zu verfchieben und feftzuftellen. Diefe Säule trägt eine Spiegelfcala mit MillimeterTheilung. Durch entſprechende Stellung der beiden Schlitten kann die Luft im Ballon immer auf dasfelbe Volumen zufammengeprefst werden. Das Volumen bis zur Marke, fowie der Ausdehnungscoëfficient des Glafes werden vor Ablieferung der Inftrumente genau beftimmt. Das Metallmaximum- und Minimumthermometer von Herrmann und Pfifter. Es befteht aus einer ebenen Spirale, gebildet durch zwei übereinander gelöthete Streifen von Stahl und Meffing, verfehen mit einem galvanifchen Metallüberzug. Die Krümmung der Spirale bewirkt die Winkeldrehung eines Zeigers, der ähnlich wie beim Holzmann'fchen Thermometer die beiden Zeiger verfchiebt, die das Maximum und Minimum der Temperatur angeben. Durch eine entfprechende Vorrichtung kann die ganze Spirale gedreht und das Inftrument hiedurch juftirt werden. Beim Metallthermometer von Pizzaro in Bologna ift auf einer vertical geftellten Marmorplatte ein Metallftab von etwa 15 Centimeter Länge mit feinem oberen Ende befeftigt. Sein unteres Ende wirkt an dem kürzeren Arme eines horizontalen Hebels, der am Endpunkte des längeren Armes einen zweiten Stab von faft derfelben Länge wie der erfte trägt und welcher nach aufwärts zum kürzeren Arme eines zweiten Hebels führt; der längere Arm diefes Hebels ift. ein Zeiger, der an einem Bogen fpielt. Zur Angabe der maximalen und minimalen Temperaturen werden durch den Zeiger an einem feinen horizontal ausgefpannten Draht zwei Kügelchen verfchoben. Der zweite Hebel ift durch ein Gewicht belaftet, um einen todten Gang zu vermeiden, und die Theilung auf dem Gradbogen reicht von 20 bis 100 Grad Celfius. Das Pyrometer von Codazza in Turin ift nach dem Principe von Regnault's Luftthermometer conftruirt, nur wird, da es fich um Meffung grofser Spannungen handelt, ftatt des offenen Queckfilbermanometers ein gefchloffenes mit Luftkammer verwendet. Das Thermometergefäfs befteht aus Porcellan und befitzt einen Rauminhalt von 290 Cubikcentimeter. Es communicirt durch ein 0.5 Meter langes Eifenrohr mit feiner Bohrung mit dem manometrifchen Apparate, der im Uebrigen genau wie beim Regnault'fchen Luftthermometer eingerichtet und gehandhabt wird. Das Volumen der Bohrung im Eifenrohr und im Glasrohr bis zur Marke beträgt nur I bis 2 Cubikcentimeter. Das Inftrument hat bereits fehr brauchbare Refultate geliefert. Zum Schluffe wollen wir noch einiger Apparate gedenken, die unter die früheren Capitel nicht gut eingereiht werden konnten, dennoch aber innerhalb der Grenzen liegen, die diefem Berichte zugewiefen find. 3 32 Ferdinand Lippich. Von Dynamometern und Dynamographen bemerkten wir in Gruppe XIV nur zwei, die von Kraft in Wien verfertigt waren, und zwar einen Zugdynamograph nach Burg und einen Kurbeldynamograph. In beiden Inftrumenten wird die durch die wirkende Kraft erzeugte Ausbiegung einer entfprechend geformten Feder, in bekannter Weife durch einen Stift auf einem Papierftreifen markirt, der fich fenkrecht gegen die Richtung bewegt, nach welcher der Stift ausweicht; und zwar ift die Gefchwindigkeit des Papierftreifens proportional der Gefchwindigkeit des Angriffspunktes der Kraft. An fogenannten Fallmafchinen zur Nachweifung der Gefetze einer durch eine conftante Kraft erzeugten geradlinigen Bewegung und fpeciell der Bewegung eines freifallenden Körpers war aufser einer Attwood'fchen Fallmafchine gewöhnlicher Conftruction von Hauck, ein eben folcher Apparat von Vennemann in Aachen, der jedoch mit grofser Sorgfalt gearbeitet und mit mehreren meift nicht gebräuchlichen Zugaben verfehen war, ausgeftellt. Die Achfe des Rädchens, welches die endlofe Schnur mit den Gewichten trägt, läuft auf Frictionsrollen; die Schnur ift am unteren Ende des Geftelles über ein zweites Rädchen geführt. In deffen Nähe befindet fich ein kleiner Elektromagnet, der das Gegengewicht fefthält und im geeigneten Momente durch Stromunterbrechung die Auslöfung bewirkt. Das fallende cylindrifche Gewicht hat kreisrunde Oeffnungen in den Fangplatten zu paffiren. Diefe Fangplatten find getheilt und es fteht der eine Theil mit der metallenen Mittelfäule, der andere mit einer Metallfchiene an der Scalenfäule in leitender Verbindung, zu welchen Säulen die Drähte einer Batterie leiten. Indem fich das Zulegegewicht auf die Fangplatte legt, wird der Strom gefchloffen und hiedurch ift es möglich, den Moment des Endes der Bewegung durch Anhalten eines durch Uhrwerk getriebenen Zeigers erfichtlich zu machen. Edelmann& Hipp hatten ihre Vorrichtungen gebracht, durch welche fie, erfterer in Verbindung mit dem Chronographen von Beetz, letzterer mit feinem Uhrchronofkope die Fallgefetze für fehr mäfsige Höhen demonftriren. Berühmt durch ihre unglaublich lange Rotationsdauer find die von Hardy in Paris conftruirten Gyrofkope. Ein folches nach Foucault zum Nachweife der Achfendrehung der Erde, fowie ein Polytrop von Sire waren ausgeftellt. Letzteres Inftrument befteht aus einem verticalen Kreisringe, der mittelft Kurbel um eine verticale Achfe gedreht werden kann. Diefer Ring ftellt einen Erdmeridian vor. Ein kleines Gyrofkop kann an dem Ringe in beliebigen Breiten feftgeftellt werden und es können auf diefe Weife mit dem Apparate die Erfcheinungen wie fie fich an einem Gyrofkope in verfchiedenen Orten auf der Erdoberfläche darbieten, fowie auch die Präcesfion der Nachtgleichen etc. demonftrirt werden. Eine intereffante Einrichtung hat Silva Pinto dem Foucault'fchen Pendel gegeben, durch welche es möglich wird, den Verfuch mit einem Pendel von I Meter Länge auszuführen. Die Bewegung des Pendels wird durch die Wir kung eines Elektromagneten unterhalten und zwar in folgender Weife: Genau unter der Gleichgewichtslage des Pendels ift ein kleiner verticaler Elektromagnet aufgeftellt, der durch einen Strom automatiſch magnetifirt wird; die Kugel des Pendels trägt ihrerfeits ein kleines conifches Stück weichen Eifens. Bei irgend einer Lage des Pendels liegt die auf den Eifenkern der Kugel wirkende Kraft in einer verticalen, durch die Gleichgewichtslage des Pendels gehenden Ebene und vermag demnach nicht das Pendel aus der vorhandenen Schwingungsebene heraustreten zu machen. Es wird demnach die Drehung der Schwingungsebene durch die Achfendrehung der Erde allein zur Erfcheinung kommen. Die Magnetifirung des Elektromagneten wird fo regulirt, dafs letzterer nur während eines Theiles der abwärtsgehenden Halbfchwingung des Pendels thätig ift. Ein horizontaler, getheilter Kreis mit Diopteralhydade zum Einvifiren des Pendelfadens und ein durch den Elektromagneten in Gang gefetztes Zählwerk vervollſtändigen den Apparat. Mathematifche und allgemeine phyfikalifche Inftrumente 33 Herrmann und Pfifter fowohl, wie auch die Société Genèvoife verfertigen Haarhygrometer nach de Sauffure mit grofser Sorgfalt und unter Berücksichtigung der von Regnault angegebenen Vorfichtsmafsregeln. Wie letzterer gezeigt hat, ift man alsdann im Stande, mit diefem bequemen Inftrumente fehr gute Beftimmungen des Feuchtigkeitsgrades zu machen. Die Société Genevoife fucht vor Allem aus Gegenden, in denen Kamm und Pomade weniger bekannte Luxusartikel find, Haare zu acquiriren, die ihre natürliche Elafticität noch nicht eingebüfst haben. Die Einrichtung des Apparates ift der Hauptfache nach die von de Sauffure angegebene. Der Zeiger und die Achfe der Rolle find von Bronce- Aluminium, um die Reibung durch Verminderung des Gewichtes möglichft klein zu machen. Das fpannende Gewicht ift durch eine feine Spiralfeder aus Gold erfetzt, wodurch eine Ueberlaftung des Haares vermieden und der des H Apparat transportabler gemacht wird. Endlich find zwei Theilungen vorhanden, eine fixe arbiträre und eine verftellbare nach Feuchtigkeitsgraden. Noch ein Mefsinftrumentchen von praktiſcher Wichtigkeit hat die Société Genèvoife ausgeftellt, das wir erwähnen wollen, nämlich Wolfsberger's Vorrichtung zum Meffen der Breite von Gasflammen. Aus einer Entfernung von mehreren Metern kann diefe Breite mit hinreichender Genauigkeit beſtimmt werden. Auf einer prismatifchen Hülfe ift unter 45 Grad gegen die Achfe geneigt ein Glasfpiegel befeftigt, deffen Belegung in der oberen Hälfte weggenommen ift. In der Hülfe ift ein prismatifcher Stab verfchiebbar, der an feinem Ende ebenfalls einen Spiegel trägt, der dem erftgenannten parallel fteht. Wie bei einem Sextanten fieht man, ein Object durch den erften Spiegel vifirend, gleichzeitig das Bild durch zweimalige Reflexion der Strahlen an den beiden Spiegeln. Ift das Object eine Gasflamme und bringt man den linken Rand der direct gefehenen Flamme mit dem rechten des Bildes zur Berührung, indem man den Stab in feiner Hülfe entfprechend verfchiebt, fo ift der Abftand der Spiegel gemeffen in der Richtung der Stabachfe gleich der Flammenbreite. Ein zweckmäfsig angebrachter Trieb zur Verfchiebung des Spiegels macht die Anwendung des Inftrumentes fehr bequem. 3* ASTRONOMISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1.) Bericht von DR. W. TINTER, Profeffor am Polytechnicum in Wien. Von der Abficht geleitet, den Leiftungen aller jener Länder, welche aftronomifche und geodätifche Inftrumente zur Beurtheilung ausgeftellt hatten, fo weit als nur möglich Rechnung zu tragen, habe ich die ausgeftellten Inftrumente forg fältig ftudirt, und das Ergebnifs hievon nach Gruppen in dem Berichte niedergelegt. Ich liefs mich hiebei von dem Grundfatze leiten, alle jene Inftrumente, welche bisher noch nirgends eine Befprechung gefunden haben, oder folche, welche weniger gekannt find, ausführlicher zu behandeln; bei jenen hingegen, welche bereits in irgend einem Werke oder einer wiffenfchaftlichen Zeitfchrift publicirt find, nach einer kurzen Befchreibung auf die Quellen hinzuweifen welche diefe Inftrumente in ihren Theilen, mit ihren Eigenfchaften, in ihrer Wirk amkeit näher erörtern. Dafs ich es mit der Illuftration ebenfo hielt, ift felbftverſtändlich. Wie weit ich nun meine Abficht in der kurzen, mir zum Berichte überhaupt gegönnten Zeit erreicht habe, mufs ich dem Urtheile geehrter Fachgen offen überlaffen. Meridiankreis. Diefes für Fundamentalbeobachtungen von Sternen nur auf Sternwarten. anzutreffende Inftrument war auch nur in einem Exemplare und zwar in der öfter reichifchen Abtheilung vertreten. Ausgeführt wurde diefer Meridiankreis von dem Mechaniker O. Schaeffler für eine Privat- Sternwarte in Wien. Die räumlichen Verhältniffe derfelben waren in den meiften Stücken für den Conftructeur hinfichtlich der Dimenfionen bindend und nahmen das Talent desfelben in befonderer Weife in Anfpruch. Das Inftrument ift mit Ausnahme der wenigen Stahltheile durchwegs aus Broncegufs hergeftellt. Die horizontale Drehachfe hat o 632 Meter Länge, ift aus einem Stück gegoffen, in feinem Innern vollkommen ausgearbeitet und hat ganz gleiche Metallftärke. Die beiden, die conifche Form habenden Theile der horizontalen Drehachfe lehnen fich in der Mitte an einen würfelförmigen Theil, auf welchen die beiden ebenfalls conifch gehaltenen Fernrohr- Stücke aufgefetzt find. Das auf diefe Weife gebildete gerade Fernrohr hat ein Objectiv von 105 Millimeter Oeffnung und 1160 Meter Brennweite. Aftronomifche Inftrumente. 35 Die aus hartem Stahl gebildeten Zapfen der horizontalen Drehachfe find nach den Unterfuchungen in jeder Hinficht vollkommen zu nennen. Mit der horizontalen Drehachfe find zwei Kreife von 0 632 Meter Diameter fenkrecht verbunden; die Theilung ist auf beiden von fünf zu fünf Bogenminuten direct durchgeführt und durch zweite Kreife gedeckt; der eine diefer Deckkreife dient als Träger für die vier zum Ablefen der Theilung des eigentlichen Ablefekreifes beftimmten Schraubenmikrofkope. Der zweite Deckkreis trägt zwei diametrale Nonien, an denen die ftärkere Theilung des Auffuchkreifes bis auf 30 Bogenfecunden abgelefen werden kann. Der Mikrofkopträger des Ablefekreifes trägt eine Libelle zum Erkennen einer etwaigen Aenderung in feiner Lage. Klemmvorrichtung und freie Bewegung des Fernrohres ift vom Auffuchkreife bequem zugänglich; diefelbe behält für die verfchiedenen Höhenlagen des Fernrohres diefelbe Lage zum Oculare. Die eigentliche Auffatzlibelle berührt die Zapfen in denfelben Querfchnitten, mit welchen die Achfe in den Lagern ruht; fie ift durch Federn contrebalancirt. Der Winkelwerth eines Scalentheiles beträgt eine Bogenfecunde. Die ihrer Form nach gleichen Zapfenlager geftatten die beiden nöthigen Correctionen in Azimuth und Höhe. Aufser dem feften Fadennetze mit 13 Vertical- und zwei nahe aneinander ftehenden Horizontalfäden ift ein bewegliches Fadenmikrometer angebracht, und zwar ein beweglicher einzelner Horizontal- und ein beweglicher verticaler Doppelfaden. Der Werth einer Schraubenumdrehung der beiden zu diefen gegen einander rechtwinkligen Bewegungen nöthigen Schrauben beträgt eine Bogenminute. Die Theilung an der entfprechenden Trommel gibt direct eine Bogenfecunde. Die beiden beigegebenen Oculare geftatten eine Vergröfserung von 88 und 132; das eigentliche Ocular ift fenkrecht gegen die Achfe des Fernrohres verftellbar, um bei den Beobachtungen an den Seitenfäden die Achfe des Oculars über diefelben bringen zu können. Die Beleuchtung des Fadennetzes, fowie jene der Stellen am Ablefe- und Auffuchkreife, wo die Mikrofkope und Nonien fich befinden, gefchieht durch Beleuchtungslampen eigener Conftruction. Die zur Beleuchtung getroffene Einrichtung in der hohlen Achfe geftattet, dafs das eine Mal die Fäden in beliebiger Färbung auf dunklem Grunde, das andere Mal die dunklen Fäden auf beliebig gefärbtem Grunde erfcheinen. Die von der Beleuchtungslampe in die Achfe gelangenden Strahlen treffen zunächſt eine vom Oculare aus zu bewegende Moderationsvorrichtung, von hier aus eine in die hohle Achfe eingefetzte Sammellinfe, die das Licht derart bricht, dafs die nach der Brechung des Lichtes in einem Kegel weiter gehenden Strahlen auf vier im Würfel angebrachte, aber aufserhalb des eigentlichen Sehkegels auf einer beweglichen Blende ftehende Prismen gelangen, von wo aus das Licht zwifchen der äufseren Fernrohr- Wand und einem innerlich angebrachten Blendrohre aufserhalb des Sehkegels gegen das Ocular hin auf weitere vier Prismen gelenkt wird, welche nun das Licht von der Ocularfeite aus gegen das Fadennetz hinfenden, fo dafs das Fadennetz hell und beliebig gefärbt auf dunklem Grunde erfcheint. Um nun das Umgekehrte, dunkle Fäden auf hellem Grunde, zu erhalten, ift die im Würfel angebrachte Blende noch mit einem fünften, fehr kleinen Prisma verfehen und vom Ocular aus beweglich eingerichtet. Wird die Blende fo geftellt, dafs die vier Prismen dem einfallenden Lichte abgewendet werden, fo kommt das fünfte kleine rechtwinklige Prisma in den beleuchteten Sehkegel, welches nun das Licht direct auf die Fäden fendet, felbe beleuchtet. Die Beleuchtungslampe befitzt einen drehbaren Mantel mit zwei Prismenfyftemen, von welch' beiden Syftemen das eine die vier Mikrofkopftellen des Ablefekreifes, das andere die beiden Noniusftellen am Auffuchkreife beleuchtet. 36 Dr. W. Tinter. Portative Paffageninftrumente. Dänemark und Oefterreich vertraten diefe Gattung von Inftrumenten. Das von dem mechanifchen Inftitute Jürgenfen in Kopenhagen ausgeftellte Inftrument hat ein gebrochenes Fernrohr von circa o 470 Meter Brennweite und 48 Millimeter Oeffnung. Die Bauart gleicht der eines aftronomifchen Univerfalinftrumentes. Auf einem Dreifusse ift die verticale Umdrehungsachfe für den Obertheil des Inftrumentes aufgebaut. Ein kleiner unter dem Dreifusse angebrachter Horizontalkreis( 105 Millimeter Durchmeffer) geftattet die Azimuthmeffung bis auf I Minute. Das Aufheben der freien Bewegung des Obertheiles gefchieht mittelft Centralklemme. Der mit der horizontalen Drehachfe des Fernrohres verbundene eigentliche Höhenkreis hat 263 Meter Durchmeffer und Mikrofkopablefung. Der auf derfelben Achfe befindliche Auffuchkreis von 105 Millimeter Durchmeffer kann mittelft Nonius mit der für das Auffuchen von Sternen nöthigen Genauigkeit abgelefen werden. Für die Horizontalftellung des Inftrumentes, beziehungsweife für die Ermittlung der Neigung der horizontalen Drehachfe ift eine Hänglibelle von entfprechender Empfindlichkeit beigegeben. Die für das Meffen der Höhenwinkel nöthige Alhidadenlibelle hat den bedenklichen Stöpfelverfchlufs und ruht zudem noch frei in entfprechenden Lagern. Die angewendete Conftruction zum Heben oder Senken des einen Lagers der horizontalen Drehachfe ift eine einfache und fichere, während die Verbindung der Mikrofkope des Höhenkreifes mit den entfprechenden Trägern nicht glücklich zu nennen ift. Die Firma Starke& Kammerer in Wien hatte ein portatives Paffageninftrument ausgeftellt. Der Unterbau ift ein gufseifernes Stativ mit Correction für Azimuth und Höhe; das Fernrohr, in der Mitte gebrochen, hat eine Brennweite von 0 650 Meter, eine Oeffnung von 53 Millimeter. Der Höhenkreis( Auffuchkreis) ift mit der horizontalen Achfe verbunden, kann mittelft Nonius bis auf eine Minute abgelefen werden. Eine entſprechend empfindliche Hänglibelle dient zur Ermittlung der Neigung der horizontalen Drehachfe des Inftrumentes. Der einfache Umlegmechanismus geftattet ein fchnelles und ficheres Umlegen ohne die Libelle herabnehmen zu müffen. Die von G. Starke im Jahre 1872 angewendete Conftruction für derartige Inftrumente hat eine Vervollkommnung in der Azimuthal correction aufzuweifen. Näheres über diefe Conftruction fiehe: Dr. W. Tinter, Vorträge über fphärifche Aftronomie, 1870; oder: Vorträge über Theorie und Gebrauch geodätifcher und aftronomiſcher Inftrumente 1871 und 1872( Autographien). Refractoren.( Parallaktiſch aufgeftellte Fernrohre.) Baiern, Dänemark, England und O efterreich hatten mehr oder minder Vollkommenes von diefer Gattung Inftrumente ausgeftellt. Wir wollen nun das Wichtigfte hierüber folgen laffen. Baiern. Das rühmlichft bekannte optifche Inftitut G.& S. Merz in München hatte in der deutfchen Abtheilung einen kleinen Refractor ausgeftellt, welcher in feiner Ausführung beredtes Zeugnifs für die Vollkommenheit der Leiftungen gibt, welche aus diefem Inftitute hervorgehen. Das Objectiv hat 132 Millimeter Oeffnung und die befonders auffallend kurze Brennweite von 1260 Meter; die beigegebenen Oculare geftatten eine Vergröfserung bis 240. Das Inftrument ift zum Stellen für verfchiedene Polhöhen eingerichtet. Sowohl Stundenkreis als Declinationskreis hat o'190 Meter Durchmeffer; mit Hilfe der Nonien kann erfterer bis auf 4 Zeitfecunden, letzterer bis auf 1 Bogenminute gelefen werden. Dem Refractor find beigegeben: 1. Ein grofses Kometenfucher- Ocular durch deffen Anwendung das Inftrument einen förmlichen Kometenfucher abgibt' Aftronomifche Inftrumente. 37 2. Sechs gewöhnliche Oculare, von denen das ftärkfte die Vergröfserung 240 gibt und zwei prismatifche Oculare. 3. Ein Filarmikrometer mit auf Glas geriffenen Linien. 4. Ein Pofitionsmikrometer mit den zugehörigen Ocularen. 5. Ein Spectrofkop mit gerader Einficht und drei Prismenfyftemen, von denen jedes für fich oder in gegenfeitiger Verbindung gehraucht werden kann. Der Sucher ift mit einem Kreismikrometer verfehen, deffen inneres Feld. im Glafe durchgebrochen ift. Befonders hervorzuheben ift noch die felbftregulirende Vorrichtung des Centrifugalpendels an dem Motor. Diefes Inftrument, als eines der gelungenften Erzeugniffe der Firma G.& S. Merz zu bezeichnen, ift in den Befitz des Herrn Auguft Biela, k. k. Landesgerichts- Rath, übergegangen. Aufserdem hatte G.& S. Merz ein achromatifches Objectiv von 369 Millimeter Oeffnung ausgeftellt; in neuerer Zeit erft durch das von A, Clark's Meifterhand für den Refractor der Sternwarte in Chicago gelieferte Objectiv von 457 Millimeter Oeffnung übertroffen. Von A. Clark foll in nächfter Zeit für das Naval Obfervatory ein Riefenrefractor mit einem Objective von 660 Millimeter Oeffnung und circa 10 Meter Brennweite geliefert werden. Der von G.& S. Merz für die Sternwarte in Pulkowa gebaute Refractor, die von derfelben Firma für die Refractoren zu New- Cambridge und Liffabon gelieferten Objective hatten ebenfalls 369 Millimeter Oeffnung; den an fie geftellten Bedingungen haben fie auch vollkommen entfprochen. Dänemark. Das von Jürgenfen's mechanifchem Inftitute in Kopenhagen ausgeftellte Inftrument hat ein Fernrohr mit einem Objective von 66 Millimeter Oeffnung und circa 1260 Meter Brennweite. Sowohl Stunden- als Declinationskreis hat o 210 Meter Durchmeffer; mittelft Nonien kann die Ablefung auf 4 Zeit- Secunden, beziehungsweife bis auf 1 Minute gefchehen. Dem Refractor ift ein Faden- und ein Pofitionsmikrometer beigegeben. Das Inftrument war mit dem Uhrwerke verfehen, aber nicht zum Stellen für verfchiedene Polhöhen eingerichtet. England. Von der Firma Cooke and Sons in London war ein auf Holz montirter kleiner Refractor mit verftellbarer Polhöhe ausgeftellt. Das Objectiv des Fernrohres dürfte circa 95 Millimeter Oeffnung und 125 Meter Brennweite haben. Der Stundenkreis kann bis auf 4 Secunden, der Declinationskreis bis auf I Bogenminute direct gelefen werden. Oefterreich. Hier ift wohl in erfter Reihe O. Schäffler mit feinen beiden ausgeftellten Refractoren, für Reifezwecke conftruirt, zu nennen. Der kleinere Refractor hat ein Objectiv von 105 Millimeter Oeffnung und einer Brennweite von 1580 Meter; die beigegebenen Oculare geftatten die Vergröfserungen 60, 80, 120, 180 und 240. Das Inftrument hat die folgenden Oculareinfätze: a) ein Spectralapparat mit gerader Einficht; 6) ein Pofitionsmikrometer mit 30maliger Vergröfserung einem Gefichtsfelde von I Grad 20 Minuten und einer von 5 zu 5 Grad gezahnten Blende; c) der eigentliche Ocularkopf mit fünf in einem Kegelmantel verdrehbaren Ocularen mit Moderationsgläfern; durch diefe Oculare werden die früher genannten Vergröfserungen erzielt. Der Sucher des Fernrohres hat 40 Millimeter Oeffnung, bietet eine 12malige Vergröfserung und ein Gefichtsfeld von 3 Grad 30 Minuten und ift mit einem drehbaren Faden im Oculare und einem kleinen Pofitionskreife verfehen. Der Declinationskreis hat 0'211 Meter, der Stundenkreis o 184 Meter Durchmeffer; die Nonien geftatten die Ablefung bis auf eine Bogenminute, beziehungsweife 3 Secunden. 38 Dr W. Tinter. Zur fchnelleren und leichteren Aufftellung des Inftrumentes ift der Noniusträger des Stundenkreifes mit einem zu der Kreisebene fenkrechten Höhenbogen verfehen, deffen Alhidade zwei Libellen trägt; die eine ift der Verbindungsgeraden der Nullpunkte beider Nonien parallel, die andere fenkrecht zu diefer Richtung. Diefes ganze Syftem von Theilen kann mittelft zwei Handfchrauben in engen Grenzen um die Stundenachfe gedreht werden. Stellt man dann bei der Aufftellung des Inftrumentes an einem Orte die Alhidade des Höhenbogens auf die diefem Orte entſprechende Polhöhe ein und dreht man dann das ganze Syftem um die Stundenachfe fo lange, bis beide Libellen einfpielen, fo hat letztere gegen den Horizont des Ortes die verlangte Lage. Zur genauen Einſtellung der Stundenachfe in den Meridian ift die Platte, welche letztere trägt, mit zwei Handfchrauben ein wenig verftellbar. Durch das Einſtellen des Inftrumentes für verfchiedene Polhöhen wird aber die Lage und die Entfernung des Stundenkreifes zum Triebwerke der Uhr eine andere; es wurde daher die Verkupplung des Uhrwerkes mit dem Stundenkreife derart ausgeführt, dafs die Lagerungen der Ueberfetzungsachfen jeder Stellung des Stundenkreifes und deffen Wendefchraube fich von felbft gegen das Uhrwerk entſprechend ftellen können; die Auslöfung der Stundenkreis- Wendefchraube aus dem Stundenkreife gefchieht einfach durch das Ausziehen eines Stabes aus dem Uhrwerke. Die Gleichförmigkeit des Ganges des Triebwerkes wird durch einen Centrifugalregulator mit Friction zu erreichen gefucht. Zu erwähnen wäre der im Triebwerke angebrachte eigenthümliche Kegelräder- Eingriff, durch welchen es bei Anwendung eines einfachen Schlüffels möglich wird, die Ueberfetzungswelle zur Wendefchraube beliebig nach rechts oder nach links zu drehen, fo dafs die Stundenachfe gleichzeitig der Bewegung durch die Hand und durch das Uhrgewicht folgt, ohne dafs der regelmässige Ablauf der vom Uhrgewichte abhängigen Theile alterirt würde. Der gröfsere von O. Schaeffler ebenfalls hauptfächlich für Reifezwecke. ausgeführte Refractor ift in feiner Conftruction dem kleinen ähnlich; das Objectiv hat 158 Millimeter Oeffnung und 2.210 Meter Brennweite. Die vorhandenen Oculare geftatten die Vergröfserungen: 33, 42, 56, 84, 168, 252, 336, 420, 504; beigegeben find diefem Refractor: I Pofitionsmikrometer, I Spectralapparat, 2 Ringmikrometer, 6 Sonnenblenden aus fchwarzem Glafe und 6 aus verfilbertem weifsen Glafe. Das von Plöfsl& Comp. ausgeftellte Inftrument ift für verfchiedene Polhöhen eingerichtet, hat ein Fernrohr von 75 Millimeter Oeffnung und 0.850 Meter Brennweite des Objectives, zwei terreftrifche und drei aftronomifche Oculare, mit denen Vergröfserungen von 42 bis 145 erzielt werden können. Sowohl Stunden als Declinationskreis hat o 135 Meter Diameter; die Nonien geftatten die Ablefung bis auf 4 Secunden, beziehungsweife I Bogenminute. In der letzten Periode der Ausftellung wurde ein noch unvollendeter. Refractor von der Firma Carl Fritfch in der öfterreichifchen Abtheilung aufgeftellt; derfelbe ift für eine beftimmte Polhöhe eingerichtet, hat ein Fernrohr mit einem Objective von o 290 Meter Oeffnung und 3.950 Meter Brennweite. Parallaktifch montirte gröfsere Fernrohre ohne Kreife waren in der öfterreichifchen Abtheilung noch ausgeftellt von Plöfsi& Comp., von Fritfch, Hauck und Waldftein. Unter den Plöfsl& Comp. ausgeftellten fechs parallaktifch montirten Fernröhren befanden fich drei gewöhnlicher und drei dialytifcher Conftruction. Aftronomifche Inftrumente. Aftronomiſche Univerfalinftrumente. 39 Diefe Gruppe von Inftrumenten war in der öfterreichiſchen Abtheilung durch die Firma Starke& Kammerer und in der brafilianifchen Abtheilung durch das von Jofe Maria dos Reis nach den Angaben des Dr. Emanuel Liais gebaute Azimuthal- Inftrument vertreten. G. Starke's Univerfalinftrumente. Die Herren Starke& Kammerer hatten vier Univerfalinftrumente ausgeftellt; von zwei derfelben wollen wir die Zeichnung fammt der Befchreibung geben. Das Univerfalinftrument mit in der Mitte gebrochenem Fernrohre ift in der Fig. 1 dargestellt. Die drei auf den Stellfchrauben S ruhenden Füfse D find zur Erzielung einer gröfseren Stabilität durch die ringförmigen Segmente R verbunden. In der Mitte des Dreifusses ift die verticale Umdrehungsachfe aufgebaut, mit welcher der Horizontalkreis K derart verbunden ift, dafs eine Verftellung desfelben um aliquote Theile der Peripherie möglich wird. Um die verticale Umdrehungsachfe des Inftrumentes bewegt fich der ganze Obertheil des Inftrumentes. Die freie Bewegung kann, durch die Klemmfchraube k aufgehoben, eine feine Bewegung aber durch die Mikrometerfchraube M, die auf den mit der Alhidade verbundenen Arm a wirkt, bewerkstelligt werden; h und h' find die beiden Handgriffe, um bei geöffneter Klemme den ziemlich fchweren Obertheil leichter bewegen zu können. Der Horizonthalkreis, welcher o 263 Meter Durchmeffer hat, ift direct auf 5 Minuten getheilt und kann mittelft der mit der Alhidade verbundenen Mikrofkope m und m' bis auf I Secunde direct gelefen werden Die Mikrofkope find des bequemeren Ablefens wegen gebrochen. Auf der kreisförmigen Scheibe J ift der in die beiden Lagerſtützen Ound O' ausgehende Theil N aufgefchraubt. In den v- förmig geftalteten Lagern ruht die horizontale Drehachfe A des in der Mitte gebrochenen Fernrohres F mit den Stahlringen ficher auf; das eine Lager ift beweglich eingerichtet, um die horizontale Drehaxe fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe ftellen zu können. Das Fernrohr hat ein Objectiv mit 46 Millimeter Oeffnung, eine Brennweite von o'553 Meter und geftattet eine fechzigmalige Vergröfserung. An der Seite des Oculares o find die nöthigen Correctionsvorrichtungen zur Berichtigung des Fadenkreuzes vorhanden; aufserdem iſt das eigentliche Ocular mittelft der Schraube auf einer Platte fenk recht zur Achfe A verfchiebbar, um bei Beobachtungen an den fchon in der Nähe des Randes des Gefichtsfeldes ftehenden Seitenfäden, die Achfe des Oculars über diefe bringen zu können, Gift das zur Aequilibrirung des Objectivftutzens erfor derliche Gegengewicht. Mit der horizontalen Drehaxe A find die beiden Kreife V und V, welche nur 0 263 Meter Diameter haben, fenkrecht verbunden; der erftere dient als Auffuchkreis und kann mittelft Nonius und Loupe n' bis auf I Minute, die Gradtheilung an V kann mittelft Index n bis auf 5 Bogenminuten gelefen werden; der mit O verbundene Träger P hält die beiden Mikrofkope p und u, mit denen die Theilung auf V bis auf eine Bogenfecunde gelefen werden kann. Die Verbindung von V' mit der horizontalen Drehachfe A ift eine folche, dafs es möglich wird, den Verticalkreis V' um aliquote Theile der Pheripherie zu verftellen. Lift die für die Horizontalftellung und bei der Meffung von Azimuthalwinkeln nöthige Auffatzlibelle, 7 die bei der Meffung von Zenithdiftanzen erforderliche Alhidadenlibelle; beide Libellen find natürlich mit den nöthigen Correctionsfchräubchen verfehen. Die freie Bewegung des Fernrohres um die horizontale Drehachfe A kann durch die Klemme K' aufgehoben, eine feine Bewegung jedoch mit der Mikrometerfchraube M' erzielt werden. m 40 Dr. W. Tinter. h L M V W e F Fig. 1. G K r k S m F.W.BADER.WIEN.SC. K h R S Aftronomifche Inftrumente. 41 Zur Entlaftung des Gewichtes des Obertheiles des Inftrumentes dienen die in den beiden Gehäufen g und g' eingefetzten Federn von entsprechender Spannung, welche auf die kleinen Cylinder r wirken, die in ihrem oberen Theile je ein Rollenpaar w tragen, auf welchem die horizontale Drehachfe ruht. Das genannte Inftrument ift mit einem Umlegmechanismus verfehen. Die verticale Umdrehungsachfe ift zu dem Ende centrifch durchbohrt; durch diefe Bohrung geht eine Stahlachfe von entsprechender Stärke, welche oben den auf N' aufgebauten Obertheil trägt, unten auf dem einen Ende des um e drehbaren Hebels ruht, während auf das andere Ende desfelben die Schraube U wirkt; durch das Hinabfchrauben derfelben wird das Hebelende, auf welchem die Stahlachfe ruht, in die Höhe gedrückt, fomit letztere fammt allen mit ihr verbundenen Theilen gehoben. Hiebei ift nur nothwendig, eine an der einen Lagerftütze angebrachte ftarke Feder zu lüften, welche eben die Aufgabe hat, die horizontale Drehachfe immer ficher in den Lagern zu erhalten, keine feitlichen Verfchiebungen zu geftatten. Das zweite Exemplar mit in der Mitte gebrochenem Fernrohre von 3912 Millimeter Oeffnung und 0.474 Meter Brennweite hat Kreife von 0.211 Meter Durchmeffer; je zwei Mikrofkope geben direct zwei Secunden. Das stärkste Ocular geftattet eine vierundfünfzigmalige Vergröfserung. Die bei diefem Inftrumente angewendete Conftruction hat unter Anderem auch den Vortheil, dafs beim Umlegen weder der Klemmarm noch die Verlängerung des Mikrofkopes des Verticalkreifes ausgelöfet zu werden braucht. Eine nähere Befchreibung fammt Detailzeichnungen findet man: Dr. W. Tinter, Vorträge über Theorie und Gebrauch geodätifcher und aftronomifcher Inftrumente. Autographien. Wien, 1871.( Autographien.) Aftronomifches Univerfalinftrument mit Fernrohr in der Achfe für die Reife. Die von Seite des k. k. militär- geographifchen Inftitutes für kartographi fche Zwecke auszuführenden aftronomifchen Ortsbeftimmungen in der Türkei waren wohl die nächfte Veranlaffung zu dem Baue diefes compendiöfen und dabei doch den hinreichenden Grad der Genauigkeit gewährenden Inftrumentes. Fig. 2 gibt ein Bild von demfelben. Auf dem Dreifusse D, ruhend auf den drei Stellfchrauben S ift die verticale Umdrehungsachfe centrifch aufgebaut, mit welcher der Horizontalkreis Kh von 79 Millimeter Durchmeffer fenkrecht verbunden ift; derfelbe trägt einerfeits die von 20 zu 20 Minuten fortlaufende, mit einem Index abzulefende Stirntheilung und andererfeits die auf der oberen Fläche ebenfalls von 20 zu 20 Minuten fortgehende Theilung; letztere wird mit den beiden einander diamentral gegenüberftehenden und mit der Alhidade feftverbundenen Mikrofkopen Mh und M'h bis auf 5 Bogenfecunden direct abgelefen. Es entſpricht nämlich einer Revolution der Schraube eine Winkelbewegung des Fadens im Mikrofkope von 5 Minuten, einem Theile der Trommel, welche in 60 gleiche Theile getheilt ift, demnach eine Winkelbewegung von 5 Bogenfecunden; da die Schätzung eines Intervalles an der Trommel ganz gut bis auf 0.2 erfolgen kann, fo ift auch das Lefen mit dem Mikrofkope bis auf I Secunde ficher. o kh ift die Klemmfchraube, mh ein Theil von der Mikrometerbewegung der Alhidade. Die auf die verticale Umdrehungsachfe aufgepafste Büchfe V trägt den zu ihrer Achfe fenkrechten Theil a, mit welchem der Theil a' einerfeits durch die federnde Platte( Fig. 3) und anderfeits durch die drei Schräubchen s in ficherer Verbindung fteht; das erfte und das dritte der Schräubchen s wirkt auf den Druck, das mittlere hingegen auf Zug. Durch diefe Einrichtung wird es möglich, die Neigung von a' mit allen auf a' befindlichen Theilen, alfo auch die Neigung der horizontalen Drehachfe A, welche mit Stahlringen in den Lagern ruht, gegen die verticale Umdrehungsachfe zu ändern, fomit die Bedingung zu erfüllen, dafs Fig. 3. त 1 horizontale Drehachfe des Fernrohres und verticale Umdrehungsachfe zu ein ander fenkreht ftehen follen. Die hohle horizontale Drehachfe bildet hier gleichzeitig das Fernrohr; an dem einen Ende ift das Objectiv, vor welchem fich das dreifeitige Glasprisma P in entſprechender Faffung befindet; an dem anderen Ende des Oculares o mit den nöthigen Correctionsvorrichtungen zum Verticalftellen der Verticalfäden, zur Berichtigung des Collimationsfehlers der optifchen Achfe. Im vorliegenden Falle mufs nämlich die optifche Achfe mit der geometrifchen Achfe der Ringe zufammenfallen Tiv No P Kv " W 090 K чш Fig. 2. A Kw D M Mv 6 Kh 42 20centimer TL Dr. W. Tinter. Aftronomifche Inftrumente. 43 Zur Horizontalftellung des Inftrumentes dient die beigegebene Setzlibelle L. Der fenkrecht zur horizontalen Drehachfe befeftigte Verticalkreis K, hat auch 79 Millimeter Diameter; er trägt eine Stirn- und eine auf der ebenen Fläche des Kreifes befindliche Theilung. Erftere kann mit Hilfe des Nonius bis auf eine Minute, letztere mit Hilfe der Mikrofkope Mv und M"" bis auf fünf Bogenfecunden direct gelefen werden. Die für das Meffen von Höhenwinkeln nöthige Alhidadenlibelle/ mufs beim Horizontalftellen des Inftrumentes, überhaupt dann, wenn Z gebrauch wird, herabgenommen werden, was leicht gefchehen kann. ย Die Klemme, beziehungsweife die Mikrometerbewegung für den Höhenkreis ift in ky und my zur Anfchauung gebracht. g ift das zur Aequilibrirung nothwendige Gegengewicht. Die Lupen λh und λv erleichtern das Ablefen der Nonien an den bezüglichen Kreifen. Zur Prüfung, eventuell Berichtigung der optifchen Achfe des Fernrohres dient der kleine beigegebene Hilfsapparat J. Derfelbe trägt zwei kleine Fernrohre fi, f, von denen fi mit Hilfe der Schraube n durch Drehung um die beiden Schraubenfpitzen i, i' auf das zweite Fernrohr, nämlich auf f genau collimirt werden kann. An dem Theile a ift ein prismatifcher Stahlanfatz, auf welchen die beiden Schrauben p und p' wirken und eine Drehung des ganzen Hilfsapparates J ermöglichen, wenn derfelbe durch die Schraube q mit a feft verbunden ift( g geht durch J frei hindurch und findet in a die Muttergewinde). Dreht man nun die horizontale Drehachfe A derart, dafs die Oeffnung des Prismas dem einen der fchon auf einander collimirten Fernrohre z. B. fi gegenüberfteht, und dreht man den Hilfsapparat J durch Anwendung von p und p' fo lange, bis der Verticalfaden von f₁ im Bilde durch den Verticalfaden des Inftrumentes gedeckt wird, fo mufs bei erfüllter Forderung der Lage der optifchen Achfe, wenn jetzt die horizontale Drehachfe um 180 Grad um ihre geometrifche Achfe gedreht wird, das Bild des Kreuzungspunktes des Fadennetzes des zweiten Fernrohres, nämlich fs, auf den Verticalfaden fallen. Eine etwaige Abweichung gibt den doppelten Fehler an; die Hälfte wird durch die Bewegung des Fadenkreuzes mit Hilfe der beiden Schräubchen am Oculare, welche diefe Bewegung im horizontalen Sinne geftatten, weggebracht. Das zweite von der Firma G. Starke& Kammerer ausgeftellte aftro. nomifche Univerfalinftrument mit Fernrohr in der Achfe hat ein Objectiv von 46 Millimeter Oeffnung, geftattet eine 52- malige Vergröfserung. Der Horizontalals der Verticalkreis hat o 260 Millimeter Durchmeffer. Die bis auf fünf Bogenminuten durchgeführte Theilung kann mit Hilfe der Mikrofkope bis auf eine Bogenfecunde direct geleien werden. Der Vollständigkeit wegen gedenken wir noch der beiden von Starke & Kammerer ausgeftellten aftronomifchen Univerfalinftrumente, welche beim Ablefen nur die Genauigkeit von 10 und 20 Secunden gewähren, ferner eines kleinen aftronomifchen Univerfalinftrumentes von Hammermüller von ähnlicher Conftruction und derfelben Genauigkeit. Das Azimuthalinftrument von J. Liais. Ohne in die näheren Details diefes gewifs von allen Befuchern der brafilianifchen Abtheilung der Weltausstellung angeftaunten Inftrumentes einzugehen, wollen wir doch eine kurze Befchreibung desfelben geben, um daraus den Zweck, der hiemit erreicht werden foll, kennen zu lernen und um zu einem Urtheile zu gelangen, inwieweit derfelbe erreicht worden ift. Die Fig. 4 bietet ein Bild diefes complicirten Inftrumentes. Auf dem Pfeiler P ruht auf drei Stellfchrauben S der durch Rippen verfteifte Ring A von 12 Meter Diameter. In der Mitte des Pfeilers Perhebt fich ein zweiter kleinerer Pfeiler von o 33 Meter Durchmeffer, der durch A frei hindurchgeht und auf deffen oberer Begrenzungsfläche der Repetitionstheodolith T aufgeftellt ist 44 Dr. W Tinter. Fig. 4. C' T HO S F R S www V ( 3m 9151519! 0 S 452 i FWEADERS Derfelbe hat zwei verfchieden empfindliche Libellen, deren Achfen fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe des Inftrumentes geftellt find. Die weniger empfindliche dient zu dem gewöhnlichen Horizontalftellen des Theodolithen, die mehr empfindliche zur Ermittlung der Neigung der optifchen Achfe. Mit Hilfe der Nonien kann die Theilung des Horizontalkreifes direct bis auf 10 Bogenfecunden gelefen werden. Auf dem inneren Ringe a von o 390 Meter Durchmeffer dreht fich ein Rollwagen w, der nun einerfeits die beiden o 700 Meter hohen Ständer S, S' und anderfeits die beiden als Gegengewicht dienenden, in ihrem oberen Theile durch die Rippen 6 verbundenen Ständer s, s' trägt. Der Ring r verbindet S' mit s. Es kann demnach der Rollwagen w mit allen auf SS' und ss' ruhenden Theilen gedreht werden, ohne dafs das aufp ftehende Inftrument in feiner Stellung gefährdet würde. Auf den Verbindungsrippen 6 fteht das Collimatorfernrohr C, zum Umlegen und im Horizonte drehbar, eingerichtet. Haised a bas Aftronomifche Inftrumente. 45 Centrifch mit der verticalen Umdrehungsachfe ift auf 6 noch eine Bouffole angebracht. Zum Einftellen auf das Object dient das in den Lagern der Ständer S und S ruhende Fernrohr F, welches eine Brennweite von 1180 Meter und eine Objectivöffnung von circa 100 Millimeter hat. Das Ocular ift mit einem Fadenmikrometer, das zwei gegen einander fenkrecht bewegliche Fäden hat, verfehen. Die horizontale Drehachfe diefes Fernrohres bildet wieder ein Fernrohr f mit dem Oculare o und dem Objective O. Die optifche Achfe von ffteht zu jener von F fenkrecht und fällt mit der geometrifchen Achfe der beiden Ringe, mit denen Fin den Lagern ruht, zufammen. An der Ocularfeite von fift der zur horizontalen Drehachfe von F fenkrechte und zur Repetition eingerichtete Verticalkreis von 0.290 Meter Diameter angebracht, deffen Theilung mittelft Nonius bis auf 10 Secunden direct gelefen werden kann. Die Neigung der horizontalen Drehachfe von F wird auf folgende Art ermittelt: Man collimirt zunächft Cauff( die entſprechenden Oeffnungen in dem Theodolithen 7 geftatten diefs); wenn man nun die Vifur mit 7 einmal auf das Bild des Kreuzungspunktes der Fäden inf, das andere Mal auf jenes in C einftellt, dabei jedesmal die Lefungen an der Libelle macht, fo ift die Differenz der beiden Lefungen gleich der Neigung der beiden Vifuren, demnach auch gleich der Neigung der optifchen Achfe von f gegen jene von C; die Neigung der optifchen Achfe von C kann leicht ermittelt werden, demnach ergibt fich auch die Neigung der horizontalen Drehachfe von F. Das nun in feinen Haupttheilen befchriebene Inftrument foll hauptfächlich für Azimuthalbeobachtungen Anwendung finden; aufserdem wird es auch zu Sternbeobachtungen beim Meridiandurchgange oder bei der Paffage des erften Verticales empfohlen. Die Meffung eines Horizontalwinkels, beziehungsweife eines Azimuthes gefchieht nun auf folgende Weife: Mit F wird das eine Object anvifirt, hierauf die optifche Achfe von 7 mit jener in f collimirt und die entsprechende Lefung M am Horizontalkreife von T gemacht. Wird dann der Wagen w fo lange gedreht, bis die Vifur von F das zweite Object trifft, die Collimirung von T mit f vorgenommen und neuerdings die Lefung M' am Horizontalkreife von T gemacht, fo ift offenbar bei vollkommen horizontaler Lage der optifchen Achfe von f und bei vollkommen genauer fenkrechter Stellung der optifchen Achfe von f zu jener von F der entſprechende Horizontalwinkel M'- M. Wie die Neigung der horizontalen Drehachfe ausgemittelt wird, ift fchon mitgetheilt worden; wie eine etwaige Neigung der horizontalen Drehachfe, oder ein Collimationsfehler in Rechnung genommen wird, kann als bekannt vorausgefetzt werden. Das genaue Einftellen der Vifur auf das Object gefchieht durch Mikrometerfchrauben, welche die Lagertheile, in denen fruht, feitlich zu verfchieben geftatten. Wenn man nun erwägt, dafs diefes Azimuthalinftrument aus nicht weniger als vier Fernrohren, beziehungsweife aus drei Inftrumenten, zufammengefetzt ift, von denen jedes, wenn es feinen Zweck erfüllen foll, mit der ihm eigenthümlichen Vollkommenheit gearbeitet ſein mufs; wenn man weiter den complicirten Vorgang bei der Winkelmeffung, die fchwere Handhabung desfelben und den fchwierigen Transport auf die einzelnen Stationen im Auge behält, fo wird man zu dem Schluffe gelangen, dafs diefes Inftrument den von feinem Erfinder angeftrebten Hauptzweck, den Azimuthalbeobachtungen einen gröfseren Grad von Genauigkeit zu geben, als diefes mit anderen Inftrumenten bisher zu erreichen möglich war, gewifs nicht erfüllt und von unferen compendiöfen Univerfalinftrumenten in allen Stücken, befonders was die zu erlangende Genauigkeit bei den Beobachtungen betrifft, weit überholt wird. Der Koftenpunkt dürfte noch mehr zu Ungunften für diefes Inftrument fprechen. Zu dem kommt noch, dafs die Theilung der Kreife an dem ausgeftellten Inftrumente fo unvollkommen war, dafs fchon das freie Auge die Mängel hierin erkannte. Ein Beweis für das Unpraktiſche diefer Conftruction. 5bnostre, 46 Dr. W. Tinter. dürfte wohl der fein, dafs diefes Inftrument, trotzdem es fchon auf fünf Ausstel lungen prämiirt wurde, noch immer keine Verbreitung finden konnte. Chronographen( Regiſtrirapparate). Diefe in der praktifchen Aftronomie eingeführten, derfelben wefentliche Dienfte leiftenden Apparate waren hauptfächlich durch die zwei in neuerer Zeit befonders häufig angewendeten Conftructionen von Mayer& Wolf in Oefterreich und von Hipp in der Schweiz vertreten. Die Firma Mayer& Wolf in Wien hatte zwei Chronographen ausgeftellt; die Befchreibung und Zeichnung diefes Apparates findet fich in dem LII. Bande der Sitzungsberichte der k. Akademie der Wiffenfchaften unter dem Titel:„, Ueber eine Modification des Hanfen'fchen Regiſtrirapparates. Von C. v. Littrow. 1865." Hiezu wäre nur noch zu bemerken, dafs bei den in neuerer Zeit ausgeführten Apparaten das Rad mit fechzig fpitzen Zähnen, von denen der erfte dreifach, jeder zehnte aber doppelt ift, welches demnach die einzelnen Secunden der Uhr angibt und durch die Anwendung der doppelten Zähne eine Erleichterung beim Zählen gewähren foll, nicht mehr angewendet, fondern ebenfalls durch einen Hebel mit einer Spitze, ganz analog dem Signalhebel mit feiner Spitze erfetzt wird. Die Spitzen, fowohl jene am Uhrhebel, welche von Secunde zu Secunde die Punkte an dem fich gleichförmig fortbewegenden Papierftreifen macht, als jene am Signalhebel ftehen in der Ruhelage beider Hebel fehr nahe an einander, fo dafs auch die Verbindungslinie der von der Spitze des Urhebels gemachten Zeichen zu der Verbindungslinie jener der Spitze des Signalhebels in demfelben nahen Abftande fteht, was für das Ablefen in dem Falle, als eine Parallaxe der beiden Spitzen vorhanden wäre, von wefentlichem Vortheile ift. Damit die betreffende Spitze, wenn fie das Zeichen gemacht hat, fofort in die Ruhelage zurückgeführt werde, alfo nicht bei dem doch eine gewiffe Zeit währenden Contacte, welcher ja die Veranlaffung zu dem Zeichen gibt, auf dem fich unterdeffen fortbewegenden Papierftreifen ftatt eines runden Punktes eine kleine eingeriffene Linie entſtehe, find die Spitzen in den vorderen Theilen des Hebels charnierartig eingelagert und mit kleinen Gegengewichtchen verfehen. Der von M. Hipp ausgeftellte Chronograph foll hier näher befchrieben werden. Der in Fig. 5 dargestellte Grundrifs und die in Fig. 6 gezeichnete Längenanficht wird zum Verftändniffe der Befchreibung hinreichen. Auch hier handelt es fich darum, den auf r, aufgerollten Papierftreifen p gleichmäfsig weiter zu bewegen und auf demfelben einerfeits die Zeitfcala und anderfeits die der aufgefafsten Erfcheinung entſprechenden Zeichen zu markiren. Als treibende Kraft wird die Schwere verwendet. An der über die Rollen r, r₁ und r2 gefpannten Kette ohne Ende hängt das eigentliche treibende Gewicht und ein zweites kleines Gegen gewicht( g). Der Eingriff der Zahnrädar R₁, R2, R3, R4 und R in die bezüglichen Triebe ti, ta, tz und t₁ ift aus der Zeichnung zu entnehmen. An der Achfe des Triebes to fteckt auch der an feiner Oberfläche rauh gemachte Cylinder'; über demfelben befindet fich ein zweiter, ebenfalls gerippter Cylinder i, zwifchen welch' beiden der von r abgewickelte Papierftreifen p gleichmässig weiter gefchoben wird. Mittelft des Handgriffes H kann i fo hoch gehoben werden, dafs die Berührung von i mit i' aufhört, fomit, wenn auch fonft der Apparat in Thätigkeit ift, der Papierftreifen nicht weiter gefchoben wird. Zur Erzielung des gleichförmigen Ganges des Räderwerkes, beziehungsweife der Achfe von to wurde von M. Hipp als Regulator eine fchwingende Feder F angewendet. Diefelbe ift an dem einen Ende zwifchen den beiden Metallplatten n, n feftgehalten, während das zweite Ende frei fchwingen kann. Die Zahl der Schwingungen hängt von der Elafticität und von den Verhältniffen in ihren Dimenfionen ab. Eine etwa nöthige Regulirung für eine gewiffe Anzahl Schwingungen kann durch die gleichzeitige Anwendung der beiden Schrauben e vorgenommen werden. P H P W Aftronomifche Inftrumente. Fig. 5. G R3 Rj 7 K K 21 R R t₁ LE Ra t2 Uhr. - " SEH 00000000000 G Az l2 750666666 S.B. U.B Taster. 11 HN 11 " oran " 10 Fig. 6. O b € 2 Cz 7. 11 H O h 0000000 P G ei 72 Tuj b₁₂ TU S 47 h h 73 h q प्र nosDie Feder Fruht mit ihrem freien Ende auf dem Sperrrade R, welches, wie fchon früher dargethan wurde, durch das Uhrwerk ebenfalls in Gang gefetzt wird; es trifft demnach das freie Ende von F bei der Bewegung des Uhrwerkes mit den Zähnen von R zufammen und dadurch wird die Feder felbft in fchwingende Bewegung verfetzt, und zwar derart, dafs fie bei jeder Schwingung von oben nach unten einen Zahn paffiren läfst. Da aber die Feder nur eine beftimmte Anzahl Schwingungen in der Secunde macht, fo zwingt fie auch das Rad R, eine folche Gefchwindigkeit anzunehmen, dafs es eben bei jeder Schwingung nur immer um 4 48 Dr. W. Tinter. einen Zahn weiter geht, wodurch die Gleichförmigkeit der Bewegung des Uhrwerkes, demnach auch jene des fich zwifchen i und i' bewegenden Papierftreifens perzielt wird. Das Markiren der Zeichen auf dem Papierftreifen gefchieht durch zwei Capillarfedern c von Glas, welche mit ihren meffingenen Faffungen in die entfprechenden Höhlungen der beiden Lamellen und ₁ gepafst find. Das weitere Ende einer jeden eine communicirende Röhre darftellenden Feder reicht in das Tintengefäfs G, während die feine Spitze auf dem Papierftreifen p aufruht.( Fig. 6 macht diefes klar.) Die Enden der beiden Lamellen 1, ₁ find beziehungsweife in entſprechenden Theilen der Bügel b1, b2 derart eingelagert, dafs fich dafelbft eine horizontale Drehachfe ergibt, um welche fich jede Lamelle bewegen läfst. Die Bügel b₁ und b₂ find mit den Platten( Anker) A₁ und A, verfchraubt, welch' letztere fich um die durch die beiden Schraubenfpitzen s₁, s₁' und sa, sa' gebil. deten horizontalen Drehachfen bewegen können. Die Anker A₁ und A, liegen über den Elektromagneten e₁, e₁', beziehungsweife e, e' und werden in dem Augenblicke, als die betreffenden Elektromagnete von einem Strome umkreifet werden, von diefem angezogen; durch diefe Bewegung von A₁ oder A, nach abwärts ift, eine feitliche Abweichung der Spitze der Feder c oder fenkrecht zur Bewegungsrichtung des Streifens verknüpft; die fonft ohne Unterbrechung von den Federn befchriebenen Linien erleiden nur in dem Augenblicke eine Unterbrechung, in welchem der Stromfchlufs hergeftellt wird. An dem Brete, auf welchem der ganze Apparat aufgebaut ift, befinden fich die acht unter einander ifolirten Metallplättchen; das zweite und dritte, ferner das fechste und fiebente find durch Spiraldrähte in leitender Verbindung; die Drähte der Spulen e, e₁', eg, e' find in der aus der Zeichnung zu entnehmenden Weife verbunden. Ift nun in den Strom der Uhrbatterie( U. B.) die mit einem Contactwerke verfehene Uhr eingefchaltet, fo wird bei jedem Contacte der Uhrftrom gefchloffen, der Anker A, dabei angezogen und durch die mit verbundene Feder das Zeichen gemacht, welche Zeichen natürlich regelmäfsig nach jedem Contacte wiederkehren. Wird aber in den Strom der Signalbatterie( S. B.) der Schlüffel oder Tafter eingefchaltet und mit diefem in dem Augenblicke des Eintrittes der Erfcheinung der Strom von S. B. gefchloffen, fo wird der Anker A₁ angezogen, fomit von der mit/ verbundenen Feder ein Zeichen gemacht, welches nun mit der von der Uhrfeder gemachten Zeitfcala leicht in Verbindung gebracht werden kann. Die Lamellen/ und, beftehen je aus zwei gegen einander ein wenig verftellbaren Theilen, um fo die Spitzen der Federn einander näher oder entfernter und in eine und diefelbe Senkrechte gegen die Richtung des Streifens bringen zu können; beffer wäre diefes zu erreichen, wenn die Achfen der Hülfen, in denen die Federn ftecken, fchief gegen die oberen Begrenzungsflächen der Lamellen wären. Zur Regulirung des Hubes der beiden Anker, beziehungsweife der Gröfse der feitlichen Ausweichung der Feder bei dem Contacte dienen die Schräubchen σ und zum Zurückführen der Anker in ihre Lage nach dem Contacte dienen die Schraubenfedern f und fi, deren Spannung mit dem Schräubchen a regulirt werden kann. Die Gleichförmigkeit im Gange diefes Chronographen ift eine ganz vollkommene und wird ficher von keinem anderen Chronographen übertroffen. Auch ift es ein Vortheil, die Zeichen gut fichtbar zu haben, was bei dem Ablefen der Streifen fich merkbar macht. Nachtheilig wirkt nur das öftere Verfagen der Schreibfedern, durch deren Auswechslung oft viel Zeit verloren gehen kann, ferner das etwa bei der Beobachtung vorkommende Verftellen der beiden Federn gegen einander, wodurch eine Aenderung in der Parallaxe der Federn eintritt. Man wird daher auf das wiederholte Beftimmen der Federnparallaxe in einer Beobachtungsreihe die nöthige Aufmerkfamkeit lenken müffen. Die fchwingende Feder als Regulator wurde von Hipp fchon im Jahre 1847 bei dem Chronofcope angewendet. Aftronomifche Inftrumente. Weiteres über Chronographen findet man: 49 Chronograph von M. Hipp mit Cylinder. Determination télégraphique de la différence de longitude entre les obfervatoires de Genève et de Neuchatel par E. Plantamour et A. Hirfch. 1864. Regiſtrirapparat von H. Ausfeld mit Centrifugalpendel. Bericht der zweiten thüringiſchen Gewerbeausftellung in Weimar 1861. Krille's Chronograph von C. F. Peters in Nr. 1153 der aftronomifchen Nachrichten und in Längenbeftimmung zwifchen Altona und Schwerin von C. F. Peters. 1861. Knoblich's Chronograph: Annalen der Sternwarte in Leyden. Zweiter Band. 1870. 4 GEODÄTISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 1.) Bericht von DR. W. TINTER, Profeffor am Polytechnicum in Wien. Wafferwagen( Libellen).* Diefe für das Meffen kleiner Neigungen von Achfen gegen den Horizont oder gegen die Lothrechte fo wichtigen Inftrumenttheile waren eigentlich nur durch zwei Firmen vertreten: Dutrou E. P. von Paris und Reinifch von Wien; die von Letzterem gebotene Ausftellung war weit vollſtändiger als die des Erfteren, indem die Libelle in allen ihren Arten und Dimenfionen fowohl zum Gebrauche für die gewöhnlichen Zwecke, als für die feinften Mefsinftrumente vertreten war. Die ausgeftellten Röhrenlibellen der beiden genannten Ausfteller find in ihrer Ausführung vorzüglich zu nennen; bu Fig. 7 und 8. Schnitt a b. U Grundriss. P P u R a gleichmässige Krümmung und ficherer Verfchlufs find wirklich vorhanden. Die Empfindlichkeit war bei Verfchiedenheit der ausgeftellten Objecte natürlich auch bedeutend verfchieden; alle Grade der Empfindlichkeit von 3 Bogenminuten bis I Bogenfecunde auf einen Theil der Libelle waren durch ausgeführte Objecte repräfentirt. Bei den fehr empfindlichen Röhrenlibellen, bei denen der Winkelwerth eines Scalentheiles von dem Temperatureinfluffe, alfo auch von der Blafenlänge merklich abhängig wird, find Refervoirs angebracht, um bei den verfchiedenen Temperaturen die Blafenlänge in jenem Werthe zu erhalten, welcher bei der Beftimmung des Winkelwerthes eines Scalentheiles ftatt fand. Nur möchten wir wünſchen, dafs die das Refervoir mit der Libelle verbindende Oeffnung näher an die untere Begrenzung des Libellenrohres *) Im Jahre 1661 machte Thévenot feine Erfindung der Röhrenlibelle bekannt. Geodätifche Inftrumente. 51 gelegt werden möge, wie diefes hei den zwei von Dennert und Pape ausgeftellten Refervoirlibellen auch fchon berücksichtigt war. Die von Reinifch in neuerer Zeit ausgeführten Dofenlibellen find jenen der älteren Conftruction gewifs vorzuziehen. Er erfetzt den nach innen kugelförmig concav ausgefchliffenen Glasdeckel durch eine obere dünne Metallplatte P,( Fig. 7 und 8), welche zwei gegen einander rechtwinklig geftellte kleine Röhrenlibellen ( Kreuzlibellen) und trägt, deren Achfen parallel zur ebenen Unterlage u geftellt find. Eine etwaige Abweichung diefer geforderten Parallelftellung kann mit dem Schräubchen s₁, beziehungsweife mit den Schräubchen sg unds berichtigt werden Die drei Schräubchen s₁ S2 S3 gehen durch P frei durch und haben ihre Muttergewinde in u. Die drei bei den Schräubchen zwifchen der Unterlagsplatte u und der Kopfplatte Peingefetzten fchraubenförmig gewundenen Federn f erhalten einerfeits P in der richtigen Lage gegen u, anderfeits geftatten fie die früher angegebene Berichtigung. Heliotrope.* Von diefer Gattung Inftrumente waren nur zwei Exemplare ausgeftellt; von Starke& Kammerer und von Dennert& Pape. Nach der einfachen Conftruction von Struve werden von G. Starke feit 1864 Heliotrope ausgeführt. Die Verbindung des Fernrohres mit diefem Heliotrope, um auf fehr entfernte Objecte ficher einftellen zu können, wurde von G. Starke zuerft angewendet. Das Fernrohr felbft dient nur als Einftellfernrohr; die optifche Achfe desfelben mufs natürlich zu der Vifirlinie des Holiotropen, gebildet durch die kleine Ocularöffnung im Spiegel und durch den Kreuzzungspunkt der beiden erftgenannter Oeffnung in gleicher Höhe gegenüberftehenden Fäden parallel fein. G. Starke hat, um ein fchärferes Bild an der Stelle des Fadenkreuzes zu erhalten, eine Linfe von kurzer Brennweite und geringer Oeffnung in folch einer Entfernung vor dem Spiegel aufgeftellt, dafs der Abftand der Linfe von dem Fadenkreuze der Brennweite derfelben gleichkommt. Die durch den optifchen Mittelpunkt diefer Linfe und den Durchkreuzungspunkt der beiden Fäden gehende Linie bildet die optifche Achfe des Heliotropen, zu welcher jene des Einftellfernrohres parallel fein foll. Bei richtiger Stellung des Spiegels wird das von ihm reflectirte Licht durch die Linfe zu einem Strahlenkegel vereint, welcher an Stelle des Fadenkreuzes, wo fich eine kleine verfilberte Fläche befindet, ein kleines, hellleuchtendes Scheibchen erzeugt, das eben von dem Gehilfen jederzeit auf dem Durchschnittspunkte erhalten werden mufs. Zur Unterfuchung, ob die optifche Achfe des Einftellfernrohres zu jener des Heliotropen parallel ift, dient ein kleines Hilfsfernrohr von kurzer Brennweite und verhältnifsmäfsig grofser Oeffnung, das an die Stelle des Spiegels gefetzt werden kann. Richtet man dasfelbe nach dem Kreuzungspunkte der Fäden, verfchiebt die Ocularöhre fo lange, bis man das Bild des Kreuzungspunktes in der Mitte des Gefichtsfeldes deutlich fieht und ftellt durch Verfchiebung des ganzen Heliotropen die Vifur mit diefem Hilfsfernrohre nach einem entfernten, gut fichtbaren Objecte her, fo mufs bei richtiger Lage der optifchen Achfe des Einftell fernrohres die Vifur mit demfelben das gewählte Object ebenfalls ficher treffen. Eine etwaige nöthige Correction ift mit zwei im horizontalen Sinne auf die Fadenplatte wirkenden Schräubchen auszuführen.** * Heliotrop von Gaufs. Aftronomifche Nachrichten 1. Band, S. 106, 5. Band, S. 329 und 345. Heliotrop von Bertram. Gradmeffung in Oftpreufsen S. 65 und Küftenvermeffung S. 52. Heliotrop von Struve. Breitengradmeffung in den Oftfeeprovinzen Rufslands. I. S. 49. Heliotrop von Steinheil. 1844. Schuhmacher's aftronomifches Jahrbuch. ** Näheres hierüber: ,, Vorträge über höhere Gradafie". Zufammengeftellt von Dr. Wilhelm Tinter. 1872.( Autographien.) Die aftronomifch- geodätifchen Arbeiten des k. k. militär- geographifchen Inftitutes in Wien. II. Band. 1873. 52 Dr. W. Tinter. Fig. 9. Heliotrop nach Reitz,( 1871) ausgeführt von Dennert und Pape, Derfelbe beſteht aus einer Verbindung von zwei Spiegeln A und B; letzterer ift lichtgebend, demnach, um ihn in jede beliebige Lage bringen zu können, um zwei zu einander fenkrecht ftehende Achfen beweglich. S VB. Fig. 9. a. 1 1 0 1 2 3 4 5 6 7 a 9 a ift eine unbelegte oder ganz freie Oeffnung von circa 15 Millimeter Durchmeffer, der gegenüber in gleicher Höhe der kleine Spiegel A derart fteht, dafs feine matte Spiegelfläche zur optifchen Achfe des Fernrohres fenkrecht ift. Mit Hilfe des Ringes und der drei in runde Anfätze ausgehenden Schräubchens kann diefer Hiliotrop auf ein entfprechendes Fernrohr aufgefteckt werden. Die zwei Correctionsschräubchen c und b, wovon erfteres eine Neigung von A gegen die Horizontale, letzteres eine Drehung um die Verticale bewirkt, dienen zur Herftellung der richtigen Lage des kleinen Spiegels A gegen die Fernrohrachfe. Die Prüfung auf die Richtigkeit diefer verlangten Eigenfchaft ift einfach folgendermafsen durchzuführen: Ueber die freie Oeffnung von a oder noch beffer nach Entfernung von B richte man die Vifur des Fernrohres nach dem kleinen Spiegel A; dann richte man die Auszugsweite des Oculares derart, dafs man das Bild des Spiegelbildes des Fadenkreuzes im Fernrohre deutlich fieht; fällt diefes. beziehungsweife der Kreuzungspunkt des Bildes mit dem Kreuzungspunkte des Fadennetzes des Fernrohres zufammen, fo ift die verlangte Eigenfchaft erfüllt, wo nicht, wird felbe mit Hilfe von c und 6 hergestellt. 10 Centimeter Perfpectivlineale. Diefe für die Mefstifch- Aufnahme fo wichtigen Inftrumente waren hauptfächlich durch Oefterreich vertreten. was wohl mit dem Umftande, dafs eben in Oefterreich die Mefstifch- Praxis fo ausgebildet ift, zufammenhängt. Die Mechaniker E. Kraft& Sohn, Schablafs& Sohn, Starke& Kammerer in Oefterreich hatten derartige Inftrumente ausgeftellt, ferner war noch Italien und Japan vertreten. Die gewöhnlichen Conftructionen des Perfpectivlineales der drei genannten Firmen find faft in alle Lehrbücher der praktifchen Geometrie übergangen, fo dafs felbe hier nicht näher erörtert zu werden brauchen. Zu erwähnen verdient, dafs Kraft im Jahre 1834-1835 die Elevationsfchraube und Libelle anwandte, jene unentbehrlichen Hilfsmittel, durch welche man die Vifirebene unabhängig von einer kleinen Neigung des Tifches vertical ftellen kann. In letzter Zeit hat Kraft, um das Volumen bei der Verpackung diefes Inftrumentes zu vermindern, die Anordnung in der Conftruction getroffen, dafs das Fernrohr mit dem oberen Theile der Säule, auf welcher dasfelbe gebaut ift, um eine in dem unteren Theile der Säule angebrachte horizontale Drehachfe niedergelegt werden kann. Von den fechs verfchiedenen Conftructionen des Perfpectivlineales nach G. Starke find drei derfelben befonders erwähnenswerth, welche zunächft folgenden Vortheil befitzen. Zur leichteren Unterfuchung der einen verlangten Eigenfchaft, dafs die horizontale Drehachfe des Fernrohres zur Ebene des Lineales parallel, oder. dafs die Libellenachfe zur horizontalen Drehachfe parallel fein foll, hat Starke dem Inftrumente eine kleine in fich berichtigte Rectificationslibelle beigegeben, welche Geodätifche Inftrumente 53 auf die horizontale Drehachfe aufgefetzt werden kann. Bringt man diefe Rectificationslibelle mit der Elevationsfchraube zum Einfpielen, macht man alfo die horizontale Drehachfe wirklich horizontal, fo mufs, wenn die eigentliche Arbeitslibelle, welche zum Herſtellen der verticalen Lage der Vifirebene verwendet wird, die geforderte Bedingung erfüllt, ebenfalls einfpielen. Im Gegenfalle wird die Abweichung mit der Correctionsfchraube der Libelle verbeffert.* Es ift natürlich, dafs man mit dem Perfpectivlineale auch jene Einrichtungen verband, welche das Meffen der Höhenwinkel und der Diftanz geftattet. Die von G. Starke im Jahre 1869 ausgeführte Conftruction des Perfpectivlineales mit Höhenbögen und der Stampfer'fchen Mefsfchraube bietet diefe Vortheile. In Fig. 10 ift eine perfpectivifche Anficht, in Fig. 11 ein Schnitt durch die horizontale Drehachfe dargeftellt. Il' das Lineal, S die mit demfelben durch vier Schrauben verbundene hohle Säule, an ihrem oberen Ende zwei Schrauben aufnehmend, welche mit ihren diametral gegenüberftehenden Spitzen eine horizontale Dreh Fig. 11. Fig. 10. P -0--0L P T k N 0 P E 11 S で S t K M S ΑΣΘΕ h し achfe für den ganzen Obertheil abgeben. Auf der Platte P find angebracht: die beiden Lager für die horizontale Drehachfe A, ferner die Arbeitslibelle L, während L' die zum Auffetzen eingerichtete Rectificationslibelle ift. Die von Pnach abwärts in die Säule reichende Verlängerung P₁, auf welche die Elevationsfchraube s und die ihr gegenüberftehende Feder f wirken, kann durch s um die von den früher genannten Schrauben gebildete horizontale Drehachfe gedreht, demnach die Neigung von P mit allen verbundenen Theilen geändert werden. * Das Nähere hierüber fiehe: Tinter, das Perfpectivlineal mit Rückficht auf die von G. Starke diefem Inftrumente gegebene Conftruction. Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieurund Architektenvereines 1868. 54 Dr. W. Tinter. Vk ift der mit A verbundene Höhenbogen, mittelft des Nonius N auf eine Minute ablesbar. Die freie Bewegung um die horizontale Drehachfe A wird durch die Klemmfchraube K aufgehoben. Zu dem Ende umfafst der Ring die Achfe A. Die Fortsetzung diefes Ringes r bildet der fteife Träger t, durch deffen vorderes Ende die Schraube K frei hindurchgeht, während in dem Theile gegen A die Muttergewinde für K, welche indirect durch ein eingelegtes Stück auf A wirkt, enthalten find. An dem vorderen Theile von t ift die Stampfer'fche Mefsfchraube frei aufgehängt. Die t- förmige Verlängerung T der Platte P dient zur Aufnahme der weiteren für den Gebrauch der Mefsfchraube M nöthigen Theile. Wird K gelüftet, fo kann das Fernrohr frei um feine horizontale Drehachfe A bewegt, demnach zur gewöhnlichen Arbeit verwendet werden Wird die Vifur auf einen in der Höhe oder Tiefe gelegenen Punkt zuerft grob eingeftellt, dann mit K geklemmt, hierauf mit M fcharf eingeftellt, fo gibt die Lefung am Nonius, feinen Nullpunkt richtig vorausgefetzt, fofort den Höhen- oder Tiefenwinkel. Wird im zweiten Punkte eine Diftanzlatte mit der Bafis d aufgeftellt, fo ift die Diftanz D diefes Punktes von der Mitte der Säule, wenn an der Schraube bei der Einftellung auf den oberen und unteren Zielpunkt die Lefung o beziehungsweife u gemacht wird, D= d, wo K die vom Mechaniker für jedes Inftrument ausgemittelte Conftante bedeutet. Im Mittel beträgt diefelbe für derartige Inftrumente: 225. K 0- u • Fifcher's Perfpectiv lineal nach G. Starke's Ausführung vom Jahre 1862. Wie bei der früheren Conftruction des Perfpectivlineales mit Hilfe der Mefsfchraube das Fernrohr um eine horizontale Achfe mikrometriſch gedreht wurde, fo wird bei der vorliegenden Conftruction das Fernrohr um eine verticale Achfe mit der Mefsfchraube mikrometriſch gedreht. Fig. 12 gibt das Bild diefer Conftruction. ₁ ift das Lineal, S die auf demfelben um eine verticale Achfe drehbare Säule, welche in ihrem Obertheile die Arbeitslibelle, die Rectificationslibelle und das Fernrohr trägt. s ift die Elevationsfchraube. Die mikrometrifche Bewegung um die verticale Achfe ift durch folgende Conftruction durchführbar: Mit S ift der Arm a in fefter Verbindung, der an feinem Ende in das Gehäuſe a' ausgeht, in welchem die Mefsfchraube eingehängt und eine fchraubenförmig gewundene Feder eingefetzt ift. Die Mutter der Mefsfchraube Mift im Schraubenkopfe enthalten, der fich an den auf dem Lineale aufgebauten Ständer c ftemmt. Die Schraube geht natürlich durch c frei hindurch. Zum Ablefen der ganzen Schraubenumdrehungen dient die Theilung T, auf welcher der mit a verbundene Zeiger I fpielt. Die Theile einer Schraubenumdrehung können an der getheilten Trommel mittelft eines an c angebrachten Indexes gelefen werden. Wenn/ auf den Nullpunkt von Teingeftellt ift, fo geht auch gleichzeitig die durch die optifche Achfe erzeugte Vifirebene durch die Kante des Lineales. Beim gewöhnlichen Gebrauche zur graphifchen Winkelbeftimmung wird I auf den Nullftrich von Tgeftellt, der Arm a mittelft der Klemmfchraube σ mit dem Lineale ver bunden. Will man das Inftrument zur Diftanzmeffung benützen, fo wird durch Lüften von der Arm a, alfo auch S frei gemacht, und mittelft der Mefsfchraube M die Vifur auf die beiden Zielpunkte der im zweiten Aufftellungspunkte horizontal gehaltenen Latte eingeftellt und die entſprechenden Lefungen an der Schraube gemacht.* * In der additionellen Ausftellung hatte der Berichterstatter den Fortfchritt im Baue der Perfpectivlineale durch fieben verfchiedene Exemplare, welche ihm von Kraft& Sohn, Schablafs& Sohn uud Starke& Kammerer zur Verfügung gestellt worden waren, zur Anfchauung gebracht. 1, Geodätifche Inftrumente. Fig. 12. S M λ 55 Italien hatte für dieie Gattung Inftrumente zwei gleiche Exemplare ausgeftellt, und zwar durch das unter Leitung des Profeffors Golfarelli Innocenzo ftehende Inftitut: Officina Gallileo in Florenz, und durch Pelli Ludwig & Comp. ebendafelbft. Das Lineal trägt eine Millimetertheilung. Der Ständer des Fernrohres endet unten kreisförmig und trägt auf diefer Platte eine Libelle fenkrecht zur Kante des Lineales. Um diefe Libelle zum Einfpielen bringen, alfo die mit ihr parallele, horizontale Drehachfe horizontal ftellen zu können, ift hier folgende Einrichtung getroffen: Am unteren Theile des Ständers ift eine horizontale Drehachfe( parallel zur Kante des Lineales), welche in zwei am Lineale aufgebauten Ständern ihr Lager hat; auf der Seite gegen die Kante des Lineales ift zwifchen die Platte des Ständers und die obere Fläche des Lineales eine ftarke Feder eingefetzt, während diefer entgegengefetzt eine Schraube( unfere Elevationsfchraube) wirkt, um die Libelle zum Einfpielen bringen zu können. Mit der horizontalen Drehachfe des Fernrohres ift ein Höhenkreis verbunden, welcher mittelft des Nonius bis auf eine Bogenminute abgelefen werden kann. Das Fernrohr trägt auch eine Libelle zum Nivelliren, beziehungsweise zum Meffen von Höhenwinkeln. Das in der japanefifchen Abtheilung ausgeftellte Perfpectivlineal liefs zwar, die mechanifche Ausführung betreffend, Manches zu wünfchen übrig, hatte aber alle Theile einer Kippregel, welche nicht nur zur graphifchen Beftimmung der Horizontalwinkel, fondern auch zur Höhenbeftimmung der aufgenommenen Punkte dient. Mefstifche. Von diefer Gattung Inftrumente hatte nur Oefterreich und Japan ausgeftellt. 56 Dr. W. Tinter. Die Firma Kraft& Sohn, welche fchon in den Jahren 1827-1828 eine bedeutende Verbefferung an der damals beſtehenden Conftruction des Mefstifches vorgenommen hatte, und welche bis zum Jahre 1873 allein 2150 Stücke für die Praxis geliefert hat, fuchte ihre Conftruction in einem höchft forgfältig gearbeiteten Exemplare zur Geltung zu bringen. Es mag die Genugthuung diefer Firma für ihre Leiftungen im Baue des Mefstifches wohl als der einzige Entfchuldigungsgrund für die gewählte, äufserft fchöne Ausstattung diefes ausgeftellten Exemplares, wie fie eben in der Praxis nicht zur Anwendung kömmt, gelten. Die Conftruction des Kraft'fchen Mefstifches ift zu bekannt, als dafs es nöthig erfcheint, hier näher darauf einzugehen. Die Firma Starke& Kammerer hatte ein Exemplar des Mefstifches nach der Conftruction G. Starke, wie, fie feit Anfang 1873 ausgeführt wird, ausgeftellt; diefelbe zeichnet fich vor jener im 1. Hefte der Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereines, Jahrgang 1860, befchriebenen Conftruction durch die einfache Klemmung und die ficher wirkende MikrometerBewegung der Kreisbewegung des Tifchblattes aus. Näheres hierüber findet man in den Vorträgen über niedere Geodäfie von Dr. W. Tinter. 1873 und 1874Autographien. Der in der japanefifchen Abtheilung ausgeftellte Mefstifch fiel nur dadurch auf, dafs das Papier, ftatt auf dem Tifchblatte aufgefpannt zu fein, über zwei Rollen ging; von der einen konnte es abgewickelt, auf der anderen hingegen aufgewickelt und mittelft Sperrvorrichtungen in genügender Spannung über dem Tifchblatte erhalten werden. Theodolithe. Diefe für die genaue Meffung der Horizontalwinkel beftimmten Inftrumente waren in ziemlich bedeutender Zahl zu finden; wir wollen auch hier jene WinkelMefsinftrumente aufnehmen, welche eigentlich bei den Univerfal- Nivellirinftrumenten einzureihen wären, da fie auch die Meffung von Verticalwinkeln mit derfelben Genauigkeit, als jene bei der Meffung der Horizontalwinkel ift, und die Diftanzmeffung geftatten, welche Inftrumente aber unter dem Namen ,, Theodolith" ausgeftellt waren. Die Staaten Dänemark, Deutfchland, England, Italien, Oefterreich und die Schweiz waren durch mehr oder minder vollkommene Leiftungen im Baue diefer Inftrumente vertreten. Dänemark. Das Etabliffement Jünger in Kopenhagen hatte zwe Theodolithe ausgeftellt. Der minder vollkommene ift zum Repetiren eingerichtet, hat einen Horizontalkreis von 0.211 Meter, einen Höhenbogen von 0.106 Durchmeffer. Die bezüglichen Theilungen können mit Hilfe des Nonius nur bis auf eine Bogenminute gelefen werden. Das Fernrohr ift durchfchlagbar, trägt zwei Ringe, auf welche eine empfindliche Auffatzlibelle gefetzt wird; es kann demnach das Inftrument auch zum Nivelliren verwendet werden. Eine zweite Auffatzlibelle für die horizontale Drehachfe dient zum Horizontalftellen des Inftrumentes, eine Alhidadenlibelle für den Höhenbogen; ein Bouffole findet fich auch noch entſprechend angebracht. Das Heben oder Senken des beweglichen Lagers ift einfach, aber doch ficher mit nur einer Schraube durchführbar. Der zweite Theodolith hat einen Horizontalkreis von 0 263 Meter Durchmeffer, deffen Theilung bis auf 15 Secunden direct gelefen werden kann, ein excentrifches Fernrohr und gar keinen Höhenbogen. Die zum Horizontalftellen des Inftrumentes nöthige Libelle ift mit der Alhidade verbunden. Die horizontale Drehachfe ift vom Mechaniker fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt ein bewegliches Lager ift nicht vorhanden. Geodätifche Inftrumente. 57 Deutfchland. Repetitions- Theodolith mit mikrofkopifcher Ablefung von Dennert und Pape. Die Theilung fowohl am Horizontalals am Verticalkreife ift bis auf Sechstelgrade durchgeführt und kann mit Schraubenmikrofkopen bis auf 10 Secunden gelefen werden. Horizontal- als Höhenkreis find repetirend eingerichtet. In der Fig. 13 ift ein Durchfchnitt des Untertheiles diefes Theodolithen dargeftellt; wir geben diefe Zeichnung defswegen, weil die genannte Firma in ihrer Conftruction ftatt des einen der beiden zur Repetition nöthigen Verticalzapfens eine horizontale Fläche anwendet. o ift der auf den drei Fufsfchrauben p ruhende Dreifuss, der auf feiner ebenen oberen Begrenzungsfläche den horizontalen Ring g enthält, über welchem fich die Büchfe cum ihre Achfe e' dreht. Diefe horizontale Fläche von g vertritt demnach die verticale Umdrehungsachfe des Kreifes bei den fonft üblichen Conftructionen. Mit der Büchfe cift die Verticalachfe e und der Horizontalkreis a feft verfchraubt. Um e dreht fich die Büchfe A mit dem ganzen Obertheile des Inftrumentes. n ift der zum Aufheben der groben Horizontalbewegung des Kreifes nöthige Klemmring; für die Alhidade ift/ der Klemmring,/ die Klemmfchraube. kund k, find die bezüglichen Mikrometerfchrauben für die feinen Bewegungen im Azimuthe nach vollzogener Klemmung. f ift die zum Schutze der Theilung angebrachte Verdeckung, an den Stellen unter den Achfen der Mikrofkope fenfterartig durchbrochen. Fig. 13. wwww " 0 P Das von Dennert und Pape angewendete Ocular ift das von Kellner empfohlene orthoskopifche Ocular. Es mag vielleicht die Anwendung der horizontalen Umdrehungsebene bei g ftatt der verticalen Umdrehungsachfe der mechanifchen Ausführung manche Erleichterung gewähren; wir können aber nicht zugeben, dafs hiedurch die Repetitionsbewegung genauer hergeftellt werden könne, als bei Anwendung von 2 Centralzapfen bei Repetitionstheodolithen. Es war diefes auch ficher nicht der Grund, warum man die Methode der Winkelmeffung aus Repetitionsbeobachtungen verlaffen hat. Aufser diefem Repetitionstheodolithen mit Mikrofkopablefung war von derfelben Firma noch ein zweiter mit Noniusablefung und centrifchem Fernrohre ausgeftellt. 58 Dr. W. Tinter. Weiter fanden wir noch ein kleines, mit dem Namen Theodolith bezeichnetes Inftrument, mit einem Fernrohre zum Durchfchlagen, welches O'145 Meter Brennweite und eine Objectivöffnung von 20 Millimeter hat. Der Kreis von 0 130 Meter Durchmeffer ift von 30 bis 30 Minuten getheilt und kann mittelft des Nonius bis auf eine Bogenminute abgelefen werden. Zum Horizontalftellen dient eine Dofenlibelle, welche von Seite des Mechanikers fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt wird. Der von C. Lüttich in Berlin ausgeftellte Repetitionstheodolith hat einen Horizontalkreis von 0 211 Meter und einen Höhenkreis von 0.132 Meter Durchmeffer. Das Fernrohr ift zum Durchfchlagen eingerichtet und mit einer feften Libelle verfehen. England. Von der Firma Cooke& fons war ein kleiner Repetitionstheodolith nach der Conftruction von Troughton ausgeftellt. Sowohl Horizontalals auch Verticalkreis hat o.132 Meter Diameter mit directer Theilung von 20 bis 20 Minuten, welche mit Hilfe des Nonius bis auf 30 Secunden gelefen werden kann. Zum Ablefen dienen drei um 120 Grad von einander abftehende Nonien. Die Theilungen find von beiden Kreifen auf die Stirnflächen aufgetragen und um bei dem Ablefen genügend Licht auf die Theilungen bringen zu können, find in die Lupen Prismen, beziehungsweife Spiegel, eingefetzt, welche Lupen bei jeder Stellung der Alhidade fo gedreht werden können, dafs das auf das Prisma oder den Spiegel fallende Licht nach der Stelle des Kreifes, an welcher man ablefen will, reflectirt wird. Eine mit der Alhidade verbundene Libelle dient zum Horizontalftellen des Inftrumentes; eine Alhidadenlibelle des Höhenkreifes zur Meffung der Verticalwinkel. Das Fernrohr ift durchfchlagbar und fo eingerichtet, dafs das Einftellen des Bildes des Gegenftandes in die Fadenkreuz- Ebene durch Verfchieben der das Objectiv tragenden Röhre gefchieht. Mit dem in der Mitte zu einem Würfel geformten Theile der Objectivröhre ift die Bouffole verbunden. Auf das Stativ, welches uns befonders vortheilhaft erfcheint, kommen wir bei dem englifchen Nivellir- Inftrumente zu fprechen. Italien. Von der Firma Allemano Jofeph in Turin waren vier Theodolithe ausgeftellt, und zwar alle zum Repetiren eingerichtet. Wir wollen hier nur des einen ausführlicher gedenken, da die anderen nach bekannten, gerade nicht mehr ganz neuen Conftructionen ausgeführt find, Der Horizontalkreis hat o 150 Meter Durchmeffer. Der Aufbau des Obertheiles felbft ift ziemlich hoch. Auf dem Alhidadenkreife erhebt fich centrifch eine verticale Säule, welche an ihrem oberen Ende einen fenkrecht mit ihr verbundenen Arm trägt. Das eine Ende desfelben hat einen ftarken horizontalen Sägefchnitt, welcher durch drei Schrauben, wovon zwei auf Zug und eine auf Druck wirkt, erweitert oder verengt werden kann; dadurch wird es möglich, die an diefem Ende in einem entſprechenden Stücke eingelagerte horizontale Drehachfe zu heben oder zu fenken, fie demnach zur horizontalen Umdrehungsebene des Inftrumentes parallel zu ftellen; diefe horizontale Drehachfe trägt das excentrifch angebrachte Fernrohr von o 316 Meter Brennweite und 26 Millimeter Oeffnung; an dem zweiten Ende des früher genannten horizontalen Armes ift das zur Aequilibrirung des excentrifchen Aufbaues des Fernrohres nöthige Gegengewicht angebracht. O efterreich. G. Starke's Theodolithe. Für geodätifche Zwecke waren von der Firma Starke& Kammerer zwei Theodolithe ausgeftellt. Der Theodolith für Landesvermeffungen hat einen 1ozölligen Horizontalund einen 8zölligen Verticalkreis, wovon jeder mit Hilfe von zwei diametral ftehenden Schraubenmikrofkopen bis auf eine Bogenfecunde abgelefen werden Geodätifche Inftrumente. 59 kann; zur Elimination der Theilungsfehler bei wiederholten Beobachtungen find die beiden Kreife auf den bezüglichen Achfen verdrehbar. Die Klemmen find Centralklemmen. Das Fernrohr hat 44 Millimeter Oeffnung, 0'448 Meter Brennweite und gewährt eine 30malige Vergröfserung. Die Auffatzlibelle für die horizontale Drehachfe des Fernrohres, fo wie die zum Umlegen eingerichtete Alhidadenlibelle für die Mikrofkope des Höhenkreifes hat die entsprechende Empfindlichkeit. Die Conftruction von 1863 wurde im Jahre 1871 vortheilhaft umgeändert, und zwar find die optifchen Achfen der Mikrofkope des Horizontalkreifes durch eingefetzte Glasprismen mit dem brechenden Winkel von 60 Graden der bequemeren Ablefung wegen gebrochen, ferner entſpricht einer Schraubenumdrehung eine Winkelbewegung des Fadens im Mikrofkope von zwei Bogenminuten, wodurch zur Behebung des Excentricitätsfehlers der Alhidade die einfache Summirung der Lefungen der um 180 Grad von einander abftehenden Mikrofkope genügt. Fig. 14. L 0 V Mn -Kv M N g" L' Mv H S g T n Ka M a S MK S KK F 60 Dr. W. Tinter. Näheres über diefe Conftruction, fo wie das Bild derfelben findet man: Die aftronomifch- geodätifchen Arbeiten des k. k. militär- geographifchen Inftitutes in Wien. I. Band. 1871. Für kleinere Triangulirungen wurde der in der Fig. 14 dargestellte Repetitionstheodolith von G. Starke gebaut. Fift der auf den drei Fufsfchrauben S ruhende Dreifufs mit der verticalen Säule s, welche die beiden verticalen Drehungsachfen für den Kreis und für die Alhidade aufnimmt. Der Horizontalkreis Hz fowohl, als die Alhidade a ift mit der bezüglichen verticalen Drehachfe fenkrecht verbunden. In den beiden auf a vom Centrum aus aufgebauten Lagerſtützen LL' ruht das Fernrohr mit feiner horizontalen Drehachfe A in entſprechenden Lagern. Mit a und L L' find die Träger tt' der beiden Mikrofkope Mh M'n verbunden, welch letztere geftatten, die directe Theilung von 10 Minuten des Horizontalkreifes von 0 158 Meter Durchmeffer bis auf 2 Secunden direct abzulefen. Das Mittel der Lefungen an den beiden Mikrofkopen gibt auch hier wieder fofort die vom Excentricitätsfehler der Alhidade freie Lefung. Mit dem Nonius n kann die Theilung bis auf 10 Minuten gelefen werden; die Lupe 7 erleichtert diefes. Das Fernrohr o O ift durchfchlagbar, hat 33 Millimeter Oeffnung, 0.369 Meter Brennweite und geftattet eine 25malige Vergröfserung. L₁ ift die entſprechend empfindliche Auffatzlibelle. Der Verticalkreis hat 79 Millimeter Durchmeffer und kann mittelft des an N angebrachten Nonius bis auf eine Bogenminute gelefen werden. Die Klemmung gefchieht immer vom Centrum aus; Kk ift die Klemme des Horizontalkreifes, Ka jene der Alhidade und K, jene des Verticalkreifes; die bezüglichen Mikrometerfchrauben find Mk, Ma und Mv; die diefen Schrauben entgegenwirkenden fchraubenförmig gewundenen Federn find in den Gehäufen g g' g". Die Lagerftütze L ift durch einen ftarken Sägefchnitt gefpalten; durch die Schraube σ können die federnden Theile genähert oder entfernt werden, wodurch das Ende A entſprechend gehoben oder gefenkt wird. In der öfterreichifchen Abtheilung fanden wir noch bei Schablafs& Sohn und bei Hammermüller den Theodolithen, wenngleich in kleinen Dimenfionen, fo doch in recht forgfältiger Ausführung. Die Schweiz. Die durch ihre trefflichen Leiftungen bekannte Firma J. Kern in Aarau hatte zwei Bautheodolithe und einen Repetitionsthedolithen ausgeftellt. a) Der kleine Bautheodolith ift mittelft vier Stellfchrauben zum Horizontalftellen eingerichtet, hat ein umlegbares mit einem Fadendiftanz- Meffer verfehenes Fernrohr von 28 Millimeter Oeffnung und 0'260 Meter Brennweite. Sowohl der Horizontalkreis von O'IIO Meter Durchmeffer als auch der Höhenbogen von 0.070 Meter Radius kann bis auf eine Minute gelefen werden. Das aftronomifche Ocular geftattet eine 28malige Vergröfserung. b) Der grofse Bautheodolith ruht auf drei Stellfchrauben, fordert demnach zur Aufftellung ein Tellerftativ. Das umlegbare mit einem FadendiftanzMeffer verfehene Fernrohr hat 35 Millimeter Oeffnung und o 340 Meter Brennweite. Der Horizontalkreis von o 150 Meter Diameter kann mit Nonien bis auf 30 Secunden, der Höhenbogen bis auf diefelbe Genauigkeit direct gelefen werden. Das aftronomifche Ocular geftattet eine 36- malige Vergröfserung. c) Der Repetitionstheodolith hat ein Fernrohr zum Durchfchlagen von 28 Millimeter Oeffnung und 0'240 Meter Brennweite. Das aftronomifche Ocular geftattet eine 25malige Vergröfserung. Das Fernrohr trägt Ringe für eine empfindliche Auffatzlibelle, welche 10 Secunden auf I partes gibt. Der Horizontalkreis hat o 158 Meter Diameter, kann mittelft Nonien bis auf 10 Secunden, der Höhenkreis von 0.105 Meter Durchmeffer bis auf 30 Secunden direct gelefen werden. Wir würden diefe drei von Kern ausgeftellten Inftrumente zu den Univerfal- Nivellirinftrumenten rechnen. Geodätifche Inftrumente. 61 Markfcheide- Inftrumente. Diefe Gattung von Inftrumenten war faft ausfchliefslich durch O efterreich vertreten; die Firmen Hammermüller, Kraft& Sohn, Schablafs& Sohn und Starke& Kammerer hatten ihre Conftructionen für diefe Inftrumente zur Ausstellung gebracht. Die von Kraft& Sohn ausgeftellten Markfcheide- Inftrumente waren: I. Ein Grubeninftrument, welches folgende Beftandtheile zählt: das Hängezeug, den Hängecompafs mit einer Nadel von o 101 Meter Länge, die Auftragplatte mit Dioptern und endlich den Gradbogen von o 316 Meter Durchmeffer und directer Theilung von 10 bis 10 Minuten. 2. Ein Tifch zur Aufftellung des Zulegzeuges für die Arbeit über Tage; die Platte ift drehbar, die Horizontalftellung gefchieht mit vier Schrauben; aufserdem ift ein Höhenbogen beigegeben. 3. Ein Grubenftativ mit Füssen zum Verlängern und mit einem nach allen Richtungen verfchiebbaren Inftrumentzapfen. Von den Grubeninftrumenten verfertigt die genannte Firma drei Gattungen, welche nur durch die Grösse verfchieden find. b Fig. 15. A V M K no -d M K F S S₁ h K l p Die Zeichnungen über die genannten Inftrumenttheile findet man in dem illuftrirten Preisverzeichniffe von mathematifchen, phyſikaliſchen, optifchen Inftrumenten aus dem Atelier von Kraft& Sohn. Der Das von Schablafs& Sohn ausgeftellte Grubeninftrument ift jenem, welches foeben befchrieben wurde, in allen Stücken gleich. Grubentheodolith war in je einem Exemplare bei den vier genannten Firmen vertreten; da die Conftruction von Scha blafs jener von Kraft ähnlich, letztere aber hinreichend bekannt ift, fo wollen wir nur noch des weniger gekannten Grubentheodolithen von G. Starke näher gedenken. Das Grubeninftrument von G. Starke befteht aus dem eigentlichen Grubentheodolithen und dem Signale. Der Grubentheodolith ift in Fig. 15 dargeftellt. Die Aufftellung des Theodolithen ift für ein Zapfenftativ berechnet, demnach der Unterbau hiefür eingerichtet. h ift die Hülfe, mit welcher das Inftrument auf den Zapfen des Stativs gefteckt und mit der Klemmfchraube k genügend feftgehalten wird. ift die mit h fenkrecht verbundene Platte, in welcher die Stellfchrauben s₁, so ihre Muttergewinde und die diefen diametral 62 Fig. 16. Dr. W. Tinter. bior V' K 0 i P M 1000 G 0 K D h k し Fegegenüberftehenden dern ihre Gehäuse fhaben. Mitpift die Platte p' durch eine Nufs in Verbindung; auf letzterer ift dann der obere Theil des Inftrumentes folgendermafsen aufgebaut: Mit einem kleinen fenkrecht zu p ftehenden conifchen Zapfen kann der ganze Obertheil durch eine von der oberen Fläche des Zapfens o bis in die Mitte von z' reichende Schraube G feft verbunden, beziehungsweife nach dem Lüf ten diefer Schraube von z' abgehoben und durch das Signal( Fig. 16) erfetzt werden. Die Conftruction geftattet das Repetiren der Horizontalwinkel; der Ho rizontalkreis ift durch einen Cylinder T erfetzt, auf deffen Stirnfläche die Theilung von 20 zu 20 Minuten direct durchgeführt ift. Der Nonius ift auf dem die Theilung fchützenden Mantel d angebracht und geftattet die directe Lefung bis auf 1 Minute. Mit der Klemme k kann die freie Bewegung von Taufgehoben werden, während mittelft der Mikrometerfchraube Meine feine Bewegung noch möglich ift. Die Hülfe mit dem Deckel d, welche über dem Zapfen o fleifsig aufgepafst ift, trägt zunächft die beiden zur verticalen Umdrehungsachfe fenkrecht geftellten Kreuzlibellen/ und l', mit deren Hilfe das Inftrument auf bekannte Weife horizontal geftellt werden kann und ferner die beiden Stützen i und i₁ mit den Lagern für die horizontale Drehachfe A des excentrifch angebrachten Fernrohres F, dem ein prismatifches Ocular beigegeben ift Die mit verbundene Libelle L ift derart adjuftirt, dafs beim Einfpielen derfelben die optifche Achfe horizontal ift. Die Lagerftütze i ift durch einen ftarken Sägefchnitt gefpalten und durch zwei Schräubchen kann derfelbe erweitert oder verengt, demnach das betreffende Achfenende gefenkt oder gehoben, alfo die horizontale Drehachfe fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt werden. K ift die Klemme zur Aufhebung der freien Bewegung der Alhidade, M die entſprechende Mikrometerfchraube. Mit dem zweiten Ende der horizontalen Drehachfe ift der Verticalkreis Vk verbunden, deffen Theilung direct von 2020 Minuten fortläuft und mittelft Nonius bis auf 1 Minute abgelefen werden kann. Die Lupen a und 6 erleichtern das Ablefen an den bezüglichen Kreifen. Die horizontale Drehachfe A wird in ihrer Miite von einem Klemmringe umfafst, der durch die Schraube k' mit A feft verbunden werden kann, und welcher in den Klemmarm e ausgeht; an feinem Ende enthält er die Muttergewinde für die Mikrometerfchraube m, die fich an den die Lagerſtützen i und im oberen Theile verbindenden Ring R ftützt und welcher die mit A verbundene Feder f entgegen wirkt. Wird k' angezogen, fo ift die freie Bewegung des Fernrohres in Höhe aufgehoben; durch die Anwendung von m Geodätifche Inftrumente. 63 kann jedoch der optifchen Achfe noch eine feine Bewegung in Höhe ertheilt werden. Die auf dem Ringe R aufgebauten Stützen c, c tragen die Bouffole B, deren Nadel mit a arretirt werden kann. Das Signal. Die Fig. 16 zeigt das Bild desfelben. Mit der Hülfe h kann dasfelbe auf den Zapfen des Statives aufgefetzt werden. Der weitere Aufbau ift jenem des Theodolithen ähnlich. s und s' find die Stellfchrauben, f und f'( letzteres nicht fichtbar) die denfelben diametral gegenüberftehenden Federn. Kh ift die Klemme zum Aufheben der freien Bewegung im Horizonte um den verticalen Zapfen, M die Mikrometerfchraube für die feine Bewegung nach vollzogener Klemmung. Mit den beiden fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellten Kreuzlibellen und gefchieht die Horizontalftellung. Im weiteren Aufbaue findet man die Lager für die horizontale Drehachfe, welche vom Mechaniker fenkrecht zur verticalen Um- 1 drehungsachfe geftellt ist, und die aufser dem kleinen Hilfsfernrohre F die beiden auf mattem Glafe fich befindlichen Zielpunkte i und' trägt, welche aus fich kreuzenden Metallftäbchen gebildet find. Die in den hohlen Cylindern z und 2, befindlichen Kerzen k erleuchten die matten Glasflächen und es ftellen fich demnach die Zielpunkte auf hell erleuchtetem Grunde dar. Der ganze Obertheil ruht auf einem kleinen verticalen Zapfen, mit welchem er durch die Schraube G feft verbunden ift und durch Lüften derfelben von dem Zapfen abgenommen werden kann. Das Hilfsfernrohr F ift centrifch über der verticalen Drehungsachfe und die beiden Zielpunkte i und i' find von der letzteren zu beiden Seiten in gleichen Abftänden und zwar gleich der Entfernung der optifchen Achfe des excentrifch angebrachten Fernrohres des Theodolithen angebracht. Durch diefe Einrichtung des Theodolithen und des Signales ift nur Folgendes zu erreichen möglich. Nach Aufftellung des Inftrumentes und des Signales über den betreffenden Punkten kann fowohl die Achfe des Theodolith- als des Hilfsfernrohres horizontal geftellt, durch Vifiren mit letzterem nach der Mitte des Theodolithen die Senkrechtftellung der Scheibenebenen mit den Zielpunkten zur Vifur des Grubentheodolithen erreicht werden. Durch Einſtellen der Vifur auf beide Zielpunkte und jedesmaliges Ablefen an der Theilung T ergibt fich durch das Mittel aus beiden Lefungen die von der Excentricität des Fernrohres freie Lefung. Lieft man auch noch den Verticalkreis Vk ab, fo ergibt fich nach dem Meffungsverfahren der Ermittlung der doppelten Zenithdiftanz die einfache Zenithdiftanz, beziehungsweife der Höhenwinkel der Vifur. Lüftet man die Schraube G am Theodolithen und am Signale, fo können beide von den Untertheilen des Inftrumentes abgehoben und nur gegenfeitig vertaufcht werden.( Hülfe h, Scheibe p' mit dem Zapfen, z' bleibt hiebei auf dem Stative.) Durch diefe Vertauſchung von dem Inftrumente mit dem Signale und nach gehöriger Befeftigung mit G bleibt Inftrumenten- und Signalhöhe diefelbe. ( Die horizontalen Drehachfen der Fernrohre haben von der oberen Fläche des Zapfens diefelbe Entfernung.) Die gemeffenen Richtungen können hiedurch in Azimuth und in Höhe controllirt werden. Nivellirinftrumente. Der Zweck, dem das Nivellirinftrument dienen foll, erklärt die grofse Anzahl der ausgeftellten Inftrumente diefer Gattung und die verfchiedenen Conftructionen zeigen die Anfichten, welche zur Erreichung diefes Zweckes beſtehen. Die Länder Dänemark, Deutfchland, England, Frankreich, Italien, die Niederlande, Oefterreich, Portugal, Rufsland und die Schweiz hatten mehr oder weniger Originelles in den ausgeftellten Inftrumenten geboten. Die in der niederländifchen Abtheilung von den Gebrüdern Caminada aus Rotterdam ausgeftellten vier Nivellirinftrumente, wovon das eine mit feftem 5 64 Dr. W. Tinter. Fernrohre, die anderen drei mit umlegbarem Fernrohre, waren fehr fleifsig gearbeitet, erinnern aber in allen Stücken bei drei Exemplaren an die Conftruction der englifchen, bei dem einen Exemplare jedoch an die franzöfifchen Nivellirinftrumente. Das von Rufsland gebotene, und was nennenswerth erfcheint, erinnert wieder an die von Kern in Aarau gewählte Conftruction. Dänemark war durch Jünger's Etabliffement in Kopenhagen und durch den Mechaniker Holft ebendafelbft vertreten. Erftgenanntes Inftitut hatte ein Nivellirinftrument mit feftem Fernrohre und Elevatiosfchraube und ein Univerfal- Nivellirinftrument mit durchfchlagbarem Fernrohre, das Ringe trägt, ausgeftellt. Bei Holft fanden wir zwei Nivellirinftrumente mit Fernrohr zum Umlegen und mit der Elevationsfchraube; man fah es der Conftruction der letzteren an, dafs man nur einen fchüchternen Verfuch gewagt hatte. Der Unterbau des einen diefer beiden Inftrumente war für die Ausftellung auf ein Zapfenftativ durchgeführt. In Deutfchland hatten ausgeftellt: Dennert& Pape in Altona, Hahn in Kaffel, Hildebrand in Berlin und Lüttich in Berlin. Das Nivellirinftrument mit Horizontalkreis und Tangentialfchraube von Dennert& Pape foll hier etwas ausführlicher erwähnt werden. Das Inftrument hat eine Dreifufs- Aufftellung, einen Horizontalkreis, der durch eine Dofenlibelle horizontal geftellt werden kann Die Aufhebung der groben Horizontalbewegung gefchieht mittelft einer Centralklemme. Um den in die verticale Büchfe fleifsig eingepafsten Zapfen dreht fich der ganze Oberbau des Inftrumentes; zunächft ift mit dem Zapfen ein Träger A( Fig. 17) verbunden, mit welchem die an einem Stabe R befeftigten v- förmig geftalteten Fernrohrlager e- Fig. 17. B in entſprechende Verbindung gefetzt find. In den Lagern B ruht das zum Umlegen eingerichtete Fernrohr von 30maliger Vergröfserung. Die Libelle ift mit dem Fernrohre in Verbindung. Der Stab R mit den beiden Lagern dreht fich um eine horizontale durch zwei Schraubenfpitzen gebildete und zur verticalen Umdrehungsachfe fenkrechte Achfe. Die verticale Bewegung um diefe horizontale Achfe wird durch eine Mikrometerfchraube y vollzogen. Diefe Schraube foll nun zum Meffen kleiner Verticalwinkel und zur Diftanzbeftimmung dienen, und zwar foll im erfteren Falle die Anzahl der gemachten Schraubenumgänge dem von der optifchen Achfe durchlaufene Winkel proportional fein Um diefes zu erreichen, ift an der Seite der Mefsfchraube mit R ein Bogenftück W feftgefchraubt, das feinen Mittelpunkt in der früher genannten, durch zwei Schraubenfpitzen gebildeten horizontalen Drehachfe hat, und an der vorderen Begrenzung die der Mefsfchraube y entfprechenden Muttergewinde enthält. In letztere werden die am oberen Theile von y angebrachten Gewinde durch eine Feder oe eingedrückt; unten geht y in eine Kugel aus, welche zwifchen die beiden Backen v v' gelagert ift, fo dafs nur ein Runddrehen von y gefchehen kann, demnach eine Bewegung von W mit R und dem Fernrohre erfolgen mufs, und zwar entſpricht 0 V L Geodätifche Inftrumente. 65 einer Schraubenumdrehung die Winkelbewegung von 10 Minuten. An der vorderen Seite des Fernrohrlagers B find zwei Theilungen, wovon die eine für Grade und Minuten, die andere der Decimaltheilung entsprechend bezeichnet ift. Die an dem Schraubenkopfe L angebrachte Trommel J trägt zwei Theilungen; die obere enthält 120 Theile, demnach entſpricht einem Theile die Winkelbewegung 5 Secunden; die untere Theilung hält 100 Theile, und dient zum Diftanzmeffen. Hahn hatte ein Nivellirinftrument neuer Conftruction ausgeftellt; dasfelbe hat als Unterbau einen Dreifufs; es hat keinen Horizontalkreis und ein Fernrohr zum Umlegen; die Libelle ift mit dem Fernrohre, der Höhenbogen mit der horizontalen Drehachfe feft verbunden. Die vorhandene Elevationsfchraube iſt eine Mefsfchraube, wodurch das Meffen der Höhenbewegunng der Vifirlinie, alfo auch das Diftanzmeffen nach der Stampfer'fchen Methode ermöglicht wird. Der Höhenbogen hat o 200 Meter Radius und kann mit einem Nonius bis auf 15 Secunden gelefen werden; der Höhenbogen trägt aufser der Bogentheilung von 20 zu 20 Minuten noch eine zweite Theilung, welche die ganzen Umdrehungen der Mikrometerfchraube angibt. Die zwei von Hildebrand ausgeftellten Nivellirinftrumente mit Dreifufs- Aufftellung haben Fernrohre zum Umlegen; die Libelle ift mit dem Fernrohre in fefte Verbindung gebracht. Das eine Inftrument hat einen getheilten Horizontalkreis, das zweite hingegen nur eine horizontale Scheibe; bei beiden ift Klemmvorrichtung und Mikrometerfchraube für die Azimuthalbewegung vorhanden. Die Elevationsfchraube ift bei keinem diefer beiden Inftrumente angebracht. Von Lüttich waren ausgeftellt: Ein grofses Nivellirinftrument und zwei kleine Nivellirinftrumente. Alle drei Inftrumente ruhen je auf einem Dreifusse. Das grofse Nivellirinftrument hat ein umlegbares Fernrohr von 40 Millimeter Oeffnung und 0.470 Meter Brennweite. Die Libelle ift mit dem Fernrohre feft verbunden. Die beiden kleinen Nivellirinftrumente unterfcheiden fich nur dadurch, dafs das eine eine Mikrometerfchraube für die Azimuthalbewegung hat, das andere aber nicht. Eine Correctionsfchraube für die Senkrechtftellung der Libellenachfe zur verticalen Umdrehungsachfe konnte ich nicht finden. Auch diefer Künftler macht von der Elevationsfchraube keinen Gebrauch. England, das für geodätifche und aftronomiſche Inftrumente nur durch die einzige Firma Cooke& fons vertreten war, hatte auch nur durch diefe Firma zwei Nivellirinftrumente zur Ausstellung gebracht; das eine mit feftem, das zweite mit umlegbarem Fernrohre. Das erftere ift in Fig. 18 dargeftellt. Das Fernrohr o O hat ein Objectiv von 39 Millimeter Oeffnung und 440 Meter Brennweite. Die Libelle Z für das Nivelliren ift mit dem Fernrohre feft verbunden und kann mittelft des Spiegels Sabgelefen werden. Die Libelle L'ift mit ihrer Achfe fenkreicht zu L, fo dafs, wenn beide Libellen parallel zur horizontalen Umdrehungsebene geftellt find, die Horizontalftellung des Inftrumentes auf einfache Weife durchgeführt werden kann. Bei B ift eine mit der Lupe ablesbare Bouffole. Die Elevationsfchraube ift nicht angewendet. Der Unterbau des Inftrumentes ift ein Dreifuss, welcher mit den drei Stellfchrauben FF' auf der Kopfplatte D des Statives ruht; letzteres verdient näher beachtet zu werden. Jeder der drei Stativfüfse befteht aus zwei Theilen f und f1, welche unten durch eine Zwinge vereint werden; in das obere Ende eines jeden Theiles find die ftarken Metallftreifen // eingefetzt, welche durch die Schrauben mit f, und unter einander durch den Bolzen b verbunden find; die Verbindung des letzteren mit den von der Kopfplatte D des Statives herabreichenden Nafen a ift aus der Figur zu entnehmen. Eigenthümlich ift auch die Verbindung des Inftrumentes mit der Kopfplatte des Statives. Die drei Fufs5* 66 99 0 P E Fig. 20 Fig, 19. L' S FP D 38 لا 8 Dr. W. Tinter. Fig. 18. B F P S b fchrauben F ruhen mit ihren abgerundeten Enden in entſprechenden Höhlungen von D( Fig. 19); eine dünne Platte P, im Grundriffe von derfelben Form wie D, trägt an den drei Stellen der Fufsfchrauben die in Fig. 20 erfichtlichen Ausfchnitte E; wird die Platte Pfo gedreht, dafs der kleine Durchmeffer des Ausfchnittes E je eine Fufsfchraube in dem verjüngten Theile umfafst, und wird die Platte Pmit der Schraube s feft angezogen, fo ift die Verbindung des Inftrumentes mit dem Stative hergeſtellt. Wird hingegen s gelüftet, die Platte Pfo weit gedreht, dafs der gröfsere Durchmeffer des Ausfchnittes E in die Achfenrichtung der Stellfchrauben kommt, fo kann das Inftrument ungehindert abgehoben werden. Frankreich war im Baue geodätifcher Inftrumente direct gar nicht vertreten. Nur in der von der franzöfifchen Nordoftbahn veranſtalteten Ausftellung waren auch einige, natürlich fchon gebrauchte Nivellirinftrumente, von den Künftlern Brunner und Lenoir gefertigt, ausgeftellt. Bei einem Exemplare waren die Ringe des umlegbaren Fernrohres durch prismatifche Anfätze erfetzt, welche auf der vollkommen eben gearbeiteten Horizontalfcheibe ruhen. Das Fernrohr ift in der Mitte mit einem Zapfen verfehen, welcher in eine Oeffnung der Scheibe pafst, und um welchen fich das Fernrohr im Horizonte drehen läfst. Ift einmal die Scheibe horizontal geftellt, die optifche Achfe parallel zur Ebene, welche durch die unteren Begrenzungsflächen der beiden prismatifchen Anfätze gelegt wird, fo ift dann auch die Vifirlinie für jede Lage des Fernrohres horizontal. Diefe Conftruction dürfte fich in der Praxis wohl nicht einbürgern, weil es unmöglich ift, die obere Fläche des Kreifes, auf welcher die prismatifchen Anfätze des Fernrohres gleichfam fchleifen, fo rein zu halten, wie es durch die bedingte Genauigkeit der horizontalen Vifur verlangt wird.( Das eine Exemplar Geodätifche Inftrumente. 67 der von Caminada aus Rotterdam ausgeftellten Inftrumente war auch nach diefem Syfteme gebaut.) Italien. Der Mechaniker J. Alle mano, Turin, hatte zwei UniverfalNivellirinftrumente mit Fernrohr zum Umlegen und ein gewöhnliches Nivellirinftrument auch mit umlegbarem Fernrohre ausgeftellt. Wir können uns jedoch mit der Art und Weife zur Rectification der mit dem Alhidadenkreife verbundenen Libelle, mit der Correction zur Parallelftellung der optifchen Achfe zur Libellenachfe, fo wie mit der Conftruction der Mefsfchraube bei dem vollkommeneren Univerfal- Nivellirinftrumente nicht einverftanden erklären. Das Inftitut Officina- Gallileo hatte ein eigenthümliches NivellirInftrument mit Fernrohr zum Umlegen ausgeftellt. Der Objectivring ruht in einem Lager, das zwifchen zwei Schraubenfpitzen aufgehängt ift, welche Schrauben ihre Muttergewinde in den Theilen eines um eine verticale Achfe drehbaren halb kreisförmigen Ringes haben. Das Lager für den Ocularring befteht aus zwei Theilen: einem feften Lager, in welchem das Fernrohr bei den gewöhnlichen Arbeiten des Nivellirens zu liegen kommt und einem daran ftofsenden, gegen das erfte unter einem kleinen Winkel geneigten mit einer Mefsfchraube beweglichen Lager, in welches der Ocularring des Fernrohres bei der Diftanzmeffung oder bei dem Höhenmeffen gelegt wird; in letztem Falle mufs das Lager für den Objectivring um feinen verticalen Zapfen fo lange gedreht werden, dafs es parallel zum Lager des Ocularringes wird. Diefe Conftruction dürfte fich auch kaum eines Einganges in der Praxis erfreuen. Oefterreich hat wohl in der Ausftellung für Nivellirinftrumente das Umfangreichfte, das Vielfeitigfte und auch Vollendetfte geboten. Die Firma Kraft& Sohn hatte 5 Tafchen- Nivellirinftrumente, I Nivellirinftrument mit feftem Fernrohre, 2 Nivellirinftrumente mit umlegbarem Fernrohre, 2 Univerfal- Nivellirinftrumente ohne Bouffole und 2 mit Bouffole ausgeftellt. In dem illuftrirten Preisverzeichniffe der mathematifchen Inftrumente aus dem Atelier Kraft& Sohn findet man unter den Nummern 20, 15, 14, 12, 10, 7, 8 und 5 die kurzen Befchreibungen fammt Zeichnungen der ausgeftellten früher bezeich neten Inftrumente. Schablafs& Sohn hatten 2 Tafchen- Nivellirinftrumente, I Nivellirinftrument mit feftem Fernrohre, I Nivellirinftrument mit umlegbarem Fernrohre und der Stampfer'fchen Mefsfchraube, ferner I kleines und 1 grofses Bouffoleninftrument und 1 Univerfal- Nivellirinftrument ausgeftellt. Die Conftructionen find denen von Kraft, bei dem Stampfer'fchen Inftrumente jener von Starke ähnlich. Die Firma Starke& Kammerer hatte in einer Reihe von 16 Nivellirinftrumenten die Conftruction vom einfachen Tafchen- Nivellirdiopter bis zum vollendeten Univerfal- Nivellirinftrumente mit Fernrohr zum Umlegen oder zum Durchfchlagen zur Anfchauung gebracht. Die Befchreibung des Tafchen- Nivellirdiopters, der Tafchen- Nivellirinftrumente, des gewöhnlichen Nivellirinftrumentes mit feftem und umlegbarem Fernrohre, des Stampfer'fchen Nivellirinftrumentes, der beiden Univerfal- Nivellirinftrumente findet man in der Anleitung zum Nivelliren von S. Stampfer und Dr. J. Herr. Wien bei Gerold 1869. Eingehender find die beiden Univerfal- Nivellirinftrumente in der Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereines behandelt, und zwar 1. Befchreibung und Anleitung zum Gebrauche und zur Rectification der Starkefchen Univerfal- Nivellirinftrumente mit der Stampfer'fchen Mefsfchraube. Von Wilhelm Tinter 2. und 3. Heft 1869. 2. G. Starke's Univerfal- Nivellirinftrument mit Fernrohr zum Durchfchlagen. Von Wilhelm Tinter 6. Heft 1869. 68 Dr. W. Tinter. Das Univerfal- Nivellirinftrument von G. Starke mit der Stampfer'fchen Mefsfchraube hat im Jahre 1873 eine wefentliche Verbefferung durch die Hinzugabe eines verticalen Zapfens, um welchen fich der gerade nicht leichte Obertheil des Inftrumentes dreht, erhalten. In Fig. 21 geben wir das Bild diefes Inftrumentes. Wir wollen hier nur das von der früheren Conftruction unterfcheidende berühren. 0 B ४ VIC R Fig. 21. R KY Cz S M V M g F h D 2 A F.W.BADER WIEN. P B' N 0 Centrifch ift auf dem Kreife der verticale Zapfen A aufgebaut, welcher noch in die hohle Säule S reicht. Ueber demfelben bewegt fich der forgfältig aufgepafste Theil C, der nach oben in eine den Zapfen A umfchliefsende Hülfe ausgeht. Die bei den früher ausgeführten Conftructionen angewendete Umfangsklemme am Horizontalkreife ift durch die Centralklemme ( Kn) und durch entfprechende Mikrometerbewegung erfetzt worden. Der Mechaniker Hammermüller hatte zwei Nivellirinftrumente mit feftem Fernrohre, in ihrer Conftruction jener von Starke ähnlich, ausgeftellt. Wir fühlen uns gedrungen, es hier auszufprechen, dafs die Elevationsfchraube an allen in Oefterreich ausgeftellten Nivellirinftrumenten anzutreffen war; wir finden es ganz unerklärlich, warum in den anderen Ländern faft gar kein Gebrauch von derfelben 20tent.m gemacht wird; es ift kaum denkbar wie der Beobachter bei der Arbeit mit einem Nivellirinftrumente ohne Anwendung der Elevationsfchraube mit der Libelle zu Stande kommt, vorausgefetzt denn, dafs die Libelle den der Leiftungsfähigkeit des Fernrohres entſprechenden Grad der Empfindlichkeit habe; wenn, wie wir uns an ausgeführten Inftrumenten felbft überzeugt haben, der Winkelwerth eines Scalentheiles der Libelle 40 Secunden bis I Bogenminute beträgt, dann wird man freilich der Elevationsfchraube nicht bedürfen. Tachymeter. Diefe eigentlich zur Gruppe der Univerfal- Nivellirinftrumente gehörigen Inftrumente waren bei Kraft& Sohn in zwei Exemplaren, bei Starke& Kammerer in einem Exemplare zu finden. Geodätifche Inftrumente. 69 In Fig. 22 ift die eine Conftruction des Tachymeters nach Kraft dargeftellt. Das Inftrument ift zum Repetiren der Horizontalwinkel eingerichtet. Der Höhenbogen Kv ift mit der horizontalen Drehachfe der Rinne, in welcher das zum Umlegen eingerichtete Fernrohr liegt, feft verbunden, während der Nonius an der verticalen Säule befeftigt ift. Die Bouffole B ift zwifchen dem Horizontalkreife und dem Dreifusse fo angebracht, dafs ein bequemes Ablefen derfelben ermöglicht ift Fig. 22. L K P B K₁₂ A S S S 10 FW.BADER.sc 20Cendimi. Der Horizontalkreis hat 16 Meter, der Verticalbogen 12 Meter Durchmeffer; beide Kreife können bis auf eine Bogenminute direct gelefen werden. Das Fernrohr ift mit einem gewöhnlichen Faden- Diftanzmeffer verfehen, hat ein Objectiv von 32 Millimeter Oeffnung und o 31 Meter Brennweite und geftattet eine 24malige Vergrösserung. Ueber das von Starke& Kammerer ausgeftellte Tachymeter fiehe G. Starke's Tachymeter von Dr. W. Tinter. Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architektenvereines 1873. Die Schweiz. Die beiden von Kern, Aarau, ausgeftellten Bautheodolithen, welche eigentlich den Univerfal- Nivellirinftrumenten einzureihen wären, find fchon befprochen worden. Des von demfelben Künftler ausgeftellten Präci fions- Nivellirinftrumentes wird fpäter gedacht werden. Von O. Poffert, Ingenieur in Rapperswyl, war nach feiner Bezeichnung ein mathematifches Univerfal- Mefsinftrument für geodätifche Detailaufnahmen ausgeftellt. Dasfelbe enthält eine Vereinigung aller in der praktifchen Geometrie benöthigten Mefsinftrumente, nämlich: a) Kleiner Repetitionstheodolith mit Feldund Grubencompaſs in Verbindung mit einer Kippregel, welche einen Vertical 70 Dr. W. Tinter. kreis und einen Diftanzmeffer hat, und auch als Nivellirinftrument dienen kann. Winkelfpiegel und Winkelkreuz find auch beigegeben. b) Mefstifch- Apparat. c) Andere zum Aufnehmen nöthige Geräthe, als: Böfchungswage, Nivellir- und Diftanzblatte, Mefsband aus Stahl, Senkel, Lothgabel u. f. f. Ausgeführt ift diefes Inftrument in der mechanifchen Werkstätte F. Meyer in Zürich. Präcifions- Nivellirinftrumente. Diefe durch die von der europäifchen Gradmeffungs- Commiffion gewünfchten Präcifionsnivellements hervorgerufenen Conflructionen, welche genauere Ermittlung des Höhenunterfchiedes gewähren follen, waren durch Objecte von Kern in Aarau, Brito Limpo in Liffabon und von Starke& Kammerer in Wien vertreten. Ueber das von Kern ausgeftellte Präcifions- Nivellirinftrument fiehe man: Nivellement de Präcifion de la Suiffe exécuté par la commis sion géodesique fédérale sous la direction de A. Hirfch& Comp. Plantamour. 1867. Das von Starke& Kammerer für die k. k. Gradmeffung gebaute Präcifions- Nivellirinftrument unterfcheidet fich von dem gewöhnlichen Stampferfchen Nivellirinftrumente mit umlegbarem Fernrohre dadurch, dafs ein kräftigeres Fernrohr angewendet wurde; das Objectiv hat 35 Millimeter Oeffnung und o 340. Meter Brennweite; die Vergröfserung ift 40; aufserdem hat es ftatt der gewöhnlichen Metallringe forgfältig bearbeitete Stahlringe. Zur genaueren Ermittlung der Neigung der optifchen Achfe wurde auch eine fehr empfindliche Auffatzlibelle beigegeben.( Bekanntlich ift bei den Stampfer'fchen Nivellirinftrumenten die Libelle mit den Trägern des Fernrohres in fefter Verbindung.) Zur Vervielfältigung der Beobachtungen wurden bei den beiden erwähnten Conftructionen drei Horizontalfäden eingezogen, fo dafs man bei einer Vifur nach der Latte drei Ablefungen an derfelben erhält; felbe feien lu, lm, lo; erftere entſpricht der Lefung am oberen, Im am mittleren, lo am unteren Horizontalfaden. Setzt man Im- lud, lo- lm= 62, fo ift das Mittel der drei Lefungen auf den Mittelfaden reducirt: L lu Im lo 3 +( 01-02) 3 Bei gleichen Abftänden des oberen und unteren Horizontalfadens vom mittleren Horizontalfaden ift natürlich L= 1/3( lulm+ lo), die Reduction auf den Mittelfaden= 1( 01-02) Das Präcifionsniveau mit zwei Fernröhren von Brito Limpo, Liffabon. Fig. 23 gibt das Bild diefer Conftruction. Durch die Centralfchraube H wird das Inftrument durch die drei Fufsfchrauben S mit dem Stative in Verbindung gebracht. Hk ift der von Grad zu Grad getheilte Horizontalkreis, mittelft des Nonius bis auf eine Bogenminute ablesbar; O ift die Klemmfchraube für das Aufheben der Azimuthalbewegung, Mdie Mikrometerfchraube für die feine Horizontalbewegung. Der Obertheil ift um den verticalen Zapfen Z drehbar. Auf A A' ift die Libelle nn, deren Achfe durch die Correctionsfchrauben m m fenkrecht zur verticalen Umdrehungsachfe geftellt wird, befeftigt. Die an den Enden von AA' aufgebauten Träger M und M' haben die aus der Zeichnung erfichtliche Form und nehmen in ihrem oberen Ende die Stahlachfe EE auf, welche zur Libellenachfe parallel fein foll. Da der Träger M' durch die drei Schräubchen σ, o₁ mit A' in Verbindung fteht, von denen die beiden erfteren auf Zug, o' aber auf Druck wirkt, fo ift es Geodätifche Inftrumente. 71 dadurch möglich geworden, den Träger M', fomit auch die Achfe EE' zu heben oder zu fenken, alfo auch die verlangte Lage von EE' gegen die Libellenachfe herzuftellen G E a M A m n - S ' Z Fig. 23. F H F' α M HK S n E M m G G Α Mit der Stahlachfe E E' find endlich die beiden untereinander durch die Theile a a' verbundenen Fernrohre F und Fin eine derartige Verbindung gebracht, fo dafs ihre optifchen Achfen nicht nur untereinander, fondern auch zu EE' parallel find. Mittelft des Griffes G, beziehungsweife G' können Fund F um EE' um 180 Grad gedreht werden, fo dafs dann. F die Stelle von F' und umgekehrt einnimmt. Das Schräubchen i hebt bei entfprechender Anwendung die rotirende Bewegung um EE' auf. Wenn diefes Inftrument auf einem Punkte horizontal aufgeftellt ift, fo gewährt es nicht nur einen horizontalen Vor-, fondern auch einen horizontalen Rückblick; beide ftehen um den Abftand der optifchen Achfen beider Fernrohre von einander ab. Hätte man alfo nach vor- und nach rückwärts vom Aufftellungspunkte je eine Latte aufgeftellt, fo ergibt fich aus den gemachten Lefungen an der Latte der Höhenunterfchied der Fufspunkte der Latte um obiges fehlerhaft; wird aber mittelft G die Drehung um EE um 180 Grad und auch die der Alhidade um die verticale Umdrehungsachfe um 180 Grad vorgenommen und neuerdings aus den bei einfpielender Libelle gewonnenen Ablefungen der Latten der Höhenunterfchied der als feft vorausgefetzten Aufftellungspunkte der Latte ausgemittelt, fo ift diefer um dasfelbe im entgegengefetzten Sinne fehlerhaft, fomit das Mittel beider Refultate frei von diefer Gröfse. Ein zweites Reſultat für den gefuchten Höhenunterfchied erhält man fofort, wenn man fowohl bei dem Vor- als auch bei dem Rückblicke die Lefungen an der Latte bei der vertaufchten Stellung der Fernrohre nimmt. Die hier gewählte Conftruction hat einerfeits die Vervielfältigung der Beobachtungen auf einem Standpunkte, andererfeits das Befreien des Refultates der gewonnenen Lattenhöhe, beziehungsweife des Gefälles von dem Fehler wegen nicht vollkommener Berichtigung des Inftrumentes zum Zwecke. Das Nachfolgende wird diefes klar machen: Sei in Fig. 24 CN die verticale Umdrehungsachfe des über einem Punkte N aufgeftellten Inftrumentes; hh' die horizontale Libellenachfe. EE fei die Stahlachfe, Fund F' feien die optifchen Achfen der beiden Fernrohre; diefe drei Achfen feien nun weder untereinander noch zu hh' parallel, welchen Parallelismus doch die Berichtigung verlangt. Im Punkte M fei die Latte MM' vertical gehalten. Wird bei einfpielender Libelle die Vifur mit F nach MM gerichtet, fo ergibt fich als Lattenabſchnitt, 72 Fig. 24. M Dr. W. Tinter. 2 bei der Drehung von Fum EE um 180 Grad, wo F' nach F1, F hingegen nach F₁ kommt, erhält man l als Lattenabſchnitt. Die Höhe an der Latte, in welcher die Verlängerung von EE diefelbe treffen würde, ift offenbar L₁ Wird 4+ 1 2 nun jetzt der Obertheil des Inftrumentes - 2 um 180 Grad gedreht, die Libelle zum vollkommenen Einfpielen gebracht, fo kommt EE nach E₁ E₁', das Fernrohr F₁' nach F mit dem Objective gegen die Latte, und als Lattenabfchnitt findet fich lg, bei der Drehung von F₂ um E₁ E um 180 Grad, wo F nach F' kommt, hingegen ergibt fich 4. Das 13+14 Mittel L₂ gibt die Höhe jenes Punktes an der Latte, in welchem diefelbe jetzt von der Verlängerung von E₁ E₁' getroffen wird. Die dem Horizonte von A, das ift jenes Punktes der Rotationsachfe EE in welchem felbe von der durch C gelegten Lothrechten getroffen wird, entfprechende, von früher genannten Fehlern des Inftrumentes befreite Lattenhöhe ift dann: Mm - L _ L₁ L 2 + 12+ 13+ 14 14 3 173+ 14 = L h N Di E F -E h' - 4 Rectification. Die hier zu unterfuchenden Eigenfchaften find: 1. Ob die Libellenachfe zur verticalen Umdrehungsachfe des Inftrumentes fenkrecht fteht 2. Ob die optifchen Achfen der beiden Fernrohre zur Rotationsachfe EE parallel find. 3. Ob die Rotationsachfe EE zur Libellenachfe parallel ift, beziehungs weife zur verticalen Umdrehungsachfe fenkrecht ſteht. Geodätifche Inftrumente. 73 Ad 1. Die Unterfuchung gefchieht auf bekannte Weife; die nöthige Berichtigung wird mit den Correctionsfchrauben m der Libelle ausgeführt. Ad 2. Man vifirt bei einfpielender Libelle mit dem zu unterfuchenden Fernrohre( oben) nach einer getheilten Latte, die entſprechende Lefung fei ₁; hierauf dreht man das Fernrohr( unten) um die Rotationsachfe EE' um 180 Grad und beftimmt den Lattenabſchnitt l. Ift die Differenz ₁- l₁= 20 dem doppelten Abftande der Fernrohrachfe von der Achfe EE'= 2A, fo ift diefe Eigenfchaft für das zu unterfuchende Fernrohr erfüllt; im anderen Falle gibt die Differenz 20-2= 2 x den doppelten Fehler an; wird nun die Vifur durch Verfchieben des Fadenkreuzes auf die Lefung 2x eingeftellt, fo hat man diefe Forderung für das eine Fernrohr erfüllt. Den gleichen Vorgang beobachtet man bei dem zweiten. - Erwägt man, dafs durch das Nivellirinftrument mit umlegbarem Fernrohre, das zur Vervielfältigung der Beobachtungen drei Horizontalfäden hat, die durch befprochene Conftruction bezweckten Vortheile noch vollkommener erreicht werden, ferner, dafs man durch die Auffatzlibelle über die Neigung der optifchen Achfe fofort einen Auffchlufs erhält, dafs man durch die eingefpannten Horizontalfäden auch einen Faden- Diftanzmeffer gewonnen hat, fo dürfte die Conftruction von Limpo mit dem Aufwande von zwei Fernrohren kaum eine Nachahmung finden. Apparate zur unmittelbaren Beftimmung der Gefchwindigkeit fliefsender Gewäffer und Wafferftands- Anzeiger für die mittlere Höhe. Die Apparate zur unmittelbaren Meffung der Gefchwindigkeit fliefsender Gewäffer waren eigentlich nur in Oefterreich und in der Schweiz, im erften Lande durch die Firmen: Kraft, Schablafs und Starke, im letzten Lande durch Amler- Laffon vertreten; wenn gleich auch fonft noch, wie z. B. in der italienifchen Abtheilung bei Allem ano, ein oder das andere zu diefem Zwecke conftruirte Inftrument anzutreffen war, fo können wir diefelben übergehen, weil die Conftructionen veraltet, durch jene der neueren Zeit weit überholt find. Der hydrometrifche Flügel, auch nach feinem Erfinder Reinhold Woltmann( 1790) der Woltmannflügel genannt, wie er von Kraft& Sohn, von Schablafs& Sohn ausgeführt wird und durch je ein Exemplar in der Ausftellung vertreten war, ift den Conftructionen, wie fie in den bezüglichen Werken über Wafferbau, in manchen Werken über praktiſche Geometrie zu finden find, unwefentliche Aenderungen abgerechnet, ganz gleich, wefshalb bei denfelben nicht länger verweilt werden foll. Der von G. Starke conftruirte hydrometrifche Flügel ift in manchen Stücken von den bisherigen Conftructionen abweichend; wir geben in Fig. 25 eine Anficht und in Fig. 26 einen Schnitt diefer Conftruction. Der Flügel felbft befteht aus dem Ringe n, welcher nach der Richtung eines Durchmeffers zwei Anfätze trägt; mit dem einen Anfatze ift das Steuerruder R, mit dem zweiten Anfatze, der in feinem oberen Theile eine Oeffnung enthält, der Bügel B und der rahmenförmige Theil A' feft verfchraubt; einen zweiten Befeftigungspunkt für A' bietet das Ende des Bügels B. In dem Rahmen A' ift die Achfe A eingelagert, welche einerfeits das Schraubengewinde und anderfeits den Flügel F trägt Ein zweiter Bügel B' ift um eine am Ende des Bügels gebildete horizontale Drehachfe c drehbar, und zwar mit Hilfe des Armes 6, der durch die früher genannte Oeffnung geht und bei c' mit B' gelenkartig verbunden ift. Der Bügel B' trägt nun die Achfe für die beiden unmittelbar hintereinander ftehenden Zählräder ( Differentialräder) r, wovon das eine die ganzen Umdrehungen, das zweite hingegen die einzelnen Hunderte der Umdrehungen des Flügels angibt. Wird bin die Höhe gezogen, fo werden die Rädchen in die Schraube eingerückt. Der 74 R R Dr. W. Tinter. Fig. 25 h Ο F b h' P P m h Fig. 26. S ---> Si n B N B B 25 1000 2" 4304 B'A α F Flügel kommt nun zunächft mit feinem Ringe n auf die cylindrifche Röhre P, auf welcher er fich frei drehen kann; letztere ift auf der Stange s aufgefchoben und kann mit derfelben in beliebiger Höhe durch die Klemmfchraube S, welche durch das eingelegte Stück n, auf den federnden Ring wirkt, in fefte Verbindung gebracht werden. In Höhe kann fich n durch die mit verbundene Schraubenmutter m nicht bewegen; auf der oberen Fläche von m ruht im gewöhnlichen Zuftande des Apparates die Hülfe h' auf, welche einerfeits mit ihrer unten angebrachten Flanfche p in eine Oeffnung des Armes b greift, und auf welche andererfeits die zwifchen h' und i eingefetzte Schraubenfeder wirkt. Mit h' ift nun die zweite Hülfe h verfchraubt, welche an ihrer Oberfläche zwei Oehre hat, um die Schnüre zum Ein- und Auslöfen des Apparates aufnehmen zu können; wird die Schnur angezogen, fo wird durch Ueberwindung der Federkraft h' und mit h' der Geodätifche Inftrumente. 75 Arm 6, beziehungsweife der die Rädchenrtragende Bügel B' gehoben, wodurch die Rädchen in die Schraube eingerückt werden. Wird die Schnur nachgelaffen, fo drückt die Feder die Hülfe h', mit diefer b und B' nach abwärts, die Rädchen kommen aufser Berührung mit der Achfe des Flügels und treffen auf das Arretirungsbäckchen a, welches derart angebracht ift, dafs fich die Zähnchen der Zählrädchen beim Arretiren fenkrecht auf dasfelbe auffetzen. Die Vortheile diefer Conftruction, im Jahre 1870 ausgeführt, find: 1. Ift der Flügel am Stabe im horizontalen Sinne ganz frei, kann fich alfo leicht in die Richtung der Wafferlinie ftellen; auch wird der Zug an der Schnur auf das Inftrument nicht übertragen. 