OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DER BLINDEN- UND TAUBSTUMMENUNTERRICHT. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) BERICHT VON EDUARD KALTNER. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI, 1873. VORWORT. ") Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausstellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausftellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. I* TOWOW DER BLINDEN- UND TAUBSTUMMENUNTERRICHT. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) Bericht von EDUARD KALTNER. Das blinde und taubftumme Kind. Die Zahl der blinden und der taubftummen Kinder ift eine fo grofse, dafs die vorhandenen Blinden- und Taubftummen- Unterrichtsanftalten nur einen fehr kleinen Theil diefer Unglücklichen aufnehmen können. Es ift ficher, dafs nur fehr felten Kinder blind oder taub geboren werden, meiftens tritt diefes Uebel erft nach der Geburt ein, wobei Unwiffenheit der Eltern, oder auch klimatifche Verhältniffe und verfchiedene Krankheiten die Schuldtragen. Heute, wo fchon die Volksfchule der Gefundheitslehre ihre Aufmerkſamkeit zu widmen beginnt und ihre Schüler durch entſprechenden Unterricht über den Bau des menfchlichen Körpers, über die Functionen der einzelnen Theile des Körpers, über zweckmässige Lebensweife, Ernährung und Bewegung zu belehren fucht, dürfte es, wenn noch die übrigen dazu berufenen Organe getreulich mitwirken, dahin kommen, dafs die Uebel der Blindheit und Taubheit fich allmälig mindern wird. Befonders find Aerzte, Priefter und Hebammen vermöge ihrer Stellung in der Lage, belehrend auf junge, noch unerfahrene Frauen während der Schwangerfchaft und des Wochenbettes einzuwirken; denn gerade hier werden die meiſten Fehler begangen, und dadurch die Neugebornen für immer unglücklich. Aber auch die Regierung darf die Hände nicht müffig in den Schofs legen; fie mufs dafür forgen, dafs auch der Arme, der im Schweifse feines Angefichtes fein Brot verdient, eine der Gefundheit zuträgliche Wohnung finden könne; fie dulde nicht, dafs Wohnhäufer in gefundheitsfchädlichen Gegenden, oder felbft gefundheitsgefährlich erbaut werden; fie verpflichte die Gemeinden für Reinlichkeit zu forgen, Ueberfüllung der Wohnungen durch Zufammenleben mehrerer Familien hintanzuhalten, fie forge dafür, dafs ärztliche Hilfe überall rechtzeitig möglich werde; endlich wende fie durch ihre Organe der Ueberwachung der 2 Eduard Kaltner. Nahrungsmittel ihre Sorgfamkeit zu, und fuche durch energifches Einfchreiten ihren Ordnungen und Gefetzen den gehörigen Nachdruck zu geben. Gerade für die ärmere Volkclaffe ift die gröfste Sorgfalt von Seite der Regierung nöthig, weil erwiefen ift, dafs gerade hier der Herd für Blinde, Taubftumme und Blödfinnige zu finden ift, und weil dann diefen Menfchen Zeit, Mittel und Kenntniffe fehlen, um ihren nicht vollfinnigen oder geiftesfwachen Kindern die nöthige Erziehung zu geben, wodurch dann endlich für Gemeinde und Staat eine Laft entsteht, für welche alle Mittel nicht mehr ausreichen. Betrachten wir fo ein unglückliches Kind im Kreife der Familie, fo ftellt fich uns oft ein wahrhaft fchauerliches Jammerbild vor Augen. Blindheit und Taubheit haben die natürliche Folge der Unbeholfenheit, die Angehörigen der Unglücklichen wiffen fich mit ihnen nicht zu helfen, und fo kommt es, dafs diefe Kinder ohne alle Thätigkeit fich in die Winkel des Wohnzimmers verkriechen, ganz vernachläffigt werden, bis fich zu dem einen Uebel ein zweites, nämlich Blödfinn oder Stumpffinn gefellt. Die Erziehung in der erften Kindheit fordert fchon bei vollfinnigen Kindern grofse Aufmerkſamkeit, noch mehr aber bei folchen, denen das Licht des Auges oder das Gehör fehlt. Letztere lernen dann auch nicht fprechen, wenngleich die Sprachwerkzeuge vollkommen in Ordnung find. Was ift nun zu thun? Wo fich ein blindes oder ftummes Kind befindet, da follen Priefter und Lehrer mit Rath und That den Eltern ftets zur Seite stehen. Sie mögen den Eltern und namentlich der Mutter zeigen, was fie zu thun hat und wie fie es zu machen hat, dafs das Kind im häuslichen Kreife lernt, fich felbftändig bewegen, wafchen, kämmen, an- und auskleiden, in der Wohnung und im Haufe herumzugehen, kleine Gefchäfte zu verrichten u. f. w. Natürlich mufs Ordnung herrfchen, und namentlich bei blinden Kindern Alles aus dem Wege geräumt werden, wodurch fie fich felbft leicht befchädigen oder Schaden anrichten könnten. Die Blinden laffe man wiederholt Gegenftände betaften, damit fie unterfcheiden und Gegenftände erkennen lernen. Dabei fpreche man fleifsig mit ihnen. So werden diefe Kinder Selbftvertrauen und Muth bekommen, den Eltern wird eine bedeutende Laft abgenommen, und die Kinder werden für einen folgen. den Unterricht empfänglich und vorbereitet. Sobald das fchulfähige Alter eintritt, follen blinde und taubftumme Kinder in die Schule gebracht werden; fie werden gar bald, wenn fie im Elternhaufe nicht gänzlich vernachläffiget wurden, in mancher Beziehung ohne befondere Mühe des Lehrers mit den Vollfinnigen gleichen Schritt halten. Die wenigen, unumgänglich nöthigen Lehrmittel müffen dem Lehrer durch die Gemeinde, oder wenn diefe unfähig ift, durch die Landesregierungen verfchafft werden. Lehrmittel für Blinden und Taubftummen- Unterricht in der Wiener Weltausstellung. Wenn wir mit forfchendem Blicke die vielen Räume der Weltausftellung durchwanderten, fo fanden wir, dafs alle Länder nebft den mannigfachen Induftrie- und Kunfterzeugniffen auch der Jugendbildung gedachten und ihre Schuleinrichtungen von der Hochfchule herab bis zur Dorffchule zur Schau ftellten. Ganze Schulgebäude fanden wir als Mufterbauten entweder in wirklicher Gröfse oder im Modelle. An anderer Stelle werden diefelben eine würdige Besprechung finden, hier wollen wir nur deffen gedenken, was fich auf den Blindenund Taubftummen- Unterricht bezieht. Perfonen, welche fich für den Blinden- oder Taubftummen- Unterricht intereffiren, ift anzurathen, ein Inftitut für folche Kinder zu befuchen; fie werden hier Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 3 Vieles fehen, was wohl in dem für diefes Fach befchränkten Raume in der Weltausftellung nicht zu finden war. Wir empfehlen namentlich Prieſtern und Lehrern den Befuch des k. k. Blinden- und Taubftummen- Inftitutes in Wien, dann des vortrefflich eingerichteten ifraelitifchen Blindeninftitutes auf der hohen Warte und des ifraelitifchen Taubftummen- Inftitutes auf der Landftrafse. Die Herrn Directoren werden gewifs den Eintritt gerne geftatten und bereitwilligft Auskünfte ertheilen. Was nun die Ausftellung felbft betrifft, fo fanden wir den Blindenunterricht durch Lehrmittel und Schülerarbeiten am meiften vertreten von den Inftituten in Wien, Brünn, Dresden, Hannover, Stuttgart, Italien, Spanien, Ungarn, Dänemark und Linz, ferner das Taubftummen- Inftitut von St. Pölten, Wien, Madrid. Die ausgeftellten Gegenftände waren: Lehrbücher und Leitfäden für Lehrer. So fanden wir in der öfterreichifchen Unterrichtsabtheilung alle von dem Gründer des Wiener Inftitutes Herrn Joh. W. Klein verfafsten Werke, ein Werk des gegenwärtigen Directors Pabla fek, und ein recht brauchbares Werkchen des Wiener- Blindenlehrers Entlicher. Lehrmittel, wenn auch nur Bruchftücke, für die gewöhnlichen Unterrichts gegenftände, als: Anfchauungsunterricht( ein Theil des im Wiener Blindeninftitute befindlichen Allerlei), eine fyftematiſch geordnete Sammlung von verfchiedenen im Leben vorkommenden Gegenftänden, als: Getreidearten, Hülfenfrüchten, anderen Sämereien, Münzen, Stoffen, Mafsftäben, Zwirn, Wolle, Seide u. f. w., welche als Anknüpfungspunkte zu Befprechungen verwendet werden, und dazu dienen, Gefühl( Taftfinn), Gehör, Geruch und Gefchmack der Blinden zu üben, und für den eigentlichen Unterricht vorzubereiten. Für den Lefeunterricht