OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. LANDWIRTHSCHAFTLICHE LEHRE UND FORSCHUNG. ( Gruppe XXVI, Section 4.) BERICHT VON PROF. DR. C. THEODOR VON GOHREN, Director der landwirth fchaftlichen Lehranstalt ,, Francisco- Jofephinum" in Mödling bei Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. n TEHKE DVD EC OD EOKPO 2221EF 22- BEBICHI LANDWIRTHSCHAFTLICHE LEHRE UND FORSCHUNG. ( Gruppe XXVI, Section 4.) Bericht von PROF. DR. C. THEODOR VON GOHREN, Director der landwirthschaftlichen Lehranstalt ,, Francisco- Jofephinum" in Mödling bei Wien. Wer feiner Zeit der Anficht gewefen fein follte, dafs er auf der Weltausftellung eine überfichtliche Darftellung des gegenwärtigen wirklichen Standes des landwirthfchaftlichen Unterrichtes in den einzelnen Ländern finden würde, wird fich fehr enttäuscht gefehen haben. Höchftens war zu entnehmen, welche Länder und Anstalten geneigt und mehr oder weniger vorbereitet zur Befchickung der Weltausftellung mit auf die landwirthschaftliche Lehre und Forfchung Bezug habenden Objecten waren. Es darf uns das nicht Wunder nehmen. Aus mehrfachen Gründen. Vor Allem ift es überhaupt fchwer, ja in manchen Richtungen ganz unmöglich, den Unterricht ,, auszuftellen". Die Hauptfache, das intellectuelle Capital, welches dem Schüler beigebracht worden ift, läfst fich nicht unter Glas und Rahmen bringen. Der Erfolg, die Leiftungsfähigkeit einer Lehranftalt hängt von der Perfönlichkeit, der Individualität der Lehrer ab, in zweiter Linie von der Methode und in dritter erft von dem gröfseren oder geringeren Reichthume an Lehrmitteln. Gerade das umgekehrte Verhältnifs macht fich aber bei Ausftellungen bemerkbar. Das gröfste Terrain, hie und da wohl ganz ausfchliefslich, wird beherrfcht von Lehrmittelfammlungen, die wie die Ausftellung von Neuem bewies- zumeift nicht von den Lehrern oder Schülern gefammelt, geordnet und gefchaffen find, fondern je nach den Mitteln der Inftitute bald fplendider und zahlreicher, bald im befcheidenen Mafse von irgend einer Handlung acquirirt wurden. Bedeutend fpär licher begegnen wir Belegen über die Unterrichts methode, welche an den Anftalten eingehalten wird und verhältnifsmäfsig noch feltener liefs fich der Unterrichts erfolg erkennen; denn die von einzelnen Inftituten ausgeftellten Schülerarbeiten aus den befferen die beften ausgewählt find leider nur geeignet, falfche Vorftellungen oder doch mindeſtens Mifstrauen zu erwecken. Es iſt aus diefer Sachlage vorerft Niemandem ein Vorwurf zu machen, wohl aber kennzeichnet fie den Stand der Dinge auf dem Gebiete des landwirthschaftlichen Unterrichtes. Alles und Jedes predigt und beweift der landwirthschaftliche Unterricht, die landwirthschaftliche Forschung entbehren noch der feften Organifation. Mollusken- I* 2 Dr. C. Theodor von Gohren. artig und in vielfachen Farben fchillernd, geben fie äusseren Einflüffen nach, fich anpaffend den jeweiligen localen Verhältniffen und der momentan herrfchenden Strömung. Diefe Charakterunklarheit machte fich fchon äufserlich in der Ausftellung geltend. Wo follte man die landwirthfchaftlichen Lehranstalten und Verfuchsftationen fuchen? Die Kataloge( man vergleiche zum Beiſpiel den trefflichen des deutfchen Reiches) verwiefen fie in Gruppe XXVI,„ Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswefen", de facto aber waren fie in Gruppe II, in der Agriculturhalle zu finden, oder richtiger gefagt, nur zum gröfsten Theil zu finden; ein anderer hierher gehöriger Theil erfuhr das Schickfal fo vieler auf die Ausftellung gebrachter Objecte er war zerftreut in den diverfeften Gruppen und an den verfchiedenften Orten, verfteckt unter allerlei anderen fchönen Dingen, eines unermüdlichen Entdeckers harrend. Für den Referenten fteht es feft, dafs die Ausftellungsobjecte der landwirthschaftlichen Lehre und Forfchung" in Gruppe XXVI gehört hätten, denn Unterricht ift und bleibt Unterricht, wenn auch die Unterrichtsziele von einander abweichen. Wie anders und wie feft gegliedert zeigten fich dem landwirthfchaftlichen Unterrichte gegenüber die anderen Unterrichtsabtheilungen. Der Befuch des Unterrichtspavillons des deutfchen Reiches und der von dem k. k. Minifterium für Cultus- und Unterricht veranstalteten Collectivausftellung von Schul- und Unterrichtsgegenständen hat gewifs Niemanden unbefriedigt gelaffen; die Revue des landwirthfchaftlichen Unterrichtes und der Verfuchsftationen hingegen wird mit Recht manchen Zweifel, manches Bedenken wachgerufen haben, kaum bei irgend wem volle Befriedigung. Dem Referenten will bedünken, als hätte eine energifche, fachverständige Hand gefehlt, die fich des zum Schlagworte gewordenen Afchenbrödels unter den Bildungszweigen, des landwirthschaftlichen, angenommen hätte. Dafs das Studium des zur Ausftellung Gebrachten durch das fchon vielfach beklagte Arrangement nach Ländern, ftatt nach der Materie, wefentlich erfchwert wurde, braucht nicht erft verfichert zu werden. Doch treten wir unferer Aufgabe näher. Das Programm der officiellen Berichterstattung verlangt,„ ,, dafs jeder Detailbericht in feinen kritifchen und gefchichtlichen Betrachtungen die letzte Parifer Weltausftellung zum Ausgangspunkte zu nehmen, das Referat auf die ausgeftellten Gegenftände zu befchränken und nur dort, wo es der Stand der Wiffenfchaft und der Entwicklung gebieten follte, die Lücken in der Ausstellung auszufüllen hat". Mit Befchränkung auf diefes deutlich begrenzte Terrain mufs zunächft conftatirt werden, dafs mit Ausnahme der immer mehr und mehr fich Bahn brechenden Strömung, den höchften landwirthfchaftlichen Unterricht an die Univerfitäten zu verlegen, keine neue Organiſation, kein neuer Gedanke fich auf dem Gebiete der landwirthfchaftlichen Lehre und Forfchung geltend gemacht hat. Die Lücken, welche fich in der Ausftellung zeigten, werden felbftverständlich auch in dem Berichte wahrzunehmen fein. Dabei ift es freilich Pflicht des Referenten, den nicht fo wie viele andere Befucher die zahlreich angebrachten„ Noli me tangere" abhalten durften, die aufgelegten Berichte und Bücher durchzufehen, auch hinter die Couliffen zu blicken und fich mit der Organiſation des landwirthschaftlichen Unter richtes in den einzelnen Ländern im Allgemeinen und Speciellen fo weit als mög. lich vertraut zu machen. Doch zur Sache. Von allen Ländern war auch auf dem Gebiete des landwirthschaftlichen Unterrichtes das deutfche Reich verhältnifsmäfsig am beften repräfentirt. Es fei geftattet, die deutfche Expofition auch zuerft zu befprechen. Deutfches Reich. Allgemeines. Dafs Referent nicht zu weit gegangen ift, als er oben fein Bedauern ausfprach, dafs es mit dem landwirthfchaftlichen Unterrichtswefen in allen Ländern noch nicht fo beftellt fei, wie es wünſchenswerth erfcheine, Landwirthfchaftliche Lehre und Forschung. 3 bekundet die Bemerkung im deutfchen Kataloge:" Ein Zweig, der namentlich in Preufsen noch fehr der Ausbildung bedarf, find die Ackerbau- Schulen. Die land wirthschaftliche Vorbildung erftreckt fich bis jetzt auf zu kleine Kreife. Der Süden und Weften Deutfchlands ift hierin voran. Preufsen zählt nur 29 Ackerbau- Schulen, meift Privatunternehmungen; dazu kommen noch 41 landwirthschaftliche ,, Winterfchulen", deren im übrigen Deutfchland noch einige 50 exiftiren." Und weiter heifst es bezüglich des höheren landwirthschaftlichen Unterrichtes: Die höheren landwirthfchaftlichen Lehranstalten verbinden fich mehr und mehr mit den Univerfitäten, fo in Berlin, Halle, Göttingen, Königsberg, Heidelberg, Gieffen, Jena, Leipzig und nur drei beftehen in Preufsen noch für fich: Eldena, Proskau und Poppelsdorf.* Aus dem übrigen Deutſchland feien noch genannt Hohenheim, Weihenftephan, München und Braunfchweig". Naturgemäfs gliedert fich der landwirthschaftliche Unterricht in den Unterricht in der Volksfchule, an den fich ganz fpecielle, wenn auch nur vereinzelt vorkommende Erziehungsanftalten mit landwirthfchaftlichen Tendenzen anfchliefsen- der Fortbildungsunterricht, das Wanderlehrer- Inftitut, die niederen, mittleren und höheren landwirthfchaftlichen Fach- und Specialfchulen und die landwirthschaftliche Hochſchule. Auffallend ift es, dafs fich in keinem Lande fo, wie im deutfchen Reiche, die Individualität der einzelnen Landestheile in der gröfseren oder geringeren Entwicklung einzelner Unterrichtsftufen documentirt. So fanden zum Beiſpiel die in Württemberg allgemein und zahlreich verbreiteten Fortbildungsfchulen in Preufsen und Norddeutſchland überhaupt keinen rechten Anklang, während in Sachfen hinwiederum niedere Ackerbau- Schulen gänzlich fehlen. Gehen wir aber nun die einzelnen Länder mit Zugrundelegung eben berührter Eintheilung durch und beginnen wir mit dem durch die Intenfität feines landwirthschaftlichen Betriebes und die eifrige Förderung des Unterrichtes mit Recht berühmten Königreiche Württemberg. In der dankenswertheften Weife hat die königliche Centralftelle für die Landwirthfchaft die von ihr ausgeftellte Sammlung landwirthfchaftlicher Unterrichtsmittel mit einem kurzen Commentar begleitet über die Anftalten, welche von diefen Unterrichtsmitteln Gebrauch machen, und über den Organismus, der das Leben und Wirken diefer Anftalten bedingt. Die Akademie Hohenheim hat ihrerfeits eine befondere Darftellung über den höheren Unterricht gegeben. Es würde den Rahmen diefes Berichtes weit überfchreiten, wenn Referent fich in die Details der Organifation des landwirthfchaftlichen Unterrichtes in Württemberg einlaffen wollte. In kurzen Zügen fei nur Folgendes bemerkt: In die Pflege und Förderung der landwirthschaftlichen Bildung theilen fich das königliche Minifterium des Kirchen- und Schulwefens und die könig. liche Centralftelle für die Landwirthfchaft. Jenem ift die Akademie Hohenheim zugewiefen, diefer der mittlere und niedere landwirthfchaftliche Unterricht. Von unten beginnend, mufs vor Allem hervorgehoben werden, dafs man in Württemberg, wie in den meiften deutfchen Ländern, einen fachlichen Unterricht in der Volksfchule nicht für erfpriefslich hält. Wir glauben, mit vollem Rechte. Hingegen erfreuen fich die landwirth fchaftlichen Fortbildungsfchulen, welche jenen, die nicht in der Lage find, in Fachfchulen aufgenommen zu werden, Gelegenheit bieten follen, fich für das landwirthfchaftliche Gewerbe vor- und weiter zu bilden, des beften Gedeihens. Die Normalverfügung, welche den land. wirthschaftlichen Fortbildungsunterricht in Württemberg organifirt, datirt vom 1. Februar 1866. Der Unterricht wird in der Regel in einigen Wochenftunden am Abend während des Winterhalbjahres abgehalten. Da und dort knüpft fich einiger * Neuerdings wurde im preufsifchen Abgeordnetenhaufe der Antrag geftellt, auch Eldena und Poppelsdorf mit den Univerfitäten Greifswalde und Bonn zu verfchmelzen. 4 Dr. C. Theodor von Gohren. Fortbildungsunterricht auch an erweiterte Sonntagsfchulen. Da man fich zunächst nach den Fähigkeiten der Lehrer, nach der Empfänglichkeit der Schüler, nach dem Bedürfniffe in den einzelnen Gemeinden richten mufste, fanden und finden in der einen Schule mehr die Elementar-, in einer anderen mehr die naturkundlichen und in einer dritten mehr die landwirthfchaftlichen Fächer Vertretung. Bei all' den Erfolgen, welche man bisher erzielte, verhehlt man fich keineswegs, dafs immerhin noch viel zu thun bleibt, bis es einmal keine Gemeinde mehr gibt, welche einer Fortbildungsfchule entbehrt, und noch viel mehr, bis auch für die bäuerlichen Töchter ein naturgemässer Fortbildungsunterricht in den Fächern des weiblichen landwirthschaftlichen Wirkungskreifes als ebenbürtiges Bedürfnifs anerkannt und ins Leben getreten fein wird. Um zahlreichere und fähigere Lehrkräfte für den landwirthschaftlichen Fortbildungsunterricht zu gewinnen, wurden feit 1860 landwirthschaftliche Unterrichtscurfe für Schulmeifter in Hohenheim( feit 1860), Ellwangen( feit 1861) und Ochfenhaufen( feit 1867) eingerichtet. Das Ziel diefer Lehrcurfe ift nicht die Ertheilung eines ausführlichen landwirth fchaftlichen Unterrichtes, fondern nur die Erörterung der bei der Landwirthfchaft in der Heimat der Theilnehmer hervortretenden Mängel und die kurze Begründung der zu empfehlenden Verbefferungen. Bei der Auswahl der Theilnehmer an den einzelnen Lehrcurfen wird defshalb auch darauf gefehen, dafs diefelben je folchen Gegenden angehören, deren klimatifche, geognoftifche und landwirthfchaftliche Verhältniffe fich ähnlich find. Neben diefen landwirthschaftlichen Lehrcurfen werden zur weiteren Ausbildung der Lehrer für den Unterricht in der Naturkunde, naturwiffenfchaftliche Curfe abgehalten, wie auch alljährlich in verfchiedenen Bezirken Lehrcurfe über Obftbau für die Schullehrer der betreffenden Bezirke durch pomologifche Wanderlehrer der Centralftelle ftatthaben. Im Jahre 1871 bis 1872 beftanden 210 freiwillige landwirthschaftliche Fortbildungsfchulen, 697 obligatorifche Abendfchulen mit landwirthschaftlichem Unterrichte, 164 landwirthschaftliche Abendverfammlungen Erwachfener und 121 Lefevereine Die Schülerzahl betrug nahezu 20.000, die Zahl der Theilnehmer an Abendverfammlungen und Lefevereinen 9500. Ein weiterer wichtiger Factor für die Volksbildung in Württemberg ift das Inftitut der Ortsbibliotheken, das einen folchen Fortgang genommen hat, dafs im Jahre 1872 bereits 574 Bibliotheken diefer Art mit 69.828 Schriften im Lande gezählt wurden. Die landwirthschaftliche Centralftelle ihrerfeits hat in dem Zeitraume von 1853 bis 1872 mehr als 22.000 Schriften an Fortbildungsanftalten und Ortsbibliotheken unentgeltlich vertheilt und mindeftens 10.000 Schriften um namhaft ermäfsigte Preife abgegeben. Das Alles in einem Ländchen von 347 Quadratmeilen Fläche und 1,779.000 Einwohnern! Für die Zwecke des Wanderunterricht es wirken meiftens die im Departement des Innern angeftellten Perfonen, insbefondere die landwirthschaftlichen Infpectoren der Centralftelle; fowie die anderen fpeciellen Sachverständigen der letzteren für Obft- und Weinbau und ähnliche Zweige. Je nach der zu befprechenden Materie wird der Mann gewählt; dabei wird vorläufig als Grundfatz feftgehalten, dafs die Wanderlehrer nicht unberufen erfcheinen, fondern ftets nur da fich einfinden, wohin fie berufen werden. Oefters geht den Vorträgen eine Vifitation der betreffenden Markung voraus, um bei dem Vortrage an Beftehendes anknüpfen zu können. Von Seite des Departements des Innern und des Cultus wurden auch Lehrcurfe für einzelne landwirth fchaftliche Zweige ins Leben gerufen. So in Hohenheim für Schäfer, Wagner und Schmiede, Obftzüchter, Geometer und Wiefenbautechniker, in Stuttgart Curfe für Huffchmiede, in den einzelnen Landesbezirken Curfe für Baumwärter, Bienenzüchter, endlich auch Curfe an den Schullehrerfeminarien in Obft- und Gartenbau. Die Theilnehmer an diefen Curfen er Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 5 halten ganz freien Unterricht und, wenn fie unbemittelt find, Unterftützungen von der Centralftelle, auch von den betreffenden Gemeinden und Vereinen. Seit dem Winter 1869 bis 1870 beftehen in Württemberg auch landwirthfchaftliche Winterfchulen und wie die rafche Vermehrung( 1869 bis 1870 Ravensburg, 1870 bis 1871 Reutlingen, 1871 bis 1872 Heilbronn, 1872 bis 1873, Hall und Ulm) beweift, mit gutem Erfolge. Der Lehrplan ift auf zwei Winter berechnet; der Unterricht wird in wöchentlich 36 Stunden ertheilt, und zwar in der deutfchen Sprache, Rechnen, Geographie, Geometrie, Chemie, Phyfik und Mechanik, Thierkunde, Landwirthschaft, Zeichnen. Die landwirthschaftlichen Winterfchulen haben neben den übrigen landwirthfchaftlichen Bildungsanftalten ihre felbftftändige Bedeutung. Sie haben mit den Acker- und Weinbau- Schulen gemein den methodifchen Unterricht, ertheilt von berufsmäfsigen Sachverständigen, durch welch' letzteren Umftand in Verbindung mit der Ausdehnung der Lehraufgabe und der ihr gewidmeten Zeit, fie fich von den Fortbildungsfchulen unterfcheiden. Sie befchränken fich auf theoretifche Bildung mit Ausfchlufs des praktifchen Betriebes. Als Ziel der landwirthschaftlichen Winterfchulen wird bezeichnet: Anregung und Anleitung zum felbftſtändigen Nachdenken, Fortbildung in den der Volksfchule angehörigen Fächern, insbefondere Fertigung von Auffätzen, Rechnen, Erlangung der Kenntnifs des Wefentlichen aus der Naturkunde, Hauptgrundfätze der Landwirthschaft, der Thier beziehungsweife Thierheilkunde. Zugleich wird auch Veredlung der Sitten, namentlich des gefelligen Verkehrs angeftrebt und Gelegenheit zu einer felbftſtändigen angemeffenen Bewegung aufserhalb der Heimat oder dem Betriebe eines landwirthschaftlichen Gutes und damit ein Beitrag zur Bildung des Charakters geboten. Alle diefe Schulen ftehen unter der nächften Aufficht der Centralftelle für die Landwirthschaft, welche den aus Staatsmitteln zu befoldenden Vorftand und jeweiligen Landwirthfchaftslehrer beruft. Ackerbaufchulen befitzt Württemberg vier: die fchon im Jahre 1818 gegründete in Hohenheim für den Neckarkreis, Ellwangen( 1843) für den Jaxtkreis, Ochfenhaufen( 1843) für den Donaukreis, Kirchberg( 1851) für den Schwarzwaldkreis. Alle diefe Schulen gehören zu den fogenannten praktiſch- theoretifchen, das heifst, die Zöglinge werden neben dem theoretifchen Unterrichte praktiſch in dem mit der Schule verbundenen Gutsbetriebe verwendet. Der Vorfteher der Schule, der zugleich Pächter der mit der Anftalt verbundenen Staatsdomäne ift und als folcher diefes Gut für eigene Rechnung bewirthfchaftet, wird auf Vorfchlag des Cultusminifteriums durch den König, der Lehrer von der Centralftelle auf den Vorfchlag des Vorftehers ernannt. Die Dienft- und Penfionsverhältniffe der Lehrer an den Ackerbaufchulen find denjenigen eines Volksfchul- Lehrers gleich. Der von dem Vorfteher anzuftellende Wirthschaftsauffeher bedarf der Approbation der Centralftelle. Wöchentlich in zwei Stunden ertheilt auch ein Thierarzt Unterricht. Die Unterrichtsfächer find: Pflanzenbau, Thierzucht, Lehre von den landwirthschaftlichen Gewerben, Einrichtung und Betrieb kleiner Wirthschaften, deutfche Sprache, Arithmetik, Geometrie nebft Feldmeffen, Thierheilkunde, das Nöthige aus der allgemeinen Naturlehre mit Rückficht auf Landwirthschaft. Der Curfus ift ein dreijähriger und nur bei Kirchberg wurde feit Herbft 1872 ein Verfuch mit einer blos zweijährigen Lehrzeit eingeleitet. Den Zöglingen hat wöchentlich der Vorfteher im Winter vom 1. November bis zur Beftellung der Sommerfaat wenigftens 7, im Sommer mindeſtens 6 Stunden, der Lehrer im Winter mindeſtens 10, im Sommer mindeſtens 6 Stunden regelmässigen Unterricht nach den aufgeftellten Lehrplänen zu geben. Die Dauer der bei der Wirthfchaft zu leiftenden Arbeit ift während des Frühjahres, Sommers und Herbftes täglich auf 10 Stunden feſtgeſetzt und vermindert fich im Winter mit der Abnahme des Tages bis auf 8 Stunden. 