2. Kann, da das Arretirungsbäckchen derart angebracht ift, dafs beim Auslöfen der Rädchen diefe fich mit ihren Zähnen fenkrecht auf dasfelbe auffetzen, nicht leicht ein Verftellen der Rädchen gegeneinander im Momente der Ein- und Auslöfung ftattfinden, welcher Uebelftand bei den anderen Conftructionen nur zu häufig auftritt. In demfelben Jahre, in welchem die Conftruction von Starke ausgeführt wurde, finden wir auch die Bemühungen von Amler- Laffon, den Woltmannflügel zu verbeffern, hauptfächlich eine einfache, dabei doch ficher wirkende Ausund Einrückung des Zählwerkes zu erzielen, von dem beften Erfolge gekrönt. Ueber die Conftruction des Woltmannflügels nach Amsler Laffon fiehe: A. R. Harlacher: Ueber den von Amsler- Laffon in Schaffhaufen verbefferten Woltmannflügel in den techniſchen Blättern des deutfchen polytechnifchen Vereines in Böhmen, 1870; ferner: A. R. Harlacher, Beiträge der Hydrographie des Königreiches Böhmen. Erfte Lieferung, 1872. Es ist nicht zu leugnen, dafs die bisher genannten Conftructionen aufser den erörterten Vortheilen noch den einen Nachtheil an fich tragen, dafs zu dem in beftimmten Zeitintervallen nöthigen Ablefen der vom Flügel gemachten Umdrehungen der Flügel felbft aus dem Waffer gehoben werden muss. Der erfte Verfuch, auch diefen Uebelftand bei dem Woltmannflügel zu beheben, wurde von Farrand Henry gemacht; die entsprechenden Mittheilungen hierüber finden fich in dem Septemberhefte 1871 des in Philadelphia erfcheinenden Journal of the Franklin Inftitute. Bei diefem Hydrometer werden die einzelnen Umdrehungen der im Waffer eingebrachten Halbkugeln, welche die Flügel des Woltmann'fchen Apparates erfetzen, auf einem fich gleichmässig bewegenden Papierftreifen auf elektrifchem Wege regiftrirt. Auf Anregung des Profeffors Rühlmann nahm nun auch Amsler- Laffon die Löfung diefer Aufgabe in die Hand und das in der Ausftellung befindliche Exemplar des Woltmannflügels mit elektro- magnetifchem Zählapparate gibt Zeugnifs von der trefflichen Löfung diefer Aufgabe. Auf dem oberen Ende der Stange ift eine Batterie angebracht, welche den elektrifchen Strom liefert; weiter befindet fich im oberen Theile der röhrenförmigen Stange ein Elektromagnet, welcher bei dem Schlufse des elektrifchen Stromes einen um eine horizontale Achfe drehbaren Anker anzieht, der dann mit einem auf feiner Oberfläche angebrachten fchwarzen Punkte vor eine in der Deckfläche der Röhrenftange angebrachte Oeffnung tritt. Das Rad, welches in die Schraube der Achfe des Flügels eingreift, macht nach 100 Flügelumläufen eine volle Umdrehung und trägt überdiefs eine auf der Ebene des Rades fenkrecht ftehende Nafe, welche bei jeder Umdrehung desfelben auf einen Hebel wirkt, der dann den elektrifchen Strom fchliefst. Die Leitungsdrähte gehen durch ein gufseifernes Gasrohr und werden untereinander als auch von den Wänden des Rohres durch Kolophonium ifolirt. Da nach jedem Stromfchlufse( alfo nach 100 Umdrehungen des Flügels) der früher erwähnte Anker mit dem fchwarzen Punkte vor die Oeffnung tritt, fo braucht der Beobachter nur das Erfcheinen diefes Punktes in einer gewiffen Zeit 76 Dr. W. Tinter. zu beobachten, um die Zahl der Umdrehungen des Rades in derfelben Zeit zu erhalten. Das Verftellen der den eigentlichen Flügel tragenden Röhre auf der Stange kann für verfchiedene Höhen vorgenommen werden, ohne den Apparat aus dem Waffer zu heben. Die Stange ift viereckig; der Flügel kann fich demnach nicht in die Strömung einftellen und es dient daher das Ruder nur dazu, die Haltung der Stange zu erleichtern. Amsler thut diefs aus dem Grunde, weil er es nur für richtig hält, wenn die Flügelachfe fenkrecht zu dem zu unterfuchenden Profile, alfo parallel zur Flufsachfe und nicht in die Richtung der gröfsten Strömung geftellt wird. Es ift diefes defswegen geboten, weil bei ganz unregelmässigen Profilen die Richtungen der einzelnen Wafferfäden nicht mehr zu einander parallel find, daher auch nicht normal durch ein und dasfelbe Querprofil durchfliefsen und es fomit kommen kann, dafs das Steuerruder die Flügelachfe nicht mehr fenkrecht auf das Querprofil einftellt. Die durch ein beftimmtes Querprofil durchfliefsende Waffermenge erhält man aber, wenn man die einzelnen Flächeninhalte derfelben mit der normal hiezu gemeffenen Gefchwindigkeit multiplicirt, welch' letztere fich aber bei der getroffenen Einrichtung durch die Beobachtung unmittelbar ergibt. Eine nähere Befchreibung und eine gute Zeichnung diefes finnreichen Amsler- Laffon's Woltmann'fchen Flügels mit elektro- magnetifchem Zählapparat findet fich von Profeffor Rühlmann in den Mittheilungen des Gewerbevereines für Hannover, 1873, 1. Heft; ferner von eben demfelben Autor in Dingler's poly. techniſchem Journale, Band CCVIII, Heft 3. In der additionellen Ausstellung hatte der Berichterstatter den Fortfchritt im Baue der Woltmann- Flügel in Oefterreich durch vier Exemplare zur Anfchauung gebracht; unter diefen befand fich auch das von Sadtler im zweiten Decennium diefes Jahrhundertes ausgeführte Exemplar, das eine getreue Nachbildung des von Woltmann felbft in feiner in dem Jahre 1790 veröffentlichten Brofchüre: Theorie und Gebrauch des hydrometifchen Flügels oder eine zuverläffige Methode, die Gefchwindigkeit der Winde und ftrömenden Gewäffer zu beobachten, enthaltenen Zeichnung war. Amsler- Laffon hatte auch eine modificirte Pitot Darcy'fche Röhre ausgeftellt; bei der Conftruction derfelben liefs fich Amsler wieder von dem Grundfatze leiten, dafs durch die Pitot'fche Röhre die Componente der Gefchwindigkeit des fliefsenden Waffers fenkrecht zum Profile gegeben werde. Aus den Unterfuchungen geht hervor, dafs, wenn der Wafferfaden, welcher auf die Pitot'fche Röhre wirkt, mit der Flufsachfe den Winkel a bildet, die gefuchte Gefchwindigkeit bei einer Wafferftands- Differenz h in den beiden Röhren nicht mehr durch einen Ausdruck von der Form a Vh, fondern durch einen folchen von a. Vh der Form + btg 2 a gegeben wird, wo a und b zu ermittelnde Conftante find. Bei der Conftruction nach Amsler ift durch ein Schutzrohr um die Oeffnungen der hydroftatifchen Röhre Sorge getragen, dafs die Wirkungen der Seitenftrömungen auf diefe Oeffnungen abgehalten werden, wodurch die Conftante 6 Null gemacht wird. Die durch diefe Schutzröhre hervorgerufene Contraction hat keinen Einfluss auf das Refultat oder einen folchen, dafs er mit in den Werth der Conftante a einbezogen werden kann. Ueber die Pitot'fche Röhre fiehe: Description d'une machine pour mefurer la viteffe des eaux courantes et le fillage de vaiffaux; par M. Pitot, 1732; Memoires de l'Académie royale des fciences. Darcy H.: Note relative à quelques modifications à introduire dans le tube de Pitot. Dijon, Mém. Académie VI, 1857. Geodätifche Inftrumente. 77 Wafferftands- Anzeiger für mittlere Höhe. Der von dem Herrn Civilingenieur F. H. Reitz auf Veranlaffung des geodätifchen Inftitutes der europäiſchen Gradmeffung conftruirte Wafferftands- Anzeiger foll dem fchon lange gefühlten Bedürfniffe, die Höhe des Meeres, welche als Nullpunkt für andere Höhenangaben dienen foll, mit Sicherheit zu beftimmen, abhelfen. In der Fig. 27 ift der Grundrifs, in Fig. 28 die Seitenanficht und in Fig. 29 der Schnitt nach xy diefes von Reitz erfonnenen, von den Mechanikern Dennert und Pape in Altona ausgeführten und ausgeftellten Wafferftands- Anzeigers dargeFig. 27, 28 und 29. R Grundriss g M K m d CC B 78 Dr. W. Tinter. ftellt. Um die Scheibe A wickelt fich ein Metalldraht, welcher mit einem Schwimmer in Verbindung fteht, der in einem aus Kupfer oder verzinktem Eiſen hergefteilten Schachte auf- und niedergeht. Wenn der Schwimmer finkt, fo dreht der Metalldraht die Scheibe A; beim Steigen des Schwimmers wird A durch eine auf die Scheibe B gewickelte Schnur, an welcher ein Gewicht wirkt, in entgegengefetzter Richtung gedreht. Die Achfe a der Scheiben A und B geht in die doppelgängige, äufserft forgfältig gearbeitete Schraube S aus. Die Mutter für diefelbe ift in M; mit ihr ift durch den Stab 6 und das Querftück q der um die Schraubenfpitzen e drehbare Rahmen in Verbindung, in welchem die Achfe der Rolle R eingelagert ift. Letztere bewegt fich in radialer Richtung auf der Glasfcheibe s, die durch ein Uhrwerk in 24 Stunden eine volle Umdrehung macht. Es ift zu dem Ende mit der Büchfe, mit welcher die Scheibe s auf einem verticalen Zapfen ruht, eine am Umfange mit Schraubengewinden verfehenen Scheibes, in Verbindung, in welche Schraubengänge die Schraube σ eingreift, die eben durch das Uhrwerk gedreht wird. Die Metallfeder fkann mit den Schrauben k fo gefpannt werden, dafs fich die Büchfe mit s um den Verticalzapfen leicht aber doch ficher dreht. Die Führung der Schraubenmutter wird durch den Anfatz n( Fig. 29), der fich durch das entgegenwirkende Gewicht g an die mit einer fcharfen, parallel zur Achfe von S geftellten Kante verfehene Metallplatte m lehnt, bewerkstelliget. Zur Aufhebung des todten Ganges dienen die Gegengewichte g₁ Theorie des Apparates. Bei irgend einem Wafferftande, etwa bei Null des Pegels, ftehe die Rolle R in der Mitte O von s; beim Steigen des Waffers rückt die Rolle von O gegen O'. Würde fich die Scheibe A einmal umdrehen, fo hat fich auch der Wafferftand um die Gröfse des Umfanges U der Scheibe A geändert. Wäre etwa für die Aenderung H im Wafferftande die Verfchiebung der Rolle 00' und ift g die Höhe eines Schraubenganges, fo ift g 00'= H. und umgekehrt U U H= 00'. I. g Man erhält demnach die Wafferftands- Höhe H, wenn man den Abftand der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe mit dem einem beftimmten Inftrumente zuU g kommenden conftanten Coëfficienten multiplicirt. Um zu erfahren, um wie viel fich der Auflagepunkt der Rolle R auf der Scheibe s durch die vereinte Wirkung der wechſelnden Wafferſtände und der Drehung der Scheibe s radial weiter bewegt, bedenke man Folgendes: Ift u der Umfang der Rolle R, ferner die am Zählrädchen und an der getheilten Trommel abgelefene Umdrehungszahl z, fo ift der Weg s eines Punktes des Umfanges von R s= u 2 2. . In einer unendlich kurzen Zeit dreht fich die Scheibe durch das Uhrwerk um do, die hiemit verknüpfte Drehung der Rolle R fei ds, fo ift, wenn d den Abftand der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe zur felben Zeit bedeutet, ds= d.do. Durch Integration erhält man: _ s= fd.do. 3, das ift, den Weg s, um welchen fich ein Punkt des Umfanges von R in einer Zeit, welcher der Drehungswinkel o entfpricht, weiter bewegt hat. 6 Die Verbindung von I mit 2 gibt: u.z= fd.do..3. Geodätifche Inftrumente. 79 Der Ausdruck fd. do ftellt aber den Inhalt einer Fläche dar, welche fich ergibt, wenn man die Abftände d der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe als Ordinaten und die zugehörigen Zeitbögen für den Halbmeffer I als Abfciffen betrachtet. - Will man aus diefer Fläche den mittleren Werth von d= m finden, fo braucht man nur durch die bezügliche Abfciffenlänge, hier o zu dividiren; es iſt d.do 21% m= 5. Hat man aber m, den mittleren Abftand der Rolle vom Mittelpunkte der Scheibe für einen gewiffen Zeitabfchnitt, fo findet man nach Gleichung I hieraus den mittleren Wafferftand; es ift H= m. U ' g oder mit Rücksicht auf 5 U u % H= - I. g U Für ein vorliegendes Inftrument ift . u eine conftante Gröfse; fei g U C= . u, fo wird nach I g C H= 2.... II. Werth Man wird fich eine Tabelle rechnen, welche mit dem Argumente o den C gibt. C Es läfst fich auch die Anordnung fo treffen, dafs für eine Stunde oder Q für eine Minute eine runde Zahl, etwa 100 oder 10 werde. Eigenfchaften des Apparates. 1. Die Achfe der Rolle R mufs parallel zur Scheibe s fein. 2. Die Kante der Metallplatte m mufs parallel zur Achfe der Schraube S fein. Diefe beiden Eigenfchaften werden vom Mechaniker fo genau als möglich. herzuftellen getrachtet und find für den Beobachter keine Correctionsvorrichtungen vorhanden. 3. Die Achfe der Rolle R mufs mit der Richtung der radialen Bewegung derfelben, alfo mit der Achfe von S parallel fein. Mit Hilfe der Schräubchen h kann ein etwaiger Fehler hierin verbeffert werden.( Es darf fich nämlich keine Drehung der Rolle R ergeben, wenn bei ruhiger Lage der Scheibe s die Scheibe A gedreht wird.) 4. Mufs der Berührungspunkt der Rolle bei feiner Bewegung durch den Drehungsmittelpunkt der Scheibe s gehen. Mittelft der Schrauben e kann ein etwaiger Fehler berichtigt werden.( Ein vom Mechaniker beigegebenes Mafs, welches die Entfernung von dem Ende eines der drei Arme i von einem beftimmten Punkte des Rahmens angibt, dient zur Prüfung diefer Eigenfchaft.) Beftimmung der Conftanten C. Man ftellt die Scheibe A fo, dafs diefe Stellung einem beftimmten Wafferftande H entspricht, und läfst dann die Scheibe s eine gröfsere Anzahl von Umdrehungen machen; aus Gleichung II folgt dann, da H, und z bekannt ift: C= H.P 2 III.) Von der Firma Hasler& Efcher in Bern war ein Limnigraph und ein telegraphifcher Wafferftands Anzeiger ausgeftellt worden. Ueber den letzteren 6 80 Dr. W. Tinter. fiehe: G. Hasler, telegraphifcher Wafferftands- Anzeiger. Mittheilungen der naturforfchenden Gefellſchaft in Bern. 2. October 1869. Asib nam twadig Der felbftregiftrirende Limnigraph hat den Zweck, die Variationen des Wafferftandes im verkleinerten Mafsftabe auf einer Papierfcala aufzuzeichnen. In den Fig. 30 und 31 ift diefes Inftrument dargeftellt; es ift aus der Schwimmvorrichtung, dem Markirapparate und der Uhr zufammengefetzt. trad Fig. 30. W R T W A. A G M L K P S S U Fig. 31. R TV TA 0 M C N a ידי אידיוי E Die Schwimmvorrichtung befteht aus den folgenden Theilen: der aus Kupferblech zufammengelöthete Schwimmer oder Flotteur S hängt an der Meffingkette K; diefe wickelt fich über die gröfsere Walze W2 der beiden auf der Achfe A befeftigten Walzen W2 und W; auf der letzteren windet fich die Schnur des dem Schwimmer entgegenwirkenden Gewichtes P auf und ab. Das auf A angebrachte Getriebe G greift in das Rad R ein, welches auf der Achfe A₁ befeftigt ift. Am Ende von A₁ ift eine kleine Trommel angebracht, auf der fich bei der Drehung von A₁ die Metallfchnur M auf- und abwickelt und hiebei einen an ihrem Ende befeftigten Schlittens auf- und abbewegt. Es ift die Anordnung in den Dimenſionen von W2, G, R und T fo getroffen, dafs die Bewegung des Schlittens 20mal kleiner ift, als die des Schwimmers. Letzterer felbft ift schwerer als das Gegengewicht P, wodurch bewirkt wird, dafs beim Fallen des Schwimmers fich der Schlitten fenkt, während beim Steigen des Schwimmers der Schlitten gehoben, demnach immer die Kette K in fteter Spannung erhalten wird. Der mit dem Schlitten s, welcher auf der Stahllamelle L eine fichere Führung erhält, verbundene Zeiger Z zeigt auf der Scala M den jeweiligen Wafferftand an. Der in der Mitte des Schlittens mit diefem befeftigte Arm a trägt den Markirftift N, der die Bewegungen des mit dem oberen Ende der Stahllamelle verbundenen Hebels HE folgen mufs; das Ende bei E wird durch eine Spiralfeder ftets rückwärts gezogen. Der Markirftift N ruht mit feiner Spitze auf der Metallfläche des um Spitzen drehbaren Cylinders C, welcher aus Cartonpapier hergeftellt und mit Tuch überfpannt ift; über letzteres wird dann die Papierfcala entſprechend befeftigt. Die durch fenkrechte Linien begrenzten Felder entfprechen den Wochentagen, die horizontalen Linien der 20fachen reducirten Pegeleintheilung. Wenn der Hebel H gegen den Cylinder bewegt wird, fo drückt fich die Spitze der Markirnadel im Papiere ab, bei entgegengefetzter Bewegung des Hebels wird die Markirnadel frei, der Cilinder bewegt fich um ein Intervall weiter; diefes letztere Geodätifche Inftrumente. 81 gefchieht durch einen am Hebel befindlichen Haken, der in ein mit dem Cylinder in Verbindung ftehendes Zahnrad eingreift. Der Uhr U fällt die Aufgabe zu, den Markirftift in das Papier einzudrücken und den Cylinder zu drehen. Die Uhr hat zwei durch Federtrieb bewegte Räderwerke, von denen das eine als Uhrwerk dient; diefes löft nach jeder Stunde das zweite Räderwerk aus. Bei diefer Auslöfung wird vermittelft einer excentrifchen Vorrichtung der Hebel H rückwärts bewegt und hiedurch der Markirftift in das Papier eingedrückt; es wird alfo bei diefer Einrichtung nach jeder Stunde der Wafferftand markirt. Nach Ablauf der Woche wird die Papierfcala durch eine neue erfetzt. Mechanifche Hilfsmittel zur Flächenberechnung beliebig begrenzter Figuren. Planimeter. Die zur Flächenberechnung conftruirten Hilfsmittel können in zwei Gattungen getheilt werden: 1. In folche, welche die Berechnung von Dreiecken, Vierecken und von krummlinigen Segmenten erleichtern und 2. in folche, welche die Fläche einer beliebig begrenzten Figur durch blofses Umfahren derfelben geben; es find diefes die eigentlichen Planimeter. Beide Arten von Inftrumenten waren vertreten, u. z. die erfte Gattung durch das Planimeter von Pofener, das Planimeter von Horsky und durch das FadenPlanimeter von Oldendorp, beziehungsweife Alder; die beiden erftgenannten waren von Kraft& Sohn, das letztgenannte war von Schablafs& Sohn. ausgeführt und ausgeftellt. Näheres hierüber findet man: Berechnungsapparate von Pofener und Adler. Lehrbuch der praktifchen Geometrie von Lemoch. Handbuch der niederen Geodäfie von Friedrich Hartner. I. bis 4. Auflage. Das Planimeter von Horsky Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieurvereines. 1850. Das eigentliche Planimeter war in feinen beiden Syftemen ausgeftellt, nämlich in der auf Polar- und in der auf rechtwinklige Coordinaten gegründeten Conftruction. I. Ein Plani2. Ein Planimeter 3. Ein Planimeter zur 5. Das Der Integrator Das von J. Amsler- Laffon in Schaffhaufen im Jahre 1854 erfundene Polarplanimeter war von von dem genannten Mechaniker in den verfchiedenen durch ſpecielle Zwecke bedingten Conftructionsarten vertreten: meter mit der Mafsangabe für eine einzige Flächeneinheit. mit Mafsangaben für verfchiedene Flächeneinheiten. Beftimmung des Flächeninhaltes fehr grofser oder fehr kleiner Figuren. 4. Ein Planimeter zur fpeciellen Berechnung der Indicator- Diagramme. Momentenplanimeter, von Amsler Integrator genannt. gibt die Werthe der Integrale F= fy dx, S= 2/ y2 dx und T= 13/ y3d x bezogen auf den Umfang einer beliebig begrenzten Figur und auf ein beliebiges Coordinatenfyftem durch blofses Umfahren der Begrenzung. entnimmt, beftimmen obige Gleichungen T, S, T den Flächeninhalt, das ftatifche Moment und das Trägheitsmoment einer ebenen Figur, die beiden letzteren auf eine beliebig gerichtete Achfe bezogen. Wie man Das gleichzeitig mit dem Planimeter von Amsler bekannt gewordene Polarplanimeter von Miller und Starke ift auf dasfelbe Princip gegründet, hat aber dadurch, dafs der Pol in einem mit Blei ausgegoffenem Cylinder feinen Stützpunkt findet( bei Amsler ift der Pol durch eine Nadel vertreten) und dafs eine Correctionsvorrichtung vorhanden ist, um der theoretifchen Bedingung, die Flächenangabe des Planimeters von der Stellung des Poles gegen den Umfang der zu umfahrenden Figur unabhängig zu machen, Genüge 6* P 82 Dr. W. Tinter. zu leiften, einen Vorzug vor der Amsler'fchen Conftruction. Das Polarplanimeter Miller- Starke war bei Starke& Kammerer in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt. Näheres über Polarplanimeter und den Integrator findet man: Ueber die mechanifche Beftimmung des Flächeninhaltes, der ftatifchen Momente und der Trägheitsmomente ebener Figuren, insbefondere über einen neuen Planimeter. Von Jacob Amsler. Schaffhaufen 1856. Polarplanimeter von J. Amsler- Laffon in Schaffhauten. Juni 1873. Polarplanimeter von Amsler in: Graphifche Statik von Culmann. Zürich 1866. Handbuch der niederen Geodäfie von Fried. Hartner. 1873. Allgemeine Theorie des Polarplanimeters nach Stampfer, von Dr. Anton Schell. Sitzungsberichte der mathematiſch- naturwiffenfchaftlichen Claffe der k. Akademie der Wiffenfchaften. Wien. LVIII. Band. Dr. E. Winkler: Ueber das Momentenplanimeter von Amsler. Zeitfchrift des öfterreichifchen Ingenieur- und Architekten- Vereines. 1870. Das auf Linearcoordinaten gegründete Planimeter von Wetli und Starke war in der neueften Conftruction nach G. Starke von der Firma Starke & Kammerer ausgeftellt. Die Fig. 32 zeigt das Bild diefes Planimeters. P ift die metallene Unterlagsplatte, S1, S2 und s₂ find die drei auf derfelben zu einander parallel geftellten Schienen, über welchen fich der auf den drei Rollen ruhende Wagen w leicht bewegen läfst. Auf letzterem find noch die Ständer zur Aufnahme der beiden zwifchen den Schraubenfpitzen σ fich bewegenden Rollenpaare p 5₁ aufgebaut; letztere dienen dem Lineale Z als fichere Führung. Die Bewegung von L erfolgt meift fenkrecht zur Richtung der Schienen. Der an dem Lineale bei e und e₁ befeftigte Silberdraht fchlingt fich um die mit ihrer Achfe B im Ständer A eingelagerte Welle W. An dem oberen Ende von B ift die mit Papier überzogene Glasfcheibe S entſprechend befeftigt. Durch die an dem einen Ende des Lineales angebrachte Hülfe geht der mit einem kleinen Gewichte G befchwerte Fahrftift s. Fig. 32. R J S b b J i, i G W B P R p ч 1( F.W.BADER WIEN P r L S Durch diefe Conftruction kann man durch gleichzeitiges Bewegen des Wagens und des Lineales die Spitze s jeder beliebigen Bewegung nachfahren; durch diefe Bewegung wird aber auch die Welle W und mit ihr die Scheibe S in rotirende Bewegung verfetzt. Bis zu den bisher genannten Theilen find alle von 1850 bis 1870 ausgeführten Inftrumente fo gut wie identifch. Der fernere Aufbau ift nun folgender: Geodätifche Inftrumente. 83 der zwifchen zwei Schraubenfpitzen ii, gehaltene Bügel 6 nimmt die zwifchen den beiden Schräubchen a a' gelagerte horizontale Drehachfe auf, die an dem einen Ende die zu ihr fenkrechte Rolle R trägt, welche eben auf S aufliegt. Die mit der Rolle R in Verbindung ftehende Trommel ift in 100 Theile getheilt und mittelft des Index J können Theile einer Umdrehung bis auf 0.002 gelefen werden. Die ganzen Umdrehungen der Rolle werden an dem Index J' gelefen, der fich an das kleine Scheibchen S' anlehnt, das fich an derfelben verticalen Achfe mit einem kleinen Zählrädchen befindet, welch' letzteres in die an a a' angebrachte Schraube ohne Ende eingreift. Ein Theil der Theilung auf S' entſpricht einer ganzen Umdrehung. Wenn man fich die früheren Conftructionen( 1850 bis 1870) des Wetli- Planimeters gegenwärtig hält, fo wird man zunächft erkennen, dafs die Stahlachfe, auf welcher die Rolle R befeftigt ift, viel kürzer geworden ift, was für den Mechaniker von Bedeutung wird, wenn man erwägt, dafs bei den älteren Conftructionen die Länge diefer Achfe 17 Centimeter betrug, dafs das geringfte Unrundlaufen oder ein kaum merkbares Verbiegen derfelben in den Meffungsrefultaten fühlbar wurde. Aufserdem ift durch diefe Anordnung das Ablefen bedeutend erleichtert, und dadurch, dafs die Achfe der Aufhängung des Rahmens b, gebildet durch die Schraubenfpitzen i i₁, nunmehr in der Ebene der Glasfcheibe S liegt, erfolgt der Druck der Rolle auf die Papierfläche fenkrecht, was früher, wo die genannte Achfe um den Radius der Rolle über der Scheibe lag, nicht der Fall fein konnte. Näheres über das Wetli- Planimeter fiehe: Ueber das neue Planimeter von Caspar Wetli, Ingenieur. Von S. Stampfer. Sitzungsberichte der mathematiſchnaturwiffenfchaftlichen Claffe der k. Akademie der Wiffenfchaften zu Wien. 1850. Ueber die Gefchichte der Planimeter lefe man: Zur Gefchichte der Planimeter von C. M. Bauernfeind. Dingler's polytechniſches Journal, Band CXXXVII, Heft 2. Beiträge zur Gefchichte der Planimeter. Von Dr. Anton Favaro. Allgemeine Bauzeitung. 1873. Der Vollständigkeit wegen wollen wir blofs erwähnen, dafs auch in der ruffifchen Abtheilung ein nach den Angaben des Herrn Ingenieurs Julien Majewski conftruirtes Planimeter ausgeftellt war.* Sphärometer nach Stampfer. Conftruction von G. Starke vom Jahre 1858. Am Schluffe fei es uns geftattet, auch diefes fchönen, noch wenig gekannten Inftrumentes zu gedenken. Wie der Name andeutet, foll mit diefem Inftrumente die Krümmung einer fphärifchen Oberfläche, beziehungsweife ihr Krümmungshalbmeffer beftimmt werden. Das Sphärometer, nach den Angaben Stampfer's von G. Starke ausgeführt, ift in der Fig. 33 dargestellt. Fig. 34 gibt den Schnitt durch die Mitte des Inftrumentes. Den unteren Theil bildet das Geftelle G mit den drei Füfsen F, welche ftreng genommen in fcharfe Spitzen enden follten; weil diefes praktiſch undurchführbar ift, werden diefe drei Füfse nach gleichem Halbmeffer von 1 bis 2 Millimeter fphärifch abgerundet, möglichft gehärtet und hoch polirt. In der Mitte des durch diefe drei Füsse gebildeten Dreieckes geht die feine Schraube durch die * In der additionellen Ausftellung war von dem Berichterstatter die Entwicklung in dem Baue der Planimeter durch fünf verfchiedene Planimeter zur Anschauung gebracht worden. Unter denfelben befand fich auch das nach den Angaben Stampfer's von Starke ausgeführte Polarplanimeter, bei welchem fich die Rolle auf einer Scheibe, ähnlich wie beim Wetli- Planimeter, wälzt. 84 Dr. W. Tinter. Fig. 33. F m a a co 19 T T M M 9 e r I Fig. 34. a' b Geftellplatte, mittelft welcher der Sinus versus des Kugelfegmentes gemeffen wird. Der Kopf diefer Schraube wird durch den cylinderförmigen, mit einem kleinen Handgriffe verfehenen Theil mngg gebildet. Mit der Geftellplatte Gift die hohle Säule S verfchraubt, die in ihrem oberen Theile T eine Stirntheilung nach 100 Theilen trägt, die mittelft eines in dem Rahmen r gefpannten Fadens fabgelefen werden kann. Die Schraubenmutter ift durch M gebildet; die in kleine Schlitzen eingelaffenen cylinderförmigen Theile der Schräubchen a verhindern eine Drehung von M, während die zwifchen M und Bodenplatte eingefetzte fchraubenförmig gewundene Feder bei diefer Einrichtung für einen ganz gleichen Druck zwifchen den Gewinden von und den Muttergewinden in M Sorge trägt, alfo den todten Gang hintanhält. b Der Werth des Sinus versus mufs, um die Krümmungshalbmeffer mit dem entfprechenden Grade der Genauigkeit ableiten zu können, bis auf zwei bis drei Hunderttaufendtel eines Zolles( 0.0005 bis 0.0008 Millimeter) ficher erhalten werden, was bei gewöhnlicher Einrichtung, bei welcher die Berührung der Schraube mit der fphärifchen Fläche nach dem Gefühle beurtheilt wird, ganz und gar unerreichbar ift und nur möglich wird, wenn diefe Berührung mittelft eines empfindlichen Fühlhebels angegeben wird. Zu dem Ende ift die Schraube σ centrifch durchbohrt, welche Oeffnung den Stahlcylinder 6 aufnimmt, der fich mit feinem unteren Ende an die fphärifche Fläche anlehnt, während auf dem oberen Ende desfelben der Fühlhebel a, der um c drehbar ift, ruht. Auf dem längeren, nach aufwärts erweiterten Arme von a ruht bei b der zweite um c' drehbare Fühlhebel a', welcher mit feinem Ende an einer längs einer Cylinderkante des Gehäufes g angebrachten, wenige Grade umfaffenden Theilung fpielt. Siehe Fig. 34. Der durch die Schraube und den Stahl cylinder ab gehende Stift e geftattet dem letzteren nur eine kleine Bewegung von circa o 7 Millimeter, um Geodätifche Inftrumente. 85 einerfeits das Herausfallen und anderfeits eine zu grofse Bewegung desfelben gegen die Fühlhebel verhindern zu können. Die Köpfe der beiden Schräubchen y und begrenzen die Bewegung des Fühlhebels a'. Da der Doppel- Fühlhebel nahezu 200 Mal vergröfsert und mit Hilfe einer Lupe die Einftellung des Fühlhebels a' auf einen Theilftrieh leicht bis auf o 05 Millimeter gefchehen kann, fo ift auch der Moment des Berührens bis auf 0.00025 Millimeter beftimmbar. Die σ Die Schraube hat 50 Gänge auf 26.3 Millimeter, es ift demnach, da man an der Trommel Tmittelft f bis auf 1/1000 der Schraubenganghöhe ablefen kann, die Genauigkeit der Meffung o'00053 Millimeter. der auf Setzt man den Apparat auf eine Planfläche auf und fchraubt σ fo lange vor, bis die Berührung mit der Planfläche hergeftellt ift, erfetzt dann letztere durch die zu unterfuchende fphärifche Fläche und bringt nun mit diefer abermals zur Berührung, fo ergibt fich aus der Differenz der Lefungen an der Schraube bei bekannter Ganghöhe derfelben der Sinus versus. + - - o Sei diefer x(+ für eine convexe, für eine concave fphärifche Fläche), ferner r der Halbmeffer der kugelförmigen Füfse F, weiter der Halbmeffer des um das durch die drei Berührungspunkte der Füfse mit der fphärifchen Fläche gebildete Dreieck befchriebenen Kreifes= p, fowie endlich R der zu fuchende Halbmeffer der fphärifchen Fläche, fo ergibt fich letzterer aus der Gleichung: + 2 P R - 2 x + X 2 ) - In den drei Füfsen der Geftellplatte G finden fich von Seite des Mechanikers in ganz beftimmten Abftänden von einander Schraubengewinde eingefchnitten, um die kugelförmigen Füfse F verfetzen, den Apparat für verfchieden grofse fphärifche Flächen anwenden zu können. OPTISCHE UND AKUSTISCHE APPARATE. ( Gruppe XIV, Section 2.) Bericht von L. DITSCHEINER Die optifchen fowie akuftifchen Apparate waren auf der Ausftellung verhältnifsmäfsig fchwach vertreten, namentlich gilt diefs in Bezug auf die letzteren, indem nur fehr wenige Firmen neuere, hieher gehörige Objecte exponirten. Optifche Apparate. In Bezug auf die zu optifchen Zwecken hergeſtellten Glaswaaren nennen wir zunächft die bekannte Firma Charles Feil in Paris( 56, Rue Lebrun), welche eine Reihe grofser und fchöngefchliffener Glasprismen, Glasflüffe, vollkommen weifse und zu künftlichen Edelſteinen verwendbare gefärbte und theilweife durch ihre grofse Härte fich auszeichnende, ferner Glaslinfen in den verfchiedenften Gröfsen und mit den verfchiedenften Brennweiten zu aftronomifchen und photographifchen Objectiven, fowie zu Beleuchtungszwecken ausftellte. Bei Tiercelin in Paris fanden wir eine grofse Glaslinfe von 50 Centimeter Durchmeffer, bei E. Derogy in Paris( 32, Quai de l'horloge) ebenfalls eine folche von 50 Centimeter Durchmeffer und 1 Meter Brennweite und andere zu photographifchen Vergröfserungsapparaten verwendbare, mit welchen 2 Quadratmeter grofse Bilder hergeftellt werden können, ferner bei Gettliffe père, fils& Comp. zu Ligny à Barrois( Meufe), zu Paris( 87, Rue Turbigo), nebft Glasprismen und anderen Glaslinfen von verfchiedenen Dimenfionen auch noch Bergkryftalle, zu Quarzprismen und Quarzlinfen, fowie eine planconvexe Crown- Glaslinfe von 44 Centimeter Durchmeffer und 80 Centimeter Brennweite. Das gröfste achromatifche Objectiv zu aftronomifchen Zwecken, ein folches von 49 Centimeter Durchmeffer und 7 Meter Brennweite, von 14.000 Thaler Werth lieferte die bekannte Firma G.& S. Merz, vormals Utzfchneider und Fraunhofer, Sigmund Merz in München. Flintglas- Maffen, Linfen und Prismen exponirte auch Jacob Waldftein in Wien. Fernrohre, Tuben, Aplanate und dergl. brachten unter anderen die rühmlichft bekannte Firma C. A. Steinheil's Söhne, Dr. Ad. Steinheil und Ed. Steinheil in München, ferner G.& S. Merz in München ein Doppelfernrohr aus Aluminium mit einer befonders guten, den Parallelismus der optifchen Achfen beim Verſchieben fichernden Vorrichtung, fowie F. Fritfch vormals Prokefch in Wien, welch' Letzterer auch noch den Schiner'fchen Apparat zum Copiren mikrofkopifcher Objecte und eine Brücke'fche Lupe exponirte. S. Plöfsl& Comp. exponirte nebft feinen bekannten Glaslinfen, Fernrohren, Mikrofkopen auch ein Gasmikrofkop mit elektrifcher Beleuchtung, mittelft Optifche und akuftifche Apparate. 87 welcher der Photograph Herr C. Hauck ebenfalls ausgeftellte fchöne Photographien mikrofkopifcher Objecte herftellte. H. Radiguet in Paris( Boulevard des filles du Calvaire, 15) ftellte feine planparallelen Glasplatten und Spiegel von bekannter Güte aus, Duboscq L. J. in Paris einen Silbermann'fchen und die Firma Starke und Kammerer in Wien einen Stampfer'fchen Helioftaten in vorzüglicher Ausführung. Spectralapparate gewöhnlicher Conftruction mit einem Prisma zur chemifchen Analyfe finden fich in den Expofitionen von Defaga in Heidelberg, W. J. Hauck in Wien, Duboscq L. J. in Paris und Anderen. G.& S. Merz in München lieferte feinen vorzüglich gearbeiteten, zu aftronomifchen Unterfuchungen eingerichteten Spectralapparat à vision direct, die Genfer Gefellfchaft zur Ausführung phyfikalifcher Apparate einen Spectometer mit grofsem Theilkreife zur Meffung der Winkel und einer Vorrichtung zum Vertical- und Schiefftellen desfelben, Pieretti& Ercoli in Lucca ein Spectrofkop à vision direct für Beobachtungen mit freiem Auge und ein folches für aftronomiſche Beobachtungen mit dem Fernrohre, Starke& Kammerer in Wien einen Spectralapparat mit zwei Prismen, welche in einem Käftchen von paffender Form fo eingefchloffen find, dafs das von der Seite einfallende Licht des nicht verdunkelten Zimmers abgehalten wird. Endlich lieferte die Firma Franz Schmidt& Haenfch in Berlin eine Reihe von Spectralapparaten nach Hofmann, nach Janfen à vision direct mit 5 Glasprismen und nach Zenker, ebenfalls à vision direct mit Schwefelkohlenftoff- Prismen. Diefe Firma exponirte auch einen Spectralapparat nach der Conftruction von Vierodt zur Vergleichung der Lichtintenfität für die verfchiedenen Farben zweier Lichtquellen und zur Unterfuchung der Abforption. Bei dem gewöhnlichen Spectralapparat wird die Spalte für das eintretende Licht durch zwei Platten gebildet, von denen die eine feft, die zweite aber mittelft einer Schraube bewegt und dadurch die Spalte je nach Bedürfnifs enger oder weiter gemacht werden kann. Vierodt theilt nun die bewegliche Platte in zwei Hälften, eine obere und eine untere, jede diefer beiden Hälfte ift mit einer Mikrometerfchraube fammt graduirter Trommel zu bewegen, fo dafs man im Stande ift, für jede die Spaltenbreite zu beftimmen. Sind die beiden Spalten gleich breit, fo find die ihnen entfprechenden durch das Prisma gebildeten beiden über einander liegenden Spectra gleich hell. Verdeckt man aber die eine Spalte durch einen Diaphankörper, fo wird im Allgemeinen das entſprechende Spectrum dunkler, und zwar verfchieden dunkel für die verfchiedenen Farben. Man kann nun die unbedeckte Spalte enger machen und fo für jede Farbe, offenbar im Allgemeinen bei jedesmal anderer Spaltenbreite, eine gleiche Intenfität derfelben im oberen und unteren Spectrum erzielen. Das umgekehrte Verhältnifs der Spaltenbreite liefert auch erfichtlich das Verhältnifs der Intenfitäten in den beiden, durch gleichbreite Spalten erzeugten Spectren, fomit auch die durch den diaphanen Körper erzeugten Schwächungen im durchgehenden Lichte. Durch Vorfchieben von Rauchgläfern von bekannter Abforption kann man auch eine Lichtfchwächung mit oder ohne Verengerung der Spalte herbeiführen. Man kann auch mit einem folchen Apparate zwei Lichtquellen in Bezug auf die Intenſität ihrer verfchiedenen Farben vergleichen, wenn man das Licht der einen durch die obere, jenes der anderen durch die untere Spalte einläfst. Kann das Licht der einen nicht in derfelben Richtung einfallen, fo kann man auch vor die eine Spalte das Kirchhoff'fche total reflectirende Prisma anbringen und fo die eine Lichtquelle feitlich aufftellen. Um die Meffungen jeder Stelle des Spectrums ficher durchführen zu können, find im Ocularrohre des Spectralapparates( an Stelle des Fadenkreuzes) zwei undurchfichtige Schieber mit verticalen Rändern anzubringen, die immer beliebig genähert werden können. Diefe Vorrichtung erlaubt das ganze Spectrum abzublenden, mit Ausnahme derjenigen Stelle, welche man gerade unterfuchen will.( Pogg. Ann. 140, 172.) 88 L. Ditfcheiner ,. Ein ähnliches Spectrofkop fand fich auch in der Ausftellung der Genfer Gefellſchaft zur Ausführung phyfikalifcher Apparate. dolige los fim sidq Zur Unterfuchung der Abforption an Flüffigkeiten ftellte Schmidt& Haenfch auch noch einen Apparat, beftehend aus einem mit abgefchliffenen Rändern verfehenen Glascylinder, an welchen fich planparallele Glasplatten anlegen laffen, fo dafs fich zwifchen ihnen eine Schichte Flüffigkeit, deren Dicke von der Länge des Cylinders abhängt, befindet. Die Glasplatten felbft find quadratifch und werden durch Kautfchukringe an den Cylinder gehalten. Auch fand fich bei diefer Firma ein Farbenmafs nach Stammer. Von Apparaten zum Meffen der Kryftallwinkel finden wir nur das Wollaftonfche Goniometer mit Fernrohr und Collimator, und zwar mit gröfserem Theilkreife eines von der bekannten Firma Aug. Oertling( Fried. Oertling) in Berlin und eines aus dem mechanifchen Etabliffement C. J. Jürgenfen von Profeffor E. Jünger in Kopenhagen. Grofse Nikol'fche Prismen brachten W. Steeg in Homburg vor der Höhe, und zwar ein folches von 50 Millimeter Seite und Leon Louis Laurent Succeffeur de H. Soleil in Paris. Diefelben exponirten auch prachtvolle DoppelfpathRhomboëder. In der dänifchen Abtheilung fand fich ein vollkommen durchfichtiger, nur von einigen Spaltungsflächen durchzogener isländifcher Doppelfpath im Gewichte von 274 Pfund im Werthe von 470 preufsifchen Thalern. Die bekannte, von Paris nach Potsdam überfiedelte Fabrik von Dr. E. Hartnack& Comp. ftellte eine Reihe von Hartnack'fchen Prismen, deren gröfstes eine Seite von 30 Millimeter hatte. Laurent lieferte ferner eine Reihe prachtvoller Quarz- und Turmalinplatten von verfchiedener Dicke, Quarzkeile, Quarzprismen und Quarzlinfen, ein Foucault'fches Prisma, Polariſkope von Sénarmont und Savart, einen Compenfator von Babinet nebft einer Suite von gefchliffenen Kryftallen. W. Steeg, deffen Ausftellung überhaupt eine der bemerkenswertheften auf dem Gebiete der Kryftalloptik war, brachte zwei Convex- Quarzlinfen von nahe 2 Meter Brennweite, ein Fernrohr mit Quarzlinfen und Quarzprisma zur Unterfuchung von ultraviolettem Lichte, ferner ein Steinfalz- Prisma und eine Steinfalz- Linfe, eine Suite von 148 ausgezeichnet gefchliffenen, darunter einige feltene, Kryftallplatten, ein Polariskop von Sénarmont und die Glimmerplatten- Combinationen von Reufch. Nörremberg fchon hat gezeigt, dafs, wenn man eine Anzahl zweiachfiger Glimmerplättchen fo übereinander legt, dafs die Hauptfchnitte der einander unmittelbar folgenden einen Winkel von 90 Grad bilden, fchon bei einer geringen Anzahl von Plättchen das Syftem fich wie ein optifch einachfiger Kryftall zwifchen polarifirenden Vorrichtungen verhält und diefe Imitation eine vollſtändige ift, wenn die Glimmer- Hauptfchnitte mit den Polarifationsebenen der polarifirenden Vorrichtungen, Nikolen- oder Turmalinplatten, zufammenfallen. Reufch in Tübingen hat nun neue folche Glimmercombinationen herzuftellen verfucht, in welchen die Wirkungen rechts und links drehender einachfiger Kryftalle nachgeahmt find. Es wurden dünne Lamellen aus einem zweiachfigen Glimmer von 70 Grad Achfenwinkel in Form von Rechtecken gefchnitten, fo dafs der Hauptfchnitt, welcher die optifchen Achfen enthält, mit der längeren Dimenfion zufammenfiel. Diefe Lamellen wurden nun fo übereinander gelegt, dafs die Hauptfchnitte( Längsdimenfionen der Lamellen) der unmittelbar auf einander folgenden Lamellen einen Winkel von 60 Grad bilden. Man konnte nun auf diefe Art doppelt verfahren. Man konnte nämlich auf die erfte Lamelle gerade gegen fich gerichtete, die zweite fo legen, dafs ihre zugekehrte Hälfte mehr gegen rechts liegt, und in eben demfelben Sinne die dritte auf die zweite legen u. f. w., oder man konnte die zweite Lamelle auf die erfte legen, dafs ihre zugekehrte Hälfte gegen links zu liegen kommt und in diefem gleichfam entgegengefetzten Sinne mit der Aufeinanderlegung der Plättchen fortfahren. Im erften Falle erhält man eine von links nach rechts anfteigende Treppe R, im zweiten Falle aber eine nach links anfteigende Treppe L. Die aufeinander folgenden Glimmerplättchen find Optifche und akuftifche Apparate. 89 durch dickflüffigen Copalfirnifs aneinander gehalten. Ebene Glasplatten bilden die Abfchlüffe der Glimmerfyfteme. Die Syfteme R und L verhalten fich nun, wenn eine genügende Zahl von Glimmerplättchen( 4 bis 6 Umgänge find genügend) wie rechts und linksdrehender Quarz, ja beide Syfteme R und L über einander gelegt zeigen im Polariſationsapparate fogar die Airy'fchen Spiralen. Ganz ähnliche Wirkungen erhält man mit zwei Apparaten, wo die Lamellenfyfteme unter 45 Grad zu einer rechten und linken Treppe verbunden find. Herr Steeg hat diefe Glimmercombinationen auf Wunfch des Herrn Profeffors E. Reufch mit grofser Präcifion ausgeführt. Wie fchon Reufch in feiner Publication( Pogg. Ann. 1869, 138, 625) bemerkt, ift die Dicke der Glimmerblättchen eine folche, dafs der Gangunterfchied der zur Plattenebene durchgehenden| polarifirten Strahlen ungefähr/ Wellenlänge beträgt. Bei einem Syftem von 36 folchen Lamellen zeigte fich für roth eine Drehung der Polarifationsebene von 150 Grad, was einer Quarzplatte von 8 Millimeter Dicke entſpricht. Herr Steeg erzeugte auch Syfteme von mehr als 72 Lamellen, die alle eine Dicke, welche ungefähr dem angegebenen Gangunterfchiede entſpricht, haben und aus derfelben Glimmerplatte gefchnitten find. Es ift zu bemerken, dafs die Aehnlichkeit der Erfcheinungen an folchen Glimmerplatten mit jenen an Quarzplatten um fo gröfser wird, je gröfser die Anzahl der Lamellen ift und je dünner diefe find, dafs aber begreiflicherweife eine vollkommene Uebereinftimmung namentlich im convergirenden Lichte der Polarifationsapparate nicht erreicht werden kann. In der That hat auch Reufch gezeigt, dafs man umgekehrt die an folchen Syftemen fich zeigenden Erfcheinungen am Quarze nachahmen kann, wenn man die Quarzplatte oben und unten mit Achtel- UndulationsGlimmerplättchen bedeckt, deren Hauptfchnitte unter 90 Grad gegen einander geneigt find. Die Erfcheinungen an Glimmercombinationen find daher aufzufaffen als folche von rechts- und linkspolarifirenden Quarz, der elliptifch polarifirt und analyfirt wird. Ganz dasfelbe zeigt fich auch für die zur Achfe gefchnittenen Platten einachfiger Medien( Kalkfpath), welche durch folche Achtel- UndulationsPlättchen Erfcheinungen im Polarifationsapparate liefern wie die Nörremberg'fchen Combinationen. Dünnfchliffe von Mineralien, Erzen u. f. w. enthielt die Ausftellung von Voigt und Hochgefang, Guftav Voigt in Göttingen. Die Apparate zur Beftimmung der Drehung der Polarifationsebene des Lichtes waren felbftverftändlich wegen deren hoher Wichtigkeit namentlich zur Beftimmung des Zuckergehaltes in Flüffigkeiten u. f. w. reich vertreten. Einen grofsen Biot'fchen Apparat, mit welchem unmittelbar unter Anwendung von homogenem Lichte oder durch Beobachtung durch ein Prisma, welches die auffallenden Strahlen in ein Spectrum trennt, die Drehung an einen Theilkreife mit Nonius abgelefen werden kann, war von L. J. Duboscq in Paris( 21, Rue de l'Odéon) ausgeftellt. Diefe Firma brachte auch ein Soleil'fches Saccharometer. Franz Schmidt& Haenfch in Berlin lieferten Saccharometer nach Soleil und folche in der Modification von Ventzke, ferner den Polariftrobimeter von H. Wild. Letzterer fand fich auch bei Hermann& Pfifter in Bern. Bei der Unterfuchung mittelft des Soleil'fchen Saccharometers beftimmt man die Gröfse der Drehung der Zuckerlöfung einfach dadurch, dafs man die Dicke einer linksdrehenden Quarzplatte beftimmt, welche die durch die Zuckerlöfung erfolgende Rechtsdrehung der Polarifationsebene aufhebt. Diefe linksdrehende Quarzplatte wird erhalten, indem zwei linksdrehende paffend gefchnittene Quarzkeile übereinander gefchoben werden, wodurch man erfichtlich, beliebig dicke linksdrehende Quarzfchichten fich herftellen kann. Durch eine vorgefchobene zur optifchen Achfe gefchnittene rechtsdrehende Quarzplatte hat man es nun in der Hand, auch die Wirkungen fehr dünner linksdrehender Quarzplatten hervorzubringen, fo dafs man jede, felbft die geringfte durch Zucker hervorgebrachte Drehung aufheben kann. Man hat in dem Soleil'fchen und dem ähnlich gebau 90 L. Ditfcheiner. ten Ventzke'fchen Inftrumente eine Art Compenfation durchgeführt. Diefe Compenfation mufs aber für alle Farben des Sonnenfpectrums in gleicher Weife eintreten, und diefs findet aber nur dann ftatt, wenn die Drehungen für die verfchiedenen Farben in Zucker und Quarz proportional ftattfinden, fo dafs, wenn eine Zuckerlöfung von beftimmter Dicke das rothe Licht Mal weniger dreht als eine Quarzplatte von beftimmter Dicke, auch jede andere Farbe, gelb, grün, blau u. f. w. nMal weniger durch diefe Zuckerfchichte als durch die angegebene Quarzplatte gedreht wird. Für Rohrzucker und Quarz findet diefs nun allerdings ftatt, wie diefs die Verfuche von Stefan( Wiener akademifche Sitzungsberichte) nachgewiefen haben. Nicht aber findet diefs Verhältnifs zwifchen der Drehung von Zucker und Terpentinöl ftatt. Man kann alfo nicht mit Terpentinöl, wie es verfucht wurde, Zuckerlöfungen unterfuchen. Ebenio wenig darf man Terpentinöl und dergl. mit Soleil's Apparat in Bezug auf ihre Drehung unterfuchen Dazu eignen fich nur die Saccharometer von Biot, Mitfcherlich oder Wild. Das erftere ift zu bekannt, als dafs hier noch an dasfelbe errinnert werden follte. Aber bemerkt mufs werden, dafs wegen dem durch das Prisma erhaltenen Spectrum diefes Inftrument fich befonders dazu eignet, für ganz beftimmte Farben die Drehung der Polarifationsebene zu beftimmen. Das Wild'fche Saccharometer auch Polariftrobometer genannt, beſtimmt die Drehung durch das vollſtändige Verfchwinden von mittelft eines Savart'fchen Polarifkopes erhaltenen Interferenzftreifen. Zwifchen zwei Nikolen befindet fich nämlich die zu unterfuchende drehende Subftanz und ein Savart'fches Polarifkop. Diefes befteht bekanntlich aus 2 unter 45 Grad gegen die optifche Achfe gefchnittenen, etwa 20 Millimeter dicken Quarzplatten, welche fo aneinander gelegt find, dafs ihre optifchen Hauptfchnitte aufeinander ftehen und zwifchen gekreuzten Nikolen, wenn ihre Hauptfchnitte Winkel von 45 Grad mit den Polarifationsebenen der Nikole bilden, fchöne Interferenzftreifen zeigen, welche vollſtändig verfchwinden, wenn der eine der Nikole um 45 Grad gedreht wird. Der Ocularnikol fteht feft und ift mit den ebenfalls feften Savart'fchen Doppelplatten fo verbunden, dafs deren Hauptfchnitte unter 45 Grad gegen den Hauptfchnitt des Nikols geneigt find. Der auf der anderen, dem Auge abgewendeten Seite befindliche Nikol ift drehbar und wird feine Drehung an einem Theilkreife mit Nonius, bei gröfseren Inftrumenten wegen feiner grösseren Entfernung vom Auge mit einem Fernrohre abgelefen. Wendet man weifses Licht an, fo verfchwinden die Interferenzftreifen nie vollſtändig, wohl aber dann, wenn man gefärbtes möglichft homogenes Licht anwendet, für welches dann auch genau die Drehung beftimmt werden kann. Hier ift felbftverftändlich gleichgiltig, nach welchem Gefetze die Drehung für die verfchiedenen Farben ftattfindet, und gibt es für das Inftrument in Folge deffen bei der Unterfuchung drehender Subftanzen keine fo befchränkenden Bedingungen wie beim Soleil'fchen. W. J. Hauck in Wien ftellte einen Apparat zum Meffen der optifchen Achfenwinkel an Kryftallen und ein Nörremberg'fches Polarifations inftrument aus. Der v. Lang'fche Apparat zum Meffen der optifchen Achfenwinkel von optifchzweiachfigen Kryftallen ift durch feine Einrichtung fo bequem in der Benützung, dafs derfelbe von allen Kryftallphyfikern bereits benützt wird. Als Polarifeur und Analyfeur dienen zwei Nikol'fche Prismen. Das analyfirende Prisma befindet fich in einem aftronomifchen mit einem Fadenkreuze auf unendliche Entfernung eingeftellten Fernrohre. In der Verlängerung diefes horizontal gerichteten Fernrohres befindet fich der Polarifeur mit einer vor demfelben angebrachten Linfe. Hinter demfelben ftellt man einen Beleuchtungsfpiegel oder eine Lampe auf. Der Achfe des Fernrohres parallel befindet fich ein darüber angebrachter horizontaler fixer Limbus, deffen drehbare Achfe oben eine drehbare Alhidade mit Nonius, unten aber einen zum Centriren und Juftiren eingerichteten fogenannten Petzval'fchen Träger trägt. Die zu unterfuchenden Kryftallplatten werden in die Zange diefes Trägers anfangs nahezu richtig eingeklemmt, fodann aber mittelft der am Petzval Optifche und akuftifche Apparate. 91 fchen Träger befindlichen Kugelfchalen fo vollkommen richtig geftellt, dafs beim Drehen der Alhidade die beiden optifchen Achfen durch den Mittelpunkt des Fadenkreuzes wandern. Bei dem von Hauck ausgeftellten Inftrumente ift leider der Petzval'fche Träger durch eine einfache Charnièredrehung erfetzt, was namentlich bei kleinen Kryftallen den Nachtheil hat, dafs man die Mitte der Platte nur zu leicht aus der optifchen Achfe der Fernröhre herausbringt. Bei einem von Groth( Pogg. Ann. 144. 34) befchriebenen Apparate, fonft mit dem von Lang'fchen vollkommen übereinftimmend, find die beiden Zinken der Klemme, welche die Kryftallplatte zu halten beftimmt ift, nicht kantig, fondern an der einen Zinke befindet fich eine Glasplatte befeftigt, welche den Vortheil bietet, dafs dadurch die Kryftallplatte leichter in einer fixen Lage erhalten werden kann. Um die Platte in paffende Höhe bringen zu können, läfst fich der Petzval'fche Träger heben und fenken und durch eine Klemmfchraube befeftigen. Zum Centriren dient eine horizontale Verfchiebung, fo dafs man leicht jede Stelle der Kryftallplatte in die optifche Achfe des Fernrohres bringen kann. Zur genauen Einftellung der optifchen Achfen in den Mittelpunkt des Fadenkreuzes dient eine mit einer Klemmvorrichtung verfehene Mikrometerfchraube, welche eine feinere Bewegung der Alhidade und Kryftallplatte geftattet. Will man den opti. fchen Achfenwinkel in verfchiedenen Flüffigkeiten beftimmen, fo dient dazu ein Gefäfs mit planparallelen Glaswänden, welches man auf die Bodenplatte fo ftellen kann, dafs die Kryftallplatte unter die im Gefäfse befindliche Flüffigkeit eintaucht. Durch eine Lampe kann auch die Flüffigkeit im Gefäfse erwärmt werden. Für verfchieden grofse Platten verwendet auch Groth( a. a. O.) verfchieden breite Gefäfse, und laffen fich Fernrohr und Polarifeur fo nähern, dafs fie der Kryftallplatte möglichft nahe kommen.( Carl's Repertorium. III. 201.) Das Nörremberg'fche Polarifationsmikrofkop in der von Lang'fchen Ausrüftung( fiehe Carl's Repertorium) zeichnet fich vor allen anderen darin aus, dafs der Analyfeur nicht in die Meffingfaffung des oberen Linfenfyftems eingefchloffen ift, fondern fich über derfelben auf und abbewegen läfst, fo dafs es möglich wird zwifchen dem Analyfeur und dem Polarifeur andere Kryftallplatten( Quarzplatten und dergl.) einzufchieben und beliebig zu neigen, was namentlich bei der Beftimmung des optifchen Charakters einer Subftanz von Vortheil ift. Polarifationsmikrofkope lieferten noch W. Steeg in Homburg und Laurent in Paris. Akuftifche Apparate. Von akuftifchen Apparaten ftellte L. J. Duboscq in Paris ein Vibrationsmikrofkop mit elektromagnetifcher Regulirung nach Helmholtz und eine Stimmgabel nach Liffajous mit einem Spiegel, deffen Ebene fenkrecht auf die Längenrichtung der einen Zinke fteht. Profeffor L. Jendraffik in Peft hatte einen„ Klangzerlegapparat" in der ungarifchen Abtheilung gebracht. Franz Hajek in Prag hatte eine Reihe akuftifcher Apparate, theilweife nach den Angaben von Profeffor E. Mach dortfelbft, ausgeftellt. Der Apparat zur Demonftration der Reflexion des Schalles befteht aus zwei congruenten elliptifchen Brettern, die parallel in einer gewiffen Diftanz durch einen die Ränder begrenzenden Blechftreifen gehalten werden. Es wird fo zwifchen den Brettern ein Luftcylinder mit elliptifcher Bafis von fehr geringer Höhe erhalten. In dem einen Brennpunkte befinden fich zwei Metallknöpfe in kleiner Entfernung von einander, welche durch Drähte mit einem Ruhmkorff'fchen Apparate oder mit der Holtz'fchen Elektromafchine in Verbindung ftehen, fo dafs man zwifchen diefen Knöpfen elektrifche Funken überspringen laffen kann, welche wegen ihres knifternden Geräufches nur Wellen von kurzer Wellenlänge erzeugen. Bringt man nun in den anderen Brennpunkt eine beftäubte Glasplatte, fo entſtehen auf derfelben in Folge der Reflexion an dem elliptifchen Rande Staubfiguren von grofser Schärfe. Je kleiner die Funken find, defto zarter ift die Staubfigur. Abge-, 92 L. Ditfcheiner. brannte Knallgas- Blafen liefern defto mehr verfchwommene Figuren, je gröfser fie find und je tiefer ihr Klang ift.( Pogg. Annal. 149, 424.) Der Apparat zur Demonftration der Brechung des Schalles beſteht aus zwei aus Holzbrettern gefertigten Parabelftücken, deren jedes durch einen Schnitt fchief zur Parabelachfe auch durch eine gerade Linie begrenzt wird. An der Begrenzungslinie legt man nun diefe beiden fo aneinander, dafs ihre Umgrenzung eine continuirliche ift, und die geraden Schnitte müffen fo geführt werden, dafs die Neigungen beider Achfen gegen die gemeinfchaftliche Normale der Schnittlinie dem Brechungsverhältniffe von Luft und Kohlenfäure entſprechen. Ein ganz gleiches Paar folcher Bretter wurde ebenfalls gebildet und beide Paare in einer gewiffen Diftanz durch einen die Ränder verbindenden und den Raum nach aufsen fchliefsenden Blechftreifen verbunden. Diefer fo gebildete Cylinder wird nun durch eine parallel der geraden Schnittlinie nicht zu ftark gefpannte Membran in zwei Theile getheilt. In den einen auf diefe Art entſtehenden Raum wird Luft, in den andern Kohlenfäure gegeben, fo zwar, dafs, wenn in dem Brennpunkte der einen Parabel ein Funke überfpringen, oder eine Knallgasblafe zur Exploſion gebracht wird, die von dort ausgehenden Schallftrahlen vom Blechftreifen parallel zur Parabelachfe reflectirt werden, auf die Membran gelangen und dort in das andere Medium gebrochen, von dem Blechftreifen abermals reflectirt und im Brennpunkte diefer Parabel wieder vereinigt werden. Nach den Verfuchen von Mach geben die Funken keine Staubfigur im anderen Brennpunkte, da die von ihnen ausgehende Wellenbewegung zu fchwach ift, um zwei Reflexionen und eine Brechung ohne Schaden zu ertragen. Selbft Knallgasblafen geben diffuſe, kaum brauchbare Figuren im zweiten Brennpunkte. Defshalb hat Mach, um wie bei der reflectirenden Ellipfe eine gefchloffene Wellenfläche zu erhalten, einen anderen Verfuch ausgeführt. Man conftruire um die Punkte A und B eine Eicurve u5v Conft., fo dafs nicht beide Punkte innerhalb diefelbe fallen, und bringe drei folche Bretter parallel übereinander. Das mittlere ift etwas kleiner. Der Rand des mittleren und des oberen Brettes find durch eine Membran verbunden und der Raum mit Kohlenfäure gefüllt. Das mittlere und obere Brett verbindet ein Blechftreifen und zwifchen dem unteren und mittleren befindet fich Luft. Der Funke überfchlägt in Luft in A, die Schallwelle biegt um den Rand des mittleren Brettes durch die Membran in die Kohlenfäure ein und erzeugt in dem Punkte B auf der beftäubten Glasplatte eine ſchöne fcharfe Staubfigur. Die Figur verfchwinnet und es entſtehen einige, jedoch nicht mehr concentrifche Rippen in einem anderen Punkte C, wenn die Kohlenfäure durch Luft erfetzt wird.( Pogg. Ann. 149, 428.) = Bei dem Apparate für die Schwingungen geftrichener Saiten find zwei Saiten kreuzweife über einander gefpannt, fo dafs die eine etwa in zwei Centimeter Entfernung über die andere hinweggeht Wenn man diefe Saiten gleichzeitig mit dem Bogen ftreicht, fo erhält man in dem Ueberdeckungsfelde der beiden verfchwommenen Saitenbilder ein fehr fchönes, fcharfes Parallelogramm, das fich langfam ändert und zeitweilig zu einer geraden Linie zufammenfchrumpft. Man fieht daraus, dafs, weil die Schwingungscurve für alle Phafenunterfchiede ein Parallelogramm ift die Saite nur mit conftanter Gefchwindigkeit hin- und hergehen kann.( E. Mach, Pogg. Ann. 134, 311.) Bei dem Apparate zu ftrobofkopifchen Unterfuchungen der Luftwellen ift eine Reihe König'fcher Brenner in die Seitenwand einer Orgelpfeife eingefetzt. Macht man die Flammen fehr klein, fo leuchten fie faft nur momentan periodifch auf und es laffen fich die Schwingungen der Stimmgabeln, Saiten, Pfeifen u. f. w. bei diefem Lichte fehr fchön und ſcharf beobachten Die Kundt'fchen Staubwände fieht man auf diefe Weife in einer gläfernen Orgelpfeife fehr fchön hin und herfchwingen. Man kann die Luft in der Pfeife auch mit fehr fchönen Querlinien überziehen auf folgende Weife. Ein Platindraht ift an der oberen Wand der horizontalen Pfeife der ganzen Länge nach durch das Rohr gezogen. Derfelbe deden u godolgi Я гут Optifche und akuftifche Apparate. 93 wird mittelft eines Badefchwämmchens der ganzen Länge nach mit Schwefelfäure beftrichen, welche auf dem Drahte eine Reihe regelmäfsiger Tröpfchen bildet. Beim Erhitzen des Drahtes durch einen galvanifchen Strom finken nun die Tröpfchen als feine Dampflinien quer durch die Pfeife herab. Man kann auch die in die Seitenwand einer Pfeife eingefetzten Brenner mit den Spitzen durch die Seitenwand einer andern Pfeife in diefelbe quer hineinragen laffen. Tönt die erfte Pfeife, fo zeigen die Flammen die bekannten Erfcheinungen. Tönt die zweite Pfeife, fo verbreitern fich die Flammenbilder und diefe fchwingen nach der Länge der zweiten Pfeife hin und her. Tönen beide Pfeifen und geben fie Stöfse, fo erhält man den Eindruck einer Longitudinalwelle, indem die durch die zweite Pfeife oscillirenden Flammen vermöge der Wirkung der erften immer in anderen Lagen aufleuchten. ( Anzeiger der kaiferlichen Akademie der Wiffenfchaften in Wien, 1870. S. 43.) Bei einer Syrene zu ftroboskopifchen Unterfuchungen ift an der rotirenden Achfe derfelben eine Scheibe mit äquidiftanden Löchern oder radialen Spalten angebracht von der gleichen Anzahl wie die Löcher der Tonfcheibe der Syrene Sieht man nun durch die Spalten der Papierfcheibe gegen einen gleichmässig rotirenden als ftrobofkopifche Scala dienenden weifsen Cylinder, der mit fchwarzen Längsftreifen überzogen ift, deren Zahl und Dichte gegen das andere Ende hin rafch abnimmt, fo bemerkt man die Streifen immer an jener Stelle ruhig, an welcher fie in der momentanen Schwingungszahl an der Syrene am Auge vorübergehen. Schwingende Körper mit dem Cylinder optifch zur Deckung gebracht zeigen an den Stellen, welche ihrer Schwingungszahl entſprechen, charakteriftifche Figuren. ( Akademifcher Anzeiger, 1872, S. 153.). Hayek ftellte auch noch eine phoronomifche Wellenmafchine und den Mach'fchen Apparat zur Demonftration des Fermat'fchen Brechungsgefetzes, dafs das Licht bei der Brechung von einem Punkte zum anderen auf einem Wege kürzester Zeit gelange,( fiehe Carl's Repertorium, 1872) aus. W. J. Hauck in Wien brachte aufser einigen Schulapparaten auch noch Stefan's Interferenzapparat. Bei diefem Interferenzapparate dient als Schallquelle ein etwas dickeres Thermometerrohr von einem Meter Länge. Mittelft eines Korkes ift er in eine weitere Glasröhre( Schallröhre) fo gefteckt, dafs die eine Hälfte in der Röhre die andere aufserhalb derfelben ift. Diefe letztere wird mit einem feuchten Tuchlappen in longitudinale Schwingungen verfetzt, und bringt fomit die erftere, an deren Enden eine auf der Längenrichtung fenkrecht ftehende ohne Reibung in der weiten Röhre bewegliche Korkfcheibe angebracht ift, die Luft in der Röhre in Schwingungen. Durch ein eingeftreutes Pulver kann nun diefe Luftbewegung, wie von Kundt gezeigt wurde, nicht nur in der weiten Röhre, fondern in allen an diefe gefügten Röhren beobachtet werden. Beim Apparate von Stefan find zwei T- förmige Röhren durch zwei über ihre Querarme verfchiebbare U- förmige Röhren verbunden. Der Ausläufer der erften T- förmigen Röhre fteht mit der oben genannten Schallröhre in unmittelbarer Verbindung, während der Ausläufer der zweiten mit einer gleichweiten Röhre( Interferenzröhre) durch Kautfchuck oder Kork verbunden ift. Das andere Ende diefer Röhre kann frei oder durch einen Korkftöpfel verfchloffen fein. Die Schallbewegung, die von der Schallröhre ausgeht, wird nun durch die U- förmigen Röhren in zwei Zweige getheilt, welche Zweige dadurch, dafs man die U- förmigen Röhren gleich oder ungleich tief in die Querarme der T- förmigen Röhre fchiebt, gleich oder ungleich find. Die Schallbewegungen der Zweige gehen nun durch den Ausläufer der zweiten T- förmigen Röhre in die angefetzte Glasröhre, fetzen fich dort zu einer refultirenden Bewegung zufammen, welche durch eingeftreutes Pulver fichtbar gemacht werden kann. Ift zwifchen den beiden Zweigen kein Längenunterfchied oder ein folcher von einer ganzen Anzahl Wellenlängen, fo erhebt fich das Pulver lebhaft in Schichten, ift diefer Längenunterfchied aber eine ungerade Anzahl halber Wellenlängen, fo bleibt das Pulver ruhig liegen. Die Schallröhre und die Interferenzröhre find horizontal und gerade übereinander, die beiden 94 L. Ditfcheiner. Optifche und akuftifche Apparate. U- förmigen Röhren und die Querarme der T- förmigen find alfo in einer Verticalebene.( Sitzungsberichte der Wiener Akademie. 56. 561.) Meteorologiſche Inftrumente. Unter den meteorologifchen Apparaten ragen vor Allem die felbftregistrirenden, jetzt fchon auf einer grofsen Zahl von meteorologifchen Centralobfervatorien gebrauchten Inftrumente von Hasler und Efcher in Bern hervor. Wir finden unter ihnen in ausgezeichneter Ausführung einen Anemo- Ombrographen, einen Barograph nach Wild, einen Thermo- und Hygrographen und andere. Solche felbftregiftrirende Apparate finden wir bei den ebenfalls rühmlichft bekannten Firmen Amsler- Laffon in Schaffhaufen und M. Hipp in Neuenburg( Schweiz), welch letztere unter Anderem einen Barometrographen mit doppelter Vidy'fcher Aneroidkapfel ausftellte. Einen ähnlichen folchen Apparat, jedoch noch mit Markirung durch einen Bleiftift, brachte L. Brêguet in Paris. In der Rotunde war ein regiftrirender Barometrograph mit Aneroidkapfel von Pillifcher in London aufgeftellt. Photographifche Darstellungen eines Unifilarmagnetometers und eines Inclinatoriums, ferner von photographifch regiſtrirenden Inftrumenten und zwar eines Magnetometers, eines Thermometers und eines Barometers, fowie Photographien von Sonnenflecken und feine Annalen ftellte das Obfervatorium des Infanten D. Luiz in Liffabon aus. Jofé de Arcy y Jurados lieferte in Zeichnungen gegebene Projecte zu einem Barometrographen und Thermometrographen. Edelmann M. Th. in München exponirte ein fchön ausgeführtes Magnetometer für abfolute erdmagnetifche Beobachtungen. Die durch ihre vorzügliche Arbeit bekannte Firma L. J. Kapeller in Wien ftellte ein Normalbarometer nach Fortin, ein Normal- Heberbarometer mit Mikrofkopablefung, Reife Heberbarometer von bekannter compendiöfer und bequemer Form und Behandlungsweife, endlich Pfychrometer und Thermometer in den verfchiedenften Gröfsen und Formen aus. Dr. H. Geifsler in Bonn, der bekannte Meifter in der Behandlung des Glafes, lieferte Thermometer, Pfychrometer nach Auguft und Hygrometer nach Daniell und Geifsler. Die Genfer Gefellfchaft zur Ausführung phyfikalifcher Apparate ftellte Haarhygrometer aus. Defsgleichen Hermann& Pfifter in Bern, welche ihre Inftrumente wegen der forgfältigen Behandlung der Haare, welche die Uebelftände jener der gewöhnlichen Inftrumente nicht befitzen follen, empfehlen. Diefelbe Firma ftellte Maximum- und Minimumthermometer nach dem Principe der bimetallifchen Lamellen aus. De Hennault J. B.& Sohn in Fontaine l'Evêque, Hennegau in Belgien, brachte einen Windmeffer mit Chronometer, Anton Ponce in Turin einen mechanifchen Meteorographen nach den Angaben der Aftronomen P. F. Denzo und Profeffor J. Cicero in Palermo ein Anemometer. notontal esb mulovold me gidsede ba bydooggemb A tamo manbaidolay MAGNETISCHE UND ELEKTRISCHE APPARATE. sidairall loib ollos? ( Gruppe XIV, Section 2.) Bericht von dain dozub and DR. A. VON WALTENHOFEN, sib bay 02 Not Profeffor in Prag. 15h for b in aliodi Wir geben in gedrängtefter Kürze einen Ueberblick der bemerkenswertheften Ausftellungsobjecte aus dem Bereiche der magnetifchen und elektrifchen Apparate mit Ausfchlufs des Telegraphenwefens. Auch die elektriſchen Uhren und Chronofkope find in der Regel anderen Abtheilungen diefes Berichtes vorbehalten geblieben, mit Ausnahme von einigen wenigen Apparaten der befagten Art, welche auch in diefem Referate nicht ganz unerwähnt bleiben konnten.- Die Reihenfolge der Länder entſpricht dem officiellen Generalkataloge. der Ausfteller eines jeden Landes folgen in alphabetifcher Ordnung.ded Die Namen England. J. L. Pulvermacher, London und Paris. Seine bekannten kräftigen elektrifchen Ketten in verfchiedenen Formen und fchöner Ausführung. oiway go gob uszodolewalesilenciBubal nov asmodive TieffeeSiemens brothers, London. Galvanometrifche Präcifions- Inftrumente und elektrotechnifche Apparate von rühmlichft bekannter Solidität und Schönheit in der Ausführung.-Diverſe Galvanometer, Widerftandsinftrumente und dergleichen; fiehe bei Siemens& Halske( deutfches Reich). Photometer. Glaskapfeln, welche lichtempfindliche Papiere enthalten, in einer Büchfe verfenkt, werden durch eine elektromagnetifche Ausrückung der Reihe nach in verfchiedenen Tiefen auf beftimmte Zeit der Lichteinwirkung exponirt.- Tieffee- Thermometer. Von zwei gleichen Spiralen, deren Widerstände fich bei gleicher Temperatur an der Wheatft on e'fchen Brücke das Gleichgewicht halten, wird die eine in das Meer verfenkt, während fich die andere in einem Wafferbade befindet, deffen zur Widerftandsausgleichung erforderliche Temperatur jene der unterfuchten Meerestiefe angibt.- Das durch neuere Verfuche( Dingler, Band 208) vorzüglich bewährte C. W. Siemens'fche Widerftandspyrometer. Platindraht auf feuerfeftem Thoncylinder, mittelft eiferner Röhre der zu meffenden Hitze ausgefetzt, erfährt eine die Temperatur anzeigende Widerftandsänderung. Meffung durch Zweigftröme am fogenannten Differentialvoltameter. Refultat bequem aus Tabellen zu entnehmen.( Dingler, Band 201.) Portugal. Gewerbeinftitut in Liffabon. Mehrere fchön gearbeitete bekannte Apparate; darunter ein Foucault'fches Pendel mit elektromagnetifchem 96 Dr. A. von Waltenhofen. Antriebe von Silva Pinto, Präparator des Inftitutes.- Graphifche Darstellung erdmagnetiſcher und anderer Beobachtungen am Obfervatorium des Infanten D. Luiz in Liffabon. Eine gleichfalls ausgeftellte elektrifche Uhr bleibt einer anderen Section diefes Berichtes vorbehalten. - - Frankreich. Adminiftration des lignes telegraphiques. E. Barbier à Paris. Die Leclan ché'fche Kette in verfchiedenen Formen, befonders für telegraphifche Zwecke eingerichtet. Boulay& Comp. à Paris. Elektromagnetiſche Motoren( Syftem Dumoulin Froment) in verfchiedenen Gröfsen; elektrotherapeutifche und Ruhmkorff'fche Apparate.- P. Dumoulin Froment à Paris. Electromoteur à rotation immédiate", gröfseres fehr fchön ausgeführtes Modell.( Conftruction bereits bekannt.)- E. Vinay à Paris. Widerftandsfcalen mit Stöpfelfchalter, Siemens'fche Form. Der telegraphifche Blitzableiter von Digney frères& Comp.; die elektrifchen Uhren von Deschiens und Dumoulin- Froment; die Telegraphenmaterialien von Bonis, Legay u. f. w. find Gegenftand einer anderen Section diefes Berichtes. " - - L. Bréguet, Paris. Der vielbefprochene Jamin'fche Blättermagnet. Fünfundvierzig dünne, nach der Breitfeite gebogene magnetifirte Stahllamellen zu einem an beiden Schenkeln armirten Magazine vereinigt, im Uebrigen durch nicht magnetiſche Zwifchenlagen getrennt. Das Gewicht des Magneten foll 50 und die Tragkraft 500 Kilo betragen, alfo ungefähr das Vierfache von der nach der Haecker'fchen Formel berechneten Tragkraft. Magnetinductoren, theils für Telegraphenfignale, theils zum Minenzünden( durch Funken) engerichtet. Stahlmagnete mit Eifenkernen armirt, in deren Umwindungen das Abreifsen eines vorgelegten Ankers( durch Niederdrücken eines Tafters) einen Strom inducirt, der entweder felbft zum Zeichengeben dient oder deffen Extracurrent bei den mit entfprechender Umfchaltung verfehenen Minenzündern die Funken gibt. Zwanzigelementige Polariſations batterie mit Wippe. Bleierne Elektroden in verdünnter Schwefelfäure in Doppelzellen mit Diaphragma. Magnetoelektrifcher Rotationsapparat nach Gramme. Ein kleineres Modell und ein gröfseres, mit Dampfmaschine betrieben, in der Maſchinenhalle. Der Grundgedanke der Conftruction ift gewiffermafsen die Umkehrung des dem Kravo gl'fchen Motor zu Grunde liegenden Principes. Ein zwifchen den Polen eines magnetifchen Magazins rotirender eiferner Ring( aus weichem Eiſendraht gefertigt) bildet den gemeinfchaftlichen Eifenkern eines Syftemes von Inductionsfpiralen, welche, auf den Ring gewickelt, mitrotiren und deren Drahtenden an der Achfe mit den Elektroden des Apparates in entfprechende Verbindung treten.( Vergleiche Leipziger Jahrbuch der Erfindungen 1871.) Dubofcq, Paris. Seine treffliche elektrifche Lampe in rühmlichft bekannter folider und eleganter Ausführung. - Gaiffe, Paris. Elektrotherapeutifche Apparate von anerkannter Vorzüg lichkeit. Batterien, Inductoren( Schlittenapparate und Rotationsapparate), nebft den verfchiedenartigften Hilfsgeräthfchaften; Alles in fehr hübfcher Ausführung. Schweiz. Die Chronofkope und elektrifchen Uhren von Hasler& Efcher in Bern und von M. Hipp in Neuenburg find Gegenftand anderer Sectionen diefes Berichtes. Italien. Dr. Antonio Cofta Saya, Meffin a., Dinamometro magnetico". Apparat zur Demonftration der Fundamentalgefetze des Magnetismus. Das freie Ende einer am anderen Ende horizontal befeftigten magnetifirten Stahlfeder trägt einen kleinen, auf verticaler Scala fpielenden Zeiger und wird der Einwirkung eines in geeignete Lage gebrachten Magnetftäbchens ausgefetzt. Die Feder erleidet dadurch an der Scala abzulefende Biegungen, welche die wirkfamen Kräfte vergleichen laffen und fowohl das Coulomb'fche Gefetz, als auch die Vertheilung des Magnetismus in einem Stabe nachzuweifen geftatten. 1 Magnetifche und elektrifche Apparate. 97 Conte Antonio Roncali, Bergamo. Der in der Ausftellungszeitung vom 22. Juni von Pisko bereits befchriebene Melograph, welcher ein Mufikstück, während es gefpielt wird, mittelft eines elektrochemifchen Regiftrirapparates niederfchreibt. Dänemark. A. Rasmuffen, Kopenhagen. Elektrotherapeutifche Kohlenzink- Batterie mit einer Flüffigkeit( Tauchbatterie mit Batteriewähler). Patent- Inductionsapparate. Ruhmkorfffche Form mit Auszugsregulator; verfchiedene Gröfsen. Belgien. J. Jaspar, Lüttich. Kohlenlicht- Regulatoren, theils mit verticaler, theils mit horizontaler Bewegung. Der Chronograph Le Boulengé und die elektrifchen Uhren von Jaspar und von A. Gérard bleiben anderen Sectionen diefes Berichtes vorbehalten. Niederlande. F. W. Funckler, Harlem. Grofser Magnet. Die Funckler'fchen Magnete zeichnen fich bekanntlich durch aufserordentliche Tragkräfte aus.( Referent überzeugte fich wiederholt, dafs diefelben die nach der Haecker'fchen Formel berechneten weit übertreffen. Vergleiche das über Magnetoelektrifche Rotationsmafchine. Jamin's Blättermagnet Gefagte.) Magazin aus mehreren nach der Breitfeite gebogenen Lamellen mit gemeinfchaftlichen Armaturen beftehend, zwifchen welchen ein Inductor nach Art des Siemens'fchen Ankers rotirt. - Gebrüder van Wetteren, Harlem. Kleiner dreilamelliger Magnet ( Gewicht nicht angegeben) mit angeblich 33 Kilo Tragkraft. Deutfches Reich. A. Bornhardt, Braunfchweig. Elektriſche Patentzündmafchine. Kleine Hartgummifcheibe mit Pelzwerk gerieben ladet einen Condenfator. Schlagweite foll bei günftiger Luftbefchaffenheit vier Centimeter betragen. Nicht wefentlich verfchieden von den bekannten Conftructionen C. Winter's( Glasfcheibe) und Baron Ebner's( Hartgummifcheibe); übrigens hat diefes Sprengverfahren gegenüber den Inductionszündern kaum mehr eine Zukunft. W. Broecking, Hamburg. Sogenannte„ fympathetiſche Pendeluhren". Ausftellungsobjecte von hervorragender Bedeutung in ihrer Art. Elektriſche Uhren nach dem Jones'fchen Syfteme. Mit Krille'fchem Queckfilberunterbrecher verfehene Hemmung der Normaluhr bewirkt durch Stromfchlufs ftete Ausgleichung kleiner Gangdifferenzen des mit dem Pendel der Normaluhr nahezu gleichfchwingenden Pendels der Nebenuhr, indem letzteres eine horizontale Magnetifirungsfpirale trägt, die durch beiderfeits hineinragende, aufserhalb befeftigte StahlMagnetftäbe, mit einander zugekehrten gleichnamigen Polen, bei voreilendem Gange in ihrer Bewegung mehr verzögert als befchleunigt wird und umgekehrt. Das Syftem kann entweder mit Wechfelftrömen bei Secundenfchlufs mittelft Doppelunterbrecher oder mit gleichfinnigen Strömen bei Zweifecunden- Schlufs mittelft einfachen Unterbrechers eingerichtet werden. Condenfator für Extraftröme, um Oeffnungsfunken unfchädlich zu machen. Solche Uhren an der Sternwarte Greenwich in Verwendung; die ausgeftellten, mit zwei Meidinger- Elementen Airy's betrieben, feit Eröffnung der Ausstellung in übereinftimmendem Gange. elektromagnetifche Correctionsvorrichtung für das Normalpendel zur Zeit diefes Referates noch nicht ausgeftellt. - M. Th. Edelmann, München. Trefflich gearbeitete Mefsinftrumente gröfstentheils eigener Conftruction. Sein Compenfations- Galvanometer. Durch die Verdrehung eines Magneten wird die durch den zu meffenden Strom abgelenkte Magnetnadel wieder in ihre Ruhelage zurückgebracht. Stromftärke proportional dem Sinus des Drehungswinkels des Magneten. Sein Variationsdeclinatorium. Schwerer Marmorfufs, in deffen Mitte ein cylindrifcher Dämpfer. Drehbares 7* 98 Dr. A. von Waltenhofen. - Spiegelgehäufe. Fadenfuspenfion mit Geradführung. Der Vortheil der Conftruction. liegt darin, dafs Alles, was magnetiſch fein könnte, wegen centrifcher Anordnung um die Magnetnadel nicht ftörend einwirken kann. Sein abfolutes Galvanometer für Meffungen nach Weber. Drahtrollen auf maffiver getheilter Schiene mit guter Führung verfchiebbar. Verftellbarer Dämpfer.-Sein Magnetometer für abfolute erdmagnetiſche Beftimmungen nach Gaufs. Ablenkungsfchiene mit trennbarer Spiegelbouffole. Einfach und überfichtlich angelegtes Magnetometer, für Vorlefungsverfuche und praktifche Uebungen geeignet, zugleich als Präcifionsinftrument verwendbar. Ein fchon fehr verbreiteter Apparat.- Sein Befilare für abfolute Strommeffungen nach Weber. Fefte Rolle und Bifilarrolle mit oberer und unterer Suspenfion. Jene trägt einen Spiegel, um den Torfionswinkel ebenfalls mit Spiegel ablefung beftimmen zu können. Halbkugeln zum Schutze der Bifilarrolle gegen Luftzug. Wiedemann's Spiegelgalvanometer nach Edelmann's neueſter Conftruction für phyſikaliſche und phyfiologifche Strommeffungen. Compenfatormagnet in jeder Richtung mit grober und feiner Bewegung. Spiegelgehäufe zum Objectivdarftellen. Verftellbarer Dämpfer, deffen Hälften durch rechts- und linksgängige Schrauben verfchiebbar.- Edelmann's Ablefefernrohr für Spiegelinftrumente. Bequemes Inftrument, welches fchon vielfach Eingang gefunden hat.- Beetz' conftante Batterien für medicinifche Zwecke. Tauchbatterien, eine vierundzwanzigelementige in zwei Reihen und eine zwölfelementige in kreisförmiger Anordnung. In engen Gläfern( wie jene der Pincus- Kette) oben ein nicht amalgamirter Zinkftab; unten eingefchmolzener Platindraht( Zuleiter) umgeben mit Braunftein und Kohle. Füllung Salmiaklöfung. Haltbarkeit foll fehr grofs fein, über 12 Jahre ohne Frifchfüllung.( Siehe auch bei Heller.)- Beetz' Federfchlüffel. Hilfsgeräthfchaft zur Meffung der Kettenwiderftände nach der Beetz'fchen neuen Methode. Beetz' Vibrations chronograph. Allgemeines Princip bereits bekannt. Specielle Einrichtung in der Hauptfache folgende. Ein längs Prismaführung mit freier Hand zu ziehender Schlitten trägt eine tönende Stimmgabel. Diefelbe zeichnet ihr Phonautogramm auf einer berufsten, auf ebener Blechtafel vorbereiteten gefärbten Collodiummembran. Anfang und Ende der Bewegung, deren Dauer gemeffen werden foll, bewirken durch Stromunterbrechung Oeffnungsfunken eines Inductoriums, welche, zwifchen Schreibftift und Schreibeblech überfchlagend, das Collodium durchbrechen und die Zeitmarken abgeben. Edelmann's Fallapparat. Ein zur Demonftration der Zeitbeftimmung des freien Falles durch das Beetz'fche Chronofkop fehr geeigneter, finnreich conftruirter Apparat, deffen Erklärung jedoch ohne Zeichnung nicht in der hier erforderlichen Kürze gegeben werden kann. Befagter Chronograph und Fallapparat find auch fehr inftructive Vorlefungsapparate. Dr. H. Geifsler, Bonn. Seine rühmlichft bekannten Röhren verfchiedenfter Form in reicher Auswahl und kunftvoller Ausführung. Darunter auch die für den Unterricht lehrreichen und zugleich von der hohen Leiftungfähigkeit der Quecksilber- Luftpumpen Zeugnifs gebenden Vacuumröhren, in welchen felbft zwifchen ganz nahe ftehenden Elektroden keine Entladung mehr übergeht. F. Heller, Nürnberg. Einige hübfche elektrotherapeutifche Apparate. Grofsplattige conftante galvanokauftifche Batterie von fechs Elementen mit Pachytrop- Conftruction des Letzteren, jener von Wafsmuth ähnlich. Dreifsigelementige Beetz'fche Batterie.( Siehe bei Edelmann.) Elemente zur Erzielung geringerer Gebrechlichkeit fo abgeändert, dafs die Platindrähte nicht unten eingefchmolzen find, fondern ein ifolirter Zuleitungsdraht von oben( ähnlich wie beim Pincus- Elemente zum Silber) eingeführt ift, der einen unten angelötheten Platindraht trägt. Gebrüder Mittelftrafs, Magdeburg. Neuconftruirte BlitzableiterSpitzen mit Platinauffatz( Dingler, Band 208). Neun- bis zwölffach geflochtene Kupferdraht- Seile. Sehr compendiöfe Tafcheninductoren bis auf 24 Thaler per Dutzend herab. per Dutzend. - Magnetifche und elektrifche Apparate. 99 Kleine Funkeninductoren( Mignon- Bobinen) zu 40 Thaler A. Rodler's Nachfolger Dr. Albert Leffing, Nürnberg. Schöne, künftliche Kohle, Gaskohle und Thonzellen für galvanifche Elemente in den verfchiedenften Dimenfionen. - - Compendiöfes Die bekannte - Das Siemens& Halske, Berlin. Galvanometrifche Präcifionsinftrumente und elektrotechnifche Apparate von rühmlichft bekannter Solidität und Schönheit in der Ausführung. Gaugain'fche Tangentenbouffole mit Ring und beliebig zu fchaltenden Drahtkreifen auf meffingenem Dreifusse. Differentialgalvanometer, zugleich als Sinusbouffole eingerichtet. Sinus- Tangentenbouffole, befonders als Sinusbouffole empfehlenswerth. Werner Siemens'fche Univerfalgalvanometer, zugleich als Sinusbouffole, Wider- Genaue Copien ftandsbrücke und Du Bois'fcher Compenfator eingerichtet. der Queckfilber- Einheit und die bewährten Widerftandsfcalen verfchiedener Ausdehnung mit Stöpfelfchaltung.- Praktiſch bewährte, compendiöfe Widerftandsbrücken( mit Transportkaften) zur Meffung fehr grofser und fehr kleiner Widerftände nach der Kirchhoff'fchen Verallgemeinerung des Wheatfton e'fchen Parallelogrammes. Neue Widerftandsbrücke, zugleich mit Rheochord für kleinere Unterabtheilungen und zur Meffung von Kettenwiderftänden nach der neuen Werner Siemens'fchen Methode.- Aperiodifches Spiegelgalvanometer. Magnetnadel, einem durch zwei fymmetriſch parallele Schnitte erhaltenen Glockenfegmente ähnlich. Kugelförmiger Dämpfer zwifchen den beiderfeits aufzufchraubenden und leicht abnehmbaren Drahtrollen. Ueber die Zweckmäfsigkeit der für Nadel und Dämpfer gewählten Conftructionsverhältniffe gibt die Gaufs- Du Bois'fche Theorie der aperiodifchen Bewegung gedämpfter Magnete Auffchlufs.( Du Bois Reymond, Berliner akademifche Monatsberichte, Jahrgang 1869, Seite 833 bis 835; fiehe auch Jahrgang 1870.) Die befchriebene Form der Nadel bedingt insbefondere ein verhältnifsmäfsig kleines Moment, um den aperiodifchen Zuſtand ohne Aftafirung( wie z. B. durch den Hauy'fchen Magnetftab) herbeizuführen. Die Vorzüge aperiodifcher Nadeln überhaupt machen fich vornehmlich beim Poggendorff'fchen Compenfationsverfahren und bei der Weatftone'fchen Brückenmethode fühlbar. Die Hemmung der Schwingungen, die man mehrfach durch in Oel oder Waffer tauchende Anhängfel der Magnetnadel zu erreichen fuchte, ift viel einfacher und vollkommener durch den aperiodifchen Zuftand erzielt und die auf diefen Zuftand bezüglichen Formeln geftatten weitere wichtige Anwendungen zur relativen Meffung der Integralwerthe kurz dauernder Ströme und zur Meffung kleiner Zeiträume nach der Pouillet- Helmholtz'fchen Methode.( Du Bois Reymond, 1. c. 1869, Seite 851 und 852.)- Aperiodifche Bouffole mit Nadel auf Spitze. Das Werner- Siemen s'fche, nicht allgemein in feiner wahren Geftalt bekannte Chronofkop zur Meffung von Schufsgefchwindigkeiten. Das Projectil fchliefst an beftimmten Stellen des Laufes, wo zu diefem Zwecke Drähte ifolirt eingeführt find, die Schliefsungskreife je einer Leydener Flafche, deren Funke, von einem feften Stifte auf die berufste Mantelfläche eines mittelft Chronometerwerk rotirenden Cylinders überfpringend, die betreffende Zeitmarke abgibt. Magnetoelektrifcher Diftanzmeffer( Ortsbeftimmer, Torpedofucher). Das Schiff wird von A aus anvifirt und die Parallele zur gleichzeitig von B aus gemachten Vifur durch eine dem Inductions- Zeigertelegraphen ähnliche Auf diefe Art wird bei Einrichtung von einem Indicator in A angegeben. bekannter Standlinie auf einem Situationsplane( Netz) das den Ort des Schiffes beftimmende Dreieck feftgelegt. Die dynamoelektrifchen Minenzünder für Funken und für Glühen mit Siemens'fchem Anker. Die Stahlmagnete in dem früheren Siemens'fchen magnetoelektrifchen Apparate durch Elektromagnete erfetzt, deren Windungen die vom rotirenden Anker erzeugten mittelft Commutator gleichgerichteten Wechfelftröme durchlaufen. Anfangs nur fchwache Spuren von Magnetismus und entſprechend fchwache Ströme, die fich aber bei fortgefetzter 100 - Dr. A. von Waltenhofen. Thätigkeit des Apparates bis zu einem Maximum verftärken. Kreislauf des Stromes durch Contactfeder kurz gefchloffen erhalten, nach deren Aufhebung der nach zwei Umdrehungen der Kurbel zur vollen Entwicklung gekommene Strom in die nunmehr eingefchaltete Leitung übergeht.( Princip der dynamoelektrifchen Mafchinen, die man auch rückwirkende Inductionsmafchinen nennen könnte, faft gleichzeitig von Siemens, Wheatftone und Wild in England zuerft publicirt) Dynamoelektriſche Maſchinen verfchiedener Gröfse nach dem Syftem von v. Hefner- Alteneck. Vier der Länge nach bewickelte Eifenplatten bilden, durch entsprechende Armaturen verbunden, zwei mit gleichnamigen Polen gegenüberftehende Elektromagnete, innerhalb deren als Inductor ein gleichfalls der Länge nach bewickelter Blechcylinder( Neufilber) um einen eingefchloffenen, feftftehenden Eifenkern rotirt. Es wird fo die bei der Bewegung rotirender Anker ftattfindende Kraftverfchwendung und nachtheilige Erwärmung vermieden. In der That ift die in der Maſchinenhalle aufgeftellt gewefene dynamoelektrifche Lichtmafchine mit Dampfbetrieb wohl die erfte, welche die Erzeugung des elektrifchen Lichtes im Grofsen nicht nur auf Stunden, fondern in beliebiger Dauer auszuhalten vermag und dabei überdiefs einen bis jetzt unerreichten Wirkungsgrad darbietet. Diverfe elektrifche Lampen, Batterie- Elemente, Galvanoskope, darunter das neue, fogenannte Haarnadel- Galvanofkop für kurze Ströme, Schiffsgalvanometer und vieles Andere. - Dr. Emil Stöhrer, Dresden. Elektrotherapeutiche Apparate in bekannter fchöner und vorzüglicher Ausführung. Sogenannter Univerfalapparat für Inductions- und conftanten Strom mit Queckfilber- Unterbrecher und Regulirung für jeden Strom; Du Bois'fcher Schlitten. Stationärer Inductionsapparat und transportable Inductionsapparate.- Neuer Inductionsapparat mit gefchloffener Batterie für bequemen Transport Neuer Doppelapparat für Inductions- und conftanten Strom mit Umfchalter u. f. w. Handbatterie für conftanten Strom" und Elektrolyfe; galvanokauftifche Batterie u. f. w. Ein Agometer(, Rheoftat") mit Zinkvitriol als Leiter. - - " Stöhrerjun., Leipzig. Schöner grofser Funkeninductor mit verticalem aus 800 horizontal gewickelten Spiralfcheiben( fogenannten tellerförmigen Draht lagen) aufgebautem Inductorium. Drahtlänge 12.000 Meter. Condenfator aus 60 mit Stanniol belegten Hartgummiplatten. Queckfilberunterbrecher. Schlagweite angeblich 30 Centimeter. Eine inftructive Beigabe ift eine der befagten Drahtlagen auf Glasplatte.- Hankel's bekanntes Elektrometer in fchöner Ausführung.- Stöhrer's fogenannter„ Erreger"; kleine Scheibenmafchine mit Handhabe, Kurbel und Conductor. Sowohl zum Erregen von Influenzmafchinen, als auch zu den elektrifchen Fundamentalverfuchen. Elektromagnetifcher Regiftrirapparat zur Beobachtung des Wachsthums der Pflanzen.- Oefterreich und Ungarn. Fr. Batka, Prag. Apparat zur Demonftration der neuen Blitzableiter- Theorie von Profeffor Zenger. Zwei übereinanderftehende Elektroskope, deren Conductoren durch Bügel leitend verbunden find. Wird dem oberen Elektricität zugeführt, fo gibt nur das untere einen Ausfchlag. Inftructiver Vorlefungsverfuch, der jedoch die Zweckmäfsigkeit der fchon öfter vorgefchlagenen Blitzableiter ohne Spitzen nicht beweift. F. Hájek, Prag. Unter den fchönen und finnreichen Apparaten von Profeffor Mach, welche Hájek zur Ausftellung brachte, befindet fich auch ein Elektrofkop zur Demonftration des Sitzes der Elektricität auf der Oberfläche. ( Befchrieben in Carl's Repertorium, Band 6.) W. J. Hauck, Wien. Schön gearbeiteter, fehr grofser diamagnetifcher Apparat mit horizontal und vertical verftellbarer Wage, Aufhängungsvorrichtung und Einrichtung zur Drehung der Polarifationsebene u. f. w. Sehr gut wirkendes Zamboni'fches Pendel durch zwei auf einander fenkrechte horizontale Bewe Magnetifche und elektrifche Apparate. 101 gungen bequem zwifchen den Säulen einzuftellen; und andere hübfch ausgeführte Apparate vornehmlich für Unterrichtszwecke. - ausJ. Krav ogl, Innsbruck. Grofse elektromagnetiſche Maſchine, geführt von Gebrüder Krav ogl& Lang. In gröfseren Dimenfionen, 75 Centimeter Raddurchmeffer, wefentlich fo conftruirt wie der 1867 in Paris ausgeftellte vom Referenten unterfuchte Radmotor von etwa 30 Centimeter Durchmeffer ( gegenwärtig im phyfikalifchen Cabinete des Wiener Polytechnicums), welcher alle bisher conftruirten elektromagnetifchen Maſchinen an Wirkungsgrad( Verhältnifs des Nutzeffectes zum theoretifchen) weit übertroffen hat.( Dingler. Band 183.) Das Arbeitsmaximum des von F. Kiechl unterfuchten und befchriebenen grofsen Modelles( Innsbrucker Gymnafialprogramm 1870) beträgt 3.6 Meterkilo und entspricht 18-8 Procenten des theoretifchen Effectes. Siegfried Marcus, Wien. Sehr fchön gearbeiteter magnetoelektriſcher Rotationsapparat zur Erzeugung des elektrifchen Lichtes in verdünnten Gafen ( Geifsler'fchen Röhren) geeignet. Die bekannten, trefflich bewährten MinenZündapparate.( Sehr compendiöfe Magnetinductoren mit rafcher Ankerbewegung durch Federauslöfung. Siehe Ausftellungsbericht 1867.)- Vorzügliche Ruhmkorff'fche Apparate. Seine bekannte Thermofäule. Franz Noë, Wien. Ausgezeichnete Thermofäulen neuefter Conftruction, theils mit Gas-. theils mit Weingeift- Heizung, in fünf verfchiedenen Formen Allen bisher conftruirten Thermofäulen an Wirkung und Dauerhaftigkeit weit überlegen; Einrichtung ohne naffe Kühlung fehr bequem; wegen Kleinheit der Elemente fehr compendiös und durch Pachytrop für verfchiedene äufsere Widerftände leicht umzufchalten.( Dingler, Bände 200 und 205.) fetzung der Legirungen noch nicht publicirt. Die erften Thermofäulen, welche auch schon eine techniſche Anwendung in gröfserem Mafsftabe gefunden haben ( z. B. Galvanoplaftik von Tröltfch& Hanfelmann in Weifsenburg).* - ZufammenPhyfikalifches Cabinet der Univerfität Wien. Profeffor V. v. Lang's Spiegelgalvanometer. Geftattet innerhalb gewiffer Grenzen einen beliebigen Grad der Dämpfung und der Aftafie mit Leichtigkeit herzuftellen und kann fowohl mittelft Fernrohr, als auch objectiv, das ift als Reflexionsgalvanometer ( Du Bois Reymond; W. Thomfon) verwendet werden, wefshalb es fich für Unterrichtszwecke befonders eignet, zumal feine Einrichtung auch die Herftellung des aperiodifchen Zuftandes( fiehe bei Siemens& Halske's Spiegelgalvanorecht gut feinem meter) ermöglicht. Das Inftrument entspricht, wie wir hören, Zwecke. C. Satori, Wien. Elektrifche Zündmafchine. Der Döbereiner'fche Glockenapparat fetzt ein Kupferzink- Element unter verdünnte Schwefelfäure und der Strom bewirkt das die Entzündung des Gafes vermittelnde Drahtglühen. Sein bekanntes Zinkkohlen- Element( ohne Diaphragma in verdünnter Schwefelfäure) in verfchiedenen verbefferten Formen. Eine Batterie derartiger Elemente mit Verfchlufsdeckeln und Gasabzug. Neueftens patentirtes, conftantes Eifenkohlen- Element, beziehungsweife mit Löfungen von Salmiak oder Kochfalz und doppelt chromfaurem Kali nebft Glauberfalz gefüllt. Kohle von kleinen Kohlen. ftücken umgeben. Alles recht hübfch und praktiſch ausgeführt. - F. Steflitfchek, Wien. Mehrere bedeutendere Apparate bekannter Conftruction( Ruhmkorfffcher Inductor, Leyfer'fches Magnetometer, Coulomb'fche Drehwage u. f. w.). * Die erfreulichen Fortfchritte der Thermoelektricität in Oefterreich wurden wefentlich gefördert durch die kaiferliche Akademie, welche nicht nur die früher geheim gehaltenen Marcus'fchen Legirungen durch Votirung einer Entfchädigungsfumme für die Oeffentlichkeit erwarb, fondern auch No ë's Arbeiten fubventionirt, deren Refultate eine praktifche Verwerthung der Thermoelektricität nicht nur in Ausficht ftellen, fondern zum Theile bereits verwirklicht haben 102 Dr. A. von Waltenhofen. o C. Winter, Wien. Seine bekannten ausgezeichneten Elektrifirmafchinen. Kräftige Influenzmafchine( nach Holtz) mit Ladungsmafchinchen und dünnem, röhrenförmigem Condenfator für hohe Spannung. Die bereits bekannte Minenzündmafchine( vergl. A. Bornhardt, deutfches Reich).- Polychromifche Lichtenberg'fche Figuren und vieles Andere.flow but - Jedlik, Profeffor, Pe ft. Zwei fogenannte ,, Elektricität fpannende Batterien", eine mit 4 horizontalen und eine mit 8 verticalen Syftemen von dünnen, röhren förmigen Leydenerflafchen. Jedes Syftem befteht aus einem Bündel folcher Flafchen in einem Glascylinder mit Conductoren für die zufammengehörigen Belegungen. Die Syfteme empfangen mittelft des fogenannten„ Austheilers" ihre Ladung von der Mafchine und werden fodann durch einen Umfchalter à la batterie verbunden und zugleich entladen. Der Apparat foll compacte Funken bei grofser Schlagweite geben. - Wir müffen an diefer Stelle auch der Influenzmafchine von Profeffor Dr. A. Toepler in Graz gedenken, welche, obgleich in Gruppe XXVI ausgeftellt, doch ihrer hervorragenden Wichtigkeit wegen unter den elektrifchen Apparaten nicht unerwähnt bleiben kann. Mit Benützung der Thatfache, dafs eine leitende Belegung eine viel ftärkere Ladung annimmt, wenn fie von einer gleichnamig elektrifchen Ifolatorfläche umgeben ift, wurde eine äufserft vortheilhafte Vereinigung des durch felbftthätige Erregung und grofse Unabhängigkeit von der Luftbefchaffenheit ausgezeichneten Toepler'fchen Ladungsfyftems( Leiterflächen mit Contactfedern) mit dem durch hohe Spannungen ausgezeichneten Holtz' fchen( Ifolatorflächen und Saugkämme) erzielt, indem erfteres den Procefs durch Verftärkung der von vorneherein ftets vorhandenen, verfchwindend kleinen Ladungen einleitet und letzteres denfelben durch die auch die Ifolatorflächen elektrifirende Spitzenwirkung bis zu Spannungen fortfetzt, welche eine felbft das doppelte Intervall der Metallbelege erreichende oder überfteigende Schlagweite ermöglichen. Zwifchen zwei feften Scheiben zwei grofse fichelförmige theilweife aus Metall und geharztem Papier beftehende Belege. Rotirende Scheibe mit fechs entſprechend angebrachten Metallbelegen. Zu den feften Belegen führen die beiden„ Ladungsconductoren", deren Contactfedern über Hervorragungen der beweglichen Belege gleiten. Die beiden zur Funkenftrecke führenden„ Nutzconductoren" und der verftellbare diametrale Conductor" haben nebft Contactfedern auch Saugkämme. Die fehr finnreiche einfache Conftruction kann hier nicht eingehender befchrieben werden. Diefsbezügliche Publication in nächſter Ausficht. bas 99 Rufsland. Dr. Nicolaus Brunner, Warfcha u. Schöner, grofser, elektrotherapeutifcher Univerfalapparat mit elegant gearbeiteten zahlreichen Hilfsapparaten vollſtändig ausgerüftet und zufammengeftellt in eigenem Glaskaften mit beigegebener fchematiſcher Zeichnung unter Glas und Rahmen. aj( tal Jofeph Danifchewski, Wilna. Das von ihm erfundene patentirte und mehrfach prämiirte, für die ruffifche Marine beftimmte elektromagnetifche Chronometer. Die Chronometerunruhe bewirkt bei jedem 1 Secundenfchlage Stromunterbrechungen, wodurch die Nebenuhr mittelft Ankerabfall bewegt wird. Schön ausgeführt. A. Edelberg, Kharkov. Hübſch gearbeitetes, erdmagnetiſches Univerfalinftrument.- Leyfer'fches Magnetometer. agsword sold mo Jac. Pik, Warfchau. Inductor für elektrotherapeutifche Zwecke.- Sehr eleganter kleiner magnetoelektrifcher Inductionsapparat. Sollen wir unfer Referat mit einem vergleichenden Rückblicke auf die Parifer Ausftellung vom Jahre 1867 fchliefsen, fo müffen wir zugeben, dafs die letztere an eclatanten neuen Erfcheinungen( wir erinnern z. B. an die Influenzmaſchinen und die dynamoelektrifchen Apparate) reicher war. Doch fehlte es - Magnetifche und elektrifche Apparate. 103 auch diefsmal nicht an Novitäten, wenn auch nicht von gleicher principieller Tragweite. Die Wiener Ausftellung brachte zuerft die aperiodifchen Galvanometer, den Blättermagnet, das elektrifche Widerftandspyrometer, die Gramme'fche Inductionsmaschine, die Noë'fche Thermofäule, den elektromagnetiſchen Diftanzmeffer, die fympathetifchen Pendeluhren u. f. w. daneben führte fie uns die oben als Glanzpunkte der letzten Parifer Ausftellung hervorgehobenen Apparate in wefentlich verbefferter neuer Ausführung vor Augen, nebft zahlreichen anderen Fortfchritten in der Conftruction von Mefsinftrumenten und elektrotechnifchen Apparaten. Ati nabowo 12140 15id sto sa i ( 8 mottoe2 VIX qq) abadial wdo sigla 295 UHREN. ( Gruppe XIV, Section 3.) W. Bericht von SCHÖNBERGER, Uhrenfabrikant in Wien. Faft alle Culturftaaten der Erde beftrebten fich neben den Producten ihrer Induſtrie auf der Wiener Weltausftellung jene mechanifchen Werke, welche uns die Zeit in allen ihren Stadien, fowohl fichtbar als hörbar anzeigen, die Uhren oder Zeitmeffer, zur Anfchauung zu bringen. Der rafche Auffchwung aller Induſtriezweige, aller Communicationsmittel, als: Eifenbahn, Schifffahrt, Telegraphie, zwingt uns, Pünktlichkeit in der Zeit einzuhalten, und es ift erklärlich, dafs Uhren und Chronometer, welcher fich einft Aftronomen und Seefahrer allein zu ihren Beobachtungen bedienten, heute zu einem Verlangen der ganzen Menfchheit geworden. • Es müffen heute unfere Thurmuhren, Bahnhof- Uhren, fowie Comptoiruhren bis herab zu den Bahnwächter- Uhren, den Tafchenuhren des Beamten und des Arbeiters auf Minuten die richtige Zeit zeigen, und Alle müffen dem rafchen Treiben der Zeit, die heute nach Minuten präcifirt ift, Rechnung tragen. Eine Pünktlichkeit beherrfcht heute unfer Leben, von der unfere Vorfahren keine Ahnung hatten. Die Wiener Weltausftellung führte uns ein Bild vor, welches für alle Zweige der Induftrie nach feiner Mannigfaltigkeit durch Nichts übertroffen worden ift. Diefs gilt auch von der bedeutenden Uhreninduftrie, obwohl hier mitunter Artikel zur Geltung kamen, bei denen es fich weniger um die genaue Zeitbeftimmung handelt als darum, ein Schauftück ihrer äufseren Ausftattung nach zu fein oder, mit Automatik verfehen, zur Beluftigung zu dienen, ein Ueberbleibfel des vorigen Jahrhundertes, wie die additionelle Ausftellung, Gefchichte der Erfindungen und Gewerbe, recht hübfch nachgewiefen hat. Es ift intereffant, die Zahl der Ausfteller in Wien mit jener in Paris vorerft zu vergleichen und wir geben im Nachftehenden eine genaue Zufammenftellung: In Paris 1867 In Wien 1873 war vertreten: Frankreich durch 220 99 durch 87 England 99 29 99 وو 7 Schweiz " 163 وو F 99 42 Oefterreich 20 " ( Oefterr. 73, Ungarn 18) 99 99 91 Italien IO " 99 22 9 Belgien 6 " 3 99 وو In Paris 1867 Baden durch Baiern " ን Preufsen وو Rufsland " Türkei 99 Amerika 99 Portugal Japan وو Paris 634233 Uhren. war vertreten: In Wien 1873 durch 63 105 99 14 99 99 99 17 7 I 99 وو 99 99 4 2 99 99 I 79 " I 99 99 99 durch 479 Wien durch 332 Die Zahl der Ausfteller war demnach in Paris gröfser als in Wien, in Wien dagegen war die Zahl der ausftellenden Länder bedeutender und auch die Menge der Objecte. Im Allgemeinen ift übrigens feit dem Jahre 1867kein Fortfchritt zu verzeichnen, mit Ausnahme der Vereinfachung der Hemmungen für Thurmuhren, und die Einrichtung der combinirten Echapements für Tafchenuhren. In Bezug auf Uhren für aftronomifche Zwecke hat man von den ängftlichen Combinirungen der verſchiedenen Compenfationspendel Umgang genommen. Nach diefer kurzen allgemeinen Ueberficht der Lage der Uhreninduftrie auf der Weltausftellung betrachten wir die einzelnen Länder nach ihren Leiftungen. Amerika. Die in jeder Beziehung höchft untergeordneten Leiftungen der amerikanifchen Uhrenfabrication deuten blos darauf hin, dafs es fich lediglich um unbegrenzte Maffenfabrication handelt, ohne Rückficht auf die Solidität der Waare in Betreff der oder die Conftruction der Werke. Ebenfowenig ftrebt man Gefchmacksrichtung nach gröfserer Vervollkommnung. Alle bei einer Uhr vorkommenden Theile, fo wie die Räder find aus Meffingblech und fammt den Verzahnungen geprefst. Schrauben kommen wenig zur Anwendung, meiftens werden Vernietungen angewendet, und zwar, man kann es nicht leugnen, in einer fehr genialen Weife. Darnach follten die Werke amerikaniſcher Uhren eher in Gruppe VII( Metallwaaren) als in Gruppe XIV( wiffenfchaftiche Inftrumente) ausgeftellt werden. Unter den Ausftellern find nur Authenried& Himmer in New- York hervorzuheben, die eine gröfsere Collection ihrer finnreich conftruirten elektriſchen Uhrenwerke ausftellten, die als verwendbar anerkannt werden müffen. Es iſt aber fehr zu bedauern, dafs von ihren in Amerika fo ftark vertretenen Unruhuhren faft kaum nennenswerthe Exemplare zur Anfchauung gebracht wurden. Von Kunftuhren für befondere Zwecke mit Secundenzeigern, Schlagwerken, Mondesphafen, Datum und fonftigem Kalenderwefen war nur Eine exponirt und zwar nicht durch Mafchinen-, fondern durch Händearbeit erzeugt. Sie liefs aber die franzöfifche Imitation fehr klar erkennen. Die ausftellende Firma war jedoch nicht zu ermitteln. England. Während England im Jahre 1867 auf der Parifer Weltausstellung durch 29 der vorzüglichften Firmen mit ihren herrlichen Chronometer-, Tafchenund Schiffsuhren, fowie mit den unübertroffenen Thurmuhren brillirte, waren leider bei der Wiener Expofition nur 7 Firmen bemerkbar Die Firma: Klaftenberger ( Oefterreicher) in London exponirte Chronometer für Marinegebrauch und Tafchenchronometer mit Halbfecundenfchlag; Schnecke und Duplex waren dabei vorherrfchend. Kullberg aus London zeigte Marine chronometer, welche durch die beigelegten Certificate einer conftanten Abweichung mit veränderter Compenfationsunruhe nach Dent fchon gefunden hat. Mit Recht erhielt diefer fchöpferifche Fabrikant das Ehrendiplom. 106 W. Schönberger. Weichert in Cardiff fowie French in London hatten eine hübfche Auswahl von Marine chronometern exponirt, die eine äufserft feine Arbeit mit Solidität verbindet. Die Chronometer von Sivel& Walter in Cork ebenfo jene der Londoner Firma Lazada verdienen alles Lob. Neue hervorzuhebende Verbefferungen oder Vereinfachungen waren jedoch nicht wahrzunehmen und was man auch fah, man hat Alles längft auf der Parifer Ausftellung gefehen und kann es fchon in jeder gröfseren Auslage fehen. Von Thurmuhren war leider nur jene von Cooke& Sons in Bukingham, die in der Mafchinenhalle aufgeftellt wurde und alles Lob verdiente, ausgeftellt. Diefe in einem Aufzuge acht Tage gehende Schlaguhr mit freier Hebel- und Gewichtshemmnung und Zeiger- Laufwerk, durch welche Conftruction es ermöglicht wurde, lange Zeigerwerks- Transmiffionen unabhängig von dem richtigen Gang des Werkes in verfchiedene Abzweigungen zu leiten, war fehr bedeutend und verdiente das oft gefpendete Lob im vollen Masse. Frankreich's Expofition belehrte uns wieder, welchen luxuriöfen Glanz die dafelbft ausgeftellten Kamin und Salonuhren entfalten können. In der That gehört auch allenthalben in Frankreich die Uhr keineswegs zu den nothwendigen Gebrauchsgegenständen, fondern zum Luxus, zur Ausfchmückung und Zier der Wohnräume. Von den zahlreich vorhandenen Uhren und deren Fournituren der franzöfifchen und Schweizer Firmen waren in Gruppe XIV 31 Firmen theils einzeln, theils collectiv vertreten. Hervorragend war die Expofition von Japy frères& Comp. in Beaucourt, fowohl in Ebauches als fertigen Uhren. Ihre Erzeugniffe beherrfchen bereits feit Langem den Weltmarkt und find bis heute in ihrer Concurrenzfähigkeit noch nicht übertroffen worden. Ein Blick auf ihre exponirten Fabricate zeigte, dafs von der Arbeiteruhr zu 6 Francs per Stück bis zum Chrono meter Alles in vorzüglich feinfter und getheilter Arbeit durchgeführt ift. Die Uhrenfabrik des Haufes Japy frères zu Beaucourt( Haut Rhin) behauptet den erften Platz unter den franzöfifchen Uhrenfabrikanten, fowohl durch die Wohlfeilheit, als gute Befchaffenheit ihrer Erzeugniffe. Der Gründer Frédéric Japy, der Sohn des Grobfchmiedes Jean Jaques Japy war in Löcles Lehrling und gründete im Jahre 1782 die heutige Fabrik. Die Jahresproduction beläuft fich auf 250.000 Tafchenuhren( ébauches) und 42.000 Gehwerke für Pendeluhren, wonach alfo 2 Uhren auf jede Minute des Jahres entfallen.Jsong dj Befançon zeigte in feiner Collectivausftellung fehr reine Arbeiten von befonderer Schönheit und vorzüglichfter Conftruction. An neuer Façon, Guillochement, Gravuren und Emails fand man die gröfste Abwechslung. Es ift nicht zu verkennen, dafs die Uhrmacher- Fachfchulen der franzöfifchen Schweiz hieran den gröfsten Antheil haben. Arbeiter, aus jenen Schulen hervorgegangen, werden überall gefucht und beftens placirt. Portugal exponirte durch die Firma: Percira Velliffimo( Alvas) eine Univerfaluhr aus freier Hand gearbeitet, an welcher übrigens der franzöfifche Arbeiter nicht zu verkennen war. Die Schweiz ftand mit ihren Fabricaten fehr zurück. Die Parifer Weltausftellung von 1867 zählte 163 Ausfteller und Wien nur 42 Firmen, welche collectiv ausftellten. Hervorzuheben find Audemar's Louis Chronometer und fonftigen Kunftuhren mit regulärem Datum, Mondenlauf, Second- Mort etc. Ebenfo die Artikel der Firma Patek Philipp& Comp. in Genf, Badolet& Comp. eben. dafelbft, fo auch die Berner Firma Francillon in Saint Imier, deren herr liche Werke und Uhrenbeftandtheile von jedem Fachmanne bewundert wurden. Diefe Beftandtheile find von folcher Genauigkeit, dafs die einzelnen Theile unter Uhren. 107 einander ohne weitere Nacharbeit verwechfelt werden können. Bedenkt man, dafs bei einem Echappement es auf 0.01 Millimeter ankommt, fo kann man fich vorftellen, mit welcher Präcifion die Mafchinen, womit die Beftandtheile erzeugt werden, gearbeitet ſein müffen. G. Thomen in Waldenburg erzeugt Cylinder von gröfster Präcifion, und werden in deffen Fabrik die Uhren vom Rohftoff bis zum Repaffement angefertigt. 19 angle otsid- s Die Firma Huguenin Charles in Locle erzeugt durchgehends AncréHemmungen von Stahl mittelft exacter Mafchinen, deren Beftandtheile noch in keinem Lande fo vollkommen hergeftellt werden, und man kann fich des Gedankens nicht erwehren, dafs diefe Schönheit und Präcifion der Arbeit, die höchfte Sorgfalt und Aufmerkſamkeit, das Refultat der vorhandenen Fachfchulen und Mufterwerkstätten ift. Wenigftens hatte man von einer folchen Entwicklung noch vor zwei Decennien auch in der Schweiz keine Ahnung. Italien. Von den 9 Ausftellern, welche in der italienifchen Abtheilung das Uhrenfach vertraten, find die Firmen: Bezzi in Ravenna und Marcuel Domenico in Livorno, die ihre Chronometer nach engliſcher Art ausführen, zu erwähnen. Die Artikel find mit Fleifs und Eleganz gearbeitet. Die Uhrenbeftandtheile der Firma Granaglia Gebrüder, die Mafchinenarbeit nach Schweizer Art find, zeugen ebenfalls von beftimmtem Fortfchritte der Induftrie. Die Pendules von Mufine Oprandino in Turin zählen zu den Befferen der Art überhaupt. Dagegen zeigten die Thurmuhren von Macchini, Gebrüder Zeurina & Söhne und Gebrüder Bonfini nichts Hervorragendes. Grofse Aufmerkſamkeit wenden die Italiener aber ihren finnreich conftruirten elektriſchen Uhren zu, und leiftet das Land der galvanifchen Elektricität nächft Preufsen das Meifte in diefem Fache. Scandinavien. Die Uhren von G. W. Linderoth in Stockholm und Thorell's Meteorograph mit aftronomifcher Uhr find fehr empfehlenswerth. Eine acht Tage gehende Uhr von Gebrüder Dupont in Rotterdam mit Grahamgang für eine Thurmuhr beftimmt, mit Zeiger- Laufwerk, um mehrere Zeigerblätter zu reguliren, zählt zu den guten Arbeiten. Man mufs offen geftehen, dafs insbefondere Schweden rüftig vorwärts arbeitet und wie auf fo vielen Gebieten auch in der Uhreninduftrie concurrenzfähig zu werden ftrebt. Es ift übrigens bemerkenswerth, dafs in Schweden viele Frauenhände in diefem Fach befchäftigt gested loss find und dafs es ganz felbftftändig etablirte Uhrmacherinen gibt. Belgien. Das Land der ernften Mechanik, deren kleinfte Mafchinentheile oft nach 1000 Kilo dem Gewichte nach erft berechnet werden, befafst fich weniger mit Uhrenfabrication. Dennoch lieferte Antoin Gérard in Lüttich ein elektrifches Uhrenfyftem, welches von irregulären elektrifchen Strömen unabhängig ift. Jasper brachte eine elektrifche Wafferuhr mit Regulator in Verbindung, und Willequet Ivens in Gent eine Univerfaluhr, eine bereits veraltete Mechanik, welche aber immerhin auffordern mag, die kleinere Mechanik fortwährend zu cultiviren Deutfchland. Im Fache der Grofsuhren- Induftrie fpielt Deutfchland eine hervorragende Rolle. In die Augen fallend repräfentirte fich die badifche Schwarzwalder Expofition, wo aufser den erften Firmen: Ph. Haas& Söhne in St. Georgen, Winterhalder mit feinen beliebten Kukukuhren und Regulatoren, Berg mann Tafchenuhren, Fürderer, Jägler in Neuftadt und Ketterer in Vöhrenbach, fich Furtwangen mit 24 Collectiv- Firmen, Trieberg mit 4 Collectiv- Firmen, Villingen mit 7. und der Eifenbacher Gewerbe 108 W. Schönberger. verein ebenfalls mit 7 Ausftellern betheiligte, und zwar fämmtliche unter dem Namen ,, Schwarzwalder Uhren- Induftrie." Die Schwarzwalder Uhren haben in der Neuzeit eine derartige Reform erfahren, dafs man kaum mehr den hölzernen Urfprung aus diefen Werken herausfinden kann. Aufser den Geftellen, die von Holz find, find die Werke von Meffing, fämmtliche Triebe Eifenfpindeln; anftatt Schnüre Ketten oder Federzug- Uhren. 12, 24 Stunden und 8 Tage gehende Werke bieten Sehenswerthes; Alles wird heute in getheilter Arbeit mittelft Mafchinen erzeugt, folid gearbeitet und zu fabelhaft geringen Preifen auf den Markt gebracht. Daher erklärt fich der enorme Export, der über den ganzen Erdball verbreitet ift. Aufser den kleinften Kettenzuguhren( Jokerln) bis zu den complicirteften feinen, 8 Tage gehenden Federzug Uhren waren die Kukuk- und Trompetenuhren ftark vertreten, und finden diefelben beim Publicum immer und überall grofsen Anklang. Furtwangen, der Sitz der durch Maſchinen in getheilter Arbeit erzeugten Uhren, fertigt gute Regulatoren mit Federzug, Platinen von Meffing, Hemmungsanker mit Steinpaletten an, welche Werke von auswärtigen Uhrenhändlern in Broncekäften für franzöfifche Waare verkauft werden. Vorzügliche Werke ftammen von den Furtwanger Firmen: Leo Kaltenbach, Furtwängler's Söhne, Bob& Efchle, B. Ketterer& Söhne, E. M. Wehrle& Comp., Schott u. A. m. Trieberg hatte 27 Collectivfirmen, deren äufserft exacte Arbeiten alles Lob verdienen. Befonders hervorzuheben find Schwer's jun. exponirte Miniatur. Hängeuhren mit harten Stahltrieben. - - Die Lenzkirchner Actien- Uhrenfabrik die gröfste in Deutfchland exponirte eine bedeutende Sammlung von Regulatoren der feinften Qualität. Ihre in grofsem Mafsftabe angelegten Mafchinen zur Erzeugung von Beftandtheilen in ftreng getheilter Arbeit find fonft nirgends zu finden. Solidität ift der Grundzug diefer berühmten Firma. Villingen, das 7 Collectivausfteller zählte, ebenfo der Gewerbeverein in Eifenbach, Baden, der ebenfalls 7 Ausfteller zählte, erregte durch die ausgeftellten Producte viel Intereffe. Eine weitere Umfchau führte uns nach Württemberg. Ehe wir jedoch den badifchen Schwarzwald verlaffen, können wir nicht umhin anzuerkennen, dafs die väterliche Fürforge des Grofsherzogs von Baden die Schwarzwälder Uhreninduftrie erft zu dem gemacht hat, was fie heute ift. Schulen und abermals Schulen find es, die im Centrum Furtwangens auf grofsherzogliche Koften angelegt wurden, die das Gewerbe der Uhrmacherei mit allen feinen Hilfswiffenfchaften allmälig ausgerüftet hat, und die Männer, die ihre Fabricate zur Schau brachten, gingen alle aus jenen Mufterfchulen hervor, auf welche Deutſchland ftolz fein kann. Württembergs, Baierns und Preufsens Erzeugniffe waren wohl fchwach vertreten, leifteten aber Vorzügliches. Als Exponenten des württemberg'fchen Schwarzwaldes nennen wir die Firmen: Schleuker, Uhrenfabrik in Schwenningen, Haller, Kapp, Aman& Maier u. f. w., deren volle Aufzählung der Raum nicht geftattet. Die Leiftung war durchwegs gut und zeigt, dafs auch hier Theilung der Arbeit immer mehr Raum gewinnt. Die Berliner Firma: Eppner& Comp. in Berlin und Silberberg führt uns ein Thurm- Uhrwerk, Tafchenuhren und Controlenhren vor, einzelne Exemplare von Regulatoren. Becker in Freiburg( Schlefien), Endler- Bautz in Breslau exponiren fleifsig gearbeitete Werke, die aber keineswegs als Mufter einer gröfsern Induftrie, fondern als Specialitäten angefehen werden können. Sachfen repräfentirte feine Uhreninduftrie durch die berühmte Firma A. Lange& Söhne, Glashütte, deren Producte eine folche Berühmheit erlangt haben, dafs jede weitere Darftellung des Werthes der Artikel als überflüffig erfcheint. Uhren. 109 Weitere aus dem deutfchen Reiche eingelangte Werke, von Peterfen aus Altona, Sammlung von Echappements, Bröckling's aftronomiſche Uhr aus Hamburg, ferner jene von Knoblich aus Altona, die Kunftuhr von Haake in Düffeldorf waren gleichfalls ganz preiswürdig. Mehrere einzelne Firmen brachten Kunftwerke, die nicht über ihre früheren Leiftungen ftehen, während Baiern befonders auf dem Gebiete der Thurmuhren- Fabrication fich fehr auszeichnete. Ohne weiters find die Leiftungen der Firmen: Jacob in Würzburg, Hellmuth in Nürnberg, Kieffel& Kipl in Paffau, Reithmann in München, Seybold in Landau, welche durchaus Penduls und Hausuhren exponirten, anerkennenswerth, indem diefelben gute Einzelnheiten nachweifen. Befonders hervorzuheben ift die Firma Manhard in München, die als Reformator der Thurmuhren bekannt ift, und deren Erzeugniffe bei allen Ausftellungen prämiirt wurden. Noch weitere Exponenten Baierns, worunter zwölf Thurmuhren- Fabrikanten vorkommen, haben Gutes geleiftet, jedoch ift ein Fortfchritt feit dem Jahre 1867 nicht zu verzeichnen, indem die freie Hemmung fowohl als Zeiger- Laufwerke feit länger als einem Jahrzehnt in Verwendung ftehen. O efterreich. Bei der diefsjährigen Ausftellung haben 37 Collectivausfteller und 36 Einzelnfirmen ihre Erzeugniffe zur Anfchauung vorgeführt, worunter drei Thurmuhren befonders beachtenswerth waren. Es dürfte fehr fchwer fallen, über alle ausgeftellten Gegenftände, welche die öfterreichischen Uhrmacher reproducirten, ein fpecielles Gutachten abzugeben. Im Allgemeinen find es die Wiener Penduls, die fich im Auslande eines guten Rufes erfreuen, indem diefelben fehr gut gearbeitet und fchön ausgeftattet find. Es mufs dabei noch bemerkt werden, dafs ein jedes Werk ein individuelles ift, welches feine eigene Sprache ſpricht. Auf einer gröfser entwickelten Theilung der Arbeit befteht nur eine Pendul- und Thurmuhren- Fabrik, und zwar die von Gebrüder Refch in Wien. Der Thurm- Uhrmacher Stiehl exponirte eine Thurmuhr von fehr guter Arbeit, aus welcher fehr gut zu erkennen, dafs Stiehl ein tüchtiger Schüler Manhard's war und in München feine Ausbildung erhalten hat. Die Wiener Genoffenfchaft der Uhrmacher hat in jüngster Zeit eine Uhrmacher- Mufterfchule für Lehrlinge und zur Fortbildung für Gehilfen errichtet, die von Seite des Staates fubventionirt wird und von welcher das Befte zu hoffen ift. Eine bedeutende Lehrkraft für diefelbe wurde bereits gewonnen. Leider vermifsten wir bei diefer Weltausftellung die Erzeugniffe unferer Holzuhren- Induſtrie zu Karlftein in Nieder- Oefterreich. Diefe aus 200 Uhrmachern beftehende Colonie, welche fich feit mehr als 100 Jahren mit der Erzeugung von Holzuhren nach älterer Schwarzwalder Art befafst und durch Haufirhandel nach allen Welttheilen colportirt, ift eben daran, ihrer Fabricationsweife eine andere Richtung zu geben, indem von Seite des hohen Handelsminifteriums dahin gewirkt wurde, dafs dortfelbft auf Staatskoften eine Mufterwerkstätte und Schule nach Art des Schwarzwaldes, wo Alles in getheilter Arbeit und mittelft Mafchinen angefertigt wird, errichtet wurde und durch eine bewährte Lehrkraft aus Furtwangen geleitet wird. Nachdem diefe Mufterwerkftätte zur Ausstellungszeit im Entſtehen begriffen war, konnte die Anmeldung derfelben nicht rechtzeitig genug ftattfinden und das mag wohl das Ausbleiben erklären. Ungarn. Diefes Land, welches 18 Firmen als Ausfteller zählt, welche fämmtlich moderne Penduls und andere elegante Uhren ausftellten, leiftet ganz Gutes und Anerkennenswerthes. Die Arbeiten Einzelner find rein und zeigen gegen früher einen bedeutenden Fortfchritt; insbefondere ift die Firma Kralik hervorzuheben, deren aftronomifche Uhr und Echappements collection von fleissigem Studium und Fortfchritte zeugt. 110 W. Schönberger. Uhren. Einer Bemerkung jedoch können wir uns nicht enthalten, nämlich jener, dafs noch viele, felbft renommirte Meifter fich mit der Anfertigung von Compenfationspendel befaffen. Die neuefte Wiffenfchaft hat noch kein vollſtändiges Roftpendel zu Stande gebracht und dienen diefelben höchft wahrfcheinlich blofs zur Zierde und fo bleibt entweder das einfache Queckfilber- Pendel für aftronomifche Zwecke oder Holzpendel mit proportionaler Schwere für Regulatoren vorläufig noch das Befte. dolnou as youdits bib but we Rufsland führte uns eine fchön ausgeftattete Thermo- Controleuhr vor, welche von der Firma Lebed off herrührt. Diefes etwas complicirte Werk hat weder Gewicht noch Feder und wird durch Temperaturdifferenzen in Gang erhalten, über deffen Werth uns übrigens kein Refultat bekannt ift.added 1081 Türkei. Die Firma Blum in Conftantinopel hat einen acht Tage ohne Aufzug gehenden Regulator exponirt. Dimitri eben einen folchen, HaffanAga eine Tafchenuhr und Achmet aus Trapezunt eine Sturzuhr. Sämmtliche Werke find fehr forgfältig durchgeführt, und ift an felben nur zu erkennen, dafs die dortigen Uhrmacher noch Mangel an guten Werkzeugen leiden. Or bu alls have Japan liefs uns eine Wanduhr bewundern, deren Ausführung den Charakter eines unendlichen Fleifses des Verfertigers an fich trägt. dowdal bal themed dson jednb alum ad bnd Jobas paisan lahad fled Ass naw ni dobud 118 T baM ni bnu new bandas M shinausbed and i asfled us hib Dd who limex blad Makaisal asadustell nadisides OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG UNTER 1 8 7 3 REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. DIE TELEGRAPHEN- APPARATE. ( Gruppe XIV, Section 2.) BERICHT VON DR. LEANDER DITSCHEINER, a. ö. Profeffor an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. DIE TELEGRAPHEN- APPARATE. ( Gruppe XIV, Section 2.) Bericht von DR. LEANDER DITSCHEINER, o. ö. Profeffor an der k. k. technifchen Hochfchule in Wien. In Bezug auf die auf der Wiener Weltausftellung exponirten Telegraphenapparate, fo wie überhaupt im Telegraphenwefen gebräuchlichen Vorrichtungen läfst fich wohl die Anficht ausfprechen, dafs auf keiner der vorhergehenden grofsen Ausstellungen, nicht nur was die Anzahl der Ausfteller, fondern auch was die Vollftändigkeit und Neuheit der hiehergehörigen Einrichtungen betrifft, eine folche Fülle des Materiales geboten wurde, wie diefs im Jahre 1873 der Fall war. Nicht nur haben die gröfsten und bedeutendften Firmen in diefer Branche ihr Beftes in vorzüglicher Weife repräfentirt, fondern es haben auch die meiften der Regierungen, in deren Ländern das Telegraphenwefen wegen des bedeutenden Verkehrs einen verhältnifsmässig bedeutenden Auffchwung genommen hat, und in welchen damit in Verbindung eine Reihe von Verfuchen über Neueinführung verbefferter Apparate ftattgefunden hat, die von ihnen verwendeten Einrichtungen und deren hiftorifche Entwicklung in hervorragender Weife dem Befucher vor Augen geführt. Durch die von der kaiferlich deutfchen Telegraphenverwaltung auf der Wiener Weltausftellung veranstaltete Darftellung der Telegraphenapparate und der Conftruction der Telegraphenleitung in ihrer hiftorifchen Entwicklung im Gebiete der ehemaligen norddeutfchen Telegraphenverwaltung, in Baiern, Württemberg, Baden und Elfafs- Lothringen und in der Zufammenftellung der zur Zeit in dem genannten Gebiete im Gebrauche befindlichen technifchen Einrichtungen der Telegraphie, fowie in der zugehörigen Statiftik, hat fich die genannte Verwal tung ein grofses Verdienft erworben und Jedem, der fich für Entwicklung und Ausbildung des Telegraphen intereffirt, ein Material geboten, welches in folcher Vollständigkeit kaum irgendwo getroffen werden konnte, vielleicht auch niemals mehr getroffen werden kann. Eine Reihe von Telegraphenapparaten, wahre Schätze für Jeden, welcher die zu Beginn der Ausbildung des Telegraphenwefens zuerft ausgeführten Vorrichtungen kennen lernen wollte, konnte nur durch die Liberalität vieler wiffenfchaftlicher Inftitute, in deren Befitz fich diefelben befanden, oder durch die Güte der Nachkommen ihrer Entdecker, welche fie als Familienfchätze aufbewahren, zur Ausftellung gelangen. So finden wir den elektrochemifchen Telegraphenapparat von Samuel Thomas Sömmering als den erften in Deutſchland zur Ausführung gebrachten. In einer am 8. Juli 1809 von Sömmering ins Tagebuch gefchriebenen Notiz findet fich die erfte Nachricht über feine Entdeckung, welche, in einem Apparate praktiſch ausgeführt, fchon am 22. Juli probirt 2 Dr. Leander Ditfcheiner. werden konnte, fo dafs nach ausgedehnteren Verfuchen Sömmering fchon am 29. Auguft 1809 in der akademifchen Sitzung damit experimentiren und einen, aber erft 1811 veröffentlichten, Vortrag halten konnte. Der Apparat beruht bekanntlich auf der durch den elektrifchen Strom hervorgerufenen Zerfetzung des Waffers. Von der einen zur anderen Station find 35 Drähte gelegt, welche auf der abgebenden Station an Metallftäbchen gelöthet, an der aufnehmenden Station aber mit ihren vergoldeten Enden in eine mit angefäuertem Waffer gefüllte Wanne reichen. Jeder diefer Drähte entſpricht einem beftimmten Buchftaben oder einer Ziffer, welche bei feinen Enden verzeichnet ift. Bringt man nun die Poldrähte einer Volta- Batterie mit je einem Metallftäbchen in Berührung, fo fchliefst fich der Strom durch das angefäuerte Waffer der anderen Station und wird fich an den entfprechenden vergoldeten Enden an einem Wafferftoff, am anderen Sauerftoff entwickeln und fo der mit der Abnahme der Depefche Beauftragte fogleich erkennen, welche Buchftaben telegraphirt wurden, deren Folge fo beftimmt wurde, dafs jener Buchftabe, an deffen entſprechendem Drahtende fich Wafferftoff entwickelt, dem anderen vorausgeht. Bei diefem Apparate befindet fich auch bereits die Idee des Weckers verwirklicht. Ueber zwei der Goldfpitzen befand fich nämlich ein leicht beweglicher Hebel, an deffen einem Hebelarme fich eine löffelartige, nach unten gerichtete Höhlung fo befand, dafs fich die durch den Strom entwickelten Gafe in ihr fammelten und in Folge ihres Aufdruckes den Hebel hoben. Dadurch wurde ein am anderen abwärts gehenden Hebelarme befindliches Bleikügelchen zam Rollen gebracht und fiel diefes in einen Trichter und durch denfelben auf das Sperrwerk eines Glockenuhrwerkes, welches, dadurch ausgelöft, das gewünſchte Signal gab. Von dem einen weiteren Fortfchritt der Telegraphie bildenden Apparate des ruffifchen Staatsrathes Baron Pawel Lawowitfch Schilling von Canftadt( 1832) war nur eine Zeichnung ausgeftellt. Es war diefs der erfte Nadeltelegraph, mit welchem durch entgegengefetzt gerichtete Ströme nach rechts und links erfolgende Abweichungen der angewandten einzigen Multiplicatornadel, die verfchiedenen Buchftaben und Zeichen zufammengefetzt wurden. An einer am Aufhängedrahte angebrachten Papierfcheibe, die im Ruheftande der Nadel die fchmale Seite, bei verfchieden gerichteten Strömen aber die verfchieden gefärbten Vorder und Hinterfläche dem Beobachter zukehrte, konnte leicht und fchnell die Stellung der Nadel erkannt werden, die durch eine eigenthümliche Vorrichtung, die von einem an unteren verlängerten Ende des Aufhängedrahtes befeftig ten in Quecksilber beweglichen Ruderchen gebildet wurde, in ihrer Lage fchnell zur Ruhe gebracht wurde. An diefen Apparat fchliefst fich jener von Gauss und Weber im Jahre 1832 zu Göttingen conftruirte an, welcher die dortige Sternwarte, das phyfikalifche Cabinet und das magnetiſche Obfervatorium durch eine telegra phifche Leitung verband. Gauss und Weber wandten grofse Multiplicatoren an, deren einer auf der Sternwarte befindlich gewefene auf der Ausftellung war. Der 25pfündige, faft vier Fufs lange Magnetftab, war in einem Multiplicator von 270 Windungen von 2700 Fufs Länge. Mittelft eines Fernrohres und eines an dem Aufhängedrahte des Magnetes befindlichen Spiegels konnte nach der bekannten Methode der Spiegelablefung die Rechts- oder Linksdrehung des Magnetes erkannt werden. Zur Erzeugung des Stromes wendeten fie einen Magneto Inductor an, beftehend aus zwei oder drei grofsen parallel und vertical geftellten Magneten, über welche eine Spule mit Drahtwindungen, welche mit dem Multiplicator in Verbindung ftanden, von der Mitte aus gegen das eine Ende hin gefchoben werden konnte. Bei jedem Auf heben und wieder Niederlaffen der Spule wurden entgegengefetzte inducirte Ströme in den Drahtwindungen erzeugt, welche der Nadel im Sinne des erften Stromes, in Folge des rafch folgenden entgegengefetzten Stromes aber nur kleine, im Fernrohre aber deutlich fichtbare Ablenkungen ertheilen, wobei der Vortheil eintritt, dafs die Nadel nur kleine Zuckungen macht, in kurzer Zeit aber wieder ftille fteht. Mittelft eines Commutators konnte diefen Strömen die entgegengefetzte Richtung gegeben werden. Bei dem nach dem Principe von Gauss und Weber, fpäter Telegraphen- Apparate. ( 1837) von Steinheil in München conftruirten, ebenfalls ausgeftellten, Originalappa. rate befinden fich in einer Multiplicatorrolle zwei leicht drehbare Magnete neben einander, die ftets parallel zu einander durch den Strom geftellt werden würden. An den der Mitte zugekehrten, alfo ungleichnamigen Enden derfelben befindet fich je ein Arm fammt Gefäfs, welche beide mit abfärbendem fchwarzen Pigment gefüllt find und mit einer capillaren Spitze enden, an der fich ftets ein Tröpfchen fchwarzer Flüffigkeit befindet. Geht nun ein elektriſcher Strom, bei Steinheil durch einen Clarke'fchen Inductor erhalten, durch die Windungen, fo werden beide Magnete im gleichen Sinne abgelenkt; die eine capillare Spitze geht aus den Drahtwindungen heraus, die zweite aber, welche auf der entgegengefetzten Seite der Drahtwindungen austreten würde, ift durch einen Zahn gehindert, diefer Bewegung zu folgen. Geht der Strom in der entgegengefetzten Richtung, fo dreht fich der eben feftgehaltene Magnet mit feiner capillaren Spitze nach vorne, während nun der andere durch einen ähnlichen Zahn feftgehalten wird. Man erfieht, dafs dadurch bei verfchieden gerichteten Strömen immer nur ein Magnet mit feiner capillaren Spitze fich dreht und diefe letztere vortreten läfst. Die beiden capillaren Spitzen find nebeneinander und machen bei ihrem Vortreten an einem vorbeigezogenen Papierftreifen fchwarze Punkte in zwei parallelen Reihen. Nach der Art und Weife, wie diefe Punkte in beiden Reihen vertheilt find und fich folgen, erkennt man die verfchiedenen Buchftaben und Zeichen. Bei den ausgeftellten Apparaten waren an den Armen( Fortfätzen) der Magnete auch Metallkugeln, welche gegen Metallglocken mit verfchiedener Stimmung fchlugen, fo dafs man auch nach dem Gehöre die Depefche abnehmen oder den Beginn einer folchen erkennen konnte. An diefe gleichfam älteften Telegraphenapparate fchliefst fich eine Reihe neuerer, mehr oder weniger vollkommenerer und im Gebrauche gekommener Apparate an. So der von Leonhard in Berlin 1845 conftruirte Zeigertelegraph, der Siemens'fche Zeiger-, zugleich Typendruck- Telegraph( 1846), der Kramer'fche Zeigerapparat 1849, der elektromagnetifche Nadeltelegraph von Siemens( 1849), der Morfe'fche Relieffchreiber von Siemens, einer der erften in Deutfchland nach Morfe's Entdeckung conftruirten Apparate, der Siemens'fche Handfchriftlocher ( 1853), ein Original- Farbfchreiber von John in Prag( 1854). ein Morfe- Apparat zur Uebertragung in Ruheftrom- Leitungen nach Frifchen( 1856), das Apparatfyftem für fubmarine, für das rothe Meer( 1857) von Siemens conftruirte Leitungen; ferner der Morfe Farbfchreiber von Siemens, erfter Conftruction( 1862), und jener von Lewert in Berlin( 1865), der Relieffchreiber von Lewert( 1865) mit abfchraubbarer Federtrommel, der automatiſche Morfe- Schriftapparat mit Typen und galvanifchen Wechfelftrömen von Siemens( 1865), Lewert's Farbfchreiber mit Selbftauslöfung( 1868) und Siemens' polarifirter Schnellfchreiber mit Farbfchrift und regulirbarer Laufgefchwindigkeit( 1868). Ebenfo fanden wir eine Reihe von Relais, das ältefte 1849 conftruirt, das polarifirte Relais zum Doppelftiftapparat ohne Magnet( 1850) und jenes mit Magnet( 1852), das Dofenrelais von Siemens( 1851), die polarifirten Relais von Siemens für Inductionsftröme( 1854). das eine mit zwei Stahlmagneten, einem Elektromagnete und fchwingendem Kern( ohne Anker), das andere mit zwei geraden Elektromagneten und Stahlanker, das Relais mit fchwingenden Magneten und doppelten Umwindungen zum Gegenfprechen von Frifchen und Siemens ( 1854), das polarifirte Relais mit hufeifenförmigen Elektromagneten und Stahlankern von Siemens( 1855), das Relais mit liegenden Elektromagneten von Nottebohm,( bis 1857 gebräuchlich), das Relais von Borggreve( 1857), das Relais mit doppelten Umwindungen zum Gegenfprechen von Borggreve( 1862) und endlich das polarifirte Relais von Siemens( 1869) mit zwei Hufeifen- Elektromagneten, zwei Stahlmagneten und zwei Ankern zur Uebertragung auf Linien mit Wechfelftrom, für die indo- europäifche Linie conftruirt. Wir finden ferner die verfchiedenen Formen des Tafters, der Stromwender und Umfchalter, der Blitzableiter und Galvanofkope, wie fie theilweise auch heute 4 Dr. Leander Ditfcheiner. noch im Gebrauche find; das Modell der erften Guttaperchapreffe zur Anfertigung ifolirter Leitungen mit Guttaperchahülle ohne Naht, mit welcher alle in grofser Zahl erbauten unterirdifchen Leitungen in Deutfchland und Rufsland( 1847 bis 1851) und jetzt noch alle fubmarinen Leitungen angefertigt werden und den doppelten Inductionsftrom- Erzeuger von Siemens( 1855), mit welchem durch wenige Elemente Inductionsftröme( zweiter Ordnung) erzeugt werden können, die mittelft Commutoren gleichgerichtet zur Erzeugung von Morfefchrift auf langen Linien dienen können. Von den jetzt gebräuchlichen Apparaten und deren Einfchaltung findet fich die Schaltung einer Leitung mit Arbeitsftrom für zwei End- und eine Uebertragungsftation ohne Relais und ohne Localbatterie und die Schaltung einer Leitung mit Ruheftrom ebenfalls für zwei End- und eine Uebertragungsftation, wobei die Morfe- Schreibapparate direct in die Leitung gefchaltet und die Uebertragung nach dem Arrangement von Maron eingerichtet ift. Ferner ift eine Schaltung mit Hughes- Apparaten für zwei End- und eine Uebertragungsftation ausgeftellt; die Uebertragung findet theils mittelft Hughes- Apparates mit Benützung des automatifchen Stromwenders von Jaite, theils mittelft zweier polarifirter Relais unter Benützung von Zweigftrömen nach den Angaben von Maron ftatt, und endlich findet man die Ausrüftung einer Leitung mit dem automatifchen Schnellfchreiber von Siemens, beftehend aus dem Taftenfchriftlocher, Geber und Empfänger. Ferner hat die deutfche Regierung die Apparate und Geräthe für Leitungsreviforen zufammengeftellt. Diefelben beftehen aus Etui und Werkzeug zur Unterfuchung unterirdifcher Leitungen, einem älteren und einem neueren Unterfuchungsgalvanometer, erfteres auf Stativ, letzteres mittelft Baumfchraube zu befeftigen, einem Differentialgalvanometer mit Baumfchraube, einem Tafchengalvanometer und aus allerlei Geräthe zu Leitungsrevifionen. Im Garten felbft waren die Leitungsvorrichtungen ausgeftellt. Die königlich baierifche Telegraphenverwaltung exponirte ebenfalls eine Reihe von Apparaten und Conftructionstheilen zur Veranfchaulichung der hiftorifchen Entwicklung des baierifchen Telegraphenwefens. Darunter befand fich der Stöhrer'fche Doppelftift- Schreibapparat mit Relais und Taftatur ältefter Conftruction( 1849), ein folcher Doppelftift- Apparat und verfchiedene Morfe Reliefund Farbfchreiber aus der Werkstätte der baierifchen Telegraphenverwaltung und der Rotationszeiger- Apparat von Stöhrer( Siehe Kuhn ,,, Angewandte Elektricitätslehre Seite 875), der jedoch 1856 auf fämmtlichen baierifchen Linien befeitigt und durch magnetoelektrifche Zeigerapparate von Siemens und Halske erfetzt wurde, von welchen heute noch 371 in Betrieb find. Wir finden ferner auf diefer baierifchen Ausstellung eine Reihe von Leitungsconftructionen und Blitzableitern. Eine der hervorragendften Stellungen im Gebiete der Telegraphenausftellung nimmt die bekannte Firma: Telegraphen- Bauanftalt von Siemens und Halske in Berlin, Markgrafenftrafse 94, ein. Inhaber diefer 1847 gegründeten Firma find die Herren Dr. Werner Siemens in Berlin, Dr. William Siemens und Carl Siemens in London. Die verfchiedenen gewerblichen Anlagen diefer Firma find die Telegraphen- Bauanftalt in Berlin von Siemens und Halske, die Specialfabrik für Alkohol- Mefsapparate von Siemens& Comp. in Charlottenburg, gemeinfchaftlich mit Louis Siemens dortfelbft, die Telegraphenanftalt in Sct. Petersburg mit Porcellanfabrik in Gorodok, die Telegraphenfabrik mit Guttapercha- KabelFabrik von Siemens Brothers in London und Woolwich( ausgeftellt in der englifchen Abtheilung), endlich das Gefchäft von Gebrüder Siemens in Tiflis mit Kupferbergwerk und Hüttenwerk in Kedabeg und Petroleumquellen urd Deftillation in Zarskoi- Kalodzie im Kaukafus. Das Berliner Gefchäft arbeitet mit circa drei Vierteln für den deutfchen Markt und mit je einem Achtel für den anderen europäiſchen und den überfeeifchen Markt. In Berlin und Charlottenburg werden circa 50 Perfonen Directions und Auffichtsperfonal, 610 Arbeiter über 16 Jahre, Telegraphen- Apparate. 