fanden wir: Vom Blindeninftitute zu Neapel, Dresden, Brünn und Wien Alphabete, theils aus Metall, theils aus Holz, von Brünn aus rother Maffe ausgeftellt und zwar in vier Stufen, fo dafs das von Neapel die gröfsten, das von Wien die kleinften Buchftaben enthält. Bücher mit erhabener Prefsfchrift fanden wir von allen Inftituten, die fich an der Ausftellung betheiligten, auch von Schweden, Norwegen, Frankreich, Amerika u. f. w. Der Inhalt diefer Bücher ift dem unferer Lehrbücher ähnlich oder er ift gefchichtlich, geographifch, naturgefchichtlich, oder es enthalten diefe Bücher biblifche Erzählungen, Evangelien, Religion, oder verfchiedene Sprüche. Einzelne Inftitute, wie Wien und Brünn, haben ihren Alphabeten Setzapparate beigegeben, welche horizontal auf den Tifch oder die Schulbank gelegt werden, mit Querleiften verfehen find, in deren Falz die Lettern eingefchoben werden. Diefe Setzapparate geben den Blinden zugleich ein Erfatzmittel für das Schreiben. Das National- Inftitut für Blinde und Taubftumme zu Madrid hatte eine gewöhnliche Schultafel mit Satzleiften ausgeftellt, welche zum Rechnen mit Ziffern und zum Zufammenfetzen von Wörtern und Sätzen verwendet werden kann. Ebenfo fahen wir in der fpanifchen Unterrichtsabtheilung eine tabellarifche Darftellung des Alphabetes für Taubftumme( Hand- oder Fingerfprache). In derfelben Abtheilung fanden wir einige Käftchen, an denen oben ein Spiegel angebracht ift. Darunter ift eine genaue Abbildung der Mundftellung bei einzelnen Buchftabenlauten. Durch genaue Nachahmung kommt der Taubftumme zur Mundsprache. Für den Unterricht im Rechnen fanden wir faft überall die ruffifche Rechenmafchine ausgeftellt, die fchon fo bekannt ift, dafs es nicht nöthig erfcheint, weiter darüber zu fprechen. Sie kommt einfach und combinirt vor, auch nach Jarifch. Herr Schwarz vom Blindeninftitute in Brünn hatte einen Rechenapparat für Blinde ausgeftellt, der aus einem horizontalen Brete befteht, in zehn Reihen, gleichweit von einander entfernt ftehende Löcher hat, wovon jede Reihe deren 4 Eduard Kaltner. zehn enthält, in welche zur Zahlenbezeichnung halbkugelähnliche Körper mit ihrem nach abwärts ftehenden Zapfen gefteckt werden. Ungarn hatte in feiner Unterrichtsabtheilung eine der ruffifchen Rechen mafchine ähnliche, für den Pytagoräifchen Lehrfatz ausgeftellt, die mit geringer Aenderung anch für den Blindenunterricht verwendbar ift. Statt der Kugeln finden wir hier verfchliefsbare Kapfeln, auf denen die Zahlen ſtehen. Nehmen wir z. B. in der erften Reihe oben die Zahl 5, fo finden wir darunter in der fünften Reihe davon das Quadrat 25 u. f. f. Auch Brüffel und Madrid haben ruffifche Rechenapparate ausgeftellt, wovon der von Brüffel fich in vier Theile theilt, und in einem folchen Theile Mafse und Gewichte, im Rechnen die Längenmafse enthält; diefer Apparat müfste für Blinde theilweife Umänderungen erhalten. Im Ganzen find alle diefe Apparate nichts weiter als Verfinnlichungsmittel, zum eigentlichen Rechnen für Blinde aber bald entbehrlich, weil die meiſten derfelben mit aufserordentlicher Leichtigkeit und Schnelligkeit im Kopfe rechnen, ebenfo auch die Taubftummen, denen auch das fchriftliche Rechnen( Zifferrechnen) keine Schwierigkeiten macht. Blindenfchrift. Wie der Sehende fühlt auch der Blinde das Bedürfnifs der Gedankenmittheilung, und betrifft diefe abwefende Perfonen, fo kann diefes eben nur fchriftlich gefchehen. Zu diefem Zwecke lehrt man die Blinden in allen Inftituten fchreiben und zwar nach der ftehenden Lateinfchrift. Wenn fchon die beften Schreiblehrer darüber einig find, dafs die Lateinfchrift überhaupt auch für fehende Kinder am leichteften zu erlernen ift, wenn man ferner noch bedenkt, dafs gerade diefe Schriftart am weiteften verbreitet und allgemeiner bekannt ift, als z. B. die deutfche Currentfchrift, fo ift es leicht erklärlich, warum man für Blinde diefe Schrift als die zweckmäfsigfte betrachtet. Zur Herftellung derfelben hat fchon Director Klein einen ganz einfachen Schreibapparat eingeführt, der auch in der Blindenabtheilung der öfterreichifchen Lehrmittel- Ausftellung zu fehen war, und mittelft deffen die blinden Zöglinge des Wiener Inftitutes ganz gute Schriften herſtellen. Der Apparat ift eine einfache hölzerne Tafel mit fühlbaren Querlinien, darüber wird das Papier gelegt und mit einem darauf paffenden Rahmen feftgehalten. Der Blinde legt nun die Spitze des Zeigefingers der linken Hand an die oberfte Linie, die Daumenfpitze der linken Hand an die zweite Linie, und fchreibt feine Buchftaben zwifchen den beiden Fingerfpitzen mit Bleiftift, wobei er bei jedem Buchftaben mit den Fingerfpitzen gegen rechts vorrückt. Ift eine Zeile fertig, fo fährt er mit den Fingerfpitzen in denfelben Linien nach links zurück und rückt jetzt um eine Zeile tiefer, um in gleicher Weife die nächfte Zeile zu fchreiben u. f. f. Haben die Zöglinge einmal einige Fertigkeit erlangt, fo genügt es auch, die Linien mittelft des Apparates blofs durchzudrücken, und dann das fo fühlbar linirte Papier, ohne Apparat auf gleiche Weife zu verwenden. Häufiger findet man jetzt den Hebold'fchen Schreibapparat, der auch zur Punktfchrift, von der wir fpäter fprechen werden, zu verwenden ift. Diefer Apparat war in der Ausstellung in allen Blindenunterrichts- Abtheilungen zu finden, Amerika ausgenommen, wo er aber ebenfalls verwendet wird. Er befteht aus dem eigentlichen Schreibbrete, an deffen beiden Rahmentheilen links und rechts in Linienweite fich eine gleiche Anzahl von Löchern befindet. Statt der Linien, wie bei Klein's Apparat, hat der Hebold'fche Apparat einen oder zwei Meffingquerftreifen, diefe find an den beiden Enden nach abwärts mit Zäpfchen verfehen, mittelft welcher der Streifen, der nun eine Schreiblinie Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 5 bildet, in zwei gegenüberftehende Löcher zur Befeftigung eingelaffen wird. Gleichweit von einander entfernt, enthält der Meffingftreifen rechteckförmige Ausfchnitte, in welchen mittelft eines Stiftes auf untergelegtes Papier die Buchftaben gefchrieben werden. Ift eine Zeile fertig, fo wird der Meffingftreifen um ein Loch tiefer nach abwärts gerückt u. f. w. bis die Schrift zu Ende, oder die Seite voll ift. Gefchrieben wird nur auf einer Seite, auch ift die Schrift, fo wie bei Klein's Apparat, nur für Sehende lesbar und dient als Verſtändigungsmittel für Blinde mit Sehenden. Gold ftein's Schreibapparat aus Wien ift in Einrichtung und Gebrauch der Hauptfache nach dem Hebold'fchen ähnlich. Schon Klein erkannte, dafs der Erfolg des Schreibunterrichtes bei Blinden mit der Mühe in einem fehr ungünftigen Verhältniffe ftehe, dafs aber auch das Schreiben nicht ein hinreichendes Verftändigungsmittel zwifchen Blinden und Sehenden fei, zwifchen Blinden felbft aber gar nicht gebraucht werden könne. Er fann nun auf ein befferes Mittel und kam auf die von ihm eingeführte Stachelfchrift, die nach und nach in allen Blindeninftituten Europas eingeführt wurde, bei welcher die Buchftaben wie mit Nadeln durchftochen erfcheinen und auf der Rückfeite fühlbar find. Die Vorrichtung hiezu war in der öfterreichischen Unterrichtsabtheilung ausgeftellt. Der Apparat befteht aus dem Buchftabenbehälter und aus dem Druckbrete. Zur Stachelfchrift wird das grofse Alphabet der ftehenden Lateinfchrift ( A B C D u. f. w.) verwendet. Die Buchftaben beftehen aus Nadelfpitzen, die verkehrt an der Grundfläche eines vierfeitigen Metallprismas eingegoffen werden, damit fie bei der Wendung des Blattes die richtige Form haben. Am oberen Ende des Prismas ift derfelbe Buchftabe in feiner richtigen Lage fühlbar angebracht, damit ihn der Blinde leicht finden und nach dem Gebrauche wieder an Ort und Stelle bringen kann. Der Buchftaben- Behälter ift ein in beiläufig zwei Zoll tiefe Fächer abgetheilter