6 Dr. C. Theodor von Gohren. Die, Aufzunehmenden müffen das 17. Lebensjahr zurückgelegt und die Fähigkeit, einen populären Lehrvortrag über Landwirthfchaft und deren Hilfsfächer auffaffen zu können, haben. Lehrgeld ift nicht zu entrichten. Die Zöglinge erhalten freie Wohnung mit Betten von der Anftalt, die Koft nach einer beftimmten Speifeordnung von dem Vorfteher gegen die von ihnen bei der Wirthfchaft zu leiftende Arbeit. Von Specialfachfchulen ift die Weinbaufchule zu Weinsberg zu erwähnen, welche 1867 eröffnet wurde. Diefe Schule, welche in ihrer Einrichtung den bewährten Einrichtungen der Ackerbaufchulen des Landes nachgebildet wurde, bezweckt, junge Männer vorzugsweife aus dem Weingärtnerftande durch paffenden Unterricht und durch Einübung beim Betriebe der mit der Anftalt verbundenen Weinberge, Obft- und Gemüfepflanzungen, Baum- und Rebfchulen und fo weiter theils zu einer befferen Bewirthschaftung ihres eigenen Grundbefitzes zu befähigen, theils zu tüchtigen Auffehern und Arbeitern für derartige Betriebe heranzuziehen. Die der Anftalt, welche in eigene Regie übernommen wurde, zugewiefenen Liegenfchaften betragen: 31 28 Hektaren, worunter 6.80 Hektaren Wein berge, 2.92 Hektaren Gärten, II 52 Hektaren Aecker und 9.77 Hektaren Wiefen. An Perfonal find aufser dem Vorftande ein ftändiger Lehrer, ein Weingartenmeifter und ein Gärtner angeftellt. Nach dem'auf zwei Jahre berechneten Lehrplane foll den Zöglingen im Winter in mindeftens 17 und im Sommerhalbjahre in 14 Wochenftunden in den Hilfsfächern auf der Grundlage des in der Volks- und Fortbildungsbeziehungsweife in der Realfchule Gelernten Unterricht ertheilt werden. Den Hauptfächern find im Winter 9, im Sommer 6 Unterrichtsftunden wöchentlich gewidmet. Bei diefem ganzen Unterrichte ift der Zweck der Heranbildung tüchtiger Praktiker mafsgebend. Hier dürfte auch der Platz fein, des pomologifchen Inftitutes zu Reutlingen, eines Privatunternehmens des D. E. Lucas, zu gedenken, das zwar als folches auf der Ausftellung nicht vertreten war, deffen Director aber wenigftens das Modell feiner Wanderdörre ausgeftellt hatte. Das pomologiſche Inftitut zu Reutlingen nimmt unter allen Inftituten mit gleicher Tendenz, Dank der Rührigkeit und Tüchtigkeit feines Directors, eine fehr ehrenwerthe Stelle ein Im Jahre 1860 gegründet, beläuft fich die Anzahl der an ihm ausgebildeten jungen Leute auf 696. Das Inftitut befteht aus einer höheren Lehranstalt für Pomologie und Gartenbau, einer Garten- und Obftbaufchule und einem Curfus für Baumwärter. Als einer mit der Landwirthschaft eng zufammenhängenden Specialfchule fei auch der Thierarznei- Schule in Stuttgart gedacht, welche eine Sammlung befchlagener Hufe mit abnormen und kranken Zuftänden, von Hufeifen für Pferde mit fehlerhaften Stellungen und Gangarten, für Efel, Maulthiere und Rindvieh ausgeftellt hatte. Der höhere landwirth fchaftliche Unterricht befitzt in Württemberg zwei Stätten: die land- und fortwirthschaftliche Akademie Hohenheim und die Univerfität Tübingen. Hohenheim ift in feiner Organifation und mit feinen Einrichtungen fo oft befchrieben worden, dafs wir uns kurz faffen können. Der Sturm, welcher fich vor etwa 16 Jahren gegen die landwirthfchaftlichen Akademien erhob in jenem bekannten Streite über das höhere landwirthschaftliche Unterrichtswefen, ift an Hohenheim keineswegs fpurlos vorübergegangen. Trotz der im September 1865 durchgeführten Reorganiſation, nach welcher die Akademie der unmittelbaren Aufficht des k. Minifteriums des Kirchen- und Schulwefens überwiefen wurde, kränkelt das Inftitut und vermag fich nicht zu feinem alten Glanze emporzuarbeiten. Ob man wohl daran gethan hat, von der Aufnahme folcher Disciplinen in das Lehrprogramm, welche eine allgemeine Bildung verleihen und fo mittelbar der Fachbildung dienen, abzufehen, möchte bezweifelt werden können. Referent vermag nicht die Anficht zu theilen, dafs eine Vermehrung der Lehrfächer in ange Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 7 deuteter Richtung als eine Inconfequenz und Disharmonie des Lehrplanes der Fachſchule erfcheinen müffe und dafs der Charakter der Fachfchule dadurch verwifcht werde, und zwar defshalb nicht, weil eine harmonifche Ausbildung des angehenden Landwirthes nur möglich ift, wenn deffen Blick nicht einfeitig dem Fache als folchem zugewendet wird. Opportunitätsgründe mögen den Ausfchlufs der mehr philofophifchen Disciplinen erklärlich machen, vermögen denfelben aber nicht zu rechtfertigen. Wie reich Hohenheim an Lehr- und Forfchungsmitteln ift, ift bekannt; als von befonderem Intereffe fei hervorgehoben die landwirth fchaftliche Verfuchsftation, die im Sommer 1872 ins Leben getretene forftliche Verfuchsftation, welche dem in Braunfchweig jüngft gegründeten Vereine der forftlichen Verfuchsftationen Deutfchlands beigetreten ift, und die landwirthschaftlich- technologifche Werkstätte. Die Univerſität Tübingen, welche fchon feit dem Jahre 1817 in der ftaatswirthschaftlichen Facultät einen Lehrftuhl für Land- und Forstwirthschaft befitzt, ift bezüglich des landwirthschaftlichen Unterrichtes ausfchliefslich für die Bedürfniffe angehender Staatsbeamten des Cameral- und Adminiftrationsfaches berechnet. Das in kurzen Zügen foeben gefchilderte landwirthschaftliche Unterrichtswefen Württembergs follte durch die Seitens der königlichen Centralftelle, fowie Seitens der Akademie Hohenheim in der öftlichen Agriculturhalle veranlafste Ausstellung von Lehrmitteln illuftrirt werden. Die Ausstellung der königlichen Centralftelle umfafste die Lehrmittel für das landwirthschaftliche Fortbildungswefen, fowie für die Ackerbau-, Weinbau- und Gartenbau- Schulen. Es waren da rückfichtlich des erfteren ausgelegt: Populäre Bilderwerke und Lehrbücher, deren Herausgabe die königliche Centralftelle veranlafst oder vermittelt hat, oben an die bekannten in den Verlagen von Ulmer in Ravensburg, Schickhardt und Ebner in Stuttgart und Schreiber in Efslingen erfchienen landwirthfchaftlichen Abbildungen, dann eine kleine Bibliothek bewährter Werkchen von Kik, Erzinger, Lucas, Fritz u. f. w. Von den Sammlungen, Abbildungen und Schriften für den Unterricht in der Naturgefchichte feien die Haug'fchen und Seyerlen'fchen Herbarien, die kleine Haug'fche Mineralienfammlung mit geognoftifchem Kärtchen von Württemberg, die geologifchen Wandtafeln von Fraas, Bach's geognoftifche Karte von Württemberg, Ahles' Pflanzenkrankheiten, Lucas' Veredlungsarten, Schmidlin's Futter- und Wiefenkräuter, fowie Schubert's Naturgefchichte erwähnt. Der Lehrmittel für die Naturlehre hatte fich ganz fpeciell Profeffor Bopp in Stuttgart angenommen. Genannter Herr war beftrebt, auf nicht zu koft. fpielige Weife die für den Unterricht in der Naturlehre ganz unerlässlichen Expe. rimente durchzuführen und hat fo die Acquifition der nöthigen Apparate auch minder bemittelten Gemeinden und Schulen möglich gemacht, Referent empfiehlt dringend Allen jenen, welche Luft und die Mittel haben, für die Bildung der Landbevölkerung etwas zu thun, diefe Bopp'fchen Sammlungen als ein überaus inftructives Gefchenk für Fortbildungsfchulen. Bopp hat fpeciell für diefe Kategorie von Schulen einen phyfikalifchen Apparat( 41 Gegenftände zur Erläuterung des Magnetismus, der Reibungselektricität, der Stromelektricität, Licht und Wärme, Waffer- und Luftdruck und Mechanik), einen chemifchen Lehrapparat( 50 Stück) und einen einfachen metrifchen Lehrapparat( II Stück) zufammengeftellt. Nicht vergeffen waren auch die wohl fchon in den meiften Fortbildungsfchulen zu findenden Bopp'fchen Wandtafeln für den phyfikalifchen Anfchauungsunterricht. Aus der Abtheilung:" Ackerbaufchulen, Weinbaufchulen und Gartenbaufchulen" waren ausgeftellt: diverfe Anfichten der Anftalten, Situationspläne der Gebäude, Grundriffe der Schulräume, Gutspläne, Abbildungen von Zuchtthieren ( Simmenthaler, Neckar-, Montafuner- und Limpurgerfchlag), zahlreiche Schülerarbeiten mit Correcturen der Lehrer( Hohenheimer Ackerbauſchule), zahlreiche Bücher und Schriften, von denen manche allerdings nicht an diefe Stelle gehört hätten, fo z. B. die uralte Weckherlin'fche Thierproduction; dann eine bedeutende Zahl von Modellen und Werkzeugen: Pflüge, Eggen, Walzen, Säemafchinen und Reini 8 Dr. C. Theodor von Gohren. gungsapparate, Wiefengeräthe, Fuhrgefchirre, Geräthe für den Stall und Viehftand, Molkereigeräthe, Scheunen- und Magazinsgeräthe, Geräthe für den Obft- und Weinbau, Obft- und Weinbereitung und diverfe fonftige Geräthe und Mafchinen. Auch fehlte es nicht an Lehrmitteln zum Unterrichte in der Phyfik und Chemie, fowie an Gefteinspetrefacten, Bodenarten- Sammlungen, Herbarien, Blüthenmodellen, Gebifsfammlungen u. f w. Hervorragendes oder befonders Bemerkenswerthes ift nicht zu verzeichnen. - Nicht ohne Spannung und Erwartung wird mancher Landwirth an die Ausstellung der altberühmten Akademie Hohenheim herangetreten fein. Viele dürften fich enttäufcht gefühlt haben. Ein Capitalsftück war eigentlich nur die Sammlung der Ackerböden von primärer Lagerftätte als Repräfentanten der Hohenheimer Bodenfammlung. Es waren vertreten von Lias a( Quenftedt), Lias( Quenftedt), der Lettenkohlen- Gruppe des Mufchelkalkes unverwittertes Geftein, dann die erfte, zweite und dritte Verwitterungsftufe. Dafs die Modellfammlungen der Akademie Hohenheim, Dank der dortigen Fabrik, reich find, weifs jeder Befucher Hohenheims und ein Theil diefes Reichthums figurirte auch auf der Ausftellung. Bemerkenswerther waren jedenfalls die Repräfentanten aus der landwirthschaftlich- technologifchen Modellfammlung. Der vielverdiente Profeffor Siemens hatte ausgeftellt: einen Kartoffeldämpfer für Hochdruck mit Einmaifchung, das Modell einer Maifchmafchine mit verftellbaren Flügeln, Modelle einer Maisentfchalungs- Mafchine, einer Deftillationsfäule mit Rotationsfcheiben, einer Hopfendarre mit Luftheizung, einer Vorrichtung zur Torfheizung für Braupfannen und eines Stärkeapparates mit Schüttelfieb. Ebenfo intereffant war der Plan der baulichen und Betriebseinrichtungen der landwirthfchaftlichtechnologifchen Fabrik und der Plan der Bauten der landwirthfchaftlichen Verfuchsftation. Bemerkenswerth find noch die geognoftifche Karte des Hohenheimer Akademiegutes, die Boden- und Terrain-, fowie die Culturkarten. Mehr decorativen Zweck hatte die Photographie des Hohenheimer Schloffes. Auch die Collection officieller Druckfchriften der Akademie fehlte nicht. Bei der graphifchen Darftellung der Frequenz der Akademie nach den Heimatländern der Studirenden merkte man zu fehr die Abficht. Grofsherzogthum Heffen. Die grofsherzogliche Centralftelle für die Landwirthfchaft und die landwirthfchaftlichen Vereine hatte zwar eine Collectivausftellung von landwirthschaftlichen Producten aus allen Theilen des Landes arrangirt, leider aber das landwirthschaftliche Unterrichtswefen nicht zur Darftellung gebracht, man möchte denn eine ftatiftifche Karte über das Fortbil dungs- Schulwefen und einige Schülerarbeiten als folche anfehen. Eine kurze Skizze möge die Lücke ausfüllen. Am beften ſcheinen in Heffen die Fortbildungsfchulen zu gedeihen. Um für die Fortbildungsfchulen tüchtige Lehrkräfte zu haben und mit Rückficht darauf, dafs man es als richtig erkannt hatte, die Leitung der Fortbildungsfchulen den Volksfchul- Lehrern anzuvertrauen, diefe aber bei der ungenügenden Berücksichtigung der Naturwiffenfchaften in den Lehrerfeminarien nicht überall die Fähigkeit zur Uebernahme folcher Functionen zeigten, haben die landwirthschaftlichen Vereine des Landes feit 1867 einen regelmässigen landwirthfchaftlichen Lehrcurs für Volks- Schullehrer unter Leitung der grofsherzoglichen Centralftelle für die Landwirthschaft unterhalten. Der Befuch diefes Curfes, der im Ganzen eine Zeitdauer von 12 Wochen umfafst und in zwei Abfchnitten von je 6 Wochen in zwei aufeinander folgenden Jahren abfolvirt wird, ift nach jeder Richtung hin ein freiwilliger und haben bis jetzt hieran etwa 300 Lehrer Theil genommen. In neuerer Zeit neigt man fich, in Folge der gemachten Erfahrungen, der Anficht zu, auch in den ländlichen Fortbildungsfchulen einen eigentlichen landwirthfchaftlichen Unterricht mehr zurücktreten zu laffen und an deffen Stelle die allgemeinen Lehrfächer zu erweitern, namentlich auch mit Rückficht auf die oft fchwierige Entfcheidung, Landwirthschaftliche Lehre und Forschung. 9 ob das landwirthfchaftliche oder das gewerbliche Intereffe in einer Gemeinde das vorwiegende ift, da in vielen Fällen kleinere Befitzer zugleich Handwerker find. In Folge deffen wurde denn auch der Lehrcurs für Volks- Schullehrer allmälig mehr und zuletzt faft ganz feines landwirthfchaftlichen Charakters entkleidet. An den Schullehrer- Seminarien hat man feit einigen Jahren, um die zukünftigen Volkfchul- Lehrer zur Ertheilung des Fortbildungsunterrichtes befähigter zu machen, dem Unterrichte in den Naturwiffenfchaften eine gröfsere Ausdehnung gegeben und ift zu diefem Zwecke von der Staatsregierung die Erweiterung der Unterrichtszeit an diefen Anftalten von zwei auf drei Jahre angeordnet worden. Der auf der Weltausftellung zur Anfchauung gebrachten ftatiftifchen Karte über das Fortbildungs- Schulwefen in Heffen waren nicht Nachweife über das eigentliche landwirthfchaftliche Fortbildungs- Schulwefen, beziehungsweife ein folches auf dem flachen Lande zu Grunde gelegt, fondern es gab diefelbe nur ein Bild über den Stand des heffifchen Fortbildungs- Schulwefens überhaupt. Gegenwärtig find im Grofsherzogthume thätig 147 Schulen mit 3812 Schülern, die fich nach Provinzen fo vertheilen: Provinz Starkenburg Oberheffen Rheinheffen Schulen Schüler. 93 36 2243 954 615 18 Davon find in den Kreifen der ländlichen Bevölkerung 126 Schulen mit 2724 Schülern. Der Aufwand für diefe Schulen, ebenfo wie die für den Befuch des Lehrercurfes von den Lehrern zu beftreitenden Koften werden von den betreffenden Gemeinden theils ganz getragen, theils werden hiezu von landwirthfchaftlichen Vereinen, Sparcaffen etc. nicht unerhebliche Zufchüffe gewährt. Die Staatsregierung beabsichtigt, den Fortbildungsunterricht in denjenigen Gemeinden, in denen ein folcher bereits befteht oder der Gemeindevorftand die Ein führung befchliefst, obligatori fch, und zwar für die Gemeinde, die Lehrer und die aus der Volksfchule entlaffene Jugend zu machen. An landwirthfchaftlichen Fachunterrichts- Anftalten beftehen im Grofsherzogthume vier Ackerbau- Schulen( je zwei in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen), die höhere landwirthfchaftliche Lehranftalt zu Worms ( Rheinheffen) und das landwirthfchaftliche Inftitut an der Univerfität Gieffen ( Oberheffen). Von den vier erfteren find drei ausfchliefslich Unternehmen der betreffenden landwirthfchaftlichen Provincialvereine und eine geniefst nur eine Subvention durch den Provincialverein. Der Gefammtaufwand für diefe vier Schulen beträgt circa 6000 fl. und find diefelben mit Lehrmitteln und Lehrkräften gut verfehen. Die landwirthschaftliche Lehranstalt zu Worms ift ein Privatunternehmen. Die Zahl der Theilnehmer an diefen Anftalten, von denen letztere fich nur auf die fünf Wintermonate von November bis März erftreckt und auf zwei Curfe in zwei Winter vertheilt, beträgt zufammen 150 bis 200 in jedem Winter. Für die Aufnahme in die erfteren ift erforderlich, dafs die Schüler das 15. Lebensjahr überfchritten haben, aus der Volksfchule entlaffen find und in der Landwirthschaft bereits praktiſch thätig waren; letztere verlangt das zurückgelegte 18. Lebensjahr, eine höhere allgemeine Vorbildung und ebenfalls vorausgegangenes Prakticum. Das landwirth fchaftliche Inftitut zu Gieffen, mit der Univerfität verbunden, fetzt eine gleiche Vorbildung voraus, wie fie für den Befuch der Univerſität gefordert wird. Die Theilnahme an demfelben erftreckt fich vorzugs. weife auf die Cameral- und Forstwirthschaft- Studirenden und weniger auf prak. tifche Landwirthe. Aufser den vorerwähnten Anftalten werden von den landwirthschaftlichen Vereinen in jedem Jahre Curfe für Wiefenwärter, Obftbaum- Wärter, HufbefchlagSchmiede abgehalten. 10 Dr. C. Theodor von Gohren. Als Forfchungsftätte befitzt Heffen feit 1871 die Verfuchs- und Auskunftsftation in Darmstadt, deren Thätigkeit fich erftreckt auf die Aus. übung einer umfaffenden Düngercontrole, auf die Unterfuchungen verfchiedener Erforderniffe und Producte der Landwirthschaft, fowie auf die Ausführung gröfserer wiffenfchaftlicher Arbeiten, auf die Unterfuchung landwirthfchaftlicher Handelsfämereien und auf das Streben, dem Rath fuchenden Landwirthe durch Auskunft und Belehrung an die Hand zu gehen. Grofsherzogthum Baden. Das Grofsherzogthum Baden war auf dem Gebiete des landwirthschaftlichen Unterrichts- und Forschungswefens nicht eben zahlreich vertreten, aber das, was geboten wurde, hat unftreitig grofses Intereffe erweckt. Manche Inftitutionen Badens ftehen fogar bis nun einzig im ganzen deutfchen Reiche da und bezeugen, dafs in diefem Lande ein frifcher, initiativer Geift zu finden ift. In Betracht kommen an diefer Stelle: 1. Die Kreis- Waifenanftalt Hegne; 2. die permanente Ausstellung landwirthschaftlicher Lehrmittel in Carlsruhe; 3. das önochemifche Laboratorium in Carlsruhe, fowie die Rebfchule bei Blankenhornsberg. Die Kreis- Waifenanftalt und die landwirthfchaftliche Winterfchule Hegne bei Conftanz. Zur Orientirung über diefe wohl nicht blofs in Baden, fondern in Deutfchland( in Frankreich finden fich ähnliche Inftitutionen) einzig daftehende Anftalt empfiehlt Referent die auf Veranlaffung der badifchen Landes commiffion für die Weltausftellung von dem Vorftande diefer Kreis- Waifenanftalt, Theodor Propft, verfafste Schrift. Die Errichtung der Anftalt wurde 1865 befchloffen und 1867 activirt. Die ihr zugewiefenen Liegenfchaften belaufen fich auf 68 Hektaren, 68 Are, 27 Meter. Der Organiſation des Inftitutes liegt das fogenannte Familienfyftem zu Grunde, wie folches von Dr. Wichern im ,, Rauhen Haufe zu Horn bei Hamburg ,, zuerft eingeführt wurde und bedeutende Nachahmung in der Schweiz gefunden hat. Die Grundprincipien diefes Syſtems find etwa folgende: Jedem an der Anftalt wirkenden Lehrer find 12 bis 15 Kinder zur felbftftändigen Erziehung anvertraut. Er theilt mit ihnen Wohnung( die aus einem Wohnzimmer und Schlaffaal befteht mit einfach ländlicher Einrichtung) und Koft, Arbeit und Erholung und vertritt gewiffermafsen Vaterftelle. Die Eintheilung in einzelne Familien findet nicht nach dem Alter ftatt, fondern wie es der Eintritt mit fich bringt. Die Gröfseren follen den Kleineren an die Hand gehen, fie anleiten und miterziehen helfen, wodurch das Anftaltsleben erft an Werth gewinnt. Der Schulunterricht wird von den Familienlehrern in befonderen Localen ertheilt, wobei die Zöglinge nach Fähigkeiten und Vorkenntniffen getrennt find. Die Oberaufficht und Leitung der Anftalt ift dem Vorftande übertragen, der einerfeits als Hausvater mit feiner Frau für Nahrung, Bekleidung und Gefundheitspflege der Kinder, überhaupt für das ganze Hauswefen beforgt ift; andererfeits als Erzieher die Aufficht führt über Erziehung und Unterricht und fpeciell ein wachfames Auge hat auf die phyfifche, geiftige und fittliche Entwicklung der Kinder. In Verbindung mit dem Oberknecht leitet und ordnet er die landwirthfchaftlichen Arbeiten und vertheilt diefelben unter die einzelnen Familien, fo dafs alle Zöglinge unter fteter Aufficht und Anleitung und jeder nach Mafsgabe feiner Kräfte und Fähigkeiten mitzuarbeiten hat. Die Aufzunehmenden ſtehen im Alter vom zurückgelegten fechsten bis zum zurückgelegten zwölften Jahre und müffen geiftig bildungsfähig und dürfen nicht mit körperlichen Gebrechen behaftet fein, welche eine befondere Wartung und Pflege erfordern. Mit dem Eintritte des Zöglings übernimmt die Anftalt die Erziehung desfelben vollſtändig und trägt fomit jede Verantwortung gegenüber den Auffichtsbehörden. Statutengemäfs haben die Zöglinge bis zum zurückgelegten fechzehnten Lebensjahre in der Anftalt zu verbleiben. Für das Jahr 1873 find die Gefammtausgaben der Anftalt für 118 Zöglinge auf 23.926 fl. veranfchlagt. Die eigenen Einnahmen für Verpflegsbeiträge etc. betragen 7207 fl., fo dafs ein Zufchufs von 16.719 fl aus der Kreiscaffe nöthig ift. Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 11 Der Ertrag des Gutes, welcher in die Kreiscaffe fliefst, beträgt nach dem Voranfchlage 4754 fl. Wie rafch, trotz der vielen Hinderniffe, die Anftalt beim Landvolke Wurzel gefafst hat, beweift der Umftand, dafs in einem Zeitraume von zwei Jahren acht Familien mit 118 Zöglingen eingerichtet werden konnten. Die landwirth fchaftliche Winterfchule zu Hegne hat mit Rückficht auf den allgemeinen Arbeitermangel ihre Organiſation fo getroffen, dafs ihre Schüler nicht in der arbeitsreichen Zeit des Sommers, fondern im Winter ihre Weiterbildung in der Schule fuchen können. Ein weiteres Moment zur Befchränkung des Unterrichtes auf die Wintermonate lag auch in dem Koftenpunkte. Der Unterricht ift wefentlich ein theoretifcher. Zur Aufnahme genügt, wenn die Aufzunehmenden lefen, fchreiben und in den vier Species rechnen können. Die Koften für den Befuch der Schule find möglichft niedrig gehalten und berechnen fich inclufive eines mäfsigen Tafchengeldes auf etwa 100 fl. per Winterfemefter, das ift für die Zeit November bis inclufive März. Als Lehrer wirken an der Anftalt: der Vorftand, welcher zugleich landwirthfchaftlicher Fachlehrer ift, ein zweiter landwirthschaftlicher Fachlehrer, ein Hilfslehrer für ThierHeilkunde, ein Hilfslehrer für Obftbau und ein Hilfslehrer für Elementarfächer. Der Unterricht wird in zwei Claffen ertheilt. Der erften Claffe gehören in der Regel die Schüler an, welche die Anftalt zum erftenmale, in der zweiten Claffe find diejenigen Schüler, welche die Anftalt zum zweitenmale befuchen. Eine zur Nachahmung fehr zu empfehlende Einrichtung ift die Carlsruher permanente Ausstellung landwirth fchaftlicher Lehrmittel, welche auch auf der Weltausftellung nicht unvertreten geblieben ift. Die Anftalt hatte in Wien einen naturwiffenfchaftlichen Gefammtapparat( Preis 250 Thaler) als Ausftattung einer gehobenen Volksfchule ausgeftellt. Wer fich für die Gründungsgefchichte, Zwecke und Ziele diefes Inftitutes fpeciell intereffirt, den verweifen wir auf den Erften Bericht über die Thätigkeit der permanenten Ausftellung landwirthschaftlicher Lehrmittel zu Carlsruhe 1870 bis 1871. Im Auftrage des Curatoriums verfafst von Dr. C. Weigelt, Carlsruhe. Selbſtverlag der permanenten Ausftellung. 1872." " Jeder Lehrer ift von der Wichtigkeit und Nothwendigkeit der Lehrmittel überzeugt, jeder Lehrer an einer landwirthfchaftlichen Fachfchule wird aber auch ficherlich die mancherlei Schwierigkeiten kennen gelernt haben, die fich der Auswahl und Acquifition entſprechender Lehrmittel und Apparate entgegenftellen. Es war daher ein überaus glücklicher Gedanke, den Fachmännern den Vergleich und die Kritik der einzelnen Lehrmittel durch eine folche permanente Ausstellung zu vermitteln.* Von den der Forfchung gewidmeten Inftituten des Grofsherzogthums Baden war nur das önochemifche Laboratorium des Dr. Blankenhorn in Carlsruhe vertreten. Diefes Privatunternehmen, an welchem aufser dem Dirigenten ein Laboratoriumsvorftand, ein Affiftent, zwei Secretäre und ein Laboratoriumsdiener befchäftigt find, hat feit feiner Gründung im Jahre 1867 ( Rebfchule und Weingarten, fowie Laboratoriumsbau nicht mitgerechnet) bis jetzt circa 33.000 fl. beanfprucht. Der jährliche Aufwand beträgt zur Zeit etwa 6000 fl. Die fämmtlichen wichtigeren Arbeiten des Laboratoriums find in den feit 1867 erfcheinenden Annalen der Oenologie veröffentlicht. Dr. Blankenhorn hatte ausgeftellt: die Annalen der Oenologie wohl die befte und gründlichfte Fachfchrift auf diefem Gebiete; ein kleines Notizbuch für wiffenfchaftliche Buchführung; die Buchführung des Rebgutes Blankenhornsberg; die Babo'fche Moftpeitfche; das Album des Laboratoriums, welches eine Reihe noch - * Leider lauten die neueften Nachrichten über die permanente Ausftellung nicht fehr erfreulich. Sie foll eingehen, refpective vollſtändig ihre feitherigen Tendenzen ändern. Wir und mit uns gewifs viele Andere würden diefs im Intereffe des landwirthschaftlichen Unterrichtes aufrichtig bedauern. 12 Dr. C. Theodor von Gohren. unveröffentlichter Arbeiten, einen Bericht über den Gang und die Koften der Arbeiten, ein alphabetifches Verzeichnifs der Mitarbeiter und Pläne des früheren und des jetzigen neuerbauten oenochemifchen Laboratoriums enthält; ferner eine Zufammenftellung der gefammten oenologifchen Literatur, den Bibliothekskatalog, mikrofkopifche Präparate von oenochemifchen und oenologifchen Objecten; das Reb- Schulbuch des Gutes Blankenhornsberg; einige Exemplare von im Jahre 1867 in Glycerin confervirten Baftardtrauben; einen Lüftungsapparat zur Lüftung, eine Gährflafche; Thermoregulator; Apparat zur Erwärmung des Moftes für die Praxis für folche Kellereien, die keine Dampfapparate befitzen; fchliefslich eine Reihe von Analyfen, die Präparate von dem Weinftocke fchädlichen Infecten( Phylloxera, Sauerwurm, Stichling) vonBrifchke in Danzig und eine geologiſche Reliefkarte. Königreich Baiern.