20 5 fowie 35 Lehrlinge unter 16 Jahre alt und 17 Arbeiterinen als Drahtfpinnerinen befchäftigt. Zwei Dampfmaschinen von zufammen 60 Pferdekraft find als Betriebsmafchinen verwendet. Auf der letzten Parifer Ausftellung 1867, fowie auf der Wiener Weltausftellung war das Gefchäft wegen der Thätigkeit des Herrn Dr. Werner Siemens als Juror hors concours; bei allen früheren Ausstellungen erhielt es jedoch die erfte( Ehren) Medaille. Siemens& Halske ftellten in der deutfchen Abtheilung faft alle im Telegraphenwefen verwendeten Conftruction en aus, fo zwar dafs das Verzeichnifs der Ausftellungsgegenstände 145 Nummern umfafst, auf welche wir theilweife im Folgenden noch zurückkommen müffen. Ebenfo reich und vollſtändig war die Ausstellung von Siemens Brothers in London. In der franzöfifchen Abtheilung fanden wir eine hervorragende und intereffante Ausstellung des Minifteriums des Innern( Adminiftration des lignes télégraphiques, Paris, Rue de grenelle, Saint Germain, 103), welche faft alle neueren Conftructionen franzöfifcher Telegraphenapparate enthält, fo die Typendruck- Telegraphen von Dujardin und d'Arlin court, Morfe- Apparate nach dem Syfteme Ailhaud, den Meyer'fchen Apparat zur gleichzeitigen mehrfachen Depefchenvermittlung auf einer und derfelben Linie, die autographifchen Apparate von d'Arlincourt und Meyer, die Relais nach den Syftemen von Boivin, Froment und d'Arlincourt; ferner Bouffolen, Widerftandsmeffer, Blitzableiter u. f. w. Frankreich ift ferner auch durch eine Reihe anderer Firmen gut vertreten und wir nennen hier nur L. Bréguet, L. Defchiens, Deg offes& Cie., Digney frère& Cie., P. Dumoulin- Froment, Guyot d'Arlincourt, E. Hardy, B. Meyer, Poftel& Cie.( Maifon Vinay), fämmtlich in Paris, und Andere. Das öfterreichifche k. k. Handelsminifterium ftellte die auf feinen Linien im Gebrauche befindlichen Apparate und Vorrichtungen zufammen und exponirte fie im Pavillon des Welthandels. Wir finden dort das Modell des neuen Telegraphenamts- Gebäudes in Wien, Tragfäulen und Vorrichtungen zum Spannen der Drahtleitungen, Unterfuchungsapparate, complete Feldtelegraphen, Reliefund Farbfchreiber, Morfe ohne und mit Translationsvorrichtungen, FarbfchriftApparate für Arbeits- und Ruheftrom, Doppelftift- Apparate mit Translationsvorrichtung, Hughes- Apparate mit der Teufelhart'fchen Brofchüre: ,, Fingerfatz beim Hughes", Relais der gewöhnlichen Conftruction und mit Gewitterfchutz- Vorrichtung für Arbeits- und Ruheftrom, einfache Tafter, Wechfeltafter und DoppelfchlufsTafter, Blitzplatten mit eifernen Lamellen, Blitzfchutz- Vorrichtungen mit Saugfpitzen, ferner den Illimitapparat von Alois Bauer. Ausserdem finden wir in der öfterreichifchen Abtheilung noch ziemlich vollſtändige und reiche Expofitionen, hauptfächlich allerdings nur jener im grofsen Betriebe befindlichen Morfeund Nebenapparate, fowie der Eifenbahn- Signalvorrichtungen, wie jene von H. Keitel, B. Egger, C. A. Mayrhofer, der allgemeinen Telegraphen- Baugefellſchaft( ehemals J. Leopolder) und andere. Auch die anderen Länder, zunächft die Schweiz, vornämlich vertreten durch M. Hipp in Neuenburg, und Italien, ferner Ungarn, Rufsland, Dänemark und Belgien haben ihr Contingent für das Telegraphenwefen geliefert, ja felbft das ferne Japan lieferte einen nach Siemens& Halske conftruirten Zeigertelegraphen mit der Signatur: Patent 1870, Télégraphe aimant de d'Hiro fe à Vedo, mit japanefifchen Schriftzeichen auf der Buchftabenfcheibe. Von den zur Erzeugung des elektrifchen Stromes verwendeten Elementen finden wir das Braunftein Element von Le clanché, welches feit ungefähr 6 Jahren auf mehreren franzöfifchen und belgifchen Eiſenbahnen im Gebrauche ift, ausgeftellt von E. Barbier in Paris, 9 rue de Laval; ferner die bekannten Meidingerfchen und Ballonelemente, ausgeftellt von Meyer& Wolf in Wien, fowie von Gebrüder Naglo in Berlin. Karl Sartori in Wien ftellte feine Kohlenzink- Elemente aus. In Bezug auf die Form find die ausgeftellten Elemente verfchieden, fo 6 Dr. Leander Ditfcheiner. dafs die einen die Form der bekannten Smee'fchen Elemente haben, indem zwifchen zwei verticalen Kohlenplatten eine amalgamirte Zinkplatte fich befindet, welche in mit verdünnter Schwefelfäure gefüllte parallelopipe difche Glasgefäfse tauchen, während die anderen cylindrifche Gefäfse befitzen, in denen je eine kreisförmige Zink- und Kohlenfcheibe horizontal übereinander liegen. Die Poldrähte, welche die Platten tragen, gehen durch einen Pfropf des Halfes hindurch und find, foweit fie durch die Flüffigkeit gehen, mit einer fchlechtleitenden Subftanz überzogen. Das Chlorfilber- Element von Dr. Pinkus in Königsberg enthält in dem unteren Theile eines Reagensgläschens ein fingerhutartiges Gefäfs von etwa I Quadrat zoll Oberfläche, an welchem ein ifolirter Leitungsdraht angebracht ift. Das Gläschen enthält ferner ein nahezu ebenfo grofses Stück amalgamirtes Zink von beliebiger Form, an das ebenfalls ein ifolirter Kupferdraht angelöthet ift. Beide Drähte gehen durch einen das Glas verfchliefsenden Kork. Zum Gebrauche wird das Silbergefäfs mit Chlorfilber gefüllt und verdünnte Schwefelfäure oder Kochfalzlöfung darauf gegoffen. Mehrere folche Gefäfse auf einem paffenden Holzgeftelle liefern eine ziemlich kräftige, leicht transportable und compendiöfe Batterie. Nach der Königsberger Zeitung vom 2. März 1873( fiehe Pogg. Ann. 149, 430) wurden auf der Königsberger Telegraphenftation der königlichen Oftbahn Verfuche von vielverfprechendem Erfolge mit diefer Batterie ausgeführt. Zwanzig folcher I Zoll im Durchmeffer und 2½ Zoll in der Höhe faffenden Elemente gaben bei der einfacher. Schliefsung einen Strom fo kräftig, dafs die Galvanometernadel 75 Ausfchlag zeigte, während unter gleichen Umftänden 40 Meidinger- Elemente eine Ablenkung von nur 49° hervorbrachten.. Man telegraphirte mit diefen 20 Elementen von Königsberg mit gröfster Leichtigkeit direct bis Berlin, und es genügten 10 Ele. mente zur Verftändigung nach Berlin, 4 folche zur Verftändigung bis Bromberg. Es wurde damit der Beweis geliefert, dafs 6, refpective 12 Elemente im Ganzen genügen, um die Widerftände von etwa 60 Meilen Telegraphenleitung bis Bromberg und 134 Meilen bis Berlin( inclufive Galvanometer- Relaiswiderstände u. f. w.) zu befiegen. 0 Chromelemente in der bekannten Form lieferte unter Anderen Chutaux & Cie. in Paris, 147 rue du faubourg Poiffonière, und in etwas neuerer Form Voifin& Dronier in Paris, 41 rue de Saint Fargeau, als Piles dites à cloches. Bei diefen letzteren wird nicht, wie gewöhnlich bei Aufs ergebrauchfetzung des Elementes die Zinkplatte mittelft eines Stäbchens aus der Flüffigkeit gezogen, fondern diefelbe bleibt in der Flüffigkeit, es wird aber über diefelbe ein gut anfchliefsender Cylindermantel von Gummi oder Hartkautfchuk von aufsen gefchoben, der gleichfam als Scheidewand zwifchen die Kohlen und Zinkplatten tritt. Guérot in Paris, rue Daguerre 71, ftellte das Element Delaurier aus, welches ebenfalls aus Zink und Kohle befteht. Erfteres befindet fich in Waffer, letztere aber in einem poröfen Thoncylinder, in welchen fie von einer Mifchung von feftem doppeltchromfaueren Kali, fchwefelfauerem Natron und Eifenvitriol umgeben ift. Durch den poröfen Thoncylinder tritt das Waffer zu diefer Mifchung und gibt ihr die nöthige Feuchtigkeit. Von fogenannten Polarifationselementen finden wir die Batterie fecondaire von Gafton Planté in Paris, 56 rue de Tournelles, befchrieben in Du Moncel. ,, Appl. de l'électricité", T. V.; von Thermo- Elementen die bekannten Marcus'fchen und die neuerer Zeit von Waltenhofen befchriebenen Noël'fchen Elemente( Pogg Ann. 143, 113 und 144, 617). Endlich wäre noch die von Dr. Carl Frommhold in Peft ausgeftellte Batterie zu erwähnen, bei welcher die conftanten Elemente durch eine einfache Vorrichtung fo verbunden find, dafs es leicht möglich ift, fämmtliche Elemente hintereinander, alfo nach Intenfität, oder nebeneinander, nach Quantität zu reihen. In Betreff der eigentlichen Leitung finden wir eine Expofition von Tragfäulen mit Ifolatoren für Luftleitungen, ifolirende Porcellan- und Steinguthütchen Telegraphen- Apparate. 7 als Träger von Drahtleitungen, dann auch runde und viereckige Thonzellen für galvanifche Elemente bei der Actiengefellfchaft für den Telegraphenbedarf, vormals H. Schomburg in Berlin; ferner eine Reihe von Porcellan- und Steingut- Ifolatoren in den verfchiedenften Formen von Billault- Billaudot& Cie. in Paris. 24 rue de la Sorbonne, fowie von Ad. Hafche& Lepin Lehalleur, Paris; rue Paradis Poiffonnière 24, und Eifenbeftandtheile für Telegraphenleitungen von J. B. F. Vauzelle in Paris, rue Saint. Maur Popincourt 152. Leitungsdrähte mit Seide und Wolle umfponnen, letztere auch in Wachs eingelaffen, für Elektromagnetumwindungen, Zimmerleitungen. Rheoftaten etc. lieferte J. Vogel in Berlin und Legay in Paris, 42 rue Laugier, welch Letzterer auch noch Kabel mit Bleiüberzug und Kabel zu militärifchen Zwecken mit einer Feftigkeit von 140 Kilo gegen das Zerreifsen bei einem Gewichte von 25 Kilogramm für je I Kilometer Länge ausftellte. Die bekannte Firma Felten& Guillaume in Köln am Rhein exponirte 10 Stück fchöne unterirdifche und fubmarine Kabel in verfchiedenen Durchmeffern. Siemens Brothers in London brachten Mufter des Platino- Brazileira Cable, Military Cable, des Mediterranean, des Brazil und des Black- Sea Cable, ferner des Hongkong- Shanghai- Poffie da- Cable und des Strait of Kertfch. Eine prachtvolle Ausftellung von Kabelmuftern und ifolirten Leitungsdrähten lieferten Hooper's Telegraph Works, 31 Lombard Street, London. Wir finden darunter die im Jahre 1863 und 1868 im perfifchen Golf gelegten 525 Meilen( englifch) langen Kabels, das 1865 verfertigte River croffing Cable von 45 Meilen, das Ceylon Cable von 1866 von 35 Meilen Länge, das England und Dänemark verbindende Kabel 1868, 365 Meilen lang, die Kabel von Möen nach Bornholm im baltifchen Meere, 82 Meilen, von Schottland nach Norwegen, 247 Meilen, von Schweden nach Rufsland, 103 Meilen( fämmtlich 1868 gelegt), das Kabel von Hongkong nach Shanghai und von dort nach Japan und in die Poffieda Bai in der Länge von 2300 Meilen 1870 verfertigt und endlich das 5000 englifche Meilen lange 1872 verfertigte Kabel der Great Weftern Telegraph Company. Eine Reihe von Unterfee- und Torpedo- Kabeln und Drähte für Luftleitungen exponirte die India Rupper Guttapercha and Telegraph Works Company in Silvertown, Effex, England. Von der Telegraph Conftruction and Maintenance Company, London, finden wir eine fchöne Ausftellung von etwa 82 Kabelmuftern, in ihren Querfchnitten und äufseren Formen der Landftücke und der Tieffeeftücke, welche von Freiherrn von Erlanger in Paris ausgeftellt und nach der Ausftellung dem in Wien gegründeten Athenäum überlaffen wurden. Die zum Meffen der Stromftärke verwendeten Multiplicatorgalvanometer, fowohl horizontale als auch verticale, fanden fich felbftverständlich in grofser Zahl, und faft jede Telegraphenfabrik und Bau- Anftalt lieferte diefelben in den bekannten Formen. Das für Ingenieure der indifchen Linie beſtimmte Reife galvanofkop von Siemens und Halske ift mit einer zweckmäfsigen Arretur verfehen, welche zugleich ein leichtes und bequemes Herausnehmen der Nadel geftattet. Die Nadelachfe ift nämlich in die beiden Wangen a und b eines kleinen Rahmens eingelagert, und zwar in a in einem ovalen Loche, in 6 in einem länglichen, von der Seite herein fchief nach unten gehenden Schlitze; die Achfe legt fich mit ihrer oberen Seite an die unten abgerundeten Enden eines zweiten, im Gehäufe feftliegenden Rahmens an, fo lange eine an dem die beiden Wangen a und b verbindenden Querftücke des erften Rahmens befeftigte, mit ihren Enden fich gegen den zweiten Rahmen ftützende Feder f fich felbft überlaffen wird. Dabei ift dann die Nadel arretirt. Schraubt man dagegen den erften Rahmen mit feinem Querftücke gegen den zweiten herab, fo fenkt fich fogleich die Nadel, während fich die Feder durchbiegt und ftärker fpannt. In diefer Lage läfst fich die Nadel leicht aus ihren Lagern heben. Das Tafchengalvanofkop derfelben Firma ift in einem dofenförmigen Gehäufe 8 Dr. Leander Ditfcheiner. fo angebracht, dafs es bequem in die Tafche gefteckt werden kann; feine Achfe ift in vier Steinen gelagert.( Dr. E. Zetzfche, kurze Mittheilungen über die in Wien 1873 von Siemens& Halske in Berlin ausgeftellten neuen Telegraphenapparate. Zeitfchrift für Mathematik und Phyfik.) Aufserdem brachten Siemens& Halske das Haarnadel- Galvanofkop zum Anzeigen fehr kurzer Ströme und ein ControlGalvanofkop und Einfchaltevorrichtung für Leitungs- Controlftationen. Von genauen Mefsinftrumenten, wie Sinus- und Tangentenbouffolen. finden wir bei Siemens& Halske in Berlin, fowie bei Siemens Brothers in London die bekannte Sinus- und Tangentenbouffole, ferner eine Sinusbouffole, zugleich als Differentialgalvanometer verwendbar, und eine Tangentenbouffole, beide nach der Siemens'fchen Conftruction. Sinus- und Tangentenbouffolen lieferten auch Digney frères et Cie. und die Adminiftration des Lignes télégraphiques; Letztere eine Tangentenbouffole nach der Modification von Lagarde. Hierher gehört auch das a periodifche Spiegelgalvanometer von Siemens& Halske in Berlin. Der Vortheil diefes Inftrumentes liegt in der Aperiodicität der Bewegung des Magnetes, das heifst der Eigenfchaft, dafs, wenn ein Strom die Rollen des Galvanometers durchfliefst und der Magnet dadurch abgelenkt wird, derfelbe keine Schwingungen um feine neue Gleichgewichtslage ausführt, fondern fofort in derfelben ftehen bleibt. Diefe Eigenfchaft ermöglicht ein rafches und ficheres Arbeiten und aufserdem werden die Störungen, durch Erfchütterungen des Haufes hervorgerufen, durch die Dämpfung möglichft abgefchwächt. Wenn auch die völlige Aperiodicität der Bewegung nicht bei allen Exemplaren diefes Galvanometers erreicht ift, fo wird doch wenigftens die Bewegung des Magnetes foweit gedämpft, dafs auch bei grofsen Ablenkungen der Magnet nach höchftens zwei bis drei Schwingungen zur Ruhe kommt. Im Uebrigen ist das Inftrument fo fein gebaut, dafs es auch ohne Anwendung eines Richtmagneten, und ohne eine fehr delicate Behandlung zu erfordern, eine hohe Empfindlichkeit befitzt, nämlich einen Ausfchlag von 80 Scalentheilen für den Strom von einem Daniell'fchen Elemente in einem Drahte von 1,000.000 Siemens- Einheiten Widerftand bei 2 Meter Entfernung der Scala vom Spiegel gibt, wenn jede der beiden Rollen einen Draht von circa 1700 Siemens- Einheiten Widerftand in circa 16.000 Windungen trägt. Diefer Magnet kann feiner Form wegen Glockenmagnet genannt werden. Diefelbe ift jene eines Hufeifenmagnetes, in welchen jedoch die beiden gradlinigen Enden wie zu einem Hohlcylinder gehörig gebogen find. Auch hier find Nord- und Südpol an den freien Enden um den Durchmeffer des Cylinders entfernt. Der Magnet ift fo aufgehängt, dafs die Achfe des Cylinders vertical ift; Nord- und Südpol liegen und bewegen fich in einer horizontalen Ebene. Das Galvanometer kann zu genauer Meffung von fchwachen, fowie bei zweckmäfsiger Schaltung von beliebig ftarken Strömen benützt werden. Durch Anbringung eines Richtmagnetes kann die Empfindlichkeit beliebig gefteigert werden. Die Aperiodicität des Magnetes wird erzielt durch Anbringung einer ftark dämpfenden, den Magnet möglichft nahe umgebenden Kupferkugel und durch die eigenthümliche Form des Magnetes. Diefer hat nämlich die Form eines Fingerhutes, welcher auf zwei Seiten der Länge nach abgefchnitten ift. Derfelbe fchwingt mit wenig Spielraum in einem entſprechenden cylindrifchen Hohlraum der Kupferkugel. Durch diefe Conftruction wird einerfeits erzielt, dafs der Magnetismus eine bedeutende Intenſität erhält und dennoch das Träg heitsmoment des Magnetes ein geringes bleibt; andererfeits erhält man auf diefe Weife ein möglichft genaues Anfchliefsen des ganzen Magnetes an die dämpfende Kupfermaffe, und zwar gleichmässig in jeder beliebigen Stellung des Magnetes. Wenn die Kupfermaffe völlig homogen und gut leitend ift, fo wird bei diefer Conftruction die Bewegung des Magnetes vollkommen aperiodifch. Das Galvanometer felbft befteht im Wefentlichen aus einem meffingenen. Dreifuss mit drei Stellfchrauben, aus einer Kupferkugel mit cylindrifchem Hoh! Telegraphen- Apparate. 6 raum, in welchem der Magnetfpielt, einem Rollenpaare, einem Spiegelgehäuſe mit aufgefetztem Glasrohre und dem fchon oben erwähnten Glockenmagnete mit Spiegel und Coconfaden. Die Kupferkugel ift auf eine verticale meffingene Achfe geſetzt, welche fich frei in einer in der Mitte des Dreifusses angebrachten Oeffnung bewegen kann; diefe Achfe trägt einen ringförmigen Anfatz, welcher über einen auf den Dreifuss aufgefetzten, mit einem Stiel verfehenen Ring übergreift. Jener Anfatz und mit ihm die Kupferkugel kann feftgeftellt werden durch eine Klemme, welche an dem Stiele des Ringes angebracht ift. Wenn durch das Anfchrauben diefer Klemme die Kupferkugel feft mit dem Ringe verbunden ift, fo kann noch eine feine Bewegung desfelben ausgeführt werden vermittelft zweier an dem Stiele des Ringes angebrachter Schrauben mit durchlochten Köpfen, welche gegen einen feft im Dreifufs fitzenden Anfatz drücken. Die beiden Rollen werden je nach Bedürfnifs mit dünnem oder dickem Kupferdraht unifilar oder bifilar umwickelt, jede trägt die den Drahtenden entſprechende Anzahl von Klemmen, fo dafs die einzelnen Drähte hintereinander, gegeneinander oder parallel gefchaltet werden können. Sie find auf der einen Seite kugelförmig ausgehöhlt und werden mittelft ftarker randrirter Schrauben an der Kupferkugel befeftigt. Auf der Kupferkugel ift ein meffingener Ring aufgefetzt, welcher mit einer Vertiefung, in welcher das Spiegelgehäufe fitzt, verfehen und mittelft dreier Schrauben feftgehalten wird. Durch Löfung diefer Schrauben läfst fich das Spiegelgehäufe drehen. Diefes letztere trägt ferner ein Glasrohr, welches oben mit einem meffingenen Hute verfehen ift, welcher Hut in der Mitte eine Oeffnung befitzt, durch welche der Faden eingeführt wird Mittelft eines am Hute befeftigten drehbaren Stiftes mit randrirtem Kopf kann der Faden aufgewickelt werden. Seitlich find in den Hut drei randrirte Schrauben eingeführt, welche im Innern eine Meffingbüchfe fefthalten, welche eine Oeffnung für den Faden befitzt und zur Führung desfelben dient. Durch Benützung diefer feitlichen Schrauben wird der Aufhängepunkt des Fadens genau vertical über die Mitte des cylindrifchen Hohlraumes in der Kugel geftellt. Das Stativ des Fernrohrs befteht aus einem ftarken hölzernen Dreifuss mit Tifch. Auf diefen letzteren ift ein meffingener Dreifuss auf drei Meffingplatten aufgefetzt, der nach unten vermittelft einer durch den hölzernen Tifch gehenden Spiralfeder aufgedrückt wird. Das Fernrohr ift auf ein meffingenes Geftell aufgefetzt, das einen Träger zum Einfchieben der Scala befitzt und deffen Achfe fich frei im Centrum des Dreifufses bewegt. Diefe Achfe kann feftgeftellt werden durch eine Klemme mit randrirter Schraube, welche an dem Meffingdreifufse fitzt. Das Galvanometer wird auf eine fefte Unterlage fo geftellt, dafs der Spiegel in gleiche Höhe mit dem Fernrohre kommt. Die Unterlage befteht am beften aus einem Steine, der in die Mauer eingefügt oder einem Brete, das an einem Balken des Gebäudes angefchraubt ift. Das Fernrohr mit Stativ kann beliebig im Zimmer aufgeftellt werden, jedoch mufs die Scala gut beleuchtet fein. Je gröfser die Entfernung der Scala vom Spiegel ift, defto bedeutender wird die Verfchiebung der Theilftriche bei einer Drehung des Spiegels im Fernrohre. Die Scala wird fo in den Träger des Fernrohres eingefchoben, dafs ihre Mitte unter diejenige des Fernrohr- Objectives zu liegen kommt. Die Rollen des Galvanometers werden ungefähr fo geftellt, dafs ihre Achfen von Weft nach Oft gehen, die Ebenen der Windungen alfo ungefähr parallel der Meridianebene liegen. Der Magnet wird zum freien Schwingen gebracht durch Benutzung der drei Stellfchrauben am Fufse des Galvanometers, und man erkennt diefe freie Bewegung des Magnetes durch die Regelmässigkeit feiner Bewegungen bei Ablenkung durch Eifenftücke oder Magnete. Sodann wird entweder der Spiegel fenkrecht auf die Fernrohr- Achfe oder umgekehrt, was meiftens auch leichter ift, das Fernrohr fenkrecht auf den Spiegel geftellt. Im letzteren Falle ftellt man fich einige Schritte vom Spiegel auf und fucht den Punkt, von welchem aus man im Spiegel das Bild feines eigenen Auges fieht. Das Fernrohr wird dann etwas über diefen Punkt geftellt. Hängt aber der Spiegel fo, dafs man im Zimmer das Fernrohr überhaupt nicht fenkrecht dazu aufftellen 10 Dr. Leander Ditfcheiner. kann, oder dafs diefe Stelle fchlecht beleuchtet ift, fo mufs der Spiegel fo über den Magnet gedreht werden, dafs die auf demfelben fenkrechte Linie das Zimmer in einer Richtung durchfchneidet, in welcher Fernrohr und Scala zweckmäfsig aufgeftellt werden können Fällt die auf dem Spiegel fenkrechte Linie etwas über oder unter die Fernrohrachfe, fo mufs der Spiegel durch Benützung des oberhalb desfelben angebrachten Schräubchens fo lange geneigt werden, bis das Bild der Scala im Fernrohre erfcheint; auch kann zu demfelben Zwecke das Fernrohr durch die drei meffingenen Stellfchrauben etwas verftellt werden. Das Spiegelgehäufe wird ftets fo gedreht, dafs das Planglas parallel zum Spiegel fteht. Ferner fucht man das Fernrohr fo zu ftellen, dafs bei unabgelenkter Nadel in demfelben die Mitte der Scala gefehen wird. Um dem Spiegel ein geringes Drehungsmoment zu geben, ift feine Faffung aus Aluminium verfertigt. Endlich müffen noch die Rollen genau in die Meridianebene gebracht werden. Diefs gefchieht dadurch, dafs man durch die Rollen einen ftarken Strom fchickt, der jedoch noch einen ablesbaren Ausfchlag gibt, dann den Strom in der entgegengefetzten Richtung durch die Rollen fliefsen läfst. Die Rollen werden nun fo lange gedreht, bis diefe beiden Ausfchläge vollkommen gleich find. Werden bei der Aufftellung und dem Gebrauche des Galvanometers alle diefe Vorfchläge eingehalten und ift die Scala vom Spiegel nicht weniger als zwei Meter entfernt, fo find die Ausfchläge den Strömen genau proportional. Die von Siemens& Halske ausgeftellte aperiodifche Bouffole hat eine ähnliche Einrichtung, nur ftatt der Kupferkugel einen Kupfercylinder. Ein Spiegelgalvanometer in fchöner Ausführung war auch von M. T. Edelmann in München und ein folches namentlich für objective Darftellung von Profeffor V. v. Lang in Wien ausgeftellt. Vorrichtungen zum Einfchalten von Widerftänden von bekannter Gröfse finden wir auch hier wieder bei Siemens& Halske in Berlin und Siemens Brothers in London, und zwar die Siemens'fche Einheit in Neufilberdraht ausgeführt und Widerftandsfcalen von o'I bis in fumma von 100, oder 5000 oder auch 10.000 S. E. in der bekannten Form.( S. Schellen, Telegraph, 5. Auflage, pag. 136.) Aehnliche Vorrichtungen finden wir auch in der Expofition der franzöfifchen Adminiftration der Telegraphen. Hierher gehört auch das von Dr. WernerSiemens angegebene und von Siemens& Halske in Berlin und Siemens Brothers in London ausgeftellte Univerfalgalvanometer. Diefes Inftrument( S. Schellen, pag. 197) macht es möglich, die Meffung von Stromftärken, des Widerftandes von Drähten und der elektromotorifchen Kraft der Batterien an einem und demfelben Apparate auszuführen. Der Apparat enthält ein Galvanometer, einen Tafter, die nöthigen Vergleichungswiderftände, fo dafs nichts nöthig ift, als die Batterie und die unbekannten Widerftände in der vorgefchriebenen Weife mit den Klemmen des Apparates in Verbindung zu fetzen. Der Univeríal- Widerftandskaften von Dr. Werner Siemens bietet ähnliche Vortheile, aber mit mehr Vollständigkeit und Genauigkeit. Mit diefem Inftrumente können nämlich die Widerftände von Drähten, die elektromotorifchen Kräfte und die Widerftände von Batterien gemeffen werden, die letzteren nach einer neuen von Dr. W. Siemens angegebenen Methode. Es bietet zwar nicht wie das Univerfalgalvanometer den Vortheil dar, dafs zugleich ein Galvanometer damit in Verbindung fteht, aber dafür den anderen, dafs jeder der feit Jahren gebräuchlichen Widerftandskaften von Siemens& Halske fogleich durch Anfetzen eines neuen Theiles in einen Univerfal Widerftandskaften verwandelt werden kann. Das Inftrument befteht aus einem vollständigen Widerftandskaften A von I bis 5000 S. E. und aus drei beigefügten Theilen B, C, D, welche ebenfalls Rollen von beftimmten Widerständen enthalten und mit Klemmen für die verfchiedenen Meffungen verfehen find. Alle Widerstandsrollen find wie in jedem anderen Siemens- Halske'fchen Widerftandkaften aus doppelt mit Seide überfponnenem Neufilberdraht von verfchiedener Stärke gefertigt und bei 20 Grad Celfius juftirt mit der Genauigkeit von 2 pro mille, was ungefähr der Telegraphen- Apparate. 11 Veränderung des Widerftandes bei I Grad Temperaturänderung entſpricht. Die Rollen können aus- und eingefchaltet werden durch Stöpfel, welche in die ausgefchliffenen Hohlkehlen der Meffingftücke paffen, an denen die Enden der Drähte liegen; beim Gebrauche der Widerftandskaften, namentlich bei kleineren Widerftänden find diefe Stöpfel ftets fo feft als möglich mit Drehung einzuftecken. Zum Meffen von Bruchtheilen einer Einheit find zwei forgfältig gezogene Platin drähte ausgefpannt, auf welche ein mit einer vergoldeten Kante und einer Bleiplatte verfehener Läufer von Meffing aufgefetzt werden kann; wenn der Stöpfel am Anfange der Platindrähte gelöft wird, fo kann der Strom den einen Platindraht, dann den Läufer und den anderen Platindraht durchlaufen. Ungefähr 250 Millimeter diefes Doppeldrahtes haben I S. E. Widerftand Der Widerftand des Platindrahtes mufs jedoch bei jedem einzelnen Inftrumente beftimmt und diefe Beftimmung von Zeit zu Zeit wiederholt werden, weil die Spannung des Drahtes variirt. o 2 Millimeter bis o 3 Millimeter entſprechen daher 0.001 S. E Der Läufer braucht nicht genau fenkrecht zu den beiden Drähten aufgefetzt zu werden. Das Mittel aus den Ablefungen auf beiden Seiten ift genau die wahre Ablefung. Die Ablefung am Läufer gefchieht an der ebenen Seite, da die Kante abgerundet ift und daher der Ort, wo der Contact ftattfindet, nicht von oben gefehen werden kann. Es mufs auch der Fehler, der auf diefe Art bei der Ablefung begangen wird, ein- für allemal beftimmt werden. Diefs gefchieht am einfachften dadurch, dafs man bei irgend einer Meffung den Läufer genau einftellt, dann denfelben herausnimmt und umkehrt und diefelbe Einftellung abermals ausführt. Die halbe Differenz der beiden Ablefungen ift der gefuchte, bei jeder weiteren Ablefung zu berücksichtigende Fehler. Jedem folchen Apparate ift ein Schema beigegeben, in welchem die Stromläufe und die Formeln für die verfchiedenen Meffungen gegeben find. Die Methode der Meffung der Batteriewiderftände beruht auf der Eigenfchaft des Fig. 1, Tafel I dargestellten Stromfchemas, dafs, wenn die Widerstände in den Zweigen I und 2 gleich find, der Strom in 2 gleich ftark bleibt, wenn man den Zweig 4 in die Stellung a oder in jene 6 bringt. Die Richtigkeit diefes Satzes ergibt fich auf folgende Art: Bezeichnen wir nämlich mit S₁, S., S, und S, die Stromftärken in den Zweigen 1, 2, 3 und 4, ferner mit G und die Leitungswiderftände des Galvanometers und der Batterie, mit A, B, C und D jene der Leiter 1, 3, 4 und 2 ohne Galvanometer und Batterie, fo ift nach den Kirchhoff'fchen Formeln für den Punkt M S₁= S₂+ St für den Stromkreis mit den Zweigen 2 und 4 ift C. S ( DG) S 0 und für den Stromkreis mit den Zweigen I, 4 und 3 ift S₁( A+ r)+ C. SB. S - E unter E die elektromotorifche Kraft verftanden, oder da S S₁( A+ B+ r)+ C. S₁= E. I) 2) _ S₁ ift 3) Aus diefen drei Gleichungen I, 2 und 3 folgt nun unmittelbar S'₂= EC ( A+ B+ r)( C+ D+ G)+ C.( D+ G). 2 Um die Gleichung für die Stromftärke S, im Zweige 2 zu finden, wenn zu fetzen flatt der Zweig 4 in die Lage MN' kommt, fo haben wir nur Ar+ B, Ar und ftatt G+ D ,. G+ D+ B, wodurch erhalten wird EC S₂ A+ r)( C+ G+ D+ B)+ C( G+ B+ D) 12 S₂ _ Dr Leander Ditfcheiner. Setzt man nun in beiden Gleichungen Ar= G+ B= M, fo wird EC ( MB)( CM)+ MC woraus folgt und S. S₁₁= S₁₂. CE M( BCM)+ C( B+ M), Nachdem die Verbindungen angebracht find, drückt man einen am Inftrumente, ähnlich wie beim Univerfalgalvanometer angebrachten Tafter%, fo zeigt das Galvanometer einen Ausfchlag; drückt man nun einen zweiten Tafter( ohne den erften loszulaffen), fo wird der Ausfchlag fich verändern. Man hat nun die Widerftände in A und D fo lange zu variiren, bis der zweite Ausfchlag gleich dem erften wird, die Nadel des Galvanometers alfo keine Bewegung beim Niederdrücken des Tafters. z macht. Ein Niederdrücken des erften Tafters fchickt den Strom überhaupt in die Verzweigung, er geht alfo von A aus in die Zweige C und D und nach Wiedervereinigung über B nach A zurück. Durch darauffolgendes Drücken des Tafters z aber wird eine folche neue Verbindung hergestellt, dafs der Strom von A ausgeht, fich einerfeits nach B, andererfeits nach G+ D verzweigt und dann wieder an der Vereinigungsftelle von b und B gegen A austritt. In dem Zweige I ift fodann der Widerftand A+ r, in jenem 2, DG, in jenem 3, B und in jenem 4, C; da aber der Widerftand in I gleich fein mufs dem Widerftande in 2, fo ift A+ r= D+ G, fomit r= D+ G- A. Der Widerftand des Galvanometers mufs bekannt fein, jener D und A wird am Inftrumente abgelefen, nachdem durch Drücken von keine Stromänderung im Galvanometerdrahte ftattfindet. Die Meffung von Drahtwiderftänden findet unter Verwendung des Widerftandskaftens als Wheatftone'fche Brücke, jene von elektromotorifchen Kräften nach der Methode von Poggendorff ftatt.( Autographirte Befchreibung von Dr. W. Siemens.) z Die Meffungen werden am genaueften, wenn G und D folche Werthe haben, dafs A klein wird. In den Zweigen B und C müffen ftets Widerftände eingefchaltet werden; im Allgemeinen folche, deren Gröfse ungefähr denjenigen in den übrigen Zweigen entſpricht. Die in B und C eingefchalteten Widerstände haben nur Einfluss auf die Genauigkeit der Meffung, nicht aber ift ihre Gröfse zur Beftimmung von nothwendig, da ihr Werth in der obigen Formel für fehlt. Die Methode ift felbftverſtändlich auf alle Leiter anwendbar, welche Sitze elektromotorifcher Kräfte find, fo namentlich Inductionsmafchinen und Thermofäulen. Von Taftern finden wir die gewöhnlichen Morfe- Tafter, felbftverständlich in grofser Zahl bei allen gröfseren Telegraphen fabriken Frankreichs, Deutſchlands, Oefterreichs, bei dem Gewerbeinftitute in Liffabon etc. L. Bréguet in Paris ftellte einen Inductionstafter aus, wobei einfach durch Abrifs eines Ankers von feinem Magnete oder bei deffen Anlegen Inductionsftröme, welche in die Linie gefandt werden, entſtehen. Die Enden eines hufeifenförmigen, kräftigen Magnetes find zu diefem Ende mit Drahtfpulen umgeben, welche mit der Leitung einerfeits, mit der Erde andererfeits in Verbindung ftehen. Der Anker legt fich an beide Enden wie gewöhnlich an, ift jedoch das eine Ende eines Hebels, deffen anderes Ende den Drücker enthält. Drückt man nun auf diefen, fo wird der Anker losgeriffen, der Magnetismus im Magnete tritt kräftiger auf und erzeugt einen kurz andauernden Strom, der auf der fernen Station den Anker eines polarifirten Relais oder eines polarifirten Morfe Apparates nach einer Seite bewegt. Hört man zu drücken auf, fo legt unter Mitwirkung einer Feder der Anker fich wieder an den Magnet, fchwächt deffen Magnetismus und erzeugt einen entgegengefetzt gerichteten Strom, der den Anker des Relais oder Morfe- Apparates in feine erfte Lage zurückführt. Ebenfo finden wir bei Siemens Brothers in London und Siemens& Halske in Berlin den Magnet Inductionsfchlüffel von Siemens( S. Schellen 446). Telegraphen- Apparate. 13 Der Wechfelftrom- Tafter mit Entladungscontact für die indo- europäiſche Linie( S. Schellen 551) ift von Siemens Brothers in London und der SubmarineSchlüffel( S. Schellen 550) von Siemens& Halske in Berlin ausgeftellt. Diefe Letzteren brachten auch einen fogenannten lautlofen Tafter, bei welchem die beiden Contacte für den Tafterhebel in fich nur wenig durchbiegenden Contactfedern liegen. Der Hub des Tafterhebels ift fehr klein und in Folge deffen ift das Auffchlagen des Hebels dem Ohre kaum vernehmbar. Damit der Telegraphirende den Hub, fomit auch die Schrift nicht verändern kann, find unter den beiden Contactfedern kleine Schrauben befeftigt, auf die fich die Contactfedern endlich bei ihrer stärksten Durchbiegung auflegen. Das von Siemens& Halske ausgeftellte Submarinerelais für Wechfelftröme befitzt entweder einen kräftigen Elektromagnet, welcher durch einen ftarken Localftrom erzeugt wird, oder einen durch ein Syftem permanenter Magnete kräftig influenzirten Magnet. Der Nordpol diefes aufrecht ftehenden Magnetes ragt durch ein in dem entſprechend verlängerten Südpole befindliches Loch, deffen Weite etwas gröfser ift als die Dicke des Nordpoles, hindurch und in dem Zwifchenraume zwifchen den beiden Polen fchwebt eine kleine, am Ende von drei länge. ren Meffingdrähten a, b, und b, aufgehängte Spule, in welche der Linienftrom durch die beiden Drähte b, und b, ein- und austritt, und welche dann je nach der Richtung des Linienftromes in dem magnetifchen Felde zwifchen jenen beiden Magnetpolen fich hebt oder fenkt, dabei aber den durch den mittleren Draht a zugeführten Localftrom in der einen oder anderen Richtung durch einen polarifirten Schreibapparat fendet. An der Spule ift nämlich ein Aluminiumbügel befeftigt, in welchen ein oben in einer Spitze, unten in einer ebenen Fläche endender Contactftift befeftigt ist, welchem oben ein Contact mit ebener Fläche, unten ein Contact mit Spitze gegenüberfteht. Die Bewegung der Spule mit ihrem Bügel läfst fich aufserdem auch unmittelbar durch eine Lupe beobachten, deren Vifur auf den Contact am Bügel eingeftellt ift. Diefes Relais zeichnet fich durch feine grofse Empfindlichkeit aus, welche es der Leichtigkeit des als Relaishebel dienenden Theiles und dem Umftande verdankt, dafs fich der Elektro- oder permanente Magnetismus jenes aufrechtftehenden Magnetes beliebig verftärken läfst( Zetzfche a. a. O.). Das ebenfalls nach den Angaben von v. Hefner- Alteneck von Siemens und Halske ausgeführte fogenannte Abkürzungsrelais hat die Aufgabe zu löfen, eine Erhöhung der Sprechgefchwindigkeit durch Kabel zu erzielen. Die Spulen des Elektromagnetes M diefes Relais bieten dem Strome einen fehr grofsen Widerſtand ( 1780 S. E.) und find einerfeits mit der Achfe des Tafters, andererfeits mit der Erde leitend verbunden. Von zwei Batterien ift der Kupferpol der einen B₁ mit dem Arbeitscontacte, der Zinkpol der anderen B, mit dem Ruhecontacte des Tafters verbunden, während die beiden anderen Pole zur Erde abgeleitet find. Demnach durchläuft der Strom von B, in der Ruhelage des Tafters die Spulen des Relais, zieht deffen Anker A an und legt den Ankerhebel auf die untere, ebenfalls mit der Erde verbundene Stellfchraube S; da nun an den Ankerhebel zugleich auch das Kabel geführt ift, fo kann jetzt ein aus dem Kabel kommender Strom über die Contactfchraube S, zur Erde gelangen. Beim Niederdrücken des Tafters kommt derfelbe erft zum Schweben; dabei wird B, unterbrochen, der Anker A fällt durch die Wirkung einer Spannfeder ab und der Ankerhebel legt fich an die obere mit der Tafterachfe verbundene Stellfchraube S₁; legt fich dann endlich der Tafterhebel auf den Arbeitscontact auf, fo wird die Batterie B₁ gefchloffen, der Strom verzweigt fich aber von der Tafterachfe aus und geht der eine Zweig durch die Contactfchraube S, und den Ankerhebel in das Kabel, der andere aber durch die Spulen von M. Diefer letztere Zweigftrom von B₁ durchläuft aber die Drahtwindungen der Spule in anderer Richtung, als vorher der Strom von B. Die magnetifche Polarität wird alfo in den Elektromagnetkernen( durch Null hindurch) umgekehrt, und es verfliefst daher eine gewiffe Zeit, bevor der Anker angezogen wird und der Ankerhebel fich wieder an die Schraube S₁ anlegt, dabei aber, felbft 14 Dr. Leander Ditfcheiner. wenn der Tafterhebel noch auf dem Arbeitscontacte liegt, den Strom von B₁ unterbricht und das Kabel entladend mit der Erde in Verbindung fetzt.( Zetzſche a. a. O.) In der Ausftellung der Adminiftration der franzöfifchen Telegraphen finden fich die Relais nach den Conftructionen von Boivin, Froment und d'Arlincourt, und ift namentlich diefes letztere durch feine fchon bewährte praktiſche Verwendbarkeit intereffant. Bei den bis jetzt faft allgemein angewendeten Relais bewegt fich ein Anker aus weichem Eifen oder magnetifirtem Stahl unter dem Einfluffe eines Elektromagnetes hin und her. Diefe Apparate haben nun bedeutende und bekannte Uebelſtände. Es behalten nämlich die Eifenkerne des Elektromagnetes eine gewiffe Menge Magnetismus, wenn der fie umkreifende Strom unterbrochen wird, wodurch die Entmagneti firung nicht augenblicklich erfolgt und dadurch die Translation verzögert wird. Dazu kommt, dafs die geringfte Aenderung der Stromftärke eine neuerliche Correction des Apparates nothwendig macht, da der remanente Magnetismus in den weichen Eifenkernen offenbar in demfelben Sinne variirt, als die Intenfität und die Dauer des Linienftromes. Die unvermeidlichen und bei langen Linien kräftigen Rückftröme bilden ebenfalls eine Urfache der Verzögerung für die in die Linie eingefchalteten Relais, und wenn es nicht gelingt, fie zu unterdrücken, fo kommen die Relais in unregelmässige Bewegung, welche nur zu oft die Translation unmöglich macht. Aber das Relais ift ein Apparat, deffen fich die Telegraphie nicht entfchlagen kann, und es ift ficherlich fehr vortheilhaft, einen Apparat zu haben, der unabhängig ift von dem Rückftrome und dem Einfluffe momentaner Schwankungen im remanenten Magnetismus der Eifenkerne. D'Arlincourt fcheint diefes Problem gelöftzu haben, indem er die magnetifche Wirkung der Drahtfpulen benützt, um den Anker anzuziehen, und indem er die bei den gewöhnlichen Relais in Anwendung gebrachte entgegenwirkende Federkraft erfetzt durch den remanenten Magnetismus, welcher den Anker in feine frühere Lage zurückführt. Es fei E CD, Fig. 2, Tafel I, ein Elektromagnet mit weichen Eifenkernen. In dem Momente, wo der Strom die Drahtwindungen durchfliefst, wird das weiche Eifen magnetifch, in A bildet fich ein Südpol und in B ein Nordpol. Die Maxima der Wirkung der beiden magnetifchen Pole findet fich nun nahe den freien Enden der beiden Arme des Hufeifens; der Magnetismus bleibt auch im gleichen Sinne, nimmt aber ab, wenn man von den freien Enden gegen die Biegung, das ift, gegen die neutrale Linie des magnetifchen Eifens, geht. In der Nähe diefer neutralen Stelle E ift der Magnetismus der Eifenkerne nur fehr gering. Jede der Spulen C, D des Elektromagnetes repräfentirt für fich einen Magnet; für die Spule Cift der Nordpol oben, der Südpol unten, und umgekehrt für die Spule D, wie die Zeichnung angibt. Hinter den Drahtfpulen, ganz nahe von E, zwifchen zwei Wangen der weichen Eifenkerne, befindet fich das Südende eines magnetiſchen Ankers P, welcher um fein anderes Ende drehbar ift. Die beiden Schräubchen V und V begrenzen die Bewegung diefes Ankers. Wenn nun der Strom gefchloffen ift, fo befindet fich der Südpol unter dem Einfluffe von zwei Paaren von Kräften. Die Ausbauchung oder Wange des Armes B wirkt als Nordpol und zieht den Anker an, während jene von A als ein Südpol abftofsend auf P wirkt. Die Gefammtwirkung diefes erften Kräftepaares fucht fomit dem Anker eine Bewegung gegen die Schraube V zu ertheilen. Da aber dort in der Nähe der neutralen Stelle überhaupt der Magnetismus der Eifenkerne gering ift, fo wird auch das Beftreben des Ankers, fich gegen die Schraube V zu lehnen, nur gering fein. In Folge der magnetifchen Wirkung der Spulen felbft aber wird P gegen die Schraube V gezogen, indem der obere Theil der Spule C als ein Nordpol den Südpol von P anzieht, der obere Theil der Spule D aber als ein Südpol abftöfst. Die gemeinfchaftliche Wirkung diefer beiden Kräftepaare treibt auch, da erfichtlich die Wirkung der vom Strome durchfloffenen Spulen auf den Anker gröfser ift, als die Wirkung des Magnetismus an den der neutralen Stelle naheliegenden Telegraphen- Apparate. 15 Stellen der Eifenkerne, den Anker gegen V, an welche Schraube er auch fo lange angelehnt bleibt, als der Strom gefchloffen ift. In dem Augenblicke aber, wo der Strom unterbrochen wird, hört die Wirkung der Spulen auf. Nicht fo ift es aber mit den weichen Eifenkernen, welche in demfelben Sinne in Folge des remanenten Magnetismus magnetifch bleiben, in welchen auch noch diefer Magnetismus verftärkt wird durch den bei der Unterbrechung des Linienftromes auftretenden inducirten Strom. Durch ihren remanenten Magnetismus wirken die Eifenkerne nun auf den Südpol von P; da nun der Anker fich nur unter dem Einfluffe der Eifenkerne befindet, fo kann er auch deren Bewegungsantrieb folgen, fo dafs der Anker von der Schraube V gegen jene geftofsen wird, an welche letztere er auch fo lange gelehnt bleibt, bis ein neuer Strom die Windungen der Drahtfpulen durchfliefst. Jede Schliefsung des Stromes führt alfo den Anker gegen V, jede Oeffnung gegen V'. Kehrt man die Richtung des Stromes um, fo gefchieht gerade das Gegentheil. Jede Oeffnung führt dann gegen V, jede Schliefsung gegen V Man fieht, dafs bei dem Relais von d'Arlincourt der bleibende remanente Magnetismus keine ftörende Urfache wie bei den gewöhnlichen Relais bildet, fondern. im Gegentheile nutzbar gemacht ift, die richtigen Hin- und Herbewegungen des Ankers zu unterſtützen. Das Relais von d'Arlincourt arbeitet auch mit grofser Schnelligkeit, da es bei ihm der bei anderen Relais die Bewegung verzögernde remanente Magnetismus ift, welcher die Anker zurückführt, und da diefe Wirkung durch einen und denfelben Strom erreicht wird, fo bedarf es weder eines Gegenftromes, noch einer ſpannenden Feder, um den Anker in die richtige Pofition zu bringen. Es ift diefes Relais auch fehr empfindlich und bedarf es an demfelben nicht der fo unangenehmen Correctionen, wie fie namentlich an den polarifirten Relais vorgenommen werden müffen; denn einerfeits beftimmt die Richtung des Linienftromes immer und nothwendigerweife die Lage des Ankers, und andererfeits ift die Bewegung unabhängig von der Intenfität des Stromes. Aber das Relais von d'Arlincourt befitzt noch eine für die Telegraphie fehr wichtige Eigenfchaft. Durch eine einfache ein- für allemal ausgeführte Correction gelingt es, den Rückftrom felbft der längften Luftleitungen und der unterfeeifchen Leitungen unfchädlich zu machen. So lange nämlich die Spitzen der Schrauben V und V fymmetriſch gegen die Wangen an den Armen der weichen Eifenkerne geftellt find, führt bei der Stromfchliefsung und Wiederöffnung der Anker die oben angegebenen Bewegungen gegen die Schrauben V und V aus. Eine Schliefsung und Oeffnung des Stromes bringt alfo immer eine Hin- und Herbewegung des Ankers hervor. Es gelingt aber leicht, die Spitzen der Schrauben Vund V durch Anziehen oder Nachlaffen derfelben fo zu ftellen, dafs der Anker bei einer Stromfchliefsung vollkommen unbeweglich ift und nur bei der Oeffnung des Stromes einen vollständigen Hin- und Hergang ausführt. In der That verfchiebt man die Spitze( der Anker ift durch die Wirkung des remanenten Magnetismus bleibend gegen V gedrückt) derart, dafs der Anker die Mitte des Zwifchenraumes zwifchen den beiden Wangen paffirt und überfchreitet. Der Pol S des Ankers ift ein Südpol, und zwar ftark magnetifch; er ift der Wange von A, welche ebenfalls, aber nur fchwach füdmagnetiſch ift, genähert und follte von ihr abgeftofsen werden. Aber durch Influenz des ftark magnetifchen Südpoles des Ankers auf das fchwach magnetifche Eifen wird der Magnetismus in diefem letzteren nicht nur gefchwächt, fondern fogar umgekehrt, und erlangt eine Polarität, wie fie ein ganz unmagnetifches Stück Eifen bekommen würde. Dadurch wird nun der Anker gegen die Spitze V gezogen, da die ihn davon abziehende Wirkung des Magnetismus in B, wegen der gröfseren Entfernung des Ankers von der Wange, faft ganz verfchwunden ift. Von diefem Momente lehnt fich der Anker ftets an V, fo lange kein Strom die Windungen des Elektromagnetes durchfliefst. Denken wir uns nun einen Strom, in paffender Richtung durch die Windungen gefchickt, fo fucht im Momente der Schliefsung die Wirkung der Spulen den Anker gegen V zu drücken, welche er ohnehin fchon berührt, und es tritt in diefem Falle keine Bewegung des Ankers 2 16 Dr. Leander Ditfcheiner. ein. Im Momente der Oeffnung aber ift der Magnetismus des Armes A noch in feiner vollen Kraft, ja felbft noch verftärkt durch die Wirkung des bei der Oeffnung auftretenden inducirten Stromes und die entſprechende Wange ift kräftig magnetifch genug, um den Anker abzuftofsen, welcher fich fodann gegen bewegt. In diefer Lage ift aber der Anker foweit von der Wange in B, dafs deren Magnetismus nicht auf ihn einen merklichen Einfluss nehmen kann, fo dafs der Anker lediglich durch die Abftofsung von A an Vanliegt. Aber während der Anker diefe Bewegung ausführt, finkt der remanente Magnetismus des weichen Eifens rafch und beträchtlich, fo dafs fich die Abftofsung von A nach dem oben Befprochenen in eine Anziehung verwandelt und fomit der Anker gegen V zurückgeführt wird. Diefe Hin- und Herbewegung des Ankers, welche fich rafch folgen, vergleicht d'Arlincourt mit der Bewegung, welche bei der Benützung einer Peitfche gemacht wird und nennt diefes Relais auch Relais à coup de fouet, während das früher befchriebene mit einem hin- und hergehenden Anker bei Oeffnung und Schliefsung einfach Relais fans Réglage oder kurz Translationsrelais genannt werden kann. Was die weitere Einrichtung des Relais betrifft, fo erfieht man diefelbe aus den Fig. 2, 3 und 4, Tafel I. KKift eine Kupferplatte, auf welcher die freien Enden der weichen Eifenkerne, fowie der Träger des Ankers befeftigt find. V und V find die fchon oben erwähnten, die Bewegung des Ankers P zwifchen den Wangen von E begrenzenden Schräubchen; die Wangen und der Anker find zwifchen die hufeifenförmige Biegung E der weichen Eifenkerne und die Spulen geftellt. In Fig. 3 ift der Anker Peine magnetifche Stahl- Lamelle, welche fich um die durch die in den Schrauben I und liegende Axe drehen kann, welche Schrauben felbft durch einen Träger L von Kupfer getragen werden. In Fig. 4 ift der Anker von weichem Eifen und dreht fich ebenfalls um eine durch die Schrauben Jund/ gebildete Axe. Diefe Schrauben find aber befeftigt an dem Südpole eines fixen Hufeifenmagnetes A B, welcher auch von der Kupferplatte K getragen wird. Durch die Einwirkung diefes Magnetes auf den Anker wird diefer felbft magnetifch und es bildet fich an den freien Enden P desfelben ein hinreichend kräftiger Südpol. Diefe Anordnung ift der früheren vorzuziehen, indem der magnetiſche Stahlanker in einiger Zeit vollständig oder wenigftens gröfstentheils feinen Magnetismus verliert, während der durch den angenäherten Magnet magnetifirte Anker feinen Magnetismus lange und conftant behält. Die Fig 5, Tafel I, ftellt ein vollständiges Relais dar, wie es z. B. zur Translation fchon länger zwifchen Marfeille und London in Paris und zwifchen Wien und Paris in Bregenz functionirt. AA ift als Translationsrelais fo regulirt, dafs der Anker L desfelben eine halbe Ofcillation bei der Schliefsung, die andere halbe Ofcillation jedoch bei der Oeffnung des Stromes ausführt. B B ift das Relais à coup de fouet zur Entladung der Linie; es ift wie, fchon oben bemerkt, in der Weife regulirt, dafs der Anker R unbeweglich bleibt bei der Schliefsung des Stromkreifes, jedoch eine volle Ofcillation bei der Oeffnung desfelben ausführt. Diefe beiden Anker Lund R liegen über den ungleichnamigen Polen eines kräftigen Magnetes K, fo dafs ihre freien Enden ebenfalls ungleichnamig magnetiſch find. Im Zuftande der Ruhe, wenn alfo kein Strom durch die Linie geht, hält der remanente Magnetismus der weichen Eifenkerne den Anker L gegen die Schraube Tund den Anker R gegen die Schraube O, letzteren durch den Einfluss feines eigenen Magnetismus, auf die eine Wange des Elektromagnetes. Die Leitung von London ift an den fixen Magnet K angefchloffen und fteht fie in Verbindung mit den Ankern L und R und den Schrauben, gegen welche diefe fich ftützen. M ift ein Sprechapparat, deffen Spulendraht mit der Schraube V des Relais AA und mit dem pofitiven Pol einer Batterie P in Verbindung fteht, welche Batterie dazu dient, einen Strom auf der Linie nach London zu fchicken. Im Ruhezuftande, wenn kein Strom durch die Linie geht, ift fein Anker NV durch die Spiralfeder U gegen die ifolirte Schraube Y gedrückt; diefer Anker fteht in Verbindung mit dem Drahte Telegraphen- Apparate. 17 der Spulen des Relais à coup de fouet BB. Endlich fteht eine Localbatterie p mit ihrem pofitiven Pol in Verbindung mit der Spitze X. Unter dem Einfluffe diefer Batterie wird das Relais à coup de fouet in Bewegung gefetzt. Auf der felben Station( Paris) ift ein dem vorhergenannten ganz ähnlicher Apparat aufgeftellt, beftehend aus dem Translationsrelais A1 A1, demRelais à coup de fouet B1 B1 und einem Sprechapparat M1. Der von Marfeille kommende Draht ift am fixen Magnet K1 befeftigt, der auch hier für beide Relais gemeinfchaftlich ift. Eine Batterie Pi deren pofitiver Pol mit dem Drahte der Spule von M1 in Verbindung fteht, liefert einen Strom in die Linie nach Marfeille. Die Localbatterie p1 fetzt auch das Relais à coup de fouet B1 B1 in Thätigkeit. In beiden Syftemen des Relais find die gleichwirkenden Theile mit gleichen Buchstaben in dem einen ohne, in dem andern mit einem oben angehängten Strichzeichen. Die leitende Verbindung diefer Relais unter einander ift folgende: Ein Draht F verbindet die Schraube 7 des Relais AA des erften Syftems bleibend mit dem über die Spulen des Translationsrelais A1 A1 des weiten Syftems gehenden Drahte, während ein Draht F1 die Schraube 7" des Relais A1 A1 mit dem Umwindungsdrahte der Spulen von AA leitend verbindet. Kommt nun ein Strom etwa von Marſeille, fo tritt er in Paris bei dem Magnete K1 ein, geht durch den Anker Z1 in die Schraube T1, durchfliefst den Draht des Translationsrelais A A, nachdem er durch F1 gefloffen ift, und kommt von AA in die Erde. Unter der Einwirkung diefes Stromes verläfst der Anker L die Schraube T und legt sich an jene V an und fchliefst damit den Stromkreis der Batterie P. Diefer Strom geht dann durch V, den Anker Z und den Magnet K in der Richtung nach London und gibt dort das Signal; aber der Strom der Batterie P durchfliefst dabei nothwendigerweife den Sprechapparat M, der Anker desfelben wird angezogen während deffen anderes Ende die Spitze Y verläfst und fich an die Spitze X legt, wodurch fich der Stromkreis der Localbatterie> fchliefst, welcher Strom durch die Spulen B B des Relais à coup de fouet geht. Unter dem Einfluffe diefes Stromfchluffes bewegt fich aber der Anker R diefes Relais nicht; diefer lehnt fich im Gegentheile nur noch fefter an die Schraube O, gegen welche er ohnehin fchon gedrückt war. In dem Momente, wo der Strom in Marfeille unterbrochen wird, geht der Anker Lauch zurück zur Schraube Tund unterbricht den Strom der Batterie P. Ebenfo zieht die Spiralfeder U den Anker N des Sprechapparates M gegen die Spitze Y und unterbricht den Localbatterie- Strom; dadurch aber wird der Anker R rafch eine Bewegung gegen die Schraube S ausführen, und entladet fo die Linie nach London, indem fie den von diefer Linie kommenden Rückftrom in die Erde leitet. Die Schraube S fteht nämlich in fefter Verbindung mit der Erde und verhindert fo den Rückftrom, durch Küber E nach F, in die Spulen von A1 A1 des Translationsrelais zu kommen und dort Störungen hervorzurufen. Darauf kehrt der Anker R fogleich wieder zur Schraube O zurück. Hierauf ift in der Station Paris wieder Alles bereit, ein neues Signal von Marfeille nach London zu übertragen. Wenn die Uebertragung in entgegengefetzter Richtung, das ist von London nach Marfeille ftattfinden foll, fo ift das Spiel der Apparate dasfelbe, nur find es jene des zweiten Syftems, welche in Bewegung kommen. Die SprechApparate haben hauptfächlich die Aufgabe, durch den Lärm, welchen fie machen den richtigen Gang der Relais anzuzeigen, deren Bewegungen zu klein find, um durch das Anfchlagen ihrer Anker gehört werden zu können. Es gibt diefs ein gutes Mittel der Controle, welches man nicht leicht weglaffen kann. Sie dienen auch dazu den Strom der Localbatterie zu fchliefsen, welcher durch die Relais à coup de fouet die Entladung der Linien einleitet. Diefe letzteren Relais hätten übrigens leicht durch die Ströme der Batterie P und P¹ in Thätigkeit gefetzt werden können, aber es hat fich gezeigt, dafs es vortheihafter ift die Localbatterie beizubehalten, da eine genügend rafche und kräftige Bewegung des Ankers der Entladungrelais BB und B1B1 nur durch genügend kräftige diefe Relais durch. fliefsende Ströme herbeigeführt wird. Die Linienftröme der Batterie P und P' haben 2* 18 Dr. Leander Ditfcheiner. fich dazu als zu fchwach erwiefen und bei ihrer alleinigen Anwendung blieb die Entladung unvollſtändig, fo dafs ein grofser Theil des Rückftromes durch A¹ A', refpective AA, hindurchging. Namentlich, wenn man trockenes Wetter und eine gute Ifolirung vorausfetzt, leiftet die Linie einen grofsen Widerftand. Die Linienftröme find in Folge deffen in Paris ziemlich fchwach, die Ladung der Linie erreicht aber in diefem Falle ihr Maximum. Wenn nun die Entladungsrelais nur durch den Linienftrom durchfloffen find, fo wird gerade dann die Bewegung ihrer Anker am fchwächften, wenn die Rückftröme am kräftigften find, wo fie alfo mit aller Sorgfalt verhütet werden follen. Mit der Localbatterie erhält man aber im Gegentheil einen Strom von conftanter Stärke und die Bewegung der Anker findet in allen Fällen mit derfelben Genauigkeit, Stärke und Schnelligkeit ftatt. Damit der Telegraphenbeamte leicht und praktifch die Regulirung der Relais mit der Hand ausführen könne, z. B. in den Relais AA, Fig. 5, und nicht erft die Anker mit den Schrauben Vund T verftellen und fie fo dem einen oder dem anderen Arme des Elektromagnetes nähern mufs, fo begrenzt man ein für allemal die Bewegung des Ankers zwifchen den beiden Schrauben und es ift begreiflich, dafs diefe Bewegung in fo enge Grenzen als nur immer möglich eingefchloffen fein mufs, und dann macht man die Wirkung des einen oder anderen Armes auf den Anker gröfser oder kleiner, indem man eine grofse eiferne Schraube mehr oder weniger tief in den einen Arm des Elektromagnetes eindringen läfst. Diefe Schraube ift auf der linken Seite des Relais AA mit ihrem Schraubenkopfe dargeftellt. Der Beamte hat dann nur diefen Schraubenkopf paffend zu drehen, um den richtigen Gang des Relais herbeizuführen. Ebenfo regulirt man das Relais A¹A¹. Um den richtigen Gang des Ankers R des Relais BB herzuftellen, braucht man nur mit dem Finger den Anker N des Sprechapparates fo hin- und herzubewegen, dafs die Localbatterie abwechselnd gefchloffen und geöffnet wird und der Strom durch die Spulen von BB fliefst oder nicht. Man dreht mit der anderen Hand die Schraube, welche man links von BB bemerkt, fo dafs der Anker R die gewöhnlichen Hin und Herbewegungen macht wie beim Relais AA; dann hat man nur noch paffend an derfelben Schraube zu drehen, damit R nur eine Hinund Herbewegung beim Oeffnen des Stromes ausführt. Selbſtverſtändlich regulirt man B1B1 ebenfo. Diefes Relaisfyftem hat die Schwierigkeiten der Uebertragung auf mehreren Kabeln des Canals und der Nordfee überwunden, und führt feit mehr als einem Jahre mit grofser Regelmäfsigkeit den directen Dienft zwifchen Marfeille und London. Von Seite Oefterreichs ift ein folches Relais in Bregenz feit einigen Monaten, zur Uebertragung von Wien nach Paris, in Thätigkeit und entfpricht auch auf diefer Linie vollkommen. Eine Reihe von Commutatoren und Umfchaltern finden fich felbftverſtändlich ihrer grofsen Wichtigkeit wegen für den Linienwechfel; fie find aber zumeift älterer Conftruction( Stöpfelumfchalter). Die von Siemens und Halske ausgeftellten Kurbelum fchalter zeigen eine neue Einrichtung zur gröfseren Sicherftellung eines guten Contactes. Die Kurbel ift nämlich mittelft eines Schlitzes auf die Kurbelachfe aufgefteckt, fodafs fie fich gegen diefe ein ziemliches Stück verfchieben kann; in den leeren Raum des Schlitzes ift aber eine Spiralfeder eingelegt, welche fich mit dem einen Ende gegen die Achfe, mit dem anderen gegen die innere Wand des Schlitzes anlegt und fomit die Kurbel mit dem entgegengefetzten Ende des Schlitzes feft an die Achfe zieht. Wenn fich nun die Kurbel an den feftliegenden, zum Theile auch federnden Contacten hinbewegt, fo wird durch deren Druck gegen die Kurbel die Spiralfeder zufammen. gedrückt, die Kurbel gibt nach und wird endlich in ihrer richtigen Stellung feftgehalten. Während der ganzen Bewegung aber erhält die Feder einen ficheren Contact zwifchen der Kurbel und ihrer Achfe. Aufser Siemens und Halske nennen wir hier noch die Handels- und Induftriegefellfchaft in Liffabon, welche mehrere Commutatoren, unter anderen jenen des Benoides ausftellte, Ch. Devos bei Brüffel u. f. w. Telegraphen- Apparate. 19 Auch die Blitzableiter waren in ihren verfchiedenen, zum Theile fchon wohlbekannten Formen in grofser Zahl von den Telegraphenapparate erzeugenden Fabriken exponirt. So fanden wir die Spitzen- Blitzableiter, wie fie für mehrere Linien bei den öfterreichifchen Telegraphen Anwendung finden, bei der Ausftellung des öfterreichifchen Handelsminifteriums im Pavillon des Welthandels, bei C. A. Mayrhofer in Wien, Wilhelm Weimer in Peft u. f. f. Ferner lieferten fogenannte Blitzplatten die allgemeine Telegraphenbau Anft alt in Wien, H. Keitel in Wien und endlich in verfchiedenen Formen und Gröfsen Siemens& Halske. Diefe exponirten auch einen combinirten Blitzableiter mit felbft thätiger Ausfchaltung, welcher namentlich in Rufsland vielfach in Anwendung ift. In einem Glas- Schutzkaften find die beiden in eine Station einmündenden Telegraphendrähte an zwei Schienen L, und L, geführt, zwifchen welchen fich die Erdfchiene E befindet. Aus jeder Schiene treten Spitzen bis nahe an die daneben liegende Schiene hervor. An den Schienen L, und L, find je eine Feder F, und F angebracht, welche jede durch einen an einer Säules befeftigten und über eine kleine Rolle gehenden dünnen Draht d gehoben erhalten werden. Der nach L₁ kommende Linienftrom geht daher über F₁, d₁ und S₁ durch den Telegraphenapparat nach S, do, F₂ und L. Schmilzt dagegen ein Blitz den Draht d₁ oder da ab, fo fällt die Feder F₁ oder F, auf einen Ambofs a, oder a herab, und da a₁ mit L2, a mit L₁ in directer Verbindung ftehen, fo fchaltet der Blitzableiter den Apparat beim Abfchmelzen eines Drahtes felbftthätig aus. In der Ausftellung der franzöfifchen Adminiftration der Telegraphen fanden wir, ebenfo bei Digney frères& Comp., die auf den franzöfifchen Linien in Anwendung befindlichen Blitzableiter. Diefe letztere Firma ftellte auch eine neue Form von Blitzableitern aus. In einem cylindrifchen, oben durch einen ifolirenden Pfropf gefchloffenen Glasgefäfse befindet fich reiner Alkohol. Der Liniendraht, der den Strom und die in Folge des Blitzfchlages eingetretene Elektricitätsbewegung zur Station führt, geht durch den Pfropf in das Gefäfs mit Alkohol, ift in demfelben U- förmig umgebogen, tritt an einer anderen Stelle des Pfropfes heraus und geht weiter zu den Apparaten. Man hat alfo nichts als eine U- förmige Biegung des Liniendrahtes in Alkohol getaucht. Selbftverftändlich ift es nicht der Liniendraht felbft, der in Alkohol getaucht ift, fondern ein anderer U- förmiger Draht, der aufserhalb des Pfropfes Klemmfchrauben, in welche der ankommende und abgehende Liniendraht geklemmt werden, befitzt. Ein dritter Draht, der durch eine Klemmfchraube mit der Erde in leitender Verbindung ift, geht ebenfalls durch den Propf in den Alkohol und ift feine am freien Ende gelegene Spitze dem U- förmigen Liniendrahte genügend genähert. Des fchlechten Leitungsvermögens des Alkohols wegen geht der Linienftrom nicht aus dem Liniendrahte in die Spitze des Erdleitungsdrahtes, fondern ungeftört weiter. Ein Blitzfchlag aber entladet fich im Alkohol, indem diefer durchfchlagen wird, und geht durch den Spitzendraht in die Erdleitung. ohne den Apparaten einen Schaden zugefügt zu haben. Der grofsen Verbreitung und der ausgedehnten Verwendung wegen fand man felbftverſtändlich unter allen Telegraphenfyftemen das Morfe'fche in feinen verfchiedenen Formen und Nebenapparaten am zahlreichften in der Ausstellung vertreten. Grofse und productive Fabriken befchäftigen fich faft allein mit der Erzeugung der Morfe'fchen Apparate in jenen Formen, die in der Praxis am häufigften angewendet und gefucht werden. So finden wir eine in Stücken zahlreiche Ausftellung bei dem Mechaniker der öfterreichifchen Staatstelegraphen Heinrich Keitel in Wien, VIII., Halbgaffe Nr 26, welche namentlich alle bei diefen Staatstelegraphen in Anwendung gebrachten Vorrichtungen enthält, wie einen Morfe Relieffchreiber für den Arbeitsftrom, einen folchen für den Ruheftrom, einen polarifirten Farbfchreiber u. f. w. Aehnliche Ausftellungen fanden wir in der öfterreichifchen Abtheilung von B. Egger in Wien, C. A. Mayrhofer in Wien, und der allgemeinen Telegraphenbau Anft alt in Wien. 20 Dr. Leander Ditfcheiner. - In der deutfchen Abtheilung fanden wir Morfe Apparate in gröfserer Zahl bei der internationalen Telegraphenbau Anftalt in Berlin, und zwar Morfe Farbfchreiber in gewöhnlicher Einrichtung und folche für Ruheund Arbeitsftrom mit der Wiehl'fchen Modification des Schreibhebels; ferner von Wiefenthal& Comp. in Aachen, namentlich aber wieder bei Siemens& Halske in Berlin. Wir fanden dort einen kleinen und einen grofsen fogenannten Kaften- Morfe, letzteren mit Doppelmagnet, einen gufseifernen Relieffchreiber und einen Submarinefchreiber. Ferner fanden wir unter den Namen Normalfarb- Schreiber und Normalrelief- Schreiberjene Formen der Morfe Schreiber, wie fie jetzt von der deutfchen Reichsverwaltung angenommen find. Bei der grofsen Verbreitung, welche diefe MorfeApparate finden, find die einzelnen Theile fabriksmäfsig hergeftellt und ift die Handarbeit fo viel als möglich vermieden. In einem Glaskaften fanden wir auch eine vollſtändige Zufammenftellung diefer einzelnen Theile. Das Schreibrädchen des Farbfchreibers wird, wie auch früher, durch das Triebrad umgedreht, aber es ift das Univerfalgelenk vermieden. Die Papierrolle liegt unter dem Apparate in einem Kaften, bei welcher Anordnung die Papierführung einfacher ift. Die Elektromagnetkerne laffen fich durch eine Schraube auf- und abbewegen, fo dafs ihre Stellung gegen den Anker nach der gröfseren oder geringeren Stromftärke regulirt werden kann. Die Stiftfchreiber haben die Papierrolle immer oben, und zwar entweder eine einfache Rolle, wie gewöhnlich, oder eine mit ihrem Fufse in eine Führung am Apparatkaften einfchiebbare doppelte Papierrolle, welche eine fchnellere und leichtere Einführung eines neuen Papierftreifens geftattet, wenn jener der erften Rolle zu Ende geht. Die beiden Rollen fitzen dann am oberen Ende des aufrechtſtehenden Trägers. Der obere Theil des Trägers aber ift felbft um eine verticale Achfe drehbar, fchnappt jedoch in den beiden richtigen Stellungen der erften und zweiten Rolle durch fein Gewicht ein. In den Zwifchenftellungen bleibt er aber nicht ftehen. Beide Normalfchreiber find mit einem fich felbft regulirenden Windflügel ausgerüftet. Morfe- Apparate fanden fich namentlich auch bei Siemens Brothers in London, und zwar in einer gröfseren Zahl von verfchiedenen Einrichtungen; bei Digney, frères& Comp. ein Farbfchreiber nach Digney, bei L. Deschiens in Paris ein Morfe Apparat nach dem Syftem Rault& Chaffan, bei M. Hipp in Neuenburg( auch folche ohne Relais und Localbatterien nach Hipp's Angaben), bei E. H. Holft in Kopenhagen, und, zwar ein Stiftfchreiber mit feitlichem Arm, ähnlich wie bei der Siemens'fchen Conftruction, bei Dr. C. Frommhold, Auguft Weyrich und Wilhelm Weimer, fämmtlich in Peft; bei De Vos Charles, SaintJoffe ten- Noode bei Brüffel, bei der Ausftellung des Handels- und Gewerbeinftitutes in Liffabon, bei Voronzoff- Velianikoff in Warfchau und vielen Anderen. In Bezug auf die completen Morfe- Telegrapheneinrichtungen, welche übrigens bei vielen Firmen zumeift lediglich als eine bequeme Zuſammenftellung der hiehergehörigen Apparate aufzufaffen ift, fpielt auch wieder die Firma Siemens& Halske in Berlin die erfte Rolle. Wir fanden dort einen completen Kriegstelegraphen fammt allem Zugehör in leicht transportabler Verpackung. Zahlreicher aber waren die Eifenbahn- Morfe- Einrichtungen exponirt. Bei den Morte'fchen Eifenbahnftations- Telegraphen find die zu einer Station gehörigen Apparate( Farb oder Stiftfchreiber, Relais, Tafter, Galvanofkop, Blitzableiter) auf einem gemeinfchaftlichen Grundbrete feftgefchraubt, welches in eine Vertiefung des Apparattifches eingeſetzt wird. Dabei find behufs einer fchnelleren und einfacheren Auswechslung eines folchen Apparatfatzes die Leitungsdrähte nicht unmittelbar nach Klemmfchrauben an den einzelnen Apparaten geführt, fondern mit fcheidenförmigen, in jener Vertiefung des Tifches befindlichen Ständern verbunden, auf welche fich beim Einfetzen des Grundbretes in die Vertiefung die fogenannten Frifchen'fchen Federfchlufs- Klemmen auflegen Telegraphen Apparate. 21 und die nöthigen Apparatverbindungen herftellen. So lange dagegen das Grundbret aus der Vertiefung ausgehoben ift, ftellt eine aufserdem noch vorhandene Federfchlufs- Klemme die kurze Verbindung zwifchen der in die Station einmün denden Luft- und Erdleitung her. Beim Wiedereinfetzen des Grundbretes wird diefe kurze Verbindung felbftthätig wieder gelöft. Unter der Tifchplatte find die nöthigen Batterien aufgeftellt. Der Wärterftations- Apparatfatz befteht aus Farbfchreiber, Tafter, Galvanofkop und Umfchalter, welche in einem verfchliefsbaren Käftchen fich befinden. Der Elektromagnet des zunächft für den Ruheftrom beftimmten Farbfchreibers hat zwei aufrechtftehende Schenkel, deren Kerne feitwärts zu einander zugekehrten Schuhen verlängert find. Der Anker aber ift durch eine Schraube unterhalb des Ankerhebels feftgemacht und liegt auch noch unterhalb der Schuhe. Der Ruheftrom zieht alfo den Anker an die Schuhe empor, während letzterer beim Aufhören diefes Stromes abwärts fällt und das Schreibrädchen gegen den Papierftreifen drückt. Wird der Anker nicht auf der Unterfeite, fondern auf der oberen Seite des Ankerhebels und oberhalb der Schuhe feftgefchraubt, fo kann der Farbfchreiber fofort mit Arbeitsftrom arbeiten. Die für vorübergehenden Dienft beftimmten Eifenbahn- Wärterbuden Telegraphen find erft feit etwa einem Jahre entftanden und auf meh reren Eifenbahnen bereits eingeführt. Der eiferne Anker der horizontalen Elektromagnete ift bei diefen Telegraphen in ähnlicher Weife wie zuerft bei dem Siemens'fchen Zeigerapparate mit Selbftunterbrechung und später auch bei dem Siemens'fchen Dofenrelais zwifchen die Elektromagnetpole gelegt. Ein feitwärts vom Anker auslaufender Arm trägt das Schreibrädchen oder Farbfcheibchen und an eine Rückverlängerung diefes Armes heftet fich die Abreifsfeder an. Der ganze Apparatfatz ift in einen hölzernen Kaften eingefchloffen, welcher fich ganz auseinanderfchlagen und deffen Thüre fich um eine horizontale Achfe um 90° umklappen läfst und dann als Schreibpult dienen kann. Die untere Thür hälfte ift doppelt und es bleibt der innere Theil ftehen, während fich der äussere umklappt. Beim Schliefsen des Kaftens legt fich eine Metallfchiene an der Thür an zwei Federfchlufs- Klemmen an und fchaltet den Apparat unter Herſtellung eines kurzen Schluffes der Linie aus. Beim Oeffnen der Thür wird diefer kurze Schlufs befeitigt und der Apparat zugleich eingefchaltet. Der erfte der ausgeftellten Apparate fchreibt mit einem trockenen Scheibchen aus Stiftblau, welches fich bei jeder Unterbrechung des Ruheftromes durch fein Gewicht und die Wirkung der Abreifsfeder auf den Papierftreifen auflegt, von diefem aber in Folge der Ankeranziehung wieder abgehoben wird, fobald der Strom wieder gefchloffen wird. Das Farbrädchen wird durch ein Gewicht, welches ein Räderwerk treibt, in beftändiger Umdrehung erhalten. Der Farbfchreiber eines zweiten Apparates befitzt ein Schreibrädchen, das in ein Gefäfs mit flüffiger Farbe taucht und von unten nach oben gegen den Streifen bewegt wird. Der Farbfchreiber eines dritten mit einem Werke ausgerüfteten Apparates fchreibt ebenfalls mit flüffiger Farbe und ift mit Selbftauslöfung verfehen. Die Apparate fchalten fich aber bei diefem Telegraphen beim Oeffnen und Schliefsen des Kaftens nicht felbftthätig ein, vielmehr mufs die Einfchaltung mit der Hand durch einen Schieber bewerkstelligt werden; allein fo lange der Schieber fo fteht, dafs der Farbfchreiber eingefchaltet ift, kann der Kaften nicht gefchloffen werden. Von den transportablen Telegraphen enthält der kleinere, auf der indifchen Linie verwendete einen transportablen Farbfchreiber, deffen Schreibrädchen in ein Farbegefäfs eintaucht und eine an den Telegraphenfäulen zu befeftigende Einfchaltevorrichtung, mittelft deren der Apparat in eine Glockenleitung eingefchaltet werden kann. Diefer Farbfchreiber befitzt aber kein Laufwerk, vielmehr wird bei ihm der Streifen mit der Hand bewegt. Bei einem ande ren. in Rufsland gebräuchlichen Telegraphen- Apparatfatze ift der transportable Farbfchreiber nebft Tafter und Galvanofkop in einem Kaften eingefchloffen und 22 Dr. Leander Ditfcheiner. der Papierftreifen wird durch eine Schneide am Ankerhebel gegen das von einer Farbwalze mit Farbe gefpeifte Farbfcheibchen bewegt. Der dritte Apparatfatz, ebenfalls mit Einfchaltevorrichtung, hat einen Farbfchreiber für flüffige Farbe, aber das Farbegefäfs desfelben wird während des Transportes vom Apparate getrennt und, durch eine Lederklappe gefchloffen, am Kaften befeftigt. An diefe Eifenbahn- Telegraphen fchliefsen fich die Siemens- Halske'fchen automatifchen Feuermelder, welche in neuerer Zeit eine etwas vortheilhaftere Form erhalten haben. Am Boden des Schränkchens, in welchem diefer automatiſche Feuermelder eingefchloffen ift, befinden fich zwei metallene Schneiden, auf welche fich das Gewicht, wenn es ganz abläuft, auffetzt und fo die Linie kurz fchliefst, um eine etwaige Unterbrechung der Linie durch das Schrifträdchen unmöglich zu machen. Der Farbfchreiber für die Spritzen- Wach- und Centralftationen hat eine ähnliche Form wie bei dem Wärterftations- Apparatfatze für Eifenbahnen und ift mit einer eigenthümlichen Weckerausfchaltung mittelft eines Fufstrittes ftatt durch Stöpfelung verfehen. Aufser dem Farbfchreiber und Wecker gehören zur Ausrüftung der Stationen noch Tafter, Bouffole und Umfchalter. ( Zetzfche a. a. O.) Schliefslich erwähnen wir noch den Siemens- Halske'fchen Uebungstelegraphen ohne Batterie, welcher fchliefslich nichts Anderes als ein Tafter ift, deffen zweites Ende mit einer Spitze verfehen ift, wie der Hebel eines Schreibapparates, welche Spitze ihre Marken in einen auf einfache Weife vorbeigezoge nen Papierftreifen macht. Die Zeigertelegraphen find auf der Ausftellung verhältnifsmäfsig wenig vertreten gewefen, da fie ja auch in der Anwendung gegen das Morfe- Syftem zurückftehen. Auch hier finden wir zunächft den magneto- elektrifchen Zeigertelegraphen von Siemens, ausgeftellt von der Berliner Firma Siemens& Halske und von Siemens Brothers in London und in ganz ähnlicher Form von Nikolai Brunner in Warfchau. Dafs ein folcher Apparat in der japanefifchen Abtheilung mit japanefifchen Schriftzeichen exponirt war, ift fchon oben bemerkt worden. Von dem Siemens'fchen Zeigertelegraphen ift nicht nur die ältere, aus dem Jahre 1857 ftammende Form in pultförmigem Kaften, fondern auch eine neue, fehr handliche Form ausgeftellt. Bei letzterer dreht fich der Zeiger über einem kleineren Zifferblatte, das in das gröfsere, über welchem die Kurbel des Inductors läuft, eingefetzt ift. Dem einen diefer neueren Zeigertelegraphen ift ein Wecker, welcher auf Wechfelftröme anfpricht und ein Zwifchenwecker für ein an einer Stelle zwifchen zwei Stationen zu gebendes Signal beigegeben, welcher nur auf gleichgerichtete Ströme anfpricht, welche man dadurch erhält, dafs man die zwifchen diefen liegenden entgegengefetzten Inductionsftröme nicht in die Leitung eintreten läfst. Der andere Apparat ift transportabel und für Kriegszwecke verwendbar, daher in feldmäfsiger Verpackung. Bei einem kleinen Magnetzeiger mit blos einem Zifferblatte und um dasfelbe herumftehenden Taften endlich ift der Inductor entweder für Hand- oder Fufsbetrieb eingerichtet; jede nieder gedrückte Tafte wird durch eine an ihr angebrachte Schulter unter Mitwirkung einer Scheibe, auf welche eine Feder wirkt, fo lange niedergedrückt erhalten, bis eine andere Tafte niedergedrückt wird; endlich wird auch bei diefem Apparate die den Eintritt der Inductionsftröme in die Leitung vermittelnde( mit einer Abreifsfeder verfehene) Contactfeder. von einem auf derfelben Achfe mit ihr fteckenden Arme, in Folge der zwifchen beiden durch Federkraft erzeugten Reibung, gegen den Arbeitscontact gedrückt, während der Arm felbft durch ein eigenthümliches Gefperre mit einem von der Inductorachfe aus umgedrehten Rade verbunden ift, in deffen Stifte fich ein( auf einem an jenem Arme angebrachten Winkelhebel fitzender) um eine Achfe etwas drehbarer Kegel einlegt, bis der andere Arm des Winkelhebels an den Schaft der niedergedrückten Tafte ftöfst und dadurch der Kegel ausgehoben und nun durch eine auf feinen Rücken( ähnlich wie die Feder eines Einfchlagmeffers) wirkende Feder in eine Lage gebracht wird, in welcher Telegraphen- Apparate. 23 er die Stifte des Rades frei an fich vorüber läfst.( Zetzfche a. a. O.). Ferner fanden wir den Wheatftone'fchen Zeigertelegraphen ausgeftellt von Naglo in Berlin, den Zeigertelegraphen der franzöfifchen Telegraphenverwaltung von L. Bréguet in Paris, fowie jenen von M. Hipp in Neuenburg. Von Typendruck- Telegraphen finden wir zunächft den bereits in der Praxis wegen feiner ausgezeichneten Verwendbarkeit und Schnelligkeit des Arbeitens eingebürgerten Hughes- Apparat in feiner fchon vielfach befchriebenen Form( S. Schellen,„ DerTelegraph", V. Auflage, pag. 568; Dub,„ Anwendung des Elektromagnetismus" II. Auflage, pag. 534; Sack,„ Der Druck- Apparat Hughes in feiner gegenwärtigen Geftalt"). Ausgeftellt wurde er von Siemens& Halske in Berlin, Siemens' Brothers in London, P. Dumoulin Froment, L. Deschiens und Digney frères& Comp., fämmtlich in Paris, C. A. Mayrhofer und H. Keitel. Bei dem Apparate der Letzteren ift als Conftructeur Herr Schäffler, der techniſche Leiter der Keitel'fchen Fabrik, angegeben. Von anderen Typendruck- Telegraphen fand fich der TypendruckTelegraph mit Echappement von Dr. Dujardin in der Ausftellung der Adminiftration des lignes télégraphiques à Paris.( S. Du Moncel: Expofé dés applications de l'electricité, tome V, pag. 385.) In eben diefer Ausstellung fand d'Arlincourt, welcher fich auch der Typendruck- Telegraph von Apparat auf einer ähnlichen Wirkung eines Elektromagnetes auf zwei Anker beruht, wie fie oben fchon im Relais von d'Arlincourt befchrieben ift. Es find bei demfelben bei einem und demfelben Elektromagnete zwei Anker angebracht, der eine an der fogenannten Bodenplatte, das ift der halbkreisförmigen Biegung des Elektromagnetes, ebenfo wie beim Relais von d'Arlincourt, der andere zwifchen den freien Enden des Hufeifens, ähnlich bei Siemens polarifirten Relais. Der eine unter der Einwirkung des remanenten Magnetismus an den freien Enden der Elektromagnetarme wird nach der Oeffnung des Stromes in derjenigen Stellung bleiben, welche ihm der Strom felbft gegeben hat, während der zweite, an der Bodenplatte befindliche Anker durch den Strom oder, beffer gefagt, durch die Wirkung der vom Strome durchfloffenen Spulen gerade fo wie beim Relais bei der Schliefsung des Stromes nach einer, bei der Oeffnung diefes Stromes aber durch den remanenten Magnetismus nach der entgegengefetzten Seite gezogen wird. Daraus folgt, dafs bei rafch aufeinander folgenden, abwechfelnd pofitiven und negativen Strömen, die beiden Anker übereinftimmende und fymmetrifche Lagen annehmen werden; aber bei der Oeffnung eines beliebigen diefer Ströme nimmt der Anker an der Bodenplatte eine unfymmetrifche Stellung in Bezug auf den zweiten zwifchen den freien Enden des Elektromagnetes an, und diefe Stellung dient dazu, eine Localbatterie zu fchliefsen, deren Strom einen fpeciell zum Drucken der Typen beftimmten Elektromagnet durchfliefst. Was den Apparat felbft anbelangt, fo befteht derfelbe aus einem Recepteur( beftimmt zur Aufnahme) und aus einem Manipulateur( beftimmt zur Abgabe der Depefche). Der erfte ift ein gewöhnlicher Recepteur mit einem Typenrade, deffen Gang wie in allen Apparaten durch den Anker zwifchen den freien Enden der Elektromagnete hervorgerufen wird. Der Druck der Typen gefchieht durch einen Elektromagnet, der durch den Localftrom in Thätigkeit gefetzt wird, fobald diefer durch den Anker der Bodenplatte gefchloffen wird. Der Manipulateur wird gebildet: 1. aus einem Räderwerke mit fortwährend gleichmäfsiger Bewegung, welches zu dem Recepteur ohne Unterbrechung in rafcher Folge abwechfelnd pofitive und negative Ströme fchickt; 2. aus einem Taftenfyfteme, deffen jede Tafte einem eigenen Buchftaben oder Zeichen entspricht. Die Taften, welche mit dem Finger gedrückt werden, halten einen am Commutator befeftigten und mit ihm rotirenden Stift an. Mittelft diefes Stiftes wird der Strom jedesmal unterbrochen, wenn eine Tafte niedergedrückt wird. Ift die Bewegung des Commutators und des Typenrades vollkommer gleichmäfsig, fo befindet fich bei dem Anhalten des Commutators die entsprechende Type vor dem Tampon. In derfelben Zeit unterbricht aber der angehaltene Stift 24 Dr. Leander Ditfcheiner. des Commutators am Manipulateur den Strom, in Folge deffen der Anker an der Bodenplatte gegenüber jenem der freien Enden die unfymmetriſche Stellung ein nimmt, und fomit die Localbatterie fchliefst. Sodann wird der den Druck der Typen ausführende Elektromagnet in Thätigkeit gefetzt, und das Tampon druckt die Type( Schriftliche Mittheilung des Herrn L. d'Arlincourt). Hieher kann auch der weiter unten befchriebene Siemens'fche TypenSchnelldrucker, fowie Bauer und Krebs' Börfentelegraph gerechnet werden. Bei dem Börfentelegraphen mit Selbft controle von Alois Bauer und Ferdinand Krebs in Wien, foll die Aufgabe gelöft werden, die jeweiligen Coursfchwankungen auf der Börfe in Form von Depefchen von einem beftimmten Punkte ( gebende oder Controlftation) nach beliebig vielen Punkten( Empfangſtation) gleichzeitig und gleichlautend zu geben, ohne dafs eine befondere Beauffichtigung oder Bedienung des Apparates der Empfangftation nothwendig wäre, der Befitzer eines folchen Apparates aber mit voller Sicherheit rechnen kann, dafs die mit Typenfchrift erfcheinenden Depefchen richtig find. Es können dabei viele Apparate in einem einzigen Schliefsungskreife eingefchaltet werden; die gebende oder Controlftation überzeugt fich nach jeder Umdrehung des Typenrades, ob auch alle Stationen diefelbe Typenftellung einnehmen, ob fie alle in Uebereinstimmung untereinander und mit ihr find, und während diefer Zeit die gleichen Typen erhalten haben; endlich kann die gebende Station jenen Apparat, welcher mit den anderen nicht übereinftimmt, fei es auf was immer für einer Station mit ihnen in Uebereinstimmung zu bringen, ohne die richtigen Apparate in eine falfche Stellung zu bringen. Es bedarf die Empfangftation keines Uhrwerkes und keiner Localbatterie.( Schriftliche Mittheilung des Herrn Telegraphenbeamten Alois Bauer.) " ን W. Gurlt in Berlin ftellte den Jaite'fchen Apparat Fernfchreiber aus, deffen ausführliche Befchreibung in den ,, Annalen der Telegraphie" herausgegeben und redigirt von Dr. P. W. Brix, Heft 1, 1872, pag. 13, fowie auch in J. Dub, Anwendungen des Elektromagnetismus" II. Auflage 1873, pag. 595, zu finden ift. Die Einrichtung des ganzen Apparates, namentlich des Uhrwerkes und der Auslöfevorrichtung der Anker ift derjenigen des Hughes- Apparates fehr ähnlich, und ift derfelbe ein Doppelapparat bei welchem aber nicht Typen auf den Papier ftreifen gedruckt, fondern durch zwei nebeneinander ftehende Stempel in der Längenrichtung der Papierftreifen Löcher in zwei parallelen Reihen eingefchlagen werden. Durch zwei auf der Abgabeftation befindliche Tafter kann man nämlich entgegengesetzte Ströme in die Linie fchicken, welche durch Elektromagnete auf zwei verfchiedene Anker wirken, fo zwar, dafs der eine Strom den einen, der andere Strom den anderen Anker löft. Durch das Löfen je eines Ankers wird eine Verkuppelung der Achfe, welche den Stempel durch das Papier zu drücken hat, mit einer Achfe des Uhrwerkes vermittelt, jedoch fo, dafs die den Stempel niederdrückende Achfe nur eine Umdrehung macht, und der Anker wieder auf den Elektromagnet gedrückt wird, um eine neue Löfung durch einen Strom zu erwarten. Es kann immer nur ein Tafter. fomit auch immer nur ein Stempel niedergedrückt werden; nie können beide zugleich gedrückt werden, da die Anker felbft nur durch entgegengefetzt gerichtete Ströme gelöft werden. Die am Papierftreifen entſtehende Schrift, ift alfo eine der Steinheil'fchen ähnliche, durch Löcher in einem Streifen fichtbar gemachte. Der Apparat felbft arbeitet fehr rafch und aller Wahrfcheinlichkeit nach correct, und namentlich ift eine fehr einfache Einrichtung getroffen, fowohl zur Uebertragung mit dem Jaite'fchen automatifchen Umfchalter( S. J. Dub a. a. O. pag. 558), welcher ebenfalls von Gurlt ausgeftellt. auch beim Hughes- Apparate Anwendung findet, als auch zur einfachen Schaltung für die automatifche Beförderung der Depefchen. Es iſt auch mit diefem Apparate möglich, gleichzeitig von einer und derfelben Depefche mehrere Abdrücke zu nehmen, da man ftatt eines Papierftreifens mehrere folche übereinander gelegte gleichzeitig durchlochen laffen kann, da die Kraft des Apparates dazu vollkommen Telegraphen- Apparate. 25 hinreichend ift. Ein befonderer Vortheil liegt darin, dafs die Apparate nicht fynchron laufen müffen, und dafs es genügt, wenn jeder derfelben einen gleichmäfsigen Gang hat, was felbft nur wieder nothwendig ift, um die zu einem Buchftaben gehörigen Löcher in folcher Entfernung zu haben, dafs nicht eines oder das andere dem vorhergehenden oder folgenden Buchftaben zugerechnet werden kann. Bei den auf der Ausftellung befindlichen Apparaten ift gegen die in Brix'" Annalen" befchriebene Einrichtung infofern eine kleine Aenderung gefchehen, als die die Uebertragung beforgenden mit der Achfe, welche die Stempel niederdrückt fich bewegenden, rotirenden Uebertragungsfedern, welche bei einer unmittelbaren Correfpondenz abgenommen werden, einfacher und von vorne auf diefe Achfe gefchoben werden können. Ferner ift durch einen einfachen Drücker dem Uebelftande abzuhelfen, dafs die fich bewegenden Stempel in dem Papierftreifen ftecken bleiben, wenn der Streifen fich nicht bewegt. Es gefchieht diefs leicht, und wenn es eintritt, fo braucht der Manipulirende nur zu drücken, um den Stempel aus dem von ihm erzeugten Loche in die normale Stellung zu bringen. Der Apparat ift, wenn auf den erften Anblick auch als ziemlich complicirt erfcheinend, doch einfacher als jener von Hughes, wahrscheinlich auch weniger leicht einer Störung unterworfen und foll nach Jaite eine Leiftungsfähigkeit befitzen, welche jener des Hughes vollkommen gleich fteht. Die autographifchen oder Copirtelegraphen waren vertreten durch den fchon länger bekannten Hipp'fchen Copirtelegraphen, ausgeftellt von M. Hipp in Neuenburg in der Schweiz( Dingler,„ Polytechnifches Journal", 1851, 122, 44), ferner durch den ebenfalls bekannten Lenoir'fchen Apparat, welcher von E. Prudhomme& Viguier ausgeführt, in der Ausftellung der franzöfifchen Adminiftration der Telegraphen zu finden war, und welcher bereits im öfterreichifchen Ausftellungsberichte für die Parifer Ausstellung vom Jahre 1867 von H. Militzer im I. Bande, V. Verkehrsmittel, S 229, befchrieben wurde. Wir finden ferner in der Ausftellung der franzöfifchen Telegraphenadminiftration zwei autographifche Telegraphen, den einen von L. Guyot d'Arlincourt, welcher ein chemifcher Copirtelegraph ift, den anderen von Bernard Meyer, Telegraphenbureau- Chef in Paris, bei welchen der Druck der Depefche mit Farbe auf einen Papierftreifen beforgt wird. Die Herftellung eines autographifchen Telegraphenapparates ift eine fchwierige und bedingt durch die Löfung zweier anderer, ganz verfchiedener Probleme. Das erfte befteht in dem vollkommenen Ifochronismus beider Apparate; das zweite in der Möglichkeit, auf fehr grofse Diftanzen rafch auf einander eine Reihe elektriſcher Ströme fchicken zu können. D'Arlincourt hat fich fpeciell mit der Löfung diefer beiden Probleme befchäftigt und er ftellt den Ifochronismus beider Apparate durch eine im Folgenden zu befchreibende Einrichtung her, während die fchnelle Uebertragung durch fein auf ein neues Princip gegründetes Relais ermöglicht wird. Diefes Relais bildet hier einen ganz vom eigentlichen Apparate unabhängigen Beftandtheil. Der Synchronismus ift auch hier nothwendig, weil zwei Cylinder, einer am Orte der Abgabe, der andere am Orte der Aufnahme, vollkommen gleichmäfsig rotiren müffen. Man bedient fich auch hier zweier Papierblätter, das eine mit Metallüberzug( Zinnfolie), das andere zur Aufnahme chemifch präparirt, fo dafs der durch dasfelbe gehende elektriſche Strom an den betreffenden Stellen eine dunkle Färbung hervorruft. Diefe zwei Blätter find über die Cylinder fo gefpannt, dafs zwei gleiche Punkte ihrer Oberfläche zur felben Zeit unter fixen Stiften fich befinden, welche fich nur parallel zur Achfe an einer Mikrometerfchraube bewegen können. Diefe Schraube dient dazu, den Stift gleichmässig vorwärts zu fchieben und ihn die ganze Höhe des Cylinders entlang zu führen, fo dafs er nach einer Spirallinie die ganze Oberfläche des Papiers durchläuft. Trifft der Stift am Abgabe- Orte einen durch die Tinte ifolirten Punkt der Zinnfolie, fo wird durch den Stift am Aufgabe- Orte an entsprechender Stelle der Strom durch 26 Dr. Leander Ditfcheiner. das präparirte Papier geleitet und dort ein dunkler Punkt erzeugt, welche dunklen Punkte die Schriftzüge der Depefche zufammenfetzen. Um dem Apparate einen gleichmässigen Gang zu geben, wendet d'Arlincourt als Regulator des Räderwerkes eine Stimmgabel an, und ift diefe Stimmgabel fo verwendet, dafs deren circuläre Schwingungen anftatt wie bisher deren transverfal geradlinige Bewegungen der Zinkenenden nutzbar gemacht find. Man ift im Stande, mit diefen circularfchwingenden Stimmgabeln eine grofse Regelmäfsigkeit und einen vollkommen fynchronen Gang der beiden Apparate herzuftellen, wenn man öfter den Gang der einen Stimmgabel nach jenem der anderen regulirt, fo dafs fie beide gleiche Schwingungszahl haben, was übrigens eine grofse Sorgfalt erfordert. D'Arlincourt hat diefs dadurch vermieden, dafs er es ermöglichte, dafs bei jeder Umdrehung einer der Apparate fich felbft durch einen Strom regulirt, welchen der andere Apparat nach jeder Umdrehung ihm zufchickt. Um diefes zu erreichen, wird der eine Apparat mechanifch feftgehalten, und fetzt derfelbe feine Rotation erft dann wieder fort, wenn ein Strom vom anderen kommend diefes ermöglicht, und zwar ift es der Abgabe- Apparat( Transmetteur), welcher angehalten wird, während der Aufnahme- Apparat( Recepteur) während der ganzen Zeit des Telegraphirens fich bewegt. D'Arlincourt benützt die Batterie des Recepteurs, welche zur Aufnahme der Depefche nicht verwendet wird, um nach Vollendung je einer Tour des Recepteurs durch einen kurzen Strom den Transmetteur wieder in Bewegung zu fetzen. Die Verwendung diefer Batterie, um den Gang der Apparate nach einander zu regeln, ift das Wichtigfte bei diefem Syfteme. Diefe Combination hat den Vortheil, dem abgebenden Beamten dadurch, dafs er den Gang feines Apparates beobachtet, erkennen zu laffen, dafs der aufnehmende Beamte die Depefche empfängt, indem fein Apparat unmittelbar ruhen wird, fobald der andere mit ihm nicht in Verbindung fteht. Es folgt daraus, dafs man vom Recepteur aus die Correfpondenz fogleich unterbrechen kann; denn der Beamté am Recepteur, der entweder gar nicht oder nur fchlecht die Depefche bekommt, braucht nur feinen eigenen Apparat vor dem Moment anzuhalten, wo diefer den Strom zur weiteren Thätigkeit des Transmetteurs abfchicken follte. Es bleibt dadurch der Transmetteur mechanifch feftgehalten und ift der Beamte an demfelben benachrichtigt, dafs fein Correfpondent nicht aufnimmt. Aus der Länge der Zeit, während welcher der Transmetteur angehalten wird, läfst fich auch beurtheilen, ob derfelbe zu fchnell geht, und wird fpäter die Art und Weife angegeben werden, die Gefchwindigkeit jedes Apparates zu reguliren. Wir wenden uns zunächst zu jenem Mittel, durch welches der angehaltene Transmetteur feinen Gang wieder aufnimmt. Dazu werden zwei Räderwerke verwendet, von welchen jedes für fich functioniren kann und doch in einem gegebe nen Augenblicke auf eine fehr fichere Weife durch eine gemeinfchaftliche Achfe a ( Fig. 6, 7 und 8, Taf. II) mit einander verbunden werden können. Eines diefer Räderwerke, edcafl, dient nur zur Erhaltung des Ifochronismus und fteht mit der oben erwähnten circularfchwingenden Stimmgabel in Verbindung. Das andere Räder werk, jihga, befitzt an einer feiner Achfen g den Cylinder 7, auf welchem fich entweder die Zinnfolie oder das chemifch präparirte Papier befindet, während an einer anderen Achfe g' die Mikrometerfchraube fich befindet, welche die Spitze über die Oberfläche des Cylinders führt. Wenn diefe beiden Räderwerke nicht mit einander verbunden find, fo kann man das Räderwerk jihga fefthalten, ohne das Räderwerk für den Synchronismus zu ftören. Es gelingt diefs durch die gemeinfame Achfe a, welche in Fig. 9 mit ihren Details dargestellt ist. Es ift diefe Achfe einer der wichtigften Theile des Apparates und wird felbft von zwei Theilen gebildet. I. Der Theil a A a' bildet eine Achfe, an deren einem Ende das Getriebe A, welches in das Räderwerk ghij eingreift, während am anderen Ende in a' das Stück DR fich befindet. 2. Das Stück b B B' wird gebildet aus dem in das Räderwerk cde eingreifende Getriebe B und dem Rade B'. Das Getriebe B und das Rad B' find auf einen Hohlcylinder 6 befeftigt, welcher frei über der Achfe a fich Telegraphen- Apparate. 27 bewegt. Diefe beiden Theile der Achfe können verbunden werden durch das: Sperrrad B' und die Feder R. Die Zähne des Rades B' find fo gemacht, dafs, wenn man durch die Stützleifte D die Achfe a A a' anhält, die Zähne des Rades B frei unter der Feder R vorbeigehen, fo dafs alfo auch der Theil bB B', der zum Räderwerke cde gehört, fortfährt zu rotiren. Wenn man die Leifte D und in Folge deffen auch die zum Räderwerke ghij gehörige Achfe a A a' freiläfst, fo wird die durch diefes Räderwerk bewegte Feder R, welche in das Getriebe A des Armes a A a' eingreift, in eine der Zahnlücken des Rades B' geftofsen, welche fomit augenblicklich die Schnelligkeit diefes Rades annimmt. Man erfieht daraus, dafs auch die Federn der Trommeln e und j fo eingelegt fein müffen, dafs fie beide Theile der Achfe a in demfelben Sinne bewegen. Auf diefe Weife kann man das Räderwerk des autographirenden Theiles des Apparates anhalten, ohne gleichzeitig dasfelbe mit dem Räderwerke des Regulators zu thun. Wir gehen nun daran, auseinanderzufetzen, wie der Apparat fich anhält und dann wieder weiter geht. Die Fig. 10 zeigt das Rad B' und den Arm DR von der Seite. EE ift ein Hebel, deffen Arm F mechaniſch und von felbft den Zapfen D der Stützleifte Da fefthält, wenn der Apparat als Transmetteur gebraucht wird. Am Recepteur ift diefes Stück EE gehoben erhalten in der Lage EE", damit es den Apparat nicht fefthält. Der Hebel EE legt fich mit dem Ende E' auf das Ende Hdes Ankers G des Elektromagnetes M fo, dafs, wenn der Transmetteur durch den Zapfen D angehalten ift und der Recepteur in einem beftimmten Momente einen Strom in den Elektromagnet M des Transmetteurs fchickt und der Anker fich bewegt, das Ende Hdas Ende des Hebels EE hebt und fomit den Zapfen D des Stückes Da auslöst, welcher durch den Hebelarm F feftgehalten wurde. Das Stück D a freigeworden, dreht fich mit feiner Achfe, das Räderwerk bleibt in Bewegung, bis es eine Tour gemacht hat und am Repère, das ift beim Anfange der Depefche, wieder angekommen ift. Diefes Mittel benützt d'Arlin court, um beide Apparate immer gleichmässig laufen zu laffen. 22 Das Wie vorhin bemerkt wurde, unterfcheidet fich der Transmetteur von dem Recepteur dadurch, dafs erfterer feftgehalten wird, während der letztere fort in Bewegung ift, und dafs in Folge deffen der Transmetteur etwas fchneller geht als der Recepteur. Da aber ein und derfelbe Apparat bald als Transmetteur, bald als Recepteur gebraucht werden mufs, fo mufs es ein Mittel geben, die Rollen beider Apparate zu vertaufchen. Diefs wird möglich durch den Hebel opqr, welcher um die Achfe o beweglich ift( Fig. 6, 7 und 11). Die beiden Enden der Achfe o ragen aus dem Gehäufe des Apparates vorn und hinten heraus. Vorne ift der Griff q, welchen der Beamte rechts oder links bewegt, um den Apparat in einen Transmetteur oder in einen Recepteur zu verwandeln. Diefer Hebel leiftet drei wichtige Functionen. I. Das Stück op( Fig. 6, 7, 8 und 12) macht eines der Kegelräder mn eingreifen in das Getriebe/ der Zinke der Stimmgabel K. Auf diefe Art gleiten die beiden Kegelräder zufammen über eine Walze, welche auf gewöhnliche Weife durch einen Vierkant auf der Achfe f befeftigt ift. Rad m befitzt mehr Zähne als das Rad n, fo dafs, wenn m in das Getriebe von/ eingreift, der Apparat langfamer geht und diefer als Recepteur wirkt. Wenn aber im Gegentheilen eingreift, fo geht der Apparat fchneller und wirkt als Transmetteur. Der Hebelarm op befitzt nämlich an feinem Ende eine doppelte fchiefe Ebene xy( Fig. 12). Wenn p fich hebt, fo wirkt die fchiefe Ebene y, macht das Rad n frei und dagegen das Rad m eingreifen; wenn aber gefenkt wird, fo wird m freigemacht, während nun n eingreift. In Vift eine kleine Rolle, welche mit der Feder z an das Syftem der Räder mn befeftigt ift und fich mit ihm verfchiebt. Diefe Rolle gleitet bald auf der einen Seite, bald auf der anderen Seite der Walze und hält das Syftem der Räder mn in der letzten Pofition, welche ihm das Stückp gibt. 2. Der Hebel r s, am anderen Ende der Achfe o befeftigt, tritt aus dem Gehäufe bei r und ift beftimmt, das Stückt zu heben, welches ein Theil des Hebels EE' ift( Fig. 10). Diefes Stückt hält den Hebelarm EE in der Lage EE", wenn der Apparat als Recepteur gebraucht wird. Wird der Apparat als TransC 28 Dr. Leander Ditfcheiner. metteur gebraucht, fo nimmt rs die Lage rs' ein, verläfst t und EE" kehrt in die Lage EE zurück, um jene Functionen zu vollführen, welche wir fchon kennen gelernt haben. 3. Diefer Hebel rs ift gleichzeitig, indem er von rs nach rs' gebracht werden kann, ein Commutator, um den Stromlauf richtig zu geftalten. Der Strom, welcher bei jeder Umdrehung den Transmetteur freimacht, wirkt nur während eines fehr kleinen Bruchtheiles einer Cylinderumdrehung und nur wenn ein beftimmter Punkt des Umfanges bei einer beftimmten Marke ankommt. Diefer Strom, welcher den Magnet M durchfliefst, nimmt einen anderen Weg, als jener die Translation vollführende, zu den Cylindern gelangende, und im Folgenden foll diefe Verfchiedenheit auseinandergefetzt werden. Der Stromwechfel wird von der Walze 3( Fig. 13 und 14, Taf. III), welche auf der Achfe g des Cylinders auffitzt, eingeleitet. Diefe Walze befitzt einen Zahn I und eine Auskerbung e. Wenn nun bei jeder Umdrehung des Cylinders das Ende 2 des an dem Umfange der Walze anliegenden Hebels 2 LL1 an den Zahn 7. kommt, fo nimmt er die Lage 2 LL2( Fig, 14), und wenn der Hebel in die Auskerbung fällt, fo nimmt er die Lage 2 LL( Fig. 13) an. Diefe beiden Grenzlagen dienen dazu, mittelft des elektriſchen Stromes den gleichmäfsigen Gang der Apparate einzuleiten. Wenn das Ende 2 des Hebels den übrigen Theil der Walze beftreicht, fo hat der Hebel die Lage 2 LL1 und der Strom nimmt feinen Lauf zu den Cylindern. In der durch die Fig. 13 dargeftellten Stellung des Transmetteurs ift diefer Commutatorhebel, an welchen der Liniendraht fich in Lanfchliefst, in die Vertiefung e gefallen und fein Ende Z³ berührt das unterfte ifolirte Plättchen 6 der Säule 586, welches mit dem Elektromagnete in leitender Verbindung fteht. Der Strom geht dann unmittelbar in den Elektromagnet M. Wenden wir uns zu Fig. 14, welche den Recepteur darftellt, und unterfuchen wir, wie diefer den Strom fchickt, welcher den Elektromagnet M in Thätigkeit fetzt, um den Transmetteur in Bewegung zu fetzen. Der Zapfen/ ( Fig. 14) hebt den Hebel 2 LL1 in die Lage 2 LL2, die Linie L communicirt durch den Hebel LL2 mit Plättchen 5 der Säule 5 8 6, welche mit dem Batteriedrahte durch die Klemmfchraube C in Verbindung fteht. In diefem Momente geht der Strom vom Kupferpole der Batterie durch das Plättchen 5 und den Hebel L² L in die Linie und fetzt den Elektromagnet M des Transmetteurs am anderen Ende der Linie in Thätigkeit. Sehen wir nun, wie die Stromleitung zu den Cylindern ftattfindet. Beide Cylinder ftehen mit der Erde in leitender Verbindung. Auf dem Cylinder des Transmetteurs ift die Zinnfolie, auf jenem des Recepteurs das zur Aufnahme der Depefche beftimmte chemifch präparirte Papier; die beiden Stifte ftehen mit der Linie, die Spitze des Transmetteurs aufserdem noch mit der Batterie in Verbindung. Wenn nun der Stift über die Zinnfolie gleitet, fo geht der Strom direct zur Erde und es fliefst kein folcher durch die Linie zur Spitze des Recep teurs. Ift hingegen die Spitze auf einer mit Tinte befchriebenen Stelle, fo geht der Strom in die Linie, über die Spitze des Recepteurs durch das chemifch präparirte Papier und markirt eine der Dicke des Tintenftriches entſprechende dunkle Linie. Kommt aber der Stifte abermals auf die freie Zinnfolie, fo entſteht kein Strom mehr in der Linie, was aber wieder gefchieht, fobald die Spitze neuerdings auf Tinte kommt, wodurch auch abermals am Papiere des Recepteurs eine dunkle Stelle entſteht. Auf diefe Art entwickelt fich auf der zweiten Station ein dem auf der erften Station gezeichneten ähnliches Bild der Depefche; dazu ift es nothwendig, dafs der Transmetteur gleichzeitig mit der Linie und der Batterie in Verbindung fteht, und wird diefe Verbindung durch den Commutator rs ermöglicht. Das Ende diefes Commutators bildet eine vom Hebel rs ifolirte Gabel mit drei Zähnen, welch letztere mit einander in leitender Verbindung ftehen und auf drei von einander ifolirten Contactftellen( Plättchen) einer grofsen Säule K K gleiten. Das am meiften rechts gelegene Plättchen C fteht mit dem Kupferpol der Batterie, das zweite S mit dem Stifte in Verbindung, das dritte L in der Mitte der Säule correfpondirt mit dem kleinen Plättchen 8 der kleinen Säule 586. Wie wir gefehen haben, fo fteht der Hebel 2 LL1, der in die Linie eingefchaltet ift, mit Telegraphen- Apparate. 29 dem Plättchen 8 in leitender Verbindung; folglich ſteht auch während diefer ganzen Zeit das mittlere Plättchen der grofsen Säule mit der Linie in Verbindung. Die drei Zähne der Gabelf vereinigen nun diefe drei Communicationen und ftellen die elektrifche Verbindung her, wenn der Apparat Transmetteur ift. Die Fig. 13 zeigt die Lage des Hebels rs, wenn der Apparat als Transmetteur gebraucht wird. Der Hebel wird in diefe Lage mit Hilfe des Griffes oq gebracht, von dem fchon oben gefprochen wurde. Wird der Apparat als Recepteur gebraucht( Fig. 14), fo wird der Hebelarm rs gegen links durch den Griff og gebracht. Wir haben gefehen, dafs in diefem Falle die elektrifchen Verbindungen fehr einfach find, weil es genügt, die Spitze des Recepteurs mit der Linie verbunden zu haben, was dadurch möglich ift, dafs die grofse Mittelplatte L mit dem Stifte leitend verbunden ift. Es ift diefs in der That genügend für kurze Linien, aber bei langen ift der Strom nicht mehr kräftig genug, um dunkel gefärbte Spuren auf dem Papiere zu erzeugen. Man ift in einem folchen Falle gezwungen, ein Relais einzufchalten, welches aus einer Localbatterie dem Stifte einen genügend kräftigen Strom zufchicken kann. Das Hinzufügen diefes Relais macht jene Verbindungen nothwendig, welche man in Fig. 14 auf der Säule K K fieht. Der Linienftrom, welcher früher direct zum Stifte gegangen ift, geht nun zum Relais und diefes fchickt zum Stifte den Strom einer Localbatterie. Die Gabel f verbindet mit ihren beiden äufseren Zähnen das mittlere Plättchen, fomit die Linie mit dem Plättchen R, welches den Strom zum Relais führt. Der Localbatterieftrom wird durch eine zweite Gabel f' zum Stifte geführt. Ihr am meiften rechts gelegener Zahn berührt leitend das Plättchen S' und kann dadurch einen Strom nach dem Stifte liefern. Der mittlere Zahn erhält durch das Plättchen B den Strom der Localbatterie, während fein am meiften links liegender Zahn, der auf dem Plättchen A ruht, fpäter zu befprechende Functionen aufführt. Alle diefe neuen Verbindungen bei der Umwandlung eines Transmetteurs in einen Recepteur mit Relais vollführt der Hebel og mit Hilfe jenes rs, und es ift diefs die dritte Aufgabe, welche der Hebel oq zu löfen hat, und welche wir oben fchon andeuteten. Die Aufgabe, welche hier das Relais zu löfen hat, ift viel fchwieriger, als diefs der Fall ist bei der gewöhnlichen Uebertragung, indem fich bei dem telegraphifchen Autographiren die Ströme unter Umständen rafcher unterbrechen und neu entſtehen, fomit auch das Relais rafcher arbeiten mufs, was d'Arlincourt zur Anwendung feines oben befchriebenen Relais führte. Aber man hat noch mit einer anderen Schwierigkeit zu kämpfen. Die Ladung einer langen Linie macht, dafs der Strom faft continuirlich ift und oft unvollkommene Unterbrechungen der Linien entſtehen, namentlich bei rafch aufeinanderfolgenden Unterbrechungen mit Wiederfchliefsungen und Schwächungen des Stromes, wodurch unter Anwendung eines gewöhnlichen Relais der Localftrom andauert und auch dann Zerfetzungen am Papier hervorbringt, wenn diefe nicht ftattfinden follen. Diefs vermeidet d'Arlincourt auf folgende Art: An dem Ende der Eifenkerne des Elektromagnetes bringt d'Arlincourt kleine Drahtfpulen B an ( Fig.15 und 16), Tafel III durch welche er einen Theil des Localbatterieftromes leitet, welcher bei jeder durch den Linienftrom hervorgebrachten Bewegung des Ankers P das Papier am Recepteur zerfetzt. Diefer Batterieftrom geht durch die Drahtwindungen in B in entgegengefetzter Richtung als der Linienftrom und fucht daher den Anker P von der Schraube V zu entfernen. Durch Einfchaltung eines Widerftandes Wgelingt es nun, diefen Localftrom etwas fchwächer als den Linienftrom zu machen, fo dafs trotz des Localftromes der Linienftrom überwiegt und der Anker gegen die Schraube V drückt. Aber fobald der Linienftrom, anftatt vollſtändig zu unterbrechen, fich abfchwächt in Folge der Linienladung, wird die Localbatterie überwiegen und den Anker von V losreifsen, wodurch der die Zerfetzung des Papiers auszuführende Theil des Localftromes gleichzeitig mit jenem durch die Spulen BB gehenden vollkommen unterbrochen wird. Auf diefe Art gelingt es, deutliche Schrift mit dicken und dünnen Strichen zu erhalten. In Fig.14 30 Dr. Leander Ditfcheiner. ift es nun der linke Zahn der Gabel f', welcher die Theilung des Localftromes ermöglicht. Wir haben gefehen, dafs die beiden rechten Zähne der Gabel f' das Plättchen B mit dem Plättchen S' und dem Stifte in Verbindung bringen. Zur felben Zeit leitet aber der linke Zahn durch das Plättchen A durch den Widerftand W zu der Spule B, und von diefer in die Erde, indem er durch TR und das Ende 2 des Commutators 2 LL2 geht Das Ende 2 ift ifolirt von LL2; andererfeits ift aber der Zahn ifolirt von der Walze 3, fo dafs die Communication nur hergestellt ist, fo lange 2 auf der Walze 3 gleitet, das ift alfo, während der Cylinder fich dreht. Während der Correction ift diefe Verbindung aufgehoben. Es ift diefs nothwendig, um zu vermeiden, dafs eine etwaige fchlechte Lage des Relaisankers während der Correction einen Theil der Batterie unthätig macht. Der Localbatterie- Strom wird dann in die Spulen abgeleitet und diejenige Wirkung hervorbringen, welche oben auseinandergefezt wurde. In dem Momente, wo die Apparate beim Repere angekommen find und während der Zeit der Correction ift der Stift durch einen Guttaperchaftreifen 7,( Fig. 13 und 14), welcher parallel zur Achfe des Cylinders gelegt ift, von dem Cylinder ifolirt, welcher Streifen nicht allein die Verbindung der Spitze mit der Erde aufhebt, fondern auch dazu dient, die Papiere auf dem Cylinder feftzuhalten. Ift die Diftanz nicht grofs, oder handelt es fich nur darum, die Apparate zu prüfen, ohne fich des Relais zu bedienen, fo braucht man nur die Communication des Relais mit dem Apparate zu unterbrechen und direct mittelft eines Drahtes die Klemme LR( Fig. 14) mit der Klemmfchraube B zu verbinden Die anderen Verbindungen bleiben, ausgenommen die Klemmfchraube A, welche überhaupt keine Communication befitzt. Die Fig. 13 und 14 find lediglich fchematiſche Figuren, in welchen die Säulen KK und K' K', ftatt in verticaler, in horizontaler Lage gezeichnet find, wie diefs richtig in Fig. 11 der Fall ift. Ferner find die Plättchen A und B in Fig. 13 und 14 anders geordnet als in Fig. 4, damit der Stromlauf leichter überfehen werden kann. Der Beamte beginnt damit, den Apparat in Bewegung zu fetzen. Er öffnet den Riegel 12, Fig. 6, fchiebt den Griff von rechts nach links und macht dadurch den Apparat zum Recepteur; er verfchliefst wieder den Riegel 12 und verfichert fich, dafs der Hebel 9, 10 den Daumen II nicht anhält. Der Apparat fetzt fich dann in Bewegung, und wenn die Stimmgabel richtig geregelt ift, macht er dreifsig Umdrehungen in der Minute. Geht er zu fchnell oder zu langfam, fo wird das Laufgewicht P der Stimmgabel tiefer oder höher geftellt. Man mufs auch den gleichen Gang beider Zinken der Gabel herftellen, was leicht durch ein Heben und Senken des Laufgewichtes P' an der freien Zinke gefchieht. Ift auf diefe Weife der Apparat als Recepteur regulirt, fo hält der Beamte feinen Cylinder am Repere durch den Hebel 9, 10 feft, öffnet den Riegel 12, um den Apparat vollſtändig anzuhalten. Er verfchiebt fodann den Griff q von links nach rechts, um den Apparat als Transmetteur zu gebrauchen, fchliefst wieder den Riegel 12 und verfichert fich noch, dafs der Griff 9, 10 den Daumen 11 nicht mehr anhält. Der Cylinder bleibt am Repere, weil der Transmetteur nur durch einen Strom vom Recepteur in Bewegung gefetzt wird. Der Beamte überzeugt fich auch ferner, dafs der Hebel GH des Elektromagnetes M, Fig. 10 und 11, und das Stück EE', welches diefen Transmetteur fefthält, gut geftellt find, was unter folgenden Bedingungen ftatt findet. Der Daumen D des Stückes DR greift fo wenig als möglich in den Daumen F des Stückes EE ein, gerade nur foviel, dafs der Daumen F jenen D ficher hält. Man drückt dann mit einem Finger der Hand, gleichfam die Wirkung des elektrifchen Stromes nachahmend, auf das Ende G des Hebels GH, und macht diefes jedoch fo wenig als möglich beweglich durch eine Schraube 14, Fig. 11, welche man leicht anzieht, um die Bewegung des Ankers zu begrenzen. Es mufs aber auch der Daumen D unter dem Daumen F, bei dem durch H gehobenen Stücke EE leicht vorbeigehen, und man mufs ficher fein, dafs fich diefe beiden Daumen nicht berühren im Momente, wo der Transmetteur feine Bewegung Telegraphen- Apparate. 31 beginnt. Man kann diefe Regulirung ganz ficher ausführen durch den Knopf 15, Fig. 11, welchen man andrückt oder nachläfst, um das Ende H des Hebels GH zu heben oder zu fenken. Man ftellt ferner den Commutator fo, dafs der Wecker in die Leitung eingefchaltet ift und nur, wenn der Apparat arbeitet, fteht der Commutator mit diefer in Verbindung. Hat man nun eine Depefche zu übermitteln, fo befeftigt man paffend auf den Transmetteurcylinder die auf die Zinnfolie gefchriebene Depefche und fetzt den Cylinder felbft in gehöriger Weife in den Apparat. Man drückt fodann den Stift auf den Cylinder, nachdem man ihn auf der Mikrometerfchraube an den Rand des Cylinders gebracht hat. Man bringt den Cylinder an den Repere, unterfucht ob der Griff an der für den Transmetteur paffenden Stellung ift und gibt dem Beamten an der anderen Station das Signal, welcher mit dem Wecker antwortet. Man fetzt fodann den Commutator vom Wecker auf den Apparat und wartet die Zeit ab, während welcher nun der andere Beamte fein chemifch präparirtes Papier auf den Cylinder des Recepteurs befeftigt, feinen Stift ebenfalls an den Anfang des Cylinders bringt und fich ebenfalls überzeugt, ob der Griff die Stellung für den Recepteur richtig einnimmt. Er verftellt ebenfo feinen Commutator vom Wecker auf den Apparat, fetzt diefen in Bewegung, deffen erfter Strom nun auch den Transmetteur in Bewegung fetzt. Für den Mechaniker, welcher den Apparat herftellt, ift das Wichtigste, dafs die Zinke, welche in derRinne W Fig. 6, 7 und 8 ruht, genau in derfelben Linie fich befindet als die Achfe Z. Für eine vollſtändig richtige Transmiffion mufs diefs mit aller Genauigkeit eingehalten werden. Um fich von der Richtigkeit diefer Sache zu überzeugen, hebt man die Rinne, die nur mit einem Stifte an der Achfe/ fitzt, heraus. Ift dann die Spitze der Zinke genau gegenüber der Achfe 7, fo ift die Stimmgabel richtig centrirt. Oben an den Träger der Gabel find Schrauben zur Centrirung diefer Gabel. Auch mufs diefe Rinne einen horizontalen Kreis befchreiben, während der Apparat im Gange ift, was daran zu erkennen ift, dafs kein Lärm dabei entſteht. Der Copirtelegraph von B. Meyer functionirte in der Ausftellung felbft und find zahlreiche Depefchen dort auf- und abgegeben worden, fo dafs es möglich war, fich von der bemerkenswerthenThätigkeit desfelben unmittelbar zu überzeugen. Bei diefem Apparate bewegen fich ebenfalls zwei Cylinder an den verfchiedenen ( Abgabe- und Aufnahme-) Stationen fynchroniſch mit Hilfe eines durch ein Pendel regulirten Uhrwerkes. Auf der einen vollkommen glatten Walze der Abgabeftation wird die mit Tinte auf Zinnfolie gefchriebene Depefche aufgewickelt. Statt des gewöhnlich, wie auch beim Cafelli'fchen, Lenoir'fchen und d'Arlincourt'fchen Apparat verwendeten, die ganze Oberfläche in Form einer Kreislinie beftreichenden Stiftes ift es hier ein Rädchen, welches ähnlich wie diefer Stift über die ganze Oberfläche geführt wird. Das Rädchen ift an feinem Umfange fcharfkantig, jedoch nicht fchneidend und metallifch, und fteht diefer gut leitende Umfang mit der Linienleitung zur Aufnahmeftation in Verbindung. Das Rädchen wird ferner fchwach gegen die Oberfläche des Cylinders, auf welchen die Originaldepefche gelegt ift, gedrückt, fo zwar, dafs der Strom fo oft gefchloffen ift, als das Rädchen eine freie Stelle, fo oft aber geöffnet ift, als es eine mit Tinte überftrichene Stelle der Depefche berührt. Das Rädchen felbft dreht fich, fobald fich der Cylinder dreht, und berührt die Oberfläche gerade, fo wie der Stift, nur in einem Punkte. Der fynchronifch fich drehende Cylinder auf der Aufnahmeftation ift aber nicht vollkommen glatt, fondern es ift auf denfelben in Form einer, einen Schraubengang hohen, Schraubenlinie eine erhabene Schneide oder Klinge gewunden. Die fchraubenlinienförmige Klinge fteht einerfeits mit einer Farbwalze in Verbindung, fo zwar, dafs beim jedesmaligen Umdrehen der Walze nach und nach die ganze Klinge mit frifcher Farbe verfehen wird, ähnlich wie das Rädchen bei einem Morfe- Farbfchreiber. Auf der anderen Seite diefer Farbwalze, dem rotirenden Cylinder gegenüber, befindet fich ein Rahmen, auf welchem in Form eines Streifens jenes weifse Papier an dem Cylinder vorbeigezogen wird, auf welchem fich die 3 32 Dr. Leander Ditfcheiner. Depefche abdrucken foll. So lange ein Strom die Linie durchfliefst, ift der Rahmen fammt Papier gegen den Cylinder oder, beffer gefagt, gegen die fchraubenförmige mit Farbe verfehene Klinge des Cylinders gedrückt. Da nun die Längenrichtung des Papierftreifens fenkrecht zur Achfe des rotirenden Cylinders geftellt ift, fo wird die rotirende Klinge, fo lange fie mit dem Papiere in Berührung fteht, eine parallel zur Achfe des Cylinders, alfo fenkrecht zur Längenrichtung des Papierftreifens liegende dunkle Linie auf dem Papierftreifen erzeugen. So oft aber der Strom unterbrochen ift, wird der Rahmen mit Hilfe eines Elektromagnetes von der Schneide fo weit entfernt, dafs diefe nicht mehr in unmittelbarer Berührung mit dem Papiere ift, und fo eine weifse Unterbrechung des dunklen Streifens entfteht. Während einer vollen Umdrehung wird auch der Papierftreifen um ein kleines Stück, entſprechend der Höhe eines Schraubenganges der das Rädchen an der Abgabeftation bewegenden Mikrometerfchraube, verfchoben, fo dafs, wie das Rädchen einen Schraubengang durchlaufen hat, auch die Klinge den Druck an dem einen Rande des Papierftreifens wieder beginnt und fomit eine neue, zur früheren parallele Linie auf dem Papierftreifen zu ziehen vermag. Während alfo hier die Originaldepefche auf einer Walze aufgewickelt ift, wird ihre Copie auf einen ebenen Papierftreifen abgedrückt, und fo zwar, dafs die metallifchen Stellen der erfteren auf letzterem dunkel erfcheinen. Hat man alfo die Depefche mit fchwarzer Tinte auf zinnweifse Folie gefchrieben, fo ift die Copie in weifsen Linien auf dunklem Grunde gegeben. Auch find jene Punkte, welche in der aufgewickelten Originaldepefche auf einer Kreislinie liegen, in der Copie in einer geraden Linie fenkrecht zur Längenrichtung des Papierftreifens, fowie alle Punkte, welche in der Originaldepefche auf einer zur Cylinderachfe parallelen Linie liegen, auf der Copie in einer geraden Linie, welche parallel ift zur Längenrichtung des Streifens. Die Einrichtung der Druckfchraube diefes Apparates hat Meyer auch benützt zum Wiedergeben der gewöhnlichen Morfe- Zeichen, und ift diefelbe auch bei dem weiter unten zu befchreibenden Meyer'fchen Apparate zur mehrfachen Depefchenvermittlung auf einer Linie, welcher in der Ausstellung unmittelbar neben dem eben befchriebenen Apparate zu finden war, in Anwendung gebracht worden. Während bei den bis jetzt zur automatifchen Telegraphie gebräuchlichen Apparatfyftemen die felbftftändige Abgabe der Depefchen durch den Sendapparat mit Hilfe von in langen Schienen fteckenden Typen, wie bei Siemens- Halske'sma gneto- elektrifchem Typen- Schnellfchreiber und bei deren TypenSchnellfchreiber für Batterieftrom, oder von gelochten Papierftreifen, wie bei Siemens' Hand- und Taften- Schriftlocher gefchieht, welche in gröfseren Partien auf befonderen Apparaten gefetzt oder gelocht werden, find durch den nach den Angaben von v. Hefner- Alteneck von Siemens& Halske ausgeführten DofenSchnellfchrift Geber für Morfefchrift die beiden Functionen des Vorbereitens und des automatiſchen Abtelegraphirens der Schriftzeichen in einem compendiöfen Apparate vereinigt und erfolgen in demfelben, wenn auch von einander unabhängig, der Zeit nach nur wenig getrennt. Der Dofenfchrift- Geber wird direct in den Stromkreis der Linie eingefchaltet und erfolgt die Abgabe einer Depefche in letztere durch Drücken von Taften, deren für jedes in der Telegraphie vorkommende Zeichen( Buchftabe, Zahl oder Interpunction) je eine vorhanden und dem entſprechend bezeichnet ift. Die mittlere Schnelligkeit mit der die einzelnen Zeichen aufeinander folgen und folglich auf der Taftatur gegriffen werden müffen, ift von der Gefchwindigkeit, auf welche der ohne Zuſammenhang mit der Taftatur arbeitende gebende Mechanismus eingeftellt ift, nur infofern abhängig, als fie diefe nicht überfchreiten darf. Die Verfchiedenheit der Länge der einzelnen Schriftzeichen im Morfe- Alphabet bleibt beim Greifen der Taften unberück fichtigt, wie auch der vorfchriftsmäfsige Zwifchenraum zwifchen zwei Zeichen ftets von felbft erfcheint, gleichviel, ob der Telegraphift zwifchen dem Greifen einzelner Taften längere oder kürzere Zeit verftreichen läfst. Längere zwifchen Telegraphen- Apparate. 33 den einzelnen Worten einzufchiebende Zwifchenräume werden durch Drücken einer befonderen fogenannten Blanc- Tafte gegeben. Die Taftatur ift, damit fie einen möglichft kleinen Raum einnimmt, in fieben treppenartig übereinander liegenden Reihen zu je fieben Taften angeordnet, und find die Buchftaben auf den Taften fo vertheilt, dafs bei einer vollkommen ungezwungenen Lage der Hände auf der Taftatur diejenigen Buchftaben, welche am häufigften vorkommen, am bequemften gegriffen werden können. Der ganze Apparat bedeckt eine Grundfläche von 21 x 33 Centimeter, wovon circa 20 X 20 Centimeter auf die Taftatur kommen, bei einer Höhe von ungefähr 29 Centimeter ohne Lefepult. Der Dofen- Schriftgeber kann eingerichtet werden für die Exmiffion von gleichgerichteten Strömen oder für Wechfelftröme mit oder ohne Erdentladung, je nach der Befchaffenheit der Leitung, in welcher er arbeiten foll. Im erfteren Falle kann der empfangende Apparat ein gut arbeitender Farbfchreiber fein und braucht darum der Dofen- Schnellfchrift- Geber, falls eine bisher mit Morfe- Tafter eingerichtete Linie damit verfehen werden foll, nur an Stelle des Tafters in den Stromlauf eingefchaltet zu werden. Die Leiftungsfähigkeit des Apparates ift begrenzt durch die Schnelligkeit, mit welcher der ihn bedienende Telegraphift die Buchftaben einzeln auf der Taftatur zu greifen im Stande ift, vorausgefetzt, dafs die Befchaffenheit der Leitung keine tiefer liegende Grenze zieht. Ein geübter Telegraphift wird leicht 5 Taften in der Secunde einzeln greifen können; eine entsprechende Einstellung des gebenden Mechanismus vorausgefetzt, find diefs 300 Zeichen ( Wort- Zwifchenräume find als einzelne Zeichen eingerechnet) in der Minute. Nimmt man an, dafs zur Erledigung einer Depefche thatfächlich( hin und her) durchschnittlich 200 volle Buchftaben erforderlich find( 33 Worte), fo ergibt diefs eine Leiftung von 90 Depefchen in der Stunde, alfo ungefähr das Doppelte der thatfächlichen( nicht Maximalleiftung) des Hughes- Apparates. Der Dofen- Schnellfchrift- Geber bietet fonach die Vortheile der automatifchen Telegraphie( erhöhte Schnelligkeit mit Ausfchlufs fchlechter Handfchrift), ohne im Vergleiche mit dem einfachen Morfe- Tafter, an deffen Stelle er jederzeit treten kann, dem Telegraphendienfte befondere Umftändlichkeiten hinzuzufügen. Fig. 17 und 18, Tafel IV, geben eine fchematiſche Darftellung des Mechanismus bei Hinweglaffung aller unwefentlichen Theile. Der Hauptbeftandtheil des Apparates ift eine um ihre Mitte drehbar gelagerte kreisrunde Dofe D, deren cylindrifcher Umfang mit dicht nebeneinander liégenden, parallel zur Achfe laufenden Stiften s s befetzt ift, und welche unter dem Einfluffe der Taften fich in ihrer Längsrichtung mit einiger Reibung etwas verfchieben laffen. Diefe Stifte, in beftimmten Gruppirungen verfchoben, bilden die Typen zur automatifchen Abgabe der Schriftzeichen und zwar repräfentiren drei dicht nebeneinander liegende verfchobene Stifte einen Strich, ein verfchobener Stift zwifchen zwei unverfchobenen einen Punkt, ein oder mehrere aufeinander folgende unverfchoDurch den Druck bene Stifte einen kleineren oder gröfseren Zwifchenraum. einer Tafte werden einzelne Stifte, in Gruppirung und Anzahl dem Zeichen der gedrückten Tafte entſprechend, verfchoben, und dann die Dofe unter dem für die nöthige Zeitdauer freiwerdenden Einfluffe einer Uhrfeder oder eines fallenden Gewichtes Pum foviel weiter gedreht, als der Länge des gedrückten Zeichens und dem zugehörigen Zwifchenraume entspricht, und gleichzeitig frifche unverfchobene Stifte unmittelbar vor die von dem Tafter aus regierten, die Verfchiebung bewerkstelligenden Theile( Stöfser) nn gebracht. Die mechanifche Verbindung der letzteren mit dem Tafter ift im Principe die nämliche, wie fie in dem fogenannten Taftenfchriftlocher von Dr. Werner Siemens zuerft angewendet ift. Jede der Taften T( in Fig. 18 ift deren nur eine gezeichnet) fteht mit einem vertical ftehenden Blechftreifen S derart in Verbindung, dafs beim Drücken der Tafte letzterer mit einer verticalen Kante voran etwas vorgefchoben wird. Von diefen Blechen Sfind alfo ebenfo viele vorhanden, als Taften; fie ftehen dicht aneinander und treffen bei ihrem Vorgehen mit ihrer Vorderkante gegen die Kanten einer Anzahl anderer Bleche Q, Q, wlche quer horizontal, dicht vor 3 * 34 Dr. Leander Ditfcheiner. den erften weglaufen. Jedes diefer Bleche fteht durch einen ebenfalls aus Blech gefertigten doppelarmigen Hebel H( in Fig. 18 ift der Deutlichkeit wegen ebenfalls nur einer gezeichnet) mit je einem der 19 Stöfser n derart in mechanifchem Zufammenhange, dafs bei der Bewegung desfelben der dem betreffenden Stöfser gerade gegenüberliegende Stift s aus feiner normalen Lage verfchoben wird. Um nun die zur Darstellung eines Zeichens nöthige Gruppirung beim Verfchieben der Stifte durch einen Tafterdruck zu erzielen, find die erfterwähnten unmittelbar mit den Taften in Verbindung ftehenden Bleche S an ihrer Vorderkante derart ausgefeilt, dafs jedes derfelben beim Drucke der betreffenden Tafte immer nur diejenigen horizontal liegenden Bleche Q trifft, deren gleichzeitig erfolgende feitliche Bewegung die dem Zeichen der gedrückten Tafte entſprechende Verfchiebung der Stifte der Dofe zur Folge hat. Die unmittelbar darauf eintretende fprungweife Drehung der Dofe wird durch ein fallendes Gewicht P( oder eine Uhrfeder) und eine einfache Zahnradüberfetzung M N hervorgerufen und in der Weife ausgelöft, dafs ein kleiner Sperrkegel a, welcher in der Ruhe die Dofe an einem an ihr befeftigten Zahnkranze c c mit fchrägen Zähnen fefthält, durch Anlaufen des vorderften der durch den Taftendruck verfchobenen Stifte an einer an den Sperrkegel a angefeilten fchrägen Fläche F aus den Zähnen des Zahnkranzes cc gehoben und die Dofe dadurch frei gemacht wird. Diefe fchräge Fläche Fift breiter, als die innerhalb eines Zeichens vorkommenden Zwifchenräume, welche bekanntlich fich als nicht verfchobene Stifte darftellen. Der Sperrkegel kann alfo unter der Einwirkung einer kleinen Feder r, die ihn wieder gegen den Zahnkranz zu drücken fucht, nicht früher wieder einfallen, bis das ganze Zeichen das heifst, fämmtliche verfchobene Stifte der fchrägen Fläche unter F durchpaffirt find, und zwar in Folge einer weiteren Verbreitung der letzteren fammt dem vorgefchriebenen Zwifchenraume. Es ift Vorforge getroffen, dafs die bei gedrückt bleibender Tafte in die Stiftenreihe zwifchen vorgefchobene und unvorgefchobene Stifte hineinragenden Stöfser n die Drehung der Dofe nicht hindern, indem diefelben etwas beweglich gemacht und an ihrem vorderen Ende fo geführt find, dafs fie fchräg feitlich etwas ausweichen können. Beim Drucke der Blanc- Tafte, welche keinen Stift verfchieben darf, wird die entfprechende Drehung der Dofe in anderer Weife durch directe mechanifche Einwirkung der Tafte hervorgebracht. Der gebende Mechanismus bewirkt unter Einfluss der verfchobenen Stifte die oscillirende Bewegung eines kleinen Contacthebels C, welcher in feiner einfachften Form mit zwei Contacten dem gewöhnlichen Morfe- Tafter entſpricht, in der Weife, dafs durch ihn die Bedeutung der verfchobenen Stifte in die Linie abtelegraphirt wird. Zu dem Ende rotirt an der Vorderfläche der Dofe concentrifch mit diefer ein Zeiger i mit nachgebig gemachter fchräg abgeftumpfter Spitze welcher die vorgefchobenen Stifte an ihrer nach innen liegenden Rundung überftreicht, und deren dadurch hervorgerufene oscillirende Bewegung fich durch einen kleinen, feft am Zeiger gelagerten Winkelhebel o, welcher durch einen eingefraiften Schlitz auf einen in einer concentrifchen Bohrung der Zeigerachfe liegenden und über den Zapfen der letzteren vorfehenden Stift hin- und herfchiebend wirkt. Gegen die Kappe diefes Stiftes liegt, durch eine kleine Feder angedrückt, der eine Arm des erwähnten Contacthebels C, welcher dadurch in der Weife in Function tritt, dafs er für jeden einzelnen vorgefchobenen Stift, den die Zeigerfpitze überftreicht, einen kurzen Strom( Punkt), für drei hintereinander liegende vorgefchobene Stifte einen längeren Strom( Strich) in die Leitung abgibt. Dazu ift aber erforderlich, dafs der Zeiger i die Stiftenreihe, welche fich bekanntlich felbft unter dem Einfluffe der Taften in fprungweifer Bewegung befindet, mit relativ gleichmäfsiger Gefchwindigkeit überftreiche. Es ift diefs dadurch erreicht, dafs fich die Dofe felbft fammt dem an ihr befindlichen Treibrade Mlofe um die im Geftelle gelagerte Achfe m m des Zeigers dreht, wogegen aufser dem Zeiger an diefer Achfe m feftfitzen: ein innerhalb gelegenes Zahnrad K, welches durch weitere, in den Seiten Telegraphen- Apparate. 35 wänden der Dofe gelagerte Zahnräder und Getriebe mit einem ebenfalls feft an der Dofe gelagerten Windfange W in Eingriff fteht, weiter das eine Ende einer genügend gefpannten Feder F, deren anderes Ende am Geftelle befeftigt ist. In der Ruhe hält diefe Feder den Zeiger gegen einen Anfchlag A feft, welcher dicht hinter der Stelle liegt, wo die Verfchiebung der Stifte unter Einwirkung der Taften ſtattfindet. Die fprungweife Drehung der Dofe bringt den Zeiger von diefem Anfchlage weg und zieht dabei die Feder F auf; die entgegenwirkende Kraft der letzteren kann nur relativ langfam und gleichmäfsig auftreten, da fie, indem fie den Zeiger gegen den Anfchlag zurückdreht, den Windfang Win der Dofe in rafche Rotation um feine Achfe verfetzen mufs. Der Zeiger macht alfo die fprungweife Drehung der Dofe mit, unbefchadet feiner relativ zur Stiftenreihe gleichmäfsigen Rückwärtsbewegung, welche durch die Feder F hervorgerufen und durch den übrigens verftellbar gemachten, in der Dofe befindlichen Windfang W in ihrer Gefchwindigkeit regulirt wird. Je nachdem der Telegraphift rafcher oder langfamer die Zeichen an den Taften greift, wird die fprungweife Vorwärtsbewegung oder die relativ zur Dofe gleichmäfsige Rückwärtsbewegung des Zeigers überwiegen, der Zeiger wird fich in Summe feinem Anfchlage nähern oder fich von diefem entfernen, oder, was dasfelbe heifst, der zwifchen Zeigerfpitze und Anfchlag liegende Vorrath typifch vorbereiteter Schriftzeichen wird fich vermindern oder vergröfsern. Die thatfächliche Bewegung des Zeigers kann etwas weniger als eine volle Umdrehung betragen, und ift eine einfache Einrichtung getroffen, dafs eine Glocke ertönt, wenn der Telegraphift nahe daran ift, den erlaubten Vorfprung zwifchen dem Setzen und der automatifch erfolgenden Abtelegraphirung der Zeichen zu überfchreiten. Die von der Zeigerfpitze überftrichenen vorgefchobenen Stifte werden unmittelbar vor der Stelle, wo die Verfchiebung ftattfindet, wieder in ihre normale Lage zurückgebracht, und zwar durch eine dafelbft angebrachte fchräge Fläche R, gegen welche fie bei der Drehung der Dofe ftreifen. Der Siemens'fche Schnelldrucker ift ein Typendruck- Telegraph, welcher das auf einer Claviatur abgefpielte und dadurch auf einer Dofe mittelft links und rechts aus derfelben hervorgeftofsener Stifte vorbereitete Telegramm automatifch abtelegraphirt. Das Einftellen des Typenrades wird durch pofitive und negative Ströme von gleicher Länge bewirkt, von denen die einen durch die rechts aus der Dofe vorftehenden, die anderen durch die links vorftehenden in die Leitung gefandt werden. Dabei ift aber ein doppeltes Echappement an dem Typenrade angebracht, und zwar dreht das durch die Ströme der einen Richtung bewegte Echappement das Typenrad fprungweife um je vier Buchftaben auf einmal fort; das durch die entgegengefetzt gerichteten Ströme bewegte Echappement läfst es dagegen nur Schritte von je einem Buchftaben machen. Da nun die Ziffern und fonftigen Zeichen gar nicht mit in die Claviatur und auf das Typenrad aufgenommen find, fondern durch Buchftaben ausgedrückt werden follen, welche in ein im Voraus beſtimmtes Zeichen eingefchloffen werden, ift es möglich geworden, das Typenrad durch höchftens acht Ströme auf jedes Schriftzeichen einzuftellen. Dabei mufste aber das 27. Feld des Typenrades leer bleiben, weil in der gewählten Weife 27 Schritte auf acht Ströme nicht gemacht werden können, fondern erft durch neun( fechs Schritte zu je vier, und drei Schritte zu je einem Buchftaben). Es bleiben demnach 31 Felder des Typenrades zum Geben von 29 Buchftaben und Zeichen verfügbar, weil das 30. Feld für das Einfchlufszeichen der Ziffern und das 31. Feld für den durch die Blanc- Tafte zu telegraphirenden Zwifchenraum aufgefpart werden mufs. Dadurch, dafs das Typenrad nach jedem Abdrucke auf den Ausgangs- oder Nullpunkt zurückgeführt wird, ift zugleich verhütet, dafs durch Einfchleichen eines falfchen Zeichens die noch nachfolgenden ebenfalls falfch gemacht werden. Die Leiftungsfähigkeit diefes Schnelldruckers ift eine bedeutende, weil bei zweckmäfsiger Vertheilung der Punktgruppen 36 Dr. Lende Ditfchei ner. unter die Buchftaben im Durchfchnitte zur Einftellung des Typenrades nur drei bis vier kurze Stöfse erforderlich find und das Drucken, fowie die Zurückführung des Typenrades auf den Nullpunkt faft augenblicklich erfolgt.( Zetzfche a. a. O.) Der Siemen s'fche Ketten- Schnellfchriftgeber enthält anftatt der Dofe eine Gliederkette ohne Ende mit 180 Gliedern von 2.5 Millimeter Länge und in jedem derfelben einen Metallftift, welcher fich feiner Länge nach in dem Gliede mit einiger Reibung nach links oder rechts verfchieben läfst, weil der Ketten- Schriftgeber zur Erzeugung von Punkten in zwei Reihen, wie beim erften Steinheil'fchen Apparate, beftimmt ift. Die Verfchiebung der Stifte wird übrigens beim Niederdrücken der Taften in ganz ähnlicher Weife durch eine Art von Scheeren bewirkt und find natürlich zwei Contacthebel vorhanden, von denen der eine durch die rechts vorftehenden Stifte pofitive, der andere durch die links vorftehenden Stifte negative Ströme in die Leitung fendet. Diefe Ströme von verfchiedener Richtung fchreiben in einem polarifirten Doppelfchreiber die Zeichen des Steinheil'fchen Alphabetes. Die Vorbereitung der abzutelegraphirenden Schriftzeichen erfolgt an einer Stelle, wo die Kette über ein Rad läuft, das Abtelegraphiren an einer andern Stelle, wo die Kette über ein zweites mit einem Windflügel verbundenes Rad geführt ift; gleich hinter diefer Stelle werden die abtelegraphirten Stifte durch zwei an den beiden Seiten der Kette anftreifende Rollen wieder in ihre Ruhelage gebracht. Diefer Kettenfchriftgeber wird weder durch ein Gewicht, noch durch eine Feder getrieben, fondern es wird beim Niederdrücken einer Tafte gleich der erforderliche Anftofs zur Bewegung übertragen.( Zetzſche a. a. O.) Apparate zur automatifchen Verfendung von Depefchen finden wir ferner in der italienifchen Ausftellung, von Ludwig G hifi in Mailand, der eine Typenmafchine für Morfe- Schrift ausgeftellt, welche im Principe der Einrichtung wohl mit dem Siemens'fchen Typen- Schnellfchreiber übereinftimmt; ferner von Lacco Gaspori in Alleffandria einen dem Siemens'fchen Verfendungsapparat mit gelochten Papierftreifen ähnlichen Apparat. Wir finden auf der Ausftellung auch zwei neue Apparate, den einen von Herrn Bernard Meyer, Telegraphen- Bureauchef in Paris, in der Ausftellung der franzöfifchen Adminiftration des Telegraphen, den andern von Herrn Alois Bauer, k. k. öfterreichifchem Telegraphenbeamten, in der Ausftellung des öfterreichifchen Handelsminifteriums im Pavillon des Welthandels, welche beide den Zweck haben, eine beffere Ausnützung der einzelnen Telegraphenlinien dadurch herbeizuführen, dafs es mit ihnen möglich wird auf einem und demfelben Leitungsdrahte die von verfchiedenen Apparaten ausgefchickten Ströme abwechfelnd in rafcher Folge den entfernten aufnehmenden Apparaten getrennt zuzuführen, fo zwar, dafs, während an einer oder mehreren Abgabeftationen die Abfendung eines Stromes vorbereitet und diefer noch nicht wirklich abgegeben wird, die Leitung von einem Strome einer andern Abgabeftation durchfloffen wird. Dadurch wird es möglich, die Paufen, welche in einer Leitung mit nur einer Abgabe- und einer Aufnahmeftation wegen der verhältnifsmäfsig langen Vorbereitung zur Stromfendung eintreten und in welchen kein Strom die Linien durchfliefst, beffer zu verwenden und erfichtlich eine rafchere Abgabe mehrerer Depefchen zu erlangen. Das Syftem des Meyer'fchen Apparates zur gleichzeitigen mehrfachen Depefchenvermittlung auf einer und derfelben Leitung gründet fich auf die Zeit- und Arbeitsvertheilung und hat den Zweck, alle jene Ströme, welche in einer gegebenen Zeit eine Telegraphenleitung nach einander durchlaufen kann, getrennt und unabhängig von einander zu verfchiedenen Correfpondenzen zu benützen. Auf diefe Weife können mehrere Beamte, von denen ein jeder 20 bis 30 Depefchen in einer Stunde befördern kann, zufammen auf einem und demfelben Drahte ebenfoviele Depefchen und ebenfo leicht abtelegraphiren, als fie diefs mit dem gegenwärtigen Morfe- Apparatfyfteme auf befonderen, getrennten Linien zu leiften im Stande find, und zwar kann jeder Manipulant nach Mafsgabe des Dienftesbedürf Telegraphen- Apparate. 37 niffes entweder Depefchen geben oder folche von der Gegenftation abnehmen; defsgleichen kann er das Abtelegraphiren der Depefchen mit feinem Vis- à- vis behufs allfällig fogleich vorzunehmender Correcturen jederzeit unterbrechen, ohne dafs hiedurch die übrigen gleichzeitig mitcorrefpondirenden Manipulanten in ihrer Arbeit geftört werden, fo zwar, dafs von einer Station auf einer Leitung das geleiftet werden kann, was bis jetzt mit vier Morfe Apparaten auf vier Leitungen geleiftet wird. Durch die Benützung diefes Apparates kann daher die Anzahl der Telegraphenleitungen ohne eine Aenderung in dem bei den Morfe- Apparaten gebräuchlichen Manipulationsdienfte vorzunehmen, mit den vorhandenen Leitungen die Arbeitsleiftung auf das Vierfache erhöht, oder an Strecken, wo eine fchon hinreichende Zahl von Leitungen vorhanden ift, folche vermindert werden, wenn eine Steigerung der telegraphifchen Correfpondenz nicht in Ausficht fteht. Indem aber der Leitungsdraht derjenige Theil der Telegraphenanlage ift, deffen Erhaltung im betriebsfähigen Zuftande die meiſten Schwierigkeiten bietet und viele Koften verurfacht, und, wie es die Erfahrung lehrt, an jenen Strecken, wo mehrere Leitungsdrähte an einer und derfelben Stütze angebracht find, auch die meiften Betriebsftörungen vorkommen, die Schwierigkeit der Erhaltung der Leitung mit ihrer Zahl wächft: fo ift ein Apparatfyftem, welches erlaubt, bei gleicher Arbeitsleiftung die Zahl der Leitungsdrähte zu vermindern oder einer Vermehrung derfelben für längere Zeit vorzubeugen, in Rückficht auf den Betriebsdienft Die Anzahl der möglichen Ströme, ein wichtiger und bedeutender Fortfchritt. welche in einem Schliefsungskreife gegeben werden können( Stromemiffionen). fteht in natürlichem directen Verhältnifse mit demWiderftande der Leitungskette. Je mehr deutlich getrennte Stromemiffionen in einer folchen Kette hervorgebracht werden können, um defto mehr kann diefer zur mehrfachen gleichzeitigen Correfpondenz benützt werden. Es ift erwiefen, dafs 50 bis 100 Stromemiffionen in einer Secunde im einer Leitung zur Markirung telegraphifcher Zeichen nutzbar gemacht werden können. Durch die fowohl mit autographifchen als auch mit elektromagnetiſchen Telegraphenapparaten zu verfchiedenen Zwecken ausgeführten Verfuche wurde fogar dargethan, dafs man deutliche Schriftzeichen mit elektrifchen Strömen erhielt, welche 1500 Secunde Zeit zu ihrer Hervorbringung erforderten, fo zwar, dafs in einem elektrifchen Schliefsungskreife ein conftanter Strom ungefähr 250mal in der Secunde unterbrochen oder mit Arbeitsftrom gefchloffen werden kann und immer noch eine deutliche Markirung der Zeichen durch denfelben erhalten wird. Mittelft eines gewöhnlichen Morfe- Tafters konnten bekanntlich fünf und auch mehr Stromemiffionen per Secunde in die Leitung gefchickt werden, fo zwar, dafs, wenn die Emiffion nur mit der kleinften Zahl 5 ftattfindet, eine einfache Depefche von 20 Worten nebft dienftlichen Zufätzen in 2 Minuten abgegeben und fonach in einer Stunde in einer Leitung 24 folcher Depefchen befördert werden können. Man erfieht daraus, dafs, felbft wenn eine doppelte als die angenommene Zahl der Emiffionen bei gröfserer Uebung der Beamten möglich ift, doch die Leitung lange nicht fo ausgenützt wird, als diefs möglich erfcheint. Wenn durch ein Arrangement an einer Gruppe von Morfe- Apparaten die Möglichkeit geboten wird, fämmtliche Ströme, welche thatfächlich in einer Secunde in eine Leitung gebracht werden können, für die Zwecke der telegraphifchen Correfpondenz in ihrer Gefammtheit nutzbar zu machen, fo wird es durch die Ausbeutung des Reftes nach Abfchlag der erforderlichen fünf Stromemiffionen per Secunde möglich, mehrere Apparate an einer und derfelben Leitung zur gleichzeitigen Correfpondenz zu verwenden. Wäre z. B. n die Zahl der Stromemiffionen, welche in einer Secunde in einer Leitung hervorgebracht werden können, bei welcher Anzahl auf der fernen Station noch deutliche Morfe- Zeichen erfcheinen, fo ftellt in Rückficht darauf, dafs nur fünf folcher Emiffionen per Secunde nöthig find um eine Depefche in 22 Minuten oder 24 Depefchen in einer Stunde abzugeben, n/ die Anzahl der Apparate vor, welche gleichzeitig an einer und derfelben Leitung zur Correfpondenz verwendet werden könnten. Wäre n nur gleich 38 Dr. Leander Ditfcheiner. - 20, erfichtlich eine höchft tiefgegriffene Annahme, fo würde n/ 5= 4, es könnten alfo vier Apparate gleichzeitig functioniren. Es ift erfichtlieh, dafs diefe Zahl der Apparate leicht erhöht werden kann, da die Annahmen, welche ihrer Berechnung zu Grunde gelegen, nicht fehr günftig gewählt wurden, fo zwar, dafs es in der Praxis vielleicht möglich ift, diefe Anzahl auf das Doppelte zu bringen, da immer noch 40 Stromemiffionen in der Secunde leicht in die Leitung gefchickt werden können, ohne dafs die Apparate eine zu grofse Rotationsgefchwindigkeit bekommen müfsten. Bei dem auf der Ausftellung gewefenen Meyer'fchen Apparate waren auf einer und derfelben Tifchplatte vier Tafter a, a', a" und a" und ebenfoviele Schreibapparate r, r', r" und"" Fig. 19, Taf. V. Die Functionen des Farbrädchens bei den Farbfchreibern oder der Spitze bei den Relieffchreibern verfieht, ebenfo wie beimMeyer'fchen Copirtelegraphen, eine langgedrehte fcharfe Kante h, Fig. 20, Taf.V, welche in Form einer Schraubenlinie um einen fich drehenden Metallcylinder A gelegt ift. Hier, wo vier Apparate zur gleichzeitigen Correfpondenz aufgeftellt find, nimmt diefe Schraubenlinie nur einen Viertelkreis des ganzen Umfanges ein, fo zwar, dafs die ganze Länge des Cylinders nur ein Viertel der Höhe des ganzen Schraubenganges beträgt, während fich bekanntlich beim Meyer'fchen autographifchen Copirtelegraphen die Schraubenlinie um den ganzen Cylinder herumlegt, deffen Länge alfo gleich der ganzen Höhe des Schraubenganges ift. Wären fechs, acht im Allgemeinen n Apparate zur gleichzeitigen Correfpondenz aufgeftellt, fo würde auf den entſprechenden Schreibapparaten die Länge der Cylinder als 1, 1/8, 1/ n der Höhe des Schraubenganges der um fie als Schraubenlinie gelegten fcharfen Schneide anzufehen fein. Ueber diefen Cylindern bewegen fich die fogenannten Farbwalzen, welche die fcharfe Kante der Schraubenlinie ebenfo wie die Ränder der Farbrädchen beim Morfe- Farbfchreiber ftets mit der nöthigen Farbe verfehen. Ein einfaches Uhrwerk, durch ein Gewicht bewegt und durch ein Centrifugalpendel regulirt, dient als Motor für alle Schreibapparate, welche mittelft zweier Achfen G G' und E E' mit dem Uhrwerke in Verbindung ftehen. Die eine diefer Achfen fetzt die Druckwalzen( das heifst die Cylinder mit den Schraubenfchneiden) in Bewegung, während die andere die Bewegung des Papierftreifens verfieht. Diefe Papierftreifen felbft haben eine Breite, welche fo grofs ift, als die Länge der über ihnen befindlichen Schraubenfchneide und Druckwalze. Die Tafter find claviaturförmig und ftehen einerfeits mit der Batterie, andererfeits mit dem Stromvertheiler Kin Verbindung. Zum Betriebe der vier Apparate ift nur eine Batterie nöthig. Der Stromvertheiler K Fig. 21, Taf. V, bildet einen befonderen und ganz eigenthümlichen Hauptbeftandtheil des Apparates. Derfelbe vertheilt zwifchen den vier Schreibapparaten die nach und nach auf einander folgenden Stromemiffionen, welche in die Leitung gelangen. Er beſteht aus einer fixen und ifolirten Scheibe, auf deren Umkreife fenkrecht auf die Scheibenfläche 48 getrennte Metallftäbe angebracht find. Es kommen daher auf einen Quadranten 12 diefer Stäbe, welche mit je einem Tafter, wie folgt, in Verbindung ftehen. Von diefen Stäben find nämlich 8 Stück zu zweien gruppirt, folglich vier Gruppen zu zwei in jedem Quadranten. Von den übrig bleibenden vier befindet fich je einer zwifchen je zweien diefer Gruppen. Fig. 22, Taf. V. Es wechfeln alfo einzelne mit Gruppen von je zwei Stäben regelmäfsig in einem Quadranten des Stromvertheilers ab. Die acht je zwei und zwei gruppirten Stäbe find ein jeder mittelft eines ifolirten Drahtes, welche in ein Bündel geformt find, mit den acht claviaturförmigen Taften des entfprechenden Tafters verbunden. Die vorerwähnten vier dazwifchen liegenden einzelnen Stäbe v, v', v","" find mit der Erdleitung in permanenter Verbindung. Da die acht Taften der Claviatur je eines Tafters mit den acht Stäben je eines relativen Quadranten des Stromvertheilers in Verbindung ftehen, fo wird die Leitung von je einem Tafter nur für die Dauer einer Viertelumdrehung in Anspruch genom men. Diefes Syftem hat fomit nichts gemein mit dem fogenannten fimultanen Gegenfprechen. Der Tafter ift ähnlich wie die Claviatur eines Fortepianos conftruirt und befteht aus vier unteren weifsen und aus vier oberen fchwarzen Taften, -- Telegraphen- Apparate. 39 Die unter fich combinirten welche die Verbindung der Batterie mit dem Stromvertheiler vermitteln. Auf dem ganzen Umkreife des Stromvertheilers befinden fich 16 Doppelftäbe angebracht. Ein Stab von diefen Doppelftäben gibt daher nur einen halb fo langen Contact. als beide Stäbe zufammen. Nun ift der erfte Stab eines Doppelftabes mit je einer oberen fchwarzen Tafte, beide Stäbe aber zufammen mit einer unteren weifsen Tafte in Verbindung. Fig. 22, Taf. V. Durch das Niederdrücken einer unteren weifsen Tafte wird daher ein längerer Contact zwifchen der Batterie und der Linie hervorgebracht und folgerichtig auf den Papierftreifen des correfpondirenden Apparates ein längeres Zeichen, nämlich ein Strich erzeugt. Durch das Niederdrücken einer oberen fchwarzen Tafte wird nur ein kurzer Contact hergeftellt, der fich am Papierftreifen als ein Punkt darftellt. Punkte und Striche bilden das Alphabet ähnlich jenem, wie folches für die Um daher einen Buchstaben zu gewöhnlichen Morfe- Telegraphen üblich ift. bilden, wird gleichzeitig auf ebenfoviele Taften der Claviatur gedrückt, als der Buchftabe Zeichen enthält. Selbſtverſtändlich mufs bei der Wahl der Taften, auf welche gleichzeitig gedrückt wird, auf die Gruppirung der Zeichen, nämlich auf die Erzeugung von Punkten und Strichen in ihrer Reihenfolge Rückficht genommen werden. So zum Beiſpiel wird ein S durch das gleichzeitige Niederdrücken von drei nebeneinanderftehenden oberen( fchwarzen) Taften(...), ein ch durch das gleichzeitige Niederdrücken von vier unteren( weiſsen) Taften (--), ein b durch das gleichzeitige Niederdrücken der erften unteren ( weifsen) und der darauffolgenden oberen( fchwarzen) drei Taften(...) gebildet. Der betreffende Buchftabe wird, wie hieraus hervorgeht, mittelft eines einmaligen Niederdrückens mehrerer entsprechender Taften auch gleichzeitig und vollſtändig auf dem Papierftreifen erzeugt. Da die Buchftaben auf dem entſprechenden Papierftreifen beider in Correfpondenz ftehenden Stationen erfcheinen, fo kann der abtelegraphirende Beamte fofort beobachten, ob der Buchftabe auch richtig erzeugt wird. An der Achfe GG1, welche die Druckwalzen der Schrifterzeuger in Bewegung fetzen, ift eine Vorrichtung angebracht, beftehend aus einem dünnen Metallftabe, welcher auf ein neben den Taften befindliches Holzftückchen nach Mafsgabe der Bewegung des Stromvertheilers anfchlägt und dadurch anzeigt, dafs der Contactftift am Stromvertheiler den zu dem betreffenden Apparate gehörigen Quadranten paffirt hat, daher ein neuer Buchftabe von dem Telegraphiften auf dem Tafter zu greifen ift. Diefe Vorrichtung kann auch als ein Tactirftab für das Niederdrücken der Taften der Claviatur behufs der Buchftabenerzeugung betrachtet werden und hat den fehr wefentlichen Nutzen, dafs jeder der an diefen Apparaten Manipulirende mit einer durch den Tactirftab vorgefchriebenen Gefchwindigkeit die einzelnen Buchftaben erzeugen, daher mit einer gegebenen Schnelligkeit in der Abgabe der Depefchen verfahren mufs. Wie fchon erwähnt, befindet fich auf jeder Meffingwalze der vier Schreibapparate je eine erhabene Klinge( Kante) in Form einer langgedehnten Spiral- oder Schraubenlinie, welche in diefer Form einen Viertelkreis des Durchfchnittes je einer Walzenoberfläche einnimmt. Diefe Walzen bewegen fich mit dem Contactftifte des Stromvertheilers in gleichem Sinne und mit gleicher Gefchwindigkeit, fo zwar, dafs, während der Contactftift den betreffenden Quadranten des Stromvertheilers paffirt, die fchraubenförmige Klinge, auch Drucklinie genannt, fich gegenüber dem Papierftreifen gleichmäfsig bewegt. Unterhalb diefer Walze mit der Drucklinie wird der Papierftreifen ftetig über einen Rahmen fortgefchoben, welcher Rahmen in Folge der Anziehung oder Abftofsung eines Elektromagnetes durch einen Stahlmagnet auf die Schneide des erhabenen fchraubenartigen Anfatzes( Klinge) angedrückt und wieder entfernt Bleibt diefer Rahmen während wird, wodurch die Buchftaben gebildet werden. einer Viertelumdrehung der Walze gegen die Schneide( Klinge) gedrückt, fo macht diefe offenbar eine volle, die ganze Breite des Papiers einnehmende, zur Walzenachfe parallele blaue Linie. 40 Dr. Leander Ditfcheiner. Wird aber diefer Rahmen während einer Viertelumdrehung mehrmals durch die Wirkung des Stromes an die Drucklinie gelegt, fo werden mehrere der Länge diefer Anlegung entfprechende von einander getrennte Punkte oder Linien, in einer zur Längenrichtung des Streifens fenkrechten Linie gebildet. Alle Zeichen, welche einem einzigen Buchftaben angehören, liegen alfo in einer Linie, fenkrecht zur Längenrichtung des Papierftreifens; die den verfchiedenen Buchftaben entſprechenden Zeichen find in parallelen folchen Linien am Papierftreifen. Während des Functionirens diefes Apparates geht der von dem Vertheiler ausgehende Strom auf jeder Station durch ein Relais, in welchem eine Localbatterie derart eingefchaltet ift, dafs der elektrifche Strom fortwährend durch die Drahtwindungen der Elektromagnete, welche fich an den Schreibapparaten befinden, fliefst und in ihnen den Magnetismus fo hervorruft, dafs fie von den Polen vorhandener permanenter Magnete abgeftofsen werden. Geht nun durch das Relais ein Strom und unterbricht, indem fich dasfelbe unter feiner Einwirkung bewegt, den Local- Batterieftrom, fo verfchwindet der Magnetismus in den weichen Eifenkernen der Elektromagnete und diefe werden von den Stahlmagneten angezogen, durch welche Bewegung der Rahmen fammt dem Papierftreifen gehoben und gegen die Drucklinie gedrückt wird. In diefer Weife werden die Papierftreifen bei fämmtlichen Apparaten gleichzeitig gehoben und gefenkt; weil aber nur dann ein Zeichen auf dem Papierftreifen erzeugt werden kann, wenn die Drucklinie dem Papierftreifen gegenüber fich befindet, fo kann ein Buchftabe auf dem Papierftreifen nur dann erfcheinen, wenn der Stromvertheiler und die Drucklinie an den correfpondirenden Apparaten die richtige gegenfeitige Lage haben. Die gleichzeitige mehrfache Correfpondenz erfordert in beiden zur Vermittlung derfelben in einer und derfelben Linie eingefchalteten Apparaten eine gleich fchnelle Bewegung. Zu diefem Zwecke ift an den die Apparate bewegenden Uhrwerken ein Pendel R angebracht, welches die Regulirung des Ganges derfelben beforgt. Diefe Regulirung wäre ungenügend, obwohl die Abweichung von einer Umdrehung des Pendels kaum 0.001 Secunde beträgt. Es wird daher ein Correctionsfyftem in Anwendung gebracht, welches die kleinen Abweichungen der Pendel unter fich ausgleicht, und welches darin befteht, dafs durch die Einwirkung eines elektriſchen Stromes, welcher von dem Stromvertheiler des einen Stationsapparates ausgeht, die Kugel des Pendels an dem anderen Stationsapparate entweder gehoben oder gefenkt wird, wodurch das Pendel felbft in feiner Bewegung befchleunigt oder verzögert wird. Das Centrifugalpendel der einen Station bewegt fich ohne eine befondere Vorrichtung frei; mit jeder Umdrehung des Stromvertheilers wird ein elektriſcher Strom in die Linie abgefendet, welcher beftimmt ift, die Bewegung des Pendels am anderen Apparate immer fynchroniſch mit dem Pendel der den Correctionsftrom abfendenden Station zu erhalten. An dem mittelft des Correctionsftromes zu regulirenden Pendel ift das Gewicht ( Kugel) in einer befonderen Weife angebracht, und zwar fo, dafs fich diefe Kugel an dem Stabe des Pendels leicht hinauf und herab bewegen läfst. Zu diefem Zwecke hängt die Kugel an zwei Spiralfedern, welchen eine beftimmte Elafticität eigen ift. Hierdurch wird die verticale Bewegung der Kugel leicht möglich gemacht. Ober der Kugel diefes Pendels befindet fich in horizontaler Lage ein Arm in Form eines Wagehebels, an deffen einem Arme die erwähnten zwei Spiralfedern, welche auch mit der Kugel in Verbindung ftehen, angebracht find. An dem andern Theile des Hebelarmes ift ein Faden befeftigt, deffen anderes Ende um einen unter dem Hebel horizontal angebrachten runden Metallftab gewickelt ift; diefer Stab wird durch die Einwirkung einer elektrifchen Kraft an dem einen Ende horizontal nach rechts und links und durch Ausübung einer mechanifchen Kraft um eine Längenachfe gedreht. Es ift nun einzufehen, dafs, wenn diefer runde Stab fich um feine Längenachfe dreht, der darauf gewickelte und mit feinem anderen Ende an den horizontal liegenden wagförmigen Hebelarm befeftigte Faden länger oder kürzer wird, und dafs dadurch auch der andere Hebelarm und mit diefem die Telegraphen- Apparate. 41 Durch daran an den Spiralfedern hängende Kugel gehoben oder gefenkt wird. diefe Hebungen oder Senkungen wird die Gefchwindigkeit der Pendelbewegung und durch diefe wieder die Bewegung in den Laufwerken des betreffenden Apparates modificirt. Wie fchon bemerkt, geht der Correctionsftrom von jener Station aus, in welcher das Centrifugalpendel fich frei und ohne befondere Vorrichtung bewegt; diefer Strom hat ausfchliefslich den Zweck, den befchriebenen horizontalen Metallftab des Regulators der Gegenftation, welcher an einem Ende mit einem Anker verfehen ift, durch Anziehen mittelft eines Elektromagnetes in der horizontalen Ebene zu bewegen. In einiger Entfernung von dem Anker ift auf den Metallftab eine kreisförmige Scheibe aus Kupfer feft aufgefetzt, welche dazu dient, durch Impulfe von zwei Correctionsflügeln, die fich auf gegeneinander bewegenden zwei Rädern aufgefetzt befinden, den Metallftab um feine Achfe zu drehen, beziehungsweife den auf diefen Stab gewickelten Faden, welcher mit dem Wagehebel in Verbindung fteht, nach Mafsgabe der Drehung nach links oder rechts zu verlängern oder zu verkürzen. Durch diefe Verlängerung oder Ver kürzung des Fadens entſteht, wie vorerwähnt, die Hebung und Senkung des Pendels an dem zu corrigirenden Apparate. Wenn die Apparate einen fynchronen Gang haben, fo wird die kupferne Scheibe von den Correctionsflügeln fowohl oben als unten gleichmässig erfafst und daher der Metallftab nicht gedreht. Wenn aber der zu corrigirende Apparat fich langfamer oder gefchwinder bewegt, als jener in der Gegenftation, fo wird der eine oder der andere der Correctionsflügel die kupferne Scheibe ein wenig mehr oder weniger erfaffen, und durch den dadurch entſtehenden ungleichförmigen Druck der Correctionsflügel die Scheibe und mit diefer den Stab nach rechts oder links drehen, die Pendelkugel heben oder fenken und dadurch den Gang der Apparate fynchron erhalten. Nach dem eben Bemerkten ift es klar, dafs mit diefem Apparate eine weit gröfsere Ausnützung der Linien möglich ift. Eine und diefelbe Linie, welche mit der bisherigen Morfe- Einrichtung von einem Manipulanten benützt werden kann, ift nun in derfelben Zeit zum mindeften von deren vier zu benützen. Die lange Paufe, welche dem Greifen und vollständigen Niederdrücken der Taften gewidmet ift und welche jedem Telegraphiften gegönnt fein mufs, da er in diefer Paufe feine Depefche lefen und fich, wenn auch rafch, überlegen mufs, wie er die Taften zur Abgabe des betreffenden Buchftaben ergreifen muſs, wird von dreien feiner Collegen benützt, von denen jedem felbft wieder eine genügende Zeit zu ähnlichen Vorbereitungen gegeben ift. Drei Viertheile der Umdrehung find diefen Vorbereitungen gewidmet, das vierte Viertel aber erft wird zur Abgabe, und zwar eines ganzen Buchstaben benützt. Bemerkt mufs hier nur werden, dafs für jeden Buchftaben die Zeit einer ganzen Umdrehung verwendet werden mufs, alfo Buchftaben mit einfachen MorfeZeichen, wie c(.), i(..), a(—),(—) u. f. w. zum Abtelegraphiren ebenfo lange Zeit in Anspruch nehmen, wie folche mit complicirteren Zeichen, -), 9(---) u. f. w. Auch erfcheinen die einzelnen Buchftaben, da fie ihre Zeichen in neben einander gelagerten parallelen Linien haben, räumlich auf leicht erkennbare Weife getrennt. Durch die vier in den einzelnen Quadraten des Stromvertheilers einzeln vorkommenden, mit der Erde in leitender Verbindung ftehenden Metallftäbe wird erfichtlich nach jedem Zeichen eine Entladung der Linie eingeleitet.( Siehe Journal télégraphique publié par le bureau international à Berne, tome II, pag. 225[ Nr. 15].) z. B. y(- alfo Der zweite hieher gehörige, von Alois Bauer conftruirte Illimit- Telegraph hat ebenfalls zum Zwecke, die gegenwärtige Leiftungsfähigkeit einer Linie um das Vier- bis Achtfache zu erhöhen, ohne die bisherige Manipulation des Morfeund Hughes- Syftemes durchgreifend zu verändern, und wird diefer Zweck ebenfalls durch das gleichzeitige Arbeiten auf mehreren Aufgabe- und Empfangsftationen erreicht. Der Apparat felbft befteht aus einem Hauptapparate und aus dazu gehörigen Nebenapparaten. Der Hauptapparat, Manipulateur, genannt, führt alle jene Bedingungen herbei, welche eine höhere Ausnützung der Leitung möglich 42 Dr. Leander Ditfcheiner. machen, ohne Unterfchied der angewendeten Nebenapparate. Diefe können entweder gewöhnliche Morfe- oder Morfe- Druckapparate nach dem Syfteme Bauer, ferner gewöhnliche Hughes Apparate oder Typen- Druckapparate nach dem Syſteme Bauer fein. Die Morfe- Druckapparate und die Typen- Druckapparate, beide nach dem Syfteme Bauer, haben eine dem Manipulateur angepafstere Einrichtung als die gewöhnlichen Morfe- und Hughes Apparate. Bei dem Manipulateur wird durch ein Uhrwerk ein Arm( a Fig. 23), Tafel V, in rotirende Bewegung verfetzt, der in einer beftimmten Zeit eine gewiffe Anzahl Contacte berührt, die in einem Kreife aufgeftellt find. Oder es werden durch dasfelbe Uhrwerk fünf Arme a₁, aq, az, aч, as, die feft mit einander verbunden find, bewegt, Fig. 24, Tafel V, welche in derfelben Zeit nur Contacte, dafür aber jeden fünfmal berühren. Denkt man fich die im Kreife aufgeftellten Contacte der Reihe nach mit den verfchiedenen Theilftationen, beftehend aus den einzelnen Aufgabeftationen und dazu gehörigen Aufnahmeftationen, verbunden und die rotirende Achfe in leitender Verbindung mit der gemeinfchaftlichen Leitung, fo wird bei der Rotation der Achfe durch die Berührung eines Armes mit einem Contacte jedesmal ein Linienftrom aus der Contactftelle in die Leitung gefchickt werden können, wenn auf der der Contactftelle entfprechenden Theilftation die leitende Verbindung zwifchen Batterie und Contactftelle hergeftellt wurde. X 5 Die Zeit der Berührung der vier bis acht Contactftücke der vier bis acht Theilftationen mit einem rotirenden Arme bildet die Zeiteinheit, welche abhängig ift von der Rotationsgefchwindigkeit der Arme und von der Länge der Contactftücke. Die auf der zweiten Station B von der Abgabeftation in A anlangenden momentanen Ströme müffen über die dort rotirenden Arme die Contactftücke des zur felben Theilftation gehörigen Abgabe- Apparates treffen, fo dafs die beiden Manipulateurs in A und B fynchrone Bewegungen machen müffen. Die in den Contactftücken von Baufgenommenen und von A kommenden Ströme werden von diefen Contactftücken zu dem Zeichengeber von B geführt und vollführen dort den Druck eines entſprechenden Zeichens. Um den fynchronen Gang möglich zu machen, find auch hier durch Pendel zu regulirende Uhrwerke vorhanden, und um einen möglichft vollſtändigen Synchronismus herzuftellen, haben die Manipulateure einen„, Selbftregulator", welcher die geringften Differenzen in der Bewegung ausgleicht und fo die Apparate der Hand des Manipulirenden ganz entzieht. Zum Selbftregulator gehört ein Zahnrad, welches fich an der rotirenden Achfe befindet und das nach jeder Fünftel- oder Zehntelumdrehung der Achfe durch einen eingreifenden Daumen richtig geftellt wird, ferner ein eigener Motor, der bei feiner Bewegung durch Verfchieben einer Pendelkugel das Pendel verkürzt oder verlängert, je nachdem der Apparat zurückbleibt oder vorgeht. Der Strom zu diefem Motor wird durch die Verfchiebung des Zahnrades geliefert, wenn felbes beim ungleichen Gange der Apparate durch den eingreifenden Daumen vor- oder zurückgefchoben wird. Nach jedem Linienftrome wird die Leitung durch den Manipulateur wieder entladen. Beim fogenannten independenten Morfe- Syfteme fungiren als Nebenapparate ein Arbeitstafter, ein Tafterrelais, ein polar firtes Relais und ein Schreibapparat für je eine Theilftation. Bei diefem Syfteme, wo kürzere oder längere Zeichen ( Punkte und Striche) durch das Relais erzeugt werden follen, werden für jedes telegraphifche Zeichen zwei Linienftröme gegeben. Die Zeichen werden in erfter Linie vom Telegraphenbeamten mit dem Arbeitstafter gegeben( gruppirt), für jedes Tafterrelais zweimal, zu Anfang und zu Ende, im Locale kurz gefchloffen und auf diefe Weife jene Bedingungen herbeigeführt, bei welchen der Manipulateur einen Linienftrom für diefe Theilftation erzeugen kann. Der erfte Linienftrom beginnt das Zeichen auf der nächften Station, der zweite beendet dasfelbe. Nach erzeugtem Linienftrome wird das Tafterrelais durch den Manipulateur wieder in feine Ruhelage gebracht, fomit die Bedingung zur Erzeugung eines Linienftromes aufgehoben und die Leitung entladen. Die Linienftröme können entweder auf der Telegraphen- Apparate. 43 gebenden oder empfangenden Station gewechfelt werden, alfo mit wechfelnden oder gleichgerichteten Strömen gearbeitet werden. Bei Anwendung diefes Syftemes ift die Translation fehr leicht auszuführen, da die Manipulateure der Translationsftation nicht fynchron zu fein brauchen und nur die Schreibapparate die Einrichtung der Arbeitstafter zu bekommen haben. Ferner kann die Translationsftation mit beiden Endftationen der Partialkette in Correfpondenz treten, trotzdem gleichzeitig die beiden Endftationen im directen Verkehre ftehen. Die Schreibapparate find Morfe- Relief- oder Farbfchreiber. Die Leiftungsfähigkeit diefes Syftemes hängt von der Fertigkeit des Manipulirenden ab und können bei vierbis achtfacher Ausnutzung 80 bis 160 Depefchen per Stunde angenommen werden. Beim dependenten Morfe- Syfteme( Morfe- Druckapparat Bauer) können ebenfalls vier bis acht Manipulanten gleichzeitig arbeiten. Als Nebenapparate fungiren als Zeichengeber eine Claviatur von 7 Taften mit dem Grundzeichen'—'—' 0 ( o entspricht der Blanc- Tafte), und als Zeichen empfänger ein polarifirtes Relais und ein Typenrad mit obigen Grundzeichen. Diefe Morfe- Zeichen werden mittelft des Typenrades, das durch den Manipulateur fynchron bewegt wird, auf den Papierftreifen abgedruckt und können fodann abgelefen werden. Bei diefem Syſteme ift für jedes Zeichen nur ein Strom nothwendig, da die Länge und Kürze durch die Grundzeichen des Typenrades felbft gegeben werden. Ein eigenes Lernen des Spieles ift nicht nothwendig, da jede Tafte einzeln oder alle einen Buchstaben bildenden zufammen niedergedrückt werden können; ebenfowenig braucht ein gewiffer Tact eingehalten zu werden. Sämmtliche Buchftaben, mit Ausnahme von h, v und j, fowie der Zahlen o bis 9 können mit einer Umdrehung des Typenrades gegeben werden, fo dafs das Telegraphiren äufserft rafch vor fich geht. Da das Typenrad bei einer vierfachen Ausnützung zwei Umdrehungen in der Secunde macht, fo können auf jedem Apparate zwei Buchstaben per Secunde gedruckt werden. Nimmt man eine Depefche mit 20 Worten, das Wort im Durchschnitte zu fieben Buchftaben an, fo ergibt diefs 140 Buchftaben, alfo 57 Secunden. Im Mittel kann man alfo eine Depefche per Minute geben, was für einen Apparat 60, für vier Apparate 240 Depefchen per Stunde gibt. Beim independenten Druckfyfteme ( freies Hughes- Spiel) können zwei Manipulanten mittelft des Hughes Apparates unabhängig auf einer Linie arbeiten. Die Leiftungsfähigkeit ift durch die HughesApparate beftimmt. Beim dependenten Druckfyfteme( Typen- Druckapparat Bauer) können vier Manipulanten gleichzeitig auf einer Linie arbeiten und mittelft einer Claviatur für jeden Buchftaben einen Strom geben, wobei fie beliebig viele Buchftaben, wie fie in unmittelbarer Reihe aufeinanderfolgen, auf einmal greifen und geben können. Die mittelft der Claviatur gegebenen Buchftaben werden durch Typenräder auf den Papierftreifen abgedruckt. Die Empfangsapparate mit den Typenrädern haben kein fynchrones Uhrwerk, fondern werden durch den Manipulateur fynchron bewegt. Die Leiftungsfähigkeit beträgt bei diefem Syfteme bei vierfacher Ausnützung der Leitung ebenfalls 240 Stück Depefchen per Stunde, wobei jedoch die Depefchen fchon vollſtändig in Lettern gedruckt werden und nicht erft niedergefchrieben werden müffen.* Die grofse Verbreitung, welche die elektriſchen Einrichtungen für die Herftellung einer Verftändigung von verfchiedenen Räumlichkeiten aus gefunden haben, in Hotels, Fabriken u. f. w. fowohl wie in den einfachften Wohnungen, * Die angeführten Notizen über den Bauer'fchen Illimit- Telegraphen verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Bauer felbft. Sie find fo niedergefchrieben worden, wie fie mir gegeben wurden, da der auf der Ausftellung felbft befindliche Apparat noch nicht vollständig fertig war, alfo auch nicht in Thätigkeit gefetzt werden konnte, wodurch felbftverſtändlich ein Studium feiner Theile und ihres Zufammenwirkens nicht möglich war. Ausserdem ift es begreiflich, dafs Herr A. Bauer vor der gänzlichen Vollendung feines Apparates eine detaillirte Befchreibung nicht wünſcht, da fonft vielleicht die Patentirung in einigen Ländern erfchwert würde. Wenn auch der Apparat dem Anfehen nach complicirter erfcheint als der Meyer'fche, fo wäre es doch möglich, dafs er diefem Apparate in der Wirkung gleichgeftellt werden könnte. Die Jury ertheilte Herrn Bauer die Fortfchrittsmedaillc, Herrn Meyer aber das Ehrendiplom. 44 Dr. Leander Ditfcheiner. laffen es begreiflich erfcheinen, dafs die fogenannten Signalwerke für den häuslichen Gebrauch in ziemlich bedeutender Zahl vertreten waren. Von Oefterreichern nennen wir Sigfried Markus, C. A. Mayrhofer und F. Charterouffe in Wien, ferner von Ausländern Boulay& Comp. und E. Prudhomme& Vignier in Paris, Charles Devos in Saint- Joffe- ten- Noode bei Brüffel, Alexis Wery in Lüttich, Eduard Oliva in Udine, J. St. Batocchi in Verona, das Gewerbe Inftitut zu Liffabon u. m. A. Von akuftifchen Telegraphen für ähnliche Zwecke wären zu nennen: A. J. Gerard in Lüttich und Kuntze in der norwegifchen Ausstellung. Ein grofse Reihe von Eifenbahn- Telegraphenapparaten, wie Zug- Signal- und Zug- Controlapparate, Eifenbahn- Signalapparate und ihr EifenbahnBlockfignal- Syftem haben Siemens& Halske in Berlin und Siemens Brothers in London ausgeftellt. Der Zug Signal apparat wird zur Benützung durch die Fahrenden im Innern der Eifenbahn- Waggons angebracht. Eine ftraffe Leine läuft an der Innenfeite der Decke jedes Waggons zwifchen zwei Leiften hin, welche jedoch mit Papier überklebt find. An einer Stelle in der Mitte jedes Coupés fehlen die Leiften, fo dafs man die Leine von der Seite her erfaffen kann. Gefchieht diefs und erfolgt dann ein kräftiger Ruck an der Leine, fo wird an beiden Enden des Waggons zugleich nicht nur je ein in horizontaler Lage arretirter Flügel mechanifch ausgelöft und in aufrechte Stellung gebracht, fondern auch ein Ruheftrom unterbrochen und dadurch ein elektriſcher Wecker, mit Selbftunterbrechung eingefchaltet; der Ruheftrom geht durch die Windungen des Wecker- Elektromagnetes und dann nach einer Stellfchraube, an welche fich der Anker in feiner Ruhelage anlegt, fo dafs bei der Unterbrechung diefes Stromes der abfallende Anker einen anderen Schlufs der Batterie herftellt, in welchen der Anker felbft mit eingefchaltet ift.( Zetzfche a. a. O.) Der Zug Controlapparat foll die Fahr- und Aufenthaltszeit der Eifenbahnzüge regiftriren. Zu diefem Zwecke ift ein fchwerer Körper beweglich aufgehängt, fo dafs er durch die Erfchütterungen während des Fahrens in Erzitterung verfetzt wird. Diefe theilt fich mechaniſch einem Stift- Schreibhebel mit, welcher durch diefelbe Zeichen in einen Papierftreifen eindrückt. Diefer Papierftreifen wird aber, bevor er durch eine richtiggehende Uhr an der Schreibfpitze vorübergeführt wird, erft mit einer Reihe von Führungslöchern verfehen und dann auf dem zugehörigen Papierftreifen- Numerirungsapparate mit den Stunden- und Minutenzahlen bedruckt. Die gröfsere Druckfcheibe diefes Apparates ift am Umfange, aufser mit den Stiften, welche in die Führungslöcher eingreifen, noch mit den Minutentypen 10, 20,.. 50 befetzt. An der Stelle, wo 60 ftehen würde, befindet fich ein Ausfchnitt für eine kleine Scheibe, welche auf ihrem Umfange die Stundentypen I, II, III... XII zeigt. Die kleinere Scheibe dreht fich bei jeder Umdrehung der gröfseren genau um ein Zwölftel und bietet dann der Streifen ftets die betreffenden Stundenziffern an der Stelle dar, wo an der gröfseren Scheibe 60 ftehen würde.( Zetzſche a. a. O.). Die Wecker mit Selbftunterbrechung für Batterieftrom, mit oder ohne Selbftausfchaltung, werden entweder auf einer Stütze befeftigt oder auf den Tifch geftellt; zum Theil find fie in einem Mahagoni- Theilkaften eingefchloffen, welcher fich ganz auseinander nehmen läfst. Die Holzfockel der Kaften diefer Wecker find fo gearbeitet und die Apparattheile darauf fo angeordnet, dafs ein Trocknen und Schwinden des Holzes auf die Stellung des Ankers und deffen Spiel keinen Einflufs nimmt. Es find nämlich die Schenkel des Elektromagnetes an dem oberen Querftücke eines auf dem Sockel feftgefchraubten gufseifernen Rahmens mittelft zweier Schrauben befeftigt. Der vor den Polen des Elektromagnetes hängende plattenförmige Anker fchwingt um zwei im oberen Ende der feitlichen Ständer des Rahmens liegende Schraubenfpitzen. Die Abreifs Telegraphen- Apparate. 45 feder des Ankers aber ift an einem Meffingbügel angeheftet, welcher durch ein Loch in der Ankerplatte felbft und in dem Querftücke des gufseifernen Rahmens hindurchreicht und mittelft einer Schraube in dem letzteren verftellt und befeftigt werden kann. Zum Zwecke der Selbftausfchaltung ift an der Ankerplatte eine Feder angebracht, welche bei ruhendem Anker an einer Stellfchraube S₁ anliegt und durch diefe durchgebogen wird; wird dagegen der Anker angezogen, fo verlässt die Feder die Schraube S₁, richtet fich dabei gerade und legt fich fchliefslich an eine zweite Stellfchraube S, an; im erfteren Falle geht der Strom vom Anker nach S, und durch die Elektromagnetwindungen nach S, im zweiten vom Anker gleich nach S.( Zetzfche a. a. O.) Die Wecker für Inductionsftröme werden mittelft Magnetinductoren betrieben. Bei ihnen ift der eine Pol des Elektromagnetes fchuhartig verlängert und inducirt den( polarifirten) Anker, deffen um zwei Schraubenfpitzen fich drehender Hauptkörper den Elektromagnetkernen parallel liegt, während von ihm ein Fortfatz zwifchen die freien Enden der Kerne hineinragt und von ihnen hin- und hergeworfen wird, wobei der mit feinem Stiele ebenfalls am Hauptkörper fitzende Hammer abwechſelnd an zwei Glocken fchlägt. Diefe Wecker laffen fich hängend, ftehend oder feitlich an einer Wand befeftigen. ( Zetzfche a. a. O.) Die Neben einer eifernen Läutebude mit einer Glocke und Signalfcheibe und einer anderen mit zwei Glocken, mit Wechſelftrom. Auslöfung und mit der älteren von Frifchen vorgefchlagenen Hilfsfignal- Einrichtung ftanden zwei neuere Läutefäulen, deren Anordnung von v. Hefner- Alteneck angegeben wurde. Bei den einfacheren Läutewerken ift dem Anker des Elektromagnetes, an deffen Verlängerung die Nafe fitzt, woran der Auslöfehebel des Läutewerkes hängt, noch eine Remanenzfeder beigegeben, auf welcher der das Werk wieder einrückende Hebel aufliegt, um den Anker, falls derfelbe durch den remanenten Magnetismus der Elektromagnetkerne zurückgehalten würde, von den Kernen loszureifsen, damit er den Auslöfehebel ficher fängt. Die neueren Läutefäulen find mit dem Einrad- Läutewerke ausgerüftet, welches blos ein Rad und das treibende Gewicht, fonft aber kein Räderwerk enthält. Das ganze Werk ift von einem cylindrifchen Blechmantel eingefchloffen, welcher fich behufs einer Revifion des Werkes an drei Führungsrippen bequem herabziehen läfst. Glocke hängt oberhalb eines an den cylinderifchen fich anfchliefsenden kegelförmigen Mantels, welcher mit zwei Erkern verfehen ift, aus deren einem der Hammer hervortritt, um die Glocke zu treffen. Auf diefe Weife ift der ganz unter Dach befindliche Hammer gegen das Einfrieren gefichert. Der Hammer wird von Vorfprüngen an dem Rade in ähnlicher Weife wie der Wecker an SchwarzwälderUhren hin und hergeworfen. Die Auslöfung des Werkes erfolgt erft durch eine gröfsere Reihe( 21) aufeinanderfolgender Ströme von wechfelnder Richtung, wodurch ein zufälliges Auslöfen des Werkes, z. B. durch Gewitter, nahezu unmöglich wird. Das treibende Gewicht finkt im Innern der Säule herab, die Säule felbft aber fetzt als ein Rohr von ungefähr derfelben Länge, wie die Säule, in die Erde fort; diefes Erdrohr vergröfsert die Fallhöhe des Gewichtes und bildet zugleich das Fundament. Die eine der ausgeftellten Säulen mit Wechfelftrom- Auslöfung enthält aufser einem Blitzableiter noch eine neue Hilfsfignal- Einrichtung. Auf die Achfe des Einrad- Läute werkes find nämlich acht Schliefsungsräder aufgefteckt, welche an ihrem Umfange mit verfchieden geftellten, dem zu gebenden Hilfsfignale entsprechenden Vorfprüngen und Einfchnitten verfehen find. Der in der Leitung vorhandene galvanifche Ruheftrom ift gefchloffen, fo lange der längere Arm eines Winkelhebels in einem der Einfchnitte liegt, weil dann der den Contact machende kürzere Arm auf feinem Ambofse aufliegt, von dem er aber abgehoben wird, fobald der längere Arm auf einen Vorfprung aufläuft. Für gewöhnlich ruht der längere Arm auf einer Stelle der Achfe neben den Schliefsungsrädern und hält dabei den Stromkreis gefchloffen. Mit den zu gebenden acht Hilfsfignalen 46 Dr. Leander Ditfcheiner. find acht Schlüffel bezeichnet, die fich nur dadurch von einander unterfcheiden, dafs ihre Bärte in verfchiedenen Abftänden vom Ende des Schaftes fitzen. Wird ein Schlüffel gerade fo weit in das Schlüffelloch gefteckt, dafs er in diefem herumgedreht werden kann, fo wirkt der Schaft auf einen Seitenarm des Winkelhebels und dreht diefen gerade fo weit um eine horizontale Achfe, dafs fein längerer Arm auf das zu diefem Schlüffel gehörige Schliefsungsrad zu liegen kommt, während beim Umdrehen des Schlüffels der Bart auf einen Riegel wirkt und durch diefen das Triebwerk ausrückt, fo dafs nun das Hilfsfignal von diefer Säule aus in die Leitung gegeben und von Morfe- Apparaten auf den Stationen niedergefchrieben werden kann und fo lange fortgegeben wird, bis der Schlüffel wieder umgedreht und herausgezogen wird. Die Hilfsfignale werden auf derfelben Leitung gegeben, welche auch zum Läuten benützt wird; damit diefes gefchehen kann, wird der Ruheftrom beim Umdrehen des Inductors durch diefen felbftthätig ausgefchaltet.( Zetzfche a. a. O.) Bei den Magnetinductoren für Läute werke liegt die Inductionsrolle( der bekannte Cylinderinductor) zwifchen den Schenkeln von vier, fechs, zwölf oder achtzehn Hufeifenmagneten und fendet bei ihrer Umdrehung entweder Wechſelftröme oder bei Unterdrückung der Ströme von einer Richtung gleichgerichtete Ströme in eine bis vier Leitungen, und zwar durch Vermittlung von einer bis vier Drucktaften, welche zur Sicherung einer guten Körperverbindung infofern eine neue Einrichtung zeigen, als die fehr mäfsigen, mit je einer Leitung verbundenen Taftenkörper fich an den Umfang eines ftärkeren ifolirten Cylinders anlegen und im Ruhezuftande zugleich durch Federwirkung an je einen, leitend mit je einem Apparate in Verbindung ftehenden, fchwächeren Metallcylinder oder eine Schiene herangezogen werden, wogegen fie beim Niederdrücken fich am Umfange des ifolirten Cylinders fortwälzen und endlich mit ihrem hinteren Theile an einen ihnen allen gemeinfchaftlichen fchwächeren Metall cylinder anlegen, welchem ein von dem Inductor kommender Draht beim Drehen des Inductors die Ströme zuführt und von welchem fie jetzt durch den Taftenkörper in die Leitung eintreten, während fie auf der anderen Seite des Inductors durch einen Draht in die Erde gelangen.( S. Zetzſche a. a. O.) Die zu Anfang December 1870 in Berlin behufs einer Berathung über die Einführung von Blockfignalen tagende Conferenz von Eifenbahntechnikern ftellte gewiffe Normen für die Einführung diefer Signale auf. Zugleich tauchten manche begründete Vorwürfe gegen die von Siemens& Halske in einem im October desfelben Jahres erlaffenen Circulare befchriebenen und im Verfammlungslocale der Conferenz aufgeftellten Blockapparate auf. In Folge deffen liefsen Siemens & Halske den vorgefchlagenen optifch elektrifchen felbftthätigen Blockapparat fallen und entwarfen auf Anregung des Oberinfpectors Pörfch in Dresden Einrichtungen, welche dem Blockwärter das Geben elektrifcher Signale erft ermöglichen, wenn derfelbe vorher das betreffende optifche Signal gegeben hat. Dabei wurde zugleich der elektrifche Block- Signalapparat in einer jenen Einwürfen und den aufgeftellten Normen Rechnung tragenden Weife umgeftaltet. Von diefen Umänderungen machten Siemens& Halske in einem Circulare vom 1. März 1871 Mittheilung. Seitdem vervollkommneten fie ihre Blockfignale noch nach zwei Richtungen; I. brachten fie die Semaphoren- Windungen anftatt in elektrifche( mit Contacten erzielte) in mechanifche Abhängigkeit von der Stellung des Tableau im Blockapparat, fo dafs der Blockwärter mit dem Deblockiren der hinter ihm gelegenen Strecke fich fein eben gegebenes optifches Haltfignal abfolut feftftellt; 2. ferner ermöglichen fie auf derfelben Leitung, welche fchon für die Blockfignale benützt wird, ein Vorwärtswecken, das heifst eine Anmeldung des kommenden Zuges, auf der in der Richtung des Zuges nächftfolgenden Station durch Klingelfignale, welche mit gleichgerichteten Inductionsftrömen gegeben werden und die Blockfignale ganz unverändert und unberührt laffen, da für diefe Wechfelftröme benützt werden. Von den in Wien ausgeftellten, eine zufammenhängende Telegraphen- Apparate. 47 Linie bildenden fünf Block- Signalapparaten für eine zweigeleifige Bahn find die beiden äufserften als Bahnhofs- Apparate anzufehen. Die übrigen find mit( imitirten) Semaphoren verfehen und mit Semaphoren- Arretirung ausgerüftet; der mittelfte gilt als Zwifchenftation, die beiden anderen als Bahnhofs- Deckungsapparate. In der inneren Einrichtung ftimmen die fünf Apparate, deren jeder in einen eifernen Schutzkaften eingefchloffen ift, überein, nur dafs bei den Bahnhofs Apparaten die durch die Semaphoren bedingten Einrichtungen fehlen. Jeder Kaften enthält zwei Apparatfätze, den einen für die nach der einen Richtung( auf dem einen Geleife), den andern für die nach der andern Richtung( auf dem zweiten Geleife) verkehrenden Züge. Die elektrifchen Ströme für die Blockfignale werden von jeder Blockftation nach der in Bezug auf die Zugrichtung vorhergehenden oder rückwärts gelegenen Nachbarftation gefendet. In Folge deffen wird das elektrifche Haltfignal, welches eine mit Halt" befchriebene rothe Scheibe vor einem Fenfter des Kaftens fichtbar werden läfst, auf jeder Blockftation durch die Wechfelftröme erzeugt, welche nach der vorhergehenden Station gefendet werden, um dafelbft das dort noch ftehende Haltfignal zu befeitigen, das heifst, anftatt der rothen Scheibe eine weifse, mit„ Frei" befchriebene erfcheinen zu laffen; defshalb müffen in jedem Elektromagnete zwei verfchiedene Wege für diefe beiden durch ihn gehenden Ströme vorhanden fein, was leicht dadurch zu erreichen ift, dafs entweder der eine Schenkel des Elektromagnetes in den einen, der andere in den anderen Stromweg eingefchaltet ift, oder dafs man jeden Schenkel mit einer doppelten Umwicklung verfieht, von denen die eine dem einen, die andere dem anderen Stromwege angehört. Die rothe und weifse Scheibe bilden das obere und untere Feld eines um eine horizontale Achfe drehbaren Sectors, welcher fich durch fein eigenes Gewicht von oben nach unten, durch ein unter gewiffen Umständen auf denfelben fich auffetzendes Uebergewicht( oder in den neueren Apparaten durch ein das Uebergewicht erfetzendes Käftchen mit einer Feder) von unten nach oben zu drehen ftrebt, diefs aber nur kann, wenn der als Echappement für den Sector dienende polarifirte Anker des Elektromagnetes durch eine längere Reihe von Wechfelftrömen hin- und herbewegt wird, wobei er zugleich einen Klöppel abwechfelnd an zwei Glocken anfchlagen läfst. Dadurch ift zugleich, ähnlich wie oben bei den Läutefäulen, das unbeabfichtigte Umftellen der Blockfignale, z. B. bei Gewittern, nahezu unmöglich gemacht. Die Kurbel des Inductors fteht etwa in der Mitte der einen Kaftenwand( fiehe Dub, Anwendungen des Elektromagnetismus. Die Kurbeln der beiden Semaphorenwinden, II. Auflage, pag. 681) heraus. mittelft deren die beiden Semaphoren- Flügel, deren jeder zu je einer Zugrichtung gehört, dem Haltfignale entſprechend in die horizontale Lage, oder dem Freifignale entſprechend, fchräg nach oben geneigt eingeftellt werden, ftehen zu beiden Seiten aus den unteren Theilen des Kaftens vor. Auf jede Windenachfe ift eine Scheibe aufgefteckt, welche an der, bei gegebenem Haltfignale, nach oben gekehrten Stelle mit einem Ausfchnitte verfehen ift. Soll ein elektrifcher Strom zum Deblockiren der vorhergehenden Station gegeben werden, fo mufs durch einen Knopf auf der Oberfeite des Kaftens eine Stange niedergedrückt werden, um im Innern des Kaftens einen Contacthebel umzulegen, welcher bisher die in der der Zugrichtung entgegengefetzten Richtung von der Blockftation auslaufende Leitung durch den nach derfelben Seite hin gelegenen Elektromagnet hindurch mit der Erde verband, jetzt aber diefelbe Leitung durch den nach der Zugrichtung hin gelegenen Elektromagnet und den Inductor hindurch mit der Erde verbinden foll, damit auf der eigenen Station das elektrifche Haltfignal, auf der vorhergehenden Station das Freifignal entſteht. Nun legt fich aber der Contacthebel auf eine zweite Stange, welche mit ihrem unteren Ende auf einen, durch eine kräftige Feder nach oben gedrückten Sperrkegel wirkt; diefer Sperrkegel aber ftemmt fich gegen die auf der Windenachfe fitzende Scheibe und kann nur dann dem durch den Knopf auf den Contacthebel ausgeübten Drucke nachgeben, wenn 4 48 Dr. Leander Ditfcheiner. der Ausfchnitt der Scheibe nach oben liegt, das heifst, wenn das optifch- mechanifche Haltfignal( der Semaphoren- Flügel) gezogen ift. Somit kann jede Blockftation, wenn fie einen Zug an fich vorüberfahren läfst, die vorhergehende nicht eher deblockiren, bis fie fich felbft blockirt hat. Wird aber der in der Zugrichtung gelegene Knopf niedergedrückt, fo legt fich ein, lofe an feiner Stange fitzendes und bisher auf einem Stifte der Stange ruhendes Uebergewicht auf einen Stift an einem Fortfatze des in feiner unteren Lage befindlichen Sectors, und letzterer geht beim Umdrehen des Inductors fchrittweife in die Höhe; es erfcheint alfo auch das optifch- elektriſche Haltfignal. Dabei fchnappt zugleich bei Beginn der Stromfendung durch Federwirkung ein Hebel fperrend über einen Schalter an der unteren Stange ein und hält durch diefe Stange auch den Sperrkegel in der Windenfcheibe feft, fo dafs der Blockwärter das Semaphoren- Haltfignal jetzt nicht wieder abftellen kann. Jener Sperrkegel ging ferner an der halbausgefchnittenen Achfe des Sectors vorüber und wird dann feinerfeits bei der weiteren Drehung deffelben von der Achfe hinter derfelben feftgehalten; der Contacthebel dagegen wird beim Loslaffen des Knopfes, nach Vollendung des elektrifchen Haltfignales, von einer kräftigen Feder an den erften Contact zurückgeführt, und nimmt dabei die obere Stange und durch diefe auch das Uebergewicht wieder mit in die Höhe. وو Ift endlich der Zug auf der nächften Station angelangt, fo gehen die von diefer Station gefendeten Deblockirungsftröme( wie fchon erwähnt, auf einem anderen Wege, als die Blockirungsftröme) durch den Elektromagnet des noch auf Halt" ftehenden Sectors, laffen das Echappement ſpielen, und der Sector geht, da das Uebergewicht nicht mehr auf ihm laftet, durch fein eigenes Gewicht hinunter. In Folge deffen zieht eine Feder den Sperrhebel, an der dazu jetzt wieder in die richtige Stellung gelangten halb ausgefchnittenen Achfe vorbei, in die Ruhelage zurück; die untere Stange kann daher in die Höhe gehen, die kräftige Feder am Sperrkegel hebt diefen aus der Scheibe aus und der Blockwärter kann jetzt auch feinen Semaphoren Flügel mittelft der Windung in die fchräge Freiftellung drehen. Aufser der auf der Inductor- Achfe auffchleifenden und die Wechfelftröme aufnehmenden Feder fchleift auf diefer Achfe, und zwar an einer Stelle, wo die halbe Achfe aus einem ifolirenden Materiale hergeftellt ift, noch eine zweite Feder auf, mittelft deren alfo nur gleichgerichtete Ströme, entweder pofitive oder negative, von dem Inductor entfendet werden können. Diefs gefchieht, fobald der eine oder der andere Leitungszweig an der Stelle, wo er in die Blockftation eintritt, durch Niederdrücken des einen( und zwar des nach ihm hin gelegenen) von zwei Knöpfen von dem nach dem Contacthebel führenden Drahte gelöft und dafür unmittelbar mit dem einen der nach jener zweiten Schleiffeder laufenden Drähte verbunden wird. Diefe gleichgerichteten Ströme laffen dann auf der vorwärts liegenden Station nur einen Wecker ertönen und melden fo in diefer Station im Voraus einen nach ihr von der telegraphirenden Station abgehenden Zug an, worin eben das Vorwärtswecken befteht. Selbſtverſtändlich dürfen auf einer und derfelben zwifchen zwei Blockftationen enthaltenen Leitungsftrecke nicht gleichzeitig in beiden Richtungen Ströme gefendet werden. Etwas anders geftaltet fich das Telegraphiren zwifchen dem Bahnhofsapparate und dem zugehörigen Bahnhof- Deckungs apparate. Zwifchen diefen beiden Apparaten iſt eine doppelte Leitung gefpannt. Die beiden Signale in der Ausfahrtsrichtung find für gewöhnlich weifs, die beiden in der Einfahrtsrichtung roth, der Bahnhof alfo für einfahrende Züge gefperrt, damit er zum Rangiren der Züge u. f. w. zur freien Verfügung fteht. Beim Ausfahren drückt der Bahnhof- Infpector nach dem Vorläuten auf der zweiten Leitung den in der Ausfahrtsrichtung gelegenen Knopf, und dreht den jetzt mit der erften Leitung verbundenen Inductor; dadurch wird fein Ausfahrtsfignal roth, der Zug fährt bis zum Deckungsapparate, hier zieht der Wärter das Semaphorenfignal, drückt den in der Fahrtrichtung gelegenen Knopf und dreht den auf die zweite Leitung eingefchalteten Inductor; dadurch wird Telegraphen- Apparate. 49 fein Signal roth, fein Flügel feftgeftellt und das Signal im Bahnhof- Apparate wieder weifs. Beim Einfahren findet der Zug im Bahnhof- Deckungs- und im BahnhofsApparate die Signale roth und bei erfterem den Flügel auf ,, Halt" eingeftellt; der Deckungs- Signalwächter mufs daher, bevor er dem Zuge das Einfahren in den Bahnhof geftatten kann, einen zur zweiten Leitung gehörigen Knopf drücken, den Inductor drehen und fo beim Bahnhof- Infpector läuten. Will der Infpector den Zug in den Bahnhof einfahren laffen, fo drückt er den in der Zugrichtung gelegenen Knopf und dreht den jetzt mit der zweiten Leitung verbundenen Inductor; dadurch werden die beiden rothen Signale in weifse umgewandelt und der Flügel der Deckungsftation wird beweglich, der Deckungsfignalwärter gibt das Flügelfignal ,, Frei", der Zug fährt ein. Darauf ftellt diefer Wärter den Flügel wieder auf ., Halt", drückt feinen in der Einfahrtsrichtung gelegenen Knopf und dreht den Inductor; dadurch wird durch die jetzt in die erfte Leitung gefendeten Ströme auf der vorhergehenden Blockftation das rothe Signal wieder weifs, und das Bahnhof- Signal dagegen wieder roth gemacht, woraus der Infpector zugleich erfieht, Um auch ein dafs der Flügel des Deckungsfignals wieder auf ,, Halt" feftfteht. Ueberholen des einen Zuges durch einen zweiten in einer Blockftation nicht auszufchliefsen, ift an dem Signalkaften für jede Richtung eine verfchloffene Klappe vorhanden, mittelft deren der Blockftation.( Bahnhof-) Vorftand die elektriſchen Signale mechanifch umwandeln kann. Ift z. B. der erfte Zug in der Station eingetroffen, fo blockirt fich diefelbe und deblockirt die vorhergehende; der erfte Zug bleibt in der Station liegen, der zweite fährt ein; der Vorftand verwandelt fein ,, Halt" in ,, Frei", läfst den zweiten Zug fahren, blockirt fich wieder und deblockirt die vorhergehende Station. Hat der zweite Zug die nächfte Station erreicht, fo deblockirt diefe diejenige, in welcher der erfte Zug noch hält, diefes„ Frei". Signal verwandelt der Vorftand wieder in ,, Halt" und läfst den erften Zug ábfahren.( Zetzſche a a. O.) Mittelft des vollſtändigen Weichen- Centralapparates mit WeichenBlockapparat, mit Block- Signalapparaten mit imitirten Semaphoren, endlich mit Weichenriegeln und mit Weichenhebeln ausgerüftet( Syftem Frifchen), werden in verwandter Weife wie bei den einfachen Block- Signalapparaten, durch einander ergänzende elektrifche und mechanifche Wirkungen und Sperrungen von einer Centralftelle aus, die verfchiedenen Semaphoren und elektrifchen Signale und die Weichen eines Bahnhofes eingeftellt und in ihrer Stellung feftgemacht; es ift zugleich aber auch dafür geforgt, dafs nach Einstellung eines Signales oder einer Weiche keine anderen Signale und Weichen geftellt werden können, welche den fchon geftellten widerfprechen und dadurch Anlafs zu einem Unfalle geben könnten. Mit der Verwicklung und Verallgemeinerung der Aufgabe wird natürlich auch der Apparat, durch welchen fie gelöft werden foll, umfänglicher und verwickelter, und obgleich der Grundgedanke und der zu feiner Durchführung benützte Mechanismus eine Anwendung für alle möglichen, irgendwo wirklich vorkommenden Fälle und Anforderungen des Betriebes geftattet, fo mufs doch jeder Apparat, dem befonderen Falle, für welchen er beſtimmt ift, angepasst werden und den vorhandenen Bedürfnissen entſprechend eingerichtet fein. Der ziemlich grofse ausgeftellte Apparat foll folgenden Bedingungen genügen: 1. Stehen die aufserhalb des Bahnhofes gelegenen( Einfahrts-) Signale auf ,, Halt", dann follen die im Innern des Bahnhofes liegenden Signale dem Bahnhofs- Vorftande zur freien Verfügung ftehen( z. B. zum Rangiren der Züge), jedoch foll dabei ebenfalls ein Zufammenftofs zweier Züge und dgl. unmöglich gemacht fein; 2. bevor ein äufseres Signal auf ,, Frei" geftellt werden kann, müffen vorher alle den einfahrenden Zug möglicherweife gefährdenden Signale und Weichen im Bahnhofe nicht nur richtig eingeftellt, fondern auch in ihrer richtigen Stellung feftgehalten werden, während alle anderen Weichen und Signale dem Vorftande zur freien Verfügung bleiben; 3. nach Einziehung des äufseren„ Frei"- Signales und der Feftftellung desfelben auf ,, Halt", kann die Löfung der innerhalb 50 Dr. Leander Ditfcheiner. des Bahnhofes gelegenen Signale und Weichen von der Centralftelle jederzeit erfolgen. Die äufseren Signale find dabei als gewöhnliche Block- Signalapparate mit Semaphoren- Arretirung vorausgefetzt; die inneren können vom Centralapparate aus unmittelbar gezogen werden. Die Weichen bedingen eine mechanifche Verbindung mit einem neben dem Weichenhebel aufgeftellten elektrifchen Signalkäftchen einerfeits für elektrifche Löfung des Haltfignals, andererfeits behufs der mechanifchen Löfung desfelben vom Centralapparate die Verbindung mit einer einfachen Kettentrommel.( Zetzfche a. a. O.) Der ausgeftellte elektrifche Weichenblock Apparat mit( in der Blockleitung zum Einfahrtsfignale liegenden) Unterbrechungscontacten findet bei mehreren hintereinander liegenden, aber zufammengehörigen Weichen ( einer Weichenftrafse) Verwendung. Denn von den Weichen einer folchen Weichenftrafse bedarf nicht jede, fondern nur die letzte eines die Einfahrt geftattenden elektrifchen Signalkäftchens, wie es bei dem Weichen- Centralapparat erwähnt wurde; die anderen Weichen dagegen werden mit Unterbrechungscontacten in der Weife verfehen, dafs nur bei richtiger Stellung und Feftftellung der fämmtlichen Weichen eine ununterbrochene Leitung vom Centralapparate nach der Einfahrtsweiche hergeftellt ift, und alfo auch nur in diefem Falle das elektrifche Signal von diefer Weiche nach dem Centralapparate gegeben werden kann. ( Zetzfche a. a. O.) Der ausgeftellte vollständige Bahnhofs- Deckungsapparat, beftehend aus einem Block- Signalapparate mit Wechfelarretirung der Semaphorenwinden und einem Block- Signalapparate mit Arretirungsfchieber als BahnhofsApparat( Syftem Frifchen), ift für den Fall berechnet, dafs zwei Geleife I und II in ein drittes III fich verzweigen. Der Arretirungsfchieber geftattet dabei bei der erften Stellung nur die Ertheilung des Einfahrtsfignales an einen aus dem Geleife I kommenden Zug, bei feiner zweiten Stellung nur an einen aus dem Geleife II kommenden Zug; der Schieber wird zugleich in beiden Fällen nach Abfendung des Signales feftgehalten, bis der Zug auf dem Geleife III in den Bahnhof gelangt ift. Durch die Wechfelarretirung der Semaphorenwinden aber wird es dem Weichen- und Signalwärter zugleich unmöglich gemacht, dafs er den zweiten Flügel zum Signal ,, Frei" ftellt, fo lange der erfte noch auf„ Frei" fteht, und umgekehrt. Diefe Arretirung wird einfach durch einen Stift vollzogen, welcher durch eine Schraube beim Drehen der Kurbel der einen Semaphorenwinde bewegt wird und fich in Folge deffen fperrend in die andere Kurbel einlegt.( Zetzfche a. a. O.) Aufser diefen von Siemens& Halske, und zum Theile auch von Siemens Brothers in London ausgeftellten Eifenbahn- Telegraphenapparaten fanden fich ähnliche Apparate auch von den anderen Firmen ausgeftellt; fo z. B. SignalLäute- Apparate für Wächterbuden von Gebrüder Naglo in Berlin, von Wiefenthal& Comp. in Aachen, von der internationalen TelegraphenbauAnft alt in Berlin, von H. Keitel in Wien, von der Telegraphenbau- Anftalt von B. Egger in Wien, von der allgemeinen Telegraphenbau Gefellfchaft in Wien und vielen Anderen. Sowohl bei den von B. Egger, als auch jenen von der allgemeinen Telegraphenbau- Gefellſchaft ausgeftellten Läute werken, ift ein Controlapparat angebracht, der die Anzahl der Glockenfchläge durch ebenfo viele in einen Papierftreifen gefchlagene Löcher erfichtlich macht. Bei dem Eggerfchen Apparate ift an der Achfe, an welcher auch der Hebelarm zum Anziehen des mit dem Glockenhammer in Verbindung ftehenden Drahtes angebracht ift, ein Hebelarm befeftigt, der, mit der Achfe fich hin- und herbewegend, auch eine Stange hinund herbewegt, an welcher fich eine excentrifch herzförmige Scheibe befindet, welche beim Hingehen einen Stempel in das Papier drückt, fich dabei umkehrt, um fo frei wieder zurückzukommen, ohne neuerdings den Stempel zu drücken. Wie alfo ein Glockenfchlag ftattfindet, wird auch ein Loch in den Streifen gemacht, und fo controlirt, ob das Signal überhaupt und auch richtig gegeben wurde. Eine ähnliche Einrichtung hat das Leopolder'fche Syftem der allgemeinen Telegraphenbau - Telegraphen- Apparate. 51 Gefellfchaft. Durch die Achfe, welche den Glockendraht bewegt, wird auch durch eine Kurbel eine Horizontalftange hin- und herbewegt, die jedoch fchief ab gebogen ift, fo dafs fie durch ihre Unterlage beim Hingehen in Folge der abwärts gehenden fchiefen Ebene gleichzeitig gehoben wird. Dadurch wird ein Hammer, der früher mit der Feder gegen einen Zapfen diefer Stange gedrückt wird, frei, und diefer fchlägt durch die Wirkung der kräftigen elaftifchen Feder gegen einen Stempel, der wieder in das Papier eingefchlagen wird und dort ein Loch macht. Beim Zurückgehen der Stange fenkt fie fich wieder und wird durch eine einfache Vorrichtung auch der Hammer wieder zurückgebracht und gegen den Zapfen feftgedrückt. Wir fanden ferner bei L. Bréguet in Paris den Eifenbahnzug- Sicherungsapparat von Regnault, Director der Bahn von Saint- Germain( S. Dub, Anwendungen des Elektromagnetismus. II. Auflage 661), und in der italienifchen Abtheilung die Apparate der lombardifch- venetianifchen und der centralitalienifchen Eifenbahn Gefellſchaft. Die Gebrüder Digney& Comp. in Paris haben eine elektrifche Dampfpfeife ausgeftellt, durch welche automatifch durch Schliefsen eines Stromes an beftimmten Stellen der Bahnlinie das Ventil der Pfeife geöffnet wird und diefe tönt. An eben denfelben Stellen befindet fich zwifchen den Schienen ein etwa 20 Centimeter breiter und ebenfo hoher, leitend mit der Erde in Verbindung ftehender, in der Längenrichtung gegen die Mitte anfteigender Meffingkörper. An der Locomotive befindet fich unten ein Metallbefen, der eben diefen Metallkörper ftreift, fobald die Locomotive über ihn hinweg geht; dadurch wird ein Strom gefchloffen, der den Anker eines Elektromagnetes bewegt, durch welche Bewegung das Ventil der Pfeife geöffnet wird. Von elektrifchen Uhren fanden wir auf der Ausftellung jene der bekann ten Firma M. Hipp in Neuenburg in der Schweiz, und zwar zwei kleinere und einen grofsen elektromagnetifchen Regulator mit Queckfilbercompenfation, ferner jene von Antoine Jofeph Gérard in Lüttich, Dumoulin- Froment, L. Defchiens und E. Barbier in Paris und endlich eine aftronomiſche Uhr mit gleichfchwingendem Pendel von Wilhelm Bröcking in Hamburg. Bei diefer letzteren ift die Regulirung von Jones in Anwendung gebracht. P Fig. 25, Tafel VI. ift das Pendel einer aftronomifchen Pendeluhr mit Gewichtsbewegung, die als regulirende oder Normaluhr dient, Q und Q find die Gefäfspaare des Krille'fchen Unterbrechers. Diefe Gefäfse find mit Queckfilber gefüllt, das durch die capillaren Oeffnungen jedes einzelnen in Form eines kleinen, halbrunden Tröpfchens vortreten würde, ohne auszufliefsen. Sind aber die Gefäfse eines Paares nahe aneinander, fo fliefsen ihre beiden Tröpfchen zufammen und bilden einen kurzen feinen Quecksilberfaden. Die Hackenachfe des Echappements trägt den leichten Doppelarm a, der an feinen Enden je ein Glimmerplättchen g und g' trägt, die bei der Oscillation des Pendels die bezeichneten Queckfilberfäden durchfchneiden und die QuecksilberHier ftehen die maffen zweier zufammengehöriger Gefäfse ifolirend trennt. Gefäfse nebeneinander und die Glimmerplättchen fenkrecht zur Papierfläche, in der Ausführung ftehen die Gefäfse hintereinander und liegen die Glimmerplättchen in der Oscillationsebene. BB' ift eine Batterie, in deren Mitte eine Erdleitung ift. Die Poldrähte führen, wie die Zeichnung ergibt, zu den Queckfilbergefäfsen, und von diefen gehen fich vereinigende Drähte zu einem Galvanometer, das mit Hilfe eines Meffingftöpfels aus- und eingefchaltet werden kann von dort führt die Leitung KK zur entfernten Uhr, nachdem der Strom durch ein ähnlich wie G eingerichtetes Galvanometer G' gegangen ift. P ift das Pendel einer Feder- oder Gewichtsuhr, an welcher ftatt der Linfe eine Rolle S mit vielfach diefelben umkreifenden mit Seide umfponnenen Kupferdraht. Das Pendel felbft ift an zwei von einander ifolirten Federn aufgehängt und fteht eine diefer Federn s' mit dem Galvanometer und mit dem Anfange des Leitungsdrahtes der Spule S in Verbindung, während das andere Ende des Spulendrahtes mit der Feder s und 52 Dr. Leander Ditfcheiner. durch diefe mit der Erde oder mit einer anderen Uhr in Verbindung ift. Zu beiden Seiten der Rolle S find in dem Uhrkaften die beiden permanenten Magnetftäbe M und M' fo angebracht, dafs fie bei den Hin- und Herfchwingungen derfelben ungehindert in diefe eintreten können. Die beiden Magnete kehren fich die gleichnamigen Pole zu und befinden fich in einer folchen Entfernung von einander, dafs auf der Höhe der Schwingung eines Pendels der eintretende Magnet bis in die Mitte der Rolle ragt und der andere dann eben im Begriffe ift, auszutreten. Oscillirt das Pendel P der Normaluhr nach links wie in der Zeichnung, fo geht ein pofitiver Strom von B nach Q' nach GKK G's' durch die Rolle S nach s und von dort weiter, oder in die Erde und durch diefe über E zurück, nach B'. Geht aber das Pendel nach rechts, fo geht der negative Strom von B nach Q, G, K, K, s', S, s, E, E nach B. Denkt man fich nun die Pendel Pund P' von rechts aus zu gleicher Zeit losgelaffen und hat dabei das Pendel P' die Neigung, vorzueilen, fo kommt P etwas früher auf der Höhe an und die Dauer des elektrifchen Stromes in der Rolle S wird fich nicht in zwei gleiche Hälften, ( auf den Moment, wo P gerade auf der Höhe feiner Schwingung ankommt, bezogen) vertheilen, wie es gefchehen müfste bei vollkommen gleicher Schwingung der beiden Pendel, fondern es wird die gröfsere Hälfte der Stromdauer in die Periode des Rückganges fallen. Da nun eine von einem elektrifchen Strome durchfloffene Rolle als ein Magnet betrachtet werden kann und der Magnet M' fo gekehrt ift, dafs er die Rolle anzieht, wenn ein Strom in ihr im erwähnten Sinne circulirt, fo ift feine Anziehung auf die Rolle während des Aufganges nach links von gerin gerer Dauer, als während des folgenden Niederganges. Die Wirkung des Magnetes ift alfo eine die Bewegung des Pendels verzögernde. Gelangt das Pendel darauf zurückfchwingend über feinen tiefften Punkt auf die Höhe nach rechts, fo tritt wieder eine kurze Zeit vor Erreichung des höchften Punktes ein negativer Strom in die Rolle, der wieder wegen Voreilens von P feiner Dauer nach zur gröfseren Hälfte auf den Rückgang fich vertheilt, wefshalb jetzt der Magnet M verzögernd wirkt, da er der Rolle denfelben Pol zukehrt wie M, und fie felbft ihm wegen erfolgten Stromwechfels nun auch auf diefer Seite einen anziehenden Pol entgegenführt. Der austretende Magnet kommt bei diefem Polwechfel in der Rolle auch dem anderen Magnet zu Hilfe. Hat die Uhr P anderenfalls die Neigung, zurückzubleiben, fo treten die Ströme, welche die Normaluhr ausfendet, in der Rolle S der gröfseren Dauer nach beim Auffteigen des Pendels auf und befchleunigen fo die Bewegung desfelben. In beiden Fällen tritt bei jedem Pendelfchlage eine regulirende Thätigkeit ein, welche die Differenz der Gleichfchwingung um eine äufserft kleine Gröfse geringer macht und diefe Differenz endlich nach mehreren Schwingungen gänzlich aufhebt. Dann treten die Ströme in die Rolle und verfchwinden aus ihr in gleichen Momenten vor der Erreichung des höchften Punktes und die Magnete befchleunigen foviel, als fie verzögern, fo dafs ihre Gefammtwirkung gleich Null ift. Sie beginnen aber fofort wieder ihre regulirende Thätigkeit, fobald in Folge von Temperatur- und fonftigen Einflüffen fich eine Differenz einzuftellen beginnt. Die Uhr mit dem Pendel P' foll eine gute Uhr fein, das heifst, fie foll felbftftändig einen fo guten Gang haben, dafs im Laufe von circa einer Stunde fich nur Differenzen von Bruchtheilen einer Secunde zeigen würden. Da nun die regulirende Wirkung der elektrifchen und magnetifchen Kräfte grofs genug ift, folche, wenn fie entstanden, auszugleichen, fo folgt, dafs eine zeitweilige Unterbrechung der Regulirungsvorrichtungen von geringer Dauer von keinem Belang fein kann. Es iſt fomit die Nothwendigkeit, Unterbrechungen wegen Reinigung der Contacte vorzunehmen, möglich. Die Herftellung des vorhin befchriebenenen Regulirungsfyftemes geftattet noch eine beträchtliche Vereinfachung, da es nicht nothwendig ift, jede Secunde einen Regulirungsftrom von der Normaluhr auszufenden; es genügt, wenn diefs jede zweite Secunde gefchieht, und die Ströme können dann immer gleichgerichtet fein. Damit fällt eine Batterie und eine Unterbrechungsvorrichtung weg. Bei der in Hamburg projectirten Anlage Telegraphen- Apparate. 53 ift die Normaluhr auf der Sternwarte und die zu regulirende Uhr an dem Börfengebäude. Es ift dabei eine Controle eingerichtet, fo dafs man fowohl auf der Sternwarte leicht erkennen kann, ob die Börfe- Uhr richtig geht, und umgekehrt an der Börfe erkennen kann, dafs die dort befindliche Uhr in Uebereinftimmung mit der Uhr der Sternwarte fich befindet. Anhang. Siemens& Halke's elektriſche Lampen. Bei der felbft regulirenden elektrifchen Lampe, für gleichgerichtete und für Wechfelftröme verwendbar, nach v. Hefner Alteneck, gefchieht die Regulirung der Länge des elektriſchen Lichtbogens in der Weife, dafs die Kohlenfpitzen bald unter dem Einfluffe des Uebergewichtes des einen oberen Kohlenhalters einander genähert, bald durch die Thätigkeit eines kleinen elektromagnetifchen Motors, welcher durch den lichterzeugenden elektrifchen Strom betrieben wird, wieder von einander entfernt werden. Diefer Motor( Fig.26 Tafel IV) befteht aus einem vom elektrifchen Strome umfloffenen Hufeifen- Magnet E mit einem vorliegenden Anker A, welchen eine Spiralfeder F mit regulirbarer Spannung von den Polen des Elektromagnetes abzuziehen und gegen einen RuheAnfchlag zu legen fucht. Mit dem Anzuge des Ankers durch den Elektromagnet ift für die Dauer desfelben die Schliefsung eines Contactes c( Fig. 26 Tafel IV.) verbunden, welcher dem elektrifchen Strome einen kürzeren Weg, an den Elektromagnet- Umwindungen vorbei, geftattet. Mit dem in Folge deffen eintretenden Abfall des Ankers wird der Contact c wieder geöffnet, der Anker wieder angezogen u. f w. Sobald alfo der elektriſche Strom, refpective der durch ihn im Elektromagnete hervorgerufene Magnetismus in Folge genügender Näherung der Kohlenfpitzen kräftig genug geworden ist, um die Spannung der Spiralfeder zu überwinden, fo wird der Anker in oscillirende Bewegung verfetzt, welche fo lange anhält bis die Stromftärke wieder unter diefe Grenze gefunken ift. Diefe hin und hergehenden Bewegungen macht ein kleiner Sperrkegel s mit, welcher dabei fucceffive in einer Richtung drehend auf ein Sperrrad U mit feinen fchräge ſtehenden Zähnen einwirkt und fo, durch mit dem Sperrrade in Eingriff ftehende Zahnräder und Zahnftangen, die beiden Kohlenhalter dem Uebergewichte des einen derfelben entgegenwirkend langfam von einander entfernt. In Folge der. damit im Zufammenhange ftehenden Vermehrung des Widerftandes des elektrifchen Lichtbogens und der Schwächung des elektrifchen Stromes hören die oscillirenden Bewegungen des Ankers und Sperrkegels bald wieder auf und der Anker bleibt an feinem Ruhe- Anfchlage d liegen. In diefer Stellung wird der Sperrkegel durch einen am Geftelle der Lampe befeftigten Stift n, an dem er mit feiner fchrägen Fläche anläuft, gänzlich aus den Zähnen des Sperrrades U geho. ben, das Uebergewicht des oberen Kohlenhalters kommt wieder zur Geltung und nähert, indem es gleichzeitig das Sperrrad rückwärts dreht, die Kohlenfpitzen einander wieder, bis in Folge der damit verbundenen Kräftigung des elektrifchen Stromes die oscillirenden Bewegungen des Ankers und Sperrkegels wieder beginnen. Die Schnelligkeit mit der fich die Kohlenfpitzen nähern, wird durch einen Windfang W verlangfamt, refpective regulirt, und damit der Elektromagnet nicht auf diefen im entgegengefetzten Sinne zu drehen braucht, ift deffen Triebrad R lofe auf die Achfe des Sperrrades aufgefetzt und durch eine kleine Sperrklinke t nur für die Drehung in dem einen Sinne, wie fie durch das Uebergewicht hervorgebracht wird, an das Sperrrad gekuppelt. Bei normalen Arbeiten der Lampe find die alternirenden Bewegungen der Kohlenfpitzen an diefen felbft kaum wahr nehmbar; erlifcht jedoch der Lichtbogen durch eine äufsere Veranlaffung, fo laufen die Kohlenfpitzen fofort zufammen und werden nach eingetretener Berührung durch die Thätigkeit des elektrifchen Motors wieder getrennt, wobei fich - - 54 Dr. Leander Ditfcheiner. der Lichtbogen von Neuem entzündet und in der ursprünglichen durch die Spannkraft der Abreifsfeder beftimmten Länge wieder herftellt. Bei Anwendung fogenannter Wechfelftröme, wie fie unter Umftänden von dynamo- elektrifchen Maſchinen hervorgebracht werden, arbeitet die Lampe und fpeciell der elektromagnetiſche Motor in gleicher Weife, nur mit dem Unterfchiede, dafs die Oscillationen des Ankers fchon an und für fich in Folge des fteten Wechfels der Pole im Elektromagnete, alfo auch ohne Beihilfe des Ausfchlufs contactes c. auftreten würden. Nur mufs, wenn der elektrifche Lichtbogen feine Lage im Raume längere Zeit beibehalten foll, das Verhältnifs der Gefchwindigkeiten, mit welchem fich die beiden Kohlenfpitzen bewegen, geändert werden, da bekanntlich bei gleichgerichteten Strömen die eine mit dem pofitiven Pole verbundene Kohle ungefähr doppelt fo rafch abläuft wie die andere, was bei Anwendung von Wechfelftrömen nicht der Fall ift. Dem entſprechend ift eine Einrichtung getroffen, dafs durch Drehen eines nach aufsen liegenden Kopfes die beiden an den Kohlenhältern befeftigten Zahnftangen zum Eingriffe in einen und denfelben Trieb oder in zwei verfchiedene auf gleicher Achfe fitzende Triebe, deren Durchmeffer fich verhalten wie 1: 2, gebracht werden können. Diefe Lampe zeichnet fich, abgefehen von ihrer doppelten Anwendbarkeit, vor anderen hinfichtlich ihrer Leiftungen vergleichbaren Syftemen durch grofse Einfachheit und Ueberfichtlichkeit der Conftruction verbunden mit hoher Präcifion der Regulirung aus. Die letztere ift vornehmlich dadurch begründet, dafs nicht zwei Ruhelagen des Ankers, die eine in angezogener, die andere in abgefallener Stellung, und dem entſprechend mehr oder weniger verfchiedene Stromftärken, refpective Bogenlängen, auftreten können, vielmehr die Stromftärke oder Bogenlänge beſtimmt ift durch das eine Moment des Anzuges des Ankers, welchem der Wiederabfall ftets unmittelbar felbftthätig folgt. Es ift keine Feder vorhanden, welche während der Thätigkeit. der Lampe von Zeit zu Zeit aufgezogen werden müfste, der dafür neu eingeführte Contact braucht nicht gereinigt zu werden, da an ihm nur fchwache Funken auftreten. Die Lampe ift von gefälliger äufserer Form und fo gebaut, dafs die Löfung von nur zwei Schrauben genügt um alle Hauptbeftandtheile mit der Hand herausnehmen zu können.( Autographirte Mittheilung von Herrn Siemens& Halske.) Eine andere felbft regulirende elektrifche Lampe für Wechfelftröme ift für Ströme von fortwährend wechfelnder Richtung beftimmt, wie die. felbe von fpeciell für die Erzeugung von elektriſchem Licht conftruirten magnetoelektrifchen Mafchinen hervorgebracht und wegen der damit verbundenen günftigeren Verbrennung der Kohlenfpitzen mit Vortheil in Anwendung gebracht werden. Diefelbe regulirt die Länge des elektrifchen Lichtbogens mit ungemeiner Schärfe und zeichnet fich aufserdem durch grofse Einfachheit des ihr zu Grunde liegenden Principes, welches ohne Anwendung eines Räderwerkes ausgeführt ift, aus. Sämmtliche zum Anftecken des elektrifchen Lichtbogens und zur Regulirung der Länge desfelben nöthigen Bewegungen werden durch zwei polarifirte Elektromagnete hervorgebracht, wie diefelben im Siemens- Halske'fchen Inductionsrelais und verfchiedenen anderen Apparaten vielfach in Anwendung gebracht find. Zwifchen den einander zugekehrten Polen N, Sund N', S'( Fig. 27 Tafel IV) eines jeden diefer Elektromagnete kann fich eine durch einen dahinter liegenden ftarken Stahlmagnet( M und M) dauernd polarifirte Stahl- oder Eifenzunge Z und Z' hin- und herbewegen foweit diefs zwei Anfchläge a, b und a', b' geftatten. In Folge des durch die Einwirkung der Wechfelftröme fortwährend in den Elektromagneten auftretenden Polwechfels und der damit verbundenen verfchiedenfeitigen Anziehung der Zungen würden diefe dauernd in oscillirende Bewegung verfetzt werden, wenn fie nicht aufserdem durch eine. regulirbare Feder f, f nach dem einen ihrer Anfchläge a, b' gezogen würden. Dadurch wird erreicht, dafs die Stärke der die Umwindungen der beiden Elektromagnete Telegraphen- Apparate. 55 durchfliefsenden Ströme je nach den den Federn gegebenen Spannungen eine beftimmte Stärke erreicht haben mufs, um trotz des einfeitigen Zuges der Federn die Magnetzungen hin- und herwerfen zu können. Beide Zungen tragen an ihren verlängerten Enden Sperrklinken, welche mit ihren Enden einander zugekehrt find und mit ihren Spitzen in ein Rad R mit feinen rechteckigen Zähnen eingreifen, derart, dafs bei Bewegung der Zungen und der damit verbundenen ftofsenden Bewegung der Sperrklinken das Rad gedreht wird und zwar in verfchiedenem Sinne, je nachdem die eine oder die andere der beiden Zungen arbeitet. Damit die ruhende Klinke das Rad nicht an der durch die andere hervorgerufene Drehung hindere, wird jede Sperrklinke durch Anlaufen eines Stiftes n n' an einer fchiefen Fläche aus den Zähnen des Rades gehoben, fobald fich die Zungen dem Ruhe- Anfchlage a oder b' nähert. Die nach oben verlängerte Achfe A des Rades trägt ein Rechts- und Linksgewinde, an welchen fich die beiden Kohlenhalter, einander entgegengefetzt, höher oder tiefer fchrauben, fich alfo entweder von einander entfernen oder einander nähern, je nachdem das Rad im einen oder im anderen Sinne gedreht wird. Die Umwindungen desjenigen der beiden Elektromagnete NS, welcher durch feinen Polwechfel in befchriebener Weife das Entfernen der Kohlenfpitzen bewirkt, beftehen aus wenigen Lagen eines dicken Drahtes und liegen in dem nämlichen Strome wie der Lichtbogen. Die Umwindungen des anderen Elektromagnetes N' S', welcher das Nähern der Kohlenfpitzen zu beforgen hat, find durch fehr viele Lagen eines dünnen Drahtes gebildet und fo gefchaltet, dafs fie einen Nebenfchlufs des Lichtbogens. darftellen von fehr viel gröfserem Widerftande als diefer. Je nachdem nun bei der Thätigkeit der Lampe die Länge des Lichtbogens und damit deffen Leitungswiderftand zunimmt oder abnimmt, wird der Strom durch die Windungen des im directen Stromkreise liegenden Elektromagnetes fchwächer oder ftärker, während der Strom in den Umwindungen des andern, im Nebenfchluffe liegenden Elektromagnetes, nach dem Gefetze der Zweigftröme, fich im umgekehrten Sinne ändert, alfo mit der Vergröfserung des Lichtbogens zunimmt. Demnach wird der eine oder der andere Elektromagnet kräftiger arbeiten und das Rad wird fich vorwiegend im einen oder anderen Sinne drehen, und zwar jedesmal in dem Sinne, welcher die eingetretene Aenderung in der Entfernung der Kohlenfpitzen wieder corrigirt. Erlifcht das Licht durch eine äufsere Veranlassung, fo hat nur der die Spitze annähernde Elektromagnet Strom und zwar einen fehr kräftigen. Derfelbe hört auf, fobald in Folge feiner Thätigkeit die Kohlenfpitzen fich wieder berühren, wogegen im gleichen Momente der Strom intenfiv in dem die Spitzen entfernenden Elektromagnete auftritt, welcher dann das Wiederanftecken des Lichtbogens und deffen Zurückbringung auf die urfprüngliche Länge beforgt.( Antographifche Mittheilung der Herren Siemens und Halske.) Die erfte der befchriebenen Lampen wurde täglich in der Maſchinenhalle für die Herftellung des elektrifchen Lichtes mittelft einer nach dem Syfteme von v. Hefner Alteneck, von Siemens& Halske ausgeführten, zur Erzeugung ftarker gleichgerichteter Ströme zu benutzenden dynamo- elektrifchen Mafchine verwendet. Diefen neuen Inductor kann man fich aus dem bekannteren Gramme'fchen, ebenfalls in der Mafchinenhalle ausgeftellt von Hippolyte Fontaine in Paris,( siehe Comptes rendus. 7. Juli 1871. Carls Repertorium VII. Bd. pag. 381.) enftanden denken, wenn man bei letzteren den ringförmigen Anker in der Richtung feiner Drehachfe flächenartig fich erweitern läfst und dann die Umwindungen des Kernes nicht mehr in die innere Oeffnung des Ringes hinein und durch denfelben hindurchführt, vielmehr die Oeffnung felbft mit der Maffe des Ankers ausfüllt, den ringförmigen Anker alfo durch einen maffiven Cylinder erfetzt und die Windungen nun über diefen Cylinder hinweggehen läfst. Dabei mufs man den erregenden Elektromagnet ebenfalls in der Achfenrichtung erweitern und ihn zugleich verdoppeln. Auf diefe Weife ift der an fich unwirkfame innere Theil der Drahtwindungen in Wegfall gebracht und dadurch das Ganze wefentlich verkleinert 56 Dr. Leander Ditfcheiner. Telegraphen- Apparate. worden; man kann dabei ferner zugleich auch den Anker und die ihn umgebenden Windungen auf befondere Achfen ftecken, indem man die maffive Ankerachfe durch die hohle Achfe der Windungen hindurchfteckt. Der letztere Vorzug der neuen Mafchine vor der Gramme'fchen fällt befonders bei gröfseren Maſchinen fehr ins Gewicht, weil man bei diefen die für ihren Betrieb erforderliche bedeutende mechanifche Leiftung wefentlich vermindert, wenn man die zu bewegende Maffe dadurch, dafs man den Anker felbft ftillftehen läfst und nur die Windungen allein um ihn herumgehen läfst, auf die denkbar kleinfte Gröfse herabdrückt. Demnach find über den maffiven cylindrifchen Kern oder Anker des v. Hefner- Alteneck'fchen Inductors eine Anzahl von Syftemen von Drahtwindungen und zwar der Länge nach( in Meridionalebenen, nicht in Ebenen, welche auf der Achfe fenkrecht ftehen) gewickelt, in ähnlicher Weife wie bei dem Siemens'fchen Cylinder- Inductor mit I- förmigem Kerne; dabei ift aber jedes Syftem mit den beiden benachbarten Syftemen leitend verbunden, und bilden die Windungsebenen je zweier benachbarter Syfteme einen kleinen Winkel mit einander, fo dafs die Windungen den ganzen kreisförmigen Cylinder umfchliefsen und diefe ganze Umhüllung aus einem in fich gefchloffenen Leiter befteht. Von den Grenzftellen zwifchen jedem Paar der Windungsfyfteme laufen Kupferftreifen aus und find auf der cylindrifchen Achfe des Ankers als Meridiane angeordnet; auf den Kupferftreifen aber fchleifen zwei fich diametral gegenüberftehende Contacte P₁ und P, welche beftändig mit einigen der Syfteme in Berührung ftehen. Der Anker mit feinen Windungen liegt innerhalb eines plattenförmigen Doppelmagnetes, deffen Pole mit hohlcylindrifchen Flächen dem Anker und feinen Windungen ebenfalls in einem( aber etwa unter 90 Grad gegen den Durchmeffer der Contacte verftellten) Durchmeffer gegenüberftehen. Diefer Doppelmagnet wird übrigens nicht durch einen feine Windungen durchfliefsenden Batterieftrom magnetifch erregt, fondern durch den von ihm felbft, vermöge feines remanenten Magnetismus, urfprünglich inducirten Stromes. Wird nun der Anker fammt feiner Drahthülle oder auch nur die letztere allein um die gemeinfchaftliche Achfe gedreht, fo fucht nach den Gefetzen der Induction der äufsere Elektromagnet in der Drahtumhüllung zwei entgegengefetzte Ströme zu induciren, die fich immer an den Stellen begegnen, an welchen( eben aus diefem Grunde) die beiden Contacte P, und P angebracht wurden. Werden alfo an diefen Stellen die Drahtwindungen durch die Kupferftreifen und die Contacte P₁ und P, an eine die beiden Contacte mit einander verbindende Leitung gelegt, fo wird diefe Leitung aus einem aus der Vereinigung der fich bei P₁ und P₂ begegnenden Ströme entſtehenden continuirlichen Strome durchlaufen, deffen Richtung mit der Umdrehungsrichtung der Drahthülle wechfelt, wenn die Polarität des erregenden Magnetes die nämliche bleibt.( Zetzſche a. a. O.) N' Fig. 1. B 3 $ 3 A 84 E 11/ 1/ 1/ $ 1 V Fig. 2. E V' PO E M Fig. 3. I C n D D J N a C D Sz L S n N K A B T A Linie K nach London A M B B S R 0 U amm N マロロ Y X Fig. 5. F |||||| Z F G P Taf. I. Fig. 4. I A B V' S N 0 E D J K V' T A A' M' Linie K' nach P' Marseille N' U B' B' ロ X' Y' Erde Z e P 0' R' Fig.6. Fig. 8. Taf. II. P P q K D 12 O O LR O B K S 9 9 Z 10 P g W 10 d C L TR O M AD KID M B 07 d a C e Z J Fig.1. G T Ꮓ J DE Fig.9. B' B a b R M Fig.10 " E G E H D B a f R Fig.12. K ☐ P D b m n Z P 0 K endrapas S T 14 15 D M M R M Я 10 Fig. 15. B B C TR B Fig.16 Localbatterie B Stift B Fig. 13. T Fig.14. Linie P Wider W stand Erde Erde ( A)( T) ( L) TR T K KABSRL SGK TR B M Stift Ter L 3 O L ( 7) LR ( B) ( L) W KARSAL SCK K' O TR T M Stift 1 5 Z Erde Z Erde Taf. II. Fig. 17. AAAF D i W M K A 000000000000000000 www T a C R Fig. 26. P W R ww S O d f A Π จาก T D Taf.W Fig.18. C C K M 1 1 T N T 手 Fig.27. n. ab A rg a R A W n S S or n a s b Q a H N S N S E f f' Z Z' Jox M M' H t P P H K H 7" Fig.19. T G' E' x" u n 111 Fig. 21. H" p" e n u" " 7TH p' E Fig.22. V" K' t' g K f T 0 0' ' n' u' G P R Taf.V. I K P G E' TU .P Fig.20. Q 7" T Fig. 24. Fig. 23. a 4 as A4 3 3 az 1 a 1 a B M 2 E M. SS, G₁ ( 066) S Fig. 25. K Leitung K Q. a G a Q Taf. VI. 11-11P₁ P M B, B Erde E OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. CHIRURGISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 4.) BERICHT VON DR. MOSETIG V. MOORHOF, DR. HANS ADLER, DR. L. SCHRÖTTER, DR. MORIZ BENEDIKT. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Der gefertigte Redacteur des officiellen Berichtes über die Wiener Weltausstellung wurde am 30. März 1873 für feine fchwierige Aufgabe nach Wien berufen, und nach kurzen vorhergehenden Berathungen ganz allein mit der Durchführung des grofsen Werkes betraut. Das Programm der officiellen Berichterftattung, Ende April von der Generaldirection angenommen, wurde am 25. Juni 1873, Zahl 686 H. M., von Seiten des hohen k. k. Handelsminifteriums genehmigt. Erft von diefer Zeit an war der gefertigte Redacteur im Stande, officiell an die Einladungen zu gehen und Berichterftatter für den officiellen Bericht zu gewinnen. Es iſt jetzt nach dem Schluffe der Weltausftellung an der Zeit, an diefe kurze Gefchichte der Redaction des officiellen Berichtes zu erinnern. 99 In den erften Tagen des Auguft erfchien mit dem Berichte Der Pavillon des kleinen Kindes" von Dr. Ferdinand Stamm das erfte Heft des officiellen Berichtes. In rafcher Aufeinanderfolge find bis zum Schluffe der Ausstellung 29 Hefte erſchienen und kann man darnach ficherlich weder den Herren Berichterftattern, die mit hingebender Liebe an das patriotifche Werk und an die Erfüllung der fchwierigen Aufgabe gingen, noch der Redaction den Vorwurf machen, dafs fie fich nicht bemühten, das officielle Programm der Berichterstattung, welches beftimmte, dafs der officielle Bericht ,, noch während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden" folle, zur Wahrheit zu machen. Was die Arbeitskraft des Einzelnen vermag, das haben die Herren Berichterstatter wirklich geleiftet, und Alle, ebenfo wie die gefertigte Redaction müffen ihnen zu Dank ver pflichtet fein. Was ein Einzelner, dem die Redaction eines fo grofsen und vielfeitigen Werkes, welches der officielle Bericht iſt, allein anvertraut worden ift, was ein Einzelner unter fo fchwierigen Umständen leiften kann, um den Befuchern der Ausftellung zu dienen, das hat der gefertigte Redacteur verfucht zu leiften. Mit der Neige des Jahres 1873 wird der officielle Bericht in feiner ganzen grofsen Ausdehnung und in feiner erften Ausgabe vollendet fein. Ich glaube, dafs die Herren Berichterstatter den Dank des Publicums verdienen, die gefertigte Redaction wenigftens keinen Tadel zu fürchten hat. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER. Chefredacteur des officiellen Berichtes. CHIRURGISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XIV, Section 4.) CHIRURGISCHE INSTRUMENTE, BANDAGEN UND PROTHETISCHE APPARATE. Bericht von DR. MOSETIG VON MOORHOF, k. k. Primararzt und Univerfitätsdocent. Indem wir im Folgenden einen Bericht über die zur Gruppe XIV, Section 4, gehörigen Objecte geben, müffen wir zur Orientirung des Lefers bemerken, dafs hiebei blofs jene Gegenftände ins Auge gefafst wurden, welche feit der Parifer Weltausstellung des Jahres 1867 neu erdacht oder wenigftens einer wefentlichen Modification unterzogen und ausgeftellt worden find. Die vierte Section der XIV. Gruppe umfafste alle jene Gegenstände, welche in das Gebiet der Medicin und Chirurgie gehören, und therapeutifche Zwecke verfolgen; mithin Apparate, Inftrumente, Bandagen, kosmetifche und prothetiſche Objecte. Sie reihen fich ein in die Gebiete der Chirurgie im engeren Sinne, der Augen- und Zahn- Heilkunde, der Laryngofkopie, der Electrotherapie und der Anthropologie. Die Specialfächer der Augen- Heilkunde, der Laryngofkopie und der Elektrotherapie haben aber im letzten Decennium, ja letztere erft im verfloffenen Quinquennium eine derartige Ausbreitung gefunden, dafs kaum ein einziger Arzt alle diefe Gebiete gründlich zu umfaffen vermag. Die Berichterftattung hierüber wurde demnach auch Fachmännern übertragen, und haben: Profeffor Dr. Benedikt die Berichterstattung über elektro- therapeutifche Apparate, der ordinirende Augenarzt des k. k. Wiedner Krankenhaufes Herr Dr. Adler das Referat über oculiftifche Gegenftände, und Docent Herr Dr. v. Schrötter, jenes über Laryngofkopie zu übernehmen die Güte gehabt. Mein Referat begrenzt fich demnach auf chirurgifche Inftrumente, Bandagen und prothetifche Apparate, und auf zahnärztliche Gegenftände. Diefsbezüglich haben faft alle Staaten ausgeftellt mit Ausnahme der Türkei, Chinas und Japans; die meiften, fchönften und neueften Producte der Inftrumenten- und Bandagentechnik hat aber unftreitig Frankreich durch Collin und Mathieu zur Anfchauung gebracht, und diefs wird wohl dem Lefer die Erklärung geben, warum faft der Haupttheil meines Referates über franzöfifche Erzeugniffe handelt. England hat leider in diefen Fächern fo gut wie gar nichts ausgeftellt; in der ZahnHeilkunde hingegen gebührt Amerika und in zweiter Reihe England die Palme. 21 Dr. Mofetig von Moorhof. Würdig vertreten waren ferner Oefterreich- Ungarn, Italien durch Lollini und Dänemark durch Nyrop, wogegen Deutſchland und die übrigen Länder weniger reich ausgeftellt hatten. Neu im Gebiete der chirurgifchen und zahnärztlichen Inftrumente iſt das Vernickeln derfelben, und heben wir diefes befonders hervor, weil die letzte Parifer Ausstellung diefe Zurichtungsmethode, wenigftens fo weit ich mich zu ent finnen weifs, nicht zur Anfchauung gebracht hat. Sie befteht in dem Ueberziehen des Stahles mit Nickelmetall auf galvanoplaftifchem Wege, und hat den Vortheil, das Roften der Inftrumente zu verhüten. Wie wichtig und praktiſch diefe amerikaniſche Erfindung für alle jene ftählernen Inftrumente fein mufs, welche viel mit Flüffigkeiten in Berührung kommen, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Amerika, England, Frankreich und Dänemark ftellten faft lauter fo behandelte Inftrumente aus, wogegen die übrigen Staaten diefs nicht fo ausfchliesslich thaten. Diefs vorausgefchickt, wollen wir nun die einzelnen Gegenftände nach Gruppen geordnet, welche ihre Anwendung betreffen, anführen. Männliche Sexual- und Harnorgane. Stricturen. Zur Erkennung und Behandlung von Harnröhren- Verengerungen mit Beihilfe des Auges hat bekanntlich fchon Déformé aux im Jahre 1865 das Endofkop erfonnen im Wefentlichen aus einer Röhre und einem Beleuchtungsapparate beftehend. Collin( Frankreich) hat nun letzteren vereinfacht, wodurch der ganze Apparat zwei wefentliche Vortheile erhielt, einmal hat er weniger Gewicht, und läfst fich demzufolge viel leichter handhaben, und ferner ift er viel billiger( 135 Francs gegen 225) herzuftellen, wodurch möglicherweife die gröfsere Verbreitung diefer Unterfuchungsmethode gefördert werden könnte, da der Collin'fche Beleuchtungsapparat auch zu gleicher Zeit zu laryngofkopifchen und otiatrifchen Unterfuchungen verwendet werden kann. Zur Unterfuchung der Harnröhre und Blafe hat Collin einen fehr compendiöfen Sondenapparat erdacht, welcher für die Praxis fich vielleicht empfehlen düifte. Nach dem Mufter der Trouffe au'fchen Oefophagusfonde mit ElfenbeinKnopf hat er für die Harnröhre eine dünne elaſtiſche Bougie conftruirt, an deren Ende fich gröfsere oder kleinere olivenförmige Metallknöpfchen( nach der Charrière'fchen Scala numerirt) ficher befeftigen laffen. Es ist wohl klar, dafs man damit fowohl Verengerungen der Harnröhre, als auch in einzelnen Fällen Blafenfteine erkennen kann, ja Collin hat feiner Bougie auch zwei äufserft dünne Kupferdrähte eingefchaltet, auf dafs man elektriſche Ströme durchzuleiten vermöge. Gummifonden neuer Art wurden von Benas und Chofe( Frankreich) ausgeftellt. Sie find mit Fifchbein- Stäben oder Bleidrähten im Inneren verfehen, wodurch fie mit Beibehaltung der Biegfamkeit und Weichheit eine gewiffe Refiftenzfähigkeit erlangen. Weiters fanden wir cylindrifche Gummikatheter mit fteifem Schnabel, dem die Mercier'fche Krümmung gegeben ift. Dadurch, dafs der Schnabel ftarr ift, mag das Einführen diefer Katheter bei gewiffen Fällen von Proftatatumoren oder ftark entwickelter Valvule musculaire erleichtert werden. Den conifchen Gummikathetern ift eine fteife Spitze( Bleifüllung) angebracht, der die beliebigfte Form gegeben werden kann. Die Nelaton'fchen RingwürmKatheter aus weichem Kautfchuck find allgemein gekannt, neu ift aber eine Art conifcher Gummikatheter mit langem( Katheterlänge), dünnen und fpitzzulaufenden Conductor, der eine Fortfetzung des Kathederendes darftellt. Er bahnt dem Katheter den Weg, und rollt fich in der Blafe zufammen. Zur inneren Urethrotomie fanden wir den bekannten, fo vorzüglichen Apparat vom Maiffonneuve( Frankreich), beftehend aus Leitbougie, daran anfchraubbarer, an den concaven Seiten gefurchten katheterförmigen Metallfonde und dem Chirurgifche Inftrumente. dreieckigen, an den Spitzen ftumpfen, und nur 3 an den Kanten fchneidenden Mefferchen, das in der Sondenrinne lauft. Es ift gewifs das befte und ficherfte Inftrument, welches bis jetzt zur inneren Urethrotomie erdacht wurde und das einzige, welches mit Sicherheit nur die verengten Stellen durchtrennt, die normalen Theile der Harnröhre dagegen nicht im geringften verletzt. Einen neuen Stricturentrenner fanden wir in dem Dilatatore ad arco von Corradi( Italien). Eine fehr dünne gekrümmte und nur an der concaven Seite des Schnabels gerinnte Metallfonde, beherbergt im Inneren der Rinne einen dünnen, aber feften Metallfaden. Durch Schraubenwirkung läfst fich nun diefer fo weit hervorziehen, dafs er aus der Rinne vortritt, und fich endlich im Maximum der Spannung, wie die Sehne zum Bogen des Sondenfchnabels ftellt. Durch diefen gradatim fich anfpannenden Metallfaden foll die Strictur durchtrennt werden. Zur rafchen Ausdehnung der Stricturen fanden wir nebft den bekannten Dilatatoren von Rigault, Voillemier, Reybard, Perrève, Holt, Berkeley Hill, Dittel und Thompfon und einigen Varianten diefer, die vielleicht weniger allgemein gekannten Inftrumente von Moreau Wolf( Frankreich) und von Corradi. Unter dem Namen Divulfeur retrograde hat Dr. Moreau Wolf ein Inftrument conftruiren laffen, welches dem alten Wattmann'íchen Dilatator etwas ähnlich ift. Eine dünne Röhre ift in ihrer vorderen Hälfte durch fechs Längeneinfchnitte gefpalten, und beherbergt einen geknöpften Stab. So lange das Knöpfchen vorgefchoben bleibt, hat die Röhre allüberall den gleichen Durchmeffer, fo wie aber das Knöpfchen zurückgefchraubt wird, drängt es fich in das Innere der Röhre, und treibt die fechs Röhrenbranchen federnd auseinander, welche ihrerfeits die Strictur einreifsen follen. Das Wattmann'fche Inftrument hat eine Röhre mit zwei Branchen, und der geknöpfte Stab wird zurückgezogen. Beim Moreau'fchen find fechs Branchen und der Stab wird zurückgefchraubtDiefs der wefentliche Unterfchied. Dr. Corradi's Dilatatore a corona ift eine Metallfonde, welche an ihrem Ende, quafi als Conductor, eine Reihe beweglich mit einander verbundener und im Durchmeffer allmälig abfallender Metallkügelchen( rofenkranzähnlich) auffitzen hat. Die eminente Beweglichkeit diefes konifchen Gliedertheiles foll die Einführung in die Strictur, wenn ftärkere Deviation vorhanden ift, aufserordentlich erleichtern. Eine Reihe von Röhren verfchiedenen Kalibers, welche fcheidenartig fich über den Conductor fchieben laffen, follen die weitere Dilatation ermöglichen. Die Idee zu diefem Inftrumente ift wohl dem Oesophagus dilatator von Trouffeau entlehnt worden, den wir, obwohl nicht neu, dennoch im betreffenden Capitel anführen wollen, um diefen Ausfpruch zu begründen. Zur Entfernung fremder Körper aus der Harnröhre hat Mathieu( Frankreich) eine Zange conftruirt, welche vor den bis jetzt gebräuchlichen, namentlich vor der Pitha'fchen, einen grofsen Vorzug hat. Sie läfst fich nämlich in jeder Tiefe der Harnröhre anftandslos öffnen, was bei den bis jetzt üblichen Zangen aus dem Grunde nicht der Fall fein konnte, weil fie nach Scheerenart conftruirt waren und das Oeffnen der Zange ganz unmöglich wird, fobald man diefelbe in einer Tiefe von mehr als zwei Zoll einführt. Bei der Mathieu'fchen Zange ift das Oeffnen der Blätter gleich möglich, ob man nun knapp hinter dem Orificium oder am Bulbus urethræ zu arbeiten hat. Das Schlofs ift zwei Centimeter hinter dem Zangenende angebracht, und die Blätter öffnen fich durch Gleiten der Branchen übereinander und durch Hebeldruck. Zum Durchtrennen von Proftatatumoren hat Mércier( Frankreich) ein Inftrument anfertigen laffen, welches einem kleinen Steinzertrümmerer der Form nach ähnlich conftruirt ift. Man foll zwifchen den Branchen eine wird in die - Blafe gebracht, während die andere vor der Proftata bleibt den Tumor faffen und es durch ein verftecktes, von der männlichen zur weiblichen Branche fich bewegendes Mefferchen durchſchneiden. In Paris foll ein Chirurg mit dem 4 Dr. Mofetig von Moorhof. Inftrumente an fich felbft diefe unangenehme Operation eigenhändig ausgeführt haben. - Medicamenten- und Aetzmittel- Träger für die Harnröhre. Um medicamentöfe Stoffe an einem beftimmten Punkte der Harnröhre- gewöhnlich am proftatifchen Theile wirken zu laffen, find Inftrumente von Dittel( Oefterreich) und Garreau( Frankreich) angegeben worden. Beide find einander fehr ähnlich, und beſtehen aus einem vorne offenen Katheter, in dem fich ein Mandrin, der vorne einen dickeren Knopf trägt, bewegt. Der Katheter wird bis zur erkrankten Partie vorgefchoben, und der Mandrin entfernt. In die Lichtung des Katheters bringt man nun das mit Butyrum de Cacao- in Stäbchenform gebrachte Medicament und fchiebt es fofort mit dem Mandrin in die Harnröhre, worauf der Katheter wieder entfernt wird. Eine Modification des Lalleman t'fchen Aetzmittel- Trägers hat Mathieu conftruirt. Das Inftrument befteht aus einem kleinen filbernen Troge der mit einem Mandrin verbunden, aus dem vorne abgeftutzten Katheter vorgetrieben werden kann. Es unterfcheidet fich von dem Lallemant'fchen und den übrigen bisher bekannten und ähnlich gebauten Inftrumenten durch den Umftand, dafs der Trog im Katheder gedreht werden kann, und man fomit entweder im Kreife herum ätzen oder beliebige Punkte der Harnröhre intenfiver zu treffen vermag. Es führt den Namen: Porte caustique courbe à chaine rotative. Steinzertrümmerung. Zur bequemen Ausführung der Steinzertrümmerung, welche wohl vielfach von der Lage des Patienten abhängig ift, hat Réliquet( Frankreich) ein Geftell erfonnen, welches leicht transportirbar und leicht überall auf jedem Bett und jedem Tifch anwendbar ift. Es ftellt eine der Form der hinteren Kreuz- und Beckengegend eines Erwachſenen entfprechend geformte fattelähnliche Platte dar, welche auf einem feften Geftelle ruht, und der man durch Schraubenwirkung zweierlei Bewegungen mit grofser Leichtigkeit und Rafchheit geben kann. Die Platte läfst fich einerfeits heben und fenken, und ferner nach rechts oder links beliebig fchief ftellen. Wenn auch der Patient auf der Platte ruht, vermag der Operateur felbft, mit einer Hand leicht die Stellungen zu ändern, ja er kann fogar durch rafche Drehung eine fo plötzliche Stellungsänderung erzielen, dafs das Becken eine Erfchütterung erfährt, und dadurch der Stein zwifchen die Branchen des früher eingeführten und geöffneten Steinzertrümmerers getrieben werden kann. Wenn wir auch hievon keinen befonderen Vortheil erwarten, fo können wir doch die Zweckmäfsigkeit diefes Apparates nicht leugnen, da jeder Chirurg die Erfahrung gemacht haben dürfte, dafs die Beckenftellung des Kranken bei der Steinzertrümmerung von der gröfsten Bedeutung ift, und es fehr erwünſcht ift, ohne Deplacirung des Kranken diefelbe beliebig ändern zu können. An Steinzertrümmerungs- Inftrumenten ift mehreres Neue geliefert worden, und zwar fowohl bezüglich der Branchen als auch bezüglich des Schloffes. Reliquet hat klein gefenfterte weibliche und ftark gezähnte männliche Branchen angegeben. Die Zähne der letzteren paffen genau in die Fenfter der erfteren. Es hat diefe Einrichtung den grofsen Vortheil, dafs Steinfragmente unmöglich zwifchen den Branchen verbleiben und das Schliefsen des Inftrumentes hindern können. Die kleinen Fenfter laffen der weiblichen Branche mehr Feftigkeit, als der bisher übliche grofse Ausfchnitt. Die fcharfen Zähne zerdrücken leichter den Stein und die Fragmente müffen, weil durch die Fenfter getrieben, viel kleiner ausfallen. Eine andere Vorrichtung um das Steckenbleiben der Fragmente beim Ramaffeur zu verhindern, ift durch die fogenannte Bague gliffante gegeben worden: eine breite Metallfeder, welche die weibliche Branche des Ramaffeur ausfegt, bevor die männliche fchliefst. Eine dritte Modification ift der Brife piérre a languétte mobile von Mathieu. Am Ende der weiblichen Branche ift mittelft eines Charniergelenkes ein dünnes, bis zum Buge reichendes, planes Metallplättchen angebracht, welches bei geöffnetem Inftrumente vorhangartig die Aushöhlung der Chirurgifche Inftrumente.. 5 weiblichen Branche deckt und erft beim Schliefsen durch die männliche Branche in die Aushöhlung hinein gedrückt wird. Beim Wiederöffnen fchnellt die Metallzunge durch die eigene Elafticität aus ihrer Zwinge wieder hervor und ftellt fich in ihre natürliche Lage zurück. Begreiflicherweife werden dadurch auch alle gefafsten und zerdrückten Steinfragmente herausgefchleudert und der jederzeit genaue Verfchlufs des Inftrumentes gefichert. Amuffat( Frankreich) hat unter dem Namen lithoclaft a mouvements latéraux, ein Steinzertrümmerungs- Inftrument angegeben, bei dem das vesicale Ende der männlichen Branche gewiffe feitliche Bewegungen zum Auffuchen von Steinreften auszuführen vermag, während für gewöhnlich diefe Branche durch einen Sperrkegel fixirt gehalten wird. An Schlofsvorrichtungen fanden wir neben dem alten Ecron brifé mit Drehfcheibe von Léroy d'Etiolles und dem Pignon von Charrière die neueren, viel zweckmäfsigeren und bequemeren Einrichtungen zum Oeffnen und Schliefsen der gebrochenen Schraube, und zwar: a) Die Druckfchieber- Vorrichtung von Thompfon( England). Das Vorfchieben des Knopfes fchliefst die Schraube, das Zurückfchieben öffnet fie. b) Die Umleg balken- Vorrichtung von Collin( brifepièrre à bascule). Vor- und Rücklegen des kleinen Balkens fchliefst und öffnet die Schraube ähnlich dem Thompfon'fchen Mechanismus. c) Die Hebelvorrichtung von Déformeaux( Frankreich). An der unteren Seite der Trommel ragt ein Hebelarm vor. Schliefst man das Inftrument, welches man ja beim Operiren an der Trommel hält, fefter in die Hand, was unwillkürlich der Fall ist, wenn man das Gefühl bekommt, den Stein gefafst zu haben, fo drückt man nothwendigerweife auch den Hebelarm und fchliefst die Schraube; ein Nachlaffen des Druckes genügt, um letztere wieder zu öffnen. Für geübte Operateure wie der Erfinder mag die Einrichtung fehr zweckmäffig fein, weniger geübte dagegen, oder Operateure, die mit Inftrumenten anderer Syfteme umzugehen gewohnt find, dürften wenigftens im Anfange die Schraube oft unzeitig fchliefsen. Erwähnenswerth ift endlich der von Collin erdachte und mit bewundernswerther technifcher Vollkommenheit ausgeführte Brife piérre portant une fcie fur fon bec male. Der gefafste Stein wird durch eine ftarke Kettenfäge ähnlich wie durch ein Hein e'fches Ofteotom nach und nach durchfägt. Zum Auspumpen der zertrümmerten Steinfragmente hat Maifonneuve ( Frankreich) ein finnreiches Inftrument erdacht. Die Procedur des Auspumpens der Fragmente ift bei gut functionirender Blafe nicht abfolut nothwendig, die Fragmente, wenn hinlänglich klein, gehen bekanntermafsen nach und nach mit dem Urin ab, bei etwas paretifcher Blafe jedoch geht der Urin allein ab und der Detritus verbleibt. Für folche Fälle ift das Auspumpen nach der Lithotripfie unumgänglich nothwendig, denn das Ausräumen mit dem Ramaffeur ift eine ebenfo inhumane als gefährliche Procedur, da hiebei die Urethral- Schleimhaut vielfach verletzt und zerriffen wird. Das Maisonneuve'fche Inftrument befteht aus einem weiten Katheter mit grofsem Fenfter, einer Pumpe und einem dazwifchen eingefchaltenen Glasrecipienten, der einerfeits das Ende des Katheters und anderfeits das Anfatzrohr der Pumpe aufnimmt. Der Katheter ragt frei in den Raum des Recipienten bis etwa zu deffen Mitte hinein. Die Pumpe aspirirt mit einiger Gewalt Blafenflüffigkeit in den Recipienten und treibt fie unmittelbar darauf dahin zurück. Durch die zurückgetriebene Flüffigkeit wird der ganze Blafeninhalt aufgewirbelt, und das zweite Einpumpen wird fchon Flüffigkeit und Detritus in den Recipienten einfaugen. Hier angelangt finkt der Detritus vermöge der gröfseren Schwere zu Boden und die Flüffigkeit allein wird zurückgetrieben. So wird nun fortgepumpt bis der Recipient viel Detritus am Boden zeigt. Chwat( Rufsland) hat eine Vorrichtung zu gleichen Zwecken erfonnen, welche der von Dittel angegebenen faft analog ift. Ein dicker Katheter hat am 6 Dr. Mofetig von Moorhof. Veficalende eine fchräge und fehr weite Offnung( Fenſter), die beim Einführen des Inftrumentes durch einen Obturator mittelft Mandrin gedeckt wird. An der Handhabe des Katheters befindet fich ein rechtwinklig abgehendes mit dem Katheter communicirendes Rohr, welches mit dem Schlauch eines Irrigators verbunden wird. Aus diefem fliefst das Waffer ohne Unterbrechung in die Blafe, fobald der Operateur die axiale Katheteröffnung mit dem Finger verfchliefst, und es entleert fich, Steinfragmente mitnehmend, aus der Blafe, fobald der Kautschukfchlauch gefchloffen und der Finger von der Kathetermündung entfernt wird. Dittel's Inftrument hat bekanntlich einen Verfchlufshahn, der den ftopfenden. Finger erfetzt. Endlich hat Leiter( Oefterreich) einen Katheter à double courant verfertigt, deffen Einfpritzcanal eng und deffen Abflufsrohr fehr weit ift; eine Nachahmung des Relique t'fchen Inftrumentes, nur mit dem einzigen Unterfchiede, dafs letzteres nur eine kurze Abflufsröhre, die nur wenige Zoll tief in die Harnröhre reicht, befitzt, während beim Leiter'fchen Katheter Zu- und Abflufsrohr die gleiche Länge befitzen. Die Idee und das Wefen des Apparates find jedoch bei beiden ganz identifch. Zum Zertrümmern von in der Harnröhre fteckenden, gröfseren Fragmenten hat Reliquet einen brifepiérre uréthrale erdacht, welcher in der Form den feinerzeit von Segalas und Nélaton angegebenen etwas ähnlich ift. Die weibliche Branche ift eine ftellbare Curétte mit der das Fragment gefafst wird. Die männliche Branche fchliefst hierauf. und zerftückelt das Fragment mittelft eines vierblätterigen kleinen Perforativftückes, welches in ihr verborgen ift, und durch eine Schraube getrieben wird. Mathieu hat zum Zertrümmern von Steinfragmenten in der Harnröhre ein Inftrument conftruirt, welches aus zwei in einander fteckenden Röhren und einem durch die Lichtung des inneren laufenden Perforativmandrin befteht. Jedes der Rohre ift zu einem kleinen, aber feften hakenförmigen, ftumpfen Ende ausgezogen. Je nachdem man nun die innere Röhre um die halbe Axe dreht, ftellen fich beide Hacken entweder parallel einer hinter den andern, oder aber fie opponiren einander. Im gefchloffenen Zuftande, id est bei parallel geftellten Haken führt man das Inftrument bis zum, und wo möglich über das Fragment, opponirt fodann durch Drehen die Haken und fucht das Fragment zwifchen beiden wie durch eine Zwinge zu faffen. Wenn diefs gelungen, zerdrückt man es mittelft des Perforativmandrins. Steinfchnitt. Aufser den verfchiedenartigft geformten Leitfonden und Meffern find jene Apparate zu erwähnen, welche, obzwar fehr alt, dennoch in neuerer Zeit wieder aufgefucht wurden, und welche ungeübten Händen dazu verhelfen follen, beim Perinealfchnitte wirklich die Harnröhre zu treffen und zu öffnen. Sie beftehen im Allgemeinen in troisquartähnlichen gefurchten Wegweifern, welche ohne Hinzuthun des Operateurs zur Leitfonde führen und ihm den Weg angeben follen, den er mit dem Meffer zu durchwandern hat. Die Apparate haben zwei verfchiedene Typen, entweder wird der Wegweifer von der Leibfonde aus durch das Mittelfleifch durchgeftochen, alfo von innen nach aufsen, oder er wird von aufsen durch das Mittelfleisch zur Leitfonde gebohrt, fomit von aufsen nach innen. Ein Mufter der erften Art ift der Apparat von Mércier. Die Leitfonde ift faft bis zum Buge katheterförmig gehöhlt, und bekommt erft im Schnabeltheile die untere Hohlrinne. Sie beherbergt in ihrem Innern eine gefurchte Pfeilfonde, welche, fobald die Leitfonde regelrecht eingeführt wurde, herausgeftochen wird, und am Mittelfleifche zum Vorfcheine kommt. Das nun in die Rinne der Pfeilfonde eingefetzte Meffer wird einfach hineingefchoben, es gelangt mit Sicherheit in die Furche der Leitfonde und trennt die Harnröhre. Smith in Baltimore hat ein Inftrument der zweiten Kategorie angegeben. Bei diefem artikulirt die Pfeilfonde mit einer gewöhnlichen Leitfonde knapp unter dem Griff. Ift die Leitfonde in die Blafe gebracht, fo bohrt der Operateur die Pfeilfonde von aufsen her in das Mittelfleifch, bis fie die Rinne der Leitfonde erreicht, fetzt fodann das Meffer in die Rinne der Pfeilfonde an und fchiebt es hinein. Chirurgifche Inftrumente. 7 Ein diefem ganz identifches Inftrument, angeblich von Klein, findet man in alten chirurgifchen Rüftkammern. Zur mechanifchen Dilatation des Blafenhalfes von der Perinealwunde aust hat Dolbeau( Frankreich) ein nach allen Seiten hin gleichmässig wirkendes Dilatatorium angegeben. Es hat Aehnlichkeit mit einer Hand mit aneinandergelegten Fingerfpitzen. An ein kleines Plateau find circa 8 oder 10 allmälig fich zufpitzende Metallzungen mittelft Charnieren verbunden. Ein Kautfchukband hält alle Zungen mit ihren Spitzen convergirend an einander, die zufammen etwa die Dicke einer Bleifeder haben dürften. So wird das Inftrument durch die Perinealwunde in den Blafenhals hineinzwängt, und nun drängt man mittelft einer Schraube einen kleinen Stempel zwifchen die Metallzungen hinein, welche auf diefe Weife beliebig ftark auseinandergetrieben werden. Alle anderen Dilatatorien, die ausgeftellt wurden, find Varianten des alten Pajola. Lithoklaften will ich im Allgemeinen alle jene Inftrumente nennen, welche den Zweck haben, nach gemachtem Blafenfchnitte den etwa zur Extraction zu grofsen Stein in der Blafe in Stücke zu brechen. Alle diefe Inftrumente werden demnach von der gefetzten Blafenfchnitt- Wunde aus eingeführt und unterfcheide ich fie infoferne von den Lithotriptoren. In der neueren Zeit, wo man den Schnitt felten bis in den Blafenhals hin ausdehnt, fondern wo man nur den membranöfen und einen Theil des proftatifchen Abfchnittes der Urethra durchtrennt, und den letzten oder hinterften Theil des proftatifchen Theiles fammt dem Blafenhalfe ftumpf erweitert, find auch die Lithoklaften häufiger zur Anwendung gekommen, als diefs in einer früheren Zeit der Fall war, wo man den Schnitt bis in die Blafe fortfetzte. - - Nélaton hat zwei Arten von Lithoklaften angegeben, feine ténétte a préffion ftellt eine ftarke mit Levret'fchem Schlofs damit man jeden Arm ifolirt einführen. könne verfehene Zange dar, deren Branchen in je zwei ftarke, gabelförmig divergirende, fcharf geränderte und fpitze Ausläufer endigen, und deren Griffe durch einen Schrauben- Querbalken mit grofser Kraft fich nähern laffen, um den gefafsten Stein zu zerdrücken. Für gröfsere und härtere Steine dient fein Forceps brise- pièrre, eine ſtarke, ebenfalls mit Schrauben- Querbalken ausgeftattete Zange, die einen axial gleichfalls durch Schraubenwirkung fich bewegenden Bohrftab mit kurzem und fcharfem Dreizack trägt. Der gefafste Stein wird theils durch Druck der Zangenarme, theils Modificationen diefer durch die fprengende Wirkung des Bohrers zerftückelt. Steinzerdrücker gibt es mehrere. Maifonneuve hat folgenden Lithoklaft erdacht. Ein gerader etwa ring fingerdicker, ausgehöhlter Metallftab endigt mit einem fchwach löffelförmig gewölbten, innen rauhen und zu einem Viertelkreis- Bogen gekrümmten Schnabel. Er imitirt die weibliche Branche eines Lithotriptors. In der Cilindrifchen Aushöhlung des geraden Theiles der Branche bewegen fich zwei concentrifch ineinandergefchachtelte, ftarke Metallftäbe. Der äufsere ift hohl und hat im ganzen Umkreife des vorderen Endes fägeförmige Zähne; der innere ift maffiv und endigt mit einer vierkantigen Spitze und ausgehöhlten Flächen( bajonnetartig). Bei der Anwendung führt man zuerft die weibliche Branche ifolirt an der Leitung des Fingers in die Blafe ein und umfafst damit den Stein. Hierauf fchiebt man die in einander gefchachtelten Stäbe bis zum Steine vor, und klemmt ihn damit ein unter Zuhilfenahme einer Schraube. Das Perforativftück, welches durch Schraubenwindung im hohlen Cylinder fich bewegt und beim Einführen darinnen verborgen war, wird nun vor und in den Stein eingefchraubt. Man bohrt mit Leichtigkeit das Perforativftück tiefer und tiefer ein und bricht damit in den meiften Fällen den Stein. Sollte diefs der Härte des Steines wegen nicht erfolgen, fo hört man mit dem Schrauben des Perforativftückes auf, und beginnt den Cylinder gleichfalls durch Schraubenwirkung vorzudrängen. Da nun der Cylinder einen gröfseren Durch 8 Dr. Mofetig von Moorhof. meffer befitzt als das Perforativftück, fo tritt die Wirkung des Keiles ein und der Stein wird hiedurch gefprengt. Der Bug der weiblichen Branche mufs aber ausnehmend gut und ftark gebaut fein, denn er mufs, falls der Stein beträchtlich hart ift, oft einen enormen Druck aushalten. Ueber Steinzangen ift wenig Neues zu berichten; dafs die eine fchärfer gezahnt, die zweite mehr flachgekrümmte Branchen und die dritte ein verfchiebbares Schlofs behufs gröfserer Parallelftellung hat, find längst bekannte Modificationen. - Entfernung fremder Körper aus der Blafe. Frankreich zeichnet fich in der Varietät genial erdachter Inftrumente diefer Kategorie aus. Es würde wohl zu weit führen, alle die hieher gehörigen Objecte zu befchreiben. Es genüge zu erwähnen, dafs zwei Ideen dabei vertreten find. Nach der einen bezweckt man den fremden Körper der meiftens ftabförmig ift- mit dem Inftrumente zu faffen, ihn, falls er quer gefafst wurde, axial mit dem Inftrumente zu ftellen und fo zu entfernen, nach der anderen will man den quer gefafsten Fremdkörper entweder, falls er weich ift, biegen und doppelt zufammengelegt extrahiren, oder, falls er hart und fpröde wäre, zerbrechen. Die Inftrumente befitzen zur Erreichung der gedachten Zwecke die verfchiedenartigften Mechanismen. Zum Blafenftich hat Dittel eine einfache Einlagecanüle aus weichem Kautfchuk angegeben, die an ein Stativ befeftigt ift, welches feinerfeits an der Symphyfe feftgegurtet wird. Das obere Ende der Canüle hängt mit einem doppel fchenkeligen Rohre zufammen, an deffen zweitem Schenkel ein Abflufsfchlauch feftgemacht wird und heberartig wirkt. Diefer Apparat kommt natürlich erft zur Anwendung, wenn die Stichwunde granulirt und die Gefahren der Urininfiltration vorüber find. Er erfetzt alfo die Fleurant'fche Doppelcanüle durchaus nicht und ift blofs beftimmt, dem Kranken das ftete Liegen im Bette zu erfparen und die Blafe weniger zu reizen. Unter dem Namen Dynamometer véfical hat Mallez( Frankreich) ein Inftrument angegeben, deffen Zweck ift, die Kraft des Harnftrahles bei atonifchen Zuftänden der Blafe zu prüfen. Ein Sperrhahn- Katheter hat zu diefem Behufe ein kleines Anfatzftück, welches im Innern eine bewegliche Platte an einen federnden Stift verbunden birgt, der den Zeiger eines Kraftmeffers bewegt. Die Scheibe des Kraftmeffers hat eine Scala mit der Eintheilung nach Grammen. Bei geöffnetem Hahn drückt natürlich die Flüffigkeitsfäule mittelft der Platte auf den Stift und diefer weift durch den Zeiger den Druck in Grammen aus. Weibliche Sexualorgane. Specula. Nebft den altbekannten Vaginalfpiegeln fanden wir den neuen fo vorzüglichen Scheidenfpiegel von Cusco( Frankreich), Speculum a bec de canard. Beim Oeffnen divergiren deffen vorderes und hinteres entenfchnabelförmiges Blatt blofs an ihrem freien Ende, während die vorderen, mit einander durch einen Ring verbundenen Endtheile keine Durchmeffervergröfserung eingehen. Hiedurch wird der Scheideneingang, als der empfindlichfte Theil, nicht gezerrt und das durch Schraubenwirkung oder Hebeldruck( zwei Varianten) erweiterte Speculum dilatirt ad maximum den Scheidegrund, ftellt den Muttermund ohne weiteres Zuthun ein, und fixirt fich derart, dafs er vom Operateur nicht mehr gehalten zu werden braucht. Durch die Erweiterung und Anfpannung des Scheidengewölbes wird auch der Uterus tiefer herabgezogen und zugänglicher gemacht. Spéculum trivalve échancre von Démouy( Frankreich) nennt fich ein dreiblat tiger Scheidenfpiegel, deffen eine Branche an beiden Enden je einen tiefen und weiten Ausfchnitt befitzt. Er foll das Touchiren mit den Fingern erlauben, ohne hiezu das Entfernen des Spiegels nothwendig zu machen. Chirurgifche Inftrumente. 9 Unter den fpatelförmigen Scheidenſpiegeln nehmen die von Sims angegebenen den erften Platz ein. Sie find wie bekannt löffelförmig. Collin und Mathieu haben daran zwei bewegliche Parallelftäbe angebracht, welche die Länge und Krümmung der Spatel befitzen. Aufgeftellt drängen fie die Seitenwände der Vagina auseinander, fpannen dadurch die obere Wand derfelben und treiben fie auch in die Höhe. Es wird dadurch zu den nöthigen Manipulationen bei Fifteloperationen mehr Platz gewonnen. Zur Erweiterung des Muttermundes und des Gebärmutter- Halfes fanden wir aufser den Einlagftäben für Laminaria und Prefsfchwamm, den Dilatateur utérin von Pajot( Frankreich). Zwei dünne, in ihrer Mitte artikulirende und in ein hölzerner Handhabe vereinigte Metallftäbe tragen an ihren Enden je ein doppelt knieförmig gebogenes und lang auslaufendes, kleines und gehöhltes Speculumblatt. Eine Schraube am Handgriffe erlaubt die Entfernung der Blätter von einander. Das Inftrument wirkt ähnlich einem zweiblätterigen Ohrfpiegel und erweitert den Mutterhals nach Bedarf. Zur Hyfterotomie waren nebft den artikulirten Meffern von Sims mehrere Modelle des Hyfterotome cachè ausgeftellt, die im Mechanismus dem Oefophagotome von Trélat ganz analog conftruirt find und in einem Tempo die doppelte Incifion des Muttermundes erlauben, von Greenholg u. A. Um dem Muttermunde Blut zu entziehen haben Collin und Mathieu ein Inftrument erdacht, welches einem blutigen Schröpfkopfe ähnlich wirken foll. Der Scarifateur ift ein runder Schröpfftock, der an einem längeren Der Stiele befeftigt ift und einen Hebel zum Losdrücken der Klingen befitzt. gläferne Schröpfkopf ift durch einen langen Glascylinder imitirt, welcher oben offen, unten gefchloffen ift. Die Metall- Verfchlufsplatte verlängert fich trichterartig zu einem Rohre, das mit einem Sperrhahne verfehen ift und mit einem Kautfchukfchlauche verbunden werden kann. Nach gemachter Scarification wird der Muttermund im Glascylinder aufgenommen und nun wird mittelft einer Saugpumpe, die man mit dem Kautfchukrohr in Verbindung bringt, im Cylinder der luftverdünnte Raum erzeugt. Diefer Apparat wirkt jedenfalls viel intenfiver als Blutigel oder einfache Scarificationen. Dafs man durch alleinige Benützung des Glascylinders auch den trockenen Schröpfkopf imitiren könne, ift wohl klar, anders ftellt fich freilich die Sache, wenn man dabei die Nützlichkeitsfrage in Betracht zieht. Injectionsapparate für die Gebärmutter- Höhle haben wir zwei gefunden. Die kleine Spritze mit Uterinrohr von Braun( Oefterreich) und den Injecteur intra uterin von Blatin( Frankreich). Letzteres ift ein langes Uterinrohr an deffen Ende ein kleiner Kautfchukballon angebracht ift, ähnlich dem Pulverbläfer für den Kehlkopf. Zur Abtragung der portio vaginalis uteri hat Collin eine Doppelguillotine conftruirt. Zwei gekrümmte und ihre Concavität einander zukehrende, fcharf gefchliffene Mefferklingen find an ihren oberen Enden mit einander verbunden, während jedes der unteren Enden mit den Branchen einer fcheerenartig gebauten Zange artikuliret. Oeffnet man die Zange, fo entfernen fich die Meffer von einander und bilden einen nach Belieben weiteren oder engeren Bogen. In diefen wird der Mutterhals gefafst, und durch Schliefsen der Zange concentrifch abgetragen. Der Operateur ift im Stande das zu entfernende Stück der portio vaginalis genau abzumeffen, und kommt nie in die fatale Lage mehr wegzunehmen, als er eigentlich gewollt hatte. Was die Mächtigkeit der Guillotine anbelangt, fo kann man mit dem Inftrument ein fechsfach zufammengelegtes, dickes Tuch oder Lederftück anftandslos und fcharf durchfchneiden. Cauterifation des Muttermundes. Hiezu hat Nélaton feinen wohl allgemein bekannten Gasbrenner, und einen Vaginalfpiegel mit Doppelwandung, Zu- und Abflufsrohr angegeben. Bei der Cauterifation wird durch den Wandraum 10 Dr. Mofetig von Moorhof. des Spiegels mittelft der Rohre ein continuirlicher Strahl kalten Waffers durchgeleitet, damit die Vaginalwandungen und deren Umgebung durch die Glühhitze der Gasflamme nicht leiden. Uterusträger. An Peffarien fanden wir neu die Hebelpeffarien von Aluminium von Hodge( England) und einen Peffarienträger von Sims( Amerika), welcher dazu dient, das Peffarium richtig einzulegen: ein etwas gekrümmter Metallftab mit einer Aushöhlung an der Spitze und einem Haken am Körper. Zwifchen beiden wird das Peffarium der Länge nach gefafst und gehalten. Uterusträger, die am Becken befeftigt werden, und vom Mittelfleifche aus in die Scheide hineinragen, hat Spillmann( Amerika) ausgeftellt. Ein gekrümmter Stab trägt einen oder zwei übereinander ftehende, horizontale, luftpolfterartig gebaute, gehöhlte Scheiben, welche von fchwachen Spiralfedern getragen werden. Die Elafticität und das Schwungvermögen diefer Hyfterophoren iſt bedeutend, namentlich bei jenen Apparaten, die zwei Scheiben und demnach zwei Federfpiralen befitzen. Der Muttermund wird in die Aushöhlung der Scheibe gebracht, und der Uterus fomit fchwebend getragen. Diefe Art Hyfterophoren haben zweifellos einen bedeutenden Vortheil vor den ftarren, da fie beim Gehen die Bewegungen des Uterus nicht auf brüske Weife hemmen, und demzufolge auch beffer und leichter vertragen werden. Es mag der Unterfchied beiläufig der fein, wie zwifchen einem federlofen Bauernwagen und einer gut federnden Sänfte. Polypen des Uterus. Zum Faffen der Uteruspolypen ift von Robert ( Frankreich) eine Zange conftruirt worden, welche mit fcharfen Spitzen das Neugebilde zu faffen vermag. Jedoch fpringen die Spitzen erft im Momente des Faffens vor, fo dafs der Operateur bei der Handhabung fich nicht verletzen und die glatte Zange auch über das Neugebilde bis zu deffen Halfe unaufgehalten gleiten kann. Das Vorfpringen der Spitzen wird im nöthigen Momente mittelft Schubern bewerkstelligt, die an der Aufsenfeite jedes Zangenarmes laufen. Ein ähnlich conftruirtes, und dasfelbe bezweckendes Inftrument hat auch Richet( Frankreich), angegeben. Zum ficheren und richtigeren Faffen von Neoplasmen, deren Infectionsgrenzen nicht in einer und derfelben Ebene liegen, hat Greenhalgh( England) eine Pince a branches gliffantes ausgeftellt, bei der eine Branche im Schloffe verfchoben werden kann, nach vor- oder rückwärts, ohne ihr Faffungsvermögen im geringften zu alteriren. Die Zange ift im Uebrigen der Mufeaux'fchen analog gebaut. Zur künftlichen Befruchtung finden wir den Fécondateur artificiel von Pajot( Frankreich). Ein etwa kielfederftarker Glascylinder ift in zwei Halbcylinder zerlegbar, welche auf einander fich verfchieben laffen. Zieht man den einen etwas zurück, fo bleibt der rinnenförmige Theil des anderen Halbcylinders prominent. Mit diefem fchöpft man nun wie mit einem Löffelchen im hinteren Vaginalgewölbe etwas von dort unmittelbar früher deponirtem Sperma virile auf, fchliefst den Cylinder, führt ihn fofort in die Uterushöhle ein, und prefst alldort den Inhalt durch Stempeldruck wieder aus. Retrouterinal Abfceffe. Zur Entleerung diefer hat Monat( Frankreich) ein wohl unnöthiges Inftrument conftruiren laffen. Ein langer Troicart beherbergt in feiner Cannüle zwei Mefferklingen, welche durch eine Schraube zum Vorfpringen gebracht werden können. Die Troicart cannüle bedeckt den Stachel und erft beim Anlegen und Drücken wird der Stachel, indem die Cannüle etwas zurücktritt( Federwirkung), prominent, durchbohrt das Hindernifs, und wird gleich wieder von der Cannüle umfafst, fobald diefes überwunden ift. Die ftumpfe Cannüle wird nun weiter vorgefchoben, und ift fie genügend tief, fo läfst man die Meffer vortreten und fchneidet im Zurückziehen. Veficovaginal- Fifteln. Befondere Einstellungsapparate haben wir nicht zu verzeichnen, dagegen müffen wir ein gut ausgedachtes Verfahren von Corradi erwähnen, welches die Auffrifchung der Fiftelränder betrifft. Dafs das Chirurgifche Inftrumente. - 11 Refultat der Operation von der exacten und correcten Auffrifchung fehr viel abhängt, und dafs diefer Act der Operation zu den fchwierigften gehört, ift wohl bekannt. Corradi erleichtert fich diefe Aufgabe folgendermafsen: Breitgedrückte, gekrümmte Heftnadeln ohne Oehr werden von einem zum anderen Wundwinkel der Fiftel in kurzen Zwifchenräumen- möglichft nahe bei einander durch beide Fiftelränder je doppelt durchgeftochen, fo dafs fie von jedem einen beliebig breiten und tiefen Saum umfaffen. Ift die Fiftel ihrer ganzen Länge nach derart mit Nadeln befpickt, fo fchneidet man mit einer eigens hiezu conftruirten Scheere, welche der Fläche nach gekrümmte Blätter hat, die Nadeln mit einem Schlage heraus. Um diefs ficherer und bequemer ausführen zu können, befitzt die Scheere an ihrer concaven Seite ein im gleichen Sinne gekrümmtes drittes, jedoch ftumpfes Blatt, welches in der Axe der Scheere gegen die Schneideblätter bewegt werden kann. Es dient zur Fixirung der Nadeln. Mit dem Herausfchneiden der Nadeln hat man natürlicher Weife auch die Fiftel in ihrem ganzen Umkreife wund gemacht. Fiftelmeffer, Haken und Pinzetten der verfchiedenften Form, Nadelhalter und Näh- Werkzeuge aller Art find ausgeftellt worden. Es würde ohne Zeichnung fchwer möglich fein, über alle zu berichten; ich will nur das Näh- Werkzeug von Leroy d'Etiolles( Frankreich) anführen, welches die Nadel in einem Kreisbogen bewegt und zum Nähen in der Tiefe fehr praktiſch fein dürfte. Ovariotomie. An Troicart's fanden wir nebft dem einfachen Hohltroicart von Spencer Wells( England) und dem Stacheltroicart von Robert jene, welche Vorrichtungen befitzen um die Cyftenwand zu fixiren, und fowohl deren Abrutfchen von der Troicartcannüle, als auch das Danebenfliefsen des Cyfteninhaltes zu verhindern, und zwar: Den Troicart von Küchenmeifter( Deutfchland) mit doppelten Fangarmen, die gegen die Cannüle durch Federwirkung fchliefsen, und mit fcharfen. Spitzen verfehen find. Den Troicart von Collin mit rafch fteigender Schneckenwindung und Schraubplatte. Nachdem er eingeftochen worden, dreht man den Troicart um die eigene Axe und windet die Cyftenwand rafch bis zur oberften breiten. Schneckenwindung, allwo angelangt, fie zwifchen diefer und der Schraubplatte feftgeklemmt wird. Den Troicart von Panas( Frankreich) mit Stellfedern und Schubplatte. Aus der Troicart cannüle treten, nachdem es eingeftochen wurde, aus vier kleinen Fenftern vier Metallblätter hervor. Die Cyften wand wird zwifchen diefen und der Schubplate feftgeklemmt. Den Troicart von Mathieu mit Teller und Luftballen. Vor der Abflufsröhre trägt der Troicart eine tellerförmige Platte und unmittelbar vor diefer einen kleinen Kautfchukballon der leicht aufgeblafen werden kann und in diefem Zuftande fich knapp an den Teller, anlegt. Bei der Anwendung wird der Troicart bis zum Teller in die Cyfte eingeftochen und hierauf rafch der Ballon aufgeblafen. Diefer klemmt nun zwifchen fich und dem Teller die Cyftenwand ein. - Zum Faffen der Cyftenwände erwähnen wir die fehr brauchbare Plattenzange von Nélaton. Zwei runde, fcharf gerinnte und mit fechs fcharfen und durchgreifenden Spitzen eine Platte trägt die ftark vorfpringenden Spitzen, die andere entsprechende Löcher- verfehene Zangen geftatten das fichere Faffen und Halten der Cyftenwand. An Klemmen fanden wir nebft der ursprünglichen Klemme von Spencer Wells und mehrfachen Modification derfelben, auch die Ecrafeur Kettenklemme. Ferner erwähnen wir als zur Ovariotomie gehörend die pince à amorcéllement, und die pince à cauterifation, beide von Péan( Frankreich). Erftere dient zum langfamen Zerdrücken oder Zerbeifsen fefter Adhäfionen, um die Blutung zu vermeiden, letztere zur Application des Glüheifens an blutenden Stellen, wobei fie die Aufgabe hat, die zu cauterifirende Partie ficher zu halten und die Umgebung vor der Glühhitze zu fchützen. 12 Dr. Mofetig von Moorhof. Geburtshilfe. Geburtszangen waren gewifs reich vertreten. Wir fanden alle möglichen Varianten, felbft den Léniceps von Mattei und deffen Modification von Hamon de Fresnay. Neu und befonders intereffant find jedoch die zwei Forcipes à traction continuelle von Chaffagny( Frankreich) und Rouffel( Schweiz). Der in diefen Inftrumenten vertretene gemeinfame Gedanke der beiden Erfinder ift, die Entwicklung des Kindes nicht der Armeskraft und der Gefchicklichkeit des Operateurs zu überlaffen, fondern diefelbe einem continuirlich wirkenden, mechanifchen Zuge, welcher vom Operateur blofs geregelt wird, zu übertragen. Die Erfinder meinen, ihre Methode führe fchneller zum Ziele, wirke fchonender auf Mutter und Kind als das gewöhnliche Verfahren, und fie fetze auch den minder gewandten Geburtshelfer in die angenehme Lage, mit ficherem Erfolge und grofser Bequemlichkeit feines Amtes zu walten; ja fie geftatte die Exerese auch in jenen Fällen von bedeutenden Beckenverengerungen, wo bisher zu anderen Gewaltmitteln gegriffen werden musste. Die Componenten der Apparate find: Eine Geburtszange, eine Spange, die an einem feften Punkte am Körper der Kreifenden angelegt wird, und einer Schraube nebft Schnur, welche den conftant wirkenden Zug ausüben. Chaffagny's Apparat ift der ältere und möge daher zuerft befprochen werden. Die Geburtszange hat nicht gekreuzte, fondern parallele Arme, welche ftatt dem Schloffe durch einen Querftab vereinigt werden, und an den Handhaben eine Fixirfchraube tragen. Die Krümmung und der Bau der Kopftheile der Zange find denen gewöhnlicher, gefenfterter Geburtszangen gleich. Die Stützftange ift ziemlich lang, hat gepolsterte Enden und trägt am Mittelpunkte eine gerade und rechtwinkelig, nach rückwärts abgehende Schraube, an der durch eine Handwelle ein kleiner Cylinder hinauf und herunter bewegt werden kann welcher centralwärts einen Haken auffitzen hat. Diefe Stützftange wird der Kreifenden in der Geburtslage an den oberen Epiphyfen beider Unterfchenkel knapp unter der Patella angelegt; die Kniee bilden fonach bei Chaffagny die feften Punkte, welche die Traction auszuhalten haben. Der Zug felbft wird durch eine Schnur bewerkstelligt, welche einerfeits um beide Fenfter der Geburtszange gefchlungen, und anderfeits am Haken des Schraubencylinders feftgemacht werden. Die Schnüre müffen fo hoch oben eingreifen, denn hätten fie am Ende der Handhaben ihren Angriffspunkt, fo würde trotz der parallelen Arme der Kindesfchädel gequetfcht werden können. Rouffel hat eine gewöhnliche, gefenfterte Geburtszange mit gekreuzten Branchen und eine Stützftange, welche dem Gefäfse der Kreifenden angepasst wird, und ftatt der langen Schraube eine kleine Schraubwelle mit Sperrvorrichtung trägt. Auch hier wird die Schnur um die Zangenfenfter herumgelegt und an der Welle befeftigt. Eine kleine Dynamometer- Vorrichtung gibt auch von der jeweilig angewandten Zugkraft genaue Kunde, ift aber infoferne überflüffig, als die Grösse der Zugkraft ja nicht früher beftimmbar ift. Beffere Auskunft gibt jedenfalls die Welle oder Schraube nach der Kraft, mit der fie bewegt werden kann. So wie faft allgemein in der Chirurgie gibt auch hier das Gefühl des Operateurs den beften Dynamoter ab. Der wefentliche Unterfchied beider Apparate ift demnach die Verfchiedenheit der Stütz- oder Angriffspunkte der Kraft; Chaffagny hat die Kniee, Rouffel die Sitzknorren dazu gewählt. Offenbar find letztere ftabiler als erftere, deren Stellung durch jede Bewegung der Kreifenden geändert werden kann. Ift der Apparat angelegt, fo foll man ohne Rückficht auf Wehen oder Wehenpaufen die Schraube wirken laffen, bis der Widerftand grofs wird. Nun wird paufirt bis der in der Bewegung der Schraube gefühlte Widerftand fich verringert hat, worauf neuerdings bis zur Erreichung des früheren Widerftandes fortgefchraubt wird, Chirurgifche Inftrumente. 13 So wird nun bis zum Durchfchneiden des Kopfes aus den Schamtheilen fortgefahren. Mögen die Geburtshelfer vom Fach über den Werth der Traction continuélle ein Urtheil fprechen. Kephalotribe fanden wir auch reichlich vertreten und kamen die von Braun, Dubois, Depaul, Valétte de Lyon u. A. m. zur Ausftellung, ferner der Kranioklaste von Simpfon( England), der Transforateur von Hubert de Louva n( Frankreich), der Braun'fche Haken und der Embryotome und der Couteau embryotome von Ja quemier( Frankreich). Von Forceps scie fanden wir zwei Exemplare, den einfachen von van Huvel und den doppelten von Collin. Das Inftrument von van Huvel ftellt einen gefenfterten Forceps dar. An der Innenfläche des einen Fenfterbalkens jedes Zangenarmes läuft eine Hohlrinne, welche eine Kettenfäge nebft einem Conductor aufnimmt. Bei gefchloffenen Armen geht die Kettenfäge an einem Conductor längs der Rinne des Fenfterbalkens eines Zangenarmes hinauf, tritt dann aus der Rinne heraus, fetzt quer über den Innenraum des Forceps zum anderen Zangenarme hinüber und läuft hier angelangt, im zweiten Conductor längs der Hohlrinne des Fenfterbalkens diefes zweiten Zangenarmes wieder herab. An den Aufsenenden hat die Kettenfäge je einen kleinen Querbalken als Handhabe. Bei der Anwendung geht die Wirkung der Kettenfäge von unten nach oben, das heifst, vom Schloffe zur Abrundung der Zangenbranchen, und ift ihre Bewegung eine doppelte, einmal quer von einer Branche zur anderen, wodurch fie fägend auf den gefafsten Kindeskopf wirkt, und zweitens vertical von unten nach oben, was durch die Conductoren mittelft Schraube erreicht wird. Hiedurch vermag die Säge den Kindesfchädel vom Scheitel bis zur Bafis nach und nach entzwei zu trennen. Beim Forceps à double scie von Collin einem Meifterwerke inftrumentaler Technik ift der Mechanismus dem fo eben befchriebenen im Ganzen wohl ähnlich, nur find hier beide Fenfterbalken jeder Zangenbranche gehöhlt, und zwei Kettenfägen bewegen fich darin zu gleicher Zeit, und treffen am Ende der Hohlrinnen zufammen. Mit diefem Inftrumente fägt man demnach vom Kindesfchädel ein dreieckiges Stück heraus, deffen Bafis dem Scheitel, deffen Spitze dem Schädelgrunde entſpricht. - Vom rein inftrumentalen Standpunkte wäre noch zu erwähnen, dafs van Huvel feine Kettenfäge an der Hinterfeite des Schloffes austreten läfst, während Collin beide Sägen an der Vorderfeite der Griffe hat, ein Umftand, welcher das Sägen etwas erleichtern dürfte. Endlich hat Mathieu die Idee der Van Huvel'fchen forceps fcie mit einem Kephalotribe vereinigt. Die Zangenbranchen find fchmal, nicht gefenftert und ftark gehöhlt, die Ränder fcharf. Die Kettenfäge bewegt fich in der Mitte der Aushöhlung, und die Handhaben des Forceps find unten wie alle Kephalotribe mit einer Schraubftock- Winde verfehen. Mit dieſem Inftrumente kann man den Schädel des Kindes entzweifägen und die Hälften gleich zerdrücken und auseinanderdrängen. Varia. Transfufion des Blutes. Zur Transfufion defibrinirten Blutes ift aufser verfchiedenen Glasfpritzen von Martin u. A. der durch Luftdruck wirkende Apparat von Belina zu erwähnen. Er befteht aus einem 150 Gramm haltenden Glascylinder von etwa 5 Centimeter Durchmeffer, welcher unten zu einer kielfederdicken offenen Spitze ausgezogen ift, und feitlich knapp unter der Verfchlufsplatte ein rechtwinkelig abftehendes, kurzes Rohr trägt, welches durch einen Kautschukftoppel verfchliefsbar ift. In diefen Cylinder wird das defibrinirte Blut eingefüllt. Die Cylinderfpitze kommt mit einem Kautfchuckfchlauche in Verbindung, welcher die zur Einführung in die Vene beftimmte Cannüle trägt. Das Blut wird aus dem Cylinder dadurch 2 14 Dr. Mofetig von Moorhot. getrieben, dafs man durch das obere Rohr, nach Abnahme des Stoppels mittelft eines dafelbft eingepafsten doppelten Kautfchukballons Luft eintreibt. Diefe fammelt fich zwifchen Blut und Verfchlufsplatte an, und ift fie genügend verdichtet, fo treibt fie allmälig das Blut aus dem Cylinder durch den Kautfchuckfchlauch in die Vene ein. Um den Lufteintritt in die Vene vor dem Beginne der Transfufion zu verhüten, ift die Einfatzcannüle troicartähnlich gebaut, und zweifchenklig. Der axiale Schenkel nimmt den Troicartftachel auf, der ftumpfwinklig angefetzte den Kautfchuckfchlauch des Cilinders. Vor der Anfetzung des Schlauches zieht man den Stachel foweit zurück, bis etwas Blut durch den Schlauchfchenkel aus der Vene herausrinnt. Hiedurch wird fämmtliche Luft aus der Cannüle herausgetrieben, zu gleicher Zeit läfst man durch den Schlauch etwas Blutflüffigkeit aus dem Recipienten ausrinnen, unmittelbar bevor man Schlauch und Cannüle mitfammen verbindet. Der Apparat fpielt, wie ich mich wiederholt zu überzeugen Geleheit hatte, vorzüglich, nur habe ich den Stachel des Troicarts durch einen vorne ftumpfen Stab erfetzen laffen, da ich es vorziehe, die Eröffnung der Venenwand mit der Scheere vorzunehmen. Noch wäre der Mantelüberzug für den Recipienten zu erwähnen, der die Beftimmung hat, jede Abkühlung des Blutes während der Transfufion zu verhüten. Er wird über den Recipienten gezogen, fobald diefer aus dem Wafferbade genommen wird, und ift an beiden Seiten der Länge nach gefpalten, damit man die Vorgänge innerhalb des Recipienten beobachten könne. Ein leicht zu handhabender Apparat zur Transfufion ift von Mathieu angegeben worden. Er beſteht aus einem Glas cylinder, welcher nach unten fpritzenförmig gefchloffen ift, und oben einen weiten, mit einer Klappe und Ventilvorrichtung verfehenen Trichter trägt. Innerhalb des Cylinders bewegt fich mittelft einer gezähnten Pumpenftange ein genau fchliefsender Stempel. Ein Zahnrad fungirt als Motor. Die Pumpenftange ift ihrer ganzen Länge nach gehöhlt, und verbindet fich am Aufsenende mit einem Kautfchukfchlauche welcher die Einfatzcannüle trägt. Das defibrinirte Blut wird durch den Trichter in den Cylinderraum gebracht, und hierauf, nach Entfernung der Luft mittelft Stempeldruck durch die Pumpenftange in den Kautfchuckfchlauch und weiter in die Vene getrieben. Zur Transfufion nicht defibrinirten Blutes hat Dr. Rouffel aus Genf folgenden neuen Apparat angegeben. Ein kleiner Doppelrecipient aus Metall hat die Beftimmung an die Ellbogen Beuge des Individuums aufgefetzt zu werden, der das Blut gibt. Er ift der Form nach ähnlich einem ovalen Glasfturze und beherbergt in feinem Innern zwei, von einander vollſtändig getrennte Räume. Der kleinere Innenraum ift cylinderförmig und trägt eine Aderlafs- Lanzette an einem Stabe, welcher aus dem Dache des Recipienten herausragt, und einen Knopf trägt. Der Aderlafs wird im gegebenen Momente durch Herunterdrücken des Knopfes fchnepperartig gemacht. Mit dem Innenraume hängen zwei Kautfchuckfchläuche in Verbindung. Einer trägt am Ende einen Metallring als Befchwerer und foll unter Waffer geftellt werden, wir wollen ihn a nennen, der andere b erweitert fich in feinem Verlaufe zu einem kleinen Handballon, der als Pumpe dient, ift gegen fein Ende zu durch eine eingefchaltete kurze Glasröhre unterbrochen, und trägt die Einfatzcannüle. Der äufsere gröfsere Raum, zwifchen dem eben befchriebenen und der Recipientenwand gelegen, ift ebenfalls mit einem Kautfchuckballon in Verbindung, der den Zweck hat, die Luft dafelbft zu verdünnen, wodurch der ganze Apparat in der Ellbogen- Beuge des Blutfpenders durch Luftdruck feftgehalten wird. Hiezu ift deffen Rand der Form der Ellbogen- Beuge entſprechend, etwas wellenförmig gebaut, abgerundet und trägt zwei kleine Marken, welche mit der Richtung des Verlaufes der blutfpendenden Vene gerichtet fein müffen, damit die verborgene Lanzette diefe auch mit Sicherheit treffen könne. Der Gebrauch diefes Apparates ift folgender: Man prefst den Kautfchuckballon des Aufsenraumes zufammen, drückt den Recipienten mit Rückficht auf die Markenrichtung in die Ellbogen- Beuge, und läfst nun den Ballon aus; indem er fich wieder auszudehnen ftrebt, verdünnt er die Chirurgifche Inftrumente. 15 Luft im Aufsenraume und der Recipient wird durch den äufseren Luftdruck in feiner Lage unverrückbar feftgehalten. Da der cylindrifche Innenraum mit feinem Rand das gleiche Niveau mit jenem des Recipienten einhält, und fomit der Haut der Ellbogen- Beuge knapp und genau anliegt, bleibt diefer von der Luftverdünnung ausgefchloffen. Nun wird die Luft aus diefem Innenraume und dem Kautschukfchlauche dadurch ausgetrieben, dafs mittelft des im Abfchlufsrohre beingefchalteten Handballons laues Waffer durch die Röhre a in den Innenraum und die Röhre eingefogen wird, bis es durch die Einfatzcannüle herausfpritzt. Ift fomit alle Luft forgfam ausgetrieben, fo drückt man auf den Knopf der Lanzettenftange und macht den Aderlafs. Durch fortgefetztes Pumpen treibt man das Waffer vollends aus, und Blut rückt nach. Rafch wird nun die Einfatzcannüle in die Vene eingebunden, oder auf eine zweite früher eingebundene Cannüle angefetzt, aus der man im felben Momente die Luft, durch Austretenlaffen einiger Tropfen Blutes ebenfalls austreibt. Es wird nun fort und fort gepumpt, bis die Transfufion beendigt ift, und hiedurch nicht defibrinirtes Blut von der Vene eines Individuums direct in jene eines zweiten getrieben. Die Menge des transfundirten Blutes wird aus der Anzahl der Zufammendrückungen des Pumpballons gemeffen, indem man früher leicht eruiren kann, wie viel Flüffigkeit die einmalige Action der Pumpe austreibt Damit der Apparat nicht verfage, mufs er ausnehmend genau conftruirt fein, und namentlich mufs die Treibftange der Lanzette luftdicht der Dachöffnung des Recipienten anpaffen, damit nicht auf diefem Wege Luft in den Apparat während der Action gelange. Da der Apparat neu ift, und mir fowohl als Anderen darüber jede Erfahrung abgeht, enthalte ich mich jeder kritifchen Beleuchtung, wofür es a priori viele Anhaltspunkte gehen dürfte. Rouffel foll damit in zwei Fällen die Transfufion mit glücklichem Erfolge ausgeführt haben. Moncoq( Frankreich) hat zur directen Transfufion nicht defibrinirten Blutes einen Apparat erfonnen, welcher einer Klyfopompe nicht unähnlich ift. Man denke fich eine gläferne Klyfopompe mit zwei, mit Klappen verfehenen Abflufsröhren, an denen mittelft Kautfchukfchläuchen je eine Troicartcannüle hängt. Eine Cannüle kommt in die Vene des Blutfpenders, die zweite nach Austreibung der Luft in die Vene des zu Transfundirenden und die Klyfopompe faugt zuerft das Blut ein und treibt es dann wieder aus. Inftrumente zur Blut ftillung. An Pincetten, welche Vorrichtungen befitzen, um den Ligaturfaden über die Pincettenfpitze zu fchieben und die Fingernägel des Affiftenten zu erfetzen, find mehrere Varianten ausgeftellt worden. Doch nihil novi sub sole könnte man bei deren Betrachtung ausrufen, die alten Rüftkammer- Pincetten von Förfter, Paland, Blömer u. A. erfcheinen eben in frifcherer Adjuftirung und in zierlicherer Form. Neu, doch nicht befonders zweckmäfsig und auch gar nicht nothwendig, ift ein Apparat von Collin zur Unterbindung fehr kleiner Arterienäfte, die mit der Pincette fchwerer ifolirt zu faffen find. Bekanntlich hilft man fich in folchen Fällen dadurch, dafs man eben etwas mehr Nachbargewebe mitfafst und dann den ganzen Kegel unterbindet. Ganz dasfelbe leiftet der Collin'fche Apparat. Ein kleiner, konifch zulaufender Cylinder, einer kleinen konifchen Trepankrone nicht unähnlich, birgt einen feinen centrifch verlaufenden Stab, der an feinem Ende zwei divergirende kleine Häkchen auffitzen hat. Eine Feder drückt den Stab vor und dreht ihn zugleich ein paar Mal um die Axe; vorgelaffen fchnellt der Stab von felbft zurück. Der Cylinder wird der blutenden Stelle aufgefetzt und nun der Stab vorgedrückt. Er fafst das Gewebe, dreht es um die Axe, und fpannt den Kegel durch fein Zurückfchnellen. Ein Ligaturfaden wird nun längs des konifchen Cylinders zum Kegel geleitet und letzterer unterbunden. Afpirateure find Apparate, welche, wenn auch nicht neu, doch erft in der neueren Zeit in der operativen Chirurgie eine grofse und früher kaum geahnte Verbreitung gefunden haben. Man wendet fie bekanntlich zu diagnoftifchen oder 2% 16 Dr. Mofetig von Moorhof. zu therapeutifchen Zwecken an. Die Apparate, nach dem Syfteme der Pumpen conftruirt, beftehen im Allgemeinen aus einem feinen Troicart und einem damit verbundenen Pumpwerke. Bei ihrer Anwendung wird der luftverdünnte Raum entweder während der Action felbft nach und nach durch Retraction des Pumpenftengels erzeugt, oder die Luftverdünnung wird fchon vor der Action vollends bewerkstelligt. In diefer Verfchiedenheit beruhen eben die Varianten der Afpirateure. Wenn auch nicht wefentlich, fo ift diefe Verfchiedenheit für den Chirurgen doch infoferne wichtig, als er mit den Apparaten letzterer Art mit gröfserer Bequemlichkeit operirt, und während der Operation feine Hände und feine Aufmerkfamkeit beffer verwenden kann als mit dem Ziehen des Stempels. Apparate erfter Art ftellen Glasfpritzen mit Schliefshähnen dar, an denen man mit oder ohne Einfchaltung von Kautfchukröhrchen feine fchneidende Troicartcannülen befeftigt, die an Stärke des Kalibers und an Länge vielfach variirend, den Stichcannülen der Pravaz'fchen Injectionsfpritzen ähnlich gebaut find. Apparate letzter Art find von Dieulafoy und Potain( Frankreich) ausgedacht worden. Der Unterfchied beider ift wefentlich der, dafs bei Dieulafoy die ausgepumpte Flüffigkeit in den Spritzenraum felbft eingefogen wird, wogegen bei Potain der luftverdünnte Raum nicht in der Spritze felbft, fondern in einer dazwifchen eingefchalteten Flafche hergeftellt wird, und demzufolge die Flüffigkeit auch nur in diefe ftrömt. Die gröfsere Einfachheit und Billigkeit, die leichtere Reinigung und Confervirung des Apparates geben dem Potain'fchen Inftrumente für die Praxis den Vorzug; Dieula foy hingegen hat die Priorität der Idee und das unbeftreitbare Verdienft dem Afpirationsverfahren Bahn gebrochen zu haben. Wir wollen die Apparate felbft näher beleuchten. Von Dieulafoy waren drei Varianten ausgeftellt: Der Afpirateur a enucoche, das erfte und urfprüngliche Inftrument. Es beſteht aus Stich canüle, Kautfchukrohr und dem Afpirateur: eine Glaspumpe von 45 bis 50 Grammes Inhalt mit zwei Sperrhähnen an den beiden Ausflufsrohren, von denen eines in der Axe, das andere rechtwinkelig zur Axe des Inftrumentes fteht. Die Pumpftange hat unmittelbar hinter dem Stempel einen Ausfchnitt encoche), welcher nach Zurückziehung des Stempels durch eine Drehung nach rechts in einen am Schlufsdeckel der Pumpe befindlichen Vorfprung eingepafst werden kann, wodurch der Stempel am Schlufsdeckel fixirt wird. Beim Gebrauche fperrt man zuerft beide Hähne ab, zieht hierauf den Stempel zurück, und befeftigt. ihn in der zurückgezogenen Lage auf die früher angedeutete Art. Der Pumpenraum wird dadurch luftverdünnt. Ift nun die Stichcannüle in die Flüffigkeit enthaltende Körperhöhle eingedrungen, fo braucht man blofs den Hahn jener Abflufsröhre, mit der die Cannüle verbunden wurde, zu öffnen, um die Flüffigkeit fofort in den Spritzenraum zu bekommen. Ift diefer vollgefüllt, fo fperrt man den Hahn wieder ab und öffnet jenen der anderen Abflufsröhre, befreit den Stempel durch Drehen nach links von feiner befeftigten Lage, und entleert durch ihn die Flüffigkeit. Nun kann man wie früher den luftverdünnten Raum wieder herftellen und das Auspumpen beliebig fortfetzen. Dafs man mit diefem Apparate nach dem Auspumpen ohne jede Unterbrechung auch Flüffigkeiten in die entleerte Höhle einfpritzen und wieder einpumpen könne, ift wohl klar. Afpirateur a crémaillère unterfcheidet fich vom früheren durch feine Gröfse, indem der Pumpenraum 150 Gramm Flüffigkeit zu faffen vermag. Die gezähnte Pumpenftange wird nicht unmittelbar durch die Hand, fondern durch ein Zahnrad mittelft eines Schlüffels, ähnlich wie bei einer Klyfopompe bewegt, und die Fixirung des Stempels an jedem beliebigen Punkte durch einen Stift beforgt. Die Pumpe ift in etwas fchiefer Stellung an ein hölzernes Poftament befeftigt, wodurch das Halten des Inftrumentes während der Operation vermieden wird. Chirurgifche Inftrumente. 17 Double afpirateur. Diefer Apparat ftellt zwei fenkrecht neben einander ftehende Afpirateure a crémaillère dar, die an einer feften Unterlage fo nahe neben einander befeftigt find, dafs ein Zahnrad beide Pumpftangen in Bewegung fetzen kann. Diefes Bewegen der Pumpftangen erfolgt in entgegengefetztem Sinne, infoferne als beim Drehen des Zahnrades gleichzeitig eine Pumpftange hinauf und die zweite hinunter bewegt wird. Hiedurch faugt die eine Pumpe, während die andere gleichzeitig die früher aufgefogene Flüffigkeit austreibt. Vier Klappen vermitteln den richtigen Gang. diefes pneumatifchen Apparates. Hähne und Fixirftift fehlen natürlich an den Pumpen, dagegen ift die Stichcannüle mit einem Schliefshahne verfehen. Mit diefem Apparate erleidet das Auspumpen keine Unterbrechung, was bei den zwei früher erwähnten Modellen ftets der Fall fein mufs, nur wäre er kaum in die Gruppe jener Apparate zu zählen, bei denen das Vacuum vor der Operation bewerkstelligt wird, fondern gehört mehr in die erfte Gruppe, bei denen das Vacuum während der Operation erzeugt wird. Der Afpirateur von Potain befteht aus einer beliebigen Flafche, die mit einem genau und gut paffenden Kautfchukftoppel verfchloffen wird. Eine Metallröhre durchbohrt den Stoppel und theilt fich aufserhalb des letzteren in zwei Arme, die mit Hähnen verfehen find. Ein Arm verbindet fich mittelft eines Kautfchukfchlauches mit einem feinen Stacheltroicart, der andere ebenfalls mittelft eines Kautfchukrohres mit einer Pumpe. Bei geöffnetem Pumpenhahne wird zuerft die Luft aus der Flafche gepumpt und in diefe ftrömt die Flüffigkeit fobald der Troicarthahn geöffnet wird. Die Menge der ohne Unterbrechung der Operation zu entleerenden Flüffigkeit variirt nach dem Inhalts quocienten der gewählten Flafche, wefshalb auch diefer Afpirateur zum Unterfchiede des Dieulafoy'fchen der Afpirateur a vide variable genannt wird. Die Vorzüge des Potain'fchen Afpirateur haben wir fchon erwähnt, fein Nachtheil im Vergleich zu Dieulafoy liegt darin, dafs man damit wohl auspumpen, aber nicht zugleich auch einfpritzen kann. Modificationen diefer Afpirateure namentlich des Dieulafo y' fchen Afpirateur à encoche find vielfach vorgenommen worden, ebenfo eine des Potain'fchen von Chwat, ob mit Nutzen bleibt fehr in Frage, defshalb glaube ich auch alle diefe Varianten mit Stillfchweigen übergehen zu dürfen, denn das Princip bleibt fich doch bei allen gleich. Aquapunctur nennt man ein Verfahren, welches darin befteht, mittelft eines kräftig getriebenen haardünnen Wafferftrahles die Haut punktförmig zu durchlöchern. Der Zweck ift die Hervorbringung eines Reizes, und findet es Anwendung bei Neuralgien, Paresen, kurz bei Leiden, bei denen eine ftärkere fogenannte Revulfion der Haut gewünfcht wird Der von Mathieu conftruirte Apparat befteht aus einer Druckpumpe mit langer Hebelftange, welche das Waffer unter ungeheuerem Drucke in ein langes und dünnes Zinnrohr treibt, das gleich einem Schlauche bewegt werden kann und welches mit einer oder zwei haarfeinen Oeffnungen endigt. Neuerer Zeit hat Mathieu den Apparat infoferne modificirt, als er ftatt der einfachen eine Doppelpumpe angebracht hat, welche durch eine einzige Hebelftange bewegt wird. Mundfpiegel. Das grofse Arfenal von Apparaten zur gewaltfamen Eröffnung der Mundhöhle wurde durch ein neues Inftrument bereichert, welches feiner Conftruction und leichten Handhabung wegen Erwähnung verdient. Es befteht aus zwei nach vorne zu fehr dünn endenden, horizontal ftehenden Metallfpateln, von denen im Ruhezuftande die eine um einige Linien hinter der anderen zurückſteht. Das einfache, wie gefagt, vorne fehr dünne Blatt wird bei der Anwendung langfam und allmälig zwifchen den gefchloffenen Zahnreihen gefchoben. Drückt man nun die zwei fenkrecht abftehenden Handhaben des Inftrumentes zufammen, fo wird zuerft das rückftehende Blatt bis zum Niveau des zuerft eingedrungenen nachgefchoben, und hierauf erft entfernen fich beide parallel von einander. Die Gewalt, die man anzuwenden vermag, ift eine beträchtliche und die 18 Dr. Mofetig von Moorhof. Einführung ift ziemlich leicht. Der Nachtheil des ingeniös erdachten Apparates mag aber wohl darin beftehen, dafs er die Schneidezähne als Angriffspunkt der Kraft nimmt und diefe hiedurch leicht Schaden nehmen können. Auch bedarf es. damit einer gröfseren Kraftentfaltung, als wenn man den Angriffspunkt näher dem Winkel des Unterkiefers verlegt. Tonfill o tome. Zur blutigen Abtragung hypertrophirter Mandeln finden wir mehrere Varietäten von guillotineartig wirkenden Inftrumenten. Aufser den bekannten Apparaten von Fahnenftock, Charrière und Mathieu und deren Modificationen, hat Nyrop( Dänemark) zwei neuere Varietäten ausgeftellt, und zwar Ein Charrière'fches Modell, wobei ftatt der Gabel zwei von der Seite eingreifende Doppelhaken angebracht find. Statt demnach die abzutragende Tonfille aufzufpiefsen, wird diefelbe unmittelbar vor der Abtragung wie durch eine Mufeux'fche Hakenzange von beiden Seiten her gefafst. Eine zweite Variante ift der Tonfillotom von Morell Machenfis aus London. Das Inftrument, ähnlich der alten Guillotine zur Abfchneidung der Uvola, beſteht aus einer breiten, vorne oval gefenfterten Metallplatte, beftimmt, die Tonfille aufzunehmen. In den falzartig eingekerbten Rändern der Platte fpielt ein gleich breites, vorne fcharf gefchliffenes Meffer, über welchem noch eine Gabel zum Faffen und Vorziehen der Mandel verfchiebbar angebracht ift. Mit diefem Apparate wird demnach die Tonfille von vor- nach rückwärts durchtrennt, während die übrigen Inftrumente diefs durch die entgegengefetzte Bewegung vollführen. Ein befonderer Vortheil ift diefem Inftrumente nicht abzufehen. Zur Stillung der Haemorrhagie nach vollführter Operation hat Ricord ( Frankreich) einen Compréffeur des amygdales conftruiren laffen, nach der Idee des Signoroni'fchen Tourniquets. Zwei auf langen und mässig gekrümmten Stäben befeftigte Metallpelotten bilden die Componenten des Apparates. Die kleinere Pelotte wird intrabuccal auf die blutende Tonfille angepafst, die gröfsere zweite Pelotte findet aufsen am Halfe ihren Angriffspunkt. Verbindet man nun die Tragftäbe miteinander und läfst die an letztere angebrachte Schraube wirken, fo ift man im Stande, die Pelotten beliebig zu nähern und hiedurch die Compreffion auszuführen. Oefophagusinftrumente. Zur Entfernung fremder Körper aus dem Oefophagus find zwei neue Zangenmodelle ausgeftellt worden, das eine, von Collin, hat das Princip der Mathieu'fchen Urethralzange, das zweite, von Mathieu, hat eine Länge von etwa 52 Centimeter und befteht aus einer etwa 20 Centimeter langen Zange, deren etwas gekrümmte Branchen je eine Kettenreihe von vier beweglich miteinander verbundenen fchmalen Metallgliedern tragen. Je zwei der acht Kettenglieder find in ihrer Mitte gekreuzt und artikuliren dafelbft durch eine Schlofsvorrichtung. Oeffnet man die Zangengriffe, fo divergiren die Kettenglieder fcheerenartig mit ihren Enden aus einander, indem fie fich in ihren Kreuzungspunkten bewegen, fchliefst man fie, fo nähern fie fich. Das Ganze erinnert unwillkürlich an jene Soldatenfpiele der Kinder, welche das Aufftellen von breiten oder fchmalen Colonnen ermöglichen. Die Mathieu'fche Zange ift fehr handfam und ihrer Biegfamkeit wegen leicht in die Schlundröhre einzuführen. Die Branchen ( die oberften zwei Gliederketten find hiezu löffelförmig gehöhlt und abgerundet) faffen mit fehr grofser Kraft und halten ficher, da ja der Druck der Hand durch die vielen einzelnen Hebelarme natürlich auch verftärkt werden mufs. Silveftri( Italien) hat ein Inftrument zur Entfernung von tief in der Schlundröhre fteckenden Fremdkörpern anfertigen laffen, welches er pinzetta efofago- thoracica nennt. Eine bewegliche und entſprechend lange Röhre birgt ein durch Vorfchieben fich öffnendes Zängelchen, welches den Fremdkörper faffen foll. Damit man nicht aber zugleich die Oefophagus- Schleimhaut mitfaffe, wird über dem Zängelchen, aber am unteren Ende der Röhre, ein Schwammftück oder ein aufzublafendes Kautfchukbeutelchen befeftigt und hiemit die Oefophaguswände knapp über dem Fremdkörper auseinandergehalten. Chirurgifche Inftrumente. 19 Von Oefophagotomen finden wir ebenfalls zwei Varianten, den Oefophagotom von Maifonneuve, welchem die Idee feines Urethrotoms zu Grunde liegt, und jenen von Trélat( Frankreich). Eine Metallfonde, die fich konifch zufpitzt und der Krümmung des Schlundes entſprechend gebaut ift, hat 8 Centimeter vor ihrem Ende eine platte olivenförmige Ausbauchung auffitzen. Diefe foll, nachdem die Spitze der Sonde durch die Strictur gewandert ift, an letzterer fich anftemmen. Vor diefer Ausbauchung, alfo der Spitze zu, find zwei fchmale Biftouriklingen verborgen, welche im gegebenen Momente durch Drehen eines, der Handhabe auffitzenden Knopfes zum Vorfpringen gebracht werden. Eine kleine Scala zeigt, ähnlich wie beim Dupuytren'fchen Cyftotome double den Grad, bis zu welchem die Klingen vorfpringen und wird die doppelte Durchfchneidung der Strictur im Zurückziehen des montirten Inftrumentes bewerkstelligt. Aehnlich diefem ift der Oefophagotom von Reibard( Frankreich). Die Ausbauchung ift nur näher der Sondenfpitze, und die Klingen fpringen aus ihr. Er trennt alfo auch von oben nach unten. Zur allmäligen Erweiterung von Oefophaguftricturen fanden wir, nebft den bekannten, mit Blei gefüllten Sonden, den Rofenkranzdilatator von Trouffeau. Das Inftrument befteht aus einer Fifchbein- Sonde, an deren Ende eine Reihe von drei oder vier immer kleineren Elfenbein- Oliven ficher befeftigt ift. Die kleinfte Olive geftattet, wenn fie einmal durchgedrungen ift, das Nachfolgen der gröfseren. Réophore oefophagien nennt fich ein Inftrument, welches dazu dient, um elektriſche Ströme auf die Schlundröhre einwirken zu laffen. Es ift ähnlich einer Oesophagusbougie, aus Kautfchuk gefertigt, und führt zwei ifolirte Kupferdrähte, welche am Ende der Sonde in einen kupfernen Knopf endigen. Man kann diefen Réophore natürlich ebenfo gut auch für andere canalförmige Cavitäten benützen. Nafenpolypen. Zur Erkenntnifs und blutigen Entfernung von Nafenpolypen hat Duplay( Frankreich) ein speculum bivalve pour les narines erdacht. Es hat den Mechanismus eines zweiblätterigen Ohrfpiegels, nur find keine Handhaben dabei, fondern das Oeffnen und Schliefsen erfolgt durch directen Druck auf die Blätter, und wird durch eine Schraube gefichert, auch find die Blätter etwas länger, breiter und löffelförmig gebaut. Mit diefem Spiegel kann man Nafenpolypen, die nicht zu weit nach rückwärts implantirt find, ziemlich deutlich fehen und diefelben mittelft einer Zange entfernen, ohne im Dunklen erft viel fuchen zu müffen. Tiefliegende Polypen entziehen fich natürlich der Einwirkung des Spiegels total. Zur Entfernung von Nafen- Rachenpolypen finden wir die Clamp scie von Péau, eine zum Faffen des Polypen entſprechend gebaute fefte Zange, an deren Branchen eine grobgezahnte Säge durch Auf- und Niederlegen einer Hebelftange zum Spielen gebracht werden kann. Sie foll den Polypen weniger abfägen, als fozufagen abbeifsen, und hiedurch die Blutung verhindern. Es ift hiemit das Péanfche Princip des amorcéllement auch auf die Nafen- Rachenpolypen angewendet. Ohrinftrumente. Aufser einer Anzahl Varianten in Beleuchtungsapparaten und Inftrumenten zur Entfernung von Polypen und Fremdkörpern aus dem äufseren Gehörgange, finden wir einen uns praktiſch fcheinenden Trepan für das Trommelfell. Es ift bekannt, wie ſchnell künftlich im Trommelfell gefetzte Oeffnungen verwachfen und wie viel Mühe der Arzt öfter hat, um den zu frühen Verfchlufs derfelben hintanzuhalten. Bonnafont und Mathieu haben ein Inftrument erfonnen, deffen Bezeichnung den Zweck und die Wirkung deutlich genug erklären: Trepan de la membrane du Trimpan laissant un oeillet en aluminium. Das Inftrument hat Aehnlichkeit mit dem Augentrepan von Wecker, nur dafs er in die Trepanationsöffnung eine kleine Oefe aus Aluminium zurückläfst, welche durch ein dünnes Seidenfädchen zur beliebigen Zeit herausgezogen werden kann. Rein and Son( England) hat Schall condenfatoren für Schwerhörige in allen Varietäten ausgeftellt. 20 Dr. Mofetig von Moorhof. Inftrumente für Operationen an Knochen. Abgefehen von den Perioftablöfern von Ollier, Langenbeck, Verneuil, und den fcharfen Löffeln zum Evidement des os von Sédillot, den Meifeln von Laugier Vanzetti etc. fanden wir einen Knochenbohrer neuer Conftruction, der nach Laugier's Angabe von Mathieu zuerft verfertigt wurde. Es beruht auf dem Principe der Bewegung durch Ineinandergreifen zweier Zahnräder. An einer feften Handhabe find zwei gezähnte rechtwinkelig zu einander geftellte Metallräder angebracht; ein in der Axe der Handhabe gelegenes, welches durch eine kleine Welle in Rotation gebracht werden kann, bewegt durch Eingreifen der Zähne ein zweites, gleichfalls gezähntes Rad, welches horizontal am Ende der Handhabe angebracht ift. Diefes letztere nun bewegt den Bohrer. Namentlich zur Anlegung der Knochennaht ift diefes Inftrument fehr: brauchbar. Laugier hat auch ftatt des Bohrers eine kleine Trepankrone fubftituirt, um im Knochen zu beliebigen Zwecken gröfsere Bohrlöcher anlegen zu können. Collin hat denfelben Mechanismus auch für gewöhnliche Trepankronen zur Ausführung gebracht. An Amputations- Bogenfägen fanden wir mehrere Varianten in Bezug auf die Art und Weife des Spannens, welche aber fchon bekannt fein dürften. Verrenkungen. Zur Einrichtung veralteter Luxationen der grofsen Gelenke haben Mathieu und Robert( Frankreich) einen Apparat erfonnen, womit der Chirurg im Stande ift ohne jede Kraftanftrengung und mit Vermeidung zahlreicher Affiftenz die Einrenkung vorzunehmen. In den meiften Parifer Hofpitälern find damit erfolgreiche Verfuche vorgenommen worden und Verrenkungen, welche zwifchen 32 und 120 Tage alt waren, mit Kraftentfaltungen von 90 bis 210 Kilo reponirt worden. Der Apparat fetzt fich aus folgenden Theilen zufammen: Aus einer ftarken, viereckigen, gezähnten Eifenftange, welche an dem einen Ende einen drehbahren gepolfterten Krückenkopf trägt und zur Contraextenfion dient und aus einer ebenfalls viereckigen, eifernen Scheide, welche die Stange in fich aufnimmt und die Extenfion bewirken foll. Zu diefem Zwecke hat fie einen breiten Doppelgurt, welcher die einzurenkende Extremität ficher umfasst und fixirt, ein Zahnrad mit Schneckenfeder und Kurbel und endlich eine Sperrfeder, die in die Zähne der Stange eingreift und fich im gegebenen Momente durch Hebeldruck mit Leichtigkeit öffnen läfst. Am Zahnrad ift zugleich ein Kraftmeffer angebracht, das in jedem Momente die durch die Umdrehungen erzielte Zugkraft in Kilo abzulefen geftattet. Bei der Anwendung wird die Krücke der gezähnten Stange an einem feften Punkte des Körpers centralwärts vom luxirten Gelenke angepafst alfo in die Ellbogen- Beuge, Achfelhöhle oder Schenkelfalte, refp. Sitzbein, je nachdem die Verrenkung das Ellbogen, Schulter- oder das Hüftgelenk betrifft hierauf wird der Fixirgurt am Vorder- Oberarme oder Oberfchenkel feſtgeſchnallt und nun die Kurbel in Bewegung gefetzt. Erachtet der Operateur die Extenfion als genügend, fo öffnet er die Sperrfeder, annulirt dadurch fofort die Zuggewalt und ist nun im Stande mit der Extremität zur Vollendung der Einrichtung alle jene rotatorifchen oder anderweitigen Bewegungen auszuführen, die er nothwendig glaubt. Für die Einrichtung von Luxationen im Schulter- oder Hüftgelenke haben Robert und Collin den Krückenkopf durch einen breiten gepolfterten Ring erfetzt, welcher allerdings den Schultergürtel und die Beckenfeite beffer und ficherer umgreift und dadurch die Contraextenfion wirkfamer geftaltet, für das Ellbogen- Gelenk jedoch nicht anwendbar ift. Diefer Apparat bildet jedenfalls einen Erfatz für den bisher üblich gewefenen Flafchenzug. Chirurgifche Inftrumente. 21 Für Einrichtung frifcher Verrenkung ift bekanntlich von Dr. Anger die Extenfion mit Kautfchukröhren als Erfatz der vielen Gehilfen empfohlen worden. Collin und Mathieu haben zur Ausübung des nöthigen Zuges eine kleinere Abart der foeben befchriebenen Extenfionsmafchine conftruirt. Eine Metallfcheide, in welcher fich mittelft eines Zahnrades eine gezähnte Stange bewegen kann und eine Hebel- Sperrfeder, welche im Momente den ausgeübten Zug ftoppen kann, bilden die Hauptcomponenten des Apparates. Metallfcheide fowohl als Stange endigen mit je einem Haken; erfterer dient zur Befeftigung der Kautfchukröhren, letzterer zur Fixirung an irgend einem feften Punkte der Aufsenwelt. Als Erfatz des Kautfchuks hat Mathieu eine doppelte Spiralfeder- Vorrichtung( deux réfforts à boudin) conftruirt. Dem Apparate kann zur Meffung der angewandten Kraft auch ein Dynamometer eingefchaltet werden. Die Charrière'fche Zange zur Reduction von Fingerluxation ift auch neuerer Zeit zweckmäfsig verändert worden. Bekanntlich hatten in der ursprünglichen Zange die Branchen die Form von grofsen zweizackigen Gabeln, deren Fenfter durch ftraff gefpannten, ftarken Gurtenftoff und Korkholzfcheiben ausgefüllt waren. Der Gurtenftoff umgab fcheidenartig jede Gabel. Der verrenkte Finger wurde von den zwei Couliffen erfasst und gehalten. Bei längerem Gebrauche dehnt fich aber der Stoff und die Zange wird unbrauchbar. Hierauf modificirte man das Inftrument. Man befeftigte an der Gabel je einen breiten Lederftreifen; beide kreuzten fich gegenfeitig, und bildeten eine Doppelfchlinge. Durch Schliefsen der Handgriffe wurde diefe verengert und fafste den dazwifchengelegten Finger mit gröfserer Kraft und Sicherheit. In neuefter Zeit wurde endlich eine dritte Modification erfonnen. Die eine der ziemlich fchmalen Branchen ift maffiv, die zweite gefenftert. Eine einfache, breite Lederfchlinge läuft durch das Fenfter der letzteren und ift am Rücktheile der maffiven Branche feſtgemacht. Die Verkleinerung der Schlinge gefchieht ebenfalls durch Schliefsen der Handgriffe, wodurch die Branchen zur Divergenz gebracht werden. Eine Sperrvorrichtung fichert vollends den Schlufs. Zur Behandlung von Knochenbrüchen hat Mulatier Silvent( Frankreich) Bonnet'fche Drahthofen und Drahtfchienen verfchiedener Form ausgeftellt; fchon mit Gyps beftreute Gacebinden, die in Blechbüchfen verpackt, namentlich im Felde, zur rafchen Anlegung von Gypsverbänden fehr praktiſch fein follen, fahen wir in der deutfchen Abtheilung bei Schorer aus Lübeck. Wir können diefer Idee durchaus nicht das Wort reden, da bekanntermafsen der Gyps, wenn noch fo luftdicht verpackt, dennoch in relativ kurzer Zeit alle jene Eigenfchaften verliert, welche ihn zu Verbänden geeignet machen. In der ruffifchen Abtheilung dagegen fanden wir etwas viel Praktiſcheres, nämlich einen fehr einfachen, hölzernen Apparat, um Binden mit grofser Rafchheit durch Gypspulver zu ziehen und aufzurollen. Apparate zur Zimmergymnaftik hat Paz( Frankreich) ausgeftellt. Etwas Compendiöferes, Praktiſchereres und Eleganteres läfst fich kaum denken. Auch Amerika hat ähnliche Apparate, jedoch in viel einfacherer Form zur Anfchauung gebracht. Krankenftühle zum Schieben oder Selbftrollen fanden wir in vorzüglichen Exemplaren bei Ward( England), Lipowsky und Tifcher aus Heidelberg. Ein Krankenbett, welches ohne Verrücken des Kranken das Reichen des Leibftuhles geftattet, und welches auch das Aufliegen der Kreuzgegend erfchweren dürfte, fanden wir in der dänifchen Abtheilung bei Hanfen. Es iſt ungemein einfach conftruirt, fo dafs es von Jedermann auf den erften Blick bedient werden kann, und ift auch, was wir als Hauptpointe aufftellen, in Folge feiner Einfachheit leicht herftellbar und fehr billig. Krankenhäufern und Privat- Heilanſtalten möge es warm empfohlen fein. Ein ähnliches Bild fanden wir auch in der deutfchen Abtheilung, ausgeftellt von Gnant( Württemberg). 22 Dr. Mofetig von Moorhof. Sehr zweckmäfsigen Operationstifchen und Geburtsfeffeln begegneten wir in der franzöfifchen, deutfchen, italienifchen( Cavalli, tragbares Geburtsbett) und öfterreichischen Abtheilung. Als den beftmontirten und praktifcheften Operationstifch möchten wir den von Paz bezeichnen. Grouffin( Frankreich) ftellte eine mit dem Wachsthum des Kindes verlängerbare Kinderwiege aus. Kinderwagen fanden wir bei Mathieu u. A. Sitzbäder mit elaftifchem Sitz, Frauenbidets mit Scheidenrohr und Klyfopompevorrichtung, Zimmerdouchen verfchiedenfter Form begrüfsten wir als Fortfchritt der Körperhygiene; bemerkenswerth war uns ferner ein fehr zweckmäfsiger, wenn auch etwas complicirter und daher fchwer zu bedienender Apparat zu ZimmerDampfbädern für den ganzen Körper, den Charles( Frankreich) ausgeftellt hat. Dampfbäder für einzelne Körperregionen, untere oder obere Extremitäten, fehr einfacher Conftruction, hat Ras muffen( Dänemark) conftruirt. Endlich fahen wir vom greifen Charrière eine ganze Ausftellung von fehr praktiſchen und finnreich erdachten Apparaten zur Rettung von Menfchenleben in Feuers- und Waffergefahr. Rettungskäften mit den verfchiedenften Inftrumenten zum Oeffnen des Mundes( Labordette's Kehlkopf- Spiegel. Schlundfonden, Inftrumente zur Laryngotomie, Medicamente etc.); ferner äufserft compendiöfe Strickleitern, Fixirhaken und andere Utenfilien, für deren ausgezeichnete Verwendbarkeit uns fchon der Name des Ausftellers die befte Bürgfchaft gibt. Bandagen. Bruchbänder. Von Nabel- Bruchbändern find zwei fehr zweckmäfsige Neuerungen ausgeftellt worden. Die eine von Dolbeau( Frankreich), die zweite von Rasmuffen( Dänemark). Beide haben den Zweck, das Verrücken der Pelotte bei den verfchiedenen Körperftellungen zu verhindern. Das Nabel- Bruchband von Dolbeau. Die Pelotte trägt eine langgeftreckte( 18 Centimeter lange), horizontale, fehr elaftifche und doch fefte Metallfeder, an deren Enden zwei Kautfchukrohre angebracht find, welche auf dem Rücken des Bruchkranken zufammengebunden werden. Die Elafticität der Metallfeder drückt die Pelotte an die Bruchpforte und das elaftifche Kautfchukrohr hält die Bandage unverrückt, da dasfelbe bei jeder Stellung und Bewegung des Körpers knapp angefchmiegt bleibt. Das Nabel- Bruchband von Rasmuffen ift etwas fchwerer zu befchreiben. Man denke fich drei halbkreisförmig gekrümmte, ftark federnde, etwa 15 Centimeter lange und 2 Centimeter breite Metallfpangen in ihren Mittelpunkten derart gegenfeitig verbunden, dafs die fechs freien Enden in gleichmässigen Abftänden von einander in einer Ebene zu ftehen kommen und einen halbkugelförmigen Raum umfaffen. In der allen gemeinfchaftlichen Axe fteht, der Concavität der Halbkugel entſprechend, die Pelotte. An der convexen Seite ift eine abftehend gekrümmte vierte Metallfeder befeftigt, die den Bauchgurt trägt. Es ift klar, dafs der durch diefe Bandage ausgeübte doppelte Federdruck ein ebenfo fefter als conftant wirkender fein mufs; auch für die Vermeidung des Verſchiebens ift hinlänglich geforgt, indem die fechs Spangenenden krabbenartig die Nabelgegend umfaffen und eine Dislocation kaum erlauben.. An Schenkel- und Leiften- Bruchbändern haben Spillmann( New- Orleans), Salt( England) und Rasmuffen ebenfalls Neuerungen angebracht, welche das Tragen der fo läftigen Schenkelriemen überflüffig machen. Die Beckenfeder ift ganz dem Umfange des Beckens entſprechend gekrümmt und trägt nicht an ihren Vorderenden die Pelotte, fondern diefe wird bei Rasmuffen von einer fenkrecht nach abwärts ftehenden Spange, bei Spillmann von zwei, ein Dreieck bildenden Spangen getragen. Die Beckenfeder fchmiegt fich genau dem Becken an, und da fie von deffen Horizonte nirgends abweicht, wird fie auch bei Bewegungen keine Chirurgifche Inftrumente. 23 Verfchiebung eingehen, da die Darmbein- Teller und die Trochanteren diefs nicht geftatten. Die erforderliche Stellung der Pelotte wird bei Rasmuffen und Salt durch eine ftarke Stellfchraube mit Feder, bei Spillmann durch andere mechanifche Vorrichtungen erzielt, die fich ohne Beigabe einer Zeichnung nicht gemein verftändlich befchreiben laffen. Weiters müffen wir, was Verbände und orthopädifche Apparate betrifft. noch folgende Neuerungen und Modificationen erwähnen: Der Extenfionsapparat von Taylor( Amerika) für Entzündungen im Hüftgelenke, welcher bei continuirlich fortdauernder Wirkung dem Kranken das Verlaffen des Bettes geftattet. Er befteht aus einem feften Beckenringe mit gepolftertem Schenkelgurte. Vom metallenen Beckenringe geht entſprechend der Aufsenfeite der Extremität eine lange, gehöhlte Stahlfpange bis etwa zur Mitte des Unterfchenkels. In der Höhlung diefer bewegt fich ein ftarker Metallftab, der unten rechtwinkelig gebogen endet. Durch eine Schraube kann man beliebig den Metallftab in der Scheide der oberen Spange verfchieben. Bei der Anwendung wird an der kranken Extremität zuerft mit Heftplafter- Streifen nach Crosby' icher Art der Zug angebracht, deffen Auslaufbänder am gebogenen Endtheile der unteren Spange befeftigt werden. Pafst der Beckenring genau und unverrückbar, fo braucht man blofs die untere Metallfpange in divergirender Richtung von der oberen zu fchrauben, um eine beliebig ftarke conftante Extenfion auszuüben. Streckapparate für Kniegelenks- Contracturen waren in vielfachen Varietäten vertreten. Da die älteren Apparate mit Lagerbret, welche den Kranken zur conftanten Bettruhe in der Rückenlage verdammen, kaum mehr in Gebrauch kommen, beftehen die neueren Apparate aus einem Oberfchenkel und einem Unterfchenkel- Stücke und wird die Streckkraft an der Verbindung beider angebracht. Die Verfchiedenheiten beruhen nun in den Varianten, wie diefe vermittelt wird. Wir haben deren drei notirt, und zwar: a) die Streckung wird durch die Hände des Operateurs bewerkstelligt und der Apparat hat nur den Zweck, die gewonnene Befferung zu erhalten; b) die Streckung erfolgt durch Schraubendruck, der feitlich oder rückwärts eingreift; c) die Streckung erfolgt durch elaſtiſchen Zug. Zu diefem Zwecke haben beide oberen und unteren Seitenfchienen, einige Centimeter von ihrer gegenfeitigen Verbindung, zwei lothrecht nach aufwärts ftrebende Metallbälkchen von etwa 6 Centimeter Höhe. Die Enden der Bälkchen, die bei der Anlegung des Apparates in der palhognomonifchen Stellung der Extremität entſprechend dem Beugungswinkel divergiren, werden durch dünne, mehrreihige Kautfchukröhrchen verbunden, die angespannt, nach und nach die Convergenz der Bälkchen und fonach die Streckung vermitteln. Zu weit würde es führen, wollten wir alle Apparate für Klumpfufs, Spitzfufs etc. befchreiben, die von Collin, Nyrop, Rasmuffen, Windler, Walter, Schlecht u. A. m. ausgeftellt wurden. An Miedern für Wirbelfäule- Krankheiten konnten wir folgende verfchiedene Typen unterfcheiden. Stützmieder. Gefchloffene, Becken und Thorax umfaffende Mieder mit eingelegten oder aufsen aufliegenden Stahlfchienen, mit ringförmiger Beckenftütze und Achfelgürtel. Offene Mieder mit ringförmiger oder gebrochener Beckenftütze und Achfelkrücken. Gefchloffene, der Rückenform genau abmodellirte Miederküraffe aus geprefstem, fiebartig durchlöchertem Leder( Collin und Mathieu), die nach Gypsabdrücken geformt werden. Aehnliche Küraffe in entſprechender Form werden auch zur Imobilifirung erkrankter Gelenke an den Extremitäten verwendet, ferner auch bei Caries vertebrarum colli cravattenartig zum Tragen des Kopfes. Streckmieder. Gefchloffene Mieder mit ganzer Beckenftütze, Achfelgürtel und einfachen oder doppelten, glatten oder pelottirten Gurtenzügen, welche 24 Dr. Mofetig von Moorhof. entweder an der Innenfeite der Mieder angebracht find oder an deffen Aufsenfeite verlaufen. Offene Mieder mit ganzer oder gebrochener Beckenftütze, Achfelkrücken und breiten, abftehend gekrümmten, ftark federnden Stahlbändern, welche vom Rückenftabe ausgehen und die der Convexität der fkoliotifchen Krümmung entfprechende Thoraxfeite umklammern follen.( Nyrop.) Offene Mieder mit ganzer Beckenftütze, Achfelkrücken, beweglichem Rückenftabe und Gummifchnür- Zug.( Collin.) Offene Mieder mit verfchiebbaren Becken- und Achfelhöhlen- Stützen. Das Mieder wird der pathognomonifchen Lage entſprechend angelegt und die allgemeine Gerade richtung durch Schraubenwirkung erzielt.( Schlecht.) Offene und gefchloffene Mieder mit Zügen oder Metallplatten, die durch Schraubenvorrichtung geregelt werden. Offene Mieder mit gebrochener Beckenftütze, doppeltem Rückenftab, der bis zur Halswirbel- Säule reicht, keine Achfelkrücken, fondern Ledergurten, die tornifterartig die Schultern umfaffen. Der Zug wird durch Metallplatten ausgeübt, die den Thorax feitlich umfaffen. Die Metallplatten find mit Spangen verbunden, welche die Rückenftäbe kreuzen und allhier mit Zähnen eingreifen ( à cremaillère). Natürlich mufs dabei die Krümmung früher durch die Hände des Operateurs möglichft ausgeglichen werden, worauf erft die Metallplatten anzupaffen find. Für Kyphofen oder Lordofen find die Rückenftäbe entſprechend der Verkrümmung gebrochen und allhier mit Stellfchrauben verfehen.( Taylor.) Apparate zur Behandlung des Schiefhalfes, bei denen durch Schrauben in jeder Richtung auf den Kopf eingewirkt werden kann und die in technifcher Beziehung das gröfste Lob verdienen, haben Collin und Mathieu ausgeftellt. Erwähnenswerth ift endlich noch ein Apparat, welcher die Brauchbarkeit des Vorderarmes und der Hand bei fchlotteriger Verbindung nach Refection im Ellbogen- Gelenke vermittelt. Collin erzielte diefs durch Compreffion des zweiköpfigen Armmuskels mittelft einer Platte von geprefstem Leder, die durch eine Schraube ftellbar ift. Künftliche Gliedmafsen kamen fehr zahlreich zur Ausftellung und haben fich diefsbetreffs England( Gray), Frankreich, Italien, Schweiz( Weber- Moos), Deutſchland und Oefterreich hervorragend betheiligt. Das Materiale, woraus die künftlichen oberen oder unteren Gliedmafsen gefertigt, waren Holz, Leder und Hartgummi. Die Bewegung der Gelenke wurde durch Kautfchukftränge oder Darmfaiten vermittelt. Das Gewicht wurde auf das allergeringfte reducirt, fo dafs Oberfchenkel- Piecen im Ganzen drei Pfund wogen. Einen neuen Mechanismus in der Imitation der Sprunggelenks- Bewegung bei künftlichen Beinen hat WeberMoos erdacht. Ich konnte darüber nur fo viel erfahren es wird eben geheim gehalten dafs es in einer gefchickten Combination zweier Kautfchukcylinder mit einem höchft einfach conftruirten Kettengelenke befteht. Inftrumente für Anthropologie. Inftrumentenmacher L. Mathieu aus Paris hatte eine grofse Anzahl diefsbezüglicher Apparate ausgeftellt. Es dürfte wohl die vollſtändigfte Sammlung fein, die bis jetzt exiftirt. Ich werde im Folgenden blofs die Namen und die Verwendung der intereffanteren Apparate anführen, denn detaillirtere Befchreibung würde zu viel Raum in Anfpruch nehmen. Le goniométre focial von Broca. Zur Meffung des Gefichtswinkels. L'équérre fléxible auriculaire von Broca. Winkelmafs zur Beftimmung der Interauricular- Linie. Le profilométre von Sauvage. Modificirt. L'anthropométre. Zur Höhenbeftimmung jeglichen Körpertheiles. Le compas d'épaiffeur mit Millimeter- Theilung, und le compas d'épaiffeur micrométrique mit Viertelmillimeter- Theilung. Le compas gliffiere. Die Taften bewegen fich parallel zu einander. Halbmillimeter- Scala. Chirurgifche Inftrumente. 25 L'endométre. Zur Beftimmung des intracraniellen Durchmeffers ohne Eröffnung des Schädels. Das Inftrument wird durch das Hinterhaupts- Loch eingeführt. Le pachymetre. Zur Beftimmung der Dicke der Knochenwandungen. L'orbitoftat a crémaillere. Zur Beftimmung der Sehaxen. Le craniophore de Topinard. Zur richtigen Schädelftellung behufs Mefuration. Le craniographe et le ftéréographe de Broca. Zwei Apparate zur Zeichnung der Schädel contouren in geometrifcher Projection. L'endographe de Broca. Zur Zeichnung der intracraniellen Conturen ohne Eröffnung des Schädels. Le céphalométre d'Autelme. Le goniométre de Jacquart. Le goniométre facial de Broca. Le goniométre pariétal de Quatrefages. Le goniométre occipital à arc. Le goniométre occipital rectangulaire. Le goniométre auriculaire. Le rhinométre. Zur Beftimmung der Höhe der Nafenhöhlen. Le crochet sphéuoidal et la fonde optique. Zur Beftimmung des Virchow'fchen Keilbein- Winkels ohne Scheiteleröffnung. Le cranioscop de Broca, der durch das Hinterhaupts- Loch eingeführt wird. Nebftdem fanden fich noch Inftrumente von Charles Bell, Piérre Camper, Leach, Barclay, Morton, Burk, Mantegazza u. A. Zahn- Heilkunde. Künftliche Zähne und Gebiffe von vorzüglichem Materiale und exquifiter Schönheit hatten Amerika( S. White, H. Jufti und Allen) und England( Afh) ausgeftellt. Die franzöfifchen Zähne( Devillemur) hingegen find untergeordnet an Qualität, dafür aber viel billiger im Preife, fie differiren durch ihre faturirtere Farbe. In der amerikanifchen Abtheilung waren fowohl die gewöhnlichen Stiftzähne als auch Wurzelzähne zu fehen; die Letzteren für Gebiffe aus continuous gum, einer porzellanähnlichen Maffe, welche die Farbe und das Ausfehen des Zahnfleifches täufchend imitirt. Neu, aber von fehr geringem praktiſchem Werthe find die Pièçen mit Zähnen unregelmässiger Stellung, und Piecen mit künftlichen Zähnen, welche der gröfseren Täufchung wegen Goldplomben tragen ( White, Jufti, Allen). Berghammer( Oefterreich) hatte Gebiffe zur Anfchauung gebracht welche, obwohl aus continuous gum gefertigt, dennoch Gaumenplatten aus Vulcanit tragen. Bisher wurden, wie bekannt, die Zahnfleifch- Zähne ftets mit Metallplatten gewöhnlich Platin verbunden. Der Erfatz diefer Metallplatten durch Vulcanit, welches der fchon fertigen Piece nachträglich aufvulcanifirt wird, ift jedenfalls eine Neuerung, welche das Gebifs etwas weniger fchwer machen dürfte. - Gebiffe von Celluloid Bafe als Erfatz des Vulcanits kamen nur vereinzelt zur Anfchauung. Der Celluloid ift eigentlich nie recht in der Praxis verwendet worden, weil diefe amerikaniſche Erfindung vor Allem den Nachtheil eines permanenten Kampfergeruches hat. Nebftdem verziehen fich die Platten leicht beim tragen, und ein derartiges Gebifs wird in kurzer Zeit unbrauchbar. Ebenfo unpraktifch und längft verworfen find die ihrer Leichtigkeit wegen empfohlenen Gebiffe aus Aluminium, da das Metall unter der Einwirkung der Mundflüffigkeiten fich fehr leicht zerfetzt. Sauer( Berlin) und Berghammer hatten Aluminiumgebiffe ausgeftellt. 26 Dr. Mofetig von Moorhof. Chirurgifche Inftrumente. Als Neuerungen an Inftrumenten und Behelfen zu Plombirungen glauben wir Nachfolgendes anführen zu müffen: Stahlplättchen( S. White) als Zwifchenlagen, wenn der zu füllende Zahn ftarke Defecte an feinen Seitenflächen zeigt und der Nachbarzahn noch vorhanden ift. Die fraglichen Plättchen zwifchen den Zähnen eingepafst, erfetzen die fehlende Wand während der Dauer des Plombirens, ermöglichen die rafche und präcife Ausführung desfelben und werden nach Beendigung der Plombe wieder entfernt, Green's Electric Burring Eugine( S. White). Unter diefem Namen finden wir zwei Apparate, eine Bohrmaschine und eine Goldplomb- Dichtmafchine, welche beide durch Electricität mit grofser Rafchheit und Kraft getrieben werden. Die Bohrmafchine, der natürlich eine rotirende Bewegung mitgetheilt wird, ift zur Aufnahme beliebiger Zahnbohrer eingerichtet, kann aber nur für Zahnhöhlen dienen, welche an der Aufsenfläche der Zähne gelegen find. Bei feitlichen Höhlen ift das Inftrument entweder gar nicht oder nur fehr oberflächlich anwendbar. Die Dichtmafchine hat eine fenkrechte ftofsende Bewegung, und kann gleichfalls Stopfer beliebiger Form aufnehmen. Ob diefer Apparat beffer und zweckdienlicher fei als der bisher gebräuchliche einfache und der automatifche Hammer, diefs kann wohl nur der Verfuch lehren, die Bohrmaſchine dürfte jedoch nur in fehr geübten Händen ganz unfchädlich fein. Zahnärztliche Inftrumente, als Zangen, Bohrer, Stopfer etc. fämmtlich ver-. nickelt, find von S. White und Afh vielfach neu und in verbefferter Form ausgeftellt worden, insbefondere in der äufseren Ausftattung und grofsen Auswahl übertreffen fie die der Parifer Ausftellung. Wir heben befonders als neu hervor die Zahnnerven- Inftrumente ven Palmer und Arrington. Operationsftühle für Zahnärzte fanden wir bei S. White, O. C. White, Afh und in der deutfchen Abtheilung. Die amerikaniſchen Stühle haben die Novität, die Kugelgelenke durch zweckmäfsigere Mechanismen erfetzt zu haben. Sie geftatten alle nur immer denkbaren Stellungen und find fehr leicht und mit geringer Kraftanftrengung ftellbar. Füllmateriale. Neu ift S. White's Goldpräparat" The globe gold foil". Benzow aus Stockholm brachte Mufter von Metalllegirungen zu Amalgamplomben, deren Werth aus der blofsen Betrachtung nicht entnehmbar ift. von Vulcanifirapparate mit felbft regulirbarem Sicherheitsventil waren Friefe& Rohrfchneider in Magdeburg und Joung in Stuttgart ausgeftellt worden, erftere haben den Apparat mit einer Centralfchraube verfehen, wodurch die Bedienung des Apparates wohl erleichtert werden mag. و" DIE OCULISTISCHEN INSTRUMENTE. Bericht von DR. HANS ADLER, bal dib nadeem ordinirender Augenarzt des k. k. Krankenhaufes Wieden in Wien..anto brow , Die eigenthümliche Befchaffenheit des Auges begünftigt die Anwendung phyſikaliſcher Unterfuchungsmethoden fowohl für die functionellen, wie für die anatomifchen Störungen des lebenden Organs. Die Augen- Heilkunde hat auch wohl eben defshalb, weil fie der wiffenfchaftlichen Methode die günftigften Anhaltspunkte darbietet, befonders viele ausgezeichnete Forfcher angezogen und fich fchnell zu ihrer jetzigen Stellung entwickelt, in der fie den übrigen Zweigen Dr. Hans Adler. Die oculiftifchen Inftrumente. 27 der Medicin etwa ebenfo als leuchtendes Beiſpiel der Leiftungsfähigkeit der echten Methode vorangeht, wie es lange Zeit die Aftronomie den übrigen Naturwiffenfchaften that." Die Phyfik, zur Unterfuchung des Auges dienftbar gemacht, förderte in den beiden letzten Decennien einen grofsen, bis dahin unbekannten Inftrumentenapparat zu Tage, der heute in der Hand des praktifchen Augenarztes bereits zum unentbehrlichen Werkzeuge geworden und ftetig in Zunahme begriffen ift. Die Wichtigkeit diefes Theiles des oculiftifchen Apparates erhellt aus dem oben citirten Ausfpruche des berühmten Phyfiologen Helmholtz, dem die Augenheilkunde die Begründung der naturwiffenfchaftlichen Unterfuchungsmethode und die Erfindung der wichtigſten Inftrumente verdankt. Wir erwähnen als hieher gehörig die vielen Modificationen von Augenfpiegeln, Ophthalmometern, Tonometern, Augen- Spiegelbildern, ans Auge aufzufetzenden Mikrofkopen, Augenloupen, Probebrillen, Photometern, Optometern, Perimetern, Farbenfcalen, Sehproben u. f. w. In diefem Apparatencomplexe, deffen Entwicklung mit dem Fortfchreiten der Wiffenfchaft Hand in Hand geht, der auch de facto in den letzten Jahren eine wefentliche Bereicherung erfahren, mufste naturgemäss der Fortfchritt gefucht werden, deffen Darftellung wir auf einer Weltausftellung vor Allem erwarten follten; doch hat uns leider die diefsjährige Weltausftellung in diefer Richtung nichts Erwähnenswerthes geboten, indem diefe Apparate überhaupt keine oder nur mangelhafte Vertretung fanden.* Wir müffen uns daher vorzüglich nur mit jener Gruppe ophthalmologifcher Inftrumente befchäftigen, welche der chirurgifch- technifchen Fertigkeit des Augenarztes dienen und von denen in den Ausftellungskäften der chirurgifchen Inftrumentenfabrikanten Vieles und manches Neue hierorts zu fehen ift. Bei der ziemlich fcharfen Abgrenzung des oculiftifchen Operationsgebietes, dem kleinen, zarten Bau der erforderlichen Inftrumente ift die Vereinigung der nothwendigften Augeninftrumente in einem Etui auch heutzutage noch möglich; ja wir fahen auch auf diefer Ausftellung häufig Firmen nur durch ein einziges Etui recht gut vertreten. Ift es für den praktifchen Arzt und felbft für den beginnenden Ophtalmologen nun einerfeits auch fehr bequem, die wichtigften techniſchen Werkzeuge in compendiöfer Form fich anfchaffen und aufbewahren zu können, fo erfordert der Titel:„ Augenetui", um nicht prätenfiös zu erfcheinen, eine forgfältige, auf das Verftändnifs eines fehr gewiegten Fachmannes gegründete Auswahl des wirklich Brauchbaren und Nothwendigen aus der übergrofsen Anzahl der exiftirenden Augeninftrumente. Kliniken und Specialiften werden fich ihren Apparat nach eigenem Bedürfniffe erweitern können, das„ Augenetui" aber im obigen Sinne, darf, foll es anders den Käufer zu Dank verpflichten, nur vielfach praktiſch Bewährtes enthalten. Der Berichterstatter des k. k. öfterreichifchen Centralcomités der Parifer Weltausftellung 1867( officieller Ausftellungsbericht I. Lieferung, S. 67) fcheint, wie überhaupt von den Augeninftrumenten, unter denen er„ Neues nicht findet", auch von der Einrichtung des„ Augenetuis" nicht fehr erbaut gewefen zu fein. Uns fcheint, dafs in der althergebrachten Zufammenftellung desfelben fich dermalen eine gründliche Reform wenigftens anbahne. Eine grofse Maffe von nach der Kante gebogenen Scheeren, Doppelhaken, Augenfpiefsen, namentlich aber jene übergrofse Anzahl verfchieden gekrümmter, oft unheimlich breiter Staarnadeln ift verfchwunden; dafür finden wir überall Weber's Thränenfack- Meffer, Bowman's * Die Subfellien, deren Einrichtung für den Augenarzt in den letzten Jahren Wich tigkeit gewonnen, werden als einer anderen A btheilungsgruppe angehörig, in dem entſprechenden Berichte Erwähnung finden müffen. 28 Dr. Hans Adler. Sonden und vor Allem das v. Gräfe'fche Schmalmeffer, feine Cyftotome und Löffel. Uns erfcheint diefe Purganz vom alten Ballafte fehr gefund und vortheilhaft, wir begrüfsen diefe Thatfache als einen wefentlichen Fortfchritt, namentlich infoferne wir darin den glorreichen Sieg der Extractionsmethode gegenüber der Niederlage der Reclinationsmethode auf allen Linien erkennen; fpeciell berührt uns die allgemeine Anerkennung des fchönen Vermächtniffes des unfterblichen Gräfe freudig. Doch dünkt uns, dafs diefe Revolution manchmal zu weit geführt, vorzüglich nach Betrachtung eines fonft fehr gut componirten grofsen Etuis, in dem wir Gräfe's Schmalmeffer in 10, fage zehn Exemplaren, das ehrwürdige Beer'fche Lappenmeffer überhaupt gar nicht vorfanden. In diefer Zeit der Gährung, des Kampfes der verfchiedenften Extractionsmethoden darf der einzelne Augenarzt felbft zu Nutz und Frommen derWiffenfchaft für feine Perfon verwerfen, was er nurmag; die Herren Inftrumentenmacher follen aber dem„ Augenetui" den Boden der Neutralität wenigftens auf Kriegsdauer zu bewahren trachten und nicht, wie ſpeciell in diefem Falle, durch vorfchnelles Abwerfen eines durch viele Decennien nicht grundlos als Souverän anerkannten, verdienftvollen, jedenfalls noch heute verwendbaren Inftrumentes einer jüngeren ärztlichen Generation die intereffante Gelegenheit benehmen, durch Selbftfchauen und Selbftprüfen fich ein eigenes Urtheil zu verfchaffen. Ein Etui war durch den Preis( 5000 Francs) auffallend, vielleicht auch durch die fehr hübfchen, aber unpraktiſchen, viereckigen Perlmuttergriffe. Wir fahen auch auf diefer Ausftellung fogenannte Augeninftrumente, die fo koloffal in ihren Maffen, fo plump in ihrer Mache waren, dafs wir uns unwillkürlich fragen mufsten, ob diefe Erzeugniffe nicht nach Angabe eines die AugenHeilkunde am gröfseren Säugethiere praktizirenden Thierarztes gefertigt worden. Diefe Erfcheinung rührt wohl daher, dafs faft alle chirurgifchen Inftrumenten- und Bandagenmacher auch Augeninftrumente felbft erzeugen, ein alter Ufus, von dem abgegangen zu fein, fo Mancher im Intereffe feines eigenen Renommés nicht bereuen wird; es wäre Vielen beffer, ohne eigene Mühe die als gut anerkannten Inftrumente jenes Collegen in den Verkehr fetzen, der aus der Verfertigung von Augeninftrumenten mehr oder weniger eine Specialität gemacht hat. Dafs das Princip der Arbeitstheilung ein richtiges, dafs die fpecialiftifche Eintheilung des Gefchäftsbetriebes keine fchädliche Maxime, zeigt der Erfolg der drei erften Wiener Firmen nach jeder Richtung. Die mehr weniger bei jeder derfelben hervortretende, ſpecialiſtiſche Richtung hat nicht nur jedem einzelnen befriedigende materielle Vortheile, fondern auch die gleiche auszeichnende Beurtheilung der Jury verfchafft. Eine derfelben hat wenig exponirt, die zweite es ganz correct unterlaffen, oculiftifche Inftrumente überhaupt auszuftellen. Und fo reftirt eigentlich nur Thürriegel als erwähnenswerth, deffen Fabricate als die fchönften unter den öfterreichifchen, fich durch gute Ausftattung bei relativ billigem Preife hervorthun. England und Amerika brachten keine, Deutfchland relativ nicht viele Augeninftrumente zur Ausftellung. Reichhaltiger war Italien( vorzüglich durch Lollini), Rufsland, Dänemark( durch Nyrop) vertreten. Der Glanzpunkt unferer Gruppe war in der franzöfifchen Abtheilung zu fuchen. Die beiden Parifer Häufer Mathieu und Collin überragen weitaus an Mannigfaltigkeit, Glanz, und Schönheit der ausgeftellten oculiftifchen Inftrumente ihre fämmtlichen Concurrenten. Die neuen Erfcheinungen in diefer Die oculiftifchen Inftrumente. 29 Branche, zu deren detaillirter Befchreibung wir jetzt übergehen wollen, verdanken wir zum gröfsten Theile diefen beiden letztgenannten Firmen. Von den zur Entfernung der Katarakta dienenden Inftrumenten find. erwähnenswerth die von Thürriegel exponirten, die Eduard v. Jäger zur Vollführung des„ Hohlfchnittes," feiner neuen Extractionsmethode, erfand. Diefe find: Ein Staarmeffer, dreieckförmig, dem Beer'fchen ähnlich, nur fchmäler, Länge 35, Breite 5 bis 61 Millimeter, der ftumpfe Rücken legt fich in die Wundwinkel, die er verfchliefst. Die Flächen des Meffers find cylinderartig gekrümmt, die vordere concav, die hintere convex. Das Häkchen ift in feinem Halfe rechtwinkelig nach abwärts gebogen; diefer 7 Millimeter lange Theil leicht concav gekrümmt, trägt eine feine, nadelförmige Spitze. Die Spatel( am Griffende des vorigen Inftrumentes angebracht) deren Halsende leicht aufwärts gebogen, ift 3½ Millimeter hoch und 8 Millimeter breit und hat eine vordere fchwach concav ausgehöhlte Fläche. Die Sonde zur Ausleitung des Staares aus Silberdraht, ift nach ihrer flachen Seite unter einem Radius von 8 Millimeter gekrümmt; am anderen Ende des Griffes ift Ein gewöhnlicher Davielfcher Löffel angebracht. Die Löffel zur Entfernung der Corticalis find oval, mäfsig concav, fehr dünn, 4 Millimeter breit, 6 Millimeter lang und zum Halfe fenkrecht nach abwärts geftellt. Nach der Bauart der Inftrumente braucht man als ambitexter Operateur; zweierlei Meffer, Häkchen, Spatel, Löffel, dagegen nur eine Sonde einen Davielfchen Löffel. Die Vortheile der Methode follen fein: Lineare Wunde, Erhaltung des Kammerwaffers bis zur Vollendung des Schnittes, leichter Austritt des Staares. Die Schwierigkeit des Hohlfchnittes ift das Aufgeben des Druckes auf die Schneide wie beim Lappenfchnitt. Die Pince cystitome von Wecker, eine Irispinzette, deren beide Branchen je einen fchneidenden Triangel zur Eröffnung der Vorderkapfel tragen; es foll diefes Inftrument die Vortheile der zwei in dem Namen enthaltenen Inftrumente vereinen. Ferner die Pince cyftitome von Loren ço und von Meyer. der eben befchriebenen fehr ähnlich. Der häufigeren Ausführung und der wachfenden Anzahl der Indicationen zur Ausführung der Iridectomie entſprechen die ftets erneuerten Verfuche zur Verbefferung der hiezu benöthigten Inftrumente. Wir finden: Lanzen von Warlomont nach Art der Weber'fchen Extractionsmeffer gekrümmt, von verfchiedener Breite( 2, 3, 4 und 5 Millimeter). Hieher ift auch das Gräfe'fche Schmalm effer zu zählen, das in verkürzter Form von manchen Operateuren mit Vorliebe verwendet wird, namentlich wo man bei enger Vorkammer ein breites Colobom anftrebt. Scherk liefs ein Schmalm effer conftruiren, welches 6 Linien lang, fomit eigentlich die Spitzenhälfte des Gräfe'fchen Meffers ift. Das Mefferchen fetzt fich in einen platten, 8 Linien langen Stiel fort, der mit ihm etwa einen rechten Winkel bildet, dann wieder horicontal abgebogen unmittelbar in ein der Klinge paralleles Heft fich fortfetzt. Mit diefer Modification ift es leichter Hinderniffe, welche vorfpringende Orbitalränder oder Nafenwurzel machen, zu überwinden. Man bedarf, um von und gegen fich fchneiden zu können, zweierlei Mefferchen. Von Iris pinzetten fanden wir eine übergrofse Anzahl, unter den verfchiedenften Winkeln abgebogene, mit Häckchen und Riffen an der Spitze oder der Kante verfehene oder ohne folche. Bei der fo häufig entſtehenden 3 30 Dr. Hans Adler. Schwierigkeit, Exfudatfchwarten etc. zu entfernen, wird eine gröfsere Auswahl von Pinzetten dem Praktiker von Nutzen fein können; da wir nicht in der Lage waren, den jedesmaligen Erfinder der Modificationen zu eruiren, viele derfelben. auch fehr geringfügig, entfällt hier deren detaillirte Befchreibuug. Sehr erwähnenswerth erfcheint uns dagegen die fchon mehrfeitig verwendete Iris pinzette von Liebreich, die( wie der Erfinder fagt) mit Benützung eines neuen, bis jetzt in der Chirurgie noch nicht in Verwendung gekommenen mechanifchen Principes conftruirt ift: ,, Die Branchen der Pinzette drehen fich, ohne fich von einander zu entfernen, um eine Längsaxe, einen Draht, der in der Mitte des Inftrumentes angebracht ift." Die Haken derfelben, befinden fich am convexen Rande der Branchen an deren Ende. Das fchreibfederartig gehaltene Inftrument kann leicht mit drei Fingern dirigirt und auch durch eine fehr kleine Cornealwunde eingeführt werden, da der in der Wunde eingeführte Theil faft vollkommen gefchloffen bleibt. Das Inftrument braucht nicht, wie alle anderen Irispinzetten radial eingeführt zu werden. Es eignet fich auch zur Extraction von Kapfelftaaren, zur Corelyfe und Iridodefe. Zwei Formen find hievon im Gebrauche, eine gewöhnliche und eine mit nach abwärts gerichteten Haken. Dann die Nadelpinzette von Heymann. Zur Pupillenbildung in ftarren Membranen modificirte Heymann eine Fifcher'fche Pincette, indem er eine Branche um einige Millimeter verlängerte und nadelförmig zufpitzte. Eine folche Nadel kann ohne Verletzung der Wundränder durch jede lineare Wunde eingeführt, die ftarre Membram mit der verlängerten Branche durchftochen und durch Schlufs der Pinzette eine Partie derfelben gefafst werden. Von neueren Irisfcheeren fahen wir: Die Pince Cifeaux( Mathieu ftellte eine ähnliche fchon auf der Parifer Weltausftellung aus) von Wecker modificirt. Im Namen liegt fchon die Bedeutung diefes Inftrumentes, welches geeignet ift, Scheerenfchnitte in der vorderen Augenkammer auszuführen und zugleich die abgefchnittene Partie auszuziehen. Eine Scheere von Dowell, von Collin verbeffert, deren Branchen wie die einer ,, Pinzette" gebaut find, felbe können durch den Druck zweier Finger aufserordentlich leicht in Thätigkeit gefetzt werden; diefelbe foll zu Operationen hinter der Cornea verwendbar fein. Endlich eine neue feine Scheere von Liebreich zur Excifion der Iris hinter der Cornea. Von Lidhaltern heben wir unter der grofsen Anzahl der verfchiedenften Modificationen hervor: Das Ophthalmoftat von M Noyes aus zwei Armen beſtehend, die durch ein an dem Schläfentheil angebrachtes Schraubengewinde in verfchiedene Entfernung gebracht werden können. Den Lidhalter von Partridge. Ein viereckiger Stab fteht mit einem Drahte in fefter Verbindung, der das obere Augenlid hält; ein zweiter Draht, der fich mit einer Schraubenvorrichtung an dem Stabe feftftellen läfst, fixirt das untere Lid. Für jedes Auge ift ein befonderes Inftrument erforderlich. Ein ähnlicher Lidhalter wurde von Paul Schrötter angegeben. Auch die Fixations pinzette hat Veränderungen erfahren, davon fanden wir: Eine Pinzette mit doppelter Fixation" von Monoyer. Zur Immobilifirung des Augapfels- den Mittelpunkt als unbeweglich angenommen - bedarf es noch der Fixirung zweier Punkte feiner Oberfläche. Monoyer liefs daher feine Fixationspinzette doppelarmig auslaufen; jede Branche endigt in zwei Arme. Es fei hier erwähnt, dafs Ed. v. Jäger fchon früher ein zweiarmiges Fixationsinftrument( das auch in mehreren Etuis vorhanden war) conftruirte, fowie Die oculiftifchen Inftrumente. 31 dafs Juft die Monoyer'fche Pinzette fchon wieder verbefferte, infoferne, als er den Abftand der Branchen, der bei Monoyer 13 Millimeter betrug, auf 8 Millimeter reducirte( wir fanden auch folche von II und 9 Millimeter vorräthig); diefe letztere Pinzette ift daher auch zum Druck auf den unteren Linfenrand geeignet, was z. B. bei der Weber'fchen Extractionsmethode erforderlich. Ganz neu ift die Anwendung des Trepans fürs Auge; wir fahen: Einen Augentrepan von Bowman, einem Sattler- Locheifen ähnlich, hat er eine Hemmung, um verfchieden tief eindringen zu können; das Ganze wird durch eine Feder in Bewegung gefetzt und kann leicht durch Daumen und Zeigefinger einer Hand dirigirt werden. Ferner: Einen Augentrepan von Wecker, von Mathieu nach Art des künftlichen Blutegels gebaut: auch hier wird die locheifenförmige Krone, deren Durchmeffer zwifchen I bis 5 Millimeter beträgt, durch eine Feder in Bewegung gefetzt. Der fchneidende Theil fitzt in einem foliden Auffatze, der fich genau der Form der Cornea oder Sclera adaptiren kann; fo kann man zuerft das Inftrument auffetzen, die zu trepanirende Stelle genau auswählen und dann erft, um zu fchneiden die Feder fpielen laffen. Ein Verfahren, wenn auch im Alterthum bereits geübt, fo doch von Wecker erft neuerlich wieder bekannt gemacht, hat zum Zwecke, die Hornhaut mit Farbftoffen( namentlich chinefifcher Touche) zu färben. Zur Tätowirung verwendete Wecker anfangs feine Tätowirungsnadel, eine breite Staarnadel, mit einer bis an die Spitze gehenden Rinne zur Aufnahme des flüffigen Farbftoffes. Jetzt conftruirte er hiezu ein eigenes Inftrument pourtato unage, eine Vereinigung von 4 bis 5 Nadeln, welche gleichzeitig eindringen, nachdem man früher auf die Hornhaut den Farbftoff mittelft feiner Spatule pour tatounage, einem eigens geformten, kleinen, filbernen Löffel aufgetragen. Ferner fanden wir gleichfalls von Wecker conftruirt: das Nevrotome caché und die Spatule conductrice, welche zwei Inftrumente es ermöglichen, ein Mefferchen gefchützt bis zum Sehnerven in der Orbita vorzufchieben, um dafelbft die Scheide des Optikus anzufchneiden". Bei Neuritis optica follen hievon fehr gute Erfolge zu erwarten fein. 29 Neu find auch die Verfuche ,, medicamentöfe Flüffigkeiten im zerftäubten Zuftande ans Auge" zu bringen; mehrere Oculiften wollen hiemit fchöne therapeutifche Erfolge erzielt haben. Ein hiezu verwendbares, nach dem Syfteme des Siegle'fchen Inhalationsapparates gebautes Inftrument ift der hier ausgeftellte Fumigateur de Laurenço; da zwei Zerftäuber am Apparate( der zur Fixation der Stirne einen breiten Metallknopf trägt) angebracht, können gleichzeitig beide Augen behandelt werden. Liebreich conftruirte zu gleichem Zwecke einen Pulverifateur. Noch find ferner zu erwähnen: nealfutur". Verfchiedene Sorten von Nadeln zur„ Conjunctival- und CorUnter vielen Nadelhaltern nennen wir die neu conftruirten nach Sands und nach Collin. Von den exponirten Thränenfack- Operationsinftrumenten find erwähnenswerth: Ein Couteau boutonné à double tranchant von Wecker. Eine Cannule à mandrin pour injections du canal nafal ebenfalls von Wecker angegeben. Kleine Nägel aus Aluminium von Noyces. Ein fehr hübfches, kleines Etui für Thränenfack- Operationen von Mathieu zufammengeftellt. 3* 32 Dr. Hans Adler. Schliefslich müffen wir noch hervorheben: Ein kleines, fehr nett gearbeitetes Etui, das nach v. Jäger's Angabe von Thürriegel gefertigt - - sit venia verbo ,, zur kleineren Augenchirurgie" vollkommen ausreicht. Trotz feiner 12 Inftrumente( fremde Körpernadel, Lanzenmeffer, fpitzer und ftumpfer Haken, Spitzund Skalpellbiftouri, Cilien und Hakenpinzette, Löffel nach Daviel und Pinzette mit gerifftem Ende, Fifchbein- Sonde, gerade feine Scheere) ift es ein fehr leicht portatives Tafchenetui. Die künftlichen Augen waren ziemlich zahlreich vertreten, wir nennen hier die Sammlungen von: Kofta& Harburg( Hamburg), Paul Greiner( Hamburg), Louis Genotte( Belgien), endlich eine kleine Collection fehr billiger Fabricate von Dr. Desjardins de Morainville( à Stück 12 Francs). Die anerkannten Meifter der Prothefe der Familie Boiffoneau" angehörig, lieferten prachtvolle, äufserft täufchend hergeftellte Kunftaugen in den mannigfaltigften Formen. Befonders hervorzuheben ift die neue Modification à double echancrure, welche jede Reizung beim Gebrauch verhindern foll. A. P. Boiffonneau ftellte ferner unter dem Titel:" Pathologie oculaire" eine Sammlung von 24 Emailaugen( pathologiſche Vorgänge am Auge darftellend) mit Wachslider Einfaffung aus. Als Fabricate wegen der Schwierigkeit der Herftellung beachtenswerth, find wir uns über den Zweck folcher Verfuche nicht klar. Sollen fie vielleicht die kliniſche Beobachtung erfetzen? Sie werden diefs ebenfo wenig vermögen, wie Talrich's:„ Augen und Liderkrankungen" ( 100 Wachspräparate zum Preife von 1000 Francs), denen wir gleichfalls in der franzöfifchen Abtheilung begegneten. Das Oeil artificiel de Perrin mit 12 verfchiedenen auf Kupferfchalen gemachten Augenhintergründen ift zur Uebung für Anfänger in der Kunft der Augenfpiegel- Unterfuchung beftimmt. Auch beim Ophthalmofkopiren ift die Uebung am Menfchenauge felbft eigentlich durch Nichts zu erfetzen und befitzen wir in dem von Mohr( Würzburg 1870) conftruirten ,, Ophthalmophantome" fchon einen viel vollkommneren Apparat, der nicht nur die Uebung in der Augenfpiegel- Unterfuchuug überhaupt, fondern auch zum Zwecke der Beftimmung der Refractionsanomalien ermöglicht. Zudem geftattet der Mohr'fche Apparat die Verwendung von Ed. v. Jäger's Augenfpiegel- Bildern und ftellt fomit ein„ phyfiologifches und pathologifches Material künftlich zu Verfügung, wie es uns keine, felbft nicht die gröfste Augenklinik gleichzeitig bieten kann." وو Von Augenfpiegeln fanden wir nicht viel und nichts nennenswerthes Neues. Aber mit wirklicher Befriedigung haben wir zu conftatiren, dafs die Unterfuchung im aufrechten Bilde", wenn auch vorerft nur zum Zwecke der Refractionsbeftimmung, fich immer mehr Bahn bricht; faft an fämmtlichen neueren exponirten Augenſpiegeln fanden wir die fogenannte Rekoff' fche Scheibe, welche die Verwendung des Augenfpiegels als Optometer fo fehr erleichtert, angebracht. * Sein unter dem Titel: ,, Beiträge zur Pathologie des Auges" nunmehr vollendeter, aus 77 Bildern beftehender, gröfserer und fein aus 128 Spiegelbildern zufammengefetzter ,, Handatlas"( von deffen Verwendung oben die Rede) waren durch die k. k. Staatsdruckerei in Wien ausgeftellt. Obwohl einer anderen Gruppe angehörig konnten wir nicht umhin, an diefer Stelle diefer ausgezeichneten Augenfpiegel- Bilder zu erwähnen, die mit dem Verftändniffe des Forfchers ausgewählt, mit einem Fleifse und einer Porträtwahrheit hergestellt find, die die Arbeit v. Jäger's zu einer bisher unerreichten Leiftung macht. Die oculiftifchen Inftrumente. Von fonftigen optifchen Inftrumenten 33 zu augenärztlichen Zwecken fanden wir bei F. Fritfch( Wien) ein neues Ophthalmometer nach Woinow's Angabe gefertigt. Als befonders zweckmäfsig daran müffen wir hervorheben, dafs das Licht einer fixen Lampenflamme von drei ebenen Glasfpiegelchen reflectirt wird, die an einer um eine horizontale Axe drehbaren Stange angebracht find. Sonft fanden wir felbft bei Nachet( Paris) nur von der Parifer Ausftellung bekanntes. Zweckmäfsig arrangirte Brillenkäften fanden wir vorzüglich bei Mathieu und Nachet. F. Fritfch exponirte in reicher Auswahl nach v. Arlt's Angabe, praktiſch ausgezeichnet bewährte Zufammenftellungen. Ein fehr finnreiches, nettes Brillengeftell mit drei Räderchen zum Rollen. der Probegläfer enthielt Mathieu's Kaften; F. Fritfch verwendet in feinem von Biermann angegebenen Prismenbrillen- Geftelle, für viereckige, um ihr Centrum drehbare Prismen, Klammern, auch enthält fein Brillenkaften einen fehr verwendbaren kleinen Apparat mit ftenopäiſchen Löchern zu optometriſchen Beftimmungen. Auch die diefsjährige Weltausftellung brachte uns der fo vielfach wünfchten Uniformität des Brillenkaftens und feiner Gläfer nicht näher. er. Vielleicht fehen wir eheftens die Noumerotagefrage beendet; dann hätten. fich die Oculiften über die Brillenfcala im Probekaften geeint und fchleifen erft die optifchen Inftitute ihre Gläfer nach einem gemeinfchaftlichen Mafse, fo bringt uns die nächfte Weltausftellung die internationalen Brillengläfer im internationalen Brillenkaften! DIE INSTRUMENTE FÜR LARYNGOSKOPIE UND RHINOSKOPIE. Bericht von DR. L. SCHRÖTTER, Vorftand der Klinik für Halskrankheiten an der Wiener Univerfität etc. In meinem Berichte über Laryngofkopie und Rhinofkopie für die additionelle Ausftellung der Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen, welcher bereits ein halbes Jahr vor Eröffnung der Weltausftellung gefchrieben war, fage ich, dafs ,,, was auch immer für werthvolle Entdeckungen im Auslande gemacht wurden, doch unfer Vaterland in der Pflege der neuen Lehre( Laryngofkopie) obenan ftand." Und in der That hat die Weltausftellung in wahrhaft glänzender Weife die Richtigkeit diefes Ausfpruches bewahrheitet. Denn was von anderen Ländern in diefem Fache geboten wurde, war meift fo wenig originell und im Vergleiche mit dem Inftrumenten- Apparate für die übrigen medicinifchen Disciplinen fo geringfügig, dafs es kaum Erwähnung verdient. Einige Fabrikanten haben allerdings nicht felbftftändig in ihrem Lande ausgeftellt, fondern nur eine mehr minder vollſtändige Sammlung für die Ausftellung der in Gruppe XIV von Dr. Schrötter zufammengeftellten„ Gefchichte der Laryngofkopie" eingefchickt, was aber nur auf Veranlaffung der betreffenden Aerzte gefchah. Es ift zu bedauern, dafs Frankreich, deffen Inftrumentenmacher einen fo hervorragenden Platz einnehmen, aus diefem Zweige der Medicin nur einzelne wenige Inftrumente ausgeftellt hatte. 34 Dr. L. Schrötter. Von Beleuchtungsapparaten ift aufser einem kleinen portativen Linfen- Apparate von Raoul Mathieu und einem anderen von Colin Nichts zu erwähnen; und auch diefe haben vor ähnlichen anderer Autoren keinerlei wefentliche Vortheile. Neu war ein Inftrument von Colin, um mit Gewalt den Mund eines Patienten zu öffnen, bei welchem eine, in eine feine Kante auslaufende, fchiefe Ebene aus Stahl mittelft Hebelwirkung zwifchen die Zähne hineingetrieben wird. Das Inftrument geftattet grofse Kraftentfaltung, ift aber wegen des verwendeten Materiales fehr unangenehm. Mathieu brachte einen gedeckten Aetzmittel- Träger von Fauvel, bei dem durch eine losgelaffene Feder das Aetzmittel plötzlich an die betreffende Stelle angedrückt wird, worin eben kein erheblicher Vortheil erblickt werden kann. Einiges Auffehen erregte der bei Mathieu ausgeftellte Pinfel von Dr. Krishaber in Paris, deffen Dimenfionen in ganz erftaunlicher Weife über alles Nothwendige hinausgehen. Von elektrifchen Inftrumenten ift nur bei Mathieu der fchon bekannte Réophor von Fauvel zu finden. In Galvanokauftik bieten die Franzofen nichts Neues. Colin ftellte zwei guillotine artig wirkende Polypotome aus, die beide fehr finnreich conftruirt find, aber mit allen ähnlichen Inftrumenten die Complicirtheit und fchwere Einführbarkeit theilen, ohne weitere Vortheile zu bieten. Unter den Zerftäubungs- Apparaten verdient der von Mathieu conftruirte Erwähnung, der fich durch Erzielung einer gröberen, feineren und feinften Zerftäubung auszeichnet. Das Rhinofkop von Dr. Baxt und das von Colin, beide in der Ausftellung von Robert& Colin, welche den Zweck haben, den Spiegel und die Vorrichtung zum Heben des weichen Gaumens und der Uvula in einer Hand zu vereinigen, find beide finnreich erdacht, leiden aber an den Fehlern ähnlicher, fchon von Czermak und Störk angegebener, und feither nicht weiter in Gebrauch kommender Inftrumente. Sehr nett ift eine kleine, gegliederte Pincette von Colin, um aus der Cannüle nach gemach ter Tracheotomie Croupmembranen etc. zu entfernen. Ebenfo ift ein von demfelben Inftrumentenmacher angegebenes Dilatatorium mit drei Branchen, um nach Entfernung der Cannüle die Wundöffnung offen zu erhalten, recht zweckmäfsig. Anhangsweife feien noch zwei Inftrumente für den Oefophagus erwähnt: das Eine von Mathieu nach Art jener Scheeren, wie fie die Kinder zum Aufftellen der Soldaten verwenden, verlängerbar gebaut, dient zur Entfernung fremder Körper aus dem Oefophagus. Da das Inftrument bedeutend verlängert werden kann und relativ wenig Breite befitzt, erfcheint es fehr praktifch. Das zweite Inftrument von Colin, dem Uréthrotome caché nachgebaut, geftattet durch fehr finnreiche Vorrichtung genau abzulefen, wie weit die anfänglich verdeckten Meffer in die Oefophagus- Strictur eingefchnitten haben und gewährt daher, wenn überhaupt ein folches Inftrument anwenden will, einige Sicherheit. man In Italien fanden fich nur in der Ausftellung von Baldinelli aus Mailand einige Neuigkeiten: Ein Beleuchtungs- Apparat von Dr. Labus in Mailand, bei dem mittelft eines grofsen, am Stative befeftigten Reflectors in zweckmäfsiger, aber gleich complicirter Weife, wie bei allen ähnlichen Apparaten, Licht in die Mundhöhle geworfen wird. Ein Beleuchtungs- Apparat von Dr. Chriftoforis, wo eine an einer Stirnbinde befindliche planconvexe Linfe den Zweck hat, einfaches Tageslicht( jedenfalls nicht in ausreichender Weife) in den Mund zu werfen; endlich ein kleines Tafchen- Laryngoskop von Baldinelli. Inftrumentenmacher Lollini aus Bologna ftellte in einer grofsen Sammlung chirurgifcher Inftrumente ein ungemein elegant gearbeitetes Etui nach Bruns aus. In Dänemark fand fich nur bei Profeffor Nyrop ein kleines, fehr correct gearbeitetes Etui mit einigen Inftrumenten nach Bruns und Wintrich. Die Inftrumente für Laryngofkopie und Rhinofkopie. 35 Sehr auffallen mufs es, dafs Deutfchland, in dem fo hervorragende Laryngofkopiker leben, in keiner regeren Weife hervortrat und nichts Neues bot. Nur zwei Dinge erregten unfer Intereffe: es war diefs erftens die in der Mafchinenhalle ausgeftellte dynamo- elektriſche Lichtmafchine von Siemens& Halske in Berlin, die natürlich in diefem koloffalen Mafsftabe nicht für uns zu brauchen ift, es aber wohl der Mühe werth wäre, Verfuche anzuregen, ob fich nicht in kleinerem Mafsftabe eine folche Lichtquelle für unfere Zwecke ausnützen liefse. Der zweite Apparat war der von Dr. Stein in Frankfurt am Main in Gruppe XIV ausgeftellte Heliopictor. Die gewonnenen laryngofkopifchen Bilder find in der That recht befriedigend, es müfste aber erft ein praktiſcher Verfuch zeigen, ob das Verfahren in der That fo einfach ift, und behält fich Referent eine fpecielle Prüfung des Gegenftandes vor. Aufserdem ftellten Louis Blumberg in Berlin, Friedrich Heller in Nürnberg einige wenige Inftrumente nach den bekannten Formen von Bruns, Lewin und aus. Auch H. WindTobold Heller aufserdem eine Dubofque'fche Lampe ler in Berlin brachte hier nur ein Paar bekannte Inftrumente und foll von diefen noch in Schrötter's Ausftellung gefprochen werden. In Ungarn hat Peter Fifcher aus Peft eine fchön gearbeitete Sammlung chirurgifcher Inftrumente geliefert, namentlich eine grofse Anzahl verfchiedener Modificationen des Tonfillotomes; in laryngofkopifchen Inftrumenten aber nur einige Polypeninftrumente nach dem Mufter der Störk'fchen Guillotine. Rufsland ftellte in der Ausftellung feines Kriegsminifteriums doch auch ein kleines Tafchenetui für Laryngofkopie, Reflector mit Stirnbinde und einen Aetzftab aus. Wie fchon erwähnt, hat am reichften O efterreich in unferem Fache exponirt. J. Mang aus Prag und J. Sobel aus Graz ftellten wohl nur ältere Inftrumente in der bekannten Form und in nur wenigen Exemplaren aus; fie find aber recht gut gearbeitet. Es mufs Wunder nehmen, dafs J. Leiter aus Wien, dem das fchöne Verdienft gebührt, Inftrumente für die Laryngofkopie zuerft in grofsem Mafsftabe fabricirt, ja geradezu diefen Induftriezweig in Auffchwung gebracht und manche nennenswerthe Neuerung eingeführt zu haben, fich diefes Mal nur auf die Vorführung der bekannten Inftrumente, und auch nicht in reichlicher Auswahl, befchränkt hat. Auch J. Thürriegl, der eine Reihe von Jahren unter Türck's fpecieller Anleitung arbeitete, brachte nur Weniges und nichts Neues. Heinrich Reiner aus Wien ftellte in feiner Ausftellung zwei fehr fchön gearbeitete Etuis mit Inftrumenten, wie fie Schrötter und Störk gebrauchen, aus. Die„ Gefchichte der Laryngofkopie" von Dr. Schrötter und H. Reiner, welche ihren Platz beffer in der Ausftellung des Unterrichts- Departements oder in der additionellen Ausftellung gefunden hätte, aus manchen Gründen aber hier eingereiht wurde, gab einen vollständigen Ueberblick über den Stand des Faches, von den erften Tagen feiner Entftehung bis zur heutigen fo fchön entwickelten Höhe. Schrötter wandte fich nämlich mündlich und fchriftlich an jene Aerzte, die fich mit Kehlkopf- Krankheiten befonders befchäftigen, mit dem Anfuchen, Inftrumente ihrer Erfindung, namentlich die hiftorifche Entwicklung des Faches beleuchtende, feiner Ausftellung zuzuwenden. Mackenzie in London( Inftrumentenmacher Mayer& Meltzer), Bruns in Tübingen( Inftrumentenmacher Beuerle& Albrecht), Tobold und Lewin in Berlin( Inftrumentenmacher Windler und J. Thamm), Sommerbrodt in Breslau, Rauchfufs in Petersburg, Störk und Fieber in Wien entſprachen dem Wunfche, und fandten mehr minder reichhaltige Sammlungen ihrer Inftrumente im Originale ein.- Eine fehr grofse Anzahl von Inftrumenten wurde von Heinrich Reiner in Wien, theils nach feinen eigenen Kenntniffen, theils nach den von Schrötter angegebenen Zeichnungen und Erklärungen ausgeführt; ein Theil 36 Dr. L. Schrötter. ift Schrötter's Privateigenthum; ein anderer Theil endlich ift Eigenthum der Klinik für Laryngofkopie an der Wiener Univerſität.* Es verfteht fich von felbft, dafs nicht alle erdenklichen Inftrumente ausgeftellt wurden, fondern von jeder Gruppe nur die wichtigften, die den Gegenftand am beften zu erläutern im Stande waren, oder anderweitig ein höheres Intereffe erregen. Zuerft kamen die verfchiedenen Beleuchtungsapparate, wie fie von Türck, Czermak, Störk, Lewin, Tobold, Bruns, Krishaber, Fauvel, Moura- Bourouillou, Rauchfuss angegeben wurden; die finnreiche, aber complicirte Lampe zum Höherund Tieferftellen mittelft des verfchiebbaren Parallelogrammes von Mackenzie; die einfache Petroleumlampe nach Schrötter, von Ditmar in Wien ausgeführt, die fich durch die grofsen Dimenfionen des Rundbrenners( 15" Durchmeffer) auszeichnet und ein ganz vorzügliches Licht gibt; der Prismen- Apparat von Bose in Berlin; endlich die verfchiedenen, theils im Munde( Czermak), theils mittelft Stirnbinde zu befeftigenden Reflectoren, den ohne Weiteres einfachften und zweckmäfsigften Apparaten. Hierauf folgten die verfchiedenen Formen der Kehlkopf- Spiegel, unter denen fich noch Originale der zuerft von Türck angegebenen befanden. Wohlthuend unterfcheidet fich die einfache Form des runden Wiener Spiegels, mit dem man, nebenbei gefagt, Alles zu leiften vermag, von den complicirten, unpraktifchen, oft geradezu nur in Spielerei ausartenden Angaben Anderer. Nun folgten die wenigen Apparate, um vergröfserte Spiegelbilder zu erhalten, darunter der erfte von Primarius Wertheim in Wien angegebene. Neu ift die Form der Anwendung der einfachen Biconvexlinfe von Dr. Weil in Heidelberg, die aber in ihrer Leiftung nicht fo weit geht als die alte Türck'fche Perfpectiveloupe. Es ift richtig, dafs diefe bei Weitem complicirter und in ihrer Anwendung Anfangs geradezu mühevoll ift. Durch von Schrötter angegebene Verbefferungen find diefe Nachtheile aber bedeutend vermindert. Diefer hat nämlich das Geftell des Türck'fchen Beleuchtungsapparates fo eingerichtet, dafs es am Stuhle des Unterfuchenden felbft befeftigt werden kann, und anderfeits zur Einftellung des Fernrohres, ftatt des kaum je ruhig zu bewirkenden Verrückens mit der Hand eine kleine mit der linken Hand zu dirigirende Schraube angebracht. In diefer Weife gelingt es leicht, einer grofsen Anzahl von Zuhörern das grofse, oft überrafchend fchöne Bild zu zeigen. Unter den Apparaten zur Befeitigung einer zu grofsen Zungenwölbung befindet fich nichts Neues. Die jetzt folgenden Vorrichtungen zum Aufheben einer zu ftark liegenden Epiglottis find meift bekannt. Neu ift nur eine kleine, federnde, an einem Faden befindliche, von Dr. Glasgow( in St. Louis) angegebene Klemme, welche fich aber nur fehr fchwer fo einrichten läfst, dafs fie eben hält und anderfeits wieder nicht zu feft drückt. Der entſprechend gebogene elaftifche Katheter nach Schrötter oder allenfalls das von ihm angegebene Inftrument zum Durchführen eines Fadens durch die Epiglottis find, wie fich vergleichsweife leicht zeigt, jedenfalls das Einfachfte. Die Vorrichtungen, um pulverförmige Subftanzen in den Larynx zu bringen. oder Flüffigkeiten in denfelben zu träufeln, folgten in hiftorifcher Aufeinanderfolge, ohne wefentlich Neues zu bieten. Unter den verfchiedenen Formen der Aetzmittelträger zeichnet fich neben dem finnreichen Störk'fchen, der alte Türck'fche, von Schrötter modificirte, durch feine Einfachheit, bei gleicher Leiftungsfähigkeit mit allen Uebrigen, * Diese wurde im März 1870 im k. k. allg. Krankenhaufe errichtet und mit 16 Betten ( 8 Männer, 8 Weiber) verfehen. So viel mir bekannt ift, gibt es nur eine zweite ähnliche Anftaltunter Mackenzie's Leitung in London, 1863 errichtet; diefe ift aber eigentlich nur ein Ambulatorium. So kurz das Beftehen der Wiener Anftalt ift, hat doch die Zahl der Zuhörer und der hilfefuchenden Kranken in folcher Weife zugenommen, dafs die Räumlichkeiten fich bereits in drückender Weife als zu klein erweifen. Inftrumente für Laryngofkopie und Rhinofkopie. 37 aus. Denn dort, wo z. B. Bruns zu einem Hefte zehnerlei Anfatzenden für Aetzungen an verfchiedenen Stellen des Kehlkopfs bedarf, genügt das Eine Schrötter'fche Inftrument, welches, weil es biegfam und der eigentliche Aetzftab drehbar ift, Aetzungen an allen möglichen Localitäten geftattet. So fchön die Deckungsröhre bei dem Inftrumente von Bruns auch gearbeitet ift, fo ift fie doch um ein Bedeutendes complicirter, daher fchwerer rein zu halten und theurer. Nun folgt die grofse und am weiteften ausgebildete Reihe von Inftrumenten zur Unterfuchung und Entfernung von Neubildungen und fremden Körpern aus dem Schlunde und dem Kehlkopfe. Es würde zu weit führen, wollte man diefe alle aufzählen; es foll hier nur auf folgende Punkte aufmerkfam gemacht werden: Am zweckmäfsigften müffen offenbar jene Inftrumente erfcheinen, die bei gleicher Sicherheit in der Handhabung die gröfste Anwendung in Bezug auf Verfchiedenheit des Sitzes der Gefchwulft und auf Gröfsenverhältniffe des betreffenden Individuums geftatten, und bei alledem einfacher und billiger find als andere. Allen diefen Anforderungen genügen die Inftrumente der Wiener Schule, wie fie zuerft von Türck angegeben und gegenwärtig von H. Reiner in ausgezeichneter Weife, mit wefentlichen Modificationen von Schrötter ausgeführt werden. Diefe Inftrumente haben nämlich alle einen nicht zu kleinen und fich darum bequem in die Hand legenden Griff, eine mit doppelter Krümmung verfehene Röhre, in welcher der zu deckende eigentliche Operationstheil mittelft einfachen Knopfes verfchoben wird. Die eine der erwähnten Krümmungen, die in horizontaler Ebene angebracht ift und fich nach rückwärts befindet, hat den grofsen Vortheil, dafs dadurch die Hand des Operateurs von der Mundöffnung des Kranken wegkommt, und das Licht gut einfallen kann. Die zweite am vorderen Ende des Inftrumentes in verticaler Ebene angebrachte Krümmung hat den Zweck, da diefer Theil biegfam ift, das Inftrument dem Baue verfchiedener Individuen nach Gröfse etc. accommodiren zu können. Der Vortheil kann nicht einfacher gefchildert werden, als wenn ich fage, dafs dort, wo Schrötter ein einziges solches Inftrument nothwendig hat, Mackenzie in London deren achtzehn, Fauvel in Paris deren nicht viel weniger brauchen, die aber alle von Stahl und fomit vollkommen unbiegfam find. Die doppelte Krümmung der Wiener Inftrumente ift allerdings für das Unterbringen in Etuis unbequem, das Auseinandernehmen derfelben und Einbringen anderer Blätter durch Einfchrauben nach Türck mühfam und zeitraubend; durch die Verbefferungen von Schrötter jedoch find alle diefe Nachtheile vollkommen überwunden. Denn es wird das Auseinandernehmen der Inftrumente und Einpaffen neuer Blätter durch eine einfache fägeförmige Zähnung beider Endtheile in ebenfo ficherer als fchneller Weife beforgt. Eine andere, ganz wefentliche Verbefferung ift die von H. Reiner angegebene finnreiche Methode, mittelft welcher die Drehung des Endtheiles der Inftrumente bewirkt werden kann. Schon Mackenzie hat eine Pincette angegeben, bei welcher bei einfacher Krümmung( Endkrümmung in verticaler Ebene, Inftrument von Stahl) die Drehung der Pincettenbranchen durch eine von Mayer& Meltzer ungemein fchön gearbeitete in der Deckungsröhre befindliche Kette bewirkt wird. Bei Reiner aber wird bei doppelter Krümmung des Inftrumentes dasfelbe in viel einfacherer Weife dadurch erreicht, dafs der drehbare Stab, an welchem die Pincettenbranchen angebracht find, fich nach vorne verjüngt und von der Verjüngungsftelle bis zur eigentlichen Pincette hin, ein an den genannten Stellen angelötheter feiner Draht fpiralig herumgewunden ift. Es verfteht fich von felbft, dafs diefe finnreiche Idee für alle ähnlichen Inftrumente verwerthet werden kann. Es mufs befonders betont werden, dafs es gar keinem Zweifel unterliegt, dafs fich diefelbe Operation in gleich gelungener Weife mit ganz verfchiedenen Inftrumenten ausführen läfst, dafs jeder Erfinder Lieblingsinftrumente haben wird, und zwar ganz berechtigt, indem er eben mit denfelben Operationen ausgeführt hat, die von anderen Aerzten mit von ihnen angegebenen„, allein felig machenden" vollführt wurden. Es ift daher eine principielle Beurtheilung der 38 Dr. L. Schrötter. Inftrumente kaum möglich. Bei den meiften Operationen im Kehlkopfe handelt es fich darum, das Inftrument durch die Mund- und Rachenhöhle gedeckt in den Larynx einzuführen und es erft, wenn es an der richtigen Stelle angelangt ift, für die betreffende Wirkung: Schneiden, Aetzen, Kneipen etc. zu entfalten. - So zieht es z. B. der Eine vor, die Deckung in der Weife zu beforgen, dafs das eigentliche Inftrument fix ift, zur Deckung aber über dasfelbe eine Röhre gezogen wird, während es der Andere für zweckmäfsig hält, wenn in einer fixen Röhre das Inftrument vor- und zurückgefchoben werden kann. Der Eine wieder will nur das Vorfchieben durch eigene Handbewegung beforgen, während das Zurückfchieben durch eine beim Vorfchieben comprimirte Feder gefchieht. Der Andere endlich, und das ift mein Standpunkt, will das Vor- und Rückfchieben vollkommen in feiner Macht, alfo von jeder Feder-, Hebel- etc. Wirkung vollſtändig unabhängig haben. Mit Beweifen läfst fich hier nicht ankämpfen, indem der Betreffende eben antwortet, es liege ihm das Inftrument nach feiner Angabe beffer in der Hand etc. Scheerenartige Inftrumente fanden fich bei Rauchfufs und Bruns und in Zeichnung nach Merkel vor; fie haben fich theils wegen complicirten Baues, theils wegen gröfserer Raumentfaltung, theils wegen Unficherheit nicht als zweckmäfsig erwiefen. Guillotineartige Inftrumente lagen in reicher Auswahl vor. Die älteften,( ich betone: die älteften) von Mathieu fchon 1858 und 1861 angegebenen; folche von Türck( in befonders grofser Zahl), Bruns und Störk, endlich das fchönfte von H. Reiner. Diefes ungemein elegant gearbeitete Inftrument ift nämlich die vollkommenfte, nur höher ausgebildete Nachahmung der Tonfillenguillotine und hat folgende grofse Vortheile: Es ift erftens biegfam; zweitens wird die Gabel, die den Tumor fixirt, felbftftändig vorgefchoben( gegen Mathieu) und drittens ift die ganze Guillotine fo drehbar, dafs das eine Inftrument für alle möglichen Fälle angewendet werden kann. Wenn alfo die Guillotine mit Berücksichtigung ihrer Complicirtheit überhaupt angezeigt ift, fo ift diefe Form jedenfalls die vollkommenfte. Schlingenfchnürer fanden fich ebenfalls in grofser Anzahl nach Bruns, Lewin, Gibb, Störk, Schrötter, Sommerbrodt vor, ohne dafs das eine oder andere diefer Inftrumente einen wefentlichen Vortheil darbieten würde. Hieran fchliefsen fich die galvano cauftifchen, wohl entbehrlichften Inftrumente in der ganzen Laryngo- Chirurgie, an. Wer die Sache vorurtheilsfrei beurtheilt, mufs auch zugeben, dafs diefe Inftrumente, von der Batterie angefangen, bis zu dem eigentlichen, in den Kehlkopf einzuführenden Theile, noch im Argen liegen. Sie find hier hauptfächlich durch die Apparate von Bouns und Voltolini vertreten. Aufser einem von Schrötter angegebenen Griffe, der den Vortheil der rafcheften Verkleinerung der Schlinge bei geöffnetem oder gefchloffenem Strome bietet und mit einer Hand zu dirigiren ift, fo dafs alfo ein Affiftent entbehrlich wird, findet fich nichts Neues. Im Anhange feien hier noch die Inftrumente von Dr. F. Fieber erwähnt, deren Zweck es ift, Tumoren mittelft Elektrolyfe zu zerftören, über deren problematifche Wirkung jedoch, abgefehen von der Umftändlichkeit und Langwierigkeit des Verfahrens, noch kein unbefangenes Urtheil vorliegt. Unter den rhinofkopifchen Inftrumenten find nur der gebogene gedeckte Aetzmittel- Träger, und der gerade für Aetzungen von vorneher, beide von Schrötter angegeben, neu. Der letztere befteht aus einem 12 Centimeter langen, 2 bis 3 Millimeter im Durchmeffer haltenden Rohre aus Silber, das an einer Seite mit einem durch die ganze Länge verlaufenden Schlitze verfehen ift. In diefe Röhre wird ein mit einer Rinne verfehener Stab gefchoben, in die das Aetzmittel eingefchmolzen wird. Am Griffe ift bemerkt, ob das Aetzmittel dem Schlitze am äufseren Rohre entſpricht oder bei Umdrehung nicht. Nach vorheriger Mafsnahme mit der Sonde kann jede beliebige Stelle der Nafenmufchel etc. getroffen werden. Vollkommen neu endlich find Schrötter's Inftrumente zur Erweiterung von Stricturen des Larynx nach gemachter Laryngotomie, zu dem Zwecke, um die Inftrumente für Laryngofkopie und Rhinofkopie. 39 Cannüle wieder entbehrlich zu machen, und die fämmtlichen Inftrumente für die Krankheiten der Trachea. Erftere beftehen aus etwa 4 Centimeter langen Bougien aus Hartkautfchuk und später aus Zinn von verfchiedener Dicke, welche an einem Faden befeftigt, mittelft eines ftarren Rohres von oben her durch die Strictur des Larynx und das obere Fenfter der Cannüle in diefe hineingefchoben und hier mit einer kleinen. Pincette befeftiget werden, während nach oben aus der Mundhöhle nur der erwähnte Faden heraushängt. Diefe Bougie wird, ohne den Kranken im Athmen und Schlingen zu beläftigen, durch 24 Stunden bis zur nothwendigen Reinigung liegen gelaffen, worauf eine gröfsere eingeführt werden kann etc. Hierher gehört auch ein Inftrument, an welchem durch Schraubenwirkung die von oben her in den Larynx eingeführten Branchen aus einander getrieben werden und fo die Strictur erweitert wird. Die Inftrumente für die Trachea beftehen in einem Einblaferohr für pulverförmige Subftanzen, welches durch den Larynx hindurch bis in die Trachea gebracht wird, einem röhrenförmigen Inftrumente, aus welchem nach Art der Muzeuxfchen Zange gebaute Hacken zur Entfernung von Neubildungen entwickelt werden können, und endlich ein verlängerbares Dilatatorium aus Hartkautfchuk, das nicht nur mit Sicherheit bis an die Bifurcation der Trachea, fondern auch bis in die Bronchien felbft, und zwar nach Abficht des Operateurs in den rechten oder linken eingeführt werden kann. Diefe fämmtlichen Inftrumente find bereits erprobt.( Siehe Bericht der Klinik für Laryngofkopie 1870, Braumüller 1871.) DIE APPARATE FÜR ELEKTROTHERAPIE. Bericht von DR. MORIZ BENEDIKT, K. k. Univerfitäts- Profeffor in Wien. Die Expofition medicinifch- elektrifcher Apparate erregt das Intereffe nach zwei Richtungen hin. Einmal, inwieferne die Production in den verfchiedenen Ländern den bereits bedeutenden heimifchen Bedarf deckt und den fremden Markt beherrfcht, und anderfeits in Bezug auf die Fortfchritte fowohl in technifcher Beziehung als in Bezug auf die praktifche Brauchbarkeit, wobei der Preis ebenfalls eine Rolle fpielt. Inductionsapparate waren in den verfchiedenften Ländern ausgeftellt, und fowohl Deutfchland, Frankreich, Oefterreich- Ungarn, als Italien, Dänemark und England haben folche Inftrumente geliefert. Wefentliche Veränderungen in der Conftruction waren nicht zu bemerken, und als ein einigermafsen neuer Typus diefes Inftrumentes kann allenfalls der Apparat von Schivardi angefehen werden, der fich in der Ausftellung von der Ausftellung von Baldinelli Baldinelli aus Mailand und Batocchi aus Verona befand. Der Schwerpunkt der Ausftellung lag in den galvanifchen Batterien zu therapeutifchen Zwecken. In früheren Jahren hat die Firma Siemens& Halske mit den Daniel'fchen und fpäter den von ihnen verbefferten Elementen den Weltmarkt beherrfcht. Nicht minder find eine Reihe von Hilfsapparaten, die aus diefer Fabrik hervorgegangen find, vor Allem der Strom 40 SAF Dr. Moriz Benedikt. wender, der Stromwähler und Stromwechsler, ebenfo wie der Stöpfelrheoftat mafsgebend gewefen. Da diefe Elemente durch ihre Gröfse und dadurch hervorgerufene fchwere Transportabilität der Batterien, ferner durch den Mangel an Conftanz bei längerem Gebrauche den Wünſchen der Aerzte nicht vollſtändig entſprachen, wurden nach allen Richtungen neue Elemente, die in Vorfchlag kamen, verfucht. Es fei beiläufig bemerkt, dafs neben den Elementen von Siemens& Halske auch noch die Elemente von Meidinger und die ihnen ähnlichen fich bei vielen Aerzten einer grofsen Beliebtheit erfreuten. Herr Dr. Brunner aus Warfchau hat einen Apparat ausgeftellt, welcher die Periode von Siemens& Holske in der glänzendften Weife abfchliefst, indem auf demfelben alle Leiftungen der berühmten Berliner Firma vereinigt und in deren Sinn fortgebildet erfcheinen. Zudem ift der Apparat unter den Augen des genannten Arztes mit technifcher Vollendung ausgeführt worden, und Rufsland dadurch in hervorragender Weife in diefer Gruppe repräfentirt. Mayer& Wolf aus Wien haben ebenfalls ihre treue Anhänglichkeit an der Tradition jener Firma bewiefen. Z. Unter den Elementen, die in neuer Zeit aufgetaucht find, haben vor Allem zwei die Aufmerkſamkeit der Aerzte auf fich gezogen. Das erfte von diefen ift das Element von Leclanché, welches den Vortheil bot, nur eine Flüffigkeit zu benöthigen und den zweiten Elektrolyt in der Kohle felbft zu bergen. Diefes Element erfchien in Modificationen noch auf der Ausftellung. B. in jener von Mayer& Wolf und von Teuchert in Wien. Eine Modification diefes Elementes wurde von Beetz vorgenommen und diefe nach dem Modificator benannten Elemente führt uns Dr. Edlmann aus München in der deutfchen Abtheilung in ihrer vollendetften Form vor. Statt Kohle wird ein mechanifches Gemenge von Kohle und doppelchromfaurem Kali verwendet und in diefe Maffe ragt ein Platindraht hinein. Die Elemente von Beetz haben die Gröfse eines gewöhnlichen chemifchen Reagenzgläschens, es läfst fich daher eine grofse Anzahl von Elementen in einem kleinen Raume anbringen, und die Batterie, wenn fie das hält, was ihr Erbauer fich von ihr verfpricht, wäre ein paffender Erfatz für alle früher in Gebrauch gezogene Elemente. Sartori in Wien hat modificirte Leclanche'fche Elemente conftruirt, wobei er das Zink durch Eifen und die Salmiaklöfung durch Chlornatrium erfetzte und die Form der urfprünglichen Leclanche'fchen Elemente beibehalten hat. Letzterer Producent hat die Batterie noch weiter dahin modificirt, dafs er durch ein Schlauchfyftem die in der Batterie entwickelten Gafe ableitet, und er nannte diefe modificirte Batterie die Gasabzugs- Batterie. - Ein anderes Element, welches in den letzten Jahren die Aufmerkſamkeit der Aerzte auf fich gezogen hat, ift jenes von Pincus das Chlorfilber- Element. Das wichtigfte Chlorfilber- Element, das exponirt wurde, rührt von Gaiffe in Paris her; und wir wollen uns bei diefer Batterie umfomehr aufhalten, als fie der Zukunftsapparat in der Medicin zu werden verfpricht. Keine andere Batterie erreicht die Gaiffe'fche an Compendiofität, da er 60 Elemente, worunter 10 ftark elektrolytifch wirkende in einem einzigen Kaften vereinigt, da ferner diefe Batterie eine Modification des Stromwählers enthält, in allen Bedürfniffen entſpricht. Diefer neue Stromwähler ift nämlich doppelt und hat fo den Vortheil, dafs man die Batterie auf eine beliebige Anzahl von Elementen nicht blofs von I an einfchleichen, fondern bei einem beliebigen Elemente beginnen kann; braucht man z. B. 10 Elemente, fo bekommt man diefe Anzahl nicht nur, indem man auf dem einen Stromwähler auf 10 geht, fondern auch, wenn man den einen Stromwähler auf 10 und den andern auf 20 einftellt. Sowie nämlich der eine Stromwähler mit dem Zinkpol aller Elemente in Verbindung fteht, fo fteht der andere mit dem Kupferpol aller Elemente in Verbindung. Diefe Einrichtung hat den Vortheil, dafs man nicht in Verlegenheit kommt, wenn gerade Die Apparate für Elektrotherapie. 41 in den erften Elementen ein Fehler ift, und dafs man mit der gröfsten Leichtigkeit conftatiren kann, in welchem Elemente der Fehler fteckt. Die Elemente felbft enthalten keine Flüffigkeit, indem die Feuchtigkeit der Luft hinreicht, die Rolle der Flüffigkeiten in den Elementen zu fpielen; fie haben ferner nur ein Salz. Chlorfilber, und das ganze Element ift fo compendiös, wie keines bisher in Gebrauch gezogenes und fteckt in einer Kautfchukhülfe unverändert drinnen. Auch die Art der Verbindung der einzelnen Elemente durch hervorragende Metallftücke und ftarke Federn mit den Stromwählern hat nichts mit der mühfamen und verwirrenden durch Drähte gemein; aufserdem ift jede Serie von Elementen in eigenen Käftchen vereinigt, die leicht ausgehoben werden können und in diefen ift jedes Element zur weiteren Behandlung leicht zugänglich. Die gröfseren diefer Käftchen find auch mit einer Bouffole und dem Stromwender verfehen, fo dafs fie allen ärztlichen Bedürfniffen vollſtändig entſprechen. Die Nachtheile des hohen Preifes der erften Füllung werden dadurch aufgewogen, dafs das koftbare Material des Silbers nicht verloren geht und leicht wieder in Chlorfilber überführt werden kann. Die Batterie ift, wie ich aus Verfuchen weifs, fehr ftark, und wenn fie die Conftanz befitzt, die ihr Gaiffe zufchreibt, fo wird das Modell diefer Batterie für lange Zeit das herrfchende in der Medicin bleiben. Eine Chlorfilber- Batterie wurde auch von Stöhrer in Dresden ausgeftellt und eine Beetz'fche von Heller in Nürnberg. Von den älteren Modellen ift vor Allem die Kohlen- Zinkbatterie ohne Diaphragma mit Schwefelfäure- Füllung oder Clorfilber- Löfung zu erwähnen. Solche Batterien wurden von der altbewährten Firma Stöhrer in Dresden in ihrer bekannten technifchen Vollendung ausgeftellt. Neu an dem Stöhre r'fchen Modell ift die Einfügung von Inductionsapparaten in die galvanifche Batterie. Ein alter aber werther Bekannter für die Fachmänner ift die platinifirte Bleizink- Batterie von Frommhold in Peft, welche durch ihre Verbindung mit einem bequemen Stromwähler ferner mit einem Stromwender und der Tauchvorrichtung die beften Dienfte geleiftet hat. Von älteren Modellen ift noch jenes der Sme e'fchen Batterie mit einem Stromwähler und einer Senkvorrichtung in der Expofition des Dänen Rasmuss aus Kopenhagen zu erwähnen. So compendiös diefer Apparat auch conftruirt ift und trotzdem derfelbe mechanifch nicht fchwer zu transportiren ift, fo dürfte das Modell wegen der Säuren und der mangelnden Feftigkeit der Verbindungen kaum viele Bewunderer finden. Von neuen Ideen bei der Conftruction der Elemente ift noch Sartori zu erwähnen, welcher Kohlen- Zinkbatterien conftruirt hat, mit der Modification, dafs die genannten Metallplatten fenkrecht übereinander fich befinden und, was hervorzuheben ift, die Zinkplatte in Queckfilber getaucht ift. Einen fehr fchönen Gedanken hat der gewandte Jofef Leiter in Wien in feinen Elementen zur Darstellung gebracht. Statt das Kohlen- Zinkelement nach dem Gebrauche aus der Flüffigkeit zu heben, beftrebt er fich die Flüffigkeit von den wirkfamen Platten zu verdrängen. Auf dem Grunde des Glafes befindet fich während der Thätigkeit ein Kautfchuk cylinder, über dem die Flüffigkeit fich befindet. Wenn das Element aufser Gebrauch kommen foll, wird der genannte Cylinder gehoben, dadurch ftrömt die Flüffigkeit nach unten. In diefem Cylinder find zwei Spalten, die nach oben und unten offen find, durch welche die Flüffig-. keit beim Heben hinabfliefst, und in welche die Kohlenplatte hineinpafst. Diefer Cylinder hat aufserdem eine mittlere Spalte, die nach unten gefchloffen ift, und in diefe kommt die Zinkplatte zu liegen. Da nun diefe mittlere Spalte immer etwas Queckfilber enthält, fo befindet fich der Zinkcylinder, wie beim Element Sartori hier nach dem Gebrauche in amalgamirender Umgebung. Die Hebung des Cylinders gefchieht durch einen doppelt zufammenlegbaren Kautfchukftab, der die Form der gewöhnlichen Mafsftäbe hat, deren einzelne Theile übereinander gefchoben werden können. 42 Dr. Moriz Benedikt. Die Apparate für Elektrotheropie. Das Beftreben, die Unterbrechungs- und Wendungsvorrichtungen in die Rheophoren zu verlegen und dadurch eine manipulirende Hand zu erfparen, findet ihren Ausdruck in der Rheophorm von Rasmufs, von Edlmann und in neuer origineller Weife durch Drehung eines Rades im Rheophor bei Leiter. Batocchi aus Verona hat eine modificirte ausgeftellt. Holz'fche Maſchine Leiter& Heller exponirten auch galvanokauftifche Apparate, ferner Leiter und Stöhrer, fehr gut gearbeitete Inftrumente für die Anwendung der Galvanokauftik. Stöhrer exponirte noch einen Flüffigkeitsrheoftaten( beftimmt für eine Zinkvitriol- Löfung). OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. MUSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XV.) BERICHT VON EDUARD SCHELLE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. MUSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XV.) Bericht von EDUARD SCHELLE. Die Weltausftellung, in welcher fich vom ternen Often bis zum entfernten Weften die Nationen zufammengefunden haben mit all' ihren Werken der Cultur, entrollt auf dem fcheinbar fo befcheidenen Gebiete der mufikalifchen Tonwerkzeuge das erfreuliche Bild eines erfolgreichen Strebens und Schaffens und wir können es ohne Uebertreibung fagen, eines nicht zu verkennenden bedeutenden Fortfchrittes feit dem Parifer derartigen Unternehmen im Jahre 1867. Manches Neue tritt uns in den verfchiedenen Erfcheinungen entgegen; Manches wiederum, das wir vor einiger Zeit noch in feiner Enwicklung fanden, fehen wir jetzt in einer entfprechenden Vollendung vor uns; mit einem Wort, im Ganzen und Grofsen bezeugen die Leiftungen, welche diefe Ausftellung vorführt, den überaus fruchtbaren Einflufs derartiger Unternehmungen auf den induftriellen Betrieb auch in diefer Sphäre geiftiger Productivität. Das Zufammenftrömen der Männer des Faches, der Wiffenfchaft und Kunft aus allen Ländern der Welt, der dadurch bewirkte Austaufch und Umfatz an Erfahrungen und Ideen erzeugen einen Auffchwung der Technik, der nicht allein der gewerblichen Thätigkeit, fondern auch der Wiffenfchaft zu gute kommt. Denn in dem weiten Reiche der Kunft dürfte es fchwerlich ein Gebiet geben, wo die Praxis fo Hand in Hand mit der Wiffenfchaft geht, wie in der Fabrication mufikalifcher Inftrumente. Lehrt uns doch die Gefchichte derfelben, wie fo häufig Entdeckungen, gewonnen auf dem Wege der Erfahrung oder gar des Inftinctes, fich zu bedeutenden Reſultaten der Wiffenfchaft entfalten, und wie anderfeits wiederum die Theorien der letzteren fich in den Erfolgen der Praxis bewähren. Leider aber hatte man bei der Aufftellung der in die Gruppe XV fallenden Gegenftände einen höchft unpraktiſchen Plan befolgt. Anftatt diefelben nach ihrer Rangordnung in einer felbftftändigen Halle in überfichtlicher Weife unterzubringen, wie es z. B. bei den Mafchinen der Fall war, hat man fie durch alle Räume des Induftriepalaftes nach den Ländern, denen fie angehören, zerftreut, ohne felbft Rückficht zu nehmen, ob auch der Charakter der Localität für den Zweck fich eigne. Durch diefe Einrichtung aber wurde der Vergleich, das zuverläffigfte Mittel für eine gerechte Beurtheilung, unendlich erfchwert, und zwar um fo mehr, als häufig längere Diftanzen zwifchen den einander entfprechenden Objecten zu durchmeffen waren und man auf dem Wege mitunter I* 2 Eduard Schelle. ein wahres Sturzbad von Klängen verfchiedenfter Art auszuhalten gezwungen war Wir haben jedoch das Ohr nicht fo in unferer Macht wie das Auge und der Eindruck einer Klangwirkung wird durch andere Klangeffecte unmerklich, ja nur zu leicht bis zu dem Grade verwifcht, dafs die Erinnerung keinen ficheren Mafsftab mehr darbietet. Ferner beruht der Werth eines mufikalifchen Inftrumentes in erfter und letzter Inftanz nur auf dem Ton, und diefer bedarf wieder einer akuftifch gebauten Räumlichkeit, um fich gehörig zur Geltung zu bringen. Da für folche keine Sorge getragen war und in der That bei dem adoptirten Plane auch keine getragen werden konnte, fo lief das Urtheil nicht felten Gefahr, in Täufchungen zu verfallen und gegen die Gerechtigkeit zu verftofsen. Befonders drückend war diefer Uebelftand bei den Saiteninftrumenten, Pianos, Geigen u. f. w., deren Stärke bekanntlich nicht in einer weit dringenden Schallkraft liegt. Möchten nur die hier gemachten Erfahrungen bewirken, dafs man bei künftigen Expofitionen diefem wichtigen Zweige der Kunft und Induſtrie eine ähnliche Aufmerkfamkeit erweift, wie man fie anderen Objecten, beiſpielsweife den Gegenftänden der bildenden Künfte, zuzuwenden für Pflicht hält. Die Mufikinftrumente kommen auf Ausstellungen nach zweierlei Seiten hin in Betracht. Einerfeits find fie die künftlerifchen Mittel und daher nach dem Grade ihrer Verwendbarkeit im Dienfte der Kunft abzufchätzen, anderfeits haben fie aber auch als Objecte eines induftriellen Betriebes Bedeutung, und verlangen als folche einen eigenen Werthmeffer. In diefer Eigenfchaft umfafst ihre Familie auch jene Ton- Werkzeuge, welche keinem künftlerifchen Zwecke dienen, fondern, fei es als freie, für fich beftehende Klangwerke, fei es als technifche Kunftstücke und mufikalifche Spielwaaren, um diefen Ausdruck zu gebrauchen, eine Rubrik aufserhalb der Grenzen der Kunft bilden und fomit gewiffermafsen das Proletariat unter den Tonmitteln vertreten. Aber auf dem neutralen Boden einer Induftrie- Ausftellung geniefsen diefe Proletarier die vollkommenfte Gleichberechtigung mit den edelſten Organen der Kunft; fie dürfen dasfelbe Intereffe, diefelbe Gewiffenhaftigkeit in ihrer Beurtheilung beanfpruchen, wie die Letzteren. Die einzige Bevorzugung, auf welche die Kunft zu dringen befugt ift, befchränkt fich nur darauf, dafs bei der Claffification der verfchiedenen Gruppen die herkömmliche. Rangordnung aufs ftrengfte eingehalten wird. Nach derfelben ftehen zu Oberft diejenigen Inftrumente, auf welchen der Ton vermittelft Taften erzeugt wird. Sie verdienen diefen Vorrang, weil fie an Ausdruckmitteln am vielfeitigften ausgeftattet find; mit ihnen hat alfo der Bericht feinen Anfang zu nehmen. TASTEN INSTRUMENTE. Orgeln. Im Vordergrunde diefer Gruppe fteht die Orgel als die Königin des Tonreiches. Der Titel gebührt ihr nicht nur wegen ihrer gewaltigen, erhabenen Klangwirkung, fondern weil fie allein unter allen Inftrumenten in ihrem Schoofse fämmtliche Töne einfchliefst, die in der Mufik zur Anwendung gebracht werden; fie umfafst nämlich nicht weniger als einen Tonumfang von 8 Octaven, deren Grundtöne von dem grofsen Contra C mit 16.5 Schwingungen in der Secunde und 32 Fufs Tonmafs bis zum fünfgeftrichenen C mit 4228 Schwingungen in der Secunde hinauffteigen. Natürlich liegt diefer Tonumfang nur in den verfchiedenen Stimmungen, welche das Werk enthält, wird aber nicht durch eigene Taften ausgedrückt, denn das Clavier oder Manual reicht nicht über 4 oder höchftens 41 Octaven hinaus, das Pedal umfafst deren nur 21. Aber auch fchon kraft ihres Stammbaumes darf die Orgel den Thron in dem Reiche der mufikalifchen Inftrumente beanfpruchen, denn ihre Anfänge reichen in die graue Vorzeit hinein und verknüpften fich fogar mit der Mythologie; wir erkennen fie nämlich in der alten Panflöte, Mufikalifche Inftrumente. 3 welche aus 7 bis 10 mit Wachs verbundenen, aus Schilfrohr gefchnittenen Pfeifen von verfchiedener Länge beftand. Einen weiteren Fortfchritt bezeichnet die Sackpfeife, bei der bereits die mit Tonlöchern verfehenen Pfeifen durch einen angebrachten Windfchlauch geblafen wurden. Denken wir uns eine Anzahl folcher Pfeifen ftatt eines Schlauches oder Sackes auf einen Windkaften geftellt, in welchen man, anfänglich wenigftens, durch ein Rohr die Luft hineinblies und zugleich mittelft beweglicher Schieber die Pfeifen nach Belieben auch einzeln zur Anfprache bringen konnte, fo hätten wir damit ein entſprechendes Bild unferes Inftrumentes auf feiner erften Entwicklungsftufe. Ein fernerer und zwar fehr bedeutender Fortfchritt, welcher einen längeren Bildungsprocefs vorausfetzt, war die Erfindung einer Einrichtung, durch welche die Luft durch den Druck des Waffers den Pfeifen zugeführt wurde. Der Kirchenvater Tertullian fchreibt diefelbe ohne ftichhaltigen Grund dem Archimedes zu. Eine folche hydraulifche Orgel baute oder verbefferte fchon etwa 180 Jahre vor Chriftus Ktefibius. Diefe Inftrumente zeichneten fich keineswegs durch eine imponirende Gröfse aus, wie man nach einer Schilderung des genannten Kirchenvaters fchliefsen kann, fie waren vielmehr klein und tragbar und wegen ihres Klanges bei den Römern fehr beliebt, vermochten indefs die ältere Windorgel nicht zu verdrängen. Zu folchen gehörten jene beiden Orgeln, welche fich nach dem Briefe, des Hieronymus an den Dardanus im Tempel zu Jerufalem befanden. Die kleinere unter ihnen, Mafchrokita mit 7 Pfeifen, wurde vom Spieler mit dem Munde durch einen Schlauch oder ein Rohr angeblafen, während er felbft auf einer vorn angebrachten Taftatur fpielte. Ein ähnliches Beiſpiel von Spielart bot der Zithertifch des Bäckermeifters Böhm in der Ausftellung, nur dafs hier die Pfeifen durch Zungen erfefzt find. Die gröfsere Orgel Magrapha oder Ugafh foll dagegen 2 Blafebälge und 15 Pfeifen gehabt haben. Ihre höhere künftlerifche Ausbildung hat die Orgel erft in dem Schoofse der chriftlichen Kirche erhalten; fie ift hier allmälig zu dem Inftrumente herangewachfen, welches heutigen Tages den Hauptfchmuck unferer Kirchen bildet und mehr als jedes andere Ton- Werkzeug mit unferem religiöfen Empfindungswefen verbunden ift. Die Einführung derfelben in die Kirchen des Abendlandes wird nach einer fehr unverbürgten Nachricht des Platina dem Papfte Vitalian in der zweiten Hälfte des VII. Jahrhundertes zugefchrieben. Als Pipin den römifchen Ritus in Frankreich einführte, erhielt er von dem byzantinifchen Kaifer Kopronimos in Konftantinopel zur Unterftützung des Gefanges eine grofse Orgel mit bleiernen Pfeifen zum Gefchenk, welche er in der Kirche zu Compiègne aufftellen liefs. Nach dem Mufter derfelben liefs Carl der Grofse 812 eine Orgel in dem Dom zu Aachen bauen, die erfte in Deutfchland, wie es heifst, welche ohne Beihilfe des Waffers, wie bisher, nur mittelft Blasbälge allein gefpielt werden konnte. Seit der zweiten Hälfte des IX. Jahrhunderts war die Kunft, Orgeln zu bauen, in Deutfchland fo verbreitet, dafs Papft Johann VIII. den Bifchof von Freifing anging, nach Rom einen Orgelbauer zu fchicken. Von hier aus verbreitete fie fich dann durch Italien und nach Frankreich hin. Im X. Jahrhundert hatte die Orgel, namentlich in England, bereits bemerkenswerthe Fortfchritte gethan. Denn nach der Erzählung des Benedictiners Wolftan befand fich 951 in Wincheſter eine Orgel, welche nicht weniger als 400 Pfeifen, für die damalige Zeit eine beträchtliche Anzahl, befafs; freilich war das Werk noch fehr primitiver Art, denn nicht weniger als 26 Bälge gehörten dazu, die Pfeifen ertönen zu laffen und diefe 26 Bälge verlangten 70 rüftige Männer, um in Bewegung gefetzt zu werden. Die Kunft, das Pfeifenwerk in Regifter zu fcheiden, war noch nicht erfun den. Die Orgel hatte zehn Taften und auf jede Tafte kamen vierzig Pfeifen, die fämmtlich beim Niederdruck ertönten. Zwei Organiften theilten fich in diefe zehn Taften und ein jeder von ihnen regierte fein, eigenes Alphabet." Die Claviatur umfafste auf den Orgeln II bis 13 Taften in diatonifcher Folge ohne Halbtöne, felbft das b und ift noch nicht unterfchieden; ein kunftvolleres Syftem der 4 Eduard Schelle. Mechanik beginnt erft im Anfang des XIV. Jahrhundertes. Die Claviatur beginnt von nun an allmälig die chromatifchen Zwifchentöne aufzunehmen; die Pfeifenzahl vergröfsert fich. Aber wie dürftig nehmen fich die gröfsten und berühmteften. Werke diefer Art gegen unfere heutigen Orgeln felbft vom kleinften Kaliber aus. Nehmen wir z. B. die grofse Orgel, welche Nicolaus Faber 1361 für die Domkirche zu Halberstadt baute und Prätorius in feinem Syntagma Musicum( 1619) gefchildert hat. Und doch weift diefs Werk einen bedeutenden Fortfchritt auf; es findet fich hier fchon eine Scheidung der Pfeifen im Profpect, des fogenannten Präftants oder Principals von dem Nachfatz oder Nafat, dem hinteren Pfeifenwerk, das aus Octaven und Quinten zufammengefetzt war, fo dafs der Präftant ohne den Nachfatz zu verwenden war. Das gefammte Pfeifenwerk wurde mit drei Clavieren in der Weife regiert, fo dafs das erfte und oberfte Manual, genannt der Discant, das volle Werk umfafste, das zweite nur für den Präftant diente, das dritte und unterfte das Pedal vertrat und mit der linken Hand zum zweiten Clavier gefpielt wurde. Die beiden oberen Claviere umfafsten eine chromatifche Scala von HC- ga, das untere von HC- c. Aber wie unbeholfen geftaltete fich die Conftruction. Eine jede Tafte war drei Zoll breit und ftand einen halben Zoll von der nächften ab. An ein Spielen mit den Fingern war nicht zu denken, weil die Taften einen fehr fchweren Gang hatten; die Manipulation mit denfelben verlangte vielmehr die ganze Fauft. Daher der lange gebräuchliche Ausdruck: Orgelfchlagen. 20 Blafebälge, getreten von 10 Männern, verforgten die Pfeifen mit dem nöthigen Wind. Den Klang fchildert Praetorius in feinem Syntagma Musicum( II. 99) als ein ,, tiffes, grobes braufen vnd grewliches grümmeln; auch wegen vielheit der Mixturpfeifen einen' vberaus ftarken fchall vnd laut, vnd gewaltiges gefchrey.. Das Werk hatte übrigens im Jahre 1489 eine durchgreifende Reparatur erfahren, bei welcher Gelegenheit auch das Pedal hinzugefügt wurde. Das letztere war mit Stricken an die Pfeifenventile befeftigt und es hatte nur einen Umfang von acht Tönen, nämlich von HC- h, und diente zur Verftärkung des erften Claviers, das heifst des Hauptmanuals. Die Erfindung des Pedals wird gewöhnlich einem Mufiker in Venedig, Bernhard der Deutfche genannt( 1470), zugefchrieben, allein es ift früheren Urfprungs und findet fich fchon an der grofsen Orgel in der Kirche St. Sebald zu Nürnberg, gebaut von Heinrich Drasdorf, vor. Ein weiterer Schritt von der Sonderung des Präftanten und Hinterfatzes war die Scheidung des Hinterfatzes felbft durch Springladen, vermittelft deren nun auch die Stimmen gefondert zur Anfprache zu bringen waren. Die den Claves der Taftatur entſprechenden Pfeifenreihen erhielten ihre Ventile, die fich beim Ziehen der Regifter mittelft Stecher öffneten und beim Abziehen durch Federdruck zurückfprangen, wovon der Name Springladen herrührt. Nach Prätorius war die Springlade fchon etwa 200 Jahre vor ihm, in gebrauch geweft", ihre Erfindung mufs demnach in den Anfang des XV. Jahrhundertes fallen, und vom Beginn des XVII. Jahrhundertes an kam dann die Schleiflade in Anwendung und hat fich in der Praxis bis auf den heutigen Tag erhalten. 66 Der ehrwürdige Prätorius würde nun allerdings ftaunen, wenn er plötzlich die von der Ausstellung vorgeführten Orgeln mit ihren modernen Collectivzügen, mit mannigfaltigen Klangfarben hören könnte, welche fämmtlich jenes dreiclavierige Ungeheuer an Kraft und Glanz des Tones fchlagen würden, obwohl keines von ihnen mehr als zwei Claviere bietet, keines durch die Gröfse der Structur imponirt Es ift feit der erften Hälfte des XVII. Jahrhundertes, ja feit den Zeiten des Altmeifters der Orgel, des unfterblichen Sebaftian Bach, ein grofser Fortfchritt gefchehen, ja ein Fortfchritt, der fogar jetzt den Charakter der Orgel zu gefährden droht. Denn die fo beliebten Echowerke, das in Mode ftehende Crescendo und Decrescendo, welches mittelft eines Schwellers hervorgebracht wird, widerftreben eigentlich der Natur diefes Inftrumentes, welches weder für den Ausdruck leidenfchaftlicher Gefühle, noch fentimaler Stimmungen berechnet ift. Mufikalifche Inftrumente. 5 Die Orgel war in neun Exemplaren auf unferer Ausftellung vertreten; fünf davon gehörten dem deutfchen Reiche an. Sie vertraten die Namen Walker in Ludwigsburg, die Gebrüder Walter in Guhrau, Steinmeyer in Oettingen und Weigele in Stuttgart. Oefterreich repräfentirten Heffe in Wien, Rieger in Jägerndorf und Mayer in Feldkirch. Ungarn endlich hatte ein Pofitiv geftellt, angefertigt von Ferdinand Peppert aus Steinamanger. Unter den angeführten Namen glänzte die Firma Walker als Stern erfter Gröfse hervor, aus deren Atelier die Riefenorgel im Münfter von Ulm und die grofsartige Concertorgel in der Mufikhalle zu Bofton ftammen. Wenn wir diefen Bericht gerade mit den Orgeln Walker's beginnen, fo hat es feinen Grund darin, dafs der Name Walker unter den hier verfammelt gewefenen Vertretern des Orgelbaues voranglänzt und, was noch mehr bedeutet, mit dem Fortfchritt verknüpft ift. Der Gründer diefer Firma, E. F. Walker, hat eine neue Bahn diefer Kunft gebrochen, indem er zuerft von den feit dem Anfang des XVII. Jahrhundertes allgemein gebräuchlichen Schleifladen abfah, und das Motiv der älteren Springladen wieder aufnahm, aber dasfelbe ganz felbftftändig zu einem ganz neuen Syftem ausarbeitete, welches mit dem älteren nur in dem Punkte zufammentrifft, dafs jede Pfeife für fich ein Ventil hat. Die Firma E. F. Walker& Comp. ift 1820 in Ludwigsburg( Württemberg) von Eberhard Friedrich Walker( geboren 1794 zu Cannftadt in Württemberg) gegründet worden. Sein Vater hatte dafelbft den Ruf eines berühmten Orgelbauers; bei ihm lernte der Sohn diefe Kunft. Die Folgen der Kriege im Anfange unferes Jahrhundertes lafteten fchwer auf allen Verhältniffen. Nur felten wurden neue Kirchen gebaut, noch feltener an ihre Ausftattung durch neue Orgelwerke gedacht, fo dafs man dem jungen Mann abrieth, fich diefer Kunft zu widmen. Um den allfeitigen Wünſchen einigermassen zu entſprechen, erlernte er neben dem Orgelbau noch bei einem Jugendfreunde die Lack- und Firnifsfabrication, kehrte jedoch fchon 1817 bei Beftellung einer neuen Orgel zu feinem Lieblingsfache zurück, dem er fich nunmehr ausfchliefslich widmete. Bei Gelegenheit diefes Neubaues entdeckte der junge Künftler verfchiedene Verbefferungen, die zwar vom Vater gutgeheifsen wurden, doch der grofsen Koften wegen vielfach nicht zur Ausführung kommen durften. Unter folch' befchränkenden Umftänden wurde der Wunfch nach dem Betriebe des Gefchäftes auf eigene Hand in ihm rege, wozu ihm fein Vater treulich verhalf, indem er ihm ein kleines Werk mit zehn Regiftern, das im Jahre 1820 neu beftellt war, zur Ausführung überliefs, und fo überfiedelte er noch in demfelben Jahre nach Ludwigsburg, wo er fein Gefchäft mit den befcheidenften Mitteln anfing. Im Jahre 1824 übernahm er den Neubau einer Orgel für die Garnifonskirche zu Stuttgart, den ihm der urfprünglich damit betraute Vater überlaffen hatte. Durch die meiſterhafte Herſtellung diefes 20 Regifter umfaffenden Werkes erwarb er fich namentlich in Stuttgart ein ganz befonderes Vertrauen. Im Jahre 1826 betheiligte er fich bei der ausgefchriebenen Concurrenz für den Bau der grofsen Paulsorgel in Frankfurt am Main. Unter etlichen 30 eingefandten Dispofitionen zeichnete fich die feinige durch ihre Grofsartigkeit und Zweckmässig keit aus und in Folge deffen erhielt er nach langen Verhandlungen den Auftrag, die Ausführung des Werkes zu übernehmen. Diefes aus 74 klingenden Stimmen beftehende Werk vollendete er im Jahre 1833 zur vollften Zufriedenheit. Im Jahre 1836 wurde er nach St. Petersburg berufen wegen des Baues einer grofsen, aus 65 klingenden Stimmen beftehenden Orgel und einige Jahre später, während der Aufftellung jenes Werkes, kam ihm der Auftrag zu, eine ähnliche Orgel für die Olaikirche in Reval herzuftellen. In dem feuchten nordifchen Klima und unter dem rafchen Wechfel der Temperatur machten fich die Mängel der Schleifladen ganz befonders bemerkbar, fo dafs er mit erneutem Eifer fein fchon früher entworfenes Project für ein neues Nach vielen überwundenen folideres Windladen- Syftem zu realifiren fuchte. 6 Eduard Schelle. Schwierigkeiten gelang es ihm auch, eine feinen damaligen Wünfchen entfprechende Conftruction herzustellen, und fchon im Jahre 1842 verfandte er zugleich mit dem grofsen Revaler Werke eine kleine Orgel von zwölf Regiftern für eine Landgemeinde in Efthland, bei welcher er zum erften Male die von ihm erfundenen fogenannten Kegelladen in Anwendung brachte. Der Beweis für die Zweckmäfsigkeit diefer Conftruction war damit geliefert, und nun konnte fich fein Syftem auch im engeren Vaterlande Eingang und Vertrauen verfchaffen, nachdem fein Project jahrelang von den inländifchen Behörden verworfen war. Vom Jahre 1842 an erweiterte fich das von ihm begonnene Gefchäft immer mehr und, um dasfelbe in noch ausgedehnterer Weife betreiben zu können, betheiligte er in diefem Jahre feinen langjährigen treuen Mitarbeiter, fpäter zu Anfang der fünfziger Jahre feine beiden älteften, unter feiner Leitung für den Orgelbau ausgebildeten Söhne am Gefchäft, und von diefer Zeit an führt die Firma den Namen E. F. Walker& Comp. Nach dem erft vor Jahresfrift erfolgten Ableben des Vaters und Chefs der Firma trat ein dritter Sohn als Theilhaber ins Gefchäft ein, in welchem auch zwei jüngere ebenfalls im Orgelbau ausgebildete Brüder thätig find. Unter diefer Firma erweiterte fich vom Jahre 1842 ab das Gefchäft in grofsartigen Dimenfionen, und ihr gehören die bedeutendften Werke an, wie die aus 100 klingenden Stimmen beftehende Orgel im Münfter zu Ulm 1856 und die grofse aus 86 klingenden Stimmen beftehende Concertorgel in der Mufikhalle zu Bofton( Amerika) 1863. Die vom Chef E. F. Walker erfundenen Kegelladen wurden durch die Firma immer mehr vervollkommnet, find auch feither bei allen Werken ausfchliefs. lich und ftets mit dem beften Erfolg angewendet worden. Aufserdem fallen der Firma ganz wefentliche Verbefferungen zu, fowohl Regierwerk und Gebläfe als zum Zweck einer reineren und harmonifcheren Intonation bei Conftruction der mannigfaltigften Arten von Orgelpfeifen und find vor ihr in den Orgelbau eingeführt worden. Wir erwähnen unter Anderem nur die Conftruction eines Crescendo und Decrescendotrittes für grofse Werke, mittelft welcher der Ton vom leifeften Hauch bis zur vollften Stärke des ganzen Werkes fich fteigern und umgekehrt fich abfchwächen läfst und dergl. mehr. Genaue, auf vielfeitige Erfahrungen gegründete Kenntniffe in der Orgelbau- Kunft, verbunden mit praktifchen und theoretifchen Kenntniffen in den hier einfchlagenden Wiffenfchaften, wie der Mufik, haben den Repräfentanten der Firma befähigt, allen Anforderungen der Neuzeit entgegenzukommen. Das grofsartige, über 300 Fufs lange und fünf Stock hohe Etabliffement, dem es an Räumlichkeiten zur Aufftellung felbft der gröfsten Werke nicht fehlt, fchliefst aufser den durch Dampfkraft in Bewegung gefetzten Maſchinen eine genügende Anzahl von Arbeitern, wie Schreiner, Schloffer, Mechaniker, Zinnarbeiter, Bildhauer, Orgelbau- Gehilfen etc. in fich, fo dafs, was bei einem folchen Gefchäfte von gröfstem Werthe ift, alle Arbeiten und einzelnen Details unter der fpeciellen Leitung der Meifter felbft ausgeführt werden können. Heutigen Tages geniefst die Firma einen Weltruf im wahrften Sinne des Wortes, fie ift überhäuft mit Auszeichnungen aller Art und arbeitet nicht nur für alle Länder Europas, fondern auch für Amerika, Indien und Auftralien. Die in der Ausftellung befindliche Orgel ift das 292. Werk, welches aus ihrem Atelier hervorgegangen. In Arbeit find gegenwärtig 10 Werke von je 45, 33, 30, 30, 24, 18, 18, 16, 12, 6 Stimmen für Frankfurt am Main( 2), für St. Petersburg, Münfter und Crefeld, Bornheim, Hamburg, Schaid, Bruchköbel und Borodino( Süd- Rufsland). Die in Rede ftehende Orgel enthält 15 klingende Stimmen mit 891 Pfeifen, welche auf 2 Manuale und 1 Pedal wie folgt vertheilt find: I. Manual: 1. Principal 8', 2. Bourdon 8', 3. Viola di Gamba 8', 4. Trompete 8', 5. Flöte 4', 6. Octave 4', 7. Mixtur 22' 4fach; II. Manual: 8. Gemshorn 8', 9. Salicional 8', Mufikalifche Inftrumente. 7 10. Flöte 8', II. Fugara 4', 12. Oboë 8'. Pedal: 13. Subbafs 16', 14. Violonbafs 16', 15. Violoncello 8'. Aufserdem befitzt das Werk folgende Regifter: 1. Koppelung II. Manual zum I. Manual, 2. Koppelung I. Manual zum Pedal, 3. Tutti, 4. Forte, 5. Piano, 6. Schwelltritt für Crescendo und Decrescendo des ganzen Werkes. Die Manuale umfaffen 56 Töne( Taften) von C bis und das Pedal 30 Töne von C bis f. Sämmtliche Stimmen der beiden Manuale find in einem mit Balancien verfehenen Schwellkaften eingefchloffen, welch' erftere mittelft jenes Schwelltrittes nach Belieben vom Organiften während des Spieles geöffnet oder gefchloffen werden können. Auf diefe Weife kann ein Crescendo oder Decrescendo von fchönfter Wirkung hervorgebracht werden. Die Koppelungen fowohl als die Collectivpedale können vom Organiften während des Spieles an- oder abgeftofsen werden. Das Inftrument bezeichnet fich vermöge feiner Dispofition und der verfchiedenen Koppelungen und Collectivzüge insbefondere als Concertinftrument, ift aber auch hinfichtlich feiner Kraft und Tonfülle für jede nicht zu grofse Kirche ganz paffend. Die einzelnen Stimmen haben ihren eigenthümlichen von jeder andern ftreng fich unterfcheidenden Charakter. Namentlich verdienen unter ihnen eine befondere Beachtung: Principal 8' mit feinem kräftigen, edlen, füllenden, glanzvollen und runden Grundton, ebenfo Octav 4'; Bourdon 8' mit feinem vollen, dunklen Ton; Viola di Gamba 8', welche mit einem fchön geftrichenen Geigenton eine ungemein präcife Anfprache verbindet; Trompete 8', deren Ton durchgreifend ift und einen trompetenartigen Charakter entfaltet, foweit ein folcher auf der Orgel nur erzielt werden kann; Flöte 4', mit weichem, rundem Flötenton, Mixtur 22 4fach mit ihrer kräftigen, hellen und dabei nicht fchreienden Füllftimme; Gemshorn 8' mit feinem fchönen, reinen, hornähnlichen Ton; Salicional 8', deffen Intonation überaus weich ift und zugleich den Charakter eines leicht geftrichenen Tones entfaltet, im Weiteren fich durch ungemeine Präcifion empfiehlt. Ausserdem heben wir noch als fehr angenehm anfprechende Regifter hervor: Fugara, Oboë, Subbafs, Violonbafs, Violoncello. Die Windladen des Werkes find nach dem von den Erbauern erfundenen ,, Kegelladen Syftem ohne Federdruck" conftruirt und eignen fich hinfichtlich ihrer ungewöhnlichen Solidität für jedes Klima. Neben ihrer gröfseren Widerftandskraft gegen Temperatureinflüffe haben diefe Windladen aber noch weitere nicht zu unterfchätzende Vorzüge. So läfst fich z. B. mittelft diefer Kegelladen ohne Federdruck eine überaus reine, gleichmäfsige und gefunde Intonation jeder einzelnen Pfeife erzielen. Während nämlich beim alten Schleifladen- Syftem, das feiner Einfachheit wegen allerdings heute noch das im Allgemeinen bevorzugte ift, fämmtliche auf einer Windlade ftehenden gleichnamigen Pfeifen verfchiedener Stimmen ihren Wind aus einem gemeinfchaftlichen Ventil erhalten, befitzt beim KegelladenSyftem jede Pfeife ihr eigenes Ventil, das durch feine im richtigen Verhältniffe zur Menfur der betreffenden Pfeife gebrachte Gröfse diefer vom Hauptcanal aus genau foviel Wind zuführt, als diefelbe zum Zwecke einer reinen und gleichmäfsigen Intonation unbedingt nöthig hat, gleichviel ob nur ein oder alle Regifter Beim Schleifladen- Syftem auf der gemeinfchaftlichen Windlade gezogen find. dagegen erhalten, wenn alle auf einer Windlade ftehenden Regifter gezogen find und beim Niederdruck der Tafte das Ventil fich öffnet, fämmtliche gleichnamigen Töne auf diefer Windlade ihren Wind durch das gemeinfchaftliche Ventil, und zwar werden die dem Ventil zunächft ftehenden Pfeifen durch eine gröfsere Quantität von Wind bevorzugt als die weiter entfernten. Mögen nun auch diefe Stimmen bei einer und derfelben Windftärke in Beziehung auf Toncharakter, Anſprache und Kraft nichts zu wünfchen übrig laffen, fo liegt es doch am Tag, dafs die durch das Syftem bewirkte Veränderung des Windes nach Qualität wie Quantität eine nachtheilige Wirkung auf die Kraft des Tones, wie auf die Reinheit der Stimmung ausüben, mithin der Totaleffect darunter leiden mufs. Einen weiteren Vortheil bietet das Walker'fche Kegelladen- Syftem, dafs die zum Schluffe der Ventile nöthigen Federn hier ganz wegfallen und fomit ein Erlahmen oder Brechen der 8 Eduard Schelle. felben unmöglich ift. Das Ventil nämlich hat eine runde, conifche Form und mufs in Folge deffen beim Loslaffen der correfpondirenden Tafte durch feine eigene Schwere wieder in feine frühere Lage zurückfallen, mufs ferner durch feine Form und durch den vom Windcanal aus auf denfelben ausgeübten Winddruck einen vollkommen hermetifchen Verfchlufs des ebenfalls runden Ventilloches bewirken; auch die Temperatur geht ihres Einfluffes verluftig, denn ob fich in Folge von Hitze oder Kälte das Ventil fowohl als das Ventilloch dehnt oder zufammenzieht, alfo gröfser oder kleiner wird, fo mufs die conifche Form des Ventils ftets einen hermetifchen Verfchlufs von felbft herbeiführen. Anders verhält es fich bei den Schleifladen, wo ein Erlahmen der Ventilfedern leicht möglich, der fchädliche Einflufs der Temperatur aber unvermeidlich ift, weil die Trockenheit fowohl als die Feuchtigkeit auf die Schleifen und deren Functionen fehr nachtheilig wirken. Um jedoch aus diefem Kegelladen- Syftem alle die angedeuteten Vortheile ziehen zu können, bedarf es einer durchwegs correcten Conftruction wie der gröfsten Sorgfalt und Genauigkeit in der Ausführung. Das mit den Windladen eng verbundene Regierwerk zeichnet fich bei aller Einfachheit durch eine äufserft präcife Wirkung aus und ift dabei fehr leicht zu behandeln, hängt aber auch wieder mit dem Windladen- Syftem zufammen, denn es wäre nicht wohl möglich, bei einer Orgel von 30 bis 40 Regiftern und 3 Manualen mit Scheifladen ohne Anwendung der ziemlich koftfpieligen Pneumamafchine die Spielart und das Tractament des Regierwerkes nebft Koppelungen und Collectivpedalen fo leicht, angenehm und präcis herzuftellen, als diefs beim Kegelladen- Syftem möglich ift, wo Werke bis zu 40 Regiſtern und mit 3 Manualen felbft verkoppelt ohne Pneumatik fo leicht zu fpielen find wie kleine Werke mit 6 bis 8 Regiftern. Bei derartigen Orgeln beruht die Conftruction des Regierwerkes hauptfächlich auf der richtigen Anwendung des Gefetzes vom Hebel und der Schwere. Auch das Gebläfe empfiehlt fich durch feine leichte Handhabung, feinen äufserft egalen, kräftigen und in genügender Weife vorhandenen Wind und feine grofse Solidität. Nicht nur ift das fogenannte Piftongebläfe dem älteren Faltengebläfe in Bezug auf gröfsere Billigkeit, fondern auch hinfichtlich gröfserer Solidität und Lieferung eines befferen, egaleren Windes vorzuziehen und hat überdiefs noch vor dem ganz ähnlichen und auf demfelben Grundfatze beruhenden Kaftengebläfe die leichtere Handhabung voraus. Das Gehäufe im Rundbogen- Stil in amerikaniſchem Mifchholz ausgeführt, in der Fronte mit filbernen Blindpfeifen decorirt, bietet einen fchönen Anblick dar und eignet fich fowohl für Kirche als Concertfaal. Preis: 3600 Thaler. Die Jury hat mit Fug und Recht der Firma E. F. Walker& Comp. die höchfte Auszeichnung, das Ehrendiplom, zuerkannt. Eine kleine Orgel desfelben Meifters mit elegantem, dunklem Gehäufe ift gefchaffen, um in dem Salon der vornehmen Welt zu paradiren und wird mit ihrem zierlichen Aeufsern nicht verfehlen, das decorative Bild eines folchen vortheilhaft zu heben. Das kleine liebenswürdige Werk enthält fünf Stimmen von reizender Klangwirkung und zwar das I. Manual: Bourdon 8', Salicional 8', Physharmonika 8'; das 2. Manual: Flöte 4' und das Pedal: Baffon 16', 2 Koppelungen vom I. zum 2. Manual und vom Pedal zum 1. Manual und 1 Crescendo; über dem Pedal find zwei Tritte angebracht, falls man das Inftrument nur als Harmonium benützen will. Preis 1200 Thaler. Unter den in der Rotunde zur Prüfung ausgeftellt gewefenen Orgeln fiel befonders eine ins Auge, welche fich durch den architektonifchen Charakter ihres äufserlichen Bildes von den fie umgebenden Gegenftänden fcharf abzeichnete. Das Werk hebt fich auf einem hölzernen Unterbau kühn in die Höhe. Aus der im gothifchen Stil gehaltenen, nach dem Plane des Ober- Baurathes Schmidt ausgeführten Profpectwand drängen fich oben zwei mit Pfeifen befetzte und mit Kreuzesblumen gefchmückte Thürmchen hervor, welche ein Spitzdach mit mehreren Pfeifenfeldern einrahmen. Der Spieltifch, zu dem man wegen des erwähnten Unterbaues mittelft einer kleinen Treppe hinauffteigen mufs, ift wie bei allen auf Mufikalifche Inftrumente. 9 der Ausftellung vorkommenden Orgeln abgelöft, fo dafs der Spieler fein Geficht dem Publicum zuwendet. Von den neun Feldern des Profpectes fprechen nur die Pfeifen des mittleren an, die übrigen find blind und haben nur decorativen Zweck. Diefe Orgel ift aus der Werkftätte des Herren Steinmeyer& Comp. in Oettingen( Baiern) hervorgegangen und für die Kirche in der Brigittenau( Wien) erbaut worden. Das Werk enthält 1150 anfprechende Pfeifen und 21 klingende Stimmen, welche auf zwei Manuale und ein Pedal in folgender Weife vertheilt find: Zum Hauptmanual gehören: 1. Principal 8', 2. Gamba 8', 3. Gedeckt 8', 4. Trompete 8', 5. Bourdon 16', 6. Traversflöte 4', 7. Octav 4', 8. Octav 2', 9. Mixtur 2% 4fach; zum 2. Manual, 10. Geigenprincipal 8', II. Dolce 8', 12. Aeoline 8', 13. Tibia 8', 14. Fugara 4', 15. Clarinette 8', 16. Flautina 2'; zum Pedal: 17. Subbafs 16', 18. Violon 16', 19. Pofaune 16', 20. Octavbafs 8', 21. Violoncello 8'. Das Werk befitzt ferner eine Manual- und eine Pedalkoppel, drei Collectivtritte, vermittelft welcher der Spieler plötzliche Veränderungen in Der der Tonmifchung hervorbringen kann, ohne einen Regifterzug zu berühren. Mechanismus der zwei Manuale ift eine fogenannte Winkelmechanik, ohne jede Holzwellatur und ganz aus Meffing, dauerhaft und folid. Der Gang ift geräufchlos, die Raumerforderniffe gering und das Reguliren fehr leicht. Der Pedalmechanismus ift mit verbeffertem Wellbret und ebenfalls Meffing- Winkelrichter verfehen. Die Regiftratur( Mechanismus für die Regifterzüge im Spieltifch) ift auf eine ganz neue, felbfterfundene Art hergeftellt. Die Züge laffen fich mit Leichtigkeit anziehen, ftehen, am Ruhepunkte angekommen, feft und fallen durch den leifeften Druck von felbft wieder zurück. Auszufetzen ift blofs, dafs der Spieltifch etwas höher fein follte; hieran ift aber nicht der Erbauer Schuld, diefes hängt vielmehr von der Zeichnung des Architekten ab und wird beim Aufftellen in der Kirche geändert werden; überhaupt hatte der Erbauer diefes Werkes in Beziehung auf die Localität, wie es fo häufig bei Beftellungen von Orgeln für Kirchen der Fall ift, manche Schwierigkeiten zu befiegen. Den 21 klingenden Regiftern war der Raum ſehr fparfam zugemeffen; es war fowohl nach Höhe, Tiefe und Breite eine fefte Grenze gefteckt, die der Meifter um keinen Zoll überfchreiten durfte. Unter fo hemmenden Umständen hat dennoch Steinmeyer ein Inftrument geliefert, das den Anfprüchen an eine gute Orgel vollkommen entſpricht. Die innere Anlage der Windladen, des Regierwerkes, des Gebläfes, fowie die Aufftellung des gefammten Pfeifenwerkes ift auf das Sorgfältigfte und Ueberfichtlichfte geordnet und fo geftaltet, dafs der Zugang zu allen Theilen bequem ift und man die ganze Orgel mit Leichtigkeit nachftimmen kann. Die Windladen find nämlich fo eingetheilt, dafs das Hauptwerk zur rechten, das zweite Manual oder Oberwerk zur linken Seite liegen, alfo beide nebeneinander geftellt find. Nur durch diefe einfache Mechanik, welche viel Raum erfpart, war es möglich, dafs das Gebläfe im Gehäuſe Platz fand. Das Gebläfe, welches in mehreren ein- und auswärtsgehenden Falten gleichförmig aufgeht, ift vorzüglich und erhält den Wind durch drei Schöpfer oder Pumpen, welche vermittelft einer Kurbel und Schwungrades leicht in Bewegung gefetzt werden können, und felbft eine fchwache Perfon vermag beim Spielen des vollen Werkes ohne Anftrengung mehr als hinreichend Wind zu liefern. Auch in Betreff der Stimmung und der Intonation, fowohl bei den Einzelftimmen als in deren Gefammtwirkung, ftellt diefe Orgel dem Erbauer ein ehrenvolles Zeugnifs aus. Das volle Werk entfaltet Kraft und Klang und den einzelnen Regiftern find fchöne Klangfarben eigen; namentlich aber den drei Zungenwerken, Trompete 8', Clarinette 8' und Pofaune 16'. Die Zungenwerke find übrigens nicht aus anderen Gefchäften bezogen worden, wie es viele Orgelbauer zu thun pflegen, fondern wie die fämmtlichen Beftandtheile des Werkes in der Fabrik des Meifters felbft erzeugt, welche fchon feit mehreren Jahren fich nicht allein auf den Orgelbau befchränkt, fondern auch mit Herftellung von Harmoniums befafst. Steinmeyer ift bekanntlich aus der Schule Walker's, fein Name hat einen guten Klang unter den Orgelbauern unferer Zeit, 10 Eduard Schelle. und dafs ein guter Klang gute Früchte trägt, beweift der grofse Betrieb diefer Fabrik; fie hat feit den etlichen zwanzig Jahren ihres Beftehens nicht weniger als 115 ganz neue 1-, 2- und 3- Manual- Orgelwerke fowohl für das In- wie für das Ausland geliefert. Dem Werke Steinmeyer's fteht ihrem Werthe nach zunächft die Orgel der Gebrüder Mayer aus Feldkirch, welche in der öfterreichifchen Abtheilung aufgeftellt war. Dort zeichnete fie fich an der Hinterwand des Raumes mit hübfchen Formen, fchlank emporfteigenden Spitzen ihres im gothifchen Stile gehaltenen Profpectes, mit ihren fünf Feldern von blinden Pfeifen anmuthig ab. Ihre ganze Erfcheinung machte einen günftigen Eindruck, ebenfo die innere Einrichtung. Die Beftandtheile derfelben find überaus fein und fauber gearbeitet. Das Innere gewährt in feiner überfichtlichen Anordnung ein fehr freundliches Bild; dabei ift Alles praktiſch angelegt und folid angefertigt. Dem leichten, eleganten Aeufseren entfprechen an Toncharakter und Farbe die 16 klingenden Stimmen, welche das Werk mit feinen 945 anfprechenden Pfeifen aufweift. Die Dispofition geftaltet fich für 2 Manuale und 1 Pedal in folgender Weife: Das Hauptmanual umfafst 1. Principal 8', 2. Gamba 8', 3. Dolce 8', 4. Gedeckt 8', 5. Octave 4', 6. Dolceflöte 4', 7. Octave 2', 8. Mixtur 22' vierfach; das zweite Manual: 9. Clarinette 8', 10. Principalflöte 8', II. Salicional 8',' 12. Traversflöte 4', 13. Fugara 4'; das Pedal: 14. Violon 16', 15. Subbafs 16', 16. Octavbafs 8'. Dazu kommen noch 3 im Clavierkaften angebrachte Koppelzüge, von denen 2 die einzelnen Manuale mit dem Pedal, der 3. die beiden Manuale unter fich verbinden und 4 Collectivzüge: Piano, dann Pianoforte, Forte und Fortiffimo. Unter den Regiftern heben fich befonders die Gamba und die drei Flötenzüge durch einen reizenden Klang hervor. In der Mechanik, einer Rahmenmechanik, ift der Erbauer von der herkömmlichen Praxis darin abgewichen, dafs er ftatt der gewöhnlichen Wellaturrahmen eine Conftruction nach feiner Idee entworfen hat. Es find nämlich zwei Rahmen übereinander gelegt, in welchen fich die Wellen bewegen, die letzten find fehr kurz und können fich defshalb nicht ziehen. Sämmtliche zum Regierwerk gehörende Winkel find von Holz, ausgefüttert und jeder einzelne in eine Kapfel aufgefchraubt. Trotz feines zierlichen leichten Baues zeigt das Inftrument bei vollem Werk, dafs es mit einer gefunden Länge verfehen ift und es an Klangwirkung mit manchem, fcheinbar robufteren Concurrenten wohl aufnehmen kann; ein gutes Zeugnifs für die Intonation. Auch an der Spielweife dürfte felbft der heiklichfte Orgelvirtuofe nichts auszusetzen finden. Zu rügen wäre an dem Werke nur, dafs bei der Vereinigung der Holz- und Rohrftimmen die letzten etwas nachfchlagen. Der Mangel an gehöriger Deckung diefer Stimmen ift jedoch nicht fehr erheblich, denn der Nachfchlag fällt zu wenig ins Gehör, um den günftigen Effect wefentlich zu beeinträchtigen. Dem dürfte übrigens durch einen Refervebalg leicht abzuhelfen fein. Der Preis der Orgel ift 5300 fl. öfterreichifcher Währung. Wenn wir uns früher zu Gunften des Fortfchrittes mit den Kegelladen ausfprachen, dafs nämlich die nach diefem Syftem gut conftruirten Orgeln fich gegenüber den anderen ausgeftellten Werken durch Fülle und Kraft des Tones auszeichnen, fo müffen wir unferen Ausfpruch dahin ergänzen, dafs diefes Verdienft nicht einzig und allein den Kegelladen zufällt, fondern auch und zwar vornehmlich dem Charakter der Intonation der Pfeifen. Wir haben hier ein Beiſpiel an der in der Rotunde befindlichen Orgel von Rieger& Sohn aus Jägerndorf in Oefterreichiſch- Schlefien, welche eben das Kegelladen- Syftem vertritt und fogar eine Verbefferung desfelben aufweift. Die Kegelladen find nämlich fo geftaltet, dafs man fie in allen Theilen zerlegen kann und jedes einzelne Kegelventil fich mit Leichtigkeit herausnehmen läfst, ohne das Pfeifenwerk abräumen zu müffen. Aber trotzdem, dafs der innere Bau als folcher ganz correct ift, läfst der Toncharakter Manches zu wünfchen übrig. Hervorheben müffen wir, dafs diefes Werk mehr als ein anderes auf eine nachfichtige Beurtheilung Muſikaliſche Inftrumente. 11 Anfpruch machen darf, denn es hatte einen fehr ungünftigen Standplatz und zur Zeit der grofsen Regengüffe im Mai und Juni manches Sturzbad erhalten, wovon zum Theil wenigftens der gerügte Uebelftand herrühren mochte. Das braune Gehäufe des kleinen nur 5'4 Meter hohen Werkes ift im Renaiffanceftil gehalten und macht einen zwar einfachen, aber gefälligen Effect. Die Orgel enthält folgende 12 klingende Regifter, nämlich: 1. Principal 8', 2. Gamba 8', 3. Salicional 8', 4. Gedeckt 8', 5. Flöte 8', 6. Bourdon 16', 7. Rohrflöte 4', 8. Octav 8', 9. Octav 2', 10. Mixtur 22'; fürs Pedal: II. Subbafs 16', 12. Octavbafs 8'. Ausserdem befitzt es zwei Koppeln für das Pedal nebft Collectivzug. Die Mechanik befteht in der fogenannten Leiftenmechanik, d. h. die Ventile werden durch Leiften gehoben. Die Windladen haben die erforderliche Gröfse, dafs die Pfeifen gut anfprechen können. Das Gebläfe befteht aus zwei Refervirbalken. Vermittelft einer Pumpe wird der Wind in das untere Magazin gefchafft. Der zweite Balg hat den Zweck, dafs er ftärkeren Wind für das Pedal liefert. Das Pfeifenwerk ift im Ganzen gut und folid conftruirt. Die Stimmen zeichnen fich nicht fämmtlich durch befondere Tonfchönheit aus. So ift z. B. die Mixtur im Grundton zu fchwach, die Gamba wiederum könnt einen edleren Klang entfalten. Der Spieltifch ift gefchmackvoll eingerichtet, die Spielart eine leichte und bequeme, die Regifter laffen fich leicht ziehen und abftofsen. Im Weitern macht fich diefe Orgel durch eine eigenthümliche Geftaltung des Pedals auffällig. Dasfelbe bildet eine kleine Curve, indem die Claves zu beiden Seiten fanft auffteigen und mithin da etwas höher liegen als in der Mitte. Ob diefe Einrichtung von befonderem praktifchen Werth fei, wollen wir dahin geftellt fein laffen; auf das Verdienft einer neuen Erfindung wird fie wohl keinen Anfpruch erheben. Die Orgel koftet 4500 fl. öfterreichischer Währung. Einen eigenen Weg gegenüber den bisher angeführten Orgeln haben die Gebrüder Walter von Guhrau in Schlefien eingefchlagen; in dem von ihnen geftellten Werke ift das Schleifladen- Syftem für die beiden Manuale, für das Pedal dagegen das Springladen- Syftem in Anwendung gebracht, das heifst, die Kegel find durch Ventile erfetzt, die mit einer Feder verfehen find. So hätten alfo die Erbauer zu dem alten, den Schleifladen vorangehenden Syftem in diefem Punkt zurückgelangt. Die Windladen find gut conftruirt, das Pfeifenwerk gut gemacht, mit Ausnahme der Zungenregifter, die fich wenig empfehlen, denn fie find ſtatt ausfchlagend einfchlagend. Diefe Orgel, welche zunächft der Walker'fchen ftand, macht äufserlich mit ihrem reichverzierten Profpectus im gothifchen Stil einen gefälligen Eindruck, indem fich das Oberwerk mit feinen in fünf Felder getheilten Pfeifen wie ein eleganter Auffatz über dem etwas engeren Unterwerk ausbreitet. Sie umfafst 1053 Pfeifen und ift folgendermafsen disponirt: An Stimmen zählt das erfte Manual: 1. Principal 8', 2. Bourdon 16', 3. Hochflöte 8', 4. Gamba 8', 5. Octav 4', 6. Rohrflöte 4', 7. Mixtur, 8. Trompete 8'; zweites Manual: 9. Portunalflöte 8', 10. Salicett 8', II. Flauto 8', 12. Geigenprincipal 8', 13. Geigenprincipal 4'; das Pedal: 14. Pofaune 16', 15. Principalbafs 16', 16. Subbafs 16', 17. Octavbafs 8', 18. Flautobafs 8'. Die nöthigen Koppeln für Manual und Pedal laffen fich felbftverftändlich nicht vermiffen. An Kraft gebricht es dem Werke nun wohl nicht, aber die einzelnen Stimmen entwickeln nur zum Theil eine mehr oder minder reizende Klangfarbe und die Spielweife ift hart und unbequem. Der Preis der Orgel beträgt 2300 Thaler. Das Schleifladen- Syftem war vertreten in der Ausftellung durch die Orgel von Heffe in Wien, welche neben dem Werk Rieger's in der Rotunde fich vorgefunden. Es ift bereits die hundertfte, aber aufrichtig geftanden, nicht die befte, die Heffe bis jetzt geliefert. Sie hat 32 Regifter und 5 Combinationspedale, 2 Manualclaviere mit einem Tonumfange von 54 Tönen von C bis c, und eine Pedalclaviatur mit dem Tonumfange von 25 Tönen von C bis; im Hauptwerk I. Principal 8', ganz Zinn; 2. Bourdon 16', theils Holz, theils Zinn; 3. Hohlflöte 8'. theils Holz, theils Zinn; 4. Salicional 8', theils Holz, theils Zinn; 5. Octav, 4'; 12 Eduard Schelle. 6. Flauto 4; 7. Flauto 22'; 8. Terzflöte 3'; 9. Superoctav 2'; 10. Quinta 1%'; II. Octavin I'; 12. Quinta piccolo 2/3'; 13. Trompete, fämmtlich ganz Zinn; im Oberwerk: I. Principal 8', theils Holz, theils Zinn; 2. Octav 4', ganz Zinn; 3. Flauto 1', Bafs, ganz Zinn; 4. Flauto 8', Discant, ganz Zinn; 5. Undamavis 8', Discant; 6. Viola 8', ganz Zinn; 7. Fugura 4', ganz Zinn; 8. Flauto 4', ganz Zinn 9. Octav 2', ganz Zinn; 10. Fagott 8'; im Pedal: 1. Violinbafs 16', offen; 2. Subbafs 16'; 3. Pofaune 16'; 4. Principalbafs 8'; 5. Cello 8'; 6. Octav 4'; Ueberzüge, Nebenzüge: 1. Manualkoppel; 2. Tremulant- Oberwerk; 3. Sperrventil Oberwerk; Combinationspedale: 1. Forte für das Haupt- Oberwerk; 2. PianoOberwerk; 3. Pianiffimo- Hauptwerk; 4. Decrescendo- Oberwerk; 5. SperrventilHauptwerk. Das Werk enthält 1294 Pfeifen, wovon 702 auf das Hauptwerk, 442 auf das Oberwerk und 150 auf das Pedal entfallen; 1048 find von englifchem Zinn, und 246 von reinftem Fichtenholz; dann 3 Manual- und 2 Pedal- Windladen aus Eichenholz( Schleifenladen). Die Mechanik befteht gröfstentheils aus Eifen und Meffing, mitunter Holz. Die Combinationspedale find fämmtlich von Eifen und find von derartiger Conftruction, dafs mit einem Tritt das gröfste Forte des Werkes hervorgebracht wird; bei kleineren Werken hat der Erbauer diefe Einrichtung fchon mehrere Male in Anwendung gebracht. Das Wind- Sperrventil befindet fich im Canal und hat den Zweck, dafs mit Leichtigkeit das Oberwerk oder das Hauptwerk durch einen Tritt verftummen kann. Das Gebläfe befteht aus einem Magazin und zwei Schöpfbälgen. Das Trittwerk ift eigenthümlich conftruirt. Von den Schöpfbälgen geht ein kleiner Canal fammt Ventil in das Magazinsgebläfe. Sobald z. B. ein Schöpfbalg getreten wird, deckt fich das in dem Canal befindliche Ventil zu und bleibt der Wind in dem Magazinsgebläfe, von wo er dann in den Hauptcanal geleitet wird. Die Windladen find zwar fehr gut gebaut, aber für die Gröfse des Werkes weder der Windkaften noch die Lade hoch genug, um die Pfeifen mit Wind gehörig zu fpeifen. In Folge deffen kann das Gebläfe, welches am Ende ohnehin zu klein ift, nicht den nöthigen Wind den Canälen geben. Daher der Mangel an Kraft, welche diefe Orgel trotz ihrer vielen Stimmen offenbart. Auch an der Intonation der Pfeifen läfst fich Manches ausfetzen. Namentlich fprechen die Zungenregifter zu langfam an. Ferner fehlt dem Werke eine kräftige Mixtur oder vielmehr ift diefe in vier Regifter getheilt, nämlich Superoctav 2', Quinta 1', Octavin 1', Quinta piccola 2/3' und hat dadurch ihren eigenthümlichen Charakter verloren; denn der Effect der Mixtur beruht darauf, dafs die mitklingenden Töne nur als Obertöne und nicht als Haupttöne auftreten. Auch eine Pedalkoppel läfst fich vermiffen, überhaupt ift das Pedal viel zu fchwach. Im Ganzen und Grofsen gehen dem Toncharakter zwei wefentliche Eigenfchaften ab, nämlich Kraft und Glanz. Auch das Aeufsere des Werkes könnte gefälliger fein. Uebrigens hat fich die Firma feit einer Reihe von Jahren bei uns durch manche treffliche Leiftung rühmlichft bewährt und fich auch in weiteren Kreifen ein wohl berechtigtes Anfehen erworben. Die bisher erwähnten Orgeln weifen allerdings zum Theil manche werthvolle Verbefferung des Mechanismus und manche anderweitige recht ſchätzenswerthe Neuerung auf, keine darunter jedoch geftaltet fich zu einer Erfindung von folcher Tragweite, dafs fie als bahnbrechend und ausfchlaggebend für ein neues Syftem im Orgelbau zu bezeichnen wäre. Nichtsdeftoweniger dürfte die Wiener Weltausstellung, wie auf manchen anderen Gebieten, fo auch auf diefem einen gewichtigen hiftorifchen Markſtein bilden, und die elektrifche Orgel, welche uns Herr Weigle in Stuttgart im Induſtriepalaft vorführte, fcheint in der That geeignet, diefe Vermuthung wahr zu machen. Wir haben in ihr ein Werk vor uns, das feiner äufseren Form, wie feinem Klangwefen nach, fich von den anderen Orgeln nicht unterfcheidet, wohl aber ein ganz neues, bisher unbenütztes Mittel zur Erzeugung des Tones in Anwendung bringt, und damit freilich einen entfchiedenen Bruch mit dem herrfchenden Syftem einleitet. Mufikalifche Inftrumente. 13 Zunächft dürfte fchon der Name des Erbauers genügen, jeden Verdacht einer Charlatanerie fernzuhalten. Das Orgelatelier von Weigle& Söhne in Stuttgart geniefst einen fehr guten Ruf, der fich nicht nur auf Württemberg befchränkt, fondern bis auf Amerika hinausdehnt. Weigle felbft ift aus der Schule Walker's hervorgegangen und gehört zu den glücklichften Vertretern des Kegelladen- Syftems. Bereits als Gehilfe jenes berühmten Meifters hatte er fich bei der Aufftellung der grofsen Orgel desfelben in der Stiftskirche in Stuttgart fo trefflich bewährt, dafs ihm die Stadtgemeinde als befondere Auszeichnung das Ehrenbürgerrecht verlieh. Seine Orgeln empfehlen fich namentlich durch eine fchöne Intonation. Die Idee, die Kräfte der Elektricität und des Magnetismus für den Bau eines fo complicirten Inftrumentes, wie es die Orgel ift, zu verwenden, hat in unferem Telegraphen- Zeitalter nichts Befremdliches und ift auch nicht erft fozufagen heute aufgetaucht. Schon vor etwa zehn bis fünfzehn Jahren hatten Telegraphenmechaniker auf die grofsen Vortheile aufmerkfam gemacht, welche dem Orgelbau erwachfen würden, wenn man, ftatt der befonders bei grofsen Werken äufserft verwickelten, fchwergehenden und durch Temperaturwechfel fo fehr beeinflufsten Holzmechanik ein anderes Syftem mittelft Hinzuziehens des Elektromagnetismus einführen könnte. Es wurden in der That einzelne Verfuche im Kleinen gemacht, die fich zum Theil zu koftfpielig erwiefen, und zum Theil kein zuverläffiges Refultat ergaben, wefshalb man davon abftand. Allein der Gedanke war doch zu verführerifch, als dafs man ihn hätte gänzlich aufgeben mögen. Man nahm ihn von Neuem, und zwar anfangs in England und Frankreich, dann fpäter in Deutſchland wieder auf, und fchritt nun zu Experimenten in gröfserem Mafsftabe, an denen fich auch Walker in Ludwigsburg betheiligte. Die Frucht davon war der elektromagnetifch pneumatifche Hebel, der in Frankreich erfunden, und hier bei kleineren Werken eingeführt wurde, während in Deutfchland die angeftellten Verfuche wieder aufgegeben wurden, weil fie fchon in Betracht des Koftenpunktes keinen lohnenden Erfolg in Ausficht ftellten. Jene elektro- magnetifch- pneumatifchen Hebel beftehen in einem kleinen Blafebalg, dem fogenannten Frofchmaul, mit zwei kleinen Ventilen, welche durch einen Elektromagnet geöffnet und gefchloffen werden können, fonft aber gerade wie die pneumatifchen Hebel angebracht find. Mittelft derfelben konnten nun zwar die Orgelwerke mit Hilfe der Elektricität gefpielt werden; eine Vervollkommnung des Inftrumentes hatte man dadurch nicht gewonnen, wohl aber eine Vertheuerung desfelben. - Die Idee lag nun einmal in der Luft der Zeit, der Unternehmungsgeift liefs fich nicht durch diefe winzigen Erfolge abfpeifen, fondern fühlte fich vielmehr zu neuen Experimenten angeftachelt. So ging man im Jahre 1869 an das Werk, jene berückende Idee zu verwirklichen, und war es diefsmsl G. Ch. Weigle in Stuttgart, welcher fich diefer fchwierigen und wenig Dank verheifsenden Arbeit unterzog. Diefem endlich gelang es nach drei Jahren fchweren Mühens, im Februar des Jahres 1872 ein elektro- magnetifches Orgelwerk mit 10 klingenden Stimmen ohne pneumatifche Hebel herzuftellen.„ Die fragliche Erfindung kann nicht verfehlen, auf dem Gebiete des Orgelbaues und in Folge davon felbft des Orgelfpieles höchft bedeutende Fortfchritte herbeizuführen, wenn den Erfindern, welche Inftrumente der verfchiedenften Gröfse bis herab zu den kleinften Salonorgeln von eleganter Möbelform in folcher vervollkommneter Weife zu verfertigen bereit find, von Seite der Behörden und Privaten die gehörige Würdigung ihrer verdienftvollen Leiftungen entgegengebracht wird", fo lautet das Urtheil, welches Sachverständige über das Werk fällten. Die Erbauer fanden fich nun ermuthigt, die anerkannte Bedeutung ihrer Erfindung durch eine gröfsere Orgel zu bewähren, welche fie für die Wiener Weltausftellung beftimmten. In Folge grofser Schwierigkeiten, welche zu befiegen waren, verzögerte fich leider die Vollendung des Werkes bis zum Juli; als es hier endlich aufgeftellt war, hatte die Jury längst ihre Arbeiten vollendet. 14 Eduard Schelle. Wie fchon gefagt, bietet diefe Orgel ihrer äufseren Erfcheinung nach nichts Auffälliges noch Ungewöhnliches. Es ift ein kleines, fchmuckes Werk, welches mit feinen in fünf Felder getheilten, glänzenden Profpectpfeifen, mit feinen einfachen, aber gefchmackvollen Verzierungen hell und freundlich aus einer engen Nifche in der Abtheilung für die Münchener kirchliche Kunft hervorfchaute. Allein öffnet man die Thüren des Spielkaftens, fo erblickt man mit Erftaunen ftatt der üblichen Abstracten von Holz, welche von der Claviatur nach dem Wellenbrete, dem Windkaften und den Cancellenventilen hinlaufen, um diefe beim Niederdrucke der Taften zu öffnen, eine Unmaffe von grünen Drähten, welche fich wirr durcheinander zu winden fcheinen. Noch einen überrafchenderen Blick gewährt das Innere. Hier ift alles Holzwerk verfchwunden, ftatt desfelben zeigen fich grofse, in Partien getheilte Maffen von folchen Drähten, bei denen ein ungeübtes Auge auf den erften Blick kaum eine planmäfsige Anordnung zu entdecken vermag. Jene Drähte find Leiter, welche von der Claviatur und dem Pedale im Spielkaften unter die Windladen führen und fich von hier aus in die einzelnen Regiſterzüge verzweigen. Die Ventile werden durch einen kleinen Elektromagnet geöffnet, welcher durch die Schliefsung der galvanifchen Batterie beim Niederdruck der Taften in Thätigkeit gefetzt wird. Die Batterie befindet fich hinter den Bälgen und befitzt eine Itenfität von zwei Elementen mit zufammen 15 Quadratmeter Zink- Oberfläche. Die Windladen find weder Kegel- noch Schleifladen, fondern ganz neu erfunden, ohne Regifterventile oder Schleifen, da die Regifterzüge mittelft Leitungen und Contacte hergestellt find; ebenfo beftehen die Koppelungen aus Stromleitungen und Contacten. Die Orgel enthält 17 Stimmen von vorzüglicher Klangfarbe, welche in folgender Weife disponirt find: Zu dem erften wie zweiten Manual gehören 1. Principal 8' englifches Zinn, Profpect, 2. Bourdon 16', 3. Viola di Gamba 8' englifches Zinn, 4. Gedeckt 8' Holz mit doppelten Labien, 5. Dulciana 8' Probzinn( 4 Theile Zinn, I Theil Blei), 6. Flöte 8' Holz mit doppelten Labien, 7. Sali cional 8' Probzinn, 8. Clarinette 8', 9. Octav 4' Probzinn, 10. Traversflöte 4' von hartem Holz gedreht, II. Dolce 4' Probzinn, 12. Octav 2' Probzinn, 13. Mixtur 22 Probzinn; zum Pedal gehören: 14. Subbafs 16', 15. Violinbafs 16', 16. Octavbafs 8', 17. Violoncello 8' englifches Zinn; dazu kommen noch eine Manual koppelung, dann zwei Pedalkoppelungen und ein Tritt für Crescendo und Decrescendo. Schon die Vertheilung der Manualregifter in diefer Dispofition dürfte genügen, um erkennen zu laffen, dafs in diefem Werke ein ganz neues Syſtem ins Leben getreten ift. Wir finden nämlich die Züge nicht wie fonft nach den Claviaturen gefondert; die letzteren find vielmehr fo innig vermittelt, nicht zu fagen, zufammengefchoben, dafs keine Trennung zwifchen ihnen obwaltet und der Spieler nach Belieben das Oberwerk als Hauptmanual und fo umgekehrt verwenden kann. Auch ihrer äufseren Einrichtung nach entfalten die Regiſter ein anderes Bild als auf den gewöhnlichen Orgeln der Fall ift; fie treten nämlich hervor, als wären fie gezogen, während fie doch gefchloffen find. Will man das Werk zum Sprechen bringen, fo ftöfst man die Züge entweder hinein oder zieht fie weiter hinaus; im erften Falle gehören fie dem oberen, im zweiten Falle dem unteren Claviere, fo dafs jedes Regifter für beide Manuale verwendbar ift. Der Vortheil, welchen diefe Dispofition mit fich bringt, fpringt zu klar in die Augen, als dafs man ihn befonders zu betonen hätte. Es wird dadurch nicht nur eine unendlich mannigfaltige Fülle von Combinationen und Mifchungen der verfchiedenen Klangfarben ermöglicht, fondern auch die feinfte Vermittlung in denfelben in die Hand gegeben, wie fie auf keiner der herkömmlichen Orgeln zu erzielen. ift. Aber unter allen den vielen Vorzügen, deren fich die neue Erfindung rühmen darf, ftellen wir die wunderbar fchnelle und dabei überaus leichte Anfprache de Stimmen obenan. Man kann fowohl auf den Manualen und auf dem Pedale alle möglichen Figuren im rafcheften Tempo ausführen und flets werden die Töne Mufikalifche Inftrumente. 15 fich klar und deutlich vernehmbar machen, wie auf dem Clavier. Dazu ift endlich die Mechanik, fo complicirt fie auch auf den erften Blick erfcheinen mag, im Grunde doch einfach, und was ihren Werth insbefondere erhöht, gegen die Einflüffe der Temperatur gewiffermafsen gefeit, indem die Leitung folchen keineswegs unterliegt. Wir haben alfo alle Urfache, der Kunft zu diefer neuen Errungenfchaft nur Glück zu wünſchen. Freilich hat jede Medaille auch ihre Kehrfeite. Auch diefe Erfindung ist keineswegs fo fix und fertig, fo ausgeglichen mit den beſtehenden Verhältniffen, dafs fie bereits einen gebahnten, ebenen Weg vor fich hätte. Einen Hemmfchuh für fie wird zunächft die Preisfrage bilden; denn die Herrichtung einer folchen Orgel überfteigt um Vieles die Koften, welche ein Werk von ähnlicher Gröfse nach dem alten Syftem verurfacht. Indeffen ift diefer Uebelftand nicht fo grofs und gewichtig, dafs er für die Zukunft einen Stein des Anftofses abgeben könnte; er haftet vornehmlich an der Batterie, welche in ihrer gegenwärtigen Befchaffenheit allerdings fehr hoch zu ftehen kommt. Es werden indefs ficherlich mit der Zeit Mittel gefunden werden, diefe Batterie zu vereinfachen, und die Erfinder felbft haben, wie wir gehört, bereits ein folches in Ausficht, wodurch der Koftenbetrag um die Hälfte gemindert wird. Ein gewiffes klapperndes Geräufch, welches beim Spielen häufig aus dem Innern des Gehäufes an das Ohr dringt, können wir nicht der Mechanik als eine befondere Unvollkommenheit zur Laft legen, da dasfelbe wohl leicht zu befeitigen fein wird. Im Uebrigen empfiehlt fich diefe Orgel durch einen fchönen, edlen Ton, wie durch eine entsprechende Klangkraft, fie ift mit einem Wort ein Werk, das faft in gleichem Mafse das Intereffe des Künftlers wie des Phyfikers zu feffeln vermag. Harmoniums. - In der Welt der mufikalifchen Inftrumente legt der menfchliche Erfindungsgeift ein abfonderliches Beftreben dar, die verfchiedenen Gattungen durch Erzeugung von Abarten zu vermitteln. Bis in unfer Jahrhundert hinein thronte die Orgel in der Familie der Tafteninftrumente in unnahbarer Majeftät und nahm hier eine ifolirte Stellung ein. Da führte der Wunſch, auch diefes erhabene Ton- Werkzeug dem Salon dienftbar zu machen, zur Erfindung der Physharmonika und zur weiteren Vervollkommnung derfelben als Orgue expreffive, oder Harmonium, unter welchem Namen wir fie gegenwärtig kennen. Die durch Vibration einer ftählernen Zunge erzeugten Töne der befonders unter dem Volke fehr beliebten Maultrommel auch Judenharfe und Brummeifen geheifsen follen einen Rentamtmann zu Königshofen an der Saale in Baiern, Efchenbach, auf die Idee gebracht haben, diefes Tonmittel durch ein eigen conftruirtes Inftrument für künftlerifche Verwendung brauchbar zu machen. Die Idee mag nun in der That jenem Rentamtmann zugefprochen werden; die Ehre jedoch, diefe verwirklicht zu haben, dürfte weniger dem Inftrumentenmacher Schlimbach oder nach Anderen Voit in Schweinfurt, fondern dem Wiener Anton Häckel gebühren. In der additionellen Ausftellung befand fich von Letzterem eine Physharmonika, welche die Jahreszahl 1822 trägt, alfo in die Zeit fällt, in welcher die Erfindung diefes Inftrumentes bei uns wenigftens ins Leben trat. Denn auch die Amerikaner machen Anfpruch auf die Ehre, Orgeln, in denen die Töne durch Zungen hervorgebracht werden, zuerft erzeugt zu haben. Als Erfinder derfelben wird Aaron Merril Peafeley genannt; bereits im Jahre 1818 erhielt er als Auszeichnung von der Regierung der Vereinigten Staaten ein befonderes Patent. Immerhin ift aber die Physharmonika die eigentliche Stammmutter der brillanten klangreichen Harmoniums, welche die öfterreichifche und deutfche Abtheilung zierten und zu diefem keinen geringeren Gegenfatz bildeten, wie ein Hammercymbal von Chriftofali aus dem vorigen Jahrhundert zu einem modernen Flügel mit englifcher Mechanik und kreuzfaitigem Bezug. 2 16 Eduard Schelle. Klein, dürftig, für den künftlerifchen Gebrauch noch ungeeignet, macht diefe Physharmonika eher den Eindruck eines Spielwerkes als eines Inftrumentes, das eine künftlerifche Miffion beanfpruchen darf, und man kann fich nicht genug wundern, in wie verhältnifsmäfsig kurzer Zeit eben diefes Spielwerk zu feiner jetzigen Bedeutung herangewachſen ift, und dafs es nicht nur im Salon und Concertfaal fich den Zutritt erobert hat, fondern es wagt, mit der Orgel auf deren eigenftem Felde, in der Kirche, zu rivalifiren. Freilich hat fich die muſikaliſche Kunft, wenigftens in Deutſchland, lange gefträubt, die Physharmonika, mochte fich diefe auch mit dem fchön klingenden griechifchen Namen Aeoline oder Aeolodion brüften, in den Familienkreis ihrer legitimen Inftrumente aufzunehmen und noch heutigen Tags weift fie derfelben trotz der Vervollkommnung als Harmonium eine mehr oder weniger untergeordnete Stellung an. In Wahrheit befchränkt fich die Bedeutung diefes Inftrumentes für die Kunft hauptfächlich auf den Umftand, dafs es ein Surrogat für die Orgel, denn mehr als ein folches war es anfangs nicht, und da läfst es gerade das vermiffen, worauf vor Allem der Werth eines muſikaliſchen Inftrumentes beruht; es geht ihm nämlich der individuelle Charakter ab. Seine intime Verwandtfchaft mit der Orgel kann das Harmonium dadurch erweifen, dafs der Ton wie dort durch die Strömung des Windes mittelft zweier Bälge erzeugt wird, welche der Spieler mit den Füfsen regiert. Allein während die Orgel als unmittelbare Factoren des Tones fich der Pfeifen bedient, mufs das Harmonium ftatt folcher ftählerne Zungen verwenden, wodurch der Klangcharakter eine bedeutende Modification erhält und trotz aller Manigfaltigkeit der einzelnen Farben an einer gewiffen Monotonie leidet. Mit dem Piano fteht eben wieder dasfelbe Inftrument in einer gewiffen verwandtfchaftlichen Beziehung, indem es demfelben den Hammermechanismus entlehnt. Diefer, eine fogenannte Percuffion, eine Erfindung von L. P. A. Martin in Frankreich, befteht in einer Anzahl von Hämmern, welche in Zungenrahmen unter den Zungen des Flötenregifters, mithin vorne unter der Taftatur angebracht find und beim Niederdruck der Taften an die Zungen fchlagen. Dadurch wurde nicht nur eine beffere Anfprache des Tones gewonnen, fondern man kann auch, mit Hilfe diefer Percuffion im Pianiffimo bei gefchickter Hemmung des Windftromes Klänge erzielen, welche eine annähernde Aehnlichkeit mit dem Pizzicato auf der Geige haben. Bei aller feiner Vervollkommnung ift mithin das Harmonium immer nur ein Zwittergefchöpf, weder Orgel noch Piano. Trotz feines zweideutigen Charakters entfaltet aber diefes Zwittergefchöpf Reize, die ihm auch in Deutſchland, wo es lange Zeit keinen feften Boden finden konnte, eine weit gröfsere Theilnahme zuwenden, als es früher der Fall war; es darf fich in feiner jetzigen Vervollkommnung fogar eines Vorzuges vor der Orgel rühmen, indem es fich dem feelifchen Ausdrucke willig herleiht; von der anderen Seite ift es dem Piano durch feinen fortklingenden und fchwellenden Ton überlegen, der es für die Führung einer Melodie ungleich beffer als jenes eignet. Man hat defshalb fchon mehrmals unternommen, wie Verhaffelt in Brüffel, Gilbert in Bofton, beide Inftrumente im Baue zu vereinen, und einen ähnlichen Verfuch wies auch die Ausftellung in dem Panfymphonion von Lechleitner aus Innsbruck auf, das freilich noch weiter geht und eine Combination von Zungen und Pfeifen zur Schau trägt. Mag man nun über das Harmonium denken, wie man will, die Kunftpraxis wird es in feinem gegenwärtigen Zuftande nicht zurückweifen können, indem es fich als Begleitungsinftrument für den Gefang und insbefondere den Chor vortrefflich eignet und anderfeits ein gewiffes Genre an fich herangebildet hat. Kein mufikalifches Inftrument ift übrigens fo reichlich mit Namen gefegnet, wie das in Rede ftehende. In Deutſchland hatte fich endlich unter den vielen griechifchen Benennungen der Ausdruck Physharmonika Bahn gebrochen. In Frankreich erhielt es durch die Firma Alexandre in Paris, die es hier popularifirte, die Namen: Orgue d'expreffion, Panorgue, Harmonium d'expreffion, in England wird es bald Mufikalifche Inftrumente. 17 Seraphine, bald Aeolophon und Aeolomufikon genannt. Unter allen diefen Benennungen hat gegenwärtig der Name Harmonium das Bürgerrecht gewonnen, und an ihn knüpft das letzte Stadium der Bildung, welche das Inftrument in feiner kurzen Gefchichte erreicht hat. Seine rafche Beförderung zu diefem Stadium verdankte in Wien das Harmonium zunächft Deutfchmann, dann aber ganz insbefondere dem in diefem Jahre leider durch den Tod der Kunft zu früh entriffenen Titz. Der Erfte hatte die Erfindung Häckel's übernommen und diefelbe durch eine Einrichtung bereichert und vervollkommnet, mittelft welcher eine Beständigkeit in der Windrichtung und zugleich die Möglichkeit, die letztere durch zwei Druckbälge nach Belieben zu lenken, erzielt wurde. In Paris erwarb fich Martin mit der bereits erwähnten Percuffion, welche die Firma Alexandre weidlich auszunützen verftand, und neben. ihm Debain ein grofses Verdienft um diefes Inftrument. Mit ganz befonderer Vorliebe cultiviren es gegenwärtig die Amerikaner. Sie haben ein ganz neues Syftem eingeführt, indem fie ftatt der Stofsbälge, die bei uns üblich find, Saugbälge anwenden. Die Windftrömung erhält in Folge deffen die entgegengeſetzte Richtung, welche natürlich auf den Ton zurückwirkt und diefem eine mildere Klangfarbe verleiht. Den erften fabriksmäfsigen Betrieb des Harmoniums im grofsen Mafsftabe rief in Deutfchland die Firma J. und P. Schiedmayer in Stuttgart ins Leben und hat für die Verbefferung und Verbreitung des Inftrumentes ungemein Erfpriefsliches geleiftet. In der That waren die Harmoniums am zahlreichften in der öfterreichifchen und deutfchen Abtheilung vertreten, und dürfte man aus der Anzahl der Firmen auf den Betrieb in den Ländern, denen fie angehören, fchliefsen, fo würden Oefterreich und Deutfchland die erfte Stelle einnehmen. So führte die öfterreichifche Abtheilung drei Firmen vor, nämlich Titz, Deutfchmann, Klein, unter denen auf Titz allein 9, auf die beiden andern 2 Inftrumente kamen. Aus dem deutfchen Reiche und zwar aus Stuttgart haben die Ausftellung befchickt: J. und P. Schiedmayer mit 6 Inftrumenten, Rietheimer mit 4, dann Ph. J. Frayfer& Comp. mit 3, Trefz& Feuchtl mit I, E. Kraus mit 2, J. G. Gfchwind mit 2. Zu diefen gefellt fich noch die Firma G. F. Steinmeyer& Comp. aus Oettingen in Baiern, welche 2 Harmoniums brachte. Deutfchland lieferte alfo im Ganzen 7 Ausfteller mit 20 Harmoniums. Aus Frankreich hatte fich nur Alexandremit 6 eingefunden. Sehr bedauerlich ift es, dafs der geniale Debain, wie es fcheint, verhindert war, ans von feinen von feinen neueften Leiftungen eine Probe vorzuführen. In der italienifchen Abtheilung haben nur die Gebrüder Vittino aus Centallo( Cuxeo) 1, Mola Giuſeppe aus Turin 3 derartige Werke geftellt. Die 3 Harmoniums, als deren Ausfteller Dr. Tubi Graziano im Kataloge figurirt, konnten wir nicht entdecken. Aus Schweden hat fich A. G. Wilgren in Stockholm mit einem kleinen Harmonium eingefunden. Ueberdiefs traf man auch noch im fchwedifchen Schulhaufe auf ein Harmonium, von gleichen Dimenfionen. In der amerikanifchen Abtheilung repräfentirten fich die weltberühmte Firma Mafon& Hamlin mit 8 und Eft ey& Comp. aus Bratleboro( Vermont), mit ebenfoviel Harmoniums. Doch nicht allein an Quantität der Production ragen Oefterreich und Deutfchland gegenüber den angeführten ausftellenden Staaten auf diefem Gebiete hervor, fondern ihre Inftrumente dürfen auch im Grofsen und Ganzen, was Klangwefen und Mechanik anbelangt, die höchfte Anerkennung beanfpruchen. Als wahre Mufterleiftungen empfehlen fich zunächft in der öfterreichifchen Abtheilung unter den Harmoniums von Titz zwei Werke, deren eines nicht weniger als 7 volle Spiele mit einer einzigen Taftatur von 5 Octaven aufweift. Die Percuffion ift nicht ifolirt, fondern, wie es die Regel mit fich bringt, mit der Flöte verbunden. ein grofses Unter den 27 Regiftern befinden fich auf zweien Prolongements, zur Linken, und ein kleines, das letztere in 4 Züge, 2 zur Rechten und 2 getheilt. Diefes Prolongement ift eine Erfindung, die man Titz verdankt. Der Vortheil der Prolongements befteht darin, dafs der Ton forthallt, was namentlich 2* 18 Eduard Schelle. die Ausführung orgelpunktartiger Sätze aufs Möglichfte erleichtert. Das zweite Inftrument enthält 5 Spiele mit 2 Manualen, deren jedes feinen eigenen Toncharakter hat, und 17 Regifter. Beide Werke zeichnen fich durch foliden Bau, durch eine leichte, angenehme Spielweife, durch überaus präcife Anfprache der Zungen auch beim leifeften Wind und durch charakteriftifche Intonation der verfchiedenen Stimmen aus. Aufserdem lieferte die Firma noch I Harmonium mit 5 Octaven, von 6 Spielen, 23 Regiſtern mit einem kleinen Prolongement. Als Regifter von vorzüglicher Klangfchönheit find zu nennen: Clarinette, Flöte, Oboë; ferner I Harmonium mit 2 Octaven, 4% Spielen und 17 Regiftern, ein anderes mit 5 Octaven, 3 Spielen und 13 Regiftern. Alle die genannten Inftrumente find mit Percuffionsmechanik verfehen. An kleineren Werken diefer Art fanden fich noch vor I Harmonium mit 5 Octaven, 5 Regiftern und 1 Spiel, ein anderes mit 42 Octaven, I Regifter und I Spiel, dann I mit 5% Octaven, I Spiel und I Regifter. Der Preis der Inftrumente fteigt nach dem Unfange derfelben von 90 fl. bis 800 fl. öfterreichifcher Währung. Als befondere Vorzüge der Inftrumente aus diefer Fabrik find noch zu bezeichnen der ausgiebige Ton, welcher auch bei der gröfsten Windkraft feftſteht und gegenüber dem näfelnden Charakter anderer Inftrumente diefer Art eine ungemeine Klangfülle entfaltet, ferner die präcife, unhörbare Function der Mechanik, fo dafs kein Stofsen, kein Klopfen fich bemerklich macht. Das Gebläfe ift vorzüglich eingerichtet, die Bälge haben einen feften und doch leichten Gang, ebenfo die Regifter. Zu den Einführungen, durch welche fich Titz befonders um das Inftrument verdient gemacht hat, gehört auch der Plenotritt für fämmtliche Spiele, vermittelft deffen der Grandjeuzug entfällt und das Spiel nicht unterbrochen zu werden braucht; auch gebührt Titz die Priorität, den 32- Fufston im Harmonium verwendet zu haben. Aus den vorgeführten. Leiftungen läfst fich erwarten, dafs die Firma den guten Klang ihres Namens auch nach dem Ableben des Meifters bewahren und noch fteigern wird. Das bereits erwähnte, von Klein ausgeftellte Harmonium ift mit einem Schreibtisch verbunden und empfiehlt fich durch ein elegantes Aeufsere. Das Trittwerk ift fo befchaffen, dafs es mit leichter Mühe zurückgefchoben werden kann. Das Werk felbft enthält 2 Spiele, 8 Regifter mit 5 Octaven. Das Harmonium von Deutfchmann entzieht fich aller Beurtheilung, weil es durchaus unzugänglich gewefen ift. - Im deutfchen Reiche führt die fchon gedachte Firma J. und P. Schiedmayer in Stuttgart den Reigen an. Die Herren Julius und Paul Schied mayer ( Firma J.& P. Schiedmayer) find Söhne des Johann Lorenz Schiedmayer, aus Erlangen gebürtig, deffen Vater, Johann David Schiedmayer, kurfürftlicher Hof- Inftrumentenmacher dafelbft war und fpäter nach Nürnberg überfie delte und dort bis zu feinem Tode, 1806, fein Gefchäft mit gutem Erfolg betries. Johann Lorenz Schiedmayer etablirte fich im Jahre 1809 in Stuttgart, wo er als Gründer des Pianoforte- Baues profperirte und alsbald, durch feine allgemein anerkannten Beftrebungen dem Fortfchritte huldigend, feinen Namen in der Aufsenwelt bekannt machte. Er ftarb im Jahre 1860, indem er fein Gefchäft, mit den beften Mitteln und gutem Renommé ausgeftattet, feinen beiden älteften Söhnen Adolf und Hermann hinterliefs, welches unter der Firma Schiedmayer& Söhne fortbetrieben wird. Seine beiden jüngeren Söhne dagegen etablirten unter der Firma J.& P. Schiedmayer, im Jahre 1853 in Stuttgart eine Harmoniumfabrik, nachdem fie vorher diefen Zweig in den erften Werkstätten von Paris und London praktiſch, gründlich ftudirt hatten. Da diefe Induftrie vorzugsweife in Paris heimifch war und von da beziehungsweife den grofsen Weltmarkt beherrfchte, fo nahmen fie urfprünglich das von Debain und Alexandre verfolgte Syftem an, welches damals für das vollkommenfte galt. Die Vorliebe für das in Deutſchland bis dahin noch wenig anerkannte Harmonium, deffen Popularifirung ihnen zuzufchreiben ift, ihre raftlofe Thätigkeit, ihr Streben nach Vervollkommnung diefes gewiffermafsen als Stellvertreter der Orgel geltenden Inftrumentes erwarben der Mufikalifche Inftrumente. 19 genannten Firma alsbald ein Renommé, das in den ihr auf nachftehend benannten Welt- und Localausftellungen zugedachten Auszeichnungen den öffentlichen Ausdruck fand. Das feither in Paris gefertigte Harmonium, dem eine gewiffe Vervollkommnung nicht abzufprechen ift, litt an dem fühlbaren Mangel, dafs es jenes eigenthümlichen Charakters entbehrte, durch welchen das Inftrument der Orgel näher kommen, ja derfelben zur Seite ftehen follte, während es im Gegentheil durch fein füfsliches Wefen oft läftig und gar unerträglich wurde. Man hatte ferner bis in die jüngfte Zeit häufig zur Verftärkung des Discants das Mitklingen der höheren Octave, bei der Orgel Copula genannt, angeftrebt, ohne der Sache viel näher gekommen zu fein, denn der Umfang des zu 5 Octaven berechneten Inftrumentes reducirte fich dadurch auf 4 Octaven und fomit wurde der Effect in mufikalifcher Beziehung beeinträchtigt. Nach längerem Streben und vielfeitig angeftellten Verfuchen ift es den Herren J.& P. Schiedmayer durch glückliche Experimente gelungen, dem Harmonium einen weichen und doch kräftig klingenden Ton zu verleihen, der, ohne fcharf oder fpitz zu fein, den angebrachten Regiftern( Flöte, Clarinette, Oboë, Clairon etc.) vollkommen entſprach. Für die Verbefferung wurde ihnen im Jahre 1858 ein Erfindungspatent auf zehn Jahre ertheilt, und zwar auf die eigenthümliche Conftruction von Zungenwerkzeugen in Gufsrahmen für ganze Octaven und ebenfo auf die veränderte Conftruction des Stimmftockes, die Erweiterung der Cancellen( Schallbecher genannt) und auf eine indirecte Zuführung der aus den Windbehältern zuftrömenden Luft. Die Erzeugung des Tones wurde in Folge diefes Verfahrens eine bei Weitem günftigere, ganz befonders aber erhielt der Ton durch die Herftellung der aus Gufsmeffing gefertigten und ganze Octaven umfaffenden Zungenwerke vermehrte Kraft und Fülle und gröfsere Feftigkeit. Dem Verfertiger ift es dadurch an die Hand gegeben, den Ton durch geringes oder ftärkeres Abdämpfen oder durch Einbiegen der Zungen vollſtändig und dem erftrebten Charakter entſprechend auszubilden. Nachdem diefes für die Verbreitung des Harmoniums fo wichtige Refultat erzielt war, follte einem weiteren Mangel gefteuert werden, der fich fehr fühlbar machte. Der Bafs nämlich überbot den Discant, wodurch der zu erzielende Effect, ein deutlicheres Hervortreten der Melodie, häufig verloren ging, felbft wenn die Discantpartie mittelft der in derfelben Tonlage fich befindenden Regifter verſtärkt wurde. Auf Veranlaffung und Vermittlung des Herrn William Dawes( Civilingenieur) in Leeds( England) wurde eine eigens conftruirte Mechanik zur Anwendung gebracht, welche nach manchen mühevollen und öfters vergeblichen Verfuchen fchliefslich zu dem Ziele führte, den vorerwähnten Uebelftand gänzlich zu befeitigen. Diefe Aufgabe hat darin ihre Löfung gefunden, dafs man dem Harmonium ein weiteres Regifter von 5 Octaven( Melodie genannt) beifügt, welches in einer dem 8' Ton entſprechenden Zungenreihe beſteht und in der Weife wirkfam wird, dafs im Discant je der oberfte und im Bafs je der tieffte Ton zur Anfprache kommt, während alle übrigen Zungen diefes Regifters ganz aufser Thätigkeit bleiben. Mit Beiziehung nun eines oder mehrerer anderer Regifter erhält je der obere und der untere Ton doppelte Kraft und wird dadurch das Hervortreten der Melodie und deren Deutlichkeit im Discant wie die Beftimmtheit des Grundtons im Bafs aufs Vollständigfte erreicht. Durch das in der Harmoniumfabrication erzielte Refultat ermuthigt, haben die Herren J.& P. Schiedmayer, auf ihre vielfeitigen bei dem Bau der Inftrumente gewonnenen Erfahrungen geftützt, im Jahre 1860 auch die Anfertigung von Pianos und Flügeln eingeleitet. Als Specialität in diefer Branche ift die Einführung der nach amerikanifchem Syftem kreuzfaitig gebauten Flügel und Pianinos mit überliegenden Bafsfaiten, Compreffion etc. in Deutfchland vorzugsweife zu erwähnen. Die Pianinos mit maffivem eifernen Gufsftück und zufammenhängender Rückwand und Vorderplatte bieten einen überaus fchönen, in den einzelnen Tonlagen gleichmäfsigen Ton von grofser Gefangsfähigkeit. 20 Eduard Schelle. Der Drang nach Fortfchritt, gewiffenhafte Fabrication durch ausgedehnte Benutzung der zur Zeit zu Gebote ftehenden Hilfsmafchinen mit Dampfeinrichtung fetzte die genannte Firma alsbald in den Stand, auch auf diefem Felde das Vorzüglichfte zu leiften und ihre Erzeugniffe auf den letzten Weltausftellungen, 1867 in Paris, 1873 in Wien mit grofsem Erfolge zur Schau zu bringen. Auf der in München im Jahre 1854 ftattgehabten, vereinigten deutfchen Ausstellung wurde ihr die höchfte Auszeichnung zu Theil; die Ausftellungen in Paris 1855 und in Württemberg 1856 und 1857 führten ihr ebenfalls Ehrenpreife zu. In Anbetracht der ihr zuerkannten Verdienfte wurde der Senior Herr Julius Schiedmayer zum Preisrichter für die Weltausftellung 1862 in London ernannt, in welch' gleicher Eigenfchaft er auch 1864 in Stettin functionirte. ausGegenwärtig befchäftigt die Fabrik J.& P. Schiedmayer bei gedehntem Betriebe mit Dampfeinrichtung 200 Arbeiter im Haufe und etwa 60 aufserhalb. Letztere haben einen grofsen Theil der Kaftenarbeit zu liefern, während man im Haufe die Kräfte zur Anfertigung der feinen Mechanik und der inneren Einrichtung verwendet. Der jährliche Umfatz des Gefchäftes beläuft fich nach der neueften Erweiterung der Fabrik auf etwa 700 Clavierinftrumente und 800 Harmoniums der verfchiedenften Gattungen im Betrage von 400.000 Gulden. Die Herren J.& P. Schiedmayer haben demnach die gröfste derartige Fabrik in Süd- Deutfchland und find auf dem beften Wege, durch Qualität und Quantität der gelieferten Inftrumente mafsgebend zu erfcheinen; ihre Erzeugniffe find nicht nur in Deutſchland, fondern auch in Amerika, England und Italien gefucht und gefchätzt. Das Lob, welches wir den Inftrumenten Titz's fpendeten, ift auch auf die Harmoniums Schiedmayer's anzuwenden. Sie empfehlen fich fämmtlich durch fchöne Klangfarben und durch eine treffliche Anfprache des Tones. Befonders hervorzuheben ift ein Harmonium mit 5 Octaven, 6% Spielen, Percuffionsmechanik, 2 Knieregiftern, 2 Manualen und 21 Regiftern, unter ihnen Baryton 32', Mufette 16', Hautbois 8', Clarinette 16', Flûte 8', Bourdon 16', Clairon 4', Baffon 8' von befonders fchöner Klangwirkung. Die Percuffion ift hier von der Flöte ifolirt und läfst fich ganz felbftftändig und eigenthümlich ausbeuten. Das Flötenregifter entfaltet einen ungemein fchönen Klang. Als befonders wirkfame Stimmen find anzuführen: Clarinette, Bourdon, Baryton mit 32- Fufstönen und Harpe- Eolienene 2- Fufstöne. Der Preis beträgt 1500 fl öfterreichifcher Währung. Eine befondere Beachtung verdient ferner noch ein Harmonium mit 5 Octaven, 134 Spielen, 9 Regiftern, nämlich: Tremblant 8', Cremona 8', Melodie Cremona, Flûte 8', Expreffion, Coranglais 8', Forte, Pedalbafs 16', Sourdine I', 2 Knieregiftern. Die Züge Melodie Cremona und Cremona bezeichnen eine Einrichtung, die Schiedmayer zuerft ins Leben gerufen hat und durch welche das Harmonium eine Vervollkommnung erfahren hat. Die Cremona nämlich hatte den Zweck, alle Töne eines Accordes zu verdoppeln; wird das erftere Regifter gezogen, fo fperrt es die Töne im Accorde bis auf den oberften ab und läfst nur deffen Octave mitklingen. Als ein collaterales Regifter ift ein Pedalbafs angebracht, welcher den Bafston durch die tiefere Octave verdoppelt. Es liegt auf der Hand, dafs der Spieler vermittelft diefes Mechanismus manche Nuancen von überrafchender Wirkung in feiner Gewalt hat. Ferner waren noch ausgeftellt ein Harmonium mit 5 Octaven, I Manual, 5% Spielen, Percuffionsmechanik, 20 Regiſtern, 2 Knieregiftern. Die Preife gehen von 75 fl. aufwärts bis 800 fl.; dann ein Piano concertina mit 44 Octaven, 1/2 Spielen, 4 Regiftern und eine Harmonina mit 3 Octaven, 112 Spielen, 5 Regiftern. Die letzteren beiden Inftrumente find eigentlich mehr muſikaliſche Spiel- Werkzeuge und beanSpruchen wohl als folche keinen eigentlichen künftlerifchen Werth, haben aber einen fehr hübfchen Ton. Unter den übrigen Ausftellern von Harmoniums in der deutfchen Abtheilung fanden wir die Firmen: Trayfer& Comp. in Stuttgart mit 3 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 7% Spielen mit Percuffion, 23 Regiftern und 2 Knieregiftern. Der Baryton bei Schiedmayer Mufikalifche Inftrumente. 21 ift hier durch ein Saxophon erfetzt. Einzelne Stimmen find von grofser Schönheit. Manche dagegen fchattiren fich von einander im Toncharakter zu wenig ab; Grand jeu ift nicht genug ausgiebig. Preis 1000 Thaler. 2. Harmonium mit 4 Spielen und 4 klingenden Regiftern ohne Percuffion. Preis 465 fl. 3. Harmonium mit 52 Spielen, 2 Manualen und Percuffion. Preis 565 fl. Ferner Kraufs in Stuttgart mit 2 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 5 Spielen, 19 Regiftern, 2 Knieregiftern und Emphone ftatt Muffete; der Ton fpricht gut an, ift aber nicht weich genug, fonft fehr correct gearbeitet; der Kaften reich ausgeftattet nach amerikanifcher Form. 4. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 412 Spielen, 12 Regiſtern, 2 Knieregiftern. Die Percuffion bei einem aufrecht ftehenden Spiele( Principal) angebracht nach Pianinoart, durch eine Glasfcheibe fichtbar, eine neue, aber zwecklofe Einrichtung; folide Arbeit, Kaften in Pianoform. Preis 270 Thaler. Dann Trefz& Feuchtl in Stuttgart mit einem Harmonium, 5octavig, 4 Spiele, 14 Regifter, 2 Knieregifter; fchöner Ton mit leichter Anfprache; einfache Ausftattung. Preis 120 Thaler. J. Gfchwind in Stuttgart mit 2 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2. Manualen, 5% Spielen mit Percuffion, 20 Regiftern, 2 Knieregiftern; Ton nicht entsprechend, Percuffion desgleichen, reich verzierter Kaften. Preis 460 Thaler, 2. Harmonium mit 5 Octaven, 4% Spielen, 17 Regiftern, 2 Knieregiftern mit Percuffion, Ton nicht gut, fehr ftarkes Geräufch der Blafebälge; Kaften in Pianinoform. Preis 300 Thaler; im Weiteren: I. Steinmayer& Comp. zu Oettingen in Baiern mit 2 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 3 Spielen, 10 Regiftern; Ton und Anfprache fehr gut. Ausftattung gewöhnlich. Preis 190 Thaler. 2. Harmonium mit 5 Octaven, I Spiel, 3 Regiftern; nicht befonders gut, einfach ausgeftattet. Preis 90 Thaler und Rietheimer in Stuttgart mit 3 Harmoniums: 3 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 5 Spielen, mangelhafter Percuffion, 21 Regiftern, I Knieregifter; die Ausftattung ift mäfsig. Preis 280 Thaler. 2. Harmonium mit 5 Octaven, 34 Spielen, 14 Regiftern, fchwere und geräuschvolle Spielart und einfache Ausftattung. Preis 120 Thaler. Sämmtliche von Rietheimer ausgeftellte Harmoniums find fehr oberflächlich gearbeitet und gerade das Harmonium verlangt eine fehr forgfältige Arbeit. In der franzöfifchen Abtheilung hat fich nur die Firma Alexandre père et fils in Paris mit Ausftellungsobjecten vorgefunden. Diefelbe exponirte 9 Harmoniums und zwar I. Harmonium mit 4 Octaven, ohne Regifter; 2. Harmonium portatif, 4 Octaven, ohne Regifter; 3. Harmonium, 1½ Spiele, 7 Regifter, 5 Octaven; 4. Harmonium mit 3 Spielen, 9 Regiftern, 5 Octaven mit Trittbälgen; 5. Harmonium mit Orgelauffatz, 41, Spielen, 15 Regiftern; 6. Harmonium, 5 Octaven, 5 Spiele, 18 Regifter mit Trittbälgen; 7. Harmonium, 5 Octaven, 5 Spiele, 17 Regifter; 8. Harmonium, 5 Octaven, 52 Spiele, 18 Regifter; 9. Harmonium, 5 Octaven, 6 Spiele, 17 Regifter und Prolongement. Die genannten Harmoniums weifen mit Ausnahme eines einzigen nichts Neues auf. Bei diefem find ftatt der Schöpfbälge ganz gewöhnliche Bälge genommen und in ähnlicher Weife verwendet wie bei den Zugharmoniken. Diefe Bälge werden nicht mittelft Tritte wie gewöhnlich regiert, fondern mittelft zweier aus dem Kaften hervorfpringenden Laden, welche man von Aufsen hineinftöfst. Der Refervebalg im Windkaften nimmt eine ganz andere Lage als gewöhnlich ein, wodurch der Kaften nach unten hin eine kleine Verengerung erfahren und damit eine elegantere Form gewonnen hat. Durch diefe Einrichtung läfst fich eine bedeutende Kraft des Tones erzielen. Die Arbeit an dem Werke ift überaus forgfältig und fauber. Im Ganzen und Grofsen erheben fich die Harmoniums Alexandre's nicht über das Niveau einer anftändigen Mittelmässigkeit. In der italienifchen Abtheilung lieferten Giuſeppe Mola in Turin 1. ein Harmonium mit 6½ Spielen, Expreffion, aber ohne Percuffion und einem kleinen Pedal. Der Ton ähnelt dem Ton der franzöfifchen Harmoniums, ift jedoch nicht fo 22 Eduard Schelle. fein wie diefer, das Flötenregifter namentlich nicht gehörig ausgeglichen; 2. ein Harmonium mit 1 Manual, 3 Knieregiftern, Percuffion, 5 Spielen; 3. eine fogenannte Harmonie- Flûte, ein Spiel mit voix celefte, Tremolo, jeu doux; die Gebrüder Vittino aus Centallo Cuneo I Harmonium mit 1 Manual, 4 Spielen; Percuffion und grand jeu fehlen. Die Stimmen haben wenig Variationen, die Spielweife ift nicht übel. Zu den vorzüglichften und preiswürdigften Inftrumenten gehören die Harmoniums, welche die Firma Mafon& Hamlin in der amerikaniſchen Abtheilung ausftellte. Die Inftrumente zeigen in Folge der Anwendung von Saugbälgen ftatt Stofsbälgen einen anderen Charakter, als die europäiſchen. Als eine fernere Eigenthümlichkeit ift zu bemerken, dafs jede Zunge in eine befondere Zelle verfetzt ift. Vermittelft einer angebrachten Feder öffnet fich die Zelle beim Niederdruck der Tafte und fchliefst fich wieder beim Zurückfpringen der Tafte. Durch die Einrichtung diefer„ centralen Druckklappen" ift eine fo fchnelle Anfprache des Inftrumentes bewirkt, welche der des Claviers gleich kommt. Die Zungen felbft find fein und zweckmäfsig geformt und mit grofser Sorgfalt ausgearbeitet. Durch diefes Arrangement der Zungen in Zellen wird jener orgelartige Ton erzielt, welcher die amerikanifchen Harmoniums fo eigenthümlich gegenüber den europäiſchen unterfcheidet. Um eine möglichft grofse Kraft im Ton zu erzeugen, ift für eine entsprechende Erweiterung des Refonanzkaftens geforgt; die Erfindung eines folchen Refonanzkaftens gehört der Firma an und ift derfelben patentirt worden. Zu den mannigfaltigen Vorzügen, welche diefe Inftrumente auszeichnen, gehört auch eine Vorrichtung beim Crescendozug, der AutomaticSweller, mittelft welchem der Druck mit den Füfsen nicht fo bemerkbar ift, wie bei dem bei uns gebräuchlichen Expreffionszug. Die Firma hat im Ganzen 9 Inftrumente ausgeftellt: 1. ein Harmonium mit 2 Manualen, gelben blinden Profpectpfeifen, 4 Spielen und 9 Zügen. Die Dispofition geftaltet fich folgendermassen: 1. Bourdon, 2. Diapafon- Bafs, 3. Diapafon- Trebble, 4. Hautbois, 5. Vox humana, 6. Principal- Bafs, 7. Principal- Trebble( Discant), 8. Coupler, 9. Automatic- Swell. Die hier vorkommende vox humana ift nur als eine Verbindungsftimme zu beach ten. Das Gehäufe ift gefchmackvoll verziert, von brauner Farbe und macht einen wohlgefälligen Eindruck; 2. Harmonium mit 2 Manualen, 6 Spielen, ebenfalls mit blinden Profpectpfeifen von gelber Farbe, auiserdem auch mit einem vollſtändigen Pedal. Das Inftrument enthält 12 Züge: Bourdon- Bafs und Bourdon- Trebble, Diapafon- Bafs, Diapafon- Trebble, Principal- Bafs, Principal- Trebble, Oboë- Bafs und Oboë- Trebble und Violoncell und Bourdon für Pedal, aufserdem eine Manualund eine Pedalkoppel. Alle Manualftimmen find, wie aus der Dispofition hervorgeht, getheilt. Der Schwellerzug kann für jede Stimme ausfchliesslich gebraucht werden. Die Wirkung der Stimmen ift ganz vorzüglich und die Dispofition geftattet Mifchungen von wunderbarer Schönheit. Der Toncharakter erinnert ganz insbefonders an die Orgel. 3. Harmonium mit I Manual und 7 klingenden Spielen. Diefes Inftrument ift nach Debain und Alexandre conftruirt und mit Stofsbälgen verfehen. Die Firma hat damit beweifen wollen, dafs fie auch mit dem europäiſchen Syftem vertraut ift. Es enthält Zügen: Grand jeu, Expreffion, 2 Züge Percuffion, Flûte und Coranglais, Bourdon und Clarinette, Clairon und Piccolo, Baffon und Oboë, Harpecoliene und Mufette, einen Baryton; die voix celefte bildet keine Schwebung zur Flöte, wie es fonft zu fein pflegt, fondern bildet eine felbftftändige Stimme, die vox america dagegen gibt eine Schwebung zum Baryton. 4. Harmonium mit I Manual und 2% Spielen. Die Zufammenftellung der Stimmen ift überaus fchön und ermöglicht eine grofse Mannigfaltigkeit an Tonmifchungen. Die übrigen Inftrumente, darunter I Harmonium mit 2 Manualen und 4 Spielen, reihen fich den obigen würdig an. Sie fuchen fämmtlich an Ausdrucksfähigkeit ihres gleichen und feffeln durch einen fympathifchen Ton. Der Preis diefer Harmoniums ift gegenüber dem Werthe derfelben fehr mäfsig zu nennen, denn er überfteigt nicht die Summe von 1800 fl. und geht herab bis zu 250 fl. an Mufikalifche Inftrumente. 23 Die Firma Eftey hat 8 Harmoniums ausgeftellt, darunter I mit 2 Manualen, Pedal und 4 Spielen und 2 Koppeln. Die Stimmen haben meiſt einen hohlen, leeren Klang, einzelne wie Dulceana delicante und voce jubilante weifen nicht den geringften Unterfchied in der Klangfarbe auf; die Claves des Pedals machen bei der Benützung ein ftörendes Geräufch. Zu den befferen Inftrumenten gehört I Harmonium mit neun gelben Pfeifen, I Manual und 3% Spielen. Es läfst fich an den Inftrumenten im Ganzen nicht viel Gutes hervorheben, auch müfste die Arbeit viel fauberer und gediegener fein; fie reichen, mit Nachficht beurtheilt, höchftens an das Niveau eines anftändigen Mittelgutes heran. Claviere. In der zahlreichen Familie der muſikaliſchen Inftrumente ragt heutigen Tages unftreitig das Clavier am bedeutungsvollften hervor. Das Piano, um den modernen Namen zu gebrauchen, hat fich allmälig zu dem allgewaltigen Beherrscher unferes Mufiklebens erhoben. Es äufsert feine Macht im vornehmen Salon, im Boudoir, wie in der befcheidenen bürgerlichen Wohnung, hat den Dilettantismus und damit die Empfänglichkeit für mufikalifche Eindrücke in alle Claffen der menfchlichen Gefellſchaft getragen und übt in Folge deffen einen Einfluss auf das Empfindungswefen unferer Zeit aus, in welchem der Culturhiftoriker einen willkommenen Schlüffel zu mancher befremdlichen Erfcheinung des letzteren finden. dürfte. Es liefs fich alfo vorausfetzen, dafs das Clavier das gröfste Contigent zu der Armee der für die Ausstellung beftimmten mufikalifchen Inftrumente ftellen würde. Und fo verhält es fich in der That. Die öfterreichifche Abtheilung allein zählte nicht weniger als 48 Firmen mit 56 Flügeln, 28 Stutzflügeln und 12 Pianinos, im Ganzen 96 Stück; die deutfche Abtheilung dagegen 66 Firmen mit 35 Flügeln, 2 Tafelpianos und 91 Pianinos. Gegen Oefterreich und Deutſchland traten nun freilich die anderen Länder unverhältnifsmäfsig zurück. Schätzen wir die Betheiligung derfelben nach der Summe der eingefendeten Inftrumente ab, fo kommt zunächft Frankreich mit 33, dann England mit 12 Stück, Rufsland und Italien waren. mit 10, die Schweiz mit 8 Clavieren vertreten. Die fchwedifche Abtheilung führte uns deren 6 vor, ebenfoviel die fpanifche. Amerika und Dänemark ftanden numerifch gleich, auf jedes Land kamen 5, auf Belgien dagegen 3 Pianos. Ungarn hat ebenfalls 3, Holland dagegen nur I Stück und zwar I Pianino geliefert. Den 224 ClavierInftrumenten der deutfchen und öfterreichifchen Abtheilung vermochten die angeführten Länder nur 97 Stück entgegenzuftellen, ein Mifsverhältnifs, das felbft locale Umftände nicht genügend erklären. Ueberdiefs weift die Lifte der ausländifchen Firmen manche bedauerliche Lücke unter den Ausftellern auf; fo thut es z. B. dem Ruhme Amerikas auf diefem Gebiete grofsen Abbruch, dafs die weltberühmten Fabriken Steinway und Chikering fich vermiffen liefsen. Die englifche Abtheilung hat ebenfalls durch die Abwefenheit Broadwood's und Collard's eine bedeutende Einbufse an Glanz erlitten, und auch die deutfche, fonft fo reichlich und gut befchickte Ausftellung würde eine willkommene Ergänzung erhalten haben, wenn hier wenigftens die Firma Bechftein in Berlin der Firma Blüthner zur Seite geftanden wäre. Befondere Verhältniffe mögen wohl die genannten Firmen veranlasst haben, gerade die grofsartigfte aller bisherigen Ausftellungen zu umgehen; jedenfalls können wir im Intereffe der Kunft diefe Vernachläffigung nur bedauern. Es war ein überaus glücklicher Gedanke, die öfterreichifche Abtheilung mit jenem hiftorifchen Anhange zu verfehen, welche fich im Pavillon für ,, Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen" darftellte. Das mittlere Zimmer entfaltete in einer reichen Sammlung verfchiedenartiger älterer Inftrumente ein anfchauliches und feffelndes Bild von der Entwicklung des Inftrumentenbaues in Oefterreich feit etwa 130 Jahren. Namentlich waren es die hier vorhandenen Claviere, welche in erfter Linie das Intereffe auf fich lenkten. Ja, wir nehmen keinen Anftand, auf fie den eigentlichen Werth des Pavillons zu übertragen wegen des Gegenfatzes, in 24 Eduard Schelle. welchem fie zu den modernen Pianos in der öfterreichifchen Abtheilung ftehen; denn das Clavier war bereits im vorigen Jahrhunderte der eigentliche Träger des Mufiklebens, wie es derfelbe heutigen Tages ift, und an feiner Conftruction, überhaupt an feinem ganzen Wefen verfinnlicht fich am getreueften der Charakter der herrfchenden Gefchmacks- und Stilrichtung. Man war umfomehr berechtigt zu diefem Unternehmen, als nach Bach und Händel Oefterreich in der mufikalifchen Kunft das Banner geführt und feinen Namen mit denen der gröfsten Tonheroen verwebt hat. Unter diefen Clavieren befanden fich überdiefs einige Exemplare, welche für uns die Bedeutung koftbarer Reliquien haben. So begegnete uns ein kleines, tragbares Spinett, erbaut von Johann Andreas Stein in Augsburg 1762, deffen fich Mozart laut Angabe auf feinen Reifen bedient hat; auch ein Clavier in Flügelformat, und zwar mit Hammermechanik und Stiefeldämpfung macht Anspruch auf die Ehre, einft im Befitze des hochberühmten Meifters gewefen zu fein. Ferner trafen wir ein kleines Tafelclavier mit Hammermechanik und Dämpfung aus dem Jahre 1790 an, welches uns als das einftige Eigenthum Haydn's bezeichnet wird. In ähnlicher Weife fahen wir einen Flügel von Erard mit dem Namen Beethoven's, einen anderen von Gräf mit dem Schubert's in Verbindung gefetzt. Unmerklich haben wir an diefen wenigen Inftrumenten die wefentlichften Phafen des Clavierbaues bis zur modernen Zeit hin durchlaufen. Jenes Spinett Mozart's, zu dem fich noch ein anderes, herrührend von Johann Schanz, gegenwärtig Johannes Brahms zugehörig, gefellt, weifen auf den primitiven Standpunkt des Inftrumentes hin. Der Ton wird hier noch mittelft Meffingplättchen oder auch Federkiel- Stückchen erzeugt, welche auf dem Clavis befeftigt find, und durch Oeffnung im Refonanzboden beim Niederdruck der Tafte an die Saite fchlagen. Und wahrlich, der dünne, zirpende Klang jenes gedachten Inftrumentes von Schanz bildet zum Klang des angeblich aus dem Befitze Beethoven's ftammenden Flügels von Erard keinen gröfseren Abftand, als das Tonvermögen eben diefes Erard zu der Klangkraft eines Ehrbar mit gewölbtem Refonanzboden. Ja auch die Mutter unferes heutigen Pianos entdeckten wir hier in einem alten Hackebret, welches fich in demfelben Zimmer zeigte; denn aus diefem merkwürdigen Inftrumente ift nicht nur das. Clavichord, fondern auch die Hammermechanik hervorgegangen, durch welche fich das Clavier bis zu feiner jetzigen Vollkommenheit emporgebildet hat. Ein Mufiker aus Eisleben, Pantaleon Hebenftreit, hatte nämlich fchon in früher Jugend eine fo grofse Vorliebe für jenes, noch heutigen Tages bei den Zigeunern unter dem Namen Cymbal vorkommende Inftrument, dafs er es fich zur Aufgabe machte, demfelben eine für den künftlerifchen Gebrauch verwendbare Einrichtung zu geben. Sein Ziel fuchte er dadurch zu erreichen, dafs er den Kaften um das Vierfache vergröfserte und auf beiden Seiten Refonanzböden anbrachte, von denen der eine mit Draht- und der andere mit Darmfaiten bezogen. war, fo dafs jetzt dem Spieler alle Dur- und Moll- Tonarten zur Verfügung ftanden. Hebenftreit machte mit feinem Inftrumente um fo mehr Auffehen, als er felbft eine fehr grofse Fertigkeit auf demfelben fich angeeignet hatte. Ein gewiffer Schröter, ebenfalls ein Mufiker, hatte Gelegenheit, den Virtuofen öfter zu hören. Ihn fascinirte vornehmlich die Wahrnehmung, dafs der Spieler vermittelft der mit der Hand geführten Klöppel die Klangkraft der Saiten nach den verfchiedenen Graden ihrer Stärke leicht zu entfalten vermochte, was auf dem damaligen Claviere nicht zu erzielen war. Es trieb ihn nun zu dem Verfuche, diefe Ausdrucksfähigkeit auch dem letzteren zuzuwenden und in der That brachte er endlich das Modell für einen Mechanismus zu Stande. in welchem fich das Syftem der heutigen Hammermechanik deutlich zu erkennen gibt. Man hat diefe Erfindung lange dem Florentiner Chriftofali zugefchrieben; Dr. Oskar Paul hat indefs in feiner vortrefflichen Gefchichte des Clavierbaues documentarifch nachgewiefen, dafs diefe Ehre unferem Deutſchen Schröter gebühre. Jedenfalls fteht es feft, dafs das Modell des letzteren in Deutfchland bald Anerkennung fand, und die eigentliche Bafis für die Entwicklung des Pianobaues bildet. Mufikalifche Inftrumente. 25 Nun einmal die Hammermechanik entdeckt war, arbeitete man eifrig an der Vervollkommnung diefer werthvollen Errungenfchaft. Verbefferungen und Neuerungen folgten rafch auf einander. In diefer Hinficht erwarben fich der Orgelbauer Gottfried Silbermann und befonders Johann Andreas Stein und deffen Schwiegerfohn Andreas Streicher, der Freund Schiller's grofse Verdienfte. Der Erfte hatte fich die Erfindung Schröter's angeeignet und wufste fie gehörig zu verwerthen. Bach rühmte an feinen Inftrumenten den fchönen Klang, fand aber, dafs die Spielart zu fchwer, die höhere Tonlage zu fchwach fei. Diefem Uebelftande half indefs Silbermann in der Folge ab. Seine Inftrumente hatten namentlich in Paris einen grofsen Ruf und galten für die beften, welche die franzöfifche Hauptftadt befitze. Nach England kam die Hammermechanik durch den Schweizer Burkhard Tfchudi, welcher in London eine Fabrik errichtete. Er vermachte diefelbe feinem Schwiegerfohne John Broadwood, deffen Name noch heutigen Tages die gröfste Firma in England trägt. Ein Arbeiter diefer Fabrik, wiederum ein Deutfcher, Namens Becker, übertrug diefe Mechanik auf die damals in England gebräuchlichen Harpfichords oder Clavichords, die Stofszungen waren bereits durch die Fabrik Longmann& Brodefip, der vom Hammer getrennte Dämpfer von einem Irländer erfunden. Aus diefen Anfängen hat fich allmälig jenes Syftem entwickelt, welches heutigen Tages der Name englifche Mechanik bezeichnet, während der bereits erwähnte Johann Andreas Stein der eigentliche Vater der deutſchen Mechanik ift. Diefe unterfcheidet fich von jener, dafs bei ihr der Hammer auf dem Taftenhebel felbft fich befindet, während die englifche Mechanik durch die Befeftigung der Hämmer an einer befonderen Leifte die Trennung derfelben von der Tafte erzielt. Ferner dafs bei der erften am hinteren Ende des Hammerftils ein Schnabel fich vorfindet, der beim Niederdruck der Taften gegen den Auslöfer ein knieartig ausgefchnittenes, federndes Hölzchen ftöfst und dadurch den Hammer in die Höhe fchnellt, bei der zweiten dagegen der Hammer durch eine am Ende des Taftenhebels angebrachte Stofszunge, die zugleich Auslöfer ift, in die Höhe gehoben wird. Diefe Auslöfung, vermittelft welcher die Stofszunge aus der Hammermafchine herausgefchoben wird, fo dafs der gehobene Hammer nach Berührung der Saite unbehindert von ihr wieder in feine urfprüngliche Lage zurückfallen kann, ift ebenfalls eine englifche Erfindung. Eine wefentliche Verbefferung erfuhr die englifche Mechanik durch die aus der berühmten Fabrik Erard's in Paris hervorgegangene fogenannte Repetitionsmechanik( double echâppement), eine Einrichtung nämlich, welche den Vortheil gewährt, dafs der Hammer nach Anfchlag und Auslöfung nicht in feine urfprüngliche Ruhelage zurückkehrt, fondern vermöge feiner Stellung beim zarteften Fingerdrucke an die Saite zurückfchlägt. Wie vorherrfchend das Erard'fche Syftem in feinen vielfältigen Abarten und Umgeftaltungen noch gegenwärtig ift, läfst fchon ein flüchtiger Ueberblick über die in der Ausftellung vorhandenen Inftrumente erkennen. Wir müffen es bei diefen oberflächlichen Angaben bewenden laffen, die nur zur Würdigung der auf diefem Gebiete gebotenen Leiftungen der Ausftellung dienen follen. Die Gefchichte des Pianobaues enthüllt überdiefs einen unendlichen, man könnte fagen, faft verwir-, renden Reichthum an Combinationen und Experimenten der verfchiedenften Art, und alle diefe Verfuche fehen wir einem einzigen Ziele zuftreben, den Ton des Piano möglichft grofs und fangfähig zu machen, mit einem Worte, das Klangwefen des Inftrumentes über die ihm fcheinbar gefteckten Grenzen hinauszudrängen. Ganz im Geifte diefer Richtung hatte Streicher 1823 das Syftem Panteleon Hebenftreit's wieder aufgenommen und eine Mechanik mit Hammerfchlag von Oben conftruirt, auf deren Verbefferung der geniale Pianoforte- Fabrikant Henri Pape in Paris vielen Fleifs verwandte; Röder in Berlin und Wornum in London haben ſpäterhin dasfelbe Princip vertreten, ohne ihm eine gröfsere Verbreitung verfchaffen zu können. Mit viel glücklicherem Erfolge find nach diefer Seite hin 26 Eduard Schelle. die Amerikaner und in erfter Linie die Fabrik Steinway& Sons in New- York vor. gegangen. Durch eine kühne, maffenhafte, aber fein berechnete Verwendung des Gufseifens, ja ganzer aus einem Stücke gegoffener Eifenrahmen in der Conftruction und durch einen fächerartigen Bezug, in dem die dicken, gefponnenen Bafsfaiten von einem höheren Steg aus kreuzweife über den anderen ausgefpannt find, haben fie eine Klangfülle des Pianoforte erzeugt, von der man früher keine Ahnung hatte. Nun ift freilich weder die Idee der eifernen Verfpreizung des Kaftens noch des kreuzfaitigen Bezuges neu. Mit der erfteren wurden fchon im Anfange diefes Jahrhundertes Verfuche gemacht und der zweite war fchon bei den alten Clavichords in Praxis und in neuerer Zeit ift Pape wieder auf denfelben, aber ohne fonderlichen Erfolg, zurückgekommen. Aber in den technifchen Künften liegt der Accent nicht auf der Priorität der Erfindung, fondern auf der erften praktifchen Verwerthung derfelben und der Name Steinway wird ftets mit dem Syfteme der Eifenconftruction und des kreuzfaitigen Bezuges im Pianobau für alle Zeiten verknüpft bleiben; die Inftrumente Steinway's bezeichnen den Culminationspunkt des jetzigen Pianobaues und man follte glauben, dafs über fie hinaus ein Fortfchritt nicht mehr möglich, dafs der menfchliche Erfindungsgeift auf diefem Gebiete an die Grenze feines Schaffens gelangt fei; fiehe, da beweift uns plötzlich die Weltausstellung das Gegentheil durch die Vorführung einer neuen Erfindung, welche eine Ergänzung des amerikaniſchen Syftems anftrebt In der ungarifchen Abtheilung fand fich nämlich ein Refonanzboden vor, der von der üblichen Form gänzlich abweicht. Er ift von dem rühmlichft bekannten Pianobauer Beregfzafzy in Peft angefertigt und paradirte fchon auf der Ausftellung 1871 in London. Das Neue an ihm befteht darin, dafs er keine Platte bildet, fondern eine Wölbung nach Art des Violin- oder Cellobodens hat, auf deren Höhenlinie der Steg fich entlang zieht. Einen Boden von derfelben Conftruction hat Herr Beregfzafzy in dem von ihm ausgeftellten Concertflügel angebracht. Eine Verwerthung diefer Erfindung von anderer Seite her führte die öfterreichifche Abtheilung in zwei Concertflügeln von fehr fchöner Arbeit aus der Fabrik Ehrbar's in Wien vor. Herr Beregfzafzy hat aufserdem noch einen Flügel mit gewöhnlichem Refonanzboden und Ehrbar fogar deren zwei ausgeftellt, fo dafs zu einem Vergleich nach Qualität des Tones Gelegenheit geboten war. Zu Gunften diefes Experimentes fprechen zunächft die Erforfchungen der Akuftik, welche darthun, dafs auf guten italienifchen Geigen oder Cellis fehr regelmässige Saitenfchwingungen fich erzeugen laffen. Sollte nicht alfo eine analoge Erfcheinung durch einen ähnlich geformten Refonanzboden im Clavierkaften, bei einem correcten Hammerfchlag zu ermöglichen fein? Ausserdem ift noch zu beachten, dafs ein nach richtiger Berechnung gewölbter Refonanzboden eine gröfsere Widerftandsfähigkeit gegen den fchweren Druck der Saiten und eine gröfsere Elafticität vor einer gewöhnlichen Refonanzplatte voraus hat. So wäre durch diefe Neuerung nicht nur eine gröfsere Dauerhaftigkeit für das Piano erzielt worden, fondern für den Ton auch ein Gewinn an Qualität für die Zeit des Gebrauches wie bei der Geige in Ausficht zu ftellen. Eine genauere Prüfung der mit diefer Neuerung verfehenen Inftrumente des Herrn Bereg fzafzy fowohl wie des Herrn Ehrbar hat erwiefen, dafs der Refonanzboden mächtig anfprach, der Ton fich befonders durch Volumen und Klangfülle auszeichnete, aber an Wohllaut gegen den Ton der Inftrumente mit flacher Refonanz aus den Fabriken der beiden Meifter zurückftand. Demnach hätten wir es wohl vor der Hand noch mit einem Problem zu thun, aber mit einem Problem von grofser Tragweite, das einft dem Pianobau eine neue Bahn eröffnen dürfte und zu einer höheren Theilnahme berechtigt ift. Nun hat aber jüngft ein Clavierfabrikant in Prefsburg, Herr Carl Schmidt, in der Ausftellungszeitung der„ Neuen freien Preffe" vom 17. Auguft 1873 das Verdienft diefer Erfindung für feine Firma in Anspruch genommen und erklärt, dafs fchon fein Vater vor 1829 durch fechs volle Jahre Pianos mit folchem Refonanzboden verfertigt habe. Im Weiteren aber bekennt Herr Schmidt Mufikalifche Inftrumente. 27 felbft, dafs er die Anwendung der gewölbten Refonanzböden habe fallen laffen, ,, weil das Refultat der Arbeit nicht entfprach und der Bafs etwas fteif klang". Die Erklärung muthet in der That fehr befremdlich an; es will fich doch fchlecht reimen, wenn Jemand und noch dazu ein Fachmann eine Erfindung beansprucht und zugleich diefe Erfindung als unpraktifch, mithin als werthlos erklärt. Nicht auf die Wölbung des Refonanzbodens als folche kommt es hier an denn die Idee ift bekanntlich nicht neu-fondern auf das Syftem, nach welchem diefe geformt ift. Weder dem Flügel des Herrn Bereg fzafzy und noch weniger den beiden des Herrn Ehrbar läfst fich der Vorwurf machen, dafs die Bäffe fteif find und wir können fomit der Jury nur beipflichten, dafs fie Beregfzafzy das Ehrendiplom verlieh. - Uebrigens ftand Herr Bereg fzafzy in der Ausstellung nicht allein. Der bekannte Inftrumentenmacher Herr Stary in Wien hat den Geigenboden, und zwar mit den F- Löchern, bei einem Stutzflügel zum Modell genommen. Derfelbe ift allerdings mit einem durchlaufenden, flachen Refonanzboden verfehen, über deffen rechte Hälfte aber ein Violinboden nach links fich hinzieht. Der Ton indefs ift nicht derart, dafs er diefe Erfindung empfehlen könnte; am dürftigften erklingt er namentlich in der Mittellage. Viel trägt wohl dazu bei, dafs die F- Löcher die Fafern des Holzes, die fogenannten Jahre, durchſchneiden und fomit die Schwingungsverhältniffe beeinträchtigen. Der Erbauer gefteht uns übrigens felbft, dafs fein Werk noch nicht vollkommen fertig fei. Halten wir alfo mit unferem Urtheile vorfichtig zurück, bis es vollendet fein wird. Noch eine andere Erfindung fordert die gröfste Aufmerkſamkeit des Fachmannes fowohl wie des kunftfinnigen Laien, des Virtuofen und des gebildeten Dilettanten dadurch heraus, dafs fie nicht nur einen Fortfchritt in der Mechanik des Piano zeigt, fondern insbefondere für die Kunft des Clavierfpiels und für die Compofition von Pianomufik epochemachend zu werden verfpricht; es ift darunter das„ Kunftpedalwerk" des Herrn Eduard Zachariä in Stuttgart, welches in Verbindung mit einem der herrlichen Flügel von J. P. Schiedmayer, fowie mit einem Pianino aus derfelben berühmten Fabrik in Stuttgart und einem folchen von Hermann Wagner ebenfalls in Stuttgart, die hiefige Ausftellung vorführte. Das Kunftpedal des Herrn Zachariä fördert ein ganz anderes Princip in der Dämpfung, als das bisher befolgte, zu Tage. Dasfelbe zeigt nur vier eigenthümlich gebildete Tritte, in deren Regierung fich die beiden Füfse des Spielers nach Bedürfnifs theilen und entwickelt eine viel gröfsere Beweglichkeit als das frühere, höchft primitive Pedal mit feiner fteifen, unbehilflichen Maffe von Dämpfern, wo bei rafch aufeinander folgenden Pedalbewegungen die Töne nur zu oft chaotifch in einander fliefsen oder zerpflückt werden und die Harmonie Schaden leidet. Bei Herrn Zachariä find aber die vier Pedale in einer fo finnreichen Weife benützt, dafs hiedurch eine wirklich ftaunenswerthe Freiheit für die Bewegung der in ftreng fyftematiſcher Anordnung gruppirten Dämpfer entſteht. Die Bewegung ift eine mehrfache, ftufenartige, aufwärts und abwärts, und die Pedale können entweder einzeln oder in den mannigfaltigften Copulationen und Combinationen von den beiden Fufsfpitzen, welche in einem höchft zweckmäfsig geformten, zur Regulirung dienenden Trittbret( Führungsrahmen) ftehen, fo bequem und leicht regiert werden, dafs hier ohne befondere Schwierigkeit das freiefte Spiel der verfchiedenften Dämpfergruppen zur Geltung kommt, wodurch gröfsere oder kleinere Tonfelder nach Belieben geöffnet oder gefchloffen find. Dabei ift den Eigenthümlichkeiten des Claviers vollſtändig Rechnung getragen und Alles dem Wefen der Claviermufik angepasst; es fchmiegt fich der Empfindung des Spielers, jeglicher Intention desfelben an und bahnt ihm fozuíagen den Weg zur„ orcheftralen Herrfchaft" über das Piano. Jede Note gelangt zur Geltung. Von ganz ausnehmender Bedeutung iſt die höhere Entwicklung der Akustik des Inftrumentes, die glückliche Verwerthung der fogenannten„ Obertöne". Die in letzter Zeit( auf Grund der von Profeffor Helmholz veröffentlichten Studien) vielfach befprochene Theorie von den Theil 28 Eduard Schelle. fchwingungen der Saiten wird hier in einer für das Clavierfpiel unendlich werthvollen Weife zur lebendigen Praxis erhoben. Die längeren Saiten des Claviers find den kürzeren unterthänig und müffen dazu beitragen, die letzteren in ihrem Klange zu unterſtützen. Das phyſikaliſche Gefetz, dafs die kürzere Saite die längere zu ihrem Dienfte zwingt, ift durch das Kunftpedal verwerthet. Ein Staccato hingeworfener, in an der Stelle feines Entſtehens durch den Dämpfer wieder erftickter Accord klingt gleichzeitig durch diefe indirecte Pedalwirkung angenehm fort. Klangfärbungen der mannigfaltigften Art werden dadurch erzielt. Das Kunftpedal ift leicht zu behandeln und jeder tüchtige Clavierfpieler kann das KunftpedalSpiel fchnell und correct aus den Andeutungen und Anleitungen erlernen, welche Herr Zachariä in feiner Brochure„ Die Kunftpedal- Schule" gibt. Herr Zachariä hat nämlich als Lehrer des Kunftpedal- Spieles Stellung in Stuttgart genommen und aufser feinen Schulwerken einen bedeutenden Theil der alten und neuen Literatur für den Zweck des Studiums ausgearbeitet, das heifst mit der Pedalifation verfehen und hat bei der Firma J.& P. Schiedmayer das bereitwilligfte Entgegenkommen gefunden, für die Ausarbeitung der KunftpedalMechanismen( für Flügel das„ grofse", für Piano das fogenannte„ kleine" Werk) Sorge zu treffen und diefelben den Fabrikanten, die fich an dem Fortfchritt betheiligen wollen, zukommen zu laffen. Diefs dürfte umfo thunlicher fein, als die finnreiche Conftruction des Kunftpedal- Werkes, deffen äufsere Form trotz des complicirten inneren Mechanismus eine einfache ift, fich der üblichen Bauart der Pianos und Pianinos leicht anbequemt. Das Kunftpedal- Werk trägt zur Erhöhung des Klangeffectes der Clavierinftrumente bei, ftellt dem Virtuofen und Componiften eine weniger begrenzte Wirkfamkeit in Ausficht und liefert ein neues Element für den Unterricht. Wenn wir unfere Aufmerkſamkeit auf diefe Erfindungen als die ernften Anftrebungen von Bedeutung für die Kunft des Pianobaues lenken, fo fehen wir uns genöthigt, einen Schritt über den Rayon der Ausftellung hinaus zu machen. Denn, um das Bild des Fortfchrittes, welches die Ausftellung vor den Augen der Welt entfaltet und ihr in erfter Linie ein hohes und allgemeines Intereffe zuwendet, möglichft noch zu vervollſtändigen, müffen wir zwei in Wien befindliche Inftrumente in den Ausftellungsbereich ziehen, welche gerade in Beziehung auf den Fortfchritt die höchfte Beachtung verlangen. Wir machen daher von der uns gegebenen Erlaubnifs Gebrauch, derartige Leiftungen in unferen Bericht aufzunehmen, wenn fie fich auch nicht in dem Induſtriepalafte repräfentirten, vorausgefetzt, dafs fie die fortfchrittliche Bewegung unferer Stadt auf dem Terrain des Clavierbaues nach der Parifer Ausftellung 1867 vertreten. Das eine der beiden Inftrumente gehört einer der hervorragendften Wiener Firmen an, nämlich Böfendorfer es war urfprünglich für die Ausftellung beftimmt, konnte aber nicht rechtzeitig genug befchafft werden das andere ftammt aus der berühmten Fabrik Steinway in New- York, welche auf der Bahn des Fortfchrittes im Pianobau ftets voran zu treffen ift und leider verhindert wurde, an der internationalen Concurrenz fich zu betheiligen. - Das Letztere, ein grofsartiger Flügel, welcher fich in einem Privathaufe befindet, liefert einen glänzenden Beweis, welche koftbare Refultate ermöglicht werden, wenn die Praxis mit der Wiffenfchaft Hand in Hand geht. Wir finden hier die Mafsverhältniffe der Saiten mit fo feiner Berechnung gewahrt, dafs die Theile derfelben zwifchen dem Stimmftock- Steg und den Wirbeln in dem Discant faft bis gegen die Mittellage heran deutlich und klar in einer höheren Octave anfprechen, welche in den tieferen Ton der Saiten gewiffermafsen hineinfchlüpft und ihn füllt. Der Flügel wäre alfo zum Theile mit einer doppelten Scala begabt; die Wirkung derfelben äufsert fich darin, dafs der Ton in der Höhe felbft bei dem härteften Anfchlage ftets rund bleibt und nichts von jener metallifchen Schärfe verräth, mit welcher wir ihn fo häufig bei fonft guten Inftrumenten in Folge der Einwirkung des vielen Eifens in der Höhe verfetzt finden. Ueberhaupt zeichnet. Mufikalifche Inftrumente. 29 fich der Klang des Inftrumentes durch eine wahrhaft bezaubernde Schönheit aus; er ift fo unendlich füfs und edel, entwickelt auf der andern Seite eine fo grofse Fülle an Kraft, dafs der angebliche Ausfpruch über die Steinway- Flügel:„ Sie find gleich grofs im Donnerfturm des Gewitters, wie im füfsen Flöten der Nachtigall in einer Frühlingsnacht!" hier den Nagel auf den Kopf trifft. Wir haben in der That das Ideal des Pianotones nie fo verwirklicht gefunden, wie bei diefem Flügel und bedauern es höchlichft, dafs wir ihn in der Ausftellung vermifsten. Auch Böfendorfer liefert uns in feinem vorhin gedachten Inftrumente einen abermaligen Beweis, dafs er fich lebhaft an den Fortfchrittsideen unferer Zeit betheiligt. Er hat einen Concertflügel gefchaffen, der es wahrlich verdient hätte, ebenfalls auf der Ausftellung ftatt im Concertfaale Parade zu machen. Schon dem äufserlichen Bilde nach weicht das Inftrument von der herkömmlichen Conftruction ab. An dem Theile des Kaftens nämlich, welcher den Refonanzboden umfchliefst, find die Seitenwände weggenommen, fo dafs der letztere frei daliegt. Die Idee ift zwar nicht neu und in manchen Verfuchen fchon aufgetaucht, kommt aber hier in fehr guter Verwerthung zur Geltung. Der Refonanzboden ift nämlich nach dem Syftem Steinway's in emen gegoffenen, eifernen Rahmen eingefügt und fomit von dem Kaften ganz ifolirt. Das Innere bildet alfo ein felbftftändiges, von dem Corpus abgelöftes Ganzes für fich, mit einem Wort, das Clavier felbft ift dadurch unabhängig gemacht von dem Tifchierwerk des Gehäuſes. Wir hörten den Flügel zum erften Male im Böfendorfer Salon bei Gelegenheit der mufikalifchen Soirée, welche zur Vorführung der Streichinftrumente des Fürften Stourdza veranſtaltet war. Der Ton hat ein bedeutendes Volumen, fpringt aber, befreit von den Schranken der Seitenwände, leicht und hell heraus, ift ausgiebig und weittragend. Zugleich verräth er eine bedeutende Modulationsfähigkeit, nimmt jedoch bei ftarkem Anfchlage, befonders in der Mittellage, eine etwas zu decidirte, metallifche Färbung an; beachten wir aber, dafs wir einen erften Verfuch vor uns haben und dafs bei einem folchen ftets einzelne Unvollkommenheiten unvermeidlich find. Das Refultat diefer Unternehmung geftaltet fich im Ganzen und Grofsen aber fo günftig, dafs man Herrn Böfendorfer noch beffere Erfolge für die Zukunft in Ausficht ftellen darf. Der Flügel zeichnet fich endlich durch eine überaus leichte und gleichmässige Spielart aus. Die Clavierfabrik Böfendorfer wurde mit ganz geringen Mitteln im Jahre 1828 gegründet, heute nimmt fie unbeftritten die erfte Stellung unter den Clavierfabriken Oefterreichs ein. Der erfte Schritt zur Berühmtheit diefer Fabrik war durch ein Experiment des damals concertirenden Lifzt herbeigeführt. Lifzt concertirte in Wien in unzähligen Productionen und jedesmal wurden die Pianos der damaligen berühmten Firmen zertrümmert aus dem Concertfaale getragen. Aergerlich über die geringe Widerftandsfähigkeit der Wiener Claviere gab Lifzt dem Anfinnen eines feiner Freunde nach und liefs einen Böfendorfer- Flügel in den Concertfaal bringen. Das Concert war zu Ende und der neue Böfendorfer- Flügel unverfehrt. Diefer Fall machte derartiges Auffehen, dafs der Ruf der jungen Firma Böfendorfer im Concertfaal gemacht war. Die Wiener Ausftellungen vom Jahre 1838 und 1845 verfchafften der Firma Gelegenheit, ihre Fabricate zu zeigen. Obwohl die Firma die eigentliche Vertreterin der Wiener Conftruction war und ift, fo wurden doch immmer alle möglichen fremden Conftructionen verfucht und auch gemacht, Combinationen angeftrebt und ausgeführt und die Fabrication erfuhr eine fortwährende Erweiterung. Im Jahre 1859 ftarb der Gründer Ignaz Böfendorfer, welcher die Fabrik bereits auf gleiche Höhe mit der circa 120 Jahre alten Firma Streicher gebracht hatte. Der Sohn und Nachfolger desfelben, Ludwig Böfendorfer, der jetzige Leiter der Fabrik, hob den Betrieb der Fabrik immer mehr, fo dafs fie allen bisherigen Verhältniffen vorausgeeilt ift. Die Fabrik erzeugt nun Flügel von allen Conftructionen und Syftemen( englifch, amerikanifch, Wiener etc.) und bringt täglich 2 Stück in Verkehr und befchäftigt 100 Arbeiter im Haufe und faft ebenfo viele aufser dem Haufe, da die Beftandtheile in Wien von 30 Eduard Schelle. Die eigenen Gewerbsleuten, welche felbftftändig arbeiten, verfertigt werden. Firma hat die Weltausftellungen von 1862 in London, 1867 in Paris, 1873 in Wien befchickt. Der Concertfaal wird von der Firma Böfendorfer derartig beherrscht, dafs auf 100 Concerte ficher 95 Böfendorfer- Flügel kommen und der Name Böfendorfer ift mit der Concertgefchichte Oefterreichs, fpeciell Wiens, untrennbar verbunden. Lifzt, Rubinftein, Bülow etc. fpielen mit Vorliebe Flügel von Böfendorfer. Abgefehen von der immer fortfchreitenden, natürlichen Entwicklung der Claviere kommen einige Erzeugniffe der Böfendorfer'fchen Fabrik als befondere Neuerungen in Betracht und zwar der fogenannte Patentflügel, eine glückliche Combination der Wiener und englifchen Conftructionen, erfunden von Ludwig Böfendorfer und auf deffen Namen privilegirt und zum erften Male im Jahre 1862 in der Londoner Weltausftellung vorgeführt; ferner eine ganz neue Conftruction, um das Inftrument vollständig von der Kaftentifchlerei unabhängig zu machen; Flügel ohne den bisher gewöhnlichen Holzkaften, wie fchon oben gedacht wurde, dann eine Bodenconftruction ebenfalls ganz neuer Art, bei welcher die Saiten, anftatt auf den Boden zu drücken, den Boden an fich ziehen, daher das nachtheilige Senken des Refonanzbodens gänzlich vermieden fein dürfte. Die letzten Conftructionen, welche bisher noch nicht der Oeffentlichkeit übergeben find, dürften für die Entwicklung des Pianobaues wohl fehr förderlich werden, indem bei ihnen die erften Bedingungen eines guten Clavieres: Ton und Dauerhaftigkeit, befonders berücksichtigt find. Die Ausftellung hat Böfendorfer mit 6 vortrefflichen Flügeln befchickt. Unter ihnen traten befonders zwei mit kreuzfaitigem Bezug und englifcher Mechanik durch einen ausgiebigen und dabei edlen Ton hervor. Ferner verdient noch ein Stutzflügel die ehrenvollfte Anerkennung wegen feines klaren, frifchen Tones; er gehörte zu dem Beften, was die Ausftellung an Flügeln mit deutfcher Mechanik bot. Dann ein Concertflügel, welcher in der Rotunde am Eingange in den öftlichen Transept ftand, feffelte die Aufmerksamkeit fchon durch feine brillante Ausftattung mit reicher Vergoldung. Er ift mit den Namen der Heroen des Clavierfpiels und der Clavierliteratur geziert. Der Preisbewerbung hat Böfendorfer entfagt, weil er zur Zeit, als die Jury ihre Thätigkeit begann, noch mit Ehrbar affociirt war und Letzterer das Amt eines Experten verfah. Der Inftrumente Ehrbar's haben wir fchon bei Gelegenheit der Erfindung Beregfzafzy's vorläufig gedacht. Es ſpricht für einen rührigen Eifer fowie die Intelligenz des genannten Meifters, dafs er fich diefer Erfindung angenommen und fie für den Anfang auf das Beftmöglichfte verwerthet hat. Seine Inftrumente mit dem Refonanzboden Beregfzafzy's überragen an Kraft und Tonfülle entfchieden den Flügel Beregfzafzy's. Auch die übrigen fünf Inftrumente, unter denen fich zwei Pianinos vorfinden, nahmen fowohl nach Klangwefen wie Spielart eine ehrenvolle Stellung in der öfterreichifchen Abtheilung ein. Sämmtliche Flügel Ehrbar's vertreten die englifche Mechanik. Zu den erften Geftirnen des Wiener Clavierbaues gehört bekanntlich noch heutigen Tages die Firma Streicher. Streicher hat im Ganzen fünf Flügel ausgeftellt. Ein an der Südfeite der Rotunde ausgeftellter und für die Frau Erzherzogin Gifela angefertigter Flügel kennzeichnet feine fürftliche Beftimmung durch fein elegantes, gefchmackvolles und mit dem Namen der Frau Erzherzogin verfehenes Aeufsere. Derfelbe ift kreuzfaitig, der Kaften aus Paliffanderholz, ausgeführt nach einer Zeichnung des Architekten Valentin Teirich und gefchmückt mit Bildhauerarbeit von Schönthaler. In der öfterreichifchen Abtheilung fanden fich ferner von Streicher ein grofser kreuzfaitiger Concertflügel in Paliffanderholz, mit englifcher Mechanik, dann ein Paliffanderflügel, kreuzfaitig, welcher etwas Neues bietet, indem eine Vermittlung der englifchen mit der deutfchen Mechanik angeftrebt ift. Die Letztere hat nämlich einen elaftifchen Hammerftuhl mit beweglichen Fängen erhalten. Die Auslöfung findet vermittelft der Stofszungen unter der Hammernufs ftatt und zwar ohne Repetition. Diefe Einrichtung hat nur den Mufikalifche Inftrumente. 31 Reiz der Neuheit für fich, bietet aber im Weiteren keinen befonderen praktifchen Vortheil, weder in Betreff der Spielart, noch hinfichtlich des Tones; fowohl nach Seite der erfteren wie des letzteren ift jener Flügel mit der englifchen Mechanik diefem unendlich überlegen. Ausserdem find dann noch zu erwähnen: Zwei Flügel mit Wiener Mechanik und in der additionellen Ausftellung ein 52 jähriger Flügel, verfertigt von Nanette Streicher, der Gattin des Gründers der Firma, einer ausgezeichneten Pianiftin, die fich auf den Pianobau verftand. Diefe von der Fabrik Streicher vorgeführten Inftrumente charakterifiren fich im Allgemeinen weniger durch einen fehr grofsen, als einen edlen, gefangvollen und fein ausgeglichenen Ton und eine folide Bauart. Es ift erfreulich, aus diefen Leiftungen ein ficheres Zeugnifs zu entnehmen, dafs auch der gegenwärtige Befitzer der Fabrik, Herr Emil Streicher, von dem ernften Streben befeelt ift, den fo bedeutenden Ruf diefer alten Firma unverfehrt aufrecht zu erhalten und womöglich noch zu erhöhen. Neben diefen angeführten Firmen nimmt auch Schweighofer& Söhne eine hervorragende Stellung ein. Der Grofsvater der jetzigen Chefs der Firma gründete fchon bei Beginn des laufenden Jahrhundertes ein Claviergefchäft; nach deffen Ableben heiratete die Witwe desfelben den damaligen Leiter des Gefchäftes, Herrn Promberger, welcher das Gefchäft auf feinen Namen weiterführte. 1832 etablirte fich der Vater der gegenwärtigen Befitzer unter der Firma J. M. Schweighofer. Nach dem 1852 erfolgten Tode ihres Vaters leiteten die jetzigen Eigen thümer das Gefchäft für ihre Mutter, welche bis 1867 Befitzerin desfelben war; erft in diefem Jahre ging es vollſtändig in die Hände der damaligen Leiter über. Obwohl der Vater derfelben bei feiner Etablirung mit den drückendften Verhält niffen zu kämpfen hatte, fo gelang es ihm doch, das Gefchäft immer mehr in den Vordergrund zu bringen. Im Jahre 1845 erhielt er bei der Ausftellung in Wien die goldene Medaille; von diefer Zeit datirt fich der ftetige Auffchwung des Gefchäftes. Im Jahre 1854 erhielt die Firma bei der deutfchen Induftrie- Ausftellung die erfte Preismedaille, in der Parifer Ausftellung 1867, die erfte Weltausftellung, welche die Firma befchickte, die filberne Medaille und im Jahre 1868 den Hoftitel. Die Fabrik hat feit 1832 über 4600 Claviere erzeugt und befchäftigt gegenwärtig 60 Arbeiter in und aufser dem Haufe. Die Fabricate von Schweighofer& Söhne erfreuen fich nicht nur eines immer mehr fteigenden Abfatzes im Inlande, fondern auch eines zahlreichen Exportes nach Italien, in den Orient und nach Rufsland, und entſprechen allen Anforderungen, welche die Neuzeit an Claviere ftellt, denn die Fabrik liefert nicht nur Claviere mit der Wiener Mechanik, fondern auch Inftrumente, ganz in Eifen gebaut mit Stofszungen- Mechanik, mit Repetitionsmechanik, Pianinos, Stutzflügel mit doppeltem Oberftege( kürzefte Gattung). Streicher und Schweighofer find die einzigen Firmen in der öfterreichifchen Abtheilung, welche mit dem Ehrendiplome bedacht wurden. Wir fan den aus der Schweighofer'fchen Fabrik 6 Inftrumente vor, und zwar zwei Concertflügel mit eifernem Stimmftock, Metallplatte, fechs Eifenfpreizen. fieben Octaven, kreuzfaitig, Agraffen, Klangftab, Mechanik nach Eck aus Köln, mit ununterbrochener Auslöfung, durch Anbringung einer Feder, welche die Schwere des Hammergliedes regulirt und das überflüffige Gewicht entfernt, bedeutend verbeffert. Eck hat bei diefer Mechanik vorne an den Taften unter dem Elfenbein ein fchweres Bleigewicht angefchraubt, wodurch die Tafte, wenn der Hammerkopf mit ihr nicht verbunden war, nach vorne den Fall hatte; dadurch gerieth diefelbe beim Spielen in eine langfamere, zitternde( unruhige) Bewegung und konnte nicht fo fchnell in ihren Ruhepunkt gelangen, dafs beim fchnell wiederholten Anfchlage nicht eine für den Virtuofen hinderliche Störung im Tone einträte. Nicht etwa, dafs der Ton bei der fchnellen Bewegung ausblieb, diefs ift bei dem Syftem des double echappement unmöglich, fondern die Tafte ging zu langfam in ihren Ruhepunkt zurück und der Hammerkopf konnte daher nur die halbe Steigung und auch diefe nicht vollſtändig machen, wodurch die Anfchläge immer bedeutend 3 32 Eduard Schelle. fchwächer im Tone waren als der Anfchlag bei ganzer Steigung. Nun wurde das Bleigewicht unter( dem Beine) der Tafte, refpective Halbton der Tafte entfernt. und dafür aber beim Hammerkopf eine oben bereits erwähnte Regulirungsfeder angebracht, durch welches Verfahren fich der Vortheil ergab, dafs jedes Glied der Mechanik einzeln und unabhängig von dem anderen fällt, dafs ferner die Mechanik eine fehr leichte und präcife Spielart gewährt, die fich fchnell wiederholenden Anfchläge der Hammerköpfe immer gleich ftark find, da die Tafte mit dem Kopf eben fo fchnell in ihren Ruhepunkt zurückfällt, als es nur gedacht werden kann.- Die Dämpfung liegt unter den Saiten, die Mutationen find von Eifen mit Stellfchrauben. Diefe, fowie alle anderen Claviere, haben den Refonanzboden nach neuefter Conftruction, nach der Steglinie zufammengefügt, mit ftrahlenförmiger Berippung. Der Kaften befteht aus Paliffander und ift mit Bildhauer- Arbeit verziert. Die genannten Flügel haben den Preis von 12- bis 1400 fl. Das dritte Ausftellungsclavier ift ein Stutzflügel kleinfter Gattung, nur I Meter 40 Centimeter lang, in diefer Conftruction von der Firma allein auf der Ausftellung vertreten und diefes neuefte Modell dürfte berufen fein, dem Pianino eine gefährliche Con currenz zu bereiten. Dasfelbe ift kreuzfaitig und derart conftruirt, dafs der Bodenfteg auf den Bafs- Stahlfaiten ruht und mit diefen bei den etwas breiten Zwifchenräumen feft verbunden ift. Dort wo die Chöre und Stiften der Stahlfaiten zu liegen kommen, ift der Steg foviel durchbrochen, dafs man die Saiten leicht aus- und einfchränken kann, und laufen diefelben durch den Steg zur Anhangplatte. Am äufserften Ende im Bafs ift ein circa 9 Zoll langer Brückenfteg angebracht, um die Menfur der gefponnenen Saiten möglichft lang zu erhalten, ohne den Steg zu nahe an das Ende des Refonanzbodens zu rücken. Die Stahlfaiten find am Brückenfteg in der Menfur etwas gekürzt und dort angebracht, wo der Brückenfteg mit dem Refonanzboden feft geleimt ift, fo dafs damit eine directe Verbindung mit Saite und Boden ftattfindet, wie es die fchwächeren Saiten abfolut verlangen, während die dicken Bafsfaiten auf der freiftehenden Brücke eine diefer Refonanz günftige Stellung haben. Die Uebergangstöne find in Folge davon tadellos geworden gegenüber manchen anderen, derartigen Fabricaten, bei denen zwar der Brückenfteg verwendet ift, aber die Stahlfaiten einer directen Verbindung mit dem Boden entbehren. Die Mechanik bei diefem Stutzflügel ift Hornung und Ifermann entnommen, allein durch eine Regulirungsfeder verbeffert worden. Das Aeufsere ift von amerikaniſchem Nufsmafer. Nr. 4 ift ein kreuzfaitiger Stutzflügel von etwas gröfserer Länge als der obige, mit Wiener Mechanik und Kaften von ſpaniſchem Mafer( Nufs), Nr. 5 ein geradfaitiger Plattenflügel, Wiener Mechanik und Kaften von Paliffanderholz. Das erfte koftet 630 fl., das letztere 580 fl. Das Pianino endlich ift kreuzfaitig, hat vier Spreizen, zwei Metallplatten, Klangftäbe, Mechanik nach neuefter Art mit ununterbrochener Auslöfung nach Steinway- Schwander. Der Corpus, aus NufsbaumHolz gefertigt, empfiehlt fich durch eine fchöne Ausftattung. Das Inftrument koftet 650 fl. Im Weiteren lenkten die Aufmerkfamkeit zwei Inftrumente, ein Concertflügel und ein Stutzflügel von den Hof- Pianofabrikanten Jofef Promberger& Söhne auf fich. Die Firma wurde um das Jahr 1809 gegründet und ift fomit wohl nächft der Streicher' fchen die ältefte Pianofabrik in Wien. Das anfänglich befcheidene Gefchäft wuchs durch raftlofen Eifer und Betrieb dermafsen, dafs fchon nach zwölf Jahren ihr Gründer fich in Stand gefetzt fühlte, fein eigenes Haus und Fabriksräumlichkeiten zu bauen. Nachdem er diefen materiellen Erfolg erreicht hatte, ging er an die Realifirung lang gehegter, künftlerifcher Ideen und wurde jedenfalls für Oefterreich- Schöpfer des Pianino, das bei feinem Erfcheinen von mehreren Künftlern und Kunftfreunden Sirenion genannt wurde und erhielt von der Regierung im Jahre 1823 ein neunjähriges Privilegium. Das„ Sirenion" hatte fchon damals ganz die Geftalt des heutigen Pianinos; es mafs nicht volle vier Wiener Fufs in der Höhe, war durchgehends nur zweichörig, aber in feiner Betaftung Mufikalifche Inftrumente. 33 von folchem Kaliber, dafs die Saiten gefpannten Federn beinahe gleich kamen. Dennoch war der Ton gefangvoll und ftark; eine Erfcheinung, die fich nur durch den glücklich conftruirten, freifchwebenden Boden erklären läfst. Die fchwache Seite diefes Pianos war die Mechanik; fie war zu einfach conftruirt und genügte defshalb nicht allen künftlerifchen Anforderungen. Deffen ungeachtet bewährte fich im Ganzen und Grofsen das Sirenion und wurde auch in Concerten in Wien, Leipzig und anderen Städten vom Sohne des Erfinders unter Beifall producirt. Seit 1834, dem Todesjahre des Gründers, ift das Gefchäft in den Händen von deffen Sohne Jofef Promberger, und wird gegenwärtig mit Gefchick und Erfolg betrieben. Die neue Firma betheiligte fich an der Parifer Ausstellung mit Auszeichnung und erhielt vor zwei Jahren das Decret als Hof- Pianofabrik. In mercantilifcher Beziehung ift der Export gröfser als der Umfatz in loco. Von den in der Ausftellung vorgeführten Inftrumenten der Firma Promberger muthete befonders der Concertflügel durch feinen weichen, angenehmen Ton an, auch die Spielart und die Solidität der Bauart ift fowohl an diefem, wie auch an dem Stutzflügel rühmenswerth. In den drei Flügeln, mit welchen die Fabrik Schneider vertreten war, kennzeichnet fich ebenfalls eine höchft verdienftliche Arbeit, insbefondere ift ein grofser Flügel hinfichtlich der Repetition vortrefflich gelungen. Der Ton ift fchön und namentlich in der Bafslage ungemein kräftig. Die Bauart bei diefem, wie bei den beiden übrigen Inftrumenten durchaus folid. Alle drei Flügel haben einen geradfaitigen Bezug und einer befonders zeichnet fich durch einen klaren, warmen Ton aus; man erkennt in ihm den echten Wiener Klangcharakter wieder. Der Wunfch, etwas Neues für die Wiener Weltausftellung zu fchaffen, hat freilich auch manche Excentricität zu Tage gefördert. So fiel ein Flügel aus der Fabrik Stary durch feine feltfame Form auf, indem die Hohlwand ftatt an der rechten Seite wie gewöhnlich, an der linken angebracht war. Wenn der Erbauer die Abficht hatte, an diefem Inftrumente ein Bild aus der verkehrten Welt zu geben, fo ift es ihm vortrefflich gelungen! Es ift ein ganz artiges, techniſches Kunftftückchen, das aber der Sache felbft gar keinen Dienft erweift, zumal der Ton nicht der angenehmfte ift. Weit beffer hat fich diefe Firma an jenem Stutzflügel mit dem Violin- Refonanzboden bewährt, deffen fchon gedacht wurde. Darin liegt wenigftens ein Experiment, welches Intereffe erregt und es ift nur zu bedauern, dafs der Flügel nach Ausfage des Erbauers nicht zu feiner Vollendung gediehen ift, um ein endgiltiges Urtheil darüber abgeben zu können. Uebrigens find beide Inftrumente gut gebaut. Auch ein Stutzflügel, welcher an Kleinheit feines Gleichen fuchen durfte, machte fich unter den ausgeftellten Pianos bemerkbar. Er ift kreuzfaitig und hat für die Oberfaiten ftatt eines Steges einen Druckftab, der mit dem erften Steg verbunden ift. Die Fabrik Zinke& Wintersberger in Wien hat das Verdienft, diefen Duodezflügel angefertigt zu haben, der trotz feiner winzigen Geftalt genug Lärm machen kann; nur die Bäffe find fchwach und entſprechen in diefer Beziehung feiner Gröfse. Diefelbe Fabrik hat aufserdem zwei Pianinos und zwei Flügel geliefert, unter diefen letzteren einen mit doppeltem Refonanzboden. Eine ähn liche Einrichtung hat Seifert aus Böhmifch- Leipa an feinem Stutzflügel angebracht, ohne damit ein günftiges Refultat zu erzielen, denn der Ton ift dumpf. Der untere Boden ift mit offenen Rofetten verfehen, um die Luft herauszulaffen. Weit heller ift der Ton eines Flügels von Placidus Schlachter in Wien, unter deffen Refonanzboden ein zweiter, kleinerer bis zur Hälfte der Länge nach fortläuft und durch zwei Sättel mit dem grofsen verbunden ift. An die angeführten Firmen reiht fich zunächft Johann Heitzmann in Wien. Er gehört unftreitig zu den ftrebfameren Vertretern des Clavierbaues in Wien. Aus feiner Fabrik fanden fich vor: 1. Concertflügel, überfaitig. Der Abdämpfung läfst fich nachrühmen, dafs fie gut und fcharf ift, der Ton aber könnte mehr Seele entfalten. Das Pult ift mit Beethoven's Portrait gefchmückt; 2. Cabinetsflügel, 3* 34 Eduard Schelle. kreuzfaitig, Mechanik nach Erard, Abdämpfung aber von unten; 3. Stutzflügel, geradfaitig, Wiener Mechanik. Nr. 2 ift jedenfalls das befte unter diefen Inftrumenten fowohl an Spielart wie an Klang, der Ton hat Nachhaltigkeit und Gefang, der Refonanzboden ſpricht leicht an; 4. ein hohes Pianino, überfaitig. Wir zählen nun die weniger bemerkenswerther Ausfteller auf. Wopaterni Jofef( Wien): Zwei grofse überfaitige Flügel mit Wiener Mechanik; der Ton im Ganzen weich und nicht fchlecht ausgeglichen. Czapka C. Z.( Wien): Zwei grofse Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, Ton egal, aber nicht grofs; gute Bauart. Blümel Franz( Wien): Zwei Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, gut im Ton. Einer diefer Flügel ift mit der Transpofitionsmechanik verfehen, die fich aber nicht als praktiſch erweift. Simon Julius( Wien): Grofser Flügel, geradfaitig, mit Wiener Mechanik, gute Spielart, der Ton hat Glanz und fpringt gut heraus. Betfy Emmerich( Wien): Grofser Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, mit Verbefferung. Die Tangenten der Dämpfung find kürzer als gewöhnlich und fehr leicht gearbeitet. Die Abdämpfung fehr gut. Die Verbefferung der Mechanik liegt in der Auslöfung. Schreiber A.( Wien): Zwei Flügel, geradfaitig, Ton klar, ausgiebig, gut ausgeglichen, Refonanz fpricht leicht an, Arbeit gut. Dörr Wilhelm( Wien): 1. Grofser Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. Ton klar aber fcharf, Mechanik leicht für den Triller. Nemetfchke Jofef( Wien): 1. Grofser Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel, überfaitig, Wiener Mechanik, gut im weiteren Sinne des Wortes. Der Ton hat zwar keinen entfchiedenen Charakter, aber die Arbeit ift folid. Kutfchera Carl( Wien): 1. GrofserFlügel mit fehr elegantem und gefchmackvollem Aeufsern, geradfaitig, Spielart gut. Repetition leidlich. Wiener Mechanik, Ton ausgiebig aber im Ganzen wenig Gefang. 2. Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik, leichter Spielart, im Gange beffer als der andere. Toberer Wilhelm( Wien): Ein Stutzflügel, geradfaitig, Wiener Mechanik. Im Ganzen ein lobenswerthes Werk. Kern Alois( Wien): 1. Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik, Ton fehr ausgiebig, der Discant könnte mehr herauskommen. Repetiton etwas fchwer, beffer die Spielart. Roth Leopold( Wien): Stutzflügel, überfaitig mit Wiener Mechanik, guter Ton, folide Arbeit. Grund Jofef( Wien): 1. Stutzflügel, kreuzfaitig, englifche Mechanik. 2. Grofser Flügel, überfaitig, Wiener Mechanik, guter Ton, gute Arbeit. Schnabel Eduard( Wien): Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, Ton und Arbeit gut. Wolf Philipp( Wien): Cabinetsflügel, geradfaitig, Wiener Mechanik. Spielart und Repetition gut. Das Inftrument hat Gefang und ift nach Verhältnifs feiner Gröfse ausgiebig im Ton. Marfchall Alois( Wien): 1. Grofser Flügel, überfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Hohes Pianino, geradfaitig mit englifcher Mechanik. Der Flügel empfiehlt fich durch einen befonders guten Ton, beffer als die Pianinos. Der Arbeit fehlt die Genauigkeit. Stahl Franz( Wien): Grofser Flügel mit Wiener Mechanik, ungleich im Ton, die Arbeit läfst an Genauigkeit viel zu wünſchen übrig. Girikowsky A.( Wien): Geradfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Das Inftrument empfiehlt fich weder durch Ton noch Arbeit. Chytracek J.( Wien): Geradfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik, der Ton ift dünn und klein, die Arbeit nicht die befte. Mufikalifche Inftrumente. 35 Weffeli M.( Wien): 1. Grofser geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. 2. Ueberfaitiger Stutzflügel, ebenfalls mit Wiener Mechanik; der Ton des erften Inftrumentes ift fcharf und nichts weniger als fympathifch, Arbeit an beiden mangelhaft. Illich Alois( Währing bei Wien): 1. Grofser überfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. 2. Geradfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Die Arbeit an beiden mangelhaft, der Ton des erften wie des zweiten dünn und ohne Charakter. Feigel Ludwig( Wien): Geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. Der Ton dürftig, die Arbeit fchlecht. Das Befte an ihm find die Virtuofenportraits. Sparich Moriz( Wien): Ein hohes Pianino, geradfaitig mit englifcher Mechanik; fehr gelungen, gediegen gearbeitet, Hinterdämpfung, die Spielart ift leicht, dämpft gut ab. Der Ton ift etwas dünn und erinnert an franzöfifche Flügel. Die Bäffe find fehr klar. Das Inftrument ift 4 Fufs 6 Zoll hoch. Pokorny Anton( Wien): 1. Grofser geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik, zeichnet fich durch gute Spielart aus Der Ton ift fchön und erinnert an Böfendorfer's Inftrumente, aber zu fchwach für Concerte. 2. Stutzflügel mit Wiener Mechanik, hart und ungleich im Ton; die Arbeit ift mangelhaft. Swoboda Leopold( Wien): Grofser Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. Die Spielart ift gut und erleichtert namentlich den Triller. Der Ton ift klar und frifch, wenn auch klein. Berger Jofef( Wien): Ueberfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Ton ift ausgiebig aber nicht edel. Die Arbeit nachläffig. Das Pult ift mit Portraits von Bach, Mozart und Beethoven verziert, mit demfelben find zugleich die Leuchter verbunden. Hofbauer Anton& Söhne( Wien): Stutzflügel, geradfaitig. Mechanik, mit dünnem, fchreiendem Ton; die Arbeit ift mittelmäfsig. Wiener Fritz Jofef& Sohn( Wien): Grofser, überfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik, ungleich im Ton und von mittelmässiger Arbeit. Chalupny Franz( Wien): Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik, dünn im Ton, die Arbeit leidlich. Hölzel Lambert( Wien): Geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. Der Ton ift dünn und die Arbeit mittelmäfsig. Smitka Franz( Wien): Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. Der Ton klein und ungleich, die Arbeit mittelmäfsig. Windhofer Rudolph( Wien): Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Der Ton ift dünn, dabei fchreiend, die Arbeit nachläffig. Mayer Wilhelm( Wien): 1. Grofser geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Der Ton ift dünn und nicht ausgeglichen, die Arbeit mittelmäfsig. Hödl Franz( Wien): Flügel, geradfeitig, Wiener Mechanik. Die genannten Firmen bezeichnen zwar keineswegs den Höhepunkt des Wiener Clavierbaues, fie haben aber nichts deftoweniger ein Verdienft. Sie forgen nämlich für das Bedürfnifs jener Claffen, welche für ihre Kunftliebhaberei keine übermäfsige Summe aufwenden können; man mufs den Firmen nachrühmen, dafs der Werth ihrer Inftrumente in den meiften Fällen weit fchwerer wiegt, als derén Preife, die im Grofsen und Ganzen nach den jetzigen Verhältniffen fehr mässig find und von 380 fl. bis 600 fl. öfterreichifcher Währung aufwärts fteigen. Aufser den Wiener Pianoforte- Fabrikanten haben fich an der Ausftellung noch betheiligt, aus Böhmen Lehmann& Comp. in Auffig an der Elbe, A. Prokfch, beide nur durch Pianinos vertreten, dann Kalles aus Leitomifchl und Sedlaczek in Prag. Der Letztere hat einen Flügel mit einer Einrichtung zum Transponiren geftellt. An die Claviere reiht auch das Panfymphonion von Robert Lechleitner aus Innsbruck, feiner äufseren Geftalt nach am natürlichften an, obwohl es 36 Eduard Schelle die Grenzen des Pianinos durchbricht und dasfelbe mit der Orgel und dem Harmonium verbindet. Es handelt fich mithin um eine Combination der Saiten mit Pfeifen und Zungen. Die Idee ift zwar nicht neu; ähnliche Verbindungen iſt das Piano fchon mehrmals eingegangen, und zwar nie zum Frommen der Kunft, jedoch ift wenigftens der Gedanke glücklich durchgeführt, was dem Erbauer um fo mehr zur Ehre gereicht, als er auf dem Gebiete des Inftrumentenbaues nur ein Dilettant ift. Der Flügel repräfentirt die Wiener Mechanik und bietet als folcher eben nichts Hervorragendes. Dagegen find Harmonium und Pfeifen von fchöner Wirkung. Das erftere beſteht aus 2 Spreizungen und umfafst 5 Octaven, das letztere ift aus 37 Orgelpfeifen zufammengefetzt, und umfchreibt 3 Octaven von Fan nach der Höhe zu. Die Conftruction ift derart, dafs man fowohl das Clavier als auch jeden der beiden anderen Factoren völlig ifoliren, mithin den Flügel in ein Harmonium u. f. w. leicht umwandeln, auf der anderen Seite wiederum deren wechfelfeitige Verbindung nach Belieben erzielen kann. Für derlei Manipulationen finden fich verfchiedene Züge vor. Das Werk zählt im Ganzen 12 Regifter, vermittelft welcher fich mannigfaltige Farbenmifchungen im Tonwefen ermöglichen laffen. Weit höher als diefe Combination ift ein vom Erbauer erfonnenes Mittel, das Stimmen der Pfeifen zu erleichtern, anzufchlagen, weil es auch bei der Orgel feine Anwendung finden dürfte. Es befteht in einem Blättchen aus dem Metall der Pfeifen, welches am Ausfchnitt derart angebracht ift, dafs es fich über die Kernfpalte fchieben läfst und man in Folge deffen diefelbe ohne Mühe nach Belieben vereinigen, den Ton alfo mit leichter Mühe um ein Komma umftimmen kann. Das Werk ift überhaupt trefflich und fauber gearbeitet. Der Mechanismus ift, fo complicirt er auf den erften Blick auch fcheint, im Grunde einfach und die Errichtung des Ganzen fehr freundlich. Die deutfche Abtheilung zählt nicht weniger als 67 Firmen, als deren Spitzen J.& P. Schiedmayer in Stuttgart, Julius Blüthner in Leipzig, Richard Lipp in Stuttgart und J. S. Duyfen in Berlin nach dem Werthe der ausgeftellten Inftrumente zu bezeichnen find. Zunächft fällt fchon die erfte durch die Auffchrift„ Hors de concours" in die Augen. Schied mayer bekleidete nämlich das Amt eines Jurors und konnte fich aus diefem Grunde an der Preisbewerbung nicht betheiligen. Seine Fabrik, deren bereits bei Gelegenheit der Harmoniums gedacht wurde, hat einen Concert- und einen Salonflügel, beide mit kreuzfaitigem Bezug, Repetitionsmechanik und maffiven, gufseifernen Rahmen geliefert, beide höchft preiswürdige Inftrumente von folider Bauart und fchönem Klangcharakter. Befonders fympathifch muthet der Salonflügel in kleinem Format mit feinem weichen, fein egalifirten, gefangvollen Ton und feiner überaus angenehmen Spielart an. Aufserdem feffelt er das Intereffe noch in anderer Beziehung; an ihm ftellt fich nämlich die neue, bereits erwähnte Erfindung, das fogenannte Kunftpedal des Herrn Zachariä in Stuttgart vor, welches der Erfinder mit diefem Inftrument in Verbindung gefetzt hat. Die beiden Flügel koften, der erfte, der Concertflügel im mittelgrofsen Format gehalten und 714 Octaven umfaffend, 1750 fl., der kleinere 1200 fl. Im Weiteren hat Schiedmayer noch ausgeftellt ein Pianino, dreichörig, mit halboblique laufenden Saiten und überliegenden Bafsfaiten, maffiver Vorderplatte zu 900 fl.; ein Pianino, dreichörig mit halboblique laufenden Saiten und überliegenden Bafsfaiten, mit maffivem eifernen Gufsftock und zufammenhängender Rückenwand zu 900 fl.; ein Pianino, dreichörig mit fenkrecht laufenden Saiten, eifernem Gufsftock und zufammenhängen dem Rücken, Vorderplatte mit Compreffion, zu 1000 fl. öfterreichifcher Währung. Auch diefe Inftrumente gereichen der Firma fowohl nach Bauart, wie nach Ton zur grofsen Ehre. Wenn Herr Schiedmayer aus angeführten Gründen vom Wettkampf um den Preis abftehen mufste, fo hat ihn dafür Herr Blüthner, ebenfalls eine im deutfchen Reiche oben anftehende Firma, muthig und fiegesbewufst angenommen. Mufikalifche Inftrumente. 37 Blüthner ift Inhaber der gröfsten Clavierfabrik, welche gegenwärtig in Deutfchland befteht, er nimmt hier nach diefer Seite hin diefelbe Stellung ein, wie Steinway in Amerika. Die Firma wurde im Jahre 1853 gegründet; ihre Fabriksgebäude umfaffen jetzt eine Fläche von 40.000 Quadratfufs( der Ankauf des angrenzenden Grundftückes von derfelben Ausdehnung ift ebenfalls in Ausficht genommen) und bilden eine Zierde der Weftvorftadt in Leipzig. Das Arbeiterperfonale befteht aus 420 Köpfen und findet fich in 80 Arbeitsfälen vertheilt; 3 Magazine find für die Aufbewahrung und Vorbereitung des Materiales beftimmt. Hölzer find ftets für 10.000 Inftrumente vorräthig und die Holz- Wärmeräume haben hinlänglich Platz für das Material zu 800 Inftrumente, deffen gleichzeitige Austrocknung in befter Weife bewirkt werden kann, da in diefen Räumen fich eine Wärmefteigerung bis zu 50 Grad erzielen läfst; 4 grofse Säle dienen zur Aufbewahrung der im Bau begriffenen, und 5 kleinere Säle zur Aufftellung der fertigen Inftrumente; auch ein prächtiger Concertfaal reiht fich an diefe Räumlichkeiten. In der Fabrication herrfcht das Princip der Arbeitstheilung, für jedes kleine Theilchen des Pianofortes find befondere Arbeiter beftellt, welche nur immer diefen einen Theil anfertigen und dadurch natürlicherweife in Folge fortgefetzter Uebung die gröfste Gefchicklichkeit erlangen; für jede Arbeitsabtheilung iſt ein eigener Werkführer aufgeftellt, die wieder von einem praktiſch gebildeten Infpector überwacht werden, wodurch eine fortlaufende Controle der Arbeiter erzielt wird. Die Säle reihen fich fo aneinander, dafs beim Transportiren der Inftrumente zur weiteren Vollendung nicht der geringfte Zeitverluft entſteht. Drei Fahrftühle, die durch Dampf in Bewegung gefetzt werden, vermitteln den Transport zwifchen den verfchiedenen Etagen. In den Parterreräumlichkeiten befindet fich die Tifchlerei zur Anfertigung der Käften( Corpora) und im Souterrain der Gebäulichkeit die Schlofferei, zwei Schmiede- Werkstätten mit 58 Arbeitern und II Dampfmafchinen. Die Fabrik liefert monatlich circa 80 Flügel und 50 Pianinos, welche in Deutſchland, im übrigen Europa und Amerika ihren Hauptumfatz finden. Aber Blüthner wirkt nicht nur praktiſch in feinem Fache, fondern auch theoretifch. Das von ihm und Dr. Gretfchel verfafste und in Weimar bei Voigt erfchienene Lehrbuch des Clavierbaues ift für Claviermachergehilfen und angehende Pianofabrikanten von unbedingt grofsem Vortheil, da es überhaupt das einzige Werk ift, welches nach den grofsen Fortfchritten der letzten Jahre im Clavierbau über denfelben in deutfcher Sprache erfchienen ift. Aus Blüthner's Fabrik trafen wir in der Ausftellung zwei Concert- und einen Salonflügel an; unter den beiden erften einen mit Erard'fcher Mechanik, die beiden anderen mit Blüthner'fcher Mechanik. In neuefter Zeit ift Blüthner mit einer Mechanik aufgetreten, welche die höchfte Beachtung verdient. Diefelbe erreicht in allen Anfprüchen, welche der Pianift an eine gute Mechanik ftellt, diejenige Erard's, von deren Grundfyftem fie ihrem Wefen nach, wie alle neueren Mechaniken, ihren Ausgangspunkt genommen hat. Durch zwei Schrauben wird eine Brücke auf den Claves feftgehalten, an deren Ende fich ein drehbarer Stöfser befindet; daran ift ein horizontaler Arm, welcher durch eine zarte Feder vom Clavis weggedrückt wird. Der Stöfser fitzt unter einer gepolfterten Nafe des Abftractes, in deffen unterem Ende ein Metallftift angebracht ift, welcher in einem Schnabelleder ſpielt, während das obere Ende in einer Gabel ausläuft, in welcher fich eine durch die Hammernufs gehende Achfe befindet. Zwei Knöpfchen begrenzen die Bewegung des Stöfsers. Eine rechtwinklig gebogene Drahtfeder, welche theils in der Brücke, theils im Abſtract befeftigt ift, hält letzteren oben, wenn der Clavis vorne niedergedrückt bleibt, und auch der Stöfser ausgelöfcht worden ift, und ermöglicht auf diefe Art in der einfachften und vorzüglichften Weife die Repetition. Das Syftem auf den zwei Federn gibt dem ganzen Mechanismus einen bedeutenden Grad von Elafticität und geftattet die feinften Nuancirungen des Anfchlags. Die Mechanik wurde bereits im Jahre 1856 patentirt. In Folge einiger angebrachten Veränderungen, 38 - Eduard Schelle. namentlich durch das Verftellen der Drehpunkte ift fie aber jetzt zu ihrer äufserften Vollendung gelangt und hat auf der Wiener Weltausftellung fich mit Recht den erften Platz unter den beften Mechanikfyftemen erobert. Die drei vorgeführten Inftrumente gehören überhaupt zu den vollendetften, was uns das deutſche Reich, ja die Ausstellung auf diefem Terrain vorführte und bewährt den Ruhm der Firma aufs befte. Wenn bei den Schiedmayer'fchen Pianos ein anmuthiges, weiches Klangwefen in den Vordergrund tritt, fo zeichnet fich hier, namentlich bei den grofsen Flügeln, der Ton durch Gröfse, Breite und insbefondere durch eine ungemeine Schattirungsfähigkeit aus; er ift dazu edel, gefangvoll und jeder Modulation fähig. Auf Grund fo glänzender Eigenfchaften, zu denen noch die leichte und bequeme Spielart zu rechnen ift, hat die Jury Herrn Blüthner mit dem Ehrendiplom bedacht. Derfelben Ehre ift noch eine andere Firma, welche mit der berühmten. Stuttgarter Firma J.& P. Schiedmayer zwar den gleichen Namen führt, aber einen auffallenden Gegenfatz zu diefer bildet,„ Schiedmayer& Söhne" in Stuttgart, theilhaftig geworden, hauptfächlich wohl nur wegen ihres langen Beftehens das Etabliffement datirt fchon feit dem Jahre 1809- und ihrer induftriellen Bedeutung. Denn die ausgeftellten Inftrumente, beftehend in einem Concertflügel in Paliffanderholz, überfaitig zu 600 Thaler; ein Salonflügel, überfaitig, zu 400 Thaler; ein Pianino, kleines Format in amerikaniſchem Nufsbaum- Maferholz, kreuzfaitig, zu 300 Thaler, heben fich wohl durch eine folide Bauart, aber keineswegs durch eine befondere Schönheit des Tones hervor. Jedenfalls find ihnen an Werth die Inftrumente von Lipp in Stuttgart und Duyfen in Berlin überlegen. Lipp hat einen Concertflügel in Paliffander, überfaitig, zu 1000 Thaler, einen Salonflügel in Paliffander und ein Pianino gefendet. Beiden Flügeln ift ein voller und namentlich durch Gröfse wirkender Ton eigen, dem freilich auch eine gewiffe Schärfe nicht abzufprechen ift. An der Mechanik des Salonflügels läfst fich Manches ausfetzen, wie die Spielart beweift. Ganz vorzüglich dagegen ift das Pianino, das fich den beften Inftrumenten diefer Gattung anreihen darf. Ungleich vollendeter ift dagegen der von Duy fen ausgeftellte Concertflügel in Paliffander, mit kreuzfaitigem Bezug und Mechanik nach Erard. An Gröfse mag der Ton gegen den der Inftrumente Lipp's zurücktreten, aber er ift in allen Lagen fein ausgeglichen, ungemein fchattirungsfähig und entfaltet einen edlen Charakter. Die Spielart ift leicht und präcis und die Conftruction gediegen. Ich nehme keinen Anftand, diefe Flügel den Inftrumenten Blüthner's gleichzuftellen. Der Preis beträgt 900 Thaler. Zu den bekannten Firmen in Deutfchland gehört auch Rudolf Adolf Ibach's Sohn. Die Firma vertrat fich durch einen grofsen Concertflügel in Paliffanderholz mit englifcher Mechanik und überfaitigem Bezug, zum Preife von 800 Thaler und zwei Pianinos. Das erfte, in hohem Format gehalten, mit kreuzfaitigem Bezug hat einen aus Ebenholz gefertigten, mit Schnitzwerk verfehenen Kaften und feffelt mehr durch ein elegantes Aeufsere, als durch feinen harten, unbiegfamen Ton. Das zweite Pianino in kleinem Format mit geradfaitigem Bezug hat in diefer Beziehung den Vorrang vor jenem, fein Ton ift frei und modulationsfähig und von angenehmer Klangfarbe. Der Ton des Concertflügels dagegen könnte mehr Klangfülle und weniger Schärfe haben. Die Arbeit an fämmtlichen Inftrumenten ift in Anbelang der Solidität und der Genauigkeit des höchften Lobes würdig. Die Firma befteht fchon feit dem Jahre 1792 und trug früher den Namen Adolf Ibach's Sohn. Der gegenwärtige Inhaber der Fabrik ift noch ein junger, ftrebfamer Mann und wird nicht ermangeln, die hier auf der Ausftellung gewonnenen Erfahrungen zu Gunften feiner künftigen Leiftungen auszubeuten. Weniger glücklich dagegen ift die namensverwandte, von demfelben Jahre her datirende Firma Guftav Adolf I bach in Barmen mit ihren Ausftellungs objecten gewefen. Diefelben beftanden in einem Concertflügel mit überfaitigem Bezug von Paliffander und einem ebenfalls überfaitigen Pianino im hohen Format aus dem Mufikalifche Inftrumente. 39 felben Material. Beide Inftrumente ragen nicht über das Niveau anftändiger Mittelmäfsigkeit hervor. Der Preis des Flügels beträgt 800 Thaler, der des Pianino 500 Thaler. Im Weiteren boten uns treffliche Leiftungen die Firma Keim& Günther zu Kirchheim( Württemberg) in einem Salonflügel aus Paliffander mit überfaitigem Bezug und englifcher Mechanik, einen Stutzflügel von derfelben Conftruction und aus demfelben Materiale und einem überfaitigen Pianino, ebenfalls aus Paliffander. An den Inftrumenten ift ein zwar kleiner, aber fchöner und namentlich in allen Lagen gut ausgeglichener Ton und eine äufserft folide Arbeit zu loben. Leider ftellen die Flügel dem Stimmer eine fehr fchwere, ja eine kaum zu löfende Aufgabe, weil die Schränkung zu fteil gerathen ift. Die Preife find gegenüber den Vorzügen der Inftrumente äufserft mäfsig zu nennen Der erfte Flügel koftet 500 Thaler, der zweite 400 Thaler, das Pianino endlich 300 Thaler. Einen Fortfchritt hat auch Gebauher aus Königsberg mit einer neuen Stimmvorrichtung an einem feiner Concertflügel zum Wenigften angeftrebt. Die Saiten nämlich find nicht um die Wirbel gefchlungen, fondern mit einer Schlinge an einen Haken eingehängt, deffen Eifenfortfatz mit einer Schraube in den aus einem fchweren, eifernen Steg beftehenden Stimmftock eingefetzt ift. Der Mechanismus bewirkt, dafs eine grofse Umdrehung des Schlüffels nur ein fehr feines Anziehen der Saiten zur Folge hat. Der Stimmfchlüffel ift gerade fo geformt, wie bei einer Pendeluhr. Das Stimmen des Inftrumentes wird allerdings durch diefe Einrichtung erleichtert, ob fie indefs die Haltbarkeit der Stimmung befördert, ift eine andere Frage, jedenfalls aber ift das Aufziehen der Saiten unendlich erfchwert. Aufser jenem mit engliſcher Mechanik und Eifenrahmen verfehenen grofsen Flügel hat Gebauher einen geradfaitigen Salonflügel mit Eifenrahmen, geradfaitig und ein Pianino von hohem Format gebracht. Alle Inftrumente haben einen Corpus aus Paliffander. An der Solidität des Baues läfst fich nichts ausfetzen, Alles dagegen an dem Ton, der trocken und fteif ift. Das Pianino zeichnet fich durch feine ganz befonders fchlechte Spielart aus, die Mechanik ift gänzlich mifslungen. Der erfte Flügel koftet 1000 Thaler, der zweite 400 Thaler. Das Pianino 320 Thaler. Die unverhältnifsmäfsige Werthverfchiedenheit zwifchen den beiden Flügeln verdanken fie einzig und allein jener- wie zu befürchten fteht fehr unpraktifchen Neuerung in der Stimmvorrichtung. - Einen feltfamen Eindruck machte ein grofser überfaitiger Flügel, den die Firma Gerhard Adam, Wefel( Rheinprovinz) geftellt hat. Die Mechanik verräth nämlich bei genauerem Einblick Eigenthümlichkeiten, die man leicht als Symptome eines canonifchen Alters auslegen könnte. Der ungleiche, fpitzige Ton, wie die mangelhafte Spielart gereichen dem Inftrumente ebenfalls nicht zur Empfehlung. Etwas beffer ift es mit den beiden Pianinos beftellt, denen man einen leidlichen. Ton gerade nicht abfprechen kann, jedenfalls find aber ihre Eigenfchaften nicht fo hervorragend, dafs fie den Flügel entfchuldigen könnten. Der Flügel koftet 600 Thaler, das überfaitige Pianino 300 Thaler, das fchrägfaitige 280 Thaler. Auch die Ausftellungsobjecte von E. Rofenkranz, beftehend in einem Flügel aus Paliffander, überfaitig, 720 Thaler, ein Pianino, kleines Format, geradfaitig, der Kaften gefchmackvoll mit Perlmutter ausgelegt, 1200 Thaler, entſprechen, weder nach Ton noch nach der Arbeit dem Ruf, den die Firma lange Jahre hindurch fich zu erhalten wufste. Aehnlich verhält es fich mit J. B. Klems in Düffeldorf, von dem uns zwei überfaitige Concertflügel mit Erard'ſcher Mechanik und ein kreuzfaitiges Pianino im hohen Format vorgeführt find. Auch diefer Firma geht ein grofser, wohlverdienter Ruf in der mufikalifchen Welt voran, namentlich hatte Franz Schumann eine Vorliebe für die Inftrumente aus diefer Fabrik. Bei den beiden Flügeln ift die Abdämpfung nichts weniger als tadellos und der Anfchlag hart; unter den Claves fehlen etwa fünf Tuchdichten, um den gehörigen Druck zu erzeugen. Ausgezeichnet an den Inftrumenten ift die Tifchlerarbeit. Den günftigften Eindruck 40 Eduard Schelle. machte noch das Pianino. Die beiden Flügel koften, der eine mit dem Corpus aus Nufsbaumholz, 2500 Thaler, der andere aus Paliffander, 1200 Thaler, das Pianino, ebenfalls aus Paliffander, 400 Thaler. Von einem regen, auf Verbefferungen ausgehenden, aber erfolglofen Streben hat Eduard Weftermayer aus Berlin in feinem Concertflügel aus Paliffander mit kreuzfaitigem Bezug und einer eigenen, von ihm erfundenen Mechanik dargelegt, welche fich jedoch nur als eine und zwar keineswegs glückliche Abart der englifchen Mechanik kennzeichnet. Diefelbe erweift fich in dem von ihm ausgeftellten Modell als durchaus unpraktifch; eine unglückliche Idee ift die Verbindung des Pianozuges mit der Tafte, fo dafs die letztere gehoben wird, wenn man den Zug herabdrückt. Der Erbauer hat fich gehütet, diefe Verbefferung bei feinem ausgeftellten Flügel zu verwenden, die Spielart, welche dadurch erzeugt würde, müfste haarfträubend fein. Einen Hauptmangel an der Mechanik bildet der Umftand, dafs fich diefelbe in Folge ihrer zu grofsen Frictionsfläche leicht abnützen dürfte. Auch an der Mechanik des ausgeftellten Flügels läfst fich Manches ausfetzen. So verräth das Pochen, welches beim Anfchlag vernehmbar wird, einen wefentlichen Mangel in der Conftruction. Der Ton ift dünn und ungleich. Aufser diefem Flügel hat Weftermayer noch ein geradfaitiges Pianino in hohem Format ausgeftellt. Das Letzte koftet 900 Thaler, der Flügel 800 Thaler. Treffliche Inftrumente fanden wir ferner bei H. Ehret in München, nämlich einen Flügel von Paliffander mit überfaitigem Bezug und gewöhnlicher Stofszungen- Mechanik, Preis 600 Thaler, ganz nach Art des Flügels von Schiedmayer gearbeitet; ferner bei Guftav Hagfpiel in Dresden. Diefer hat ausgeftellt einen Stutzflügel von Nufsbaum- Holz mit kreuzfaitigem Bezug, Repetitionsmechanik nach Erard, und Unterdämpfung. Die Spielart ift leicht, der Ton gefangvoll, Preis 360 Thaler. Nun jedoch der Gründer diefer Firma, der Vater des jetzigen Befitzers, im vergangenen Jahre geftorben iſt, ſcheint diefelbe, wenigftens nach den ausgeftellten Exemplaren zu fchliefsen, im Begriff, den Krebsgang anzutreten. Die beiden Flügel zeichnen fich durch einen ungewöhnlich grofsen Umfang aus, das hintere Ende erreicht faft die Breite der Front, allein der Ton fteht leider in einem auffallenden Mifsverhältnifs zum Format; er ift klein, dünn, unklar und verräth einen eifenmässigen Charakter. Dann bei E. Kaps in Dresden: ein Salonflügel aus fchwarzem Holz mit überfaitigem Bezug, Repetitionsmechanik nach Herz und Unterdämpfung. Der Ton ift voll, aber ziemlich fcharf und nicht gehörig ausgeglichen, und von leichter Anfprache, die Spielart fehr leicht und die Abdämpfung gut. Willmann in Ferner haben ausgeftellt: Weftermann& Comp. Berlin: 1. Concertflügel von Paliffander mit geradfaitigem Bezug, einfacher englifcher Mechanik; der Ton ift etwas dünn, die Spielart gut. Preis 700 Thaler. 2. Pianino im hohen Format von Paliffander mit fchrägfaitigem Bezug zu 600 Thaler. 3. Pianino im kleinen Format, geradfaitig, 400 Thaler. Hähnel& Sohn aus Naumburg an der Saale: Concertflügel, überfaitig, aus Paliffander, 550 Thaler. Hölling& Spangenberg in Zeitz: 1. Concertflügel aus Paliffander, von fymmetrifcher Form mit kreuzfaitigem Bezug, englifcher Mechanik, ohne Repetition, 900 Thaler. Der Kaften ift mit den Portraits des ruffifchen und deutfchen Kaifers geziert und ruht auf drei, riefig plumpen Elephantenfüfsen. 2. Boudoirflügel aus Paliffander, ebenfalls mit kreuzfaitigem Bezug und Stofszungen- Mechanik, ohne Repetition, 450 Thaler. 3. Concertpianino von Paliffander, im hohen Format, 500 Thaler. Die angeführten Inftrumente haben einen leidlichen aber charakterlofen Ton. Mit Flügeln haben fich noch ferner befafst: Guftav Selinke aus Liegnitz. I. Boudoirflügel aus amerikanifchem Nufsbaumflader- Holz mit kreuzfaitigem Bezug, Wiener Mechanik. 2. Pianino, zeichnete Mufikalifche Inftrumente. 41 fich durch eine treffliche Tapezierarbeit an der Rückwand aus; das Einzige, was an den Leiftungen der Firma hervorzuheben ift. Seiler aus Liegnitz: I. Salonflügel von Paliffander mit geradfaitigem Bezug und Wiener Mechanik, von folidem Bau. Der Ton könnte beffer ausgeglichen fein, 500 Thaler. 2. Pianino im kleinen Format, von Paliffander mit geradfaitigem Bezug, 200 Thaler. Bei Seiler ftofsen wir zum zweiten Mal auf die Wiener Mechanik im deutfchen Reich. Die Arbeit an diefen Inftrumenten ift überaus dürftig. W. Hartmann in Berlin: I. Concertflügel, von Paliffander, mit überfaitigem Bezug, 500 Thaler. 2. Pianino im hohen Format, von Paliffander, mit überfaitigem Bezug. 3. Pianino, mittelhoch von Nussbaum, fchrägfaitig, 300 Thaler. Heinrich Knaufs& Sohn, Coblenz: I. Grofser Concertflügel, aus fchwarzem Holz mit geradfaitigem Bezug, Preis 600 bis 500 Thaler. 2. Boudoirflügel von Paliffander mit geradfaitigem Bezug, Preis 400 bis 350 Thaler. 3. Pianino von Paliffander, mittelhoch, geradfaitig, 350 bis 300 Thaler. Fr. Doerner in Stuttgart: I. Flügel aus Paliffander mit kreuzfaitigem Bezug, die Mechanik ift die gewöhnliche Stofszungen- Mechanik mit einer kleinen Nachhilfe für die Auslöfung, Preis 960 Thaler; 2. Pianino von Paliffander im hohen Format mit überfaitigem Bezug, 320 Thaler; 3. Pianino von Paliffander, mittelhoch, überfaitig, 285 Thaler. In der öfterreichifchen Abtheilung war uns eine gewiffe Armuth an Pianinos aufgefallen. Hier im deutfchen Reich entfaltete an folchen fich ein fo grofser Reichthum, dafs man daraus auf eine ungemeine Verbreitung diefes Inftrumentes im Auslande fchliefsen darf. Die Räumlichkeitsverhältniffe der meiften bürgerlichen Wohnungen machen diefe allerdings begreiflich. Das Pianino verlangt weniger Platz als der Flügel und auf diefem Umftande beruht fein eigentlicher Werth. In künftlerifcher Beziehung hat das Pianino nur als Surrogat des Flügels. eine Geltung und ein Surrogat wird es ftets bleiben, trotz aller Beftrebungen, fein Klangvermögen bis zur Höhe feines Vorbildes zu fteigern. Dadurch, dafs es fich den Forderungen jeder Räumlichkeit leicht anbequemt, hat es das Tafelpiano bis zu dem Grade verdrängt, dafs die deutfche Abtheilung von diefem nicht mehr als zwei Exemplare, das eine aus der Fabrik Schönleber, Keppler& Comp. in Stuttgart, das andere von Heinrich Hägele in Aalen in Württemberg aufwiefs. Unter den Fabrikanten, die fich vorwiegend auf das Pianino als ihre Specialität befchränken, fteht Georg Schwechten im Vordergrund. Die Firma datirt von 1854. Schwechten befitzt eine der gröfsten Fabriken in Berlin, befchäftigt in derfelben ein Perfonal von 130, aufserhalb 20 Arbeiter und liefert nur Pianinos. Die Firma war durch zwei Pianinos vertreten, das eine von Nufsbaumholz, das zweite von fchwarzem Holz, beide im hohen Format mit überfaitigem Bezug und Eifenconftruction. Sie zeichnen fich durch einen ſchönen, vollen, fein ausgeglichenen Ton aus und find äufserft folid gebaut; der Preis für jedes Inftrument 500 Thaler. Gute Werke haben im Weiteren geftellt E. I. Steingröber in Bayreuth 1. Pianino aus Paliffander im hohen Format, mit kreuzfaitigem Bezug zu 350 Thaler; 2. Pianino von derfelben Conftruction aus Nufsbaumholz zu 320 Thaler; 3. Pianino in Paliffander in Eifenrahmen, kleines Format mit geradfaitigem Bezug, zu 260 Thaler. Sämmtliche angeführte Inftrumente verdienen wegen ihres fchönen, vollen und durchwegs egalen Tones die ehrenvollfte Anerkennung. Carl Hardt in Stuttgart: 1. Pianino von fchwarzem Holz, mittelhoch, kreuzfaitig, Preis 630 Thaler; 2. Pianino im kleinen Format von Nufsbaum, ebenfalls kreuzfaitig, Preis 450 Thaler. An beiden Inftrumenten ift der volle, gut ausgeglichene Ton wie eine leichte, präcife Spielart zu loben. H. Franke in Leipzig: Zwei Pianinos im kleinen Format mit geradfaitigem Bezug, das eine aus fchwarzem Holz zu 550 Thaler, das zweite aus Nufsbaum zu 42 Eduard Schelle. 600 Thaler. Der Ton ift lieblich und egalifirt, die Spielart gut; die Arbeit zeichnet fich durch eine überaus grofse Genauigkeit aus. J. Feurich in Leipzig: 1. Pianino im kleinen Format mit geradfaitigem Bezug, Preis 360 Thaler; 2. Pianino von Paliffander, im kleinen Format, geradfaitig. Beide Inftrumente find folid gebaut und haben einen Ton von reizender Klangfarbe. H. Hägele, Aalen: Zwei Pianinos im hohen Format, das eine fchrägfaitig zum Preife von 230 Thaler, das andere kreuzfaitig, Preis 320 Thaler. Beiden ift derfelbe Toncharakter eigen, das letzte entfaltet etwas mehr Klangfülle als das erfte. Ferner: Pianino in Tafelform mit Eifenrahmen; der Ton ift rund, voll und von fchöner Klangfarbe. Der Kaften ift aus Paliffander gemacht. Preis 250 Thaler. W. Goebel, Stuttgart: Pianino von Paliffander im kleinen Format, kreuzfaitig, in Eifenrahmen, Preis 300 Thaler. E. F. Grufs, Frankfurt an der Oder: Pianino im hohen Format, geradfaitig, der Kaften von Eichenholz antique gefchnitzt. Preis 450 Thaler. Freudenthal, Hamburg: Pianino aus Paliffander, hohes Format, Preis 300 Thaler. Freudenthal gehört zu den fortfchrittsbefliefsenen Inftrumentenbauern. In dem von ihm vorgeführten Pianino hat er fich ein eigenes Problem geftellt; er hat nämlich zu feinen Refonanzböden fchlechtes Mahagoniholz, fogenanntes Zuckerkiftenholz verwendet, um zu beweifen, dafs man auch ohne gutes Refonanzholz ein gutes Inftrument mit fchönem Ton herftellen könnte. Leider ift fein Bemühen durch keinen guten Erfolg gekrönt worden, der Ton ift matt und dumpf. Das Inftrument weift überdiefs noch andere Neuerungen auf. So find die Wirbel mit Meffing ausgelegt, die Dämpfung hat einzelne Veränderungen erfahren, die indefs keinen Vortheil bieten. Die Hammerköpfe fallen durch ihre ganz ungewöhnliche Gröfse auf; fie haben nach Leipziger Mafs 3½ Zoll und nach Wienermafs 3 Zoll Länge. Immerhin aber verdient das Streben des Erbauers grofse Anerkennung, indem die Arbeit im Grofsen und Ganzen achtungswerth ift. H. Wagner, Stuttgart: Ein Pianino, mittelhoch, fchwarzes Holz, kreuzfaitig mit Zacharia's Kunftpedal, fchöner, voller Ton; ein Pianino, kreuzfaitig, 500 Thaler. J. Deefe, St. Johann: Zwei Pianinos aus Paliffander, das eine im hohen Format und kreuzfaitig zu 280 Thaler, das zweite im kleinen Format, geradfaitig zu 230 Thaler. Aufserdem einen Pianinoraft von neuer Conftruction, nämlich mit in Holzfpreizen eingelegten Eifenfchienen. Diefer Raft dürfte wenig Nachahmer finden, weil er unpraktiſch ift und die Sache nur vertheuert. Ein gewöhnlicher Eifenraft thut diefelben Dienfte und kommt billiger zu ftehen. Schönleber, Keppler& Comp., Stuttgart: I. Pianino von Paliffander, im kleinen Format, geradfaitig, Preis 360 Thaler bis 286 Thaler oder 500 Gulden; 2. Pianino in Tafelform von Paliffander, mit Eifenrahmen, Preis 260 Thaler bis 240 Thaler oder 420 Gulden. Chr. Oehler, Stuttgart: Drei Pianinos, eines im hohen Format, von fchwar zem Holz, mit geradfaitigem Bezug, Preis 300 Thaler; das zweite von Paliffander mittelhoch, kreuzfaitig, Preis derfelbe; das dritte ebenfalls von Paliffander, mittelhoch, geradfaitig, Preis 250 Thaler, etwas zu fchneidig im Ton. A. F. Neumayer in Berlin: Zwei Pianinos aus Paliffander, das eine im hohen Format und mit kreuzfaitigem Bezug, Preis 500 Thaler, das zweite im kleinen Format und geradfaitig zu 300 Thaler. Beide Inftrumente bieten nach Ton wie Spielart höchft beachtenswerthe Leiftungen. Th. Mann, Bielefeld: Drei Pianinos, zwei im mittleren, das dritte im kleinen Format, fämmtlich von Nussbaum, das erfte, kreuzfaitige koftet 325 Thaler, das zweite, geradfaitige 275 Thaler, das dritte, fchrägfaitige 225 Thaler. Die genannten Inftrumente zeichnen fich durch einen vollen, modulationsfähigen Ton aus. Muſikaliſche Inftrumente. 43 Anftändiges Mittelgut brachten: Carl Otto, Berlin: Ein Pianino im kleinen Format, geradfaitig mit Eifenrahmen zu 280 Thaler. Gebrüder Hattenroth, Johannisberg am Rhein Pianino aus Nussbaumholz, fchrägfaitig zu 340 Thaler. Gebrüder Schaubruck, Mainz: Zwei Pianinos, beide aus Paliffander, mittelhoch, geradfaitig, das eine zu 700 Gulden, das zweite zu 600 Gulden. G. E. Kanhäufer, Stuttgart: Pianino von fchwarzem Holz, mittelhoch, geradfaitig, Eifenrahmen, zu 300 Gulden. L. W. Müller, Hamburg: Pianino aus Paliffander, mittelhoch, fchrägfaitig, zu 360 Thaler. Der Ton ift etwas dünn und trocken. Schmidt& Suppe, Zeitz: Pianino im hohen Format, überfaitig, mit Metall- Stimmftock und Eifenfpreizen zu 375 Thaler; Pianino von Paliffander im kleinen Format, geradfaitig zu 250 Thaler, ein zweites im mittelhohen Format von derfelben Conftruction zu 325 Thaler. Das Aeufsere des Inftrumentes, namentlich die Confoln des kleineren beweifen, dafs wir gewöhnliche Fabriksarbeit vor uns haben. G. Fortner, München: Pianino von fchwarzem Holz, fchrägfaitig, kleines Format, Preis 500 Thaler. Das Inftrument fteht unter der Parifer Stimmung, obwohl diefe für die Ausftellung geboten war. B. Schleip& Uerlein: Drei Pianino von Paliffander, das eine im hohen Format mit kreuzfaitigem Bezug zu 500 Thaler, das zweite mittelhoch und geradfeitig zu 325 Thaler, das dritte klein und geradfaitig zu 260 Thaler. W. Förfter, Leipzig: Zwei Pianinos aus Paliffander, das eine im hohen Format und kreuzfaitig zu 280 Thaler, das zweite mittelhoch und geradfaitig, 180 Thaler. R. Aunge, Osnabrück: Pianino von Eichenholz, im kleinen Format antique, fchrägfaitig, zu 300 Thaler. Gebrüder Saffe, Hoym: Ein Pianino mit eifernem Stimmftock und Eifenfpreizen, geradfaitig, 350 Thaler. F. Seifarth, Mannheim: Ein Pianino, hohe Form, fchwarzes Holz, überfaitig 350 Thaler. Spangenberg, Berlin: Ein Pianino, hohe Form, kreuzfaitig Wilke, Stettin: Ein Pianino, Paliffander, kleines Format, geradfaitig zu 300 Thaler; könnte kräftiger und klarer im Tone fein, der Ton ift hölzern. Th. Gerhardt, Berlin: Pianino aus Nufsbaum, fehr hohes Format, geradfaitiger Bezug zu 300 Thaler; Pianino von Paliffander, kleines Format, geradfaitig, zu 200 Thaler. Ketnath& Söhne, Weiden in Baiern: Ein Pianino, hohes Format, geradfaitig, zu 200 Thaler. Gebauer jun., Alsfeld: Ein Pianino, hohes Format, kreuzfaitig, zu 300 Thaler. Pirifti& Stibingen, Freiburg: Pianino, kleines Format kreuzfaitig, 300 Thaler. A. Nagel, Heilbronn: Pianino, kleines Format in Mahagony, geradfaitig, 220 Thaler. Kaeferle& Söhne, Ludwigsburg: Pianino, hohes Format, kreuzfaitig von Paliffander zu 290 Thaler. R. Ruppach, Hamburg: Ein Pianino, kleines Format, fchrägfaitig in fchwarzem Holz, zu 450 Gulden. I. Rofener, Berlin: Ein Pianino, hohes Format, von Paliffander, kreuzfaitig, zu 400 Thaler. W. Notni, Sagan, Schlefien: Ein Pianino, kleines Format, von Paliffander, geradfaitig mit Metall- Stimmftock, zu 500 Thaler. Herzke, Berlin: Ein Pianino, hohes Format, Paliffander, 100 Thaler. 44 Eduard Schelle. Compagnie Concordia: Drei Pianinos à 675 und 275 Thaler, und 210 Thaler von verfchiedener Gröfse und Bezug. Wenden wir fchliefslich auf das Gefammtbild der Leiftungen Oefterreichs und des deutfchen Reiches in diefem Kunft- und Induftriezweig unfern Blick, fo ftellt fich allerdings heraus, dafs in quantitativer Beziehung Oefterreich verhältnifsmäfsig dem deutfchen Reich die Wage hält, das letztere aber in Anfehung des Betriebes dem erften überlegen ift. So befitzen wir keine einzige Fabrik, welche mit J.& P. Schiedmayer in Stuttgart, dem Hauptrepräfentanten des Südens, und mit Julius Blüthner in Leipzig, dem Repräfentanten des Nordens von Deutſchland, einen Vergleich aushalten kann; mit einem Wort, in der Clavierfabrication hat uns das deutfche Reich entfchieden überholt. Man mufs zwar anerkennen, dafs unfere vier erften Firmen und aufserdem noch einige wenige Fabrikanten den Vergleich mit dem Ausland nicht zu fcheuen haben, dafs ferner, wie bereits angeführt worden, das Mittelgut im Verhältniffe zu den Preifen das Möglichtte bietet, aber verhehlen läfst es fich nicht, dafs mit Ausnahme jener vier Firmen und einzelner Fabriken die übrigen Inftrumente im Grofsen und Ganzen einen fchablonenhaften Charakter offenbaren. Im feltfamen Contrafte dazu macht fich wiederum ein Trieb nach Neuerungen geltend und verräth fich in berechnungslofem Experimentiren, wie mit doppelten Refonanzböden, feltfamer Verkehrung der äufseren und dergl. mehr. Solche Experimente haben aber nur dann Werth, wenn die Unternehmer mit hinreichenden Mitteln ausgerüftet find, fie nur als Verfuche zu behandeln, und fie nicht als bereits gewonnene Errungenfchaften der Oeffentlichkeit vorführen. Während in der deutfchen Abtheilung die englifche Mechanik mit dem kreuzfaitigen Bezug und die Vorliebe für die breite Kaftenform beim Flügel, weil dadurch eine gröfsere Refonanzfläche gewonnen und das Volumen des Tones bedeutend gefteigert wird, ausfchliefslich vorherrscht( die Wiener Mechanik fanden wir nur in zwei Exemplaren vertreten), fo behauptet die letztere in der öfterreichifchen Abtheilung mit Ausnahme von Inftrumenten der Firmen Böfendorfer, Ehrbar, Streicher und Anderer noch immer vorwiegend ihren Platz. Nun hat freilich diefe Mechanik ihre grofsen Verdienfte, fie gereicht ihrem Erfinder zu hoher Ehre und pafste vollkommen zu dem Stile der Mufik, als fie ins Leben trat, allein heutigen Tages, wo das Piano zum Träger orcheftraler Effecte erhoben ift, ftellen fich ganz andere Anforderungen an Gröfse und Ausgiebigkeit des Tones ein und eben durch das Gefühl diefes neuen Bedürfniffes find jene angeführten Neuerungen hervorgerufen worden. Die Bevorzugung der englifchen Mechanik wird eben durch die Steigerung des Klangvermögens, durch die Nothwendigkeit einer grofsen Modulationsfähigkeit des Tones gerechtfertigt. Der Grund des ftatarifchen Beharrens auf dem alten Syftem liegt nun in Oefterreich, wie bereits erwähnt, zum Theile in den Preisverhältniffen; allein die Erfahrung lehrt, dafs diefe Hemmungen mit einer gröfseren Steigerung des Betriebes allmälig von felbft fchwinden. Ein neuer Auffchwung diefes Induſtriezweiges ift nur auf dem Wege einer grofsartigen Entwicklung der Productionskraft zu ermöglichen. Wir bedürfen Fabriken im gröfseren Mafsftabe, welche über alle nöthigen Mittel gebieten und die gröfstmöglichfte Theilung der Arbeit durchführen. Unter den obwaltenden Verhältniffen ift Oefterreich durchaus unver mögend, auf diefem Gebiete mit dem deutfchen Reich eine Concurrenz einzugehen. Eine Abhilfe des Uebels ift nur einzig und allein durch die Affociation bedeutender Firmen zu erzielen. Ein derartiges Unternehmen war bereits im Gange, fcheiterte aber in Folge eingetretener Umftände. Wir befitzen Firmen, welche diefer Aufgabe wohl gewachſen wären. Wir nennen nur Namen wie Böfendorfer und Schweighofer, welche den Fortfchritt fo rühmlich vertreten. Mögen diefelben die in der Ausstellung gemachten Erfahrungen nicht gleichgiltig zur Seite laffen. Mit vereinten Kräften und Mitteln dürfte es ihnen und anderen hervorragenden Fabrikanten gelingen, diefem wichtigen Induſtriezweig neues und frifches Leben einzuflöfsen. Mufikalifche Inftrumente. 45 Im deutfchen Reich concentrirt fich der Pianobau faft nur in den drei Städten Berlin, Leipzig und Stuttgart. Dresden und München befitzen zwar auch bekannte Firmen, doch find diefe nur vereinzelt dort zu finden. Ganz verfchieden find die drei erftgenannten Städte untereinander wieder in ihrer Fabrication. In Berlin exiftiren weit über 100 Pianofabriken, Berlin ift der Zahl nach unbedingt der Hauptpunkt, aber nur 5 Firmen bauen Flügel und unter diefen 5 Firmen ftehen nur Bechftein und Duyfen obenan. Die übrigen Fabrikanten bauen nur Pianinos, welche fich aber keines befonderen Rufes erfreuen. Nur die Fabricate Schwechten's und Biefe's gelten als höchft vorzüglich und zwar mit Recht; die anderen Firmen liefern zwar billige, aber keineswegs empfehlenswerthe Waare. Stuttgart zählt über 20 Firmen, welche Flügel, Pianinos und Tafelpianos bauen. Die amerikaniſchen Inftrumente dienen hier als Mufter, ohne Unterfchied und ohne die geringfte Veränderung, daher die zwar grofse, aber nichtsweniger als fympathifche Klangfarbe der Stuttgarter Fabricate. Der Export nach Amerika ift, wie fchon erwähnt wurde, ein bedeutender. Die Inftrumente gehen nach Amerika meiftens mit roher Aufsenfeite, ohne dafs fie lackirt oder polirt find.. Auch Süd- Deutfchland bezog noch vor Kurzem feinen Bedarf an Flügeln, Pianinos und Harmoniums faft ausfchliefslich von Stuttgarter Firmen, unter denen die Firma J.& P. Schiedmayer den erften Platz einnimmt. Da aber die Stuttgarter Inftrumente in Betreff der Dauerhaftigkeit und der Mechanik nicht immer den gemachten Auforderungen entſprechen, fo find fie in letzterer Zeit weniger beliebt und man bezieht auch in Süd- Deutfchland jetzt die wenn auch theuereren, aber befferen Inftrumente von Leipziger Fabriken. Leipzig hat zwar der Zahl nach nicht fo viele Gefchäfte als Stuttgart, aber die Qualität der verfendeten Pianos und Pianinos ift eine vorzüglichere. Selbft die kleineren Fabriken Leipzig's mit 6 bis 8 Arbeitern haben das Verdienft, nur annehmbare Waare auf den Markt zu bringen und dadurch ift es erklärlich, dafs jetzt Leipzig die beliebtefte und gefuchtefte Firma ift, welche man in einem Inftrumente fehen will. Leipzig producirt die meiften Flügel, von denen nur eine geringe Anzahl überfeeifch verfendet wird, da man dort von Deutfchland aus nur billige Waare verlangt. Leipzig gilt jetzt als der Hauptplatz des deutfchen Clavierbaues und Befitzer der beften und gröfsten der dortigen Pianofabriken ift Julius Blüthner, der renommirtefte Vertreter der Clavierinduftrie im nördlichen Deutſchland. Auch die Arbeiterverhältniffe geftalten fich in Leipzig beffer als in Stuttgart und Berlin. Der ordentliche Arbeiter wird, da in einer Handelsftadt wie Leipzig Jeder arbeitet und es nicht fo viele Müffiggänger gibt als in den Refidenzen Stuttgart und Berlin, in jedem Kreife gefchätzt und geachtet und fein Verdienft ift trotz des billigen Lebensunterhaltes der befte Deutſchlands im Clavierbaufache. Es find fomit alle Bedingungen vorhanden, dafs fich der Clavierbau in Deutfchland nicht nur auf feiner jetzigen Höhe erhalten, fondern noch immer vollkommener geftalten wird. In der franzöfifchen Abtheilung traten uns die drei erften Firmen von Paris Erard, Herz und Pleyel, jede mit einer entſprechenden Anzahl von Inftrumenten entgegen. Stolz und im Bewufstfein ihrer grofsen Verdienfte haben fie fich an der Preisbewerbung nicht betheiligen mögen. Das läfst fich übrigens bei P.& Et. Erard vollkommen begreifen. Diefe Firma, entſtanden im Jahre 1780, ift fo lange ein fchimmerndes Vorbild gewefen und prangt noch jetzt im vollen Glanze ihres Weltruhms, dafs ein neues Ehrenzeichen ihr Anfehen nicht mehr erhöhen kann. Die Firma hat fich überdiefs, unbekümmert um den Flügelfchlag der Zeit, behaglich auf ihren reichlichen Lorbeeren zur Ruhe gefetzt. Begründet fich doch auf ihr der grofsartige Auffchwung, den das Clavier durch die Ausbildung feiner Mechanik in unferen Tagen gewonnen hat. Sie fteht übrigens in Betreff der Leiftungen fowohl wie des Betriebes gegenwärtig noch auf derfelben Höhe wie vor Jahrzehnten. In ihrer Fabrik find angeblich 1000 Arbeiter befchäftigt und 46 Eduard Schelle. werden, ebenfalls laut Angabe, jährlich circa 1400 Inftrumente erzeugt, werden ferner fämmtliche Beftandtheile mit Zuhilfenahme von Dampfmafchinen angefertigt. Ausgeftellt waren 3 geradfaitige Flügel, I geradfaitiger Flügel im Commiffionshaus, 2 Pianinos, fchrägfaitig. Etwas Neues läfst fich über diefe Inftrumente nicht fagen, fie verrathen genau diefelben Eigenfchaften, die man fchon vor mehr als dreifsig Jahren an ihnen bewunderte, fie find mit einem Worte im höchften Mafse preiswürdig, aber einen Fortfchritt bezeichnen fie nicht, ihre Eigenthümlichkeiten verlangen ein fehr leichtes, flüffiges Spiel und verlieren bei einer mehr oder weniger gewaltfamen Behandlung des Tones ihren Reiz. Die ausgeftellten Pianinos haben eine elegante, gefchmackvolle Ausstattung. Möchten nur die gegenwärtigen Leiter der Fabrik zur Erkenntnifs gelangen, dafs ein einfeitiges Beharren auf längft gemachten Errungenfchaften ftets der Vorbote eines bevorſtehenden Verfalles zu fein pflegt. Wir würden es fehr bedauern, wenn ein folches Gefchick dereinft über die verehrungswürdige Firma hereinbrechen follte. Einen confervativen Sinn verräth auch die Firma Herz, doch mit weniger Berechtigung. I geradfaitiger Flügel, I Stutzflügel, I hohes halbfchrägfaitiges und I kleines geradfaitiges Pianino bildeten die Ausstellungsobjecte diefer Firma. Elegant und kalt fcheint in Betreff des Tones die Lofung diefer Fabrik zu fein. Die glänzende, aber im Grunde harte Klangfarbe ihrer Inftrumente pafst vortrefflich zu einer gewiffen Stilrichtung, welche früher ftark in Mode war, aber jetzt verfchollen ift, und über diefen Standpunkt hat fich Herz nie hinausgewagt und fo konnten feine in der Ausftellung befindlichen Inftrumente kein weiteres Intereffe erregen, als dafs man höchftens ihre Familienähnlichkeit im Ton bewundert.. Anders verhält es fich mit der Firma Pleyel Wolf& Comp., Paris. Diefelbe befteht feit dem Jahre 1807, befchäftigt angeblich 700 Arbeiter und foll 2800 bis 3000 Inftrumente jährlich erzeugen. Die Firma hatte ausgeftellt: 2 kreuzfaitige Flügel, I kreuzfaitigen Stutzflügel, 2 mittlere Pianinos halbfchrägfaitig, 2 kleine geradfaitige. Diefe Inftrumente bezeugen ein ehrenvolles und erfolgreiches Streben; diefelben find nach Ton und Spielart vortrefflich. Die Firma hat die Vorzüge eines kreuzfaitigen Bezuges nach dem amerikanifchen Syftem erkannt und zum Vortheil ihrer Pianos auszubeuten gewufst. Zu den hervorragenden Firmen Frankreichs zählt auch Kriegelftein. Aus feiner Fabrik fanden fich vor: I grofser Flügel mit kreuzfaitigem Bezug und I fchrägfaitiges Pianino. Beide Inftrumente find tadellos in Betreff ihrer Conftruction, der Flügel jedoch ift fpröd und ungleich im Ton; das Pianino darf nach der Seite feines Klangcharakters wie feiner Spielart die vollfte Anerkennung beanfpruchen. Als Ausfteller nennen wir noch: Pianino. Philippi frères in Paris mit I geradfaitigen Flügel und I fchrägfaitigen Baruth in Paris mit I geradfaitigen Flügel und 1 fchrägfaitigen Pianino; Nicolas Erard mit I mittelhohen Pianino, halbfchrägfaitig und I hohen Pianino, ebenfalls halbfchrägfaitig. Thibonville- Lamy in Paris mit I kreuzfaitigen Pianino zur Demonftration des Pianifta. Amedée Thibout& Comp. in Paris mit 4 Pianinos und zwar I kleines, geradfaitiges einfaches, I kleines, geradfaitiges mit Eifenplatte, I mittelhohes, halbfchrägfaitiges mit Eifenplatte, I mittelhohes, fchrägfaitiges mit Eifenplatte. Feaké& fils ainé in Paris mit 2 halbfchrägfaitigen, mittelhohen Pianinos mit zerlegbarem Kaften. Martin in Touloufe mit I mittelhohen, halbfchrägfaitigen Pianino und I hohen, halbfchrägfaitigen. Keine diefer Leiftungen der genannten Firmen bot Anlafs zu einer eingehenderen Beurtheilung. Mufikalifche Inftrumente. 47 An Frankreich reihte fich England, wenn man die Anzahl der Inftrumente zum Mafsftabe nimmt, in Betreff der Firmen jedoch war die englifche Pianofabri cation ungemein dürftig vertreten. Nur zwei Firmen, Kirkmann und Henry A. Irori& Comp. in London haben es unternommen, für den Ruf ihres Landes in die Schranken zu treten. Kirkmann hat im Ganzen 9 Inftrumente geftellt, nämlich I grofsen Flügel, 2 Salonflügel, 1 Stutzflügel, fämmtlich geradfaitig, der letztere mit eifernen Rahmen; I Pianino oblique, 4 Pianinos vertical. Den Flügeln ift ein gefangvoller, gut egalifirter, wenn auch nicht fehr ausgiebiger Ton eigen. Den heutigen Anforderungen an Ton und Spielart entfpricht am meiften der Stutzflügel, an dem nur die Dämpfung etwas präcifer fein könnte. Auch die Pianinos find im Ganzen und Grofsen recht verdienftvolle Fabricate. Die Fabrik Ivory hat drei Pianinos gebracht, unter ihnen eines mit Stickereien. Die Letzteren bilden das einzige Werthvolle an diefen vorgeführten Werken. Rufsland hat dagegen eine weit regere Theilnahme an der Wiener Weltausftellung bewiefen. Die erften Firmen aus Petersburg, Moskau, Warfchau und Odeffa begegneten uns in der ruffifchen Abtheilung. Der Vorrang gebührt der Firma C. M. Schröder in Petersburg, welche einen vorzüglichen Flügel mit kreuzfaitigem Bezug und englifcher Mechanik geliefert hat. Die Firma wurde von Johann Friedrich Schröder, Vater des jetzigen Befitzers im Jahre 1818 gegründet. Derfelbe baute zuerft nur tafelförmige Pianos, fpäter auch Flügel und erhielt auf der Petersburger Induftrie- Ausftellung 1839 die filberne Medaille. Der jetzige Chef und Inhaber des Gefchäftes erlernte den Pianobau bei feinem Vater und arbeitete fpäter bei den Herren Pape& Henri Herz in Paris und bei Bond& Erard in London. Nach dem Tode feines Vaters übernahm C. M. Schröder 1852 die Leitung der Fabrik und fuchte allmälig die erworbenen Erfahrungen bei feinen Pianos zu verwenden. Mit der Petersburger Induftrie- Ausstellung 1861 nahm das Gefchäft einen grofsartigen Auffchwung. Die Schröder'fche Pianofabrik liefert nach Angabe jährlich gegen 350 Inftrumente, meift Flügel, auch Pianinos und befchäftigt gegenwärtig im Haufe 118 und aufserhalb desfelben 43, im Ganzen circa 160 Arbeiter, denen in letzter Zeit durch Einführung verfchiedener Handmafchinen befondere Erleichterungen zu Theil geworden find. Der in der Ausftellung gezeigte Flügel ift von fehr folider Bauart und zeichnet fich durch einen frifchen, ungemein kräftigen, modulationsfähigen und namentlich fehr warmen Ton aus. Die Spielart ift angenehm und das Aeufsere fehr gefchmackvoll. Leider kann man ein gleiches Lob nicht den zwei hier ausgeftellt gewefenen geradfaitigen Flügeln der noch vor nicht langen Jahren fo hochangefehenen Firma J. Becker fpenden. Der Ton beider Flügel ift dumpf und ungleich, wenig modulationsfähig. Die Idee, die Saiten unter den Stimmftock gehen zu laffen, wie es bei dem einen Flügel der Fall ift, ift weder neu, noch verleiht fie dem Inftrument einen befonderen Werth. Der Befchaffenheit diefer Ausftellungsobjecte nach zu urtheilen, dürfte die Fabrik unter der Leitung ihres gegenwärtigen Befitzers im Rückgang begriffen fein. Ein treffliches Inftrument hatte die Firma Kral& Sailer in Warfchau eingefendet, nämlich einen überfaitigen Concertflügel mit Repetitionsmechanik. Der Ton ift grofs, dabei edel und klar, die Spielart ift zwar etwas fchwer, aber nicht gerade unbequem, die Arbeit gediegen. Aus Warfchau find noch die Firmen Andreas Hofer und Malecki zu nennen. Die erfte lieferte einen grofsen überfaitigen Flügel mit Stofszungen- Mechanik und einen Stutzflügel mit kreuzfaitigem Bezug. An dem Ton des erften läfst fich ein Mangel an Nobleffe ausfetzen, der des zweiten entwickelt einen etwas fchneidigen Charakter, der fich bei dem Gebrauche des Pedals mildert. Beiden ift übrigens eine leichte und präcife Spielart eigen. 4 48 Eduard Schelle. Malecki lenkte die Aufmerksamkeit durch eine Vorrichtung auf fich. mit der er den von ihm ausgeftellten, geradfaitigen Concertflügel ausgestattet hat, eine Neuerung, welche zum Theil das Ziel des gewölbten Refonanzbodens von Beregfzafzy anftrebt. Ein Motiv zur Wölbung des Bodens war, die Widerftandskraft desfelben gegen den Druck des Saitenbezuges zu fteigern. Zu demfelben Refultat fuchte Malecki auf einem andern Wege zu gelangen, indem er vermittelft einer am Refonanzboden angebrachten Agraffe dem einen Chor der Saite einen höheren Anhängepunkt auf der Platte als dem danebenliegenden gibt. Der Druck, den die niederen Saiten auf die Refonanz ausüben, wird mithin durch die Zugkraft der höheren paralyfirt und fo eine Entlaftung des Bodens erzeugt. Leider wird aber durch diefe Entlaftung ein fchwacher Ton erzielt, wie es fich an dem Inftrumente zeigte, weil dadurch die Schwingungsverhältniffe des Bodens beeinträchtigt werden; der Ton hat in der That trotz der fauberen, fleifsigen und foliden Conftruction nichts gewonnen, er ift vielmehr hart und von äufserft geringer Modulationsfähigkeit. Sturzwaage aus Moskau hatte einen Concertflügel mit kreuzfaitigem Syftem und Stofszungen- Mechanik geftellt. Der Ton könnte etwas beffer ausgeglichen, die Spielart leichter fein. Im Ganzen ift das Inftrument leidlich. Schliefslich ift noch Carl Haas aus Odeffa anzuführen, von dem zwei geradfaitige Flügel mit dünnem, fchreiendem Ton vorhanden waren. Mit einer Neuerung hatte fich auch die Firma Florence in Brüffel, die einzige, welche Belgien auf der Ausftellung im Clavierbau repräfentirte, eingefunden. Diefelbe ftellt fich an einem Pianino von kleinem Format, in zwei gebogenen Refonanzböden ftatt des gewöhnlichen flachen dar, deren concave Flächen an ihren Enden zufammenlaufen und eine Höhlung von I bis 1 Zoll am Querdurchmeffer bilden. Auf den Ton hat diefe Neuerung keinen günftigen Einflufs gehabt, denn diefer ift trocken und fchlecht. Das einzige Gelungene an dem Inftrument befteht in einer guten Abdämpfung. Trotz des kleinen Formates. hat der Erbauer die Rückwand des Pianinos mit nicht weniger als neun Spreizen aus Eichenholz verfehen. Aus derfelben Fabrik fanden fich noch ein Pianino und ein Concertflügel( Copie nach Erard), beide dürftig im Tone, vor. Die Preife der Fabrik fteigen für Flügel von 1800 bis 3000 Francs, für Pianinos von 1200 bis 2000 Francs. Aus Holland trafen wir nur eine Firma, nämlich B. Koch& Comp. in Amher, mit einem Pianino von höchft mittelmäfsigem und ungleichem Tone. ( Preis 600 fl.) Aus der Schweiz hatten die Ausftellung befchickt die bekannte Firma Hüni& Hubert in Zürich mit einem grofsen, geradfaitigen Flügel( Copie nach Erard), der Ton ift etwas kurz, im Discant namentlich fehr dünn; ferner mit zwei Pianinos, das erfte halboblique mit eifernem Raft- und Stimmftock, das zweite oblique; beide, wie der Flügel, folid gebaut aber ebenfalls wenig ausgiebig im Ton. Die Firma hat früher fchon beffere Inftrumente geliefert. Sprecher& Butte( Zürich) mit einem überfaitigen Stutzflügel mit eifernen Rahmen, von guter Arbeit; der Ton ift klar, gut egalifirt und entwickelt eine edle Klangfarbe. Ein ähnliches Lob gebührt auch dem Pianino mit fchrägfaitigem Bezug. Das Aeufsere ift fehr elegant. Die Firma nimmt jetzt in der Schweiz die hervorragendfte Stellung ein. J. Troft( Zürich) mit einem geradfeitigen Pianino von folider Arbeit; die Front des Kaftens ift mit einem Landfchaftsbilde gefchmückt, der Ton jedoch mittelmässig. Heinrich Efcher( Zürich) mit einem Pianino mit überfaitigem Bezug, und zwei geradfaitigen Pianinos; keines diefer drei Inftrumente erhebt fich über das Niveau der Mittelmäfsigkeit. Mufikalifche Inftrumente. 49 Sehr rühmlich hat fich dagegen Schweden, Norwegen und Dänemark bewährt. Hier verbindet fich ein energifches Streben, die in Amerika gemachten Fortfchritte praktiſch zu verwerthen, mit feinem Sinn und Gefchmack. Diefs gilt in erfter Inftanz von den Inftrumenten der Firma J. G. Malsmzö in Gothenburg. Diefelbe brachte einen überfaitigen Concertflügel mit Mechanik nach Herz und Oberdämpfung. Den Ton charakterifirt vornehmlich eine fehr feine Klangfarbe, namentlich im Discant, er wirkt mehr durch Gefang als Wucht und Kraft. Die Spielart ift ausgezeichnet; ferner einen Stutzflügel mit Stofszungen- Mechanik, endlich ein Piano in Tafelformat, überfaitig und mit Oberdämpfung. Diefes Tafelpiano gehört zu den fchönften Exemplaren, die wir in diefer Gattung kennen gelernt haben. Feinheit des Toncharakters, der Spielart wie der Arbeit am Bau treten an diefen beiden Inftrumenten, wie an dem Flügel als befonders eigenthümlicher Zug hervor. Alle drei Inftrumente find Copien nach Steinway. Preis per Stück 1200 Gulden. C. H. Billberg( Gothenburg) lieferte einen überfaitigen Concertflügel mit Repetitionsmechanik. Die Spielart ift etwas zähe, der Ton hell und fchön, allein im Discant etwas zu fchwach gegenüber dem Bafs; dann ein Pianino, fchrägfeitig mit Oberdämpfung, hell und gleichmäfsig im Ton und einer im Ganzen guten Spielart. In beiden Inftrumenten kennzeichnet fich eine gediegene Leiftung. Gebrüder Hals( Chriftiania) ein geradfaitiges Pianino von guter Arbeit, aber klein im Ton. Aus Dänemark erfchienen folgende Firmen: Hornung& Möller ( Kopenhagen), mit einem überfaitigen Concertflügel mit kurzem Capotafto, eifernem Stimmftock und Agraffen; der Ton ift von einer anfprechenden Klangfarbe, nur etwas dünn in der Mittellage. Preis 1000 Gulden. Ein Pianino, fchrägfaitig, 4 Fufs 4 Zoll hoch, fchwach, aber gut ausgeglichener Ton und gute Spielart. Carl Görgenfen( Kopenhagen) zwei fchrägfaitige Pianinos von guter Bauart und leidlich im Ton. J. H. Ehlert( Kopenhagen) ein fchrägfaitiges Pianino mit einer Einrichtung zum Transponiren. Der Ton ift mittelmässig. In der ungarifchen Abtheilung ift bereits der Flügel des Herrn Beregfzafzy gedacht worden, es wäre noch die Fabrik Strobel aus Peft zu erwähnen, deren beide Flügel von mittlerer Gröfse mit kreuzfaitigem Bezug und durchlaufendem Klangftock und Streicher'fcher Stofszungen- Mechanik in Betreff des Tones fehr fchätzbare Erzeugniffe find. In Italien und Spanien hat der Pianobau bisher zu wenig günftigen Boden gehabt, als dafs man auf ganz aufserordentliche Leiftungen gefafst fein könnte. In der Abtheilung des erften Landes bildete die einzige hervorragende Erfcheinung der Ruffe Sierers in Neapel, auch als Schriftfteller in feinem Fache bekannt. Er hatte einen grofsen, geradfaitigen Flügel und einen überfaitigen Salonflügel, beide mit englifcher Mechanik und ein Pianino( halboblique) gebracht. Der erfte enthält eine Verbefferung der Mechanik durch eine Feder unter der Schulter zu Gunften der Repetition. Der Ton ift hell und klar, die Spielart vorzüglich. An dem zweiten findet fich eine neue Zufammenfetzung der Mechanik vor. Die Eifenplatte ift zufammengefchraubt und mit einem Klangftock verfehen. Die Spielart ift ungemein leicht, der Ton aber nicht fo edel wie beim erften. An dem Pianino ift ebenfalls die leichte Spielart zu loben. Der Pianozug ift mit Tuchleiften verfehen. Das Inftrument hat Hinterdämpfung, der Ton ift hell und frei. Aus derfelben Stadt hatte noch die Firma Giovanni de Meglio& figli ausgeftellt einen grofsen überfaitigen Flügel mit breiter Kaftenform; die Breite ift nach der Bafsfeite hinaus erweitert, der Ton ift voll, aber nicht edel, die Spielart im Ganzen leicht; ein Pianino mit Vorderdämpfung, leichter Spielart, aber fehr dünn im Ton. 4* 50 Eduard Schelle. Von Giuſeppe Mola in Turin fand fich ein kreuzfaitiges Pianino im hohen Format vor, von fehr dürftiger Arbeit und höchft mittelmässigem Ton. Aus derfelben Stadt hatte auch G. Aymonia ein geradfaitiges Pianino ausgeftellt, das felbft den befcheidenften Anfprüchen kaum genügen dürfte. Ein geradfaitiges Pianino, welches Rudolf Grimme in Mailand geliefert, ift ebenfalls nicht derart, dafs es der italienifchen Pianofabrication eine höhere Achtung verfchaffen könnte. Die Arbeit ift dürftig, dem Tone fehlt Glanz und Charakter, die Spielart ift überaus zähe. In der fpanifchen Abtheilung feffelte in erfter Linie das Intereffe die Firma Bernareggi& Comp. in Barcelona, mit einem grofsen, überfaitigen Flügel, einem geradfaitigen Salonflügel und einem fchrägfaitigen Pianino. Bernareggi hatte 1862 in London und in Paris 1867 mit Glück ausgeftellt. Seine hier vorgeführten Inftrumente verrathen, dafs der Erbauer mit den neueften Fortfchritten vertraut ift. Der Ton des überfaitigen Flügels namentlich ift grofs und voll, die Spielart präcis. Beide vertreten die englifche Mechanik. Aus Barcelona hatte ferner J. Jorba zwei Pianinomechaniken nach dem neueften Syftem, die eine mit Ober- die andere mit Unterdämpfung geftellt. Beide Mechaniken find gediegen und fauber ausgeführt. Von geringerer Bedeutung waren die Firmen Miguel Soler in Saragoffa, mit einem geradfaitigen Pianino von guter Arbeit, aber klein und etwas dünn im Ton; Soler in Valladolid, mit einem Pianino, halboblique, überaus klein und unegal im Ton; Louis Caraye in Sevilla, mit einem geradfaitigen Pianino im hohen Format, von leidlichem Ton und guter Arbeit. Kein Land hatte fo grofse Erwartungen erregt, wie Amerika, wo bekanntlich der Pianobau in feiner höchften Vollendung blüht, und kein Land hatte denfelben fo wenig entſprochen wie diefes. Die amerikaniſche Abtheilung führte nur zwei, und zwar bisher bei uns ganz unbekannte Firmen vor, nämlich George Steck& Comp. in New- York und Heinzen, Rofen& Comp. in Louisville. Von der erften waren ausgeftellt ein Concertflügel und ein Tafelpiano, ein Pianino und ein tafelförmiges Inftrument. Ein grofser, ftarker und auch bis zu einem gewiffen Grade fchattirungsfähiger Ton läfst fich den beiden Flügeln nicht abfprechen, aber derfelbe hat einen ftark metallifchen Beiklang und entfaltet nichts weniger als einen edlen Charakter. Den Vorzug verdient jedenfalls das Tafelpiano wegen des weit beffer ausgeglichenen Tones. Auch die Spielart beider Inftrumente läfst Manches zu wünfchen übrig. Das Pianino ift for conftruirt, dafs der Refonanzboden an eine eiferne Platte angefchraubt ift und diefe das ganze innere Werk des Inftrumentes trägt und diefes alfo dadurch von dem äufseren Kaften ifolirt ift. Bei näherer Prüfung finden wir, dafs diefe Neuerung nichts ift, als die Variation einer Verbefferung, welche bereits Steinway & Söhne in New- York 1866 an ihren Pianinos angebracht haben. Als fchätzenswerthe Eigenfchaften des Inftrumentes find ein gefangvoller Ton und eine leichte Spielart zu bezeichnen. Am beften repräfentirte fich indefs die Firma durch das tafelförmige, mit einfacher englifcher Stofszungen- Mechanik verfehene Tafelpiano, welches an Toncharakter den anderen Inftrumenten weit überlegen ift. Obwohl diefe Ausstellungsobjecte ganz achtbare Leiftungen bekunden, fo genügen fie doch nicht den Anfprüchen, die wir an amerikaniſche Fabricate auf diefem Gebiete zu ftellen gewohnt find. Endlich empfahlen fich auch die Inftrumente keineswegs durch eine faubere und forgfältige Arbeit, um nach diefer Seite hin mit dem Anfehen eines muftergiltigen Charakters auftreten zu können. Die zweite Firma Heinzen, Rofen& Comp. in Louisville hat fich nur auf ein einziges grofses Tafelpiano von guter Arbeit und ziemlich gutem Ton befchränkt. Es geftaltete fich alfo die Vertretung der Clavierfabrication von Seite der verfchiedenen an der Wiener Weltausftellung 1873 fich betheiligenden Länder folgendermassen. Ausgeftellt hatten: Mufikalifche Inftrumente. Oefterreich Flügel 86 Pianinos 13 Ungarn 3 Deutfches Reich 35 92 Frankreich I I 23 England Rufsland Belgien. 4 ΙΟ I 238 Holland Schweiz Schweden Dänemark. Italien Spanien Amerika I 23142 2 164 Tafelpianos 51 I 2172384 I I 2 164 5 Der ftatiftifche Vergleich mit den beiden letzten Weltausftellungen lieferte folgendes Refultat: Die Londoner brachte 1862 Flügel.. 67 Pianinos. I50 Tafelpianos. 12 76 Die Parifer 1867 Flügel. Pianinos.. 152 Tafelpianos. IO Es geht aus diefem hervor, dafs Flügel und Pianino in die Bedürfniffe unferer Zeit weit mehr als damals einfchlagen, das Tafelpiano dagegen allmälig gänzlich verfchwinden dürfte. Streichinftrumente. Unter den im Orchefter verwendeten Inftrumenten nimmt das Streichquartett den Vorrang ein. Es ift noch heutigen Tags der vornehmfte Träger des orcheftralen Effectes, namentlich in den Satzformen der claffifchen Mufik, trotzdem dafs fich heute die Blasinftrumente im Vergleich mit der Zeit vor Beethoven unverhältnifsmäfsig in den Vordergrund gedrängt haben. In dem Streichquartette wiederum dominirt die Geige und das Cello; ebenfo fpielen fie beide im Concertfaale eine hervorragende Rolle und bieten noch heutigen Tags der Wiffenfchaft ein intereffantes Problem, denn es ift diefer noch nicht gelungen, eine erfchöpfende Theorie der Schwingungsverhältniffe der Saiten beim Spielen aufzuftellen. Die Geige mit ihrer Familie darf fich ferner eines alten Gefchlechtes rühmen, das fich bis in unfere Zeit in Form und Wefen vornehm intact erhalten hat, während Piano, Orgel und die meiften übrigen Inftrumente grofse Wandlungen durchmachen mufsten. Ob man nun freilich zu ihren Ahnen jene alten, mandolinartigen, mit einem Bogen geftrichenen Ton- Werkzeuge zählen darf, welche die orientalifchen Abtheilungen uns in mannigfacher Geftalt vorführen, oder ob die Fidel Volker's im Nibelungenlied, die Vidula Ottfried's in deffen Evangelien Harmonie, das Robec des Mittelalters wirkliche Familienähnlichkeit mit ihr aufweifen, laffen wir dahingeftellt; im XIV. Jahrhunderte wenigftens finden fich Spuren von ihrer Exiftenz in einer Form vor, welche die Grundzüge der heutigen fchon deutlich verräth. So befand fich in einer Nifche des gothifchen Portals der Capelle St. Julien des Ménétriers in Paris eine Statue, darftellend einen Mann fpielend auf einer Violine, welche an Geftalt und Gröfse den jetzigen fehr nahe kommt, fogar F- förmige Schall- Löcher hat. Im Anfang des XVI. Jahrhundertes finden wir endlich diefes Inftrument der Form und dem Charakter nach auf feiner letzten Entwicklungsftufe, welche es feitdem nie überfchritten hat. Wir finden diefe Thatfache in der öfterreichifchen Abtheilung an zwei derartigen alten Inftrumenten beftätigt, welche Herr Schmidt unter feinen eigenen 52 Eduard Schelle. Fabricaten dort ausgeftellt hat. Das eine derfelben, eine Geige, ftammt von Gaspard Duiffopruggar, richtig Tieffenbrucker aus Bologna in Italien her und wurde fpeciell 1519 für König Franz I. von Frankreich angefertigt. Die Geige findet fich jetzt im Befitz des Herrn Niederheitmann in Aachen. Im Untergrund fchimmert noch die franzöfifche Krone, auf jeder Seite von einem F eingerahmt, goldig hervor. Der Ton ift weich und edel. Somit wäre alfo nicht Feftatori il vecchio, ein Geigenmacher in Mailand und Zeitgenoffe des Gasparo di Salo in Brescia, der nach der gewöhnlichen Annahme die Viola verkleinert und daraus die Violine gefchaffen haben foll, der eigentliche Begründer des claffifchen Geigenbaues in Italien, fondern ein Deutfcher; denn der Name Tieffenbrucker weift offenbar auf deutfche Urfprünge zurück. Der genannte Tieffenbrucker foll der Lehrer von Gasparo di Salo gewefen fein, deffen Thätigkeit jedoch erft 1560 beginnt.* Von dem Letzteren rührt das zweite Inftrument her, eine Bratfche, angeblich 1520 erbaut, welche Jahreszahl freilich mit jenen hiftorifchen Daten im Widerfpruch fteht; follte aber diefe Viola in der That von dem letztgenannten Meifter herftammen, fo dürfte fie in eine fpätere Zeit fallen. Ein Schüler des Salo war der berühmte Amati in Cremona, mit diefem beginnt die glänzende Periode der Cremonefer Schule. Uebrigens macht fich in der Structur der Bratfche des Salo eine auffallende Aehnlichkeit mit jener der Violine des Tieffenbrucker bemerkbar, die fo weit geht, dafs die erftere wie die letztere ftatt der Schnecke am Hals mit einem gefchnitzten Portrait verfehen ift. Die Form hat noch etwas Unbeholfenes, gewiffermafsen Unfreies. Die Bratfche zeichnet fich durch einen fehr grofsen Körper bei einem unverhältnifsmäfsig kleinen Hals aus, entwickelt übrigens einen ftarken, gleichmässigen Ton. Sie befand fich früher im Befitze des Herzogs von Modena und ift jetzt Eigenthum des Majorauditors Dr. Franz Ritter von Gentilly. Für die Gefchichte des Geigenbaues haben die genannten Inftrumente einen unfchätzbaren Werth. Wir find defshalb den Befitzern zum gröfsten Danke verpflichtet, dafs fie ihre Reliquien bei Gelegenheit der Wiener Weltausftellung der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten haben, umfomehr, da fich die hiftorifche Ausftellung nicht auf diefe zwei Inftrumente allein befchränkt, indem auch der Wiener Geigenbauer Bittner mit feltener Liebenswürdigkeit feine koftbare Sammlung von alten italienifchen Geigen, wie: Originalviolinen von Maggini, Carlo Bergonza, Amati, Quadanini, Andreas Guarneri, Antonio Stradivari, St. Serafino, zwei Violen von Maggini und Petrus Guarneri, ferner drei Prachtexemplare von Violoncellen des Petrus Guarneri, Andreas Guarneri, Antonio Geromino Amatt vorführten, ferner auch die ungarifche Abtheilung eine Anzahl Cremonefer Geigen von Amati, Giovanni und Giuſeppe Guarnerio, Stradivari, alfo aus der Blüthezeit diefer berühmten Schule, ausgeftellt von Liechtenſtein in Peft und Anderen, dann eine Violine von Stainer bringt und fomit, vorausgefetzt dafs die letzteren Inftrumente fämmtlich echt find, durch jene beiden Exemplare das gefchichtliche Bild des italienifchen Geigenbaues vervollſtändigt ift. Die Namen Stradivari und Guarneri bezeichnen die Glanzperiode des italienifchen Geigenbaues. Die von diefen Meiftern erzeugten Violinen find bis jetzt unerreichte Mufterinftrumente in Betreff der Klangfchönheit, fie verkörpern. diefelbe in der feinen Plaftik der Form, die ihnen, namentlich aber den Stradivaris eigen ift. In der Gefellfchaft der berühmten italienifchen Meifter that fich auch ein Deutfcher, und zwar ein Tiroler aus Abfam, nicht weit von Innsbruck, Jacob Stainer, hervor. Er hatte fich in der Schule Amati's gebildet und feine Inftrumente verrathen den Einflufs derfelben deutlich in der eigenthümlich hohen Wölbung, die bei ihnen über das von Amati gefteckte Mafs hinausgeht. Sie haben in Folge deffen einen weichen, flötenartigen Ton, der fich jedoch für die Bedürfniffe des Concert* Die Violine und ihre Meifter von J. Wafielewfki, Leipzig 1869. S. 7. Mufikalifche Inftrumente. 53 faales nicht wohl eignet. Stainer ift der eigentliche Begründer einer ſpecififch deutfchen Geigenbau- Schule. Seine Violinen galten lange als Vorbilder bei den deutfchen Geigenmachern, bis man in neuerer Zeit wiederum zu den italienifchen Meiftern zurückgekehrt ift. In Wien waren es namentlich Eifenhofer, Stadelmann und Stofs, welche diefe Reaction hervorriefen. So geftaltet fich alfo der Fortfchritt auf diefem Gebiete, der feit jener grofsen Periode gemacht ift, eigentlich zu einem Rückfchritt; der Hauptwerth der Arbeiten unferer heutigen Meifter beruht ja im Wefentlichen darin, dafs diefelben möglichft treue Copien jener alten italienifchen Originale liefern. Man hat nun auch hier einen neuen Weg anbahnen wollen, hat an der Violine, und vielleicht mehr als an einem anderen Inftrument experimentirt, um ein neues Syftem für die Conftruction aufzufinden und zu begründen. So glaubte der berühmte Akuftiker Savart in Paris dem Geheimnifs auf die Spur zu kommen, indem er der Geige eine viereckige Form gab und ftatt der gewölbten Refonanzböden geradflächige verwendete und die F- Löcher durch gerade Schlitzen erfetzte. Savart hielt zwar diefes Inftrument für den Ausdruck fanfter Gefühle ganz befonders geeignet, aber in Wahrheit hatte es gar keinen Ton und zu einem gleichen Refultate haben bisher alle derartigen Verfuche geführt. Der Toncharakter der Geige ift mit deren hiftorifchen Form fo innig verwachfen, dafs eine Veränderung an der letzteren eine Alteration der erfteren bewirkt. Die Ausftellung felbft lieferte uns einen fehr intereffanten Beweis dafür in einem nach dem netien Syfteme des Fürften Gregor Stourdza von dem Wiener Geigenmacher Zach gebauten Streichquartette, das wir bei einer mufikalifchen Production hören konnten. Nach der Mittheilung im Programm beabfichtigte der Fürft, mittelft feines erfundenen Syftems nicht nur eine Steigerung der quantitativen Fülle und Tonkraft gegenüber den Inftrumenten, fondern auch eine Klangfarbe zu erzielen, welche fich dem Timbre der menfchlichen Singftimme möglichft charakteriftifch nähert. Durch eine Vergröfserung des beftehenden Formats wäre der Grundcharakter der Inftrumente geopfert worden. Der Erfinder nahm daher feine Zuflucht zu der elliptifchen Form, als der günftigften für die Klangreflexionen und geftaltete die beiden Ausbauchungen der Geige in zwei in der Richtung der Queraxe zufammenftofsende Ellipfen um. Unglücklicherweife aber verhinderten die Forderungen der Appli catur, hier die Gefetze der Symmetrie gehörig einzuhalten. Die eine Ellipfe mufste eine Verfchiebung nach links hin erfahren, fo erhielten die Inftrumente jene barocke Geftalt, die unwillkürlich das Bild eines kropfartigen Auswuchfes wachruft. Sie find in der That die drolligften Mifsgeburten, welche die Familie der Ton- Werkzeuge bis jetzt in die Welt gefetzt hat. Diefer Umftand der Dinge liefse fich aber immerhin ertragen, wenn er durch eine Steigerung der Klangfchönheit aufgewogen wäre, allein die Erfindung kommt eigentlich nur der Bratfche etwas zu Gute. Mag auch der Ton der Geige etwas an Breite und Intenſivität gewonnen haben, fchöner ift er wahrlich nicht geworden; er erlitt vielmehr durch eine dunklere, bratfchenartige Färbung eine beträchtliche Einbufse an feinem normalen Charakter. Bei ihrem Zufammenfpiel im Quartett erzeugen diefe Inftrumente eine Monotonie in der Klangwirkung, welche auf die Dauer geradezu unerträglich wird; mit einem Wort, durch diefe Erfindung find wir wohl um ein Experiment, aber nicht um ein Refultat reicher geworden. Die Erfahrung lehrt, dafs gut conftruirte Geigen mit den Jahren an Klangfchönheit gewinnen, namentlich wenn fie ftets von gefchickten Virtuofen geſpielt werden. Wir können uns leider durch das Medium ihres jetzigen Tones nur eine fehr unfichere Vorftellung machen, wie die hier ausgeftellt gewefenen alten Cremonefer Geigen geklungen haben, als fie frifch aus der Werkstätte hervorgingen. Es liegt nun die Frage auf der Hand, ob es nicht möglich wäre, durch einen künftlichen Procefs dem Einfluffe des Alters zuvorzukommen und eine Geige ohne gewaltfamen Eingriff in der herkömmlichen Form von vornherein mit allen den 54 Eduard Schelle. vorzüglichen Eigenfchaften auszurüften, welche bis jetzt nur die Frucht der Zeit und des Gebrauches find. Auch nach diefer Richtung hin find verfchiedene Verfuche gemacht worden. So kam Vouilleaume in Brüffel auf die Idee, durch chemifche Präparate das Holz dem der alten Geigen ähnlich zu machen. Die aus diefem Materiale angefertigten Inftrumente zeichneten fich durch einen herrlichen, echt italienifchen Ton aus. Leider waren diefe Vorzüge von kurzer Dauer; die Geigen bewährten fich nicht und verloren in Folge deffen ihren Werth. Einen ähnlichen Verfuch dürften wir auch in dem Inftrumente entdecken, welches Herr Georg Gemünder aus New- York in der amerikanifchen Abtheilung unter dem prunkenden Titel„ Kaifervioline" ausgeftellt hat. Dagegen würde freilich der Erbauer proteftiren, denn er erklärt felbft in der kleinen Schrift, dafs er mit Hilfe dreier Wiffenfchaften, der Mathematik, Akuftik und Kenntnifs in der Auswahl des Holzes das Syftem der italienifchen Schule nicht nur erfafst, fondern in demfelben auch Fehler entdeckt habe.„ Ich habe ausgefunden, dafs die alten Meifter in ihrer mathematifchen Eintheilung und in der verfchiedenen Dicke der Ausarbeitung der Deckel und der Böden nicht zur Vollkommenheit gelangt find, fondern Fehler begangen haben. Diefe Fehler habe ich bei Anfertigung meiner Violinen zu vermeiden gefucht und glaube, diefe meine Aufgabe gelöft zu haben." So äufsert er fich felbft und erzählt uns auch im Weiteren, dafs er Violinen in Nachahmung der alten Vorbilder verfertigt habe, welche grofse Künftler, Kenner und Autoritäten erften Ranges von Europa und Amerika für echte, alte, italienifche Geigen anerkannt hätten, nicht ihres Tones wegen, fondern auch in der ganzen äufseren Erfcheinung. Das klingt nun allerdings fehr erbaulich; es hat aber viele berühmte Geigenbauer gegeben, welche mit denfelben Wiffenfchaften und den gleichen Talenten ausgerüftet waren und dennoch das Ziel trotz aller angeftrengten Bemühungen nicht erreichten. Wir hegen, offen geftanden, ungeachtet jener Ver ficherungen den Argwohn, dafs Herr Gemünder dennoch zu einer chemifchen Behandlung des Holzes feine Zuflucht genommen hat. Die in Rede ftehende Geige, eine getreue Copie nach Giuſeppe Guarneri, ift in der That fehr fchön dem Aeufsern nach und von ganz vorzüglichem Ton. Allein um den exorbitanten, echt amerikanifchen Preis von 10.000 Dollars, das ift gegen 20.000 Gulden, zu entfchuldigen, müfsten ihre Vorzüge erft die Zeitprobe beftehen. Ein echter Guarneri koftet kaum den fünften Theil diefer Summe; wer einen folchen befitzt, weifs, was er für die Zukunft hat, bei der Geige des Herrn Gemünder mufs es aber erft die Zukunft lehren. Die Geigenfabrication war auf der Ausftellung am reichlichften in der öfterreichifchen, deutfchen und italienifchen Abtheilung vertreten, wenn wir die Anzahl der Firmen zum Mafsftab nehmen. Unter ihnen ftehen felbftverftändlich Lemböck und Bittner, fchon wegen der vielen Verdienfte, die fie fich um den Geigenbau erworben haben, voran. Lemböck Gabriel, deffen Etabliffement feit 1840 befteht, hatte eine Anzahl Geigen, Copien nach A. Stradivari, Giuf. Guarneri, Maggini, Bergonza, per Stück 100 bis 150 fl. öfterreichiſcher Währung, ferner Violen und Celli, die letzteren per Stück 200 fl. öfterreichifcher Währung, ebenfalls Copien nach den genannten Meiftern ausgeftellt. Die Violinen Lemböck's haben einen vollen, aber zum Theil etwas harten Ton. Am meiften ſpricht die Copie nach Maggini an, die einen weicheren und anmuthigeren Klang als die anderen entfaltet. Befonders gelungen ift dem Meifter eine Viola, deren Ton dem Charakter der alten italienifchen Mufter nahekommt. Die beiden Celli zeichnen fich mehr durch Stärke als durch Nobleffe des Tones aus. Die fämmtlichen Inftrumente find fchon wegen ihrer guten, foliden Bauart durchaus preiswürdig. Eben fo rühmlich wie Lemböck bewährte fich auch Bittner David in feinen vorgeführten Inftrumenten. Diefelben beftehen in 4 Violinen, per Stück 100 fl., 2 Violen per Stück 80 fl., 6 Violoncellos per Stück 140 fl. und einer Viola d'amore zu 60 fl. öfterreichifcher Währung. Mufikalifche Inftrumente. 55 Bittner ift bekanntlich ein fehr feiner Kenner des alten italienifchen Stils und der Conftruction der Geigen, wie fchon feine bereits erwähnte ausgeftellte hiftorifche Sammlung darthut. Seine Inftrumente laffen an Solidität der Bauart nichts zu wünfchen übrig und feine Violinen heben fich durch einen zwar weichen, aber etwas kleinen und mitunter geprefsten Ton hervor; die Celli könnten etwas freier anfprechen. Dagegen zeichnen fich feine Violen durch eine edle und anmuthige Klangfarbe aus; die Viola d'amore hat einen fchönen, fanften Ton. Die Viola d'amore unterfcheidet fich im Bau wefentlich von der Violine; während ihre Oberdecke gewölbt ift, ift die Unterdecke flach, die Zargeneinbiegungen bilden zwei regelmäfsige Halbkreife und verlaufen nicht ausgefchweift und fo fpitzig wie bei der Violine. Die Löcher haben die Geftalt von denen, wie man fie bei den alten Contrabäffen, der Gamba und dem Baryton findet; der Wirbelkaften, welcher bei der Violine in einen zierlichen Schneckenkopf verlauft, endet hier mit einem oft recht künftleriſch gefchnitzten Amorkopf; der Saitenhalter ift fo gefchnitten, dafs die tieferen Saiten eine längere Spannung haben. Viele älteren Violen d'amore haben zwifchen dem Griffbrete und dem Stege ein zierlich ausgelegtes Schallloch. Sie ift mit fieben Darmfaiten und fieben Metallfaiten bezogen. Die fieben erfteren, wovon die drei tiefften mit Silberdraht überfponnen find, werden wie bei der Violine über den Steg und das Griffbret aufgezogen, die anderen fieben Metallfaiten find unter dem Saitenhalter an Stiften befeftigt und laufen von hier aus durch den Steg, welcher zu diefem Zwecke mit kleinen Löchern verfehen ift, unter dem Griffbret bis zu ihren Wirbeln. Die drei tiefften Metallfaiten find ebenfalls mit feinem Drahte überfponnen. Durch den Nachklang der Metallfaiten ift ihr Ton ein fehr fympathifcher. Matheffon fagt in feinem Werke Orcheftre I. Theil, S. 282:„ Die verliebte Viola d'amore führt den Namen mit der That, und will viel Languiffantes und Tendres ausdrücken. Ihr Klang ift argantin oder filbern, dabei überaus angenehm und lieblich." Sie pafst befonders für den gebundenen Stil, für träumerifche Melodien, für den Ausdruck des Entzückens und religiöfer Empfindung; fie eignet fich für den Vortrag in einfachen und in Doppeltönen, für Accorde von 3, 4 oder mehreren Tönen. Ein befonderer Reiz liegt in dem Arpeggio. Das fo lange verfchollen gewefene Inftrument, deffen Verfall Hektor Berlioz und andere Mufik- Schriftfteller lebhaft bedauerten, hat erft Meyerbeer für eine Romanze in den„ Hugenotten" wieder zu Ehren gebracht und deffen häufigere Anwendung im Orchefter wäre um fo wünſchenswerther, als es fich für gewiffe Stimmungsbilder nach dem oben Gefagten vortrefflich eignen würde. Wien befitzt an Herrn Kràl einen bedeutenden Virtuofen auf der Viola d'amore, welcher auch eine Schule für diefes Inftrument gefchrieben hat, um dasfelbe den Violinfpielern zugänglich zu machen. " Eine wahre Meifterleiftung bot uns Zach Thomas in Wien mit einer Geige nach Giuſeppe Guarneri, welche dem Aeufseren nach aus der Fabrik des berühmten Meifters herrühren könnte, fo täufchend ift an ihr auch in Stil und Farbe das Gepräge des Alters ausgedrückt, und ebenfo entspricht fie in Anbelang ihres gefangvollen, warmen Tones dem Originale, dem fie nachgebildet ift. Den wunderfchönen, altitalienifchen Klang verdankt fie zum grofsen Theil dem Materiale, einem fehr alten Holz, aus dem fie der Meifter gefertigt hat, und damit auch ihren dauernden Werth. Diefe Geige kann fich in der That mit Stolz neben der Amerikanerin zeigen, obwohl fie nicht wie diefe 10.000 Dollars, fondern nur ganz befcheiden 300 fl. öfterreichifcher Währung als Preis beansprucht. Aufser diefer Violine hatte Zach noch ausgeftellt: Eine Violine, neu formirt nach A. Stradivari, eine Violine, copirt nach A. Stradivari, eine Violine, amatifirt nach eben demfelben, dann eine Violine nach Jofef Guarneri und eine nach Kasper Duiffopruggar, ferner ein Violoncello nach A. Stradivari. Unter diefen genannten Inftrumenten hebt fich das Cello durch feinen Ton hervor, in welchem der echte Cello charakter fich abfpiegelt. Noch ift das von diefer Firma vorgeführte Quartett Stourdza zu erwähnen, deffen bereits oben gedacht wurde. 56 Eduard Schelle. An die Genannten reiht fich Carl Franz Schmidt in Wien mit zwölf Violinen an. Diefe find fämmtlich Copien nach Stradivari, Giuſeppe und Andrea Guarneri, P. Maggini, J. B. Rugerius und eine Prunkvioline mit reich verzierten Zargen und Boden. Sie find alle recht achtbare Leiftungen und haben einen kräftigen, guten Ton. Befonders aber lenkten die Erfindungen Schmidt's, welche in das Bereich der Lehr- Hilfsmittel fallen und fich ebenfalls hier ausgeftellt vorfanden, die Aufmerkfamkeit auf fich. Zunächft kommt da in Betracht ein Handleiter für fämmtliche Streichinftrumente aus Holz, nach der Form der regelrechten Inftrumentenhaltung gebildet, mit vier Federn am Inftrumente zu befeftigen. Diefem zur Seite fteht ein Handleiter für fämmtliche Bögen aus Holz, bei dem Frofch des Bogens zu befeftigen; derfelbe hat Vertiefungen für die regelrechte Fingerlage, aufserdem ift noch ein Bogenbafs aus Holz zu erwähnen, der an der Decke befeftigt wird, damit der Strich des Bogens auf den Saiten ein regelrechter fein mufs. Sämmtliche Erfindungen haben den Zweck, den Lehrer zu unterſtützen, dem Anfänger die richtige Armhaltung, eine gelenkige Bogenführung und correcten Bogenftrich anzugewöhnen; fie dürften von nicht unbedeutendem praktifchen Werthe fein und verdienen jedenfalls eine eingehende Beachtung der Fachmänner. Ein fehr gutes Quartett, Imitation nach Stradivari, im Preis zu 500 fl. öfterreichifcher Währung wies auch die Firma Ignaz Johann Bucher in Wien auf. Die Firma wurde von dem Vater des jetzigen Chefs derfelben, von Johann Bucher, 1816 gegründet. Der Letztere hatte von 1809 bis 1816 bei der damals fehr renommirten Firma Georg Stauffer in Wien gewirkt und viel zu dem guten Rufe beigetragen, deffen fich die Inftrumente Stauffer's erfreuten. Ferner führte Lütz & Comp. in Wien Streichinftrumente aller Art vor, die fich durch einen klangvollen, ftarken Ton empfehlen. Unter den Geigen befand fich eine zu dem Preife von 2 fl. 40 kr. öfterreichifcher Währung. In fchroffem Gegenfatze zur exorbitant theueren Gemünder- Geige liefern die Gebrüder Placht in Wien die billigften Violinen. Ein Dutzend derfelben fammt Bogen koftet 16 fl. öfterreichischer Währung. Diefe Geige eignet fich für den Anfänger und für das Chor von Landkirchen, wie auch zur Tanzmufik recht gut; fie wird in Graslitz in Böhmen( einzelne Theile freilich etwas primitiv) verfertigt; denn die Gebrüder Placht zählen nicht zu den Fabrikanten von Streichinftrumenten, fondern find nur Inhaber einer Mufikinftrumenten- Handlung. Unter den ausgeftellt gewefenen Objecten diefer Firma fanden fich auch eine Viola d'amore und eine Tenorgeige; die letztere hat einen etwas gröfseren Corpus als die Viola, mit hohen Zargen und vertritt bei jenen Orcheſtern, wo es an einem Cello mangelt, deffen Stelle. Aus den Provinzen haben fich folgende Ausfteller eingefunden: Stecher Jofef in Salzburg mit einer Geige von fchönem Modell, fehr gelungener Ausführung und warmem altitalienifchen Klang; Gfchwendtner Jofef in Innsbruck mit 2 Geigen zu 500 Gulden und 300 Gulden und einer alten Stainer als Reparatur; Diener Jofef aus Graslitz in Böhmen mit 3 Geigen, unter ihnen eine mit dunklem, faft fchwarzem Lack von weichem, aber keineswegs durch befondere Schönheit fich hervorhebenden Ton. Laut Angabe foll diefe Geige eine echt italienifche, und von einem Italiener, Namens Guanefa angefertigt fein; Volkmann Jofef aus Schönbach in Böhmen mit 6 Geigen, 2 Violen, I Cello und 1 Geigenkaften. Als ein Curiofum ift anzuführen eine Geige von Dr. Schaczik. Die Ecken des Corpus find befonders ftark ausgefchweift, fo dafs der untere Theil des Inftrumentes eine gröfsere Breite als gewöhnlich hat; defsgleichen auch die Zargen. Die FLöcher find klein zu nennen im Vergleich mit den Cremonefer Geigen. Der Saitenhalter ift ftufenförmig zugefchnitten, fo dafs die ftärkfte Saite zugleich die längfte ift. Die Einrichtung hat den Zweck, den Corpus nach hinten zu Gunften des Tones fo frei wie möglich zu geftalten. Leider ift die Qualität des Letzteren nicht derart, dafs fich die neue Entdeckung bewährte, der Ton hat vielmehr einen zwitterhaften, nichts weniger als feffelnden Charakter. Endlich wären noch zur Mufikalifche Inftrumente. 57 Vervollſtändigung zwei Geigen zu erwähnen, angefertigt 1870 von einem Grafen Leopold Martini in Galliano. Beide zeichnen fich in der That durch eine fchlechte Bauart und nicht minder fchlechten Ton aus. In der ungarifchen Abtheilung ragten auf dem Gebiete der Streichinftrumente Wenzel Schunda und S. Nemeffanyes in Peft hervor. Schunda hat ein Streichquartett gebracht, das fich durch feine gediegene Qualität um fo mehr empfliehlt, als der Preis verhältnifsmäfsig fehr billig ift, nämlich nur 150 Gulden öfterreichifcher Währung beträgt; Nemeffany es zwei Violinen von fchöner Factur und edlem Ton. In der deutfchen Abtheilung war es hauptfächlich die Firma Grimm in Berlin, welche zunächft durch ihren langbewährten Ruf die Aufmerkfamkeit feffelte. Grimm hat ausgeftellt: 1. Ein Quartett, zu 1000 Thaler. 2. Einen Doppelkaften mit zwei Violinen zu 400 Thaler. Die Geigen find von fchöner Form und gutem Holz; unter den Inftrumenten ift befonders die Viola als ganz vorzüglich hervor zuheben. Eine andere Berliner Firma, H. Knopf, brachte eine Violine zu 80 Thaler, Imitation, der Ton ift ftark und fchön. Eine ganz befondere Beachtung hat Herr Schünemann aus Hamburg zu beanfpruchen, zumal er durch die Schuld feines Vertreters von der Jury ganz zur Seite gelaffen wurde. Derfelbe hat 3 Geigen und 1 Cello geliefert. Unter den erften machte fich die kleinfte Geige bemerkbar, die fich auf der Ausftellung befand. Die gröfste Länge des Inftrumentes beträgt nicht mehr als 20 Centimeter, die gröfste Breite nur 6 Centimeter und 7 Millimeter und dabei ift es durchaus correct und regelrecht gebaut. Einen künftlerifchen Werth hat es freilich nicht, aber es ftellt der Gefchicklichkeit des Meifters ein Ehrenzeugnifs aus. Die zwei Geigen, eine nach Giuſeppe Guarneri, die andere wie das Cello nach Stradivari, find von ganz vorzüglicher Arbeit; in Betreff der Kraft und Helligkeit des Tones hebt fich die nach Giuſeppe Guarneri gearbeitete Violine befonders hervor. Diefe Inftrumente gehören entfchieden zu dem Beften, was die Ausftellung auf diefem Gebiete aufzuweifen hatte. Die grofsen Vorzüge diefer Geigen find theils auf Rechnung der Gefchicklichkeit des Erbauers zu fetzen, theils auf die Vortrefflichkeit des Materials. Das letztere befteht in einem Holz, welches bereits ein Säculum überdauert hat, und damit ift auch die Garantie gegeben, dafs diefe Inftrumente bei guter Behand lung mit der Zeit nur an Werth gewinnen werden. Die Violinen ftehen, die eine, die nach Guarneri im Preife zu 300 Gulden, die andere, die nach Stradivari, im Preife zu 200 Gulden, das Cello nach Stradivari zu 300 Gulden. Hervorragendes leiftete auch F. A. Pfabs, ebenfalls aus Hamburg, mit der von ihm ausgeftellten Violine; man könnte fie nach ihrem hellen und zugleich weichen Ton eine fogenannte Meiftergeige heifsen. Zwei ganz vortreffliche Violinen, die eine Imitation nach Nikol. Amati, die andere nach Giuſeppe Guarneri, hat Anton Haff aus Augsburg in Baiern geliefert; jede derfelben, einfchliefslich des Kaftens koftet 80 Gulden. Aus Regensburg fendeten Schulze& Kerchfteiner ein Quartett zu 400 Thaler, ferner vier Violinen und zwar die erfte eine Copie nach Jofef Guarneri 100 Thaler, die zweite eine Copie nach Peregrino Zanetto mit fchön eingelegter Arbeit zu 100 Thaler, die dritte eine Copie nach Maggini zu 100 Thaler, die vierte eine Copie nach Stradivari zu 100 Thaler. Die genannten Inftrumente find von guter Factur und zeichnen fich durch einen warmen, echt italienifchen Ton aus. Auch Mittelwalde, jenes kleine Gebirgsftädtchen in Baiern, hart an der Tiroler Grenze, welches durch feine Geigenfabrication gewiffermafsen einen hiftorifchen Ruf erhalten, fand fich in der deutfchen Abtheilung reichlich vertreten. Die Kunft des Geigenbaues wurde dorthin fchon im XVII. Jahrhundert durch einen Schüler Stainer's, nämlich Egydius Klotz und deffen Sohn Matthäus überführt und bildet noch heute eine Erwerbsquelle der Bewohner. Die Fabrication gefchieht nach dem Princip der Arbeitstheilung; jeder Arbeiter hat immer einen 58 Eduard Sehelle. " beftimmten Beftandtheil anzufertigen und befchränkt fich immer nur auf diefen Theil, die Zufammenfetzung, Lackirung und Montirung beforgen ebenfalls wieder andere, ftets befonders nur dazu berufene Arbeiter. Diefe verfchiedenen Beftandtheile, fowie auch die ganzen Inftrumente werden von den fogenannten„, Verlegern" übernommen und bilden für diefe einen fehr einträglichen Handelsartikel. Zu diefen ,, Verlegern" gehört das Haus Neuner& Hornfteiner. Von demfelben war ausgeftellt ein Contrabafs zu 70 Gulden, Cello zu 50 Gulden, Viola zu 8 Gulden, 7 Geigen von verfchiedener Gröfse herab bis 1/2 Format zu Preifen von 3 Gulden bis 6% Gulden. Ferner haben aus Mittelwalde die Ausftellung noch befchickt: Johann Reiter mit einem Streichquintett, beftehend in 1 Cello, 3 Violinen, 1 Viola, zufammen zu 500 Thaler. I. A. Baaders& Comp. mit einem Quartett, beftehend in 1 Violoncello zu 70 Gulden, I Viola zu 36 Gulden, 2 Violinen jede zu 25 Gulden. Sämmtliche vorgeführten Inftrumente tragen das Gepräge der fabriksmäfsigen Erzeugung an fich, fie halten fich auf dem Niveau anftändiger Mittelmäfsigkeit, find aber recht brauchbar, Holz und Manufactur recht lobenswerth. Eine ähnliche Rolle wie Mittelwalde fpielt auch Mark Neukirchen in Sachfen, indem diefer Ort in der Erzeugung von Mufikinftrumenten aller Gattungen, nicht nur von Streichinftrumenten allein, grofse Fruchtbarkeit darlegt. In Markt- Neukirchen ift die Firma Heberlein Heinrich Theodor jun., welche dem Rufe nach der Firma Grimm in Berlin zunächft fteht, etablirt. Diefelbe fendete zur Wiener Weltausftellung fieben Violinen, und zwar eine fogenannte ruffifche zu 15 Thaler, eine nach Nikol. Amati zu 20 Thaler, zwei nach Giuſeppe Guarneri zu 25 Thaler und zu 30 Thaler, eine nach Antonio Stradivari zu 70 Thaler, eine Violine nach Paolo Maggini, alt imitirt, zu 40 Thaler. In Anbetracht der Preife bilden fämmtliche Inftrumente höchft verdienftliche Leiftungen. Aus demfelben Ort haben ferner ausgeftellt: Moriz Gläfel: Ein Streichquartett, nämlich ein Cello, und zwei Violinen, Copien nach A. Stradivari. Hervorzuheben find das Cello und die Viola als befonders gelungene Inftrumente, der Ton der Viola namentlich ift rund und voll und kennzeichnet in feinem Klangwefen den echten Bratfchencharakter. Das Cello macht den Eindruck, als fei es fchon längere Zeit gefpielt. Für fämmtliche Inftrumente find elegante Etuis aus Paliffander vorhanden; Preis 250 Thaler; einzeln koften ein Violoncello 75 Thaler, Viola 40 Thaler, zwei Violinen im Doppelkaften 100 Thaler. Michael Schuft er jun.: Ein Streichquartett, nämlich Cello zu 30 Thaler, Viola zu 222 Thaler, zwei Violinen, jede zu 20 Thaler. Die Firma erzeugt in der Regel nur Geigen von 12 bis 21 Thaler, das Cello könnte beffer gefirnifst fein; dann eine Collection von Violinen verfchiedener Factur; endlich. Victor Em. Wettengel: Drei Violinen zu 25, 20 und 15 Thaler. Im Weiteren brachten: M. Amberger in München verfchiedene, fehr brauchbare Streichinftrumente von fehr guter Factur und zu billigen Preifen; Ranftler in München, für das Orchefter recht brauchbar, von gutem Holz, gutem Lack und leidlich im Ton. Der Preis per Stück 90 Gulden; ferner J. Rofer: Zwei Violinen in Cremonefer Manier, beide, obwohl gewöhnlich im Ton, recht annehmbare Inftrumente, fie fallen wie die Fabricate der beiden vorherangeführten Firmen in die Kategorie eines anftändigen Mittelgut. zu Noch find aus München zu nennen: X. Thunhart: Ein Cello 80 Thaler, der Werth des Inftrumentes fteht unter dem Preife; C. Padewet: Violinen von unglücklicher Imitation nach Guarneri; J. Haslwandter: Violinen, Mittelgut. Unter den Ausftellern von Streichinftrumenten fanden fich noch C. Rautmann in Braunfchweig mit einem Quartett, nämlich Cello, Viola, zwei Violinen von guter Factur und anfprechend im Ton. Preis 308 Thaler; G. Hoehne in Weimar: Ein Quartett, Cello, Copie nach Giuſeppe Guarneri, zwei Mufikalifbhe Inftrumente. 59 Violinen, eine nach Maggini, die andere nach Gafpardo di Salo, Preis des Quartettes 400 Thaler, zwei Violinen à 80 Thaler, Cello 160 Thaler, Viola 80 Thaler, eine Violine nach Giuſeppe Guarneri; Ferdinand Diehl in Darmftadt mit einem Contrabafs zu 300 Gulden, Cello zu 200 Gulden, Viola 100 Gulden, zwei Violinen zu 100 Gulden. Unter den Inftrumenten ift namentlich das Cello von fchöner Klangfarbe; die Viola könnte einen weniger verfchleierten Ton haben, wird jedoch im Quartett guten Effect machen. Die Violinen find fchneidig im Ton. J. J. Held aus Beuel( Rheinprovinz) zwei Violinen mit Doppelkaften und Bogen zu 75 Thaler, der Ton der Geigen ift zwar etwas fcharf, aber gut egalifirt. Die Firma L. Kriener aus Stuttgart brachte drei Violinen zu 88 Thaler, mit Bogen und Käften, aufserdem zwei Violinen mit Stahlfaiten, fogenannte Stahl geigen. Das Inftrument gehört in das Bereich der Zither, und zwar der Streichzither und bildet ein Seitenftück zu diefer. Die Streichzither, die auch in der öfterreichifchen Abtheilung unter den Firmen Lux, Kindel und Kircher fich vorfand, hat einen platten Corpus von herzförmiger Geftalt mit zwei Schalllöchern und ein gewölbtes Griffbret mit kleinen Bünden nach dem Syftem der gewöhnlichen Zither, über diefe Bünde laufen drei und vier kleine Stahlfaiten. Am Rücken befinden fich drei kleine Pflöcke, damit beim Spielen der Corpus nicht den Tifch berührt. Die Stahlgeige wird wie eine Violine behandelt, hat aber vier Stahlfaiten, welche, wie bei diefer, über einen Steg laufen und in der Violaftimmung ftehen. Sie ähnelt in Form der fogenannten, jetzt aufser Gebrauch gekommenen Philomela, von der einige Exemplare in der additionellen Ausftellung fich befanden. Bei der Letzteren weichen die Schalllöcher in der Form von denen der Geige vielfach ab, bei der Stahlgeige find fie den F- Löchern der Viola d'amore ähnlich. Zu diefer Claffe von Inftrumenten gehört auch das Streichmelodion, von dem fich Exemplare bei Heidegger in Paffau und M. Amberger in München ausgeftellt fanden. Es hat einen der Geige gleichen Corpus und ift auch mit gewöhnlichen F.Löchern verfehen, dagegen hat das Griffbret Bünde wie die Streichzither. Am oberen Ende des Corpus, das heifst am Anfange des Halfes, ift eine Kerbe von Eifen angebracht, welche in ein an irgend eine Platte angefchraubtes Eifen eingefchoben wird, fo dafs beim Spielen der ganze Corpus frei in der Luft fchwebt. Wie bei der Streichzither finden fich auch hier die Bafsfaiten auf der rechten Seite und nicht auf der linken, wie bei der Geige, daher der Stimmftock eine andere Stellung erhalten hat. Die Saiten des Melodions haben die gewöhnliche Violaftimmung. Der Ton desfelben ift, wenn die Saiten gut geftrichen werden, ätherifch und lieblich und macht befonders einen reizenden Effect, wenn das Inftrument von einer Zither und einer Guitarre begleitet wird. Die Firma Georg Heidegger in Paffau hat aufser dem bereits erwähnten Streichmelodion auch fehr brauchbare Violinen zu billigen Preifen ausgeftellt. Die Firma, obwohl fchon länger bekannt, hat befonders feit 1870 eine grofse Thätigkeit und tüchtiges Streben entfaltet und erfreut fich eines ftets fich fteigernden Umfatzes ihrer Fabricate, fo dafs fie jetzt anftatt 5 Arbeiter, wie im Jahre 1870 bei ihrem Beginne, 36 Arbeiter befchäftigt. Ein dem Streichmelodion ähnliches Inftrument ift die fogenannte Stahlviola, welche H. Wach ausgeftellt hatte. Der Corpus derfelben gleicht dem des Streichmelodions. Am Rücken des Vordertheiles feines Corpus hat das Inftrument zwei kleinere Pflöcke und einen gröfseren am äufserften Ende des Halfes, fo dafs es, zum Behuf des Spielens auf den Tifch geftellt, eine fchräge Stellung erhält. Ein Vorbild der Stahlviola lieferte ebenfalls die additionelle Ausstellung, nur dafs diefes Inftrument oben in den Wirbeln in einen metallenen Schallbecher ausläuft, und zwei ähnliche Schallbecher ftatt der gewöhnlichen F- Löcher in dem Refonanzboden in den Zargen des Buges angebracht find. Die franzöfifche Abtheilung enthielt nur zwei Firmen, Sylveftre in Lyon und Thibouville- Lamy in Paris; allein beide haben einen weitgehenden 60 Eduard Schelle. Ruf, den fie auch in der Wiener Ausstellung glänzend bewährten. Namentlich find die Cellos, die Bratfchen und insbefondere die drei Geigen, welche H. C. Sylveftre ausgeftellt, wahre Mufterinftrumente, fowohl nach Ton als nach Factur. Auch die Violinen von Thibouville find höchft preiswürdig zu nennen. Nicole Vouilleaume in der belgifchen Abtheilung gehört ebenfalls zu den tonangebenden Firmen auf diefem Gebiete. Von ihm waren zwei Streichquartette von trefflicher Mache ausgeftellt. Der Ton des Cello hat zwar etwas Herbes, der Klang der Geigen dagegen ift warm und von echt altitalienifchem Klang. Ein reichliches Contingent an Ausftellern lieferte zwar auch die italienifche Abtheilung, allein die Leiftungen derfelben dienten nur dazu, den tiefen Verfall Italiens in diefem einft von ihm in bis jetzt unerreichter Höhe entwickelten Kunftund Induftriezweig ans Licht zu ftellen. Nur eine unter den vielen Firmen, nämlich Enrico Ceruti aus Cremona, der Stadt der Amati, Guarneri, Stradivari u. f. w. kann für ihre vorgeführten Violinen eine gewiffe Anerkennung beanfpruchen; diefelben reihen fich doch halbwegs nach Factur, Bauart und nach Ton, der wohl ziemlich derb ift, noch an das Beffere an, was gerade in diefem Zweige der Kunftinduftrie von den oben gedachten Ländern geliefert ift. Den höchft betrübenden Rückgang, der im Geigenbau aus den hier vorhandenen Streichinftrumenten hervortritt, kann eine neue Erfindung von Antonio Aloyfio in Venedig, nämlich das Metallichord, um fo weniger ausgleichen, als diefes neue Inftrument in keiner Beziehung nur einigermafsen künftlerifchen Werth beanfpruchen darf. Das Metallichord bildet einigermafsen ein Pendant zur vorhin erwähnten Stahlgeige, indem es einen Bezug von Stahlfaiten befitzt, unterfcheidet fich aber in der Form wefentlich von diefer, wie überhaupt von der Violine. Der Corpus hat am vorderen und hinteren Theil eine Verfchallung; die vordere ift etwas niederer als die andere. Statt der F- Löcher befindet fich an der rechten Zarge ein rundes Schallloch. Die vier Stahlfaiten laufen über zwei Stege. Diefelben ruhen mit einem Fufs auf einem dritten, unter der tiefften Saite auf dem Refonanzboden entlang ziehenden niedrigen Bafsfteg. Unter dem Griffbret befindet fich ein zweites, ebenfalls mit vier Stahlfaiten und einem zum Behufe der Stimmung beweglichen Steg und Wirbeln; diefe vier Saiten werden nicht geftrichen, fondern haben den Zweck, mitzuklingen, und follen die Wirkung der oberen verftärken. Der Stimmftock befindet fich in der Mitte des Inftrumentes und nicht wie bei Geigen nach der linken Seite zu. Die beiden tieferen Saiten find befponnen und die Stimmung ift die der Bratfche. Das Inftrument leidet von vornherein an dem Hauptfehler einer durchaus uncorrecten Menfur, die Factur ift ziemlich roh, der Ton hart und fchneidig. Unter den in der italienifchen Abtheilung vorhandenen neuen Streichinftrumenten ift auch noch eine kleine Geige mit einem mandolinförmigen Corpus und drei in Quinten geftimmten Saiten. Statt der F- Löcher finden fich zwei rhomboidenförmige Einfchnitte mit einem Loch in der Mitte des Holzes, das von ihnen umrahmt ift. Der Klang des Inftrumentes ift nicht übel und hat eine Aehnlichkeit mit dem Quintaton der Orgel. Nächft Ceruti und Aloyfio wären noch hervorzuheben: Marconi Antonio in Conegliano, Trevifo, mit zwei Contrabäffen von fchönem, markigem Ton, und Fiorini Raphaele in Bologna, unter deffen Inftrumenten fich eine Violine durch einen weichen und angenehmen Ton hervor thut. Doch dürfte fie fchon oft gefpielt fein und verräth auch im Weiteren manche Symtome eines höheren Alters; eine andere, welche entfchieden das Gepräge der Neuheit hat, ift als ein durchaus mifslungenes Inftrument zu bezeichnen; ein Cello desfelben Ausftellers erhebt fich ebenfalls nicht über eine dürftige Mittelmäfsigkeit. Zur Vervollſtändigung führen wir noch die weiteren Firmen an, nämlich: Gioffredo Benedetto in Turin: Violinen, eine Viola und ein Violoncell; Melegari fratelli Enrico e Pietro in Turin: Violinen, eine Viola, Violoncell; Guadagnini Antonio in Turin: zwei Violinen nach A. Stradivari, jede zu 150 Lire, eine. Viola nach A. Stradivari zu 200 Lire; Orzero Tommafo in Alufikalifche Inftrumente. 61 Turin eine Violine; Praga Eugenio in Genua: Violine, Viola, Violoncell; Ravenna Cav. Gio. Battifta in Ganua: Violine; Soccol Pius in Genua: Violine, Viola, Violoncello; Antoniziati Cajetan in Mailand: Violinen nach Amati und Guarneri; Cattignoli Jofef in Mailand: Violine mit Bogen; Manzoni Lorenz in Mailand: Violine mit Bogen; Degani Eugen in Montagnana( Padua); Cardi Ludwig in Verona: Violinen, Viola, Violoncell; Luppi Johann in Mantua: Violine, angeblich von Guarneri, reftaurirt von Thomas Balestrieri aus Cremona in Mantua; Sgarbi Jofef in Finale( Modena): Contrabafs, Violoncell, Viola und Violinen; Leper Dominik in Rom: grofse Violine; Trojani Franz in Rom: eine Violine zu 200 Lire; Petroni Anton in Rom: Violine von Ebenholz; Filippi comm. Philipp: Violoncell, Viola, Violinen. Blasinftrumente. Holz Blasinftrumente. Zu den fchwierigften und zugleich undankbarften Ton- Werkzeugen gehören die Blasinftrumente. Obgleich fie an Klangfülle, an Farbenreichthum ihres Ton wefens die Streich- und Tafteninftrumente bei Weitem übertreffen, fo find fie doch an Ausdrucksfähigkeit unendlich befchränkter und bieten dem ausübenden Künftler in Folge ihres Organismus weit gröfsere Schwierigkeiten. Sie haben überdiefs das Schickfal, dafs fie mit der Entwicklung der Mufik nicht in gleichem Schritt bleiben, fich mit einem Wort nicht nach einem beftimmten Syftem vervollkommnen konnten. Diefs rührt zum Theil von der Stellung her, die fie im Orchefter einnahmen, fo lange diefes feine ganze Schwerkraft vorwiegend auf das Streichquartett legte. Die Componiften benützten fie damals hauptfächlich zu harmonifchen Füllungen, in befonderen Fällen auch zu gewiffen charakteriftifchen Effecten und vermieden nach Kräften, ihnen etwas zuzumuthen, was ihr Leiftungsvermögen hätte auf eine bedenkliche Probe ftellen können. Es ift bekannt, welche Klippen Mozart zu umgehen hatte, als er feinen berühmten Pofaunenfatz für den fteinernen Gaft im„ Don Juan" fchrieb, und noch heutigen Tags bildet die ebenfalls berühmte Hornfanfare im Scherzo der„ Eroica" eine Aufgabe, welche unfere Horniften trotz ihrer Gefchicklichkeit und der vervollkommneten Inftrumente nicht im Stande find, mit Sicherheit zu löfen. Im Ganzen und Grofsen kann man fagen, dafs die Intentionen der grofsen, fchaffenden Künftler an diefer Gattung von Ton- Werkzeugen von jeher den gröfsten Widerftand gefunden haben, und zwar aus dem Grunde, weil diefelben den Bedürfniffen der fortfchreitenden Kunft ftets nach zeitweiligem Vermögen angepasst wurden. Die Hinderniffe, welche der Vervollkommnung der Blasinftrumente fo lange fich in den Weg gelegt haben, entſpringen nun fchon aus deren Materiale wie Form. Es ift doch jedenfalls weit fchwerer, eine Röhre von Holz oder von Metall dem mufikalifchen Ausdrucke völlig dienftbar zu machen, als ein Streich- oder Tafteninftrument. Eine Röhre von einer beftimmten Länge gibt beim Anblafen nur eine geringe Anzahl von Tönen, eine Erweiterung der Scala ift nur zu ermöglichen, wenn die Röhre durch Bohrung von Löchern getheilt wird. Ferner bedingt die künftlerifche Manipulation mit einem Rohrinftrumente gewiffe künftliche Vorrichtungen, wie Klappen und Ventile an demfelben, ohne welche man den Ton nicht gehörig beherrfchen könnte. So ift nun auf dem Wege fucceffiver Zufätze und zweckmäfsiger Erweiterungen jener complicirte Mechanismus herangewachſen, welcher einen vollen und geübten Künftler fordert und zugleich diefe Gattung von Inftrumenten vor dem Dilettantismus fchützt; in der That haben nur fehr wenig Arten derfelben aufser den Kreifen der Künftler einige Verbreitung gefunden. Die Blasinftrumente zerfallen nach ihrem Material in zwei Hauptclaffen, die einander mit einem felbftftändigen Charakter gegenüberftehen, nämlich die 62 Eduard Schelle. Holz- und Blech- Blasinftrumente. Unter den erfteren lenkt die Flöte ein allgemeines Intereffe auf fich, als das Inftrument des„ füfsen, irdifchen Verlangens", wie es Schelling in feiner Aeſthetik der Tonkunft bezeichnet, und in der That war fie ja, namentlich in unferer Wertherperiode, das mufikalifche Symbol der modernen Sentimentalität. Ueberdiefs hat die Flöte auch ein glänzender, hiftorifcher Nimbus gefchmückt, denn ihre Anfänge follen parallel mit der Orgel und fich an die Pansflöte knüpfen, ja noch mehr, fie follen fogar bis in den Olymp der unfterblichen Götter hineinreichen; denn, wie uns die Mythe fagt, hat Pallas Athene die Flöte erfunden. Die Göttin warf fie aber fort und verfluchte den, der fie aufheben würde, weil fie in der Quelle des Ida fah, wie beim Spielen des Inftrumentes ihre Backen auf Koften der Schönheit fich aufbliefen. Das Flötenfpiel mufste alfo damals grofse Anftrengungen verurfachen, denn es ift bekannt, dafs auch Alcibiades eine Antipathie gegen das Inftrument hatte, weil das Flötenfpiel das Geficht fo verunftaltet. So ift unfere moderne Flöte das unfchuldige Opfer der Phantafie geworden. Denn aus diefen Andeutungen, wie aus anderen Nachrichten geht hervor, dafs die fogenannte Flöte der Alten durch ein keffelartiges Mundftück angeblafen wurde und alfo mit dem Inftrumente, welches wir jetzt unter diefem Namen kennen, gar keine Aehnlichkeit haben konnte. In Wahrheit abėr ift wohl die Flöte aus der Schwegel, der Schweizer oder Querpfeife entstanden und wahrfcheinlich eine deutfche Erfindung und bei den Franzofen, wo fie fchon frühzeitig Eingang fand, zum Unterfchiede von der auch in Deutfchland bis in die Mitte des XV. Jahrhundertes in Gebrauch ſtehenden Schnabelflöte, flûte Allemande und in England German flûte genannt. An Alter ift ihr die aus der Schalmei hervorgegangene Oboë überlegen. Schon in den beiden erften Jahrzehnten des vorigen Jahrhundertes fehen wir die Technik an diefem Inftrumente bedeutend entwickelt, wie aus den Concerten Haendl's auf der Oboë hervorgeht. Ihr fcharfer, dabei keufcher und heller Ton hatte fie fchon frühzeitig fehr beliebt gemacht; fo äufsert Matthefon( Orchefter I. 268),„ fie käme nach der flûte Allemande der Menfchenftimme wohl am näheften, wenn fie manierlich und nach der Singart tractirt werde, wozu ein grofser Habitus und fonderlich die gantze Wiffenfchaft der Singekunft gehöret. Werden aber die Hautbois nicht auf das Allerdelicatefte angeblafen( es fei denn im Felde oder inter pocula, wo mans eben fo genau nicht nimmt), fo will ich lieber eine gute Maultrummel oder ein Kammftückchen davor hören und glaube, es werden ihrer mehr alfo verwehnet feyn". Und fo verhält es fich noch und die Oboë verlangt fowie das Fagot einen feinen, gewiegten Künftler, wenn fie ihre Reize entfalten foll, und zwifchen den Lippen eines nicht hinreichend gebildeten Spielers erklingt fie leicht bis zum Unleidlichen fcharf und rauh. Auch die Clarinette, das jüngfte unter diefen Inftrumenten, erfunden gegen Ende des XVII. Jahrhundertes von dem Nürnberger Flötenmacher Denner, dürfte als eine Variation der alten Schalmei aufzufaffen fein, obwohl fie fich durch eine weitere Bohrung und einen runden, üppigeren Ton von der Oboë, welch' letztere mittelft eines doppelten Rohrblattes, der fogenannten Röhre, intonirt wird, während das Mundftück der Clarinette nur ein, aber viel breiteres Blättchen enthält, unterfcheidet. Der Familie der letzteren gehört das Fagot an, eines der älteften unferer jetzt gebräuchlichen Orchefterinftrumente; es iſt aus dem Bombard, dem gewöhnlichen Bafspommer, welcher durch eine Röhre in Form eines S intonirt wurde, entftanden. Auch bei diefen genannten Blasinftrumenten treten jene Unvollkommenheiten des Mechanismus, auf welche bereits hingewiefen wurde, jetzt noch ftark zu Tage, wenngleich die gröfsten Uebelftände befeitigt find. Die Hauptfchwierigkeit für den Spieler befteht darin, dafs er den Ton zum Anfchlag nicht vorfindet, fondern ihn fich gewiffermafsen künftlich fchaffen mufs. So ftehen manche Töne von Natur zu tief und müffen durch ftärkeres Anblafen ins richtige Verhältnifs gebracht werden, bei anderen findet das Gegentheil ftatt. Der Geigenfpieler befindet fich freilich in einer ähnlichen Lage, auch er mufs den Ton bilden; bei Mufikalifche Inftrumente. 63 ihm jedoch handelt es fich nur, die richtigen Theile der Saite zu erfaffen, und jedenfalls ift da die Procedur ficherer, als bei einer Flöte, Clarinette oder Oboë, wo der Künftler in Betreff der Qualität und der Reinheit des Tones im Grunde nur auf fein Gehör, nicht zu fagen auf feinen Inftinct angewiefen ift. Einen Beweis dafür liefert, dafs durchfchnittlich in den Orcheſtern gute Bläfer weit feltener find, als gute Geiger. So hat es beiſpielsweife auf der Flöte feine Schwierigkeit, eine durchgängige Reinheit und Gleichheit des Tones zu erzielen. Das Inftrument hat nämlich nur fieben offene Tonlöcher und durch diefe foll eine Scala von zwölf Tönen hervorgebracht werden. Um die fehlenden Töne zu erzeugen, muss man fich aufserordentlicher Hilfsmittel, nämlich der Klappen bedienen. Die alte D- Flöte hatte nur eine Klappe für Dis, heutzutage ift die Anzahl diefer Klappen bis auf fünfzehn geftiegen. Den felbft bei allen Verbefferungen ftets vielen Unvollkommenheiten, an welchen das Inftrument bisher gelitten, ift nun durch den finnreichen Mechanismus eines eigenthümlichen Klappenfyftemes abgeholfen, welches der Hofmuficus Böhm in München erfunden hat. Zunächft erhielt jeder Ton der Scala fein eigenes Tonloch, und zwar an der Stelle, die ihm nach den akuftifchen Principien zukommt. Die Ton- oder Grifflöcher felbft find fo grofs wie möglich gebohrt und werden durch Klappen gefchloffen, welche rechtwinkelig an langen, parallel mit der Achfe der Flöte laufenden, metallenen Stielen befeftigt find. In Folge diefer Einrichtung wurde alfo zunächft die Trennung der Klappen von den fie in Bewegung fetzenden Hebeln bewirkt. Diefe Klappen beftehen zum Theil aus offenen Ringklappen, die durch den Finger gefchloffen werden, zum Theil aus gedeckten Klappen. Der Vortheil diefer Einrichtung befteht darin, dafs, wenn durch den Fingerdruck die Ringklappen gefchloffen werden, auch die dem Tone entſprechenden Tonlöcher durch die gedeckten Klappen fich fchliefsen und mithin ein Finger die Arbeit von zwei oder drei Fingern verrichtet. Das Rohr hat die cylindrifche, der Kopf die nöthige conifche Form.* Das Syftem Böhm ift übrigens auch bei Clarinetten mit gutem Erfolge in Anwendung gebracht worden. Die Clarinette hatte anfangs nur 7 Tonlöcher und 1 A- und 1 B- Klappe, gegenwärtig befitzt das Inftrument 8 Tonlöcher und 14 Klappen, welche in neuefter Zeit bis auf 17 vermehrt find, fo dafs gegenwärtig die Clarinette 19 Klappen befitzt. Der eigentliche Begründer der modernen Clarinette wäre demnach Ivan Müller, der zuerft 13 Klappen herftellte. Die Hauptfchwierigkeit bei diefem Inftrumente befteht in der Bildung der Töne, weil der Spieler genöthigt ist, die Finger von einer Klappe zur anderen hinübergleiten zu laffen. Diefem Mangel hat erft die Mechanik Böhm's abgeholfen. In Frankreich hat das Syftem Böhm längft Eingang gefunden und es wäre zu wünſchen, dafs die nach diefem Syftem conftruirten Flöten und Clarinetten bei unferen Oicheftern in Gebrauch kämen, namentlich hätten unfere Confervatorien die Pflicht, zu forgen, dafs folche Inftrumente endlich einmal in Praxis gebracht würden; mag auch der Toncharakter, namentlich bei der Flöte, an Weichheit etwas verlieren, fo kann diefer geringe Nachtheil gegenüber dem grofsen Vortheil nicht in Betracht kommen, welchen diefes Syftem fowohl in Betreff der Anfprache und Reinheit des Tones, fowie in Betreff der gröfseren Wirkungsfähigkeit des Inftrumentes bietet. Es liegt nun einmal in der Natur der Dinge, dafs ein jeder Fortfchritt mit gewiffen Opfern erkauft wird. Machen wir doch diefelbe Erfahrung auf dem Gebiete des Pianos mit der Wiener und der englifchen Mechanik und auf dem Terrain der Blech- Blasinftrumente mit dem alten Natur- und dem modernen Ventilhorn. Die Ausftellung hat uns indefs, und zwar insbefondere in der öfterreichifchen Abtheilung, einen Beweis gegeben, dafs die Flöte auf dem Wege des alten Syſtems manche Vervollkommnung erfahren hat. In diefer Richtung haben fich namentlich * Ausführlich und fachgemäfs ift das Böhm'fche Syftem behandelt von Dr. K. Schafhäutel, in dem Berichte über die deutfche Induftrie- Ausftellung in München 1854. 5 64 Eduard Schelle. die Firmen Ziegler und Stecher in Wien ungemeine Verdienfte erworben und zwar nicht nur um die Flöte, fondern um die Holz- Blasinftrumente überhaupt. Die erftere Firma, nämlich Johann Ziegler, befteht bereits feit dem Jahre 1820 und geniefst gegenwärtig einen bedeutenden Ruf auf diefem Gebiete. Aus ihrer Fabrik fanden wir 10 Flöten mit B- Fufs und 14 Klappen, II Clarinetten, 1 Oboe und 4 Piccolos vor, fämmtliche Inftrumente von vorzüglicher Qualität bis auf die Oboë, welche einen harten und trockenen Ton hat. Stecher Carl hat geliefert im Ganzen 4 Clarinetten, 3 Fagots und I Piccolo. Hervorzuheben ift eine Clarinette mit einer Verbefferung der Klappen, wodurch es möglich ift, ganz bequem von H auf Cis, Dis, Gis u. f. w. bindend und ohne alle Schwierigkeit zu spielen, ferner ein Fagot, aus Ahorn angefertigt, von weicher, warmer Klangfarbe, guter Bauart und durch die vortheilhafte Anbringung der Klappen dem Bläfer eine grofse Bequemlichkeit beim Spielen bietend, dann ein Fagot von Paliffanderholz von fehr guter Stimmung, fchönen, runden Bafs- und Mitteltönen und leichter Anfprache bis zum hohen D. Ausserdem noch ein Tritonikon und ein fogenanntes Clairiophon, eine Bafsclarinette von Blech. An diefe beiden Firmen reiht fich zunächft die Firma Friedrich Koch in Wien, welche durch eine Clarinette, Oboë und eine Flöte vertreten war. Die erfte zeichnet fich durch eine Verbefferung der H- und Cis- Klappen aus. Neu ift ferner an dem Inftrumente, dafs das Mundftück durch Schrauben befeftigt war. Der Ton ift in allen Lagen gut ausgeglichen und dasfelbe kann man der Oboë ebenfalls nachrühmen. Die Firma Jofef W. Lausmann in Linz fehen wir an dem Beftreben betheiligt, diefe Inftrumente zu verbeffern. So fanden wir unter ihren Ausftellungsobjecten eine Oboë, bereichert um eine Klappe zu einer bequemeren Grifflage. Die Mechanik ift fehr gut, der Ton jedoch nur in der tiefen Lage fchön, in den höheren dagegen fpröde und hart. Ferner ift noch hervorzuheben eine Altclarinette in F, im Umfange von vier Octaven und fchöner, dabei praktiſcher Conftruction; das Inftrument hat in der Tiefe und der Mittellage einen fehr weichen Klang, in der Höhe dagegen ift er fcharf. Im Ganzen jedoch mufs man zugeftehen, das fowohl Altclarinette wie Altflöte keine erfpriefsliche Erweiterung der Familie abgeben. Dann ift noch zu erwähnen eine Clarinette wegen ihres vollen, grofsen Tones. Die Firma Wenzel Bradka hatte zwei Fagots, Contrafagots nebft Flöte und Piccolo ausgeftellt. Unter den Fagots befindet fich eines aus Ebenholz mit zwei Flügeln in der Parifer und Wiener Stimmung. Der Nutzen diefer doppelten Stimmung fpringt nicht in die Augen. Dem Inftrumente ift nur die Bedeutung eines Experimentes beizumeffen. Der Ton ift zwar grofs, aber hart. Ferner lenkt eine Clarinette in B die Aufmerkſamkeit auf fich, weil hier das gewöhnliche Syftem mit dem Bermann's verbunden ift. Der Ton ift leidlich und verräth in Aufserdem ift diefe feinem Klangwefen eine zu enge Bohrung des Rohres. Clarinette mit einem Mundftücke von Kryftall verfehen. Ueber den praktiſchen Nutzen derartiger Mundftücke aus einem anderen Stoffe als Metall, gehen die Anfichten der Fachmänner auseinander. Die Wahl diefer Stoffe rührt von dem Beftreben her, die Einflüffe der Temperatur zu paralyfiren, man hat fogar zum Marmor gegriffen, aber ohne einen glücklichen Erfolg zu erzielen. Gut gearbeitet ift auch eine Bafsclarinette von Neufilber und Meffing. Flöte und Piccolo wollen nicht viel bedeuten. Als weitere Ausfteller bezeichnen wir noch die Firma Gebrüder Placht in Wien, welche jedoch keine Stellung unter den producirenden Firmen einnimmt, fondern nur eine Niederlage von Mufikinftrumenten verfchiedener Art befitzt, wie fchon im Berichte über die Streichinftrumente erwähnt wurde. In der ungarifchen Abtheilung fand fich die Firma Wenzel Schunda mit einer Flöte und einer Oboë vor; die erfte mit einer neuen Vorrichtung an Mufikalifche Inftrumente. 65 dem Mundftücke, um demfelben zum Behufe der Stimmung eine fefte Stellung zu geben. Die Inftrumente find gut gearbeitet und in vieler Beziehung preiswürdig. In der deutfchen Abtheilung nennen wir zunächft die Firma Michael Schufter in Mark- Neukirchen( Sachfen). Diefelbe brachte zwei Flöten, vier Clarinetten in Es, B, A, C; die C- Clarinette hat einen guten Ton, die in B einen etwas fchwachen und verfchleierten; am meiften befriedigt die Clarinette in A; ihr Ton hat den echten Klang charakter der Clarinette. Die Flöten haben einen fchwachen, aber nicht unangenehmen Ton; ganz annehmbare Inftrumente. Ferner ftellte die Firma noch Piccolos und Flageolets. Sämmtliche Inftrumente find fehr billig im Preife, von 19 bis 24 Thaler. Die Firma Georg Berthold zu Speyer in Baiern befchickte die Ausftellung mit vier Clarinetten, drei Clarinetten in B und darunter eine von Elfenbein mit Glas- Mundftück zu 80 Thaler, eine andere in hoher Stimmung von fchwarzem Holz mit Glas- Mundftück zu 40 Thaler; ferner eine Clarinette in Es von fchwarzem Holz zu 32 Thaler; ferner mit zwei Oboën in Parifer Stimmung, die eine von Rofen-, die andere von fchwarzem Holz, beide zu 40 Thaler; unter den Oboën ift die letztere vorzuziehen; fie ift aufserordentlich fchön und ftark im Ton und gehört zu den beften Inftrumenten diefer Art auf der Ausftellung; dann mit zwei C- Flöten, die eine mit Elfenbein- Kopf in hoher, die zweite in Parifer Stimmung; die erfte koftet 32, die andere 30 Thaler; endlich mit einer Bafsclarinette in B und hoher Stimmung, fie hat zwar einen fchönen, aber nicht gehörig ausgeglichenen Ton, hat eine Fagotform, Schallbecher und Mundftück treffen oben zufammen. Das Syftem Böhm vertritt aufs Rühmlichfte die Firma Th. M. Mollenhauer& Söhne in einer Altflöte von Neufilber und einer gewöhnlichen C- Flöte, beide in hoher Stimmung. Im Weiteren führte die Firma noch vor eine C- Flöte, ebenfalls in hoher Stimmung, aber nach alter Conftruction; eine Clarinette nach eigenem Syftem, welches aber eine Variation des Syftems Böhm zu fein fcheint, eine Bafsclarinette in hoher Stimmung; dann eine Oboë von Buchsbaum von etwas gewöhnlichem Ton. Ferner find noch zu erwähnen H. J. Kerner in Berlin: Zwei Flöten in C- und H- Fufs; eine andere nach dem Syftem Böhm zu 95 Thaler; eine Oboë in Buchsbaum- Holz und ein Piccolo in D; endlich eine Clarinette in B. Unter den Flöten ift die nach dem Syftem Böhm gebaute die gelungenfte, das befte der Inftrumente das Piccolo. Heinrich Berthold in Stuttgart: Zwei Clarinetten von Grenadillholz und mit 16 Klappen, die eine in B, die andere in Es; die erfte zu 30 Thaler, die zweite zu 35 Thaler und eine C- Fufs- Flöte, ebenfalls aus Grenadillholz zu 35 Thaler. Die beiden Clarinetten haben einen fehr anfprechenden Ton, der der Flöte dagegen ift etwas fchwach, aber fonft von anmuthiger Klangfarbe. W. Hefs in München: Eine Clarinette in B nach Syftem Bermann, fehr gewöhnlich und fchwach im Ton. Heinrich Stofs in Offenbach( Heffen): Mehrere Clarinetten und Flöten, unter den letzteren eine nach dem Syftem Böhm conftruirt, eine Oboë, diefer fehlt leider das, was den Werth der Oboë ausmacht, nämlich der eigenthümliche Charakter im Ton; endlich A. A. Euler in Frankfurt am Main: Eine Flöte, eine Clarinette, ein Piccol; im Ganzen leidliche Inftrumente, das Piccolo befonders rein in der Stimmung und von gutem Ton. In der franzöfifchen Abtheilung begegneten wir den drei Hauptfirmen von Frankreich in der Fabrication von Mufikinftrumenten, nämlich Goumas& Comp., Thibouville- Lamy und Gautreau aîné, als Namen von bewährtem Ruf, auch als Ausfteller von Holz- Blasinftrumenten. Bei Goumas& Comp. feffelte die Aufmerkfamkeit durch feine Geftalt ein Quartett von fogenannten Saxophons. Sie zeigen eine ähnliche Form, mit Ausnahme des Soprans, wie die nach neuer Art conftruirten Bafs clarinetten. Bei dem Sopran verengt fich die gerade Röhre nach 5* 66 Eduard Schelle. obenhin und geht in das Mundftück hinein, während bei der Clarinette der Schnabel in die Birne, das fogenannte Umfatzftück eingefchoben wird. Bei Alt und Tenor fpringt der Hals mit dem Schnabel rechtwinklig in der Biegung hervor, beim Bafs ift der Hals abermals heruntergebogen und befchreibt eine gröfsere Windung. Bei den drei letzten Inftrumenten nimmt der Schallbecher die Richtung nach obenhin, an demfelben befinden fich zwei Klappen. Diefe Inftrumente find aus verfilbertem Kupfer geformt. Ihr Ton ift von etwas bleicher Farbe, ausgiebig und warm; er hat Vieles von dem Charakter eines auf einem Saiteninftrumente geftrichenen Tones, und defshalb würde die Einführung eines folchen Quartettes in unfere Harmoniemufik von grofsem Nutzen fein und hier das Streichquartett aufs Wirkfamfte erfetzen. Diefe Saxophons ftehen: Sopran und Tenor in B, Alt und Bafs in Es. Für den Concertgebrauch ift das Altfaxophon das geeignetfte. Die Inftrumente find leicht und die Spielart macht keine Schwierigkeit. Der Preis der Inftrumente ift in Rückficht auf das koftbare Material mäfsig zu nennen. Die Saxophons werden nur aus Metall gefertigt, aber fie gehören nach dem Charakter des Tones wie der Mechanik zu den Holz- Blasinftrumenten. Sax inParis hat diefe Inftrumente erfunden, aber fpielbar find fie erft durch Goumas geworden. Meyerbeer hat bekanntlich Saxophons im„ Nordftern ,, und der " Afrikanerin" einzuführen getrachtet. Aufserdem hat Goumas noch fehr fchöne Clarinetten, Alt- und Bafsclarinetten geftellt. Die Bafs clarinetten dürften vielleicht in Betreff des Tones nicht fo leicht ihres Gleichen finden. Zwei Fagots, ein englifches Horn und zwei Oboën bewähren nach Bauart wie Ton den wohlbekannten Ruf der Fabrik aufs Rühmlichfte, defsgleichen auch die Clarinetten. Befonders zeichnet fich unter ihnen eine Clarinette in A, nach Syftem Böhm mit Klappen für Es und B aus. Der Ton ift in allen Regiſtern gleich, und hat etwas flötenartiges und bewahrt dennoch den Charakter der Clarinette. Von vorzüglicher Klangwirkung find endlich auch die Flöten und Piccolos; auch hier waltet, wie überhaupt in Frankreich, das Syftem Böhm vor, doch befindet fich unter den Flöten eine nach altem Syftem conftruirte. In Betreff der Bauart läfst die Letztere nichts zu wünſchen übrig. Es bot fich hier Gelegenheit zu einem Vergleich diefer beiden Syfteme, und zwar mit einer Metall- und Holzflöte nach Böhm. Den Letzteren mufste man fchon den Vorzug geben wegen des in allen Lagen wunderbar ausgeglichenen und dabei kräftigen Tones, in welcher Beziehung ihnen die Flöten des alten Syftems und felbft die beften entfchieden nachftehen. Die Fabrik Goumas befchäftigt nicht weniger als 150 Arbeiter und verwendet zur Bohrung der Löcher Dampfkraft. Die bereits genannten FirmenThibouville- Lamy und Gautreau aîné legen ihren Schwerpunkt nicht auf Holz-, fondern auf Blech- Blasinftrumente. Die in die erfte Claffe fallenden Inftrumente, wie Clarinetten gehören in die Rubrik des Mittelgut, dagegen hat Thibouville Saxophons von verfilbertem, Gautreau defsgleichen von reinem Kupfer ausgeftellt, die recht preiswürdig find. Unter den Objecten der letzteren Firma befindet fich auch eine für uns wenigftens neue Familie von Inftrumenten, die allerdings aus Metall angefertigt, aber wie die Saxophons aus der Clarinette, aus dem Fagot und zum Theil aus der Oboë hervorgegangen find. Diefe Inftrumente paradirten fchon unter dem Namen Sarrufophons auf der Parifer Ausftellung 1867. Der Erfinder des Inftrumentes ift Gautreau aîné, aber die Idee und Veranlaffung gab ihm der Militär- Kapellmeifter Sarrus, nach deffen Namen die Inftrumente getauft wurden. Sie waren beftimmt, die in der franzöfifchen Militärmufik ausgefchloffenen Oboën und Fagots zu erfetzen. Die ganze Familie geht in auffteigender Linie vom fogenannten Sopranino in Es bis zum Contrabafs in B. Das Sopranino, wie der Sopran in B, gleichen in der Geftalt ganz einer Oboë von Metall; vom Alt an ift die Röhre in paralleler Richtung gebogen und der Hals fpringt mit dem Mundftück heraus, wie beim Fagot, das Mundftück befteht wie beim Fagot oder der Oboë in einem Doppel Mufikalifche Inftrumente. 67 blatt. Die Spielweife der Inftrumente gleicht der der Clarinette; der Ton läfst eben in feinem Charakter die Abftammung der Inftrumente von der Oboë und dem Fagot nicht. verkennen. Für unfere Harmoniemufik dürften diefe Inftrumente keine Verwendung finden, weil das Regifter, welches fie vertreten, beffer befetzt ift. In der italienifchen Abtheilung haben wir die Firma Brizzi& Nicolai in Florenz zu nennen, welche mit einer Metall- und zwei gewöhnlichen Flöten nach dem Syftem Briccioli auftritt, ferner die Firmen Aleffandro Ghirlando in Verona mit einer Oboë nach dem Syftem Ghirlando, dann Pelitti Antonio in Mailand mit drei Holz- und fechs Blechclarinetten von anfprechendem Ton und zwei Piccolos, endlich Gaëtano Sp and a von Bologna mit einem Metallfagot von neuer Form. Es ift kleiner und bequemer zu handhaben und zeichnet fich durch einen guten Ton aus. In der fpanifchen Abtheilung hatte Antonio Romero in Madrid Inftrumente nach feinem eigenen Syftem ausgeftellt. Antonio Romero, Profeffor am Confervatorium zu Madrid, war fchon 1867 in der Parifer Weltausftellung aufgetreten. Er verfolgte dasfelbe Ziel wie der Franzofe Albert, nämlich durch die Verbefferung der B- Clarinette die in A und C überflüffig zu machen. Seine hier vorgeführten Inftrumente bezeichnen einen bedeutenden Fortfchritt, aber beweifen, dafs uns die beiden letzteren Clarinetten noch immer fo nothwendig find wie früher. Blech Blasinftrumente. Die Blech- Blasinftrumente leiden fchon wegen des fpröderen Materials, aus dem fie geformt find, an noch gröfserer Unvollkommenheit, als die Holz- Blasinftrumente. Sie find lange Zeit die Achillesferfe der Orchefter gewefen. Durch ihr fchwerfälliges, ungefügiges Wefen waren dem Componiften fozufagen die Hände gebunden; er fah fich mitunter zu den gewaltfamften Combinationen genöthigt, um feine Intentionen zu einem entſprechenden Ausdruck zu bringen. So mufste der Abt Vogler in einer Symphonie zu zwei Hörnern von verfchiedener Stimmung, nämlich in Fund G, feine Zuflucht nehmen, um einen abfteigenden Scalengang vom Horn in Tönen von gleicher Farbe angeben zu laffen. Während alfo bei den Holz- Blasinftrumenten bald durch Bohrung von Tonlöchern eine regelmäfsige Abftufung der Töne erzeugt wurde, fah fich der Bläfer bei den mit einem Keffel- Mundstück verfehenen Blech- Blasinftrumenten lange Zeit auf feine Lippen allein angewiefen, durch deren Schwingungen die Luftfäule in dem Rohre zum Vibriren gebracht wurde, und dennoch vermochte er, fo lange demfelben die Seitenlöcher fehlten, nur eine mangelhafte Scala zu erzielen. Die Töne der Scala entſtehen nämlich hier durch Theilung der Luftfäule in ihre Aliquottheile; ihre Erzeugung durch den Procefs des Blafens allein, ohne Beihilfe künftlicher Mittel, kann fich mithin nur auf ein gewiffes Mafs befchränken. So fprechen bei den Inftrumenten diefer Gattung im Naturzuftande, das heifst mit intacten Röhren, zunächft am leichteften die harmonifchen Obertöne an; eine diatonifche Scala läfst fich erft von der dritten Octave des Grundtones an ermöglichen. Soll nun diefe Scala in die Tiefe ausgedehnt werden und die chromatifchen Töne zur Verwendung kommen, fo bietet fich dem Bläfer kein anderes und nur ein fehr dürftiges Mittel in dem Stopfen des Schallbechers mittelft der einen Hand dar. Nur ein Inftrument in der Familie, nämlich die Pofaune, ift nach diefer Seite hin bevorzugt, indem hier durch den verfchiebbaren Zug, nämlich eine zu einem Doppelfchenkel gebogene Röhre, in welche die beiden Schenkel der Hauptröhre hineinlaufen, die letztere nach Belieben verlängert und verkürzt werden kann. Bei den Trompeten freilich wufste man zu Bach's Zeiten diefem Uebel durch eine gröfsere Länge und Enge des Rohres bis auf einen gewiffen Grad abzuhelfen und eine leichtere Anfprache in der höheren Lage, dem fogenannten Clarino, zu 68 Eduard Schelle. bewirken; denn was jener Meifter dem Inftrumente zugemuthet hat, vermag heute kein Trompeter zu übernehmen, aber auf der anderen Seite kann das Inftrument in diefer Form den Bedürfniffen des Orchefters nicht mehr entſprechen. Das Horn alfo und die Trompete forderten fchon frühzeitig, als die renitenteften unter den Blechinftrumenten, den Scharffinn zur Verbefferung ihres Mechanismus heraus. Ein grofser Fortfchritt war fchon die Erfindung der fogenannten Inventionshörner, welche Hampel in Dresden, in der Mitte des vorigen Jahrhundertes zu verdanken ift. Die Conftruction war derart, dafs man jetzt ein einziges Horn für alle Tonarten brauchen konnte, indem man nämlich Krummbogen von verfchiedener Länge, je nachdem der Grundton der Tonarten fie erfor derte, in die Röhre einfchieben und diefe fomit nach Belieben umftimmen konnte; allein die Hauptfache blieb doch immer, die vollſtändige chromatifche Scala auf dem Inftrumente, ohne Beihilfe des Stopfens zu ermöglichen. Mit der Trompete hatte diefs fchon im Jahre 1802 Weidinger durch ein Klappenfyftem erzielt, allein der Ton erlitt dadurch eine zu grofse Einbufse an Charakter und Klang, als dafs man aus diefer Erfindung für den Orcheftereffect einen weittragenden Nutzen ziehen konnte. Die Klappentrompete war im Grunde nur als Solound Concertinftrument zu verwenden, und den Bedürfniffen der nur auf Harmoniemufik angewiefenen Militärcapellen gefchah dadurch keine durchgreifende Abhilfe. Da trat 1815 Stölzel aus Plefs in Oberfchlefien mit feinem Mafchinenfyftem hervor und damit beginnt eine neue Aera für den Bau der Blech- Blasinftrumente. - Die Mafchinen nämlich beftanden in zwei kleinen Röhren, welche, oben gefchloffen, an zwei Punkten ihrer Höhe, aber quer durchbohrt, in den beiden Enden des angefügten Bogens mittelft einer Feder fich auf- und abfchieben liefsen. Sie hiefsen Wechfel, in Deutfchland wurden fie Mafchinen, in Frankreich Piftons genannt. Diefe Erfindung nahm der Metall- Blasinftrumentenmacher Adolf Sax in Paris auf, erfetzte aber beide Röhren durch eine einzige, gröfsere Schubröhre, welche nach ihrer Form Cylinder hiefs. Uebrigens hat es mit der Erfindung des Herrn Adolf Sax feine eigene Bewandtnifs. So fchreibt der königlich preufsifche General- Mufikdirector, Herr W. Wieprecht, vom 4. April 1867 an den MufikInftrumentenmacher V. F. Červený in Königgrätz:" Im Jahre 1844 fo ich mich erinnere trat Herr Adolf Sax mit feinen fogenannten Saxhörnern in Paris als Erfinder derfelben, an welchen er fich meiner Pumpventile unverändert bedient hat, auf. Was aufser diefen als Erfindung der Saxhörner conftatirt werden kann, das wird wohl jeder Fachmann einfehen; felbft die aufrecht ftehende Form feiner Saxhörner war nicht neu, indem fchon 1835 meine Bafstuba in diefer Form exiftirte und auch in Oefterreich die Bombardone und noch viel früher in Paris die Ophikleiden diefe aufrechte Form führten." Die angeführten Pumpventile find nichts Anderes als die Saxventile, und die Ehre der Erfindung hätte daher nach diefem Schreiben nicht Sax, fondern Wieprecht zu beanfpruchen. Aber auch mit den fpäteren Erfindungen des Herrn Sax, welche auf der Parifer Weltausftellung 1867 fchwer in die Wagfchale zu Gunften desfelben fielen, verhält es fich fehr bedenklich. So z. B. die Blechinftrumente mit fechs erhöhten Piftons," piftons ascendents", welche das Rohr verkürzen und fomit die Note um einen halben Ton erhöhen, ftatt' ihn, wie bei unferen Mafchinen, zu vertiefen. Diefelbe Anzahl von Ventilen hat bereits Wieprecht 1835 bei feiner Tuba angewendet; die erhöhenden Piftons ftammen aus Rufsland her, und wurden als unpraktiſch zur Seite gelegt. Ebenfo verhält es fich mit dem drehbaren Schallbecher, welcher bereits 1849 in Oefterreich bei einem Altinftrument, Cornotragone, in Anwendung gebracht wurde. Ebenfo wenig hat die Anwendung von Klappen und Piftons das Anrecht auf das Verdienft einer Neuerung, da fie bereits fchon früher in Baiern in Gebrauch * Denkfchrift über öfterreichische und franzöfifche Metallinftrumente von V. F. Červený, Königgrätz 1868. Selbftverlag. Mufikalifche Inftrumente. 69 waren, aber hier bald als werthlos befunden wurden. Ueberhaupt zielen alle die fogenannten Neuerungen des Herrn Sax darauf hin, die Natur der Blechinftrumente zu entftellen und bezeichnen mithin eher einen Abweg, keineswegs aber einen eigentlichen Fortfchritt. Das Syftem, einen Cylinder mit zwei gekrümmten Oeffnungen zu durchbrechen, mit welchem Sax aufgetreten war, wurde in Wien und Böhmen bei einem Hahn angewandt, fo entftand die deutfche Cylinder- auch Radelmafchine genannt, weil der Hahn eine radartige Form hat. Der urfprüngliche Erfinder diefer Vorrichtung foll der Profeffor Keil am Prager Confervatorium gewefen fein, welcher aber nur die Cylinder, nicht aber die Klappen dazu machte. In Wien hat der bereits verftorbene Blasinftrumenten Fabrikant Felix Riedel diefe Idee praktifch durchgeführt. Eine durchgreifende Verbefferung erhielt die Wiener Cylindermafchine 1861 von einem Manne, der zu dem grofsen Auffchwung, den die Blechinftrumenten- Fabrication in Oefterreich genommen, viel beigewirkt hat, nämlich V. F. Červený, Metall- Mufikinftrumenten- Fabrikanten zu Königgrätz in Böhmen. Während nach der herkömmlichen Weife das Ventil mit feinem Conus nach aufwärts gekehrt war, durch Abfchleifung fich fenkte und das Inftrument wegen fchlechter Luftfchliefsung bald unbrauchbar machte, fo gab ihm Červený eine umgekehrte Stellung. In Folge deffen fenkt fich das Ventil durch die eigene Schwere in die engere Thür des Cylinders, fchleift fich dafelbft immer luftdicht ein, fo dafs das Inftrument ftets hermetifch bleibt und die leichte Anfprache des Tones fichert. Ueberdiefs wurde die Bewegung des Ventils leichter, weil die Triebkraft am unteren Ende angebracht war. Endlich auch für die Dauerhaftigkeit diefer Mechanik hat Červený durch eine erft in jüngfter Zeit erfonnene Vorrichtung Sorge getroffen. In neuefter Zeit ift er noch weiter vorgefchritten, und hat durch eine Veränderung der Mafchinerie den Mechanismus zu einer höheren Vollkommenheit geführt. Indem er nämlich dem Cylinder eine wagrechte Stellung gab und zu einer Walze geftaltete, förderte er die Beweglichkeit desfelben und zugleich erhielt der Trieb einen fefteren Halt. In der That zeichnen fich die mit der Walzenmafchine verfehenen Inftrumente durch eine überaus leichte und fichere Repetition des Tones aus. Die genannte Mafchinerie ift fomit eine ganz neue Erfindung auf diefem Gebiete und wurde zum erften Mal auf der Wiener Weltausftellung vorgeführt. Uebrigens haben fich auch Uhlmann und Stowaffer, BlasinftrumentenFabrikanten in Wien, um die Verbefferung der Cylindermafchine verdient gemacht. Die Ausftellung brachte uns im Weiteren noch eine neue Verbefferung der Cylindermafchine von dem Inftrumentenmacher Wilhelm Riedel von Graslitz in Böhmen. Diefe Cylindermafchine, Intonationsfchlüffel genannt, ift anwendbar an alle MetallBlasinftrumente. Ihre Dauerhaftigkeit, angeblich auf 20 Jahre garantirbar, beruht auf den Wechslerftiften. Diefelben find von harter Bronce; der untere hat eine conifche Aushöhlung und bewegt fich im Centrum auf einer harten pakfongenen Stellfchraube, die in dem unteren Deckel der Büchfe eingefchraubt ift. Daher drückt der Wechsler nicht mit dem vollen Gewichte feiner ganzen unteren Façade auf den unteren Theil der Büchfe, fondern es bleibt zwifchen beiden Façaden ein leerer Raum. Der obere Stift des Wechslers, ebenfalls conifch, bewegt fich in einer Hülfe von harter Bronce, die etwas conifch in die Hülfe des oberen Cylinderdeckels eingefchoben ift. Ift diefe Hülfe abgenützt, fo wird fie herausgehoben, unten etwas abgedreht oder abgefeilt und der conifche Wechslerftift fteht wieder fo feft wie früher. Der Wechsler wird in Folge der ausgelaufenen Wechſelftifte nie träge zur Arbeit, fondern bleibt im Centrum erhalten; der Schraubendeckel ift zum Abfchrauben und die pakfongene Stellfchraube kann nach Belieben bewegt werden, ohne dafs der Schraubendeckel abgefchraubt zu werden braucht. Die Korksbehälter find im Druckwerke an den Federhäufern angebracht; den Haltepunkt bildet ein cylindrifcher Durchzugsftift welcher durch die Ständer geht und 70 Eduard Schelle. dem ganzen Druckwerke mehr Feftigkeit verleiht. Das Zugftangel, am vorderen Ende doppelt ftark und von harter Bronce, bewegt fich in zwei conifchen Stahlfpitzen, welche im Flügel ftabil eingefchraubt find und nach Bedarf mehr oder weniger angezogen werden können. Das Zugftangel bildet auch am vorderen Ende einen zweiten Haltepunkt. Damit während des Spielens ein etwaiges Verlorengehen von einem Theil des Korkholzes keine Störung verurfacht, läfst der Haltepunkt des Zugftangels den Wechsler nicht aus feinem Kreife. Auch die Tonwechfel- Mafchine, welche Červený bereits in früheren Jahren erfunden, ift eine Confequenz des Cylinderfyftems; man kann vermittelft ihrer durch einen auf dem Cylinder befindlichen Drehbahn- Zeiger einen Uebergang von einer Tonart zur anderen leicht erzielen, fo dafs dadurch alle unbequemen Auffatzbögen entbehrlich geworden find. Die Mafchine hat aber nicht allgemeine Zuftimmung, namentlich der Bläfer gefunden. Ueberhaupt legen fämmtliche in der Wiener Weltausftellung von Červený vorgeführten Inftrumente ein glänzendes Zeugnifs ab von dem raftlofen Streben desfelben, das gewählte Gebiet fowohl durch Erfindung neuer, als Vervollkommnung älterer Inftrumente möglichft zu erweitern und zu vervollſtändigen. Jm Jahre 1842 hat fich Cervený in Königgrätz etablirt und fchon zwei Jahre fpäter trat er mit einem Inftrumente auf, das allerdings nur ein Seitenftück fein will, aber feiner Form nach auf den Charakter eines ganz neuen Inftrumentes Anfpruch machen darf. Indem er die Erfahrung gemacht hatte, dafs die üblichen Waldhörner in runder Form für Platzmufiken im Tone fchwach und für die Cavallerie höchft unbequem find, verfiel er auf eine ganz neue Conftruction. Das Rohr ift langgewunden wie das Bombardon und das Schallftück nach aufwärts gebaut, wird jedoch mit dem Horn- Mundftück geblafen. Der Ton ift ftark und ficher in allen Lagen und entspricht vollkommen dem Ton eines Waldhornes. Im nächſten Jahre wies er abermals ein neues, und zwar ein Riefeninftrument auf, nämlich den Contrabafs, welches er auf Anregung des Kapellmeifters Altfcher erfunden hatte, und bald eine grofse Nachahmung fand, trotzdem es der Erfinder zunächft nicht zur befonderen Geltung bringen konnte. Es erfchien anfangs in Form des Bombardons oder der Tuba in Contra- Fund C. Wenige Jahre darauf brachte er das Phonikon, ein Solo- Baritoninftrument für gefchloffene Räume. Das Phonikon ift eigentlich eine Art Euphonion, nur dafs der Schalltrichter in Form einer länglich gedrückten Kugel gebaut ift, und gegen die Mündung hin fich verengt. Der Ton ift weich, dabei voll, angenehm und läfst fich leicht mit Streichinftrumenten verbinden. Der Erfolg des Cornons, das feiner Form wegen in den Orcheſtern manchen Anftand fand, veranlafste Červený an eine Verbefferung der Waldhörner mit Beibehaltung der hiftorifchen Form zu gehen. Er erweiterte nämlich die Röhre und erzielte dadurch einen volleren, ausgiebigeren Ton, ohne dafs der eigenthümliche Charakter desfelben dadurch verluftig gegangen wäre. Sein Unternehmen gründete fich auf die Erfahrung, die man einerfeits bei der Einführung der Cylindermafchine, anderfeits auf dem Buglehorn gemacht hatte, die Erfahrung nämlich, dafs ein weit gebautes Metallinftrument den Grundton klar angibt, was bei den bisher gebräuchlichen eng gebauten Inftrumenten nicht zu erlangen war. Diefer Erkenntnifs im Allgemeinen verdanken überhaupt die mächtigen Bafsinftrumente, wie etwa das Paroxitonon u. f. w., die aus der Fabrik Červený's hervorgegangen find, ihren Urfprung. So erhielten das Euphonion und das Bombardon auf dem Wege diefes Princips durch eine bedeutende Erweiterung der Röhre, wie eine veränderte Richtung des Schallftückes, eine gröfsere Vervollkommnung. Das aus Blech geformte Contrafagot, das fogenannte Tritonicon, verdankt Červený eine bequemere Handhabung und leichtere Spielart, indem er die übermäfsig lange Röhre bedeutend verkürzte und fpäter die urfprüngliche Tonart D in Es verwandelte. Er ergänzte ferner das Inftrument durch das riefige Subcontrafagot. Das Inftrument hat eine Röhre von nur 34 Fufs Länge und 14 Klappen, es gibt fogar das 34füfsige B der grofsen Pedaloctave an. Diefes Inftrument fällt in das Mufikalifche Inftrumente. 71 Jahr 1867. Aus diefer Zeit ftammen auch die Verbefferungen der Armeepofaunen für Alt, Tenor und Contrabafs her, bei welchen Červený zugleich einer bequemen und leichten Handhabung Rechnung trug. Seine Pofaunen fprechen in der tiefften, wie in den hohen Tonlagen mit gleicher Kraft und Schärfe an. Im Weiteren berühren wir noch die Erfindung des fchönen Obligat- Althorns und die vielen Verdienfte, welche fich der Meifter um die Trompeten, Cornets, Turner- und Signalhörner erworben. Zu der Ausstellung brachte er noch als neue Originalfchöpfung fein Primhorn. Červený nennt es fcherzhaft„ Gigfer- Befeitungshorn", weil es um eine Octave höher fteht, als das K- Horn und mithin die hohen, nicht leicht anſprechenden Töne fich in der Mittellage befinden, fomit die Herztöne des Inftrumentes bilden, und als folche leicht wiederzugeben find. Červený erreichte diefs, indem er die Röhre weiter als gewöhnlich bohrte und die Form des Inftrumentes verkleinerte. Allein diefes Horn ift von dem Uebelftande begleitet, dafs deffen Umfang nach der Tiefe hin nicht gehörig ausreicht und am allerwenigften für Militärmufik bequem fein dürfte. Sämmtliche von Červený ausgeftellte Inftrumente zeichnen fich durch einen feinen und ebenfo foliden Bau aus. Auf die Prämiirung mufste der Ausfteller als Mitglied der Jury Verzicht leiften. Ueberhaupt war die öfterreichische Abtheilung, zu der auch Červený zählt, im Ganzen fehr reichlich und gut befchickt worden. Unter den Wiener Firmen fteht im Vordergrund Ignaz Stowaffer. Diefe Fabrik wurde im Jahre 1838 gegründet und hat fich während ihres langen Beftehens die Förderung diefes Induſtriezweiges fehr angelegen fein laffen und namentlich für die Verbefferung der Cylindermafchine Bedeutendes geleiftet. Unter ihren vielen und verfchiedenen Inftrumenten zeichneten fich befonders zwei Flügelhörner in B und C, ein Cornet in B, zwei Trompeten in B und F, endlich ein Horn in F durch einen vorzüglich fchönen Ton aus. Auch eine Tenortrompete in B, zwei Bombardons in Fund B, der Pofaunen nicht zu gedenken, vertraten den Ruf der Fabrik in würdiger Weife. Die Inftrumente find theils aus Meffing, theils aus Alpacca. Als das Neuefte find anzuführen die Jericho- Pofaunen, welche einen überaus ftarken Ton befitzen, namentlich die in B, leider aber für den Bläfer unbequem find. Nächft Stowaffer ift die Firma Fuchs Daniel in Wien zu erwähnen. Von ihr fanden fich vor: Zwei Piftons, eine Trompete in G oder F, eine Trompete Baffo in C oder B, zwei Solo- Flügelhörner, eines von Alpacca, ein Solo- Euphonion, ein Waldhorn in Coder F, Tenortrompone in B, Bafstrompone in B, Bombardon in F, Helikon in F, Helikon in B, Signalhorn, Traverfon. Das Traverfon, eine neue Verbefferung der Pofaune, ift leichter zu tragen als die gewöhnliche Pofaune und fo gebaut, dafs fie mehr auf dem Körper liegt und die linke Hand nicht befchwert. Der Schallbecher kann nach Belieben abgenommen werden. Der Ton ift voll und rein. Die Inftrumente ftehen in der Naturftimmung B und F. Das Rohr läuft in einer Windung über das Mundftück in den Schallbecher, der alfo nach der entgegengefetzten Seite hin, nach vorn gerichtet ift und hat einen durchaus regelmässigen conifchen Verlauf in der Menfur. Diefe Traverfons find aufserordentlich handlich und dürften bald grofse Verbreitung finden, da namentlich der Preis fehr billig ift, von 58 bis 75 fl.; auch die übrigen Inftrumente find billig, 7 bis 175 fl. Die Firma Leopold Uhlmann in Wien befchickte die Ausstellung mit einem Cornet in B, zwei Trompeten in F, zwei Waldhörnern in F, zwei Pofaunen in B, zwei Bafspofaunen in F, einem Flügelhorn in C, einer Trompete in B, einem Althorn in Es, zwei Tenorhörnern in B. Diefe letzteren fünf Inftrumente find mit einer Hand zu halten und zu fpielen; ferner mit einem Bafs- Flügelhorn oder Tenorhorn in C, einem Euphonion in C, einem in B und C, einem Bombardon in C, einem Helikon in B. Die Fabrik wurde im Jahre 1800 vom Vater des jetzigen Chefs gegründet und befchäftigte fich nur mit Anfertigung von Holz- Blasinstrumenten. Erft feit 1830, bereits unter dem jetzigen Befitzer, wurde die Fabrication auch auf MetallBlasinftrumente ausgedehnt und hat fich das Gefchäft jetzt zum gröfsten derartigen 72 Eduard Schelle. Etabliffement in Wien emporgearbeitet und liefert feine Fabricate nach Italien, Rufsland, Deutfchland, England, Spanien und Amerika. Insbefondere hat fich der jetzige Chef mit Verbefferungen der Cylindermafchine befafst und die chromatifchen Metall- Blasinftrumente bedeutend vervollkommnet. Er verlieh denfelben durch die richtige Anwendung der Feder und Verbindung der Drücker die gröfste Geläufigkeit. Die Uhlmann'fchen Blasinftrumente wurden fowohl in den Orcheftern der Wiener Hoftheater, wie anderer Bühnen eingeführt. Uhlmann erfetzte auch die Klappen der im Jahre 1835 aus Paris nach Wien gebrachten Ophikleiden durch die Wiener Mafchinen mit dem beften Erfolge; daraus entftanden dann die Euphonions und Bombardons, welche jetzt noch im Gebrauche find. An der Parifer Ausftellung betheiligte fich diefe Firma nicht, aber die Mufikkapelle des öfterreichifchen Infanterieregimentes Herzog von Württemberg, welche dort unter der Leitung ihres damaligen Kapellmeifters Zimmermann bei dem mufikalifchen Wettkampfe den erften Preis gewonnen, bediente fich Uhlmann'fcher Inftrumente. Diefe zeichnen fich befonders dadurch aus, dafs fie ftets den ihnen zukommenden Toncharakter in aller Reinheit befitzen. Die in der Wiener Weltausftellung vorgeführten Inftrumente entſprechen denfelben fowohl nach Bauart, wie nach Ton. Noch nennen wir die beiden Niederlagen für Mufikinftrumente Gebrüder Placht und Lutz& Comp. in Wien. Bei der Letzteren war eine ganz preiswürdige Trompete mit Wiener Mechanik, aber fchlechtem Mundstück. Im Ganzen halten fich die Blechinftrumente beider Firmen auf dem Niveau eines anftändigen Mittelgutes. Ausgeftellt hatte ferner die Firma Lausmann in Linz treffliche Metall- Blasinftrumente verfchiedener Gattungen, namentlich eine brillante Trompete in Fund ein Bombardon in Es von prächtigem, markvollem Ton; ferner Jofef Farsky aus Pardubitz in Böhmen, mit mehreren anderen Blechinftrumenten ein Cornon, nach dem Syftem Červený gearbeitet, das aber correcter fein könnte. Jedenfalls beffer gelungen ift ein Horn in F, ebenfalls eine Imitation nach Červený. Bemerkenswerth waren die Sendungen aus Graslitz in Böhmen. Graslitz ift ein kleines Gebirgsftädtchen an der böhmifch- fächfifchen Grenze, deffen Einwohner, wie die Mittelwalde's in Baiern und Mark- Neukirchen's in Sachfen, gröfstentheils die Fabrication von Mufikinftrumenten betreiben. Graslitz befchäftigt fich vorwiegend mit der Anfertigung von Metall- Blasinftrumenten und war auf der Wiener Weltausftellung durch die beiden Firmen: Wenzel Stowaffer Söhne und Bohland& Fuchs( die letztere Fabrik arbeitet mit Dampfmafchinen) und die nicht zu überfehende Collectivausftellung, an welcher fich eilf Firmen betheiligten, vertreten, darunter der bereits erwähnte Wilhelm Riedl, Anton Lausmann, Stowaffer Söhne, Adolf Lehrer, Friedrich Bräutigam, Wenzl Rofsmeisl, Albert Fuchs, Rödig Franz Wenzel, Köhler Wenzel, Hainsmann Jofef, Winkelhöfer Jofef. Diefe Collectivausftellung enthielt manche recht preiswürdige Fabricate. In der ungarifchen Abtheilung trafen wir bei den Firmen Schunda aus Peft und Johann Stowaffer aus Ofen recht anerkennenswerthe Metall- Blasinftrumente. Beim Erften war eine Trompone in F mit fehr ausgeglichenem Ton; weniger wollte ein Helikon in B zufagen. Die Einrichtung an dem Inftrumente ift nicht gut, die tiefere Lage fpricht fchwer und unklar an. Deutfchland führte uns ein anfehnliches Contingent an Blechinftrumenten vor. Michael Schufter aus Mark- Neukirchen in Sachfen brachte unter Anderem ein Horn in B, das fich durch einen Ton von echtem Horncharakter auszeichnet. Die Conftruction ift einfach. Die Mafchine hat das Eigenthümliche, dafs die Feder offen liegt. Ferner verdient eine befondere Beachtung ein fchönes B- Cornet von Neufilber mit Ventilklappen, bei denen die Spannfedern frei liegen. Die Conftruction ift fchön und correct, der Ton angenehm, die Stimmung fehr rein. Auch fand fich ein Cornet à piftons von franzöfifcher Conftruction, bei welchem die Piftons hineingedrückt find; noch empfahl fich durch guten, fonoren Klang ein Mufikalifche Inftrumente. 73 Helikon. Die Anzahl der ausgeftellt gewefenen Cornets ift vier. Ausserdem liefsen auch Jagd-, Poft-, Signalhörner, Trompeten fich nicht vermiffen. Diefe Inftrumente find im Verhältniffe zu deren Werth billig zu nennen. E. Lorenz in Braunfchweig hatte unter feinen Inftrumenten zwei Cornets. Das eine mit Cylin dern in B; das andere in Es mit Perinoventilen von fehr fchönem Klang. Auch ein Euphonion mit 4 Perinoventilen ift dem Tone nach fehr empfehlenswerth. Ganz vorzüglich ift eine Trompete in B, deren Klang den echten Trompetenklang entfaltet. E. A. Schmid in Köln hatte unter anderen Inftrumenten eine Trompete mit 4 Cylindern und ein Euphonion von Neufilber, Tenorhorn, Althorn, Pofaunen, die letzteren von Goldmeffing mit Neufilber garnirt, eine Echomafchine und Stellfcheibe für A und B zu 65 Thaler ausgeftellt. Die Echomafchine befteht in einer Röhre, welche nach einer doppelten Biegung fich conifch zu einem Schallbecher erweitert und von da fich allmälig wieder verengt, fo dafs gewiffermafsen zwei Schallbecher fich decken. Die Röhre wird in das Inftrument eingefteckt und erfüllt den Zweck der Sourdine, das heifst jener kleinen Schallbecher, welche in den Schalltrichter des Inftrumentes eingefchoben werden. Sie hat den Vorzug vor diefen, dafs der Ton beim Anblafen in der Stimmung bleibt, während er bei den letzteren um einen halben Ton finkt. Die Klangwirkung ift freilich nicht die günftigfte, der Ton ift gekniffen und ähnelt dem einer Kindertrompete. Das von F. Hirfchberg in Breslau neu conftruirte Bc- Clairon iſt eine intereffante Erfindung. Da das Inftrument aus zwei Schallröhren von verfchiedener Menfur und Conftruction befteht, zu denen die Luft durch ein Ventil nach Belieben zugelaffen und abgefperrt werden kann, fo ift die Möglichkeit gegeben, auf ihm zweierlei Töne hervorzubringen, die ihrer Klangfarbe nach bald dem Flügelhorn, bald dem Pifton gleichen, das heifst mit anderen Worten, das Inftrument gibt bei Anwendung der gröfseren Schallröhre einen kräftigen und vollen, bei Gebrauch der kleineren Schallröhre einen mehr dünnen und lieblichen Ton. Dasfelbe fteht hoch C, doch läfst fich mittelft eines Bogens auch die B- Stimmung herftellen. Auch ift dasfelbe fo eingerichtet, dafs fich die kleinere Röhre abfchrauben läfst, in welchem Falle es als gewöhnliches Flügelhorn brauchbar ift. Aus dem Ton ergibt fich, dafs das Inftrument weder für den Concert faal, noch für das Orcheſter einen bedeutenden Werth enthält. Ein herrliches Waldhorn von echtem Hornklang in F fand fich unter den Inftrumenten, die J. Glafs in Berlin ftellte. Auch eine Trompete in G entfaltet jenen fchmetternden und dabei klangvollen Ton, der diefem Inftrumente zukommt, nur ift das Mundftück fchlecht. Das Waldhorn koftet 60 Thaler, die Trompete 50 Thaler. Auch ein gutes Cornet in B ift noch zu erwähnen. Als etwas Neues unter feinen Inftrumenten ftellte Ludwig Bertram in Rendsburg ein Flügelhorn aus in B mit 4 Ventilen, aus einer Mifchung von Meffing, Tombak, Neufilber und Kupfer geformt; ferner ein Signalhorn von denfelben Beftandtheilen, obendrein noch mit einem filbernen Reichsadler verfehen. An Ton haben die Inftrumente durch diefes Präparat nicht gewonnen, aber an Gewicht. Ferner eine Trompete, ebenfalls aus verfchiedenen Metallen zufammengefetzt und mit Echobogen verfehen. Auch diefe kann nur den Werth einer Curiofität haben. Sehr gut dagegen ift ein Helikon in Es, trotzdem dafs hier ein gewöhnliches, kein chemifch präparirtes Metall verwendet ift. Auch unter den Inftrumenten von Stowaffer in Wien in der öfterreichifchen Abtheilung fanden fich einzelne aus einem Materiale vor, welches aus verfchiedenen Metallen zufammengefetzt ift. In der franzöfifchen Abtheilung find die bereits mehrmals erwähnten berühmten Firmen Thibouville Lamy und Gautreau aîné zu nennen. Beide liefern zwar alle Arten von Blasinftrumenten, aber ihre eigentliche induſtrielle Bedeutung beruht vornehmlich auf der Fabrication von Metall- Blasinftrumenten. Das Haus Gautreau befteht feit dem Jahre 1827 und befchäftigt in feinen grofsen 74 Eduard Schelle. Werkstätten zu Paris, zu Château- Thierry( Aisne) und zu Mericourt( Vogefen) mehr als 700 Arbeiter. Die ausgeftellt gewefenen, in das Bereich des Bleches fallenden Inftrumente find gut gearbeitet und zeichnen fich durch einen fchönen Ton aus; von vorzüglicher Schönheit ift der Ton einer Bafspofaune in B. Auch die Leiftungen von Thibouville- Lamy auf diefem Gebiete find im Ganzen und Grofsen anerkennungswerth. An einzelnen Inftrumenten indefs, fo an der Pofaune in C, wäre nur der Mangel an einem beftimmten Charakter des Tones auszufetzen, welcher eine Mifchung von Trompeten- und Hornton bildet. Die italienifche Abtheilung ift mit den Blech- Blasinftrumenten beffer beftellt, als mit den Ton- Werkzeugen anderer Art. Giuſeppe Pelitti in Mailand hat im Ganzen Preiswürdiges geliefert, unter Anderem eine Ordonnanztrompete in D, auf der man die ganze Scala fpielen kann, eine Erfindung, die für das Militär von grofsem Werthe ift. Diefe Erweiterung des Inftrumentes wird durch eine Klappe erzielt. Ausgezeichnete Inftrumente führte auch die Firma Antonio Santucci aus Verona vor. Unter ihnen ift befonders hervorzuheben ein Bombardon in F, in Form eines Helikon, wegen des kräftigen und dabei runden Tones; auch eine Pofaune in B ift wegen ihres glanzvollen Klang charakters anzuführen. Weniger gelungen waren ein F- Horn und ein Bariton. Recht empfehlenswerthes Mittelgut brachte Antonio Palmieri aus Forli. Von Gaëtano Spada in Bologna fanden wir aufser jenem fchon erwähnten Metallfagot von neuer Conftruction ein Flügelhorn in Es mit Quermechanismus, genannt Genis. Dagegen will eine doppelte Trompete von Mafuffi gar nichts befagen. Zu den neueften Erfindungen, welche die Ausstellung vorführte, gehört das Bimbonitono des Profeffors Giachino Bimbani aus Florenz. Es bildet eine Trompone, welche durch einen Mechanismus Trompete, Clarinette und das Fagot vereinigt. Es hat einen Umfang von vier Octaven, vom Contra- F. Das Inftrument leiht fich in Folge des Mechanismus, mit Leichtigkeit allen Figuren her, Triller in Dur und Moll find bequem ausführbar. Der Ton ift ftark, weich und fanft, für Cantilenen geeignet; er entbehrt aber jeglichen beftimmten Charakters. Das Inftrument kann nur als Curiofität gelten und Aufmerkſamkeit beanfpruchen, aber für die Kunft ift es kein Gewinn. Die von Fedorow aus Moskau eingefendeten Inftrumente, ein Saxophon ohne Mundftück und eine Trompete, überfchreiten nicht das Mafs des Gewöhnlichen. Endlich fahen wir noch Rumänien auf diefem Gebiete vertreten in, der Firma W. Staffek in Bukareft, welche Blech- Blasinftrumente aller Gattungen brachte, darunter ein Flügelhorn in C, von fchöner äufserlicher Arbeit und anftändig in Ton und zwei Tenor- Euphonions in C und B, zwei gute, aber leider mit fchlechten Mundftücken verfehene Inftrumente. Im Ganzen und Grofsen find die Leiftungen diefer Firma recht anftändig. Hiermit wäre das Bild erfchöpft, welches die Weltausftellung auf dem Gebiete der eigentlichen Kunftinftrumente entrollt hat. Wenn wir auf dem Terrain des Clavierbaues die unangenehme Erfahrung machten, dafs uns das deutſche Reich in diefem Zweige der Induftrie überholt hat, find wir demfelben in der Fabrication der Streichinftrumente überlegen und ftehen ihm in den Blas- Inftrumenten zum mindeften ebenbürtig, gegenüber. Ein Beleg dafür ift, dafs einzelne öfterreichifche Fabrikanten, z. B. Cervený, einen bedeutenden Gefchäftsverkehr mit dem Auslande haben. So haben nur Oefterreich, Frankreich, und wenn fich das Inftrument des Herrn Gemünder in New- York für die Dauer bewähren follte, Amerika Muftergeigen geliefert. Ueberhaupt haben fich, im Durchfchnitt genommen, die öfterreichifchen Streichinftrumente an Qualität des Tones den von Deutfchland geftellten, dem einzigen Lande, das mit Oefterreich numerifch in Concurrenz trat, als überlegen erwiefen. In Betreff der Blasinftrumente reichen fich Oefterreich- Ungarn, Deutfchland und Frankreich die Hand, und bezüglich der BlechBlasinftrumente darf fich ihnen auch Italien anreihen. Auf dem Gebiete der Holz Mufikalifche Inftrumente. 75 Blasinftrumente machen wir eine ähnliche Entdeckung, wie bei den Clavieren. Hier fehen wir das Tafelpiano durch das Pianino verdrängt und im Abfterben; dort vermiffen wir, wo fich doch alle Gattungen reichlich zufammengefunden haben, das einft fo beliebte Baffethorn gänzlich; nur antiquarifch exiftirte es in einzelnen Exemplaren auf der additionellen Ausftellung- ein Beweis, dafs es gegenwärtig in der Praxis durch die Vervollkommnung der Clarinette feinen Boden verloren hat. Es käme nun endlich zur Frage, ob im Ganzen und Grofsen ein Fortfchritt, wie ihn uns die Ausftellung auf dem Terrain der Tafteninftrumente, nämlich im Vorherrfchen des Kegelladen- Syftems bei den Orgeln, im Ueberwiegen der Eifenconftruction in der englifchen Mechanik, in dem kreuzfaitigen Bezug bei den Pianos vorführt, auch in der Welt der Blasinftrumente fich bemerklich macht. In der That fehlt es nicht an neuen Erfindungen, die darauf ausgehen, theils gewiffe aus der Natur der Inftrumente fich herleitende Uebelftände zu befeitigen, theils die Leiftungsfähigkeit derfelben zu erweitern und die Technik auf ihnen zu erleichtern und vielfeitig zu geftalten. Des Beiſpiels halber erinnern wir nur unter Anderem an das fchöne Fagot Stecher's in der öfterreichifchen, und an die Oboë und Flöte mit der neuen Erfindung am Mundftück bei Schunda in der ungarifchen Abtheilung. Andere Inftrumente haben eine handlichere Form gewonnen, noch andere ftreben eine Erweiterung ihrer primitiven Natur an; fo weift endlich auch die Mafchinerie der Blechinftrumente manche zweckentfprechende Verbefferung zu Gunften der Spielart derfelben auf. Allein alle die etwaigen auf diefem Wege gemachten Errungenfchaften zerfallen nur in Einzelheiten, ein entfchiedener Fortfchritt documentirt fich für uns nur bei den Holz- Blasinftrumenten, und zwar in dem Umftande, dafs wir im deutfchen Reiche das Syftem Böhm reichlicher vertreten fanden, als es zu erwarten ftand, und alfo uns der Hoffnung hingeben können, dasfelbe auch in unferen Orcheſtern allmälig Fufs faffen zu fehen. Es foll damit nicht verkannt werden, dafs jene vielen Neu erungen ein ernftes, auf einer rationellen Bafis vorgehendes Streben bekunden, aber an manchen Erfcheinungen offenbart fich ein bedenklicher Zug, die Scheidelinie zwifchen den Gattungen der Inftrumente zu verwifchen und den Naturen derfelben Gewalt anzuthun. So, fehen wir in der Einführung des Altregifters in die Familie der Flöten und Clarinetten keinen Gewinn für die Kunft, und zwar um fo weniger, als namentlich die Altflöte keineswegs durch befondere Schönheit des Tones fich empfiehlt. Eben fo wenig ift die Verwendung des Metalles für die Holzinftrumente ftatt des von der Natur gebotenen Materiales nicht räthlich. Was der Ton an Stärke dadurch gewinnt, büfst er an Wohllaut und Anmuth ein. Und hat man etwa die Harmoniemufik im Auge, fo kann fich die Stärke des Tones nur fehr dürftig zur Geltung bringen auf Koften der Reinheit derfelben, weil der Spieler fich felbft nicht hört, eine nothwendige Bedingung für den Vortrag auf Blasinftrumenten. Ueberdiefs dürfte der Tag nicht mehr ferne fein, wo Fagot, Oboë, Clarinette, felbft im Kleide von Metall, bei der jetzigen Vervollkommnung der Blechinftrumente, ihre Rolle ausgefpielt haben werden. Allein diefe Vervollkommnung hat freilich auch ihre Kehrfeite. Der Hang, die Natur des Inftrumentes zu Gunften eines weiteren Tonumfanges, mit einer grösseren Klangkraft zu verbinden, tritt auf dem Gebiete der Metall- Blasinftrumente ganz befonders ftark hervor. Die Ausftellung, die doch fo Vorzügliches, Gediegenes, ja Vorgefchrittenes in diefem Zweige zu Tage förderte, hat uns den Beweis gegeben, dafs die Achillesferfe bei diefer Claffe von Inftrumenten die Stimmung fei, indem diefelbe bezüglich der Reinheit nichts weniger als allzu oft den berechtigten Anforderungen entſpricht. Man hat wohl zu beachten, dafs die ganze Familie der Metall- Blasinftrumente in drei, nach dem Toncharakter gefonderte Claffen fich fcheidet. Diefelben kennzeichnen fich in dem fcharfen Pofaunen-, dem weichen Flügelhorn- und dem vermittelnden Hornregifter. Der Fabrikant wird fich daher ungleich mehr Verdienfte um die Kunft erwerben, wenn er für die Wahrung des individuellen Charakters jener Claffen bei feinen Inftrumenten Sorge trägt und den 76 Eduard Schelle. Werth feiner Leiftungen auf die möglichfte Reinheit der Stimmung und des Toncharakters legt, als wenn er in fruchtlofen Künfteleien fich verfucht. Nur dann, wenn die Fabrication auf den Grundlagen diefes Principes fufst, wird fich der grofse Auffchwung der Blech- Blasinftrumente, von dem uns die Ausftellung ein fo erfreuliches Bild entrollte, einen wahren und erfpriefslichen Fortfchritt gebären. Befaitete Schlaginftrumente. In diefer Familie fteht oben an die Harfe, denn fie bildet den Uebergang von den eigentlichen Kunftinftrumenten. zu denen, welche ohne eine künftlerifche Bestimmung nur zur Unterhaltung dienen. Die Gefchichte der Harfe reicht bis ins graue Alterthum zurück. Bekanntlich befafsen fchon die alten Aegypter harfenartige Inftrumente von fchöner Form, auch das biblifche Kinor dürfte in diefe Gattung eingereiht werden können, wenngleich es nur dem blofsen Saitenfpiel diente. In der äusseren Form hat fich das Grundprincip bis auf den heutigen Tag erhalten, denn auch der mode.nen Harfe liegt die urfprüngliche Dreieckform zu Grunde, nur mit dem Unterfchiede, dafs bei den alten Inftrumenten zwei Schenkel der Corpus bildete, der dritte Schenkel aber durch die längfte Saite gegeben wurde, fo wenigftens läfst fich das Ausfehen der alten Harfen nach den vorhandenen Ueberlieferungen vermuthen. Der Corpus der heutigen Harfe befteht aus vier Haupttheilen dem Fufs, dem Refonanzkaften, dem Hals und dem Vorderholz. Der Refonanzkörper, d. i. der dem Spieler zugekehrte Theil, meift in Form einer halbrunden Schale, deren Platte vom Fufse fich nach dem Halfe hin verjüngt, enthält der Länge nach eine Art Steg als Saitenhalter. Der Hals ift es vornehmlich, welcher durch feine graziöfe, an den Hals des Schwanes erinnernde Biegung dem Inftrumente diefe elegante und anmuthige Form verleiht. Unter den drei bekannten Arten, nämlich der einfachen Harfe, der chromatifchen und der enharmonifchen Pedalharfe, erweift fich die letztere als die brauchbarfte für die heutigen künftlerifchen Aufgaben. Die erfte, die gewöhnliche Harfe, hatte urfprünglich einen Tonumfang vom grofsen C bis zum dreigeftrichenen F in der diatonifchen Stufenfolge. Sollte alfo ein Halbton gegriffen werden, fo mufste dies durch einen Fingerdruck an der betreffenden Saite erzeugt werden. Um die Manipulation zu erleichtern, hat im XVII. Jahrhundert ein Tiroler Meifter kleine, drehbare Scheiben mit Häkchen am Halfe angebracht, wodurch die Verkürzung der Saiten erleichtert wurde. Eine weitere bedeutende Vervollkommnung erfuhr das Inftrument durch einen deutſchen Künftler, Hochbrucker bei Donauwörth, im Jahre 1720. Derfelbe erfand einen Pedalmechanismus, vermittelft deffen die chromatifche Erhöhung durch die Füfse bewerkstelligt wurde. Diefer Mechanismus beftand aus fieben Pedalen, welche nicht nur niedergedrückt, fondern auch in der Lage eingehängt werden konnten. Ein bedeutender Fortfchritt war die Erfindung eines Deutfchen, Becker in London, der durch eine Vorrichtung die Erzeugung von Vierteltönen ermög lichte. So entstand alfo die enharmonifche Harfe, welche durch die Hand Erard's 1820 ihre bis jetzt höchfte Vollendung erhielt. Erard erweiterte die Pedalrückung um das Doppelte, fo dafs jeder der fieben Pedale nicht nur um eine, fondern um zwei Stufen niedergedrückt werden kann. Die Erard'fche' Harfe fteht in C- b und hat einen Umfang von mehr als sechs Octaven. Mufikalifche Inftrumente. 77 Wenn Anfangs die Harfe vorwiegend nur zur Begleitung des Gefanges diente, hat fie fich heute fchon zum Orchefterinftrumente erhoben. Sie wird hier nicht nur zu Solofätzen, fondern hauptfächlich zum Ausfüllen der Harmonie verwendet. Trotzdem befchränkt fich heute die Fabrication von Harfen nur auf das Haus Erard, welches fie eigentlich auch nur par l'honneur de sa maison, weniger aus materiellem Intereffe betreibt. In der That gehörten die beiden einzigen Harfen auf der Ausftellung diefer Firma an, während diefelbe 1867 auf der Parifer Expofition gar nur durch eine vertreten war, ein Beweis, dafs diefes Inftrument an Verbreitung aufserordentlich verloren hat. Das Piano hat auch an ihm feine Allmacht ausgeübt und dasfelbe aus dem häuslichen Kreife vertrieben. Die beiden ausgeftellten Harfen Erard's waren fowohl der äufseren Form, wie dem Tone nach wahre Prachtinftrumente. Ein Seitenftück zur Harfe bildet die Aeolsharfe, wo der Wind das Amt des Virtuofen verrichtet. Die öfterreichifche Abtbeilung wies zwei Exemplare davon auf, welche Lehmann& Comp. in Auffig und Neumann in Prag geliefert hatten. Mit der Harfe hat, wenn auch nicht in der Conftruction, dem Klange und der Beftimmung nach, die Guitarre eine gewiffe Verwandtfchaft; wie jene, dient fie zunächft zur Begleitung des Gefanges. Die Guitarre ftammt aus dem Orient und wurde durch die Araber nach Europa gebracht. Sie hatte urfprünglich einen birnförmig gewölbten Körper, wie ihn noch jetzt die von den afiatifchen Völkern ausgeftellten Inftrumente diefer Gattung aufweifen; diefe primitive Form hat eine Seitenart, die Mandoline, beibehalten, die Guitarre dagegen einen flachen Deckel und einen flachen Refonanzboden angenommen, doch traf man fie auch auf der Ausftellung mit einem kürbisartigen Schallkörper als fogenannte Mandolinen- Guitarre an. In Europa hat fie fich ihren Boden hart erkämpfen müffen; Prätorius befchreibt fie noch unter dem Namen Quinterna als ein Inftrument, deffen fich nur die„ Ciarlatani" bedienten, um Vilanellen und närrifche„ Lumpenlieder" zu fingen. Für ihre geringe Verbreitung im XVIII. Jahrhundert fpricht der Umftand, dafs, als die Herzogin von Sachfen- Weimar 1788 eine Guitarre aus Italien nach Weimar brachte, diefelbe faft als ein neuerfundenes Inftrument angeftaunt wurde; im XIX. Jahrhundert fafste fie aber feften Fufs und kam in die Mode als ein getreuer Dolmetfcher füfser Liebesempfindungen. In neuerer Zeit hat fie wieder in Folge der in weiteren Kreifen um fich greifenden muſikaliſchen Bildung an Beliebtheit viel Einbufse erlitten. Die moderne Guitarre hat einen Bezug von fechs Saiten. Um das dürftige Inftrument für den Concertgebrauch nur einigermafsen zu qualificiren und den Umfang desfelben zu erweitern, wird häufig der Bezug durch einige tiefere Saiten, die fogenannten Contrabafs Saiten, zur Begleitung vermehrt, welche auf einem Seitenhalfe zu liegen kommen, und zwar ftanden Guitarren diefer Conftruction in der öfterreichifchen und deutfchen Abtheilung gegen die gewöhnlichen an Anzahl nicht zurück, die übrigens im Ganzen und Grofsen nur mäfsig zu nennen war. In Oefterreich brachten Guitarren: Wendelin Lux in Wien, Johann Bucher, Lutz& Comp. und Gebrüder Placht ebenfalls in Wien. Die Inftrumente der beiden erften Firmen zeichnen fich namentlich durch fchönen, vollen Ton aus. In der deutfchen Abtheilung war diefes Inftrument reichlicher vertreten als in der öfterreichifchen. Hier waren zu nennen die Firma G. Heidegger in Naffau mit drei Contrabafs- Guitarren; ferner Lorenz Kriener in Stuttgart, Michael Schufter in Mark- Neukirchen( Sachfen), M. Amberger in München; der Letztere brachte unter Anderem auch eine Guitarre mit doppeltem Boden; dann Victor Em. Wettengel in Mark- Neukirchen. Die Inftrumente 78 Eduard Schelle. diefer Firmen zeichnen fich theilweife durch eine fehr fchöne Ausstattung und guten Ton aus. Eine fchöne Guitarre fand fich ferner in der italienifchen Abtheilung bei Trojani Francesco in Rom vor und aus Spanien, der zweiten Heimat diefes Inftruments, lieferte Antonio Lopez Almagro deren vier von verfchiedener Gröfse und möglichft fchlechter Bauart. Die Mandoline, das Gefchwifterkind der Guitarre, cultiviren im deutfchen Reich befonders die fchon genannten Firmen Heidegger, Wettengel und Amberger. Nach dem Bilde zu fchliefsen, welches die öfterreichifche und deutfche Abtheilung darboten, dürfte die Guitarre keinen fchlimmeren Feind haben als die Cither, denn in der Maffe diefer Inftrumente, die uns überall entgegentrat, ftand fie fehr vereinzelt da. In Süd- Deutfchland wenigftens fcheint ihr die Cither das Terrain genommen zu haben; in Nord- Deutfchland freilich befitzt fie gegenwärtig noch wenig Popularität. Doch könnte fich diefs leicht in der Folge anders geftalten, denn bereits fehen wir die Cither aus den füddeutfchen Gebirgsländern, über den Ocean in den äufserften Weften gedrunge wie uns die amerikaniſche Abtheilung lehrte. Uebrigens eignet fich auch dies Inftrument ganz befonders für das ftille häusliche Leben auf dem Lande oder in den Gebirgen. An ihm haftet eine gewiffe Romantik. Die eigentliche Heimat der Cither oder, wie der richtigere Ausdruck lautet, der Schlagcither ift die liederreiche Steiermark und das füdliche Baiern; hier mufs man fie hören inmitten der Gebirge, in der Waldfchenke, um ihren eigenthümlichen Reiz kennen zu lernen. Ihr zarter, füfser Ton hat etwas von dem Klange der neapolitanifchen Mandoline, mit welcher fie einen fehr verwandten Zug hat. Wie diefe Mandoline nicht mit den Fingern, fondern mittelft einer Zunge aus Schildpatt, der Patacca, gefpielt wird, bedient man fich auch bei der Cither einer Art von Plectrum, nämlich eines, mit einem Häkchen verfehenen Ringes, welcher um den Daumen liegt; mit diefem werden die vier melodieführenden Saiten angefchlagen, die anderen mit den Fingern gegriffen. Im Aeufsern jedoch hat die Cither nichts gemein mit der neapolitanifchen Mandoline. Ihr Corpus befteht in einem flachen Boden mit einer Refonanzdecke, deffen Grundform fich auf ein rechtwinkliges Dreieck zurückführen läfst; der äufseren Erfcheinung nach gleicht er einem länglichen Viereck, deffen rechte Seite einen Bogen befchreibt; in der Mitte des Refonanzbodens befindet fich das Schallloch. Längs der Refonanzdecke läuft an der linken Seite das mit Metallbändern verfehene Griffbret; über dasfelbe ziehen vier zur Führung der Melodie in a, a, d, g geftimmte Saiten, die jetzt gewöhnlich durch die Zuthat des c auf fünf vermehrt find. Diefe Anzahl ift jedoch nach dem neueften Syftem um eine vermehrt und der Umfang bis auf fechs ausgedehnt worden, welcher ftatt des à verdoppelt ift. Die Saiten liegen fo, dafs dem Spieler die höheren zugewandt find. Man findet diefes Syftem in der Ausftellung bei Kriner in Stuttgart vertreten. Aufser diefen Melodiefaiten umfafst gegenwärtig der gefammte Bezug 26 bis 31 Saiten. Unter den Ausftellern in der öfterreichifchen Abtheilung fteht voran Anton Kiendl in Wien. Von ihm fanden fich nicht weniger als 13 Cithern mit Mechanik, fämmtlich wahre Prachtinftrumente, unter ihnen 2 Elegiecithern von überaus reizvollem Klange, die eine ganz von Ebenholz, eingefafst von weifsem und gelbem Metall und aus Ebenholz gefchnitztem Kopfe, die Mechanikplatte ift vergoldet, ebenfo die Stimmftiften, die Schallöffnung von Ebenholz gefchnitzt. Der Preis derfelben beträgt fammt Etui mit Einrichtung 180 fl. öfterreichifcher Währung. Die Elegiecither unterfcheidet fich in Form und Gröfse von der gewöhnlichen und hat einen feelenvolleren, man könnte fagen, mufikalifch vertiefteren Klang. Die Firma Kiend1 befteht feit 1843 und liefert jährlich im Durch Mufikalifche Inftrumente. 79 fchnitte 700 Stück Cithern fammt Etuis und diveriem Zugehör und 100.000 Stück Saiten. Seit der Gründung wurden mehr als 15.000 Cithern und weit über eine Million Zitherfaiten erzeugt. Der Abfatz erftreckt fich von Wien auf alle Welttheile. Mehr oder weniger preiswürdige Inftrumente diefer Art liefern ferner Gebr. Kirchner, Bucher Ignaz, Lux Wendelin, Lutz& Comp. Gebr. Placht, fämmtlich in Wien; ferner Weigel Franz in Salzburg, Volkmann Jofef, Schönbach in Böhmen, Gfchwendter Jofef in Innsbruck. Der In der deutfchen Abtheilung war in erfter Linie die Firma Heidegger in Paffau mit 8 Zithern und einem Refonanztifch für diefes Inftrument, einer neuen Erfindung, hervorzuheben. Diefer Refonanztifch unterfcheidet fich zunächft von den übrigen, dafs er drei Böden, ftatt zwei, hat. Ferner find in einer auf dem Tifche angebrachten Vertiefung 24 Saiten in derfelben Weife aufgezogen, wie auf der Zither felbft, nur mit dem Unterfchiede, dafs fie in einer Hohlkehle liegen und ftets vor dem Spielen chromatifch geftimmt werden müffen. Der dritte Boden durchläuft den Raum nicht, wie die beiden anderen, fondern ift fo gefchnitten, dafs nach hinten eine Oeffnung in Form eines Dreieckes bleibt. Der auf diefem Interfatz befindliche Bezug hat den Zweck, durch das Mitklingen der Saiten die Schallkraft des Inftrumentes zu verftärken. Der Unterfatz mufs an Höhe der Zither gleich fein und darf die Gröfse nur um ein Weniges überfteigen. Der Erfinder nennt ihn Aliquodium und hat ihn nach den neueften Entdeckungen des Profeffors der Akustik A. Schmid in England angefertigt. Das Aliquodium hat fich bei den angeftellten Verfuchen als praktiſch erwiefen. Die Zithern entwickelten, auf ihn gefetzt, beim Spielen eine weit gröfsere Tonfülle als fonft, ohne an Klangfchönheit einzubüfsen. Unter den von Heidegger ausgeftellten Zithern zeichneten fich zwei durch eine prachtvolle Perlmutter- Einlage aus, der Preis einer jeden im Prachtetui war 300 fl., gewöhnliche Zithern koften 60 bis 40 fl. obenerwähnte Kriner in Stuttgart brachte unter feinen Zithern mehrere brillant ausgeftattete Exemplare, unter ihnen fiel befonders eine, genannt die deutfche Kaiferzither, durch koftbare Perlmutter- Einlage, feine Graveur- und Schnitzarbeit auf. Boden und Deckel find gewölbt, wodurch der Ton an Fülle gewinnt. Das Inftrument koftet 250 fl. Der deutfchen Kaifer Zither ftand eine Kaiferin Elifabeth- Zither, ebenfalls mit eleganter Ausftattung, zur Seite. Der Preis betrug 200 fl. Aufserdem hatte die Firma noch eine bedeutende Anzahl derartiger Inftrumente, unter ihnen auch zwei baierifche Oberländer Zithern, ausgeftellt. Der Preis der einfachen Zithern ftieg von 30 fl. bis 45 fl. Der von Kriner verfuchten neuen Stimmung mit fechs Saiten haben wir bereits gedacht. An Tonfchönheit jedoch kamen die Inftrumente diefer Firma denen Heidegger's nicht völlig gleich. Die Zither liefs fich ferner nicht vermiffen bei Haff in Augsburg, Neuner& Hornfteiner in Mitterwalde, Michael Schufter, Moritz Gläfel und Victor Emanuel Wettengel in Mark- Neukirchen, J. A. Baader& Comp. in Mittenwalde, G. H. Jochem in Worms. In München erfreut fich die Zither eines ganz aufserordentlichen Cultus, wie die Collectivausftellung bewies. Hier fanden wir die Firma G. Tiefenbrunner mit 13 Exemplaren vertreten; Thunhart X. brachte deren 2, unter ihnen I mit verkürzter Menfur und 30 Saiten; diefelbe empfiehlt fich durch einen vollen und dabei fchönen Ton. Im Weiteren find aus München anzuführen: A. Rieger, J. Haslwandter und Max Amberger. Bei dem Letzteren fanden fich 2 Concertzithern in eigener Form und Menfur vor. Für den Concertgebrauch würden wir aber die Zither am wenigften empfehlen. Ein feltfames Inftrument diefer Art fand fich in der ruffifchen Abtheilung von Arhufen in Petersburg ausgeftellt. Dasfelbe ift nach der Idee des Lapoukhine in Kiew angefertigt. Auf einem in einen Metallring gefpannten Trommelfell ift ein Holzfteg mit eingelegtem Elfenbein angebracht, über welchen 18 Metallund 6 Darmfaiten laufen. Das Trommelfell vertritt den Refonanzboden, unter demfelben befinden fich mehrere Metallftäbe, welche den Dienft mitklingender Saiten verfehen follen. Das Inftrument war als Metallzither bezeichnet. Ueber 6 80 Eduard Schelle. Ton und Spielart läfst fich nichts Näheres fagen, da es nicht gehört werden konnte. Wie fchon angedeutet, hat die deutfche Zither auch in Amerika Fufs gefafst. In der That trafen wir in der amerikaniſchen Abtheilung drei Zithern an, ausge ftellt von Franz Schwarzer in Waſhington und zwar Zithern, die dem Verfertiger wie der Stadt wahrlich keine Unehre machen. In die Claffe der befaiteten Schlaginftrumente gehört auch das Cymbal, jenes Inftrument, aus welchem das moderne Hammerclavier hervorgegangen ift, Die Ausftellung führte nur ein einziges Exemplar vor und zwar in der ungarifchen Abtheilung. Die Firma Schunda aus Peft hatte es dafelbft ausgeftellt. Das Inftrument zeichnet fich durch einen ftarken, fchönen Ton aus und entſpricht allen Anforderungen, die man an ein Cymbal ftellen kann. Kruftifche Inftrumente. Unter den Schlag- und Larminftrumenten ftehen die Keffelpauken obenan, weil fie Töne von beftimmter Höhe und Tiefe haben und nicht blofs dynamiſch In neuerer Zeit find als Schall-, fondern mufikalifch als Ton- Werkzeuge wirken. die Pauken ungemein vervollkommnet durch Vorrichtungen, durch die fie fich In der öfterreichifchen leicht und ohne Mühe in jede Tonart umftimmen laffen. Abtheilung fand fich nur eine einzige Keffelpauke für ein kleines Orcheſter vor in der Ausstellung der Firma Hutter& Schranz in Wien, Trommellieferanten der k. k. öfterreichifchen Armee; der Ton ift hell und von fchönem Charakter. Ein Paar Pauken mit mechanifcher Umftellung von ganz vorzüglicher Qualität hatte C. Hoffmann( Max Hoffmann- Linke) in Leipzig geliefert. Das Die Mafchinerie ift Geftell ift fo eingerichtet, dafs die Pauke ganz frei fteht. fo vervollkommnet und zugleich fo handlich, dafs fich auf dem Inftrumente jeder Der Ton ift prachtvoll. Tonwechfel auf das Leichtefte bewerkstelligen läfst. Die Klöpfel find mit Pianoforte- Filz bekleidet. Ausserdem wies noch die italienifche Abtheilung ein Paar Pauken auf, die Pelitti in Mailand vorführte. Die Mechanik ift die Frankfurter mit einer Verbefferung. Der Ton ift gut, aber fchwach. Sehr Weit zahlreicher war die Trommel auf der Ausftellung vertreten. fchöne Inftrumente diefer Gattung fanden fich unter den Ausftellungsobjecten Czerveny's in Königgrätz ausgeftellt. Namentlich zeichnete fich eine grofse Die Klöpfel find Trommel durch eine wahrhaft machtvolle Klangwirkung aus. mit Kautfchuk befetzt. Auch haben ferner in der öfterreichifchen Abtheilung recht preiswürdige Trommeln von verfchiedener Gröfse und Charakter, zum Thei! auch Tamburins, ausgeftellt: die genannte Firma Hutter& Schranz, ferner Ignaz Stowaffer, Daniel Fuchs, beide in Wien, und Rohland& Fuchs in Graslitz. In der ungarifchen Abtheilung brachte die Firma Kollerich in Peft zwei Trommeln zur Ausftellung; eine von grofsem Kaliber und eine Militärtrommel; die letztere ift von weittragender Schallkraft, der Klang der erfteren dumpf und hart. In der deutfchen Abtheilung hatte Ludwig Bertram in Rendsburg verfucht, die fchon bei manchen feiner Blech- Blasinftrumente von ihm verwendete Mifchung von Kupfer, Neufilber und Meffing auch für den Rand der Trommel zu benützen. Diefe Mifchung hat fich an einer hohen Wirbeltrommel nicht befonders bewährt, Eine flache denn trotz der guten Arbeit ift der Ton dumpf. Preis 70 Thaler. Der Rand ift Militärtrommel zeichnete fich durch eine gute Klangwirkung aus. Preis 12 Thaler. Diefe flache Form von Holz und mit Kupferblech befchlagen. Preis 12 Thaler. ift weit handlicher für den Militärgebrauch als die gewöhnliche, für das Orchefter jedoch wäre immer die letztere wegen des Klangcharakters vorzuziehen. Trom Mufikalifche Inftrumente. 81 meln, Tambourins von verfchiedenem Werthe fanden fich im Weiteren bei Moriz Seiferth und Adolf Seiferth, E. Leberecht Fifcher und Michael Schufter, alle vier in Mark- Neukirchen vor. Namentlich waren bei dem Letzteren die Trommeln vom kleinen Kaliber recht empfehlenswerth. Auch drei Banzow's, eine Art kleiner Handpauke, und das fogenannte hölzerne Gelächter, Claquebois, das heifst, die am Ende der zwanziger Jahre von Gufikow erfundene Holz- und Strohharmonika, Strohfidel genannt, zeigten fich unter den Ausftellungsobjecten des Victor Emanuel Wettengel in Mark- Neukirchen. Aus Italien wäre Pelitti in Mailand zu nennen mit zwei kleinen und zwei grofsen Trommeln; unter den letzteren eine von befonders gutem Klang. Bei den kleinen Trommeln ift der Schall etwas zu kurz und nicht weittragend genug. Dagegen wollen die Trommeln mit Metallring, welche die Firma Charles Atkins in London in der englifchen Abtheilung ausgeftellt hatte, wenig befagen. Der Ton ift fchnarrend und kurz. Die Erfahrung hat gezeigt, dafs die Benützung des Metalls allein auf dem Rand der Trommel nie die günftigfte Wirkung auf den Ton hervorbringt. Von wunderbarer Klangfchönheit war eine grofse Trommel, welche fich in der chinefifchen Abtheilung vorfand. Sie ähnelt der Form nach einer Tonne und ift bemalt. Das Fell ift aus der Haut eines wilden Schweines hergestellt. An Allen Bemerkenswerth waren aufser diefer noch drei kleinere Trommeln. machte fich etwas Eigenthümliches in der Klangwirkung und zwar zu Gunften derfelben geltend. Eine Art Trommel führte uns auch die japaniſche Abtheilung vor, bei der das Fell aus Efelshaut bereitet ift. Die Form ift gefchmackvoll und der Klang anfprechend. In Perfien endlich vertrat diefe Gattung von Schlaginftrumenten nur ein Tambourin mit Ring. Die unzertrennlichen Begleiter der grofsen Trommel find die türkifchen Becken, Piatti, Cinelli genannt. Sie bilden tellerförmige Flächen mit einer Vertiefung in der Mitte, find aus verdichtetem Glockenmetall geformt und dienen dazu, durch ihren fcharfen, fchrillen Klang die rhythmifchen Schläge der grofsen Trommel zu verftärken. Das Monopol diefer Inftrumente in Betreff der Qualität befitzen noch heutigen Tags die Türkei und China und forgfam hüten die chinefifchen und türkifchen Fabrikanten noch immer das Geheimnifs der Herſtellung diefer Inftrumente. In der That waren die in der türkifchen Abtheilung vorgeführten Cinelli an raufchendem, weithin tönendem Klang allen übrigen in der Ausftellung überlegen. Nächft diefen türkifchen Becken trafen wir die beften Inftrumente die. fer Art bei Červený und Daniel Fuchs in der öfterreichifchen und bei Michael Schuft er in der deutfchen Abtheilung. Červený und Daniel Fuchs brachten auch fehr preiswürdige Triangel. Sehr preiswürdig waren dann die in der italienifchen Abtheilung ausgeftellten Cinelli von Pelitti in Mailand. Mit den Becken hat auch das chinefifche Tam Tam dem Stoffe nach eine Verwandtfchaft, obwohl es dem Klang nach ungleich edler und mächtiger ift. Spontini hat diefes Inftrument durch feine" Veftalin" in die Oper, Cherubini durch fein Requiem in die kirchliche Mufik eingeführt. Das Tam- Tam ift ebenfalls eine Specialität, in welcher die Chinefen unerreicht daftehen. So waren auch die beiden Inftrumente in der chinefifchen Abtheilung weitaus die beften in der Ausftellung. Nächft ihnen find nur noch zwei TamTam hervorzuheben, das eine aus der Fabrik Červený's und das andere von Uhlmann Leopold in der öfterreichifchen Abtheilung; der Klang des Uhlmann'fchen Tam Tam könnte jedoch etwas weniger Schärfe befitzen. Zu diefer Gattung von Inftrumenten gehören auch die fogenannten, in der Militärmufik gebräuchlichen Glockenfpiele in Lyraform. Diefelben beftehen in einer Reihe von Metallplättchen, welche die chromatifche Scala an6* 82 Eduard Schelle. ben. Die Hauptbedingung ift, dafs die Scala vollkommen correct ift und die Platten beim Anfchlagen gut vibriren, ohne ein Echo zu geben. Eine vorzügliche Lyra, correct in jeder Beziehung, hatte Červený geliefert. Auch Sto waffer Ignaz in der öfterreichifchen Abtheilung hatte ein folches Inftrument gebracht, welches allen Anforderungen entſpricht. Auch Uhlmann Leopold in Wien, Rohland& Fuchs in Graslitz und Daniel Fuchs in Wien ftellten. recht anftändige Lyrafpiele aus, das des Letzteren hat eine vorzügliche Vibration, aber keineswegs eine ganz correcte Scala. Noch find zu nennen im deutfchen Reich Bertram Ludwig in Rendsburg und Pelitti in Italien, welche ebenfalls Glockenfpiele ausftellten. Aufser feiner Lyra hatte Uhlmann Leopold auch ein chromatifches Stahl- Glockenfpiel mit Claviatur ausgeftellt. An demfelben ift eine Dämpfung angebracht, durch welche das Nachhallen der Platten verhindert wird. Das Inftrument ift in Folge diefer Einrichtung fehr verwendbar in Opernorcheftern und übertrifft an Wohlklang die meiften Inftrumente diefer Art. An die letztgenannten Inftrumente reihen fich in natürlicher Weife die Glocken, bei welchen ebenfalls der Ton durch einen Schlag vermittelft eines Klöppels oder eines anderen Werkzeuges hervorgerufen wird. Die Glocken beginnen bereits im VI. Jahrhundert ihre Rolle in der Kirche zu fpielen. Das Material, das fogenannte Glockengut, aus dem fie gegoffen werden, beſteht aus einer Mifchung von Kupfer und Zinn. Eine Hauptfache bei der Bildung der Glocken ift, bei dem erften Gufse die Tonhöhe richtig zu treffen, weil fpätere Aenderungen die Klangfchönheit fehr beeinträchtigen. Die Tonhöhe hängt von der Weite des Schlagrings, der mufikalifche Ton aufserdem noch von der Dicke und Schwere der Glocke ab. Der Klangcharakter wird zugleich durch die Haube bedingt, welche in den harmonifchen Obertönen mitklingt und fomit mehr oder weniger Einfluss auf den Grundton hat. Die Glocken waren auf der Ausftellung in allen Kalibern ungemein zahlreich vertreten. Ein Geläute von harmoniſch im Dreiklang zufammengeftimmten Glocken mit Montirung zum Läuten bot die Firma Samaffa Albert in Laibach. Die Firma befteht feit dem Jahre 1767 und entfaltet von Jahr zu Jahr einen immer fchwunghafteren Betrieb; fie befitzt eine Dampfmafchine von 8 Pferde kraft und befchäftigt 40 Arbeiter. Ein fchönes, ebenfalls im Dreiklang zufammenftimmendes Geläute bildeten ferner 7 Metallglocken, welche die k. k. Hof- Glocken- und Metallgiefserei Hiltzer Ignaz& Sohn in Wiener- Neuftadt, Niederöfterreich, ausgeftellt hatte. Die gröfste der Glocken von 115, die kleinfte von 1½ Centner.; dazu kom12 men noch zwei Uhrglocken von 30 und 10 Centner. Die Glocken find für die Votivkirche in Wien beftimmt. Carl Schwab in Biala hatte drei Glocken ausgeftellt, welche im D- Dreiklang geftimmt waren. Die gröfsere hat ein Gewicht von 400, die mittlere von 300 und die kleinfte von 200 Centner. Der Ton ift fchön und weittragend. Auch aus Görz waren vier Glocken von hübfchem, gefchmackvollem Aeufseren aus der Fabrik Broili& Goli eingelaufen, fie find zwar nicht in reinem Accord geftimmt, aber ihr Geläute machte eine fehr harmonifche Wirkung. Im deutfchen Reiche feffelten das Intereffe auf diefem Gebiete die Leiftungen von dem Glockengiefser Gouffel François in Metz. Gouffel hatte vier Glocken nebft Glockenftuhl von verfchiedener Gröfse eingefendet, die an Klangfchönheit den beften Producten diefer Art auf der Ausstellung mindeftens gleichkamen und obwohl nicht in einem reinen Accord geftimmt, doch ein unendlich harmonifches Geläute bildeten. Der Preis ift im Verhältnifs zum Werthe billig zu nennen. Er beträgt 2467 Thaler. Die Firma ift übrigens fehr alt und reicht bis ins XVI. Jahrhundert hinein, und befchäftigte vor dem franzöfifchen Kriege 1870: 28 Arbeiter, welche Anzahl nach dem Kriege auf 12 Arbeiter und 1 Werkführer gefunken ift; die vorzügliche Qualität ihrer Erzeug Mufikalifche Inftrumente. 83 niffe, von der die Ausftellung einen Beweis lieferte, fo wie der Ruhm der Firma laffen hoffen und wünſchen, dafs das Gefchäft zu feiner früheren Ausdehnung fich wieder auffchwingen wird. Eine fchöne Glocke hat ferner Hadank& Sohn in Hoyerswerda in Schlefien gebracht. Diefelbe machte fchon durch ihr gefchmackvolles Aeuſsere einen angenehmen Eindruck, der Helm ift fchön geformt und mit Silber plattirt. Der Klang ift hell und von grofser Refonanz. Ein fchönes Geläute von vier Glocken nebft Glockenftuhl boten ferner F. W. Rinker in Hof- Sinn bei Herborn, Heffen- Naffau, im Gewichte von 3547 Zollpfund, von 1740% und 1007% und 42845 Zollpfund im Gefammtpreife zu 375 Thaler. L. Hermann in Memmingen in Baiern, ebenfalls vier Glocken, diefelben find im C- dur Accord geftimmt. Statt des gewöhnlichen Glockengufs bedient man fich heutigen Tags häufig des Gufsftahls. Beiſpiele lieferten auf der Ausstellung Adolf Kraemer, Eifenhütte zu Quint bei Trier mit zwei und der Bochumerverein für Bergbau und Stahlgufs- Fabrication in Weftphalen mit einer Glocken; der Klang beider Glocken ift voll und fchön, die Bochumer namentlich entfaltet eine wahrhaft mächtige Wirkung. Nur hat fich leider bis jetzt der Gufsftahl nach diefer Seite hin nicht befonders dauerhaft erwiefen; es läfst fich daher für die Folge: eine Abfchwächung der Schallkraft befürchten. Die Bochumer Glocke wiegt 60 Centner. Aus Hochofen Gufseifen mit Beffemer- Gufsftahl fand fich auch in der ungarifchen Abtheilung eine Glocke von Reficza( im Banat) vor; fie ftimmt genau im Parifer Kammerton( a). Ungarn hat überhaupt in Bezug auf Glocken manches Treffliche geliefert. Wir nennen nur Andrafchovsky Ephraim in Klaufenburg, ferner die gleichnamige Firma in Kronftadt; jede von ihnen hatte eine Glocke fammt Montirung von recht leidlicher Qualität gebracht; ferner wären in diefer Abtheilung anzuführen Pozdech Jofef in Peft und Seltenhofer Friedrich in Oedenburg. Vortreffliche Glocken, acht an Zahl, hatte ferner die Firma Blews William& Sons in Birmingham in der engliſchen Abtheilung ausgeftellt. In der italienifchen Abtheilung machte fich hefonders die Firma Luigi Cavadini& Figlio in Verona mit fünf grofsen und vier kleinen harmonifch geftimmten Glocken bemerklich. Diefelben werden durch eine Taftatur von Holz regiert; aufser der genannten Firma ftellten Colbachini Damiano und Söhne zwei kleine Glocken, die eine in viereckiger Form, die kleinfte in a geftimmt, von feiner Arbeit, aber fchlechtem Gufs; ferner Matteini Don Mariano in Rimini vier Glocken mit fchöner durchbrochener Arbeit, aber von dürftigem Ton. Eine Glocke ganz eigenthümlicher Form trafen wir in der japanifchen Abtheilung an. Diefelbe verengt fich nach unten hin und hat keinen Klöppel. Sie wird zum Tönen gebracht, indem man einen kleinen Holzbalken auf einen erhabenen Punkt der Aufsenfeite fchleudert. Der Ton ift weithallend und von mächtiger Wirkung; er hat etwas von dem Charakter des Tam- Tam an fich. Diefe Glocke reihte fich dem Beften an, was die Ausftellung in Inftrumenten diefer Art bot. Endlich hatte auch Holland einen Beitrag mit mehreren Glocken von anftändigem Fabricate geliefert. Anomale Inftrumente. Unter diefem Namen begreifen wir Inftrumente, welche keiner der bisher angeführten Gattungen zugehören, fondern ganz ifolirt daftehen. Die Ausstellung führte deren zwei vor, nämlich das Piano Quatuor von Baudet in der franzöfi 84 Eduard Schelle. fchen, das Melo- Piano von Caldera& Broffi in Turin in der Nähe der italienifchen Abtheilung. Auf den erften Blick könnte es fcheinen, als ob beide Inftrumente eine Erweiterung der Pianofamilie bildeten, weil das Piano ihre Grundbeftandtheile ausmacht, allein aus ihren Wirkungen ergibt fich, dafs fie, anftatt die Natur des Piano zu ergänzen, diefelbe alteriren, da fie mit einem Worte etwas anftreben, was gegen den Charakter des Piano läuft. So ift das Piano Quatuor ein Inftrument, welches in Form eines Pianinos die Effecte des Streichquartettes hervorzubringen die Aufgabe hat. Es hat ferner die Beftimmung, alle Nuancirungen der Streichinftrumente, wie das Anfchwellen und Abnehmen, das Ausftechen und Verbinden der Töne nicht nur treu wiederzugeben, fondern auch Gefangseffecte zu erzielen. Es will mit einem Worte ein Streichorfter im Kleinen darftellen, ein entſprechendes Surrogat für ein folches fein. Der Mechanismus, man mufs es geftehen, ift höchft finnreich. Die Conftruction des Inftrumentes gleicht äufserlich der eines Pianinos. Der Bezug ift jedoch nicht dreichörig wie bei diefem, fondern für jeden Ton eine einzige Stahlfaite angebracht; diefelbe mufs aber, um die erforderliche Tonfülle zu erzeugen, dreimal fo ftark fein wie eine Clavierfaite. Diefelbe läuft zunächft über einen gewöhnlichen Steg, wird dann durch eine Schraube auf einen niedrigeren Steg gedrückt, welcher in Folge des Druckes auf den Refonanzboden diefelbe Wirkung ausübt, wie der Steg bei einer Violine. Es wird dadurch bei jeder Schwingung eine Vibration erzeugt, welche die Tonftärke bedeutend vermehrt. Die Schwingungen felbft werden durch ein an der Saite angebrachtes Büfchel von Pflanzenfafern( imitirtes Rofshaar,„ Tampico" genannt) fortgepflanzt. An einem mit der Tafte in Verbindung ftehenden Keil findet fich ein gebogenes Stück Fifchbein von beliebiger Stärke. Durch den Druck, der vom Spieler auf die Tafte ausgeübt wird, prefst das Fifchbein jedes Büfchel gegen einen aus hohlem Eifen angefertigten, mit Papierbekleidung überzogenen und Colophonium beftrichenen, wagrecht liegenden Cylinder. Derfelbe wird durch ein Pedalfyftem nach einer der Saite entgegengefetzten Richtung zu in Rotation verfetzt. Diefer Cylinder hat die Function des Violinbogens zu verfehen. Die fo entſtehende Friction des Cylinders mit dem Büfchel theilt fich durch das Letztere der Saite mit. In dem Mafse, als die Friction durch den ftärkeren Taftendruck gefteigert wird, gewinnt der Ton an Kraft und Fülle. Die Stärke des Tones kann übrigens auch durch ein fchnelleres Treten des Pedales vermehrt werden, weil dadurch der Cylinder fich ebenfalls fchneller bewegt. Auf diefe Weife wird ein Ton erzeugt, der dem Charakter der Streichinftrumente fehr nahe kommt. Auf der jenen erwähnten Keil tragenden Seite befindet fich noch eine Spiralfeder, welche den Zweck hat, dem Fifchbein die zum Drucke gegen den Cylinder benöthigte Kraft zu verleihen. Mit der Tafte fteht die Leifte durch eine Stellfchraube in Verbindung, die Letztere dient dazu, die Bewegung des Fifchbeins gegen den Cylinder zu regeln und dasfelbe dem Büfchel fo nahe wie möglich zu bringen. Der Gang der Tafte wird durch einen befonderen Knopf geregelt. Die Tafte felbft ift ganz die des Pianos. Ein derartiges Inftrument brachte übrigens Baudet bereits unter dem Namen Piano- Violon in der Parifer Weltausftellung 1867 und mag jetzt hier nur einige wefentliche Verbefferungen erhalten haben. Die Idee ift übrigens nicht neu, fie liegt vielmehr fchon den im XVII. Jahrhundert beliebten GeigenClaviercymbalen zu Grunde. Sehr gut, faft bis zur Täufchung nachgeahmt find die tieferen Streichinftrumente, wie Bratfche, Violoncell, weniger glücklich ift der Ton der Geigen getroffen, doch find von dem Erbauer einige Verbefferungen in Ausficht geftellt, welche das Inftrument nach diefer Seite hin vervollſtändigen. Das Streichquartett wird das Piano- Quatuor nie erfetzen können, denn deffen Reiz beruht in erfter Linie auf dem Zufammenwirken von vier Individualitäten; allein immer ift es für den Privatgebrauch eine intereffante Errungen Mufikalifche Inftrumente. 85 fchaft und ein werthvolles Surrogat für die Mufikliebhaber. welche ihrer Verhältniffe wegen Quartettvorträge entbehren müffen. Ein folches Inftrument ift bereits aus der Ausftellung in Wien eingerückt und befindet fich im Clavierfalon von Bernherd Kohn. Ein Piano Quatuor mit Geigen, Clavier- und Cymbal conftruction fand fich auch von Barutto in Lyon vor. Mit dem angeführten Melo- Piano von Caldera& Broffi in Turin hat es infofern eine ähnliche Bewandtnifs wie mit dem Piano- Quatuor, als auch dort und zwar in einem noch höheren Grade als hier das Piano die Bafis des Mechanismus bildet. Derfelbe greift nicht gewaltfam wie jenes in das Conftructionsfyftem des Piano ein, er beſteht nur in einer Vorrichtung, welche an dem Clavier angebracht wird, zu dem Zwecke, die Natur desfelben zu erweitern; allein diefe Erweiterung gefchieht auf Koften der Eigenart des Inftrumentes, das Clavier als Melo- Piano fucht fich des Gefanges zu bemächtigen, wie fich das Piano- Quatuor des Streichorchefters bemächtigt hat. Der Mechanismus ift folgender. An einem runden Meffingftabe find kleine Blechhämmerchen mittels feiner Uhrfedern befeftigt, welche, wenn der Stab in Vibration gefetzt ift, in fchnellfter Bewegung beim Niederdruck der Taften auf die Saiten fchlagen und ein dauerndes Tönen derfelben erzeugen. Jener Meffingftab wird durch ein auf dem Boden des Inftrumentes angefetztes Triebwerk nach dem Willen des Spielers vermittelft eines Pedaltrittes in ftärkere und geringere Bewegung gebracht, wodurch man zugleich ein merkliches Crescendo und Decrescendo erzeugen kann. Das complicirte Triebwerk wirkt nach Aufziehen einer Feder ungefähr eine Viertelftunde lang. Das Triebwerk wird endlich durch ein Knieregifter beliebig in den Gang und aufser Gang gebracht. Es können vermittelft diefer Vorrichtung Accorde wie Einzeltöne in fanfter Schwebung ausgehalten werden. Der Effect hat etwas von dem des Tremolo beim Gefang. Ein Vorzug diefer übrigens achtungswerthen Erfindung befteht darin, dafs man mit diefer Vorrichtung auch das Piano als gewöhnliches Piano benützen kann; als Melo- Piano wird das Clavier feinem eigenen Charakter entfremdet und geftaltet fich zu einem anomalen Inftrumente. Wahrhaft künftlerifche Elemente trägt diefe Erfindung durchaus nicht in fich. Muſikaliſche Spielwerke. Wir wählen diefen Namen für die grofse Gruppe jener Inftrumente, welche ern von aller künftlerifchen Miffion nur als Erzeugniffe des in dem Menfchen allmächtig waltenden Spieltriebes anzufehen find. Sie haben im Weiteren noch die Beftimmung, dem Bedürfniffe nach mufikalifcher Unterhaltung in jenen Kreifen Genüge zu thun, in denen die nöthige Vorbildung für den höheren Kunftgenufs fehlt. Vom Standpunkte der Kunft können folche Inftrumente nicht in Betracht kommen, fie haben nur eine induftrielle Bedeutung als ein ergiebiger Handelsartikel. Obenan in diefer Gruppe ftehen wegen ihrer befonders künftlichen Con ftruction die automatifchen und mechanifchen Spielwerke, das heifst folche, bei denen die Thätigkeit des Spielers durch den Mechanismus eines Uhrwerkes erfetzt, oder, wie bei den letzteren auf eine rein mechanifche Manipulation, wie das Drehen einer Kurbel, befchränkt ift. Zu den Erfteren gehören die Orcheftrions, fo genannt, weil fie eine Nachahmung des Orchefters bilden. Die Ausftellung führte deren nicht weniger als fünf vor, ein Beweis, wie fehr diefe Inftrumente an Beliebtheit gewonnen haben. Das Befte in diefem Zweige hatte unftreitig J. H. Heller in Bern geliefert. Von ihm waren zwei Orcheftrions ausgeftellt, bei denen an Wohlklang und Charakteriftik der verfchiedenen Inftrumente Alles erreicht ift, was nur auf folchem Wege zu erreichen ift. Das eine, das gröfsere von beiden enthält 40 Regifter und 633 Stimmen mit 12 Walzen; das zweite 9 Regifter und gegen 400 Stimmen; das 86 Eduard Schelle. Abfpielen einer Walze währt beim erften neun, beim zweiten fieben Minuten. Das gröfsere hat vor dem kleineren den Vorzug, dafs die Stimmen feiner und harmonifcher ausgeglichen find; es koftet 25.000 Gulden, das zweite 8000 Gulden. In der öfterreichifchen Abtheilung begegnete uns zunächft J. Deutfchmann in Wien, deffen Name auch in der Gefchichte des Harmoniums eine Rolle fpielt, mit einem Orcheftrion, das 24 Mann erfetzt. Es enthält 2 Flaute Traverspfeifen, 17 Naturflöten, I Piccolo, 24 Trompeten, 12 Pofaunen, 36 Violonbafs- Pfeifen, dann I kleine und I grofse Trommel, die letztere mit 4 Becken, I Triangel und 1 Glocke. Das Werk wird von 4 Gehwerken, welche durch Gewichte getrieben werden, in Bewegung gefetzt. Diefe Gehwerke haben nur die Beftimmung, die vier Blasbälge zu treiben, indem jede Inftrumentengattung ihren eigenen Blasbalg haben mufs. Ferner find 2 Laufwerke angebracht, von denen das eine blofs die Walze treibt, das andere die grofse Trommel nebft Becken regiert. Diefes Orcheftrion ift fo eingerichtet, dafs man die verfchiedenen Schlagwerke abfperren kann und fomit die einzelnen Inftrumente nach Belieben auslaffen oder mitfpielen laffen kann. Der Preis beträgt 10.000 fl. öfterreichischer Währung. Aufser Deutfchmann hatte in der öfterreichifchen Abtheilung auch J. Janifch in Wien ein Orcheftrion ausgeftellt; dasfelbe ift aus Holzpfeifen und Trommeln etc. zufammengefetzt und ift von anfprechender, milder Klangwirkung. In der deutfchen Abtheilung ift noch ein Orcheftrion von Mamert Hock in Saarlouis( Rheinprovinz) anzuführen mit 6 Walzen, welche je ein Stück ſpielen. Walze Nr. 6 fpielt acht verfchiedene Stücke. Preis 1200 Thaler. Zu folchen felbftfpielenden Inftrumenten gehört auch das elektrifche Clavier, welches fich unter den Ausstellungsobjecten des genannten Heller in Bern befunden hat. Ausserdem hatte Heller ganz vorzügliche Spielwerke im engeren Sinne, wie Spieldofen, fingende Vögel und fingende Stühle etc. geliefert. Neben ihm nennen wir noch die Firmen Karrer& Comp. und Karrer S., beide in Teufenthal im Aargau, dann Mermod Gebrüder, Canton Waadt( Schweiz). Unter den mechanifchen Inftrumenten nimmt jetzt auch das Clavier einen Platz ein oder es ift zu einem folchen degradirt. Namentlich zeigt Italien dafür eine grofse Vorliebe, man fand wenigftens in der italienifchen Abtheilung das vermittelft einer Kurbel zu fpielende Clavier fehr reichlich vertreten. Zu derfelben Gattung gehört auch das Pianifta bei Thibonville- Lamy in der franzöfifchen Abtheilung. Der Mechanismus befindet fich in einem Kaften, der mit einem Pianino in Verbindung fteht. Aus diefem Kaften ragen Claves hervor, welche die Finger des Pianiften vertreten und genau auf die Taften des Pianinos paffen. Der ganze Mechanismus fufst auf dem pneumatifchen Syftem. Beim Drehen der Kurbel werden die Claves durch Blasbälge gehoben. Das Spiel felbft wird geregelt durch ein Carton mit Ausfchnitten, Noten darftellend, welches beim Drehen der Kurbel durch eine Rolle von Kautfchuk in Bewegung gefetzt wird und darunter fortläuft. Der Mechanismus ift höchft finnreich, aber complicirt. Man kann fich nicht genug wundern über den Aufwand von Mühe, Geift und Scharffinn, der fchliefslich keinen anderen Zweck hat, als eine Spielerei zu erzeugen. Zu den mechanifchen Inftrumenten find auch zu rechnen Drehorgeln, Melodions u. f. w. Recht preiswürdige Werke hatten in der öfterreichifchen Abtheilung geliefert: Schidlo Carl, Klein Johann, Beide in Wien, Riemer Bernhard in Kratzau( Böhmen), Salomon Adolf und Wilhelm, Reichenberg ( Böhmen). Das Inftrument des Letzteren ift in vieler Hinficht fehr bemerkenswerth. Es führt den vornehmen Titel: Salonorgel. Es hat 2 Walzen und ſpielt 16 Salonftücke, woher wahrfcheinlich der Name Salonorgel; ferner eine Claviatur, mittelft der man beliebig 4 Stimmen( Regifter) fpielen kann; für die Claviatur find folgende Regifter vorhanden: Bordun 8', Quintatöne 4', Flöte 2' Quint 12'; für die Walze Piccolo, Glocken, Tremulant. Einige Regiſter find auch felbft Mufikalifche Inftrumente. 87 verfchiebbar. Das Werk hat circa 300 klingende Pfeifen. Das Aeufsere diefer Salonorgel, die nach Singapore in Oftindien verkauft wurde, ift gefchmackvoll. In der deutfchen Abtheilung fanden fich treffliche Melodeons bei R. Dix in Gera vor. Damit wäre das Vorzüglichfte erfchöpft, was die Ausftellung in diefem Genre bot.- - In die Kategorie der mufikalifchen Spielwerke wir nehmen diefes Wort in feinem urfprünglichen Sinne, gehören auch das neuerfundene Inftrument, genannt Pianon, von Carl Kuhn in Wien und der Cither- Concerttifch von Franz Böhm in Griebach. Das erftere ift nur eine Abart des Harmoniums, aber keine glückliche. Es hat die Form eines kleinen Tifches mit einer Claviatur. Diefelbe hängt mit einem im Tifche befindlichen Blasbalge zufammen; beim Druck der Finger auf die Taften fenkt fie fich, durch welche Procedur der Ton erzeugt wird. Sie verfieht auf diefe Weife diefelbe Function wie das Trittwerk am Harmonium. Das Inftrument ift im Ganzen und Grofsen nur eine Curiofität. An dasfelbe reiht fich auch das Schreibtifch- Harmonium, eine neue Erfindung von Johann Klein in Wien. Der Charakter der Arbeit thut dar, dafs der Schreibtisch die Hauptfache, das Harmonium mit feinen fünf Octaven nur Zugabe ift. Wir haben es auch hier mit einem Curiofum zu thun. Was den Cither- Concerttifch anbetrifft, fo hat er feinen Namen von drei Cithern, die fich auf ihm befinden. Ausserdem enthält er noch eine Taftatur, Stahl- und Metallglocken und eine kleine Trommel. Die Taftatur beherrscht ein Werk von 25 Flöten, welche der Spieler vermittelft des Anblafens durch einen Schlauch zum Ertönen bringt. Es können mithin alfo an diefem Tifche zwei Perfonen Cither fchlagen und obendrein ein Dritter auf der Claviatur eine getragene Melodie fpielen und, um den Effect glänzend zu fteigern, zugleich Glocken und Trommel erklingen laffen. Maffenhaft ift in der öfterreichifchen Abtheilung die Gattung der Accordeons, Mundharmoniken und derartiger Inftrumente vertreten. Die Erfteren gehören zur Gattung der Physharmonika, nur dafs hier der Balg, ein Laternenbalg mit vielen Falten, die fich parallel bewegen, nicht mit den Füfsen, fondern mit den Händen gezogen werden, woher der Name Zugharmonika. In erfter Linie find hier die Firmen Johann Klein in Wien, M. Bauer in Wien zu nennen. Bei dem letzteren dürften befonders eine Zukunft die neuerfundenen Melophons haben, welche nach dem Clavierfyftem eingerichtet find und 5 bis 6 Octaven umfaffen. Der Preis bei Klein ift 2- bis 500 fl. per Stück. Ein grofses Accordeon mit 4 Octaven hatte W. Schramm in Wien ausgeftellt. Im Weiteren führen wir noch an die Firmen Anton Grötz in Wien, A. Vogler, Carl Kuhn ebenfalls in Wien. Von noch gröfserer Varietät find die verfchiedenen Mundharmoniken. So hatte die Firma Franz Mayer in Wien 130 Stück ausgeftellt, die fich in nicht weniger als 120 Gattungen theilen. Unter ihren Ausftellungs- Objecten befand fich ein Stück mit fchwebender oder doppelter Stimmung und zwei Regiftern für Forte und Piano, welches als die neuefte Erfindung bezeichnet wird. Die Firma producirt jährlich 900.000 bis 1,000.000 Stücke; man kann fich darnach eine Vorftellung von dem ungemeinen Abfatz diefer Inftrumente bilden. Die Preife find durchfchnittlich fehr billig. Zur Seite jener Firma fteht Wilhelm Thie in Wien mit Mundharmonika von verfchiedener Art, im Preife von 36 kr. bis 42 fl. öfterreichifcher Währung per Dutzend. Die Firma befchäftigt 120 bis 130 Perfonen theils im Haufe, theils aufser dem Haufe, arbeitet mit einer Dampfmafchine von 8 Pferdekraft und erzeugt jährlich 1 Million Stücke. Auch diefe Firma weift eine neue Erfindung auf, nämlich die Eifenverfpreizung der Doppel- Mundharmonikas, welche fehr vortheilhaft if, da durch die angebrachten Klammern die Platten dichter an das Holz geprefst werden, als bei der alten Methode mit den Nägeln. Der Handel mit diefem Gegenftand hat in der That die grofsartigften Dimenfionen angenommen. So 7 88 Eduard Schelle. befchäftigt die Fabrik Ernft Leiterdt in Brunndöbra( Sachfen) 200 Arbeiter und erzeugt jährlich mehr als 5 Millionen Mundharmoniken. Diefe Waare wird von Deutfchland wie Oefterreich hauptfächlich nach Amerika exportirt. Gute Waaren haben auch die Firmen Leopold Pippich, Georg Bruchbauer in Wien, Johann Langhammer& Söhne, Soukup und Fuchs in Graslitz( Böhmen) aufzuweifen. In der deutfchen Abtheilung lieferten gute Accordeons Gebrüder Bufe in Gera von I bis 15 Regifter und zum Theile mit Glocken, dann Pietfchmann& Söhne in Berlin. Auch Mundharmoniken fehlen in der deutfchen Abtheilung nicht. Schliefslich ift noch eines fchönen Exemplares von Dudelfack zu gedenken, welches in der ungarifchen Abtheilung Jautz J. F. in Neufatz ausgeftellt hatte. Beftandtheile muſikaliſcher Inftrumente. Für Claviere ift die Ausftelluug aufserordentlich zahlreich befchickt worden. In der öfterreichifchen Abtheilung geftaltete fich das Verzeichnifs der Ausfteller folgendermafsen: Claviaturen brachten Kafparek Jofef, Schmidtmaier Jofef, Sandtner Jofeph, Zähnle Leonhard; Schilder: Kleyhonz Robert; Mechanik: Schmidt Johann; Dämpfungen: Kühnel Jofef, Kopatfchek Alois; Kapfeln und Bänder: Röfsner Jacob, Mafchl Johann; Stiften und Stimmnägel: Noftwitz Carl, Riechers Herrmann; Saiten: Dietz Adolf, Moritz Franz, Martin Miler's Sohn; Notenpulte: Radl Jacob; Clavierfüfse: Preis Norbert; Clavierleime: Kunath Carl; Halbtöne und Fourniere: Senger Jofef; Leder, Filze, Stimmwerkzeuge: Kohn Albert; Eifenplatten und Schlofferarbeit: Korzalka Franz; Hammerköpfe befilzte: Gaifer Emil, fämmtlich in Wien. In der deutfchen Abtheilung hat eine Mechanik von gediegener Arbeit C. Coltermann in Hannover ausgeftellt; ferner ift aufser ihm noch Otto Lexow mit einer Mechanik zu vermerken. Aufserdem brachten Claviaturen: F. J. Wörnle in Hamburg; Saiten: Moriz Pohlmann in Hamburg, Filz: Carl Pranke jun., Neuftadt an der Orla, Sachfen- Weimar, Friedrich Baumbach; Leder, befonders fchöne Qualität: Schlefinger& Bummer, Gera, diefe Firma fteht überhaupt hoch im Anfehen, dann Gebrüder W.& Ed. Eifenberg. In der ungarifchen Abtheilung hatten Baumann Johann& Szlezák M. in Prefsburg eine Clavier- Transponir- Mechanik ausgeftellt. In der franzöfifchen Abtheilung fallen zunächft die beiden berühmten Firmen Schwander& Herrburger und Rohden in Paris ins Auge. Bekanntlich beziehen die meiften Clavierbauer die Mechaniken und Claviaturen fertig. Vor dem franzöfifchen Kriege befafsen diefe beiden Firmen das Monopol für derartige Lieferungen; nach dem Kriege ift Ihfermann in Hamburg an ihre Stelle getreten, der leider nicht ausgeftellt hatte. Von Schwander waren drei fchöne Pianinomechaniken und aufserdem noch Modelle zu Pianino- und Flügelmechaniken vorhanden; von Rohden ebenfalls eine Pianinomechanik nebft verfchiedenen Meffingbeftandtheilen. Diefe angeführten Objecte find wahre Mufterleiftungen diefer Art. Mechaniken zu Pianinos und Flügeln brachte auch Ch. Gerling& fils in Paris, Claviaturen Ch. Monti in Paris. Beinwaare lieferten E. Müller in Paris, Grandon, Alexandri& Couilleaux in Paris, dann Filze E. Billion und St. Denis, Fortie& Comp., fämmtlich in Paris. 7 Den beften Filz hat England durch die Firma Whitehead L. R. Gebrüder in London in der englifchen Abtheilung geliefert; er übertrifft an Qualität bei Mufikalifche Inftrumente, 89 Weitem den amerikaniſchen Filz, den die Firma Alfred Dolge in New- York in der amerikanifchen Abtheilung vorführte. In Italien wäre nur Carl Perotti in Turin mit Mechaniken zu nennen. Für Streichinftrumente. In der öfterreichifchen Abtheilung ftand mit Saiten, Bögen und anderen Beftandtheilen auch in diefem Zweige David Bittner in Wien oben an. Sehr Bemerkenswerthes namentlich hatte C. F. Schmidt in diefem Genre ausgeftellt. Sein neuer Handleiter wurde bereits erwähnt. Von fehr praktifchem Werthe find mehrere von ihm ausgeftellte Conftructionen des neuen, fogenannten Schmidt'fchen Wirbels( Schraube). Ihre wefentlichften Vortheile beftehen darin, dafs ein felbftftändiges Zurückgehen des Wirbels unmöglich, und eine reine Stimmung leicht zu erzielen ift, befonders durch die Conftruction mit der Mikrometer- Bewegung; ferner ein Verlängerungszapfen für das Violoncell aus Metall zum Behufe der höheren und niederen Haltung des Inftrumentes; er ift an jedem Inftrumente leicht anzubringen. Zu bemerken ift noch eine Vereinfachung des Spohr'fchen Geigenhalters, für jede Geige leicht anwendbar. Schliefslich find noch hervorzuheben Etuis mit einem neuen Verfchlufsmittel, wodurch den Inftrumenten mehr Sicherheit geboten wird, als es bei dem jetzt noch üblichen Schnappenflügel der Fall ift. Saiten von verfchiedener Art fanden fich bei Lutz in Wien und Gilardi Heinrich in Zara vor. Sehr brauchbare Darmfaiten für Streichinftrumente hat auch Tóth Sandor in Szegedin in der ungarifchen Abtheilung ausgeftellt. In der deutfchen Abtheilung lieferte Beftandtheile aller Art für Violine und Cello und zwar von fehr guter Qualität, Theodor Heberlein in Mark- Neukirchen( Sachfen). Unter Anderem fiel ein Violinbogen nach Gouilleaume von echtem Silber auf, dann Michael Schufter in Mark- Neukirchen, Darmfaiten, H. Knopf in Berlin brachte eine Collection von trefflichen Bögen für Violine und Cello. In der franzöfifchen Abtheilung brachten Violinfaiten Louvet und Thibonville Lamy in Paris. Die preiswürdigften Violinfaiten ftellten Righetti Luigi in Trevifo und Perotti Carlo in der italienifchen Abtheilung aus. Aufser diefen Beiden brachten noch Saiten Venturini Carlo, Turin, Bella Nicola, Verona, Bedini Giuſeppe, in Vicenza, Municipio in Sora, Ruffini Andrea in Neapel. Für Blasinftrumente. In der öfterreichifchen Abtheilung verdienten vor Allen eine rühmliche Erwähnung Carl Mayer wegen der von ihm ausgeftellten Röhren und Blätter für das Fagott. Diefelben find fehr fein gearbeitet und gewähren dem Fagottiften ein leichtes, ficheres Spiel. Blätter für Fagott, Oboë und Clarinette, ebenfalls von guter Qualität hatte Sobeck in Luditz in Böhmen ausgeftellt. Den Rohftoff, das dazu nöthige Rohr bezieht derfelbe aus dem füdlichen Frankreich. In Anfehung der Blechinftrumente hatte die Collectivausftellung der MufikInftrumentenmacher in Graslitz in Böhmen mit einer Sammlung von Mundftücken, Cylindermafchinen u. f. w. und anderen Beftandtheilen die Ausftellung befchickt, die gröfstentheils ihrem Zwecke entſprechen. Auch Baumgartl Wenzel in Wien hat in diefem Genre Vorzügliches geleiftet. In der deutfchen Abtheilung führen wir nur die Firma Michael Schufter in Mark- Neukirchen in Sachfen an. 7* 90 Eduard Schelle. Mufikalifche Inftrumente. Gut gefertigte Clarinettenblätter und Klappenbelederungen kamen bei Wenzel Schunda in Peft in der ungarifchen Abtheilung vor. Akuftifche und techniſche Inftrumente. In diefe Rubrik gehören zunächft 8 Stimmgabeln in der ruffifchen Abtheilung von A. Ifraileff zu Roftow im Gouvernement Jaroflaw. Diefelben geben. die Töne der chromatifchen Scala an. Alle Nuancen der Schwingungen find markirt. Sie find correct und richtig conftruirt. Sie feffeln umfomehr das Intereffe, weil der Erfinder kein eigentlicher Fachmann, fondern ein Geiftlicher ift. Ferner ift in der ungarifchen Abtheilung ein Monochord zu erwähnen, auf welcher die natürliche, aus der natürlichen Zahlenreihe entwickelte, diatonifche und chromatifche Tonleiter verzeichnet ift, nebft einer Tafel. Der Ausfteller diefes Gegenftandes ift Dr. Zoh Ivan Braniflaw, ordentlich öffentlicher Profeffor am Obergymnafium und Lehrerfeminar Nagy- Röcze, Gomörer Comitat. Schliefslich bleibt noch in der deutfchen Abtheilung eine fehr intereffante Erfindung hervorzuheben, welche allgemeine Verwunderung erregte, nämlich ein elektro- chemifcher Noten- Schreibapparat, ausgeftellt von dem Telegraphiften Fehr in Stuttgart. Die Einrichtung ift nur eine Anwendung des telegraphifchen Syftems auf die Notenfchrift. Wenn der Apparat in Thätigkeit tritt, fo zeigt fich das auf dem Piano Gefpielte auf einem von einer Walze ablaufenden und durch den Mechanismus felbft mit Notenlinien verfehenen Papierftreifen in Strichen, bei denen deren Länge oder Kürze den zeitlichen Werth der Noten andeuten; die Ganz- und Halbtöne unterfcheiden fich durch Farben; die erften treten in Blau, die zweiten in Roth hervor, die Paufen werden durch gröfsere und kleinere Zwifchenräume verfinnlicht. Der Apparat ift fehr geiftreich erfunden, aber ein wahrhaft fchöpferifcher Künftler bedarf folcher Hilfsmittel nicht. Das Bild der hier gefchilderten Inftrumentengruppe konnte fich im Induftriepalafte in feiner vollen charakteriftifchen Individualität entfalten, indem es fich einerfeits von einem in der additionellen Ausftellung gegebenen hiftorifchen Hintergrunde abhob, anderfeits durch den Gegenfatz der mufikalifchen Ausftellungen der afiatifchen Völker in ein eigenthümliches Licht geftellt wurde. In den Inftrumenten derfelben verkörpert fich ein Thonwefen, das an längft verklungene Zeiten erinnert und mit dem unfere Empfindungsweife in keiner Berührung fteht. Den mufikalifchen Apparat bilden hier im Ganzen und Grofsen befaitete Tonwerkzeuge mit langen Hälfen und kürbisförmigen Schallkörpern, dann Schlag- und Lärminftrumente ohne ein vermittelndes Element von entsprechenden Blasinftrumenten; die letzteren ftehen ganz ifolirt da, fie fehlten gänzlich in dem ausgeftellten Modelle eines japanifchen Orchefters, das nur aus Schlaginftrumenten befteht.. Eine Ausnahme bildete wenigftens zum Theil die indifche Abtheilung, welche mit Blasinftrumente von verfchiedener Form und Gattung, aber noch geringer Entwicklung befetzt war. Hier trafen wir auch ein intereffantes altes Ton- Werkzeug an in einem fchönen Exemplare der Vina, das heifst der indifchen Lyra, welche das Urbild aller lautenartigen Inftrumente fein dürfte. Diefelbe befteht aus einem. cylinderförmigen Rohre, unter dem zwei kürbisförmige Schallkörper angebracht find, der eine unter dem Griffbret nahe an den Wirbeln, der andere in der Nähe des Saitenhalters. Das Griffbret enthält 19 bewegliche Stege von Wachs, über welche 4 Saiten laufen. Leider war es uns nicht vergönnt, diefes wie die übrigen afiatifchen Inftrumente, fowohl einzeln wie in ihrem Zufammenwirken zu hören; es ift mithin unmöglich, fich eine klare Vorftellung von der Tonwelt zu machen, die in ihnen fchlummert. S. 3, Z. I v. u. ftatt : S. 6, Z. 27 v. o.: fowohl am ERRATA. S. 10, Z. 23 v. u. ftatt Länge: Lunge S. 17, Z. 4 v. u. ftatt auf zweien auch zwei S. 21, Z. 7 v. o. ftatt Muffete: Mufette S. 27, Z. 28 v. o.:,,Das Kunftpedalwerk" zu verftehen Zu lefen: S. 29, Z. 3 v. o. Ausfpruch Roffini's über.... S. 34, Z. 5 v. o. ftatt bemerkenswerther: bemerkenswerthe S. 37, Z. 5 v. u. ftatt ausgelöfcht: ausgelöft S.40 Z. 5 v. o. hat einen Beweis.... S. 43, Z. 27 v. o. ftatt R. Aunge: A. Runge 44, Z. 20 v. o. in der äufseren Geftalt S. S. 49, Z. 4 v. o. ftatt J. G. Malsmzö: J. G. Malsmjö S. 49, Z. 15 v. u. ftatt Sierers: Sievers S. 51, Z. 11 v. u. ftatt Robec: Rebec S. 52, Z. 6 v. o. ftatt Feftatori: Teftatori S. 59, Z. 10 v. o. ftatt Kriener: Kriner S. 60, Z. 13 v. u.: nach der Orgel. Das Inftrument ift erfunden von Giuſeppe Cattignoli in Mailand; es führt den Namen. Il Cieco S. 67, Z. 11 v. o. ftatt Spanda: Spada S. 71, Z. 9 v. o. ftatt K- Horn: F- Horn S. 85, Z. 5 v. o. ftatt Barutto: Baruth S. 90, Z. 19 v. u. ftatt Thonwefen: Tonwefen 90 Eduard Schelle. Mufikalifche Inftrumente. Gut gefertigte Clarinettenblätter und Klappenbelederungen kamen bei Wenzel Schunda in Peft in der ungarifchen Abtheilung vor. Akuftifche und techniſche Inftrumente. In diefe Rubrik gehören zunächft 8 Stimmgabeln in der ruffifchen Abthei lung von A. Ifraileff zu Roftow im Gouvernement Jaroflaw. Diefelben geben die Töne der chromatifchen Scala an. Alle Nuancen der Schwingungen find markirt. Sie find correct und richtig conftruirt. Sie feffeln umfomehr das Intereffe, weil der Erfinder kein eigentlicher Fachmann, fondern ein Geiftlicher ift. Ferner ift in der ungarifchen Abtheilung ein Monochord zu erwähnen, auf welcher die natürliche, aus der natürlichen Zahlenreihe entwickelte, diatonifche und chromatifche Tonleiter verzeichnet ift, nebft einer Tafel. Der Ausfteller diefes Gegenftandes ift Dr. Zoh Ivan Braniflaw, ordentlich öffentlicher Profeffor am Obergymnafium und Lehrerfeminar Nagy- Röcze, Gomörer Comitat. Schliefslich bleibt noch in den Montfal A 1 1 זי matic Lipinuungswene in keiner Berührung iteht. Den muſikaliſchen Apparat bilden hier im Ganzen und Grofsen befaitete Tonwerkzeuge mit langen Hälfen und kürbisförmigen Schallkörpern, dann Schlag- und Lärminftrumente ohne ein vermittelndes Element von entsprechenden Blasinftrumenten; die letzteren ftehen ganz ifolirt da, fie fehlten gänzlich in dem ausgeftellten Modelle eines japanifchen Orchefters, das nur aus Schlaginftrumenten befteht. Eine Ausnahme bildete wenigftens zum Theil die indifche Abtheilung, welche mit Blasinftrumente von verfchiedener Form und Gattung, aber noch geringer Entwicklung befetzt war. Hier trafen wir auch ein intereffantes altes Ton- Werkzeug an in einem fchönen Exemplare der Vina, das heifst der indifchen Lyra, welche das Urbild aller lautenartigen Inftrumente fein dürfte. Diefelbe befteht aus einem. cylinderförmigen Rohre, unter dem zwei kürbisförmige Schallkörper angebracht find, der eine unter dem Griffbret nahe an den Wirbeln, der andere in der Nähe des Saitenhalters. Das Griffbret enthält 19 bewegliche Stege von Wachs, über welche 4 Saiten laufen. Leider war es uns nicht vergönnt, diefes wie die übrigen afiatifchen Inftrumente, fowohl einzeln wie in ihrem Zufammenwirken zu hören; es ift mithin unmöglich, fich eine klare Vorftellung von der Tonwelt zu machen, die in ihnen fchlummert. B C TMW- Bibliothek 0020923 6 WEL OFFI