Kaften, deffen Boden mit Filz oder Flanell belegt ift, damit die Nadelfpitzen nicht leicht verderben. Alphabetifch geordnet kommt in jedes Fach fenkrecht geftellt ein Buchftabe. Beim Gebrauche legt der Blinde diefen Behälter rechts neben das Druckbret. Das Druckbret ift ein glattes, mit Filz oder Flanell belegtes Bret in Rechteckform, darüber wird das Papier gelegt, welches mit einem über das Druckbret paffenden, durch Querftäbe in Zeilenräume getheilten Rahmen feftgehalten wird. Im Gebrauche wird nun ein Buchftabe nach dem anderen mit der rechten Hand aus dem Buchftaben- Behälter genommen. Der erfte Buchftabe wird in der unterften Reihe des Druckbretes links, fenkrecht eingeftellt und mit der linken Hand gehalten, mit dem Daumen der rechten Hand wird nun der eingefetzte Buchftabe abgedruckt, und gleich neben ihn der nächfte Buchftabe eingefetzt, die linke Hand hält jetzt fo lange beide Buchftaben, bis der zweite abgedruckt ift, dann läfst die linke Hand den erften Buchstaben los, und die rechte Hand gibt ihn in fein Fach zurück. An den zweiten lehnt fich der dritte Buchftabe, ein Zeichen, ein Spacium oder eine Ziffer an u. f. f. bis, die Seite voll ift. Nun wird das Blatt fo gewendet, dafs die unterfte Zeile die oberfte wird und fo fteht nun die ganze Schrift in der richtigen Lage. Die fo hergestellte Schrift ift für Blinde und Sehende lesbar, und gibt daher ein ganz paffendes Correfpondenzmittel. In einzelnen Blindenanftalten hat man die fogenannte Punktfchrift eingegeführt, und wir fanden z. B. in der fpanifchen Unterrichtsabtheilung Bücher mit diefer Schrift. Sie befteht aus lauter Punkten, durch deren verfchiedenartige Nebenund Uebereinanderftellung das kleine und grofse Alphabet dargestellt wird. Bisher konnte fich diefe Schreibeweife nicht allgemeine Bahn brechen, was wohl feinen Grund darin haben mag, dafs fie kein Verftändigungsmittel zwifchen Blinden und Sehenden bildet, was erft gefchehen könnte, wenn diefe Schrift allgemein auch für Sehende eingeführt würde. 6 Eduard Kaltner. Der Hebold'fche Schreibapparat ift auch für die Punktfchrift verwendbar, und hat zu dem Zwecke für Anfänger eine zweite Vorrichtung, nämlich für eine Schreibzeile einen verfchiebbaren Meffingftreifen, in welchem fich für jeden Buchftaben in zwei Nebenreihen drei übereinanderftehende Löcher zur Bezeichnung der Punkte befinden.() Die Blindeninftitute verfertigen fich in der Regel ihre Bücher felbft und befitzen hiezu eine einfache Schraubenpreffe. Eine Anzahl von Bleilettern mit taftbarer Schrift befindet fich in einem Behälter, auch die nöthigen Satzzeichen, Ziffern und Spacien. Ganz fo wie bei Buchdruckern werden nun ganze Seiten gefetzt, ift der Satz fertig, legt man ein Blatt befeuchtetes, ftarkes Papier darauf, und darüber einen mit Filz gefütterten Deckel. Diefs in die Preffe geftellt und zugedreht, ift das ganze Gefchäft. Ift die Seite fo oft abgeprefst, als man fie braucht, fo wird der Satz zerlegt, die Lettern eingereiht und eine neue Seite gefetzt. Director Pablafek aus Wien hat an dem gewöhnlichen Schreibapparate, der eigentlich beffer Druckapparat heifst, eine einfache, verfchiebbare Hebelvorrichtung angebracht, um die Buchftaben abzudrucken. Für Taubftumme hat die gewöhnliche Schrift der Sehenden keine Schwierigkeit, und fanden fich auch vom Taubftummen- Inftitute zu St. Pölten Schriftproben in der öfterreichifchen Unterrichtsabtheilung. Geographie. Ausgehend vom Wohnorte, liegt dem Kinde, ob vollfinnig oder nicht, das Wohnhaus, und in diefem das Wohnzimmer am nächften. Aus verfchiedenen Gründen tritt aber befonders für das blinde Kind die Nothwendigkeit auf, dafs es fein Wohnzimmer, fein Schulzimmer fein Arbeitszimmer und das Haus, in dem fich Alles diefes befindet, zunächft kennen lernt. Es ift ja diefes Alles, was er in der weiten Welt, in die zu fchauen ihm das Schickfal verfagte, jetzt mit feinen Händen betaften, mit feinen Schritten durchmeffen kann. Dr. Ludwig Auguft Frankl, der bekannte öfterreichifche Dichter und wackere Freund der Blinden, hat im Modelle das ifraelitifche Blindeninftitut auf der hohen Warte den Befuchern der Ausftellung hingeftellt, und demfelben, für Blinde als Lehrmittel fühlbar dargestellt, den Grundrifs der einzelnen Stockwerke diefer fehr zweckmäfsig eingerichteten Anftalt beigegeben. In der Unterrichtsabtheilung des deutfchen Reiches fanden wir in fehr fchöner Arbeit den plaftifchen Plan von Hamburg, für Blinde als Unterrichtsmittel von dem Lehrer der Naturwiffenfchaft C. H. Partz ausgeftelit, dann eine Reliefkarte des Thüringer Waldes. Karten von Oefterreich, Deutſchland, Europa u. f. w. find in verfchiedener Weife für den Blindenunterricht eingerichtet und ausgeftellt So fanden wir Grenzen, Flüffe, Gebirgszüge durch Seidenfäden verfchieden. artig bezeichnet, Ortfchaften durch Nadelköpfe. Auch mit Nadeln durchftochen oder mit fchnell trocknender Maffa gezogen, find die wichtigen Theile auf Landkarten bezeichnet. In der italienifchen Abtheilung, auch Dänemark fanden wir die Umriffe der Karten, die Flüffe und Gebirge etc. in Hochdruck. Endlich waren Karten und Globen in Relief dargestellt. In ähnlicher Weife, wie Landkarten fanden wir auch für den naturhiftorifchen Unterricht die Umriffe von Thieren dargeftellt. Das Dresdner Inftitut hatte auch einige Modelle von Thieren ausgeftellt, deren wir noch mehrere in der Hamburger Abtheilung fanden, die zwar nicht von einer Blinden- Lehranstalt herrühren, aber ganz gut dort Verwendung finden können. Vom Taubftummeninftitute in St. Pölten( Oefterreich) waren Abbildungen aus den drei Naturreichen ausgeftellt, von denen die aus dem Mineralreiche von Kurr bei Jofef Schreiber in Efslingen Beachtung verdienen. Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 7 Für den Unterricht in der Phyfik fanden wir nur bei Dresden das Modell eines Saugwerkes, des Auges und des Ohres, eine Locomotive mit beweglichen Beftandtheilen. Für den Gefchichtsunterricht dienen Lehrbücher und für Taubftumme Abbildungen wichtiger Begebenheiten. Zum Unterrichte in der Geometrie fanden wir von Schwarz aus Brünn auf einem Brete die verfchiedenen geometrifchen Formen aus dünnen Blechftreifen ins Holz eingelaffen, fo wie in Druckfabriken oder zum Vordrucken für weibliche Handarbeiten, als: Schlingen, Sticken die Modelle herge richtet werden. Geometrifche Körper aus Holz waren ausgeftellt vom Blindeninftitute in Brünn und Dresden. Von letzterer Anftalt lagen auch hölzerne Dreiecke zur Zufammenftellung verfchiedener geometrifcher Formen auf. Einfache, taftbar dargeftellte Zeichnungsvorlagen waren von Glötzl, Hauptlehrer des Wiener Blindeninftitutes, ausgeftellt. Blinde ftellen ihre Nachahmungen geometrifcher oder anderer Zeichnungen mittelft Stecknadeln auf Kiffen oder auch dadurch her, dafs fie in Wachsflächen mit einem Stifte die Figuren einzeichnen. Auch benützen Blinde dünne Holzftäbchen zur Zufammenfetzung geometrifcher Formen( Stäbchenlegen und Erbfenarbeiten) oder Streifen aus Papier oder Pappe, oder fie fchneiden Figuren aus Pappe u. f. w. Handarbeiten. Arbeit und Sparfamkeit führen zum Wohlftand und zur Zufriedenheit; Arbeit fchützt aber auch gegen Müffiggang und bewahrt vor einer Menge von Sünden und Laftern und ift ein vortreffliches Mittel zur Erhaltung der Gefundheit; Arbeit gibt reichen Stoff zur Geiftesthätigkeit und bietet reines, unverfälschtes Vergnügen. Auch der Blinde fühlt in fich den natürlichen Trieb zu körperlicher und geiftiger Thätigkeit; wird diefer Trieb nicht befriedigt, fo verfällt er in Trübfinn, endlich in Stumpffinn und Lafter. Der Unterricht in allen Blinden und Taubftummen Inftituten führt ftufenweife auch zur nützlichen Befchäftigung, und fucht allmälig die Zöglinge dahin za bringen, dafs fie in fpäteren Jahren als nützliche Glieder menfchlicher Gefellfchaft daftehen, dafs fie nicht mehr ihren Mitmenschen zur Laft fallen, fondern felbft für ihren Lebensunterhalt zu forgen im Stande find; ja, dafs fie eine gewiffe innere Ruhe des Gemüthes erlangen und fich mit innerer Selbftbefriedigung fagen können:„ Auch ich bin kein dürrer Aft an dem unendlichen Baume der irdifchen Welt, auch ich trage nützliche Früchte!" Wenn wir es dahin gebracht haben, dann erft ift unfer Werk gelungen und wir können fagen: " Wir haben dem Blinden das Auge, dem Taubftummen das Ohr und die Sprache gegeben, die ihnen die Natur verfagt hat!" Schon während des eigentlichen Schulunterrichtes beginnen die Zöglinge irgend eine Arbeit zu lernen. Bei Taubftummen find die Schwierigkeiten viel geringer als bei den Blinden. Die Anfichten, welche Arbeiten die Blinden lernen follen, find verfchieden. So lernen die männlichen Zöglinge des Blindeninftitutes in Dresden nur Seilerei und Korbflechterei. Mit Schuhmacher- Arbeiten wurde der Verfuch gemacht, es wurde aber davon wieder abgegangen, während diefe Profeffion im Blindeninftitute in Wien, Kopenhagen und anderen mit Vortheil betrieben wird. fo manchen divergirenden Anfichten hat der von Dr. Frankl einberufene Blindenlehrer- Congrefs eine Einigung erzielt oder wenigftens angebahnt. In Es fei uns hier geftattet, einige Grundfätze, die bei dem Erlernen von Handarbeiten leitend fein follen, und die theilweife auch beim Congreffe ausgefprochen und angenommen wurden, aufzuftellen. 8 Eduard Kaltner. Jeder Zögling, ob männlich oder weiblich, lerne irgend eine Arbeit, wozu er Talent befitzt und wodurch er fich feinen Unterhalt verfchaffen kann. Er lerne eine Arbeit, die er felbftftändig, alfo ohne Mithilfe von Sehenden, vollſtändig ausführen kann. Er lerne eine folche Arbeit, für welche er den nöthigen Abfatz findet. Er lerne eine Arbeit, zu welcher ihm auch die nöthigen Geldmittel nicht fehlen oder wozu fie ihm leicht zur Verfügung geftellt werden können. Wir kommen auf einzelne Punkte noch bei unferen Mittheilungen über den Blindenlehrer Congrefs zu fprechen. Selbſtverſtändlich ift, dafs die localen Verhältniffe wohl berücksichtigt werden müffen. Wenn wir nun die einzelnen Räume, in welchen Arbeiten von Blinden oder Taubftummen in der Wiener Weltausftellung zu finden waren, durchfchritten, fo ftand hier obenan das k. k. Blindeninftitut von Wien. Allerdings mag hiezu noch beigetragen haben, dafs eben die Ausftellung in Wien war, und es daher dem Wiener Inftitute leichter möglich war, fich vollſtändiger an der Ausftellung zu betheiligen. Von den Arbeiten blinder Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren gaben die vorliegenden Stickereien, die von grober Wolle bis zur feinften und zum feinften Zwirne reichten, den vollſtändigen Beweis, dafs bei Fleifs und Ausdauer und bei zweckmäfsiger Anleitung alle Schwierigkeiten zu überwinden find. Einzelne Arbeiten waren fo fchön, dafs fie auch von Sehenden nicht beffer fein könnten. Wir fanden hier Arbeiten der verfchiedenften Unterrichtsftufen, vom Strumpfbande bis zum Häubchen, Jäckchen und Umhängtuche. Einige aufgelegte Häkel- und Netzarbeiten zeigten, dafs auch in diefem Fache mit Mühe und Fleifs gearbeitet wurde, ja felbft Näharbeiten fehlten nicht. Die Arbeiten der männlichen Blinden gleichen Alters( von 12 bis 18 Jahren) erftreckten fich auf Korbflechterei, Drechsler- und Bürftenbinder- Arbeiten. Diefe Arbeiten waren ganz hübfch hergeftellt und fanden durch thatkräftige Vermittlung des Hauptlehrers und Rechnungsführer Glötzl reichen Abfatz. Es lagen nahe an 200 verfchiedene Arbeiten der männlichen Zöglinge des Wiener Blindeninftitutes auf. Für manche Arbeiten der Blinden werden einzelne Beftandtheile von Sehenden geliefert, fo Vergoldungen, Lackarbeiten. Nebft den bereits genannten Drechsler-, Korbflechter- und Bürftenbinder- Arbeiten wird im Wiener Inſtitute auch Tifchlerei und Schuhmacherei getrieben und eben ift die Direction daran, eine Seilerwerkstätte einzurichten. Mit weifer Vorficht wird hier den Blinden jene Profeffion gelehrt, welche ihnen ihren Lebensunterhalt möglich macht und welche fie allein, ohne Beihilfe von Sehenden betreiben können, oder welche fie als Gehilfen bei ihren Angehörigen ausüben können. Sind die blinden Zöglinge erwachfen und fo weit gebracht, als es das Ziel des Blindeninftitutes vorfchreibt, fo werden diefelben ihren Familien zurückgegeben oder fie treten in die Verforgungsanftalt für erwachfene Blinde über. Diefe Anftalt ift jedoch nicht eine Verforgungsanftalt gewöhnlicher Art, fondern fie bildet gleichfam eine Fortfetzung des Blinden- Erziehungsinftitutes. Auch diefe Anftalt hatte fich bei der Ausftellung betheiligt, und den Beweis geliefert, dafs Talent und Fleifs eine Macht bilden, die felbft das Auge, ein fo unfchätzbares Gut, entbehrlich macht. So fanden wir unter den vielen Holz- Schnitzarbeiten eine Arbeit des erwachfenen Blinden Jofef Kleinhans aus Nauders in Tirol, die, wenn fie auch kein vollendetes Kunftwerk ift, dennoch Staunen erregt. Es ift diefe Arbeit ein Chriftus am Kreuze. Als Unterrichtsmittel zur Kenntnifs der inneren Conftruction eines Claviers, befonders für blinde Clavierftimmer fanden wir unter den Ausstellungsgegenftän Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 9 den das Modell des Saitengerüftes, theilweife mit Saiten bezogen; ferner Taften mit Wiener und englifcher Mechanik von Jofef Prombergerjun. aus Wien. Aehnlich den Arbeiten der Mädchen des Wiener Inftitutes fanden wir Arbeiten von den Inftituten zu Brünn, Linz, Dresden, Hannover, Kopenhagen, Stuttgart, Neapel, Madrid, Peft, Brüffel, Brügge. Von den Arbeiten der männlichen Blinden verdienen befonders Erwähnung: Brünn. Hier fanden wir Seffelflechterei aus Rohr in verfchiedenen Muftern und vorzüglich ausgeführt; ferner Strohgeflechte, Teppiche aus Tuchftücken, Bürftenbinder- Waaren. Zur Herftellung der Maffebuchstaben für Blinde hatte Herr Schwarz auch eine Modellirplatte ausgeftellt. Faft fämmtliche vom Brünner Blindeninftitute ausgeftellt gewefenen Lehrmittel find von Herrn Schwarz felbft hergeftellt oder von ihm erfunden und nach feinen Angaben verfertigt. Linz. Rohrfeffel Geflechte, Körbe aus Weidenruthen, Fufsdecken aus Stroh, Teppiche mit Wollfranfen, Tifchdecken aus färbigem Holze. Von Arbeiten der Mädchen find befonders erwähnenswerth: Schnüre mit Quaften aus weifser Baumwolle, eine Damencravate und ein Serviettenband, eine grofse Bettdecke, Kinderjäckchen, Nachthäubchen, ein Glockenzug, eine Altarfpitze. Diefes Inftitut hatte auch die Wachsbüfte des blinden Fräuleins Therefe v. Paradies ausgeftellt.( 15. Mai 1759 in Wien geboren. 1. Februar 1824 dafelbft geftorben.) Mit ihrer Büfte war auch ihr Stammbuch ausgeftellt, deffen Inhalt fich in einer hölzernen Chatulle befand. Am Deckel derfelben befand fich ihr Bildnifs nebft zwei Blättern von Denis und dem blinden Dichter Pfeffel. Therefe v. Paradies hat felbft zu einer Zeit, in der es noch kein Blindeninftitut gab, einige für den Blindenunterricht wichtige Erfindungen gemacht, und gab Veranlaffung zum Entstehen des erften Blindeninftitutes der Welt. Copenhagen. Hier fanden wir Schuhmacher- Arbeiten, dazu die verfchiedenen Holzformen zum Zufchneiden des Leders. Ferner Seiler-, Bürftenbinder- und Flechtarbeiten. Nach den dortigen Verhältniffen finden diefe Arbeiten reichen Abfatz. Dresden und Hannover. Hier wird den localen Verhältniffen entfprechend nur Korbflechterei und Seilerei getrieben, weil die dadurch erzeugten Waaren den beften Abfatz finden.* Die einträglichfte Erwerbsquelle finden die blinden Mädchen in Sachfen durch Verfertigung von Chignons, wozu fie die Haare aus den Magazinen des Dresdener Inftitutes erhalten. Stuttgart. Auch hier fanden wir Korbflechter- Arbeiten, RohrfeffelGeflechte, Drechslerwaaren ausgeftellt. Auch ftanden in diefer Abtheilung einige recht nette Holzfchnitzereien. Mufik. Die Anfichten über den Mufikunterricht find fehr divergirend. Das hat fich auch bei dem Blindenlehrer- Congrefs hinreichend gezeigt. Herr Reinhard, Director des Dresdner Blindeninftitutes, ein ganz tüchtiger Mann und ein warmer Freund und Vater feiner blinden Zöglinge und mit ihm einige andere Herren finden in der Mufik das Mittel des Bettelwefens und Vagabundirens. Sie befchränken den Mufikunterricht auf den Chorgefang, Clavierund Orgelfpiel, und verwerfen jeden Unterricht mit tragbaren Inftrumenten. Herr Wilhartiz aus Louisville in Amerika, felbft Mufiklehrer, ift der Anficht, dafs Blinde niemals wahre Künftler werden. Diefe Anficht möchten wir wohl als eine fehr gewagte bezeichnen, und weifen hierauf bezüglich auf das allgemein, zurück. * Wir kommen in dem Artikel ,, Blindenlehrer- Congrefs" noch auf diefe Erwerbszweige 10 Eduard Kaltner. auch in Künftlerkreifen bewunderte Fräulein von Paradies hin. Aus dem Wiener Inftitute find auch in der neueren Zeit ganz tüchtige Künftler und Compofiteure hervorgegangen. Wir wollen hier auf die Namen Hartl, Zackreis, Labor( Kammervirtuos des blinden Exkönigs von Hannover) und Weftermeyer hinweifen. Herr Director Pablafe k vom Wiener Inftitute durchkreuzte die Anfchauungen Reinhard's und Wilhartitz's durch eine eben fo geiftreiche als auf Erfahrung bafirte Auseinanderfetzung, und es ftimmten ihm fchliefslich faft alle Congrefsmitglieder bei. Wir werden fpäter auf diefen Vortrag zurückkommen, und wollen jetzt uns auf die Ausftellung befchränken. Fräulein Therefe v. Paradies bediente fich zu ihren Studien und Mufikübungen eines Bretes mit Drahtlinien und Löchern, in welche die aus Holz hergeftellten Noten gefteckt wurden. Diefe Vorrichtung, wenn gleich nicht mehr im Gebrauche, verdient infoferne Achtung, als fie eine Erfindung aus jener Zeit ift, in welcher es noch kein Blindeninftitut gab, und in welcher man überhaupt die Möglichkeit eines Blindenunterrichtes bezweifelte. Daher kam es auch, dafs die Regierung zur Errichtung von Blinden- Erziehungsanftalten gar nichts that, was uns um fo weniger wundern darf, da es ja heute, wo der Erfolg des Blindenunterrichtes als thatfächlich erwiefen ift, noch Leute gibt, die noch nicht zu der Anficht zu bekehren find, dafs der Blindenunterricht ein Theil, und zwar der fchwierigfte des allgemeinen Volksunterrichtes ift. Gegenwärtig benützt man beim Mufikunterrichte das Notenfyftem der Sehenden in Reliefdruck. Herr Glötzl hat dasfelbe auch in Maffefchrift hergeftellt, in welcher Art auch Mufikübungen und ganze Tonftücke hergestellt werden können. Der blinde Claviervirtuofe Labor, ehemaliger Zögling des Wiener Blindeninftitutes, kam auf den Gedanken, Klein's Stachelfchrift- Apparat auch für die Notenfchrift zu benützen. Unter den ausgeftellt gewefenen Gegenständen fanden wir noch Colard Vienot's Noten- Schreibmafchine, mittelft welcher jedoch nicht taftbare Noten hergeftellt werden können, wodurch diefer finnreich conftruirte Apparat für den Blinden einen grofsen Theil feines Werthes verliert. Arbeiten von Taubftummen- Inftituten. Es ift fehr zu bedauern, dafs die Taubftummen- Inftitute fich nur in gerin gem Mafse an der Ausftellung betheiligten, da doch anderfeits die Leiftungen einzelner diefer Anftalten als vorzügliche bekannt find. Wer nun blofs nach der Ausftellung auf die Leiftungsfähigkeit diefer Inftitute fchliefsen würde, der würde jedenfalls zu einem fehr unrichtigen Schluffe kommen. Der Taubftumme kann jede Arbeit erlernen, zu deren Ausübung das Gehör nicht unumgänglich nöthig ift, er wird auch manche Arbeit fich aneignen, ohne einen eigentlichen Unterricht dafür nöthig zu haben. So exiftirt beiſpielsweife in Wien ein Taubftummer, der fich durch Ausfchneiden von Malerpatronen eine ganz günftige Stellung verfchafft hat und anftändig feine Familie ernährt. Von den weiblichen Zöglingen der Taubftummen- Inftitute in Graz, St. Pölten, Stockholm, Madrid waren Handarbeiten, namentlich Strickereien, Häkel- und Netzarbeiten, Nähereien, Weifs- und Buntftickereien ausgeftellt, die an Reinheit und Genauigkeit vollkommen zufriedenftellend find. Die ausgeftellten Arbeiten der männlichen Zöglinge der TaubftummenInftitute von Graz, St. Pölten, Stockholm und Madrid find den verfchiedenen Gewerben angehörend. So fanden wir Schuhe, Stiefel, Männer- und Frauen- Kleidungsstücke, Strohund Rohrflechtereien, Webwaaren. Auch Zeichnungen und Schriften vom Taubftummen- Inftitute zu St. Pölten waren ausgeftellt. Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 11 Spiele und Turnen der Blinden. Der Blinde durch fein Schickfal fehr zur Schwermuth geneigt und in feinen Bewegungen aus Furcht mehr oder weniger unbehilflich, bedarf um fo mehr jener künftlichen Mittel, welche Gefundheitspflege und Erziehung dem erfahrenen Lehrer bieten, um die angeborne Scheu, Angft und Traurigkeit feiner Schüler zu verfcheuchen. Spiele und Turnen nebft Arbeit, Mufik, Vorlefungen und Spaziergängen find hier geeignete Mittel zur Erreichung diefes Zweckes. Wenn fchon aus verfchiedenen Gründen es wünfchenswerth ift, dafs jede Schule ihren Garten haben foll, fo ift derfelbe ganz gewifs für Blindenfchulen ein unabweisbares Bedürfnifs. Ein kleines Plätzchen, das den Blinden überlaffen wird, wird von ihnen, fowohl von Knaben als Mädchen, forgfältig bearbeitet und bebaut, und wenn die jungen Pflänzchen aus der Erde fpriefsen, dann werden fie mit grofser Freude Tag für Tag mit aller Sorgfalt betaftet, begoffen und gepflegt. So wird nebft dem Vergnügen zugleich Liebe zur Natur in das Herz der unglücklichen Blinden gepflanzt. Aber der Garten ift ihnen auch der Ort der Erholung. Hier wandeln fie einzeln oder zufammen herum, meffen mit ihren Schritten jeden Weg ab, kennen genau jedes Plätzchen, auf dem etwas fteht, gehen auf jeden etwa Entgegenkommenden horchend unbehindert ihres Weges, und gewinnen allmälig in ihrer Haltung und Bewegung eine Sicherheit, wie fie den Sehenden eigen ift. Der Garten enthält aber auch abgefondert für Knaben und Mädchen die nöthigen Spielplätze, für die Knaben auch eine Kegelbahn, eine Schaukel u. f. f. Ebenfo wird im Garten der Sommer- Turnplatz eingerichtet. Auch im Winter, wenn es die Witterung geftattet, wird der Garten zu Spaziergängen benützt. Im Zimmer unterhalten fich die Zöglinge mit Domino, mit Würfelfpiel( die Augen find natürlich fühlbar angebracht), mit Damenziehen und felbft mit Schachfpiel und noch anderen Spielen, die im Zimmer ausgeführt werden können. Wir fahen auch Damenbret, Domino und Schachfpiel ausgeftellt. Jene, welche gerade an dem Spiele nicht theilnehmen, unterhalten fich mit Lefen, Schreiben, Rechnen oder mit irgend einer Arbeit oder mit Mufik. So gehen den Blinden die freien Stunden in Luft und Freude hin. Unter den Ausftellungsgegenständen des Wiener Blindeninftitutes befand fich auch unter Glas und Rahmen von dem Turnlehrer diefer Anftalt Herrn Franz Woftry eine Darftellung fämmtlicher Turngeräthe des Inftitutes gezeichnet. Der Blindenlehrer- Congreſs in Wien. Bei der Entfernung der einzelnen Blindeninftitute von einander ift die Verftändigung des Unterrichtsperfonales eine fehr fchwierige oder faft unmögliche. Um einen einheitlichen Vorgang, einen Austaufch der Anfichten und Erfahrungen in das Blinden Unterrichtswefen zu bringen, erging durch die Herren Paul Hübner und E. Kaltner fchon im Jahre 1870 bei Gelegenheit der neunzehnten allgemeinen deutfchen Lehrerverfammlung in Wien eine Einladung an die Blindenund Taubftummen- Lehrer zu einer Verfammlung. Diefe wurde damals unter dem Vorfitze Kaltner's im k. k. akademifchen Gymnafium in Wien abgehalten, und der Befchlufs gefafst, dahin zu wirken, dafs baldmöglichft ein allgemeiner Congreſs von Blinden- und Taubftummen- Lehrern zufammentrete. 12 Eduard Kaltnor. Die Wiener Weltausftellung bot hiezu die paffendfte Gelegenheit, und Herr Dr. Ludwig Auguft Frankl, ein wahrer Freund der Blinden, ergriff den Moment, und lud die Blindenlehrer zu einer Verfammlung ein. Seinem Rufe folgend erfchienen am 4. Auguft 1873 im Feftfaale des k. k. akademifchen Gymnafiums Blindenlehrer und Freunde von Blinden aus faft allen Ländern Europas, aus Afrika und Amerika, um an den Berathungen theilzunehmen. Auch einige Volksfchul- Lehrer Wiens und mehrere Blinde wohnten den Verfammlungen bei. Unter den anwefenden Gäften befanden fich Fürft Georg Chartorynski aus Lemberg, Baron Königswarter, Dr. Hoffer als Vertreter der Stadt Wien, Magiftratsrath Le ban als Stellvertreter des Bürgermeifters, Hoffecretär Fleifsner als Vertreter des Unterrichtsminifteriums. Dr. Frankl eröffnete die Verfammlung mit einer wohl durchdachten Anfprache, in der er das Gefchichtliche des Blinden- Unterrichtswefens darlegte, bafirt auf die drei Worte:" Verehrt, ernährt, belehrt!" Im grauen Alterthume fchrieb man den Blinden profetifche Sehergabe zu man wendete fich an fie, um künftige Schickfale zu erfahren und verehrte fie. 1178 wurde vom Herzog Welf VI., der im Alter felbft erblindete, zu Meiningen( um 82 Jahre früher als in Frankreich) das erfte Blindenafyl gegründet. Walter von der Vogelweide befang es in einem Gedichte mit den Worten: ,, Es bleibt fein ganzes Lob auch nach dem Tode." Das Blindenafyl war jedoch nichts weiter, als eine Verforgungsanftalt; man befchränkte fich darauf, Blinde zu ernähren. . Da tauchte plötzlich aus dunkler Nacht ein leuchtender Stern auf! Eine Wienerin, Fräulein Therefe v. Paradies, deren wir bereits wiederholt erwähnten, machte durch ihre Virtuofität grofses Auffehen, wodurch in' Valentin v. Hany der Gedanke reifte, in Paris ein Blinden- Erziehungsinftitut zu errichten, welcher Gedanke 1784 auch zur Ausführung kam. Ganz unabhängig von diefer Anftalt gründete Johann Wilhelm Klein 1809 das Blindeninftitut zu Wien, welches 1816 zur Staatsanftalt erhoben wurde. Auch die Verforgungsanftalt für erwachfene Blinde verdankt diefem edlen Manne feine Entstehung. Bald entftanden ähnliche Anftalten in verfchiedenen Ländern und heute gibt es bereits 143 folche Inftitute. Und fo bewähren fich die anfangs ausgefprochenen Worte:" Verehrt, ernährt, belehrt!" Das als unmöglich Geglaubte ift zur lebendigen That geworden, und jedes Blindeninftitut hat ausgezeichnete Zöglinge aufzuweifen. Nach Herrn Dr. Frankl nahm der Gemeinderath Herr Dr. Hoffer das Wort, um die Verfammelten im Namen der Stadt Wien zu begrüfsen. Redner hob befonders das humanitäre Wirken unferes Jahrhunderts und zwar befonders der zweiten Hälfte desfelben hervor. Der ungarifche Unterrichtsminifter Auguft v. Tréfort fendete durch einen Abgeordneten, Herrn Minifterialrath Karffy dem Congreffe feinen Grufs. Im Namen der Congrefsmitglieder fprach Herr Director Mecker aus Düren in Preufsen dem Comité für die viele Mühe, und der Stadt Wien für den herzlichen Empfang feinen Dank aus. Schon am 3. Auguft wurde eine Vorverfammlung abgehalten und dabei das Präfidium gewählt und die Tagesordnung aufgeftellt. Hierüber erftattete ein Herr Paul Hübner Bericht und wurden die in der Weife gefafsten Befchlüffe auch angenommen. Gewählt wurden: Herr Dr. Frankl als Präfident, " Director Pablafek von Wien, als Präfes- Stellvertreter, Paul Hübner, Redacteur des„ Heilpädagog" und Entlicher, Lehrer des Wiener Blindeninftitutes als Schriftführer, Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 13 Herr Glötzl, Lehrer und Rechnungsführer des Wiener Blindeninftitutes als Caffier. Tagesordnung: 1. Verhandlungstag: Die Blinden Amerikas und ihre Erziehung; Vortrag, gehalten von Wilhartitz, Lehrer an der Blindenanftalt zu St. Louis, Miffoury. Ueber Blinden- Vorfchulen, Director Riemer in Hubertsburg. 2. Verhandlungstag: Welche find die Urfachen, dafs man bisher keine allgemeinen praktifchen Refultate der Blindenerziehung erzielt hat? Director Moldenhaver aus Kopenhagen. Der Mufikunterricht in der Blindenfchule. Director M. Pablafek aus Wien. 3. Verhandlungstag: Ueber die technifche Ausbildung und Fürforge der Blinden. Director Reinhardt aus Dresden. Leipzig. Ueber eine gemeinfchaftliche Blindenfchrift. Director von St. Marie in Herr Wilhartitz erhält das Wort. Nach den Auseinanderfetzungen des Redners liegt die Blindenerziehung der meiften Central- und füdamerikanifchen Staaten in den Händen der Klofterbrüder und Miffionäre, welche fich auf eine blofse Ernährung und Pflege der Blinden befchränken. In Peru gibt man arme Blinde in die Hofpitäler, die reichen leben zu Haufe, jedoch ohne Unterricht. In Equadore, Guatemala, Venezuela, Nicaragua, den argentinifchen und columbianifchen Republiken und auf Cuba ift bis jetzt für Blindenunterricht nichts gefchehen. In Brafilien ift ein Blindeninftitut mit 33 Zöglingen, in Mexico, wo es fehr viele Blinde gibt, find 3 Blindeninftitute. So, wie Frankreich feinen Hany, Oefterreich feinen Klein und Frankl, die Vereinsftaaten ihren Dr. Howe haben, fo befitzt auch Mexico einen Mann, der trotz aller Schwierigkeiten, die ein uncultivirtes Land bietet, mit unverfiegbarem Muthe Schulen für Blinde baute, und fich der gröfsten Anerkennung würdig machte. Der Mann, der noch immer mit gleicher Liebe wirkt, heifst Ignatio Trigueros. Canada befitzt 2 Inftitute, in denen dasfelbe gelehrt wird, wie in England. Obfchon Amerika das Land der Freiheit ift, fo find doch die Schulen der vereinigten Staaten nicht als ein Product der Freiheit zu betrachten. Mit aller Strenge fordern die Schulgefetze, dafs jedes Kind, wenn auch blind, ftumm, einarmig, einbeinig oder höckerig oder überhaupt idiotifch, fo weit es möglich ift, unterrichtet werde. So entstanden Schulen für Alle, und da man nicht überall einen Blindenlehrer anftellen kann, fo baut man in einer leicht erreichbaren Stadt ein Haus, und hier erhalten die Blinden Wohnung, Koft, Wäfche und Unterricht umfonft. Die Staaten gründen und erhalten diefe Inftitute als Abwehr gegen Bettelei, Lafter und Verbrechen. Der Unterricht In den Vereinigten Staaten befinden fich 27 Inftitute. theilt fich: 1. in primären, 2. literarifchen, 3. Mufik, 4. Technik, 5. Haushalt. Der Unterricht in den Handwerken richtet fich nach den Bedürfniffen der Gegend. Es werden herangebildet: Korbflechter, Drahtflechter, Befenbinder, Bürftenbinder, Matratzenmacher, Haufierer, Clavierftimmer, Rohrflechter, Buchhändler, Schachtelmacher und Gehilfen für die Farm. Die Mädchen lernen Stricken, Häkeln, Wafchen, Bügeln, Kleiderzufchneiden und Nähen mit und ohne Mafchine u. f. w. Unwiffenheit und falfches Mitgefühl des grofsen Publicums zerftören leider oft jahrelange Mühe. Menfchen, welche einen Blinden nicht fehen können ohne dafs ihnen die Thränen in die Augen treten, kaufen doch dem Blinden nichts ab, nehmen ihn nicht in die Arbeit, unterſtützen ihn nicht in feiner Arbeitsluft. Herr Riemer aus Hubertsburg in Sachfen erhielt das Wort, um über Blindenvorfchulen zu sprechen. Seine Anfichten gehen dahin, dafs die meiſten 14 Eduard Kaltner. blinden Kinder im Kreife ihrer Angehörigen entweder ganz und gar vernachläffigt oder verbildet werden, wodurch später der Unterricht fehr erfchwert wird. Es erfcheint daher von gröfster Wichtigkeit, dafs, fo wie für fehende Kinder Kinderbewahr- Anftalten, Kindergärten u. f. f. mit Nutzen gegründet werden, auch für blinde Kinder diefe Vorforge nicht aufser Acht gelaffen werden folle. Die Errichtung und Erhaltung derfelben wäre Pflicht des Staates. Die Aufgabe folcher Blindenvorfchulen beftünde im Wefentlichen darin, dem phyfifchen Elende der blinden Kinder abzuhelfen, ihnen die üblichen Angewohnheiten zu nehmen, fie zur Selbftthätigkeit und Selbfthilfe anzuleiten und ihre geiftigen Anlagen naturgemäfs zu wecken und zu entwickeln, und durch Unterricht den Grund zu einem fittlich frommen Leben zu legen. Angemeffene Leibespflege in Bezug auf Wohnung, Nahrung, Kleidung und Reinlichkeit, Stärkung der Kräfte durch freie Bewegung, Turnen und Thätigkeit, Fröbel's Spiele, elementarer Schulunterricht und eine geordnete Lebensweife find die Mittel, deren fich diefe Vorfchulen bedienen müffen, um ihren Zweck zu erfüllen. Sachfen befitzt eine folche Blindenvorfchule, und Herr Director Reinhardt, der nach dem Vorredner das Wort ergreift, fpricht fich in anerkennenswerther Weife über den Nutzen folcher Anftalten aus und fordert die anwefenden Mitglieder auf, alles aufzubieten, damit in jedem Lande folche Vorfchulen gegründet werden. Wir haben uns bei verfchiedenen Gelegenheiten, namentlich aber fchon im Jahre 1866 in mehreren Artikeln in dem Fachblatte„ Freie Schule" über die Wichtigkeit von Blindenvorfchulen ausgefprochen, haben dafür aber noch andere Gründe als die durch Herrn Riemer bezeichneten. Die meiften Blinden- Erziehungsinftitute, wie diefes namentlich bei dem Wiener Inftitute der Fall ift, befinden fich in grofsen Städten, wo die Möglichkeit geboten ift, den Zöglingen den weit gehendften Unterricht zu verfchaffen. Sie find in der Regel auch fo ausgeftattet( freilich nicht auf Koften der Regierung, fondern meift durch Privatunterſtützung) dafs fie, wenn diefelben in der Hand einer erfahrenen und umfichtigen Leitung ftehen und über tüchtige Lehrkräfte zu verfügen haben, als Mufteranſtalten des Landes gelten können und follen. Nun erhalten diefe Anftalten durch die damit verbundenen Stiftungen, wie diefes wieder in Wien der Fall ist, aus allen Provinzen Zöglinge. Darunter find denn manche, bei denen, der geringen geiftigen Fähigkeiten wegen, eine folche Ausbildung, wie fie das Inftitut geben könnte, ganz unmöglich wird. Dagegen fchlummert vielleicht da und dort ganz verborgen und von aller Welt vergeffen, ein Talent, aus dem fich Grofses machen liefse, wenn es das Glück hätte, in das Inftitut aufgenommen zu werden, und fo verkümmert es, weil dem Keim die erwärmende Sonne, der fruchtbare Boden und der befruchtende Thau fehlt. Würden aber in jeder Provinz Oefterreichs eine, in den gröfseren zwei Blindenanftalten errichtet, wie diefes in Amerika der Fall ift, und diefe Anftalten fo eingerichtet, dafs die Zöglinge dafelbft die nöthigfte Schulbildung erhielten und nach Umftänden, wenn diefelben eben nicht an ein Mufterinftitut des Landes abgegeben werden können, weil ihnen hierzu der höhere Grad geiftiger Befähigung mangelt, auch eine gewerbliche Ausbildung erlangen könnten; dann würde die Mufteranſtalt nur befonders begabte blinde Zöglinge zur weiteren Ausbildung erhalten. Solche Vorbildungsfchulen find aus Landesmitteln zu errichten und zu erhalten, und mufs es möglich gemacht werden, dafs alle blinden, unterrichtsfähigen Kinder Aufnahme finden. Was hier an Geldmitteln aufgewendet wird, wird fpäter an Verforgungshäufern erfpart werden.- Der zweite Verhandlungstag war fehr zahlreich befucht und befanden fich unter den Damen die Gräfinen Teleki und Bethlen. Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 15 Der Präfident ertheilte dem Herrn Moldenhaver aus Kopenhagen das Wort. Auch diefer Redner fpricht für Gründung von Blinden- Vorfchulen, da der Unterricht der Blinden, der auch die gewerbliche Ausbildung in fich fchliefst, auf eine zu kurze Zeit zufammengedrängt werde. In Kopenhagen befteht ein Verein, der fich zum Ziele gefetzt hat, eine Blinden- Werkflätte zu errichten. Der Verein verfchafft den Blinden die Arbeit und zahlt ihnen ihren Verdienft wöchentlich aus. Aehnliche Werkftätten beftehen in Edingburgh und London. Oberinfpector Bittner aus Dresden fpricht fich dahin aus, dafs die Blindenanftalten nicht die gewünfchten praktifchen Refultate aufweifen, weil fie einerfeits mehr Blindenfchulen als Blinden- Erziehungsanftalten find, andererfeits, dafs der Staat fich der Blindenanſtalten gar nicht annimmt, wie es doch feine Pflicht wäre, fondern diefelben immer auf die Privat- Wohlthätigkeit verweift. Auch Herr Director Schäfer aus Friedberg beklagt fich darüber, dafs in Heffen die Blindenanſtalten feit ihrem Beftehen nur von milden Beiträgen erhalten werden müffen. Anders ift es in Dänemark. Hier deckt der Staat die Koften für die Inftitutszöglinge, welche nicht felbft zahlen können. Wilhartitz ftellt den Antrag: Der Congrefs wolle befchliefsen, die Staaten follen die Blindeninftitute übernehmen und für die intellectuelle, techniſche und mufikalifche Ausbildung der Blinden forgen. Auch Ohlwein aus Weimar meint, der Staat müffe für die blindgebornen Kinder und für Errichtung von Blinden- Werkflätten forgen. Herr Henri Lavanchi aus Kairo behält fich das Wort vor. Der Vorfitzende bemerkt, dafs die Frage am dritten Verhandlungstage noch zur Sprache komme, worauf die Debatte gefchloffen wurde, und Herr Director Pablafek aus Wien das Wort erhielt zum Vortrage über Mufikunterricht. Durch einen wohl durchdachten, gediegenen Vortrag tritt Redner für die Ertheilung des Mufikunterrichtes ein. Er weift, auf gemachte Erfahrungen gegründet, die trefflichen Erfolge diefes Unterrichtes nach, bekämpft fchon von vornherein Einwendungen, die gegen den Mufikunterricht gemacht werden könnten, und citirt eine Reihe von darauf bezüglichen Artikeln aus dem„ Heilpädagog", den Jahresberichten der Blindeninftitute und aus verfchiedenen Fachblättern und anderen Zeitfchriften. Schliefs lich ftellt er folgende Thefen zur Annahme auf: 1. Soll der Mufikunterricht ein Lehrgegenftand in der Blindenfchule fein? 2. Ift er blofs auf den Gefang zu befchränken? 3. Ift er blofs auf Gefang, Clavier und Orgel auszudehnen? 4. Ift er auch auf andere Inftrumente auszudehnen? Nachdem Pablafek noch den Antrag ftellte: Der Congrefs möge die Gründe für die Unbedenklichkeit des Mufikunterrichtes und der Mufikinftrumente in Erwägung ziehen, und im Einklange mit dem Befchluffe des amerikaniſchen Congreffes anerkennen, dafs die Mufik als äfthetifches Bildungsmittel, als Quelle der Erheiterung und des Erwerbes einen Hauptgegenftand bilde, und nach Mafsgabe der zu Gebote ftehenden Mittel, Lehrkräfte und örtlichen Verhältniffe auf tragbaren und nicht tragbaren Inftrumenten zu lehren fei, wurde zur Debatte über die aufgeftellten Thefen gefchritten. Die vierte Thefe wurde angenommen, wodurch die übrigen entfallen. Dazu wird noch beftimmt, dafs jeder blinde Zögling auch ein Handwerk erlernen foll. Herr Reinhardt aus Dresdes erftattet eingehend Bericht über das Blinden- Unterrichtswefen in Sachfen. Sachfen befitzt eine Blindenvorfchule, ein Blindeninftitut und damit verbunden die Verforgung der erwachfenen Blinden, jedoch aufserhalb des Inftitutes. 16 Eduard Kaltner. Das Hauptgewicht liegt hier in der Blindenverforgung, welche in Sachfen vortrefflich durchgeführt wird, was jedoch in der Weife nur in kleineren Ländern möglich ift, befonders da die Sachfen im Allgemeinen ein gutmüthiges Volk find. Mit fünf Jahren werden die blinden Kinder zu Hubertsburg in die Blindenvorfchule aufgenommen, wo fie bis zum zehnten Jahre bleiben. Von hier aus treten fie wohl vorbereitet in das Hauptinftitut in Dresden ein. Wiffenfchaftliche und technifche Bildung gehen hier neben einander. Von Arbeiten wird hier nur Seilerei und Flechterei betrieben; von Muſik: Gefang, Clavier- und Orgelfpiel. Schon während des Aufenthaltes im Inftitute wird jedem Blinden von feinem Verdienfte ein Theil gutgefchrieben, den er fpäter ausbezahlt mit ins Leben nimmt; dadurch entſteht Anfpornung zum Fleifse und zur Thätigkeit. Ift die Ausbildung vollendet, dann mufs jeder Blinde hinaus ins Leben. Der Austritt aus dem liebgewonnenen Haufe führt zu rührenden Szenen, und doch fagt Reinhardt: Als ich einft einen bitterlich weinenden Zögling fragte: Willft du da bleiben? antwortete er ſchnell: Ne, ne, ins Vogelhaus will ich mich nicht fperren laffen! Die Zöglinge werden aber nicht ohne Weiteres hinausgefetzt in die Welt. Sie bilden mit dem Inftitute eine grofse Familie.„ Wenn die Zeit zum Austritte herannaht, dann ziehe ich auf meinen Infpectionsreifen Erkundigungen ein; ich wende mich, führt Reinhardt fort, an die Angehörigen, an den Pfarrer, Bürgermeifter u. f. w., und erft, wenn ich kein Bedenken habe, werden die austretenden Zöglinge ihren Angehörigen übergeben. Sonft aber wird für fie eine paffende Stelle ausgemittelt, Mädchen werden als Arbeiterinen bei verlässlichen Leuten untergebracht, die männlichen Blinden werden in einer Werkstätte bei Sehenden oder Blinden verforgt, oder es wird ihnen felbft, wenn fie dazu tauglich find, eine folche eingerichtet." Bei dem Austritte erhält jeder Blinde vollſtändige Kleidung, Wäfche, Werkzeuge und fein erfpartes Geld, die Mädchen ein vollſtändiges Bett, nöthigenfalls wird ihnen der Zins gezahlt. Aus den Magazinen des Inftitutes erhalten fie das nöthige Arbeitsmaterial auf Rechnung, und wenn fie die fertige Waare nicht felbft verkaufen, fo wird fie vom Inftitute übernommen. ,, Hat es ein Blinder einmal dahin gebracht, dafs er fich einige Hundert Thaler erfpart hat; fo denkt er auch daran, fich ein Häuschen zu erwerben, da bin ich wieder da, und ftrecke das fehlende aus dem Inftitutsvermögen, das nur durch milde Beiträge entftanden ift, ohne Zinfen gegen Vormerkung vor." Von Zeit zu Zeit werden von dem Director alle Blinden des Landes befucht, und wenn der bekannte Mann aus Dresden kommt, da geht das Herz auf, die Freude zieht in die Hütte des Blinden ein, ein Verhältnifs des Vaters zu feinen Kindern. Da wird Alles mitgetheilt, Gutes und Schlimmes, wo es noth thut, wird geholfen, der Zins gezahlt, die Wäfche oder Kleider gekauft, Apotheke oder Arzt bezahlt u. f. w. Das fordert viel Geld, meine Regierung würde mir die Hilfe nicht verfagen, aber ich habe fie nicht nöthig, meine Mitbürger und die Behörden, Katholiken, Proteftanten und Juden verfehen, mich reichlich; denn fie erkennen das fegensvolle Wirken diefer Einrichtung." Director Reinhart ftellt folgende Thefen zur Annahme auf: 1. In den Blindenanftalten find nur jene Arbeiten zu lehren, welche der Blinde ohne Beihilfe Vollfinniger felbftftändig herzuftellen vermag und für die er im bürgerlichen Leben genügenden Abfatz findet. 2. Jeder Anftaltszögling ift techniſch auszubilden. 3. Neue Verſorgungshäufer für Blinde find nicht zu gründen, die alten fobald als thunlich aufzuheben. 4. Der Blinde ift bei uns nach der Entlaffung aus dem Inftitute moralifch und materiell zu unterſtützen, wenn er deffen bedarf und würdig ift. Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. 17 Zu diefem Zwecke foll jede Anftalt einen Unterſtützungsfond für die Entlaffenen gründen. Nach längerer Debatte wurden fämmtliche Thefen angenommen, nur zu Thefe 3 gab Moldenhaver das Separatvotum ab: Verforgungsanftalten für Mädchen feien zweckentfprechend. In der um halb 5 Uhr wieder aufgenommenen Sitzung wurde von St. Mari ( Leipzig) die Braill'fche Punktfchrift für die Praxis und das Hebold'fche Syftem für den Schulunterricht empfohlen. Wait aus New- York fetzte fein Syftem einer Punktfchrift auseinander, und wurde dann ein Ausfchufs gewählt aus den Herren: St. Mari, Pablafek, Bittner, Riemer und Moldenhaver. Diefes Comité foll den Gegenftand in Berathung ziehen, und das Ergebnifs durch Fachblätter bekannt geben. Nachdem die Verhandlungen eine unerwartete Ausdehmung annahmen, reichten die beftimmten drei Tage nicht aus, und es muiste eine Verlängerung der Congrefsdauer eintreten. Mehrere Sectionsanträge, über welche Herr Entlicher referirte, kamen zur Verhandlung. 1. Der Congrefs erkennt es als eine Nothwendigkeit, dafs Bibliotheken für Blinde gefchaffen werden; zu diefem Zwecke follen fich die Blindenlehrer einer Nation zur Herausgabe einigen.( Angenommen.) 2. Die Blindeninftitute follen fich die Jahresberichte, die Abhandlungen enthalten follen, zufchicken.( Angenommen.) 3. Wird befchloffen, das Organ für Taubftummen- und Blindenanftalten von Dr. Mathias in Friedberg zu unterſtützen. 4. Der Congrefs ſpricht den Wunſch aus, dafs eine Pfychologie und Pathalogie der Blinden verfafst werde.( Angenommen.) 5. Der Congrefs wolle ausfprechen, dafs, wo diefes nicht der Fall ift, es nothwendig fei, dafs zum ferneren Gedeihen des Blinden- Unterrichtswefens eine legislative Regelung desfelben unter Beiziehung von Fachmännern durchzuführen fei.( Angenommen.) Director Martin aus Edingburgh theilt mit, dafs bei ihnen die Arbeiten unter Aufficht in grofsen Werkstätten fabriksmäfsig betrieben werden, wobei eine Theilung der Arbeit nicht ftattfindet, und dafs dort nur felten Blinde in ihre Heimat zurückkehren. Er verfpricht feine Erfahrungen in diefer wichtigen Frage in deutfcher Sprache drucken zu laffen und an die Blindeninftitute zu fenden. Herr Lavanchi, Vorfteher und Gründer der Blindenanftalt zu Kairo, von welcher in der egyptifchen Abtheilung auch Lefebücher auflagen, motivirt in längerer, franzöfifch gehaltener Rede, einen Antrag, dafs ein ftändiger Ausfchufs gewählt werde, welcher einerfeits wieder einen Congrefs einberufen, anderfeits die weitere Leitung der diefsbezüglichen Angelegenheiten in die Hand nehmen foll. Es wird befchloffen, im Jahre 1876 zu Dresden wieder einen Blindenlehrer- Congrefs abzuhalten und das gegenwärtige Comité, verſtärkt durch die Herren Reinhardt und Bittner, beide aus Dresden, mit den Vorarbeiten zu betrauen. Hiemit find die Verhandlungen des erften internationalen BlindenlehrerCongreffes beendet, und ergreift Dr. Ludwig Auguft Frankl als Präfident das Wort zur Schlufsrede. ,, Heute, am Tage des Abfchiedes erfafst mich ein doppeltes Gefühl, das der Wehmuth und das der Freude. Nur noch wenige Stunden, und Sie, die Herren der Wiffenfchaft und die Apoftel der Humanität, werden unferer Stadt den Rücken kehren. Hier bewährt fich das Wort Goethe's:„ Es ift gut den Genius bewirthen. Gibft Du ihm Gaftgefchenke, er gibt ein fchöneres dir zurück." Wir konnten Ihnen nur geringe Gaftfreundfchaft beweifen, Sie aber laffen uns durch Ihre Erfahrungen und Anfchauungen göttliche Gefchenke zurück. Ich erinnere Sie an den bekannten, grauen, unfcheinbaren Bolognefer Stein, der in der Sonne die Licht 18 Eduard Kaltner. Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht. ftrahlen einfaugt und in der Dunkelheit wieder ausftrahlt. Sie thun dasfelbe, lichtlofe Menfchen nehmen Sie, die Strahlen Ihres Geiftes werden von ihnen ein gefogen, dafs ihre Herzen zu leuchten beginnen. Ich erachte es als die gröfste Ehre, dafs Sie mich zu ihren Vorfitzenden wählten, und hoffe, dafs wir uns nicht für immer trennen. Zugleich erlaube ich mir, der Preffe, die unferen Verhandlungen fo grofse Aufmerkſamkeit fchenkte, den wärmften Dank auszufprechen. Wir, die wir die Erziehung und Bildung der Blinden mit reger Theilnahme verfolgen, und als einen wichtigen, zugleich aber als den fchwierigften Theil der Volksbildung betrachten, wir freuen uns, dafs nun auch die Blindenlehrer an die Oeffentlichkeit getreten find. Wir wünſchen von ganzem Herzen, dafs der Same, der hier ausgeftreut wurde, fruchtbaren Boden finden und zum herrlichen Baum wachfe.g Ihr Lehrer aber alle, die Ihr an der Volksbildung arbeitet, Ihr feid berufen, die Finfternifs zu zerftreuen, und himmlifches Licht in die dunkle Nacht zu. bringen. Lafst Euch nicht abfchrecken durch die Dornen, die Euere Bahn bedecken, fchleudert fie hinweg oder zertretet fie, ein Kranz der fchönften Rofen wird Euer Haupt zieren. Ihr Grofsen der Reiche, in deren Hand das Wohl und Wehe der Völker liegt, wendet Eure Blicke herab zu den Kindern, und bedenket, dafs aus ihnen dereinft die Stütze der Reiche erftehen foll.