* Gleich Württemberg hat Baiern überaus fchätzbare Fortfchritte des Fortbildungs- Unterrichtswefens aufzuweifen. Die von dem landwirthschaftlichen Kreiscomité der Pfalz ausgeftellten Arbeiten der landwirthschaftlichen Fortbildungsfchulen zu Göllheim, Alfenz, Grünftadt, Siebeldin gen, Neuftadt, Mufsbach, Deidesheim, Hoerdt, Zeiskam und Rützheim vermochten, da fie wie es fchien nicht befonders für die Weltausftellung präparirt waren, ein recht deutliches Bild von den fchönen Erfolgen des Fortbildungsunterrichtes zu geben. - Bei der Organiſation des landwirthschaftlichen Fortbildungsunterrichtes in Baiern, welche erft nach der im Jahre 1864 erfolgten des gewerblichen Fortbildungsunterrichtes ftattfand, war man von der anfänglich vielfach vertretenen Anfchauung, als ob es fich hiebei um die Einführung eines theoretifchen oder wohl gar praktiſchen Landwirthschafts Unterrichtes handeln könne, immer mehr zurückgekommen und ziemlich allfeitig zu der Ueberzeugung gelangt, dafs zunächft nur die Fortführung und feftere Begründung des Elementarunterrichtes, und zwar beim Schreiben, Lefen und Rechnen zum Ziele führen könne. Anleitung zur einfachen landwirthschaftlichen Buchführung und die Benützung eines vom Lehrer entſprechend zu erläuternden landwirthschaftlichen Lefebuches, dann je nach dem Befähigungsgrade der Lehrer und Schüler ein leichtfafslicher Unterricht in den für den Landwirth wichtigſten Gegenftänden der Naturlehre, Naturgefchichte, fowie in anderen nützlichen Gegenftänden ift nicht nur zuläffig, fondern wird auch empfohlen. Der Unterricht ift in Anfehung der Lehrer und Schüler ein durchaus freiwilliger. Die landwirthfchaftliche Fortbildungsfchule zu Göllheim, welche wohl als ein Prototyp für die anderen gelten kann, hatte ausgeftellt 5 Auffatz- und 5 Gefchäftsauffatz- Hefte, letztere als Dictandohefte; 5 Schönfchreib- und 5 Rechenhefte, fowie 5 Zeichnungen und 5 Landkarten. An diefer Schule fungirt ein Elementarlehrer, die Zahl der Schüler 1872 und 1873 betrug 32; die Koften der Schule find jährlich 600 bis 650 fl. Die Lehrgegenftände, welche in der Schule behandelt werden, find: deutfche Sprache mit Auffatz und Rechtfchreiben, Rechnen, Buchführung, Gefchichte und Geographie, Naturlehre und Naturgefchichte, Chemie, Zeichnen, Schönſchreiben und Gefang. Die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsftunden ift 24, der Unterricht wird in der Regel des Vormittags von acht bis zwölf Uhr ertheilt und befchränkt fich auf die Wintermonate. Aufser Vereinsund Gemeindezufchüffen fteuerten 1872 für den landwirthschaftlichen Fortbildungsunterricht bei: die Kreisvertretung in den acht Regierungsbezirken Baierns 27.150 fl. und die Kammern des Landtages 10.000 fl. 1872 beftanden in Baiern 853 landwirthschaftliche Fortbildungsfchulen mit 15.723 Schülern. 1871: 929 Schulen mit 17.919 Schülern. * Eine Fülle intereffanten Materiales zur Orientirung über den landwirthschaftlichen Unterricht in Baiern bietet die foeben im Commiffionsverlage von E. A. Fleischmann in München erfchienene ,, Statiſtik des Unterrichtes im Königreiche Baiern von Dr. Georg Mayr, Minifterialrath und Vorftand des königlichen ftatiftifchen Bureaus." Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 13 An landwirthfchaftlichen Winterfchulen zählt Baiern zehn, von denen die meiften in Niederbaiern und in der Oberpfalz find. Die Organiſation diefer Winterfchulen ift den landwirthschaftlichen Vereinen zunächft anheimgegeben und defshalb auch keine gleichförmige. Behufs einer mehr angemeffenen landwirthfchaftlichen Vorbildung der Schullehrer befteht zu Würzburg ein auf die Feriendauer befchränkter Unterrichtscurs, an dem fich im Jahre 1871 zwanzig Elementarlehrer betheiligten. In dem II. Jahrescurfe der Schullehrer- Seminarien wird landwirthfchaftlicher Unterricht ertheilt. Special Lehrcurfe werden in Baiern zahlreich abgehalten, fo für Schäferei in Schleifsheim und Triesdorf; für Käferei und Viehhaltung zu Sonthofen; für Brauerei in Weihenftephan; für Brennerei in Schleifsheim und Freimann; für Obftbaum- Zucht in Weihenftephan, Schleifsheim, Landshut, Triesdorf, Regensburg und Würzburg; für Hufbefchlag in München und Würzburg. Die Frequenz betrug 1871 und 1872 185 Befucher, die Koften 4206 fl. Das Inftitut der Wanderlehrer fieht in Baiern einer allgemeinen Verbreitung erft entgegen, vorerft find als Wanderlehrer zur Förderung der landwirthfchaftlichen Thierzucht im Gefammtumfange des Landes befonders thätig die Profefforen May in Weihenftephan und J. Lehmann in München. Ortsbibliotheken, eine Inftitution neuefter Zeit, beftehen 383 mit 15.627 Büchern. Die baierifchen Ackerbau- Schulen und landwirthschaftlichen Mittelfchulen waren auf der Weltausstellung nicht vertreten. Erwähnt fei, dafs Baiern fechs Ackerbau- Schulen( Schleifsheim, Schönbrunn, Pfrentfch, Bayreuth, Ramhof und Triesdorf) befitzt, deren Unterricht ein theoretifch- praktiſcher ift und zwei Jahrescurfe umfafst. Die Einnahmen fämmtlicher Ackerbau- Schulen betragen 44.684 fl., die Frequenz ift eine geringe. An die einzige baierifche landwirthfchaftliche Mittelfchule zu Lichtenhof bei Nürnberg mit einer Vorbereitungsfchule und drei Jahrescurfen fchliefsen fich die landwirthschaftlichen Abtheilungen an den Gewerbefchulen in Freifing, Kaiferslautern und Straubing an. Der höhere landwirthfchaftliche Unterricht ift in Baiern vertreten durch die landwirthfchaftliche Abtheilung der polytechnifchen Schule in München und durch die königliche landwirthfchaftliche Centralfchule in Weihenstephan. Beide Anftalten waren auf der Weltausstellung vertreten. Die Ausftellung Weihenstephans, in der öftlichen Agriculturhalle mit grofsem Fleifs und grofser Sorgfalt zufammengeftellt, bot manches Neue. Freilich fand fich nicht Alles beifammen. fondern war vielfach in der Halle verftreut untergebracht. Sehr zweckmäfsig war bei der Weihenftephaner Ausstellung die deutliche Etiquettirung, wodurch das fo zeitraubende, umftändliche Umherfuchen und meift Nichtfinden im Kataloge erfpart wurde. Von den ausgeftellten Objecten nennen wir: die von Profeffor May zufammengeftellte Collection der nach Racen und deren Kreuzungen geordneten Wollproducte der baierifchen Schäfereien( 42 Tableaux). Gleichfalls wie eben genannte Collection etwas getrennt von der eigentlichen Ausftel. lung, über der Expofition verfchiedener Düngerfabrikanten, war ein grofses, etwa 6 Meter breites und 5 Meter hohes Tableau, die Handgeräthe Baierns darftellend, angebracht. Diefe durch Vermittlung des Kreiscomités in Baiern ermöglichte Sammlung( 200 Stück) lieferte den Beweis, dafs in Baiern eine gröfsere Mannigfaltigkeit in den Handgeräthen herrfcht, als man zuvor irgend geglaubt hatte. Namentlich war es intereffant, nach den verfchiedenen geognoftifchen Verhältniffen der betreffenden Gegenden auch eigenthümlich entſprechende Conftructionen der Geräthe zu finden. Die aus 45 Stück beftehende Sammlung von Hopfenbau Geräthen umfafste Repräfentanten aus Baiern, Böhmen, 14 Dr. C. Theodor von Gohren. Preufsen, Heffen und England. Nach oben hin wurde die Ausftellung Weihen. ftephans abgefchloffen durch eine Anzahl grofser, vom penfionirten Lieutenant Sailer in München nach Abbildungen der Lehrbücher von Otto etc. gefertigte Tableaux zur landwirth fchaftlichen Technologie". Jeder Lehrer der landwirthschaftlichen Technologie an höheren landwirthschaftlichen Lehranftalten wird fchon oft fchmerzlich zweckentfprechende Modelle und grössere bildliche Darftellungen zu Demonftrationen vermifst haben. Die von Sailer auf Veranlaffung des Profeffors Lintner in Weihenftephan gefertigten Tableaux find zwar nicht billig, können aber für Unterrichtszwecke auf das wärmfte empfohlen werden. Eine lange Reihe von verglasten Rahmen( 183) führten die von Profeffor Braungart angelegten, von dem Verfuchsdirigenten Günther ausgeführten Collectionen der Varietäten der vier Hauptgetreide. arten vor. Vertreten waren 74 Weizen-, 21 Roggen-, 40 Gerfte- und 45 Hafervarietäten. Zur landwirthfchaftlichen Betriebslehre waren recht nette Modelle ausgeftellt, welche demonftriren follten, wie der Wirthschaftshof nicht fein foll, wie er fein foll und wie der Kampf ums Dafein nach Naturverhältniffen und Landesfitte denfelben geftaltete. Das erfte Modell zeigte den Wirthschaftshof in länglichem Vierecke, bei welcher Anordnung die wirthschaftlichen Arbeiten nicht gut von Statten gehen. Das zweite Bild einen Wirthschaftshof in Quadratbau, die nämliche Grundfläche wie bei erfterem Hof idealer Form, nach Paul Schönlau, Culturingenieur in Detmold; gröfstmögliche Ausnützung der Fläche, befte Anordnung der Gebäude und beftes Ineinandergreifen der wirthschaftlichen Anordnungen. Drittes Modell: der Bauernhof auf den friefifchen Infeln Pellworne. Die den Sturmfluthen des Meeres ausgefetzten Infeln haben eine Form vom Wirthfchaftshof, welcher auf kleinftem Terrain auf einem Hügel die Wirthfchaftsräume einfchliefst, fich fomit der idealen Form am meiften nähert. Die Modelle find von Anton Wagner, Modelleur an der Central- Landwirthfchaftsfchule in Weihenftephan, künftleriſch ſchön und correct ausgeführt. An diefe Modelle fchloffen fich zwei weitere: Darftellung des Hopfenbaues in feinen Bearbeitungs- und Entwicklungsftadien( 1:20), Schneiden des Hopfens, erfte Bearbeitung und Anbinden, Entwicklung der Hopfendolde, zweite Bearbeitung und Ernte, Ausftellung der Stangen a in der Hallertau ( Baiern), Kamm- Hopfen- Bau b in Kent( England), Ebener Hopfenbau. Gefertigt wurden diefe Modelle von dem Verfuchsdirigenten Günther. Neu und der Beachtung werth war das von dem Modelleur Wagner gefertigte Modell eines Stangen Imprägnirapparates zum Hopfenbau( Verh. 1:20). Die von dem Lehrer des Obftbauès G. Schufter gearbeiteten 24 Formbau- Modelle verdienten ihrer exacten fachmännifchen Ausführung wegen befondere Aufmerkſamkeit. Sie demonftrirten in klarer Weife die Entwicklung der Formbäume vom kleinen Stämmchen an. Fünf Modelle von Düngerftätten nach Kintzel und von der Goltz und ein Modell eines ländlichen Abtrittes zur Poudrettebereitung dienten als Repräfentanten der Lehrmittel zur Düngerlehre. Noch ift zu gedenken der 104 von Profeffor Braungart ganz ausgezeichnet zufammengeftellten Weingeift- Präparate, darftellend die embryonale Entwickelung der Flufsforelle, des Seelach fes und der Lachsforelle ( veranfchaulicht waren die Entwicklungsftadien der Fifche im Zeitraume vor. I bis 180 Tagen in je 10 Abſchnitten; befonders intereffant in diefer Sammlung war eine doppelköpfige Flufsforelle); fowie der Collection zymotechnifcher Lehrmittel( 22 neuere Apparate zur Bierunterfuchung), welche von Profeffor Lintner zufammengeftellt wurde. Hervorgegangen waren die Apparate aus der mechanifchen Werkftätte des baierifchen Bierbrauers" in München und find in dem 1873er Jahrgange citirten Fachblattes eingehend befchrieben. Damit auch die Kunft nicht leer ausging, war letztgenannte Collection gekrönt von einem kleinen Aquarellbildchen, welches den Befuchern die in einem fchönen Parke auf der " 7 Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. 15 Höhe eines fchmucken Hügels thronende k. Central- Landwirthfchafts- Schule zeigte. Schliefslich fei noch erwähnt, dafs die Weihenftephaner Brauerei, wenn auch an anderer Stelle, vertreten war. Die landwirthfchaftliche Abtheilung des Polytechnikums in München, welche erft im Winterfemefter 1872 bis 1873 eröffnet worden ift, war trotz ihres kurzen Beftandes doch durch einige recht tüchtige Arbeiten ihrer Docenten vertreten. Wir zählen hieher die von Profeffor Wollny zufammengeftellten, von Steinacker gezeichneten Tableaux, die hauptfächlichften Krankheiten der landwirthschaftlichen Culturpflanzen darftellend, fodann die anatomifchen und phyfiologifchen Präparate des Profeffors Frank. Weniger gut waren die von Profeffor Thiel ausgeftellten Photographien, welche die Bewurzelung von landwirthschaftlichen Culturpflanzen in verfchiedenen Stadien der Entwicklung darftellen follten. Der Katalog führte ferner noch auf eine Sammlung von Proben der Victoriaerbfe und von Sommerweizen, welche den Einfluss der Qualität des Saatgutes, wie des Nährftoffgehaltes des Bodens auf Qualität und Quantität des Ertrages darthun follten; Skelette von Schweinen desfelben Alters und derfelben Race zur Demonftration des Einfluffes verfchiedener Ernährungsweifen und verfchiedene Brodproben zur Erläuterung von Lehmann's Methode der Verwerthung des Mehls von ausgewachfenem Getreide, mittelft Salzzufatzes bereitet.. Wir können Baiern nicht verlaffen, ohne der Ausftellung des Lehrers der Landwirthschaft und Modelleurs, J. Anfelm, in Schleifsheim bei München zu gedenken. So manche landwirthschaftliche Lehranftalt bezieht ja den Haupttheil ihrer landwirthschaftlichen Modelle, die dann unter den Lehrmittel- Ausftellungen der betreffenden Anftalten prangen, von Schleifsheim. Anfelm ift kein eigentlicher Fabrikant, fondern betreibt zum Theil die Erzeugung von Geräthen aus Liebhaberei. Eine dem Referenten vorliegende Zufammenftellung gibt intereffante Auffchlüffe, welche Lehranstalten von Anfelm bezogen haben. Das Abfatzgebiet erftreckt fich auf Deutſchland und Oefterreich in erfter Linie und hier fehlt kaum eine einzige Lehranftalt; aber auch nach Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Schweden, Dänemark, die Schweiz, Serbien, Rufsland und Brafilien find nicht unbeträchtliche Sendungen verlangt worden. Leider verlor Anfelm's Ausftellung fehr viel dadurch, dafs man die Sammlung im Ausftellungslocale theils zufammenpferchte, theils weit von einander trennte, wodurch eine Ueberficht unmöglich wurde. Die von Anfelm ausgeftellte Sammlung umfafste 108 Stück und repräfentirte einen Gefammtwerth von 1200 Thaler. Sie läfst fich eintheilen wie folgt: I. Pflüge. A. Europa: a) Belgien I Stück, b) Deutſchland 27 Stück, c) England 8 Stück, d) Frankreich 3 Stück, e) Oefterreich 5 Stück, f) Rufsland 8 Stück, g) Schweden 2 Stück; B. Amerika 7 Stück; C. Afien 7 Stück; D. Afrika 2 Stück; II. Eggen, Schleifen und Walzen 17 Stück; III. Mafchinen 8 Stück; IV. Demonftrationspferd und Kuh; V. Collection von Mufterdungftätten; VI. Modelle von Stallungen; VII. Lehrmittel für den forftlichen Unterricht, in Tableaux geordnet; VIII. Modelle für das Cultur- Ingenieurwefen. Das Königreich Sachfen war auf dem Gebiete der landwirthschaftlichen Lehre und Forfchung nur vertreten durch die pflanzenphyfiologifche Verfuchsftation in Tharand. Eine kurze Skizze des gegenwärtigen Standes des landwirthfchaftlichen Unterrichts- und Forfchungswefens in diefem durch feine hohe Cultur mit Recht gerühmten Königreiche dürfte aber nicht überflüffig erfcheinen; zumal Sachfen in diefer Richtung manche auffällige Erfcheinung bietet. So gibt es z. B. eigentliche landwirthfchaftliche Fortbildungsfchulen dort nicht; ebenfo wenig wird an den Volksfchulen und in den Lehrerfeminarien landwirthschaftlicher Unterricht ertheilt. Wohl find in vielen Theilen des Landes von den landwirthschaftlichen Vereinen Fortbildungsfchulen zu dem 2 16 Dr. C. Theodor von Gohren. Zwecke ins Leben gerufen worden, um den Söhnen kleinerer Landwirthe, die nicht in der Lage find, für die Weiterbildung ihrer Kinder einen erheblichen Aufwand an Zeit und Geld zu machen, nach ihrer Entlaffung aus der Volksfchule noch einen weiteren Unterricht zu gewähren; fie find aber( mit ganz vereinzelten Ausnahmen an Orten, wo gerade eine geeignete Lehrkraft für den fachlichen Unterricht fich darbot) nur als allgemeine Fortbildungsfchulen zu betrachten, da fie jeden Fachunterricht, ausfchliefsen und fich nur auf Befeftigung und Erweiterung des in der Volksfchule Gelernten befchränken. Die Einrichtung diefer Schulen, die theils als Sonntagsfchulen, theils als Winter- oder Winter- Abendfchulen auftreten, ift eine höchft mannigfaltige, entſprechend den verfchiedenen örtlichen Verhältniffen, unter denen und für die fie entstanden. Viele diefer fogenannten landwirthschaftlichen Fortbildungsfchulen find nach kurzer Thätigkeit wieder eingegangen und im Ganzen hat fich überhaupt ihre Zahl namentlich in letzterer Zeit vermindert. Diefelbe dürfte zwifchen 15 und 20 anzunehmen fein. Bis jetzt hat irgend ein Zwang im Bezug auf den Fortbildungsunterricht nicht beftanden. Auch Ackerbau- Schulen für den niederen landwirthschaftlichen Unterricht find in Sachfen nicht vorhanden und nur eine vom landwirthschaftlichen Kreisvereine Dresden 1857 gegründete Gartenbau- Schule dürfte an diefer Stelle zu erwähnen fein. Für den mittleren landwirthfchaftlichen Unterricht beftand an der königlichen Gewerbefchule zu Chemnitz vom Jahre 1850 bis Oftern 1870 eine landwirthfchaftliche Abtheilung. An deren Stelle ift Oftern 1872 eine mit der Realfchule I. Ordnung zu Döbeln verbundene landwirthfchaftliche Abtheilung getreten. Ausserdem befteht noch an der Privat- Lehranftalt„ Albertinum" zu Burgftädt eine landwirthschaftliche Abtheilung nebft landwirthfchaftlicher Winterfchule. Als die Anfänge des höheren landwirthfchaftlichen Unterrichtes in Sachfen dürften die„ Privatvorträge über Landwirthfchafts- Wiffenfchaft" betrachtet werden können, welche ein Lehrer der damals nur als forftliche Staats- Lehranstalt beſtehenden Akademie zu Tharand im Jahre 1828 für die auf der Akademie befindlichen jungen Landwirthe hielt. Im Jahre 1830 wurde dann mit der genannten Akademie eine landwirthschaftliche Abtheilung als höhere Staats- Lehranftalt verbunden, welche bis zum Jahre 1870 beftand, wo fie aufgehoben wurde, nachdem bereits im Sommerfemefter 1869 bei der Landesuniverfität Leipzig ein eigenes Inftitut für den höheren landwirthschaftlichen Unterricht errichtet, die nöthigen Fachlehrer berufen und ein eigenes agricultur- chemifches Laboratorium einge richtet worden war. Je ärmer Sachfen an landwirthschaftlichen Unterrichtsanftalten ift, verhältnifsmässig um fo reicher ift es an der Forfchung gewidmeten Inftituten, an land. wirthfchaftlichen Verfuchsftationen. Ift doch die erfte deutfche Verfuchsftation in Sachfen und zwar 1851 in Möckern begründet worden( Koften 1872 circa 3760 Thaler). Aufser Möckern find noch zu nennen: Döbeln( begründet 1853 zu Chemnitz und 1872 bei Eröffnung der landwirthschaftlichen Abtheilung der Realfchule in Döbeln dahin übertragen. Koften 1872 circa 667 Thaler); Pommritz( begründet 1857 zu Weidlitz, 1864 nach Pommritz verlegt. Koften 1872 circa 4433 Thaler); Dresden( 1862 an der königlichen Thierarznei- Schule begründet: Koften 1872 990 Thaler); phyfiologifche Verfuchsftation zu Tharand( 1869 mit hauptfächlicher Beihilfe des landwirthfchaftlichen Kreisvereines zu Dresden errichtet. Koften 1872 755 Thaler). Bei dem landwirthschaftlichen Inftitute der Univerfität Leipzig beftehen: ein agricultur- chemifches Laboratorium, Vorftand Profeffor Dr. Knop, ein Affiftent, und auf einem zu diefem Zwecke von der Stadt Leipzig erpachteten umfangreichen Grundftücke eine landwirthfchaftliche Verfuchswirthschaft( 1869); Vorftand Director Dr. Blomeyer, ein Affiftent; fowie eine landwirthschaftliche phyfiologifche Verfuchsanftalt( errichtet 1871) unter Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. 17 Leitung des Profeffors Stohmann mit zwei Affiftenten, ausgeftattet mit einem chemifchen Laboratorium und einem Respirationsapparat. Schliesslich dürfte auch der agricultur- chemifchen Thätigkeit A. Stöckhardt's in Tharand zu gedenken fein. Wie fchon erwähnt, hatte fich von allen diefen Anftalten nur die phyfiologifche Verfuchsftation in Tharand an der Weltausftellung betheiligt. Profeffor Nobbe, der Leiter diefer Verfuchsftation, hatte ausgeftellt: vier grofse Photographien, deren zwei die Durchfchnittspflanzen der in wäfferigen Nährftofflöfungen erzogenen Verfuchsreihen darftellten, welche unternommen waren zur Erörterung der Wirkungen des Kali, Kalk, Chlor und Stickſtoff im Pflanzenkörper; die anderen beiden repräfentirten dreijährige, durchaus gefunde Holzgewächfe in Waffercultur( Negundo fraxinifolia und Betula alba). In unmittelbar praktifcher Richtung hat die Verfuchsftation Tharand fich den land- und forftwiffenfchaftlichen und gärtnerifchen Samenmarkt als Arbeitsfeld auserfehen. Ein fehr dankbares Gebiet, wenn man bedenkt, dafs der GefammtCapitalswerth des Saatgutes fich per Jahr für Deutfchland allein auf 158 Millionen Thaler beziffert und erwägt, dafs den forgfältigften Auszählungen zufolge ein Percent fremder Beftandtheile" mehr oder weniger in einem Kilogramm durchfchnittlicher Marktwaare einen Unterfchied von etwa 6000 Unkrautkörnern im Rothklee, 2000 Unkrautkörnern im Lein, 20.000 Unkrautkörnern im Thimotheegras, 8000 Unkrautkörnern im franzöfifchen Raygras entspricht; es würden alfo mit diefer nämlichen Durchfchnittswaare auf die Fläche einer Hektare ausgefäet werden im Lein 335.100 Körner( 41 Arten) Unkrautfamen, im Rothklee 602.500 Körner( 44 Arten) Unkrautfamen, im Timotheegras 3,069.000 Körner( 31 Arten) Unkrautfamen, im franzöfifchen Raygras 55,146.000 Körner( 45 Arten) Unkrautfamen. Zur Erläuterung aller diefer Verhältniffe hatte Profeffor Nobbe in überaus anfchaulicher und inftructiver Weife zur Ausftellung gebracht: Etwa hundert Standgläfer, enthaltend die gewöhnlichften Verfälschungsmittel und Verunkrautungen der landwirthfchaftlichen Saatwaare; drei auf Pappe gezogene Tableaux ( unter Glas und Rahmen), welche die Qualitäten des in den Handelsfamen von Lein, Klee und franzöfifchem Raygras gefundenen Unkrautfamens botanifch fpecificiren; Keim- Apparate aus Thon, zum Behufe der Keimkraft- Prüfung von Saatwaaren conftruirt, fowie endlich verfchiedene andere für eine exacte Werthbeftimmung von Samenproben erforderliche Apparate und Geräthfchaften: Siebfatz, Spreufege, Apparat zur Herstellung der Mittelprobe u. f. w.coital Von den landwirthschaftlichen Lehrmitteln, die von Sachfen ausgeftellt waren, wird fpäter noch eine Anzahl aufgeführt werden; hier feien nur genannt eine Kryptogamen- Sammlung von Dr. Rabenhorft und die naturhiftorifchen Sammlungen des Dr. Schaufufs. Preufsen und die anderen norddeutfchen Staaten. Wie fchon in der Einleitung erwähnt wurde, hat fich bis jetzt der niedere landwirthfchaftliche Unterricht in Nord Deutfchland keiner befonderen Pflege und keines befonderen Anklanges zu erfreuen gehabt. Namentlich hat der landwirthschaftliche Fortbildungsunterricht nicht rechtes Terrain erobern können. Von welchen Gefichtspunkten aus man aber für die Folge vorzugehen gedenkt, dürften am beften die Refolutionen beweifen, welche in diefer Angelegenheit der nächſten Berathung des deutfchen Landwirthfchafts- Rathes vorliegen. Sie lauten: 1. Die Errichtung von Fortbildungsfchulen auch auf dem Lande ift im ftaatlichen und volkswirthschaftlichen, wie fpeciell landwirthfchaftlichen Intereffe dringendes Bedürfnifs. 2. Die Aufgabe ländlicher Fortbildungsfchulen foll aber keineswegs * Auch der jüngfte( V.) Congrefs deutfcher Landwirthe in Berlin hat fich mit diefer Frage befchäftigt, leider aber unter Ablehnung der Anträge des Referenten nur fehr allgemein gehaltene Refolutionen gefafst. 2* 18 Dr. C. Theodor von Gohren. eine landwirthschaftliche Fachbildung fein, fondern einzig und allein Befeftigung und Erweiterung des in der Volksfchule Gelernten, mit thunlicher Berücksichti gung landwirthschaftlicher und naturwiffenfchaftlicher Gegenftände. 3. Solche Fortbildungsfchulen follten in allen deutfchen Ländern als für die männliche Jugend vom 14. bis 17. Lebensjahre obligatorifch angeftrebt und auf dem Wege der Gefetzgebung eingeführt werden. 4. Der Staat hat dafür Sorge zu tragen, dafs die Lehrer für die ihnen zugemuthete gröfsere Leiftung pecuniär entſprechend geftellt werden. Der Koftenpunct für die Fortbildungsfchule ift gefetzlich zu regeln. 5. Der Staat hat dafür Sorge zu tragen, dafs die Lehrer für die in obigem Sinne angeftrebten Fortbildungsfchulen die nöthige fpecielle Vorbereitung in ihrer Seminarbildung erhalten. 6. Zur Durchführung eines gemeinfamen Lehrplanes in folchen Fortbildungsfchulen ift es dringendes Bedürfnifs, für ein Lehr- und Lefebuch zu forgen, welches landwirthfchaftlichen und naturwiffenfchaftlichen Gegenftänden in geeigneter Weife Rechnung trägt. 7. Die Errichtung von Fortbildungsfchulen für Mädchen bis zum vollendeten 16. Lebensjahre, eigenartig für diefelben, ift ebenfalls dringendes Bedürfnifs und defshalb gefetzlich obligatorifch einzuführen. 7. Es liegt im national- ökonomifchen und landwirthschaftlichen Intereffe, dafs zur Hebung der Fachbildung des Bauernftandes landwirthfchaftliche Winterfchulen in allen Gauen Deutſchlands alsbald etablirt werden. Dafs bei folcher Sachlage das Fortbildungs Unterrichtswefen NordDeutſchlands auf der Weltausftellung nicht vertreten war, darf nicht Wunder nehmen. Auch die niederen Ackerbau Schulen waren als Unterrichtsanftalten nicht vertreten, nur einzelne, wie Nieder Briesnitz bei Sagan, Popelau bei Rybnik, Hohenweftedt bei Rendsburg u. f. w. hatten fich mit Getreide und Sämereien an den Collectivausftellungen der Provinzen, in welchen die Schulen gelegen find, betheiligt. Die mittleren landwirthfchaftlichen Lehranstalten, welche übrigens wegen des geringen Alters, das von den Aufzunehmenden gefordert wird, eine ganz andere Stellung einnehmen, als z. B. die fogenannten landwirthschaftlichen Mittelfchulen Oefterreichs, erfreuen fich, infoferne fie mehr die theoretifche Richtung einhalten, in Nord- Deutſchland eines von Jahr zu Jahr wachfenden Anklanges; fie waren auf der Ausftellung nicht vertreten. Zu den landwirthschaftlichen Mittelfchulen in dem Sinne, was man in Oefterreich darunter verfteht, wenn auch mit wefentlich abweichender Organifation, dürfte das im Jahre 1818 in Idftein von Albrecht gegründete und 1834 nach Wiesbaden verlegte, in dem Hofgute Geisberg untergebrachte landwirthfchaftliche Inftitut zu zählen fein. Charakteriftifch für diefes Inftitut ift das von ihm ausgehende Syftem der ausfchliefslichen Winter Unterrichts curfe. Geisberg war als Anftalt zwar nicht auf der Weltausftellung vertreten, wohl aber hatte einer ihrer Lehrer, Dr. Freiherr v. Canftein, eine treffliche Collectivausftellung aus dem Regierungsbezirke Wiesbaden arrangirt und fich mit feinen eigenen Privatarbeiten an derfelben betheiligt; befonders hervorzuheben find: 1. eine Collection der zehn beften Weinbergs- Böden des Rhein- und Maingaues nebft nachstehender mechanifcher Analyfe; 2. graphifche Darftellung der feit dem Jahre 1830 in Naffau an Wein gewonnenen Mengen in Stück zu 1200 Liter; 3. graphifche Darftellung der feit dem Jahre 1672 gewonnenen Weine nach der Güte der Jahrgänge; 4. Karte des Rhein- und Maingaues mit den Weinbergen nach der Güte in gewöhnliche, gute und vorzügliche geordnet. Vom Hof Geisberg, deffen Bewirthschaftung von Freiherrn v. Canftein dirigirt wird, war eine ftattliche Sammlung von Aehren- und Körnerproben ausgeftellt. * Die ftatiftifche Zufammenftellung über den mittleren und niederen landwirthschaftlichen Unterricht in dem Jahresberichte des königl. preufsifchen Landes- Oekonomie- Collegiums pro 1872 läfst leider fehr viel zu wünfchen übrig. Vergl. auch Wilbrand's kritifche Briefe. Hannover 1873. Nr Namen Boden der zehn vorzüglichften Weinberge in Naffau. Tiefe der BodenDer Obergrund enthält in Percenten fchichten Geologifche Formationen GerotOber- Mittel- teter grund grund UnterCtm. Ctm. Steine und Gebirgstrümmer grund 3 Millimeter Ctm. Durchmeffer Feinerde Die Feinerde enthält: Körner von Körner un1 bis 3 Millim. ter 1 Millim. Durchmeffer Durchmeffer Eckerftein 2 Rüdesheimer Berg 1 Afsmannshaufen, Obere glimmerreiche Schichten des Taunusfchiefers mit Taunusquarziten Obere thonige Schichten des Taunusfchiefers mit wenig Taunusquarzit Taunusquarzit mit ganz vereinzeltem Taunusfchiefer und Alluvialgeröllen. Der Schiefer zu Feinerde verwittert Eifenhaltige Taunusquarzite mit wenig Taunusfchiefer. Diefer zu Feinerde ver3 Rüdesheimer Hinterhaus 4 Geifenheimer Rothenberg 5 Johannisberg Schlofs 6 Steinberg Zehntftück wittert Eifenhaltige Taunusquarzite mit ganz ver einzeltem Taunusfchiefer. Diefer zu Feinerde verwittert. Taunusqarzite mit vereinzeltem Taunusfchiefer in fecundärer Lagerstätte( Alluvium) 30 25 20 47.00 53.00 5:35 47.65 15 45 20 54.66 45 34 8.23 37.11 20 40 25 27.71 72.29 4:53 67.76 22 43 30 39.00 6100 5.66 55.34 21 28 25 30.00 70.00 5.42 64.58 Landwirthfchaftliche Lehre und Forfc hung. 25 20 30 18.00 81 10 7 Marcobrunn 8 Gräfenberg 7:03 74.07 Taunusfchiefer und Quarzite in fecundärer Lagerftätte, Cyrenenmergel u. Alluvium Reiner Sericitfchiefer oberer und mittlerer Schichten 26 15 34 2.44 97.56 0.87 96.69 16 24 26 6150 38.50 6.61 31.89 9 Rauenthal Gehren Chloritifcher Taunusfchiefer mittlerer und 10 Hochheimer Domdechanei Quarzige Alluvial- Taunusgerölle und Thone mit thonigen und kalkigen Tertiärfchichten unterer Schichten. 20 48 65.83 34 17 5.71 28.46 18 27 36 2'IO 97.90 I'IO 96.80 19 20 Dr. C. Theodor von Gohren. Beffer vertreten- in gewiffem Sinne wenigftens- war Preufsens höherer landwirthfchaftlicher Unterricht. Eine auffallende Erfcheinung bot aber diefe Vertretung. Von den acht mit deutfchen Univerfitäten verbundenen land. wirthschaftlichen Inftituten hatten nämlich nur zwei( Berlin und Göttingen) ausgeftellt, während die drei überhaupt noch beftehenden ifolirten Akademien Eldena, Proskau und Poppelsdorf mit einem gewaltigen Apparat erfchienen waren. Wollte man die Leiftungsfähigkeit der beiden jetzt rivalifirenden Richtungen des höheren landwirthschaftlichen Unterrichtes nach der äufseren Repräfentation auf der Wiener Weltausftellung beurtheilen, man müfste fich ohne Zweifel für die fogenannten ifolirten Akademien entfcheiden. Es kann nicht die Aufgabe des Referenten fein, die Gründe zu erörtern, welche die landwirthfchaftlichen Inftitute der Univerfitäten von einer Betheiligung an der Ausftellung abgehalten haben; theilweife mögen es principielle fein, hie und da mag wohl auch die Kürze des Beftandes gehindert haben beffer wäre es aber jedenfalls gewefen, wenn fothaner Sachlage auch Göttingen und Berlin auf eine Betheiligung verzichtet hätten. - unter Das landwirthschaftliche Inftitut der Univerfität Göttingen hatte nämlich nur ausgeftellt: den Plan des dortigen neuen landwirthschaftlichen Inftitutes, einige Bände des Journals für Landwirthfchaft und die Drechsler'fche Brofchüre: „ Das landwirthschaftliche Studium an der Univerfität Göttingen." Berlin war repräfentirt durch eine von Profeffor Orth zufammengeftellte Collection der wichtigſten Bodenarten für die Zuckerproduction im deutfchen Reiche. Proskau. Von allen auf der Weltausstellung vertretenen landwirthfchaftlichen Unterrichtsanftalten war diefes Inftitut unftreitig am beften und durchdachteften repräfentirt. Der Referent glaubt nicht fehl zu greifen, wenn er das Verdienft, die Ausftellung der Proskauer Akademie würdig durchgeführt zu haben, in erfter Linie dem Inftituts director Settegaft vindicirt. Die Akademie Proskau in Schlefien wurde eröffnet im Herbfte 1847. Gegenwärtig wirken an ihr, aufser dem Director Dr. Settegaft, 12 ordentliche Lehrer, 5 Hilfslehrer und 1 Privatdocent. Die Bedürfnisse der Anftalt, einfchliefslich der mit derfelben verbundenen Verfuchsftation und des Verfuchswefens erfordern eine jährliche Ausgabe von 31.750 Thaler, von denen der Staat 20.320 Thaler zufchiefst; die anderen 11.430 Thaler werden aus den Einkünften des mit der Akademie verbundenen 1050 Hektaren grofsen Landgutes und aus dem dem Staate zufallenden Antheile der Collegienhonorare beftritten. In den erften 25 Jahren ihres Beftehens wurde die Anftalt von 1534 Studirenden und Hospitanten befucht. Nähere Auskunft über die Einrichtung, Lehr- Hilfsmittel etc. der Akademie ertheilt die auch unter den Ausftellungsobjecten gewefene Schrift:„ Die Akademie Proskau etc. Berlin. Wiegandt und Hempel 1872." Aufser diefer Schrift hatte Proskau ausgeftellt: 1. Karte der Gutswirthfchaft der Akademie Proskau. Diefelbe diente zur Erläuterung der Bodenverhältniffe, Eintheilung( Feld, Wiefe etc.), Drainage, Rotationen und Fruchtfolgen der betreffenden Grundftücke und enthielt aufserdem die nothwendigen ftatiftifchen Nachweife. 2. Die Ackerclaffen I bis VIII nach dem Syfteme von Thaer, Koppe, Settegaft, repräfentirt durch Bodenarten der Domäne Proskau, nebft chemifchen und mechanifchen Analyfen. Die Proben waren bis drei Fufs Tiefe entnommen und je in zwei Gefäfsen à 1½ Fufs enthalten. Die chemifchen und mechanifchen Analyfen waren nach der von Profeffor Knop für Bonitirung der Ackererde vorgefchlagenen Methode ausgeführt und von Profeffor Dr. Krocker zufammengeftellt worden. 3. Zwei Sammlungen von Modellen, darftellend die Entwicklung der Drefchmafchine und der Säemafchine, ausgeführt vom Modelleur Günther in Proskau. Die Drefchmafchinen- Modelle waren in vier Abtheilungen geordnet: 1. Flegel- Drefchmaschinen fahrbare feftftehende Landwirthschaftliche Lehre und Forschung 2. Stampf- Drefchmaschinen 3. Walzen- Drefchmaschinen 4. Schlegel- Drefchmaschinen í fahrbare feftftehende ( mit rollenden Walzen mit quetfchenden Walzen zu Handbetrieb zu Göpélbetrieb zu Dampfmafchinen- Betrieb. 21 Die Sammlung der Modelle von Säemafchinen repräfentirte I. Mafchinen, die in keiner Beziehung zu den gegenwärtig gebräuchlichen Syftemen ſtehen. 2. Maſchinen für Reihenfaat( Getreide, Mais, Bohnen, Erbfen, Rüben, Raps). 3. Mafchinen für horftweife Saat. 4. Mafchinen für breitwürfige Saat. 5. Mafchinen für Klee- und Grassaat. 4. Zwei Wollfammlungen und zwar 1) der Entwicklungsgang der Schafzucht Deutfchlands in charakteriftifchen Wollmuftern und 2) fyftematiſch geordnetes Wollcabinet für Lehrzwecke. Settegaft hatte die Wollmufter fo geordnet: A) Aeltere Zeit: 1) Urfprünglicher Zuftand( Herrschaft primitiver Racen). 2) Uebergang zur Zucht des Merinofchafes( Reinzucht importirter fpanifcher Merinos und Kreuzung derfelben mit obigen primitiven Landracen). 3) Bewufstes Streben, fefte Züchtungsziele a) Herausbildung und Höhepunkt der Electoralzucht Sachfens; b) Schlefiens goldenes Vliefs; c) Oefterreichs und Mecklenburgs Negrettizucht. B) Neuere Zeit: 1) Uebergangsftadien von der Zucht des Wollfchafes zu der des Fleifchfchafes, a) Moderne Richtung der MerinoKammwoll- Erzeugung, gröfstentheils mit Benützung des Rambouilletblutes; b) Annäherung an die Fleifchfchaf- Zucht Englands mit Benützung der Southdown- Race. 2) Entfchiedene Verfolgung der Fleifchfchaf- Zucht, unterſtützt durch rationellen Futterbau und günftigen Fleiſchmarkt, Reinzucht englifcher hochgezogener Racen; frühreife und leichte Ernährung der Thiere erhält höhere Bedeutung, als die Production feiner edler Wolle.( Kurzwollige Racen für leichten Boden und Binnenklima). 3) Anbahnung und Perfpective der Schlufsentwicklung edler Schafzucht Deutſchlands.( Langwollige Racen für reichen Boden und Küftenklima.) Vorftehend angeführte Ausftellungsobjecte beweifen wohl zur Genüge den ernften, ftreng wiffenfchaftlichen, hiftorifchen Geift, der in Proskau zu finden ift. Gewifs hat fich diefe Akademie auf der Weltausstellung in diefer Beziehung befonders bemerkbar gemacht. Wenn auch nicht ftreng hierher gehörig, fo fei doch fchliefslich bei Proskau noch erwähnt die von Profeffor Dammann in Proskau zufammengeftellte Hufbefchlags Sammlung aus den Sammlungen der Akademien Eldena, Proskau und des landwirthfchaftlichen Mufeums in Berlin. Sie enthielt: 1) Hiftorifche Befchläge Eifenbefchlag; Lederfohlen der Griechen und Römer, römifche Eifenfohlen in verfchiedenen Formen; afiatifche Kapp- Eifenfohlen, Schwedeneifen, deutfche Eifen aus dem 16. Jahrhundert und englifche Eifen; 2) jetzt gebräuchliche Eifen; 3) Winter- Hufeifen; 4) Hufeifen für Pferde mit fehlerhaften Stellungen und Gangarten; 5) Hufeifen für kranke und deformirte Hufe; 6) Befchläge für normale Hufe. Eldena, die ältefte der preufsifchen landwirthschaftlichen Lehranstalten, wurde 1835 eröffnet. Ihr Lehrplan umfafst die ganze Land-, Volks- und Staatswirthfchaft mit deren Hilfswiffenfchaften. 12 Lehrer. Jährliche Koften 25,240 Thaler. Zu ihrer Gründung und erften Einrichtung hat die Univerſität Greifswald 127.000 Thaler und der Staat 35.000 Thaler beigetragen. Nähere Details liefert die Schrift:„ Die königl. ftaats- und landwirthschaftliche Akademie Eldena bei der Univerfität Greifswald, dargestellt von ihrem Director. Berlin 1870". Das hervorragendfte Ausftellungsobject Eldenas waren die Photographien der von Dr. Rhode zufammengebrachten Schädelfammlung der wichtigften Racen ( es waren vertreten: 6 Schweinefchädel, von Rindern: Innthaler, Vogtländer, 22 Dr. C. Theodor von Gohren. Wilsler, Marfch, Breitenburger, Natalrace, Urochfe, Allgäuer, Holländer, Pufterthaler, Shorthorn, Waldler, Hinterländler, Schwedifche Landrace, Zillerthaler und zwar je in einer Gruppe Bulle, Kuh, Ochs); freilich noch imponirender und inftructiver wären die Schädel felbft gewefen. Ein zweites überaus lehrreiches Object war die Darſtellung der gebräuchlichen Veredlungsarten in Modellen und Veredlungsverwachfungen nach verfchiedenen Jahrgängen in Durchfchnittsflächen. Ferner ift zu erwähnen das von P. Pietrusky ausgeftellte Cabinet mit 664 Gypsabgüffen, darftellend die Knollen und Wurzeln von 332 Kartoffel-, Möhren- und Rübenforten. Die Kartoffelforten waren fyftematifch eingetheilt in Frühkartoffeln",„ mittelfrühe" und„ fpäte" Sorten. Jede diefer Gruppen zerfiel in die Unterabtheilungen„ lange",„ ovale" und„ runde". Weiter theilten fich diefe Unterabtheilungen nach der Tiefe der Augen, ob fie:„ tief",„ mitteltief" oder„ flachfitzend" find und diefe Sectionen waren wieder gefchieden nach der Form des auf die Längenachfe der Knolle geführten Querfchnittes in folche, welche einen„ runden" und einen„ ovalen" Querfchnitt zeigten. " Dem Verzeichniffe der Collection waren Bemerkungen über die Farbe, die Färbung des getriebenen Auges, die Höhe des Krautes, die Blüthe, Gröfse der Knollen, Befchaffenheit des Nabels und den Stärkemehl- Gehalt( vom Jahrgang 1872) beigefügt. An den Gypsabgüffen, einer Arbeit des Herrn Weidner, war die natürliche Färbung der Knollen, Möhren und Rüben durch Oelfarben wiedergegeben. Ein Herbarium der auf dem Verfuchsfelde der Akademie angebauten Nutzpflanzen mit ihren verfchiedenen Culturvarietäten umfafste 150 Varietäten, von denen die der hülfenfrüchtigen Pflanzen( fpeciell die der Erbfe 68 Nummern) in 12 Tableaux das meifte Intereffe boten. In jedem der vorgeführten Exemplare waren nächft dem Namen der Art und der Varietät noch Notizen gemacht über die Bezugsquelle( von Alten in Lappland 71 Grad nördlicher Breite bis Tasmanien in Ausftralien) und den Jahrgang der zur Ausfaat verwendeten Samen, die Saatzeit, die Blüthe, die Ernte, die Meffungen an Stengel, Aehre und Hülfen der Schoten, endlich über die Zahl der Schoten. Noch hatte Eldena ausgeftellt die geognoftifch- agronomifche Karte des füdöftlichen Theiles der Infel Rügen, kartographifche Darftellung der geognoftifchen und agronomifchen Verhältniffe, Drainage etc. des akademifchen Gutes Eldena, verfchiedene Photographien der Anftalt, Photographien von Zuchtthieren und von Verfuchsfchafen der fogenannten rauhen Racen etc. Leider war Eldenas Ausstellung räumlich fehr auseinandergeriffen. In der Ausstellung der Akademie Poppelsdorf konnte der Befucher manches altbekannte Object von der Parifer Weltausftellung wieder treffen; vor allen die in Gläfern von diverfen Gröfsen ad oculos demonftrirte chemifche Zufammenfetzung eines Kilo Wiefenhe Zuckerrüben, Erbfen, Kartoffeln, gelber Lupinen, Hafer, Mais, Reis, Weiz und Raps, die vielleicht den Laien zu imponiren vermag, dem Fachmanne aber von fehr zweifelhaftem Werthe erfcheint. Noch war Noch war zu finden: eine Collection der von den Docenten der Akademie publicirten Werke, von Fried. Körnicke eine fyftematifche Ueberficht der Cerealien und monokarpifchen Leguminofen in Aehren, Rispen, Früchten und Samen, die Dampfdrefchmafchine in 5 Blättern, eine Samenfammlung und diverfe Baupläne. Nicht hierher gehörig, aber in der nächften Nähe der Poppelsdorfer Ausftellung befand fich eine graphifche Darftellung der landwirthschaftlichen und zweckverwandten Vereine, der landwirthschaftlichen Unterrichtsanftalten und agriculturchemifchen Verfuchsftationen des preufsifchen Staates, welche auf Anordnung des königlichen Minifteriums für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten nach bis Ende Juli 1872 eingelangtem Materiale verfafst worden war. Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. 23 Von den preufsifchen agriculturchemifchen Verfuchsftationen* hatten ausgeftellt: Weende, Dahme, Kufchen und Altmorfchen. Wir hätten gewünſcht, dafs die landwirthfchaftlichen Verfuchsftationen beffer vertreten gewefen wären. Woh! mufs eingeräumt werden, dafs eine überfichtliche Darftellung der Verfuchsftations- Thätigkeit nicht leicht ift, dafs fie aber doch möglich ift, haben die öfterreichifchen Verfuchsftationen bewiefen. Die Verfuchsftation Weende fteht unter einer vom Centralausfchuffe der königlichen Landwirthschafts- Gefellſchaft( dem Gründer und Erhalter der Anftalt) gewählten Direction. Als techniſcher Dirigent fungirt Profeffor Dr. Henneberg, zwei Affiftenten. Mit Ausfchlufs der Gehalte( in Summa 1900 Thaler) ftehen der Verfuchsftation jährlich 1370 Thaler für Verfuchszwecke und Befoldung des Unterperfonals feft zur Verfügung Dazu kommen circa 100 Thaler jährlich durch Honorare für Analyfen. Mit Rückficht auf die Entwicklungsgefchichte der Verfuchsftationen( zur Zeit der Gründung insbefondere praktifche Feldverfuche etc. in Ausficht genommen, mit der Zeit mehr und mehr davon abgegangen und zu wiffenfchaftlichen Forfchungen übergegangen, die in der Stadt, namentlich der Univerfitätsftadt leichter auszuführen find als auf dem Lande) wird die Verlegung der Verfuchsftation von Weende nach Göttingen für nächstes Jahr beabfichtigt. Die Verfuchsftation kommt in einen Neubau, der aufserdem das agriculturchemifche Unterrichtslaboratorium und das landwirthschaftliche Inftitut umfafst. Die diefsbezüglichen Pläne waren ausgeftellt und find fchon oben bei dem landwirthschaftlichen Inftitut Göttingen erwähnt worden. Die in Weende ausgeführten Arbeiten, zum überwiegenden Theile auf phyfiologifch- chemifche und landwirthschaftlichpraktiſche Fütterungsverfuche fich beziehend, find publicirt in dem„ Journal für Landwirthschaft" und in den„ Beiträgen zur Begründung einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer". Die Verfuchsftation Weende hat fich mit der Ausftellung letztgenannter Werke begnügt. Während die Verfuchsftation Weende das Schwergewicht ihrer Thätigkeit auf thierphyfiologifche Unterfuchungen legte, hat die Verfuchsftation Dahme ( gegründet 1858) vornehmlich den Zweck, durch eine zufammenhängende Reihe von Verfuchsarbeiten die Wirkung der verfchiedenen Factoren aufzuklären, die das Wachsthum und den Ertrag der landwirthschaftlichen Culturpflanzen bedingen. Die Fragen, welche die Verfuchsftation in Angriff nahm, find etwa folgende: Welchen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Pflanze hat das abfolute und fpecififche Gewicht, fowie der Reifezuftand des Samenkorns? Bei welcher Minimaltemperatur vermögen die Samen der landwirthschaftlichen Culturpflanzen noch zu keimen? Wie viel Stickftoff vermögen die Culturgewächfe aus der Luft aufzunehmen und wie viel von diefem Nährftoffe müffen fie nothwendig im Boden in affimilirbarer Form vorfinden, um zu einer verlangten Entwicklung zu gelangen? Wie viel Kali, Kalk, Magnefia, Phosphorfäure, Schwefelfäure etc. mufs jede unferer vier Haupt- Getreide; Arten mindeſtens aufnehmen können, um eine beftimmte Erntemaffe zu liefern? Wie viel von jedem diefer Stoffe kann fie in maximo vertragen, ohne in ihrer normalen Entwicklung geftört zu werden? Wie verhält fich die Pflanze überhaupt gegen die Boden- Nährstoffe, wenn fie ihr in variablen Mengen geboten werden und läfst fich aus der Analyfe einer Pflanze ein ficherer Rückfchlufs ziehen auf die Nährfähigkeit des Bodens, in welchem fie gewachfen ift? Wie viel Waffer braucht die Pflanze nothwendig zu einer normalen nnd reichen Entwicklung und wie wirken Trockenheitsperioden auf diefelbe, wenn fie in das Jugendalter- und wie, wenn fie in die Zeit des Schoffens, der Blüthe oder der Reife fallen? Genügt der durchfchnittliche Regenfall einer beftimmten Gegend zur Hervorbringung einer Maximalernte- und wenn nicht, - * Statiftifches Material über die preufsifchen Verfuchsftationen findet fich in den landwirthschaftlichen Jahrbüchern 1873, pag. 421. 24 Dr. C. Theodor von Gohren. gibt es Mittel, den Wafferverbrauch einer Pflanze einzufchränken oder derfelben eine gröfsere Wafferquantität zuzuführen? Ift die Verdunftung der Pflanze überhaupt ein mechanifcher oder phyfiologifcher Act? Steht diefelbe in directem Verhältniffe zur Production, und welchen Einfluss auf die Verdunftung hat die Höhe der Bodenfeuchtigkeit, das Alter der Pflanze, die Blattfläche und der Feuchtigkeitsgrad der Atmoſphäre? Wie tief können die Wurzeln der Pflanzen in maximo gehen und wie weit mufs ihnen in minimo die Möglichkeit geboten werden, in den Boden einzudringen, wenn fie normal bleiben follen? Wie entwickelt fich überhaupt das Wurzelnetz der verfchiedenen Arten unferer Cultur pflanzen unter gegebenen Verhältniffen, und welche Mächtigkeit der Bodenfchicht darf man mithin zu Grunde legen bei Rechnungen betreffs des Bodenreichthums und der Bodenerfchöpfung? Welchen Einfluss üben Unterfchiede in der Bodenwärme auf die Entwicklung der Pflanze aus? Wie influiren die Schwankungen der Lufttemperatur und der Lichtintenfität auf die Functionen des Pflanzenlebens? Auf den von der Dahmer Verfuchsftation auf der Wiener Weltausstellung ausgeftellten vier koloffalen Tableaux waren Beiſpielspflanzen erfichtlich, deren Zweck es war, nicht durch fich felbft zu wirken, fondern Zeugnifs davon abzulegen, dafs die Verfuchsftation ihr Ziel confequent vor Augen hat. Während Dahme 1867 nach Paris Beiſpielspflanzen gefendet hatte, die geeignet waren, den Minimalbedarf der Gerfte an Bodenftickftoff, Kali, Kalk, Magnefia, Eifen, Phosphorfäure, Schwefelfäure u. f. w. ad oculos zu demonftriren, fo follte diefsmal das Stickftoffbedürfnifs von Culturpflanzen, die nicht der Familie der Gräfer angehören und die Wurzelentwicklung unter beftimmt gegebenen Verhältniffen dargeftellt werden. Die auf den vier Tableaux zur Anfchauung gebrachten Pflanzen waren in folgender Weife gezogen worden: Tabelle I. Pflanzen, in reinem Quarzfand mit befchränkten Nährstoffmengen erzogen: a) Gerfte. Nr. 2 erhielt auf 1000 Theile Quarzfand zugefetzt: 0047 Theile Kali, 1000 Theile Kalk, o 010 Theile Magnefia, o 053 Theile Phosphorfäure, 0.020 Theile Schwefelfäure und 0 432 Theile Salpeterfäure und brachte Ertrag an trockener Pflanzenmaffe . 34.000 Milligramme. Nr. 1 erhielt diefelben Zufätze wie Nr. 2, mit Ausnahme der Salpeterfäure, war alfo mit feinem Stickſtoffbedarf nur auf die Atmoſphäre angewiefen, und brachte Ertrag an trockener Pflanzenmaffe 1.053 Milligramme. Nr. I a) erhielt diefelben Zufätze wie Nr. 2, mit Ausnahme der Phosphorfäure, und brachte Ertrag an trockener Pflanzenmaffe 1377 Milligramme. b) Sommerrübfen. Die Nummern 3 bis 8 erhielten als Nährstoffzufatz auf 1000 Theile Sand gleichmässig o 047 Theile Kali, 1000 Theile Kalk, o'oro Theile Magnefia, o 053 Theile Phosphorfäure, o 020 Theile Schwefelfäure und aufserdem als Stickftoffnahrung noch: Nr. 3 0.082 Die producirte Erntemaffe wog trocken: 68 Milligramme 3500 pro 1000 Theile Sand falpeterfauren Kalk Stickftoff Theile - Theile Nr. 4 Nr. 5 0 164 Nr. 6 0 246 Nr. 7 0410 Nr. 8 0.656 99 " " F 0014 0.028 0.042 " 7000 IIOOO 0.070 18000 F " O'112 " " 25900 " Landwirthfchaftliche Lehre und Forschung. c) Buchweizen. 25 Die Nummern 9 bis 12 erhielten diefelben Nährstoffzufätze wie die Nummern 3 bis 8 und aufserdem als Stickftoffnahrung noch: pro 1000 Theile Sand falpeterfauren Kalk Nr. 9 Theile Nr. 10 0 082 Nr. 11 0 246 Nr. 12 0 410 Stickstoff Die producirte Erntemaffe wog trocken: Theile 191 Milligramme 0.014 2800 0.042 10300 0.070 15700 d) Erbfen: Die Nummern 13 bis 16 erhielten zunächft ebenfalls diefelben Nährstoffzufätze wie die Nummern 3 bis 8 und fodann als Stickftoffnahrung noch: pro 1000 Theile Sand falpeterfauren Kalk Stickftoff Nr. 13 Theile Theile Die producirte Erntemaffe wog trocken: 11200 Milligramme Nr. 14 0 082 Nr. 15 0.164 Ο ΟΙ4 0.028 14500 19700 Nr. 16 0.328 27 0.056 27500 Nr. 17 erhielt ganz diefelben Nährftoffzufätze wie Nr. 16, mit alleiniger Ausnahme der Phosphorfäure, und brachte Ertrag an trockener Pflanzenmaffe 1580 Tabellen II, III und IV zeigen Pflanzen, in befchränktem Bodenraume erzogen, und zwar betrug der zur Verfügung geftellte Bodenraum immer: Durchmeffer des Höhe des Bodencylinders bei Pflanze Nr. I 14 Centimeter 15 Centimeter Nr. 2 14 30 29 29 Nr. 3 14 60 " 99 29 " Nr. 4 14 90 29 " Bei der Verfuchsftation Dahme fei auch der Ausftellung des an genanntem Inftitute als Pflanzenphyfiolog wirkenden Dr. Grönland gedacht; es iſt das eine Collection von 200 pflanzenanatomifchen Präparaten, welche den Zweck haben, den Unterricht in Pflanzen- Anatomie und Morphologie anfchaulich zu machen. Die von Grönland verwendeten Schneide- Inftrumente geftatten bis zu 20 Quadrat- Millimeter Durchmeffer dünne Scheibchen von 1/20 bis 40 Millimeter Dicke, die durch die ganze Fläche gleichmässig ift, herzuftellen; auch verfchmäht Grönland alle Aufbewahrungs- Media, die dem Gegenftand eine grössere Durchfichtigkeit geben, als er von Natur hat, befonders den Canada Balfam; er verwendet gewäffertes Glycerin oder mit Chloroform gefättigtes Waffer. Grönland hat feine Collection folgendermafsen fyftematiſch geordnet: 1. Die verfchiedenen Zellenarten; 2. Blattgewebe, Oberhaut und Haargebilde; 3. dikotyle Gefäfsbündel; 4. Gefäfsbündel von Coniferen, Cafuarineen und Cykadeen; 5. Monokotyle Gefäfsbündel; 6. Kryptogamifche Gefäfsbündel; 7. Morphologie der Phanerogamen; 8. Morphologie der Kryptogamen. Etwas verfteckt war die Ausftellung der Verfuchsftation Kufchen, ( Provinz Pofen); leider befand fich aufserdem auch keine Nummer und keine Auffchrift an den Ausstellungsobjecten, einigen Tableaux von Gerften-, Hafer- und Erbfenpflanzen, welche mit Zufätzen von Harnftoff, Harnfäure, Hippurfäure, phosphorfaurem Ammoniak, Kreatin und falpeterfaurem Ammoniak erzogen worden waren. 26 Dr. C. Theodor von Gohren. Altmorfchen, die Verfuchsftation für den Regierungsbezirk Kaffel, 1857 von dem landwirthschaftlichen Centralvereine für Kurheffen gegründet, verfügt über eine jährliche Dotation von circa 2200 Thaler. Die Station ift zunächst beftrebt, die praktifchen Bedürfniffe der Landwirthschaft zu erfüllen und ihre Thätigkeit erftreckt fich in erfter Linie auf Düngercontrole, Unterfuchung von Futter- und Düngemitteln etc. Die wiffenfchaftliche Thätigkeit ift auf eine genauere Erforschung der phyfikalifchen und chemifchen Eigenſchaften der im Regierungs. bezirke Kaffel vorzugsweife auftretenden Bodenarten gerichtet; es wird die Verwitterungsfähigkeit der bodenbildenden Gefteine, ihre Zerfetzbarkeit durch Ammonfalze, Kalk etc., durch den Einfluss der Vegetation geprüft; es wird ferner der Einflufs des Bodens auf die Zufammenfetzung der Ernten der verfchiedenen Culturpflanzen ermittelt, der Einflufs beſtimmter Düngergemifche auf die Erhöhung der Erträge und auf die Veränderung der Zufammenfetzung der Ernten und insbefondere ihrer Afchen ftudirt etc. In der Weltausftellung war Altmorfchen durch nachftehende Objecte vertreten: Auf zwei grofsen, unter Glas und Rahmen gebrachten Pappen waren landwirthschaftliche Cultur- und forftliche Gewächfe im getrockneten Zuftande aufge klebt. Diefe Pflanzen waren in Sand aus unverwittertem Geftein gezogen und follten das den Pflanzen in verfchiedenem Grade eigenthümliche Vermögen, die Gefteine aufzufchliefsen, zur Anfchauung bringen. Das Gedeihen der Pflanzen oder die Production an Pflanzenmaffe gaben den Mafsftab für den Einfluss der betreffenden Pflanze ab, das Geftein zur Verwitterung zu bringen und deren Beftandtheile fich zu eigen zu machen. Die Extreme diefes Vermögens waren einerfeits durch Lupinen- und Akazienpflanzen mit der üppigften Wurzelentwicklung und bezweigt mit reichlichem Fruchtanfatz anderfeits durch Hafer-, Buchweizen- und Fichtenpflanzen dargestellt, welche die dürftigfte Entwicklung zeigten, und es zu Pflänzchen gebracht hatten, die offenbar nur das Product der im Samenkorn aufgefpeicherten Nahrung waren. - Weiter waren ausgeftellt zwei Photographien des zur Anftalt gehörigen, durch feine Conftruction bemerkenswerthen Culturhaufes. Die Culturhäufer, mit welchen die meiften der deutfchen Verfuchsftationen verfehen find, follen den Pflanzen als Verfuchsobjecten einen Standort gewähren, der hinfichlich der Einwirkung des Lichtes, der Luft und theilweife auch der Feuchtigkeit den natürlichen Verhältnifsen angepafst ift; die Pflanzen follen möglichft in freier bewegter Luft vegetiren. Gleichzeitig follen die Culturhäufer den Pflanzen Schutz gegen feindliche Einflüffe, gegen den nachtheiligen Einfluss einer zeitweife ungünftigen Witterung gewähren. Die Vegetationshäufer der Stationen Dahme, Hohenheim, Tharand, find aus Glas conftruirt und haben Schienenftränge, auf welchen tifchförmige Wagen mit den Verfuchspflanzen in's Freie gefchoben werden können. Diefe Häufer leiden an mangelhafter Ventilation und an naturwidriger Erhöhung der Temperatur, welche Mängel bei ungünftiger Witterung, wo die Pflanzen innerhalb des Haufes ftehen müffen, fühlbar werden. Das Altmorfchener Culturhaus hat Wände von Drahtgeflecht und ein aus beweglichen Fenftern beftehendes Dach. Bei regenfreiem Wetter kann das ganze Dach fowohl als einzelne Fenſter desfelben geöffnet werden. Bei Regenwetter wird das Dach gefchloffen; das Drahtgeflecht geftattet auch bei gefchloffenem Dach ungehinderten Luftwechfel, fo dafs die Luft bezüglich ihrer Dunftſpannung, ihres Feuchtigkeitsgehalts und ihrer Temperatur mit der aufserhalb des Haufes übereinstimmt. Als eine für Lehr- und Unterrichtszwecke werthvolle Inftitution mufs weiter das königliche landwirthfchaftliche Muſeum in Berlin, bezeichnet werden. Das Muſeum wurde 1868 in einem proviforifchen Local eröffnet und verdankt feine anfänglichen Sammlungen zum gröfsten Theil der Parifer Ausftellung von 1867. Gegenwärtig fteht ein Neubau in ficherer Ausficht. Das Muſeum reffortirt direct vom Minifterium für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten; Zweck deffelben ift die Förderung der Landwirthschaft a) durch Vorführung guter Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 27 Mufter aus ihren verfchiedenen Gebieten; b) durch belehrende Darftellungen der mannigfachften Art In erfter Beziehung will das Mufeum namentlich auf die be währteften neueren Erfcheinungen aufmerkfam machen und zu deren Einführung beitragen; insbefondere dabei die Mafchinen und Geräthe berücksichtigen und die Hebung des landwirthschaftlichen Mafchinenwefens nach allen Seiten hin zu fördern fuchen. Im Allgemeinen will das Muſeum ferner dem Studirenden der Landwirthschaft das Material zu feinem Unterricht gewähren, dem Forfcher den Stoff zu feinen Unterfuchungen in möglichfter Fülle bieten, und dem gröfs e- ren Kreife der Befucher in anfchaulicher Weife das Wiffenswerthefte aus den verfchiedenen Zweigen der Landwirthfchaft vorführen. Die Arbeiten des Inftituts erftrecken fich auf Anfertigungen von Zeichnungen, Modellen, Abbildungen etc., kurz auf alle Arten von landwirthfchaftlichen Anfchauungsmitteln, fodann auf Unterfuchungen von Samenproben und dergleichen. Eine Hauptaufgabe ift, die äufserft reichen Collectionen wiffenfchaftlich zu ordnen und für folche Sammlungen, bei denen es bisher noch an einem genügenden Syfteme gefehlt hat, wie zum Beifpiel beim Getreide, ein folches an der Hand des reichen Materiales aufzuftellen. Aufserdem ift das Muſeum gleichfam ein grofses Auskunftsbureau und beantwortet koftenfrei jegliche Anfrage über landwirthfchaftliche Mafchinen etc. Die Ausstellungsobjecte in Wien follten nur an einzelnen Muftern zeigen, in welcher Weife das Muſeum die Förderung der Landwirthschaft anftrebt. Ausgeftellt waren: 1. Modell der verfchiedenen Ausftreuevorrichtungen an Säemaſchinen nach fieben Syftemen; 2. Modelle zur Gefchichte der Mähemaſchinen, nach Angaben des Profeffors Perels, ausgeführt vom Mechaniker C. Potzelt in Halle, darftellend a) Mähemafchinen der alten Gallier nach Plinius und Palladius, b) Hand- Mähemafchine von R. Meares in Frome( 1800, Scheeren- Princip), c) Mafchine nach Salmon in Wobure( 1807), d) rotirende Mafchine von Smith in Deanftone( 1811, Heiner'fche), e) Mafchine mit rotirenden Senfen, von Gompertz( 1852), f) Mafchine mit drei Syftemen rotirender Senfen etc. von Mafon( 1852), g) Mafchine von Patrick Bell( 1826), h) ältere Mafchinen von C. H. Mac Cormick( 1834). Näher befchrieben find diefe Mafchinen im„ Führer durch das königliche landwirthfchaftliche Muſeum. Berlin 1873." 3. Modell einer Locomobile, Syftem Rufton, Proctor& Comp., körperlich und im Durchfchnitt ebenfalls nach Profeffor Perel's Angaben von Potzelt ausgeführt. 4. Modell einer Hodgfon'fchen Drahtfeilbahn. Da auf der ganzen Ausftellung keine Hodgfon'fche Drahtbahn vorhanden war, fo konnte das Modell wenigftens in etwas den Mangel erfetzen. 5. Modell einer von Dücker'fchen Drahtbahn, ausgeführt vom Bergrath aufser Dienft von Dücker in Caffel. Diefe Bahn ift viel einfacher, billiger und für landwirthfchaftliche Zwecke geeigneter, wird auch bei den Feftungsbauten von Metz gebraucht. 6. Modell einer fahrbaren Centrifugalpumpe, Syftem Weber's, ausgeführt vom Muſeumstifchler A. Michel. Bezüglich des Meliorationswefens waren ausgeftellt: 7. zwei Karten des Oderbruchs, Zuftand 1766 und 1866 und 8. zwei neuerdings erft vollendete Karten des Warthebruchs 1770 und 1870. Um die Arbeiten des Muſeums über Sämereien etc. zu veranfchaulichen hatte deffen Cuftos Wittmark ausgeftellt: 9. ein Tableau über die wichtigſten Gras- und Kleefamen, nebft deren Verwechslungen und Verunreinigungen, auf welchem die betreffenden Samen in natura auf blauem Grund aufgeklebt waren und auf weifsem Grund die vergröfserten farbigen Abbildungen fich befanden. Die Verwechslungen etc. waren in ähnlicher Weife neben den betreffenden Samen angebracht. Ferner hatte Wittmack eine Reihe graphifch- ftatiftifcher Darftellungen ausgeftellt. Es umfafsten diefelben ein grofses Tableau über die abfolute Getreideproduction der wichtigften Länder der Erde, nebft Darſtellung der Ein- und Ausfuhr, des relativen Ertrages( Ertrag pro Hektare in Hekto. litern) und der Anbauverhältniffe; ein kleines Tableau über Zuckerproduction der Erde, Confum und Handel, von den erften Zeiten der Rübenzuckerfabrication ab; ein Tableau über die Wollproduction der Erde, Ein- und Ausfuhr und Confum; ein folches über den Verkehr auf den wichtigften preufsifchen Wollmärkten; - 28 Dr. C. Theodor von Gohren. endlich ein Tableau über Pferde-, Rindvieh-, Schafe, Schweineftand und Handel. Da es fich zunächft nur um landwirthschaftliche Lehr- und Forschungsanftalten handelt, fo kann auf die forftlichen Lehr- und Verfuchs- Inftitute, obgleich diefelben viel auch für Landwirthe verwerthbares Material( es feien nur genannt: die Collectionen Forftinfecten und Frafsproben, ausgeftellt von Profeffor Altum in Neuftadt- Eberswalde, die meteorologifchen Inftrumente des Profeffors Ebermayer- Afchaffenburg und des Profeffor Remele in Neuftadt Eberswalde, die Bodenproben und Analyfen des Dr. Schütz in Neuftadt- Eberswalde) brachten, nicht eingegangen werden. Wollte Referent feinen Bericht auf alle übrigen ausgeftellten, für landwirthschaftliche Lehranftalten verwendbaren Lehrmittel ausdehnen, fo würde der zugemeffene Raum bei weitem überfchritten werden müffen. Sind doch zum Beiſpiel fämmtliche naturwiffenfchaftliche Lehrmittel auch an landwirthschaftlichen Unterrichts- Inftituten mehr oder weniger in Gebrauch. Eine Befchränkung auf die Anführung einiger weniger Ausfteller dürfte hier um fo mehr genügen, als jedenfalls eine eingehende Berichterftattung über diefen Theil der Weltausftellung von anderer Seite zu erwarten ift. Von den Lehrmitteln für den naturgefchichtlichen Unterricht in der Ausftellung des deutfchen Reiches feien erwähnt: die plaftifchen anthropologi fchen Lehrmittel, nach Profeffor Bock's Angaben von den Brüdern F. und G. Steger in Leipzig in Gyps ausgeführt; die von Dr. Fiedler in Dresden entworfenen und von Kraufs ausgeführten anatomifchen Wandtafeln( 3. Aufl. Meinhold und Söhne); anatomifch- pathologifche Objecte der Firma C. F. Fleifchmann in Nürnberg; die phyfiologifchen Wachspräparate von Dr. A. Ziegler in Freiburg und Ulrich Bauer in München( fchön gearbeitete, auf die Anatomie und Entwicklungsgefchichte des Pferdes und des Rindes bezügliche Objecte); die ganz ausgezeich neten zoologifchen Objecte des Dr. Landois in Münfter, welche die Thiere in voller Lebensthätigkeit zeigen; eine ähnliche Sammlung des Profeffors Altum( Forftakademie zu Neuftadt- Eberswalde); Pollmann's Bienencabinet; Dr. W. Schaufufs in Dresden naturhiftorifche Mufter- Schulfammlungen; die biologifch- entomologifche Sammlung von Georg Speidel, Lehrer in Dinkelsbühl. Von Bilderwerken: die Wandtafeln der Verlagshandlung Schreiber in Efslingen und die von Rupprecht und Voigtländer in Dresden, nebft den Atlanten von Reichenbach und Arends. Von botanifchen Lehrmitteln feien genannt: Robert Brendel's botanifche Modelle( bis jetzt 65 Modelle, 55 Familien umfaffend); die Büchnerfchen plaftifchen Pilze( herausgegeben von A. v. Löfeke und F. A. Böfemann in Hildburghaufen); Ziegler's Wachspräparate, in welchen die Formen eines monokotylen und dikotylen Embryo, die Entwicklung der Blüthe von Carum carvi und eines anorthotropen Eichens dargestellt ift; des Obergärtners Lindemuth Blattfkelette; die landwirthfchaftliche Pflanzenfammlung des Apothe kers Roth in Echte bei Northeim; Profeffor Cohn's Lehrmittel für den botanifchen Unterricht; Möller's und Rodig's mikrofkopifche Präparate. Von den ver fchiedenen botanifchen Wandtafeln feien nur die bekannten Ahles'fchen genannt. Dem mineralogifchen Unterricht dient die von Langhans ausgeführte aus gezeichnete kryftallographifche Modellfammlung der königlichen Gewerbefchule zu Fürth( III grofse Glasmodelle mit durchgezogenem Axen- Syfteme und markirten Zwillings- Ebenen und Zwillings- Axen); die Glaskryftallmodelle von Thomas in Siegen und die Kryftallmodelle aus durchfichtigem Horn von A. Preller. Unter den ausgeftellten mineralogifch- geognoftifchen Sammlungen war die der bergakademifchen Mineralienniederlage zu Freiberg in Sachfen jedenfalls die ausgezeichnetfte. Lehrmittel für den phyficalifchen und chemifchen Unterricht hatten ausgeftellt: Ausgezeichnete Waagen die Firma Schikert in Dresden, Oert Landwirthfchaftliche Lehre und Forschung. 29 ling in Berlin, Weftphal in Celle, Runge in Hamburg, Staudinger in Gieffen; Mikrofkope: Hartnack in Potsdam, Blafchke in Glogau; Spektralapparate und Polarifationsinftrumente: Schmidt& Haenfch in Berlin; Polariftrobometer von Mittelftrafs in Magdeburg, Geifsler in Bonn war durch feine prächtigen Röhren und andere Apparate; Greiner& Friedrichs in Stützerbach( Thüringen) durch die Erzeugnisse ihrer weltberühmten Glasbläferei; Defaga in Heidelberg durch die Bunfenfchen Apparate. Hugershoff in Leipzig durch ein completes nach Ahrend eingerichtetes Laboratorium vertreten. Treffliche meteorologifche Inftrumente waren von Greiner in München da, unter anderen vier Stück Bodenthermometer, in Zehntel Grade eingetheilt, für 1-3; 10; 07: 04 Meter Tiefe; ein Verdunftungsmeffer mit Regenmeffer von Ebermayer; Verdunftungsmeffer nach Greiner'fcher Conftruction( Verdunftungsfchale o'I Meter Durchmeffer wird mit 100 Cubikcentimeter Pipette gefüllt. Das Verdunftungsquantum wird an der Scala der Mefsröhre abgelefen, welche auf der einen Seite in Millimeter, auf der anderen in Zehntel Cubikcentimeter getheilt ift); Pfychrometer; Evaporationsapparat für die Verdunftung der Bodenfeuchtigkeit etc. Von Ausftellern chemifcher Präparate zu Lehrzwecken fei Dr. Th. Schuchardt in Görlitz genannt. Die Lehrmittel für den landwirthschaftlich- technologifchen Unterricht waren fehr fpärlich vertreten; zu nennen wären etwa Heftermann's( in Hamburg) technologifch- naturwiffenfchaftlichen Veranfchaulichungsapparate, die Ausftellung des polytechnifchen Arbeitsinftitutes von J. Schröder in Darmstadt und die Dampfmafchinen- Modelle von Bardorf in Hamburg. Wo es fich aber um Verbreitung landwirthfchaftlichen Wiffens, landwirthschaftlicher Intelligenz handelt, darf nicht unerwähnt bleiben die rührige landwirth fchaftliche Verlagsfirma von Wiegandt, Hempel& Parey in Berlin, welche ihre zahlreichen Verlagsartikel auch zur Weltausftellung gefendet hatte. Oefterreich- Ungarn. In Oefterreich darf das landwirthschaftliche Unterrichts- und Forschungswefen in neuefter Zeit feitens der Regierung auf energifche Unterſtützung und Förderung rechnen, während bis vor Kurzem fowohl die Errichtung landwirthschaftlicher Lehranstalten, als die landwirthschaftlichen Verfuchsftationen lediglich der Initiative von Privaten überlaffen geblieben und dadurch eine Syftem- und Prin cipienlofigkeit eingeriffen war, die die gute Sache ernftlich zu gefährden drohte. Wie günftig ein klares, zielbewusstes und ernftes mit den Mitteln nicht allzukarges Vorgehen von Oben auf die Entwicklung von Inftituten obengenannter Tendenzen einwirkt, zeigte die Ausftellung der erft feit wenigen Jahren ins Leben getretenen k. k. Verfuchsftationen im Pavillon des Ackerbau- Minifteriums. Dafs das landwirthschaftliche Unterrichtswefen Oefterreichs nicht fo auf der Weltausftellung vertreten war, wie es von fo Manchem gewünſcht worden ist, hat wohl feinen Grund eines Theils darin, dafs ein grofser Theil der dem Unterrichte gewidmeten Inftitute noch zu neuen Datums ift, um fchon mit Refultaten hervortreten zu können, theils in dem leidigen Umftande, dafs der landwirthschaftliche Unterricht zu einem fehr grofsen Theil( niederer und mittlerer) als Landes cultur- Angelegenheit" in manchem Lande" etwas ftiefmütterlich behandelt, einer feften Organiſation und ausreichender Mittel bisher entbehren mufste. Den erfreulichen Auffchwung auf dem Gebiete des landwirthschaftlichen Unterrichtes in Oefterreich in neuerer Zeit bekundete übrigens der im Pavillon des Ackerbau- Minifteriums ausgeftellt gewefene Bericht über den Stand der landwirthschaftlichen Unterrichtsanftalten von 1868 bis 1873. Folgende ftatiftifche Notizen aus dem Jahre 1873 dürften einiges Intereffe bieten: 30 Dr. C. Theodor von Gohren. I. Landwirthschaftlicher Fortbildungsunterricht. Kronland Zahl der eigentlichen mit Volksfchulen verbundenen landwirthfchaftlichen Fortbildungsfchulen In Volksfchulen wird noch Unterricht ertheilt Landwirthfchaft überhaupt Obftbaumzucht Bienenzucht Seidenzucht Niederöfterreich Oberösterreich Salzburg Tirol Vorarlberg Steiermark Kärnten Krain Görz Trieft Iftrien Dalmatien. Böhmen Mähren. Schlefien Galizien Bukowina Summa 35 14436 9 53 102 4 67 185 49 51 39 158 ΙΟ 76 178 58 II IO 47 44 16 825826518 98 1230 1883 489 50 29 10 3 39 IO 17 20 2 4 I 51 3 350 44I 4 4 I I 2 5 10 420 444 360 219 15 843 1191 624 473 15 II2 231 97 87 I 315 619 281 37 I II 19 14 5 77 1982 3569 1543 989 II. Ackerbaufchulen. ( Vorbildung: Die Volksfchule. Zu erreichendes Ziel: Die Heranbildung von felbftſtändigen Landwirthen auf kleinen oder von Hilfsorganen auf grösseren Wirthschaften.) Kronland: Niederöfterreich Oberösterreich Tirol. Steiermark. Kärnten Krain. Iftrien Zahl der Ackerbau- Schulen 4 I 2 I I Dalmatien Böhmen. Mähren.. Schlefien Galizien. I 7 7 I 2 Summa. 27 1584 Landwirth fchaftliche Lehre und Forfchung. III. Landwirthschaftliche Mittelschulen. 31 ( Vorbildung: Abfolvirung der Unterrealfchule oder des Untergymnafiums; zumeift ein Jahr landwirthfchaftliche Praxis. Ziel: Ausbildung von Grundbefitzern, Pächtern und Wirthfchaftsbeamten.) Kronland: Galizien. Böhmen Niederöfterreich Schlefien Mähren Küftenland Bukowina Zahl der Mittelfchulen I 2 2 I I I I Summa 9 IV. Landwirthschaftliche Hochſchulen. Kronland: Niederöfterreich Steiermark Zahl I Summa 2 V. Schulen für Obft-, Wein- und Gartenbau. Kronland: Niederöfterreich. Tirol Krain Steiermark Mähren. Böhmen Galizien Summa Zahl 4 I I I I 2 3 13 Dafs in der Volksfchule kein fachlicher, alfo auch kein landwirthfchaftlicher Unterricht ertheilt werden foll, darüber find fo ziemlich alle Schulmänner einig, und doch gibt es ein treffliches Mittel, die Zwecke, welche man mit Einführung des landwirthfchaftlichen Unterrichtes in die Volksfchule etwa erreichen wollte, doch zu erreichen, ohne den eigentlichen Volksfchul- Unterricht zu fchädigen. Das Mittel ift die Errichtung eines Schulgartens. Bekanntlich war bei dem öfterreichifchen Schulhaus auf der Weltausftellung ein Schulgarten angelegt und erfreute fich des allgemeinen Beifalls. Auf die Details diefes vom Director Schwab in Gemeinfchaft mit dem Inftituts- Obergärtner Heinrich in Mödling angelegten Gartens einzugehen, fehlt hier der Raum. Wer fich für die VolksfchulGärten, deren Tendenz und Anlage intereffirt, den verweift Referent auf die kleine Brofchüre von Dr. E. Schwab:" Der Volksfchul- Garten, ein Beitrag zur Löfung der Aufgabe unferer Volkserziehung". Wien und Olmütz. Eduard Hölzel 1873. " Genoffenfchaften, Vereine, Schriften, Vorträge, Ausftellungen, Prämien, Fortbildungsfchulen, Wanderlehrer und wie die Mittel zur Hebung der Landwirthfchaft fonft heifsen mögen, fie alle werden zu fpät kommen, wenn nicht die Volksfchule zu rationeller Betreibung der Landwirthschaft den Grund gelegt hat" , Und diefs gefchieht am wohlfeilften, ſchnellften und natürlichften im Schulgarten, welcher unter gewiffen Verhältniffen, z. B. im armen Gebirge, wo eine landwirthfchaftliche Schule nahezu unmöglich ift, während fie gerade hier einem dringen" 3 32 Dr. C. Theodor von Gohren. den Bedürfniffe abhelfen würde, das einzige, aber auch unentbehrlich nothwendige Surrogat für die landwirthfchaftliche Schule bilden wird". Es fei bemerkt, dafs das neue öfterreichische Reichs- Schulgefetz von den Lehrer- Bildungsanftalten auch den Unterricht in der„ LandwirthschaftsLehre mit befonderer Rückficht auf die Bodenverhältniffe des Landes" verlangt und anordnet, dafs in Landgemeinden nach Thunlichkeit eine Anlage für landwirthschaftliche Verfuchszwecke zu befchaffen ift. Manchem dürfte es vielleicht unbekannt fein, dafs die Gefetzgebung Ungarns die erfte in Europa war, welche den Schulgarten als integrirenden Beftandtheil der Volksfchule einführte. Um auch den aus den Seminarien früher ausgetretenen VolksfchulLehrern die Ertheilung landwirthschaftlichen Fortbildungsunterrichtes zu ermöglichen, hat das k. k. Ackerbau- Minifterium feit einigen Jahren in den einzelnen Kronländern landwirthschaftliche Lehrercurfe abhalten laffen. Die öfterreichifchen landwirthschaftlichen Fortbildungsfchulen waren auf der Weltausftellung nicht vertreten, noch find fie zu neuen Datums und noch zu wenig in Fleiſch und Blut der Bevölkerung übergegangen, um greifbare Refultate bieten zu können. Das Inftitut der Wanderlehrer möglichft zu verallgemeinern ift man in Oefterreich feitens der Regierung und der landwirthfchaftlichen Kreife redlich beftrebt. Leider macht fich aber wie in anderen Ländern auch- ein Mangel zu diefer fchweren Aufgabe geeigneter Perfönlichkeiten recht fühlbar. Von den öfterreichifchen Ackerbau- Schulen waren auf der Weltausftellung nur fehr wenige vertreten, und von den wenigen die meiſten, wie Kaaden in Böhmen, Eibenfchitz in Mähren, Grottenhof in Steiermark, nur durch landwirthschaftliche Producte bei den diverfen Collectivausftellungen. So hatte Kaaden( gegründet 1862, zwei Jahrgänge, 5 Lehrer, 35 Schüler) ausgeftellt: Wunderweizen, Wicken, Erbfen, Hirfe, Ackerfpörgel, blaue und gelbe Lupinen, Hafer, vier Arten Gerfte, Hopfen, Seide und eine kleine Sammlung von Gefteinen und Bodenarten. Eibenfchitz( gegründet 1866, 13 Schüler, 6 Lehrer): Ruffifchen Sommerroggen( mit Analyfe von Profeffor Schwackhöfer), mit Stroh, Wurzeln, Körnern und Brot; Kartoffeln mit Kraut, Wurzeln und Knollen und die fämmtlichen Modelle der an der Eibenfchitzer Schulwirthfchaft gebrauchten landwirthschaftlichen Geräthe und Mafchinen. Grottenhof: Getreide- Arten; Flachs und Hanf bereitet mit Wafferröfte und nach belgifcher Methode mit Mafchinen gehechelt und gefchwungen und Pläne der Anftaltswirthschaft nebft deren Befchreibung. Am reichften war unftreitig die Acker- und FlachsbereitungsSchule in Mährifch Schönberg( gegründet 1867, zwei Jahrgänge, 5 Lehrer, 14 Schüler) vertreten, fie hatte exponirt: ein treffliches Herbarium der vorzüglichften den Boden charakterifirenden Pflanzen und zwar die Flora des Thon, Lehm-, Sand-, Torf- und Kalkbodens; des naffen, feuchten und trockenen Bodens in zwölf Bildern. Ferner Halmgetreide in Aehren und Körnern, Leinfamen, Leinftengel mit Knoten- geboldelt, geröftet, gefchwungen und gehechelt; 200 Samengattungen in Gläfern, zum gröfsten Theile geerntet vom Verfuchsfelde der Ackerbaufchule; die geognoftifchen und oryktognoftifchen Mineralien der Umgebung von Mährifch- Schönberg; die dort gebräuchlichen Handgeräthe; die Handgeräthe zur Flachsbereitung in Modell und natürlicher Gröfse als: Riffelbank, belgifcher Schwingftock, Schwingbeil und Schabmeffer; Modell einer Röftgrube; Tableaux von den Culturpflanzen fchädlichen Infecten; agriculturbotanifche Modelle( Brendel). Die Privat- Ackerbaufchule des Fürften Schwarzenberg in Rabin hatte im Schwarzenberg Pavillon ausgeftellt die Statuten, Programm und Unterrichtsplan der Schule nebft einer Anzahl Tagebücher der Schüler. Die mittleren und höheren landwirthfchaftlichen Lehranft alten fanden ihre Vertretung durch die beiden böhmifchen Landes Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 33 Lehranstalten Tabor und Liebwerd. Während Tabor nur mit landwirthfchaftlichen Producten bei der Collectivausftellung des Königreiches Böhmen betheiligt war, hatte die Landes- Lehranftalt Lieb werd ein feparate Ausftellung arrangirt. Das Material war ein ziemlich reichhaltiges, wenn auch hie und da manches in gar zu kleinen Quantitäten zur Anfchauung gebracht wurde. Liebwerd( 1850 als Ackerbau- Schule gegründet, 1856 zu einer höheren landwirthschaftlichen Lehranftalt erweitert, 1866 zur Landes- Lehranstalt erwählt) ift eine Schöpfung des verdienftvollen A. E. Ritter von Komers und fteht gegenwärtig unter der oberften Leitung eines eigenen Curatoriums. Es wirken an der Anftalt 5 ordentliche Lehrer, 3 Adjuncten und 8 aufserordentliche Lehrer. Im Schuljahre 1872/73 ftudirten an der Anftalt 88 Hörer. Die jährliche Dotation des Landes beträgt 12.000 fl. An Brochuren lagen auf: Gefchichtliche Entwicklung und ftatiftifche Darstellung der Anftalt vom Jahre der Gründung an. Diefe vom Profeffor A. A. Schmied mit grofsem Fleifse und inniger Pietät bearbeitete Schilderung ift unftreitig ein werthvoller Beitrag für die Gefchichte der Entwicklung des landwirthschaftlichen Unterrichtes in Oefterreich überhaupt. Die Organiſation der Anftalt vom Localvorftande Dörre; Darftellung der Verhältniffe der Inftitutswirthfchaft, mit fünf lithographirten und theilweife colorirten Plänen vom Docenten A. Bucek verfafst; Generalkatalog fämmtlicher Lehrmittel und Lehrbehelfe, der leider von einer Fülle von Druckfehlern wimmelt( Andlipite, Agitokl, Exikator, Bansen, Söfftröm. Schaalenantirung, Baccau Lauri u. f. w. in infinitum); das Unterrichtsprogramm der Anftalt; das organifche Statut; Jahresberichte feit dem Jahre 1866; die Statuten der an der Anftalt beftehenden freiwilligen Feuerwehr; die Lehrbücher, Leitfäden der Anftalt und die literarifchen Arbeiten der gewefenen und jetzigen Docenten. An Bildern, Photographien und Plänen waren zu finden: Zwei Anfichten von Liebwerd; photographifche Anfichten der Anftalt und deren Räumlichkeiten; Situationsplan von Liebwerd; Pläne der Anftaltsgebäude; Culturpläne der Anftaltsökonomie vom Jahre 1850 und 1870; Pläne des botanifchen Gartens, der Gehölz- und Baumfchulen; Pläne der Verfuchsfelder, des Gemüfegartens, fowie Meliorationspläne der Anftaltsökonomie; An Ueberfichten, Tabellen und Zeichnungen, graphifchen Darftellungen waren ausgeftellt: Ueberficht der Unterrichtsftunden- Eintheilung für die drei Jahrgänge ( einer Revifion dringend bedürftig); Ueberficht der an der Anftalt aufliegenden Fachfchriften; graphifche Darftellung der chemifchen Zufammenfetzung der bei der landwirthfchaftlichen technifchen Induftrie verwendeten Rohftoffe und der daraus gewonnenen Producte. Als Repräfentanten der Unterrichtsmittel hatte die Anftalt exponirt: Eine Sammlung der Bodenarten der Inftitutswirthschaft und die Darftellung von deren mechanifcher Analyfe( viel zu fehr ,, en miniature" um eine verftändliche Anfchauung zu ermöglichen); Zufammenftellung der auf der Domäne Tetfchen cultivirten Obftforten( verwendet war das bekannte Arnoldifche Obftcabinet); Darftellung der im Rayon der Inftitutswirthschaft und im Bezirke Tetfchen vorkommenden Krankheiten der Obftbäume, fowie natürliche Darftellung aller Veredlungsarten der Obftbäume und der dabei in Anwendung kommenden Werkzeuge( jedenfalls eine fehr verdienftliche Arbeit vom Obergärtner Herrn Jofst, die auch mit der Fortfchrittsmedaille belohnt wurde); Sammlung der bei der Zuckerfabrication, Bierbrauerei, Spiritusfabrication und Mühlinduftrie zur Verwendung kommenden Rohftoffe und der daraus erzeugten Fabrikate und Abfälle( theilweife fo liliputanifch, dafs der Zweck verfehlt werden mufste); endlich eine Collection der verfchiedenen in der Anftaltsökonomie geernteten Sämereien. Ein befonderer Vorzug der Liebwerder Ausftellung war, dafs fie auch Schülerarbeiten zur Einficht und Prüfung brachte. Freilich beffer wäre es gewefen, wenn man nicht nur vereinzelte herausgegriffen, fondern fämmtliche Arbeiten eines Jahrganges gute und fchlechte vorgelegt hätte. Aus drei fehr fchön gefchriebenen Tagebüchern läfst fich kein Urtheil fchöpfen über die Leiſtungen - 3* 34 Dr. C. Theodor von Gohren. der Majorität der Schüler. Zahlreicher waren die Organifationspläne vertreten und darunter in der That ganz treffliche Leiftungen. Die pflanzenpathologifchen Zeichnungen zweier Hörer werden immer nur als ausnahmsweife Arbeiten. betrachtet werden können. Zu erwähnen find noch die Bodenkraft- Erfchöpfungsberechnungen der einzelnen Wirthschaftsfyfteme; Baupläne der von der Anftalt als Lehrbehelfe benützten landwirthfchaftlichen und technifchen Objecte; Pläne zur Illuftration des Vorganges beim Unterrichte im Situations- und Modellzeichnen; Pläne, darftellend den fyftematifchen Vorgang beim Unterrichte in den praktiſchen Uebungen in der Geodäfie und endlich Zeichnungen der auf der Domaine Tetfchen gehaltenen Rindviehracen. Die beiden landwirthfchaftlichen Hochfchulen die in Wien und die in Graz hatten fich an der Ausftellung nicht betheiligt. Von öfterreichifchen Special- Fachfchulen ift zu nennen: Die Landes Obft- und Weinbau- Schule in Klofterneuburg, über welche bereits in dem Berichte des Herrn Director Göthe über ,, Obft-, Weinund Gemüfebau" referirt wurde. Die Flachsbau- Schule in Grzeda in Galizien hatte Leinftengel, Flachs und Hanf ausgeftellt. Ungleich beffer wie fchon erwähnt als die landwirthschaftlichen Unterrichtsanftalten waren die öfterreichifchen Verfuchsftationen auf der Weltausftellung vertreten: Die k. k. landwirthschaftliche- chemifche Verfuchsftation Wien, die k. k. chemifch- phyfiologifche Verfuchsftation für Wein- und Obftbau zu Klofterneuburg, die k. k. Seidenbau- Verfuchsftation in Görz und die Privat- Verfuchsftation des Fürften Schwarzenberg in Lobofitz. Die Ausftellung der k. k. Verfuchsftation Wien umfafste folgende Gegenftände: 1. Eine, der von dem Präparateur Sittel in Heidelberg in den Handel gebrachte analoge Collection chemifch- phyfiologifcher Präparate von Subftanzen, welche entweder an der Zufammenfetzung des Thierkörpers theilnehmen oder deffen Zerfetzungsproducte find. Geordnet war diefe Sammlung nach der von Gorup- Befanez in feinem Lehrbuche der phyfiologifchen Chemie gewählten Eintheilung. Dem Fachmanne befonders intereffant waren die auch fchon auf der Molkereiausftellung von der Wiener Verfuchsftation exponirten Präparate aus der Milch und aus Milchproducten( diverfe Milchzucker, Cafeïn aus Kuhmilch, Pferdemilch, Ziegenmilch, Emmenthaler- und Parmefankäfe, Lecithin- und elaïnfreies Fett der Kuh- und Ziegenmilch, fefte Fettfäuren aus Ziegenmilch- Fett, gefchmolzenes Ziegenmilch- Fett, Fett aus Käfeforten, flüffiges Fett der Pferdemilch, ein gedampfte Ziegenmilch, Lactoproteïn aus Kuh- und Ziegenmilch u. f. w.). Von den verfchiedenen im pflanzlichen Organismus vorkommenden und daraus refultirenden Stoffen heben wir hervor: Die Pflanzenwachfe aus Heu, Mais, Sorgho und Stroh, die Rohfafer aus Heu und Stroh und den unverdauten Theil der Rohfafer von Mohar, Grünmais und Sorgho. 2. Dünger. Den zu den Düngungsverfuchen auf dem Gutenhof verwendeten Handelsdünger( 54 Nummern) hatten 21 Firmen aus Oefterreich und Deutſchland geliefert. Sämmtliche Proben waren mit Angabe der Zufammenfetzung ausgeftellt. Ausserdem fanden fich noch in der Collection: Fledermausguano von Orfowa und vom Balkan, Büffelmift aus der Türkei, Guanape- Guano, Fifchguano aus Fiſchabfällen in der Nähe von Trieft dargestellt, diverfe Poudrette- und Blutdünger. Die phosphatifchen und kalihaltigen Gefteine waren vertreten durch eine Collection von Phosphoriten aus den wichtigften Fundorten verfchiedener Länder; Phosphorite aus Podolien und dem öfterreichifchen Dnieftergebiete, aus Nordwest-, Böhmen Korallenerze und Korallen- Sandfteine aus Idria, Kali- Feldfpathe aus Böhmen und Oberöfterreich und Kalifalze aus Kalufz. 3. Darftellung der Zuſammenfetzung von fechs Erdarten( Ackererde von Gutenhof, Kalkboden von Hirfchftätten, Schwarzerde von Grymalow und von Horodenka, Moorerde aus dem Hanifàg und Banater Weizenboden). Die Zuſammen Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. 35 fetzung diefer Erdarten war in der Art dargeftellt, dafs die einzelnen Beftandtheile in den ihren Gewichtspercenten entſprechenden Mengen in Glasfchalen zur Schau gebracht wurden nach den bei der chemifchen und mechanifchen Analyfe gefundenen Refultaten. Eine recht fchöne Arbeit war 4. die Darftellung der percentifchen Zufammenfetzung der Milch( Kuh, Ziege, Schaf, Pferd, Efel), der Milchfette( Theebutter, gute Marktbutter, fchlechte Marktbutter, gutes Rindsfchmalz und fchlechtes Rindsfchmalz) und von 12 Käfeforten. 5. Die Darftellung der Zufammenfetzung vegetabilifcher Nahrungsmittel des Menfchen zeigte feines und ordinäres Weizenmehl, ftarkgemahlenes Roggenmehl, Schwarzbrod, Erbfen, Bohnen und Linfen. 6. Die Darftellung der Zufammenfetzung von Rauhfutter und gewerblichen zur Fütterung dienenden Abfällen umfafste: Heu, Klee, Mohar, Rapskuchen, Maiskeimkuchen und Kleie. 7. Die Darftellung der Zufammenfetzung von Körnerfutter: Weizen, Roggen, Hafer, Gerfte, Mais und Buchweizen. Eine Reihe von Wandtafeln ftellte die gewöhnlichen Schmarotzer auf Culturpflanzen, das Anfangsgewicht und die Gewichtszunahme der neun im Stalle der Verfuchsftation gebornen Saugkälber und den Gehalt der Culturpflanzen an organifchen und den wichtigften anorganifchen Beftandtheilen dar. Bemerkenswerth war weiter ein Centrifugalapparat zum Ausrahmen der Milch und ein Apparat zur quantitativen Ermittlung der Wafferverdunftung aus lebenden Pflanzen. Auch Pflanzenculturen in Waffer, Sand, Kohle und Torf führte die Wiener Verfuchsftation den Weltausftellungs- Befuchern vor. Freilich litten die Culturen unter den fehr wechfelnden Verhältniffen. denen fie im Pavillon des AckerbauMinifteriums ausgefetzt waren, ganz augenfcheinlich. Die k. k. chemifch- phyfiologifche Verfuchsftation für Weinund Obftbau zu Klofterneuburg hatte die Refultate ihrer bisherigen Thätigkeit in vier Abtheilungen aufgeftellt. Die erfte Abtheilung enthielt die auf die Zufammenfetzung und die Ernährung des Weinftockes bezüglichen Unterfuchungsrefultate und einen Theil der dabei angewendeten neuen oder verbefferten Apparate. Aufser den zahlreichen Analyfentableaux und graphifchen Darftellungen von Rebholz, Blättern, Trauben von Düngungsverfuchen, Temperaturbeobachtungen, Moftunterfuchungen etc. waren in diefer Abtheilung Bodenproben, Gefteinsarten, Apparate zur Beftimmung einiger phyfikalifchen Eigenfchaften des Bodens, ein Apparat zum Verafchen zuckerreicher oder viel Kali und Phosphorfäure enthaltender Subftanzen zu finden. Die zweite Abtheilung enthielt die auf die Zufammenfetzung der Traube und des Moftes, fowie die auf Gährungs- und Weinchemie bezüglichen Objecte. Aus diefer Abtheilung feien befonders erwähnt: das Modell eines Gährbottichs für Rothweinmaifche; eine Sammlung der durch rationelle Verwerthung der Nebenproducte bei der Weinbereitung zu erzielenden Subftanzen; ein Apparat zum Studium der fpontanen Gährung und der Einwirkung des Sauerftoffes bei derfelben( der Haupttheil diefes Apparates befteht aus dem Recipienten einer Luftpumpe, welcher fo conftruirt ift, dafs der Fruchtfaft aus den Früchten gewonnen werden kann, ohne dafs derfelbe mit atmoſphärifcher Luft in Berührung kommt, oder dafs man ihn unmittelbar bei feinem Austritte aus der Frucht mit anderen Gafen in Contact bringen kann. Durch eingelegte Holzfcheiben wird ermöglicht, den Fruchtfaft fo zu filtriren, dafs er frei wird von jeder Zellmembran); ein Apparat zur Beobachtung der Gährung bei conftanter Temperatur im luftverdünnten Raume und unter Zutritt von verfchiedenen Gafen. Aus der dritten Abtheilung nennen wir vor Allem die Vegetationsverfuche, theils Wafferculturen, theils Verfuche über die Wurzelbildung bei Schnittreben theils Vegetationsverfuche in künftlichen Bodenmifchungen. 36 Dr. C. Theodor von Gohren. Die vierte Abtheilung umfafste das Reich des Mikrofkops, darunter fehr fchöne mikrofkopifche Zeichnungen und Photographien der verfchiedenen Hefeformen, der wichtigften Pilzformen, Studien über den Bau und die Lebensweife von Phyloxera vaftatrix, eine Reihe mikrofkopifcher Präparate u. f. w. Niemand wird in Abrede ftellen können, dafs die oenologifche Verfuchsftation in Klofterneuburg ausgezeichnet repräfentirt war. Von der Ausftellung der k. k. Seidenbau- Verfuchsftation in Görz über deren Organiſation und Leiftungen der Katalog der Ausftellungen des k. k. Ackerbau- Minifteriums für die fich dafür Intereffirenden eingehende Details liefert, feien in erfter Linie die von Profeffor Haberlandt und J. Bolle prächtig hergeftellten anatomifchen Präparate des gefunden und kranken Seidenfpinners aufgeführt. Nicht unintereffant war ferner ein auch von den genannten Herren erfundener Brutofen mit Petroleumheizung, ein Apparat zur Abtödtung der Cocons mittelft Schwefel- Kohlenftoff, Serimeter und Dynamometer für die Beftimmung der Elafticität, Dehnbarkeit und Feftigkeit der Seide, die Darftellung der Krankheiten der Blätter des Maulbeerbaumes und noch fo manches Andere. Die fürftlich Schwarzenberg'fche Verfuchsftation Lobofitz ( 1864 gegründet und reichlich ausgeftattet) hatte im Pavillon Schwarzenberg ein fprechendes Bild ihrer regen Thätigkeit gegeben. Mancher Befucher wird an den graphifchen Darftellungen( 4 Cartons), die eine Fülle von Mühe und Fleifs bergen, achtlos vorübergegangen fein. Diefe Cartons enthielten die überfichtliche Darftellung fechsjähriger Ernte- Ergebniffe von Getreide und Zuckerrübe in ihrer Abhängigkeit von Wärme, Regenfall, Wafferabforption und Verdunftung in Bezug auf Qualität und Quantität der Ernte, bei fortgefetztem Anbau diefer Culturgewächfe a) ohne Wiedererfatz, b) bei Erfatz durch Stalldünger, durch künftliches Volldüngen und durch mineralifche Partialdünger auf zwölf phyfikalifch und chemifch in ihrer Conftitution erforfchten Böden. Nicht minderen Fleifs documentirten die graphifchen Darftellungen der Niederfchläge, der Luftund Bodentemperaturen, der Evaporationen, überhaupt der an der Station feit ihrem Beftande bis 1872 gefammelten meteorologifchen Beobachtungen. Eine inftructive Ueberficht geftatteten zwanzig Tafeln, auf welchen die Bewurzelungsfyfteme durch getrocknete Culturpflanzen in vollendeter Entwicklung( darunter eine neun Fufs lange Hopfenwurzel) zur Anfchauung gebracht wurden. Auch Beiträge zur Pflanzencultur in wäfferigen Nährftoff- Löfungen und zwar von Gerften-, Bohnen-, Wicken- und Buchweizen- Pflanzen brachte die Lobofitzer Verfuchsftation und diverfe Producte der Mohncultur( Opium, Mohnöl u. f. w.). Erwähnenswerth ift noch ein Hopfen- Confervirungsverfuch( zwei Jahre alter Hopfen wurde gefchwefelt, geprefst und in Eis gelegt), fowie die von Dr. Breitenlohner zufammengeftellten„ Præparata chemica turfofae" und ein„ Herbarium turfosae dominii Treboniensis". Von den, den landwirthschaftlichen Unterricht berührenden Lehrmittel Ausstellungen Oefterreichs gilt dasfelbe, was bei Deutfchland gefagt wurde. Einzig in ihrer Art und wohl überhaupt bisher noch nie in folcher Vollkommenheit dagewefen, war die hiftorifche Pflugfammlung im Pavillon des k. k. AckerbauMinifteriums, über welche wohl an anderer Stelle eingehender referirt werden dürfte. Nächftdem ift die vom k. k. Minifterium für Unterricht und Cultus veranftaltete Collectivausftellung von Schul- und Unterrichtsgegenständen zu erwähnen. Von Lehrmitteln für Naturgefchichte an niederen Lehranstalten feien aus diefer reichen Ausstellung genannt: die kleinen Schulfammlungen der Naturalienhandlung Frič in Prag, die Schülerherbarien der evangelifchen Schule in Graz, der Fitzingerfche Bilderatlas, die Darſtellung der Bienenzucht von Thuma in Chrudim, die Infectenfammlung von Grimme in Baden. Phyfikalifche Lehrmittel für niedere Schulen hatte M. Hauck in Wien ausgeftellt. Am beften waren die Lehrmittel für Mittelfchulen vertreten. Wir nennen die die Formation der Erdfchichten darftellen J Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 37 den geologifchen Bilder( vier Käftchen mit Gefteinen und Petrefacten) von Exleben in Landskron, das Naturalien cabinet von Frič in Prag( im Ganzen über 4000 Arten als Repräfentanten aller Haupttypen der drei Naturreiche), die Ausftellung des Naturalienhändlers Erber, und des Dr. Eger in Wien, die Nachbildungen von Schmetterlingen und Schwämmen von Adler; die Hilfsmittel zur mikroskopifchen Unterfuchung des Seidenfpinners von Weinzierl in Wien; die ausgeftopften Vögel des Pfarrers Hauf in Mariahof, die Sammlung häufig vorkommender Mineralien aus Oefterreich in guter Auswahl und inftructiven Stücken. Sehr inftructiv war die Zufammenftellung mährifcher Gefteine in terminologifcher Anordnung von A. Makovsky in Brünn. Die Stücke felbft waren von gefälligerem gröfseren Formate und man konnte aus der Sammlung unmittelbar die Terminologie und den Namen des Gefteines, feine Formation, den Fundort und die technifche Verwendung entnehmen. Nicht minder lehrreich war R. Beranek's botanifche Terminologie. In einer Reihe von Tableaux waren plaftifch getrocknete Pflanzen und deren Theile in terminologifcher Beziehung zufammengeftellt. Die Pflanzen waren in heifsem Sande getrocknet und hatten Form und Farbe meift fehr gut erhalten; gefchützt waren fie durch einen Gummiüberzug. Die phyfikalifchen Lehrmittel waren reichhaltig und in befter Ausführung vertreten durch den Lehrapparat des Hofmechanikers Hauck; durch Kappeller's in Wien prächtige Glasinftrumente und Rüpprecht's ganz ausgezeichnete Waagen; die chemifchen Lehrmittel durch Hauck's Apparate. Dr. Willigk in Prag hatte in zwei Tableaux den Gehalt an plaftifchen Nahrungsftoffen und Waffer in je 10 Grammen Nahrungsmittel, zur Anfchauung gebracht. Ebenfo anfchaulich waren die Mengen verfchiedener Beleuchtungsmaterialien bei gleichem Lichteffect und die Mengen verfchiedener Heizmaterialien bei gleichem Wärmeffect zufammengeftellt. Etwas ganz ausgezeichnet fchönes, ein für jede höhere land- oder forftwirthschaftliche Schule höchft werthvolles Lehrmittel war die entomologifch- biologifche Sammlung fchädlicher und nützlicher Infecten mit befonderer Rückficht auf Land- und Forstwirthfchaft von F. A. Wachtl in der Ausftellung der Güterdirection des Erzherzogs Albrecht. Faft die Hälfte der ausgeftellten Objecte waren Käfer( 53 Käftchen); einen grofsen Umfang hatte aber auch die Schmetterlings- Sammlung( 37 Käftchen). Den Reft machten die fchädlichen Vertreter aus den übrigen Ordnungen aus, foweit fie auf den erzherzoglichen Gütern aufgefunden wurden; in den drei letzten Käftchen aber hatten die nützlichen Infecten aus allen Ordnungen vollauf Platz gefunden. Der hohe Werth diefer Sammlung liegt darin, dafs von allen wichtigeren Arten nebft den vollkommen ausgebildeten Thieren in beiden Gefchlechtern auch die ganze Entwicklungsgefchichte nebft inftructiven Belegftücken für die verderbliche Thätigkeit derfelben mit ftaunenswerthem Fleifse zufammengetragen und mit nicht genug zu rühmender Sorgfalt dargestellt find. Was die landwirthfchaftliche Literatur in Oefterreich betrifft, fo ift von den öfterreichifchen Verlagsbuchhandlungen in erfter Linie die Firma W. Braumüller& Sohn in Wien zu nennen; man kann wohl fagen, dafs diefe Verlagshandlung eine öfterreichifche Fachliteratur erft hat mit fchaffen helfen. Auch die jüngere Buchhandlung von Faefy und Frick in Wien verlegt meift landwirthfchaftliche Werke. Ungarn's landwirthfchaftliche Unterrichtsanftalten waren vertreten durch die landwirthschaftliche Schule zu Grofz- St. Miklos, welche Tabak und Weizen und die Agricolarfchule zu Liptó- Hradek, welche Getreide ausgeftellt hatte; durch die landwirthschaftlichen Lehranstalten Debreczin und Keszthely, die land- und fortwirthschaftliche Lehranftalt Kreutz( Croatien) und die landwirthschaftliche Akademie Ungarifch- Altenburg. 38 Dr. C. Theodor von Gohren. Keszthely( gegründet 1864. 2 Jahrgänge. Staatsfubvention per Jahr 24.000 fl.) betheiligte fich an der Ausftellung nur mit Vieh und Obftbäumen. Debreczin( 1867 eröffnet, verbunden mit einer einer Ackerbaufchule, fechs Profefforen, zwei Affiftenten. 1871 Staatsfubvention 43.000 fl. 2 Jahrgänge) hatte die Weltaus ftellung befchickt mit einer durch Profeffor Lackner verfertigten Studie über die Zuwachsverhältniffe der Akazie( Robinia pfeudoacacia) auf Flug- und anderem Sande, fowie auf gebundenem Boden im Vergleiche mit dem Zuwachsgange anderer Holzarten. Die Darftellung war durch grofse graphifche Bilder( wirkliche Stärke, ½, der natürlichen Höhe) gefchehen, welche mit den Stammquerfchnitten belegt wurden; dann durch kleine graphifche Bilder, welche in verjüngtem, fehr genauem Mafse theils die Stärken- Zuwachsverhältniffe betrafen, theils fich auf den laufend jährlichen und Durchfchnitts- Jahreszuwachs in Cubik- Fufs folider Holzmaffe bezogen. Zuwachstafeln von fünf zu fünf Jahren, ausgearbeitet für einzelne Bäume und Beftände, gaben Auffchlufs über Zahlengröfsen und enthielten, aufser der Charakteriſtik des Beftandes, das Alter des Stammes, refpective Beftandes, den Durchmeffer in Brufthöhe in 1/20 der Scheitelhöhe, die Scheitelhöhe, die Holzmaffe, Formzahl, laufenden und Durchfchnittszuwachs und Prefsler's Zuwachs- Percente. Beigegeben waren die Bodenarten der verfchiedenen Standorte mit ihren phyfikalifchen Analyfen, dann eine Reihe von Gegenftänden, welche die Verwendbarkeit des Akazienholzes demonftriren follten. Kreutz( Križevac)( gegründet 1860, verbunden mit einer Ackerbaufchule, Landesinftitut, 2 Jahrgänge, 90 Zöglinge, 12 Profefforen; Unterrichtsfprache kroatifch ferbifch). Die Ausftellung diefer Lehranftalt umfafste: eine Sammlung aller in Kroatien, Slavonien und der Militärgrenze vorkommenden Erdarten( 32) Proben) mit den entſprechenden phyfikalifchen Bodenanalyfen, eine Samensammlung, Hopfen, 12 Sorten Tabake, Wein aus dem Inftitutsweingarten, eine vollſtän dige Hufeifenfammlung( 52 Stück), in der Inftitutsfchmiede gearbeitet und eine Sammlung von von den Zöglingen gezeichneten Bau- und Situations- Zeichnungen. Die königlich ungarifche höhere landwirthschaftliche Lehranstalt Ungarifch- Altenburg( 1818 von dem Herzog Albert Sachfen- Tefchen gegründet, 1850 zur k. k. Reichsanftalt erhoben, 1869 von der königlich ungarifchen Regierung übernommen, 2 Jahrgänge; Lehrfprache deutſch und ungarifch, 8 Profefforen und 9 Docenten; verbunden mit einer agriculturchemifchen Verfuchsftation und einer Station zur Prüfung landwirthschaftlicher Geräthe und Maſchinen). Schon von weitem präfentirte fich dem Befucher der öftlichen Agriculturhalle die Ausftellung Altenburgs durch das aus Moos, Bohnen, Paprikafrüchten und Mais hergeftellte, alfo die Nationalfarben tragende Wappen des Königreiches Ungarn. Flankirt war das Wappen von Schädeln landwirthschaftlicher Nutzthiere; eine Collection Getreide und Gräferarten in Aehren vervollſtändigte den Hintergrund. Auf den Tifch hatte Profeffor Ulbrich eine Darftellung der chemifchen Analyfe von Traubenweinen exponirt und zwar zunächft drei Tafeln, welche die chemifche Zufammenfetzung ungarifcher Traubenweine zeigten, fodann die zur Unterfuchung angewendeten Apparate, von denen nur Ulbrich's Apparat zur Beftimmung der Kohlenfäure in nicht mouffirenden Weinen( durch Ueberführung derfelben in Baryumcarbonat und Beftimmung als Baryumfulfat) genannt fei. Ausserdem war noch ausgeftellt: das Modell eines vollſtändigen Wirthfchaftshofes fammt Grundrifs und Situationsplan( Hof Barnim bei Potsdam); die morphologifche Zufammenfetzung und die Lagerungsverhältniffe des Bodens des Akademiegutes; ein Tableau für Meteoroprognoftik und zwei Ungarifch- Altenburger Bienenftöcke. Das war die Expofition der altberühmten Akademie Ungarifch- Altenburg 1873; wie anders nahm fich diefelbe 1867 in Paris aus! Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. Italien. 39 Auf dem Gebiete des landwirthfchaftlichen Unterrichts- und Forfchungwefens herrfcht in neuefter Zeit in Italien eine ungemeine Rührigkeit und Schaffensluft. Deutfchland und Oefterreich find die Mufter, nach welchen die italienifche Regierung bei ihren Organiſationen vorgeht. Vielfach freilich hat Italien uns übertroffen, namentlich in Bezug auf Durchführung des Verfuchswefens. Was man dort thut, thut man aus voller Hand, ganz, ohne ängftlieh die Mittel zu fparen. Der landwirthfchaftliche Unterricht Italiens war auf der Weltausftellung fehr fpärlich vertreten und zwar nur der mittlere und höhere. Der mittlere landwirthfchaftliche Unterricht wird an einer Reihe technifcher Inftitute ertheilt. Diefe Inftitute gehören zu jener Art von Lehranstalten, welche nach dem gegenwärtigen Amtsftyl Lehranstalten zweiter Ordnung"( di iftruzione fecondaria) benannt werden, womit angedeutet ift, dafs folche unmittelbar nach den Univerſitäten rangiren. Um in ein techniſches Inftitut aufgenommen zu werden, ift die Abfolvirung der Elementar- und Realfchule nothwendig; jeder Zögling hat fich aufserdem einer Aufnahmsprüfung zu unterwerfen. Nach der neueren Studienordnung haben die eintretenden Studirenden in den erften zwei Jahren fämmtlich die gleichen Vorlefungen zu befuchen. Diefes ,, biennio commune" umfafst die Studien in der italienifchen Sprache und Literatur, in Geographie, Gefchichte, franzöfifcher und deutfcher Sprache, Mathematik, Naturgefchichte, Phyfik, Chemie und Zeichnen. Für die nachfolgenden Jahre beftehen Studien- Abtheilungen und zwar eine phyfikalifch- mathematifche, eine induftrielle, eine agronomifché, eine commercielle und eine Abtheilung für Buchführung. Einige techniſche Inftitute des Königreiches entbehren einer oder der anderen diefer Abtheilungen. Die agronomifche Abtheilung hat den Zweck, Feldmeffer und Gutsadminiftratoren heranzubilden, fowie den Zöglingen, welche höhere landwirthschaftliche Lehranftalten zu befuchen beabfichtigen, eine geeignete Vorbildung zu geben. Von diefen technifchen Inftituten war eines der jüngften, das zu Udine( gegründet 1866), auf der Weltausftellung vertreten und zwar bezüglich der landwirthfchaftlichen Abtheilung durch eine Sammlung von Hölzern und landwirthfchaftlichen Producten der Provinz Udine( Friule) zufammengeftellt und geordnet von G. Ricco- Rofellini; durch eine geologifche Profil- Tafel von Friaul( Verhältnifs I: 25.000) von Profeffor Taramelli und durch ein gleichfalls von Profeffor Taramelli zufammengeftellte Collection von Mineralien und Felsarten Friauls, als Illuftration zur vorerwähnten Karte( 102 Exemplare). Von den höheren landwirthfchaftlichen Lehranstalten zu Mailand und Portici war nur erftere vertreten durch Statuten, Programme und Zeitfchrift der Schule. Speciell für die Weltausftellung war ein prächtig ausgeftattetes Werk herausgegeben worden:„ La R. fcuola fuperiore di Agricultura in Milano. Notizie raccolte e publicate dal configlio direttivo in occafione della espofizione Univerfale di Vienna nel 1873. Milano coi Tipi G. Bernardoni 1873", dem wir folgende Notizen entnehmen: Die Errichtung der höheren landwirthfchaftlichen Lehranftalt in Mailand wurde im Provincialrath 1868 angeregt, 1870 wurde das Decret vom König ausgefertigt und 1871 die Anftalt eröffnet. Die Zwecke und Ziele der Anftalt find diefelben wie die der deutfchen höheren landwirthschaftlichen Lehranstalten. An der Spitze fteht ein Directionsrath( configlio direttivo), beſtehend aus einem Delegirten des Ackerbau- Minifters als Präfidenten, zwei Provincial- Deputirten, einem Delegirten des Provincial- Rathes und einem Delegirten des Communal- Rathes. Als Director fungirt gegenwärtig Dr. G. Cantoni. Profefforen zählt die Anftalt II, Affiftenten 5, einen Gärtner und 5 Diener. Mit der Anftalt ift eine agriculturchemifche Verfuchsftation verbunden. Untergebracht ift das Inftitut im Collegio Militare von S. Luca. Der Curfus ift ein dreijähriger. Im erften Jahre werden in wöchentlich 34 Stunden vorgetragen: Italie 40 Dr. C. Theodor von Gohren. nifche Literatur, deutfche Sprache, Botanik, organifche Chemie, Thier- Anatomie, und Phyfiologie, Zeichnen, mikrofkopifche Uebungen. Im zweiten Jahre( wöchentlich 44 Stunden): Italienifche Literatur, deutfche Sprache, Botanik, organifche Chemie, Agriculturchemie, Agronomie, Zootechnik, Zoologie, Phyfik, Situationszeichnen; Uebungen im Laboratorium aus organifcher Chemie und Agriculturchemie, Uebungen im zootechnifchen und zoologifchen Laboratorium. Im dritten Jahre ( wöchentlich 40 Stunden): Agronomie, landwirthschaftliche Buchführung, Gefetzund Rechtskunde, Statiſtik, landwirthfchaftliche Mafchinen- und Geräthekunde, praktifche Geometrie, techniſche Chemie, topographifches und Conftructions. zeichnen, Uebungen im chemifchen und agriculturchemifchen Laboratorium. Manches liefse fich wohl gegen diefe Eintheilung einwenden, namentlich das, dafs nicht immer die begründeten Fächer( Zoologie und Zootechnik gleichzeitig u. f. w.) den zu begründenden vorausgehen. Im Uebrigen entſpricht das Unterrichtsprogramm fo ziemlich dem der deutfchen analogen Lehranstalten. Die Gefammtfchülerzahl betrug im letzten Studienjahre 52. Die Ausftattung des Inftitutes ift, dem obigen Werke beigegebenen Zeichnungen und Photographien nach zu urtheilen, eine fehr fplendide. Verfuchsftationen hat Italien jetzt 14 und zwar in Venetien 2( Udine und Padua), in der Lombardei 3( Mailand, Lodi und Pavia), in Piemont 3( Turin, Afti und Gattinara), in Mittelitalien 4( Florenz, Modena, Rom und Forli), in Süditalien 2( Cafferta und Palermo). Die Gründungskoften beliefen fich auf 141.250 Lire, die jährlichen Erhaltungskoften betragen 139.350 Lire. Die Verfuchsftation Udine, gegründet 1870, ift mit dem technischen Inſtitute verbunden. Ihre Thätigkeit richtet fich vornehmlich auf Wein und Seidenzucht. Director: Profeffor Seftini. Jährliche Koften 7000 Lire. Verfuchsftation Florenz, gegründet 1871; vornehmlichfte Forfchungsrichtung: Wein und Seide. Jährliche Koften 14.000 Lire. Director: Profeffor E. Bechi. Verfuchsftation Turin, gegründet 1871 in Verbindung mit dem italienifchen Induftriemufeum, Unterhaltungskoften jährlich 18.000 Lire. Director Profeffor Ulofchini. Verfuchsftation Modena, gegründet 1871. Thätigkeitsrichtung: Oel, Wein, thierphyfiologifche Verfuche. Jährliche Koften 6000 Lire. Director: Profeffor Celi. Verfuchsftation Mailand, gegründet 1871, verbunden mit der höheren landwirthschaftlichen Lehranstalt, Thätigkeitsrichtung Thierernährung, Seidenzucht. Director: G. Cantoni. Seidenbau- Verfuchsftation in Padua, gegründet 1871. Thätigkeitsrichtung: wiffenfchaftliche Unterfuchung über die Phyfiologie des Seidenfpinnens. Jähr liche Koften 15.000 Lire. Director: Profeffor Verfon. Verfuchsftation für Käfebereitung in Lodi, gegründet 1871. Thätigkeitsrichtung: Milch und Käfe. Jährliche Koften 10.000 Lire. Vicedirector: Manetti. Verfuchsftation Rom, gegründet 1871, verbunden mit dem technifchen Inftitut. Thätigkeitsrichtung: Bodendüngung, Oelbaum- Zucht. Gründungskoften 15.000, Erhaltungskoften 15.000 Lire. Director: Profeffor F. Seftini. Verfuchsftation Forli. gegründet 1872, verbunden mit dem technifchen Inſtitute. Thätigkeitsrichtung: Bodendüngung, Wein, Oel. Lein und Hanf. Jährliche Koften 6100 Lire. Director: Pasqualini. Oenologiſche Verfuchsftation Afti, gegründet, 1872. Jährliche Koften 10.500 Lire. Director E. Graffi. Verfuchsftation Cafferta, gegründet 1872, verbunden mit dem landwirthschaftlichen Inftitute. Thätigkeitsrichtung: Boden, Düngung, Zucht des Olivenbaumes. Gründungskoften 36.000, jährliche Unterhaltungskoften 11.000 Lire. Director Ferrero. Verfuchsftation Palermo, gegründet 1872. Thätigkeitsrichtung: Boden, Düngung, Thierernährung, Wein. Gründungskoften 11.000, jähr liche Unterhaltungskoften 12.250 Lire. Director Profeffor Briofi. Oenologiſche Verfuchsftation Gattinara, gegründet 1872. Jährliche Unterhaltungskoften 10.000 Lire. Director: B. Cerletti. Das Cabinet für Parafitenkunde in Pavia, gegründet 1871. Jährliche Unterhaltungskoften 3500 Lire. Director: Profeffor Garavoglio. Von diefen Verfuchsftationen waren auf der Weltausftellung vertreten: Forli mit einer Futterfammlung der Romagna und die Seidenbau- Verfuchs Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. 41 ftation Padua. Dr. Verfon, der Leiter letztgenannter Station, hatte den erften Bericht über die Station, Coconproben und Modelle und Zeichnungen des Seidenwurmes ausgeftellt. Die Modelle hatten die Anatomie und die Pathologie der Seidenraupe zum Gegenftande und zeichneten fich durch gröfsere Correctheit vor den ähnlichen Auzoux'fchen aus. Die grofse Gruppe kranker Seidenraupen, welche gleichzeitig ausgeftellt wurde, war wohl die erfte Arbeit diefer Art, welche bisher überhaupt hergeftellt wurde und eignet fich wegen ihrer Naturtreue ganz befonders zu zu Schulzwecken. Der techniſche Ausführer diefer Gruppen, Luziardi, ift ein gewöhnlicher Figurenverfertiger( ftatuario), von jedenfalls grofser Begabung. Von der italienifchen Ausstellung feien ferner als unter die Rubrik„ Lehrmittel" gehörig, hier noch aufgeführt: die prächtige Collection von Obft- und Trauben, Imitationen von H. Valetti in Turin; die trefflichen plaftifchen und natürlichen anatomifchen Präparate über die Metamorphofe des Seidenwurms von A. Maeftri; die Monographie über Anatomie und Naturgefchichte der Saturnia Yhama Maï von Profeffor A. Brizzolari; dann Profeffor Sartori's die Bienenzucht- Lehre betreffende Ausftellung. Schweiz. Die Schweiz fahen wir auf dem Gebiete, über welches gegenwärtiger Bericht referirt, nur vertreten durch die Milch Verfuchsftation in Thun. Die Leiftungen des Directors Dr. Schatzmann find bekannt und erft auf der jüngft abgehaltenen Molkereiausftellung in Wien gewürdigt worden. Es fanden fich, wie der Katalog aufzählte, der Plan einer EmmenthalerKäferei von Architect Merz in Thun, Modell einer Käfereifeuerung und Käfepreffe, Darftellung der centrifugalen Butterprobe und eine Sammlung landund alpenwirthschaftlicher Schriften des Directors Schatzmann. Wer fich für diefe Verfuchsftation näher intereffirt, den verweifen wir auf deren erften Jahresbericht( 1873. Druck von J. J. Chriften in Aarau). Die disponiblen Mittel der Station belaufen fich auf 2269 Francs. Von hohem Werthe fcheint uns die mit der Verfuchsftation verbundene permanente Ausstellung von Geräthen und Producten der Milchwirthfchaft zu fein; auch Lehrcurfe werden an der Station abgehalten, von denen die einen nur die Milchwirthfchaft, die anderen Alp-, Vieh- und Milchwirthschaft umfaffen. So ift die Milch- Verfuchsftation in Thun, eine populäre Lehr- und Auskunftsanftalt für das Gebiet der Milchwirthschaft, beftrebt, in gemeinnützigem Sinne die für die Schweiz und fpeciell deren Bauernftand fo bedeutungsvolle Milchinduftrie in jeder Beziehung zu fördern. Von den feitens der Schweiz ausgeftellten naturwiffenfchaftlichen Lehrmitteln nennen wir die von Profeffor Menzel in grofser Zahl vorgelegten, zum Theil auch vom Lehrer Wettftein in Zürich ausgeführten naturgefchichtlichen Wandtafeln und die Schülerherbarien des Cantons Aarau. Die zoologifchen Sammlungen waren, namentlich was Infecten anbelangte, nicht gut vertreten; befonders erwähnenswerth waren F. G. Bofinger's( Interlaken) Naturabgüffe von Thieren und Pflanzen; an Mineralien und Petrefacten fehlte es felbftverftändlich auch nicht. Sehr fchön und inftructiv war ein Modell aus Glasplatten, in welchem ein Herr Heim in Zürich den geologifchen Bau einer Alpenlandfchaft vorführte. Die phyfikalifchen Apparate waren gut und folid gearbeitet; befondere Erwähnung verdienen die meteorologifchen Regiſtririnftrumente. Frankreich. Vergebens fah man fich in der franzöfifchen Abtheilung nach einer eigentlichen Vertretung des landwirthschaftlichen Unterrichts- und Forschungswefens um; denn die Ausftellung des„ Penfionnat des frères de la doctrine 42 Dr. C. Theodor von Gohren. chrétienne des Reims"( Weizen, Gerfte, Hafer, Mais, Kartoffel, Runkelrüben etc.) ift doch wohl kaum hieher zu rechnen, ebenfowenig wie die Ausftellung der Orphelinats agricoles de St. François- Xavier in Gradignan bei Bordeaux und de la Seine in Paris. Wohl aber fand fich eine intereffante Darftellung Guftav Henzé's, die, im Auftrage des franzöfifchen Minifteriums für Ackerbau und Handel verfafst, die in der weftlichen Agriculturhalle befindliche landwirthschaftliche Ausstellung Frankreichs erläutern follte. Diefer Darftellung, fowie dem nicht genug zu empfehlenden Berichte Michel Chevalier's gelegentlich der Parifer Ausftellung feien einige Notizen über Frankreichs landwirthschaftliches Unterrichtswefen entnommen. Obwohl Paudier fchon im Jahre 1771 in Annel bei Compiègne eine Ackerbau- Schule errichtete, fo hatte doch der Tribun Chaf firon in der Debatte über den öffentlichen Unterricht der erften franzöfifchen Republik am 1. Mai 1802 nicht Unrecht, als er behauptete:" Dans nos Académies, dans nos discours oratoires, nous l'appelons l'agriculture le premier des arts; dans nos lois, dans nos inftitutions, nous l'appelons le dernier des métier. Que dis- je? le plus vil des métiers exige encore un apprentiffage, l'agriculture eft abandonnée à la plus honteufe routine." Frankreich war es, welches allerdings fpäter die Idee, landwirthschaftlichen Unterricht in der Volksfchule zu ertheilen, befonders begünftigte. Bald freilich kam man zu der Ueberzeugung, dafs diefer Unterricht nicht entſpreche, ,, car, à cet âge, on s'inftruit bien mieux par les yeux que par les oreilles. On aime mieux voir qu'écouter". Eine ganz befondere Einrichtung Frankreichs find die fogenannten„ Afiles agricoles" und die„ ,, colonies pénitentiaires". Das erfte diefer nach Peftalozzi's Ideen errichteten Afyle war das zu Neuhoff bei Strafsburg 1828 gegründete. In demfelben Jahre noch gründete M. Bazin die Colonie MesnilSaint- Firmin im Departement der Oife. Auf Anregung des Maires von Ornay, Herrn M. Rifsler, wurde 1847 unter der Direction eines Herrn Zweifel ein weiteres Afyl in Mühlhaufen errichtet und bald folgten mehrere andere nach, fo zu Vaujours, in Algerien u. f. w. Freilich entſprachen auch in diefer Richtung nicht immer die Erfolge den gehegten Erwartungen, wie der Rapport der zum Studium diefer Frage eingefetzten Enquête deutlich erkennen läfst. Die Organiſation des Fortbildungsunterrichtes und des WanderlehrerInftitutes fcheint man in Frankreich noch nicht verfucht zu haben. Hingegen hat der eigentliche landwirth fchaftliche Fachunterricht ziemlich früh Eingang gefunden. Aufser der oben erwähnten 1771 gegründeten Ackerbaufchule gründete Thouix fchon 1793 am Jardin des Plantes einen Cours, Physiologie végétale appliquée à la culture" und 1785 Daubenton an der Veterinärfchule zu Alfort einen Curfus für Landwirthschaft; 1836 wurden am Confervatoire des arts et métiers drei Lehrftühle für die landwirthfchaftlichen Disciplinen und weitere Lehrkanzeln für Landwirthschaft in Quimper, Bordeaux, Rodez, Toulouse, Nantes, Rouen, Besançon und Compiègne errichtet. Den erften Mufterhof( Ferme Exemplaire) eröffnete Mathieu de Dombasle 1822 auf der Domäne von Roville. Roville ift der Ausgangspunkt geworden für alle weiteren Beftrebungen zur Organiſation des landwirthschaftlichen Unterrichtes in Frankreich. Dem von Dombasle gegebenen Impulfe folgend, gründete man die landwirthfchaftlichen Inftitute zu Grignon ( Seine- et- Oise), Grand- Jouan( Loire Inférieure) und La Saulsaie bei Mont tuel( Ain). Die erfte Idee zur Gründung einer folchen Anftalt in Frankreich ging von einem Herrn Polonceau aus, der fie felbft von einem feiner Freunde, einem Schüler Albrecht Thaer's, empfing. Er machte mit feinen Wünfchen und Plänen eine grofse Anzahl einflussreicher Perfonen, unter anderen auch den Herzog von Doudeauville, Minifter des Königs Carl X., bekannt und der König Carl X. kaufte 1827, da er wollte, dafs die in der Gründung begriffene Gefellſchaft ihre Unternehmung auf feinem Grund und Boden einrichte, die Domäne Grignon, Landwirthschaftliche Lehre und Forfchung. 43 welche Herr A. Bella, der als Director an die Spitze geftellt worden war, aus gewählt hatte. Der Unterricht ift an allen drei Lehranstalten ein theoretifcher und praktifcher. Der theoretifche Unterricht umfafst: Agricultur, Zoologie und Thierzucht, Phyfik, Chemie und Mineralogie, Botanik und Forftwirthfchaft, landwirthfchaftliches Ingenieur- und Mafchinenwefen, landwirthschaftliche Technologie, Nationalökonomie und Landwirthschaftsrecht, Betriebslehre und Buchführung. Der praktifche Unterricht umfafst die Uebungen in den Laboratorien, den Zeichenunterricht, den Gebrauch der Geräthe und Mafchinen, die hauptsächlichften landwirthfchaftlichen Verrichtungen, die Pflege der Nutzthiere, das Studium der fchädlichen Pflanzen, die verfchiedenen landwirthfchaftlichen Fabricationen, die Einrichtung und Leitung der Wirthschaft und des Rechnungswefens. Je nach der Jahreszeit werden landwirthschaftliche, botanifche, forftliche, technologifche, geologifche Excurfionen unter der Führung der Profefforen vorgenommen. Diefe Uebungen und praktifchen Arbeiten find für alle Zöglinge obligatorifch. Die Schüler theilen fich in interne und auswärtige. Die Erfteren zahlen beiſpielsweife in Grignon jährlich eine Penfion von 1200 Francs, die Letzteren entrichten ein jährliches Schulgeld von 200 Francs. Am Ende ihrer Studien unterziehen fich die Zöglinge einer Abgangsprüfung und erhalten die Befähigten ein Zeugnifs; auch werden diefe fpäter zum Concurs um ein Diplom eines landwirthfchaftlichen Ingenieurs zugelaffen. Das ältefte und befuchtefte diefer drei Inftitute ift jenes in Grignon. Es besteht feit 1826, und befuchten dasfelbe bis heute 1245 Zöglinge. So viel man auch gegen diefe Anftalten eingewendet hat und fo viele Krifen fie überftehen mussten, fie haben fich doch bis heutigen Tages erhalten. Während die oben genannten Schulen dem höheren landwirthschaftlichen Unterrichte dienen, gründete man für den Kleinwirth die unseren Ackerbaufchulen analogen Fermes- écoles. Der Hauptzweck letztgenannter Schulen, von welchen Frankreich jetzt 42 befitzt, ift die Heranbildung tüchtiger Praktiker, tüchtiger Pächter und Hilfsarbeiter. Diefe Aufgabe wird erreicht durch einfache Demonftrationen, durch einen vorwiegend praktifchen Unterricht in der Wirthfchaft oder im Lehrfaal während einer dreijährigen Lehrzeit. Der Lehrling, welcher bei feinem Abgang von der Schule von der Prüfungscommiffion für tüchtig befunden worden ift, erhält nebft dem Zeugnifs noch 300 Francs; verdient er ein folches Zeugnifs nicht, fo beträgt feine Vergütung nur 200 Francs. Diefe Entfchädigung entfpricht nämlich nahezu der Summe, welche ein Arbeiter fich hätte erfparen können, wenn er, ftatt Zögling einer Ackerbaufchule zu werden, fich als Arbeiter verdingt hätte. Jede Ackerbaufchule hat durchſchnittlich 27 bis 36 Zöglinge, fo dafs in den Jahren 1835 bis 1867 bei 6000 junge Leute der Landwirthschaft zugeführt worden find, welche durch ihre höhere Ausbildung die verwendeten Koften reichlich erfetzen. Von denfelben bewirthschaften nicht weniger als 2992 ihre eigene Wirthschaft, 765 find Wirthfchafter anderer Landwirthe, 845 find Gärtner, 46 Draineurs und Auffeher von Bewäfferungen, über 1000 find Vorfteher verfchiedener Wirthfchaftszweige geworden. Nicht mit Stillfchweigen kann der feiner Zeit von dem Unterrichtsminifter Duruy am Mufée d'hiftoire naturelle in Paris eingerichtete landwirthschaftliche Curfus übergangen werden, welcher die Aufgabe hat, Lehrer und Vorfteher an Verfuchsftationen( wie in Oefterreich die Hochfchule für Bodencultur) zu bilden. Der Curfus ift zweijährig und mufs vollendet oder ergänzt werden durch den Eintritt in eine Gutswirthschaft mit mindeſtens einjähriger Lehrzeit in der Praxis. Diefer Curfus hatte eine heftige Polemik in den wiffenfchaftlichen Kreifen Frankreichs hervorgerufen; namentlich wurde betont, dafs derfelbe das innerfte Wefen, den wiffenfchaftlichen Charakter und das Anfehen des Muſeums als Hochfchule alterire und herabfetze. Eröffnet wurde diefer Curfus am 1. April 1869. Die 44 Dr. C. Theodor von Gohren. Erläffe des Minifters über die Organiſation und alle weiteren Beftimmungen datiren vom 31. Juli 1868. Von landwirthfchaftlichen Verfuchsftationen ift die nach deutfchem Mufter in Nancy von Dr. Grandeau eingerichtete zu nennen. Von Firmen, welche landwirthfchaftliche Lehrmittel ausftellten, waren vertreten die Buchhandlungen von Hachette& Comp. und Ducrogu in Paris. Recht inftructiv und dabei fehr gefchmackvoll waren die von Deyrolle Sohn in Paris exponirten 19 Tabellen für den Anfangsunterricht in den Naturwiffenfchaften. Erwähnt fei fchliefslich noch die Sammlung von Ackerbau Werkzeugen für Landfchulen von Didelot in Nancy, die trefflichen Mikrofkope von Nachet und die ausgezeichnete Collection meteorologifcher Inftrumente der Infpection générale des ftations météorologiques de France. Spanien. Spaniens landwirthschaftliche Lehranftalten waren vertreten durch die Escuela general de agricultura in La Monclava bei Madrid, welche diverfe landwirthfchaftliche Producte, Seide, Wolle und zum Oel- und Weinbau gehörige Inftrumente, dann durch die Granja escuela de la provincia de Gerone, welche Getreide und Leguminofen; das Inftituto agricola Catalan de S. Ifidro, welches eine Collection von Holzarten, das Inftituto Agricola zu Barcelona, welches feine feit 20 Jahren erfcheinende Revue und die Escuela veterinaria zu Cordoba, welche ein anatomifches Präparat ausgeftellt hatte. Belgien. Der landwirthschaftliche Unterricht wurde definitiv organifirt durch ein Gefetz vom 18. Juli 1860. Er umfafst: eine Thierarznei- Schule, ein landwirthfchaftliches Inftitut, zwei Gartenfchulen und öffentliche Conferenzen. Das königliche belgifche Minifterium des Innern, zu deffen Reffort diefe Inftitutionen gehören, hatte die Berichte und Statuten vorgenannter Anftalten, denen die Pläne von Gembloux und Vilvorde beigegeben waren, auf der Weltausftellung exponirt und nur dadurch war Belgiens landwirthschaftlicher Unterricht vertreten. Die Staats- Thierarzneifchule wurde von einer Anzahl von Veterinärärzten gegründet, im Jahre 1835 vom Staate übernommen und 1836 nach Cureghem übertragen. 1860 wurde die Schule reorganifirt. Der Unterricht umfafst: Phyfik, Chemie, Botanik, befchreibende und vergleichende Anatomie der landwirthschaftlichen Hausthiere, allgemeine Anatomie, Phyfiologie, Arzneimittel- Lehre, Pharmakologie, allgemeine Therapeutik, allgemeine Pathologie, pathologiſche Anatomie, fpecielle Pathologie und Therapie, chirurgifche Pathologie, Zootechnik, Gefundheitspolizei, gerichtliche Medicin, Pferdezucht, Operationslehre, Geburtshilfe, Klinik. Der Unterricht ift theoretifch und praktiſch und dauert 4 Jahre. Kein Eleve darf öfter als zweimal einen Jahrgang wiederholen, auch darf keiner länger als fechs Jahre die Schule frequentiren. Um zu dem dritten oder vierjährigen Curfe zugelaffen zu werden, mufs man den Grad eines„ Veterinärcandidaten" erlangt haben. Die Zahl der Eleven belief fich 1872 bis 1873 auf 84. Nur jene Veterinärärzte, welche ein Diplom erlangt haben, dürfen in Belgien practiciren und nur Veterinärcandidaten werden zur Diplomprüfung zugelaffen. Die Prüfungscommiffion wird vom König ernannt und theilt fich in zwei Sectionen, die eine für die Candidatur- und die andere für die Arztprüfung. - Das landwirthfchaftliche Staatsinftitut wurde 1860 zu Gembloux errichtet. Die Lage Gembloux's ift eine fehr günftige, inmitten der ausgedehnten Culturen Belgiens, nicht weit von Brüffel und Namur, verbunden durch Eifenbahnen mit allen Theilen des Landes. Die Anlage ift eine ausgedehnte, Landwirthschaftliche Lehre und Forschung. 45 dem Inftitute eine Gutswirthfchaft von 60 Hektaren beigegeben; auch ift den Eleven Gelegenheit geboten, fich in den landwirthschaftlich- technifchen Gewerben auszubilden. Der Unterricht ift ein theoretifcher und praktifcher; erfterer umfafst Mathematik und die landwirthfchaftlichen Ingenieurfächer, die phyfikalifchen und chemifchen Disciplinen, Naturgefchichte, Zootechnik, Acker-, Wald- und Obftbau, Volkswirthschaft, landwirthschaftliche Comptabilität. Der praktiſche Unterricht bezieht fich auf alle vorgenannten Fächer. An dem Inftitute fungiren 7 Profefforen, 3 Repetitoren und 1 Gärtner. Die Unterrichtsfprache ift die franzöfifche, der Unterrichtscurfus ift ein dreijähriger. Der theoretifche wie praktifche Unterricht ift obligatorifch. Entfprechende Sammlungen ergänzen die Vorträge. Die Aufnahmsbedingungen find ein Alter von 16 Jahren und das Beftehen einer Aufnahmsprüfung vor einer vom Minifter des Inneren ernannten Commiffion. Diefe Prüfung ift mündlich und fchriftlich, und bezieht fich auf Mathematik, franzöfifche Sprache und Geographie. Dispenfirt von diefer Prüfung find alle, welche durch ein ftaatsgiltiges Zeugnifs eine genügende Summe von Kenntniffen darthun. Die Zulaffung gefchieht durch den Minifter des Inneren. Das Studienjahr beginnt mit October. Die Frequenz beträgt 65 bis 70 Hörer. Die jährlichen Koften find für die Internen 700 Francs und 300 Francs für die Externen. Am Schluffe des Trienniums kann eine Schlufsprüfung( Diplomprüfung) abgelegt werden. Die Mitglieder der Prüfungscommiffion werden durch den Minifter des Inneren ernannt. Die Prüfung ift eine fchriftliche, mündliche und praktifche. Die fchriftlichen und mündlichen Prüfungen umfaffen: Bewäfferung, landwirthfchaftliche Baukunde, landwirthfchaftliche Technologie, Thierproductions Lehre, fpecielle Pflanzenproductions- Lehre, Betriebslehre, Forftwirthfchaft und landwirthfchaftliche Comptabilität. Die praktiſche Prüfung bezieht fich auf Vifirungen und Bewäfferung, chemifch analytifche Unterfuchungen, die Behandlung der Nutzthiere und Abfchätzungen. Die Diplome werden ausgeftellt au nom du Roi des Belges". Die die Prüfung gut beftanden haben, erhalten den Titel„ ingénieur agricole". " 9 Die Staats Gärtnerfchule in Vilvorde. An der im Jahre 1860 reorganifirten Schule umfafst der theoretifche Unterricht: franzöfifche und vlämifche Sprache, Arithmetik, Buchführung, Botanik, Architektur der Treibhäufer und Gärten, Obftbau, Wald- und Ziergehölzkunde, Blumenzucht, Gemüſebau und Treiberei. Dem praktifchen Unterrichte dienen Baumfchulen, Sammlungen, Gemüfegärten, Gewächshäufer u. f. w. Die Dauer der Studien ift eine dreijährige. Mit der Schule ift ein Penfionat verbunden. Jährlich werden auch theoretifche und praktiſche Curfe über Obftbaum- Pflege öffentlich abgehalten. Die Oberaufficht über die Anftalt führt eine vom König ernannte Commiffion. Durchschnittlich befuchen jährlich 25 Eleven die Schule. Allgemein wird anerkannt, dafs diefes Inftitut dem Lande fehr viel Nutzen gefchaffen hat. Heute gibt es in Belgien bekanntlich ganz ausgezeichnete Gärtner, die in der Obftbaumzucht einen vollſtändigen Umfchwung hervorgebracht haben; ebenfo ift der Obfthandel über die Grenzen Belgiens ein ganz bedeutender geworden, wozu nicht wenig die 146 mit Diplom aus der Schule von Vilvorde hervorgegangenen Gärtner beigetragen haben. Die Staats- Gartenbaufchule zu Gand ift ganz analog der von Vilvorde organifirt. Frequentirt wird fie von durchſchnittlich 21 Eleven. Die öffentlichen Conferenzen wurden im Jahre 1871 an 172 verfchiedenen Oertlichkeiten abgehalten, und zwar 490 Vorträge in franzöfifcher und 413 in vlämifcher Sprache. Theilgenommen haben über 20.000 Perfonen, 13.243 an den vlämifchen Vorträgen und 7,102 an den franzöfifchen. Die Inftitution der Conferenzen ift fchon fehr populär geworden und erfetzt einem grofsen Theile der ländlichen Bevölkerung in etwas den eigentlichen landwirthschaftlichen Unterricht. Am meiften Erfolg haben die Conferenzen über Obftbaumzucht. Jede derfelben umfafst etwa zehn Vorträge, welche zumeift von alten Schülern Vilvords 46 Dr. C. Theodor von Gohren. und Gendbrugges abgehalten werden. Die Vortragenden wurden ermächtigt, den an den Curfen fleifsig Theilnehmenden nach einer Prüfung ihre Kenntniffe und Fortfchritte zu beftätigen. Diefes Verfahren hat, wie verfichert wird, ungemein anregend gewirkt, und hält es jeder für eine Ehre, ein folches Certificat zu bekommen. Im Ganzen wurden bisher 656 Certificate ausgefolgt. Specialcurfe über Gemüſebau werden an der Thierarzeneifchule in Cureghem abgehalten, umfaffen auch je zehn Vorträge und find von einer grofsen Zahl Praktiker befucht. Neuerdings find ähnliche Curfe in Namur und Peruwelz eingerichtet worden. Auch bei diefen Curfen werden nach beftandener Prüfung den Theilnehmern Certificate ausgeftellt; bisher betrug die Zahl derfelben 721. Seit 1866 find ferner öffentliche Conferenzen angeordnet worden, über Gefundheitspflege der Hausthiere, und zwar werden die Thierärzte unter Ueberwachung der Provincial- Commiffion für Ackerbau damit beauftragt. Die agriculturchemifche Verfuchsftation zu Gembloux wurde nach dem Mufter der deutfchen Station von der ,, Affociation pour la fondation des Stations agricoles expérimentales en Belgique" 1872 gegründet. An der Spitze der Station fteht als Director der deutfche Chemiker Dr. Petermann. Die Regierung fteuerte zur erften Einrichtung einen Betrag von 20.000 Francs und für die laufenden Koften per Jahr 10.000 Francs bei. Das Gefammtbudget für das Jahr 1873 beläuft fich auf 31.533 Francs 29 Centimes. In Folge des erfreulichen Auffchwunges, den diefe Station fchon im erften Jahre ihres Beftehens, namentlich in Rückficht auf die Düngercontrole, genommen hat, wird beabfichtigt, in Flandern eine zweite Station zu gründen. Dem Referenten liegen fechs von der Verfuchsftation bisher publicirte Bulletins vor. Das erfte enthält den Tarif für die Honoraranalyfen, das zweite ein Expofé über die Controle der Handelsdünger, das dritte Refultate der in Folge der Düngercontrole durchgeführten Analyfen, das vierte die Analyfe eines englifchen Superphosphates und anderweitiger Dünger, dann von Rüben und eines Bodens von Brügge, das fünfte ein Expofé über die Phosphate der Phönixinfeln, fpanifche Phosphate und über eine neue Rübenkrankheit, das fechste endlich eine Erläuterung der Darftellung der Refultate der Controlsanalyfen, des Nobbe'fchen Keimapparates und Analyfen des Frägers- Guanos. Von den in der belgifchen Abtheilung ausgeftellten Lehrmitteln find befonders die chemifchen Apparate von L. Henry zu nennen. Schweden. Wer auf dem Weltausftellungsplatze das fchwediſche Schulhaus befucht hat, wird fich gewifs über die praktifche und forgfältige Durchführung diefer Abtheilung des öffentlichen Unterrichtes in Schweden aufrichtig gefreut haben. Die Fürforge für die Volksfchule fteht aber in diefem Lande nicht vereinzelt da, auch andere Fächer finden in dem nordifchen Reiche in allen Kreifen der Bevölkerung ernfte Pflege und Unterftützung. Ueber den landwirthfchaftlichen Unterricht gibt ein kleines gelegentlich der Weltausftellung edirtes Werkchen von dem beftändigen Secretär der königlichen Akademie des Ackerbaues von Schweden J. Arrhenius:" Expofé fuccinct des Institutions et des établiffements relatifs à l'agriculture en Suède", manchen intereffanten Auffchlufs. Sämmtliche auf den Ackerbau Bezug habenden Angelegenheiten reffortiren in Schweden den Minifterien des Innern, der Finanzen und der Culten. Man hat zwei Kategorien landwirthfchaftlicher Unterrichtsanftalten( Landtbruks- läroverken), höhere und niedere. Höhere Landes- Lehranstalten( Landtbruks- Inftituten) exiftiren zwei, die eine zu Ultuna( auf der Ausftellung vertreten durch eine Sammlung von Modellen zu landwirthschaftlichen Geräthen) im Gouver nement von Upfala und die zweite zu Alnarp im Gouvernement von Malmö. Ultuna, die ältere, wurde 1848, Alnarp 1862 eröffnet. Jede Anftalt ift verbunden mit einer Gutswirthschaft und unterfteht einem Curatorium, beftehend aus einem Präfidenten Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung. 47 und vier vom König ernannten Mitgliedern. Der theoretifche Unterricht umfafst: unorganifche, organifche, technifche und Agriculturchemie, Geologie und Mineralogie, Anatomie und Phyfiologie, Thierheilkunde, Forft- und Gartenwirthschaft Ackerbaulehre, Viehzuchtlehre, Milchwirthschaft, Baukunde, Betriebslehre, landwirthschaftliche Buchhaltung, Botanik, Zoologie, Phyfik und Rechtskunde. Die praktiſchen Uebungen find chemifch analytifche, Zeichen- Uebungen und Arbeiten auf dem Felde. Der Studienplan vertheilt fich auf zwei Jahre. In Ultuna find II Lehrer angeftellt. Der Curfus beginnt am I. November. Die Bedingungen für die Aufnahme find: ein Alter von wenigftens, 18 Jahren, Maturitätszeugnifs aus einer höheren Lehranftalt, Examen als Officier oder Examen beim Eintritt. An der Anftalt befteht ein Internat. Das Honorar für das erfte Jahr beträgt 750 Reichsthaler, für das zweite Jahr 600 Reichsthaler, wofür Wohnzimmer mit Pflege und Feuerung, Koft, Arzenei bei Krankheiten und der ganze Unterricht gegeben wird. Die Anzahl der Studenten ift in Ultuna 50, darunter vier Stipendiften. Die üblichen Sammlungen, Laboratorien etc. fehlen felbftverſtändlich nicht. Zuni Dominium von Ultuna gehören 600 Tonnen Acker, 200 Tonnen Wiefen, mit 50 Tonnen Weide, 200 Tonnen und 4 Frohnftellen mit zufammen 64 Tonnen. Die Oekonomie ift vertheilt in eine Hauptökonomie mit 256 Tonnen, welche ganz mit den Zöglingen und zwei Nebenwirthschaften, die durch Taglöhner beftellt werden. Das Dominium hat einen Viehftand von 40 Pferden, 100 Kühen, 3 Stieren, 50 Jungthieren, 150 Schafen und 10 bis 50 Schweinen. Der niederen Ackerbaufchulen( Landtbruks- Skolorna), deren Organiſation. 1863 gefetzlich feftgeftellt wurde, find 27 an Zahl, von denen 3 in Småland, 2 im Gouvernement Skaraborg, 2 im Gouvernement Elfsborg und eine in jedem der übrigen Gouvernements fich befinden. Mit den beiden höheren Lehranstalten zu Ultuna und Alnarp find gleichfalls Ackerbaufchulen verbunden. Die dirigirenden Commiffionen für die Ackerbaufchulen werden von den landwirthfchaftlichen Provinzialgefellſchaften oder durch die landwirthschaftlichen Affociationen, die die Anftalt gegründet haben, ernannt. Diefe Commiffion erwählt den Director. Der Unterricht wird von zwei Lehrern ertheilt und durch eine Anzahl Hilfslehrer und Unterweifer je nach Bedürfnifs. Der theoretifche Unterricht umfafst: Kalligraphie, Orthographie, Arithmetik, Zeichnen, Berechnung von Linien, Flächen und Körpern, Nivelliren und Aufnahme landwirthschaftlicher Pläne, die allgemeinen wiffenfchaftlichen Principien des Ackerbaues und der Viehzucht, die Elemente der Botanik und des Gartenbaues, Wagnerei und Schmiedekunft, die Accordarbeiten und die Taglöhnerarbeiten und landwirthfchaftliche Buchführung. Der praktifche Unterricht umfafst alle Arbeiten im Feld und Stall. Der Curfus beginnt am I. November jeden Jahres und ift ein zweijähriger. Der theoretifche Unterricht wird in wöchentlich fechs Stunden des Abends ertheilt. 24 Zöglinge erhalten Wohnung, Koft und Unterricht ohne Abgaben, 4 bezahlen für das erfte Jahr 150 und für das zweite Jahr 50 R.- Thlr. Die Bedingungen für die Aufnahme find: ein Alter von 22 Jahren, