TMW- Bibl WA 87/8 C C 2 C WA8718 CS- BERICH RES WESEN OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. HEERESWESEN. ( Gruppe XVI.) HEERESBEKLEIDUNGS- UND AUSRÜSTUNGSWESEN ( Gruppe XVI, Section 1, a) Bericht von CARL MAYER, k. k. Hauptmann des Montursdepot Nr. 4. UND BUCHERE DAS HEERES- VERPFLEGSWESEN ( Gruppe XVI, Section 1, b) Bericht von ALEXANDER POPPOVIĆ, k. k. Militär- Unter- Intendant. s ws DUSTRIE Technologisches Gewerbe- Ruseum WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VIR 8 VORWORT. 8 Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. T HEERESBEKLEIDUNGSUND AUSRÜSTUNGSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 1, a.) Bericht von CARL MAYER, k. k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4. Befremden mufs es, dafs unter allen Gebieten der Induftrie und des Handels, im Allgemeinen fo glänzend vertreten auf der Wiener Weltausftellung, dem unbeftreitbar einen nicht zu unterfchätzenden Factor der Nationalinduftrie bildenden Heeres- Bekleidungs- und Ausrüftungswefen ein fo geringes, die Abgabe eines vergleichenden Urtheiles befchränkendes Intereffe entgegengebracht wurde. Zur Begründung der Wichtigkeit des Gegenftandes vom induftriellen und commerciellen Gefichtspunkte wollen wir hier approximativ den jährlichen Bedarf an Materialien für das öfterreichifch- ungarifche Heer mit Ausfchlufs der einen eigenen Befchaffungsftatus bildenden Landwehr und Honveds, deren durchfchnittliches Erfordernifs einem Sechstel von dem des ftehenden Heeres gleichkommt, anführen. Die öfterreichiſch- ungarifche Armee bedarf: 740 000 Ellen Tuch, Leibelftoff, Bloufenftoff, 196.000 79 167.000 2,024.000 " " 9 Leinwand, 3. 355.000 481.000 " Calicot, Zwilch, 260.000 Strohfack- Leinwand, " 5.290 Centner Oberleder, 1.830 4.300 510 21 Terzenleder, Pfundleder, 79 5° Blankleder, juchtenartiges Oberleder 12.000 Stück rauhe Kalbfelle, 8.600 gefchwärzte Kalbfelle, 2 Carl Mayer. 2.500 Stück weifse Lammfelle, I.400 28.000 12.000 " " 99 6.000 " gefchwärzte Lammfelle, Feldflafchen mit Blechüberzug, Kochgefchirre und Cavallerie- Sättel; aufserdem eine bedeutende Ziffer von Kopfbedeckungen, Pofamentir- und Seilwerk- Sorten, Pionnier- Ausrüftungsgegenstände, ärztliche und Spitalserforderniffe u. f. w. Zu diefem Bedarfe kommt noch jener der Fuhrwefen- Material- Depots, zur Befchaffung der Ausrüftung des ganzen Armee- Trainwefens erforderlichen grofsen Quantitäten von Materialien, vorwiegend verfchiedene Ledergattungen, fowie jener der Zeugsartillerie hinzu. Das jährliche ordentliche Budget für Bekleidung, Ausrüftung und Betten forten varirt zwifchen 8 und 82 Millionen Gulden. Aus dem oben Angeführten läfst fich auf den Bedarf und deffen Geldwerth in aufsergewöhnlichen Verhältniffen, und aus den Bedürfniffen des von militärifcher Prunkfucht im Bekleidungswefen abfehenden Oefterreich auf das Erfordernifs anderer Staaten fchliefsen. Im Parifer Weltausftellungs- Berichte vom Jahre 1867 finden wir in diefer Richtung nichts als einen, den Uebergang von den fchwerfälligen, den gegenwärtigen Zeitverhältniffen nicht mehr entſprechenden, beftandenen Monturs commiffionen auf den gegenwärtigen Befchaffungsmodus anregenden Artikel, woraus fich fchliefsen läfst, dafs auch in Paris dem Heerwefen in diefer Beziehung nicht Rechnung getragen war, was aber bei der ungleich grofsartigeren Anlage der Wiener Weltausftellung billig vorausgefetzt werden konnte. Schon in Würdigung der fo oft bewahrheiteten Thatfache, dafs die Kriegsverwaltung, wenn gleich unter normalen Verhältniffen den Steuerzahlenden Rechnung tragend, die Armee- Erforderniffe der einheimifchen Induftrie entnimmt, was fich jedoch auf manche induftriearme Staaten felbft unter diefen Verhältniffen nur theilweife anwenden läfst; diefe volkswirthfchaftliche Rückficht aber bei dem Herannahen aufsergewöhnlicher Verhältniffe ihren Abfchlufs findet und der induftriereichfte Staat oft gezwungen ift, zur fchnelleren Befchaffung feiner Bedürfniffe fremde Quellen aufzufuchen, follte die Erfpriefslichkeit einleuchten, durch Vergegenwärtigung der grofsartigen Verhältniffe eine Beurtheilung und Vergleichung zu ermöglichen, hiedurch die vortheilhafteften Bezugsquellen der exceptionellen, im gewöhnlichen Verkehr im Grofsen und Ganzen nicht gangbaren Militär- Bekleidungs- und Ausrüftungsmateriale fchon im Frieden kennen zu lernen und Producenten mit Confumenten in Berührung zu bringen. Es ift dem Berichterstatter diefes Theiles nicht ein lückenhaftes, fondern ein überhaupt nur kargbebautes Feld für feine Beobachtungen auf der Wiener Weltausftellung geboten worden und die relativ einiges Intereffe bietenden Bemerkungen laffen fich in Folgendem zufammenfaffen: Herr Eduard Sachs, königlich preufsifcher Hoflieferant, ftellte auf unantaftbarer Höhe fünfzehn Figuren verfchiedener Waffengattungen des preufsifchen Heeres in einer Uniform ohne Rüftung aus. Den Sockel diefer Gruppe bildeten verfchiedene verglaste Fächer, welche Officiers- Equipirungsgegenstände enthielten. Demnach war kaum eine Beurtheilung der Farben zuläffig; eine Beurtheilung des für die Armee in Verwendung kommenden Materiales aber war ganz unmöglich. Das ruffifche Heer war repräfentirt durch fechs bekleidete, doch nicht ausgerüftete Figuren jener Regimenter, welche die Namen Seiner k. k. apoftolifchen Majeftät und der Herren Erzherzoge tragen. Ueberdiefs ftellte Herr A. K. Reim aus Petersburg, Fabrikant von Militär Equipirungsgegenftänden und wafferdichten( impermeablen) Geweben, noch einige Ausrüftungsftücke zur Schau, über deren wefentlichfte wir weiter unten einige Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen. 3 Bemerkungen folgen laffen, ohne jedoch die Bürgfchaft übernehmen zu wollen, dafs diefe Sorten mit der in der kaiferlich ruffifchen Armee im Allgemeinen in Anwendung kommenden, fowohl bezüglich des Materiales als auch der Confection authentifch feien. Das Tuchmateriale der kaiferlich ruffifchen Armeeausftellung war im Allgemeinen von guter Qualität und gefälligem Ausfehen. Der naturgraue Hallinamantel für die gefammte Armee läfst gewifs nur eine kurzbemeffene Tragzeit vorausfetzen und mag die Zweckmäfsigkeit der Anwendung diefes fchweren Materiales nur durch klimatifche Verhältniffe gerechtfertigt erfcheinen. Die Leibeswäfche ift aus halbgebleichter grober Leinwand von fonft guter Qualität erzeugt. Sämmtliche Truppen haben hohe, bis an das Knie reichende und auch für Fufstruppen über das Beinkleid zu tragen eingerichtete, mit der Narbenfeite nach Aufsen gekehrte, nach vier Gröfsengattungen erzeugte Stiefel, von vorzüglich gutem Juchtenleder, wie es eben nur Rufsland, als ihm vorherrfchend eigenthümliches Fabricat, für feine Armee in Anwendung bringen kann, während die Einführung einer gleichen Fufsbekleidung für andere Armeen, in Anbetracht des Koftenpunktes, in die Rubrik der nicht leicht zu erfüllenden Wünſche gereiht werden mufs. Die Stiefel des ruffifchen mit denen des preufsifchen Heeres vergleichend, müffen wir den erfteren, abgefehen von dem befferen Materiale, vor letzteren auch bezüglich der Confection den Vorzug geben, da der Vorfufs derfelben eingewalkt und quer angeftofsen ift, während Preufsen fich der Zungen bedient, welche felbft bei der beftmöglichften Arbeit durch das Biegen diefes Theiles bei jedem Schritte, theils trennen, theils ausreifsen und fchwierige, nie nett zu erzielende Flickereien, beim Vorfchuhen, aber die Vergröfserung der Zunge, oder wohl gar das Abfchneiden des Zungenausfchnittes an der Röhre und Anwendung des eingewalkten Vorfchuhes bedingen. Ueberdiefs wird der Mehraufwand an Material für Zungenftiefel durch den Vortheil ihrer fchnelleren Confection bei Weitem nicht aufgewogen. Während Oefterreich nach kurzer Erprobung des Infanterie tornifters aus wafferdichtem Flachsgarn- Stoffe auf den alten, praktifchen, dauerhaften, den Abtheilungscommandanten auch bezüglich der inneren Oekonomie wertheften Kalbfell- Tornifter zurückgegriffen hat, fehen wir diefen aus der kaiferlich ruffifchen Ausrüftung verfchwunden und durch einen, von Herrn Reim ausgeftellten, den unfern freilich an Qualität weit übertreffenden, doch an Steifheit an einen hölzernen Kaften ftreifenden, aus fchwarz gefärbtem impermeablen Stoffe erzeugten Tornifter erfetzt. Der Brotfack ift aus gleichem Stoffe. Wie lange diefe Sorten und namentlich der fo viel gebogene und leicht fich zerknitternde Brotfack impermeabel bleiben, wäre erft durch den Gebrauch zu erproben. Ein ferner von A. K. Reim nebft ausführlicher, lobpreifender Befchreibung ausgeftellter Infanterietornifter, welcher alle Vortheile( feiner vielen unpraktifchen Nachtheile nicht zu gedenken) einer vom Kopfe bis zu den Knieen reichenden Liegerftätte im Felde bietet, gehört in die Reihe der extravaganten Projecte, wie wir deren auch fchon viele gefehen haben, und ift einer Discuffion umfoweniger werth, als derfelbe, bei einer Abtheilung in Erprobung genommen, nach dem Eingeftändniffe des Vertreters diefer Firma, bereits als unpraktiſch erkannt wurde. Zierlich ift das ruffifche Kochgefchirr von Kupfer pro Mann, die Be feftigung desfelben auf der Rückwand des Tornifterdeckels aber eine zu complicirte. Ueber die Zweckmäfsigkeit des Kochgefchirres pro Mann, respective über deffen Vorzüge vor jenem pro zwei Mann, enthalten wir uns der Beurtheilung. 4 Carl Mayer. Die Infanterie- Patronta fche unterfcheidet fich von der öfterreichischen Cavallerie- Patrontafche alten Syftems, abgefehen von ihrer Tragart, dadurch, dafs der Deckel an beiden Seiten mit eingeftochenem Schutzleder verfehen ift. Sie iſt zu feicht und entbehrt den wefentlichen, der öfterreichifchen Infanterie- Patrontafche eigenen Vortheil, dafs fich diefe bei geöffnetem Deckel fächerartig von felbft fchliefst und das Verlieren der Patronen verhindert. Schwedens Ausftellung beftand aus zwei Figuren, und zwar aus einem Infanteriften und einem Artilleriften; ferner aus einem Reitzeuge. Das Charakteriftifche der übrigens aus ftarkem Materiale erzeugten Monturen befteht in der fchwarzblauen Farbe, dem bloufenartigen Schnitte des Hintertheiles am Infanterie- Waffenrocke, mit in den Seitennähten desfelben verfenkten Schofstafchen, welches Kleidungsftück, als zwifchen Waffenrock und Bloufe liegend, nicht unpraktiſch ift; einer jedes militärifchen Abzeichens entbehrenden Pantalon von derfelben Farbe; den öfterreichifchen ähnlichen Schnürfchuhen, lichtblaue, csakoförmige Tuchkäppi mit geradem Schirme, blankem Metallfchilde und kurzem Rofsbufche. Der Artillerift trägt den enganliegenden, atillaartig fchwarzbefchnürten Waffenrock mit drei Reihen Compaffeln, fowohl im Sitze als auch an den Beinen mit Leder befetzte Pantalons und diefe nicht aufnehmende, mithin zwecklos hohe Stiefel. Der fchwarzberiemte Infanterietornifter aus rauhem Kalbfelle ift übermässig grofs, fo dafs der gerollte, über den Deckel gelegte und an den Seitenwänden befeftigte Mantel den Mann an Breite überragt und die Fühlung nur am Packe gefucht werden kann. Das Reitzeug ift viel zu complicirt und dürfte fchon des Koftenpunktes wegen keine Nachahmung finden. Die fchwere Stange mit langen Ober- und Unterbäumen läfst auf das Zurückſtehen der fchwedifchen Reiterei in der Abrichtung fchliefsen hinter dem in diefer Beziehung von anderen Armeen und, wir dürfen es wohl fagen, namentlich der öfterreichifchen, erreichten hohen Standpunkte. Der fo viel koftbares Materiale abforbirende Sattel entbehrt die, nebft einer guten Zäumung erforderliche Grundbedingnifs für eine gute Reiterei, die Tiefe des Sitzes. Der Prunk- Appendix in Geftalt einer Echabraque, hier aus dunkelblauem Tuche mit fchwarz gefärbter Leinwand gefüttert, gilt für die Cavallerie der nach dem Praktiſchen ftrebenden öfterreichifchen Armee als überwundener Standpunkt und wird ihrer hier nur defshalb Erwähnung gethan, weil hin und wieder noch einzelne Stimmen für die Wiederaufnahme diefes Deckmantels einer unordentlichen Packung, beziehungsweife der Bebürdung des Pferdes mit werthlofem Plunder, plaidiren. Soll die Echabraque den ihr aller Wahrfcheinlichkeit nach urfprünglich zugedachten Zweck erfüllen, fo mufs fie wafferdicht fein. Eine wafferdichte Echabraque aber macht die gegenwärtig angewendete koftfpielige Bekleidung des Sattels, fowie die theueren ledernen Packtornifter überflüffig, und es müfste nothwendig, wenigftens annäherungsweife auf das alte Reit- und Packzeug zurückgegriffen werden. Der öfterreichifche Sattel fowohl, als auch die Packtornifter find von folcher Befchaffenheit, dafs fie einer Schutzdecke gegen Näffe nicht benöthigen. Der übrigens damit zur Sprache gebrachte Uebelftand des Nafswerdens eines Theiles der Pferdedecke ift denn doch nicht ftichhältig, da diefe naffen Theile, wenn die Decke nach dem Abfatteln zum Schutze des Pferdes verwendet wird, diefes nicht zu berühren brauchen und fie, wenn nicht ſchneller, fo doch ebenfo fchnell trocknet, als eine bei abgefeffenem Reiter gründlich nafs Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen. 5 gewordene Sattelhaut, falls nicht etwa der Mann noch früher durch den Genufs eines der Gefundheit fchädlichen und eben nicht behaglichen, nur langfam verdampfenden Sitzbades berufen war, das Trocknen wenigftens theilweife zu befördern. Nach langem, vergeblichem Suchen in den Abtheilungen anderer Staaten gelangte man nach dem in diefer Beziehung reichlich vertretenen Rumänien; doch ift felbft durch die getreulichfte Wiedergabe ebenfo wie das Umgehen einer Befchreibung diefer Ausftellung als Anwendung auf die Syfteme anderer Armeen nichts zu profitiren und nichts zu verlieren. Es erübrigt fonach noch die öfterreichifche Ausftellung der Gefellfchaft für Heeresausrüftung des Herrn Alfred Skene und Conforten. Diefe läfst fowohl in ihrer Vollständigkeit, dem einen leichten Ueberblick gewährenden Arrangement, der Muftermäfsigkeit fämmtlicher ausgeftellter Materialien und netten gediegenen Confection der fertigen Sorten nichts zu wünſchen übrig und dient der Firma als Zeugnifs ihrer Solidität. Die Lieferanten der kaiferlich königlichen Landwehr haben fich nicht bewogen gefunden, die Ausftellung zu befchicken, während jene der königlich ungarifchen Honveds mit einer fehr viel Raum einnehmenden, recht gut modellirten Reclame ziemlich demonftrativ auftraten. Das Materiale war im Allgemeinen von annehmbarer Befchaffenheit. Eigenthümlich, doch nicht national ift die Tragart des Säbels der Honvedcavallerie. Diefer ift bis an feinem unteren Tragring durch eine, vor der linken Kniepaufche der Sattelfitz Decke eingeftochene, breite Lederfchleife geführt und überdiefs durch einen am oberen Tragriemen angebrachten eifernen Haken am Packe des Pferdes befeftigt. Obgleich auch die Vorrichtung befteht, dafs der Reiter beim Verlaffen des Pferdes den Säbel in den Leibriemen einhaken kann, fo gibt es denn doch Momente, wo derfelbe von feinem unzertrennlichen Gefährten in den entfcheidenften Augenblicken feines Lebens" unwillkürlich, felbft unwiederbringlich getrennt werden und auf diefe Weife zugleich feine handgerechtefte Wehr verlieren kann. Doch wie dem unpraktifcheften Dinge faft immer eine praktiſche Seite abgenommen werden kann, fo wäre es hier allenfalls die der ungehinderten Bewegung beim ,, Abfitzen und zu Fufs Formiren". Nach der Betrachtung der, wie bereits erwähnt, fehr geringen Ausstellungsgegenftände fei eine kurze Betrachtung über die verfchiedenen Syfteme der militärifchen Bekleidung geftattet. Die Syfteme der Kopfbedeckungen werden durch Gewöhnung, Vorurtheile, wohl auch durch militärifche Prunkfucht, weniger durch Zweckmäfsigkeit, klimatifche Verhältniffe und praktifchen Sinn geregelt. Für Fufstruppen ift die leichtefte, doch gegen Sonnenftrahlen und Unwetter den meiften Schutz gewährende FeldKopfbedeckung die befte, während jene für Cavallerie, bei möglichfter Anftrebung der obigen Eigenfchaften, gegen den Hieb Schutz gewähren muſs. Nach unferem Erachten hat die öfterreichifche Feldkappe als Kopfbedeckung für Fufstruppen im Felde den Vorzug vor allen uns bekannten anderen. In ihrer Anwendung für Militärmonturen müffen wir im Allgemeinen eine dunkle, die Qualität des Materiales nicht fchädigende, gegen Sonnenftrahlen und Näffe widerftandsfähige Farbe allen hellen Schattirungen vorziehen, da fie die Maffen nicht fchon in grofser Entfernung kenntlich macht, nicht fo leicht fchmutzt und, wenn verunreinigt, fich leichter reinigen läfst. Bezüglich der Stärke des Materiales, worunter wir jedoch nicht deffen Dauerhaftigkeit verftanden wiffen wollen, welche unter allen Himmelsftrichen gleichmässig angeftrebt werden mufs, fowie des Schnittes der Bekleidungsstücke, 6 Carl Mayer. follten Rückficht für Klima, für freie bequeme Bewegung der Gliedmafsen und möglichftes Wohlbehagen des Mannes bei verfchiedener Witterung dem Schönheitsfinne unter allen Umftänden vorangehen. Da uns aufser der bereits befprochenen Leibwäfche der kaiferlich ruffifchen Armee eine andere zur Beurtheilung nicht zu Gebote ftand, fo haben wir nur der feit Kurzem in der öfterreichifchen Armee in Anwendung gekommenen Wäfche von unappretirtem Calicot zu erwähnen, welche nicht blofs in fanitärer Rückficht, fondern auch bezüglich der Güte und Dauerhaftigkeit des Materiales vor der ihr vorangegangenen Leinenwäfche von mittelmäfsigem, überdiefs oft fchon in der Appretur angegriffenem Materiale den Vorzug verdient. Auf die vitale Frage der verfchiedenen Fufsbekleidungs- Syfteme übergehend, wollen wir die Brauchbarkeit in heifser trockener Jahreszeit der Binfengeflecht- Sandalen Spaniens nicht anzweifeln, den Vortheil des leichteren Anziehens des durchnäfsten Schnürfchuhes vor dem der Stiefel nicht in Abrede ftellen, pflichten jedoch der in den verfchiedenen Armeen fich bahnbrechenden Annahme des Stiefels auch für Fufstruppen bei. Oefterreichs Kriegsverwaltung fteht im Begriffe, den praktifchen Weg des gemifchten Syftems von Schuhen und über das Beinkleid zum Tragen eingerichteten Stiefeln für Fufstruppen zu betreten. Nach unferem Dafürhalten follten die für fchlechtes Wetter beftimmten Stiefel der Fufstruppen ausfchliefslich mit Pfundfohlen erzeugt werden. Wir erachten es als undankbares, keine Früchte tragendes Thema, die verfchiedenen Syfteme der zwar nicht in der Weltausftellung, doch theilweife im Archive des kaiferlich königlichen Montur depots Nr. 4 in Wien vorliegenden Mannesrüftungen des Näheren zu beleuchten und die relativ geringen Vorzüge des einen vor dem anderen herzorzuheben, da die den verfchiedenen Armeen eigenthümliche Art der Bewaffnung, die Verfchiedenheit der Pionnier- Werkzeuge und fonftigen Feldgeräthe fchon an und für fich eine Verfchiedenheit der Rüftung und ihrer Tragart bedingen. Das anzuftrebende Ziel bleibt doch immer bei allen Syftemen die möglichft geringe Belaftung und bequemfte Tragart bei freiem Gebrauche der Glieder, verbunden mit der Sorgfalt für des Mannes Erhaltung und thunlichftes Wohlbefinden. Die praktifche Pferderüftung der öfterreichifchen Cavallerie, eine eigene nicht fremden Armeen entlehnte Schöpfung, befteht aus einer leichten Zäumung aus gefchwärztem Blankleder ohne Nafenriemen und Stirnkreuz. Durch die leichte Stange mit mässiger Zungenfreiheit, nur bezüglich der Maulbreite nach zwei Gröfsengattungen erzeugt, wurden die zahllofen ihr vorangegangenen Syfteme über Bord geworfen, über deren Anwendung für ehemalige Durchgeher, Nichtandiehandgeher, Bohrer und Sterngucker, Kopffchleuderer, Zungenblöcker u. f. w. fich der Abtheilungscommandant oft ernft den Kopf zerbrochen und auf die vermeintlich richtige Auswahl eines diefer Marter- Werkzeuge für das unbändige Thier fich etwas zu Gute halten durfte. Es wurde zugleich die veraltete irrige Annahme niedergeriffen, wornach die Mutter Natur fich in der Laune gefallen habe, ausfchliefslich in der Bildung des Pferdemaules ein latentes Spiel zu treiben, fowie längft der Beweis geliefert wurde, dafs das nur für den gebildeten Reiter Geltung haben follende Axiom die Hand ift die Stange" auch für den gemeinen Reiter feine Anwendung findet, wenn eine gediegene Dreffur vorangegangen. 99 Der öfterreichifche hölzerne Sattel der Cavallerie, feit neuerer Zeit mit Zwiefeln aus fchmiedbarem Gufseifen, welche jedoch nicht als Norm angenommen find, ift in der Form und den Dimenfionen des Sitzes für die ganze Waffe gleich gehalten, bezüglich einer mehr horizontalen oder fchrägeren Lage der Seitenblätter und Höhe der Kammer aber gemäfs den Abweichungen der Form des Pferderückens, nach vier Claffen erzeugt, wodurch bei richtiger Auswahl das Nachhelfen mittelft der Holzrafpel entfällt. Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen. 7 Durch die geräumige Stellung der Zwiefeln, die gerundete Seitenform des Sitzleders, die mäfsige Polfterung zu beiden Seiten des Mitteltheiles der SattelSitzdecke, deren aus dem Kerne eines im Glanz geftofsenen Terzenleders von vorzüglicher Qualität gefchnittenen Tafchen und ihren Kniepaufchen, fteht diefer Sattel, abgefehen von einem leicht zu erzielenden gleichmäfsigen Sitze, an Bequemlichkeit dem englifchen Pritfchfattel wenig nach. Als Unterlage dient eine im Quadrat 56 Zoll meffende, vierfach zufammenzulegende weifse Wolldecke und, um den Sattel in feiner ihm angewiefenen Lage zu erhalten, je ein an den Seitenblättern befeftigtes, doch zum Herabnehmen eingerichtetes, 1 Zoll ftarkes Filzblatt. Die Ober- und Untergurte, das Vorderzeug, die Steigbügel- und Packriemen der Kochgefchirr- Tragriemen und der Stallhalfter- Anhängriemen find gleich dem Zaum aus fchwarzem Blankleder erzeugt und die Eifentheile der ganzen Pferderüftung verzinnt, wodurch die Reinigung eine einfache, wenig Zeit in Anfpruch nehmende ift. So verfchiedenartig die Bekleidung und Ausrüftung der Heere, fo mannigfach ift die Art der Befchaffung ihrer Bedürfniffe. Während z. B. Preufsen nur die Einlieferung von Tuchmaterialien, der Cüraffe und Kochgefchirre an die Bemontirungsdepots unter directer Beauffichtigung der Kriegsverwaltung für opportun hält und alles Uebrige den Truppen paufchalirt; Rufsland, England und Italien ihre Bedürfniffe theils durch Erzeugung in eigenen Werkſtätten, theils durch die Privatinduftrie decken: hat die öfterreichifche Kriegsverwaltung ihr Gefammterfordernifs an Bemontirungs- und Ausrüftungsgegenständen in die Hände einer, über bedeutende Capitalien und diefen entſprechende Arbeitskräfte verfügende Gefellſchaft gelegt. Die von diefer Gefellſchaft erlegte Caution befteht in einer grofsen, den Werth von 3 Millionen Gulden repräfentirenden Anzahl fertiger Sorten, welche bei den Montur- Verwaltungsanftalten deponirt find und der Heeresverwaltung als Kriegsreferve- Vorrath zur Verfügung stehen. Ihre mit Mafchinen neuefter Conftruction ausgeftatteten Tuch-, Wollftoffund Calicotfabriken find im Stande, ungleich mehr Material zu erzeugen, als der normale Jahresbedarf erheifcht, fowie deren gut eingerichtete, mechanifche Werkstätte zu Wien ihrer Aufgabe nicht nur ftets rechtzeitig entfprochen hat, fondern oft in die Lage verfetzt war, einen grofsen Theil ihres Perfonales wegen Mangels an Arbeit zeitlich zu entlaffen. Durch die von fachkundigen Militärorganen ausgeübte Controle der zur Verarbeitung gelangenden Rohmateriale, fowie der Infpicirung der Fabriken und unausgefetzten Ueberwachung der Confectionsanftalten wird die endgiltige Uebernahme der fertigen Sorten wefentlich erleichtert und befchleunigt, und ift zugleich der Kriegsverwaltung hiedurch eine genügende Garantie gegen Uebervortheilung geboten. Schliefslich erwähnen wir der öfterreichifchen Armee- Organiſation, infoweit diefe die fchnellere Bekleidung und Ausrüftung berührt. Die Truppen find, mit Ausnahme der aus allen Theilen der Monarchie fich recrutirenden Artillerie und der Specialwaffen, fowie jener Regimenter, welche die Garnifonen gröfserer Städte und Plätze bilden, grundfätzlich in ihren Ergänzungsbezirken mit den die Augmentationsvorräthe aufbewahrenden Refervecommanden und Depotkörpern entweder unmittelbar vereint, oder in ihrer Nähe untergebracht, wodurch die Aufftellung der Augmentationen binnen wenigen Tagen bewerkstelligt fein kann. Die Augmentationsvorräthe der Artillerie, der Specialwaffen und des Trainwefens erliegen bei deren Stammkörpern, fowie jene der Heeresanftalten bei diefen felbft aufbewahrt werden. Zum Schluffe fei die Anmerkung geftattet, dafs eine nächfte Weltausstellung die vorliegende Frage nicht unterfchätzen möge. Das gefammte Heereswefen bildet einen bedeutenden Factor für die ganze wirthfchaftliche Production. DAS HEERES- VERPFLEGSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 1, b.) Bericht von ALEXANDER POPPOVIĆ. k. k. Militär- Unter- Intendant. EINLEITUNG. Die Wiener Weltausftellung hat für das grofse und wichtige Gebiet des Heeres- Verpflegswefens nur einzelne Gegenftände und Behelfe gebracht. Das ganze grofse Gebiet war nirgends zur Ausftellung gekommen und Niemand konnte in den grofsen Räumen der Ausftellung ein Bild von dem finden, was für das Wohl und die Gefundheit von jenen Taufenden gefchaffen ift, die für das Vaterland ihr Blut opfern. Es fei geftattet, in diefen einleitenden Bemerkungen wenigftens eine Skizze von dem Syftem der öfterreichifchen Heeresverpflegung zu geben, um dem Lefer, der ferne der Sache fteht, die grofse Bedeutung der Frage näher zu bringen. Das Syftem, nach welchem die Naturalienverpflegung der k. k. Truppen der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie beforgt wird, ift in der Hauptanlage die eigene Regie; alle nebenlaufenden Verpflegsarten find entweder Conceffionen und Abhilfen, welche aus ökonomifchen oder localen Rückfichten eintreten, wie die Begebung der Truppenverpflegung in Pacht, oder aber Kriegs- Mafsregeln, wie die directen Requifitionen. Die eigene Regie mufs im grofsen Ganzen als Regel aufrecht erhalten werden, weil fie die ficherfte Gewähr für die Ernährung von Mann und Pferd im Kriege bietet. Diefes Syftem ift jenes Mittel, das der Heeresorganifation und Kriegsführung den unentbehrlichen, in das Gefüge desfelben paffenden Verpflegungsapparat, beftehend aus Perfonen und Einrichtungen, von langer Hand her derart übt, kriegstüchtig organifirt und disciplinirt, dafs bei eintretendem Kriege der Uebergang aus dem Friedens- in den Felddienft mit der möglichft geringen Störung fofort durchführbar fei. Auf diefer, in der möglichften Kürze fkizzirten Bafis im Vereine mit den ökonomifchen Intereffen, find auf verfchiedenen, theils ftrategifchen, theils Handelspunkten Militär- Verpflegsmagazine errichtet, welche im Frieden für die Truppenverpflegung zu forgen haben, im Kriege aber zum grofsen Theile Bafispunkte für den Nachfchub zur Verpflegung der Armee im Felde bilden. Das Heeres- Verpflegswefen. 9 Die Militär- Verpflegsmagazine find demnach Anftalten zur Ausbildung des Beamten- und Handwerker- Perfonals, zur Befchaffung, Verwahrung, Verarbeitung, Verabreichung und Verrechnung des Geldes, der Naturalien, Victualien, Getränke, Materialien und Geräthfchaften, zur Verwahrung und Activirung der Feldbäckereien, Schlächtereien, der Colonnen und Feld- Verpflegsmagazine, endlich führen die Verpflegsmagazine zum gröfsten Theile noch nebenbei die Verwaltung der MilitärBettenmagazine. Das Vorausgefchickte foll den Ausgangspunkt bilden, nach welchem die darauf Bezug habenden wenigen Objecte der Wiener Weltausftellung rückfichtlich der Verwendbarkeit im Frieden und im Kriege zur Befprechung gelangen follen. Der Berichterstatter mufs fich dabei befchränken, die fein Fach berührenden Objecte nur im Allgemeinen zu befprechen, da demfelben nicht möglich gewefen, die Gegenftände zu erproben. Geräthe und Maſchinen. Der Kornfpeicher( le grenier conservateur) des Herrn M. Pavy ift fenkrecht und rund aus Doppelziegeln( brique à conjonction) gebaut und kann je nach Bedarf gröfser und kleiner aufgeführt werden. Der in Thurmform gebaute Speicher ift mit einem leichten Dache ein gedeckt. Zu der Herdfohle führt eine Thür. In der Manneshöhe beiläufig ift der Thurm mit einem trichterförmigen Boden abgefchloffen. Die Füllung des Speichers gefchieht von oben mittelft eines Aufzuges, die Einrichtung für das Auslaufen des Getreides ift an dem Trichter unten angebracht Der Raum unter dem Trichter gehört für die Manipulation des Einfackens etc An der Seite des Thurmes ift eine Scala angebracht, welche den Inhalt der Menge anzeigt. Die Vortheile find die, dafs der Thurm bei felbftverftändlich zur Hand befindlichen Dippelziegeln-fehr fchnell aufgeführt werden kann und feuerficher ift, dafs das Getreide darin fich gut confervirt, nicht erwärmt und vor WippelAnfrafs gefchützt wird. Für Oekonomen oder auch Gefchäftsleute, welche Magazine regelmäfsig für Getreide- Aufbewahrung bedürfen, mögen diefe Speicher vortheilhaft fein, für die Militärverwaltung find jedoch jene Magazine vortheilhafter, in welche je nach dem wechfelnden Umfange des Gefchäftes aufser ausgefchüttetem Getreide auch Mehl und andere bereits in Säcken und Fäffern befindliche Naturalien hinterlegt werden können. Mahlmühlen. Das k. k. Kriegsminifterium fchafft grundfätzlich Körner an, was zum Zwecke der Unterhaltung gröfserer Brotmaterial- Vorräthe für längere Zeit und wegen Gewinnung von Dauermehl, wozu die Verficherung gehört, dafs nur vollkommen gefunde, trockene und gereinigte Frucht zum Mahlen verwendet wird, vollkommen gerechtfertigt, gleichfalls aber auch von ökonomifcher Seite begründet erfcheint, da bisher die Geftehungskoften des auf diefem Wege gewonnenen Mehles in der Regel unter dem Marktpreife ftanden. Mit dem Einkauf der Frucht ift aber die Abficht nicht durchgeführt, denn die Vermahlung der Körner gefchieht aufser Haus bei Mahlmüllern. Wer in diefes Fach einigen Einblick gewonnen hat, wird gerne zugeben, dafs die Controle der Vermahlung, welche mitunter weit entfernt vom Magazine oder mitten in Flüffen betrieben wird, fehr fchwer durchführbar ift, dafs daher der Zweck, ein entſprechend gutes Mehl aus der gekauften Frucht zu gewinnen, bei der Lohnmahlerei vereitelt werden kann. Es kann nicht in Abrede geftellt werden, dafs aus einem niederen Getreide ein verhältnifsmäfsig gutes, durch fleifsige Arbeit ein befferes und entgegengesetzt aus einem Getreide befferer Qualität bei Unredlichkeit oder auch fchleuderhafter 10 Alexander Poppović. und gejagter Arbeit ein nicht verhältnifsmäfsig gutes Mehl abgeliefert werden kann; es hängt diefs nicht nur von der Gewiffenhaftigkeit und Redlichkeit des Lohnmüllers, welcher in diefer Eigenfchaft die Steigerung feines Gewinnes nicht in der Production einer befferen Qualität, fondern in der Ergiebigkeit der Productionsmenge fuchen kann, fondern auch von der Einrichtung feiner Mühle, von der Verläfslichkeit feines Perfonals und fo weiter ab. Es darf diefs nicht etwa als eine der öfterreichifchen Militärverwaltung adhärirende Engherzigkeit angefehen werden, denn auch in anderen Staaten und namentlich in England wird das für Zwieback erforderliche Mehl auf eigenen Mühlen erzeugt, um gegen alle Uebelſtände(!) gefichert zu fein. Der Gewinn eines befferen Mehles ift aber eine Grundbedingung für eine beffere Brotqualität, welche die Militäradminiftration fchon überhaupt. anftrebt, insbefondere aber in Wahrnehmung des fich allenthalben verfeinerten Gefchmakes und der hieraus refultirenden höheren Anforderungen zu befchleunigen gedrängt wird. Allein nicht nur in Hinblick auf die Friedens-, fondern auch auf die Verpflegung im Kriege mufs die Vermahlung in Anfchlag gebracht werden. Die Kriegsverhältniffe find fo unvorhergefehen, dafs nicht nur das Wahrfcheinliche, fondern auch das Mögliche( Denkbare) ins Auge gefasst werden mufs; es könnte fonach der Kriegs- Schauplatz( die Armee) von der Bafirung, das ift von den Hilfsquellen des eigenen Landes, welches die materiellen Bedingungen der Exiftenz und Schlagfertigkeit der Armee enthalten foll, fo weit entfernt fein, dafs die Ernährung aus dem feindlichen Lande- was ja auch grundfätzlich zu gefchehen hat oder aus intermediären auf der Operationslinie gelegenen Punkten beffer, oder mindeſtens aushilfsweife beftritten werden würde. Aus Erfahrung ift bekannt, dafs felbft die an Getreide fehr reichen Länder für die unmittelbare Verpflegung der Armee oft wenig Nutzen bringen; dagegen wäre die Ausnützung des Getreidereichthums dann möglich, wenn die Mittel zur Vermahlung- Mühlen zu Gebote ftünden. - Dafs aber auf diefe in vielen Fällen in occupirten Ländern nicht gerechnet werden kann, könnte leicht erläutert werden. Es können fonach eigene Mühlen auch für die operirende Armee nothwendig fein. In analoger Weife erfcheint die Einrichtung der Feftungen mit Mühlen, welche leicht in Cafematten untergebracht werden können, zweckmäfsig, weil es leicht vorkommen kann, dafs der Feftung wohl noch rechtzeitig Getreide, aber kein fertiges Mehl zur Approvifionirung zugeführt werden kann, ohne dafs die Vermahlung aufserhalb des Feftungsrayons durchführbar fei. Wenn auch die gute und geficherte Verpflegung des Heeres unter allen Umftänden in erfter Linie ftehen mufs, fo dürfen mit diefem auch die ökonomifchen Intereffen nicht collidiren. Von diefen mehrfachen Standpunkten find die ausgeftellten Mühlen der Beachtung unterzogen worden. Dafs die Arbeitsleiftung, fonach auch die Lohnmahlerei fich anfteigend vertheuert, ift notorifch und dafs eine Mühle, zweckmäfsig conftruirt und rationell befchäftigt, auf der Bafis eines geficherten, regelmässigen Abfatzes der Mahlproducte fich ausbezahlt, dürfte nicht zu bezweifeln fein, könnte übrigens durch Beifchaffung und Betrieb einer eingängigen, keine grofse Anlagekoften erfordernden Mühle erprobt werden. In überrafchender Weife fchienen alle Ausfteller von einer ähnlichen Idee geleitet worden zu fein, denn alle ausgeftellten Mühlen befafsen die übereinftimmenden Vorzüge, dafs fie einfach conftruirt, daher leicht, ohne Kunft, auch nur mit gewöhnlicher Fachkunde behandelt zu werden brauchen, dafs fie ein eigenes Mahlhaus nicht erfordern, überall in gedeckten Räumen ohne grofse Fundamentirungen aufgeftellt, zerlegt, transportirt, mit beliebigen Motoren Dampfmaschine - - Das Heeres- Verpflegswefen. 11 oder Locomobile eventuell auch mit Göpel angetrieben und um mäfsigen Preis angekauft werden können. Diefe Uebereinftimmung in den Principien dürfte als eine Erkenntnifs des vielfältigften Bedürfniffes und als ein Hinweis gedeutet werden können, wo der Vortheil des Fabrikanten mit dem des Confumenten zufammenfällt, und vielleicht auch der Militärverwaltung zur Anregung dienen, die Anfchaffung folcher Mühlen in Combination zu ziehen, wobei mit Rückficht auf die eventuelle Benützung im Felde mit Göpelantrieb fich die eingängigen, jedoch fo conftruirten Mühlen empfehlen würden, welche blofs durch Verkuppelung oder Verlängerung der Antriebswelle verbunden für gewöhnlichen Gebrauch durch einen Dampfmotor getrieben werden können. Da in diefem Berichte fo viel wie möglich zu vermeiden gefucht wird, Firmen zu citiren oder anzuempfehlen, fo wird nur noch erwähnt, dafs die ausgeftellten Mühlen ein- und zweigängig, mit und ohne Sortirkaften( Mahlkaften mit Beutel- oder Cylindervorrichtung), auf eifernen, hölzernen Geftellen und auf dem Wagen zum Antrieb mit 4, beziehungsweife 8 bis 10 Pferdekraft und zumeift beftechend fchön conftruirt waren. Zumeift waren es franzöfiche Steine, mit welchen fie verfehen waren, oder zu verfehen wären, und zwar mit Durchmeffern von 36 bis 48 Zoll. In Verbindung mit den Mühlen muss noch der folgenden Geräthfchaften gedacht werden. Ob die Mühle mit Dampf( Dampfmafchine oder Locomobile), mit Wafferkraft oder Göpel( mit Pferden) angetrieben werden folle, hängt von den localen Verhältniffen, von der Höhe der erforderlichen Kraft und vom Calcul der Ausnützung, ob nämlich die Mühle eine beftändige oder nur eine zeitweilige Befchäftigung findet, ab. Der Antrieb der Mühle mit Dampf empfiehlt fich wegen feiner conftanten und höheren Kraft, zufolge deffen ein befferes Product und eine gröfsere Ergiebigkeit erzielt werden kann. Mit faft gleichem Vortheile kann die Wafferkraft, natürlich dort wo fie geboten ift, angewendet werden. Für den Betrieb mit Göpel wären nur die eingängigen Mühlen verwendbar und würde fich diefer Motor nur mit Rückficht auf die Einrichtung für die Verwendung bei der Armee( jedoch nicht unbedingt) und für folche Garnifonsorte empfehlen, wo die Mühle keine ununterbrochene Befchäftigung findet, demnach die Pferde zur Zufuhr des Getreides, zur Ueberführung von Holz, Stroh und dergl. Locodienft mit Vortheil verwendet werden könnten; und fchliefslich hat der Betrieb mit Göpel noch einigen Vortheil darin, dafs die Kenntnifs der Dampfmafchine oder Locomobil- Behandlung überflüffig wird und das Mahlwerk mit mehr Beruhigung dem Verpflegs- Handwerkerperfonale anvertraut werden kann. In jenen Fällen, wo eine Dampfmafchine Befchäftigung findet, wird fich übrigens die Befoldung eines geprüften Heizers, wenn er auch aus dem Civile aufgenommen werden müfste, müfste, aller Wahrfcheinlichkeit nach auch lohnen. Verhältnifsmässig hatten die Fabriken in der öfterreichiſch ungarifchen Monarchie die meiſten Göpelvorrichtungen mit einfachen und doppelten Ueberfetzungen für ein bis fechs Pferde ausgeftellt. Erwähnt mufs noch werden der patentirte Schraubengöpel, mit Eifen oder Holz zu fundamentiren, welcher vermöge feiner fehr einfachen und compendiöfen Conftruction und leichter Transportabilität bei fonft entſprechenden Eigenfchaften fich empfiehlt. Das Locomobil, welches wie oben gedacht wurde, zum Antrieb der Mühle verwendet werden kann, wäre beffer als der Göpel, wo es die localen Verhältniffe geftatten, da es auch bei Aufzügen, beim Waffer- Pumpwerk, zum Antrieb grofser Getreide- Putzmafchinen u. dergl. mehr in den Magazinen verwendbar. 12 Alexander Poppović. Frucht- Schälmafchine. Zu den wirkfamften Getreide Reinigungsmafchinen gehören die Frucht- Schälmafchinen. Das Princip diefer Mafchinen beruht auf der Centrifugalkraft, in Folge` welcher fich die Körner unter fich an der Wandung des Cylinders oder je nach Conftruction auch noch an einer im Cylinder rotirenden Einrichtung abreiben. Diefe Mafchine ift für das Verpflegswefen von Bedeutung, aber der MilitärVerwaltung nicht unbekannt, und es würde fich im Falle des Bedarfes nur darum handeln, die Vorzüglichkeit der einen und der anderen Mafchine, wie fie ohne befonders Neues zu bieten auf der Ausftellung zu fehen waren, zu erproben. Backöfen. Seit geraumer Zeit ift bei dem Bückergewerbe das Bedürfnifs nach dem Befitze eines Backofens fühlbar geworden, welcher die Beheizung mit Brennholz, das von Jahr zu Jahr im Preife fteigt, entbehrlich macht, mehr Reinlichkeit, als diefs mit der Beheizung im Innern des Ofenraumes möglich ift, geftattet, dann Erleichterung der Arbeit und Steigerung der Ergiebigkeit gewährt. Die bisherigen Reconftructionen der alten Oefen haben, namentlich in Bezug auf die Verwendung der foffilen Kohle ftatt Holz, eine theilweife Abhilfe geboten, und find folche in den Militärbäckereien zumeift auch adoptirt worden. Jene Oefen aber, welche befonders ins Auge gefafst wurden, die mit continuirlicher Heitzung aufserhalb des Ofenraumes, haben fich in ihren bisherigen Conftructionen bei uns noch nicht bewährt, weil fie bei einigen Vortheilen nicht zugleich die Vorzüge befitzen, ein vollkommen gutes Gebäck zu liefern. Diefer Umftand dürfte feine Illuftration darin gefunden haben, dafs die Wiener Bäckergenoffenfchaft für die Erfindung eines zweckmäfsigen Ofens einen Preis ausgefchrieben hat, und dafs der Hof- Bäckermeifter Roman Uhl, welcher felbft umfaffende Studien über die Herftellung eines zweckmäfsigeren Ofens machte, und um die bekannte vorzügliche Qualität der Erzeugniffe des Wiener Bäckereigewerbes auf dem Ausftellungsplatze würdig zu repräfentiren, fich eines altartigen Ofens bedient hat. Den Anforderungen, welche von der Militär Verpflegsadminiftration geftellt werden, reihen fich natürlich jene des Privaten an; es werden möglichft einfache, dabei folide Conftruction, mässige Herftellungskoften( Aufbau und Inftandhaltung), leichte Behandlung des Ofens mit erleichterter Arbeit, Erfparnifs an Beheizungs- und Backungskoften und grofse Ergiebigkeit bei tadellofer Qualität des Erzeugniffes angeftrebt. Kunftöfen, welche diefe Vorzüge befitzen, werden daher gerne adoptirt, dennoch dürfte die Militäradminiftration kaum die altartigen Oefen mit innerer Heizung ganz auflaffen, fondern noch einzelne, in gröfseren Garnifonen zur Inftruction über die Behandlung der den altartigen homogenen Feldöfen behalten, weil die hiezu erforderliche handwerksmäfsige Fertigkeit in der Ausheizung, im Broteinfchiefsen und Ausbacken mit Stangen, von den Handwerkern aus der Civilbäckerei, bei welchen die Oefen in der Regel viel kleiner, das Gebäck nach Material und Maffe ein anderes ift, nicht mitgebracht wird. In wie weit nun die ausgeftellten Oefen, beziehungsweife Modelle, den vorerwähnt geftellten Anforderungen entſprechen, kann ohne vorhergegangene Erprobung nicht angegeben werden. Diefelben find: Der Backofen des Herrn Carl Hail finger. Er ift aus Eifenconftruction( Backmulde aus Eifenblech), wird continuirlich von rückwärts mit befferer Steinkohle geheizt, die Herdfohle ift circa 12 Schuh lang und nahe ebenfo breit, für die Regelung der Schwelle ift eine eigene Vorrichtung getroffen, das Einfchliefsen und Ausbacken gefchieht in der bisher üblichen Weife und das Gebäck ift fchön. Zeichnungen oder nähere Erklärungen waren nicht beigegeben, daher darüber mehr nicht berichtet werden kann. Uebrigens hat das k. k. Reichs- Kriegsminifterium Backproben auf diefem Ofen bereits eingeleitet, die Refultate werden mafsgebend werden. Das Heeres- Verpflegswefen. 13 Nebenbei wird verzeichnet, dafs in der Bäckerei des genannten Ausftellers eine Teig Theilungsmafchine in Thätigkeit ift, welche Stücke in gleiche Theile für die Weifsbäckerei theilt und das Auswägen erfpart. Diefe Mafchine ift nur für ganz trockenė Teige und nur für Theilung in kleine Stücke, etwa bei der Fabrication des Zwiebackes in 14pfündigen Flecken, nicht aber für die gelinderen Teige aus Roggenmehl für Brot geeignet. Uebrigens hängt es von einer Erprobung ab, bei welcher auch wahrzunehmen wäre, ob diefe Mafchine auch genau theilt und nicht der Willkür der Arbeiter einen Spielraum überläfst. Das Modell des Röhrenbackofens mit HochdruckWafferheizung der Herren W. A. F. Wieghorft& Sohn. Diefer Ofen zog die Aufmerkfamkeit wegen feiner befonderen Conftruction auf fich, aufserdem durch den Umftand, dais nach erhaltener Mittheilung davon fchon über 300 Oefen theils bereits aufgeftellt ftehen, theils projectirt find. Aufser Deutfchland, wo fie namentlich in den Militärbäckereien eingeführt wurden, fanden diefe Oefen in Rufsland, Belgien, Italien, England, Dänemark, Schweiz, auch in Oefterreich( Teplitz, Zbirow und Eger) bereits Eingang. Der Ofen hat die gewöhnliche Form. In dem inneren Raume find dreifsig untere und dreifsig obere, zum Theil mit Waffer gefüllte, an beiden Enden gut gefchweifste Röhren eingezogen, welche frei vom Herd, beziehungsweife vom Gewölbe, abftehen. Zwifchen den beiden Röhrenfchichten liegt eine bewegliche Backplatte, welche auf der innen angebrachten und auf der Stirnfeite in den BackküchenRaum verlängerten Eifenbahn hinein und herausgefchoben werden kann. Die Beheizung gefchieht von rückwärts. Die Vortheile, die diefer Ofen bietet, find, dafs Staub, Afche und Rauch in den Backraum nicht dringen, dafs der Teig aus freier Hand auf die Backplatte aufgelegt werden kann, dadurch aber der Flächenraum ohne Anfchufs, der Laibe beffer ausgenützt und der Aufwand für das Leuchtfeuer beim Mundloch, für Ofenfchieber, Krücken und Stangen erfpart wird, dafs durch die continuirliche He zung die Backungen ohne grofse Intervallen auf einander folgen können, daher eine fehr hohe Ergiebigkeit( 18 bis 20 Backungen in 24 Stunden an Brot im Teige zu 58 Loth Wiener Gewicht) erzielt werden kann, dafs fchliefslich jedes Brennmateriale zur Beheizung benützbar ift. Ein folcher Ofen kommt, ausgenommen die etwa nöthige Fundamentirung und der Schornftein( gewöhnlicher Küchenfchornftein), auf 1500 Thaler, nach Umftänden vielleicht auf weniger zu ftehen. Nähere Details und Zeichnung hat fich der Ausfteller vorbehalten. Das Modell eines Backofens von Herrn Carl Egle Dürnholz. Diefes zeigt einen Ofen aus Ziegeln, gebaut zur Beheizung vom Mundloche im Backraume. Derfelbe mag feine Vorzüge haben, es dürfte jedoch die Militärverwaltung darauf nicht reflectiren, weil die Oefen mit der Beheizung von Aufsen erwünſchter find, und weil anderfeits der ausgeftellte Ofen auch für die Verwendung im Felde ob feiner mit Zügen unter der Herdfohle complicirter und nicht begreiflicher Bauart und wegen der Menge an erforderlichem Baumaterial nicht praktiſch erfcheint. Das Modell des Herrn Enrico Manzoni aus Rom zeigte einen aus feuerfeftem Material gebauten zweietagigen Ofen. Die Beheizung ift continuirlich, gefchieht in der Mitte der Langfeite unter der Sohle der erften Etage, und kann ebenfo gut mit Holz als mit Kohle gefchehen. Aus der Heizkammer rückwärts führen nach der linken und rechten Hälfte des Ofens Füchfe( Canäle), durch welche die Feuergafe in die ganz um den Ofen circulirenden Züge geleitet werden und in einem Rauchfange ausmünden. 2 14 Alexander Poppović. Die Circulation der Hitze, beziehungsweife Verftärkung und Dämpfung, wird mit zwei Klappen von aufsen leicht handlich geregelt. Statt der gewöhnlichen Herde find in der unteren und oberen Etage an der Wand Geleife angebracht, auf welchen die mit Brot belegten, mit kleinen Rädern verfehenen Hurden aus Eifendraht Gewebe( 3 bis 4) in den Ofen hineingerollt werden. Ift der Ofen mit Brot belegt, fo werden die herabgelaffenen eifernen Thüren gefchloffen. Wenn das Brot gebacken ift, werden die Hurden mit dem Brote, jedoch von der entgegengefetzten Seite, welche der anderen ganz gleich conftruirt ift. herausgerollt und das Brot abgeräumt; darauf kann der Ofen wieder mit frischem Teige befchickt werden. Der Ofen ift mit einem Pyrometer und einem eingemauerten Keffel zum Wärmen des nöthigen Waffers verfehen. Ohne praktifchen Verfuch kann füglich ein Urtheil nicht leicht geäufsert werden, es hat jedoch die Militärverwaltung mit etagirten Oefen keine günftigen Refultate erzielt, daher von vorneher wohl ein Vertrauen dem vorbefchriebenen Von diefen Oefen foll einer in Modelle nicht entgegengebracht werden kann. Florenz und einer in Malta im Gebrauche fein. Der Heifswaffer- Feld- Backofen des Herrn Joh. Haag in Augsburg. Der Ofen ift zweitheilig feft an dem Wagengeftelle angemacht. Die Beheizung gefchieht nach dem Principe wie beim Wieghorft'fchen Ofen durch 38 Röhren, welche zum Theile mit Waffer gefüllt find und mit einem Ende in den Feuerraum, welcher in der Mitte des Wagens fich befindet, hineinragen. Derfelbe foll nach der Befchreibung in einer Stunde 48 Brotlaibe à 4 Pfund backen. Zur näheren Beurtheilung der Zweckmäfsigkeit diefes Ofens müfsten Backproben vorgenommen werden; foll aber die Intention beftehen, die Bereitung des Brotes auch während der Bewegung zu bewirken, fo dürfte die Conftruction als verfehlt angefehen werden, weil die Teigbereitung an Bedingungen geknüpft ift, die nur während des Stillftandes erfüllbar find. Da ferner zu jedem folchen Ofen noch ein Wagen für die Fortbringung der Bäckereigeräthfchaften nothwendig ift, fo würden diefe Art Oefen den Train vergröfsern, und für die in der öfterreichifchen Armee eingeführten Feld- Backöfen zu 4 Stück fammt allem Bäckereigeräthe und Zelten doch nur zwei Wagen er forderlich find. Darrapparat. Bei der Fabrication der Nahrungsmittel- Conferven werden für trockene Conferven Darröfen, wie diefs beim Militär- Verpflegsmagazine in Wien der Fall ift, benöthigt. Aus diefem Anlasse wird der„ Neuverbefferte, continuirlich arbeitende, mechanifche Darrapparat für Malz, Getreide, Hopfen, Obft etc. Syftem: Jofef Gečmen, New- York", in den gegenwärtigen Bericht aufgenommen mit dem Beifügen, dafs, und namentlich bezüglich der Darrhorden, eine Adaptirung des Apparates für die fpeciellen Zwecke noth wendig wäre. Die Vortheile, welche dem Apparate beigelegt werden, find folgende: Der Apparat arbeitet ganz rationell, infoferne er das Darrgut ganz allmälig einer fteigenden Temperatur zuführt. Der Flächenraum, welchen derfelbe einnimmt, beträgt nur circa 115 der früher üblichen Darren, oder 1/10 des Flächenraumes, welchen Doppeldarren beanfpruchen. Das Wenden wird von dem Apparate vollſtändig und in einer kräftigen Weife bewirkt, fo dafs die Entftehung eines verfchiedenfarbigen Productes gar nicht vorkommen kann. Das Heeres Verpflegswefen Der Apparat vermeidet jeden Verluft. Die Erfparnifs koftfpieliger Arbeitskräfte. 15 Aufserordentliche Leiftungsfähigkeit und grofse Brennmaterial- Erfparnifs. Vermeidung jeder Feuersgefahr. Aufserordentliche Dauerhaftigkeit der Darrhorden. Einfache Conftruction und ein allen genannten Vortheilen entsprechender billiger Preis. Von Kochküchen war vorhanden: Das Modell einer CentralKochküche von den Herren Holdorff& Brückner. " Ueberall dort, wo eine gemeinfcftaftliche Zubereitung der regelmässigen Mahlzeiten für eine gröfsere Anzahl von Perfonen erforderlich ift, namentlich alfo in öffentlichen Anftalten aller Art, in Spitälern, Strafanſtalten, Gefängniffen, in Kafernen, Volksküchen, ferner in Hotels und unter gewiffen Umftänden auch für Privat- Haushaltungen bietet die Anlage von Dampf Kochküchen die gröfstmöglichften Vortheile und Annehmlichkeiten; dazu kommt der Umftand, dafs in den weitaus meiften Fällen derartige Gebäude bereits mit irgend einer Dampfkeffel- Anlage für die übrigen Bedürfniffe des Haufes verfehen find, wodurch die Anlagekoften der Kochküche bedeutend reducirt werden und die Benützung des Dampfes zu jeder Zeit ohne vorheriges Anheizen, ohne befondere Bedienung der Keffelanlage durch einfaches Oeffnen eines Dampfventils ermöglicht ift. Kommt es alfo auf ſchnelle Herſtellung und Zubereitung an, fo kann kein anderes Kochfyftem mit den Dampfküchen concurriren; der in Verwendung ftehende Dampf ift im Stande, innerhalb weniger Minuten die gewünſchte Temperatur zu erzielen, diefelbe beliebig lange auf der Höhe zu erhalten und nach beendigtem Kochproceffe läfst er die Speifen ſchnell auf die Temperatur finken, welche für den Gebrauch geeignet ift, durch die mehr oder weniger geöffnete Stellung des Dampfventiles vollkommen regulirbar. Alle Verzögerungen zum Anheizen des Feuers fallen fort, die Feuerungsftelle liegt aufserhalb des Kochraumes, dadurch wird jedweder läftige Rauch, Staub und Afche vermieden und bietet der im Raum vorhandene Dampf ein vorzügliches Mittel, die Kochräume ohne grofse Koften zu ventiliren, vollkommen frei von allen Dünften zu erhalten. Die gröfsten Quantitäten von Speifen können mit derfelben Gefchwindigkeit wie die kleineren zubereitet werden durch Anwendung gröfserer Kochkeffel und demgemäfs Vergröfserung der wirkfamen Heizfläche; für jedes Quantum Speife tritt genau nur fo viel Heizfläche in Verwendung, als gerade nöthig ift, während die fonft üblichen Herdanlagen für den Gebrauch eines einzelnen Gefäfses nicht eingerichtet find und daher die für eine gröfsere Anzahl von Gefäfsen berechnete Heizfläche unter allen Umftänden mitbeheizt werden mufs. Diefen Nachtheil vermeiden felbft die in den Herden neuerer Conftruction vorgefehenen Regulirungsund Abftellungsvorrichtungen nicht vollkommen. Befonders zu beachten ift, dafs jedes einzelne Kochgefäfs vollkommen unabhängig von allen anderen bedient werden kann; es ift fomit ermöglicht, einzelne Gefäfse in fortwährendem Kochen zu erhalten, während andere in der unmittelbaren Nähe im Zuftande einer continuirlichen Anwärmung beharren können. Ebenfo bringt diefe Ifolirung der einzelnen Gefäfse eine fehr bequeme Manipulation an denfelben mit fich. Schliefslich ift, weil keine directe Heizung vorhanden, jede Feuersgefahr ausgefchloffen, die Apparate werden durch die Berührung mit dem Dampf in keiner Weife merkbar angegriffen, während durch die Berührung mit dem directen Feuer Kochkeffel fowohl wie Feuerherd einer rafchen Abnützung unterliegen. Die Einrichtung von Dampf- Kochküchen gefchieht am beften in folgender Weife: Von dem vorhandenen Dampfentwickler( Keffel der Mafchine) führt ein Haupt- Dampfrohr nach dem Küchenraume hinter den an den Wänden und in der 2* 16 Alexander Poppović. Nähe der Fenfter untergebrachten Kochkeffeln. Von diefem Hauptrohr führt ein mit einem Dampfwechfel verfehenes Abzweigrohr nach jedem ifolirt ftehenden Kochkeffel. Diefe Kochapparate beftehen aus zwei halbkugelförmigen in einander gefetzten Kupferkeffeln, von denen der Innere gut verzinnt ift. Zwifchen beiden Keffeln befindet fich ein Zwifchenraum zur Circulation des Dampfes. Am tiefften Punkte des äufseren Keffels befindet fich das Ablafsrohr für das Condenfationswaffer. Die Abführung des Condenfationwaffers gefchieht mittelft fogenannter automatiſcher Condenſationstöpfe, welche für mehrere kleinere Apparate gemeinfchaftlich angeordnet werden können. Man verbindet eine weitere Ausnützung des Dampfes durch Anlage von fogenannten Tellerwärmern, welche in Form von Schränken und mit Dampffchlangen verfehen find. Die Erfparniffe an Zeit, Feuermaterial, Betriebs- und Bedienungskoften find fo bedeutend, dafs bei jeder Dampf- Kochanlage von nur einigermafsen Umfang die Anlagekoften im Zeitraume weniger Jahre vollkommen amortifirt werden, es kann daher deren Anwendung mit Rücksicht auf die vielen Vortheile und Annehmlichkeiten, denen gegenüber gar kein Nachtheil entſteht, nicht genug empfohlen werden." Der Berichterftatter hat diefer Befchreibung nichts zuzufügen, als dafs diefe Küche auch nach dem Modelle fich empfiehlt, und dafs fich die Ausfteller zur Anfertigung von Ueberfichten, Koften- und Rentabilitätsberechnungen erbieten. Mehr als die ftabilen Garnifonsküchen, welche hauptfächlich vom ökonomifchen Standpunkte in Berücksichtigung gezogen werden, verdienen die Feldküchen Aufmerksamkeit. Wer dem Soldaten im Felde mit Theilnahme gefolgt ift, mufs die Wahrnehmung gemacht haben, dafs beim Bezuge des Bivouacs nach einem mehrere Meilen zurückgelegten Marfche oder nach einem überftandenem Gefechte das Bedürfnifs fich mehr im Anftreben nach Ruhe und Schlaf als nach Nahrung äufsert. Bei folcher körperlicher Dispofition ift das Faffen des Fleifches und Gemüfes, das Herbeiholen des nicht immer in der Nähe befindlichen Waffers und Holzes und endlich das mehrere Stunden erheifchende Kochen des zähen Fleiſches und der harten Bohnen eine wahre Qual. Bei folcher Wahrnehmung liegt wohl die Idee fehr nahe, die Truppen mit transportablen Feldküchen zu verfehen, in welchen die Speifen während des Marfches bereitet und gleich bei Bezug des Feldlagers ausgetheilt werden können. Eine folche menfchenfreundliche Idee liegt in der nach Syftem Locati exponirten Feldküche für Truppen für 2.500 Mann ausgedrückt. Die Einrichtung der auf einem grofsen und weitgeleifigen Wagen mit 12 grofsen Kupferkeffeln( 6 von jeder Seite) und einem Durchgang in der Mitte aufgeftellten Küche fcheint, fo wie die Vorrichtung für die Beheizung, fehr praktiſch zu fein. Eine nähere Auseinanderfetzung bezüglich der Conftruction und Behandlung konnte nicht erlangt werden, wefshalb auch der bei blofser Befichtigung fich regende Zweifel über die grofe Ausgiebigkeit der Küche aufrecht erhalten werden mufs. Nach gewöhnlicher Schätzung des Faffungsinhaltes der Keffel dürften wohl nicht 2.500 Mann, fondern beiläufig ein Dritttheil auf einmal abgefpeift werden können, es wären fonach beiläufig per je ein Bataillon eine folche Küche und für den Stand einer Infanterie- Truppendivifion beiläufig fünfzehn folche Küchen nöthig. Es ift wohl fchade, dafs diefe Küchen für die in vorderfter Reihe ftehenden Truppen durchaus keine Verwendung finden können, weil hiemit, entgegen dem nnausgefetzten Beftreben des k. k. öfterreichifchen Generalftabes auf Verminderung, eine grofse Trainvermehrung zugelaffen werden müfste. Das Heeres- Verpflegswefen. 17 Doch was nicht für die ganze Armee, das könnte vielleicht theilweife, das ift, bei den mobilen Feldfpitälern und bei dem grofsen Train zuläffig fein. Die Feldfpitäler ftehen immer fchon in einer folchen Entfernung vom Kampfplatze, dafs eine theilweife Vermehrung des Troffes für die Bewegung der Armee ein bedeutendes Erfchwernifs nicht bilden dürfte. Anbelangend die Verwendung der transportablen Küchen bei dem grofsen Train dürften als Beweggründe angeführt werden können, dafs diefer Train immer einige Meilen hinter der Gefechtslinie fteht, daher die Bewegung der Armee nicht fo fehr wie die Proviantcolonne und der Bagagetrain behindern würde, dafs die Vermehrung der Wagen durch die eingefchobenen Küchen keine fo grofse wäre, dafs hiedurch die Colonne( wenn nämlich gedachter Train in die Marfchcolonne eingetheilt wird) wefentlich verlängert werden würde; dafs fchliefslich der Trainfoldat in der Bewegung, vom Aufbruch bis zum neuen Bezug des Parks in der Regel noch mehr Stunden auf dem Marfche zubringt, als die Truppe, und dafs derfelbe, aufser für eigene Perfon, auch noch für die Pflege der Pferde und Inftandhaltung des Gefährtes und Gefchirres vollauf befchäftigt ift, und zum Kochen mindeſtens ebenfo wenig wie der Mann in der vorderen Linie disponirt fein kann. Eine fahrbare Küche war auch vom Herrn Mackean Herrn Mackean& Comp. ausgeftellt. Diefe ift ganz anders conftruirt. Das Abkochen foll während des Fahrens in zwei zwifchen den Vorderund Hinterrädern angebrachten grofsen Keffeln durch Dampf gefchehen. Die beiden Keffel dürften höchftens für 400 Mann Speife auf einmal liefern können. Für alle Fälle bedarf diefe Küche, fowohl in Bezug auf das Wagengeftell als auf die Heizvorrichtung einer Vervollſtändigung, beziehungsweife Ver befferung. Im Uebrigen fprechen gegen diefe Küche diefelben Umftände wie bei der vorbefprochenen. Quetfchmafchine. Vor einiger Zeit brachte ein militärifches Fachblatt eine Befchreibung, wornach aus Weizen oder Roggen ohne vorhergegangene Vermahlung Brot erzeugt werden kann, auch irgendwo fchon erzeugt worden fein foll, indem nämlich der Kern in einer Bottich geweicht, fodann zu Brei gequetfcht, mit Beimengung von Ferment zu Teig gemacht und fchliefslich gebacken wird. Die im Kleinen angeftellten Verfuche haben auch conftatirt, dafs in diefer Weife ein noch genufsbares Brot erzeugt werden kann, die gemachten Proben liefsen aber fchon defshalb noch viel zu wünſchen übrig, weil eine entsprechende Quetfchmafchine fehlte und das Brot vollkommen einem Erzeugniffe aus Schrott gleich fah. In Verbindung damit wird auf die Quetfchmaſchinen, welche in der Ausftellung zur Chocoladefabrication, beziehungsweife zum Quetfchen des Cacao, verwendet wurden, aufmerkſam gemacht, da diefe Mafchine derart zu adaptiren fein dürfte, dafs fie möglicher Weife gleich Cacao auch das geweichte Korn zum vollftändigen Brei zu quetfchen fähig fein könnte, womit ein Schritt weiter zu Gunsten der Erzeugung des Brotes ohne Vermahlung des Korns gemacht werden würde. Magazinsgeräthe. Getreide Putzmafchinen. Dadurch, dafs die Militärverwaltung keine befonderen Qualitäten für die Lieferungen fich bedingt, fondern nach dem kaufmännifchen Ufus gefunde marktgängige Waare und nur in mittlerer Güte beifchafft, find die Verpflegsmagazine häufig in die Lage gefetzt, die Brotfrucht vor der Abgabe in die Mühle und den Hafer vor der Ausgabe an die Truppen putzen( reutern) zu müffen. 18 Alexander Poppović. Wegen gleichmässigem Vorgange bei der Beftimmung des Reinheitsgrades ift für die Verpflegsmagazine eine Normalreuter( die Kinzel'fche) vorgefchrieben, die Reuterung felbft kann aber auch mit anderen Mafchinen, welche die nöthige Wirkfamkeit befitzen, vollzogen werden. An folchen Mafchinen bot die Ausftellung die reichlichfte Auswahl. In der Regel waren fie nach gleichem Principe mit dem Ventilator, mit Goffe und Auslauffieben, welche gegen die Horizontale neigen und mit einem Windregulator conftruirt, fie waren mit Garnituren verfchiedener Siebe für diverfe Fruchtgattungen und Qualitäten verfehen und bewirkten, dafs Spreu und Staub entfernt, beziehungsweife der grobe und fchwerere Unrath nach einer und das kleine Samenwerk und die Nachfrucht nach einer anderen Seite aus dem Getreide ausgefchieden wird. Der Antrieb war auf Kurbel und Zahnräder mit einer Kurbelrad- Periferie, dafs 34 bis 40 Umdrehungen in einer Minute erforderlich find, eingerichtet; es gab aber auch eine folche Mafchine, die Stille" benannt, welche ohne Zahnräder conftruirt und mit fehr geringer Kraft betrieben werden kann.( Dürfte als HaferReinigungsmühle fehr zweckmäfsig fein.) Diefe einfache Gattung der Mafchinen genügt vollkommen zur Reinigung des Hafers und auch der Brotfrüchte, welche keinen ftarken Zufatz von Rade, Wicke u. dergl. Nebenfamen mitführen, dagegen ift zur vollſtändigen Reinigung des Getreides von eben benannten Nebenfamen und der kleinen unreifen u. f. w. für die gute Mehlqualität nachtheiligen Körner eine Putzmafchine mit Sortirapparat angezeigt; und auch von diefer Gattung war eine reichliche Auswahl vorhanden. Nebft den Mafchinen, welche das Getreide gleichzeitig putzen und fortiren, gab es noch Auslefemafchinen mit Zellen und verftellbaren Sieben, welche in ihrer Art Vorzügliches leiften können, dann Getreide- Reinigungsmafchinen, welche das Handfieb vollſtändig erfetzen und auch in dem Parifer Militär- Verpflegsmagazin in Verwendung fein follen. Obgleich die Wirkfamkeit der Mafchine erft in der Thätigkeit beurtheilt werden kann, fo liefs doch die Conftruction fo viel Ausficht( Beurtheilung) zu, dafs wenigftens der Entfchlufs gefasst werden könnte, die Mafchine in Erprobung zu nehmen. Im Ganzen dürften fich für die Verpflegsmagazine folche Mafchinen empfehlen, welche mit geringer Kraft betrieben werden können, einfach conftruirt find, nicht leicht zerbrechlichen Mechanismus haben und viel leiften. Bei Betrieb der Vermahlung auf Mühlen, welche keine wirkfamen Putzapparate haben, wären allerdings die Sortirmafchinen fehr zweckmäfsig und könnten mit demfelben Motor, der die Mühle antreibt, bedient werden. Heupreffen. Die Militärverwaltung kommt in die Lage, namentlich für die Verpflegung im Kriege Heu verfenden und, da diefes fehr voluminös ift und übermäfsig viel Transportmittel erheifcht, preffen zu laffen. An Heupreffen waren in der Ausftellung nur zwei ausgeftellt, welche beide gleich gut fein dürften, aber ohne Verfuch nicht genau beurtheilt werden können. Das Anftreben, das Heu auf ein möglichft geringes Volumen ohne unverhältnifsmässigen hohen Aufwand, daher mit wenig Arbeitern und grofser Ergiebigkeit in geprefste Ballen zu bringen, die Mafchinen nach den Heugegenden leicht transportiren zu können, dafs der Mechanismus endlich möglichft einfach und nicht zerbrechlich fei; diefe Summe der Anforderungen dürfte auch bei den exponirten Preffen namentlich defshalb noch nicht erreicht fein, weil die Verminderung des Volumens noch immer etwas zu wünſchen übrig läfst. - Bei der Wichtigkeit aber, welche diefe Mafchine in den Einrichtungen der Verpflegsmagazine einnimmt, wäre die Erprobung der ausgeftellten Mafchinen es n, e Das Heeres- Verpflegswefen. 19 wohl der Mühe werth gewefen, weil es bei folch' gelegenheitlichem Contact mit dem Fabrikanten annehmbar fcheint, dafs Momente erfcheinen, welche zu einer Vervollkommnung führen können. e 1- t- t, e S- S r 1 t Verpflegsmittel. Getreide und Hülfenfrüchte. Die Unterfuchung der in unzählbarer Menge ausgeftellten Gattungen und Sorten von Früchten aus allen Ländern hätte eine mühfame Arbeit und viel Zeit erfordert, ohne dafs dadurch für die Militärverwaltung etwas Pofitives gewonnen worden wäre. Summarifch kann bemerkt werden, dafs alle Ausfteller mit vielleicht wenigen Ausnahmen das Vorzüglichfte in fo ausgefuchten Muftern und in einer folchen Reinheit und frei von allem Nebenfamen geboten haben, dafs der Gedanke unwillkürlich kam, es haben diefe Früchte alle englifchen Putzmühlen und franzöfifchen Cribles paffirt. Die ausgeftellten Mufter waren wohl vom Ausfaatfamen und von Mufterwirthfchaften, für die Militärverwaltung aber, welche das Getreide vom Platze nach kaufmännifcher Ufance befchafft, wäre die Kenntnifs der in der Regel gangbaren Handelswaare von gröfserem Nutzen gewefen. Mit dem in Verbindung wäre häufig die nähere Bezeichnung der Provenienz nach der geographifchen Lage und Bodenart, das durchſchnittliche Gewicht per Metzen, die Schüttung per Joch nach der Mittelernte und die phyfikalifchen Einflüffe im Provenienzjahre, fchliefslich wo möglich neben der Brotfrucht auch das daraus erzeugte Mehl von Intereffe gewefen. Als Anhang hiezu mufs aber doch der graphifchen Darftellung der wochentlichen, Monats- und Jahres- Durchfchnittspreife des Getreides in den Jahren 1819 bis 1872, welche die Handels- und Gewerbekammer in Peft- Ofen ausgeftellt hat, als eines fehr intereffanten und inftructiven Werkes erwähnt werden. - Diefelbe bot zu entnehmen die gröfste Summe jener Monate, in welchen die Preife nach der Ernte und im Frühjahre alfo zur Zeit, wo das Militärärar feinen Bedarf ficherzuftellen pflegt-am niederften zu ftehen pflegten, dann entgegengefetzt die gröfste Summe der Monate im Jahre, in welchen die Preife am höchften ftanden, daher für die Befchaffung der Militärbedürfniffe nicht günftig waren. Das gedachte graphifche Bild führte ferner zu Reflexionen und Schlufsfaffungen, wie die Preife zur Ernteftatiftik und zum Export, welcher in Ungarn erft feit 1860/61 einen gröfseren Auffchwung genommen haben dürfte, daher vor und nach diefer Zeit, dann wie zu Mifsjahren, z. B. 1863 und zur reichen Ernte, z. B. 1867 beziehungsweife wie zum eigenen Bedarf und Export fich verhalten haben. Weiters kann neben diefen Wahrnehmungen aus der obigen Darftellung gelefen werden, welchen Einfluss und in welchem Umfange die inneren und äusseren politifchen, refpective Kriegsverhältniffe und welchen Einfluss das Agio unferer Valuta auf die Preisgeftaltung gehabt haben. Die in ähnlicher aber fummarifcher Weife von der Wiener Frucht- und Mehlbörfe für die Periode von 1823 bis 1872 gezeichneten Schwankungen der Getreidepreife, fowie die im Pavillon Fürft Schwarzenberg's ausgeftellte Gefchichte der Preife vom Jahre 1450 bis 1872 dürften auch fehr intereffante Momente für die Militäradminiftration geboten haben. Mehl. Die Militärverwaltung kauft aus dem Handel in der Regel nur das für die Erzeugung des Zwiebacks erforderliche feinere Weizenmehl, während fie, wie vorne erwähnt, das für das Militärbrot erforderliche Roggen- und theilweife mindere Weizenmehl felbft erzeugt. Die Vorzüge der Mühlinduftrie, namentlich in Ungarn, find notoriſch und der Umftand, dafs die Peft- Ofner Mühlen allein durchſchnittlich über 4,700.000 Zoll 20 Alexander Poppović. centner Mehl jährlich erzeugen, bietet die Beruhigung, dafs im Falle eines plötz lichen gröfseren Bedarfes ein Aufliegen an feinem Weizenmehl nicht eintreten kann. Zwieback. Der Zwieback ift einer der wichtigften Artikel für die Verpflegung im Kriege, da er in den häufigften Fällen das frifche Brot, welches mit grofsen Schwierigkeiten in gutem Zuftande und in ausreichender Menge beigefchafft werden kann, zu erfetzen hat. Die Verpflegung mit Zwieback macht eine geringere Anzahl der Feldöfen und des Arbeitsperfonales nöthig, erfordert gegenüber dem Brote um 44 Percent weniger Transportmittel, verringert daher den Train im hohen Maſse, dann ist der Zwieback leichter gegen Verderben zu bewahren und belaftet den Mann um 22 Loth weniger als eine Brotportion. Diefe grofsen Vortheile gebieten es, dafs der Zwieback, obgleich hart und trocken, daher vom Soldaten nicht gerne genoffen, unausweichlich als Verpflegsartikel beibehalten werden mufs; anderfeits weifen die Mängel gerade hin, dafs eine Verbefferung diefes Artikels zur Befeitigung derfelben unverrückt anzuftreben fei. Das k. k. Kriegsminifterium liefs fchon im Jahre 1866 den Zwieback aus feinerem, das ift Weizen- Semmelmehl erzeugen, welcher fchmackhaft, dauerhaft ift, auch gerade nicht ungerne genoffen wurde, derfelbe ift jedoch ftark gebacken, fehr hart und bricht leicht, welch letzterer in Bezug auf die beffere Haltbarkeit nachtheilige Umftand der Gröfse und Dünne der Flecke zugefchrieben werden mufs. Die in der Ausftellung befehenen Zwieback- Gattungen waren, mit Ausnahme der vom Herrn G. B. Tiani in Trieft, welche viereckig ift, rund, und gleichen darin, fowie, dafs fie nur von einer Seite geftupft( durchlöchert) und ohne Salzbeigabe erzeugt find, unferem Militär- Zwiebacke. Alle waren aus feinem, zumeift weifserem Mehle, nicht zu ftark ausgebacken, fondern mehr gedörrt und in viel kleineren Flecken( Kuchen) geformt als unfer Zwieback. Der niederländifche und der Schiffs- Zwieback des Herrn G. B. Tiani, welch' letzterer durch fein befonders gutes Ausfehen fehr beftach, dann der fpanifche Schiffs- Zwieback fcheinen ganz ohne Ferment erzeugt zu fein. Die beiden erfteren lieffen fich leichter als der letztbenannte zerbrechen, find nicht fehr hart zum Kauen, fchmecken gut, aber etwas nach rohem Teige. Im Waffer quillt nur der fpanifche etwas auf, der niederländifche und der Tianifche bleiben teigartig. Der Zwieback des Herrn Andronico Giuſeppe da Nizzen di Sicilia nähert fich in der Qualität unferem Erzeugniffe. Derfelbe ift jedoch ftark und ungleich porös, hat nicht das charakteriſtiſch glafige Ausfehen und dürfte nicht lange haltbar fein, fchmeckt übrigens gut und quillt auch im Waffer etwas auf. Vorzügliche Qualitäten find die des Herrn Koffančich aus Trieft und des Herrn Troia Alfio di Siracusa. Beide Sorten waren vortrefflich, mit Ferment und fleifsig gearbeitet, haben eine fchöne, wenn auch verfchiedene, die erfte eine fchön poröfe, die letztere eine dichtere Textur, eine vollkommen gefchloffene Fläche, fie find fchmackhaft beim Kauen, nicht zu hart, quillen in der Flüffigkeit fchnell und ftark auf, verfprachen fchliesslich lange Haltbarkeit, daher fie in jeder Beziehung einer befonderen Beachtung und Nachahmung werth find. Der Zwieback des Herrn Troia Alfio fiel noch durch feine gelbweifse, fehr fchöne Farbe und durch füfslichen Gefchmack auf, was zur Vermuthung führte, dafs dem Weizenmehle Maismehl beigemengt fein könnte. Diefe Wahrnehmung legt die Frage auf, ob nicht zur Erzielung einer befferen Zwieback- Qualität überhaupt ein Theil Maismehl, das in OefterreichUngarn auch billiger als das Weizenmehl fein dürfte, beigemengt werden folle. Das Heeres- Verpflegswefen. 21 Ein Verfuch würde erweifen, ob bei der Annahme, dafs, weil die Bindung und das Verhältnifs von Kleber, Stärkemehl und Dextrin bei dem Maismehle ein anderes als bei dem Weizenmehle, und die Löfung und Verbindung der verfchiedenen Mehltheile während der Fermentation und der Hitze- Einwirkung eine ungleiche fein müffe, auch die Textur des Teiges eine lockere, das Erzeugnifs minder zähe und mehr mürbe werden, der Gefchmack und das gute Ausfehen gewinnen würden. Da ein folcher Verfuch mit keinem unnützen Aufwande verbunden fein kann, fo dürfte derfelbe bei der Wichtigkeit der Abficht vorzunehmen fein. Zu den vorzüglichen Schiffszwieback- Gattungen gehörten annoch der Zwieback von Gimmino& Landolfi di Caftellamare u. zw. ein Mufter von hartem Weizen ohne Ferment und ein zweites von gemifchtem Weizen( di grani misti) mit Ferment. Beide waren in runden Flecken vollkommen gefchloffen und von glatter Rinde, die dazu verwendete Stupfmafchine mufs vorzüglich fein. Die Flecken find rund à 8 Loth, das dazu verwendete Materiale ift von befonderer Güte, der Zwieback ift fchmackhaft, fchwillt im Waffer gut auf, und dürfte jener aus Hartweizen den Vorzug verdienen. Confervirte Nahrungsmittel. Bei der gegenwärtigen Kriegsführung mit grofsen Armeekörpern auf verhältnifsmäfsig kleinen Räumen und der ſchnellen Bewegung der Truppen mit in kurzen Zwifchenräumen auf einander folgenden Actionen ift die Verpflegung im Felde wefentlich erfchwert worden. Grofse Truppenmaffen finden auf eingenommenen engen Räumen felten die erforderlichen Nahrungsmittel und felbft bei einem günftigen Falle macht es oft die häufige und fchnelle Ortsveränderung nicht möglich, die in den Wirthfchaften zerftreut liegenden Vorräthe zu fammeln und der Truppe zuzuführen, ja oft auch unthunlich, die beihabenden Artikel abzukochen. Die fchnelle Bewegung der Armee hat die weitere Folge, dafs der Verpflegungstrain oft nur mit den riefigften Anftrengungen, zuweilen auch gar nicht nachfolgen, demnach den Truppen die Bedürfniffe nicht zur rechten Zeit beiftellen kann. Diefe für die Verpflegung mifslichen Umftände und die nähere Erkenntnifs, dafs der Soldat nur dann im Felde vor Hungerleiden gefichert wird, wenn derfelbe bei fich oder in feiner nächften Nähe( beim Gefechtstrain) ein Nahrungsmittel befitzt, das entweder ohne aller Zubereitung kalt oder höchftens binnen einigen Minuten aufgewärmt genoffen werden kann, führten dahin, in den Conferven Abhilfe zu fuchen, die, wenn auch bisher noch nicht vollſtändig. fo doch in einem fchätzenswerthen Grade gefunden wurde. Die Fleiſch-, Gemüſe- und anderen Conferven find, mit Ausnahme der Emporien für die Marine, zumeift nur in den Delicateffen- Handlungen abgefetzt worden. Eine grofse Ausnahme bildet der englifche Handel, bei welchem die namentlich in den britifchen Kolonien in grofsen Maffen erzeugten Conferven von Rind- und Schöpfenfleifch ein wichtiger Importartikel geworden find, welche vermöge ihrer Preiswürdigkeit und Güte nicht nur für die See, fondern auch in der Bevölkerung zunehmenden Abfatz finden und dadurch zu regelmäfsigen, mit reichen Lagern dotirte Handelsartikel geworden find. Die letzten Kriege haben auch in anderen Ländern Anftofs zur gröfseren und fabriksmäfsigen Erzeugung an confervirten Nahrungsmitteln gegeben, allein, es konnte, insbefondere in unferer Monarchie, eine regelmäfsige Fabrication im grofsen Umfange wegen Mangel an Nachfrage für gewöhnlichen Gebrauch zum Auffchwunge nicht gelangen. Die Anforderungen, welche an die Conferven geftellt werden, find geringes Volumen, widerftandsfähige Verpackung, lange Haltbarkeit, fchnelles Abkochen beffer Genufsfähigkeit im kalten Zuftande ohne alle Zubereitung angenehmer 22 Alexander Poppović. Gefchmack, genügende und gefunde Nahrhaftigkeit, fchliefslich verläfsliche Aufbringbarkeit in grofsen Mengen und in kurzer Zeit im Falle des Bedarfes. Das k. k. Reichs- Kriegsminifterium hat nach ausgebreiteten Erhebungen und Proben manche Artikel gefunden, welche als Koftfurrogat für die NormalVerpflegung mit gutem Erfolg verwendet werden können, fo verfchiedene Fleiſche und Gemüſe, dann präparirte Leguminofen, Conferven. Die in diefem Zweige der Nahrungsmittel gemachten Erfahrungen haben jedoch zur Wahrnehmung geführt, dafs der häufig wiederholte Genufs folcher Surrogate widerfteht und daher nur mit Abwechslung unter folchen Artikeln und mit der regelmässigen Menagekoft zweckmäfsig und vornehmlich nur dann zu verwenden ift, wenn ein regelmäfsiges Abkochen nicht ftattfinden kann. Nun bot die Ausftellung eine reiche Auswahl. England und die britifchen Kolonien boten diverfe Fleifchconferven von Rind- und Schöpfenfleifch in gepöckeltem und luftgefelchtem Zuftande, dann gekocht und roh in Büchfen, ferner Fleiſch mit Gemüfe oder Suppe und Fleiſchextracte, harte oder getrocknete Erbfenfuppe( condenfirte Erbfen) u. f. w. Spanien und Frankreich hatte Fleiſch- und Gemüfeconferven in Büchfen; die Schweiz condenfirte Milch und die fogenannte Quilletfpeife( zufammengefetzt aus Fleiſch, Gemüfe und mehligen Stoffen); Dänemark präfervirte Butter in Büchfen, Pökelfleifch in Fäffern und Selchfleifch in Blafen; Italien verfchiedene NahrungsmittelConferven, Teigwaaren und Salami; Deutſchland Fleiſch- und Gemüfeconferven, Fleifch- Suppenmehl, präparirte Mehle aus Hülfenfrüchten, geprefstes trockenes Gemüfe aller Gattungen u. f. w. Oefterreich und Ungarn Fleifch, und Fleifch mit Gemüfe in Büchfen, Selchfleifch- Fabricate, Salami, Efsfpeck und MehlfpeisFabricate; Rufsland Bouillon und Gemüfeconferven, Amerika Speck, Schinken u. f.f. Bei der Ueberficht diefer Objecte wurden fo viele und verfchiedene Artikel geboten, als dafs eine Ordnung, was davon für die Feldfpitäler und Ambulanzen, was für die operirende Armee und was mehr nur für Feftungen am zweckmäfsigften ift, getroffen werden könnte. Es würde zu weit führen, wenn die einzelnen Artikel bezüglich ihrer Anwendbarkeit fpeciell befprochen werden wollten, es wird nur beiſpielsweife jener Vortheile gedacht, welche das Mehl aus Hülfenfrüchten gegenüber den lange Zeit für die Zubereitung erfordernden Körnern gewährt. Demjenigen, der die Vorftellung von den maffenhaften Erforderniffen hat, welche die Armee im Felde braucht, bietet diefe mannigfaltige und reiche Auswahl nur dann einige Beruhigung, wenn er auch die Gewifsheit hat, im Momente des Bedarfes die erforderliche Menge zur Stelle zu haben. Die hauptfächlich ins Auge gefafsten Conferven aus Fleiſch, dann Fleiſch mit Gemüſe und das Mehl aus Hülfenfrüchten werden als gewöhnlich gangbares Nahrungsmittel entweder defshalb nicht gefucht, weil fie koftfpieliger find, oder weil die Bevölkerung daran noch nicht gewohnt ift, wefshalb hievon wenig erzeugt, auch gröfsere Vorräthe auf dem Lager nicht gehalten werden. Die Einrichtung einer fabriksmäfsigen grofsen Erzeugung befteht demnach bei uns nicht, und diefe erft im Bedarfsmomente ins Leben zu rufen, dürfte wohl zu fpät fein. Gebrannte Kinder fürchten das Feuer und der Berichterstatter hat in diefer Richtung unerfreuliche Erfahrung gemacht. Da es aber nicht angeht, fich auf eine Verpflegungsbafis zu verlaffen, deren Saugewurzeln bis in die entfernteften Länder reichen, fo dürften Mafsnahmen nöthig erfcheinen, welche im eigenen Lande die für die Kriegsführung der Armee beinahe unentbehrlich gewordenen Conferven an Nahrungsmitteln in gröfserem Mafse fichern: diefe Mafsnahmen dürften darin gefunden werden, dafs gewiffe, für die Armeeverpflegung gewählte Conferven auch im Frieden zeitweife als Koftportionen verabfolgt werden, wodurch es möglich wäre, einen gröfseren Vorrath zu unterhalten, beziehungsweife umzufetzen, welcher für die erfte Dotirung der operirenden Armee genügen würde, anderfeits aber Induftrielle in die Lage zu Das Heeres- Verpflegswefen. 23 r 1 1 verfetzen, gröfsere Fabriken zu diefem Zwecke errichten und betreiben zu können. Getränke. In Erinnerung, wie hoch der Soldat im Felde den Trunk eines guten Weines fchätzt, fei auch davon Erwähnung gemacht. Für die Lieferung der Weine für die Armee eignen fich überhaupt die ftark alkoholgehaltigen und die rothen Weine, weil fie den wechfelnden Witterungseinflüffen beffer refiftiren, der rothe auch defshalb, weil er, wenn er auch warm ift, gut mundet. Die überreiche Expofition an verfchiedenften Weinen konnte als Garantie angefehen werden, dafs bei eventuellem Bedarfe eine Verlegenheit um Bezugsquellen und um gute Qualitäten nicht eintreten kann. Die Verabreichung des Weines an die Armee bedingt jedoch fehr grofse Transporte; es bedarf ja nur ein Corps von 50.000 Mann mit der einfachen Gebühr von I Seidel täglich 300 Eimer oder 25 Wagen und bei der Verdopplung der Gebühr, die während der Action häufig gefchieht, das Doppelte. Der Vorrath, den die Proviant- und Verpflegscolonne zufammen auf fechs Tage zu führen hätten, würde daher im Train 150 Wagen machen. Aufser diefem tritt nach der Befchaffenheit des Kriegs- Schauplatzes noch häufig der Umftand ein, dafs die grofse Menge von Wein für eine ganze Armee nicht aufgebracht, beziehungsweife nicht nachgefchoben werden kann; defshalb ift für die Etappenverpflegung der Branntwein, welcher weniger voluminös ift, zur Abwechslung normirt. Leider tritt da der Fall ein, dafs fich mehr Schnaps- als Weintage ergeben und da dem, wo es fich um die Verpflegung einer grofsen Armee handelt, nicht leicht abgeholfen werden wird, der bisher für die Armeeverpflegung verwendete durch Verdünnung eines 36gradigen Spiritus auf 18 Grade gewonnene Branntwein aber nach mehrmaligem Genufse widerfteht, fo erübrigt nur die eine Rich tung, welche einzufchlagen wäre, das ift die Darreichung eines befferen Branntweines, welches Anfinnen nicht als unbillig anzufehen fein dürfte, da auch die Ration eines befferen Branntweines nicht höher als die Weinration zu ftehen kommen dürfte. Zu den gedachten befferen Spirituofen, welche in der Ausftellung auch vertreten waren, gehören die genuinen Branntweine, als: Slivovitz, Pflaumengeift, Weichfelgeift, Kirfchengeift, ungarifcher Cognac und insbefondere Rum. Da die meiften der vorangeführten Spirituofen, namentlich der Rum, viel hochgradiger find, als der bisher gebührliche Branntwein, fo kann auch eine geringere Ration und unverdünnt bemeffen werden, was zur Folge hat, dafs ein geringeres Volumen mitgeführt und dadurch der Train verringert werden kann. Einrichtungen. Drahtmatratzen. Nach Vorfchrift für das Militär- Bettenwefen haben. bei einem in Oefterreich vom Militärärar beigeftellten Bette die Officiere, dann die Militär- Spitäler auf zehn Percent und die Marodehäufer auf vier Percent Matratzen Anfpruch. Diefe Matratzen find mit Rofshaaren gefüllt und werden, wie üblich, über den Strohfack gefchichtet. Die zunehmende Verbreitung der Betteinfätze elaftifcher Drahtmatratzen aus mit Kupfer galvaniſch überzogenem Stahldrahte, welche die Strohfäcke überflüffig und den Gebrauch wohlfeilerer Matratzen oder Unterlagen zuläffig machen, dürfte bald auch in der Bettenbelags- Vorfchrift eine Reform zur Folge haben. Abgefehen von den unvergleichlichen Vorzügen, welche die Drahtmatratze gegenüber dem Strohfacke für den Liegenden bietet, geftaltet fich die Anfchaf fung der Drahtmatratzen in einigen Fällen auch bedeutend weniger koftfpielig 24 Alexander Poppović. als die Benützung der Strohfäcke, namentlich in den weftlichen Ländern der Monarchie, wo in Folge der Abforbirung grofser Flächen für den ZuckerrübenAnbau und Verwendung des Häckerlings zum Futter das Stroh weniger zu Markte gelangt und immer höher im Preife fteigt. Zu einer approximativen Rentabilitätsberechnung für die Verwendung der Drahtmatratzen im Militär- Bettenbelege liegen die Factoren zur Hand. In dem öfterreichifchen Heeresvoranfchlage pro 1872 find für 10.600 Krankenbetten 44.732 fl. für Bettenftroh präliminirt, daher für die mit Matratzen verfehenen zehn Percent( 1060 Betten) 4473 fl. entfallen und nach einem in der Ausftellung neben dem Ausftellungsobject gezeigten Preiscourant koftet eine elaftifche Drahtmatratze mit Garantie für zehn Jahre 18 fl. Angenommen, aber nicht zugegeben, dafs der Betteinfatz nicht weiter als die garantirten zehn Jahre dient, fo ftellt fich die Rentabilitäts- Berechnung, wie folgt, heraus: Das Bettenftroh koftet für 1060 Betten auf zehn Jahre. 44.730 fl. Die Geftehungskoften eines Strohfackes betragen I fl. 90 kr. und die jährliche Abnützung wird normalmässig mit 38 Percent gerechnet, daher für 1060.10 Jahren 10.600 Strohfäcke. I fl. 90 kr.= - 20.140 fl.; die 38 Percent Dagegen: für 1060 Drahtmatratzen à 18 fl.. an Capitalsanlage 6 Percent 7653” " Summa 52.383 fl. 19.080 fl. II44" Summa 20.224 fl. Sonach bietet die Benützung der Drahtmatratzen bei 1060 Krankenbetten in zehn Jahren einen Vortheil von oder per Bett und pro Jahr 3 fl. 3 kr. 32.159 fl. Ein ähnlicher Vortheil, wenn auch nicht fo hoch, wird bei den Officiersbetten und den Betten in den Marodehäufern fich herausftellen müffen. Die weiteren Vortheile bei Benützung der Drahtmatratzen find die Erfparnifs des Wafchens und die Ausbefferung der Strohfäcke, dann dafs fie leicht vom Staub und Ungeziefer geputzt werden können, dafs die koftfpieligen dicken Rofshaarmatratzen aufgelaffen und durch billigere, eventuell mit gekrämpelter Schaf wolle oder auch Seegras gefüllte erfetzt werden können. Da die Militärverwaltung folche Matratzen bereits in Erprobung genommen hat, fo dürfte fie fich bei den evidenten Vortheilen auch bald entfchliefsen, diefelben definitiv einzuführen, wenn vom ärztlichen Standpunkte keine Einwendung dagegen erhoben wird. Dampf- Wafchanftalten. Die Militär- Bettwäfche wird gewöhnlich aufser den Bettenmagazinen gewafchen, wobei abgefehen, ob gut oder fchlecht, theuer oder billig, Factoren im Koftenpunkte enthalten find, welche zu Gunften der eigenen Regie fprechen; fie find das Erfparnifs des Fuhrlohnes in die und aus der Wäfche und des bürgerlichen Gewinnes. Nebft diefen Factoren mufs auch der Ueberwachung gedacht werden, welche bei entfernten Wäfchereien vom Amte nicht leicht durchführbar ift. Um von folchen Verhältniffen ein Beiſpiel zu geben, wird bemerkt, dafs die Wiener Militär- Bettwäfche in Schwechat gewafchen und die Wollforten in Pottendorf gewalkt werden. Das Heeres- Verpflegswefen. 25 In allen Stationen mit grofsen Garnifonen und namentlich in Wien, wo die Wäfche von 24.000 Betten gewafchen werden foll, dürfte wohl eine eigene Wafchanftalt fehr vortheilhaft fein. Bezüglich der Station Wien mufs auch in Erwägung genommen werden, dafs das jetzt als Militär- Bettenmagazin dienende Etabliffement wahrfcheinlich bald der Ausführung der Stadterweiterung wird weichen, dafs daher hiefür ein anderes Object wird acquirirt werden müffen. Es liegt daher wohl nahe, dafs, wenn ein Etabliffement für ein Bettenmagazin entweder neu aufgeführt oder adaptirt werden mufs, zu trachten fei, diefes an den Flufs zu legen und mit demfelben gleichzeitig eine Wäfcherei, eventuell auch eine Walke durch eine Waffereinrichtung zu verbinden. Für die Einrichtung einer Wäfcherei lag ein Modell einer Dampf- Wafchanftalt von den Herren Holdorff& Brückner vor. 99 Einer noch gröfseren Ausdehnung und einer weit allgemeineren Anwendbarkeit, als die Central- Kochküchen, fagten die Fabrikanten, erfreuen fich die Dampf Wafchanftalten. In allen Fällen, wo die Anwendung der erfteren zweck mäfsig erfcheint, wird aus ähnlichen Gründen auch die Behandlung der Wäfche rationell centralifirt werden können; während nun aber in den meiften, felbft in den kleinften Haushaltungen die Speifen in der eigenen Wohnung zubereitet werden müffen, ift die Beforgung der Wäfche aufserhalb des Haufes nicht nur möglich, fondern fogar eine enorme Erleichterung für die Hausfrauen. Namentlich für gröfsere Städte bietet fich alfo hinreichend Gelegenheit zur Errichtung öffentlicher Wafchanftalten, deren grofse Bedeutung für die Mehrzahl der Bewohner nicht unterfchätzt werden darf. Die bisher übliche Erledigung der Wäfche aufser dem Haufe durch Wafch frauen bringt keineswegs die Sicherheit einer rationellen und fachgemässen Behandlung mit fich, felbft im Haufe kann man derfelben in den wenigften Fällen die nöthige Sorgfalt widmen, ganz abgefehen von den vielen Unbequemlichkeiten, die durch das Wafchen im Haufe durch die unvermeidliche Feuchtigkeit, durch die Schwierigkeiten des Trocknens etc. hervorgerufen werden. Nur durch unausgefetzte Uebung ift es möglich, ein Perfonal zu erhalten, welches die einzelnen Manipulationen dem jedesmaligen Zuftand der Wäfche anpafst, vor allen Dingen auf eine lange Erhaltung der Wäfche Rückficht nimmt und die Reinigung weniger durch fcharfe, ätzende Kalien, fondern vielmehr durch richtige Behandlung zu erzielen fucht. 100 Pfund reine Wäfche wiegen nach dem Gebrauche circa 105 bis IIO Pfund, das Mehrgewicht befteht faft ohne Ausnahme aus harzigen Subftanzen, welche namentlich bei dem üblichen feften Zufammenballen der Wäfche leicht ranzig werden und im Stadium der Zerfetzung die Fafern angreifen. Die Entfernung diefer Unreinigkeiten erfordert je nach ihrer Stärke oder ihrem Alter eine mehr oder weniger energifche Behandlung, die aber in den meiften Fällen anftatt durch richtiges Wafchen, leider durch fcharfe Zuthaten erzielt wird. Hier thut eine gründliche Syftemifirung daher dringend noth, man mufs gleichmässige Maſchinenarbeit an Stelle der individuell veränderlichen Handarbeit einführen und erlangt dadurch vor vor allen Dingen den grofsen Vortheil der fchnellften Erledigung, ohne die Wäfche ftark anzugreifen. Wenige Tage nach der Einrichtung kann man die gefammte Wäfche fertig gereinigt aus der Anftalt zurückbekommen, die dafür auflaufenden Koften werden bedeutend geringer fein, als im kleineren Betrieb und trotzdem läfst fich eventuell für Privatunternehmungen noch ein bedeutender Gewinn erzielen. In Kafernen, Spitälern und ähnlichen öffentlichen Anftalten, wo der Unter nehmer meiftens zugleich Confument ift, kann das ganze Anlage capital innerhall, weniger Jahre vollständig amortifirt werden. Die Einrichtung der Wafchanftalten und die Manipulation in denfelben fchliefst fich im Allgemeinen dem gewöhnlichen Verfahren des Wafchens an; die rationellfte Eintheilung ift folgende: 26 Alexander Poppović. Das Heeres- Verpflegswefen. Die Wäfche wird zunächft nach dem Grade ihrer Unreinigkeit fortirt und fo zum Einweichen vorbereitet. In Spitälern und ähnlichen Anftalten wird die von anfteckenden Krankheiten oder durch Ungeziefer verunreinigte Wäfche vorher desinficirt; dies gefchieht meift auf trockenem Wege, indem man diefelbe im Innern eines mit Dampfröhren ausgelegten Kaftens der Einwirkung der Hitze ausfetzt. Bei 60 bis 70° Reaumur Hitze fterben alle Infuforien ab und wird die Wäfche darnach wie die andere in die Einweichbottiche vertheilt, mit der kalten Lauge übergoffen und deren Einwirkung eine Zeit lang ausgefetzt, bis die Wäfche vollkommen durchdrungen und die eiweifshaltigen Stoffe aufgelöft find. Die Lauge wird vorher in den fogenannten Laugenbottichen durch Auflöfung von alkalifchen Salzen( Pottafche, Soda) in kaltem Waffer bereitet. Von den Einweichbottichen gelangt die Wäfche in die fogenannten Bükbottiche, in welchen die Lauge durch Dampf erwärmt und die Wäfche deren Einwirkung abermals eine Zeit lang ausgefetzt wird. Die harz- und fettartigen Subftanzen werden dabei verfeift, fo dafs fie im Waffer löslich werden. Sollte die Wäfche bereits derartig fchmutzig fein, dafs die Verfeifung in den Bükbottichen nicht ausreichend ift, fo gelangt fie aus den Bükbottichen zur weiteren energifchen Behandlung in die Kochkeffel und wird dort gründlich in Lauge ausgekocht. Das eigentliche Durchwafchen muſs in den fogenannten Wafchgefäfsen nach dem Verfeifen mittelft Handarbeit vorgenommen werden, wonach die Wäfche in das Spülgefäfs gebracht und im reinen Waffer ausgefchwenkt wird. Befonders verunreinigte Wäfche wird mittelft Wafchmafchinen, anftatt mit der Hand durchgewafchen. Nach dem Ausfchwenken wird die Wäfche leicht mit der Hand ausgerungen und zum Entwäffern in die Centrifuge, refpective in den Prefscylinder gebracht. Das fchliefsliche Trocknen kann entweder an der Luft, auf dem Trockenboden oder in den fogenannten Schnell- Trockenkammern erreicht werden. Die letzte Manipulation, das Bügeln, gefchieht genau wie in jeder Haushaltung mitelft Handarbeit, wofür zweckmäfsig ein abgefonderter Raum in der Nähe der Trockenkammer refervirt bleibt." Zur unentgeltlichen Anfertigung von Projecten, Koftenanfchlägen und Rentabilitätsberechnungen find die Ausfteller erbötig. Schlufsbemerkung. Man kann aus diefer Darftellung leicht erfehen, wie intereflant es gewefen wäre, wenn die Ausftellung ähnlich wie im Sanitätspavillon eine zufammenhängende überfichtliche Darstellung des Verpflegswefens gebracht hätte. Wir hegen die Hoffnung, dafs eine nächfte Ausftellung aus der Vergangenheit lernen wird, wie am beften das Ausgeftellte für die Betrachtung nutzbar gemacht wird. nd k- es mit Lie en ne f- k- en m in ar n n Le it n - Er P n n OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. ALLGEMEINE BEWAFFNUNG UND ARTILLERIE WESEN. ( Gruppe XVI, Section 2.) BERICHT VON GUSTAV SEMRAD, JOHANN STERBENZ, Hauptmann im Artillerieftabe, zugetheilt dem Oberlieutenant im Artillerieftabe, zugetheilt k. k. Reichs- Kriegsminifterium. dem k. k. technifchen und adminiftrativen Militär- Comité. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. ALLGEMEINE BEWAFFNUNG UND ARTILLERIEWESEN. ( Gruppe XVI, Section 2.) GUSTAV SEMRAD, k. k. Hauptmann. Bericht von JOHANN STERBENZ, k. k. Oberlieutenant. Das Waffenwefen zur Zeit der Weltausstellung 1873. - Wir glauben die uns gewordene ehrenvolle Aufgabe- über das Waffenwefen auf der Weltausftellung 1873 zu berichten nicht beffer einleiten zu können, als indem wir, anknüpfend an den Bericht des k. k. öfterreichifchen Centralcomités über die Weltausftellung zu Paris im Jahre 1867, zuvörderft den Standpunkt fkizziren, auf dem fich das Waffenwefen und die Waffentechnik um die Zeit des Beginnes der Ausftellung befand. Es wird fich hiernach nicht nur der Uebergang auf den befchreibenden Theil diefes Berichtes am beften vermitteln, fondern auch ein richtigeres Verſtändnifs mancher vielleicht nothwendig werdenden Berufung erzielen laffen. Die Parifer Weltausftellung fiel fchon in die Zeit jenes gewaltigen Umfchwunges, der vor ungefähr zwanzig Jahren auf dem Gebiete des Waffenwefens begonnen und feither eine Reihe von Epoche machenden Schöpfungen zu Tage gefördert hat. Den Impuls hiezu gaben zumeift die Erfahrungen, welche auf den verfchiedenen Schlachtfeldern der letzten Jahre gefammelt wurden. Es wären aber ficherlich auch jetzt noch keine fonderlichen Fortfchritte zu verzeichnen gewefen, wenn nicht Wiffenfchaft und Technik Hand in Hand jenen Standpunkt erklommen hätten, von dem aus allein fich die kriegstüchtige Realifirung von Ideen beherrfchen läfst. Es ift z. B. bekannt, dafs gezogene Gewehre und Kanonen lange vor ihrer allgemeinen Einführung erzeugt und angewendet wurden, fowie dafs die Hinterladung bei beiden Waffen fchon vor Jahrhunderten verfucht worden ift. Keine diefer Ideen konnte jedoch profperiren, fo lange fie in den Feffeln wiffenfchaftlichen und technifchen Unvermögens lag. Erft als letztere gefprengt waren, und I* 2 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. diefs ift das Verdienft unferer Tage, entwickelte fich das Waffenwefen in nie geahnter Schnelligkeit und zu folcher Vollkommenheit, dafs man den weitgehend ften Forderungen gerecht werden konnte. Man weifs, dafs die meiſten europäifchen Mächte gleich nach dem Debut der gezogenen Feldgefchütze in Italien im Jahre 1859 fich auf das Studium und die Durchbildung des Principes gezogener Kanonenrohre warfen, und ihre Artillerien in aller Eile mit folchen Gefchützen bewaffneten. Während man aber der Gefchützfrage die Aufmerkfamkeit zuwendete, blieb die Hinterladung bei den Hand- Feuerwaffen bis in die letzten Jahre ein noli me tangere, und die Zahl Jener war eine fehr geringe, welche der Einführung von Hinterladgewehren mit Ueberzeugung das Wort redeten, obwohl der fchleswig'fche Feldzug die Vortheile derfelben fehr nahe gelegt hatte. Man blieb blind gegen diefelben und es würde die Ausrüftung der Armeen mit Hinterladgewehren nicht fobald jenen rapiden Verlauf genommen haben, wenn nicht fo gewaltige Ereigniffe, wie die des Jahres 1866 die Augen allerwärts geöffnet und den ohnediefs nur auf Vorurtheilen beruhenden Widerftand gegen die Hinterladung beim kleinen Gewehre gebrochen hätte. Der durch das entftandene Bedürfnifs angeregte und durch die Fortfchritte in der Mafchinentechnik erftarkte Erfindungsgeift, liefs nun in rafcher Folge mehrere, vollkommen lebensfähige Projecte entſtehen, die das preufsifche Hinterladungsgewehr fofort an balliftifchem Effecte, aber noch nicht an Feuerfchnelligkeit, deren Potenzirung ebenfalls gewünſcht wurde, übertrafen. In letzterer Hinficht konnte erft durch die in Amerika erfundene Metallpatrone Durchgreifendes erreicht werden. Diefelbe bewirkt felbft den gasdichten Abfchlufs und geftattet dadurch die Vereinfachung des Verfchlufsmechanismus und fomit ein fchnelleres Laden. Durch die Adoptirung der Metallpatronen wurde aber auch der Verfchlufsmechanismus der directen Einwirkung der Gafe entzogen, was die Anwendung ftärkerer Ladungen ermöglichte, und in weiterer Folge jene angeftrebte Erhöhung der Bahnrafanz herbeiführte, dafs nunmehr auch jene Schützen einer genügenden Trefferzahl verfichert fein können, die eine blofs oberflächliche Schulung und mangelhafte Ausbildung im Diftanzfchätzen genoffen haben. Der deutfch- franzöfifche Krieg 1870 bis 1871 gibt die beften Belege für den Werth grofser Bahnrafanzen. Bekanntermafsen wurde den deutfchen Truppen die flache Bahn des Chaffepot Gewehres bei Bewegungen im freien Felde fchon auf Entfernungen über 1200 Schritt gefährlich. Einen wefentlichen Factor zur Erlangung diefer Bahnrafanz bildete die Einführung eines kleineren, als des früher gebräuchlichen Kalibers, indem bei gegebenem Gewichte des Gefchoffes die Belaftung des Gefchofsquerfchnittes ( das auf die Quadrateinheit: I Quadratmeter, I Quadratcentimeter etc. entfallende Gewicht) vermehrt wurde, woraus eine geringere verzögernde Kraft des Luftwiderftandes und demgemäfs eine gröfsere Tragweite und Bahnrafanz refultirte. In der Entwicklung diefes Principes der zwekmäfsigften Querfchnittsbelaftung ift auch vornehmlich die die gezogenen Waffen charakterifirende, grofse Tragweite begründet. Die Haft, mit welcher jetzt die Einführung der Hinterladungsgewehre allerorts betrieben wurde, liefs die naturgemäfse Ausbildung der Patrone und des Verfchlufsmechanismus nicht in dem. Mafse zu, welches vielleicht im Laufe der Zeit zu einem allgemein als muftergiltig anerkannten Syftem geführt hätte, wie wir diefs z. B. bei den Gefchützen im Rundkeilverfchluffe fehen. An demfelben Grunde liegt es auch, dafs faft ebenfo viele Gewehr- Verfchlufsfyfteme exiftiren, als Staaten, weil überall vor Allem dasjenige verfucht wurde, was eben zur Hand war, und was dann durch ftufenweife Verbefferungen kriegstüchtig gemacht worden ift. Dafs man bei der Wahl des Syſtems meiftens Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 3. auf folche zuerft Bedacht nahm, deren Erfinder Landeskinder waren, kann um fo weniger getadelt werden, als beinahe in allen Ländern und gleichzeitig verfuchswürdige Projecte auftauchten. Die meifte Verbreitung unter allen Syftemen fand jenes von Remington ( Amerika, Schweden, Norwegen, Dänemark, Spanien und Andere) und es würde fich wahrfcheinlich noch weitere Kreife erobert haben, wenn zur Zeit feines Entftehens die Metallpatrone bereits auf der heutigen Stufe der Vollendung geftanden wäre. Hat fich aber einmal ein Staat für ein Syftem entfchieden, fo ift aus finanziellen Gründen und wegen Verluft an Zeit eine Umkehr nicht leicht mehr möglich, eine Thatfache, von der allerdings Rufsland, welches mit feinen Gewehrfyftemen binnen wenigen Jahren mehrmals gewechfelt hat, bis es endlich definitiv bei Berdan blieb, mit feinen exceptionellen Budgetverhältniffen eine Ausnahme bildet. Was nun die exiftirenden Syfteme anbelangt, fo laffen fich diefelben hinfichtlich der im Gebrauche ftehenden Munition in folche mit Papier- und Metallpatronen unterfcheiden; bezüglich des Verfchlufsmechanismus gibt es jedoch drei von einander durchaus verfchiedene Typen und zwar: Kolbenverfchlüffe mit Zündnadel oder mit Zündftift, je nachdem das Gewehr für den Gebrauch von Papier- oder Metallpatronen eingerichtet ift. Zu erfterer Gattung gehören das Chaffe pot und das preufsifche Zündnadelgewehr; zu letzterer das niederländifche Beaumont-, italienifche und fchweizerifche Vetterli, und das ruffifche Gewehr des Syftems Berdan II. Charnierverfchlüffe, bei denen das mit dem Zündftifte verfehene Verfchlufsftück beim Oeffnen entweder vorwärts( belgifches Albini- Brändlin, ruffifches Berdan I. und öfterreichifches Wänzlgewehr), abwärts( englifches Henry- Martini, baierifches Werder und fchweizerifches Peabodygewehr), rückwärts( nordamerikaniſches, fpanifches, fchwedifches und dänifches Remingtongewehr) oder nach feitwärts( Snider, à la tabatière, Krnka) bewegt wird. Wellenverfchlüffe mit einem zur Aufnahme des Zündftiftes eingerichteten und einer Laderinne verfehenen maffiven Verfchlufscylinder, welcher fich um eine im Gehäufe feft gelagerte Achfe dreht( öfterreichifches Wernelgewehr). Verfchlufs- und Schlofsmechanismus find entweder getrennt( das Transformationsfyftem Albini- Brändlin, dann Peabody, Werndl) oder es find die Functionen von Schlofs und Verfchlufs, wie bei den meiften neuen Ordonnanzmodellen in einem Mechanismus vereinigt. Die Feuerfchnelligkeit der eben genannten Syfteme variirt zwifchen 12 und 16 Schufs in der Minute, je nachdem das Spannen des Schloffes feparat gefchehen mufs, oder beim Oeffnen und Schliefsen des Verfchluffes erfolgt. ( Selbftfpanner.) In balliftifcher Beziehung leiften von den verfchiedenen Syftemen jene mit dem Kaliber von 10 5 und 11 Millimeter ein Mehres als die mit II 43 Millimeter, wozu Remington und Henry Martini gehören. Der Unterfchied ift indeffen innerhalb der angeführten Kalibergrenzen kein erheblicher, und hat in der Praxis umfoweniger zu bedeuten, als die Gröfse der beftrichenen Räume felbft auf den entfernteren Diftanzen wenig von jenen differirt, die Gewehre mit II 5 und II Millimeter Kaliber ergaben. Mit der Einführung der unter dem Namen„ Einlader" bekannten Hinterladungsgewehre kann jedoch die Bewaffnungsfrage der Infanterie keineswegs als abgefchloffen betrachtet werden. Ift nämlich auch die Zeit des wehrlofen Zuftandes für den Schützen im Vergleiche zu früher von bedeutend kürzerer Dauer, fo fteht doch im Hinblick auf die unleugbare Wichtigkeit des Schnellfeuers in 4 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. - aufser Zweifel, dafs jenen Hinterden entfcheidenden Gefechtsmomenten ladungsgewehren ein um fo höherer Werth zuerkannt werden mufs, welche die continuirliche Abgabe einer gröfseren Schufszahl geftatten. Diefer Forderung entfprechen die fogenannten Repetir- und Revolvergewehre; erftere in höherem Grade als letztere, welche fich ohne namhafte Gewichtsvermehrung nicht leicht für mehr als fechs Schufs einrichten laffen. Die Repetirgewehre, welchen eine Zukunft prognofticirt werden kann, laffen fich in zwei Hauptclaffen fcheiden: in folche, welche das Patronenmagazin im Kolben haben( Syftem Spencer) und in Repetirer, bei denen das Magazin unter dem Laufe liegt.( Syftem Henry Winchefter, Vetterli, Fruhwirth.) Für den Kriegsgebrauch find dermalen in den europäiſchen Staaten nur das Repetirgewehr von Vetterli( feit 1869 in der Schweiz) und jenes des Wiener Gewehrfabrikanten Fruhwirth( feit 1872 zur Bewaffnung der öfterreichifchen Gendarmerie) adoptirt worden. In allen Staaten führte die Cavallerie bisher nebft der Hiebwaffe, den Säbel, und bei den Uhlanen nebft der Lanze auch noch eine kurze Handfeuerwaffe, den Karabiner oder die Piftole. Die Karabiner mit Vorderladung find bereits durchgehends durch folche mit Rückladung, die Piftolen aber durch Revolver, meiftens Abarten des Lefaucheux'fchen Syftemes, eingerichtet für Metallpatronen mit Centralzündung, verdrängt worden. Während die principiellen Fragen hinfichtlich der Bewaffnung der Infanterie überall mit mehr oder weniger Glück gelöft wurden, gelang es bezüglich der Bewaffnung der Feld artillerie bis heute nicht, eine Einigung der hierüber herrfchenden Anfichten herbeizuführen. Es kann diefs aber nicht Wunder nehmen, da jedes der beiden Principien, die Vorder- und Hinterladung für den Kriegsgebrauch gewiffe fpecififche Vortheile befitzt, die fich bis jetzt bei keinem der beiden vollends vereinigen liefsen. Wenn man die heutige Conftruction der beiden Syfteme betrachtet, fo erhellt, dafs dem Vorderlader ein gröfseres Mafs der Einfachheit, dem Hinterlader eine gröfsere Treffficherheit zukommt. So lange alfo nicht die Conftruction eines Gefchützes gelingt, welches diefe beiden Eigenfchaften in dem erreichbarften Grade vereinigt, was allerdings nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, dürfte eine principelle Einheit in der Bewaffnung der Feldartillerie nur dann eintreten, wenn das bedeutende Ueberwiegen der einen oder anderen Bedingung unwiderleglich demonftrirt werden kann.* Dermalen haben von den Feldartillerien der gröfseren europäiſchen Staaten Vorderlader: O efterreich nach dem Bogenzug- Syfteme, England nach dem Syfteme Maxwell( ein modificirtes La Hitte- Syftem) Schweden und Norwegen nach dem Syfteme des Generals Wrede( ebenfalls ein modificirtes La Hitte- Syftem), während Hinterlader in Deutfchland, und zwar theils mit Doppelkeil und Kupferliderung, theils mit Kolbenverfchlufs und Pressfpanböden, dann in Rufsland, Italien, Spanien, in der Schweiz und der Türkei fowie in faft allen aufsereuropäifchen Staaten mit einfachem Keil und Broadwellring eingeführt find. Die öfterreichifchen, franzöfifchen und italienifchen leichten FeldgefchützRohre find ausfchliefslich aus Bronce, die fchwedifchen aus Gufseifen, die englifchen theils aus Schmiedeeifen und Stahl, theils aus Bronce, die deutfchen und norwegifchen aus Gufsftahl erzeugt. Die Rohrgewichte variiren bei den leichten Feldgefchützen zwifchen 260 und 400 Kilogramm, bei den fchweren von 500 bis 700 Kilogramm. * Die neueften Verfuche mit Ringkanonen aus Gufsftahl und mit dem Rundkeil- Ver fchluffe laffen diefes Ziel bereits näher gerückt erfcheinen. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 5 e 1 1 1 1 , Der zufehends überhand nehmende Mangel an geeigneten und ausgetrockneten Hölzern, fowie erhöhte Anforderungen bezüglich des Widerftandes gegen Percuffionen zwingen zum Uebergange zu Eifenconftructtionen bei Laffeten und Fuhrwerken, und man konnte auf der Wiener Ausftellung diefe Richtung fchon von den meiften Artillerien einfchlagen fehen. Hinsichtlich der Gefchofswirkung bleiben die Vorderlader, insbefondere jene des Syftemes La Hitte, infoferne man fich nicht der Percuffionszünder bedient, hinter den Rückladern, und zwar einerfeits wegen der geringeren Empfindlichkeit der Zünder, anderfeits wegen der gröfseren Rotationsgefchwindigkeit entfchieden zurück. Auf nahen Diftanzen befitzen die Vorderlader, auf gröfseren Entfernungen die Hinterlader die gröfsere Flugbahn- Rafanz, eine Erfcheinung, die in der bedeutenden Anfangsgefchwindigkeit der erfteren Gefchütze und in der günftigeren Form des Gefchoffes und der Belaftung feines Querfchnittes bei letzteren ihren Grund hat.* Die moderne Kriegführung im Felde wurde in neuefter Zeit durch die Verwendung der Mitrailleufe um ein Kampfmittel bereichert, welches zwar Jahrhunderte feinem Wefen nach bekannt war, bis in die jüngfte Vergangenheit jedoch ein mehr als befcheidenes Dafein friftete. Die eklatanten Erfolge des Schnellfeuers, fo wie die verheerende Wirkung eines gut gezielten Maffenfeuers find zunächft als Urfachen anzugeben, welche zur Conftruction von Mitrailleufen geführt haben und deren Einführung rechtfertigen. Wenn fich auch diefe Waffe bei ihrem erften Auftreten nicht gerade befonders hervorgethan hat, fo fteht doch feft, dafs fie in der Defenfive unter bestimmten Verhältniffen eine ganz aufserordentliche Wirkung zu äufsern vermag. Bis zu 15- bis 1600 Schritt wird ihr Feuer immer mörderifcher fein, als das der Shrapnels und der Büchfenkartätfchen der Feldgefchütze. Von den feit der Parifer Ausftellung aufgetauchten Syftemen haben fich die Gattling- Kanone und die Montigny- Mitrailleufe als die brauchbarften erwiefen und wurden auch in Rufsland und England, in der Türkei und Egypten, beziehungsweife in O efterreich- Ungarn bereits eingeführt. Was die Leiftungen diefer beiden Syfteme im Schnellfeuer und deren Trefffähigkeit anbelangt, fo kann nur ein günftiges Urtheil hierüber gefällt werden. Dasfelbe läfst fich wohl auch hinfichtlich der Functionirung des Lade- und Abfeuerungs- Mechanismus, nicht aber bezüglich ihrer Gewichtsverhältnifse fagen, und erfcheint eine Erleichterung derfelben noch fehr wünſchenswerth, wenn man diefe Waffe in jedem Terrain zur Anwendung bringen will. Während die Feldgefchütz- Frage noch nicht überall definitiv gelöft ift, hat fich das Feftungs- und Belagerungsmateriale rafch zu hoher Vollkommenheit entwickelt. Es ift diefs begreiflich, da die an diefe Gefchütze geftellten Bedingungen nicht fo fehr in Widerfpruche ftehen, wie diefs bei den Feldkanonen der Fall ist, von welchen nebft grofsem Effecte auch eine bedeutende Beweglichkeit gefordert wird. Die Belagerungs- und Feftungsgefchütze bedürfen eben nur jenes Grades der Beweglichkeit, der es zuläffig macht, fie durch die Trancheen oder über die Wallrampen in ihre Pofitionen zu fchaffen, und nachdem fie in der Regel hinter Deckungen ftehen, konnten fie leicht alle Einrichtungen erhalten, die eine effectvolle Gefchofswirkung, verbunden mit entsprechender Treffficherheit verbürgen, endlich eine gefahrlofe Bedienung geftatten. Man hat demnach für die Zwecke des Feftungs- und Belagerungskrieges zumeift Hinterlader adoptirt, und zwar fowohl Kanonen, als auch Mörfer, welch' letztere fich befonders wirkfam erweifen. * Diefes Verhältnifs hat fich bei den Hinterladungs- Gefchützen der Ringconftruction zu Gunften derfelben geändert. 6 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Seit die Holzfchiffe der Kriegsflotten faft vollständig durch Fahrzeuge mit dicker Eifenbekleidung verdrängt wurden, fielen die glatten Schiffs- und Küftengefchütze einem Zuftande völliger Ohnmacht anheim. Die Granate, ehedem der gefährlichfte Feind eines Holzfchiffes wurde wirkungslos gegen die undurchdringliche Eifenhaut; die Meeresküften, früher Achtung gebietend armirt, waren nun mehr faft wehrlos gegen den Angriff einer feindlichen Panzerflotte. Erft die grofskalibrigen Kanonen, namentlich aber die gezogenen Mörfer mit ihrer Wurfpräcifion und mit ihrem enormen Falleffect gegen das íchwache Deck der Schiffe gaben der Küftenartillerie das verloren gegangene Uebergewicht zum grofsen Theile wieder zurück. Im Seegefechte jedoch dürfte die Schiffsartillerie ihre frühere Bedeutung nie wieder erlangen, da fie in der Ramme, wie es fcheint, einen mächtigen Concurrenten erhalten hat, und dem Eifenpanzer überhaupt nur normal auf denfelben auftreffende Gefchoffe, die aber im Seekampfe höchft felten anzubringen find, gefährlich werden. So durchgebildet gegenwärtig auch das Waffenwefen ift, lo kleben demfelben noch immer mancherlei Mängel an, und hat es in verfchiedenen Richtungen Lücken aufzuweifen. Die Befeitigung derfelben wird unausgefetzt angeftrebt und wäre es daher erwünſcht, wenn jede halbwegs verfprechende Erfindung erprobt werden könnte. Es ift zwar nicht jeder neue Gedanke lebensfähig, aber Belehrung läfst fich aus allen Experimenten fchöpfen, und Manches, was heute noch als fchwärmerifches Project gelten mag, kann im Laufe der Jahre zur praktifchen Reife gelangen. Ueber alle Zweifel erhaben ift jedoch die Behauptung, dafs durch allgemeine Betheiligung der Induftrie und Technik an der Löfung fo vieler wichtiger Fragen das Waffenwefen in der jüngften Epoche rafcher denn je dem Stadium der Vollendung näher rückte. Nachdem wir nun in kurzem Umriffe den gegenwärtigen Standpunkt des Waffenwefens gekennzeichnet, wird es unfere nächfte Aufgabe fein, die auf der Ausftellung vertreten gewefenen, hervorragenden Objecte diefes Gebietes zu befprechen, wobei wir folgende Gruppirung des Stoffes einhalten werden. Blanke Waffen. Hand- Feuerwaffen. Feld- und Gebirgsartillerie, Feftungs-, Schiffs- und Küfter.gefchütze. Blanke Waffen. Die blanken Waffen, worunter wir die zum Kampfe von Mann gegen Mann, und zwar zum Hieb und Stofs beftimmten, alfo Säbel, Degen, Lanzen, Bajonnete und dergl. verftehen, waren auf der Ausftellung nicht fehr zahlreich vertreten, und fand man folche überhaupt nur im deutfchen Reiche, in O efterreich, Spanien, Rufsland, Italien, Schweden und in der Schweiz. Von Deutfchland ift in diefer Beziehung die Collectivaus ftellung der Stahl- und Eifenwaaren- Fabrikanten in Solingen zu nennen, welche übrigens von der weltbekannten Grofsartigkeit der Solinger Klingenfabrication ein richtiges Bild zu geben nicht vermochte; die Solinger Expofition ragte weder durch die Reichhaltigkeit der ausgeftellten Objecte hervor, noch durch die Zahl der Firmen, die fich an derfelben betheiligt hatten. Es hatten nämlich blofs Johann Friedrich Kremer und F. A. Hermes eine kleine Sammlung verfchiedener damascirter Säbel- und Degenklingen, fowie vollſtändig montirter Hiebwaffen eingefchickt. Darunter befanden fich auch ein Paar matt abgebeizte Säbelfcheiden, welche weniger dem Rofte unterliegen follen als blank polirte. mit n- er g- m n as ne g en 1- en n- en d ot g ls n 1. er m ES Er n 1 1 r 5 Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 7 R. und H. Forfter aus Hagen in Weftphalen hatten gleichfalls fchöne, zumeift gerade und ftark dimenfionirte Schwertklingen ausgeftellt. Gabriel und Schüren aus Eslohe in Weftphalen hatten die Ausftellung mit Mufter von Lanzen befchickt; die zumeift für den überfeeifchen Export arbeitende Firma F. Effer& Haarhaus aus Elberfeld hatte die verfchiedenartigften Hieb- und Stichwaffen ausgeftellt, unter denen Handfchare, Plantagenmeffer und dergl. befonders hervorragten. In Oefterreich hatte die Waffenfabriks- Actien- Gefellfchaft zu Steyer einige Exemplare der in der öfterreichiſchen Armee eingeführten Hieb- und Stichwaffen gebracht, welche die Beurtheilung ihrer anerkannt vorzüglichen Qualität ermöglichten. Befondere Aufmerkfamkeit erregten die Säbel der Wiener Firma Franz Thill's Neffe für Garden und berittene Officiere hinfichtlich ihrer Ausftattung und der auf kaltem Wege kunftvoll gefchnittenen Körbe. Spanien. Von grofsem Werthe für den Fachmann war die Ausftellung der Fabrica de Armas de Toledo, beftehend aus einer reichen Sammlung montirter Säbel und Degen und lediger Klingen. Die Toledaner Klingen, welche fich den altberühmten Ruf bewahrt haben, zeichnen fich hauptfächlich durch ihre bedeutende Elafticität aus, die fich bei entſprechender Steifigkeit auf die ganze Länge der Klinge erftreckt.* Die ausgeftellten Säbel gehörten den verfchiedenen Branchen der fpanifchen Armee an, und hatten jene für die berittenen Soldaten volle Körbe aus Stahlblech, während der Korb des Officiersfäbels aus ornamentirtem Meffing beftand; die Säbel der Hufsarenofficiere befafsen Spangenkörbe. Die Säbelklingen der fchweren Cavallerie find gerade, voll und zweifchneidig; die Säbel der leichten Cavallerie haben gebogene Klingen mit doppeltem Hohlfchliff und daran ftofsender fchmaler Rinne. Es kamen aber auch doppelt hohlgefchliffene Klingen mit zwei zum Rücken parallelen Rinnen vor. In Rufsland hatte das Staatswerk Oboukhoff Klingen und in der ruffifchen Armee eingeführte Hiebwaffen ausgeftellt, welche fich durch ihre Solidität und Montirung fehr vortheilhaft präfentirten; die Gebrüder Schaaf aus St. Petersburg exponirten unter Anderem eine Luxusklinge auf welcher mit Perlen die Infchrift ,, Gott mit uns!" eingelegt war. Italien. Das Kriegsminifterium ftellte vollſtändig montirte Säbelklingen und Bajonnete aus. Die italienifchen Klingen unterfcheiden fich von jenen der übrigen Mächte befonders durch ihre aufsergewöhnliche Länge, dann aber auch dadurch, dafs fie keinen Hohlfchliff befitzen, fondern mit einer dicken Rückenwulft ( Rundftab) verfehen find, durch welche die fchwach dimenfionirte Klinge die nothwendige Steifigkeit erhält. Die Klingen für die italienifche Armee werden theils im Arfenal zu Turin, theils in den Etabliffements zu Brescia angefertigt, und find von fehr guter Qualität. Von den Privaten Italiens hat Jofef Bianco aus Turin Degen und Säbel für Soldaten und Officiere, Militär- und Civilbeamte ausgeftellt, von befonderer Formenfchönheit und vorzüglichem Materiale. Von Belgien wären die Firmen Lambermont und Fonfon aus Brüffel zu nennen, welche Serien von Officiersfäbeln ausgeftellt hatten, mit befonders gefchmackvoller, in vergoldeter Bronce ausgeführter Montirung. * Ueber die Fabricationsweife, welche durch eine Serie von 6 Stücken veranfchaulicht war, gibt Folgendes eine allgemeine Andeutung: Zwei prismatifche Stahlftücke von beftimmter Länge werden etwas über der Mitte zufammengefchweifst, und zwifchen die von einander abftehenden Enden ein Keil aus Schmiedeeifen eingefteckt, aus welchem die Angel gebildet wird. Diefes Stück wird noch zweimal gefchweifst und auf gewiffe Dimenfionen gefchmie det. Nach diefer Procedur wird es in drei Gefenken im Rohen ausgearbeitet und dann den weiteren Transformationen unterworfen. 8 со Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Schweden. Die Klingen der Eskiltuna- Actienge fell fchaft liefsen vorzügliches Material und präcife Arbeit erkennen, und find ungeachtet ihrer ftarken Dimenfionen fehr elaftifch. Die Klingen der Artilleriefäbel haben nebft doppeltem Hohlfchliff noch eine zum Rücken parallel laufende fchmale Rinne* Das fchweizerifche Militärdepartement hatte je einen Säbel der berittenen Mannfchaft, der berittenen Officiere und der Officiere der Fufstruppen, dann Stichbajonnete ausgeftellt. Die eidgenöffifchen Säbelklingen find Solinger Fabricat, und hinfichtlich ihrer Form den öfterreichifchen fehr ähnlich, nur fchwächer in den Dimenfionen und daher merklich leichter; fie haben beiderfeitigen Hohlfchliff und Körbe aus Stahlblech, die bei den Officiersfäbeln nach einer fehr hübfchen Zeichnung durchbrochen find. Das Gefäfs des Infanterie- Officiers- Säbels ift etwas fchwächer als jenes der berittenen Chargen. Die in der Ausftellung gewefenen Bajonnete repräfentirten zumeist die in den verfchiedenen Armeen eingeführten Modelle und waren theils Stich-, zum gröfsten Theile aber Säbelbajonnete. Neue Projecte für Bajonnete hatten eingefendet der fchwediſche Major Wahlfelt und der amerikanifche General Elcho und zwar erfterer ein Dolch b'ajonnet, letzterer ein Säbelbajonnet, deffen Rücken zunächft des Griffes mit einer doppelten Reihe von Sägezähnen verfehen war. Die Klinge des Dolchbajonnetes glich jener des ordonnanzmäfsigen fchwe difchen Bajonnets, war fammt der 4 Centimeter langen Dille blofs 19 Centimeter lang, und an der Dille um die Hälfte fchwächer dimenfionirt. Die Sperrvorrich tung, welche aus einer Schiene beftand, die fich in der gefalzten Hülfennuth auf und abwärts bewegen liefs, und deren Bewegung durch eine Schraube begrenzt wurde, fchien einfach und folid. Zu den bemerkenswertheren Projecten gehörte noch das Spatenbajonnet von J. S. Alexander aus Philadelphia. Dasfelbe bildete ein Schaufelblatt aus Stahl, welches zum Aufftecken auf eine Säbelbajonnet- Scheide eingerichtet war. Das Schaufelblatt war von nicht bedeutender Gröfse, ungefähr 20 Centimeter hoch, und am Rücken 16 Centimeter breit. Dasfelbe mag fich ganz gut zur Ausführung kleinerer Erdarbeiten eignen. Lanzen waren auf der Ausftellung faft gar nicht zu fehen, und es war daher keine Gelegenheit geboten, über die Conftruction der Klingen derfelben, über das Schaftmaterial und die Ausftattung diefer Waffen überhaupt Vergleiche anftellen zu können. - Im Allgemeinen kann man fagen, dafs das an blanken Waffen Vorhandene bezüglich des Materials der Klingen durchgehends gut, zum Theil fogar, wir weifen hier auf Toledo und Solingen hin von erfter Qualität war; ein befonderer Fortfchritt liefs fich aber weder in diefer Beziehung, noch in Hinficht auf Conftruction feit der letzten Parifer Ausftellung conftatiren. Was wir an fertigen Hieb- und Stichwaffen oder an Beftandtheilen auf der gegenwärtigen Ausftellung gefehen haben, war gröfstentheils nach den Modellen der bei den verfchiedenen Armeen gebräuchlichen Waffen ausgeführt. Zu bemerken wäre noch, dafs mehrere Armeen an den geraden Klingen, den fogenannten Pallafchen, einem Ueberkommnifs aus älteren Zeiten, fefthalten, deren mindere Eignung für den fchnellen und ungefchulten Hieb, wie er beim gewöhnlichen Reiter im Chock meiftens geführt wird, doch anerkannt ift. Hand- Feuerwaffen. Auf keinem Gebiete des Waffenwefens hat fich der Erfindungsgeift in den letzten Jahren productiver erwiefen, als auf jenem der Hand- Feuerwaffen. * Die Factorei erzeugt auch Fleuretklingen, Schwerter, Bajonnete und fremdländifche namentlich dänifche Säbel. Das Material, Uchatius- Gufsftahl, wird aus der Wik manshütte in Hedemora bezogen. sen rer bft e*. bel fsich men aus chals die um jor ch fes ve ter chuf nzt rte ia. ine euter var en, che ene vir ein auf gen ang men en, eft. er en che ik. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 9 In rafcher Folge erlebten wir die wichtigften Neuerungen und gediehen diefelben unter den gefchulten Händen erfahrungsreicher Fachmänner binnen Kurzem zur Reife. Theorie und Praxis gingen dabei Hand in Hand, und kamen fo über manches Hindernifs hinweg, das vor wenig Jahren noch unüberfteigbar fchien. Den Beweis hiefür liefern jene Syfteme, welche in den verfchiedenen Staaten zur Heeresbewaffnung eingeführt worden find. Wenngleich noch nicht alle derfelben ihre Kriegstüchtigkeit auf dem Schlachtfelde bewiefen haben, fo darf man fie dennoch mit Rückficht auf die ftrengen Proben, denen fie unterworfen wurden, durchgehends als feldtauglich anerkennen. Die Technik finnt übrigens ungeachtet fo fchöner Erfolge noch immer auf Verbefferungen oder Neugeftaltungen, ein Zeichen, dafs der Höhenpunkt der Vervollkommnung des Waffenwefens noch keineswegs als erreicht zu bezeichnen ift. Dafs das Streben nach Vervollkommnung der Handfeuerwaffen allfeits ein reges fei, wurde durch die Ausftellung dargethan. Diefelbe war zunächft mit allen, in den grofsen continentalen und überfeeifchen civilifirten Staaten eingeführten, derlei Waffen befchickt, aufserdem aber waren nicht nur mehr oder weniger glück. liche Modificationen diefer Syfteme, fondern in mehreren Ländern auch Verfuche neuer Conftructionen ausgeftellt. Letzteres bezicht fich insbefondere auf Revolver, bei denen in den Details fehr finnreiche und zweckentfprechende Verbefferungen zu fehen waren. Da über das Wefen der Ordonnanzwaffen, fowie über deren balliftifche und fonftige Eigenfchaften bereits eine weiterverbreitete und eingehende Fachliteratur Aufklärung gibt, fo werden wir von denfelben im Einzelnen hier abfehen und uns nur mit den unter den exponirten Militärgewehren befindlichen, weniger bekannten Syftemen und Projecten und mit den wichtigeren Abänderungen an bereits beftehenden Syftemen befchäftigen. Oefterreich war im Fache der Kriegs- Handfeuer- Waffen auf der Ausftellung durch die Waffenfabriks- Actiengefellfchaft in Steyer und durch die Wiener Firma Leopold Gaffer in würdiger Weife vertreten. Die Waffenfabrik hatte öfterreichifche Infanteriegewehre und Karabiner mit Werndl- Verfchlufs, welche bereits die neueften Verbefferungen am Verfchlufsmechanismus, Abzuge, an der Schäftung u. f. w. aufwiefen, wovon wir später die Details mittheilen, ferner Gendarmeriegewehre nach dem Repetirfyfteme Fruhwirth exhibirt. Die aufserdem noch ausgeftellt gewefenen Privatgewehre Werndl'fchen Syftems mit den verfchiedenen Beftimmungen für Jagd, Bewaffnung von Bürgercorps und dergl. mit ihren demzufolge an Kaliber und Schäftung einigermafsen geänderten Einrichtungen übergehen wir als der Tendenz diefes Berichtes ferneliegend. Was nun die früher erwähnten, das Princip des Werndl'fchen Verfchluffes*** berührenden Modificationen, fowie die Aenderungen an der Schäftung etc., anb* Zu den feit der Parifer Ausftellung in den gröfseren Staaten angenommenen Gewehrfyftemen, welche zufolge der über fie beftehenden Literatur dem Fachmanne nicht fremd geblieben fein können, gehören: Werndl( Oefterreich), Henry- Martini( England), Beaumont( Niederlande), Vetterli( Einlader- und Repetirwaffe, Schweiz, modificirt Italien), Berdan( Rufsland), Werder( Baiern). Preufsen hat in letzter Zeit das Syftem Maufer( einen für Metallpatronen eingerichteten, dem Chaffe pot und Beaumont verwandten Selbftfpanner kleinen Kalibers) acceptirt, behandelt jedoch dasfelbe bis jetzt noch mit folcher Zurückhaltung, dafs hierüber verlässliche Publicationen dermalen nicht zur Verfügung stehen. ** Die Waffenfabrik in Steyer befteht feit dem Jahre 1830 und ift feit dem Jahre 1869 im Befitze einer Actiengefellfchaft. Sie gehört zu den gröfsten Etabliffements für Handfeuerwaffen- Fabrication auf dem Continente, und befchäftigt bei vollem Betriebe 3000 Arbeiter. Eine Filiale derfelben mit einer jährlichen Productionsfähigkeit von 60.000 Stück Gewehren befindet fich in Peft. Die Werke in Steyer find im Stande, wöchentlich 5000 Gewehre jeden Syſtems fertig zu ftellen. Der Confum an Material betrug im Jahre 1872: 24.996 Wiener Centner Stahl, 3460 Wiener Centner Eifen, 1143 Wiener Centner Mafchinen- Gufstheile, 1069 Wiener Centner Oel, 14'454 Wiener Centner Mineralkohle und 81.000 Wiener Metzen Holzkohle. *** Modell 1867. 10 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. langt, fo gründen fich diefelben auf Erfahrungen, welche während der mehrjährigen Bewaffnung eines Theiles der öfterreichifchen Armee mit diefem Gewehre gemacht wurden, und haben zum Zweck, die Sicherheit und Rafchheit der Func tionirung des Verfchluffes zu potenziren, die Erzeugung zu erleichtern, dann aber auch das Gewicht der Waffe zu vermindern. Wefentlich beftehen fie in Folgendem: Das an einigen Stellen verftärkte Verfchlufsgehäufe hat einen bedeutend kürzeren, muldenförmig ausgehöhlten Schweif; das fpecielle Achslager des älteren Modelles fammt Schraube und die Kreuzfchraube find nicht vorhanden; dagegen befindet fich an der linken Gehäuſewand eine Schraube, welche das Lager für das halbkugelförmige Ende des Patronenziehers bildet; die plattenförmige Verfchlufs- Achfenfeder und die zu ihrer Befeftigung dienende Schraube fehlen. a c Fig. 1. Das Verfchlufs ftück, von dem die Fig.1 einen fenkrechten Querfchnitt darftellt, ift durch die Ausnehmungen a erleichtert worden, hat eine flacher geformte Mulde zum leichteren Einführen derPatronen und dreht fich nicht mehr mit der Ver fchlufsachfe, fondern um diefelbe. Die Ver fchlufsachfe berhält defshalb ftatt des keil förmigen Kopfes einen fenkrecht abgebogenen Anfatz, welcher in der Stofsplatte liegt, und durch die Stofsplatten- Schraube an den Gehäufeboden rückwärts angefchraubt wird. Die Verfchlufsfeder ift durch eine kurze, ziemlich ftarke, im Verfchlufsftück radial gelagerte Spirale erfetzt, welche in ihrer Lage durch den Boden einer durchlochten Schraube d feft gehalten wird und gegen den Kopf e des in derfelben fteckenden Stiftes drückt welcher bis zur Verfchlufsachfe reicht und fich im geöffneten oder gefchloffenen Zuftand an eine der beiden Keilflächen derfelben anlegt. Wird das Verfchlufsftück gedreht, fo wird der Stift durch den Keil der Verfchlufsachfe fo lange herabgedrückt und die Spirale zufammengeprefst, bis der Keil auf der Kopffläche des Stiftes fenkrecht fteht. Bei einer etwas weiteren Drehung des Verfchlufsftückes fchnellt die Spirale nach innen aus und veranlafst in Folge des excentrifchen Druckes die rafche Vollendung der Drehung. Beim Modell 1873 wird das Zurückgehen des Verfchlufsftückes beim Oeff nen durch einen im Gehäufe befindlichen Schraubenzapfen bewirkt, welcher in die Patronenzieher- Nuth des Verfchlufsftückes eingreift. a Fig. 2. Bei dem Schloffe, wel ches durchFig.2 veranfchaulicht ift, liegt der Hammer a an der inneren Seite der Schlofsplatte und( Mittelfchlofs) ift fo wie die Stangeb auf Zapfen cauf gefteckt, welche mit der Schlofsplatte aus einem Stück gearbeitet find. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 11 gen acht nc. 20 nen ager Men; das tenube ig.1 urch eine ren Ver er keil enen urch den eder ler feft ickt enen der der rale fche Deff er in dem wel g.2 cht der an Seiofs Mit tfo gel auf che ofs nem itet An der Hammerfcheibe find die beiden Raften eingefchnitten, und das Kettenglied d eingehängt. Diefes Schlofs, welches vermöge feiner günftigen Hebelverhältniffe und der Anwendung einer eigenen Stangenfeder e einen fehr leichten Abzug geftattet, zeichnet fich vor jenem des Modells 1867 durch eine die Erzeugung begünftigende Einfachheit und wegen der breiten Raften durch grofse Dauerhaftigkeit aus. Die Schraube f dient zur Begrenzung der Hammerbewegung, wenn das vom Schaft herabgenommene Schlofs abgefpannt wird. Von der Garnitur hat der Griffbügel eine durchgreifende Aenderung erfahren. Er erhielt nämlich ein vorderes und rückwärtiges Laub und ftatt des feparaten Züngelblattes beim Modell 1867, zwei Backen für die Befeftigung des Züngels, welches feinerfeits wieder ein drehbares Gelenkftück erhielt, das für den Stangenzapfen ausgerundet ift, wodurch die Reibung zwifchen diefem und dem Züngel nahezu aufgehoben, und fomit ein fanfter Abzug ermöglicht wird. Das von dem ehemaligen Wiener Gewehrfabrikanten Fruhwirth conftruirte Repetirgewehr, welches im Jahre 1871 von der öfterreichischen Regierung zur Bewaffnung der Gendarmerie angenommen wurde, gehört in die Claffe der Magazinsgewehre, indem es unter dem Laufe eine zur Aufnahme von Patronen beftimmte Meffingröhre befitzt. Die Verfchlufsvorrichtung ift dem Berdanverfchlufs ähnlich, fie ift nämlich ein Kolbenverfchlufs mit SpiralfederSchlofs. Die beigefügten Abbildungen Fig. 3 und 4 geben die Seitenanficht des geöffneten und des gefchloffenen Verfchluffes, dann des Repetirwerkes bei weggenommenem Schafte.( S. Seite 12.) Der Verfchlufs fammt Repetirwerk beſteht in feinen Haupttheilen aus dem Verfchlufsgehäufe a, dem Verfchlufskolben b, dem Schlagftücke c, dem Patronenzieher d, dem Leitftücke e, dem Zubringer f und dem Magazinsrohre g, wozu noch als weiterer Beftandtheil die Abzugsvorrichtung/ kommt. Das an den Lauf angefchraubte Verfchlufsgehäufe a dient zur Aufnahme und Befeftigung aller übrigen Beftandtheile; an den Schaft wird das Gehäufe und das Züngelblatt mittelft zweier Schrauben befeftigt. Der Verfchlufskolben 6 ift ein hohler Cylinder, der an beiden Enden durch Böden abgegrenzt ift; durch den vorderen Boden paffirt der Zündftift i, durch den rückwärtigen der Schlagftift c, der mit dem Daumenftücke ähnlich wie bei Chaffepot verbunden ift; das Daumenftück hat unten die beiden Rafteinfchnitte, der Schlagftift vorne eine Verſtärkung, hinter welcher die fpiralförmige Schlagfeder gelagert ift. Der Schlag- und Zündftift( c und i) können jedoch behufs Reinigung des Zündftiftes in viel leichterer Weife als beim letztgenannten Gewehre getrennt werden. Der Hebel k ermöglicht, das Schlagftück fammt Verfchlufskolben vor- und rückwärts zu führen und letzteren auch rechts und links zu drehen. Soll das Gewehr ohne Rückficht auf die Repetitionsvorrichtung geladen werden, fo ift blofs nothwendig, den an der rechten Seite des Gewehres liegenden Hebel durch einen Griff und ohne jeden Kraftaufwand nach links zu drehen, und hierauf den Verfchlufskolben fammt Schlagftück zurückzuziehen. Die Führung erhält der Verfchlufskolben bei diefer Bewegung durch eine Nuth, in welche das Ende der grofsen Leitfchraube m entſprechend eingreift; nach dem Einführen der Patrone wird der Verfchlufskolben mit einem Griffe vorgefchoben und rechts gedreht. Da das Schlagftück an feiner unteren Fläche mit Raften verfehen ift, fo wird es durch den Züngelanfatz, welcher in die Raft greift, zurückgehalten und dadurch die Spiralfeder, die im Verfchlufskolben auf den Zündftift aufgefteckt ift, gefpannt; auch kann die Spannung bei gefchloffenem Gewehre durch das einfache Zurückziehen des Daumenftückes bewerkstelligt werden. Das Repetirwerk befteht zuvörderft aus dem Zubringer, welcher ein für die Aufnahme einer Patrone entsprechend geformtes, löffelartiges Stück bildet 12 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. derfelbe ift um feinen rückwärtigen Theil drehbar. An feiner unteren Fläche befindet fich eine ftarke plattenartige Feder n, welche am vorderen Ende o des Zubringers befeftigt ift, mit dem rückwärtigen freien Ende fich aber gegen den Anfatz ftützt und das Beftreben hat, den Zubringer nach aufwärts in einen entfprechenden Ausfchnitt der unteren Gehäufefläche derart zu heben, dafs eine im Zubringer allenfalls gelagerte Patrone vor den Laderaum gebracht wird. Fig. 3. Geöffneter Verfchlufs. C h Fig. 4. Gefchloffener Verfchlufs. h a S m p k k a d 0 g Um den Zubringer in der nach abwärts gedrückten Stellung zu erhalten, greift ein Anfatz q desfelben unter das Leitftück e, welches durch eine an der rückwärtigen Fläche desfelben wirkende Feder ftets nach vorwärts gedrückt wird; foll der Zubringer jedoch nach aufwärts gehen, um eine aus dem Magazinsrohre g durch die in demfelben befindliche Spiralfeder in den Zubringer gefchobene Patrone in das Gehäufe zu bringen, fo wird beim Oeffnen des Verfchluffes das che des den ent e im I ten, der rd: reg ene das Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 13 Leitftück e durch einen verftärkten Zug des Verfchlufskolbens nach rückwärts geführt, hiedurch kann die Nafe q des Zubringers frei in den unteren Ausfchnitt des Leitftückes eintreten, und der Zubringer kann nun durch die Feder m in der früher befagten Weife nach aufwärts gehoben werden; beim Schliefsen des Verfchluffes wird die vor dem Laderaume im Zubringer befindliche Patrone durch den Verfchlufskolben vorgefchoben und durch das vollſtändige Rechtsdrehen des letzteren das Gewehr fchufsbereit hergestellt. Gleichzeitig wird aber durch den Anfatz, an welchem der Hebel befeftigt ift, ein auf einem rechtsfeitigen Anfatz des Zubringers ruhender, die rechte Gehäufewand paffirender Stift s, der über das Gehäufe hinausragt, nach abwärts gedrückt, wodurch auch der Zubringer nach abwärts gedreht und das vorgefchobene Leitftück in der Lage erhalten wird, um erneuert eine Patrone aus dem Magazine aufzunehmen. Nach dem Abfchiefsen wird bei wiederholtem Laden die leere Patrone durch den Extractor aus dem Laderaume gezogen und durch die im Zubringer erliegende Patrone in präcifer Weife ausgeworfen. Soll das Repetirwerk aufser Thätigkeit gefetzt werden, fo ift blofs nothwendig, einen Schuber t, der in dem Hebelanfatze fich befindet, nach vorwärts zu fchieben, um den beim Oeffnen des Verfchluffes herausgehobenen Zubringer beim Schliefsen nicht mehr herabzudrücken. Diefe Function wird bewerkstelligt, indem durch das Vorwärtsfchieben des eben erwähnten Schubers ein Loch u frei wird, in welches der Stift beim Schliefsen eintritt, in Folge deffen nun der Zubringer nicht hinabgedrückt wird. Das Magazinsrohr ift eine Röhre aus Meffing, welche fechs Patronen aufzunehmen vermag. Wie aus dem Vorigen hervorgeht, kann das Gewehr mit acht Patronen fchufsbereit fein, welche in folgender Weife geladen werden: Verfchlufs öffnen, und das Magazinsrohr in bekannter Weife mit fechs Patronen laden, die fiebente bleibt im Zubringer, die achte wird in den Laderaum eingeführt, und fodann der Verfchlufs gefchloffen. Das Laden diefer acht Patronen ift in zwölf Secunden ausführbar, das Verfchiefsen derfelben bei fchnellem Anfchlage in fechzehn Secunden. Das Gewicht des Fruhwirth'fchen Gewehres beträgt nur fechs Pfund; es ift fomit das leichtefte unter den bisherigen Repetirgewehren. Die Firma Leopold Gaffer, von welcher die öfterreichifche Regierung die für die Cavallerie und Artillerie eingeführten Revolver bezieht, befitzt zwei Fabriken eine in Wien, die andere in St. Pölten- mit einer Gefammtproductionsfähigkeit von 100.000 Stück Revolvern und 45.000 Stück Jagd- und Scheibengewehren per Jahr. Die Gaffer'fchen Etabliffements find derart eingerichtet und organifirt, dafs man fich dafelbft fremder Mithilfe vollſtändig zu entfchlagen vermag und jede Waffe von den erften Anfängen an bis zur gänzlichen Vollendung in den eigenen Werkstätten zu erzeugen im Stande ift. Die genannte Firma hat die fabriksmäfsige Erzeugung der Revolver in Oefterreich eingeführt, und diefelbe binnen kurzer Zeit zu einer folchen Höhe gebracht, dafs fie jetzt erfolgreich mit amerikanifchen und englifchen Firmen concurriren kann. Abfehend von den von Gaffer exhibirten Revolvergewehren, Jagdftutzen und Luxusrevolvern gedenken wir hier nur des öfterreichifchen Armeerevolvers, deffen Conftruction von dem verftorbenen Firma- Inhaber herrührt. Diefer Revolver ift nach dem Syftem Lefaucheux für Centralzündung eingerichtet, fechsfchüffig, und befitzt einen fieben Zoll langen gufsftählernen Lauf mit dem Bohrungsdurchmeffer von fünf Linien, welcher mit fechs, I Punkt tiefen Zügen verfehen ift. Die Dralllänge beträgt fechzehn Zoll. Der Schlofsmechanismus ift für doppelte Bewegung, das heifst, er geftattet die Abgabe des Schuffes fowohl mit als ohne vorherige Drehung des Hammers. Der Revolver ift im ungeladenen Zuftande zwei Pfund dreizehn Loth fchwer. Die 14 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fcharfe Patrone hat eine Meffinghülfe mit der Roth'fchen Centralzündung, eine Pulverladung von 20 Gramm, und das Gefchofs, welches dem beim Infanterie. gewehre in Verwendung kommenden gleich ift. Gaffer hatte auch fogenannte Officiersrevolver ausgeftellt, welche dem Ordonanzrevolver hinfichtlich ihrer Einrichtung und Leiftungsfähigkeit mög. lichft nahe kommen, jedoch geringere Dimenfionen und daher auch ein kleineres Gewicht befitzen. Von den Gewehrpatronen- Fabrikanten in Oefterreich hatten blofs G. Roth aus Wien, das Confortium Zborzil von Simmering bei Wien, dann die Actien gefellfchaft, ehemals Sellier und Bellot, aus Prag ausgeftellt. Das Confortium Zborzil hatte ein kleines Tableau verfchiedener Patronenhülfen aus Kupfer, Tomback und Meffing eingefendet, und zeichnete fich deffen Fabricat durch Reinheit und Genauigkeit der Arbeit vortheilhaft aus. Die Expofition der Prager Actiengefellfchaft, welche vornehmlich Kapfeln, Zündhütchen aller Arten, dann aber auch Kriegs- und Jagdmunition inbegriff, zählte zu den fchönften in diefer Branche, und zeigte jedes einzelne, auch das kleinfte der Taufende von vorhandenen Stücken von der gröfsten Accurateffe bei der Herftellung. Die Fabricate des früheren Haufes Sellier& Bellot geniessen übrigens feit Langem in Oefterreich und auch über deffen Grenzen hinaus einen wohlbegründeten guten Ruf. Die Ausstellung von G. Roth übertraf jedoch alle anderen diefes Faches an Reichhaltigkeit der Kaliber und des verwendeten Materials. Von den Patronenhülfen für einen mehrzölligen Gefchützkaliber angefangen bis zur kleinften Patronenhülfe für Zimmerpiftolen waren hier bei 50 Gattungen exponirt, aufserdem die verfchiedenen Erzeugungsftadien der Hülfen dargestellt, die in der öfterreichifchen Armee eingeführten Gewehrkapfeln, elektriſche Zünder, geprefste Gewehrprojectile u. f. w.* Sämmtliche Erzeugniffe liefsen die möglichfte Sorgfalt bei der Herstellung und die Vortrefflichkeit der angewendeten Mafchinen erkennen. In der öfterrei chifchen Armee, fowie in der öfterreichifchen und ungarifchen Landwehr find für die neuen Gewehre mit 5 Linien Kaliber Patronenhülfen aus Tombackblech( für die Revolver aus Meffingblech) mit dem Roth'fchen Centralzündungs- Syftem eingeführt, wie denn überhaupt Roth's Lieferungen fowohl für das Inland als auch für ausländifche Mächte fich ftets von trefflicher Qualität bewährten. In der ungarifchen Abtheilung hatte die Prefsburger Filiale diefer Firma, welche ausfchliefslich für die ungarifche Regierung arbeitet, Mufter der bei den ungarifchen Landwehrtruppen eingeführten Patronen ausgeftellt, die an Güte des Fabricates den anderen gleichftanden. Deutfches Reich. Die Gewehrfabrik von Dreyfe in Sömmerda hatte mehrere Gewehre fammt zugehöriger Munition ausgeftellt, welche mit Recht die Aufmerkfamkeit der Fachmänner auf fich zogen. Das innerhalb des letzten Decenniums fo berühmt gewordene Dreyfe'fche Zündnadelgewehr hat in jüngster Zeit durch den Sohn des Erfinders F. v. Dreyfe wefentliche Verbefferungen erfahren, und bildete in diefer modificirten Form das bemerkenswerthefte Stück der Dreyfe'fchen Ausftellung. * Zur Anfertigung des Bleidrahtes für Gewehrprojectile wird ein hydraulifcher Appa rat, beftehend aus vierfacher Pumpe, Vertheilungs- Schieberftock und Preffe verwendet; letztere in Verbindung mit dem Bleifchmelz- Apparat, welcher circa 3 Centner Kohle täglich ver braucht, liefert in 10 Arbeitsftunden beiläufig 40 Centner Bleidraht in 110 Pfund fchweren Adern von 5 Linien Durchmeffer, genügend für 150.000 Gefchoffe à 278 Gran. Die Bedienung erfordert 3 Arbeiter. Eine Kugelpreffe liefert in 10 Arbeitsftunden 50.000 glatte Gefchoffe, welchen 2 Mafchinen die Sicken einrollen. Zum Betrieb der ganzen Fabrication ift ein Motor von 10 bis 12 Pferdekräften nöthig. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 15 e نه me g. es h m- er ch ch n e₁ 1s 1- es 1- n T- ce 1. h n e T 1 1 T Das Schlofs diefes Gewehres ift ein verbefferter, zum Selbftfpannen eingerichteter Zündnadel- Mechanismus, der die Einfachheit und Solidität des letzteren mit einer ebenfo fchnellen als bequemen Handhabung der beften beftehenden Gewehrfyfteme verbinden foll. Zur Charakterifirung der Einfachheit des verbefferten Schloffes, welches gleich gut für die Stift- wie für die Nadelzündung anwendbar ift, genügt es anzuführen, dafs der Mechanismus nur aus fechs Theilen befteht, und dafs alle Functionen des Ladens bis zum Abfeuern mit drei Griffen erledigt werden. Die Mängel, welche dem alten Zündnadel- Gewehre vermöge feiner früheren Entstehung gegenüber den neueren Gewehren in balliftifcher Beziehung eigen waren, find bei dem modificirten Modell durch die Anwendung des Kalibers von II Millimetern und der Metallpatrone mit ftarker Ladung befeitigt worden. Alle diefe Vorzüge zufammengefafst laffen das verbefferte Zündnadel- Gewehr geeignet erfcheinen, unter den jetzigen Hand- Feuerwaffen einen hervorragenden Platz einzunehmen. Von ganz eigenthümlicher Conftruction ift die vor einigen Jahren vielbefprochene Granatbüchfe, deren Verwendung für Kriegszwecke jedoch 1869 durch die Petersburger Convention, welche die Anwendung von Sprenggefchoffen unter 400 Gramm ausfchlofs, unmöglich gemacht wurde. Die Büchfe hat ein Kaliber von 23 Millimeter, und befitzt am rückwärtigen Laufende das mit Schraubengewinden verfehene, um ein Charnier nach rechts feitwärts drehbare Verfchlufsftück, welches den Zündnadel- Mechanismus enthält. Der Kolben ift durch einen gepolsterten eifernen Bügel erfetzt, welcher den Anfchlag des Gewehres ohne Auflage und ohne Beläftigung des Schützen ermöglicht. Am rückwärtigen Ende des mit einer kleinen Sprengladung verfehenen Gefchoffes befindet fich ein kurzes Kupferröhrchen eingefchraubt, welches den Percuffionsapparat enthält; letzterer bewirkt, dafs das Projectil beim Auffchlage durch das Vorfchnellen eines kleinen Schlägers gegen die Zündpille zur Exploſion gelangt und in 6 bis 8 Stücke zerfpringt. Die Trefffähigkeit der Granatbüchfe foll bis auf 1800 Schritt noch befriedigend fein. Aufser den Sprenggefchoffen fchiefst diefes Gewehr auch eiferne Vollkugeln. Die königlich baierifche Gewehrfabrik in Amberg, die fich durch Einführung und Erzeugung der Werdergewehre grofse Verdienfte um die Waffentechnik erworben, hatte von Kriegswaffen ein Gewehr, einen Karabiner und eine Piftole vom Modell 1869* eingefendet, über welche, da deren Conftruction hinlänglich bekannt, nur zu fagen ift, dafs fie, hinfichtlich ihrer Ausführung den beften ähnlichen Fabricaten anderer Länder zur Seite geftellt werden dürften. Für Piftolen eignet fich übrigens unferer Anficht nach der Werderverfchlufs feiner Form wegen weniger; eine derlei Waffe fieht plump und unfchön aus. Den von der Amberger Gewehrfabrik noch exponirten, damafcirten Wallbüchfen- Lauf als einen Beftandtheil einer Kriegswaffe zu erklären, geht wohl nicht an, wobei wir jedoch nicht verfehlen, denfelben als ein recht fchönes Stück Arbeit anzuerkennen. C. V. Heinlein aus Bamberg hatte drei Hinterladungsgewehre eigener Conftruction ausgeftellt, welche zwei verfchiedene Syfteme repräfentirten. Der Mechanismus von zweien derfelben ähnelte den bekannten Kolbenverfchlüffen, doch war das Verfchlusftück, ein vierfeitiges Prisma, nicht mittelft des gewöhnlichen Hebels, fondern durch Abwärtsdrücken des Griffbügels im Verfchlufsgehäufe zurückzuführen, wobei gleichzeitig das Schlöfschen gefpannt wurde; beim Aufwärtsdrücken des Griffbügels wird das Verfchlufsftück wieder vorgeführt und das Gewehrift fchufsbereit. Das zweite Syftem, deffen Verfchluſs mit einer Plombe verfchloffen war, und welches deshalb auch von der Jury nicht unterfucht wurde, glich in der äufseren Anordnung dem Werdergewehre, nur bildete hier das Verfchlufsftück ein Prisma, welches beim Vorwärtsdrücken des um einen Bolzen drehbaren Griffbügels nach abwärts ging und beim Zurückführen des Bügels den Lauf abfchlofs. * Syftem Werder. 2 16 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Wie der Conftructeur angab, hat er den Lauf mit einem neuen Zugfyftem verfehen, durch welches jegliche Verfchleimung der Bohrung verhindert werden foll. Was nun das anbelangt, find wir der Meinung, dafs ein Zugfyftem diefs niemals leiften kann, da die hiezu nöthigen Bedingungen im Schiefspräparate liegen. Schweiz. An Hand Feuerwaffen für Kriegszwecke haben aus der Schweiz das eidgenöffifche Militärdepartement eine inftructive Sammlung der Ordonanzwaffen mit einer Zufammenftellung der zugehörigen Munition und ihrer Anfertigung, die fchweizerifche Induftriegefellfchaft in Neuhaufen bei Schaffhaufen, die Firmen Theophil Klaus aus Genf und Martini Tanner& Comp. aus Frauenfeld, Mufter ihrer Fabricate nach den Syftemen Vetterli und Martini ausgeftellt. Grofse Präcifion in der Erzeugung zeichneten fämmtliche exhibirten Schweizer Waffen aus, wie auch die richtige Erkenntnifs jener Bedingungen, denen eine tüchtige Feldwaffe entfprechen foll. Obzwar das Verfchlufsfyftem Vetterli zu den bekannteren zählt, fo wollen wir doch für diejenigen Lefer, die fich in der Menge von Syftemen nicht augenblicklich zurecht zu finden vermögen, hier eine kurze Charakteriſtik deffelben, und zwar des Repetirgewehres folgen laffen. Das Repetirgewehr Vetterli hat das Patronenmagazin unter dem Laufe und gefchieht die Hantirung des Verfchlufs- und Schlofsmechanismus ähnlich wie die Bewegung des Kammercylinders beim preufsifchen Zündnadel- Gewehr, jedoch vermögen die einzelnen Griffe mehr zu leiften. Durch die Linksdrehung wird die fpiralförmige, am hinteren Ende des Verfchlufskolbens gelagerte Schlagfeder gefpannt und durch das kräftige Zurückfchieben des Verfchlufscylinders das hintere Lauf- Ende geöffnet, die leere Hülfe entfernt und ein Kniehebel zum Emporheben des Zubringers mit der neuen Patrone in Thätigkeit gefetzt. Das Magazinsrohr, welches durch eine rechtsfeitig angebrachte Oeffnung gefüllt werden kann, fafst II Patronen, die beim Gebrauche des Magazins von der Spiralfeder und dem Kolben fucceffive in den Zubringer gedrückt werden, welcher fie vor den Laderaum führt. Das Repetirgewehr kann alfo 13 Patronen faffen, und zwar: II im Magazin, I im Zubringer und 1 im Lauf. Die Feuerfchnelligkeit läfst fich in rafchem Anfchlage bei halbwegs geübten Schützen mit 16 Schufs per Minute annehmen. Die Waffe ift übrigens anftandslos auch als Einlader zu gebrauchen. Der eidgenöffifche Oberftlieutenant Rudolph von Erlach hatte HandFeuerwaffen fchweizerifchen Modells aus Phosphorbronce eingefchickt, die theilweife in der Gewehrfabrik von Wilhelm von Steiger in Thun bearbeitet waren. Die Proben mit denfelben waren durch fchweizerifche Waffentechniker gemeinfchaftlich mit fchweizerifchen Artillerie- Officieren vorgenommen worden, und hatten dargethan, dafs Phosphorbronce richtig gewählter Qualität für Repetirkarabiner, Cadettengewehre und Revolver in der Anwendung, wie fie ausgeftellt war, vollftändig genügende Haltbarkeit und Sicherheit bietet. Mit Ordonnanzmunition wurden aus einem Repetirkarabiner 700 Schüffe, wovon 200 im Schnellfeuer, abgegeben, ohne dafs bei Anwendung eines Stahl- Verfchlufscylinders der Verfchlufs gegenüber einem folchen aus Stahl und Eifen an Dichtigkeit und fortdauernd leichtem Gange zurückgeftanden wäre. Der eidgenöffifche Stabsmajor Rudolph Schmidt aus Bern ftellte ein fchweizerifches Cadettengewehr fammt Zubehör, dann einen Revolver aus, und hatten diefe beiden Objecte den Zweck, zu zeigen, in welcher Weife es dem Einfender gelungen fei, den militärifchen Uebungen der fchweizerifchen Jugend eine der Gegenwart entſprechende, zugleich kriegstüchtige Waffe einfachfter Con ftruction( nach Vetterli- Einlader) zu liefern, und dabei insbefondere die Billigkeit des Productes im Verhältniffe zur Qualität darzuthun. Der Ausfteller liefert Gewehre gleichen Modells und von der nämlichen Qualität in Partien zu 43 bis 45 Francs. m en e- te iz er -er ei p. nd The n- fo cht en, nd lie ch lie er as um as en nd en im em en. d- il. en. inen er, 11on er, ernd ein and inme on eit ert bis Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 17 J, W. von Steiger in Thun lieferte einen Revolver und ein Repetirgewehr. Erftere Waffe präfentirte fich günftig durch verbefferte Griffformen und leichten Anfchlag; der Ausfteller vindicirte ihr ferner gröfsere Percuffionskraft, genaueftes Schiefsen auf gröfsere Diftanzen und rafcheres Laden als bei den bisherigen Syftemen u. f. w., Vorzüge, die fich natürlich auf der Ausftellung nicht erproben liefsen. Im Allgemeinen läfst fich von den fchweizerifchen Hand- Feuerwaffen auf der Wiener Weltausftellung fagen, dafs fie zwar nicht durch ihre Zahl imponirten, indem fich die Ausfteller zumeift auf einzelne Exemplare befchränkten, dafs fie dagegen insgesammt davon Zeugnifs gaben, dafs die Schweiz wie feit Jahren, fo auch heute noch, was Verſtändnifs der Hand- Feuerwaffen und deren exacte Herſtellung betrifft, an der Spitze des Fortfchrittes fteht. Belgien. Die Collectivaus ftellung der Gewehrfabrikanten in Lüttich vereinigte die meiſten der erprobten und in den Dienft eingestellten Kriegs- Handfeuerwaffen mit Hinterladung. Gab diefe Expofition auch keine Vorftellung von der berühmten Lütticher Gewehrinduftrie, fo war diefelbe doch für das Studium der mitunter weniger bekannten Syfteme gut geeignet und wäre ihr nur eine etwas fyftematifchere Gruppirung der verfchiedenen Modelle zu wünſchen gewefen. Im Ganzen waren bei 60 Verfchlufsfyfteme ausgeftellt, welche zum Theile den in den Armeen eingeführten Waffen, zum Theile aber folchen angehörten, die wenigftens ausgedehnten Experimenten unterzogen worden find. Der Lefer findet die bemerkenswertheften derfelben in: Mattenheimer, die Rückladungsgewehre, Darmftadt und Leipzig 1867, dann in Plönnies, neue Hinterladungsgewehre, Leipzig 1867; endlich in Plönnies und Weigand, die Gewehrfrage, Darmſtadt und Leipzig 1872, abgehandelt. Montefiore- Levi und Dr. Künzel aus Brüffel wurden durch die verhältnifsmäfsig grofse abfolute Feftigkeit der Phosphorbronce, welche fchon bei gegoffenen Stücken 30 bis 35 Kilogramm per Quadratmillimeter beträgt, auf die Idee geleitet, Verfchlufs- und Garnitur- Beftandtheile, ja felbft Gewehrläufe aus Phosphorbronce darzuftellen, und hatten derartig modificirte Piper, Comblain, Lefaucheux, Snider, Werndl und Remington- Gewehre exhibirt. Die Erfinder hoben namentlich den geringen Anfchaffungspreis des Metalles hervor. Zu nennen wäre noch die von Fusnot aus Brüffel ausgeftellte fchöne Munitionsfammlung. England. Infoferne man thatfächlich neue, auf weitere Vervollkommnung der Armee- Handfeuerwaffen abzielende Conftructionen fuchte, mufste man in der englifchen Abtheilung diefe Hoffnung aufgeben, dagegen befeftigte fich dafelbft aufs Neue die Ueberzeugung aller Gewehrkundigen von der bisher nur felten erreichten, nirgends jedoch übertroffenen Exactheit der englifchen Gewehrfabricate. Die wenigen englifchen Ausfteller von Kriegsmateriale führten nur bekannte Syfteme vor, zumeift das in der britifchen Armee eingeführte Henry- Martini Gewehr. Ueber diefes nach dreijährigen Verfuchen in England im Jahre 1871 unter 65 concurirrenden Modellen zur Kriegs- Handfeuer- Waffe als vorzüglich geeignet befundene Gewehr gibt zwar auch fchon die Fachliteratur der jüngften Zeit einigen Auffchlufs; zur Orientirung dürfte jedoch an diefer Stelle eine Darlegung des Principes derfelben geftattet fein. Der Verfchlufsblock wird durch eine Drehung des Griffbügels, wobei der gabelförmige obere Arm des letzteren an die hintere Fläche eines Ausfchnittes des erfteren ftöfst, nach abwärts bewegt, und wirkt dann der Block im Herunterfchlagen * Siehe Die technifche Entwicklung der modernen Präcifionswaffen der Infanterie. Von Hermann Weygand, königlich preufsifchem Major und Bezirkscommandeur. Leipzig, 1872. 2% 18 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. auf einen doppelten Extractor( Winkelhebel) zum energifchen Auswerfen der Patronenhülfe. Beim Zurückziehen des Bügels ftemmen fich die erwähnten Arme zum feften Verfchlufs gegen die vordere Fläche des Ausfchnittes im Verfchlufsblocke. Der Block nimmt in feiner Bohrung den Schlagftift mit aufgefchobener Spiralfeder auf; die Bohrung ift hinten durch eine Holzfchraube gefchloffen. In einen Längenfchlitz des Schlagftiftes greift ein auf der Achfe des Bügels zwifchen deffen gabelförmigen Armen befeftigter, einarmiger Hebel, der unten mit der Raft verfehen, als Nufs fungirt. Beim Vorftofsen des Bügels nimmt der Nufshebel bei feiner Rückwärtsbewegung den Schlagftift mit, bis die Stange des Abzuges in feine Raft tritt und die gefpannte Feder zwifchen der Kopfplatte des Schlagftiftes und dem Ende der früher erwähnten Hohlfchraube fixirt. Am Ende der gemeinfchaftlichen Achfe des Bügels und des Nufshebels befindet fich auf der rechten Seite aufserhalb ein Zeiger, deffen Bewegung mit jener des Hebels zufammenfällt, der alfo anzeigt, ob das Schlofs gefpannt ift oder nicht. Auf derfelben Seite ift am Abzugsblech ein Schieber angebracht; der Mechanismus ift feftgeftellt, wenn der Schieber die Verlängerung einer Warze auf diefer Seite des Gehäufes bildet. Der Mechanismus erfordert nur zwei Griffe: I. Vorftofsen des Bügels: Oeffnen, Auswerfen und Spannen. 2. Zurückziehen des Bügels: Schliefsen. Von inftructivem Werthe war die Ausftellung von Läufen für Handwaffen und Gatlingkanonen der Henry Rifled Barrel Comp., deren Etabliffements fich in London befinden. Die befagten Läufe waren in den verfchiedenen Stadien der Fabrication zu fehen, und die ausgefertigten nach Henry- Martini gezogen. Bemerkenswerth wegen feiner vorzüglichen, von der englifchen Regierung adoptirten, in der Fachliteratur bereits mehrfach behandelten Laufconftruction war der von Henry Alexander ausgeftellte Selbftfpanner. Diefes Gewehr hat bei der von der grofsbritannifchen Regierung im Jahre 1871 angeordneten Erprobung verfchiedener Hinterladungseinrichtungen den erften Preis erhalten. G. E. Lewald fandte Snider- Gewehre und für Metallpatronen umgeftaltete Chaffepots nach W. Scott's Patent, Objecte, die wohl durch ihre präcife Herſtellung, nicht aber durch Neuheit oder befondere Wichtigheit in militärifcher Hinficht auffielen. Ein Gleiches gilt von den Murcott'fchen Gewehren und den Adamfchen Revolvern. Eley Brothers's Patronen und Daw's eigenthümliche, aber dem Fachmanne auch nicht mehr fremde Patronenhülfen verdienten ebenfalls aus dem fchon angegebenen Grunde alle Anerkennung. Schliefslich wollen wir noch des von W. Soper ausgeftellten Hinterladungs- Gewehres erwähnen, dem der Erfinder die befondere Feuerfchnelligkeit von 60 Schufs per Minute anrühmt. Die Einrichtung desfelben( der Verfchlufs wird durch eine nach rechts um einen Charnierbolzen drehbare Klappe bewerkstelligt, gegen deren Mitte der Hammerfchlag axial wirkt) ift aus Fachjournalen bekannt. Bezüglich der befagten Schufszahl find wohl einige Zweifel geftattet. Schweden. Obwohl auch Schweden mit Ausnahme des vom Grafen Sparre conftruirten Hinterladungskarabiners, einer Waffe, die zu den Hinterladern mit Blockverfchlufs rangirt( der Verfchlufsblock oder Keil geht beim Spannen des Hammers in Falzen nach abwärts, wobei eine Feder gefpannt wird; der durch die Patronenzieher- Feder bewegte Patronenzieher extrahirt beim Freiwerden die Patrone, und fixirt den Block in feiner unteren Stellung. Beim Einführen der Patrone, wenn durch den Wulft derfelben der Extractor in feine Lage gedrückt wird, fteigt das mit letzterem in Verbindung ftehende Verfchlufsftück in Folge der Wirkung der Feder in die Höhe und bewirkt den rückwärtigen Abfchlufs) hauptfächlich nur Hand- Feuerwaffen des dort eingeführten Remingtonfyftems ausgeftellt hatte, fo bieten doch die Verhältniffe der Waffenfabrication in diefem entfernten Lande manches Wiffenswerthe. er ne S- er In en ft ei ne d t- te er m er er S- en ts en e- n, n n r- ce 1- nt - - n e 1 n n n n e n Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 19 Schweden hat zwei Factoreien, welche fich mit der Anfertigung von Kriegsgewehren befaffen; die eine, Carl Gustavs Stad( Eskiltuna), gehört dem Staate, die zweite, Husquarna, einer Privatgefellfchaft. Von beiden Factoreien fabricirte Gewehre, Karabiner u. f. w. waren ausgeftellt, und zwar die von Carl Guftavs Stad durch das Kriegsminifterium. Ein Remingtongewehr, angefertigt in dem letztgenannten Etabliffement, koftet 35 Francs, und gekauft von Husquarna 48 Francs; ein Karabiner koftet in Carl Guftavs Stad 33 Francs. Das Remingtongewehrfchwedifchen Modells hat einen Kaliber von 12'17 Millimeter und wiegt 4'7 Kilogramm; die Patronen haben Kupferhülfen mit Randzündung; das Projectil wiegt 24, die Ladung 4 25 Gramm. Die Anfangsgefchwindigkeit beträgt beim Gewehr 400, beim Karabiner 340 Meter. Zu den Gewehrläufen wird dermalen ausfchliefslich gewalzter Beffemerftahl von dem Werke Fager ft a verwendet. Husquarna wurde durch Guftav Adolph II. 1624 in der Stadt Jönköping angelegt und benützte man damals die Fälle des Husquarna nur zum Laufhammer. Zu Ende des vorigen Jahrhundertes wurde jedoch die Gewehrfabrik allmälig nach Husquarna verlegt. Bei der Factorei find jetzt 360 Männer und 55 Kinder unter 15 Jahren angeftellt. Die Werkstätten werden mit Wafferkraft betrieben, doch gelangen von den vorhandenen 4000 Pferdekräften nur 200 zur Benützung. Zu den Schäften wird vierjähriges, trockenes Birkenholz aus Småland, Weft und Oftgöthland bezogen. Jährlich werden ungefähr 30.000 Gewehre angefertigt, wobei 187 Arbeitsmafchinen in Thätigkeit find; es ift jedoch zu bemerken, dafs ein Theil diefer Mafchinen auch zur Fabrication von Nähmaschinen herbeigezogen wird. Die Gewehrläufe werden fehr ftrengen Gewaltproben unterworfen, wozu Pafskugeln von 25.50 Gramm Gewicht und 125 Millimeter Durchmeffer genommen werden; die Läufe find hiebei nur vorgebohrt. Zuerft wird ein Schufs mit obengenannter Kugel und 19 12 Gramm Pulver, dann einer mit 38.25 Gramm Pulver und einer Kugel gegeben, wornach die Anzahl der Kugeln mit Beibehaltung derfelben Pulvermenge bis auf neun gefteigert wird. Nun vermag das Pulvergas die Kugeln mitunter nicht mehr aus dem Laufe zu treiben, fondern entſtrömt durch das Zündloch. Solche Läufe werden nach dem Ausfchmelzen der Kugeln neuerdings geladen und weiter befchoffen. Bei einer im Mai 1872 in Carl GuftavsStad vorgenommenen Laufprobe konnte ein Lauf erft dann gefprengt werden, nachdem er eine vierzehnmal gröfsere Pulverladung, als für welche er conftruirt worden, ausgehalten hatte. Gewöhnlich zeigt fich, wenn einmal die Anzahl der Kugeln gefteigert wird, an der Stelle, wo die Kugeln faffen, eine geringe Erweiterung, die aber, da die Läufe noch nicht kalibermäfsig gebohrt find, nichts auf fich hat. Rufsland. Die kaiferliche Gewehrfabrik in Slatouft, die Seftroretzer und die Gewehrfabrik in Tula hatten Gewehre nach dem Transformationsfyfteme Krnka und nach Berdan II ausgeftellt. In allen drei genannten Werken wird die Gewehrerzeugung gegenwärtig in grofsem Umfange betrieben, und haben diefe Etabliffements durch die eingefendeten Proben bewiefen, dafs fie auf der Höhe der Zeit ftehen, und jeder technifchen Anforforderung entſprechen können. Die Conftruction des Krnkagewehres ift wohl als genügend bekannt anzunehmen, dagegen dürfte eine kurze Andeutung bezüglich des Modelles Berdan II am Platze fein. Das Gewehr Berdan II zeigt eine grofse S 1 * Der Stahl für Gewehrläufe hat folgende Beftandtheile: O'25 Percent Kohlenftoff 0.036 O'234 0'022 Silicium " 33 Mangan " Phosphor und Spuren von Schwefel. 20 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Verwandtfchaft mit dem fchon früher befchriebenen Fruhwirth'fchen Gewehre, wenn man fich das Repetirwerk des letzteren hinweg denkt. Die Hauptbestandtheile des Verfchluffes find: das Verfchlufsgehäufe, der Kammercylinder mit Griff und dem Extractor, das Schlag. ftück mit Schlagbolzen fammt Zündftift und ſpiralförmiger Schlagfeder, der Ejector mit der Ejectorfeder, die A bzugvorrichtung. Das Verfchlufsgehäufe ift feiner Form nach ein Cylinder, der rückwärts auf den Lauf aufgefchraubt ift und die Beftimmung hat, die Verfchlufsbeftandtheile aufzunehmen und die Verbindung des Laufes mit dem Schafte zu vermitteln. Der Cylinder hat oben einen Ausfchnitt für die geradlinige Bewegung des Kammercylinders und erweitert fich diefer, an den Lauf anfchliefsend, nach rechts in einer Länge, welche der Länge der Warze des Kammercylinders ent fpricht. Die erwähnte Erweiterung des Längenausfchnittes, wie fie bei den meiften Kolbenverfchlüffen vorkommt, hat die Beftimmung, nach erfolgtem Rechtsdrehen des Kammercylinders die Warze aufzunehmen und hiedurch den Kammercylinder in feiner Lage zu fixiren. Der untere Ausfchnitt des Gehäufe cylinders dient für den Durchgang des Ejectors und die Abzugsvorrichtung. Unten am Gehäufe cylinder find mittelft einer und derfelben Schraube zwei Federn befeftigt, welche nach aufwärts reagiren: die( kürzere) Ejector feder, welche auf den Arm des unten im Gehäufe um eine Achfe drehbar gelagerten Ejectors wirkt, der einen einarmigen Hebel repräfentirt; ferner die ( längere) Abzugsfeder, welche auf den Arm der um die Ejectorachfe drehbaren Nufs wirkt, und ftets ihre Bewegung nach aufwärts anftrebt.( Die hier erwähnte Nufs hat diefelben Functionen, wie die Stange eines Percuffionsfchloffes und die Abzugfeder jene der Stangenfeder.) Um gleich an diefer Stelle den Abzugmechanismus zu ergänzen, fei erwähnt, dafs das Züngel ein um eine Achfe drehbar gelagerter Winkelhebel ift, der mit feinem horizontalen Arme( das Gewehr horizontal gedacht) in den rückwärts an der Nufs angebrachten Ausfchnitt lofe eingreift. In Folge des Drehbeftrebens der Nufs hat auch der horizontale Arm des Züngels das Drehbeftreben nach auf wärts; wird das Züngel am verticalen Arme nach rückwärts gedrückt, fo wird die Nufs nach abwärts gedrückt und die Stangenfeder gefpannt. Der Kammercylinder ift ein hohler Cylinder, der oben mit Warze und darauf befeftigtem Griffe verfehen ift; rückwärts befindet fich ein rechtwinklig gebogener Ausfchnitt für den Eintritt der Warze des den Kammercylinder hülfenartig übergreifenden Schlagftückes. Die Warze ift ihrer Längenrichtung nach ausgehöhlt und nimmt den federnden Extractor( Patronenzieher) auf, der in feiner Lage durch eine von aufsen eingefetzte, in die Höhlung der Warze ein greifende Schraube fixirt ift. Die Höhlung des Kammercylinders befteht aus zwei Theilen; aus einem vorderen, gröfseren Cylinder, in welchem die fpiralförmige Schlagfeder gelagert ift und einem rückwärtigen, kleinen Cylinder für den Durchgang des Schlagbolzens. Die vordere, gröfsere cylindrifche Höhlung ift durch einen, den' vorderen Rand des Kammercylinders übergreifenden Boden( Nadelrohr der Zündnadel- Gewehre) abgefchloffen, der durch einen Querftift fixirt wird. Das Schlagftück ift ein Cylinder mit Boden und daran fchliefsendem Knopf zum Ergreifen. Boden und Knopf find durchhöhlt, um den Schlagbolzen aufzunehmen, der durch eine Schraube mit dem Schlagftücke feft verbunden ift. Der Schlagbolzen befteht aus einem cylindrifchen Körper mit einer vorderen Verftärkung als Boden für die in felben gelagerte fpiralförmige Schlagfeder; an die Verftärkung fchliefst fich vorne der Zündftift an. An der unteren Fläche des Schlagftückes befinden fich zwei Sicherheitsraften. Functionirung. Soll geladen werden, nachdem ein Schufs abgegeben wurde, fo wird der Griff des Kammercylinders ergriffen, derfelbe links gedreht und zurückgezogen; der Extractor extrahirt die Patrone und diefe wird, fobald der Kammercylinder bei der Rückbewegung den Ejector paffirt hat, empor hre, ife, a g. der der ufse zu ung ach entften hen der für wei o r. eladie chfe nier ffes int, mit an ens auf. die and lig ench in invei ge chen, ler em uf er erlie es en ht ld r Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 21 gefchleudert. Nach dem erfolgten Zurückgehen wird die Patrone eingeführt und der Kammercylinder am Griffe vorwärts gedrückt; hiebei legt fich der emporgedrückte Arm( Stangenfchnabel) der Nufs vor den vorderen Rand des Schlagftückes und hält diefes fammt Schlagbolzen feft; beim weiteren Vordrücken des Kammercylinders nähert fich der rückwärtige Boden desfelben der Verftärkung des Bolzens, wodurch die Spiralfeder zufammengeprefst wird. Wird ferner der Kammercylinder nach rechts gedreht, fo ift die Waffe fchufsbereit. Zum Abfeuern wird ein Druck auf das Züngel ausgeübt, hiedurch der Schnabel der Nufs vom vorderen Rande des Schlagftückes weggezogen, wodurch die Spiralfeder ausfpielen kann. Selbſtverſtändlich kann, ohne den Verfchlufs zu öffnen, durch einfaches Zurückziehen des Schlagftückes gefpannt werden. Die kaiferlichen Patronenfabriken in St. Petersburg exhibirten. Metallpatronen und die Firma Bruno Hofmark Inftrumente für Patronenconftruction, welche zwar eine grofse Reichhaltigkeit der für das Verfahren nothwendigen Stücke einer Garnitur erwiefen, dafür aber auch von der Genauigkeit, mit der hiebei vorgegangen wird, zeugte.* Frankreich. Die Ausftellung an Kriegs- Handfeuerwaffen war eine unbedeutende, welcher Umftand wohl zum gröfsten Theile den gegenwärtigen unfertigen militärifchen Verhältniffen diefes Landes zuzufchreiben fein dürfte. Inftructiv war nur die Munitionsfammlung von Gevelot in Paris, welche Durchfchnitte faft aller in den Armeen Europas eingeführten Gewehrpatronen enthielt. Aufserdem wäre nur noch ein von Gaftinne Renete exhibirtes Hinterladungsgewehr- Project zu erwähnen. Diefes Gewehr, deffen technifche Ausfertigung unbedingt eine vorzügliche war, gehört in die Claffe der BlockverfchlufsEinzellader. Durch das Vordrücken des um ein Charnier drehbaren Griffbügels wird der vierkantige Verfchlufsblock mittelft einer Geradführung vertical nach abwärts gezogen, wodurch eine feitliche Oeffnung des Verfchlufsgehäufes frei wird, durch welche eine Patrone eingeführt werden kann. Der Verfchlufsblock wirkt beim Abwärtsgehen auf den, ähnlich wie bei Peabody geftalteten, Extractor( Winkelhebel), welcher die ausgefchoffene Hülfe in den ober dem Block entftandenen leeren Raum fchiebt, von wo fie fodann durch eine Rechtsdrehung des Gewehres bei der eben erwähnten feitlichen Oeffnung ausgeworfen wird. Das Vordrücken des Bügels bewirkt zugleich das Zurücktreten eines in die rückwärtige Fläche des Verfchlufsblockes eingreifenden Sperrftiftes, fowie das Spannen des Hammers eines im Kolbenhalfe befindlichen Mittelfchloffes. Wird der Bügel nach rückwärts gedreht, fo fteigt der Verfchlufsblock in feiner Führung nach aufwärts und fchliefst das hintere Laufende ab. - Italien. Die Ausftellung von Kriegsgewehren war eine ziemlich reichGewehre und haltige. Das Kriegsminifterium exhibirte Ordonnanzwaffen Karabiner mit dem modificirten Vetterliverfchlufs. Die Modification des fchweizerifchen Originales befteht bekanntlich im Wefentlichen darin, dafs das italienifche Gewehr für Centralzündung eingerichtet ift, demnach nur einen einfachen Zündftift befitzt, und die für die Randzündung des fchweizerifchen Gewehres erforderliche Schlaggabel in Wegfall kam. Von mehreren Ausftellern waren neu conftruirte, refpective verbefferte Hinterladungs- Gewehre vorhanden, unter welchen als die intereffanteften die * Die ruffifche Regierung hat die Fabrication der Metallpatronen auf dem grofsartigften Fufse eingerichtet, und wird der ganze Bedarf Rufslands an Kleingewehr- Munition von vier Staatswerken, deren Leitung Generalen und höheren Officieren der Artillerie übertragen ift, gedeckt. Die Leiftungsfähigkeit diefer Anftalten kann bis über eine Million Patronen täglich gebracht werden, wobei nicht zu überfehen ift, dafs auch die Patronenhülfen in eigener Regie erzeugt werden. Das Rohmateriale( Meffingblech) wird von Privatwerken geliefert. 22. Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Gewehre der Gebrüder Merolla aus Neapel und des Capitäns im 49. italienifchen Infanterie- Regimente, Seraphin Frattola, bezeichnet werden dürften. Das eine der Gewehre von Merolla gehörte in die Claffe der Charnierverfchlüffe und ift. infoferne von befonderem Intereffe, als hier beim Spannen des Hammers das Verfchlufsftück geöffnet, während bei den fogenannten Selbftſpannern beim Oeffnen des Verfchluffes die Spannung felbftthätig bewirkt wird. Nach dem Zurückziehen eines mit einem Angriffe verfehenen, axial geftellten, aus der rückwärtigen Wand des Verfchlufsgehäuſes in der Art wie beim Syftem Wänzl hervortretenden Sperrftiftes ſchnellt das Verfchlufsftück in Folge des Druckes einer Feder, die zwifchen den Backen des ober dem hinteren Laufende befeftigten Charniers fich befindet, nach aufwärts. Das Charniergelenk ift unten mit zwei Zähnen verfehen, welche in die gezähnte Stange des Patronenziehers eingreifen, wodurch diefer beim Aufwärtsfchnellen des Verfchlufsftückes vorgefchoben und zur Wirkfamkeit gebracht wird. Um den Verfchlufs öffnen zu können, mufs der Hammer zuerft vollends gefpannt werden. Der Sperrftift verfieht zugleich die Function eines Schlägers, indem der Hammer des im Kolbenhalfe befindlichen Mittelfchloffes auf denfelben fchlägt und diefer fodann den im Verfchlufsftücke fteckenden Zündftift trifft. Bei einem zweiten Projecte von Merolla ift der Kolbenhals, in welchem ein Mittelfchlofs gelagert ift, vorne fenkrecht abgefchnitten, und um eine im Vorderfchaft befindliche Schraubenwelle nach links drehbar. Auf der vorderen Fläche des abgefchnittenen Kolbenhalfes ift eine eiferne Platte mit zwei Spangen befeftigt, welch' letztere den Kolbenhals oben und unten übergreifen. In diefer Platte find zwei Durchbohrungen angebracht, eine in der verticalen Schnittsebene des Gewehres für den Durchgang des Zündftiftes und eine zweite links, nahe am Rande, in welche ein Stift greift, der mit einem, eine Spannweite von der Platte auf der linken Seite des Vorderfchaftes befindlichen federnden Knopfe in Verbindung fteht. Wird diefer Knopf niedergedrückt, fo zieht er den Stift zurück und der Kolben läfst fich nun nach links drehen, wodurch die rückwärtige Lauföffnung frei wird. In letzterer befindet fich ein ringförmiger Extractor, welcher das ganze Wulftlager enthält und fenkrecht zur Verticalebene zwei gefchlitzte Führungsftangen hat, die in beiderfeitigen Oeffnungen des an den Lauf angelötheten Gehäufes in der Richtung der Laufaxe bewegt werden. Gegen die Enden diefer Stangen wirken Spiralfedern. Das vom Capitän Frattola conftruirte Gewehr wurde vom Erfinder als Geheimnifs behandelt, daher wir auf dasfelbe, über welches wir höchftens Vermuthungen aufftellen könnten, nicht weiter eingehen. Tommafo Toni& Figlio aus Rom ftellten ein Gewehrmodell aus; welches eine Modification des Syftemes Vetterli- Einzellader repräfentirte. Das Oeffnen des Verfchluffes erfolgte ftatt durch Rückwärtsbewegen des Verfchlufskolbens durch Aufwärtsdrehen desfelben, wobei durch Auftreffen der Rückenfläche des Kolbens auf die fchiefe Ebene des Extractors der letztere in Thätigkeit kommt. Eine gleiche Modification des Syftemes Chaffepot( älteres Modell) lag ebenfalls vor. Bei beiden diefer Modelle wäre in der mangelhaften Fixirung des Verfchlufsftückes während des Schuffes ein Hauptnachtheil zu fuchen. Spanien. Von den ſpaniſchen Ordonanz- Handfeuerwaffen( Syftem Remington) als bekannt übergehend, erwähnen wir nur ein von der Fabrica de armas de Escalduna ausgeftelltes modificirtes Remington- Gewehr, deffen Abänderung darin beftand, dafs die Verfchlufsklappe beim Spannen des Hammers fich, ohne eines weiteren Griffes zu bedürfen, gleichzeitig umlegte, wobei der Griffbügel fich rückwärts aus einer Feder auslöfte und um ein an feinem vor deren Ende befindliches Charnier nach abwärts gefchnellt wurde. In Folge diefer mit ziemlicher Vehemenz ftattfindenden Bewegung wird auch der Extractor mit C en me ift as im em k- erLer en ei n, nd er er 야망 gt m oren en er me m te erck if er te e- en als erelas fseng- ag ng e- le ar, es bei Dr. Cer nit Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 23 einer gewiffen Schnelligkeit aus feinem Lager gezogen, und damit ein befferes Auswerfen der ausgefchoffenen Patronenhülfe erzielt. Das Zurückdrücken des Griffbügels vermittelte das Schliefsen der Verfchlufsklappe. In der Ausftellung des Mufeo de Artilleria befand fich ferner ein fehr fchön ausgeftattetes Hinterladungs- Gewehr aus dem Jahre 1739, angefertigt von Gabriel Algora, Büchfenmacher in Madrid, von welchem wir, wenngleich es keine kriegsmäfsige Feuerwaffe war, doch aus dem Grunde Notiz nehmen, weil der Erfinder diefes Gewehres fchon die Nothwendigkeit einer gasdichten Patrone erkannt, und eine folche in einer principiell der jetzigen Metallpatrone fehr nahe kommenden Weife zu realifiren verfucht hat. Das Gewehr befitzt ein Feuerftein- Schlofs. Der Lauf läfst fich wie bei den Lefaucheux- und LancaſterJagdgewehren um ein vor dem Griffbügel befindliches Charnier nach abwärts drehen, worauf eine circa fünf Zoll lange eiferne, genau in den Lauf paffende Ladekammer mittelft der an derfelben befindlichen Pfanne herausgenommen wird. Diefe Kammer kann nun entweder mit ledigem Pulver und Blei oder auch mit einer vorbereiteten Papierpatrone geladen werden, worauf fie wieder in den Lauf gefteckt und das Gewehr gefchloffen wird. Amerika. In wahrhaft prachtvoller Auswahl hatte E. Remington Gewehre feines Syftemes, und zwar nach den in Amerika für die Landtruppen und die Marine eingeführten, dann nach dem dänifchen, fchwediſchen, fpanifchen und egyptifchen Modelle ausgeftellt, und damit die weite Verbreitung diefes als Kriegswaffe ausgezeichneten Gewehres dargethan. Aufser den bekannten Syftemen von Peabody, Colt und Berdan fah man in der amerikaniſchen Abtheilung: Springfield- Gewehre für die Transformirung mit einer Art Wänzl- Verfchlufs, alle Stadien der Schäftung und der Erzeugung der einzelnen Gewehrbeftandtheile, verbefferte Sharpe's Gewehre und Karabiner mit Blockverfchlufs, bei welchen die verticale Bewegung des Letzteren durch die Drehung des Griffbügels gefchieht, Ward- Burton'fche Selbftfpanner mit Kolbenverfchlufs, deffen Feftftellung durch eine getheilte Schraube ermöglicht wird, endlich Laidley- Gewehre, welche eine Modification des Remington'fchen Syftemes find und auch fchon auf der letzten Parifer Ausftellung vorhanden waren. Die Metallpatronen der Union cartridge company gaben Zeugnifs von der hohen Stufe der Vollkommenheit, auf welcher fich diefer Fabricationszweig in Amerika befindet. Wenn wir jedoch das Facit auch der amerikanifchen Kriegswaffen- Expofition ziehen, fo lautet dasfelbe wie bei den meiften anderen Staaten nur dahin: Fabrication auf der Höhe der technifchen und militärifchen Anforderungen ftehend, das Vorgeführte aber durchgehends bekannt; auch in Bezug der Repetirwaffen, welche doch in Amerika zur Zeit des Seceffionskrieges ziemlich rafch lebensfähig geworden waren, auf der Ausftellung kein Fortfchritt bemerkbar. Es fcheint uns aber hier die Stelle, eines zur letzterwähnten Waffengattung zählenden Gewehres Erwähnung zu thun, welches zur Zeit der Ausstellung, jedoch nicht als ein für diefelbe beftimmtes Object von dem amerikaniſchen Capitän Meigs nach Wien gebracht und hier mehrfachen Proben unterzogen wurde. Diefes Gewehr gehört in die Claffe jener Repetirwaffen, welche das Magazin im Kolben haben. Letzterer vermag in Folge feiner eigenthümlichen Einrichtung einen mit 50 Patronen gefüllten eifernen Cylinder aufzunehmen, aus welchem die Patronen durch einen einfachen Mechanismus in den Lauf gebracht werden. Nähere Andeutungen über diefen Mechanismus zu geben, geftattet uns die Rückficht auf das geiftige Eigenthum des Capitäns Meigs nicht, doch müffen wir conftatiren, dafs der Erfinder zu wiederholtenmalen in Gegenwart von Commiffionen aus Fachmännern das Verfchiefsen fämmtlicher im Kolben befindlicher Patronen in dem Zeitraume von 22 bis 25 Sekunden ausführte. Das Laden, Abfeuern und 24 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Auswerfen der verfchoffenen Patronenhülfen erfolgt blofs durch das Vor- und Rückwärtsführen des Griffbügels. In balliftifcher Beziehung ift das Meigs'fche Gewehr bis jetzt vo keinem Werthe. 21 Um recht viel Patronen in den Ladecylinder bringen zu können, mufste der Erfinder die Patronen fo klein als möglich machen, demzufolge er ein fehr kleines Blei und die geringe Pulverladung von 3 Grammen anwendet. In Bezug auf Trefffähigkeit entspricht fein Gewehr auch auf den kleineren Diftanzen nu mäfsigen, keineswegs aber jenen hochgefpannten Anforderungen, welche heut Tage an ein Kriegsgewehr geftellt werden. Die Urfache hievon ift vornehmlic in dem Umftande zu fuchen, dafs Capitän Meigs vor Allem dem Verfchlufs- und Repetirmechanismus feine Aufmerkfamkeit zuwandte und diefen auf den höchfte Grad der Vollkommenheit zu bringen trachtete. Es liegt auch dem Repetitionswerk ein gefunder Gedanke zu Grunde, und könnte Meigs, wenn er fich mit einen erfahrenen Waffentechniker verbindet, unzweifelhaft feine bis jetzt noch im erfter Stadium befindliche Erfindung in kurzer Zeit zu einer wirklich brauchbaren, dam aber auch furchtbaren Waffe herausbilden. Feld- und Gebirgsartillerie, Feftungs-, Schiffs- und Küftengefchütze Oefterreich. Das öfterreichifche Reichs- Kriegsminifterium hat fich au principiellen Gründen an der Ausftellung nicht betheiligt. Mit fpecieller Einwilli gung des Minifteriums ift aber dennoch ein Object ausfchliefslich militärifcher Charakters zur Expofition gelangt, das als eminent eigene Schaffung feiner Or gane angefehen werden darf. Es ift diefs die von der Mafchinen- und Waggon fabrik in Simmering exhibirte eiferne Kafemattlaffete. Diefelbe hat mi beigetragen, der genannten Firma die Forfchrittsmedaille zu erwerben, obwoh Entwurf und Detail conftruction vom Oberlieutenant Julius Kotrtfch des tech nifchen und adminiftrativen Militärcomité herrühren. Diefe Laffete hatte fich be ihrer Experimentirung in dem Mafse bewährt, dafs fie im heurigen Sommer den öfterreichifchen Artilleriemateriale einverleibt wurde. Sie beſteht aus zwe Schilden a, Fig. 5, aus Flacheifen gefchweifst, von dreifeitig rahmenartiger Form Fig. 5. welche oben die Schildpfannen und unten Ach lager haben, dann aus einem liegend angeordneter gewalzten I- Träger bals Laffetenkörper. Diefe hat die Richtung eines gewöhnlichen Laffeter fchwanzes, an welchen die beiden Schilde recht und links derart angefchloffen erfcheinen, da die vorderen Dreieckfeiten ihrer Rahmenform ve tical und die diefen gegenüber liegenden Dreied fpitzen an der Längenmitte des Laffetenkörper a ४ שד C C - und t von ufste fehr Bezu n nu eut z mlic - und chfter werke einen erfte dan itze h aus willi fcher er Or go at mi wol tech h be den Zwe Form Ach Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 25 ruhen. Dem hinteren Ende des letzteren ift durch einen unten angefchraubten Holzklotz eine Art Protzftock- Form gegeben. Die Richtmafchine ift auf dem horizontal liegenden Hauptnerv des Trägers 6 aufgefchraubt, und befteht aus einer hohen, fixen, broncenen Mutter und einer darin mittelft Handkreuz bewegbaren Richt- Schraube. Der Hauptträger und ein die Schilde verbindender Querbolzen haben runde Durchläffe von etwa 80 Millimeter Durchmeffer. Diefe werden durch einen Leitbalken c paffirt, der vorne ein Reihloch befitzt und hinten eine Puffervorrichtung fträgt. Die Laffete wird auf einer Bettung gebraucht, welche aus fünf Querrippenhölzern und fechs Pfoften befteht; letztere liegen in der Rücklaufrichtung und werden auf die Querrippen- Hölzer mit langen Holzfchrauben und vorne noch dadurch niedergehalten, dafs ein gufseiferner Reihklotz auf den mittleren Pfoften aufgefetzt und mit zwei ftarken Schraubenbolzen durch den Pfoftenbelag hindurch an das vordere Querrippenholz angezogen ift. Der ftarke Reihnageld vereinigt endlich den erwähnten Leitbalken mit dem Reihklotze e. Beim Schuffe fpielt die Laffete genau längs des Leitbalkens zurück, nachdem fie, wie erwähnt, von diefem an zwei Punkten geführt ift, und gelangt dann an den Puffer; fie trägt zur entſprechenden Anlehnung an letzteren am Durchlaffe des I- Trägers einen paffend geformten Anfchlag. Der Leitbalken ift ein gewöhnliches fchmiedeifernes Wafferleitungsrohr, welches an feinem vorderen Ende ein Reihloch- Stück und hinten die Puffervorrichtung f eingefchraubt enthält; letztere ift jenen Kautfchukpuffern gleich, wie fie im Eifenbahnfache für Zughaken gebräuchlich find. Damit fich die Bettung vorne im Momente der Pufferwirkung nicht hebe, ift fie durch zwei in Canäle der Kafemattmauer eingefchobene Holzftücke niedergeftützt. nete 1 Diefe Heter recht - dal m ve eied rper Das Pufferende des Leitrohres dient endlich auch als Richthebel für Seitenrichtung. Die Laffetenachfe trägt zwei niedere, gufseiferne Rollräder mit Handfpeichen- Löchern am Umfange. Das Gefchütz läfst fich mit Handfpeichen durch zwei Mann leicht zurückführen, und durch drei Mann mittelft directen Angriffes, alfo ohne alle Hilfsmittel in einem Zuge nach vorne fchieben. Die befprochene Laffete gehört für Gefchütze zur Grabenbeftreichung; fie erinnert in ihrer allgemeinen Geftalt wohl an eine franzöfifche Conftruction, ift von diefer jedoch in der Detailanordnung fo differirend, dafs fie als vollſtändig neue Conception angefehen werden mufs. Insbefondere eigenthümlich ift die einfache Anordnung ihres Laffetenblockes, die neue und fehr correcte Anordnung des Leitrohres fammt Puffer, endlich die einfache und gelungene Bettungsconftruction. Der horizontale Drehpunkt des Gefchützes ift in Folge der letzteren der Bruftmauer bis auf 100 Millimeter nahegerückt. Das Rohr reicht weiter als mit feiner halben Länge in die Scharte, und ift der Beftreichungswinkel bei alledem mehr als ausreichend. Der hinterfte Punkt des rückgefpielten Gefchützes fteht nicht ganz drei Meter von der Bruft ab. Die Laffete ift endlich trotz des bedeutenden Gefchützkalibers( 15 Centimeter) fo compendiös, dafs die zur Aufftellung und Bedienung nöthige Räumlichkeit blofs 9 Fufs Breite und bei 3 Fufs rückwärtiger Communication 12 Fufs Tiefe erfordert. Sie ergab beim Verfuche eine Feuerfchnelligkeit von 30 Secunden per Schufs. Die Feuerhöhe der Laffete beträgt 1063 Millimeter. In der öfterreichifchen Abtheilung hatte ferner noch die Waffenfabrik in Steyr ein Exemplar der in der k. k. Armee eingeführten Mitrailleufe und in der ungarischen Abtheilung das königlich ungarifche Landesverthei 26 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. digungs- Minifterium ein Exemplar der für die Honvéds gehörigen, G. Siglin Wien erzeugten Mitrailleufen ausgeftellt. VO Beide Gefchützgattungen gehören dem Syftem Montigny an, und unter fcheiden fich blofs in einigen Nebenfächlichkeiten von einander. Da der Ausftellungsbericht unter Anderem auch dazu dienen foll, in fpäteren Tagen jenes Stadium der Ausbildung der vorzüglichften Waffen feftfteller zu können, wie diefes die Ausftellung gezeigt hat, fo erachten wir für nöthig, das Princip der Montigny- Mitrailleufe überhaupt, und die Einrichtung des bezüglicher öfterreichifchen Gefchützes insbefondere hier in Kürze klar zu legen, zumal das felbe in authentifcher publiciftifcher Form noch nirgends befprochen worden if Die Mitrailleufe Montigny befteht der Wefenheit nach aus einem Bündel parallel und fymmetriſch gelagerter, mit einer kanonenähnlichen Hülfe umge bener Gewehrläufe und aus einem Lade- und Abfeuerungsmechanismus, welcher mit Hilfe einer eigenen Ladeplatte das gleichzeitige Laden aller Läufe und das fucceffive Abfeuern derfelben geftattet. Diefe Waffe hat eine dem Kartätfchfchuffe ähnliche, und da fie laffetirt if auch eine das Infanteriegewehr an Trefffähigkeit überfteigende Feuerwirkung Die öfterreichifche Mitrailleufe befitzt 37 Gufsftahl- Läufe von der näm lichen inneren Einrichtung, wie die Läufe des Werndlgewehres. Die broncent Hülfe befitzt ungefähr in der Mitte eine ringförmige Verſtärkung mit einem vertical nach abwärts reichenden cylindrifchen Zapfen, mittelft deffen das Rohrbündel in der Laffete gehalten wird. Am rückwärtigen Ende der Hülfe ift die Verfchlufsgabel aufgefchraubt; zwifchen den verticalen Wänden derfelben befindet fich der Verfchlufsmechanismus, welcher der Hauptfache nach aus dem Verfchlufscylinder einer Zündstift- und Abzugsplatte, 37 Schlägern und ebenfo viel Zündftiften beſteht. Der Verfchlufscylinder enthält 37 zu feiner Axe parallele cylindrifche Löcher für die Aufnahme der Schläger. Letztere haben eine cylindrifche Geſtalt und nahe der Mitte eine fcheibenförmige Verſtärkung; ihr vorderer Theil if conifch und endet in einen Kopf mit flach gewölbter Stirne. Der rückwärtige, etwas verjüngte Theil fteckt in einer Spiralfeder, welche in gefpanntem Zuftande eine Expanfionskraft von 15 bis 16 Pfund befitzt, mit der auch der Schläger vor wärts gefchleudert wird. Auf dem Verfchlufscylinder ift die Kolbenplatte auf gefchraubt, an welcher der zum Zurück- und Vorführen des Gehäuſes beſtimmte Hebel befeftigt ift. Die Zündftift- Platte dient hauptfächlich als Lager für die Zündftifte und enthält demgemäfs gleichfalls 37 conifche Durchbohrungen. Die Abzugsplatte bildet das Mittelglied zwifchen dem Verfchlufs- und Abfeuerungsmechanismus und fteht mit dem Abzughebel, welcher auf und nieder bewegt wird, in Verbindung. Um das Abfeuern Lauf für Lauf möglich zu machen, ift die obere Kante diefer Platte mit fechs, gegen die vordere Fläche derfelben abgefchrägten Stufen verfehen. Das Laden der Mitrailleufe wird mittelft Ladeplatten bewirkt. Diefelben find aus Stahl erzeugt, mit Schubleiften, einer Handhabe und zur Aufnahme von Patronen mit 37 Durchbohrungen verfehen. Der Abzugsmechanismus ift, wie der Sperrhebel, ein gegliederter Winkelhebel und derart äquilibrirt, dafs er die mit ihm verbundene, im Verfchlufs gehäufe befindliche Abzugplatte ftets oben erhält. Die Wirkungsweife des Abfeuerungsmechanismus wird aus Folgendem klar werden: Wird der Verfchlus vorgedrückt, fo werden die Schläger durch die vorliegende Abzugplatte in ihre Lager zurückgefchoben und die Spiralfedern hiedurch gefpannt. Bewegt man den Abzughebel aus der horizontalen Lage nach aufwärts, fo wird die Abzugplatte nach abwärts gezogen, worauf die gefpannten Schläger einzeln frei werden, die Zündftifte gegen die Patronen fchnellen und diefe entzünden. Es kann fomit mit einem Hebelzug die ganze Ladeplatte mit 37 Patronen - - abgefeuert werden VO nter 1, in ellen das che das n ift inem mge lche 1 das rt ift ung näm cene rtical el in abel der nder Lifte ifche eftalt il if rtige ande Vor auf mmte = und latte sund ung ante tufen lben Von erter lufs des hlufs ihre den latte die mit -den Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 27 Der Streuungsmechanismus, welcher den Zweck hat, dem Rohre bei Abgabe einer Salve eine feitliche Bewegung zu ertheilen, in Folge deren das Ziel der Breite nach beftrichen wird, fteht fowohl mit dem Abzugshebel, als auch mit der Laffete in Verbindung, und ift derart eingerichtet, dafs durch die Drehung einer Schraube das Rohrbündel während des Feuers entweder unverrückt bleibt oder fich um ein gewiffes Mafs um feinen verticalen Zapfen dreht. Die gröfste Streuung beträgt auf 300 Schritt 15 Klafter, kann jedoch mit Hilfe einer an der Streuvorrichtung angebrachten Scala zwifchen Null und der eben angegebenen Grenze beliebig regulirt werden. Die beabfichtigte Streuung während der Abgabe einer Salve wird ftets fo bewirkt, dafs die Axe des Streuungskegels in die Mittelebene der Laffete fällt. Damit die Schläger erft dann zur Thätigkeit gelangen, wenn das Ver fchlufsgehäufe mit der eingefchobenen Ladeplatte an der rückwärtigen Fläche des Laufbündels anliegt, ift der Abzughebel mit einer Sperrvorrichtung in Verbindung gebracht, welche den befagten Zweck präcife erfüllt. Zum Richten dient ein am Rohrkopf- Ringe befeftigtes Vifirkorn und ein Rahmenauffatz, deffen Diftanzfcala bis 1600 Schritt reicht. Ein Deckel mit Kautfchukadjuftirung ift zum Schutze der Mündungen am Rohre angefchnallt. Das Schiefsgeftell der Mitrailleufe bildet eine hölzerne, mit eiferner Achfe und den Rädern des 4- Pfünders verfehene Laffe te mit parallelen Wänden. Das Rohrbündel ruht mit feinem verticalen Zapfen in einem eifernen Lager, deffen Schildzapfen in den Laffetenlagern eingelegt find. Der Deckel des Laffetenkaftens kann als Sitz benützt werden. Die Richtmafchine ift der bei den öfterreichifchen Feldgefchützen eingeführten nachgebildet, mit dem einzigen Unterfchiede, dafs die SchneckenradMutter fammt der Richtfchraube fich in einem eifernen Gehäufe befindet, durch welches überdiefs die Kurbelwelle geht. Auf der Achfe, zwifchen den Rädern und der Laffete befinden fich zwei in je zehn Fächer eingetheilte Käften für je zehn geladene Ladeplatten. Ein unter den Laffetenwänden befeftigtes Netz aus Eifendraht dient zur Aufnahme der abgefeuerten Ladeplatten bei fehr fchnellem Schiefsen. Die Seitenrichtung wird mit einem Richtbaume gegeben. Eine gewöhnliche 4- pfündige Protze, jedoch ohne Reihfchiene, bildet das Vordergeftell. Der Protzkaften, deffen Rückwand zum Oeffnen eingerichtet ift, dient zur Aufnahme von vier Einfatzkäften, deren jeder acht gefüllte Ladeplatten enthält. Es befinden fich demnach beim Gefchütz 20+ 32= 52 geladene Patronenplatten, das ift 1924 Schufs. Der Munitionswagen, ein adaptirter 4- pfündiger, hat auf der rechten Tragwand eine fehr einfach eingerichtete Hülfenausftofs- Vorrichtung, mittelft deren die ausgefchoffenen Patronenhülfen aus den Ladeplatten entfernt werden. Im Kaften werden neun gepackte Gewehrpatronenund ein Requifitenverfchlag untergebracht. Die Wagenprotze ift der Gefchützprotze gleich. Die Munition der Mitrailleufe beſteht in fcharfen und blinden Patronen, welch' beide den beim Werndlgewehre eingeführten gleich find. Zur Bedienung eines Gefchützes find fieben Mann defignirt, von denen vier auf dem Protzkaften und drei auf dem Munitionswagen fortgebracht werden. Sowohl die Mitrailleufe als der Wagen werden mit je vier Pferden befpannt. Die Mitrailleufe der Honvèds unterfcheidet fich von jener der gemeinfamen Armee nur dadurch, dafs die Laufbündel- Hülfe und die Verfchlufsgabel aus Eifen find, dafs fie eine andere Streuvorrichtung befitzt, und gleichwie die belgifche fiebenläufige Mitrailleufe mit einer ftählernen Blende verfehen ift. 28 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Was die balliftifche Leiftungsfähigkeit diefer Gefchütze von Kaliber II Millimeter betrifft, fo wollen wir hier nur erwähnen, dafs zehn bis zwöl Ladeplatten à 37 Schufs, mit 370 bis 444 Schufs per Minute abgegeben werden können. Maximaldiftanz 15- bis 1600 Schritt. Hinfichtlich der Kriegsbrauchbarkeit der Mitrailleufen beziehen wir uns auf das in der Einleitung Gefagte; wir glauben, dafs weder die Manövri fähigkeit der fraglichen Gefchütze bis zu einer gewiffen Grenze, noch deren entfprechende Wirkungsfähigkeit, eine gute Munition, gefchulte Bedienung und richtige Führung natürlich vorausgefetzt, für beſtimmte Fälle der heutigen Krieg führung angezweifelt werden darf. Doch aber dürften fie fich beffer für die Defen five als für die Offenfive eignen, und im Feftungskriege eine hervorragendere Rolle als im Feldkriege fpielen. Deutfches Reich. Friedrich Krupp Gufsftahlfabrik in Effen Krupp hatte aufser Mufter feines Eiſenbahn- und Schiffsmafchinen- Materials eine umfaffende Sammlung von Gefchützen nach Wien gefendet, ein fyftematiſch geord netes Ganzes, wie es von keinem der übrigen Ausfteller in diefer Branche hie vorhanden war.* Dreizehn Gefchütze, vom kleinften bis zum gröfsten der gegenwärtig im Gebrauche befindlichen Kaliber fammt Laffeten, Rahmen und Munition, über fichtlich geordnet, gaben ein Bild von dem grofsartigen Fortfchritte der Neuzeit in der Gefchützerzeugung. wie es inftructiver kaum gedacht werden konnte. Das zu Anfang der fechziger Jahre immer gefteigerter hervortretende Bedürfnifs nach widerftandsfähigen Gefchützen grofsen Kalibers für die Armirung der Kriegsfchiffe und Küftenplätze hatte dem Etabliffement Krupp's einen Induftrie zweig von grofser Bedeutung eröffnet. Bis zu welch' hohem Grade der Vollendung derfelbe gebracht werden könne, hat Krupp bereits auf der Parifer Ausftellung 1867 durch den bekannten 1000- Pfünder dargethan. Seither ift die Fabrik unermüdlich in ihren Beftrebungen gewefen, und hat nicht nur eine immenfe Lieferungsfähigkeit bewiefen, fondern, was Neuconftructionen betrifft, auch a Laffetirungen fehr Werthvolles gefchaffen. Der riefige Auffchwung der Effener Kanonenfabrication wird am befter dadurch illuftrirt, dafs die Krupp'fchen Gefchütze, welche auf der letzten Parifer Ausftellung gewiffermafṣen nur als Individuen erfchienen waren, in Wien fchon ein fertiges Syftem repräfentirten. Nicht minder bedeutend zeigte fich der Fortfchritt im Baue der Laffeten, da die englifchen, ehedem unübertrefflichen Laffeten fowohl in Bezug auf Neuheit der Idee als auch hinfichtlich der Ausführung durch die Krupp'fchen Conftructionen bereits überflügelt worden find. Zum Kanonengufs wird in Effen eine zu diefem Zwecke befonders geeignete Gattung Tiegelgufs- Stahl verwendet. Sobald der Stahl den geforderten heifs * Das Etabliffement, welches im Jahre 1810 durch Friedrich Krupp errichtet wurde bedeckt heute einen Flächenraum von über 400 Hektaren, und befchäftigt über 12.000 eigene Arbeiter und 2000 verfchiedene Bau- Unternehmer; in der Hütten- und Grubenverwaltung ftehen aufserdem noch 5000 Arbeiter in Lohn. Die Zahl der Beamten beträgt 739. Im Jahre 1872 betrug das Quantum des durch Gufs producirten Stahles 135 Milliones Kilogramm. Mit Schlufs des letzten Jahres waren vorhanden: 920 Oefen verfchiedener Conftruction, 275 Coaksöfen, 221 Schmiede- Effen, 307 Dampfkeffe ( mit einer Gefammt- Heizfläche von circa 16.000 Quadratmeter), 71 Dampfhämmer mit 2- bis 1000 Centner Gewicht, 286 Dampfmafchinen von 2 Pferdekräften angefangen bis zu 500 800 und 1000. Der Kohlen- und Coaksverbrauch erreichte die jährliche Quantität von 500, refpec tive 125 Millionen Kilogramm. Die Bergwerks- Verwaltung umfafst 414 Eifenftein- Gruben mit einem Grubenfelde von mehr als 2 Millionen Quadratmeter. Die Hüttenverwaltung umfafst 5 Hütten mit 11 Hochöfen, eine Coakerei mit 140 im Betriebe und 120 Oefen im Bau. Oefen Die Production der Hütten beträgt per Monat nahezu 12 Millionen Kilogramm Roheifen. Vom zwölf erden iehen Svrir Here gund rieg efen ndere ffen = eine eord hier ärtig über euzeit Cende irung ftrie dung llung abrik menfe th an efte arifer n ein chrit wohl h die gnete heifs vurde eigent altung iones keffel 2- bis 1500 efpec felde Defen ram Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewe.en. 29 flüffigen Zuſtand erlangt hat, werden auf Commando des Gufsleiters die Tiegel aus den Schmelzöfen gehoben und in die zu einem gemeinfchaftlichen Refervoir führenden Zuleitungsrinnen entleert, von wo aus das Metall in einem continuirlichen Strome der Form zufliefst. Nach dem Erftarren des Gufsftückes hebt man es mittelft eines Krahnes aus der Grube und bedeckt dasfelbe, falls es nicht gleich unter den Hammer kommt, mit Kohlenftaub, der darauf fortbrennt und mehrere. Wochen hindurch erneuert wird. Bevor man den Ingot der eigentlichen Hammerarbeit unterzieht, mufs er zuerft im Reverberir- Ofen erhitzt werden. Ehedem wurde der Rohrkörper in den geforderten Dimenfionen aus dem maffiven Stahlblock gefchmiedet, ohne eine andere Verftärkung am Rohre zu erhalten. Allein die gefteigerten Anfprüche an die Leiftungsfähigkeit fchwerer Gefchütze, fowie die Unzulänglichkeit felbft der grofsartigften technifchen Hilfsmittel, das Durchhämmern fehr grofser Ingots mit Verlässlichkeit zu bewirken, hat auch bei Stahlrohren zur Verwerthung der Vortheile künftlicher Metallconftructionen geführt. Dermalen beftehen die Krup p'fchen Schiffs- und Küft engefchütze aus einer ft arken Kernröhre, auf welche je nach dem Kaliber eine, zwei bis drei Ringlagen mit Preffion aufgefchoben werden. Das Aufziehen diefer gefchmiedeten Stahlringe, deren Verminderung im inneren Durchmeffer zum äufseren Diameter der zu umfpannenden Rohrtheile fowohl theoretifch, als auch praktiſch fehr genau feftgeftellt wird, gefchieht im warmen Zuftande; die Ausübung der Preffion auf die Kernröhre und der innige Anfchlufs der Ringe untereinander erfolgt bei ihrem Erkalten. Sämmtliche Kanonen find für die Hinterladung nach dem preufsifchen( Preffions-) Syftem eingerichtet, und befitzen den Krupp'fchen Rundkeil- Verfchlufs. Nach diefem Principe erzeugte Rohre hat die Effener Fabrik fchon 1867 in Paris exhibirt, und es wiefen daher die bezüglichen Rohrconftructionen auf der Wiener Ausstellung keine wefentlichen Neuerungen auf. Aus der auf Seite 30 folgenden Tabelle find die ausgeftellt gewefenen Gefchütze und zugleich die wichtigften auf diefelben Bezug nehmenden Daten zu entnehmen. Das für die Küftenvertheidigung beftimmte 3012- Centimeter- Gefchütz ift nach demfelben Principe conftruirt, wie das kürzlich in der deutfchen Küftenartillerie eingeführte 28- Centimeter-( 11- Zöller-) Rohr. Die Bohrungsröhre ift von 3 Ringlagen umgeben, und hat das Rohr links und rechts eine Vifirvorrichtung. Die Zündung erfolgt central durch den Verfchlufskeil, der für diefen Zweck mit einem ftählernen Zündlochftollen mit Kupferfutter verfehen ift. Die Krupp'fchen Schiffs- und Küftenlaffeten find im Allgemeinen aus Schmiedeifen hergeftellt; einzelne Theile, wie Achfen, Wellen, Zapfen, die Cylinder- und Kolbenftangen der hydraulifchen Bremfen und die Rahmenrollen der Küftenlaffeten beftehen dagegen aus Gufsftahl. Gufseifen hat nur bei kleinen Rollrädern Anwendung gefunden. Das 30- Centimeter- Rohr lag in einer Küftenlaffete, wie folche Krupp vom 15 Centimeter- Kaliber aufwärts für feine Rohre erzeugt. Diefelben unterfcheiden fich von den für leichtere Rohre gebräuchlichen Räderlaffeten dadurch, dafs zur Erleichterung der Bedienung die eigentliche Oberlaffete, der Rapert, auf einem auf 4 Rollen drehbaren Rahmen ſteht, deffen Pivot dicht hinter der Bruftwehre fich befindet. Der Pivotbock und die Schwenkfchienen( Unterlage der rückwärtigen Rollen) find auf einer foliden Bettung befeftigt. Die Feuerhöhe der Küftenlaffeten ift fo bemeffen, dafs die Rohre noch mit etwa 6 Grad Depreffion über eine Bruftwehre von 1890 Meter fchiefsen können. 30 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. 1 I I Gefchützgattung I Millimeter Kaliber Meter Kilogramm des Rohres Länge Verfchlufs Gewicht fammt Meter Länge der Bohrung Zahl der Züge Gattung Meter Länge des Dralles Gewicht Gefchützladung bei Gemeffene Centimeter 301/2 Kanone in der KüftenLaffete 305 6.7 36.600 5'77 72 Parallelzüge mit gleichförm. Drall 21.79 257 50 460 296 60 465 5650 15.350 28 Haubitze in der KüftenLaffete 280 3'2 10.000 2'52 72 detto II'2 199 20 9220 Kurze 26 Schiffskanone in der BatterieLaffete 260 5'2 18.000 4'42 64 detto 18.2 159 30 450 184 37'5 45° 8756 24 Lange Kanone in der BatterieLaffete für Kafemattfchiffe 235 4 5'23 15.500 4'51 32 Progreffive Keilzüge 16:48 1185 20 424 135 24 43° 7810 21 in der KüftenLaffete 209 2 4'708 10.000 4'106 30 detto 14 23 79 14 43° 95 17 43° 7200 21 Belagerungs- in der RahmenKanone 209 2 Laffete 34 3.900 2'91 30 detto 12'36 79 6.5 300 . . 922 1728 17 in der OberdeckLaffete Lange Kanone 15 in der SchiffsLaffete 172 6 4 259 149 1 3.85 5.600 3.78 48, Parallelzüge mit gleichförm. Drall II 2 45 IO 465 55 I2 460 3490 4.000 3'43 48 Keilzüge 9'7 28 6.5 465 35 8 460 2440 15 Belagerungs- in der RäderKanone 149.1 Laffete 3.44 3.000 3'04 36 ProgreffivKeilzüge 9'7 28 9 47° . . . 1845 I2 Kanone in der SchiffsLaffete 120'3 2'925 1.400 2.602 18 detto 8.42 15'5 3 450 17'5 3'5 450 895 86 FeldKanone 6 Gebirgs91 5 2'04 78.5 I'935 60 I'250 425 1819 16 295 1728 12 107 1'130 18 detto 4'53 6.9 0.6 322 detto Parallelzüge 3.62 4'3 0'5 357 . . . 546 . 2'10 2'31 O'2 00 460 109 . . Langgranate Kilogramm Anfangsgefchwindigkeit Gewicht der gufseifernen der StahlMeter Kilogramm Gefchützladung bei Gemeffene Anfangsgefchwindigkeit der Laffete granate Meter Kilogramm Gewicht des Rahmens mmt fs ung Allgemeine Bewaff nung und Artilleriewefen. 31 Der Rapert befteht aus den beiden Seitenwänden, der vorderen und hinteren Querwand und dem Bodenblech. Die Seitenwände find nur bei den 15- Centimeter- Laffeten aus einfachen Blechen, bei den gröfseren Kalibern aus doppelten, durch einen ringsum laufenden, fchmiedeifernen Nietkranz verbundenen Blechen hergeftellt. An den Seitenwänden ift die Richtmafchine( Fig. 6) zum Nehmen der Höhenrichtung angebracht. Diefelbe ift Fig. 6. lles ung e keit ung e keit Gewicht zu beiden Seiten des Rohres fymmetrisch angeordnet, und befteht je aus dem gezahnten Richtrade g, welches in den am hinteren Ringe des Rohres mittelft des Richtzapfensi( aus Bronce) befeftigten Zahnbogen h eingreift. Der Richtzahn- Bogen wird durch eine an feiner inneren Seite angebrachte Führungsrolle k im Eingriff mit den Zähnen des Richtrades erhalten. Zur Bewegung des Letzteren und fomit des Rohres dient an der linken Seite die Handfpeichen- Scheibe 7, in deren am äufseren Umfang angebrachten Löcher die Richtfpeichen eingefteckt werden können, an der rechten Seite das Griffrad m, welches bei gröfseren Kalibern nicht direct auf der Achfe des Richtrades fteckt, fondern zur Erleichterung der Bewegung mit derfelben durch ein Zahnradvorgelege verbunden ift. Zum Feftftellen des Rohres nach dem Nehmen der Höhenrichtung dient die Bremsmutter n mit zwei Griffen, durch deren Drehung rechts herum man das Richtrad an der Wand des Raperts feftklemmen kann. Zum Zurückholen und zum Ausrennen des Raperts find vier Rollräder angebracht, von denen die hinteren auf exentrifch gelagerten Achfen ftecken und durch Hebel foweit niedergedrückt werden können, dafs das Bodenblech fich vom Rahmen abhebt und auch die vorderen, auf feft gelagerten Achfen fteckenden Rollen zum Tragen kommen. Bei der 15- Centimeter- Küftenlaffete hat jedes Rollenpaar eine gemeinfame Achfe, die in den Seitenwänden gelagert iſt, und auf welcher die Rollen dicht an der Innenfeite des Bleches der Seitenwand laufen. Die hinteren Rollräder treten durch eine in dem Bodenblech angebrachte Oeffnung auf die Rahmenbalken. Der Hebel der hinteren Laffetenrollen, der am Fig.7. ( P Y 32 Guftav Semrad und Johann Sterbenz linken Kopfende der Achfe aufgefteckt ist, wird in ruhender Stellung durch eine an der Seitenwand angebrachte Klinke feftgehalten. Bei den Laffeten der gröfseren Kaliber, von 17 Centimeter an, befinden fich die Rollräder des Raperts zwifchen den beiden Blechen der Seitenwände aufserhalb des Nietkranzes. Jede Rolle hat ihre eigene, in den beiden Wandblechen gelagerte Achfe. Bei Anordung der hinteren Rollräder ift hier auf die Anbringung der felbftthätigen Ausrennvorrichtung Rückficht genommen, welche bei diefen Laffeten nach jedem Schuffe Rapert und Rohr wieder in die Ladeftellung bringt, ohne wie bei den 15- Centimeter- Laffeten, das Einrücken der hinteren Rollräder durch die Mannfchaften zu erfordern. Einen. Haupttheil derfelben bilden zwei Keilfchienen, welche hinter dem Rapert auf dem Rahmenbalken aufgefchraubt find. Auf diefe laufen beim Schuffe die hinteren Rollräder des Raperts auf und werden dadurch allmählig fo weit gehoben, dafs auch die vorderen Rollräder zum Tragen kommen, und nach beendigtem Rücklauf vermöge der Neigung des Rahmens nach vorn das fofortige Ausrennen bewirken. Zur geraden Führung des Raperts beim Rücklauf find unter dem Bodenblech Führungswinkel angebracht und das allzu hohe Auffpringen oder Bocken des Raperts beim Schufs wird durch die unter die Flanfchen der Rahmenbalken greifenden Bodenklammern verhütet. Zur Begrenzung des Vor- und Rücklaufes dienen vorn und hinten auf dem Bodenblech angebrachte Puffereifen, welche gegen die am Rahmen angebrachten Puffer anrennen. Zum Hemmen des Rücklaufes von Rohr und Rapert dient die hydraulifche Bremfe( Fig. 7). Den Haupttheil derfelben bildet der aus Gufsftahl gefchmiedete, gebohrte und abgedrehte Cylinder a, der hinten durch einen aufgefchraubten, gefchloffenen Bodenflanfch b feft gegen die hintere Querverbindung des Rahmens angefchraubt ift, und vorn durch den Cylinderbügel c an einem Querftege desfelben feftgehalten wird. Das vordere Ende des Cylinders ift ebenfalls mit einem aufgefchraubten oberen Flanfch d verfehen, an welchem der Cylinderdeckel e mit Schrauben befeftigt ift. Am Bodenflanfch befindet fich die Verfchlufsfchraubef, welche das Füllloch fchliefst, am Cylinderdeckel der Ablafs hahng. Im Cylinder bewegt fich mit einigem Spielraum der Kolben h, welcher Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 33 mit vier Löchern durchbohrt ift. Die an demfelben befeftigte Kolbenstange i aus Gufsftahl tritt durch den Cylinderdeckel, in welchen fie durch eine mittelft der mit Gewinden verfehenen broncenen Stopfbüchfe k anziehbaren Hanfpackung verdichtet ift, in den Cylinder, und wird vorne durch zwei Muttern mit dem Kolbenstangen- Lager/ verbunden, welches am vorderen Ende des Bodenbleches des Raperts angefchraubt ift. Die Wirkungsweife der hydraulifchen Bremfe ift folgende: Der Cylinder ift bis auf ein gewiffes, darin verbleibendes Luftquantum mit Glycerin gefüllt, welchem vor Waffer defshalb der Vorzug gegeben wurde, weil es weder dem Gefrieren, noch dem Verdunften ausgefetzt ift. Beim Rücklauf drückt der Rapert mittelft des Kolbenftangen- Lagers und der Kolbenftange den Kolben, welcher vorn dicht hinter dem Cylinderdeckel fteht, tiefer in den Cylinder hinein, fo dafs fich die ausweichende Flüffigkeit mit grofser Gefchwindigkeit durch die Löcher des Kolbens preffen mufs. Hiedurch wird allmälig der Rapert zum Stehen gebracht. Der beim Beginn des Rücklaufes die wirkenden Theile treffende Stofs wird durch die gleichfam als elaftifches Kiffen dienende Luft des Cylinders wefentlich gemildert. Da der Widerftand der Flüffigkeit bei geringer Gefchwindigkeit des Kolbens fehr klein ift, fo fetzt die hydraulifche Bremfe dem langfam erfolgenden Vorlaufen kein Hindernifs entgegen. Der Rahmen befteht im Wefentlichen aus zwei Rahmenbalken, die aus Blech- und Winkeleifen mit vorderer und hinterer Querverbindung hergeſtellt find; er ruht auf zwei Paar gufsftählernen Rollenrädern, deren Achfen in ftarken fchmiedeifernen Lagern befeftigt find. Die Lauffläche der hinteren Rollräder ift mit einer Anzahl radialer Einbohrungen verfehen, in welche Handfpeichen eingefteckt werden können, um die Rollen zu drehen und dadurch Seitenrichtung zu nehmen. Zum Zurückbringen( oder Einholen) des Raperts dient die Tauwinde. Diefelbe befteht aus einer Kneiffcheibe q( Fig. 8), in deren V- förmigem Rande Fig. 8. GO fich das Windetau feftklemmt, und welche durch eine Kurbel mittelft Zahnrad und Getriebe in Umdrehung verfetzt werden kann. Bei fehr fchweren Gefchützen ift zwifchen Kurbel und Kneiffcheibe ein doppeltes Zahnradvorgelege vorhanden. Alle diefe Theile find an einem Lagerarm r angebracht, der unten mit einem Zapfen in das entfprechend geftaltete Loch des am hinteren Ende der Rahmenbalken an jeder Seite befindlichen Windekaftens s eingefteckt werden. kann. Zum Einholen wird an jeder Seite das eine Ende des Windetaues mit einem Haken in das Seitenauge der Raperts eingehängt und das andere um die 3* 34 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Kneiffcheibe gefchlungen und ftraff angezogen, worauf man durch Drehen der Kurbel das Tau und den Rapert in Bewegung fetzt. Der Gefchofskrahn befteht aus einer gebogenen fchmiedeifernen Säule, welche an der rechten Rahmenfeite drehbar gelagert ift. Am Fufsende derfelben ift eine Tauwinde angebracht, deren Trommel durch eine Kurbel mit Zahnrad- Vorgelege bewegt wird, und deren Tau über die Krahnfäule fo geleitet ift, dafs es fich beim Drehen derfelben weder verlängert noch verkürzt, und daher die Bewegung des Krahnes nach keiner Richtung hin erfchwert. Die Gefchoffe werden in fahrbaren Gefchofstragen neben den Krahn gebracht und von demfelben bis zur hinteren Rohrmündung gehoben. Bei den Küftenlaffeten der Rohre von 21 Centimeter Kaliber an ift zum Nehmen der Seitenrichtung die Kettenwinde angebracht. Diefelbe wird mit dem hinteren Ende des Rahmens verbunden durch das demfelben feft angefchraubte Kettenwinden- Geftell, conftruirt aus Blechen und Winkeleifen, in welchem alle beweglichen Theile gelagert find. Der wich tigfte derfelben ift die gezahnte Kettenfcheibet( Fig. 9), in deren Umfang Fig. 9. die an der Bettung mit ihren Enden befeftigte Kette eingelegt und durch eine Anzahl von Zähnen, welche feitlich zwifchen die Glieder greifen, feftgehalten wird. Ein Paar an jeder Seite angebrachter horizontaler und verticaler Führungsrollen w und u² dient dazu, die Kette bei der Bewegung ftets gerade und gleichmässig auf die Kettenfcheibe zu leiten. Wird nun letztere durch Umdrehung der Kurbel welche mit derfelben durch Zahnrad und Getriebe in Verbindung fteht, in Bewe gung gefetzt, fo windet fich die Kettenfcheibe an der feften Kette fort, wodurch dem Rahmen eine genaue, leichte und genügend rafche Seitenrichtung ertheilt wird. Für den Fall eines Kettenbruches dienen Taljen nnd Handfpeichen als Referve. Am vorderen Rahmenende ift mittelft eines horizontalen Bolzens eine Pivotklappe angebracht, welche den Rahmen mit dem in einem gufseifernen Pivot bock fteckenden Pivotbolzen verbindet. Die Fufsplatte des Pivotbockes ift fo nder rnen ende mit eitet und rahn zum das chen wich fang Allgemeine Bewaffnung und Artillerieweien. 35 breit gehalten, dafs die vordere Bogenfchiene noch darauf angebracht ift; die hintere Bogenfchiene wird auf der Bettung befeftigt. Beide Schienen find aus Stahl hergestellt und haben eine abgerundete Lauffläche, über welche die Flanfchen der Rollräder greifen, um den Rückftofs direct auf die Bettung zu übertragen und das Pivot theilweife zu entlaften. Nachdem wir im Vorigen die Einrichtungen der Krupp'fchen Küftenlaffeten befchrieben, haben wir bezüglich jener des 3012- Centimeter- Gefchützes nur noch zu bemerken, dafs fie zum Feuern über Erdbruftwehren von 19 Meter Höhe beſtimmt ift, und eine Lagerhöhe von 2.380 Meter hat. Die Einrichtungen der Laffete fammt Rahmen fichern dem Gefchütze eine im Verhältniffe zu feinem Gewichte fehr leichte und fchnelle Bedienung. An Gefchoffen find für die 301- Centimeter- Kanone Stahl-, Hartgufs- und Langgranaten in Ausficht genommen. Die Gewichtsunterfchiede derfelben find folgende: Stahlgranate Hartgufsgranate Langgranate Kilogramm Gewicht des Kernes . 267.3 278.0 219.2 Bleimantels وو " " der Sprengladung .. 21-7 7 21 7 23 3.3 14.8 " des geladenen Gefchoffes 296 303 257 Die Maximal- Gefchutzladung wurde mit 60 Kilogramm prismatifchen Pulvers von der Dichte 17 bis 176 angenommen. Die Kartufchen find allongirt, und enthält eine 1421 bis 1425 Prismen in 33 Schichten, wovon in 32 Schichten je 44, in einer Schichte 16 bis 17 Prismen gelagert werden. Im Monate Auguft vorigen Jahres wurden auf dem Schiefsplatze der Fabrik mit einem dem ausgeftellten ganz gleichen 30 1/ 2- Centimeter Rohre 25 Schufs zur Ermittlung der anzuwendenden Pulverladung und zur Erprobung der Widerstandsfähigkeit des Rohrmaterials und der Functionirung der Abfchlufsvorrichtung mit den Ladungen von 40, 50, 60 und 65 Kilogramm und 301 Kilogramm fchweren gufseifernen Vollgefchoffen mit dünnen Bleimänteln abgegeben, wobei GefchofsAnfangsgefchwindigkeiten und Gasfpannungen ermittelt wurden; erftere mit dem Le Boulengé- Apparate gemeffen, ergaben bei den obigen Ladungen auf 35 Meter vor der Mündung 353 3, 403'5, 440 5 und 460 7 Meter, während letztere, mit dem Rodman'fchen Apparate gemeffen, im Mittel 1266, 1980, 2120 und 2890 Atmofphären betrugen. Im Februar 1873 fanden in Gegenwart von öfterreichifchen und preufsifchen Artillerie- Officieren ausgedehntere Verfuche ftatt, bei welchen im Ganzen 207 Schufs, und zwar: 5 Schufs mit 20 Kilogramm eine ird. gemacht wurden. nu' auf -bel we urch meilt als eine vot t fo I " 29 40 "" I " " 200 27 5° 60 " " " Am erften und letzten Verfuchstage wurden Anfangsgefchwindigkeiten gemeffen, wobei mit der Ladung von 60 Kilogramm 455.8 Meter, beziehungsweife 4617 Meter erhalten wurden. Die diefen Gefchwindigkeiten entfprechende Kraft liefs die Schlufsfolgerung zu, dafs das 302- CentimeterGefchütz auf einer 14 Zoll dicken Panzerplatte denfelben Effect leiften würde, als das 28- Centimeter- Gefchütz gegen eine 12 zöllige Platte. Was die Gasfpannungen betrifft, fo war an einem Verfuchstage die mittlere Gasfpannung 2355 Atmoſphären; die gröfste beobachtete Spannung etrug 3330 Atmoſphären, was von der dem Krupp'fchen Stahle zukommenden Elafticitätsgrenze von 4000 Atmoſphären noch bedeutend abweicht. 36 Die Unterfuchung des Rohres nach Beendigung des Verfuches ergab mit Ausnahme einiger leichten Ausbrennungen am oberen Theile des Gefchofslagers, die jedoch für die fernere Brauchbarkeit des Rohres von keiner Bedeutung waren, keinerlei Befchädigungen. Für, fämmtliche aus dem Rohreabgegebene Schüffe hat blofs ein Verfchlufsapparat gedient, Guftav Semrad und Johann Sterbenz Fig. 10. welcher ftets in fehr befriedigender Weife functionirt hatte; ebenfo war blofs ein Abfchlufsring benützt worden, der nie verfagte. Auch die Laffe te hatte fich während der ganzen Verfuchsperiode fehr gut bewährt. Der Rücklauf der Laffete auf dem unter 4º geneigten Rahmen beträgt ungefähr 15 Meter bei der Maximalladung von 60 Kilogramm. Der Cylinder der hydraulifchen Bremfe wurde mit 70 Liter Glycerin gefüllt; derfelbe fafst im Maximum 74 Liter. Aus Vorftehendem erhellt, dafs das 302- Centimeter- Gefchütz, foweit die bisherigen Verfuche eine Beurtheilung zulaffen, vollkommen entfprochen hat; die eigentliche Leiftungsfähigkeit und Verwendbarkeit desfelben wird erft nach den in Ausficht genommenen, weiteren Verfuchen zur Erprobung der Tragweite und Schufsrichtigkeit conftatirt werden können. Das der 302- Centimeter- Kanone an Kaliber am nächften kommende Object der Krupp'fchen Expofition war die 28- Centimeter- HinterladungsHaubitze,( Mörfer) das gröfste der bis jetzt exiftirenden Gefchütze diefer Art. Die Figur 10 veranfchaulicht diefe Haubitze in der Aufftellung auf dem Rahmen.* * Durch die Copiatur der betreffenden Zeichnung mittelft Photographie gefchah es, das das auf diefem Wege erhaltene pofitive Bild dem Xylographen ausgefolgt wurde, welcher nu Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 37 Um den Werth folcher Wurfgefchütze zu kennzeichnen, darf nur auf deren ganz aufserordentliche Treffficherheit, die ungeheure Durchfchlagskraft ihrer gewichtigen Projectile, verbunden mit einer höchft ausgiebigen Sprengwirkung, hingewiefen werden. Das durch diefe Gefchütze ermöglichte präcife Verticalfeuer wird denfelben namentlich in Küftenplätzen eine hervorragende Rolle zutheilen, da der Effect eines gut angebrachten Wurfes bei der Schwäche des Schiffsdeckes felbft für das mächtigfte Panzerfahrzeug fehr gefahrbringend werden kann. Oefterreich, Preufsen und Rufsland haben fich bei Annahme der gezogenen Wurfgefchütze für das Hinterladungs- Syftem entfchieden, während die anderen Staaten von der Vorderladung Gebrauch machen. Die Laffete der 28- Centimeter- Hinterladungs- Haubitze gleicht der für Kanonen beftehenden Küftenlaffete, und unterfcheidet fich von diefer hauptfächlich dadurch, dafs die ganze untere Fläche der Rahmenbalken beim Schufs auf der Bettung aufliegt, um den Rückftofs auf eine gröfsere Fläche zu vertheilen Für das Nehmen der Seitenrichtung wird der Rahmen auf Rollen geftellt, zu welchem Zwecke die hinteren Rahmenrollen excentrifch gelagert find. Die Höhenrichtung wird durch eine Zahnbogen- Richtmafchine gegeben, die aber infoferne von der bereits befchriebenen, der gewöhnlichen Laffeten abweicht, als das Rohr nur mit einem in der Verticalebene der Axe desfelben befeftigten Zahnbogen verfehen ift. Zum Laden wird das Rohr auf 4° Senkung geftellt. Wie bei den anderen Küftenlaffeten bilden auch hier Gefchofskrahn, Kettenwinde, hydraulifche Bremfe und felbftthätige Ausrennvorrichtung Beftandtheile der Laffete. Der Drehpunkt des ganzen Syſtems liegt im vorderen Querriegel des Rahmens. Die kurze 26- Centimeter- Kanone, welche für den Gebrauch in Breitfeiten- Batterien von Panzerfchiffen beftimmt ift, lag in einer Schiffs laffete, die fich von den übrigen Krupp'fchen Laffeten durch die Conftruction der hydraulifchen Bremfe unterfcheidet. Krupp wollte nämlich durch diefe Conftruction dem Bedürfniffe entſprechen, die Laffete auf jedem Punkte des Rahmens fefthalten zu können. Die Figur 11 gibt ein Bild diefer Bremfe. Diefelbe beſteht in den Hauptbeftandtheilen aus dem Bremscylinder a, dem Communicationsrohr 6 und der Fig. 11. b daf nu m das Cliché herftellte. Daher erfcheint in obiger Figur der Gefchofskrahn auf der linken, der Bewegungsmechanismus der Richtmaschine aber auf der rechten Seite des Gefchützes, während das Gegentheil richtig ift, ein Mangel, welcher im Uebrigen den Werth der Zeichnung nicht weiter beeinträchtigt. 38 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Auslösvorrichtung des Ventils. Der Bremscylinder und das mit demfelben durch Schrauben feft verbundene Communicationsrohr find gemeinfchaftlich um Bolzen cc drehbar, welche in den zwifchen dem oberen und unteren Stirnbleche des Rahmens befindlichen Winkeleifen lagern. Die den Bremscylinder an beiden Enden durchfetzende, in Stopfbüchfen gehende Kolbenstange d ift mittelft des um einen Bolzen drehbaren Kopfes e mit der Laffete verbunden, und gleichwie der Bremscylinder in der Verticalebene beweglich. Das Ventil ift im Verbindungsftücke des Bremscylinders eingefetzt. Die durch eine Stopfbüchfe f gehende Ventilkörperftange läuft in einen cylindrifchen, mit einer Umfangsnuth verfehenen Kopf g aus; in diefe Nuth greifen die Zapfen h einer auf der Hebelwelle i befeftigten Ausrückgabel ein. Den Abfchlufs des Ventils bewirkt die Hyperbelfeder k, welche gegen den Kopf der Ventilkörperftange drückt, und deren Spannung durch Anziehen der beiden Schraubenmuttern // innerhalb gewiffer Grenzen beliebig regulirt werden kann. Als Füllmittel dient Glycerin und ift damit fowohl der Bremscylinder als auch das Communicationsrohr vollſtändig angefüllt. Die Wirkungsweife diefer Bremfe ift höchft einfach und verlässlich. Läuft nämlich das Gefchütz in Folge des Rückftoffes auf dem Rahmen zurück, fo fchiebt der maffive, nicht durchlochte Kolben das Glycerin vor fich her und prefst es gegen das Ventil. Da nun diefer Druck bedeutend gröfser ift, als jener, welchen die Hyperbelfeder auf das Ventil ausübt, fo mufs letzteres fich öffnen, worauf das Glycerin in das Communicationsrohr eintritt, und rafch dem nach rückwärts gehenden Kolben folgt. Hört der Rücklauf auf und kommt die Hyperbelfeder zur Wirkung, fo fchliefst fich das Ventil und zwingt dadurch, nachdem das Glycerin nirgends auszuweichen im Stande ift, die Laffete zum Stillstande. Drückt man jetzt den Hebel m nach abwärts, fo wird die Ventilkörperftange zurückgezogen, das Ventil geöffnet, und die Verbindung zwifchen dem Bremscylinder und dem Communicationsrohr wieder hergestellt. Sobald diefs gefchehen, fetzt fich die Oberlaffete in die Vorwärtsbewegung, die nur durch den Widerftand gemäfsigt wird, welchen das in das Ventil eintretende Glycerin erfährt. Es wird nun erklärlich, dafs man die Laffete durch das Schliefsen des Ventils augenblicklich, das heifst auf jedem Punkte des Rahmens fixiren oder die Gefchwindigkeit des vorlaufenden Gefchützes nach Belieben durch ein mehr oder weniger ftarkes Niederdrücken des Hebels reguliren kann. Die Vortheile folcher Bremfung finden noch an einer anderen Stelle diefes Berichtes die nöthige Würdigung. Die Seitenrichtung wird durch eine Zahnkranz- Winde gegeben, die mittelft einer Schneckenrad- Ueberfetzung bewegt wird, wodurch eine eigene Bremsvorrichtung zum Fefthalten des Gefchützes in der ertheilten Seitenrichtung überflüffig wird. Zur Ertheilung der Höhenrichtung ift zu beiden Seiten des Rohres je eine Zahnbogen- Richtmafchine angebracht; beide jedoch werden gleichzeitig von der linken Laffetenwand aus durch ein Griffrad bewegt. Zur Entlaftung der Bordwand beim Schufs ift am vorderen Rahmenende eine Klaue für eine Klauenfchiene auf Deck angebracht, und find die Rahmenrollen übergreifend angeordnet. Die lange 24- Centimeter- Kanone lag in einer Batterielaffete, wie folche in den abgeftumpften Ecken der Schiffskafematten placirt werden. Da diefe Gefchütze berufen find, fowohl in der Richtung des Kieles als auch fenkrecht darauf zu feuern, müffen fie einen rafchen Pfortenwechfel zulaffen. Diefer wird nun durch eine in der Ebene des Deckes verfenkte, eiferne Drehfcheibe bewerkstelligt, auf welcher das Gefchütz mit der mittleren Rahmenunterftützung und den hinteren Rahmenrollen fteht. Zur Entlaftung der vorderen auf urch olzen e des chfen emit bene Die chen, -pfen egen ehen ulirt r als lich. ück, und ner, nen, mach per. dem nde. perdem ing, tredas ens rch efes die ene ing sje won de ente, en. nken. eherauf Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen, 39 dem Deck des Schiffes ruhenden Rollen, welche vorgenommen werden mufs, um die Drehfcheibe bewegen zu können, ift zwifchen den Schlittenwänden ein hydraulifches Hebewerk angebracht, mittelft deffen, wie bei einer hydraulifchen Preffe, ein ftarker eiferner Bolzen gegen die Drehfcheibe gedrückt, und in Folge des Widerftandes, den diefe dem abwärtsgehenden Bolzen entgegenfetzt, der Vordertheil des Schlittens fo hoch gehoben wird, bis die vorderen Rollen entlastet find. Diefes Hebewerk wird von der linken Seite des Gefchützes mit Hilfe eines Hebels in Thätigkeit gefetzt, wozu ein Mann genügt. Zum Hemmen des Rücklaufes ift die Laffete mit einer Schleifbremfe von ähnlicher Conftruction, wie fie Armſtrong gebraucht, verfehen, die mehr oder weniger feft angeftellt werden kann. Für das Ein- und Ausrennen find an beiden Seiten des Rahmens Kettenwinden angebracht. Zum Nehmen der Seitenrichtung dient eine Zahnkranz- Winde, die mit denfelben Kurbeln bewegt wird, welche für die Kettenwinden vorhanden find; die Höhenrichtung erfolgt mittelft Zahnbogen- Richtmafchine. Die Küftenlaffete für die lange 21- Centimeter- Kanone war jener für die 302- Centimeter- Kanone ähnlich. Die 21- Centimeter Belagerungskanone lag in einer kurzen Rahmenlaffete, welche in der Conftruction den Küftenlaffeten ähnlich ift. In der Batterie liegt der Rahmen vorn auf dem Pivotbock, hinten auf zwei Laufrollen, die für das Ertheilen der Seitenrichtung mittelft Handfpeichen gedreht werden können. Auf der rechten Seite des Rahmens befindet fich ein leichter Gefchofskrahn mit einer nur aus Kurbel und Seitentrommel beftehenden Winde. Entfprechend feinem Zwecke kann diefes Gefchütz in feiner Laffete für den Transport fahrbar gemacht werden. Die Einrichtung hiezu verdient in Berückfichtigung der hohen Anforderungen, welche eventuell an die Transportabilität und fchnelle Verwendbarkeit der Belagerungs- und Feftungsgefchütze geftellt werden müffen, eine befondere Aufmerkſamkeit und, wenn auch erft als Project vorgeführt, fchon durch die Möglichkeit, ein folch wirkfames und mit grofser Portée ausgeftattetes Gefchütz in den Belagerungspark einftellen zu können, das Studium des Fachmannes. In der Batterie fteht die Laffete auf einem Rahmen, der als Ganzes transportirt werden kann, und aus fächerförmig angeordneten Eichenbalken, die auf Querfchwellen verzapft und verfchraubt find, zufammengefetzt ift. Er trägt vorn den gufseifernen Pivotbock mit einer meffingenen Büchfe, auf welcher die Pivotbüchfe des Rahmens ruht, und hinten eine Schwenkfchiene von dem bei Küftenlaffeten gebräuchlichen Profile. Die Gröfse der möglichen Seitenrichtung beträgt etwas mehr als 16 Grad nach rechts und links. Das in der Ausftellung gewefene Exemplar der 21- Centimeter- Belagerungskanone in feiner Laffete liefs nur eine Elevation von 27 Grad zu, da der Zapfen der Verfchlufsfchraube nicht zwifchen die Wände treten konnte, ein Umftand, der bei fpäteren Conftructionen durch weitere Auseinanderftellung der SchildzapfenScheiben des Rohres befeitigt werden kann. Zur Fahrbarmachung der Laffete wird, nachdem das Rohr in der Oberlaffete auf dem Rahmen zurückgeführt wurde, in die am vorderen Rahmenende vorhandenen Achsträger eine ftarke gufsftählerne Achfe mit grofsen Rädern eingefetzt, dann das vordere Ende des Rahmens mittelft einer dauernd am Rahmen befeftigten Hebevorrichtung( Schraube mit Schneckenrad und Schnecke) gehoben und endlich das hintere Ende des Rahmens aufgeprotzt; der Gefchofskrahn kann umgelegt werden. Die Transporträder haben 2'064 Meter Höhe und 180 Milli meter Felgenbreite; fie beftehen aus der broncenen Nabe, den kaftenförmig gegoffenen broncenen Felgen, in welche die fchmiedeeifernen Speichen mit einer beträchtlichen Anfangsfpannung eingezogen find, und dem warm aufgezogenen, 40 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fchmiedeeifernen Radreife. Bei der Probelaft von 10.000 Kilogramm zeigt fich keine mefsbare Zufammendrückung der Räder oder Durchbiegung de Achfe. Als Protze dient die gewöhnliche Belagerungsprotze. Der Protzhebel if am hinteren Ende des Rahmens leicht aufzuftecken und zu befeftigen. Bei der ausgeftellten Protze waren eiferne, von einem früheren Verfuche her rührende Räder vorhanden, welche trotz ihrer Leichtigkeit genügten, da fie nu einen kleinen Theil der Laft aufzunehmen haben, denn die Laftvertheilung auf de Hinter- und Vorderachfe verhält fich wie 4: 1. Uebrigens können diefe eifernen Protzenräder jederzeit durch die hölzerne Feld- Laffetenräder erfetzt werden. Zur Erleichterung des Ganzen können auch die Rahmen- Laufrollen ent fernt und getrennt transportirt werden. Bei den innerhalb der Krupp'fchen Fabrik ftattgehabten Verfuchen hat fic die ganze Transporteinrichtung in allen Theilen vollkomme haltbar erwiefen; die Fahrbarkeit foll leicht und die Lenkbarkeit genügend gewefen fein, und zwei ftarke Pferde auf ebenem Terrain das Fahrzeug mit Roh ohne Anftrengung fortbewegt haben. Zur Placirung des Gefchützes in der Batterie werden, fobald dasfelbe auf die Bettung gefahren ift, die Rahmen- Rollräder ein gefetzt, dann wird die Transportachfe foweit heruntergefchraubt, bis die vorder Querverbindung des Rahmens auf dem Pivotbocke aufliegt; hierauf wird abge protzt und das hintere Ende des Rahmens mit einer Winde foweit heruntergelaffen bis die Rahmen- Rollräder auf der Lauffchiene aufftehen, endlich werden die Transporträder und die Transportachfe abgenommen. Das aufgeprotzte Gefchüt mit Protze und Zubehör wiegt 8160 Kilogramm. Die Brauchbarkeit der Laffete wurde durch 26 Schufs mit 5 bis 712 Kilo gramm prismatifchen Pulvers erprobt, aufserdem aus dem Rohre noch 9 Schul mit 6 bis 9 Kilogramm desfelben Pulvers abgegeben. Die Bettung wiegt complet 2080 Kilogramm; Lagerhöhe der Laffete i Batterie 19 Meter. Die lange 17 Centimeter- Kanone lag in einer Oberdecks laffete, die zur Aufftellung im Bug oder Heck der Panzerfchiffe beftimmt und mit einer Vorrichtung verfehen ift, um leicht und fchnell in eine rückwärtige Zuricht ftellung gebracht werden zu können. Zur Hemmung des Rücklaufes dient ein Reibungsbremfe, für das Nehmen der Seitenrichtung wird der für gewöhnlich au den Schienen aufliegende Rahmen auf die Rollen geftellt, zu welchem Zwecke die hinteren Rahmenrollen excentrifch gelagert find. Zum Einholen der Laffete ver wendet man Taljen; das Vorführen wird durch den Gebrauch der rückwär tigen excentrifchen Laffetenrollen befchleunigt. Lagerhöhe der Laffete 1020 Meter. Die lange 15- Centimeter- Kanone war in einer für den Gebrauch au den Breitenfeiten von Corvetten und ähnlichen Kriegsfahrzeugen beftimmter Schiffslaffe te gelagert. Diefe ift eine Rahmenlaffete und hat zum Hemme des Rücklaufes eine Schleifbremfe, der als Referve ein Brohktau zur Seite fteht Das Ausrennen gefchieht für gewöhnlich durch Schieben mit den Händen, da e durch die Neigung des Rahmens nach der Bordfeite zu erleichtert wird; bei com ftanter Neigung des Schiffes nach der entgegengefetzten Seite kann man mit Ta jen einrennen, die einerfeits in die Seitenaugen des Raperts, anderfeits i Ringe an der Bordwand eingefchlagen werden. Die Elevation wird durch ein Zahnbogen- Richtmafchine, die Seitenrichtung durch Taljen genommen, für dere Anbringung am hinteren Rahmenende Seitenaugen vorhanden find. Für gewöhn lich ruht der Rahmen auf der Schwenkfchiene, nur für das Nehmen der Seite richtung wird er auf Rollen geftellt. Lagerhöhe der Laffete: 0.960 Meter. Die 15- Centimeter Belagerungskanone lag in einer eifenblecher nen, hohen Laffete mit hölzernen Thonet'fchen Rädern, deren Durchme zeigte de el if her e nu af de ernet ent Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 41 15 Meter betrug.( Fig. 12). Die Wände find mit Winkeleifen eingefasst und befitzen aufser dem mit Deckel verfehenen Schiefslager auch offene auf den LaffeDie Richtmafchine, beftehend aus tenwänden befeftigte Transportlager a. einer mit Zapfen verfehenen Mutter 6 und zwei ineinander fteckenden Schraubenfpindeln c und d, wovon die erftere mit einem broncenen Richtrade e armirt ift, geftattet 35 Grad Elevation und 5 Grad Depreffion. Die Laffete befitzt für die Richtmafchine zwei Lagerpaare fund g, von denen eines auf den Wänden, das andere zwifchen denfelben angebracht ift, und von welchen letzteres nur beim Transport des Rohres in den Marfchlagern, oder wenn unter Elevation von 30 Grad aufwärts gefeuert werden foll, benützt wird. Fig. 12. t fid mei gen Roh tterie rein rder abge affen chüt Kilo chu te i cks h 772 und richt eine hau e die ever < wär 020 That mter met teht la e CO Tal ts i eine ere طة eiten cher effe Als Eigenthümlichkeit diefer Laffete ift die hydraulii che Bremfe anzufehen, welche in der Abficht angebracht wurde, um den Rücklauf des Gefchützes in ficherer Weife und ohne allzugrofse Inanspruchnahme der Laffete zu vermindern. Sie gleicht im Allgemeinen der bereits befchriebenen, und befteht demnach aus dem Cylinder h und der Kolbenftange i; der erftere ift mit der Laffete, die letztere mit einem aus Holzbalken erzeugten, und in der Bruftwehre vergrabenen Anker j verbunden. Der Bremscylinder liegt mit feinen Zapfen in den am unteren Laffetenrand befeftigten Lagern k und läfst fich in der Verticalebene drehen. Die Kolbenftange ift durch einen Bolzen mit dem in dem Ankerbalken eingefetzten Pivotbolzen/ verbunden, wodurch das Heben der Seitenrichtung ermöglicht und der Laffete beim Zurücklaufen ein Ausweichen geftattet wird, ohne ein Brechen oder Biegen der Kolbenstange befürchten zu müffen. Zwifchen den Wänden ift ein Laffetenkaften m und ein Holzftöckel n angebracht, auf welch' letzterem das Bodenftück des Rohres ruht, wenn diefes im Marfchlager liegt. Im Weiteren befitzt diefe Laffete eine von der Stirne aus durch eine Schraubenfpindel zu regulirende Balkenbremfe mit hölzernen Backen. Die Laffete wurde noch nicht verfucht, da fie von der Werkstätte weg auf die Ausftellung gebracht wurde. Man erwartet jedoch eine Verminderung des Rücklaufes auf etwa 3/4, höchftens I Meter; die Feuerhöhe beträgt 1.835 Meter. Die 12- Centimeter- Kanone lag in einer zur Verwendung in der Batterie oder auf Oberdeck leichter Kriegsfchiffe beftimmten Räderlaffete. Diefelbe hatte 42 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. eine ähnliche hydraulifche Bremfe, wie die 15- Centimeter- Belagerungskanone. Der Bremscylinder hängt vertical und horizontal beweglich am Pivotbolzen, die Kolbenftange ift an der Laffete befeftigt. Als Referve ift neben der Bremfe ein Brohktau vorhanden. Gewöhnlich fteht die Laffete auf vier Rollen; für das Nehmen der Seitenrichtung werden die hinteren, excentrifch gelagerten Rollen ausgerückt und dadurch eine Schwenkrolle zum Tragen gebracht. Die Laffete ift mit einer Zahn bogen- Richtmafchine verfehen. Lagerhöhe der Laffete: 0.9 Meter. Die Laffeten für die 9- Centimeter und 8- Centimeter- Feld- Kanonenrohre haben genietete Wände aus Schmiedeeifen, fonft die bekannte Einrichtung der preufsifchen hölzernen Feldlaffeten; auf der Achfe find rechts und links Sitze für je einen Mann angebracht. Die preufsifche Marine befitzt mobile Strandbatterien mit 9- Centimeter- Rohren jedoch mit hölzernen Laffeten während die 8- Centimeter in der fächfifchen, rumänifchen und fpani fchen Artillerie eingeführt find. Im Feldzuge 1870 und 1871 haben fich diefelben vollkommen bewährt. Die Türkei, China und Japan haben gleichfalls in der neueften Zeit bedeutende Beftellungen an folchen Gefchützen bei Krupp gemacht. Die Laffete der 6- Centimeter- Gebirgskanone hat fchmiede eiferne Wände, eine ftählerne Achfe und hölzerne Räder. Zwei Kegelbremfen, die auf der Achfe der Laffete fitzend gegen die Nabe der Räder wirken, laffen einen beliebigen Grad der Bremfung zu. Die Spindel- Richtmafchine geftattet 21 Grad Erhöhung und 10 Grad Senkung. Diefe Laffete hat eine Lagerhöhe von 66 Centimeter. Gebirgsartillerie nach dem Mufter der eben befprochenen hat Krupp der füdamerikanifchen Republik Chili geliefert. Aufser dem bis jetzt nahmhaft gemachten Artilleriemateriale hat Krupp auch noch eine rechte Laffetenwand für ein leichtes und eine linke Wand für ein fchweres Feldgefchütz ausgeftellt, erftere aus 3 Millimeter, letztere aus 10 Milimeter dickem Stahlbleche. Diefe Laffetenwände unterfcheiden fich von den bisher ufuellen, eifenblechernen Wänden dadurch, dafs ihre Ränder anftatt mit Winkeleifen eingefafst, einfach mittelft einer aus Matrize und Stempel beftehenden Preffe auf das erforderliche Mafs abgebogen wurden, wozu die genau contourirten Wände vorher in rothwarmen Zuftand verfetzt werden mufsten. Die leichte Wand wiegt 35, die fchwere 55 Kilogramm; die Höhe der Rippen beträgt 36 refpective 52 Millimeter. Zu den intereffanteften Objecten diefer Ausftellung gehörte endlich ein achtkantiger 52.500 Kilogramm fchwerer Block aus Tiegel- Gufsftahl, der für das Seelenrohr einer 14- zölligen Kanone beftimmt ift. Das Etabliffement Krupp brachte im Jahre 1851 zu London das erfte Mal einen gröfseren Gufsftahl- Block zur Ausftellung. Obwohl nur 4500 Pfund fchwer, wurde derfelbe mit der einzigen, dem gefammten Departement der Gufsftahl- Con currenz verliehenen council medal gekrönt. Vier Jahre fpäter( 1855), ftellte die Firma in Paris einen Gufsftahl- Block von 10.000 Pfund und im Jahre 1862 zu London einen folchen von 40.000 Pfund aus; die Parifer Ausftellung 1867 befchickte fie bereits mit einem Blocke von 80.000 Pfund. Gufsftahl- und Waffenfabrik zu Witten an der Ruhr, vormals Berger& Comp. Diefes, einen vorzüglichen Gufsftahl produci rende Etabliffement hatte aus dem Gebiete des Gefchützwefens einige Gefchütze, theils Copien beftehender Syfteme, theils Neuconftructionen, ausgeftellt. Es waren vorhanden: Ein 8- Centimeter- und ein 9- Centimeter- Feldgefchütz- Rohr, wie folche die Wittener Fabrik für die türkifche Regierung lieferte, ein laffe tirtes Gebirgsgefchütz für Südamerika, ferner ein 8- Centimeter Feldkanonen- Rohr nach dem Ringfyfteme und ein 9 Centimeter gezogener Mörfer. ne. die ein enand hn 10nte chts Fitzt Cen ni fich chbei deLen, Ten ttet von hat PP nd ere ich tatt enonDie ägt ein das Mal er, ondie zu 67 ar, cize, ren hr. fe. er Cer Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 43 Die drei erfteren Piecen hatten eben nichts Befonderes an fich; die Bohrungen der aus maffiven Gufsftahl- Blöcken gefchmiedeten Rohrkörper befafsen Keilzüge, die Rohre hatten den Broadwell'fchen Verfchlufs und glichen im Uebri gen den nach preufsifchem Syftem conftruirten Gefchützrohren. Die Laffete des Gebirgsgefchützes war nach fchweizerifchem Modell gebaut. Die 8- Centimeter- Ring kanone, deren Conftruction auf den neueften Anfchauungen über Leiftungsfähigkeit und Ausdauer von Feldgefchützen bafirt ist, befteht aus einem gufsftählernen Kernrohre, deffen rückwärtiger, cylindrifcher Theil mit einer im warmen Zuftande aufgezogenen Ringlage verftärkt ift; der gezogene, 1515 Meter lange Theil enthält 18 Keilzüge mit 3.766 Meter Drall länge, welche einem Drallwinkel von 3° 50' entfpricht. Die Gefchofsgefchwindig keit foll an der Mündung 536 Meter betragen. Mit Verfchlufs ift das Rohr 429 Kilogramm fchwer. Die Projectile wiegen 5 Kilogramm und find 21 Kaliber lang. Für die gröfste Gebrauchsladung ift 1 Kilogramm belgifches, grobkörniges Gefchützpulver in Ausficht genommen. Diefes Rohr foll nach der Idee der Conftructeure als Einheitsgefchütz dienen. Zu diefem Zwecke vereinigt es den Kaliber des 4- Pfünders mit der Gefchofswirkung des 6- Pfünders, ohne indeffen leichter als der letztere zu fein. Als Verfchlufs ift der Flachkeil mit dem Broadwellring angewendet; in der Ladeöffnung des Keiles befindet fich eine Ladebüchfe, welche fich vor- und zurück fchieben läfst, und beim Herausziehen des Verfchluſses das Zurückfallen des Ringes verhindert. Neu und eigenthümlich ift die Art der Zündung.( Centralzündung nach Caemmerer& Schmidt.) Der Zündcanal geht nämlich im rechten Winkel durch den Keil, erft axial nach hinten und dann nach oben, und ift in feiner ganzen Länge mit Kupfer ausgefüttert. Oben wird nun eine 10 Millimeterpatrone mit Centralzündung eingefetzt, und durch ein in der Grenzfcheibe angebrachtes Zündnadel- Schlofs abgefeuert. Zum Entfernen der abgefchoffenen Patronenhülfen dient ein Extractor, der jedoch an dem ausgeftellten Exemplare wegen Mangel an Zeit nicht mehr angebracht werden konnte. Der 9 Centimeter- Mörfer, deffen Conftruction ebenfalls von Caemmerer& Schmidt ftammt, ift aus Gufsftahl erzeugt und befteht aus zwei getrennten Theilen, dem Zapfenftücke mit einer wie bei glatten Haubitzen geformten Patronenkammer und dem Fluge. Der obere Theil des Zapfenftückes ift mit flachen, doppelgängigen Muttergewinden, der untere Theil des Fluges mit correfpondirenden Schraubengewinden verfehen; am oberen Ende des Fluges befinden fich zwei Wendegriffe, mittelft deren derfelbe aus dem Kammerftücke herausgefchraubt wird; das obere Ende des Zapfenftückes ift mit einem broncenen Charniere umgeben, um welches der herausgefchraubte Flug beim Laden umge. fchlagen wird. Den gasdichten Abfchlufs bewirken nicht die Schraubengewinde, fondern ein gefetteter Lederring, welcher zwifchen der Endfläche des Seelenrohres und einem entſprechenden Anfatze im Mörfer liegt, und durch die Schraubengewinde feft eingeprefst wird. In Folge deffen ift es aber nicht möglich, das Seelenrohr beim Einfchrauben immer genau in diefelbe Stellung zu bringen, fo dafs die auf der Mündungsfläche eingeritzte Schnittslinie der verticalen Symetrie- Ebene jedesmal in diefelbe fällt. Aus diefem Grunde ift die Anwendung eines feften Kornes unzuläffig, und wird defshalb ein mit einer Libelle verfehenes Balancirkorn benützt. Der Bohrungsdurchmeffer beträgt zwifchen den Feldern 915 Millimeter, die Länge des gezogenen Theiles o 647 Meter; letzterer hat 16 Keilzüge mit 2: 3 Meter Drall, der einem Drallwinkel von 10 10' an der Führungskante entspricht. Das Rohr ift 12312 Kilogramm fchwer. Das 2½ Kaliber lange, ogivale Projectil hat einen halbkugelförmigen Boden, wiegt einfchliesslich 500 Gramm Sprengladung 6 Kilogramm, und ift mit dem preufsifchen Percuffionszünder verfehen. 44 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die hölzerne Blockfchleife hat eine Lagerhöhe von 210 Millimeter und eine einfache Elevationsfchraube, welche Richtungen von 30 bis 75 Grad zuläfst. Zum Laden des Mörfers, wozu, wie fchon erwähnt, der Flug aus dem Zapfenftück herausgefchraubt und zur Seite gefchlagen wird, dient eine hölzerne Ladebüchfe, welche in die Bohrung des Zapfenftückes eingefetzt und nach dem Einführen der Patrone und des Gefchoffes wieder herausgenommen wird. 1/30 Gefchofsgewicht; Die gröfste Wurfladung beträgt 200 Gramm= die derfelben entsprechende Gefchwindigkeit wird mit circa 200 Meter ange. 1/200 Gefchofsgewicht und foll geben; die kleinfte Ladung ift 50 Gramm= ungefähr 80 Meter Gefchwindigkeit ergeben. Mit der erfteren Ladung und dem Elevationswinkel von 45 Grad gedenkt man 5300, mit der kleinften Ladung und einem Winkel von 75 Grad 400 Schritt zu erreichen. Die Abficht der Conftructeure ging augenfcheinlich dahin, für den Feftungs krieg einen leicht transportablen Mörfer mit einer, den Hinterladungsmörfer zukommenden Schufspräcifion zu fchaffen. Leiftet nun diefer Mörfer das, was ihm zugemuthet wird, fo ftünde auch feiner Verwendung zu gedachtem Zwecke nichts entgegen, und glauben wir, dafs derfelbe fowohl beim Angriffe, als bei der Ver theidigung in vielen Fällen fehr gute Dienfte leiften würde, nachdem das indi recte Feuer immer mehr an Bedeutung gewinnt, und der Mörfer fich vermöge feiner Theilbarkeit überall leicht hinfchaffen läfst. Die Einfallwinkel der Kanonen find zu klein, um alle durch Traverfen und die Bruftwehre gedeckten Räume des Wallganges oder der Trancheen und Angriffsbatterien wirkfam beftreichen zu können; die glatten, leichten Mörfer haben zwar einen gröfseren Sprengeffect aber zu kurze Wurfweiten und zu geringe Präcifion, um fie auch fchon in den erften Perioden der Belagerung, in welchen das indirecte Feuer am häufigften zur Anwendung kommt, benützen zu können, und fchwere Mörfer zum Bekämpfen der Truppen auf den Wallgängen oder in den Trancheen zu verwenden, kann wohl Niemandem beifallen. Die Feuerfchnelligkeit des befprochenen Gefchützes ift allerdings eine geringe und auch die Manipulation eine complicirtere, als bei glatten Mörfern Nachtheile, die aber durch gröfsere Wurfweite und Präcifion aufgewogen werden. Immerhin fcheint die Idee lebensfähig, zumal wenn eine noch einfachere Con ftruction der Verbindung realifirt werden könnte. Bochumer Verein für Bergbau- und Gufsftahl- Fabrication. Der Bochumer Verein* hatte vier Gefchütze ausgeftellt, über welche die auf Seite 45 folgende Tabelle einige Daten enthält. Die beiden Feldgefchütze find von der nämlichen Conftruction, wie jene, welche der Bochumer Verein im Jahre 1871 der ottomanifchen Regierung in gröfserer Anzahl geliefert hat. Das Conftructionsfyftem der Rohre ift das preufsifche; fie haben jedoch den Broadwell'fchen Flachkeil- Verfchlufs. Die beiden fchweren Rohre gehörten der Ringconftruction an; das 21- centimetrige war vollſtändig ausgefertigt und hatte den Krupp'fchen Rundkeil Verfchlufs. Das 15- centimetrige war blofs bis auf den Verfchlufs fertig geftellt. Ein 15- Centimeter- Ringrohr( Küftengefchütz), genau wie das eben erwähnte, wird zur Zeit in Tegel bei Berlin von der königlichen preufsifchen Artillerie- Prüfungscommiffion Schiefsverfuchen unterzogen. Bei ungefähr 600 Schufs zeigte es bisher eine ganz befondere Trefffähigkeit und ein in jeder Bezie hung befriedigendes Verhalten, wie es denn auch von einem fo nahe an die * Die Gufsftahl- Fabrik des Bochumer Vereins befteht feit 30 Jahren. Die Production derfelben belief fich im Jahre 1872 auf 96 Millionen Pfund Gufsftahl im Geldwerthe von 6 Millionen Thaler. Die Fabrik erzeugt Beffemer- und Tiegelftahl. Der Katalog gab, ohne fich jedoch auf officielle Daten zu beziehen, an, dafs überhaupt die erfte Gufsftahl- Kanone aus der Bochumer Gufsftahl- Fabrik im Jahre 1847 hervorgegangen, in der Fabrik von Kamp & Comp. in Witten gebohrt und fertig geftellt und fchliefslich in Bochum Schiefs- und Spreng verfuchen unterzogen worden ift. b a I ind fst. em rne em cht; ge foll em und Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 45 bewährten Krupp'fchen Conftructionen fich anfchliefsenden Gefchütze nicht anders zu erwarten wäre. Das 21- Centimeter- Rohr( Marinegefchütz), welches in Bochum im Rohen gefertigt und in Spandau mit dem Verfchluffe verfehen und gezogen wurde, ift zur Dauerprobe mit 500 Schufs und zur Gewaltprobe mit 50 Schufs, die mit I Kilogramm über Normalladung erfolgten, von der königlich preufsifchen Artillerie- Prüfungscommiffion befchoffen worden. Nach dem Berichte diefer Behörde und wie der Augenfchein lehrte, hat das Gefchütz im Rohrkörper bemerkbare Veränderungen nicht erlitten. Die Trefffähigkeit war ausgezeichnet und hat fich im Laufe des Verfuches nicht im Mindeflen verringert. Die Anfangsgefchwindigkeit betrug bei Normalladung 430 Meter, die Broadwell- Liderung hat 485 Schufs ausgehalten, ohne dafs wegen Undichtfein Erfatz nöthig wurde. Nach Schlufs der Ausftellung war die Fortfetzung diefes Verfuches mit gefteigerten Ladungen und anderen Gefchoffen und Pulverforten beabsichtigt ngs. Tern ihm chts Ver ndiRohrgewicht Kaliber öge in mit ohne gezog. nen des fect den CentiLänge des Boh- ganzen rungs- Rohres theiles in Metern zu Verſchluſs metern in Kilogramm zur 8 Centim. der genau vohl 284 273 1: 512 78.5 Zahl der Züge LaProdungs- jectilGewicht in Kilogramm 12 0.5 4.3 eine Millim. 9 Centim. on. lche wie Millim. ern den. genau Con 915 Milli425 408 1.603 16 0.6 6.9 meter 15 Centim. Verfchl. noch genau 3.000 2.410 0.630 24 149 1 nicht fertig rung 21 das Centim. das keil genau 209.25 Millim. 10.000 3164.75 0.856 30 ellt ben chen 600 ezie die ction VO ohne none Camp eng Die zu den befprochenen Gefchützen gehörigen Laffeten waren in der Mafchinenbau- Anftalt von Grufon in Buckau bei Magdeburg ausgeführt worden. Die Küftenlaffeten( für das 15- Centimeter- und 21- Centimeter- Rohr) beftanden aus dem auf Schwenkfchienen um einen Pivotzapfen drehbaren Rahmen und dem oberen Theile, das ift: der eigentlichen Laffete. Erfterer, welcher eine hydraulifche Bremfe enthält, die den Rücklauf des Obertheiles regulirt, ift fo conftruirt, dafs letzteres nach dem Schuffe wieder felbftthätig in die urfprüngliche Lage zurückfährt. Die obere Laffete ift in ihren Haupttheilen aus Hartgufs gefertigt. Die Zahnbogen- Richtmafchine geftattet eine Depreffion von 5 Grad und die hohe Elevation von 25 Grad. Diefelbe ift in finnreicher Weife mit einem ein 46 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fachen Schneckenmechanismus combinirt; für gröbere Richtungen tritt nämlich die Zahnbogen- Richtmafchine allein in Action, wenn vorher die endlofe Schraube um ein an der äufseren Laffetenwand befeftigtes Drehſtück gefchwenkt und fo mit dem Schneckenrad aufser Eingriff gebracht wurde; bei feineren Richtungen jedoch geht die Rohrbewegung vom Handrädchen der nunmehr wieder eingerück ten endlofen Schraube aus. Selbſtverſtändlich ist bei diefer Anordnung die Bremsmutter zum Feftftellen der Richtmafchine entbehrlich. Bei den Küftenlaffeten waren die bezüglichen Hartgufs Granaten, gleichfalls Producte Grufon's, und zwar im verfeuerten und unverfeuerten Zuftande ausgeftellt. An den verfeuerten Gefchoffen fah man die aufserordentlich folide Haftung des dünnen Bleimantels. Es haben derartige Hartgufs Granaten, und zwar von 15- Centimeter- Gefchützen bei 8 Kilogramm Pulverladung durch 155 Milli meter und von 21- Centimeter- Gefchützen bei 17 Kilogramm Ladung durch 235 Millimeter ftarke fchmiedeeiferne Panzerplatten glatt durchgefchlagen, ohne die geringfte Veränderung zu erleiden. Die Feldlaffeten befitzen eine grofse Feftigkeit bei geringem Gewichte ( 495 Kilogramm). Die Bremsvorrichtung, mit welcher diefelben verfehen find, befteht aus einem inneren Bremsconus, der an die Radnabe angegoffen ift, und einem äufseren, der durch eine fcheibenförmige Feder, welche durch eine Schraube mit Handrad gefpannt werden kann, gegen den inneren Bremsconus geprefst wird. Je nach der Stellung der Schraube werden die Bremskonufe mehr oder weniger gegeneinander gedrückt und dadurch die hemmende Reibung regulirt. An dem äufseren Konus befindet fich ein Sperrrad, in welches eine Sperr klinke, die mit der Radachfe feft verbunden ift, fo eingreift, dafs beim Rücklauf der Laffete der äufsere Conus das Beftreben hat, den inneren feftzuhalten. wodurch das Rad gebremft wird, während beim Vorlauf fich das Sperrrad mit der Radnabe frei bewegen kann. Beim Transport der Laffeten wird die Sperrklinke ausgerückt, fo dafs fich die Räder frei bewegen können. Die Bremfe ift durch die Scheibenräder vollſtändig abgefchloffen, um das Eindringen von Schmutz zu hindern. Die königliche Gefchützgiefserei in Augsburg hatte eine kurze 12- Centimeter- Broncekanone ausgeftellt. Das Gefchützrohr, gezogener Hinterlader mit Doppelkeil- Verfchlufs und kupfernem Liderungsring, für den Feftungs- und Belagerungsdienft beftimmt, zeichnete fich durch feine fchöne Bronce und reine Ausarbeitung aus. Es hatte 18 Keilzüge mit 7.8 Milli meter vorderer und 3.5 Millimeter hinterer Felderbreite; die Züge hatten vorne 131 Millimeter, rückwärts 17.5 Millimeter Breite; die Länge des gezogenen Bohrungstheiles betrug 158 Meter, die Dralllänge 4.708 Meter, der Drallwinkel 4 Grad 36 Minuten. Ohne Verfchlufs wiegt es 849 Kilogramm; der Verfchlufs hat ein Gewicht von 48 Kilogramm. Mit der Ladung von 105 Kilogramm baierifchen Gefchützpulvers erreicht das 16% Kilogramm fchwere, 3 Kaliber lange, gufseiferne Hohlgefchofs eine Anfangsgefchwindigkeit von 284 Meter. Die Abgangswinkel wurden auf 1000 Meter mit 3 Grad 15 Minuten, auf 2000 Meter mit 8 Grad, die Einfallswinkel auf 1000 Meter mit 4 Grad 7 Minuten, auf 2000 Meter mit 9 Grad 30 Minuten gemeffen. 50 Percent Treffer bedürfen auf 1000 Meter ein horizontales Trefferfeld von 7.5 Meter Länge und o 2 Meter * Befteht feit 1830 und beforgt fowohl die vollständige Herftellung von Broncegefchützen aller Kaliber, als auch die Ausarbeitung von Stahl- und Eifengefchütz- Blöcken, ferner Kleinguis in Eifen, Bronce und Meffing. Im Jahre 1871 wurden 2312 Centner Metall verarbeitet und Kanonen etc. im Werthe von 75.440 Gulden gefertigt. Die Fabrik hat einen Stand von 65 Arbei tern und 2 Dampfmaschinen von 19 Pferdekräften. B R W d C I M R W u m D G e E L H ft ft d ei e D b ft ü Z Se fa d A a F U h P fe d V te W ch be fo en k. s- h de de nd li. ch ne te ht ша nit -d. er Tr en, er ke Hie zu ne hr, ng ne li ne en el 14cht ne auf en, en ter zen ufs und Dei Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 47 Breite, auf 2000 Meter Diftanz von 12 Meter Länge und o 5 Meter Breite. Das Rohr foll 1200 bis 1500 Schüffe aushalten. Als Material für die Patronenfäcke wird Toile amiantine verwendet. Die Laffete für diefes Rohr ift noch in der Conftruction begriffen. Die Mafchinenbau- Actien gefellfchaft in Carlsruhe( Broadwell) hatte in der Maſchinenhalle eine 4- pfündige gufs ftählerne Hinterladungs- Feldkanone in eiferner Laffete und eine 4- pfündige gufsftählerne Gebirgskanone, gleichfalls mit Hinterladung und in eiferner Laffete ausgeftellt. Die Gefchütze waren in allen ihren Theilen Broadwell'fcher Conftruction und Mufter derjenigen, wie fie von dem genannten Etabliffement für die türkifche Regierung geliefert werden. Bezüglich der Conftruction der Feldlaffete verweifen wir auf die Schweiz, welche gleichfalls Laffetirungen aus Carlsruhe bezogen und eine ganz ähnliche Laffete auch ausgeftellt hatte. Von der Danziger Mafchinenbau- Actiengefellfchaft, vormals Steckel& Wagenknecht, waren zwei Brookwell- Laffeten für Oberdeck- Batterien, die eine für 12- Centimeter, die andere für 16- CentimeterGefchütze, eingefendet worden. Diefe Laffeten, deren durchbrochene Wände aus ftarken Eifenblechen erzeugt find, ftehen vorne auf Rollen, rückwärts auf einem Stöckel( Kaften aus Eifenblech). Zum leichteren Vor- und Zurückführen ist in der Längenmitte der Laffete am Protzriegel eine excentrifche Rolle angebracht, die mittelft eines Hebebaumes niedergedrückt werden kann, wobei fich die Laffete auf die Rolle ftellt. Der Rücklauf wird durch ein Tau, deffen Mitte um den in der Bordwand fteckenden Pivotnagel gefchlungen ift, während die Tau- Enden auf den Daumen der Trommel befeftigt find, gemäfsigt und gehemmt. Die Trommel wird durch eine an derfelben befindliche Bandbremfe gebremft, welche Bremfung mittelft eines Hebels an der linken Wand auf ein beftimmtes Mafs gebracht werden kann. Diefelbe läfst fich übrigens durch die an einem Ende des Bremsbandes angebrachte Schraubenmutter auch fchon von Haus aus zu einem gewiffen Grade herftellen. Eine die Laffetenwände durchfetzende Welle, welche mittelft einer Radüberfetzung mit der Trommel in Verbindung fteht, ermöglicht das Vor- und Zurückführen der Laffete mit Handkurbeln. Die kleinere Laffete hatte keine Schleifriegel- Rolle, fondern blofs einen Schuh am Riegel für den Richtbaum. Die Richtmafchine befteht aus einer einfachen Spindel, welche bei der Laffete für das 15- Centimeter- Gefchütz in Mitte des Bodenbleches, bei der 12- centimetrigen zwifchen zwei Bändern fteckt. Die Firma Siemens& Halske aus Berlin hatte einen elektrifchen Apparat zur Ausftellung gebracht, welcher die Beftimmung hat, das Meffen der Gefchofsgefchwindigkeiten im Rohre mit gröfserer Verläfslichkeit zu bewirken, als diefs bisher möglich war. Es ift ein Rotationsapparat, bei welchem der Funken der Reibungselektricität als markirendes Fluidum benützt wird. Im Uebrigen verweifen wir auf die Berichterstattung über Gruppe XIV. Rufsland. An Reichhaltigkeit und Grofsartigkeit der exhibirten Objecte ftand die ruffifche Artillerie Abtheilung blofs jener Krupp's nach; überhaupt zählte diefe Ausstellung zu den wichtigften und intereffanteften des Induſtrie palaftes, zumal fich an ihr erfehen liefs, was die allerdings von der Regierung in fehr ausgiebiger Weife unterſtützte Gefchützftahl- Induftrie diefes Landes binnen der kurzen Frift weniger Jahre bereits zu fchaffen befähigt worden ift. * Diefelbe befafst fich nebft dem Mafchinenbau vorzugsweife mit der Fabrication von Laffeten für Kriegsfchiffe und Küftenforts und namentlich folcher für fchnellen Piortenwechfel, und für Panzerthürme mit Minimalfcharten. Haupt- Abfatzgebiet: Deutfchland. Das Werk befchäftigt 200 Arbeiter, und befitzt drei Dampfmaschinen von 60 Pferdekräften. 4 48 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die Richtung, welche die ruffifche Artillerie bei ihren Arbeiten einfchlägt, ift aus mehrfachen Gründen beachtenswerth, und das Studium der von ihr ausgeftellten Gefchütze empfiehlt fich daher fowohl vom technifchen als auch vom rein militärifchen Standpunkte zur Beurtheilung eines Haupttheiles der dortigen Wehrkraft. Die ruffifchen Artillerie- Objecte ftammten theils aus dem kaiferlichen Arfenale zu St. Petersburg, theils aus den Stahlwerken zu Perm und Oboukhoff. Erfteres hatte unter Anderem eine broncene 4- pfündige Feldkanone ausgeftellt. Das Rohr derfelben befteht aus dem conifchen Längenfelde, dem cylin drifchen Mittelfelde und aus dem vierkantigen abgerundeten Hinterftücke, in welchem fich der Verfchlufskeil befindet. Die Bohrung enthält 12 Parallelzüge, und ift am rückwärtigen Ende des Laderaumes mit einem ftählernen, hydraulifch eingeprefsten Ringe verfehen. Der nach dem Broadwell'fchen Principe conftruirte Verfchlufskeil ift aus Bronce erzeugt, und hat an der vorderen Fläche eine Stahlplatte, in welche der ftählerne Broadwellring eingefetzt ift. Zum Schutze des rechten, aus dem Hinterftück heraustretenden Keilendes ift an die ebene Seitenfläche des Vierkantes ein Ring aufgefchraubt. Das Gefchützrohr hat blofs ein am vorderen Ende des Längenfeldes eingefchraubtes eifernes Vifirkorn; der aus einer Verlängerungshülfe fammt Stab beftehende Auffatz aus Meffing, deffen verfchiebbares Vifir durch Umklappen eines Blättchens, welches gleich dem Vifir einen winkelförmigen, jedoch mit dem Scheitel nach oben gekehrten Einfchnitt hat, geftattet ein fehr fcharfes Richten. Die eifenblecherne Laffete hat parallele, mit aufgenieteten Winkeleifen verfehene Wände, welche durch zwei Stirn- und drei Mittelbolzen und durch ein unteres Protzftock Blech mit einander verbunden und in der Gegend der Achsund Schildzapfen- Lager durch aufgenietete Bleche verſtärkt find. Die Richtmafchine ift fehr einfach; fie beſteht aus zwei ineinander gehenden Schraubenfpindeln und einer broncenen Mutter, die in einem um Zapfen drehbaren eifernen Gehäufe eingelaffen ift. Die innere Richtfpindel ift mit dem Ende der Richtgabel verbunden, deren Arme auf dem rückwärtigen Stirnbolzen auf gefteckt find; die im Durchmeffer gröfsere Spindel trägt das Handrädchen. Der prismatifche Mittelftock der ftählernen, mit abgebogenen conifchen Achsftängeln verfehenen Achfe ift durch ein gegen die Enden fich verjüngendes Winkeleifen verftärkt, welches durch zwei End- und ein Mittel- Anzugband mit dem Achsftock verbunden ift. Das Protzloch befindet fich in einer auf dem Protzftock- Bleche befeftigten Bronceplatte. Der Richtbaum ift zwifchen den Wänden auf dem letzten Wandbolzen aufgefteckt, und wird zum Gebrauche mittelft eines Bolzens mit einem hornartig gebogenen, an der rechten Laffetenwand befeftigten Eifenftücke ver bunden. Die hölzernen Räder haben buchene, an den Zufammftofsungen mit telft Spangen und Bolzen verbundene Felgen, eichene Speichen und Naben mit broncener Büchfe. Die Protze hat zwei Deichfelarme mit nach öfterrei chifcher Manier dazwi fchen eingelegter Deichfelftange. Rückwärts auf den Armen befindet fich ein höl zernes Querftöckel, in welchem der Protznagel eingefetzt ift. Bei aufgeprotztem Gefchütz ruht der Protzftock nicht unmittelbar auf dem Stöckel, fondern auf einem Kranz aus Stricken, der auf den Protznagel aufgefchoben ift. Die ftählerne Achfe ift mit einem Holzfutter umgeben, welches jedoch nur von den Enden des Achsftockes bis zu den Deichfelarmen reicht, und mit je zwei Anzugbändem mit der Achfe verbunden ift. In der Mitte des Achsftockes ift eine nach abwärts gebogene Schiene befeftigt, an derem Ende fich der Schleppfeil Ring befindet. un ei ft A P tr A di fa b d ei de B fe W ZU R ve Fi B ge m b fe V ne ZU A fp L ve ge ve B be be de de Za ei au fte זי n n 1 h e 1. S es es T- -1. ch S- en h le f. en S3 E es m en d. em er it mit vi 51. em em fe 15ம் LI ch ng Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 49 Ein zweiter Ring, durch welchen das Schleppfeil gezogen wird, ift an einer unterhalb des Stöckels befindlichen und über dasfelbe vorftehenden Schiene eingehängt. Die auf den Deichfelarmen befeftigte Sprengwage ift durch Zugftangen, die aufserhalb des Rades auf den Achsftängeln aufgefchoben find, mit der Achfe verbunden. Statt der Drittel find an der Sprengwage Bolzen wie bei Privat- Fuhrwerken angebracht, und find die Köpfe der äufseren Bolzen zum Auftreten eingerichtet. Ein Exemplar der in Rufsland eingeführten Berggefchütze war auf der Ausftellung in feine einzelnen Theile zerlegt, und auf Pferden aufgepackt. Eine diefer Pferdefiguren trug das Rohr, die zweite die Laffete, eine dritte die Räder fammt der Gabeldeichfel; ein viertes Pferd war mit zwei Munitionsverfchlägen bepackt. Jedes der vier Pferde war mit einem anderen, dem Zwecke entſprechenden Sattel verfehen. Diefelben find fehr einfach, und beftehen aus zwei fchmiedeeifernen Zwiefeln, die durch Holzfchienen mit einander verbunden find. Innerhalb der Zwiefelarme find Darmfaiten befeftigt. Beim Rohrfattel find parallel zu feiner Längenmitte zwei laffetenähnliche Bleche mit Ausfchnitten für die Schildzapfen angebracht. Das Rohr liegt mit feiner Länge in der Richtung des Pferderückens. Die Laffete, welche in ähnlicher Weife, wie das Rohr fortgebracht wird, liegt auf beiden Zwiefeln, deren Arme zu diefem Zwecke mit geraden, laffetenbreiten Spangen verbunden find Beim Räderfattel find an den Zwiefelarmen ftärkere, mit Ausfchnitten für die Nabe verfehene Bretchen befeftigt, und werden die Räder auf eigene Zapfen angefteckt. Statt der gewöhnlichen Pferdedecken werden fechsfach zufammengelegte Filzdecken benützt, und darüber ein fchabrackenartiges Schwarzleder gebreitet. Beim Laffeten- und Rädertragpferd wird der Sattel mittelft eines Schwungriemens gegen das Zurückſchieben gefichert; beim Rädertragpferd ift aufserdem der Sattel mit dem Bruftriemen, den das Pferd zum Ziehen der Laffete hat, verbunden. Zu den vom Petersburger Arfenal exhibirten Objecten gehörte noch ein broncen er 6- zölliger( 15- Centimeter) Hinterladungs- Mörfer. Derfelbe hat 24 breite Züge, ebenfo viel fchmale Felder und einen broncenen Verfchlufskeil von ähnlicher Einrichtung, wie das Feldgefchütz. Die Zündung erfolgt fenkrecht auf die Rohraxe durch das in einen kupfernen Kern gebohrte Zündloch. Am ebenen Bodentheil hat das Rohr zwei Haken zum Einhängen der Ladebüchfe. Der aus Verlängerungshülfe und Stab beftehende Auffatz ift rückwärts in das Rohr eingelaffen. Das Vifir fteckt auf einer Schraubenfpindel, welche in einer gefchlitzten, von der Mitte nach rechts und links in 40 Linien getheilten Röhre eingefetzt ift, und kann mittelft einer kleinen Schraube verfchoben werden. Die Wände der Laffete, welch' letztere auf einem eifernen Rahmen gebraucht wird, find aus dickem Eifenblech und durch vier Bolzen mit einander verbunden. An den unteren Rändern find fie durch aufgenietete Winkeleifen auf die Breite der Rahmenbalken gebracht. Die Schildzapfen- Lager fowie die zur Aufnahme der Transportirachfe beftimmten Lager, welche fich an dem fenkrechten Theile der Laffetenftirne befinden, werden durch aufgenietete Verftärkungsbleche gebildet. Zwifchen den Wänden befinden fich ferner auf einer diefelben durchfetzenden Welle zwei Rollen im Abftande der Rahmenbalken, die nur beim Aufführen der Laffete auf den Rahmen in Wirkfamkeit treten. Die Höhenrichtung wird mit einem auf einer Kurbelwelle aufgefteckten Zahnrade gegeben, welches in den an dem Mörferrohr befeftigten Zahnbogen greift. Der Mörfer war in der Transportadjuftirung ausgeftellt. In derfelben fteht die Laffete auf hohen hölzernen Rädern und ift mittelft einer eifernen Aufprotzgabel mit der Protze verbunden. Die Aufprotzgabel befteht aus zwei Armen, welche auf zwei die Laffetenwände durchfetzenden Bolzen aufgefteckt find. Auf den vorderen Enden der Arme, die durch zwei Bleche, von 4* 50 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. denen das der Laffete näher liegende ein Protzloch befitzt, verbunden find, befindet fich ein Kutfchbock. Die zugehörige Protze beſteht aus einem, aus zwei Theilen verdiebelten Mittelftöckel mit eingefetzter Stangendeichfel und zwei auf den Enden des Achsftockes aufliegenden Tragbäumen. Am Ende des Mittelftöckels ift der Protznagel befeftigt und bildet das Centrum einer bogenförmigen, mit den Tragbaum- Enden verbolzten Reihfchiene. Vorn an den Tragbäumen ift endlich die mit den Achs ftängeln durch Spannfchienen verbundene Sprengwage befeftigt. Die Räder find gleichfalls aus Holz, aber kleiner im Durchmeffer als jene der Laffete. Das Rohr ist aus Die 9 zöllige Hinterladungs- Kanone. Tiegel- Gufsftahl erzeugt und befteht aus einer Kernröhre, deren cylindrifcher, 118 Zoll langer Theil durch 20 Stahlfretten verſtärkt ift. Von diefen umfpannen den äufserften Theil des Bodenftückes 3 Ringe in 3 Lagen, den mittleren Theil 15 Ringe in 2 Lagen und das vordere Ende des cylindrifchen Theiles zwei neben einander aufgezogene Ringe. Der vor den drei Bodenringen befindliche Ring bildet eine Hülfe mit einem der Dicke der unteren Ringe entſprechenden Abfatze, welcher die Kernröhre umfpannt, während der vordere Theil des Ringes mit Der Ver Muttergewinden verfehen und auf den unteren Ring aufgefchraubt ift. fchlufs ift dem franzöfifchen Schraubenverfchlufs in feinen wefentlichen Theilen nachgebildet, und wurde der oberfte Bodenring oberhalb mit 29 Zähnen verfehen, in welche eine am Schraubenhebel befindliche Klinke eingreift, was ein leichteres Lüften der Verfchlufsfchraube ermöglicht. Als Dichtungsmittel wird der Broadwell- Ring verwendet, der auf der vorderen Kolbenfläche angebracht ift. Die keilförmigen Züge beginnen am Uebergange des Laderaumes in die Bohrung. Der gezogene Theil ift 112 Zoll lang; die Zahl der rechtsgängigen Züge ift 32; der Durchmeffer über die Felder beträgt 9 0, jener über die Züge 9 22 Zoll Die Kanten der Züge find nicht radial, fondern tangential an einen Kreis gezogen, der o 526 Zoll Durchmeffer hat. rung. Breite der Züge an der Mündung Felder 97 " 99 " Züge Felder am Laderaum " 9 0.596 Zoll, 0.287" 9 0.733 0.150 Die Axe des Laderaumes ift um o'05 Zoll höher gelegt, als jene der Boh Die Länge des Dralles an den Führungskanten beträgt 540 Zoll, an den Ladekanten 552 31 Zoll. Am äufserften Bodenring ift ein convex gegen die Richtmafchine geftellter maffiver Anfatz angefchraubt, mit welchem das Rohr auf dem Richtfpindel- Kopfe aufruht. Das Gewicht der Kanone fammt Verfchlufs beträgt 1000 Pud, die Hinter wucht bei 12 Pud. Die Länge des mit Gewinden verfehenen Theiles des Verſtärkungsringes und ebenfo die Form der Gewinde können von der Fabrik nach Bedarf geändert werden. Die Laffete und der Rahmen des 9- Zöllers find aus dem Etabliffement von Georg Franz Berda in St. Petersburg hervorgegangen, wofelbft auch die Laffete des früher erwähnten broncenen 6- zölligen Hinterladungs- Mörfers angefertigt worden ift. Die Wände der Laffete des 9- Zöllers find aus einfachen Eifenplatten erzeugt und durch mehrere Bolzen und einen Schleifriegel aus Façoneifen ver bunden; letzterer vermittelt im Vereine mit zwei auf jeder Seite der Laffete auf genieteten Flanfchen die Führung derfelben auf dem Rahmen. Diefer Riegel dient auch als Träger der Richtmafchine, welche aus einer broncenen Schrauben mutter und zwei ineinander gehenden Spindeln befteht. Um jede derfelben für fich drehen zu können, find beide, dann die auf der dünneren Spindel befindliche Mutter mit je zwei Richtarmen verfehen. ind, Iten chsngel den chs ene aus her, nen heil ben Ring atze, mit er ilen hen, eres pad die Züge Zoll gen, Boh den ichtdem nter nges dert Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 51 Die Laffete fteht auf vier Rollen, von denen die rückwärtigen, excentrifchen durch einen Hebel niedergedrückt und zum Tragen gebracht werden können. Zur Begrenzung des Rücklaufes, welche mittelft eines Brohktaues bewirkt wird, ift in jeder Laffetenwand eine meffingene Büchfe eingefetzt. Zur Schwächung des Rücklaufes dient eine Backenbremfe, beftehend aus einem eifernen Bügel, deffen die Rahmenwände umfaffende Arme innen mit hölzernen Backen ausgefüttert find; durch Schraubenfpindeln, welche in die Bügelarme eingeſetzt find, werden diefelben gegen die Rahmenwände geprefst. An jeder diefer Schrauben ift ein kurzer Hebelarm befeftigt, welcher das Anziehen und Lockern der hölzernen Backen geftattet. Die äufseren Schrauben können nach Belieben angezogen, d. h. geftellt werden; bei den inneren Schrauben wird diefs durch die zurückgehende Laffete bewirkt, indem der in einem Einfchnitte der Längenftange befindliche Schraubenhebel fammt den Schraubenbolzen gedreht wird. Die Seitenwände des Rahmens beftehen aus I- Eifen, welche durch zwei Riegel und mehrere Bolzen mit einander in Verbindung gebracht find. Der Rahmen ruht vorne und rückwärts auf grofsen Rollen. Auf den gegen den Pivot gekehrten Zapfen der letzteren find Schneckenräder aufgekeilt, welche durch eine gemeinfchaftliche, mit zwei Schneckenfchrauben Stücken verfehene Kurbelwelle in Drehung verfetzt werden können. Die Oboukhoff'fche Gufsftahl- Fabrik bei St. Petersburg,* welche vornehmlich für die ruffifche Marine arbeitet, hatte fünf Stahlgefchütze verfchiedenen Kalibers eingefendet, über welche die wefentlichften Daten hier angegeben werden: Der 8- zöllige Hinterladungs- Mörfer. Das Rohr ift aus Gufsftahl und hat nur einen Bodenring als Verftärkung, der unmittelbar vor dem Querloche des Krupp'fchen Rundkeiles aufgezogen ift. Der Kaliber der Bohrung beträgt 203 2 Millimeter; die letztere enthält 30 Parallelzüge von gleicher Tiefe. Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 3276 Kilogramm, die Granate 77.8 Kilogramm; die gröfste Ladung beträgt 7.361 Kilogramm. Gufsftählernes Rohr und Die 8- zöllige Hinterladungs- Kanone. wie das frühere mit einem Bodenring aus gefchmiedetem Gufsftahl verfehen. Kaliber: 203 2 Millimeter, Gewicht des Rohres mit Verfchlufs: 8933 Kilogramm. Gröfste Ladung prismatifchen Pulvers: 15.561 Kilogramm. Die Granate wiegt 77.8 Kilogramm. Die Bohrung hat 30 Parallelzüge. Aus diefem Rohre wurden bereits 1243 Schufs, und zwar mit Granaten von obigem Gewichte und mit nachfolgend fpecificirten Ladungen prismatifchen Pulvers gemacht: 16 Schüffe mit 6: 552 bis 10: 237 Kilogramm, 684 " وو 12 898 Kilogramm, 191 " " 13.513 " 9 109 " " " 14'332 15.561 " ment die rfers atten ver auf iegel ben n für liche 243 Die Anfangsgefchwindigkeit betrug bei 15 561 Kilogramm Ladung 440 Meter. * Oboukhoff, wo auch der von der Gufsftahl- Hütte zu Perm erzeugte Stahl verarbeitet wird, befchäftigt gegenwärtig bei 1200 bis 1400 Arbeiter. Das Hauptfabricat find Stahlgefchütze und Stahlgefchoffe, doch werden auch andere Artikel, wie Eifenbahn- Achfen, Tyres, Räder, Lager für Eifenbahn- Brücken und dergl. producirt. Als Rohmateriale wird finnländifches und uralifches Roheifen benützt und koftet dasfelbe 60 bis 65 Kopeken per Pud. beläuft fich gegenwärtig auf circa 140.000 Pud Gufsftahl jährlich, wird aber, wenn Oboukhoff Die Leiftungsfähigkeit einmal ganz ausgebaut fein wird, 400.000 Pud per Jahr betragen. An fchweren Gefchützen vom ε- bis zum 12- Zöller erzeugt die Fabrik jetzt jährlich bei 40 Stück. Oboukhoff geniefst grofse Unterftützung Seitens der ruffifchen Regierung, doch konnte es bei dem erft zehnjährigen Beftande fich noch nicht auf jene Stufe der Productionskraft erheben, um mit dem Auslande erfolgreich concurriren zu können. Das ruffifche Gouvernement bezahlt mithin aus Gründen der Staatsraifon feine Gefchütze an Oboukhoff bei Weitem theuerer, als es fie von Krupp beziehen könnte. So koftet z. B. ein 11- Zöller in Oboukhoff 57.600 Rubel 38.000 Thaler = 92.200 fl.; in Effen aber - 57.000 fl. 52 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Das 6- zöllige Hinterladungs- Kanonenrohr. Rohrmaterie und Conftruction wie bei den bereits genannten Kalibern. Der Krupp'fche Rundkeil- Verfchlufs hat keine Transportirfchraube, dagegen eine Lade- Oeffnung. Zum Schutze des Keil- Endes ift an der ebenen Fläche des Bodenftückes ein meffingener Rahmen aufgefchraubt. Der Kaliber beträgt 152 397 Millimeter, die Bohrung enthält 24 Parallel. züge. Das Rohr sammt Verfchlufs wiegt 4000 Kilogramm, die Granate 36.85 Kilogramm. Aus einem ganz gleichen Rohre wurden mit folgenden Ladungen bereits 684 Schüffe abgegeben, und zwar: 607 Schüffe mit 8:19 Kilogramm 68 " 29 9 9 19 17 6.55 8.19 } prismatifchen Pulvers " 11 97 bis grobkörnigen Pulvers und erhielt man mit der Ladung von 819 Kilogramm 487 Meter Anfangsgefchwin digkeit bei einem Maximal- Gasdrucke von 3000 Atmoſphären. Dasfelbe if Das 12- zöllige Hinterladungs- Kanonenrohr. ebenfalls aus Gufsftahl erzeugt, nach Krupp'fcher Manier mit drei Ringlagen und einem Bodenring aus gefchmiedetem Stahl verſtärkt und mit dem Rundkeil Verfchlufs verfehen. Der Kaliber beträgt 304.79 Millimeter, die Bohrung enthält 36 Parallel züge. Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 40.491 Kilogramm( der 12- Zöller in der Krupp'fchen Ausftellung nur 36.600 Kilogramm bei gröfserer Rohrlänge); das Panzergefchofs ift 294.8 Kilogramm fchwer( das Krupp'fche 296 Kilo gramm), die Ladung-prismatifches Pulver beträgt 516 Kilogramm( beim Krupp'fchen Rohre 60 Kilogramm), welche eine Anfangsgefchwindigkeit von 426 Meter( 460 Meter bei Krupp) gibt. - Das ftählerne 4- pfündige Hinterladungsrohr. In der Con ftruction dem broncenen ähnlich, ift es noch mit einem Schildzapfenring und dem Rundkeil verfehen; der Broadwellring ift im Keil, und zwar in einer abhebbaren Platte eingesetzt. gramm. Kaliber: 186.8 Millimeter; Rohrgewicht einfchliefslich Verfchlufs: 360 Kilo Die Bohrung hat 12 Züge, das Zündloch fteht fenkrecht zur Rohraxe und ift in einen kupfernen Kern gebohrt, neben welchem ein kleiner eiferner Haken rechtwinkelig in das Rohr eingefchraubt ift, der ein ficheres Abfeuern geftattet. Das Rohr wurde fchon mit 1032 Schüffen befchoffen, und zwar wurden abgegeben bei glatter Bohrung: 614.2 Gramm 819-0 3 Schufs mit 3 " " 3 3 27 1023'7 1228.5 99 99 " " und nachdem es gezogen war, 1020 Schufs mit der Ladung von 614.2 Gramm grobkörnigen Pulvers. Das Rohr hat blofs eine feitliche Vifirlinie; das Vifir des Auffatzes wir mittelft eines Mikrometers bewegt. Ein feiner Monftrofität halber intereffantes Object der ruffifchen Artillerie Ausstellung war die Transportir protze für den Localtransport fchwerer Gefchützrohre( Fig. 13). Ohne uns in eine nähere Würdigung der praktifchen Brauchbarkeit diefe riefigen Fuhrwerkes einzulaffen, glauben wir doch eine Befchreibung desfelben bringen zu follen. Die Protze befteht aus dem Vorder- und Hintergeftelle, dere Verbindung durch ein Kugelgelenk a gefchieht. Das Vordergeftelle bilden eine ftählerne Achfe und eine eifer Sprengwage, welche durch zwei Scher- Arme und durch vier Achsmitnehmer, vo welch' letzteren die beiden äufseren von den Achsftängel- Enden ausgehen, mitein erie nd Cum ner Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. Fig. 13. lel mate unvin ift gen zeilllel ge); ilo eim von Con ring iner 712 b g www wwww b C www 53 Kilo und ken et. rden amm wird erie Dort Liefes elben Heren ferne VO tein ander verbunden find. Die maffive, hölzerne Deichfelftange fteckt in einem eifernen Schuh, der wieder mit den Scher- Armen und der Sprengwage in Verbindung fteht. Die in ihrer Längenmitte mit einer Kugel verfehene Achfe hat einen conifchen, beiderfeits gegen die Kugel zunehmenden Stock, fowie conifche Stängel, an denen hölzerne Speichenräder ftecken. Um die fchwere und vorwichtige Deichfel während des Fahrens zu balanciren und während des Haltens zu unterſtützen, find an den Enden der äufseren Achsmitnehmer eiferne Gegengewichte b und an der Sprengwage zwei eiferne Stützen angebracht. Der Durchmeffer des vorderen Rades beträgt 14 Meter, die Vorderräder find Speichenräder mit hölzerner Nabe und broncener Büchfe und geftürzt. Das Hintergeftelle befteht aus zwei mit Winkeleifen eingefafsten Tragwänden aus Eifenblech, welche auf den cylindrifchen Achsftängeln der mit einem durchgehenden Längenfchlitze verfehenen ftählernen Achfe aufgefchoben find. Der Achsftock ift 29 Centimeter breit und 20 25 Centimeter hoch. Zwifchen den vorderen, parallelen Enden der durch eine hinter der Achfe beginnende Abbiegung einander näher gebrachten Tragwände ift mit Bolzen ein verticales, eifernes Stöckel d befeftigt, welches das mittelft eines Charniers zu fchliefsende Kugellager enthält; letzteres umgibt die auf der Achfe des Vordergeftelles aufgefchweifte Kugel nur zum Theile, wodurch das Syftem eine bedeutende Biegfamkeit erhält. Zur Verfteifung und zur theilweifen Entlaftung der Tragwände beim Fahren find die Achsftängel- Enden mit den Zapfen der Charnierwelle des Kugellagers durch je zwei mittelft Querbolzen von einander entfernt 54 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. g₁ gehaltenen Eifenfchienen e verbunden. Die Hebevorrichtung befteht aus der zwifchen den vorderen Wandtheilen in einer Traverfenmutter fteckenden Schraubenfpindel f und aus zwei conformen Schraubenfpindel- Mechanismen welche in den Ecken der rechteckigen, bis nahe an die Räder gehenden Aus nehmung der eifernen Hinterachfe angebracht find. Die vordere Spindel ift unter mit einem Kopfe verfehen, in welchem die Enden einer ftarken Bandkette mit einem lofen Bolzen befeftigt find. Zum Bewegen der Spindel dient ein vierarmiger Hafpel, welcher auf das prismatifche obere Ende derfelben aufgefteckt wird. Die rückwärtigen Spindel mechanismen beftehen im Wefentlichen aus je zwei in der Längenrichtung de Achfe auf ein gewiffes Mafs auseinander geftellten Schraubenfpindeln, die in einem im Schlitze der Achfe angebrachten, mit Muttergewinden verfehenen Stöckel en gefetzt find. Jede diefer beiden verticalen Spindeln ift mit einem Schneckenrade verfehen, welches mittelft einer dazwifchen gelagerten Schneckenfchraube, an deren Enden kleine Spillenrädchen aufgefteckt find, in Drehung verfetzt wird, wobei die beiden Spindeln, deren untere Enden durch eine ftarke Traverfe ver bunden find, gleichmäfsig fteigen oder niedergehen. Starke Bolzen, welche die Spindeltraverfen durchfetzen, dienen als Träger einer eifernen Bandkette, mit welcher das zu transportirende Gefchützrohr unterfangen und geho ben wird. Die nach Thonet'fchem Syftem conftruirten hölzernen Räder haben 3 Meter im Durchmeffer, 20 Speichen und zehn 27 Centimeter breite, 215 Centimeter dicke mit einem gefchloffenen eifernen Radreife umfpannte Felgen, welche an den Zufammenftofsungs- Flächen durch breite Blechklammern und Schraubenbolzen feft verbunden find. Die Naben find aus Bronce gegoffen. Der äufsere Nabendurch meffer beträgt 80 Centimeter. Zum Mäfsigen der Bewegung beim Bergabfahren wie zum Einftellen derfelben dient eine mittelft eines Gelenkhebels zu regulirende Bremfe, deren hölzerne Backen an der, die Lappen der beiden Tragwände durchfetzenden Bremswelle befeftigt find. Der rückwärtige Theil der Tragwände ift bis zur Achfe mit Breten bedeckt. Auf dem vorderen Ende der Wände über dem Kugellager- Stöckel if ein Kutfchbock angebracht. An der Sprengwage können vier Pferde eingefpannt werden, da jeder der vier Achsmitnehmer mit einem eifernen Zugdrittel verfehen Die Geleisweite des Hintergeftelles beträgt 25 Meter, jene des Vorder geftelles dagegen nur 2.1 Meter. ift. Schweden. Kriegsminifterium. Die fchwediſche Artillerie, welche im Jahre 1864 mit gezogenen Vorderladungskanonen ausgerüftet wurde, behiel damals das in den dreifsiger Jahren von dem Artilleriegeneral v. Wrede con ftruirte Fuhrwerks- Syftem bei, welches zu jener Zeit vielleicht zu den beften in Europa zählen mochte, heute aber, wo eine gröfsere Beweglichkeit von der Feld artillerie gefordert wird, nicht mehr entspricht Die Erleichterung des Materials wurde daher, fowie die Erhöhung des balliftifchen Effectes der Rohre zur Noth wendigkeit; die Erkenntnifs deffen gab nun den Impuls zur Conftruction eines neuen Fuhrwerks- Syftems und zur Einführung fchwererer Gefchoffe, und wir fanden in der Ausstellung bereits ein auf Laffetirung, Munitions- und Schmied fuhrwerk fich erftreckendes, in allen Details durchgearbeitetes neues Syftem vor, welches, infoweit es das eigentliche Gefchützrohr und die Laffete betrifft, fchon vollſtändig experimentirt ift und auch eingeführt werden wird Bei demfelben hatte man fich für die Verwendung des Eifens zum Bau der Fuhr werke in dem zuläffig ausgedehnteften Mafse entfchieden. Wir müffen gleich von vorneherein bemerken, dafs die neue Conception den betreffenden Conftructeuren alle Ehre macht, indem fie aufser Zweifel ftellt, dafs letztere den neueften Erfahrungen der Artillerietechnik volle Rechnung trugen. Sie haben, den fpeciellen Verhältniffen ihres Landes fich anfchmiegend t aus nden en g Aus inten e mit f das mdel g de inem einrade an vird ver e die Cette eho Teter icke den feft irch ren ende Finde etem el if annt ehen der Iche hielt conn in " eld rials oth ines den ed ues fete ird uhr tion ellt ung end, Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 55 indem fie Gufseifen als Rohrmaterie wählten, ein Feldgefchütz gefchaffen, welches in Bezug feiner Wirkfamkeit das alte um ein fehr Bedeutendes übertrifft. Der Umftand, dafs wir hier einer ganz neuen Schöpfung gegenüber ftehen, welche für den Fachmann nach vielen Richtungen hin ein fchätzenswerthes Studienobject bildet, erklärt es, dafs wir uns mit derfelben eingehender befaffen. Die Rohre find Vorderlader, aus Gufseifen und mit dem bekannten, vom General Wrede modificirten la Hitte'fchen Zugfyftem verfehen. Für diefelben wurden jetzt Hohlgefchoffe von 1 gröfserem Gewichte angenommen. Diefe unterfcheiden fich von den alten Sprenggranaten durch ihre gröfsere Länge und dadurch, dafs fie zwei Reihen Führungswarzen nebft den nahe am Gefchofsboden eingefetzten meffingenen Centrirungswarzen befitzen. Die frühere Conftruction der Warzen, fowie die Legirung des Materials derfelben wurden beibehalten. Durch die Vermehrung des Gefchofsgewichtes bei ungeändertem Kaliber wurde eine günftigere Belaftung des Querfchnittes erzielt, die Vermehrung der Warzen hatte hingegen eine beffere und ruhigere Führung zur Folge, wodurch der Gefchwindigkeitsverluft reducirt, die Treffwahrfcheinlichkeit aber erheblich erhöht wurde.* Die Ausdauer fowohl, als auch die Unempfindlichkeit der fchwedifchen Rohre ift eine fehr bedeutende. Ein ausgeftelltes, zerfägtes Kanonenrohr von 3:24 Zoll( 9.6 Centimeter) zeigte fich im Patronen- und Gefchofslager wenig, im gezogenen Bohrungstheil unmerklich von den Pulvergafen angegriffen, obwohl aus demfelben 1300 Schüffe abgegeben worden waren. Wir kommen nun zur Laffete.( Fig. 14 und 15.) Die in der Gegend der Achfe parallelen, mit Winkeleifen eingefafsten Wände derfelben convergiren allmälig gegen den fchmalen, mit Eifenblech verkleideten Protzftock, und find an der Stirne, dann hinter der Achfe in der Gegend der Richtmafchine mittelft Blechen verbunden. Unmittelbar hinter dem Protzftock befindet fich ein Protznagel- Steg a mit Haken, welch' letzterer zum Einhängen der Protzkette dient. Die Richtmafchine befteht zunächft aus einem eifernen cylindrifchen Gehäufe b, welches mit Zapfen verfehen ift, die in den Lagern c der Laffetenwände ruhen. In diefem Gehäufe befindet fich eine am unteren Ende mit einem conifchen Rade verfehene Schraubenmutter d, in welcher die mit dem Rohr verbundene Richtfpindel e fteckt. In das Conusrad greift ein anderes f ein, welches auf einer fchräg geftellten, mit einem Handrädchen g armirten Spindel aufgefteckt ift. Diefe Spindel lagert in zwei quer über die Laffetenwände gehenden Schienen h, von denen eine auf den oberen, die andere auf den unteren Winkeleifen aufgenietet ift. Der untere Theil der Spindel ift durch einen ledernen Schlauch gegen Verunreinigung gefchützt. Die Achfe ift aus Stahl erzeugt, hat einen vierkantigen Achsftock und abgebogene conifche Achsftängel. An den Enden des Achsftockes find eiferne Spreizftangen i aufgebracht, welche mit den Laffetenwänden durch einen die* Mit Rückficht auf die Vermehrung des Gefchofsgewichtes glaubte man fich im Intereffe der Rohrausdauer zur Herabfetzung der Ladung von 1'3 auf 11 Kilogramm bemüffigt, wonach auch die Anfangsgefchwindigkeit von 400 auf 340 Meter fank. Nach den Ergebniffen eines kürzlich infcenirten und mit günftigem Refultate zu Ende geführten Verfuches mit 15 Kilogramm Ladung, bei welchem eine Anfangsgefchwindigkeit von über 400 Meter erreicht wurde, ohne dafs fich beim Rohre verderbliche Einflüffe kennbar machten, dürfte jedoch die Ladung von 1'5 Kilogramm als normale eingeführt werden. Die wahrfcheinlichen Fehler beim Schiefsen mit Sprenggranaten in der Entfernung von 2000 Meter ergaben fich: mit 13 Kilogramm Ladung und 5'9 Kilogramm fchwerem Gefchoffe in der Länge 2'3 Meter, 22 دو Breite 1'9 Meter; bei 11 Kilogramm Ladung und 78 Kilogramm fchwerem Gefchoffe in der Länge 116 Meter, " Breite 1'4 Meter. 56 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Fig. 14. felben durchfetzenden Bolzen/ verbunden find, und fo die Laffete und Achfe verfteifen. Auf beiden Seiten der Laffete befindet fich zwifchen diefer und dem Rade ein Achsfitz, welcher auf drei Puffern/ aus Kautfchukfcheiben und dazwifchenliegenden Eifenplatten ruht. Von diefen Puffern ift einer auf der Spreizftange, während die beiden anderen vor der Achfe auf den damit verbundenen Auftrittftegen m befeftigt find. Die gepolfterten Sitze find mit einer mit Schnüren durchflochtenen Lehne verfehen, und auf jedem Schilddeckel ein hölzerner, hornförmiger Griff zum Fefthalten für den fahrenden Mann angebracht. Unter jedem Achsfitze ift ein niederes Fach hergerichtet; in dem rechten werden drei Büchfenkartätfchen und ein Auslader, im linken Requifiten untergebracht. Hinter der Richtmafchine find die Laffetenwände zur Bildung eines Requifitenkaftens verkleidet. Der Richtbaum ift dauernd mit der Laffete verbunden, und läfst fich um das auf dem Protzftocke befindliche Charnier o in der Symmetrie- Ebene der Laffete bewegen. Am eifernen Schuh desfelben befindet fich eine Warze p und eine Klinke q, welche die fefte Lagerung des Richtbaumes in der Feuerftellung geftatten, indem die Warze in das hakenförmige Ende des den Schweif des Protzftockes umfaffenden Hebels greift. Die hölzernen Speichenräder haben eine hölzerne Nabe mit einer broncenen Büchfe, anfchliefsende durch Bolzen und Zapfen verbundene Felgen und einen ungetheilten eifernen Radreif. Die Speichen find ziemlich ftark gekrümmt. Der Laffetenwinkel mifst 28 Grad, die Geleisweite 153 Meter; die Laffete wiegt 460 Kilogramm. Die Protze hat mit der Laffete gleiche Räder; die ftählerne Achfe, O U 00 0 auf welcher die aus Winkeleifen gebildeten Deichfelarmer mittelft Anzug bänden und Schrauben befeftigt find, hat einen vierkantigen prismatifchen, an den Enden etwas ftärkeren Achsftock und abgebogene conifche Achsftängel. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. Fig. 15. 57 den del ༢༦ ་ o 0 Auf den rückwärtigen zur Symmetrie Ebene parallel laufenden Theilen der Deichfelarme ift eine bogenförmige, nach der Geftalt des Protzftockes gefchweifte Reih fchiene s angebracht, in deren Centrum fich der auf einer eifernen Gabelt befeftigte Protznagel befindet. Diefe Gabel, deren Schenkel mit den Deichfelarmen durch Bolzen verbunden find und auf einer Querfpange u der Reihfchiene aufruhen, läfst fich in der Verticalebene um beiläufig 8 Grad nach aufwärts bewegen, und wird an der Fortfetzung der Drehung durch die Reihfchiene, unter welcher fie liegt, gehindert. Die durch einen Fufs vunterftützte Stangendeichfel ift zwifchen den parallel geftellten Deichfelarmen eingefchoben, und wird mittelft Bändern und durch einen horizontalen Bolzen in ihrer Lage erhalten. Der rückwärts zu öffnende Protzkaften ift aus Holz erzeugt, an den Kanten mit Blech befchlagen, und wird durch einen Deckel gefchloffen, welcher zum Fortbringen von drei Mann mit eifernen Seitenlehnen und einem Rückenriemen verfehen ift. Auf dem Deckel und zwar hinter der Rückenlehne wird die Bagage der drei Mann fortgebracht. Der Kaften ſteht mit feiner Mitte genau über der Achfe und ruht auf hölzernen Stöckeln w und auf den Spreizftangen, welche mittelft Anzugbändern auf der Achfe befeftigt find. In der Protze werden achtzehn Granaten und ebenfoviel Shrapnels fammt den dazu gehörigen Patronen verpackt. Die ausgerüftete Protze wiegt 645 Kilogramm. Die Länge des aufgeprotzten Gefchützes beträgt 7.6 Meter; der Lenkungswinkel 87 Grad. Das Gewicht des completen Gefchützes mit Mannfchaft beträgt 1870 Kilogramm; es entfällt fomit per Pferd eine Zuglaft von 312 Kilogramm. 58 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Der Munitionswagen, gleichfalls Project und beſtimmt, an die Stell des jetzt eingeführten zu treten, befteht aus der Gefchützprotze und aus dem mi zwei Munitionskäften verfehenen Hinterwagen. Das Untergeftell desfelben wird aus 2 ftarken nach Fig. 16 geftaltete Winkeleifen a gebildet, welche mittelft Bändern b und Anzugfchrauben mit de ftählernen Achfe verbunden find. Auf den vorderen Enden der Winkeleifen it eine bogenförmig gefchweifte Schiene c befeftigt, welche fich an die Reihfchien: der Protze anlegt. Der Protznagel- Steg d befindet fich hinter diefer Schiene. Jede der beiden ganz gleichen Käften, welche auf den Winkeleifen aufruhen und a Stöckeln ähnlich wie die Protzkäften ftehen, hat einen Faffungsraum für 4 Gefchoffe. Das Vorrathsrad wird auf einem Träger, beftehend aus dem umlegbare Theil e, der feften Ständergabel f und dem drehbaren Achsftängel g, der vor Fig. 16. g F e d o 3 0 000 0 0 0 d 0 do 7 100 L a a dem erften Kaften auf den Winkeleifen befeftigt ift, in verticaler Stellung getra gen. In Folge diefer Einrichtung mufs, ehe das Rad abgenommen oder auf gefchoben werden kann, abgeprotzt werden., Die Feldfchmiede ift zum Abprotzen eingerichtet und befteht aus einer Protze und aus dem Hinterwagen; fie hat verglichene Räder. Die Protze ift von Holz und dem Vordergeftelle der alten fchwedifchen Packwagen fehr ähnlich. Der Kaften derfelben enthält zwei Fächer, eines für Kohlen, das andere für die Schmiede- Werkzeuge. Am Fufse des Kaftens ift eine Truhe angebracht, in welcher fertige Hufeifen, Hufnägel und dergl. verwahr werden. Auf dem Protzkaften, der mit Lehnen verfehen ift, fitzen der Kutfcher und der Schmied. Zur kriegsmäfsigen Befpannung gehören drei Pferde, die neben einander an Wagendritteln ziehen, und von denen das mittlere in der Gabel deichfel geht. Die aus zwei Bäumen beftehende Deichfel läfst fich umftellen, fo daſs, wenn nur zwei Pferde eingefpannt werden, das fattlige in der Deichfel geht. Das Hintergeftell befteht aus einem Schmiedekaften, der auf dem Achsfutter auffitzt, und aus zwei langen, fchmalen Truhen, welche auf den Trag bäumen des Untergeftelles befeftigt find. Die Tragbäume find vorne durch einen Riegel, hinten durch einen Pfoften verbunden. Eine eiferne, auf dem vorderen Riegel des Untergeftelles befeftigte, gebogene Protzftange dient zur Verbindung des Hinterwagens mit der Protze, welch' letztere am Achsfutter einen Protz haken befitzt. tell E m eter de iene ede at are VO tra auf aus hen für ift hrt and enel en. Her em ag. en en es tz Allgemeine Bewaffnung und Artillerieweien. 59 Der abhebbare Schmiedekaften enthält einen kleinen Ventilator und den Feuerheerd, welcher in die an der Aufsenfeite des Kaftens angebrachten Oefen eingehängt, und durch einen Fufs, der den dritten Stützpunkt des Heerdes bildet, in horizontaler Lage erhalten wird. Ein abnehmbares Kupferrohr dient als Communicationsmittel für den Wind, den der Ventilator in genügender Menge und hinreichender Stärke liefert. Die fchwediſche Feldartillerie hatte ferner ein Gefchirr für das StangenSattelpferd, eines für das Voraus- oder Mittel- Sattelpferd, ein Gefchirr für ein Zugpferd beim Packwagen, dann für ein Zugpferd beim Handwerker- Wagen, endlich einen Sattel mit Zaum und Hilfsgefchirr für Reitpferde ausgeftellt. Diefe Gefchirre zeigten fo viel Abweichendes von den bekannten ähnlichen Einrichtungen, dafs wir ein näheres Eingehen auf diefelben für nöthig erachten. Gefchirr für das Stangen- Sattelpferd. Das Kopfgeftell hat drei Hauptbeftandtheile und zwar das Stangengeftell, das Trenfengeftell und den Stallhalfter- Riemen. Eifteres ift ein über den Pferdekopf von Maulwinkel zu Maulwinkel reichender, das Backen- und Genickftück vereinigender Riemen, an deffen Enden fich Schnallenftücke zum Einfchnallen der Reitftange fammt einfacher flacher Kinnkette befinden, und durch welchen oben ein über das Oberhaupt und die Ganafchen laufender Riemen( ftatt Stirn- und Kehlriemen) durchgezogen ift; an der Stange find die Stangenzügel, ferner ein die Backenftücke rückwärts verbindender und deren Vorgehen hindernder Riemen eingefchnallt. Das Trenfengeftell befteht gleichfalls aus dem fchon genannten langen Riemen, in deffen Schnallenftücken fich eine Trenfe mit Oberbäumen befindet, dann aus einem Stirnriemen und den zwei Trenfenzügeln. Alle diefe Riemen befitzen eine Breite von einem halben Zoll, während der Stallhalfter- Riemen, welcher vom Genick des Pferdes längs den Ganafchen herabfällt, und durch eine Schlaufe am Genick mit dem Trenfen- und breit ift. An lezterem Riemen Stangengeftell verbunden ift, einen Zoll befindet fich unten ein herzförmiger Ring, von dem der Stallhalfter- Strick frei herabhängt. Das hier befchriebene Kopfgeftell ift auch beim Vorauszug und beim Reitpferde in Anwendung. Der Sattel. Als Sattel dient der ungarifche Bock mit eifernen Zwiefeln, hölzernen, ungepolfterten Seitenblättern, ledernem Sitzpoliter, hanfener, weisser Unter- und fchwarzlederner, 2 Zoll breiter Obergurte, an welcher die vorderen Tragriemen( Verlängerung des Widerhaltriemens) rechts und links eingenäht find. Als Unterlage dient eine weifse Kotze. Die Steigbügel halten die Mitte zwifchen deutfcher und ungarifcher Form. Ueber den Sattel wird eine blautuchene, mit gelben Streifen benähte Schabracke gelegt. Gepackt ift diefer Sattel folgendermafsen: Vorn rechts ein kleiner Kochkeffel, links der Säbel, oben durch einen Riemen gehalten und unten in einem ledernen Schuh von 6 Zoll Länge ftehend. Diefer Schuh wird von einem langen, am Sattel heruntergehenden Riemen getragen; ein blauleinener Sack zum Verwahren der Putzrequifiten, dann über beide Seiten gehend der Mantel. Rückwärts hängt der zweitheilige, blautuchene Mantelfack und 2 kleinere Säcke aus blauem Leinenftoff zur Aufnahme von 5 Futterrationen. Diefe Säcke werden durch eine hanfene Gurte, welche am Sattel aufliegt, dann durch einen um die hintere Kappa gehenden Riemen feftgehalten. Zum Gefchirr gehört weiters: Das Kummet, beftehend aus 2 unbefchlagenen Kummethölzern, welche fowohl am Widerrift als auch an der Vorderbruft mit entsprechend ftarken Riemen zufammenzufchnallen find. Diefes Kummet ift daher jedem Pferde bald angepafst und leicht zum Herabnehmen. 60 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Im erften Drittel der Kummethölzer von oben befindet fich zu beiden Seiten ein Ring, wahrfcheinlich zum Einhängen der Zugftrang- Anfätze; von diefem Ringe angefangen find die Kummethölzer bis zur unterften Krümmung und mit Ausnahme der äufseren Theile mit einer mäfsigen Polfterung verfehen, welche am Zugpunkte die Stärke von 2 Zoll erreicht. Am Zugpunkte ift ein Oehr befeftigt, an dem fich ein längliches Kettenglied und in diefem nebft dem Haken zum Einhängen des Zugftranges an einem Riemenftück ein Zugring von 3 Zoll Durchmeffer befindet. In diefen Ring find 2 Schallenftücke eingenäht, und zwar eines für den vorderen Tragriemen und eines für den Widerhaltriemen. Zur Unterlage diefer Vorrichtung und um das Pferd gegen Reibungen und Befchädigungen zu fchützen, ift am Kummetholz beim Zug. punkte ein I Schuh langes und 4 bis 6 Zoll breites Lederftück angenagelt. Der vordere Tragriemen ift ein integrirender Theil der Sattelobergurte und bildet eine Verlängerung der Widerhaltriemen. Die Deichfel wird fonach vom Sattel und nicht vom Kummet aus getragen. Der Widerhaltriemen, welcher in die correfpondirenden Schnallenftücke am Zugringe eingefchnallt ist, wird durch die an dem Deichfeljoche, einer Eigenthümlichkeit der fchwedifchen Gefchirre, befindliche Rolle durchgezogen. Der Sattel ift durch einen Gürtel mit dem Kummet und durch einen anderen mit dem Schweifriemen in Verbindung. Die nicht gefchwärzten Zugftränge laufen vom Zugringe bis zur Bracke dop pelt. und haben an ihrem Ende einen Haken zum Einhängen in das Oehr der Bracke. Der Umlaufriemen befteht aus drei Theilen, und zwar aus den beiden am Zugringe eingenähten und dem um die Oberfchenkel des Pferdes laufenden Theile, welche durch Schnallen verbunden werden. Das Kopfgeftell mit Stangen- und Trenfenzäumung halten wir für den Fahrartilleriften zu complicirt, und erklären uns deffen Einführung nur vom Standpunkte der Einheitlichkeit. Die Einrichtung desfelben ift aber finnreich, nachdem jeder Theil für fich allein ebenfogut wie alle zufammen gebraucht werden können. Der Stallhalfter- Riemen dürfte im Bivouak wohl nicht genügen. Das Kummet entfpricht den Anforderungen, die an ein folches geftellt werden können; es ift hinlänglich ftark, nicht zu fchwer, nicht übermäfsig gepolstert und nach Bedarf zu fchnallen. Der Sattel ift zweckmäfsig, doch würden wir der tuchenen Schabracke ein Sitzleder vorziehen. Das Anbringen von 5 Tafchen am Sattel, von denen 2 das Gepäck des Soldaten, 2 die Fourage und I die Putzrequifiten bergen, fcheint uns ebenfowenig zweckmässig, wie die Ausrüftung des Fahrers mit dem langen Pallafch; dagegen halten wir für fehr praktiſch, dafs die Deichfel vom Sattel aus getragen wird. Das Gefchirr für Mittel- und Vorauspferde hat alle Theile wie das Stangengefchirr mit Ausnahme des Umlaufriemens. Das Gefchirr für Zugpferde bei Packwagen, Feldfchmieden und Handwerkerwagen unterfcheidet fich jedoch von dem früher befchriebenen durch Folgendes: Die Gefchirrhalfter befteht blofs aus den für Trenfengebiffe beftimmten Backenftücken fammt Kehl- und Stirnriemen; das Trenfengebifs hat keinen Oberbaum, wohl aber Knebel, und find in die Augen des Gebiffes die Leitfeile eingefchnallt. Die Leitfeile find beiläufig 3 Linien ftarke Stricke, welche wie die Kreuzzügel angeordnet und mit Schnallenftücken verfehen find. Das Kummet differirt von dem früheren dadurch, dafs die Kummethölzer am Widerrift nicht gegen einander geneigt ftehen, fondern deren oberfte Theile nach aufsen gefchweift find. An diefer Schweifung find an der Aufsenfeite drei Klammern unter einander angebracht, durch welche das Kummet nach Bedarf mittelft eines Riemens gröfser oder kleiner gemacht werden kann. ein lieg Zus bre ang Ba be fpr fel un wi bla de als R di fla ge fe fo in tis ei fc H hi E 199 g fo fo Z u d P ef A g N CZ B 80 g Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 61 Vom Zugpunkt aus, der auch hier durch ein Oehr markirt ift, läuft in einen dreieckigen Ring eingenäht, der Umlaufriemen, weiters in einem darauf liegenden gleichbreiten Riemen und darin eingenähten viereckigen Ring der Zugftrang. Vom Kummet geht der Rückriemen aus, auf welchem ein mit zwei 4 Zoll breiten und 6 Zoll langen Pölftern verfehener Kreuzriemen mit einer Schlaufe angefteckt ift. Diefe Pölfter, refpective der Kreuzriemen werden durch eine Bauchgurte feftgehalten. Im Ganzen ift diefes Gefchirr fehr einfach, leicht und für den bei den benannten Fuhrwerken eingeführten zwei- oder dreifpännigen Zug zweckentfprechend. Das Reitzeug für Unterofficiere hat das nämliche Kopfgeftell, denfelben Sattel und die gleiche Packung wie das Stangengefchirr. Als Hilfs gefchirr ift folgende Einrichtung angebracht: Von dem von der Obergurte des Sattels ausgehenden vorderen Tragriemen und von einem zweiten über die Schulter und den Widerrift gehenden Riemen wird ein Sielen gefchirr getragen. Diefes ift ein über Vorderbruft und Schulterblätter reichendes, 3 Zoll breites Lederftuck, an deffen Ende fich hinter den Vorderfüfsen eine Ledergurte befindet. Auf dem Lederftück ift weiters ein I Zoll breiter, etwas kürzerer Riemen als Verſtärkung aufgenäht, an welchem Doppelringe befeftigt find. In einem diefer Ringe find die Widerhaltriemen, in dem anderen die vorderen Tragriemen, dann die Zugftränge eingehängt. Zugftränge, Widerhalt- und Tragriemen liegen flach auf dem breiten Lederftück auf, und werden durch kleine Riemen feftgehalten. Das Reitzeug ift durch die Anbringung des Hilfsgefchirres in feinem Ausfehen offenbar beeinträchtigt, und dürfte zudem das letztere, wenn es nicht als folches gebraucht wird, fondern einfach aufgefchnallt ift, das Pferd, namentlich in fchärferen Gangarten, ziemlich beläftigen. Die Fälle, wo mań zu einem derartigen Auskunftsmittel, nämlich zum Einfpannen der berittenen Unterofficiere vor ein Gefchütz fchreiten mufs, kommen doch zu felten vor, als dafs es angezeigt fchiene, dieferwegen die Reitpferde aller Unterofficiere einer Batterie mit diefem Hilfsgefchirr zu belaften. In der öfterreichifchen Armee find Verhältniffe, wie die hier gemeinten, auch vorbedacht worden, doch wurden hiefür weitaus einfachere Einrichtungen getroffen. Die Ledertheile der fchwedifchen Gefchirre find durchgehends aus gefchwärztem Blankleder erzeugt, die Gebiffe verzinnt, die Ringe und Schnallen fowie die Kummethölzer fchwarz lackirt. C. Eckmann. Die Finfponger Eifengiefserei, welche fich fchon auf der letzten Parifer Ausftellung durch die Fabrication gufseiferner gezogener Gefchütze grofsen Kalibers rühmlichft hervorgethan hat, ift feit jener Zeit wieder um ein gutes Stück auf der betretenen Bahn vorwärts gefchritten, und leiftet gegenwärtig unftreitig das Befte in diefem Fache. Diefes erfolgreiche Streben verdient alle Beachtung, zumal darin auch das zu würdigende Moment liegt, dafs das im Eifenwefen auf hervorragendem Platze ftehende Schweden die bereits ftark erfchütterte Hoffnung, billige und effektvolle Gefchütze grofsen Kalibers aus Gufseifen herzuftellen, neu gekräftigt hat. Als die Hauptfactoren diefes günftigen Erfolges müffen die forgfältige Auswahl der Erze, der rationelle Schmelzprocefs derfelben und die Gufsmanier genannt werden. - Zur Gewinnung des Gefchütz Gufseifens werden drei Gattungen Erze ( Magnet- Eifenftein Eifenoxyduloxyd Fe O Fez Og) und zwar von Förola, Nortorp und Stenebo im Verhältnifs zu 80, 10 und 10 Percent verwendet, und in Hochöfen mittelft Holzkohlen und bei kaltem Winde langfam niedergefchmolzen.. 62 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die von folcher Befchickung gewonnenen Floffen werden nach der Befchaffenheit der Bruchfläche einer beim Abftiche mitgegoffenen Probeftange ( 60 Centimeter Länge 2.7 Durchmeffer) forgfältig in Bezug ihres Graphitgehaltes in zehn Claffen eingetheilt. Die 1. Claffe hat einen fchwarzen, ftark graphirten Bruch, während jener der 10. Claffe ganz weifs ift und keine Spur von Graphit zeigt. Zum Gefchützgufs werden im Allgemeinen Floffen der 3., 4. und 5. Claffe, manchmal auch folche der 2. Claffe, nie aber Eifen der 6. oder einer höheren Claffe benützt; ebenfo wenig findet fogenanntes Brucheifen hiefür Anwendung.* Die Dichte des Gefchütz- Gufseifens in den Probeftangen variirt je nach den für den Gefchütz oder Gewehrgufs verwendeten Claffen zwifchen 7.30 und 7.45; die Dichte des Eifens in den Gefchützrohren liegt zwifchen 7.22 und 7.30, während die Dichte des Gufseifens in den durch Schalengufs erzeugten Gefchoffen felbft 7.65 beträgt, Das fchwediſche Gefchütz- Gufseifen zeichnet fich im Weiteren durch grofse abfolute Feftigkeit, Härte, Zähigkeit und Elafticität aus, und befitzt fomit alle jene Eigenfchaften, welche ein gutes Gefchützmaterial haben foll.** Zu Finfpong werden alle Rohre vom 24- Pfünder( 15-3 Centimeter) aufwärts mit nach oben gekehrter Mündung über einen hohlen Kern auf dem Wege des Syphonguffes bei gleichzeitiger Kühlung gegoffen. Die Kühlung wird während des Guffes und bis nach Entfernung der Kernröhre mittelft comprimirter Luft und von da mit Waffer bewirkt. Dadurch, und dafs die Ausftrahlung der Wärme nach Aufsen hin durch eine dicke, die Formen umgebende Sandfchichte*** erheblich verzögert wird, kühlt die Materie von Innen nach Aufsen allmälig ab, und wird in den einzelnen Schichten annähernd jener Spannungszuftand hervorgerufen, den die Theorie anftrebt.+ Rohre kleineren Kalibers werden in der Regel maffiv und auf die gewöhnliche Art von Oben gegoffen. Mit jedem grofsen Rohre wird zugleich ein 4- oder 6- pfündiges Gefchütz gegoffen und nochmals einer Gewalt- Schufsprobe unterzogen, wodurch man über die Güte des Materials weitaus beffere Auffchlüffe erhält, als durch die anderwärts angeftellten Zerreifsproben einzelner aus dem Maffelot oder fonft von irgend wo genommener Eifenftücke. Die fchweren gezogenen Gefchütze von 12'12 Centimeter aufwärts werden mit einer bis zwei Lagen Ringe( Fretten) aus Stahl verfehen, welche den cylin drifchen Theil der gufseifernen Kernröhre mit Preffion umfpannen.++ * Laut Analyfen enthält das in Flammöfen niedergefchmolzene Gufseifen folgende Beftandtheile: Silicium. Ausgefchiedenen Kohlenftoff( Graphite) Chemiſch gebundenen Kohlenftoff Mangan Schwefel . o'48 Percent. 2.05 I'41 23 O'25 " O'13 Phosphor Kupfer. Aluminium Calcium Eifen und Verluft. Spuren nichts 95.68 Percent. 100'00 Percent. ** Als Beweis hiefür hat das Etabliffement eine gufseiferne, der Länge nach durchfchnittene Hülfe von 2 Millimeter Dicke, 71 Centimeter Durchmeffer und 25 Centimeter Breite ausgeftellt, welche fich wie Stahlblech zufammenrollen und aufbiegen liefs. Was den Widerftand des Gufseifens anbelangt, fei erwähnt, dafs eine Gasfpannung von 2700 Atmoſphären noch keine Gefahr für den Beftand der Rohre involvirt. *** Die Dammgrube wird, nachdem die Formen eingefetzt und richtig geftellt find, mit Sand vollständig ausgefüllt. + Diefelbe verlangt bekanntlich, dafs fich alle Schichten, wie fie im Querfchnitte fucceffive auf einander folgen, im gleichen Mafse am Gefammtwiderftande betheiligen follen. †† Diefe Stahlreifen wurden bisher zum gröfsten Theil aus den franzöfifchen Eifenwerken in Rive de Gier und St. Chaumont und zum geringeren Theil aus dem belgifchen Etabliffement Seraing bezogen. In Hinkunft werden fie aber im Lande, und zwar zu Motala erzeugt, wo man fich für diefen Fabricationszweig bereits einrichtet. er ge es en gt. e, en ch d 0, en se le ts es d n 1 e Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 63 Beim Bereifen der Rohre kommt es vor Allem auf die äufserft genaue Meffung der Durchmeffer der Kernröhre und der Ringe an. Ein ganz geringfügiges Mehr oder Weniger des auf theoretifchem oder praktiſchem Wege als geeignet oder nothwendig erkannten Durchmeffermaſses kann das Gelingen eines Rohres felbft bei dem beften Materiale in Frage ftellen. Das Abdrehen der Kernröhre, fowie das Ausdrehen der Ringe mufs demnach auf das Sorgfältigfte bewirkt werden, um annähernd gleiche Spannungsverhältniffe in der ganzen Länge des beringten Theiles zu erhalten. Eine der Hauptbedingungen zum Gelingen diefer Procedur ift die Verläfslichkeit des Inftrumentes, mit welchem das Meffen der Durchmeffer vorgenommen wird. Bei Eckmann bedient man fich zur Ermittlung der letzteren des in der( Fig. 17) veranfchaulichten Inftrumentes. Diefes befteht aus dem gufseifernen, durchbrochenen Bogentheil a, aufserhalb deffen Mitte ein in Nuthen verfchiebbarer Träger 6 aus Stahl eingefetzt ift. Im linken Ende des Bogens befindet fich eine Schraubenfpindel c, an welche je nach der Gröfse des betreffenden Durchmeffers längere oder kürzere Körner d aufgefchraubt werden können. Das rechte Bogenende enthält einen Rollennonius e, mit dem der kürzere Arm des durch eine Feder fftets nach auswärts gedrückten doppelarmigen Hebels g derart in Verbindung fteht, dafs derfelbe beim Herausfchrauben der Flügelmutter gegen den kürzeren, mit einer Gleitrolle verfehenen Arm des horizontalen Hebels drückt; der längere Arm diefes Hebels läuft in eine Spitze aus, welche längs einer Scala i gleitet, und das Mafs, um welches die Flügelfchraube axial bewegt wurde, in, wenn wir nicht irren, achtzigfacher Vergröfserung angibt. Fig. 17. b r n n g t e Fig. 18. b b Der Lichtendurchmeffer der Ringe wird nicht mittelft einer Schublehre. fondern auf geometriſchem Wege, und zwar in folgender Weife ermittelt: Ein Eifenftab, etwas kürzer als der Lichtendurchmeffer des Ringes, wird in denfelben eingeführt und werden die Punkte, wo derfelbe den Umfang des Ringes berührt, bezeichnet. Alsdann wird der Stab in die Lage a b₂ gebracht, und aus dem Umfangswinkel a und der Länge des Stabes der wahre Durchmeffer a b des Ringes errechnet.( Fig. 18.) Ift diefs gefchehen, fo werden die Körner des Zirkels auf diefes Mafs auseinander geftellt, und 5 a b. 64 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fodann das Rohr auf feinen Durchmeffer unterfucht, oder wenn derfelbe bereits ermittelt wurde, diefer Duchmeffer mit jenem des Ringes verglichen. Da die Nadel des Zirkels jede Differenz in achtzigfacher Vergröfserung zeigt, fo läfst fich bei diefer Methode ein vollkommen genaues Abdrehen des Ringes und des zu beringenden Rohrtheiles erzielen. Die Mehrzahl der in Finfpong erzeugten Hinterlader grofsen Kalibers gehören dem franzöfifchen Syftem mit dem bekannten Schraubenverfchluffe an.* Diefes Syftem, welches fich bei vielfach angeftellten Schiefsproben als vollkommen kriegstauglich erwiefen hat, ift im Verhältniffe zu anderen Conftructionen von Kanonen äufserft billig im Preife, und haben fich der fchwedifche, holländifche und dänifche Staat während mehrerer Jahre hindurch mit gezogenen Gefchützen grofsen Kalibers von Finfpong verfehen. Als Repräfentanten diefes Syftems und der in Finfpong im Weiteren zur Fabrication gelangenden Gefchützfyfteme hat das Etabliffement ausgeftellt: Eine Hinterladungskanone von 8:08 Decimalzoll( 24 Centimeter) in einer Küftenlaffete. Eine Vorderladungskanone von 41 Decimalzoll. Eine Vorderladungskanone von 324 Decimalzoll. Eine Vorderladungskanone von 2:58 Decimal zoll. Die 24- Centimeter- Hinterladungskanonen, welche zur Küftenvertheidigung als Panzergefchütze und für die Beftückung der fchwedifchen Kriegsmarine verwendet werden, und welche das ausgeftellte Rohr repräfentirte, gleichen in allen Theilen wefentlich denen der franzöfifchen Marine. Sie beſtehen aus einer cylindro- conifchen gufseifernen Kernröhre, deren rückwärtiger cylindrifcher Theil mit einer doppelten Lage Stahlfretten umfafst ift. Die Totallänge beträgt 153 58 Decimalzoll; davon entfallen für den Verfchlufs nur 12.60 Zoll. Der Laderaum ift 22.81 Decimalzoll, der gezogene Theil 140 97 Decimalzoll, das ift 17-4 Kaliber lang. Die Bohrung hat fünf muldenförmige, rechtsgängige Progreffivzüge von 185 Decimalzoll Breite und 0 18 Tiefe, welche gegen die Mündung zu allmälig bis zu o 169 abnehmen. Die abgewickelte Dralllinie entspricht einem Parabelbogen vom Parameter 0 01617; der Drallwinkel an der Bohrung beträgt 6 Grad. Das Zündloch fteht fenkrecht zur Seele des Rohres und befindet fich im letzten Fünftel des Laderaumes. Es ift in einen kupfernen Kern gebohrt. Diefe Conftruction geftattet ein rafches und mühelofes Austaufchen des Kernes. Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 14.766 Kilogramm, und koftet nach den zur Zeit der Ausstellung geltenden Preifen 31.000 Francs. Die dazu gehörigen cylindro- ogivalen Panzer- Gefchoffe find maffiv und werden in Coquillen gegoffen; fie find im Ganzen 19.6 Decimalzoll lang, wovon 9:43 Decimalzoll auf den ogivalen Theil kommen. Die Warzen, welche in zwei Reihen angeordnet find, beftehen aus einer Legirung von 240 Theilen Kupfer, 21 Theilen Meffing und 10 Theilen Blei und find von Mitte zu Mitte 6.23 Decimalzoll entfernt. Die Gefchoffe wiegen 339 fchwedifche Pfund= 144 Kilogramm. Die Selbftkoften der Erzeugung belaufen fich auf 100 Francs. Die bei den letzten Verfuchen mit fchwedifchem grobkörnigem Pulver erreichte Anfangsgefchwindigkeit beträgt 415 Meter bei einer Gas fpannung von 2700 Atmoſphären. * Die Verfchlüffe werden in den fchwedifchen Etabliffements Bergfund und Motala angefertigt. ts el er en lieren en er er ng ur 70 ting eren en fst ereil on lig eligt im efe Das Ceit ffiv ng, ner ind bft. ver as ala Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 65 Für die Gefchoffe wird Kanonen- Gufseifen verwendet. Laffete und Rahmen find der Hauptfache nach aus Eifenblech und nur gewiffe Theile aus Gufseifen, Stahl oder Bronce erzeugt.( Fig. 19.) Die Wände der Laffete beſtehen aus 13 Linien dicken, durch Bolzen und Bleche verbundenen Eifenplatten, welche in der Gegend der Schildzapfenlager durch aufgenietete Bleche verſtärkt find. Die Höhenrichtung wird mit einer doppelten Zahnbogen- Richtmafchine gegeben, deren Vorgelege mittelft der durch die Handrädchen e zu bewegenden Schneckenfchrauben zur Thätigkeit gebracht werden. Die Laffete ift vorn und rückwärts mit gufseifernen Rollen verfehen; die letzteren ruhen in excentrifchen Lagern, und ftehen mit einer herzförmigen Scheibe a, in welcher zwei Raften eingefchnitten find, in Verbindung. Durch die Drehung diefer auf der Rollenachfe aufgekeilten Scheiben werden die Rollen niedergedrückt oder aufgezogen, und in der jeweiligen Lage durch die Stellklinke b erhalten, welche mittelft einer Feder gegen die Scheibe drückt. Der Rahmen befteht gleichfalls aus fchmiedeeifernen, 8 Linien dicken Wänden, mit aufgenieteten Winkeleifen, welche die Sohle des Rahmens bilden. Die Wände find 15 Schuh lang und nach vorne um 5 Grad geneigt. Der Rahmen fteht vorn und hinten auf gufseifernen Rollen, von denen die letzteren gröfser im Durchmeffer und an ihrem Umfange mit Löchern zum Einfetzen von Handfpeichen verfehen find. Auf jeder Rahmenwand ift ein fefter( c) und ein verftellbarer( d) Rücklaufftollen mit der Beftimmung angebracht, das Aufftellen der Laffete auf die Rollen, und das Entlaften der letzteren felbftthätig in Folge des Rücklaufes und Vorrollens der Laffete zu bewirken. Es gefchieht diefs auf folgende Art: Nach dem Schuffe fchleift die Laffete, den Rücklaufftollen d, über welchen die Herzfcheibe a vorſteht, paffirend auf dem Bodenblech foweit zurück, bis die Scheibe gegen den feften Stollen c ftöfst, worauf diefelbe gedreht, die Rollen niedergedrückt, und die letzteren in diefer Lage durch die in die zweite Raft einfallende Stellklinke erhalten werden. Nun läuft die Laffete auf den Rollen fo weit vor, bis die Klinke, über den feften Rücklauf- Stollen ftreichend, ausgelöft wird; fobald diefs gefchieht, dreht fich die Scheibe, bis die Klinke in die erfte Raft einfällt, und hebt dadurch die Rollen in die Höhe. Zur Begrenzung des Rücklaufes, fowie des Vorrollens des Gefchützes find rückwärts am Rahmen je zwei Puffer h und i aus Kautfchuckfcheiben und dazwifchen eingelegten eifernen Ringen angebracht. Zur Hemmung und Abfchwächung des Rücklaufes dient eine hydraulifche Bremfe, deren Cylinder/ mittelft der Bänder m m an dem Rahmen befeftigt ift, während die Kolbenftange g mit der Laffete durch den auf dem Stirnbleche derfelben aufgenieteten Träger fin Verbindung fteht. Zum Geben der Seitenrichtung dient ein in der Mitte des Rahmens, und zwar hinter den vorderen Rollen angebrachtes Conusrad o, deffen Zähne in einen auf der Bettung befeftigten Zahnbogen eingreifen. Die Bewegung diefes Zahnrades, auf deffen Achfe rückwärts desfelben ein Schneckenrad p angebracht ift, wird unmittelbar durch eine auf der Achfe des Zahnrades q befindliche Schneckenfchraube und mittelbar durch das Hafpelkreuz und Vorgelege r bewirkt. Die Schneckenfchrauben- Welle durchfetzt beide Rahmenwände, und trägt an ihren Enden Kneiffcheiben s, welche an Zahnrädern q angegoffen find. Zum Zurückführen der Laffete werden Taue benützt, die in den Haken k eingehängt, und über die rückwärts angebrachten Rollen t um die Kneiffcheiben gefchlungen werden. Wie man fieht, hat das Räderwerk einen doppelten Zweck, nämlich das Geben der Seitenrichtung und das Einholen der Laffete. Um diefe beiden Aufgaben erfüllen zu können, ift der Keil, mit welchem das Rad q auf der Welle aufgekeilt ift, fehr leicht in feinem Lager verfchiebbar. Wird derfelbe her5* 66 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Fig. 19. Qu ---- 0--0--0Go D 1000 O O 2 2 00 W d 0 O 0 O LL 0 0 D o of O 0 www о о о 0 000 0 O 00 www 00 CO O O O O 0 0 0 OO O о 8 O Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 67 ausgezogen, fo dreht fich das Zahnrad mit der Kneiffcheibe, ohne dafs die Welle zur Drehung kommt. Will man aber Seitenrichtung geben, fo braucht nur das Zahnrad feftgekeilt zu werden, wornach die Welle und mit ihr die Schraubenfchnecke in Drehung verfetzt werden können. Laffete und Rahmen, welche für eine Panzerkafematte gehören, wo kein fefter Pivot möglich ift, fahen einfach und gefällig aus; diefs gilt namentlich von der Bremsvorrichtung, welche vollkommen felbftthätig ift. Im Allgemeinen ift die Conftruction fehr forgfältig ausgeführt und functioniren alle Theile in befriedigenfter Weife. Die damit abgeführten Schiefsverfuche haben durchgehends gute Refultate ergeben. Die Laffete hat eine Feuerhöhe von 1'64 Meter und wiegt einfchliefsig des Rahmens 17.000 Kilogramm, Laffete und Rahmen koften zufammen 14.000 Francs. Das 4'1 Decimalzoll 12 17 Centimeter Rohr ift ein Vorderlader nach fchwediſchem Modell aus Gufseifen mit Fretten aus Beffemerftahl verftärkt. Derlei Gefchütze wiegen 1870 Kilogramm und koften nur 3100 Francs. Die beiden anderen ausgeftellten Kanonen find Feldgefchütze, ebenfalls nach dem fchwedifchen Ordonnanzmodell aus Gufseifen erzeugt. Die 3.24- zöllige Kanone wiegt 1500 Pfund und koftet 673 Francs. " 2.58 " " 900 " 99 " 9 383 " Das Etabliffement von Carl Eckmann und De Maré in Ankarsrum befafst fich unter Anderem auch mit der Erzeugung von GefchützProjectilen, leiftet auf diefem Gebiete ganz Vorzügliches, und hat fich noch auf jeder Ausftellung rühmlichft hervorgethan. Für die Fabrication von in Coquillen gegoffenen maffiven und hohlen Spitzgeschoffen haben fich Akarsrum und Finfpong vereinigt, und wird in beiden Etabliffements das gleiche vorzügliche Material verwendet, und ein identifches, fehr rationelles Gufsverfahren beobachtet. Unter den ausgeftellten Gefchoffen, von denen je II verfchiedene Gattungen für gezogene und glatte Gefchütze, und zwar in ganzem, dann in a bfichtlich gefprengtem Zuftande zu fehen waren, verdienten drei 8- zöllige Spitzgefchoffe befondere Beachtung; denn, obwohl fie bereits einmal gebraucht waren, und einen Panzer von 12 Zoll Eifendicke durchfchoffen hatten, zeigten fie nicht die geringfte Verletzung, fogar die Spitzen waren intact geblieben, und nur feine Furchen an den ogivalen Theilen liefsen erkennen, dafs fie fchon einmal abgefchoffen worden waren. Was die Legirung und Befeftigung der Warzen betrifft, fo mufs Beides als vorzüglich bezeichnet werden, da die Warzen an den Oberflächen der Gefchoffe glatt abgefcheert waren, und nur eine derfelben beim Durchgange durch den Panzer ausgebrochen wurde. Ueber die Erzeugungsweife diefer Art Projectile ift bekannt, dafs der cylindrifche Führungstheil in Formen von gebranntem Sand, die Spitze aber in Eifencoquillen gegoffen, und, wie bereits erwähnt, als Material- Gefchütz- Gufseifen verwendet wird. Durch diefe Methode erhält die Spitze an ihrer Oberfläche die nöthige Härte, und der cylindrifche Theil, welcher die dem weichen Gufseifen zukommende Eigenfchaft behält, die entsprechende Widerftandsfähigkeit, um Panzerplatten von grofser Stärke zu durchfchlagen, ohne dabei zu zerfchellen oder abzubrechen.* * Im Jahre 1869 wurden zu Fin spong Verfuche mit Hartgufs- Gefchoffen gegen ein gepanzertes Ziel ausgeführt, das aus fechs Platten in einer Gefammtftärke von 10'2 Zoll 30 Centimeter beftand. Dasfelbe wurde von 24- pfündigen, in Schalen gegoffenen Gefchoffen vollſtändig durchbohrt, ohne dafs letztere die geringfte Verletzung erhalten hätten. Sie zerbarften felbft dann nicht, als das Ziel durch eine 4'3 Zoll ftarke, maffive Platte verftärkt wurde, von der fie blofs 68 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Palmcrantz und Winborg'fche Mitrailleufe. In der Abtheilung des fchwedifchen Kriegsminifteriums befand fich auch die von den ebengenannten Erfindern herrührende Kugelfpritze von einer neuen und felbftftändigen Conftruction, die fowohl von der dänifchen Orgelgefchütz- Commiffion als auch von dem fchwediſch- norwegifchen Waffen comité bereits vortheilhaft beurtheilt worden war. Diefe Mitrailleufe befteht aus 10 mit Intervall neben einander in broncenen Platten gelagerten Infanterie- Gewehrläufen. Den Träger der Läufe und des Abfeuerungsmechanismus bildet ein eiferner Rahmen, auf welchem die Bronceplatten aufgefchraubt find. Die Läufe find etwas kürzer, als jene des ordonnanzmäfsigen Remingtongewehres, fonft aber denfelben ganz gleich. Mit dem verdeckten Abfeuerungsmechanismus, welcher mittelft eines horizontalen Hebels in Thätigkeit gefetzt wird, fteht die felbftthätige Streuvorrichtung in Verbindung, die ähnlich der an der öfterreichifchen Mitrailleufe angebrachten ein regulirbares Mafs der feitlichen Bewegung zuläfst. Der Abfeuerungshebel befindet fich an der unteren Fläche des Schlofsgehäuſes. Zur Speifung der Läufe dient ein aus 10 verticalen Blechhülfen beftehendes Magazin, welches im Ganzen 250 Patronen fafst, und fich rafch auffetzen und abnehmen läfst. Die Patronen fallen durch ihr Eigengewicht auf eine der während des Feuerns alternirend nach rechts und links gehenden broncenen Ladeplatten, gelangen von hier vor den Laderaum, und werden dann durch die Schlöfschen, welche jenen der Gatlingkanone ähnlich find, in den Lauf gefchoben und abgefeuert; die leeren Hülfen werden durch Extractoren aus dem Laderaume gezogen, worauf fie durch die in den Ladeplatten eingefchnittenen Oeffnungen nach abwärts fallen. Das Abfeuern der Schüffe kann falvenartig oder einzeln gefchehen. Das Verfchiefsen einer ganzen Magazinsladung läfst fich in 25 Secunden bewirken, fo dafs in einer Minute 500 Schüffe abgegeben werden können. Bei Verfuchen in Dänemark follen mit diefer Mitrailleufe fogar 7 bis 800 Schufs per Minute gemacht worden fein. Die in Schweden ausgeführten officiellen Schiefsverfuche follen ebenfalls fehr befriedigende Refultate fowohl in Bezug der guten Functionirung des Abfeuerungsmechanismus, als auch in balliftifcher Beziehung geliefert haben. Auch auf der Wiener Arfenal- Schiefsftätte wurde mit der Palmcrantz'fchen Mitrailleufe eine kleine Probe vorgenommen, welche die oben angege bene Feuergefchwindigkeit und aufserdem noch conftatirte, dafs felbft, wenn durch eine verfagende und im Laufe zurückbleibende Patrone eine Abnahme der Feuerthätigkeit bezüglich des betroffenen Laufes eintritt, das Gefchütz doch nicht aufser Gefecht gezogen zu werden braucht, fondern der Lade- und Abfeue rungsmechanismus unbeirrt mit den übrigen Läufen fortarbeitet. Die eifenblecherne Laffete, in welcher der verticale Zapfen des Laufträgers fteckt, ift fehr einfach, hat hölzerne Räder, eine Feuerhöhe von 90 Centimeter, und kann leicht durch zwei Mann fortbewegt werden. Zum Fahren auf weite Strecken wird fie auf eine Protze aufgeprozt, und genügen dann zwei Pferde vollkommen, das Gefchütz fammt einer ausreichenden Munitionsmenge fortzufchaffen. Es wäre bezüglich diefer Mitrailleufe, welche übrigens auf alle Fälle einen grofsen Fortfchritt in der Conftruction von Orgelgefchützen beurkundet, nur der eine Umftand zu erwähnen, dafs deren einzelne Theile denn doch etwas gar zu leicht gehalten find, fo dafs das ganze Syftem beim Salvenfeuer dem Rückftofse nicht jenen Widerftand entgegenfetzen kann, der zum richtigen Treffen bei länger dauerndem Schiefsen erforderlich ift. Aus demfelben Grunde ift es auch einigernach dem Auffchlage zurückprallten, während feine Riffe im ogivalen Theile von diefer Gewaltprobe zeugten. In Dänemark wurde ein Panzerziel, beftehend aus 8 Zoll dicken Platten und 18 Zoll Balkenverkleidung, aus einem 11- Zöller befchoffen. Dasfelbe wurde glatt durchfchlagen, ohne dafs die Gefchoffe Schaden nahmen. Ein in Holland befchoffenes Panzerziel, welches 8 Zoll ftarke Platten und 14 Zo! l Teakholzverkleidung hatte, wurde mit 24- CentimeterPanzergefchoffen mit Kraftüberfchufs durchbohrt, ohne dafs diefe eine Verletzung erlitten haben. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 69 mafsen zweifelhaft, ob das Gefchütz, wie es jetzt befchaffen ift, die Strapatzen eines Feldzuges aushalten dürfte, und wir glauben, dafs die Conftructeure fich wohl oder übel zu einiger Verftärkung desfelben werden entfchliefs en müffen. Norwegen. Von der Feldzeugmeifter- Expedition in Chriftiania wurden zwei 22 zöllige( 6pfündige) Gebirgsgefchütze, davon eines laffetirt, ein 2½ zölliges( 8pfündiges) und ein 3 zölliges( 13pfündiges) Feldgefchütz- Rohr, ferner ein 13pfündiges bis zum Zerfpringen befchoffenes Rohr, welche alle aus den Werkftätten von A all& Sön hervorgegangen find, ausgeftellt. Die Rohrmaterie ift Stahl, und find die Gebirgs- und die 21/ 2zölligen Feldrohre aus einem Blocke mit einer Schildzapfen- Frette hergeftellt, während die 312zölligen Rohre einen cylindro conifchen Kern befitzen, deffen cylindrifcher Theil durch drei aufgezogene Hülfen aus Schmiedeeifen verftärkt ift, deren mittlere die Schildzapfen trägt. Alle Rohre find für Vorderladung mit dem fchwediſchen Zugfyfteme eingerichtet. Zum Richten dienen je zwei meffingene Zollauffätze, von denen der eine in der Verticalebene der Seelenaxe, der zweite rechts feitwärts und parallel zum erfteren in am Bodenftücke aufgefchraubten Hülfen angebracht ift. Der Gebrauchsmethode zweier Auffätze entſprechend, hat jedes Rohr zwei Vifirkorne, eines ober der Mündung, das andere auf der Angufsfcheibe des rechten Schildzapfens. Das Zündloch ift in einen kupfernen Kern gebohrt. Das Bergrohr wiegt 338 Pfund, die leichtere Feldkanone 762, die fchwerere 1211 Pfund. Das eine Gebirgsgefchütz hatte eine eifenblecherne Wandlaffete von der gewöhnlichen Conftruction mit genieteten Wänden; diefelbe hat Achskäften zur Aufnahme von Requifiten; die Richtmafchine befteht aus zwei ineinander gehenden Schrauben. Die Traube des Rohres ift mit der Richtmafchine verbunden. Diefe wenigen Einzelnheiten kennzeichnen das Syftem hinlänglich, welches an und für fich nichts Neues bot. Bemerkenswerth war nur die Bremsvorrichtung, die von der öfterreichifchen infoferne abweicht, als das Hemmfeil, welches bei unferen Gebirgslaffeten um eine Felge gefchlungen wird, bei der norwegifchen Laffete mit einem auf dem Achsftängel aufgefteckten Ringe verbunden wird, was zweifellos einfacher ift. Die ausgeftellten Rohre wurden in Norwegen fo aufsergewöhnlichen Proben unterworfen, dafs wir glauben, geftützt auf authentifche Angaben, von denfelben hier Notiz nehmen zu follen Aus der 212 zölligen Bergkanone wurde zuerft zur Feftftellung der Schufstafeln folgender Verfuch ausgeführt: Pulverladung Gattung des Projectils Granaten von 5.6 Pfund ( 2.8 Kilogramm) Granatkartätfchen von 8 Pfund ( 40 Kilogramm) Büchfenkartätfchen von 6 Pfund ( 3.0 Kilogramm) 15 Pfd. ( 0.75 K.) Io Pfd. ( 0.5 K.) PJd 8.0 o ( 0.4 K.) 0.5 Pfd. 0.25K.) 0.25Pfd. Schufs 5 5 60 |( 0.12 K.) Zahl der Schüffe 130 60 60 250 IO 60 70 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Nach diefem Schiefsen hatte fich weder eine Vergröfserung des Seelendurchmeffers, noch fonft eine Befchädigung des Rohres herausgeftellt. Nunmehr wurde folgende Gewaltprobe vorgenommen: Gefchofse Cylinder mit Warzen von 41/4 Pfund ( 3'6 Kilogramm Sphärifche Kugeln von 3 Pfund I 2 Pulverladung Entfprechendes Gewicht o'8 Pfund ( 0.40 Kilo gramm) 1'3 Pfund ( 0.65 Kilo-( o'90 Kilogramm) gram) 18 Pfund 2.5 Pfund ( 124 Kilogramm) 134 Pfd.( 6 6 Kilogr.) Schufs ΙΟ I I I I 4 1914 " ( 9.6 99 ) IO I I I I 6 " 254( 12.6 " ) IO I I I I 8 3114 ( 15.6 27 ) IO I I I IO 37% ( 18.6 " ) IO I I I I II 40( 200 " ) IO I 12 4314" ( 21.5 " ) IO I IO I 13 " 46( 230 3 29 ) I 14 4914( 24.5 29 27 ) IO IO dann folgte ein Schiefsen nach dem hier angegebenen Programme: Cylinder von 714 Pfund ( 3.6 Kilogramm) mit Warzen ohne Warzen Pulverladung Entfprechendes Gewicht von 212 Pfund Schufs I I 142 Pfund( 72 Kilogramm) I I 2 21 3/4 " ( 10.3 I " I 3 29 ( 14'4 I " I 4 3614 " ( 18.0 " ) I I 5 43122 99 ( 215 " ) I I 6 50/4 " ( 25.3 f ) IO Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 71 Zwifchen je zwei Cylinder wurde eine hölzerne Scheibe von ½ Zoll ( 15.6 Millimeter) Dicke eingefügt. Sieben folcher Cylinder füllten die Seele vollftändig aus. Das Rohr beftand auch diefe Probe. Zu Anfang der Gewaltprobe war es in einer hölzernen Verfuchslaffete eingelegt. Als diefe durch das Schiefsen gebrochen war, legte man das Rohr auf den Boden. Nach beendeter Probe erwies die Vifitirung der Seele eine Vergröfserung des Durchmeffers bis zu o'004 Zoll( o 126 Millimeter); die Erweiterung war weniger beträchtlich in der Kammer und an der Mündung. Mit einem, dem ausgeftellten 2% zölligen Feldkanonen- Rohre gleichen Stücke wurden zuerft zur Beftimmung der Ladung und Portée 1003 Schüffe nach folgendem Tableau abgegeben: Gefchofs Gewöhnliche Granaten 714 Pfund ( 3.61 Kilogramm) Granatkartätfchen 8 Pfund( 3.99 Kilogramm) Büchfenkartätfchen 8 Pfund 551 45 47 60° 60 60 823 2 Pfund ( ro Kilog.) Gewöhnliche Ladung von 1½ Pfund ( 0.75 Kilog.) 14 Pfund ( 0.62 Kilog.) I Pfund ( 0.5 Kilog.) 34 Pfund ( 0.37 Kilog.) 12 Pfund ( 0.25 Kilog.) 14 Pfund ( 0.12 Kilog.) Zahl der Schüffe 60 120 - - - 120 60 Die gewöhnlichen Granaten wurden mit der Normalladung unter Elevationen von 1, 5, 10 und 14 Grad; mit verminderter Ladung unter 10, 15, 20 und 25 Grad, die Granat- und Büchfenkartätfchen unter Elevationen von bis 3½ Grad gefchoffen. Von den Granatkartätfchen explodirten zwei in der Bohrung. 30 Büchfenkartätfchen enthielten 2löthige Schrote aus Zink, die übrigen Schrote aus gefchmiedetem Eifen; letztere verurfachten theilweife kleine Eindrücke in den Zügen bis zu o'01 Zoil. Die Gewaltprobe wurde in folgender Weife ausgeführt: Cylinder aus Gufseifen von 9 bis 6 und 74 Pfund( 4'48 bis 2.99 und 3.61 Kilogramm) mit Warzen ohne Warzen Entfprechendes Gewicht Gewöhnliche Ladung 112 Pfund ( 0.75 Kilog.) I v. 9 Pfd.( 4.48 Kg.) I 9 " 9 " I v. 6 ) 2 Pfd.( 2.99 Kg.) 15 Pfd.( 7.47Kg.) 10 Schufs 6 99 99 ( 21 99 " 9 " I, 9 99 ) " 99 I 9 99 " 4" ) 3" 6 6 99 ( 27 99 ( 1046) 10 ( 13.00 " ን " ) 10 99 77 : 99 I " 9 9 99 " ) 5, 6 " 9 ) ) " 13 ) 33 " ( 16.44 IO " 99 39 27 199 ( 19.43" IO 116 " I 74" ( 3.61 Kg.) I, 7¼ " ) " 5, 74 6,74 99 ( 3.61 Kg.) 4312 99 ( 21.67" ) 10 99 99 " 5014 99 ( 25.28) 10 77 99 72 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. worauf nachftehende Serien folgten: Gufseifen- Cylinder von 714 Pfund( 3.61 Kilog.) Entfprechendes Gewicht 2 99 29 99 " 3 " mit Warzen ohne Warzen I von 714 Pfd.| I von 714 Pfd.| 14½ Pfd.( 7.22 Kg.) I I F 29 16 I Ladung von 2 Pfund ( rooKg.) 212 Pfd. ( 125 Kg.) 3 Pfund ( 1.49 Kg.) Schuf s I I 211/4" 29 99 ( 10.83) ( 14:45") I I I I das Rohr zerfprang 99 99 4 99 99 3614 29 ( 18.06) I I 27 17 29 5" 4312 99 " ( 21.67) I I 99 I 6 " 27 " 7 97 50 27 ( 25 28, ) IO IO Im Ganzen wurden 102 Gewaltfchüffe gemacht. Die Trennung des Rohres fand unmittelbar vor und hinter dem Schildzapfenring quer zur Seelenaxe des Rohres ftatt; das Vorderftück blieb unverfehrt, der rückwärtige Theil zerfprang in drei beinahe gleiche Theile nach der Richtung der tiefen Züge. Das maffive Hinterftück mit der Traube zerbrach in mehrere fegmentäre Stücke. Das ausgeftellte 3½zöllige Feldkanonen- Rohr war folgenden Verfuchen unterworfen worden: Mit glatter Seele: 2 Schüffe mit der Ladung von 33% Pfund( 1.68 Kilogramm) Pulver in feften Patronen( 94.8 Millimeter Durchmeffer) und cylindrifchen Gefchoffen von 26 Pfund( 13 Kilogramm) Gewicht. Mit gezogener Bohrung: 2 Schüffe mit der Ladung von 3 Pfund ( 15 Kilogramm) Pulver in Patronen feftgebeutelt( 94-8 Millimeter Durchmeffer) und cylindrifchen Gefchoffen von 17 Pfund( 8.5 Kilogramm). 2 Schufs mit der Ladung von 234 Pfund( 137 Kilogramm) Pulver in Patronen feftgebeutelt und cylindrifchen Gefchoffen von 17 Pfund. I Schufs mit derfelben Ladung und Gefchoffen von 13 Pfund. 1000 Schufs mit der gewöhnlichen Ladung, davon 960 mit 24 Pfund, ( 112 Kilogramm) das Pulver in gebeutelten allongirten Patronenfäcken( 86.6 Millimeter Durchmeffer) und mit ogivalen Gefchoffen von 13 Pfund( 6.5 Kilogramm) und 40 Schufs mit 212 Pfund( 125 Kilogramm) Pulver in Patronenfäcken ( 94.8 Millimeter Durchmeffer) und mit Büchfenkartätfchen von 12% Pfund( 6.25 Kilogramm). 129 Schufs zur Erprobung des Widerftandes, und zwar: 70 Schufs mit der Ladung von 24 Pfund( 112 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 10 Schufs mit derfelben Ladung und Projectilen von 117 Pfund( 585 Kilogramm). 7 Schufs mit der Ladung von 22 Pfund( 125 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 10 Schufs mit derfelben Ladung und Projectilen von 117 Pfund( 58.5 Kilogramm). 7 Schufs mit der Ladung von 3 Pfund( 15 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 10 Schufs mit derfelben Ladung und Projectilen von 117 Pfund( 585 Kilogramm). 7 Schufs mit der Ladung von 312 Pfund( 175 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 1 1 n 5 10 5 n 5 it -5 en Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen... 73 8 Schufs mit derfelben Ladung mit Projectilen von 117 Pfund( 58.5 Kilogramm). Zu diefer Gewaltprobe wurden fefte Patronen( 94.8 Millimeter Durchmeffer) genommen; die Gefchoffe beftanden aus 13pfündigen Cylindern. Nach dem 8. Schufs der letzten Serie fand man einen Sprung in der ftählernen Kernröhre, der fich von dem glatten Theile der Bohrung bis an die Mündung erftreckte. Die nach den normalen Schüffen gemeffenen Bohrungserweiterungen, deren Maximum im vorderen Theil des Gefchofslagers 0126 Millimeter betrug, hatten noch nicht die Grenze der geftatteten Erzeugungstoleranz erreicht. Nach den Gewaltfchüffen betrug die gröfste Erweiterung o'690 Millimeter, und zwar im vorderen Theile der Seele, wo die warzenlofen Cylinder mit ihrer harten Oberfläche die Felder gerieben haben. Längenftreifen und Ausbrennungen traten zum Schluffe deutlich hervor, ohne dafs ihre Tiefe jedoch o 3 Millimeter überschritten hätte; im glatten Theile des Laderaumes wurde keine Veränderung conftatirt. England. Stahlwerke von Th. Firth& Sons, Norfolk Works in Sheffield. In neuerer Zeit hat der Firth ftahl viel von fich reden gemacht. Es ift diefs eine Gattung Tiegelgufs- Stahl, welcher ausfchliefslich aus cementirtem fchwedifchem Eifen dargestellt wird, und feiner vorzüglichen Eigenſchaften wegen fich zur Fabrication von Gefchützrohren ganz befonders eignet.* Englifche Gefchützfabrikanten halten diefen Stahl geradezu für das befte Kanonenmetall. Firth& Sons ezeugen dermalen keine completen Gefchütze, fondern befaffen fich nur mit der Herftellung von dazu gehörigen Stahlblöcken, die fie auf Verlangen einfach ausgefchmiedet oder vollſtändig appretirt liefern. Der Vorgang bei der Ausfertigung der Stahlfeelen ift ungefähr folgender: Die Ingots für alle Kanonen werden mit 13 Gewichtszugabe maffiv in jener Länge gegoffen, welche die Stahlfeele im fertigen Zuftande erhalten foll, worauf fie forgfältig auf den beiläufigen Durchmeffer mit wuchtigen Dampf hämmern ausgefchmiedet werden.** Durch diefen Vorgang beabfichtigt man die vollständigfte Homogenität des Blockes herbeizuführen, welche unbedingt nothwendig ift, wenn das Gefchütz jene Ausdauer und Verlässlichkeit gegen das Zerfpringen bieten foll, die man zu fordern bemüffigt ift. Das Hohlgiefsen und nachmalige Ausfchmieden über einen Dorn gibt erfahrungsgemäfs keine Gewähr für die Homogenität des Stückes, und laffen fich auch metallurgifche Principien gegen diefe Methode ins Treffen führen. Nach dem Schmieden werden die Blöcke auf die entſprechenden Dimenfionen abgedreht, gebohrt und, nachdem die Bohrung mit Zügen verfehen ift, in Oelgehärtet. Durch das letztere Verfahren, wodurch die Bohrung widerftandsfähiger gegen die Einwirkung der Gafe und unempfindlicher gegen die Abnützung durch die Projectile wird, erleidet der Stahl allerdings an Dehnbarkeit eine geringe * Das Etabliffement befitzt in Schweden einen mächtigen, vielleicht den gröfsten Stock von Eifenerzen, die fogenannten Marken Dannemora. Die Giefserei hat 410 CoaksSchmelzöfen für je zwei Tiegel und eine gröfsere Anzahl von Cementöfen, deren jährliche Production fich auf 10.000 bis 12.000 Tonnen Stahl beziffert. ** Das Werk befitzt aufser einer Serie von Dampfhämmern bis zu 12 Tonnen noch zwei doppelwirkende nach dem Syftem von R. Wilfon conftruirte Hämmer von je 25 Tonnen Gewicht, die mächtigften, welche in England exiftiren; fie wurden von J. Nasmyth& Comp. in Manchefter gebaut. Die beiden Hämmer, von denen jeder eine Kolbenfläche von 14'500 Centimeter befitzt, arbeiten mit 3 Meter Hubhöhe und doppeltem Effect, das ift mit mehr als 50 Tonnen, wodurch felbft die fchwerften Stahlblöcke bis auf ihre Seele wirkfam gefchmiedet werden können. 74 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Einbusse, dafür aber wird feine Elafticitätsgrenze mehr als verdoppelt und feine Widerftandsfähigkeit beim Zerreifsen um 40 bis 50 Percent erhöht. In diefer Richtung angeftellte Verfuche haben folgende Refultate ergeben: Ungehärteter in Oel gehärteter Firthftahl für Kanonen Durchfchnittliche Elafticitätsgrenze per Millimeter Quadrat in Kilogramm. Durchschnittliche Bruchbelaftung per Millimeter Quadrat in Kilogramm • Entfprechende Verlängerung in Percent. 20 45-55 13-15 45 70-80 8-10 Diefes Härteverfahren fo grofser Stücke, welches dermalen nur in den Stahlwerken von Firth& Sons und im Woolwicher Arfenal betrieben wird, dürfte in Anbetracht der aufserordentlichen Vortheile, welche es gewährt, fehr bald Nachahmung finden. Bis jetzt liegen allerdings noch zu wenig Verfuchsrefultate über das Dauerverhalten von Gefchützen mit gehärteter Kernröhre aus Firthftahl vor, um ein pofitives Urtheil über diefelben fällen zu können; was aber hierüber bekannt wurde, lautete durchgehends fehr günftig, und es darf demnach das von diefer Firma beobachtete Härteverfahren als ein beachtenswerther Vorgang in der Appretur des Stahles für Feuerwaffen im Allgemeinen, insbefondere aber für Gefchützrohre gröfseren Kalibers angefehen werden. Es ift klar, dafs in Folge der Potenzirung der Feftigkeit und Elafticität des Stahles in dem bezeichneten Mafse die Gefchütze leichter gemacht werden können, als diefs bei allen anderen Metallen zuläffig ift. Diefer Vortheil fällt um fo fchwerer in die Wagfchale, je gröfser der Kaliber ift; denn es wird dadurch nicht allein die Fabrication, fondern auch die Bedienung der Gefchütze erleichtert, was nicht hoch genug anzufchlagen ift. Endlich ift es noch fraglich, ob fich bei der ftetigen Vergröfserung der Kaliber nach der alten Methode verläfsliche Gefchütze erzeugen laffen, wenn einmal der Kaliber von 32 Centimeter überfchritten wird. In jedem Falle werden folche Gefchütze einen enormen Aufwand an Betriebsmitteln fordern, und, wie gefagt, unverhältnifsmässig fchwer ausfallen. Es mufs noch erwähnt werden, dafs der durch den befagten Vorgang erreichte Härtegrad weder dem Nachbohren, noch dem Ziehen der Rohre Schwierigkeiten entgegenfetzt. Firth& Sons ftellten aus: Einen Rohrkern aus homogenem Stahl für ein 11 6 zölliges( 35 Tonnen) Woolwichgefchütz, Rohrfeelen für 27- Centimeter- Marine-, für 40- und 10pfündige Hinterladungsgefchütze, dann für 16- und 9pfündige Vorderladungs- Feldgefchütze, Schmied ftücke verfchiedener Gröfse aus homogenem Stahl für Gefchützringe, ausgefertigte Schildzapfen- und Stirnringe für Feldgefchütze, 9zöllige Stahlgefchoffe, ein fehr fchönes Bruchftück des Kernftückes vom 35Tonnengefchütz, Gewehrläufe u. f. w. Die vorzügliche Güte des Firthftahles hat der Firma bereits einen Weltruf erworben. Schon feit 1860 Lieferant der englifchen Regierung, wurde fie neueftens auch von der türkifchen und italienifchen Regierung, dann von der franzöfifchen Marine und endlich von den beiden englifchen Gefchützfabrikanten Vava ffeur und Sir Armstrong mit Aufträgen betraut. Für die englifche Regierung liefert die Firma, und zwar: dem Arfenale zu Woolwich Stahlblöcke für Feld-, Belagerungs-, Feftungs- und Marinegefchütze, wovon die gröfsten 6200 Kilogramm im gefchmiedeten Zuftande wiegen( Woolwich Infant. 35 Tonnen), der königlichen Waffenfabrik zu Enfield alle Gewehrläufe, welche im Etabliffement der Firma bis auf einen gewiffen Kaliber gebohrt werden. t t S r e 1. 1 ir 1. e- e 5- uf Le g₁ en zu e, ch e, n. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 75 Zur Bearbeitung der gehärteten Seelen pro ducirt die Firma eine befondere Stahlgattung von ungewöhnlicher Härte, den fogenannten Diamantftahl, der fich vor züglich bewährt. Ordnance Works von J. Vavaffeur& Comp. in London. Obige Firma hat die von dem englifchen Artilleriecapitän Blakely im Jahre 1860 in London gegründete Gefchützfabrik nach des Letzteren Tode an fich gebracht, diefelbe bedeutend erweitert und verfchiedene Verbefferungen in einzelnen Fabricationszweigen eingeführt. Gleich Capitän Blakely ein eifriger Anhänger ftählerner Gefchütze, verwarf Vavaffeur die Anwendung verfchiedener Metalle für den Aufbau von Kanonen rohren und conftruirte ein eigenes, nach ihm benanntes Rohr- und Laf fetenfyftem. Als Material für Fig. 20. feine Kanonen benützt Vavaffeur ausfchliefslich Firth'fchen Stahl, und beftehen alle Kanonen ohne Unterfchied des Kalibers aus der in Oel gehärteten Kernröhre, über welche bei den Feldgefchützen noch eine die Längenmitte derfelben überragende Hülfe aufgefchoben ift; bei den Rohren mittleren Kalibers ift die ganze Kernröhre mit zwei oder drei ungleich langen Hülfen, über welche wieder eine, mitunter auch zwei Ringlagen aufgefchoben find, verfehen; bei den Kanonen gröfsten Kalibers find die beiden vorderen Hülfen. durch Ringe erfetzt und das Bodenftück durch 2 Ringlagen ver ftärkt. Als Repräfentant diefes Gefchützfyftemes kann die von der genannten Firma ausgeftellte laffetirte 7- zöllige Kanone, welche die Fig. 20 veranschaulicht, betrachtet werden. Das Rohr derfelben besteht aus der in Oel gehärteten Kernröhre A( Fig. 21), den fie umgebenden Hülfen B, C, D ( Jaquettes), der Fig. 21. 76 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Bodenfchraube G, den Ringen E und dem Schildzapfen- Ring F. - Die Jaquettes, die Bodenfchraube und alle Ringe, mit Ausnahme des Schildzapfen- Ringes, welcher von Schmiedeifen ift, find aus Gufs ftahl verfertigt. Die Schraube wird aus Blöcken mit ftarker Gewichtszugabe forgfältig ausgefchmiedet und dann appretirt; die äufseren Ringe werden gefchmiedet und in ähnlicher Weife, wie die Radbandagen der Locomotivräder gewalzt, fo dafs die Fafern in der Richtung des Rohrumfanges zu liegen kommen, wodurch die abfolute Feftigkeit des Stahles zur vollen Geltung gebracht wird. Der Bodenring hat zwei Verſtärkungen, in welche die zu dem Elevationsmechanismus gehörigen Bolzen eingefetzt werden; jede diefer Verftärkungen ift mit einem Canale für die Auffatzftange verfehen. Hiedurch wurde die Anbringung eigener Träger für den Richtmechanismus und die dadurch bedingte Schwächung des Ringes vermieden. Das Zündloch ift in einen kupfernen Kern gebohrt und vom Ende der Bohrung um 0'4 der Ladungslänge entfernt. Die Bohrung ift ftatt der üblichen Züge mit drei Rippen verfehen, die 10 Zoll breit und 02 Zoll hoch find; diefen Rippen entſprechend hat das Gefchofs drei, den ganzen cylindrifchen Theil durchziehende Furchen. Der über den Gefchofskern gemeffene Spielraum beträgt 0.08 Zoll, jener in den Gefchofsfurchen 0.05 Zoll. Die Vavaffeur'fche Rahmenlaffete befitzt einen originellen Mechanismus zur Begrenzung und Schwächung des Rücklaufes, fowie zum Vor- und Zurückführen des Gefchützes. Die Fig. 20 zeigt Laffete und Rahmen aus dem Erzeugungsjahr 1868, wie fie fich in der Ausftellung befanden. In der letzten Zeit hat jedoch Vavaffeur den Bremsmechanismus modificirt, und denfelben namentlich für fchwere Kaliber dadurch geeigneter gemacht, dafs er zwei Bremsbänder an der vorderen Trommel anbrachte, wodurch, indem eines von Haus aus auf ein gewiffes Mafs angezogen werden kann, jeder beliebige Grad der Bremfung zu bewirken ift. Wir geben daher in der zur Befchreibung diefer Theile gehörigen Fig. 22 bereits die eben Fig. 22. t angedeuteten Modificationen an, zumal diefelben die jüngfte Phafe diefer Conftruction zur Anfchauung bringen. * Werden von nun an auch aus Gufsftahl erzeugt. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 77 Laffete und Rahmen beftehen aus eifenblechernen, durch Bolzen und Riegel verbundenen Fachwänden; den vorangedeuteten Brems mechanismus bilden folgende Haupttheile: die zwifchen den Rahmenwänden befindliche, vorn und rückwärts in metallenen Lagern ruhende, ftählerne Schraubenfpindela mit vierfeitigem Querfchnitte und die Schraubenmutter b. Am vorderen Ende der Schraubenfpindel ift eine conifche eiferne Scheibe c befeftigt, welche in die Ausnehmung der auf dem vorderen SchraubenfpindelLager d aufgefchobenen, fchmiedeifernen Hülfe( Bremstrommel) e pafst. Die gegen einander ftehenden Flächen der Scheibe und der Hülfe find mit Zähnen verfehen. Die Bremstrommel ift von zwei metallenen Bremsbändern fund g umgeben, welche mittelft Druckfchrauben mehr oder weniger angezogen werden können. Das Bremsband f hat immer eine conftante Spannung, während jenes g, deffen Schraube mit einem Zeiger fammt Scala in Verbindung fteht, nach Bedarf angezogen und fo der Druck regulirt werden kann. Die gufseiferne Schraubenmutter hat eine Länge von 20 Zoll und befitzt an beiden Enden mit Filz gefütterte Stopfbüchfen, wodurch das Ausfliefsen des Schmieröles verhindert und das felbftthätige Reinigen der Schraube ermöglicht wird. Um das Verbiegen der Spindel beim Schiefsen in Folge allenfalfigen Auffpringens der Laffete zu vermeiden, ift die Mutter mit derfelben nicht verbunden, fondern hat ein Gufsftück h, welches gegen die beiden auf der Mutter befeftigten Rollen i drückt. Wenn nun die Laffete zurückfpielt, reifst fie die Mutter mit fich und fetzt die Spindel in rotirende Bewegung. Durch den Widerftand, den die Spindel der zurückgehenden Mutter entgegenfetzt, wird die erftere zurückgezogen, und es treten die Zähne der beiden Flächen in Eingriff. Indem aber dadurch die Bremstrommel gezwungen wird, an der Rotation der Spindel Theil zu nehmen, kommt die Reibung in der Bandbremfe zur Wirkung, welche dann die Arbeit des Rücklaufes aufnimmt. Es ift einleuchtend, dafs durch das ftärkere Anziehen der BremsbänderSchrauben die Reibung beliebig vermehrt und der Rücklauf befchränkt werden kann. Am rückwärtigen Ende des Rahmens find Puffer angebracht für den Fall eines zufällig ftärkeren Rücklaufes. Soll die Laffete vorwärts bewegt werden, fo ift das Auslöfen der Bandfchrauben nicht nöthig, weil die geringfte Vorwärtsbewegung der Laffete ein Ausrücken der Zähne bewirkt, wodurch die ungehinderte Bewegung der Schraube mit der conifchen Scheibe gefichert ift. Das rückwärtige Spindellager befteht aus einer Mutter k und aus einer hohlen, mit einem Hebel verfehenen Schraubenfpindel Z. Wird letztere um 180 Grad nach links gedreht, fo fchiebt fie die Bremsfchraube, indem fie gegen einen Abfatz derfelben drückt, nach vorwärts, und verhindert auf diefe Weife eine Annäherung der Scheibe und dadurch einen Eingriff der Zähne. Um die freiwillige Vorwärtsbewegung der Laffete längs des Schlittens bei den Schwankungen des Schiffes zu verhindern, ift am hinteren Ende der Bremsfchraube eine regulirbare Bandbremfe m angebracht, welche mittelft einer Handfpeiche fehr leicht zur Wirkung gebracht werden kann. Aus diefer Befchreibung ift zu entnehmen, dafs die Bremfe vollkommen felbftthätig wirkt, und dafs, fobald die Spannung der Bänder der Ladung entſprechend vorgenommen worden ift, diefelbe keiner weiteren Aufmerkfamkeit bedarf, fo lange mit der nämlichen Ladung gefeuert wird. Beim Vorrollen der Laffete löft fich die Bremfe von felbft aus, und kann durch die Drehung eines Hebels gänzlich und dauernd aufser Thätigkeit gefetzt werden, wodurch das Vor- und Zurückführen des Gefchützes während des Exercirens oder zu anderen Zwecken ermöglicht ift. Die Einrichtung zum Vor- und Rückwärtsführen der Laffete befteht aus zwei Stirnrädern n, welche in die ovalen Einfchnitte der an den inneren Längenfeiten des Rahmens befeftigten Winkeleifen eingreifen und zugleich 78 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Verfteifungen des Rahmens bilden. Die Räder n fitzen auf einer die Laffetenwände durchfetzenden Welle auf und haben angegoffene Zahnrad- Kränze o, in welche Triebräder eingreifen, deren gemeinfchaftliche Welle in excentrifchen Lagern eingelegt ift. Letztere Welle q trägt aufserhalb der Laffete die Zahnräder r, in welche Triebräder s eingreifen, die mittelft Kurbeln bewegt werden können. Von den beiden Rollenpaaren, welche die Laffete befitzt und auf welchen fie beim Vorwärtsbewegen ruht, ift das rückwärtige auf einer excentrifchen Welle aufgebracht und mit Hebeln verfehen, die durch Leitftangent mit den auf der excentrifchen Welle u befindlichen Armen beweglich befeftigt find. Wird nun der Hebel gänzlich niedergedrückt, fo ftellt fich die Laffete auf die Rollen, gleichzeitig treten auch die Triebräder p mit den Zahnkränzen o der Stirnräder n in Eingriff, worauf die Laffete mittelft der Kurbeln auf dem Rahmen fehr leicht bewegt werden kann. Beim Aufziehen der rückwärtigen Rollen treten die Triebräder und Zahnkränze wieder aufser Eingriff. Um das Auffpringen der Laffete zu verhindern, find vorne und rückwärts Klemmftücke angebracht, welche ein verticales Spiel erlauben, das hinreicht, die Laffete auf die Rollen zu heben. Der Elevationsapparat befteht aus zwei geraden ftählernen, cylindrifch abgedrehten Zahnftangen, welche in Nuthen bewegliche Kopflager befitzen, in denen die Zapfen des Rohr- Bodenringes gelagert find. Mit den Zahnftangen ftehen durch Handfpeichen drehbare Zahnräder in Eingriff. Durch eine Drehung um 120 Grad der auf den Bolzen der Triebräder aufgefchraubten Bremskurbeln können die Zahnftangen in jeder beliebigen Stellung erhalten werden. Für das Seitswärtsbewegen der Laffete find an den hinteren Rollen Zahnfegmente angebracht, welche in andere, auf einer durchgehenden Welle aufgebrachte, mit Hülfen verfehene Segmente eingreifen. Nachfolgend geben wir die wichtigſten zur Beurtheilung des Syftems nothwendigen Daten: Länge des ganzen Rohres der Seele 3251 Millimeter, 2819 Gröfster Durchmeffer des Hinterftückes 622 Aeufserer Durchmeffer an der Mündung 304 Kaliber Dralllänge " 177.8 " 45 Kaliber, Rohrgewicht Projectilgewicht Normalladung Anfangsgefchwindigkeit Länge der Laffete Breite " Gewicht, " Maximal Elevation. 29 Depreffion Länge des Rahmens Breite " Neigung, Zuläffiger Rücklauf Gewicht des Rahmens Gefammtgewicht des Gefchützes 5100 Kilogramm, 52 IO 430 Meter, I'24 0.91" 99 1116 Kilogramm, 12.5 Grad, 6 " 3.66 Meter, " 0.91 1.5 Grad, 1.60 Meter, 1634 Kilogramm, 7840 " Vavaffeur fchreibt feiner Rohrconftruction mehrere Vortheile gegenüber den anderen Vorderladungs- Syftemen zu, und zwar: Gröfsere Widerftandsfähigkeit der Kernröhre, die nicht durch Züge gefchwächt, fondern durch die Rippen eher verſtärkt ift. n e Er r n nt - 1, el h n en g n n- e- h- Der cht HIP Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 79 Können die aus der Bohrung vorfpringenden Rippen beffer als Züge gereinigt werden,* fo dafs fehr kleine Spielräume zuläffig find. Vollständige Centrirung des Gefchoffes.** Ift die die Rotation bewirkende Reactionskraft des Rohres auf einen grofsen Theil des Gefchoffes vertheilt.*** Macht fich die zerftörende Einwirkung der Pulvergafe weniger fühlbar, weil die denfelben ausgefetzten Theile fehr grofs find.+ Als ein weiterer Vortheil wird auch die geringere Empfindlichkeit der Gefchoffe gegen mechanifche äufsere Einflüffe und confequenter Weife der Umftand hervorgehoben, dafs fich diefelben ohne Emballage transportiren und deponiren laffen; auch follen derlei Gefchoffe billiger im Preife fein. - Mit Vavaffeur'fchen Gefchützen wurde fowohl in England als auch in Frankreich experimentirt, und wollen wir zur Orientirung über den Werth diefes Syſtems hier noch die Folgerungen der franzöfifchen Commiffion anführen, welche im Jahre 1871 an Bord des„ Implacable" Schiefsverfuche zur Erprobung der Laffete und des Rahmens angeftellt hat.„ Laffete und Rahmen" fo lautet das bezügliche Refumé im Auszuge-, haben die Proben entfprechend ausgehalten, es wurden bei keinem Grade der Bremfung und der Reaction ein Hüpfen der Laffete oder auffallende Erfchütterungen des Rahmens wahrgenommen. Die vordere Bremfe ift leicht regulirbar, und find ihre Wirkungen den Angaben des Zeigers ftets proportional; fie begrenzt in ficherer Weife den Rücklauf." ,, Das felbftthätige, durch die Repulfion der Puffer vermittelte Einführen des Gefchützes gefchieht fehr ruhig. Sobald für eine Ladung die Bremfe geftellt ift, functionirt fie mit gleicher Präcifion durch die ganze Dauer des Schiefsens und bedarf keiner weiteren Aufmerkſamkeit, fo dafs allenfallfige Nachläffigkeiten Seitens der Bedienungsmannfchaft nichts zu bedeuten haben. Bei geneigten Bordwänden ift beim Einführen des Gefchützes, um die Bewegung desfelben zu mäfsigen, von der rückwärtigen Bremfe Gebrauch zu machen, deren Handhabung erleichtert werden mufs."++ Die vollkommen felbftthätige Wirkung der vorderen Bremfe und die mög. liche Beherrfchung des Gefchützes beim Vorrollen durch die hintere Bremfe find Factoren, die bei einem Schiffsgefchütze von hoher Bedeutung und unerlässlich find für eine leichte und präcife Bedienung. Ein weiterer, fehr beachtenswerther Umftand ift die grofse Leichtigkeit des ganzen Syftemes. Dasfelbe ift beiſpielsweife um volle 25 Percent geringer von Gewicht als das 7zöllige Woolwichgefchütz, welches gleichfchwere Projectile mit der gleichen Ladung fchiefst. Vavaffeur erzeugt auch Hinterladungs- Gefchütze, und wir halten einige Andeutungen über diefelben, obzwar er kein Exemplar diefer Gattung ausftellte, aus dem Grunde für Fachmänner erwünfcht, weil von ihnen bisher noch wenig in die Oeffentlichkeit gelangt ift. Der Aufbau diefer Rohre ift dem früher befchriebenen gleich. Als Verfchlufsapparat dient der cylindro- prismatifche Keil mit eiferner Stofsplatte und einem cylindrifchen Abfchlufsringe. Die Totallänge eines 15- Centimeter- Hinterladungsrohres mifst 243 Kaliber. Seelenlänge bis zum Keil 21 5 Kaliber; der äufsere Durchmeffer des Rohres beträgt Die in der Gegend des Laderaumes 500 Millimeter, die Metallftärke dafelbft 175 Milli * Während der jüngsten Verfuche in Frankreich mit einer 7zölligen Kanone wurden 50 Schufs anftandslos abgegeben, ohne dafs die Bohrung gereinigt worden wäre. ** Die Führungsflächen der Rippen find nämlich radial angeordnet, wodurch das Gefchofs, vorausgesetzt, dafs deffen Nuthen präcife hergeftellt find( gefchieht auf einer Zugmafchine), vollftändig centrirt wird. Vavaffeur hält demnach drei Rippen für alle Gefchütze von 3 bis 12 Zoll vollkommen ausreichend. *** Auf die ganze Länge des cylindrifchen Gefchofstheiles. Der ganze Theil, welcher zwifchen zwei Rippen fällt, fomit beinahe ein Dritttheil des Gefchofsumfanges. ++ Die dermalige Einrichtung foll fchon ein rafches und verlässliches Bremfen geftatten. 6 80 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. meter, alfo etwas mehr als 1 Kaliber. Die Bohrung ift mit Keilzügen verfehen. Die Gefchoffe erhalten ihre Führung durch Ringe aus Kupferdraht, von welchen der eine beim Beginne des ogivalen Theiles, der zweite etwas vor dem Boden angebracht ift. Auf diefe Führungsmethode, die in neuefter Zeit bei Hinterladern fehr in Aufnahme kommt, befitzt Vavaffeur ein Patent aus dem Jahre 1866. Die 15- Centimeter- Gefchoffe find etwas über, jene gröfserer Gefchütze nahezu 3 Kaliber lang. Sir W. G. Armstrong& Comp. Obgleich die Elswick Werke der Firma W. G. Armstrong& Comp. auf der Wiener Weltausftellung nicht in jenem grofsartigen Mafsftabe exponirten, wie diefs auf der letzten Ausftellung zu Paris der Fall war, fo waren fie doch durch eine ganz ftattliche Reihe von Gefchützen, Torpedos u. f. w. vertreten, welche von der hochbedeutfamen Leiftungsfähigkeit diefer Etabliffements Zeugnifs gaben. In dem Pavillon Armfürs Erfte eine 10 zöllige gezogene Vorderftrong befand fich ladungs- Kanone, wie fie die englifche Regierung bereits in den Dienft eingeftellt hat. Einige Angaben über diefes vor nicht gar langer Zeit adoptirte Gefchütz dürften nicht unwillkommen fein. Das Gewicht des ftählernen, mit fchmiedeeifernen Hülfen verftärkten Rohres beträgt 18 Tonnen, die Ladung 70 Pfund pebble" Pulver, das Gefchofsgewicht 400 Pfund. Laffete und Rahmen waren fo, wie fie bei den englifchen Kafemattfchiffen eingeführt find. Ein Gefchütz diefer Conftruction wurde feinerzeit durch das ,, Comité zur Unterfuchung von Explofiven" zu feinen Experimenten benützt; nachdem es zuerft ein Dauerfchiefsen mit verfchiedenen Gattungen Pulver beftanden, wurden aus demfelben noch die folgenden Verfuchsfchüffe abgegeben: 4 Schufs, Ladung 70 Pfund, Gefchofs 400 Pfund 70 " " " 70 22 29 29 70 450 500" 600 " " 29 70 800 27 21 4 " " " 4 99 99 70 " " 27 70 99 1000 1200 " " Hiernach wurde das Rohr bis auf II Zoll Kaliber ausgebohrt, neu gezogen und fodann eine gleiche Serie von 28 Schüffen abgefeuert, die Pulverladung jedoch bis auf 85 Pfund erhöht. Das ausgeftellte Rohr hatte drei Vifirlinien, eine mittlere und zwei feitliche. Die vorderen Vifirpunkte aller drei Linien befanden fich auf dem SchildzapfenRinge. Was die Laffe te betrifft, fo hat fie eine beiderfeitige Zahnbogen- Richt mafchine, deren Getriebe fich an den Innenfeiten der Laffetenwände befinden. Die Laffete fteht auf vier Rollen, von denen die rückwärtigen excentrifch geftellt find. Am Rahmen find vorne fünf Kautfchukpuffer angebracht. Die Seitenrichtung des Rahmens und das Einholen des Gefchützes können durch ein und dasfelbe rückwärts am Rahmen befindliche Getriebe bewirkt werden. Eine 9 zöllige Hinterladungs- Kanone mit Krupp'fchem Rundkeil- Verfchlufs in fchmiedeiferner Feftungslaffete und Rahmen, Armftrong'fcher Bauart. Diefes Gefchütz ift Eigenthum der öfterreichifchen Regierung, und wurde den Fabrikanten für die Zeit der Ausftellung überlaffen. Es ift bereits mehrfachen Verfuchen auf dem Steinfelde in der Nähe von Wiener Neuft adt unterzogen worden, bei denen es fich jederzeit bewährt hat. Das Gefchütz wurde vor einigen Jahren bei Armſtrong vom öfterreichifchen Kriegsminifterium beftellt, und für deffen Bohrungs- und Verfchlufseinrichtung die Krupp'fche Conftruction zur Bafis genommen. S t En h e. n- t. n. lt es be d. m. ieift ütz um OnAllgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 81 Die Ladung beträgt 43 Pfund prismatifches Pulver; das Gefchofsgewicht 250 Pfund. Bis jetzt wurden aus dem Rohre 112 Schufs abgegeben. Eine 7zöllige Hinterladungs- Kanone mit verbeffertem franzöfifchem Schraubenverfchluffe. Pulverladung 22 Pfund; Gefchofsgewicht 110 Pfund. Das ausgeftellte Rohr felbft war alt, und hat bei diefer Gelegenheit nur zur Vorführung des Verfchluffes gedient; der letztere erfordert jedoch ein näheres Eingehen. Armſtrong hat nämlich den franzöfifchen Schrauben verfchlufs in Abficht auf eine bequemere und ficherere Handhabung desfelben modificirt, und durch den von ihm conftruirten Bewegungsmechanismus den fraglichen Verfchlufs, dem fich Einfachheit und Billigkeit keineswegs abfprechen läfst, namhaft verbeffert. Der Verfchlufs in feiner nunmehrigen Form befteht der Wefenheit nach aus der franzöfifchen Schraube und dem Bewegungsmechanismus. Die Figuren 23, 24, 25 ftellen letzteren bei gefchloffenem Verfchluffe vor; derfelbe wird gebildet aus dem Fig. 23. Fig. 25. К C OC r h 722 Fig. 24. Trägera, der Zahnftange b, der Kurbel cund aus den beiden untereinander und mit der Zahnftange in Eingriff ftehenden Zahnrädern d und e. Der Träger ift aus Bronce erzeugt, und befteht aus einer Platte f mit angegoffenem Vorfprung g, welcher mit zwei muldenförmigen Ausnehmungen für die Verfchlufsfchraube h und für die Ladebüchfe i verfehen ift. Die Platte des Trägers, in welcher die Schraube und die Lade büchfe lofe eingefetzt find, läuft mit ihren Falzen in den Nuthen des ebenen Rohrboden- Theiles( fiehe Figur 23), von denen die untere durch die aufgefchraubte Zahnftange gebildet wird. Der früher erwähnte Trägervorfprung ift unterhalb mit zwei Angüffen k und/ verfehen, auf deren Zapfen die beiden Zahnräder aufgefteckt find. In der Verfchlufsfchrauben- Mulde ftehen zwei vierkantige Bolzenköpfe m m vor, welche in die zur Axe der Verfchlufsfchraube 6* 82 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. parallel laufenden Nuthen der letzteren eingreifen, und zur Führung und Begrenzung derfelben beim Herausziehen der Schraube aus der Bohrung dienen. Die aus Eifenblech erzeugte Ladebüchfe wird durch einen Bolzen am gänzlichen Herausgleiten aus der Bohrung gehindert und durch eine Längenrippe in der Mulde geführt. Die Verfchlufsfchraube ift bis ungefähr zur Hälfte ihrer Längenmitte hohl, für den axial eingefetzten, ftählernen Zündloch- Stollen durchbohrt, und am rückwärtigen Ende mit einer durchbrochenen Scheibe n gefchloffen, welche einerfeits als Träger des rückwärtigen Stollenendes, anderfeits als Lager für die Welle o des Sicherheitsmechanismus dient. An dem rückwärtigen Ende der Verfchlufsfchraube ift eine Hülfe angefchraubt, auf welcher der durch den Ring q feftgehaltene Verfchlufshebel r fitzt. Der Sicherheitsmechanismus, welcher das Zündloch nur bei angezogener Verfchlufsfchraube freigibt, und ein Abfeuern des Gefchützes bei nicht angezogener Schraube unmöglich macht, befteht der Hauptfache nach aus einer Welle, auf welcher fowohl der Zündloch- Verwahrer s, als auch ein Charnier t aufgefchoben ift. Auf der Welle des letzteren fitzt ein die Wandung des hohlen Schraubentheiles radial durchfetzender, und über die Gewinde vorftehender Stift u, welcher, wenn der Verwahrer vom Zündloch feitwärts gedreht wird, aus den Gewinden tritt. Das Oeffnen des Verfchluffes und Fertigmachen zum Laden gefchieht in folgender Weife: Während die linke Hand durch eine Linksdrehung des Verwahrers das Zündloch frei macht, dreht die rechte Hand die Kurbel der Verfchlufsfchraube mit Kraftüberfchufs fo lange nach links, als diefs möglich ift. Bei diefer Drehung beginnt die Lüftung der Schraube, fobald die Nafe v des Hebels gegen den Vorfprung w der Hülfe ftöfst, und es ift die Schraube vollends gelüftet, wenn der Hebel um weitere 60 Grad gedreht wurde. Ift diefs gefchehen, fo wird die Schraube aus der Bohrung fo weit herausgezogen, als es angeht. Wird nun der Hebel des Bewegungsmechanismus nach rechts gedreht, bis er an den Boden des Rohres anftöfst, fo wird der Träger durch das längs der Zahnftange gleitende Rad d fo weit nach links geführt, bis die Ladebüchfe in der Richtung der Bohrung fteht, worauf fie in diefelbe eingefchoben werden kann. Ift geladen, fo wird die Ladebüchfe aus der Bohrung gezogen, der Transportirhebel bis zum Anftofsen nach links geführt, die Verfchlufsfchraube in die Bohrung eingefchoben und der Hebel c nach rechts gedreht, worauf der Zündlochverwahrer das Zündloch freigibt. Das Lüften und Herausziehen der Schraube fowie das Schliefsen des Verfchluffes erfordern je 10 Secunden, und laffen fich diefe Verrichtungen ohne befondere Kraftanftrengung bewirken. Der befchriebene Mechanismus dürfte fich umfo praktiſcher erweifen, je gröfser der Kaliber des Rohres ift. Die Dichtung wird mittelft eines Abfchlufsbodens bewirkt, der aus Pappefcheiben befteht, welche zwifchen zwei Meffingfcheiben um eine diefelbe Beim Schuffe wird der etwas federnde Rand verbindende Hülfe gelagert find. des Abfchlussbodens, deffen vordere Fläche concav geformt ift, gegen die Bohrungswände gedrückt, und auf diefe Weife die Liderung hergeſtellt. Selbftverftändlich kleben diefem Dichtungsmittel alle dem Artilleriften wohlbekannten Nachtheile der Pappe an, und fteht es fomit hinter den viel einfacheren Kupferböden zurück. Eine 58 Centner fchwere, glatte gufseiferne Kanone in eine gezogene nach dem Syftem Pallifer mit dem Kaliber von 6.3 Zoll umgewandelt. Die Seele derfelben beftand aus einem aus fchmiedeifernen * Die Skizzen des modificirten Schraubenverfchluffes wurden nach à la vue Aufnahmen hergestellt, was allenfallfige kleine Unrichtigkeiten erklärt. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 83 Spiralen hergeftellten Cylinder. Ladung: 8 Pfund R. L. G. Pulver. Gefchofsgewicht 64 Pfund. Die benannte Umgeftaltungsmethode ift hinreichend in Fach. fchriften abgehandelt worden. An leichten Gefchützen hatten Armstrong& Comp. einen gezogenen ftählernen 9pfündigen Vorderlader in hölzerner Laffete, dann einen ftählernen 16- Pfünder in eifenblecherner Laffete exhibirt. Beide Gefchütze gehörten dem in der englifchen Armee eingeführten Syftem Maxwell an. Zur allgemeinen Charakteriſtik des 9- P fünders mögen folgende Angaben dienen: Gewicht des Gefchützes: 937 Pfund Ladung. Gefchofsgewicht 11/4" 9" Die Laffete hat eine eiferne Achfe mit hölzernem Achsfutter, eine Zahnbogen- Richtmafchine, deren Bogen mit der Traube des Rohres in Verbindung fteht, und Thonet'fche Räder. Mit Kettenwerk ift fie reichlich ausgeftattet; nicht nur, dafs ein ziemlich gewichtiger Radfchuh mit der erforderlichen Kette vorhanden ift, find auch an der Achfe, beiderfeits des Rohres, circa 6 Fufs lange Ketten angebracht, die zum Rückwärtseinfpannen dienen. Unter der Achfe hängen zwei grofse Kochgefchirre. Das Gewicht des 16- P fünders beträgt 1353 Pfund; Ladung: 3 Pfund, Gefchofsgewicht: 16 Pfund. Das Rohr hat zwei kurze Vifirlinien. Eine 12 pfündige gezogene Feldkanone mit dem bekannten Armstrong Verfchluffe, in fchmiedeiferner Laffete. Diefes Gefchütz ift eben falls in der englifchen Armee eingeführt und war der Vorgänger des jetzigen Maxwellfyftems. Gewicht des Rohres: 919 Pfund. Ladung: 12 Pfund. Gefchofsgewicht: 12 Pfund. Das Rohr hat eine mittlere kurze und eine rechtsfeitliche kurze Vifirlinie. Die Conftruction der Laffete bot nichts Eigenthümliches; fie hatte eine Zahnbogen- Richtmaſchine, deren Zah nbogen mit dem Rohre durch ein unter dem Bodenftück des letzteren befindlich es Charnier in Verbindung war. Diefen Gefchützen reihte fich noch ein leichtes ft ählernes 6- pfündiges Bootsgefchütz mit Armſtrong- Verfchlufs an. Dasfelbe lag in einem fehr einfachen hölzernen Raperte. Die Richtmafchine beftand aus einem Bogen, der wie beim 12- Pfünder in einem Charnier unter dem Bodenftücke befeftigt, in dem viereckigen Ausfchnitte des Laffeten Mittelriegels beweglich war, und von links durch einen Bolzen feftgeklemmt werden konnte. Der Bogen hatte keine Zähne. Die ausgeftellten Rohre hatten mit Ausnahme des Pallifergefchützes durchgehends gufsftählerne Seelen mit einer darüber aufgezogenen, vom Boden bis in die Mitte des Rohres reichenden, fchmiedeifernen Hülfe. Die Collection Armstrong'fcher Gefchütze wurde endlich durch zwei zehnläufige Gatling- Kanonen, die eine vom Kaliber o 65 Zoll( 15.5 Millimeter), die zweite vom Kaliber 0'45 Zoll( 11 4 Millimeter), beide in fchmiedeifernen, leicht und gefällig conftruirten Laffeten liegend, vervollſtändigt. Das Princip diefer Gefchütze kennt man fchon von der Ausftellung im Jahre 1867 her. An feitherigen Abänderungen, die an denfelben zu fehen waren, wären nur zu nennen die übrigens nicht mehr ganz neue Vorrichtung für das Auffetzen der von dem öfterreichifchen Artilleriehauptmann Trawniczek erfundenen Ladetrommel, welch' letztere die Stelle der urfprünglichen prismatifchen PatronenSpeifebüchfen vertritt, ferner die in Folge der eben erwähnten Einrichtung nothwendig gewordene Anbringung der Vifirpunkte rechts feitwärts, und zwar des vorderen auf einem Anguffe des Rahmens, endlich die Vorrichtung zum leichten Auswechfeln der Schlöfschen. Die Laffeten der Gatling Gefchütze hatten Achskäften zum Unterbringen von je zwei gefüllten Ladetrommeln per Gefchütz. Die artilleriftifche Expofition Armstrongs enthielt fchliefslich noch ein nett gearbeitetes Modell einer Moncrieff'fchen Laffete erfter Conftruction, ver 84 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fchiedene in der englifchen Armee und Marine eingeführte Zünder für Granaten und Shrapnels, dann Segmentgefchoffe für Feldgefchütze u. f. w., Gegenftände, welche durchwegs Bekanntes repräfentirten. Schweiz. Der Wunfch nach Vervollkommnung der Feldgefchütze, welcher, hervorgerufen durch die Erfahrungen der letzten Kriege faft bei allen Mächten befteht, hat zu den eingehendften Verfuchen geführt, und liefsen die auf der Weltausftellung befindlich gewefenen einfchlägigen Objecte namentlich drei Richtungen erkennen, nach welchen die Löfung diefer Frage bisher in einer das Syftem vollkommen durchdringenden Weife angeftrebt worden ift. Indem wir diefe drei Richtungen andeuten, fprechen wir unfere individuelle Anficht dahin aus, dafs mit den vorgeführten Syftemen noch nicht alle jene Wege gekennzeichnet feien, auf denen fich wirkfamere, den Forderungen des neueren Krieges entſprechendere Feldgefchütze componiren laffen. Auf der Ausftellung hat es fich gezeigt, dafs Italien die Vervollkommnung feines alten, fehr fchwerfälligen Feldartillerie- Materials auf dem Wege möglichfter Erleichterung von Rohr und Laffete zu erlangen fuchte, hiebei wohl eine bedeutende Beweglichkeit und Manövrirfähigkeit erzielte, in demfelben Mafse aber an Gefchofs effect verlor. Die fchweizerifche Artillerie legte hingegen den Hauptaccent auf Trefffähigkeit und Sprengwirkung, wurde dadurch aber naturgemäfs zu fchweren Rohren gedrängt. Die Mitte zwifchen beiden, etwas extremen Richtungen fchlugen die Schweden ein, welche ebenfalls in der Reorganifation ihrer Feldartillerie begriffen find. Die letzteren gingen mit den Gewichtsverhältniffen ihres neu projectirten Materials bis an die für den Feldkrieg zuläffige Grenze, liefsen aber dafür Einiges an balliftifcher Leiftung ihrer Gefchütze nach, fo dafs diefelben wohl als zwifchen der italienifchen und fchweizerifchen Artillerie befindlich, was die vorangedeutenden Factoren betrifft, betrachtet werden dürfen. Welche von den genannten Artillerien den befferen Theil erwählt habe, zu unterfuchen, kann gegenwärtig nicht unfere Aufgabe fein, zumal die Beantwortung einer hierauf abzielenden Frage von Erwägungen abhängt, die uns viel zu weit führen würden. Wir müffen uns daher damit begnügen, die Tendenz zu kennzeichnen, welche bei Schaffung der ausgeftellten Feldgefchütze allem Anfcheine nach vorgewaltet hat. Nach diefer kleinen Abfchweifung kehren wir wieder zur fchweizerifchen Expofition zurück. Das Militärdepartement derfchweizerifchen Eidgenoffenfchaft hatte unter Anderem ein 8- Centimeter- Gefchütz( conftruirt von Oberft Bleuler) mit neuer Laffetirung, den zugehörigen Caiffon, dann eine Sammlung der für 8-, 10- und 12- Centimeter Gefchütze beftimmten Munitionsforten exponirt. * Mit vollem Rechte mufs dem 8- Centimeter-( genau 8.4 Centimeter-) Feldgefchütz( Ordonanz 1871) in Bezug auf feine balliftifche Leiftungsfähigkeit ein hervorragender Platz unter den jetzt beftehenden Syftemen eingeräumt werden. Das exhibirte broncene Rohr von 200 Centimeter Total- und 186 Centimeter Seelenlänge, welches in der Gefchützgiefserei von Emil Rüetfchi in Aarau gegoffen, und bei Gebrüder Sulzer in Winterthur ausgearbeitet wurde, * Das eidgenöffifche Artilleriewefen fteht fowohl in organifatorifcher als technifcher Beziehung feit Jahren auf einer fehr achtungswerthen Stufe. Bei einem Sollftande von 8262 Mann Auszug, 5350 Mann Referve und 4643 Mann Landwehr befafs die fchweizerifche Artillerie Ende 1871: 358 gezogene 84- Centimeter- Hinterladgefchütze aus Bronce, und zwar 252 zu 42 Feldbatterien, 36 Ergänzungsgefchütze, 45 Pofitions- und 25 Schulgefchütze, ferner 20 vierpfündige Vorderlader- Gebirgsgefchütze. An gezogenen Hinterladern von Kaliber 10 Centimeter waren vorhanden: 121 Stück, wovon 78 zu 13 Feldbatterien und 43 Pofitionsgefchütze, endlich 118 Stück 12- Centimeter- Pofitionsgefchütze, zufammen 617 gezo. gene Kanonen. Allgemeine Bewaffnung und Artillerieweien. 85 befitzt den einfachen prismatifchen Keilverfchlufs mit BroadwellMechanismus nebft ftählernem Liderungsringe und wiegt 430 Kilogramm. Die Bohrung ift mit 12 Keilzügen verfehen, deren Drallwinkel an der Führungsfeite 4 Grad 36 Minuten beträgt. Eine Schufsladung von o'84 Kilogramm ertheilt dem 5.6 Kilogramm fchweren Gefchoffe 396 Meter Anfangsgefchwindigkeit. Die fünfzigpercentigen Trefferrechtecke erfordern: auf 500 Meter 02 Meter Seite und 0'2 Meter Höhe. IOOO " 29 2000 0.45 I " 99 " 0.5 99 99 " " 9 77 79 29 13 99 " 9 Die aus den Werkstätten von Johann Jacob Rieter& Comp. in Winterthur hervorgegangene eifenblecherne Laffe te ift der bekannten fchweizerifchen 10- Centimeter Feldlaffete nachgebildet, und wiegt für fich allein ungefähr 450 Kilogramm; das Totalgewicht des Gefchützes, einfchliefsig einer Ausrüftung von 40 Schufs und fünf fahrenden Bedienungskanonieren, beläuft fich auf circa 1700 Kilogramm, welche Laft auf fechs Pferde vertheilt wird. Der Laffetenwinkel beträgt 22 Grad, die Lagerhöhe 1115 Meter. Die Richtmafchine, welche aus einer verticalen Stahlfchraube mit zwei conifchen Rädern befteht, geftattet 19 Grad Elevation und 6 Grad Depreffion. Der Hohlgefchofs- Percuffionszünder zeigte eine originelle Einrichtung der Mundloch- Schraube. Letztere iſt aus Meffing erzeugt und befitzt zwei conifche, ungleich grofse, mit einander communicirende Aushöhlungen, welche ihre kleineren Oeffnungen nach abwärts kehren. Die mit vier federnden Stahlplättchen adjuftirte, im oberen Conus eingeſetzte Zündpille gelangt beim Schuffe vermöge der Trägheit der Materie in die untere gröfserere Aushöhlung, wo fie durch die Plättchen beim Gefchofsauffchlage am ringförmigen Abfatz der beiden Conuffe feftgehalten und von der Spitze des vorgefchnellten Schlägers getroffen wird. Unter der vorgelegenen Munition, deren Herftellung in ganz vorzüglicher Qualität die Firma Sulzer in Winterthur beforgt, waren die neuen Feldfhrapnels beachtenswerth, welche aus einem fchmiedeeifernen, mit dünnem Bleimantel verfehenen cylindrifchen Gefchofs- Führungstheil beftanden, der an der ogivalen Gufseifen- Spitze feftgenietet, im gufseifernen Boden des Projectils aber eingefchraubt war. Dem Principe nach mit diefer Conftruction verwandte Shrapnels find auch in Oefterreich verfucht worden. Die hauptfächlichften Daten der exhibirten Artilleriemunitions- Sorten läfst die auf Seite 86 folgende Tabelle erfehen. Der Caiffon war nach englifchem Syftem conftruirt, hatte ein fchmiedeeifernes Geftell mit aufgefetztem hölzernem Kaften, hölzerne Räder von 144 Meter Durchmeffer, gleich der Laffete und auch die nämliche Aufprotzvorrichtung: Protzring und Protzhaken englifchen Syftems. Die Geleisweite beträgt bei Laffete und Caiffon 1365 Meter. Als Bremsvorrichtung befitzen beide Fuhrwerke den Radfchuh. Der ungepackte Wagen wiegt 925 Kilogramm. auch der vom Bei Befprechung des fchweizerifchen Artillerie- Materiales müffen wir Militär Departement vorgelegten Ordonnanz- Zeichnungen erwähnen, deren genaue und forgfältige Ausführung allgemein anerkannt wurde. Das fchweizerifche Militärdepartement hatte ferner ein completes Artillerie- Stangen- Zuggefchirr und ein Artillerie Reitzeug ausgeftellt. Das Zuggefchirr. Die Gefchirr halfter des Sattelpferdes gleicht in allen Theilen der in der öfterreichifchen Artillerie eingeführten; das Stangengebifs hat gerade Unterbäume. Die Gefchirrhalfter des Handpferdes ift mit dem Trenfengebifs verfehen, und find deffen Augen durch eine 86 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Granater. Gewicht des fertigen Gefchoffes mit Percuffionszünder Auf ein Quadrat- Centimeter Querfchnitt des Gefchoffes kommen an Gefchofsgewicht. Shrapnels. Kaliber 8 IO 12 Centimeter Centimeter Centimeter Gram m 5600 7840 14200 IOO 90 125 Gewicht des fertigen Gefchoffes mit Zeitzünder. 5600 9200 13250 Gewicht der Kugelfüllung. 2750 2700 4250 Anzahl der Füllkugeln von 16 Milimeter Durchmeffer Stück 130 170 270 Gewicht der einzelnen von Bleiantimon 22 - Füllkugel Zink 16 16 16 99 Auf ein Quadrat- Centimeter Querfchnitt des Gefchoffes kommt an Gefchofsgewicht Kartätfchbüchfen. Gewicht des fertigen) Büchfe von Weifsblech IOO 106 117 Gefchoffes 21 Gewicht der Kugelfüllung. Anzahl der Füllkugeln. 5600 Zinkblech 8200 11700 4650 5400 8100 Stück 62 84 126 72 IOO 64 64 Gewicht der einzelnen von Bleiantimon Füllkugel Ladungen. Zink. 99 Schufsladung oder auf 1000 Gramm Gefchofsgewicht Wurfladung 840 1060 1060 150 135 75 280 250 375 mäffig weite Kette verbunden, auf welcher ein Ring läuft, in den der Handzügel eingefchnallt ift. Durch diefe Anordnung wird jedenfalls eine gute Führung des Handpferdes erzielt. Nebft dem Handzügel find auch zwei Trenfenzügel in die Augen des Trenfengebiffes eingefchnallt, die, wenn das Handpferd nicht geritten wird, an dem Sattel befeftigt werden. Unter der Gefchirrhalfter ift die Stallhalfter aufgelegt, welche in ihrer Conftruction ebenfalls der öfterreichifchen gleich ift, nur dafs ihre Riementheile etwas fchmäler gehalten find. Das Gerippe des Schweizer Fahrfattels bilden zwei eiferne Zwiefeln, welche rechts und links durch einen eifernen Steg verbunden find; an den Enden der Zwiefeln ift eine oben verbundene, 24 Centimeter lange Kiffung, ähnlich wie bei dem deutfchen Sattel, angefteckt, und darüber eine, in Form dem deutfchen Sattel nahezu gleiche, unterm Sitz gepolfterte, aus Blankleder erzeugte Sitzdecke Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 87 mit Satteltaschen und einem vorderen und hinteren Sattelkranz gegeben, welch' letzterer durch die rückwärtige Zwiefel gebildet wird. Im Allgemeinen hat diefer Sattel von Aufsen das Anfehen des fogenannten deutfchen Sattels; der Sitz hat eine ſtarke Neigung, in Folge deffen das Kreuz des Pferdes wohl etwas ftark belaftet werden dürfte, und der Reiter den Stuhlfitz annehmen mufs. Das Handpferd ift ebenfalls gefattelt, und werden auf dem Sattel zwei über die ganze Länge und Breite der Packtafchen liegende Packtornifter durch Riemen befeftigt. Das Gefchirr befteht weiters aus dem Kummet, dem Umlaufriemen, den Zugfträngen, den Zugftrang Anfätzen, dem Schweifriemen und vier Tragriemen. Das Kummet ift zum Oeffnen, zum Vergröfsern und Verkleinern eingerichtet und befteht aus zwei Kummethölzern und dem Kummetkiffen. Die Kummethölzer find fchwarz lackirt, zum Theile mit Eifenblech befchlagen, am oberen Ende fcharf abgefchnitten und 6 Centimeter breit, unten abgerundet und am Zugpunkte 8 Centimeter breit. Am oberen Ende find Oefen angebracht, durch welche ein Riemen zur Vereinigung der Kummethölzer durchgezogen wird; weiters befindet fich im oberen Drittel eines jeden Kummetholzes ein Ring, in welchen die Zugftrang- Anfätze eingeknebelt werden; in jenen rechts beim Sattelpferd wird überdiefs der Handriemen eingefchnallt. Etwas unterhalb der Mitte der Kummethölzer befindet fich beiderfeits ein Knebel, auf dem ein Ring angefteckt ift; diefs ift der Zugpunkt, da hier der als Verlängerung des Zugftranges dienende Riemen( von 27 Centimeter Länge und 4 Centimeter Breite, ähnlich dem Laufgürtel beim öfterreichifchen Gefchirr, aber in feinen Dimenfionen ftärker gehalten) eingehängt wird; endlich befinden fich noch an jedem Kummetholz ein Ring zum Tragen des Umlaufriemens und an den unteren Abrundungen je ein Schnallenftück, in welches ein 4 Centimeter breiter Riemen eingefchnallt wird, mittelft deffen das Oeffnen und Schliefsen, Vergröfsern und Verkleinern des Kummets vorgenommen werden kann. An diefem letzteren Riemen ift in feiner Mitte ein Ring eingenäht, der wahrscheinlich zum Aufhängen des Deichfel- Tragftrickes dient. An den Kummethölzern find noch nach abwärts zu am Zugpunkte zwei kleine Pölfter zum Schutze gegen Reibung befeftigt. Mit zwei Riemen auf jeder Seite find die Kummethölzer mit dem Kummetkiffen verbunden. Letzteres, welches 4 bis 6 Centimeter über erftere hinausragt, ift an den Enden und in der Mitte abgeheftet, nur bei 1½ Centimeter dick, fo weit die Kummethölzer reichen, gepolstert und unten offen. Am Widerrift befteht es aber nur aus einem die zwei Pölfter verbindenden doppelten Lederftücke. Das neue fchweizerifche Kummet befitzt den Vortheil, dafs es für jedes Pferd gebraucht und bei grofsköpfigen oder kopffcheuen Pferden ohne Anftrengung und befondere Vorficht aufgelegt und abgenommen werden kann; es ift zudem leicht und da die Polfterung der Kummetkiffen eine geringe, ift auch der Widerftand ein wenig elaftifcher und empfängt es daher die Wirkungen der Anftrengung des Thieres möglichft unmittelbar und vollſtändig; dafs aber die inneren Seitenflächen des Kummetkiffens nicht unter einem fpitzen Winkel zufammengeführt werden, fondern am und um den Widerrift flach aufliegen, mufs trotz der Leichtigkeit des Kummets doch als ein Nachtheil bezeichnet werden, weil Widerriftfchäden dadurch ermöglicht find. Ob die Kummethölzer bezüglich ihrer Feftigkeit den Anforderungen entſprechen, und auf welche Dauer, ift wohl fraglich. Der Umlaufriemen geht um den ganzen Leib des Pferdes und wird vorne durch die an den Kummethölzern angebrachten beiden Ringe, an den Oberfchenkeln durch je zwei Tragriemen, dann durch 44 Centimeter lange und 12 Centimeter breite lederne Tafchen unterhalb des Sattels auf jeder Seite in feiner Lage am Pferde fixirt. 88 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Er ift vorne vier, rückwärts fieben Centimeter breit; an dem Brufttheil ift ein mit zwei Kettengliedern und einem Knebel verfehener halbrunder Ring aufgefteckt; mit dem Knebel wird die an der Deichfel befeftigte Widerhalt kette verbunden. Der Umlaufriemen ermöglicht fonach das Zurückhalten des Fuhrwerkes bei Paraden und beim Bergabfahren, und erfetzt den Bruftriemen, und zum Theil auch den Widerhaltriemen. Die Zugftränge, welche vom Zugpunkte bis zur Bracke eine beiläufige Länge von 210 Centimeter haben, find ungefchwärzte und uneingefafste Stricke, welche längs des Pferdeleibes einfach, im letzten Drittel( an der Bracke) aber doppelt laufen und mit Knebeln verfehen find. In die Augen der Zugftränge werden die Zugftrang- Anfätze und diefe fodann in den oberen Kummetring eingehängt. Das Gefchirr ift aus gefchwärztem Blankleder erzeugt, und steht bezüg lich feiner Einfachheit und Leichtigkeit wohl unübertroffen da. Der um den ganzen Leib des Pferdes reichende Umlaufriemen dürfte aber bei der angezweifelten Feftigkeit des Kummets die Freiheit der Bewegung und Thätigkeit der Gliedmafsen und Lunge, befonders in fchärferen Gangarten, nicht befonders begünftigen. Da die einzelnen Theile des Gefchirres fehr einfach zufammengeftellt find, fo kann bei dem Sturze eines Pferdes dasfelbe fehr leicht abgefchirrt, entfernt und erfetzt oder, wenn ein Sattelpferd fällt, durch Benützung des gefattelten Handpferdes anftandlos weitergefahren werden. Das Reitzeug. Das Kopfgeftelle des Reitpferdes ift eine Stallhalfter mit Stirn und Nafenriemen, in welche unterhalb des Stirnriemens die oben vereinten, nach abwärts getheilten Backenriemen eingefchnallt fich befinden. Im vorderen Backenriemen- Theile ift das Stangen, im rückwärtigen das Trenfengebifs eingefchnallt und mit Stangen- und Trenfenzügeln verfehen. In den unteren Ring der Stallhalfter ift ein in den Sattlerbund geflochtener StallhalfterRiemen eingehängt. Durch diefe Anordnung des Kopfgeftelles wird die Zäumung des Pferdes im Bivouac fehr erleichtert, da zum Abzäumen nur das Ausfchnallen der Backenriemen und zum Aufzäumen blofs deren Einfchnallen und das Einlegen der Kinnkette nöthig ift. Der Sattel befteht aus dem mit gepolfterten Seitenblättern und abgerundeten eifernen Zwiefeln( ohne Kappa) verfehenen ungarifchen Bock, hat als Unterlage eine filzene Schweifsdecke, und ift mit einer grofsen naturledernen Sitzdecke überzogen, welche ähnlich jener des Fahrfattels zugefchnitten ift. Diefer Sattel ift nicht eben fchön zu nennen, da er fchwerfällig ausfieht, wozu die Anbringung von vier Packtafchen nicht wenig beiträgt. Italien. Kriegs- und Marineminifterium. General Cavalli hatte fchon im Jahre 1858 den Vorfchlag gemacht, das fchwerfällige FeldartillerieMaterial, Modell 1844, durch ein leichteres, zeitgemäfseres Syftem zu erfetzen. Die Mahnung diefes ausgezeichneten Militärtechnikers blieb auch nicht ungehört, und es wurden nach dem Friedensfchluffe 1859 zuerft vier glatte acht pfündige Batterien hergeftellt, und im darauffolgenden Jahre der Experimentirung unterzogen. Die Rohre derfelben wurden später in gezogene umgewandelt, deren Trefffähigkeit und Ausdauer aber nicht befriedigte. Man fchritt daher zur Conftruction eines ganz neuen Gefchützes, und führte dasfelbe nach gelungenen Proben Aus financiellen Gründen und als 9- Centimeter- Kanone, Modell 1863, ein. weil die alte Laffetirung noch in gutem Stande war, blieb es damals bei diefer. Das italienifche Artilleriematerial hatte fohin zwar an Schufspräcifion, aber nicht an Beweglichkeit gewonnen; begreiflich, dafs man nach den Erfahrungen von 1866 an die Erleichterung von Laffeten und Fuhrwerken dachte. a e e 1, t n 1. e S n r. S n- - d k. en e- nt, tte iezu cht ht ng ren onben nd fer. cht on Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 89 General Mattei und Oberft Roffi conftruirten nun ein Feldgefchütz von folcher Leichtigkeit, dafs die Piecen der Divifionsbatterien mit je zwei, die der Refervebatterien mit je vier Pferden fortzubringen waren. Der Kaliber war einheitlich( 6.5 Centimeter), das Gefchütz follte jedoch zweierlei Gefchoffe, leichtere und fchwerere, fchiefsen. Die Idee diefer beiden Conftructeure mufste aber nach den erften Verfuchen wieder aufgegeben werden, wie überhaupt das ganze, mit grofsem Aufwande von Scharffinn combinirte, urfprüngliche Syftem Mattei- Roffi ( Vorderladung) jenen Anfchauungen zum Opfer fiel, welche nach den Erfolgen der deutfchen Artillerie in den Jahren 1870 und 1871, in Italien Platz griffen. Man entfchied fich für Hinterlader, und wählte für das leichte Gefchütz den Kaliber von 75 Centimeter und als Material die Bronce, während dem Vernehmen nach nach für die Referveartillerie gufsftählerne 9.7- CentimeterKanonen in Ausficht genommen wurden. Das italienifche Kriegsminifterium hatte ein completes 75 CentimeterGefchütz nach Wien gefendet, deffen Befchreibung nunmehr folgt. Das 75 Centimeter broncene Rohr befteht aus einem conifchen Vorderftücke, einem cylindrifchen Mittelftücke und aus dem einen Vierkant bildenden Hinterftücke, in welch' letzterem das Querloch für den Verfchlufsmechanismus ausgenommen ift. Diefe drei fcharfmarkirten Rohrtheile find durch Hohlkehlen verbunden. Der Durchmeffer des Laderaumes beträgt 7.9 Centimeter, deffen Länge 26 Centimeter, der conifche Anlauf, welcher den gezogenen Theil mit dem Laderaum verbindet, ift 3.0 Centimeter lang; die totale Seelenlänge mifst 159 Centimeter. Die Axen des Laderaumes und der gezogenen Seele fallen nicht überein, fondern differiren um o 7 Centimeter. In Folge diefer Einrichtung wird das Gefchofs fchon von Anbeginn mit feiner Längenaxe in jene der gezogenen Bohrung gebracht. Die letztere enthält zwölf linksgängige Keilzüge von gleicher Tiefe( 1.3 Millimeter). Die Dralllängen der Führungs- und Ladeflächen betragen 3:50 Meter, beziehungsweife 3.643 Meter, und entſpricht den felben ein Drallwinkel von 3 Grad 51 Minuten. Die Schildzapfen, deren Axe jene der Seele fenkrecht durchſchneidet, befitzen einen weitaus gröfseren Durchmeffer als fonft üblich, find jedoch, um das Gewicht des Rohres nicht zu vergröfsern, ausgehöhlt. Das Zündloch ift in einem Kupferftollen gebohrt und fenkrecht zur Rohraxe geftellt. Das Gefchütz hat nur eine Vifirlinie und find Auffatz und Vifirkorn an der linken Seite des Rohres angebracht. Zur Aufnahme des eifernen Vifirkornes befitzt das Rohr am Vorderftück einen cylindrifchen Angufs, deffen verticale Axe 100 Centimeter von der Bodenfläche des Hinterftückes abfteht. An der rückwärtigen Fläche des Rohres ift an der linken Seite eine Hülfe mit einer fünfkantigen Aushöhlung zur Aufnahme des Auffatzes angegoffen. Das Gefchütz hat den Rundkeil- Verfchlufs, welcher jedoch gegen das Krupp'fche Original einige Abweichungen zeigt. So ift der Broadwellring in die Stahlplatte des Verfchlufskeiles eingefetzt und für feine Anlehnung ein Stahlring in die Bohrung eingefügt, ferner zwifchen Stahlplatte und Keil eine zwei Centimeter dicke Kupferfcheibe eingefetzt. Das Gewicht des Rohres beträgt ohne Verfchlufs 271, mit Verfchlufs 302 Kilogramm. Die Laffete hat eifenblecherne Wände mit anfgebogenen Rändern und Thonet'fche Räder; die Schildzapfen und Achslager, fowie die ProtzlochSchiene find aufgenietet. Hinter der Richtmafchine zwifchen den Wänden ift ein hölzernes Stöckel angebracht, in welchem zwei cylindrifche Löcher für je eine Büchfenkartätfche ausgebohrt find. Die Laffete hat weiters eine gewöhnliche Balkenbrem fe mit eifernen Reibfchuhen, welche vom linken Achsfitze aus mittelft eines Hebels und Zahnbogens, wie bei leichten Privat- Fuhrwerken geftellt werden kann. Die Achfe ift aus Stahl und hat einen conifchen, mit einer Rippe verftärkten Achsftock. Die Richtmafchine befteht 90 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. im Wefentlichen aus einer broncenen Mutter mit darin laufender Richt fpindel mit Handrad, und aus zwei durch ein Gelenkftück mit einander ver bundenen, zwifchen den Laffetenwänden um Bolzen beweglichen Gabeln. Auf der oberen ruht das Rohr, während die untere mit der Richtfpindel ver bunden ift. Die Protze, welche eine ftählerne Achfe mit prismatifchem Achsftocke und die nämlichen Räder wie die Laffetè hat, befitzt in ihrer Conftruction das Eigenthümliche, dafs der Protznagel durch zwei parallellaufende eiferne Schienen geht, und einer dreh- und verfchiebbaren Platte als Führung dient, die mittelft eines Bolzens in zwei verfchiedene Stellungen gebracht werden kann, von denen die eine beim Manövriren, die andere beim Fahren auf gebahnten Wegen gegeben wird. Die Manövrirftellung geftattet die volle Deichfelfreiheit und überhaupt die möglichfte Beweglichkeit des Syſtems, während bei der zweiten die fehr vorgewichtige Deichfel æquilibrirt wird. Der Munitionswagen befteht aus der Gefchützprotze und dem Hinterwagen. Das Untergeftell des letzteren bilden zwei Tragwände aus Eifenblech, welche unter dem Kaften parallel laufen, dann gegen den Protzftock zu, welcher jenem der Laffete ganz gleich ift, convergiren. Der Hinterwagen hat blofs einen zum Abheben eingerichteten, nach vorne zu öffnenden Kaften. Die Bremfe des Wagens ift jener der Laffete gleich und von hinten aus dirigirbar; hinter dem Kaften fteckt in fchräger Richtung ein Referverad auf einer eifernen Halbachfe. Die Hohlgefchoffe des 7.5 Centimeter- Gefchützes find von cylindroogivaler Form, und haben am cylindrifchen Theile einen mit vier Wülften verfehenen dünnen Bleimantel; die beiden unterften Nuthen find mit einer Wachstauche ausgefüllt. Behufs gleichmäfsiger und vollständiger Zertheilung durch die Sprengladung hat die Höhlung die Form eines fechsfeitigen Prisma, welches durch vier ringsum laufende Einfchnitte durchfetzt ift. Die Höhlung ift mit Oelfarbe überzogen. Der Zünder ift dem preufsifchen Percuffionszünder conform, nur beftehen deffen Theile, fowie der Vorftecker aus Meffing oder Bronce. Das Shrapnel hat einen cylindrifchen, glatten Hohlraum, dünnere Wände und eine geringere Länge als das Hohlgefchofs. Die Spreng. ladung befindet fich in einer meffingenen, in der Axe des Gefchoffes ein gefetzten Röhre. Die Füllkugeln werden durch einen Kolophoniumausgufs feftgelagert. Der zu diefen Shrapnels gehörige Percuffions- Ringzünder if in der Fig. 26 dargeftellt, und befteht aus dem Zünderkörper a und der mit dem Percuffionsapparate verfehenen Tempirfcheibe b. Fig. 26. d f g b a 6 7 9 11 12 if T- e n ne t, en uf le S, m us ck ch te Cer 0- en er ng na, ng ler ng ere ng. -inufs ift mit Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 91 Der Zünderkörper, aus Bronce oder aus einer Zinnlegirung erzeugt, befitzt im Centrum feiner ebenen Fläche den Percuffionsftift und concentrifch zu demfelben eine halbrunde Rinne, in welcher der in eine Bleiröhre c eingeprefste Satz gelagert ift. Das eine Ende der Satzröhre communicirt mittelft eines Canales mit der Schlagladungs- Kammer d. Am Umfange des cylindrifchen Zünderkörper- Theiles ift die Tempirfcala, deren Nullpunkt mit dem vom Satzring zur Schlagladungs- Kammer führenden Zünd canal übereinfällt, eingravirt. Die den Zünderkörper übergreifende Tempirfcheibe, aus demfelben Materiale wie der Zünderkörper erzeugt, ift axial durchbohrt, befitzt auf der unteren Fläche eine ziemlich tiefe, halbrunde Nuth, und wird in ihrer Lage durch drei Schrauben erhalten, welche fie mit dem im Zünderkörper eingelaffenen, zweitheiligen Ringe verbinden. In der axialen Höhlung der Tempirfcheibe befindet fich ein bleierner Schläger e, welcher durch zwei kleine Anfätze oberhalb des Percuffionsftiftes fchwebend erhalten wird. Zur Entlaftung diefer Anfätze während des Transportes dient der meffingene Sicherheitsdraht f; die fich entwickelnden Gafe können durch die Oeffnung g entweichen. Italien hatte weiters noch ein 6.5- Centimeter- Landungsgefchütz eingefchickt, welches an Bord der Kriegsfchiffe mitgeführt, und den Landungs truppen beigegeben wird, und fowohl in Booten als auch auf dem feften Lande verwendet werden kann. Im letzteren Falle ift es auf eine leichte, mit Menfchen oder mit einem Pferde zu befpannende Protze aufzuprotzen. Das broncene Rohr ift ein Vorderlader, und befteht aus dem conifchen Vorder- und dem cylindrifchen Hinterftücke mit Traube, dann aus einem vor letzterer befindlichen Anguffe, der zur Aufnahme des Stabauffatzes durchlocht ift. Die Bohrung enthält fünf linksgängige Züge nach dem Syfteme MatteiRoffi, welche fich auf ungefähr fünf Centimeter, vom Ende gemeffen, etwas verengen, wodurch die Gefchoffe centrirt werden. Den Schlufs der Bohrung bildet ein parabolifcher Hohlraum, der bei eingeführter Patrone leer bleibt und die Beftimmung hat, den Stofs der Gafe zu mildern, welche, indem fie vermöge ihrer Expanfion in denfelben eindringen, die Bohrung gleichfam ausfegen, wobei auch die Patronenfack- Refte entfernt werden. Die an diefe Conftruction geknüpften Erwartungen follen in vollem Mafse erfüllt werden. Das Rohr wiegt nur 130 Kilogramm, und erreicht das 2.5 Kilogramm fchwere Projectil mit der Maximalladung von 0 4 Kilogramm die namhafte Gefchwindigkeit von 400 Meter. Die für diefes Gefchütz beftimmte Laffe te ift aus Eifenblech conftruirt, und unterfcheidet fich von den gewöhnlichen eifernen Wandlaffeten wefentlich dadurch, dafs die vorderen Theile in der Gegend der Schildzapfen Fachwände bilden, während im Uebrigen die Ränder der Wände umgebogen find. Ein weiteres Unterfcheidungs- Merkmal bildet der Mangel einer Richtmafchine. Als Surrogat für letztere dient ein horizontaler, an der rechten Laffetenfeite unter dem Schildzapfen- Lager befindlicher Hebel, der in eine Mutter endet, in die der zu einer Schraube geformte Deckelbolzen eingreift. Durch Drehung des Hebels kann der rechte Schilddeckel gegen den Schildzapfen geprefst werden. Auch die ftählerne Achfe ift eigenthümlich conftruirt; deren Mittelftück befteht nämlich aus einer von der Mitte gegen die geraden Stängel convergirenden Schiene, die durch eine abwärts reichende und auf fie fenkrecht ftehende Rippe verftärkt wird. Im Wifcherkolben find keine Borften, fondern die Wurzeln einer in den Sümpfen bei Trevifo wachfenden Pflanze eingezogen. Diefe Wifcher follen nicht allein um 75 Percent billiger fein, fondern auch die dreifache Dauerhaftigkeit gegen die Borftenwifcher befitzen. Die Protze hat zwei von einander etwas abftehende, mit ihrer Längenrichtung parallel zur Symmetrie- Ebene geftellte Käften, und ift der Aufprotzhaken 92 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. auf dem prismatifchen Achsftocke befeftigt. Von den beiden Käften wird der eine mit 24 Hohlgefchoffen, der andere mit ebenfo viel Shrapnels bepackt. Die Patrone ift mit dem Gefchoffe verbunden, am freien Ende jedoch mit einem prismatifchen Holzftücke verfehen, damit fie beim Laden nicht in den früher erwähnten parabolifchen Raum eintreten kann. De Conftruction diefes Gefchützes rührt von der Artillerie direction des maritimen Departements her. An Artilleriematerial waren nebft dem eben befprochenen noch zwei Schiffslaffeten für Armſtrong'fche Vorderlader ausgeftellt. Die eine diefer beiden Laffeten zeigte die bekannte Armſtrong'fche Conftruction mit einer ganz unwefentlichen Modification, die zweite, welche für die Verwendung in den abgeftumpften Ecken der Kafematten in Panzerfchiffen con ftruirt ift, verdient jedoch eine nähere Berücksichtigung, nachdem die Einrichtung derfelben für den Pfortenwechfel fehr einfach und finnreich ift. Auf englifchen und öfterreichifchen Schiffen wird diefer Pfortenwechfel bekanntlich mittelft einer in das Deck des Schiffes eingelaffenen Drehfcheibe bewerkstelligt. Diefe Art bietet zwar den Vortheil fehr rafcher Ausführung des Manövers, hat aber den Nachtheil im Gefolge, dafs das Deck durch den Einfchnitt für die Drehfcheibe gefchwächt und die ganze Anlage wefentlich ver theuert wird. Die italienifche Conftruction bafirt auf der Verwendung der Laffeten auf feftem Deck; man bedient fich hier nämlich zweier auf Deck befeftigter Zahnkränze, längs deren fich ein in der Symmetrie- Ebene des Schlittens mit dem Einholmechanismus in Verbindung ftehendes Zahnräderpaar bewegt, wodurch das Gefchütz ohne übermässige Anftrengung aus einer Stellung in die andere gebracht werden kann. Die Details diefer Conftruction mögen aus dem Nachfolgenden ent nommen werden. Der Rapert befteht aus zwei eifernen Kaftenwänden, deren Verbin Vorne und dung durch Querbleche und ein Bodenblech hergeftellt wird. rückwärts geht durch beide Wände je eine Welle, auf welch' jeder ein Rollenpaar auffitzt; die Rollen befinden fich zwifchen den Blechen der zuge hörigen Wände, und ift jener Theil der Welle, auf welchem fie ftecken, excentrisch verftärkt. Auf jeder der Wellen ift ein Charnierftück aufgekeilt und die vorderen und hinteren Charnierftücke durch eine Lenkftange mit einander verbunden; ferner find auf jeder der beiden Rollenwellen zwei Hülfen, und zwar bei der hinteren innerhalb, bei der vorderen aufserhalb der Wände aufgekeilt, in welche die zum Drehen der Welle beftimmten eifernen hohlen Hebebäume gefteckt werden. Es ift die Einrichtung derart getroffen, dafs alle vier Rollen beim Niederdrücken der Hebbäume, was bei der vorderen oder hinteren Welle gefchehen kann, gleichzeitig zum Tragen gebracht werden. Erftere Stellung der Rollen ift für das Vorführen des Gefchützes nach dem Schuffe und für das Zurückführen beim Exerciren,' letztere während des Schuffes erforderlich, damit in Folge des Aufzehrens der Arbeit des Rückftofses durch die gleitende Reibung das lineare Mafs des Rücklaufes verringert werde. Hiezu trägt wohl auch die Neigung der Oberfläche des Schlittens bei, in Folge deren ein Theil der Arbeit zum Heben des ganzen Syftems verwendet wird. Der Hauptzweck diefer Neigung ift jedoch das felbftthätige Einführen des Gefchützes. Die Rollen haben am Umfange eine Rinne, in welche die auf der Oberfläche der Schlittenwände befeftigten Leiften eingreifen. Vorne am Raperte ift in jeder Wand ein ftarker broncener Ring für den Durchgang des Brohktaues angebracht. Beiläufig in einem Drittel der Länge( von vorne gemeffen) geht durch den Rapert die Bremswelle, auf der der Bremshebel und der Regulirhebel der älteren Ericfon'fchen Schienenbremfe fich befinden. ne ne en rales vei on. die on ung hfel eibe des Einver. der Deck des paar lung ent rbinund ein Euge ken, und nder Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 93 Die Richtvorrichtung bildet eine einfache Zahnbogen- Richtmaschine, die aus dem an der linken Seite des Rohres befeftigten Zahnbogen, deffen Krümmungs Mittelpunkt in der Schildzapfen- Axe liegt und aus einem ZahnradVorgelege mit Handrad befteht; die Fixirung der Richtung gefchieht durch eine Bremsmutter. Rückwärts am Raperte ift der Kettenftopper angebracht, der fich in einem Gehäufe bewegt, welches durch einen broncenen Deckel abgefchloffen ift. Der Kettenftopper befteht aus einer prismatifchen ftählernen Platte mit bogenförmiger Durchbrechung, in welcher ein broncenes Lager von der Dicke der Platte eingefetzt ift; diefes hat die Beftimmung, den an dem Excenter der rückwärtigen Welle parallel zu deren Axe befindlichen Zapfen aufzunehmen. Die Function des letzteren befteht in einem Niederdrücken der Kette gegen das Kettenlager des Gehäuſes, wodurch beim Niederdrücken der eifernen Hebebäume die Laffete mit der am Rahmen befindlichen endlofen Kette zurück und vorgeführt werden kann. Die aus I- Eifen gebildeten Seitenwände des Rahmens( Fig. 27) find vorn und rückwärts durch Kaftenriegel und hinter ihrer Längenmitte durch drei Bleche mit einander verbunden. Vorne fteht der Rahmen auf drei Rollen a, deren Ach Fig. 27. 0 O α und ände ohlen eder. m mehen dem huffes ch die trägt n ein Haupt des e auf r den f h 130 ch den el der g k i n d P f fen gegen den Pivotpunkt allignirt find. Zum Entlaften derfelbenbeim Pivotwechfel dienen zwei auf excentrisch verftärkten Zapfen fteckende, rechts und links der Symmetrie ebene zwifchen den Verbindungsblechen gelagerte Rollenpaare b, die mittelft der Hebebäume, welche in die Hülfen des Lenkermechanismus einzufetzen find, zum Tragen gebracht werden können. Zum Geben der Seitenrichtung fowie zum Backfen des Schlittens beim Pfortenwechfel dient eine in der Längenmitte des letzteren gelagerte Welle, welche am Ende mit einem doppelten Conusrade d verfehen ift. Diefe Welle wird durch das Zahnrad e, von der bei f oder mittelft der Handkurbeln g in Bewegung zu fetzenden Einholvorrichtung in Rotation gebracht. Um aber mittelft der Einhol Vorrichtung auch das Backfen des Schlittens zu bewirken, ift auf der Welle fein Auslöfemechanismus, beftehend aus einem einem Zahn 94 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. muff h und verfchiebbaren Conusrad i angebracht, welches durch einen aus der rückwärtigen Riegelwand tretenden kurzen, horizontalen Hebel k fehr leicht ausgelöft oder in Eingriff gebracht werden kann. Auf Deck des Schiffes find zwei von einander abftehende Zahnbogen/ und m befeftigt; der eine diefer Bogen hat feinen Mittelpunkt im vorderen Pivot, der andere in der rückwärtigen Pivotklappe n, welche fo wie jene o um ein Charnier auf- und niederbewegt werden kann. Die Zahnbogen find den Stellungen, welche das Gefchütz beim Längs- oder Querfchiff- Schiefsen einnehmen foll, entſprechend gelagert. Das Conusrad- Paar, welches auf der Schlitten- Mittelwelle aufgefchoben iſt, läfst fich auf derfelben um die ganze Länge eines Conusrades vor- und zurückfchieben. Beides wird mittelft der rückwärtigen Pivotklappe, die mit der Auslöfegabelp in Verbindung fteht, derart bewirkt, dafs beim Aufheben, refpective beim Niederdrücken derfelben die Conusräder vor-, refpective zurückgehen, wodurch ftets das entſprechende Zahnrad mit demjenigen Zahnkranz in Eingriff tritt, deffen Mittelpunkt der zu benützende Pivot bildet. Der Vorgang beim Pfortenwechfel, welcher das Spiel des Mechanismus klar machen wird, ift folgender: Der vordere Pivotbolzen wird bei darauffolgender Entlaftung der vorderen Rollen ausgehoben und die rückwärtige Pivotklappe niedergedrückt und zum Pivotpunkt des Schlittens gemacht, welcher, nachdem hiebei das Conusrad m mit dem Zahnkranz- Bogen in Eingriff tritt, fofort längs desfelben mit der Einholvorrichtung in die neue Schufsrichtung gebracht werden kann. Ift diefs gefchehen, fo wird der Schlitten wieder auf die vorderen Rollen niedergelaffen und das Rapert in die Schufsftellung vorgeführt. Belgien. Montefiore- Levi aus Brüffel, welcher fich feit längerer Zeit mit der Darftellung von Phosphorbronce befchäftigt, hatte die Ausstellung mit einer reichhaltigen Sammlung von bekannten, in den verfchiedenen Staaten eingeführten Hand Feuerwaffen mit mehr oder weniger Beftandtheilen aus Phosphorbronce, fowie mit einem leichten Feldkanonen- Rohr aus demfelben Materiale befchickt. Diefes in der Jüngftzeit vielfach verfuchte und zum Theile bereits in die Waffentechnik eingeführte Material übertrifft die gewöhnliche Bronce allerdings an gröfserer abfoluter Feftigkeit und Härte, befitzt aber doch noch nicht jenen Grad diefer Eigenfchaften, welchen es im Hinblick auf die gefteigerten Anforderungen an die Feuerwaffen gröfserer Kaliber haben follte. Nichtsdeftoweniger verdienen die Bemühungen des Genannten um die Verbefferung der Bronce alle Anerkennung, denn fie haben dargethan, dafs fich diefes für Gefchütze mit fo werthvollen Eigenfchaften ausgeftattete Material in nicht unerheblichem Grade vervollkommnen läfst. Obzwar die in mehreren Staaten abgeführten Verfuche mit Gefchützen aus Phosphorbronce eine baldige umfaffende Verwerthung der letzteren in der Gefchütztechnik noch nicht ficherftellen, fo mufs doch jetzt fchon zugegeben werden, dafs fie fich zu gewiffen Gewehr-, dann zu einzelnen FuhrwerksBeftandtheilen, zur Montirung blanker Waffen und dergl. ganz vorzüglich eignet. Sie dürfte fich auch für kleine Gefchütze, z. B. für Bergkanonen als vollkommen brauchbar erweifen, da fich das erforderliche Reductionsverfahren der beim Niederfchmelzen der Bronce fich bildenden Gafe bei kleinen Quantitäten in fehr befriedigender Weife bewerkstelligen läfst.* * Häufig begegnet man der Annahme, die Phosphorbronce fei eine Legirung gewöhnlicher Bronce mit Phosphor. Diefs ift infoferne falfch, als der Phosphor nicht als Legirungs Beftandtheil, fondern nur zur Reduction der fich beim Niederfchmelzen der Bronce bildenden Oxyde zugefetzt wird. Die Phosphorbronce ift fomit nichts Anderes, als eine mehr oder weniger oxydfreie Legirung von Kupfer und Zinn. Wie bekannt, enthält die gewöhnliche Bronce je nach dem angewendeten Schmelzverfahren eine gröfsere oder geringere Menge von Oxyden, welche namentlich die abfolute Feftigkeit und Widerftandsfähigkeit des Materiales Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 95 Die Phosphorbronce widerfteht auch weitaus beffer der Oxydation, als gewöhnliche Bronce, beffer als das reinfte englifche Kupfer. Ein Verfuch, welcher mit 610 Millimeter ftarken Schiffsbefchlägen aus Phosphorbronce und gleichdimenfionirten Gegenftänden aus reinftem engliſchem Kupfer ausgeführt wurde, die man einer fechsmonatlichen Immerfion in Seewaffer unterwarf, ergab, dafs der Gewichtsverluft durch die oxydirende Einwirkung des Seewaffers für befte engliſche Kupferbleche 3 058 Percent, für Phosphorbronce- Bleche aber nur 1158 Percent betrug. Diefe aufserordentliche Widerftandsfähigkeit der Phosphorbronce gegen oxydirende Einflüffe macht fie namentlich dort zur Benützung geeignet, wo die aus ihr angefertigten Fabricate einer intenfiven Oxydation ausgefetzt find. Diefs, dann die leichte Reinigung der Bronce veranlafsten die Firma zur Anwendung des mehrerwähnten Materiales bei jenen Gewehr- Beftandtheilen, welche der oxydirenden Wirkung des Pulverrückftandes ausgefetzt find, und vermöge ihrer Function nicht aus Stahl hergeſtellt werden müffen. Die Firma Chriftophe und Montigny in Brüffel verfertigt nach ihrem Syfteme Mitrailleufen für jede beliebige Zahl von Läufen; bisher fabricirte fie folche von 37, 31, 19 und 7 Läufen von II bis 38 Millimeter Kaliber. In der Maſchinenhalle waren jedoch nur zwei diefer Gefchütze, das eine mit 19, das andere mit 7 Läufen fammt Laffeten exponirt. Die fiebenläufigen Mitrailleufen, deren es von 25 bis 38 Millimeter Kaliber gibt( das ausgeftellte Gefchütz befafs den erfteren), fchiefsen Spreng- Gefchoffe im Gewichte bis zu 100 Gramm auf die Maximal- Entfernung von 4500 Meter. Trotz ihres bedeutenden Kalibers find diefe Gefchütze nicht um viel fchwerer als jene mit kleinem Kaliber. Die Ausftattung und Einrichtung des Rohrbündels ift bei beiden Gattungen ( nämlich vom grofsen und kleinen Kaliber) gleich, und unterfcheidet fich die belgifche Mitrailleufe von der öfterreichiſchen im Allgemeinen nur durch Folgendes: Bei der belgifchen find die Hülfe und die Gabelwände aus gefchmiedetem Eifen; ftatt des Rahmenauffatzes haben fie einen an der rückwärtigen Fläche des Verfchluffes angebrachten Stangenauffatz; die Ladeplatten find verzinnt, wodurch das Roften derfelben verhindert und die Reinigung erleichtert wird. gegen das Ausbrennen durch die Pulvergafe vermindern. Nachdem es auf rein mechaniſchem Wege ganz unthunlich fcheint, diefe Oxyde vollſtändig aus der Legirung zu entfernen, fo war man gezwungen, zu chemifchen Agentien feine Zuflucht zu nehmen. Dr. Künzl, der Gefellfchafter Montefiore- Levi's, bedient fich nun hiezu des Phosphors. Die folgende Tabelle enthält die Refultate eines Zerreifsverfuches mit Broncebarren von zehn Zoll Länge und einem Quadratzoll Querfchnitt, welche deutlich den Einfluss der Oxyde auf die mechanifchen Eigenfchaften der Bronce erkennen laffen. Abfolute Feftigkeit Elafticitätsgrenze in Kilogrammen per Quadratcentimeter Verlängerung der Barren vor dem Zerreifsen Verringerung der Section der Barren am Zerreissungspunkte in Percenten I. Alte Gefchützbronce 1616 1209 2'0 3'2 II. Diefe gepolt 1755 1244 2.8 3.2 III. Diefe durch Phosphor 2384 1356 6.8 6.7 desoxydirt 7 96 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die Streuvorrichtung, welche, wie bei der öfterreichifchen Mitrailleufe, durch die Bewegung des Abzugshebels in Thätigkeit gefetzt wird, ift einfach und verläfslich. Die hölzerne Laffete hat parallele Wände, eine eiferne Achfe, Thonet'fche Räder und zwei mit Eifenblech verkleidete Achskäften, deren jeder aber nur acht Fächer für acht geladene Patronenplatten enthält. Die Richtmaschine unterfcheidet fich von der öfterreichifchen durch eine kleine Beigabe, beſtehend aus einer horizontalen Schraubenfpindel mit Handrädchen, womit dem Rohre eine fehr feine Seitenrichtung gegeben werden kann. Die fiebenläufige Mitrailleufe befitzt keine Streuvorrichtung, dafür aber eine die Achskäften und den bedienenden Mann deckende Blende aus fünf Linien dickem Stahlbleche, in welcher fich ein verticaler Schlitz für den Mitrailleufenkopf befindet. Am Protzftock find zwei eiferne Querrippen zur Verhinderung des Rücklaufes befeftigt. Was die technifche Ausfertigung der ausgeftellt gewefenen Gefchütze diefes Syftems betrifft, fo war fie eine vorzügliche zu nennen. Als zur artilleriftifchen Expofition Belgiens gehörend, ift auch der von P. E. le Boulengé ebenfo finnreich wie zweckmäfsig conftruirte, zufolge feiner Einfachheit allgemein verwendbare elektro- balliftifche Apparat zu betrach ten, deffen Anwefenheit auf der Ausstellung wir übrigens hier blofs zu conftatiren haben. Rückfichtlich feiner Einrichtung verweifen wir auf: Defcription et emploi du Chronographe. Le Boulengé, Bruxelles. Frankreich. Die auf dem Gebiete der Metallinduftrie bekannte Firma J. J. Laveiffiere& fils aus Paris, welche im Jahre 1870 während der Belagerung von Paris mehr als 100 Kanonenrohre erzeugte, hatte die Ausstellung nebft vielem Anderen auch mit Objecten diefer Art befchickt, und zwar fandte fie eine vollkommen ausgearbeitete laffetirte Kanone de Sept( Reffyekanone), dann Rohre desfelben Syftems in verfchiedenen Erzeugungsftadien, fowie fehr fchöne Bronceftücke aus verfchiedenen Theilen der Rohre ftammend, zum Zwecke der Beurtheilung der Structur und der abfoluten Feftigkeit, Härte und Zähigkeit des Materials. Die Rohre waren nach dem patentirten Syfteme der Herren Laveiffiere gegoffen, und übertrifft deren Bronce nach einem Berichte der Akademie der Wiffenfchaften LXXVI. Band, Sitzung vom 19. Mai 1873, die in der Gefchützgiefserei zu Bourges dargestellte gewöhnliche, fowie die Phosphorbronce fowohl in Bezug an Feftigkeit, als auch an Härte und Dehnbarkeit. Dafs ein rationelles Schmelz- und Gufsverfahren von wefentlichem Einfluffe auf die Güte der Bronce ift, bedarf wohl keines Beweifes. Die Erfahrung hat gelehrt, dafs die abfolute Feftigkeit, Dehnbarkeit und Härte der Bronce umfo gröfser find, je homogener und oxydfreier die Legruing ift. Wenn es auch bis heute noch nicht gelungen ift, eine durchaus homogene und oxydfreie Legirung in fo grofsen Gufsftücken, wie fie zu Gefchützen benöthigt werden, darzuftellen, fo bezeichnet das Laveiffiere'fche Schmelz- und Gufsverfahren dennoch einen bedeutenden Fortfchritt in der Broncetechnik, und berechtigt zu der Annahme, dafs die nach diefer Manier gegoffenen Rohre weit aus widerftandsfähiger gegen die Einwirkung der Pulvergafe in Bezug auf Ausbrennungen und bleibende Ausdehnungen fein werden, als Rohre von der üblichen Bronce. Die Strömung der Zeit ift zwar der Anwendung von Bronce als Rohrma terie, und nicht unbegründet, entgegen, indeffen dürfte fie dort auch weiterhin im Gebrauche bleiben, wo fie in grofsen Mengen vorhanden ift, die Fabrication von Gefchützftahl aber entweder noch nicht auf der erforderlichen Höhe fteht oder financielle Schwierigkeiten obwalten, und es fich um rafche Befchaffung von ver lässlichen Gefchützen, wenn auch mit geringerer Wirkungsfähigkeit handelt; in folchen Fällen würden gute Stahlgefchütze viel mehr Zeit und bedeutende r 1 e T ן Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 97 Mittel zu ihrer Herftellung bedingen, während gufseiferne Rohre denn doch keine genügende Sicherheit gegen das Zerfpringen bieten. Von diefem Standpunkte aus erfcheint demnach jeder Verfuch, welcher eine Verbefferung der Bronce bezweckt, fehr beachtenswerth. Die Zufammenfetzung der aus 100 Theilen Kupfer und II Theilen Zinn legirten Bronce von Laveiffiere ift nach den von L'hôte bewirkten Analyfen folgende: Cu 89.47 Sn 9.78 Zn 0.66 Pb 0.09 100 Theile e n er 1. et a a- ng te ie m it, -nch om he, rte en mes nd ft. zen and and eitus hen ma im von der Die ausgeftellte Bronce zeigte bei allen Stücken, und es waren deren fowohl vom Bodentheile als auch vom Maffelot vorhanden, an den Bruchflächen ein überraschend homogenes, metallifches Ausfehen mit körniger Oberfläche. Die ftark aufgeworfenen Bruchränder liefsen auf einen gewiffen Grad von Hämmerbarkeit fchliefsen, welcher nur oxydfreien Legirungen eigen ift. An den Bruchftellen waren jene feinen Riffe bemerkbar, welche von grofser Zähigkeit fprechen. Der Homogenität und Reinheit der Laveiffiere'fchen Bronce entfprechend, übertrifft diefelbe auch die Bronce von Bourges und die Phosphorbronce an abfoluter Feftigkeit und Elafticität.* Ueber die Conftruction des Rohres, welches in den Werkstätten der Lyoner Eifenbahn in Bercy bei Paris abgedreht, gebohrt und appretirt wurde, können wir ohne Weiteres hinweggehen, nachdem dasfelbe dem bekannten Reffyegefchütz conform ift. Die Laffete, von Herrn Durenne, Mafchinen- Fabrikanten in Courbevoie( Seine), geliefert und ausgeftellt, ift ganz aus Eifenblech erzeugt; die auf die Angufsweite des Gefchützes auseinander geftellten, mit Winkeleifen eingefafsten Wände laufen bis hinter den Maſchinenriegel parallel und vereinigen fich dann in dem fchmalen Protzftocke, der auf beiden Seitenflächen mit ftarken Blechen belegt ift. Auf der eifernen Achfe find gepolfterte Achskäften mit Rücklehnen zum Sitzen für je einen Mann angebracht; während aber bei den Artillerien, welche diefe Einrichtung bisher adoptirt haben, der Mann von rückwärts auffitzt, und beim Fahren das Geficht gegen den Rohrkopf gewendet hat, fteigt er hier zwifchen Vorder- und Hinterrad auf, und fieht gegen die Protze, eine Einrichtung, gegen die fich Manches einwenden läfst. Die Richtmafchine ift fehr primitiver Art; eine einfache Schraubenfpindel mit Richtkreuz läuft in einer Mutter, welche in einer an die Laffetenwände befeftigten eifernen Traverſe eingelaffen ift. Am Protzftocke befinden fich die gewöhn* Dem oben erwähnten Berichte zufolge ergab fich aus den bei der vergleichsweifen Beurtheilung ermittelten Verfuchsdaten, wenn B die gewöhnliche, P die Phosphorbronce und L jene von Laveiffiere bedeutet, dafs: 1. die Elafticitätsmodule für die drei Broncegattungen B, P und L in dem Verhältniffe von 1'00: 1'09: 1'20 ftehen; 2. die Broncegattungen B und P die gleiche Elafticitätsgrenze befitzen, und dafs die Gattung Z diefen Werth um nahezu ein Viertel übertrifft; 3. die der Elafticitätsgrenze entſprechenden Verlängerungen im Verhältniffe wie 100: 1'04: 0'96 ftehen, fomit einander nahezu gleich find, endlich 4. die Arbeiten, welche verrichtet werden mufsten, um fie an diefe Grenze zu bringen, im Verhaltnifs, wie 1'00: 1'06: 1'19 ftehen. Die Vergleichung der Bruchcoëfficienten, welche wie folgt, waren: B Bruchbelaftung Bruchverlängerung Brucharbeit ver elt: nde P L I'OO I.31 I'57 I'OO 1'29 4.85 I'OO 1'97 7'45 ergibt, dafs um einen Barren L- Bronce zu zerreifsen, 7'5 mal fo viel Arbeit verrichtet werden muſs, als bei der gewöhnlichen Bronce, während die P- Bronce die doppelte Arbeit verlangt. 7* 98 Guſtav Semrad und Johann Sterbenz. lichen Aufprotz- und Richtöfen und Handhaben. Gebremft wird in altherkömmlicher Weife mit dem Radfchuhe. Die Requifiten boten nichts Befonderes. Die Laffete fiel durch ihre aufsergewöhnliche Kürze auf, befafs aber weder leichte, noch gefällige Formen. Spanien. Das fpanifche Kriegsminifterium hatte die Ausftellung im Allgemeinen fehr reichlich befchickt, jedoch nur das feit 1870 eingeführte broncene 8- Centimeter- Feldgefchütz, und einige Zündergattungen in natür licher Gröfs e, alle übrigen artilleriftifchen Objecte aber in Modellen nach Wien gefendet. Da waren zunächft die in der fpanifchen Artillerie gegenwärtig beſtehenden Feldgefchütz Rohre, das ftählerne Krupp'fche und das broncene Modell 1868 fammt den zugehörigen Munitions- und Trainwagen, die Gefchütze befpannt, vorhanden. Weiters das eingeführte Gebirgsgefchütz, auf Tragthieren verladen, und in der Feuerbereitfchaft; eine glatte 28- Centimeter- Küftenkanone und ein gezogener Vorderladungs- Mörfer mit ihren Laffeten und Rahmen, endlich eine leichte und fchwere Transportir- und eine Hebeprotze. Das fpanifche neuere Materiale ift fehr wenig bekannt; diefs veranlafste uns von demfelben mindeftens eine fkizzenhafte Befchreibung zu bringen. Leider konnten wir über mehrere wiffenswerthe Punkte keine authentifchen Auskünfte erhalten. So fühlbar indeffen die dadurch entftandenen Lücken auch find, fo läfst das Nachfolgende immerhin einige Orientirung und Vergleichung conftructiver Verhältniffe zu. Die von der Firma Krupp bezogenen Stahlrohre find dem fächfifchen 8- Centimeter- Gefchütz conform. Das Broncerohr, deffen Hauptdimenfionen in der folgenden Tabelle ( fiehe Seite 99) vergleichsweife mit jenen des Stahlrohres angegeben find, ist mit dem Krupp'fchen Rundkeil( aus Stahl) verfehen, deffen Ladeöffnung mit einem bis zur Hälfte reichenden Broncering gefüttert ift. Die Bohrung fchliefst ein ftählerner, zur Hälfte mit Schraubengewinden verfehener Ring ab, in welchen der Broadwellring eingefetzt wird. Das Zündloch ift in einen vertical zur Rohraxe ftehenden, eingefchraubten Kern gebohrt. Das vordere Vifirkorn ift aus Eifen erzeugt, mit vier neben einander eingefchnittenen Grinfeln verfehen, und in einen, auf dem rechten Schildzapfen befindlichen Angufs eingefetzt; der dreikantige hohe Stangenauffatz ift aus Meffing hergeftellt, und hat das bekannte Mikrometer- Vifir. Beim Schiefsen wird zur Reinigung der Bohrung eine mit einer Fettmifchung gefüllte linfenförmige Kapfel benützt. Die Granaten find mit dem preufsifchen Percuffionszünder verfehen. Die Büchfenkartätfchen haben zinkblecherne Hülfen mit einer Wulft in der Längenmitte und zinkene Böden. Die ausgeftellte Broncekanone, deren Conftruction im Jahre 1868 feftgeftellt wurde, und deren Gufs vom Jahre 1869 datirt, iftbe reits mit 1412 Schüffen befchoffen, von denen 515 zur Probe in der Fabrik abgegeben wurden. Die balliftifche Wirkung foll bisher nicht alterirt wor denfein. In der That zeigte die Bohrung auch nur geringfügige Ausbrennungen, und felbft der Zündloch- Stollen fafs feft ohne Klaffung, obwohl das Zündloch bedeutend erweitert und ausgebrannt war. Nur im Fluge war eine in der Transverfalebene der Bohrung gelegene, wahrfcheinlich von einem explodirten Gefchoffe herrührende Vertiefung einzelner Felder wahrnehmbar. Diefe geringen Zerftörungen des Rohres nach 1412 Schüffen deuten auf ein fehr rationelles Schmelz- und Gufsverfahren hin. Die Laffete des 8- Centimeter- Broncerohres ift aus Holz erzeugt, und befteht aus zwei niederen an Dicke gegen den Protzftock, in den fie ohne Zwifchenriegel übergehen, zunehmenden Wänden; diefelben find blofs mit eifernen Bolzen r 1 e e Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. Tabelle zur Vergleichung der beiden fpanifchen 8 Centimeter- Feldkanonenrohre, Modell 1868. 8- Centimeter- Feldkanone aus Bronce aus Stahl d Ganze Länge des Rohres in Millimetern 1598.500 1, Länge des gezogenen Theiles 99 1118.250 1935 433 1462.037 Laderaumes 29 " " " 214'450 S 214* 466 r Anlaufconus 29 " 52.300 52.300 e Dralllänge Metern 99 st r Zahl der Züge. 3.620 12'000 Tiefe der Züge n 12'000 in Millimetern I 307 I 250 Breite der Züge am Boden 17.530 17.910 it " e it " " " an der Mündung " " " " " an der Mündung, n 13.030 13.990 Felder am Boden 3.000 2.600 7.500 6.530 h Durchmeffer zwifchen den Zügen„ 81078 81078 " " „ Feldern, " 78.463 78.643 - n des Laderaumes " " " 9 82-648 82.48 مت g Entfernung des Zündloches von der Keilfläche t- in Millimetern 46.650 65 386 Länge der Vifirlinie " " 721 000 9 14.622 er Gewicht des Rohres " Kilogrammen 344 000 298.000 27 der Granate - " 4'300 4.300 en ie Büchfenkartätfche " " " " 7 3.340 3.340 " te " Ladung en Anfangsgefchwindigkeit " " Metern " 16 0.500 329.000 nt e, er en nd enen * Konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. verbunden und laufen gegen die Stirne convergirend aus; in der Nähe der letzteren find kurze Wandtheile aufgefetzt, welche durch Bolzen mit den eigentlichen 99 100 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Laffetenwänden vereinigt find und die Schildzapfen- Lager enthalten. Die Geftalt der ftählernen Achfe, fowie deren Verbindung mit dem Achsfutter und den Laffetenwänden gleichen der einfchlägigen Conftruction beim öfterreichiſchen Material. Die hölzernen Speichenräder haben den Durchmeffer von 1310 Millimeter, eine broncene Büchfe, Speichen mit gewöhnlicher Stürzung und vollen Radreif. Die Richtmafchine befteht aus einem broncenen, cylindrifchen Gehäufe, in welchem die mit einem Handrädchen aus einem Stücke erzeugte Spindelmutter lofe eingefetzt ift. Die Richtfchraube ift mit einer Längennuth verfehen, in welche eine in dem Gehäufe befindliche Klinke eingreift, die das Drehen der Spindel verhindert. Das obere Ende der Spindel ift in eine Bronceplatte eingelaffen, auf deren kugelförmigem Anguffe das Bodenftück des Rohres ruht. Diefe Richtmafchine geftattet 17 Grad Elevation und 5 Grad Depreffion zu geben. Auf jeder Seite der Laffete befindet fich ein Achskaften, der, auf dem Achsfutter auffitzend, mit Schraubenbolzen und Muttern an aufwärts reichenden Lappen der Achsanzugbänder befeftigt ift. Diefe Käften find bei den Laffeten für Broncegefchütze zum Auffitzen für je einen Mann mit gepolstertem Deckel, Seiten- und Rücklehnen und mit einem Auftritte verfehen und enthalten fechs Gefchoffe, während jene bei Laffeten für Stahlrohre nur vier Gefchoffe aufnehmen, und mit keiner Vorrichtung zum Auffitzen verfehen find. Der Protzftock ift mit einem eifernen Schuh befchlagen, welcher in dem Aufprotzöhr endet. Die Protze hat die Räder der Laffete, eine fchwächer dimenfionirte Achfe als diefe, dagegen ein mit einer Verſtärkung verfehenes Achsfutter, an deffen rückwärtiger Fläche der Protzhaken befeftigt ift. Auf den Enden des Achsfutters ift je ein längerer Tragbaum aufgekämmt, und mit denfelben durch Achsanzugbänder verbunden. Die Deichfelgabel, welche in der oberen Fläche des Achsfutters eingelaffen ift, befteht aus zwei zufammengediebelten Balkenftücken und hat einen Ausfchnitt für das vierkantige prismatifche Ende der Deichfel. Die Sprengwage, welche an den Tragbäumen mittelft Bolzen befeftigt ift, wird durch Spreizſtangen verfteift, und hat keine Drittel, fondern Oefen, in welche die Knebel der Zugftränge eingehängt werden. Von den Spreizftangen gehen etwas hinter dem Felgenkranz zwei vertical angefchweifste Stangen nach abwärts, welche als Träger eines fehr zweckmäfsig conftruirten Auftrittes dienen, der ein vollkommen gefahrlofes Auffitzen auf den Protzkaften während des Fahrens geftattet. Aus Urfache der Verbindung der Laffete mit der Protze mittelft Haken und Aufprotzöfe ift an der Deichfel ein Stützfufs angebracht. Die Geleisweite beträgt 1450 Meter. Der Protzkaften, zum Fortbringen von drei Mann gepolstert und mit Seitenlehnen verfehen, enthält 16 Fächer in zwei Längenreihen für 32 Gefchoffe, dann vier Zinkblech- Einfätze für die Patronen und ein kleines Käftchen für Brandeln. Vor dem Kaften ift ein Fufsbret und rechts und links von der Deichfel kleine Requifitenkäften angebracht, deren Deckel, um Charniere beweglich, gleichfalls als Fufsftützen benützt werden können. Der Batterie- Munitions wagen befteht aus der Laffetenprotze und dem Hinterwagen mit der Laffetenachfe. Das Untergeftell des Wagens wird durch einen ftarken, mit einem Protzring verfehenen Balken und aus zwei Tragbäumen gebildet, welche fammt dem Balken mit dem hölzernen Achsfutter aufgekämmt und mittelft Anzugbänder befeftigt find. Auf Der Wagenkaften, welcher nur etwas breiter als der Protzkaften ift, ruht auf dem Balken und den Tragbäumen, fteht vor der Achfe, und ift zum fitzen für drei Mann mit gepolftertem Deckel und mit Seiten-, aber nicht mit Rück lehnen verfehen. Der Kaften hat 40 Fächer für ebenfoviel Gefchoffe, welche in denfelben auf Luntenkränzen ſtehen. Auf diefen Fächern ftehen weiters höl t 1 1 t Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 101 zerne Kiften( je eine gröfsere rechts, und links für Patronen, eine kleine in der Mitte zwifchen beiden für Requifiten), in welchen wieder Deckelkäften aus Zinkblech mit Facheintheilung( für je eine Patrone) eingefetzt find. Hinter dem Kaften find die Tragbäume mit Bretern belegt, und ift ein Theil diefer Belegung zur Bildung eines Raumes für die Aufbewahrung der Fourage mit Seitenlehnen und darüber gefpannten Riemen verfehen. Am Ende des Protzbalkens ift ein Radträger befeftigt, auf deffen Achsftängel das Vorrathsrad in fchräger Lage aufgefteckt wird. Zu den Batterie- Fuhrwerken gehören noch der Bagagewagen und die Feldfchmiede. Beide Fuhrwerke find mit Protzen verfehen, die fich von jenen der Laffeten nur durch die innere Einrichtung ihrer Käften unterfcheiden. So ift der Kaften der Bagagewagen- Protze, in welchem Munition mitgeführt wird, mit 30 Fächern für ebenfoviel Gefchoffe verfehen, auf welchen drei Einfetzkiften, davon zwei gröfsere und eine kleinere mit Deckelkaften aus Zinkblech für 15, refpective 4 zufammen 34 Patronen ftehen. Der Kaften der Feldfchmiede ift mit Blech ausgekleidet und dient zur Aufbewahrung von Kohlen. Der Feldfchmiede- Hinterwagen befteht aus dem Munitionswagen- Protzbalken, ferner aus zwei durch Querriegel verbundene, auf dem Achsfutter aufgekämmte Tragbäume, auf welche zwei von einander abftehende Käften aufgebracht find. Der vordere Kaften ift ganz aus Eifenblech erzeugt und bildet den Feuerheerd, der rückwärtige Kaften ift aus Holz und mit Eifen ausgekleidet, und dient zur Aufbewahrung der Schmiede- Werkzeuge, des Eifens etc. etc. Auf dem Deckel diefes Kaftens ift eine Wafferkufe aus Eifenblech aufge fchnallt. Zwifchen den beiden Käften ift ein kleiner Ventilator befeftigt, welcher mittelft einer an der linken Seite befindlichen Kurbel und einer einfachen Ueberfetzung leicht bewegt und in rafche Drehung verfetzt werden kann. Der Bagage- Hinterwagen befteht aus einem Kaften, welcher mit feiner Längenmitte auf dem Achsfutter aufruht, und mit demfelben, fowie mit dem Protzbalken durch Bänder und Bolzen verbunden ift. Die Längenbalken der Kaftenwände find durch fechs eiferne Stangen auseinander gehalten. Der untere Theil des Kaftens ift durch Scheidebreter in drei mit abhebbaren Deckeln belegte Längenfächer abgetheilt, welche rückwärts durch eine gemeinfame Thür verfchloffen find. Vorne ift nur das mittlere Fach verfchalt, und find blofs die beiden äufseren Abtheilungen mit Thüren verfehen, welche nach abwärts zu öffnen find. Der Kaften ift mit ftarkem Zwilch eingedeckt, welcher über drei eiferne Reifen gefpannt wird. Die vom pyrotechnifchen Etabliffement in Sevilla ausgeftellten Zünder und Metallpatronen liefsen in jeder Beziehung den Schlufs auf befondere Güte des Fabricates zu. Spanien ftellte auch zwei Modelle von Artillerie- Zuggefchirren aus, und zwar das früher im Gebrauch geftandene und das Neueingeführte. In den Hauptbeftandtheilen unterfcheiden fich diefe beiden Gefchirrgattungen nicht befonders; bei dem älteren Gefchirre find die Kummeteifen an den Kummetleib, der unten offen ift, feftgefchraubt und genietet, ragen über denfelben hinaus und werden dann mit einem Riemen gefchloffen, find alfo wohl nur im Nothfalle zu öffnen. Die Zugftränge find in Leder gefafst, fämmtliche vier Pferde des Zuges mit der Stange gezäumt, und ein viereckiger tuchenér Tornifter auf den Sattel des Handpferdes aufgefchnallt. Das neue Artillerie- Zuggefchirr, welches wie das ältere von braunem Naturleder erzeugt ift, läfst an Eleganz nichts zu wünſchen übrig. Alle vier Pferde des Zuges find gefattelt; das Sattelpferd ift mit der am unteren Ende des Unterbaumes mit einem Stege gefchloffenen Stange gezäumt, während das Handpferd eine ganz eigenthümliche Zäumung befitzt. 102 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. In den Backenftücken der Gefchirrhalfter, welche Blenden hat, ift eine mit einem Charnier auf jeder Seite verfehene eiferne Spange eingefchnallt, die von Maulwinkel zu Maulwinkel reicht, und um das Nafenbein gebogen ift; an der Krümmung ift diefe Eifenfchiene innen gekerbt, und hat an den Enden zwei Ringe; in dem linken ift eine Kette, ähnlich der Kinnkette befeftigt, und läuft diefelbe über die Kinnketten- Grube durch den Ring an der rechten Seite, wo fodann der Handzügel eingefchnallt wird. Bei diefer fonderbaren Zäumung, die einem Kappzaume gleicht, hat der Fahrer das Handpferd zwar vollkommen in feiner Gewalt, doch dürfte durch die angebrachte Kerbung bei rüder Führung der Haarwuchs an diefem Theile des Pferdes nicht eben befördert werden. Das Kummet ift dem öfterreichifchen nahezu gleich und befteht aus dem Kummeteifen und dem Kummetleib. Auf dem Kummet ift ein dreifach zufammengelegtes, auf jeder Seite bis zur Mitte reichendes Lederftück, wahrfcheinlich zum Schutze des Kummets angefchnallt. Zur Sattlung dient die engliſche Pritfche, welche mit einer ledernen, innen mit hanfenem Band gefütterten Gurte und drei Strupfen am Leib des Pferdes feftgehalten wird; das Sattelpferd hat vorne zu beiden Seiten, das Handpferd blofs rechts eine Packtafche. Deutfche Bügel. Beim Vorauspferd kommen noch die Seitenblätter mit den nicht eingefafsten Zugfträngen, der Schweif- und der Tragriemen hinzu. Die Vorauspferde find nicht an der Sprengwage, fondern an den Zugftrang- Anfätzen der Stangenpferde angespannt, ziehen daher direct an der Bracke. Beim Stangenpferd ift nebft den bereits genannten Gefchirrtheilen noch der Umlaufriemen zu bemerken, der um den ganzen Leib des Pferdes geht, und über das Kummet laufend auf jeder Seite durch eine ſtarke Tafche in feiner Lage erhalten wird; er erfetzt, da an demfelben vorne auch der Widerhaltriemen eingefchnallt ift, nebftbei den Bruftriemen; beim Stangenpferd laufen noch zwei Tragriemen auf jeder Seite vom Schweifriemen herab. Zum Tragen der Deichfel dient eine eigene Vorrichtung, welche uns aber nicht empfehlenswerth erfcheint. Vorn und oben an den Satteln beider Stangenpferde find nämlich eiferne, oben offene und mit einem Riemen verfehene Gabeln befeftigt, in welchen die über die Pferde hinausragende Tragftange ruht. Diefe Stange ift an ihren Enden, dann an ihrem unteren Theile befchlagen, und mit Klauen und Riemen zum Fefthalten verfehen; ein Riemen geht von der Stange nach abwärts, welcher dann die Deichfel trägt. Diefe Tragvorrichtung ift fehr complicirt und mufs, im Falle ein oder das andere Pferd ftürzt, von befonderem Nachtheile fein, und das Entfernen des gefallenen Pferdes fehr erfchweren; aufserdem ift fie unfchön und hindert den Fahrer in feinen Verrichtungen. In der fpanifchen Artillerie beſteht fie übrigens feit Langem, und fcheint man gewiffermafsen aus Pietät an ihr feftzuhalten. Schlufswort. Wir waren bemüht, im Vorftehenden das Materiale zufammenzutragen, welches nunmehr die Fachkreife in den Stand fetzen foll, zu beurtheilen, in welchem Grade das Waffenwefen, foweit es auf der Wiener Weltausftellung repräfentirt war, beachtenswerthe Fortfchritte gegen die Ausftellung zu Paris im Jahre 1867 erkennen liefs, oder ob irgend ein Fortfchritt in der einen oder anderen Richtung für die nächfte Zukunft zu erwarten fteht. Es kann nicht innerhalb des Rahmens unferer Aufgabe liegen, eine Kritik über den Werth des Gefehenen zu liefern, da wir in vielen Fällen nur unfere fubjective, möglicherweife auch auf falfchem Wege befindliche Meinung den Lefern 1 T n r n S S n S 1, g ווד er ik b. rn Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 103 aufzutifchen vermöchten; auch könnte man uns dann und nicht mit Unrecht den Vorwurf machen, für die Propagirung etwaiger Lieblingsanfichten das officielle Gewicht des Ausftellungsberichtes benützt zu haben. Obgleich wir, wie jeder Militär, dem das Wohl feines Landes und die Ehre feines Standes am Herzen liegen, unfer eigenes, und zwar ziemlich fcharf umfchriebenes Urtheil über die verfchiedenen Zweige des Waffenwefens, fowie über deffen wahrfcheinliche fernere Ausbildung und Bedeutung uns gebildet haben, fo halten wir uns nach dem Früheren zur Zurückhaltung desfelben umfomehr verpflichtet, da wir doch nicht die genaue und vollſtändige Kenntnifs aller jener Bedingungen befitzen, welche das Durchgreifen der einen oder anderen Idee in den verfchiedenen Heeren beeinflufsten, aus welchem Grunde wir endlich auch das Vorgehen der einzelnen Staaten in richtigem Mafse kaum zu würdigen vermöchten. Diefs hindert aber nicht, dafs wir über jene Objecte, über welche bereits beftimmte und authentifch dargelegte Erfahrungen beftehen, fowie über die Confequenzen, welche aus letzteren insbefondere im Hinblick auf die öfterreichifchen Verhältniffe ganz unzweifelhaft zu ziehen find, jenen Meinungen Ausdruck geben, welche einestheils fchon Eigenthum einer überwiegenden Majorität find, anderntheils aber gewiffermafsen Axiomen gleichen, gegen welche ein Ankämpfen füglich nicht mehr zuläffig ift. Refumiren wir z. B. das im Fache der Hand- Feuerwaffen von der Ausftellung Gebotene, fo ergibt fich aus demfelben der unabweisbare Schlufs, dafs Feuerfchnelligkeit, Tragweite, Schufspräcifion und FlugbahnRafanz der Gewehre noch immer jene Gebiete bezeichnen, auf welchen die Vervollkommnung der bisherigen Waffen angeftrebt wird, und dafs Staaten, welche gegenwärtig an der Neubewaffnung ihrer Heere arbeiten, wie Preufsen und Frankreich, in allen diefen Punkten ein höheres als das bisherige Mafs zu erreichen fuchen. Faft alle auf der Ausftellung gewefenen Projecte von Hinterladungsgewehren zeigten das Bemühen, die Ladegriffe zu vereinfachen, um dadurch den Schützen in den Stand zu fetzen, eine möglichft grofse Zahl an gezielten Schüffen in der kürzeften Zelt abzugeben Ein Beweis, dafs die gegenwärtige Feuergefchwindigkeit den Tactiker noch nicht befriedigt, deren Steigerung dem Techniker jedoch möglich erfcheint. Mit Rückficht darauf läfst fich daher auch fagen, dafs in den nächften Kriegen das Schnellfeuer der Infanterie eine noch bedeutendere Rolle als in den Jahren 1866, 1870 und 1871 fpielen werden. Eine fpätere Folge diefer Bemühungen wird die Verallgemeinung des Repetirgewehres, des Prototypes der denkbar möglichften Feuerfchnelligkeit fein. Hat auch die Ausftellung felbft aufser den fchon bekannten Repetirfyftemen und dem neu hinzugetretenen Fruhwirth'fchen Gewehre in diefer Beziehung einen eklatanten Fortfchritt gerade nicht producirt, fo ift der Grund hievon wohl hauptfächlich in der Kürze der Zeit zu fuchen, die feit dem Inslebentreten der jetzigen Syfteme erft verftrichen, dann aber auch darin, dafs die Frage der Repetirgewehre fich eben überall noch in der Ventilirung befindet. Es hat übrigens fchon das im Laufe des heurigen Sommers bekannt gewordene Gewehr des amerikaniſchen Capitäns Meigs( 50 Schufs in weniger als einer halben Minute) gezeigt, welch' weites, aber erreichbares Ziel der Waffentechnik auf diefem Wege noch gefteckt ift. Man darf alfo ohne Furcht vor einem Dementi Seitens der kommenden Ereigniffe das Repetirgewehr die Waffe der Zukunft nennen. Bis wann ein folches Gemeingut aller Armeen fein wird, läfst fich allerdings nicht fagen; riefige Geldmittel, die nicht überall und jederzeit zur Verfügung stehen, werden dazu erforderlich; für fehr wahrfcheinlich halten es wir aber, dafs eine theilweife Einführung von Repetirgewehren, etwa für befondere Truppenkörper, vielleicht fchon in naher Zeit ftattfinden dürfte, wozu es freilich am beften wäre, nicht erft den ftofsartigen Impuls eines Krieges abzuwarten. 104 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Wir fagten früher, dafs bei den neuen Gewehrmodellen auch auf eine die bisher ufuellen Diſtanzen weit überragende Tragweite, und in Verbindung mit diefem Poftulate auf eine ausgiebigere Präcifion und Flugbahn- Rafanz gefehen werde. Bei der Beleuchtung diefer beiden Punkte brauchen wir nur auf die Lehren der jüngsten Kriegsgefchichte hinzuweifen. Die immenfen Verlufte, welche die Preufsen durch das weittragende Chaffepotgewehr auf Entfernungen erlitten, wo fie von dem in diefer Hinficht fehr untergeordneten Zündnadel- Gewehre noch gar keinen Gebrauch machen konnten, haben conftatirt, dafs ein erfolgreiches Schiefsen mit dem Infanteriegewehre auf weite Diftanzen im Bereiche der Mög. lichkeit liegt; diefe bitteren Erfahrungen haben auch die preufsifche Kriegsverwaltung dazu vermocht, das neue fogenannte Maufer- Syftem in Erkenntnifs des vorausfichtlichen Bedürfniffes für eine folche Tragweite einzurichten, wie fie beim Chaffe potgewehre im Kriege nur ausnahmsweife vorkam. Verbürgten Nachrichten zu Folge foll das neue preuſsifche Gewehr eine Tragweite bis 1600 Meter= 2100 Schritt befitzen. Da nun eine mit fo weit fchiefsenden Gewehren ausgerüftete Infanterie das Feuergefecht bis an die Grenze diefer Diftanz gegen jedes Erfolg verfprechende Ziel unzweifelhaft aufnehmen wird, und man fich dem gegenüber nicht unthätig verhalten kann, fo geht daraus die Nothwendigkeit hervor, die Portée der Gewehre bis zu jener Maximalentfernung zu erweitern, wo die Waffenwirkung wieder gleichgeftellt erfcheint. Wenden wir mit Berücksichtigung der von der Weltausftellung und durch das Vorgehen fremder Mächte gebotenen Lehren den Blick den Bewaffnungsverhältniffen der öfterreichifchen Fufstruppen zu, fo gewinnen wir die tröftliche Wahrnehmung, dafs diefelben in dem Werndlgewehre eine Waffe befitzen, welche mit den Gewehren anderer Syfteme, was kriegmäfsige Einfachheit und Dauerhaftigkeit betrifft, mindeſten auf gleicher Stufe fteht. Wir fehen aber auch, dafs die Heeresleitung die im Laufe diefer Zeit als nöthig erkannten, und ausführbaren Verbefferungen an dem befagten Gewehre ins Werk fetzen läfst. So haben wir in der Expofition der öfterreichifchen Waffenfabriks- Gefellfchaft bereits bedeutend erleichterte und mit werth vollen Ver einfachungen am Verfchlufsmechanismus verfehene Gewehre gefunden; das bisherige fchwere Säbelbajonnet, welches zu vielen Klagen Anlafs gegeben, hat einem leichteren Platz gemacht, und auch auf die Erhöhung der balliftifchen Leiftungsfähigkeit der Waffe hat das techniſche und adminiftrative Militärcomité in fteter Beachtung der bezüglichen Arbeiten des Auslandes fein Augenmerk gerichtet. Durch die Adoptirung einer neuen Patrone. an deren zweckentfprechender Conftruction man unausgefetzt und beharrlich arbeitet, wird das Werndlgewehr auch in Bezug der Tragweite und Flugbahn- Rafanz den beften Modellen der Jetztzeit gleich gebracht werden. Wenn wir in Hinficht auf die Bewaffnung der öfterreichifchen Fufstruppen noch einen Wunſch ausfprechen dürften, fo wäre es der, dafs die erforderlichen Geldmittel in jener kürzeften Zeit befchafft werden möchten, um die Ausrüftung der gefammten Infanterie mit dem neuen Gewehre fobald als nur möglich zuThatfache werden zu laffen, damit die fowohl die ftrategifche als tactifche Verwendung der Truppen ungünftig beeinfluffende Doppelbewaffnung( Werndl und Wänzl) endlich aufhöre, und man nicht das Schaufpiel erlebe, dafs Nachbarftaaten, welche an ihre Neubewaffnung fechs Jahre später als wir fchritten, mit Beihilfe unferer Fabriken früher damit zu Stande kommen, als wir felbft. Der öfterreichiſche Revolver ift vorzüglich zu nennen; in diefer Anficht beftärkte uns auch die Ausftellung, wenngleich diefelbe manche techniſche Ver feinerung, welche dem Gaffer'fchen Revolver abgeht, z. B. in Bezug der Patronenextrahirung aufwies. Die auf eine höhere Stufe mechanifcher Vollkommenheit t g h e 1. - S م g d es er r n en en ng 11ernd n, fe ht er eneit Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 105 gebrachten Revolver fremder Expofiteure liefsen bei einer dem öfterreichifchen gleichen Leiftungsfähigkeit mitunter jene Einfachheit und Solidität der Beftandtheile vermiffen, die mit zu den Hauptbedingungen einer Kriegswaffe gehören. Darf man folchergeftalt über den Standpunkt der Bewaffnung der öfterreichiſchen Infanterie- und Cavallerietruppen infoweit beruhigt fein, als deren achtunggebietende Vollendung eben nur mehr eine Frage der finanziellen Mittel ift, fo kann diefs von der Ausrüftung der Artillerie mit Feld. gefchützen leider nicht gefagt werden. Die Ausftellung hat gezeigt, dafs wir in diefer Beziehung hinter jenen Mächten zurückftehen, welche mit der Neubefchaffung ihres Materiales fpäter begannen, und fomit die jüngften Erfahrungen und Errungenfchaften der Technik verwerthen konnten. Während wir ehemals zu Denjenigen zählten, die auf ihr Gefchützmaterial ftolz fein durften, wäre jetzt eine Apologie der öfterreichischen Feldgefchütze nicht mehr am Platze. Sie gehörten zur Zeit, als die gezogenen Gefchütze ihre Aufnahme in die Armeen fanden, zu den beften ihrer Art, und haben ihre Schuldigkeit in mehreren Feldzügen gethan. Allein die Waffentechnik ift bei dem vor zehn Jahren Gefchaffenen nicht ftehen geblieben; fie hat vielmehr bedeutende Fortfchritte nicht nur in der Darftellung des Rohmaterials, fondern auch in Bezug auf Conftruction der Gefchützrohre und Gefchofserzeugung gemacht, und in den meiften Staaten hat man fich der neueften Schöpfungen derfelben bereits bemächtigt. Hier ift zu bemerken, dafs die vollkommenften Conftructionen, welche in Folge der letzten Erfahrungen im grofsen Kriege* in Preufsen z. B. demnächſt zur Einführung gelangen werden, und gegenwärtig in der Erprobung find, auf der Ausftellung nicht einmal repräfentirt waren. Das Streben nach möglich ft ausdauernden Feldgefchützen mit der thunlichft gröfsten Tragweite, Schufspräcifion, Flugbahn- Rafanz und Gefchofswirkung befteht bei allen Artillerien, und ift dasfelbe bisher mit mehr oder weniger Erfolg gekrönt worden. Um nur ein Beiſpiel diefer Bemühungen anzuführen, welches umfo draftifcher wirkt, als es aus einem Lande geholt wird, welches auf die Bewaffnungsverhältniffe der europäifchen Grofsftaaten nicht jene ftrengen Rückfichten zu nehmen hat, wie z. B. Oefterreich, verweifen wir auf Schweden. Diefes Land, welches fein vor zehn Jahren eingeführtes Gefchützfyftem. aus leicht begreiflichen Gründen nicht aufgeben wollte, fuchte die Portée, Präcifion und Gefchofswirkung feiner Gefchütze durch die zuläffige Vermehrung der Gewichte von Gefchofs und Ladung entſprechend zu erhöhen. Freilich entſpricht diefes fo verbefferte Syftem dennoch nicht den heutigen Anfchauungen über die Leiftungen einer Feldartillerie, allein man hat dort eben getrachtet, den von uns angedeuteten Zweck wenigftens fo weit, als möglich war, zu erreichen. Als Rohrmaterien fahen wir Gufseifen, Bronce und Gufsftahl verwendet, letzteren von fo vorzüglicher Qualität, dafs er in Verbindung mit der Ringconftruction wohl die meiſten Garantien zur Erreichung der obigen Zwecke bietet. Der Umftand, dafs auch noch Broncerohre ausgeftellt waren, veranlafst uns zu einer kurzen Betrachtung über diefelben. Die Bronce befitzt jenen Grad von Zähigkeit, welcher die Gefahr des plötzlichen Zerfpringens eines Kanonenrohres vollſtändig ausfchliefst. Leider kleben derfelben aber anderfeits fo bedeutende Nachtheile an, dafs dieferhalben Rohre aus Bronce den modernen Anforderungen an ein Feldgefchütz niemals entſprechen können. Sie ift nämlich zu wenig elaftifch, und hat eine zu geringe abfolute * Nur aus diefem laffen fich für den Feldkrieg giltige, die Bewaffnungsverhältniffe beeinfluffende Lehren ableiten. 106 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Feftigkeit, als dafs fie fich für Rohre, welche mit grofsen Ladungen und fchweren Gefchoffen präcife fchiefsen, ein gewiffes Gewicht aber dabei nicht überfchreiten follen, eignen würde. Das Mafs der abfoluten Feftigkeit und Elafticität reicht bei der Bronce nur bis zu einem gewiffen, kaum den bisherigen Anforderungen entſprechenden Grade, und es find daher aus diefem Grunde jene grofsen Ladungen und Gefchofsgewichte, wie fie die heutige Feldartillerie braucht, fowohl für Hinter- als Vorderlader aus Bronce gänzlich unzuläffig. Broncerohre, welche mit grofsen Ladungen und Gefchoffen befchoffen werden, erleiden ferner bleibende Ausdehnungen im Lade- und Gefchofsraume. Beim Hinterlader wird hiedurch die Dichtung des Abfchlufsmittels illuforifch und das Rohr defshalb unbrauchbar, wenngleich es balliftifch noch vollkommen geeignet wäre. Bei Vorderladern hätte diefe bleibende Ausdehnung weniger zu bedeuten, dagegen werden aber die Rohre in ihren Zügen durch die intenfive Stichflamme derart zerstört, dafs fie bald an Präcifion verlieren. Der deutfchfranzöfifche Krieg hat dargethan, dafs langanhaltende Feld. züge noch nicht aufser dem Bereiche der Möglichkeit liegen, und dafs mithin Gefchütze mit fehr grofser Ausdauer für künftige ähnliche Fälle um fo nothwendiger erfcheinen, je fchwieriger eventuell der Erfatz fich geftalten kann. Die Artillerie wird in den kommenden Schlachten auch an und für fich eine gröfsere Thätigkeit als je zu äufsern haben; fie wird den Kampf auf weiteren Entfernungen beginnen und nachdrücklich unterhalten, daher ihr Material vielmehr anftrengen müffen, weil nur fie befähigt ift, in den Fernkampf mit jener Ueberlegenheit einzutreten, welche den darauffolgenden Nahkampf weniger verluftreich macht und wefentlich abzukürzen vermag. Nur eine weit und rafant fchiefsende Artillerie kann der gegenwärtigen Infanterie auf und aufserhalb deren Entwicklungsdiftanz entgegentreten. Die Verfuche, welche an verfchiedenen Orten mit Bronce zu dem Zwecke ausgeführt wurden, um deren abfolute Feftigkeit und Widerftandsfähigkeit gegen die Expanfivkraft der Pulvergafe zu erhöhen, haben nur halbe Erfolge gehabt, und dürften kaum zum erfehnten Ziele führen. Die Bronce läfst fich zwar in kleineren Partien raffiniren, das heifst des oxydiren, nicht aber in jenen Quantitäten, wie fie zum Kanonengufs niedergefchmolzen werden müffen. Sie wird daher, fo lange die jetzigen Anfchauungen über die Leiftungsfähigkeit der Feldartillerie Geltung behalten, und es iſt nicht abzufehen, welche Urfachen eine Reduction diefer Anfprüche herbeiführen könnten,— nur ein Surrogat für den Gufsftahl bilden. - - Dem Gufsftahl ift eine weitaus gröfsere abfolute Feftigkeit. eigen, und widerfteht derfelbe auch viel beffer den Wirkungen der Stichflamme. Die Unverlässlichkeit gegen das Springen, welche maffive Gufsftahl- Rohre in verfchiedenen Beiſpielen gezeigt haben, ift durch die Ringconftruction vollftändig aufgehoben worden und dürften beringte Rohre jene abfolute Sicherheit in diefer Beziehung bieten, wie Rohre aus Bronce. Diefe auf die Stahlrohre übergegangene Eigenfchaft der Broncegefchütze macht die Acquifition der erfteren in Berücksichtigung der anwendbaren grofsen Ladungen und Gefchofsgewichte bei einem die Manövrirfähigkeit der Artillerie nicht überfchreitenden Gewichte der Gefchütze umfo wünſchenswerther, als Broncerohre einer Feldartillerie nimmer die Superiorität über Stahlartillerien erringen werden. Wie kommt es nun, dafs Rufsland und Frankreich, mithin Staaten, denen an dem Befitze einer hervorragenden Feld artillerie ficher gelegen ift, auf der Ausftellung durch je ein broncenes Feldgefchütz vertreten waren? Wir werden verfuchen, diefe Frage zu beantworten, bemerken aber zuvör derft, dafs diefs bezüglich Rufslands eine Sache von befonderer Schwierigkeit ift, 1 r e t r t. e n S r- en ht en it == re 11eit re er fsen d- en, ie ütz ör. ift, Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 107 da die Nachrichten fowohl über die dortigen Einrichtungen, als auch über die Beweggründe zu den verfchiedenen Mafsregeln in Bewaffnungsfragen fich oft in directem Widerfpruche befinden. Sicher ift es, dafs die ruffifche Regierung, welche vordem Stahlgefchütze grofsen und kleinen Kalibers von Deutſchland bezogen hatte, um fich vom Auslande unabhängig zu machen, vor einigen Jahren zwei Stahlwerke gründete, oder auf eigene Rechnung übernahm, und nun diefelben mit Aufbietung grofsartiger Mittel für ihren Bedarf befchäftigt. Sicher ift es weiters, dafs Rufsland mehrere Batterien mit beringten Stahlrohren und eine ganz anfehnliche Zahl ftählerner 4- und 9- Pfünder älteren Modelles befitzt, fowie dafs die Werke zu Perm und Oboukhoff für die Erzeugung beringter Feldrohre nach Gadolin's Theorie eingerichtet find. Während nun von der einen Seite behauptet wird, dafs Rufsland den Stahl als Materie für Feldkanonen- Rohre gänzlich aufgegeben habe und wieder zur Bronce zurückgekehrt fei, wofür der ausgeftellte 4- Pfünder zeuge, glaubt man auf der anderen Seite das Erfcheinen diefes Gefchützes auf der Ausftellung dadurch erklären zu können, dafs die früher genannten Stahlwerke im gegenwärtigen Augenblicke mit Aufträgen auf grofse Rohre für Marine- und Küftenbewaffnung derart überhäuft feien, dafs die Heeresleitung, welche für alle Fälle gerüftet fein will, es vorzieht, die Ergänzung der Feldartillerie einftweilen auf dem fchnelleren Wege der Herftellung von Broncegefchützen in den alten kaiferlichen Gefchützfabriken bewerkstelligen zu laffen. Wir find aufser Stande feftzuftellen, welche diefer beiden einander diametral entgegengefetzten Angaben die richtige fei, und find daher der Anficht, dafs Rufsland dermalen als Beiſpiel eines tonangebenden Staates weder von den Vertheidigern des Stahls noch von jenen der Bronce benützt werden kann, nachdem die näheren Umstände und Motive feines Vorgehens eben nicht zweifellos bekannt find, und es Rufsland wahrfcheinlich nichts daran gelegen war, auf der Welt. ausftellung einen Einblick in die zukünftige Geftaltung feiner Feldartillerie zu ermöglichen. Es fcheint indeffen, als wären die Ruffen mit ihren Broncerohren nicht fo ganz zufrieden, da fie diefelben durch folche aus Phosphorbronce erfetzen wollen, mit welch' letzterer fie zahlreiche Verfuche und, wie verlautet, mit nicht ungünftigen Refultaten abgeführt haben. Bleibt alfo Frankreich. Während des letzten Krieges, der bekanntlich zum Verlufte beinahe der gefammten franzöfifchen Feldartillerie führte, wurde ein broncener Hinterlader von ziemlicher Schwerfälligkeit( Laffete und Rohr wiegen zufammen nahezu 1200 Kilogramm) erzeugt, welcher mit 6 gefchofsfchwerer Ladung bis auf Diftanzen von 6500 Meter mit einer dem alten preufsifchen 6- Pfünder gleichkommenden Genauigkeit fchiefst. Um auch ein leichtes Gefchütz zu haben, conftruirte man hiezu eine 5- Kilogramm- Kanone, die mit/ gefchofsfchwerer Ladung die Präcifion des alten preufsifchen 4- Pfünders befitzt, jedoch beträchtlich gröfsere Diftanzen erreicht. Diefe Gefchütze, welche in Frankreich blofs als artillerie de tranfition gelten, mufste man eben herftellen, um nicht gänzlich unbewaffnet zu fein. Dafs man Bronce nahm, ift erklärlich, nachdem fich kein anderes Material fo gut für eine rafche und mit geringen techniſchen Hilfsmitteln ausführbare Gefchützerzeugung eignet. Aber trotz der Eile, mit welcher an der Renovirung der Artillerie gearbeitet werden musste, wurden Verfuche zur Verbefferung der Bronce angeftellt, und errangen die von Laveiffiere gegoffenen Gefchütze durch die gröfsere abfolute Feftigkeit, Härte und Elafticität ihres Materials den Vorzug vor allen Anderen. Die franzöfifchen Artillerieofficiere rechnen übrigens ungeachtet des verhältnifsmäfsig guten Rohrmaterials bei den zu grofsen Anftrengungen der Rohre auf keine befondere Ausdauer derfelben. Die Einführung von Stahlgefchützen ift daher in Frankreich nur mehr eine Frage der Zeit, und der Entfchlufs hierzu bereits als feftſtehend zu betrachten. Es wird felbftverftändlich einige Zeit vergehen, ehe diefs Thatfache wird, 108 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. weil man bis jetzt weder über das zu adoptirende Syſtem einig ift, noch die Mittel zur fofortigen Befchaffung hat, und zudem das während des Krieges entstandene Material doch möglichft ausnützen möchte. Spanien und Italien hatten exhibirt. ebenfalls ebenfalls broncene Feldgefchütze Nun könnten wir zwar von Spanien fchon aus Urfache feiner geographi fchen Lage ganz abfehen; der Vollständigkeit halber wollen wir jedoch daran erinnern, dafs diefes Land zuerft eine ziemliche Anzahl( circa 250 Stück 8- Centimeter- Rohre) Stahlgefchütze von Krupp bezog, dann aber in Folge der wegen der inneren Wirren knappen Geldmittel genöthigt war, das ftählerne Rohr in Bronce zu copiren, um nur überhaupt hinlänglich Gefchütze zu haben. In neuefter Zeit läfst übrigens Spanien wieder eine refpectable Bergartillerie mit 8- Centimeter- Stahlrohren, welche den vom Major Placencia, Vorftand der Giefserei in Sevilla, fehr praktifch modificirten franzöfifchen Schraubenverfchlufs befitzen, herftellen. Diefer Verſchluſs eignet fich für die fchwachen Ladungen ganz gut und geftattet kürzere Rohre. In Italien foll, wie man vernimmt, die Abficht beftehen, wenigftens die Refervebatterien, das ift jene gröfseren Kalibers mit Rohren aus Gufsftahl auszurüften. Ein zweites Moment der Feldgefchütz- Frage, welches durch die Ausstellung lebhaft illuftrirt wurde, war die Lademethode der Hinterladung. Wir befchränken uns hier auf die Conftatirung jenes Territoriums, auf welchem das genannte Princip bereits zum herrfchenden geworden ift, fowie auf die Hervorhebung des Umftandes, dafs die Hinterladung eigentlich erft in Folge der letzten Kriegserfahrungen in allgemeine Aufnahme kam, weil man fich gegen die Ueberzeugung nicht länger verfchliefsen konnte, dafs bei Vorderladern jene Präcifion wie bei Hinterladern niemals zu erreichen ift, dafs aber bei der jetzigen Kampfweife auf die Schufspräcifion der gröfste Werth gelegt werden müffe, dafs daher in Folge der Wichtigkeit diefer Bedingung die Compli cationen, fchwierigere Confervirung u. f. w. in Kauf zu nehmen feien. Mit Ausnahme von England, wo man allerdings mit dem ArmſtrongVerfchluffe nicht gerade die aufmunterndften Erfahrungen gemacht hatte, von Schweden, welches bis jetzt noch an feinem vor neun Jahren eingeführten, La Hitte- Syftem fefthält, von deffen hochgebildeter Artillerie übrigens zu erwarten fteht, dafs auf fie die Ausftellung und die Forderungen der Zeit nicht ohne Eindruck bleiben werden, mit Ausnahme von Norwegen, deffen Stahlrohre aus naheliegenden Gründen eine den fchwediſchen Gefchützen conforme innere Einrichtung befitzen, endlich mit Ausnahme von Holland haben alle Staaten für die Feldgefchütze die Hinterladung angenommen. Unter den angewendeten Verfchlufsfyftemen find am meiften verbreitet der Krupp'fche Rund- und der Broadwell'fche Flachkeil, beide mit Broadwell'fchem Dichtungsringe. Bezeichnend ift es, dafs auch die Franzofen, welche doch zu allermeift in der Lage waren, jene Gründe zu würdigen, welche gegen die Anwendung der Hinterladung bei Feldgefchützen fprechen könnten, bei ihrem neuen Materiale diefelbe ebenfalls eingeführt haben. Die Mitrailleufen werden in den nächften Kriegen abermals eine Rolle fpielen, ob eine ausfchlagebendere als im Feldzuge 1870/71, wagen wir nicht zu behaupten. Evident ift es, dafs deren Erfolg von dem gröfseren oder geringeren Gefchick bei ihrer Verwendung abhängen wird, was die Vertrautheit der Führer mit diefer Waffe und eine gefchulte Bedienung vorausfetzt. Bisher haben in diefer Richtung, fo viel uns bekannt, nur Rufsland und Frankreich vorgeforgt. Das Beftreben, derartige Gefchütze fo weit zu erleichtern, um fie ohne Befpannung in die vorderfte Feuerlinie bringen zu können, wo fie bei gehöriger Deckung gewifs Ausgiebiges leiften könnten, ift durch das fchwediſche Modell 1 n וב n Le er fs n ie g مه uf uf ge eil ei afs gt li ng. on cen Cen inus in. für tet mit tin der ale olle zu ren rer efer t. hne iger dell Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 109 „ Palmerantz& Winborg" manifeftirt worden. Die Erfinder hatten in richtiger Erkenntnifs der Schwächen diefer Waffen denfelben ein mehr offenfives Element beizubringen verfucht, indem fie ihre Mitrailleufe fo mobil als mög. lich machten, find aber hiebei unferes Erachtens nach zu weit gegangen, indem fie nunmehr mit balliftifchen Mängeln, eine Folge der zu grofsen Gewichtsverminderung des Syftems, zu kämpfen haben. Wir kommen jetzt zu dem Capitel der fchweren Gefchütze. Wie auf keinem anderen Gebiete des Waffenwefens zeigte fich hier der Fortfchritt feit der letzten Parifer Ausftellung; die Technik hat in diefer Richtung wahrhaft Erftaunliches geleiftet, und wir dürfen Angefichts der Schöpfungen, welche Krupp, Rufsland und Schweden vorgeführt haben, ungefcheut ausfprechen, dafs die Erwartungen der Fachmänner weit übertroffen wurden. Diefs betrifft vor Allem die Rohre, deren Material und Conftruction den an Panzergefchütze zu ftellenden Anforderungen an balliftifchem Effecte und Ausdauer entfprachen. Sie fchiefsen bei grofsen Portéen mit befriedigender Präcifion, und entwickeln im Auffchlage jene enorme Wirkung, die zur Erfüllung ihrer Aufgabe nothwendig ift. Vollständig kann diefer Grad an balliftifcher Leiftung indeffen nur den Preffionsgefchützen zuerkannt werden; die englifchen Vorderlader und die nach franzöfifchem Syftem conftruirten fchwediſchen Hinterlader ftehen darin den erftgenannten Gefchützen nach, auf den nahen Diftanzen allerdings nur unmerklich, aber mit Zunahme der Entfernung verlieren fie rafcher an Präcifion und Percuffion. Die Rohre waren durchgehends beringt und bei den deutfchen, ruffifchen und englifchen Gefchützen der innere Rohrkern aus Stahl, bei den fchwedifchen aus Gufseifen hergeſtellt; die deutfchen und ruffifchen Gefchütze hatten keine Hinterwucht, eine das fchnelle Richten wefentlich erleichternde, und doch die Schufsrichtigkeit nicht beeinträchtigende ConftructionsVerbefferung. Die Hinterladungsrohre der Deutfchen und Ruffen waren mit dem Krupp'fchen Rundkeil verfehen, deffen Functionirung und Handhabung nichts zu wünſchen übrig läfst. Der franzöfifche Schraubenverfchlufs, dem wir in drei Modificationen begegneten, bietet zwar den Vortheil kürzerer Rohre und der Verminderung der axialen Anftrengung derfelben, verlangfamt aber die Bedienung des Gefchützes und in Folge deffen die Feuerfchnelligkeit, ein Nachtheil, der fich gerade im entfcheidenden Gefechte bemerkbar machen mufs. Die Armstrong'fche Modification des Schraubenverfchluffes ift unftreitig die befte, und doch erfordert fie noch immer eine längere Zeit zur Schufsbereitfchaft als der Rundkeil. Das am meiften verbreitete Dichtungsmittel war der Broadwellring; nur Schweden und England wenden ihn nicht an. Die englifche Pappedichtung dürfte wohl als die primitivfte und unverlässlichfte zu bezeichnen fein. Laffeten. Das Material derfelben war durchgehends Schmiedeeifen und nur Grufon hatte gufseiferne Laffeten ausgeftellt. Die exhibirten Schiffs- und Küftenlaffeten können allerdings hinfichtlich ihrer Bauart nach bisherigen Begriffen nicht eben einfach genannt werden, wenngleich fie blofs mit jenen Mechanismen ausgeftattet waren, welche die rafche und anftandslofe Bedienung der fchweren Gefchütze ermöglichen. In diefer Beziehung zeichneten fich die Krupp'fchen Fabricate fowohl in Bezug der Solidität der Arbeit als auch der Zweckmäfsigkeit der Bewegungsmechanismen aus. Unter letzteren find alle jene Vorrichtungen zu verftehen, welche zum Geben der Höhen- und Seitenrichtungen, zum Einholen und Vorführen der Gefchütze und endlich zur Schwächung und Begrenzung des Rücklaufes gehören. Zum Geben der Höhenrichtung war faft allgemein die ZahnbogenRichtmafchine angewendet, und wurde als die zweckmäfsigfte derfelben vielfach die an den Grufon'fchen Laffeten angebrachte bezeichnet, welche 110 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. nicht nur die rafche Aenderung der Elevation, fondern auch fehr feine Richtungen geftattet und keinen Bremsmechanismus verlangt, welcher das Rohr in feiner Lage zu erhalten hätte. Bei der Richtmafchine der fchwedifchen Küftenlaffete fand auch die Schneckenfchraube Anwendung; diefe erlaubt nun allerdings fehr feine Richtun gen, nicht aber den rafchen Elevationswechfel. Von den Mechanismen zum Geben der Seitenrichtung verdienen namentlich die an den Krupp'fchen fchweren Laffeten angebrachten Kettenwinden Beachtung, da fie bei geringem Kraftaufwande ebenfo rafch als präcife functioniren. Unter den an den leichteren Gefchützen befindlichen derlei .Mechanismen können wieder jene als die geeignetften genannt werden, bei denen die Bewegungsübertragung von der Einholvorrichtung auf jene zur Seitwärtsbewegung durch eine Schneckenfchraube vermittelt wird, weil das Gefchütz ohne Anwendung einer Bremfe oder fonft einer befonderen Manipulation in der vor dem Schuffe innegehabten Stellung verharrt. Die Einrichtungen zum Vorführen und Einholen der Gefchütze waren zumeift auf die Benützung von Tauen und Kneiffcheiben bafirt, womit eine ziemlich rafche und leichte Bewegung zu erzielen ift. Von den mit Einholketten ftatt der Einholtaue verfehenen Laffeten, wie folche gewöhnlich in Schiffskafematten benützt werden, zeichnete fich die italienifche durch eine fehr finnreiche Anordnung des Bewegungsmechanis mus und des Kettenftoppers aus. Dadurch, dafs man den erfteren mit einer Bremſe verfehen hat, läfst fich die Laffete auf jedem Punkte des Schlittens faft momentan fefthalten. Von den beiden zum Pfortenwechfel beftimmten Laffetenfyftemen gebührt dem italienifchen der Vorzug der gröfseren Einfachheit; das bei der bezüglichen Krupp'fchen Laffete angebrachte hydraulifche Hebewerk zum Entlaften der vorderen Schlittenrollen, was vor jedem Pfortenwechfel ftattfinden mufs, complicirt zwar die Laffete, dagegen ermöglicht es ein rafches und leichtes Heben, felbft der fchwerften Gefchütze, durch blofs einen Mann, und ohne dafs viel Raum zur Manipulation in Anfpruch genommen wird, ein Vortheil, welcher jenen Laffeten abgeht, die mittelft Hebbäume entlaftet wer den müffen. Zum Hemmen und zur Begrenzung des Rücklaufes wurde gröfstentheils die hydraulifche Bremfe verwendet, und waren damit fowohl die Krupp'fchen, als auch die neue Armſtrong'fche und die fchwedifche Laffete verfehen. Die von Krupp für Schiffsgefchütze conftruirte hydraulifche Bremfe mit communicirendem Parallelrohr bedeutet einen beachtenswerthen Fortfchritt auf diefem Gebiete, nachdem die einrohrige, alte Bremfe weder eine beliebige Regulirung des Rücklaufes zuläfst, noch das Fefthalten des Gefchützes auf jedem Punkte des Schlittens geftattet. Ausserdem war noch die Ericfon'fche Lamellenbremfe zu fehen. Anwendung von derfelben machten Italien und Krupp, letzterer bei den niederen Schiffslaffeten, bei denen eine hydraulifche Bremfe nicht gut anzubrin gen ift. Die Schraubenbremfe von Vavaffeur haben wir im früheren Abfchnitte eingehend befprochen, und bemerken hier nur noch, dafs fie allen Bedingungen einer Bremfe entſpricht. Die bei der ruffifchen 9zölligen Laffete befindliche Backenbremfe ift veraltet, und dürfte fchwerlich mehr weitere Verbreitung finden. Angefichts fo durchgebildeter und zum gröfsten Theile mit fehr günftigem Erfolge bereits erprobter Laffetenconftructioneu fcheint es faft unmöglich, auf diefem Gebiete noch wefentliche Verbefferungen ausfindig zu machen, und es dürfte jedenfalls zu den fchwierigften Problemen gehören, eine Conftruction zu entwerfen, welche den vorgeführten Syftemen an Einfachheit und Leiftungsfähig. keit den Rang abzulaufen vermöchte. en er ch inen Cen als lei bei tsne or er ben vie die his. nfe tan men das cum den nd Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 111 Es ift daher auch heute die Wahl und die Neubefchaffung eines zweckmässigen Artilleriematerials fehr erleichtert, und würde es fich keinesfalls verlohnen, mit grofsem Aufwande an Geld und Zeit und des Refultates ungewifs, mit Neuconftructionen zu experimentiren. Zum Schluffe mögen uns noch einige Worte pro domo geftattet fein. Wenn der vorliegende Bericht nicht all Dasjenige enthält, was vielleicht Mancher in demfelben zu finden vermeint, fo ift die Schuld nicht uns, fondern den Verhältniffen beizumeffen. Die militärifche Berichterftattung hatte mit Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen, in erfter Linie mit der mifslichen Inftallation. Der im Berichte des öfterreichifchen Centralcomité über die letzte Parifer Ausftellung enthaltene Wink, dafs die Ausfteller militärifcher Gegenstände Expofés mit Zugrundelegung der wefentlichften Daten, fowie Zeichnungen jener Gegenftände, aus deren äufserem Anblicke die Conftruction nicht entnommen werden kann, vorbereiten mögen, war nur vereinzelt beachtet worden. Viele Objecte befanden fich unter Verfchlufs und die P. T. Herren Ausfteller waren entweder nie zu finden, oder deren Vertreter unzureichend informirt. Und doch liegt der Werth eines Berichtes über Gegenftände der Waffentechnik zumeift in den ziffermäfsigen und verlässlichen Daten, da diefe häufig allein die Bafis zur Beurtheilung bilden. Um aber gerecht zu fein, dürfen wir nicht verfchweigen, dafs viele Ausfteller in der liebenswürdigften Weife und auf das Ausführlichfte unferen Fragen gerecht wurden. Namen hier zu nennen, müffen wir uns wohl verfagen, doch glauben wir auf die Zuftimmung der Redaction rechnen zu dürfen, wenn wir Allen, die uns unfere Aufgabe erleichterten, den herzlichen Dank hiermit ausfprechen. en ird, verdie men, mit auf egu dem hen. den prin eren llen mfe gem auf d es m zu Fähig 8 mol dous rode i 3 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873. UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. GENIE- UND PIONNIERWESEN. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von MORIZ BRUNNER, JOHANN LAUER, EMERICH ZINNER. MILITÄR- UNTERRICHTSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 5.) Bericht von MORIZ BRUNNER. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874 GENIE WESEN. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von MORIZ BRUNNER, k. k, Hauptmann im Genieftabe. Einleit n g. Das Geniewefen in der allgemeinen Bedeutung umfafst die Verwerthung aller Zweige der Ingenieurwiffenfchaften und Baukunft für den Krieg und für das Bedürfnifs des Heeres im Frieden. Es gliedert fich in folgende Hauptfächer: Communicationsbau, das Kriegs- Brückenwefen, den Feld-, Strafsenund Eifenbahn- Bau, dann Telegraphendienft. Befeftigungskunft( Fortification) und Kriegs- Baukunft, betreffend den Entwurf und die Ausführung der Verfchanzungen im Felde, dann der Feftungen, deren Angriff und Vertheidigung vom technifchen Standpunkte aus. Die bürgerliche Baukunft in ihrer Anwendung für Militärzwecke, nämlich für den Bau von Kafernen, Reitfchulen, Militärfpitäler, Magazine, Kriegshäfen etc. Das Minenwefen, die gefammten Sprengarbeiten zur Demolirung der verfchiedenften Bauten, als: Brücken, Strafsen, Eifenbahnen, Feftungswerke, Häufer, wie es der Kriegszweck erheifcht, dann den unterirdifchen Krieg, alles geftützt auf die genauefte Kenntnifs der Sprengpräparate, der Mittel zu deren Entzündung, deren Kraftäufserung, hiezu gehöriger Maſchinen etc. Die Lager- Einrichtungen, als: Feldhütten, Zelte, Feld- Backöfen, Feldherde, Befchaffung und Filtration des Waffers, Latrinen etc. Zur Ausübung der das Geniewefen umfaffenden Zweige, fowie um den Fortfchritt der Naturwiffenfchaften und der Ingenieurkunft unabläffig zu verfolgen und für die Zwecke des Krieges auf das praktifche Gebiet zu übertragen, ift die Geniewaffe beſtimmt. Sie ift daher nicht nur in Bezug auf den Baudienft eine wiffenfchaftliche, fondern mit Rücksicht auf deren Mitwirkung beim Angriffe und der Vertheidigung von befeftigten Objecten und Führung des Minenkrieges eine ftreitbare Waffe daher deren Individuen Soldaten fein müffen. Die Geniewaffe hat in den verfchiedenen Heeren eine verfchiedene Organifation. Ueberall aber befteht fie aus einer Feldtruppe, welcher die praktiſche Ausführung oder doch die Leitung der technifchen Arbeiten im Kriege zukommt, und aus einer beftimmten Anzahl diefer Truppe entſprungener Officiere, deren Dienft hauptfächlich im Entwurfe und in der Leitung der Feftungs- und Militärbauten im Allgemeinen, fowohl im Frieden als auch im Kriege befteht, und welche für die 1* 2 Moriz Brunner. Geniewefen. Feftungen und die Armee im Felde die Genie- oder Fortificationschefs ( Directoren) liefert. Die Genietruppe, in Preufsen Pionniertruppe, in Rufsland Sapeurtruppe genannt, übernimmt entweder alle die obgenannten Verrichtungen im Felde als: Feld- Befeftigungsbau, Communicationsdienft, Mineur- und Sapeurdienft, Feftungskrieg etc., oder fie gibt einen Theil derfelben, nämlich die Herftellung von Kriegsbrücken, den Pontonierdienft, einer ſpeciellen, mit ihr nicht weiter im Zufammenhange ftehenden Branche ab, wie z. B. in Rufsland und Frankreich an die Pontoniere, in Oefterreich an die Pionniere, welch' letztere aber auch beftimmt find, die Genietruppe in den Feldarbeiten zu unterſtützen. In Oefterreich begreift man unter Pionnierdienft den gefammten Communicationsdienft, den Lager- und Wafferbau. Das fpecielle Officierscorps wird in Rufsland, England und Preufsen Ingenieurcorps oder Ingenieurofficiere; in Frankreich, Italien und Oefterreich Genieftab genannt. Was die in das Gebiet des Geniewefens fallenden Ausftellungsobjecte betrifft, fo war deren Zahl eine äufserft geringe; wir finden die Gruppe Fortifi cation in einzelnen Modellen, das Militär- Bauwefen faft nicht, beffer das Pontonierwefen und hauptfächlich durch Ausstellungen Privater, das Minenwefen und ſpeciell die Sprengtechnik vertreten. Dem entſprechend hat die Berichterstattung auch nur diefe beiden Gebiete, die Sprengtechnik und das Pionnierwefen, befonders zu beachten. SPRENGTECHNIK. Bericht von JOHANN LAUER, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Wenn überhaupt das Heereswefen auf der Weltausftellung nicht in jener Weife Vertretung fand, wie diefs fowohl im Intereffe jedes Militärs, als auch in jenem eines fehr grofsen Theiles der Civiltechniker gelegen war, fo gefchah diefs insbefondere beim„ Minenwefen", jenem Theile der Kriegstechnik, welcher den unterirdifchen Kampf, den Minenkrieg, behandelt, und weiters lehrt, Brücken, Tunnels, Häufer etc. mit Sicherheit zu zerstören. Die Verbefferungen im Minenwefen, welche man in der Abficht, beim unterirdifchen Kriege vorkommende Arbeiten und Geräthe zu vervollkommnen, anftrebte, beziehen fich hauptfächlich auf die Erzielung eines rafcheren Vortriebes der Minengänge( Stollen), auf eine ausgiebigere Ventilation und Beleuchtung der Minenanlagen und auf die Herſtellung von Erd- Bohrlöchern, welche, an ihren Enden mit Ladungen verfehen, das zeitraubende Vortreiben von Gängen erfparen follen. Bezüglich der im Kriege durchzuführenden Demolirungen( Sprengungen) mufsten hauptfächlich die Spreng- und Zündmittel verbeffert, refpective durch kräftigere Präparate und verlässlichere Feuerleitungen erfetzt und ergänzt werden. Aber nicht allein das Kriegswefen hat ein Intereffe an der Minirkunft; in neuerer Zeit macht auch die Civiltechnik ausgedehnten Gebrauch von derfelben; was der Kriegsmineur erfindet und vervollkommnet, das bringt auch dem Eifenbahn e 1 g 0, er in fs en en, im en, es er en en en ch mzt in en; hnSprengtechnik. 3 ingenieur, dem Montaniften, dem Steinbrecher und dem Wafferbau- Ingenieur directen Nutzen. Oefterreich hat fich bei der Ausftellung des hier zu befprechenden Faches verhältnifsmäfsig am ftärksten betheiligt. Die eminenten Fortfchritte, welche gerade diefer Staat im Minenwefen in neuefter Zeit aufzuweifen hatte, mufsten natürlich den Wunſch rege machen, diefen Zweig des Kriegswefens auf der Weltausftellung möglichft vollkommen vertreten zu fehen. Oefterreich hätte keine unmittelbare Gegenüberftellung anderer Länder zu fcheuen gebraucht, es wäre wahrfcheinlich auf diefem Gebiete geiftigen und mechanifchen Schaffens fiegreich hervorgegangen und hätte vielfache Anregung zu weiteren Fortfchritten gefunden.* Gewifs wäre es intereffant gewefen, die Ausftellung im Minenwefen als additionelle Ausstellung behandelt, die Fortfchritte in den einzelnen praktiſchen Arbeiten des Kriegsmineurs feit der Errichtung der Mineurcorps in den verfchiedenen Ländern durch Modelle oder Pläne dargeftellt und vor Augen zu fehen, wie beim Schacht- und Stollenbaue auch die Fortfchritte der Civiltechnik Beachtung, fogar Eifenconftructionen theilweife Anwendung fanden. Statiftifche Tafeln über die Leiſtungen der Mineure bei den einzelnen Arbeiten hätten fowohl über die Vortheile einer oder der anderen Arbeitsmethode Auffchlufs gegeben, als auch die Ausbildung des einzelnen Arbeiters zu beurtheilen erlaubt. Die Verbefferungen, welche in der Beleuchtung und Ventilation der Minengänge angeftrebt wurden für den Civiltechniker, für den Bergmann und für den Kriegsmineur von gleicher Wichtigkeit hätten gleichmässig das Intereffe diefer verwandten Berufskreife wachgerufen. -- Die vielen Sprengpräparate und das Zündungswefen, welche in den letzten fünf Jahren nennenswerthe Fortfchritte zu verzeichnen haben, hätten die Bedeutung derfelben in der Sprengtechnik Jedem aufgedrungen. Da aber thatfächlich die Ausstellung aus dem Gebiete des Kriegs- Minenwefens nichts Zufammenhängendes enthielt, fo fei es geftattet, alle einfchlägigen Gegenstände diefes Kriegszweiges, mögen fie in was immer für einer Gruppe exponirt gewefen fein, zu befprechen. In diefer Beziehung voran ftand die Ausftellung der Firma Mahler & Efchenbacher aus Wien, welche in einem Pavillon ,, die moderne Sprengtechnik" zur Anfchauung brachten. Es waren darin nicht nur Artikel obiger Firma, fondern auch Gegenstände der Sprengtechnik verfchiedener Länder ausgeftellt; wegen diefer Allgemeinheit kann diefe Ausftellung fonach auch theilweife als eine additionelle Ausftellung in diefem Fache betrachtet werden. Eine befondere Unterſtützung fand die genannte Firma durch das k. k. technifche und adminiftrative Militär- Comité, welches verfchiedene Apparate, insbefondere Zündmafchinen zur Verfügung ftellte, wodurch erft ein Gefammtbild des Zündungswefens gegeben werden konnte. Der Zweck diefer additionellen Ausftellung war, dem Fachmanne eine übersichtliche Zufammenftellung des gegenwärtigen Standpunktes der Sprengtechnik, welche die Grundlage für eine ökonomische und rafche Gefteinsbewäl tigung im Bahn- und Strafsenbaue, in der Montan- Induftrie und im SteinbruchsBetriebe bildet, zu geben. - Bekanntlich, je kürzer die Zeit, in welcher Bohrlöcher felbft im fefteften Gefteine hergeftellt werden, je richtiger das Sprengmittel für das zu bewältigende Geftein gewählt wurde, und je ficherer und gleichzeitiger das * Aus dem Gebiete des Minenwefens hatten ausgeftellt: Vavafeur J.& Comp., London. Elektrifche Zünder. Königl. italienifches Kriegsminifterium. Graphifcher Nachweis über die durch Dynamit. fprengungen gemachten Erfahrungen. Die ausgeftellten Torpedos werden in der XVII. Gruppe ,, Marinewefen" befprochen. 4 Johann Lauer. Abfchiefsen mehrerer Schüffe erfolgt, defto rafcher und in Folge deffen auch defto ökonomifcher wird die Gefteinsbewältigung. Die Erzeugung der Bohrlöcher, die Ladung derfelben und die Zündung diefer Ladungen ftehen fonach in innigfter Wechfelbeziehung. Diefem entſprechend mufste fich die ,, moderne Sprengtechnik" fachlich gliedern in: Apparate zur Erzeugung der Bohrlöcher. Sprengmittel. Zündmittel und als Ergänzung derfelben Lehrmittelausftellung und Verfuchsdarftellungen. Aufserdem waren noch in diefer Ausftellung ,, Rettungs- Apparate" für Minen aufgenommen, welche man beim Betreten eines mit fchlechter Luft angefüllten Minenganges benützt. Es mufs fonach die ftoffliche Eintheilung der ,, modernen Sprengtechnik" als eine vollkommen entſprechende bezeichnet werden. Apparate zur Erzeugung von Bohrlöchern. Diefe Gruppe gab eine Ueberficht der verfchiedenen Mittel zur Erzeugung von Bohrlöchern, und zwar von den einfachften Werkzeugen für Handarbeit bis zu den beften Bohrmaſchinen der Jetztzeit. Ausgeftellt waren: Holz-, Erd- und Steinbohrer. - & Efchenbacher Von Holzbohrern hatte die Firma Mahler& fteierifche Schnecken- und amerikanifche Holzbohrer ausgeftellt, erftere finden - bei Sprengungen Anwendung bei Bohrungen in der Faferrichtung des Holzes von Piloten und Wurzelftöcken letztere bei Bohrungen in fenkrechter oder fchräger Richtung auf die Holzfafer, wie zum Beiſpiel bei Baumfprengungen etc. Bohrlöcher in Erde werden nahezu ausfchliefslich nur in der Militärzur Aufnahme der verhältnifsmässig Sprengtechnik hergeftellt, und dienen ftarken Ladungen( 50 bis 60 Pfund), der im Minenkriege Anwendung findenden Bohrminen. Die Erzeugung diefer Bohrlöcher gefchieht in Oefterreich mit dem ausgeftellten, vom k. k. Genie- Oberften Ritter v. Tunkler conftruirten ,,, MinenFörderbohrer", einer Bohrmaschine für Handbetrieb, mit welcher vermöge der Conftruction in jeder beliebigen Richtung auf- und abwärts, jedoch nur in ſteinlofem Erdreiche, gebohrt werden kann. - Die Conftruction der Mafchine erlaubt folgende Bewegungen: Wenn die Klinke m eingelegt ift, und die Kurbeln K rechtsgängig( uhrzeigerartig) gedreht werden, bewegt fich die Spindel C fchraubenförmig vorwärts, das heifst, fie erhält - Ift die Klinke frei, fo eine vorfchreitende und drehende Bewegung zugleich. entſteht durch die, mit der vorigen gleichartigen Kurbelbewegung nur eine dre hende Bewegung der Spindel.-Hemmt die Klinke nicht, fo führt man durch die Rechts- und Linksdrehung des Handrades F die Spindel allein geradlinig zurück oder vor. Bei eingelegter Klinke kann dem Handrade nur eine linksgängige Bewegung gegeben werden, welche die gerade Vorbewegung der Spindel zur Folge hat. Wenn man das Handrad mit der Hand fefthält, kann die Spindel bei ausgehobener Klinke durch die Kurbeln vor- oder zurückgedreht werden. Das Bohrzeug für diefen Bohrapparat befteht aus einem Bohrkopfe g mit 8 Zoll langem Vorbohrer, zwei rechtwinkelig angefetzten, fchräg geftellten Meffern rr und einem angefetzten kurzen Theile des Bohrgeftänges. Die Zwifchenftücke des Geftänges, welche einerfeits mit einem durchlochten Zapfen s und anderfeits mit einem Muffet verfehen find, und durch Schraubenbolzen und Flügelmuttern f unter einander verbunden werden, haben 18 Zoll Länge und 6, 9 oder 12 Zoll im Durchmeffer. - Mit einem 12zölligen Minen- Förderbohrer kann in lehmiger Erde ein I Fufs tiefes Bohrloch vertical nach aufwärts oder unter 45 Grad aufwärts in 6- e r n r C. n m er 1- ie ht lt fo -ech ig KSHel inen. g Zen ennd and and ein C К G K Sprengtechnik. K F C K C 5 6 Johann Lauer - horizontal in 912 unter 45 Grad abwärts in II, und vertical abwärts in 12 Minuten hergeſtellt werden. Der Bohrapparat wird bei Bohrungen von der Horizontalen aufwärts von 4, bei allen übrigen Bohrungen von 8 Mann gehandhabt. Der bei nicht fehr tiefen Bohrungen in Erde vortheilhaft verwendbare nur von Einem Manne zu handhabende Bohlke'fche Bohrer wurde in der Ausftel lung für Sprengtechnik vermifst. In Stein werden Bohrlöcher entweder mit Handbohr- Werkzeugen oder mittelft Bohrmaſchinen erzeugt. Von den Werkzeugen zur Handbohrung hat die Firma Mahler& Efchenbacher von Kottfieper in Oberhaufen Schlagbohrer, Stofsbohrer, Fäuftel, Raumkratzer etc. überhaupt alle zur Steingewinnung erforderlichen Werkzeuge in jenen Formen ausgeftellt, wie folche in den Steinbrüchen in Uebung find.- Von gleichen Steinbohrern waren immer zweierlei Gattungen vorhanden, nämlich eine für die Erzeugung von Bohrlöchern, die mit Dynamit, und die zweite für folche, die mit Pulver geladen werden. Erftere haben einen kleineren Durchmeffer als $ th letztere, wefshalb auch die Bohrlöcher für Dynamitfchüffe in kürzerer Zeit hergeftellt werden können, als gleich tiefe Bohrlöcher für Pulverladungen. Bohrmaſchinen waren ausgeftellt: Von Mahler& Efchenbacher, Burleigh's Bohrmaſchine Sprengtechnik. 7 von der Mafchinenbau- Actiengeſellſchaft Humboldt vormals Sievers & Comp. in Kalk bei Deutz am Rhein die Sachs'fche Bohrmaſchine; von Cockerill& Comp. in Seraing in Belgien, die Bohrmaschine von Sommeiller und von Dubois et François. Von diefen vier Bohrmaſchinen werden nur jene von Burleigh und Sachs, weil diefelben beim Ausfprengen der Gräben von Befeftigungen im Felfen vortheilhafte Verwendung finden dürften, kurz befprochen. Die Bohrmafchine von Sommeiller, beim Baue des Mont Cenis- Tunnels ver wendet, und die Mafchine von Dubois und François, für die Bohrarbeiten im St. Gotthard- Tunnel beftimmt; find in der XIII. Gruppe befchrieben. Die Burleigh'fche Bohrmaſchine wurde für die Bohrarbeiten am HoofacTunnel, Maffachuſetts( Nordamerika) entworfen; fie ift nach dem Principe des Dampfhammers gebaut. In die unten auf 3 Zoll Länge ausgehöhlte und gefchlitzte Kolbenftange werden die Bohrer eingeführt und durch Anziehen der Muttern von Schraubenbolzen eingeklemmt. Das Geftelle, auf welchem die Bohrmaſchine ruht, ift für Bohrungen ober Tag ein Dreifuss und hat eine fefte Achfe mit beweglichem Zapfenlager, wodurch die Drehung des Apparates nach jeder Richtung ermöglicht wird. Für Bohrungen in Stollen ift die Mafchine auf einen fogenannten Bohrwagen befestigt. Bei einem Dampfdrucke von 70 Pfund auf den Quadratzoll macht die Mafchine 250 bis 300 Schläge in der Minute und kann die Zahl der Schläge felbft auf 400 gefteigert werden. Die Erfchütterungen des Schlages werden von den zarten Mafchinentheilen ferngehalten, der ganze Stofs lediglich vom Bohrer aufgenommen. Das Verfchieben des Dampfcylinders gefchieht durch Drehen der Spindel mit der Hand. Die innere Einrichtung des Apparates weift einen Mechanismus auf, durch welchen die Kolbenftange beim Aufwärtsgehen um ungefähr 20 Grade ge dreht wird, fonach der Bohrer nach jedem Schlage zu einer neuen Schnittfläche gelangt. Hierdurch erhält man ein vollkommen rundes Bohrloch mit glatten Wänden. Die Bohrer aus Gufsftahl find Kreuzbohrer, deren beide Schneiden nicht fenkrecht, fondern etwas geneigt zu einander flehen. Von Burleigh's Bohrern waren drei Gattungen ausgeftellt, und zwar eine grofse Bohrmaschine für Flufsregulirungen etc. eine mittlere für Steinbrüche und eine kleine für Stollen. Mit der mittleren Bohrmafchine können in Kalkconglomerat 5 Fufs tiefe Bohrlöcher in 14 Minuten mit verfchieden langen Bohrern hergeftellt werden und zwar entfallen für Bohrarbeit 6 Minuten und für das Auswechfeln der Bohrerfätze 8 Minuten. 8 Johann Lauer. Die Sachs'fche Bohrmaſchine ift einfach conftruirt, fie befitzt einen Mechanismus, der fie in dem Mafse vorwärts fchiebt, als fie im Geftein eindringt, indem der Rahmen der Bohrmaſchine aus zwei Rundeifen- Stangen befteht, die von zwei Hülfen umfasst werden, welche einer Traverfe, die mit dem Rohrcylinder aus einem Stücke befteht, angehören. In einer diefer Rundftangen ift ein Gewinde eingearbeitet, auf welchem eine Schraubenmutter, die in eine der Hülfen gefteckt ift, vorfchreitet; gedreht wird die Schaubenmutter von einem Sperrädchen, gleichzeitig erhält der Bohrer eine Drehung von 12 Grad. Für Bohrungen ober Tag ift das Bohrgeftell ein Stativ, welches durch ein angehängtes Gewicht ftabil gemacht wird. In Stollen findet das fogenannte Lafet tengeftell Anwendung. Ein fünf Fufs tiefes Bohrloch kann mit der Sachs'fchen Bohrmaschine bei Anwendung mehrer Bohrer in 20 Minuten gebohrt werden. Sowohl die Burleigh'fchen als auch die Sachs'fchen Bohrmaſchinen benöthigen einen Arbeiter zu ihrer Handhabung und werden bei Bohrungen ober Tag mit Dampf, bei Arbeiten unter Tag jedoch mit comprimirter Luft getrieben. Es find daher für den Bohrmaschinenbetrieb noch ein Dampfkeffel und, wenn unter Tag gearbeitet wird, überdiefs eine Luftcompreffions- Mafchine nebft entfprechenden Luftrefervoirs erforderlich. Eine complete Luftcompreffionsanlage für Bohrmaſchinen- Betrieb nebft Röhren, Schläuchen, Verbindungsftöcken etc. für die Dampf- oder Leitungen für comprimirte Luft war gleichfalls im Pavillon der " modernen Sprengtechnik" zu fehen. Burleigh's Bohrmaſchine hat fich in kurzer Zeit in Oefterreich eingebürgert, während die Mafchine von Sachs mehr in Deutſchland angewendet wird. Bemerkt fei noch, dafs in dem Pavillon der moder nen Sprengtechnik auch die in England für Tiefbohrungen in Anwendung ftehende„ Diamant Bohrmaſchine" auf einer Wandtafel abgebildet war. Ferner zeigten 5 Wand tafeln die meiften der bei artefifchen Bohrungen in An wendung kommenden Werk zeuge. Sprengmittel waren in der zweiten Gruppe in Imitationen ausgeftellt: Schwarzpulver von mehreren Firmen Deutfchlands und Belgiens, dann vom Kriegsminifterium des Königreiches Italien. Sprengmaffe von Ph Maffipp in Genf. t t e ן t, d [ s r- e 1 i. f et 1. ei en in h- ds m g h Sprengtechnik. Schiefsbaumwolle von Prentice in Stowmarket. 9 Dynamit von Nobel& Comp. in Krümmel bei Hamburg und Zámky bei Prag. Nachdem die ,, Schwarzpulver" bereits bei den Exploſionsftoffen( Gruppe III, Section 5) ausführlich erörtert find, und da aus Betrachtungen über die Effecte von langfam( Schwarzpulver) und momentan( Schiefs- Baumwolle und NitroglycerinPulver) wirkenden Sprengpräparaten in verfchiedenen Mitteln und bei verfchiedener Ladungsordnung hervorgeht, dafs im Militär- Sprengwefen die brifant wirkenden Präparate bei den überwiegend meiften Fällen unvergleichlich vortheilhafter find als die Schwarzpulver, fo wird von der Befprechung der letzteren Umgang genommen. Die„ Sprengmaffe" von Maffipp in Genf von lichtbrauner Farbe dürfte aus nitrirter Cellulofe beftehen, foll frei entzündet wie Dynamit völlig unexplofiv fein und im Bergbaue Anwendung finden. Es fcheint, dafs diefes Sprengmitte! nur in einem Theile der Schweiz verwerthet wird. Die Schiefsbaumwolle", von Profeffor Schönbein( 1845) in Bafel entdeckt. ift nicht ein zufälliger Fund, fondern das Ergebnifs einer Unterfuchungsreihe, welche unter der Anleitung einer beftimmten Vorftellung über die Veränderungen angeftellt wurde, die Pflanzenftoffe durch die Einwirkung einer fehr, concentrirten Salpeterfäure erleiden. Kurz nach Schönbein machte Profeffor Böttger in Frankfurt die gleiche Entdeckung, und es boten beide Gelehrten ihre Erfindung dem deutfchen Bunde an, welcher jedoch folche Bedingungen ftellte, dafs zu befürchten war, die neue Entdeckung würde geraume Zeit unbekannt bleiben. Diefs beftätigte fich jedoch nicht, indem Profeffor Ott in Braunfchweig bekannt machte, dafs es ihm gelungen fei, ein Präparat zu gewinnen, das in allen Eigenfchaften mit der von Schönbein befchriebenen Schiefswolle übereinftimme. Die Schwierigkeit der Bereitungsweife wurde unmittelbar darauf und faft gleichzeitig von Hopp in Leipzig und Karmarfch& Heeren in Hannover befeitigt, indem fie zeigten, dafs ein Säuregemifch, beftehend aus der Schwefelfäure und Salpeterfaure des Handels, fich vortrefflich zu dem beabfichtigten Proceffe eigne. Es konnte nur ein geübter Chemiker kleine Quantitäten Schiefsbaumwolle erzeugen, allein von einer fabriksmäfsigen Darftellung derfelben war man noch weit entfernt. Erft dem Mitgliede der vom deutfchen Bunde berufenen Prüfungscommiffion k. k. Artillerie- Hauptmann, nunmehrigen Feldmarfchall- Lieutenant Baron Lenk, gebührt das Verdienft, fo wefentliche Verbefferungen in die Schiefswollerzeugung eingeführt zu haben, dafs die Gefahr, veränderliche Producte zu erhalten, völlig befeitigt erfchien und man hoffen konnte, die Schicfswolle als Munition bei Schiefswaffen zu verwenden. Im Jahre 1852 wurde die Erfindung von Schönbein und Böttger an die k. k. öfterreichiſche Regierung, welcher gleichzeitig die von Lenk gewonnenen Verbefferungen zur freien Verfügung überlaffen wurden, abgetreten. Es wurde zu Hirtenberg ein Militäretabliffement gegründet, in welchem man, mit Geheimhaltung der neuen Verfahrungsart, Schiefswolle im grofsen Mafsftabe erzeugte; hiezu wurde Wolle in Strähnen, die nach der gebräuchlichen Behandlung mit Säuren etc. in entsprechende Formen gebracht wurden, verwendet. Man verfertigte Gefchützpatronen und Sprengpatronen, indem man die Wolle um einen hohlen Conus von Holz wickelte. Für Gewehrpatronen wurde die Wolle durch Weben zu einem hohlen Cylinder geformt. Sehr bald gelangte man zu der Ueberzeugung, dafs fich die Schiefsbaumwolle nicht für Schufswaffen, fondern nur für Sprengladungen eignet. Eine bis jetzt nicht erklärbare Exploſion einer kleinen Schiefswollmenge auf der Simmeringer Haide bei Wien, dann aber die Explofion des grofsen Schiefswollmagazins am Steinfelde nächft Wiener- Neuftadt waren Urfache der Entfernung der Schiefswolle aus der Sprengausrüftung der Genietruppe und der Vernichtung des gröfsten Theiles der noch übrigen Schiefswollvorräthe. 10 Johann Lauer. Im Jahre 1870 wurden vom k. k. technifchen und adminiftrativen Militärcomité kleine Mengen Schiefswolle für Verfuchszwecke comprimirt feither wird jedoch in Oefterreich keine Schiefswolle mehr erzeugt. Gegenwärtig hat die Schiefswolle die gröfste Verwendung in England, wo fie in der Fabrik des Herrn Prentice in Stowmarket nach Abel's Princip her geftellt wird. Der Chemiker Abel des englifchen Kriegsminifteriums war beftrebt, die Eigenfchaften der unter verfchiedenen Bedingungen erzeugten Schiefswolle zu erforfchen. Seiner Anfchauung nach war das Hauptgebrechen der öfterreichifchen Schiefswolle, dafs felbft durch die am weiteften getriebene Reinigung der Wolle nicht alle Unreinigkeiten entfernt werden konnten und die fertige Schiefswolle daher immer noch geeignet war, fich zu verändern und zu zerfetzen. Der Hauptgewinn der Abel'fchen Unterfuchungen war die Befeitigung des erwähnten Uebelftandes. Im Jahre 1865 lehrte Abel eine neue Methode der Schiefswollerzeugung. Die Wolle wird zuerft in einem Holländer gemaifcht und die Maifche in Kuchen geprefst. Diefe Methode wird in Stowmarket von Prentice angewendet. Die Vortheile, welche durch Abel's Procefs im Vergleiche zu dem Lenk'fchen erreicht werden, find fehr hervorragend. Bei der Lenk'fchen Methode wurde eine langfaferige theuere Wolle verwendet, während nach Abel's Methode Wollabfälle genommen werden. Bei dem Abel'fchen Proceffe ift die Fafer auf fo kleine Theile zerfchnitten, dafs das Entfäuern der Wolle leicht ftattfindet und das Zurückbleiben von Unreinigkeiten auf ein Minimum reducirt ift. Die Nitrirung ift eine vollstän digere als bei Lenk und die fertige Schiefswolle felbft in tropifchem Klima ftabiler als die öfterreichifche Schiefswolle. Ferner ift die Erzeugung der comprimirten Schiefswolle ungefährlich, weil während der ganzen Verarbeitung das Material feucht ift. Ein weiterer Vortheil der comprimirten Schiefswolle gegenüber der lofen befteht darin, dafs letztere, um ihre volle Kraft zu äufsern, ftets in einem ftarken Gefäfse eingefchloffen werden mufste; während diefs bei der Abe l'fchen Wolle entbehrlich wird. Es hat nämlich Dr. Brocon in Woolwich durch Verfuche erwiefen, dafs durch ftarke Knallpräparate die comprimirte Schiefswolle auch ohne feften Einfchlufs, ähnlich wie Nitroglycerin oder Dynamit, ihre volle Explcfivkraft entwickelt. - Diefe Anwendung von Nobel's Erfindung ermöglichte erft die ausgedehn tere Verwerthung der englifchen Schiefs wolle. Gegenwärtig werden in England Verfuche gemacht, feuchte Schiefswolle durch Anwendung von trockenen Zündpatronen zur Explofion zu bringen. Man hat nämlich die Erfahrung gemacht, dafs die Schiefswolle im naffen unentzündlichen Zuftande transportirt, im Waffer aufbewahrt, vollkommen unver verändert bleibt, und trotz ihres hohen Waffergehaltes doch die Explofionsfähig. keit und hohe Kraftentwicklung bewahrt. Diefe Eigenfchaften mufsten der Schiefs wolle eine bedeutende Ueberlegenheit über andere Sprengpräparate geben, und fie find es auch, welche in Preufsen zu Verfuchen mit Schiefswolle anregten. Von comprimirter Schiefswolle waren Scheiben von verfchiedener Gröfse, wie felbe nach der Methode des Profeffors Abel in Stowmarket erzeugt werden, von Mahler& Efchenbacher ausgeftellt. Ferner hatte noch Punfhon aus London Schiefswolle in Imitation zur Anfchauung gebracht, wie folche für Gewehrmunition verwendet wird. Punfhon mifcht die Schiefswollmaifche mit Rohrzucker und Kalifalpeter; er vermindert hiedurch die Brifanz der Wolle, kommt alfo letztere dem Schwarzpulver in diefer Beziehung näher, ohne jedoch die üble Eigenfchaft desfelben, nämlich ftarkes Befchmutzen des Gewehrlaufes zu befitzen. Ein geringer Rückftand bleibt allerdings bei Punfhon's Präparat auch zurück. e d Sprengtechnik. 11 Das„ Dynamit", deffen höchft explofiblen Beftandtheil das Nitroglycerin bildet, ift in der Befchaffenheit, wie es anfänglich im Handel vorkam, eine Erfindung des fchwedifchen Ingenieurs Alfred Nobel. Die Darftellung von grofsen Mengen Nitroglycerins, feit dem Jahre 1864 auch unter den Namén Nobel'fches Sprengöl bekannt, gefchieht nach einer vom genannten Ingenieur erfundenen Methode, welche Fabriksgeheimnifs ift. Im Allgemeinen wird das Nitroglycerin aus Glycerin, durch eigenthümliche Behandlung desfelben mit einem Gemifche von Salpeter und Schwefelfäure erhalten. Es ift eine ölige, blafsgelbe Flüffigkeit, welche durch Wafchen mit einer bafifchen Salzlöfung vollſtändig entfäuert werden mufs, um verfendet oder längere Zeit aufbewahrt werden zu können. Vollkommen entfäuertes Nitroglycerin bleibt Jahre hindurch unverändert, und ift bis jetzt, wenigftens beim Nobel'fchen Sprengöl, noch keine Selbftzerfetzung nachgewiefen worden. Die vielen Unglücksfälle, welche das Sprengöl bisher verurfachte, hatten ihren Grund hauptfächlich in dem Ausrinnen des Oeles aus den Verpackungsgefäfsen. Nobel hat daher, um für den Transport die Gefahren des flüffigen Sprengpräparates möglichft zu befeitigen, zuerft verfucht, diefs durch Methylifirung des Nitroglycerins zu erreichen, indem er dasfelbe in einer Mifchung von 15 bis 20 Percent Methylalkohol( Holzgeift) löfte und auf diefe Art das unexplofible Sprengöl erhielt. Bei der Verwendung diefes unexplofiblen Präparates mufste zuerft in einem Gefäfse die entſprechende Menge davon mit dem fechsbis achtfachen Volumen Waffer behandelt werden, wobei fich das reine Nitroglycerin ausfchied, und abgelaffen wurde. Allein die Erfahrung lehrte, dafs felbft diefes Mittel nicht genüge, die Gefährlichkeit des flüffigen Sprengöles vollkommen zu befeitigen. Die Folge davon war die geringe Verwendung des Nitroglycerins in der Sprengtechnik, und dasfelbe hätte wahrfcheinlich keine Zukunft gehabt, wenn Nobel nicht im Jahre 1867 dahin gelangt wäre, durch innige mechanifche Mengung des Nitroglycerins mit Kiefelguhr( aus einer löslichen Kiefelerde beftehende Diatomaceen- Hüllen von capillarer Befchaffenheit) das„ Dynamit" darzuftellen. Es ift eben das Verdienft Nobel's durch Beigabe von Kiefelguhr, welche ein fehr grofses Flüffigkeits- Auffaugungsvermögen befitzt, das Nitroglycerin in eine Form übergeführt zu haben, in der es leicht verarbeitet und verwendet werden kann. Die Beigabe von Kiefelguhr fichert auch bei jeder Verpackungsweife den einzelnen Nitroglycerin- Theilchen eine genügende Verfchiebbarkeit, um felbft fehr heftige mechanifche Erfchütterungen ertragen zu können, ohne zu explodiren, da in diefem Präparate jedes Nitroglycerin- Tröpfchen in einer von den capillaren Kiefelpanzern gebildeten elaftifchen Hülle eingefchloffen erfcheint. Das Hauptverdienft Nobel's beſteht aber in der Erfindung, wonach ungefrorene Ladungen feines Präparates nur durch Anwendung von kleinen Mengen eines ftarken Knallpräparates, wie z. B. des Knallqueckfilbers, mit Sicherheit und Leichtigkeit zur Explofion gebracht werden können; jedoch unter der Vorausfetzung, dafs die das Knallqueckfilber enthaltende Kapfel,„ Nobel's Sprengkapfel", in unmittelbarer Berührung mit dem Dynamit zur Explofion gebracht wird. Ohne diefe Erfindung wäre es eigentlich unmöglich, das Nitroglycerin in der Sprengtechnik anzuwenden, und ohne diefelbe wäre es Dr. Brocon nicht gelungen, die volle Kraftentwicklung der comprimirten Schiefswolle zu erzielen. Die ungeheure Zerftörungskraft, welche das Dynamit befitzt, erregte in Oefterreich umfomehr die Aufmerkfamkeit des beftandenen k. k. Genie- Comités, als bis zu jener Zeit gerade die militärifch wichtigften Objecte der neueren Baukunft, die eifernen Brücken, völlig unverwundbar oder nur fehr fchwer zerftörbar waren, es daher immer mehr wünfchenswerth wurde, ein brifanteres Sprengpräparat als das Schwarzpulver für Sprengungen im Kriege zu erlangen. Reichs Kriegsminifter Feldzeugmeifter Baron Kuhn, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit eines kräftigen Präparates für die Ausrüftung der technifchen 12 Johann Lauer. Truppen kennend, liefs durch den damaligen Genie- Oberlieutenant Trauzl die Dynamitfabrication, wie folche in der zu Krümmel bei Hamburg erbauten Fabrik in Anwendung iſt, ſtudiren. Die Verfuche, welche Trauzl's Bericht zufolge mit Dynamit im Jahre 1869 vom öfterreichifchen Genie- Comité vorgenommen wurden, haben die vorzügliche Verwendbarkeit des Dynamites dargethan, und veranlafsten die Annahme des felben für die Militär- Sprengtechnik. Die weiteren in Oefterreich, vom k. k. technifchen und adminiftrativen Militärcomité unter der Leitung des k. k. Genie- Oberften Beck mit Dynamit ausgeführten Verfuche umfaffen im Allgemeinen Holz-, Ziegelmauerwerks-, Ziegelgewölb- Mauerwerks-, Bruchftein- Mauerwerks-, Eifen- und Eisfprengungen. Auch wurden Dynamit- Erdminen in gröfserer Ausdehnung verfucht. Die Refultate aller diefer Verfuche haben in aufserordentlich kurzer Zeit Kenntniffe über die Wirkungen und die Verwendung des Dynamits für Zwecke der Militärtechnik in folcher Menge geliefert, dafs diefes Präparat kaum fobald durch ein anderes verdrängt werden dürfte. Diefe Refultate kommen aber auch den Civil- Sprengtechnikern zu Gute, die fchon aus dem erften Verfuchsrefultate die eminente Wichtigkeit des Dyna mits auch für die Montaninduftrie und den Bahnbau erkannten. Dafs das Dynamit in unglaublich kurzer Zeit in der Civil- Sprengtechnik eine fehr ausgedehnte Anwendung fand, ift einestheils dem k. k. Handelsminifterium zu danken, wel ches über Antrag des k. k. Reichs- Kriegsminifteriums auf Grund der günftigen Refultate jener Verfuche, die die Sicherheit des Dynamits gegen Stofs und Feuer dargethan haben, fowohl die Einfuhr des Dynamits als auch den Transport desfelben auf Eifenbahnen geftattet. Oefterreich ift der erfte Staat, welcher alle kleinlichen Bedenken unbe achtet laffend und nur den grofsen Nutzen diefer Mafsnahme vor Augen habend, den gerechten Wünſchen der Dynamitconfumenten entgegenkam. Die weitere Verbreitung des Dynamits verdankt die Sprengtechnik dem öfterreichifchen Genie- Officier Trauzl durch Veröffentlichung eines Werkes über die Eigenfchaften und Verwendung des Dynamits in der Sprengtechnik, wodurch jedem Ingenieur die Möglichkeit geboten wird, fich eine hinreichende Kenntnifs des Dynamits zu verfchaffen. Um das Bekanntwerden des Dynamits in Oefterreich hat fich auch der energifche Chef der Firma Mahler& Efchenbacher aus Wien, Kaufmann Julius Mahler, Verdienfte erworben. Seinen Bemühungen verdankt die Dynamitfabrik in Zámky bei Prag ihre Entstehung. Noch feien die Fortfchritte erwähnt, welche feit Erfindung des Dynamits in der Erzeugung desfelben zu verzeichnen find. Die Forderungen der Bergtechnik, insbefondere des Kohlenbergbaues, drängten unabweislich zur Erzeugung eines Sprengmittels, welches mit der momentanen Entzündungsfähigkeit des Dynamits eine grofse Nachwirkung vereint. Die Folge davon war, dafs nunmehr nebft dem urfprünglichen Dynamit reines Kiefelguhr- Dynamit- jetzt Dynamit Nr. I, noch die beiden Dynamit forten Nr. II und III erzeugt werden. Auch der Uebelftand des Dynamits, das Hartwerden bei niederer Temperatur(+8 Grad Celfius), in welchem Zuftande es durch die gewöhnliche Kapfel nicht gezündet werden kann, ift durch Anwendung von befonderen Zündpatronen beho ben. Diefe Zündpatrone, von Trauzl erfunden, befteht aus Nitroglycerin, Kalifalpe ter, Harz und eigenthümlich bereitetem Holzftoffe. Trauzl hat auch ſpeciell für militärische Zwecke eine Zündpatrone aus Schiefswolle und Nitroglycerin erzeugt. Die neueſte Verbefferung in der Dynamitfabrication ift die Darftellung von Trauzl's, Cellulofedynamit". Den fortgefetzten Verfuchen Trauzl's ift es nämlich gelungen, ein Nitroglycerin- Pulver zu erzeugen, welches mit allen Vortheilen des Kiefelguhr- Dynamits Sprengtechnik. 13 e e e n er rt 1. m er ch fs er us ik its es, er er mit mit racht 10De für gt. ang Cro mits den Vortheil der Schiefswolle, gegen Einwirkungen des Waffers unempfindlich zu fein und die daraus folgenden Confequenzen vereinigt. Trauzl machte fchon 1870 bei feinen Verfuchen zur Auffindung einer geeigneten Zündpatrone für gefrorenes Dynamit die wichtige Entdeckung, dafs gewiffe organifche Auffaugftoffe die Eigenfchaft befitzen, aufgefaugtes Nitroglycerin in Waffer vollkommen feftzuhalten und trotz hohen Waffergehaltes noch vollkommen explofibel zu bleiben. Die damals verwendeten Auffaugftoffe, nitrirter Holzftoff und Schiefswolle, konnten ihrer Gefährlichkeit wegen nicht für eine Maffenerzeugung dienen. Nach vielen Experimenten fand Trauzl endlich in dem auf eigenthümliche Weife präparirten Holzftoffe einen vollkommen geeigneten Auffaugeftoff, der 70 bis 75 Percent Sprengöl aufnimmt und mit diefem ein Sprengmittel bildet, welches die Eigenfchaft befitzen foll, in Berührung mit Waffer in feinen Mifchungsverhältniffen conftant zu bleiben und nach Auspreffen und Trocknen vollkommen feine frühere Kraft zu erlangen. Bei ftarkem Wafferzufatze, bei dem es die Eigenfchaft der Zündfähigkeit verloren hat und gegen die stärksten mechanifchen Einwirkungen nahezu vollkommen unempfindlich ift, foll es feinen Nitroglycerin- Gehalt fefthalten, und bei Anwendung ftarker Knallfätze oder Zündpatronen ohne Trocknung mit hoher Kraftentwicklung explodiren. Trauzl's Cellulofe dynamit würde alfo mit der Schiefswolle alle Vortheile theilen, welche diefe gegenüber dem Nobel'fchen Dynamit befitzt. Es hätte aber gegenüber der Schiefswolle gleichzeitig jene bedeutenden Vortheile, welche dem Nitroglycerin- Pulver bisher faft überall den Sieg verfchafft haben, und fo die Urfache find, dafs in jüngfter Zeit fogar in England die Schiefswolle Schritt für Schritt an Terrain verliert. Diefes unermüdliche Beftreben, Dynamit in folcher Vollkommenheit darzuftellen, dafs dasfelbe die Concurrenz eines anderen Sprengpräparates nicht zu fürchten hat; die unausgefetzten Verfuche, welche eine richtige gewinnbringende Anwendung des Dynamits bezweckten, erklären die jährlich fich fteigernde Zunahme des Dynamitverbrauches. Die Dynamitfabrik in Zámky bei Prag, von welcher im Pavillon der modernen Sprengtechnik ein fchön gearbeiteter plaftifcher Plan ausgeftellt war, foll im Jahre 1872 circa 6000 Centner und bis Juli 1873 circa 5000 Centner Dynamit erzeugt haben, jedoch genügen diefe Mengen nicht mehr, um den gegenwärtigen Anforderungen der öfterreichifchen Eifenbahnbau Unternehmungen gerecht werden zu können, wefshalb der Bau einer zweiten Dynamitfabrik in Oefterreich, und zwar nächft Prefsburg in kurzer Zeit in Angriff genommen werden foll. Den Dynamitbedarf für Deutfchland liefert die Fabrik zu Krümmel bei Hamburg und war von diefer gleichfalls ein intereffanter Reliefplan, welcher die gefammte Fabriksanlage zur Anfchauung brachte, von Mahler ausgeftellt. Im Jahre 1872 foll diefe Fabrik circa 9400 Centner und bis Juni 1873 circa 8000 Centner Dynamit erzeugt, und einen Theil hievon nach Oefterreich, Italien und der Türkei verfendet haben. Aufser in Oefterreich und Deutſchland beftehen noch Fabriken, welche Nobel'fches Dynamit erzeugen, in Schweden und in Amerika. Die Ausftellung der Erzeugniffe der Dynamitfabrik in Zámky, veranlafst durch Mahler im Pavillon der modernen Sprengtechnik, war eine vollſtändige. Es befanden fich dafelbft alle zur Erzeugung von Dynamit nöthigen Rohmaterialien, als: grüne und rohe Kiefelguhr, wie folche in der Nähe Hamburgs gegraben wird; gebrannte und pulverifirte Kiefelguhr; dann Glycerin, Schwefelund Salpeterfäure. Von letzteren dreien waren folche Mengen in Gläfern vertheilt, wie fie zur Darstellung von einem Pfund Nitroglycerin verwendet werden. Ferner war auch das Verhältnifs jener Mengen von Nitroglycerin und Kiefelguhr, in welchem diefe Materialien zur Bereitung von einem Pfund Dynamit Nr. I erforderlich find, veranfchaulicht. 14 Johann Lauer. Die Dynamitforten Nr. I, Nr. II und Nr. III, dann die Zündpatronen. Mifchung waren in Imitation ausgeftellt. Dynamit Nr. I ift eine lichtorange oder gelbbraune, feinkörnige, plaftifche, fich etwas fett anfühlende Maffe, welche im ftark zufammengeprefsten Zuftande ein fpecififches Gewicht von 16 befitzt. Es enthält 75 Percent Nitroglycerin, welches durch 25 Percent Kiefelguhr abforbirt und hiedurch gegen mechanifche Einflüffe nahezu unempfindlich gemacht worden find. Der Centner diefer Dynamit forte koftet 100 fl. öfterr. Währung. Dynamit Nr. II und III find röthlich braun und beträgt ihr fpecififches Gewicht 13. Dynamit Nr. II hat 50 Percent Nitroglycerin, 10 Percent Kiefelguhr und einen Zufatz von falpetrifirtem Holzmehle, Soda etc. Beim Dynamit Nr. III beträgt der Nitroglycerin- Gehalt nur 30 Percent. Der Zollcentner Dynamit Nr. II koftet 80 fl., jener von Nr. III 62 fl. Die Zündpatrone zur Zündung gefrorenen Dynamits enthält ein Nitroglycerin- Pulver, von röthlichem Anfcheine, welches aus 45 Percent Nitroglycerin, 38 Percent Salpeter, 8 Percent Holzmehl, 4 Percent Harz, 1 Percent Soda und 4 Percent Kiefelguhr befteht. Der Zollcentner diefer Zündmifchung koftet 110 fl. öfterreichiſcher Währung. Bezüglich der Anwendbarkeit diefer Dynamitforten in der Sprengtechnik fei bemerkt, dafs Dynamit Nr. I vorzüglich in der Militär- Sprengtechnik, dann bei Sprengungen unter Waffer und überall dort Anwendung findet, wo die Ladung zur Zerftörung eines Objectes ohne jede Verdämmung angebracht wird. Auch in Schächten und Stollen wird bei Sprengungen in fehr feftem, maffigem Gefteine Dynamit Nr. I angewendet. Dynamit Nr. II und III eignen fich vorzüglich in Steinbrüchen zur Gewin nung von Bruchfteinen und zu allen Sprengungen in Kohlen Bergwerken. Die Wahl einer oder der andern Sorte richtet fich nach dem Härtegrade des Mittels, in welchem gefprengt wird. Im Handel wird Dynamit hauptfächlich in Patronenform umgefetzt. Die Patronen jeder Dynamitforte haben I Zoll oder 7 Zoll Durchmeffer und 4 Zoll oder 2 Zoll Länge. Zur Entzündung diefer beiden Sprengpatronen- Gattungen werden noch fogenannte Auffatzpatronen erzeugt, in welche bei Bohrfchüffen die Sprengkapfel nebft Zündfchnur eingeführt und auf die Sprengladung auf gefetzt wird. Jede Spreng- Patronengattung ift mit einer entſprechenden Anzahl Auffatzpatronen in Packete( zu 5 Zollpfund), diefe wieder in Kiften( 50 Zollpfund) ver packt, welch' letztere mit Plombe und Schutzmarke verfehen find. Die Zündpatronen für gefrorenes Dynamit find nur in kleinen Kiften verpackt. Lediges Dynamit, nur auf befonderes Verlangen beziehbar, wird zu 50 Pfund in Fäffern verpackt, welche gleichfalls Schutzmarke und Plombe erhalten. In dem Pavillon der„ modernen Sprengtechnik" waren die verfchiedenen Spreng- und Zündpatronen des Handels, fowie die erwähnten Verpackungsarten dem Befucher in überfichtlicher Weife vor Augen geführt. Auch waren Wärme apparate, in welchen gefrorenes Dynamit in der Regel vor feiner Verwendung aufgethaut werden foll, ausgeftellt. Dasfelbe war der Fall mit allen zum Erzeugen von Patronen aus ledigem Dynamit erforderlichen Requifiten, wie: hölzerne Lad ftöcke, Holzfchüffeln, hölzerne Löffel und Gummi- Handfchuhe. Von A. Eck ft ein in Wien, waren aus vegetabilifchem Pergamentpapier erzeugte und mit einer wafferdicht fchliefsenden Compofition geleimte Patronenhülfen für Dynamit ausgeftellt. Die Aufmerkfamkeit der Fachmänner erregte insbefondere ein vom öfterreichifchen Genie Hauptmann Hefs zufammengeftellter Apparat. Es besteht nämlich bis jetzt noch kein Apparat, mit welchem die Kraft des Dynamits directe gemeffen werden kann; wefshalb man zur Beurtheilung r I e t t k i n e n де 11 en f. شب به e 2- r en zu en. en en e ng en ad. ier en. er-aft ing Sprengtechnik. 15 diefes und ähnlicher Präparate gezwungen ift, fich mit der Beftimmung des Nitroglycerin- Gehaltes der Nitroglycerin- Pulver zu begnügen. Hefs hat nun einen Apparat zufammengeftellt, welcher geftattet, mit einem Minimum von Aether in kurzer Zeit allen NitroglycerinPulvern den Gehalt an Sprengöl vollständig zu entziehen und durch zwei Wägungen und eine kurze Extractionsoperation den Handelswerth eines, folchen Präparates rafch zu ermitteln. Im Principe mit Payens vielfeitig benütztem Apparate für fortgefetzte Deftillation übereinftimmend, unterfcheidet er fich von diefem durch die Verwendung der ein für allemal zu wägenden Eprouvette f, deren Boden durchlocht ift, und welche die Beftimmung hat, eine Probe des zu prüfenden Präparates aufzunehmen, dann durch die äufsere Kühlung der Extractionsröhre r mit fliefsendem Waffer, das den Zwifchenraum zwifchen diefer und dem Glascylinder m m ausfüllt. Im Uebrigen mag die Einrichtung und der Gebrauch diefes Apparates dem chemifchen Techniker fchon aus der Figur klar werden. Das vom Genie- Hauptmanne Hefs ausge ftellte Reagenspapier hat den Zweck, die Nitroglycerin- Präparate auf etwa in ihnen auftretende nitrofe Zerfetzungsproducte zu prüfen. Die Ausftellung des Nobel'fchen Dynamits im Pavillon der modernen Sprengtechnik in fo vollendeter und überfichtlicher Weife ift begründet durch den hohen Werth, welchen diefes Präparat als erften Repräfentanten der Nitroglycerin Pulver in der Sprengtechnik, und zwar fpeciell in Oefterreich einnimmt. Andere Nitroglycerin- Pulver waren auf der Ausstellung des Jahres 1873 nicht vertreten; allerdings haben ein Theil derfelben, wie das weifse Dynamit der Fabrik zu Sct. Lambrecht in Steiermark, keine bedeutende Verwendung aufzuweifen; immerhin wäre es erwünſcht gewefen, den Lithofracteur von Krebs& Comp. zu Deutz, welcher nächft Dynamit das bekanntefte und in anderen Staaten gebräuchlichfte Nitroglycerin- Pulver ift, vertreten zu fehen. Intereffant wäre auch eine Expofition jener Dynamitforten gewefen, welche während der Vertheidigung von Paris von Champion dortfelbft erzeugt wurden. Champion nahm zur Auffaugung von 55 Percent Nitroglycerin 45 Percent Boghead-( Kohlen-) Afche. Durch Ausftellung der genannten Nitroglycerin- Pulver wäre die Gruppe " Sprengmittel" vollständig gewefen. Zündmittel. Die aufserordentlichen Vortheile, welche bei Spreng. arbeiten durch die gleichzeitige Zündung mehrerer Ladungen erreicht werden, und die endliche Erkenntnifs diefer Vortheile, erklären, dafs in letzterer Zeit vornehmlich das Beftreben obwaltete, Zündmittel zu erhalten, welche die nahezu gleichzeitige oder momentane Zündung vieler Objecte zulaffen. Es waren daher auf der Ausftellung nebft den gewöhnlichen langfambrennenden Zündfchnüren noch die rafchbrennenden Zündfchnüre und die elektrifche Zündung ganz entſprechend vertreten. Von den langfambrennenden Zündfchnüren waren ausgeftellt: Sicherheitszünder von P. Heigl in Innsbruck; von der englifchen Sicherheitszünder2 16 Johann Lauer. Fabriks- Actiengeſellſchaft in Meiffen; von Howke& Martin in Genf; von Bickford- Smith& Comp. in Tückingmill, Cornwall; von Th. Winborg von Lindolen's Compagnie in und von Liljeholmen in Stockholm; Chriftiania. Alle diefe Zündfchnüre haben Pulverfeelen, welche mit Rücksicht auf die Verwendung der Zündfchnüre in trockenen, feuchten oder naffen Mitteln, auf verfchiedene Art umfponnen und weniger oder mehr mit Kalk, Theer etc. gedichtet werden. Nach dem Zwecke, für welchen diefe Zündfchnüre erzeugt find, unterfcheidet man gewöhnliche, Sumpf- und wafferdichte Zündfchnüre. Unter letzteren verfteht man meiftens die mit Guttapercha- Umhüllungen verfehenen Zündfchnüre für Zün dungen unter Waffer, in welchem fie felbft bis auf 15 Fufs Tiefe brennen, während mit den Sumpfzündfchnüren höchftens auf acht Fufs Tiefe unter Waffer gezündet werden kann. Die rafchbrennenden Zündfchnüre, bis jetzt ausfchliefslich in der MilitärSprengtechnik angewendet, ermöglichen die nahezu gleichzeitige Zündung mehrerer Ladungen. In Oefterreich ift die vom beftandenen k. k. Geniecomité dargestellte Bleizündfchnur" in Anwendung. Die Veranlaffung zur Erzeugung diefer Zündfchnur gab die amerikanifche rafchbrennende Zündfchnur„ fafety fufe". Diefelbe enthält ein Zündband, auf welchem eine alkoholifche Mifchung aus gleichen Theilen Bleieifen- Cyanürs und chlorfaurem Kali aufgetragen ift. Der öfterreichifche Geniegeneral Baron Ebner war nun beftrebt mit diefer Zündmifchung Wollfäden zu imprägniren und diefe mit einer entſprechenden Umhüllung zu verfehen. Er projectirte einen Apparat, welcher diefe Wollfäden durch die erwähnte alkoholifche Mifchung zieht und diefelben, nachdem fie mit diefem Satze behaftet find, felbftthätig mit einem Bande umhüllt. Nach vollſtändiger fcharfer Trocknung wird die Schnur nach einem vom öfterreichifchen Genie- Hauptmanne Thill ausgebildeten Verfahren mit dünnem Blei umhüllt, refpective in ein Bleirohr eingezogen und diefes an die Zündfchnur geprefst, wodurch diefelbe vor allen äufseren Einflüffen gefchützt ift. Das grofse Gewicht der Bleiumhüllung und die Sprödigkeit des Bleies bei grofser Kälte veranlafsten den öfterreichen Artillerie- Hauptmann Trawniczek die Bleihülle durch eine Kautfchukhülle zu erfetzen. Für die Imprägnirung der Wollfäden wählte Trawniczek eine Mifchung aus gleichen Theilen Schwefelantimon und chlorfaurem Kali, einen Satz, deffen Beftandtheile überall leicht zu haben find, und der zur völligen Mifchung kaum ein Viertel jener Zeit braucht, wie die aus Bleieifen- Cyanür und chlorfaurem Kali beftehende Satzmifchung. Die Fortpflanzung des Feuers ift eine ungemein rafche, denn 100 Klafter einer der beiden rafchbrennenden Zündfchnüre haben nur drei Secunden Brenndauer. Trotz der vielen Vorzüge diefer Zündfchnüre, entſprechen diefelben bis jetzt noch nicht vollständig den Grundeigenfchaften, welche man an eine tadellofe Zündmethode ftellt, nämlich: fichere und rafche Wirkung felbft aus grösserer Entfernung; Gleichzeitigkeit in der Zündung verbundener Ladungen; fortdauernde Erhaltung der Zündfähigkeit; und leichte Anwendung in jedem Medium. Solchen Anforderungen kann nur die Zündung mittelft Elektricität voll ftändig genügen, und es ift das grofse Verdienft des öfterreichifchen Generals Baron Ebner die Wichtigkeit der elektrifchen Zündung für Kriegszwecke zuerft erkannt und diefe hiefür nutzbar gemacht zu haben. Die Benützung der Principien der Elektricität zum Zünden von Spreng ladungen läfst fich in folgende drei Operationen theilen: a) Erregung der erforder lichen elektriſchen Spannung; b) Herftellung der Strombahn oder Leitung; c) Einfügung der Unterbrechungsftellen an jenen Orten, wo die Zündung erfolgen foll t e d T h t Sprengtechnik. 17 Man unterfcheidet daher bei jeder elektrifchen Zündung: Die Zündmafchine, die metallifche Leitung und den elektriſchen Zünder. Im Pavillon der modernen Sprengtechnik konnte man alle elektriſchen Zündapparate, welche überhaupt auf der Ausftellung vertreten waren, in einer Gruppe vereint fehen. Man fand dort reibungs- elektrifche, magneto- elektriſche, galvanifche, dynamo- elektriſche und elektro- magnetifche Zündapparate. In Oefterreich find reibungs- elektriſche Zündapparate im Gebrauch. Ebner fand durch die Praxis die Anficht beftätigt, dafs das fchwierige Problem der Minenzündung, die gleichzeitige Entzündung vieler Sprengladungen, am leichteften durch Elektricität von hoher Spannung, alfo durch Reibungselektricität gelöft werden könne. Er hat daher anfänglich der Elektrifirmafchine eine für diefen befonderen Zweck geeignete Einrichtung gegeben. R. er ei k on d. us er n. Dis ofe er גן. m. oll on int ng. er in لاد S blows 2* 18 Johann Lauer. b a gehäufe, in welchem Kautfchukcylinder und Der ältefte Ebner'fche Zündapparat ift eine Elektrifirmafchine mit zwei Scheiben s aus Glas von zehn Zoll Durchmeffer und einem Glasconden fator. Die Erregung der Elektricitäten gefchieht durch Reiben der Glasfcheiben mit auf Reibkiffen R aufgetragenem Amalgam.- Die Entladung der Leyd nerflafchef zum Zwecke einer Zündung oder zur Prüfung der Mafchine, wird durch die beig angebrachte Entladevorrichtung bewirkt. Diefer trag. bare Apparat ift für den Gebrauch in Feftungen vollkommen entſprechend. Bei dem E b'n e r'fchen Feld Zündapparate find die beiden Scheiben S aus Hartgummi, haben wie beim Feftungsappa rate zehn Zoll Durchmeffer und wird mit der durch Reiben des Hartgummi mit Amalgam erregten Elektricität ein Condenfator C aus weichem und gefirnifstem Kautfchuk geladen. Die fer Condenfator, ein Hohlcylinder, ift unterhalb des Reibungsapparates angebracht und kann durch den Entlader him geeigneten Momente mit der Leitung in Verbindung gebracht werden. Der Apparat ift wie ein Tornifter tragbar und wird beim Gebrauche auf ein dreifüfsiges Geftell befeftigt. Der letzte von Ebner conftruirte Reibungsapparat ift der elek trifche Cylinder- Zündapparat, bei welchem die Elektricität durch Dehnung eines Kautfchukcylinders a zwifchen zwei Pelz- Reibzeugpaaren b erzeugt und in einen Conden fator q von weichem Kautfchuk angefammelt wird. wird. Das MetallCondenfator angebracht find, trägt die Entladungsvorrichtung und ift luftdicht verfchloffen, fo dafs diefer Apparat von äufseren Einflüffen unabhängiger als die beiden erfteren gemacht ift. t S h 1. ce r e, e- ㄡ ˋ en en en nd S en DachHer mit ein and Die. er, tes Ent nte ing arat und reiconlek bei urch ersa aren denchuk etall trägt Darat Sprengtechnik. 19 Für Bergwerke wird vom Ingenieur Abegg zu Biftritz in Böhmen ein elektrifcher Zündapparat erzeugt, bei, welchem ein Cylinder mit Pelz gerieben wird und der Condenfator aus einem Glasgefäfse befteht.- Am Apparate ift keine Entladungsvorrichtung vorhanden, da fich der Condenfator bei gehöriger Spannung von felbft entladet. Derfelbe ift in einem maffiven Gehäufe luftdicht gefchloffen und entspricht befcheidenen Forderungen vollkommen. Eine zweite Eigenart öfterreichifcher Zündapparate find die magneto- elektrifchen Zündapparate vom Mechaniker S. Markus in Wien. Geniegeneral Baron Ebner hat durch Aenderung der bei den reibungselektrifchen Zündapparaten verwendeten Spaltzünder ihre Empfindlichkeit derart gefteigert, dafs man hoffen konnte, das Problem der gleichzeitigen Zündung auch durch die fchwächeren Spannungsftröme magneto- elektrifcher Mafchinen in genügender Ausdehnung zu löfen. Die Anregung und Unterſtützung des beftandenen k. k. Genie- Comités haben Markus in den Stand gefetzt, magneto- elektriſche Zündapparate mit kurzer Bewegung zu erzeugen. Die Figur ftellt den Apparat vor Augen. Die Pole des hufeifenförmigen Stahlmagnetes M liegen zunächft der oberen Deckplatte. Mit dem Handgriffe H E H KT M kann, indem man ihn nach rechts dreht, der im Apparate liegende Anker in eine neue Stellung gebracht werden. Hiebei wird eine ftarke Feder gefpannt, aber der Zurückgang des Ankers ift durch das Einfallen eines Sperrkegels K verhindert. Läfst man durch Niederdrücken des Kopfes 7 die Sperrvorrichtung aus, fo fchnellt der Anker in feine Ruhelage zurück, und in den ihn umgebenden Drahtgewinden entwickelt fich ein elektriſcher Strom, welcher durch die untere, mit Z bezeichnete Schraubenklemme in den Leiftungskreis eintritt, und durch die obere mit E bezeichnete Schraubenklemme in den Apparat zurückkehrt. - Von diefem Apparate waren drei Gattungen mit verfchiedenen Stärkegraden ausgeftellt. Diefer Apparat befitzt die höchft wünfchenswerthen Eigenfchaften der einfachen Handhabung, der fteten Wirkungsfähigkeit und der Unabhängigkeit von äufseren Einflüffen in hohem Grade. Die Leiftung des Apparates hängt hier insbefondere von der Güte der angewendeten Zünder ab. Nach Verfuchen ift die gröfste Wirkung des Apparates das gleichzeitfge Abfprengen von acht Zündern, welche am Ende einer unter Waffer liegenden Doppelleitung aus Guttapercha- Draht à 800 Klafter Länge eingefchaltet find. Diefer Apparat ift gegenwärtig bei den preufsifchen Pionnieren eingeführt. Markus magneto- elektrifcher Rotationsapparat unterfcheidet fich von dem früher befchriebenen Apparate dadurch, dafs bei ihm eine continuirliche Drehung alfo eine fortwährende Stromerzeugung ftattfindet. Er wird in Fällen, wo man den elektrifchen Strom in rafcher Folge zu verfchiedenen Objecten gelangen laffen will, angewendet. In Deutfchland werden von A. Bornhardt, herzoglichem Hof- Mechaniker in Braunfchweig" Patent- Zünd- Elektrifirmafchinen" erzeugt. Der Reibungsapparat diefer Mafchine beſteht aus einer Hartgummifcheibe F von 26 Centimeter Durchmeffer, welche durch Reibung zwifchen Pelzwerk R elektrifch wird. Die Elektricität wird durch den Saugapparat Jin dem Flafchen- Conden fator H angefammelt. Die Elektrifirmafchine befindet fich in einem luftdicht verfchloffenen Blechkaften, in welchen zum Trockenhalten noch Rollen A mit Waffer, abforbirenden Subftanzen( Kohle) eingelegt find. Diefer Apparat, obgleich fehr kräftig und den Forderungen im Bergbaue vollkommen entsprechend, fteht den Ebner'fchen Apparaten an Wirkung nach. 20 Johann Lauer. R J F F A A √b H б H Die preufsichen Pionniere hatten früher für die Zündung mittelft galvanifcher Elektricität den Zellenapparat in ihrer Ausrüftung. Derfelbe ift eine aus 36 Kupfer- Zink- Elementen beſtehende galvanifche Batterie. In Deutſchland findet der dynamo- elektrifche Zündapparat von den Mechanikern Siemens und Halske in Berlin Anwendung. Diefe benützen zur Entwicklung kräftiger Inductionsftröme die Rotation einer Drahtfpule zwifchen zwei Elektromagneten, die, urfprünglich fchwach ange. regt, durch die mechanifche Arbeit der Spulendrehung bald verftärkt werden, indem der Spulendraht fich in Windungen um deren Armen fortfetzt. Im geeigneten Momente wird die Verbindung der Spule mit den Magneten unterbrochen, und der Inductionsftrom in die Leitung entfendet. Jedoch auch diefer Apparat fteht den Reibungsapparaten nach. Frankreich war nur durch einen und zwar durch Breygúnet's magnetoelektriſchen Zündapparat vertreten. Diefer Apparat beſteht aus einem conftanten Stahlmagnete NO S, auf deffen Ende je eine Drahtfpule E E aufgefchoben ift.- Der Anker A A, welcher gewöhnlich an den Polen aufliegt, wird nach Herausziehen der Sperrvorrichtung X, im Momente der beabfichtigten Zündung, durch einen ftarken Schlag auf den Kopf B des bei a beweglichen Hebels abgeriffen. Durch das Abreifsen des Ankers kommt der Magnetismus der Schenkel zur Geltung, indem er in den Spulen E E einen Strom erzeugt, der dann durch gehörige Schaltung in die Zündleitung, refpective zu den Zündern gelangt. Diefer Apparat im Vereine mit einer Spule Guttaperchadraht auf einem Geftelle befeftigt, kann von einem Manne am Rücken getragen werden.- Der Guttaperchadraht haf zwei Kupferadern deren einen Enden im fteten Contacte mit dem Apparate find, während die beiden anderen Enden nach Auslegen des Drahtes, was ohne Herabnehmen der Spule gefchieht, mit dem Zünder verbunden werden. Diefer Apparat foll gegenwärtig bei den Verfuchen des franzöfifchen Geniecorps angewendet werden. n 1, d nt af er g n el m er te es en e- h er 6 Sprengtechnik. 21 Der Collection elektriſcher Zündapparate waren auch noch jene Apparate beigegeben, welche wie die Luftthermometer und der Funkenmikrometer, zum Prüfen des elektrifchen Funkens auf Wärmemenge dienen. Die ausgeftellten Funkenplatten und Blitztafeln genügen nicht zur Unterfuchung elektrifcher Zündapparate. Der zweite bei der elektrifchen Zündung in Betracht kommende Factor ift die Leitung, welche die vom Zündapparate gelieferte Elektricitätsmenge zu der zu fprengenden Ladung führen, fomit aus einer ftetigen Folge von guten Elektricitätsleitern beftehen muſs. Man unterfcheidet bei einer jeden elektriſchen Leitung die Luft- oder Hinleitung, in welcher die Elektricität vom Apparate bis zu ihrem Wirkungsorte auf wohl ifolirten Metalldrähten angewiefen ift, und die Erd- oder Rückleitung, bei welcher die Elektricität durch den Erdboden oder durch einen fonftigen Leiter zum Apparate rückgeleitet wird. dodom Nachdem mit einem Zündapparate eine um fo gröfsere Zahl vollkommen gleichartig erzeugter elektriſcher Zünder momentan gefprengt werden können, je ifolirter auch die Rückleitung ift, fo wendet man bei wichtigen Sprengungen BREGUET 0 E 0 E A α A B X 22 Johann Lauer. ( Kriegsfprengungen) wo auf einen ficheren Erfolg gerechnet wird, ftets ifolirte Haupt- und Rückleitung an. Zu den Drahtleitungen für elektrifche Zündungen werden gewöhnlich ver. wendet: Meffingdraht, Guttaperchadraht und Drahtkabeln.gaze Der Meffingdraht wird für Hauptleitungen, manchmal auch für Rückleitun gen an Ifolatoren befeftigt, deren Glocken aus Glas, Porcellan oder Kautschuk erzeugt find. Eine Gattung der Ifolatoren von der Form der Nagelbohrer haben Hefte aus Horn mit zwei Einfchnitten zum Einlegen der Drahtleitung und werden in Braunfchweig vom Mechaniker Bornhardt angefertigt. Der Guttaperchadraht enthält gewöhnlich nur einen Kupferdraht, welcher durch Umpreffung von Guttapercha vollständig ifolirt wird. Bei Kabeln wird der Guttaperchadraht durch Hanf und Blech- oder Fifendraht- Umhüllungen befonders widerftandsfähig gemacht. Die Drahtkabel ent halten meiftens mehrere Drahtadern. Der Pavillon der modernen Sprengtechnik enthielt nur die in Oefterreich angewendeten Drahtleitungen. Sonft hatten folgende Firmen in der Gruppe XIV ausgeftellt: Siemens Brothers in London; Hoopers Telegraph Works in London; The India Rubber; Guttapercha et Telegraph Works Company in London; Telegraph Conftruction and Maintenance Company; Bonis C. in Paris; Le gay C. in Paris. Die verfchiedenen Kabelconftructionen find bei der erwähnten Gruppe befprochen. Der dritte wichtige Factor der elektrifchen Zündung ift der Zünder, welcher die Anbringung von Unterbrechungsftellen in der Leitung an jenen Orten geftattet, wo die Zündung der Sprengladung durch Vermittlung eines, von einem kleinen elektrifchen Funken noch mit Sicherheit entflammt werdenden Stoffes erfolgen foll. Mit Ausnahme des Zünders für galvanifche Elektricität, müffen alle elektrifchen Zünder, mag deren Conftruction wie immer befchaffen fein, diefen Forderungen entſprechen. Von den elektrifchen Zündern find Pulver und Dynamitzünder zu unterfcheiden. Genügt bei erfteren fchon der Zünderfatz zum Zünden der Ladung, fo mufs bei letzteren noch eine Nobel'fche Sprengkapfel eingefetzt werden. Zu diefer Gattung können auch die in England angewendeten elektriſchen Zünder für die Entzündung von comprimirter Schiefswolle gerechnet werden. Diefelben enthalten nebft dem Zündfatze noch lofes Knallqueckfilber. An elektrifchen Zündern waren in ihren verfchiedenen Erzeugungsftadien ausgeftellt für Reibungs- Elektricität Pulverzünder nach den Syftemen Ebner und Bornhardt; Dynamitzünder vom Werkführer- Affiftenten Geitner desk. k. tech nifchen und adminiftrativen Militärcomité, dann von den k. k. Hauptleuten J. Schmidt des Genieftabes und Trawniczek des Artillerieftabes. Für elektro- magnetifche Apparate: Pulverzünder von Ebner und die engli fchen Schiefswollzünder von Abel( Director des chemifchen Departements in Woolwich) endlich Zünder nach preufsifchem Syfteme für Zellenapparate. Die Zündmifchung der Zünder für Reibungs- und für galvaniſche Elektrici tät befteht aus gleichen Theilen Schwefelantimon und chlorfaurem Kali. Bei dem Zünder für elektro- magnetifche Zündapparate, welche empfindlicher als erftere fein müffen, ift bei den öfterreichifchen Zündern der erwähnten Zündmifchung noch ein Graphitpulver beigemengt. Bei den englifchen Zündern befteht der Zündfatz aus Phosphorkupfer, chlorfaurem Kali und Schwefelkupfer. * Bei Zündern für galvanifche Elektricität ift ftatt der Unterbrechungsftelle ein feiner Platindraht im Zünder eingefchaltet, welcher, durch den galvanifchen Strom zum Glühen gebracht, die Zündmifchung entzündet. ce Sprengtechnik. 23 n n er h $ e Verfuche, Zünder zu conftruiren, bei welchen ftatt der Beimengung des Graphitpulvers eine Graphitbrücke zwifchen den Elektroden gemacht und diefe mit einer Nadelfpitze geritzt wird, haben fich nicht bewährt. Ebenfo wurde die Erzeugung der Zünderkörper aus Guttapercha, welche eine fehr rafche Fabrication möglich machte, aufgegeben, da die flüchtigen Oele der Guttapercha den Zündfatz verderben. Die Zünderkörper wurden in letzterer Zeit entweder aus einer Harzmifchung geprefst oder, was noch beffer ift, aus einer Maffe, beſtehend aus Schwefel und Glaspulver( oder Cement, Porzellanerde etc.), gegoffen. Die Befchreibung aller der erwähnten Zünder würde zu weit führen, und es genügt, die Befchreibung des von J. Schmidt und Trawniczek für Reibungsapparate conftruirten Dynamitzünders anzugeben, welcher bezüglich Verläfslichkeit und folider Conftruction alle anderen Zünder übertrifft. Das Meffingröhrchen und der Meffingdraht 123 find mit einer feften Maffe ( aus Schwefel und Glaspulver) a umgoffen und hat der Draht bei 2 eine feine Spalte, über welcher unmittelbar das Röhrchen mit einem Zündfatze e verfehen ift. Auf dem Zündfatze fitzt ein Schiefspapierplättchen d, darauf eine mit einem Gramm Knallqueckfilber gefüllte, aufsen mit Schellack beftrichene Kapfel k, welche fchliefslich durch einen Pfropfen aus plaftifcher Maffe gegen das Herausfallen und gegen den Einflufs der Feuchtigkeit gefchützt wird. b m S n 0 f 3. d 1. n i- n i- h Z 1. 3 a Eine befondere Sorgfalt ift bei diefen Zündern auf die Unveränderlichkeit, Feinheit und Gleichheit der Spalte verwendet, denn durch diefe und die niedere Zündungstemperatur des Zündpräparates ift die Empfindlichkeit des Zünders bedingt. Die Unterbrechungsfpalte wird mit einer fehr feinen Scheere erzeugt, und fodann die Gröfse der Spalte mittelft eines aus einer Smee'fchen Batterie, einem kleinen Rumkorff und einer Queckfilberwippe zufammengefetzten Apparates geprüft, bei welchem beim Schliefsen des Stromes ein Funken überfpringt. Werden zur Herftellung der Spalte Scheeren mit genau gleichen Schneiden benützt und wird beim Einfchal ten des Zünders in den Unterfuchungsapparat ftets ein Funken von gleich grofser Schlagweite fichtbar, fo kann man annehmen, dafs die Zünder bezüglich ihrer Widerstände nur wenig differiren, folglich beim Zünden vieler Objecte ein Verfagen einzelner unmöglich wird. Diefem Zünder kommt an Güte der von Geitner conftruirte am nächften, und dürfte derfelbe in der Civil- Sprengtechnik grofse Anwendung finden. Die vielen Syfteme von elektrifchen Zündapparaten nebft den zugehörigen Zündern, welche auf der Ausftellung vertreten waren, fprechen deutlichvon dem Beftreben, der elektrifchenZün dung in derSprengtechnik eine nutzbringende und ausgiebige Verwerthung zu fichern. Wenngleich anfänglich der Werth der elektrifchen Zündung nur vom Kriegsingenieur erkannt wurde, indem er darin das Mittel fand, Minen, feien diefelben in der Erde in einer Befeftigung, im Waffer etc. angelegt, in dem Momente felbft aus grofser Entfernung fpielen zu laffen, in welchem der Feind fich in ihrem vollen Bereiche befindet, fo ift fie nichts deftoweniger auch dem Civilingenieur von Vortheil. Es entfällt durch die Zündung genau im Augenblicke des gegebenen Signales die gewöhnliche Urfache, welche in Steinbrüchen, im Bergbaue und fonftigen Sprengarbeiten die Gefährdung der Arbeiter und nur zu oft den Verluft ihres Lebens veranlafst. Thatfächlich kommen bei Stein- Sprengarbeiten, wo die elektrifche Zündung angewendet wird, bedeutend weniger Unglücksfälle vor als bei Anwendung der gewöhnlichen Sicherheits- Zündfchnur. Durch das gleichzeitige Sprengen mehrer Bohrfchüffe, deren Wirkungsfphären in einander greifen, wird auch eine grössere 3 24 Johann Lauer. Ausbeute erzielt. Zündungen von Ladungen auf mehr als 8 Fufs Tiefe unter Waffer können nur auf elektrifchem Wege ficher und einfach vorgenommen werden. Trotz diefer Erwägungen wird jedoch die Anwendung der elektrifchen Zündung nur langfam Verbreitung finden, weil dem Ingenieur ein Leitfaden zur Benützung diefer Zündmethode bis jetzt nicht zugängig ift. Durch ausgeftellte Zündapparate und Zünder allein wird fich der Laie über die Tragweite diefer Zündungsart und über die Grundfätze, nach welchen fie anzuwenden ift, kein Urtheil bilden können. Noch fei einer befonderen Methode der Zündung Erwähnung gethan, welche mittelft der elektriſch- automatifchen Zünder bewirkt wird. Solcher Zünder fah man im Pavillon der modernen Sprengtechnik zwei Gattungen: einer vom k. k. General Baron Ebner für Seetorpedo, und einen vom k. k. Geniehauptmann Trauzl für Landminen conftruirt. Durch Ebner's Zündvorrichtung wird im Momente, als das Schiff an den verfenkten Torpedo anftofst, der im Torpedo befindliche elektrifche Zünder in die Leitung eingefchaltet, gleichzeitig ein Extraftrom von hoher Spannung gebildet, welcher die Entzündung des Zünders bewirkt. Bei Trauzl's activirțem automatifchem Zünder erfolgt die Zündung auf mechanifchem Wege durch Anftofs oder Tritt, indem die mechanifche Gewalt der letzteren eine Percuffionszündung in Wirkfamkeit bringt. Die Activirung des Zünders gefchieht durch die Einfchaltung desfelben in einen elektriſchen Stromkreis, der aber im Zünder felbft fo lange unterbrochen ift, als nicht ein Stofs oder Druck gegen die Zündvorrichtung ausgeübt wird. Durch den Stromfchlufs wird ein mit der Zündvorrichtung verbundener kleiner Elektromagnet activirt, der Anker desfelben angezogen und dadurch eine Hemmung, welche im unactivirten Zuftande trotz Stofs an dem Zünder die Entzündung hindert, befeitigt, mithin der Zünder in Wirkfamkeit gefetzt. Ift die Leitung in der Zündftation ausgefchaltet, fo kann die Zündvor richtung nicht in Thätigkeit treten. Lehrmittel- Ausftellung und Verfuchsdarftellungen. Diefe Gruppe gab theils durch plaftifche, theils durch bildliche Darftellungen eine fyftematifche Belehrung über das in den erften drei Gruppen zur Darftellung gebrachte Materiale, aufserdem neue literarifche Werke und endlich einige intereffante und praktifch wichtige Beiſpiele, durch welche die Kraft der neueren brifanten Sprengmittel, fpeciell ihres wichtigften Repräfentanten, des Nobel'fchen Dynamits, zur Anfchauung gebracht werden follen. In II Caffetten waren Spreng- und Zündmittel ausgeftellt. Eine Caffette enthielt die im Handel vorkommenden Spreng-, Auffatzund Zündpatronen, dann folche Sprengpatronen, welche für Sprengungen unter Waffer befondere Patronenhülfen erhalten und aufserdem gedichtet werden müffen, endlich die drei Gattungen Nobel'fcher Sprengkapfeln mit 03, 04 und 0.5 Gramm Knallqueckfilber- Füllung. Ueberdiefs war die Verpackungsart diefer Kapfeln zu 50 und 100 Stück in Blechbüchfen veranfchaulicht. In der zweiten Caffette fah man die in Oefterreich gangbaren, langfam brennenden Zündfchnüre, deren Verbindung mit der Sprengkapfel und der Herrichtung zum Zünden. Diefen anfchliefsend war die amerikaniſche und öfterreichische rafch brennende Zündfchnur, letztere in ihrem Erzeugungsftadium und in Verbindung mit der Sprengkapfel. Der dritte Carton enthielt Trawniczek's Zündfchnur in den verfchiedenen Stadien der Erzeugung, dann die in Oefterreich gebräuchlichften Drahtleitungen für elektriſche Zündungen, von welchen jene vom Werkführer Affiftenten Geitner des k. k. technifchen Militärcomités für Zündungen von Bohrladungen Erwähnung verdienen. Es werden für diefen Zweck Doppeldrähte in Holzftäben oder in einem Papierbande ifolirt eingezogen. Sprengtechnik. 25 er n. en ur te Cer -in an, vei en en in ng auf Mer en en rd. her rch die For efe ine tel. ich raft Cen, atzgen den 04 sart fam der und lium enen gen nten gen Holz Die weiteren vier Caffetten enthielten elektrifche Pulver, Dynamitund Schiefswoll- Zünder nach den Syftemen von Ebner, Trawniczek, Schmidt, Geitner, Bornhardt und Abel. In den anderen Caffetten waren die Verbindungen der rafch brennenden Zündfchnüre, der elektriſchen Drahtleitungen, dann der Drahtleitungen mit den verfchiedenen elektrifchen Zündern und endlich letztere mit den Auffatzpatronen für Sprengungen im Trockenen oder unter Waffer von weichem oder gefrorenem Dynamit überfichtlich geordnet ausgeftellt. Die Anordnung der Drahtleitungen für elektriſche Zündungen in Steinbrüchen und Stollen war auf vier Wandtafeln dargestellt. Solche und Photographien über vom k. k. technifchen Militärcomité ausgeführte Holz, Eifen- und Mauerwerks- Sprengungen, dann gefprengte Holzbalken und Eifenplatten zeigten die immenfe Kraft diefes Präparates. In der italienifchen Abtheilung brachte eine Wandtafel die wenigen von italienifchen Militäringenieuren vorgenommenen Dynamitfprengungen zur Kenntnifs. Zur Vervollſtändigung der Lehrmittel- Ausftellung hat Lehmann's und Wentzel's Buchhandlung für Technik und Kunft in Wien die über Bergbau, Hüttenkunde und Salinenbetrieb handelnden neueren Werke ausgeftellt. Bei der grofsen Verbreitung des Dynamits und bei dem Beftreben, der elektrifchen Zündung in der Civil- Sprengtechnik eine Zukunft zu fichern, mufs der gänzliche Mangel an Schriften, welche die Verwendung des Dynamits zu Sprengungen in Steinbrüchen, Stollen, Tunnels, unter Waffer etc. behandeln, dann folcher, welche über das Wefen der elektriſchen Zündung und den Forderungen, die ihre richtige Benützung bedingen, Auffchlufs geben, hervorgehoben werden. Schliefslich fei noch der Rettungsapparate erwähnt, welche im Pavillon der modernen Sprengtechnik in vier Exemplaren vertreten waren, und zwar die beiden öfterreichifchen Apparate von Martony und Ebner, dann der fran zöfifche von Rouquayrol- Denayrouze und der englifche von Laad. Bei erfteren drei Apparaten wird dem in mit fchädlicher Luft gefüllten Stollen etc. befchäftigten Arbeiter frifche Luft aus eifernen Flafchen zugeleitet, wo diefelbe comprimirt ift. Bei dem englifchen Apparate wird die fchlechte Luft beim Athmen durch ein vor dem Munde des Arbeiters in einem kleinen Blech cylinder verwahrtes Kohlenpulver gefaugt und gereinigt, refpective athembar gemacht. Ueberblickt man die im Vorftehenden gefchilderten Errungenfchaften im Gebiete der Sprengtechnik, fo kommt man zu dem erfreulichen Refultate, dafs in den letzten 20 Jahren bedeutende Fortfchritte gemacht wurden und das gröfste Verdienft in der Verbefferung der Spreng- und Zündmittel Oefterreich für fich in Anfpruch nehmen kann. Insbefondere find es die hervorragenden Leiftungen der öfterreichifchen Genie- und Artillerieofficiere, welche eine würdige Vertretung der Sprengtechnik auf der Weltausftellung im Jahre 1873 geftatteten. FORTIFICATION. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von MORIZ BRUNNER, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Die wenigen dem Gebiete der Fortification angehörigen Ausstellungsobjecte fallen auf Spanien, welches Land durch das Ingenieurcomité die von fpanifchen Genieofficieren in neuerer Zeit herausgegebenen Werke und nach ihren Angaben mit grofsem Koftenaufwande, feltener Schönheit und Genauigkeit 3* 26 Moriz Brunner. Fortification. conftruirten Fortificationsmodelle ausftellte und dadurch einen Fingerzeig gab, in welcher Weife die Fortification auf der Weltausftellung vertreten fein konnte. Die Jury erkannte dafür auf die wohlverdiente Auszeichnung mit der Verdienftmedaille. Wir finden nun an Büchern: Etudios fobre las cafamatas para Artigleria von Oberften D. Emilio Bernaldez. 1862, Noticia fobre la gran defenfa von Oberftlieutenant Profperi, 1744. Derfelbe gibt eine durchaus originelle Fortificationsmethode an, in welcher die Nahvertheidigung( Grabenbeftreichung) auf Traditoren und Reverswirkung bafirt, ferner eine finnreiche Art des Abfchwenkens der flankirenden Gefchütze in einen fichernden Hohlbau nach dem Schuffe und wenn nicht gefeuert werden foll. Memoria fobre el eftado de las Defenfas maritimas( Zeitpunkt: Einführung der gezogenen Gefchütze) von Rafael Cerero. Nuovas Minas de Guerra von Verdu( bekannt). Von Feldmarfchall Don Jofé Herrera Garcia finden wir eine Abhandlung: das Gleichgewicht zwifchen Küftenbefeſtigungen und den gezogenen Gefchützen herzuftellen. Das bekannte Manuel des Ingeneros von Valdés, 1870. Das bedeutendfte Werk, das den an originellen und genialen Ideen reichen Oberften Rodriguez de Quijano y Arroquia zum Verfaffer hat, betitelt fich: La fortification en 1867, und ift verdeutlicht durch zwei fchöne, mit der Verdienftmedaille gekrönte Modelle. Die Front Rodriguez ift poligonal, fchwach nach auswärts gebrochen, der Graben durch einen Koffer mit Hofraum, als deffen Kopf fich ein runder cafematirter Thurm zeigt, flankirt. Der Theil hinter dem Koffer ift als Wallfort conftruirt. Diefes befitzt zwei Stockwerke finnreich conftruirter, fehr weitläufiger Cafematten, von welchen jene, die zur Beftreichung des Vorfeldes eingerichtet find, theils durch volle, theils durch halbe( elevirte) Scharten, in den fchützenden Erdvorlagen eingefchnittene Scharten oder auch durch Panzer für Minimal- Schartenlafetten feuern. Der offene Wall ift für Verfchwindungslafetten conftruirt. In den Poligonwinkeln ftehen Drehgefchütze. Das materielle Mittel der Sturmfreiheit ift eine freiftehende Mauer mit Nifchen. Als Aufsenwerk finden wir ein eigenthümliches Deckwerk für den Koffer. Die Escarpemauer desfelben ift als Hornwerk tracirt, der Wall vom Cordon detachirt. Im Innern des Deckwerkes befinden fich zwei von einander getrennte, cafemattirte und eifengepanzerte, kofferartige, allfeits vertheidigungsfähige Gebäude. Die Langfeiten derfelben ftehen fenkrecht auf den Hauptwall, bezie hungsweife die Schartenmittel und parallel zu der betreffenden Hornwerkflanke. Sie beherrfchen ihren Zwifchenraum, dann den Raum vor dem Kofferthurme, welcher dem Deckwerke als Reduit dient, anderfeits aber das Glacis der Front kräftig und rafant. Ausfalls vorrichtungen fehlen gänzlich. Originell und finnreich würde der Front Rodriguez ein grofser Widerftand eigen fein, doch erregt der Koftenpunkt einige Bedenken. Ein zweites Modell überträgt die Idee Rodriguez auf ein detachirtes Fort, der Profilirung und inneren Einrichtung nach dem Wallfort der Front ähnlich. Von demfelben Verfaffer ift ausgeftellt ein„ Torre de vigilanza", in Afrika ausgeführt. Er zeigt zwei Stockwerke Cafematten, das obere mit Machicoulis und Deckvertheidigung. An Modellen, gleich fchön und nett, finden wir auch die früher erwähnteFront Profperi's, einen Küftenthurm von Herrera, ein fchönes Relief von Zaragoza mit den während der zweiten Belagerung 1809 ausgeführten Belagerungsarbeiten. Schweden zeigt uns einige fortificatorifche Schulmodelle und Schülerarbeiten, die unter Militär- Unterrichtswefen befprochen werden. O efterreich ift vertreten durch Genie- Hauptmann Freiherrn Glanz von Aicha, der feine fleifsige Arbeit: Gefchichtliche Darftellung der Eifenpanzerungen 1873 exponirte und dafür das Anerkennungsdiplom erhielt. ב g n a h S r S n r m r r. n a e er d ch کے تب t, h. ка 20 d nt it r. on en DAS PIONNIER WESEN. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von EMERICH ZINNER, Hauptmann im k. k. Pionnier- Regiment, zugetheilt dem k. k. technifchen und adminiftrativen Militär- Comité. Expert der Jury- Gruppe XVI für Pionnierwefen. EINLEITUNG. Bevor wir die ausgeftellten Gegenftände jenes Theiles der Militärtechnik betrachten, welcher hier unter dem befonderen Namen Pionnierwefen zufammengefasst ift, fei es uns geftattet, den Wirkungskreis eines Pionniers erft klar zu ftellen. Wir gehen dabei von dem in der öfterreichifchen Armee dafür beftimmten Wirkungskreife aus, der der weite te und beftimmtefte ift, und wodurch die Pionniertruppe fich von ihrer Schwefter der Geniewaffe- unterfcheidet. Nach der etymologifchen Bedeutung des Wortes Pionnier, das ift Bauer, Arbeiter, könnte das Pionnierwefen eigentlich das ganze Gebiet der Militärtechnik umfaffen. Für den Kriegsdienft ift der Pionnier nach dem allgemeinen Sprachgebrauche ,, Wegbahner". In einigen Armeen gibt es nun gar keine Pionniere, fondern nur Ingenieure, oder Ingenieure und Pontoniere etc. In der öfterreichiſchen Armee umfafst der Pionnierdienft das gefammte Communicationswefen zu Waffer und zu Lande, als: den Bau der Kriegsbrücken aus dem hiezu mitgeführten Geräthe, den Bau von Noth und halbpermanenten Brücken aus dem an Ort und Stelle vorhandenen oder fonft irgendwie befchafften Materiale; die Anlage von Strafsen oder Wegen und kurzen EifenbahnStrecken für die vorübergehende Benützung während der Dauer eines Feldzuges; die Zerstörung von Brücken, Wegen, Strafsen und die Unbrauchbarmachung von Eifenbahnen; die Wiederherftellung fchadhafter oder zerftörter Communicationen jeder Art. Als weitere Obliegenheiten find dem Pionniere noch nach und nach zugewiefen worden: Die Mitwirkung beim Baue paffagerer Verfchanzungen, die Einrichtung von Lagerplätzen, die Ausführung jener einfachen Wafferbauten, welche mit all' den vorcitirten Arbeiten in untrennbarem Zufammenhange ftehen, endlich die Beiftellung eines Theiles der Arbeiter zur Errichtung, Erhaltung und Abtragung elektro- magnetifcher Feldtelegraphen Leitungen. Man erfieht aus der einfachen Aufzählung der Dienfteszweige fchon, dafs der Wirkungskreis des öfterreichifchen Pionniers wahrlich kein engbegrenzter ift, und dafs bei den Schwierigkeiten, die dem Pionnier bei Löfung feiner fo vielfeitigen Aufgaben begegnen können, diefer Dienft Leute erfordert, die ebenfowohl theoretisch als praktiſch tüchtig gebildet fein müffen. I* 2 Emerich Zinner. Die Pionniertruppe unter den oben gegebenen Verhältniffen erfordert, foll fie zu allen Zeiten den an fie geftellten Anforderungen immer gerecht werden, eine Ergänzung an Mannfchaftsmateriale, welches mehr wie jede andere Truppengattung fchon genügende Vorbildung mitbringt oder aber zum mindeften fehr bildungsfähig ift. Diefer Ausfpruch ift umfomehr begründet, weil das heutige öfterreichische Pionnierwefen unter den vielen ihm zugewiefenen Dienftesfächern auch das gefammte Pontonierwefen( den Wafferdienft) in fich fchliefst, das- foll es ftets ficher und gefahrlos für die eigene Truppe felbft gehandhabt werden viele Erfahrungen und Umficht erfordert, und früher faft ausfchliefslich überall oder theilweife auch jetzt noch in manchen Staaten für fich eine eigene Specialwaffe bildet. Nach diefer öfterreichifchen Auffaffung, die fomit der allgemein angenommenen Vorftellung vom Pionnier noch am nächften kommt, haben wir den Umfang des Pionnierwefens abgegrenzt, und wollen demnach hier nur innerhalb diefer Grenzen die auf der Weltausftellung zur Anficht gebrachten techniſch- militärifchen Gegenftände betrachten, während alle übrigen militärtechnifchen Gegenstände in den Bereich des Geniewefens fallen. Nunmehr übergehend auf die Einzelbetrachtungen der ausgeftellten Gegenftände wird noch zur Orientirung vorausgefchickt, dafs diefe nach Fächern und in jener Reihenfolge geordnet vorgeführt werden follen, wie fie oben aufgezählt wurden. Voran wird der wichtigfte Dienfteszweig das Brückenwefen- befprochen werden; diefem folgt dann das Land- Communicationswefen einfchliefsig des Eifenbahn- Wefens, dann das Telegraphenwefen, ferner die Befprechung der Wafferbau- und der Lagerbau- Objecte und fchliefslich unter der Rubrik„ Diverſes" eine Schilderung oder mindeſtens Anführung all' jener Gegenftände, welche zwar nicht in der Gruppe„ Heerwefen" ausgeftellt waren, aber dennoch für unfer Fach vom Intereffe find. Hinzugefügt mufs endlich noch werden, dafs die Gegenstände über die Feldfortification hier darum gar keiner befonderen Würdigung unterzogen werden, weil wir Pionniere, wenn auch zeitweise berufen, felbftſtändig derlei Bauten vornehmen zu müffen, doch wie fchon einmal erwähnt, dazu für gewöhnlich nur Hilfsarbeiter abgeben follen, indem in diefem technifchen Zweige die Hauptverrichtung der Genietruppe zufällt. Wir verweifen darüber auf den Bericht über Geniewefen. Das Brückenwefen. Diefes zerfällt, wie ichon oben auseinander gefetzt wurde, in den Bau von Kriegsbrücken und in jenen von Noth- und halbpermanenten Brücken. Hinfichtlich der beiden letzteren Gattungen Brücken müffen wir gleich voraus fenden, dafs folche auf der Ausftellung nicht vertreten waren. Alle vorhandenen Brücken in Bild und Zeichnung fowohl, als jene in Modellen waren Stein- oder Eifenbrücken oder auch Holzconftructionen fehr ftarker complicirter Art, alfo Brücken mit permanentem Charakter. Für Feld brücken kommen diefelben nicht in Betracht und wir verweifen darüber auf den Bericht Gruppe XVIII, Section 2. In Betreff des für den Militärtechniker viel wichtigeren Kriegsbrücken Wefens mufs vor Allem bedauert werden, dafs nur fehr wenige Staaten an der Ausftellung in diefer Richtung fich betheiligt haben und dafs namentlich Oefter reich felbft- derjenige Staat, welcher die Ausftellung fo grofsartig in Scene zu fetzen wufste, mit feiner anerkannt ausgebildetften Kriegsbrücke, der Birago fchen Originalbrücke, ganz fern blieb. - - Es wäre ficherlich höchft lehrreich gewefen, eine Ueberficht zu gewinnen über die gefammte Ausrüftung für den Pionnierdienft im Felde, als: über Werk t n r h n 1. g 100 er ar ch e erig ür ge au en ch in ehr ldden en der ter zu go. nen erkDas Pionnierwefen. 3 zeuge und ionftige Ausrüftungsgegenftände, über Fuhrwerke, mitgeführte Materialien, insbefondere über die verfchiedenen Brückeneinrichtungen, welche zu den Feldausrüftungen der Armeen gehören. Modelle der verfchiedenen Brückenformen, welche fich aus dem Brückenmateriale bilden und zufammenfetzen laffen, hätten das Material und deffen Verwendung leicht zur Anfchauung gebracht. Namentlich Oefterreich, welches an der genialen Idee Birago's fort fefthält und an deffen Brückenfyftem eigentlich noch nichts Wefentliches geändert hat, hätte in diefem Punkte viel leiften können, indem einzig und allein nur diefes Syftem die mannigfaltigften Zufammenfetzungen und Brückenformen erlaubt, wodurch man kann es dreift behaupten Hinderniffe jedweder Art mit Leichtigkeit bewältigt werden können. Eine Sammlung von Modellen, wenigftens für die wichtigften Fälle diefer Art hätte ficher auch beim Laien allgemeines Auffehen und Arregung hervorgerufen, den Fachmann aber zu lehrreichen Vergleichen herausgefordert, vielleicht auch die Ueberzeugung aufgedrängt, dafs die öfterreichifche Kriegsbrücke unübertrefflich in jeder Hinsicht dafteht, weil fie in allen erdenklichen Lagen hinreichende Bürgfchaft und Sicherheit zur Bewältigung von Hinderniffen bietet freilich nur dann, wenn an der höchft einfachen und originellen Einrichtung, die derfelben ihr geiftvoller Erfinder gegeben hat, möglichst wenig oder eigentlich gar nichts verändert wird. Wir müffen uns erlauben, diefer öfterreichifchen Kriegsbrücke und ihrer Vorzüge hier wenigftens infoweit zu gedenken, als diefs zur Gewinnung einer Bafis für die Vergleiche mit den wirklich ausgeftellt gewefenen Kriegsbrücken dienlich erfcheint. Auch geftattet diefs das Programm der amtlichen Berichterftattung, wonach jeder Detailbericht in feinen kritifchen und gefchichtlichen Betrachtungen die letzte Parifer Weltausstellung zum Ausgangspunkte nehmen foll und dort, wo es der Stand der Wiffenfchaft und der Entwicklung gebieten follte, auch die Lücken in der Ausftellung auszufüllen hat. Freilich ift die Geftattung, bis auf die letzte Parifer Ausftellung zurück zu gehen, für uns ohne Bedeutung, da man wenigftens von Seiten Oefterreichs damals nicht verfucht hatte, über das Pionnierwefen und, mit Ausnahme der Kriegswaffen, über das Militärwefen überhaupt durch einen Bericht eine dauernde Bafis zu fchaffen. Aber auch in anderer Hinficht, und zwar blofs das KriegsbrückenWefen betreffend, halten wir es für angezeigt, fpeciell das öfterreichifche ausführlicher hier zu würdigen. Es leitet uns dabei die gute Abficht, nicht nur Diejenigen zu überzeugen, welche bei der Nachahmung der öfterreichischen Kriegsbrücke allerlei wefentliche Abänderungen vorzunehmen für nothwendig hielten, dafs fie daran nicht wohl gethan; fondern auch Diejenigen zu beruhigen, welche in der neueren Zeit fich berufen glaubten, in militärifchen Fachjournalen, ja felbft in Tagesjournalen ihre Stimmen zu Ungunften der Leiftungsfähigkeit der Birago'fchen Brücke, ja fogar der der öfterreichifchen Pionniere felbft, welche fich nach ihrer Meinung mit diefer veralteten Brücke forglos zufrieden geben erheben zu dürfen. - Viele Staaten Europas haben die Vorzüge, die der Birago'fchen Brücke eigen find, erkannt und haben fie defshalb auch fchon längft eingeführt; gegenwärtig aber befitzen diefe Brücke faft die meiften Staaten, und felbft in aufsereuropäiſchen Ländern hat fie fchon Eingang gefunden. Es ift hier nicht der Ort, fich über den Stand der Brückeneinrichtungen in den verfchiedenen Armeen näher zu verbreiten, doch fo viel mufs hervorgehoben werden, dafs manche Staaten die Brücke annahmen, ganz fo wie fie Birago gefchaffen hat, andere wieder nur mit Modificationen; wieder andere entnahmen nur einzelne Geräthe, wie z. B. die Böcke, oder führten die Birago'fche Brücke, die ihnen vermöge ihrer leichten Bauart zu wenig Garantie zu bieten fchien, neben ihrer eigenthümlichen, fchweren Kriegsbrücke ein. 4 Emerich Zinner. Wie überall bei dem aufftrebenden Zeitgeifte, fo hat fich auch in der Militärtechnik der Wunfch nach Verbefferungen kund gegeben und es blieb dabei felbftverſtändlich auch die Birago'fche Brücke nicht unberührt. Man ging dabei mit dem guten Glauben ans Werk, dafs nichts fo vollſtändig auf der Welt fei, was nicht noch weitere Verbefferungen zuliefse. Doch alle diefe Verfuche haben eigentlich nur einen Fortfchritt, nämlich die Einführung der eifernen Pontone, wobei Oefterreich wieder die Initiative ergriff, gebracht; alle anderen Neuerungen, mit Ausnahme kleiner unwefentlicher Verbefferungen an den Wägen oder den einzelnen Brückengeräthen, haben eher Nach als Vortheile gezeigt. Manche der fremden Staaten, welche die Birago'fche Brücke annahmen und diefe für fich allein oder als leichte Kriegsbrücke neben einem fchon beftehenden fchweren Train einführten, glaubten Veränderungen vornehmen zu follen, oder waren fogar gezwungen, folche vorzunehmen, um den verfchiedenften Abfich ten oder Beftrebungen Rechnung zu tragen. In den meiften Fällen wurde dabei nichts erreicht als Störung der Einheit des Syftems und des Principes der Theilbarkeit des Trains der zwei Hauptvorzüge des Birago'fchen Brückenfyftems fo dafs nicht Verbefferungen, fondern eher Nachtheile hervor gerufen wurden. Die Experimente, die man mit der Birago'fchen Brücke, welche man im Allgemeinen zwar für fehr gut, aber an manchen Orten für eine fchwere Brücke zu leicht, für eine leichte zu fchwer hielt, angeftellt wurden, bezweckten theils Aenderungen in diefem Sinne, theils folche, welche fich auf ein anderes Verhältnifs der zufammenfetzbaren Pontontheile zwifchen Vorder- und Mittelftücken, theils auf die Befchränkuug der Zahl der Böcke, theils auf die Mitführung von Refervemateriale etc. bezogen. Zu erreichen waren diefe angeführten Beftrebungen zu Aenderungen nur durch Vermehrung des Trains, durch eine veränderte Ladungsweife der Wagen und durch Einführung neuer Wagengattungen, wodurch die Einleitungs- und Schlufsarbeiten vor und nach dem Brückenfchlagen nicht nur vermehrt und erfchwert, fondern auch die Theilung des Brückentrains complicirter wurde. Endlich konnten, was die Hauptfache ift, die angeftrebten Aenderungen nur auf Koften der befchränkteren Anwendung des Brückengeräthes felbft vorgenommen werden, indem diefes durch Modificationen und eine andere Eintheilung gewöhnlich nicht mehr alle jene Brücken- und fonftigen Zufammenfetzungs. formen zuliefs wie früher in ihrem Originalzuftande. - Auch Oefterreich das Vaterland der Birago'fchen Brücke machte einmal den Verfuch, eine Aenderung an der Zufammenfetzung der Trains zu machen, indem es aus der Brückeneinheit der alten Brückenequipage, beftehend aus 15 Brückenwagen, welche mit dem Brückengeräthe für eine Brücke von 28 Wiener Klafter* beladen waren, eine folche fchuf, welche aus 21 Brückenwägen für eine Brücke von 42 Klafter beftand. Die vier Wagengattungen wurden beibehalten, an der Packungsweife nur Unwefentliches geändert und eigentlich nur die Balkenwagen um 4, die Bockwagen um 2 vermehrt. Schon nach einigen Jahren, worunter ein Feldzugsjahr fiel, entfchlofs man fich wieder für die alte Einheit die Equipage mit 28 Klafter Brückenlänge und liefs den Feldfchmiede- Wagen auf, fo dafs die Equipage gegenwärtig nur mehr aus 14 Brückenwägen, und zwar aus 8 Balken-, 4 Bock- und 2 Requifitenwagen befteht und fomit nur mehr drei Wagengattungen enthält. - Die Eintheilung und die Verladungsweife des Brückengeräthes ift höchft einfach und fo eingerichtet, dafs auf jeden Balkenwagen gerade das Materiale für ein completes Brückenfeld und auf jeden Bockwagen das Geräthe für zwei * Fremde Mafse wurden, wo es nöthig erfchien, gröfstentheils auf öfterreichische Mafse reducirt, und es find in diefem Berichte überall dort, wo keine Angaben darüber beigefügt find, ftets die öfterreichifchen Mafse zu verftehen. Das Pionnierwefen. 5 Böcke( ftehende Unterlagen) fammt verfchiedenen Fufsgattungen zu liegen kommt, und nach Erfordernifs eine Theilung der Equipage in Halbe und Viertel- und gewiffermafsen auch in Achtel- Equipagen zuläfst, indem man mit dem Geräthe eines Balkenwagens einen Graben von 21 Fufs Breite, felbftverſtändlich aber ohne Zwifchenunterlage überbrücken kann. Das Gewicht der drei Wagengattungen, welche durchgängig mit je vier Pferden befpannt find, variirt zwifchen 30 bis 37% Wiener Centner und ift fomit ein derartiges, dafs es das anftandslofe Fortkommen auf jenen Wegen, welche Brückentrains noch angewiefen werden dürfen, in den bisherigen Feldzügen noch in keiner Weife behindert hat. Aufser den erwähnten 14 vierfpännigen Brückenwagen gehören noch zu einer Equipage, und zwar für die Befpannungsabtheilung ein zweifpänniger Deckelwagen und drei dreifpännige Rüftwagen für die Ausrüftung der Befpannung und die Fortfchaffung der Fourage. Rechnet man zu den genannten Zugbefpannungen noch die normirten drei Zug- Refervepferde und die für die Berittenmachung des Befpannungsofficiers und für die Unterofficiere und den Trompeter beftimmten fechs Reitpferde hinzu, fo beziffert fich der Gefammt- Pferdeftand für eine Brückenequipage nur auf 76 Stück im Totale. Oefterreich hält, fowie auch die meiften Staaten, an einem einheitlichen Brückenfyfteme feft, und hat umfomehr Urfache dazu, weil es fortwährend die urfprüngliche Idee Birago's möglichft unverfälfcht zu erhalten wufste, wodurch es auch allen Anfprüchen immer gerecht werden konnte. Die normale öfterreichifche Kriegsbrücke, welche 934 Fufs Bahnbreite befitzt, erlaubt felbft andauernde Uebergänge von allen Waffengattungen, einfchliefsig der Feldgefchütze und der gewöhnlichen Train- Fuhrwerke, wie diefs durch alle Feldzüge von 1848 herauf zur Genüge erprobt wurde. Aus diefer fogenannten leichten Kriegsbrücke läfst fich nach Bedarf, wie z. B. bei Maffenübergängen, für Benützung von Belagerungsgefchützen und aufsergewöhnlich fchweren Laft- Fuhrwerken, bei der vorzüglichen Einrichtung und Gliederung der Birago'fchen Brücke mit Leichtigkeit eine fchwere, das heifst eine Brücke mit erhöhter Tragfähigkeit erbauen, wenn man die Unterlagen und die Decke verftärkt. Erfteres gefchieht, wenn man ftatt zwei- dreitheilige Pontone oder aber Zwifchenböcke einbaut., letzteres dadurch, dafs man ftatt 5 Balken 7 davon in jedes Spannfeld einlegt. Diefe Einrichtung entfpricht den weitgeftellteften Anforderungen vollkommen und macht die Einführung eines eigenen fchweren Ponton- Trains, der nur den Armeetrofs vermehren und das Fortkommen erfchweren erfchweren würde, vollkommen entbehrlich. Ausserdem geftattet die öfterreichifche Brückeneinrichtung noch folgende Hauptzufammenfetzungen und Formen für befondere Fälle, wie: Brücken mit doppelten und mehrfachen Bahnen; Brücken mit fchmäleren Bahnen als für die oben angegebene Normalbrücke, wodurch es ermöglicht wird, mit dem Geräthe einer Equipage auch viel breitere als 28 Klafter breite Gewäffer zu überbrücken; Stockwerks- Brücken, womit hohe Ufer ohne das zeitraubende Einfchneiden von Rampen leichter überwunden werden können; die Zufammenfetzung von allerlei Gliedern in verfchiedener Gröfse zur Verwendung als fliegende Brücken, Fähren oder zum freien Ueberfchiffen und dergl. andere Zufammenfetzungen und Combinationen mehr. Es grenzt faft an das Wunderbare, wie die doch fo einfach conftruirten Geräthe fo vielfeitige und ftets zweckmäfsige Anwendung finden können. Wer in den Geift der Ideen des genialen Schöpfers vollends eingedrungen und fich mit dem Wefen feiner Brückeneinrichtung hinreichend vertraut gemacht hat, wird fich -wenn er auch noch fo fehr dem Fortfchritte huldigt geftehen müffen, dafs diefe Brücke fo vollkommen in fich felbft ift, dafs eine Verbefferung an dem Syfteme felbft nicht leicht denkbar ift. Es dürfte diefer zwar etwas gewagte Ausfpruch - 6 Emerich Zinner. auch dann noch feine Giltigkeit haben, wenn bei den immenfen Fortfchritten, welche die Eifeninduftrie neuefter Zeit gemacht hat, diefe zu Reformen Veranlaffung bieten würde. Die Eifeninduftrie könnte allerdings zum Baue der Wagen, zur Erzeugung von Brückenträgern ftatt der Balken und auch noch zu anderen Geräthen vielleicht einmal paffende Erfatzconftructionen liefern, fchwerlich aber dazu den Anftofs bieten, jene ganz umzuformen und das in allen feinen Theilen und Wechfelbeziehungen fo finnreich conftruirte Materiale fo umzuändern, dafs die vielen Vortheile verloren gingen, nur aus dem Grunde, um etwas Neues zu fchaffen. Diefe Vortheile find aber fchon fo vielfeitig anerkannt und gefchätzt wor den, dafs fie wohl nimmer aufgegeben werden dürfen und es ficher verzeihlich erfcheinen laffen, dafs wir hier bei Schilderung der ausgeftellten Kriegsbrücken, jene der öfterreichifchen vorangehen liefsen und ihrer mit wohlverdienten Lobfprüchen gedachten. Schweden war auf der Ausftellung, wie durch militärifche Gegenftände. überhaupt, fo auch durch folche über Pionnierwefen unter allen Staaten am reichhaltigften vertreten. Es hat zwei Brückenprojects- Wagen und das Material der Infanterie pionniere ausgeftellt. Schweden befitzt gegenwärtig noch Kriegsbrücken, welche ganz den Birago'fchen nachgebildet find, jedoch per Equipage nur 4 Böcke haben. Die Pontone find theilweife noch aus Holz gebaut, theilweife fchon aus Eifen nachgefchafft. Aufser den 15 Brückenwagen per Equipage, welche mit je 6 Pferden befpannt werden, gehört noch dazu eine Feldfchmiede-, ein Material-, ein Ambu lance- und zwei Packwägen, wozu II Reit- und 115 Zugpferde erforderlich find; die Futterwagen werden dem Bedürfniffe gemäfs angefchafft. Das Material hat unter allen Verhältniffen befriedigt, dagegen mufs aber der Transport wegen der Schwere der Wagen, befonders aber wegen des unbehilflichen Sechsgefpanns als unzweckmäfsig bezeichnet werden. Man war daher in der jüngften Zeit damit befchäftigt, leichtere Wagen mit einer geringeren Belaftung zu conftruiren. Die hiedurch entftandenen zwei Projectswagen find eben die ausgeftellt gewefenen. Wir betrachten fie im Folgenden. Das Project einer Kriegsbrücken- Equipage von dem könig lich fchwedifchen Genie Hauptmann V. Norrman. Der Erfinder verfolgte bei feiner neuen Kriegsbrücken- Equipage den Zweck, den Mängeln, welche feiner Anficht nach den fchwedifchen Kriegsbrücken- Trains fowohl, als jenen anderer Länder und den dazu gehörigen Befpannungen anhaften, möglichft abzu helfen und führt unter diefen nebft anderen minder wichtigeren an: dafs die Wagen mit der dazu gehörigen Laft viel zu fchwer und unbeweglich find; dafs fie von verfchiedener Bauart und ungleicher Stärke find, wodurch der Erfatz erfchwert wird; dafs die Ladungsfyfteme zu verwickelt find; dafs die Verbindung zwifchen dem Vorder- und Hintertheile bei den meiften Wagen fo ungelenk und fteif fei, dafs der Wagen beim Fahren auf unebenem Boden oft nur auf drei Rädern geht, anftatt mit Gefchmeidigkeit den Unebenheiten desfelben zu folgen; dafs die Wagen zu hohe Ladungen und zu fchmale Spurweite haben, was bei einem Kriegs- Fuhrwerk, welches fehr häufig holperige Wege befahren mufs, leicht ein Umkippen des Wagens herbeiführen kann. Die Wagen wären weiter, trotzdem fie die fogenannte ganze Wendung haben, bei ihrer grofsen Länge und der Länge der Befpannung in fcharfen Wen Das Pionnierwefen. 7 n, en er en fs S r- ch n. b. de h- e- en ie chen u. lie er De. en llt g. erche en zuberch Hen auf zeit was ufs, Lung endungen fchwer zu führen, befonders, wenn Hecken, Raine und dergl. den Raum befchränken. Durch die Art, einen Theil der Zugpferde beritten vorzufpannen, wird die Anzahl der Pferde fowohl, als die der Fahrfoldaten unnöthigerweife vergrössert, überdiefs wird hierdurch auch bei den Fahrfoldaten eine gröfsere Gefchicklichkeit bedingt, fowie das Fahren mit undreffirten Pferden, welche im Felde doch fo oft verwendet werden müffen, fehr erfchwert. Dann wird auf die ungleiche Befchirrung für die Befpannungszüge der verfchiedenen Wagengattungen hingewiefen und zur gegenfeitigen Verwechslung ungeeignet, als nachtheilig bezeichnet. Die bei der Equipage befindlichen Böcke können nicht zur Verlängerung der Pontonbrücke verwendet werden, da hiezu die Balken und Pfoften für die Verbindungsbahn- Decken fehlen. Die Erzeugung der Wagen aus Holz wird aus dem Grunde als nicht vortheilhaft bezeichnet, weil fie zu fchwer ausfallen, das Holz leicht fault und in den Fugen undicht wird. In Folge des Schwindens des Holzes werden die Schrauben und Befchläge leicht locker, wodurch diefe Stellen vor Reibung, Roft und Näffe, mithin auch vor dem Anfaulen nicht gefchützt find, und fo den Bruch einzelner Wagen- Conftructionstheile leicht ermöglichen. Schliefslich wird der Mangel an erforderlichen Refervetheilen befonders betont, wodurch nach einer gewiffen Zeit die vollſtändige Ausnützung des Materiales unmöglich wird. Gleich im Vorhinein mufs hier bemerkt werden, dafs wohl einige der von dem Projectanten hervorgehobenen Mängel ihre Berechtigung haben, dafs die meiften von ihnen aber wohl nur auf irrigen Anfchauungen oder darin beruhen, dafs die alte fchwedifche Kriegsbrücke nicht genau der Birago'fchen nachgebildet und mit den im Laufe der Zeiten hinzugekommenen Vervollkommnungen nicht verfehen worden fein mag. Was die im 1., 4., 5. und 6. Abiatz hervorgehobenen Mängel betrifft, fo hat die öfterreichifche Armee, welche ihre Kriegsbrücken- Wagen bei ungefähr gleicher Belaftung nicht mit fechs, fondern nur mit vier Pferden befpannt hat, in den Feldzügen 1848 und 1849, 1859, 1864 und 1866 keinerlei erhebliche, nachtheilige Erfahrungen gemacht, trotzdem dafs die Pionniere nicht felten in die Lage kamen, die unwegfamften Strafsen zu befahren, und andauernde Märfche in den Alpenländern, dann über die Karpathen und die Gebirge Siebenbürgens mit ihren Brückenequipagen machen zu müffen. Nur ausnahmsweife kamen Fälle vor, wo die Anforderungen zu hoch gefpannt wurden, und eine Leiftungsfähigkeit hinfichtlich der Fahrbarkeit verlangt wurde, welche jener mit den Feldgefchützen gleichkam, wo Vorfpannsverftärkungen für kurze Zeit unerlässlich waren. Solche Ausnahmsfälle werden und müffen fich überall und gewifs auch dort fchon ergeben haben, wo man von Haus aus für eine verftärkte Befpannung vorgeforgt hat. Was ferners die Uebelftände hinfichtlich der Befpannung betrifft, io hat die Anficht allerdings etwas für fich, dafs durch die vorgefpannten und gleichzeitig gerittenen Pferde, theilweife an der Zugkraft Verlufte eintreten, dafs dadurch Pferde und Mannfchaft unnöthigerweife vermehrt und die nöthige Einfchulung im Felde häufig vermifst wird. Allein wie wir fpäter fehen werden, hat der Ausfteller und Erfinder diefe Frage dennoch nicht glücklich gelöft. Aufserdem mufs bemerkt werden, dafs es in Oefterreich für alle Trainpferde mit Ausnahme der Artillerie, nur eine einzige Gattung Gefchirre gibt. Die über die ungleiche Bauart und Stärke der Wagen gemachte Bemerkung wäre, den erften Theil betreffend, wohl richtig; was aber die ungleiche Stärke betrifft, fo hat fich bisher noch jede der drei Wagengattungen den Anforderungen gemäfs als gleich entsprechend erwiefen. Uebrigens zeigt, wie später 8 - Emerich Zinner. fich herausftellen wird, das neue Brückenproject allerdings nur zwei Wagengattungen, doch hat ja die Birago'fche Brücke eigentlich auch nur zwei Gattungen die Balken- und Bockwagen-; denn der nur fehr unbedeutend vom Bock wagen abweichend conftruirte Requifitenwagen der Birago'fchen Brücke, welcher die dritte Gattung darftellt, dürfte wohl in dem Norrman'fchen Requifitenwagen gleichfalls einen dritten Repräfentanten haben, ungerechnet der noch vielen anderen Wagen, die zu feiner Projectsequipage gehören, und die unmöglich, fchon mit Rückficht auf ihren Zweck, alle ganz gleich in ihrer Einrichtung fein können. Betreffs der im Punkt 10 erwähnten Mängel mufs den darüber ausgefprochenen Anfichten vollkommen beigepflichtet werden. Die Zeit liegt jedenfalls nicht ferne, wo der Eifeninduftrie, nach ihren gegenwärtigen Fortfchritten zu fchliefsen, auch die zweckentfprechende Conftruction von Laft- Fuhrwerken aus Eifen gelingen wird. Sicher hat es noch nicht an Verfuchen gefehlt; doch ift es fchwierig einen eifernen Wagen zu erzeugen, welcher bei gleichen Anfprüchen und gleicher Dauerhaftigkeit nicht bedeutend fchwerer ausfällt als ein aus Holz erzeugter. Auch dürften die eifernen Wagen darum nicht fo bald allgemeinen Eingang in das Strafsen- Verkehrsleben finden, weil fie viel theuerer zu ftehen kommen und Reparatursbedürfniffe nicht allerorts fo leicht beforgt werden können, wie diefs mit den Wagen aus Holz gefchehen kann. Für Armee- Fuhrwerke, wo die Zweckmäfsigkeit in erfter, die Koftenfrage aber erft in zweiter Linie in Betracht kommt, dürften aus Eifen conftruirte Wagen, namentlich für alle Gattungen Train- Fuhrwerke fich darum befonders empfehlen, weil fie im Frieden leicht Jahre lang ohne Schaden in den Magazinen aufbewahrt werden können, weder durch zu grofse Feuchtigkeit noch zu grofse Trockenheit leiden, fomit jeden Augenblick ohne vorhergehende Reparatur, oder zum mindeften ohne langwierige Unterfuchungen über ihre Brauch barkeit, mit Beruhigung in Verwendung genommen werden können. Ueberdiefs ift die Dauerhaftigkeit der aus Holz erzeugten Fuhrwerke überhaupt von, viel mehr Einflüffen abhängig als jener aus Eifen. Es kann diefs nicht näher ausgeführt werden, doch fei, um nur ein Beiſpiel anzuführen, erwähnt, dafs das k. k. Pionnier- Regiment noch ziemlich viele und ganz vollkommen kriegs. dienfttaugliche Brückenwagen aus den vierziger Jahren, welche alle Feldzüge mitgemacht haben, befitzt, während fchon fo manche Wägen aus dem Erzeugungsjahre 1859 als unbrauchbar ausgemuftert werden mufsten. Die Güte und die Trocken heit das Materiales und die Befchaffenheit und Lage der Magazine find felbftverſtändlich die Hauptfactoren, welche auf diefe Thatfache Einfluss nehmen. Die Idee Norrman's, welche wir in der Ausftellung in der Geftalt eines eifernen Brückenwagens verwirklicht fahen, mufs daher als ein entfchiedener Fortfchritt bezeichnet werden. Vielfeitig die Aufmerkfamkeit erregend, wurde diefem Wagen auch in vorgedeutetem Sinne von Fachleuten und felbft von den Preisrichtern die verdiente Anerkennung gezollt. Diefs gab auch die Veranlaffung, dafs mit diefem Wagen, mit Bewilligung des k. k. Reichs- Kriegsminifteriums und mit Einverständnifs und in Gegenwart des Erfinders in Klofterneuburg eingehendere Fahrverfuche vor einer aus technifchen und Train- Officieren gebildeten Commiffion ausgeführt wurden, worüber später an geeigneterer Stelle noch einmal die Rede fein foll. Im Punkt 3 hebt Norrman als weiteren Mangel älterer Brückenconftructionen hervor, dafs die Ladungsfyfteme zu fehr verwickelt find. Wie fpäter gezeigt werden wird, ift ihm die Löfung diefer Frage bei feinem Projecte nicht gelungen. Der oben erwähnte mifsliche Umftand, dafs die bei den Equipagen befindlichen Böcke nicht zur Verlängerung der Pontonbrücke verwendet werden können, da hiezu die Balken und Pfoften, das heifst das Deckmateriale fehlt, wäre wohl richtig, wenn die Böcke überhaupt nur defswegen in gleicher Zahl mit den Pontonen mitgeführt würden, um die Brücke damit nochmal fo lang zu machen, als es mit den Pontonen en. en ck. er en en ch, ein 0- ht en, en rig mer ch as nd en orter für im en en, im h en ke efs nt, gsit. re نے سے en Das Pionnierwefen. 9 allein gefchehen könnte. Aber diefer Zweck, die Brücke aus den Pontonen einer Equipage mit Zuhilfenahme der Böcke zu verlängern, ift nur ganz untergeordnet. Der Hauptzweck, der durch die Beigabe einer gleichen Anzahl von Pontonen und Böcken nach Birago's Idee erreicht werden foll, ift je nach den Profilverhältniffen des Hinderniffes, entweder die Brücke aus verfchiedenen Unterlagen oder auch nur mit Pontonen oder nur mit Böcken von jener Länge herzuftellen, für welche das Deckmateriale der Equipage berechnet ift. Mehrere Armeen, welche die Birago'fche Brücke annahmen, haben die Zahl der Böcke per Equipage um 1/3 bis 2 verringert; auch die öfterreichifchen Pionniere haben fich oftmals mit dem Gedanken befchäftigt, das Gleiche zu thun, weil die Böcke doch feltener in grofser Zahl zur Verwendung kommen. Die Gründe Für und Wider entfchieden für die Beibehaltung in voller Zahl, und die öfterreichifchen Pionniere thaten gut daran, an dem wohldurchdachten Syfteme Birago's nicht zu rütteln, denn fie kamen feither mehrfältig in die Lage fo z. B. Schreiber diefer Zeilen felbft, der im Jahre 1866 eine reine Bockbrücke über die Elbe während der Schlacht von Königgrätz unterhielt, Ueberbrückungen vornehmen zu müffen, wo nur Böcke eingebaut werden konnten. - Wollte man der Bock- Anzahl entſprechend auch Deckmateriale mitführen, fo könnte diefs nur durch bedeutende Vermehrung des Trains gefchehen. Da man aber höchft felten, ja man kann faft behaupten, beinahe nie ein Flufsprofil vorfinden wird, welches gerade die fämmtlichen fchwimmenden und auch alle ftehenden Unterlagen einzubauen erlaubt, fo würde man in den meiften Fällen das ver mehrte Deckmateriale umfonft mitgefchleppt haben. Birago nahm an, dafs man folches, wenn man eine Brücke um einige Felder zu verlängern gezwungen wäre, viel leichter an Ort und Stelle dazu vorfindet und zurichtet, als ein paffendes Materiale zur immer zeitraubenden Erzeugung von Böcken; zudem erlaubt ja feine Brücke den Bau von Brücken mit fchmäleren Bahnen, wodurch die gewünſchte Verlängerung erzielt wird und alles dazu nothwendige Materiale fowohl für die Decke als die Unterlagen bereits vorhanden ift. Auch ift die Beigabe der vielen Böcke für den eventuellen Gebrauch zu Stockwerks- Brücken ein Erfordernifs. Getroft kann man daher behaupten, dafs die reichliche Dotirung der Birago'fchen Brücke mit Böcken feine guten Gründe hat, die weitaus fchwerer wiegen, als die der Anhänger für Mitnahme von eben foviel Deckmateriale, als Unterlagen zur Equipage gehören. Sicher ift, dafs die Mitnahme eines Zuviel an Böcken viel feltener und viel weniger fchwer in die Wagfchale fallen wird, als jenes Zuviel der Anhänger für die Mitnahme von Referve- Deckmateriale. Mit diefen letzteren Auseinanderfetzungen dürften zum Theil auch die oben ausgefprochenen Beforgniffe entkräftet ſein, dafs bei den jetzigen Brücken fyftemen-die meift dem Birago'fchen nachgeahmt find es an den erfor derlichen Refervetheilen gebricht, wodurch, feiner Meinung nach, nach einer gewiffen Zeit die vollſtändige Ausnützung des Materiales unmöglich wird. - Birago hat auch für diefen Fall vorgedacht. Er hat feiner Equipage zwei Requifiten- und einen Feldfchmiede- Wagen beigegeben, welche die zur Inftandhaltung der Wägen und des gefammten Brückenmateriales erforderlichen Befchlagsmaterialien theils in fertigen, theils im Rohzuftande, nebft einigen kleineren und nicht leicht nachfchaffbaren Geräthen, fowie alle jene Werkzeuge und Requifiten enthalten, wodurch diefer Zweck, zuweilen auch mit Einfchlufs einer Nachfchaffung von Deckmateriale, bisher anftandslos erreicht wurde. Geändert und vervollkommnet wurde diefe Idee im Laufe der Zeiten dahin, dafs die fchwere Feldfchmiede ganz aufgelaffen, und fomit ein Wagen per Equipage erfpart, dafür aber eine Schatullen- Feldfchmiede eingeführt wurde, welche auf einem der Requifitenwagen verpackt wird, und endlich dadurch, dafs per Bataillon eine Zeugsreferve errichtet wurde, welche mit Profeffioniften, fertigen und Rohmaterialien dotirt und ausgerüftet, die erften und nothwendigften Bedürfniffe der Abtheilungen zu befriedigen und auszugleichen in der Lage ift. es er de en ng es en er en en er ке ie in rt en 10 Emerich Zinner. Ueberblicken wir nun, wie Hauptmann Norrman feinen Forderungen gerecht zu werden verfucht. Er bildet feine Brückeneinheit oder Equipage aus 8 Vorder- und 8 MittelPonton Wagen, 2 Bock, 8 Balken- und 2 Requifiten- Wagen; ferner aus 2 Gepäcks und Küchenwagen, I Effecten-, I Pionnier, I Feldhofpitals- Wagen und endlich aus 3 Futter- Wagen, in summa aus 36 Wagen. Zur Fortbringung diefes Trains, bei Annahme von 3 Pferden per Wagen, benöthigt er mit Einfchlufs der Reitund Refervepferde zufammen 126 Pferde. Wir fehen alfo bei einer bedeutenden Wagenvermehrung gegen die alte fchwediſche Brückenequipage eine gleiche Zahl Pferde, alfo nur eine Erfparnifs von Trainfoldaten. Die Zahl der eigentlichen Brücken- Wagen felbft ift von 15 auf 28 geftiegen, die Gattungen derfelben von 3 auf 5, denn einiger Unterfchied mag zwifchen den mit verfchiedenen Namen belegten Wagen in der Packung und Beladung doch vorherrfchen, und ift diefer noch fo gering, fo ift dem im Punkte 3 geftellten Vorhaben nicht nur nicht entsprochen, fondern gerade entgegen gewirkt. Da die Belaftung durchgängig eine geringere werden mufste, fo find auf den erften drei Wagengattungen nur je ein halbes Feld Pfoften und auf den erften zwei Gattungen wieder aufser den Pontonen fonft nichts, als die dazu gehörigen Fahr- und Ankergeräthe, auf den Bock- Wagen dafür aber obenauf je drei Böcke verladen. Es find alfo bei der Equipage 8 zweitheilige Pontone und 6 Böcke vorhanden. Die Balkenwagen hingegen find mit je einem Felde Balken, Land fchwellen, Unterlagsriegeln und verfchiedenen anderen kleineren Geräthfchaften beladen. Man fieht auf den erften Blick, dafs durch diefe Vertheilung des Materiales auf den Wagen, die einfache, einheitliche und überfichtliche Verladungsweife, wie wir fie bei der öfterreichifchen Brücke befitzen, nicht mehr vorhanden ift. Ueberdiefs wurde diefe unvortheilhafte Abweichung von der öfterreichiſchen Ladeweife noch dadurch verftärkt, dafs auf einzelnen Wagen aufser den oben angegebenen Halbfeld- Pfoften und dem Feld- Balken noch ein Refervematerial untergebracht ift. Die Requifitenwagen enthalten die für die Inftandhaltung der Equipage erforderlichen Werkzeuge und Requifiten, nebft Referve- Ankern und Seilen und anderen kleineren Geräthfchaften. Von den übrigen noch beigegebenen Wagen befagt ihr Name auch ihren Zweck. Näheres hierüber gehört wohl nicht hieher, nur Betreff des Pionnier wagens mufs erwähnt werden, dafs derfelbe zur Aufnahme von Schanzzeug, fowie von Materialien zur Errichtung von Nothbrücken beftimmt ift. Aufserdem führt jeder Wagen ohne Unterfchied noch mit fich: Stalleffecten, Tornifter, Futterfäcke, Pferdepflöcke, Fouragirftricke und Waffereimer für feine Befpannung, fowie Schmierbüchfe, Spaten und Axt. Diefe Gegenftände find theils an der Aufsenfeite der Wagen angebracht, theils in Kiften verpackt. Letztere, je zwei per Wagen, aus Eifenblech gefertigt, find auf den ober den Achfen fitzenden Federn verfchiebbar angebracht. Diefe Einrichtung ermöglicht, da alle Vorderund ebenfo wieder alle Hinter- Kiften aller Wagen einander gleich find, ein belie biges Vertaufchen derfelben. Nach diefer Befprechung über die allgemeine Einrichtung und Beladung der Wagen, gehen wir auf die Leiftung mit dem Geräthe über. Nach dem Wiener Mafse berechnet, ift man im Stande, mit dem Materiale der projectirten Equipage eine Brücke, und zwar nur auf Pontonen mit 31 Klafter und bei Verlängerung derfelben durch Böcke, von 41% Klafter Länge und 9 Fufs Breite herzuftellen. Da eine Ausnützung des Materiales in letzterer Hinficht, wie fchon früher nachgewiefen wurde, zu befonderen Ausnahmen gehört, fo ift mithin die Mehr leiftung gegenüber der alten fchwediſchen und unferer Birago'fchen Brücke mit gen tel. cks lich ins, Leit alte nifs gen, den och Jor die drei gen ker find and. ften ales eife. ift. hen ben erial age ilen ren mier wie ten, eine eils je den der elie ung iale fter und iher ehr mit Das Pionnierwefen. 11 nur 3 Klafter Länge anzunehmen. Diefer Gewinn fteht wahrhaftig aufser allem Verhältniffe zu der Vermehrung der Brückenwagen einer Equipage von 14 auf 28. Was das Brückengeräthe felbft betrifft, fo ift diefes mit nur geringen Aenderungen ganz dem Birago'fchen Syfteme nachgebildet und zeigt in den Formen und Ausmafsen nur ganz unbedeutende Abweichungen. Diefe letzteren find der Hauptfache nach folgende: Der Vorderponton wurde mit Schleppriegel verfehen, vorne mehr vorgezogen, in der Wafferlinie fchärfer gemacht, und befitzt, um das Abgleiten des Ankerfeiles möglichft zu verhindern, in der Mitte oben eine kleine Verfenkung. Ausgeftellt war nur ein Ponton- Mittelftück. Es ift an den Ecken abgerundet und hat keine End-, fondern nur fechs Mittelrippen aus 12 Linien ftarkem Winkeleifen, Ixenbleche von gleicher Stärke, dagegen die Boden- und Seitenbleche von 34 Linie Dicke. Der Boden und die Querwände find um 1½ Zoll nach einwärts gebogen. Diefe Geftaltung, fowie die auf dem Boden angebrachten Schleppriegel( Leiften), welche denfelben beim Schleifen auf feichtem Flufsgrunde fchützen follen, verurfachen nur tiefere Tauchung, geringere Tragfähigkeit, und fetzen der Strömung gröfseren Widerftand entgegen. Die Abrundung der Ponton Ecken läfst keine fo ficher paffende Verbindung zu, wie bei unferen Pontonen mit fcharfkantigen Winkeln. Auch den unteren Ponton- Verbindungsgabeln, fowie den oberen Ponton-Verbindungsbolzen läfst fich kein Vortheil zufprechen. Die erfteren find zu fchwer, hängen an zu leichten Kettchen und find fchwer erfetzbar; jedem letzteren dagegen einen Schraubenfchlüffel beizugeben, ift überflüffig. Das Mittelstück wiegt 668 Wiener Pfund. Die Bockfchweller find, um fie kürzer und leichter zu geftalten, an den beiden Kopfenden ftatt mit Verftärkungen und den darin befindlichen Couliffen, mit dort befeftigten, eifernen Hülfen und Bügel, wie Fig. I zeigt, zuni Einfchieben der Füfse verfehen. Die Tragringe wurden befeitigt und durch Eifenbefchläge an den unteren Seiten innerhalb der Hülfen erfetzt. Fig. 1. Die Bockfüfs e, wovon die beiden längften auch als Landfchwellen und die kurzen als Unterlagsriegel verwendet werden kön-nen, haben diefelben Ausmafse wie die Balken. Oben haben fie gleich den Balken auch Kämme, damit fie als kurze Balken gebraucht werden können, unten dagegen Zapfen( Spitzen), die fo eingerichtet find, dafs der oval geformte Bockfchuh beweglich, das heifst nach beiden Seiten des Fufses verfchiebbar ift. Die Hängkette wurde länger und fchwächer gemacht und an einem Ende mit Haken und Ring neuer Conftruction verfehen; das andere Ende der Kette wird unter die Bockfchwelle gezogen und dort durch einen Druck auf das im Ringe befindliche Gelenk der Kette eingefchoben und gefpannt, wodurch diefelbe dafelbft fo ficher feftgehalten wird, dafs ein Abgleiten unmöglich ift. 12 Emerich Zinner. Das Fehlen der Vorköpfe an der Bockfchwelle erfchwert die Handhabung beim Aufftellen des Bockes fehr; auch finden die Pfoftenleger aus gleichem Grunde beim Aufftellen eines Bockes im Waffer zum Halten des Einbaugliedes keinen Platz. Das Herbeitragen der Bockfchwellen, nach des Proponenten Manier auf zwei untergefchobenen Prügeln, ift namentlich über Uferböfchungen hinab faft unmöglich. Unfere Tragringe ermöglichen nicht nur diefen Fall anftandslos, fon dern erlauben uns auch ein zweckentfprechenderes, viel ſchnelleres Einziehen der Hängketten, dann ein viel einfacheres Verftellen der Ketten zum Heben und Senken des Bockes felbft und die Ketten tragen, was endlich die Hauptfache ift, vermöge ihrer Anbringung bei uns ficher beffer, als nach der Projectsmethode. Der Bock, in feiner Gefammtheit betrachtet, fchliefst Zweifel über feine Stabilität nicht aus. Die Füfse, nur 10 bis 18 Grad von der Verticalen abweichend, ftehen zu gerade, der Couliffen- Spielraum ift zu grofs und läfst fich durch die Keile bei der Verfchiedenartigkeit der Schrägen der Couliffe nicht ganz beheben, die Verzwängung ift alfo ungenügend. Das Eintreiben der Füsse mit Schlägeln ift bei ihrer Stärke und bei hartem Boden nicht zuläffig. Diefe find defshalb auch schwer zu handhaben, befonders bei gröfseren Flufstiefen und Flufsgefchwindigkeiten, da nicht nur ihre Stärke, fondern noch mehr der bewegliche, ovale Schuh hindert. wenn er vom Waffer erfafst und gedreht wird, wodurch das Setzen des Fufses fogar unmöglich gemacht werden kann. Die Balken find, wie Fig. 2 zeigt, ftatt wie bisher mit eingefetzten Eichenkämmen, mit eifernen Kämmen verfehen, wodurch diefelben etwas kürzer und Fig. 2. leichter wurden. Die Ruder wur den etwas kürzer gemacht, und am Schafte derfelben an der Befchlags. platte ein Ring angebracht, an welchem ein beweglicher Ruderpflock mit Bolzen und Mutter angemacht ift. Diefe Einrichtung mag fich gut bewähren hindert aber den Gebrauch des Ruders zum Schieben. Die Ganzpfoften wurden, ftatt wie bisher mit 1 Schuh Breite, nur mit 7:29 Decimalzoll Breite und die Halbpfoften mit der halben Breite der Ganzpfoften angefertigt. Die vielen Gründe, die Norrman für die Verfchmälerung der Pfoften angibt, find durchaus nicht ftichhältig; der Raum geftattet es nicht, diefs Punkt für Punkt zu beweifen, doch die eine Thatfache fei wenigftens angeführt, dafs der Herr Projectant in einem Irrthume befangen ift, wenn er glaubt, dafs unfere gröfseren Pfoften unhandfam und defshalb von den Pfoftenlegern nie zwei Stück davon auf einmal übernommen und gelegt werden können. Weil fie diefs können und ftets anftandslos bewirkt haben, kann man alfo mit Beftimmtheit behaupten, dafs wir mit unferen Pfoften, weil fie eben gröfser find, fomit für eine beftimmte Brückenlänge mit viel weniger Stücken( mit 23 gegen 31 bei gleicher Felderlänge) zu hantiren haben, entfchieden im Vortheile find. Diefer Factor fällt aber fchwer in die Wagfchale, denn bekanntlich hängt von den Pfoftenlegern die Zeit des Brückenfchlages zum Theile ab; find alfo diefe wohlgefchult, fo darf vom Einbaue der erften bis zu jenem der letzten Unterlage keine Unterbrechung mehr eintreten, indem die Einbau- Partien felbft bei gleicher Schulung ja niemals auf fich warten laffen dürfen. Noch mufs bemerkt werden, dafs der Projectant fich im Irrthume befindet, und feine Berechnungen auf falfchen Annahmen fufsen, indem die öfterreichifchen Brückenpfoften nicht 14, fondern 1 Zoll Dicke befitzen, mithin mehr Trag. fähigkeit haben als feine Brückenpfoften. Ueber den Werth aller früher angeführten Veränderungen an den Brückengeräthen läfst fich allerdings ohne eine eingehende Erprobung fchwer ein ganz 13 ung hem edes auf faft fonhen und e ift. eine end, eile die bei wer , da ert. fses menund vur am ags. an leranLuch mit nz ften nkt der fere ück nen ten, mte derfält ern , fo terung det, hen rag enanz Das Pionnierwefen. richtiges Urtheil fällen. Von dem Bocke, dem wichtigften Theile der fogenannten Verbefferungen, ift kaum je ein günftiges Refultat zu erwarten. Auch die Befeftigungen der eifernen Couliffenhülfen, dürften bei ftarken und andauernden Brückenbelaftungen, wenn fie noch fo gut gemacht find, nicht hinreichende Sicherheit und Feftigkeit gewähren und keinesfalls das leiften, was die bisherigen Couliffen im Holz geleiftet haben. Es ift kein einziger Fall bekannt, dafs je ein Bockfchwell erkopf der Birago'fchen Brücke in den Couliffen derart gefprungen wäre, dafs hiedurch die Bockfchwelle unbrauchbar geworden wäre, trotzdem dafs die ausgemusterten Kriegs- Brückenböcke gewöhnlich noch fo viele Jahre bei den täglichen Uebungs- Brückenfchlägen fo lange im Gebrauche ftehen, bis fie ganz morfch werden. Die Füfse im gleichen Gevierte mit den Balken zu halten, ift ganz unnütz. Unfere viel fchwächeren Bockfüfse, welche je nach der Höhe des Bockes einfach oder doppelt verwendet werden und im letzteren Falle zufammengenommen noch immer nicht die Stärke eines Balkens erreichen, gewähren, wie felbft in neuefter Zeit angeftellte Feftigkeitsverfuche dargethan haben, unter allen Verhältniffen hinreichende Sicherheit und erfüllen gleichfalls einen doppelten Zweck, nämlich den, dafs fie auch ein vorzügliches Schnürmateriale für die Decke abgeben. Für die wenigen Fälle, wo man zu Ausgleichfeldern oder fonft irgendwie kürzere Balken benöthiget, befitzen wir in den Landfchwellen, den kurzen Riegeln mit feften Kämmen und endlich in den verfchiebbaren eifernen Balkenkämmen Mittel genug, uns zu behelfen. Es wird fomit durch die Füfse von gleichem Gevierte der Balken nur dem Wagen eine unnütze Mehrlaft aufgebürdet. Die Kämme aus Eifenblech der oben erwähnten veränderten Balken find zu fchwach und können bei allenfalls vorkommenden Verzwängungen nicht jene Sicherheit gegen Deformation, und wegen ihrer kleineren Backen gegen das Selbftausfpringen aus der Aufkämmungsfchwelle gewähren, wie die ftarken, gröfseren öfterreichifchen Holzkämme. Ueberdiefs find alle Projectsbalken ungefähr 5 Fufs von beiden Enden mit Rücksicht auf ihre Verladung auf die Wagen mit 2 Zoll tiefen und mit Blech gefütterten Löchern verfehen. Diefs ift entfchieden als ein Uehelftand zu bezeichnen, da hiedurch die Tragfähigkeit der Balken bedenklich herabgefetzt wird. Das Hauptobject des vorliegenden Projectes bildet aber der eiferne Wagen. Nach Angabe beftehen nur Wagen zweierlei Art, nämlich kurze und lange. Die kurzen dienen für die Vorder- und Mittel- Pontonwagen, als Bock, Requifiten-, Küchen. Gepäck-, Pionnier- und Futterwagen, die langen werden als Balkenwagen verwendet. Die beiden Wagengattungen haben indefs gleiche Vorderwagen, Achfen, Federn, Brems- und Anfpannvorrichtungen. Da nur die Langbäume und die dazu gehörigen Fufsbreter ungleich find, fo kann ein Austausch gewiffer Theile des einen Wagens mit jenen des anderen, ebenfo die Verwendung der Wagen zu verfchiedenen Zwecken mit der gröfsten Leichtigkeit vorgenommen werden. Der ausgeftellte Wagen war ein Wagen der kurzen Gattung und als Mittel- Pontonwagen beladen. Aufserdem war nur noch von der Norrman'fchen Brückenequipage und zwar feparat, ein Feld- Balken und ein completer Bock ausgeftellt. Der erwähnte, in Fig. 3 dargestellte Wagen hat, bei einem fehr gefälligen ja man könnte fagen, zierlichen Ausfehen, eine finnreiche, praktiſche und dennoch folide Conftruction. Diefer Wagen hat auch bei den viertägigen Fahrverfuchen in Klofterneuburg, wobei derfelbe mitunter fehr ftrengen Anforderungen und harten Proben unterzogen wurde, hinlängliche Feftigkeit und praktiſche Brauchbarkeit gezeigt, welche guten Eigenfchaften auch bei längerer und viel feitiger Benützung nicht anzuzweifeln find. 14 Emerich Zinner. Fig. 3. Bei einer Geleisweite von 4 Futs 2 Zoll und einer Achfenfpannung( Abftand der beiden Achsmitten) von 5 Fufs 6 Zoll hat der complete Wagen ein Gewicht von 13, mit Beladung von 28 Wiener Zentner. Die Kürze des Wagens und dann der Umftand, dafs der aufgeladene Ponton über die Räder foweit herabreicht, dafs er mit feinen Borden nur 2 Fufs 8 Zoll vom Boden abfteht, fowie die übrigen Dimenfions- Verhältniffe des Eifens, verleihen eben dem Fuhrwerke jenes leichte und gefällige Ausfehen. Dennoch ift der Wagen felbft etwas fchwerer als die bisherigen aus Holz erzeugten Kriegs- Brückenwagen. Schwächer in den einzelnen Conftructionstheilen als der Projectswagen, dürfte aber ein Brückenwagen mit der erwähnten Belaftung nicht gehalten werden, denn bei dem Projectswagen find gerade die der erforderlichen Sicherheit angemeffenen Dimenfions- Verhält niffe mit ebenfo viel Gefchick als Glück ermittelt worden. Die Räder haben zwar bei den fchon erwähnten Verfuchen einige Deformirungen infoferne erlitten, dafs fie in Folge von etwas verbogenen Speichen an einigen Stellen unrund wurden, und dafs die Mittellinie des Radreifes nicht mehr in einer auf die Nabenachfe fenkrechten Ebene( der Radebene) lag, fondern nahezu bis auf 1 Zoll variirte; doch behauptete der Herr Projectant, dafs diefe Deformirungen nicht Folge der ftarken Inanspruchnahme bei den Fahrverfuchen, fondern der erften ungewohnten Erzeugungsweife feien. Speichen und Radreif könnten in ihren Dimenfionen allerdings etwas ftärker gehalten fein. Das Wagengeftelle befteht aus den Langbäumen, deren vorne und hinten niederhängende Winkel den Ponton, den Wagenriegel u. f. w. tragen, dann aus einem grofsen Hinter- und einem kleinen Vorder- Kaften, fammt zwei Fufsbretern. Die Langbäume find aus Spanteifen( Winkeleifen), unter fich mit vier gleichen Eifen verbunden und auf der Aufsenfeite mit einem auf der Oberfeite durch Bandeifen gefchütztem Tannenbrete verftärkt, wodurch der innwendige Raum zur Stütze der Kiften, zur Auflegung der Querunterlagen, der Pfoften und zur Aufftellung des Fufsbretes bei deffen Gebrauch als Kutfchbock freigelaffen wird. Als Kutfchbock dient für gewöhnlich der Ponton felbft, bei leeren Wagen aber das obere Fufsbret, wozu die aus Rundeifen erzeugten Stützenftangen in erfterem 1 t Das Pionnierwefen. 15 Falle in den Hülfen der unteren Pontons- Verbindungsbügel, im anderen Falle aber in den vorderen Oefen der Langbäume eingehakt werden. Nach diefer allgemeinen Befchreibung der Conftructionseinrichtungen des Wagens wenden wir uns zu zwei Vorrichtungen, die diefem Projectswagen ganz befonders eigen, und die, weil fie neu und originell find, unfere ganz befondere Aufmerkfamkeit verdienen. Die erfte, die Wendevorrichtung leiftet mehr als alle jene bei den bisherigen Fuhrwerken, felbft wenn diefe, wie unfere Brückenwägen mit ganzer Wendung eingerichtet find, weil bei dem Projecte kein fixer, fondern ein nach der Längen- Mittellinie des Wagens um 9 Zoll verfchiebbarer Reihnagel angebracht ift. Dadurch können alle Wendungen kürzer und fchneller und ftets fo gemacht werden, dafs die innerhalb der Pontonwände laufenden Räder niemals an diefen zu ftreifen vermögen. Diefe ebenfo finnreiche als zweckmäfsige Erfindung ift unleugbar ein bedeutender Fortfchritt in der Wagenconftructions- Lehre; fie verdient umfomehr Beachtung, weil wir fie nicht nur mit fehr einfachen Mitteln, fondern zuerſt an einem Kriegs- Fuhrwerke, an welches bekanntermafsen ja nur zu oft Forderungen auch hinfichtlich der Wendungen bei fchmalen Strafsen und Paffagen herantreten, welche an fonftige Verkehrs- Fuhrwerke nur höchft felten geftellt werden, zum erften Male in fo gelungener Weife verwirklicht fehen. Diefer Ausfpruch ftützt fich auf die Erprobungen, die vor den Augen einer Commiffion, welcher auch der Berichterftatter angehörte, ftattfanden. Die Einrichtung diefer Wendevorrichtung, welche die Fig. 4 A, B, C und D veranfchaulichen, befteht nicht wie bei den bisherigen Vorrichtungen für ganze Wendungen aus zwei concentrifchen Wendefchienen, welche fich um einen fixen Reihnagel bewegen, fondern aus einer excentrifchen Führung zwifchen Vorder und Hinterwagen, welche durch folgende Conftructionstheile herbeigeführt wird. Wie die obere Anficht Fig. 4 A zeigt, ift auf dem vorderen Verbindungseifen E und F des Vordergeftelles und über der Achfe am Vorderwagen ein aus Eifen gebildeter Rahmen befeftigt, welcher vorne die bewegliche Rolle R, in feiner Mitte den Reihnagel N und dann noch die beiden auf ihm befeftigten Führungszapfen O und P trägt Fig. 4 B zeigt davon den Schnitt durch die Längenmitte; Fig. 4 C die vordere Anficht. Ueber dem Ganzen liegt der aus Winkeleifen und Eifenplatten gebildete Vorderkaften, welcher mit den vorderen Verbindungseifen der Langbäume, fomit auch mit dem Hinterwagen feft verbunden ift. Sein Boden ift von Holz und in feiner Längenmitte ift aus Winkeleifen ein Schlitz für die Aufnahme des Reihnagels ( Verbindungsbolzens) nebft deffen Schraubenmutter gebildet, deffen Mündung von oben durch den Kaften zugänglich und für gewöhnlich durch eine EifenblechKlappe verfchloffen ift. Unter diefem Kaften find zwei Wendefchienen befeftigt, und zwar eine äufsere und eine innere. Fig. 4 D zeigt die Anficht von unten fammt dem Boden des Kaftens mit dem darin befindlichen Schlitze. Die äufsere Schiene gleicht einer, an einem Ende zufammengedrückten Parabel, deren beide Arme in einem Halbkreife nach rückwärts fich vereinen. Die innere Schiene ift doppelt und dient eben dazu, bei den Wendungen die Bewegung des Vorderwagens auch nach rückwärts zu ermöglichen. Durch die Drehung des Vorderwagens aus feiner geraden Normalftellung nämlich, wobei der bewegliche Reihnagel im Schlitze ganz vorne bei f, die beiden Führungszapfen aber zwifchen den beiden inneren Schienen fich befinden, fängt fich die Rolle R je nach der Wendung rechts oder links zu bewegen an und gleitet an dem vorderen parabolifchen Theile der Wendefchiene des Oberwagens felbftverſtändlich nach rechts 2 16 Emerich Zinner. Fig, 4 A.. 9 17" 3" 推 11" 2" ON 18" R 36 1'2" N ก ง R F C F E R Fig. 4 C. oder links und bewirkt fo dadurch, wie wir gleich fehen werden, die excentrifche Führung. Hat nämlich die Drehung ein gewiffes Mafs erreicht, fo kommt der eine Führungszapfen O, z. B. in die Stellung bei k, legt fich dort feft, während nun der Reihnagel N im Schlitze, geführt durch einen maffiven Eifenfchlitten, fich nach rückwärts zu bewegen beginnt. Da nun die weitere Drehung um den Zapfen O bei k ftattfindet, fo mufs der andere Führungszapfen P, welcher gleichzeitig, als der Zapfen O in k ange Dafs die auf diefe langt ift, bei ins freie Innere gelangte, zu wirken aufhören. Weife hervorgerufene excentrifche Führung zwifchen Vorder- und Hinterwagen den Wende- Halbmeffer um das Mafs der Verfchiebung des Reihnagels verkürzen mufs, ift wohl einleuchtend. Die zweite, ebenfalls originelle und finnreiche Einrichtung ift die an dem Vorderwagen Geftelle angebrachte, fogenannte felbftthätige Bremfe. Sie tritt in Thätigkeit durch das Zurückhalten der Pferde, fperrt fomit nicht die Hinter, fondern die Vorderräder an ihrer hinteren Seite durch zwei hölzerne Bremsftöckel: anfonften ift fie ganz aus Eifen conftruirt und befteht zum Theile aus Winkelhebeln, zum Theile aus Zuggeftängen, welche eben die Bewegung von der Sprengwage auf die Bremsftöckel zu übertragen haben. Da eben die Pferde es find, welche die Function des Sperrens hervorrufen müffen, fo hat der Erfinder das Gefpann der Bremfe anpaffen müffen. Diefs war kein glücklicher Fig. 4 B. e r 1 n e T r II Fig. 4 D. 3" 3" 46 Das Pionnierwefen. 23" 6 tigft 17 Gedanke, indem man immer an dem Grundfatze fefthalten mufs, die Zugkraft der Pferde fo viel als nur möglich zu fchonen, um fie vorkommenden Falles, namentlich aber beim Berganfahren vollends auszunützen. Man hat daher darauf zu fehen, dafs fie beim Bergabfahren nicht angeftrengt und um diefen Zweck Z U erreichen, durch die Bremfe kräfunterstützt werden. Diefe mufs daher für fich allein und ftets fo viel wirken, dafs der Wagen niemals in das Rollen komme, die Pferde fomit frei und faft zuglos dahinfchreiten können und hauptfächlich nur zur Lenkung und theilweifen Fortbewegung des Wagens das Ihrige beizutragen haben. Diefer Zweck kann angemeffen und für alle Lagen nur in zweckmäfsiger Weife durch Sperrung der Hinterräder erreicht werden, und zwar durch Bremsbalken oder Bremsftöckel, welche, gleichviel ob fie fich nun an die Vorderoder Hinterfeite diefer Räder anlegen, durch ein Geftänge mit Schraubenfpindeln nach Bedarf fich in der Weife ftellen laffen, dafs letztere je nach der minderen oder ftärkeren Neigung der Strafse auch minder oder mehr angezogen werden. Die allgemeine Einführung diefes Principes bei den Laft- Fuhrwerken aller Art und felbft bei leichten Wagen ſpricht laut genug für diefe Anichauung. I.... F 110 3" III. L LIV Hauptmann Norrman hat übrigens feine, wenn auch nicht ganz richtige Idee doch möglichft einfach und gut durchgeführt. Diefe Sperrvorrichtung mag für leichtes Fuhrwerk in gewiffen Gegenden ganz gut anwendbar und der weiteren Ausbildung würdig fein, ift dagegen für fchweres Fuhrwerk niemals empfehlenswerth. Hauptmann Norrman hat, der Laft feines Wagens entſprechend, ein Drei gefpann gewählt, welches von dem fchon erwähnten Bocke aus geleitet wird. Das mittlere Pferd geht innerhalb einer kurzen Doppeldeichfel( Gabel), welche an der Sprengwage beweglich angebracht ift und nicht weiter als bis etwa vor die Bauchgurte reicht. Dazu hat er auch die Pferdegefchirre eigenartig, vor Allem die Widerhaltriemen fehr kurz einrichten müffen, damit die drei eng nebeneinander gehenden Pferde die beiden Deichfelftangen beim Zurückhalten vorne heben, wodurch fie rückwärts die Sprengwage mit den beiderfeits darauf befeftigten eifernen Winkelhebel nach abwärts drücken und dadurch die von dort ausgehenden Bremfengestänge in Thätigkeit bringen. Die Sprengwage ift durch zwei Arme mit dem vorderen Querſtück verbunden, mittelft Bolzen, welche durch die aufwärts gebogenen Platteifen durchgehen, beweglich. Um die Sprengwage in der horizontalen Lage zu erhalten, befindet fich unter jedem Arme eine dreiblättrige kurze Feder, welche auf der 20 18 Emerich Zinner. unter dem Feder- Ende des Wagens angebrachten Rolle ruht, und bei dem Drucke der Sprengwage nach unten, unter die Rolle gleitend, die Senkung der Wage geftattet. Die Bremsgeflänge beftehen aus Rundeifen- Stäben, welche theils von dem befagten Hebel ausgehend zu den Enden der Radachfen reichen und dort von den Lahnnägeln gehalten werden, theils aus längeren und gegliederten Geftängen, welche zu den Bremsftöckeln hinführen, diefe umfaffen und leiten. Schon bei einem mäfsigen Zurückhalten der Pferde tritt die Bremfe in Wirkfamkeit, und diefe verſtärkt fich immer mehr bis zur vollſtändigen Sperrung der Räder, je mehr das Zurückhalten der Pferde bei Zunahme der Strafsenneigung zur Nothwendigkeit wird. Nun darf diefs aber nur bis zu einem gewiffen Mafse gefchehen, weil fonft gar Stillftand einträte; die Pferde müffen defshalb zum fortwährenden Vorwärtsfchreiten angefpornt werden; dabei ift aber ein geringes Zuviel oft unvermeidlich, und die Bremfe wirkt dann gleich darauf wieder zu wenig oder gar nicht. Die Pferde müffen fomit wieder zurückgeriffen werden, um fie nicht durch den fonft nachrollenden Wagen zu gefährden. Die projectirte Bremfe ift fomit nur für kurze, minder fteile Neigungen gut, im Gegenfalle aber für Laftenfuhrwerke ganz ungenügend, nachdem felbft auf ganz vorzüglichen Fahrbahnen die Pferde nicht ftets im Rückhalte vorfchreiten können, fehr bald erlahmen würden und das Nachrollen des Wagens und fogar ein Niederführen der Befpannung zu befürchten wäre. Die Art und Weife der Einfpannung felbft betrachtend, zeigt fich uns im Vergleiche mit dem neuen Dreigefpann der öfterreichifchen Armee- Fuhrwerke nur ein geringer Vortheil gegen mehrere bedeutende Nachtheile. Der Vortheil befteht darin, dafs eine gute Fahrbahn vorausgefetzt alle drei Pferde gleichmäfsig an der Sprengwage eingefpannt und daher ftets gleiche Zugkraft ausüben können, während bei unferem Dreigefpann nur zwei Pferde normal an einer Deichfel ziehen, das dritte aber, auf der fogenannten Wildbahn gehende Pferd unter einem etwas fchrägen Winkel zieht, indem die vom Wagdrittel zurücklaufende Kette am Hinterwagen befeftigt ift. Das Wildbahn- Pferd verwendet fomit, vermöge des fchiefen Zugwinkels, nicht feine volle Kraft zur Vorwärtsbewegung des Wagens allein, fondern auch zur ftetigen Seitwärtsbewegung, der wieder die beiden Stangenpferde entgegen wirken müffen; mit einem Worte, es geht ein geringer Theil der Zugkraft verloren. Diefem Uebelftande wurde durch eine Befchränkung des Zugwinkels auf ein Minimum, fchon möglichft abgeholfen. Die Nachtheile des Norrman'fchen Dreigefpanns dagegen find viel gröfser als die des unferigen. Alle drei Pferde find nach feinem Projecte, eben mit Rückficht auf feine Sperre, durch kurze Widerhaltriemen fo eng aneinander gekoppelt, entbehren fomit der Bewegungsfreiheit dermafsen, dafs wenn eines der Pferde fällt, es faft unvermeidlich die anderen mitreifst und ebenfalls zum Falle bringt. In engen Hohlwegen, wie fie bei den Fahrverfuchen mehrfältig angetroffen wurden, hatten die drei Pferde, fo eng fie auch aneinder gefpannt find, keinen Platz. Spannt man eines der Seitenpferde vor, was allerdings nach der Einrichtung der Deichfelgabeln und Gefchirre ganz gut angeht, fo können die beiden anderen Pferde in den meiften Fällen doch nicht anftandslos gehen, ohne fich gegenfeitig im Zuge fortwährend zu hindern. Hat nämlich der eingefchnittene Weg oder Hohlweg, was meift der Fall ift, ausgefahrene Geleife und fomit in der Mitte der Fahrbahn eine Erhöhung oder gar einen Kamm, fo kann das Gabelpferd, das vermöge feiner Einfpannung in der Mitte des Fuhrwerkes zu gehen gezwungen ift, fich nicht immer auf dem oft zu fchmalen Kamme erhalten und rutfcht und ftolpert bald in das freie, bald in das andere Geleife, wo das Nebenpferd geht, verliert dadurch nicht nur felbft an Leiftungsfähigkeit, fondern hindert fomit auch das andere Pferd im Zuge. Diefem Uebelftande ift nur abzuhelfen, wenn man aus der Gabel eine einfache Deichfel macht, wozu die Sprengwage und die Deichfel auch eingerichtet ift. Die Sprengwage ift nämlich mit fünf Oefen für die Schwängel, dann mit Oefen und Federn für die Stangenbolzen verfehen. Diefes Umftellen Das Pionnierwefen. 19 der einen Gabelftange nach der Mitte und das Befeitigen der andern ift wohl bald. bewirkt, erfordert aber auch das Aus- und Wiedereinfpannen der Pferde, daher bei mehrfältigen Wiederholungen und ganzen Wagencolonnen nicht wenig Zeit. Alle diefe berührten Uebelftände finden wir bei dem öfterreichifchen Dreigefpann nicht. Alle Pferde haben vermöge ihrer Einfpannsweife ftets volle und von einander unabhängige Freiheit im Gange und Zuge; die beiden Stangenpferde können unter allen Verhältniffen im Geleife fortfchreiten, bei engen Wegen auch dem dritten Pferde leichter Platz machen, und dort, wo diefs nicht möglich ist, kann das Wildbahn- Pferd in manchen Fällen auch auf oder gar über der Böfchung gehen. Nur ausnahmsweife wird daher das Vorfpannen desfelben nöthig werden, was leicht und fchnell bewirkt, auch die einzige Aenderung in der Zugsanfpannung ift. Die Bremsvorrichtung mit der hiemit innig im Zufammenhange ftehenden Deichfel- und Sprengwag- Conftruction, fowie die Befpannung, find nach diefen eingehenden Betrachtungen Alles in Allem genommen trotz mancher Vorzüge für Armee- Fuhrwerke nicht brauchbar. - die fogenannte Noch mufs hier auch die bewegliche Deichfelftange Deichfelfreiheit- erwähnt werden. Diefe kommt nur bei leichten Fuhrwerken mit Vortheil zur Geltung; bei fchweren Laft- Fuhrwerken erfchwert fie den Pferden das Widerhalten des Wagens zu fehr. Um den Norrman'fchen Wagen im Bedarfsfalle zurückfchieben zu können, mufs die Sperre unwirkfam gemacht werden. Diefs gefchieht, indem durch einen einfachen Handgriff zwei auf der Sprengwage bei den Winkelhebeln der Bremfe angebrachte Klappen umgelegt werden, wodurch der Druck auf die Bremfe aufgehoben ift. Schliesslich ift noch bemerkenswerth, dafs die Tragbäume mit den daran befeftigten Kaften auf Druckfedern ruhen, welche fechsblättrig, je 31 Zoll lang und unter den eifernen Achfen mittelft Klammern und Bügeln befeftiget find. Die vordere Seite des oberen Federblattes hat die Form einer Hülfe und ift. um einen Hängebolzen unter dem vorderen Querftücke beweglich; das entgegengefetzte Ende, welches mit einer Verftärkungsplatte verfehen ift, gleitet unter dem hinteren Querftücke. Diefe Wagenfedern haben beim Durchfahren von Gräben und vielfachen Paffirungen von tiefen Schlaglöchern und Steinverrufungen vollkommen entfprochen und unterſtützten die Widerftandsfähigkeit des allerdings nicht fehr fchwer belafteten Projectwagens fehr; fie waren jedoch, fowie die Anbringung der Sperre an den Vorder- ftatt an den Hinterrädern die Urfache, dafs der Wagen trotz feiner tiefen Schwerpunkt- Lage oftmals nicht wenig gefchleudert wurde. Dennoch find die Vortheile, welche die Federn hinfichlich der befferen Anfchmiegfamkeit des Wagens an den Boden gewähren, überwiegend. Ihre Einführung aber, fowie die Einführung der als vorzüglich gefchilderten Wendungsvorrichtung in unfere Kriegsbrücken- Wägen wäre nur denkbar bei geringerer Belaftung der Wägen, alfo durch Wagenvermehrung, fowie durch Aenderungen an dem Materiale und den Verladungsweifen, was aber wieder gleichbedeutend wäre mit dem Aufgeben unferes fo ausgebildeten Brückenfyftemes. Für andere als die Kriegsbrücken- Wägen, namentlich für die gewöhnlichen Armee- Fuhrwerke, mögen die Vortheile, die der Norrman'fche Brückenwagen darbietet, immerhin mit Nutzen verwerthet werden. Es wird diefs hier, obwohl über die Grenzen der Aufgabe liegend, darum befonders betont, weil der Wagen bei den Verfuchen eine überraschend leichte Fahrbarkeit gezeigt hat. Die Commiffion fchrieb diefe folgenden, günftig zufammenwirkenden Factoren zu: den etwas fchwächeren und cylindrifchen Achsftängeln, den etwas grösseren Hinterrädern, den gröfseren Radkranz- Breiten, der kürzeren Wagenspannung( Entfernung der Achfen), der Anbringung der Federn, der tieferen Lage des Schwerpunktes der Ladung, der vollen Deichfel- und der gröfseren Achfenfreiheit( der Verftellung der Achfen gegen einander) befonders - - 20 Emerich Zinner. aber der minderen Belaftung, die. wie fchon früher erwähnt, nur aus einem halben Felde Pfoften und dem Ponton fammt Zugehör und Anker beftand. Die weiteren, unwefentlichen Details der Conftruction und der Einrichtung des kurzen Brückenwagens übergehend, mufs noch die zweite Wagengattung- der Balkenwagen einer kurzen Würdigung unterzogen werden. - Die Abweichungen find folgende: Die längeren Langbäume haben an den Seiten Haken für Haftfeile, aber weder vorne noch hinten hinunterhängende Bügel, ftatt der Fufsbreter find nur kleine Tritte angebracht. Unter dem hinteren Kaften befinden fich weder Ankerketten noch Hemmkette, hingegen find an der vorderen Ecke fowie an den Langbäumen kleine Ketten für die Referveräder angebracht. Auf einem der vorderften Quereifen find Zapfen für die Balken und auf dem vorderen Deckel des Hinterkaftens find Haken für den Spaten und die Axt genietet. Das zweite oben erwähnte Kriegsbrücken- Project ift das des königlichen fchwedifchen Genie Hauptmannes H. Stålhane. Stålhane hat fich hauptfächlich zur Aufgabe geftellt, die Belaftung der Brückenwägen zu verringern, um ftatt des Sechs- ein Vier- Gefpann einzuführen und die Kriegsbrücken- Equipage überhaupt beweglicher zu geftalten; fonft aber weder an den Wägen noch an dem Materiale der bisherigen Ausrüftung nach Birago's Syftem, mit Ausnahme geringer Modificationen, Aenderungen vorgenommen. Selbſtverſtändlich konnte die Aufgabe durch Vermehrung der Wägen gelöft werden. - Verminderung der Laft- nur Hauptmann Stålhane bildet feine Brückenequipage aus 8 Ponton- Pfoftenwägen, 8 Balkenwägen und 4 Bockwägen, fomit aus 20 vierfpännigen Brückenwägen, was im Vergleiche zur alten fchwedifchen und unferer jetzigen Brückenequipage, einer Vermehrung der Wagen um 5, beziehungs weife 6 gleich kömmt. Dazu gehören auch noch 3 zweifpännige Requifitenwägen, worauf Werkzeuge und Vorrathsmaterialien mitgeführt werden, und welche eigentlich auch noch mit eingerechnet werden müffen, da die gleichnamigen Wägen bei den früher erwähnten älteren Kriegsbrücken- Equipagen zu der Wagenzahl gezählt wurden. Die Vermehrung der Brückenwägen beträgt fomit per Equipage 8, beziehungsweife 9 Wager. Aufserdem find für die Befpannungs- Abtheilung einer Equipage noch beft mmt: Ein zweifpänniger Wagen für die Referve Gefchirrtheile und ein zweifpänniger Packwagen, beide von derfelben Conftruction wie die des Requifitenwagens. An Pferden für die Befpannungs- Abtheilung einer Brückenequipage find aufser jenen, welche für die zwanzig vier-, und fünf- zweifpännigen Wagen gehören, noch als Referve- Zugpferde 15 Stück und 4 Reitpferde, und zwar eines für einen Officier, zwei für Unterofficiere und eines für den Trompeter, fomit in Summa 109 Stück bemeffen worden. Die Brückenwagen find alle ganz gleich conftruirt und haben diefelbe Geleisweite von 48 Zoll wie die Requifitenwagen. Das Gefammtgewicht eines beladenen Wagens beträgt 31 Wiener Centner. Ebenfo find die Requifitenwagen unter fich und mit den gewöhn lichen Pack oder Trofswagen der Armee für zwei bis drei Pferde hinfichtlich der Conftruction gleichartig. Sämmtliche Wagen find mit Federn verfehen. Die Beladung fämmtlicher Brückenwagen enthält das Geräthe für eine 31 Wiener Klafter lange Normalbrücke und noch dazu das Refervematerial für eine Brücken- Feldlänge von 20.66 Fufs. 1 I Das Pionnierwefen. 21 Die Art der Verladung des Brückengeräthes auf die Wagen ift fo eingetheilt, dafs fich die Equipage in halbe und auch in viertel Equipagen( divisions) von gleicher Stärke theilen läfst. Ein Ponton- Vorderftück- Pfoftenwagen und ein Ponton- Mittelftück- Balkenwagen enthalten zufammen das Geräthe eines Brückenfeldes. Der Bockwagen ist mit einer Bockfchwelle, zwei acht und zwei dreizehnfchuhigen( gleich 7% 12, beziehungsweife 122/ 12- fchuhigen öfterr.) Fufsen und fünf Landfchwellern, dann mit dem Geräthe einer Widerlage( aus einem Landfchweller mit den dazu gehörigen Haftpflöcken beftehend) und eines halben Brückenfeldes von 10:33 Wiener Fufs ausgerüftet; als Tragbalken für diefes halbe Brücken Feld werden Landfchweller( Halbbalken) und Füfse verwendet. Eine detaillirte Ueberficht über die Beladung diefes, fowie der anderen Brückenwagen würde zu weit führen; es genügt fchon mit den wenigen Andeutungen gezeigt zu haben, dafs die Eintheilung nicht mehr fo einfach und überfichtlich gehalten ift, wie Birago fie fchaffte und wie wir in Oefterreich fie noch befitzen und die das Auf- und Abladen der Wagen in jeder Lage bei uns fo fehr erleichtert. Was nützt z. B. das halbe Deckfeld auf dem Pfoftenwagen? In den meiften Fällen nichts, es wird fomit häufig als todte Laft mitgefchleppt, weil man Halbfelder ja nur ausnahmsweife einbauen wird, dort gewöhnlich, wo man einen Ausgleich beim Brückenfchlufs bewirken mufs, was man aber mit den gewöhnlichen Balken und den verfchiebbaren eifernen Balkenkämmen jetzt viel vortheilhafter und fchneller zu erreichen in der Lage ift. Diefe vier Brücken- Halbfelder der vier Bockwagen erfüllen daher nur den einen Zweck, dafs, wenn man in der glücklichen Lage war, alle Pontone einer Equipage zu verwenden, man die Brücke noch durch die vier Böcke um zwei ganze Felder, wozu man aber ftatt auf zwei auf vier Wagen das Materiale verladen mufs, zu verlängern im Stande ift; vorausgefetzt, dafs die Waffertiefe gerade das Einbauen der Böcke auch erlaubt. An früherer Stelle wurde fchon gezeigt, dafs folche Fälle zu den ganz befonderen Ausnahmen gehören. Die öfterreichifchen Pionniere behelfen fich in folchen Fällen, wo das Material einer Equipage zur Ueberbrückung eines Hinderniffes nicht ausreicht, entweder dadurch, dafs fie Brücken mit verfchmälerten Bahnen bauen, oder aber, dafs fie zum Schlagen einer Normalbrücke die nothwendige Ergänzung aus Nothmateriale oder durch Herbeiziehung einer zweiten Equipage fchaffen. Der Erfinder fcheint den Ausnahmsfall in Permanenz erklärt zu haben, denn er rechnet in die obangeführte Leiftung feiner Brücke zwei Halbfelder für die Normallänge ein und beftimmt nur die zwei anderen Halbfelder als Referve. Schlägt man diefe ab, fo reducirt fich die Normal- Brückenlänge auf 272 Wiener Klafter; fomit auf eine mindere Leiftung als bei unferer Brückenequipage, trotzdem die Projects Brückenequipage um neun Wagen mehr befitzt, als unfere Kriegs Brückenequipage. Auf die Befprechung des Materiales felbft übergehend, ift noch zu erwähnen, dafs die Balken und die Landfchweller mit eifernen Kämmen, ganz nach Art der fchon früher befchriebenen Norrman'fchen verfehen find. Wer von den beiden Herren der Erfinder davon ift, oder ob diefe Kammeinrichtungen vielleicht gar fchon bei der alten fchwedifchen Brücke beftand, weifs Schreiber diefer Zeilen nicht anzugeben. Die Böcke werden nur mit einfachen Füfsen eingebaut, diefe find daher doppelt fo ftark als die öfterreichifchen. Warum man fich des Vortheiles mehrerer als blofs zweier Fufsgattungen begeben hat, warum man ferner eine fo geringe Zahl von Füfsen mitführt, ift nicht recht einzufehen. Wenn auch, wie der Projectant vorfchlägt, zum Schnürren der Brückendecke blofs Halbpfoften verwendet werden, fo wären doch mehr Füfse, insbefondere aber mehrere Gattungen angezeigt, weil man in ausgedehnterer Weife beim Bockfetzen felbft fich helfen kann 22 Emerich Zinner. angeund man auch Füsse für verfchiedene andere Verrichtungen braucht. Viel zeigter dagegen wäre es gewefen, den fechften Balken per Feld entfallen zu laffen, weil fünf fo gut und noch beffer, wie bei der öfterreichifchen Brücke genügen. müffen, da fie bei gleichem Gevierte aber etwas geringerer Spannweite ohnehin gröfsere Tragfähigkeit befitzen. Die Unterlagsriegel, die Landfchwellen und Füfse haben alle mit den Balken gleiches Gevierte. Erftere werden bei der Ausrüftung der Pontone zu fchwimmenden Unterlagen blofs einfach verwendet. Hiemit wären die wefentlichen Abweichungen erfchöpft und es ist nur noch hervorzuheben, dafs die Verladung der Pontone auf die Wagen für gewöhnlich mit nach unten gekehrtem Boden, alfo entgegengefetzt der jetzigen Manier gefchieht und, dafs die Pontone mit Eifenhaken und Bolzen, die auf den Wagen angebracht find, befeftigt werden, wobei Unterlags-( Wagen-) Riegel nur unter dem gefchweiften Theil des Vorderftückes angewendet werden. Wenn für befondere Fälle diefe Art, die Pontone auf die Wagen zu legen, als unzweckmäfsig gehalten wird, fo können fie auch umgekehrt verladen und auf die gewöhnliche Weife an den Unterlagsriegeln feftgemacht werden. Ohne Zweifel ift die letztere Verladungsweife unter allen Umftänden die empfehlenswerthere, denn abgefehen davon, dafs hiedurch auf Märfchen bei unvermeidlichen Niederfchlägen das Innere der Pontone und das dafelbft untergebrachte kleine Geräthe vor Näffe bewahrt wer den kann, wird auch der Pontonboden als der heiklichfte Theil mehr gefchont, da hiedurch keinerlei Reibung ftattfinden kann. Schliefslich ift der Ponton bei folcher Lage auch viel leichter auf- und abzuladen. Ausgeftellt von diefer Equipage war ein Ponton Pfoftenwagen. Der Wagen ift ganz ähnlich den Birago'fchen Brückenwagen, nur etwas maffiver conftruirt. Hölzerne Achsftöcke, worin die eifernen Achfen liegen, befitzt er nicht; diefe letzteren liegen frei und find daher im mittleren Theile ftärker gehalten und zeigen hier einen quadratifchen Querfchnitt von zwei Zoll. Breite. Der Wagen befitzt eine der unferigen ähnlich conftruirte ganze Wendung. Auf dem Vordergeftelle ift eine kleine Requifitenkifte befeftiget. Die Deichfel ift zum Auslegen gerichtet; die fefte Wage mit zwei beweglichen Wagdritteln liegt unter den Deichfelarmen und ift in diefer Lage durch zwei eiferne Stützen, welche gegen die Mitte der Wendevorrichtung reichen, gefichert. Eigenthümlich ift noch, dafs die Deichfel vorne nebft der Bracke zum Vorfpannen der zwei Vorauspferde noch einen auf die Deichfel aufgefetzten Widerhaltprügel befitzt, der um einen Bolzen drehbar ift, zu welchem Zwecke von den Enden des Prügels zwei Arme aus Rundeifen nach vorwärts bei den Bolzen zufammenlaufen, dort fich vereinigen und mit dem entſprechenden Bolzenloche verfehen find; während anderfeits an den Enden des Prügels die zum Feftmachen und Durchziehen der Widerhaltriemen nothwendigen Ringe befeftiget find. Diefe ganze Einrichtung, welche die Schweden auch bei allen anderen Fuhrwerken und Gefchützen, welche nur eine einfache Deichfel für zwei Stangenpferde befitzen, eingeführt haben, dürfte fich zwar nicht unzweckmäfsig erweifen, weil fie die Pferde zwingt, ftets mehr im gleichen Anzuge zu verharren, doch hat diefelbe wieder den Uebelftand, dafs die Pferde in ihrem freien Gange beeinträchtigt werden und das Stürzen des einen Pferdes wahrfcheinlich auch das des anderen zur Folge haben wird. Eine gewöhnliche einfache Sperre mit Bremsftöckeln ift am Hintergeftelle links angebracht, um von dort aus die dazugehörige Spindel mit einem kleinen Rade zu ftellen. Der Wagenhund, eine am Hinterwagen angebrachte Stütze, welche beim bergan Fahren aus feinen Verforgungshaken ausgelegt wird, fo nachfchleift und beim Anhalten des Wagens deffen Rücklauf verhindert, ift aus Eifen erzeugt. 1 e i 0 i h d r e S e n Das Pionnierwefen. 23 Verladen find auf dem Wagen: 22 Ganz und 8 Halbpfoften, I Landfchwelle und nebft diverfen kleineren Geräthen noch obenauf mit dem Boden nach unten gekehrt, ein Ponton- Vorderftück. Letzteres ift ähnlich dem öfterreichischen geformt, nur vorne ift dasfelbe halbrund und wenig fchräge, fo zwar, dais man diefem Ponton wohl eine gröfsere Stabilität in der Brücke zufprechen, von ihm aber nicht auch eine leichte Fahrbarkeit und Lenkbarkeit vorausfetzen darf. Gewäffer mit trägem Laufe mag er wohl gut entſprechen. Auf Weiters find noch an der rechten Wagenfeite drei Ruder, an der linken mehrere Schiffshaken angebracht. Bemerkenswerth dabei ift noch, dafs erftere nicht fehr lang und gefällig geformt und bei der Verftärkung, wo fie in die Rudergabel einzulegen kommen, mit Blech befchlagen find. Die Schwerpunkt- Lage des complet beladenen Wagens liegt ziemlich hoch, dennoch ift bei der grofsen Geleisweite ein Umkippen desfelben nicht leicht zu beforgen. Er trägt gegenüber unferen Brückenwagen das Gepräge der Schwerfälligkeit an fich, obwohl er, wie fchon früher nachgewiefen wurde, leichter ift als diefer. Ein weiteres nicht unintereffantes Object im fchwedifchen Militärpavillon war der Infanterie- Pionnierwagen vom Oberftlieutenant Klingenftierna und Hauptmann V. Norrman. Derfelbe hat einen mehrfachen Zweck zu erfüllen, nämlich einerfeits den, die InfanteriePionniere für die ihnen zufallenden technifchen Arbeiten mit den nöthigen Arbeits- Werkzeugen zu verfehen, andererfeits fie in den Stand zu fetzen, auch kleine, weniger bedeutende Hinderniffe mit den auf diefen Wagen mitgeführten fertigen Material Beftandtheilen augenblicklich überbrücken zu können. Zu diefem Behufe ift jedes Infanterie- Bataillon mit einem, daher das Regiment mit zwei folchen Wagen ausgerüftet. Sie bieten für 300 Arbeiter die verfchiedenften, vornehmlich aber Schanzwerkzeuge und enthalten Brückenftege von 60, beziehungsweife 120 Fufs fchwedifch(= 56.3, beziehungsweife 112 6 Fufs öfterreichifche) Länge für zwei-, beziehungsweife eingliedrige Infanterie. Wegen diefes letzteren Umftandes wurde die Befprechung diefes Aus ftellungsobjectes in diefe Rubrik" Brückenwefen" eingereiht, obwohl es eigent lich ftreng genommen nicht hieher gehört. Die Frage, ob es zweckmäfsig fei für die Infanterie Pionniere einen eigenen Ausrüftungstrain im Felde mitzuführen, dürfte mit Rücksicht auf die Vermehrung des Armeetroffes von der Mehrheit der Stimmen mit„ Nein" beantwortet werden. Zur Erfüllung des erfterwähnten Zweckes ift ein eigener Train gewifs nicht nothwendig, wenn, wie bei unferer Organifation der Armee, die Infanterie Pionniere, dann die Pionnier- und Genietruppe ihre Ausrüftung felbft tragen und letztere beiden überdiefs noch in ihren Requifitenwagen der Werkzeuge allerlei Art in folcher Menge mitführen, dafs fie hiemit noch eine grofse Zahl InfanterieHilfsarbeiter betheilen können. Diefs wird dann um fo weniger nöthig fein, wenn, wie in der öfterreichifchen Armee, eigene Schanzzeug- Colonnen beftehen, da fonft der Train zum Nachtheile der Operationen übermäfsig vergrössert würde. Unter allen Umftänden aber ift es vortheilhaft, wenn die Infanterie Pionniere ihre Ausrüftung felbft tragen, indem fie dadurch in den Stand gefetzt find, bei augenblicklichem Bedarfe gleich eingreifen zu können. Anders geftaltet fich allerdings die Sache, wenn man fie von einer anderen Seite betrachtet. Sind nämlich vermöge eigenthümlicher LandesbodenVerhältniffe, wie wegen zahlreicher kleinerer Gewäffer, Wafferadern und Canälen, die Beigabe von fertigen, leichten Brücken an die Truppen felbft eine unerlässliche Bedingung, um fie an ihrer Manövrirfähigkeit nicht Schaden leiden zu laffen, dann mag immerhin die Mitnahme eines eigenen folchen Ausrüftungstrains, der alfo nebenbei auch einiges an Werkzeugen aufnimmt, gerechtfertiget erfcheinen. 24 Emerich Zinner. Auch Oefterreich hat fchon einmal eine ähnliche Idee mit Nutzen zur Ausführung gebracht, doch wurde fie bald nach ihrem Aufleben in Folge der geän derten Territorialverhältniffe wieder überflüffig. Man gab nämlich den in Oberitalien bei der Armee im Felde ftehenden Batterien eigene fogenannte Batterieftege, eigentlich richtiger gefagt Brücken, bei, womit fie fich felbft bei den häufig vorkommenden Uferwechfeln über Canäle fo gleich zu helfen in der Lage waren. Fig. 5. Diefe Batterieftege beftanden aus zwei gleichen, fertigen Brückentheilen, welche auf einem ftarken, nach italienifcher Art gebauten zweirädrigen Karren fortgebracht und im Bedarfsfalle blofs über das Graben. hindernifs- wenn es nicht breiter als 20 Fufs warhart neben einander gelegt zu werden brauchten. War eine längere, mit Zwifchenunterlagen verfehene Brücke nöthig, fo oblag die Errichtung derfelben, gleichviel ob fie aus Noth oder Kriegs material herzuftellen war, der Pionniertruppe. Von der Mitnahme anderer, leichterer Stege für die Infanterie fah man von jeher aus dem Grunde ab, weil, wenn die Fufstruppen folche kleinere Hinderniffe nicht überfpringen oder durchfurten können, die technifchen Truppen oder die Infanterie- Pionniere felbft in den feltenen Fäl len, wo diefs nothwendig wird, ihnen aus aufgefundenem Materiale leicht und fchnell Nothübergänge herzuftellen im Stande fein werden. Befehen wir uns nun den ausgeftellten Wagen, wovon Fig. 5 eine bildliche Darftellung bringt, näher, fo müffen wir uns von vornherein geftehen, dafs das complete Fuhrwerk bei leichtem, gefälligem Ausfehen fammt und fonders recht finnreich zufammengeftellt ift. Der Wagen ift in Bauart und Dimenfionen den gewöhnlichen fchwedifchen Armeetrofswagen ganz gleich gehalten, nur mit dem Unterfchiede, dafs er wegen der gröfseren Leichtigkeit, mit Ausnahme der Räder, von Eifen ift, und dafs die auf dem Trofswagen befindlichen Leitern und Packkiften hier durch die eifernen Pontontheile erfetzt find. Die Befchaffenheit des Wagens zwang dazu, diefe letzteren getrennt zu bilden und zu verladen. Vorder- und Hintergeftell find nämlich durch eine lange, ftarke, gebogene Eifenftange verbunden, welche in einem Haken des Vordergeftelles blofs eingehakt wird, fo, dafs diefes nach Be en ei e rt ht n. Js gt -e, ке = n, S er. er er ht n, n- älus ell ein 11he ins m- em ch enen ur Her der em ckile ang len tell ge. in ofs BeDas Pionnierwefen. 25 Fig. 6. darf um diefen Punkt mit ganzer Wendung gedreht, oder aber auch abgeprotzt werden kann. Da die Pontontheile faft unmittelbar auf den Wagenfedern aufliegen, fo ftehen diefelben, um bei Wendungen den Durchlauf der Räder zu ermöglichen, 19 Zoll von einander ab. Die Geleisweite beträgt 46% Zoll. Sperre befitzt der Wagen keine. Als Befpannung dient ein Dreigefpann, wovon das mittlere Pferd in einer Gabel geht, alle drei aber von einem Kutfcher gelenkt werden, der im vorderen, kleinen Ponton auf einer Kifte fitzt. Zwei Gabelftangen find in Referve vorhanden und dienen dazu, wenn Vorderund Hinterwagen von einander getrennt werden, am hinteren Theile. des Hinterwagens eingefchoben und eingehakt zu werden, um damit eine Gabel für die Anfpannung zu bilden und fomit mit dem abgetrennten Wagentheile felbftftändig fahren zu können. Von den eifernen Pontontheilen ift der rückwärtige, gröfsere Theil 7%, der vordere, kleine 4 Fufs lang, jeder 334 Fufs breit und 2 Fufs hoch. Sie find oben mit Schraubenbolzen, unten mit Haken verbindbar. Die Borde ftehen auf dem Boden faft, die Querwände ganz vertical; vorne und rückwärts find fie durch fchräge, ebene Flächen, die nur an den Winkelkanten abgerundet find, abgefchloffen. In dem vorderen Pontontheile find zwei, über einander ftehende Kift en eingefetzt, welche mit verfchiedenen kleineren Werkzeugen und Nägeln recht zweckmäfsig bepackt find; in dem rückwärtigen gröfseren Pontontheile find alle gröfseren Werkzeuge, Tauwerk, Gefchirre etc. verforgt. Obenauf liegen, den Ponton voll ftändig eindeckend, fechs fogenannte Leiterpläne( fertige Brückenftegdecken) in zwei Schichten nebft einer Bockfchwelle und zwei dazu gehörigen Spaken( Füfsen). Diefe ganze Packung wird feftgehalten durch Stricke und mittelft eines durch die Löcher der Leiterpläne durchgezogenen und an den Ponton mit einem Vorhängfchloffe befeftigten eifernen Stabes. Je zwei Leiterpläne find, wie die Fig. 6 zeigt, an ihrem Längenzufammenftofs oben mit Federn, unten mit feften Haken und Oefenbefchlägen, welche in einander zu fchieben find, mit einander verbindbar. Jeder Leiterplan hat bei 92% Fufs Länge, 14 Fufs( Wiener) Breite und ift gebildet aus zwei einzölligen Bretterbacken, welche an der' fchmalen Seite 2, an der breiten 5½ Zoll breit find und durch fechs Holzfproffen, dann durch Befchläge und durch drei eiferne Querftangen zufammen gehalten werden. Diefes Leitergerippe ift der Länge nach mit zwei 7 Linien ftarken aufgenagelten Brettern eingedeckt. Die Bockfchwelle, Fig. 7 A, ift aus zwei Stück 9 Fufs 5 Zoll langen, 51 Zoll breiten und 1 Zoll ftarken Brettern gefertigt, die in Folge der fechs Stück Einfatzklötzchen im Lichten 2 Zoll von einander abftehen. Fig. 7 A. Die Bockfüfse, Fig. 7 B, find 6%, Fufs lang, im Querfchnitte 134 Zoll dick und 2 Zoll breit. 26 Emerich Zinner. Fig. 7 B. Sowohl die Schwelle als die Bockfüfse find ohne alles Befchläge. Eine vollständige Aufzählung und Schilderung aller übrigen Materialien und Werkzeuge würde weit über die hier gezogenen Grenzen der Darstellung führen, und es bleibt fomit nur noch anzuführen, dafs der complete Wagen circa 3500 Pfund fchwedifch oder 2650 Pfund Wiener Gewicht haben foll, was bei feinem leichten Ausfehen kaum glaublich erfcheint. Schliefslich dürften noch einige Angaben über die Leiftungsfähigkeit diefer leichten Pionnierbrücke erwünſcht fein, welche aber doch in mehreren Punkten angezweifelt werden müffen, wenn man dabei die Dimenfions verhältniffe der Materialien und Geräthe diefer Brücke genau erwägt. Zur Bedienung der Brücke find per Wagen acht Mann erforderlich. Aus dem Brückengeräthe einer Regimentsausrüftung von zwei Wagen, laffen fich fechs doppelte Brückenpläne à 20 Fufs( fchwedifch), zwei ganze Pontone oder drei Halbpontone( indem die beiden kleinen Vordertheile zu einem verbunden werden) und zwei Böcke, deren Füsse aus den Wagendeichfeln oder eigentlichen Bockbeinen beftehen, bilden. Ein ganzer Ponton foll als Ruderboot 12 Mann tragen. Zwei ganze Pontone mit darauf gelegten Leiterplänen follen eine bequeme Fähre für 25 Mann oder für einen beladenen Trofswagen oder für ein Pferd abgeben. Vier Pontone mit 12 Stück doppelten Leiterplänen ergeben eine 20 Fufs lange und 16 Fufs breite Fährkoppel, auf welcher bequem vier Pferde oder 50 Mann geführt werden können. Mit den Böcken mit aufgelegten Leiterplänen werden Landbrücken her geftellt. Von zwei ganzen Pontonen nebft den dazu gehörigen Leiterplänen, immer zwei neben einander, erhält man eine 60 Fufs lange Brücke, für Paffirung von Fufstruppen zwei Mann hoch; auch foll eine folche Brücke leichte, von der Mannfchaft vorfichtig gezogene Fuhrwerke tragen. Von den drei Halbpontonen, zwei Böcken, nebft den dazu gehörigen Leiter. plänen in einfacher Breite, erhält man eine 120 Fufs lange Brücke für einzeln gehende Paffanten. Als Erfatz oder Ergänzung kann man aus vier Wagendeichfeln mit Querhölzern noch im Nothfalle eine anwendbare Brückenleiter erhalten. Der Wagen mit Ponton und vollem Gepäck kann rückwärts in das Waffer gefchoben werden und fchwimmt, wobei die Bedienung desfelben, acht Mann, bequem darauf Platz findet und die Pferde fchwimmend daneben geführt werden können. Auf folche Weife foll das Ganze unter der Vorausfetzung, dafs das Wetter günftig ift, über einen See gerudert werden können. Rufsland hat durch das Kriegsminifterium, beziehungsweife durch das k. Ingenieur- Arfenal zu Dünaburg zur Ausstellung fehr nett und correct gearbeitete Modelle feiner Kriegsbrücke gebracht. Die einen, beftehend in vier complet beladenen Wagen, waren nach ½, die anderen, eine gefchlagene Kriegsbrücke aus mehreren Feldern darftellend, nach 1/6 der Natur angefertiget. Rufsland hat bekanntlich feiner Zeit die öfterreichifche Kriegsbrücke bei nach dem Syftem Birago- bis in die kleinften Details nachgebildet feiner Armee eingeführt. Seither aber hat es aus unbekannter Urfache manche Aenderungen daran vorgenommen, welche fammt und fonders, vielleicht mit einer einzigen Ausnahme der des Ankers feiner jetzigen Kriegsbrücke nicht zum Vortheile gereichen. - - en ng rca bei eit in ns en, ze em ler me erd ufs der 9990 ermer von nn. ter. eln er 40 ffer nn, Hen tter das rect d in ine der cke bei che ner zum Das Pionnierwefen. 27 So haben fie vor Allem ftatt der kleinen und auf fo zweckmässige Weife theilbaren Brückenequipage, Brückenparks eingeführt, welche fich wohl auch in Halbe- und Viertelparks, aber nicht weiter mehr theilen laffen, und je einen folchen Park, deren fie fechs befitzen, einer Pontonierdivifion überwiefen. Zwei weitere folche Parks werden noch nachgefchafft und jene für den Kaukafus follen mit fchwimmenden Unterlagen aus Kautfchukcylindern verfehen werden. Ein ruffifcher Kriegsbrücken- Park führt das Materiale für eine 100 ruffifche Klafter( Saženj) lange Kriegsbrücke, was genau der Leiftung von vier öfterreichifchen Brückenequipagen oder 28 X 4= 112 Wiener Klafter Brückenlänge gleichkommt. Der Pontonpark befteht aus 52 Brücken- Wagen und 9 anderen Fuhrwerken, wovon die erfteren mit fechs, die anderen mit vier Pferden befpannt find. Vierzig Brückenwagen führen Ponton- Vorder- und nur zwölf führen PontonMittelftücke mit, welche Eintheilung bei Weitem nicht fo viele Combinationen mit dem Brückenmateriale in Bezug auf Herftellung von Brücken und namentlich von Ueberfetzungsgliedern zuläfst, als bei der öfterreichifchen Eintheilung, wo das Verhältnifs diefer Pontontheile wie 8: 6 befteht und daher die Zufammenfetzung von mehrtheiligen Pontonen dem Bedarfe nach beliebig gefchehen kann Weiters führen fechs der Wagen je zwei, zufammen alfo zwölf Böcke mit. Für die normale, alfo zu der am meiften anwendbaren Brücke, ftehen daher 26 fchwimmende und 12 ftehende, zufammen alfo 38 Unterlagen per Park zur Verfügung, wogegen diefer Deckmateriale für 42 Felder, nämlich 210 Balken und 1050 Pfoften mitführt. Zugegeben, dafs diefer Ueberfchufs eine ganz angemeffene, in manchen Fällen auch ganz erwünſchte Referve bildet, fo drängt fich nebenbei doch auch die Frage auf, was dann wenn die Böcke nur zum Theile oder gar nicht eingebaut werden können, oder umgekehrt, wenn zur Bewältigung des Hinderniffes einzig und allein nur Böcke oder wenigftens ein Theil davon eingebaut werden können? In jedem diefer Fälle ftellt fich heraus, dafs das Deckmateriale ganz aufser Verhältnifs zu den Unterlagen und diefe unter fich gleichfalls nicht in einem folchen Verhältniffe ftehen, wodurch in allen Fällen die vollständige Ausnützung des Materiales ermöglicht würde. Diefe geänderten Verhältniffe in der Eintheilung des Materiales, führten zu weiteren Mafsnahmen, die ebenfalls als keine glücklichen bezeichnet werden können; nämlich zu der Vermehrung des Materiales auf den Wagen, fomit auch zu einer anderen Einrichtung der Wagen felbft. Durch den erfteren Umftand kam mehr Deckmateriale auf einem Wagen zu liegen, als zu einem Brückenfelde gehört; dadurch wurde der Wagen nicht nur fchwerer, fondern auch die Beladung und Entladung der Wagen erfchwert, namentlich bei folchen Brückenfchlägen, welche eine vorherige Schlichtung des Materiales auf einem Depôtplatze nicht erlauben, da die Vertheilung des Materiales auf den Wagen keine überfichtliche mehr ift. Die complet beladenen ruffifchen Brückenwagen wiegen 42 Wiener Centner, daher fie ftatt mit vier, mit fechs Pferden befpannt werden müffen. Jene veränderte Verladeweife führte zu einem anderen Uebelftande zur Vermehrung der Wagengattungen, nämlich auf vier. Dafs diefs auf eine überfichtliche und rafche Verladung des Materiales wieder nur hemmend einwirken kann, ift wohl einleuchtend; umfomehr, wenn, wie es hier der Fall ift, z. B. auf den Wagen Nr. 3 alle Ruder, auf den Wagen Nr. 4 wieder alle Rudergabeln nebft allen Geländerftäben verladen find, während bei uns die Ruderrequifiten in allen Pontonen in entsprechender Zahl fo vertheilt und untergebracht find, dafs der Ponton, ins Waffer gefchafft, fogleich benützbar ift. Diefe eigenthümliche Vertheilung der Materialien und Geräthe ift eben mit Urfache, dafs der ruffifche Brückenpark einer weiteren Theilung als der erwähnten, nicht mehr fähig ift. 28 Emerich Zinner. Von dem Wagen Nr. I gehören 30, von jenem Nr. 2, 6, von Nr. 3, 12 und von Nr. 4, 4 Stück zu einem Park. Von jeder diefer vier Gattungen warje ein Stück in Modell ausgeftellt. Die erften drei Gattungen find gleich und der Hauptfache nach von der Bauart der öfterreichifchen Wagen; doch bietet diefe Gleichartigkeit nur fcheinharen Vortheil, indem für jeden Wagen befondere, verfchieden geftaltete Einrichtungsbeftandtheile beftehen, um denfelben zur Aufnahme des KriegsbrückenMateriales geeignet zu machen, fo dafs jeder Wagen doch nur zu der ihm zuge wiefenen Beftimmung verwendet werden kann. Der Wagen Nr. I entspricht unferem Balkenwagen, doch führt er 7 Balken, 2 Schnürbalken, 25 Pfoften und 6 Halbpfoften nebft anderen kleineren Gegen ftänden; jener Nr. 2 unferem Bockwagen, doch führt er keine Landfchwellen, welche nebft Pfoften, Ankern, Seilen und diverfem kleinerem Materiale und allen Rudern auf dem Wagen Nr. 3 verladen find; die Wagen Nr. 4 endlich, welche wie fchon einmal hervorgehoben wurde, alle Rudergabeln enthalten, entſprechen unferen Requifitenwagen. Als gut zu bezeichnen ift die Einrichtung, welche die Verladung der Pontone, gleichviel ob Mittel- oder Vorderftück, auf jeden Wagen ohne Unterfchied erlaubt. Sie find, wie bei uns mit dem Pontonboden nach oben gekehrt, verladen. Unter den Pontonen liegen auf dem Geräthe Anker und Seile bei allen Brückenwägen. Als abweichend von den öfterreichifchen Wagen kommt hervorzuheben: Die gröfsere Spurweite von 60 Zoll ruffifch oder 58 Zoll öfterreichiſch, die gleiche Höhe der Räder, welche alle vier einen Durchmeffer von je 50 Zoll( 47%) haben, wobei die Wagen jedoch die ganze Wendung behalten; eine andere Sperrvorrichtung, ähnlich unferer alten, beftehend aus Radfchuh mit Kette und Eisring. Bemerkenswerth ift noch die veränderte Deichfel und das Reibfcheit, eine Einrichtung, welche auch, wie fchon gefagt, die ganze Wendung erlaubt. Letzteres ift mit der auf der Deichfel befeftigten, unbeweglichen Wage verbunden. Die Wage ift doppelt und derart verlängert, dafs darauf vier Wagdrittel Platz finden. Es gehen alfo hier, wie es fcheint, für gewöhnlich vier Pferde neben einander an der Stange und nur zwei Pferde voraus. Es ift diefs jedenfalls eine Befpannungsweife, die in manchen Lagen wird dahin abgeändert werden müffen, dafs alle Pferde nur paarweife gehen, was aber nur Zeitverlufte verurfacht. Wenden wir uns zu dem zweiten Ausftellungsobjecte, welches eine aus gröfseren Modellgeräthen gefchlagene normale Kriegsbrücke mit drei fchwimmenden Unterlagen, nebft einen befonders aufgeftellten Bocke darftellte. Diefe Brücke weicht nach Zufammenfetzung und Material wenig von der entfprechenden öfterreichifchen Brücke ab. Die Pontone, ebenfalls aus Eifen erzeugt, zeigen gar keine Flofs wändigkeit, das heifst die Seitenborde ftehen zum Pontonboden unter einem rechten Winkel, auch find die Borde etwas niedriger, als die unferer Pontone. Die hiedurch erzielte geringere Schwankung ift dabei jedenfalls auf Koften der Lenkfamkeit erzielt worden. von den öfter Die Pontonverbindungen differiren ebenfalls reichifchen. Bei den oberen haben die Schraubenmuttern Flügel, die unteren beftehen aus ftarken Eifenbändern mit Oefen, deren jeder Pontontheil beider feits an den Bordwänden eines trägt, und aus einer zweizackigen Gabel, welche mittelft eines Kettchens an der Bordwand hängt, und zur Verbindung der Fontone von oben in die Oefen eingefteckt wird. Die Ruder find bedeutend kürzer als unfere, was wohl von den niedrigeren Bordwänden abhängig gemacht wurde. Das Pionnierwefen. 29 pu 11 er n- inen. ge en, en en, Len the en Ter er. rt, en en: the en. rr. ng. ne es tel en rd er es rei te. er fsem e. er er en erhe ne en Von befonderem Intereffe ift der, nach dem Mufter der englifchen Marineanker ganz eigenthümlich conftruirte Anker. Derfelbe befteht aus der Ankerftange und zwei um etwa 30 Grad beiderfeits der letzteren, in einer Ebene drehbaren, folglich gleichzeitig fcharrenden Ankerarmen, mit den beiden an den Ankerftangenkopf befeftigten Stellfcheiben. Diefe Anker follen fich fehr gut bewähren. Da fie überhaupt grofse Vortheile zu bieten fcheinen, wie die beweglichen, fich felbft ftellenden Arme, die der gröfseren Sicherheit des Grabens, die vereinfachte Gebrauchsnahme ohne Vorbereitungen und ebenfo leichte Verpackbarkeit auf den Wagen, fo wird fpäter bei Anführung des Martin'fchen, englifchen Ankers, noch einmal auf diefen Gegenftand zurück gekommen werden. Als weiter abweichend zu bezeichnen ift, dafs bei der ruffifchen Kriegsbrücke nur drei Bockfufs Gattungen, die 8-, 12. und 16fchuhigen, beftehen und diefe nicht doppelt eingebaut werden, fondern fchon doppelt fo ftark als unfere Bockfüfse erzeugt, alfo einfach zur Verwendung kommen, und dafs die 20fchuhigen Füfse ganz aufgelaffen, dagegen durch eigene Schnürrbalken erfetzt find. Letztere haben bei 21 Fufs Länge, im Gevierte 3 Zoll zur Höhe und 24 Zoll( ruffifches Mafs) zur Breite. Weiters führt die ruffifche Kriegsbrücke 3 Fufs 10 Zoll lange aus einzölligem Rund- Stabeifen erzeugte, eigene Geländerftäbe mit, welche mit ihren unteren Enden in paffende Löcher der PontoneinrüftungsSchwellen eingefteckt werden und durch deren, am oberen Ende angebrachte Löcher das Geländerfeil durchgezogen wird. Alle diefe Neuerungen, welche an den ausgeftellten Modellen wahrgenommen wurden, können als keine Verbefferungen bezeichnet werden. Beläfst man die 8-, 12. und 16- fchuhigen Füfse doppelt, wie Birago fie gefchaffen, behält man überhaupt die fehr verwendbaren 20 fchuhigen Füfse bei, fo bleiben felbft beim Einbau aller Böcke noch immer hinreichend Füfse für die Schnürung zur Verfügung, und man hat nicht nöthig, den Train mit eigenen Schnürhölzern unnützer Weife mehr zu belaften. Ebenfo verhält es fich mit den befonderen Geländerftützen, da die Ruder deren Stelle viel beffer verfehen. Schliefslich mufs noch der fchon erwähnten, zu einem Brückenparke gehö rigen neun Beiwagen gedacht werden. Zwei davon, Inftrumentenwagen genannt, haben Werkzeuge und einzelne kleine Beftandtheile für den Bau von Noth- und halbpermanenten Brücken, für die Herftellung und Zerftörung von Bahnen verladen. Von den übrigen Wagen find zwei zum Transporte für Munition und der Caffa beftimmt, einer ift Caffa-, einer Proviant-, einer Lazareth-, einer Sanitätsund einer Apothekerwagen. Spanien. Auch diefer Staat hat längft die Birago'fche Kriegsbrücke, bis in die kleinften Details nachgebildet, bei feiner Armeeausrüftung zur Einführung gebracht. Nachdem aber diefer fahrende Brückentrain den Bewegungen folcher Armeeabtheilungen, welche in fehr unwegfamem, gebirgigem Terrain zu operiren haben, manchmal nur fchwer oder gar nicht folgen kann, fo hat diefer Staat fich genöthigt gefehen, über Vorfchlag des Commandanten des Ingenieurcorps Oberftlieutenant Joaquin Terrer überdiefs noch einen fogenannten Gebirgs- Brückertrain zu fchaffen, welcher auf Maulthieren transportirt wird. Das Materiale desfelben ift, mit Ausnahme kleiner Aenderungen, ganz dem des fahrenden Trains nachgebildet, nur fielen felbftverſtändlich die Pontons weg und find die Ausmafsen durchgehends geringer, ungefähr in etwas mehr als halbem natürlichem Mafse gehalten. Ebenfo felbftverftändlich ift, dafs fich damit nur kleinere, weniger bedeutende Hinderniffe und überhaupt nur folche über* Sorgfaltig angeftellte Verfuche haben gezeigt, dafs die Füfse ftärker als die Bockfchwelle find. Wenn daher die öfterreichifche Bockfchwelle beim ruffifchen Material unverändert beibehalten wurde, fo hat es gar keinen Sinn, die Füfse dadurch ftärker machen zu wollen, dafs man fie aus einem Stücke herftellt. 30 Emerich Zinner. brücken laffen, welche die Anwendung nur ftehender Unterlagen erlauben. Ueberdiefs find bei diefen Stegen auch die Anforderungen bezüglich ihrer Tragfähig. keit, gegenüber den geführten Brücken, auf ein geringeres Mafs herabzufetzen. die Equipage. - Die Einheit eines folchen Gebirgsbrücken- Trains welche auf zwanzig Laftthieren fortgefchafft wird, erlaubt die Herftellung eines Brückenfteges von 27-863 Meter(= 100 Fufs fpanifch= 88 Wiener Fufs). Zum Setzen, beziehungsweife Hinausfchieben der Böcke wird eine eigene BockfetzMafchine mitgetragen. Ohne in eine nähere Erörterung des Materiales und deffen Anwendung einzugehen, wird nur noch bemerkt, dafs die Verpackungsweife auf die Laftthiere eine verfchiedene ift, und dafs nur wenige diefer Zwanzig, ganz gleich ausgerüftet find. An Hauptgeräthen fchaffen fie fort: II Bockfchwellen fammt den dazu gehö rigen Füfsen, 40 Balken, 102 Ganzpfoften etc. Das Perfonale zur Bedienung hiezu theilt fich in zwei Theile: Zur Führung der Saumthiere find 22 Mann und zur Aufficht dazu 2 Unterofficiere beftimmt; zur Bedienung der Brücke felbft find beftimmt: 1 Oberofficier, der zugleich Comman dant des ganzen Convois ift, 1 Cornet, 1 Sergeant, 3 Corporale und 13 Pontoniere. Von diefem fpanifchen Gebirgsbrücken- Train nun hat das fpani fche Kriegsminifterium durch das Ingenieurcorps Modelle in 1 der natürlichen Gröfse zur Ausftellung gebracht, welche hinfichtlich der Ausführung, fowohl was Genauigkeit des Geräthes und der Packfättel, als Sauberkeit anbetrifft, volle Bewunderung verdienen und wofür wir der fpanifchen Kriegsverwaltung umfomehr Dank wiffen, weil fie uns hiedurch mehr als durch die beften Zeichnungen in den Stand fetzte, ihre zweckmäfsigen Einrichtungen ftudiren zu können. Von den vier beladenen Maulthieren trägt eines derfelben zwei Böcke fammt den Fufsen und Beifüfsen, ein anderes 18 Pfoften und 3 Bockfchuhe, ein drittes trägt beiderfeits des Tragfattels je eine Kifte mit Werkzeugen und das vierte endlich ift ausgerüftet mit 12 Schaufeln, 12 Krampen und 6 Haken, welch' letz teres diefe Werkzeuge beiderfeits zu gleichen Theilen auf dem Packfattel in Ringen und Schleifen, fehr zweckmäfsig verforgt, trägt. Die Schaufeln find im Blatte viereckig, fchneidig und etwas rund gebogen; die Krampen find nach Art der italienifchen geformt und beftielt; die Hacken nach Form unferer Waldhacken, nur gröfser. Das letzterwähnte Maulthier mit der Werkzeug- Ausrüftung gehört eigentlich nicht zum Gebirgsbrücken- Train, fondern es foll eines derjenigen Trag. thiere vorftellen, wie folche bei den Schanzzeug- Colonnen ausgerüftet find. Von diefen letzteren Objectsgegenständen wurde nur darum eigene Notiz genommen, weil auch Oefterreich, vermöge feiner geographifchen Länder befchaffenheit, fich in neuerer Zeit beftimmt gefunden hat, feine Pionnierausrüftung für einen Gebirgskrieg zu vervollſtändigen Es ftellt zu diefem Zwecke für eine Feldcompagnie einen Convoi von 38 Tragthieren zufammen, welche jedoch nicht mit Brückenmaterial, fondern nur mit Werkzeugen allerlei Art, in Kiften verpackt, zu den verfchiedenartigften technifchen Verrichtungen, alfo auch zur Herftellung von Nothbrücken, beladen find. Ein Theil diefer Tragthiere dient blofs zur Fortbringung der Etapen, der Mannfchaftstornifter, der Kanzlei, der Referve- Montursgegenstände, der Officiersbagagen und zwei diefer Thiere find blofs für die Referve beftimmt. Deutfchland war nur mit einem einzigen Ausftellungsobjecte durch die Firma Jakob Hilger aus Rheinbrohl in Rheinpreufsen vertreten. Diefer Gegenftand war ein aus verzinktem Eifenblech erzeugter Ponton der preufsifchen Kriegsbrücke. Die Form und feine Zweckmäfsigkeit kommen hier aufser jeden Betracht; es fei nur erwähnt, dafs der neun Zollcentner fchwere Ponton in feinen Hauptabmel fungen 7.50 Meter zur Länge und 150 Meter zur Breite zeigte, dafs die Blechftärke an 2- g re et : g ur n- e. i er S eit ie en mt es te 7 in m rt en, ört g tiz ம் er 18ke he ch ent er nd Hie er es ef Das Pionnierwefen. 31 den Seitenborden 1'25 Millimeter mifst und diefe nach unten zu und über den ganzen Boden hin, bis auf 187 Millimeter zunimmt. Von Holz find nur die Bordreife auf ihrem ganzen Umfange, die zwei Schwingen und aufsen die auf den beiden Seitenwänden angebrachten Schutz- Streifleiften. Die im Innern des Pontons zum Schnüren angebrachten Leiften und Haken find von Eifen. Der nicht zufammenfetzbare, fondern nur aus einem Stücke beftehende Ponton, weil der preufsifchen fchweren Kriegsbrücke angehörig, befitzt eine Tragfähigkeit für 40 Mann und bedarf beim Auf- und Abladen einer Bedienung von 12 Mann. Der Grund, wefshalb dieler Ponton eigentlich zur Ausftellung gebracht wurde, befteht in der Eigenart des Materiales, aus dem er gefertigt ift. Das verzinkte Eifenblech foll nämlich 21/2 mal weniger dehnbar und 4mal fo feft fein als das gewöhnlich gewalzte Eifenblech. Man kann alfo daraus Pontone erzeugen, welche bei bedeutend geringerem Gewichte eine gröfsere Widerftandsfähigkeit und auch eine gröfsere Dauerhaftigkeit befitzen, nachdem der Zinküberzug auf eine Weife hergeftellt ist, welche für lange Zeit ficheren Schutz gegen Abblätterung und Oxydation des Eifens verbürgt. Ueber die Haltbarkeit des verzinkten Eifens nach der patentirten Methode der genannten Firma wurden von Sachverständigen( Profeffor Pettenkofer in München) Unterfuchungen angeftellt, wonach erft in 27 Jahren 1 des Zinküberzuges abgenützt würde, während ein gewöhnlicher Oelfarben- Anftrich fehr oft erneuert werden mufs und doch nie ganz ftellenweifes Oxydiren des Eifenbleches verhütet. Die Preufsen würdigten alle diefe Vortheile bereits auch nach Gebühr, indem fie fchon im letzten deutfch- franzöfifchen Feldzuge einen Theil der Pontone ihrer Kriegsbrücke aus verzinktem Eifenbleche mit fich führten und feither auch in der weiteren Ausrüftung damit fortfuhren, indem fich die Erfahrungen dafür günftig ausfprachen. Genannte Firma hat die Hauptlieferungen dabei beforgen. zu Den öfterreichifchen Pionnieren ift auch diefe, gewifs einen Fortfchritt bezeichnende Verbefferung des Materiales nicht entgangen. Man hat Unter fuchungen mit verzinkten Eifenblechplatten, theils aus inländifchen, theils aus ländifchen Fabricaten angeftellt und liefs fchliefslich auch daraus je einen Ponton zu weiteren Erprobungen anfertigen. Das verzinkte Eifenblech verdient übrigens ob der demfelben vindicirten Vorzüge auch mit Rückficht auf die Bedachungen von Etabliffements etc. alle Beachtung, darum hat auch Herr Hilger diefes Material in den verfchiedenften Geftaltungen und Anwendungen auf der Ausftellung zur Anfchauung gebracht. Er wurde auch für feine Leiftungen prämiirt. Schweiz. Nebft verfchiedenen Kriegswaffen und Ausrüftungsgegenständen hat diefer Staat durch das Militärdepartement der fchweizerifchen Eidgenoffenfchaft in Bern verfchiedene Reglements, Vorfchriften und Ordonnanzzeichnungen zur Ausftellung gebracht, worunter auch das Pontonierreglement für die Genietruppe fich befindet. Aus diefem ift zu entnehmen, dafs die Schweiz an dem urfprünglichen Birago'fchen Brückenfyfteme, welches es auch fchon längft bei feiner Armee eingeführt hatte, bisher noch wenig geändert hat. Aus den Plänen wenigftens ift von den bei uns feither eingeführten Verbefferungen nichts wahrzunehmen, felbft die Pontone find gegenwärtig noch aus Holz mit ihrer urfprünglichen Form beibehalten. Bei den nächften Nachfchaffungen aber follen nur mehr folche aus Eifen und mit verbefferten Formen und Einrichtungen erzeugt werden. 3 an 32 Emerich Zinner. Das Land- Communicationswefen. Ueber Strafsenwefen war, wie in der Natur der Sache begründet, das Wenige, was die Ausstellung geboten hat, mit Ausnahme eines einzigen Gegenftandes, nur in Modellen und Plänen zur Darstellung gebracht worden. Diefe Ausftellungsobjecte gewährten dem technifchen Militär nichts von Belange. Jener Gegenftand aber, über eine muldenartige Vertiefung( zunächft des Separatpavillons des Herrn Fürften Schwarzenberg, von deffen Vertretern ange bracht) ftellte ein wirkliches Strafsen object und zwar einen Fafchinen- Dammbau vor, wie folcher häufig auf den Herrfchaftsterritorien des Fürften mit günftigem Erfolge zur Ausführung gebracht wurde. Das Objectt war für den Militärtechniker, der es ja eben nur mit proviforifchen und nur einfachen Strafsenherftellungen zu thun hat, nicht ohne Intereffe, einer detaillirten Befchreibung aber nicht werth, da wir daran denn doch eigentlich nichts Neues, weder in der Anlage, noch in der Ausführung zu entdecken vermochten. Ganz anders war es mit dem Eifenbahn- Wefen beftellt, an dem fich faft alle Staaten, namentlich jene Mitteleuropas, unter diefen aber wieder vorzüglich Oefterreich am ausgiebigften betheiligt haben. Von den vielen Ausftellern des letztgenannten Staates allein find in hervorragender Weife drei grofse Eifenbahngefellſchaften, die k. k. privilegirte Nordbahn, die k. k. privilegirte Staats Eifenbahn und die k. k. privilegirte NordweftbahnGefellfchaft, durch eigene Ausftellungen in dazu errichteten Separatpavillons nebft Objecten auf freien Plätzen, vertreten gewefen. Wir fanden hier, fowie faft aller Orten in den weiten Räumen des ganzen Ausftellungsplatzes zerftreut, Gegenstände, welche in das Gebiet des Eifenbahnwefens gehörten oder dahin einfchlägig waren, und zwar gröfstentheils in Naturgröfse, einige in Modellen, andere wieder in Bild, Zeichnung und Schrift, in reicher Fülle vorgeführt. Diefe Gegenftände betrafen den Unterbau, den Oberbau, alle darauf einfchlägigen Werkzeuge und Materialien, den Hochbau, das gefammte Betriebsmateriale und endlich alle Gegenftände für den Sicherheits- und Signaldient. Man fah daran manche Verbefferungen, welche wieder Fortfchritte bezeichneten, dafür aber fehr wenig ganz Neues. Da über die Objecte des Strafsen- und Eifenbahn- Wefens ohnehin in der Gruppe XVIII,„ Bau- und Civilingenieur- Wefen", eingehend berichtet werden wird, und es hier überhaupt angemeffen erfcheint, mit Rückficht auf die Wirkfamkeit des technifchen Militärs in diefen Dienfteszweigen, nur jener Gegenftände zu gedenken, welche dem militärifchen Dienfte von Nutzen fein können, oder mindeſtens fein fpecielles Intereffe herausfordern, fo werden wir uns alfo auch nur auf die Würdigung diefer befchränken. Bevor wir jedoch zur Befprechung diefer Objecte übergehen, mufs erwähnt werden, dafs gerade vom Eifenbahn- Oberbau, nämlich von der Legung der Geleife, den Weichen und Weichenftellungen, alfo demjenigen Theile des Eifenbahn- Baues, deffen Herftellung zu einer der wichtigften Verrichtungen auch der Feld- Eifenbahn- Abtheilungen gehört, viel ausgeftellt war und dafs wir daran die verfchiedenartigften Schwellenfyfteme, wie: Steinwürfel, Cement Querfchwellen, eiferne Quer- und eiferne Langfchwellen- Syfteme, fowie gewöhnliche, als auch andere mit verfchiedenen Subftanzen imprä gnirte Holzfchwellen in Anwendung gebracht fahen. Wenn wir daran auch manche lobenswerthe Verbefferung erkennen müffen, fo ift doch hervorzuheben, dafs die fonft fo wünfchenswerthen eifernen Schwellen fyfteme noch wenig Eingang gefunden haben, weil fie erft noch bedeutenderer Entwicklung entgegenfehen. S 1. e es t, er ft ch S es コー e 1. 15 en n. r- in uf ft. te er en m- de er ur fs er ile ch an ht e, räنے کو en, en rer Das Pionnierwefen. 33 Von den Schienen felbft, haben jene mit Vignolprofil und die aus Stahl erzeugten bereits die Oberhand errungen, weil fie mehr Zweckmäfsigkeit, Feftigkeit und Dauerhaftigkeit zeigen, wenn fie auch viel fchwächer im Profil gehalten find als Eifenfchienen. Diefe Gewichtsverminderung ift mit Urfache, dafs die aus Stahl und rationeller erzeugten Schienen jetzt fchon nicht mehr höher zu ftehen kommen als Eifenfchienen. In Betreff der Methoden der Legung der Schienen, fehen wir, dafs dem fchwebenden Stofs jetzt faft allgemein fchon der Vorzug vor dem ruhenden Stofs gegeben wird. Von den Lafchenverbindungen ift bemerkenswerth, dafs man jetzt mit Vortheil unter die Schraubenmuttern kleine Unterlagsplättchen mit einem Einſchnitte zur Anwendung bringt. Durch diefen Einfchnitt ift man im Stande, wenn die Schraubenmutter des Lafchenbolzens feft angezogen ift, das Unterlagsplättchen auf einer Seite etwas aufzubiegen und fo dadurch nicht nur feine Verfchiebung und Lockerung felbft, fondern auch jene des Bolzens mit der Schraube zu verhindern. Von den neuen verbefferten Weichenfyftemen ift der Weiche von dem Oefterreicher Hohenegger mit felbftthätigem Wechfelriegel - einer Verbefferung der englifchen Weiche zu erwähnen, welche vor dem Pavillon der öfterreichifchen Nordweft- Bahn ausgeftellt war Diefe Art Weichen ermöglicht das Paffiren zweier Züge in entgegengefetzter Richtung unmittelbar nach einander, ohne dafs die Stellung der Weiche durch den Pedalhebel vorgenommen wird, indem vermöge der eigenthümlichen Einrichtung des Wechfels der paffirende Zug die Richtigstellung felbft beforgt, im Falle die richtige Stellung zu geben vergeffen oder ungenau gegeben worden wäre. Diefe Weichen gewähren fomit viele Vorzüge in Bezug auf die Sicherheit des Betriebes, haben defshalb rafch Einführung bei allen gröfseren Bahnen gefunden und fich auch bisher fehr gut bewährt. Alle, nicht blofs von den verfchiedenften Bahnverwaltungen, fondern von vielen gröfseren Eifen- und Hüttenwerken ausgeftellten Herzftücke find nur mehr aus Hartgufs und Gufsftahl. Im Krupp'fchen Im Krupp'fchen Pavillon ift fogar ein umwendbares Doppel- Herzftück aus Tiegel Gufsftahl zu fehen gewefen. Als neu zu den gegoffenen Herzftücken gehörig find die logenannten Borde zu bezeichnen, eine Art Zwangfchienen, welche an der inneren Seite der Kreuzung zur Sicherheit gegen Entgleifungen angebracht find. Sie find dort an die Schienen entweder fchon angefchweifst oder angefchraubt und überragen die Köpfe der Schienen in Maximum um ungefähr zwei Zoll. Diefe Borde, wenn auch noch weniger im Gebrauche, haben die Proben bis jetzt gut beftanden. Die erwähnten Unterlagsplättchen, den englifchen Wechfel und die Weichen mit den Bordfchienen hat die öfterrreichifche Nordweft- Bahn allein zur Anfchauung gebracht. Von Oberbau- Werkzeugen haben wir auf der Ausftellung fehr wenig Neues gefehen, obwohl einige der gröfseren Bahnen in ihren Pavillonen vollſtändige Ausrüftungen für Oberbau- Arbeiter, Bahnauffeher und Bahnwächter exponirt haben, welche jedoch im Allgemeinen die alten find; weniger ift vielleicht der ebenfalls im Pavillon der öfterreichifchen Nordweft- Bahn aufgelegte Plättchenfchlüffel bekannt, welcher zum Fefthalten der Lafchen mit den Unterlagsplättchen während des Anfchraubens derfelben dient. Eben diefelbe Bahngefellſchaft hat auch in einem Bureau ihres Pavillons einen Apparat und in Verbindung mit diefem einen Signalſtänder mit Hebelarmen, welcher entfernt, aufser im Freien bei den Schienenfträngen aufgeftellt ist, gebracht, welche Arme vom Bureau aus durch einen elektro- magnetifchen Strom fehr leicht zu ftellen find, indem am Apparate bei gleichzeitiger Drehung an einer Kurbel blofs auf einen Tafter ein Druck zu geben ift. Für die Sicherheit im Signaldienfte ift diefe Einrichtung, genannt Diftanz- Signalgeber( nach 3* 34 Emerich Zinner. Syftem Hohenegger), unfchätzbar und fie hat fich auch defshalb rafch Bahn gebrochen, da fie die gröfseren Bahnen faft alle fchon angenommen haben. Wenden wir uns nun zu jenen zwei Gegenftänden, die, wenn auch nicht in der XVI. Gruppe ausgeftellt, vom militär- technifchen Standpunkte aus eine eingehendere Würdigung verdienen. Beide waren in der Abtheilung Oefterreich exponirt und es ftellte der erfte Gegenftand ein fehr hübfch, im grofsen Mafsftabe angefertigtes Modell eines transportablen Bahnhofes dar, welchen der Erfinder, Lazar Popović, Stationschef der k. k. privilegirten Staatseifenbahn- Gefellfchaft zu Marchegg - Glorine - nennt. Diefe Erfindung, im Jahre 1871 gemacht und veröffentlicht, hat feither in militärifchen als auch anderen Fachblättern, fowie auch in verfchiedenen Tagsblättern meift fehr anerkennende Befprechungen erfahren. Der Gegenftand ift fomit nicht neu, aber doch fo intereffant und nicht fo allgemnin gekannt, als dafs er nicht auch hier noch befonders erwähnt zu werden verdiente. Die Glorine ift eine originelle und einfach conftruirte Geleifecombina tion, mit welcher jedenfalls ein gröfserer Erfolg als mit gewöhnlichen Rangirgeleifen erzielt werden kann. Der Erfinder nennt diefes Geleifefyftem„ ein fich in jede topographifche Räumlichkeit gleichfam elaftifch fchmiegendes Tracenfyftem", welches in einfacher Weife die Aufgabe löft, in kürzester Zeit, fowohl im Frieden als auch im Kriege eine grofse Menge von Truppen aller Waffengattungen und von Kriegsmateriale von jedem nahe der Bahn gelegenen Punkte nach beliebigen Bahnrichtungen befördern zu können, wie diefs bisher nicht möglich war. Ihre eigenartige Einrichtung erlaubt nämlich binnen 24 Stunden 72 Züge( Einwaggonirungs- und Ladezeit per Zug mit zwei Stunden berechnet), wovon immer je fechs auf einmal beladen und fertig geftellt werden, zufammen 72.000 Mann, oder 72 Batterien, oder 72 Escadronen Cavallerie nach einer oder nach verfchiedenen von der Bahn gegebenen Richtungen befördern zu können. Diefe Erfindung, der Idee nach fehr fchön, hat bis jetzt noch keine praktiſche Erprobung gefunden. Da diefelbe noch mancher Verbefferung und Vervollkommnung fähig fein mag, fo kann fie vielleicht eine Zukunft, vielleicht eine belangreiche Zukunft für militärifche Zwecke fowohl, als auch für den Maffenverkehr im Gebiete des gewöhnlichen Verkehrswefens der Bahnen haben. Die Sache ift jedoch nicht fo einfach, als man fie hinftellt, und fo Manche auf den erften Blick glauben mögen. Ein klares Urtheil wird fich erft dann bilden, wenn man das Princip der Glorine- Anlage näher betrachtet, und gegen die Vortheile derfelben auch die bedenklichen Schattenfeiten reiflich abwägt. Der Grundrifs der Glorine, Fig. 8, befteht in einem Kreife oder einer oblongen Figur, gleichfam als Kern des Syftems, welches neben dem laufenden Schienengeleife anzulegen kommt. Diefes Rondeau hat bei dem kleinftmögli chen Halbmeffer von 200' Klafter eine Schienenlänge von 1256 Klafter. Von diefem Rondeau gehen zwei Verbindungsftränge nach der laufenden Bahn zu den Ein- und Auslaufwechfeln, und überdiefs zweigen fich noch zwei Sturz geleife in gleichlaufender Richtung zur Hauptbahn in der Länge von 200 Klafter ab. Die Dimenfionen und Krümmungen der befchriebenen Figur richten fich übrigens nach der jeweiligen Befchaffenheit der Oertlichkeit, wo die Glorine angelegt werden foll; doch kann der in der Figur dargestellte Grundrifs hin fichtlich feiner Gröfse und Ausdehnung als der Minimalgrundrifs und auch als jener angefehen werden, bei dem die oben angeführte Leiftung noch zu erwarten ift. 1 T 200° Sturz- Geleise. ZUG. R= 100001Das Pionnierwefen. Fig. 8. 2ZUGE 35 TRANSPORTABLE- RAMPE für Seitenladungen. D= 400 R= 200° 001R= 100° 200° 1 ZUG. BEWEGLICHE STIRN= RAMPE AUF EISENBAHN= RÄDERN RUHEND. WIEN. n 1 n e t 2 n er zu e d ht en n. he nn nd ch Ler en -lion zu 00 ch ne in als zu 2ZÜGE 1120° FAHRBAHN PEST. Laffen wir nun frühere Berichterstatter weiter fprechen. Nach diefen kann der Ort der Anlage nach Zweck und Abficht entweder nächft eines gröfseren Bahnhofes, eines Stationsplatzes oder auch auf jedem beliebigen Punkte längs der laufenden Verkehrsbahn gewählt werden, woraus man folgert, dafs die Concentrirung von Truppen aller Waffen und des Kriegsmateriales behufs Weiterbeförderung nicht wie bisher, an die gröfseren Bahnhöfe allein mehr gebunden fei, fondern dafs es den Leitern der Truppenbewegungen im Grofsen nun frei ftehe, die Concentrirung nach jedem Bahnpunkte, der hiezu zweckmäfsig dünkt, anzuordnen, dafelbft die Glorine anlegen zu laffen und die Einwaggonirung und Beförderung fofort einzuleiten. Allerdings kann, wenn das Rondeau einmal angelegt, und auf die bereits erwähnte Weife mittelft der Schienenftränge und der eingelegten Bogen mit der laufenden Verkehrsbahn in Verbindung gebracht ift, ein grofsartiger FahrbetriebsPark auf dem ganzen Syfteme der Glorine gefammelt und rangirt werden, fo dafs man die Züge nach erfolgter Einwaggonirung nach jeder Richtung ablaffen kann. Ein weiterer, fehr anerkennenswerther Vorzug ift der, dafs das Syftem der Glorine die Drehfcheiben vollkommen überflüffig macht. Die zeitraubende Umwendung der Mafchine und die Verfchiebung der Wagen entfällt dadurch ganz, indem es nur weniger Minuten bedarf, um in das Rondeau der Glorine einzufahren, den Kreis zu durchlaufen und die auf diefe Weife umgekehrten Mafchinen mit dem ganzen Wagenzug wieder in die laufende Bahn nach links oder rechts einzuführen. Als ein weiterer Vorzug der mobilen Glorine mufs noch bezeichnet werden, dafs diefelbe, nach Angabe des Erfinders mit dem eifernen Oberbau- Syfteme von Köftlin und Battig hergeftellt, eines befonderen Unterbaues und der Bettung entbehren kann, indem diefes Syftem das Legen auf dem gewachſenen ( natürlichen) Boden ermöglicht, und es nur darauf ankommt, zu trachten, dafs die zu einander gehörigen und paffenden Beftandtheile zufammengefügt und befeftiget werden. Man meint, dafs mit einer folchen Garnitur. wenn ſie einer Mannfchaft zugewiefen wird, welche fchon in Friedenszeit in dem Auf- und Abladen, Zufammenfügen und Abreifsen der Garniturtheile gehörig eingeübt wird, die complete Glorine in 24 Stunden herzuftellen und fofort dienftfähig einzurichten wäre. Bei Erwägung aller Vortheile darf man jedoch auf zwei Umstände nicht vergeffen, welche die Anlage von mobilen Glorinen in den meiften Fällen dort, wo man fie wünfcht, unmöglich machen werden. Die geträumten Vortheile find fonach meiftentheils als illuforifche zu bezeichnen. Hat man fich vor Allem eine Vorftellung von der Gröfse des Raumes gemacht, den das ganze Schienennetz einer Glorine einnimmt? Ein Platz von 1120 Klafter Länge und etwas mehr als 400 Klafter Breite, der alfo nahezu eine Fläche von drei öfterreichifchen Jochen einnimmt, der fo geringe Niveau Unterfchiede zeigt, 36 Emerich Zinner. dafs man ihn für vollkommen eben anfehen kann, und deffen Oberfläche aus feftem, gewachienen Boden befteht, fonach keinerlei oder nur weniger Herrichtungen bedarf, ift ficher nicht nur nicht an jedem beliebigen Punkte, fondern nur äufserft felten, nur als eine Ausnahme von gewöhnlichen Bodenverhältniffen vorzufinden. Ob aber da, wo diefs vielleicht der Fall wäre, die Localität gerade mit einem ftrategifch oder taktifch wichtigen Punkte zufammenfällt, wäre zu bezweifeln, ja es liegt in der Natur der Sache, dafs diefes zufällige Zufammentreffen kaum ftattfinden wird. Hat man ferner erwogen, was das heifst, das Oberbau- Materiale von ungefähr 34 öfterreichifchen Meilen( genau 2947 3/4 Klafter) Länge- fo viel beträgt nämlich die Schienenftrang- Ausdehnung der ganzen Glorine auf den Verwendungsplatz zu transportiren? Was gehören zu einer folchen Maffe von Materiale für Transportmittel? Wie viele Hände, diefes fchnellftens auf- und abzuladen? Zudem darf man nicht vergeffen, dafs das eiferne Oberbau- Material nach dem Syftem Köftlin und Battig, welches, wie fchon gefagt, allein nur für die fogleiche Bahnlegung auf gewachfenem Boden anwendbar ift, fchwer vorzufinden fein wird, indem es bisher noch fehr wenig Eingang in die Praxis gefunden hat, und alle jetzt beftehenden Bahnen faft durchgängig andere Oberbau- Syfteme befitzen. Nach diefen Für und Wider über die Glorine tritt an uns nun die Frage heran, was ift zu thun, um aus der an und für fich guten Idee dennoch Nutzen zu fchöpfen? Die Antwort ift fehr einfach. Man verfehe wichtigere Feftungen, grofse Waffenplätze, wichtige ftrategiſche Punkte, fowie gröfsere Eifenbahn- Knoten punkte fchon im Frieden, alfo mit ftabilen Glorinen, falls die dafelbft beſtehenden Eifenbahnen nicht ohnehin genug Rangirgeleife befitzen, welche grofsartige Maffentransporte erlauben; man halte ferner für die Errichtung mobiler Glorinen an geeigneten und eigens hergerichteten Punkten die dazu erforderlichen Materialien ftets, alfo auch fchon in Friedenszeiten, in Bereit fchaft, und ftelle diefe zeitweife den Feldeifenbahn- Abtheilun gen zur Verfügung, damit fie fich mit dem Legen und Abreifsen gehörig vertraut machen können. Selbſtverſtändlich müfste auch jeder folchen Garnitur einer mobilen Glorine eine grofse Zahl von transportablen, im Frieden deponirten Verlade Rampen beigegeben fein, welche das Ein- und Ausparkiren nicht nur an den Längen- fondern auch an den Stirnfeiten der Waggons, wenigftens am Kopfe der Sturzgeleife erlauben, denn fonft wären die Vortheile der gleichzeitigen Maffen. Ein und Auswaggonirung im Bedarfs falle nicht entsprechend auszunützen. Sollte aber ein Transport der Glorine auch in Feindesland für einen befonders günftigen, oben als Ausnahme bezeichneten Fall vortheilhaft erfcheinen dann müsste man natürlich auch hier auf den Transport zufammenfetzbarer Laderampen denken, da diefe nicht fo fchnell an Ort und Stelle erzeugt werden können. Der zweite Ausstellungs- Gegenftand, auf welchen wir noch unfere Aufmerkfamkeit zu lenken haben, ift der Univerfal Egalifator fammt den ftellbaren Abfehfcheiben von M. Pollitzer, gewefenem Ingenieur der k. k. privilegirten Staatseifenbahn- Gefellſchaft. Beide Erfindungen, denn die ftellbaren Abfehfcheiben find auch ohne den Egalifator zu gebrauchen find ganz neu. Deren praktifchen Werth feftzuftellen, mufs fomit erft fpäteren Proben überlaffen werden, doch kann man ihnen jetzt fchon eine günftige Verwerthung durchaus nicht abfprechen. Der Univerfal- Egalifator hat den Zweck, gefunkene Bahngeleife zu heben, die hiedurch gehobenen Schwellen mit dem zunächft liegenden Bettungsmateriale zu unterftopfen, die ftattgehabte Senkung des Geleifes zu meffen und die Spurweite und Lage des Geleites in Bezug der Ueberhöhung zu prüfen. Der Apparat, welcher auf Rädern mit Spurkranzen einen ſtarken Rahmen trägt und ES .ב n er n r ch tz t- an d uf es e- ge zu se n- oft he ng ie it rig tur en usms, -ile -fsmen en er len ere en eur ne ben ung ezu gs und Der und Das Pionnierwefen. 37 ganz aus Eifen conftruirt ift, wird zu diefem Zwecke über die zu hebende Stelle des Geleifes gefchoben, über die Mitte der betreffenden Stofsfchwelle geftellt, und durch Bremfen und Ueberwerfen der Springfedern( Umklappen von Haken, welche die Schienenfüfse von unten faffen), vollkommen arretirt. Sodann wird durch die Drehung zweier an den Enden des Rahmens angebrachter, verticaler Schraubenfpindeln, die durch Holzklötzchen oder dergleichen unterſtützt werden, die Schienen fammt der Stofsfchwelle fo weit als erforderlich und als es die Stellvorrichtungen des Apparates anzeigen, gehoben. Gleichzeitig tritt dann die Stopfzange in Thätigkeit. Diefe wird durch ein Geftelle getragen, das auf vier bremsbaren Rädchen ruhend, auf den Leitfchienen des Rahmens nach der ganzen Längenrichtung der Schwelle beliebig hin und her gefchoben werden kann, und deffen Mitte eine grofse verticale Schraubenmutterhülfe in fich birgt. In diefer Hülfe nun hängt die Stopfftange mit ihrem Schraubenfpindel- Theile und wird in ihr durch ein an ihrem oberen Ende angebrachtes, horizontales Triebrad von einem Arbeiter mit Leichtigkeit langfam oder fchnell hin und her bewegt, wodurch dann eine bald mehr preffende, bald mehr fchlagende Wirkung der Stopfzange fich äufsert, je nachdem es die Befchaffenheit des Bettungs- Materiales verlangt. Die in der Verlängerung der Schrauben- SpindelbefindlicheStopfzange felbft befteht aus einem Doppel- Kniehebel. Drückt die Schrauben- Spindel auf die kürzeren Arme diefer, fo bewirkt fie abwärts gehend ein Zufammendrücken der längeren Arme, an welchen eben die Stofsbacken angebracht find; und bei umgekehrter Drehung des Triebrades und dem Hinaufgehen der Spindel, das Oeffnen der Stopfzange. Wie die Stopfzange in horizontaler Richtung verfchiebbar ift, wurde fchon gezeigt; es erübriget daher nur noch zu zeigen, wie die Verftellung in verticalem Sinne gefchieht. In der Mutterhülfe nämlich ift durch ein Sproffenrad eine innere Mutterhülfe, welche eigentlich die Spindel der Stopfzange in fich trägt, nach auf- und abwärts verfchraubbar und mittelft eines Ringes fixirbar. Da der ganze Apparat auch gleichzeitig als Controleur für den Zuſtand des Geleifes, welches er durchfährt. in Bezug auf Spurweite und Ueberhöhung dient, indem unter dem Apparate in finnreicher Weife eine Vorrichtung angebracht ift, welche alle Erweiterungen und Verengungen, fowie Ueberhöhungen, graphifch auf einem fich aufwickelnden Papierftreifen darftellt, da ferner die Manipulation des Einvifirens durch zwei, beiderfeits an dem Rahmen angebrachte Abfehdiopter mit Scheiben fehr erleichtert wird, fo kann man diefer Erfindung eine günftige Zukunft nicht abfprechen. Zur Handhabung der ganzen Vorrichtung find nur drei Mann erforderlich. Zwei find bei den Schrauben und einer der Vorarbeiter bei der Vifir- Vorrichtung angeftellt. - Es ift felbftverſtändlich, dafs zur Herſtellung der Vifur für das Normal Niveau bereits früher die Aufftellung von zwei anderen verftellvor fich gegangen baren Scheiben die fpäter zur Sprache kommen. fein mufs. - Ift die Hebung des Geleifes auf das erforderliche Mafs vollzogen, fo wird die Unterftopfung nur theilweife bewirkt, und zwar unmittelbar unter dem Schienenauflager, blofs an beiden Enden der Schwelle, worauf fogleich zur Hebung des zweiten Schienenftofses und zuletzt zur Hebung der Mittelfchwellen gefchritten wird. Sodann beginnt erft die Unterftopfung der anderen Stellen des gehobenen Schienenftranges, und zwar derart, dafs der Apparat immer entfprechend über die zu unterftopfende Schwelle geführt wird. Vorerft mufs der durch das Heben der Schienenftränge entſtandene leere Raum von einem Arbeiter mit dem Bettungsmateriale derart hinterfüllt werden, dafs beiderfeits der betreffenden Schwelle, ungefähr in einer Breite von fünf Centimeter, das Bettungsmateriale angefchichtet liegt. Der Apparat beginnt nun feine Thätigkeit, indem er mittelft der Stopfzange entlang der gehobenen Schwelle das Bettungsmaterial unterftopft, wobei der eine Arbeiter die Arbeit am Triebrade, der Vorarbeiter aber gleichzeitig die 38 Emerich Zinner. Leitung, refpective die Verfchiebung des Apparates an der Klemmfchraube und am Sproffenrade beforgt. Während nun die Arbeit in der einen Richtung erfolgt, mufs der für die Zufchlichtung des Bettmateriales beftimmte Arbeiter dort, wo fich nach der Preffung zu wenig Material gezeigt hat, abermals die entſprechende Menge zufchlichten, worauf fodann der Apparat noch eine Rückwärtsbewegung und abermalige Preffung vornimmt. Gewöhnlich, wie die Erfolge bis jetzt dargethan haben, genügen zwei Bewegungen längs der zu unterftopfenden Schwelle, um eine vollkommene und ganz fefte Preffung des Materiales zu erzielen. Noch kommt zu erwähnen, dafs der Apparat ohne Störung des Verkehres feinem Dienfte obliegen kann, indem er von blos zwei gefchickten und mit der Operation vertrauten Arbeitern innerhalb der Zeit von 15 bis 30 Secunden ohne Verletzung ficher aufser dem Bereiche jener Gefahr gebracht, und ebenfo fchnell wieder in das Geleife gebracht und eingeftellt werden kann. Es wird alfo feine eigene Arbeitsleiftung ftets nur kurz unterbrochen. Als Hauptvortheile feines Apparates gibt der Erfinder Erfparnifs an Arbeitskräften und Werkzeugen und in Folge deffen an Koften, ferner Correctheit der geleifteten Arbeit, Unabhängigkeit von ungeübten und oft unverlässlichen Hilfsarbeitern, nebft noch mehreren anderen Vortheilen an. Auch behauptet derfelbe, dafs der Apparat, wie diefs Parallelverfuche dargethan haben follen, hinfichtlich der Schnelligkeit der Arbeitsleiftungen den jetzigen Arbeitsmethoden nicht nachfteht. Jedenfalls müffen erft praktiſche Verfuche über den Werth diefer Erfindung entfcheiden. Den verfchiedenen Bahnverwaltungen dürfte der Univerfal- Egalifator jedenfalls ein willkommenes Ausrüftungsftück zu den Bahnerhaltungs- Werkzeugen etc. mehr fein; ob aber diefer Apparat, wie der Erfinder glaubt, auch in der Militärtechnik eine günftige Rolle zu spielen berufen fein wird, mufs theilweife fchon jetzt bezweifelt werden. Beim Feldeifenbahn- Bau wird nach Koften und grofser Genauigkeit der Bau- Ausführung nicht gefragt, dagegen nur Schnelligkeit und Benütz barkeit überhaupt vor Allem gefordert. Darum müffen auch den Feldeifen bahn- Abtheilungen gegebenen Falles fo viele Arbeiter, theils aus dem Civilftande, theils vom Militär felbft zugewiefen werden, als fie zur fchnellen Löfung ihrer Aufgabe überhaupt nur bedürfen. Man wird in diefem Falle doch zugeben müffen, dafs die neue oder zu berichtigende Niveauherftellung jedenfalls fchneller zu Stande kommen müffe, wenn Partien aus geübten Arbeitern von Strecke zu Strecke vorarbeiten, indem fie vielleicht jede 10. oder 20. gut einnivellirte Stofsfchwelle ordnungsmäfsig legen und unterftopfen, während alle übrigen Partien à 4 Mann per Schwelle, wie bisher, entſprechend in der Zwifchenftrecke vertheilt werden. Auf diefe Weife werden immer ganze Theilftrecken auf einmal fertig, eine Leiftung, welche durch den Univerfal- Egalifator niemals zu erreichen ift. Dennoch aber ift eine paffende und nützliche Verwendung desfelben für den FeldeifenbahnBau nicht ausgefchloffen; man kann denfelben nämlich an Stelle der Vorausarbeiter. Partien fubftituirt denken, wo er gewifs gute Dienfte leiften wird. Ebenfo wäre er zum Legen eines neuen Oberbaues oder zu einer theilweifen Auswechslung des felben gut zu gebrauchen, wenn er zugleich die Rolle eines Transportwagens übernimmt, indem auf den circa 3:50 Meter langen und 0.60 Meter breiten eifernen Rahmen nicht weniger als 48 Stück Schienen und 60 Stück Schwellen Platz finden. Die Aufnahme desfelben in die Ausrüftung der Feldeifenbahn- Abtheilungen ift allerdings nicht empfehlenswerth, weil der ganze Apparat, wenn auch zerlegbar eingerichtet, einerfeits zu complicirt ift, daher eine zu forgfame Verpackung erfor dert und nur mit zeitraubender Arbeit wieder zufammen zu ftellen wäre, ander feits aber auch viel zu fchwer ift, da er 6-8 Zollcentner wiegt. Freilich find wohl, r t T 1 e e n 1. e h S n r Das Pionnierwefen. 39 weil diefer Apparat der erfte feiner Art ift, und wegen der Eile der Erzeugung desfelben, manche Conftructions- Beftandtheile ftärker als nöthig gehalten worden; fomit wäre eine Gewichtsverminderung bei den nächften Neu- Erzeugungen wohl zu erwarten. Das Mitführen diefes Apparates, den man mit Rückficht auf unfere Zwecke eigentlich richtiger mit dem Namen Niveauregulator belegen könnte, ift ja auch gar nicht nöthig, da er fich bald in allen gröfseren Bahnhöfen ohnediefs einbürgern dürfte, daher im Bedarfsfalle wohl auf diefem Wege zu haben fein wird. Nichtsdeftoweniger fei die Aufmerkfamkeit der Militär- Eifenbahn- Abtheilungen fchon jetzt auf diefen Gegenftand gelenkt, um, wenn fich derfelbe in der Praxis bewährt, die Friedenszeit fchon dazu zu benützen, diefen Apparat verftehen und handhaben zu lernen. Die von demfelben Erfinder ausgeftellten ftellbaren Abfehfcheiben bezwecken hauptfächlich eine genaue Meffung der nothwendigen Hebung, beziehungsweife eine Vorausnivellirung des Bahn- Oberbaues und ferner eine Erfparnifs an Arbeitskraft, da die beiden Arbeiter, welche fonft nach den althergebrachten Methoden zum Aufhalten der jetzt gebräuchlichen Vifirkreuze dienten, entbehrlich werden. Diefe ftellbaren Abfehfcheiben find felbftverſtändlich auch ganz unabhängig von dem Univerfal- Egalifator zu gebrauchen. Jede der drei zu einer Garnitur gehörigen ftellbaren Abfehfcheiben ift im Wefentlichen aus folgenden Theilen zufammengefetzt: Aus einer gufseifernen Fufsfcheibe mit drei Dornen zum Eindrücken in den Boden, damit die Scheibe ftehen bleibt, ohne gehalten zu werden. Aus diefem Umftande werden zwei Arbeiter erfpart und die ganze Operation der Nivellirung kann durch ein mit der höchft einfachen Operation vertrautes Individuum ohne viele Mühe allein ausgeführt werden. Hat der Arbeiter zwei Scheiben eingefteckt und richtig eingeftellt, fo fteckt er nun auch die dritte wieder fo wie die erften zwei auf ungefähr 21 Meter oder etwa drei Schienenlängen ein, da die ganze Vifirebene nicht viel mehr als 42 Meter betragen foll, und vifirt fie dann nach den beiden vorigen ein. Diefe Arbeit wird bis zum nächsten Gefällsbruche der Schienenftränge, wo fie natürlich wieder ganz vom Neuen zu beginnen hat, derart fortgefetzt, dafs nur immer die rückwärtige Abfehfcheibe nach und nach vorwärts vorgefteckt wird. Diefer Umftand bedingt natürlich ein beftändiges Hin- und Hergehen des Nivelleurs, da diefer ja nur auf fich allein angewiefen ift, hat aber gegenüber den jetzt üblichen Nivellirmethoden den Vortheil eines fchnelleren, richtigeren Ablefens der Niveau coten, der mehr einheitlicheren, ficheren Handhabung der ganzen Garnitur, fomit, weil eben die ganze Arbeit in einer Hand liegt, der gröfseren Gewähr für richtigere und vielleicht fogar für fchnellere Arbeit. Die drei Abfehfcheiben werden beim Gebrauche mindeftens o 75 Meter von dem einen Schienenftrang aufserhalb mit ihrem Fufsgeftelle in den Boden gedrückt, damit fie eine fichere und ftabile Lage bekommen, um beim Vorüberfahren der Züge nicht zu hindern und keine fchädlichen Erfchütterungen zu erfahren. Sehen wir nun, wie eine jede folche Abfehfcheibe weiters eingerichtet ift, um von diefer entfernten Stellung aus die Meffung der Lage des Schienenftranges vornehmen zu können. Im Mittel der Fufsfcheibe erhebt fich ein im Querfchnitte quadratifch geformter, I Meter langer Stab, welcher um einen horizontalen Zapfen drehbar ift, und zwar mit einem derartigen Spielraume, dafs durch eine Klemmfchraube und mittelft einer diefer entgegenftehenden Feder leicht ein beliebiges Einftellen desfelben in einer zur Drehungsachfe fenkrechten Ebene ermöglicht ift. Längs diefes Stabes ift ein zweiter 150 Meter langer, ebenfo geformter Stab in aufrechter Richtung verfchiebbar, welcher zum Abfehen die am oberen Ende befindliche Scheibe trägt und mit einer Meffinghülfe feft verbunden ift, die auf dem erfteren 40 Emerich Zinner. Stab eben die Verfchiebbarkeit zuläffig macht. Ein dritter, 1'40 Meter langer Stab ift mit dem zweiten, am unteren Ende mittelft einer Charniere befeftigt, genau um 90 Grad umkippbar und mit zwei Lappen verfehen, um eine fichere und nicht fchwankende Führung beim Auf- und Abfchieben auf dem unteren und mit Eintheilungen verfehenen Standftabe zu erzielen und gleichzeitig das Ablefen zu erleichtern. Jener dritte, umkippbare Stab befitzt an feiner unteren Fläche eine eingelaffene Eifenfchiene, welche einerfeits durch den verragenden Theil an das untere Stirnende des oberen verfchiebbaren Stabes fich anlegend, nur eine Umkippung von 90 Grad zuläfst, anderfeits aber die untere Fläche des Stabes felbft, wenn diefe bis auf den Schienenftrang des Bahngeleifes herabgelaffen wird, genauer fixirt und vor Befchädigungen bewahrt. In der Mitte der Abfehfcheibe befindet fich ein Loth, welches zur Beurtheilung der verticalen Stellung über den am oberen verfchiebbaren Stabe angebrachten Meffingftreifen mit Gradeintheilung fpielen kann. Der Gebrauch der ftellbaren Abfehfcheibe, wenn fie in den Boden mit den Dornen feftgeftellt ist, wäre nun folgender: Die zufammengefchobenen und zufammengelegten, mit einem Haken verbundenen drei Stäbe werden nach dem Auge beiläufig in die verticale Stellung gedreht und vorläufig mit der am Fufsgeftelle angebrachten Stellfchraube feftgeftellt, hierauf wird die obere Latte beiläufig foweit als nöthig hinaufgefchoben und mit der Hülfen- Stellfchraube ebenfalls feftgeftellt. Sonach folgt mit Hilfe des Lothes die genaue Einftellung der beiden Stablatten in die Verticale; nach vorheriger Oeffnung eines Hakens aber das Umkippen des dritten Stabes, welcher jetzt mit einer Horizontalen übereinstimmt, und fchliefslich das Herablaffen desfelben bis an den Kopf der Bahnfchiene, worauf man das Ablefen des Mafses, um welches die Lage der Schiene von der Vifirebene abweicht, vornimmt. Der nachfolgende Univerfal Egalifator hebt oder fenkt den fo einnivellirten Schienenftrang und überträgt vermöge feiner eigenen Einrichtung, mit den beiderfeits an ihn befeftigten eigenen Vifirfcheiben das richtige Niveau auch auf den anderen Strang. Wird aber die Nivellirung mit drei ftellbaren Abfehfcheiben ohne Mitwirkung eines Egalifators vorgenommen, fo wird die Uebertragung des Niveaus auf den zweiten Schienenftrang entweder durch die Umkipplatte felbft bewirkt, indem man die Abfehfcheiben nahe genug diefem Strange bringt, oder durch Anwendung von Wafferwagen. Einrichtung und Handhabung der ftellbaren Abfehfcheiben, welche auf dem erften Blick etwas complicirt erfcheinen mögen, find nichts deftoweniger einfach und zweckmäfsig. Diefe Eigenfchaften fowie die compendiöfe Form, dürften fie der Beachtung der Feldeifenbahn- Abtheilungen empfehlen. Telegraphenleitungen. Mit Gegenftänden aus dem Gebiete des Telegraphenwefens, fei es nun, dafs diefe den elektrifchen oder optifchen Telegraphen angehören, war die Weltausftellung von fehr vielen und den angefehenften Firmen des In- und Auslandes fehr reichlich. befchickt worden. Wir verweifen daher auf die Berichterstatter der Gruppe XIV und XVIII( Wiffenfchaftliche, phyfikalifche Inftrumente; Bau- und Civil- Ingeniuerwefen). Wie fchon in der vorausgefchickten Einleitung diefes Berichtes ausdrücklich betont wurde, hat die Pionniertruppe im Felde blofs die Anlage der Feld telegraphen- Leitungen zu beforgen. Dem ift zur weiteren Aufklärung noch beizufügen, dafs alles Uebrige, fo die Aufftellung der Stationen, die Einrichtung derfelben, die Bedienung der Apparate etc. den FeldtelegraphenBeamten felbft zufällt und dafs felbft die Legung und Befeitigung der Leitungen nur nach ihren Angaben und unter ihrer Aufficht von kleinen Pionnier- Detachements den Feldtelegraphen- Abtheilungen-herzuftellen find. - b t e S Le e n n 0- ge le ig ls en as nt, e, er er en as t- us xt, n- m ch fie in, ltdes der nd ich d- ng inengen heDas Pionnierwefen. 41 Theils um Wiederholungen zu vermeiden, theils um blofs den letzt erörterten Gefichtspunkt feftzuhalten, darf fich fonach diefer Bericht nur mit dem ausgeftellten Feldtelegraphen Materiale felbft, und vornehmlich nur mit den Leitungen befaffen, während die übrige Ausftattung fowie die Apparate nur nebenbei berüht werden follen. - Aber gerade von den Leitungen war im Allgemeinen nicht viel und nichts derartiges Neues geboten, welches fpeciell für militär- techniſche Zwecke auszubeuten wäre. Militärifcherfeits und in der Gruppe XVI( Heerwefen) felbft war nur ein einziger Staat und zwar Schweden mit Feldtelegraphen Materiale vertreten, welches erft feit wenigen Jahren, nach den Angaben des Oberftlieutenants Nordlander, definitiv bei der fchwedifchen Armee zur Einführung gebracht worden ift. Das Material und fämmtliches Zugehör für die elektrifchen Feldtelegraphen wird auf zweifpännigen Wägen transportirt, deren Conftruction in der Hauptfache mit den fchwedifchen Trofswägen übereinstimmt. Zu einer Abtheilung gehören zwei Stationswägen, von denen jeder das Materiale für zwei Stationen enthält; dann zwei Stützenwägen mit je 150 Stützen und 20 Verlängerungsftangen; ferner zwei Materialwägen, jeder mit 30.000 Fufs( 28.172 Wiener Fufs) vierfach gedrehtem, galvanifirtem Eiſendraht und 6000 Fufs( 5635 Wiener Fufs) Kabel nebft den nöthigen Ifolatoren und Werkzeugen. Von den Ausrüftungsgegenständen feien noch befonders hervorgehoben die vier Batterien a 10 Elemente, die vier Zeichenapparate nach Morfé, fowie Zelte mit Einrichtung. Die 350 Ifolatoren find alle gleich, klein und aus Guttapercha gefertigt; die complet bepackten Wägen werden für gewöhnlich mit wafferdichten Schutztüchern überdeckt. Zu jeder folchen Feldtelegraphen- Abtheilung gehört noch ein Fourageund ein Pack Wagen, die blofs für die Aufnahme des Proviantes, der Fourage und des Gepäckes beftimmt find. In der Regel wird immer eine ganze Abtheilung zur Inftandfetzung einer Linie verwendet, wobei die Arbeit zur fchnelleren Beendigung von zwei Seiten in Angriff genommen wird. Die Abtheilung kann aber auch in zwei gleiche felbftftändige Theile getheilt werden, von denen jeder feine befondere Linie errichtet. Die Stationen errichtet man gewöhnlich in Zelten. Die Drähte werden, wo es gefchehen kann, direct von den Wägen abgerollt, fonft tragen zwei Mann an Tragriemen die Drahtrollen. Die Stützenlöcher ftellt man mittelft eiferner Brechftangen her. Die Drähte werden direct in den Wägen auf die Rollen eingewunden, entweder mit Hilfe eines Wagenrades, welches durch einen einfachen Mechanismus die Drahtrolle in Bewegung fetzt, oder auch mittelft einer Auswechslungswinde. Wäre die Rolle zu tragen, fo wird der Draht mit einer einfachen Handkurbel- Winde aufgerollt. Zum optifchen Signalifiren wendet man am Tage Flaggen und während der Dunkelheit Laternen an; diefe letzteren können auch als Wagenlaternen benützt werden, find aber mit beweglichen Jaloufien verfehen, um das Licht nur nach Bedarf durchzulaffen. Von diefem in den Hauptumrifien gefchilderten Feldtelegraphen- Materiale und Einrichtungen war ein complet bepackter Materialwagen ausgeftellt, von den Stationswagen aber wieder nur einzelne Gegenftände, to die Schreibapparate und die dazu gehörigen Batterien vorgeführt. Von dem erfteren gibt die umftehende Fig. 9 von links-, rück- und feitwärts befehen, die befte Gefammtanficht und zeigt fo auch am deutlichften jene Einrichtung, welche zum Auf- und Abrollen des Drahtes auf dem Hinterwagen in 42 Emerich Zinner. einfacher und origineller Weife angebracht ift und auf die wir eben befonders aufmerkfam gemacht haben wollen. C Fig. 9. Der Wagen felbft befitzt bei 43 Zoll Geleisweite, die ganze Wendung, keine Sperrvorrichtung und im Allgemeinen ganz die fchon einmal beim Infan terie- Pionnierwagen befchriebenen Conftructionseinrichtungen des Armee- Trofswagens. Abweichend davon ift vermöge feiner Beftimmung Folgendes: Auf dem Vordergeftell für die Befpannung mit zwei Gabeln in Verbindung gebracht, befindet fich ein ziemlich grofser Kaften für diverfe Geräthfchaften und Werkzeuge, welcher auch als Kutfchbock dient; an deffen vorderer Seite und ganz unten an demfelben anfchliefsend ift ein zweiter, viel kleinerer Kaften für die Ausrüftung des Kutfchers, fowie das Fufsbret angebracht. Auf den Federn des Hin terwagens ift ein tafelartiger, 5 Fufs langer und 212 Fufs breiter Rahmen aufgefetzt, welcher beiderfeits die drei unter einander verbundenen, eifernen Stützen mit den Zapfenlagern für die fieben Drahtrollen trägt. Von diefen letzteren, welche je 22 Zoll Länge und mit dem aufgefponnenen Draht circa 10 bis 12 Zoll im Durchmeffer haben, lagern vier davon mit gewöhnlichem Leitungsdraht in einer unteren Schichte, dagegen drei mit Kabeldraht für zu ifolirende Leitungen in einer zweiten oberen Schichte. Diefer letztere, ähnlich dem Hooper'fchen Kabeldraht gebildet, zeigt eine Kautfchukumpreffung und darüber überdiefs noch eine Umhüllung aus einem baumwollenen Filzbande. Nach den fchon Eingangs angegebenen Daten beträgt die Länge der Leitungsdrähte von beiden Materialwägen einer Feldtelegraphen- Abtheilung Alle Rollen find leicht aus ihren im Ganzen 2.83 öfterreichifche Meilen. Achfenlagern aushebbar, wenn man dafelbft einen Vorftecker herausgezogen hat. Das Gewicht des complet beladenen Materialwagens beziffert fich ungefähr auf 2500 Pfund fchwedifch oder 1900 Pfund öfterreichifch. Zum Auf- und Abwickeln des Drahtes mittelft der in ihren Lagern ruhenden Rollen während der Bewegung des Wagens find zwei Vorrichtunger. r i 1 1 Das Pionnierwefen. 43 vorhanden. Die eine befteht darin, dafs man auf die Enden der Achfen, welche hier auf 21 Zoll Länge mit 5 Linien Stärke quadratisch geformt find, eine kleine Kurbelwinde mit Räderwerk auffteckt und mittelft derfelben einfach mit der Hand und nach Bedarf die Rolle in Bewegung fetzt. Eine andere Einrichtung ift ftabil am Hinterwagen links, hinter dem Achsftocke befeftigt. Es liegt ihr die an und für fich gewifs gute Idee zu Grunde, die Bewegung des Wagenrades auf eine der Drahtrollen zu übertragen und dadurch einen befonderen Arbeiter zu erfparen. Zu diefem Behufe ift am Tafelrahmen. eine verticale und nur an ihrem oberen Ende nach auswärts gebogene eiferne Stütze fix angebracht. In diefem gebogenen, gabelförmig gebildeten Theile hängt auf einem Achfenbolzen ein zweiarmiger Hebel. Von diefem, um den Achfenbolzen drehbaren, ungefähr zwei Fufs langen Hebel dient der längere Arm nur als Griff, an dem kürzeren Arme jedoch hängt an einem beweglichen Gliede eben jenes eigenartig geftaltete Bindeglied, welches die Bewegungen des Rades auf die Rolle zu übermitteln hat. - Diefes Bindeglied, 14 Zoll lang, befteht wieder aus zwei fehr ungleich langen Theilen, die mit Ringen in einander hängen; der kurze Theil aus dem Ringe und einer angefchweifsten Hülfe beftehend- gehört blofs zum Aufftecken auf jene Achsenden, die man eben in Bewegung fetzen will; gegen das Ende des langen Theiles dagegen find hart neben einander zwei Kautfchukrollen, je 1½ Zoll breit, die äufsere blofs 31½ Zoll, die innere 6 Zoll im Durchmeffer haltend, aufgefteckt und befeftigt; neben diefer aber ift eine lofe, verfchiebbare Hülfe ange. bracht, auf welcher die gliederartige Verbindung mit dem Eingangs befchriebenen Handhebel hergestellt erfcheint. Nach diefen Auseinanderfetzungen ift es wohl klar, dafs es, wenn die Hülfe des Bindegliedes auf die betreffende Drahtrolle aufgefteckt ift, ftets blofs eines einfachen Druckes auf den Handhebel bedarf, um das Bindeglied ein- oder auszufchalten, das heifst alfo Bewegung hervorzurufen oder einzuftellen, je nachdem die eine oder die andere Kautfchukrolle mit dem Hinterrade in Berührung gefetzt wird oder nicht. Selbſtverſtändlich erfolgt die Bewegung um fo rafcher, wenn die Berührung mit den kleineren Rollenrädchen erfolgt, was durch die entfprechende Handhabung des Hebels erreicht wird. Da die Tragftütze für die ganze Einrichtung, wie fchon einmal erwähnt wurde, hinter dem Achsftocke am Rahmen fix angebracht ift, fo kann die Manipulation des Auf- und Abwickelns des Drahtes auf diese Weife nur bei den rückwärtigen Rollen gefchehen, doch hat diefs nichts auf fich, da die Rollen gegen. feitig in ihren Lagern beliebig und rafch verwechfelt werden können. Ob diefe Auf- und Abwindmethode mit Zuhilfenahme der Radbewegung für alle Fälle, wo man mit den Wägen noch fahren kann, namentlich bei Fahrten über fehr unebenen Boden, fich praktiſch erweifen wird, müfsten wohl erft ausgedehntere Fahrverfuche zeigen. Doch ift auch die Frage nach der Legung oder Errichtung von Leitungen im unwegfamen Terrain nicht unbeachtet geblieben, ja auf eine höchft einfache und praktifche Weife gelöft worden. Zwei Mann nämlich, nach der Richtung der herzuftellenden Linie neben einander gehend, tragen jeder auf der Bruft einen kaum 10 Zoll im Quadrate haltenden Polfter mit ftarkem Leder, Gurtenbefatz und eifernen Befchlägen. Diefer Polfter wird an Gurten über den Schultern hängend getragen und ift um den Leib mit Riemen feft gefchnallt. An den eifernen Befchlägen find Haken angebracht, in welche eiferne Rollenhalter- Stäbe eingelegt werden. Diefe Stäbe erfcheinen an den inneren Enden cylindrifch ausgebohrt und haben die Drahtrollen Achfe aufzunehmen. Die fefte Verbindung der Drathrollen- Achfe mit den Stäben wird durch Klemmfchrauben bewirkt. An den äufseren Enden find die Rollenhalter- Stäbe zum Aufftecken der Windenkurbel quadratifch geformt. Diefe Windenkurbel wird während des Fortfchreitens zum Auf- oder Abwickeln entſprechend durch einen Mann bewegt, 44 Emerich Zinner. während der andere Mann den Draht durch die Hand gleiten läfst, um wenigftens beim Aufwickeln die nöthige Führung zu geben. Es wäre nunmehr auch der noch übrigen exponirten fchwedifchen Telegraphen Materialien in Kürze zu gedenken. Da find vorerft zwei aus vorzüglichem Leder erzeugte und fehr praktisch eingerichtete Tafchen zu nennen. Die eine davon ift wie ein Gurt um die Mitte des Leibes zu tragen und enthält verfchiedene Werkzeuge, wie: eine Handhacke, ein Tafchenmeffer, eine Scheere, eine Feile, mehrere Bohrer und Drahtzangen etc; die andere, viel gröfsere und nach Art der Jagdtafchen erzeugt und zu tragen. enthält zwei Hauptfächer und dient zur Aufnahme der Ifolatoren und fonftigen Gegenftände und Werkzeuge für die Errichtung der Telegraphenleitung. Weiters bemerkt man eine Batterie von zehn Elementen, eingefchloffen in einem Holzkäftchen von 16 Zoll Länge, 7 Zoll Breite und 6 Zoll Höhe, welche nicht nur wegen diefer compendiöfen Form, fondern darum unfer Intereffe in Anfpruch nimmt, weil die Füllmaffe keine flüffige, fondern eine fefte ift und diefe fogenannte trockene Batterie daher für den Feldgebrauch ohne viel Umftände transportabel ift. Diefe in Anwendung gebrachte Batterie ift die bereits im Jahre 1859 von Marié Davy angegebene. Sie iſt im Grunde eine Bunfen'fche Säule, in welcher das mit Schwefelfäure angefäuerte Waffer durch reines Waffer und die Salpeterfäure, durch ein Gemifch von fchwefelfaurem Queckfilber- Oxydul mit Waffer erfetzt ift. Die Action in den einzelnen Elementen befteht wie bei anderen Säulen in der Zerfetzung des Waffers; das Zink oxydirt und der frei gewordene Wafferftoff reducirt das fchwefelfaure Queckfilber; es entſteht fomit fchwefelfaures Zink und metallifches Queckfilber. Die hier in Rede ftehenden Elemente find fo angeordnet, dafs ein hohler Kohlencylinder das poröfe Diaphragma und diefes den Zinkcylinder aufnimmt. Der Zwifchenraum, den die Kohle und das Diaphragma bildet, ift mit einem Teige aus dem genannten Queckfilberfatze und Waffer, jener zwifchen dem Zink und der poröfen Zelle mit Sägemehl ausgefüllt, welches man hinreichend mit reinem Waffer befeuchtet. Eine derart zufammengefetzte Batterie liefert wohl einen fchwachen, aber fehr conftanten Strom, welcher die Telegraphenapparate durch fechs Monate ununterbrochen in regelmäfsigem Gange zu erhalten vermag, wenn man nur das durch Verdunftung verlorene Waffer von Zeit zu Zeit wieder erfetzt. Nach den gegebenen Verficherungen der Vertreter haben fich die nach dem eben erörterten Princip zufammengefetzten Batterien der ſchwediſchen Feldtelegraphen bei allen Verfuchen und bei Leitungen bis zu drei Meilen Länge ftets wirkiam und gut erwiefen. Wafferbau- Objecte. Alle in diefes, nebenbei gefagt, fchwierigfte Gebiet des Technikers ein fchlagenden Gegenftände, feien fie nun in Modellen, Bildern oder Zeichnungen dem Befucher der Ausftellung vor Augen gebracht( und diefs ift in reichhaltigen Mengen und Varietäten gefchehen), waren in anderen Gruppen als der XVI., fo vornehmlich in der Gruppe XVIII( Bau- und Civil- Ingenieur- Wefen) und Gruppe II( Land- und Forstwirthschaft), wie diefs auch wohl in der Natur der Sache begründet ift, eingereiht worden. Ueber die hier ausgeftellten Objecte fei nur fo viel erwähnt, dafs der gröfsere Theil davon permanente, folide, theils felbftftändige Waffer bauten wie: Quai- Anlagen, Hafenbauten, Uferdoffirungen aller Art, Bauten in S n h er n er e- 11 де n fe le a n er r. er en k er nt. ge nd m IT er te as ch d- ts I n en en fo d er 10 er r 街 in Das Pionnierwefen. 45 Verbindung mit Brücken aus Quadern, fonftigem Steinmateriale oder Surrogaten vorſtellen. Ein für den Militärtechniker weit lehrreicheres Materiale aber finden wir in jenen fehr reichlich ausgeftellten Wafferbau- Anlagen, welche mehr halb, permanenten oder gar nur proviforifchen Charakter an fich tragen, bei welchen entweder blofs Holz oder diefes in Verbindung mit Stein als Füllmaffe zur Anwendung kommt. Solche Bauten hat aber eigentlich nur Oefterreich- Ungarn zur Anfchauung gebracht, und zwar in einer erftaunlichen Fülle des Stoffes. Obenan ftehen unftreitig das k. k. Ackerbau- Minifterium und diefem zunächst das königlich ungarifche Finanzminifterium, welche als die oberften Behörden über die Staats- und Domänenforfte uns durch die Forft behörden und Verwaltungen der cis- und transleithanifchen Länder der Monarchie fo reichhaltige und lehrreiche Sammlungen von fo aufserordentlich nett und correct gearbeiteten Modellen vorführen liefsen, dafs man ihnen zu befonderem Danke verpflichtet fein kann. Nicht minder begegneten wir in den verfchiedenen übrigen Forftpavillonen von Grofsgrundbefitzern und Forstinduftrie- Gefellfchaften manchen Modellen diefer Art. Sprechen fchon gegen eine eingehendere Würdigung all' des Gebotenen die einleitenden Worte diefes Berichtsabſchnittes, fo mufs hier umfomehr davon abgefehen werden, weil die Fülle des Stoffes zu grofs ift und im Pionnierwefen überhaupt der Wafferbau nur innerhalb fehr enger Grenzen in Betracht kommen kann. Nichts deftoweniger glaubten wir diefen Gegenftand nicht ganz übergehen zu dürfen und insbefondere auf die Modelle des k. k. Ackerbau- Minifteriums aufmerkfam machen zu follen, indem diefe vielleicht auch nach Schlufs der Weltausftellung dem technifchen Officier zum Studium zugänglich fein Diefe Modelle zeigen uns wohl in ihrer Mehrheit bereits bekannte Formen und Conftructionen, aber auch manche gewifs weniger bekannte einfache werden. Wafferbauten. Da die meiſten der ausgeftellten Modelle, welche ein Wafferbau- Object enthalten, nicht diefes für fich allein darftellen, fondern im Zufammenhange mit feiner natürlichen Umgebung zeigen, ja oft die Situation einer ganzen Gegend plaftifch zum Ausdrucke bringen, alle diefe Ausführungen überdiefs aufserordentlich rein und correct find, fo geftaltet fich die Ausftellung diefer Modelle zu einer der intereffanteften Sammlungen. Wir fanden da unter anderen vornehmlich Wafferriefen, künftliche Canäle, wo die Wände, ja felbft die Sohle ganz mit Holz bekleidet, gefüttert und ausgetäfelt find; Wehren, Rechen, grofse und kleine, einfache und auch fehr complicirte für die Inftandfetzung von Holztriften und Flofswäffern; wir fanden aber auch UferfchutzBauten, Deck- und Streichwerke zum Uferfchutz und zur Corrigirung der Wafferläufe in Menge und auch folche, die gerade ihrer Einfachheit wegen geeignet find, das befondere Intereffe des technifchen Militärs in Anfpruch zu nehmen. Diefe Collection von Modellen lehrt uns ferner, dafs der technifche Officier auch in den forfttechnifchen Lehrbüchern manchem nicht nur in Hinficht des Wafferbaues, fondern auch in Hinficht des Holzbrücken- Baues, des Strafsen- und Waldwegbaues intereffanten Gegenftande zuweilen begegnen werde, der für feine Zwecke ebenfalls in der Ausführung fich fehr empfehlen dürfte; fie gibt uns auch den weiteren Fingerzeig an die Hand, dafs wir aus unferen Gebirgsländern, in denen doch fo viele praktifch bewährte Arbeiten diefer Art ftets ausgeführt und unterhalten werden, als Ergänzungsmannfchaften auch Leute bekommen könnten. 46 Emerich Zinner. welche mit derlei Arbeiten vertraut find, was aber thatfächlich faft nie der Fall ift. Auch bringt diefe Mufterfammlung von Modellen proviforifcher Wafferbauten den technifchen Militär, der wenig in die Gelegenheit kommt, fich in diefem untergeordneten Zweige zu üben, unwillkürlich auf die Idee, dafs es gewifs lohnend wäre, wenn jährlich einzelne Individuen( Officiere und intelligente Unterofficiere, welch' letztere der Zimmermanns- Profeffion kundig find) der techniſchen Truppen folchen Forftverwaltungen auf einige Zeit zugewiefen würden, bei welchen eben mehrere Arbeiten diefer Art im Zuge find, weil, wie hier nochmals wiederholt werden mufs, kein Dienft fchwieriger in feiner Ausführung ift, als jener des Wafferbau- Technikers, da derfelbe die meiſten praktifchen Erfahrungen erfordert. Denn da man es hier mit der Bezähmung oder gar Bekämpfung eines oft fehr tückifchen Elementes zu thun hat, fo müffen die Mittel und auch jene praktifchen Handgriffe und verfchiedenen Verfahrungsweifen forgfältig ftudirt fein, durch welche wirkfame, dauerhafte und nur nützliche Werke gefchaffen werden können. Eine fehlerhafte Bauanordnung kann gerade hier das Gegentheil jener Wirkung hervorbringen, die man eigentlich beabsichtigt. Darum alfo, weil diefer Zweig mehr wie jeder andere wenigftens eines praktifchen Anfchauungs- Unterrichtes bedarf, meint der Verfaffer diefer Zeilen, dafs die fchöne Gelegenheit, welche unfere Länder dazu bieten, auf die fchon angedeutete Weife fruchtbringend ausgenützt werden könnte. Ebenfo follten einzelne Angehörige unferes Standes bei Befuchen unferer Gebirgsländer es nicht leicht verabfäumen, da man ohnediefs meift den Flufsläufen in den herrlichen Thälern folgen mufs, beftehende oder im Bau begriffene Wafferbauten näher zu befehen und fich bei den leitenden Perfönlichkeiten die nöthigen Aufklärungen einzuholen. Lagerbau- Objecte. Sehr ärmlich war es mit dem ganzen hier noch zu erwähnenden Gebiete auf der Ausftellung beftellt. Es mag diefs darin feinen Grund haben, dafs man heut zu Tage den lagernden Truppen nur mehr in den feltenften Fällen Nothunterkünfte fammt den dazu gehörigen Einrichtungen für Wafferverforgung, Koch-, Back, Wafch- und fonftigen Reinlichkeitsanftalten eigens erbaut; da man in cultivirten Ländern überall, wo nur möglich enge Cantonirungen zu beziehen fucht. Gröfsere Lagerbauten dürften in der Zukunft nur mehr in Ruheftellungen, wahrfcheinlich aber nur mehr für Cernirungstruppen vorgenommen werden. Diefs ift die Urfache, warum der früher fo viel gepflegte Lagerdienft in neuerer Zeit fo an Umfang verloren hat. Ausgeftellt war nur ein einziges Feldlager- Zelt in Miniatur, und zwar in der ruffifchen Militärabtheilung, dann wirkliche Zelte und Mufter von Feldlazareth- Baraken im allgemeinen Militär- Sanitätspavillon, welche aber alle vermöge ihrer Einrichtung blofs für Sanitätszwecke beftimmt und in die Section 4( Sanitätswefen) eingetheilt find, daher aufser dem Bereiche diefer Berichterstattung liegen. Auch die anderwärts auf dem Ausftellungsplatze zu verfchiedenen Zwecken aufgeftellten Zelte vermochten uns kein befonderes Intereffe abzugewinnen. Ueber die weiters im Sanitätspavillon in Naturgröfse exponirten ambu anten Back- und Kochanftalten neuefter Conftruction u f. w. berichtet der Berichterstatter der Gruppe XVI, Section 1, und wir erwähnen derfelben hier nur der Vollständigkeit halber und um von Haus aus allenfalls jenen zu bege nen, welche, wenn fie die officielle Eintheilung der einzelnen Gruppen nicht kennen, glauben könnten, dafs diefe Objecte eigentlich hieher zur Befpre chung gehören. t S r n h n er s er er en f te an h h-, ht. en, ift an ar nd 11tsmer Zen tet Den ben reDas Pionnierwefen. 47 Halten wir weiters Umfchau, ob wir in den weiten Ausftellungsräumen, wenn auch in anderen Gruppen, nicht doch noch Ausftellungsgegenständen begegnen, welche vermöge ihrer Zwecke und Einrichtungen auch für Lagerzwecke verwerthet werden könnten oder fonft irgendwie im Lager nützlich erfcheinen, fo finden wir allerdings noch Manches, was auf die wichtigfte Lagereinrichtung die Wafferbefchaffung nämlich- Bezug nimmt. - So waren Pumpwerke verfchiedenfter Art und in einer erftaunlichen Menge vorhanden. Letzteres ift auch der Fall mit den fogenannten Norton'fchen Rohrbrunnen- auch Schlagbrunnen genannt weil fie blofs in Boden gefchlagen zu werden brauchen, um fchon nach kurzer Zeit, etwa nach- oder höchftens mehrftündiger Arbeitszeit brauchbares Waffer zu liefern; welche aber trotz des maffenhaften Ausftellungsmateriales von den verfchiedenften Firmen des In- und Auslandes, durchwegs nichts Neues zeigen. Aus diefem Grunde und weil diefe vortrefflichen Brunnen fchon überall eingebürgert und gekannt find, bedarf es keiner näheren Erörterung derfelben. In der Abtheilung Dänemark hat ein Vertreter der„ Aalborger Compagnie für Bohrung von Brunnen" einen höchft einfachen Brunnenbohrer nebft verfchiedenen Erd- und Gefteinsarten exponirt, welch' letztere er mit dem Bohrerin unglaublich kurzer Zeit durchbrochen haben will, und zwar in der Weife, dafs der Auswurf aus dem Bohrloche nicht in Mehlform oder in kleinzerftückten Theilchen, fondern in gröfseren cylindrifchen Partikeln erfolgt. Wie fich aus diefer Befchaffenheit des Auswurfes fchon von felbft ergibt, befteht der Bohrer aus einem hohlen, ftählernen, cylindrifchen Rohre von dem Durchmeffer des Bohrloches, welches an feinem unteren, dem Angriffsrande, natürlich fehr gut gehärtet und fcharf zugefchliffen ift. Irgend ein Motor foll die ftofsende und zugleich drehende Bewegung hervorrufen, welche fo erftaunliche und rafch zum Ziele führende Effecte hervorbringt. Eingehendere Studien über den Bohrer felbft, fowie über deffen Gebrauch waren nicht möglich, da der Vertreter über diefes mit Patentfchutz verfehenen Brunnenbohr- Syftemes nur fehr rückhaltende Auskünfte ertheilte, den Bohrer felbft aber fehr bald wieder aus der Ausftellung entfernte und dort nur verfchiedene Blöcke von Gefteinsarten, darunter die bekannt härteften, mit ein und mehrzölligen Bohrlöchern beliefs. Unter den durch die Aalborger Compagnie ausgeführten Arbeiten ift eine Bohrung von 2 Zoll Durchmeffer in der unmittelbaren Nähe der Stadt Aalborg bis zu einer Tiefe von 1272 Fufs im Gefchiebe, Thon, Kreide mit Lagern von Feuerftein, Kalkstein. Grünfandftein u. f. w. unternommen und mit Handkraft von fünf Mann innerhalb weniger Monate ausgeführt worden. Auch in Quarz und Granit etc. follen fich diefe Bohrer gut bewährt haben. Der Bohrer, anfänglich in der Gruppe XVI ausgeftellt und von diefer zur Beurtheilung nicht angenommen, wurde dann in die Gruppe I überfetzt und von diefer auch prämiirt. Vielleicht kann diefes Bohrinftrument in manchen Fällen, fo in Standlagern befeftigten Plätzen etc., über bei Befchaffung von Waffer vorkommende Schwierigkeiten hinweghelfen, fowie zur Unterfuchung von Erdfchichten gute Dienfte leiften, zu deren Bewältigung andere Mittel vergebens angewendet worden find. Schliefslich wäre noch eine gröfsere Anzahl von Filtrir- Vorrichtungen zu erwähnen, welche von der deutfchen Firma Bühring aus Hamburg und der englifchen Firma Atkins und Compagnie in London exponirt find und welche letztere verfchiedene Einrichtungen haben, je nachdem fie ftabil oder aber mobil, wie bei den Truppen in Indien, wofür fie hauptfächlich conftruirt wurden, in Anwendung kommen. Von jener der erfteren find die Touriften- oder Militärfilter in Becher formen, von jener der letzteren eben folche, aber in Dofenformen nebft Filter4 48 Emerich Zinner. apparaten auf zweirädrigen Wägen, befonders bemerkenswerth. Diefe Letzterwähnten find es, womit die Armee in Indien ausgerüftet ift; auch von den Handfiltern in Dofenform wurden in neuefter Zeit für die Armee in Afrika 4000 Stück beftellt. Diverſes. Unter diefer Rubrik foll, theils um dem Programm für die officielle Berichterftattung, theils um der Gruppen Untertheilung gerecht zu werden, noch die Befprechung, von jenen Gegenftänden aufgenommen werden, welche, wenn auch nicht in der Gruppe XVI ausgeftellt, dennoch eine Würdigung oder doch wenigftens Erwähnung verdienen, wenn fie vermöge ihrer Conftructionen, ihrer Einrichtungen oder Gebrauchszwecke in irgend einer verwandtfchaftlichen Beziehung zu dem technifchen Militärmateriale ftehen. Konnten diefe Befprechungen nicht direct unter jene über die Fachgegenftände felbft eingereiht werden, fo müffen fie doch hier Ausdruck finden, um die Lücken, welche die Militärexpofitionen felbft aufweifen, einigermafsen wenigftens wieder in anderer Richtung zu decken, und um dem Strebfamen überhaupt nichts entgehen zu laffen, was die raftlos fortfchreitende Technik Gutes oder Nachahmungswürdiges gebracht hat, und was auch der Militär zu beachten hat. Freilich mufs es uns oft allein genügen, auf die anderen Gruppen zu verweifen. In erfter Richtung müffen wir diefs thun für Boote und Schiffe, welche in Gruppe XVII ihre fachgemäfse Behandlung finden. Solchen Schiffen und Booten, welche für unfere Zwecke mit Rückficht auf den Bau von Brücken und zu Ueberfchiffungen vorzügliche Eignung befäfsen, begegneten wir in all' den Separatpavillons und fonftigen Abtheilungen, worin fo reichhaltige Sammlungen von prachtvollen Modellen von den verfchiedenen Kriegs, Handelsmarinen- und den angefehenften SchiffsbauFirmen ausgeftellt waren, auf der Ausftellung nicht. Aehnlich verhielt es fich auch mit den Sammlungen der Staats- und Domänenforfte, fowie mit jenen der verfchiedenen Grofs- Grundbefitzer der Forft- und Montaninduftrie- Gefellfchaften von OefterreichUngarn. Diefe brachten wohl viel des Schönen und Intereffanten an Modellen für die Holzbringung, das heifst für die Abtransportirung des gefällten Holzes vom Abftockungsplatze bis in die Thäler und von dort bis in die fernften Gegenden, fo eine Menge Arten von Holz und Drahtfeil- Riefen, Wafferriefen in Verbindung mit allerlei Länden, Klaufen, Schleufsen, Rechen, Seil und anderen Nothbahnen, Fuhrwerken, Schlitten und dergl. Transportmittel mehr, als endlich auch alle Gattungen von Flöfsen und Schif fen, wie folche nicht nur den verfchiedenen Provinzen, fondern oft gar nur einem Fluffe eigen find, ohne dafs wir an diefen letzteren beiden Gattungen Transportmittel befonders Bemerkenswerthes vorfanden. Darum verweifen wir auf den Bericht über Forstwirthfchaft, wo Holz und Holznutzung ebenfo wie das für den Pionnier wichtige Forftingenieur- Wefen ihre fachgemäfse Behandlung finden. Wir erwähnen hier nur, dafs unter den da zu befprechenden Transportmitteln landesübliche Schiffe und Flöffe vorgeführt werden. die der Pionnier doch oft zu benützen genöthigt fein kann. Neue Formen und Conftructionen fanden wir jedoch ungeachtet der grofsen Mannigfaltigkeit des Materiales nicht. Betrachten wir diefes Materiale in feiner Gefammtheit - denn dasfelbe fo müffen wir uns geftehen, im Detail zu würdigen, dazu fehlt hier der Raum dafs nur weniges davon, fo wie es gegeben ift, Vieles aber nur nach entsprechenden Aenderungen für Uebergangs- Herftellungen verwendbar wäre. Das Wie ist kaum in fchwachen Umriffen anzudeuten, gefchweige denn genauer zu präcifiren, indem man bei Uebergangs- Herftellungen faft immer mit f d r n es 1- 11 f. m -td re zu n. en be en, ennn nit Das Pionnierwefen. 49 einer Menge der verfchiedenften Factoren zu rechnen hat. Den Zweck der Aufgabe hiebei vor Allem im Auge behaltend, mufs man die vorhandenen oder erft zu befchaffenden Mittel mit den Local und fonftigen Verhältniffen in Einklang zu bringen fuchen. Weil diefe aber jeweils anders befchaffen fein werden, wird man fich auch des gebotenen Materiales an Schiffen und Flöffen höchft felten ohne vorherige entfprechende Herrichtung und Umgeftaltung bedienen können. Ueber die Qualitäten der maffenhaft ausgeftellten Holz materialien zu fprechen wäre bei dem Umftande, dafs das Bauholz eines der wichtigften Materialien ift, mit dem es der Pionnier zu thun hat, gewifs lohnend, doch man mufs fich hier wieder damit begnügen, wenigftens auf diefen Gegenftand aufmerkfam gemacht zu haben. Vorläufig aber können wir uns mit dem Gedanken beruhigen, dafs wir auf dem ausgebreiteten hydographifchen Netze unferes Heimatlandes ftets ausreichende und auch gute Mittel zur Herſtellung von Uebergängen vorfinden werden, wenn wir uns die Mühe geben, jenes Netz mit Allem, was drum und dran hängt, eingehender zu ftudiren und fo auch fchon im Vorhinein wiffen, wo wir das Erforderliche zu fuchen haben. Das Studium der Flüffe foll fich niemals auf die charakteriftifchen Eigenfchaften derfelben und auf die technifch- tactifche Würdigung der vorhandenen Uebergangspunkte allein befchränken, fondern auch auf alle jene Mittel erftrecken, welche zur Herftellung von Uebergängen geeignet, auf dem Fluffe felbft und innerhalb feines Gebietes zu allen Zeiten vorgefunden werden dürften. Nur die auf Bafis folcher Grundfätze aufgebauten Flufslexikons bieten Gewähr zu ficherem Calcul. Sie müffen dann aber auch zum Gemeingut aller Derjenigen gemacht werden, welche ihrer bedürfen, und zwar müffen die fchon in den Friedensepochen mit vielem Aufwande von Mühe, Fleifs und Gewiffenhaftigkeit verfafsten Elaborate, auch im Frieden ftudirt werden, denn fie enthalten ja für den Pionnierofficier gewiffermafsen das ABC feines Schaffens und Wirkens bei Bewältigung der Hinderniffe, für die Heeres- Oberleitung aber die Schlüffel zur Eröffnung ihrer Operationsgebiete. Ein befonderes Object, welches geeignet ift, unfere volle Aufmerkfamkeit zu feffeln, ift der von Martin in der englifchen Abtheilung ausgeftellte 100 Centner fchwere Marine- Anker mit beweglichen fich felbft ftellenden Armen. Für die Vorzüglichkeit diefer Ankerconftruction, welche nach wiederholt daran vorgenommenen Verbefferungen und mehrfältigen Patentirungen bis auf den Standpunkt des gegenwärtig vorliegenden Exemplares gebracht wurde, fpricht am lauteften wohl der Umftand, dafs derfelbe in England faft durchgehends und in den Marinen anderer Staaten aber fchon theilweife feine praktiſche Einführung fich erobert hat, und dafs Martin für diefen Anker nicht nur bei früheren Ausftellungen fchon, fondern fo auch bei der jetzigen Weltausftellung dafür prämiirt wurde. Diefes Objectes, das eigentlich in der Gruppe XVII( Marinewefen) ausgeftellt war, gefchieht doch hier Erwähnung, weil fich wohl diefe Ankerconftruction mit Vortheil auf unfere, wenn auch nur 100 bis 150- pfündigen Flufsanker anwenden laffen dürfte. Haben wir auch keinen befonderen Grund, unfere gegenwärtigen, nach Birago's Syftem erzeugten Anker zu verwerfen, da fie fich ftets bewährt haben, fo müffen wir uns doch offen geftehen, dafs ein nach dem Syftem Martin erzeugter Anker, der nach dem Falle auf den Flufsgrund fich felbft ftellen mufs und dabei ftatt mit einen mit zwei Armen fcharrt, doch gewifs eher und ficherer gräbt als die unferigen. Die nebenftehende Fig. 10 A und B veranfchaulicht das Bild des Martin'fchen Marineankers mit den beiläufig gedachten verjüngten Formen, und zwar in der Ruhelage, fowie in der Angriffs- und Gebrauchsftellung. 4 50 Emerich Zinner Fig. 10 A. Fig. 10 B. Schon früher wurde bei der Schilderung des ruffifchen KriegsbrückenAnkers, der ähnlich dem Martin' fchen conftruirt ift, gefagt, dafs die ruffifchen Pontoniere, die ihre Anker fchon hinlänglich erprobt haben, vollkommen damit zufrieden find. Wie viel mehr mag erft ein dem Originale nachgebildeter kleiner Flufsanker entſprechen, wenn derfelbe fowię das Original einen vollen maffiven Kopf. und in Geftalt einer aufgefchobenen Querftange einen Schaft befitzt, während der nachgebildete ruffifche Anker ftatt des Kopfes nur zwei mit der Ankerftange verbundene Stellfcheiben zeigt und des Schaftes gänzlich entbehrt. Die Beweglichkeit der Arme findet hier im vollen Kopfe dadurch feine Begrenzung, dafs hiezu der Kopf auf einer Seite eine entsprechend nifchenartige Vertiefung befitzt. Auch find die Arme nach Entfernung eines Vorfteckbolzens herausnehmbar. Trotz all' diefer erwähnten, und anderen Einrichtungen ift die englifche Conftruction einfacher, weil auch folider in der Ausführung, und diejenige, welcher man den Vorzug vor der ruffifchen einräumen mufs. Auch hinfichtlich der Verpackung auf die Wägen können gegenüber den alten Ankerformen keine nachtheiligen Vorkommniffe obwalten. Noch eines nicht zu unterfchätzenden Vortheiles ift zu gedenken, welchen die nach Syftem Martin conftruirten Anker befitzen. Diefer Vortheil befteht in dem leichteren Heben des Ankers. it 1- h n n n in Das Pionnierwefen. - 51 - Erfahrungsgemäfs kommt es beim Heben von Ankern alter Conftruction welche im feften Grunde fehr gut gegraben haben oder nach längerem Liegen auf dem Grunde etwas verfandet oder verfchlammt worden find nicht felten vor, dafs eine ganz aufserordentliche Kraftanftrengung angewendet werden mufs, und dafs diefe fchwierige Arbeit nicht felten mit einem Bruche des Seiles, ja fogar der Ankerarme felbft endet. Sehen wir, wie bei den Martin'fchen Ankern das Heben vor fich geht. Ift von den Ketten( oder vom Tauwerk) fo viel aufgeholt, dafs die Ankerftange felbft fich zu bewegen und zu erheben anfängt, fo beginnt gleichzeitig, vermöge der Kopfconftruction des Ankers ein Zurückziehen der beiden Ankerpratzen aus ihren Eingrabungs- Lagern. Findet diefs auch nicht ganz bis zu ihrer vollen Blofslegung ftatt, fo wird doch Jedermann zugeben müffen, dafs diefe Lockerung an und für fich und das fchon theilweife Zurückziehen der Arme( aus ihrer gröfseren Tiefe) das fchliefsliche Loslöfen vom Flufsgrunde ungemein erleichtern mufs. Auch noch andere Vortheile werden gegenüber den alten Ankern bei genauen Vergleichsbetrachtungen erkennbar. Ohne fie näher zu berühren, können wir uns beim Schluffe diefer Betrachtungen den Wunſch nicht verfagen, dafs wir es für lohnend hielten, einige Anker diefer Art für die öfterreichifchen Pionniere erzeugen zu laffen, um damit Erprobungen jeder Art und fo vornehmlich auch folche auf unferen reifsenden Gewäffern vornehmen zu können. Wieder andere Objecte, welche unfere volle Aufmerkfamkeit verdienen und zerftreu in den Abtheilungen und Pavillons aller Herren Länder in reichlicher Menge vorhanden find, betreffen die Fabrication von Seilwerk aller Art. Es haben fich in diefer Richtung viele Arfenale, Schiffswerften und die angefehenften Firmen für Seilfabricationen des In- und Auslandes, alle durchgehends in mufterhafter Weife betheiligt. Wir finden Seile und Alles, was zum Seilwerk gehört, von allen nur gebräuchlichen Stärken und Dimenfions- Verhältniffen, aus Draht, Hanf, Flachs u. f. w. nach den verfchiedenften, aber durchgehends bekannten Methoden erzeugt und von den vorzüglichften Qualitäten. Aufser diefem fertigen Seilwerk treffen wir, und zwar vornehmlich in den englifchen und franzöfifchen Colonial ftaaten, in Oft- und Weftindien, Ceylon, in Neu- Seeland, aus afrikaniſchen Befitzungen, verfchiedene neue Pflanzen Faferftoffe im Rohzuftande und in den verfchiedenen Stadien ihrer Zurichtung und Verarbeitung, welche defshalb fehr intereffant find, weil einige von ihnen ein noch weit befferes Materiale zur Seilfabrication liefern follen, als Hanf oder Flachs. Ihre Anwendung zu diefem Zwecke ift neu und über die erften Verfuche kaum hinaus; es kommt alfo erft abzuwarten, ob die Seilinduftrie fich diefes Stoffes in gröfseren Umfange bemächtigen wird. Vorderhand fei auf diefen intereffanten Umftand darum aufmerkfam gemacht, weil es für uns öfterreichifche Pionniere, die wir unferen Bedarf an Seilwerk in eigener Regie erzeugen, wahrhaft nicht gleichgiltig wäre, wenn wir einen noch befferen Stoff als Hanf zur Seilerzeugung fänden, der uns vielleicht grössere Leiftungsfähigkeit, mehr Dauerhaftigkeit und vielleicht auch bei gleichen Dimenfionen mehr Leichtigkeit im Gewichte verfpräche. Wir würden unfere ehrenvolle Aufgabe nur unvollkommen erfüllen, wollten wir nicht noch den Lefer bitten, mit uns die in Hülle und Fülle ausgeftellten Werkzeuge zu betrachten. Auch wir Pionniere benöthigen zur Ausführung unferer fo verfchieden artigen Verrichtungen im Felde die verfchiedenften Werkzeuge. Wir wollen von diefen hier nur kurz diejenigen hervorheben, welche am häufigften Anwendung und hauptfächlich bei den Erd- und Holzarbeiten gebraucht werden; dann allenfalls noch folche, welche fich etwa vorfanden, mit neuen oder verbefferten Formen, die auch für uns mit Nutzen zur Nachahmung dienen könnten. 52 Emerich Zinner. Militärifcherfeits wurden befonders von Rufsland und Schweden die Handwerkzeuge ihrer techniſchen Truppen in recht hübfch zufammengeftellten Sammlungen exponirt. Alle diefe Werkzeuge find aus vorzüglichem Materiale, und wie es für Ausftellungsgegenstände auch nicht anders zu erwarten ftand, auch fehr nett und forgfam gefertigt. Rufsland zeigt unter diverfen Werkzeugen, Krampen( Pickel, Haue) nach italienifcher Art geformt und beftielt und von mehreren Gröfsengattungen, dann auch blofs Spitzhauen, Schaufeln mit langer, gerader Beftielung, von der Form des Linnemann'fchen Spatens, nur gröfser; endlich eine Sammlung von Hacken( Beilen) alle einander fehr ähnlich, von veralteter Form; diefelben find alle mit einem ganz kurzen, gekrümmten Stiele verfehen, der uns für die Handhabung der Hacke recht praktiſch dünkt. Bemerkenswerth ift noch, dafs in Rufsland die Befchaffung der Werkzeuge vom Staate nach einheitlichen Grundfätzen beforgt wird. Die jährliche Erzeugung im Ingenieur Arfenale zu Dünaburg, wo diefer Dienft concentrirt ift, überfteigt weit unfere Verhältniffe, indem wir unfere Bedürfniffe meift durch die Privatinduftrie decken. Das genannte Arfenal, welches zwei Dampfmafchinen von zufammen 36 Pferdekräften und 160 Arbeitern befchäftigt, erzeugt jährlich acht Millionen Werkzeuge und 140 Fuhrwerke. Von den ausgeftellten fchwedifchen Werkzeugen, welche gröfstentheils in den exponirten, fchon früher befprochenen Wagen fehr zweckmäfsig verpackt find, ift weiter nichts zu fagen. Die Privat- Induftrie aller Länder hat uns eine geradezu maffenhafte Anzahl von Arbeits- Werkzeugen vorgeftellt, fo dafs man weit eher durch die grofse Reichhaltigkeit neuer Formen als durch den Abgang an Verbefferungen in Verlegenheit gefetzt wird, eine richtige Auswahl zu treffen. Mit Stolz können wir es fagen, dafs auch in diefem Fache die öfterreichifche Privat- Induftrie einen fehr beachtenswerthen Rang einnimmt. Von den vielen Firmen hat befonders eine, nämlich Vogel& Noot, welche ihre Niederlagen zu Wien und ihre Walz- und Hammerwerke zu Wartberg in Steiermark befitzen, es verftanden, mit ihren Erzeugniffen fich bemerkbar zu machen. Alles, was diefe Firma ausgeftellt hat, zeugt von einer vorzüglichen Güte des Materiales, und einer ebenfo rationellen Verarbeitung desfelben. Von ſpeciellem Intereffe für uns finden wir darunter eine recht hübfche Zufammenftellung der wichtigften Werkzeuge, wie folche für die öfterreichifchen technifchen Truppen vorgefchrieben find, als da find unter Anderen: die Krampen, die neue Einheitsfchaufel mit ihrer neueften Verbefferung, dem verfchiebbaren Stiele; der Linnemann'fche Spaten; die zerlegbare Handfäge nach dem Mufter der Pionniere; Kettenfägen, Bohrer, Zangen etc. etc. und endlich die Patent- Hebelzange. Unter diefem Namen führten uns die Ausfteller ein Werkzeug vor Augen, das bei unferer Pionniertruppe vor wenigen Jahren nach den Angaben des Hauptmanns Wiethe erzeugt, und unter dem Namen„ Zangengeifsfufs" feither bei den Uebungen zum Eifenbahn- Oberbau mit grofsem Vortheile in Verwendung kam. Diefes Werkzeug, welches einerfeits den ehemaligen Hebebaum erfetzt, erfüllt noch den Zweck, die Schienennägel rafch, ficher, geräufchlos und ohne fie zu verletzen, auszuziehen. Für die Vorzüglichkeit diefes Werkzeuges ſpricht der Umftand, dafs jetzt fchon viele Bahnverwaltungen dasfelbe unter ihre InventurAusrüftungen aufgenommen haben. In den Abtheilungen von England und Nordamerika find von den vielen, exponirten Hand- Werkzeugen die Schaufelgattungen diejenigen, auf welche wir die Aufmerkfamkeit gelenkt haben wollen. Es ift doch eigenthümlich, dafs wir nicht nur hier in diefen zwei fo bedeutungsvollen Staaten, welche gerade für die ftetig fortfchreitende Technik immer die tonangebenden waren, und wahrfcheinlich auch bleiben werden, faft ohne Ausnahme, als auch in anderen Staaten, alfo in der Mehrzahl der Staaten, ftets Formen in diefer Werkzeug- Gattung e Das Pionnierwefen. 53 begegnen, welche gleichartig unter fich, aber von den bei uns gebräuchlichen Formen total verfchieden find. Ihr Schaufelblatt ift in feiner Längenrichtung nicht gebogen, alfo gerade, dafür aber in feiner Breitenmitte etwas hohl gebogen, im Ganzen grofs und was befonders bemerkenswerth ift, rechteckig geformt, nur die fcharfen Ecken find etwas gerundet. Der Stiel ift kurz, etwas gebogen und befitzt am oberen Ende entweder eine Krücke oder eine oval ausgefchnittene Handhabe. Es dürfte fich doch der Mühe lohnen, diefes Werkzeug der praktifchen Engländer und Amerikaner behufs Erprobungen auch zur Hand zu nehmen. Wir befchliefsen nun unfere Wanderungen in der Ausftellung in dem Pavillon der königlich ungarifchen Staats- und Domänenforfte, in welchem wir bei früheren Befuchen fchon Manches zur Befprechung werth gefunden haben. Wir ftehen vor zwei Schränken, welche eine anfehnliche Zahl von gebrochenen oder geknickten Holzftäben enthalten. So wenig anmuthend diefe zwei Objecte auch für den erften Augenblick dem Befchauer fich präfentirten, fo erblickt doch der Kenner bald, dafs er es hier mit einem intereffanten Gegenftande zu thun hat. Mit jenen Stäben nämlich, wurden im Auftrage der königlich ungarifchen Regierung vom Profeffor Jenny am Wiener Polytechnicum im Vereine mit dem General Domäneninfpector und gegenwärtigen Ausstellungscommiffär Herrn Weffely Unterfuchungen über die Feftigket der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone ausgeführt. Für uns Pionniere ift diefer Gegenftand umfomehr im gegenwärtigen Zeitpunkte vom Intereffe, weil auch wir in diefer Richtung in der jüngftvergangenen Zeit nicht unthätig waren. Für diejenigen alfo, welche fich für diefen gewifs wichtigen Gegenftand intereffiren, führen wir hier an, dafs durch das königlich ungarifche Finanzminifterium über das Ergebnifs jener Unterfuchungen, das erfte Brochurenheft unter dem Titel: Unterfuchungen über die Feftigkeit der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone, Buda- Peft 1873, bereits erfchienen ift. Nach diefem erften vorliegenden Hefte, welches die beiden fchon genannten Herrn zu Verfaffern hat, wurden eine gröfsere Anzahl von gleichartigen Stäben, aus Fichten-, Tannen-, Lärchen- und Buchenholze, und zwar aus allen Theilen Ungarns, aus verfchiedenen Bodengattungen erwachfen, und von verfchiedenem Alter, unterfucht. Diefe Verfuche befchränkten fich nur auf die Unterfuchung der Feftigkeit von Stäben allein, und zwar wurde die Zug- und Druckfeftigkeit der felben an der Elafticitäts- fowie an der Bruchgrenze beftimmt. Da hier die Unterfuchung einer grofsen Anzahl von Stäben vorliegt, und in den betreffenden Tabellen alle nöthigen Daten, als: Standort, Bodenart, Alter, Anzahl der Jahresringe u. f. w. erfcheinen, ferner eine weitere Folge folcher Unterfuchungen in Ausficht genommen ift, fo wird fich hiedurch eine neue Bereicherung der bisherigen Verfuche über die Feftigkeit von Hölzern ergeben. Der Forftmann kann hiedurch auf fehr intereffante Schlufsfolgerungen über den Einfluss von Boden, Alter, Dichtigkeit u. f. w. auf die Feftigkeit der Hölzer gelangen. Wünfchenswerth zur weiteren Aufnahme in die Tabellen empfiehlt fich vielleicht auch noch jene von Daten über das Klima, fowie über die Forftcultur felbft. Weniger Werth dürften folche Verfuchsergebniffe für den Bauconftructeur haben. Denn entweder bezieht diefer fein Holz von Holzhändlern, dann find ihm diefe Daten unbekannt, und er wird immer wieder mit Feftigkeits- Coëfficienten zu thun haben, die innerhalb weiter Grenzen fchwanken, da auch die Art 54 Emerich Zinner. Das Pionnierwefen. und die Dauer der Confervirung grofsen Einfluss üben, oder er bezieht das Holz für feine Bauten, Jahr aus Jahr ein, aus beftimmten Gegenden und Forften, oft aus denfelben Standorten. In diefem letzteren Falle wäre es wohl vom Standpunkte der Praxis angezeigt, Verfuche in anderer Weife vorzunehmen. Die Unterfuchung von Stäben nämlich, liefert aus bekannten Gründen immer nur ein ungenaues Refultat; es wären daher grofse Stücke und wenn möglich gleich von den zum Bauzwecke nöthigen Dimenfionen und der erforderlichen Form zu unterfuchen. Da man für Stücke von ftarken Dimenfionen bei Feftftellung der Zug. und Druckfeftigkeit beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen dürfte, fo würde fich hier, befonders für zum Tragen beftimmte Hölzer, die directe Unterfuchung auf die Biegungsfeftigkeit empfehlen. Solche Verfuche wurden im k. k. technifchen und adminiftrativen Militärcomité durch Pionnierofficiere mit Beftand. theilen der k. k. Kriegsbrücke vorgenommen, da die Hölzer hiefür fo viel als möglich alle aus derfelben Gegend( aus Scharnftein in Oberösterreich), alfo unter gleichen klimatifchen Verhältniffen, gleicher Bodenbefchaffenheit, gleichem Alter genommen wurden. Nachdem die königlich ungarifche Regierung beabfichtigt, die Unterfuchungen über die Feftigkeit der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone mit gröfseren Stäben und fchliefslich auch mit ganzen Baumftämmen oder Balken vornehmen zu laffen, fo können wir nur wünſchen, dafs Einiges von den vorgege benen Andeutungen Berücksichtigung fände, denn dann könnten wir den weiteren Veröffentlichungen über diefe Verfuche fchon jetzt mit lebhaftem Intereffe entgegenfehen. MILITÄR UNTERRICHTSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 5.) Bericht von MORIZ BRUNNER, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Im Gegenfatze zu der Ausftellung von Lehrmitteln und Unterrichtsrefultaten, worin die Culturvölker im beften Sinne des Wortes miteinander wetteiferten, und dadurch dem elementaren Volksunterrichte und der gewerblichen Richtung des Schulwefens den gebührenden, hervorragenden Rang anwiefen, fahen wir das Militär- Unterrichtswefen nahezu gar nicht vertreten. Und wenn es wahr fein foll, dafs die Schlachten der Neuzeit der Schulmeifter gewinne, fo ift es faft uner klärlich, warum Heere, und gerade jene der Militärftaaten, es verfchmähten, fich im friedlichen Wettkampfe in ihren Militär- Schuleinrichtungen auf dem Ausstellungsplatze zu meffen. Zeigt man fich gegenfeitig Gefchütz und Gewehr, Pulver und Kugel, warum fand man es nicht für gut, Methoden, Anftalten und Mittel allgemein und öffentlich zu demonftriren, durch welche jene, die erftere Inftrumente handhaben, fie verwerthen lernen follen, durch welche fich jener geiftig auch ausrüftet, der dereinft berufen fein foll, die Frucht der Intelligenz und des Fleifses des Bürgers, noch mehr deffen Leben zu fchützen, der die heiligften Dinge: Unabhängigkeit. des Staates und Sicherung des redlichen Erwerbes zu vertheidigen hat- in deffen leitenden Händen Menfchenleben zur Waare werden, die je nach geiftiger Begabung und moralifchem individuellem Werthe des Führers verfchleudert oder ökonomifirend erhalten werden können. - In Oefterreich wurde ein grofser Anlauf zu einer MilitärunterrichtsAusftellung genommen die leidige Geldfrage, welche überhaupt verfagte, ein militärifches Enfemble Oefterreichs zu geben, liefs jedoch die lobenswerthe Abficht des öfterreichifchen Kriegsminifteriums nicht zur Ausführung kommen. Die Ausftellung hätte fich fowohl auf Schülerarbeiten der Akademien, bis zur Mannfchaftsfchule herab, auf ftatiftifche Zufammenftellungen, Lehrpläne und Lehrmittel erftrecken und Gelegenheit geben follen zu vergleichen, in welcher Weife die Militär- Bildungsanftalten des Staates und der Armeen in die Concurrenz treten könnten mit jenen anderer Armeen und mit den Civilfchulen. Ein Vergleich in letzterer Richtung wäre gewifs von allgemeinem Intereffe gewefen, in technifchen Fächern- foviel können wir aus Augenfchein und Erfahrung verfichern, wäre der Vergleich nicht zu Ungunften des Militärs ausgefallen. Es ift ferner Schade, dafs es der öfterreichifchen Armee verfagt war, den Beweis fichtbar darzuftellen, dafs fie im gewiffen Sinne Culturzweck fei, indem fie 56 Moriz Brunner. die Völker befonders des öftlichen Theiles Oefterreichs, nebft vielen anderen die geiftigen und moralifchen Kräfte bildenden Dingen, auch lefen und fchreiben lehre. Um in diefer Hinficht, nämlich bezüglich der Leiftungen der Mannfchaftsfchulen als Volksfchulen, nur eine Zahl anzuführen, foll beiſpielsweife erwähnt werden, dafs in den beiden Genieregimentern, die fich übrigens zum weitaus gröfsten Theile aus Weftöfterreich, wo der Elementarunterricht fich einer verhält nifsmässig fürforglicheren Pflege erfreut, recrutiren, bei Beginn des Winterfemefters 1872 die Verhältniffe fo ftanden, dafs vom erften Genieregimente 914 lefen und fchreiben konnten, 800 nicht oder nur nothdürftig. Am Ende des Curfes dagegen waren 1309 gut und fertig unterrichtet, 410 wenigftens nothdürftig. Vom zweiten Regimente konnten 772 lefen und fchreiben, 878 nicht oder nur nothdürftig. Nach dem Curfe dagegen 1179 gut und fertig, 471 nothdürftig. Von diefen erlernten in der Zeit vom 15. November 1872 bis Ende März 1873: 772 lefen und fchreiben derart, dafs fie mit" gut" claffificirt werden konnten: diejenigen, welche zurückblieben, werden es im zweiten oder doch im dritten Präfenzjahre wohl ebenfalls zu diefer Fertigkeit bringen. Könnten folche Zahlen alle Regimenter der k. k. Armee aufweifen, fo würde diefelbe nicht mit Unrecht den Namen einer grofsen Zwangs- Volksfchule erhalten können, in der neben dem elementaren Unterrichte auch fittliches Gefühl, Vaterlandsliebe, Ordnungsfinn, Manneswürde und Reinlichkeit gepflegt werden. Beginnen wir die Rundfchau im Weften, fo erregte erft der fpanifche Pavillon, füdlich des Induftriepalaftes unfere Aufmerkfamkeit, wo wir unter einer Sammlung fortificatorifcher Bücher und Modelle, die jedoch nicht als Lehrmittel in unferem Sinne zu betrachten find, auch mehrere Werke fanden. welche hiezu gerechnet werden können und zwar ein Militär Dictionär, herausgegeben vom Genie Oberften Almiranie im Jahre 1869. Fleifsig gearbeitet und fchön ausgeftattet, verdient dasfelbe alle Anerkennung. Dann fahen wir eine Zeichenfchule, das heifst eine Sammlung von Vorlegblättern, hauptfächlich für das Situationszeichnen und das Zeichnen militärifcher Gegenstände, wovon übrigens die Vorlegblätter für die Darſtellung des Terrains durch Schraffen mehrfach übertroffen werden, und endlich das Manuel des Ingeneros del Ejército ( Genie- Officiere) von Valdés, 1870, eine periodifche Druckfchrift, die Auffätze fortifi catorifchen und bautechnifchen Inhaltes bringt und fich eines guten Rufes erfreut. An Modellen fanden wir nebft fortificatorifchen Darftellungen den Reliefplan von Zaragoza und Umgebung mit den Belagerungsarbeiten des Jahres 1809. welches, wie alle ausgeftellten fpanifchen Modelle, von vollendeter Schönheit war und feltenes Gefchick zu derlei Darftellungen zeigte. Wir führen diefes Modell hier an, obwohl es vielleicht nicht als Lehrmittel die Beftimmung hat, fondern vielmehr zur Verkörperung einer der fchönften und wenig übertroffenen Kriegsthaten der fpanifchen Armee ausgeführt wurde. Der fortificatorifche Unterricht jedoch kann nicht ohne das Studium von wirklich ausgeführten Belagerungen gedacht werden und darum können wir diefes Relief wohl auch als Lehrmittel anführen, zugleich bedauernd, dafs es nicht allgemein üblich ift, dem Studium durch derlei Modelle zu Hilfe zu kommen, dasfelbe lebendig und anziehend zu machen. Ferner fanden wir zahlreiche Modelle von Gefchützen, Kriegs- Fuhrwerken, Ausrüftungen für den Feld- und Gebirgskrieg, der Brückentrains, und zwar durch aus vorzüglich und das Studium wefentlich erleichternd, daher zur Nachahmung fehr empfehlenswerth. Zunächft traf man erft wieder im fchwedifchen Annexe, füdlich des Induftriepalaftes Einfchlägiges, und zwar die einzige Sammlung von Schüler arbeiten. n t S n S r 5. m it r e r h n n 0 t 1 n n S , Militär- Unterrichtswefen. 57 Schweden hat durch fein Volksfchul- Haus einen vortrefflichen Eindruck auf die Befichtiger der Ausftellung hinterlaffen. Und wenn diefes, was Eintheilung des Gebäudes, Schülerarbeiten, Lehrmittel und alle die Hygiene und Disciplin befördernden Einrichtung betrifft, kaum von einem anderen übertroffen wird, und Schweden damit den Beweis liefert, dafs es auf dem Wege friedlicher Arbeit und geiftiger Entwicklung, ohne damit zu prunken, feinen gröfsten Ruhm fucht, fo hinterliefs die Militärausftellung im Befchauer wieder den Eindruck, dafs Schweden, ohne im Geringften den Ehrgeiz in fich zu fühlen in die Reihe der Militärftaaten einzutreten, die Zwecke der Selbftvertheidigung nicht aus dem Auge läfst und in gleichmässiger Entwicklung aller Nothwendigkeiten, die der Begriff " Staat" mit fich bringt, profperirt. Es lagen vor: Ein Heft mit Zeichnungen und Entwürfen der Kriegsfchule zu Kalberg bei Stockholm. Bis nun kamen in diefe Schule Jünglinge mit geringen Vorkenntniffen, vom Jahre 1873 an jedoch nur mehr Jünglinge, die an Civil- Lehranstalten genügend vorbereitet worden find, um das Studenten- Examen machen zu können. Der Aufenthalt in der Kriegsfchule dauert zwei Sommer, einen Herbft- und einen Wintertermin. Im Sommer werden praktifche Uebungen ausgeführt, im Herbfte und Winter befondere theoretifche Studien betrieben. Diefe umfaffen Kriegsgefetze, Exercir und Dienftreglements, Kriegskunft, Handgewehr- Lehre, Artillerie, Befeftigungskunft und Brückenfchlag, Militärftil, Zeichnen von Artillerie-, Befeftigungs- und Brückengegenftänden, Situationszeichnen. Nach Beendigung des Curfes und abgelegtem Officiersexamen ift der Afpirant competent bei irgend einer Waffengattung der Armee zum Officier ( Unterlieutenant) ernannt zu werden. Die vorgelegten Cahiers enthielten an Schülerarbeiten der Kriegsfchule: Situationszeichnungen( à la vue- Aufnahmen), die einen eigenthümlichen zarten Charakter hatten und eine leichte Hand verriethenfchön in der Ausführung, mit originellen conventionellen Bezeichnungen, welche das Planlefen fehr erleichtern; Zeichnungen nach Modellen mit Darftellung der Beleuchtung durch die Schummermethode, ebenfalls fehr gelungen; Zeichnungen aus der darftellenden Geometrie bis inclufive der Perſpective; fortificatorifche Entwürfe, und zwar die Werke gut dem in Schichten dargestellten Terrain angepasst, was in einer folchen Schule Anerkennung verdient, Zeichnungen aus dem FeldBrückenbaue etc. Auch Schülerarbeiten aus der Kriegs- Hochfchule bei Stockholm lagen vor. Die Kriegs- Hochfchule müffen jene Officiere befuchen, welche es zum Lieutenant im Generalftabe, in der Artillerie oder in der Geniewaffe bringen wollen. Der theoretifche Unterricht umfafst in drei Wintercurfen: Mathematik, Mechanik, darftellende Geometrie, Phyfik, Chemie, Artillerie, Befeftigungskunft, Kriegskunft, Kriegsgefchichte, Baukunft, mathematifche Geographie, Topographie und Militärgeographie, franzöfifche Sprache und Zeichnen. Diefe Gegenftände find aber nicht für alle Frequentanten obligatorifch und werden auch nicht von allen im gleichen Umfange gehört, vielmehr ift der Unterricht nach Waffen in drei Linien getheilt. Die ausgeftellten Arbeiten beftanden in Zeichnungen aus der darftellenden Geometrie inclufive des Steinfchnittes und der Perfpective, auch bei den zukünftigen Generalftabs- Officieren in bedeutender Ausdehnung, was für diefelben gewifs von Vortheil, wenn man die darftellende Geometrie( geometrie descriptive) als jenen Gegenftand betrachtet, der vor Allem geeignet ift, die Vorftellungskraft zu wecken und zu bilden. Und diefe bedarf nicht nur der Techniker und plaftifche Künftler, fondern im gleichen Mafse auch der Generalftabs- Officier, der Befchreibungen und Berichte über Gefechtsfelder fammt den auf dem Terrain verwendeten Truppen fofort in fich verkörpern, das Terrain, auf welchem er 58 Moriz Brunner. gerne disponirt, gewiffermatsen als Modell im Kopfe haben mufs. Wenn man dabei nun auch jede, immer und überall fchädliche Oberflächlichkeit vermeidet, ift es noch immer möglich, fich nicht allzutief einzulaffen. Wir vermiffen daher in den vorgelegten Zeichnungen die fchwierigen Auflöſungen, die fich auf das hyperbolifche Paraboloid beziehen und die fonft fehr cultivirt werden, endlich auch die Beleuchtconftructionen. Die fortificatorifchen Zeichnungen beftehen aus Entwürfen aus dem Gebiete der Feldbefeſtigung, weniger der permanenten Fortification, bei welcher die eigenthümlich zarte Darftellungsweife, die fchon früher erwähnt wurde, fich auch hier wieder findet. Die letzteren Zeichnungen laffen klar erfehen, dafs die fchwediſchen GenieOfficiere nicht zu den Schabloniften gehören und dafs fie auf dem neueften Standpunkte der Fortification ftehen. Wir fehen eine beachtenswerthe Leichtigkeit in der Benützung der verfchiedenen Formen, zweckmäfsige Anwendung zahlreicher granatfreier Unterkünfte, Traverfen und Bonnets. Wir begegnen auch den zuerft in Oefterreich( Streffleur's öfterreichiſche militärifche Zeitfchrift, 1865, II. Band) vorgefchlagenen Ruheftellungen für die Gefchütze während einer überlegenen Befchiefsung, dann die ebenfalls öfterreichifchen Pidoll'fchen Munitionsmagazine, die Werke find dem Terrain gut angepasst. Als Beiſpiel aus der Lehre vom Feftungskrieg fanden wir den Entwurf eines idealen Angriffes auf Belfort. Endlich lagen noch Entwürfe für Brückenproviforien und einige wenige Baukunft- Zeichnungen vor. An Lehrmitteln waren vertreten: Modelle vom Artillerie- und PontonnierMateriale, von einzelnen Theilen der Feldbefeftigungen mit Darftellung aller Bekleidungsmethoden, eine Pidoll'fche Batterie( wie folche von den Oefterreichem bei Königgrätz erbeutet wurde), Apparat für den Unterricht im Zielen, Rocognofcirungsinftrumente, Reglements, Lehrbücher für Unterofficiers- Schulen und Fechtrequifiten. In Oefterreich hatte, wie in der Einleitung erwähnt wurde, das ReichsKriegsminifterium fich an der Ausftellung nicht betheiligt. Wir fanden daher den militärifchen Unterricht und die militärifche Fortbildung nur durch Privatausftellungen vertreten. Bei der Ausftellung des k. k. militär- geographifchen Inftitutes fahen wir den rühmlichft bekannten„ Zeichnenfchlüffel" des k. k. Oberften Scheda, aus Vorlegblättern zum Unterrichte beim Situationszeichnen beftehend, in den MilitärBildungsanftalten eingeführt und der feiner Zweckmäfsigkeit und Schönheit wegen allgemein- auch aufserhalb Oefterreich bekannt ift. Wir trafen ferner in demfelben Fache die muftergiltigen Modelle des verewigten k. k. Sectionschefs im Kriegsminifterium Valentin Ritter v. Streffleur und des ebenfalls verftorbenen k. k. Artilleriemajors Cybulz zum Zwecke des Unterrichtes im Bergzeichnen dienend. An Reliefs zu Lehrzwecken lagen vor: das Relief des Manövrirterrains des Brucker Lagers vom k. k. Major Hoppels zum Unterrichte im Felddienft beftimmt, ein Relief von Paris und Umgebung, worin die Belagerungs- und Vertheidigungsarbeiten eingezeichnet find, zum Studium des Cernirungskrieges um Paris, angefertigt vom k. k. Hauptmann Hugo Fifcher v. See. Zur Fortbildung des k. k. Officierscorps in den Kriegswiffenfchaften fanden wir die lange Reihe von( 48) ftattlichen Bänden der Streffleur's öfterreichifchen militärifchen Zeitfchrift, Jahrgänge 1860 bis 1872. Die öfterreichifche militärifche Zeitfchrift wurde gegründet vom Erzherzog Carl 1811, erneuert durch die Initiative Seiner Majeftät des Kaifers Franz Jofef I im Jahre 1860, der die Redaction feinem ehemaligen Lehrer, dem als Militär fchriftsteller, insbefondere aber als Kartograph und Statiſtiker, dann im Fache der Dei es ne as ch ete lie ch ie. d. in er rft d en me, urf ge erler mn 10hthsen elvir or är en les eur Jes or: els ng, um go cen er cog fl ärHer Militär- Unterrichtswefen 59 Terrainlehre allgemein gewürdigten General- Kriegscommiffárs, später Sectionschef Valentin Ritter v. Streffleur ühertrug. Diefes militärifche Fachblatt ift beftimmt, Politik und andere als rein wiffenfchaftliche Tagesfragen gänzlich ausfchliefsend, ein Organ für Kriegsgefchichte* zu fein und die militär- wiffenfchaftliche Fortbildung der Berufsofficiere zu vermitteln. Streffleur hat es verftanden, die Zeitfchrift zum verbreitetften Militärblatte zu machen, fowie es die Unterſtützung des Reichs- Kriegsminifteriums und des geographifchen Inftitutes ermöglichten bei geringerem Preife** der Zeitfchrift eine Reichhaltigkeit und Ausftattung zu geben, die nicht übertroffen wird. Sie wurde auch von der internationalen Jury durch die Verdienftmedaille ausgezeichnet. Das ebenfalls ausgeftellt gewefene Inhaltsverzeichnifs der Jahrgänge 1861 bis 1871 diefer Zeitfchrift zählt nicht weniger als 339 nicht anonyme Mitarbeiter, unter welchen Namen wie Bechtold, Bothmer, Edelsheim- Gyulay, Fligely ,, Gallina, Hauslab, Heller, Hürter- Amman, Janko, Kuhn, Weilen, Mollinari, Möving, Raming, Schönfeld, Streffleur, Tegetthof etc. vertreten find. Officiere aller Staaten, Amerikaner, Franzofen, Engländer, Holländer, Dänen nicht ausgenommen- Preufsen, Baiern und Sachfen in grofser Zahl, betheiligen fich an der Mitarbeit und verleihen der Zeitfchrift ein internationales Gepräge. 99 Brunner, An anderer Stelle fanden wir fchliefslich noch den militärifchen Verlag der Buchhandlung von Seidl& Sohn in Wien, Depot der Bücher für die k. k. Militär- Bildungsanftalten, welcher an Lehrmitteln für diefe Anftalten und zur Fortbildung des Officierscorps unter anderen folgende Werke enthält. Bauer, Eduard, k. k. Oberlieutenant,„ Der techniſche Pionnierdienft." Für Cadeten, Referve- und Landwehr- Officiersafpiranten. Organifche Beftimmungen für das k. und k. Heerwefen. Herausgegeben von Ant. v. Hilleprandt, k. k. Oberftlieutenant und Othmar Jeluffig, k. k. Hauptmann. Moriz, k. k. Hauptmann im Genieftabe,„ Leitfaden zum Unterrichte im Feftungskriege." Als Lehrbehelf zum Unterrichte in den k. k. Militär- Akademien und Cadetenfchulen.- Brunner ,,, Leitfaden zum Unterrichte in der Feldbefeftigung." Zum Gebrauche in den obigen k. k. Bildungsanftalten und zum Selbftftudium für Officiere aller Waffen.- Bylandt- Rheidt, Arthur Graf, k. k. Generalmajor, und Marefch Otto, k. k. Oberlieutenant,„ Wirkung und Gebrauch der k. k. öfterreichifchen Feld- und Gebirgsgefchütze." Cornaro, Ludwig v., Oberft im - - k. k. Generalftabe,„ Strategiſche Betrachtungen über den Krieg im Jahre 1812." - ,, Der praktiſche Dienft im Felde," für die Führer kleinerer Abtheilungen aus. zugsweife bearbeitet nebft einer Anleitung zur Verfaffung von Themas von Sigmund Barrault, k. k. Major. Gatti, Bertram, k. k. Hauptmann.„ Die Tactik der nächften Zukunft." Grundzüge einer Lehre des Krieges, entwickelt aus den Kraftäufserungswerthen der Waffen in ihrer Verbindung und Gegenfeitig. keit. Kuhn, Franz Freiherr v., k. k. Feldmarfchall Lieutenant,„ Der Gebirgskrieg." Mit 21 Karten und Plänen. Kukulj, Peter, k. k. Major im Generalftabe. ,, Beitrag zum praktifchen Studium des Felddienftes." Für das k. k. Heer. 8. Mit 2 Ueberfichtskarten, 21 Plänen und mehreren eingedruckten Figuren. Latterer, Oberftlieutenant," Anleitung zur praktifchen Recognoscirung für den Truppenofficier."-Lauer, Johann, k. k. Hauptmann im Genieftabe, " Spreng und Zündverfuche mit Dynamit und comprimirter SchiefsBaumwolle." - * Die ausgeftellt gewefenen zwölf Jahrgänge enthalten die vollständigen Gefehichten der Feldzüge 1866, 1864, 1859, 1849, 1848, 1809, 1796, 1795, 1794, 1793, 1792, dann in Abyffinien und Marokko den Anfang des Krieges 1870 und 1871. ** Jährlich 100 Druckbogen Grofsoctav mit zahlreichen Karten und Plänen 8 fl. öfterreichifcher Währung. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, к. K. o. 0. PROFESSOR IN PRAG. MILITÄR- SANITÄT UND FREIWILLIGE HILFE IM KRIEGE. ( Gruppe XVI, Section 3.) BERICHT VON DR. MOSETIG VON MOORHOF, k. k. Primararzt und Universitätsdocent. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. MILITÄR- SANITÄT UND FREIWILLIGE HILFE IM KRIEGE. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von DR. MOSETIG VON MOORHOF, k. k. Primararzt und Univerfitätsdocent. Wie der trefflich verfafste Specialkatalog der XVI. Gruppe, Section 3, uns belehrt, hatte die Errichtung des Sanitätspavillons mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen; fie kam aber, wenn zwar verfpätet, dennoch zu Stande, und zwar auf eine Weife, die erfolgreicher wohl nie erhofft werden konnte. Es wäre auch höchft traurig gewefen, wenn nach den blutigen Kriegen der Letztperiode auf der in ihrem Umfange fo grofsartigen Wiener Weltausftellung gerade das wichtige Feld der Militärfanität und der freiwilligen Hilfe im Kriege nur ftiefmütterlich oder gar nicht bedacht worden wäre. Durch die raftlofen Bemühungen der Profefforen Billroth und Mundy und des Dr. Wittelshöfer kam es glücklicherweife zu einem Erfolge, der alle Erwartungen übertraf, und der Sanitätspavillon wurde nicht nur eine der fchönften Abtheilungen in der ganzen Ausftellung, fondern er bildete auch etwas ganz Neues, etwas, was in keiner der früheren Ausftellungen zur Ausführung gekommen war; denn felbft jene letzte Expofition univerfelle von Paris im Jahre 1867 brachte nur meift bekanntes.und altes Materiale der Kriegsminifterien zur Anfchauung und war demnach weder fo originell noch fo inftructiv wie unfere Ausstellung. An der Befchickung des Sanitätspavillons der Wiener Weltausftellung betheiligten fich Baiern, Dänemark, Frankreich, Oefterreich, Preufsen, Schweden, Schweiz, Spanien und Würtemberg; Rufsland ftellte feine Sanitätsobjecte im Induftriepalafte( Pavillon für Kriegsobjecte) auf, weil bei deren Ankunft der Bau des Sanitätspavillons noch nicht fertig war. Auffallend war es, dafs die meiften Objecte von Hilfsvereinen und Privaten gefendet wurden, während die Kriegsminifterien der verfchiedenen Staaten, mit einziger und rühmlicher Ausnahme Rufslands, entweder nur fehr wenig und mangelhaft oder gar nichts gefchickt hatten. Mit Bedauern vermifsten wir England. Die dor tigen Hilfsvereine verfprachen zwar anfänglich ihre Betheiligung, allein die Reali fation einer befonderen Sanitätsausftellung wurde von Seite der Generaldirection fo lange in die Schwebe gehalten, dafs die englifchen Vereine, des Abwartens einer endlichen Entfcheidung müde, die projectirte Befchickung einſtellten. I* 2 Dr. Mofetig von Moorhof. Wir wollen die im Sanitätspavillon ausgeftellten Objecte nicht nach Ländern befprechen, fondern nach einer natürlichen Gruppeneintheilung, nämlich - Dabei fei uns die Erwähnung nach ihren Zwecken und ihrer Verwendung. erlaubt, dafs unter den Vereinen am meiften und am verdienftvollften ausgeftellt haben: Die Société françaife de fecours aux bleffés, der deutfche Ritterorden aus Wien, der Central- Hilfsverein aus Berlin und der baierifche Hilfsverein, und unter den Privatausftellern fich befonders hervorgethan haben die Herren: Plambeck aus Hamburg, Fifcher und Lipowsky aus Heidelberg, Kellner aus Paris und Locati aus Turin. Der fehr zweckmässigen Inhaltseintheilung des Specialkataloges folgend, werden wir die Objecte in folgende Capitel theilen: Tragbahren. Transportwagen für Kranke und Verwundete. Küchenwagen. Magazinswagen( Fourgons). Lazareth Eifenbahnzüge. Tornifter und Feldtafchen für den Verbandplatz. Hofpitalbedarf. Verfchiedenes. Die Gruppe der Bücher, Abbildungen und Photographien können wir in Rückficht auf den kurz bemeffenen Rahmen diefes Berichtes nicht eingehend befprechen. Erwähnt fei noch, dafs in der erften Hälfte October in den Räumen des Sanitätspavillons eine Privatconferenz berühmter und mafsgebender Fachgelehrten ftattfand, welche die Objecte der fünf erften Gruppen praktifch prüfte und auf Grundlage der gemachten Studien gewiffe Normen aufftellte, nach denen in Zukunft die Objecte conftruirt fein follten, um auch wirklich ihrem Zwecke und den Anforderungen der Wiffenfchaft und der Humanität genügend entfprechen zu können. Wir werden am Schluffe jedes der fünf erften Capitel die Befchlüffe der Privatconferenz wörtlich anführen, weil wir ihnen unzweifelhaft die gröfste Bedeutung zufchreiben müffen. Tragbahren. Tragbahren find eigentlich Transportbetten und dienen zur Locomotion Kranker oder Verwundeter in horizontaler Lage, id eft in liegender Stellung. Wohl hat man auch Apparate zum Transporte in fitzender Stellung, doch nennt man diefe je nach Art ihrer Conftruction Tragfeffel, Sänfte oder Cacolet, Tragkörbe etc. Die Tragbahren beftehen im Wefentlichen aus einem viereckigen, der Länge und Breite eines erwachfenen Menfchen entsprechenden Holzrahmen, der die eigentliche Lagerftätte fafst und trägt und andere Vorrichtungen befitzt, welche theils zur Bequemlichkeit desKranken, theils wieder zur Erleichterung des Transportactes felbft dienen. Zu erfteren rechnet man Vorrichtungen, welche dem Kopfe des zu Transportirenden eine erhöhtere Lage zu geben beftimmt find, als Kopfpölfter oder Kopfftützen, welch' letztere nur eine Erhöhung der Lagerstätte felbft darftellen, gewöhnlich in Form einer fchiefen Ebene; zu letzteren find die Handhaben und die Füfse des Rahmens zu zählen. Erftere werden durch eine Verlängerung der Langhölzer gebildet, welche defswegen auch Tragftangen heifsen, zum Unterfchiede der Querhölzer oder Querftangen, welche die zwei kurzen Seiten des Rahmens darftellen. Die Handhaben find entweder feft, wie es in der Regel der Fall ift, ausnahmsweife und zu beftimmten Zwecken können iedoch die Handhaben auch mobil fein, damit man fie beim Miliiärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 3 Nichtgebrauche umklappen oder zurückfchieben könne, wodurch die Länge der Trage wefentlich verringert wird. Ebenfo können die Füfse, vier an Zahl und den Ecken des Rahmens entſprechend, fix oder umklappbar fein. Ich nenne die foeben angeführten Vorrichtungen unentbehrliche oder abfolut nothwendige zum Unterfchiede der fpäter zur Rede kommenden, relativ accefforifchen. Manche der Lefer werden mir vielleicht hierin widerfprechen, im Glauben, dafs die Füfse einer Tragbahre ganz gut entbehrlich feien, ja ihr Mangel fogar zur Vereinfachung des Ganzen beitrage und doch ift es nicht fo, denn drei Umstände verlangen fie auf eine peremptorifche Weife. Man beachte nämlich, dafs die Tragbahre, wenn fie einen am Boden liegenden Verwundeten aufnehmen foll, auf den Boden geftellt werden mufs, und diefer, falls er nafs ift, die Lagerftätte von rückwärts her befeuchtet und befchmutzt; man beachte ferner, dafs das Terrain, auf welchem man operirt, fehr häufig uneben ift und dadurch der flach aufliegenden Bahre keine genügend fefte und fichere Unterlage bieten kann; man bedenke fchliefslich, dafs das Erheben einer Laft um fo fchwieriger wird, je tiefer man fich bücken mufs, um diefelbe zu erfaffen. - Man hat auch vom Kopfpolfter oder den Kopfftützen behauptet, dafs fie ganz gut entbehrlich wären, indem in Friedenszeiten bald ein hiezu geeigneter Gegenftand aufzufinden fei, und im Felde der Tornifter oder der Mantel des Bleffirten als Unterlage für den Kopf verwendet werden könne, als ob diefer die genannten Objecte immer bei fich hätte. Beim Gefechte hat der Soldat Tornifter und überhaupt alle für den Augenblick unnützen und die freie Körperaction behindernden Bürden in den meiften Fällen abgeworfen, längft bevor, gewifs aber wenn er verwundet wurde; der Mantel aber geht im Sommer gleich dem Tornifter verloren und im Winter trägt ihn der Soldat am Leibe und darf diefer im kranken Zuftande feiner ſchützenden und wärmenden Umhüllung unter gar keiner Bedingung beraubt werden. Zu den relativ accefforifchen Beftandtheilen einer Tragbahre rechnet man Fixirgurten zur Befeftigung des Transportirten, Fufslehnen zur Sicherung feiner Lage beim Bergabtragen und die Bedachung der Trage, um den Transportirten vor Witterungsverhältniffen zu fchützen. Der Ausdruck relativ wird verftändlich werden, wenn einmal von der Art der Benützung der Trage die Rede fein wird. Der Rahmen einer Tragbahre ift wohl gewöhnlich aus Holz, denn Eifen hiezu verwenden zu wollen wäre fehr unpraktifch. Sind die Rahmenftangen aus maffivem Eifen, fo erhöhen fie das Gewicht der Bahre auf eine fehr bedenkliche Weife, und die Bedingung: eine beladene Trage folle durch zwei Menfchen ohne Ueberanstrengung getragen werden können, ift dann unmöglich zu erfüllen. Sind aber die Rahmenftangen hohl und hiedurch leicht, dann haben fie fchwerlich die genügende Widerftandsfähigkeit, abgefehen davon, dafs fie bei etwas roher Handhabung fich verbiegen und unbrauchbar werden. Endlich ift der Moment des Roftens nicht zu vergeffen. Die Lagerftätte der Trage wird gewöhnlich durch ein Bahrtuch aus fefter, ungebleichter oder auch wafferdichter Leinwand, oder durch eine dünne Rofshaarmatratze gebildet, je nach der Verwendung, welche die Bahre bekömmt. Da man Tragbahren im Frieden fowohl als im Kriege benützt fo theilt man fie ein, in Stadt und in Feld Tragbahren. An beide Arten ftellt man nun verfchiedene Forderungen, und werden wir defshalb diefe Eintheilung bei der ferneren Befprechung ftrenge einhalten, und beide Gruppen befonders behandeln müffen. Stadt- Tragbahren. In einer Stadt transportirt man vom Domicil in das Spital, oder von einem Spitale in das andere allerlei Kranke: Tobfüchtige und Delirante, Verwundete, Verftümmelte, mit ekelerregenden Ausfchlägen Behaftete und Andere mehr. Die Aufgabe, welche hiebei die Tragbahre zu 4 Dr. Mofetig von Moorhof. erfüllen hat, ift nicht blofs die, die zu Transportirenden üherhaupt bequem aufnehmen zu können, fondern fie mufs auch den Kranken ficher zu befeftigen erlauben und ihn vor Witterungseinflüffen und den Blicken Neugieriger bewahren. Alle diefe Poftulate fallen bei der Feldtrage weg, indem man diefe Bedingungen nicht erfüllen kann, ohne die Trage felduntüchtig zu machen. Sie dienen aber auch nur für Verwundete, die man den Blicken der Umftehenden und Paffanten nicht zu entziehen braucht, denn diefe find wahrlich an Jammerfcenen fchon gewöhnt und gewifs zu allem anderen als zur zwecklofen Neugierde dispo nirt. Man wird nun den Ausdruck relativ, den ich früher für gewiffe accefforifche Beftandtheile einer Trage benützt habe, begreifen. Diefe Beftandtheile find nemlich wohl für Tragen im Allgemeinen accefforifch, ſpeciell für Stadttragen find fie aber abfolut nothwendig, eine conditio sine qua non. Eine Stadttrage wird alfo Fixirgurten und Bedachung haben müffen, auch Fufsbretter, Matratzenlager, ifolirte Kopfpölfter, Decken etc. wird fie haben können, man hantirt ja damit nicht mit Ueberftürzung und Blitzesfchnelle wie im Kriege, fondern mit Mufse und Bedacht, und braucht auch nicht ängftlich das Gewicht der Trage zu bemeffen, denn als Träger nimmt man meiftens ftarke Männer oder benützt vier ftatt zwei Träger, und diefe find auch nicht fo erfchöpft wie die Verwundetenträger vor, während oder nach einer Schlacht. Die Stadttragen haben demnach gemeiniglich auf einen feften und foliden Holzrahmen eine Gurtennetz Unterlage gefpannt und darüber eine paffende Matratze, ferner Kopfpolfter und Decken, Fixirgurten und Fufsbreter, und darüber eine verfchieden geformte Bedachung, und find entweder zum Tragen allein eingerichtet, gewöhnliche Tragbahren oder mit Rädergeftellen verfehene Räder- Tragbahren. Letztere find wohl die praktiſcheften; man fahrt ja damit auf ebenem Boden oder gar auf gepflasterten Strafsen und genügt ein einzelner Mann als bewegende Kraft. Natürlich darf das Rädergeftelle mit der Tragbahre nicht ein Ganzes bilden, fondern beide werden erft bei der Benützung als Fahrobject miteinander verbunden. Stadt Tragbahren find im Sanitätspavillon durch zwei Mufter vertreten gewefen, eines die Stadttrage des Warfchauer Oberpolizei- Minifters und Generalmajors v. Wlafow. Sie ftellt einen ganz abgefchloffenen Holzkaften dar, welcher einer gewöhnlichen Stadtfänfte ähnlich fieht. Die innere Einrichtung geftattet das Sitzen fowohl als das Liegen, das Sitzbret ift nämlich umklappbar. Je nach Verwendung als Sänfte oder Bahre werden die Tragftangen, die aufserhalb des Kaftens durch eiferne Oefen laufen, verfchieden angebracht. Sitzt der Kranke, fo werden die Stangen entsprechend der Querachfe, liegt er, der Längsachfe des Kaftens nach durchgefteckt. Zweckmäfsig dünkt mir die Trage keinesfalls, denn in einem fargähnlichen Behäl ter faft ohne Licht und mit wenig Luft dürfte fich ein Gefunder unbehaglich fühlen. gefchweige denn ein Kranker oder ein Verwundeter, der diefer beiden fo wichtigen Bedingungen für Leben und Gedeihen in grofsem Mafse bedarf. Auch ihrer Form nach würden fie eher Tragkaften als Tragbahre heifsen können. Beffer ift die Stadt- Tragbahre von Lipowfky, welche auch für den Sanitätsdienft auf dem Weltausftellungsplatze Verwendung fand. Ein aus feftem Holze gebauter Rahmen mit Handhaben und Füssen trägt auf einem Gurtengeflechte eine dünne Rofshaar- Matratze mit Kautfchukeinlage und hat Fufsbret, Kopfpolfter und Fixirgurten. Die Bedachung befteht aus einem viereckigen dünnen Eifengeftelle welches in der Mitte gebrochen, und allhier mit Sperrhaken verfehen ift. Oeffnet man letztere, fo kann man die zwei Dach- Geftelltheile ähnlich den Kutfchdächern eines Landauer Wagens nach dem Kopf und Fufsende zu niederklappen, und gewinnt hiedurch die vollfte Zugäng lichkeit zum Innerraum. Ift der Kranke beforgt, fchliefst man die Geftelltheile und bedeckt das Ganze mit einem Ueberzuge aus wafferdichtem Stoffe, in dem noch Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 5 feitliche Ausfchnitte angebracht find, damit Luft und Licht in hinreichender Menge eindringen können. In einem der im Sanitätspavillon aufgeftellten Albums von Profeffor Mundy, welches das franzöfifche Sanitätsmateriale des Parifer Hilfsvereines zur Zeit der Belagerung in vorzüglichen photographifchen Abbildungen darftellt, fand ich die Zeichnung einer von Mundy conftruirten, in Paris 1870 und 1871 vielfach verwendeten Stadt- Tragbahre, welche aller Beachtung würdig erfcheint.- Der fefte Rahmen der Bahre mit feften Füssen und Handhaben nimmt eine Lagerftätte auf, welche in drei Theile gebrochen ift, die gegenfeitig mit Charniergelenken articuliren. Der obere oder Kopftheil, gut gepolstert und gleich den übrigen mit Leder überzogen, läfst fich in einem beliebigen Winkel, gleich einem Notenpulte aufftellen und fixiren; er hat die Aufgabe, dem Stamme und dem Kopfe des Bleffirten eine entsprechende, und je nach Bedarf erhöhte Lage zu geben, wodurch die abfolute Nothwendigkeit einer befonderen Kopfftütze entfällt. Die unteren zwei Dritttheile laffen fich gegenftellig wieder in jedem beliebigen Winkel fixiren, und foll das mittlere Dritttheil die Oberfchenkel, das untere die Unterfchenkel aufnehmen. Ein der Länge des Kranken analog ftellbares Fufsbret und Fixirgurten fichern noch vollends die Lage des Kranken. Auf diefer articulirten Trage kann man das Individuum je nach Bedürfnifs in verfchiedenen Lagen transportiren; mit ftark oder fchwach erhöhtem Oberkörper, mit geftreckten, oder halbgebeugten unteren Gliedmafsen. Die Bedachung wird durch ein einfaches, viereckiges Eifengeländer gebildet, welches man im Rahmen einfetzen und wieder abnehmen, und mit einem wafferdichten Stoffe zudecken kann. Die Vorzüge der articulirten Bahre vermag eigentlich nur ein Fachmann in ihrer grofsen Bedeutung zu würdigen. Bedenke man wie häufig in einer Stadt der Transport von Kranken nothwendig wird, die an eingeklemmten Eingeweidebrüchen, an Knochenbrüchen des Schenkelhalfes, des Oberfchenkels, und andere Erkrankungen oder Verletzungen leiden, welche eine Doppelflexion im Hüft- und Kniegelenke fehr wünſchenswerth machen, gar nicht der Verletzungen des Unterleibes oder der Schwangeren zu gedenken, bei denen eine Erfchlaffung der Bauchdecken namentlich während des Transportes erforderlich ift. Und wie dringend nothwendig ift nicht eine Erhöhung des Stammes und des Kopfes, alfo eine halbfitzende Lage bei allen Kranken, die mit Herz- und Lungenkrankheiten, mit Kehlkopf Affectionen, Gehirncongeftionen oder gar Schlagflüffen behaftet find. Unter den Räder Tragbahren für den Stadtgebrauch finden wir ganz zweckmäfsige Modelle in den fogenannten Fahrkörben von Lipowsky und Fifcher in Heidelberg. Sie ftellen eine Matratzen Tragbahre dar, die keine Füfse hat, und auf einem Fahrgeftelle mit zwei feitlichen hohen Rädern abnehmbar ruht. Die Bedachung ähnelt einer Kinderwiege oder Kinderkorbe aus Strohgeflecht mit Halbdach und ohne Boden. Man fetzt fie einfach auf den Bahrenrahmen auf und befeftigt fie alldort, wenn nicht eine Zapfenficherung vorhanden wäre. In einem Modelle ift der Korb vollkommen gefchloffen, fo dafs nur die Halbdach- Oeffnung offen bleibt, im anderen ift auch der Fufstheil offen und kann mit einem Spritzleder bedeckt werden, ein drittes Modell trägt ein Halbdach aus gefirnifster Leinwand. Diefe fahrenden Babren gewähren dem Kranken Licht, Luft und Ausficht, nur müffen fie beim Fahren gegen den Wind und bei ftrenger Kälte rücklings gezogen oder gefchoben werden, fie verbergen ferner den Kranken vorzüglich, da deffen Kopf fo tief im Innern des Halbdaches zu liegen kommt, dafs er im dunklen Raume nur ſchwer gefehen werden kann. Der Magiftrat der Haupt- und Refidenzftadt Wien hat letzter Zeit eine Partie folcher Räderbahren acquirirt, die fich ganz gut bewähren, überhaupt wäre es wohl an der Zeit, dafs die Stadt- und Landgemeinden der verfchiedenen Länder fich auch in der Annahme eines vernünftigen und im Wefentlichen möglichft uniformen Modelles einigen möchten, auf dafs man nicht, felbft 6 Dr. Mofetig von Moorhof. in Mufteranſtalten, immer wieder Ungethümen begegne, weiche jeder Idee eines zweckmässigen Transportmateriales förmlich Hohn fprechen. Weitere Modelle von Stadt- Tragbahren mit Rädergeftellen waren ausgeftellt von Efterlus in Wien, und Fuchs in Biala und Brünn. Feld- Tragbahren. Bei einer Feld- Tragbahre walten andere Poftulate vor. Man erfordert von ihr vorerft die möglichfte Leichtigkeit. Ein Mann ( Sanitätsfoldat), der nebftbei bepackt ift, foll fie leer ohne Anftrengung ftundenlang tragen können, und zwar ganz, das heifst, mit allen ihren Beftandtheilen. Man wird leicht begreifen, mit welcher enormen Auswahl bei ihrer Conftruction vorgegangen werden mufs und wie nothwendig es wird, Alles an ihr, was nicht ftrenge und unabweislich nothwendig ift, zu entfernen, alfo einfacher Rah men aus einer leichten Holzart, keine Matratze, fondern ein einfaches Bahrtuch, keine Fufslehnen, kein Dach, dafür aber eine Kopfftütze und als unentbehrliches Bedürfnifs Füfse werden ihre Beftandtheile bilden. Die Feld- Tragbahre foll aber auch ficher, das heifst, refiftenzfähig fein, fie darf nicht zufammenbrechen bei etwas ftärkerer Belaftung oder roher Bedienung, fie darf fich auch nicht biegen oder krümmen. Die Feld- Tragbahre foll ferner zerlegbar, und auf das möglichft kleinfte Volumen reducirbar fein, damit man fie zu Hunderten auf den erften beften Wagen zum Schlachtfelde hinführen könne, und doch müffen dabei möglichst wenig getrennte Stücke vorkommen, da diefe leicht verloren gehen; das Zufammenftellen foll leicht und fchnell erfol gen können, der Mechanismus überhaupt fo einfach und klar ver ftändlich fein, dafs der erfte befte Soldat, auch wenn er nicht mit viel Mutterwitz gefegnet ift, ihn ohne Anleitung und langes Nachfinnen ausfindig machen könne. Wir find aber mit den Poftulaten noch immer nicht zu Ende. Die FeldTragbahre foll das Umladen des darauf liegenden Verwundeten ohne ftärkere Locomotion desfelben geftatten. Nicht von rohen und ungeübten Wärtershänden foll der im Schmerzensübermafse laut jammernde Verwundete von der Bahre auf das Krankenbett gefchleppt werden, nein, er foll fammt der Bahre auf das Lager gelegt, der Rahmen foll detachirt, und das frei gewordene Bahr tuch gleich einem Durchzuge, fanft unter feinem Körper herausgezogen werden können. Wenn man die enormen Schwierigkeiten, alle diefe verfchiedenen Anforderungen in ein einziges Object vereinigen zu follen, berücksichtigt, fo wird man fich kaum darüber wundern können, dafs trotz der vielen Kriegsepochen der Vergangenheit man erft in neuerer Zeit zweckentfprechende Modelle erfonnen hat, und noch immer unpraktifches und unbrauchbares Zeug neu erfindet. Als letzter Wunfch, den man an eine Feld- Tragbahre ftellt, foll fchliefslich der gelten, fie( wenigftens bei der Armee jedes Landes), uniform gebaut zu haben, damit man doch den wichtigſten Anhaltspunkt finden könne, wie man die Bleffirtenwagen, welche die beladenen Bahren aufzunehmen haben, conftruiren foll. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, wie zweckmäfsig es wäre, wenn überhaupt alle Staaten der Welt nur eine Qualität Feldfanitäts- Materiale hätten. Wie leicht könnte da ein Austausch des Materiales für Verwundete zwifchen den kriegführenden Mächten ftattfinden. Die Feld Tragbahren laffen fich gleich den Stadttragen in zwei Kategorien eintheilen, in einfache und Räderbahren, ferner mufs man aber noch eine andere Eintheilung zulaffen, die für die Verwendbarkeit der Bahren im Kriege mafsgebend ift. Es ift nämlich wohl klar, dafs das Terrain, auf welchem man die Tragbahre benützt, ganz und gar beftimmend auf deren Conftruction fein mufs, und dafs eine Bahre, welche für die Ebene ganz vorzüglich ift, für den Gebirgskrieg fich nicht ebenfo eignen könne. Die Differenzirung der Gebirgs Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 7 tragen als eine Specialität der Feld- Tragbahren ift daher geboten und nothwendig. Es waren im Sanitätspavillon die nachfolgenden einfachen Feld- Tragbahren ausgeftellt, welche befprochen zu werden verdienen. Die Feldtrage von Mundy Locati; die Feldtrage von Mundy mit Bambusrohr- Stangen; die verbefferte franzöfifche Tragbahre von Kéllner; die öfterreichifche und die ruffifche Armee- Feldtrage; ferner einige Lipow fk y'fche Modelle. Die Feldtrage Mundy Locati ift aufserordentlich leicht( Gewicht acht Zollpfund); fie hat fefte, runde Tragftangen aus piemontefifchem Efchenholz und als Querftangen zwei Holzböcke, die mit kurzen und feften Füfsen verfehen find. Die Holzböcke entbehren jedes Eifenbeftandtheiles, und haben über den Füfsen je zwei runde Bohrlöcher, durch welche die etwas verjüngten Enden der Tragftangen hindurchgefteckt werden. Das Bahrtuch hat an jeder Längsfeite je eine Oefe, welche durch eine Dupplicatur der Leinwand gebildet wird, und daher eben fo lang als das Bahrtuch felbft ift. Sie dient zur Aufnahme der Tragftangen. An jener Breitfeite, die dem Fufsende entſpricht, trägt das Bahrtuch mit Leder garnirte Löcher, wodurch fie in entſprechende Knopfftifte, welche einer der Holzböcke an feiner Aufsenfeite trägt, befeftigt wird. Die Breitfeite des Kopfendes dagegen, welche einen feft angenähten, keilförmigen Kopfpolfter auffitzen hat, ift gleich den Längsfeiten mit einer Oefe verfehen, mit der Beftimmung, den Holzbock des Kopfendes aufzunehmen. Damit man das Durchftecken leichter bewerkstelligen könne, find die Füfse desfelben infoferne beweglich, als fie entfprechend der Axe des Querftückes geftreckt werden können. Beim Demontiren der beladenen Trage wird zuerft das Bahrtuch vom unteren Holzbock losgeknöpfelt, und letzteres von den Tragftangen weggezogen. Nun zieht man jede Tragftange von unten her aus den Bohrlöchern des oberen Holzbockes und den Oefen des Bahrtuches heraus, ftreckt den einen Fufs des oberen Holzbockes, und hat man ihn aus der oberen Queröfe des Bahrtuches entfernt, fo erübrigt fchliefslich nur noch Letzteres unter dem Körper des Verwundeten hervorzuziehen. In umgekehrter Ordnung erfolgt das Montiren. Behufs des leichteren Tragens in demontirtem Zuftande ftellt man beide Holzböcke und die Tragftangen parallel neben einander, und rollt fie einfach in das Bahrtuch ein. Ein Riemen, eine Traggurte oder ein kleiner Strick verbindet das Ganze, welches gleich einer Fahnenftange auf der Schulter bequem getragen werden kann. Ein grofser Vorzug diefer Trage ift der dafs fie keine Eifenbeftandtheile enthält. Die Eifenbeftandtheile, als: Spangen, Nägel, Stifte etc., vermehren nämlich das abfolute Gewicht, und die eifernen Nägel fchwächen das Holz und vermindern deffen Refiftenzfähigkeit, weil fie durch die nothwendigen Bohrlöcher kleine Continuitätstrennungen im Holze hervorrufen. Die Feldbahre von Mundy mit Bambusrohr- Stangen ift analog der eben befchriebenen gebaut, nur hat fie ftatt den Tragftangen aus piemontefifchem Efchenholze, Bambusrohre von etwa 5 Centimeter Durchmeffer. Diefe Bahre ift daher auch viel leichter im Gewichte und wiegt nur 6 Zollpfund. Sie ift die leichtefte Feld- Tragbahre, die bis jetzt exiftirt. Bambusrohre von der angegebenen Dicke genügen nach den bisherigen Erfahrungen leider nicht, um Menfchen mit 150 bis 160 Pfund Körpergewicht ficher tragen zu können, und wären andere Rohrgattungen von foliderer Natur mit Leichtigkeit und mit relativ geringen Koften zu befchaffen, dann wäre damit allerdings das Ideal einer fehr leichten und feldtüchtigen Feldtrage erreicht. Auftralien hat neuerer Zeit eine Holzgattung in den Handel gebracht, welche Hikoryholz heifst, und welche mit unendlicher Leichtigkeit genügende Dauerhaftigkeit bieten foll. Leider war im Sanitätspavillon kein Tragbahren- Modell von Hikoryholz ausgeftellt und fo bleibt 8 Dr. Mofetig von Moorhof. demnach bis auf Weiteres das Modell Mundy Locati mit piemontefifchem Efchenholz noch immer das Befte. Das Kellner'fche Modell hat eiferne Böcke, wovon das obere H- förmig gebaut ift, das Querftück hat nämlich nebft den Füffen, ihnen diametral wegftehende, faft ebenfolange Zinken. Sie dienen dazu, um das daran befeftigte Bahrtuch zu erhöhen, und dadurch eine Kopfftütze zu bilden, welche den Kopfpolfter erfetzen foll. Diefes Modell nennt fich die modificirte franzöfifche Bahre, weil an der bisherigen franzöfifchen Armee- Tragbahre das Bahrtuch an den Tragstangen angenagelt war. Kellner hat die Oefenvorrichtung angebracht und dadurch das Bahrtuch detachirbar gemacht. Die Tragftangen find nicht wie bei den früher gefchilderten Bahren rund, fondern viereckig, und diefs ift ein entfchiedener Nachtheil, weil das Bahrtuch an den Kanten fich wetzt und leichter defect wird. Die öfterreichifche Armeetrage ähnelt der Kellner'fchen; fie hat auch viereckige Tragftangen, nur find die Böcke aus Holz. Die Trage ift maffiv gebaut und etwas fchwer, hat zu lange und fpitze Füsse und wiegt 20 Wiener Pfund. Bei einem anderen Modelle hat der untere Querbock, ähnlich dem oberen, auch nach oben ragende Zinken, wenngleich von geringerer Höhe. Ein Gurtenftück ist zwifchen beiden quergefpannt und bildet die fo entbehrliche Fufslehne. Als ein fehr zu verwerfendes Princip der öfterreichifchen Armee- Tragbahre mufs hervorgehoben werden, dafs deren Beftandtheile von zwei Mann getragen werden. Treffen nun im gegebenen Momente diefe nicht zufammen, fo wird auch die Zufammenftellung oder das Montiren der Trage ganz unmöglich fein. Getreu dem oben aufgeftellten Principe, dafs jede Feldtrage mit allen ihren Beftandtheilen von nur einem einzigen Manne getragen werden müffe, find wir in die nothwendige Lage verfetzt, alle jene Tragbahren, welche diefem Principe nicht adäquat gebaut find, als nicht zu empfehlende Objecte zu erklären. Lipowfky hatte viele Modelle ausgeftellt. Eine der Feld- Tragbahren wird gebildet aus einem auf Latten befeftigten Leinwand- Sacke, welcher mit Heu oder Stroh gefüllt werden kann, gleich einer Matratze, und zufammengerollt auf der Schulter zu tragen ift. Sie kann, der Füllungsvorrichtung wegen, auch als Feldbett verwendet werden. Eine zweite Bleffirten- Feldtrage hat in der Mitte gebrochene Tragftangen mit Büchsen- und Federfchlufs, eine Einrichtung, welche wohl das Tragen er leichtert. dafür aber bedenkliche Nachtheile hat, infoferne als gerade in der Mitte wo die Belaftung am ftärksten ift, die Schwächung vorkommt. Den gleichen Nachtheil hat die Bahre des k. k. Affiftenzarztes Kohn, welche mit Ausnahme der gänzlich fehlenden Kopfftütze, die gleiche Conftruction hat, und bei der felbft das Bahrtuch gleich den Stangen zweitheilig ift. Auch diefe Bahren find durch zwei Mann getheilt zu tragen. Die übrigen Lipowfky'fchen Bahren ähneln theils dem Locati- Kellner und Mundy'fchen, theils dem öfterreichischen Modelle, nur eines darunter hat eine befondere Kopfflütze. Von den Enden der Zinken des oberen Querbockes gehen nämlich zwei mit Charnieren befeftigte Holzftäbe ab, welche mit ihren freien Enden an die Rahmenbahre fich legen, und fonach ein fchiefes Geftell bilden, das ein eigens mit Oefen anzumachendes Leinwandftück trägt. Die ruffifchen Tragbahren find den franzöfifchen Armeebahren ähnlich conftruirt, nur um viel breiter und länger, auch find die Querböcke aus Holz und die an den Tragftangen angenagelte Leinwand ift mit einem feften und engen Gurtennetz unterfpannt. Die Unterſpannung des Bahrtuches hat den wefentlichen Vortheil, dafs letzteres trotz der Belaftung nicht muldenförmig einfinken kann. Diefer unleug bare Vortheil wird aber reichlich aufgewogen durch den Umftand, dafs diefe Einrichtung das Detachiren des Bahrtuches nicht geftattet. Die amerikanifchen Tragbahren von Smith haben Längsfangen, welche durch Quereifen, die in der Mitte Charniere tragen, verbunden find. Letztere 1 1 r ב S r r 1. t V er 1, 1. e m 1. at d er er ett en er te h- er oft ch ln en er te nd in. ch nd en afs ng. نے من n en, ere Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 9 erlauben das Zufammenlegen der Bahre, fo dafs diefelben beim Transporte auf die Hälfte ihres Volumens reducirt werden können. Ein befonderes Kopfgeftelle und vier ftellbare Füfse vervollſtändigen die Trage. Das Gewicht diefes von Lipowfky ausgeftellten Modelles beträgt 28 Pfund. Die amerikanifche Tragbahre von Howard hat hölzerne Querftücke, und vier eiferne, ftellbare Füfse. Das Bahrtuch ift nur an der einen Tragftange feftgenagelt, an der anderen hat es eine Langöfe, durch welche die zweite Tragftange durchgefchoben wird; letztere wird aber mit den Querftücken nicht feft verbunden, fondern wird von ihnen durch zwei offene Gabeln aufgenommen. Von einfachen Gebirgs Tragbahren liegen zwei Modelle vor, eines von Demaurex aus Genf, welches einer Hängematte vergleichbar ift. Ein aus fefter Leinwand gebildetes Bahrtuch hat am oberen Querende eine Oefe, durch welche ein beliebiger Holzftab durchgefteckt werden kann, das untere Ende hingegen verjüngt sich allmälig, und geht fchliefslich in einen breiten Traggurt über. Der Verwundete wird darin wie in einer Hängematte getragen. Das Kopfende trägt ein Träger vermittelft des Querholzes, das untere ein zweiter Träger einfach über die Schulter gelegt. Complicirtheit kann man diefem Tragmittel allerdings nicht vorwerfen, allein wie liegt der Verwundete darin!? Das zweite Modell( etwa 10 der natürlichen Gröfse) ift von Dr. Metcalfe aus Genf angegeben. Es hat zum Zwecke, unbefchadet aller Terrainsverhältniffe, den Verwundeten ftets und immer die horizontale Lage zu fichern. Die Bahre befitzt hiezu einen concentrifchen Doppelrahmen, wovon der äufsere die Tragftangen, der innere das Bahrtuch befitzt. Letzterer hängt am Aufsenrahmen durch eine Achfenvorrichtung zufammen, welche entſprechend dem mittleren Querdurchmeffer läuft, und die der Bahre eine von der Richtung der Tragftangen ganz unabhängige, ftets horizontale Lage fichert. Es ift hiemit das Princip der Spitals- Tragfeffeln mit beweglichen Stangen auf die Tragbahre übertragen. Ich zweifle nicht im geringften, dafs diefe Bahre in Spitälern fehr gute Dienfte zu leiften vermöchte, wenn man Kranke über Stiegen tragen mufs, ob aber die fonft relativ fchwere, grofse und plumpe Trage für den Gebirgskrieg fich eigne, daran mochte ich wohl nicht unbedingt glauben. Im Gebirgskriege, wo man die Verwundeten über fehr fteile und fich krümmende Stege, über fchmale Päffe etc. tragen mufs, können kaum Tragbahren verwendet werden, die lang und fchwer manövrirbar find und von zwei Menfchen getragen werden müffen. Das Ideal hiefür könnte nur etwa eine Trage darftellen, die von einem Menfchen allein, oder von einem Saumthiere getragen werden könnte und nebftbei fehr compendiös wäre, doch ein folches Modell ift bis jetzt noch von Niemanden praktiſch und brauchbar erfonnen worden. Die bisher in Gebirgskriegen gebräuchlichen Transportmittel waren die Cacolets, die, je zwei für ein Saumthier, an jeder Seite des Tragfaumes befeftigt werden; doch find die Cacolets keine Tragbahren, fondern Tragfeffel. Die fonftigen Gebirgs- Tragfeffel aus Eifen, fowie die Hängematten und Dhoolys ( Indien) mit Tragftangen aus fehr dickem Rohre find gleichfalls noch immer höchft dürftige Transportmittel. Eine Räderbahre für den Transport Verwundeter üher fteile Bergpfade mit Bremfe, Schirmdach, Schutzflügeln und Tafchen auf zwei Rädern mit Druckfedern hat Lipo wfky zur Anfchauung gebracht. Es fehlen nur noch die Gabelftangen und Laternen, um mit einem Ponny befpannt ein ganz niedliches Wägelchen abzugeben, für den Gebirgskrieg als ernfte Bahre wird fie aber nie und nimmer zu gebrauchen fein. Roll- oder Räderfeldbahren waren ziemlich zahlreich vertreten. Wohl haben diefe den Vortheil, dafs ein Mann zur Fortbringung des Verwundeten genügt, allein die oft fchwierigen Terrainverhältniffe machen fie oft fehr problematifch, berücksichtigt man ferner ihren höheren Koftenpreis und namentlich 10 Dr. Mofetig von Moorhof. den Umftand, dafs ihr Transport zum Schlachtfelde in gröfserer Anzahl fchwer ift, da fie fich nicht fo compendiös zusammenlegen laffen, wie die einfachen Tragen, fo werden wir berechtigt fein zu behaupten, dafs fie für den Kriegs gebrauch, im Allgemeinen gefprochen, unzuläffig feien. Namentlich gilt diefes für jene Modelle, bei denen die Räder einen inamoviblen Beftandtheil der Trage conftituiren, jene Modelle hingegen, welche gewöhnliche einfache Feld- Tragbahren darftellen, welche blofs im Nothfalle auf ein Rädergeftelle befeftigt werden können, entziehen fich natürlich diefem Vorwurfe, der dafür das Rädergeftelle trifft. Unter allen bis jetzt erfundenen eigentlichen Räderbahren gibt es eine einzige, die compendiös zufammenftellbar ift, und nur durch einen Mann auf das Schlachtfeld getragen und beladen geführt werden kann, es ift die von Mundy 1867 ausgedachte. Lipowfky und Fifcher aus Heidelberg ftellten fie aus. Sie befteht aus einem gefchweiftem, etwas federnden Holzrahmen, welcher dreifach zufammengelegt werden kann. und befitzt keine eigentlichen Federn. Der Rahmen ift mit Segeltuch überfpannt, hat einen kleinen runden Kopfpolfter, eine aufklappbare Fufslehne, einen Quergurt, und zwei kleine feitliche Flügel. Die untere Rahmenfläche trägt entſprechend ihrem Schwerpunkte zwei Räder( Holzfcheiben mit Eifenreifen) und hinter ihnen zwei ftellbare Füfse. Beim Zufammenlegen der Trage wird der Bahrenrahmen dreifach zufammengefchlagen, fo dafs der Kopftheil auf den Mitteltheil, und der Fufstheil über dem Kopftheil zu liegen kommt, die kleinen Seitenflügel kommen nach abwärts, die Räder wer den gegen die Mitte umgeklappt, fo dafs fie horizontal zu ftehen kommen und fchliefslich das Ganze mittelft des Traggurtes fixirt. Auf diefe Weife läfst fich die Bahre gleich einem Tornifter auf dem Rücken tragen. Das Gewicht diefer Trage ift 30 Pfund. Gegen die Anwendbarkeit im Felde fpricht nur der höhere Koftenpreis, und das Moment der Kleinheit der Räder, welche bei weichem und ftark gelockertem Boden denn doch tief einfinken könnten, wodurch begreiflicherweife die Kräfte eines einzigen Führers zur Fortrollung wohl nicht genügen dürften, und mithin der eigentliche Zweck der Räderbahre verloren ginge. Eine ganz unmögliche Rädertrage, die fogar unter dem Namen: ,, Gebirgs wagen" im Kataloge vorkommt hat der öfterreichifche patriotifche Hilfsverein ausgeftellt. Sie läuft auf drei Rädern, hat kurze Federn, ein Kutfchdach, innere Polfterung, Seitenwände, kurz fie fieht einem Kinderwagen gröfserer Dimenfion fehr ähnlich. Noch unmöglicher ift das Modell von Langer ( Wien). bahren: Weiters finden wir in der Lipowfky'fchen Collection folgende RäderEine Räderbahre gleichzeitig Feldbett von Gauvin( Frankreich). Der verftorbene Stabsarzt Gauvin war der erfte der üherhaupt die Idee verwirklichte, die Elafticität der Bahren durch Federkraft zu erhöhen Das von ihm angegebene Modell befteht aus einem mit ftellbaren Füfsen verfehenen viereckigen Holzrahmen, der an der Unterfläche vier kleine Rollen trägt und auf einem zweirädrigen Achfengeftelle ruht. Auf diefen Rahmen wird mittelft vier Schneckenfedern die Tragbahre fuspendirt, die mit Kopfpolfter, Fufs- und Seitenlehnen und einem aus dünnen Eifenftangen und Drillich formirten Schutzdache verfehen ift. Nimmt man diefer Fahrbahre die Räder weg, fo kann fie als Feldbett verwendet werden, ja, fie eignet fich auch zum- Weitertransporte auf der Eifenbahn oder auf Schiffen befonders gut, da fie mittelft der vier kleinen Rollen überall mit Leichtig keit hingefchoben werden kann, und ganz vorzüglich federt. Selbft als Stadt- Trag bahre ift fie gut verwendbar, da fie gedeckt ift. Eine Räderbahre nach Pirogoff( Rufsland) mit zwei fehr hohen Rädern, auf Gurten hängenden Schwebefitzen mit Schirmdach und Kopfkiffen. Zwei Verwundete laffen fich gleichzeitig darauf bequem in eine halbfitzende Stellung lagern und durch einen Mann fortbringen. J 1 e e f e e 1 e k e 1. er T er e. e 2- t. et uf 0 en He Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 11 Eine Räderbahre nach Neudörfer( Oefterreich) auf Druckfedern und hohen Rädern, um einen Bleffirten liegend oder zwei fitzend zu transportiren. Alle diefe Modelle eignen fich felbftverſtändlich trotz ihrer fpeciellen Vorzüge zu einer allgemeinen Anwendung im Kriege nicht; fie find eben zu complicirt, zu koftfpielig und zu wenig widerftandsfähig. Unter den Rollbahren angeführt finde ich im Kataloge auch Mühlwenzels Triclinum mobile in feiner Anwendung auf einen Schiebkarren" Der Name deutet fchon an, wie diefes ganz merkwürdige Transportmittel beiläufig ausfehen mag, und da ein gewöhnlicher hölzerner, federnlofer, einrädriger Schiebkarren Jedermann bekannt fein dürfte, fo erübrigt mir nur über das Triclinum mobile einige Worte zu fagen. In der Form dem von Stanieli( Rufsland) angegebenen Modelle ganz analog nachgebaut und auch den gleichen Namen Triclinum mobile führend, beſteht diefe foi difant Tragbahre aus einer vom Kopfe zu den Füfsen allmälig fich verfchmälernden durchlöcherten Eifenblechplatte, welche doppelt gebrochen ift, und deren drei Stücke in einem beliebigen Winkel zu einander geftellt werden können, fo dafs man damit im Stande ift, dem Kranken jede beliebige Lage zu geben: horizontal liegend, halbliegend, halbfitzend und fitzend. An den Verbindungsftellen befitzen die Bahrftücke Charniergelenke und Stifte, welche die Fixation in der eben beliebten Stellung ermöglichen. Auf den Schiebkarren kann die Bahre jedoch nur in der Stellung für einen Halbliegenden mit Beugung im Hüft- und Kniegelenke. mittelft Riemen befeftiget werden, da die beftimmte Länge des Schiebkarrens keine ftärkere Streckung der Bahre zuläfst. Von einer Federung ift natürlich nicht die Spur. Um in meiner Befchreibung vollständig zu fein, mufs ich noch erwähnen, dafs der mittlere Bahrentheil, welcher die Oberfchenkel vom Gefäffe bis zu den Kniebeugen aufnehmen foll, an jener Stelle, die der apertura analis entspricht, ein verfchliefs bares Guckfenfterlein zu gewiffen Zwecken befitzt; freilich wäre es zur vollſtändigen Erreichung des angeftrebten Zweckes noch nothwendig, wenn die Bekleidungsftücke des Bleffirten an der entsprechenden Stelle eine ähnliche Vorrichtung hätten, denn anders ift der Werth jenes Fenfters fchwer begreiflich, wenn man nicht etwa vor dem Aufladen fpecielle Vorkehrungen treffen follte. Wenn ich noch fchliesslich fage, dafs der Fufstheil ein ftellbares, fehr gebrechliches Fufsbret befitzt, fo glaube ich Alles angeführt zu haben, was zum Verftändniffe diefes feltfamen Objectes nothwendig ift. Man erlaffe mir deffen kritifche Beleuchtung, da es ohnediefs feinerzeit auch von officieller Seite ganz und gar verworfen wurde. - Wir gelangen nun zu den Tragbahren mit detachirtem Rädergeftell. Da man jede beliebige einfache Feldtrage auf ein Rädergeftell zu befeftigen vermögen foll und letzteres fonach mit der Tragbahre eigentlich in keinem näheren Connexe fteht, fo werde ich, da von den einfachen Feldtragen fchon die Rede war, blofs der Rädergeftelle zu gedenken haben. Die erften diefsbezüglichen Modelle wurden vom englifchen Sergeanten Shortell und dem Schweizer Ruepp conftruirt. Das Modell von Shortell gleicht dem Hintergeftelle eines Stadtwagens. Es befitzt zwei Pinzettenfedern und darüber eine Vorrichtung, um eine jede einfache Tragbahre aufnehmen und fixiren zu können. Zum Zwecke des leichteren Aufladens ift eines der Räder mittelft einer Klemmfchraube fixirbar. Damit man jede beliebige Handtrage, ob breit oder fchmal, ficher auf das Geftell befeftigen könne, find ferner die Pinzettenfedern auf der Achfe verfchiebbar; eine aufklappbare, lange Gabel vervollftändigt das Fahrgeftelle; letztere ift abfolut nothwendig, um die aufgeladene Trage während des Stehens zu fichern, denn beim Ruepp'fchen Modelle, wo diefe fehlt, ift man gezwungen die Trage fortwährend zu halten, um deren Umkippen nach vorne oder nach rükwärts die Trage wird wie begreiflich in ihrer Mitte am Geftelle befeftigt- zu verhindern. - 12 Dr. Mofetig von Moorhof. Das im Sanitätspavillon ausgeftellte preufsifche Geftell, und jenes von Mühlwenzel find dem Shortell' fchen ähnlich gebaut, nur find die Federn fix und fehlt die Klemmfchraube am Rade. Die Privatconferenz ftellte für einfache Feld- Tragbahren folgende Poftu late feft: a) Im Felde foll nur eine Art Feldtragen zur Verwendung kommen. b) Die Feldtrage mufs leicht( 20 Pfund Maximum) und folid fein, damit fie fuspendirt werden könne; das abnehmbare Bahrtuch foll aus Leinenftoff beſtehen und gehörig grofs fein. c) Die Tragftangen follen aus leichtem und refiftenzfähigem Holze oder Rohre beftehen. d) Die Feldtrage foll Füfse und ein erhöhtes Kopfftück haben; Fufslehnen find nicht nothwendig. Ferner follen bei der Conftruction Eifenbeftandtheile, Bohrlöcher und Nägel möglichft vermieden werden. e) Für die Conftruction einer zweckmäfsigen Gebirgstragbahre wäre von den Hilfsvereinen eine Prämie auszufetzen. Bleffirtenwagen. - denn diefs ift die nicht für alle Fälle Der Zweck eines Bleffirtenwagens ift im Kriege gewöhnlich der, die Ver wundeten vom Hilfsplatze zum Verbandplatze und von diefem weg in die Feldfpitäler zu fchaffen. Diefer letztere Transport gefchieht direct, wenn die Feldfpitäler nicht zu fehr entfernt find, indirect wenn auch Schienenwege oder Waffer ftrafsen zu Gebote ftehen. Länger als 12 Stunden follte ein Bleffirter auf Transportwagen nie gefahren werden aus Gründen, die wohl Jedem einleuchten dürften. Hie und da wird es fich aber ereignen können, dafs die Verbandplätze entweder am nothwendigen Orte nicht aufgeftellt wurden oder diefelben aus was immer für Gründen deplacirt werden mufsten. In folchen Fällen mufs der Bleffirtenwagen die Verwundeten offenbar vom Hilfsplatze oder gar vom Schlachtfelde direct in die Feldfpitäler fchaffen und ift daher die Anficht, dafs die Bleffirtenwagen ad hoc die Verwundeten nur 2000 Schritt weit zu fahren hätten präliminirte Entfernung zwifchen Hilfs- und Verbandplatz richtig. Wie kommen aber, wenn die angedeutete Anficht auch richtig wäre, die Verwundeten vom Verbandplatze zum Feldfpital? Und wie gefchehen die Evacuationen und Transporte der Kranken? Um diefen Transport entsprechend erfüllen zu können iſt nicht jedes roulante Vehikel anwendbar, und der traurige Umftand, dafs bei einer grofsen Verwundetenzahl jedes wie immer befchaffene Fahrzeug zum Transporte benützt wird, um nur rafch das Schlachtfeld räumen zu können, foll ja nicht zur irrigen Anficht führen, behaupten zu wollen: das geeig netfte Materiale zum Transporte Verwundeter feien die landesüblichen Wagen. Einerfeits find letztere nicht fo leicht und fchnell zu befchaffen als man gemeiniglich annimmt, denn die landesüblichen Wagen find theils fchon lang vor der Schlacht von der Armee- Intendanz zu anderen Zwecken requirirt worden oder haben fich mit ihren Befitzern geflüchtet, andererfeits aber läfst die Thatfache, dafs leider viele unter den Bleffirten auf folchen Wagen fchlecht transportirt wurden, nicht die Confequenz zu, dafs alle die gleiche Fatalität treffen müffe. Wahrlich der fchlechte Transport ift mehr als eine Fatalität, er ift oft ein gröfseres Unglück, als die Verwundung felbft. Letztere würde oft unter geeigneten Verhältniffen die Erhaltung des Theiles, oder wenigftens die Erhaltung des Lebens zulaffen, der fchlechte Transport aber vernichtet häufiger als man glauben follte beide und das tödtende Princip nennt fich die Erfchütterung, die qualvolle und graufame Erfchütterung der zerfchoffenen Gliedtheile beim Aufladen, beim Fahren, beim Abladen. Nur der Chirurg kann die Folgen des dadurch erzeugten Shoks, die Gewebsveränderungen, die daraus entſtehen, richtig beurtheilen und fchätzen. on nd tu fie en ler en le, on NO er ld. ld. er nsen. der für gen tin hoc die ille die cualen Jmne men eig. en man vor der lafs den, lich Lick, die der eide und ren, oks, zen. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 13 Befondere, eigens zum Bleflirtentransporte conftruirte Wagen find daher unentbehrlich und nothwendig, denn das Wohl und Wehe der fürs Vaterland gefallenen Helden ift davon grofsentheils abhängig. Diefe Wagen müffen vor Allem leicht und ficher fahrbar fein, und möglichst viel Bleffirte unbefchadet ihrer relativen Bequemlichkeit und den Bedürfniffen des Einzelnen ftrenge Rechnung tragend, aufnehmen können, damit man die Zahl jener, denen die fchwere Wahl erübrigt, entweder am Schlachtfelde zu verbleiben, oder auf landesüblichen Wagen fich torturiren zu laffen möglichft verringere. Der Wagen foll zweifpännig fahren, denn mit einem Drei- oder Viergefpann ift er entfchieden ſchwerer zu lenken, die Pferde find an Schlachttagen fchwer zu befchaffen und ein vierfpänniger Wagen vermehrt auch um ein bedeutendes die Länge der Fahrcolonne. Ein Zweigefpann, wenn es nicht Elite- Pferde find, vermag aber in jedem Terrain, und gute Fahrftrafsen ftehen dem Bleffirtenwagen nicht immer zu Gebote, kaum mehr als 25 Centner anftandslos fortzubringen. Es geht daraus hervor, dafs der Wagen demnach im leeren Zuftande nicht ein gewiffes Gewicht überfteigen darf, und dafs auch die Zahl der bedauernswerthen Fahrgäfte eine beftimmte fein mufs. 13 Centner wäre das annehmbarfte Gewicht für den leeren Wagen, 14 darf er nicht überfteigen; es verblieben nach diefer Annahme II bis 12 Centner für die Ladung, alfo beiläufig 8 bis 10 Mann. Leider mufs darunter auch ein Gefunder gerechnet werden, nämlich der Kutfcher, denn ein reitender Kutfcher ift ganz unzuläffig, er ermüdet rafcher eines der Pferde, und kann auch nicht den Wagen fo gut und ficher lenken als vom Kutfchbocke aus. Von der Lenkung des Wagens hängt aber der gute Transport ab, denn über Steine und Gräben fahren erfchüttert jeden Wagen. Trotz dem im Vergleiche zur Ladung relativ geringen Eigengewichte mufs der Wagen aber auch folid fein, auf dafs er auf fchlechten Fahrwegen nicht zufammenbreche. Die Verwirklichung diefes Poftulates bietet genug techniſche Schwierigkeiten, und diefe mögen wohl der Grund fein, warum man bisher ihnen ftets aus dem Wege ging, und fich auf die einfache Weife half, den Wagen abfolut fchwerer und dafür die Ladung geringer zu machen. Wenn man im Ganzen nur vier Mann fortfchaffen will, dann kann der Wagen allerdings felbft 18 Centner wiegen und dann ift die Kunft ihn fehr refiftenzfähig zu bauen allerdings nicht grofs. Eine weitere Schwierigkeit bieten die Räder. Könnte man fie niedrig machen, dann käme diefs der Sicherheit vor dem Brechen oder Umfallen allerdings zu Gute, allein diefs kann und darf nicht fein, die Räder follen im Gegentheil fo hoch fein, dafs jedes Steckenbleiben des Wagens in ftark durchweichtem, oder aufgeackertem Boden, oder in tiefem Schnee nicht leicht möglich fei; fie follen hoch fein, damit die Unebenheiten des Bodens fich nicht allzu ftark fühlbar machen, und damit die Pferde den Wagen leichter ziehen können. Das Fahrgeleife eines Bleffirtenwagens foll dem jeweilig landesüblichen entfprechen, denn im gegentheiligen Falle würde er den Fahrfpuren ausgefahrener Wege nicht entfprechen können, und diefs mufs forglichft vermieden werden, um die Erschütterung möglichft zu verringern und um die Zugkraft der Befpannung zu fchonen. Wir gelangen nun zu dem wichtigen Punkte der Erfchütterung. Um diefe auf das geeignetfte Mafs zu reduciren, annuliren läfst fie fich leider nicht, wären zwei Erforderniffe beim Wagenbau zu erfüllen. Einerfeits müffen die Achfenfedern vorzüglich fein, und zweitens follte der Verwundete im Wagenkaften felbft fchwebend erhalten werden, denn ein fchwebender Gegenftand wird durch Stöffe nur in Schwingungen verfetzt. Diefer Punkt der fchwebenden Befeftigung des Bleffirten oder beffer gefagt, die Frage der Suspenfion ift fo klar, dafs man meinen follte, Jedermann müfste ihre Wichtigkeit und Richtigkeit einfehen und anerkennen. Und doch ift es nicht fo, und Fachmänner ftreiten fich darüber, trotz Phyfik und Logik, obwohl die Widerfacher die eigene Hand, falls fie verletzt 14 Dr. Mofetig von Moorhof. oder gewebskrank wäre, beim Fahren gewifs nicht auf eine fefte Unterlage legen, fondern diefelbe forgfältig mit der anderen Hand unterſtützt fchwebend erhalten würden und fie auch recht froh find, wenn fie bei Benützung eines federnlofen Bauernwagens fich einen fchwebenden Sitz einrichten können. Da wird nicht viel gefragt, ob der Sitz fchaukelt, man ift glücklich das continuirliche Stofsen nicht erdulden zu müffen, bei der Suspenfionsfrage der Bleffirtenwagen wird aber ein gelehrtes Geficht gemacht und Bedenklichkeiten dagegen zur Geltung gebracht, welche mit den Gefetzen der Phyfik fich ebenfo wenig vertragen, als mit der täglichen Erfahrung und den fchon im letzten Kriege damit gemachten Experimentalftudien. Der Bleffirtenwagen muís leicht lenkbar fein; in jedem Momente kann die Nothwendigkeit vorliegen in fcharfen Bogen wenden zu müffen, wozu der Durchlauf des Vordergeft elles abfolut nothwendig ift. Die Langwiede, der Gegenpart des Durchlaufes, war lange Zeit als nothwendiges Erfordernis angefehen, da man meinte, ein Wagen mit Langwiede fei viel dauerhafter und vertrage das Fahren über Gräben und Hinderniffe viel beffer. Allerdings konnte beim Fahren in Carriere über Stock und Stein, über Gräben und Bäche, der Reibnagel, der Durchlaufsteller defect werden und fodann das Vordergeftelle vom Wagen fich trennen, wer wird aber über derlei Hinderniffe in Galopp oder felbft in Trab fahren? ift nicht die Erfchütterung für die Bleffirten dabei eine enorme? Und wozu follte man auch fo rück fichtslos fahren? Nicht das Fortbringen der Bleffirten um jeden Preis ift die Aufgabe der Feldfanität, wohl aber ift das fchonende Vorgehen mit Verwundeten ihre heiligfte Pflicht. Radfchuh und Bremfe foll einem Bleffirtenwagen nie abgehen. Der Bleffirtenwagen darf auch keine eigenen Lagerftätten befitzen, fondern mufs im Stande fein, jede fchon beladene Tragbahre aufnehmen zu können, damit das fchon bei den Tragbahren aufgeftellte wichtige Princip, das Umladen der Bleffirten zu vermeiden, aufrecht erhalten bleibe; dafs aber hiezu eine Uniformität der Wagen nothwendig fei ift wohl felbftverſtändlich. Der ideale Transport müfste fich meiner Anficht nach fo geſtalten, dafs der Bleffirtenwagen mit den leeren Tragen zum Hilfsplatze fahrt; dort gibt er die leeren Tragen ab und übernimmt dafür die beladenen. Das Gleiche follte auf dem Verbandplatze, an den Eifenbahn- Stationen und felbft in den Feldfpitälern der Fall fein. Auf diefe Weife käme der Bleffirte vom Verband- eventuell vom Hilfsplatze direct in das Feldfpital ohne weitere Locomotionen von dem einmal eingenommenen Lager erdulden zu müffen. Als nothwendige Bedürfniffe eines guten Bleffirtenwagens find ferner noch zu nennen: Eine am Wagendache befeftigte Laterne, die in der Dunkelheit das Terrain vor den Pferden zu beleuchten vermag, und Labemittel für die Bleffirten, als: Trinkwaffer und irgend ein Alcoholicum. Gleich den bedeckten Rollbahren foll auch der Bleffirtenwagen feinen Innwohnern hinreichend Licht und Luft zulaffen und diefelben vor Witterungseinflüffen fchützen. Diefem wichtigen Principe zuliebe find an Stelle des früher üblichen gefchloffenen Wagenkaftens nunmehr offene Lazarethwagen faft allgemein angenommen worden. Dennoch würden fich aber für Winter- Feldzüge gefchloffene Bleffirtenwagen fehr empfehlen. Fefte Dächer mit Vorhängen, die nach Bedarf herabgelaffen oder aufgerollt werden, erfüllen den beabfichtigten Zweck, ein einfaches Plachendach fchützt das Innere des Wagens nicht vor ftrömendem Regen und kann auch der Wind fich leicht darin verfangen, das weiche Plachendach ballonartig ausdehnen, und hiedurch ein Umftürzen des Wagens veranlaffen. Soll das Dach auch eine fefte Gallerie befitzen? Diefe Frage ift neuerer Zeit fo häufig ventilirt worden, dafs es wohl erlaubt fein dürfte, diefem wichtigen Punkte einige Zeilen zu widmen. Die Widerfacher der Gallerie meinen, dafs eine folche ein Ueberladenwer den des Wagens ermögliche, da alles denkbare Gepäck darauf geworfen werde, ja dafs die Leichtverwundeten felbft, in der Angft auf dem Schlachtfelde zu verbleiben, d e n r t n r 1 e r e 7 u S u e n d n h f. ]. d n S r r h er , h t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 15 mit Lebensgefahr die Gallerie erklettern und fich dafelbft lagern. Diefes Ueberladenwerden habe aber den doppelten Nachtheil, dafs die zwei vorgefpannten Pferde die allzufehr vermehrte Laft nicht mehr fortzufchleppen vermögen und dafs anderfeits der oben ftärker chargirte Wagen dem Umfallen leichter unterliege. Was das Hinaufklettern der Bleffirten anbelangt, fo kann diefs allerdings möglich. fein bei niederen Wagen; huldiget man jedoch dem Principe, die Bleffirtenwagen fo zu bauen, dafs möglichst viel Verwundete aufgenommen werden können, dann wird auch der Kaften relativ fo hoch, dafs das Hinaufklettern ohne Stiege zur reinen Unmöglichkeit wird. Wichtig ift aber die Gallerie in der Beziehung, dafs fie zuvörderft die Tragbahren und das kleine Gepäck der Verwundeten, an welchem denfelben fo fehr gelegen ift, weil es ihr ganzes Hab und Gut, kleine Andenken an die Heimat, Correfpondenz etc. beherbergt und die etwa mitgebrachten Waffen aufnehmen kann und auch die Fourage für die Pferde unterzubringen erlaubt. Allerdings foll der Fouragewagen die Ambulanzen begleiten, allein wie oft trennen fie fich von einander, und wie wichtig ift zum rafchen Fortkommen das regelmässige Fouragiren der Pferde. Bevor ich zum fpeciellen Theile übergehe, möchte ich nur über die innere Einrichtung der Bleffirtenwagen im Allgemeinen erwähnen, dafs diefelben zur Aufnahme von Sitzenden und von Liegenden eingerichtet fein follen. Die Sitzenden als Leichtverwundete bezeichnen und fie von der Wohlthat eines guten Transportes ausfchliefsen zu wollen, wäre ganz und gar unrichtig, denn die fitzen können, find oft fchwerer verletzt als jene, welche liegen müffen. Man vergleiche etwa nur eine Schufsfractur einer oberen Extremität, die dem Verwundeten das Sitzen fehr wohl geftattet, mit einem leichten Streiffchuffe oder felbft einer Contufion der Hinterbacken, die das Liegen abfolut erheifcht. Für Sitzende mufs dem Bleffirtenwagen die Form eines Omnibuffes gegeben werden, für Liegende hingegen mufs das Wageninnere leer fein und nur jene Vorrichtungen befitzen, welche die Aufnahme und die Befeftigung der Tragbahren ermöglichen. Aufklappbare Sitze machen beide Verwendungsarten möglich. Eigene Wagen nur für Sitzende find im Felde nicht zuläffig. Sechs Liegende oder acht Sitzende foll das Maximum des Ladungsquotienten für das Wageninnere fein; das Coupé foll aufserdem neben dem Kutfcher noch zwei Sitzende aufnehmen können. Bei Mangel einer Dachgallerie müffen die Waffen und das etwaige Gepäck der Bleffirten unter dem Coupéfitze und den Sitzbänken, eventuell unter den unterften Tragen untergebracht werden, was oft ganz unmöglich und immer nach theilig ift. Wir fanden im Sanitätspavillon, dem Kataloge gewiffenhaft folgend, die nachftehenden Bleffirtenwägen ausgeftellt: Deutfches Heerwefen.( Katalog des deutfchen Reiches, Gruppe XVI, Nr. 19.) Ein Bleffirten- Transportwagen mit Krankentragen für zwei liegende Verwundete. Der Wagen hat einen niederen Kaften, hohe Räder, einen offenen Kutfchbock, kein Coupé, ein feftes Dach ohne Gallerie und feitliche, fowie hinten aufrollbare Vorhänge. Das Wageninnere öffnet fich von rückwärts und ift durch eine Längenftange in zwei feitliche Abtheilungen getrennt, deren jede eine Bahre aufnehmen kann. Das Einfchieben der beladenen Tragen wird mittelft hölzerner Querrollen erleichtert. Der Wafferkaften ift unter dem Kutfchbocke angebracht. Eine Einrichtung für Sitzende ift nicht möglich. Wie follen aber die maroden Soldaten der marfchirenden Truppe nachgeführt werden, oder follen Abfchürfungen der Füfse gleich im Lazarethe zurückgelaffen werden? Wunde Füsse ftehen aber bei der marfchirenden Truppe auf der Tagesordnung und ein Zurücklaffen der betreffenden Mannfchaft würde wohl nach und nach das Contin gent der Combattanten unnöthigerweife fchwächen, umfomehr als derlei Kleinig keiten bei entſprechender Ruhe der Füfse und fehr einfacher Medication in wenigen Tagen heilen. Einrichtung für Sitzende erklären wir für abfolut noth2 16 Dr. Mofetig von Moorhof. wendig, da zwei liegende Marodeure für einen zweifpännigen Wagen ebenfo zu wenig find als zwei liegende Verwundete. Der Kutfchbock ift offen und demnach Kutfcher und die neben ihm fitzenden Kranken oder Verwundeten allen Witterungseinflüffen preisgegeben. BaierifcherLandes- Hilfsverein. Transportwagen für vier Liegende mit Benützung des Modells des k. k. Regimentsarztes Dr. Mühlwenzel Wir begegnen hier erbaut vom Wiener Wagenfabrikanten G. Finfterle. neuerdings den blecheifernen Tricliniis mobilibus von Stanieli Mühlwenzel, die wir glücklicherweife fchon bei den Tragbahren befprochen haben. Die blechernen Geftelle find hier nur mit einer leichten Polfterung und Lederüberzug verfehen, und nehmen fich daher etwas weniger martervoll aus. Der Wagen hat keinen eigentlichen Wagenkaften, fondern ftellt nur eine ebene Platte ohne Seitenwände vor, die auf Rädern ruht, ein halbfeftes Wagendach auf vier Säulen und einen offenen hochgeftellten, und daher für Bleffirte fchwer zu erfteigenden Kutfchbock trägt. Unter der Platte ift ein kleiner Raum vorhanden, der fich gleich einer doppelten Fallthüre aufklappen läfst. Die Innenfläche der Thürflügel ift gepolftert und bildet in aufgeklappter Stellung die Sitze, wogegen der dadurch geöffnete Raum für die Füsse der Sitzenden beftimmt ift, fonft foll er etwas Fourage und Gepäck beherbergen. Bei der Einrichtung für Liegende mufs aber der ebengedachte Raum verfchloffen und das glatte Planum hergeftellt werden. Es hat die Beftimmung, vier Liegende in einer Ebene aufzunehmen, und ift diefs der einzige Vortheil, der durch ihn den Verwundeten erwächft, da fie über fich eine grofse und freie Area behalten. Die vier Blechtragen werden in zwei Reihen je zwei hintereinander durch Stifte und Ledergurten befeftigt. Der Wagen ift etwas länger als die gewöhnlichen. Das eigentliche böfe Princip des Wagens bilden die blechernen Trag. bahren. Diefe find fehr fchwer aufzuladen, da fie keine Handhaben befitzen, kippen auf dem Boden gelagert, wenn nicht ftets gehalten, fammt den Verwundeten um, da die Füfse mangeln, und erheifchen, abgefehen von dem complicirten und leicht roftenden Stiftenapparate, der die eben erwünſchte Form des Triclinium fehr leicht illuforifch, weil nicht herftellbar macht, auch ein fortwährendes Umladen der Bleffirten. Gehen endlich eine oder die andere Blech- Tragbahre verloren, dann ift auch die vollständige Benützung des Wagens bis zur Erfatzmöglich keit geftört. Der Wagen ift nur theilweife für Sitzende oder nur für Liegende einrichtbar. Beiden Anforderungen zugleich vermag er nicht vollſtändig gerecht zu werden, ein Umftand, der auch als Fehler in der Conftruction bezeichnet werden mufs. Praktifch find die kleinen, am Wagenkaften zu befeftigenden zwei Fäffelchen, die zum Mitführen von Labeflüffigkeit dienen. Nr. 21 und 22 ftellten zwei kleine Modelle von Bleffirtenwagen dar, eines von Hirschberg in München, das zweite vom Ritterguts- Befitzer von Hönika aus preufsifch Schlefien. Beide entſprechen den Anforderungen der Neuzeit nicht im Mindeften, denn beide haben eigene Tragbahren. Das Modell von Hönika hat zwei gefchloffene und getrennte Coupés, welche je zwei Bleffirte, im Ganzen alfo vier Mann aufnehmen können. Im hinteren Coupé werden die Bleffirten von rückwärts eingefchoben und liegen demnach in der Wagenaxe, im vorderen Coupé dagegen liegen fie quer zu ihr und das Einladen erfolgt von der Seite. Ein offener Kutfchbock vervollſtändigt den koloffalen Wagen, der einem zehnfitzigen Poftomnibuffe an Gröfse und Höhe wenig nachgeben dürfte. Deffen Gewicht dürfte auch ziemlich beträchtlich fein. Unter Nr. 23 waren vom Wagenfabrikanten Kellner aus Paris zwei Bleffirten- Transportwagen ausgeftellt( Eigenthum des öfterreichifch- deutfchen Ritterordens), und zwar: Transportwagen für 6 liegende und 2 fitzende oder für 8 bis 10 fitzende Kranke oder Verwundete. Transportwagen mit einem Aufzuge. t 1 t i S a t a n é r e ei n r Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 17 Beide Wagen find nach Angabe Mundy's für Suspenfion eingerichtet und befitzen demnach keine eigenen Tragbahren. In dem erfteren Wagen kann man 6 Liegende unterbringen, und zwar in drei Reihen, je 2 übereinander fuspendirt. Die Suspension wird mittelft kurzer und fefter Lederriemen vermittelt, welche die 4 Tragftangen je einer Tragbahre aufzunehmen beftimmt find, demnach 24 an Zahl. Je fechs werden in gleichen Diftanzen von zwei feften, umklappbaren Eiſenſtangen getragen, welche in der Vor- und Rückfeite des Wageninneren fenkrecht und genau in der Mitte des Wagenkaftens vom Dache bis zum Boden reichen, die anderen Riemen find an den Aufsenpfeilern der vier Dachſtützen angebracht. Da die Riemen kurz find, wird die aufgehängte Bahre auch ftramm gehalten und find hiedurch alle ausgiebigeren feitlichen Schwankungen und jedes Anftofsen der Bahren an die Seitenwände hintangehalten. Man liegt auf den Bahren ganz vorzüglich, wie ich mich felbft bei öfteren Fahrverfuchen über einen fteilen und holperigen Weg zu überzeugen Gelegenheit fand. Das Coupé des Wagens bildet eine ununterbrochene Fortfetzung des Wagenkaftens. Es enthält einen umklappbaren oder, beffer gefagt, nach vorne zu umlegbaren Sitz für den Kutfcher und zwei Leichtbleffirte. Diefe Einrichtung hat den Vortheil, das Wageninnere von vorne her zugänglich zu machen und das Aufheben der Bahren behufs Suspenfion zu erleichtern. Das Beladen erfolgt auf die Weife, dafs man zuerft die beladenen Bahren von rückwärts auf den Boden des Wagenkaftens hineinhebt und fodann zuerft die oberften zunächft dem Wagendache in die entsprechenden Riemen aufhängt; hierauf kommen die mittleren und zuletzt die unterften. Das Abladen erfolgt natürlich in umgekehrter Ordnung. Zwei kleine Blechkaften mit Glas belegt, rechts und links vom Coupé, enthalten die Labeflüffigkeiten, die durch eine Pipette ausfliefsen. Der Verfchlufs des Wagenkaftens nach rückwärts wird durch einen fchweren Klappdeckel vermittelt, welcher an der Innenfeite die Trittftufen trägt. An jeder Längsfeite find breite und lange Tritte angebracht, welche fowohl das Beladen erleichtern als auch eine Hilfeleiftung während des Fahrens möglich machen; eine dem Wagendache entſprechende Gallerie fammt Decke vervollſtändigen die Einrichtung. Im Innern find noch an jeder Längswand ftellbare Sitze angebracht, welche die Umwandlung des Wagens zu einem Omnibuffe jederzeit geftatten, ja man kann den Wagen auch nach Belieben halb für Liegende und halb für Sitzende einrichten; es liegen dann 3 Verwundete übereinander in der einen Hälfte des Wagens, während 4 in der anderen Hälfte auf der aufgeftellten gepolfterten Sitzbank Platz nehmen können. Diefer Wagen ift wohl etwas fchwer, er wiegt nämlich 17 Centner, dafür befitzt er aber, dank der hohen Hinterräder und der Kürze des Unterbaues, eine ganz vorzügliche Traction. Die Vorderräder find allerdings etwas nieder, allein diefs erleichtert das Ein- und Ausladen und erhöht auch die Sicherheit vor dem Umwerfen. Aber auch diefer Nachtheil läfst fich befeitigen. Herr Kellner hat diefs bewiefen dadurch, dafs er in letzter Zeit im Auftrage des deutfchen Ritterordens einen Wagen baute, der, obgleich die Conftruction faft bis ins kleinfte Detail diefelbe blieb, dennoch nur 13 Centner wiegt. Er erzielte diefe Gewichtsverminderung durch Weglaffen der Gallerie, durch eine entsprechende Schwächung der Holzund Eifenbeftandtheile und fchliefslich durch eine Gewichtsverringerung des hinteren Klappdeckels. Diefer letztgedachte Wagen hat alle Fahrproben fiegreich überftanden und baut jetzt der deutfche Ritterorden 180 Stück davon, die er im Falle eines Krieges der öfterreichifchen Armee als Refervemateriale zur Verfügung ftellen wird. Der zweitgenannte Wagen kann nur 4 Liegende oder 8 Sitzende im Inneren aufnehmen. Er befitzt ein Coupé mit fixem Kutfchfitze und ift im Uebrigen, dem Aeufseren nach, dem gefchilderten gleich gebaut. Nur trägt er eine Erfindung von Kellner, beftehend in einer Aufzugswinde( treuil) nach dem Syfteme der Transmiffion durch Zahnräder. Vier fenkrechte Eifenftangen find entſprechend den 2 18 Dr. Mofetig von Moorhof. Eckpfeilern im Innern des Wagenkaftens angebracht, welche am oberften Ende je ein Zahnrad befitzen. Zwei horizontale Eifenfpeichen greifen mit ihren termi nalen Zahnrädern in die vorhin genannten und werden durch Drehen der erfteren gleichzeitig, wenn auch in anderer Richtung, mitbewegt. Eine Kurbel fetzt die ganze Mafchinerie in Gang. An den horizontalen Dachfpeichen find nun breite Gurten befeftigt, welche je nach den Drehungen der Speichen auf diefen auf- oder abgerollt werden. Eine Sperrfeder endlich, welche in die Kurbelzähne eingreift. geftattet den Mechanismus in jedem Momente zu ftoppen. Denkt man fich nun, dafs die 4 Gurten je 2 Querhölzer tragen, welche der Wagenbreite entſprechend lang find und dafs auf diefe 2 Querhölzer die 2 oberen Tragbahren gelegt werden, fo wird man begreifen, wiefo man im Stande fei, letztere in jede beliebige Höhe hinaufzuwinden und dortfelbft hängend zu fixiren. Von den zwei Traverfen oder Querhölzern ragen weiters 8 kleine Riemen nach abwärts, die an ihrem Ende eiferne Haken tragen; je 4 davon haben die Beftimmung, die 4 Tragftangen einer weiteren Bahre aufzunehmen. Wir können fomit fagen, 2 Tragbahren ruhen auf dem Aufzugsgerüfte der Winde, während die 2 unteren von letzterem mittelft Riemen getragen werden, fonach die Aufzugswinde die Aufgabe hat, 4 Tragbahren fchwebend zu erhalten. Die Entfernung der oberen und unteren Tragbahren von einander ift, weil die Länge der Tragriemen eine gegebene ift, ftets die gleiche und unveränderliche, während die Lage der Gefammtbahren zum Wageninnern beliebig geregelt werden kann. Windet man das Aufzugsgerüfte höher dem Wagendache zu, fo bleibt auf dem Boden noch ein benützbarer Raum übrig. Es iſt nicht zu leugnen, dafs der Vortheil, die beladenen Tragbahren mit fehr geringer Kraftentfaltung denn die fchwächlichfte Perfon kann die Kurbel mit einer Hand in Bewegung fetzen in eine belfebige Höhe bringen und fixiren zu können, fehr beftechend ift. Man erfpart Menfchenhände und Zeit, und falls mit der längeren Benützung bei vollkommener Sicherheit ein Verfagen des Mechanismus fich nicht leicht einftellen würde, wäre allerdings diefe Anwendung der Transmiffion der gröfsten Berücksichtigung werth. Diefsbezügliche praktiſche Erfahrungen ſtehen leider nicht zu Gebote, da die Conftruction diefes Wagens in die Periode nach dem deutfch- franzöfifchen Kriege fällt. Begreiflicherweife läfst fich diefer Wagen nicht zur Hälfte für Liegende und zur Hälfte für Sitzende einrichten, da die Tra verfen diefes hindern; bei der Einrichtung für Sitzende allein wird das Aufzugs gerüft zum Plafond hinaufgekurbelt und die Sitzbänke aufgeftellt. - Praktiſch fcheint in dem erften, dem Mundy- Kellner'fchen Wagen eine Einrichtung, welche das Hineinfchieben der beladenen Tragbahren von rückwärts in das Wageninnere erleichtert. Wenn nämlich die Tragbahre an den Wagen kommt, fo mufs fie nothwendigerweife zuerft mit den Vorderfüfsen auf den Boden des Wagens gelegt und hierauf erft hineingefchoben werden. Das Hineinfchieben der beladenen Bahren wäre nun auf den rauhen Brettern des Wagenbodens nicht fehr leicht ausführbar, denn abgefehen von der Erfchütterung und den Stöfsen, die der Bleffirte hiebei erleidet, würden auch die Füfse der Tragbahren fehr darunter leiden und eventuell auch brechen. Kellner hat defshalb auf dem Boden des Wagens zwei viereckige Blechfchalen angebracht, die zur Aufnahme der Vorderfüfse der Trage beftimmt find. Die Zweizahl der Schalen erklärt fich aus der Zweizahl der Tragbahren, die ftets neben einander hineingefchoben werden. Jede Schale befitzt in der Mitte ihrer unteren Fläche ein kleines Rad, welches feinerfeits wieder in je einer auf dem Boden des Wagens der Länge nach ausgefchnittenen und mit Blech ausgelegten Hohlrinne wie in einem Geleife läuft. Die Tragbahren werden auf diefe Weife leicht, fchnell und gleichmäfsig, ohne Stofs und Erfchütterung nach einander hineingehoben, dann erft vom Boden abgehoben und in die entsprechenden Tragriemen fuspendirt. Bei der Voiture a treuil ift leider diefe Vorrichtung nicht anzubringen, weil bei diefer im Momente des Ladens die Querhölzer auf dem Wagenboden aufliegen und die Tragbahren über diefe hineingehoben werden müffen. t n T t r h S n n n at 1, r d. ts er n 1. t₁ 1. n Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 19 Lohner Jacob, Wagenfabrikant in Wien. Transportwagen für Verwundete( 4 liegende und 2 fitzende oder 8 fitzende), dem öfterreichifch deutfchen Ritterorden angehörig, gebaut nach Profeffor Mundy's Angaben. Der erfte Wagen diefer Art wurde von Profeffor Mundy bei der Weltausftellung in Paris 1867 exponirt. Er war von Locati in Turin erbaut und erhielt damals den erften Preis. Soweit der Katalog. - - Zur näheren Erklärung diene, dafs der ursprüngliche Wagen nur 2 Liegende aufnehmen konnte, und später erft für 4 Liegende eingerichtet wurde. Es waren auch im Pavillon beide Modelle ausgeftellt. Der urfprüngliche Wagen hat ein breites Fahrgeleife Artilleriegeleife vollſtändigen Durchlauf mit relativ hohen Rädern, ein feftes Dach ohne Gallerie, ein Coupé und einen breiten Innenraum. An jeder Langwand ift ein fefter, nicht entfernbarer ungepolfteter Sitz angebracht, und zwifchen beiden ein Mittelgang freigelaffen. Der Raum unter den Sitzen ift hohl und dient zur Aufnahme der Waffen und etwaigen Gepäckes. Der Wagen kann nicht Tragbahren jeder Art aufnehmen, fondern hat eigene beſtimmte Tragen: das Mundy'fche Planum inclinatum duplex, welches ich fchon bei den Stadt Tragbahren erwähnt und näher befchrieben habe. Die Tragbahren haben an der Unterfläche der Tragftangen vor den umklappbaren Füffen vier kleine Eifenrollen, welche das Hineinfchieben der Bahre auf den hiezu eigens mit kleinen Eifenfchienchen verfehenen Sitzgeftellen erleichtern. Bei Benützung des Wagens für Sitzende fetzen fich die Bleffirten einfach auf die ganz horizontal geftreckte Bahre. Bei der Anwendung für Liegende kommen diefelben gleichfalls auf die Bahren, denen man dann nur je nach Bedarf eine mehr weniger erhöhte Kopfftellung oder auch die Form der doppelgeneigten Ebene geben kann. Das Coupé hat für drei Perfonen Platz. Der hintere Zugang zum Wagen ift durch einen feften Klappboden abfchliefsbar, eine Vorrichtung, die als fehr zweckmäfsig bezeichnet werden mufs, da das Fahren im Train ein Hineinftofsen der Deichfel des nachfahrenden Wagens beim plötzlichen Anhalten der Colonne möglich macht. Weiters hat der Wagen die bequeme Einrichtung, dafs die Seitenwände des Wagens beweglich find, und nach aufsen und abwärts umgeklappt werden können. Die durch das Abklappen horizontal fich ftellende Seitenwand jeder Seite kommt über den Achfen der Räder zu ftehen, und ftellt hiedurch das befte und bequemfte Trittbrett dar, welches den Verwundeten jede Hilfeleiftung zu bringen geftattet. Freilich hat diefs den Uebelftand, dafs, falls durch Nachläffigkeit während der Fahrt die Seitenwände aufgeklappt blieben, fie beim Anfahren an einen feften Gegenftand befchädigt oder ganz abgeriffen werden könnten, ein Grund, der Profeffor Mundy auch bewogen zu haben fcheint, diefe Einrichtung bei feinen neueften Modellen wegzulaffen, und dafür durch engere und fchmälere feitliche Trittbretter zu erfetzen, welche nicht über das Niveau der Räderachfe hervorragen und daher auch nie abgeriffen werden können. Freilich verwerfen Manche auch diefe fo nothwendigen Vorrichtungen unter dem Vorwande, dafs während des Fahrens Leichtverwundete in ihrer Todesangft fich daran fitzend oder ftehend anklammern, und dabei in Gefahr, befchädigt zu werden, gerathen könnten, abgefehen von der dadurch bedingten abfoluten Vermehrung der Wagenlaft. Diefer Wagen wurde fpäter infoferne modificirt, als er für 4 Liegende eingerichtet wurde. Von der Vor- und Rückwand des Wagendaches, entſprechend der Mitte des Wageninnern gehen vom Dache je eine ftarke Eifenftange nach abwärts bis etwa zur Mitte des Abftandes zwifchen Dach und Boden. Jede Stange theilt fich an ihrem freien Ende in je zwei kleine divergirende Branchen, welche ihrerfeits kurze Lederringe tragen zur Aufnahme der inneren Tragbahren- Stangen Die äufseren Dachpfeiler tragen in entſprechender Höhe die äufferen Lederringe zur adäquaten Befeftigung der äufferen Tragftangen. Bei Verwendung des Wagens für Sitzende kann man die eifernen Tragftangen mittelft Charnierbewegung gegen die Innenwand des Wagendaches umlegen und dafelbft befeftigen. Die Kürze des 20 Dr. Mofetig von Moorhof. Wagens erlaubt nicht, jede Tragbahre in die Riemen zu fuspendiren, fondern auch für die obere Lage find eigene Tragbahren erforderlich. Diefe haben ein eifernes Carreau, hervorziehbare, hackenförmig umgelegte Handhaben und keine Füffe. Ein einfaches Bahrtuch und ein Kopfpolfter bilden das Lager. Beim Aufhängen müffen die Handhaben in der Achfe der Tragftangen hineingefchoben und hierauf erft, wenn verkürzt, fuspendirt werden. Der hakenförmige Endtheil fichert die Trage vor dem Ausrutfchen aus den Riemen. Diefe Wagen zeichnen fich durch eine gefällige und niedliche Form vor allen anderen aus und ftanden bei den Schlachten und Gefechten um Paris 1870 und 1871 25 folche Wagen in fteter Verwendung, wo fie fich auch ganz vorzüglich bewährten Locati Alexander, Wagenfabrikant in Turin, ftellte folgende Bleffirtenwagen aus. Transportwagen für Bleffirte, 4 liegende oder 8 fitzende. Syftem Bertani, 1866 im Kriege verwendet und zwar in Tirol und fpäter 1870 in Frankreich. Der Wagenkaften ziemlich hoch, ohne Gallerie, hat einen Mittelgang und fefte, unten hohle Sitzgeftelle, gleich dem von Mundy- Lohner. Die Tragbahren, gepolstert und mit Matratzenftoff überzogen und mit Kopfpölftern verfehen, find auf einfachen Holzrahmen ausge fpannt, die wohl aufftellbaren Füfse haben keine Tragftangen. fondern befitzen nur Kaftenklinken. Die unteren zwei Bahren laffen fich auf den Sitzbänken rollen und alldort durch an der Rückwand angebrachte Sperrfchuber befeftigen. Die oberen zwei werden auf Geftelle befeftigt, welche durch Eifenftänder in eine entfprechende Höhe gehalten werden. Letztere find nur mit Doppelcharnieren verfehen, welche ohne die horizontale Lage der Geftelle zu ändern, deren Herablaffen zum Niveau der unteren Bahren jedoch aufserhalb des Wagenkaftens geftatten. Es dient diefe feltfame Vorrichtung zum leichteren Aufund Abladen, denn find einmal die zwei unteren Bahren in den Wagen gebracht, fo läfst man die Geftelle herab, ladet die Bahren von aufsen her auf und fchiebt fie nun nach oben und in das Innere des Wagens hinein, allwo fie durch Sperrvorrichtungen gefichert werden. Ganz aufgeklappt kommen die vier Bahren in einem Niveau zu ftehen, zwei im Wagen rechts und links vom Mittelgang, und zwei aufserhalb des Wagens knapp über den Rädern. Bei der Anwendung für Sitzende müffen die oberen Tragbahren abgenommen und die Traggeftelle aus ihrer horizontalen in eine verticale Lage gebracht werden. Der Mittelgang des Wagens ift rückwärts offen, ein Uebelftand, der das beliebige Hineinfteigen von Unberufenen ermöglicht, und auch die Wageninwohner der Gefahr des Hineinftoffens der Deichfel des hinterherfahrenden Wagens ausfetzt. Der Wagen hat ferner kein Coupé, fondern einen ziemlich hohen offenen Kutfchbock, fonft aber ift allen Anforderungen ziemlich Genüge geleiftet. Transportwagen für Bleffirte, 5 liegende oder 13 fitzende, als Probewagen für die k. k. öfterreichifche Regierung 1868 gebaut. Der Verfuch mit dem vorliegenden Wagen, welcher im Auftrage des k. k. öfterreichifchen Kriegsminifteriums von Locati 1869 erbaut wurde, kann als ziemlich mifslungen erachtet werden. Der Wagen ift fehr hoch gebaut und entfprechend fchwer. Das Coupé hat einen feften Sitz, das Innere kann 5 Mundy'fche Bahren mit planum inclinatum duplex aufnehmen, und zwar 2 auf feften Sitzgeftellen, wie im Mundy- Lohner'fchen Modelle, eine auf dem Boden des Mittelganges und zwei in der erften Etage und zwar nicht in fuspendirter, fondern in fixirter Lage, die durch fich kreuzende Eifenftangen vermittelt wird. Eine Gallerie auf dem ohne diefs hohen Wagenkaften erleichtert nur die Möglichkeit des Umwerfens. Transportwagen für Bleffirte, 2 liegende oder 8 fitzende, Syftem Mundy mit articulirten Tragen vom Jahre 1867. Von diefen 1 r 5 t 1 Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 21 durch Lohner in Wien gebauten Wagen befitzen der patriotifche Damenverein 16 und der Maltheferorden 15 Stück. Ein ähnliches Modell 1869 durch Locati gebaut. Wir haben fchon oben bei den Mundy- Kellner'fchen Wägen diefer Wagengattungen gedacht, um das Enfemble der Befprechung zu wahren. Transportwagen, neueftes Syftem Mundy, für 6 Liegende oder 6 Sitzende, 1873 erbaut von Locati. Diefer Wagen ähnelt in feiner Conftruction dem Mundy- Kellner'fchen, er ift nur viel leichter gebaut( wiegt 13 Centner). Auch diefer foll jede Tragbahre aufnehmen können, hat aber jene aus piemontefifchem Efchenholz gebauten Tragen, deren wir im Capitel FeldTragbahren ausführliche Erwähnung thaten. Der Unterfchied zwifchen den Locati'fchen und den Kellner'fchen Wagen befteht in folgenden Punkten: Der Locati'fche Wagen hat keine feften Tragftangen aus Eifen, an denen durch kurze Lederriemen die Tragbahren befeftigt werden wie Kellner, fondern je 6 lange Riemen, die mit verfchieden hohen Klängen endigend, fämmtlich vom Wagendache in der Mitte der Vor- und Rückfeite des Wagenkaftens herunterhängen. Die Tragbahren werden fomit ausfchliefslich nur durch Lederriemen getragen, weil diefe aber lang find, fo wird die Suspenfion infoferne unbehaglicher ausfallen, als die Bahren ftärker baumelnd oft an der Seitenwandung und zwar ziemlich unfanft anprallen, wefshalb es nothwendig wird, fie an den Stützpfeilern durch eigene Riemen oder Gurten feftzubinden, was bei der Suspenfion mit kurzen Riemen natürlich nicht erforderlich ift. Die Sitze im Locati'fchen Wagen find nicht an der Innenfeite der Längswände angebracht, fondern ftehen quer und zwar 3, je einer hinter dem anderen. Auf der Vorderwand kehren die 2 Sitzenden den Pferden den Rücken, auf den 2 Hinterbänken dagegen fehen die Sitzenden in der Richtung der Fahrebene. Die Sitze find abnehmbar. Es fehlen die Blechfchalen, die Tragbahren müffen demnach auf dem rauhen Boden, der, um höhere Vorderräder zu gewinnen, von rück- nach vorwärts etwas fteigt, gefchoben werden. Transportwagen für 6 liegende oder 8 fitzende Kranke oder Verwundete mit fpeciellen Tragbahren für den Sanitätsdienft der Wiener Weltausstellung nach Mundy's Angaben, 1873 durch Locati erbaut. Diefer Wagen hat im Ganzen und Grofsen die Einrichtung des vorhin befchriebenen, lange Tragriemen, dafür aber feitliche ftellbare Sitzbänke. Die Tragbahren find ruhebettartig, mit Matratze und RofshaarftoffUeberzug und ftellbarem Kopftheile. Der Wagen wurde für den Sanitätsdienft der Wiener Weltausftellung verwendet und bewährte fich infoferne, als die ftarke Bewegung der fuspendirten Bahren dadurch erträglich gemacht wurde, dafs man diefelben jeweilig an den Dachpfeilern befeftigte. Der ruffifche Bleffirtenwagen, ausgeftellt vom Kriegsminifterium dortfelbft( Specialkatalog Gruppe XIV. Nr. 4) kann 4 Liegende faffen, 2 davon liegen auf dem Boden des Wagens auf Tragbahren, welche an der unteren Fläche der Tragftangen vier Federn, in der Form je einer halben Wagenfeder, mit Rollen an den Enden befitzen; die anderen 2 werden oben fuspendirt mit kurzen Riemen ähnlich jenen im Kellner'fchen Wagen. Ein Klappboden verfchliefst den Wagen, das fefte Dach trägt keine Gallerie. Ein offener Kutfchbock nimmt den Kutfcher und 2 Leichtverwundete auf. Die Conftruction des Wagens ift eine eben fo folide, als die Form eine gefällige, nur ift als ein grofser Fehler der Mangel jeder Einrichtung für Sitzende zu beklagen. Diefer Wagen ift eine Copie des amerikanifchen Wagens von Rucker. Dr. Mayo. Zweirädriger Transportwagen für 2liegende Verwundete. Der mit zwei ungeheuer hohen Rädern verfehene Wagen trägt merkwürdiger Weife zwei Tragbahren unter der Räderaxe mittelft Stricken baumelnd aufgehängt; über der Räderachfe ift ein kleines Schutzdach aus Lein 22 Dr. Mofetig von Moorhof. wand angebracht. Eine Holzwinde ermöglicht das Aufziehen und Niederlaffen der Bahren. Offenbar mufs man beim Aufladen den Wagen über die Bleffirten fchieben, und letztere dann mittelft der Tragbahren aufziehen und festhängen. In Frankreich und Italien find derartige Wagen zum Fortfchleppen von fehr fchwerem Baumateriale in Gebrauch. Da wir hiemit die Reihe jener Bleffirtenwagen abfchliefsen, in denen das Syftem der Suspenfion zur Anwendung kommt, möchte ich zur Klärung meines Standpunktes bemerken, dafs ich jede Suspenfion mit langen Riemen oder Gurten abfolut verwerfe, da durch diefelbe die Erfchütterung des Verwundeten nicht vermieden wird; im Gegentheile wird derfelbe durch das Anprallen an den Seitenwandungen des Wagens heftig erfchüttert; im hohen Grade anerkenne ich dagegen die kurze Suspenfion, welche das Anprallen nicht ermöglicht und die Gewalt der Stöfse bricht, da diefe fich nicht dem Körper des Verwundeten mittheilen, fondern nur die Tragbahre in fanfte Schwingungen verfetzen. Wer nur einmal in feinem Leben über holperige Wege auf einer kurz fuspendirten Trag. bahre gefahren ift, der wird gewifs meine Meinung theilen, und diefem Syfteme die vollfte Gerechtigkeit widerfahren laffen. Dr. Mühlwenzel. Project zur Umgeftaltung eines öfterreichifchen Bleffirtenwagens nach den Principien der einheit lichen Tragbahre für 2 Liegende oder 6 Sitzende. Nicht ift diefs fo zu verftehen, als ob diefe Wagen früher eigene Tragbahren gehabt hätten, nein, fie hatten gar keine Tragbahren, fondern nur zwei Lagerftätten, die durch eine amovible Längswand von einander getrennt waren. Mühlwenzel veränderte nun diefe Lagerftätten derart, dafs auf ihnen 2 reglementäre Tragbahren fixirt Platz finden können. Der Wagen ift fonft fehr nieder, hat keinen Durchlauf, fondern Langwiede, kein feftes Dach, und an der Rückwand ſtatt dem Klappboden einen Sitz ähnlich den Munitionswagen, auf dem einige Leichtbleffirte fitzen können. Dr. Näher in München. Kleines Modell eines Transportwagens für 6 Liegende oder 10 bis 12 Sitzende, oder 4 Schwer und 6 Leichtverwundete oder Fourgon. Man kann wohl daraus entnehmen, dafs es fich um einen fchweren, gefchloffenen Wagen handelt, der zu verfchiedenen Zwecken dienen kann. Suspenfion ift nicht vertreten. Spanien hat einen zweirädrigen Ambulancewagen für 2 Liegende ausgeftellt. Er hat keine Tragbahren, fondern nur zwei getrennte Lagerftätten, und ift durch Vorhänge verfchliefsbar. Feftes Dach ohne Gallerie. Zweirädrige Bleffirtenwagen find allgemein verworfen und mit wenigen Ausnahmen aus dem Militär- Sanitätsmateriale faft fämmtlicher Staaten ausge fchloffen worden. Die zweirädrigen Wagen fchaukeln und erfchüttern zu viel, find unficherer beim Fahren, und wiegen den fcheinbaren Vortheil einfpännig zu fein vollkommen durch die geringe Belaftung, die fie zulaffen, auf. Sie geftatten auch keine fo rafche Locomotion wie die vierrädrigen, da der Kutfcher das Saumthier oder das Pferd am Halfter führen und mitgehen mufs, denn die Leichtigkeit und Behendigkeit des italienifchen Jungen, der mit einer Hinterbacke fchwebend auf einer Gabelſtange feiner Timonella fitzen und im fchnellen Trabe davonfahren kann, wird man wohl kaum einem Fahrfoldaten zumuthen können. Da ferner ein zweirädriger Wagen nothwendiger Weife entſprechend nieder fein mufs, fo kann er demnach für Sitzende nicht eingerichtet werden. Es genügt aber wohl die einfache Berechnung, dafs man mit einem vierrädrigen zweifpännigen Bleffirtenwagen 8 bis 10 Mann fortzubringen vermag, wogegen der Einfpänner nur 2 aufnimmt, um in der richtigen Beurtheilung und Wahl zwifchen beiden nicht fchwankend zu werden. Alle diefe Erfahrungen wurden an den zweirädrigen Bleffirtenwagen von Maffon in Frankreich fattfam beſtätiget. Refumiren wir das bisher Gefagte, fo können wir die im Sanitätspavillon ausgeftellten Wagenmodelle in folgende Kategorien theilen. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 23 S r 1 1 r S 1, 1 e 1- e n, n it d n er gt - n n Gefchloffene Bleffirtenwagen mit eigenen Tragbahren ohne Suspenfion: Hirfchberg, v. Hoenika, Näher. Offene Bleffirtenwagen mit eigenen Tragbahren ohne Suspenfion: Baierifcher Landes- Hilfsverein, Locati, Locati Bertani und ein Wagenfyftem Mundy Locati. Offene Bleffirtenwagen mit Feld- Tragbahren ohne Suspenfion: Deutfches Heerwefen und Mühlwenzel. Offene Bleffirtenwagen mit eigenen Tragbahren zur Hälfte mit und zur Hälfte ohne Suspenfion: Mundy- Lohner. Offene Bleffirtenwagen mit Feld Tragbahren in Suspenfion: Mundy- Locati und Mundy Kellner ferner Mayo. Offene Bleffirtenwagen ohne Tragbahren: der fpanifche Ambulanzwagen. Die Privatconferenz hat für Bleffirtenwagen folgende Bedingungen geftellt: Der Transportwagen foll bei folidem Baue das Gewicht von 14 Centnern in unbeladenem Zuftande nicht überfteigen, und mit Durchlauf des Vorder geftelles verfehen fein. Der Wagen foll ein feftes Dach mit Gallerie befitzen, und fowohl mit Radfchuh als Bremfe verfehen fein, Er mufs fowohl vorne als an den Seiten abgefchloffen werden können, und mit foliden Vorhängen zum Schutze vor Sonnenftrahlen, Regen und Wind verfehen fein. Der innere Raum foll allein nur für die Verwundeten refervirt fein, alfo nur die Feldtragen und die Sitze faffen. Der Wagen foll mindeftens 4, und als Maximum 6 liegende, oder 8, höchftens 10 fitzende Verwundete faffen können, und ift zweifpännig zu fahren. Das Syftem der Suspenfion entſpricht am beften den gegenwärtigen Anforderungen, immerhin werden aber weitere Verfuche nicht ausgefchloffen. Seitlich foll der Wagen zur leichteren Beladung zurückklappbare Trittbreter befitzen, hinten aber durch einen foliden Deckel verfchliefsbar fein, und nebft den Labemitteln die nöthigen Werkzeuge für kleinere Reparaturen mit fich führen. Das Geleife des Wagens foll fich nach dem im Lande üblichen richten. Küchenwagen. Von Küchenwagen hat man erft in der Neuzeit zu sprechen begonnen, und wurden zuerft in Amerika während des letzten Krieges die erften ambulanten Küchen erbaut. Europa fängt nun auch an fie einzuführen, und wenngleich man fie gegenwärtig, wie alle Neuerungen überhaupt, noch mit etwas fcheelen Blicken betrachtet, fo läfst fich doch hoffen, dafs fie fchon in der nächften Zukunft allgemeine Anerkennung finden werden. Schon erbaut man in England ambulante Küchen für Arbeiter in Fabriken und im Felde, die weit weg von ihren Behaufungen thätig find, und denen man für billiges Geld eine gute und kräftige Koft bieten will. Die Arbeitskraft richtet fich ja nach dem Stoffwechfel der Arbeitenden, und diefer nach der Quantität und befonders aber nach der Qualität der Nahrungseinnahme. Nicht für eine kräftige und dem Organismus der Arbeiter entſprechende Koft zu forgen, wäre demnach fchon vom nationalökonomifchen Standpunkte ein Fehler, den die praktifchen Engländer forgfam vermeiden. Die englifche Arbeitercolonie auf dem Weltausftellungsplatze menagirte die ganze Zeit über billig und gut durch einen Küchenwagen, ein Beweis von deren Brauchbarkeit und Güte. Soll denn aber für die erfchöpften Verwundeten minder geforgt werden, oder ift eine Labung derfelben nicht oft nützlicher als ein Verband? Der Zweck der ambulanten Küche iſt, den Hilfs- und Verbandplätzen eine fchon fertige frifche Nahrung 24 Dr. Mofetig von Moorhof. zuzuführen, auf dafs die dortfelbft ankommenden Bleffirten fofort gefpeift werden können. Sie find ja unmittelbar nach der Verletzung, wenn die Waffe nicht gar zu arge Verwüftungen im Körper geftiftet hat, innerlich noch gefund, das Reactions. ftadium noch weit, warum nicht ihren Hunger ftillen und ihre Erfchöpfung mindern umfomehr, als oft ein längerer Transport ihrer harrt? Die Töpfe und die confer virten Nahrungsmittel, die man an die Hilfsplätze fchaffen foll, müffen ja, falls fie überhaupt anlangen, erft ausgepackt, es mufs Feuer gemacht, Waffer geholt und endlich längere Zeit gekocht werden. Und wenn plötzlich der Hilfsplatz amovirt werden mufs, was dann? Der Küchenwagen kann nachfahren, die Töpfe aber fammt dem Inhalte, die bleiben zurück und gehen verloren. Der Küchenwagen kann das Kochgefchäft beginnen während des Hinfahrens zum Hilfsplatze, hat alfo genügende Zeit, um frifches Fleiſch zu kochen, bedarf der bei Weitem weniger zuträglichen Conferven nicht fo exclufiv, und bietet fchon fertige Nahrung, kaum dafs, ja noch ehe der Hilfs- oder Verbandplatz errichtet ift. Selbft wenn wir uns auf den Standpunkt der Bequemlichkeit ftellen, müffen wir den Küchenwagen gewifs den Vorzug einräumen vor den einzelnen Kochtöpfen, denn deren illuforifche Thätigkeit bewiefen ja hinlänglich die letzten Kriege, wo wenigftens wie ich und viele Collegen es erfahren haben, die Verwundeten ausnahmslos, ohne gelabt worden zu fein, nach langer Irrfahrt in die Feldfpitäler einlangten, erfchöpft durch die überftandenen Märfche, erfchöpft durch das frühere Faften, erfchöpft durch die Verwundung; denn man glaube ja nicht, dafs die Truppen, welche ins Feuer geführt werden, früher gegeffen und ausgeruht haben: möge diefs in der Zukunft fo fein, in der Vergangenheit war es gewifs nicht der Fall. Im Angefichte des Feindes, kurz vor dem Kampfe, darf ja kein offenes Feuer angezündet werden, wo foll der Mann denn kochen? Und während des Marfches, wie geht es da zu! Einige Ochfen, wenn gerade vorhanden, werden fchnell gekeult, zerftückelt, das noch zappelnde Fleiſch in die Kochtöpfe geworfen und eine Stunde fpäter foll abgegeffen fein. Sehen wir von der äquivoken Suppe und dem harten Fleifchftücke ab, welches in die hungernden Mägen mit Haft getrieben wird, fo müffen wir fragen, wann ruht denn der Mann aus, wenn er Holz und Waffer bringen und kochen foll? Aber wie oft ftehen keine Rinder heerden in der Nähe, wie oft wird während des Kochens Alarm geblafen, und die brodelnden Keffel müffen unbenützt ausgeleert werden! Es find diefs keine Trug- und Wahngebilde, fondern traurige Wahrheiten, die fich leider oft genug wiederholt haben, und die in früheren Zeiten, wo noch perfönlicher Muth und körperliche Kraft in den Schlachten mehr gegolten haben als heutzutage, vielleicht zu manchem Mifserfolge geführt haben mögen; denn abgemattete, hungernde und durftende Soldaten können unmöglich jenes Actionsvermögen entwickeln, deffen fie unter befferen Verhältniffen im Stande wären. Denke man fich nun grofse Küchenwagen, welche den marfchirenden Truppen nachfolgen und während des Fahrens kochen; da wäre der Mann, trotz plötzlichen Alarmfchlagens, trotz mangelnder Rinderheerde ficher, gute Nahrung zu bekommen, und könnte nebftdem auch in der Raftftunde wirklich raften und ruhen. Freilich erklären jetzt noch oft auch gewiegte Militäriften derlei Küchenwagen als utopifch und unmög lich; fie mögen es beffer verftehen. Vielleicht bringen die Fleifchconferven, die eine grofsartige Verwendung fchon im franzöfifch- deutfchen Kriege auf preufsifcher Seite, namentlich durch die berühmte und berüchtigte Erbswurft gefunden haben, und die in den nächften Kriegen noch gröfsere Dimenfionen zu nehmen verfprechen, wenn man wenigftens an die grofsen Confervefabriken denkt, die Deutſchland in den Rheingegenden zu erbauen Sinnes ift, vielleicht bringen die Conferven eine wohlthätige Aenderung in der bisherigen, gewifs fehr mangelnden wenngleich koftfpieligen Verproviantirung der Truppen. Wir wollen demnach die Frage von den Küchenwagen für Truppen offen laffen, betonen aber nochmals und ganz ausdrücklich deren Nothwendigkeit für Bleffirte. ב r d t r n t 1 n t t S n e 量 P e t 1 וב e S Z t 7 1 t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 25 Ein Küchenwagen ftellt, allgemein gefprochen, einen oder mehrere vollftändig eingerichtete Kochherde dar, die auf einem Wagen ruhen, welcher nebftbei noch für etwas Proviant und Heizmateriale Platz haben mufs. Die Kochtöpfe müffen im Herde entweder nicht fixirt fein oder wenigftens derartige Verfchlufsmittel befitzen, welche das Entweichen des Inhaltes bei der Erfchütterung während des Fahrens verhindern. Der Rauchfang des Feuerraumes foll fo hoch fein, dafs er mit feinem Ende den Kopf des im Wageninneren vor dem Herde ftehenden Koches und demnach das jedenfalls unentbehrliche Wagendach überragt. Der Koch mufs vor oder hinter dem Herde ftehen können, beffer ift es, wenn er die Fahrrichtung, alfo hinter dem Herde fteht, keineswegs darf er aber, gegen falls mehrere Herde angebracht find, zwifchen diefen ſtehen; er würde die Hitze nicht auszuhalten vermögen. Das Schüren des Feuers foll ftets im Bereiche des Kochenden liegen. Die Küchenwagen find nun je nach ihrer Beftimmung verfchieden grofs, und da fie dem entſprechend auch verfchieden fchwer fein müffen, fo erfolgt die Nothwendigkeit, fie auch vierfpännig zu fahren. Kleinere Küchenwagen find jedoch zweifpännig, ja man hat fogar einfpännige. Im Pavillon waren folgende Mufter: Katalog Nr. 30. Adams Stutton Ground Weftmünfter. London. Küche für Arbeiter( The britiſh Workmanns Hôtel). Kleineres Modell. Beide Eigenthum Seiner Excellenz des Generaldirectors der Weltausftellung Freiherrn v. Schwarz- Senborn. Es find diefs eiferne, vierräderige, einfpännig zu fahrende Wagen mit Wagendach, einem mit Abtheilungen verfehenen Kochherde und einem Hinterplatze für den Koch nebft Kohlenbehälter. Nr. 31. Haag, Augsburg. Dampf- Kochwagen, der 200 Liter Waffer in 20 Minuten zum Sieden bringt. Vierräderig und fo grofs und fchwer, dafs vier Pferde kaum hinreichen dürften. Nr. 32, Kayfer& Comp., Berlin. Kleines Modell einer fahrbaren Feldküche, den englifchen ähnlich gebaut, vierräderig und zweifpännig zu fahren. Nr. 33. Kellner, Wagenfabrikant in Paris. Feld- Küchenwagen für Ambulancen und Lazarethe( 1873 neueftes Syftem Mundy). Diefer Wagen ift gänzlich verfchliefsbar. Der Rauchfang ragt aus dem eifernen, mittelft Fallthüren beliebig zu öffnenden Dache, die Seitenwände find mittelft, auf Rollen fpielender Schubthüren ganz abfchliefsbar, die Hinterwand hat zwei eiferne Flügelthüren und ein aufklappbares Fufsbret. Die Vorderwand ift gefchloffen und trägt ein hohes Kutfchbock mit umlegbarem Lederdache, am Fufstritte des Kutfchbockes eine grofse Omnibuslaterne mit Hohlfpiegel, nebft dem alle Beftandtheile eines guten Wagens. Ift vierrädrig und vierfpännig zu fahren. Die innere Einrichtung läfst Nichts zu wünfchen übrig. Der maffive und grofse Herd, worin für 250 bis 300 Kranke oder Bleffirte in 2 bis 3 Stunden gekocht werden kann, liegt der Rückwand zu, während gegen die Vorderwand eine kleine Speife, und vor diefer ein Sitzkaften fteht, in dem die kleineren Kochutenfilien eingefchloffen werden. Der Herd felbft hat mehrere Abtheilungen, welche die Zubereitung verfchiedener Speifen gleichzeitig ermöglichen. Die grofsen Suppenkeffel, fämmtlich hermetifch verfchliefsbar, ftehen feitlich und haben Ausflufsrohre, die mit Hähnen fperrbar find und die aufserhalb der Seitenwand am Hintertheile angebracht find, damit man das Austheilen der Suppe bequemer vornehmen könne. Endlich find noch abnehmbare Bretter vorhanden, welche an den geöffneten Seitenthüren befeftigt werden und dazu dienen, um die zum Austheilen des Fleiſches nöthigen Menage Blechfchalen aufftellen zu können. Der Koch fteht rücklings zur Fahrrichtung in einem bequemen Raume, wird daher vom Rauche nie mleftirt, und ift ftets vor jedem Witterungseinfluffe vollkommen gefchützt. Die Heizung des Feuerraumes gefchieht vom Innenraume. Der Wagen wurde mehrmals erprobt, und in jeder Beziehung vorzüglich befunden. Er ftellt 26 Dr. Mofetig von Moorhof. das Befte vor, was bisher im Küchenwagen- Bau dieser Art geleiſtet worden ift. Nr. 34. Locati, Wagenfabrikant in Turin: Feld- Küchenwagen für Lazarethe und Ambulancen im Kriege( Syftem Mundy). Kocht in 2 bis 3 Stunden für 800 bis 1000 Verwundete, vierrädrig und zweifpännig zu fahren, ift ähnlich dem eben befchriebenen, aber nicht ganz abfperrbar und weniger vollſtändig eingerichtet. Der felbe ift um die Hälfte leichter als der Kellner- Mundy'fche, den wir foeben befchrieben haben. Zweirädrige Feldküche. Einfpännig, Syftem Coutard, verbeffert durch Mundy und Locati. Kocht in 2 bis 3 Stunden für 250 Verwundete, hat zwei grofse Keffel, die von rückwärts geheizt werden. Der Kochende fteht vor dem Herde. Diefer Wagen ift zweirädrig, fehr leicht und durch ein Saumthier ziehbar. Feldküche für Truppen( Syftem Locati). Kocht in vier Stunden für 2500 Mann. Der vierrädrige, äufserft fchwere Wagen befitzt einen langen Wagenkaften mit Dach, in dem ein langer Mittelgang und jederfeits von ihm je fünf, hinter einander ftehende, im Ganzen alfo zehn grofse Keffel, die je einen gemeinfchaftlichen Feuerungsraum haben, der von rückwärts gefpeift wird. Beim Fahren werden die Keffel aus dem Behältniffe, in welchem fie ftecken, empor gehoben und mittelft Haken auf einer ftarken Eifenftange fchwebend aufgehängt, damit der Inhalt nicht allzufehr ausfliefse. Diefer Wagen dürfte fich feiner Schwere und Unbehilflichkeit und des Umftandes wegen, dafs der arme Koch zwifchen zehn grofsen kochenden Keffeln eingefchloffen bleibt, und alldort für die Länge kaum zu verweilen vermöchte, kaum empfehlen. Unter der Rubrik Magazinswagen fand ich unter Nr. 36 im Specialkataloge einen Wafferheizungs- Brot- Backofen von Haag in Augsburg. Da aber meiner Anficht nach, wenn man Brot als Aequivalent für Nahrungsmateriale annimmt, ein Brot- Backofen eher zu den Küchenwagen als zu den Fourgons zu rechnen ift, fo erlaube ich mir denfelben in diefem Capitel aufzunehmen. Der vier räderige Wagen ift monftrös grofs und ganz aus Eifen gebaut. Eine vielfach gewundene Dampfröhren- Leitung heizt die Ofenräume, in denen 48 Brote à vier Pfund in einer Stunde gebacken werden können. Sollte an Brot grofser Mangel herrfchen, oder das aus den Militärbäckereien gefafste Brot fchon fchimmelig und verdorben an feinem Beftimmungsorte angelangt fein, dann könnte diefer Wagenkolofs allerdings einige Dienfte leiften. Ob aber das frifchgebackene Brot in Laiben à vier Pfund, welches diefer Backofen liefern mag, auch für die Mägen der Verwundeten und Kranken zuträglich fei, ift zu bezweifeln. Ift es aber für die marfchirende Truppe beftimmt, dann enthalte ich mich fchon gar jedes Urtheiles, glaube jedoch, dafs an Brot kaum je ein ganz plötzlicher Mangel fich einftellen, und man fonft dafür auf andere Weife forgen können dürfte. Noch einen Küchenwagen muss ich zum Schluffe erwähnen, der in der ungarifchen Abtheilung der Mafchinenhalle weilte, und zwar unter dem Namen: Beweglicher Militär- Kochherd vom Grafen Zichy, Eugen und Lucács Sigmund in Stuhlweifsenburg. Ein leichter, vierrädriger und zweifpannig zu fahrender, ganz offener Wagen, hat hinter dem Kutfchbocke einen länglichen Kaften, in dem zwei ebenfolange, länglich viereckige Kochkeffel angebracht find. Der Feuerherd nimmt die Mitte zwifchen den zwei Keffeln ein, fo dafs letztere nicht vom Bocke aus, fondern nur durch einen Theil der Seitenwand geheizt werden können. Der Koch mufs auf dem Kutfchbocke fitzen und kann während des Fahrens weder das Feuer unterhalten, noch auch das Kochen überwachen. Eine ungemein gefällige Form und grofse Leichtigkeit find unleug bare Vorzüge diefes Wagens, der angeblich für 1000 Kranke berechnet ift. Der Mangel einer Bedachung ift zu betonen, die bei einem Küchenwagen wohl nicht entbehrlich ift. Ob das Beheizen fo grofser Keffel zu Kochzwecken von der et m r. e- ல் ட்= en Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 27 Seite her gut möglich fei, das überlaffe ich der Beurtheilung competenter Fach leute. Zum Transporte fchon zubereiteter Nahrung, quasi als réchaud, würde der Wagen wohl dienen können, vielleicht ift er auch nur hiefür berechnet. Die Conferenz erklärte die absolute Nothwendigkeit der Küchenwagen für die Verbandplätze und für das volante Lazareth. Was den Bau anbelangt, fei das von Mundy angegebene und von Kellner erbaute Modell vorderhand als das praktifchefte und allen Anforderungen am beften entſpre chende zu bezeichnen. r. 50 er nd en en je en im Dr. gt, ere en ge ge Der ale zu erach ier gel nd enin der die es, en, der en: nd und cke ffel ein, enund hen ug. Der cht der Magazinswagen. Magazins oder Deckelwagen, auch Fourgon nennt man jene Wagen, welche den Zweck haben, auf Verbandplätzen oder in Feldlazarethen alle jene Utenfilien zu fchaffen, welche zur Aufnahme und erften Pflege der Verwun deten und Kranken nothwendig find, als da find Wäfche- und Bettenrequifiten aller Art, Verbandzeug, chirurgifche Inftrumente, Spitals requifiten, Medicamente und Labemittel. Für Medicamente hat man noch gegenwärtig eigene Wagen, welche ihres Inhaltes wegen auch Feldapotheken oder Medicamentenwagen geheifsen werden. Mit der Vereinfachung der Behandlung von Krankheiten durch Arzneiftoffe werden hoffentlich auch diefe fpeciellen Wagen fammt ihrem zum gröfsten Theile wohl entbehrlichen Inhalte nach und nach verfchwinden. geradefo wie die ellenlangen Recepte der alten Schule heutzutage aus der Praxis faft gänzlich verfchwunden find. Mit dem Fortfchritte der medicinifchen Wiffenfchaften klärt fich allmälig die Kenntnifs und die Behandlung der phyfifchen Erkrankungen, und in ftets weiteren Kreifen verbreitet fich die Ueberzeugung, dafs der Haupthebel jeder internen Behandlung die vernünftige Diätetik fei. Geftalten wir daher die Medicinkarren in Küchenwagen um, dann erft werden wir behaupten können, in jenes Geleife getreten zu fein, welches zum reellen Fortfchritte der Feldfanität führt. Ein Deckelwagen ftellt, wie fchon der Name es bezeichnet, einen gefchloffenen Karren dar, der auf vier Rädern ruht. Innen ift der Wagenkaften leer, er hat keine befonderen Einrichtungen, da er ja Gegenftände aller möglichen Form und Gröfse aufnehmen foll. Wir fanden im Sanitätspavillon folgende Fourgonmodelle vor: Deutfches Heerwefen. Ein neuer Truppen- Medicinwagen mit Ausftattung einfchliesslich der Krankentragen und Bandagentornifter, ein Wagen für Sanitätsdetachements mit Ausstattung exclufive Arzneien, ein Sanitätswagen für Feldlazarethe, ein Batterie- Medicinalkaften neuefter Conftruction. Diefe Wagen enthalten mehr weniger complete Feldapotheken mit Fla fchen, Büchfen und Schachteln, Reibfchalen und Waagen, und allen jenen Apothekerbedürfniffen, die im Felde fo entbehrlich find. Alle find vierrädrig und mit offenem Kutfchbock verfehen. Kellner( Paris). Kleiner und grofser Fourgon( neueftes Syftem Mundy 1873). Es find diefs vollständig gefchloffene Wagenkaften, die fich feitlich durch Schubthüren, rückwärts durch Flügelthüren öffnen laffen. Der vorderfte Abſchnitt des Innenraumes ift wieder durch zwei übereinander gleitende Rollthüren, die fich vom Innenraume aus öffnen, für fich getrennt, und hat die Beftimmung, Efswaaren aufzunehmen, wogegen der gröfsere übrige Theil des Innenraumes für das übrige Materiale beftimmt ift. Die verfchiedenen Objecte werden in geflochtenen Körben, die mit Lederüberzug verfehen find, gepackt in den Fourgon geladen, eine Einrichtung, welche das leichte Auffinden jedes eben gefuchten Gegenſtandes ermög 28 Dr. Mofetig von Moorhof. licht, da jeder Korb an der Aufsenfläche des Deckels eine Infchrift trägt, welche den Inhalt bekundet. Wir fehen Körbe mit den Auffchriften Apotheke, Inftru. mente, Verbandmateriale, Leibwäfche. Bettwäfche, Gyps, dann wieder Fleiſch, Brot, Gemüfe, Mehlwaaren u. f. f. Die geflochtenen Körbe haben den Vortheil der gröfseren Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit, fefte Kiften würden beim oftma ligen, oft rüden Auf- und Abladen leicht befchädigt. Wir loben in diefen Fourgons die leichte Zugänglichkeit von drei verfchiedenen Seiten, und glauben diefs als eine ebenfo zweckmäfsige als nothwendige Bedingung eines guten Magazinwagens befonders hervorheben und betonen zu müffen. Locati( Turin). Magazinwagen für das Feld nach Angabe des Profeffor Mundy. Diefer Fourgon ftellt gleichfalls einen gefchloffenen Wagenkaften dar, der von den Seiten und von rückwärts gleich den Kellner'fchen fich öffnen läfst. Statt des offenen Kutfchbockes trägt er quasi als Fortfetzung des Kaftens gleich den Bleffirtenwagen ein Coupé mit Halbdach. Der Wagenkaften ift vollkommen leer, und die Wagenthüren, fowohl die feitlichen als die hinteren haben grofse fenfterartige Ausfchnitte und ſtarke Eifenblech- Fenfter, die je nach Wunſch und Bedarf aufgezogen oder niedergelaffen werden können, ähnlich einem gewöhn. lichen Wagenfenfter. Weiters ift die Einrichtung getroffen, dafs im Nothfalle der leere Fourgon auch zum Verwundetentransporte benützt werden, und vier liegende und auf Bahren gebettete Bleffirte, je zwei übereinander gelagert, faffen könne, Hiezu werden an acht Haken, je zwei an jedem Eckpfeiler, vier federnde, aus Stahlreifen und Lederüberzug gebaute Stangen der Quere nach befeftigt, auf welche die Tragbahren einfach gelegt, in einer höchft einfachen Weife gefichert und demnach federnd getragen werden können. Die grofsen bei diefer Gelegen heit geöffneten Fenfter forgen für genügendes Licht und Luft. Da bei der Benützung als Fourgon die Fenfter forgfältig gefchloffen werden, fo würde, falls der Wagen kaften nicht fehr oft geöffnet wird, keine entsprechende Lufterneuerung ftattfinden können, ein Umftand, der möglicherweife einige der mitgeführten Gegenftände dem Verderbniffe zuführen könnte. Um diefes zu vermeiden, find an den Seiten- Wandungen des Locati'fchen fowie auch des Kellner'fchen Fourgons einige kleine Löcher ausgebohrt, durch welche die Luft hinein- und herausftrömen kann. Mundy's Gedanke, einen Fourgon zugleich zum zweckmässigen Bleffirtentransporte verwendbar machen zu können, ift ein glücklicher, und jedenfalls fehr zu beachten. An Schlachttagen gibt es ja bekanntermafsen immer einen grofsen Mangel an Bleffirtenwagen. Warum foll man da den Fourgon, namentlich wenn er feinen Inhalt fchon dem Verbandplatze oder dem Feldfpitale übergeben hat und geleert ift, nicht zur Aushilfe beim Bleffirtentransporte verwenden; er wird ja wieder Fourgon, fobald er gereinigt und die Gefechtszeit vorüber ift. Spanien. Der fpanifche reglementäre Fourgon für Sanitätsmateriale ift zweirädrig und entspricht dem Ausdrucke Deckelwagen am vollständigften; er beſteht nämlich nur aus einem einfachen Holzkaften, der durch einen oberen Deckel gleich einer Kifte zu- und aufgemacht werden kann. Unter dem Titel Fourgon de vivres hat endlich Rufsland einen Wagen ausgeftellt mit fehr hohen Rädern und einem einfachen Holzkaften, der fich nur rückwärts öffnete. Gefchloffen wird er durch eine Plache, welche über Reife, die fich über den Holzkaften von einer Seitenwand zur anderen fpannen, gezogen wird. Die Conferenz hat für den Magazinwagen die Poftulate aufgeftellt, dafs er: von allen, das heifst von drei Seiten zu öffnen fei der Deichfel und deren Adnexe wegen unzugänglich; - die Vorderwand ift leer ein Gewicht von 20 Centnern habe, vollbepackt das von 40 Zoll' centnern nicht überfchreite. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 29 he نہ نہ ہو ch. eil a. r- fs n- or == ar, St. ch en se nd n. ہے نے de e. us uf ert enng enen de en ns 18enhr en nn at ja ift er zel en er er E en, er: ift 11Lazareth- Eifenbahnwagen. Seit der Zeit, als überhaupt Eifenbahnen beftehen, hat man diefelben zum Transporte Verwundeter und Kranker benützt, denn das Bedürfnifs, die Anhäufung von Verwundeten in der nächften Umgebung der Schlachtfelder forgfam zu vermeiden, war längft bekannt; nur hatte man in früheren Zeiten, wo die Anwendung des Dampfes als Locomotor noch nicht gekannt war, nicht die Möglichkeit, eine Zerftreuung der Verwundeten in gröfserem Maafse zu bewerkstelligen. Heutzutage aber, wo dank der Eifenbahnen der Begriff Entfernung ein ganz anderer geworden, ift die rafche Amovirung der Verwundeten vom Schlachtfelde zur Regel, zur Pflicht, zum hygienifchen Axiom geworden, und zwar umfomehr, als die Verbefferungen der Schufswaffen und die dadurch bedingte Aenderung der Kampfweife und ferner die gröfsere Menge der Kämpfenden überhaupt auch eine relativ und abfolut gröfsere Anzahl von Bleffirten nach einem Schlachttage ergibt, als diefs je früher der Fall gewefen ift. Namentlich der vorrückende Sieger ift es, dem die Sorge um die eigenen Bleffirten und um jene des Gegners zukommt, die ihm in grofser Anzahl in die Hände fallen Die vielen Taufende von Bleffirten dürfen aber nicht zufammengehäuft in der Nähe des Schlachtfeldes verbleiben, denn die Mittel, fie alle zu pflegen, fie alle unterzubringen fehlen, das Aerzte- und Pflegeperfonal, die Nahrung, Unterkunft, Wäfche und die hundert anderen Bedürfniffe können unmöglich in hinreichender Anzahl aufgetrieben werden. Könnte diefs aber auch der Fall fein, fo dürften die Bleffirten doch nicht in der Nähe des Kampfplatzes verbleiben, denn die Anhäufung von vielen Wunden und Erkrankungsfällen erzeugt Epidemien, denen dann nicht nur die Bleffirten, fondern auch deren Umgebung zum Opfer fallen; ferner wird der Ausbruch folcher Epidemien befördert durch die verpeftete Luft der Schlachtfelder felbft, in denen wieder Taufende von Menfchen- und Pferdeleichen oberflächlich verfcharrt verfaulen, denn das Kriegsglück kann fich wenden und der Rücken des früheren Schlachtfeldes zum neuen Kampfplatze werden. Die Evacuation des Schlachtfeldes und der erften Feldlazarethe wird hiedurch zur Hauptpflicht der Feldfanität, und Freund und Feind, Alles, was nicht fterbend oder gerade nicht gut transportabel ift, wird fortgeführt weit vom Schlachfelde in die Heimath oder in die Fremde, wenn befiegt, krank und gefangen. Beide Theile können dadurch nur gewinnen, vorausgefetzt, dafs der Transport auf zweckmäfsige Weife erfolgt und nicht allzu lange dauert. Die Kriegschirurgie auf der einen, und die mehr und mehr fich vervollkommnenden Transportmittel auf der anderen Seite beftreben fich, diefem Poftulate gerecht zu werden und es läfst fich hoffen, dafs die Leiftungen beider, namentlich aber die des Transportsmateriales fchon in den nächften Kriegen Hand in Hand gehen werden in der Löfung der grofsen und wichtigen Frage der Rettung und Erhaltung der fürs Vaterland Gefallenen. Wenn auch der Transport Verwundeter in früheren Zeiten mit Eifenbahnwagen erfolgte, fo gefchah diefs ohne weitere Vorbereitung derfelben und in den Kriegen des Jahres 1859, 1864, 1866 und zum Theil noch 1870 und 1871 wurden die Verwundeten in gewöhnlichen Perfonenwagen oder in leeren Laftwagen transportirt, auf den Sitzen oder auf Stroh gelagert, felten in Betten auf Tragbahren oder Matratzen, die aber auch ohne jede Vorbereitung einfach auf den Boden der Laftwagen hingeftellt wurden. Die während des Krimkrieges von Baudens, Larrey und Pirogoff gemachten Verfuche, Verwundete auf Tragbahren in Eifenbahn- Wagen zweckmäffig unterzubringen, befchränkten fich auf wenige Fälle und fanden keine nennenswerthe Nachahmung. Erft Amerika belehrte uns, dafs man die Wagen zum Transporte der Verwundeten eigens einrichten müffe, um fie hiezu geeignet zu machen. 30 Dr. Mofetig von Moorhof. Wer je Gelegenheit hatte, eine längere Strecke in einem gewöhnlichen Güterwagen zu fahren, der wird zugeben müffen, dafs der Aufenthalt für Verwundete, dortfelbft wenn fie auf dem Boden liegen, durch die fortwährende Erfchüt terung ganz unerträglich ift, und gerade die Schwerverwundeten trifft diefes harte Loos, denn die Leichtverwundeten und die Sitzenkönnenden benützen ja die Perfonenwagen. Nicht als ob ein eigens nur zum Bleffirtentransporte gebautes Materiale, etwa gleich den Bleffirtenwagen oder den Tragbahren gebaut werden müfste, denn welche Eifenbahn- Gefellſchaft oder welcher Staat könnte und möchte die enormen Koften tragen, um ein todtes Capital zu befitzen, welches nicht nur keine Zinfen trägt, fondern welches auch vielleicht, ohne je gedient zu haben, zu Grunde geht. Es mufs beftehendes thätiges Wagenmateriale benützt werden, nur mufs es zum Bleffirtentransporte eigens eingerichtet werden, und von Haus aus fo befchaffen fein, dafs es fich zum Zwecke eigne. Und diefs ift wohl nicht fchwer zu erreichen, denn der Wagenpark jeder Eifenbahn confumirt fich ja fortwährend und mufs durch neues erfetzt werden; beim neuzuerbauenden könnte und müfste aber auf diefe Eventualität Rückficht genommen werden, ohne dafs die Brauchbarkeit für den gewöhnlichen Betrieb darunter leide oder befondere Koften hiefür erwachfen. Es wäre wahrlich an der Zeit, dafs fämmtliche Eifenbahn- Gefellſchaften, wefs Namens und Landes fie auch fein mögen, mit diefem Gedanken fich vertraut machen würden, und bei Zeiten für etwaige Kriegsereigniffe fich vorbereiten möchten, indem bei der jetzigen politifchen Lage der Dinge kein Staat der Welt die Möglichkeit deren Eintreffens weder vorausfehen noch leugnen kann. Wie oben erwähnt, gebührt Amerika das Verdienft, im letzten Kriege zwifchen den Nord- und den Südftaaten 1863 zuerft gezeigt zu haben, dafs und wie man das beſtehende Materiale zu einem zweckentfprechenden Bleffirtentransporte im Grofsen herrichten müffe und zwar durch Dr. Harris in New- York, membre of the sanitary commiffion. Preufsen folgte dem Beiſpiele und der Director der grofsen Eifenbahn- Fabrik in Berlin Herr Unruh begann auf Anregung der Profefforen Es march und Virchow die neuzuerbauenden Wagen IV. Claffe fo einzurichten, dafs fie im Kriege als Hofpitalwagen fungiren könnten und war es auch Virchow, der im deutfch- franzöfifchen Kriege 1870 zuerft mit einem geordneten Hofpitalzuge von Berlin zum Kriegsfchauplatze fuhr, dann erft folgten Baiern, Baden und Württemberg dem fchönen Beiſpiele. In Frankreich hat der um das Militär- Sanitätswefen fo vielverdiente Profeffor Mundy fich der Sache angenommen, und mit Beihilfe des Directors einer grofsen franzöfifchen Eifenbahnwaggon- Fabrik Herrn Carl Bonnefond und des Eifenbahningenieurs Leon das Modell eines Eifenbahn- Materiales geliefert, welches nicht nur allen Anforderungen entſpricht, indem es ebenfo im Frieden zum gewöhnlichen Betriebe als auch im Kriege zum Verwundetentransporte zu dienen vermag, fondern auch das Vollkommenfte und Vorzüglichfte darftellt, was bis nun in diefem Fache geleiftet worden ift. Man wende nicht ein, dafs die eigens hergerichteten Lazarethzüge nicht zum Schlachtfelde fahren könnten, da alle Geleife dahin mit Truppentransports, Proviant-, Munitions- und anderen Zügen verlegt wären und dafs daher die erften beften eben dort befindlichen, eben geleerten und gar nicht ad hoc hergerichteten Wagen, welcher Gattung immer zur Evacuation des Schlachtfeldes verwendet werden müffen, es wäre diefs die gleiche unlogifche und müffige Einwendung, der ich fchon im Capitel über Bleffirtenwagen entgegengetreten bin. Gleich wie auf den landesüblichen Wagen werden in künftigen Zeiten auch noch viele Bleffirte gleich Waarenballen in dumpfigen und fchmutzigen Güterwagen, die vielleicht früher Pferden und Schlachtthieren gedient hatten, auf Stroh gelagert, ohne Ver band, hungernd und durftend, halbgefroren oder bratend, ohne entſprechende Zufuhr von Licht und Luft fortgefchleppt werden; wurden ja von Paris aus bis tiel in den deutfchen Norden zur Winterszeit Verwundete auf offenen Karren gefahren en n. it. te lie e, e, lie ur zu ur fo zu nd auf für en. efs aut en lie ge nd ms rk, tor Her fo es em ten ffor Sen enhes um en un cht rts, ten ten det der auf irte cht Ter nde tief ren Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 31 wochenlang ohne Ruh ohne Raft, ohne dafs man ihre Fieberdelirien berückfichtigte oder die zu eng gewordenen Gipsküraffe öffnete. Mit erfrorenen Extremitäten, jauchenden Wunden, pyämifch erkrankt, mit Starrkrampf behaftet kamen die Unglücklichen an, und wurde einer der Fahrgäfte auf dem Wege von feinem jammervollen Dafein erlöft defto beffer hinaus mit der charogne und luftig weiter kutfchirt! - Mögen die Geleife an dem Schlachttage auch verlegt fein, fie werden fich wieder öffnen, die fehr fchwer Verwundeten behält man fo in den nächften Feldlazarethen und von dort können fie ja auch längere Zeit nach der Schlacht abgeholt werden, denn evacuirt wird ja nicht nur in den erften Tagen nach der Schlacht, fondern nach und nach fort und fort. Wir kommen nun zur Frage, wie die Eifenbahn- Wagen im Allgemeinen befchaffen fein follen, um zum Lazarethdienfte verwendet werden zu können. Es wird hiezu als Hauptbedingung erfordert eine freie Communication, damit Aerzte und Wartperfonale von einem Wagen in den anderen fteigen und die ganze Länge der Trains abgehen können, ohne dabei felbft in Lebensgefahr zu gerathen. Eifenbahn- Wagen, die fich nur von der Seite aus befteigen laffen, find defshalb zu Lazarethzügen ganz unbrauchbar, und nur folche find verwendbar, welche an den Kopffeiten zu öffnen find und Plattformen mit breiten und bequemen Treppen befitzen. Die Thüren müffen breit fein, auf dafs man mit den Tragbahren durch könne und follten auch die Geländer und etwaige Dachftützen der Plattform abnehmbar gemacht werden, damit diefe das leichte und bequeme Ein- und Ausladen der Tragen nicht hindern. Preufsen läfst in Hinblick auf diefe Noth wendigkeit alle neugebauten Perfonenwagen IV. Claffe mit Plattformen und Kopfthüren verfehen und wäre es fehr wünfchenswerth, wenn auch die übrigen Staatsoder Privat- Eifenbahn- Gefellſchaften die Wagen III. und IV. Claffe in ähnlicher Form conftruiren liefsen. Auf Perfonenwagen II. und I. Claffe wird bei der Zufammenftellung von Lazarethzügen weniger reflectirt, weil das Ausräumen der Sitze grofse Schwierigkeiten bieten würde, und ja ein Lazarethwagen ganz leer. fein mufs, um Schwerverwundete in liegender Stellung aufnehmen zu können. Sehr brauchbar zum Bleffirtentransporte find Güterwagen und zwar aus mehreren Gründen: Einmal kann man fie in gröfserer Zahl befchaffen, ferner befitzen fie keine eigenen Einrichtungen, die man erft wegräumen müfste und fie haben breite feitliche Thüren, welche zum Ein- und Ausladen der beladenen Bahren viel beffere Verwendung finden als die Kopfthüren. Trotzdem follen letztere fowie die Plattformen nicht mangeln, um die freie Durchgängigk eit des Zuges nicht zu stören. Der einzige Nachtheil der Güterwagen befteht aufser der ungenügenden Ventilation und Beleuchtung in der Qualität der Federn, die gemeiniglich für eine Laft von 200 Centnern berechnet ift. Hat der Wagen nun ftatt 200 nur etwa 25 bis 30 Centner zu tragen, fo ergeben fich die Federn als infufficient und diefs ift wohl der Grund, warum man beim Fahren in einem leeren Güterwagen die Erfchütterung und die Stöfse fo empfindlich fpürt. Der weitere Uebelftand des dröhnenden Geräufches ift dadurch bedingt, dafs der Güterwagen beim Mangel an Fenſtern und fonftigen Ventilationsöffnungen einem Refonanzboden gleicht, der jedes Geräufch vervielfacht. Der Uebelftand der nur für fchwere Belaftung berechneten Federn läfst fich leicht heben, wenn man an Güterwägen das Syftem der regulirbaren Federn anbringt, worunter man folche Federn verfteht, aus denen einzelne Blätter ohne Störung des Gefammtmechanismus herausgenommen und wieder eingepasst werden können, wodurch die Möglichkeit erwächft, die Federung je nach der Belaftung entsprechend zu modificiren. Doch, wenn auch fehr wünfchenswerth, wäre diefe Einrichtung vielleicht weniger nothwendig als die Vorforge für Luftwechfel und Licht. Das bisher geübte Verfahren, bei Benützung von Laftwagen zu Lazarethzwecken in den Wandungen Fenfter einzufchneiden und fie dadurch den Perfonenwagen ähnlich zu geftalten, genügt aber durchaus nicht, denn find die Fenfter beiderfeits offen, fo entſteht ein für 3 32 Dr. Mofetig zon Moorhof. Bleffirte fehr unvortheilhafter Luftzug und werden auch diefe durch die eindrin genden Staub- und Kohlentheile verunreinigt und moleftirt; einfeitiges Oeffnen der Fenfter hat aber, was Kohlenftaub und Zug anbelangt, denfelben Nachtheil, da fich ja Luftzug beim jedesmaligen Oeffnen einer Thür einftellt. Wir müffen demnach logifcher Weife auch die Fenſter der Perfonenwagen für ungenügende Einrichtungen erklären und andere den Zwecken beffer entſpre chende fordern. Auch hierin kann uns Amerika als Lehrerin dienen. In Amerika haben nämlich fämmtliche Perfonenwagen nebft den Fenstern, welche fchon des Lichtes und der Ausficht halber nothwendig find, Dachreiter, mit kleinen von der Seite zu öffnenden Fenfterchen, die ein Zuftrömen der Luft von oben her und ein leichtes Ausftrömen der nächft dem Plafond fich anfammelnden verbrauchten und erwärmten Luftfchichten ermöglichen, wodurch für eine ftete Erneuerung der Luft geforgt wird. Es werden alfo in Amerika die Perfonenwagen nach denfelben phyfikalifchen Gefetzen ventilirt, die überhaupt bei jeder Ventilation ftrenge Berücksichtigung verlangen. Das Eindringen von Kohlenftaub wird durch dichte Gitter oder Jaloufienfenfter, oder dadurch verhindert, dafs man die Luft vor dem Einftrömen durch Waffer ftreichen läfst. Die auch im gewöhnlichen Verkehre fo überaus erwünſchte Ventilation durch Dachreiter oder Laternen follte man bei allen neu zu bauenden Perfonenwagen einführen. Kann aber eine gleiche Vorrichtung auch für Güterwagen empfohlen werden? Diefe Frage ift fchon vielfach discutirt und Vieles pro et contra angeführt worden. Der Vortheil ift felbftverſtändlich, als Nachtheile wären folgende auf zuftellen: Der Dachreiter mit Ventilationsvorrichtung könnte im gewöhnlichen Betriebe nicht nur unnöthig, fondern auch dadurch direct fchädlich werden, dafs möglicherweife die Fenfter nicht gut verfchloffen werden, oder zufälligerweife eine Scheibe brechen könnte, wodurch die Wagenladung bei Regenwetter der Durchnäffung und eventuellen Befchädigung preisgegeben wäre. Dagegen ift ein zuwenden, dafs man in Friedenszeiten die Fenfterchen an der Laterne, da fie ohnedem unnütz find, dauernd verfchliefsen könnte, und die Scheiben durch Gitter derart von aufsen her gefchützt werden könnten, dafs ein Zerbrechen, aufser bei Unglücksfällen, nicht gut möglich wäre. Von innen her könnte man aber wohl im gewöhnlichen Verkehre die ganze Bafis des Dachreiters, die fich gegen das Wageninnere öffnet, durch ein feftes Eifengitter abfperren. Aber auch ohne dem dürfte wohl felten eine Scheibe brechen, denn beim brutalen Hineinwerfen der Colli ift die Richtung ihrer kurzen Flugbahn doch nie gegen das Dach des Wagens gerichtet. Weiters könnte eine jedesmalige Befichtigung des Waggons vor der Benützung das eventuelle Zerbrochenfein einer Scheibe ent decken und leicht Abhilfe fchaffen. Die Finanzbehörde, fagt man weiter, würde gegen die Benützung folcher Wagen Einfprache erheben, in der Beforguifs durch die Fenfterchen der Laterne könnte gefchmuggelt werden. Diefe Beforgnifs ift wohl nicht fehr begründet, denn die Fenfterchen find fehr klein und fchmal und laffen fich nur von innen öffnen, ein gewaltfames Einfchlagen derfelben hindert aber die Gittervorrichtung. Da jedoch die eventuellen Einwendungen der Finanzbehörde jedenfalls angenommen werden müfsten, könnte dem fo abgeholfen werden, dafs man die Güterwagen mit Dachlaternen nur für den Binnenverkehr benützt, wogegen für das Ausland- und nur in diefem Falle hat die Finanzbehörde zu interveniren die gewöhnlichen Güterwagen ohne Ventilationsvorrichtungen in Verwendung kommen. Der Gedanke, die Laternen amovibel zu machen, um diefe nur bei Bedarf auffte llen zu können, fcheitert an den technifchen Schwierigkeiten und dem Koftenpunkte. Es fällt ja gar Niemanden ein, diefe Einrichtung für alle neu zu bauenden Frachtenwagen zu empfehlen, es genügt vollkommen, wenn man nur einen kleinen Bruchtheil des jährlichen Wagencontingentes damit ausrüftet. - n S d n i d де n e ft f. U= fs fe er 1 ch n, h ch as es t er ne nn in ch en h ur en er en e. n en Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 33 Refumiren wir das foeben Gefagte, fo wären den Eifenbahn- Gefellfchaften in Berücksichtigung einer möglichen Kriegseventualität folgende Defiderata von Seite der Militär- Sanitätsbehörden zu unterbreiten, welche beim Erbauen des jährlichen Wagen- Ergänzungsmateriales zu berücksichtigen wären: Perfonenwagen III. und IV. Claffe wären mit breiten Kopfthüren und Plattformen Perron zu verfehen. Bei Perfonenwagen III. Claffe follten ferner die Sitze leicht entfernbar fein. - Alle Perfonenwagen ohne Unterfchied der Claffen follten Dachventilation befitzen. - Einige Percent der Güterwagen follten gleichfalls mit Kopfthüren und Plattformen erftere kann man im gewöhnlichen Betriebe ftets verfperrt halten - und nebftbei mit Dachventilation verfehen werden. Wenn ich den zweiten Punkt hier ebenfalls aufnehme, fo reflectire ich weniger auf die Bleffirten, als vielmehr auf die gewöhnlichen Reifenden, welche bei den gewöhnlichen Perfonenwagen durch Zugluft und Kohlenftaub fehr zu leiden haben. Um namentlich in heifser Sommerszeit die unerträgliche Hitze zu mindern, welche vom Wagendache ausftrahlt, welches, von der Sonne befchienen und befonders beim Stehen ftark erhitzt, einem Ofen gleich wirkt, würde es fich fehr empfehlen, das Dach nebftbei doppelt zu machen und dazwifchen einen kleinen Luftraum übrig zu laffen. Bezüglich der inneren Einrichtung möge vor Allem betont werden, dafs die Bleffirten nie auf dem Boden gelagert werden follen, weil dort die Erfchütterung am ftärksten ift. Auch aus Reinlichkeitsrückfichten und des ärztlichen fowie Wärterdienftes wegen empfiehlt es fich den Boden ftets frei zu laffen. Die Bleffirten felbft könner auf den Tragbahren, die fie fchon einnehmen, fuspendirt, oder aber auf eigene Lagerbetten untergebracht werden. Erfteres empfiehlt fich für kurze, Letzteres für tagelange Fahrten. Die Lage auf einer Feldtrage wird nämlich nach längerer Zeit fehr unangenehm, und namentlich durch das muldenförmige Einfinken des Bahrtuches für die Dauer ganz unmöglich. Für kurze Strecken, etwa nur wenige Stunden lange Fahrten, empfiehlt fich das Belaffen des Bleffirten auf der Tragbahre, weil hiebei das Umladen verhindert wird. Bedient man fich der Tragbahren, fo mögen diefe mit kurzen Riemen fuspendirt werden, aus denfelben Gründen, die fchon bei den Bleffirtenwagen zur Sprache gekommen find. Jede Suspension mit langen Riemen oder Stricken ift zu verwerfen. Die in den Harris'fchen Eifenbahn- Wagen zur Suspenfion benützten Kautíchukringe, die anfänglich auch in Preufsen Nachahmung gefunden haben, find nicht zu empfehlen, weil fie fich mit der Zeit dehnen und dadurch die kurze Suspenfion in eine lange umgewandelt, und weil Kautfchuk mit der Zeit fpröde wird und dann bricht. Lederringe find weit vortheilhafter, und will man das Moment der Elafticität des Kautfchuks, nicht miffen, obwohl diefe bei der Suspenfion von geringer Bedeutung ift, fo kann man die Lederriemen an Eiſenringen befeftigen, welche mit Spiralfeder- Vorrichtungen verfehen find, wie fie zuletzt in Preufsen eingeführt wurden. Für längere Fahrten eignen fich beffer eigene Lagerftätten, die nicht fuspendirt, wohl aber mit elaftifcher oder gar federnder Unterlage verfehen fein follen. Lagerftätten mit Matratzen und Decken wären nämlich zur Suspenfion zu fchwer, und ift auch das ftete Schwanken in fuspendirter Lage, fo angenehm es anfänglich ift, am zweiten oder dritten Tage fchon höchft peinlich. In einem Wagen in der Regel zweiachfig-follen nicht mehr als zehn Bleffirte oder Kranke Unterkunft finden, eine Mehrzahl, wenn für längere Dauer der Fahrt, würde trotz Ventilation der Reinheit der Luft Eintrag machen und fchädlich auf die Bleffirten wirken. Die in jedem Lazarethwagen befindlichen Clofets müffen möglichft vom Wageninneren abgefondert fein und fich, obzwar mit Klappen verfehen, frei am Bahnkörper öffnen, um jeden üblen Geruch im Wagen abzuhalten. Nur für 3* 34 Dr. Mofetig von Moorhof. anfteckende Kranke follen eigene, gefchloffene Clofets vorräthig fein, die auf das genauefte gereinigt und desinficirt werden müffen. Ein Lazarethzug mufs nebft den Bleffirtenwagen auch Magazins-, Küchenund einen Arztwagen befitzen. Küchenwagen find unentbehrlich, denn das rationelle Ernähren der Bleffirten auf den Stationen ift ganz und gar unmöglich. Ein Lazarethzug mufs nämlich fobald wie möglich feine Endftation erreichen und doch nicht zu fchnell fahren, denn das allzu rafche Fahren bekommt den Bleffirten nicht gut, weil dabei die Erfchütterung viel gröfser ift; man kann fonach nur dadurch die Fahrzeit verringern, dafs man die Aufenthalte in den ver fchiedenen Stationen theils ganz befeitigt, theils fehr kurz macht. Könnte man jedes Stillftehen des Zuges während der Fahrt vermeiden, fo wäre damit wohl das Ideal eines Bleffirtentransportes auf Eifenbahnen erreicht, denn niemals leidet der Bleffirte fo fehr, als beim Anhalten oder beim Abfahren des Zuges, weil das Anprallen der Stofsballen einen kurzen und brüsken Stofs erzeugt, der den Bleffirten am allerempfindlichften ift. Wohl kann man den Stofs bei recht vorfichtigem Fahren verringern, aber nie ganz befeitigen. Das Kochen im Zuge ift aber auch nothwendig, um die Fahrgäfte regelmässig zu nähren, denn dafs die Diätetik bei Kranken die Hauptpointe, und bei Bleffirten die wefentlichfte Unterſtützung der Behandlung fei, haben wir fchon an einer früheren Stelle erwähnt. Magazinswagen find bei jedem Bleffirtentrain gewöhnlich zwei; einer für Proviant, der andere für die gefammten Lazarethrequifiten im Allgemeinen. Wir fanden im Sanitätspavillon folgende Sanitätszüge: Direction der niederfchlefifch- märkifchen Eifenbahn in Berlin. Zwei kleine Modelle, der natürlichen Gröfse, ftellen uns einen BleffirtenTransportwagen und einen Küchenwagen dar, die aus Perfonenwagen IV. Claffe hergeftellt find, wie fie in Preufsen im Betriebe ftehen. Wie wir fchon früher erwähnten, find fie auf Anregung der Profefforen Esmarch und Virchow erbaut worden, und ftanden im deutfch- franzöfifchen Kriege, fich trefflich bewährend, in Verwendung. Die Wagen IV. Claffe bekanntlich ohne Sitze- find mit breiten Kopfthüren und Plattformen verfehen und haben im Innern vier ifolirt ftehende, Boden und Decke verbindende Holzpfeiler. An diefen und den entfprechenden Stellen der Wagenwandungen find nun Haken angebracht, welche in Friedenszeiten cachirt find, und die mit Hilfe von Kautfchuckringen oder kurzen Lederriemen die Tragbahren in zwei Reihen übereinander aufnehmen. Zwölf Tragbahren können in einen Wagen untergebracht werden, zur Winterszeit jedoch nur zehn, da der mittlere Theil der einen Lateralwand zur Aufftellung eines Ofens verwendet wird. Da die Tragbahren längs der Seitenwand fuspendirt werden, bleibt der mittlere Längsraum zur Paffage frei. Nr. 41. Bonnefond Carl, Director der franzöfifchen Eifenbahn- Gefellfchaft in Paris. Der auf Koften der Societé françaiſe de fecour aux bleffés nach den Angaben des Profeffors Mundy von den Herren Bonneford und Léon erbaute Lazarethzug, befteht aus acht Wagen, die fich eintheilen in: I Waggon für Aerzte, I Magazinswaggon, I Proviantwaggon, I Küchenwagen, 4 Lazarethwagen. Der Wagen für die Aerzte ift ebenfo praktiſch als fchön ausgeftattet. Ein mittlerer fchmaler Gang verbindet die Kopfthüren, und ift durch einen queren in der Mitte des Wagens gekreuzt. Das Querkreuz enthält in der einen Abtheilung einen mittelft Klappen am Bahnkörper fich öffnenden Wafferclofet, as n- as h. on nt in er-n, en m S- an n. zu en er ch 11in n. ffe er W ch er en he en lf ch es er 40 HP1 n- en te et. en en et, Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 35 in der anderen einen Ofen und auf dem Dache ein Wafferrefervoir. Die Heizung gefchieht durch Röhrenleitungen, die auf dem Boden angebracht find, und durch den Ofen mit Wafferdampf gefpeift werden. Die Ecken des durch die zwei rechtwinklig fich ſchneidenden Gänge gebildeten Kreuzes nehmen vier ſeparate Cabinen ein, die als Wohnzimmer für das ärztliche Perfonale dienen. In jeder Cabine ift ein Wafchtifch, deffen unterer Theil zugleich als Wäfchkaften benutzbar ift und ihm gegenüber ein bequemes Fauteuil, welches fich auf den Druck einer Feder in zwei Dritttheile feiner Breite umlegen und dadurch in ein bequemes Ruhebett umwandeln läfst, ähnlich den englifchen Kleiderfchrank- Betten; das letzte Dritttheil bleibt Fauteuil und beherbergt an der Rückwand einen leeren Raum, der als Kleiderfchrank dient. Eine feftgemachte Moderateurlampe, ein auf und zuklappbares Schreibtifchchen und eine Uhr mit Baro- und Thermometer vervollſtändigen die ebenfo compendiöfe als zweckentfprechende Einrichtung. Die Wafchbecken der Toilette fowie das Clofet werden durch das Waffer des Refervoirs durch Röhrenleitung gefpeift. Bisher war in der Regel den Aerzten eines Sanitätstrains- gewöhnlich 3-4 an der Zahl- ftets ein gemeinfamer, mit gar keinen Bequemlichkeiten ausgeftatteter Raum, oder ein einfacher Perfonenwagen I. Claffe zugedacht worden. Bedenkt man jedoch, dafs die Aerzte ihrem fehr angeftrengten Dienfte wochenja monatelang obliegen müffen, fo wird man leicht einfehen, wie unbequem für den Einzelnen diefes ftete Beifammenfein in einem engbemeffenen Raume fein mufs. Es iſt unbeftreitbar ein fehr glücklicher Gedanke von Mundy gewefen, in diefer Form das Princip der Trennung der Aerzte durchgeführt zu haben, denn damit ift trotz des Zufammenlebens doch Jedem die Freiheit des eigenen Thuns und Laffens gefichert. Wagen diefer Qualität find auch im gewöhnlichen Betriebe fehr brauchbar, wenn man einmal das Syftem der feparirten Schlafcoupés allgemeiner einführen wird, denn ein befferes und bequemeres Schlafcoupé läfst fich denn wohl kaum erfinnen. Der mittlere und die feitlichen Gänge erhalten ihre Beleuchtung und Ventilation von oben durch einen Dachreiter mit feitlichen Fenftern, die fich nach Belieben öffnen und fperren laffen. Jede Cabine dagegen hat zwei eigene grofse Seitenfenfter. Um Wiederholungen zu vermeiden, fei erwähnt, dafs alle Wagen des franzöfifchen Trains ähnliche Dachreiter befitzen, nur haben der Arzt- und der Küchenwagen nur je eine mittlere Laterne, der Magazins- und Proviantwagen je zwei an den Enden des Wagendachses angebracht, während die Lazarethwagen, denen die meifte Ventilation nothwendig ift, fogar drei Dachreite, einen mittleren, gröfseren und an den Enden je zwei kleinere befitzen. Alle Laternen find entſprechend dem Längsdurchmeffer des Wagendaches angebracht. Aeufsere Gitter- oder Jaloufienvorrichtungen fehlen hingegen complet. Im Magazin- und im Proviantwagen begegnen wir zwei gewöhnlichen Güterwagen. Abfperrbare Behälter für Wäfche, Bettutenfilien, Verband. geräthe, Apotheke, für frifche und confervirte Nahrungsmittel, Getränke etc., weifen jedem Artikel einen beftimmten Raum zu. Der Magazinwagen enthälnebftbei noch eine Schlafftätte für den Contable und einen Ofen fammt Wafferrefervoir. Auch der Küchenwagen, ein gewöhnlicher Güterwagen, ift mufterhaft eingerichtet. Es ift überhaupt gar nicht fo leicht, in einem fo befchränkten Raume alle die vielen Einrichtungen unterzubringen, welche nothwendig find, um für 200 bis 300 Menfchen genügende Nahrungsquanta kochen zu können. Wir finden an der einen Seitenwand einen grofsen eifernen Herd mit 2 Keffeln, von je 75 Litres Inhalt und 2 kleinere Kannen für Medicamentenabkochungen und Kaffee. Um während des Fahrens das Entweichen der Kochflüffigkeiten zu verhindern, werden die Deckel der Keffel mit fie überbrückenden Querftangen aus elaftifchem Holze gefichert. Die übrigen Küchen- Einrichtungsftücke find an den 36 Dr. Mofetig von Moorhof. Wänden auf Hakenftiften, um fie vor dem Umfallen zu wahren, fixirbar. Gegenüber des Herdes find an der anderen Längswand zwei über einander liegende, aufund zuklappende Betten für den Koch und den Küchenjungen und daneben ein Wafchtrog und ein Spülichbaffin, das fich auf den Bahnkörper öffnet. An den vier Waggonecken endlich find grofse Schränke zum Aufbewahren des Efszeuges etc., welche 4 Wafferbehälter über fich tragen, mit einem Gefammtinhalte von 1800 Litres. Gefüllt werden fie vom Dache aus. Auch die Bleffirtenwagen find aus Güterwagen conftruirt und ver mögen 10 Liegende, je 2 über einader, zu faffen. Drei Reihen find an der einen Längswand untergebracht, zwei an der anderen; der dazwifchen frei bleibende mittlere Raum dient zur Unterbringung eines Ofens und eines Clofets. Letzterer befindet fich nicht im Innenraume des Wagens, fondern wird dadurch von ihm getrennt, dafs der Innentheil der doppelten Wandverfchalung nach innen zu fich abhebt und einen kleinen Zellenraum abfchliefst, der durch eine Thüre abfperrbar ift. Jeder Wagen ift nach Belieben für Sitzende oder für Liegende allein, oder für beide Bedürfniffe einrichtbar. Die Sitzbänke bilden Beftandtheile der inneren Wandverfchalung, die fich nach Bedarf auf- und zuklappen laffen. Die Lagerftellen find Bettladen mit Matratzen, die auf feften eifernen Armen ruhen, welche gleichfalls zwifchen der Doppelwand cachirt werden können. Das Auf- und Abheben der Bettladen ift fehr leicht zu bewerkstelligen. Da fämmtliche Lagerftätten fich über dem Boden befinden, bleibt letzterer vollſtändig frei und unterliegt demnach nicht nur die tägliche Reinigung keinen Schwierigkeiten, fondern es ift hiedurch auch dem Principe Rechnung getragen, Verwundete nicht auf dem Boden unterzubringen, weil hier die Erfchütterung zu ftark ift und auch das Pflegen und das Verbinden in tiefgebückter Stellung für den Arzt fehr mühfam, ja für die Dauer ganz unmöglich ift. Wäre jedoch die Noth an Transportmateriale fehr grofs, fo könnte man dadurch, dafs man auch den Boden benützt, den Faffungsquocienten des Wagens auf 15 Mann fteigern. In einem Wagen find auch reglementäre Trag. bahren, auf langen Stricken, 3 über einander, fuspendirt. Es foll diefe Einrichtung, der wir nicht das Wort reden können, wahrfcheinlich nur beweifen, wie man mit einigen Stricken im Nothfalle fich helfen könnte, denn felbft mit diefer Vorrichtung kann man mehr Verwundete unterbringen und fie beffer transportiren, als wenn man fie suum ad inftar auf Stroh lagert. Das Anftofsen der Bahren an den Wänden könnte man ja durch Befeftigen der Bahren an letztere mittelft kleiner Stricke, gleichwie im Locati'fchen Bleffirtenwagen, etwas verringern. Sämmtliche Wagen haben breite Plattformen und abnehmbare Gelän der, eine Einrichtung, die gewifs neu und deren Vortheil ein bedeutender ift; auch ift lobend hervorzuheben, dafs die Dachftützen des Geländers fehlen. Erfolgt nämlich das Beladen der Wagen von der Plattform aus, fo hindert das Geländer diefe Procedur wefentlich. Die Träger find genöthigt, mit grofsem Kraftaufwande die Tragbahren fehr hoch zu erheben und trotz aller Sorgfalt kommt dann die Trage doch aus der horizontalen Lage. Die abnehmbaren Geländer beheben alle diefe Schwierigkeiten und geftatten das Beladen, ohne die Wagen erft auskoppeln zu müffen. Auch die Bremfen, diefer fo wichtige Beftandtheil eines Lazarethwagens, der durch richtige Benützung jeden Anprall beim Anhalten und Abfahren des Zuges vermeiden oder wenigftens wefentlich abfchwächen kann, find neuer Inftruction. Statt der Winde ift das Syftem des Zughebels verwerthet, wodurch die Wirkung der Bremfe faft im Augenblicke gewonnen werden kann. Endlich befitzen fämmtliche Wagen breite Kopfthüren, fo dafs der Durchgang ein vollſtändiger wird. An dem franzöfifchen Train preifen wir nochmals hier am Schluffe die Idee der Ventilation vom Dache aus und begrüfsen fie als wefentlichen Fortfchritt, der wohl beachtet werden möge. Katalog Nr. 41. Königlich baierifcher Generalftab gemein fchaftlich mit dem baierifchen Landes- Hilfsverein. Eifenbahn- Zug n- uf ein er C., es. erLen de rer hm ch Dar für Cen en chDen ich ch rch zulas uer fo ten ag. ng, mit ing enn Hen ke, Einift: en. das aft nmt der gen nes und find het, ann. ein dee der ein Zug Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 37 beftehend aus 4 Waggons: 2 Laftwagen und 2 Perfonenwagen III. Claffe. Jene dienen zur Aufnahme des Depots und der Küche, diefe figuriren als Lazareth- und als Proviantwagen. Die Güterwagen unterfcheiden fich von den gewöhnlichen dadurch, dafs fie auf der einen Kopffeite eine Plattform befitzen, wogegen an der anderen nur ein fchmaler auf den Stofsballen zu legender eiferner Tritt angebracht ift; ferner durch Kopfthüren, welche abfolut zu fchmal angelegt find, da man mit gar keiner Tragbahre durch kann; endlich durch Jaloufienfenfter, die an den Seitenthüren jederfeits angebracht find. Die Perfonenwagen haben vor den betriebsmässigen keinen Unterſchied, aufser in der inneren Einrichtung. Auch an diefen find die Kopfthüren viel zu fchmal und diefs hat eine noch grössere Inconvenienz als bei den Güterwagen. In letztere kann man die Bleffirten von der Seite einlagern durch Oeffnen der breiten und grofsen Seitenthüren; bei den Perfonenwagen müfsten aber die Bleffirten, da man mit der Tragbahre nicht durch kann, abfolut auf den Händen hineingetragen werden. Gleichfalls hinderlich find die feften Plattform- Dachftützen und die inamoviblen Geländer. Der Küchenwagen ift fchön ausgeftattet, Alle nur denkbaren Utenfilien, vom Hackbret zum Teller und von der Taffe bis zur Kaffeemafchine find vollſtändig vertreten und zieren, blank gefcheuert, die Wände. Zwei Kochherde, ein gröfserer und ein kleinerer und zwei Tifche mit einer daran feftgefchraubten Kaffeemühle und einer Frucht- Schälmafchine vervollſtändigen den Inhalt. Die Kochtöpfe aber, 3 an Zahl und verfchieden grofs, befitzen merkwürdigerweife gar keine Vorrichtung, um das Entrinnen der Kochflüffigkeit beim Fahren zu verhindern, fondern fchliefsen mit einfachen Deckeln. Zweckmäfsig ift die Anbringung von 2 Kochherden, denn einerfeits dient der kleinere für geringere Bedürfniffe und anderfeits kann man ihn zum Erhitzen des Waffers benützen, damit das Kochen im grofsen Herde fchneller von Statten gehe, was beim wiederholten Abkochen von Wichtigkeit ift. Im Magazinswagen finden wir nebft anderen auch die Dormitorien für Köchinen und Krankenpflegerinen?! Gewöhnlich beftand bisher das Trainperfonale ausfchliefslich nur aus Männern, was wohl begreiflich fein dürfte. Und was find diefe Dormitorien? Abfperrbare Cabinen, in denen nur ein Lehnstuhl fteht, weiter nichts; dafür geleitet aber die Cabine zu einem Clofet. Der Krankenwagen enthält nur fünf Betten, freilich viel zu wenig für die Anforderungen, die man an einen Lazarethtrain ftellt; denn um nur 200 Bleffirte zu transportiren, bedürfte es ja 40 Waggons! Dafür haben es aber die Inwohner fehr bequem. Die Betten haben doppelte Federmatratzen und deren Geftelle ruhen noch feparat auf 4 halben Wagenfedern, wovon das eine Ende auf dem Boden feftgeniethet ift, während das andere fich mittelft Rollen bewegt. Die Federkraft ift eminent, und müffen demnach die Lager vorzüglich fein. Ueber jedes Bett find noch kleine Bretchen feftgenagelt, auf denen der Verwundete feine Habfeligkeiten niederftellen kann. Ein Wafchtifch und ein Ofen find auch vorhanden. Für Bequemlichkeit ift wohl hinlänglich geforgt; es war aber auch wohl nicht fchwer, da nur 5 Bleffirte per Wagen berechnet wurden. Vom praktiſchen Standpunkte betrachtet, ift aber diefs ganz und gar unftatthaft, da im Kriege der Raum nicht verfchwendet, fondern im Gegentheile möglichft gefpart werden mufs. Für Ventilation müffen nur die Fenfter forgen. Katalog Nr. 43. Ludwigshafen Waggonfabrik, Actien gefellfchaft in der baierifchen Pfalz. Lazarethzug beftehend aus 4 Waggons, und zwar: I Lazarethwagen mit 8 Betten. I Waggon für Verwaltungsperfonal und Zugführer. I Waggon für das ärztliche Perfonale. I Waggon für Küche und Vorräthe. Beim Pfälzer Zug, der durch Herrn Director Rudolf Schmidt erbaut wurde, find ausfchliefslich nur Güterwagen verwendet, an welchen Kopfthüren, und in Charnieren bewegliche eiferne Trittbretter angebracht wurden, welche die 38 Dr. Mofetig von Moorhof. Plattformen erfetzen follen. An den Seitenwandungen ausgefchnittene Fenfter follen für Licht und Luft forgen. Die wichtigfte Pointe befteht aber in der Anbringung regulirbarer Federn nach dem Syfteme des Herrn Ober- Mafchinenmeifters Brockmann in Stuttgart. Durch Wegnahme einzelner Blätter laffen fie fich jeder beliebigen Tragfracht accomodiren, wodurch die Güterwagen, was Federung anbelangt, den Perfonenwagen gleich gemacht werden können. Die innere Einrichtung befteht für die Bleffirtenwagen in der Unterbringungsmöglichkeit von 8 liegenden Verwundeten, von denen 4 an Gurten fuspendirt hängen, 4 hingegen auf dem Boden gelagert werden. 4 kleine Hackerlingpölfter für die 4 Füfse jeder Tragbare follen die Erfchütterung und die Gewalt der Stöfse dämpfen!? Als Beheizung dient ein Patent Füllofen nach Profeffor Meidinger. Die Suspenfion der Bahren im Pfälzer Zuge unterfcheidet fich von der gewöhnlichen dadurch, dafs die Traggurten, je 2 für eine Bahre, an den Seitenwandungen befeftigt find und mit einfachem Klange beide Füfse der Tragbahre umfaffen. Die Seitenwandungen befitzen an den Stellen, wo die Tragbahren fich anlegen, kleine Pölfter, beftimmt, die Stöfse der feitlichen Schwankungen zu dämpfen. Es ift diefe Variante jedenfalls der Suspenfion mit langen Gurten, die am Plafond ihre Befeftigung finden, vorzuziehen, da die Schwingungen geringer ausfallen müffen, indem die Bahre fchon durch die Richtung der Traggurten an die Seitenwandungen angeprefst wird; ob fie aber der gewöhnlichen Suspenfion mit kurzen Riemen vorzuziehen fei, diefs möchte ich fehr bezweifeln. Jedenfalls ift die Schmidt'fche Suspenfion für gewöhnliche Güterwagen mehr zu empfehlen, da fie alldort leichter anzubringen ift, indem die zur kurzen Suspenfion nothwendigen Pfoften in keinem Güterwagen vorhanden find. Sehr wünſchenswerth wäre es, wenn künftighin auch die unteren Bahren gleich den oberen fuspendirt würden. da wir uns gegen das Lagern der Bleffirten auf dem Boden des Waggons ganz ent fchieden ausfprechen müffen; ferner wäre es fehr zweckmäfsig, wenn ieder Wagen für zehn Bleffirte eingerichtet würde. Der Küchenwagen befitzt einen Kochherd, deffen Keffel im Innern einige Zoll unter dem freien Rande einen gewölbten metallenen, ringförmigen Vorfprung trägt, welcher gegen das Keffelinnere feine Concavität richtet, abnehm bar ift und das Entweichen der Kochflüffigkeit beim Fahren dadurch verhindert, dafs er jede Flüffigkeitswelle bricht und zurückwirft. Solche Küchenwagen follen jedem Train zwei zu Gebote ftehen, auf dafs man den Zug im Nothfalle theilen und jede Hälfte für fich fort functioniren könne, was namentlich beim Einfammeln der Bleffirten aus verfchiedenen Punkten von Vortheil fein mufs. Der Arztwagen hat zwei Tragbahren auf dem Boden liegen, nebftdem ein kleines unbequemes Sopha und die Apotheke. Plambeck, Hamburg: Ein gewöhnlicher gefchloffener Güterwaggon mit zehn in Federn hängenden, feitlich befeftigten Lagerungsfchweben. Am Güterwagen ift nicht die geringfte Umgeftaltung getroffen, aufser dafs Fenfter eingefchnitten wurden. Er entbehrt alfo des nothwendigen Principes der Durchgän gigkeit, und ift fchon aus diefem Grunde für geordnete Lazarethzüge unbrauchbar. Diefer Wagen hat aber auch nur den Zweck zu zeigen, wie man im Nothfalle, wenn es an Allem gebricht und nur die eben von Waaren geleerten Güterwagen zu Gebote ftehen, vorgehen könne, um die Bleffirten nicht auf den Boden zu lagern. Zehn Bahren werden in zwei Reihen mit langen Stricken am Plafond befeftigt nach demfelben Principe, das Mundy in einem der franzöfifchen Wagen zur Anfchauung brachte. Der Unterfchied befteht nur darin, dafs Mundy jedes Stückende am Plafond für fich auf höchft einfache Weife befeftigt, während Plam beck alle 4 Enden in eine Art Klammer vereiniget, die, einer Beifszange ähnlich, Zarge genannt, ohne weitere Vorkehrungen im Augenblicke an einen der Dachbalken angehängt werden kann. Da hier das Princip der langen Suspenfion ver er er n en g₁₁ ng en en re ng er enre ch zu lie ger an on lls en, enire en. nten ern gen m- ert, afs ren ter em mit ter einänDar. enn zu ern. tigt zur des am ich. chver Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 39 treten ift, ergibt fich die Nothwendigkeit, an den Seitenwandungen hufeifenförmige, eiferne Federn anzubringen, welche den Anprallftofs verringern. Die Federung der Zarge befteht darin, dafs knapp unter der Klammer eine Federfpirale angebracht wurde, ähnlich der Vorrichtung in den preufsifchen Lazarethwagen IV. Claffe. Ein Mantelofen mmmt die Mitte der einen Seitenwand ein. In dem füdlichen Transepte der amerikaniſchen Abtheilung im Induftriepalafte ftellte Evans das kleine Modell eines Harris'fchen Lazarethwaggons aus, der fchon in der letzten Parifer Ausstellung zu fehen war. Es iſt einer jener grofsen, vierachfigen Salonwagen, wie fie in Amerika für den gewöhnlichen Perfonenverkehr gebräuchlich find. Die Wagen find ausnehmend lang, haben Kopfthüren und Plattformen und neben den gewöhnlichen feitlichen Wagenfenftern noch eine die ganze Länge des Daches einnehmende Lanterne mit aufklappbaren Seitenfenftern. Für Lazarethzwecke werden fämmtliche Sitze entfernt und dafür zwei Reihen vom Dache bis zum Boden reichender Pfoften angebracht, welche die laterale innere Befeftigung der Tragbahren an Gummiringen beforgen, wogegen die laterale äufsere Befeftigung mit gleichen Ringen an den Seitenwänden erfolgt. Der Mittelgang bleibt frei. Die Tragbahren werden in drei Reihen übereinander fuspendirt, fo dafs ein einzelner Wagen 30 Bleffirte aufnehmen kann. Die Enden des Wagens find theils zu einem kleinen Zimmerchen, theils zu der Ofen- und Clofetanlage benützt. Wir müffen uns vom hygienifchen Standpunkte gegen die fo maffenhafte Anhäufung von Kranken und Bleffirten in einem relativ doch fo befchränkten Raume ausfprechen, und zu Transportzwecken für die Benützung von nur zweiachfigen Wagen mit Kaften geringerer Dimenfion plaidiren. Noch müffen wir zum Schluffe zweier Waggongeftelle gedenken, die von Lipowfky und von Wahl in Stuttgart ausgeftellt wurden. Es find diefs maffive, länglich viereckige Holzgeftelle, welche zwei übereinander hängende Bettladen gut federnd tragen. So vorzüglich auch die Federung fein und fo excellent man auch darauf ruhen möge, fo find fie doch im Felde unpraktifch, denn wie kann man fie im Nothfalle bekommen, wo foll man diefen aufbewahren, um fie bei der Hand zu haben? Nebftdem empfehlen fie fich auch nicht ihrer Koftfpieligkeit wegen, die Eifenbahn- Gefellfchaften hingegen follten folche Geftelle in allen gröfseren Stationen vorräthig haben, um bei etwaigen Eifenbahn- Unglücken rafch zweckmäfsige Lager zum Transporte der verunglückten Paffagiere zur Hand zu haben. Diefe Geftelle können in jeden beliebigen Wagen untergebracht werden. Zu diefer Kategorie von Geftellen wäre auch noch die in einem der franzöfifchen Wagen untergebrachte Tragfchwebe des Grafen Beaufort( supportoir élaftique) zu rechnen. Sie befteht aus zwei viereckigen Holzrahmen, welche mit eifernen Spiralfedern concentrifch mit einander verbunden find. Der äufsere gröfsere Holzrahmen kommt auf dem Boden des Wagens zu liegen, der innere, etwas kleinere nimmt die Tragbahre auf. Diefe Beaufort'fchen Schweben federn ausgezeichnet und fchwingen nach jeder Richtung; auch find fie, weil höchft einfach, leicht zu befchaffen, fehr billig und nehmen, ihrer Kleinheit wegen, auch wenig Platz ein. Zum Schluffe mufs ich noch eine Zeichnung erwähnen, welche ein Project zur Einrichtung von Sanitätszügen für die öfterreichifche Armee darftellte. Die Eifenbahn Directionen in Oefterreich wollten nämlich bis in die jüngfte Zeit nicht zugeben, dafs in den Waggons überhaupt, gleichgiltig, ob Güter- oder Perfonenwagen, Sparren, Haken, Ringe oder dergl. angebracht würden, und daher hat das Kriegsminifterium Tragbahren bauen laffen, welche zu Betten hergerichtet werden können. Sie beftehen aus einem hölzernen Traggeftelle, welches von zwei hohen Querfedern getragen wird und mit ftarkem Segeltuch überfpannt ift. Wegen der Höhe der Federn bleibt nun zwifchen der Bahre und dem Boden des Wagens ein grofser Raum über, der laut Reglement nur im Winter mit Stroh, Seegras, Wald 40 Dr. Mofetig von Moorhof. wolle und dergleichen Zeug ausgefüllt werden foll, um die Verwundeten beffer vor Kälte bewahren zu können, in Sommerszeit dagegen bleibt der Boden unausgefüllt. Sieben derartige Bahren follen nun in einem gewöhnlichen Güterwagen aufgeladen werden, je drei an jeder Kopffeite der Länge nach, der fiebente in der Mitte der Quere nach gelagert. Aus dem neuen bildlich dargestellten Projecte ergibt fich, dafs nebft den fieben Tragbetten auf dem Boden, noch andere Tragbahren an den Seitenwandungen fuspendirt werden follen, und zwar 4 für Güter-, 6 für Perfonenwagen. Wir können mit Bezug auf die Conferenzbefchlüffe diefem Syfteme wohl nicht beipflichten, da hierbei der Durchgängigkeit des Zuges keine Rechnung getragen wird, und auch die einfach auf dem Boden der Wagen hingeftellten Trag. betten durch die Erfchütterung beim Fahren, namentlich zur Sommerszeit, fich verfchieben und theils untereinander und theils an den Wagenwandungen continuirlich an- und abprallen müffen. Hätten aber die Stirnfeiten der Wagen Kopfthüren, fo wäre dann die Einlagerung von fieben Tragbetten unmöglich, da durch die mittleren Bahren die Paffage vollſtändig abgefchloffen bliebe; es könnten dann nur entſprechend der vier Ecken des Laftwagens nur vier Tragbetten eingelagert werden. Die Conferenz nahm in Bezug auf Eifenbahn Lazarethzüge folgende Befchlüffe an: Die Ausrüftung von vollſtändig hergerichteten Sanitätszügen im Frieden ift vom Standpunkte der freiwilligen Hilfe entbehrlich und zu koftfpielig. Die Verfammlung ift der Anficht, dafs es im Intereffe der Humanität dringend wünſchenswerth wäre, die Eifenbahn Directionen zu verhalten, für Eifenbahn- Unfälle eine entsprechende Anzahl von zweckmäfsig conftruirten Transportwagen für Verwundete und Kranke anzufchaffen und zu allen Zeiten im Stande zu erhalten, und dafs die betreffenden Regierungen aller Länder im Wege der Gefetzgebung darauf dringen follten, dafs diefe Mafsregel fo bald als möglich zur Ausführung komme( Antrag von Dr. Becher). Es ift nicht nothwendig, einzelne Specialwagen als Küchen-, Vorrathsund Proviantwagen fchon im Frieden vorräthig zu halten, dafür foll aber deren innere Einrichtung fchon im Frieden hergeftellt und bereit gehalten werden. Arztwagen jedoch-foweit die Eifenbahnen nicht fchon bequeme Schlafwaggons find eigens mit getrennten Cabinen und vollſtändigem Durchgang beſitzen herzurichten und bereit zu halten. Die Lazarethwagen follen folgende Einrichtungen befitzen: - Die Verladung foll von der Stirn- und den Längsfeiten möglich fein, wozu breite Plattformen, breite Thüren und bequeme Treppen nothwendig find. Geländer und etwaige Dachſtützen follen wie bei den franzöfifchen Lazareth wagen abnehmbar gemacht werden; die innere Verbindung der Wagen untereinander foll mit Beihilfe von Thüren von den Stirnfeiten vermittelt werden; die Herftellung einer gleichmässigen Temperatur foll durch doppelte Decken, Fufsböden und Seitenwände, Heiz- und Ventilationsvorrichtungen Dachlaternen wie im franzöfifchen Sanitätszuge- ermöglicht werden. Das Heizen foll eine Temperatur von+ 12 Grad Celfius ermöglichen; die Beleuchtung bei Tage genügt durch die Dachlaternen und bei den gewöhnlichen Wageneinrichtungen durch Thüren und Fenfter. Bei Nacht wird eine künftliche Beleuchtung, welche die Orientirung im Wagen erlaubt, erfordert; die Conferenz ift gegen jede Suspenfion, welche gröfsere Schwankungen erlaubt. Für jeden Verwundeten ift unter Vorausfetzung einer entsprechenden Ventilation ein Luftraum von 4 Cubikmeter erforderlich, auch ift eine Anzahl von mehr als 10 Verwundete für einen Wagen nicht zuläffig; r n Er n l 1. f. h n t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 41 Zum Reinigen des Wagens ift das Freilaffen des Bodens nothwendig. Die Abtritte follen vom Innenraume des Wagens abgefchloffen fein und fich direct auf den Bahnkörper leeren; nur für anfteckende Kranke find eigene gefchloffene Clofets aufzuftellen; Ein Sanitätszug foll endlich aus höchftens 50 Achfen beftehen und den Transport von 200 liegenden Kranken oder Verwundeten geftatten.. Mit Ausnahme der Fahrordnung der Züge ift die Führung und Verwaltung der Sanitätszüge nach den für die Feldlazarethe giltigen Normen zu regeln. Diefe Poftulate erklärt die Conferenz für unabweisbar geboten und mit Bezug auf den Koftenaufwand für zuläffig. Als Nachtrag nahm die Conferenz noch folgende zwei von den Herren Profeffor Esmarch, General v. Baumgarten und Dr. Gori geftellten Anträge an: werden. Es dürfen an Sanitätszügen weder beladene noch leere Waggons angehängt Von Zeit zu Zeit follte man einen vollſtändig mit allen nothwendigen Requifiten und Materiale verfehenen Sanitätszug ausrüften, um einerfeits zur Belehrung und Einübung des Trainperfonales zu dienen, und andererfeits die Nothwendigkeit folcher Einrichtungen zu beweifen und Intereffe für diefelben im Publicum zu erwecken. e n t r n e h S S e 1 1 1 ] Tornifter, Feldtaſchen und Kiften für den Verbandplatz. Von einer Verbandtafche fordert man vor Allem, dafs diefelbe nicht fchwer fei, und eine möglichft einfache Einrichtung habe. Alles Unnöthige foll ftrenge vermieden und das Nothwendige derart untergebracht fein, dafs es leicht zu finden fei und dem Aus und Wiedereinpacken keine Schwierigkeiten biete. Eine Feld- Verbandtafche foll gewöhnlich nur die nothwendigften Verbandgeräthe und Arzeneien enthalten und wird theils von den Feldärzten und theils von der Sanitätsmannfchaft getragen. Die Verbandtafchen für Aerzte müffen fehr klein fein und follen gleich einer Patrontafche getragen werden, denn das Baumeln der Tafche an einem Schulterriemen ift namentlich beim Verbinden in gebückter Stellung fehr hinderlich und entfallen ihr auch dabei leicht Theile ihres Inhaltes. Die Tafchen für die Sanitätsmannfchaft find gröfser und vollſtändiger eingerichtet und werden gleich einem Tornifter auf dem Rücken getragen, daher auch der Name Ver bandtornifter. Unter letzteren fand die in der belgifchen Armee eingeführte Verbandtafche von Hermant die meifte Anerkennung. - Unter dem Namen„ Erfter Verband" waren kleine Pakete 10 Centimeter lang, 7 Centimeter breit und 2 Centimeter dick ausgeftellt, mit einer Umhüllung aus gefirmifstem Seidenpapier, die mit einer fogenannten SicherheitsStecknadel verfchloffen, auf der Vorderfeite die Auffchrift trugen: Erfter Verband, enthält: 1. Dreieckiges Fach. 2. Stückchen englifcher Charpie mit Carbolfalbe( 1:10) beftrichen, nebft 2 Stück Wattecharpie in gefirnifstem Papier eingefchlagen. Der Zweck diefer Päckchen foll fein, jedem Soldaten auf dem Schlachtfelde die Möglichkeit zu bieten, rafch und ohne ärztliche Hilfe abwarten zu müffen, die eigenen Bleffuren oder jene des verwundeten Kameraden auf eine ebenfo leichte als zweckmäfsige Weife verbinden zu können. Es kann diefer Gedanke des Geheimraths Profeffor Esmarch nicht genug gewürdigt und gepriefen werden, wenn man bedenkt, wie fpät nach erlittener Verletzung die ärztliche Hilfe oft kommt und welche fchädliche Folgen das längere Nichtverbundenfein für den Verwundeten haben kann. Welcher Segen dagegen liegt in dem rafchen Abfchluffe der frifchen Wunden auf dem Schlachtfelde? Aeufsere ungünftige Einflüffe 42 Dr. Mofetig von Moorhof. werden dadurch abgehalten und unnöthige Blutverlufte des häufigften vermieden. Das mit Carbolfalbe beftrichene Lintftückchen direct auf die Wunde gelegt, hält Staub und jede andere Unreinlichkeit ab, und was befonders hervorgehoben zu werden verdient, es paralifirt den auf den späteren Wundverlauf fo nachtheiligen Einfluss der fo argen, wenn auch mikrofkopifch kleinen Feinde unferes Organismus, die Urfachen jeder Fäulnifs, Pafteur's Aërobien. Die antifeptifche Carbolfäure verhindert aber auch die chemifche Zerfetzung der fetten Salbe. Wenn die Päckchen noch fo lange vor der Anwendung vorbereitet wurden, wenn der Soldat dasfelbe noch fo lange der Sonnenhitze auszufetzen gezwungen war, die Salbe bleibt ftets brauchbar und gut, fie wird nie ranzig. Alfo auch in diefer Beziehung mufs das Carbolcerat jeder anderen Fettmifchung vorgezogen werden. Die Wattecharpie, welche über das Stückchen Lint gelegt wird, gibt einen kleinen elaftifchen Polfter ab, welcher den Druck des Verbandes auf die Wunde vermöge feiner Elafticität verringert und zur Sicherung des Lintftückchens in feiner Lage beiträgt. Das gefirnifste Seidenpapier der Umhüllung endlich über das Ganze gelegt vervollſtändigt den Luftabſchluſs, während das dreieckige Tuch den Verband fixirt und completirt. Es erfetzt demnach in diefem Falle kravatenförmig zufammengelegt die Rollbinden und ift viel leichter und fchneller anzuwenden als letztere. Allein das dreieckige Tuch kann auch zu anderen Verbänden verwendet werden, wofür die Binden nicht ausreichen, fo beiſpielsweife zur vollſtändigen Einhüllung des Kopfes, des Fufses, der Hand, zur Stütze für den zerfchoffenen Arm, felbft als Knebeltourniquet bei arteriellen Blutungen etc., kurz wir können wohl mit dem alten und erfahrenen Schweizer Chirurgen Major das dreieckige Tuch als Univerfalbandage bezeichnen. Esmarch hat nun fchon im Jahre 1868 ein dreieckiges Tuch aus Baumwoll- Stoff erzeugen laffen, worauf bildlich alle verfchiedenen Applicationsweifen desfelben dargestellt waren, mit dem wohlgemeinten Rathe, es in allen Armeen einzuführen und jeden Soldaten damit auszurüften, der dann fchon im Frieden theils durch Befichtigung der Zeichnungen, und theils durch praktiſche Demonftrationen und Uebungen in die Lage verfetzt werden follte, im Nothfalle felbftftändig einen proviforifchen Verband anlegen zu können. Es ftellte, wie bekannt, diefes Tuch ein gleichfchenkliges Dreieck vor, von 120 Centimeter Bafis und 60 Centimeter Höhe, worauf an vielen prachtvollen Figuren, die ein Gefammtbild mit Hintergrund darftellen, in 34 Nummern alle nur denkbaren Anwendungsweifen des Tuches dargestellt waren. Wer erinnert fich nicht des niedlichen kleinen Büch leins, welches, von Esmarch verfafst, alles Wiffenswerthe über die Anwendung des dreieckigen Tuches darftellte, und ftatt einer Tafel letzteres in natura beigelegt enthielt. Es erlebte ja zwei Auflagen, wurde von Vernueil ins Franzöfifche überfetzt und bahnte fich überall den Weg, wo überhaupt Sinn für VerwundetenF flege herrfcht. Der Einführung diefes Buches in den Armeen ftellten fich jedoch Bedenken entgegen, und die Militärverwaltungen fträubten fich dagegen unter Anderem mit der fonderbaren Behauptung, man dürfe einem Soldaten, der in den Krieg geht, nicht ein folches Bild mitgeben, auf welchem die Schrecken des Schlachtfeldes dargeftellt feien; diefs könne die Leute muthlos machen!! Das eigentliche, jedenfalls plaufiblere Motiv der Ablehnung war jedoch ein anderes: der hohe Koftenpreis. Es war nämlich dazumal nicht möglich, das Tuch allein unter fieben Silbergrofchen zu produciren. Das ganze Packet hätte dem nach per Stück acht Silbergrofchen gekoftet. Diefs war allerdings ein gewichtiger, ein Hauptgrund gegen deffen allgemeine Einführung in den Armeen, und daran fcheiterten auch die Unterhandlungen, welche das ungarische Landesver damaliger theidigungs- Minifterium mit der Schwers'fchen Buchhandlung in Kiel Producent im Jahre 1870 eingeleitet hatte. Diefen beiden Uebelftänden hat nun Esmarch Rechnung getragen, und in letzter Zeit das neue Tuch fabriciren laffen, welches eben im Pavillon zu fehen - 1 1 Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 43 war. Diefes ift um etwa zwei Centimeter in beiden Durchmeffern gröfser, denn das frühere, aus billigem, ungebleichten Baumwoll- Stoffe, und wird von dem Fabrikanten Ludwig Guftav Cramer in Düffeldorf um den gewifs billigen Preis von 17 Silbergrofchen das Stück erzeugt und geliefert. Das ganze Verband packet dürfte demnach um den Preis von 2 Silbergrofchen zu haben fein. Die aufgedruckte Zeichnung iſt viel einfacher, fie ftellt nicht mehr als ganzes Bild die Schrecken des Krieges dar, und dürfte Niemanden mehr muthlos machen, als er es etwa von Haus aus fchon ift. An fechs grofsen Figuren, ganz behäbige Männer darftellend, find in 31 Nummern fämmtliche Anlegungsweifen des dreieckigen Tuches zu Verbandzwecken klar und deutlich gezeichnet. Gegenwärtig find fonach alle früher beftandenen Hinderniffe gegen eine allgemeine Einführung des„ erften Verbandes" behoben, und es läfst fich hoffen, dafs nunmehr nicht nur das ungarifche Landesvertheidigungs- Minifterium, fondern auch das öfterreichifche und die Kriegsminifterien der anderen Staaten es in die Armeen einführen werden, umfomehr als in der Privatconferenz, der auch hochgeftellte Militärärzte beiwohnten, die Refolution der Profefforen B. v. Langen beck, Esmarch und Billroth:„ Es ift zu wünfchen, dafs im Kriege jeder Soldat an geeigneter Stelle ein zweckmäfsiges Verbandzeug bei fich trage, mit welchem ihm, im Falle feiner Verwundung, der erfte Verband angelegt werden könne" mit Acclamation angenommen wurde. - Als geeignetfte Unterbringung des Päckchens empfiehlt Esmarch, es in einen Zipfel des Uniformrockes einnähen zu laffen, damit der Soldat nicht etwa in die Verfuchung gerathe, das Tuch als Fufs- oder Putzlappen zu verwenden. Die preufsifche Armee hat die von Oberftabsarzt Dr. Ballhorn modificirten dreieckigen Tücher eingeführt, die aber viel kleiner als die Esmarch'fchen find, und demnach weniger praktiſch fich erweifen dürften. Wohl mag der billi gere Koftenpreis diefe nachtheilige Reducirung der Gröfse hervorgerufen haben, gegenwärtig ist aber diefer etwaige Grund befeitigt, und zweifelsohne wird auch die preufsifche und mit ihr die deutfchen Armeen nunmehr Esmarch's Verbandpackete einführen. Die holländifche Armee hat das neue Tuch bereits in grofsen Quantitäten angekauft, und find die Truppen der Expedition damit verfehen nach Atchin gefegelt. Hoffen wir, dafs alle Armeen, welche zu künftigen Kriegen zu rüften berufen fein werden, diefem Beiſpiele Hollands folgen zum Wohle und zum Heile der Opfer des Krieges. Plambeck ftellte mehrere nach Esmarch'fcher Angabe gefüllte Verbandplatz- Kiften aus, deren mufterhafter Inhalt im Wefentlichen folgender ift: Binden aus Leinwand, Baumwoll- Stoff, Flanell oder Gage von verfchiedener Länge und Breite. Es dürfte nicht unwefentlich fein, zu bemerken, dafs alle zu Verbänden zu benützenden Binden rein und aus einem Stücke beftehend fein müffen. Die Näthe beim Anftückeln drücken den gefafchten Körpertheil und find derlei Binden defshalb zu Lazarethzwecken untauglich; aus demfelben Grunde ift das Einfäumen der Binden zu unterlaffen. Jede Binde möge aufgerollt und mit einer Stecknadel gefichert gepackt werden. Dreieckige Tücher aus neuer oder gebrauchter jedenfalls aber ftarker Leinwand oder Baumwoll- Stoff, deren Seiten 3 bis 4 Fufs lang fein mögen. Compreffen. Viereckige Verbandtücher, welche zur Application von Umfchlägen dienen. Charpie, als gezupfte oder kraufe oder als geordnete. Als ein fehr gutes Erfatzmittel ift die englifche Charpie oder Lint zu bezeichnen, ein einfeitig fehr rauher Baumwoll- Stoff, der in grofsen, zu Päckchen zufammengelegten Stücken im Handel vorkommt. Mit Befriedigung fahen wir, dafs der öfterreichifch deutfche Ritterorden. eine neue Qualität von Charpie ausftellte, die durch Zerzupfen von getheerten 44 Dr. Mofetig von Moorhof. Schiffstauen gewonnen wird, und defshalb auch Theercharpie( étoupe gondrounée) genannt wird. Amerika gebrauchte fie im letzten Kriege, und führte fie unter dem Namen Oakum in die Chirurgie ein. Diefes getheerte Werg wird trocken oder beffer einfach in warmes Waffer getaucht auf die Wunden gelegt. Dank dem Theer enthält es ein desinficirendes Princip, welches die Infectionskeime abhält, ihre fchädlichen Wirkungen zu ent falten, und erfpart man demnach bei ihrer Anwendung jedes andere desinficirende Medicament. Weifs man nun, wie die in Feldlazarethen zur Verwendung kommende Charpie häufig ausfieht, welcher Schmutz, Staub und Unrath darinnen fteckt, weifs man, dafs in Kriegszeiten ein vorangehendes Reinigen der zu benützenden Charpie oft geradezu unmöglich ift, fo dürfte das viel billigere, reinlichere und leichter zu befchaffende Oakum wohl nicht zu verwerfen fein, ja es hat vor der Charpie noch die Vortheile, dafs es die Wundfecrete leichter durchfliefsen läfst, dafs es den Wunden weniger feft anklebt, weil nicht hygrofkopifch, und dafs es viel feltener gewechfelt zu werden braucht, indem es jede Zerfetzung der Wundfecrete abhält. Das Oakum hat endlich einen fehr angenehmen Geruch, reizt die Wundflächen nicht im geringften, ift den Refpirationswegen vermöge des Theergeruches eher zuträglich als nachtheilig, und purificirt, wenn angehäuft, ganz entfchieden die Luft der Krankenfäle. Zu Schnüren, Peitfchenfchmifs ähnlich gedreht, bildet die Theer charpie ein viel befferes Mittel, das Abfliefsen der Wundfecrete aus Hohlgängen zu erleichtern, als die Leinwand oder Charpiewicken, da letztere durch ihr Aufquellen gewöhnlich die Wundfecrete eher zurückhalten, indem fie die Hohlgänge verftopfen. Das Nichtaufquellen der Theercharpie- Schnüre und der Umftand, dafs fie die Zerfetzung der Wundfecrete eher verhindern als befördern, ermög licht es auch, fie in den Hohlgängen lange liegen laffen zu können, wodurch fie im Nothfalle felbft den Mangel an Drainageröhren zu erfetzen vermögen. Durchzüge oder Untertücher( alèze), id est halbe Leintücher oder jedenfalls grofse Tücher, welche den Zweck haben, unter das Becken des Kranken gelegt zu werden, um die Bettlaken vor rafcher Verunreinigung zu fchützen. Luftpolfter aus Kautfchuk- Leinwand zur bequemen Bettung von Kranken, die an Druckbrand leiden. Kopfnetze aus groben Baumwoll- Fäden gehäkelt und einem Zugbande am Rande zum Verbinden von Kopfwunden. Watte und zwar ungeleimte zur Polfterung von Schienen, Bein- und Armladen etc. Wafferdichte Stoffe zu Unterlagen zum Schutze der Bettwäfche und zum Bedecken feuchter Umfchläge, als Wachstuch, Guttapercha- Papier, Kautfchuk leinwand, gefirnifstes Seidenpapier etc. Schwämme von allen Gröfsen, wohl ausgekocht und gereiniget und von guter weicher Qualität, da fie meiftens zu Operationen gebraucht werden. Eisbeutel aus Kautfchuk oder Pergamentpapier. Wunddouchen( Irrigatoren) von Blech mit elaftifchem Schlauch und Zinn oder Beinfpitze. Sie dienen zum Abfpülen der Wunden und haben längt die zu diefem Zwecke früher verwendeten Schwämme und Wundſpritzen ver drängt. Letztere find jedoch nicht zu umgehen, wenn man Flüffigkeiten mit einer gewiffen Kraft in Höhlen oder Canäle des Körpers hineintreiben will. Eiterbecken, nierenförmig und von verfchiedenen Gröfsen aus Meffing, Eifenblech oder Hartkautfchuk. Letztere find vorzuziehen, da fie beim Anlegen am nackten Körper den Bleffirten weniger unangenehm afficiren als das kalte Metall. Badewannen zu conftanten Bädern, continueller Irrigation der oberen oder unteren Extremität. Chloroform-Apparate. Die Esmarch'fchen Modelle, wohl die ein fachften und zweckentfprechendften, beftehen bekanntlich aus einem Eiſendraht De nd Ter es nt. de de ifs Die zu ch en mer ilt. en er uft erzu uf ge nd, 5g. im Her zen en, de nd nd uk. on DO nd gft er ner Sum gen Ite ren inht Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 45 Gerüfte in der Form ähnlich einem halben Hunde- Maulkorbe, welches an der con vexen Seite mit einem poröfen Stoffe überzogen ift, auf dem das Chloroform tropfenweife aufgefchüttet wird. Dazu ift noch eine Krückenzange zum Vorziehen der Zunge beigelegt, beides in einem Lederetui untergebracht. Gypskaften von Blech wohl verfchliefsbar und mit gutem frifchgebrannten Gypspulver gefüllt. Beftecke zum Auffchneiden des Gypsverbandes, eine Gypsfcheere und ein Gypsmeffer enthaltend. Ich würde dem Beftecke noch ein Paar krumme Hey'fche Sägen beigeben, da fie, wie ich mich vielfältig überzeugt habe, am beften zu diefem Zwecke dienen. Schienen, Beinladen und Lagerungsapparate verfchiedener Art. Hiezu find auch leere Kiffenfäcke aus feftem Stoffe zu rechnen, die man vor der Anwendung mit Häckerling( klein gehacktes Stroh) oder Sand füllt. Verbandtafchen für Wärter und Gehilfen, eine Scheere, ein Rafirmeffer, eine Kornzange und eine anatomifche Pinzette enthaltend. Etuis mit Heftnadeln und Nähmaterial nebft Stecknadeln. Möchten doch alle Verbandkiften, welche die Privathilfe den Lazarethen beiftellt ähnlich den Esmarch'fchen fein, wie oft bekommt man fie mit unnützem und unbrauchbarem, ja fchädlichem Zeug gefüllt, mit unreiner Charpie, fchmutzigen Verbandftücken, zerriffener Wäfche und anderen zweifelhaften Liebesgaben mehr Hofpitalbedarf. Unter diefem generellen Namen find die verfchiedenften Objecte verftanden von denen theilweife fchon die Rede gewefen ift. Wenn wir wie bisher dem Specialkataloge folgen wollen, können wir fie in folgende Gruppen abtheilen: Baraken und Zelte, Betten und Operationstifche, Verbandmaterial, Chirurgifche Inftrumente, Apparate, und Feldapotheken, künftliche Gliedmafsen und Erfatz von zerftörten Kiefertheilen. Baraken und Zelte. Das Bedürfnifs, Verwundete und Kranke in Zelten und Baraken unterzubringen, ift einerfeit aus der Beobachtung hervorgegangen, dafs die Behandlung derfelben unter dem Einfluffe der freien Luft relativ und abfolut günftigere Heilungsrefultate ergebe, als jene in gefchloffenen Localitäten und ferner aus den Schwierigkeiten, im Kriege gute und geeignete Gebäude in genügender Anzahl aufzutreiben. Von den öffentlichen Localitäten einer Stadt, welche zu Lazarethzwecken Verwendung finden können, und öfters fchon Verwendung fanden, find folgende zu erwähnen: Hofpitäler, wenn vorhanden, eignen fich hiezu natürlich in erster Linie fchon vermöge ihrer fchon beftehenden Einrichtungen ad hoc: der Betten, der Küche, des Wartperfonales, der hygienifchen Verhältniffe überhaupt. Doch felbft die beften Hofpitäler find für eine gröfsere Anhäufung von Bleffirten gefärlich, weil fie durch die frühere conftante Benützung mit fchädlichen Stoffen imprägnirt find, welche fich nur fchwer befeitigen laffen und bald ihren verderblichen Einfluss auf die Verwundeten zu Tage treten laffen( Hofpitalismus). Aus ähnlichen Gründen, denen noch ein gewöhnlich abfoluter Mangel jeglicher hygienifcher Einrichtungen namentlich in Rückficht auf Ventilation und Canalifation fich beigefellt, eignen fich auch nicht Kafernen, Kirchen, Schulen und Fabriksgebäude. Kirchen befitzen dank ihrer hohen Fenfter gar keine Ventilation, haben Sommer und Winter eine ftets gleiche feuchte 46 Dr. Mofetig von Moorhos. und dumpfe, weil ftagnirende Luft, und entbehren aller übrigen, einem Lazarethe unentbehrlichen Bedürfniffe. Beffer fchon eignen fich Vergnügungslocale, Eifenbahn Hallen und andere dergleichen Säle, obwohl auch diefe infoferne zu verwerfen find, als das Princip der Accumulation von Verwundeten in einem und demfelben Raume forgfam zu vermeiden ift. Am geeignetften find wohl Schlöffer und Privathäufer, die aber vermöge des allzugrofsen Zerftreutfeins der Verwundeten die ärztliche Pflege ungemein erfchweren. Wenn man diefe Punkte im Auge behält, wird man in Kriegszeiten die Nothwendigkeit der Zelte und Baraken nicht nur im Allgemeinen, fondern auch fpeciell für Städte und gröfsere Ortſchaften anerkennen müffen. Zelte find im Allgemeinen viel weniger geeignet als Baraken, denn abgefehen davon, dafs fie in der kalten Jahreszeit nicht zu benützen find, befitzen fie noch einige Mängel, welche fie auch zu Sommerszeit unangenehm machen, fie widerftehen nämlich fchwerer dem Regen und dem Winde, und geftatten eine entfchieden ungenügendere Ventilation als gefchloffene Räumlichkeiten, wefshalb auch in jedem Zelte eine gewiffe dumpfe Luft fich jedem aufmerkfamen Beobachter bald bemerkbar machen wird. Den einzigen und unleugbaren Vortheil befitzen Zelte durch den Umftand ihrer Transportabilität und der Möglichkeit fie in kürzester Zeit aufftellen und wieder zufammenpacken zu können. Wir fanden folgende Zeltmodelle vor: Bodwig& Comp. Köln und Mühlhaufen am Rhein transportables Zelt, eingeführt in der königlich- preufsifchen Armee und 1870 gebraucht. Mit doppeltem Dach und doppelten Wänden aus Segeltuch. Leicht auf- und abzurüften und etwa acht Betten Faffungsraum. Couette St. Ouen du Tilleul Eure Frankreich, Lazarethzelt für 14 Kranke Operationszelt und Arzteszelt. Das Gerippe, welches die Zeltleinwand trägt, ift gleich einem Regenfchirme auf- und abklappbar, fehr leicht und doch hinreichend feft. Lifchine à St. Petersbourg Modéle d'une tente d'ambulance avec carcane de fer et toit en lattes pouvant se rouler pour le transport. Hervorzuheben ist bei diefem von den gewöhnlichen Zelten namentlich ob des Daches abweichenden Modelle, dafs das Zelt durch Anftückeln beliebig verlängert werden kann, ein Vortheil der bedeutend fich verringert, wenn man an das Poftulat denkt, dafs die Anhäufung von Bleffirten in einem Raume vermieden werden müffe. Dem reglementären Zelte für 3 Officiere, welches das ruffifche Kriegsminifterium ausftellte und welches den gewöhnlichen Zelten analog conftruirt war, laffen fich auch alle letzteren zukommenden, früher erwähnten Mängel vorwerfen. Wie foll denn auch ein Leinwand- Zelt ventilirt werden, das am Dache keine Vorrichtungen hiezu befitzt und auch kein Fenfter hat. Die Spalten, welche aus dem Zurückſchlagen der Seitenwände refultiren, find hiezu ungenügend und felbft diefe Oeffnungen müffen ja bei ungünftiger Witterung gefchloffen werden. Einen ferneren Uebelftand der Zelte bildet der Boden. Gewöhnlich ift es nur geftampfte Erde, felten Holzbreter, die aber auch nur einfach auf dem Boden liegen und demnach vor Feuchtigkeit nicht zu fchützen vermögen. In jeder Hinsicht zu bevorzugen find Baraken, die je nach ihrer Conftruction eingetheilt werden können in gefchloffene Baraken und in offene Baraken mit ihrer Abart Flugdächer. Die allgemeinere Verwendung von Baraken zu Lazarethzwecken datirt eigentlich feit dem letzten Kriege zwifchen den amerikanifchen Nord- und Südftaaten. Die Sanitary Commiffion" hatte es bald erkannt, dafs die im Beginne des Krieges gepflogene Unterbringung der Bleffirten in ftabilen, grofsen, öffent lichen Gebäuden nicht den Anforderungen entſprach, Verwundete und Kranke unter günftige hygienifche Verhältniffe zu ftellen. Auch die Erfahrungen, welche die berühmte englifche Nonne Mifs Florence Mithingale während des Krimkrieges e n d. en nd er. lie ch on en fie ne b en Dr. chlt, em nd ke ift in. ne bei en ein die niar, en. ine aus bft men fte nd onin tirt üdne ent ke die ges Militärfanität undf reiwillige Hilfe im Kriege 47 gemacht und die fie in einem vielgelefenen Werkchen ,, Notes on hofpitals" der Oeffentlichkeit übergeben hatte, in dem die Grundzüge und Hauptprincipien der Hofpitalhygiene mit feltener Klarheit und Logik und mit einer ftaunenswerthen Sachkenntnifs dargelegt waren, trugen wefentlich dazu bei, die Sanitary Commiffion zu einer Abänderung des bis dort geübten Verfahrens zu beftimmen und die Errichtung eigener Lazarethe, auch Holzbaraken genannt, in Angriff zu nehmen. Was Amerika mit feinen Baraken- Mufter- Hofpitälern für Erfolge erzielte, ift wohl genügend bekannt. In allen fpäteren europäiſchen Kriegen ift diefem Beiſpiele, wenn auch nicht in dem grofsartigen Mafsftabe, gefolgt worden und hat man niemals Gelegenheit gefunden, es bedauern zu müffen. Gefchloffene Baraken, deren man fich insbefondere zu Winterszeit bedient, ftellen länglich viereckige holzerne Häufer dar, welche nebft einem gröfseren Saale einige kleinere Nebenräume beherbergen, für Theeküchen, Clofets und das Wartperfonale. Speifeküchen pflegt man in den einzelnen Baraken nicht unterzubringen, fondern weil man letztere kaum je vereinzelt anlegt, fondern mehrere beifammen gruppirt, fo zieht man es vor, die gemeinfchaftliche Küche, fowie auch die Depôts in eigene Baraken unterzubringen. Die wechſelfeitige Anordnung der einzelnen Baraken variirt je nach dem Terrain, welches fie trägt. Als Poftulat gilt der Grundfatz, die einzelnen Baraken nicht zu nahe aneinander aufzuftellen, damit der Luftwechfel nicht leide, und wieder nicht zu weit voneinander, auf dafs die bequeme Communication und der Lazarethdienft nicht erfchwert werde. Wo möglich, mögen fie mit der Frontfeite dem Süden zugekehrt fein. - Man ftellt die Baraken entweder in Form eines Sternes auf, deffen Centrum die Adminiftrationsgebäude, deffen Strahlen die Lazarethräume bilden ( amerikanifches Pavillonfyftem). So waren das Hammond- General- Hofpital auf Point Look out in Maryland, das Mover General Hofpital bei Philadelphia, das Jefferfon General- Hofpital in Indiana u. A. m. erbaut, oder in Form eines ftaffelförmigen Dreieckes mit offener Bafis, beiſpielsweife des Lincoln GeneralHofpital bei Waſhington oder in Form zweier offener Winkel, die mit ihren Längsfeiten zufammenftofsen, die Tempelhofer Baraken bei Berlin. Varianten diefer Typen find natürlich unzählige möglich. Jede gefchloffene Barake mufs den Hauptanforderungen genügen, trocken und luftig zu fein. Um trocken zu fein, mufs die Barake einen Untergrund befitzen, ja es ift noch viel beffer, wenn diefer etwas höher als der Boden fteht, damit die Luft auch von unten. circuliren und die Feuchtigkeit des Bodens nicht leicht durchzudringen vermöge. Letzterer foll möglichft fandig und ja nicht muldenförmig gehöhlt fein, damit das Regenwaffer darunter nicht ftagniren könne. Der Unterbau der gefchloffenen Baraken wird gemeiniglich auf Ziegelftöckeln geftellt oder ganz untermauert. Offene Sommerbaraken hingegen werden, wenn es damit fehr Eile hat, nicht auf Ziegelunterbau gezimmert, fondern nur auf dem Boden erbaut, den man nur früher durch Steingerölle oder Steinkohlen- Schlacke( Stromayer's Baraken zu Langenfalza 1866) möglichst trocken legt. - Abfolutes Erfordernifs dagegen für jede Barake ift ein Breterboden. Die Ventilation wird ermöglicht vom Dache aus und durch Fenfter. Vom Dache durch Ventilklappen, Dachlaternen und von den Fenstern dadurch, dafs man die oberen Carreau's mit Charnieren verfieht, welche deren fpaltförmiges Oeffnen auch bei Wind und Regenwetter geftatten. Gefchloffene Baraken follen an beiden Längsfeiten Fenſter befitzen, wogegen die Kopffeiten mit Thüren verfehen find. Heizvorrichtungen find für den Winter unentbehrlich. Diefe kurzen aphoriftifchen Bemerkungen haben natürlich nur für Feldlazareth- Baraken Geltung, auf Stadtbaraken hingegen, wie beispielsweife Effe's Baraken in der Charité oder auf das Augufta- Hofpital zu Berlin, haben fie keinen Bezug, da diefe ftabilen Spitälern ähnlich conftruirt zu werden pflegen. Der Faffungsraum einer gefchloffenen Feldbarake variirt natürlich nach deren Gröfse, nie möge man aber zu viele 4 48 Dr. Mofetig von Moorhof. Verwundete in einem Raume unterbringen, um den Hofpitalismus ja nicht auf. kommen zu laffen. Vierundzwanzig Betten dürfte fchon das Maximum fein. Das Modell, welches fub Specialkatalog Nr. 58 a Herr Baumeifter L. Jacobi in Homburg ausgeftellt, dürfte fchon das Erreichbare an Schönheit und Zweckmässigkeit bieten. Diefe gefchloffene Winterbarake, welche nach eigenen Ideen Ihrer k. k. Hoheit der Frau Kronprinzeffin von Deutfchland im Jahre 1870 zu Homburg errichtet wurde, ruht auf Ziegelunterbau und ift mit allen früher angegebenen Poftulaten auf das Vorzüglichfte verfehen. Dennoch fcheint uns die Lage der Fenſter zu tief, weil die Luft gerade über den Köpfen der Kranken auf den in gleicher Höhe ſtehenden Bettgeftellen ausftrömen mufs. Sommerbaraken unterfcheiden fich von den gefchloffenen dadurch, dafs fie eine offene oder halboffene Seitenwand befitzen. Das fefte, gewöhnlich mit Steinpappe überzogene Dach hat Firſtventilation und ruht auf feften Pfeilern. Die eine Seitenwand fehlt, oder ift nur bis zur Hälfte oder zu zwei Dritttheilen der Höhe oben fowohl als unten aus Bretern gezimmert; den mittleren Reft oder die ganze fehlende Wand nehmen die aufrollbaren Leinenplachen auf, wefshalb man fie auch Zeltbaraken nennt. Trotz der halb oder ganz geöffneten einen Seitenwand ift die andere doch ftets mit Fenftern verfehen, welche Licht und Luft auch bei gefchloffener Leinwandplache zulaffen. Die Betten ftehen in den Sommerbaraken gleichwie in den gefchloffenen Winterbaraken in zwei Reihen einander gegenüber. Denkt man fich nun eine Sommerbarake der Länge nach gefpalten und die eine Hälfte für fich aufgeftellt, fo wird man den Begriff eines Flugdaches bekommen. Ein Flugdach fieht demnach einer Wagenfchuppe ähnlich, hat drei gefchloffene, aber mit Thüren und Fenſtern verfehene Wände und ein abfchüffiges Halbdach, die Vorderwand fehlt gänzlich und wird durch die Leinwandplachen erfetzt. Ein Flugdach kann natürlich nur eine Reihe Betten faffen. Das fchönfte und vorzüglichfte an Hofpital- Flugdächern ift während des franzöfi fchen Bürgerkrieges 1871 von Profeffor Mundy im Parke von St. Cloud erbaut worden; ein im Sanitätspavillon der Wiener Weltausftellung aufliegender Altas( Katalog Nr. 115. Ambulance de la grande gerbe. Parc de St. Cloud 1871) gab davon gelungene photographifche Anfichten; ich kenne diefe Mufterbauten auch durch Autopfie. Acht grofse Flugdächer zu je 25 Betten bildeten das eigent liche Lazareth. Viele andere kleinere Baraken und Zelte dienten als Wohnungen und zur Adminiftration. Die Clofets waren nach Moule's Syftem, das heifst mit Erde gefüllt und hatten fich fehr gut bewährt. Die Aufftellung der Baraken war keine typifche, da das Terrain hiezu ungeeignet war, fondern es waren fünf mit der offenen Seite dem Süden zugerichtet, zwei fahen nach Often und eine nach Weften. Ihre Entfernung von einander war 25 bis 30 Meter. Jede Barake, die Form eines länglich- viereckigen Holz- oder Wagenfchuppens darftellend, hatte eine Länge von 40 Meter, eine Breite von 5 Meter. Die Höhe betrug an der offenen Seite 6, an der rückwärtigen Seite, des Abfallens des Daches wegen, 4 Meter. So hohe Flugdächer dürften wohl noch nie erbaut worden fein. Die ungewöhnliche Tiefe entrückte die Bleffirten den Witterungseinflüffen fo vollkommen, dafs ein Breterverfchlufs des oberften Endes der Vorderwand nahe dem Dache ganz unnöthig war. Der Breterboden war 12 Fufs über das Niveau des Bauplatzes erhöht und waren die Dielen der Länge nach gelegt, damit die Erfchütterung beim Gehen fich nicht den Betten mittheile, was ftets der Fall ift, wenn diefe der Quere nach genagelt find. Die Breterwände hatten eine doppelte Verfchalung und waren alle Fugen für fich noch feparat durch hölzerne Leiften verfchloffen, fo dafs weder Luftzug, noch Eindringen des Regens zu befürchten ftand. Ueberdiefs waren noch die Breterwände inwendig mit weifser Oelfarbe und aufsen mit Theer beftrichen, eine Einrichtung, die wohl alle Baraken haben follten, da die rauhen unbedeckten Breter fonft Infectionskeime allzu leicht fixiren, und das Reinigen der Wandungen ungebührlich erfchweren. r t 1 a e 1 1 ב r t ן S Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 49 Das Dach hatte Steinpappe- Ueberzug. An der gefchloffenen Hinterwand des Flug daches waren in gleichen Abftänden 5 Fenfter, an den zwei Seitenwänden je I Fenfter untergebracht, alle etwas mehr als 2 Meter über dem Fufsboden. Diefer Punkt kann nicht genug pointirt werden, denn die tägliche Erfahrung zeigt, dafs man in Betreff der Höhe der Fenfter in allen Lazarethen und felbft in den ftabilen Hofpitälern infoferne arg fündigt, als man fie relativ zu der Bettenhöhe viel zu nieder macht, wodurch der Kranke während des Ventilirens dem Luftzuge ausgefetzt bleibt. Diefe Fenfter hatten zwei getrennte, nach unten und oben theilbare Flügel, welche fich um eine mittlere Achfe drehend, das Oeffnen nach innen zu oder nach aufsen hin geftatteten. Die vordere offene Wand der Barake wurde durch 12 Stützpfeiler des Daches in 13 gleiche Felder getheilt, welche durch eben fo viele Segeltuch- Plachen gefchloffen werden konnten. Die Vorhänge waren auf eifernen Stäben couliffenförmig verfchiebbar, und ein Schnurzug ermöglichte deren augenblickliches Oeffnen oder Schliefsen. Weiters waren an der Frontfeite der Barake auf eine Entfernung von 5 Meter 4 Meter hohe mobile Stangen angebracht, auf welche die Plachen bei fchönem Wetter in ftark vorgeneigter Lage befeftigt. wurden, fo dafs dadurch vor jeder Barake und mit ihr zufammenhängend ein breites Zeltdach geformt werden konnte. Die in diefem von Mundy geleiteten Lazarethe erreichten Refultate waren glänzend, und entfprachen vollkommen den dortigen fo vorzüglich gehandhabten hygienifchen Verhältniffen. Im Winter wurden die Flugdächer durch Anbringung einer vorderen, mit Fenſtern verfehenen Breterwand gefchloffen, und bewährten fich auch als Winterbaraken. Seit 1871 ift diefes Flugdach- Lazareth offen im Sommer, gefchloffen im Winter fort und fort im Gebrauch und bildet quafi eine Dependance der Militärhofpitäler von Verfailles und Paris. Es wurde nämlich von der Société françaiſe de fecours aux bleffés nach Beendigung des Krieges mit der Commune dem Kriegsminifterium gefchenkt. Das Modell einer transportablen Barake für 12 Verwundete, 1/20 der natürlichen Gröfse, wurde noch fub Katalog Nr. 58 von Dr. M. W. C. Gori aus Amfterdam ausgeftellt. Betten und Operationstifche. Betten für Feldfpitäler waren in ziemlicher Anzahl im Sanitätspavillon ausgeftellt, einfache und complicirte. Vom Standpunkte des Chirurgen müfste man eigentlich für letztere fchwärmen, da fie einerfeits den Verwundeten gut zu lagern geftatten und andererfeits den Mechanismus der natürlichen Entleerungen und des Verbandwechfels zu erleichtern anftreben; wer aber die fomatifchen Nachwehen grofser Kriege eingehender zu beachten Gelegenheit gefunden und in den nach grofsen Schlachten herrfchenden Verhältniffen genauer fich hineingelebt hat, wird die Erfahrung gemacht haben, dafs alles Complicirte für Feldlaz are the auf das Entfchiedenfte abzulehnen fei. Betten mit mechanifchen Einrichtungen, detachirten Theilen etc., fo wunderbar fie fich auch für die Friedenschirurgie bewähren mögen, find für den Sanitätsdienft im Kriege ganz unmöglich, aus denfelben Gründen, welche im Capitel Tragbahren für letztere Objecte eingewendet worden find. Berücksichtigen wir ferner, dafs derlei complicirte Betten entſprechend theuer find und man fie auch nicht fo leicht zu befchaffen vermag, fo wird man wohl dem Grundfatze huldigen, dafs für Feldlazarethe die einfachften, billigften, am leichteften zu transportirenden und dauerhafteften Lagerftätten auch die allerbeften feien. Es empfehlen fich demzufolge am meiſten eiferne Bettgeftelle, die fich fehr compendiös zufammenpacken laffen und wenig Raum einnehmen, auch aus dem Grunde, weil fie reinlicher zu erhalten find und das Ungeziefer fchwerer auf. kommen laffen, ferner weil das Materiale dem Brechen und Verderben nicht fo leicht ausgefetzt ift als das Holz. Bei Improvifationen wird man jedoch genöthiget fein, zu Requifitionen zu fchreiten und fich jener Betten zu bedienen, die eben in loco landesüblich find. Einfache Holzfchragen mit Breter4* 50 Dr. Mofetig von Moorhof. belag thun fchliefslich auch ihren Dienft und find in kurzer Zeit allüberall befchaffen. zu Steiner in Wien hat Betten ausgeftellt, die fehr zweckmässig fcheinen. Einfache Eifengeftelle mit möglichfter Raumerfparnifs zufammenlegbar und mit einer Unterlage aus ftarkem Drahtnetz, welche den Strohfack überflüffig macht. Ich könnte den Strohfäcken nicht fehr das Wort reden, da das Stroh zur Kriegszeit meiftens doch nicht leicht in fo grofsen Mengen zu befchaffen ift, als dafs ein häufiges Erneuern desfelben möglich wäre. Gefchieht diefs aber nicht, fo wird es zu einem Herde für Infectionskrankheiten. Wir müffen demnach einen zweckmässigen Erfatz des Strohfackes nur mit Freuden begrüfsen und das Steiner'fche Drahtnetz ift ein vorzüglicher Erfatz des Strohfackes. Nicht nur, dafs es elaftifcher ift, es behält Eindrücke nicht und Schwerbleffirte können wochenlang darauf gebettet bleiben, ohne Grund zu haben, über ein fchlechtes Liegen zu klagen, Sehr wünſchenswerth für jedes Lazarethbett find Einrichtungen, um den Obertheil des Körpers erhöhen zu können und Vorrichtungen, um ein felbftftändiges Aufrichten des Bleffirten im Bette zu geftatten, falls deffen obere Extremitäten unverfehrt find. Hölzerne Gerippe, ähnlich den ftellbaren Notenpulten, dienen zum erfteren, eine vom Kopfende über das Bett fich wölbende Eifenfpange, die eine ftarke Schnur mit Querholz trägt, zum letzteren Zwecke. Das Steiner fche Spitalbett für die chirurgifchen Abtheilungen des k. k. allgemeinen Krankenhaufes in Wien, nach Vorfchlag von Profeffor Billroth, befitzt die letztgenannte Vorrichtung. Müller in Brandenburg hatte Betten mit mechanifchem Bettenboden, eine kleine Abart der Steiner'fchen Unterlage, welche mit ihr gleiche Vortheile bietet. Die complicirten Bettmodelle, welche Fifcher, Lipowfky und Zülzer zur Anfchauung brachten, mögen an fich fehr praktiſch fein, nur eignen fie fich nicht zum Feld- Sanitätsdienfte, ebenfowenig als die Spiralfeder- Einfätze, die zu viel federn und leicht brechen. Lipowfky hat ein gegliedertes Lagerbett, zugleich zum Heben des Kranken eingerichtet, für Kriegszwecke viel zu umftändlich und complicirt. Das Heben des Kranken mit Beibehaltung der horizontalen Lage ift aber eine zu wichtige und häufige Nothwendigkeit, auf dafs wir nicht hierüber einige Worte fagen müfsten. Ein fehr einfacher, allüberall in kürzefter Zeit zu befchaffender, billiger und praktiſcher Apparat, der fich zum Feld- Sanitätsdienfte befonders empfiehlt, ift folgender: Eine beliebige Anzahl Gurten, beiderfeits mit Oefen verfehen, werden quer unter den Körper des Kranken vorfichtig gefchoben und parallel zu ein ander in möglichft kurzen Diftanzen geftellt. Zwei Holzftangen werden hierauf durch fämmtliche Oefen gezogen und die Stangen durch eiferne Querftäbe in der entſprechenden Abftanz von einandergehalten. Das Ganze zufammengeftellt ift einer Gurtentrage ohne Füfse ähnlich und geftattet das Abheben des Bleffirten vom Bette mit grofser Leichtigkeit. Menici hatte in der italienifchen Abtheilung des Induftriepalaftes ( Gruppe XIV) unter dem Namen Egroleva eine ähnliche Vorrichtung ausgeftellt, nur mit dem Zufatze eines gekrümmten Eifengeftelles mit Flafchenzug, welcher die belaftete Bahre in die Höhe heben foll; ein Beifatz, der als eine Bereicherung in der Erfindung des Ueberflüffigen gelten kann. Betreffs der Operationstifche in ihrer Verwendung für Lazarethe läfst fich fagen, dafs fie auch nicht zu den unentbehrlichen Artikeln der Feldchirurgie gehören. Befitzt man gerade einen, fo wird man fich deffen freuen können, da er die Operation mit viel mehr Bequemlichkeit auszuführen geftattet als ein gewöhnlicher Tifch, entbehrt man aber eines Operationstifches, was faft zur Regel gehört, fo mag man fich darüber leicht tröften. Die Reuffite einer Operation hängt wohl von der Hand und dem Kopfe des Operateurs und nicht vom Tifche ab und wäre es mit dem Chirurgen wahrlich traurig beftellt, der nicht auf einer improvifirten t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 51 Lagerftätte alle jene blutigen Eingriffe auszuführen vermöchte, welche in das Gebiet der Feldchirurgie gehören. Wir fanden ausgeftellt: Katalog Nr. 60. Deutfches Heerwefen: Operationstifch für's Feld. Katalog Nr. 61. Deutfcher Ritterorden( Oefterreich): Tragbahre zum Operationstifche umzuformen, von Prof. Mundy, Katalog Nr. 67. Windler: Operationstifch. Endlich Pilz, Sct. Petersburg( ruffifche Abtheilung des Induftriepalaftes): Feld- Operationstifch mit Strohmatratze, reglementär für die DivifionsFeldlazarethe. Unter allen diefen Operationstifchen müffen wir jenen vom deutfchen Ritterorden gewifs bevorzugen, indem er nicht nur Operationstifch, fondern auch Tragbahre ift; er hat den Vortheil, zu beiden Zwecken gleich gut dienen zu können, und für Feldfpitäler fowohl, als auch für Krankenhäufer und Kliniken dürfte diefer Vortheil gewifs hoch zu fchätzen fein. Da nämlich das Operationslocale von den Krankenzimmern getrennt und davon mehr weniger weit entfernt fein kann, ergibt fich die Nothwendigkeit, den zu Operirenden dahin zu tragen und wieder in fein Bett zurück zu transportiren. Zu beiden Zwecken ift die Tragbahre nothwendig. Ift diefe aber zugleich Operationstifch, fo fällt dabei das Moment des vielen Ab- und Aufladens total weg. Diefer vom Profeffor Mundy angegebene Tifch ftellt deffen articulirte Tragbahre dar, an der nur einige Veränderungen vorgenommen wurden. Da diefe fchon im Capitel Tragbahren genauer befchrieben und bei den Bleffirtenwagen( Mundy- Locati und Mundy- Lohner) auch wieder erwähnt wurde, mufs ich ob der näheren Befchreibung dahin verweifen. Die zur Verwendung als Operationstifch vorgenommenen Veränderungen beftehen einfach darin, dafs beide äufseren Dritttheile nach abwärts umgeklappt werden können, zu welchem Zwecke der Rahmen durchschnitten und mit Charnieren fowohl als auch mit Sperrhaken montirt worden ift. Der Brancard wird, um die gehörige Höhe zu haben, auf zwei Holzfchragen geftellt und nun ihm jene Form gegeben, die man eben wünſcht, als: ganz horizontal, mit beliebig erhöhter Rumpfftütze, und zwar allein oder zugleich mit doppelt geneigter Ebene für die unteren Extremitäten, endlich als Seffel. Er empfiehlt fich befonders für Amputationen und Refectionen an den Gliedmafsen, an den oberen, feiner relativen Schmalheit wegen die volle Zugänglichkeit von allen Seiten geftattet, an den unteren wegen der Möglichkeit, das untere Dritttheil der Lagerftätte im gegebenen Momente nach abwärts klappen und demnach die Extremitäten frei machen zu können. In feiner Zufammenftellung als Seffel kann er endlich auch zu Operationen am Mittelfleifche beftens verwendet werden. Auch laffen fich die drei Theile der Tragbahre fo compendiös zufammenlegen, ohne dafs die Continuität der einzelnen Theile aufgehoben würde, dafs ad vocem der leichten Transportabilität gewifs nichts Befferes zu verlangen ift. Fufsbäder etc. etc. Verbandmaterial. Von der einfachen Rollbinde bis zur complicirten Schienenvorrichtung war fo ziemlich Alles vertreten, was bis jetzt erfonnen und nachgeahmt worden ift. Wir fanden Holzfchienen der verfchiedenften Varietät und der mannigfachften Form, Blechfchienen, Schienen aus Papier maché, Heifter'fche Beinladen, gepolsterte und nicht gepolsterte Bonnet'fcheDrahthofen und Drahtftiefel, Schwebevorrichtungen, Extenfionsapparate, Wannen für continuirliche Arm- und Der deutfche Ritterorden ftellte auch die Art und Weife dar, wie diefes verfchiedene Lazarethmateriale in den Fourgon gepackt werden folle. Es dienten dazu eine Anzahl grofser geflochtener Körbe von viereckiger Form mit Deckel und Schlofsvorrichtungen, welche mit gefirnifster Leinwand überzogen waren, auf der Aufsenfeite des Deckels und der vorderen und hinteren Seitenwand war in Form einer Auffchrift mit weifser Oelfarbe die Qualität des Korbinhaltes bezeichnet. Wir ftimmen dem Gedanken, Körbe zum Transporte zu verwenden, vollkommen bei, denn fie find leichter zu handhaben als hölzerne Kiften und 52 Dr. Mofetig von Moorhof. brechen nicht fo leicht, felbft bei rüder Behandlung. Die Deck- Leinwand fchien uns nur viel zu fchwach und dem Verderben umfomehr ausgefetzt, als ja im Packwagen die Körbe übereinander zu ftehen kommen und fich demnach gegenfeitig drücken und reiben. Dasfelbe Princip der Körbe fahen wir im ruffifchen Pavillon des Induftriepalaftes. Auch hier war das Feld- Sanitätsmateriale in Körben verpackt, allein diefe waren in dickes Schweinsleder förmlich eingebunden und demnach enorm widerftandsfähig. Die Körbe des deutfchen Ritterordens waren freilich improvifirt worden, zweifelsohne wird man aber die gefirnifste Leinwand auch durch Leder erfetzen und fonach wohl allen Anforderungen gerecht werden. Auch Apparate zum Anlegen von Gypsverbänden und fertige Gyps- und Wafferglas- Verbände waren ausgeftellt. Wefentlich Neues konnten wir nicht entdecken. Mufterhaft fchön waren die Verbände aus der Billroth'fchen Klinik, einige andere Mufter dagegen liefsen wohl fehr viel zu wünſchen übrig. Sehr brauchbar dürfte der Apparat von Wydwodz off aus Sct. Petersburg fein, der zum fchnellen Eingypfen von Rollbinden dient. Er ftellt einen kleinen Rollkaften dar in den Gypspulver gegeben wird und der auf dem Boden eine kleine Spalte befitzt, durch welche die Binde zieht. Zwei von den Kaftenwänden fenkrecht aufftrebende Pfeiler tragen ein abnehmbares breites Rad, welches durch eine Handrolle bewegt, die Binde aufrollt, nachdem fie durch das Gypspulver gezogen und damit imprägnirt worden ift. Zu erwähnen wären endlich die von Bäfchlin in Schaffhaufen producirten und ausgeftellten Lazarethartikel unter dem Titel„ medicinifche Verbandftoffe", als: carbolifirte Darmfaiten( Catgut) nach Liftes' Angabe zur Nath und Gefäfs ligatur, und andere mit Medicamenten( Jod und Eifenchlorid) imprägnirte Ver bandftoffe. Chirurgifche Inftrumente und Apparate, Feldapotheken. In erfter Reihe müffen wir erwähnen Profeffor Billroth's genial erdachte und vollendet fchön ausgeführte Wandtafel mit der Ueberfchrift:„ Zur Gefchichte des Pfeil- und Kugelziehens". Nebft einer bildlichen Illuftration der hiezu dienlichen Inftrum ente von der grauen Vorzeit bis hinauf zum Tribulkon von Percy, brachte die Tafel auch einige, wenn auch barocke, fo doch treffende Ausfprüche alter militärchirurgifcher Schriftfteller über Behandlung der Schufswunden. Einige Exemplare alter Kugelextractoren längft verfchollener Zeiten waren auch in natura beigelegt. Unter den Inftrumenten der Neuzeit zur Auffindung von Bleiprojectilen finden wir ausgeftellt: Die Nelaton' fche Sonde mit Knopf aus ungebranntem Porcellan, welche dadurch zur Erkenntnifs des Projectiles führt, dafs beim Anftreifen an letzteres das Porcellan einen Bleiftrich aufnimmt. Nicht immer jedoch gelingt der Verfuch, namentlich dann nicht, wenn die Cavität viel Flüffigkeit enthält, Blut oder Eiter, welche den Knopf überziehend den Bleiftrich hindert. Für fchwerere Fälle, wo man mit der Nelaton'fchen Sonde nicht auskommt, und man mit der Diagnofe, ob Kugel oder ob Knochen, nicht fertig wird, eignen fich beffer die elektrifchen Sonden. Sie beftehen in zwei kupfernen Leitungsdrähten, welche von einander ifolirt innerhalb eines Stäbchens laufen und abgefchnitten enden. Ihre Verbindung kann erft durch ein Metallftück hergeftellt werden, an welches fich beide Polenden anlegen. Eine kleine elektrifche Batterie und ein Signalapparat( Trouvé) oder eine Magnetnadel vervollſtändigen den Apparat. Führt man das Stäbchen fonden artig bis zum fraglichen Gegenftande in die Wunde ein, fo wird, falls diefer ein Gefchofsftück ift, das Glockenfignal oder die Abweichung der Magnetnadel augen blicklich den Kettenfchlufs angeben, wogegen diefer ausbleibt, wenn Knochenftücke berührt werden. * Bekanntlich hat Nelaton bei Gelegenheit der berühmten Garibaldi'fchen Kugel feine Porcellanfonde erdacht und mit ihr auch wirklich die im Ferfenbein fteckende Kugel nachgewiefen. ien cktig on erem. ich ich nd cht ik, ehr um ar, tzt, de gt, irt en e², 1 ifser en. hte te ezu on usen. ch eihe las ch, er, VO ob en er ng en er n in == ne en. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 53 Endlich ftellte Gueride aus Paris( ift leider im Specialkatalog nicht aufgenommen) einen trois quartähnlichen Apparat aus, deffen Stachel vorne ein abgerundetes Knöpfchen trägt, welches zwei durch rechtwinklig fich treffende Einfchnitte gebildete kreuzförmige etwa zwei Linien tiefe Furchen befitzt, Die Furchenränder find fcharf und ſchneidend zugefchärft. Führt man den armirten Troisquart bis zur Kugel vor, fixirt die Canüle daran, und rotirt dann den feft angedrückten Stachel an das Bleiprojectil, fo werden die fcharfen Ränder der Kreuzfurchen kleine Partikelchen davon wegkratzen und mitnehmen. Entfernt man dann das Inftrument und befichtigt die abgekratzten Stückchen mit der Loupe, fo wird man mit Leichtigkeit die Blei-, eventuell die Knochenpartikelchen zu erkennen in der Lage fein. Da aber die Schufscanäle oft gekrümmte und gewundene Gänge darftellen, in welche der ftarre und gerade Troisquart nicht einzudringen vermöchte, hat Gueride die Canüle fowohl als den Stachel feines Explorativinftrumentes beweglich gemacht; die Canüle beſteht aus einer enggewundenen Metallband- Spirale, der Stachel aus einer enggegliederten Kette ähnlich einer Jeffray'fchen Kettenfäge. Starre und bewegliche Troisquarts fammt Loupe bilden den Inhalt des Gueridefchen Etuis. Zur Extraction von Schufsprojectilen fanden wir die Kugelbohrer von Baudens, Collin, Movy und Anderen, Kugellöffel nach B. v. Langenbeck, Hakenzange nach Tiemann, auch amerikaniſche Kugelzange genannt, und deren fehr praktiſche Modification von Mathieu. Von completen Inftrumentarien waren auch fehr hübfche Exemplare ausgeftellt, fo von Collin, Mathieu, Windler, Geffer, Leiter, Thürriegl ( deutfcher Ritterorden, Inftrumentarium für den Verbandplatz); dann die reglementären Armee- Inftrumentarien von Deutfchland, Rufsland, Oefterreich, Schweden und Spanien. Unter dem Titel:" Apparat, um ohne Blutverluft Operationen an den Gliedmaffen auszuführen", ftellte Profeffor Esmarch( Katalog Nr. 74) eine elaftifche Rollbinde und einen etwa fingerdicken Kautfchukfchlauch aus, zwei Apparate, welche für die Friedens- und Kriegeschirurgie von der grössten Bedeutung find. Seitdem man fie kennt, werden faft fämmtliche Operationen an den Extremitäten auf eine unblutige Weife ausgeführt, und Fingercompreffion fowohl als Tourniquets haben fchon jetzt dem Kautfchukfchlauche das Feld geräumt. Es march's Gedanke war, das Operationsfeld blutleer zu machen, und es auch bis zur Vollendung des Eingriffes blutleer zu erhalten. Die Applicationsweife ift einfach folgende: Die zu operirende Extremität wird von den Fingern oder Zehen an mit elaftifchen Rollbinden feft umfchnürt bis über die Stelle hinauf, wo das Operationsplanum liegt, wodurch fämmtliches Blut aus den Extremitäten förmlich aus- und dem Stamme zugeprefst wird. Hierauf wird knapp über der letzten Bindentour der Kautfchukfchlauch ftramm um die Extremität gewickelt und der Theil derart comprimirt, dafs das arterielle Blut auch nach Abnahme der elaftifchen Rollbinde nicht mehr in die Extremität einzudringen vermag. Durch diefes combinirte Verfahren kann man jede Extremität ganz blutleer machen, und jede Operation mit Mufse, Ruhe und ohne durch Blutungen geftört zu werden, ausführen. Die Entfernung des Kautfchukfchlauches ftellt im Momente die normale Circulation des Theiles wieder her. Bisher gemachte Erfahrungen lehren, dafs man den Kreislauf bis 40 Minuten lang in einem Extremitätstheile aufheben könne, ohne letzterem Schaden zu bringen; auch der Verlauf der Wundheilung erleidet dadurch keine Abänderung. Diefes Esmarch'fche Verfahren, welches wohl nicht in der Idee, wohl aber in der Art und Weife der Ausführung neu ift, kann für alle blutigen Operationen, welche unterhalb des Schulter- und Hüftgelenkes auszuführen find, Anwendung finden; gegenangezeigt ift es nur bei eitrigen oder jauchigen Infiltrationen der Weichtheile, weil man dabei ob des ganz ausgiebigen concentrirten Druckes nebft dem Blute auch die gedachten 54 Dr. Mofetig von Moorhof. Flüffigkeiten in den Kreislauf zurückpreffen könnte. Der Kautfchukfchlauch allein ift aber immer und unter allen Verhältniffen jedem anderen Compreffionsverfahren zum temporären Aufheben der Circulation vorzuziehen, wo man letzteres an einem Extremitätstheile auszuüben hat. Zur Compreffion der arteria fubclavia oder iliaca eignet es fich freilich nicht. Vauzetti Silveftri und Chaffagnac wollen Esmarch die Priorität der gedachten Methode ftreitig machen, auch ift fie in allerneuefter Zeit in London von Cripps in London infofern modificirt worden, als die Rollbinde weg. gelaffen, und nur der Kautfchuckfchlauch zu beiden Zwecken verwendet wird Man umfchnürt mit 5 bis 6 Touren des elaftifchen Schlauches das Glied am peripherften Theile, und rollt dann mit einer eigenen Welle fämmtliche Kautschuktouren, gradatim eine nach der anderen von der Peripherie zum Centrum, bis das Operationsfeld überfchritten ift. Es ift klar, dafs man hiedurch im Stande ift. alles Blut allmälig zurückzudrängen, und die Wirkung der Rollbinde vollkommen zu erfetzen. Ob diefes Verfahren aber einfacher fei als jenes mit der elaftifchen Binde, das müfste man wohl a priori bezweifeln. Handapotheken für den Verbandplatz waren mehrere zur Anfchauung gebracht, namentlich heben wir hervor jene des ruffifchen Kriegsminifteriums als wohl geordnet und gut verpackt in den fchon erwähnten geflochtenen Körben mit Schweinsleder- Ueberzug, und die ungemein niedliche, leicht transportable und zweckmässig eingerichtete Feldapotheke des öfterreichifch- deutfchen Ritterordens. In der Ausftattung ähnelt fie einem kleinen Handkoffer, der auseinander geklappt in zwei Räumen, die wieder durch Deckelverfchlufs zu fichern find, alle jene Medicamente enthält, welche als die nothwendigften für die erfte Linie zu rechnen find. Sämmtliche Gefäfse liegen in eigenen Vertiefungen des Bodens, und deren unverrückbare Lage und der Stoppelverfchlufs wird durch Federdruck vollends gefichert. Das flüffige Eifenchlorid ift durch Leinwandröllchen, die damit gefättigt find, erfetzt, eine Einrichtung, die jeder praktiſche Chirurg gewifs billigen wird. Jedes Leinwand- Stückchen ift in Guttapercha- Papier eingehüllt, und wird bei der Anwendung einfach glatt auf die Wunde gelegt. Bei Blutungen aus Höhlenwunden dagegen wird das Läppchen trichterförmig in die Höhle hineingefchoben und der Innenraum mit Charpie tamponirt. Vielfache Ver luche bewiefen zur Genüge, dafs die Wirkung diefer ftyptifchen Leinwand ganz identifch fei mit jener des flüffigen Eifenchlorides, nur ift die Art und Weife der Anwendung eine viel einfachere, leichtere, und die Finger der Chirurgen fchonendere, als jene mit dem flüffigen Präparate. Ebenfo praktiſch erdacht ift die Einrichtung zur hypodermatifchen Morfiuminjection. Um nämlich die Abfcheidung kryftallinifchen Morfiums aus der Löfung zu verhindern, die doch bekanntermafsen immer eintritt, wenn die Löfung längere Zeit im Gefäfse fteht, ift das Morfiumpulver in der Dofis von je 2 Gran in weithalfige Gläschen I Drachme Inhalt eingefchloffen. Bei der Anwendung füllt der Art das Gläschen voll mit deftillirtem Waffer, und bekommt dadurch eine Löfung von 2 Gran auf 1 Drachme. Das weithalfige Gläschen geftattet ferner das unmittelbare Einführen der Pravaz'fchen Spritze ohne Beihilfe der Stichcanüle, wodurch die Nothwendigkeit, die Löfung erft in ein Schälchen einfchütten zu müffen, bevor und damit man fie in die Spritze einfaugen könne, wegfällt. Die Menge der bereiteten Löfung ift auch fo klein, dafs der Feldarzt kaum je in die Lage kommen dürfte, fie nicht täglich verbrauchen zu müffen, wodurch auch der Vortheil fich ergibt, eines ftets frifch bereiteten Medicamentes fich bedienen zu können. Die oben angedeutete Form der Handapotheke, ähnlich einem Handkoffer, empfiehlt fich vor jener bisher üblichen mit Etagenfächern aus dem Grunde, we der Arzt den Gefammtinhalt der Apotheke leichter überfehen kann, und dadurch auch das Aus- und Einpacken bedeutend erleichtert wird. Das Verdienft der Einrichtung und Conftruction diefer Feldapotheke gebührt dem Director der k. k. Hofapotheke in Wien, Herrn E. Steinebach. ein ren em aca der lon eg. ird. am muk das ift. men chen ung als mit und hen der 5 zu n für ngen urch and ifche apier Bei n die Verganz der onen Ein dung nter fteht. schen Arzt Von lbare h die bevor e der mmen l fich offer, weil durch theke ach Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 55 Künftliche Glieder. Erfatz von zerftörten Kiefertheilen. Künftliche Gliedmafsen haben ausgeftellt Collin( Paris), Geffer( Berlin), Leiter( Wien) und Werber( Paris), endlich war auch der öfterreichiſchpatriotifche Hilfsverein mit einigen vom Bandagiften Schlecht conftruirten Gliedmafsen vertreten. Collin und Werber hatten ausnehmend fchöne und ſehr leichte Exemplare aus Holz, Leiter nicht minder zweckmäfsige aus Hartkautfchuk. Ein von Billroth's Meifterhand an beiden Unterfchenkeln amputirter Knabe war im Sanitätspavillon als Diener angeftellt, ging mit künftlichen Kautfchukfüfsen ohne Hilfe eines Stockes fehr behende herum, und bewies hierdurch am beften die Güte der Leiter'fchen Prothefeftücke. Der Erfatz von zerftörten Kiefertheilen mit zähnetragenden Vulcanitpiecen war nur durch Hof- Zahnarzt Dr. Berghammer( Wien), und zwar fo mangelhaft dargestellt, dafs felbft der Specialkatalog davon keine Notiz genommen hat. Viel Schöneres und Befferes in diefem Genre fah man im Induftriepalafte, und zwar in der Gruppe XIV., der Länder Amerika, England, Frankreich, Italien, Spanien und Oefterreich. Dr. Rouffel's neuen Transfufionsapparat zur directen Ueberleitung nicht defibrinirten venöfen Menfchenblutes, habe ich in meinem Berichte über Chirurgifche Inftrumente", Gruppe XIV, Section 4, näher befchrieben. Es erübrigt mir nur nachzutragen, dafs er fich praktifch vollkommen bewährt habe. Varia. Unter diefer Bezeichnung finden wir im Specialkataloge eine Menge verfchiedenartiger Objecte verzeichnet, die wir der Reihe nach anführen, und infoferne fie ein befonderes Intereffe für uns haben, kurz befprechen wollen. Katalog Nr. 118. Dr. Beigel, Wien. Projectile und Projectilftücke aus dem Kriege 1870 und 1871. Die Unterichiede in Form und Gewicht der verfchiedenen, im letzten Kriege angewandten Projectile find fo gering, dafs der Chirurg aus ihrer Betrachtung gar keine Anhaltspunkte gewinnen kann um daraus auch nur einen fernen Schlufs auf die Differenzen in der Art und Weife ihrer Wirkung machen zu können. Am beften beweift diefs Nr. 119. Profeffor Billroth( Wien).„ Beifpiele von Projectilwirkungen des Chaffepot- und Zündnadel- Gewehres auf Knochen. Aus dem Kriege 1870 und 1871. Diefe Knochenpräparate, die jedem pathologiſchen Muſeum zur Zierde gereichen würden, zeugen von keinem wefentlichen Unterfchiede in der Einwirkung der gedachten Projectile. Wie könnte es denn auch anders fein! Trägt man den vielfachen Einflüffen und Zufälligkeiten, welche die Qualität der Verwundung durch das Projectil beftimmen, Rechnung, dann wird man jede gelehrte Differencirung als unnöthige Haarfpalterei erklären müffen. Anders verhielte es fich freilich, wenn von einem Unterfchiede zwifchen Kugel und Spitzgefchofs die Rede wäre, es handelt fich aber nur um ähnliche Projectile. Nr. 120. France. Ministère des traveaux publics hauvetage des naufragés. Flêches porte amarres. Syfteme Delvique. Kleine Pfeilgefchoffe, welche eine lange, aufgewickelte dünne Schnur tragen, und die aus kleinen Mörfern abgefchoffen werden. Erfchallt einmal am Schiffe, wenn es im vollen Laufe die hohe See durcheilt, der fchreckliche Ruf:„ Ein Mann über Bord!" fo wird in der Richtung, wo der Verunglückte ins Waffer fiel, der Pfeil abgefchoffen, welcher die dünne Schnur während des Fluges abwickelt, deren Ende am Bord zurückgehalten wird. Bemächtigt fich der Schwimmende der Schnur, dann ift er auch gerettet, denn an ihr läfst man ein langes Tau in die See herab, welches von der Schnur geführt zum Schwimmenden gelangen mufs. Nr. 121. France. Verfchiedene Platten( als Mufter) zur Bedeckung von Baraken und Hofpitälern. Es find diefs verfchieden grofse regelmässig geformte 56 Dr. Mofetig von Moorhof. plattenähnliche Holzftücke aus Brettern gezimmert und mit Lehm verfchmiert. Sie find infoferne empfehlenswerth, als man mit ihnen leicht und ſchnell jede Barake luft- und wafferdicht verfchallen kann. Nr. 121. a) Heinfen Huch, Braunfchweig. Petroleum- Kochapparate als Erfatz jener durch Spiritus oder Gas zu heizenden. Ob bei längerem Gebrauche der Petroleumgeruch nicht läftig fallen oder gar den Speifen fich mittheilen dürfte, kann nur das Experiment lehren. Nr. 121. b) Baierifcher Landes- Hilfsverein. Bekleidung und Ausrüftung eines freiwilligen Sanitätsmannes an einer Puppe in Lebensgröfse, nach Hirfchberg's Angabe ausgeführt. Sehr zweckmäfsig, praktiſch und compendios. Die übrigen Nummern, Filtrirapparate für Waffer, comprimirte Gemüfe und Conferven, chirurgifche Präparate und Abbildungen, transportable Röhrbrunnen, Wafchmafchinen und ein Univerfal- Möbelfchrank mögen einfach nominell angeführt fein. Mehr oder auch weniger gut und praktiſch, entziehen fie fich dennoch vollftändig einer näheren Befchreibung und namentlich der Aufgabe und dem Zwecke des vorliegenden Berichtes; dagegen wollen wir dem Apparate von Brunetti zur Verbrennung der Todten einige Zeilen widmen, und dabei auch als quasi hiezugehörig, eines Tableaux Erwähnung machen, deffen Titel ift: Nr. 113. Hugedé P L., boulevard bonne nouvelle. Paris. Expofition des deffins d'un fyfteme d'inhumations des morts fur les champs des batailles. Warum Profeffor Brunnetti mit feiner Leichenverbrennungs- Methode der Gruppe XVI fich zugewandt habe, ift mir nicht fehr klar, da ja diefelbe, fo vorzüglich fie auch fein möge, dennoch zu complicirt und zeitraubend ift, um an den vielen Taufenden von Leichen, welche ausnahmslos die Schlachtfelder der Neuzeit bedecken, in Anwendung gebracht zu werden. Anders verhält es fich mit deren Benützung für einzelne Leichen und Aefer in Friedenszeiten. Bekanntlich ift der Gedanke, Leichen zu verbrennen, anftatt fie einfach zu verfcharren und der natürlichen Verwefung zu überlaffen, nicht neu, denn fchon die Völker des Alterthums, Griechen und Römer, verbrannten einzelne ihrer Leichen und confervirten dann pietätvoll deren Afche in koftbaren Vafen und Gefäfsen. Das Mittelalter verbrannte wohl Lebende, aber nicht Todte. woran namentlich religiöfe Bedenken die Schuld trugen. Letztere erhielten fich in der neueren und neueften Zeit, und die Kirche widerfetzte fich hartnäckig jeder Wiederaufnahme diefer heidnifchen Procedur. In der allerjüngften Zeit jedoch nahm man mit der Verbrennung der Leichen wieder Verfuche auf. Bekanntlich hat man fich auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von Sedan an Pferdeleichen damit verfucht, und verwandte dazu Petroleum als Brennmaterial, allein der Verfuch mifsglückte; man röftete damit wohl die Aefer, verwandelte fie jedoch nicht förmlich zu Afche. Ebenfo gelang es nicht auf Holzftöfsen diefs zu bewerkstelligen, und die Urfache des Mifslingens lag wohl hauptfächlich darin, dafs man den Verbrennungsact in freier Luft vornahm. Es hat das Verbrennen in freier Luft neben dem gröfseren Verbrauche an Brennmaterial noch den Uebelftand, dafs die Verbrennungsgafe die Umgebung auf grofse Diftanz hin verpeften. Brunnetti hat diefen Uebelftand richtig auf gefafst, und conftruirte einen Apparat, worin die Leichen in gesperrtem Raume verbrannt werden können. Hiedurch wird viel Brennmaterial erfpart, da die Verbrennungsgafe der Leiche, zumeift Leuchtgas, wider als felbftftändiges Brennmaterial dienen. In Brunneti'fchen Apparate wird demnach die Leiche nicht blofs verkohlt, fondern fie brennt vollständig mit Flamme, und wird dadurch Alles zerftört, was organifches Gewebe heifst. Es verbleiben nur die unorganifchen Stoffe in der Form von Afche. Der Apparat befteht aus einer Art gefchloffenen Roftes aus Eifen, welcher von Mauerwerk unterſtützt und getragen wird. Bezüglich des eigentlichen Brennmateriales erklärte Brunnetti, dafs hiezu etwa zwei Francs Holz vollkommen ausreichen. Dafs der Zweck, thierifche Körper vollständig einzuäfchern, durch den ert. de ate he te, us. ch ÖS. md en, art ll. ke tti als on es. Her ForLen eit nd en, en, Cen ren te, ich Her ch ich deein fie zu in, he ng uf me er In fie es me. on n- en en Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 57 benannten Apparat wirklich erreichbar fei, bewiefen die ausgeftellten Afchen häufchen, die Refiduen menfchlicher Leichen. Vom ftreng naturwiffenfchaftlichen Standpunkte aus betrachtet, hat die Leichenverbrennung ungeheuere Vor theile, denn die Faulnifsproductc der Kirchhöfe, welche der Luft und dem Waffer fich mittheilen und die Exiftenz der lebenden Bevölkerung bedrohen, werden dadurch annullirt; man könnte aber die Frage auch vom nationalökonomifchen Standpunkte verwer then. Denken wir uns, die Verbrennung würde in Gafometern vollzogen werden, wo das Brennmaterial ohnediefs zur Kohlendeftillation verzehrt wird, und man würde die aus dem Körper fich entwickelnden Leuchtgafe fammeln, fo würde man diefelben, ohne den geringften Nachtheil gleich dem Leuchtgafe aus Steinkohlen verwenden können, und daraus jedenfalls die Koften des etwaigen Plus an verwendetem Brennmateriale erfetzen. Es würde dann die Verbrennung der Leichen nicht nur nichts koften, fondern diefelbe würde möglicherweife fogar gewinnbringend fein können. Diefs fällige Verfuche mit Thieräfern könnten ja über diefe Frage pofitiven Auffchlufs geben. In Italien, wo Brunnetti lebt, er ift, wie bekannt, Profeffor der pathologifchen Anatomie an der Univerſität zu Padua, widerfetzt fich das Gefetz nicht wie in Oefterreich der Verbrennung von menfchlichen Leichen, und hegt dort Jemand den Wunfch, den eigenen Cadaver verbrannt zu haben, fo wird dem auch willfahrt. Betrachtet man die Frage recht nüchtern und ohne gehaltlofen Sentimen talismus, fo wird man ihre Wichtigkeit nicht zu verkennen vermögen. In hygienifcher Beziehung kann man fie nur befürworten, und in pietätifcher glaube ich wohl auch. Wie poetifch erfcheint es, die Afche eines verftorbenen geliebten Wefens befitzen und an der fie bergenden Urne die fchmerzlich füfsen Erinnerungen an dasfelbe ftets wieder wachrufen zu können. Die Schrecken der Fäulnifs und der Verwefung wären gebannt. Hugedé hat eine Verfcharrungsmethode angegeben, die er auf und in der Umgebung von Schlachtfeldern anzuwenden empfiehlt, damit die fo häufig vorkommenden Nachforfchungen und Wiederausgrabungen erleichtert werden. Bekanntlich haben die Soldaten der franzöfifchen, englifchen und deutfchen Armeen Erkennungszeichen, damit man im Todesfalle die Identität des einzelnen conftatiren und die Verlufte genau regiftriren könne, eine Mafsregel, deren ungeheure Wichtigkeit und Tragweite wohl Jedermann einleuchten dürfte. Die Franzofen und Engländer haben die fogenannten Matricules, die Nummer des Soldaten und eventuell auch den Namen am Rockfutter geftempelt; Deutſchland kleine Blechmarken, worauf die Nummer des einzelnen bezeichnet ift, und die mit einem Bande am Halfe getragen werden, in feine Armeen eingeführt; Oefterreich hat diefsbezüglich noch nichts gethan, und erklärt fich daraus die coloffale Anzahl Vermifster im Kriege 1866. Hugedé macht nun folgenden Vorfchlag: Man fcharre die Leichen in zwei- Reihen einander fupraponirt ein. Etwaige unerkannte Leichen von Soldaten, welche die Matricule verloren haben, lege man zu unterft, und bedecke fie mit einer entsprechend dicken Erdfchichte. Darauf lagere man jene, deren Matricule bekannt ift, alle in der gleichen Richtung parallel neben einander. Die Matriculenummer, auch der Name eventuell, wird nun auf eine kleine Blechmarke aufgetragen und diefe an einem Holzftabe befeftigt, den man dann feitlich vom Geficht der rücklings liegenden Leiche fo legt, dafs das Ende, welches die Marke trägt, 25 bis 30 Centimeter weit vom Kopfe entfernt zu ftehen kommt. Hierauf deckt man die Grube vollends zu, und häuft das Erdreich, der Widererkennung halber, hügelartig darauf. An beiden Enden des Grabhügels pflanzt man nun zwei Stäbe ein, welche wieder eine Blechmarke tragen könnten, die Matriculenummern des Verfcharrten angebend. Handelt es fich um eine Exhumation, fo ift das Verfahren leicht. Man gräbt die Stäbe, welche jeder recognofcirten Leiche beigelegt werden, einfach auf, und fucht die entsprechende Zahl. 58 Dr. Mofetig von Moorhot. Das Aufwühlen des ganzen Grabfchachtes, ein ebenfo fchauerliches als zeitraubendes Verfahren, wird hiedurch erfpart. Man exhumirt die gefuchte Leiche, und läfst den übrigen die Todtenruhe. Die im Sanitätspavillon ausgeftellten Bücher, Abbildungen, Tabel len und Photographien umfafsten fo ziemlich die gefammte neuere Literatur auf dem Gebiete des Militär- Sanitätswefens und kamen aus den Bibliotheken der Profefforen Billroth und Mundy und jener des für die Sanitätsausftellung fo vielverdienten Dr. Wittelshöfer. Is te 1. ur er To OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873 UNTER REDACTION VON DR, CARL TH. RICHTER, K. K. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. MILITÄR- KARTOGRAPHIE. ( Gruppe XIV, Section 6 und Gruppe XVII, Section 4.) BERICHT VON JOSEF ZAFFAUK, k. k. Hauptmann, Profeffor der Terrainlehre und Terraindarstellung an der technischen Militärakademie in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. 元 MILITÄR- KARTOGRAPHIE. ( Gruppe XIV, Section 6 und Gruppe XVII, Section 4.) Bericht von JOSEF ZAFFAUK, k.k. Hauptmann, Profeffor der Terrainlehre und Terraindarftellung an der technifchen Militärakademie in Wien. In allen Zweigen menfchlicher Thätigkeit ift die Gegenwart oft nur die Erbin grofser und wichtiger Gedanken unferer Vorfahren, welche verbeffert und erweitert, den Verhältniffen entſprechend ins Leben gerufen wurden, oft aber auch die Schöpferin neuer Ideen, die unfere Nachkommen bereichern und fie zur Vervollkommnung anfpornen. Aus logifch entwickelten, gefchichtlichen Abhandlungen und Darſtellungen entnehmen wir den Standpunkt, den ein oder der andere Erwerbs- oder Kunftzweig zu einer gewiffen Zeitperiode einnahm; wir lernen die damaligen Verhältniffe, Anfchauungen und Bedürfniffe kennen, entdecken die Lücken, die wir auszufüllen hätten, und oft erft durch den nahe gelegten Vergleich werden wir in die Lage verfetzt, dem Fortfchritte neue Bahnen zu eröffnen. liche Diefe Schlufsfolgerungen mögen die Veranlaffung zu den additionellen, gefchichtlichen Ausstellungen zu Paris und Wien gewefen fein und die gefchicht,, Kartographie", die wir in dem Pavillon, Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen" erblickten, zwingt uns daher auch jeweilig die Leiftungen der Vergangenheit in unfere Betrachtung aufzunehmen. Wir ftellen dabei Oefterreich an die Spitze und laffen die anderen Staaten je nach Wichtigkeit der Ausftellung folgen. Oefterreich. Wie wir aus der Gefchichte der Kartographie vom Jahre 1750 bis 1867 entnehmen, wurden in Oefterreich fchon zur Regierungszeit der grofsen Kaiferin Maria Therefia und Oefterreichs erleuchtetem Herrfcher Kaifer Jofef II. zufammenhängende Aufnahmen durchgeführt. Im Jahre 1787 waren bereits alle Provinzen des Staates nach einem gleichen Mafsftabe verzeichnet und wenngleich diefe erfte Aufnahme vermöge des kurzen Zeitraumes( 1764 bis 1787) vielleicht noch nicht den immer mehr gefteigerten Anforderungen, die an richtige geodätifche Vermeffungen geftellt wurden, entfprach, fo war das erzielte, topographifch dargeftellte Gefammtbild der Monarchie um fo fchätzenswerther, als zu jener Zeit noch kein Staat eine folch' umfangreiche und für die damaligen Verhältniffe vollftändige Aufnahme aufzuweifen hatte. 1* is 2 Jofef Zaffauk. Von diefem Zeitpunkte angefangen wurde raftlos an der Vervollſtändigung und Verbefferung des topographifchen Materials gearbeitet; es folgte die zweite und nach den napoleonifchen Kriegen die dritte Aufnahme der öfterreichifchen Provinzen. Durch die Adoption der Lehmann'fchen Schraffenfcala war der Schlüffel für die Darftellung der Unebenheiten unferer Erdoberfläche und durch die faft gleichzeitige Erfindung der Lithographie durch Sennefelder der Fortfchritt für die Vervielfältigung kartographifcher Erzeugniffe in allen Staaten und die Verbreitung topographifcher und geographifcher Kenntniffe gefichert. Um die Berichterstattung durch Wiederholungen nicht übermäfsig auszudehnen, verweife ich auf die von Oberftlieutenant J. Rośkiewicz für die Abthei lung„ Beiträge zur Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen verfafste:„ Gefchichte der Kartographie in Oefterreich", die in allen Zweigen die verlässlichften und erfchöpfendften Daten liefert und uns die mannigfachen Anftrengungen vor das Auge führt, die gemacht werden mussten, um zu dem gegenwärtigen, hochentwickelten und richtigen Standpunkte zu gelangen. Ebenfo lehrreich als der eben erwähnte gefchichtliche Abrifs der uns hier das erfte Mal im Zufammenhange geliefert wurde, bleibt auch die durch Karten, Tableaux und plaftifche Gegenftände veranstaltete expofitionelle Ent wicklung diefes Zweiges, da wir hier auf felten anzutreffende Blätter von gefchichtlichem Werthe ftofsen. Der zu erzielenden Ueberfichtlichkeit wegen waren die Karten nach dem Zwecke, dem fie dienen, in 24 Unterabtheilungen gefchieden, welchen fich fodann Wir finden vier Stück Perfpectiv die plaftifchen Gegenftände anfchloffen. karten, welche die erfte Reihe einnehmen, weil vor dem Jahre 1750 auch die Landkarten in der Vogelperfpective dargestellt wurden. Die Originalaufnahmen, Special- und Generalkarten umfaffen 84 Blätter, enthalten chronologifch geordnet die erften Aufnahmen der öfterreichiſchen Provinzen, und zeigen die Art der wechſelnden Terraindarftel lungsmethoden, die erft adoptirten Zeichenfchlüffel, nach welchen die folgenden Aufnahmen durchgeführt wurden, die Art der Anwendung der Schichtenlinien in der letzten Zeitperiode, jeweilig aber auch die verfchiedenen Kartenartikel, welche den Originalarbeiten ihr Entftehen verdankten. Wir erblicken in diefer Reihe die erften Gradkarten, die vom Freiherrn v. Liechtenſtern fchon im Jahre 1810 angewendet wurden; die Originalaufnahmen von Männern, wie: Hauslab, Fligely, Kuhn, die gegenwärtig hohe Stellungen einnehmen, und den erften Verfuch des Linien- Farbendrucks 1843 durch Oberft Scheda, den derfelbe bei Veröffentlichung feiner Generalkarte von Europa in Anwendung brachte. Unter den Umgebungskarten find hervorzuheben: der erfte Farbendruck von Maurer 1783( topographifche Karte der Stadt Wien), der erfte lithographifch erzeugte Schichtenplan 1820( Umgebung von Peft), welcher nach den Anweifungen Sennefelder's vervielfältigt wurde; ein Verfuch des Oberlieutenants Baron v. Welden, Terrainbilder in der Aquatintamanier durch Aetzung auf Kupferplatten hervorzubringen, ferner eine Federzeichnung mit chemifcher Tufche auf Stein von Oberlieutenant Kuhn; Kreide- Lithographien aus neuerer Zeit, die den Fortfchritt auf die Gegenwart markiren. Unter den Eifenbahn-, Telegraphen- und Adminiftrativkarten, den Marfch, Poft-, und Strafsenkarten ebenfo wie unter den geolo gifchen, ethnographifchen, Forft-, See- und Himmelskarten finden wir jeweilig die in den verfchiedenen Zeitperioden zuerft in Gebrauch gekommenen Karten und die Uebergänge auf die gegenwärtige Zeitperiode, Die geologifchen, ethnographifchen und Forftkarten haben mit Rückficht auf den kurzen Beftand eine rafche Vervollſtändigung erfahren. Doch, während den ng te en ar nd er en ffe U- eim" en lie en, zu ns ch it. htem nn V- lie m- Ter el. en in el, eialtig ks te en10en er rch mit ien 0- en ch He. auf en Militär- Kartographie. 3 Himmels- und Seekarten am Schluffe des vorigen Jahrhundertes, weniger Sorgfalt zugewendet war, fehen wir fchon im Beginn diefes Jahrhundertes, fozufagen mit der Gründung unferer Marine, die vorzüglichften Seekarten des adriatifchen Meeres entſtehen, die nur von den neueften Aufnahmen und Unterfuchungen ( unter Leitung des Linienfchiffs- Capitains O eft erreicher) übertroffen werden, und die, in gerechter Würdigung der mühevollen Arbeit, mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet wurden. Aufser den Linien gleicher Tiefe enthalten fie noch alle dem Seemann nöthigen Navigationsdaten. Fregatten capitain Littrow und Generalmajor Stelzig haben im Jahre 1858 den erften Verfuch gemacht, die gleichen Meerestiefen auf Seekarten in Farben darzuftellen. Bei der Fülle des Materials mangelt uns der Raum, alle hervorragenden Punkte der eben erwähnten Karten zu berühren; die Unterfchiede in der Vervoll-. kommnung der Fachkarten treten in jedem Blatte hervor. Eine fehr mannigfache Anwendung finden die Forftkarten, die zu Ende des XVII. Jahrhundertes in landfchaftlicher Darftellung, oft mit doppelter Orientirung nach den beiden Thalfeiten angefertigt wurden, nunmehr fich nicht nur in Wirthschafts-, Hauungs- oder Beftandes-, Ueberfichts-, und Beftockungskarten fcheiden, fondern der Wichtigkeit des Holzmaterials wegen fozufagen in General- und Specialkarten übertragen werden. Unter den Katafterkarten finden wir die erfte von Nagel ausgeführte Kataftralaufnahme von Wien aus dem Jahre 1780, nach welcher jene vom Jahre 1819 angefertigt wurde, die dritte aus dem Jahre 1846 und die vierte vom Jahre 1858, welch' letztere auch die Abgrenzungslinien für die Neubauten unferer Refidenz enthält. Erft 36 Jahre nach der erften Geometralvermeffung der Stadt Wien' und zwar 1817 wurden die Kataftralaufnahmen der Provinzen und des Flachlandes in Angriff genommen. Nur das Ende des vorigen Jahrhundertes und die neuefte Zeit war durch Schulkarten vertreten, da in der Zwifchenperiode die Special- und Generalkarten der Provinzen diefe Stelle einnahmen und erft die technifchen Hilfsmittel der neuen Zeit, die Lithographie und der Farbendruck, die billige Erzeugung der Karten für den Anfangsunterricht ermöglichten. Eine fehr intereffante Serie von Karten bildeten die Schichtenkarten, die mit den durch das k. k. Genie corps im Jahre 1803 zuerft gelieferten Karten des Etfchthales begannen. Profeffor Winkler v. Brückenbrand lieferte mit den Zöglingen der Mariabrunner Forftakademie 1822 einen Schichtenplan vom Thiergarten im Wiener Walde. In weiterer Folge fanden wir fchön und correct durchgeführte Schichtenpläne, die vom Genie corps( fchon 1834) und vom Generalft ab entworfen wurden; fo die Umgebungen von Meran und Přzemyfl, die vorzügliche Stromkarte der Donau bei Wien vom Oberingenieur Kazda( 1848 bis 1850), ferner das Syftem Hausla b's der Farbenfchichtenzonen nach fteigendem Farbenton je höher defto dunkler" und dann das entgegengefetzte„ je tiefer defto dunkler" von Sonklar angewendet, endlich Karten von Steinhaufer, Streffleur und Kořift ka, auf denen die Linien gleicher Höhe( auf den Generalkarten der Provinzen) zum Ausdrucke gelangten. Zu den Umgebungen des Semmerings in meifterhafter Durchführung des Terraindetails wurden Ifohypfen in Farben in einem fpeciellen Blatte hinzugefügt, wobei die Schichtenlinien je nach ihrer Farbe einen verfchiedenen Werth repräfentiren. Eine Reihe von Karten, die theils einem fpeciellen Zwecke dienen, theils vermöge des Materials oder der technifchen Erzeugung bemerkenswerth erfcheinen, wurden in der gefchichtlichen Expofition unter dem Titel„ Diverfe Kartenartikel" zufammen gefafst. Wir finden darunter Sanitäts-, Bisthums-, Flufskarten; Karten mit erläuterndem Text, mit Abbildungen von Regenten und Münzen; eine Grenzkarte Tirols gegen Baiern aus dem XVII. Jahrhundert in Oel gemalt, folche auf Seide, Leinwand, Hanfpapier, in Typen gedruckt, endlich Tapetenkarten u. m. a. is 4 Jofef Zaffauk. Der Verein für Landeskunde war durch eine fchön ausgeführte Karte der Umgebung von Wien, das ganze Culturdetail( ohne Terrain) enthaltend, im Mafse I: 28.000, vertreten. Im Glaskaften fanden wir nebft den verfchiedenften in Oefterreich erfchienenen Atlanten, wie jenen von Reilly( 1791) Schrämbl( 1805), den Induftrieatlas von Doležal( 1865), den hiftorifchen Atlas von Desjardins ( 1838), eine fehr correct gezeichnete Sternkarte von Major Hartlieb( 1871), den erften von Sennefelder vollführten Ueberdruck aus dem Jahre 1820, Karten auf Schieferpapier etc. Der befchränkte Raum für den Bericht und das bedeutende Material, das uns vorliegt, geftatten es nicht, weiter ins Detail zu gehen, und wir müffen uns bezüglich diefer logifch, nach General-, Special- und Fachkarten gegliederten, gefchichtlichen Entwicklung unferer Kartographie von 1750 bis 1870, die in allen Theilen uns immer den Urfprung und den gegenwärtigen Standpunkt diefes Zweiges unferer Thätigkeit darlegt, auf die vom Oberftlieutenant Rośkiewicz gelieferte„ Gefchichte" und den in den„ Mittheilungen der k. k. geogra phifchen Gefellfchaft zu Wien" veröffentlichten Katalog verweifen, und können nur volle Befriedigung finden, dafs diefe fo gediegene, reichhaltiges und belehrendes Material enthaltende Arbeit und die zweckentfprechende Zufammenftellung gewürdigt und mit der höchften Auszeichnung, dem Ehrendiplome, bedacht wurde. Manch' verfchollener Name kam wieder zu Ehren, die Thätigkeit unferer Vorfahren und auch jene der Gegenwart wurde in würdiger Weife zur Anfchauung gebracht. Indem in anderen Referaten der exponirten plaftifchen Gegenftände* Erwähnung gefchieht, fei bemerkt, dafs auch die Reproductionsmethoden der neueren Zeit, fo die Photographie, ferner die im militär- geogra phifchen Inftitute zur vollendeten Form gebrachte Anaftatik, die Photolithographie und Heliogravure zur Anficht gebracht wurden. Mit gerechtem Stolze können wir auf die Leiftungen des genannten Inftitutes und auf die zur hohen Entwicklung gebrachten Reproductionsmethoden weifen, die beſtimmt zu fein fcheinen, einen völligen Umfchwung in der Kartenerzeugung herbeizuführen, und dasjenige in Wochen zu erzielen, wozu einft Jahre erford erlich waren. Früher wurde für Zwecke der Vervielfältigung von den vollſtändig ausge zeichneten Blättern eines Kartenwerkes vorerft eine Geripp- Paufe auf Kupfer oder Stein übertragen und hierauf die Gravirung der Zeichnung vorgenommen, welche Jahre in Anfpruch nahm. Gegenwärtig können die fchwarz und fcharf auf weifsem Papier gezeichneten Kartenblätter mittelft der Photolithographie in einigen Tagen auf Stein übertragen und durch den Druck vervielfältigt werden. Ebenfo erfetzt uns die Heliogravure den Stich auf Kupfer und liefert uns die Druckplatte in wenigen Wochen, von welcher fodann der Druck entweder directe oder durch Umdruck von dem Steine bewirkt wird. Beide Reproductions- Methoden bafiren auf der photographifchen Aufnahme der Originalzeichnung, welche rafch und genau in jedem beliebigen Mafse hergeftellt werden kann. Da nach dem Vorhergefagten auch die Heliogravure die Vervielfältigung vom Steine geftattet, fo können durch beide Methoden mit Hilfe der in neuerer Zeit im Inftitute eingeführten lithographifchen Schnellpreffen, welche das 25fache der Handpreffen leiften, in kürzefter Zeit grofse Kartenauflagen erzielt werden. Die auf heliographifchem Wege erzeugten Kupferplatten können ebenfo wie die geftochenen durch die Galvanoplaftik vervielfältigt werden. Die in Folge der auf der Erdoberfläche fich ergebenden Veränderungen, zeitweife erforderlichen Correcturen und Nachtragungen werden in diefen Platten * Anton Steinhaufer: Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. er se e- n S n if as S S 0, es Z a. d es Le 1- 1, er n 3- en n re S er e m en zt ch e r. er به من де O Militär- Kartographie. 5 mit Hilfe der Galvanoplaſtik auf eine höchft einfache und praktiſche Weife, welche fchon feit dem Jahre 1854 im Inftitute gebräuchlich ift und fich von dem neuerer Zeit in Frankreich üblichen Verfahren vortheilhaft unterfcheidet, ausgeführt. Sowohl die Photographie wie die Heliogravure, obwohl fchon feit mehreren Jahren bekannt, find erft im militär- geographifchen Inftitute zur gegenwärtigen volkommenen Brauchbarkeit gelangt. In Belgien fteht die Photo- Lithographie, in Baiern nur der Glasdruck( Albertotypie) und in neuefter Zeit in Rufsland auch die Heliogravure nach dem Syfteme des militär- geographifchen Inftitutes, in Deutſchland und Frankreich nach jenen Avets für Kartenwerke in Ausübung. Die Vergleiche, welche wir jetzt zu machen in der Lage find, zeigen die Vor- und Nachtheile der verfchiedenen Verfahren. Während der Glasdruck nur eine nur eine mäfsige Anzahl Abdrücke geftattet, die Photographie in Belgien noch einiger Vervollkommnung bedarf, tritt fie in Oefterreich vollkommen leiftungsfähig auf und wird in ihrer Art nur noch von der Heliogravure übertroffen. Welch immenfen Nutzen werden die nächften Jahre aus der Erfindung der Heliogravure ziehen! Wie viele landfchaftliche und gefchichtliche Darstellungen ( Kupfer- und Stahlftiche) bedeutender Künftler werden uns, wie wir aus exponirten Beifpielen des militär- geographifchen Inftitutes fehen können, zugänglich gemacht werden! Der Kupferftecher, welcher früher fich erft in den Geift des Meifters finden mufste, kann nunmehr entbehrlich werden, fobald der Künftler feine Ideen fcharf und rein in fchwarzer Tufche zu Papier bringt. Wenden wir uns nun den Karten der Neuzeit zu, vor Allem den kartographifchen Leiftungen des k. k. militär- geographifchen Inftitutes in Wien, die unftreitig als wahre Kunftwerke gelten können. Diefes Inftitut trat mit feinem ietzigen Namen" chon im Jahre 1839 durch Vereinigung des„ Depofito dellaguerra" mit der ,, topographifch- lithographifchen Anftalt" des General- Quartiermeifter- Stabes ins Leben. Nach den gegenwärtigen Organiſationsftatuten ift dasfelbe unter einem Director als Leiter, dem Generalftabe untergeordnet. Zur Beforgung der vielfältigen Gefchäfte beſteht: Das Triangulirungs- und Calculbureau zur aftronomiſchgeodätifchen Vermeffung des Landes und theilweife der angrenzenden Provinzen. Diefem Bureau fteht ein Obfervatorium im Inftitutsgebäude zur Verfügung. Die Mappirungs- Direction, welcher eine Schule zur Heranbildung tüchtiger Mappeure und eine Pantographen- Abtheilung zugewiefen ift. Unter Leitung diefer Direction werden die Aufnahmen der Monarchie im Maafsftabe 1: 25.000 durch eine jeweilig feftgeftellte Anzahl von MappirungsAbtheilungen( gegenwärtig 16) bewirkt. Gruppe I. Diefer unterfteht die topographifche Abtheilung, in welcher die Generalkarte Europas, ferner die Specialkarte der Monarchie fowie andere Kartenwerke entworfen und für die Vervielfältigung zum Theil durch Lithographie, zum Theil durch Heliogravure vorbereitet werden, ferner die lithographifche Abtheilung und jene der Kupferftecher. Gruppe II. Diefer fällt die Vervielfältigung der Karten durch die Photographie, Photolithographie und durch die Heliogravure zu. Hieher gehört auch die Preffenabtheilung und die Abtheilung für die Galvanoplaftik. Aufserdem verfügt das Inftitut noch über eine Karten- Evidenz Abtheilung, ein Kartenarchiv, einen Kartenverfchleifs, eine topographifche Schule( die zur I. Gruppe gehört), eine Rechnungskanzlei, und über eine Buchbinderei, Tifchlerei, Steinfchleiferei etc. Was nun die Landesaufnahme( Mappirung) felbft betrifft, fo wird fie wie fchon erwähnt, durch eigene Mappirungs- Abtheilungen ausgeführt. Diefe beftehen aus acht bis neun Mappeurs, unter dem Befehle eines Stabsofficiers oder Jofef Zaffauk. Hauptmannes als Unterdirector. Die Aufnahmen werden meift mit Benützung der Kataftermappen im Mafsftabe 1: 25.000, das ift 1 Centimeter= 250 Meter, auf einzelnen Blättern durchgeführt, von welchen vier zufammengeftellt eine Mappi rungs- oder Aufnahms- Section bilden, und den vierten Theil eines Gradkarten- Blattes vorftellen. Darin ift Alles, was einen Einfluss auf die Stellung, Bewegung und das Gefecht der Truppe hat, klar und deutlich, je nach der Wichtig. keit mehr oder weniger vortretend, gezeichnet. Die Gewäffer erfcheinen mit dem Uferdetail und fämmtlichen über und durch diefelben führenden Communicationen. Bedeutungslofe Bäche werden durch einfache, folche aber, die ein nicht leicht zu überwältigendes Hindernifs bieten, mit doppelten Linien gezeichnet; Eifenbahnen treten in den bekannten, durch Tufche ftellenweife unterbrochenen Doppellinien auf; die fonftigen Landcommunicationen find je nach ihrer Wichtig. keit durch Doppellinien( von gleicher und ungleicher Stärke), durch einfache, ftrichpunktirte, geftrichelte oder punktirte Linien dargeftellt. Ortſchaften erfchei nen nach ihrem Umfange mit Gaffen, Plätzen, Gärteneintheilung. Ebenfo find die verfchiedenen Bodenbedeckungen durch gewiffe, leicht verftändliche Bezeichnun gen erfichtlich gemacht. Was die Unebenheiten des Bodens( Terrain) anbelangt, fo find diefe durch die feit dem Jahre 1869 eingeführte, fogenannte„ combinirte Manier" zum Ausdrucke gebracht. Selbe erftrebt durch ihre, nach dem Wafferabfluffe gerich teten Schraffen fowohl den Böfchungsgrad der verfchiedenen geneigten Flächen anzuzeigen, als auch diefe felbft möglichft plaftifch hervortreten zu laffen, gleichzeitig aber auch durch æquidiftante Schichtenlinien, die auf Grund zahlreich gemeffener Höhenpunkte( per Quadratmeile 400) conftruirt find, die Auffaffung des Terrains wefentlich zu erleichtern. Die durch die Schraffen hervorgebrachte Tonirung beruht bei Annahme vertical auffallender Beleuchtung auf dem Grundfatze, die fanften Böfchungen heller, die fteilen dunkler erfcheinen zu laffen. Die Breite der Schraffen und ihre anliegenden Zwifchenräume ftehen für jede Gradation in einem beftimmten Verhältniffe zu einander, welches man allgemein, wenn der Neigungswinkel der Erdböfchung, S die Schraffen- und Z die Zwifchenraum- Breite bezeichnet, durch die Formel ausdrücken kann: S: Z( p+ 3)( 80-( p+ 3)) Böfchungen unter fünf Grad Neigung erfcheinen in geftrichelten Schraffen. Die Aequidiftanzen find in Abftänden von 10, 20 und 100 Meter angebracht und erfcheinen, je nachdem fie als Haupt-, Zwifchen- oder Hilfs- Schichtenlinien auftreten, als breitere oder feinere Linien oder als fein geftrichelte Curven. Ausserdem find den wichtigeren Punkten, wie auf Kuppen, in Sätteln, Thälern etc. die entsprechenden Höhenkoten beigegeben. Obwohl diefe Methode ftellenweife eine Ueberladung befürchten liefse, ift fie dennoch als entfchiedener Fortfchritt zu bezeichnen. Die Befchreibung der Sectionen erfolgt mit gewöhnlicher Planfchrift. Der leichteren Ueberficht wegen erfcheinen fie colorirt, indem dabei im Allgemeinen Gärten, Wiefen und Hutweiden grün, Waldungen blafs fchwarz Weinfelder gelbroth, Wohngebäude roth, Wirthfchaftsgebäude fchwarz, fonftige Objecte von Stein roth, von Holz fchwarz, Gewäffer lichtblau dargestellt werden; Felfen erfcheinen rothbraun, Gletfcher licht fchwarzblau lavirt, die Ifohypfen braunroth( Drachenblut) oder orangegelb( Mennig), Strafsen roth( Carmin), Fufsfteige, Saumwege chromgelb oder fchwarz ausgezogen. Ausserdem find die Mappirungs- Sectionen mit der Sections- und Colonnennummer, mit einem Längen- Mafsftabe, einer Anlagenfkala, einer Defignation ftatiftifcher Daten, fowie mit dem Namen des Mappirungs- Unterdirectors und jenem des betreffenden Mappeurs verfehen. Er f m 1. t וב e h n 1 S r t Militär- Kartographie. 7 Mit Hilfe der Aufnahmsfectionen werden durch die Verjüngung derfelben auf das Mafs 1: 60.000 die Specialkarten gezeichnet, fodann hiernach die Kupferplatten, jedoch im Maſsſtabe 1: 75.000 heliographifch erzeugt. Das Waffernetz erfcheint hier noch vollſtändig mit all' feinen zugehörigen Uebergängen und Furten angegeben, die Flofs- und Schiffbarkeit, fowie fteile oder verfumpfte Ufer, befonders aber die Communicationen find fcharf und deutlich hervorgehoben, die Ortſchaften erfcheinen noch mit ihren Hauptgaffen, ihren Einund Ausgängen, die Waldungen mit ihren Durchhauen und Waldblöfsen. Weingärten und gröfsere Wiefencomplexe find klar zur Anfchauung gebracht. Die einzeln ftehenden Mühlen, Wirths- und Jägerhäufer, Schlöffer, Kirchen, Capellen find ebenfo wie die zur Orientirung dienenden Gegenftände durch gewiffe conventionelle Zeichen erfichtlich gemacht. Die Bodenunebenheiten werden in ihren Hauptformen dargeftellt, mit hundertmetrigen Schichtenlinien und überdiefs an den wichtigften Punkten mit Höhenkoten verfehen. Die Befchreibung erfolgt analog wie bei den Mappirungsfectionen. Bei der Specialkarte wurde für die Gradeintheilung die von Bonné verbefferte Flam fte e d'fche Projectionsmethode angewendet. Bei den neu anzufertigenden Karten ift jedoch das Syftem der Gradkarten eingeführt, wobei die Kartenränder mit den Parallel- und Meridiankreifen übereinftimmend conftruirt werden, fo dafs ein Blatt in Form eines fymmetrifchen Trapezes erfcheint. Die Höhe eines folchen Gradkarten- Blattes beträgt 14 Grad geographifcher Breite und die Länge 2 Grad geographifcher Länge. Bei den Generalkarten endlich nimmt des aufserordentlich verjüngten Mafsftabes wegen, die conventionelle Bezeichnung einen anderen Charakter an; kleine Waldungen, ferner Weingärten, Sümpfe, Teiche etc., Bäche von geringer Ausdehnung werden hier nicht mehr dargestellt. Die fchiffbaren Flüffe und Canäle find doppelt, die übrigen Wafferläufe einfach ausgezogen. Brücken, Induftrieetabliffements, einzelne Gebäude, grofse Culturcomplexe find, fowie das Eifenbahn- und Strafsennetz, mit Schärfe gegeben. Das Terrain erfcheint noch mehr vereinfacht als in der Specialkarte, ohne Schichtenlinien, doch immer mit beigefetzten Höhenkoten. Diefe Karten bieten fchätzbares Material in Fülle. Bisher erfchienen Pläne und Karten in den Verjüngungen 1: 14.400, 1: 28.800, 1: 57.600, 1: 144.000, 1: 288.000 etc. Seit der Einführung des Metermafses( 1869) find für topographifche Karten jedoch folgende Verjüngungen officiell beftimmt, als: 1: 12.500 oder 1 Centimeter gleich 125 Meter der Natur als Doppelmafs; 1: 25.000 oder 1 Centimeter gleich 250 Meter der Natur für die Mappirungsfectionen; 1: 75.000 oder I Centimeter gleich 750 Meter der Natur für die Specialkarte; 1: 300.000 oder 1 Centimeter gleich 3000 Meter der Natur für die Generalkarte. Das k. k. militär- geographifche Inftitut exponirte Pläne, Special- und Generalkarten alten und neuen Mafsftabes im anaftatifchen Druck, ferner Kupferftiche, Lithographien, Photographien, Photolithographien, Chromo- Photolithographien, Kohlenphotographien und Heliogravuren. Die einzelnen Mufter beftanden in Folgendem: Die Specialkarte von Böhmen, Dalmatien, dem nord- und füdweftlichen Ungarn( 1: 144.000), die Karte von Centraleuropa nach Scheda( 1: 300.000). Die vorerwähnten Blätter find Kupferftiche und zeichnen fich durch eine leicht fafsliche, charakteriftifche Darftellung des Terrains( das Terrain ift durch Schraffen mit beigefetzten Höhenkoten gegeben) ebenfo durch ihren netten und reinen Stich aus. Nebft diefen waren der hydrographifche Atlas des adriatifchen Meeres( 1: 174.960), die Generalkarte der Walachei( 1: 288.000), die Specialkarte der Lombardie und Venetiens, von Parma und Modena( 1: 86.400) nebft anderen Specialkarten zu erfehen. Jofef Zaffauk. Von Lithographien waren exponirt die Generalkarte vom füdweſt. lichen Deutfchland, von Galizien, Siebenbürgen( 1: 288.000), von Bosnien ( 1: 400.000), ein Theil der Specialkarte von Mittelitalien( 1: 86.400), aus den Karten der Umgebung von Wien die Semmeringbahn( 1: 43.200), dann die Umgebungen mehrerer Landes- Hauptftädte( 1: 14.400, 1: 28.800), der Hafen von Buccari und Porto Ré( 1: 11.520) in Farbendruck. Der letzterwähnte Farbendruck zeigt eine meifterhafte Behandlung im Farbentone und einen äufserft präcifen Druck, da die vielfältigen Culturen nirgends übergreifen. In wahrhaft überrafchender Weife aber treten die mannigfachen zur Anwendung gelangten Reproductionsmethoden hervor, von welchen befonders die Methode der Heliogravure und der Photolithographie fowohl für die Reproduction der Karten als für jene von Bildern( nach Handzeichnungen und Stichen) bereits eine weittragende Anwendung finden und welchen auch bei ftetigem Fortfchritte ein nie geahnter Auffchwung in der Zukunft blüht. Von den heliographifch erzeugten Karten lagen vor: Ein Tableau von Centraleuropa( 1: 300.000), zwei neue Specialkarten- Blätter von Tirol ( 1: 75.000) und das Specialkarten- Blatt ,, Bormio", vergröfsert auf das Mafs 1: 52.000, ferner Schraffenfcalen, jede nach einem anderen Syfteme; an Bildern und Land fchaften:„ Die Poefie" von Kaulbach, geftochen von Jacobi( vergrössert); „ die Sage" von demfelben; Louis XVIII. im Krönungs ornate" von Gerard, geftochen von Attafard; der Klofterbrand" von Leffing, geftochen von Abbema;" eine Landfchaft von Cappelen, radirt von Abbema, ebenfo eine von Lindlar; ferner der Chriftus kopf" von Guido Reni, geftochen von Gottfchik. Die letzteren find fämmtlich nach den Origi nalen der Albertina ausgeführt und waren die beigegebenen Kupferplatten nach einer authentifchen Mittheilung, in der Zeit von zwei bis drei Wochen hergeftellt worden. Die Photolithographie war durch zwei vergröfserte SpecialkartenBlätter von Tirol( Meran und Glurns) und durch ein topographifches Kartenblatt von Schweden( Stockholm), eine ,, Waldlandfchaft" von Leffing, einen ,, männlichen Kopf" und" Louis XVI." von Simon vertreten. Auch die Photolithographie zeigte fich uns hier in einer Vollendung, die kaum einer Steigerung mehr fähig wäre. Sowohl den heliographifchen wie den photographifchen Reproductionen waren Kupferplatten, zum Theile auch Steine zum Vergleiche beigegeben. Die Kohlenphotographie, eine für die Maffenerzeugung von Karten nicht in Anwendung ftehende Methode, war durch die Bilder ,, Daphne und Chloe"," Auguft den Starken, König von Polen" und einer„ Landfchaft" von Claudius Lotharing vertreten. An Photographien in Druckerfchwärze erfchienen recht nett ausgeführte Copien nach gefchabten Bildern der Albertina:„ Das Bild„ le mauves fujet et fa famille" und" les enfants furpris par un garde". Die Blätter 35 und 36 der Specialkarte von Mittelitalien waren mit befonderer Reinheit auf a naftatifchem Wege erzeugt. Diefe Methode ermöglicht von vorhandenen Abdrücken, durch entſprechende Behandlung, Umdrücke auf Stein herzuftellen, welche durch den Druck wieder weiter vervielfältigt werden können. Eine Anzahl Blätter der neuen Küftenkarte des adriatifchen Meeres, welche für die k. k. Kriegsmarine im Inftitute geftochen wurde, eine Militär- Mappirungsfection von Siebenbürgen( 1: 28.800) und diefelbe, reducirt * Im k. k. militär- geographifchen Inftitute gefchah die erfte Anwendung der Photographie im Jahre 1853, und zwar Anfangs blofs zur Erzeugung von getonten Silbercopien auf Papier; feit dem Jahre 1861 jedoch wurden auch Vervielfältungen durch den Schwarzdruck vom Steine( Photolithographie) und feit dem Jahre 1871 folche von Kupfer in vertiefter Manier ( Heliogravure) vorgenommen. n n k n e e d i h t Militär- Kartographie. 9 auf die Hälfte im Farbendruck, ebenfo eine von Wiener- Neuftadt( 1: 25.000), repräfentiren nebft den früher erwähnten Karten das Genre des Kupferftiches und Farbendruckes. Das mititär- geographifche Inftitut erhielt für kartographifche Arbeiten und Reproductionsmethoden in Gruppe XII und XVI das Ehrendiplom. Von der königlich ungarifchen Staatsdruckerei waren fchätzenswerthe kartographifche Arbeiten, von L. W. Seidl& Sohn, Pläne und Karten verfchiedener wiffenfchaftlicher Werke, von Artaria, die Karte von Europa von Scheda, Umgebungspläne von Wien, die hypfometriſche Karte der norifchen Alpen nach Hauslab etc. zur Expofition gebracht. " Unter den Privatarbeiten erregte der Vorfchlag des Oberftlieutenants J. Rośkiewics, die Terrain darftellung mit Rückficht auf zu erzielende Einheitskarten" zu modificiren, einiges Intereffe. Die Gleichheit, die wir in allen Staaten bezüglich des Mafses, Gewichtes, des Geldwerthes etc. anftreben, wird hier auf das Kartenmaterial als eines wichtigen Verftändigungsmittels der gebildeten Claffe ausgedehnt. Im verfloffenen Jahrhundert hatten fich unfere Vorfahren abgemüht, Zeichen für die Darftellung der Unebenheiten zu erfinden. Erft durch die Annahme der Lehmann'fchen Schraffenfcala wurden Pläne und Karten nach einem vernünftigen Syfteme angefertigt. Cavalier- Vogelperfpective etc., Seitenbeleuchtung u. f. w. verfchwanden, geometrifche und phyfikalifche Grundfätze wurden allein mafsgebend. Immerhin aber leidet die Kartographie an dem Fehler des vielartigften Ausdruckes, ebenfo wie die Vervielfältigungsmethoden der neuen Zeit nicht gehörig ausgenützt werden. Nicht nur die Kartenblätter eines und desfelben Staates, auch jene eines und desfelben Autors, find von einander im Tone, in der Stärke der angewendeten Schraffen, in der Form derfelben etc. verfchieden, und doch follten Karten, wie der Autor richtig bemerkt, als allgemeines Verftändigungsmittel über das Ausfehen und über die Befchaffenheit der Erdoberfläche derart angeordnet fein, dafs fie gleich den Lettern eines Buches, von allen gleich gut verftanden und gelefen werden können. So fchwer eine Einigung zu erzielen fein wird, fo bleibt der Vorfchlag von einiger Bedeutung. Das Meter- als allgemein adoptirtes Längenmafs wird zur Grundlage angenommen. Auf diefes und auf die wahren Werthe der Natur werden nun die Schraffen als conventionelle Zeichen für die Darftellung der Unebenheiten nach dem Metermafs begrenzt, fo dafs eine Schraffe für 5 Grad Neigung 2, höchftens 3 Meter Werth auf dem Plane( 1: 25.000) einnehmen foll. Das Neunfache diefes Werthes, fomit 18 oder 27 Meter, wurde für die allemal gleichbleibende Entfernung und die Zunahme der Strichdimenfionen um je 2 oder 3 Meter für die Darftellung der um je 5 Grade zunehmenden Steigungsflächen vorgefchlagen, wodurch bei 45 Graden das Verhältnifs des Striches zum Zwifchenraume wie 18:18 oder höchftens 27:27 Meter Werth entſteht. Diefes Dimenfionsverhältnifs geftattet, wie uns die Figur 9 der Brochure zeigt, die directe dreifache Verkleinerung der Originalaufnahme( 1: 25.000) vermittelft der Photolithographie oder der Heliogravure zur Specialkarte( 1: 75.000), wobei die ganze Reduction erfpart, dabei auch alle die Fehler vermieden find, die durch die Reduction felbft hervorgerufen werden, da eben durch die Reduction in den Formen- und Böfchungsverhältniffen Aenderungen und Auslaffungen Platz greifen, fomit das natürliche Bild fehlerhaft, und oft verunftaltet wird. Zudem geftattet der gröfsere, fich gleichbleibende Zwifchenraum eine leichtere Reproduction durch die Photographie und Heliogravure und gibt reinere Abdrücke. Die Geld- und Zeiterfparnifs wäre nach diefer Methode eine ganz bedeutende; die Karten felbft wären gleichartig und wahre verkleinerte Naturbilder der Originalaufnahmen. 10 Jofef Zaffauk. Der Zeichenfchlüffel für das Gerippe wäre nach dem erwähnten Vorfchlage einer kleinen Modification, und zwar einer derartigen zu unterziehen, dafs alle Linien in der Originalaufnahme fo kräftig gehalten werden, um in dreifacher Verjüngung noch deutlich wieder erkennbar zu fein. Ebenfo follen die Niveau curven auf einem Separatblatte mit Tufche gezeichnet, in gleichem Mafse verkleinert und durch Ueberdruck in Farbe auf der Karte kenntlich gemacht werden. Durch die Begrenzung der Schraffenwerthe wäre man daher im Stande, den Karten gleichen Mafsftabes in allen Theilen der Erde einen gleichen Ausdruck zu verleihen. Als Einheitskarte proponirt der Autor vorläufig Generalkarten im Mafsftabe 1: 250.000 der Natur mit den Schraffen von 20: 180 Meter bei 5 Grad, und 180: 180 Meter bei 45 Grad Böfchung in allen Staaten zu adoptiren und diefe durch Ueberdruck mit Schichtenlinien von 200 Meter Werth zu verfehen. Striche. Roskiewicz's Vorfchlag umfafst daher: Die Annahme einer Schraffenfcala mit gleichbleibender Entfernung der Feftftellung des Werthes einer Schraffe, bafirt auf den Mafsftab des Planes und auf das der Natur entſprechende Verhältnifs, um das Mittel zu erhalten, gleichen Ausdruck zu erzielen. Directe Verkleinerung der Mappirungsfectionen und Umgeftaltung der felben zu Karten durch die Heliogravure oder Photolithographie, um Zeit und Geld zu erfparen, dabei wahre Naturbilder zu erreichen. Annahme der Niveaucurven auf allen Karten und Anwendung derfelben durch Umdruck, endlich Adoption eines graphifchen Höhenmeffers, um den Mappeur zu befähigen, ohne Calcul die Schichten an Ort und Stelle legen zu können. Wir hielten die hier dargelegten Ideen, die von der internationalen Jury mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet wurden, nicht nur bezüglich der Werthbegrenzung der Schraffen und der Schraffenfcala für neu, fondern auch in manch' anderen Vorfchlägen für wichtig genug um fie eingehender zu befprechen und obgleich eine Einigung immer fchwer zu erzielen ift, fo wäre diefs allenfalls ein Zukunftsprogramm, welches wir früher oder fpäter zu erfüllen oder zu löfen haben werden. In Belgien werden bereits die Originalaufnahmen durch directe photolithographifche Reduction zur Herſtellung der Karten benützt, doch ift die Verkleinerung unbedeutend, wodurch die Blätter nicht immer rein und fchön erfcheinen. In Baiern wird in neuefter Zeit nach den in der Expofition erfichtlichen Proben gleichfalls die Originalaufnahme auf den Gerippblättern des Katafters( 1: 5000) vorgenommen, fodann eine zweifache Reduction und die Vervielfältigung der Karte durch Glasdruck bewerkstelligt. Wenn auch diefe Methode als Fortfchritt begrüfst werden kann, mufs der Mafsftab der Originalaufnahme als viel zu grofs bezeichnet werden, weil die Schraffen auf beinahe fünf Millimeter breite Entfernungen von einander zu liegen kommen, und der Mappeur im Felde alle Ueberficht verliert, das heifst fich keine Terrainpartie zum überfichtlichen Bilde auf dem in der Hand habenden Blatte formen kann. Bevor wir zu den anderen topographifchen Werken übergehen, wollen wir noch der vom k. k. Finanzminifterium ausgeftellten Kataftral operate Erwähnung thun, indem felbe vielfeitig auf das Erfolgreichfte benützt werden, und namentlich für die Militärkartographie ein überaus fchätzbares Material bieten, da, wie bereits erwähnt, die Militärmappirungen, wie in den meiſten anderen Staaten, auf Grund der Kataftralaufnahmen ausgeführt werden. Obwohl fchon in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhundertes Vermeffungen einzelner Theile der Monarchie ftattfanden, datirt doch der Beginn einer auf wiffenfchaftlicher Bafis beruhenden Landesvermeffung erft vom Jahre 1817. Militär- Kartographie. 11 Diefelbe nahm in Niederöfterreich ihren Anfang und endete im Jahre 1862 mit der Aufnahme Tirols. Aufserdem wurden in Ungarn bis zum Jahre 1867 noch weitere 2111'3 Quadratmeilen vermeffen. Diefe Detailaufnahmen in den Mafsftäben 1: 2880 und 1: 1440 erftreckten fich auf jedes noch fo kleine individuelle Befitzthum, und wurden in der Regel auf 500 Quadratzoll grofsen Aufnahmsblättern durchgeführt. Aus der reichhaltigen Collection vorzüglicher Operate, mit denen wir den Steuerkatafter vertreten fanden, feien folgende befonders hervorgehoben: Die Ueberfichtskarte des, der Katafteraufnahme von Niederöfterreich zu Grunde gelegten, trigonometrifchen Netzes, mit Bezeichnung der Ausführungsperioden und der von Abbé Jofef Liesganig im Jahre 1762 gemeffenen Bafis; die Karte der Höhenpunkte in Niederöfterreich; ferner: Culturen- Ueberfichtskarten verfchiedener Länder in den Mafsftäben( 1: 115.000, 1: 144.000 und 1: 205.704); Culturkarten der Umgebungen von Wien und Prag( 1: 36.000); Städtepläne( 1: 2880, 1: 1440); den ftatiftifchen Atlas der im Reichsrathe vertretenen Länder; Originalmappen von Gemeinden verfchiedener Kronländer und endlich drei Original- Aufnahmsblätter des Communalbezirkes von Wien aus der Periode 1858 bis 1862. Befonders die letzt erwähnten find es, die nicht nur durch ihren grofsen Mafsftab( 1: 720) fondern hauptfächlich durch die originelle Methode der Aufnahme felbft befonders merkwürdig find. Um nämlich die Unveränderlichkeit der Maafse in der Detailaufnahme gegen hygrofkopifche Einflüffe zu fchützen und fo für immer zu erhalten, wurde das Papier für bleibend auf 295 Spiegeltafeln von 1 Zoll Dicke aufgefpannt, welche ftatt dem gewöhnlichen Mefstifchbrete zur Anwendung kamen. Mittelft Theodoliten und Nivellirinftrumenten wurden mehr als 10.000 Höhenpunkte innerhalb der ehemaligen Linienwälle beftimmt. Diefe Blätter zeichnen fich durch ihre aufserordentliche Schärfe und Genauigkeit aus, fo dafs fie beim Wiener StadtBauamte als Grundlage bei Prüfung der eingereichten Baupläne benützt werden. Die Aufnahme wurde unter der Leitung des verftorbenen General- Kriegscommiffärs Valentin Ritter v. Streffleur und des gegenwärtigen Vorftandes der MilitärBildungsanftalten, Generalmajor Eduard Ritter Pechmann v. Maffen bewirkt. Bei diefer Gelegenheit müffen wir auch bemerken, aus den vom ungarifchen Katafter exponirten Plänen erfehen zu haben, dafs derfelbe Alles aufbietet, um dem cisleithanifchen gleich zu kommen, Auch wollen wir hier noch eines Planes der Stadtaufnahme von Graz" erwähnen. Derfelbe ift von Profeffor Waftler in den Jahren 1869 bis 1871 im Mafse 1: 2880 aufgenommen und das Terrain durch ein-, zwei und viermetrige Niveau curven zur Anfchauung gebracht. Diefer Plan, fowie die aus vier Blättern beftehende, auf das Mafs 1: 1440 reducirte Copie, in der das Terrain durch zehnmetrige Niveau curven zum Ausdrucke gelangt, waren in der Gruppe XVIII exponirt. Baiern. Als einer der erften, hervorragendften Streiter auf dem internationalen Turniere der Weltausftellung, tritt uns, was kartographifche Arbeiten anbelangt, das fchon im Jahre 1801 gegründete topographifche Bureau des baierifchen Generalftabes" entgegen. Die Beftimmung des topographifchen Bureaus ift, für zweckentfprechende Karten zu forgen, zu welchem Zwecke dasfelbe in die mathematiſche und ftatiftifche, in die Aufnahms- und Zeichnungs-. in die Kupferftich- und in die ReproductionsSection gegliedert ift. In der Expofition war es vor Allem das aus fieben Blättern zufammengefetzte grofse Wandtableau, das unfere Aufmerksamkeit feffelte. Die Blätter wur 12 Jofef Zaffauk. den aus dem jetzt neu bearbeiteten topographifchen Atlas von Baiern( 1: 50-000) herausgenommen und zeigen uns eine Terrain partie aus dem baierifchen Walde und dem oberen Donauthale." Das Blatt„ Nürnberg" des oberwähnten Atlaffes erfcheint uns überdiefs noch in verfchieden erzeugten Exemplaren als: Original Kupferdruck, Albertotypie( Hauptmann E. Albert, Leiter des photographifchen Ateliers des topographifchen Bureaus ift der Bruder des Erfinders diefer Methode) Ueberdruck einer Albertotypie, Abdruck einer galvanifchen und einer verftahlten Platte und als abgezogenes Negativ. Diefe fchönen Karten, deren Ausführung nebenbei bemerkt, fcharf, nett und vorzüglich ift, bieten namentlich dem Militär alles Nothwendige und Zweckentfprechende; fie enthalten das Terrain in Lehmann'fchen Schraffen, vielfach erläutert durch beigefetzte Höhenkoten, das Gerippe ift nach einem leicht fafslichen Zeichenfchlüffel durchgeführt. Als Mufter einer äufserft gut gelungenen Chromolithographie traten uns die Blätter I und IV der hypfometrifchen Karte von Baiern ( 1: 250.000) vors Auge, die, in fchwarze 50metrige Schichtenlinien gelegt, bis zur Höhe von 700 Meter die Schichtengürtel von 100 Meter und über erwähnte Höhe hinaus die Schichtengürtel von 200 Meter verfchiedenfärbig( weifs, blafsroth, blafsgelb, lichtbraun, lichtgrün, lichtlila, lichtrothbraun und lichtgelb) erfcheinen läfst. Die Karte bringt überdiefs die gefammte Hydrographie, die Topographie und die Communicationen in fchwarzer Farbe zur Anfchauung. Von früheren Originalaufnahmen fanden wir eine vom Jahre 1863/64 " Ries"; photographifche Copien der Originalaufnahmen„ Kreut und Valepp" aus dem Jahre 1862/63, fowie eine Originalaufnahme ,, Sonntagshorn" vom Jahre 1819, in welch' letztere erft im Jahre 1863 die Höhencoten nach-, refpective eingetragen wurden. Von den Aufnahmen der Gegenwart lag das Steuerblatt" Lauterbach" fowohl im Mafsftabe 1: 5000 fammt eingezeichnetem Terrain, als auch im reducirten Verhältniffe 1: 25.000 auf; ferner die Section Freifing" reproducirt von 1: 5000 in 1: 25.000 mit der Terrainaufnahme und Zeichnung nach Lehmann'fchen Grundfätzen und in braunrothen 1ometrigen Schichten, nach der Reform und Anleitung des Hauptmann Ludwig Dürr, Sectionschef des topographifchen Bureaus. Einen wie grofsen und entfchiedenen Fortfchritt die baierifche Kartographie in den letzten Decennien namentlich durch oberwähnte Reform erfahren hat, kann aus nachfolgender gefchichtlicher Skizze erfehen werden. Die topographifchen Aufnahmen in Baiern nahmen ihren Anfang noch im vorigen Jahrhundert und zwar in den Jahren 1786 bis 1789, jedoch in verhältnifsmäfsig geringer Ausdehnung. Mafsftab derfelben war 1: 28.000. Im Jahre 1801 hat die erfte Triangulirung mit der Bafismeffung München- Aufkirchen begonnen und mit derfelben griff auch die topographifche Aufnahme wieder ein, fo dafs nach wenig Jahren( 1812) zwei Blätter des topographifchen Atlaffes von Bayern im Mafsftabe 1: 50.000, München und Wolfratshaufen, erfcheinen konnten, während in den nächftfolgenden acht Jahren, inclufive 1820 fchon weitere 23 folche Atlasblätter erfchienen find, deren je eines, auch gegenwärtig noch, der Natur nach 40.000 Meter Länge und 25.000 Meter Höhe ein nehmen. In neuefter Zeit jedoch werden diefelben gröfstentheils in Halbblättern geftochen. Eine wiffenfchaftlich begründete Terrainaufnahme nach dem Lehmann'fchen Syftem findet fich in den bis dahin erfchienenen Atlasblättern und auch in den nächften folgenden Jahren bis gegen Ende der zwanziger Jahre noch nicht vertreten; die topographifchen Aufnahmen aber haben fchon feit dem Jahre 1818, namentlich bald darauf im baierifchen Hochgebirge, das Lehmann'fche Syftem, theilweife fehr entwickelt, zur Anwendung gebracht. Vorher wurden Erhebungen von 5 Militär- Kartographie. 13 geringer Neigung mit einfachen Strichen in beliebiger Stärke und in beiläufiger Richtung der Projectionslinie des Neigungswinkels diefer fchiefen Fläche, dagegen ftark geneigte Flächen mit gekreuzten Strichen, häufig auch gefchwungen und fchattirt, dargestellt, ohne fich an die Mannigfaltigkeit der Terrainformen gebunden zu fehen. Vom Jahre 1816 an, wurde der Aufnahmsmafsftab 1: 28.000 nur mehr zur Ergänzung bereits gewonnener Blätter angewendet und kam nunmehr jener von I: 25.000 allein zur Geltung( 1826). Wo jedoch inzwifchen das Material der Kataftermeffung fchon publicirt war, wurde lediglich das Terrain aufgenommen, wozu erftes zur Grundlage gedient hat, welches fodann mit dem Terrain, wie die beiden anderen Aufnahmen von 1: 28.000 und 25.000, in Original- Atlasblätter ( 1: 50.000) als Vorlage für den Kupferftich umgezeichnet wurden. In dem Zeitraume von 1816 bis 1825 waren demnach dreierlei Mafsftäbe bei den topographifchen Aufnahmen in Gebrauch; für topographifche Vermeffungen 1: 28.000 und 25.000, dagegen kamen zur blofsen Terrainaufnahme zumeift die Katafterblätter in Verwendung. Später in den vierziger Jahren wurden letztere, welche fich nunmehr faft über das ganze Königreich erftreckten, vor der Terrainaufnahme in 1: 25.000 reducirt und 16 folche Blätter in ein Pofitions- refpective Aufnahmsblatt vereinigt, deffen Detailpaufen fodann als Grundlage zur Terrainaufnahme gedient haben. In den Jahren 1855 und 1856 wurde wieder zu den Kataftralblättern gegriffen, von 1857 an zur früheren Einrichtung der vorherigen Reduction zurückgegangen, was bis in das Jahr 1866 andauerte. Vom Jahre 1851 dadirt der Beginn einer zweitmaligen topographifchen Neubearbeitung eines grofsen Theiles des diefsrheinifchen Baiern und zwar aller jener Atlasblätter mit nicht mehr zeitgemäfser Terrain darftellung, dagegen fchliefst die erftmalige topographifche Aufnahme des Landes mit dem Jahre 1853, und bildeten die beiden Atlasblätter Permafens und Lichtenfels( 1867) den Schlufs der erfchienenen Kupferftiche hievon. Von der zweiten Bearbeitung find bis jetzt im Ganzen zehn Atlasblätter erfchienen. In die fcheinbar ruhende Periode von 1860 bis 1870 fällt der Stich der , Karte von Südweft- Deutfchland" im Mafsftabe 1: 250.000 in 25 Blättern, welcher die beiden Karten im gleichen Mafsftabe:„ Ortskarte und Terrainkarte von Baiern diefsfeits des Rheins" in je 15 Blättern vorausgingen, wovon letztere als Grundlage zur Erweiterung und wefentlichen Vervollkomm nung der Karte von Südweft- Deutfchland gedient hat. Bis zum Jahre 1868 wurde das Terrain lediglich nach Lehmann'fchem Syfteme aufgenommen und gezeichnet. Des Hochgebirges wegen wurden als Maximum der Darftellung, abweichend von Lehmann, 60 Grade fchon bei der Einführung diefes Syſtems angenommen. Von da an beginnt in Baiern die Terrainaufnahme nach Höhenftufen von 25 Fufs Höhe u. z.mit Zwifchenftufen von 1834 Fufs, 12 Fufs, 6% Fufs und 3% Fufs oder 3/4 1/2 1/4 1/ der Höhenftufen, " " wobei jegliche Anwendung von Böfchungsftrichen zur Darstellung und genaueren Präcifirung einzelner Terrainformen etc. ausgefchloffen blieb, während noch wie vor die Pofitionskarte, das ift die Originalaufnahme in der Reinzeichnung nach Lehmann'fchem Syftem mit Böfchungsftrichen ohne Ifohypfen gezeichnet wurde. Hierauf folgte endlich die Reform der darftellenden Topographie von Hauptmann L. Dürr, Sectionschef im baierifchen topographifchen Bureau, welche 1870 ihren Anfang nahm, indem Terrainaufnahmen in Katafterblättern( 1: 5000) mit dem darunter liegenden Detail in den Mafsftab 1: 25.000 als Original- Reinzeichnung nach deffen Aufnahmen und Anordnung photographifch reducirt wurden. 14 Jofef Zaffauk. Die weitere Entwicklung diefer Reform und die verfchiedenen Beweggründe hiezu legt der Autor derfelben in einer gedrängten Schrift wie folgt dar: Die Reform der darftellenden Topographie vereinigt mit der Darftellung des Terrains nach Lehmann'fchem Syftem jene durch Höhenftufen- Linien oder kurzweg Ifohypfen, und dürfte durch Anwendung diefer zwei Darftellungsmethoden allen den Anfprüchen genügen, welche die Gegenwart an die darftellende Topographie ftellt, namentlich wenn noch in Betracht gezogen wird, dafs eine bedeutende erleichterte und fchnellere Herftellung topographifcher Karten anzuftreben war. - Die Kriege 1866 und 1870 und 1871 hatten nämlich zur Folge, dafs dem baierifchen topographifchen Bureau nicht mehr wie früher( in der 50jährigen Friedensperiode bis 1866) eine erhebliche Anzahl von commandirten Officieren der Linie in faft ununterbrochener 6- bis 12jähriger Verwendung- in welch' langer Zeit fo manche Kraft in der darftellenden Topographie bis zur künftlerifchen Vollendung fich zu entwickeln vermochte zu Gebote ftand; in neuerer Zeit wurde die Zahl der commandirten Officiere vermindert und haben diefelben nach verhältnifsmäfsig kurzer Zeit wieder zur Truppe zurückzukehren, bilden aber allein das Perfonal der Aufnahme und bis 1873 auch das für die Terrainzeichnung, während in den Kriegsjahren 1866, 1870 und 1871 die ganze Mafchine ſtille ftand und nur der Stich und Druck fortgefetzt werden konnten, aufserdem, nach den Kriegen ein faft ausfchliefslich neues, das heifst noch nicht erfahrenes Perfonal an die Stelle des vor dem Kriege gefchulten trat. - Da aber topographifche Zeichnungen, welche bleibenden Werth haben follen, erfahrungsmäfsig eine mehrjährige Vorbereitung und fleifsige Uebung namentlich in dem zur Darstellung gewählten Mafsftabe 1: 25.000 erfordern, fo mufsten Mittel aufgefucht werden, die es unter den gegebenen Verhältniffen ermöglichen, mit wenig geübten und nicht fchon erprobten Kräften nicht nur hinter den früheren Leiftungen nicht zurückzubleiben, fondern auch in der Topo graphie der Alles verbeffernden Zeit fich anzufchliefsen. Die gröfstmögliche Naturwahrheit in den Aufnahmen und allgemein leicht fafsliche, klare Darftellung mufste angeftrebt und fo die letztere vor der ihr drohenden Verflachung durch ausfchliefsliche Ifohypfen, HöhenftufenLinien etc., bewahrt werden. " Um aber die Refultate diefer in Ausficht genommenen Verbefferungen praktisch verwerthen zu können, follte die alsbaldige Ausgabe der neueften Aufnahmen durch directe" Reproduction mit Hilfe der Photographie des Lichtdruckes etc. erfolgen; denn die beften und richtigften Aufnahmen verlieren allzufehr von ihrem urfprünglichen Werth, harren fie lange Jahre der Veröffentlichung.( Bisher erfchienen die Atlasblätter nach 7 bis 18 Jahren, von der vollendeten Aufnahme an gerechnet). Das Steuerkatafter Material" der allgemeinen Landesvermeffung im Mafsftabe 1: 5000, das früher in den 25.000 theiligen reducirt werden musste, wird feit dem Jahre 1867 in feinem urfprünglichen Mafsftabe zur Terrainaufnahme verwendet. In feiner Reichhaltigkeit des Details ermöglicht dasfelbe eine der Natur ähnliche, vollkommen getreue Terrain darftellung in weit höherem Grade als die frühere, dürftige und zugleich zeitraubende Reproduction auf 1: 25.000. Die Terrainaufnahme" wird bewerkstelligt, indem alle noch darftellbaren Unebenheiten( über 60 Meter Ausdehnung) forgfältigft ermittelt, und wo es die Deutlichkeit erfordert, mit dem Lehmann'fchen Böfchungsftrich naturgetreu croquirt und fo alle Erhebungen von 1/2 bis 60 Klafter Anfteigung mit wohlgepfleg tem Formenfinn auf dem Steuerblatt wiedergegeben werden. In diefe Terrain darftellung werden dann auf Grund zahlreicher, gröfstentheils auf vorausgegangene " * Das einzelne Steuerblatt hat 2334 88 Meter Seitenlänge und befteht das ausgeftellte Blatt Freifing, als erftes Product der Reform, wie jedes andere baierifche Original- Aufnahmsblatt aus 16 folchen Steuerblättern. eg. ar: ng er 10de ne n- em en ren ch' -ri. rer en per ng, lle ch eren ng rn, en ur 00 ht er enen uf es en nt11. im te, me er de 0. en Hie 0- g- n ne Ite att Militär- Kartographie. 15 Nivellements bafirter und präcifer Winkelmeffungen und Beftimmungen von Niveaudifferenzen die Ifohypfen von 10 zu 10 Meter, und wo es die Mannigfaltigkeit der Formen und wechfelvolle Profile, fowie fanftes Wellenland etc. bedingen, auch in Zwifchenftufen von einzelnen Metern je nach Bedürfnifs der Klarheit an Ort und Stelle eingetragen. Der in der Natur ficher gewonnene Bergftrich, welcher die Form und den Böfchungswechfel anfchaulicher gibt, als jede andere Darftellung, fowie die ebenfo erhaltenen Niveaucurven, dienen fich gegenfeitig als Correctiv zur endgiltigen Feftftellung aller Unebenheiten nach ihrer Form wie nach ihrer hypfometrifchen Bedeutung und erhält das fo gewonnene Product durch Vereinigung diefer zwei beften, richtig angewendeten Methoden den Charakter einer künftlerifchen Lei ftung auf ftreng mathematifcher Bafis. Um aber auch fanfte Erhebungen, Plateaux etc. und wenig geneigte Flächen von bis 2 Klafter, welche bei gröfserer Ausdehnung oftmals mit einer nicht zu verachtenden Summe von Niveau- Unterfchieden ihre Darftellung verlangen, noch deutlich erkennen zu laffen, werden die entsprechenden Böfchungsftriche mit noch wahrnehmbarer Abftufung unterbrochen ausgeführt und hiedurch diefe Terrainformen noch darftellbar gemacht, während bis jetzt die zarteften Kartenftiche mit dem ftetigen Böfchungsftriche niemals ein fchwächeres Verhältnifs von Schwarz zu Weifs wie 2:58 1:29, was 2 Klaftern entspricht, zu Stande brachten; in vielen Karten endet fogar die Darftellung fanfter Böfchungen fchon bei 1:19= 3 Klaftern, ein unumftöfslicher Beweis, dafs alle Anfteigungen unter 3 bis herab zu 2 Klafter mit ftetigen Bergftrichen ſtets übermäfsig ftark oder aus diefem Grunde gar nicht gegeben, fohin ganz unrichtige Terrainbilder zum Ausdruck gebracht worden find. Werden aber dergleichen Unebenheiten diefes erwähnten Uebelftandes wegen nicht ausgedrückt, refpective eben gelaffen, fo wird ein entgegengefetzter, aber noch gröfserer Fehler begangen. Die fertige Terrainaufnahme, von gefchickten und erprobten Topographen nach der Natur" forgfältig revidirt, wird nun auf ein für die photographifche Reduction auf 1: 25.000 beftimmtes, zu diefem Zwecke in blauer Farbe trocken gedrucktes Steuerblatt- Duplicat, in welchem alle von einem topographifchen Atlas noch zu gebenden Details charakteriftifch in Tufch oder auch in fchwarzer Tinte bereits nachgezeichnet wurden, mit den auf dem Terrain gewonnenen Ifohypfen übertragen, um dann photographifch reducirt in gröfster Schärfe zu erfcheinen. Der Blaudruck in matter Farbe hat lediglich den Inhalt des betreffenden Steuerblattes zum Zwecke der Nachzeichnung des Details erkennen zu laffen, der dann in der Photographie, nachdem er feinen Zweck erfüllt ausbleibt; während der Trockendruck jedes Blatt genau in feiner Originalgröfse beläfst, dagegen jedes feucht gedruckte( quadratifche) Steuerblatt nach dem Drucke 2 bis 7 Millimeter von der Seitenlänge verliert und fohin mindeftens zum Rechteck, wenn nicht gar zum Trapez annähernd deformirt wird. Die Detailzeichnung felbft anlangend, mufs erwähnt werden, dafs das Erfte und Wichtigfte einer Karte, die Schrift, ftets frei auf das leere Papier, nie aber auf irgend welche Zeichnung zu ftehen kommt; ebenfo darf diefelbe auch die Terrainzeichnung nicht beeinträchtigen, wefshalb der Platz für jedes einzelne Wort mit Sorgfalt auszuwählen ift. In ähnlicher Weife wird bei den Ortfchaften durch klare Ausfcheidung de. Wohn- und der Neben- oder Oekonomiegebäude dem rafchen Ueberblick Rechnung getragen dadurch, dafs die Wohngebäude ausgefüllt, die Nebengebäude dagegen nur in ihren Umriffen, ihrem untergeordneten Zwecke entſprechend, dargeftellt und von jeglicher Terrainzeichnung freigehalten werden; wodurch den Wohnorten und deren nächfte Umgebung die nöthige Ueberficht, Klarheit und Deutlichkeit verliehen wird. 2 16 Jofef Zaffauk. Die Terrainzeichnung auf ein fo vorbereitetes Steuerblatt gefchieht, wie fchon erwähnt, nach dem Lehmann'fchen Syftem, in dem die Stärke des Böfchungsftriches ftets den entſprechenden Neigungswinkel auch wirklich auszudrücken hat und auf Grund der gemeffenen Höhen- und Zwifchenftufen mit der in diefem Mafsftab( 1 5000) möglichen, mefs- und controlirbaren Genauigkeit unter Anwendung gewöhnlicher Schreib-( Stahl-) Federn, welche auch ausfchliefslich bei der Detailzeichnung dienen. Wenn nun die eine Section oder das fogenannte Pofitionsblatt bildenden 16 Steuerblätter auf diefe Weife vollendet find, fo können diefelben zufammengeftellt, photographifch reducirt und in Licht- oder Glasdruck, Heliographie etc. auf Papier bleibend vervielfältigt und dadurch allgemein nutzbar gemacht werden. Dasfelbe Verfahren ermöglicht ebenfo die directe Herſtellung des topographifchen Atlaffes in 1: 50.000 nur mit dem Unterfchiede, dafs die auf dem Terrain gewonnenen Aufnahmen dann nicht mehr in 1: 5000, fondern in I: 10.000 gezeichnet würden, um fodann durch 5malige Verkleinerung auf den Atlas- Mafsftab 1: 50.000 gebracht und durch die Heliographie in Kupfer vervielfältigt zu werden. Die Vortheile, die durch diefe Reform hervortreten, find folgende: Die unmittelbare Vervielfältigung und Veröffentlichung der neueften Aufnahmen und zwar in verfchiedenen Mafsftäben, insbefondere in dem von I: 25.000 ift ermöglicht. Durch die Nachzeichnung des Details und Darftellung des Terrains im grofsen Steuerblatt- Mafsftabe 1: 5000 erhält das in den 25.00 otheiligen Mafsftab reducirte Bild eine auf anderem Wege unerreichbare Schärfe. Nochmals in das für den Atlas beftimmte Mafsverhältnifs von 1: 50.000 photographifch reducirt, gibt eine folche Aufnahmsfection dem Kupferftecher das richtigfte und ficherfte Bild, welches er getreu im Stich zu reproduciren hat( infolange der Stich beibehalten bleibt). Dem Lefer der Karte wird durch das Eintragen der Ifohypfen und vielen Coten( das Steuerblatt erhält durchſchnittlich 10 bis 12 oder der Quadrat- Kilometer 2 Höhencoten) das Mittel geboten. neben der plaftifchen Geftaltung des Terrains auch das gegenfeitige Höhenverhältnifs rafch zu würdigen und fich anftatt der bisherigen Schätzung fichere Kenntnifs und Gewifsheit zu verfchaffen, indem der wiffenfchaftliche Werth einer folchen Karte wefentlich erhöht ift. Erfordert das jetzige Verfahren weniger Zeit und minder forgfältige Auswahl geeigneter Kräfte, weniger Anftrengung und keinen weiteren Apparat als Bleiftift und Schreib-( Stahl-) Feder. Die bisherigen Zeichnungen in 1: 25.000 wurden mit feinen Fifchotter- Haarpinfeln gefertigt, deren vollendete Führung oft jahrelange Uebung erforderte. Dem topographifchen Bureau des königlich baierifchen Generalftabes wurde für die Leiftungen im Kupferftiche und Benützung der Katafterpläne in Verbindung mit photographifcher Reproduction zu topographifchen Zwecken die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Belgien. Belgien ebenfo die Niederlande befafsen fchon anfangs des vorigen Jahrhunderts gute Kartenwerke. Hervorzuheben find von älteren Kartenwerken die von Nik. Visfcher, Friedrich de Witt, Peter Schenk, Jaillot, Conveno, Mortier, Ottens und die 1748 durch die Homann'fchen Erben nach Maier's Zeichnungen geftochenen. Nebft Meier's Zeichnungen waren auch die von de l'Isle rühmenswerth. Zu den effect- und gefchmackvollften, hiebei billigen Karten, welche in der Ausstellung zu erfehen waren, können wir ohne Zweifel jene zählen, welche das Militär- Kartographie. 17 Dépôt de la guerre" fowohl in eleganten Mappen als auch in Glasrahmen an der Wand hängend exponirt hatte. Die Landesaufnahme( Mappirung) ftellt die Originalkarte im Mafsftabe 1: 20.000 her. Durch Anwendung der Photographie, Lithographie, Photolithographie, Photozinkographie und des Farbendruck es werden die Karten in den Verjüngungsverhältniffen 1: 10.000, I: 20.000 1: 40.000 und in jüngfter Zeit 1: 160.000 verfertigt. Das Terrain ift in allen Karten mittelft horizontalen aequidiftanten Curven ausgedrückt. Für colorirte Karten in 1: 10.000 ift die Schichtenhöhe am linken Maasufer ein Meter und am rechten fünf Meter. In der Karte 1: 160.000 ift die Schichtenhöhe 20 und in der Karte 1: 40.000 ift felbe fünf Meter. Höhencoten find durch ftehende arabifche Ziffern zum Ausdrucke gebracht. Das Gerippe ift gut und deutlich markirt, die Schrift leicht leferlich, jedoch erfcheint diefe gegenüber den in Oefterreich vorgefchriebenen Dimenfionen der verfchiedenen Schriftgattungen etwas mager. Die ausgeftellten Blätter waren theils fchwarz, theils in Farben ausgedrückt. Im Mafse 1: 10.000 waren ausgeftellt die Zinkographien„ Namur" und ,, Dinant"( fchwarz), in welchen die aequidiftante Schichtenhöhe einen Meter beträgt und jede fünfte Curve ftärker gehalten ift. Das Blatt„ Dinant" war in demfelben Mafsftabe auch als Farbendruck ausgeftellt. Im Mafse 1: 20.000 waren photozinkographifche Reproductionen der Blätter Namur und Dinant fchwarz, aufser diefen beiden noch jene von Sand, Wavre, Tervueren und der Umgebung des Schlachtfeldes von Waterloo in Farbendruck exponirt. Die einmeterigen Schichtenlinien find entweder alle fchwarz und gleich breit oder jede fünfte breiter dargestellt, oder aber jede fünfte ift fchwarz und die anderen Zwifchen- Schichtenlinien mit Biftre gegeben. Die parallel zum Seitenrande der Karten ftehenden Höhencoten erfcheinen theils roth, theils fchwarz. Die Gewäffer find gegen die Mitte zu blau lavirt, die Eifenbahnen fchwarz, die Kunftftrafsen und Wohngebäude roth, die minder guten Communicationen fchwarz, Hutweiden, Wiefen und Gärten grün, Waldungen durch dunkelgrün geflammte Striche in dichterer und fchütterer Aneinanderreihung gegeben. Durch letztere Bezeichnung verliert jedoch die Ueberfichtlichkeit des Wegnetzes, insbefondere aber der Zufammenhang der Ifohypfen, wefshalb es für das praktiſche Bedürfnifs angezeigter fein dürfte, wenn die Waldungen in blaffer Tonirung ebenfo gleichmäfsig wie Wiefen und Hutweiden gezeichnet würden. Die Karten im Mafsftabe 1: 10.000 und 1: 20.000, welche im Wege der Photozinkographie fchwarz gedruckt erfcheinen, find treue Reproductionen der Detailaufnahme. Officiere und Unterofficiere erhalten derlei Blätter um den kaum nennenswerthen Preis von fünfzehn Centimes verkauft. Dafs diefe Karten, fowie jene, welche durch die Photolithographie reproducirt find, nicht mit gravirten Karten verglichen werden können, ift einleuchtend. Die dritte Serie bilden die durch Gravur in Stein ausgeftellten Karten im Mafse 1: 40.000. Das ganze Werk diefer Kartenferie wird nach feiner Vollendung aus 72 Blättern von 50 Centimeter Höhe und 80 Centimeter Breite beſtehen. In diefen Karten ift die aequidiftante Schichtenhöhe mit fünf Meter angenommen, die Ifohypfen find alle in gleicher Stärke fchwarz ausgeführt und das Terrain überdiefs reichlich mit Höhencoten bezeichnet. Da in diefen Karten die Ifohypfen alle von gleicher Stärke und fo wie das Gerippe fchwarz ausgeführt find, fo ift man wohl im Stande, fich ein Relief oder beliebig viele Profilsconftructionen zu entwerfen und der Terrainzeichnung an und für fich ift daher entfprochen, allein der Zufammenhang des Terrains, die Formation desfelben, find ftellenweife nicht immer gut lesbar und überfichtlich genug, weil die Blätter manchmal mit Culturdetail überfüllt find, wie dies aus dem Blatt 20( Roulers) und 2* 18 Jofef Zaffauk. 21( Thielt) zu erfehen ift, welcher Umftand am deutlichften dafür spricht, dafs es eine irrige Auffaffung wäre, für die Terraindarftellung unter allen Ver hältniffen nur Schichtenlinien allein in Anwendung bringen zu wollen. Gefchieht diefs aber doch, dann follten diefelben, der Ueberficht wegen, mindeſtens in hervortretender Farbe etwa braunroth gegeben und wenigftens die hunderttheiligen Höhenwerthe, wie fie in den chromolithographifch erzeugten Karten zu finden find, durch eine kräftigere Curve markirt werden; da das Auge diefes Anhaltspunktes bedarf und die fchnellere Orientirung diefes Hilfsmittel fordert. Was endlich die letzte Serie diefer Karten betrifft, fo find diefelben Chromolithographien. Durch den deutfch- franzöfifchen Krieg hat fich abermals herausgeftellt, wie nothwendig es ift, Officiere und Unterofficiere mit leicht verftändlichen und handfamen Karten zu verfehen. Das„ Depôt de la guerre" lieferte nun eine folche Karte in vier Blättern, von denen das erfte Blatt exponirt war. Das Gerippe ift mit Ausnahme des Wegnetzes und der Ortfchaften fchwarz, die Niveau- Curven( 20 Meter hoch) mit Biftre( rufsbraun) eingetragen, jede fünfte ( alfo 100 Meter hohe) Schichte ftärker gehalten und aufser den vielen angegebenen Höhencoten find überdiefs die Theilungsbecken licht nufsbraun, die dominirenden Punkte, Rücken, Kuppen, kurz jene Theile, die gute Defenfivftellungen bieten, blafsroth angelegt. Das Gouvernement hat angeordnet, dafs ein Exemplar von diefer Karte jedem Officier und intelligenten Unterofficier verabfolgt werde. Um endlich den Vorgang beim Farbendruck von Karten anzuzeigen, und um eine Idee von der Vollkommenheit zu geben, welche man mit der Photolithographie erreichte, war vom Depôt de la guerre eine Mappe ausgeftellt. Sie enthielt: Ein Specimen, vorſtellend die Stadt Namur und ihre Umgebungen mit getrenntem Druck in verfchiedenen Farben. Zum Drucke waren fieben Steine erforderlich. Ein zweites Specimen, eine Photozinkographie im Mafse 1: 20.000 und 1: 10.000. Ueberfchauen wir nun nochmals die erzeugten Karten, fo gelangen wir zu dem Refultate, dafs, obgleich keine der verfchiedenen Reproductions- Methoden, welche bei Erzeugung der Karten in Anwendung kommen, neu ift, fich doch immerhin ein Fortfchritt in der Ausführung, eine gewiffe Vervollkommnung in der Technik conftatiren läfst, und dafs daher fämmtliche Karten des Depôt de la guerre fowohl in Bezug auf die techniſche Ausführung, wie nicht minder auf das praktiſche Bedürfnifs als befonders fchätzenswerthe Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie bezeichnet werden können. Dem königlich belgifchen Kriegsdepôt wurde von der internationalen Jury wegen der Leiftungen in der Kartographie, der Benützung der Photographie und des Buntdruckes die Fortfchritts medaille zuerkannt. Dänemark. Bei den Karten des königlich fchwedifchen Ober- Baumeifters Andreas Buraeus de Boo, ftofsen wir auf das erfte kartographifche Werk der jütifchen Halbinfel, die eigentlich nur für Schweden beftimmt, faft alle nordifchen Staaten enthielt und als Grundlage vieler fpäteren Kartenwerke diente. Nach vielfach erfahrenen Verbefferungen fahen fich de Boo's Karten doch bald verdrängt, durch die Karten Dänemarks von Mercator und Blaemo, fowie durch jene der dänifchen Infeln, welche de Witt, Dankret und Homann geliefert hatten. Doch in beiden hatten fich noch immer alte Krebsfchäden aus früheren Karten eingefchlichen und Pontoppidan ift das Verdienft zuzufchrei ben, fie in feinem dänifchen Atlas( 1765) gröfstentheils entfernt zu haben. Diefem T t n e 1 n Militär- Kartographie. 19 um Dänemarks Kartographie hohverdienten Manne verdankt man auch mehrere befondere Karten einzelner Provinzen. In fpäteren Jahren hat die königliche Gefellfchaft der Wif fenfchaften begonnen, von den vollkommenen Karten Dänemarks einzelne Theile in Kupfer ftechen zu laffen, von denen das Amt Kopenhagen auf einem und ein Theil Seeland auf zwei Blättern als die fchönften Exemplare genannt werden müffen. Verlaffen wir jetzt die getreue Klio, die uns diefe Daten an die Hand gab, und wenden wir uns der dänifchen Ausftellung felbft zu. Der officielle Generalkatalog erfpart uns ein langwieriges Suchen, indem er uns in der XII. Gruppe Dänemarks unter der Nummer 256 anzeigt, wohin wir uns zu wenden haben. Das erfte, was wir dafelbft erblicken, ift eine Mappe mit gut gelungenen Photographien und Photolithographien von colorirten Mefsfectionen ( Mappirungsfectionen) im Mafsftabe 1: 20.000, die im Jahre 1869, 1870 und 1871 vom dänifchen Generalftabe angefertigt wurden. Im Mafsftabe 1: 40.000, der nach officiellen Angaben für Pläne der Umgebungen von Städten angewendet werden foll, treffen wir die vom Generalftabe ausgearbeitete und ausgegebene Karte von Jütland. Mit überaus feinem Stich geben fie das Terrain in zehnfüfsigen, äquidiftanten Niveau curven; felbft der Meeresgrund an den Küften erfcheint uns durch vier Horizontal curven markirt, die einen äquidiftanten Abftand von fechs Fufs bezeichnen. Ueber die Tiefe von 24 dänifche Fufse hinaus ift die Meerestiefe durch arabifche Ziffern in Klafterfonden gegeben. Diefe Karte erfcheint in einzelnen in Kupfer geftochenen Blättern, die je einen Flächenraum von fünf Quadratmeilen repräfentiren und eine Breite von 15 d. c.', eine Höhe von 12 d. c.', haben. Sie find insgefammt mit minutiöfer Genauigkeit durchgeführt und dem Umftande mag es wohl zuzufchreiben fein, dafs die im Ganzen mufterhaft durchgeführten Blätter, an einigen Stellen durch grofse Anhäufung von Schichtenlinien, Cultur und Schrift, überladen erfcheinen. Diefer Uebelftand tritt jedoch noch mehr hervor in der vom Generalftabe im Mafs 1: 80.000 ausgegebenen Karte Dänemarks( Generalftabens topografiske Kort over Danmark). Diefe, in der modificirten Flamfteed'fchen Projection erfchienenen Atlasblätter find eine pantographifche Reduction forgfältiger Detailaufnahmen im Mafsftabe 1: 20.000, die auf Bafis einer fehr genauen Triangulirung und reducirter Kataftermappen( 1: 4000) bewerkstelligt wurde. Auf eine Quadratmeile entfielen etwas über oder unter Hundert durch trigonometrifches Nivellement gemeffene Höhenpunkte, welche die Grundlage für die Einzeichnung des Terrains in zehnfüfsigen, äquidiftanten Niveau curven bildeten. War diefe geringe Schichtenhöhe bei den im Mafsftabe 1: 20.000 angefertigten Karten gerade im richtigen Verhältniffe gehalten, fo müffen wir fie in der vierfachen Verkleinerung jedoch, als all' zu gering anfehen; obwohl die Feinheit in der Ausführung eine aufserordentliche ift, würde eine gröfsere Schichtenhöhe doch wefentlich zur leichteren Lesbarkeit der Karten beitragen. Die mehrerwähnten Niveaucurven erfcheinen in den Karten als feine fchwarze Linien, die Gewäffer blau, die Strafsen durch doppelte braun angelegte Linien, Eifenbahnen werden durch eine kräftige Linie mit einer parallelen feinen zu beiden Seiten, fonftige Wege und Fufsfteige durch einfache, geftrichelte Linien gegeben. Durch leicht verftändliche conventionelle Bezeichnungen find Laubund Tannenwälder, Geftrüppe, Sümpfe, Wiefen, Haiden, Lehmboden etc. erfichtlich gemacht. Der Meeresgrund erfcheint ebenfalls in vier fechsfüfsigen Fadenlinien, jedoch über diefe Tiefe hinaus nur mehr mit angegebenen Sonden in Klaftern. Auch ift auf Alterthums-Denkmäler befondere Rückficht genommen und diefe, fowie die einzelnen Kirchspiel- Grenzen auf den Blättern erfichtlich gemacht. Von den Original- Kupferplatten werden galvanoplaftifche Copien angefertigt und können die Karten mit und ohne Abbildung des Bodenreliefs 20 Jofef Zaffauk. ausgegeben werden. Diefe feit dem Jahre 1845 begonnene Karte ift gegenwärtig noch nicht vollendet und es erfcheinen die einzelnen Kartenblätter in zwölf Decimalzoll hohen und fünfzehn Decimalzoll breiten Blättern, die demnach jedes einen Flächenraum von zwanzig Quadratmeilen repräfentiren. Im Mafsftabe 1: 160.000 war die Generalkarte von Seeland. Moen, Laaland und Falfter( 1869) in drei Exemplaren, fämmtliche in Form von Wandkarten ausgeftellt. Die erfte gibt das Terrain in fchwarzen dreifsigfüfsigen Niveau curven, bei der zweiten ift jede dritte durch eine rothe Farbe hervorgehoben, und die dritte endlich läfst die einzelnen Schichtenmäntel von 90 zu 90 Fufs durch Anlegen derfelben mit immer dunkler werdenden Tönen erkennen, fo dafs die Erhebungen von o bis 90 Fufs weifs bleiben und von da bis 450 Fufs in gelber, brauner und rothbrauner Farbe erfichtlich gemacht find. Auch diefe Karte ift mit gröfster Sorgfalt durchgeführt. Dem Generalftabe Dänemarks war für die Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie von der internationalen Jury die Fortfchritts medaille zuerkannt worden. In der dänifchen Abtheilung waren auch gelungene photolithographifche Karten- Reproductionen vom königlich dänifchen Hofphotographen Budtz Mül ler& Comp., fowie des Landesinfpectors Schow präcis und fchön ausgeführte geodätifche und geognoftifche Karten ausgeftellt. England war leider nur durch( John Bartolomew) Schulkarten vertreten. Was die englifchen Befitzungen anbelangt, fanden wir folgende durch Kartenwerke vertreten: Neu- Seeland durch eine Karte der Colonie von Neu- Seeland im Mafsftabe von 1: 760.320, die vom öffentlichen Baudepartement ausgegeben, mit anderen meift geologifchen Karten ausgeftellt wurde. Sie ift in Farben mit lavirtem Terrain ausgeführt und zeichnet fich durch befondere Nettigkeit aus. Nebft mehreren von Dr. Lauder Lindfay ausgeftellten Plänen vom Jahre 1861 bis 1862 fanden wir noch eine von Julius Haaft ausgeführte Recog noscirungskarte der Provinz Canterbury im Mafsftabe 1: 253.440 ( 4 englifche Meilen= 1 englifcher Zoll), die, bei angenommener fchiefer Beleuch tung, das Terrain durch Lavirung plaftifch dargestellt. In Britifch- Indien fanden wir einen, im Auftrage der englifchen Regierung im Jahre 1873 angefertigten lithographifchen Farbendruck aus Madras, darftellend die Berge von Nilgherry mit fchraffirtem Terrain, ferner einen Schichtenplan der Umgebung des Cholavaram See und mehrere andere in Schraffen ausgeführte Skizzen. Dr. Leiter hatte ebenfalls Karten von Oberindien exponirt. Auch fanden wir das Cap der guten Hoffnung vertreten durch Seekarten, Pläne von Gold- und Diamantenfeldern und der Capftadt etc., fämmliche von Herrn Julius Mofenthal ausgeftellt. Frankreich. Auf dem Gebiete der Kartographie erfcheint uns Frankreich als eines der frühentwickeltften Länder Europas. Hier können wir an der Hand der Gefchichte bis in die Mitte des XVII Jahrhundertes zurückfchreiten und ſchon werden uns Kartenwerke vors Auge treten, die uns für jene Zeitepoche wahr haft in Erftaunen fetzen können. Waren auch die Karten von Wilhelm Poftellus, Andreas Thevet, Peter Plantius, Johann Jolivet und die noch älteren von Jollain und Taffin nur die Producte einer Wiffenfchaft, Le h e ft r e e 1. Ce le e ch J. 0 n k e d S S er n - 11 e Militär- Kartographie. 21 die damals noch in den Kinderfchuhen ftak, fo treffen wir bei ihren Nach folgern wie Saufon und Anderen fchon auf einen merklichen Fortfchritt. Aber erft nach der Errichtung der königlichen Akademie der Wiffenfchaften und nachdem die beiden Mathematiker Caffini und de la Hire die Mittagslinie von Paris durch ganz Frankreich beftimmt hatten, erreichten die franzöfifchen Karten einen höheren Grad der Vollkommenheit und wiffenfchaftlichen Werthes. Unter diefen ift die im Jahre 1703 herausgegebene Karte erwähnenswerth, da fie überdiefs auch bereits die Eintheilung des Königreiches in die Gouvernements généraux enthält. " Der fpäteren Kartenwerke wie Rizzi Zannonis Atlas hiftorique de la France" in 50 Blättern, und Bourguignon d'Anville's Karten von Frankreich, welche man in des Abt's de Longuerue„ Description hiftorique et géografique de la France ancienne et modérne" findet, fei weiter keine Erwähnung gemacht. Im Jahr 1750 trat Julien mit einem von C affini de Thury gezeichneten Atlas Frankreichs in 28 Blättern auf, der als das befte Kartenwerk damaliger Zeit angefehen werden kann. Die im Jahre 1774 beim Kupferftecher Bourgon in Paris erfchienene Carte itineraire de la France war fehr erwünſcht, da felbe die Eintheilung in Gouvernements militaires und Provinzen darftellte. Alle genannten Karten übertraf jedoch die fogenannte Carte topographique de la France, beſtehend aus 175 Blättern, welche unter der Direction von Caffini de Thury, Camus und Montigny 1756 angefangen wurden, und von welcher 1775 fchon 104 Blätter im Verlage Julien's fertig waren. Der Uebelftand bei diefer Karte beſteht darin, dafs fie der Gouvernementsund Provinzialeintheilung entbehrt. Und fo wie ein befferes Werk dem anderen folgte, fo hatte auch diefes bald eine Nachfolge gefunden in der 1833 auf Befehl des Gouvernement au dépôt général erfchienenen: Nouvelle carte de France. Sie wurde im Mafsftabe 1: 80.000 angefertigt und ift gegenwärtig noch nicht vollendet. Sie wird durch Correction der älteren Blätter fortwährend ergänzt. Die einzelnen Blätter find das Product der Reduction der Originalaufnahmen des Generalftabes, welche je nach der Benützung der Katafterkarten in Mafsftäben von 1: 20.000 und 1: 40.000 erfolgen, und die Terrainconfiguration durch Conftruction äquidiftanter Niveaucurven und reichhaltiger Höhenmeffungen beftimmen. In den in Kupfer geftochenen, publicirten Blättern treten an die Stelle der Niveau curven Bergfchraffen ( hachures) nach dem etwas modificirten Lehmann'fchen Syfteme. Das topographifche Detail ift mit gröfster Schärfe und Klarheit wiedergegeben. Diefe Karte wird durch Ueberdruck auf Stein zur Herftellung von Departementskarten benützt. Im Jahre 1852 wurde vom Generalftabe eine neue Karte im Mafsftabe 1: 320.000 herausgegeben. Diefelbe ift eine einfache Verkleinerung der vorerwähnten topographifchen Karte. Sie bietet für geographifche und ftrategiſche Intereffen genügendes Detail, für fpecielleren Bedarf wird aber ein grofser Reichthum an Zeichen und Namen der Wohnplätze vermifst. Für die nun in rafcher Folge erfchienenen Kartenwerke wurden als officielle Verjüngungsverhältniffe feftgefetzt: 1: 2000, 1: 2500, 1: 5000 für Befeftigungsanlagen und Specialpläne kleiner Oertlichkeiten, 1: 10.000 für Pläne von Städten nebft Umgebung, 1: 20.000 für die Originalaufnahme des Landes, für Pläne des Uebungsterrains, I: 40.000 für Originalaufnahmen, und zwar für Pläne von Schlachtfeldern, Stadtumgebungen, 1: 80.000 und 1: 320.000 für die officiellen Landkarten. Nach diefer kurzen Abfchweifung wollen wir uns den vom Dépôt de la guerre ausgeftellten Karten felbft zuwenden. Das erfte Blatt, betitelt ,, Environs de Rouen" zeigte uns eine auf heliographifchem Wege erzeugte und auf Stein übertragene 22 Jofef Zaffauk. Vergröfserung im Mafsftabe 1: 50.000, der im Mafsftabe 1: 80.000 erzeugten Karte von Frankreich. Die gelungene Vergröfserung läfst auf den befonders feinen Stich des Originales fchliefsen, da hiedurch feinem artiftifchen Werthe kein Abbruch gethan wird. Diefes Blatt empfiehlt fich durch feine gute Lesbarkeit und die rafche, hiebei billige Methode feiner Erzeugung. Unter Nro. 2 war uns das eben fo lehrreiche als praktiſche Verfahren vors Auge geführt, welches im Dépôt de la guerre zur Correction und Ver vollständigung der Kupferplatten gebräuchlich ift. Als Beifpiel wurde der alte im Mafse 1: 20.000 angefertigte Plan der Stadt Lille auserfehen und auf ihm die Umänderung der alten Befeftigungswerke in ihre jetzige Form und Ausdehnung vorgenommen. Das erfte Kupfer zeigt uns den alten Zuftand des Planes; das zweite zeigt das Auslöfchen derjenigen Theile, welche zur Herftellung des neuen Stiches nöthig waren; im dritten Kupfer fieht man das auf elektrochemi fchem Wege niedergefchlagene Metall in den früher erzeugten Vertiefungen und im vierten Kupfer endlich ift das Metall gefchabt und planirt und die Details der neuen Befeftigungswerke mit dem Grabftichel bereits geftochen. Diefes von George erfundene Verfahren können wir nur als ein fehr gelungenes bezeichnen. Das dritte exponirte Blatt ftellte den Abdruck eines in der Ausfüh rung befindlichen Gebirgsblattes der Karte von Frankreich dar. Man beabfichtigte hiedurch die verfchiedenen Theile der Arbeit hervorzuheben, näm lich den durch Aetzung erzeugten Entwurf und den mit der kalten Nadel beendigten Stich. Auffallend war uns die in diefem Blatte mangelhafte, mitunter naturwidrige Darftellung der Bodenunebenheiten. In einer Glasrahme unter Nro. 4 fanden wir das vorzügliche Specimen von Chromolithographie, darftellend die Umgegend von Cherchell in Algerien. Die Methode beſteht in der Anwendung einer unveränderlichen Anzahl von fünf Steinen, womit man nicht nur die Planimetrie( Gerippe), Terrainzeichnung und Schrift wiedergeben kann, fondern auch alle jene Tonirungen. welche man in geologifchen, topographifchen und anderen handfchriftlichen Karten benutzt. Schwarz verwendet man für die Verbindungswege und Schrift, Blau für die Gewäffer, Roth für Baulichkeiten und Biftre( Rufsbraun) für die Ifohypfen. Durch den fünften hinzutretenden Stein für Gelb ift es dann möglich, alle möglichen Tinten hervorzurufen, indem man die einfachen Farben, blau, gelb und roth ver bindet und ihnen in gewiffen Fällen ein wenig Schwarz oder Biftre zufetzt. Das ausgeftellte Specimen wies acht verfchiedene Farben( Tinten) auf, nämlich vier einfache: fchwarz, roth, blau, biftre; vier zufammengefetzte: hellgrün, dunkelgrün, fienna und violet. Diefe Methode ift erft unlängft vom Kriegsdepot adaptirt. Unter Nro. 5 wurde uns ein neues Vervielfältigungsverfahren vors Auge geführt, welches auf die Gebirgsblätter der Karte von Frankreich 1: 80.000 angewendet erfcheint und nach authentifchen Mittheilungen in Folgendem besteht: Durch das gewöhnliche Verfahren wird ein Ueberdruck der geftochenen Kupferplatte auf einen Stein gemacht. Mit Hilfe diefes Ueberdruckes macht man zwei Wiederdrücke( faux décalques) auf zwei andere Steine. Der Graveur übergeht hierauf auf einem diefer beiden letzteren Steine die Wege, die Schrift und die Gebäude, d. h. alle Zeichen, die im definitiven Abdruck fchwarz erfcheinen müffen; auf dem zweiten diefer Steine übergeht er nur die Gewäffer, für welche die blaue Farbe vorbehalten ift. Alles was nicht fchwarz oder blau erfcheinen mufs, wird auf diefen beiden Steinen ausgelöfcht. Der Ueberdruck wird darauf mit Biftre aufgetragen und ergibt einen Abzug, auf dem alle Details der Zeich nung, Geripp und Terrain in diefer Farbe erfcheinen. Der Abzug wird dann auf den zweiten mit Schwarz aufgetragenen Stein gebracht und erhält alle Wege, Gebäude und Schriften; fchliefslich kommt er auf den dritten mit Blau aufgetra genen Stein und die Operation ift beendigt. 1 e Militär- Kartographie. 23 Wurde das Anpaffen des Abzuges auf den Steinen genügend forgfältig aus. geführt, fo decken die ſchwarzen und blauen Linien und Zeichen genau diejenigen, welche beim erften Abzug in Biftre gedruckt wurden, und das Terrain allein zeigt diefe Färbung. Sticht man auf einem vierten Steine die 20metrigen Schichtenlinien, fo erzielt man durch einen combinirten Druck diefes mit Steinen für Schwarz und Blau, die zur vorhergehenden Operation dienten, einen ftatigraphifchen Druck derfelben Karte. Neben den erften geftellt, erlaubt diefer Abdruck die beiden zur Darftellung des Terrains angewandten Verfahren zu vergleichen und die Vor- und Nachtheile beider Syfteme zu erkennen. Durch die unter 4 und 5 erwähnten Methoden wurden endlich die unter 6 exponirten Blätter erzeugt. Der erfte Druck ift der eines Blattes der Karte von Algerien( Médéah) im Mafse 1: 80.000( Terrain in Schichten). Die zwei anderen Blätter, Modane und Bardonne che, die zufammen die Karte des grofsen Tunnels vom Mont Cenis darftellen, wurden nach der eben unter 5 erwähnten Methode abgedruckt. Durch Abtonung der Farben konnte man es dahin bringen, die Waldungen dunkelgrün( eine Mifchung von Blau und Biftre) anzulegen, ohne die Anzahl der Steine, die aus drei: fchwarz, blau und biftre befteht, zu vermehren. Als letztes Blatt fahen wir eine reichlich cotirte Nivellirungskarte von Frankreich 1: 80.000 in 100metrige Schichten gelegt. Zur leichteren Ueberficht ift hiebei jede vierte Schichtenlinie ftärker ausgezogen. Es ift diefs eine Wandkarte, welche die Reliefbildung Frankreichs recht gut veranfchaulicht. Die Zeichnung wurde auf photolithographifchem Wege in zwei Farben, blau und fchwarz, auf Stein übertragen. Die ganze Karte, aus 6 Blättern beftehend, ift um den geringen Preis von 3 Francs zu beziehen. Die Ausfteller wurden von der internationalen Jury mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet: Niederlande. Haben wir fchon bei allen bisher erwähnten Ländern einen erfreulichen und entfchiedenen Fortgang conftatiren müffen, fo ift diefs bei den exponirten niederländifchen Kartenwerken des topographifchen Bureaus noch mehr unfere Pflicht. Hier treffen wir auf wahrhaft vorzügliche Leiftungen, was befonders von den durch Farbendruck erzeugten Blättern gilt. Als Verjüngungsverhält niffe, die für officielle Karten angewendet werden, fanden wir hier folgende Mafse: 1: 25.000 für die feit 1834 begonnenen Originalaufnahmen. 1: 50.000 für die topographifche Karte des Landes, fowie 1: 200.000 für den topographifchen Atlas der Niederlande. Was die im Mafsftabe 1: 25.000 angefertigten Kartenwerke betrifft, fo waren fie auf der Ausstellung durch zwei Blätter vertreten, von denen das eine " Balaclava" als Photolithographie, das zweite die topographifche Karte von S. Gravenhage en Omftrecken" als Chromolithographie auftrat. In beiden Blättern erfcheint das Terrain in Schraffen nach dem Wafferlaufe. Das letztere Blatt von drei Steinen nach der Procedur ,, Eck ft ein" erzeugt und mit typo- autographifcher Befchreibung verfehen. In der Verjüngung 1: 50.000 finden wir die unter 2 erwähnte" Topograph. en militar. Kaart van het Koningrijk der Nederlanden", die, aus 62 Blättern beftehend, fchon im Jahre 1864 vollendet war und feit jener Zeit fortwährend ergänzt und berichtigt wird. Diefe Karten geben wohl das möglichft vollständige Bild, das topographifche Karten überhaupt bieten können. Sie enthalten fämmtliche Ortſchaften, die Städte en detail, die Culturen, alle Communicationen, Meerestiefen etc.; das 24 Jofef Zaffauk. Terrain ift leicht fchraffirt, entbehrt jedoch beigefetzter Höhencoten. Durch ihre fchöne Ausführung, noch mehr aber durch ihre Genauigkeit erfetzen diefe Blätter alle älteren Karten des Landes, wie jene von Krayenhof, Defterbeck u. v. A. Eine Reduction diefer topographifchen Karten ift der topographifche Atlas der Niederlande. Mafsftab 1: 200.000. - Von den ausgeftellten Karten fanden wir ferner im Mafsftabe 1: 100.000 die topographifchen Karten der Refidenzfchaften Samarang und Pocalongan auf Java und jene von Cheribon. In diefen auf chromolithographifchem Wege erzeugten Blättern ift das Terrain durch blaue Curven und durch feine braune Schraffen gegeben, wobei man das Gefetz, dafs die Schichtenlinien ( Horizontalen) von den Schraffen fenkrecht getroffen werden müffen, wenig zu beachten fchien. Die Gewäffer erfchienen blau, das Meer von der Küfte an in zehn verfchiedenen Tönen diefer Farbe abgeftuft; gröfsere Strafsen roth, gewöhnliche Communicationen fchwarz. Auch waren die einzelnen, durch rothe Linien fcharf begrenzten Culturparzellen in verfchiedenen Farben unter einander erficht. lich gemacht, fo dafs z. B. Kaffeeanlagen braun, Zuckerplantagen roth, Waldun gen grau erfchienen. Auch hier trafen wir auf einen reinen präcifen Farbendruck. Das Verfahren hiebei war noch durch drei exponirte Steine und eine beigefügte Erläuterung verftändlich gemacht. Letzterer entnahmen wir ungefähr Folgendes: Diefe von E. H. Eckstein, dem technifchen Vorfteher des topographi fchen Bureaus in Anwendung gebrachte Aetzmethode bezweckt den gleichzeitigen Druck verfchiedener Farbennuancen von flachen Tinten auf mechanifchem Wege zu erzielen, anftatt dasfelbe, wie bisher, durch die zeitraubende Arbeit vorzunehmen, wo man diefe Tinten durch Striche, Punkte oder vermittelft des Kornes lithographifcher Kreide darzuftellen fich bemühte. Die fo erhaltenen Tinten zeichnen fich hauptfächlich durch Gleichmässigkeit, Feinheit, Frifche und Kraft aus, und geftatten die ausgedehntefte Abftufung der Nuancen. Alle Farben und Tinten, welche zu kartographifchen Arbeiten bedingt werden, können von drei, in ihren verfchiedenen Nuancen bearbeiteten Steinen für die blaue, rothe und gelbe Farbe zufammengeftellt werden. Als Probe hiefür liegt die im Mafse 1: 100.000(?) angefertigte Karte eines Theiles der Schweiz( Blatt Interlacken) auf. Diefe ebenfalls mit typo- autographifcher Schrift verfehene Chromolitho graphie enthält die Gewäffer blau, die Communicationen weifs, die Schichtenlinien fchwarz und die einzelnen Schichtengürtel von der Ticfe gegen die Höhe zu in immer heller werdenden braunen und braunblauen Tönen, was dem Ganzen einen reliefartigen Eindruck verleiht. Dasfelbe Blatt erfcheint auch noch im Mafsftabe 1: 75.000(?) bei fchräge angenommener Beleuchtung mit Aequidiftanzen in Licht und Schatten. Die Schichtengürtel gehen ebenfalls gegen die Höhe zu in einen lichteren Ton über. Diefe Methode Eckstein's konnte bis jetzt nur für das topogra phifche Bureau nützlich gemacht werden, obwohl fie fich auch auf Kunftproducte anwenden liefse. Ihre grofsen Vortheile beftehen im Wefentlichen in folgenden Punkten: In der fchnellen und mechanifchen Conftruction der Tinten durch Aetzung; in der Erlangung aller Farben, Linien und Details in gröfster Klarheit und Schärfe von nur drei Steinen, was eine aufserordentliche Erfparnifs an Zeit und Steinen nach fich zieht und den Druck felbft wefentlich vereinfacht und endlich in dem gleichzeitigen Drucken von fehr hellen und dunklen Tönen der felben Farbe, was vorzüglich die Klarheit der hellen Farben befördert. Die hiebei angewendete typo- autographifche Befchreibung wurde zuerft unter der Leitung des General Befier angewendet und erfpart den koftbaren Stich der Schriften, indem fie zugleich mit der fchwarzen Gerippezeichnung gedruckt werden. Als Beiſpiel hiefür die Karte von Haag, welche von drei Farbenfteinen und von einem für fchwarze Schrift und Zeichnung angefertigten Stein abgedruckt ift. re er 0 Militär- Kartographie. 25 Dem topographifchen Inftitut der niederländifchen Regierung zu Haag wurde von der internationalen Jury für die Ausbildung des Eckstein'fchen Aetzverfahrens und deffen Benützung für die Darftellung von Karten die Fortfchritts medaille zuerkannt. 1. h n u n - n . e e S n d d Preussen. In der Nähe der Expofition des königlichen baierifchen topographifchen Bureaus des Generalftabes fanden wir von Carl Flemming aus Glogau in Schlefien ausgeftellt: Blätter der Karte von Tyrol( 1: 200.000) von Hartwig und Handtke; die Karte der europäifchen Türkei( 1: 600.000) von Handtke, ferner als Wandtableau die topographifche Specialkarte von Centraleuropa ( 1: 200.000) von G. D. Reymann. Diefes verdienftvolle Kartenwerk ift im Anfange unferes Jahrhundertes ( 1806) durch den königlich preufsifchen Hauptmann und Plankammer- Inspector G. D. Reymann ins Leben gerufen worden. Nach feinem Tode übernahm der königlich preufsifche Oberftlieutenant und Director des trigonometrifchen Bureaus C. W. Oesfeld die weitere Bearbeitung und feit deffen Ableben ift die Karte in den Befitz der Verlags- Buchhandlung C. Flemming in Glogau übergegangen, und wird unter Leitung des Geographen Handtke fortgefetzt. Auch wir fchliefsen uns dem Urtheile von Sydow an, dafs diefe Karte, obwohl nicht in allen Theilen gleichmäfsig auf die neueften Quellen bafirt und in technifcher Ausführung ungleichmäfsig behandelt, für den Marfch, zum Dislociren, zum Manöveriren und zum Verfolg der Kriegsgefchichte brauchbar ift, überdiefs für andere ſpecielle Zwecke viel werthvolles topographifches Detail enthält. Das Gerippe ift leicht verftändlich, das Terrain fchraffirt mit Höhencoten in Parifer Fufs verfehen, die Schrift gut lesbar. Von der internationalen Jury wurde für die Fortführung und Verbefferung der Reymann'fchen Karte von Centraleuropa Herrn Carl Flemming die Fortfchritts- Medaille, Herrn Handtke für kartographifche Arbeiten die Verdienftmedaille zuerkannt. 1 1 Rufsland. Eine umftändliche Schilderung der alten ruffifchen Karten findet man im fechften Bande des Staatsrathes Müller's Gefchichte des ruffifchen Reiches. Im Jahre 1865 erfchien die damals epochemachende Karte des Amfterdamifchen Bürgermeifters Nicolaus Witfens des„ ,, Norder." und ,, Oftertheils" von Afien und Europa, die später als Bafis zu anderen Kartenwerken benützt wurde, von denen fich die des Eberhard Ysbrand Ides eines ungewöhnlichen Rufes erfreuten. Beffer als vorerwähnten Karten waren die von Ph. Johann von Strahlenberg 1731, die den nördlichen und öftlichen Theil von Europa und Afien darftellten. Der ruffifche Staatsrath Johann Kirillow fammelte die auf Befehl Peter I. von den Feldmeffern an den Senat abgefandten Karten und lieferte 1724 bis 1734 einen Atlas vom ruffifchen Reiche, beftehend aus 14 Blättern und einer Generalkarte. 1739 gab Joh. Mat. Hafe feine tabulam imperii Ruffici et Tartariae univerfal auf Koften der Homann'fchen Erben heraus. Diefes Werk wurde von der St. Petersburger Akademie der Wiffenfchaften verbeffert und auf Grund desfelben 19 Specialkarten von dem ruffifchen Reiche herausgegeben. 1745 erfchien diefes Kartenwerk, das von anderen Staaten als eine Mufterarbeit hochgefchätzt war. Alle Karten von Rufsland, welche nach 1745 in den auswärtigen Ländern herausgegeben wurden, gründen fich auf diefes, fpäter von Georg Gmelin verbefferte Kartenwerk. 26 Jofef Zaffauk. In den erften Regierungsjahren der Kaiferin Katharina II. hat die St. Petersburger Akademie der Wiffenfchaften, die von J. F. Schmidt gezeich neten Karten der einzelnen Gegenden des Reiches in Kupfer ftechen laffen. 1777 erfchien eine neue ruffifche Karte von Trueskott gezeichnet welche nicht nur die Gouvernements- Eintheilung und Staatsgrenzen, fondern auch die zwifchen der nordöftlichen Gegend von Afien und Amerika neu entdeckten Infeln enthielt. Auch ſpäter war im Gebiete der Kartographie viel geleiftet worden, und bald nach den napoleonifchen Kriegen wurden Kartenwerke in Angriff genommen, deren Ausführung den damaligen Zeitverhältniffen nach rühmenswerth waren. Bevor wir zu den exponirten ruffifchen Kartenwerken übergehen, fei der für topographifche Arbeiten üblichen officiellen Verjüngungsverhältniffe Erwähnung gethan. Es finden folgende Verjüngungen Anwendung: 1: 2100 für Pläne zu Befeftigungsanlagen, I: 4200 für Pläne von Lager- und Uebungsplätzen, 1: 1680 und 1: 8400 für Städtepläne, 1; 16.800 und 21.000 für die auf trigonometriſche Netzlegung bafirte Originalaufnahme und für Städtepläne, 1: 42.000 für kriegstopographifche und inftrumentale, fowie halbinftru mentale Aufnahmen, 1: 84.000 für halbinftrumentale Aufnahmen, I: 210.000 und 1: 420.000 für Aufnahmen nach dem Augenmafse und Recognoscirungen, 1: 126.000 für topographifche Karten. Von den exponirten Kartenwerken Rufslands nahmen die vom: Dépôt des topographifchen Corps den erften Platz ein. Befonders hervorzuheben ift die topographifche Karte des europäifchen Rufslands im Mafsftabe 1: 126.000. Von diefem im Jahre 1820 begonnenen, bei 500 Blätter grofsen Werke lagen einzelne ausgeftellt in Glaskäften, während 6 zufammengeftellt als Wandkarte ausgeftellt waren. Sie bilden die directen in Kupfer gefto chenen Reductionen der officiellen Aufnahmen und enthalten das Terrain in Schraffen nach Lehmann'fchem Syfteme, erläutert durch zahlreich beigefetzte Höhencoten. Letzteres ift jedoch nur bei den neueren und neueften Blättern der Fall, da in Rufsland erft im Jahre 1854 mit der Höhenmeffung verfchiedener Punkte begonnen wurde. Diefe Karten weifen auch unbeftritten das fchnellfte Fortfchreiten aller bis jetzt erfchienenen Generalftabs- Karten auf, indem im Anfange der fechziger Jahre jährlich 60 bis 70 Blätter erfchienen. Von ihnen liegen auch noch fehr intereffante Copien bei, die mit der Schnellpreffe auf Hanfpapier durch den anaftatifchen Druck erzeugt, fich dennoch durch grofse Reinheit auszeichnen. Auf der vorliegenden, wie auf den meiften ruffifchen Karten, ift die geographifche Länge nach dem Meridian des Obfervatoriums Pulkowo beziffert; dasfelbe hat eine Länge= 27° 59' 30 65" öftlich von Paris, alfo in runder Summe 28 Grad öftlich von Paris oder 48 Grad öftlich von Ferro. Die Befchreibung diefer fowie überhaupt aller ruffifchen Karten ift in cillirifchen Buchftaben bewirkt. Die Specialkarte des europäifchen Rufslands im Maßse 1: 420.000, ein Werk, das aus 145 Blättern befteht, war in drei Exemplaren vertreten. Das erfte Exemplar, ein von Oberft Strelbitzky gelieferter Kupfer druck, gibt das Terrain in braunen Schraffen, die Schrift und das Gerippe fchwarz. Diefes fonft fo vorzügliche Werk leidet an theilweifer durch die Befchreibung verurfachten Ueberladung. Die zweite Auflage diefes Werkes zeigte uns dasfelbe als einen ebenfo gefchmackvollen als fcharf ausgeprägten Farbendruck. Das dritte Exemplar erfchien als gut gelungener Ueberdruck auf Stein, der, was reine Ausführung anbelangt, wohl nichts zu wünſchen übrig läfst. Das Nächfte, was nach diefen grofsen kartographifchen Werken unfere Aufmerkfamkeit erregte, waren gut gelungene und nett ausgeführte chromolitho die ch 77 cht en lt. en Iswir he Es te u. d St en er llt in te er er te e ch r , 0 n Militär- Kartographie. 27 graphifche Pläne von St. Petersburg, Tzarfkoe Selo, Pawlofk und Oranienbaum, fowie die im Mafsftabe 1: 840.000 ausgeführte, chromolithographifche Karte des Kaukafus, die in fechs Blättern vertreten, das Terrain ebenfo wie die meiften anderen in braunen Schraffen hervorhebt. Wie weit Rufsland in der Kartographie vorgefchritten ift, zeigten feine Heliogravuren, die nach dem Syfteme Mariotte erzeugt wurden, ferner feine photographifchen Reductionen. Von erfteren fanden wir im Mafsftabe 1: 100.000 und 1: 126.000 ausgeführte Reductionen der Original Aufnahmsfectionen von Befsarabien. Ferner die im Mafsftabe 1: 42.000 in drei Farben angefertigte Reduction der Aufnahmsfectionen von Finnland, welche letztere das Terrain in braunen Schichtenlinien, die Gewäffer blau geben, fo wie jene von Kokan. Von photographifchen Reductionen ift der im Mafsftabe 1: 25.200 im Jahre 1872 angefertigte und durch Handarbeit colorirte Plan von Tafchkend der ebenfalls colorirte Plan von Khiwa und jener von Samarkand aus dem Jahre 1871 und fchliefslich das Gebiet von Kuldfcha zu erwähnen. Letztere enthält das Terrain lavirt und ohne Coten. Von fonftigen ausgeftellten Karten find befonders erwähnenswerth die Karte von Turkoftan( 1872) Krasnowo dfk und jene des Amu- darja ( Oxus) Flufsbettes, fowie nicht minder die im Jahre 1873 angefertigte Karte eines Theiles des transcafpifchen Gebietes. Eine Karte von Centralafien im Mafsftabe 1: 420.000 war ebenfalls ausgeftellt. Aufser den bis jetzt erwähnten topographifchen Karten fanden wir noch das finnländifche geodätifche Centralbureau zu Helfingfors durch eine Generalkarte von Finnland vertreten. Wir müffen es als ein befonderes Verdienft betrachten, dafs Rufsland, obgleich durch kriegerifche Unternehmungen hiezu gezwungen, durch Aufnahme unerforfchter Gegenden in Klein und Centralafien in geographifcher Beziehung uns die Kenntnifs neuer Gebiete erfchliefst und die Kartographie diefer Art durch werthvolle Publication bereichert. Die vorzüglichen Arbeiten des photographifchen Depôts wurden durch das Ehrendiplom, die topographifche Abtheilung des Generalftabes in Tiflis für die technifche Ausführung der Karten vom Kaukafus durch die Verdienft- Medaille, die des Generalftabes in Tafchkend für die Leiftungen der Kartographie Centralafiens durch das Anerkennungsdiplom ausgezeichnet und der Werth derfelben in jeder Richtung hiedurch anerkannt. Schweden. Diefes Reich erfchien früher theils auf den allgemeinen geographifchen Karten der nordifchen Reiche, theils auf befonderen Blättern dargestellt, unter welch' letzteren die Karte von Andreas Buräus den Grund der neueren bildet, welche de Witt, Homann, Seutter und Boudet geliefert haben. Mehrere Specialkarten von fchwedifchen Landfchaften hat Homann aus dem Blaeui'fchen Atlas entnommen. Auf Staatskoften waren bereits im Anfange desXVII. Jahrhundertes von der fogenannten Landmefferei geographifche und geometrifche( ökonomifche) Pläne veröffentlicht, doch wurden erftere damals durch eigenthümliche Verhältniffe derart vernachläffigt, dafs feit dem Jahre 1789 keine geographifche Karte in die Oeffentlichkeit kam, bis Baron Hermelin mit geringer Staatsfubvention und mit Aufopferung feines bedeutenden Vermögens theils felbft, theils durch eine von ihm gebildete Gefellfchaft über fämmtliche Läne in Schweden und Finnland in Kupfer geftochene Karten anfertigen liefs. Diefe Karten fammt Druckplatten brachte der Staat käuflich an fich, errichtete zur Fortfetzung der Arbeiten 1805 ein Feld vermeffungs Corps, das feit 1831 unter dem Namen topographifche Corps einen Theil des Generalftabes bildet und mit der Anfertigung vollständiger und richtiger Karten betraut ift. 28 Jofef Zaffauk. Bei den Karten ift die konifche Projectionsmethode angewandt. Der Kegelmantel, durch deffen Ausbreitung man die Kartenfläche erhält, fchneidet die fphäroidifche Erdkugel längs zweier Parallelen 56° 57' 31'5" und 64° 22' 59'5". Der gröfste Projectionsfehler beträgt 0.0021 und ergibt fich bei den angenom menen Grenzlatitüden im Norden und Süden- 65° 50' 20'4" und 55° 21' 19'4"- fowie auch bei dem Breitengrade, der gleich ift, mit der halben Anzahl Grade des Kegelwinkels= 60° 44' 29'6". Als Hauptmeridian ift der fünfte Grad angenommen worden, welcher weftlich vom Stockholmer Obfervatorium dahinzieht. Eine vom topographifchen Corps und der Akademie der Wiffenfchaften zu Stockholm mit Präcifion ausgeführte Triangulirung im füdlichen und mittleren Schweden, deren Stützpunkte die Obfervatorien in Stockholm und Lund find. liefert für die Kartenwerke eine Anzahl Punkte 1., 2. und 3. Ordnung. Das nördliche Schweden war bis dato arm an Ortsbeftimmungen, doch werden bereits jetzt von der Seekarten- Behörde und dem topographifchen Corps Winkelmeffungen in einem Triangelnetze bewirkt, das in der Nähe von Hapa randa von dem Netze der ruffifch- fkandinavifchen Gradmeffung ausgeht und der weftlichen Küfte des bottnifchen Meerbufens folgt. Die Lage des Netzes ift durch Azimuthbeftimmungen fixirt. Von den Grundlinien( Bafis) find drei auf dem Eife, überdiefs noch fünf andere vermeffen worden, die der Genauigkeit Rechnung tragen. Von diefen fünf ift die erfte im Jahre 1840 vom topographifchen Corps mit einem Apparat Beffel's, drei im Jahre 1863 von der Akademie der Wiffenfchaften für die europäiſche Gradmeffung mit einem etwas veränderten Apparate von Struve und eine 1870 vom topographifchen Corps mit dem zuletzt erwähnten Apparate gemeffen worden, wobei die Polhöhe mehrerer Triangelpunkte ebenfalls ermit telt wurde. Höhenmeffungen waren zur Genüge bewirkt und beziehen fich auf den mittleren Wafferftand im Kattegat und der Oftfee, der in einem Zeitraume von 50 Jahren durch tägliche Obfervationen bei Leuchtthürmen mit Genauigkeit ermittelt worden war. Bei den fchwedifchen Karten finden folgende officielle Verjüngungsver hältniffe Anwendung: Für Pofitions- und ſpecielle Karten einzelner Gegenden: 1: 10.000, I: 20.000, für Conceptkarten( Mappirungs- Sectionen) 1: 50.000; für die Specialkarten 1: 100.000%; für die Provinzkarten I: 200.000; für die Generalkarten I: 1,000.000. Die Landesaufnahme für militärifche Zwecke wird durch fogenannte Recognoscirungs- Abtheilungen, jede aus 10 bis 12 Officieren, unter Direction eines Topographen- Officiers, auf Grund reducirter ökonomifcher( Kataftral-) Karten in dem Mafsftabe 1: 50.000 ausgeführt. Zu diefem Zwecke ift jeder Recognoscent mit den nöthigen Mefsinftrumenten und fonftigen Mefs- und Zeichenrequifiten verfehen. Urfprünglich gefchah die Aufnahme in dem Mafse 1: 100.000. Das ganze Küftenland und ein grofser Theil des mittleren Schwedens( ein Gebiet von beinahe 3000 Quadratmeilen) find in diefem Mafsftabe mappirt. Vom Jahre 1844 wird jedoch die Mappirung, wie früher erwähnt, im Mafse 1: 50.000 bewerkstelligt, da man zur Ueberzeugung gelangte, dafs ein Land mit fo aufserordentlich zerftückelten Terrainformen, wie Schweden, unmöglich durch die Verjüngung 1: 100.000 genau und vollständig darzuftellen wäre. Die Unebenheiten des Terrains mit all' feinen Bedeckungen und militärisch wichtigen Objecten werden nach einem beftehenden officiellen Zeichenfchlüffel genau eingezeichnet, Böfchungswinkel gemeffen, Höhenpunkte ermittelt und letztere mit Berücksichtigung der bereits bekannten, abfoluten Höhen berechnet. Im Durchfchnitte entfallen auf eine Quadratmeile 20 Höhenpunkte. er Let m- P le ad t. en en d. ch DS a. er nf en at ie ve te it. on it r- 0₁ te es in it m. ze e d a en ch el e 1. Militär- Kartographie. 29 Die Terrainunebenheiten find durch Horizontalfchraffen( Curven von ungleicher Breite und Entfernung) oder durch Falllinien( Schraffen nach dem Wafferlaufe) zum Ausdrucke gebracht; erftere werden bei nacktem Felsboden, letztere bei Erdböfchungen angewendet. Die Angabe der Böfchungsverhältniffe richtet fich fowohl in Fels-, als in Culturboden- Partien nach der vorgefchriebenen Schattirungsfcala( Tonfcala). Die Bezeichnung der Land communicationen, Gewäffer, der localen Verhältniffe, kurz des Gerippes, ift ähnlich jener unferer Karten und Pläne. Waldungen find, wie in den meiften Staaten, wenn fie aus Laubholz beftehen, durch kleine Kreife, wenn es Nadelholz wäre, durch Sternchen angezeigt Der Waldrand wird nicht näher bezeichnet, erfcheint aber defsungeachtet markirt. Die Gröfse, Gattung und Lage der Schrift ift verfchieden und richtet fich nach der Wichtigkeit der Gegenftände. Gleichzeitig mit der Aufnahme werden topographifche, ftatiſtiſche und militärifche Befchreibungen verfafst. In der Weltausftellung waren photographifche Copien zweier Conceptblätter zu fehen. Jedes Conceptblatt ift 20 fchwedifche Zoll lang und 15 Zoll hoch und aus 25 im Felde benutzten Mefstifch- Blättern zufammengefetzt, welche letztere 4 Zoll lang und 3 Zoll breit find. Mit Hilfe der Conceptblätter werden die Specialkarten- Blätter angefertigt, indem man die Conceptblätter mit dem Pantographen in das SpecialKartenmafs reducirt, vollkommen ausarbeitet und in Kupfer ftechen läfst.* Die Specialkarten- Blätter find vom Hauptmeridian an gegen Often und Weften mit römifchen Ziffern und vom Perpendikel diefes Meridians bei 72 Grad gegen Süden mit arabifchen Ziffern numerirt, aufserdem die öftlich liegenden mit O( Oefter), die weftlich liegenden mit V( Vefter) bezeichnet. Jedes Blatt enthält als Auffchrift den Namen einer im Blatte erfichtlichen Stadt oder eines wichtigen Punktes. Aufserhalb der Kartenränder find die Benennungen der Nachbarländer angebracht. Jedes Blatt ift 2 fchwediſche Fufs lang und 12 Fufs breit. Der Kartenrand( Gradnetz) enthält eine Eintheilung von 10 zu 10 Minuten. Vierzehn gravirte Blätter der Specialkarte, die erft nach der Weltausftellung zu Paris erfchienen find, waren ausgeftellt. In diefen, in der That vortrefflichen Karten, erfcheinen mit Ausnahme der gröfseren, blau gezeichneten Gewäffer, das Terrain und Gerippe fo wie in den Conceptblättern, jedoch durchgehends fchwarz dargeftellt; überdiefs find die gemeffenen Meerestiefen durch liegende, arabifche Ziffern bezeichnet. Die punktirten Linien im Meere zeigen Tiefen von 10 und 20 fchwedifchen Fufs an; die Ziffern zwifchen den punktirten Linien die Tiefen in Fufs, die Ziffern aufserhalb der punktirten Linien die Tiefe in Faden an. Die deutlich zu unterfcheidende Signatur, eine markirte Bezeichnung der wichtigeren Communicationen und fonftiger Gegenftände, von den minder wichtigen, eine plaftifche mit künftlerifcher Auffaffung und vielem Detail gegebene Darftellung der Bodenunebenheiten dürften auch einem Laien beim Lefen diefer den militärifchen Anforderungen entſprechenden und ſchön ausgeführten Karten in keine Verlegenheit bringen. Von diefer Karte find bereits 26 Blätter in Kupfer geftochen. Künftig dürfte aber, anftatt des ebenfo zeitraubenden, als auch koftfpieligen Stiches der Karten in Kupfer, das topographifche Corps feine Karten im Wege der heliographifchen Procedur nach Mariott erzeugen. Von dem feit dem Jahre 1832 begonnenen Kartenwerke im Mafsftabe 1: 200.000, welches einzelne Läne darftellt, erfcheinen auf Befehl des Königs feit dem Jahre 1872 keine Blätter mehr. Zehn Läne find auf 15 Blättern erfchienen; * In Schweden erfchien das erfte Kupferftich- Werk( ein Wappenbuch) bereits 1650. Derzeit fand der Kupferftich beinahe ausfchliefslich für kartographifche Arbeiten Anwendung. 30 Jofef Zaffauk. es find fehr nette Kupferftiche und bieten ein reichhaltiges Materiale für den Topographen. Die Generalkarte 1: 100.000 ift feit dem Jahre 1851 in Ausarbeitung. Sie wird in drei Blättern erfcheinen. Ein Blatt( Kupferftich) ift bereits der Oeffent lichkeit übergeben und war in der Weltausftellung zu fehen. Das Blatt, den füdlichen Theil Schwedens vorftellend, bietet vom Terrain und Gerippe Alles, was man von einer Karte in diefem Mafsftabe beanfpruchen darf, beurkundet eine zweckmäfsige Anordnung in der Anfertigung und richtige Wahl desjenigen, was in der Karte noch aufzunehmen und was wegzulaffen war. Diefe Karte gehört zu den fchönften topographifchen Arbeiten. Der Kartenrand hat eine Eintheilung von Grad zu Grad. Das topographifche Corps arbeitet überdiefs für militärifche Zwecke Kartenwerke in gröfseren Mafsftäben aus. Derlei Pläne werden aber geheim gehalten. Die Seevermeffung und deren Zufammenhang mit der Küftenauf nahme fowie die Vervielfältigung und die Veröffentlichung der darauf bezüglichen Kartenwerke beforgt die königliche Seekarten- Behörde, welche dem Chef des Departements der Seevertheidigung untergeordnet ift. Die Seevermeffungs- Karten über die Küften, Skären und Landfeen werden im Mafsftabe 1: 20.000, ausnahms weife I: 10.000 entworfen. Zum Beften der allgemeinen Schifffahrt werden Pafskarten in Mafs ftäben zwifchen 1: 300.000 und 1: 550.000, Küftenkarten von 1: 200.000 bis 1: 250.000 und Specialkarten von 1: 50.000 bis 1: 100.000 angefertigt. Die exponirten geologifchen Karten über das öftliche Dalsland und einen Theil Weftgothlands, der Umgebung des Mälar- Sees, dann die Ackermann'fchen Niveau- und Nivellirungskarten und hydrographi fchen Karten, ferner die Dislocationskarte von Grill( 1848), find meift auf Bafis topographifcher Kartenwerke entworfen und nett ausgeführt. Im Lande wird auch von Einzelnen eine recht bedeutende, lobenswerthe kartographifche Thätigkeit entwickelt, fo von Major A. Hahr, Lieutenant Ment zer, Ahrmann, Frefe, Stjernftrom, Weftrell, Albin und Nordbeck, Peterfon etc. die fich auch theilweife an der Expofition betheiligten. Schliefslich fei bemerkt, dafs nach Befchlufs des Königs und des Reichs rathes noch im Laufe diefes Jahres das Topographencorps aufgelöft und dem Generalftabe, der einer Reorganifirung entgegenfieht, die weitere Kartenerzeugung zugewiefen wird. Dem königlich topographifchen Corps, fowie dem königlichen SeekartenComptoir in Stockholm wurde in gerechter Würdigung der kartographifchen Arbeiten von der internationalen Jury die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Schweiz. Ueber die älteren Karten fehlen fichere Nachrichten. Johann Jacob Scheuchzer, Doctor der Arzneiwiffenfchaft und Profeffor der Mathematik in Zürich hat auf Grundlage einiger Unterfuchungen und Arbeiten eine grofse Karte von 4 Blättern verfertigt und 1712 in Kupfer ftechen laffen. Peter Scheuk, Jaillot, Convens und Mortier haben diefe fchätzbare Karte nachgeftochen. Profeffor Tobias Mayer hat eine ziemlich gute Karte der Schweiz entworfen, die von den Homann'fchen Erben als Kupferftich 1751 veröffentlicht wurde. Von anderen verdienftvollen Kartenwerken feien jene von Philipp Buache, Emanuel Haller und Leonhard Ziegler erwähnt. - die aus Vom eidgenöffifchen Stabsbureau in Bern waren nebft zwei Handzeichnungen Terrain ftudien von Bètemps und Stryinsky 25 Blättern beſtehende topographifche Karte der Schweiz, im Mafsftabe 1: 100.000, vermeffen und herausgegeben unter Aufficht des Generals Dufour ( 1842 bis 1864), ausgeftellt. In letzterer Karte ift das Terrain mit Zugrunde en no Die ntd. as me as zu ng enP en es en S fs. 00 gt. nd lie ift he تھے نہ ہے S em ng n. en t. bb in te k₁ n. ie On el ei De I e. Militär- Kartographie. 31 legung der fchiefen Beleuchtung fchwarz fchraffirt, Gletfcher find durch Elemente von Horizontallinien, Felfen durch fenkrecht gekreuzte Striche dargestellt. Durch die Anwendung der fchrägen Beleuchtung wird allerdings ein hübfches Reliefbild hervorgebracht und mehr Effect erzielt, als diefs bei der fenkrechten Beleuchtung ftattfinden kann, allein fie hindert die geometriſch richtige Darftellung und geftattet keine Beurtheilung der Höhen- und Böfchungsverhältniffe. Der durch die Schraffentonirung beabfichtigte Vortheil, den Böfchungsgrad anzuzeigen, geht verloren, indem die Tonirung mehr dem Schatteneffecte als dem Böfchungsausdrucke dienen mufs. Diefe Manier kann bei einem Gebirgsterrain, das naheliegende, grofse relative Höhenunterfchiede und ftark markirte Formen enthält, Effect machen, doch bei der Darftellung des flachen Terrains ift diefe nicht anwendbar, denn ihr einziger Vorzug, das Bodenrelief effectvoll hervortreten zu laffen, kommt dabei nicht zur Geltung. Die ausgeftellte Generalkarte der Schweiz im Mafse I: 250.000, beftehend aus 4 Blättern, ift eine Reducttion vorerwähnter Karte, und auch in derfelben Manier ausgeführt. Von dem feit dem Jahre 1869 in Angriff genommenen topographifchen Atlas der Schweiz im Mafsftabe der Originalaufnahmen, das ift 1: 50.000 für das Hochgebirge und 1: 25.000 für die Ebene und den Jura, waren 36 Blätter in einer Mappe aufgelegt. Die einzelnen Blätter find o 35 Meter lang, o'24 Meter breit; der Kartenrand der einzelnen Blätter im Mafse 1: 50.000 ift von 30 zu 30 Secunden, im Mafse 1: 25,000 von 10 zu 10 Secunden eingetheilt, überdiefs enthalten die Blätter auch eine Eintheilung nach rechtwinkeligen Coordinaten, die fich auf den Meridian und Perpendikel des Obfervatoriums von Bern beziehen. Die Kartenfläche ift im Quadrate von 6 Centimeter getheilt, entſprechend einer Länge von 1500 Meter in gröfserem und 3000 Meter in kleinerem Mafsftabe. Die Lage der Netzpunkte der geographifchen Längen- und Breitengrade ift nach der modificirten Flammfteed'fchen Methode berechnet. Die Gerippezeichnung ift mit Ausnahme der blau dargestellten Gewäffer fchwarz ausgeführt. Das Terrain ift in der Regel durch braune Curven dargestellt. Es finden jedoch einige Ausnahmen ftatt, und zwar werden die kleinen Böfchungen und Einfchnitte, die Erdriffe und Schlipfe, das heifst Formen, welche die Aequidiftanz nicht durch Curven auszudrücken erlauben, durch braune Schraffen bezeichnet. Der von Erde und Vegetation entblöfste Felsboden wird durch fchwarze Horizontalcurven dargestellt, infoferne es der Böfchungsgrad noch geftattet, während die Felsmaffen und Felswände, die wegen ihrer Steilheit die Zeichnung der Curven in der gewählten Aequidiftanz nicht zulässig machen durch fchwarze Schraffen ausgedrückt werden. Gletfcherpartien gelangen durch blaue Curven zum Ausdrucke. In der Regel ift jede zehnte Curve punktirt und an paffender Stelle mit ihrer Höhenzahl in brauner Farbe bezeichnet. Punktirte Curven werden überdiefs noch angewendet, um den Anfang und das Ende von Böfchungen zu markiren, ferner als Zwifchencurven, um kleinere Terrainbewegungen zum Ausdrucke zu bringen. Die fchwarzen Höhenzahlen beziehen fich auf Punkte, bei welchen fie ftehen; fie geben in Metern die abfolute Höhe. Die Schichtenhöhe beträgt 30 Meter für den Mafsftab 1: 50.000 und 10 Meter für den Mafsftab 1: 25.000 und nur in einzelnen Ausnahmsfällen find 8 bis 4 Meter gewählt worden. Die Schrift wechfelt in Gröfse und Gattung, ftehend oder liegend, nach der Wichtigkeit der Gegenstände. Für den Stich der Blätter im Mafse 1: 25.000 wurden Kupferplatten gewählt, weil fie die mit der Zeit nothwendigen Aenderungen und Nachträge leichter geftatten. Die Blätter im Hochgebirge 1: 50.00, wo weniger Veränderungen vorkommen, werden auf Stein gravirt. 3 32 Jofef Zaffauk. Unbeftritten nehmen die Blätter diefes Atlaffes, was Lesbarkeit und Deutlichkeit anbelangt, unter allen exponirten Schichtenkarten den erften Platz ein. Das eidgenöffifche Stabsbureau wurde von der internationalen Jury für die Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet. Von den Privaten haben achtungswerthe Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie vorgeführt die Firma Wurfter, Randegger& Comp. aus Winterthur und die geographifche Anftalt Mühlhaupt& Sohn in Bern. Die von der erfteren Firma ausgeftellten Pläne und Karten zerfallen in vier Hauptgruppen: in Kataftralpläne, topographifche Karten, geologifche Karten, und Schulkarten. Von den vielen topographifchen Karten, welche diefe Firma exponirt hatte, ift befonders zu bemerken die Karte des Cantons Glarus ( 1: 50.000), ausgeführt auf Grundlage der eidgenöffifchen Vermeffungen mit befonderer Bearbeitung des Terrains in brauner Schraffirung in Verbindung mit Ifo. hypfen und unter gleichzeitiger Berücksichtigung der geologifchen Verhältniffe. Sehr hübfch ift ausgeführt: die Ueberfichtskarte des Glenner Sammel gebietes( 1: 50.000), auf welcher das Terrain in 30metrigen Ifohypfen nebſt brauner Lavirung zum Ausdrucke gelangt. Zu erwähnen bleiben noch die von der Firma exponirten netten Vorlagen zum Studium der Terrainlehre und Terrain darftellung. Die geographifche Anftalt von Mühlhaupt& Sohn hatte unter anderen recht hübfchen Karten insbefondere eine Karte der Schweiz von Leuzinger ausgeftellt, auf der das Terrain unter Anwendung der fchiefen Beleuchtung durch fohypfen und Schraffen darge ftellt ift. Spanien. Die befte der Karten diefes Landes, welche vor dem Anfange des XVII. Jahrhundertes herausgekommen waren, ift jene, welche Gerard nach den Anmerkungen des Profeffors Andreas d'Allmada gezeichnet hatte. Später wurde diefe Karte verbeffert von Sanfon d'Abbeville, David Funk, Nikolaus Fifcher und Franz de Witt. Wilhelm de l'Ifle bildete die von Rodrigo Mendez de Silva verfertigte Karte nach und liefs fie durch Matthäus Seutter ftechen. Die Homann'fchen Erben gaben ebenfalls ziemlich gute Karten von Spanien und Portugal heraus. J. L. Kollius Karten von Spanien bilden einen eigenen Atlas. Bourgignon d'Anville hat fein Théâtre de la guerre d'Efpagne nach den Arbeiten des Abtes Vayrac Etat préfent de l'Efpagne" verfertigt. Alle diefe Karten bedurften jedoch eingehender Verbefferungen. Gute Arbeiten erſchienen von dem Jefuiten Franciscus Ant. Caffaus, ferner die Mapa del reynando de Sevilla, welche der Ingenieur Franz Llobet unter Aufficht des Markgrafen von Pozoblanco gezeichnet hat. Aparici und Graf von Darnius verfertigten von der Provinz Cataluna brauchbare Karten, welche dann durch Markus Lomelin 1826 nachgeftochen wurden. Verläfsliche kartographifche Arbeiten erfchienen über die verfchiedenen Bisthümer, wie z. B. von Zaragoza, Cordova, Cartagena etc., welche 1761 in Kupfer geftochen wurden. Thomas Lopez gab 1760 von den einzelnen Landfchaften Spaniens Specialkarten heraus, von denen befonders nennenswerth erfcheinen die Mappa de las carreras de poftas von 1760, die Karte der Umgebung von Madrid, die Königreiche Cordova, Jaen, Valencia, Granada, Aragon, Eftremadura etc. zu je einem bis fünf Blätter. Ferner hatte derfelbe auch 1770 eine Mappa general de Efpaña( 1: 400.000) auf einem Blatte geftochen herausgegeben, welche die damalige neuefte Ländereintheilung enthielt. Die Lopez'fchen Karten waren weder alle von gleicher Güte noch insgefammt verlässlich, doch für die Anforderungen jener Zeit von it. n. ür me er us n. in n, a 0. 1. ſt n n h S 1 r 1 a t Militär- Kartographie. 33 nicht geringem Werthe. Als Reifekarten gab Lopez den Atlas geographico del regno de Efpaña e Islas adjacentes in kleinem Tafchenformat zu Paris heraus. Während die Kriege zu Anfange des XIX. Jahrhunderts die Entfaltung einheimifcher kartographifcher Thätigkeit zurückhielten, forderten fie das Ausland mehrfach zu modernifirten Reproductionen der alten Lopez'fchen Karten auf, die hie und da ergänzt und durch den Krieg felbft bereichert wurden. Seit dem Jahre 1848 ift das Kartenwerk des Franz Coello ,, Atlas de Efpaña y fus Pofefiones de ultramar"( 1: 200.000) in Angriff genommen, jedoch nicht vollendet worden. Die Karten find eine zehnfache Reduction der Specialaufnahme. Die technifche Ausführung in Kupferftich ift infofern nicht gleichmässig, als die älteren Blätter an Schärfe und Deutlichkeit den neueren um Vieles nachftehen. Das Terrain gelangt durch horizontale Schraffen zum Ausdrucke. Als officielle Verjüngungsverhältniffe find beftimmt: 1: 500 für Städtepläne, 1: 2000 für Detailpläne, 1: 20.000 für die Specialaufnahme, 1: 200.000 und 1: 500.000 für Karten. Unter den exponirten fpanifchen Kartenwerken fei der militärifchen Strafsenkarte( Chomolithographie) Erwähnung gethan, die vom Depofito della guerra veröffentlicht wurde. Im Maafsftabe 1: 500,000 angefertigt, bietet fie alles ihrem Zwecke Entfprechende. Sie enthält kein Terrain, gibt die Städte und Dörfer einfach in conventionellen Bezeichnungen, läfst die Flüfse blau, die Strafsen und Wege roth hervortreten und weift uns das gefammte Eifenbahn- Netz fchön und überfichtlich ausgeführt auf. Nicht fo fehr können wir Jofé Fores Karte von Spanien und Portugal loben, was die Terraindarftellung anbelangt, da diefe unfchön, raupenartig erfcheint. Schliefslich fei noch eine fehr fchöne und äufserft gelungene Handzeichnung erwähnt, die uns unter dem Titel„ Plano general de la ria de Bilbao y de los ferro carriles mineros en fus immediaciones" in der Marine- Ausftellung auffiel. Diefer im Mafsftabe 1: 20.000 in Farben aus geführte Plan, läfst, was die Plaftik des durch die Lavirung gegebenen Terrains anbelangt, wenig oder gar nichts zu wünſchen über. Dem Depofito della guerra war von der internationalen Jury für die militärifche Kartographie und andere militärifche Leiftungen die Fortfchritts- Medaille zuerkannt. Türkei. Dem fühlbaren Mangel fyftematifcher und zufammenhängender Landesaufnahmen der Türkei mag es wohl einzig und allein zuzufchreiben fein, dafs bisher alle Kartenwerke über den Südoften Europa's den Anforderungen der Neuzeit nicht mehr genügen konnten. Nur theilweife fcheint diefem Uebelftande durch einzelne Karten, die uns auf dem Rundgange durch die Ausftellungsräume der verfchiedenen Länder ins Auge fielen, abgeholfen zu fein, obgleich auch bei diefen nicht jener Mafsftab angelegt werden kann, den wir für Karten mit geodätifcher Grundlage anzunehmen gewohnt find. Unter ihnen wäre befonders zu erwähnen: Handtke's Specialkarte der europäifchen Türkei in 18 Blättern( 1: 600.000), die jedoch noch nicht vollendet ift; die Karte der europäifchen Türkei von Scheda in 13 Blättern im Farbendruck; ferner die von den Originalaufnahmen öfterreichifcher Officiere im Jahre 1856 und 1857 reducirte Karte der Walachei, welche 1865 in fechs Blättern im Mafsftabe 1: 288.000 erfchien; die Generalkarte von Bosnien, 1: 400.000 in vier Blättern von Hauptmann J. Rośkiewicz, vom Jahre 1865, welche für die Neuzeichnungen diefer Provinz zumeift die Grundlage abgab. In der türkifchen Abtheilung trafen wir auch zwei neue Kartenwerke, jedoch nur Handarbeiten, wovon die eine die volkswirth fchaftlichen Verhältniffe des ottomanifchen Reiches, die andere als General3* 34 Jofef Zaffauk. karte die europäifche Türkei zur Anfchauung bringt. Beide wurden auf Anregung und unter Leitung des Herrn Ritter v. Schwegel, auf Koften des Baron Hirfch v. Gereuth von dem k. k. öfterreichifchen Hauptmann J. Stuchlik und Oberlieutenant P. Moretti in der kurzen Zeit von fünf Monaten entworfen und gezeichnet. Sie find in Farben mit braun gefchummertem Terrain ausgeführt. Namentlich ift es die Culturkarte, die auf Grundlage mehrerer ebenfalls ausgeftellten türkifchen Karten, den Plänen der Eifenbahn- Ingenieure, den beftehenden geographifchen Werken und Reifebefchreibungen über die Türkei etc. im Mafsftabe 1: 1,000.000 zufammengeftellt wurde, und die einzelnen Culturgattungen, wie Oliven, Zitronenhaine, Maulbeer-, Rofen-, Baumwoll- Pflanzungen etc. durch conventionelle Farben erfichtlich und ihrem befcheidenen Namen„ Skizze, fowohl was manuelle Ausführung, als auch den Totaleindruck der Karte anbelangt, Ehre macht. Dasfelbe gilt auch von dem Entwurfe einer Generalkarte der Türkei im Mafsftabe 1: 400.000 mit ihrer Nebenkarte Klein- Afien und die syrifche Küfte( 1: 2,956.000), die hauptfächlich auf Grundlage der Generalkarte der Türkei von Scheda und Kiepert für die Weltausftellung, insbefondere aber für den Zweck ausgeführt wurde, um die neuen türkifchen Eifenbahnen und das neu gewonnene geographifche Material überfichtlich darzuftellen. Die Nomenclatur in den beiden erwähnten Karten ift in lateinifchen und türkifchen Schriftzeichen abgefafst. Amerika. Hier war es zuerft die geographifche Gefellfchaft zu New- York, die auf einem wahrhaft ftiefmütterlich ausgeftatteten Platze uns ihre Kartenwerke aufwies. Es waren meift Seekarten in verfchiedenen Mafsftäben( 1: 80.000, 1: 40.000, 1: 20.000 etc.) und felbft was äufsere Form anbelangt, in den ver fchiedenften Dimenfionen, indem einige davon eine Länge von mehreren Fufs befitzen. Sie find fämmtlich hübfche Kupferdrucke und entſprechen allen Anforde rungen, die man an Seekarten ftellen kann. In ihnen find die verfchiedenen Meerestiefen durch punktirte Flächen angezeigt, nach dem Grundfatze, dafs fie hiebei dunkler werden, je mehr fie fich der Meeres- Oberfläche nähern. Das Terrain ift in der Schraffenmanier dargestellt. Aufserdem fahen wir auch zwei Chromolithographien, von denen die eine eine Militärkarte der Vereinigten Staaten, im Mafsftabe 1: 5,000.000 mit braun gefchummertem Terrain( vom Jahre 1870), die zweite eine Territorialkarte der Vereinigten Staaten( 1871) vorftellt. In einer vierfachen Reduction einer Originalaufnahme von San Francisco fammt Umgebung( 1: 40.000, ein Kupferftich) ift das Terrain durch 120metrige Schichtenlinien dargestellt. Unferne davon hing die 40 Fufs lange und 10 Fufs breite Wandkarte der nördlichen Pacificbahn in Minnefota 1: 253.440( Handzeichnung), die vom Oberingenieur W. Milnor Roberts entworfen wurde und deren graphifche Ausführung als dem Zwecke entſprechend betrachtet werden kann. In der amerikanifchen Ausftellung fanden wir ferner eine topographifche Originalkarte von Paraguay, die in den Jahren 1846 bis 1858 nach 316 neuen geographifchen Längen- und Breitenbeftimmungen angefertigt wurde. Doch enthält fie das Terrain nur in bandartigen braunen Streifen, von denen die dunklen gröfsere, die lichten kleinere Bodenunebenheiten verfinnlichen. Sie ift in Farben ausgeführt und trotz ihres grofsen Mafsftabes gibt fie die Ortfchaften nur durch conventionelle Zeichen. Wollen wir noch der übrigen Karten Erwähnung thun, fo müffen wir einen photolithographifchen Plan von Philadelphia und zwei Mappen mit militäri fchen Operationskarten von Louis Ritz( Cincinnati) erwähnen. Letztere enthalten das Terrain theils in Schichten, theils in Schraffen, theils gefchummert. Das Gerippe erfcheint leferlich. J es k en -t. en I en ре де P ch 1 er де n. n K, e , כ fs n e n 0 e er m e e 6 h n n h n 1 S Militär- Kartographie. 35 Als Schichtenplan fanden wir auch noch das Blatt Pennfylvania vom Jahre 1871. Alabama und Brafilien waren nur durch geographifche Karten vertreten. Egypten. Von den hier ausgeftellt gewefenen Karten wollen wir zwei erwähnen. Die erfte davon ftellt eine Weltkarte des Telegraphen- und EifenbahnWefens vor, wobei Egypten, als Centrum des Ganzen angenommen, befonders hervortritt. Sie wurde nach authentifchen Quellen im Jahre 1871 im technifchen Bureau der General- Telegraphendirection zu Berlin entworfen. Die zweite, geographifche und geologifche Studien von Egypten und Paläftina", von Figary Bey gezeichnet, enthält das Terrain bereits in Schraffen, bietet jedoch mehr geologifches Intereffe durch die auf jedem Blatte angebrachten Durchfchnitte des Bodens. China. Japan. In China und Japan bemerkte man nur äufserft primitive Arbeiten, namentlich was die von der chinefifchen See- Zollbehörde ausgeftellten Pläne und Karten betrifft. Gegen diefelben ftachen die von der japanefifchen Ausstellung gebrachten zwei Karten( eine Seekarte und eine aus zwei Blättern beftehende Generalkarte von Japan) vortheilhaft hervor. Wenn wir nun am Schluffe unferes Berichtes einen flüchtigen Blick auf den Entwicklungsgang der Kartographie in allen Staaten werfen, fo gelangen wir zur Ueberzeugung, dafs gerade in der allerjüngften Periode die gewaltigften Fortfchritte in der Topographie, fpeciell in der Genauigkeit der geodätifchen Vorarbeiten, in der vervollkommneten Art der Darstellung der Unebenheiten unferer Erd- Oberfläche, endlich aber in den Vervielfältigungsmethoden zu verzeichnen find. Im verfloffenen Jahrhundert forfchte man noch nach der Methode und nach Zeichen, um die Terrainformen zum lesbaren Ausdrucke bringen zu können; im Beginne diefes Jahrhunderts einigte man fich für die Annahme der Lehmann'fchen Schraffenfcala, und um die gleiche Zeit gab uns Sennefelder das Mittel an die ' Hand, Karten leicht und fchnell zu erzeugen und zu vervielfältigen. Dennoch verfuchte man erft im zweiten Decennium diefes Jahrhunderts, Terrainkarten mit Hilfe der Lithographie herzuftellen. In technifcher Beziehung waren die Fortfchritte namhaft und reichhaltig zu nennen. Der Umdruck, die Kreidelithographie, der Farbendruck in einer gröfseren Vollendung, die Anaftatik traten in rafcher Folge zu Tage. Der Kupferftich, der zwar bis in die jüngfte Zeit für die Kartographie feine alte Bedeutung erhalten hatte, erhielt durch Anwendung der Galvanoplaftik nach dem Jahre 1840 einen nennenswerthen Auffchwung, und das Erzeugnifs des Kupferftechers- durch die Möglichkeit der galvanoplaftifchen Vervielfältigung feiner Arbeit eine faft nicht zu verlöfchende Dauer. - Kaum hatte die Photographie praktiſche Refultate aufzuweifen, fo wurde fie kartographifchen Zwecken dienftbar gemacht und nun erblicken wir fie in Verbindung mit der Lithographie und Galvanoplaftik als die Urheberin neuer Vervielfältigungsmethoden, die des geringeren Koftenpunktes und des kaum nennenswerthen Zeiterforderniffes wegen mit der Zeit den Kupferftich und die Lithographie in vielen Fällen entbehrlich machen dürften. Urfprünglich nur für Zwecke der Kartographie benützt, wird die Photolithographie und Heliogravure hoffentlich auch bald eine ausgiebigere Anwendung für Vervielfältigung landfchaft 36 Jofef Zaffauk. Militär- Kartographie. licher und hiftorifcher Darftellungen finden, zu welcher Annahme uns die höchft gelungenen Expofitionstableaux des militär- geographifchen Inftitutes berechtigen, gleichzeitig aber auch mit einigem Stolze erfüllen können. Wenn wir nun auch eingeftehen müffen, dafs in allen Staaten der technifchen Vollendung und Durchführung der Karten jeden Genres, ebenfo der rafchen und billigen Erzeugung alle Sorgfalt zugewendet wurde und in diefer Beziehung wenig zu wünſchen übrig bleibt, fo hat die Kartographie immerhin noch die Aufgabe zu löfen, unter Fefthaltung der geometriſchen Abmeffungen ein einheitlicheres Syftem in die Charakterifirung der Karten zu bringen, da, wie wir gefehen haben, noch immer die verfchiedenften Methoden in der Darftellung der Unebenheiten vorherrfchen, und Schraffen, Schichtenlinien und diefe in combinirter Form vielfach wechfeln. Hoffen wir, dafs die nächfte in Europa ftatthabende Expofition auch in folcher Beziehung Fortfchritte aufzuweifen in der Lage fein wird. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DAS HEERWESEN AUF DER WELTAUSSTELLUNG 1873 IN SEINEN BEZIEHUNGEN ZU GEWERBE UND INDUSTRIE. ( Gruppe I bis XXVI.) BERICHT VON RUDOLF BARON POTIER DES ECHELLES, Hauptmann im 72. Infanterie- Regiment, commandirt beim Generalstabe. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. DAS HEERWESEN AUF DER WELTAUSSTELLUNG 1873 IN SEINEN BEZIEHUNGEN ZU GEWERBE UND INDUSTRIE. ( Gruppe I bis XXVI.) Bericht von RUDOLF BARON POTIER DES ECHELLES, Hauptmann im 72. Infanterie- Regiment, commandirt beim Generalftabe. Eingang. Auf dem weiten, von Gewerbe und Induftrie beherrschten Gebiete gibt es faft keinen Zweig, welcher nicht in irgend einer Weife, fei es direct oder indirect, an der Erzeugung und Herſtellung der Bedürfniffe des Heerwefens betheiligt wäre. Es war fo, als der Krieg noch als Handwerk galt; es ift und wird in erhöhtem Mafse der Fall fein, feit die Vertheidigung des Vaterlandes eine Ehrenpflicht aller Bürger, der Krieg felbft eine Kunft, deffen Führung eine Wiffenfchaft geworden ift. Die allgemeinen Fortfchritte auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, der Technik und Induftrie, die Maffenhaftigkeit der aufgebotenen, fchon im Frieden für den Krieg auszubildenden Streitkräfte, haben die Bedürfniffe des modernen Heerwefens in hohem Grade gefteigert und vervielfältigt. Wo früher einzelne Gewerke arbeiteten, find jetzt Fabriken faft ausfchliefslich für das Heer in Anfpruch genommen, fteht die Entwicklung und Vervollkommnung, ja felbft der Impuls des Werdens vieler Gewerbszweige im allerinnigften Zufammenhange mit den Forderungen moderner Kriegstechnik, und kamen diefe fehr reellen Beziehungen auf der Weltausftellung, welche in ihrer Wefenheit einen grofsen culturhiftorifchen Wettkampf der Völker in eminent friedlichem Sinne markirte, zur vollen Geltung. Es war fomit ein fehr glücklicher Gedanke, die Ausftellung militärifcher Objecte der betheiligten Privatinduftrie zu überlaffen. Es wurde dadurch nicht allein das Hervortreten des kriegerifchen Elementes vermieden, fondern die innige Wechselwirkung illuftrirt, welche das moderne Syſtem ſtehender Heere auf Gewerbe und Induftrie ausübt, und bewiefen, dafs das leider noch immer land. läufige Schlagwort von der abfoluten Unproductivität der Ausgaben für das Heer eben eine leere Phrafe ift. I* 2 Rudolf Baron Potier des Echelles. Diefe Ueberzeugung würde noch entfchiedener zum Durchbruche gelangt fein, wenn die verfchiedenen, militärifchen Zwecken dienenden Objecte in einer Gruppe vereint aufgetreten wären. Der Umftand jedoch, dafs fie in verfchiedenen Induftriegruppen eingetheilt waren, liefs zwar ihre Reichhaltigkeit erkennen. erfchwerte aber die Ueberficht und Vergleichung in hohem Grade. Es foll nun der Verfuch gewagt werden, die Beziehungen des Heerwefens zu Gewerbe und Induftrie, wie fie auf der Weltausftel. lung zum Ausdrucke gelangten, überfichtlich darzuftellen. Selbſt. verständlich kann es fich dabei nicht um wiffenfchaftliche Erörterungen und kritifche Vergleichungen handeln. Nicht das Wie, fondern nur das Was foll berührt werden. -- Einem Wandelbilde gleich foll die Weltausstellung an dem geiftigen Auge vorüberziehen; doch diefsmal in ernften Tableaux die Werkzeuge und Hilfsmittel des Krieges entrollen, welche in ihrer Gröfse und Mannigfaltigkeit ein beredtes, glänzendes Zeugnifs geben von der erhabenen Schöpfungskraft des menfchlichen Geiftes und zugleich einen Fortfchritt im humanitären Sinne markiren, indem die Errungenfchaften der Kriegstechnik auch dem friedlichen Schaffen zugute kommen, und mit der erreichten Vollkommenheit der Kriegsinftrumente auch deren Verwendung immer feltener werden, und einft fo mögen wir wenigftens hoffen ganz aufhören wird. - Und wie der Decorationsmaler nur in fcharf markirten Zügen das Bild fixirt, alle Details bei Seite laffend, fo kann fchon mit Rückficht auf den zu Gebote ftehenden Raum und die übergrofse, ja faft erdrückende Reichhaltigkeit des Materiales nur das Intereffantefte und Wichtigfte, nach Gruppen und Ländern geordnet, hervorgehoben werden. In der Gruppe I: Berg- und Hüttenwefen, ift es vorzüglich die Sprengtechnik, welche fchon in den älteften Zeiten als Hilfsmittel für Kriegszwecke Verwendung fand und einen eigenen Zweig der Kriegsorganifation bildete. Und dafs es in der Gegenwart nicht anders geworden ift, beweifen nicht nur die Erfahrungen der letzten Kriege. Ja, in allen Haushaltungen Wiens empfindet man freilich etwas ftark indirect den Werth militärifcher Hilfeleiftung bei Gefteinsfprengungen, indem ohne diefelbe die Refidenz das erquickende Nafs der Alpen noch lange entbehren müfste. -- - Was nun die Vertretung der Sprengtechnik auf der Weltausftellung betrifft, fo konnten nach der Natur der Sache nur die Werkzeuge und Hilfs mittel, fowie die Refultate der Anwendung der letztern zur Ausftellung gelangen. Erftere fallen vorwiegend in Gruppe III und XIII, während die Objecte felbft in Gruppe IX rangirt waren. Es dürfte aber die Ueberficht erleichtern, wenn Urfache und Wirkung zufammengeftellt erfcheint, foweit diefs nämlich Bohrmaschinen, Gefteinsproben und Rettungsapparate für MinenArbeiter betrifft, welch letztere in Deutfchland und O efterreich exponirt waren. Von erfteren haben faft alle Staaten mehrere und verfchiedene Exemplare ausgeftellt, und feffelte namentlich die im Pavillon von Mahler und Efchenbacher exponirte reichhaltige Sammlung der beften und neueften Bohrmaschinen das Intereffe fowohl des Laien als des Fachmannes. Nebst den einfachen Minenbohrern, welche der leichten Transportfähigkeit und des handfamen Gebrauches wegen hauptfächlich im Felde Verwen dung finden, dann den in Bergwerken gebräuchlichen Bohrmaschinen, war auch jenes complicirte, einen hohen Triumph menfchlicher Erfindungsgabe bildende Bohrwerk ausgeftellt, welches, die Gnomen der Unterwelt bezwingend, dem t er n 1, d el S, به te ch S P Id te it ch ls er en S th ie ng 50in ng te n, ch n. rt re er as rt n- ch le m Das Heerwefen. - 3 Wahrzeichen des Zeitgeiftes- der Locomotive den Weg durch die Bergesriefen des Mont- Cenis gebahnt hat, und eben fich anfchickt, den gewaltigen - den St. Gotthard zu durchbrechen. Gebirgsftock Mitteleuropas Würden nicht jene imponirenden Wunderwerke die Vollkommenheit der Sprengtechnik markiren, fo konnte man, allerdings im Kleinen, an den exponirten Gefteinsproben höchft intereffante Studien machen, und waren es vorzugsweife Deutfchland und Oefterreich, welche durch die Reichhaltigkeit und Gediegenheit der Leiftungen imponirten, während die meiſten übrigen Staaten darauf verzichteten, Steinmaffen zu transportiren. Die Proben aber, die man in O efterreich zu fehen Gelegenheit hatte, unter andern eine gewaltige dünne, in zwei Theile gefprengte Granitplatte, erwarben der Kunft der Gefteinsfprengung mit Recht die allgemeine Aufmerksamkeit. Eine neue Art, das Geftein zu behandeln, welche in der amerikanifchen Abtheilung ausgeftellt war, nämlich das Schneiden von tiefen Rinnen in grofse Felswände mittelft Quarzfand Gebläfen und dann zu erfolgender Abftemmung, fand ebenfo viele Anhänger als Gegner. Ohne die Vorzüge und Nachtheile des fich auf Glas allerdings recht nett producirenden Verfahrens hier unterfuchen zu wollen, kann mit einiger Beftimmtheit behauptet werden, dafs die militärifche Sprengtechnik diefe neue Erfindung wohl nicht acceptiren wird. Bei Gruppe II: Landwirthschaft und Ackerbau, drängt fich wohl die Frage auf, in welchen Relationen diefe fo ausfchliefslich dem Frieden gewidmete Gruppe zum Heerwefen ftehen mag. Ein Blick in das rege Leben eines Bivouacs gibt aber fofort die Aufklärung. Dort die langen Reihen von Pferden, die mit duftendem, in geprefstem Zuftande mitgetragenem Heu fich für kommende Strapazen ftärken; da die Durftigen, um North'fche Brunnen fich drängend, die ihnen trotz Sterilität des Bodens das in gewiffen Fällen unfchätzbare Waffer geben.- Hier endlich ein Krieger, der in füfser Ruhe bei einem gemüthlichen Pfeifchen Tabak die Mühen des Marfches vergifst, der Lieben in der fernen Heimat gedenkt, und dabei fich die fchönften Luftfchlöffer von Ruhm und Heldenthaten, oder auch vom Urlaub baut. Ja! Futtergetreide, geprefstes Heu, Tabak und Schlagbrunnen find nicht zu unterfchätzende Factoren im vielfältig gegliederten Mechanismus des Heerwefens. Was nun das erfte betrifft, fo waren Sorten desfelben, nämlich Hafer und Gerfte, von allen Staaten ausgeftellt, und zwar theilweife in Garben, meift in Aehren und Körnern. Die fchönften Proben in fchwerem Hafer fchickten Eng. land, Belgien, das Deutfche Reich und Rufsland. In unferem Vaterlande, welches eine hervorragende Stelle unter den Gerfteproducenten einnimmt, waren es wieder die Hanna- Gerfte und der böhmifche Hafer, namentlich aus dem Duxer Bezirke, welche die Aufmerkfamkeit der Landwirthe und wohl auch der Militärintendanz erregten. Befonders bewundernswerth waren Proben von fogenanntem norwegifchen Hafer, welcher in Amerika acclimatifirt, aus den Gebieten der Pacificbahn in rohrftarken, 5 bis 6 Fufs hohen Halmen ausgeftellt war. Auch die Mährifch- Neuftädter Zuckerfabrik ftellte Verfuchsproben diefer Hafergattung aus, betreffs welcher die Meinungen aber fo getheilt find, dafs erft eingehende Verfuche deffen abfolute Brauchbarkeit als Futtergetreide beweifen müffen. Das Heu, als zweiter Futterftoff, war nur fpärlich vertreten, bleibt es fich ja doch unter allen Himmelsftrichen fo ziemlich gleich, und nur die Maschinen zum Preffen des Heues, von welchen blos zwei aufgeftellt waren, fanden zwar theoretifche Anerkennung, konnten aber an Ort und Stelle nicht erprobt werden. Obwohl das Heu auf Märfchen ftets in gefponnenem Zuftande mitgeführt wird, Rudolf Baron Potier des Echelles. und das Spinnen die Soldaten felbft beforgen, fo wurde doch auch in neuefter Zeit Heu geliefert, welches durch Mafchinen auf den 14. bis 16. Theil des urfprünglichen Volumens geprefst ift, und fich befonders für Maffentransporte und Depôts eignet, fomit im Kriegsfalle eine den Conferven ähnliche Verwendung finden wird. Der Tabak! Wer kennt nicht diefen Sorgenbrecher und Grillenfcheucher?! Wer hätte nicht von Blücher's Pfeifenftummel oder von Schlick's Cigarre gehört, die beide auf die Stimmung der Truppen keinen kleinen Einfluss übten. Der Tabak ift fo recht ein Bedürfnifs des Kriegers aller Grade; und leichter läfst fich die Nahrung, ja felbft der gewiffe ,, Schluck" entbehren, als die geliebte Pfeife oder Zigarre. Dafs der Tabak felbft dort ein moralifches Hilfsmittel ift, wo fonft gewöhnlich alle Spannkraft des Willens und des Geiftes nachläfst, auf Verbandplätzen und im Spitale, ift wohl Manchem aus eigener Erfahrung bekannt. Mit Recht wird daher feitens der Heeresleitungen auf die Requifition von Tabak derfelbe Werth gelegt, wie auf jene von Lebensmitteln, und finden im Kriege felbft fonft verachtete Sorten noch immer Abnehmer, die eben aus der Noth eine Tugend machen. Tabak war nun auf der Weltausftellung überreich, aus allen Ländern, fogar von China, Japan und den oftindifchen Infeln fowohl in Blättern als in Rauchtabak und Cigarren vertreten. Dabei mag bemerkt werden, dafs nur jene Staaten, welche entweder Tabak als Haupt- Exportartikel produciren oder die Tabakfabrication als Monopol betreiben, wirklich rauchbare Cigarrenforten liefern, während die Tabakfreiheit oft Cigarren fabricirt, die von Tabak nichts als das fchlechte Deckblatt haben. An der Spitze der Tabaktabrikation fteht die Havanna; doch dürften deren Erzeugniffe wohl nur in Hauptquartieren fich des verdienten Anwerthes erfreuen, während fonft die einheimifchen und die Pfälzer Producte die meiſte Verbreitung nach unten" finden werden.- Die Cigaretten Rufslands, der Türkei, Syriens und Algiers, die gelben, eigenthümlich aromatifchen Tabakforten des himmlifchen Reiches der Mitte werden wohl nur felten am Lagerfeuer duften; defto gröfseren Anwerth aber hatte ftets und wird wohl zu allen Zeiten finden: eine wohlgeftopfte Pfeife echt ungarifchen Lettingers, an dem die tapfern Schwefterföhne Pannoniens und Auftrias nie Mangel leiden mögen, wie denn die öfterreichiſche Armee auch die einzige der Welt ift, welche fich fchon im Frieden eines billigen Limito- Rauchtabaks erfreut, der auch aufserhalb der Reihen der Armee recht anhängliche Verehrer findet. Und nun endlich die transportablen Röhrenbrunnen, welche in den Wüften Abeffyniens, in zahllofen Bivouacs und bei Manövern, ja auch theilwelfe im letzten Kriege fich glänzend bewährt, für die Operationen einer Armee in fandig. thonigen, auf der Oberfläche wafferarmen Gegenden infofern von ausfchlag. gebendem Einfluffe fein können, als die marfchirenden Truppen vor dem furchtbarften, dem Waffermangel, gefchützt, fomit operationsfähig erhalten bleiben. Diefe Brunnen haben fich rafch Bahn gebrochen, und waren im Prater faft die einzigen fo zu fagen ausfchliefslich privilegirten Wafferfpender, welche fomit wohl allgemein bekannt fein werden, und übrigens in der ganzen Welt auch fo ziemlich gleich bleiben. - Die Gruppe III: Chemikalifche Induftrie, bietet in den Zündftoffen verfchiedenfter Art auch für den Militär genügende Anregung. Da ift vor allem die altehrwürdige Erfindung des Franziscaners Berthold Schwarz, welche, nachdem fie Jahrhunderte lang, in Geftalt und Form unverändert, ihre zerftörende Kraft bewährt hat, nun auch dem Zeitgeifte Conceffionen machen mufste. Dem guten, alten Kornpulver ift nur mehr die Muskete t e S 1 Das Heerwefen. 5 treu geblieben, die gewaltigen Contrabäffe im Concert des Krieges, die Krupp's und Armſtrong's aber müffen prismatifches Pulver haben, d. h. gewöhnliches Kornpulver, welches mittelft eines eigenen Verfahrens in fechskantige durchlöcherte Stäbe geprefst ift, und dann in Leinenpatronen verwahrt und eingeführt wird. Auch cylindrifches Pulver, welches genau nach dem Kaliber der Gefchütze und Gewehre geprefst, oder fogar auf dem Gefchoffe comprimirt und diefem angepafst ift, kam nur in Amerika und England vor, und hat fich noch nicht allgemeine Bahn brechen können. Wie am Theater die Decorationen die Natur erfetzen müffen, fo ftanden neben den echten Projectilen falfche, hölzerne Patronen, welche wenigftens die Form des prismatifchen Pulvers zeigten. Schwarz pulver war auf der Ausftellung überhaupt nur in Imitationen vorhanden, und hatten nebft den Pulverfabriken Deutfchlands, welche eine gröfstentheils im Inlande verwendete Gefammtproduction von jährlichen 60.000 Zollcentnern im Werthe von 1 Million 400.000 Gulden repräfentiren, und 3000 Arbeiter nebft Mafchinen von 1500 Pferdekraft befchäftigen, noch Belgien und Italien Imitationen und Rohmaterial ausgeftellt, während Griechenland blos Modelle für Pulverfabrication brachte. Oefterreich aber, deffen PulverExport im Jahre 1872 2500 Centner betrug, und welches in der SchwarzpulverFabri cation qualitativ Vorzügliches leiftet( die Exportziffern fprechen dafür), war in diefer Branche ganz unvertreten. Auch von den verfchiedenen, in neuerer Zeit als Sprengmittel benützten Pulverfurrogaten waren, trotzdem Oefterrecih auch hierin Rühmenswerthes leiftete, nur Producte einer Genfer Firma ausgeftellt. Die Schiefs wolle, einft das enfant gâté, dann, namentlich nach der Explofion des Schiefswolle- Hauptdepôts auf der Simmeringer Heide im Jahre 1862, gänzlich vernachläffigt, ift nach neueren Verfuchen, der Selbftzerfetzung der Schiefswolle vorzubeugen, wieder zu Ehren gelangt, und hat die englifche Regierung diefes Präparat vorzüglich als Sprengmittel bei techniſchen Truppen wieder eingeführt, auch die Errichtung mehrer Fabriken patronifirt, von welchen einige Producte( nebft jenen der öfterreichifchen Firma Mahler und Efchenbacher die einzigen) ausgeftellt waren. Das neuefte Sprengmittel, welches das Schwarzpulver faft gänzlich verdrängen wird, und bis jetzt beinahe alle Präparate befiegt hat, das Dynamit nämlich, hat auch für die militärifche Technik Bedeutung gewonnen, und bereits bei grofsartigen Arbeiten ficherwirkende Verwendung gefunden. Die Eigenfchaft, auch im Waffer und naffen Bohrlöchern ficher und mit ungeminderter Kraft zu explodiren, macht das Dynamit befonders für Torpédos und zur Zerstörung von Brücken geeignet. Die Patente des Erfinders Alfred Nobel in Stockholm fichern diefem die ausfchliefsliche Fabrication des Dynamits, und war diefes epochemachende Sprengmittel, von welchem im Jahre 1872 bereits 60.000 Centner im Werthe von 4,800.000 fl. producirt wurden, nur von diefer Firma und in dem mehrgenannten Pavillon für Sprengtechnik( von Mahler und Efchenbacher) ausgeftellt. Aufser Dynamit war auch noch in Italien die Imitation eines anderen, neu erfundenen Sprengpräparates, ,, Fulminatina" genannt, dann in Deutfchland Proben der Sprengwirkung des in der Belagerung von Paris zur Verwendung gelangten Lithofracteurs vorhanden. Zum Schluffe diefes Capitels fei noch conftatirt, dafs Oefterreich der erfte Staat in Mittel Europa war, welcher die Fabrication und den Transport des Dynamits geftattete, und feine Liberalität auch in diefem Falle nicht zu bereuen hat. - Von den Zündmitteln gehören die diverfen Zündvorrichtungen an den Gefchützeprojectilen nach ihrer Conftruction in die Gruppe XIV, während die Compofition des„ Zündfatzes", mit welchem die Zünder felbft, dann die Kapfeln" und Hinterlade- Patronen gefüllt werden, keine wefentliche Ver 6 Rudolf Baron Potier des Echelles. änderung erfahren hat, und nur bezüglich der Vertheilung des Explofivftoffes, in Patronen mit Rand und folchen mit Centralzündung gefchieden wird. In dem ausgedehnten Induftriezweige der Zündhütchen und Patronenfabri cation glänzten die Ausftellungen Frankreichs, Belgiens und Oefter reichs, deffen Export an Zündhütchen nach Deckung des Patronenbedarfes für die Armee feit dem Jahre 1867-1872 von 509 auf 1684 Centner, im Werthe von mehr als 160.000 fl. geftiegen ift, wobei die Fabrication eines Nebenproductes in Geftalt von mehr als 200 Millionen Metallöfen nicht berücksichtigt erfcheint. - Noch bleiben die Zündfchnüre zu erwähnen, welche im Feftungskriege, überhaupt bei allen Sprengungen mannigfache Verwendung finden. Die alten, lange Zeit üblichen Entzündungen von Minen find in neuerer Zeit durch Verwendung von Elektricität und, wo diefe wegen mangelnder Vorrichtung nicht angewendet werden kann, durch Trawniczek's rafchbrennende Zünder und Trauzel'fche Schnüre*) mit Momentzünder fehr erfolgreich erfetzt worden. Diefe Schnüre, aus mit Dynamit gefüllten Papier- oder Kautfchukröhrchen beftehend, find fehr fchmiegfam, wafferdicht, leicht transportabel, werden mittelft Sprengkapfeln zur Exploſion gebracht, und eignen fich defshalb ganz befonders für militärifche Zwecke, was jedoch deren praktifche Verwendung in Bergwerken und Steinbrüchen keineswegs ausfchliefst. Nebft diefen Zündfchnüren waren auch folche ausgeftellt, welche, in Bleiröhren verwahrt, ihres Gewichtes und hohen Preifes wegen aber allmälig den vorhin genannten Zündmitteln weichen müffen; ferner die Producte der bekannten Innsbrucker Firma Heigel, welche allein jährlich mehr als 2½ Millionen Meter Zündfchnüre fabricirt, die nicht nur in Oefterreich, fondern auch in Deutfchland, Italien und der Schweiz bereitwillige Abnehmer finden; dann die Sicherheits- und Guttapercha- Zünder der englifchen Firma Bickfort, welche felbft in einer Tiefe von 15' unter Waffer fortbrennen, endlich die Producte zweier fchwedifcher Firmen, und, in einem eigenen Pavillon( von Mahler und Efchenbacher) die verfchiedenften Mufter von Zündfchnüren, Sicherheitszündern, Sprengmitteln und elektriſchen Zündapparaten. In die Gruppe III gehören fchliefslich die alten, theilweife noch gebräuch lichen Leuchtkugeln und Signalraketen, welch erftere dem elektrifchen Lichte unterlagen, während letztere noch immer- namentlich zur See- befchränkte Anwendung finden. Die Befprechung diefer Feuerwerkskörper mufs aber unter bleiben, weil diefelben auf der Weltausftellung gar nicht vorhanden waren. In der Gruppe IV: Nahrungsmittel, ift es die gegenwärtig fo hochbedeutende und immer zunehmende Induſtrie der Confervenfabrication, welche ihr Entftehen zum gröfsten Theile dem Bedürfniffe dankt, die auf verhältnifsmäfsig kleinen Räumen, mit rafch auf einanderfolgenden Actionen operirenden gewaltigen Armeen der Neuzeit ausreichend zu verproviantiren. Zwar machte es der Dienft zur See ſchon lange nothwendig, gewiffe Nahrungsmittel, namentlich Fleifch, zu conferviren, dafs fie auch nach längererer Aufbewahrung geniefsbar bleiben. Allein die Dimenfionen diefer Aufgabe waren gegen jene der Verpflegung einer Armee von einer Million Menfchen, die täglich effen müffen, fo unbedeutend, dafs die Erzeugung von Conferven fich meift auf das traditionelle Pökelfleisch, die gefalzenen Fifche namentlich den Häring- von Luxusgemüfe und Delicateffen befchränkte, Ja! welch letztere für eine Armee das find, was dem Blinden die Farben. nicht nur der Krieg felbft, fondern fogar die Folgen eines folchen, gaben den *) Beide Erfindungen von öfterreichifchen Genie- Offfcieren. - Das Heerwefen 7 e 1 e 1 Impuls zur Erfindung von Conferven; fo z. B. war die Verminderung des Viehftandes während des amerikanischen Krieges und der dadurch bedingte Mangel an Milch die erfte Veranlaffung zur Erfindung der condenfirten Milch, welche jetzt auf allen Schiffen im Gebrauche ift, in allen Continenten verbreitet wird, und fich immer mehr in den Haushaltungen einbürgert. - Die grofsen Truppenmaffen der modernen Kriege finden in den occupirten Ortfchaften felten die nothwendigen Nahrungsmittel, und felbft im günftigften Falle ift es nicht immer möglich, die in den Gehöften etwa vorhandenen Lebens. mittel zu fammeln. Die ſchnelle Bewegung der Armee hält nicht gleichen Schritt mit dem langfamen Gange der Transportmittel des Nachfchubes; das Schlachtvieh wird durch lange Märfche zum Skelet und liefert ftatt Fleiſch nur Muskeln; - das Schlachten der Thiere, das Kochen des oft noch zuckenden Fleifches hat eine unendliche Reihe von Schwierigkeiten zur Folge, welche durch den etwaigen Ausbruch einer Viehfeuche noch den letzten Anftofs zu ernften, mög. licherweife die Erfoge des Feldzuges in Frage ftellenden Calamitäten erhalten. Diefe bitteren Erfahrungen führten zu oft wiederholten Verfuchen, Conferven zu erzeugen, welche bei kleinem Volumen und geringem Gewichte dem Soldaten in Zeiten der Noth eine fchmackhafte, Fleifch und Gemüſebeftandtheile enthal tende Nahrung bieten Diese Frage wird feit mehr als 15 Jahren in Oefterreich ftudirt, und kam Büchfenfleifch fchon feit diefer Zeit in den Forts Dalmatiens und der venetianifchen Küfte zur Verwendung, begegnete aber immer einem unbefiegbar fcheinenden Widerwillen des Soldaten, woran wohl das mangelhafte Fabricat die meifte Schuld tragen mag, da gerade die in neuerer Zeit in Cafernen, auf Märfchen und bei Manövern, ja fogar auf der Weltausftellung felbft angeftellten Koftproben und Verfuche ein durchaus günftiges Refultat ergeben haben, und die Soldaten mit der pikanten Conferve, namentlich deren fchneller Zubereitung, ganz einverftanden waren, und nur etwas mehr Wein" dazu verlangten. Welche Rolle die Erbswurft und das Gullyafch im letzten Kriege fpielten, wird wohl noch in ziemlich lebhafter Erinnerung fein. Dafs namentlich erftere fich nur bedingten Beifalls erfreute, liegt wohl zum meiften in der haftigen, überftürzten Maffenzubereitung, wobei die bei Fabrication von Conferven abfolut nothwendige rigorofefte Reinlichkeit und Sorgfamkeit leicht hie und da verfäumt fein mochte. Um diefe haftige Production und deren Nachtheile zu vermeiden, empfiehlt es fich, fchon im Frieden den Bedarf an Fleifchconferven zu erzeugen und zu deponiren, wobei die jährlichen Ueberfchüffe bei den grofsen Waffenübungen verzehrt, zugleich eine Controle der Güte des Materiales und eine Erfparnifs bilden. Was nun die Conferven für militärifche Zwecke betrifft, fo waren auf der Weltausftellung vorhanden: In der belgifchen Abtheilung Liebig's Fleiſchextract, welcher im deutfch- franzöfifchen Kriege, namentlich in Spitälern, eine bedeutende Verwendung gefunden hatte; von Uruguay Fleifchextract in Blechdofen; von Nordamerika Fleifchextracte, und Proben jener grofsartigen Schweinefchlacht- und Pökelungsanftalt in Cincinnati, welche den Vorgang bei der Verwandlung von lebendigen Grunzthieren in faftige Schinken in grofsen, fehr anregenden und wohl allgemein bekannten Tableaux zur Anfchauung gebracht hat; von England gemifchte Fleiſch- und Gemüfe conferven für die königliche Marine; von der Schweiz condenfirte Milch; von Holland gemifchte Conferven für den Seedienft; von Dänemark Selchfleifch in Blafen; von Deutfchland Fleifch- und Gemüfeconferven, Suppenmehl; von Ungarn Speck und Salami, und von O efterreich eine Innsbrucker Firma mit condenfirter Milch( für Spitäler), dann Wagner& Comp., und Breden& Kurth, von denen die erftere hauptfächlich Gemüfe- und Fleifchconferven, die andere Bohnen und Erbswürfte( beide Producte für den Armeebedarf berechnet) erzeugt, und hat die erftere während des deutfch- franzöfifchen Krieges grofse Lieferungen an die deutfche Armee übernommen und zufriedenftellend durch 8 Rudolf Baron Potier des Echelles. geführt. Eine neue, von Graf Boos Waldeck in Wien erfundene Methode, Fleiſch fo zu conferviren, dafs es dem natürlichen Zuftande faft gänzlich gleich bleibt, womit die höchfte Vollkommenheit in der Confervirung des Fleifches erreicht wäre, war wohl ausgeftellt, aber nicht verfucht. Zu den Conferven gehört in gewiffem Sinne auch der Armee Zwieback, welcher im Kriege das frifche Brot erfetzt und ein höchft wichtiger Factor im Proviantwefen ift. Von demfelben, welcher in Form und Zufammenfetzung nur geringe Variationen zuläfst, waren von den meiften Ländern Proben ausgeftellt, doch fanden jene der Firma Koffančich in Trieft den meiften Beifall. Die Gruppe V: Textile Induftrie, ift nebft der Metallinduftrie diejenige, welche an der Erzeugung der Heeresbedürfniffe am stärksten betheiligt ift; liefert fie doch die ganze Bekleidung, die Ausrüftung von Menfch und Pferd, und Sachen jeder Art. Am beften wird diefs Verhältnifs durch Ziffern illuftrirt, und ift es für die heimifche Induftrie gewifs von Bedeutung, wenn diefelbe blos für die Armee( Landwehr und Honvéds nicht mitgerechnet) jährlich an 7,223.000 Ellen der verfchiedenften Woll und Flachserzeugniffe im Gefammtwerthe von 8 bis 82 Millionen Gulden zu liefern und zu ver arbeiten berufen ift. Die Betheiligung der Textil- Induſtrie bei Herſtellung der Heeresausrüftung war von allen Seiten eine ziemlich rege. So verführerifch es nun auch wäre, in dem reichen und intereffanten, ja, in gewiffer Beziehung fogar cultur- hiftorifche Bedeutung befitzenden Capitel über Uniformirung und Ausrüftung der verfchiede. nen Völker länger zu verweilen, fo mufs doch, getreu dem Programm, fich auf Markirung der Haupteffecte befchränkt werden. Und da ift vor Allem zu bemerken, dafs in den Grundfarben und Stoffen im Allgemeinen wenig Differenzen beftehen, foweit nämlich die zahlreich ausgeftellten adjuftirten Puppen einen Vergleich erlaubten. Die dunkle Farbe, namentlich blau, ift überwiegend; grüne Stoffe find bei den Ruffen, rothe bei den Engländern, braune bei den Honvéds vorherrschend. Die meiſten Verfchiedenheiten kommen in Form der Kopfbedeckungen vor, und hat z. B. eine Mailänder Firma allein an 22 Sorten von Czako's, Käppi's und Hüten exponirt. In Amerika waren nebft Zwilch, Segeltuch und wafferdichten Zeltftoffen auch Tuchforten exponirt, die fich ziemlich fein und dauerhaft präfentirten, obgleich gerade Amerika die Heimat des Shoddy ift einer Tuchimitation aus Wollabfällen, die auch in Oefterreich bekannt ift und draftifch genug, Erdäpfeloder Mondfcheintuch" genannt wird; ferner zeigten zwei Puppen, ein Schütze und ein Matrofe, dafs die Uniform und Ausrüftung der Yankees einfach, praktiſch und dauerhaft ift. Die Mehrzahl der Staaten begnügte fich, aus Staats- und Privatfabriken Militärtuche, Zwilch- und Leinenftoffe auszuftellen, welche faft alle ziemlich fein und feft erfcheinen. Die orientalifchen Staaten, wie: die Türkei, Egypten und Tunis, brachten fertige, im„ Inlande" erzeugte Militäruniformen, welche fich namentlich durch reiche und fchöne Goldftickereien auszeichneten, während die Sommeruniformen der egyptifchen Truppen - aus weifser Leinwand - an Einfachheit und Zweckmäfsigkeit nichts zu wünſchen laffen. Ueberhaupt macht fich faft überall das Streben nach gröfstmöglicher Einfachheit bemerkbar, und wirkte eine belgifche und italienifche Expofition von reich geftickten und prächtig ausgefchmückten Equipirungsgegen ftänden mehr erheiternd als blendend. An adjuftirten Puppen, an welchen man Uniformirung und Ausrüftung plaftifch ftudiren konnte, war kein Mangel und brillirten vornehmlich Schweden, Rufsland, Rumänien, Ungarn und Das Heerwefen. 9 Deutfchland in diefem Genre, welches übrigens für Popularifirung fein Gutes haben mag. Die fchwedifche Uniform ift einfach und gefchmackvoll, das Tuch derb, kräftig wie die ganze Nation; Rufsland hatte die Courtoifie, die Uniformen jener Regimenter auszuftellen, deren Chefs Glieder unferes Kaiferhaufes find, und hat fich die Uniform des ruffifchen Militärs bedeutend zum Vortheile verändert. Sie iſt fehr praktifch und einfach, nur fcheint der braune Halinamantel etwas zu fchwer. In Rumänien intereffirte die nationale Armirung des Grenzcorps, welche in der gewöhnlichen Bauerntracht befteht, die nur durch die Cocarde und die gleichmässige Bewaffnung und Ausrüftung einen militärifchen Anftrich erhält. In Deutfchland waren Militärftoffe fehr zahlreich vertreten, doch mufste man diefelben bei den Privatfirmen fuchen, wie denn überhaupt, ganz entgegengesetzt zu den meiſten Staaten, die deutfche Kriegsverwaltung nur die Einlieferung von Küraffen, Kochgefchirren und Tuchmaterialien übernimmt, die Befchaffung aller übrigen Gegenstände aber gegen ein fixes Pauſchale den Regimentern, refpective der Privatinduftrie überläfst. - So waren denn auch die fünfzehn lebensgrofsen Puppen, welche ein getreues Bild der deutfchen Armee gaben, fowie die andern Uniformirungsgegenftände von Privatfirmen ausgeftellt. Ungarn brillirte mit der von der öfter reichifchen allgemeinen Bank ausgeftellten Honvédgruppe, welche, recht nett und wirkungsvoll arrangirt, wohl die Exiftenz einer Honvédarmee den Fremden vor Augen führte, nicht aber über Güte der Stoffe und des Materials Auskunft gab, da die Proben davon unnahbar hoch placirt waren. In Oefterreich war nebft der impofanten Expofition des Confortiums für Heeresausrüftung, welche eben Alles enthielt, was die Armee braucht, auch die Betheiligung von Privatfirmen eine fehr rege. In erfter Linie die Brünner, Reichenberger und Klagenfurter Tuchinduftrie, welch erftere beiden in vielfärbigen Egalifirungs- und Uniformtüchern, letztere auch in Tuch zum weifsen Rocke, deffen Scheiden noch vielfeitig bedauert wird, Vorzügliches leiftete. Für die Landwehr forgt ausnahmslos die concurrenzfähige Kleininduftrie und fteht, wie die Expofition zeigte, die fchlefifche Tuchinduftrie, befonders das Troppauer Etabliffement von Jakob Quittner& Söhne an der Spitze derfelben, fowie in Zwilchen, Zelten, Segeltüchern, Patronenfäcken für die gefammte Artillerie, Futterftoffen etc. etc. die Brünner Fabrik das Terrain beherrscht Noch wäre die Wiener Induftrie in Uniform und Goldforten zu erwähnen, welche, als Specialität auch im Auslande fehr gefchätzt, auf der Ausstellung ihres Rufes würdig vertreten war. - Es wäre diefs Capitel nicht vollſtändig, wenn die in der chine fifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Ausrüftungsproben für Mann und Pferd ver geffen würden, die wegen ihrer Sonderbarkeit und netten Ausführung befondere Erwähnung verdienen. Abgefehen von der eifernen Gefichtsmaske mit gewaltigem weifsen Stachelfchnauzbart, welche dem Träger Schutz gewähren, und wohl auch Courage, dem Gegner aber Schrecken einflöfsen foll, beftand die gefammte Rüftung nebft dem breitkrämpigen Hute aus einer grofsen Menge von feinen, aber ftarken Fifchbein- Stäben, welche mit Seidenfträngen fehr kunftvoll und feft verbunden find, vor Stich und Hieb gut fchützen, mit ihren wegftehenden Flügeldächern aber Mann und Pferd ein fehr komifches, unbeholfenes Ausfehen geben. Uebrigens ift diefs die" alte" Ausrüftung! Auch die Söhne des himmlifchen Reiches haben angefangen fich die Teufelskünfte der Barbaren des Weftens anzueignen, und damit bei dem begonnen, was fie an fich felbft zu erproben Gelegenheit hatten, mit Snyderbüchfen, Revolvern, Kanonen und andern mehr nützlichen als angenehmen Dingen. Ja, auch die Exercirkunft foll von den Gefilden der Tempelhofer„ Flegelwiefe" an die Geftade des Yant- fe- kiang verpflanzt worden fein, und dort fruchtbaren Boden gefunden haben, wenigftens 10 Rudolf Baron Potier des Echelles. laffen Gefandtfchaftsberichte und die Hofchroniken- Schreiber des Sohnes der Sonne vermuthen, dafs auch in China ein Heer nach europäiſchem Mufter zu bilden verfucht wird, wie überhaupt( nur nebenbei bemerkt) die Betheiligung China's an der Weltausftellung die betreff diefes Landes gehegten Meinungen gründlich berichtigt hat. Auch die Gruppe VI: Leder- und Kautfchukinduftrie, ift für die Erzeugung und Lieferung der Heeresbedürfniffe in hohem Grade in Anfpruch genommen und verbraucht z. B. Oefterreich allein jährlich 11.980 Centner Leder und 24.500 Stück Felle der verfchiedenften Gattungen ausfchliefslich für Armeezwecke, und wären in diefe Gruppe alle aus Leder erzeugten Ausrüftungsgegenstände für Mann und Pferd, für die zahlreichen Trains und Anftalten u. f. w. zu rangiren. - Auf der Ausftellung waren die Lederproducte meift im unverarbeiteten Zuftande vertreten, und mufsten militärifche Fufsbekleidungen und fonftiges Riemenwerk, Sättel und Pferdgefchirre in verfchiedenen Gruppen aufgefucht werden. Die Fufsbekleidungen betreffend, bricht fich faft in allen Armeen der Halbftiefel Bahn, welcher, aus Rindsleder gefertigt, nur in der Art der Erzeugung differirt. Die Schnürfchuhe, eine Reminiscenz an die ehedem üblichen Sandalen, dürften, gleich dem leichten franzöfifchen Schuh bald auf den Ausfterbe- Etat gefetzt fein. Rufsland darf fich den Luxus der Juchtenftiefel, Schweden jenen grofser Pappenheimer geftatten, und die Truppen des Oftens tragen die lederne Fufsbekleidung nur zur grofsen Parade und in Städten, find alfo von der vitalen Frage der beften Armee Fufsbekleidung am wenigften alterir. Das übrige Riemenwerk ift fo ziemlich überall gleich. Die öfterreichifche und deutfche Armee brauchen zu ihrem weifsen Riemenzeug viel Sämifchleder, während in den anderen Staaten gröfstentheils fchwarzes, geglänztes Riemen werk verwendet wird. Zu Torniftern werden mit Vorliebe Kalbfelle genommen, und trotz vielfältiger Verfuche, diefes fo nothwendige Requifit aus Wachstuch. wafferdichter Segelleinwand und anderen Stoffen zu erzeugen, ift man immer wieder zum alten Material zurückgekehrt. Die Sättel und Pferdegefchirre find, fo weit fie die Lederinduftrie betreffen, fo ziemlich in allen Ländern gleich. Eine Ausnahme machen die oft prachtvoll ausgefchmückten Sättel des Orientes mit ihren hohen Rückenlehnen, und die ungemein fchweren, mit Metallverzierung überladenen bra filianifchen Sättel, an welchen der lederne Laffo befeftigt ift, der auch in den Kämpfen des letzten paraguaytifchen Krieges eine ziemlich bedeutende Rolle gefpielt hat. Im Allgemeinen dominirt das fchwarze Blankleder für Gefchirre, das gebeizte Rohleder für Sättel. Letzteres ift im deutfchen Reich auch für die Befchirrung eingeführt, während die öfterreichifche Armee und Landwehr dasfelbe für die Patrontafchen und das Riemzeug der Rüftung verwenden. In die Geheimniffe der Conftruction der verfchiedenen Gefchirre und Kummete kann natürlich nicht eingegangen werden, genug dafs Leder dabei die Hauptrolle spielt, und fo der Contact der Lederinduftrie mit dem Heerwefen auch hier nachgewiefen ift. Der Kautfchuk, feit langem fchon in Spitälern vielfach benützt, kam in gröfseren Quantitäten erft mit Einführung der Kautfchukkapuzen in directe Ver wendung bei der Truppe. Sonft bildet derfelbe ein eminentes techniſches Hilfs mittel, welches in den mannigfachften Formen überall mit gröfstem Vortheil, namentlich aber zu Kabel und Ifolatoren benützt wird. Die Schweden verwenden Kautfchuk bei ihrer Feldartillerie, indem die auf den Achfen der Lafetten angebrachten Sitze auf Puffern ruhen, welche aus drei Kautfchukfcheiben und dazwifchenliegenden Eifenplatten beftehen. Die Gruppe VII: Das Heerwefen. 11 Metallinduftrie ift diejenige, welche für das Heerwefen am ftärksten in Anspruch genommen ift, denn fie liefert nicht nur alle Metallbeftandtheile überhaupt, fondern faft ausfchliefslich die ganze Bewaffnung. Es bietet fich hier eine faft erdrückende Ueberfülle des Intereffanten und Wichtigen, und würde deffen auch nur oberflächliche Würdigung den eng gefpannten Rahmen weit überfchreiten. Angefichts diefer wahrhaften , embarras de richesses" mufs fich auf eine allgemeine Rundfchau befchränkt werden, welche zunächft den Handwaffen gewidmet fei. Diefes Genre war in allen Ländern reich vertreten. Hier als Trophäe zur Ausfchmückung dort als Meifterwerke der Waffentechnik! Von der mit zierlichem Baftgeflecht künftlich an dem Stiel aus Eifenholz befeftigten fteinernen Streitaxt des Cannibalenhäuptlings bis zum Ehrendamascener; vom Kris des Malayen, dem Yatagan des Orientalen bis zur weltberühmten Toledoklinge waren alle Gattungen Handwaffen vertreten, und boten fie in ihrer Mehrzahl hochintereffante Objecte zu cultur- hiftorifchen Studien. Was ift gegen die niederfchmetternde Wirkung der heutigen Waffen die ausgeftellte Schutzwehr der Indier, Perfer und anderer Völker!? Reminiscenzen an vergangene für fie wohl fchönere Zeiten; Spielerei zur heiteren Zier geworden! Neben der als Schild verwendeten Schale der Riefen- Schildkröte fah man kunftvoll cifelirte Metallfchilde und Bruftharnifche ( bei Ifidor Braun's Söhne zu Schöndorf in Oberösterreich) mit den Mahlen der beftandenen Kugelproben, Helme mit Nackenfchutz aus Panzerringen, äusserft kunftvolle Panzerhemden, Bogen, Pfeile und die mannigfachften Gattungen von Lanzen, an denen namentlich der Orient reich war. - Heute gilt es weniger Schutz zu bieten als vielmehr Trutz, und ging die Vervollkommnung der Hand- mit jener der Feuerwaffen in ziemlich gleichem Tempo. Vor Allem waren die Ausstellungen der Innerberger Gewerke und der öfterreichifchen Waffenfabriks Gefellfchaft hervorragend, welche eine äufserft reiche Collection der in der Armee üblichen Säbel, Bajonette, Fafchinmeffer u. f. w. boten, und durch die Vorzüglichkeit der Fabricate allgemeine Anerkennung fanden, welche auch der Wiener Firma Thill's Neffe" für die in kaltem Zuftande gefchnittenen Säbelkörbe zu Theil wurde. In Deutfchland brillirte neben anderen gröfseren Firmen das weltberühmte Solingen mit Klingen aller Art, unter welchen fich namentlich die mattgebeizten bemerkbar machten. Rufsland zeigte vorzügliche Armeewaffen, darunter als befonderes Kunftwerk eine Stahlklinge mit eingelegter Perleninfchrift. Schweden hatte Klingen aus Uchatiusftahl mit doppeltem Hohlfchliff und Rinnen längs des Rückens, dann ein Dolchbajonett und ein auf einer Spirale auffitzendes Schulbajonett zum Fechtunterrichte ausgeftellt, während fich Belgien und Italien durch fehr fchöne Stahlklingen in vorzüglicher Montirung auszeichneten; namentlich letzteres brachte eine durchbrochen gearbeitete Säbelklinge, welche wohl nur als Probe für die Güte des Stahles dienen follte.- Amerika, auch in der Waffentechnik auf der Höhe der Zeit ftehend, brachte mehrere vorzügliche Klingen, darunter folche, die, am Rücken fägenartig gezähnt, einft in der öfterreichifchen Armee eingeführt waren, nun aber längst aufser Gebrauch gefetzt find, dann eine Specialität in Geftalt eines Spatenbajonetts, deffen Stahlfcheide eventuell als Schaft für einen am unteren Ende anzufchraubenden ftählernen Schaufeltheil verwendet werden kann. Spanien hatte nebft Armeefäbel feine famofen Toledoklingen fowohl vollendet, als auch in den verfchiedenen Stadien ihrer Erzeugung exponirt. Dann war die Rüftung Don Juan d'Auftria's, des berühmten Seehelden von Lepanto, und der Helm Boadbil's, des letzten Königs von Granada ausgeftellt, der nebft den Reften der einft fo mächtigen Mauren im felben Jahre vernichtet wurde, in welchem Chriftoph Columbus eine neue Welt entdeckte. 12 Rudolf Baron Potier des Echelles. Und im Schatze des Sultans, da prangte unter andern kunftvollen und prächtigen Waffen, neben den Schwertern des ftarken Bajazet und des welter obernden Timurs, der Säbel Sultan Soliman's, der vor 344 Jahren in der Hand des mächtigſten Chalifen vor den Mauern Wiens vergeblich die Janitfcharen zum Siege anfeuerte, und geftern ein Schauftück in demfelben Wien geworden war, deffen heldenmüthiger, aufopfernder und pflichttreuer Bürger muth die Stadt und mit ihr ganz Europa vor den Greueln der Türkenherrfchaft bewahrte, und in welcher fich vor wenig Monden Orient und Abendland, Kreuz und Halbmond, Chrift und Moslim friedlich im edlen Wettftreit geiftiger Ueberlegenheit und Bildung begegneten. Und wie der Orient eine reiche Fundgrube zur Gefchichte des Waffenwefens in Bezug auf Handwaffen bildet, fo fehen wir die Völker des Morgenfterns mit Zähigkeit den altererbten Fernwaffen treu bleiben. Der„ fchwarze Blitz" hat den flinken Pfeil und Bogen noch nicht ganz verdrängen können, obwohl Piftolen und Flinten mit ungeheuer langen Läufen, reich und kunftvoll cifelirten Schäften und Kolben ein grofses Terrain gewonnen haben, und fchon, wie eine von Egypten ausgeftellte Collection von Wallbüchfen zeigt, im fechzehnten Jahrhundert die Waffenfchmiede Cairo's befchäftigte. Allein mit dem feit dem Krimkriege begonnenen und nun immer fteigenden Auffchwunge in der Gewehrtechnik haben die Hinterlader faft ausfchliefslich die Herrfchaft errungen, und find es die Snyder's Peabody's und Remington's, welche nebft der Türkei und Perfien auch China, Japan, Siam, ja fogar die Afchanti's und andere intereffante Gruppen unferer Antipoden beglückt haben. Die Vorderladergewehre find faft ganz verfchwunden, und werden nebft den Piftolen nur zum Scheibenfchiefsen, für befondere Jagdzwecke, als Luxus- oder Raritätenftücke und zum Duell gebraucht. Der Revolver aber beherrschte in den Expofitionen aller Staaten ein grofses Terrain, und waren prachtvolle Exemplare vorhanden, unter welchen fich die in Oefterreich ausgeftellten allen andern Fabricaten ebenbürtig zeigten. Zur Gefchichte der Gewehre brachten Spanien und Schweden intereffante Beiträge, indem erfteres ein dem Lefaucheux- Syftem ähnliches Hinterladergewehr ausftellte, welches ein Madrider Büchfenmacher im Jahre 1739 fabricirte, letzteres aber in zwei vor dem fchwedifchen Kriegszelt aufgeftellten Decorationsgruppen die Entwicklung der Gewehre von 1692-1864 vorführt. welche zeigt, dafs erft von 1762 an die Befeftigung des Laufes ftatt mit Nieten mit Ringen üblich wurde, dafs die flache Bajonnetklinge erft 1747 der dreikantigen wich, dafs der Sperrring am Bajonnete in Schweden feit 1811 eingeführt ift, dafs die Schweden fchon 1815 die Kapfelzündung hatten, während diefelbe in Oefterreich fich erft 1856 Bahn brechen konnte, und dafs fie 1864 das Hinterladergewehr angenommen hatten, um nun definitiv das Syftem Remington zu adoptiren. von welchem Exemplare, fowie der Procefs des Werdens in verfchiedenen Stadien ausgeftellt waren, und von deffen Schwierigkeit man einen Begriff bekommt, wenn man erwägt, dafs ein formlofer Gufsftahlblock dreifsigmal Feuer und Hand paffiren mufs, um endlich als Verfchlufsftück Verwendung zu finden. In allen Staaten waren Hinterladergewehre theils officiell, theils von der Privatinduftrie, fowohl für den Armeegebrauch wie auch als Luxus- und Jagdgewehr, einfach und mit höchft kunftvoller Ausftattung exponirt. - Faft fämmtliche bekannten Syfteme 60 an der Zahl- konnte man in der Rotunde, in der Collectiv- Ausftellung der Lütticher Gewehrfabrikanten bewundern, während England die in feiner Armee und bei den FreiwilligenCorps eingeführten Syfteme Snyder und Henri Martin, Rufsland die officiellen Krnka- und Berdán- Gewehre, Spanien verbefferte Remingtons ausgeftellt hatte. Italien brachte Ordonnanzgewehre mitVetterli- Verfchlufs, mehrere Modelle und endlich eine gezogene Hinterlade- S pingarde, welche um einen Zapfen drehbar, zur Vertheidigung der Bergfchlöffer beftimmt fein foll. Frankreichs 1 t t 5 S ו - Das Heerwefen. 13 Ausstellung war in Folge der eigenthümlichen militärifch- politifchen Verhältniffe des Landes nur unbedeutend befchickt. Defto reichhaltiger aber jene Deutfchlands, in welcher das verbefferte Zündnadel- und das Werder- Gewehr den erften Rang behauptete In der Ausftellung des deutfchen Reiches war auch die Granatbüchfe ausgeftellt, welche bei 1800 Schritt Trefffähigkeit Projectile fchiefst, die im Leibe des unglücklich Getroffenen in 6-8 Stücke zerfpringen, welch entfetzliche unnütze Graufamkeit das menfchliche Gefühl fo fehr empörte, dafs der Gebrauch diefer furchtbaren Erfindung durch die Convention von Petersburg im Jahre 1869 einftimmig abgelehnt und verboten wurde. - Oefterreichs Waffenfabriks Gefellfchaft ftellte Infanteriegewehre nach den Syftemen Wänzl, Werndl und Fruhwirth aus, welch' letzteres zu den Repetirgewehren gehört, uud bei der Gensdarmerie im Gebrauche ift. Dem letztgenannten Syfteme gehört die Zukunft, und ift dasfelbe nach Vetterli, mit dem man fechzehn Schufs in einer Minute geben kann, fchon feit 1869 in der Schweiz officiell eingeführt, wo auch Mufter davon ausgeftellt waren. Nächft Belgien hatte Amerika fehr reich exponirt, und waren alle bekannten Syfteme, befonders aber die amerikaniſchen in brillanter Ausstattung, fowohl in den ein zelnen Formen der Fabrication als auch vollendet vorhanden. Und dafs trotz der verheerenden Wirkungen der modernen Waffen das letzte Wort noch nicht gefprochen ift, dafs vielmehr noch grössere, blutigere Opfer bevorſtehen, liefs eine Erfindung des amerikaniſchen Capitain Meigs ahnen, mit deffen Gewehr felbft ein ungeübter Schütze in einer Minute 32 gezielte, ja fogar 50 ungezielte Schüffe abgeben kann. - Mag eine folche Conftruction auch den Techniker und Taktiker hoch befriedigen, welch' letzterer in der möglichften Vollkommenheit der Waffen das Mittel fieht, die relativ rafchefte Entfcheidung herbeizuführen, dem Menfchen aber könnte fie ein gewiffes Grauen vor feinem eigenen Geifte einflöfsen, der fchon im Mittelalter die Höllenmafchinen oder Orgelgefchütze erfann, welche jetzt als Mitrailleufen verjüngt wieder auferftehen und den Uebergang vom Gewehre zum Gefchütze bilden. Diefelben kamen bekanntlich unter dem populären Namen„ Kugelfpritzen" im letzten Kriege zur Anwendung, erzielten aber nicht jene Effecte, welche man erwartet hatte. Trotzdem ward allgemein erkannt, dafs die Mitrailleufe, namentlich auf kurze Diftanzen und in der Defenfive, eine furchtbare Waffe werden kann, und nach vielfältigen Verbefferungen wurden vorwiegend die Syfteme Montigny und Gattling adoptirt. Erftere, welche 37 Gewehrläufe aus Gufsftahl hat, mit Streuvorrichtung verfehen ift, fehr rafch und ficher functionirt und auf hölzerner Lafette ruht, wurde auch von Oefterreich- Ungarn angenommen, und war von der Firma Paget, in der Honvédgruppe und endlich in der belgifchen Abtheilung ausgeftellt. Die Gattling- Kanone mit 10 oder 24 Läufen, welche in den meiften Staaten eingeführt ift, war in England im Pavillon Armſtrong zu fehen, während in Amerika eine Colt'fche Mitrailleufe die Aufmerkfamkeit erregte. Eine ganz eigene Art Mitrailleufe hatte Schweden exponirt, und fand diefelbe den allgemeinen Beifall der Leute vom Fache, welche in diefer Waffe nach einigen Verbefferungen das Ideal einer Mitrailleufe gefunden haben dürften, Diefelbe ift aufserordentlich leicht, beweglich, hat zehn horizontal neben einander liegende Läufe, Streuvorrichtung und birgt in einem aufrechtftehenden Magazine 250 Patronen, von welchen fich nach jedem Schuffe je zehn durch felbftthätigen Mechanismus in die auf gleichem Wege entleerten Laderäume fenken, fo dafs in einer Minute von einem Gefchütze 500 Projectile in die anftürmenden Maffen gefchleudert werden können. Der Apparat arbeitet fehr präcis, und auch dann, wenn in einen oder mehreren Magazinen Störungen eingetreten fein follten. Ueberhaupt bot die fchwedifche Kriegsausftellung ein vorzügliches Enfemble, und erwarben fich unter anderem auch die Gefchütze allgemeine Würdigung. 14 Rudolf Baron Potier des Echelles. - Hinterlader und gezogene Kanonen waren zwar im Mittelalter fchon bekannt, allein dasfelbe konnte für fie keine Verwendung finden, mang elte ihm ja der Schlüffel zu den gröfsten Schöpfungen: die Wiffenfchaft. Diefe erft. und die fortfchreitende Technik gaben den Impuls zur fteigenden Vervollkomm nung in Behandlung und Verwerthung der Metalle, und indem das Kriegswefen für die Bewaffnung grofse Forderungen ftellte, und diefe auch erfüllt fah, kamen die gewonnenen Erfahrungen auch der Induftrie zugute. Diefs zeigte der Pavillon Fins pong( Schweden), in welchem neben Mafchinenbeftandtheilen verfchiedene Gattungen von Gefchoffen, dann drei in Schweden eingeführte Vorderladergefchütze aus Gufseifen, ferner eine 14 cm. Hinterlade kanone aus gleichem Materiale für Cafemattfchiffe und Küftenforts exponirt waren. Die Ausftellung diefes Etabliffements ift defshalb wichtig, weil die Hoffnung, aus dem weit billigeren Gufseifen brauchbare Gefchützrohre zu erzeugen, durch die Vorzüglichkeit der ausgeftellten Proben neu belebt wird. So war unter anderm ein zerfägtes Gufseifenrohr vorhanden, aus welchem 1300 Schufs mit verftärkter Ladung gegeben wurden, ohne dafs das Rohr wefentliche Verände rungen gezeigt hätte. Die Feldgefchütze Schwedens, denen fich jene Dänemarks und Hollands anfchmiegen, find durchaus Vorderlader aus Gufseifen, und haben hölzerne Lafetten mit dauernd befeftigtem Richtbaum, welcher beim Transporte mittelft einer Charniere umgelegt wird. Das Schwefterland Schwedens, Norwegen, hatte drei matt angelaufene Gufsftahlrohre und ein completes Gebirgsgefchütz mit eiferner Wandlafette. dann verfchiedene Gattungen Projectile und Zünder, ferner Stücke einer abfichtlich zerfprengten Kanone, und endlich ein Rohr ausgeftellt, welches nach 1261 Schufs die progreffiv bis zu 2½ Pfund Ladung und 117 Pfund Gefchofsgewicht verftärkt wurden, parallel der Längsachfe zerfprungen war, während die Verſtärkungsringe intact geblieben waren. Nächft dem Gufseifen findet Bronce vorzügliche Verwendung für den Gufs der Kanonenrohre. Doch ift diefes Metall zum gröfsten Theile fchon durch den Gufsftahl verdrängt, und auch an jene Staaten, in welchen noch Bronze zum Feldartillerie- Materiale verwendet wird, tritt die Frage der Umwandlung derfelben in Stahlrohre- die bei fämmtlichen Feftungs-, Belagerungs- und Schiffsgefchützen fchon lange ausfchliefslich verwendet wurden Ernfte heran. - mit mahnendem Bronzegefchütze befitzen nur noch O efterreich, Italien, die Schweiz und Frankreich, und zwar vorwiegend aus- fo zu fagen patriotifchen Gründen weil diefe Rohre im Inlande erzeugt werden können, während in den genannten Ländern, bis jetzt wenigftens, kein Etabliffement befteht, welches für die Maffenproduction von Gufsftahl eingerichtet wäre, und man vom Auslande in diefer wichtigen Frage der Landesvertheidigung unab hängig fein und bleiben will. Oefterreich war aus, principiellen Gründen im Artilleriewefen ganz unvertreten, nur eine von dem Simmeringer Eifenwerke ausgeftellte eiferne Cafemattlafette wurde mit der Fortfchrittsmedaille ausgezeichnet, und fanden auch die Projectile der Innerberger Werke viel Beifall. Die Schweiz und Italien hatten bronzene Hinterlade- Feld- und Gebirgsgefchütze mit eifernen Lafetten und Rädern exponirt, die fich, namentlich jene des letzteren Staates, durch grofse Leichtigkeit, fowie durch Anwendung der Balkenbremfe( italienifche Kanone) auszeichneten. In Italien waren ferner zwei Armftronglafetten für Cafemattfchiffe ausgeftellt, bei welchen der Pfortenwechfel mittelft zweier feft. liegenden Zahnkränze, in welche correfpondirende Blockräder eingreifen, einfacher und fchneller erfolgt, als diefs mit den bisher üblichen Drehfcheiben der Fall ift. Aus Frankreich hatte die Firma Laveiffiere in der Rotunde eine kupferne Feftung erbaut, und mitten unter den dem friedlichen Schaffen gewid meten Erzeugniffen der Induſtrie ein vollständiges Feldgefchütz mit eiferner Lafette ausgeftellt, und verdient diefs induftrielle Etabliffement infofern Beach t t a S e 1 1. n h n T 0, t H 2 h d 5, e er 1. 1. Das Heerwefen. 15 tung, als dasfelbe während der viermonatlichen Belagerung von Paris mehr als hundert Gefchütze der Armee geliefert hatte, und das Material zu den Rohren dem in den Staatsgiefsereien erzeugten an Güte in keiner Weife nachftand. Belgien hatte ein Kanonenrohr und mehrere Garnituren von Phosphorbronze ausgeftellt, welches Material trotz feiner vielen Vorzüge, zu denen namentlich die grofse abfolute Feftigkeit( 2384 gegen 1616 per QuadratCentimeter der gewöhnlichen Bronze) gehört, gegen den Gufsftahl das Feld nicht wird behaupten können, Spanien und Griechenland hatten fehr fchöne Modelle ihrer Feldund Gebirgsartillerie gefendet, während Amerika das Modell eines jener Monftregefchütze ausgeftellt hatte, mit welchen das Küftenfort Foot in Maryland feit 1870 armirt ift, deffen Rohr 40.500 Wiener Pfund wiegt, und mit 81 Pfund Pulver ein Gefchofs von 365 Wiener Pfund auf 5000 Schritt Diftanz fchiefst. Intereffant bei diefem Modell war die niederdrückende Lafette", welche trotz der riefigen Dimenfionen nur 8 Mann zur Bedienung erfordert. In England hatte Armſtrong fehr reich ausgeftellt, und waren fowohl Vorder- als Hinterlader, Feld- und fchweres Gefchütz vertreten, und zwar unter letzteren ein der öfterreichifchen Regierung gehöriger 9zölliger 300- Pfünder in Feftungslafette. Intereffant, und für das an Colonien fo reich gefegnete Albion fehr zweckmäfsig, waren die Boot- und Landungsgefchütze, welche fich an der Goldküfte trefflich bewährt haben. Von Vavaffeur war ein koloffales Vorderladerohr mit eigenthümlich conftruirter Schiffslafette ausgeftellt; von Firth& Sons Rohre aus Tiegelgufsftahl, welche, aus fchwediſchem Eifen erzeugt, nach vollendeter Bohrung nochmals geglüht, und in Oel gehärtet werden. Rufslands Pavillon erfreute fich der allgemeinften Aufmerkfamkeit. Er bot nächft Krupp die reichfte Auswahl, und war befonders durch den Umftand hoch intereffant, dafs die dort ausgeftellt gewefenen Objecte durchweg Producte Rufslands waren, welches fich und feine Eifeninduftrie feit Einrichtung des Petersburger Arfenales und der Staatswerke von Perm und Oboukoff vom Auslande vollſtändig emancipirt hat. Die gewaltigen Hinterladekanonen, von denen das zwölfzöllige Rohr mit Recht allfeitiges Staunen erregte, ohne Lafetten aufgeftellt, waren im Allgemeinen den in Krupp's Pavillon placirt gewefenen ähnlich. Aufserdem fand befonderes Intereffe ein bronzenes Feldgefchütz auf eiferner Lafette und hölzernen Rädern, eine auf vier Pferden verpackte Gebirgskanone, die Modelle von Rohrfchnitten mit deutlicher Markirung der Metalllagerung, dann eine monftröfe Transportirprotze und endlich ein taufend Centner wiegender Ambos zum Dampfhammer. Aus Deutfchland hatte die Danziger Actiengeſellſchaft zwei Schiffslafetten, die Augsburger Kanonengiefserei Bronzerohre; jene von CarlsruheGufsftahlrohre, endlich Berger& Comp. a. d. Ruhr mehrere Gufsftahlgefchütze älterer und neuerer Conftruction ausgeftellt. Die Bochumer Werke imponirten neben einer riefigen Schiffsfchraube, Mafchinwellen, Schienen und diverfen Projectilen mit vier Schiffs- und Feldgefchützen aus Gufsftahl. - Am Grofsartigften aber eine wahre Krone- Krupp. Die in feinem Pavillon exponirten Mafchinentheile, Schienen, Träger, glänzte das Etabliffement Walzen und andern Proben höchft entwickelter Technik und Induftrie beweifen die Berechtigung diefes Etabliffements als führendes der ganzen Welt In der That liefert Krupp nach allen Welttheilen nicht allein Werkzeuge des Friedens, fondern find es vorwiegend Krupp'fche Hinterladekanonen, welche in China und Japan, in Brafilien und Chili, in Spanien und der Türkei, mit einem Worte überall die entfcheidende Inftanz bilden.- Krupp gebührt das Verdienft, die Eifentechnik, namentlich die Behandlung des Gufsftahles, auf eine der Vollkommenheit nahe Stufe gebracht und der Induſtrie wie der Waffentechnik einen nie geahnten Auffchwung gegeben zu haben. Neben Mafchintheilen aller Art war eine Collection der verfchiedenften Gefchütze als ein fyftematifch geordnetes 2 16 Rudolf Baron Potier des Echelles. Ganze wie nirgend anders- aufgeftellt, und markirte diefelbe den binnen fünf Jahren vollzogenen Umfchwung des Gefchützwefens vom Individuum zum Syftem. Die einzelnen Objecte waren vollſtändig mit Lafette, Ladung und Projectil aufgeftellt und mit erläuternden Zufätzen verfehen. In eine nähere Erörte rung kann natürlich nicht eingegangen werden, und fei fonach nur erwähnt, dafs das gröfste, 30 centimetrige Rohr in Küftenlafette 36.600 Kilogramm wiegt, eine Stahlgranate von 297 Kilogramm mit 60 Kilogramm Pulver auf 6000 Schritt mit einer Anfangsgefchwindigkeit von 465 Metern per Secunde fchiefst, und der exponirte 1005 Centner fchwere Block aus Tiegelgufsftahl ein viel bewundertes Siegesftück der Technik für das Seelenrohr einer 14½zölligen Kanone beftimmt ift. - - Die Metallinduftrie wird ferner, wegen fteigenden Mangels an Trockenholz, auch für die Erzeugung von Lafetten und Rädern, dann zu Brückenpontons in Anspruch genommen Erftere wurden bei den betreffenden Gefchützen erwähnt; letztere waren in Schweden in natürlicher Gröfse, dann in Rufsland in Modell exponirt, und find im Wefentlichen den in Oefter reich eingeführten Birago'fchen Pontons ähnlich. Metallpatronen, welche fowohl wegen der grofsen Billigkeit, der Sicherheit des Verfchluffes, als der möglichen mehrmaligen Benützung der Hülfen und des immer verwendbar bleibenden Metalles wegen faft in allen Staaten eingeführt find, waren in reichfter Auswahl aller bekannten Syfteme fowohl mit Pulver- als Dynamit- Imitationsfüllung in Frankreich ausgeftellt, während drei öfterreichifche Firmen mit mehr als 50 Gattungen erfchienen waren. Doch nicht allein zur Erzeugung von Wehr und Waffen ift die MetallInduftrie berufen. Sie fchafft nicht nur Werkzeuge der Vernichtung; fie ift durch Anfertigung der Orden und Ehrenzeichen auch bei der öffentlichen Anerkennung treuer Dienfte, bei Belohnung des Verdienftes und der Tapferkeit mittelbar betheiligt. Die erften Firmen in diefem Genre waren auf der Weltausftellung nicht vertreten; und aufser einer ftattlichen Collection in O efterreich waren nur in Deutfchland, Holland und Portugal eigentliche OrdensDecorationen und Medaillen ausgeftellt. Die gewaltigen Kämpfe der Neuzeit aber, an denen nun das ganze Volk Antheil nimmt, haben den uralten Brauch, hervorragende Verdienfte um das Gemeinwohl auch von Seiten der Mitbürger anzuerkennen, wieder aufleben laffen, und fah man in der Weltausftellung eine Serie von künftleriſch gedachten und ausgeführten Ehrengaben. Die in der deutfchen Abtheilung dem König Albert von Sachfen gewidmete Victoria, der Schild und Helm Werder's, ferner der bei Klinkofch( O efterreich) ausgeftellt gewefene Schild zur Erinnerung an den Feldzug in Schleswig- Holftein, der prachtvolle, von der Stadt Trieft dem Sieger von Liffa gewidmete Tafelauffatz, dann die Ehrengaben an Engerth, Gabrielli, Wertheim und andere find beredte Zeichen edlen Gemeinfinnes, der, Bürger und Soldat ingleich warmem Patriotismus umfaffend, für des Vaterlandes Gröfse und Gedeihen freudig Opfer bringt, und dankbar die Heldenthat des Geiftes wie des Schwertes ehrt. Die in Gruppe VIII vertretene Holzinduftrie findet im Heerwefen die denkbar reichfte Verwendung; doch tritt fie nicht als Ganzes auf, fondern macht fich mehr als Hilfsmittel in allen Formen unentbehrlich, und find es vorzüglich die Fuhrwerke, welche die Holzinduftrie in Anspruch nehmen. Auf der Ausstellung waren von Armee- Fuhrwerken nur Lafetten und Lazarethwagen vorhanden. Erftere werden, wie bereits erwähnt, allmälig 5 S 1 d Das Heerwefen. 17 ] 1 durch das Eifen verdrängt und felbft die Räder wurden fchon vielfach aus demfelben Metalle conftruirt; doch kehrte man immer wieder zu den Holzrädern zurück, und fuchte diefelben durch eiferne oder bronzene Achsbüchfen, dann durch Verfpannung der Felgen fefter und elaftifcher zu machen. Lazarethwagen waren faft von allen Nationen ausgeftellt und kamen die verfchiedenften Syfteme und Ideen zur Geltung, die aber alle in dem einen edlen Streben ihren Brennpunkt fanden, den Unglücklichen, die fie benützen müffen, die Leiden und Schmerzen auf das möglich geringfte Mafs zu reduciren. Nächft den Fuhrwerken ift die Holzinduftrie noch bei Erzeugung des Brückenmateriales thätig, und waren Proben desfelben nur in Schweden, Rufsland und Spanien, bei erfterem im Originale, bei letzteren in Modellen ausgeftellt, und fchliefst fich dasfelbe dem öfterreichifchen verbefferten Birago'fchen Syfteme an, welches mit geringen Variationen faft in der ganzen Welt eingeführt ift. In Schweden war noch ein Brückenwagen für Infanterie- Pionniere ausgeftellt, auf deffen Protze das kurze Vorderftück eines auf dem Wagen- Hintertheile ruhenden eifernen Pontonftückes befeftigt ift, in welchem zugleich die Schanzzeug- Requifiten für 20 Mann, eine complete Schiffsausrüftung, fowie ein in zwei Theile umlegbarer vier Klafter langer Steg für zwei Mannsbreiten transportirt wird. Noch fei die Erzeugung von hölzernen Feldflafchen erwähnt, welch letztere einft fehr verbreitet waren, nun aber den gläfernen weichen mufsten. Doch fucht die Induftrie des erfteren Artikels das Feld wacker zu behaupten; und namentlich Ungarn lieferte in feinen Csutora's wahre Meifterwerke an Gröfse, Güte und Ausftattung, während in Italien federleichte hölzerne Feldflafchen ausgeftellt waren, die luftdicht verfchliefsbar, das Getränke frifch erhalten, und bei eigenthümlicher Imprägnirung des Holzes deffen Faulwerden, fowie die Mittheilung des widerlichen Holzgefchmackes an das Getränke verhindern follen. Aus der Gruppe IX: Thon-, Glas- und Steinwaaren, liefert zunächft die öfterreichifche Glasinduftrie für die eigene Armee jährlich an 80.000 Stück Feldflafchen in Gefammtwerthe von mehr als 6.000 fl.; dann finden Cement und Béton bei fortificatorifchen Bauten häufige Anwendung, und waren beide künftlichen Gefteinsproducte zahlreich in allen Ländern, befonders glänzend in Deutfchland und Oefterreich ausgeftellt; doch mufs deren fpecififch militärifche Würdigung dem allgemeinen Intereffe weichen, und fei fomit nur die Fühlung des Heerwefens auch mit der Induftrie der Erzeugung künftlicher Gefteine conftatirt. Die Gruppe X: Kurzwaaren, umtafst ein aufserordentlich weites Gebiet. Sie liefert jene zahllofen Kleinigkeiten, die zum Ganzen unumgänglich nothwendig find, dasfelbe überhaupt erft brauchbar machen. Es wäre vergebliche Mühe, ein auch nur annäherndes Bild der fehr innigen Beziehungen zwifchen Heerwefen und Kurzwaareninduftrie geben zu wollen; darum feien nur jene Zweige hervorgehoben, welche für die Gefundheit und den Comfort im Lager forgen, nämlich Zelte und compendiöfe Feldrequifiten liefern. Auch hierin ward Vieles und Vorzügliches geboten. Namentlich die praktiſchen Engländer, durch ihre Kreuz- und Querzüge in allen Ländern der Welt an Feld und Lager gewöhnt, haben wahre Meisterwerke in foliden, eleganten und dabei wirklich praktiſchen Feldrequifiten gefchaffen. Es gab da Zelte, transportable Betten, Speife, Spiel-, Wafch- und Verband2* 18 Rudolf Baron Potier des Echelles. Neceffaires aller denkbaren Gröfsen und Formen; und in Frankreich war ein Zelt und darin ein completes Bett mit Matratze, Tifch, Seffel, Stellage, Laterne, Schreib-, Efs- und Wafchzeug aufgeftellt, welches Alles zusammen in einer ver hältnifsmäfsig kleinen Kifte binnen wenigen Minuten verwahrt und wieder auf. geftellt werden konnte. Auch die anderen Staaten, namentlich jene mit überfeeifchen Colonien, dann Deutfchland und Oefterreich betheiligten fich fehr lebhaft in Cultivirung diefes Genres, bei welchen oft die abfonderlichften Ideen zur Geltung kamen. Eine Specialität hatten Remek hászy, Korretz und Reuter ausgeftellt, welche fehr praktiſch wäre, wenn nicht der hohe Preis deren fonft wünschenswerthe Verbreitung hindern würde. In einem mässig grofsen, ledernen hutfchachtelförmigen Etui ift ein Service für vier Perfonen mit Vorräthen an Fleiſch, Fleifchextract, Kaffee, Zucker, Thee, Milch und Spiritus verpackt, und kann der ganze aus 74 Stück beftehende Apparat binnen wenigen Minuten dienftbar gemacht oder verwahrt werden. Auch die Völker des Oftens liefern zu diefer Gattung Kurzwaaren induftrie ihren Beitrag, und kann die ausgeftellt gewefene Kirgifen- Kibitka als Neceffaire par excellence gelten; fchützt fie doch eine oft zahlreiche Familie nebft deren Hausthieren vor allen Unbilden der Sonne und der Schneeftürme, und kann, binnen einer halben Stunde fammt dem ganzen Inhalte auf Kameele verpackt, den Marfch in die Wüfte antreten, um dann, in der Oafe angekommen, dem Nomaden ein trautes, in feiner Weife auch füfses Heim zu bieten. Die Gruppe XI: Papierinduftrie, findet für ſpecififch kriegerifche Zwecke nur infoferne befchränkte Anwendung, als es fich um die Erzeugung von Patronenhülfen aus Papier handelt, welche für Gewehre noch in Frankreich und Deutfchland eingeführt find, während fonft alle andern Staaten Metallpatronen angenommen haben. Für Jagd. und Scheibengewehre kommen die Pappendeckel- Patronen mit Einfatz und Boden von Metall häufig in Benützung, und waren in Frankreich, Eng. land und O efterreich fehr intereffante Collectionen davon ausgeftellt.- Für Kriegswaffen aber werden Metallpatronen nicht nur den errungenen Platz behaupten, fondern auch die in Frankreich und Deutſchland angeftellten Ver fuche fprechen dafür die Papierinduftrie in diefem Zweige gänzlich aus dem Felde fchlagen, und ihr die allerdings bedeutende, aber allgemeine Sorge für Deckung des Bedarfes in Kanzleien und Schulen etc. überlaffen. Wenn aber die Induftrie ein Gebiet verliert, erobert fie fich fofort wieder ein neues Feld ausgebreiteter Thätigkeit; fo fand namentlich künftliches Pergamentpapier als Verwahrungsmittel für Militär- Fleifchconferven dann zu Eisbeuteln, und in Form von blutftillender Charpie aus Papierfäge- Spänen, in Spitälern und Ambulancen eine fehr erfolgreiche Verwendung, und hatten die von Albert Ekfte in in Wien ausgeftellten Proben allfeitigfte Anerkennung geerntet. - In der Gruppe XII: - Graphifche Künfte, ift die Kartographie von allgemeinem und militärifchem Intereffe. Sie lehrt das Kind fchon die Heimat, den Kaufmann die Welt, den Oekonomen fein Befitzthum kennen, fie bietet dem Ingenieur die Bafis zu den kühnften Entwürfen und liefert dem Feldherrn wie dem Patrouilleführer ein getreues Bild des Terrains, auf dem fich fowohl die grofsen als die kleinen Operationen bewegen, und welchefollen fie die Bürgfchaft des Erfolges in fich tragen- immer dem Boden angepafst fein müffen. Die Kartographie erhebt uns gleichfam in die Lüfte, und enthüllt mit einem Male all die vielen, oft Ausfchlag gebenden Formen Das Heerwefen. 19 und Eigenthümlichkeiten des Terrains, welches der Soldat foll feine Thätig. keit fruchtbringend fein- ebenfo genau kennen und verftehen muſs, wie der Gewerbsmann die Werkſtatt, die Werkzeuge, das Material feines Metiers kennt und zu benützen weifs, mag er daheim oder in der Fremde den Pflichten feines Berufes gerecht werden. Die Kartographie dankt ihre Entſtehung und Ausbildung in erfter Linie dem Bedürfniffe des Staatsmannes und des Feldherrn, den Umfang des eigenen, wie fremder Länder kennen zu lernen. Und faft in allen Ländern der Welt waren, und find es heute noch militärifche Kräfte, welche die Aufnahme und Darftellung des Terrains beforgen, und der Privatinduftrie zu den fpeciellen Kartenwerken erft die Quellen liefern, welche fie ohne Unterſtützung und Mitwirkung des Staates nimmer erwerben könnte. In den älteften Zeiten mufsten noch plumpe Thonbildungen oder Hieroglyphen( von welchen im fpanifchen Pavillon aztekifche, in Italien egyptifche Originalmanufcripte ausgeftellt waren) dem Streben genügen, die Allmuter Erde wenigftens im eigenen Gefichtskreife bildlich darzuftellen. Erft mit den Fortfchritten der Mathematik und Aftronomie gewann die Kartographie präcifere Formen, und die Egypter und Römer waren fchon fo weit vorgefchritten, dafs fie die geometriſche Vermeffung einzelner Länderftre cken vornahmen, deren Refultate dann auf Metallplatten gravirt wurden. Die Erfindung des Compafs und der Buchdruckerkunft, die Feftſtellung des Kopernikanifchen Syſtems inaugurirten einen gewaltigen Fortfchritt der Kartenkunde. Wie es aber trotzdem damit ausfah, zeigte die in der Rotunde ausgeftellt gewefene photograpifche Copie einer um 1469 aus freier Hand gezeichnete Weltkarte; oder eine von Diego Ribero im Jahre 1529 entworfene fogenannte Compafskarte der neuen Welt, auf welcher z. B. die gewaltige Kette der Kordilleren gleich neben der Mündung des Amazonenftromes eingezeichnet erfcheint. Die Lücke von 1529 bis 1670 war auf der Weltausftellung unausgefüllt, und wurde der Faden erft im Pavillon der Erfindungen mit dem genannten Jahre wieder angeknüpft, aus welchem Perfpectivkarten exponirt waren, die dem Verſtändniffe auf Koften des richtigen Verhältniffes, fo gut es gehen wollte, gerecht zu werden verfuchten, und welche, allerdings wefentlich verbeffert und meift nur für locale Zwecke benützt, bis heute fich erhalten haben. Das Bedürfnifs, die Karten ganzer Länder zu befitzen, führte zu den Aufnahmsplänen; und war Oefterreich der erfte Staat, welcher fchon 1784 eine in der kurzen Zeit von 14 Jahren vollſtändig nach gleichem Mafsftabe gezeichnete Aufnahmskarte der Gefammtmonarchie befafs, welche Leiftung für die damaligen Verhältniffe als eine befonders hervorragende bezeichnet werden mufs. - Die Darftellung der Unebenheiten des Terrains bot bis auf die neuefte Zeit die gröfsten, noch nicht befiegten Schwierigkeiten, und konnte man auf der Weltausftellung die verfchiedenen Arten vertreten fehen. Brafilien und Nordamerika brachten nebft vorzüglichen See- und Küftenkarten auch Generalkarten, auf welchen die Gebirge wie eine Reihe Maulwurfshügel erfchienen, während das Syftem Lehmann( fenkrechte Beleuchtung, wechſelnde Stärke und Dichte der Striche) befonders für General- und Specialkarten in der ganzen Welt Anwendung findet, felbft Japan und China nicht ausgenommen, welche Cultur- und Generalkarten( von englifchen Ingenieurs entworfen, aber mit einheimifchen Lettern und Zeichen befchrieben) ausgeftellt hatten. Die nothwendig und nach Erfindung der Lithographie möglich gewordene maffenhafte Vervielfältigung von Karten, ferner der Wunſch, für Schulen und Comptoirs recht billige und fcharf ausgeprägte Karten zu liefern, führte dahin, die Gebirge braun gefchummert darzuftellen, welche Manier nach Erfindung des Farbendruck es noch an Verbreitung gewann. 20 Rudolf Baron Potier des Echelles. In neuerer Zeit ift der Verfuch, durch fchiefe Beleuchtung die Erhebung des Bodens reliefartig darzuftellen, vorzüglich gelungen, und lieferte namentlich die Schweiz- nebft anderen wahre Meisterwerke diefes Genres. Doch fo vorzüglich diefes Syftem für Darſtellung der allgemeinen Formen ift, fo genügt es doch nicht, um die Höhen auszudrücken. Um diefs zu erreichen, legte man die Erdoberfläche in Horizontalfchichten mit gleichen Abständen und waren Karten diefer Gattung zahlreich namentlich in Oefterreich, der Schweiz und Frankreich ausgeftellt. - Dafs die Photographie nicht ohne Einwirkung auf die Entwicklung des Kartenwefens bleiben werde, war vorauszufehen; und in der That ift es gelungen, photographifche Copien von Karten und Zeichnungen auf Stein, Kupfer, Zink oder Glas zu übertragen, und galvanoplaftifch zu erzeugen, deren Abdrücke in Reinheit dem Stiche gleichkommen, und durch welches Verfahren auch die Karten viel rafcher und billiger producirt und vervielfältigt werden können. Diefe neuefte Errungenfchaft wird bereits in allen Staaten im weiteften Mafse verwendet; ganz befondere Verdienfte hat fich aber das k. k. militärifch- geographifche Inftitut erworben, deffen Kartenwerke jeder Art und Gattung fchon längft einen Weltruf geniessen, und auf der Ausstellung wieder mit dem höchften Preife gekrönt wurden. Auch in den andern Staaten ift die Anfertigung von topographifchen Karten dem Generalftabe übertragen; und hatten Holland, Belgien, Dänemark und Schweden befonders intereffante Proben verfchiedener Vermeffungsund Erzeugungsarten gefendet, während von Amerika noch eine Militär- Dislocationskarte, von Paraguay eine fehr primitiv gehaltene Generalkarte,- von Spanien unter anderem eine vorzügliche Marfch- und Dislocationskarte, dann Reliefs der Schlacht von Baylen und der Belagerung von Saragoffa,- und von Italien eine fchöne Reliefkarte des Golfes von Spezzia, fowie mehrere geologifche Karten ausgeftellt waren. Rufslands Kartenwerke, in allen Genres reich vertreten und vorzüglich ausgeführt, fanden in jeder Beziehung die wohlverdiente Würdigung, und erweckten namentlich die graphifchen Darftellungen der bisher ganz unbekannt gewefenen Gebiete Central- Afiens ganz befonderes Intereffe. England hatte nur einige Schul- und Seekarten der Colonien gefendet. Um fo reicher war dafür Frankreich vertreten, und bot deffen Expofition aufserordentlich viel Anregung und Belehrung.- Neben der grofsen in Oel gemalten Wandkarte, welche die ganze Küfte Frankreichs beleuchtet, die Städte durch Metallknöpfe, die Eifenbahnen durch weifse Linien markirt zeigt, feffelten die grofse geologiſche Karte, die Pläne der Darftellung des Verfahrens bei Erzeugung von Ueberdruck, Kupferftich und Rectificirung alter Kupferplatten, fowie die fehr gelungenen Unterrichtsreliefs verfchiedenfter Gattung und Gröfsen die allgemeine Aufmerkfamkeit. Deutfchland war mit einer geradezu geiftblendenden Collection von geographifchen Hilfsmitteln aller Art vertreten, und find es befonders die SchulWand- und Reliefkarten, welche faft in allen Welttheilen Verbreitung gefunden haben. Als fehr intereffant mag eine Reliefkarte der ganzen Welt( in Mercators Projection) Erwähnung finden, welche die Erhebungen vom Meeresgrunde und dem Feftlande in fehr charakteriftifcher Weife darftellte. Die Kartographieausftellung O efterreichs war, abgefehen von dem hier ,, hors concours" ftehenden Leiftungen des militärifch geographifchen Inftitutes fowohl in Reliefs als Karten eine muftergiltige im beften Sinne, und bewies auch in diefem Fache den günftigften Erfolg der angebahnten Emancipation vomAuslande. Von Reliefs wären zu erwähnen: die von Hauptmann Fifcher gearbeitete Darſtellung der Belagerung von Paris im Jahre 1870 bis 1871 mit Angabe aller Stellungen und Arbeiten von beiden Seiten; dann eine grofse, von Hauptmann Das Heerwefen. 21 Menzinger ausgeführte, auf den neueften und genaueften Meffungen bafirte Reliefkarte von Europa, welche, durch Photographie vervielfältigt, allen Schulen zugänglich gemacht werden foll; ferner das mit Schichten aus Kartenpapier angefertigte, auf ifopedifchen Aufnahmen bafirte Relief der Salzkammergut- Bahn, und endlich mehrere ältere, ausgezeichnete Schul- und Studienreliefs. Auch Ungarn hatte fehr hübfche Schul- und Wandkarten, dann fehr gediegen ausgeführte Studienreliefs des Tatragebirges, ein Tiefenbild des Mittelmeeres und der Adria und einen ganz netten Reliefplan von Fiume ausgeftellt. Die allgemeine Kenntnifs der europäifchen Türkei und Kleinafiens wurde durch den Mangel einer einheitlichen, im grofsen Mafsftabe ausgeführte Generalkarte bisher wefentlich erfchwert. Dem wurde durch eine grofse, binnen 5 Monaten von zwei öfterreichifchen Officieren( Hauptmann Stuchlik und Oberlieutenant Moretti) gezeichnete, mit lateinifchen und türkifchen Lettern. befchriebene Karte abgeholfen, welche zur Vervielfältigung beftimmt ift und die türkifche Expofition gewiffermafsen eröffnete. In derfelben hatte. vom erften Tage an das Relief des Bosporus zahlreiche Bewunderer gefunden. Und wer Reifen im Geifte liebte, konnte ohne viele Müh ohne und Koften auch Jerufalem und den Suez Canal fehen. Er brauchte nur wenige Schritte weiter das Relief aufzufuchen, in welchem mit feltener Naturtreue auch kleine Details der heiligen Stadt" wiedergegeben waren, oder in der egyptifchen Abtheilung vor dem grofsen Reliefplane ftehen zu bleiben, welcher dem Befchauer das Land der Pharaonen zeigte, das, mächtig emporftrebend, der Culturträger des Weftens nach dem Orient geworden ift, und dem Welten verbindenden Canal bald die Eifenbahn zugefellen wird, welche Minieh und die Ruinen von Memphis und Philae paffirend, eine directe Communication des Sudan mit dem Mittelmeere herftellen wird. In faufendem Fluge überholt die Locomotive die langen Reihen der unter ihrer Laft mühfam fchreitenden Kameele, und führt die Frachten von zwanzig Karavanen in eben fo viel Stunden an das Meer, als das Schiff der Wüfte Wochen braucht. Vierzig Jahrhunderte fehen erftaunt die Werke ihrer Epigonen, welche, Zeit und Raum kürzend, die gröfsten Hinderniffe überwältigt haben, deren Bauten trotz ihrer Kleinheit doch ungleich gröfsere Bedeutung haben, als die Tempel und Pyramiden der Pharaos, die, dem Andenken der Todten geweiht, in Wahrheit einft auch das moralifche Sterben Egyptens markirten, welches Land aber heute, Dank dem Alles belebenden Einfluffe moderner Cultur, eine neue, Jugendkraft athmende Zeit inaugurirt. Die Gruppe XIII: das Maſchinenwefen, ift, wie auf allen Gebieten thätigen Schaffens, auch für die Erzeugung der Bedürfniffe des Heeres in weitefter, ja faft unbegrenzter Ausdehnung in Anspruch genommen. Es gibt nichts, wo nicht die Mafchinen in irgend einer Weife mitarbeiten würden, und zahllos find die Hilfsmafchinen, welche ganz ausfchliefslich für militärifche Zwecke erfunden und in Betrieb gefetzt wurden. Nicht nur das Arfenal oder die Laboratorien oder Giefsereien jede Regimentswerkstätte benützt die Mafchine. -- In der Mafchinen-- diefer Ehrenhalle geiftiger Schöpfungkraft und menfchlichen Könnens wären die exponirten Mafchinen Gemeingut aller Stände. und blieben die, fpecififch- militärifchen Hilfsarbeiten gewidmeten Maſchinen mit Ausnahme einer in Schweden ausgeftellt gewefenen Patronenerzeugungs- und Füllmafchine unvertreten. Zu bemerken wären Strai senlocomotive, welche im deutfch- franzöfifchen Kriege zur Transportirung des Belagerungsmateriales vielfache und relativ erfolgreiche Verwendung fanden, in England, Belgien und Rufs 22 Rudolf Baron Potier des Echelles. land exponirt waren, und bei einer, auf dem fehr ungünftigen Grunde vom Weft portale bis zum Nufsdorfer Sporn und zurück vorgenommenen Probe, die theilweife ftarke Steigungen bietende Strecke fammt der Laft von 160, refpective 320 Wiener Centner binnen drei Stunden zurücklegten. Locomobile, meift in der Landwirthschaft verwendet, und namentlich zahlreich und in verfchiedenen Varianten in England, Frankreich, Deutfchland, Oefterreich und Rufsland ausgeftellt, werden im Belage rungspark und in ambulanten Laboratorien als Motore vielfach mit fehr günftigem Erfolge gebraucht. Mafchinen zur Maffenerzeugung fertigen Schuhwerkes waren in Amerika, Frankreich, Deutfchland und Oefterreich; die fo wichtigen transportablen Feldfchmieden in Amerika, Schweden und Rufsland ausgeftellt, und fanden ganz befonders die im Pavillon von Mahler und Efchenbacher in Thätigkeit befindlichen Schaller'fchen Cylinder Feldfchmieden, welche, in einer kleinen Cafette verpackt, auf dem leichteften. Fuhrwerk mitgeführt, binnen wenig Minuten an jedem beliebigen Orte etablirt werden können, und in der ganzen öfterreichifchen Armee eingeführt find, umfomehr allgemeine verdiente Anerkennung, als fie einem auch in der Landwirthfchaft langgefühlten Bedürfniffe abgeholfen haben. Im englifchen Arbeiterhaufe erregte eine leicht transportable Küche, in Amerika eine Mafchine zum Maffenzufchneiden der Kleiderftoffe ( 1500 Stück Anzüge per Tag) die Aufmerkſamkeit; während Nähmaschinen für ſpecififch- militärifche Zwecke nur in ihrem Stammlande und in Deutfchland exponirt waren, obgleich auch in O efterreich Militär- Ausrüftungsgegenftände und Patronenfäcke längft mit eigens conftruirten Mafchinen genäht werden. - Die amerikaniſche Mafchine näht die ftärksten Tuch- und Lederforten, und wird hierin noch von einer, durch die Leipziger Firma C. Hoffmann exponirt gewefene Mafchine erreicht, welche nicht nur( die einzige auf der Weltausftellung) Czakos und Helme in der Rundung, fondern auch Patrontafchen, Tornifter, Feldflafchen- Hülfen, dann Zugftränge von achtfachem ſtarken Leder mit fpielender Leichtigkeit näht, und für die militärifche Confection nicht minder von Bedeutung ift, wie das von der Bremer Nähmaschinenfabrik ausgeftellte Exemplar, welches bei den Knopflöchern auch den Schlufs anfetzt und damit viel Zeit, Mühe und- Lohn erfpart. Gruppe XIV: Wiffenfchaftliche Inftrumente, liefert die Induftrie vorwiegend und im ausgedehnten Mafse für technifche und Bildungsanftalten, befonders aber zahlreiche Apparate für die Mappirung, für die Artillerie und endlich für die fo wichtige Feldtelegraphie.- Aus dem reichen Schatze der für fpecififch- militärifche Zwecke conftruirten Apparate feien hier nur jene markirt, welche auf der Weltausftellung vertreten waren. In Deutfchland war ein elektrifcher Apparat zum Meffen der Anfangsgefchwindigkeit der Gefchoffe im Rohre, dann eine reiche Auswahl von Kanonenvifiren, geodätifchen, Nivellir- und anderen Hilfsinftrumenten ausgeftellt. Die Schweiz war mit den weitberühmten Reifszeugen und Aufnahms inftrumenten, Italien mit einem Apparat zur Erprobung der Widerstandsfähig. keit der Metalle, Rufsland mit dem Modelle eines completen Feldlaboratoriums und Oefterreich in rühmlichfter Weife mit geodätifchen und Nivellirinftrumenten aller Gattungen erfchienen, unter denen ein Höhenmeffer ältefter Art neben drei Collegen neuefter Conftruction draftifch genug den gewaltigen Fortfchritt auch in diefem Genre markirte. Die Feldtelegraphie war nur von Oefterreich complet und würdig befchickt, welches je einen Apparat- und Materialwagen für Feldtelegraphie aus. Das Heerwefen. 23 geftellt hatte, in welch letzterem unter anderem 90 Stangen mit Kautfchuk Ifolatoren, 50 Mauereifen, 2 Drahttrommeln mit Kupfer, eine mit Kautfchuk- Kabel, dann Morfé- und Hughes- Apparate u. f. w. verwahrt find, und fich, wie überhaupt der öfterreichiſche Feldtelegraph, durch befonders leichte Bewegung, Etablirung und Sicherheit der Function auszeichnet. Dann hatte noch Schweden einen etwas veralteten Telegraphenwagen mit vier Trommeln glatten und drei Trommeln überfponnenen Drahtes von circa drei Meilen Leitungslänge, und einen auf jeden beliebigen Tifch zu etablirenden Morfé- Apparat, dann einige optifche Signale exponirt, während Rufsland Apparate und Wagen für Feldtelegraphen blos im Modelle gezeigt hatte. Die Schweiz brachte optifche Telegraphen, jedoch nur auf kurze Diftanzen, daher diefelben trotz der Angabe, für Kriegszwecke nur bedingten Werth haben. Italien hatte in einem Atlas die Zeichnungen feines Feldtelegraphen- Syftems gefendet, und in Deutfchland waren Pläne und Befchreibung zur Errichtung einer Feldtelegraphen- Escadron, dann eine elektriſche Telegraphenleitung längs eines in Bewegung befindlichen Eifenbahnzuges, endlich mehrere Proben von unterfeeifchen Kabeln exponirt, welch' letztere auch in England und Frankreich, dort neben einem zufammenlegbaren, von einer Perfon transportablen Hughe'fchen Apparat in Form eines kleinen Schreibepultes ausgeftellt waren. - Noch wären die Beleuchtungsapparate zu erwähnen, welche im Kriege eine fo bedeutende Rolle zu spielen berufen find. Die alten, aus Mörfern geworfenen Leuchtkugeln haben dem elektrifchen Lichte weichen müffen, und waren mehrere fahrbare Apparate zur Erzeugung desfelben aus Deutfchland, Frankreich, England und Oefterreich ausgeftellt, von deren aufserordentlicher Wirkung man fich allabendlich, namentlich aber am Abend des grofsen Volksfeftes überzeugen konnte, an welchem das elektrifche Licht, die Schatten der Nacht befiegend, die fegenfpendende Auftria und die Kaiferkrone auf der Höhe des Induftriepalaftes mit glänzendem Lichte über flutete, dafs fie hinausftrahlte in weite Ferne ein dem Befchauer unvergefsliches Bild! In welchen Beziehungen die in Gruppe XV: Muſikaliſche Inftrumente, vertretene Iuduftrie zum Heerwefen fteht, braucht wohl keines befonderen Beweifes. In der That gab das Bedürfnifs der Militär- Mufikbanden nach klangvollen, Töne beherrfchenden und doch handfamen Inftrumenten den Impuls zur Erfindung von vielen, fpeciell für Militärmufik beftimmten Inftrumenten; und fei es mit Befriedigung conftatirt, dafs es die öfterreichifchen Inftrumentenfabrikanten find, welche fich auf diefem Gebiete einen weit über Europa hinaus anerkannten Ehrenplatz errungen haben, und denfelben auch jetzt noch behaupten, wenngleich die feit fechs Jahren durchgeführte Auflöfung von 115 Mufikbanden und Reducirung der beftehenden auf 46 Mann die Inftrumenten- Fabrication auf das allerempfindlichfte gefchädigt, ja vielleicht- tödtlich getroffen hat. An der Ausftellung von Militär- Mufikinftrumenten betheiligte fich Frankreich nur durch zwei übrigens berühmte Firmen, von denen die eine allein 700 Arbeiter befchäftigt;- Italien war reich und würdig vertreten, und erregte unter anderem eine Ordonnanztrompete Auffehen, auf welcher man die ganze Scala fpielen konnte. Rufsland, Rumänien und Ungarn hatten Blasinftrumente, die Türkei die dort eigenthümlich fchrille Flöte und kleine Pauken aus Thon gefendet. Sehr reich und würdig war Deutfchland erfchienen, und fand eine Echomafchine, dann ein Clairon mit zwei Schallröhren, endlich neue Metall 24 Rudolf Baron Potier des Echelles. Compofitionen für Blechinftrumente, fowie die Mafchinpauken von C. Hofmann in Leipzig allgemeine Beachtung. Die Palme diefer Abtheilung gebührt aber Oefterreich, welches trotz bedeutender Concurrenz jetzt noch einen ziemlich ſtarken Export in Blasinftrumenten befitzt. Sowohl die berühmten böhmifchen Fabrikanten( Cervený, Sto. waffer), als jene nicht minder gefeierten von Wien( Ullman, Ziegler) leifteten in der That ganz Vorzügliches und beftanden, an Ehren reich" im grofsen Wettkampf aller Völker. Nächft den Blasinftrumenten waren die Stahl- Lyra's, Tamtams und Klangt eller vertreten, von denen erftere in Oefterreich, letztere, und zwar in vorzüglicher Güte, in China und der Türkei ausgeftellt waren. Trommeln, fowohl für Truppen als Mufikbanden, waren in Ungarn, Dänemark, Italien, Deutfchland und Oefterreich( letztere von vorzüglicher Güte), dann in befonders fchöner Klangfülle in China und Japan zu fehen. Englands ganze Betheiligung an Militär- Mufikinftrumenten beftand in einer Metalltrommel mit nur einem Schlagboden aus Metall, an deffen innerer Fläche die Befaitung auf hölzener Verftäbung befeftigt ift. Diefe Trommel wird mit einer einzigen Schraube geftimmt, mit Kautfchuk gepolsterten Schlägeln gerührt" und hat viel Anklang gefunden. In der Gruppe XVI: Heerwefen, waren auf der Weltausftellung zunächft alle jene Objectte eingetheilt, welche vorwiegend beftimmt find, die Exiftenz des Soldaten behaglicher zu ftellen, die Schmerzen und Folgen des Krieges zu heilen oder doch zu lindern. Das Sanitätswefen hat feit den letzten mörderifchen Kriegen nicht nur in militärifcher und humanitärer Beziehung eine ganze eminente Bedeutung gewonnen, fondern gab auch einer ganz neuen, ausgedehnten Induftrie den Impuls. Diefelbe befchäftigt zahlreiche Fabriken und Etabliffements, und waren deren manigfache bewundernswerthe Producte mit geringen Ausnahmen von allen Staaten gefammelt im Sanitätspavillon ausgeftellt. Mit tiefem Dankgefühl werden alle jene diefe fo hoch intereffante Expofition verlaffen haben, welche je felbft die Schrecken des Schlachtfeldes, der Verbandplätze und Spitäler kennen gelernt haben, welche theure Angehörige denfelben ausgefetzt wufsten, welche endlich angefichts der furchtbaren Vernichtungs- Werkzeuge nur mit Bangen kommenden Kriegen entgegenfehen. Die edlen Beftrebungen der Nächftenliebe, die fich gerade in den letzten Kriegen fo unendlich wirkfam erwiefen haben, fanden durch Induſtrie und Gewerbe kräftigfte Unterſtützung. Mit Eifer haben letztere die neu geftellte Aufgabe zu löfen gefucht, und bewiefen diefs mehr als 30 Tragbahren und Sänften der verfchiedenften Gattungen und Syfteme, welche namentlich Oefterreich und Deutfchland gefendet hatten. Entfprechend den Bodenverhältniffen hatte die Schweiz eine leicht transportable Gebirgsbahre ausgeftellt, welche den Kranken trotz der Unebenheit des Bodens ftets horizontal hält. Alle diefe Bahren verfolgten trotz der Verfchiedenheit ihrer Conftruction doch nur den einen Zweck, den Verwundeten fo leicht, fo bequem, und vor allem fo fchonend als möglich vom Schlachtfelde zum Verbandplatze zu fchaffen. Die chirurgifchen Beftecke, die Operationstifche und Apparate, die künftlichen Glieder, Gypsverbände und all die zahllofen anderen Hilfsmittel und Spital seinrichtungen, dann Lazarethund Operationszelte, vorwiegend von Oefterreich, Deutfchland, der Schweiz, England, Frankreich, Amerika und Rufsland( von letzteren beiden im Modell) ausgeftellt, find wahre Meifterwerke, deren weitere Das Heerwefen. 25 detaillirte Würdigung aber, wie fo vieles Andere, leider aufserhalb des gezogenen Rahmens fällt. Den Transport der Verwundeten vom Verbandplatze zur Ambulanz zu erleichtern, war die Aufgabe der Wagenbaukunft und hatte diefelbe zahlreiche Syfteme von Apotheker- und Lazarethwagen aus allen Ländern, fogar aus Spanien ausgeftellt, unter welchen fich namentlich die Wagen Oefterreichs, Rufslands, Italiens, dann jene des Wiener patriotifchen Damenvereines und des deutfchen Ritterordens durch Leichtigkeit und praktiſche Einrichtung befonders auszeichneten. Vielleicht ift es nicht ohne allgemeines Intereffe, die Wirkfamkeit des eben genannten Ordens zu markiren. Derfelbe ftellt dem Staate vierzig vollkommen ausgerüftete, mit dem ärztlichen Perfonale verfehene Sanitäts colonnen à fechs vierfpännige Wagen unentgeltlich zur Dispofition, übernimmt die Verpflegung fämmtlicher Bemannung und Befpannung, und zahlt aufserdem noch eine Entfchädigung für Abnützung der Montur und Rüftung. Aus Ordensmitteln werden nach und nach fämmtliche Truppenfpitäler mit chirurgifchen Handbeftecken, dann alle Cafernen der Monarchie mit Rettungskaften und Räderbahren verfehen, und übernimmt der Orden die einheitliche Leitung des Hilfswefens im Kriege. Der grofse Uebelftand, erft nach dem Einrücken in die Station kochen oder backen zu können, hat die Induftrie zur Erbauung von fahr baren, während des Transportes arbeitenden Feldküchen und Feldbacköfen veranlafst, und waren fehr praktiſche Gattungen diefer Fuhrwerke aus Deutfchland, O efterreich und Italien, fowohl im Originale als im Modelle ausgeftellt. Ein höchft wichtiger Zweig der Sanitätspflege ift ferner der Transport mittelft Bahn, und ift es diefem im Jahre 1859 in Oefterreich zuerft eingeführten Zerftreuungsfyftem allein zu danken, dafs die letzten Maffenkriege keine Epidemien im Gefolge hatten. Und wer jemals die unfägliche Pein erleiden musste, fchwer verwundet auf dem harten, mit wenig Stroh bedeckten Boden eines fchlecht fchliefsbaren, nothdürftig gereinigten Laftwaggons, nicht viel beffer wie ein Frachtftück transportirt zu werden, der wird dankbar die ungeheuren Fortfchritte der Induftrie zu würdigen wiffen, welche jene praktifchen, mit Recht fo viel bewunderten Eifenbahn- Lazarethzüge und Waggons erfonnen und ausgeführt hat, die von Frankreich, Deutfchland und Amerika( im letzteren blos im Modell) exponirt waren. Was aber im Sanitätspavillon befonders wohlthuend berührte, war die erhebende Thatfache, dafs alle in demfelben ausgeftellten, rein humanitären Zwecken gewidmeten Objecte der Privat- Initiative zu danken find, dafs die werkthätige Privathilfe eingetreten ift, um die Schrecken des Krieges zu mildern. Alle Daheimgebliebenen, das ganze Volk, gedenkt ja der Söhne und Brüder draufsen, die ihr Beftes, ihr Leben einfetzen zum Schutze der Heimat, welche wieder opferfreudig Hilfe bringt. Nicht nur Männer widmen Zeit, Kraft und Mittel dem Gelingen edler humanitärer Beftrebungen: auch die Frauen, nicht fcheuend die Mühen und Schrecken der Spitäler, nehmen werkthätigen Antheil an der Pflege der Verwundeten, und mit zarter Sorge, wie nur Frauen es vermögen, erhellen fie den Jammer der Krankenftube durch die beglückende Theilnahme wahrer Nächftenliebe. Der Pavillon Krupp war ein Ruhmestempel des menfchlichen Geiftes; im Sanitätspavillon aber bot das menfchliche Herz feine koftbaren Schätze, feierte der Genius der Menfchenliebe die fchönften, erhebendften Triumphe!! 26 Gruppe XVII: Rudolf Baron Potier des Echelles. Das Marineweſen, hat feit allgemeiner Einführung der modernen, gewaltigen Hinterlader- Kanonen eine vollständige Umwandlung erfahren, und mit Annahme der Schiffspanzerung den Beweis geliefert, dafs die Technik, wenn fie Trutz bietet, auch zugleich für Schutz zu forgen weifs, und in Löfung diefer Aufgabe von der Induftrie fehr wirkfam unterſtützt wird, welche in der Befchaffung der Marinebedürfniffe aller Art vielfache Anregung und Befchäftigung findet, wie diefs deutlich die Ausftellung der k. k. See behörde, dann jene des öfterreichifchen Lloyd und der Donau- Dampffchifffahrts Gefellfchaft bewiefen. Im grofsen Ganzen liefert die Induftrie für die Kriegs- Marine fo ziemlich diefelben Segel, Takelwerk und andere Schiffs- Ausrüftungsgegenstände, wie für die Handelsmarine, nur dafs die Dimenfionen gröfser uud ftärker gehalten find. Doch ift die Eifen- Induftrie vorwiegend für die Kriegsmarine in Anfpruch genommen, und übernimmt fie nicht nur den Bau des Schiffskörpers, fondern fie liefert auch die gewaltigen Panzerplatten, zu deren Erzeugung wieder eingehende Studien, Verfuche und Einrichtungen nothwendig waren, deren Erfahrungen und Leiftungen auch die Induftrie bereichern, fomit der Allgemeinheit pofitiven Nutzen brachten. Nächft den Panzerplatten find noch Torpedo's, diefe unheimlichen, fürchterlichen Seeminen zu erwähnen, welche, natürlich ungefüllt, blos in Oefterreich und England unter der harmlofen Geftalt ,, mechanifcher Apparate" in verfchiedenen Syftemen und Formen zu fehen waren. Man fah es diefen grofsen„ Metallbirnen" gar nicht an, dafs die Explosion einer derfelben im Stande fei, die ängftlichfte Vorficht, den kühnften Heldenmuth und die aufopferndfte Tapferkeit zu paralyfiren, dafs fie ein ftolzes Kriegsfchiff mit viel hundert Menfchen an Bord mit einem Hauch in die Tiefen des Meeres zu fenken vermag. Panzerplatten fowohl in rund- als plattgewalzter Form waren blos in England und Schweden ausgeftellt. Erſteres zeigte im Pavillon Armſtrong zwei 21 und 16 Centimeter ftarke, mit eingefchnittenen Stückpforten verfehene Segmente für Thurmfchiffe und Proben von deren Widerftandsfähigkeit gegen Stahlfpitz- Gefchoffe; letzteres hatte eine elfcentimetrige Panzerplatte exponirt, welche in der Mitte von Stahlfpitz Projectilen durchgefchlagen erfchien wie Kartenpapier, während die linke untere Ecke gar weggefchoffen war. Die Lagerung des Panzers, fowie die Conftruction der Panzerfchiffe und Monitors wurde an zahlreichen Modellen gezeigt, welche in Rufsland, Oefterreich, Frankreich und Italien ausgeftellt waren und allgemeines Intereffe erregten. Den gewaltigen Unterfchied zwifchen„ Einft und Jetzt" zeigten die in der italienifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Modelle einer alten Segelfregatte mit Auxiliar- Mafchine und des neuen Panzerfchiffes" Roma". Schutz und Trutz halten fich in der Kriegsmarine nunmehr fo ziemlich die Waage, indem die Gefchoffe nur dann wirkfam find, wenn fie in geradem Schuffe auf den Panzer treffen, was nur höchft felten der Fall ift. Der Kampf zur See wird daher künftig weniger von der Kraft als dem Geifte entfchieden werden. Und weffen diefer, gleichviel ob auf Holz oder Eifenfchiffen, fähig ist, das lehrt die That Farragut's, die heldenmüthige Epiſode des hölzernen Linienfchiffes„ Kaifer", welches in der Schlacht bei Liffa die Angriffe von vier Panzerfchiffen abfchlug, vor Allem aber diefe Schlacht felbft, die, würdig an die glänzendften See- Siege fich anreihend, Oefterreichs Marine den ehrenvollften Ruhm für alle Zeiten fichert. Die Gruppe XVIII: Das Heerwefen. 27. Civil- Ingenieurwefen, bietet, wie fchon der Titel fagt, nur wenig Relationen der Induftrie zum Heerwefen. Einzig die ausgeftellt gewefenen transportablen Eifenbahnen, deren Erzeugung und Verwendung können den Induſtriellen wie den Militär intereffiren. Es waren davon nur Modelle vorhanden, und zwar in Frankreich jenes einer fchmalfpurigen Bahn nach dem Syfteme Corbin, welche bereits vielfach auf gröfseren Bauplätzen, Häfen, in Forften und Bergwerken zur Verwendung kommt und fich überall vorzüglich bewährt hat. Sie befteht aus zwei, mit Eifen befchlagenen und mit Querriegel verbundenen Längsbalken von weichem Holze. Die dadurch entſtehenden, von zwei Mann leicht tragbaren Leitern" werden an einander gefügt, an den Enden mit eifernen Schuhen verbunden und kann die Meile einer folchen Bahn, welche auch Steigungen bis 12 Percent ziemlich leicht überwindet, binnen wenig Stunden etablirt oder abgebrochen und transportirt werden. Der Betrieb gefchieht meift mit Pferden und rechnet man 200 Centner Laft auf jedes Thier. In Oefterreich war das Modell der„ Glorine" exponirt, eine höchft wichtige Erfindung des Nordbahnbeamten Herrn Poppovic. Sie iſt ein fehr finnreich und einfach conftruirtes, transportables Geleisfyftem, welches fich in jede Räumlichkeit gleichfam elaftifch einfügen läfst, in 24 Stunden an jedem beliebigen Punkte einer Bahnlinie etablirt werden kann, und mittelft welcher es möglich ift, binnen 24 Stunden 72 Züge oder 72.000 Mann nach allen Richtungen zu expediren. Durch Anwendung der Glorine ift die Concentrirung der Truppen an die gröfseren Bahnhöfe nicht mehr gebunden, fondern es fteht nun dem Feld herrn frei, die Concentrirung an dem, den Kriegszwecken günftigften Punkte anzuordnen, die Glorine anlegen zu laffen und die Expedition der Züge fofort einzuleiten. Die Glorine beſteht im Wefentlichften aus einem feitwärts der Hauptbahn angebrachten, mit derfelben nach zwei Richtungen verbundenen Geleiskreife von 400 Klaftern Durchmeffer, welcher in zwei Sturzgeleife endigt und an 6 auch transportablen Rampen die gleichzeitige Einparkirung von 6 Zügen ermöglicht, deren Expedition den internen und äufsern Verkehr ganz ungeftört läfst. Die Gruppen XIX bis XXIV: Der nationalen Hausinduftrie, der Wohnung, der kirchlichen Kunſt und der Kunftgefchichte gewidmet, find ohne jede directe Beziehung zum Heerwefen, deren weitere Berührung fällt daher aufserhalb des Programmes. In welchen Beziehungen fteht denn nun aber die Gruppe XXV, was hat wohl die mit dem Heerwefen zu thun? Bildende Kunft Wohl mehr, als es für den erften Moment den Anfchein hat. Die grofsen welthiftorifchen Umwälzungen find ftets das Refultat gewaltiger Kämpfe, in welchen alle geiftigen, moralifchen und phyfifchen Kräfte der menfchlichen Natur in höchfter Potenz zur Entfaltung gelangen, und zu Thaten entflammen, welche nach Jahrtaufenden bewundert, ebenfo fehr zu gleichem Heldenmuthe begeistern. 28 Rudolf Baron Potier des Echelles. Die bildende Kunft, indem fie die That felbft unmittelbar vor Augen führt, wirkt ungleich mächtiger als des Sängers Lied oder des Hiftorikers Griffel! Sie erfetzt die formenwechſelnde Tradition; und von den Perfern an, deren Siege heute noch die Felfendenkmale von Perfepolis verkünden, bis auf die neuefte Zeit, ift es die bildende Kunft, welche, gleichviel ob in Marmor oder Erz, durch Pinfel oder Griffel kommenden Gefchlechtern die grofsen ruhmesvollen Thaten eines ganzen Volkes wie der Einzelnen erzählt, fie der fernften Nachwelt erhält und überliefert zu immerwährender Ehr' und Beiſpiel. - Wirkt fo die bildende Kunft in hohem Grade veredelnd und begeiſternd, fo erhält fie wieder ihre fchönften und beften Motive aus der zum höchften Effect gefteigerten Entwicklung menfchlicher Tugenden und Leidenfchaften, die nur dort durchbrechen können, wo eben oft um Höheres als das blofse Leben, um die Ehre und das Glück des Vaterlandes geftritten wird. Und nicht nur der Sieg, auch das ehrenvoll erlittene Unglück findet gerade durch die bildende Kunft oft Troft, Hoffnung und Muth zu neuer Thätigkeit! Sie ehrt die kriegerifchen Tugenden; und gewifs war jenes Bild in der franzöfifchen Abtheilung von mächtigem Eindrucke, welches die„ grofse Armee" auf den Schneefeldern Rufslands und einen Krieger von den Pyramiden zeigt, der, fymboliſch von den Genien der Pflicht und des Muthes verklärt, trotz fchweren, blutenden Wunden, doch noch in opferwilliger Hingebung feine verzagenden Kameraden ermuthigt. Nicht minder erhebend ift die Verewigung des denkwürdigen Momentes, in welchem Don Juan d'Auftria bei Lepanto das türkifche Admiralfchiff entert, und damit den Sieg entfcheidet, welcher den Türken 200 Galeeren und 30.000 Mann koftete und deren dominirende Seemacht für alle Zeiten brach; oder endlich jene Attaque der öfterreichifchen Küraffiere in der Schlacht von Würzburg, in welchem Gemälde das ,, Moriamur pro rege noftro" charakteriftifchen Ausdruck fand. Tiefe Bewegung mochte auch jenes mit der finnvollen Unterfchrift, in fanguinem martyris faemen vitae" gezeichnete, und für die Kirche von Clermont beftimmte Glasgemälde her. vorgerufen haben, welches den„ Küraffier von Reichshofen" darftellt, der, mit der Todeswunde im Herzen hinfinkend, noch die Fahne hoch hält. In Italien fand ein äufserft ftimmungsvoll gedachter und ausgeführter Bajonettangriff der Berfaglieri, vor allem aber die grofse Statue der„ Gefchichte" viel Beifall; während die grofsen Modelle des Genfer Nationaldenkmales und des jenigen, mit welchem die Schweiz das Andenken der„ Spartaner" von St. Jakob ehrt, das allgemeine Intereffe feffelten. In Rufsland war es befonders das Treffen von Karftula" in Finnland 1809 deffen Darftellung neben einigen anderen Schlachtenbildern, wegen der fehr gefchickt wiedergegebenen eigenthümlichen Gegend und Nebenumftände befondere Beachtung fanden. Die belgifche Kunft verewigte die Harangue des Bürgermeifters von Antwerpen, der die Bürger zur wackeren Vertheidigung der Stadt auffordert, dann den Rückzug der Vogefen- Armee 1871 in die Schweiz, und eine Epiſode von Sedan. - - Am reichften waren Bilder vom Kriege in Deutfchland ausgeftellt, und bildeten wie natürlich die letzten Riefenkämpfe den Vorwurf zu den gelungenften Gemälden. Ernfte Kämpfe, das Marfch- und Lagerleben, treue Kameradfchaft, hingebende Liebe und Anhänglichkeit zu bewährten Führern, mit einem Worte alle Kriegertugenden fanden ihre bleibende Würdigung durch die Kunft, welche auch der aufopfernden Menfchenliebe in den, Weinbergen bei Wörth" und , barmherzige Schweftern auf dem Schlachtfelde" ein ehrendes Denkmal widmete. In das Gebiet des Genrebildes gehört zwar die Darftellung des„ Eintreffens der Siegesnachricht von Sedan in einer Stadt", doch, indem fie die Theilnahme des Volkes an den Gefchicken der Armee illuftrirt, verdient fie gewifs ebenfo Beachtung, als die ,, preufsifchen Werber" den ungeheueren Unterfchied zwifchen geworbenem und dem aus der allgemeinen Wehrpflicht gebildeten Volksheer markiren. Das Heerwefen. 29 Oefterreich hatte nur einen geringen Theil feiner überreichen Kunft. fchätze zur Weltausftellung gefendet, und fand ,, Herzog Leopold des Glorreichen Heimkehr vom Kreuzzuge", die grofse" Türkenfchlacht von Wien 1683", dann die Darftellung der Schlachten von Kollin, Würzburg und Neerwinden allgemeinfte Würdigung. Die grofsen Schlachtbilder, welche die Ruhmeshalle des Arſenales fchmücken und auf der Weltausftellung in Skizzen zu den Gemälden der Schlachten von Hochkirch, Caldiero, Piacenza und Afpern vorhanden waren, fowie die Darftellungen der Attaque von„ Trani- Uhlanen", der„ Erftürmung des Belvederes"( beide Epifoden aus der Schlacht von Cuftozza), dann des Reiter. gefechtes von Langenbruck; vor Allem aber jene des See- Sieges bei Liffa, zeigten aller Welt den Ruhm ererbter, allzeit erprobter öfterreichiſcher Tapferkeit, welche im Vereine mit opferwilliger, unerfchütterlicher Treue und Hingebung fo oft zu antiker Heldenkühnheit fich emporfchwang. Die Ruhmeshalle im Arfenale, die Monumente in der Refidenz, in den grofsen Städten des Reiches und an der Heerftrafse, verkünden die Thaten des ruhmgekrönten Feldherrn wie des Fuhrwefen- Soldaten, und ehren das Andenken jener, die für das Vaterland auf dem Felde der Ehre geblieben find. Die Denkmäler auf den fchneeigen Höhen der Alpen, in den fandigen Niederungen der Flüffe, an den fonnenumgoldeten, palmengefchmückten Küften des Mittelmeeres, wie am fernen, wogenumbrauften Strande des Kattegat und der Nordfee, werden unferen fpäteften Enkeln erzählen, dafs Oefterreichs Söhne, überall und immer, ehrenvoll, tapfer und treu ihre Pflicht erfüllten. Monumente und Gemälde, als directe Schöpfungen der bildenden Kunft, find von mächtiger allgemeiner Wirkung auf den Geift einer ganzen Nation, während jene in zahlreichen Exemplaren verbreiteten graphifchen Darft ellungen einzelner Epifoden( doch auch Töchter der Kunft), Wort und Schrift ergänzend, unmittelbar auf Aug und Sinn, daher auch auf Verftand und Gemüth wirkend, auf den Geift und die Stimmung des Volkes wie des Heeres einen höchft bedeutenden Einfluss ausüben, deffen Stärke mit der allgemeinen Bildung im Verhältniffe fteht. Welche Fortfchritte die letztere feit Kurzem gemacht hat, wie gerade fie fo recht berufen ift, unbedingte Pflichttreue und Vaterlandsliebe zum unbeftrittenen Gemeingute Aller zu machen, und die Confequenzen der allgemeinen Wehrpflicht im beften Sinne zu entwickeln, zeigte auf der Weltausftellung die Gruppe XXVI: Erziehungs- und Unterrichtswefen. Der Grundfatz:" Wiffen ift Macht!" hat fich bereits überall Geltung erworben, und darf es gewifs ein erfreulicher Fortfchritt genannt werden, dafs fämmtliche Länder bemüht waren, diefe Macht fo reich und fo gediegen als möglich der Welt zu zeigen. Wenn auf früheren Weltausftellungen die materielle Stärke forgfältig zur Schau geftellt, und mit einem gewiffen Selbftgefühl gezeigt wurde: das können wir", fo hat die Wiener Weltausftellung den Wettkampf der geiftigen Kraft in die Schranken gerufen, und auch die Devife:„ das wiffen wir" zu Ehren gebracht. Wer die Unterrichts- Ausftellungen Frankreichs, Deutfchlands und O efterreichs eingehender betrachtet und verglichen hat, wird namentlich viel Anregung und Belehrung gewonnen haben. So intereffant und verlockend es auch wäre, bei den erwähnten LehrmittelAusftellungen zu verweilen, fo ift es doch die Volksfchule, welche als Bafis der allgemeinen Bildung in erfter Linie die Aufmerkfamkeit in Anspruch nimmt. Die Schweiz hatte Producte der Volksfchule, Portugal, Amerika, Schweden und Oefterreich dagegen vollständig eingerichtete Mufter- Schulhäufer der Befichtigung und der Beurtheilung geöffnet. Das portugie fifche 30 Rudolf Baron Potier des Echelles. Schulhaus liefs im Allgemeinen kalt; es machte den Eindruck des Zufammengetragenen, des Erkünftelten, und ſtatiſtiſche Daten über den Percentfatz der des Lefens und Schreibens Kundigen beſtätigen diefe Meinung. Uebrigens ift vielleicht das ausgeftellt gewefene Schulhaus das Samenkorn, aus dem auch einft in Portugal die fegenfpendende Geiftesfaat zu reicher Frucht gedeiht, in welchem Sinne dann das befcheidene Schulhaus immerhin providentiellen Werth befafs. Amerika trat entfchieden auf! Hier war bereits Vorhandenes, Ausgebil detes. Das klare Bewufstfein des Wollens, der praktiſche Sinn, die Jugend fchon für den Ernft und die Härten des Lebens vorzubereiten und zu ftählen; die Ausprägung eines ftark ausgeprägten Selbftgefühles und Nationalftolzes, als Refultat lebhaft empfundener Vaterlandsliebe, trat in fcharfen Zügen kräftig zu Tage und auch die innere Einrichtung entſprach den„ künftigen Bürgern der Vereinigten Staaten". Das fchwedifche Schulhaus konnte in allen Einzelnheiten als das Ideal einer Volksfchule gelten, obgleich Manches zu viel erſchien. Auf die Entwicklung eines fehr regen Patriotismus legt die fchwedifche Volksfchule entfchieden hohen Werth, und indem das Kind die Heimat und deren Gefchichte kennen lernt, lernt es auch fie lieben, und nur der mag fich einen„ Weltbürger" nennen, der erft ein treuer Bürger feines Vaterlandes ift. Das öfterreichifche Schulhaus hat, weil es eben wahr und wirklich iſt, weil es in Praxis fein kann, was es fein will, vom Augenblicke feiner Eröffnung an entfchiedenften Beifall und Zuftimmung gefunden, die fich am klarften durch den Umftand manifeftirte, dafs aus vielen Kronländern, ja felbft aus Sachfen und Franken Pläne und Entwürfe verlangt und meift zur Ausführung acceptirt wurden. Doch wurde vielfach die Frage aufgeworfen: ob es wohl möglich fein werde, diefer Volksfchule überall in Oefterreich Geltung zu verfchaffen. In einem Lande, welches, wie Oefterreich, binnen wenig Wochen aus Privatmitteln 275.000 fl. zu rein wiffenfchaftlichen Zwecken gab( Polar- Expedition), in welchem von anonymen Perfonen binnen 10 Tagen 25.000 fl. zur Erbauung diefer Schule einliefen, deffen Wohlthätigkeitsfinn in allen Landen bekannt ift: darf diefe Frage entfchieden bejaht werden, darf die Schule das Befte erwarten. Und diefe wieder, in ihren Folgen das ficherfte Capital bildend, welches wir unferen Erben hinterlaffen können, lohnt mit reichften Zinfen; denn nur die Schule ift es, von welcher die vollkommene Regeneration ausgehen kann, nur die Schule vermag ein von hingebendfter Liebe zu Kaifer und Reich durchdrungenes Volk heranzubilden. Die Sinnfprüche, welche im öfterreichifchen Schulhaufe die Halle, das Zimmer, den Turnfaal fchmücken, fie prägen dem Kinde fchon die Liebe zum Vaterlande ein, deffen Vertheidigung die heiligfte Pflicht des Mannes ift, und deren ganze Bedeutung dem Soldaten um fo klarer und bewusster fein wird, je ftärker fchon in der Schule die Tugenden des Gehorfams und der Pflichttreue entwickelt wurden. Der Krieg von heute ift im vollften Sinne des Wortes ein Krieg des Volkes gegen fremdes Volk. Was aber folgt daraus? Die in Bewegung gefetzten Maffen bleiben eben Maffen, ein Spiel der Zufälle, wenn fie nicht durch einen aufopfernden Geift verbunden, wirklich fähig find, den Krieg zu führen. Die tofenden Wogen erregter Maffen zerftieben in Atome an dem Felfen eines durch ernften Willen der Aufopferung für das Vaterland geeigneten und begeiſterten Volkes. Nicht um die Maffe der zu Gebote ftehenden Streitkräfte handelt es fich nicht um den Körper, fondern um den Geift, der ihn befeelt, ihn zur That erft fähig macht. Die Schule für das ganze Volk, für alle Stände, fomit auch für das Heer von entfcheidendftem Einfluffe, gibt dem Ganzen die Weihe des Geiftes. Sie ist das Fundament eines jeden geordneten Staatswefens; in ihr liegt für alle Zukunft die Bürgfchaft eines mächtigen, reichen und vor Allem eines glück lichen Oefterreichs. - WA 87/12 28. TMW- Bibl WA 87/17 d FRANZ JOSEF I VIRIBUS UNITIS ELISABETH OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT ZU PRAG. MARINE WESEN. ( Gruppe XVII, Section 1 bis 4.) BERICHT von ALEXANDER FRIEDMANN, Civilingenieur in Wien. Mit 109 Holzschnitten und 19 lithografirten Tafeln. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. Preis: 6 fl. LXIII. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, к. K. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. MARINEWESEN ( Gruppe XVII, Section 1 bis 4.) BERICHT VON ALEXANDER FRIEDMANN, Civilingenieur in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874 MARINE WESEN. ( Gruppe XVII, Section 1 bis 4. Bericht von ALEXANDER FRIEDMANN, Civilingenieur in Wien. Vorbemerkung. Zunächft eine Erklärung über die Tendenz diefes Rapportes: In mehreren Continentalftaaten ift die Wichtigkeit des Seewefens nicht in dem vollen Mafse gewürdigt, und fteht der Seeverkehr nicht auf der hohen Stufe der Entwicklung, welche im Intereffe der Wohlfahrt des betreffenden Landes zu erreichen wäre. Bei uns in Oefterreich ift wohl die Kriegsmarine fehr tüchtig und führt nicht nur Kriegspflichten, fondern auch Friedensaufgaben, wie die Novararéife und die oftafiatifche Expedition, feemännifch mit Vollkommenheit durch; die Donau- Dampffchifffahrts- Gefellſchaft ift das gröfste derartige Inftitut Europas und gut geleitet; auch des öfterreichifch- ungarifchen Lloyd neuere Schiffe, in Oefterreich gebaut, find vorzüglich entworfen und ausgeführt; die Küftenlänge ift grofs, die Matrofen find gut, die Lage der Häfen, zumal feit Eröffnung des Suezcanales ift günftig nichtsdeftoweniger hat das Seewefen mit der rapiden Entfaltung der vielen anderen Thätigkeitsgebiete unferes Staates nicht gleichen Schritt gehalten. Eine gewichtige Urfache hierfür liegt in der unrichtigen Anfchauung vieler Kaufleute des Haupthafens Oefterreichs, welche glauben, dafs die Spedition und Trieft um fo beffer gedeihe, je länger ein Schiff braucht und je mehr Boote und Laftträger nothwendig find, um die angelangten Waaren aus dem Schiffe in den Eifenbahn- Waggon und aus dem Eifenbahn- Waggon in den Schiffsraum zu bringen, in diefem Sinne wirkfame Verbefferungen hintanhalten oder verzögern und fo den Verkehr zum Theile auf andere Wege drängen, über Häfen, welche zwar weniger günftig gelegen, aber mit allen modernen Hilfsmitteln rafcher Umladung, billiger Waarenlagerung und leichter Inftandhaltung der Schiffe ausgeftattet find. Eine nicht minder wirkfame Urfache des Zurückbleibens unferes Seeverkehres liegt aber auch darin. dafs das Marinewefen von der Bevölkerung und fogar von den meiften unferer Ingenieure wie ein geheimnifsvolles Buch betrachtet wird, das dem„ fern vom Strande Lebenden" ewig verfchloffen bleibt. I* 2 Alexander Friedmann. In unferen Mittelfchulen wird nicht ein Jota übers Marinewefen vor. getragen, felbft an unferen techniſchen Hochſchulen wird dem Erfolge nach fo gut wie Nichts darüber gelehrt. Denn, obgleich alle einfchlägigen Disciplinen, wie Mafchinenlehre, Eifenconftructions- Lehre, Baukunft, Geodäfie etc. etc., docirt und deren Anwendung und Bedeutung für die verfchiedenartigften Induſtrien demonftrirt werden, wird gerade des Seewefens kaum Erwähnung gethan; und da nur die wenigften der Schüler das Meer und die Thätigkeit in Seehäfen aus eigener Anfchauung kennen, fo deuten fie diefs Uebergehen des Marinewefens als Folge entweder der Unwichtigkeit oder der abfoluten Fremdartigkeit desfelben. So fehlt dem Seewefen bei uns, was der Entwicklung des Eifenbahnwefens fo fehr zu Gute kam, zu einer Zeit fchon, wo ein Eifenbahn- Tunnel für die Meiften ebenfo wenig durch eigenen Augenfchein gekannt war, wie heute ein Seehafen- das Intereffe für die Sache. Die Theilnahme für jede Angelegenheit beruht immer auf einigen Kenntniffen von den Zwecken und Bedingungen des Beftandes diefer Angelegenheit, Kenntniffe, welche, wenn auch urfprünglich unbeftimmt, doch oft den Keim bilden für weiteres Verfolgen des Gegenftandes und fogar für perfönliches Eingreifen zu Gunften desfelben. Eine allgemeinere Kenntnifs des Seewefens würde manch' irrige Anfchauungen berichtigen oder deren fchädigende Geltendmachung erfchweren, das Intereffe für deffen Entwicklung reger halten und mit der Zeit zur Folge haben, dafs Capitalien für Seezwecke leichter aufzubringen wären, und unfere Seeküfte, welche durch die Eifenbahn von Wien nur noch 14 Stunden entfernt ift, einem gröfseren Verkehre dienen würde, als bislang der Fall war. Aus diefen Gründen wird in dem nachftehenden Rapporte das Seewefen in der Weife behandelt, dafs auch der Nicht- Seemann daran Intereffe finden könne, und neben Befchreibung und Zeichnung Alles deffen, was in der Gruppe XVII der Weltausftellung für den Fachmann der Erinnerung werth ift, auch verfucht, die Erkenntnifs der Wichtigkeit des Seewefens befonders in Oefterreich in weitere Kreife zu bringen. Defshalb werden auch zu Anfang einer jeden Abtheilung diefes Berichtes erft immer diejenigen Grundgedanken und Gefchehniffe- fo weit die Ausftellung der Gruppe XVII hiezu Anlafs gibt- dargelegt, welche die entſprechenden Beftrebungen der Fachleute kennzeichnen, und Abbildungen auch von folchen ausgeftellten Objecten des Seewefens gegeben, welche wohl für den Specialiſten nichts Neues bieten, dem Nicht- Fachmann aber als Typus der Schöpfungen im betreffenden Gebiete des Seewefens gelten können und das Verftändnifs des erzielten oder erwünfchten Fortfchrittes erleichtern. Ueberficht. Wer in der Weltausftellung den Reichthum und die ungeheuere Ausdehnung der von dem kleinen England beherrschten Colonien in ihren Producten und Karten bewundert und die Entwicklung diefer Herrfchaft und ihre Confequenzen für alle Welt überdacht hat, braucht in diefem Berichte nicht erft eine Erklärung über die Wichtigkeit des Seewefens, felbft wenn vergeffen würde, dafs auch die mächtige Republik der Vereinigten Staaten von Nordamerika nur eine Tochter diefes felben England ift. Wem aber folche Erfolge zu grofs find, als dafs er fie zum Ausgangspunkte nehmen mag für die Frage, ob das Seewefen dem eigenen Lande, das geographifch ganz anders geftaltet ift, von Wichtigkeit fei, der wird doch die nüchterne Thatfache nicht verkennen, dafs der Seeverkehr einem Induftrieftaate den Handel mit allen culturfähigen Völkern der Erde ermöglicht. In der That werden dem Staate, welcher den Seeverkehr zu nutzen weifs, die Bezugsquellen für die Rohmaterialien vervielfältigt und die Abfatz Marinewefen. 3 gebiete für feine Induftrie- Erzeugniffe weit über die Grenzen des Nachbarftaates ausgedehnt. So wird das Material zur Arbeit vermehrt und die Sicherheit des Verkaufes der Erzeugniffe, die Bürgfchaft diefer Arbeit, weil nicht mehr abhängig von den Ernte- Ergebniffen oder fonftigen veränderlichen Verhältniffen einzelner Provinzen oder Nachbarländer, gefteigert. Diefer Erfolg kann materiell allerdings auch durch den vermittelnden Seeverkehr anderer Staaten erzielt werden, und wenn ein Induſtrieftaat, wie die Schweiz z. B., keine Seeküfte hat, bleibt ihm auch kein anderer Weg übrig Hiedurch erwächft aber nicht nur eine grofse Abhängigkeit von den Zuftänden des vermittelnden Seeftaates, fondern es entgehen dem eigenen Staatsbürger die gewichtigen, intellectuellen Vortheile, die fonft der directe Verkehr mit fernen Ländern und die unmittelbare Erkenntnifs ihrer Zuftände und Bedürfniffe mit fich bringen; ganz abgefehen davon, dafs der Seeverkehr an fich eine grofse Induftrie darftellt, deren Förderung dem Staate zu Gute kommt wie die Förderung der Induftrie überhaupt. Das Seewefen nun hat die Aufgabe, den Seeverkehr ficher, rafch und billig zu geftalten. Was die bereits erzielte Rafchheit der Seefahrten anbelangt, fo genügt zu deren Würdigung zu erinnern, dafs ein guter Dampfer die Fahrt von Europa nach Amerika, welche früher 6 bis 8 Wochen erheifchte, heute in 9 bis 10 Tagen zurückzulegen vermag. Auch die Sicherheit ift bereits weit gediehen. Eine englifche Gefellſchaft, die feit zwanzig Jahren in Taufenden von Fahrten über eine Million Paffagiere über den Ocean gebracht hat, rühmt fich, dafs noch kein einziger ihrer Paffagiere in der See umgekommen ift. Wenn nun auch diefe Behauptung fo weitgehend ift, wie fie nicht einmal die beftverwaltete Eifenbahn für ihren Perfonenverkehr aufftellen könnte und wir jedenfalls eine fo gar grofse Sicherheit zur See noch nicht erreicht haben, fo ift es doch gewifs, dafs fchon heute die Zahl der Unglücksfälle mit Dampffchiffen im Verhältniffe zur Zahl der beförderten Perfonen nicht den zwanzigften Theil der früheren beträgt, welche vor Erfindung der Dampffchiffe fich ereigneten. Freilich find auch diefe verhältnifsmäfsig feltenen Unglücksfälle durch die Menge der dadurch Betroffenen und durch die Tragik der Scenen, die fich hiebei meift zu ereignen pflegen, abfchreckend genug, und es mufs noch Vieles verbeffert werden; immerhin ftellt aber fchon das jetzige Stadium des Seeverkehres in Bezug auf Rafchheit und Sicherheit gegen ehedem einen grofsen Erfolg dar. Diefer Erfolg ist nun nicht dem Dampffchiffe allein zu danken; denn nicht die offene See allein, auch die Küften und Untiefen bergen Gefahren; nicht die Gefchwindigkeit des Schiffes allein, auch die Mittel zur Beftimmung der zu verfolgenden Richtung im Meere, die Leichtigkeit der Einfahrt und des Aus- und Einladens im Hafen bedingen die Rafchheit des Seeverkehres; nicht allein der Preis der Kohlen und Schiffsmaterialien, auch die Tüchtigkeit der Seeleute, die geeigneten Vorkehrungen zur Inftandhaltung der Schiffe und der wirkfame Schutz der ganzen Handelsintereffen bedingen die Billigkeit des Seeverkehres. Diefs Alles nun erheifcht eine ganze Fülle von Vorkehrungen: Genaue Seekarten und finnreiche Inftrumente, zu deren Schaffung erft die Aftronomie und die ganze Phyfik ihre Lehren geben mussten, orientiren den Führer des Schiffes auf offener See bei Tag und bei Nacht, bei Sonne und bei Nebel über die Stelle, wo er fich befindet, und über die Richtung, die er einzufchlagen hat. Leuchtthürme und Warnzeichen, deren Errichtung und Betrieb die Intelligenz und die Thätigkeit einer Menge tüchtiger Leute, erheifcht, warnen den Seemann vor den Gefahren der Küften und Untiefen. Geräumige Häfen, durch kunftreiche Dämme und fchwierige Uferbauten gefchaffen, bieten dem Schiffe nach vollendeter Fahrt ficheren Aufenthalt; Hebe 4 Alexander Friedmann. vorrichtungen und Waarenmagazine den Quais entlang errichtet, ermöglichen ein rafches Ein- und Ausladen, Trockendocks und Reparatur- Werkftätten eine gute Inftandhaltung der Schiffe. Fifcherei, Salinen und fonftige mit dem Seewefen zufammenhängende Gewerbe, vom Staate an einer möglichft langen Küfte beftens gefchützt, fördern die Heranbildung des Matrofen, indem fie ihn von Kindheit an mit dem Elemente feines fpäteren Berufes vertraut machen. Ein gutes Confulatswefen erleichtert den heimifchen Bürgern die Benützung der fremden Gefetze zur Förderung gerechter Intereffen und Bewahrung vor willkürlichen Schädigungen. Eine gute Kriegsmarine endlich fichert im Frieden den Schiffen zur See, im Kriege den Häfen des Landes die Freiheit des Verkehres. Man fieht alfo, das Seewefen ift der Inbegriff zahlreicher, grofsartiger Veranftaltungen, die allenthalben fchon defshalb volle Aufmerkfamkeit verdienen, weil zu ihrer Schaffung und Erhaltung die beften Elemente menfchlicher Leiftungsfähigkeit angeregt und bethätigt werden, deren allgemeinere Kenntnifs aber für den Bürger von Oefterreich, das an der Adria feit Eröffnung des Suezcanales eine fo günftig gelegere Küfte befitzt, erhöhte Bedeutung haben würde, da mit der erweiterten Kenntnifs der Hilfsmittel des Seeverkehres auch die beffere Ausnützung der geographifchen Vortheile des Landes Hand in Hand gehen würde. Entſprechend der vorſtehenden Ueberficht wird der Rapport in die folgenden Abfchnitte eingetheilt: 1. Schiffe für Handelsmarine, Kriegsmarine und Binnengewäffer. 2. Mafchinen und Mittel zur Bewegung des Schiffes. 3. Seekarten und Apparate zur Orientirung des Schiffsführers auf offener See. 4. Leuchtthürme und Warnzeichen zur Orientirung des Schiffsführers in der Nähe der Küfte. 5. Seehäfen und Mittel zum Aus- und Einladen, Reinigen und Repariren der Schiffe. 6. Fifcherei, Seeinduftrie und Rettungswefen. Schiffe für Handelsmarine, Kriegsmarine und Binnengewäffer. Allgemeine Principien, Formen und Dimenfionen. Zur Vorficht eine Verſtändigung über einige wenige Grundbegriffe: Jedes Schiff, welches immer fein Zweck oder feine Bauart fein mag, mufs ft abil, feft und lenkbar und im Verhältniffe zur disponiblen Triebkraft gefchwind fein; ein Schiff für den Seeverkehr mufs überdiefs, behufs Seetüchtigkeit, durch feinen Bau und feine richtige Ladung gegen die Ueberfluthung durch die Wellen gefichert und zur rafchen Behebung von Havarien gut bemannt und genügend ausgerüftet fein. Ein Schiff ift ftabil, wenn es im ruhigen Waffer aufrecht fchwimmt und im bewegten Waffer fich fo verhält, dafs es durch den Einfluss der gröfsten Wellen und des ftärksten Windes der Gegenden, die es zu paffiren hat, aus feiner Gleich Marinewefen. 5 gewichtslage gebracht, von felber immer wieder in feine aufrechte Lage zurückfchwingt.* Ein Schiff ift feft, wenn es unter dem Andrange der gröfsten Wellen und des ftärksten Windes und unter dem Einfluffe all' der vielen Schwingungen, die es durchzumachen hat, weder Brüche oder Deformationen erleidet, noch im Verbande feiner einzelnen Theile undicht oder gelockert wird. Ein Schiff ift richtig geladen, wenn die Ladung im Schiffsraume fo vertheilt ift, dafs hiedurch die Stabilität und Schwingungsdauer des Schiffes weder zu grofs noch zu klein wird, und das Verhältnifs feiner vorderen und hinteren Eintauchung die Lenkbarkeit und Gefchwindigkeit des Schiffes nicht beeinträchtigt. Die Schiffs- Baukunft ift nun wohl dahin gelangt, dafs ein Schiff für die Aufgabe, der es zu dienen hat, in jeder Beziehung vollkommen entſprechend gebaut werden kann. Ein Schiff aber, das z. B. auf einem Teiche vollkommen ficher und zweckmäfsig ift, wird auf einem Strome, wie die Donau, fchon bedenklich und auf bewegter See unmöglich fein. Ein Schiff, welches für Segelbetrieb oder die offene See leicht und fchlank erfcheint, kann für Dampfbetrieb oder für ruhiges Gewäffer fchwerfällig und unbrauchbar fein. Ein Schiff, welches mit mäfsig hohen Borden, aber recht fchwimmfähig gebaut, bei beftimmter, richtig vertheilter Ladung nachgiebig, leicht fich hebt und mit Sicherheit über die Wogen gleitet, kann mit zu grofser oder falfch vertheilter Ladung von Sturzwellen überfluthet werden. Ein Schiff, deffen Schwerpunkt nach richtiger Ladung fo fituirt ift, dafs das Schiff in grofsen, fanften Schwingungen keine befondere Inanspruchnahme zu erleiden hat, kann dadurch, dafs man es zu ftabil geladen( z. B. bei Transport von Eifenbahn- Schienen diefe zu tief unten im Schiffsraume gelagert hat), fo kurz, rafch und heftig fchwingen, dafs der Verband( namentlich bei Holzfchiffen) gelockert und das Schiff leck wird oder feine Maften verliert. Endlich mag ein Schiff, welches mit genügender Bemannung und Ausrüftung im Stande ift, rafch Havarien zu befeitigen und das Leckwaffer auszupumpen, gefahrlos fein, während dasfelbe Schiff in Ermanglung diefer Bedingungen von den Wellen begraben werden kann. Der Begriff der Seetüchtigkeit ift alfo ein relativer und hängt nicht nur von der Bauart des Schiffes, fondern auch von der Art feiner Ver wendung ab. * Zur Erklärung diefes Zurückfchwingens des Schiffes: Sei Fig. 1 die Querfection eines Fig. 1. SF Fig. 2. D D' Schiffes in aufrechter Lage, S der Schiffs- Schwerpunkt, D der Schwerpunkt der verdrängten Waffermaffe. oder Deplacement- Schwerpunkt. Der Schiffs- Schwerpunkt S ift der Angriffspunkt der Refultirenden, mit welcher die Schwere das Schiff nach abwärts zieht, der Deplacement- Schwerpunkt D der Angriffspunkt der Refultirenden, mit welcher das Waffer das Schiff nach aufwärts drängt. Wenn, wie in Fig. 1, D fenkrecht unter S liegt, heben fich die beiden Kräfte auf und das Schiff ift im Gleichgewichte. Wird das Schiff, wie in Fig. 2, geneigt, fo verrückt fich in Folge der eigenthümlichen Form des Schiffes der Deplacement- Schwerpunkt von D nach D' und drängt fonach die Refultirende des Auftriebes des Waffers, die jetzt im neuen Deplacement- Schwerpunkt Dihren Angriffs. punkt hat, das Schiff in die urfprüngliche Lage wieder zurück. 6 Alexander Friedmann. Diefs wird laut beftätigt durch die Inveftigationen der noch tagenden Enquête commiffion des englifchen Parlamentes, welcher die Aufgabe geworden ift, zu ermitteln, ob die von dem Mitgliede Plimfoll erhobenen furchtbaren Klagen über das Los vieler englifcher Matrofen, die feiner Angabe nach auf wurmftichigen Schiffen gewiffenlofer Schiffs eigenthümer dem Wellentode preisgegeben werden, gerechtfertigt find. Es erweift fich da, dafs felten böfe Abficht und nicht fo oft fchlechter Zuftand der Schiffe, aber weit häufiger die unrichtige Verwendung derfelben zu den vielen Unfällen Anlafs gibt. Die Schiffe find entweder, um ihre Fahrten möglichft lucrativ zu geftalten, weit über ihre Tragfähigkeit belaftet oder aus zu grofser Sparfamkeit nicht genügend bemannt und ausgerüftet, oder fie werden, obwohl nur für kurze Küftenfahrten gebaut, zu Reifen über den Ocean verwendet. Wenn nun in folchen Fällen Unglück fich ereignet, trifft freilich den Schiffseigenthümer manchmal die Schuld, immer aber der Verdacht. Die Schiffe find gewöhnlich bei den Affecuranzgefellſchaften verfichert, welche die Menge und namentlich die Art und Weife ihrer Beladung nicht gut controliren können, und überdiefs wegen der Concurrenz felbft Schiffe, welche ganz entfchieden zu niedrige Borde haben, in die Verficherungslifte aufnehmen. Geht dann ein folches Schiff verloren, fo trifft Schaden und Unglück nicht den Schiffseigenthümer, fondern lediglich die Matrofen, welche zwar die Gefahren des Elementes kennen, aber doch meift ohne alle Schule, Bildung und felbftftändiges Urtheil find, und ihr Leben der Unwiffenheit des Schiffs eigenthümers oder der Empirie des Schiffers anvertrauen. Es fei damit natürlich nicht gefagt, dafs die Unbildung der Matrofen allein an Allem Schuld fei; es follten gewiffe Schiffsbauer verantwortlich gemacht werden, welche bei den Neubauten fchlechtes oder zu fchwaches Material verwenden oder, wie vorgekommen, vorhandene Schiffe dadurch vergrössern, dafs fie fie verlängern, ohne fie gleichzeitig zu verſtärkenes follte das Affecuranzwefen fo geändert werden, dafs die Gewiffenlofigkeit felbft der wenigen, allerdings nur Ausnahmen darftellenden Schiffseigenthümer fich nicht fo leicht bethätigen könne-es follten für den Seeverkehr internationale, fcharfe und präcife Gefetze gefchaffen und zur gleichen Geltung für alle feefahrenden Nationen gebracht werden, fo dafs die Unterlaffung geeigneter Sicherheitsvorkehrungen und der exiftirenden Signalifirungs- und Fahrvorfchriften allenthalben verfolgt werden könne, und zwar nicht nur in den feltenen Fällen, wo was paffirt, und in den noch felteneren Fällen, wo das fchuldtragende Schiff nicht in einen fremden Hafen zu entwifchen vermag, fondern auch in folchen weitaus meiften Fällen, in welchen die Unterlaffungen wohl keinen unmittelbaren Unfall verurfachen, aber gerade dadurch und dafs fie nicht geftraft werden können, die Indolenz grofsziehen, der zu Folge es vorkommt, dafs Schiffe bei klarem Himmel auf ruhiger See in meilenweitem Fahrwaffer wie von Blinden geführt einander in den Grund fahren- es follte aber auch bedacht werden, dafs, wie beffere Schulbildung ja allenthalben Vortheil bringt, auch mit belehrteren Matrofen, für welche, wie es fcheint, gerade in England Schulen als das Entbehrlichfte betrachtet werden, Vorfichtsmafsregeln beffer durchgeführt, die Sicherheit fonach im Allgemeinen gröfser und Unglücksfälle auch bei kleineren Schiffen feltener fich ereignen würden. Ift nun der Anſpruch, der an die Stabilität eines jeden Schiffes geftellt wird, zunächft der, dafs es auch bei den ftürmifcheften Wellen der Gewäffer, welche es zu paffiren hat, nicht umfchlägt oder nicht unter die Wellen fährt, fo ift der Anfpruch bei guten Schiffen dahin gefteigert, dafs fie ft etig, das heifst die Schwingungen derfelben möglichft gering und fanft feien. Die Gröfse und Heftigkeit der Schwingungen eines Schiffes find unter onft gleichen Umständen von der Gröfse und Form des Schiffes bedingt. Marinewefen. 7 Bei der Beftimmung der Gröfse und Form find aber nicht nur Rückfichten für die Schwingungen des Schiffes, fondern ebenfo Rückfichten für feine fpecielle Beftimmung, feine Gefchwindigkeit, Feftigkeit und Lenkbarkeit mafsgebend Es ift zunächft evident, dafs ein Kriegsfchiff, welches oberhalb der Wafferlinie mit 10- oder gar 14zölligen Panzern umgeben ift, und deffen riefige Kanonen naturgemäfs möglichft hoch oberhalb der Wafferlinie fituirt find, in anderer Weife zu fchwingen die Tendenz hat, und alfo ganz andere Formen erheifcht, als ein Perfonen- Schnelldampfer, welcher z. B. den Verkehr zwifchen New- York und Hamburg vermittelt und oberhalb der Wafferlinie lediglich Salons und Schlafcabinen enthält. Einen nicht minder grofsen Einflufs hat die Rückficht für die Gefchwindig. keit eines Schiffes. Die Gefchwindigkeit eines Schiffes ift um fo gröfser, je kleiner im Verhältniffe zur Triebkraft der Widerftand ift, den ein Schiff bei feiner Fahrt. zu überwinden hat. Diefer Widerftand ift unter fonft gleichen Verhältniffen um fo kleiner, je leichter ein Schiff im Verhältniffe zu feiner Gröfse ift; je kleiner die Fläche der ins Waffer getauchten gröfsten Querfection( Hauptfpantes) im Verhältniffe zum benutzten Volumen, refpective zur Ladungsfähigkeit des Schiffes ift; je leichter der ins Waffer getauchte Vordertheil des Schiffes das Waffer vor fich her zertheilt und mit je weniger Wirbeln und Wellen das Waffer nach Paffirung der gröfsten Querfection des Schiffes fich fchliefst, und an den Hintertheil fich anfchmiegt. Die Mittel zur Realifirung jeder diefer vier Bedingungen ftehen unter einander und alle wieder mit den Bedingungen zur gröfseren Stabilität des Schiffes im Widerfpruche. So ift es evident, dafs ein Schiff verhältnifsmässig umfo leichter ift, je geringer feine Oberfläche im Verhältniffe zu feinem Volumen ift. Es müfste alfo ein Schiff, um der zuerft erwähnten Bedingung der möglichften Leichtigkeit zu entſprechen, fich möglichft der Kugelform nähern. Ein folches Schiff wäre aber nichts weniger als ftabil und die directe Verläugnung der gleich darauf erwähnten Bedingungen. Die vorerwähnte Bedingung, dafs die ins Waffer getauchte Fläche des Hauptfpantes im Verhältniffe zum benutzbaren Volumen des Schiffes möglichft klein fei, würde erheifchen, dafs das Schiff fehr lang, vorne und hinten möglichft voll und, um der Stabilität zu entſprechen, möglichft breit, fomit auch feicht fei; dem Allen zu genügen, müfste aber das Schiff eine grofse Oberfläche erhalten, demnach fehr fchwer werden und fofort der Bedingung der Leichtigkeit und überdiefs auch den Bedingungen widerfprechen, welche erheifchen, dafs das Schiff nach vorne fchneidig und nach rückwärts fifchfchwanzförmig zulaufe und tief fei. Zu All' dem gefellen fich noch die Rückfichten für die Feftigkeit, denen zu Folge das Schiff mit möglichft geringem Aufwand von Conftructionsmaterial dem riefigen Gefammtdrucke des Waffers von Aufsen nach Innen und von Unten nach Oben widerftehen mufs, ohne fich zu deformiren, auf die Seite fich mufs neigen können, ohne eingedrückt zu werden und über die Wellenberge fahrend, manchen Moment mit dem ganzen Vordertheil aufser Waffer gleich darauf wieder mit dem Mitteltheil hohl liegend über ein Wellenthal gleiten mufs, ohne abzubrechen. Die Form eines Schiffes mufs demnach fo gewählt werden, dafs all' den vorerwähnten Bedingungen gleichzeitig möglichft entfprochen werde und überdiefs die Lenkbarkeit des Schiffes gefichert bleibe. Von den ausgeftellt gewefenen Schiffen find in den beiliegenden Tafeln I bis IX Specimen aufgezeichnet, welche fo geformt find, wie das heutige Stadium der Anfchauungen fie als mufterhaft erklärt. Doch fei bezüglich der Perfonendampfer fofort erwähnt, dafs, wenn diefelben auch den Anfprüchen, welche der Seemann an die Stabilität ftellt, voll 8 Alexander Friedmann. kommen entfprechen, der Reifende, dem die Schwingungen auch diefer Schiffe noch immer häufig die Seekrankheit erzeugen, noch lange nicht damit zufrieden fein kann. Und da die Seekrankheit ein mächtiges Hindernifs für den Perfonenverkehr zur See darftellt, fo fei nachftehend der feit der 1867er Ausftellung gemachten Vorfchläge Erwähnung gethan, welche der Ueberfahrt zwifchen England und dem Continente gelten, und, obgleich nicht auf der letzten Weltausftellung repräfentirt, doch fowohl wegen der Bedeutung der Urheber als wegen des wichtigen Zweckes, den fie verfolgen, hier nicht gut übergangen werden können. Der erfte Vorfchlag rührt von Scott- Ruffel her. Scott- Ruffel fchlägt vor, ein Schiff nach Art der Flufsfähren- Schiffe, nur dem Seebedarfe entfprechend, zu conftruiren und lurch bewegliche, fchiefe Ebenen abwechselnd mit den Eifenbahn- Stationen Calais und Dover fo in Verbindung zu bringen, dafs die Eifenbahn- Züge vom Lande direct auf das Fährenfchiff, refpective von diefem aufs fefte Land fahren können und alfo die Reifenden, wenn fie nicht auf der Fähre felbft gerne ausfteigen wollen, ohne den Waggon zu gerlaffen, jedenfalls aber ohne Wagenwechfel die See paffiren können. Auf einem fehr breiten grofsen Schiffe, wie eine folche Fähre diefs fein müfste, würde höchft wahrfcheinlich die Seekrankheit fich weniger geltend machen. Gleichzeitig wären auch die grofsen Widerwärtigkeiten behoben, denen zu Folge der Reifende, felbft in den befferen Häfen, vom Eifenbahnhofe im Winter, bei Nacht und Regen mit dem Handgepäcke ins Schiff hinunter oder noch halb feekrank aus dem Schiffe in die Höhe klettern, in Boulogne und Calais gar noch zwifchen Schiff und Bahnhof eine Fahrt auf fürchterlichen Omnibuffen, der Glückliche innen, der weniger Glückliche oben auf dem Imperial, durchmachen und die Proceduren des Auf- und Abfteigens mit diverfem Reifegepäcke unter oft recht fatalen Zwifchenfällen wiederholen mufs. Der Vorfchlag des Herrn Scott- Ruffel gilt überdiefs auch dem Waarentransporte und hat diefsbezüglich, infoferne feine Begründung als für eine fo kurze Strecke wie über den Canal la Manche die doppelte Umladung von der Eifenbahn zum Schiffe und vice versa relativ fehr koftfpielig und zeitraubend ift und durch diefes oder ein ähnlich realifirtes Project die Waaren ohne Umladung über See an ihren Beftimmungsort follen gelangen können. Ein Haupteinwand gegen diefen Scott- Ruffel'fchen Vorfchlag ift jedenfalls der, dafs für feine Durchführung erft die Häfen von Boulogne oder Calais umgebaut werden müfsten, da gegenwärtig ein fo grofses Schiff während der Ebbe nicht ein- oder auslaufen könnte, diefe Neubauten aber viele Jahre erhei fchen, und für ebenfolange die Beibehaltung der jetzigen in fürchterlichfter Primitivität Speifefalon, Schlaffalon, Converfationszimmer und Krankenzimmer in ein einziges Gemach vereinigenden Calaifer oder Oftendeer Boote zur Folge haben würde. Weiters wären die Schiffsfähren, beweglichen Brücken, Brückenköpfe, Verlegungen der Bahntracen etc. fo koftfpielig, dafs der Perfonenverkehr die Anlagekoften nicht rentiren würde, während eine bedeutende Verminderung der Seekrankheit, welche hier durch die Gröfse der Fähre angeftrebt wird, in gleichem Grade wohl auch durch ein anderes grofses, folche Prämiffen nicht erheifchendes Schiff erzielt werden kann. In diefem Sinne ift der von Grantham vorgefchlagene, 45 Fufs breite, 7% Fufs tauchende, 400 Fufs lange, zur befferen Lenkbarkeit vorne und hinten mit Steuerrudern verfehene Canaldampfer zeitgemäfser, obgleich feine innere, nach Art der amerikanifchen Eifenbahn- Wagen getroffene Sitzeintheilung beffer durch eine genügende Anzahl kleiner, dem Seekranken- denn deren wird es auch auf diefem Schiffe, wenn auch nicht fo viele, geben- ein entſprechendes Refugium bietender, abgefchloffener Cabinen zu erfetzen wäre. Ein Vorfchlag, von Beffemer erdacht, befteht darin, dafs der Paffagierfalon 70 Fufs lang und 30 Fufs breit an zwei Zapfen, welche in der Längenachfe im Marinewefen. 9 Mitteltheile des Schiffes auf foliden Lagern ruhen, vertical hängt und durch geeignete hydraulische Vorrichtungen trotz der feitlichen Schwingungen( dem Rollen) des Schiffes immer in verticaler Lage erhalten bleibt, während die Längenfchwingungen( das Stampfen) dadurch vermindert werden follen, dafs der Bugund Vordertheil des Schiffes fehr niedrig und fcharf find, fo dafs die Wellen quasi durchftochen werden und die obere Kuppe der fo getroffenen Welle über Bord kommt und durch ihr Gewicht den Auftrieb des Wellenreftes, welcher den Vordertheil des Schiffes gerade heben will, äquilibriren foll. Factifch verhielten fich die Blockadebrecher zur Zeit des amerikanifchen Bürgerkrieges, welche den Vordertheil in ähnlicher Weife gebaut hatten, in der See ruhiger, als gewöhnliche Hochbordfchiffe; jedenfalls aber hat die Aufhängung des Salons zur Folge, dafs für den Paffagier nur diejenigen Unannehmlichkeiten übrig bleiben, welche von den Längenfchwingungen( dem Stampfen) und von dem Heben und Senken des Schiffes herrühren. Es ift nun allerdings fehr möglich, dafs gerade bei den Fahrten über den Canal la Manche, denen diefer Vorfchlag zum gröfsten Theile gilt, das Rollen des Schiffes am meiften zur Entftehung der Seekrankheit beiträgt, und es ift alfo vorauszufetzen, dafs, wenn diefes Rollen für den Paffagierfalon ausgeglichen, refpective für den Reifenden unfühlbar gemacht wird, der in einem folchen hängenden Salon fituirte Paffagier die Seekrankheit weniger heftig oder feltener bekommen wird. Auch ift gewifs, dafs, wenn diefe Aufhängung des Salons, praktiſch ausgeführt, den Einflufs des Rollens befeitigt, fpäter, wenn das Stampfen des Schiffes noch immer läftig genug bleiben follte, auch die Längenfchwingung durch eine Queraufhängung ausgeglichen werden könnte. Ein von Dudgeon vorgefchlagenes Canalfchiff endlich hat 250 Fufs Länge, 45 Fufs Breite und 8 Fufs Tauchung, und den Boden des Schiffes fattelförmig in der Weife geformt, dafs hiedurch eine Höhlung entfteht, welche wie die Hälfte eines nach feiner Längenachfe entzwei gefchnittenen Kegels ausfieht, deren Spitze nahe vor dem Buge des Schiffes in der Kiellinie endigt und am Hintertheile des Schiffes wie eine halbelliptifche Tunnelöffnung von 18 Fufs Breite auf 13 Fufs Höhe fich darftellt, jedoch nach unten ganz frei und bis zur Wafferlinie von der See erfüllt ift. Vier rückwärts im gleichen Niveau angebrachte Schrauben, wovon die zwei mittleren im Bereiche des Tunnels gegenfeitig circa 10, die zwei äufseren gegenfeitig circa 20 Fufs entfernt, dienen zur Bewegung und nebft zwei Steuerrudern, ebenfalls rückwärts disponirt, zur Lenkung des Schiffes. Das Schiff fieht fonach von vorne wie ein gewöhnliches, recht breites Schiff aus und von rückwärts wie ein Zwillingsfchiff, von welchem jedes einzelne mit zwei Zwillingsfchrauben betrieben wäre. Der Erfinder geht von der Meinung aus, dafs zur Paffirung des Canal la Manche ein ftabileres Schiff nothwendig fei, und dafs diefs nicht anders erzielt werden könne, als indem ein grofses Volumen mitgefchleppt wird, welches nicht leicht dislocirt werden kann. werden kann. Er fetzt nun voraus, dafs die, die halbkegelförmige Einbuchtung des Schiffbodens erfüllende See diefen Wafferballaft erfetzen wird. Wenn dem fo ift, dann find jedenfalls die zwei inneren feiner vier Schrauben unzweckmäfsig. Denn wenn das Waffer, welches die Einbuchtung erfüllt, als Ballaft mit dem Schiffe mitfährt, dann können die zwei mittleren Schrauben, welche ja im Bereiche der Kielbucht disponirt find, kein Waffer bekommen, und confumiren alfo unnütz Arbeit; oder aber es bekommen, wie der Erfinder behauptet, alle vier Schrauben, auch die zwei mittleren das zu ihrer propulfirenden Wirkfamkeit nothwendige Waffer, dann kann das Waffer in der Kielbucht unmöglich mit dem Schiffe mitlaufen, fondern nur von den zwei mittleren Schrauben wie von zwei mächtigen Circularpumpen nach hinten hinausgepumpt werden, die erhoffte Wirkfamkeit des Wafferballaftes kann dann nicht eintreten und die Einbuchtung vergröfsert unnütz die Reibungsfläche zwifchen dem Schiffe und der See. 10 Alexander Friedmann. Es könnte nun allerdings diefes Schiff die Erfcheinung bieten, welche übrigens bei jedem Schraubenfchiffe vorkommt, dafs der Hintertheil des Schif fes viel weniger als der Vordertheil fchwingt, das käme aber daher, dafs die vier Schrauben rückwärts das Schiff im Waffer ähnlich wie in vier Schraubenmuttern im Niveau zu halten ftreben, während der Vordertheil des Schiffes durch keinerlei Schraube geführt ift und überdiefs einen gröfseren Andrang der Wellen zu beftehen hat. Würde man ein Schiff vorne und rückwärts mit je zwei Zwillingsfchrau ben treiben, fo würde vielleicht auch der Vordertheil weniger fteigen und finken. Nichtsdeftoweniger ift die Grundidee des Dudgeon'fchen Canalfchiffes intereffant. Diefelbe fcheint die Schaffung eines Wafferballaftes anzuftreben, welcher nicht im Schiffe von der See abgefchloffen, fondern durch diefe letztere quasi frei gebildet wird gebildet wird und zum Theile durch feine Trägheit, zum Theile durch die Reibung zwifchen dem Ballaftwaffer und der in der Nähe der Längenachfe des Schiffes creirten Schiffsoberfläche wie eine Art hydraulifcher Bremfe wirken und die Stabilität des Schiffes vergröfsern foll. ohne diefs zu unnachgiebig gegen die Wellenbewegungen zu geftalten. Die übrigen Vorfchläge, welche zur Vergröfserung der Stabilität gemacht wurden und von denen in der Ausftellung mehrere Specimen vorhanden waren, gelten lediglich ſpeciellen, fpäter zu erörternden Zwecken, wie guten Rettungsbooten u. dergl., find aber im Grofsen oder als allgemeines Verkehrsmittel zur See, vorläufig wenigftens, nicht ausführbar. Es fei damit nicht behauptet, dafs die jetzigen Formen der Schiffe das letzte Wort im Schiffsbau feien, aber jedenfalls müfste erft ein ganzer Complex von Fragen, betreffend das Motorenwefen, gelöft, die Relation der Gefchwindigkeit des Schiffes zum nothwendigen Kraftaufwande überhaupt günftiger geftaltet, oder doch wenigftens durch einen noch zu erfindenden, dauerhaften Anftrich die Reibung zwifchen dem Waffer und den Schiffswänden reducirt und das Anfetzen von Mufcheln und Gräfern an diefelben verhindert werden, bevor an eine radicale Aenderung der Schiffsformen im Allgemeinen, alfo auch für lange Fahrten mit Erfolg gefchritten werden kann. So lange felbft bei einem fo grofsen und gut gebauten Schiffe, wie die in Tafel I veranfchaulichte„ Frifia" von über 4000 Tonnen, die Mafchinen-, Keffel, und Kohlenräume mehr als ein Dritttheil des ganzen Schiffsraumes einnehmen, würden Aenderungen der Schiffsformen, welche, wie jede der bisher vorgefchlagenen, grössere Maſchinen und fonach noch gröfsere Kohlenvorräthe zur noth wendigen Folge hätten, unannehmbar fein. So lange jede Vergröfserung der Gefchwindigkeit eines Schiffes eine vielfache Vergröfserung der nothwendigen Triebkraft und des Kohlenverbrauches zur Confequenz hat, und trotzdem zu Gunften der rafcheren Fahrt alle die erhöhten Koften aufgewandt werden, kann eine neue Schiffsform, durch welche die vorhandene Gefchwindigkeit des Schiffes reducirt würde, für Schiffe langer Fahrt wenigftens, welche den riefigen Kohlenvorrath für die ganze Strecke an Bord nehmen müffen, nicht zur Anwendung gelangen. Freilich werden diefe Proportionen günftiger, je gröfser das Schiff überhaupt ift; der vor vielen Jahren mit dem Great Eaftern, dem gröfsten bislang gebauten Schiffe, gemachte Verfuch hat aber ergeben, dafs es für die Gröfse eines Schiffes Grenzen gibt. Ein gröfseres Schiff ift nur infoferne günftiger, als mehr Waaren und Perfonen auf ein Mal befördert werden können und in folchem Falle die zur Beförderung der Einheit nothwendige Kraft geringer ift. Ein Schiff aber, welches, wie in extremis der Great Eaftern, fo grofs ift, dafs es jedes Mal viele Wochen nutzlos im Hafen liegen mufs, bis es all' die Waaren zufammen bekommt, welche es auf ein Mal transportiren kann, ift eben unpraktifch, und fährt es wieder nur mit der Ladung, welche ein kleines Schiff aufnimmt, dann ift der Kraftaufwand Marinewefen. 11 Einheit der geförderten Waaren oder Perfonen ungünftiger als bei einem per kleineren Schiffe. Bezüglich der Zweckmäfsigkeit der Formen und Gröfsen der in den beiliegenden Tafeln veranfchaulichten Schiffe dürfte aus dem bisher Gefagten auch dem Nichtfpecialiften ein vorläufiges Urtheil möglich fein, und werden die späteren diefsbezüglichen Erklärungen diefs noch erleichtern. Bevor jedoch an die Befchreibung der einzelnen ausgeftellt gewefenen Schiffe gefchritten wird, fei noch erörtert, welche Hauptdimenfionen und Angaben für die Stabilität, Gefchwindigkeit, Lenkbarkeit und fonft wichtige Verhältniffe diefer Schiffe einen ziffermäfsigen Vergleich zulaffen, und, um diefe Daten und ihre Bedeutung dem Nichtſpecialiſten verſtändlich zu machen, die folgende Erläuterung vorausgefchickt: " - Es wird bei den Mafsangaben jedes Schiff in dem Zuftande angenommen, wo es mit voller Ladung in ruhigem Waffer fchwimmt. Diejenige Linie, in welcher bei jedem fo beladenen Schiffe die Wafferoberfläche den äufseren Schiffskörper berührt, heifst die oberfte Wafferlinie" oder die„ Conftructions Wafferlinie". Die Länge der von der Conftructions- Wafferlinie eingefchloffenen Fläche heifst die Länge zwifchen den Perpendikeln" oder„ die Länge" kurzweg; die gröfste Breite der von der Wafferlinie eingefchloffenen Fläche„ die Breite aufs er den Spanten" oder„ die gröfste Breite". Die Entfernung der tiefften Stelle des Kiels von der Wafferoberfläche, refpective von der Ebene der Conftructions Wafferlinie, heifst„ der Tiefgang" oder„ die gröfste Tauchung". Die Flächenfigur, die man erhält, wenn man durch ein Schiff an der Stelle der gröfsten Breite der Wafferlinie einen Schnitt fenkrecht auf die Länge des Schiffes führt, heifst der Hauptfpant" oder„ die gröfste Querfection", und der Theil diefer Querfection, welcher unter der Wafferlinie liegt, heifst ,, die eingetauchte Querfection". Das äufsere Volumen des mit voller Ladung unter der Oberfläche des Waffers, alfo unter der Conftructions- Wafferlinie gelegenen Theiles des Schiffes, in Cubikmetern ausgedrückt, nennt man das„ Deplacement". Das Deplacement gibt alfo auch die Anzahl Cubikmeter der durch das Schiff verdrängten Waffermenge. Der Schwerpunkt der verdrängten Waffermenge heifst der Deplacements- Schwerpunkt". Das Gewicht des Schiffskörpers ohne Mafchinen, Keffel, Armirung und Ladung nennt man das „ Eigengewicht" des Schiffes. Der Schwerpunkt des vollkommen armirten und geladenen Schiffes heifst der Schiffs Schwerpunkt". Zur Erklärung des „ Metacentrums": Fig. 3. B Se M D 8 Fig. 3 veranfchaulicht die Querfection eines Schiffes in geneigter Lage. S ift der Schiffs-, Dder Deplacement- Schwerpunkt. Die Stelle, wo die durch D' gezogene Senkrechte die Linie aß bei einer erften fchwachen Neigung des Schiffes fchneidet, heifst das ,, Metacentrum". Die Entfernung diefes Durchfchnittspunktes Mvom Schiffs- Schwerpunkte S bleibt nahezu conftant und gibt, multiplicirt mit dem Sinus des Winkels, um welchen das Schiff auf die Seite geneigt ift, den„ Hebelsarm" des Kraftmomentes, mit welchem das Schiff wieder in die aufrechte Lage zurückgedrängt wird, das ift im Vereine mit dem Deplacement das Stabilitätsmoment des Schiffes. Wenn man von der Spitze der Wafferlinie nach rechts und links an die Wafferlinie 12 Alexander Friedmann. Tangenten zieht, fo heifst der Winkel, welchen diefe beiden Tangenten mit einander einfchliefsen, der„ Bugwinkel" oder der„ Winkel der Wafferlinie. Die Linie, welche man erhält, wenn man das Schiff in einem zwifchen der Conftructions- Wafferlinie und dem Kiel horizontalen Durchschnitte fich vorftellt, heifst die mittlere Wafferlinie"." Achter" heifst der Hintertheil des Schiffes. ,, Drehungskreis" ift der kleinfte Kreis, welchen ein Schiff bei feiner Drehung umfchreibt, ift alfo das Mafs der Lenkbarkeit eines Schiffes. Gefchwindigkeit an der gemeffenen Meile ift die Gefchwindigkeit, mit welcher das neue, ausgerüftete Schiff bei der Probefahrt die Strecke zwifchen zwei zu diefem Behufe in der See ausgefteckten Fixpunkten zurücklegt. Die Daten felbft, die zweckmäfsiger Weife für jedes Schiff, über welches ein Urtheil gewonnen werden foll, angegeben werden follten, find die folgenden: 1. Tonnengehalt. 2. Länge zwifchen den Perpendikeln. 3. Breite aufser den Spanten. 4. Höhe vom Kiel bis zum Oberdeck. 5. Gröfste Tauchung. 6. Fläche der eingetauchten gröfsten Querfection. 7. Fläche der Conftructions- Wafferlinie. 8. Tiefe des Deplacement Schwerpunktes unter der ConftructionsWafferlinie. 9. Höhe des Schiffs- Schwerpunktes über dem Deplacement- Schwerpunkte. 10. Höhe des Metacentrums über dem Deplacement- Schwerpunkte. II. a) Bugwinkel vorne in der Conftructions- Wafferlinie. b) Bugwinkel vorne in der mittleren Wafferlinie. 12. Winkel der Wafferlinie Achter in der Höhe der Propellerachfe. 13. Eigengewicht des Schiffes. 14. Gröfste Gefchwindigkeit an der gemeffenen Meile. 15. Durchmeffer des Drehungskreifes. 16. Anzahl der indicirten Pferdekräfte. 17. Gewicht der Mafchine fammt Keffelanlage. 18. Volumen des gefammten Schiffsraumes. 19. a) Volumen der Kohlenräume. b) Volumen des Mafchinenraumes fammt Heizraum. 20. Durchmeffer des Hochdruck- Cylinders. 21. Durchmeffer des Niederdruck- Cylinders. 22. Kolbenhub. 23. Kolbengefchwindigkeit bei der Fahrt an der gemeffenen Meile. 24. Cylinderfüllung bei der sub 16 angegebenen Leiftung. 25. Grófste Dampffpannung. 26. Gefammt- Heizfläche der Keffel. 27. Gefammt- Roftfläche der Keffel. 28 Durchmeffer der Schraube. 29. Steigung der Schraube. 30. Tourenzahl bei der sub 14 angegebenen Gefchwindigkeit. 31. Fläche des Steuerruders. Soweit der Berichterstatter die vorftehenden Daten bezüglich der in den beiliegenden Tafeln veranfchaulichten und anderer ausgeftellt gewefenen Schiffe bis zum Tage der Ablieferung diefes Berichtes fich verfchaffen konnte, find diefelben am Schluffe diefes Abſchnittes in einer Tabelle zufammengeftellt. Schliesslich dürften vor Detailbefchreibung der ausgeftellt gewefenen Schiffe noch die nachfolgenden Erörterungen über das Stadium, an welches man heute bezüglich der Wahl der Schiffstypen angelangt zu fein fcheint, die Beurtheilung der einzelnen Schiffe erleichtern. Marinewefen. 13 I. B. Concurrenzfähigkeit verfchiedener Schiffstypen. Was zunächft die Concurrenzfrage zwifchen Dampf- und Segelfchiffen anbelangt, fo ift gegenwärtig für den Perfonenverkehr das Dampffchiff faft ausfchliefslich in Verwendung. Diefs ift heute wohl felbftverftändlich, aber noch nicht feit fo langer Zeit entfchieden. Im Jahre 1853 z. B. wurde den Dampffchiffen der Poftdienft von England nach Auftralien abgenommen und den Segelfchiffen übertragen, weil diefe pünktlicher und regelmäfsiger einliefen als die Dampfer. gar Freilich waren damals die Dampffchiffe noch unvollkommen, fie verbrauchten relativ enorme Quantitäten von Brennftoff, waren dadurch gezwungen, während der Reife oft Station zu machen, um frifche Kohle einzufchiffen, fanden mitunter keine, weil die Kohlenzufuhr noch nicht gut organifirt war, und verloren viel Zeit, während gerade die Segelfchiffe durch die von den Amerikanern eingeführten Klipper und die damals zuerft erfolgte Anwendung wiffenfchaftlicher Principien auf ihre Formgebung und Ausrüftung fo vorgefchritten waren, dafs fie auf langen Fahrten bezüglich der Pünktlichkeit und fogar durchſchnittlichen Schnelligkeit mit den damaligen Dampfern erfolgreich concurriren konnten. Seither ift das Verhältnifs natürlich bedeutend geändert; die Gefchwindigkeit der Dampfer ift eine ungleich gröfsere und regelmässigere und das Einhalten der Fahrzeit ein viel beftimmteres. Doch ift in Bezug auf Waarenverkehr die Entfcheidung zwifchen Segelfchiffen und Dampffchiffen noch bei Weitem nicht beftimmt, und gerade auf fehr langen Strecken, wo die Dampfer durch die Nothwendigkeit, Kohlenvorrath für ganze Reifen an Bord zu nehmen, viel Laderaum verlieren, den Kohlenverbrauch möglichft niedrig halten müffen und die Gefchwindigkeit nicht weit treiben können, find die Segelfchiffe im Vortheil, umfomehr, als die Fortfchritte, welche in der Navigation gemacht wurden, den Segelfchiffen mehr zu Statten kommen als den Dampfern. Die Segelfahrer haben jetzt ganz genaue Karten und Aufzeichnungen, durch welche fie die conftanten Winde, welche zu einer beftimmten Zeit in einer beftimmten Gegend nach einer beftimmten Richtung wehen, benutzen und ihren Curs demgemäfs einrichten können. Wie weit die Vollkommenheit in diefer Beziehung gelangt ift, kann man jedes Jahr bei der Einbringung der neuen Thee- Ernte erkennen, um welche Zeit alljährlich ein bedeutender Preis für das Segelfchiff ausgefchrieben ift, welches den erften neuen Thee durch die rafchefte Fahrt nach England bringt. Die wettfahrenden Segelfchiffe verlaffen alle an einem Tage gleichzeitig den chinefifchen Hafen, kommen meift nach Verlauf der erften Nacht gegenfeitig aufser Sicht und laufen durchfchnittlich nach 82 Tagen mit folcher Regelmässigkeit an der Themfemündung ein, dafs gewöhnlich zwifchen dem Schiffe des erften und dem des zweiten Preifes ein Intervall von nur wenigen Stunden fich ergibt. Das Rationellfte fcheint allerdings, dafs, fo gut alle Dampfer HilfsfegelWerk haben, um die günftigen Winde zu benützen, die Segelfchiffe kleine Aushilfsmafchinen haben, welche fie bei Windſtille, beim Einlaufen in die Häfen etc. in Anwendung bringen können, und deren Dampfkeffel ihnen auch beim Aus- und Einladen für die Krahne und fonftigen Vorrichtungen den Dampf liefern. Wenn bei Windſtille ein Segelfchiff durch feine Aushilfsmafchine 5 bis 6 Seemeilen in der Stunde vorwärts gebracht wird, fo ift diefs vollkommen genügend, und biefür werden die Dimenfionen der Mafchine und der Kohlenräume fo klein, dafs deren Unterbringung keinerlei Schwierigkeiten bietet. Só würde ein Segelfchiff von der Gröfse des fpäter befchriebenen Dampfers„ Pollux" von 4000 14 Alexander Friedmann. Tonnen, welcher für feine jetzige Fahrgefchwindigkeit von 13 Seemeilen eine Mafchine von circa 2000 indicirten Pferdekräften erheifcht, mit einer Mafchine von 200 indicirten Pferdekräften allen Anforderungen eines guten Waarentransporteurs entſprechen und mit einem Kohlenvorrathe von 120 Tonnen die gröfsten Reifen unternehmen können, da mit einem folchen Kohlenverbrauche das Schiff Intervalle abfoluter Windſtille von in Summe mehr als 12 Tagen beftehen und hiebei 1500 Seemeilen ohne Segel zurücklegen könnte. Der Vortheil der Aushilfsmafchinen für Segelfchiffe ift alfo evident; auch fcheint diefs die entfcheidende Lofung für die Waarentransporte zu fein, und waren namentlich in der italienifchen Abtheilung mehrere Projecte für folche Schiffe zu fehen. Die frühere Methode, auch die Perfonen- und Poftdampfer mit vollkommenem, der Gröfse des Schiffes entſprechendem Segelwerke zu verfehen, fcheint nach den ausgeftellten Modellen und Zeichnungen nicht mehr zur Anwendung zu kommen, fowohl weil derartig ausgerüftete Schiffe eine ſehr grofse Befatzung erheifchen, als auch weil bei conträrem Winde felbft bei eingezogenen Segeln das Tau- und Takelwerk einen fehr grofsen Widerſtand bietet, welches die Gefchwindigkeit des Schiffes fehr beeinträchtigt; ein Umftand, der befonders bei Poftdampfern wichtig ift, da diefe Fahrzeit einhalten müffen, ihre Fahrgefchwindigkeit ohnehin fchon knapp berechnet ift, alfo möglichst gleichmäfsig fein mufs. Die Frage, ob Schraubenfchiffe oder Räderfchiffe", ift bei gröfseren Seefchiffen zu Gunften der Schraube entfchieden, die, wenngleich fie bei ruhiger See nicht fo günftig arbeitet wie die Ruderräder, dafür bei bewegter See diefen gegenüber bedeutend im Vortheil ift. Ueberdiefs entfchied für die Schraube, dafs für weite Reifen, wo bedeutende Kohlenmengen confumirt werden und zwifchen Anfang und Ende der Fahrt die Dampfer grofse Tauchungsdifferenzen haben, diefe den Effect von Ruderrädern alteriren, auf die Schraube aber ohne Einflufs find. Auf Binnengewäffern ift die Verwendung der Schraube fowohl aus dem eben erwähnten Grunde des geringeren Nutzeffectes, als auch defshalb eine befchränkte, weil der Tiefgang der Schiffe hier meift nur ein fehr kleiner fein kann, der Durchmeffer der Schraube demnach ein ungünftiger wird. Indefs hat die Donau- Dampffchifffahrts- Gefellfchaft eine bedeutende Zahl kleinerer Waarendampfer, die allerdings nur kleine Gefchwindigkeit zu haben brauchen, mit der Schraube bewegt, weil diefe die Vortheile bietet, dafs die Mafchine weniger voluminös und fchwer wird und die Borde des Schiffes frei und zugänglich bleiben, fonach das Anlegen an Quais und die Einbringung der Ladung erleichtern. Die Perfonendampfer auf der Donau find durchgehends mit Schaufelrädern verfehen. Hier fei gleich der Ort für einige Bemerkungen bezüglich der Inferiorität, der Gefchwindigkeit der Flufsdampfer in Europa, im Vergleiche zur Fahrgefchwindigkeit mancher Seedampfer und befonders der gröfseren amerikaniſchen Flufsdampfer. Die Fahrgefchwindigkeiten in begrenztem Fahrwaffer, wie in Canälen und Flüffen erleiden je nach der Gröfse der Querfection des Fahrwaffers gröfsere Befchränkungen als allgemein angenommen wird. So foll diefer Einflufs bereits aufhören, wenn der Canalquerfchnitt das Sechs- bis Siebenfache der eingetauchten Querfection eines Schiffes übertrifft. Diefs mag für fehr kleine Gefchwindigkeiten gelten, für eine grofse Fahrgefchwindigkeit, wie folche die Perfonendampfer auf der Donau zu entwickeln haben, zeigt fich, dafs die Aenderungen im Wafferftande der Donau * Diefs erklärt die Subvention von Poftdampfer- Linien für Gegenden, wo fo geringer Personenverkehr, dafs durch diefen die mit der dritten Potenz fteigenden Koften der für Poft- und Personenfahrt nöthigen grofsen Gefchwindigkeit nicht hereinkommen könnten, wo aber die Ver. mittlung des Poft- und Paffagierdienftes politifch von Wichtigkeit werden kann. " Marinewefen. 15 alfo die Aenderung des Canalquerfchnittes, trotzdem diefer 20- und 30.000 Quadratfufs beträgt, fehr bedeutend einwirken.* Bei dem hohen Wafferftande von II Fufs 4 Zoll über Null z. B. beträgt die mittlere Gefchwindigkeit des fpäter befchriebenen Donaudampfers Orient" 12:48 Seemeilen, bei dem niedrigeren, aber noch immer bedeutenden Wafferftande von 6 Fufs II Zoll beträgt diefe mittlere Gefchwindigkeit nur mehr 11'68 Seemeilen die Stunde. Dabei ift die mittlere indicirte Arbeit in den Cylindern per Zeiteinheit ftets nahezu diefelbe. Diefe Refultate find in Folge vielfacher Unterfuchungen feitens der Donau- Dampffchifffahrts- Gefellfchaft mit vielen anderen Dampfern beſtätigt, und ift fo die merkwürdige Thatfache erklärt worden, dafs Schiffe bei Hochwaffer bedeutend fchneller ftromaufwärts fahren als bei Niederwaffer, trotzdem doch in erfterem Falle die Strömung eine bedeutend gröfsere ift. Jedenfalls geht daraus hervor, dafs die Gefchwindigkeiten der Flufsdampfer in Europa mit den Gefchwindigkeiten von Seedampfern und von Dampfern auf amerikanifchen Strömen, deren Profile viel gröfser find, nicht direct verglichen werden können. So foll nach amerikanifchen Angaben der amerikaniſche Flufsdampfer„ Ifaac Newton" eine mittlere Gefchwindigkeit von 14'8 und der Flufsdampfer ,, Daniel Drew" fogar 19 4 Seemeilen per Stunde entwickeln, und doch hat der fpäter befchriebene Donaudampfer ,, Orient" günftige Formen, und ift die per Flächeneinheit der eingetauchten Querfection dotirte Kraft des„ Orient" eine bedeutende, fo dafs die Unterfchiede in den Fahrgefchwindigkeiten zwifchen den amerikanifchen und europäiſchen Flufsdampfern nicht allein in der Schiffs- und Mafchinen- Conftruction, fondern mit auch in den günftigeren Verhältniffen des Fahrwaffers ihre Begründung haben müffen. Für Waarentransporte in Binnengewäffern ift in neuerer Zeit die KettenSchifffahrt und Drahtfeil- Schifffahrt gegenüber der freien Schifffahrt in Concurrenz getreten. Es ift zweifellos, dafs in Flüffen der Transport ftromaufwärts mittelft Seil- oder Kettenfchiffen mit einem viel geringeren Aufwande von Brennmaterial bewerkstelligt wird, als mittelft Rad- und Schraubendampfern, und durch die Kohlenerfparnifs allein fchon deren Nachtheile wett gemacht werden, trotzdem diefe letzteren bedeutend find. Das Drahtfeil und die Kette erheifchen ein grofses Capital; die deutfche Meile Drahtfeil koftet durchfchnittlich 16.000 fl., die deutfche Meile Kette für eine gleich grofse Zugfähigkeit durchschnittlich 36.000 fl. Bei grofsen Flüffen oder Strömen, wie die Donau z. B., welche auf vielen hunderten Meilen befahren wird, repräfentirt diefs bereits einen fehr bedeutenden Betrag, welcher überdiefs manchmal doppelt in die Wagfchale fällt, da die Kette nur für die Bergfahrt, nicht aber ftromabwärts benützt werden kann. Bei der Thalfahrt wäre nämlich die Gefchwindigkeit für Kette oder Seil zu grofs und würden diefe hiebei rafch zu Grunde gehen. Defshalb müffen auch die Ketten- oder Seilfchiffe, wenn fie für Ströme gut fein follen, wie die fpäter befchriebenen der Donau- DampffchifffahrtsGefellfchaft, aufser den Mechanismen zum Auf- und Abwinden und Lenken der Kette oder des Seiles auch behufs Thalfahrt complet wie die freien Dampfer mit kleinen Ruderrädern oder Schraube ausgerüftet fein. Die Koften der Inftandhaltung eines folchen Schiffes find dadurch, dafs hiezu noch die nothwendigen Koften der Inftandhaltung der Kette oder des Seiles zugefchlagen werden müffen, fehr bedeutend. Die Mannfchaft eines Ketten- oder Seilfchiffes, alfo auch die Gagen find wohl , * Bei einem Wafferftande der Donau von 11 Fufs 4 Zoll über Null bei Peft, bei welcher die Strömung 2.62 Seemeilen per Stunde beträgt, fährt der fpäter befchriebene Donaudampfer ,, Orient" ftromabwärts mit 15'11 Seemeilen, ftromaufwärts mit 9-86 Seemeilen Gefchwindigkeit gegen Land; bei einem Wafferftande von 6 Fuís 11 Zoll, am gleichen Pegel gemeffen, beträgt die Strömung der Donau 2'08 Seemeilen, es fährt aber derfelbe Dampfer zu Thal mit nur 13.77, zu Berg mit 9'60 Seemeilen. 2 16 Alexander Friedmann. viel kleiner als bei einem freien Dampfer, dafür müffen die Zinfen und die Amortifationsquoten des Capitals der Kette oder des Seiles beftritten werden, welche befonders bei mäfsigem Verkehre die Regie ftark belaften. Schiffe, an derfelben Kette fahrend, können einander nicht ausweichen; in nicht durchwegs regulirten Strömen, wo das Fahrwaffer rapiden Aenderungen unterworfen ift und bei windigem Wetter ift das Lenken eines Seil- oder Kettenfchiffes, welches einen Convoi von anderen Schiffen remorquirt, fehr erfchwert und dadurch auch für die entgegenkommenden freien Dampfer das Ausweichen fchwierig. Endlich kann für den Perfonenverkehr Kette oder Seil ftromaufwärts ebenfowenig wie für die Thalfahrt überhaupt dienen, für diefe Verkehrszwecke ift alfo das in der Kette oder dem Seile ruhende Capital unbenutzbar. All' diefe zufammen fonach fehr gewichtigen Nachtheile vermochte indefs die Kohlenerfparnifs, welche durch diefe Schifffahrtsweife erzielt wird, auszugleichen, und zwar in ganz entfchiedener Weife und allenthalben, fo lange die Schiffsmafchinen nicht den heutigen Grad der Vollkommenheit hatten. Heute ift die Sache für grofse Ströme bereits weniger evident, und je mehr die Schiffsmafchinen vervollkommnet werden, je kleiner alfo der Kohlenverbrauch überhaupt wird, defto kleiner wird auch der abfolute Werth der Differenz der durch die Ketten- oder Seilfchiffe erfparten Kohlen, und um fo wahrfcheinlicher wird diefer immer kleiner werdende Vortheil durch die vorerwähnten, ziemlich conftant bleibenden Nachtheile aufgehoben werden. Für die oberen Läufe von Strömen und grofsen Flüffen hingegen ift die Erfparnifs eine fo grofse, dafs der Beftand diefer Schifffahrtsweife als ein geficher ter zu erachten ift. Ebenfo in Canälen, wo das Waffer keine Strömung hat, die Kette oder Seil alfo fowohl für Berg- als Thalfahrt dient, wo überdiefs die kleine Fahrgefchwindigkeit für den Nutzeffect der Schiffsfchraube oder Schaufelräder fehr ungünftig ift und die von denfelben erzeugten Wellen in dem engen Fahrwaffer die Canalböfchungen fchädigen würden. Von gleichem Nutzen ift die Ketten- oder Seil- Schifffahrt in kleineren Flüffen, deren ftarke Strömung und geringe Tiefe die Bergfahrt für freie Dampfer um fo fchwieriger machen, als dafelbft nur kleine Schiffe verwendet werden könnten. - Zwifchen Ketten- und Seilfchiffen endlich: Die Kette ift wohl fehr theuer, dafür ift fie dauerhaft und ein Kettenbruch durch Einfetzen eines Halbgliedes fehr leicht in kaum einer halben Stunde wieder gut gemacht, während bei einem Seilbruche die Herftellung eines neuen Verbandes fchwierig ift und mehrere Stunden erheifcht, für diefe Zeit alfo die ganze Schifffahrt unterbricht. Beim Drahtfeil ift auch der Umftand fehr mifslich, dafs es durch feine Ausdehnung und Deplacirung, zum Theile auch durch die vielen Biegungen, welche es während der Paffirung der verfchiedenen Leitrollen des Drahtfeil- Schiffes erleidet, oft Schlingen und Knoten bildet, welche, wenn das fpäter kommende Seilfchiff nicht rafch genug zum Stillftande * Auf der Strecke zwifchen Prefsburg und Wien z. B., wo die Strömung an den verfchiedenen Stellen zwifchen 3 und 5 Seemeilen per Stunde beträgt, befördert bei mittlerem Wafferftande das Kettenfchiff ,, Waag", welches 50.000 fl. koftet, ftromaufwärts bis 15.000 Centner Nettolaft mit 3 Seemeilen durchſchnittlicher Gefchwindigkeit, verbrennt hiebei 6 Centner Kohle per Stunde und erheifcht an Monatslöhnung für die Befatzung 540 fl. Der Raddampfer ,, Almas", welcher auf der gleichen Strecke ebenfalls 15.000 Centner mit circa 34 Seemeilen Gefchwindigkeit remorquirt, koftet 100.000 fl., verbrennt per Stunde 16 Centner Kohle und verausgabt an Mannfchaftsgage 14- bis 1500 fl. Auf der mittleren Donau von Komorn zu den Katarakten, wo die Stromgefchwindigkeit durchschnittlich nur 2 Seemeilen beträgt, befördert der gleiche Dampfer ,, Almas" ftromaufwärts bereits 30.000 Zollcentner Nettolaft in 6 Fahrzeugen vertheilt und fährt da bei dem gleichen Kohlenverbrauche von 16 Centner per Stunde mit einer durchſchnittlichen Gefchwindigkeit von 2 bis 3 Seemeilen. Auf diefer Strecke würde das vorerwähnte Kettenfchiff ,, Waag" höchftens 20.000 Centner befördern und noch immer 6 Centner Kohle verbrauchen. Auf diefer Strecke würde alfo die Erfparnifs an Kohle nicht mehr hinreichen, die übrigen Unzukömmlichkeiten der KettenSchifffahrt auszugleichen, und unterhalb des eifernen Thores, wo die Strömung nur noch 1. Seemeilen beträgt und bis zu 1 Seemeile per Stunde abnimmt, fahren die Schiffe bereits mittelft Segel ftromaufwärts, was umfo leichter, als häufig Oftwinde wehen, und entfiele fomit die Ketten- Schifffahrt von felber. Marinewefen. 17 gebracht werden kann, für den ganzen Mechanismus fehr gefährlich fein können und häufig ein Kappen des Seiles erheifchen. Dafür ift eben das Seil viel billiger. Bei fchwächerem Verkehre fcheint das Seil, bei ftärkerem Verkehre die Kette den Vorzug zu gewinnen. Bezüglich der Frage, ob eiferne, ob hölzerne Schiffe: Für Perfonenfahrten werden heutzutage, aufser etwa in Amerika, allenthalben nur mehr noch eiferne Dampffchiffe gebaut; für Waarenverkehr bilden wohl die hölzernen Segelfchiffe noch die Ueberzahl, es fcheint aber, dafs auch hiefür eiferne Schiffe, und zwar Segelfchiffe mit Aushilfs- Dampfmafchinen die hölzernen Schiffe und auch die gemifchten Schiffe( das find folche, bei denen Spanten und Längenverband aus Eifen, die Verkleidung aus Holz hergeftellt find) verdrängen werden. Die eifernen Seefchiffe haben den grofsen Nachtheil, dafs die Gräfer und Mufcheln fich an diefelben viel rafcher und ftärker anlegen, als an die hölzernen Schiffe, hiedurch den Widerftand des Schiffes, fomit den Kraftaufwand zur Einhaltung einer gewiffen Gefchwindigkeit fehr fteigern und die Manövrirfähigkeit des Schiffes beeinträchtigen. Bei hölzernen Schiffen ift deren ins Waffer getauchter Theil zum Schutze gegen den Bohrwurm mit Kupfer oder Munz- Metallplatten belegt, und diefe bewirken gleichzeitig, dafs das Anlegen von Gräfern und Mufcheln in viel geringerem Grade ftattfindet. Bei Perfonendampfern, welche fehr rafch fahren, hindert allerdings die heftige Reibung zwifchen dem Schiffe und dem Waffer ein allzubaldiges Belegen des Schiffskörpers mit diefen Gräfern und Mufcheln; auch ftationiren diefe Schiffe in den Häfen immer nur kurze Zeit, und da das Anlegen von Gräfern gerade während der Ruhe des Schiffes am meiften gefchieht, fo findet dasfelbe bei Perfonendampfern überhaupt in geringerem Grade ftatt; doch ift es immer ftark genug, um zu erheifchen, dafs die eifernen Dampfer mindeftens einmal des Jahres aus dem Dienfte gezogen, in Trockendocks gereinigt und frifch angeftrichen werden müffen. Diefs ift fehr koftfpielig, da nicht nur das Schiff während der Zeit, die es im Trockendock zubringt, nichts verdient, und das grofse Capital, welches der Werth eines Schiffes repräfentirt, unfruchtbar ift, fondern auch die Docks felber koftfpielige Apparate find, welche verzinft werden müffen und das Reinigen und namentlich das Anftreichen des Schiffes bedeutende Auslagen verurfacht. Es exiftiren defshalb auch eine Unzahl Vorfchläge und Geheimmittel für Anftriche, welche dauerhafter fein und das Anlegen der Gräfer und Mufcheln behindern follen, und waren auch auf der Weltausftellung folche Anftriche zu fehen. Speciell in der franzöfifchen Abtheilung war ein Anftrich des Chemikers Dubois aus Marfeille, welcher Schiffsplatten zur Ausftellung brachte, die zur Hälfte mit feiner, zur Hälfte mit der gewöhnlichen Anftrichsfarbe beftrichen und eine zeitlang im Hafen in Seewaffer gehalten waren; die mit der neuen Farbe beftrichene Hälfte war nahezu rein, die andere Hälfte dicht belegt. Es wäre fehr wünſchenswerth, wenn endlich ein folcher Anftrich fich bewähren würde. Doch ift in diefer Beziehung fo oft Unzweckmäfsiges angepriefen und durch Vorbringung falfcher Proben zum fpäteren Nachtheile des Schiffes angewandt worden, dafs das Mifstrauen ein fehr grofses und die Löfung der Frage fehr erfchwert ift. Eine Verkleidung der eifernen Schiffe mit Kupfer- oder Munz- Metallplatten wie bei den Holzfchiffen oder Verwendung metallifcher Anftriche ift gefährlich, weil, wenn zufällig an einzelnen Stellen diefer Schiffe die Metallverkleidung oder der Metallanftrich fich ablöft und das Eifen der Schiffsverplattung direct mit dem Salzwaffer in Contact kommt, fofort eine galvanifche Strömung zwifchen der Metallverkleidung und dem Eifenbleche fich herftellt, wodurch letzteres aufgezehrt werden. und plötzlich ein grofses Leck entſtehen kann. Der vor Kurzem erfolgte Untergang des englifchen eifernen Transportdampfers„ Megära" zeigt, wie vorfichtig man in diefer Beziehung fein muss. In 2* 18 Alexander Friedmann. diefem Schiffe waren die Rohrleitungen und Saugfiebe der Pumpen im Kielraume aus Kupfer, und der Cement, mit welchem die Innenfläche der Schiffsverkleidung beftrichen ift, ftellenweife losgelöft. In Folge deffen ftellte das falzige Kielwaffer zwifchen den cementfreien Eifenblechen und den Kupferrohren eine galvanifche Strömung her, durch welche diefe Eifenplatten durchgefreffen wurden und das Schiff, welches fonft noch in gutem Stande war,( bei Sct. Paul) zum Sinken kam. Faft allgemein wird defshalb der Anftrich mit Miniumfarben oder guten anderen Oelfarben bewerkstelligt und werden die Koften des häufigen Dockens nicht gefcheut, weil diefer Vorgang doch der ficherere ift und die gröfseren Auslagen hierfür dadurch wieder hereinkommen, dafs das reine Schiff leichter geht und Brennmaterial erfpart. Diefes häufige Docken kann übrigens bei grofsen Dampfern, welche doch meift nur aus fehr frequenten, mit allen Hilfsmitteln ausgerüfteten Häfen auslaufen und nach Ablauf einer beftimmten Zeit nach folchen Häfen wieder zurückkehren. immer rechtzeitig bewerkstelligt werden. Anders ift diefs bei kleineren Segelfchiffen, welche langfamer fahren, in den Häfen oft fehr lange das Anfammeln der nothwendigen Fracht abwarten. müffen und oft erft nach Jahren in einen Hafen kommen, wo alle Hilfsmittel zur Dockung und zum Anftreichen eines Schiffes vorhanden find. Freilich die hölzernen Segelfchiffe mit Kupferverkleidung kann man, wenn fie ausgeladen. haben, in Häfen, wo ftarke Ebbe und Fluth ift, während der Fluth auf den Sand laufen laffen und während der Ebbe deren Kupferhaut rafch wafchen und reinigen. Nicht aber die eifernen Schiffe, weil beim Reinigen des Schiffes immer auch die Anftrichfarbe mitgeht, und der Intervall zwifchen Ebbe und Fluth nicht Zeit genug bietet, um den fpäter im Waffer eingetauchten Theil des Schiffes frifch anzuftreichen und den Anftrich trocknen zu laffen. Für eiferne Segelfchiffe fällt alfo der Umftand, dafs fich diefelben viel mehr mit Mufcheln und Gräfern belegen, als die hölzernen Schiffe, fehr ungünftig in die Wagfchale, und ift es defshalb fchon begreiflich, dafs, trotzdem hölzerne Schiffe gut hergeftellt nicht bedeutend billiger find als eiferne Schiffe und trotzdem die Dauer der hölzernen Schiffe derjenigen der eifernen weit nachfteht, dennoch das Verdrängen der hölzernen Segelfchiffe durch eiferne fehr langfamvor fich gehen wird. Für lange Fahrten ift es nichtsdeftoweniger möglich, dafs die eifernen Segelfchiffe die hölzernen verdrängen werden, felbft in den füdlicheren Meeren und wärmeren Klimaten, wie z. B. in den oftindifchen Gewäffern, in welchen diefes Anlegen von Mufcheln und Gräfern in viel höherem Grade ftattfindet, als in den nördlichen Gegenden, und für welche factifch auch grofse Waarentransport- Schiffe noch immer aus Holz gebaut werden, wie folche befonders in der holländifchen und italienifchen Abtheilung zu fehen waren. Hiezu trägt allerdings auch der Umftand bei, dafs bei eifernen Schiffen das transportirte Getreide, Thee und manche andere Waaren durch den Roft und das immerdar vorhandene, fchwach fäurehältige Waffer im Kielraume leiden könnten und defshalb die hölzernen Schiffe von den füdländifchen Verfrachtern bevorzugt werden. Dahingegen fällt gerade in diefen wenig frequenten Häfen die Ballaftfrage fehr zu Gunften der eifernen Segelfchiffe aus, weil diefe den Ballaft leicht durch Seewaffer herftellen, welches fie in hiefür abgetheilte wafferdichte, bei voller Ladung als Laderäume dienende Compartiments einlaffen, während die hölzernen Schiffe feften Ballaft nehmen müffen, der oft gar nicht zu befchaffen und deffen Ein- und Ausladung jedenfalls fehr koftfpielig ift. Diefe Umftände find befonders für Segelfchiffe von grofser Wichtigkeit, da diefelben ja ihre Waaren auffuchen und oft lange Zeit leer von Hafen zu Hafen fahren müffen, bis fie Fracht finden. Die gemifchten Schiffe aus Eifen- und Holzconftruction wurden ursprünglich für die oftindifchen Gewäffer erdacht, wo, wie erwähnt, das Anlegen der Gräfer Marinewefen. 19 und Mufcheln in erhöhtem Grade ftattfindet, die Kupferverkleidung alfo von befonderem Vortheile ift. Um diefe letztere nämlich anbringen zu können, wurden die Spanten und der Längenverband diefer Schiffe aus Eifen und zur Ifolirung diefes letzteren gegen die Kupferhaut die Verplankung zwifchen diefer und dem Eifenwerke durch doppelte Lagen beften Teakholzes hergestellt. Von daher wurde die gemifchte Conftruction auf ungepanzerte Kriegsfchiffe, welche den Kreuzungsdienft zu verfehen haben, und wie Modelle hievon in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt waren, übertragen, weil, wenn fie ganz aus Eifen conftruirt wären, die vorfchnelle Verunreinigung des Bodens fie verhindern würde, dem Kreuzungsdienfte nachzugehen. Für die Handelsmarine indefs fcheint es, dafs diefe gemifchte Conftruction, fo fehr fie auch einmal beliebt war, ziemlich aufgegeben ift; es geht einmal bei diefen gemifchten Schiffen die fehr theuere Kupferverkleidung fchon rafcher zu Grunde, als bei den rein hölzernen Schiffen, was deren Inftandhaltungskoften vergröfsert, und dann haben folche Schiffe das Theuerfte von der Holzconftruction mit dem Theuerften von der Eifenconftruction vereinigt, find alfo fehr koftfpielig in der Herftellung und bieten aufser ihrem für ausnahmsweife Fälle allerdings mafsgebenden Vortheile der gröfseren Reinhaltung, befonders für Waarentransport, faft nur die vorerwähnten Nachtheile der beiden anderen Schiffs- Conftructionsarten. Die eifernen Schiffe werden alfo durch die gemifchten Schiffe keinen Eintrag erleiden. Uebrigens werden Trockendocks jetzt auch fchon in weniger bedeutenden Häfen angelegt, und die immer gröfsere Verbreitung der eifernen Schiffe wird fchliefslich die Anlage von Trockendocks oder fchwimmenden Docks auch in kleineren Häfen zur Folge haben, fo dafs hölzerne Schiffe fpäter allenfalls für die kleine Küften- Schifffahrt fich noch erhalten werden( weil zur Herſtellung folcher kleinerer Holzfchiffe nicht die Hilfsmittel und Vorkehrungen wie bei der Conftruction eiferner Schiffe nothwendig find und die Erhaltung diefes Kleingewerbes an den Seeküften, welches dorten beinahe die Rolle einer Hausinduftrie fpielt, eine anderweitige Bedeutung hat), für lange Fahrten aber die Frage, ob hölzerne Schiffe, ob eiferne Schiffe für die Handelsmarine, binnen Kurzem zu, Gunften der eifernen Schiffe entfchieden fein wird. Für die Kriegsfchiffe, befonders für fchwere Schlachtenfchiffe, ift die Frage bereits erledigt. Für diefe ift jetzt die Eifenconftruction allein denkbar. Es waren auf der Weltausstellung allerdings einige fchwere Schlachtenfchiffe, fo die Panzerfchiffe, Venezia" und" Italia" in der italienifchen, die„ Habsburg" in der öfterreichifchen Abtheilung, ausgeftellt, welche ganz aus Holz, und das Cafemattfchiff„ Liffa", deffen in getheilter Conftruction über der Wafferlinie befindlicher Theil aus Eifen- Beplattung und unter der Wafferlinie befindlicher Theil aus Holz gebaut find. Hiefür waren aber ausnahmsweife Gründe vorhanden: In Italien wollte man den grofsen Vorrath von Schiffs- Bauholz, über welchen die dortige Regierung verfügte, benützen, und in Oefterreich war das genannte Schiff unmittelbar nach der Schlacht bei Liffa in Angriff und rafche Ausführung genommen, bevor noch die Werften auf Eifenconftruction genügend vorbereitet waren. * Das Verhalten des hölzernen Linienfchiffes ,, Kaifer" in diefer Schlacht hat in unferem Publicum ziemlich bleibend die unrichtige Anfchauung verbreitet, dafs ,, es Holzfchiffe auch thun", und fonach die Mehrausgaben für Panzerfchiffe, zumal eiferne, unnöthig wären. Befagtes Linienfchiff hat allerdings bei Liffa durch die denkwürdig kühne und gefchickte Führung feines Commandanten Admiral v. Petz den gleichzeitigen Angriff mehrerer feindlicher Panzerfchiffe fiegreich abgewehrt. Aber es waren ihm auch binnen Kurzem Bugfpriet und ein Stück feines Buges zertrümmert, der Fockmaft gebrochen, das Kamin umgeworfen( alfo Dampfproduction gehemmt), das Steuerruder halb zerfchoffen( alfo Lenkbarkeit reducirt), mehrere Kanonen demontirt, viel mehr Leute getödtet und verwundet als allen anderen Schiffen, und wenn es trotzdem beftund, fo war diefs für den Führer und die Befatzung ehrenvoll und glücklich, aber doch kein Beweis für die gute Bauart des Schiffes. Und dann find auch feit jener Schlacht die Gefchoffe wuchtiger und, was befonders mafsgebend, es 20Alexander Friedmann. Die neuesten Schiffe, welche diefe Regierungen bauten, wie das fpäter befchriebene Bug Cafemattfchiff Erzherzog Albrecht" und die Cuftozza" in der öfterreichifchen, das Thurmfchiff„ Peter der Grofse" in der ruffifchen Abtheilung, fowie all' die neueren englifchen und fonftigen Panzerfchiffe find fchon ganz aus Eifen conftruirt. Für kleinere Kriegsfchiffe, befonders für diejenigen, welche für den Kreuzungsdienft beftimmt find und welche fchon wegen der nothwendigen Kupferverkleidung mindeſtens die Beplattung aus Holz haben müffen, kann die Holzconftruction noch gelten, weil da die Hölzer noch keine fo grofsen Dimenfionen haben müffen, demnach jüngeres Holz vom beften Alter zur Anwendung gelangen kann, deffen Dauerhaftigkeit, genügende Austrocknung vor der Verwendung vorausgesetzt, immerhin eine bedeutende fein kann. Bei den grofsen Holzfchiffen aber müffen die Hölzer fchon folche Dimenfionen haben, dafs für fie leicht überftändiges Holz von geringer Dauerhaftigkeit zur Anwendung kommt und die. felben immerhin fchon nach den erften fünf Jahren grofse Reparaturen erheifchen, die fich dann in immer kürzeren Intervallen wiederholen und fo durch die gefteigerten Inftandhaltungskoften und die geringe Dauer bei Weitem die Erfparniffe vernichten, welche durch die anfcheinend billigere erfte Herftellung erreicht werden. Bezüglich der Detailconftructionen der eifernen Schiffe war auf der Weltausftellung aufser dem Umftande, dafs nun die wafferdichten Querwände, durch die das Schiff bei Leckbildungen in gegenfeitig abfchliefsbare Compartiments eingetheilt ift und Wafferballaft nehmen kann, faft bei allen eifernen Schiffen disponirt find, nichts Neues zu fehen. Von den früheren Vorfchlägen, ftatt der Querfpanten Längenfpanten herzuftellen, fcheint man ganz abgegangen zu fein. Es wird aller dings auf die Spanten mehr Material als nothwendig verwendet, infofern, als die Spanten in der grofsen Anzahl, wie fie jetzt gemacht werden, entbehrlich wären und bezüglich der Feftigkeit des Querverbandes mit einer viel geringeren Anzahl das Auslangen gefunden würde; es wäre immerhin gut, diefes Material lieber zur Herftellung eines fefteren Längenverbandes zu benützen. Aber die ganze Herftellungsweife eines Schiffes, für welche doch die Spanten die Form abgeben, macht eine andere Conftructionsweife als die bisherige zu umftändlich. Auch der früheren Vorfchläge, die Schiffsverkleidung im Bug und rückwärts fchwächer zu machen, weil dort bezüglich der Feftigkeit dünneres Blech ausreichen würde, war auf diefer Ausftellung nicht gedacht worden, und nicht ganz mit Unrecht, weil die Bleche ja nicht nur der Feftigkeit zu genügen haben, fondern auch gegen die Abnützung zu dimenfioniren find, und gerade die Bleche im Vorder- und Hintertheile des Schiffes fchon durch die Reibung in diefer Beziehung mehr in Anfpruch genommen find als die Bleche im Mittfchiffe. Befchreibung der ausgeftellt gewefenen Schiffe. Von den ausgeftellt gewefenen Schiffen find in den beiliegenden Tafeln I bis IX und in den beigedruckten Holzfchnitten diejenigen veranfchaulicht oder fonft befchrieben, welche heute als Mufter der betreffenden Typen gelten, oder von den üblichen Conftructionen befonders abweichen.- Spantenriffe konnten nicht von allen Schiffen befchafft werden; von denjenigen übrigens, über welche ausführlichere Daten in der zum Schluffe diefes Abſchnittes beigefügten Tabelle angegeben find, können Spantenriffe leichter entbehrt werden. ift deren Treffficherheit fo fehr verbeffert worden, dafs heutzutage ein ungepanzertes oder nicht genügend gepanzertes Schiff, kaum in rechte Schufsweite vorgerückt, feine Kanonen weggefegt bekäme, einen dauernden Kampf aber, auf welchen doch bei der Construction eines Schiffes befonders gerechnet werden mufs, ganz gewifs nicht beftehen könnte. Marinewefen. 21 Die folgenden Erklärungen dienen nur zur Ergänzung der aus befagter Tabelle und aus den Zeichnungen von felbft erhellenden Daten. Nur das erfte Schiff, die Frifia", wird ein wenig ausführlicher befchrieben, weil hiedurch das Verſtändnis der Zeichnungen der anderen Schiffe erleichtert ift, fonft aber wird bei jedem Schiffe nur das hervorgehoben, was dem betreffenden Schiffe eigenthümlich ift. Die Mafchinen werden feparat sub II B, ebenfo die Keffel und Feuerungen sub II C des Abſchnittes II und diejenigen befonders beachtenswerthen Objecte an Bord einzelner Schiffe, welche für alle anderen Schiffe gleich zweckdienlich wären, sub ID diefes Abfchnittes behandelt. Perfonendampfer„ Frifia". Tafel I zeigt in Fig. I den Längenfchnitt, in Fig. 2 den Grundrifs des Hauptdeckes und die Fig. I der Tafel III den, Schnitt nach dem Hauptfpanten des Dampfers, Frifia" der Hamburg- amerikanifchen Packetfahrt- Actiengeſellſchaft. Diefer Dampfer beforgt den Perfonentransport und Poft- Packetdienft zwifchen New York und Hamburg. Das Schiff bietet nichts fonderlich Neues, ift aber in jeder Beziehung rationell und den Anforderungen, die man bislang an einen Perfonendampfer geftellt hat, vollkommen entſprechend gebaut und ausgerüftet und kann als Typus eines der beften heutigen PerfonenSeedampfer für lange Fahrt gelten. Das Schiff ift von Caird& Comp. in Greenock ganz aus Eifen conftruirt und an den Stellen S durch eiferne Querwände in acht gegenfeitig wafferdichte abgefchloffene Compartiments abgetheilt, fo dafs, wenn in einem diefer Compartiments ein Leck entſteht, nur eben diefes Compartiment vom einftrömenden Waffer erfüllt werde, die anderen Räume aber trocken bleiben und das Schiff über See halten. Diefe Dispofition haben faft alle neueren eifernen Schiffe, es wird derfelben sub D diefes Abfchnittes nochmals Erwähnung gethan. Die Mafchine, über welche im zweiten Abſchnitte ausführlicher gefprochen wird, ift nach dem Woolf'fchen Syfteme auf ftarke Expanfion gerichtet, arbeitet mit theilweife überhitztem Dampfe, Oberflächen- Condenfatoren und hoher Initialfpannung. Das Schiff ift reichlich bemannt. Die Frifia" bietet aufser für 1000 Cubikmeter Waaren Platz für 108 Paffagiere erfter Cajüte, 133 Paffagiere zweiter Cajüte, etwa 600 Paffagiere des Zwifchendecks und circa 130 Mann Befatzung. Der Aufgabe, eine fo grofse Anzahl von Perfonen unterzubringen und für die Seefahrt zu verpflegen, entſpricht die Detaileintheilung des Schiffes und haben die in die Figuren der Tafel I eingefchriebenen Ziffern und Buchftaben folgende Bedeutung: Im Oberdeck im Längenfchnitte: I das Ruderhaus, 2 Gangfpiel, das ift eine Winde mit verticaler Trommel, welche mittelft im Obertheile derfelben eingefteckten horizontalen Hebelarmen drehbar ift, 3 Lichtluke für den Salon erfter Claffe, 4 Pavillon für die Stiege der erften Cajüte, 5 Schacht zum Laderaume, 6 Niedergang zur zweiten Cajüte, 7 Mafchinen- Lichtluke, 8 Navigationszimmer, 9 Niedergang zum Zwifchendeck, 10 Lichtluke für die erfte Küche, 11 Ventilationsfchläuche für den Mafchinen- und Keffelraum, 12 Keffelkamin, 13 Commandobrücke, 14 Niedergang in den Keffelraum, 15 Lichtluke für die Dampfküche, 16 Lichtluke für das Rauchzimmer zweiter Cajüte, 17 diverfe Lichtluken und Niedergänge zu den Deckräumen, 18 Maftbäume, 19 Niedergänge ins Zwifchendeck und den Laderaum, 20 Schacht zu den Lade- und Provianträumen, 21 Dampfwinde, 22 vorderes Gangfpiel und Kettenmanöver. Im Hauptdeck im Längenfchnitte und Deckriffe: a Steuerruder- Achfe, 6 Ventilator der zweiten Cajüte; cc Salon erfter Claffe; c1 bis c2( im Deckriffe) Schlafcabinen erfter Cajüte; d Credenz erfter Cajüte; e Damenfalon erfter Cajüte; f Rauchzimmer für die erfte Cajüte; c1 bis c4 Cabinen erfter Cajüte: gg1 Dampfcylinder der Mafchine; hh'( im Deckriffe) Zimmer des Capitäns; i Apotheke; 22 Alexander Friedmann. i¹ Zimmer des Arztes; k bis k1 Zimmer der Officiere und Mafchiniften; W. C. WaterClofets; k2 Officiers cabinen; n Schlächterei; o Wafchraum für die Küche; k² Cabinen für Zimmermann, Bootsmann, Koch, Proviantmeifter etc. etc.; 3 Unterofficierscajüte; k+ Cajüte für 18 Diener; p Krankenzimmer für Frauen; p1 Krankenzimmer für Herren; q Wafchhaus für Frauen des Zwifchendeckes; q₁ Wafchhaus für Männer des Zwifchendeckes; r Oelraum; r1 Laternenkammer; s Wafchhaus für die Heizer; s1 Wafchhaus für die Matrofen; t Logis für 36 Heizer; 1 Logis für 30 Matrofen; u Materialkammer für den Bootsmann; v Bugklüfen. Im zweiten Deck im Längenfchnitte: xx1 Salon zweiter Claffe; yy1 Keffelräume; 1 Schlafräume für Zwifchendecks- Paffagiere. In den übrigen Räumen des Schiffes endlich: F die Schraube; G die Propellerachfe; LL die Laderäume für Waaren und Lebensmittel; M die Mafchine; NN die Keffel; R Kohlenräume, 7' Raum für Wafferkiften; U Eisbehälter. Die Befatzung befteht aufser dem Capitän, welcher den Oberbefehl führt, und dem Schiffsarzte und feinem Affiftenten aus der Mannfchaft für das Deck, der Mannfchaft für den Mafchinendienft und der Mannfchaft für die Bedienung der Paffagiere. Die Mannfchaft für das Deck, ift in zwei Equipen eingetheilt, von denen jede auf vier Stunden Dienft vier Stunden Raft hat, und befteht aus 4 Officieren, 2 Bootsleuten und 36 Matrofen, inclufive Zimmermeifter und Segelmacher. Die Mannfchaft für den Mafchinendienft ift in drei Equipen eingetheilt, von denen jede auf je vier Stunden Dienft acht Stunden Raft hat, und befteht aus 8 Mafchiniften und Affiftenten und 36 Heizern und Kohlenziehern. Die Mannschaft für den Paffagierdienft, die Küche, Bäckerei, Fleifcherei, Proviant etc. zählt je nach der Paffagierzahl 25 bis 40 Perfonen. Die Ausrüftung des Schiffes ift, fowie bei den meiften jetzigen guten Perfonendampfern, für lange Fahrt bewerkstelligt, und hierin nur von der Ausrüftung des nachfolgend befchriebenen Dampfers„ Pollux" des öfterreichifch- ungarifchen Lloyd übertroffen. Die Cajüten fcheinen genügend ventilirt, das Schiff hat nebft der früher erwähnten Eintheilung in wafferdichte Compartiments zehn Rettungsboote, unter dem Kopfkiffen jedes Bettes je einen Rettungskorb für jeden Paffagier, Leckpumpen, Feuerfpritzen, Referveftücke für Mafchinen-, Keffel und Segelwerk, Signalvorrichtungen und alle Apparate zur Beftimmung des Curfes und der Gefchwindigkeit des Schiffes. Wie weit diefe Sicherheitsmafsregeln den beabfichtigten Zweck erfüllen, wird sub 1 D diefes Abſchnittes erörtert. Waaren dampfer Pollux". Tafel II veranfchaulicht in Fig. 1 den Längenfchnitt, in Fig. 2 und Fig. 3 zwei Deckriffe und in Tafel III, Fig. 2, einen Querfchnitt nach dem Hauptfpanten des Dampfers„ Pollux" des öfterreichiſchungarifchen Lloyd. Derfelbe verkehrt zwifchen Oftindien und Trieft und beforgt lediglich Waarentransporte, den Poftdienft und den für diefe Linie fehr mässigen Perfonenverkehr. Das Schiff ift in dem Arfenale des öfterreichiſch- ungarifchen Lloyd in Trieft nach den Entwürfen des technifchen Directors F. Petke gebaut worden, ift für die Zwecke, denen es zu dienen hat, vorzüglich disponirt und durch die Vollkommenheit feiner Mafchine, welche ein neues Syftem der Dampfüberhitzung realifirt, fowie durch feine fehr vollſtändige, mehrere Neuerungen bietende Ausrüftung mufterhaft. Die Mafchine ift von F. Petke erfunden und wird im Abſchnitt II sub II B, die übrigen Neuerungen, nämlich ein verbefferter Bewegungsmechanismus des Steuerruders, neue Ventilationsfchläuche für die Schiffsräume, beide ebenfalls von F. Petke und ein neuer Schiffs- Leckapparat, von Alexander Friedmann erfunden, werden sub ID diefes Abſchnittes näher befchrieben und durch dem dortigen Texte beigedruckte Holzfchnitte veranfchaulicht. Marinewefen. 23 Die Raumeintheilung ift durch die drei Figuren der Tafel II fehr gut kenntlich und haben die in die Zeichnungen eingefetzten Ziffern und Buchftaben folgende Bedeutung: Im Oberdeck: 1 Ruderhaus, 2 Gangfpiel, 3 Rettungsboote, 4 Steuerrad, 5 Waarenluken, 6 Dampfkrahn, 7 Niedergang ins Zwifchendeck, 8 Lichtluken, 9 Ankerwinde, a Rauchzimmer, b Buffet, c Bad, d Water- Clofets, ee Cabinen erfter Claffe, e 1 Cabine des Capitäns, fSalon erfter Claffe, g MafchinenLichtluke, h Küche, g1 Keffel- Lichtluke, k Deckhaus, enthaltend Abtheilungen für den Lieutenant, Bootsmann, Zimmermann, Koch, Bäcker, dann für die Schiffskanzlei, Poftkanzlei, für Bade- und Wafchzimmer. Im Unterdeck:/ Weindepot, mm Poftdepot, nn Mafchiniften cabine, n1 Badezimmer, o Speifezimmer für die Mafchiniften, p Mafchine, qq Keffel, * Officierscabine, s Damencabine, t Salon zweiter Claffe, u Schlafräume für die Feuerleute, v Schlafräume für die Matrofen. Im Kielraum endlich: x die Propellerachfe, y( im Spantenriffe Fig. 2, Tafel III) Friedmann'fcher Schiffs- Leckapparat, Klappe zur Siebreinigung mittelft Retourdampf. Entfprechend diefer Raumeintheilung bietet das Schiff gute Unterkunft für 36 Paffagiere erfter Cajüte und 18 Paffagiere zweiter Cajüte, und ift hiebei lobend hervorzuheben, dafs die Cabinen nicht allzubefchränkt und eine verhältnifsmäfsig grofse Anzahl derfelben ftatt wie gewöhnlich für je vier für je nur zwei Perfonen angeordnet find. Die fämmtlichen übrigen disponiblen Schiffsräume find für die Unterbringung der Befatzung und von Waaren eingerichtet, deren letztere diefes Schiff z. B. 12.000 indifche Baumwoll- Ballen auf einmal zu laden vermag. Die Befatzung befteht aus: 1 Capitän, 1 Schiffsarzte, 4 Officieren, 2 Bootsleuten, I Schiffs- Zimmermann, 22 Matrofen, 14 Perfonen für den Paffagierdienft, 7 Mafchiniften und Gehilfen, 13 Heizern und 9 Kohlenziehern. Die Ausrüftung zählt aufser den vorerwähnten Ausrüftungsgegenständen all' die üblichen Rettungsboote, Rettungskörbe etc. etc. und ift das Schiff, wie alle neueren durch eiferne Querwände in gegenfeitig wafferdicht abgefchloffene Compartiments eingetheilt. Pacificdampfer„ Britannia". Tafel IV, veranfchaulicht die Längenanficht und drei Deckriffe des Dampfers„ Britannia" der Pacific fteam navigation Company, von Laird Brothers in Birkenhead fehr fchön entworfen und gebaut und für die Linie Liverpool- Liffabon- Rio de Janeiro- Callao, eine der längften directen Dampferlinien, beftimmt. Das Schiff ift in gleichem Mafse für Perfonen- wie für Waarentransporte eingetheilt und hält infoferne die Mitte zwifchen den zwei vorher befchriebenen Schiffen„ Frifia" und„ Pollux", ift jedoch, wie aus der am Schluffe diefes Abfchnittes enthaltenen Tabelle erfichtlich, bedeutend gröfser und rafcher als diefe beiden Schiffe, da fein Deplacement circa 6000 Tonnen feine Mafchine 3300 indicirte Pferdekräfte und feine Gefchwindigkeit an der gemeffenen Meile 15 Seemeilen beträgt. Das Schiff enthält auf der erften Cajüte 106 Betten und 32 Sophas, bietet alfo Unterkunft für 138 Paffagiere I. Claffe; auf der II. Claffe ift für 41 Paffagiere vorgeforgt. Alle übrigen disponiblen Schiffsräume find lediglich für Waarentransporte angeordnet; wenn jedoch das Schiff Auswanderertransporte zu beforgen hat, wie das oft vorkommt, kann das Zwifchendeck durch Einftellung geeigneter Bettgeftelle bis zu 560 Zwifchendeck- Paffagiere aufnehmen. Im Uebrigen ift die Raumeintheilung aus den Zeichnungen der Tafel IV nach der ausführlichen Befchreibung der früheren zwei Schiffe leicht kenntlich, und wäre nur hervorzuheben, dafs der Salon I. Claffe A die ganze Breite des Schiffes an diefer Stelle einnimmt, alfo nicht, wie meift der Fall, der ganzen Länge nach von Cabinen flankirt ift. Diefe Anordnung ist für die Paffagiere der hinter dem Salon der Britannia" disponirten Cabinen bis k' fehr vortheilhaft, weil fie nicht, wie in 24 Alexander Friedmann vielen anderen Schiffen, durch den immerwährenden Lärm im Salon in ihrer Ruhe geftört werden und ift allgemein empfehlenswerth, vorausgefetzt, dafs durch geeignet angebrachte Mittelftützen und Verfteifungen der breite Salon nicht die Feftigkeit des Schiffes beeinträchtige. Die Rauchzimmer, Cabinen für den Capitän und die Schiffs officiere, fowie ein Damenfalon find im Oberdeck in Deckhäufern, ähnlich wie beim ,, Pollux" fituirt; auch find an 20 Cabinen, wie bei letzterem erwähnt, für blos 2 Perfonen, ftatt durchgehend mit 4 Schlafftellen disponirt, eine Anordnung, die, obgleich mehr Raum abforbirend, für alle Perfonendampfer zu empehlen wäre, da für Einzelreifende, welche doch die Mehrzahl bilden, vierfchläfrige Cabinen gerade fo unangenehm find, wie die ehemaligen gemeinfchaftlichen Schlaffalons, diefsbezügliche Bequemlichkeit aber die Unannehmlichkeit der Seefahrten leichter überwinden hilft, als gröfserer oder kleinerer Luxus in der Decorirung der Speifefalons und dergl. Die Ladung und Löfchung des Schiffes gefchieht mittelft zweier Dampfkrahne, ähnlich wie beim„ Pollux"; hingegen wird die Bewegung des Steuer ruders fehr zweckmäfsiger Weife durch eine feparate kleine Dampfmafchine bewerkstelligt. Sonft ift das Schiff ähnlich wie die„ Frifia" in wafferdichte Compartiments eingetheilt und ausgerüftet. . Panzerfchiff, Erzherzog Albrecht". Tafel V zeigt in Fig. 1 den Längenfchnitt, in Fig. 2 einen Grundrifs des Hauptdeckes und Tafel VI drei Querfectionen Seiner Majeftät Bug- Cafemattfchiffes ,, Erzherzog Albrecht", welches bei dem Schiffsbau- Etabliffement Navale Adriatico in Trieft in Bau begriffen ift. Das Schiff ward, wie fämmtliche neueren Seiner Majeftät Marine nach den Entwürfen des J. v. Romako, oberften Ingenieurs der k. k. Kriegsmarine, ausge führt und ift als Ergebnifs der Erfahrungen, welche mit der Ramme in der Schlacht bei Liffa im Jahre 1866 gemacht wurden, unter dem unmittelbaren Einfluffe des verftorbenen Admirals Tegetthoff im Jahre 1869 in Bau gegeben worden. Die Ramme hatte fich als die wirkfamfte Waffe und die Manöver in diefem Sinne als die zweckmäfsigften erwiefen. Demzufolge ift das Schiff„ Erzherzog Albrecht" fo gebaut, dafs in der Richtung des Rammftevens, das ift in der Kielrichtung, während dem Feinde entgegengerückt wird, die volle Ladung einer ganzen Breitfeite nach vorne abgegeben werden könne. Das Schiff verfügt nämlich über acht Stück 9- zöllige in den zwei Decken der Cafematte untergebrachte Krupp'fche Kanonen; von diefen acht Gefchützen nun können in jedem Deck der Cafematte je zwei, im Ganzen alfo vier in die Stellung der vorderen Gefchütze, wie der Deckrifs der Tafel V( Fig. 2) anzeigt, gedreht werden, und bleiben dann noch vier andere Gefchütze, um nach der Seite zu feuern. Nach rückwärts kann in der Kielrichtung nicht gefchoffen werden, dafür find die Gefchoffe nach der Seite feuernd hoch über der Wafferlinie, hiedurch alfo fehr günftig fituirt. Befonders vortheilhaft ift diefes Schiff bezüglich der Raumeintheilung disponirt, wie diefs aus den Zeichnungen der Tafel V und VI hervorgeht. In den Figuren diefer beiden Tafeln haben die dafelbft eingefetzten Ziffern folgende Bedeutung: I Wohnung des Commandanten, 2 Deckgallerie, 3 Steuerrad, 4 Officierscarré( Speifefalon), 55' Stabs officiers- Cabinen, 66' Officiers cabinen, 7 Steuerei, 8 Unterofficiers- Cabinen, 9 Handpumpen, 10 Licht- und Ventilationsfchacht für's Plattform- Deck, II Plattform- Deck und Raum für Lebensmittel, 12 Tunnel der Propellerachfe, 13 Mafchine, 14 Keffel, 15 Camin, 16 Kohlenräume, 17 Unterofficiers- Cabinen, 18 untere Cafematte, 19 Obere Cafematte, 20 Panzerwände ( 6- zöllige und 8- zöllige), 21 Gefchütz( 9- zöllige Krupp), 22 Gefechts- Steuerrad, 23 Granatenkammer, 24 Pulverkammer, 25 Hähne, um nöthigenfalls Granaten und Pulverkammer unter Waffer zu fetzen, 26 Spital, 27 Mannfchaftsaborte, 28 Ventilationsfchläuche, 29 Officiers-, 30 Mannfchaftsbäder, 31 Gangfpiel, 32 Cambüfe( Kochherd), 33 Kettenklüfen( Bugklüfen), 34 Geftelle für Mannfchaftsfäcke, 35 Ventilationsfchacht für den unteren Raum, 36 Kalafaterei Marinewefen. 25 ( Zimmermanns-, Segel- und Tauwerk- Depot), 37 und 38 Räume für allgemeine Schiffsvorräthe, 39 Arreft, 40 Lichtluken und Niedergänge, 41( im Spantenriffe Fig. 3, Tafel VI) Friedmann'fcher Schiffs- Leckapparat, 42 Klappe zur Reinigung des Saugfiebes des Schiffs- Leckapparates durch Retourdampf. Die Räumlichkeiten zur Unterbringung des Schiffsftabes find fonach fehr grofs, für Licht und Luft ift auch in den Mannfchaftsräumen gut vorgeforgt. In fehr zweckmäfsiger Weife ift der Pulver und Granatentransport angeordnet; die Gefchoffe und die Munition gelangen nämlich von den direct unter der Cafematte gelegenen Depots durch vom übrigen Schiffsraume getrennte Schächte unmittelbar in die beiden Batterien, während bei anderen Cafemattfchiffen der Pulver- und Munitionstransport fehr umftändlich erft durch Vermittlung des Zwifchendeckes vor fich gehen kann, weil bei diefem letzteren die Maschinen und Keffelräume meiftens unter der Cafematte placirt find, für die Pulver- und Granatendepots alfo erft vor und hinter diefen Räumen Platz gefunden wird. Die Mafchine wird im zweiten Abfchnitte sub II B befchrieben. Die Ausrüftung des Schiffes ift eine fehr vollkommene, und das erft feit einigen Jahren zur Anwendung gelangte neue Ausrüftungsftück der Friedmann'fche Schiffs- Leckapparat" sub ID diefes Abfchnittes befchrieben. " Donaudampfer" Orient". Tafel VII veranfchaulicht in Fig. 1 die Längenanficht, in Fig. 2 den Längenfchnitt, in Fig. 3 die obere Deckeintheilung und in Fig. 4 die untere Raumeintheilung des Raddampfers ,, Orient" der k. k. privilegirten Donau- Dampffchifffahrts Gefellſchaft, welcher wohl als der gröfste, rafchefte und befteingetheilte Flufsdampfer in Europa gelten kann. Der„ Orient", auf der Schiffswerfte der Gefellſchaft in Altofen nach den Entwürfen ihres Oberingenieurs Jackfon ausgeführt, enthält vier Schlaffalons mit zufammen 178 Betten ( 98 für Paffagiere I. und 80 für Paffagiere II. Claffe) und II Privatcabinen mit je 4 Betten. Die Raumeintheilung wird durch die in die Figur eingeſetzten Buchftaben leicht verftändlich und haben diefelben folgende Bedeutung: Im Oberdeck: a1 Cabine für Steuerleute( im Längenfchnitte ift a das Steuerrad), 6 Piano, c Ventilationsfchächte, d Deckfalon I. Claffe, e Rauchfalon, f Niedergänge, g Privatcabinen, h Credenz, i Mafchinen- Lichtluke, k Badezimmer, 7/1 Küche und Vorrathskammer, w Water- Clofet, mm Officiers cabinen, n Poftconducteur, 001 Dienercajüten, p Deckfalon II. Claffe. Im Unterdeck: q Lavoir, q1 Cabine für Dienerinen, rr Damen- Schlaffalon I. Claffe, ss Herren- Schlaffalon I. Claffe, t Mafchine, u Keffel, u1 Kohlenräume, u2 Magazine, v Cabine für Feuerleute, x Herren- Schlaffalon II. Claffe, y DamenSchlaffalon II. Claffe, z Matrofen, z1 Dienftperfonal. Die Mafchine ift eine ofcillirende Compoundmafchine und im zweiten Abſchnitt sub II B ausführlich befchrieben.- Die Hauptdimenfionen find in der am Schluffe diefes Abſchnittes beigefügten Tabelle enthalten. - Drahtfeil- Schiff„ Nyitra". Auf der nebenftehenden Seite 26 ift im Holzfchnitte Fig. 4 eine Längenanficht und Fig. 5 ein Grundrifs des DrahtfeilDampfers Nyitra" der k. k. privilegirten Donau- Dampffchifffahrts- Gefellſchaft. Die Ketten- und Drahtfeil- Schifffahrt beruht bekanntlich darauf, dafs das Schiff an einem Seile oder an einer Kette, welche ins Flufsbett gelegt und an den beiden Endftationen der zu befahrenden Strecke verankert ift, durch Seil- oder Kettenrollen, welche auf dem Schiffe durch geeignete, kräftige Dampfmaschinen gedreht werden und das befagte Seil oder die Kette nach vorne auf- und nach rückwärts abwinden, längs diefem Seile fich vorwärtszieht. Die Vor- und Nachtheile diefer Transportweife wurden sub I B diefes Abſchnittes behandelt. In dem Drahtfeil- Schiffe der Fig. 4 und 5 ift ss das Drahtfeil, a das Seilrad, welches durch die Dampfmafchine in rotirende Bewegung gefetzt wird, b das vordere, bewegliche Leitrad, an welchem das Seil vom Flufsbette aus in die Höhe Fig. 4. 26 NYITRA Alexander Friedmann. Fig. 5. jip Meter P O Marinewefen. 27 gehoben und c das rückwärtige Leitrad, über welches das Seil längs dem Schiffe laufend, wieder ins Waffer niederfällt. Das Seilrad a ift nach einer von Fowler angegebenen Methode fo conftruirt, dafs das Seil während der Paffirung am Umfange des Seilrades zwifchen einer Art beweglicher Lippen eingezwängt wird, fo dafs mit der Drehung des Seilrades immer eine neue Stelle des Drahtfeiles vorne gefafst und nach rückwärts wieder losgelaffen wird. Fig. 6. In der beiftehenden Fig. 6 ift in ein Zehntel natürlicher Gröfse der Querfchnitt des Spurkranzes eines folchen Rades veranfchaulicht, wie diefes an einer von Gebrüdern Sulzer ausgeftellt gewefenen Mafchine für den Seilbetrieb disponirt war. In diefer Figur ift s das Drahtfeil und find rri die beiden Lippen, welche, um die Zapfen o 01 drehbar, durch die Action des Seiles gegen die Achfe des Rades gedrückt werden und hiedurch das Seil einklemmen. Kommt durch die Drehung der Trommel diefer Theil des Spurkranzes nach abwärts zu liegen, dann öffnen fich die beiden Lippen rr1 vermöge ihres Gewichtes von felbft, fo dafs fie bei der Weiterbewegung, wieder mit dem Drahtfeile in Contact gelangend, diefem leichte Einlagerung bieten und es fpäter wieder durch die feitliche Preffung fefthalten können. Das Drahtfeil- Schiff Fig. 4 und 5 der Donau- Dampffchifffahrt- Gefellſchaft hat gegenüber den bisherigen Drahtfeil Schiffen die wichtige Verbefferung, dafs es mit zwei Zwillingsfchrauben verfehen ift, durch welche es, wie diefs namentlich bei den Stromabwärts- Fahrten nothwendig ift, die Fahrten unabhängig vom Seile bewerkstelligen kann. Ein anderes, neues Syftem eines folchen Drahtfeil- Schiffes, von Jackfon combinirt, ift in Tafel VIII, Fig. 1, in der Vorderanficht, Fig. 2 im Grundriffe veranfchaulicht. Anftatt das Seil mittelft eines Lippenrades aufzuziehen, wird dasfelbe, wie in den Zeichnungen deutlich erfichtlich, zwifchen vier Seilrollen- Paaren durchgezogen. Je vier Rollen o bis o' find wie die Räder einer AchtkupplerLocomotive mittelft Kurbeln und Kuppelftangen miteinander gekuppelt, alle Rollen find genau auf den gleichen Durchmeffer gedreht, haben alfo die gleiche Umfangsgefchwindigkeit und find durch Federanordnungen fo regulirt, dafs die Einklemmung des Seiles nicht unnöthig ftark wird. Das Schiff ift feit 1½ Jahren in regelmässigem Betriebe und hat fich das Seil gut gehalten. Die Lenkung des Seiles ift durch die vordere bewegliche Leitrolle d in einfacherer Weife bewerkftelligt, die Auslöfung des Seiles für die freie Fahrt des Schiffes weniger fchwierig und hat das Seil nicht wie bei dem früher befchriebenen Seilfchiffe mehrfache Auf- und Abwärtsbiegungen zu beftehen. Ueberdiefs kann das Schiff unabhängig vom Seil wie ein gewöhnlicher Raddampfer ftromabwärts, eventuell ftromaufwärts fahren und Bugfirdienft verfehen; es ift zu diefem Behufe mit Ruderrädern rr verfehen, welche durch die Kuppelungen m n mit der Triebachfe der Mafchine verbunden werden können. Auf der nächften Tafel IX veranfchaulicht Fig. 3 den Längenfchnitt, Fig. 4 den Grundrifs und Fig. 5 den Schnitt nach dem Hauptfpanten eines Kettenfchiffes der Donau- Dampffchifffahrts- Gefellfchaft. a a' find die beiden Kettentrommeln, 6 die vordere Kettenführung, an welcher die Kette aus dem Fluffe gehoben, b' die hintere Kettenführung, durch welche diefelben wieder ins Waffer gelaffen wird. c c' find die Dampfcylinder einer ofcillirenden Compoundmafchine, welche mittelft Zahnräder- Ueberfetzung die Achfen der beiden Kettentrommeln treibt. Neu ift an diefem Schiffe gegenüber den bisherigen Kettenfchiffen, dafs 28 Alexander Friedmann. dasfelbe ähnlich wie das früher befchriebene Drahtfeil- Schiff mit Schaufelrädern verfehen, auch unabhängig von der Kette Fahrten bewerkstelligen kann. Wird mit der Kette gefahren, fo werden durch die Kuppelungen mn die beiden Schaufelräder RR' ausgelöft; foll frei gefahren werden, fo werden diefelben eingelöft und die Kettenrollen laufen leer mit. Tafel X veranschaulicht den Längenfchnitt und zwei Deckriffe eines FlufsKriegsfchiffes Seiner Majeftät Donaumonitor„ Maros", von Romako entworfen und vom conftructiven Standpunkte infoferne intereffant, als es trotz ſchwerer Panzer, welche den ganzen ober Waffer befindlichen Schiffskörper und drehbaren Thurm umgeben, und zweier completer 24 Pfünder nur 3½ Fufs taucht. Als Vertheidigungswaffe ift diefes Schiff fehr beachtenswerth; es vermag die Operationen der Landarmee bei Vertheidigung von Flufsübergängen fehr wirkfam zu unterftützen und auch auf der unteren Donau vorkommenden Falls einen ausgiebigen Schutz für die nationalen Schiffe zu gewähren, da feine Panzerung gezogenen 8- Pfündern, dem fchwerften jetzigen Feldgefchütze, vollkommen widerfteht, während feine zwei 24- Pfünder die volle Treffficherheit der jetzigen beften Marinegefchütze und eine grofse Tragweite entwickeln. Die Hauptdimenfionen find in der mehrerwähnten Tabelle angegeben. Ueber die Raumeintheilung geben die Zeichnungen der Tafel X genügenden Auffchlufs. In denfelben bedeuten: a a' die zwei Schrauben, 6 Steuerruder, e c' Depots, e Cabine für Mafchiniften und Steuermann, f Commandantencabine, gg Mafchinen, k k' Keffel, l' Kohlendepot( für zufammen 23 Tonnen Kohlen), m Thurmmanöver, u gepanzerter Thurm( Stärke der Panzer 2 Zoll), Steuerthurm, Kanonen( Krupp'fche 24- Pfünder), q Pulver- und Munitionsdepots, r Bootsmanns- Cabine, wafferdichte Querwände, t Lebensmittel- Depot, u Mannfchafts- Raum, v Ankerwinde, w Geftelle für Mannfchafts- Requifiten, x allgemeine Schiffsvorräthe, y Vorpique, z Panzer. Nebft den bisher befchriebenen Schiffen waren auf der Ausftellung noch die folgenden intereffant: Das Schiff„ Santa Rofa", von Laird Brothers in Birkenhead gebaut und auf beiftehender Seite 29 in Fig. 7 in der Längenanficht fkizzirt, wegen der Anordnung feines Oberdecks und der über demfelben disponirten Deckhäufer. befonders des vorderen Deckhaufes. Diefes letztere erftreckt fich vom Mittelfchiffe zum Vorderfchiffe wie eine Brücke, ringsum in freier Luft und nur durch dünne Säulen und Zugftangen mit dem Deck verbunden. Das Schiff ift für Fahrten im ftillen Ocean beftimmt; durch diefe Anordnung des Deckhaufes wird die Temperatur in demfelben viel erträglicher, und da diefes Schiff häufig auch Viehtransporte zu beforgen hat und in diefem Falle das Vieh in den unteren Decken des Vorderfchiffes untergebracht ift, fo find die Paffagiere des vorderen Deckfalons auch vor dem unangenehmen Geruche der eingeftellten Stallungen beffer gefchützt. Die Verfteifungen und Zugftangen zwifchen dem Oberdeck und dem Deckhaufe follen verhüten, dafs durch heftige Windanfälle oder durch Sturzwellen diefe Deckcabinen nicht davongetragen werden können, wie diefs wohl fchon mit grofsen Deckfalons gefchehen ift, welche ganz unmittelbar auf dem Oberdeck ruhend disponirt waren. Ift eine folche Gefahr wirklich vermieden und follte diefe Anordnung des Deckhaufes, welche fchon bei mehreren Schiffen des ftillen Oceans angebracht ift, fich bleibend als vollkommen ficher erweifen, dann ift diefelbe, auch wenn, wie zu hoffen, die gleichzeitige Beförderung von Vieh und Paffagieren auf einem und demfelben Dampfer mit der Zeit aufhören wird, für Perfonendampfer beachtenswerth, wiewohl der Luftwiderftand eines folchen Schiffes ein bedeutender fein mufs und auch die Reduction der Bordhöhe für die Seetüchtigkeit nicht günftig fein mag. Das Schiff, Wind for Caftle", für die Caplinie der Gefellfchaft Donnald Currie& Comp. von der berühmten Firma Rob. Napier& Comp. in Glasgow Marinewefen. 29 111 543310 Länge 329 Fufs 8 Zoll englifǝh.-Breite 53 Fufs 10 Zoll. 3270 早 Fig. 8. Fig. 7. a Deplacement 10.000 Tonnen. 10 20 25 Meter - 40 Meter Indicirte Pferdekräfte 10.000. 30 Alexander Friedmann. gebaut, ift ähnlich wie der vorbefchriebene, Pollux" lediglich für Waarentransport eingerichtet. Es bewerkstelligt die Fahrt von London nach dem Cap der guten Hoffnung regelmäfsig in 22½ Tagen, ift fomit der rafchefte Dampfer diefer Linie und befährt auch die Linie Calcutta- London angeblich mit gröfserer Gefchwindig. keit als die concurrirenden Waarendampfer. Es ift jedenfalls im Verhältniffe zu feiner Mafchine, welche nur 1200 Pferdekräfte indicirt, gefchwind. Befonders beachtenswerth ift die Anordnung der Commandobrücke bei diefem Schiffe. Dasfelbe hat im Mittelfchiffe eigentlich zwei Commandobrücken, die eine im gewöhnlichen Niveau, die andere um Manneslänge höher disponirt; ebenfo find zwei Steuerruder, eines wie gewöhnlich im Ruderhaufe rückwärts und eines auf der erften Commandobrücke angebracht. In der Nähe der Küften, bei den Einfahrten in Häfen, bei Paffirung des Suez- Canales, überhaupt in Paffagen, wo gröfsere Achtfamkeit erheifcht wird, befteigt der Steuermann die erfte und der Capitän die höhere zweite Brücke, fo dafs letzterer über das vordere Caftell hinweg eine beffere Ueberficht hat, und der Steuermann in feiner nächften Nähe die Befehle unmittelbar mündlich bekommen kann. Das Schiff ,, The Anglian" von Attken und Manfel, Glasgow, gebaut und der Union Steam Ship Co. gehörig, beforgt Waarentransporte von Southampton übers Cap der guten Hoffnung nach Zanzibar. Es bietet nichts Neues, ift aber richtig und dem Stadium, auf welchem fich der Schiffsbau heute befindet, entfprechend eingerichtet und find deffen Dimenfionen, wie die der anderen Schiffe in der am Schluffe diefes Abfchnittes befindlichen Tabelle angegeben, geeignet, die Urtheilsfähigkeit über derartige Schiffe zu vervollſtändigen. Das Thurm- Panzerfchiff Peter der Grofse", vom kaiferlich- ruffifchen Admiral Popoff conftruirt, ift als Gegenfatz des früher befchriebenen BugcafemattSchiffes, Erzherzog Albrecht" und Typus einer ganzen Claffe von Schiffen befonders intereffant. Authentifche Zeichnungen oder fonftige ausführlichere Mitthei lungen konnten nicht rechtzeitig befchafft werden, die wohl lehrreich gewefen wären, da Popoff als einer der beften Schiffsconftructeure anerkannt ift und demnach vorausgefetzt werden kann, dafs bei diefem Schiffe manche Unzukömmlichkeiten, welche viele bisherige Thurm- Panzerfchiffe geboten haben, vermieden find. Um übrigens eine Idee von dem Schiffe zu geben, ift auf Seite 21 in Fig. 8 eine Skizze des ausgeftellt gewefenen Blockmodelles veranfchaulicht. Ein Kanonenboot, von der Mekaniska Werkftad von Motala für die fchwedifche Scheerenflotte conftruirt, fah ungefähr wie ein unterfeeifches Seefchiff aus, deffen über Waffer ragender Theil lediglich ein hölzerner maffiver, mit fchwachen Panzern verkleideter Aufbau war, aus welchem in der Mitte des Schiffes ein fixer Thurm hervorragte, deffen Stückpforte in der Kielrichtung fich befindet und mit einer kräftigen Kanone armirt war. Das Schiff hatte vorne ein Steuerruder mit Handbühne und das Hauptfteuer wie bei dem Donaumonitor, Maros" im Thurme durch den Panzer gedeckt. Ein Blockmodell der kaiferlich brafilianifchen Schaluppe" Trajano", war durch die neue Form des Schiffskörpers intereffant, welche nach einer Erfindung des Chefingenieurs der brafilianifchen Marine Augufto de Carvalho conftruirt ift. Die Conftructionslinien diefes Schiffes find auf beiftehender Seite 32 veranfchaulicht. Herr Carvalho geht von der Anficht aus, dafs die jetzigen Seefchiffe durch die V- Form, welche die Spanten des Vorderfchiffes darſtellen, bei Vorwärtsbewegung des Schiffes zur Bildung von Vertical componenten des Wider ftandes der zu verdrängenden Waffermaffe Anlafs geben, welche zur Folge haben, dafs das Schiff vorne, je gröfser die Gefchwindigkeit ift, umfomehr gehoben wird und hiedurch der Gefchwindigkeit des Schiffes fehr nahe Grenzen fetzen. Herr Trajano fubftituirt defshalb den üblichen V- Spanten des Vordertheiles des Schiffes U- Spanten, welche die Bildung diefer Vertical componenten verhüten und in Folge deffen dem Schiffe bei gleichem Kraftaufwande eine Fig. 9. ע. fa Fig. 10. a7 gröfsere Gefchwindigkeit ermöglichen. Auf beiftehender Seite 32 ftellt Fig. 9 den Vordertheil des Schiffes dar, bei welchem at 61, a2 62, a3 63 die halben Spanten in den Ebenen a1 a² a³ des Schiffes darftellen, welche von den bisher üblichen Spantenformen entfchieden abweichen, während Fig. 1o das Hinterfchiff darftellt, in welchem die Spantenformen at 64 bis as 68 den bisherigen Spantenformen fich mehr anfchliefsen. Die Spanten des Vorderfchiffes find fo gewählt, dafs die Kniemittel der Spantenlinien in einer geraden, wenig geneigten Linie g zu liegen kommen. Es ift höchft wahrfcheinlich, dafs diefe Formen einen geringeren Schiffswiderftand verurfachen als die bisherigen V- Spanten des Vorderfchiffes, und Verfuche, welche die brafilianifche Marine mit Schaluppen nach diefer neuen Schiffsform im Vergleiche mit alten Schaluppen ausgeführt hat, haben ergeben, dafs der Unterfchied zu Gunften diefer neuen Formen um fo gröfser wird, je 3 Marinewefen. 31 เข ૭૧ وء 32 Alexander Friedmann. gröfser die Gefchwindigkeit der Schiffe ift. Es ift fonach anzunehmen, dafs bald Verfuche mit grofsen Schiffen nachfolgen werden und wäre es fehr glücklich, wenn nach fo vielen unglücklichen Verfuchen, betreffend die Modificationen der Schiffsformen, endlich eine Verbefferung, auch im grofsen Mafsftabe angewendet, fich als dauernd zweckmäfsig erweifen follte. Sehr intereffant war auch eine vom Stabilimento tecnico Triestino, dem gröfsten und mit Recht berühmten Schiffsbau- Etabliffement Oefterreichs, ausgeftellte Modellcollection von Schiffen vom Jahre 1600 bis heute. Aufser den bisher befchriebenen und zumeift in Zeichnung veranfchaulichten Schiffen waren noch eine grofse Anzahl Schiffe ausgeftellt, welche die einen oder anderen der für die früheren Schiffe erwähnten Vorzüge befafsen oder abfolut nichts Neues boten, oder deren Verbefferungen, namentlich bei Segelfchiffen, welche feit der Erfindung der Klipper an das Maximum ihrer Leiftungs. fähigkeit angelangt zu fein fcheinen, ganz untergeordnete ohne befondere Tragweite find, fo achtenswerth fie auch fein mögen. So hat der bekannte holländifche Schiffbauer Smit& Sohn in Kinderdyk unter Anderem Zeichnung und Modell feines Dreimaft- Klippers Noah"( 900 Tonnen Gehalt) ausgeftellt, welcher fchon feit dem Jahre 1857 allerdings fehr erfolgreich feine Reifen von Batavia nach Holland binnen durchſchnittlich 84 Fahrtagen bewerkstelligt, aber für heute nur infoferne Neues bietet, als diefe Leiftungen auch von heute gebauten Segelfchiffen nicht übertroffen werden können. Nur in der italienifchen Abtheilung waren fehr fchöne Blockmodelle für Schiffskörper von Segelfchiffen mit Aushilfsmafchinen ausgeftellt und zu erfehen, dafs in diefem Lande die Wichtigkeit folcher Schiffe fehr richtig erkannt und benutzt wird. Da aber diefe Schiffe nie im Längenfchnitt und auch von den Aushilfsmafchinen weder die Art ihrer Unterbringung im Schiffsraume noch fonftige Details ange. geben waren, fo können diefe fonft für den Waarenhandel höchft wichtigen Schiffe an diefer Stelle nicht durch Specialzeichnungen veranfchaulicht werden. Doch fei ganz kurz erwähnt, dafs für Segelfchiffe mit Aushilfsmafchinen die Mafchine am beften im Achter, refpective in den hinteren Räumen des Schiffes, nahe dem Steuerruder untergebracht wird und im Allgemeinen die Anzahl der indicirten Pferdekräfte derfelben bei kleineren Segelfchiffen mit 1/6, bei gröfseren mit 10 und noch weniger der Anzahl Pferdekräfte eines gleich grofsen Perfonendampfers bemeffen wird. Endlich fei noch beigefügt, dafs für Segelfchiffe mit Aushilfsmafchinen jene Vorrichtungen befondere Bedeutung haben, welche es ermöglichen die Schiffsfchraube für die Zeit, da mit Segel gefahren wird, leicht und rafch auszulöfen und aus dem Waffer zu heben, und ebenfo jene Schrauben conftructionen wichtig find, welche, ohne ihre Feftigkeit zu fchmälern, es ermöglichen, die Flügel leicht und bequem in eine folche Stellung zu bringen, dafs fie nicht, wie jetzt die fixe Schraube, während der Segelfahrt den Wafferwiderſtand ſteigern und die Lenkbarkeit des Schiffes beeinträchtigen. Es waren auf der Ausstellung diefsbezüglich mehrere Vorfchläge vorgebracht, doch war keiner derfelben noch vollkommen genug, um hier gut empfohlen werden zu können. Sicherheitsapparate auf Schiffen. Für die Sicherheit der Schiffe und Perfonen auf denfelben bei Unfällen find vielfache Vorkehrungen getroffen. Wenn diefelben manchmal unzureichend fich erweifen, fo liegt diefs weniger an den Apparaten felbft, als an der Art ihrer Verwendung. So macht die bisherige Gewohnheit, die Rettungsgürtel in den Cabinen unter den Matratzen oder Kopfkiffen der Bettftellen unterzubringen, oft den ganzen Rettungsgürtel nutzlos. Bei Unfällen kommen die aufgefchreckten Paffagiere meift erft auf das Deck, um fich über das Vorgefallene zu erkundigen, und wenn Marinewefen. 33 Gefahr vorhanden ift, fteigen fie gar felten wieder in den Schiffsraum hinab, um die Rettungsgürtel zu holen, können diefs auch meift gar nicht, weil die nach dem Deck flüchtenden Paffagiere die Stiege occupiren. Die Rettungsgürtel müfsten am Verdeck und dort nicht etwa in wohl verfchloffenen Kiften, fondern in leicht zugänglicher Weife untergebracht fein. Die Eintheilung eines Schiffes in wafferdichte Compartiments ift im Principe eine vorzügliche Sicherheitsvorkehrung und follte für Perfonendampfer obligatorifch fein, doch müfste fie auch immer richtig durchgeführt werden. Die Abtheilungswände find oft nicht feft genug und ift vorgekommen, dafs fie be eintretendem Wafferdrucke durchriffen. Jetzt find die Compartiments meift durch offene kleine Thüren oder Schieber in Verbindung; das geht noch an, wenn die Handhaben fich in den oberen Schiffsräumen befinden, ift aber fehr bedenklich, wenn diefelben, wie mitunter der Fall, in den unterften Schiffsräumen an Stellen angebracht find, von denen dem Manne, der mit dem Schliefsen der Oeffnungen beauftragt wird, während der Gefahr ein Entkommen fchwer erfcheint. Die Art und Weife, wie jetzt die Rettungsboote von den Schiffen in die See gelaffen werden, bietet viele Mängel. Bei unruhiger See ift Gefahr, dafs das Rettungsboot durch die Schwankungen des Schiffes während des Herablaffens an die Schiffswand anfchlägt und zerfchellt; berührt das Boot bereits die Waffer fläche, fo wäre es wichtig, dafs dasfelbe von den zwei Takeln, an denen es hängt gleichzeitig losgelöft werde, da fonft, befonders bei einem in Bewegung befindlichen Schiffe, das Rettungsboot, zumal wenn das vordere Seil zuerft gelöft wird, leicht mit dem Bug unters Waffer fahren oder umfchlagen kann; endlich find die Boote felbft nicht immer fo in Stand gefetzt, dafs fie im Momente des Bedarfes für die See vollkommen geeignet wären. Es waren nun diefsbezüglich mehrere Vorfchläge zur Ausftellung gebracht, welche im Wefentlichen darauf hinzielten, dafs die beiden Haken, an welchen das Rettungsboot aufgehängt ift, gleichzeitig durch eine gemeinfchaftliche Zugleine von einem der mit dem Boote herabgelaffenen Leute gelöft werden können. Der Hauptnachtheil diefer Vorrichtung ift, dafs, wenn der Mann im Boote die betreffende Zugleine anzieht, bevor noch das Rettungsboot im Waffer fchwimmt, ein Fall, der in den Momenten grofser Gefahr und grofser Verwirrung gar leicht vorkommen kann, das Boot und die zu Rettenden erft recht verloren find. Die wefentliche Bedingung aber, dafs die Haken fich zweifellos erft dann löfen können, wenn das Rettungsboot bereits im Waffer richtig fchwimmt, ift durch keinen der gemachten Vorfchläge realifirt. Rettungsboote und Rettungsgürtel kommen übrigens erft ins Treffen, wenn die anderen Sicherheitsvorkehrungen für das Schiff felbft nicht ausreichend waren. Unter diefen nun fpielen die Pumpen, welche für den Fall einer Leckbildung oder einer Ueberfluthung durch Sturzwellen das Waffer aus dem Kielraume zu fchaffen haben, die fogenannten Schiffsleck- Pumpen, eine Hauptrolle. Für diefe gilt ganz befonders, was früher angedeutet wurde, dafs fie nämlich nicht nur verlässlich wirken, fondern auch fo disponirt fein follten, dafs zu ihrer Ingangfetzung oder, wenn die Saug fiebe fich verftopfen, zu deren Reinigung nicht erft in den Kielraum hineingekrochen werden mufs, denn in Momenten entfchiedener Gefahr bewahrt felbft der Befonnenfte doch nur an folchen Stellen feine Ruhe und hält nur dort aus, wo er beſtimmte Hoffnung hat, für den Fall der Unwirkfamkeit feiner beften Bemühungen rafch ins Freie gelangen zu können. Die Ingangbringung einer Schiffsleck- Pumpe mufs in der einfachften Weife wie durch einen Ruck gefchehen können und darf nicht, wie fchon vorgekommen, ein Schiff defshalb untergehen, weil bei der Ingangfetzung der Dampfpumpe in der Eile ein Purgirhähnchen zu öffnen vergeffen und in Folge deffen der Cylinderdeckel durchgeftofsen und die Wafferförderung behindert wurde. Die Pumpe mufs fo befchaffen fein, dafs die Verunreinigungen des Kielwaffers, wie Kohlenklein u. dergl., welche das Saugfieb paffiren können, auch durch die Pumpe, ohne 3* 34 Alexander Friedmann. irgend welche Störungen hervorzubringen, follen durchkommen können, das Saugfieb aber, auch ohne zugänglich zu fein, felbftwirkend gereinigt werden könne. Eine Schiffsleck- Pumpe mufs immer unabhängig von der Schiffsmafchine functioniren können; denn nicht nur, dafs manche Unfälle ein Stehenbleiben der Schiffsmafchine impliciren, mufs a priori auch in den Fällen, wo mittelft des Condenſators gepumpt werden kann, da diefer lediglich für reines Waffer eingerichtet ift, auf häufige Unterbrechungen gerechnet und für fofort bereite Erfatzpumpen vorgeforgt werden, umfomehr, als ein Revidiren des Condenfators meift gar viel Zeit erheifcht, und wenn unterdeffen das Waffer bis zu den Feuerroften steigt und die Keffelfeuer auslöfcht, es mit allem Pumpen zu Ende ift. Endlich foll eine SchiffsleckPumpe möglichft wenig bewegliche Theile haben, um möglichst wenig Fürforge für Inftandhaltung zu erheifchen, denn bei Maſchinen, welche nur felten zu functioniren brauchen, wird, wenn man ihrer bedarf, gar leicht etwas überfehen. Natürlich hat hier auch der Dampf- und Kohlenverbrauch feine grofse Bedeutung, und können all' die vorftehenden Bedingungen erfüllt und gleichzeitig der Kohlenverbrauch einer folchen Pumpe ökonomifch geftaltet werden, dann wäre ein wichtiges Problem vollkommen gelöft. Eine folche Schiffsleck- Pumpe exiftirt aber bislang nicht und wäre es erfreulich, wenn das vorftehend Gefagte zur Conftruction einer folchen Anlafs gäbe. Inzwifchen dürfte der vom Berichterstatter in den letzten Jahren erfundene und als„ Friedmann'fche Schiffsleck- Pumpe" in Anwendung gekommene Apparat, weil er mit Ausnahme des grofsen Kohlenverbrauches fämmtliche vorbefchriebene Bedingungen vollkommen erfüllt, gute Dienfte leiften. Befagter Apparat, beiftehend in Fig. 11 im Längenfchnitt, in Fig. 12 im Querfchnitt veranfchaulicht, beruht auf dem Principe der Dampfftrahl- Pumpen und vermag per Stunde 10.000 Cubikfufs Waffer aus dem Kielraume zu fchaffen. Der Apparat nimmt fehr wenig Raum( etwa 12 Cubikmeter) ein, und kann defshalb im Fig. 11. Fig. 12. H A- G B B K F 9 01 0.05 0 01 02 03 04 05 08 0.7 0.9 0.8 1 Meter C → Zoll Kielraume des Schiffes leicht untergebracht werden. Ein Dampfrohr A von 4 Durchmeffer entnimmt den Dampf von den Dampfkeffeln mit Umgehung der Dampfmaschine und führt ihn durch eine 214 zöllige Dampfdüfe E in die SchiffsleckPumpe. Dafelbft paffirt der Dampf eine Anzahl von Düfen E' E' E" E, in welchen das Waffer des Kielraumes, nachdem es das Saugfieb D paffirt hat, zum Dampfftrahle gelangt, mit diefem fich fucceffive in dünnen, ringförmigen Schichten mengt, fo den Dampf vollſtändig condenfirt und gleichzeitig einen Theil feiner lebendigen Kraft übernimmt. Diefer zufolge tritt das Waffer mit grofser Gefchwindigkeit in die Enddüfe Fein, durch welche es ins Wafferleitungs- Rohr C gelangt und fchliesslich in die See hinausftrömt. Dadurch, dafs das Waffer im Apparate nur fucceffive propulfirt wird, werden die fonft fo heftigen Stofsverlufte vermieden und wird die verhältnifsmäfsig grofse Wafferquantität mit folcher Sicherheit Marinewefen. 35 befördert, dafs ein einfaches Oeffnen des Dampfhahnes genügt, um den Apparat fofort und unfehlbar in Thätigkeit zu verfetzen. Damit fich im Apparate nicht ein uncondenfirt bleibender Dampfkern bilden könne und der entwickelte Wafferftrah!, der hier wie eine Art Waffergefchofs wirkt, recht compact werde, ift durch die Achfe des Apparates ein cylindrifcher Metalldorn G gezogen, welcher an den beiden Enden des Apparates central gehalten und befeftigt ift. Im Verlaufe des Wafferausftrömungs- Rohres ift eine Klappe( in den Spantenriffen der Taf. III, Fig. 2 mit Z und Taf. VI, Fig. 3 mit der Ziffer 42 bezeichnet) angebracht, welche, wenn das Saugfieb im Kielraume fich durch Kohlenklein oder fonftige Unreinlichkeiten verlegt, während der Wirkfamkeit des Apparates auf zwei oder drei Secunden gefchloffen wird. Hiedurch fchlägt der Dampf durch das Saugfieb in den Kielraum zurück und reinigt dasfelbe faft augenblicklich; fowie die Klappe wieder geöffnet wird, pumpt der Apparat fofort das Waffer des Kielraumes wieder in die See, ohne dafs man vorher etwa wieder das Dampfventil irgend fchliefsen und von Neuem öffnen müfste. Der Apparat hat weder Ventile noch fonft bewegliche Beftandtheile und kann vorausfichtlich nicht in Unordnung gerathen. Der grofse Kohlenverbrauch, welchen diefer Apparat verurfacht, fo zwar, dafs er in vollem Betriebe den Dampf eines grofsen Schiffskeffels von 200 bis 250 Quadratmeter Heizfläche erheifcht und diefs, trotzdem er blos den dritten oder vierten Theil des Dampfes der früheren Injectoren confumirt( die übrigens folche Wafferquantitäten überhaupt nie bewältigen konnten), macht denfelben für einen continuirlichen Betrieb untauglich. Auch kann in Folge deffen fein Zweck lediglich nur der fein, dafs er vermöge der grofsen Sicherheit, mit welcher er arbeitet und zufolge der Augenblicklichkeit feiner Wirkung, erftens bei einer Leckbildung fofort activirt wird, und hiedurch das Waffer im Kielraume niedergehalten wird, bis die gewöhnlichen Dampfpumpen in Thätigkeit gefetzt werden, welches letztere bei der kräftigen Referve, welche ein folcher Apparat bietet, mit mehr Ruhe gefchieht, und dafs er zweitens während der Intervalle, während welcher die gewöhnlichen Pumpen zufolge der vielen Zufälligkeiten, denen fie unterliegen, immer in Ordnung gebracht werden müffen, das Waffer aus dem Kielraume fchafft. B Fig. 13. N Die nach dem gleichen Syfteme wie der SchiffsleckApparat conftruirten kleineren Apparate, welche 5- bis 6000 Cubikfufs die Stunde liefern, dienen als Wafferballaft- Pumpen und find fchon auf mäfsigeren Dampfverbrauch gerichtet, ebenfo die ganz kleinen, Fig. 13 dargeftellten, welche je nach ihrer Gröfse von 100 bis 1000 Cubikfufs Waffer die Stunde fördern und zum Auspumpen des im Kielraume fucceffive fich anfammelnden Sodwaffers angewandt werden. Diefe letzteren werden im Schiffe nur bei Dampfüberflufs durch den Dampf, welcher fonft durch die Sicherheitsventile entweichen würde, in Thätigkeit gefetzt und gefchieht auch bei diefen Apparaten die Siebreinigung in ganz ähnlicher Weife wie bei dem grofsen Schiffsleck- Apparat durch einen im Laufe des Druckrohres angebrachten Hahn oder Schieber z. Sehr intereffant und empfehlenswerth ift das von dem Schiffslieutenant der ruffifchen Kriegsmarine Ingenieur Makarof vorgefchlagene Mittel zum Verftopfen oder vielmehr zum Abfchliefsen leck gewordener Stellen am Schiffskörper. Makarof fchlägt hiefür eine Art Pflafter vor, welches, aus filzartigem, weichem, aber doch dichtem Materiale angefertigt, wie ein grofser, viereckiger Teppich ausfieht, der an den vier Ecken mit Ringen und 36 Fig. 14. Fig. 15. Fig. 16. Alexander Friedmann.. Gab Seilen verfehen ift. Entfteht ein Leck, fo wird, wie beiftehende Skizze Fig. 14 veranfchaulicht, diefes Tuch über die lecke Stelle gebracht und durch die befag. ten vier Seile unverrückbar gehalten, während der Aufsendruck des Waffers ein ziemlich dichtes Anliegen diefes Pflafters an die äufsere Schiffswand von felbft bewerkstelligt( vorausgefetzt dafs das Leck nicht an einer folchen Stelle des Schiffes fich bildet, wo die Spanten desfelben eine nach aufsen hin hohle V- Form bieten, da natürlich bei einer folchen die vier Taue, durch welche das Tuch an den Enden angezogen wird, ein Anliegen desfelben an der Schiffswand nicht zuliefsen). dahil Um die unteren zwei Ecken des Rettungstuches unter dem Waffer feftzuhalten, werden zuerft zwei Taue unter das Kiel des Schiffes durchgezogen; Fig. 15 veranfchaulicht diefe Manipulation: Es wird für jeden der zwei unteren Ringe des Rettungstuches ein Seil, welches in der Mitte durch ein Gewicht belaftet ift, vor dem Bug des Schiffes von zwei Matrofen ins Waffer gelaffen; wenn es tief genug gefunken ift, läuft der eine Matrofe Backbord( an der linken), der andere Matrofe Steuerbord( entlang der rechten Bordwand) gegen die Stelle hin, wo das Leck fich befindet. Ift diefs gefchehen, dann werden die unteren Enden des Rettungstuches an je eines der unter das Kiel durchgezogenen Seile befeftigt, das Tuch ins Waffer über die lecke Stelle gerollt, wie in Fig. 16 fkizzirt, und feft angezogen. Ein Zeugnifs des ruffifchen Admirals Butakow beftätigt, dafs folche Rettungstücher feit dem Jahre 1870 in der ruffifchen Marine verwendet werden und mehrfach fich ausgezeichnet bewährt haben. Butakow ift eine Autorität erften Ranges, deffen Zeugnifs alfo von gröfster Wichtigkeit; und da überdiefs die Befchaffung eines folchen Tuches fehr wenig koftfpielig und die Uebung zum Durchziehen von Seilen unters Kiel und zum Herablaffen eines folchen Rettungstuches fehr leicht erlangt ift, fo wäre es fehr angezeigt, wenn jedes Schiff diefes einfache Rettungsmittel an Bord haben würde. Bezüglich der Steuerung der Schiffe hat das alte Steuerruder feine Herr fchaft bewährt und von den früheren Vorfchlägen, denen zu Folge die Steuerung unabhängig vom Steuerruder bewerkstelligt werden follte, war auf diefer Ausftellung nichts zu fehen. Es ift wohl gewifs, dafs für ein in Bewegung befindliches Schiff das Steuerruder das bequemfte Mittel zur Lenkung desfelben ift. Aber bei Marinewefen. 37 diefem ift die Steuerfähigkeit eines gegebenen Schiffes nicht nur von der Gröfse und Art des Steuerruders, fondern wefentlich auch von der Gefchwindigkeit des Schiffes bedingt, und da es oft Fälle gibt, wo das Schiff nicht in voller Gefchwindigkeit befindlich einer erhöhten Steuerfähigkeit bedürftig wäre, erachtet der Berichterftatter, dafs das anfcheinende Aufgeben aller früheren Beftrebungen, eine Lenkbarkeit des Schiffes, zur Referve wenigftens, auch unabhängig vom Steuerruder bewerkstelligen zu können, bedauernswerth ift. Hydraulifche und Dampf- Steuervorrichtungen waren nicht ausgeftellt. Doch exiftiren derfelben mehrere und verdienen grofse Aufmerkſamkeit. Befonders die hydraulifchen Steuervorrichtungen würden den Vortheil bieten, dafs fie die Steuerung immer vom Mittelfchiffe, den Steuermann in der Nähe des Capitäns, geftatten würden, und hiebei gleichzeitig die jetzige primitive Kettenzug- Vorrichtung aufser Dienft käme. Es würden ftatt ihrer die mehr Sicherheit bietenden Wafferleitungs- Rohre zur Verwendung gelangen und unter Einem für die Perfonendampfer das bewufste Geklirre verfchwinden, welches oft die Paffagiere glauben läfst, dafs das Schiff gerade im Begriffe ift, aus den Fugen zu gehen. Die ausgeftellten Steuervorrichtungen enthielten übrigens manche beachtenswerthen Details. So war in der italienifchen Abtheilung an dem italienifchen Kreuzer Il Caraciolo", welcher mit einer Zwillingsfchraube verfehen ift, je ein Steuerruder in der Achfe jedes der beiden Propeller angebracht und die beiden Steuerruder fo mit einander gekuppelt, dafs fie fich immer parallel bewegen mufsten. Diefe Anordnung dürfte für manche Fälle, befonders bei Zwillingsfchrauben, fich fehr vortheilhaft erweifen. Befagtes Schiff war angeblich vor Anbringung diefes doppelten Steuerruders fehr wenig lenkbar und befitzt feit deffen Anbringung eine fehr günftige Steuerfähigkeit. In der englifchen Abtheilung war ein Steuerruder ausgeftellt, welches in der beiftehenden Fig. 17 fkizzirt ift. Es hat zum Zwecke, die Steuerfähigkeit eines Schiffes bei gegebener Fläche des Steuerruders gröfser zu geftalten. Es ift zu diefem Fig. 17. a Behufe aus zwei Theilen, dem Hauptfteuer 6 und dem Endfteuer d zufammengefetzt, welches letztere an 6 in gleicher Weife angehängt ift, wie das Hauptfteuer an dem Ruderfteven. Wird das Hauptfteuer b wie gewöhnlich durch die Steuerachfe a gedreht, fo erhält das Endfteuer d dadurch, dafs eine Schleife desfelben über einen fixen Zapfen c gleiten mufs, eine relative Drehung gegen das Hauptfteuer 6 und wird fonach gegen die Mittelebene des Schiffes einen gröfseren Winkel einfchliefsen. Wenn alfo bei der Bewegung das Waffer hinter dem Schiffe einen Theil feiner Wirkung an das Steuerruder b abgegeben und dafelbft einen Druck ausgeübt und eine Ablenkung erfahren hat, wird es auf d unter einem günftigeren Winkel auftreffen, als der Fall wäre, wenn d und b in einer Ebene lägen. Dafür läfst ein folches Steuer Manches an Solidität zu wünſchen übrig. Im Pavillon des öfterreichifch- ungarifchen Lloyd war ein Steuerrad von F. Petke ausgeftellt, welches beiftehend in Fig. 18 in der Längenanficht, Fig. 19 im Grundriffe detaillirt genug veranfchaulicht ift, um jede nähere Erklärung zu erfparen. Ein Hauptvortheil diefes Steuerrades ift deffen grofse Sicherheit in Folge Anbringung zweier Schrauben und die Leichtigkeit der Auslöfung für Rückkehr des Steuerruders oder für deffen Steuerung vom Mittelfchiffe her. Ein von Perro y ausgeftellt gewefener Apparat zur Bereitung von trinkbarem Waffer auf Schiffen, feit der letzten Parifer Weltausftellung vielfach zur Anwendung gelangt, verdient befondere Anerkennung. Derlei Apparate find im Wefentlichen Condenfationsvorrichtungen, in welchen der Dampf wie in einem Oberflächencondenfator abgekühlt und das fonach gewonnene Deftillationswaffer durch Filter gereinigt wird. Bevor diefe Deftillationsapparate zur Anwen 38 Fig. 18. Alexander Friedmann. H 77L b n f C e Fig. 19. m a' 711 60 200 dung gelangten, war die Wafferfrage für die Schiffs- Approvifionirung eine der wichtigften und hatte für die Schifffahrt oft die gröfsten Unzukömmlichkeiten und Schädigungen im Gefolge, weil die Schiffe gewöhnlich das Waffer nehmen mufsten, wo fie es bekamen und mit demfelben oft Fieber und fonftige Krankheiten auf das Schiff brachten, ganz abgefehen davon, dafs auch die Waffernoth gar oft manches Unglück verurfachte. Die Erzeugung von Deftillationswaffer auf Schiffen war alfo ein folgenreicher, glücklicher Fortfchritt. Die Gefchmacklofigkeit diefes Waffers jedoch war ein Hindernifs für deffen allgemeine Verwendung, und Perro y war einer der Erften, welcher den Wafferdampf vor feiner Condenſation mit atmofphärifcher Luft mengte, der zufolge das Waffer mit einem genügenden Luftquantum gefättigt, daher auch etwas Kohlenfäure haltend gewonnen und bei Weitem geniefsbarer und zuträglicher wird.( Ein ähnlicher Apparat, die gleichen Vortheile bietend, war auch in der ruffifchen Abtheilung zur Ausftellung gekommen.) Die Pumpen waren mit Ausnahme des früher befprochenen SchiffsleckApparates fämmtlich in einer anderen Gruppe zur Ausftellung gebracht, werden alfo in einem anderen Rapporte befprochen werden, und kann hier nur eine vom Berichterstatter fpeciell für Schiffspumpen vorgefchlagene und im Marinepavillon ausgeftellt gewefene Ventilanordnung erwähnt werden, welche nicht ohne Wichtig keit und defshalb in beiftehender Fig. 20 veranfchaulicht ift. In derfelben befteht das Saugventil aus zwei übereinander liegenden um einige Millimeter entfernten Ventilen S₁ S₂, von denen S, feine Führung im Ventilfitz, S₂ feine Führung in der oberen Hülfe U hat. Defsgleichen befteht das Druckventil aus zwei Ventilen T₁ T₂, bei welchen in gleicher Weife die Führung des unteren im Ventilfitz, die Führung des oberen in der Hülfe V bewerkstelligt ift. Bis eine folche Pumpe durch Undichtigkeit des Saugventils oder des Druckventils dienftunfähig werde, müfste jedesmal für zwei Ventile eine gleichzeitige Störung eintreten, was nur in den feltenften Fällen fich ereignen dürfte. Defshalb ift eine Pumpe mit folchen Ventilen für Störungen weniger leicht empfindlich, alfo zuverläffiger, und läfst man überdiefs in deren Saugrohr ein abfchliefs bares Dampfrohr einmünden, mittelft deffen das correfpondirende Saugfieb durch Dampf in ähnlicher Weife ausgeblafen werden könnte, wie diefs bei dem Fig. 13 befchriebenen SchiffsleckApparate gefchieht, dann würden die Gefahren, wie fie die Verftopfungen der B R Marinewefen. Fig. 20. emmum M Q N 39 Siebe, namentlich wenn einmal der Kielraum mit Waffer erfüllt, gar oft verurfacht haben, in einfacher Weife verringert werden. Sehr fchöne Anker waren in der englifchen Abtheilung von Martin und von Waftneys Smith, und prachtvolle Ankerketten in der italienifchen Abtheilung zur Ausftellung gebracht. Die Martin' fchen Anker beruhen darauf, dafs die Ankerarme gegen den Ankerftock beweglich find und hiedurch nicht nur ein befferes Eingreifen in den Ankergrund ftattfindet, fondern auch die Gefahren vermieden find, welche die anderen Anker namentlich in feichten Paffagen dadurch erzeugten, dafs immer ein Ankerarm, in die Höhe gerichtet, gar leicht vorbeipaffirenden Schiffen den Boden einreifsen konnte. Der Smith'fche Anker, nach Erfindung des Martin' fchen combinirt, ift von letzterem nur dadurch unterfchieden, dafs die beiden Arme nicht an einem Querftücke befeftigt find, welches im Ankerftocke drehbar ift, fondern diefes Querftück mit dem Ankerftocke feft und jeder einzelne Arm für fich beweglich ift. Die Vorrichtungen zum Ankerwerfen find für beide Ankerarten diefelben. Von den diverfen Ausrüftungsgegenständen für die Sicherheit gegen Unfälle fei noch befonders erwähnt eine Schiffs- Signallaterne, von Spakowsky erfunden und in der ruffifchen Abtheilung ausgeftellt, und ein von F. Petke erfundener, im Pavillon des öfterreichifchen Lloyd ausgeftellter Ventilationsfchlauch zur Ventilation von Schiffsräumen. 40 Alexander Friedmann. Die Spakowfky'fche Signallaterne beruht auf Folgendem: Auf eine erhitzte Platte wird zeitweilig reiner Terpentin aufgefpritzt; derfelbe entzündet fich an der heifsen Platte und ſpendet während diefes Momentes ein ungemein intenfives Licht. Soferne diefe Lampen nur als Signalmittel dienen follen, find fie fehr gut. Die Schiffe follten indefs zweckmäfsigerweife auch folche Beleuchtungsapparate an Bord haben, durch welche fie nicht nur von der Ferne her beffer gefehen werden, fondern durch welche vom Schiffe aus bei Nacht und Nebel einigermafsen in die Ferne gefehen werden konnte. Hiefür follten die im Abſchnitte III befprochenen elektrifchen Reflectoren allgemeiner verwendet werden. Die Vorkehrungen zur Ventilation von Schiffen können füglich auch unter die Ausrüftungsgegenstände für die Sicherheit claffificirt werden, infoferne fie wefentlich für die Gefundheit, alfo auch Sicherheit der Paffagiere und Befatzung beftimmt find. Der von Petke verbefferte Ventilationsfchlauch, in beiftehender Fig. 21 im Längenfchnitt veranfchaulicht, beruht darauf, dafs die relative Gefchwindigkeit der Luft gegen das Schiff zum Auffaugen von Luft aus den Schiffsräumen benutzt wird. Die äufsere Luft wird durch ein trompetenartiges Rohrftück aufgefangen und wie in einem Injector fo zur Wirkung gebracht, dafs fie Luft aus dem Ventilationsfchlauche mitreifst. Diefe Vorrichtung hat fich praktisch ganz vorzüglich bewährt und verdient allgemeine Anwendung. Fig. 21. Aufser den bisher befchriebenen Ausrüftungsgegenftänden gibt es deren auf jedem Schiffe noch eine ganze Legion, zu deren Anfertigung die Gewerbe, vom Seilmacher bis zum Tapezierer, vom Grobfchmied bis zum Kunftfchloffer, vom Drechsler bis zum Zimmermann ihr Contingent ftellen, deren Befprechung aber für die Erkenntnifs des Stadiums, an welches man im Schiffswefen gelangt ift( um welche es fich doch hier lediglich handelt), nicht unbedingt nothwendig ift und welche überdiefs wahrfcheinlich von den verfchiedenen Berichterstattern der einzelnen Gewerbe des Ausführlicheren befchrieben werden dürften. Schiffsmafchinen und Dampfkeffel. Die jetzigen Schiffs- Dampfmafchinen im Allgemeinen. Die Locomotiven, diefe trefflichen compendiöfen Dampfmaschinen, haben ihren reformatorifchen Einfluss auch auf die Schiffsmafchinen ausgeübt. Der Umftand, dafs die Locomotiven, trotzdem für diefe die Grenzen an Raum und Gewicht noch viel enger gezogen find als für Dampffchiffs- Mafchinen, noch vor wenigen Jahren per Pferdekraft der entwickelten Leiftung im Durchschnitt nicht halb fo viel Kohlen verbrauchten, als damals die Schiffsmafchinen für gleiche Leiftungen confumirten, hat den Röhrenkeffeln auf den Schiffen Eingang verfchafft, die Scheu der Schiffsingenieure gegen hohe Dampffpannung überwunden, die Kolbengefchwindigkeit auf 2½ Meter und darüber gefteigert und die Stephenfon'fche Couliffe zur allgemeinen Anwendung gebracht, und wenn heute 40 a Alexander Friedmann. Vergleichende Tabelle der Hauptmasse von ausFragen Marinewefen. geftellt gewefenen Schiffen und Schiffsmafchinen. 40b Seedampfer Flufs dampfer Santa Rofa Windfor Caftle Erzherzog dampfer The Anglian Albrecht Orient Perfonen- Schlepp- Omnibus- Drahtfeildampfer RadSchiff Galatz dampfer Nyitra Frifia Pollux Britannia I Deplacement der Tonnen 4-353 3.779 2 Länge zwifchen den Perpendikeln, Fufs englifch 5.999 2.729 5.080 3.820 350 297' 4' " 3 Breite aufser den Spanten, Fufs englifch 399 300 334' 40 35' 5'' 43 4 Höhe vom Kiel bis zum Oberdeck 38 33' 4" 37' 6" 314 35' 6" 5.850 275' 440 250 297 200 55% 200 90' 138' 25' 4" 54' 3" 27' 6'' 35' 3" 21' 6" 5 Gröfste Tauchung im Hauptfpant 22' 3" 29' 6'' 15' 18' 10' 27' 6'' 242' 18' 10" 39" 9'6" 21' 9' 3" 6 Fläche der eingetauchten grofsten Querfection 16' 4" 21' 11'' 4' 18' 10" 620' 5800' 21' 3'' 7½' 7 Fläche der Conftructions- Wafferlinie 7600' 4850' 7230' 54°' 10.940 8.869 983 13.418 4' 100% 100' 4' 2' 2'' 3' 9" 80' 8 Tiefe des Deplacement- Schwerpunktes unter der 8.574 8.380 31' 9.085 740' II.724 5.375 Conftructions- Wafferlinie 3.153 1.092 2.870 7.835 7.87 9 ΤΟ II a) Bugwinkel vorne in der Conftructions- Wafferlinie Höhe des Metacentrums über dem DeplacementSchwerpunkte Höhe des Schiffs- Schwerpunktes über dem Deplacement- Schwerpunkte 8.47 6.16 8.20' 7.82 8.64' 0.99 3'55 c. 9' 7'9 5.85 8.276 8.837 6° 50' 5'9 12'59 8.561 13° 24° b) Bugwinkel vorne in der mittleren Wafferlinie 210 400 133/ 10° 44° 12 Winkel der Wafferlinie- Achter in der Höhe der Propellerachfe 120 130 230 9° 14° 13 Eigengewicht des Schiffes 220 30° 1.850 Tonn. 400 3.500* 14 Gröfste Gefchwindigkeit an der gemeffenen Meile ( Seemeilen) 1.600* 1.680 1.370 2.738* 260 Tonnen 130 13 13 15 15 Durchmeffer des Drehungskreifes 14'5 I I 11/2 45* 109 Tonnen 13 16 Anzahl der indicirten Pferdekräfte 2.500 600' 2.500 14 12 IO - - - 3.300 - 17 Gewicht der Mafchine fammt Keffel, gefüllt 2.000 1.200 1.250 280 Tonnen 18 Volumen des gefammten Schiffsraumes, B. M. 370 Tonnen 280 4.200 700 850 55° 120 130 2.958 117 a) Volumen der Kohlenräume 2.360 2.206 19 818tons 7.560' 943 460 20 b) Volumen des Mafchinenraumes fammt Heizraum Durchmeffer des Hochdruckcylinders 26.620 27.000 K' 24.300 K' 62" 13.350 K' 45.200 K' 1.000 Ctr. 1.000 Ctr. 180 81 Tonnen 34° 200 Ctr. 9.875 K' 41" 60" 11.000 K' 512" 21 Niederdruckcylinders 44" 7.056 K' 43" 104" 95" 70" 40" 103" 35" 842" 22 Kohlenhub 72" 13½" 76" 14/" 95" 60" 4' 6" 3' 6'' 4'6" 3' 6" 521 23 Kolbengefchwindigkeit bei der Fahrt an der gemef3'6" 13½" 3'6" 14/8" 4' 4'6" 4' 6" 3' fenen Meile per Minute 231/2" 540' 539' 495 427 24 Cylinderfüllung bei der fub 16 angegebenen Leiftung 434' 420' 560' 297 297 270 310' - 25 Gröfste Dampffpannung, Pfund englifch - 60' 75 65 60 - 60 26 27 Gefammt- Heizfläche der Keffel, Quadratfufs englifch 11.000' Gefammt- Roftfläche der Keffel 60 30 75 4.434' 11.000' 6.500' 75 60 4.550 4.000 16.800 3.264' 380 156 2.155 650 150 28 Durchmeffer der Schraube oder Schautelräder 145 600 17' 6" 15' 19' 6" 16' 6" 17' 29 Steigung der Schraube 15' 6'' 25' 18-21' 28' 22' 19' 9'' 21' 30 Tourenzahl bei der fub 14 angegebenen Gefchwin20' 9" 22' 6" 138' 20'* 870' 75 1.956' 100' 15' 6''* 12' 6" digkeit per Minute 60 77 55 61 31 Fläche des Steuerruders 780' 32 Anmerkungen 101' * fammt Mafchine und Keffel, gefüllt. * fammt Mafchine und Keffel, gefüllt. 680' 62 62' 33 60 1560' 70 1850' * ohne Panzer. 61' * Raddampfer. 33 60' * Raddampfer. * fammt Mafchine und Keffel, gefüllt. 45 79 9½' 40 □' is Marinewefen. 41 noch immer die Dampffchiffe, was den Kohlenconfum anbelangt, hinter den Locomotiven zurückbleiben, fo liegt diefs nicht mehr an der Schiffsmafchine( diefe ift jetzt fo gut, dafs nun manches Vortheilhafte derfelben zu Gunften der Locomotiven abgeholt werden könnte), fondern an der Dampferzeugung oder vielmehr an der Wärme Erzeugung in den Schiffs- Dampfkeffeln, die noch immer fehr viel zu wünſchen übrig läfst. Es werden nachftehend zuerft die Schiffs- Dampfmafchinen und dann die Schiffskeffel behandelt, weil erftere vollkommener find und für letztere der Berichterstatter Verbefferungen in Vorfchlag bringt, die weniger durch die Art, wie fie das Problem der Kohlenerfparniffe bei Schiffen löfen, als dadurch, dafs fie das Problem felbft in die Einzelfragen zerlegen und allgemein verftändlich machen, geeignet find, urwüchfigere oder kräftigere Intelligenzen als die feinige zu befferen Löfungen anzuregen, wenn fie, nachdem im erften Abfchnitte das Schiff ihrem Ideenkreife näher gerückt, auch gleich die. Mafchine kennen, denen beiden die Dampfkeffel dienen follen. Das Grundfyftem der Schiffsmafchinen der Neuzeit ift das Woolf'fche. Sie haben nämlich durchgehends zwei Cylinder von verfchiedenem Durchmeffer, von denen der erfte kleinere Cylinder den Dampf direct aus dem Keffel erhält und zum Theil expandirt, der zweite Cylinder den Dampf, welcher im erften Cylinder gewirkt hat, zur weiteren Expanfion aufnimmt und nach vollendetem Hub in den Condenfator entftrömen läfst. Sonft aber find in den Schiffsmafchinen gegenüber den urfprünglichen Woolf'fchen Mafchinen fehr bedeutende Verbefferungen zur entfchiedenen Durchführung gelangt: Der Keffeldampf wird in den meiſten Fällen in Ueberhitzungsapparaten getrocknet oder gelangt mit überhitztem Dampfe gemengt zur Arbeit; gleichzeitig ift die Initialfpannung( die Keffelfpannung) eine viel höhere als ehedem und beträgt jetzt zumeift 60 bis 90 Pfund, das ift 4 bis 6 Atmoſphären. So kann, und ganz befonders mit Hilfe der fpäter befchriebenen mufterhaften Mafchine des Dampfers ,, Pollux", die Expanfion nützlich viel weiter getrieben und ein gröfserer Nutzeffect erzielt werden als je zuvor. Die Kolbengefchwindigkeit ift fehr vergrössert, beträgt bei mehreren der ausgeftellt gewefenen Maſchinen faft drei Meter die Secunde, ift alfo ebenfo grofs, ja gröfser wie bei den Locomotiven und hat, vereint mit der hohen Dampffpannung, zur Folge, dafs die Dimenfionen der Mafchinen nicht zu koloffal werden. Die beiden Cylinder der Mafchinen find fo mit einander gekuppelt, daſs dieKurbeln ihrer gemeinfchaftlichen Triebachfe gegen einander um 90 Grad verftellt find, und in Folge deffen der fogenannte ,, todte Punkt" vermieden, die Bewegung der Mafchine ohne Schwungrad genügend gleichmäfsig und deren Ingangfetzung in jeder Stellung der Kurbeln gefichert ift. Jeder Cylinder ift mit doppeltem Mantel verfehen, in deffen freiem Raume Dampf oder wie bei der Mafchine Pollux" heifse Gafe den inneren Cylinder umhüllen, und vor Abkühlung fchützen. Endlich ift durchgehends die Umfteuerung, refpective Umkehrung der Bewegung mittelft der Stephenfon'fchen Couliffe wie bei den Locomotiven durchgeführt, die Expanfion des Hochdruck- Cylinders aber bei den meiſten neuen Mafchinen fehr zweckmäfsiger Weife, nicht wie bei den Locomotiven mittelft der Couliffe, welche bei ftärkerer Expanfion eine grofse Differenz zwifchen Keffelfpannung und Anfangsfpannung des Cylinders verurfacht, fondern mittelft feparater Expanfionsexcentrics bewerkstelligt und die Bewegung des Umfteuerungshebels felbft, bei kleineren Mafchinen mittelft Schrauben, bei gröfseren mittelft feparater kleiner Dampfmaschinen bewerkstelligt. Von diefen Verbefferungen, denen zu Folge die Schiffsmafchine heute fchon eine der ökonomifcheften Dampfmaschinen ift, konnten die wefentlichften, nämlich hohe Dampffpannung, ftarke Expanfion, grofse Kolbengefchwindigkeit 42 Alexander Friedmann. und Ueberhitzung des Dampfes erft feit der Zeit zur durchgehenden Anwendung gelangen, da die Oberflächen- Condenfation fich praktiſch bewährt hat. Früher war bei den Schiffs- Dampfmaschinen, wie noch bei allen jetzigen Land- Condenfationsmafchinen, der condenfirte Dampf mit dem Condenfations. waffer abgelaufen und wurden die Keffel der Seedampfer mit Seewaffer gefpeift. Diefs hatte folgende Nachtheile: Ein Theil des Salzgehaltes des Seewaffers fammelte fich als Salzfaum an der Wafferoberfläche des Dampfkeffels und wurde periodifch durch Ausblafehähne immer mit Verluft einer grofsen Menge des kochenden Keffelwaffers abgelaffen; ein anderer Theil incruftirte die Siederöhren und Keffelwände. Je höher die Dampffpannung und je heifser das Keffelwaffer war, defto weniger Salz ftieg wohl als Salzfaum an die Wafferfläche, eine defto ftärkere Incruftation aber, welche überdiefs um fo fefter an den Rohr- und Keffel. wänden haften blieb, war die Folge. So war vor Einführung der OberflächenCondenfation das Arbeiten mit hoher Dampffpannung unmöglich. Bei der Oberflächen- Condenfation nun wird der Dampf, nachdem er in der Mafchine gewirkt hat, nicht durch Mengung mit kaltem Waffer, fondern dadurch condenfirt, dafs er im gefchloffenen Raume eine Combination von Röhren beftreicht, durch welche continuirlich kaltes Waffer circulirt, und deren fonach immerwährend kalt gehaltene Oberfläche den fie berührenden Dampf in deftillirtes Waffer verwandelt. Diefes Waffer wird mittelft Luftpumpen aus dem Condenfationsgehäufe( in welchem nahezu Vacuum herrfcht) in eine kleine Cyfterne gepumpt und von da mittelft gewöhnlicher Keffel- Speifepumpen oder Injectoren wieder in den Dampfkeffel zurückgefchafft. Der Dampfkeffel wird fo immer mit demfelben falzfreien Waffer gefpeift und nur, um den Antheil, welcher durch Undichtigkeit verloren geht, wieder zu erfetzen, fowie um die inneren Keffeltheile, welche durch deftillirtes Waffer und befonders durch die von der Kolbenfchmiere und den Stopfbüchfen in den Keffel gelangten Fetttheilchen leicht angegriffen würden, durch eine mäfsige Incruftation zu fchützen, wird immer auch etwas frifches Seewaffer mitgefpeift. Durch die Oberflächen- Condenfatoren ward alfo für die Dampfkeffel der Seefchiffe das Hindernifs der Seewaffer- Speifung eliminirt und die Möglichkeit des Arbeitens mit hochgefpanntem, überhitztem Dampfe und grofser Expanfion geboten, und wenn auch die bisherige, allgemeine übliche Ueberhitzung des Dampfes, wie gelegentlich der fpäter folgenden Befchreibung der Mafchine Frifia" dargethan wird, ihre Mängel hat, fo haben doch im Ganzen die feit der Oberflächen- Condenſation realifirten Verbefferungen den Kohlenverbrauch nahezu um ein Dritttheil vermindert. Auch hatten die fämmtlichen ausgeftellt gewefenen Mafchinen für Seedampfer, mit Ausnahme der von der Société John Cocquerill, Oberflächen- Condenfatoren und alle Dampfer der Handelsmarine für Seefahrt und Binnengewäffer, mit Ausnahme der eben genannten Mafchine, Hochdruck- und Compoundfyftem. Nur für Kriegsfchiffs- Mafchinen über 3000 Pferdekräfte wird, obgleich durchgehends Oberflächen- Condenfatoren verwendet werden, bis jetzt noch nicht mit höherer Dampffpannung als 30 Pfund Druck gearbeitet, und wird hiefür zumeift als Grund angegeben, dafs, da die Bewegungstheile der Dampfmaschine immer der höchften Initialſpannung entsprechend conftruirt werden müffen, eine weit getriebene Expanfion ganz koloffale Dimenfionen zur Folge hätte, bei befchränkter Expanfion aber Mitteldruck- Mafchinen ausreichen. Was die Aufftellungsweife der Mafchinen anbelangt, fo find bei den Schraubendampfern für den Handelsverkehr jetzt faft ausnahmslos OverheadMafchinen, das find folche Mafchinen in Verwendung, bei denen, wie bei Dampf hämmern, die Achfe des Cylinders vertical und der Cylinder oberhalb der Triebachfe disponirt ift; bei Raddampfern find die bekannten ofcillirenden Mafchinen, jedoch Marinewefen. 43 dem Compound- Syftem entſprechend angeordnet, und bei den Kriegsfchiffen horizontale Dampfmaschinen entfcheidend zur Verwendung gelangt. Alle Schiffsmafchinen, mit Ausnahme der Mafchine des Tafel X befchriebenen Donaumonitors. " Maros", find mit Condenfation, und zwar bei Seefchiffen mit Oberflächen-, bei Flufsfchiffen mit gewöhnlicher Condenfation combinirt. Für ausführlichere, ftellenweife auch principielle Erörterungen über gefchaffene oder erwünſchte Neuerungen in den Gebieten, welche diefer Abſchnitt II behandeln foll, wird bei Befchreibung der einzelnen Objecte Gelegenheit gefucht werden. Befchreibung der ausgeftellt gewefenen Schiffsmafchinen. Von den ausgeftellt gewefenen Schiffsmafchinen find nachftehend Specimina einer jeden der vorerwähnten Arten veranfchaulicht. Unter diefen ift die von Herrn Petke, technifchem Director des öfterreichifch- ungarifchen Lloyd, combinirte jedenfalls in Bezug auf Neuheit und Leiftungsfähigkeit die weitgehendfte und wohl die befte aller bisher exiftirenden Dampfmafchinen überhaupt. Es wird. jedoch zunächft mit der Befchreibung der Mafchine des Dampfers Frifia" begonnen, weil diefe das Stadium kennzeichnet, welches sub II A als dasjenige befchrieben wurde, bei welchem die guten jetzigen Schiffsmafchinen angelangt find und auch den neueften Fortfchritt der von Herrn Petke conftruirten Mafchine klarer macht. Die Mafchine des Dampfers ,, Frifia" der Hamburg- amerikanifchen Packetfahrt- Actiengeſellſchaft, deffen verticaler Längendurchſchnitt in Fig. 1 der Tafel I genügend kenntlich dargestellt ist, ift eine Overhead- Compoundmafchine von Caird& Comp. in Greenock gebaut und in Enſemble und in den Details vorzüglich angeordnet. Sie arbeitet mit 60 Pfund Ueberdruck und theilweife überhitztem Dampf Es paffirt nämlich ein Theil des Dampfes bei dem Uebergang aus dem Dampfkeffel in den Dampfcylinder den Ueberhitzungsapparat, welcher unten im Kamin des Schiffes angebracht ift, wird hier durch die ausftrömenden Gafe der Feuerung getrocknet und überheizt und gelangt fo mit erhöhter Temperatur zu dem Dampfcylinder, in welchen einftrömend er fich mit dem gleichzeitig vom Dampfkeffel anlangenden feuchten Dampfe mengt und zur Arbeit gelangt. Diefe Methode der Ueberhitzung ift die bisher allgemein übliche. Sie hat den Nachtheil, dafs der zu überhitzende Dampf während der Ueberhitzung mit dem gefättigten Dampfe des Keffelraumes communicirt und fich hiedurch nachfättigen kann, alfo lediglich nur getrocknet wird, nicht aber eine höhere Spannung als der mit ihm communicirende Dampf des Dampfkeffels annehmen. kann. Der abfolut trockene Dampf ift für die gewöhnliche Kolbenliderung und Stopfbüchfen Verpackung nachtheilig und mufs mit directem Keffeldampfe gemifcht werden, weil letzterer immer Waffertheilchen aus dem Keffel mitreifst, die merkwürdiger Weife, wenn im Dampfcylinder mit ganz trockenem oder überhitztem Dampfe gemengt, ihren Aggregationszuftand nicht zu ändern fcheinen. und fo zum Theile wie eine gute Kolbenfchmiere wirken. Diefe nun nothwendige Mifchung reducirt die Ueberhitzung auf blos einen Theil des zur Arbeit gelangenden Dampfes, und wenn fie auch in diefer Befchränkung bei der Expanfion noch immer eine gröfsere Endfpannung zur Folge hat und gleichzeitig die fpäter bei der ofcillirenden Mafchine erörterte fchädliche Condenfirung des Dampfes im Niederdruck- Cylinder verhütet, fomit jedenfalls fehr nützlich ift, fo ift doch der Umstand, dafs der Dampf im Hochdruck- Cylinder während des Theiles des. Kolbenhubes, wo noch nicht expandirt wird, zwecklos eine gröfsere Temperatur hat 44 Alexander Friedmann. als feiner Spannung entspricht, mifslich und thut a priori dar, dafs es beffer wäre, die Ueberhitzung in anderer Weife zu bewerkstelligen. Dafs Letzteres möglich, wird bei der nächftbefchriebenen Mafchine des ,, Pollux" erwiefen. Die Mafchine der„ Frifia" war urfprünglich nach dem alten Syſteme mit gewöhnlicher Condenfation und Salzwaffer- Speifung gebaut und confumirte damals binnen 24 Stunden durchschnittlich 1600 Centner Kohle. Sie wurde nachträglich auf das moderne Syftem der Compound- Engines und Oberflächen- Condenfation umgewandelt und confumirt nunmehr bei gleicher Leiftung nur noch 1100 Centner Kohle per 24 Stunden. Der Kohlenverbrauch hat fich hienach durch diefe Verbefferungen nahezu um ein Dritttheil reducirt und werden daher bei einer 14- tägigen Fahrt gegen früher 7000 Centner Kohlen erfpart und überdiefs über 350 Cubikmeter, um welche früher die Kohlenräume gröfser fein mufsten, für Laderäume gewonnen. Die Hauptdimenfionen der Mafchine find in der am Schluffe des erften Abſchnittes diefes Rapportes angefügten Tabelle angegeben. Bezüglich der Details ift befonders hervorzuheben, dafs die Expanſion mittelft zweier zwifchen den zwei grofsen Excenterpaaren angebrachter kleiner Excenter angeordnet ift, welche, durch eine kleine Stephenfon'fche Couliffe vereint, einen auf ganz kurzen Hub gerichteten feparaten Expanfionsfchieber bewegen. Diefer letztere ift auf der beiftehenden Seite 45 in Fig. 22 in 1/ 24tel Naturgröfse im Verticalfchnitte gleichzeitig mit den zwei Vertheilungsfchiebern, des Hochdruck- und des Niederdruck- Cylinders veranfchaulicht. Die bereits mehrfach erwähnte von Petke erfundene und conftruirte Mafchine des Dampfers„ Pollux", welche in den Figuren der Tafel XI veranfchaulicht ift, ift ebenfalls eine Overhead Compoundmafchine, bei welcher jedoch nicht wie bei der vorbefchriebenen Mafchine der Dampf bei Paffirung aus dem Dampfkeffel in den Hochdruck- Cylinder, fondern bei Paffirung vom HochdruckCylinder in den Niederdruck- Cylinder, alfo aufser Communication mit dem Dampfkeffel und während der Expanfion überhitzt wird. In der beiliegenden Tafel XI ift Fig. 1 ein Verticalfchnitt durch die beiden Cylinder, den Oberflächen- Condenfator und die Luftpumpe, Fig. 2 ein Verticalfchnitt zwifchen den beiden Cylindern durch den Oberflächen- Condenfator, Fig. 3 eine Seitenanficht, Fig. 4 ein Horizontalfchnitt durch die beiden Cylinder und Fig. 5 ein Horizontalfchnitt durch die Plattform. Das Rohr B führt aus der Rauchkammer der Dampfkeffel einen Theil der abftrömenden Feuerungsgafe durch die Rohre A₁, welche zwifchen den beiden Dampfcylindern fituirt find, daher von dem Dampfe bei feiner Ueberftrömung aus dem Hochdruck- Cylinder H in den Niederdruck- Cylinder N beftrichen werden und eine Uebertragung der Wärme diefer Gafe auf den überftrömenden Dampf vermitteln. Nachdem die Gafe die Ueberhitzungsrohre A paffirt haben, ftreichen fie um die beiden Cylinder innerhalb deren doppelter Umhüllung herum, fo dafs die Oberfläche der Cylinder mit einen Theil der Fläche des Ueberhitzungsapparates darftellt, und ziehen durch das Rohr b wieder in das Kamin ab. Die Ueberftrömung aus dem kleinen Hochdruck- Cylinder in den gröfseren NiederdruckCylinder findet gleichmäfsig während der Bewegung des Niederdruck- Kolbens ftatt. Während diefer Ueberftrömung hat der Dampf, welcher den kleinen Hochdruck- Cylinder H erfüllt hat, fucceffive das dreimal fo grofse Volumen des Niederdruck- Cylinders N auszufüllen und würde alfo fucceffive feine Spannung bis nahezu auf den dritten Theil der Endfpannung im Hochdruck Cylinder finken. Die Ueberhitzung nun, welche der Dampf während diefes Ueberftrömens durch die Beftreichung der Rohre A erfährt, hat zur Folge, dafs die Spannung nicht in dem Masse der Volumvergröfserung abnimmt, fondern fich bedeutend höher hält. Es ift fonach diejenige Preffung, um welche der überftrömende Dampf während der Expanfion gröfser ift, als der Proportion des Volumens des Hochdruck- Cylinders H zum Marinewelen. Fig. 22. 45 46 Alexander Friedmann. Volumen des Niederdruck- Cylinders N entſpricht, das Ergebnifs einer unmittelbaren Verwandlung von Wärme in Arbeit, welche durch diefe Ueberhitzungsweife gewonnen wurde. Ueberdiefs ift dadurch, dafs der Unterfchied zwifchen der Anfangs- und Endfpannung nicht mehr fo grofs ift, wie bei den gewöhnlichen Compound- Engines der Gang der Mafchine ein mehr gleichmäfsiger.* Denkt man fich, dafs im kleinen Hochdruck- Cylinder H nicht expandirt, fondern mit voller Füllung gearbeitet und die Ueberhitzung während der Paffage aus dem Hochdruck- Cylinder in den Niederdruck- Cylinder fo weit getrieben wird, dafs die Spannung im dreimal fo grofsen Niederdruck- Cylinder N conftant ebenfo grofs bleibt, wie im Hochdruck- Cylinder, fo hat man eine Mafchine, bei welcher mit einem Dampfvolumen, gleich dem Volumen des kleinen Hochdruck- Cylinders, ein dreimal fo grofser Cylinder unter der gleichen Spannung betrieben wird, alfo der dreifache Effect gegenüber einer gewöhnlichen ohne Expanfion arbeitenden Mafchine erzielt wird. Man kann aber noch weiter gehen und den Dampf während der Ueberftrömung vom kleinen Hochdruck- Cylinder zum grofsen Niederdruck- Cylinder fo überhitzen, dafs feine Spannung gröfser wird als die Spannung im Dampfkeffel und hätte man in diefem Falle eine förmliche calorifche Mafchine, bei welcher der kleine Hochdruck- Cylinder eine Pumpe darftellen würde, die den mässig gespannten Dampf aus dem Dampfkeffel durch die Ueberhitzungskammer hindurch in den grofsen Cylinder pumpt, und bei welcher diefer letztere trotz mäfsiger Keffelfpannung mit hohem Drucke und ftarker Expanfion arbeiten und fo den eigentlichen Motor darftellen würde. Letztbefagtes blos, um den allgemeinen Werth diefer Anordnung kenntlich zu machen. Es wird in der Praxis bei Schiffen, vorläufig wenigftens, nicht fo weit gegangen werden, denn es befteht für den Grad der Ueberhitzung fchon dadurch eine Grenze, dafs Kolbenliderung und Stopfbüchfen- Verpackung für hohe Temperaturen erft noch zu erfinden find( was hier übrigens infofern möglich ift, als überhitzter Dampf, weil in Berührung mit geeignet gekühlten Verpackungen oder Liderungen immerhin condenfirbar, nicht die gleichen Schwierigkeiten bieten würde, wie die heifse Luft der vormaligen calorifchen Mafchine), und ift weiters einer grofsen Ueberhitzung auch dadurch eine nahe Grenze gefetzt, dafs eine directe, ftarke Heizung des zu überhitzenden Dampfes grofse Schwierigkeiten bieten würde, indessen alfo der Dampf nur mittelft der abziehenden Gafe der Keffel* Wenn in den verfchiedenen Patentarchiven von verfchiedenen Ländern nachgeforfcht wird, wird fich wahrfcheinlich erweifen laffen, dafs die Grundidee diefer Erfindung fchon längft und mehrfach ausgefprochen wurde, und defshalb mag Mancher, welcher aus der jetzigen Petke' fchen Mafchine das erfte Mal erfährt, dafs diefe Methode überhaupt exiftirt und auch gleich praktiſch und rationell durchgeführt ift, fpäter es dem Berichterftatter als Mangel genügenden Wiffens auslegen, dafs er diefe Mafchine hier nicht gleich als etwas Altes und Bekanntes qualificirt. Der Berichterstatter erachtet aber, dafs nicht Demjenigen das Verdienft gebührt, als Erfinder irgend einer Maſchine zu gelten, welcher wohl an diefelbe gedacht und feine Gedanken oberflächlich ausgefprochen, fie aber nie weder felber ins Leben gerufen, noch dermafsen zur Kenntnifs gebracht und empfohlen hat, dafs fie Andere erfolgreich ins Leben rufen mochten; fondern Demjenigen, der, ohne die früheren diefsbezüglichen Beftrebungen zu kennen, eine Vorkehrung fo combinirt, dafs fie gleich ausführbar ift, und fie auch fo zur Ausführung bringt, dafs fie durch ihren Erfolg bekannt und nützlich wird. Denn im Allgemeinen combinirt nur Derjenige, der eine gute Erfindung wirklich felb ft macht, diefelbe auch in der Weife, wie fie dem Stadium der correfpondirenden Wiffenfchaft in der betreffenden Zeitperiode entspricht und hat auch nur diefer anfänglich das nothwendige Vertrauen in die Erfindung und die nothwendige Energie, um deren Ausführung durchzufetzen. Wenn Woolf feine herrliche Woolffche Mafchine nicht felber erfunden hätte, es würde ihm nichts genützt haben, die alten englifchen Patentfpecifications durchzuftudiren. Denn wenn dafelbft Woolf auch die gleiche Idee von Jonathan Hornblower im Jahre 1781 ausgefprochen gefunden hätte, er würde, wäre er eben nicht Erfinder gewefen, dorten nur erkannt haben, dafs Hornblower mit feiner Idee durchfiel und zu Grunde ging, und nur entmuthigt worden fein, feine gute und weil felbftftändig gefchaffene auch durchgeführte und allgemein fo nützlich gewordene Mafchine zur Geltung zu bringen. Marinewefen. 47 feuerungen geheizt werden kann, diefe letzteren aber behufs ökonomischer Wirkfamkeit der Keffel eine möglichft niedrige Temperatur haben follen, und demnach den Dampf nicht auf eine höhere Temperatur erhitzen können, als diejenige ift, mit welcher fie felbft entweichen. Freilich beträgt in den meiften Schiffs keffeln die Temperatur der abziehenden Gafe gut über 400 Grad Celfius. Diefs ift aber eine grofse Unzukömmlichkeit( deren Bedeutung im Abſchnitt II fub II. C. ausführlicher dargethan ift), und die kaum mehr lange Zeit beftehen bleiben wird. Jedenfalls sollten die abziehenden Feuerungsgafe nicht über 250 Grad haben, und ftellt diese Temperatur fonach, und umfomehr, als hiebei die Verpackung und Liederung noch gut aushalten, auch die vorläufig rationelle Grenze der Ueberhitzung des Dampfes dar. Aber fchon bei diefer mässigen Ueberhitzung hat Petke, wie diefs nach den vorftehenden Erörterungen auch ganz plaufibel ift, gefunden, dafs feine Mafchine die folgenden Vortheile bietet: Die Endfpannung im Niederdruck- Cylinder, welche bei den gewöhnlichen Schiffs- Compoundmafchinen fehr niedrig wird, ift mittelft der neuen Mafchine auch bei mäfsiger Keffelfpannung bedeutend höher. Der Gefammtdruck auf den kleinen und grofsen Cylinder variirt viel weniger als bei den bisherigen Mafchinen und ift in Folge deffen der Gang der Mafchine ein fehr gleichmäfsiger. Es genügen für die Mafchine verhältnifsmäfsig viel kleinere Keffel. Die Mafchine wird für einen gegebenen Effect kleiner und leichter, als bei der üblichen Conftruction und wird ein genügendes Vacuum mit einer um ein Drittel bis ein Fünftel kleineren Luftpumpe, als fie fonft üblich ift, hergeſtellt. Der Kohlenverbrauch wird durch diefe Mafchine ein kleinerer. Bezüglich der Conftructions details bietet diefe Mafchine manches Erwähnenswerthe. So find die Gewichte der Schieber durch die kleinen Dampfkolben aßäquilibrirt. Die Reverfirvorrichtung ist für jeden Cylinder feparat. Es hat diefs den Vortheil, dafs man fofort Contredampf geben, die Mafchine fomit urplötzlich zum Stillftehen bringen und ohne Zeitverluft entgegengefetzte Bewegungsrichtung einleiten kann. Trifft es fich in letzterem Falle oder bei Ingangfetzung der Maſchine, dafs die Kurbel des Hochdruck- Cylinders gerade auf dem todten Punkte oder der Vertheilungsfchieber desfelben gerade in der Mitte fteht und die beiden Dampfcanäle abfperrt, fo kann mit Hilfe diefer Anordnung der Niederdruck- Cylinder fofort directen Dampf, unabhängig von der Steuerung des Hochdruck- Cylinders, zugeleitet bekommen und die Mafchine in Bewegung bringen. Die Expanfion des Hochdruck- Cylinders ift nicht durch die Stephenfon'fche Couliffe, welche hier nur als Reverfirvorrichtung dient, fondern durch ein drittes Excentric bewerkstelligt worden, welches einen nach dem Maier'fchen Syftem variablen Expanfionsfchieber treibt. Die ganze Anordnung ift compendiös, leicht und doch ftabil. Die Hauptftütze der Mafchine bildet der Oberflächen- Condenfator, welcher fo ziemlich im Schwerpunkt der ganzen Mafchine fituirt ift, und genügen demzufolge die vier Säulen W für die Stabilität der Anordnung, um fo mehr als die FührungsLineale der Kreuzköpfe direct an den Mittelftänder, nämlich an das Gehäuſe, des Oberflächen- Condenfators befeftigt find, und überdiefs die Gradführungen durch je zwei Kolbenstangen präcifirt werden. Im Uebrigen geben die Zeichnungen der Tafel XI vollkommen genügende Auffchlüffe und ermöglicht der beigegebene Mafsftab die Ermeffung aller wefentlichen Detaildimenfionen. Die Hauptdimenfionen find in der Tabelle am Schluffe des Abſchnittes I enthalten. In Tafel XII ift eine oscillirende Schiffsmafchine veranfchaulicht, wie ſie die Donau- Dampffchifffahrt- Gefellfchaft zur Ausftellung brachte und bei ihren neuen Schiffen in verfchiedenen Gröfsen anwendet. Sie ift nach dem Compound- 4 48 Alexander Friedmann. fyfteme conftruirt, arbeitet mit 75 Pfund Keffelfpannung, ftarker Expanſion und gewöhnlicher Condenfation. Da das Condenfationswaffer meift durch Fetttheilchen, welche der Dampf aus der Schmierung der Kolben und Stopfbüchfen der Dampfcylinder und Luftpumpe mitreifst, verunreinigt ift, und diefe Fettfubftanzen die Keffeltheile leicht angreifen, fo wird nicht mit Condenſationswaffer, fondern mit direct dem Fluffe entnommenem Waffer gefpeift und diefes vor feinem Eintritt in den Keffel vorgewärmt. Diefe Vorwärmung bewerkstelligt der aus dem Niederdruck- Cylinder abftrömende Dampf, indem derfelbe den Vorwärmer V V Fig. 2 und 3 paffirt, welcher wie ein kleiner Oberflächen- Condenfator mit 172 Siederohren von je einem Zoll Durchmeffer und 4 Fufs Länge verfehen ift, durch welche das Speifewaffer durchftrömt und einen Theil der Wärme des befagten abftrömenden Dampfes aufnimmt. Diefe Eliminirung der Speifung mit Condenfationswaffer und die Einführung von Vorwärmern, welche aufser der gröfseren Reinheit auch eine gröfsere und ökonomifche Erwärmung des Speifewaffers zur Folge hat, wurde bei Flufsdampfern zuerft von Jackfon, dem Oberingenieur der Donau- Dampffchifffahrts Gefellfchaft, der auch um die Einführung des Compoundfyftems auf die Flufsdampfer in Oefterreich fich verdient gemacht hat, bewerkstelligt. - Die Umfteuerung beider Cylinder ift getrennt gehalten, theils um nach Bedarf die Expanfion im Hochdruck- Cylinder unabhängig von der Steuerung des Niederdruck- Cylinders zu variiren, was hier um fo wichtiger als die Expanfion nicht, wie es zweckmäfsiger wäre, mittelft eines feparaten Expanfionsfchiebers bewirkt wird, theils um, wie für die getrennte Reverfirvorrichtung der Mafchine des„ Pollux" angegeben wurde, die Umfteuerung und Ingangfetzung rafch und · ficher bewerkstelligen zu können. Der Hochdruck- Cylinder ift mit einer doppelten Umhüllung verfehen, zwifchen welcher der Dampf bei feinem Uebergang zum Niederdruckcylinder paffirt. Letzteres, obgleich allgemein üblich, ift bei nicht überhitztem Dampfe, wie hier der Fall, nicht empfehlenswerth. Der Hauptzweck der doppelten Umhüllung ist bekanntlich der, den Dampf im Cylinder vor zu ftarker Abkühlung zu fchützen, fowohl weil durch diefe Abkühlung die Spannung befonders während der Expanfion im grofsen Cylinder ftark reducirt und alfo die Leiftungsfähigkeit der Mafchine im Verhältniffe zu ihren Dimenfionen gefchwächt wird, als auch weil ein Theil des Dampfes hiedurch condenfirt wird und das fonach im Cylinder gebildete heifse Waffer beim Ausftrömen des Dampfes in den Condenfator, refpective bei Bildung des Vacuums im Cylinderraume, aufkocht, nachverdampft, daher das Vacuum auszufüllen ftrebt, und hiedurch eine gröfsere Luftpumpe nöthig macht. Dort, wo mit überhitztem Dampfe gearbeitet wird, behält der Dampf beim Ueberftrömen vom Hochdruckcylinder in den Niederdruckcylinder zwifchen den doppelten Umhüllungen noch immer eine entsprechende Spannung und eine genügend hohe Temperatur um diefe Condenfation und das Nachverdampfen während der Expanfion zu verhindern. Bei oscillirenden Mafchinen aber, bei welchen wie hier nicht mit überhitztem Dampfe gearbeitet wird( und auch nur fchwer gearbeitet werden könnte, weil der Dampf durch die oscillirenden hohlen Zapfen einftrömt, eine hohe Temperatur des Dampfes alfo die Zapfenlagerung erhitzen würde), erfüllt die doppelte Umhüllung allenfalls den Zweck eines Mittelrefervoirs zwifchen Hoch- und Niederdruckcylinder, der Hauptzweck aber, das ift der Schutz des wirkenden Dampfes vor grofser Spannungsverminderung, wird gar nicht erreicht, die Anfammlung des condenfirten Dampfes und deffen Nachver dampfung im Niederdruckcylinder aber nur theilweife infoweit vermieden, als eben ein Theil des condenfirten Dampfes zwifchen der doppelten Umhüllung und hiedurch aufser Communication mit der Luftpumpe verbleibt. Es follte alfo gegen die Abkühlung anderweitig vorgeforgt und wo diefs gut möglich ist, wie bei den nicht oscillirenden Maſchinen der Donau- Dampffchifffahrts- Gefellfchaft, Vorkeh rung zur Verwendung von überhitztem, refpective gemifchtem Dampfe getroffen werden. Hingegen find die einzelnen Details der befprochenen Mafchine mit Marinewefen. 49 einer Vollendung durchgearbeitet und wie übrigens alle neueren Mafchinen diefer Gefellfchaft auf deren grofsartiger Schiffswerfte in Altofen auch durchgeführt, wie Befferes nicht geleiftet werden kann, und ift factifch fowohl hiedurch wie in Folge Einführung des Compoundfyftemes und die Anbringung des vorbefchriebenen Vorwärmers, der Kohlenverbrauch fo verringert worden, dafs nicht nur die Koften der Umgestaltung der früheren Mitteldruckmaschinen bald eingebracht waren, fondern auch die ganzen Zugförderungskoften und ebenfo die Inftandhaltungskoften der Keffel fofort und bleibend fich ermäfsigt haben. Die Figuren der Tafel XII, wovon Fig. 1 einen verticalen Längenfchnitt durch die beiden Cylinder, Fig. 2 einen verticalen Querfchnitt zwifchen den beiden Cylindern durch die Luftpumpen und Fig. 3 einen Horizontalfchnitt veranfchaulicht, fowie die Fig. 4 und 5, welche die Schiebervertheilung der beiden Cylinder erfichtlich machen, ermöglichen mit Hilfe des beigegebenen Mafsftabes die Beftimmung der wichtigften Dimenfionen. Da indefs in der am Schluffe des Abſchnittes I diefes Rapportes befindlichen Tabelle die Dimenfionen der genau nach demfelben Syfteme gebauten, aber viel ftärkeren Mafchine des Dampfers ,, Orient" angegeben find, fo werden nachftehend die Hauptdimenfionen der Tafel VI dargestellten Mafchine recapitulirt, nämlich: Durchmeffer des Hochdruckcylinders 32 Zoll englifch; Durchmeffer des Niederdruckcylinders 48 Zoll; Kolbenhub 3 Schuh 6 Zoll; Durchmeffer der Luftpumpe 25 Zoll; Kolbenhub der Luftpumpe 20 Zoll; Dampfdruck per Quadratzoll englifch 75 Pfund englifch. Die Keffel für diefe Maſchinen haben 1937 Quadratfchuh Heizfläche und 98 Quadratfchuh Roftfläche. Die Fig. 3 Tafel VI bezüglich der Aufftellungsweife genügend erfichtliche Mafchine des Cafemattfchiffes, Erzherzog Albrecht" ift, wie die meiften für derartig grofse Schiffe horizontal mit rückgreifenden Triebftangen disponirt, arbeitet mit Oberflächen- Condenfation mit 30 Pfund Keffeldruck und mit Expanfion, welche letztere von 70 Percent bis 1/8 der Cylinderfüllung variirt werden kann. Die Hauptdimenfionen diefer Mafchine find in der zum Schluffe des Abfchnittes I enthaltenen Tabelle angegeben. Hier folgen einige ergänzende Daten: Die Oberflächen- Condenſatoren( jeder Dampfcylinder hat einen feparaten Oberflächen- Condenfator) haben zufammen 9520 Metallrohre und eine Oberfläche von 11.200 Quadratfchuh. Zwei Centrifugalpumpen von 36 Zoll Durchmeffer mit feparaten Antriebsmafchinen treiben das zur Condenſation nöthige Kühlwaffer durch die Rohre. Die Luftpumpen haben 24 Zoll inneren Durchmeffer und 4 Schuh Hub und werden direct vom Cylinderkolben getrieben., Die Schraube ift aus zähem Kanonenmetall nach Griffith's Syfteme und zweiflüglig, hat einen Durchmeffer von 20 Schuh 9 Zoll und eine Steigung von im Mittel 22 Schuh 6 Zoll. Die Ueberhitzer find in der Rauchkammer der Keffel angebracht und haben zufammen 1440 Quadratfchuh Heizfläche. Es kann der ganze Dampf durch die Ueberhitzer paffiren oder mit gemifchtem Dampfe gearbeitet werden. Die übrigen ausgeftellt gewefenen Schiffsmafchinen gehören in die eine oder die andere der vorbefchriebenen vier Kategorien und find hievon nur auszunehmen: Die von der Société John Coquerill in Naturgröfse ausgeftellt gewefene oscillirende Mafchine für einen zwifchen Dover und Oftende verkehrenden Seedampfer, welche noch nach dem alten Syftem ohne OberflächenCondenſation angeordnet ift; b) die von Penn& Comp. im Modell ausgeftellte, 7000 Pferdekraft indicirende Mafchine des englifchen Panzerfchiffes Northumberland", welche mit Oberflächen- Condenfation und horizontal angeordnet, jedoch nicht mit rückgreifender Triebftange, fondern wie eine fehr grofse Anzahl Kriegsfchiffs- Maschinen nach dem fogenannten Truncfyftem gebaut ift. Letzteres beſteht darin, dafs die Gradführung ftatt mittelft Gleitlinealen und Kreuz4* 50 Fig. 23. Alexander Friedmann. kopf dadurch bewerkstelligt ift, dafs die Kolbenftange ein hohler Cylinder von mehr als der doppelten Länge des Kol. benhubes ift, welcher vorne und rück. wärts durch je eine, in jedem Cylinderdeckel angebrachte grofse Stopfbüchfe geführt und in feiner Achfe in der Mittelebene des Dampfkolbens von der Triebſtange gefafst wird; c) die von Bur mann& Wain in Copenhagen ausgeftellte Mafchine, welche Overheadaufftellung, Oberflächen- Condenfation und Compoundfyftem wie die anderen verticalen Schiffsmafchinen hatte, bei welcher jedoch die Geradführung nach dem Truncfyftem bewerkstelligt ift; d) die von der Mekaniska Werkftad in Motala ausgeftellte fehr fchöne Zwillingsmafchine für die kleinen Thurm9fchiffe der fchwedifchen Scheerenflotte, welche horizontal und ohne OberflächenCondenfation angeordnet find, da diefe Schiffe nur zur Küftenbewachung im baltifchen Meere dienen, deffen Waffer bekanntlich nicht falzhaltig ift, die Oberflächen- Condenſation alfo wie bei den Flufsdampfern unnöthig macht; e) die vom Oberingenieur Waldvogel conftruirte Zwillingsmafchine des sub I C. befchriebenen Donaumonitors Maros", welche mit Hochdruck arbeitet und keinerlei Condenſation hat, fondern den Dampf wie bei den Locomotiven durch ein Blasrohr ins Kamin entweichen läfst und durch die Vortheile, welche die anfachende Wirkung des Blasrohres für die leichtere Bedienung und günftigere Wärmeerzeugung in den zwei Locomotivenkeffeln zur Folge hat den Kohlenverbrauch verhältnifsmäfsig fehr günftig geftaltet. 191 Als Specimen endlich der kleinen Mafchinen, welche allgemein für Dampfbarkaffen, kleine Omnibusdampfer, Vergnügungsboote und dergleichen verwendet werden, fei die kleine Mafchine, welche in der ruffifchen Marineabtheilung eine wunderfchöne Dampfyacht zierte, beiftehend in Fig. 23 veranfchaulicht, fowohl weil fie gar fo nett gearbeitet war, als weil diefe Sorte Mafchinchen auch für die Privatinduftrie recht empfehlenswerth ift. Die Stephenfon'fche Couliffe a ift bei einfachen Mafchinen bis zu Cylinderfüllungen von 40 und 30 Percent eine fehr gute Vorrichtung für variable Expanfions- und mit der höchft einfachen Reverfirvorrichtung wie die beiftehende b c leicht und billig herftellbar. Schiffskeffel. Der Kohlenverbrauch auf Dampffchiffen ift ein verhältnifsmäfsig fehr grofser, trotzdem die Schiffsmafchine mit die completefte Dampfmaschine ift, welche überhaupt noch combinirt wurde. Man hat bisher fein Hauptaugenmerk eben nur der Dampfmafchine zugewendet, der einzige wefentliche anderweitige Marinewefen. 51 Fortfchritt beftand in der Adoptirung des bei den Locomotiven fo fehr bewährten Syftemes der Röhrenkeffel. Doch fo vortheilhaft diefs auch war, der BrennftoffVerbrauch in den Schiffskeffeln ift noch immer bedeutend gröfser als in guten Locomotiven. Der Kohlenverbrauch von Schiffskeffeln verhält fich zu dem von Locomotivkeffeln factifch wie 130: 100, und zwar aus dem doppelten Grunde, weil in der Rauchkammer der Locomotive die Temperatur niedriger wie in der der Schiffskeffel und in der Feuerbüchfe der Schiffskeffel die Temperatur niedriger als in der der Locomotiven ift.* Die niedrigere Temperatur in der Rauchkammer der Locomotive rührt daher, dafs die Siederohre diefer letzteren viel enger find, und alfo trotz kürzerer Zeit, während welcher die Gafe ihren Weg in diefen Siederohren zurücklegen, leichter jedes Theilchen der durchftrömenden Gafe mit den überdiefs fehr dünnwandigen Flächen der Locomotiv- Siederohre in Berührung kommen, und ihre Wärme abgeben, als an die Siederohre der Schiffskeffel, deren freier Querfchnitt zwei und dreimal fo grofs ift. Die niedrige Temperatur wieder in den Feuerbüchfen der Schiffskeffel, und der hieraus erwachfende gröfsere Kohlenverbrauch hat in mehreren gleichzeitigen grofsen Mifsftänden ihre Begründung: Auf grofsen Dampffchiffen find 24 bis 30, manchmal 40 grofse Feuerrofte von 7 bis 8 Fufs Tiefe und einer Gefammtfläche von vielen Hunderten von Quadratfufsen zu bedienen. Die Kohlenfchichte, welche auf die Rofte geladen wird, mufs eine dünne fein, damit die Verbrennung möglichft günftig ftatthabe. Die grofse Roftfläche macht die gleichmäfsige Befchüttung derfelben mit Kohle zu einer fchwierigen mühevollen Arbeit; die Dünne der Brennftoff- Schichte läfst leicht freie Lücken auf dem Rofte fich bilden, durch welche die kalte Luft unverbrannt einftrömt, und erheifcht eine häufige Wiederholung des mühevollen Einfeuerns. Das öftere Einfeuern macht ein häufiges Oeffnen der Feuerthüre nöthig, durch welche wieder die kalte Luft, ohne die Verbrennung zu unterftützen, in Maffen, und den Keffel fchädlich abkühlend, einftrömt. Bei jedem Oeffnen der Feuerthüre ftrahlt die Feuerglut unfägliche Hitze auf den Feuermann und in die Heizflur; bei jedem Putzen des Roftes ift die niederfallende brennende Kleinkohle, die gelöfcht werden mufs, eine Urfache neuer Beläftigung. Die Menge der Roftfeuerungen, die im engen gefchloffenen Raume bei einander ftehen, machen all' diefe Unzukömmlichkeiten zu unaufhörlichen, und fo kommt es, dafs trotz der grofsen Vollkommenheit der Schiffs- Dampfmafchine der Kohlenverbrauch auf Schiffen gröfser ift als bei Locomotiven, und dafs, wenn man gar den Dienft des Heizers einer grofsen Brenner- Locomotive, die doch auch fchon über 450 Pferdekräfte hat, mit dem Dienfte der Dutzende Heizer eines grofsen Dampffchiffes vergleicht, man fich's erklärt, dafs nur mehr noch die tiefftftehenden, wenigft intelligenten Menfchen und auch diefe nur auf fo kurze Zeit als möglich Schiffs- Keffelheizer werden, dafs diefe felbft beim beften Willen unter den faft qualvollen Zuftänden im Heizerraume nur unvollkommen arbeiten, und alfo der Kohlenverbrauch, der zum grofsen Theile auch von der Intelligenz des Heizers abhängt, auf den Dampffchiffen durch das Zufammentreffen von rein technifchen und perfönlichen Gründen befonders ungünftig fich geftaltet. * Es ift diefs ganz leicht erweislich: In den Feuerbüchfen der Locomotiven beträgt bei guter Kohle die Temperatur meiftens 950 Grad Celfius, die Temperatur in der Rauchkammer gewöhnlich 300 Grad Celfius. Es gehen alfo in der Locomotive von der erzeugten Wärme von 950 Grad Celfius circa 650 Grad, das find 650/50, das find ungefähr 68 Percent in den Keffel und 32 Percent werden mit den entſtrömenden Gafen des Kamins verloren. Bei den Schiffskeffeln beträgt die Temperatur der Verbrennungsgafe in der Feuerbüchfe felten über 700 Grad Celfius und die Temperatur der abweichenden Gafe ift faft regelmäfsig 400, felten 350 Grad Celfius. Im günftigften Falle alfo gelangen von 700 Wärme- Einheiten 350, alfo 350/700, das find 50 Percent der erzeugten Wärme in den Keffel und die übrigen 50 Percent entweichen ins Kamin. 52 Alexander Friedmann. Eine Verbefferung der ganzen Wärme- Erzeugung behufs Bildung des Dampfes in den Schiffskeffeln, welche fowohl die vorerwähnten rein techniſchen, wie die perfönlichen Verhältniffe günftiger geftaltet, wäre alfo ein wichtiger Fortfchritt. Es liegt zunächft der Gedanke nahe, bei den Schiffen die Gasheizung einzuführen, welche fich in der Metallurgie fo glänzend bewährt hat, dafs in denjenigen Walzwerken, Puddlingswerken, Stahlwerken, Glasfabriken etc., wo diefe Gasheizungen rationell angelegt wurden, feit deren Einführung der Kohlenver. brauch faft um 30 Percent fich reducirt hat.* In den genannten Hüttenwerken freilich werden die Gafe mittelft der bekannten Siemen'fchen Generatoren erzeugt, welche für Schiffe unpraktiſch und unanwendbar find, da fie eine ungeheure Fläche einnehmen, wie fie bei Schiffen gar nicht zur Verfügung ftünde, und überdiefs diefe Generatoren mit Feuerroften verfehen find, welche gerade fo mühfelig, ja noch fchwieriger von den Schlacken rein gehalten werden, als die Rofte der gewöhnlichen Feuerungen der Schiffskeffel. Man follte aber doch nicht auf die Vortheile der Gasfeuerung ohne Weiters verzichten. Man könnte ja von den Siemens'fchen Generatoren zu dem Principe der einfacheren Eifen- Hochöfen zurückgreifen. Eifen- Hochöfen find mit die älteften Apparate, die wir überhaupt kennen, und werden bei dieſen ſchon feit Jahrzehnten die der Gicht entftrömenden Gafe aufgefangen und nachträglich fei es zur Lufterhitzung, fei es zur Heizung von Keffeln verbrannt. Der Raum, welchen ein Hochofen in Proportion zur Kohlenmenge refpective Luftmenge einnimmt, welche in ihm verbrannt wird, ift ja unvergleichlich kleiner als der Raum, welchen eine Summe von Siemens'fchen Gasgeneratoren für gleiche Luftmengen erheifchen, und würde man eine Art Hochöfen ftatt zum complicirten Procefs des Schmelzens und Reducirens von Erzen nur einfach zur Deftillation von Kohlen und Erzeugung von Kohlenoxyden verwenden, fo würde fich diefes Raumverhältnifs noch viel günftiger geftalten. Der Berichterstatter fchlägt defshalb vor, auf den Dampffchiffen einen Schachtofen ungefähr wie einen grofsen Cupolofen, ohne jedweden Feuer roft, aber mit einer verfchliefsbaren Gichtöffnung und Gasauffang- Vorrichtung verfehen, zu disponiren und mittelft eines Ventilators oder fonftiger Gebläfevorrichtung und mittelft Zuſchlägen behufs Verwandlung der Afchentheile in flüffige Schlacke zu betreiben. Beiftehende Fig. 24 zeigt einen folchen Ofen im Verticalfchnitt und Tafel XIII die Gefammtanordnung, wie fie der Berichterstatter foeben im Auftrage der k. k. Kriegsmarine zum Verfuche auf einem Seiner Majeftät Kriegsfchiffe entworfen hat. In Fig. 24 ift: aa der Schacht, b Geftelle des Ofens, cift die Gichtungsvorrichtung, durch welche die Kohlen von Zeit zu Zeit tonnenweife in den Ofen hinabgelaffen werden können. Sie iſt nach Art eines Tabernakels combinirt, fo dafs während des Kohlenladens fowie des Herablaffens der Kohle in den Ofenfchacht die Gichtöffnung immer gefchloffen bleibt. Ueberdiefs ift diefelbe von einem Gichtmantel umgeben, welcher durch die Rohrleitung n mit dem * Diefe grofse Kohlenerfparnifs durch die Gasfeuerungen ift ganz gut erklärlich. Denn erftens gelangen die Deftillationsproducte der Kohlen, welche bei den gewöhnlichen Roftfeuerungen gröfstentheils unverbrannt mit dem Rauche ins Kamin entweichen, bei den Gasfeuerungen zur vollkommenen Verbrennung. Zweitens ift bei einer gewöhnlichen Roftfeuerung eine ganzliche Verbrennung des Kohlenftoffes zu Kohlenfäure continuirlich fchon defshalb unmöglich, weil ja der Luftbedarf der brennenden Kohle auf einem gewöhnlichen Feuerrofte jeden Augenblick fich ändert, und es eben nicht möglich ift, für jeden einzelnen Roft in jedem einzelnen Augenblicke die Luftzuführung dem jeweiligen Verbrennungsftadium der Kohle entſprechend zu regeln, während bei der Gasfeuerung das eigentliche Brennmaterial, Kohlenoxydgas nämlich, nahezu conftante Befchaffenheit hat. Sonach drittens bei einer Roftfeuerung, ftatt dafs alle Kohlen vollkommen zu Kohlenfäure verbrennen follte, welche 7- bis 8000 Wärme- Einheiten producirt, ein grofser Theil der Kohle unvollkommen, nur zu Kohlenoxydgas verbrennt, welches blofs 2000 Wärme- Einheiten nutzbar geftaltet, bei einer guten Gasfeuerung aber die Verbrennung nahezu vollkommen bewerkstelligt werden kann. h Fig. 24. 0 0 0 m W Marinewefen. W h 53 Kamin des Schiffes communicirt, fo dafs die wenigen entweichenden Gafe in keinem Falle ins Zwifchendeck gelangen können.. i i find die Düfen, durch welche die Gebläfeluft aus dem das Geftelle umgebenden gleichzeitig als Luftvorwärmer dienenden Windrefervoir W in den Ofen gelangt, h ift die Gasrohr- Leitung. Die Art und Weife, wie ein folcher Ofen functionirt, ift folgende: Man denke fich vorerft den Ofen bis ee mit Kohle gefüllt, und unten am Geftelle berzündet. Die Gebläfeluft, welche durch die Düfen ii eintritt, verbrennt die nächftliegende Kohlenfchichte zu Kohlenfäure, diefelbe fteigt in die Höhe, reducirt fich im Contact mit den oberen Kohlenfchichten zu Kohlenoxydgas, letzteres mengt fich mit den aus den oberften Kohlenfchichten fich entwickelnden Deftillationsproducten und entweicht durch h h in die ganz nahe dem Ofen fituirten Feuerftellen der Keffel. Durch die Verbrennung der Kohle nächft den Düfen ii wird in deren Niveau eine hohe Temperatur erzeugt, welche bewirkt, dafs die nicht verbrennbaren durch Mengung der Kohle mit Kalk oder ähnlichen Zufchlägen leicht fchmelzbar gemachten Beftandtheile als Schlacke auf den Boden niedertropfen, die vonZeit zu Zeit durch die Oeffnung m abgelaffen werden kann. Die hohe Temperatur herrfcht wie erwähnt nur in nächfter Nähe der Düfen; mit dem Auffteigen der heifsen Verbrennungsgafe und deren Reduction zu Kohlenoxydgas fowie durch den Deftillationsprocefs der Kohle entſteht eine ftarke Abkühlung, der zufolge die Gafe nur mehr noch mit fehr mäfsiger Temperatur in die Gasleitung hh gelangen. Durch die continuirliche Verbrennung der zunächft den Düfen gelegenen Kohlenfchichten finken die den Schacht erfüllenden Kohlen fucceffive nach und wird von Zeit zu Zeit durch die Gichtvorrichtung eine neue Ladung, unter welche vorher ein entſprechendes Quantum Kalk oder fonftige Zuſchläge zur Schmelzbarmachung der Schlacken gemengt wurde, in den Schacht gelaffen. Die in dem Schachtofen entwickelten, durch die Rohrleitung a zu den Feuerftellen des Keffels geführten Gafe werden dort auf die eine der vielen bekannten Weifen zur vollkommenen Verbrennung gebracht. Die Erfahrungen, welche bezüglich des Hochofen- Betriebes vorliegen, würden die Bedienung eines folchen Schacht- Gasofens zu einer nahezu bekannten Aufgabe geftalten, welche überdiefs hier, wo es fich nur um die Bildung von Kohlenoxydgas handelt, ungemein vereinfacht wird; da zur Erzeugung von Kohlenoxydgas das erheifchte Luftquantum ein verhältnifsmäfsig fehr kleines ift, fo genügt für eine Anlage wie der ,, Drache" z. B. ein Ofen von 41, Fufs lichtem Durchmeffer und 10 Fufs Höhe und ein Ventilator, welcher mit einem Drucke von I oder 1½ Zoll Waffer etwa 80 Cubikfufs die Secunde in den Ofen bläft. 54 Alexander Friedmann. Zur Bedienung eines folchen Ofens reichen wenige Leute aus; zwei Mann, per Schichte, welche die Kohle aus dem Kohlenmagazin ins Zwifchendeck fchaffen und oben auffüllen, und je i Mann, der unten beim Gebläfe die Ueberwachung führt und von Zeit zu Zeit die flüffige Schlacke durch das Schlackenloch m abläfst. Die Bedienung der Keffel ift natürlich, wie bei allen Gasfeuerungen, eine höchft einfache und genügte per Schichte ein Mann für fämmtliche Keffel eines grofsen Schiffes, da derfelbe eben nichts zu thun hätte, als den Wafferftand der Keffel richtig zu beobachten, und je nachdem ein Keffel abgeftellt oder in Thätigkeit gefetzt werden foll, die Gasklappe zu fchliefsen oder zu öffnen. Die Dampfkeffel können unverändert fofort für Gasfeuerungen benützt werden. Sind neue Dampfkeffel anzulegen oder ift überhaupt ein neues Schiff zu bauen, fo kann mit Hilfe diefes Syftemes fofort zu den weniger voluminöfen Hochdruck- Keffeln mit engen Feuerungsröhren, wie fie bei den Locomotiven fo vortheilhaft verwendet find, gefchritten werden, da ein Verlegen der Siederohre durch mitgeriffenes Kohlenklein nicht mehr Platz greifen kann. Die Anfangstemperatur in den Feuerbüchfen könnte hiedurch leicht auf die Temperaturhöhe gefteigert werden, wie fie in den Locomotiven- Feuerbüchfen herrfcht; die engen Rohre würden eine vollkommenere Ausnützung der Wärme der Verbrennungsgafe geftatten, und da an fich die Verbrennung viel vollſtändiger ift, fo würde unter Einem grofse Kohlenerfparnifs erzielt und all' die grofsen, früher erwähnten Unzukömmlichkeiten der jetzigen Schiffskeffel- Heizungen eliminirt. Die in Tafel XIII veranfchaulichte Dispofition ift eine durch die zufällige Raumeintheilung der Panzerfregatte bedingte. Im Allgemeinen wird man immer den Gasofen in die Nähe des Kamins disponiren und bei grofsen Schiffen deren zwei machen, fo dafs einer zur Referve dient. Es wird wohl natürlich befunden werden, dafs der Berichterstatter alle Einwendungen des Ausführlichen kennt, welche gegen diefe Anordnung zu machen find; er glaubt aber, dafs der eine Theil derfelben conftructiv eliminirbar und etwaige unabänderliche Einwendungen bei Weitem nicht auf folche grofse Unzukömmlichkeiten und Nachtheile fich beziehen, als fie die jetzigen SchiffskeffelFeuerungen bieten, und jedenfalls eingehende Verfuche zur Erzielung eines Fortfchrittes in diefem Gebiete beitragen würden. Ebenfo verfteht es fich von felbft, dafs der Berichterstatter in feinem Vorfchlage nicht etwa die Gaserzeugung mittelft Schachtöfen als etwas Neues erachtet; denn die Hochöfen exiftiren ja fchon seit Jahrhunderten und feit Jahrzehnten werden fchon Keffel mit den Gafen von Hochöfen geheizt. Das Neue diefes Vorfchlages liegt nur darin, dafs eben diefe letztere höchft bequeme, die Feuerrofte eliminirende Methode der Gaserzeugung für Dampffchiffe in Vorfchlag gebracht und überdiefs gleich fo ausgearbeitet wird, dafs derfelbe, wie factifch gefchieht, unmittelbar ausgeführt werden kann. Welches immer übrigens die erften Refultate fein follten, der Vorfchlag an fich ift zu eingreifend, als dafs er im grofsen Mafsftabe fich fofort Bahn brechen oder folche rationelle Gegenvorfchläge hervorrufen könnte, welche eine unmittelbare durchgreifende Verbefferung der Wärmeerzeugung bei den Keffeln zur Folge hätten, und ift es daher angezeigt, auch diejenigen Verbefferungen in Anbetracht zu ziehen, welche, wenn gleich weniger wirkfam, doch durch ihre leichtere Anwendbarkeit von Bedeutung wären. Aus den Eingangs gemachten Vergleichen zwifchen den Locomotiven und Schiffskeffeln geht hervor, dafs die höhere Temperatur in der Feuerbüchfe der Locomotiven lediglich durch den forcirten Zug des Blasrohres erzielt wird, indem diefer zunächft eine innigere Mengung zwifchen Luft und Brennmaterial und dadurch eine beffere Verbrennung zur Folge hat, und weiters eine kleinere Roftfläche erheifcht, und eine dickere Kohlenfchichte ermöglicht, derzufolge die Bedienung des Feuerroftes in Proportion zum erzeugten Dampfquantum eine ungleich leichtere und erfolgreichere ift als bei den Schiffskeffeln. Marinewefen. 55 Es lag daher der Gedanke nahe, den Zug bei Schiffskeffeln mittelft eines. Blasrohres in ähnlicher Weife zu forciren, wie bei der Locomotive. Doch geht diefs zunächft bei Condenſationsmafchinen, wie diefs faft alle Schiffsmafchinen find, gar nicht und ginge felbft dann nicht, wenn man fich der Vortheile der Condenfation begeben wollte, da bei den Seefchiffen die Oberflächen- Condenſation zur Vermeidung der Speifung mit Salzwaffer unbedingt nothwendig ift, der abftrömende Dampf alfo nicht wie bei den Locomotiven ins Freie gelaffen werden, alfo auch. nicht zur Actionirung eines Blasrohres dienen kann. Eine Ergänzung der Wirkfamkeit des Zuges mittelft Propulfion von geprefster Luft in zu diefem Behufe gefchloffene Afchenräume unter die Feuerrofte, wie folche vorgefchlagen wurde, hat die Unzukömmlichkeit, dafs, fo oft behufs Einfeuerung oder um den Zuftand. des Feuers zu controliren, die Feuerthüre geöffnet wird, die Flammen zur Thüröffnung in den Heizraum hineinfchlagen und jedesmal, wenn der Feuerroft geputzt. werden foll, was fehr häufig wiederholt werden mufs, das Gebläfe abgeftellt werden mufs und hie durch immer und für die ganze Zeit des Roftputzens die betreffende Feuerung aufser Thätigkeit kommt, ganz abgefehen davon, dafs hiebei leicht. der durch keinerlei Luftzug abgekühlte Feuerroft erglüht und fich deformirt. Es bliebe fonach nur als fofortige Verbefferung die Anfachung der Feuerung durch Verftärkung der aspirirenden Wirkfamkeit des Kamins. Hiefür gäbe es nach dem Erachten des Berichterstatters a priori drei Mittel: Entweder die Anbringung eines riefigen Ventilators, welcher nach Art einer Schiffsfchraube in der Achfe des Kamins disponirt wäre und unmittelbar unter dem Kamine durch eine kleine horizontale Dampfmafchine mit verticaler Triebaxe gedreht würde. Wenn man die Leiftung eines jetzigen Kamins in Pferdekräften berechnet, fo ergibt fich, dafs diefe Dampfmafchine fehr klein fein müfste, und mit einer etwas. ftärkeren Mafchine und gröfseren Tourenzahl einer folchen Schraube ein Kamin, welches, wie jetzt beim„, Erzherzog Albrecht", 912 Fufs Durchmeffer hat, mit einem viel kleineren Durchmeffer eine gröfsere Leiftung und unter allen Witterungsverhältniffen hervorbringen und fofort eine Reduction der Feuerroft- Fläche, refpective eine Annäherung ihrer Dimenfionen an die der Locomotiven zur Folge haben würde. Ein zweites Mittel wäre die Herftellung eines Blasrohres in der Achfe und am Fufse des Kamins, ähnlich dem Blasrohre bei Locomotiven, welches jedoch nicht durch ausftrömenden Dampf, fondern durch geprefste Luft betrieben würde, welch' letztere mittelft kräftiger Ventilatoren durch befagtes Blasrohr propulfirt werden müfste und die anfachende Wirkung des Kamins fteigern würde. Diefer Vorfchlag wäre einer Probe werth, würde aber jedenfalls eine viel ftärkere Mafchine erheifchen als eine im Kamin felbft angebrachte Schraube und überdiefs den Nachtheil bieten, dafs die durch das Blasrohr zur afpirirenden Wirkung kommende propulfirte Luft die Kamingafe abkühlen, die Temperatur im Kamine fonach erniedrigen und den natürlichen Zug des Kamines, welcher ja ein Factor der Temperatur der Kamingafe ift, beeinträchtigen würde. Ein drittes Mittel endlich wäre, die Anfachung im Kamine mittelft eines Dampfftrahles, ähnlich wie mit den Hilfsgebläfen der Locomotiven, durch directen Keffeldampf zu bewerkstelligen. Diefs ift nun fchon bei der Locomotive höchft. koftfpielig und ift fchon dort der Effect fehr ungünftig, weil der Durchmeffer der Mündung des Hilfsgebläfes im Verhältniffe zum Durchmeffer des LocomotivenKamines fehr klein ift; bei Schiffen aber wäre ein Gebläfe in folcher Geftalt vollends unpraktiſch, da hier ein Hilfsgebläfe von 15 oder 20 Millimeter oder 30 Millimeter Mündungsdurchmeffer in einem 9%, Fufs Durchmeffer haltenden Kamine höchftens einige Wirbel, nimmermehr aber eine merkliche Zugverftärkung bewirken würde. Nichtsdeftoweniger ift das Hilfsgebläfe bei Locomotiven ein gar werthvoller Apparat, wäre auch bei Schiffen, befonders bei den Fahrten über den Aequator oder bei Sturm oder Nebel, wo die Kamine nicht recht ziehen wollen, eine oft gern mit etwas mehr Kohlenconfum bezahlte Aushilfe. 56 Alexander Friedmann. Fig. 25. A D D Defshalb fchlägt der Berichterftatter in beiftehender Fig. 25 ein Hilfsgebläfe vor, welches, wenngleich als conftantes Anfachungsmittel zu theuer, doch aushilfsweife vorzügliche Dienſte leiften würde. Um nämlich das für die Locomotiven erwähnte ungünftige Verhältnifs zwifchen dem Durchmeffer der Mündung des Hilfsgebläfes und demDurchmeffer des Kamines hier günftiger zu geftalten und gleichzeitig die grofsen Stofsverlufte zu reduciren, wird auf die Dampfdüfe d der beiftehenden Figur eine Anzahl von ZwifchendüfenD'D'D' von immergröfserem Durchmeffer disponirt. Je mehr folcher Düfen angeordnet werden und je weniger grofs der Unterfchied zwifchen dem Durchmeffer der letzten Düfe Dv und dem Durchmef fer des Kamines ift, um fo wirkfamer erweift fich die Anordnung. Auf Tafel XIII ift ein folches Hilfsgebläfe und deffen Anbringung im Kamin der Panzerfregatte„ Drache" ver. anfchaulicht. Nach Verfuchen, die der Berichterftatter angeftellt hat, wird der Effect eines folchen Hilfsgebläfes nahezu vierfach und in Folge deffen genügend, um dasfelbe auf den Schiffen zweckmäfsig anwendbar zu geftalten. Wurden die ausgeftellten Schiffskeffel mit Rückficht auf die vorftehenden Auseinanderfetzungen beurtheilt, fo konnte eine wefentliche Neuerung feit der letzten Parifer Weltausftellung nicht conftatirt werden. Bezüglich der Wärme- Erzeugung in den Schiffskeffeln war auf der Weltausstellung ebenfalls nichts Neues zu fehen. Wenn indeffen, wie diefs der Berichterstatter hofft, feine vorftehenden Auseinanderfetzungen das Problem der Kohlenerfparnifs genügend klar ftellen, und tüchtigen Fachgenoffen Wunſch und Einficht bieten, fich desfelben zu be Marinewefen. 57 mächtigen, dann wird bald auch in diefer wichtigen Einzelnheit des Schiffswefens erfpriefslich Neues zu verzeichnen fein. Nur foll hierbei unter Einem fowohl das bei den immer fteigenden Kohlenpreifen immer dringender werdende Bedürfnifs der Kohlenerfparnifs befriedigt, als auch eine Verbefferung der jetzigen, fchon vom rein menfchlichen Standpunkte höchft bedauernswerthen Verhältniffe der Keffelheizer in Schiffsräumen bewirkt werden. Leuchtthürme und Warnzeichen. Auf offener See ist das Schiff der alleinige Träger seines Gefchickes und ift es gut gebaut und gut geführt, fo vermag es im weiten Meere allen Gefahren, nur noch die ausgenommen, welche ftarker Nebel verurfacht, fiegreich zu begegnen. Anders in der Nähe der Küften. Das beft geführte Schiff kann am hellen Tage an einer Untiefe auffahren, wenn fie nicht gekannt und von ferne her bemerklich gemacht ift, bei Nacht an einer Klippe zerfchellen, wenn keine Leuchte ihre Gefahr bezeichnet, vergebens in Dunkelheit die Einfahrt in einen Hafen verfuchen, wenn nicht weithin kenntliche Lichtzeichen den Führer des Schiffes orientiren. Defshalb die verfchiedenen Vorkehrungen, welche die Erkennung bemerkenswerther Stellen in der Nähe der Küften erleichtern. Unter diefen Vorkehrungen fpielen die Leuchtthürme eine Hauptrolle. Je nach der Bedeutung der betreffenden Küftenftelle ift deren Anordnung und Lichtfpendung in der Weife getroffen, dafs fie von gröfseren oder kleineren Diftanzen fichtbar, jedesmal aber für die Oertlichkeit, die fie kenntlich machen follen, charakteriftifch werden. Um fofort eine Idee von einem Leuchtthurme zu geben, fei in beiftehender Fig. 26 der Verticalfchnitt des fpäter ausführlicher befchriebenen, in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellten Leuchtthurmes„ Du Four" und in Fig. 27 eine Anficht eines in der italienifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Leuchtthurmes veranfchaulicht. Sowie das Wort„ Leuchtthurm" zwei Begriffe in fich fchliefst, befteht auch das Object, das es bezeichnet, aus zwei Theilen, aus der Leuchte und dem Thurme. Je nach der Diftanz, von welcher her das Licht gefehen werden foll, ift die Leuchtkraft bemeffen und ebenfo die Höhe des Thurmes, auf welchem der lichtfpendende Apparat angebracht wird. Erfteres ift felbftverſtändlich, für Letzteres die kurze Erinnerung, dafs die Gröfse des Horizontes mit der Höhe, von der aus man fieht oder gesehen werden will, fteigt, dass ein ftarkes Licht, niedrig geftellt, für die Ferne ebenfo unfichtbar ift wie ein fchwaches Licht hochftehend, und alfo nur, Höhe und Kraft im richtigen Verhältniffe vereint, das Richtige erreichen lassen. Das Licht wird bei Leuchtthürmen mittelft Lampen durch Verbrennung von Oel oder Petroleum oder mittelft elektrifcher Apparate erzeugt; das erzeugte Licht wird, um für die Ferne wirkfamer zu fein, mittelft Reflectoren- und Linfencombination in Strahlenbündeln entfendet. Die auf der umftehenden Seite befindlichen Fig. 28 und 29, in 1/ 20tel natürlicher Gröfse gezeichnet, mögen vorläufig eine Idee folcher Leuchtapparate geben und werden später ausführlicher befprochen. Doch ift fofort zu erkennen, dafs bei denfelben zwei Theile zu unterfcheiden find: die Lampe und der optifche Theil. Die Lampe, ob für Oel oder Petroleum, ift nach Art der Zimmerlampe mit runden Brennern, nur viel gröfser und je nach der Leuchtkraft, die es zu 58 Alexander Friedmann. Fig. 26. L a n 72 n e 8 p. Meter Marinewefen Fig. 27. 59 erzeugen gilt, mit einem bis zu fechs Dochten verfehen. Wo mehrere Dochte, find deren Durchmeffer verfchieden und jeder kleinere Docht in felbftftändiger Führung von dem nächft gröfseren concentrifch umgeben, fo dafs bei einem doppelten Brenner z. B. der innere kleinere fein Licht durch die Flamme des gröfseren, ihn umgebenden Brenners fchickt; bei einem fünffachen Brenner der innerfte kleinfte fein Licht durch die vier Flammen der vier ihn einfchliefsenden, der zweite etwas gröfsere durch die Flammen der drei anderen, und fo fort der vierte Brenner fein Licht gleichzeitig mit dem der drei kleineren durch die Flamme des äufserften, fünften Brenners entfendet. Diefe Anordnung wird durch den fpäter zu befchrei benden optifchen Apparat bedingt; damit diefer nämlich den gewünſchten Zweck möglichft erfülle, müfste die Flamme nur ein leuchtender Punkt im Brennpunkte des optifchen Apparates fein, darf alfo jedenfalls keine zu grofsen Dimenfionen haben. Die Aufgabe, mit möglichst wenig Leuchtmaterial eine möglichft intenſive Flamme zu erzeugen, ift diefelbe wie bei allen Lampen, und auch die Mittel, die hiezu dienen, find die analogen. Der wefentliche Unterfchied liegt in der Gröfse und Anzahl der Dochte. Für Leuchtthürme 5. und 6. Ordnung z. B. hat die Lampe einen Runddocht von 32 Millimeter Durchmeffer; für Leuchtthürme 4. Ordnung རིགས་ 60 Alexander Friedmann. 1g.28. ༠ 905 0 ༡༩ ༡༤ ། ༡༦༩ ༡༩ ༢ ༢། ༡༥ ༑ ༑!* །? 310 Meter Marinewefen. 61 zwei Dochte, deren innerer 32 Millimeter, deren äufserer 41 Millimeter Durchmeffer hat; für Leuchtthürme 3. und 2. Ordnung drei Dochte von 32, 41 und 60 Millimeter Durchmeffer, für Leuchtthürme 1. Ordnung endlich meift vier Dochte, deren äufserfter, gröfster einen Durchmeffer von 72 Millimeter hat. Es waren noch gröfsere Brenner ausgeftellt, fo ein nach Farquuhar von Sautter& Lemonnier erzeugter Brenner, welcher fechs Dochte enthielt, von denen der fünfte 92 Millimeter, der fechste 112 Millimeter Durchmeffer hatte. Die Leuchtkraft eines vorerwähnten vierdochtigen Brenners ift gleich der von 29 Carcelllichtern, die eines fechsdochtigen Farquuha r'fchen angeblich gleich 77 Carcelllichtern. Die Lampe der Fig. 29 wird mit Oel genährt; in derfelben wird das Leuchtmaterial mittelft kleiner Pumpen, welche durch ein specielles kleines Uhr. werk bewegt werden, bis zum Niveau der Dochtränder gepumpt, von wo das nichtverbrannte Oel wie bei der Moderateurlampe überfliefst. Die Lampe des Apparates Fig 30 wird mit Petroleum genährt, welches, in dem etwas über dem Niveau der Brenner aufserhalb des optifchen Apparates fituirten Gefäfse E enthalten, durch ein regulirbares kleines Hähnchen in das verftellbare Röhrchen G eintropft, welches mit der Lampe communicirt und, oben etwas niedriger als das Niveau des Brenners, einen verftellbaren offenen Trichter hat, demzufolge das Petroleum im Brenner nur bis zum Niveau befagten Trichters fteigen kann, während was aus E mehr einfliefst als die Lampe aufzehrt, in das Ueberlaufröhrchen/ und von da in H fich anfammelt. In beiden Fällen, Fig. 29 und Fig. 30, ift das Oelquantum refpective Petroleumquantum jeden Gefäfses fo grofs, dafs es der Lampe während der längsten Nacht, ohne nachgefüllt zu werden, Material zu liefern vermag. Das Leuchtmaterial felbft ift gegenwärtig zumeift Rüböl. Doch findet das Petroleum auch bei den Leuchtthürmen allmälig Eingang, feitdem die Bedenken, die feine leichte Entzündlichkeit anfänglich verurfachte, durch gröfsere Vertrautheit der Wärter mit dem Materiale fchwinden, und Reynaud, der Director des Leuchtthurmwefens in Frankreich, eine grofse Anzahl von Leuchtthürmen mit Petroleumlampen verfehen liefs. Das nächftfolgende Lichterzeugungs- Mittel, die Verbrennung von Kohle im elektrifchen Strome, war in mehreren Fällen zur Ausftellung gebracht. In allen ward der elektrifche Strom durch fogenannte elektrifche Mafchinen, das ift durch Inductionsapparate erzeugt, welche durch kleine Dampfmafchinen betrieben wurden. Die Inductionsapparate find rein phyfikalifche Apparate und als folche Gegenftand der Behandlung anderer Berichterftatter. Hier wiegt nur das Erachten: Erftens ob, vorausgefetzt, dafs die elektrifchen Mafchinen bereits den vollen Grad erheifchter Verläfslichkeit erreicht haben, eine complete kleine Dampfmafchine mit Refervemafchine und completer Dampfkeffel mit Refervekeffel nicht eine umftändliche Inftallation find, ohne Referve- Dampfmafchine und Referve- Dampfkeffel aber der Fall einer Störung in Mafchine und Keffel genügend unfchädlich gemacht werden kann, um jahraus jahrein Nacht für Nacht den Inductionsapparat zu betreiben; zweitens ob, vorausgefetzt, dafs der regelmässige Betrieb eines Inductionsapparates ebenfo gefichert fei, als der Betrieb der fchlichten Oel- und Petroleumlampen, die Entfernung, von welcher aus diefe letzteren gefehen werden können, nicht genügt, oder eine gröfsere Diftanz Gefahren beffer zu vermeiden vermöchte. Es fcheint, dafs die Praxis diefe beiden Fragen nicht zu Gunften der elektrifchen Beleuchtung erledigt und diefe letztere für Leuchtthürme nur ausnahmsweife vor fehr frequenten Häfen zweckmäfsig befindet. Gröfsere Wahrfcheinlichkeit der Verwendung und auch gröfsere Wichtigkeit hat das elektrifche Licht für Dampffchiffe, wo Motoren ohnehin bereits vorhanden find, die Inftallation alfo weniger umftändlich und es manchmal zweckmäfsig ift, nicht nur durch ein gutes Signallicht gefehen zu werden, fondern mittelft guter Reflectoren auf eine gewiffe Diftanz hin eine befchränkte Fläche zur befferen Erkennung zu beleuchten. 62 Alexander Friedmann. Fig. 29. Fig. 30. M E H J V 1 q q q 7 q 1 x q r 910 Meter Was den optifchen Theil anbelangt, fo befteht derfelbe immer aus einer Combination von Linsen und Prismen, deren Wirkfamkeit auf folgenden zwei bekannten Thatfachen beruht: Die eine ift, dafs wenn ein Licht in den Brennpunkt einer Sammellinfe gebracht wird, die Lichtftrahlen desfelben durch die Linfe in der Weife gebrochen werden, dafs fie von der Linfe aus in einem cylindrifchen Bündel weitergehen, durch welchen das Licht auf gröfsere Diftanz fichtbar wird. Die andere Thatfache ift, dafs wenn, wie in beiftehender Fig. 31 ver anfchaulicht, von einem Lichtpunkte o Strahlen auf ein dreieckiges Prisma fallen, Marinewefen. 63 diefe Strahlen, je nach der Stellung des Prismas, durch dasfelbe durchgehen oder von demfelben reflectirt werden. So geht der Strahl o e'nach ug durch das Prisma edu durch; im Prisma abc hingegen wird der Strahl on nach ns gebrochen, und dann an der Stelles nicht durch das Prisma durchgehen, fondern im Prisma felbft nach sr zurückgeworfen und nach rh weitergehen. Diefe Reflexion gefchieht immer, wenn der Neigungswinkel nsa, welchen die Fläche ac des Prismas gegen den erftgebrochenen Strahl ns einfchliefst, fo klein ift, dafs der Brechungswinkel für den Austritt des Strahles gröfser ausfiele als der Reflexionswinkel. So befteht denn der optifche Apparat eines jeden Leuchtthurmes aus zwei Theilen: Der eine, welcher die Lichtftrahlen, die bis zu einer gewiffen Entfernung ober und unter der Leuchtflamme auffallen, direct durchläfst und nur durch Brechung parallel geftaltet, das ift der dioptrifche Theil, und der andere, welcher oberhalb und unterhalb des dioptrifchen Theiles disponirt, die Lichtftrahlen, wie das Prisma abc der Fig. 31, durch Brechung und Reflexion parallel geftaltet, das ift der katadioptrifche Theil. Fig. 31. n h Ju -9 Die Linfen, welche die Vereinigung der Lichtftrahlen in cylindrifche Bündel zu beforgen hätten, würden bei einer grofsen Lampe dermafsen grofs ausfallen, dafs fie unausführbar oder höchft koftfpielig wären, überdiefs durch ihre Dicke eine grofse Menge Lichtftrahlen abforbiren würden. Defshalb werden die grofsen Sammellinfen der Leuchtapparate, und Fresnel ift der Erfinder diefer herrlichen Combination, aus mehreren concentrifchen Ringen zufammengefetzt, welche eine centrale, mäfsig grofse planoconvexe Linfe umgeben und ein folches Profil haben, dafs der Brennpunkt jeden Ringes mit dem der mittleren Linfe zufammenfällt. Beiftehende Fig. 32 und 33 veranfchaulichen eine folche Fresnelfche Linfencombination, welche gerade fo wirkt, wie eine einzige fehr grofse Sammellinfe, deren Durchmeffer gleich wäre dem Durchmeffer des gröfsten Ringes c und deren Brennweite gleich wäre der gemeinfchaftlichen eines jeden der vier Linfenringe, refpective der mittleren Linfe a. Beim Leuchtapparate der Fig. 28 ift die rechte mittlere Hälfte desfelben durch neun folche Fresnel'fche Linfencombinationen gebildet, welche um die in ihrem Brennpunkte fituirte Flamme die Hälfte einer verticalen Trommel bilden, deren Bafis ein regelmässiges Achtzehneck darftellt. Die obere geneigte und die 5 64 Fig. 32. Alexander Friedmann. Fig. 33. a a untere verticale Fortfetzung der befagten Halbtrommel ift durch Glasringe gebildet, deren Profil und Stellung eine Reflexion der auffallenden Lichtftrahlen in gleicher Weife bewirken, wie das Prisma a b c der Fig. 31. Denkt man fich ein Schiff momentan im Bereiche eines durch eine folche Linfe der Fig. 28 in die Ferne gefandten, nahezu cylindrifchen( de facto etwas conifchen) Lichtbündels und die polygonale Glashalbtrommel langfam um ihre durch den Brennpunkt gehende Achfe gedreht, fo wird von der Zeit, da eine Linfe zwifchen Schiff und Flamme durchgeht, bis zur Zeit, da die nachfolgende Linfe fich wieder zwifchen Schiff und Flamme ftellt, zuerft ein Uebergang von Licht zu Dunkelheit eintreten, welche fucceffive zu blendender Helligkeit zurückkehrt, und denkt man fich einen Apparat wie Fig. 28, der, ftatt der Hälfte der Trommel, die ganze Trommel mit folchen Fresnel'fchen Linfen gebildet hat, fo werden durch das gleichmässige langfame Drehen in ganz beftimmten Intervallen immer Lichtblitze gebildet wer den. Damit für die Zeit dés Intervalles von einem Lichtblitze zum anderen das Licht nicht gänzlich verfchwindet und das Schiff durch feine Vorwärtsbewegung und folgliche Aenderung der Vifirrichtung nicht den Leuchtthurm bis zum näch ften Lichtblitze aufser Sicht verliert, dienen die oberhalb und unterhalb der Fresnel'fchen Linfen angebrachten vorbefchriebenen horizontalen, durch Reflexion wirkenden Glasringe. Diefe vereinigen nämlich die Lichtftrahlen, welche von der Flamme in die Höhe und nach abwärts entfendet werden und fonft für die Ferne verloren gingen, in eine nahezu horizontale Lichtfcheibe, fo dafs in der Entfernung das Auge auch in den Intervallen von einem Lichtblitze zum anderen, von Strahlen diefer Lichtfcheiben getroffen, einen leichten Schimmer beobachten kann. Diefs bezüglich der rechten Hälfte des Fig. 28 veranfchaulichten Apparates; die linke Hälfte der die Flamme umgebenden Trommel ift durch horizontale Glasringe gebildet, deren Profil dem der Fresnel'fchen Linfen entspricht, und welche die Lichtftrahlen durch Brechung in eine nahezu horizontale Scheibe vereinigen. Hiedurch wird bewirkt, dafs bei der Drehung der Trommel Fig. 28 für folange, als zwifchen Gefichtspunkt und Flamme eine der neun Fresnel'fchen Linfen paffirt, in der betreffenden Richtung des Horizontes Lichtblitze gebildet werden, zwifchen deren Intervallen fchwache Schimmer übrig bleiben und von der Zeit ab, als die jetzt in Fig. 28 links befindliche Hälfte der dioptrifchen Ringe paffiren, ein conftant ftarkes Licht für die halbe Dauer der Umdrehung einer folchen Trommel vorhält. So können je nach der Dauer von einem Lichtblitze zum anderen und je nach der Dauer der Unterbrechung der Lichtblitze durch conftantes Licht Variationen hervorgebracht werden, durch welche die Oertlichkeit felbft vollkommen kenntlich wird. Je nach der Claffe des Leuchtthurmes und je nach der correfpondirenden Gröfse des Brenners mufs auch die optifche Trommel eine entsprechende Gröfse haben, fowohl um das Verhältnifs der Gröfse der Flamme in Bezug auf die Brenn Marinewefen. 65 weite der Linfen günftig zu geftalten, als auch, weil je intenfiver das Licht ist, um fo grösser auch die Entfernung der Linfen von der Leuchte fein mufs, damit die Lichtftrahlen nicht zu gedrängt auf die Linfe fallen und fonach nicht ein zu grofser Theil derfelben durch die Linfen verfchluckt werde. Der Durchmeffer der dioptrifchen Trommeln eines jeden Leuchtapparates beträgt für Leuchtthürme erfter Ordnung 180 Meter; zweiter Ordnung 140 Meter; dritter Ordnung 100 Meter; vierter Ordnung o'50 Meter; fünfter Ordnung 0 375 Meter; fechfter Ordnung o 300 Meter. Die mit Hilfe diefer Apparate erzielte Sehweite bei klarem Wetter variirt zwifchen 10 und 22 Seemeilen und wird, da hiefür auch die Thurmhöhe mitbeftimmend ift, bei der Befchreibung jeden Thurmes angegeben werden. Der ganze optifche Apparat ift zu feinem und des Wärters Schutz gegen Unwetter von einer Laterne und diefe wieder von einem feften Drahtgitter umgeben, damit die Vögel, gegen das Licht fahrend, nicht die Scheibe oder Laterne einfchlagen. Die Drehung der Linfentrommel um die Flamme wird durch eine Uhr bewerkstelligt, welche durch Gewichte bewegt wird, und zwar mit gröfster Genauigkeit, da die Intervalle zwifchen den einzelnen Lichtblitzen in Katalogen verzeichnet und für die Schiffer mafsgebend find. Hiefür ift die Trommel fo conftruirt, dafs für ihre Drehung der geringfte Widerftand geboten wird, und in jeder Beziehung folche Vorforge getroffen, dafs denkbar keinerlei Störung des Betriebes eintreten könne. Der Apparat Fig. 28 ift von Henry Lepaute conftruirt, war von der franzöfifchen Regierung zur Ausftellung gebracht und ift ein ganz ähnlicher, nur gröfserer für den Fig. 26 veranfchaulichten," fpäter befchriebenen Leuchtthurm Du Four beftimmt. Der in Fig. 29 und 30 veranfchaulichte Leuchtapparat, von Sautter & Lemonnier erzeugt, war im öfterreichifchen Marinepavillon zur Ausftellung gebracht und zeigt eine Aenderung der bisherigen optifchen Apparate. Die Fresnel'fchen Linfen haben noch immer den Nachtheil, dafs fie koftfpielig find und befonders deren Montirung grofse Präcifion erheifcht und defshalb fchwieriger ift. Der Apparat Fig. 29 nun hat, ftatt ein er einfachen Trommel mit Fresnel'fchen Linfen, zwei Trommeln A und C, welche in Fig. 30 im Grundrifs veranfchaulicht find. Die Trommel A wird durch dioptrifche Ringe gebildet, welche die fämmtlichen, von der Lampe auffallenden Lichtftrahlen radial in einer horizontalen Scheibe weiterbefördern. Diefe horizontalen gebrochenen Strahlen fallen auf die äufsere Trommel C, welche durch plano- cylindrifche Gläfer gebildet ift, und die radial auffallenden Strahlen zu einem viereckigen Bündel vereinigen, deffen äufserfte Divergenz circa 6 Grad beträgt. Die Glasringe und plano- cylindrifchen Gläfer laffen fich leichter montiren, dafür verurfacht die Nothwendigkeit, das Innere beider Trommeln A und C behufs Einbringung der Oel- Petroleumlampe zugänglich zu machen, eine Complication. Es mufs zu diefem Behufe ein Viertheil der inneren Trommel, in Fig. 30 mit B bezeichnet, auf eine Leuchte niedrigeren Grades und müffen an den Stellen xx je zwei plano- cylindrifche Gläfer in Scharnieren wie kleine Thüren angeordnet werden, fo dafs, um den Brenner einzuftellen, diefe eröffnet und die Vierteltrommel B innerhalb der Haupttrommel A auf die Seite gedreht werden können. Das ist keine einfache Conftruction und wird überdiefs für ein ganzes Viertheil der Zeit die Wirkfamkeit des Apparates um einen Grad niedriger. Fig. 34 ftellt einen auf den gleichen Principien beruhenden Linfenapparat, von Sautter& Lemonnier für einen elektrifchen Leuchtthurm angeordnet, dar. AA find die dioptrifchen Linfenringe, CC ift die plano- cylindrifche Linfentrommel, welche, oberhalb an den Rollen DD hängend, durch diefe gleichzeitig bei der Drehung geführt wird. Die für Fig. 30 hervorgehobene Complication für die Einbringung der Lampe ift hier dadurch vermieden, dafs die aus den plano- cylindrifchen Gläfern hergeftellte äufsere Linfentrommel oberhalb angebracht ift. 5* C 66 Fig. 34. of opsp of op og of 95 94 B Alexander Friedmann. e C Fig. 35 und 36 zeigen in 1/ 25ftel natürlicher Gröfse die Vorderanficht und den Grundrifs, Fig. 37 und 38 einen Verticalfchnitt und Ceinen Horizontalfchnitt eines Leuchtapparates für kleinere Directionsfeuer. Es find diefs eine Art Leuchtthürme, welche jedoch nicht den ganzen Horizont beherrfchen, fondern meift ein conftantes Licht nach einer ganz beftimmten Richtung entfenden. Der vordere Theil ift eine grofse, vertical ftehende Fres nel'fche Linfe, welche von katadioptrifchen Ringen, deren Wirkc famkeit bei Fig.31 befprochen wurde, und deren Ebene vertical fteht, umgeben ift. Der vordere Theil diefes Apparates entfendet auf diefe Weife die auf ihn auffallenden Lichtftrahlen in einem fchwach conifchen Bündel weiter. Der hinter der Flam me befindliche Theil des optifchen Apparates ift ein durch horizontale, dreieckig profilirte Glashalbringe gebildeter Reflector, welcher die von der Flamme nach rückwärts gefandten Lichtftrahlen durch Brechung und Reflexion, ähnlich wie das Prisma abc der Fig. 32 wirkend, wieder nach dem Brennpunkte, fonach auf den vorderen Linfenapparat zurückwirft. 1990 Meter Die Art der Lichterzeugung und Lichtverbreitung in den Leuchtthürmen hat allgemeine Bedeutung und ift diefs auch der Grund, wefshalb diefer Theil hier ausführlicher befprochen wurde; befonders das letztbefchriebene Directionsfeuer dürfte auch aufserhalb des Seewefens, z. B. an wichtigen Stellen belebter Eifenbahnlinien bei Nebelwetter fehr zweckmäfsige Verwendung finden. Die Reflexion mittelft der katadioptrifchen Glasringe, wie fie ad Fig. 31 erklärt wurde, ift allen metallifchen und fonftigen Reflexionsfpiegeln weit vorzuziehen, nicht nur, weil fie ungleich dauerhafter find, fondern auch von den auffallenden Lichtftrahlen viel weniger abforbiren und in Folge deffen weit wirkfamer find. Marinewefen. 67 Ein ebenfalls für Directionsfeuer verwendbarer elektrifcher Apparat in mehreren Exemplaren, eines von Barbier& Feneftre ausgeftellt gewefen, ift Fig. 35, 36. Fig. 37, 38. in Fig. 39 in der Vorderanficht und in Fig. 40 im Verticalfchnitt veranfchaulicht. Der optifche Theil unterfcheidet fich von dem Fig. 37 befchriebenen Apparate dadurch, dafs ftatt eines katadioptrifchen Reflectors hinter den Kohlenfpitzen ein kleiner Hohlfpiegel H angebracht ift und der ganze Apparat dadurch, dafs er mittelft der Griffe B und g in jede beliebige Stellung drehbar angeordnet ift, fowohl als Signallaterne wie zur Beleuchtung von ferne liegenden Gegenständen benutzt werden kann. Für Dampffchiffe wären folche, allenfalls mit bef ferer Reflexionsvorrichtung verfehene Apparate, wie fchon mehrfach erwähnt, fehr zweckmäfsig. Zum Schluffe noch die Bemerkung, dafs für die Leuchtapparate einige der bekannten Alarmvorrichtungen vorgefchlagen, zum Theile auch ausgeführt find, die bei Eintreten einer Unordnung an irgend einer Stelle des Leuchtapparates in Function kommen, aber auch hier wie in fo vielen anderen Fällen ein guter Apparat und ein guter Wärter zufammen die einzig ausreichende Anordnung find. Wie Eingangs diefes Abſchnittes erwähnt, mufs die Leuchte, um von grofser Diftanz her fichtbar zu fein, auf ein Niveau über die Meeresfläche gebracht werden, welches der Leuchtkraft des Apparates correfpondirt. Diefem Zwecke dient der Thurm. Gleichzeitig foll der Thurm auch bei Tage als Warnungszeichen oder Orientirungsobject dienen; defshalb wird einer gewiffen Küftenftrecke entlang jedem einzelnen Leuchtthurme ein von allen übrigen möglichft verfchiedenes äufseres Anfehen verliehen. Nebft den in Fig. 26 und Fig. 27 veranfchaulichten find nebenftehend in Fig. 42 und auch auf der folgenden Seite 71 in Fig. 44 zwei weitere intereffante Leuchtthürme und in Fig. 45 ein fchwimmender Leuchtthurm veranschaulicht, welche fämmtlich ausgeftellt waren und nun der Reihe nach besprochen werden follen. 68 B Alexander Friedmann. Fig. 40. Fig. 39. -9 b UF Um jedoch einen Begriff zu geben, welche Opfer mitunter der Errichtung folcher Thürme gebracht werden, fei, bevor all' die vorcitirten vollendeten Thürme befchrieben werden, mit dem Leuchtthurme von Ar- Men begonnen, deffen Project in der franzöfifchen Abtheilung zu fehen war, jetzt noch im Baue begriffen ift und den kühnften Arbeiten unferer Zeit angereiht werden darf. Nahe der weftlichen Spitze der Halbinfel des Departements Finistère, füdlich von Breft, befindet fich eine kleine Infel Sein, welche fich in weftlicher Richtung durch eine Folge von Felfen fortfetzt, welche, bis ungefähr acht Seemeilen von der Infel fich fortziehend, je weiter von derfelben um fo tiefer fituirt find. Die meiften derfelben bleiben immer unter Waffer; fie bilden eine Art Wehr, fenkrecht auf die dortige Strömung, an welcher die Meereswellen mit Heftigkeit anfchlagen und bis auf mehrere Meilen ringsum die Schifffahrt gefährden. Es ift beobachtet worden, dafs einer der äufserften Felfen, der von Ar- Men, bei den gröfsten Ebben zweimal des Jahres um etwa 12 Meter aufgedeckt wird, und wurde diefer als der geeignetfte für die Anlage eines Leuchtthurmes befunden, nachdem die Aufftellung eines Leuchtfchiffes wie Fig. 45 als unzweckmäfsig erachtet ward. In beiftehender Fig. 41 zeigt AA das tieffte vorkommende Niveau der See und die oberhalb AA dunkel fchraffirte Partie die Felfenkuppe, welche bei tieffter Ebbe zum Vorschein kommt. Es ward die Alternative einer Eifenconftruction ähnlich der Fig. 27 oder eines gemauerten Leuchtthurmes erörtert. Die Eifenconftruction wurde unmöglich erkannt, weil die Bohrung von Löchern von 18 bis 20 Centimeter Durchmeffer für die Befeftigung der eifernen Träger zu viel Zeit erheifcht hätte, überdiefs der Felfen von AA ab fteil in die Tiefe geht, den Sprengungen alfo möglicherweife B 2 C- E- C Marinewefen. Fig. 41. -D F C Meter. 8 9 10 11 B 69 nicht genügenden Widerftand geboten hätte und es endlich unmöglich wäre, fchwere Eifenftücke auf den Felfen zu landen, da die Anfahrt an denfelben felbft mit leichten Barken fchon höchft gefährlich ift. Es wurde alfo die Aufführung eines gemauerten Leuchtthurmes und deffen Bafirung in folgender Weife anzulegen befchloffen. Es follten auf der ganzen Felfenkuppe auf je 1 Meter Entfernung Bohrlöcher von 30 Centimeter Tiefe angelegt, in diefe ftarke Eifenftangen von je I Meter Länge gefteckt und durch Ketten und Zugeifen diefe Stangen miteinander verbunden werden, um zunächft eine Verankerung für den fpäteren Sockel des Leuchtthurmes zu gewinnen und gleichzeitig den Zufammenhalt des Felfens felbft zu fichern. Für die Bohrung der Löcher wurden Fifcher der Infel Sein angeworben, welche ihr Gewerbe inmitten diefer Gewäffer treiben und im Jahre 1867 die Arbeiten wie folgt begonnen: So wie das Meer tief genug war, um fich dem Felfen nähern zu können, kamen die Barken heran, zwei Mann von jeder Barke, jeder mit einem Korkholz- Gürtel um den Leib, kletterten auf den Felfen, hielten fich, je zwei Mann für ein Bohrloch arbeitend, mit der einen Hand an einzelnen kleinen Vorfprüngen feft und arbeiteten mit der anderen Hand mit fieberhafter Schnelligkeit, der eine den Bohrer, der andere den Hammer führend, continuirlich von den Wellen gewafchen, die über ihren Köpfen zufammenfchlagen. Ward einer der Leute von einer folchen Welle fortgetragen, fo hielt ihn fein Korkgürtel ober Waffer, die heftige Strömung führte ihn rafch vom Felfen, an dem er fonft zerfchlagen worden wäre, in die Ferne, und die Barken, die entſprechend weit zur Rettung aufgeftellt waren, holten den Betreffenden wieder aus dem Waffer, um 70 Alexander Friedmann. Fig. 43. Fig. 42. 4 5 12 6 7 9 10 Meter: 1 1 1 p ihn neuerdings an feine Arbeit zu führen. Während der erften Aequinoctialcampagne konnte fieben Mal gelandet werden, wurden im Ganzen acht Arbeitsftunden gewonnen und konnten die erften 15 Löcher auf den hervorfpringendften Stellen des Felfens gebohrt werden. Das nächfte Jahr wurde die Arbeit unter Fig. 44. 1 2 3 4 5 6 Marinewefen. 7 8 9 10 Meter: 71 gleichen Gefahren und mit gleicher Energie, jedoch gröfserer Erfahrung, wieder fortgeführt, 40 neue Löcher gebohrt und konntenüberdiefs einzelne Vorfprünge abgefchlagen werden, um eine beffere Auflage für die ſpätere Fundirung zu etabli ren. Im Jahre 1869 konnten galvanifirte Eifenftangenvon fechs Centimeter im Gevierte und einem Meter Länge in die durch die erften zwei Jahre gebohrten Löcher eingefteckt und einzelne kleine Partien mit beftem Cement ausgefüllt werden, diefs fo oft ein ausnahmsweife ruhiger Zuftand des Meeres einige Chancen für die Landung auf dem Felfen bot und nach manchmal vergeblichen Verfuchen einzelne Arbeitsftunden gewonnen werden konnten. So waren Ende 1869 25 Cubikmeter Cement- Mauerwerk ausgeführt, welches im Jahre 1870 bei der nächften Campagne intact vorgefunden wurde, und zur Zeit der Ausstellung 1873 bildeten bereits 114 Cubikmeter Mauerwerk, bis zum Niveau cc der Fig. 41 gebracht, ein Plateau, auf welchem die fpäteren Arbeiten nunmehr mit immer gröfserer Sicherheit und Rafchheit werden zu Ende geführt werden. Diefer merkwürdige 72 Alexander Friedmann. Bau ebenfo übrigens wie auch die später befchriebenen, zwifchen 1867 und 1873 von den franzöfifchen Behörden unausgefetzt ausgeführten Seebauten zeigt, wie diefe Nation die Nothwendigkeit begreift, dafs unter allen Verhältniffen, felbft unter folchen fchrecklichen und ausnahmsweifen, wie fie der letzte Krieg geboten, Friedensarbeiten nicht unterbrochen werden dürfen. Der Plan der Arbeit wurde im Principe von Reynaud entworfen und der Reihe nach von den braven Ingenieuren Joly, Planchat und Cahen durchgeführt, welche all' die Gefahren der muthigen Fifcher theilten und unter welchen jede Saifon einer der genannten Ingenieure, aneifernd und Ordnung haltend, die Arbeit an Ort und Stelle leitete. Der Fig. 26 im verticalen Längenfchnitt dargestellte Leuchtthurm Du Four, gutes Specimen der gemauerten Thürme, war in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellt und ift wegen der Vollständigkeit feiner Dispofition mufterhaft. Er ift auf einem einzelnen Felfen nahe der Küfte des Finistère- Departements( weftlich von Breft) erbaut. Deffen Bafirung bot durch die ungemein unruhige See, welche den Felfen umgibt, ähnliche Schwierigkeiten, wie die, welche gelegentlich des Baues von Ar- Men hervorgehoben wurden. Die Höhe des Thurmes von der Sohle bis zur oberen Plattform, auf welcher der Leuchtapparat aufgeftellt ift, beträgt circa 23 Meter. Derfelbe hält 5 Stockwerke, welche durch eine Treppe n miteinander in Verbindung find. Die Eintheilung ift folgende: Im Parterre befindet fich ein Kohlendepot für 100 Centner Kohle und ein Oelmagazin; im erften Stock Wafferrefervoirs für zufammen 5 Cubikmeter füfses Waffer zum Speifen von 2 Dampfkeffeln und ein weiteres Kohlendepot für 40 Centner Kohle; im zweiten Stockwerk gift eine Küche, im dritten Stockwerk f ein Schlafzimmer mit 2 Betten angeordnet; im vierten Stockwerk find 2 Field'fche Keffel d von zufammen 4 Pferdekraft und ein Nebelhorn e untergebracht, welches während ftarker Nebel durch acuftifche, in beftimmten Intervallen gegebene Signale, die auf 10 bis 12 Seemeilen hörbar find, die Schiffe vor einer Annäherung an die gefährlichen Felfen verwarnen. Die Keffel müffen mit Süfswaffer gefpeift werden, und da fie ungefähr 25 Litres per Stunde brauchen, fo erklärt diefs die Nothwendigkeit der Wafferrefervoirs h im erften Stockwerke, welche hinreichen müffen, um den Keffel während 150 Stunden zu bedienen. Der optifche Apparat ift ein Apparat dritter Ordnung nach dem Fig. 28 veranfchaulichten Syftem, nur entſprechend gröfser, welcher während 30 Secunden fixen Lichtes jede 3 Secunden einen Lichtblitz erzeugt. Die Ausführung diefes Leuchtthurmes, im Jahre 1869 begonnen und jetzt beendet, koftete 265.000 Francs. Der Cubikmeter Mauerwerk kommt auf durchíchnittlich 150 Francs. Die Handgriffe cc in Fig. 26 an der linken Seite des Felfens dienen zum Aufklettern während der Ebbe und gleichzeitig als Landungsringe für die Barken. Der Fig. 42 veranfchaulichte Leuchtthurm De la Palmire, auf den Dünen am rechten Ufer der Garonnemündung aufgeftellt, ift eine Eifenconftruction nach einem neuen Syfteme von Lecointre. Der Schaft des Thurmes ift aus 9 Rohrftücken von je 2.8 Meter Höhe und je 2 Meter Durchmeffer( circa 40 Centner wiegend) zufammengefetzt. Die Rohrftücke find aus genieteten Blechen von circa 10 Millimeter Stärke hergeftellt und innen mit Flantfchen aus Winkeleifen verfehen, durch welche die Rohrftücke auf einander gefetzt und verfchraubt wurden. In jedem Rohrftück befindet fich ein kleines Fenfter zur Beleuchtung des Stiegenhaufes. Die Rohrftücke bilden zufammen eine Säule von 25.2 Meter Höhe, welche mit einem Fundamente aus Beton von 3 Meter Dicke mittelft Verankerungsfchrauben und überdiefs durch 3 fchmiedeeiferne Streben, welche vom Kopf der Säule niedergehen, confolidirt find. Das Maffiv hat im Grundrifs die Form eines Y, von welchem jeder Arm 4 Meter Breite und 7 Meter Länge hat. Die Verankerungsfchrauben haben 7 Centimeter Durchmeffer, fowohl für die Hauptfäule wie für die 3 Streben. Die mittlere Säule ift von der oberen Plattform ab mit einem cylindrifchen Wachthaus von 4'2 Meter Durchmeffer verfehen, deffen Marinewefen. 73 untere Abtheilung 3 Meter Höhe als Wachtzimmer und ein kleines Magazin und deffen obere Etage für die Unterbringung des Directionsfeuers dient. Das Wohnhaus des Wärters und die fonftigen Dienfträumlichkeiten find in der Nähe des Leuchtthurmes in einem kleinen Gebäude untergebracht. Die Totalhöhe des Thurmes bis zur Spitze beträgt 37 Meter und die Höhe des Leuchtapparates über der höchften Fluth 30 Meter. Die Blechconftruction hat 76.500 Francs gekoftet, die Fundirung und das Wachthaus 30.000 Francs.- Der Leuchtapparat beherrscht am Horizont 45 Grad und zeigt durch 12 Secunden rothes, durch 6 Secunden grünes Licht. Der Apparat ift nach dem gleichen Principe, wie für Fig. 30 befchrieben war, hergeftellt, mit dem Unterfchiede jedoch, dafs die plano- cylindrifchen Gläfer fix bleiben und zwifchen diefen und den dioptrifchen Ringen( a) der dortigen Figur eine verticale glatte Glas- Halbtrommel, welche auf 75 Grad grünes Glas 75 Grad rothes Glas zeigt, in beftimmten Intervallen nach rechts und nach links fchwingt und fonach abwechſelnd einmal rothes, einmal grünes Licht zeigt. Ein ebenfalls in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellt gewefener, aus Blechröhren hergeſtellter Leuchtthurm Des Roches Douvres, deffen Conftruction fchon im Jahre 1867 auf der Ausftellung figurirt hat, ift für diefsmal infoferne intereffant, als er feit diefer Ausftellung von der Stelle, wo er angebracht war, weggenommen und anderwärts wieder aufgeftellt wurde und fomit einen der Vortheile diefer Eifenconftruction mit documentirt. Er fteht jetzt auf einem vereinzelten Felfen zwifchen der Infel Bréhat und der Infel Guernefey. Die Blechconftruction vom gemauerten Sockel bis zur oberften Plattform hat circa 52 Meter. Der Cubikinhalt des jetzigen aus Cement- Mauerwerk hergestellten Sockels beträgt 418 Cubikmeter, die ganze Herſtellung des Leuchtthurmes fammt dem Fundament hat 605.000 Francs, hievon der Blechthurm 224.000 Francs, die Fundirungsarbeiten und Montirung 225.000 Francs gekoftet. Man fieht, dafs in Frankreich dem Leuchtthurmwefen viel Geld gewidmet wird. Der höchfte von den in Modell und Zeichnung ausgeftellt gewefenen Leuchtthürmen ift der fpanifche Leuchtthurm auf der Infel Buda, in Fig. 44 veranfchaulicht. Die Höhe des Focalpunktes des Leuchtapparates über dem hohen Meere beträgt 53 Meter. Seine Conftruction ift fehr elegant und kann als Specimen vieler nach dem gleichen Principe zur Ausftellung gebrachter eiferner Leuchtthürme gelten. Eine nähere Befchreibung ift wohl nicht nöthig, da die Skizze befonders nach dem früher Gefagten genügend klar ift. Der Fig. 28 veranfchaulichte Leuchtthurm, im Arcipelago toscano über einer Untiefe aufgeftellt, war in der italienifchen Abtheilung in einem fchönen Bilde ohne Mafsftab zur Ausftellung gebracht. Die fchmiedeeifernen Träger defsfelben haben am unteren Ende breitflächige Schrauben, durch welche fie direct in das Erdreich eingebohrt werden und in demfelben fefthalten. Diefer Leuchtthurm ift ein Repräfentant einer ganzen Claffe gleichartiger Thürme, wie folche diefer Skizze fehr ähnlich, namentlich in der amerikanifchen Abtheilung, bildlich( und gleichfalls ohne Mafsftab) zur Ausftellung gebracht wurden und bei entſprechendem Untergrunde einfach, billig und zweckmäfsig find. Als Specimen endlich einer anderen ganzen Claffe von Leuchtthürmen ift in Fig. 45 das Leuchtfchiff veranfchaulicht, welches in der öfterreichifchen Abtheilung zur Ausftellung gebracht, nächft der Infel Grado verankert ift und dafelbft bei ftürmifcheftem Seegange fich ausgezeichnet bewährt hat.( Ein folches Schiff, möglichft feetüchtig gebaut, wird an die geeignete Stelle remorquirt und gehörig verankert.) Die Anordnung des optifchen Apparates ift faft diefelbe, wie in einem fixen Leuchtthurme, nur dafs die Lampe, um gegen die Schwankungen des Schiffes weniger empfindlich zu fein, in Univerfalgelenken aufgehängt ift. Das Schiff ift mit einem kleinen Dampfkeffel zum Betriebe eines Nebelhornes verfehen und mit genügenden Rettungsapparaten ausgerüftet. Solche Schiffe leiften vor 74 Alexander Friedmann. Fig. 45111 1 10 Meter 10 Meter zügliche Dienfte für die Kennzeichnung von Untiefen und befonders von beweglichen Sandbänken, find verhältnifsmäfsig wenig koftfpielig und erfparen in manchen Fällen gefahrvolle Arbeiten, wie folche für den Ar- Men befchrieben werden. Leuchtthürme werden nur an befonders wichtigen oder befonders gefährlichen Stellen angebracht. Weniger wichtige Stellen des Littorales, deren Erkenntnifs von der Ferne her jedoch wünfchenswerth ift, werden, wenn fie nicht ohnehin weithin kenntliche Eigenthümlichkeiten bieten, mit kleineren Thürmen, Landmarken genannt, verfehen, von denen manche des Nachts mit Lichtfignalen verfehen find, die meiſten jedoch ohne folche lediglich als Tagesfignale gelten, da bei dunkler Nacht, Nebel oder fchwerer See die Schiffe ohnehin der Küfte mög. lichft fern bleiben. Die nachftehenden Fig. 46, 47, 48 und 49 geben Skizzen einiger folcher Landmarken, wie fie entlang der öfterreichifchen Küften zwifchen den Leuchtthürmen disponirt find. Wie bei den Leuchtthürmen im Grofsen, fo wird auch bei diefen Landmarken darauf gefehen, dafs fie durch die Eigenthümlichkeit der äufseren Form, mitunter auch des Anftriches, für die Oertlichkeit, die fie kenntlich machen follen, charakteriftifch werden. Nebft den Warnzeichen auf fixem Erdreiche werden auch fchwimmende Warnzeichen aller Art, namentlich in der Nähe von Häfen, behufs Erleichterung der Einfahrt in diefelben, angebracht; die Skizzen der Fig. 50 und 51 zeigen mehrere Varianten, wie fie in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt waren Speciell die Bojen der Fig. 51 dienen im gleichen Mafse zur Vertauung der Schiffe vor der Ein- oder Ausfahrt und beftimmen durch ihren Anftrich die zu verfolgende Fahrtrichtung. In Frankreich z. B. find, je nachdem die vom Meere kommenden Schiffe rechts oder links von den Bojen fahren, alfo die vom Hafen Marinewefen. 75 in die See ftechenden Schiffe diefelben fteuerbord oder backbord laffen follen, die Bojen roth oder fchwarz, die, welche fo gut rechts wie links umfahren werden können, in Ringen fchwarz und roth, diejenigen, welche nur zur Vertauung der Fig. 46. Fig. 47. Fig. 49. Fig. 48. Schiffe dienen, gewöhnlich weifs angeftrichen. Ueberdiefs ift auf jeder Boje der Name der Klippe oder der Sandbank, die fie deckt, aufgezeichnet, und find die, welche ein beftimmtes Fahrwaffer begrenzen, der Reihe nach von der See gegen den Hafen numerirt: die geraden Nummern für fteuerbord, die ungeraden backbord der einfahrenden Schiffe.- Die Bojen und fchwimmenden Warnzeichen find meift durch Scheidewände in einzelne wafferdichte Compartiments eingetheilt, fo dafs fie auch, wenn eine Stelle leck wird, über Waffer bleiben; jedes folche Compartiment ift mit einem Mannloche verfehen, um zugänglich zu bleiben und einer dicht verfchliefsbaren, kleinen Oeffnung, um das eindringende Leckwaffer von Zeit zu Zeit auszupumpen. Die Skizze links in Fig. 51 ift ein Verticalfchnitt von einer, die rechts die Anficht einer anderen Boje. Befagtes für die Einfahrt felbft. Vor der Einfahrt wird, namentlich in folchen Häfen, welche nur während der Fluth zugänglich find, mittelft optifcher Telegraphen, wie ein folcher von Sautter& Lemonnier am Leuchtthurme neben dem Marinepavillon zur Ausftellung gebracht war, den anlangenden Schiffen die Tiefe des Fahrwaffers während der verfchiedenen Stadien der Ebbe und Fluth bekannt gegeben. Eine nähere Befchreibung diefer Bekanntgebungen ift wohl unnöthig; jedes Land publicirt die Bedeutung der in feinen Häfen üblichen Signale, und in folchen Häfen, wo die Einfahrt befondere Localkenntniffe erheifcht, find auch immer Piloten zur Verfügung der einfahrenden Schiffe, welche die Localverhältniffe und deren Merkmale kennen. 76 Alexander Friedmann. Fig. 50. 300000000000 0000000 All' die vorſtehend befchriebenen optifchen Signale erweifen fich während des Nebels, des gefährlichften Feindes der Schiffe, unzureichend, und werden defshalb auf allen fchwimmenden Leuchtfeuern, ebenfo auf den wichtigeren fchwimmenden Warnzeichen und auch bei den Leuchtthürmen acuftifche Signale angebracht. Diefe werden entweder mittelft Glockenfchläge gegeben Marinewefen. Fig. 51. 77 22 und durch die verfchiedenen Intervalle zwifchen denfelben verftändlich, oder es werden, befonders auf den fchwimmenden Warnzeichen, wie das rechts in Fig. 50, Glocken angebracht, welche durch die Bewegung der See von felbft läuten, oder bei den wichtigen Leuchtthürmen, wie für den von Du Four ad Fig. 26 befchrie 78 Alexander Friedmann. ben wurde, Nebelhörner in Thätigkeit gefetzt. Ein folches war auch auf der Weltausstellung zum Schrecken aller Befucher jeden Abend in Thätigkeit, obgleich es fich da nicht um Tragweiten von 10 bis 12 Seemeilen handelte, für welche fonft diefe Nebelhörner beftimmt find. Das Princip ihrer Wirkfamkeit befteht darin, dafs eine grofse Blechtrompete ftatt mit Luft aus der Lunge eines Menfchen, mittelft eines Dampfftrahles geblafen wird, welcher, entſprechend der höheren Spannung des Dampfes, auch ftärkere Schwingungen hervorruft, die fich in gröfsere Ferne fortpflanzen. Seebauten und Häfen. Bei dem Entwurfe von Schiffen und Schiffsmafchinen können alle Regeln, welche durch unmittelbare Erfahrungen oder durch die Erläuterungen der Wiffenfchaft gewonnen werden, vollſtändig zur Anwendung gebracht werden. Anders bei den Häfen. Bei diefen hat man immer mit gegebenen Verhältniffen zu rechnen, und allgemeine Principien können nur foweit benützt werden, als es die localen Verhältniffe eben zulaffen. Anftatt alfo, wie vorſtehend zu Anfang jedes Abſchnittes gefchehen, zunächft allgemeine Principien aufzuftellen, wird in diefem Abſchnitte unmittelbar mit der Befchreibung der bemerkenswerthen Seebauten begonnen, welche auf der Weltausftellung zur Anfchauung gebracht waren, und werden bei jedem Baue die leitenden Gedanken, foweit diefelben aus den Zeichnungen kenntlich waren, dargeftellt werden. Ein Zufammenhang der Einzelbefchreibungen wird dadurch angeftrebt werden, dafs bei jeder derfelben die Folgerungen, die fich zur Benützung für unfere Verhältniffe ziehen, oder die Erklärungen, die fich für jeden einzelnen Fall aus den jeweiligen früher gemachten Befchreibungen finden laffen, wahrgenommen werden. Die fchönfte und lehrreichfte Ausftellung in diefem Gebiete des Seewefens war die des franzöfifchen Handelsminifteriums. Den Franzofen ward fchon bei der Befchreibung der Leuchtthurmbauten die Palme, fie gebührt ihnen auch für die übrigen in ihrem Lande ausgeführten und in allgemein verftändlicher Weife mufterhaft zur Ausftellung gebrachten Seebauten. New- York. Es fei zunächft mit der Befchreibung der im Modell ausgeftellt gewefenen Sprengung des Riffes Halle t's Point bei New- York begonnen, fowohl wegen des allgemeinen Intereffes, welches diefe Sprengarbeit, die gröfste und grofsartigfte, welche noch je unter Waffer vorgenommen wurde, verdient, als ob des fpeciellen Intereffes, welches derlei Arbeiten uns Oefterreichern bieten, die wir auf der Donau in der Nähe des eifernen Thores auch Felfen wegzufprengen haben, welche, wenngleich kleiner und leichter weggefchafft, unferer Schifffahrt auf der Donau weit gröfsere Hinderniffe bereiten als die Riffe von Hallet's Point", dem Hafen von New- York. Die Einfahrt von New- York wird nämlich durch ein Felfenriff, welches, wie im beiliegenden Plane Fig. 52 veranfchaulicht, vom Hallet's Point der Infel Long Island mehr als 300 Fufs in das Fahrwaffer des Hell Gate fich hinaus erftreckt, fehr erfchwert. Die Tiefe des Riffes unter der mittleren Niederwafferlinie beträgt bis zu einer Entfernung von 270 englifchen Fufs vom Ufer nur 12 Fufs. Man beabsichtigt, eine Tiefe von 25 bis 26 englifchen Fufs zu erreichen, wefshalb die Arbeit fich auf eine Fläche von 14.000 Quadratyards ausdehnt und die zu entfernende Felfenmaffe 50.584 Cubikyards beträgt. Fig. 53, eine Copie der aus Fig. 52. Marinewefen. 79 MANNATTAN geftellt gewefenen Zeichnung, wird die nachfolgende Erklärung der hiefür unternommenen Arbeiten, wie fie von dem Lieutenant Colonel of Engineers John Newton erdacht ward, erleichtern. Der neue Grundgedanke für die Sprengung ift, die Felfenmaffe nicht wie bisher durch einzelne eingetriebene Bohrlöcher ftückweife zu entfernen, fondern die ganze Felfenmaffe auf der Fläche von circa 14.000 Quadratyards durch in der Tiefe von 33 Fufs unter der Wafferlinie angelegte Stollen fo zu unterminiren, dass die Felfenmaffe fchliefslich nur noch auf einzelnen Pfeilern ruht, die Stollen dann entfprechend mit genügender Sprengladung auszufüllen und die ganze ungeheuere Ladung auf einmal zu erzün den, fomit die ganzen 50.000 Cubikyards Felfen auf einmal wegzufprengen. Um diefe horizontalen Gallerien oder Stollen im Niveau von circa 33 Fufs unter der mittleren Wafferlinie treiben oder Blackwell's FLOOD HOCK HALLETS GOVE HALLET'S POINT L N O ISLAND N.Y. Little Hen Gate WARDS ISLAND G S LAN D RANDELL'S ISLAND MEADOW SUNKEN bohren zu können, Bergwerke, mufste zuerft ein Schacht, gerade wie bei einem grofsen angelegt werden; von von dem Schachte aus werden zunächft die radialen und von den letzteren die concentrifchen Gallerien durchgefchlagen werden, jedoch in der Weife, dafs hiebei keine Gallerie durch den Felfen hindurch in die See komme und die ganze Minirung unter Waffer fetze. Um den Schacht abteufen zu können, ward zunächft zwifchen der mittleren Hoch- und der mittlerer Niederwafferlinie( erftere im Plan mit„ Mean 6 32 feet 28 C 20 244 20 16 12Mean Low Water High Water 32 feet Dam RUINS OF FORT STEVENS Derrick High Water", letztere mit ,, Mean Low Water" bezeichnet) ein Fangdamm( im Plane Cofferdam) angelegt, und fo das von ihm eingefchloffene Terrain, in deffen Mitte der Schacht projectirt war, vor der See gefichert. Hienach wurde der Schacht auf die Tiefe von 33 Fufs und in einem grofsen Durchmeffer niedergefprengt( es war leider kein Mafsftab dem Plane beigegeben) und die Gallerien getrieben, Engine Rooms 80 ท่วม ซ Alexander Friedmann. Fig. 53. Marinewefen. 81 welche in Fig. 53 dunkel fchraffirt, genügend kenntlich, an 90 Sicherheitspfeiler zwifchen fich beftehen laffen, deren Dicke und Anzahl übrigens vor der Sprengung noch reducirt werden wird. Die zwei Haupttunnels, welche vom Schachte aus rechts und links dem Ufer am nächften liegen, find auf die projectirte Länge beinahe fertig getrieben, ebenfo der Haupttunnel am ausfchreitenden Winkel des Fangdammes( fiehe Fig. 53), welcher unter dem Rücken des Riffes laufend, der Schichtung des Felfens folgt und faft die Länge des Riffes hat. Newton fchreibt diefsbezüglich: Die Sohle des Schachtes liegt 33 englifche Fufs unter dem mittHeren Niederwafferftande. Die Sohle der Gallerien folgt im Allgemeinen der Neigung der Oberfläche des Felfens. Die Drainage des Werkes wird mittelft radialer, bis ans Ende des Tunnels laufender Wafferröhren und durch zwei Pumpen, wovon jede eine Capacität von 100 Gallonen befitzt, bewerkstelligt. Von diefen Pumpen wurde bis jetzt noch nicht volle Leiftungsfähigkeit beanfprucht. Das Riff befteht aus hartem Gneifs mit beinahe fenkrechter Schichtung und läuft im Allgemeinen in nordöftlicher Richtung. Die Bohrlöcher wurden meift durch Burleigh's Percuffionsmafchinen hergeſtellt; Diamanten Bohrmaschinen und Handbohrer fanden ebenfalls Verwendung. Das bewegende Medium der Bohrmaſchinen ift comprimirte Luft; die Bohrlöcher haben die Tiefe von 3 bis 4 Fufs. Ihre Ladung befteht aus ungefähr/ Pfund Nitroglycerin für jedes Bohrloch. Die Gefahr, durch grofse Ladungen die Felfendecke über dem Tunnel und den Gallerien zu ftark zu erfchüttern, beftimmt die Wahl diefer kleinen Ladungen und erklärt den langfamen Fortfchritt im Vergleich mit den Tunnelarbeiten auf dem Feftlande. Bis jetzt ereignete fich noch kein einziger Unglücksfall während der Zubereitung und der Sprengarbeit mit 20.000 Nytroglycerin- Ladungen. Der Fangdamm wurde im Monate Juli 1869 angefangen, die Abteufung des Schachtes im Monate October desfelben Jahres begonnen. Die gesammte Länge der durchgeführten Tunnels, Stollen und Verbindungsgallerien betrug 1872 am 1. Februar: 4716 englifche Fufs. Die Unterfuchung der gefammten Oberfläche, unter welcher der Felfen geräumt wird, ift beinahe vollendet. Um Hell Gate" für Schiffe gröfseren Tiefganges zu eröffnen, ift es nothwendig, ein weiteres Riff, Flood Rock genannt( in Fig. 52 fkizzirt), zu entfernen, wodurch die gegenwärtige Breite des Fahrwaffers von 600 Fufs auf das Doppelte erweitert werden wird. Der Arbeitsplan, welcher bei„ Hallet's Point" angewendet wurde, wird auch für die Entfernung diefes Felfens zu Grunde gelegt werden. Die kleineren, im Thalwege liegenden Riffe find theilweife auf andere Art entfernt worden. Eine dazu gebaute Mafchine bohrt von der Oberfläche des Waffers aus Sprenglöcher in den Felfen. Diefe Arbeiten werden für New- York durchgeführt. New York ift eine wichtige Stadt, und wenngleich auch ohne diefe Sprengungen die Einfahrt nach diefem Hafen unter allen Bedingungen gefichert war, fo ift doch eine Erleichterung diefer Einfahrt eine löbliche und zweckmäfsige Arbeit. Die Sprengung der Felfen vor und bei dem eifernen Thore, welche die Donau des ganzen öfterreichifchen Gebietes von ihrem unteren Laufe und dem fchwarzen Meere den gröfsten Theil der Fahrzeit nahezu abfchliefsen, würde eine ungleich leichtere, doch ungleich wichtigere Arbeit fein. Die Wichtigkeit ist wohl fchon feit einem Jahrhunderte erkannt und deren Ausführung feit Jahrzehnten debattirt, aber theils politifche Verhältniffe, wie das nothwendige Einverständniss mit den Nachbarftaaten, theils die fchwere Wahl zwifchen den Mitteln zum Zwecke, theils auch die grofsen Koften, zu deren Befchaffung doch immer eine allgemeine Erkenntnifs der Nothwendigkeit erheifcht ift, verzögerten diefe Arbeit. Die politifchen Hinderniffe find jetzt in Folge eines internationalen Uebereinkommens befeitigt; im gleichen Sinne ift auch die Koftenfrage als eine internationale erledigt, und bleibt nur noch zu wünſchen, dafs nicht die Wahl zwifchen den Mitteln die Ausführung verzögere. Denn es gibt keine Felfenfprengungsmethode 6* 82 Alexander Friedmann. die, wenn fie nur einmal diefe hinderlichen Felfen weggefchafft, nicht zur fofortigen Wohlthat würde. Bordeaux. Bordeaux ift der Haupt- Stapelplatz des Handels für das füdweftliche Frankreich. Es liegt bekanntlich an der Garonne, ziemlich weit oberhalb ihrer Einmündung in das atlantifche Meer, doch diefem noch nahe genug, dafs der Unterfchied zwifchen der höchften Fluth und der niedrigften Ebbe 6½ Meter, der Unterfchied zwifchen der mittleren Fluth und der mittleren Ebbe circa 3 Meter beträgt und Schiffe mit grofser Tauchung einfahren können. Defshalb wird Bordeaux ebenso wie Hamburg als Seehafen betrachtet. Die Garonne hat bei Bordeaux eine durchſchnittliche Breite von 460 Meter, auf eine Länge von 1010 Meter ihres linksfeitigen Ufers fenkrechte Quais, auf eine weitere Länge von 2000 Meter geneigte Ufer. Durch fleifsige Baggerungen ward der Hafen ftets in gutem Stande gehalten, durch zahlreiche Landungsbrücken auch entlang der geneigten Ufer der Verkehr mit den Schiffen möglichft erleichtert; doch verblieb immer der Hauptübelftand, dafs für die Vermehrung der Hilfsmittel zur rafchen Ladung oder Löfchung der grofsen Dampffchiffe den vorhandenen Quais entlang kein Platz erübrigte und in Folge deffen der Hafen oft mit Schiffen überfüllt war, welche lange Zeit müffig die Abfahrt der in Ladung begriffenen Dampfer abwarten mufsten. Diefem Uebelftande hatte ſchon feit lange die Privatinduftrie durch Docksanlagen abhelfen wollen und liefen diefsbezüglich von 1840 bis 1858 zahlreiche Conceffionsgefuche an die franzöfifche Regierung ein; diefelben wurden jedoch immer abfchlägig befchieden, theils weil die Projecte nicht rationell waren, hauptfächlich aber, weil man befürchtete, derlei Anlagen zum Privateigenthum von Gefellſchaften zu machen und dadurch Monopole zu fchaffen, welche dem Seeverkehre für die Folge hinderlich werden könnten. Defshalb befchlofs die franzöfifche Regierung die betreffenden Anlagen von Staatswegen herzuftellen, und nachdem angefichts der Arbeiten des Suezcanales erachtet ward, dafs die füdlichen Häfen Frankreichs, felbft die an der atlantifchen Küfte gelegenen, vorausfichtlich nur durch vollkommenere Hilfsmittel eine genügende Concurrenzfähigkeit behalten könnten, wurde im Juli 1867 die Ausarbeitung eines Projectes für die Anlage eines grofsen Baffins angeordnet, Ende 1868 diefem Projecte von Seiten des Staates eine Summe von 12 Millionen Francs votirt und 1869 die Arbeiten begonnen, welche hier nachfolgend befchrieben werden. In der beiftehenden Fig. 54 bezeichnet DD das projectirte, jetzt in Ausführung befindliche Hafenbaffin, welches nur 10 Hektaren Wafferfläche bieten, mit feinen Dependentien aber eine Fläche von 52 Hektaren einnehmen wird. Seiner Hauptrichtung nach wird es fenkrecht auf den Lauf der Garonne zu ftehen kommen und mit diefer durch zwei Schleufen a und b in Verbindung ftehen, welche durch geeignete Schleufenthore während der Ebbe einen genügend hohen Wafferſtand im Baffin fichern und gleichzeitig den Ein- und Auslauf der Schiffe während der Ebbe ermöglichen. Seine kleinfte Breite wird 120 Meter, feine gröfste Länge 592 Meter, fein Umfang 1800 Meter betragen. An feinem, den Schleufen gegenüber liegenden Ende ift es T- förmig eingebuchtet und unmittelbar vor der Schleufe auf 140 Meter erweitert, um den gröfsten Dampfern eventuell eine Wendung zu ermöglichen. An diefer Stelle wird das Hafenbaffin eine Tiefe von 7½ Meter, weiter von der Schleufe ab eine folche von 6% Meter haben. Das Baffin foll 76 Schiffen Raum bieten und feinen ganzen, 1800 Meter langen Umfang mit Quaimauern verkleidet erhalten. Die Profile diefer letzteren find in Fig. 55 und 56 veranfchaulicht; fie haben gegen die Wafferfeite zu eine parabolifch- concave Form, welche fich der Schiffsform ziemlich anfchliefst, fo das Anlegen der Schiffe erleichtert und gleichzeitig bewirkt, dafs der Schwerpunkt des Mauerwerkes mehr nach rückwärts gegen das Erdreich getragen wird, die Mauern alfo dem Erddrucke, welcher letztere überdiefs von 50 zu 50 Meter durch fta: ke Marinewefen. E 72 Fig. 54. 72 D D E 83 Garonne Pfeilerwerke abgetheilt wird, beffer widerftehen. Rings um die Quais des Baffins ift eine Breite von 18 Meter für die Anlagen von ausgiebigen mechanifchen Hilfsmitteln zur rafchen Aus- und Einladung, hinter diefen find Terrains für die Anlagen von Waarenhäufern refervirt, welche letztere wieder auf 20 Meter Breite mit Strafsen und Eifenbahnen umgeben fein werden, die direct an die Bahnhöfe führen folien. Die Gefammtfläche der Terrains für die Waarenhäufer beträgt 12% Hektaren, wovon 7 Hektaren der Anlage von Privat- Waarenhäufern und 5½ Hektaren der Handelskammer von Bordeaux zugewendet werden, welche folche Magazine nach eigenem Ermeffen im Intereffe der Stadt, und um durch die Concurrenz die eventuellen Preife der Privatunternehmer zu reguliren, verbauen wird. Hinter dem neuen Hafen DD ift ein grofses Becken EE angelegt, beftimmt, einen genügenden Waffervorrath anzufammeln, um während der Ebbe dem Wafferftande im Hafenbaffin genügende Höhe zu fichern und die Wafferverlufte, welche die Füllung der Schleufen für das Ein- und Auslaufen der Schiffe verurfacht, auszugleichen. Es hat eine Fläche von 161, Hektaren und wird durch unterirdifche Aquäducte einerfeits mit dem Hafen, anderfeits mit der Garonne in Verbindung 84 Fig.55. Fig. 56. Alexander Friedmann. 10 Meter fein, von welcher her es jedes Mal, fo oft deren Fluth das Niveau des Waffers im Hafenbaffin überfchreitet, gefüllt und in den äufserft feltenen Fällen, wo die unmittelbare Fül. lung durch die Hochfluth der Garonne unmöglich fein follte, durch eigene Pumpenanlagen bewerkſtelligt werden foll. Gegen die Verfchlemmung des Refervoirs und des Hafenbaffins hofft man dadurch erfolgreich ankämpfen zu können, dafs man periodifch während tieffter Ebben die vom Refervoir EE nach dem Baffin führenden Aquaducte und gleichzeitig die Schleufe a öffnet und die Waffermaffen plötzlich in die Garonne abftrömen läfst. Diefer Vorgang ift für Baffinanlagen fehr günftig und natürlich nur in Seehäfen, wo ftarke Ebbe und Fluth, anwendbar; nichtsdeftoweniger ift die Anlage eines folchen Hafenbaffins wie das DD Fig. 54 auch für grofse Binnenftädte, die an grofsen Strömen liegen, wie Wien oder Peft, nicht ohne alles Intereffe. Wien ift allerdings vorläufig nicht auf derlei angewiefen, denn es hat noch den Donaucanal, der, obgleich bislang wenig benutzt und wegen feiner Inftandhaltungskoften. und Ueberfchwemmungsgefahren lediglich als eine Laft angefehen und behandelt, doch noch einmal zu Ehren kommen wird, wenn nur erft eine beffere Erkenntnifs der Vortheile, die er bringen könnte, fich allgemein Bahn gebrochen haben wird. Denn wenn diefer Canal vertieft würde, wenn er an feinem oberen und unteren Laufe, wo noch nicht Luxusbauten das Terrain ver theuern und das niedrige Niveau der Brücken die Paffage von gröfseren Schiffen bei höherem Wafferftande unmöglich macht, um etwas verbreitert würde, mit Landungsquais und Krahnen verfehen und durch ftellenweife anzulegende Einbuchtungen für die Wendung gröfserer Schiffe vorgeforgt würde, dann könnten die Schiffe näher zur Stadt gelangen und die Schifffahrt würde fofort einen Auffchwung nehmen. 210 Meter fatteter Sofern man alfo nicht gleich den Donaucanal in befagter Weife ausbauen, ihn überdiefs durch Schleufenanlagen vor Hochwäffern fchützen und zum Winterhafen geeignet machen wollte, könnte das Baffin von Bordeaux auch für Wien infoferne Beachtung finden, als, wenn ein folches Baffin fenkrecht auf die Richtung der Donau, wie in Bordeaux fenkrecht auf die Richtung der Garonne Marinewefen. GARONNE 40 109876543210 so Meter 85 BASSIN Fig. 57. 86 Alexander Friedmann. angelegt würde, wenigftens ein Theil der Schiffe und Waarenhallen, welche für den unmittelbaren Confum dienen follen, der Stadt näher kommen können. Es wird bei der Befchreibung der neuen Hafenbauten von Hamburg diefs Thema wieder berührt werden; übrigens ift es in Bordeaux weniger die Hafenanlage felbft, als die Bauausführung, welche ob der Grofsartigkeit und Neuheit der hiebei angewandten Methoden eminente Beachtung verdient. Fig. 57 zeigt in gröfserem Mafsftabe den Grundriss der früher ad Fig. 54 mit abc vorläufig befchriebenen Schleufenanlage. Hier eine Ergänzung diefer Befchreibung. Um die Einfahrt vom Fluffe aus in die Schleufen zu erleichtern, ift die Schleufenanlage vom Uferrande aus um 28 Meter ins Land hineingerückt und ift überdiefs durch Pfahlwerke, welche von der Schleufe ab fächerförmig eine Strecke in den Flufs hineinreichen, den einfahrenden Schiffen die ftörende Strömung des Fluffes verringert. Das Fahrwaffer wird an diefer Stelle durch Baggerungen fo tief gehalten werden, dafs es während der fchwächften Fluthen Schiffen von 6 Meter Tauchung die Paffage in die Schleufen geftattet. Diefer letzteren find zwei combinirt; die eine aat ift 152 Meter lang und 22 Meter breit, für die Paffage der gröfsten Raddampfer ausreichend, die andere bb 14 Meter breit und 136 Meter lang, hat zwifchen der äufserften Thorfchleufe b und der innerften 61 eine dritte Thoranlage c. Hiedurch ift diefe Schleufe der Länge nach in zwei Theile, der eine 60 Meter, der andere 76 Meter lang, eingetheilt, fo dafs für den Ein- und Austritt kleinerer Schiffe der Wafferverbrauch reducirt wird, dennoch aber auch langen Schraubendampfern bei Oeffnung des Zwifchenthores c die Paffage diefer engeren Schleufe möglich bleibt. Die beiden Schleufen aa¹ und 661 find durch einen gemauerten Zwifchenpfeiler von 10 Meter Breite and 210 Meter Länge getrennt. In den Mauerwerken des Zwifchenpfeilers fowie der Seitenpfeiler find Wafferleitungen und Schützenvorrichtungen für die Füllung und Entleerung der Schleufen refervirt. Fig. 58. Fig. 59. 543210 10 20 30 Meter. Die beiden Fig. 58 und 59 veranfchaulichen einen Verticalabſchnitt fenkrecht auf die Längenrichtung der beiden Schleufen a und b, und zwar: Fig. 58 bei gefchloffenen, Fig. 59 bei geöffneten Schleufenthoren. Der Boden der Schleufenkammern ift gewölbt und greift unter die Pfeiler, von deren Oberrand ab nach jeder Seite eine freie Fläche von 25 Meter Breite für die Anlage von Strafsen freigelaffen ift. An den beiden Enden der Schleufen find Drehbrücken d angelegt, wovon jede um einen auf den Mittelpfeiler fixirten Zapfen und Drehwerk drehbar ift, fo dafs, wenn die eine Brücke für die Einfahrt eines Schiffes geöffnet ift, die andere Brücke den Wagenverkehr über die Schleufen ermög licht. Das Terrain, auf welchem diefe Arbeiten ausgeführt werden, ift ein mit blauem Tegel untermifchter Schlamm, welcher von einer dünnen Schichte vegetabilifcher Erde bedeckt ift, und in einer Tiefe von 12 bis 14 Meter auf einer wafferführenden und fchotterhältigen Sandfchichte von 3 bis 4 Meter Dicke, welche von grobem Schotter gefolgt ift, ruht. Die Sandfchichte ift durch das darauf 090 Marinewefen. Fig. 6o. 87 000 GARONNE CD CD CD CD 88 Alexander Friedmann. ruhende Erdreich ftark comprimirt und bietet eine ausgezeichnete Fundations. Grundlage. Dafür ist das obere Erdreich derart nachgiebig, dafs die Ausführung von grofsen Fundament- Ausgrabungen auf Tiefen von 14 Meter bis zur Sandfchichte auf gewöhnlichem Wege geradezu unmöglich wäre, umfomehr, als bei einzelnen Erdrutfchungen in folcher Formation leicht die umgebenden, anfteigenden Terrains in Bewegung gerathen und Zufammenftürze der darauf befindlichen Häufer verurfachen könnten. Defshalb wurde befchloffen, die Fundirung aus riefigen künftlichen Blöcken herzuftellen, welche vermöge ihres eigenen koloffalen Gewichtes durch die 14 Meter haltende Schlammfchichte durchfinken und fich auf die folide untere Sandfchichte auffetzen follten. Die Fig. 60 zeigt im Grundriffe die Dispofition diefer Blöcke für die Schleufenanlage. Die Blöcke für die Fundirung der Seitenpfeiler find alle 6 Meter breit und 16 bis 35 Meter lang, für den Mittelpfeiler wie der B, 9 Meter breit und 15 Meter lang, deren Höhe variirt mit der Dicke der Schlammfchichte von 8 bis 14 Meter. Die Blöcke haben in der Mitte einen oder mehrere Schächte, find aus Béton, von der Bafis bis, auf 3 Meter Höhe mit Portland- Cement, von da ab mit Verwendung von gutem hydraulifchem Kalke( du Theil) hergeftellt. Jeder Block ift auf dem natürlichen Terrain, nachdem diefs geebnet war, an der Stelle, wo er das Fundament bilden follte, aufgemauert und zwifchen den einzelnen Blöcken 50 Centimeter Zwifchenraum belaffen worden. Anfänglich ift jeder Block auf eine Höhe von 3 Meter aufgemauert worden, fo dafs der Druck auffeine Bafis anfänglich per Quadrat- Centimeter nur 13 Kilogramm betrug; wenn er fo weit gemauert war und feft wurde, ift er in folgender Weife niedergefenkt worden: Schon während Fig. 61. 2 3 4 5 6 7 8 9 10.Heter Marinewefen. 89 die erften drei Meter aufgemauert waren, fenkte fich die Erde unter dem Blocke ein und musste er durch Seitenftützen fenkrecht gehalten werden. Sodann wurde wie Fig 61 veranfchaulicht, durch die beiden Schächte des Blockes niedergeftiegen und deffen Unterlage untergraben; die hierdurch reducirte Auflagefläche der Erde gab dem Gewichte des Blockes nach, und diefer drängte die Erde gegen die Mitte, von wo aus fie immer mittelft einfacher Hebewerke weiter gefördert wurde, bis der Block feiner erften Höhe nach gefunken war. Sodann wurde der Block neuerdings aufgemauert und in gleicher Weife tiefer gefenkt, bis man ungefähr 2 Meter vor der Sandfchichte ftarken Wafferzuflufs zu bekämpfen hatte. Von da ab wurde, wie Fig. 62 veranfchaulicht, eine Locomobile mit Pumpwerk aufgeftellt, diefe gleich auch zum Betriebe der Baggerwinden benutzt und der Block fucceffive fo tief gebracht, bis er ungefähr 80 Centimeter in die Sandfchichte eindrang. Die Niederfenkung der Blöcke ging nicht immer mit voller Regelmäfsigkeit vor fich. Die meiſten derfelben erlitten fchon von allem Anfang an Neigungen, trotz der angebrachten Stützen. Die Untergrabungen wurden alsdann immer nach der entgegengesetzten Seite der Neigung vorgenommen; wenn diefs nichts half, wurden auf der Seite, wo die Neigung ftattfand, Erdwürfe gemacht, welche gleichzeitig als Stützen dienten und durch ihren Druck den Block gerade richteten. Diefe Neigung der Blöcke während ihres Niederganges erklärt fich aus der Verfchiedenheit des Druckes und zufälligen Hinderniffen, die fie bei der Paffirung der Fig. 62. Schichten zu erleiden hatten. So wurde ein Block z. B. fehr lange dadurch aufgehalten, dafs er auf den Grund eines alten Brunnens aufftiefs, deffen Vorhandenfein erft nach vielen vergeblichen Verfuchen erkannt ward und deffen Demolirung mit grofsen Schwierigkeiten verbunden war. Anderfeits hat das rafche Auspumpen der zufliefsenden Gewäffer einzelne fandführende Schichten des umgebenden Terrains mitgezogen und Deformationen verurfacht. 90 Alexander Friedmann. Von den langen Blöcken find manche entzwei gebrochen und war deren Aufrichtung befonders fchwierig, fo der in Fig. 63 veranfchaulichte. Diefer Block hatte auf 6 Meter Breite 21 Meter Länge und drei Schächte, welche die Auflage. fläche des Blockes auf 82 Quadratmeter reducirten. Die Einfenkung wurde diefs. mal erft begonnen, als er eine Höhe von 51% Meter erreicht hatte. Er fank in Fig. 63. A Folge deffen von felber auf ungefähr 20 Centimeter ein, und da das Mauerwerk noch nicht fefte Bindung hatte, brach er entzwei. Nichtsdeftoweniger wurde die Untergrabung begonnen; II Tage nachher war der Block um 1 Meter gefunken, die Sprungftelle, vorübergehend verfchwunden, zeigte fich wieder, wurde ausgebeffert, die Auflagefläche durch Nachmauerung von 82 Quadratmeter auf 89% Quadratmeter vergrössert, eine neue Aufmauerung auf weitere zwei Meter Höhe vorgenommen, fo dafs nachher das Gewicht per Quadratcentimeter 18 Kilogramm betrug. Der Bruch kam aber wieder zum Vorfchein- und es mufste der Block fenkrecht abgetheilt werden. Als man aber nachher weiter fenken wollte, neigten fich die Blöcke trotz aller Vorfichtsmafsregeln fo ftark, dafs ein Umſtürzen zu befürchten war, und für das gröfsere abgetheilte Blockftück 12 Meter lang, 6 Meter dick, 10 Meter hoch, 14 Million Kilogramm wiegend, die Methode angewandt werden musste, welche in Fig. 63 veranfchaulicht ift. Es wurden nämlich auf der Seite der Neigung hydraulifche Preffen, welche auf einen feften Damm fich ftützten, auf der entgegengefetzten Seite, an den Block felbft eine Plattform mit Gegengewichten angebracht, und mit deren Hilfe nach verfchiededenen Zwifchenfällen die Blöcke endlich fenkrecht auf 10 Meter Tiefe nieder gebracht. Jedesmal, wenn ein Block richtig auf die entfprechende Unterlage gebracht war, wurden feine Schächte bis zu 3 Meter feiner Bafis in der Fig. 64 gezeigten Weife mit Béton und von da ab mit gewöhnlichem Mauerwerke aus. Marinewefen. 91 gefüllt( letzteres in geeigneter Weife mit dem hydraulifchen Mauerwerke des Blockes in Verbindung gebracht). Wenn fämmtliche Blöcke in der Anordnung, wie fie Fig. 60 veranfchaulicht, hergestellt und niedergefenkt fein werden, wird die rechteckige Fläche, die fie umgrenzen, bis zur Sandbank ausgegraben, auf diefe eine Lage Béton von etwa 4 Meter Dicke aufgeführt werden und die Zwifchenräume von 1/2 Meter, welche zwifchen den Blöcken ausgefpart wurden, ausgemauert werden. Fig. 64. 啡 Aufser den Schwierigkeiten, welche durch die Befchaffenheit und die nothwendige Tiefe der Fundirungen hervorgerufen werden, mufste auch für die Trockenlegung des ganzen Terrains Sorge getragen werden. Zu diefem Zwecke wurde ungefähr in der Mitte des Terrains der zukünftigen Schleufe ein grofser Block, in Fig. 60 mit A bezeichnet und in beiftehender Fig. 65 in gröfserem Mafsftabe veranfchaulicht, niedergefenkt, welcher als Wafferhaltungsfchacht diente, und auf welchem eine ftarke Locomobile von 35 Pferdekräften mit entfprechenden Pumpwerken disponirt, die Trockenlegung nicht nur des von den Blöcken eingefchloffenen, fondern auch des umgebenden Terrains fo weit brachte, dafs nach fünfmonatlicher Wafferhaltung das Niveau des Waffers im Terrain der Schleufe bis auf 7 Meter fank, der Wafferzuflufs nach und nach abnahm und vorauszufetzen ift, dafs die Trockenlegung eine bleibende und vollkommene fein wird. Das Hafenbaffin wird durch Ausgrabungen auf die entſprechende Tiefe gebracht werden; die Sohle desfelben wird, wenn fertig, 3 bis 4 Meter über der Sandbank liegen. In diefem Niveau ift das Erdreich bereits feft und genügend undurchläffig, um eine Invafion des Terrains durch Waffer vor Vollendung der Bauten nicht befürchten zu laffen; doch ift es für die Fundirung der Quaimauern des Baffins nicht widerftandsfähig genug und wurden defshalb für diefe( deren Profile wurden bereits in Fig. 55 und 56 veranfchaulicht) zweierlei Fundirungsmethoden angewandt. Nach der einen wurde Pilotenfundirung gemacht und zwar 92 Alexander Friedmann. Fig. 65. HA wurden die Piloten der Länge der Quais nach in je 150 Meter, fenkrecht auf die zukünftigen Quais in je 115 Meter Diftanz eingetrieben und fo 5 Pilotenreihen hergeftellt, welche auf je 50 Meter Entfernung durch einen künftlichen Block unterbrochen werden, welcher, wie die früher befchriebenen niedergefenkt, fpäter für die Anlage von Abtheilungs- Stützmauern dienen wird. Die Piloten, durchſchnittlich 9 Meter lang, werden durch Rammbären von 20 Centner Gewicht eingetrieben und dringen hiebei ungefähr 3 Meter in die Sandfchichte ein. Für einen Theil der Quaimauern wird die Methode der Fundirung mit künftlichen Blöcken verfucht. Es foll auf je 13 Meter Diftanz ein Block von 5 Meter Breite eingetrieben und follen diefe Blöcke miteinander durch Gewölbe Fig. 66. von 8 Meter Spannweite verbunden werden. Die früher erwähnte Fig. 55 zeigt einen Verticalfchnitt durch einen folchen Block und das darauf ruhende Mauerwerk, beiftehende Fig. 66 die Vorderanficht einer folchen Quaimauer. und Fig. 67 einen Verticalfchnitt durch den Scheitel eines folchen Gewölbes. Zu Folge eines auf eine Länge von 200 Meter ausgeführten Verfuches follen mit diefem Syfteme 200 Fig. 67. Marinewefen. 93 Francs per laufenden Meter folcher Quais erfpart werden können. Zur Zeit der Ausftellung war das Stadium der Arbeiten folgendes: Bis auf drei Stück waren fämmtliche Blöcke der Schleufenfundirung an ihrer Stelle; von den Quai- Mauerwerken waren 450 Courantmeter, auf 1655 Piloten ruhend, von den Erdaushebungen 400.000 Cubikmeter, vom Mauerwerk 50.000 Cubikmeter ausgeführt und 612 Millionen Francs ausgegeben; 500.000 Cubikmeter Erdaushebung und 80.000 Cubikmeter Mauerwerk find noch zu vollenden. Der Koftenvoranfchlag von 121/2 Millionen Francs vertheilt fich wie folgt: Expropriationen 2,970.000 Francs Baffin, Schleufen und Schleufeneinfahrt 5,864.000 1,290.000 Francs 35.000 2,000.000 27 " Schleufenthore, Drehbrücken, Schwimmthore Pflafterungen. Unvorhergefehene Arbeiten " Wenn der Koftenvoranfchlag von 12 Millionen nicht überfchritten wird, wird fonach ein Quadratmeter Wafferfläche des Hafenbaffins auf circa 1212 Francs und 1 Meter courant benutzbaren Quais auf circa 700 Francs zu ftehen kommen. Das Project wurde von Heinrich Joly, Droeling und Pairier entworfen und von genanntem Joly unter Mitwirkung von Laroche- Tolay, Régnault, Groult, Pochet Pardiac und Podocky durchgeführt.* Hamburg. Hamburg, das gröfste Emporium Deutſchlands, dankt feine Bedeutung nicht fo fehr feiner Lage, denn es ift von der Elbemündung fo weit entfernt, dafs die Waffertiefe für gröfsere Schiffe nur durch ausgezeichnetfte Inftandhaltung des Fluffes gefichert werden kann, als vielmehr dem eminenten Weitblicke feiner Kaufmannfchaft, welche, obgleich feit jeher auf fich felbft angewiefen und jeder directen Unterſtützung feitens des mächtigen Hinterlandes entbehrend, der Erkenntnifs Rechnung trug, dafs der Verkehr eines Hafens nicht allein durch feine Lage, fondern eben fo fehr durch die Vortheile bedingt ift, welche eine erleichterte Umladung den Schiffen bietet und dafs ein mächtiger breiter Strom, der ohne alle Abzweigungen einige hundert Meter entlang der Stadt vorbeifährt, fich aber fozufagen in das innere Leben der Stadt nicht mengt, noch lange nicht derfelben vollen Nutzen bringt, fondern dafs gleichzeitig reichliche Abzweigungen gefchaffen werden müffen, welche feinen Fahrzeugen den Zugang an alle die vielen Einzelftellen ermöglichen, an welchen der Handel in feinen verfchiedenen Stadien fich bethätigt. * Ausführlichere Detailangaben über Bordeaux fowohl wie die folgend befchriebenen franzöfifchen Seebauten enthält das vom franzöfifchen Handelsminifterium publicirte Werk ,, Notices fur les deffins, modèles et ouvrages relatifs aux travaux des ponts et chauffées et des mines", für welches übrigens, da benanntes Werk keine Zeichnungen bringt und ob feiner 500 Druckfeiten Manchen vom Lefen abhalten könnte, das diefsbezüglich Gefagte und in Zeichnung Veranfchaulichte diefes Rapportes einen ftellenweife willkommenen Piloten abgeben dürfte, ELBE 100 94 Alexander Friedmann. Fig. 63. ELRE Marinewefen. 95 Beiftehende Fig. 68 gibt ein Bild diefer Verzweigungen der Elbe bei Hamburg, theils durch die Natur gefchaffen und von den Bewohnern weislich benützt und ausgebaut, theils durch künftliche Canäle mühfam und koftfpielig weiter gezogen. Der Berichterstatter hat ſchon vorftehend bei Befchreibung des Hafens von Bordeaux Gelegenheit genommen, auf die Bedeutung diefer Stromabzweigungen mit Bezugnahme auf die Regulirung der Donau bei Wien hinzuweifen und glaubt angefichts des Planes von Hamburg befonders betonen zu follen, dafs die Nutzbarkeit der Donau, und der Schiffsverkehr auf derfelben für Wien lediglich davon bedingt ift, dafs die Schiffe voll geladen an verfchiedenen Stellen zur Stadt gelangen können, und auf Eifenbahnen zwifchen Flufsufer und Stadt nicht zu fehr gerechnet werden follte. Denn die Umladung von Schiff zu Waggon und von Waggon auf den Streifwagen ift fo koftfpielig und bei der complicirten Manipulation in unferen Laft- Bahnhöfen fo zeitraubend und umftändlich, dafs der Directconfum der Fabrikanten und fonftigen Einwohner, welcher in Wien von wefentlichfter Bedeutung, ja die Bafis auch des Tranfithandels ift, wenn auf Zwifchenbahnen angewiefen, bequemer und billiger auch von der regulirten Donau ebenfo abftrahiren würde, wie er bisher von der, wenn auch nicht regulirten, doch immer brauchbar gewefenen Donau abftrahirt hat. Gegen einen Vergleich zwifchen Hamburg und Wien find allerdings viele Einwendungen möglich, aber congruente Verhältniffe exiftiren zwifchen grofsen Bauanlagen nirgends, und bei Vergleichen können niemals blinde, jedes felbftftändigen Schaffens bare Nachahmungen beabfichtigt fein. Dafs von Hamburg ab die Elbe früher in die See geht als die Donau von Wien ab, ift dem Berichterftatter wohl gegenwärtig, aber auch, dafs felbft die Binnen- Schifffahrt in Hamburg diejenige Wiens bedeutend übertrifft, trotzdem der obere Lauf der Donau fammt dem Donau- Main- Canal bis Wien allein fchon die Bedeutung der Elbe als Binnenflufs überragt. Auch ift erwogen, dafs die Anlage und Inftandhaltung von Abzweigungen und Baffins eines grofsen Stromes im Weichbilde einer grofsen Stadt an Stellen, wo die Terrains noch verhältnifsmäfsig theuer find, befonders für Wien, fehr koftfpielig wäre; aber in einer folchen Entfernung von der Stadt, wo die Terrains bereits billig find, nützen folche Anlagen meiſt nichts, und find alsdann relativ noch koftfpieliger. Und ermifst man die Auslagen anderwärts, fo koftet auch in Bordeaux, wie dort befchrieben, ein Baffin von wenig Jochen und nicht ganz 1000 Klaftern Quais über 12 Millionen Francs, und werden in Hamburg, obgleich es durch Jahrhunderte lange kluge Umficht Taufende und Taufende Klafter Wafferläufe in das Innere der Stadt gezogen, noch jetzt die grofsartigften und koftfpieligften Wafferbauten durchgeführt. Die wichtigften unter diefen find: Der Ausbau des Sandthor- Hafens und des Grasbrook- Hafens, erfterer in Fig. 68 mit A, letzterer mit B bezeichnet. Der Sandthor- Hafen hat eine Länge von 900 Meter, an der Elbe 84 Meter, am anderen Ende 113 Meter Breite und 5.6 bis 6:15 Meter unter dem mittleren Niedrigwaffer( mittlere Ebbe), refpective 7:46 bis 8 Meter unter der mittleren Fluth Tiefe. Der Grasbrook- Hafen ift an der Elbe 84, am anderen Ende 148 Meter breit. Die Fundirung der Quaimauern diefer beiden Häfen gefchieht mittelft künftlicher Blöcke ganz genau nach derfelben Methode, welche vorftehend für den Hafenbau von Bordeaux des Ausführlicheren befchrieben wurde. Die einzelnen Blöcke find genau fo, wie dort angegeben, aus Béton- Mauerwerk hergestellt, auch nach ganz derfelben Weife verfenkt; nur wird, weil der Untergrund nicht fo verläfslich ift wie bei Bordeaux, das Mafs der nothwendigen Niederfenkung bei jedem Blocke durch folgenden Vorgang beftimmt: Wenn der Block voraussichtlich genug tief verfenkt ift, wird auf denfelben ein aus Blech hergeftellter riefiger Kübel von nahezu 600 Cubikmeter Gehalt aufgefetzt und diefer Kübel mit Waffer gefüllt; wenn der Block unter diefer Laft, welche 13.000 Centner repräfentirt, keinerlei Nachfenkung erleidet, fo ift er als genügend fundirt erachtet. Die Quaimauern werden in der Weife hergestellt, wie fie früher für die Fig. 66 befchrieben 7 Fig, 69. > wurde. Die künftlichen Blöcke werden nämlich in gemeffenen Diftanzen in den Grund gelaffen, oberhalb durch Gewölbe mit einander verbunden, auf Block und Gewölbe die Uebermauerung aufgetragen und der Raum zwifchen den Blöcken bis unter die Gewölbe entweder mit Spuntwänden hinterrahmt oder, wie Fig. 6b veranfchaulicht, durch Steinanfchüttungen abgeböfcht. 96 Alexander Friedmann. Fig. 70. Marinewefen. 97 Fig. 69 gibt eine Skizze des ausgeftellt gewefenen Querfchnittmodelles des die beiden Häfen A und B von einander trennenden Molo. Hinter jedem Längenquai ift ein Krahngeleife von 2.36 Meter Lichtweite für transportable Dampfkrahne von 30 bis 60 Centner Tragfähigkeit und bis zu 9.6 Meter Ausladung und für transportable Handkrahne hinter dem Krahngeleife ein Ladegeleife angelegt; dem Ladegeleife entlang folgen auf einer Ueberhöhung von 1'3 Meter über der Quaihöhe nach der Wafferfeite hin offene Schuppen von 14: 6 Meter Tiefe und diefen entlang drei Eifenbahngeleife zum Verladen und Abführen der Güter nach den verfchiedenen Bahnhöfen. Diefe Dispofition ift nach beiden Seiten 6b des Molo getroffen und zwifchen den Geleifen für jede Schuppenanlage eine breite Fahrftrafse für den Wagenverkehr refervirt. Hinter dem Sandthor- Hafen A der Fig. 68 ift eine Verbindung mit dem dahinter liegenden Gewäffer durch eine Schleufe hergeftellt, welche beiftehend in Fig. 70 in der Vorderanficht fkizzirt und von deren Schleufenthoren in Fig. 71 Fig. 71. d n 6 141 Meter a 7* 98 Alexander Friedmann. ein Verticalfchnitt in gröfserem Mafsftabe gegeben ift. Sie dient dazu, um die Stromfchnelle für das Paffiren von aus der Oder- Elbe anlangenden Kähnen unfchädlich zu machen. Die Länge der Schleufenkammer beträgt 674 Meter, ihre lichte Weite 115 Meter. Das Schleufenthor hat keinen dichten Verfchlufs zu bewerkstelligen und find defshalb zwei eiferne Schieberthore angebracht, welche, wie Fig. 71 veranfchaulicht, unten mit Schwimmkäften verfehen find, mittelft welcher ein Theil des Gewichtes der Thore durch das Waffer felbft getragen wird, und oben mittelft der Rollen E auf Schienen eines eifernen Querträgers hängen, über welchen fie beim Oeffnen und Schliefsen feitwärts auseinander- und zufammengezogen werden. Ueberdiefs ift jedes Schleufenthor unten mit horizontalen Führungsrollen verfehen, welche, zwifchen zwei Schienen laufend, die Geradeführung der Thore fichern. Das Oeffnen beider Thore( ebenfo das Schliefsen) wird mittelft einer Armſtrong'fchen hydraulifchen Flafchenzugs- Vorrichtung jedesmal binnen 15 bis 20 Secunden bewerkstelligt. Die Aus- und Einladevorrichtungen felbft, gute Dampf- und Handkrahne auf Wageng eftellen, find, nach den ausgeftellten Modellen zu fchliessen, reichlich angebracht und jede in ausreichender Weife ausgeftattet, fo dafs der Nachtheil der für ein en grofsen Verkehr verhältnifsmäfsig geringen Fläche diefer beiden Hafenbaffins dadurch ausgeglichen fein wird, dafs eben die Aus- und Einladung der Schiffe wahrfcheinlich mit gröfster Rafchheit wird vor fich gehen können. Ob zwifchen den Ladegeleifen entlang der Quais und dem dreifachen Bahngeleife hinter den Schoppen eine genügende Anzahl Drehfcheiben und Quergeleife angebracht find, um jedem am Ladegeleife gefüllten oder entleerten Wagen fofort eine Auskuppelung aus dem Zuge des einen und Einkuppelung in den Zug eines anderen Geleifes, ohne Zugverfchiebungen zu geftatten, konnte aus dem ausgeftellten Modelle nicht érfehen werden. Wahrfcheinlich! Wo nicht, müfste dafür geforgt werden. Schliesslich fei noch erwähnt, dafs Hamburg über zwei Trockendocks und zwei Schwimmdocks verfügt und aufserdem neue Anlagen zum Docken, Reinigen und Repariren der Schiffe im Zuge find. Der Canal Saint Louis. Der Canal St. Louis an der Ausmündung der Rhône ins mittelländifche Meer dürfte einmal für Herftellung einer geficherten Schifffahrt an den SulinaMündungen der Donau ein wichtiges Präcedens bilden und defshalb befonderes Intereffe bieten. Der Rhôneflufs leidet an feiner Einmündung in das Meer an Verfandungen, welche der Einfahrt grofse Schwierigkeiten in den Weg legen. Die ver fchiedenartigften Verfuche, diefem Mifsftande zu begegnen, unter diefen einmal die ganze Verlegung des Flufsbettes und verfchiedene Regulirungen der Flufsmündungen, die letzte vom Jahre 1852 bis 1857 mit einem Koftenaufwande von 1,400.000 Francs durchgeführt, erwiefen fich als nutzlos, und wurde endlich im Jahre 1863 befchloffen, von oberhalb der Stelle, wo diefe ftörenden Verfandungen fich entwickeln, in beiftehender Fig. 72 von b ab in gerader Linie von Weft nach Oft den Canal b c durchzuftechen. Diefs ift der Canal von Saint Louis, deffen Zeichnungen in der franzöfifchen Abtheilung ausgeftellt waren. Der Canal hat 3300 Meter Länge, an der Bafis 30 Meter Breite und während der niedrigften Ebbe 63 Meter Wafferbreite und 6 Meter Tauchung. Das Profil des Canals, in Fig. 73 veranfchaulicht, ftimmt mit dem Profil des Canals von Suez überein, mit dem Unterfchiede blofs, dafs bei letzterem die Böfchungen des Unterprofils, fonft genau wie hier von I auf 4 geneigt, um 2 Meter tiefer gehen, die Sohle alfo um 8 Meter fchmäler ift. Die Canalufer find durch gemauerte Pflafterung bis auf 1:30 Meter über die Ebbe verfichert( im mittelländifchen Meere ift die Niveaudifferenz zwifchen Ebbe und Fluth bekanntlich eine fehr kleine) und auf o'7 Meter Marinewefen. Fig.72. 99 Rhone 109 50 0 100 200 300 400 m. Fig. 73. 10 5 0 10 20 30 40 m. 100 Alexander Friedmann. höher find den Ufern entlang zwei Strafsen von je 12 Meter Breite angelegt, deren jede wieder von einem 12 Meter hohen Damme zum Schutze gegen die Hochwaffer des Rhônefluffes gedeckt ift. Von je 200 zu 200 Meter find im gemauerten Pflafter fteinerne Treppen angelegt. Von der Einmündungsftelle c( Fig. 72) ab 48 Meter füdlich( in der Zeichnung unterhalb) der Achfe des Canals erftreckt fich ein Damm von 1746 Meter Länge, an der Krone( 21 Meter über der Ebbe) 2 Meter breit mit 1 Böfchung in die See. Ein zweiter Damm g, nördlich vom Canal 1350 Meter von demfelben entfernt, erftreckt fich von der Küfte auf eine Länge von 500 Meter in die See und dient mit dem vorerwähnten Damme cd zur Bildung eines Vorhafens, welcher durch Verlängerung des kürzeren, 500 Meter langen Dammes gegen d hin mehr gefchloffen werden kann. Von dem nördlichen Ufer des Canals in der Nähe feiner Einmündung ins Meer ift ein Damm der Küfte entlang geführt, welcher bezweckt, dafs die Teiche, welche den nördlichen Theil des Canals umgeben, nicht in den Vorhafen fich ergiefsen und denfelben verfchlemmen können. Die Einmündungsftelle des Canals in die See ift durch zwei Pfahldämme, welche fich gegen die See fächerförmig auf 60 Meter Breite erweitern, 200 Meter weiter fortgefetzt. Am Ende des Dammes cd, in d, ift ein Leuchtthurm 14'4 Meter über dem Niederwaffer des Meeres disponirt. Der Canal fteht mit der See in offener Verbindung, feine Einmündung in den Rhôneflufs ift durch eine Schleufenanlage, Fig. 74 in gröfserem Mafsftabe gezeichnet, bewerkstelligt. Die Schleufenkammer B hat 22 Meter lichte Breite, 7½ Meter Tiefe unter der niedrigften Ebbe und 1841 Meter Totallänge.( Nutzbare Länge zwifchen den Schleufenthoren 160 Meter.) Der Grund, wefshalb die Sohle der Schleufenkammer fo tief angelegt wurde, ift der, dafs die Rhône an diefer Stelle 7% Meter Tiefe hat, und man für den Fall, als es fich zweckmäfsig erweifen follte, den Canal Saint Louis von 6 Meter Tauchung auf 7 Meter Tauchung auszutiefen, eine neue Conftruction der Schleufenanlage erfparen würde. Die Schleufe B liegt ftromaufwärts unter einem Winkel von 14 Grad gegen das linke Ufer der Rhône und hat zum Uebergange in diefe letztere ein Fahrwaffer A von 60 Meter Breite und 115 Meter Länge ausgefpart, welches quafi als Vorhafen zur Erleichterung der Einfahrt der Schiffe von der Rhône in die Schleufen dient und auch fo weit als möglich der Verfandung der Schleufenkammer felbft vorbeugen foll. Die Schleufenthore find, ähnlich wie die beim Hafen von Bordeaux befchriebenen, aus Blech conftruirt und zufammen im gefchloffenen Zuftande gegen die Richtung des Fahrwaffers C um ein Sechftel der Schleufenbreite convex. Die Sohle der Schleufenkammer ift nach einem Radius von 22 Meter gekrümmt. Die Schwelle der Schleufenthore ift eben und um o'5 Meter tiefer als die Sohle der Schleufenkammer. Die Niveaudifferenz zwifchen dem Meere, refpective der Wafferfläche des Canals und der Rhône beträgt im Mittel o'5 Meter und bei Hochwaffer in der Rhône im Maximum 1-88 Meter. Zwifchen der Schleufenanlage B und dem Canale DD( Fig. 74) ift ein Zwifchenbaffin C angelegt, welches für die Schiffsmanöver( Wendungen der Schiffe) und gleichzeitig als Hafen für die Aus- und Einladungen und für die Umladungen von Flufs- zu Seefchiffen dient. Befagtes Baffin ift zu diefem Behufe auf 1100 Meter Länge mit verticalen Quaimauern verfehen, deren Krone horizontal 212 Meter über der Ebbe liegt, und welche mit allen Hilfsmitteln zu rafcher Umladung und Einlagerung der Waaren verfehen werden. Um das Terrain rings um den Hafen C vor Ueberfluthungen durch die Rhône, welche bei Hochwaffer in die Sümpfe nördlich des Canales fich ergiefst, zu ſchützen, ift der früher erwähnte über dem Niveau der Ebbe 21 Meter hohe Schutzdamm, welcher nördlich entlang dem Canale Saint Louis angelegt ift, um das Hafenbaffin C herum bis auf vier Kilometer dem Ufer der Rhône entlang ftromaufwärts fortgeführt. Der Bau des Canales, eben in Ausführung begriffen, wird, bis er fertig ift. eine Erdaushebung von 2,214.000 Cubikmeter Trockengrabung und weiterer Marinewefen. N 0 H R 101 PORT CANAL S' LOUIS Fig. 74. 350.000 Cubikmeter Baggerungen erheifchen. Der gröfsere Theil der Erdaushebungen wird defshalb mittelft Trockengrabungen vorgenommen, weil das Terrain, mit Schlamm und Tegel untermifchter Sand, wenn trocken, fehr leicht, wenn aber nafs, fehr fchwer gegraben wird. Die Erdaushebungen werden in drei der Länge der Anlage abgetheilten Rayons vorgenommen und find auch demgemäss drei Fangdämme, der eine an der Ausmündungsftelle des Canales in die See, der zweite in der Mitte der Länge des Canales, der dritte an der Einmündungsftelle zwifchen dem Canale und dem Hafenbaffin aufgeführt. Die Wafferhaltung gefchah in Anbetracht des vorerwähnten Umftandes, dafs das dortige Terrain, wenn trocken, viel leichter bewältigt werden konnte, mit grofser Vollständigkeit, zum Theil mittelft Centrifugal-, zum Theil mit Leteftu'fchen 102 Alexander Friedmann. Pumpen, welche letzteren jedoch, da die Lederliederung durch das fandhältige Waffer litt, fpäter durch andere Kolbenpumpen erfetzt wurden. Das Speifewaffer für die Keffel der Pumpenanlagen wurde durch eine eigene Dampfpumpe und Wafferleitung von der Rhône her befchafft. Das ausgehobene Erdreich diente zur Herftellung der Canalböfchungen, welche, wie früher erwähnt, bis auf 1'30 Meter ober der Ebbe reichend, gepflaftert find und zum Unterbaue der 12 Meter breiten Fahrftrafsen entlang der Canalufer, welche Strafsen ihr Niveau zwei Meter über der Ebbe haben und, wie erwähnt, durch je 1/2 Meter überhöhte Dämme gleichzeitig als Schutzdämme gegen die Hochwaffer der Rhône dienen. Die Quaimauern des Hafenbaffins find auf einer Bétonfchichte( Mifchung von 57 Volumeneinheiten Cement mit 85 Volumeneinheiten Steinbrocken) von 1½ Meter Dicke und 5% Meter Breite fundirt, deren oberes Niveau im Niveau der Sohle des Baffins liegt. Diefe Fundirungsmethode hat fich fehr gut bewährt, weil die Terrainfchichten dort nahezu horizontal liegen und bei der Aufführung der Quaimauern immer auf langen Strecken der Fundirung im gleichen Niveau vorgefchritten wurde. Die Quaimauern felbft haben an der Bafis 3.97 Meter und an der Krone 1.8 Meter Breite. Das Profil der Quais ift vom Fundamente ab gegen die Wafferfeite um ein Zehntel, nach oben um ein Zwanzigftel geneigt, gegen die Erdfeite hin wie in Fig. 65 abgeftuft. Die Quaimauern find aus gewöhnlichem Mauerwerke hergeſtellt( hydraulifcher Mörtel: 320 Kilogramm hydraulifcher Kalk auf o'9 Cubikmeter Sand). Mit der Ausführung der Quaimauern wurde immer gleichzeitig auch die Erdausfüllung hinter denfelben fortgeführt. Bis die Mauern fertig waren, betrugen die Senkungen mit fehr geringen Variationen kaum 91 Millimeter. Die Mauerwerke der Schleufenanlage find auf Piloten, ähnlich wie in Fig. 56 angegeben wurde, fundirt und ähnlich wie die Schleufenanlage von Bordeaux mit Aquäducten und Schützen zum Füllen der Schleufenkammer verfehen. Um eventuell das eine oder das andere Schleufenthor trocken legen zu können, und in der Sohle vor und hinter der Schleufenkammer zwei Reihen Steinpilafter disponirt, welche viereckige Oeffnungen von circa einem Quadratfchuh haben, in welche Pfähle eingefteckt werden können, die dann, mit einander verplankt, eine Art Fangdamm vorftellen. Die Schleufenthore find in dem unteren Theile mit wafferdichten Compartiments verfehen, welche als Schwimmer dienen und im Waffer das Gewicht der Thore und deren Momente auf die Drehzapfen reduciren. Jedes Thor hat eine Breite von II 62 Meter, eine Höhe von 9.5 Meter und eine Dicke von 2/ Meter. Das Gewicht eines Thores inclufive der Holzgarnirung beträgt aufser Waffer 49 Tonnen; im Waffer, zufolge der Anbringung der wafferdichten Compartiments, 7 Tonnen. Die Befchreibung der Detailconftruction der Schleufenthore, welche von Schneider& Comp. in Creufot hergestellt find, alfo vorausfichtlich alle Garan tien einer guten Conftruction bieten, würde hier zu weit führen. Das ganze Project des Canals Saint Louis ift von den Ingenieuren Bernard, Gerard und Reybert, unter der Leitung von Pascal, ausgearbeitet worden, und betrugen die hiefür veranfchlagten Koften 151 Millionen Francs. Le Havre. Tafel XIV enthält einen ausführlichen Plan von Le Havre. In Le Havre ift es lediglich die Grofsartigkeit der Gefammtanlage, durch welche diefer Hafen zumal feit feiner Vervollſtändigung durch die zwifchen 1867 und 1873 ausgeführten neuen Bauten befondere Beachtung verdient: Das Eingreifen der einzelnen Baffins in die einzelnen Handelsbezirke der Stadt; die Fülle der Mittel zur rafchen Umladung; die zweckmäfsige Vertheilung diefer Mittel und der Baffins für den verfchiedenartigften Bedarf der Schiffe, je nachdem deren Waaren fofort Marinewefen. 103 auf Eifenbahnwaggons umgeladen oder in grofsen Entrepots untergebracht werden oder für den unmittelbaren Confum der Stadt dienen follen; die Vorrichtungen zur Instandhaltung und Reinigung der Schiffskörper und endlich der Vorhafen ( Avant- Port), in welchem die Schiffe vor der Einfahrt in die Baffins oder vor ihrer Ausfahrt in die See, oder vor Stürmen flüchtend ficheren Aufenthalt finden all' das find Elemente, die zufammenwirkend dem Hafen von Le Havre die Concurrenz, fowohl bezüglich der Küftenfahrt mit den vielen in feiner Nähe gelegenen Häfen, befonders mit Rouen, welches feit der Regulirung der Seine für Seefchiffe zugänglich ift, als auch bezüglich der langen Fahrten mit den Häfen des nahen England ermöglichen, die fchon der billigen Kohle wegen fo gerne aufgefucht werden. - 1 Von den Einzelanlagen Le Havre's waren in der franzöfifchen Abtheilung speciell die Pläne des feit dem Jahre 1867 neu angelegten Baffins de la Citadelle, von drei Trockendocks, im Plane mit a, b, c bezeichnet, weiters von zwei Sturzfchleufen d und der Quaibauten des Vorhafens B ausgeftellt. Das Baffin de la Citadelle ift fpeciell für kleinere Dampfer der Küftenfchifffahrt angelegt; als das gröfste der Schiffe, welche in diefem Baffin anlegen follen, ift ein folches von 70 Meter Länge, 8 bis 9 Meter Breite und 4 bis 5 Meter Tauchung angenommen. Ein Trockendock zum Reinigen der Schiffe, im Plane mit D bezeichnet, von 30 Meter Breite der Einfahrt, 130 Meter Länge und 10 Meter Tiefe ift im Baffin de l'Eure fchon feit langer Zeit im Gebrauche; da jedoch die meiften der nach Le Havre einfahrenden Schiffe von kleinen und mittleren Dimen fionen find, für folche aber das Trockendock D viel zu grofs und die Benützung zu koftfpielig und verhältnifsmässig zu zeitraubend ift, anderfeits wieder die Anlage paffender und genügend zahlreicher Trockendocks zum Reinigen und Repariren von Schiffen, wie im Abfchnitte I fub I B dargethan, als eines der wichtigften Behelfe der neueren Schifffahrt und als wefentliche Mitbedingung für die Concurrenzfähigkeit grofser Häfen richtig erkannt ward, fo ift bei der Anlage des Baffins de la Citadelle gleich darauf Rückficht genommen worden. Es find defshalb an dem weftlichen Quai desfelben drei Trockendocks a, b und c von je 45, 55 und 70 Meter Länge, 11, 13 und 16 Meter Einfahrtsbreite und 7, 7% und 8 Meter Tiefe angelegt worden, fo dafs von diefem Baffin aus gleichzeitig drei Schiffe rafch und billig in Stand gefetzt werden können. Auch ift diefes Baffin in Folge deffen das befuchtefte von Le Havre, und während der Staat für das grofse Trockendock D nur einen Pachtzins von 3005 Francs jährlich erhielt, zahlt der Pächter für die drei neuen, den Verhältniffen vollkommener entfprechenden kleineren Docks a, b, c und dem früheren D einen jährlichen Pachtzins von 74,400 Francs, freilich noch immer ein fehr mässiges Erträgnifs, da die drei neuen Trockendocks complet mit den Pumpwerken und Arbeitshallen 1.929,000 Francs gekoftet haben, aber immerhin genügend, wenn man bedenkt, dafs folche Anlagen nicht durch ihr unmittelbares Zinserträgnifs fich fructificiren follen, defshalb auch nicht, wie allgemein erachtet, der Privatunternehmung zu überlaffen find, fondern dadurch von finanziellem Nutzen werden, dafs fie den Befuch des Hafens und hiedurch mittelbar deffen Erträgnifs und die Werthe feiner Immobilien fteigern. Beiftehende Fig. 75 ift ein Grundrifs des gröfsten der drei Trockendocks des Baffins de la Citadelle, welches, wie erwähnt, 70 Meter Länge im Kiel, 16 Meter Breite an der Einfahrt ab und 8 Meter Höhlung hat. Fig. 76 ift ein verti caler Längenfchnitt der hinteren, im Grundrifs halbrunden Partie ced, Fig. 77 ein verticaler Querfchnitt nach ed und Fig. 78 ein verticaler Querfchnitt durch die beiden Widerlager ab der Fig. 75. Zur Sicherung des allgemeinen Verständniffes eine Erklärung, wie ein folches Trockendock benützt wird: Wenn ein Schiff gereinigt werden foll, fo fährt es aus dem Baffin oder fonftigen Theile des Hafens, mit welchem ein folches Trockendock communicirt, durch die Einfahrt a b( Fig. 75) ins Trockendock ein; ift diefs gefchehen wird vor die Einfahrtftelle a b ein Schwimmthor gebracht, wie eines in Fig. 79 zur Hälfte in der Vorderanficht, zur Hälfte im Längenfchnitte und in der Fig. 80 im Querfchnitte veranfchaulicht ift, und in diefes durch eine der zu diefem Zwecke im Schwimmthore angebrachten Oeffnungen Waffer hineingelaffen. In Folge deffen finkt das Schwimmthor nieder, und da feine äufsere Umgrenzung, wie fie Fig. 79 darftellt, genau dem Profile der Fig. 78, nämlich der Einfahrtsöffnung des Trockendocks entfpricht, fo fchliefst es fich an die beiden Widerlager befagter Einfahrtsöffnung genau an. Ift das Schwimmthor niedergefunken, fo wird das Waffer, welches hiedurch im hohlen Raume des Trockendocks vom Waffer des Hafenbaffins abgefchloffen ift, mittelft kräftiger Pumpen hinausgepumpt, mit dem fortfchreitenden Auspumpen drückt die äufsere See oder vielmehr das Waffer des Baffins das Schwimmthor immer fefter an die FEE Fig. 75. Fig. 77. Fig. 76. 104 50 m. Alexander Friedmann. Fig. 78. Marinewefen. 105 Widerlager der Einfahrtsöffnung, ſchliefst diefe um fo dichter ab und ermöglicht fo eine vollständige Trockenlegung des Raumes, in welchem fich das Schiff befindet und in welchem dasfelbe während des Auspumpens durch Stützen gegen die Seitenmauern des Docks aufrecht gehalten wird. Ift das Dock vollſtändig ausgepumpt, fo ift der Schiffskörper felbft allerfeits zugänglich, kann gereinigt, Fig. 79a 1* 1 1 1 1 5m. unterfucht, an fehlerhaften Stellen ausgebeffert und mit einem neuen Anftriche verfehen werden, und wenn diefer getrocknet wieder in die See gelaffen werden. Zu diefem letzteren Behufe wird wieder Waffer in das Dock eingelaffen und das darin befindliche Schiff hiedurch ins Schwimmen gebracht; das Waffer, welches früher in das Schwimmthor behufs Niederfenkung desfelben gefchafft wurde, wird mittelft Pumpen rafch ausgepumpt, das Schwimmthor fteigt in Folge deffen in die Höhe und fchwimmt nun felber, kann daher von der Oeffnung, die es verfchloffen hatte, wegremorquirt werden und macht die Einfahrt wieder frei, durch welche das in Stand gefetzte Schiff endlich aus dem Dock hinaus in das Baffin oder in die See bugfirt wird. Die Fig. 80 veranfchaulicht den verticalen Fig. 80. 6 a Querfchnitt des Schwimmthores in der Situation, wo es die Oeffnung des Trockendocks abfchliefst. Die Manipulation des Abfchliefsens und Eröffnens eines Wafferraumes mittelft folcher Schwimmthore er heifcht längere Zeit, und ift viel umftändlicher, als wenn der Abfchlufs mittelft Schleufenthoren bewerkstelligt wird; das Schwimmthor aber erheifcht weniger ftarke Widerlager und, was die Hauptfache ift, fchliefst viel dichter ab. Wenn es fich defshalb um vollkommene Trockenlegung und Abfperrung eines waffererfüllten Raumes handelt und, wie diefs ja bei Trockendocks immer der Fall ift, die Trockenlegung für längere Zeit bewerkstelligt wird und überdiefs für diefe Zeit eine Communication mit den anderen Wafferbehältern in keinerlei Weife benöthigt wird, ift ein folches Schwimmthor den Schleufenthoren vorzuziehen. Handelt es fich aber um Veríchlüffe, welche, wie an den Ein- und Ausläufen von Canälen in Flüffe oder in die See, nicht 106 Alexander Friedmann. abfolut dicht zu halten brauchen, und welche überdiefs den Schiffsverkehr zwifchen Canal und angrenzendem Gewäffer nicht wefentlich behindern dürfen, dann können folche Schwimmthore zweckmäfsig nicht verwendet werden und müffen Schleufenthoré, wie diefe vorftehend gelegentlich der Schleufenanlagen von Bordeaux, Hamburg und des Canal Saint Louis befprochen wurden, in Anwendung kommen. Auch exiftirt nur ein einziger Fall, und zwar am Einlaufe des Donaucanals bei Wien, wo der Abfchlufs mittelft eines Schwimmthores vorgenommen wurde. Wien ift aber in diefer Beziehung durchaus unmafsgebend, hat, wie fchon bei Befprechung von Bordeaux und Hamburg erwähnt, für den Werth des Donaucanals als Schiffsverkehrsmittel noch kein Verftändnifs, betrachtet vielmehr diefen Canal als hiftorifches Inftandhaltungsobject, Unraths- Hauptcanal und Ueberfchwemmungsorgan der Donau, und wenn das Schwimmthor auch den ob mangelnder Quais fehr unbedeutenden Schiffsverkehr behindert, fo hat diefs hier vorläufig wirklich nicht viel zu fagen, und ift als Bekämpfung der Ueberfchwemmungsgefahr fogar keine üble Beftätigung der Regel, dafs Schleufenthore das Zweckmäfsigere find. Natürlich ift auch das Baffin de la Citadelle mit dem Vorhafen( AvantPort) und mit dem Baffin de l'Eure durch Schleufenanlagen in Communication gebracht; doch bedürfen diefe nach den früher gegebenen Befchreibungen von Schleufenanlagen hier keiner weiteren Erörterung, und dürfte ein Blick auf die Tafel XIV genügende Orientirung bieten. Die Sturzfchleufen d d, welche in der Nähe der Schleufenkammer. E des Baffins de la Citadelle disponirt find, find eigentlich zwei Aquäducte von je 6 Meter Breite und 7 Meter Höhe, welche, mit Schützenvorrichtungen verfehen, eine Communication zwifchen dem Baffin de la Citadelle und dem Vorhafen A, und zwar von der Sohle des erfteren nach der Sohle des letzteren bewerkstelligen, und bezwecken, zeitweife die nöthige Tiefe des Fahrwaffers im Vorhafen, fofern diefelbe nicht durch Baggerungen genügend erhalten werden kann, in folgender Weife herzuftellen: Es werden während der Ebbe die beiden Schleufen E und F. von welchen die erftere das Baffin de la Citadelle, die letztere das Baffin de l'Eure mit dem Vorhafen A verbindet, gefchloffen, hingegen die Schleufen G, H und K, welche das Baffin de l'Eure mit den Baffins de la Citadelle, Vauban und dem Baffindock verbindet, geöffnet und fodann die Schützen der beiden Sturzfchleufen d in die Höhe gezogen. Da während der Ebbe die Niveaudifferenz zwifchen dem Waffer in diefen Baffins und dem Waffer im Vorhafen über 3½ Meter beträgt, fo ftürzt, fo wie die Schützen der Sturzfchleufen gehoben werden, durch diefe letzteren das Waffer aus den vier mit einander communicirenden Baffins mit Wucht in den Vorhafen hinaus und räumt Schlamm und Verfandung desfelben weit in die offene See. Wenn die Schützen nur fo lange offen gehalten werden, bis der Wafferftand in diefen drei Baffins um 1 Meter finkt, fo ift hiedurch fchon, da diefelben zufammen eine Oberfläche von 39 Hektaren darftellen, ein Wafferquantum von 390.000 Cubikmeter Waffer hinausgeftürzt, reichlich genügend, um das Fahrwaffer des Vorhafens frei zu machen. Der dem Plane Taf. XIV beigegebene Mafsftab ermöglicht die Abmeffung der Hauptdimenfionen. Die einzelnen Details der Bauausführung, die Dimenfionen der Quaimauern, deren Fundirung etc. etc. bieten, befonders nach den früher für Bordeaux und den Canal Saint Louis befchriebenen Bauausführungen nichts befonders Neues. Die Gefammtauslage für die Herſtellung des Baffins de la Citadelle fammt Schleufenanlagen. Trockendocks und Dependentien und einer 150 Meter langen Quaimauer des Vorhafens zwifchen der Einmündungsftelle des Baffins de la Citadelle und des Baffins de l'Eure in den Vorhafen beträgt 9,801.000 Francs. Marinewefen. 107 Fig. 81. 田 田 田 108 Alexander Friedmann. Trockendock von Kronftadt. Beiftehende Fig. 81 gibt eine perfpectivifche Skizze des ausgeftellt gewe fenen Modells des Trockendocks von Kronftadt. Nach den foeben zu den Fig. 75 bis 80 eines der Trockendocks von Le Havre gegebenen Erklärungen find hier nur hervorzuheben die grofsen Dimenfionen, die Vollftändigkeit der Krahnanlagen und der Umstand, dafs das ganze Dock in einem Molo angelegt ist, deffen drei Seiten für die Landung von Schiffen vorgerichtet find und fo die Materialien für die Conftruction oder Reparatur der Schiffe fowohl zu Waffer wie durch Eifenbahnen zugeführt werden können. Der Ausladevorrichtungen find vier, und zwar zwei fixe Handkrahne pv und zwei bewegliche Dampfkrahne m und n disponirt. Die zwei letzteren können über die Schienengeleife ad und ee entlang dem ganzen Trockendoc kauf- und abfahren und habe neine Ausladung bis in die Achfe des Trockendocks; überdiefs ift für jeden derfelben ungefähr in der Mitte der Längsgeleife eine Schiebebühne vorgerichtet, durch welche jeder der zwei transportablen Krahne transverfal auf die Längenrichtung des Docks fich bewegen und die Conftructionsobjecte direct vom Eifenbahnwaggon des Eifenbahngeleifes entlang den Quais oder auch von an denfelben anlegenden Schiffen abnehmen und zum in Reparatur befindlichen Schiffe des Trockendocks bringen kann. Der Verfchlufs des Trockendocks gefchieht mittelft Schwimmthoren, im Principe in gleicher Weife und conftruirt und verwendet, wie das Fig. 79 fkizzirte, nur entsprechend der grofsen Breite der Einfahrt kräftiger dimenfionirt und ausgerüftet. In dem Gebäude, Fig. 81, rechts vom Trockendock find die Dampf mafchinen und Pumpenanlagen angebracht, durch welche das Waffer aus dem Trockendock, nachdem das Schiff eingefahren und das Schwimmthor vorgelegt ift, rafch ausgepumpt werden kann. Details über die Einzeldimenfionen der ganzen Anlage und über die verfolgte Methode bei der Bauausführung konnten nicht rechtzeitig befchafft werden. Doch kann, die Dimenfionen betreffend, von der Gröfse der Anlage durch die Angabe eine Idee gewonnen werden, dafs das in die Skizze der Fig. 81 eingezeichnete Schiff das im Abfchnitt I in Fig. 8 fkizzirte Panzerfchiff„ Peter der Grofse" darftellt. Da nun diefes Schiff 329 Fufs Länge, 53 Fufs 10 Zoll Breite und 26 Fufs Tauchung und 10.000 Tonnen Deplacement hat, fo dürfte diefes Dock wohl eines der gröfsten fein, welche bisher exiftiren. Bayonne. Der Hafen von Bayonne, eine Strecke oberhalb der Einmündung des Flufses Adour gelegen, ift in feiner Zugänglichkeit durch Sandbänke beein trächtigt, welche, wenn der Wafferftand im Fluffe hoch, durch denfelben in die See gefchoben oder, wenn der Seegang heftig, durch die Wellen an die Mündung des Fluffes getrieben werden. Nach verfchiedenen Entwürfen und mifslungenen Ausführungen ward eine Verbefferung diefer Mifsftände durch die Weiterführung der Flufsmündung in die See, wie Fig. 82 veranfchaulicht, mittelft durchläffiger Holz- Pfahldämme a b und c d, welche zuerft von Alan de Riveira, ehemaligem Director der öffentlichen Arbeiten von Neapel, als ein gutes Mittel zur Ver befferung von Flufsmündungen erfunden und verfucht wurde, durchgeführt. Die in diefer Gegend fehr heftige See zerftörte jedoch häufig ganze Partien diefer Holz- Pfahlwerke und erforderte eine koftfpielige Inftandhaltung; überdiefs kam im Winter 1864 auf 1865 eine neue Calamität dazu, indem der Bohrwurm die weiter in die See hinaus gehenden Pfähle, von der Stelle der tiefften Ebbe ab, angefreffen und deren Befeitigung nöthig gemacht hatte. So wurde endlich Ende 1868 zur Anlage eines eigenthümlichen, vom Ingenieur Prompt erfundenen, eifernen Pfahldammes gefchritten. Fig. 83 zeigt die Vorderanficht, Fig. 84 die Seitenanficht und Fig. 85 einen Horizontalschnitt einer Partie eines folchen Pfahldammes, wie diefer auf der Strecke cc, Fig. 82 e- 75 nd n- en en enar rt. em fe er s- en es 535 en m ته S- of m Marinewefen. Fig. 82 可 gt er Fig$ 3. en on as te e₁ nt es 10 g m e e t t 109 ADOUR PE 4 5 m. jetzt hergestellt ift und für die Strecke a a eben angelegt wird. Es wurden gufseiferne Röhren von 2 Meter Durchmeffer, auf je von Achfe zu Achfe 5 Meter Diftanz mittelft pneumatifcher Apparate( wie folche bei Brückenfundirungen jetzt häufig 110 Fig. 84. Alexander Friedmann. Fig. 85 a angewandt werden), und zwar in der äufseren See bis auf irg Meter, näher der Küfte bis auf 7.3 Meter unter der tiefften Ebbe, in den Meeresgrund verfenkt, mit Béton ausgefüllt und wie Fig. 83 und 84 deutlich veranfchaulicht, durch ein leichtes eifernes Gerüfte und eine Brücke d d miteinander verbunden. Nach der Sohle hin wurden Steinwürfe bis auf circa 3 Meter unter die niedrigfte Ebbe aufgeführt und der weitere Zwifchenraum zwifchen den einzelnen Säulen a a durch eine Art Schützengitter b b b in der Weife verkleidet, dafs der freie Raum zur Wafferbewegung zwifchen den Säulen, den Bedürf niffen entsprechend, verengt werden kann. Die Koften einer folchen Säule, an Ort und Stelle gebracht, betragen durchſchnittlich 12.000 Francs, die der Eifenverbin dung zwifchen je zwei Säulen 1000 Francs, von drei hölzernen Schützengittern 300 Francs, des eifernen Brückengerüftes von Säule zu Säule 1770 Francs, die Koften der Steinwürfe endlich von Säule zu Säule 380 Francs; der laufende Meter eines folchen eifernen Pfahl. dammes wird fich alfo durchſchnittlich auf etwas über 3000 Francs belaufen. Die Details über die Art und Weife der Verfenkung diefer einzelnen Pfeiler und der Arbeitsdurchführung beruhen auf bekannten Proceduren und erheifchen keine fpecielle Befchreibung. Hauptfache bleibt die vorbefchriebene Idee von Prompt, welche befonders bei fchlammigem oder nachgiebigem Untergrunde noch des Oefteren vorzügliche Dienfte leiften könnte. Saint Jean de Luz. Der kleine Seehafen in der Nähe von Bayonne, füdlich von demfelben gelegen, deffen Situation in beiftehender Fig. 86 veranfchaulicht ift, ift an fich wohl fehr unbedeutend, bietet aber infoferne Intereffe, als er zeigt, welche mufterhafte Sorgfalt in Frankreich dem Seewefen überhaupt gewidmet wird. Der kleine Hafen und das Städtchen Saint Jean de Luz find an der Einmündung der Nivelle in den biscayifchen Meerbufen gebaut, durch die Wogen aber, welche, von der See kommend, den beiden Seiten der Bucht entlang gerade vor dem Hafen zufammenfchlagen und immer mehr ins Land rücken, in ihrer Exiftenz bedroht. Ueberdiefs ift die Einfahrt in die Bucht bei Nacht eine fchwierige. Defshalb wurde in Folge directen Auftrages des Kaifers Napoleon III. der Molo D und der Wellenbrecher E angelegt und überdiefs durch die Dispofition von 6 Directionsfeuern AA1 BB1 und CC1 die Einfahrt in den Hafen von der See her gefichert. Letzteres, refpective die Art, wie in den Hafen von Saint Jean de Luz gelangt wird, dürfte befonders lehrreich fein für diejenigen vorfichtigen Capitäne, welche gegen die fpäter zu befchreibende Anlage des Hafens von Trieft auch die Beforgnifs äufserten, dafs nunmehr diefer letztbenannte Hafen, in welchen, nebenbei gefagt, ohne Piloten mit fchwellenden Segeln eingefahren werden kann, nur noch mit befonderem Aufwande nautifcher Gefchicklichkeit zugänglich fein wird. 2000$ D Marinewefen. Fig. 86. 111 Bordagam B Jean de Luz C In St. Jean de Luz müffen nämlich die Schiffe, von der See kommend, fich zuerft in einer folchen Richtung halten, dafs fie die beiden weifsen Directionsfeuer A und A1 fenkrecht unter einander fehen; wenn fie in diefer geraden Linie vorwärts fahrend an eine Stelle kommen, wo die beiden rothen Leuchtfeuer C C1 gleichzeitig fichtbar werden, ift von der Richtung A A1 nach links in die Richtung CC1 abzulenken und diefe fo lange genau einzuhalten, bis das Schiff die beiden grünen Directionsfeuer BB1 in einer Senkrechten erblickt, in welchem Momente von CC1 nach rechts abgelenkt werden und die Richtung BB1 bis zur Einfahrt in den Hafen verfolgt werden muſs. Untiefen und Gefahren aufserhalb diefer Fahrrichtungen geben dem Capitän und Piloten die nöthige Aufmerkſamkeit und verhüten die früheren häufigen Unfälle. Die Herftellung des Molo D und des Wellenbrechers E wird, bis fertig, 612 Millionen Francs koften; die kleine Rhede wird alsdann gleich einen ziemlich ficheren Zufluchtshafen für Schiffe auf hoher See bilden. Die Ausgabe ward aber urfprünglich nur zu Gunften der betriebfamen Einwohner eines kleinen Städtchens gemacht und wenngleich in Anbetracht der Nähe der ſpaniſchen Grenze auch politifche Gründe mitgewirkt haben dürften, ift diefe Ausgabe immerhin eine generole. Fig. 87 ift ein Verticalfchnitt des Molo D, Fig. 88 ein Verticalſchnitt des Wellenbrechers E. Letztere Figur veranfchaulicht auch deutlich genug die Herftellungsweife desfelben: Auf einen centralen Steinwurf aus natürlichen Blöcken, welche den Kern des Wellenbrechers darftellen, wurden künftliche Blöcke von 20 Cubikmeter Inhalt( 4 Meter Länge, 212 Meter Breite und 2 Meter Dicke) in 8 112 Fig. 87. Alexander Friedmann. 10 15 22 m. Fig. 88. der fkizzirten Weife gelegt Die Blöcke wurden theils in Formen aus Béton hergeftellt, theils aus Bruchfteinen, mit Portland- Cement auf die befagten Dimenfionen aufser Waffer aufgemauert und, wenn der Verband feft geworden, was durchfchnittlich nach 2 Monaten der Fall, mittelft zu diefem Zwecke eigens conftruirten Barken verfenkt. Fig. 89 gibt die Anficht und Fig 90 den Grundrifs einer folchen Fig. 89. a a H 1 2 3 4 5 6 7 3 m. Fig. 90. Barke, welche einen Block a in die See läfst; Fig. 91 die Vorderanficht, Fig. 92 den Grundrifs eines Zwillingsfchiffes, welches einen anderen Block b eben verfenkt. Um das Verfenken der Blöcke in der einen oder anderen Weife zu erleichtern, werden diefelben fchon bei der Conftruction mit je zwei eifernen Stangen armirt, welche nach oben einen Ring oder Haken zum Einfangen der Ketten bieten. Bei der Fig. 91 angewandten Verfenkungsmethode ift die Kette mit einer Auslöfe Fig. 91. Marinewefen. 113 Fig. 92. b 1 2 3 4 5 77. vorrichtung verfehen. Die Fig. 89-92 find anfchaulich genug, um jede weitere Detailerklärung zu erfparen. Cap der guten Hoffnung. Bevor an die Befchreibung der Häfen des Mittelmeeres gefchritten wird, welche Behufs Vergleiches beffer nacheinander behandelt werden, feien nachfolgend zwei Häfen befchrieben, deren Pläne zur Ausftellung gebracht waren, und welche, obwohl für die europäifchen Verhältniffe nicht von unmittelbarer Wichtigkeit, doch allgemein hohes Intereffe bieten dürften. Beiftehende Fig. 93 gibt ein perfpectivifches Bild des Hafens vom Cap der guten Hoffnung, der vom Oberingenieur Sir John Coode und dem Sectionsingenieur A. T. Andrews erbaut wurde. Das innere Hafenbaffin F hat eine Wafferfläche von 9 Acres, das äufsere Baffin E eine Fläche von 7 Acres; die Gefammtlänge der Landungsquais beträgt 4250 Fufs, die Waffertiefe des Baffins F bei mittlerer Ebbe von 24 Fufs bis 22 Fufs, G ift ein Trockendock, H ein Stapel für grofse Schiffsreparaturen. Der erfte Stein des Wellenbrechers A wurde am 17. September 1860 in Gegenwart des Herzogs von Edinburg geworfen. Das erfte Mal wurde Waffer in das Baffin F am 17. Mai 1870 eingelaffen und am 11. Juli 1870 wurden die neuen Anlagen, nämlich die Wellenbrecher A und D, die Hafendämme B und C und das Hafenbaffin F in Gegenwart desfelben Herzogs von Edinburg feierlich inaugurirt. Die erften einleitenden Worte diefes Rapportes liefsen die Bewunderung des Berichterstatters für die englifche Seeherrfchaft genügend erkennen.- England hat in feinem Vollbewufstfein von feinen Hafenbauten in Europa nichts zur Ausftellung gebracht, und nur ganz zufällig kam, fcheint es, diefer Hafen vom Cap der guten Hoffnung in einem orthogonalen Grundrisse und in diefer perfpectivifchen Anficht zur Ausftellung. Er fpricht aber mehr für die Thätigkeit diefes Landes zur See, als hundert detaillirte Pläne der englifchen Häfen diefs vermöchten. England wirkt wohl in den fernen Landen manchmal mit dem Zaunpfahl ftarker Kanonen, aber das allein begründet fein Anfehen nicht, fondern dadurch, dafs es gleichzeitig durch feinen Handel und die ausgezeichnete Für forge, die es der Induftrie angedeihen läfst, die Intereffen all der fernen Landeauf feine eigene Exiftenz bafirt, herrfcht es und wird ihm gehorcht. Die Schiffer, die am Cap der guten Hoffnung beffere Unterkunft finden, als, mit Ausnahme von 8* 114 Fig. 93. Alexander Friedmann. Marfeille, entlang der ganzen Küfte des mittelländifchen und des adriatifchen Meeres zu finden ift, bekommen vor England Refpect, und fie haben Recht. Hafen von Yokohama. Beiftehende Fig. 94 ift ein Holzfchnitt des ausgeftellt gewefenen Planes von Yokohama. punktirte Contour um A ftellt eine auf die Tiefe von 9 Meter ausgebaggerte Partie des Hafens dar; B ift ein Molo; derLinie FEDCO entlang bis nach Z befinden fich Quai- Anlagen; fpeciell bei Fift ein grofser drehbarer Krahn fituirt; EDC find drei Trockendocks von verfchiedenen Grö fsen, von welchen die Trockendocks E und C bereits fertig und dem Betriebe überge ben find, das D im Bau begriffen ift. Ueberdiefs hat Yokohama drei Stapel 777 zur Conftruction für Schiffe, in GHK Werkstätten und Eifengiefsereien, in LLL grofse Schoppen für Schiffs conftructionsMaterial. Bedenkt man, wie kurze Zeit es her ift, dafs Japan feine Thore unferer Induftrie eröffnet hat, fo ift diefer Hafen von Yokohama, der an Hilfsmitteln, die er den Schiffen bietet, manchen europäifchen grofsen Hafen übertrifft, ftaunenerregend, umfomehr, als diefer Hafen nicht als einziges Zeichen der neuen Wege der Cultur diefes Landes dafteht, fondern, was wenigftens das Seewefen anbelangt, die Küftenbeleuchtung ganz vorzüglich durchdacht und theils bereits durchgeführt, theils in Durchführung begriffen ift. Freilich ift die Civilifation eines Volkes nicht aus einzelnen Bau- Ausführungen allein zu beurtheilen, befonders wenn nur der Wunfch nach dem Bauobjecte dem betreffenden Lande gehört, deffen Ausführung hingegen durch fremde Kräfte bewerkstelligt wird, und ift es fogar 05 10 20 W Marinewefen. Fig. 94. 115 39 40 50 60 90 100 Meter E D M EB G H N N +0 De 116 Alexander Friedmann. im Allgemeinen für jedes Volk beffer, wenn mäfsigere, aber der eigenen, fchöpferifchen Kraft entſpringende Fortfchritte dásfelbe gewöhnen, fein Wünſchen feinem Können anzupaffen. Jedenfalls aber ift der Hafen von Yokohama merkwürdig und beachtenswerth. Marſeille. Beiliegende Tafel XV ift ein Plan des Hafens von Marſeille, gegenwärtig der gröfste Hafen des mittelländifchen Meeres und für uns Oefterreicher befonders intereffant ob des Umftandes, dafs die Principien diefer Hafenanlage auch für die neuen Anlagen der beiden Häfen von Fiume und von Trieft zur Anwen dung gelangt find. Bis zum Jahre 1844 beftand der Hafen von Marſeille aus dem einen grofsen, durch eine natürliche Bucht gebildeten Baffin A, welches eine Wafferfläche von 20 Hektaren und einen Quai- Umfang von 3500 Meter bietet. Die grofse Entwicklung, welche der Schiffsverkehr feither in diefem Hafen genommen, rief fucceffive neue Anlagen hervor, welche, nach der Rhede von Marfeille verlegt, heute bereits fünf grofse Baffins umfaffen. Ein gemeinfchaftlicher Damm B CD, welcher heute die Länge von 3070. Meter erreicht hat, deckt diefe fämmtlichen Baffins gegen die Wellenbewegungen der offenen Rhede. Einzelne Moli, E bis 0, welche von der Küfte ausgehend fenkrecht auf die Richtung diefes gemeinfchaftlichen Dammes angelegt find, bieten den Schiffen geeignete Landungsquais und geben diefen eine im Verhältnifs zu den Wafferflächen der Baffins günftige Gefammtlänge. Die Moli haben folche Breiten, dafs ihren Quais entlang für Umladevorrichtungen und Waarenhallen, Strafsen und Eifenbahnen, welche den Verkehr mit der Stadt und deren einzelnen Bahnhöfen vermitteln, mehr als ausreichend Platz ift. Hinter dem Baffin National ift nach dem Lande hinein eine feparate Baffin anlage disponirt, welche, auf beiftehender Seite in Fig. 95 in gröfserem Mafsftabe veranfchaulicht, ausfchliefslich der Reinigung und Reparatur der Schiffe gewidmet und zu diefem Behufe von Trockendocks umgeben ift, von denen vier, nämlich ABCD der Fig. 95 bereits dem Betriebe übergeben, weitere 7 EFGHIKL ( Fig. 95), dem fteigenden Bedarfe entſprechend, der Reihe nach zur Ausfüh rung kommen. Es ift Marfeille fchon durch feine Lage, durch den Reichthum des Hinterlandes, durch die Grofsartigkeit feiner Baffinanlagen, durch die Vollständigkeit feiner Umladevorrichtungen und feiner Verbindung mit den Eifenbahnen des ganzen Landes lange concurrenzfähig gewefen. Die kluge Umficht, welche zu dem Allen auch noch rechtzeitig die grofsartige Anlage von Trockendocks hervorrief, bevor noch im mittelländifchen Meere die anderen Staaten ihren Häfen folche Trockendocks Anlagen allgemein benutzbar zu Gute kommen liefsen, fichert dem Hafen von Marfeille einen neuen Vorfprung, demzufolge die Schifffahrt mit Vorliebe diefem Hafen fich zuwenden und demfelben noch lange treu bleiben wird, felbft wenn Marfeille nicht noch weitere Fortfchritte machen würde und die anderen concurrirenden Häfen ihm bezüglich der Bequemlichkeit, Rafch heit der Umladung und Gefchäftserledigung mit der Zeit gleichkommen follten. Marfeille entbehrt vorläufig noch eines eigentlichen Vorhafens, in welchem die Schiffe vor ihrer Einfahrt in die Baffins oder vor ihrer Ausfahrt in die See fich an Bojen anbinden oder vor Anker gehen könnten wie im früher befchriebenen Vorhafen von Le Havre. Die Verlängerung des äufseren Dammes nach der Richtung CD der Tafel XV bildet wohl vorläufig einen Vorhafen für die Einfahrt in das Baffin National, foll aber für die Anlage neuer Baffins verwendet werden. Es war defshalb projectirt, einen zweiten grofsen Damm in die See zu legen, wel cher als Wellenbrecher dienen, an den jetzigen äufseren Damm BCD fich anfchliefsen und mit diefem den grofsen gemeinfchaftlichen Vorhafen bilden foll. 117 Marinewefen. Fig. 95. 99 0 S 400 H+ 50 R M Ο B 6 N Q P 100 200 R E D 0 300 m. 118 Alexander Friedmann. Entlang diefem Wellenbrecher hätte das Meer bis zu 40 Meter Tiefe und würde deffen Profil zu dem des jetzigen äufseren Dammes fich verhalten wie das beiftehend Fig. 96 veranfchaulichte zu dem Fig. 97 gegebenen, welche letztere das Fig. 96. 1050 10 20 30 40 Meter p i p p q q q q Fig. 97. Meter wirkliche Profil des jetzigen Aufsendammes BCD darftellt. Die Ausführung des Wellenbrechers ift jedoch noch nicht definitiv befchlof fen und wird die Zögerung damit erklärt, dafs Dampffchiffe auch bei ungünftigen Winden zumeift ihre Einfahrt in die Häfen in geficher ter Weife vornehmen können und defshalb eines Vorhafens weniger bedürfen, diefe alfo lediglich den Segelfchiffen zugute kommen würden, die Anzahl der Segelfchiffe aber im Abnehmen fei.* Andererfeits wird wieder zu Gunften diefes Wellenbrechers geltend gemacht, dafs, follte die Nothwendigkeit einer Vergröfserung der Hafenanlage in Marfeille neuerdings eintreten( und, wenn Trieft und Genua fo wie bisher noch fernerhin die Laftträger als die einzigen Ein- und Auslademafchinen für Schiffe beibehalten, fo glaubt der Berichterstatter, dafs diefe Nothwendigkeit der Vergröfserung für Marfeille gar bald wieder eintreten wird), ftatt neuer Baffinanlagen der Küfte entlang, durch welche diefelben immer weiter von der eigentlichen Stadt zu liegen kommen, verfucht werden könnte, Baffinanlagen durch Moli zu creiren, welche an den jetzigen Aufsendamm B CD in ähnlicher Weife fich anfchliefsen, wie die einzelnen Moli der vorhandenen Baffins in die Küfte eingreifen und würde alsdann der Wellenbrecher gleichzeitig als Aufsendamm für neue äufsere Baffins von Nutzen werden. Den ungeheueren Aufwand an Material, welchen die Anlage eines Wellenbrechers wie der Fig. 96 erheifchen würde, hofft man dadurch zu beftreiten, dafs man den Wellenbrecher nicht ganz aus Steinwürfen, fondern in den Partien, welche bis ungefähr 20 Meter unter der Ebbe liegen, Anfchüttungen aus dem Material herftellt, welches durch Terrainaushebungen für die Anlage neuer Quartiere in Marfeille gewonnen werden foll, und die alsdann gewonnene Grundanlage des Dammes zum Schutze gegen den Einfluss der See mit Steinwürfen aus natürlichen Blöcken bekleidet. Da der Wellenfchlag in einer Tiefe von 6 bis 7 Meter unter Waffer fich kaum mehr fühlbar macht und das Terrain des Meeresbodens felbft wenig nachgiebig ift, fo kann auf diefe Weife die untere Hälfte des Dammprofiles mit genügender Sicherheit hergeſtellt werden. Die obere Hälfte von 20 Meter ab würde auf die gleiche Weife aufgeführt werden, welche bei der Anlage des Aufsendammes der Fig. 95 in Anwendung kam. Diefer letztere ift nämlich aus Steinwürfen hergeftellt, deren Material aus hiezu eröffneten Steinbrüchen gewonnen und welches vor Verwendung fortirt wurde, fo dafs das * Der Berichterstatter hat feine diefsbezüglichen Anfchauungen bei Behandlung der Concurrenzfähigkeit der verfchiedenen Schiffstypen fub/ B dargelegt. de as n. ISift of mit ei re er nd er e- en, m rd n- s r. r. d, Marinewefen. 119 kleinere Material und die Abfälle zur Bildung des mittleren, tiefften Kernes des Dammes, die gröfseren Steine zur Bekleidung diefes Kernes und die gröfsten Blöcke zur Begrenzung desfelben bis zu einer Tiefe von 6 Meter unter der Wafferlinie dienten, während von diefem Niveau an, von welchem, wie erwähnt, die Wellen bereits nach der Oberfläche hin immer mächtiger ihren Effect zur Geltung bringen, die äufsere Verkleidung mit grofsen, künftlichen Blöcken von 10 bis 15 Kubikmeter Inhalt hergeſtellt würde. Die Partie des Dammes BC ( Tafel XV), welche das Baffin de la Joliette abfchliefst, ift auf diefe Weife vor 27 Jahren hergeftellt worden, der weitere Theil bis zum Baffin National vor 17 Jahren, und hat der ganze Damm fich feither vollkommen gehalten. Diefe Methode der Sortirung des Materials fcheint alfo die Haltbarkeit des Dammes nicht zu beeinträchtigen und bietet den Vortheil, dafs das Verhältnifs der leeren Zwifchenräume zum Dammvolumen circa o 3: 1 beträgt, während bei Dämmen, welche nach der üblichen Weife, derzufolge grofses und kleines Material gemengt zur Auffchüttung gelangt, die leeren Räume nur 20 Percent ausmachen, im Ganzen alfo 10 Percent an Auffchüttungsmaterial und diefsbezüglicher Arbeit erfpart wird. Diefs gilt aber nach dem Erachten des Berichterstatters nur für freiftehende Dämme und für einen Untergrund wie in Marſeille. Für die Herftellung der einzelnen Moli, von deren einem Fig. 98 ein Querprofil veranschaulicht, wurde folgende Methode angewandt: Es wurde zunächſt dem Umfange des zukünftigen Molo entlang eine Unterlage für die Quaimauern durch mäfsig grofse Steinwürfe hergeſtellt, auf diefe Steinwürfe die Quaimauern mittelft künftlicher Blöcke bis auf das endgiltige Niveau der Moli über der Fluth errichtet, und der ganze durch die Quaimauern eingefchloffene Raum durch Erdanfchüttuner e- n, fs 5. er コー h n Fig. 98. i 1. n S e T gen ausgefüllt. Auch diefe Methode hat fich für Marſeille fehr gut bewährt und ift für Verhältniffe, wie fie dafelbft obwalten, aber auch nur für folche Localverhältniffe, nicht wo der Untergrund ein nachgiebiger ift, fehr zu empfehlen. Die Breite der Moli felbft hängt von der Dispofition der Waarenhäufer und der Anzahl der Eifenbahngeleife und Strafsenzüge ab, mit welchen ein folcher Molo verfehen werden foll. Bei der Befprechung des Hafens von Hamburg wurde bereits ein folcher Molo befchrieben. In Marfeille variirt die Breite der Moli von 150 bis 70 Meter und ift bei den dortigen Localverhältniffen meift richtig angelegt. Es wäre jedoch arg gefehlt, die geringfte Breite unter den Moli von Marfeille als die Minimalbreite von Moli überhaupt zu betrachten. Dort z. B., wo, wie bei Trieft erwähnt werden wird, der Untergrund nachgiebig und die Herftellung guter Moli koftfpieliger ift, ift die. jenige geringfte Breite derfelben, welche noch eine rafche Umladung der Schiffe ermöglicht, die zweckmäfsigfte, und da bei einem gefchickten Eifenbahn- Dienfte die Anzahl der Eifen bahn Geleife auf einem Molo fehr reducirt werden kann, und obgleich im Allgemeinen Waarenhäufer ohne Stockwerks Anlagen einen billigeren Betrieb ermöglichen, doch in folchen Fällen, wo die Herftellung breiter Moli andere Bedenken verurfachen, Waarenhallen mit Stockwerks- Höhe, welche 120 Alexander Friedmann. fchmälere Moli ermöglichen, vorzuziehen find, fo kann auch in vielen Fällen mit Moli von felbft nur 50 Meter Breite, wie folche namentlich bei dem Hafen von Barcelona vorgefchlagen find, vollkommenes Auslangen gefunden werden. Die im Plane Tafel XV verzeichneten Baffin des Catalans find, ebenso wie die nördlich an das Baffin National anftofsenden, blos projectirt und ift deren Ausführung noch nicht begonnen. Hingegen wird an den Baffins für die Trockendocks der Fig. 95 mit aller Energie gearbeitet. Nach den bei Havre über die Trockendocks gegebenen Erklärungen dürfte es genügen hier eine kurze Erklärung der Fig. 95 zu geben: Die Docksanlage von Marſeille enthält ein grofses Baffin N( Fig. 95) und ein kleines, O, welche durch einen Canal MM mit einander in Verbindung find und die Einfahrt und Manövrirfläche für II Trockendocks A bis L bilden. Der Verbindungscanal MM kann an feinen beiden Einmündungsftellen in O und in N durch je ein Schwimmthor abgefchloffen werden und fo, wenn abfolut nöthig, als Trockendock für ausnahmsweis lange Schiffe benützt werden. U ift das Mafchinenhaus für den Betrieb von vier Centrifugalpumpen von 95 Centimeter Scheibendurchmeffer, welche zufammen bis zu 10.000 Cubikmeter Waffer per Stunde auf eine mittlere Höhe von 5 Meter heben, aber auch gröfsere Druckhöhen bis zu 11 Meter mit entsprechend reducirtem Wafferquantum überwinden können. TT find Werkstättenfchoppen, PP die Einfahrt vom Baffin National R in das Trockendock- Baffin N. Die Einfahrt PP ift mittelft einer grofsen Drehbrücke überbrückt, welche in Fig. 99 in gröfserem Mafsftabe in dem Momente veranfchaulicht ift, wo fie aufgedreht die Einfahrt frei hält, während die punktirte Contur bb die Brücke in gefchloffenem Stande darftellt. Die Brücke hat 62 Meter Länge, 15:49 Meter Breite für Bahngeleife, Strafsengeleife und Fufswege und wiegt 750 Tonnen. Fig. 99. 103 876543210 10 20 Meter Befonders intereffant ift bei diefer Brücke die Lagerung des Drehzapfens in Fig. 100 in gröfserem Mafsftabe veranschaulicht. Der Zapfen hat 58 Centimeter Durchmeffer und bildet eigentlich den Pluntfcherkolben einer hydraulischen Preffe, deren Gehäufe ein hohler, fchmiedeeiferner Cylinder von 16 Centimeter Wandftärke ift. Wenn die Brücke gedreht werden foll, wird in befagtes Cylindergehäufe durch das kleine Rohr C( Fig. 100) Waffer auf die Spannung von 270 Atmoſphären eingeprefst, derzufolge fich der Kolben, das ift der Dreh zapfen der Brücke, bis um 15 Centimeter hebt, hiedurch ftatt auf Metall auf 50 Fig. 100 a Marinewefen. 嵐 20 Centin eter 121 Waffer ruht und fich drehend einen fehr kleinen Reibungswiderftand verurfacht. Diefer Reibungswiderftand wird allerdings nicht allein durch die auf der WafDrehung des Zapfens auf der ferfläche, fondern auch facht, dafs der Zapfen, Pluntfcherkolben der dadurch verurrefpective der hydraulifchen Preffe, an der Stelle, wo er aus dem Prefsgehäufe herausreicht, durch eine Brahma'fche Liederung abgedichtet werden mufs, welche Dichtung hier ftatt durch die üblichen Lederringe durch Kaut fchukringe hergestellt ift und bei Drehung des Kolbens eine fehr bedeutende Umfangsreibung verurfachen muſs. Es fcheint aber nichtsdeftoweniger, dafs im Ganzen bei einer folchen Anordnung mit hydraulifcher Unterlage die Reibung eine viel kleinere ift.- Die Brücke ift an den beiden Enden mit Führungsrollen verfehen, welche, wenn mit hydraulifchem Drucke gearbeitet wird, während der Drehung aufser Function kommen, für den Fall aber, als die hydraulifche Pumpe verfagen follte, eine ebene Führung der Brücke fichern. Wenn die Brücke gefchloffen, gefchieht deren Fixirung durch Keile, welche unter die Führungsrollen greifen und gemeinfchaftlich ein- und ausgelöft werden können. Die Drehung felbft wird durch einen Armſtrong'fchen hydraulifchen Flafchenzug bewerkstelligt. Gewicht der Brücke vertheilt fich, wie folgt: Holz 100 Tonnen, Schmiedeeifen 320 Tonnen, Gufseifen 300 Tonnen, diverfe Materialien 30 Tonnen. Das Eine zweite Drehbrücke, welche zur Ausstellung gelangte und die Ueberbrückung des Baffins de la Joliette( Tafel XV), refpective die Verbindung des Hauptmolo desfelben mit dem äufseren Damme F CD bewerkstelligte, bietet erhöhtes Intereffe und ift in beiftehender Fig. 101 in der Vorderanficht gegeben. Diefe Brücke öffnet nämlich die Wafferpaffage durch Drehung in horizontaler Ebene, wie eine gewöhnliche Drehbrücke, oder durch Drehung in verticaler Ebene. Erfteres gefchieht, wenn Schiffe mit Maften zu paffiren haben und wirkt die Brücke alsdann genau in gleicher Weife wie für Fig. 99 befchrieben wurde. Da jedoch das ganze Aufdrehen der Brücke ziemlich lange Zeit( 8 Minuten) in Anspruch nimmt, die Mehrzahl der Schiffe aber, welche paffiren, kleinere Boote und Lichterfchiffe find, fo ift diefe Brücke fo eingerichtet, dafs fie auch theilweife wie eine Fallbrücke dienen kann. Es ift nämlich der Drehzapfen a, welcher, wie früher für Fig. 100 befchrieben wurde, fo auch hier in Fig. 101 den Pluntfcherkolben einer hydraulifchen Preffe darftellt, fo lang, dafs er bis auf 90 Centimeter gehoben werden kann, und dann, wie Fig. 101 zeigt, der Brücke eine folche Lage ertheilt, das kleinere Schiffe noch anftandslos paffiren können. Zu Gunften der Neigung der Brücke ift die Auflagerung derfelben auf den Drehzapfen, wie Fig. 102 in gröfserem Mafsftab zeigt, fo bewerkstelligt, dafs über dem verticalen Hauptzapfen a ein horizontaler, oben halbrunder Querzapfen eingekeilt ift, welcher in eine correfpondirende halbrunde Nuth einer Brückentraverfe eingreift. Wenn die Brücke gedreht werden foll, fo wird der hydraulifche Zapfen auf 20 Centimeter gehoben, fonft wie für Fig. 100 vorgegangen. Soll die Brücke als Hebebrücke dienen, fo wird der Zapfen je nach Bedarf auf gröfsere Höhe, im äufserften Falle bis auf 90 Centimeter gehoben, und dann hat die Brücke eine Neigung von 68 Millimeter per Meter und ift am äufserften Ende um 4'6 Meter über dem Quai. Die Hebung des Zapfens gefchieht durch einfache Oeffnung eines Hahnes, welcher zwifchen dem hydraulichen Gehäufe des Zapfens und einem Cumulator. in welchem immer Waffer mit 52 Atmoſphärenpreffung angefammelt ift, eine Communication herſtellt. Der Zapfen felbft hat 2 Meter Länge, fo dafs er bei dem äufserften Hub noch mit 110 Meter im Gehäufe fteckt. Die Kolbenliederung der hydraulischen Fig. 101. a 122 Alexander Friedmann. Marinewefen. Fig. 102. 123 Fig. 103. Prefse gefchieht, wie für Fig. 100 angegeben wurde. Die beiftehende Fig. 103 ift eine Skizze des Querfchnittes der Brücke Fig. 101; fie ift 8 Meter breit, 40 Meter lang, wiegt 300 Tonnen( 30 Tonnen Holz, 145 Tonnen Schmiedeeifen, 100 Tonnen Gufseifen, 25 Tonnen diverfe Materialien) und foll 225.000 Francs koften. Die bisherigen Koften. der Trockendock- Anlage( Fig. 95) betragen zufammen 8,000,000 Francs, nämlich die Einfahrt P P und die Brücke Q 780.000 Francs; das Baffin N 2,650.000 Francs; Trockendock A 1,080.000 Francs; Trockendock B 770.000 Francs; die beiden Trockendocks C und D zufammen 1,020.000 Francs; Nachtragsarbeiten 920.000 Francs; Mafchinenanlagen 780.000 Francs. Die grofsen Arbeiten des Marſeiller Hafens datiren, wie Eingangs erwähnt, vom Jahre 1844 und find von damals bis zum Jahre 1857 von den Ingenieuren Touffaint, Bergis, Montet, Monricher, vom Jahre 1857 an bis jetzt vom Ingenieur Pascal unter Mitwirkung von Andréo Bernard und De Namielle geleitet worden. Barcelona. Nach den bisher gegebenen, ausführlichen Befchreibungen der verfchiedenen ausgeftellt gewefenen Hafenbauten dürfte für die neuen Hafenanlagen von Barcelona ein Blick auf die Pläne genügen, um den Lefer zu orientiren. Wenn diefer Hafen fertig, wird er wohl einer der beften des Mittelmeeres fein und, wenn die beiden Einfahrten in das Baffin del Commercio und in das Baffin de la Induftria, welche nach dem Plane nur je 70 Meter betragen, auf je etwa 90 Meter erweitert würden, könnte gegen die dortige Anlage a priori keine Bemängelung erhoben werden. Wenn man die Fig. 2 der Tafel XVII, welche die Situation von Barcelona vor dem Beginne der neuen Hafenbauten gibt, mit der Fig. befagter Tafel, welche die Dispofition diefes Hafens nach deffen Ausbau darſtellt, vergleicht, fo erfcheint, dafs die Summe der creirten Flächen der Moli und Landungsquais im Verhältnifse zum Gefammtumfange diefer Landungsquais und diefer wieder im Verhältnisse zur Gröfse der disponiblen Wafferfläche günftig combinirt find, und dafs demnach die Baukoften, welche unter fonft gleichen Verhältniffen eine Dependente der Gröfse der zu fchaffenden Flächen der Moli und Ufer find, relativ günftig fich geftalten müffen. In jedem Baffin ift für die Schiffsmanöver der landenden Schiffe genügend Platz, umfomehr, als der prachtvolle Vorhafen vor den beiden Hauptbaffins, gefchützt vor den Wellen der See, gleich als Refervehafen dient, und für Perioden ſtarken Verkehrs allen Schiffen, die ihre Ladung gelöfcht haben und neue Fracht abwarten, Unterkommen bietet. Die Eifenbahnanlagen find, wenn fie auch nicht gleich aus jedem Molo einen förmlichen Laftenbahnhof machen, bei praktifchen Verfchiebungsweifen ausreichend. Für die ReinXVI KVIL 124 Alexander Friedmann. haltung und Reparatur der Schiffe ift durch die Anlage dreier Trockendocks, welche den verfchiedenen Gröfsen der Handelsfchiffe entsprechen, geforgt. Endlich ift auch einer eventuellen Vergröfserung der Hafenanlage ausreichende Vorausficht gewidmet, obgleich eine Vergröfserung nicht leicht nothwendig werden dürfte. Denn die Gefammtwafferfläche der jetzigen Hafenanlage, inclufive des Vorhafens, beträgt faft 140 Hektaren, die Länge der nutzbaren Landungsquais innerhalb des einen Baffins del Commercio allein beträgt 3570 Meter, die innerhalb des Baffins de la Induftria 1250 Meter, fo dafs diefe beiden Baffins auch abgefehen vom Vorhafen fchon 4800 Meter Landungsquais bieten, welche dem ganzen Umfange entlang mit Ein- und Ausladevorrichtungen, Eifenbahn- Geleifen und Waarenhallen umgeben fein werden, und fonach befonders mit Benützung des Vorhafens als Refervehafen dem gröfsten Verkehre genügen können. Es ift dem Berichterstatter nicht möglich gewefen, die ausführlichen, über 1000 Druckfeiten haltenden Abhandlungen, welche die Ingenieure der fpanifchen Regierung ihm einzufenden die Güte hatten, durchzuftudiren, und find ihm daher gewifs manche lehrreiche Details entgangen. Aber fo viel fieht man ja fchon mit einem einfachen Blicke auf die Tafel XVI, dafs der Entwurf des Planes des Hafens von Barcelona ganz ausgezeichnet ift, dafs er nichts von der Routine aufweift, in deren Gefolge oft blinde Nachahmung will, dafs die Localverhältniffe dem ander wärts Erbauten, nicht das zu Bauende den Localverhältniffen angepasst werde- und dafs demnach der Ingenieur Jofe Rafo, welcher den Plan in feinen erften Hauptumriffen entworfen, und der Ingenieur Mauricio Garran, welcher den Plan auf die jetzigen Verhältniffe fehr rationell umgearbeitet hat und den Bau auch ausführt, die gröfste Anerkennung verdienen. Genua und Brindifi. Taf. XVIII gibt den Plan des Hafens von Genua und desjenigen von Brindifi. In Genua wird durch die Neu- Anlage des Dammes A B C D, welcher fich an den bisherigen Aufsendamm AE anfchliefst, ein Vorhafen gefchaffen; eine Verbefferung, welche der Berichterstatter als fehr wefentlich und vortheilhaft erachtet. Wie weit Genua fich dahin rüftet, den Ausbau des Suez- Canals, den Ausbau des Mont- CenisTunnels und nun auch den Ausbau des Gotthard- Tunnels, welcher einen directen Verkehrsweg zwifchen.dem mittelländifchen Meere und Deutfchland vermitteln wird, feinem Hafen zugute kommen zu laffen, war auf der Weltausftellung nicht zu erfehen. Jedenfalls hat fich Marfeille auf die Concurrenz gar rechtzeitig vorbereitet, und wenn auch via Genua der Waarentransport nach Deutfchland um einige Meilen kürzer fein follte und damit einige Stunden Zeit gewonnen werden könnten, fo wird diefs Genua wenig helfen, wenn die Schiffe im Hafen Wochen lang brauchen werden, bis fie ihre Ladung gelöfcht haben. Nichtsdeftoweniger kann Genua, wenn es feinen Hafen rationell ausrüftet, bald fehr grofse Fortfchritte machen; denn es kann ganz gut den Kampf mit Marſeille bleiben laffen und fich die anderen Häfen des eigenen Landes und ganz befonders Oefterreichs zur Concurrenz ausfuchen, wenn diefe nicht rafch genug fich ihre Kundfchaft fichern. Denn der Schiffsverkehr für einen Hafen ift eben ein Kunde für denfelben, und wenn diefer nicht gut und rafch bedient wird, fo kommt er nur, fo lange er mufs, und bleibt fort, fo bald er kann. Trieft. Beiliegender Plan Taf. XVIII veranfchaulicht den Hafen, wie er ausfehen foll, wenn die Bauten vollendet fein werden. Die dunkel fchraffirten Stellen bezeichnen das Terrain, welches ins Meer hinein bereits angefchüttet ift; die licht fchraffirten Stellen bezeichnen die Flächen zweier vorhandener Hafenbaffins, welche noch verfchüttet werden follen. So wie der Plan des neuen Hafen Marinewefen. 125 baues von Trieft im Ganzen eine Wiederholung der Hafenanlage von Marſeille ift, ebenfo wurde bei der Bau- Ausführung von Trieft diefelbe Methode befolgt, welche bei der Bau- Ausführung in Marſeille angewandt und gelegentlich der Besprechung der Hafenbauten von Marfeille ausführlich erörtert wurde. Da jedoch der Meeresuntergrund in Marſeille nahezu unnachgiebig, während der Untergrund in Trieft ein nachgiebiger, halbfefter Schlamm ift, fo find in Trieft Setzungen und feitliche Verſchiebungen eingetreten, in Folge welcher die Begren zungslinien der Moli und Quais abcdefghik nach den Linien b'c'd e f g h i hinausgefchoben wurden. Die Daten, aus welchen fich diefe Bewegungen der Quaimauern erklären liefsen, find auf der Ausftellung nicht vorgebracht worden und entziehen fich defshalb hier der Befprechung feitens des Berichterstatters. Fiume. Taf. XIX gibt den Plan des in der Anlage begriffenen neuen Hafens von Fiume. Nachdem nur diefer beiliegende Plan, fonft aber keine näheren Daten über die dortigen Verhältniffe zur Ausftellung gebracht waren, fo ift der Berichterftatter auch hier nicht in der Lage, fich des Weiteren über die Bau- Ausführung zu ergehen. Der Nordfee- Canal von Amfterdam. Der Canal von Amfterdam zählt zu den merkwürdigften Seebauten, welche zur Ausftellung gebracht waren. Er bezweckt, die Zufahrt von der Nordfee nach Amfterdam, welche bislang fchwierig und nur auf Umwegen, entweder durch die Zuiderfee oder durch den nordholländifchen Canal möglich war, auf einem kürzeren, den Handelsverhältniffen diefer Stadt beffer entſprechendem Wege zu ermöglichen. Beiftehende Fig. 105 veranfchaulicht die Küftenentwicklung der Provinz Nordholland. B ftellt Amfterdam vor, A eine Küftenftelle an der Nordfee weftlich von Amfterdam in demjenigen Theile Nordhollands, wo die Einbuchtungen der Zuiderfee das fefte Land auf nur 6 Kilometer verengen. An diefer Stelle A, an der jetzt ein grofser Hafen angelegt ift, beginnt der Canal AB, welcher das fefte Land bei Beverwyk durchfticht, weiter die Einbuchtungen der Zuiderfee, nämlich das Wyker- Meer und das fogenannte Y durchzieht und nach einem Verlaufe von 23 Kilometer in die Gewäffer von Amfterdam einmündet. In den Gebieten, wo der Canal das Wyker- Meer und das Y durchzieht, ift er von deren Gewäffern durch Dämme abgefchloffen und durch Baggerungen auf die geeignete Tiefe gebracht worden. An der Stelle C, öftlich von Amfterdam, ift ein mächtiger Querdamm gezogen, durch welchen die Zuiderfee von dem Waffergebiete des bisherigen Wyker- Meeres und des Y getrennt wird, und auf dem Damme felbft ift eine ausgiebige Pumpenanlage gefchaffen, durch welche die nun von dem Amfterdamer Canal AB getrennten Flächen des Wyker- Meeres und des Y, ähnlich wie diefs früher mit dem Haarlemer Meere gefchehen ift, trocken gelegt und der Bodencultur zugeführt werden. Die herrliche Methode der Holländer, mit ihren Dämmen dem Meere Land abzugewinnen und mit ihren Schifffahrts- Canälen immer auch Trockenlegungen von fonft dem Feldbau entzogenen Gebieten zu vereinen, ift eben auch hier wieder in grofsartigem Mafsftabe durchgeführt worden. Folgendes die Genefis ihrer neueften Meifterleiftung: Die Zufahrt nach Amfterdam durch die Zuiderfee ift fehr fchwierig; für alle Schiffe wegen der vielen Sandbänke, die ihre Lage häufig wechfeln und dadurch gefährlich werden; für die Segelfchiffe insbefondere wegen der verfchiedenen 126 LEYDEN Beverryk Velzen Harlem Alexander Friedmaun. Fig. 105. Mans diep Willemsoord Nieuwe Diep Alkmaarn HAARLEMMER- MEER= POLDER Zaandam d B Purmerend AMSTERDAM PAMPUS WIERINGEN Medemblik ZUIDER SEE Marinewefen. 127 Windrichtungen, welche für deren rafchere Fahrt erforderlich wären; für die grofsen Schiffe endlich wegen der geringen Waffertiefe, welche die Zuiderfee unmittelbar vor ihrer Einbuchtung in das Y an der Stelle des fogenannten Pampus bietet. Diefe Verhältniffe führten im Jahre 1819 zur Anlage des nordholländifchen Canals, deffen Trace in Fig. 105 erfichtlich ift und welcher, von Nienwediep ab die Provinz Nordholland von Nord nach Süd durchſchneidend und ftellenweife mehrere vorhandene natürliche Wafferläufe verfolgend, in einer Gefammtlänge von 83 Kilometer Amfterdam gegenüber in die mehrfach erwähnte Einbuchtung der Zuiderfee, das Y, einmündet. Diefer Canal ift in feinem Verlaufe an vier Stellen mit Schleufen verfehen, weil einige Terrains des füdlichen Theiles der Provinz, welche der Canal durchzieht, tiefer liegen, als die Ebbe im Y, und deren künftliche Entwäfferung durch den Canal mitgefördert werden follte; er hat eine Tiefe von 5.7 Meter, eine Sohlenbreite von 10 Meter und eine Breite des Wafferfpiegels von 38 Meter; feine Schleufenkammern haben 151/2 Meter Breite und 6212 Meter Länge. Diefer Canal ift alfo fchon durch feine Abmeffungen für die jetzigen gröfseren Schiffe unfahrbar, deren Tiefgang und Länge, wie aus den früheren Abfchnitten diefes Rapportes erfichtlich, die correfpondirenden Dimenfionen diefes Canals und feiner Schleufen übertreffen. Aber auch für die Segelfchiffe ift diefer Canal. ungünftig, fowohl wegen der vielen Windungen in denjenigen Theilen, wo er im Bette der vorhanden gewefenen natürlichen Wafferläufe zieht, als wegen der herrfchenden Windrichtung, welche zumeift fenkrecht auf der Hauptrichtung des Canales fteht und fonach die Fahrt auf demfelben ungemein erfchwert. Die bisherige Zufahrt durch die Zuiderfee, ebenfo wie durch den nordholländifchen Canal war alfo umftändlich genug, um die Herftellung des Amfterdamer Canals zu erklären, zumal Amfterdam die unmittelbare Concurrenz der nahe gelegenen Häfen von Rotterdam und Antwerpen zu überwinden hat. Das frappant Neue ift hiebei der Gedanke, vorhandene grofse See- Einbuchtungen wie das Y und das Wyker- Meer, welche von der Natur wie zur Schifffahrt gefchaffen fchienen, gerade behufs Erleichterung der Schifffahrt von der See, von welcher diefe Einbuchtungen ausgingen, abzufchliefsen und gleichzeitig 5000 Hektaren ausgezeichneten Terrains für die Bodencultur zu gewinnen. Diefer letztere Umftand ftellt die eigentliche finanzielle Löfung der Aufgabe dar; denn bei den Grundverhältniffen in Holland mögen 5000 Hektaren bereits den gröfsten Theil der Koften des Canals und der übrigen Bauten hereinbringen, und unternahm factifch diefen Canal eine Gefellſchaft von Amfterdam in der Weife, dafs fie unter anderen Privilegien auch den Befitz der trocken gelegten Ländereien zugefprochen bekam und dafür an die Unternehmer, Henry Lee& Son in London, welche den ganzen Bau für 27 Millionen holländifcher Gulden herftellen, 21 Millionen Gulden zahlt, während nur 6 Millionen Gulden Zufchufs von der Stadt Amfterdam geleiftet werden. Aber auch in technifcher Beziehung ift diefer Damm C der Fig. 5 eine glückliche Combination. Denn die Fluthwechfel an der Nord- Küfte bei A einerfeits und im Y bei Amfterdam andererfeits ftimmen fowohl bezüglich der Zeiten- als der Höhenunterfchiede nicht überein. So ift an der Nordfee- Küfte die gewöhnliche Höhe der Fluth+0.9 Meter, im Y aber nur+012 Meter über dem Amfterdamer Pegel. Ebenfo ift die Ebbe an der Nordfeeküfte bei A- 05 Meter, im Y aber nur- 0 24 Meter unter dem Amfterdamer Pegel. Es mufste alfo zunächft eine Schleufenanlage gemacht werden, welche den Fluthwechfel der Nordfee vom Fluth wechfel des Y fcheidet; diefs erklärt die Schleufenanlage an der Nordfee bei A Fig. 105. Die Trennung von der Zuiderfee ift weniger durch den Unterfchied zwifchen mittlerer Ebbe und mittlerer Fluth, welcher in der Nähe von Amfterdam nur 0:36 Meter beträgt wiewohl auch diefe zu Verfandungen des Canals genüals durch den Umftand bedingt, dafs die Sturmfluthen der Zuiderfee bis zu 21 Meter über den Amfterdamer Pegel fteigen und in folchen Fällen nicht nur für den Canal felbft, fondern, und ganz befonders, für - genden Anlafs geben könnten - 9 128 Alexander Friedmann. die trockengelegten Polder des Y und des Wyker- Meeres grofse Gefahren entftünden, während durch die Dammanlage C diefe Gefahren vermieden und gleichzeitig in dem Hauptcanal ein fixer Wafferftand gefichert werden kann, welcher befonders für die Wafferabfuhr der in ihn einmündenden Schifffahrts- und Entwäfferungscanäle fehr günftig ift. Die Canäle nämlich, welche früher mittelft Schleufen in das ehemalige Wyker- Meer und das Y einmündeten, mufsten jetzt natürlich weiter geführt wer den, um ihre Gewäffer in den Hauptcanal AB einfliefsen zu laffen; ebenfo mufste den Entwäfferungscanälen, welche, wie der a Fig. 105, die Gewäffer des ehemali gen Haarlemer- Meer- Polders, fo die Wäffer der anderen Gebiete bislang in das Y ergoffen, ihre Einmündung nunmehr in den neuen Canal gegeben werden. Diefs bedingte neun Seitencanäle, von denen die bedeutendften abcd in Fig. 105 fkizzirt find, welche zufammen eine Längenausdehnung von circa 20 Kilometer haben, und denen zu Rückficht der vorerwähnte fixe Wafferftand des Hauptcanales AB auf 0'5 Meter unter dem Amfterdamer Pegel, alfo auf das Niveau der Ebbe an der Nordfeeküfte und um o'26 Meter tiefer als die Ebbe der Zuiderfee normirt wurde. Wiewohl nun der Canal AB in feinen Profilen, von denen Fig. 106 das Profil im Durchftich durch das fefte Land, Fig. 107 das Profil im Durchzug durch das bisherige Wyker- Meer veranfchaulicht, grofs genug gehalten ift, um, ohne dafs der Wafferfpiegel defshalb zu hoch fteigen mufs, grofse Wafferquantitäten aufnehmen zu können, fo ift er denn doch für das grofse Gebiet, welches er inclufive der Polder des Haarlemer- Meeres zu entwäffern hat, nicht ausreichend, befonders wenn durch längere Zeit, wie diefs vorkommt, hohe Wafferftände in der Nordfee anhalten und die Entwäfferung des Canals durch die Schleufen allein nicht in genügendem Mafse bewerkstelligt werden kann. Diefs bedingte die Eingangs erwähnte Pumpenanlage auf dem Damme C, deffen Profil in Fig. 108 veranfchaulicht ift, welche bis zu 30 Cubikmeter Waffer per Secunde auf die mittlere Höhe von 0.5 Meter befördern, eventuell entſprechend reducirte Quantitäten bis auf die Höhe von 3 Meter( das höchfte Niveau der Sturmfluthen der Zuiderfee über dem Normal- Wafferftand des Canales) bewältigen kann. Was die Einzelheiten der Bau- Anlagen und der Bau- Ausführungen anbelangt, fo hat A. Wie be hierüber in der Zeitfchrift für Bauwefen" bereits im Jahre 1872 eine vortreffliche, mit genauen Zeichnungen illuftrirte Abhandlung publicirt, und erfcheint alfo ein näheres Eingehen an diefer Stelle unnöthig; doch glaubt der Berichterstatter zwei Einzelnheiten hier fpeciell erwähnen zu follen: die eine ift der von Freeman& Burt erfundene Erdtransport- Apparat, die andere die Erfahrungen, welche mit der Fundirung der Hafendämme des Nordfee- Hafens bei A( Fig. 105) gemacht wurden. Der Bodentransport- Apparat beſteht in der Wefenheit darin, dafs das aus gebaggerte Erdreich in das Gehäufe einer Circularpumpe gelangt, dafelbft mit Waffer gemengt und gleichzeitig mit diefem als eine halb flüffige Maffe in eine Rohrleitung eingetrieben wird, welche auf der Wafferfläche fchwimmend erhalten ift, und durch welche das Gemenge bis an die Stelle gedrückt wird, wo man es eben ausgeworfen haben will. Bei dem Nordsee- Canale betrug die Gefammtlänge diefer Röhren oft über 250 Meter und konnten diefelben bis auf mehr wie 1½ Meter oberhalb des Wafferfpiegels über die Dämme gelegt werden, ohne die Wirksamkeit des Apparates zu beeinträchtigen. Die Rohre find aus Holzgebinden hergeftellt und unter einander durch Schlauchftücke fo verbunden, dafs fie gegenfeitig wie in Gelenken fich bewegen können, und, da fie auf dem Waffer fchwim men, dem Baggerfchiff auf eine bedeutende Ausdehnung die Manöver geftatten, ohne verlegt werden zu müffen. Die Mifchung betrug zur Hälfte Erde, zur Hälfte * aber entfchieden zu knapp für die Tauchungsverhältniffe der grofsen Dampfer. Der Canal hat nur 7 Meter Waffertiefe; ein Schiff wie die Britannia, Seite 23, Tafel IV diefes Rapportes, könnte alfo nicht mehr paffiren. Marinewefen. 129 M. A.P. A.P 15 20 Fig. 106. 25 30 35 40 45 50 Meter. Fig. 107. 10 15 20 25 30 35 40 45 30 Meter: Д.Р. A.P.-N. 130 Alexander Friedmann. Waffer; aus der Rohrleitung ausftrömend, fetzten fich die feften Beftandtheile rafch nieder und bildeten flache Hügel, deren Höhe und Ausdehnung man ziemlich in der Hand hatte. Die Circularpumpe ift horizontal, refpective ihre Achfe vertical disponirt und in der Nähe des Baggerfchiffes unmittelbar unter der Waffer fläche angebracht. Der Waffereintritt erfolgt in der Mitte des CircularpumpenGehäuſes von unten, der Erdwurf gefchieht durch einen 0 72 Meter weiten Cylin der, deffen Achfe mit der Triebachfe der Pumpe übereinftimmt, von oben, und kann der Erdzutritt durch einen nahe der Circularpumpe angebrachten Conus, der Wafferzutritt durch eine im Saugrohre angebrachte Klappe nach Bedarf regu lirt werden. Derfelbe Bodentransport- Apparat ift auch an der Sulina Mündung der Donau mit fehr günftigem Erfolge zur Anwendung gekommen und dürfte in all' den Fällen, wo man es mit fein vertheilbarem Erdreiche zu thun hat, fich bewähren. Der Gedanke der Mifchung mit Waffer behufs Weitertransportirung des gebaggerten Erdreichs ift fchon bei den früheren Bodentransport- Apparaten zur Anwendung gekommen. In diefen Fällen wurde jedoch immer die gebaggerte Erde in eine offene, fchwach geneigte Rinne gebracht und dafelbft von einem künft lich eingeleiteten kleinen Wafferftrome mitgeriffen. Bei dem Apparat von Freeman& Burt wird das Gemenge in gefchloffenen Röhren vorwärts gedrängt und ift der Apparat, welcher die Mifchung zwifchen Erdreich und Waffer bewerkftelligt, gleichzeitig auch der Apparat, welcher diefes Gemenge weitertreibt. Diefer Grundgedanke könnte nach dem Erachten des Berichterstatters weiter ausgebildet werden und in folchen Terrains, wo das gebaggerte Erdreich, wie bei fchlammigem Untergrunde, fein vertheilt ift, eine Transformation der jetzigen Baggervorrichtungen zur Folge haben; indem es recht gut denkbar ift, dafs für die Ausbaggerung in folchem Terrain die horizontale Circularpumpe, etwa im Kielraume des Baggerfchiffes oder noch tiefer, eventuell verfenkbar disponirt werde, das Saugrohr diefer Pumpe direct zum Schlamme des auszubaggernden Untergrundes niedergeführt und, auf diefen wie eine Art Schlammpumpe wirkend, den Schlamm gleichzeitig mit einem entſprechenden Wafferquantum, welches mitgeriffen wird, mifcht und halbflüffig über Waffer bringt. Da in folchem Falle das mitgeriffene Waffer jedenfalls bis zum Wafferfpiegel in hydroftatifchem Gleichgewichte gehalten ift, fo würde die aufgewandte Arbeit lediglich zur Hebung des fpecififch fchweren Schlammes fich verwenden und das Krafterfor dernifs kein übertriebenes werden. Solche Baggervorrichtungen würden nament lich zur Ausbaggerung vorhandener Hafenbaffins vortheilhaft fich erweifen und in manchen Fällen die jetzigen, ziemlich unhantigen Baggerfchiffe günftig erfetzen. Was die Hafendämme des Nordfeecanales bei A Fig. 105 anbelangt, fo find diefelben bis zum Niveau des mittleren Fluthwechfels dem ganzen Quer fchnitte nach aus künftlichen Blöcken hergeftellt und von da ab aufsen mit künft lichen Blöcken verkleidet, innen mit Beton ausgefüllt. In beiftehender Fig. 109, AP Fig. 108. 10 15 20 30 40 50 60 Meter. AP welche das Profil eines folchen Hafendammes veranfchaulicht, ftellt die dunkel ichraffirte Stelle den Theil des Querfchnittes, welcher aus künftlichen Blöcken, die lichtfchraffirte Stelle den Theil dar, welcher durch Betonfüllung hergeftellt e d t. Marinewefen. 131 ift. Man dachte im Anfang, da der Untergrund Meeresfand ift, die Blöcke unmittelbar auf dem natürlichen Untergrunde, dem vorgefchriebenen Dammprofile entfprechend, auflagern zu können. Bei heftigen Sturmfluthen jedoch wurden folche Maffen Sand fortgetragen, dafs die aufgeführten Werke zum Theile wieder einftürzten. Man verfuchte es daher, zuerft eine unterfte Lage von Betonblöcken herzuftellen, welche man einfach auf den Sand legte, um abzuwarten, dafs die Stürme diefe Blöcke in den Grund einwühlen, und diefe fomit nach einiger Zeit eine folide Grundlage für die folgenden, regelrecht aufzuführenden Schichten abgeben würden. Diefes Verfahren erwies fich jedoch als zu langfam und führte zu dem Syfteme der Steinfchüttungen, welches hier allerdings fehr koftfpielig fich geftalten mufste, weil der rheiniſche Bafalt, aus welchem hier die Steinwürfe herzuftellen waren, aus grofser Ferne beigefchafft werden mufste. Aus Rückficht diefer Koftfpieligkeit wurde auch zuerft der Steinwurf auf eine kleinere Breite, als die Fig. 109 zeigt, hergeftellt und mit künftlichen Blöcken umrahmt. Diefe Methode wurde aber bald wieder aufgegeben und fchliefslich die Steinanfchüttung, wie Fig. 109 veranschaulicht, auf eine Breite von über 30 Meter hergeſtellt und ein Jahr lang den Wirkungen des Sturmes und des Wellenfchlages ausgefetzt, bevor mit der Errichtung des Mauerwerkes, refpective mit der Legung der künftlichen Blöcke begonnen wurde. Nach Fertigftellung der Dämme werden die Steinwürfe wahrscheinlich nach den Linien m n der Fig. 109 ergänzt werden. Fig. 109. ei n m rt en r. el. em em ur Dr. ntnd tig fo er. ft. 59 elen, ellt 5 4 3 2 1 0 A.P A.P 10 15 20 Meter. Diefs bezüglich der Profile der Hafendämme. Was deren Bau- Ausführung im Sinne ihrer Längenrichtung anbelangt, fo wurde von allem Anfange von der Küfte gegen die See vorgefchritten. Da aber die Brandung an der niederländifchen Küfte ungleich heftiger auftritt, als an der englifchen, und den Bau der Hafendämme von den Land- Enden aus ungemein erfchwert, kam man auf den Gedanken, ein Stück des nördlichen Dammes in Geftalt einer Infel inmitten der See herzuftellen, um von hier landwärts vorgehen zu können. Zwifchen der künftlichen Infel und dem Damm- Ende am feften Ufer entſtand jedoch eine fo heftige Strömung, dafs zuletzt das ganze Werk unterwafchen worden wäre, wenn man nicht rechtzeitig unter Anwendung beinahe des doppelten Profils und mit fehr erheblichen Koften die Oeffnung bis zur Niedrig Wafferhöhe mit Betonblöcken zugeworfen hätte. Dafs man nach diefer Erfahrung nicht wieder von der See gegen das Land, fondern vom Land gegen die See gearbeitet hat, ift felbftverſtändlich. 132 Alexander Friedmann. Schlufsbemerkung. Von dem Programme, welches der Berichterstatter in der Ueberficht diefes Rapportes entwickelt hat, hat er vorftehend nur vier Theile, nämlich die Schiffe, die Schiffsmafchinen, die Leuchtthürme und die Häfen behandelt, und würden fonach noch drei Theile, der nautifche Theil, Fifcherei- und Rettungswefen und das Confulats- und Verficherungswefen, erübrigen. Es wäre fehr zweckmäfsig, wenn Jemand, dem diefe drei erübrigenden Gebiete geläufig find, deren Behandlung unternehmen und das vorftehende Elaborat ergänzen wollte. Um indefs dem nicht fachkundigen Lefer wenigftens eine Idee von der allgemeinen Bedeutung diefer hier fehlenden Theile zu geben und feinen Ueberblick über das Gefammtgebiet des Marinewefens zu erleichtern, fei nachftehend der Entwurf mitgetheilt, deffen Durchführung der Berichterstatter für die Fertigftellung feines vorftehenden Rapportes in Vorfchlag bringen würde. A) Bei Behandlung des nautifchen Theiles, entſprechend dem in der Ueberficht gewählten Titel:„ Die Mittel zur Orientirung des Schiffsführers auf offener See", zunächft die Principien der Ortsbeftimmung bei klarem Himmel, wozu die fchlichteften Notionen der Aftronomie genügen, in Kürze aufftellen und diejenigen wenigen beften unter den vielen ausgeftellt gewefenen Apparaten aufführen, von welchen jeder als ein Typus der ganzen Claffe folcher Apparate dienen kann. Sodann diejenigen beften Mittel( Loggs) und Projecte angeben, welche in Vorfchlag gebracht wurden, um die effective Gefchwindigkeit des Schiffes und deffen zurückgelegten Weg zu beftimmen. Aus der Combination der zwei Mittel, nämlich die Ortsbeftimmung bei klarem Wetter und Beftimmung des zurückgelegten Weges, quafi die Periode durchmachen, wo ein Schiff von einer Region, innerhalb welcher klares Wetter herrfcht und die Orientirung eine fehr genaue fein kann, in eine andere Region übergeht, wo dichter Nebel die Ausficht nach den Sternen behindert, und das Schiff nur auf feinen Compafs und die Apparate zur Beftimmung feiner Gefchwindigkeit angewiefen ift. Sodann einige Angaben über die herrfchenden Winde und Strömungen, welche befonders den Segelfchiffen für den zweckmäfsigften Weg, den fie jeweilig einzufchlagen haben, mafsgebend find. Dem eine kurze Erörterung der Principien folgen laffen, nach welchen die Kraft und Richtung ermeffen wird, mit der ein Schiff von beftimmter Segelfläche, von beftimmter Neigung der Segelflächen gegen die Windrichtung und von beftimmter Diſtanz der verfchiedenen Segelreihen vorwärts getrieben wird, und endlich in Kürze die Vor, Nachtheile und Bedingungen der gleichzeitigen Wirkfamkeit von Segeln und Dampfmaschinen auf einem mit Hilfsfegeln ausgeftatteten Dampffchiffe und auf einem mit einer Aushilfsmafchine verfehenen Seefchiffe feftftellen. 11 B) Bei Behandlung der Fifcherei die Fragen in Anbetracht ziehen: Welches ift der relative Werth der wichtigſten Fifchforten als Nahrungs* Siehe übrigens darüber den gelehrten Bericht ,, Wiffenfchaftliche Inftrumente von Profeffor Lippich, Tinter und Ditfcheiner, Heft 60 des ,, officiellen Berichtes", wo viele der hier angeregten Fragen ihre Erörterung finden. Marinewefen. 133 mittel? Welches find die Mittel zur Förderung der Zucht der befonders nützlichen Fifche oder Seethiere? Welches find die Mittel, um die gefangenen Fifche in möglichft gutem Zuftande bei warmem Wetter auf fo grofse Entfernungen, als z. Z. Wien von Trieft, oder Peft von Fiume gelegen ift, zu transportiren( hierbei Beiſpiele beſonders aus England vorbringend) und welches find die Mittel( Fifchmarkthallen, Räucherung, Einfalzung, Conferven), um die gebrachten Fifche für die von den Seeküften weit entfernten Bewohner eine Zeit hindurch geniefsbar zu erhalten?" Dem in Kürze eine Befchreibung der in der öfterreichifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Methoden zur Bereitung von Kochfalz aus Seewaffer folgen laffen. Bezüglich des Rettungswefens: Zweck der hierfür beftehenden menfchenfreundlichen Inftitution, Befchreibung der in der franzöfifchen, italienifchen, öfterreichiſchen und deutſchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Rettungsgefchoffe und Rettungsboote, befonders der von der Bremer Gefellſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger ausgeftellt gewefenen Rettungsapparate und Handhabung derfelben. C) Bei Behandlung des Confulats- und Verficherungswefens endlich die Aufgabe fich ftellen, aus den Erfahrungen und Daten, welche die Ausftellung geboten, den Exporteur in spe zu orientiren: a) Wie eine Waare eingepackt werden muss, damit fie, ohne während des Transportes zur See zu verderben oder Schaden zu erleiden, an ihren Beftimmungsort gelangen kann. b) Welche Mittel zur Verfügung stehen, um für den Fall, als eine richtig verpackte und richtig verfandte Waare während des Transportes verdorben würde oder verloren ginge, den Schuldigen zu eruiren und Schadenerfatzanfprüche geltend zu machen. c) Welche Wege das heutige Confulatswefen dem Exporteur bietet, um für den Fall, als die von ihm richtig verpackte und richtig verfandte Waare dem Adreffaten richtig übergeben wurde, feine Anfprüche gegen den Empfänger geltend zu machen, wenn diefer in Folge Unredlichkeit keine Zahlung leiften will. d) Welchen Einfluss ein Bankwefen, demzufolge der Exporteur auf Grundlage des Schiffs connaiffements ein Traffat auf den überfeeifchen Adreffaten fofort begeben könnte, auf die Hebung des Exportes hätte und wie diefsbezüglich fowie bezüglich der Warrants in England vorgegangen wird. e) Welche zweckmäfsigen Veränderungen im Verfendungs-, Verficherungs- und Confulatswefen aus den vorhandenen Mängeln fich folgern liefsen; endlich f) wie ſpeciell für Oefterreich- Ungarn aus den Expeditionen, welche die beiderfeitigen Regierungen durchführen liefsen( die Novara- Reife unter Admiral v. Wüllerstorff und die oftafiatifche Expedition unter Admiral von Petz) noch nachträglich der möglichfte Nutzen zu Gunften des überfeeifchen Handels gezogen werden könnte. Wien, den 15. Februar 1874. Alexander Friedmann, Civilingenieur. * Siehe C. Warhanek: Conferven, Extracte und Fleifchwaaren, Heft 23 des officiellen Berichtes. a b 100 e o 3 m m e MI n POLLUX Taf. II. 72 P CTTD g 3 Fig. 1. h Fig.2 10 5 0 10 20 20 q Fig.3. TD UD q 30 40 50 k 60 69 70 70 80 90 Fufs engl. 5 d V. и Aus der kk.Hofu. Staats druckerei. I POLLU X Fig. 1. 5 5 10 15 Fuls engl. Mals. FRISIA Fig. 2. 10 Fuls engl. Mals. Aus der kk.Hofu. Staats druckerei. Taf. III. 00 BRITANNIA Fig. 1. 口 ☐ Fig. 2. P ரம். Ma COO D Fig.3. 1005 0 0 0 Fig. 4. 5 10 15 20 40 60 + 6.9 ☐. ☐ 00 ☐ ☐ 88 80 100 engl. Fufs Aus der kk.Hofu. Staats druckerei. Taf IV 42 Fig. 1. TAGO ALBRECHT Fig. 2. 70 20 30 Hufs engi Mass. Aus der kk.Hofu. Staats druckerei. Fig.3. Taf. VI. 으 A Fig.1. a Fig. 2. 111 C 80 Fig. 3 0 O 0 ORIENT ORIENT O k Fig. 4. W XX XX XX XX X S X= X X X X X X= X 0 U O W W TO u U2 ur 70 20 g Taf. VII. 0 0 Ο 0 30 Fufs engl. Mass. 10 0 O O WW 0 0 Z Aus der kk.Hofu. Staats druckerei. Fig. 1 Fig. 2. Fig.3. 0 LEITHA. 70 OMN IBUS E IN 1 LEITHA m 30 30. Fufs engl. 0 10 20 30 40 engl.Fufs Mass D d Taf VIII Aus der kk Hof- u. Staatsdruckerei. Fig.1. J POLY Fig.2. FOLLO Fig.3 H 10 5 பர் 10 20 20 10 Q O Taf. IX. 30 40 engl. Fufs. Aus der kk.Hofu. Staats drucker si 1 Z b Fig.4. a ☑ S MAROS Fig. 1. AA E 1 ☑ g 100 g' ✓ ✓ HHOOP S k Fig. 2. Ө- Өл Fig. 3. k ☑ "' 2° n 0 0 0 0 01 Z 9 и y 7L = 7° 進 加 m 4 S 10 о 10 20 30 40 +8 50 60 Fuls engl. Mals IL 园 " Taf X. Fig.5. 000-0001 m Z % 9 Aus der kk. Hofu. Staats druckerei. 2. Fig.1 POLLUX. Fig. 3. Fig. 2. Taf. XI. N H P N Fig. 4. A* C H A B CHO B 0 TOT Fig.5. 2 5 6 Z 8 Aus der kk.Hofu. Staats druckerei. 6 10 fuls engl. M. U 25 R Fig. 1. Fig.3. 0 ☐ 0 0 V Fig. 2 Fig. 4 Fig. 5. Taf. XII. 4 6 7 & Hufs engl.M. Aus der kk.Hof- u. Staats druckerei. 000 ไต לך! E D G Bassin du Commerce www LE HAVRE. بسم L Bassin de la Barre Vorhafen A T Bassin de la Floride Bassin de CHILLIES a la Citadelle Bassin de l'Eure 200 100 50 100 300 400 500 600 700 Aus dkk Hof- u Staatsdruckerei do Meter. D Π Π Bassin Vauban D INF D D Π T Bahnhof Dock- Entrepot Bassin- Dock Tafel XIV Magasins Généraux Magasins Généraux Dock Entrepôt D T R Mündung der Seine. P7 MARSEILLE. 0 Dan O וטין Bassin Trockerva Dacks Bassin de la Arene Gare Maritime Bassin duLazarel Bassin National Bassin de la Jolielle B 0. 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 Meter Aus dkk Hof- u Staatsdruckerei Altes Bassin A Bassin des Calalans Taf. XV. Trocken- Docks D VOR HAFEN 50403020 1960 70 80 30 100 ++ No. Fig. 1. BARCELONA BARCELONA. ( D Masstab 200 300 400 500 Meter + 4 Bassin del Comercio Bassin de la industria Aus dkk Hof- u Staatsdruckerei BARCELONELA NAIREK Masstab- 30.000 00 무미 10 8000 Fig. 2. 000 7 00 Tafel XVI. ㅁㅁ 10 100 200 300 400 500 GENUA. BRINDISI Nord Süd 600 Meter. W NEUER VORHAFEN SENO DI PONTE GRANDE O DI PONENTE Aus d. kk Hof- u Staatsdruckerei BRINDISI SENO DI PONTE PICCOLO DI LEVANTE да DD Taf. XVII. Miramare 51 50 Torrentle Martesin 88 Lazareth (+5. m (+12.37 103DL 145. 15.39) Strafse (+8.53) Rampan Strasse R L +15.87) D 1. S m ( 14.13) ha del Belvedere ☐ C10.12) ( 3.16) Bahnhof m ( 1012) 03.16 T m (+10.12) (+3.16) Grenzlime des künftigen Bahnhofes m P (+10.12) m (+3.16) Waaren Magazin H Eisenbahn Bassin (+8.22) ( 8.30) 16.80 300 300 100 C- 16.50 m 14.05) ( 14.00 -809 m 1090 19.22 7233 60° m Via Pa Molo Flutsch TRIEST. 3.16) K Via del Torrente Torrente Flutsc Elutsch Via Jenna Piazza della Dogunal Daomi lambs Piazza Carradori Via della Posta Molo del Sale 300 W 80 (+6.50) m 18.18) m (+11.75) ( 43.35 50 0 100 200 300 400 Aus d.k. k. Hof- u. Staatsdruckerei. 120. m R 240 15.80) 500 Meter für die Situation. 5000 -10.60) Canal Molo S. Carlo grande Piazza del Ponte, rofso Faro Piazorsa Piazza grande Sanita Molo Giuseppino Molo So Teresa Molo Sartoria N W Bora Libechio Tafel XVIII. 凸 H FIUME. Aus dkk Hof- u Staatsdruckerei D ☐ B D F 100 50 10 200 Nord Taf XX. 300 Meter. Süd C TMW- Bibliothek D C C 0020924 3 AAAAAAAAAAA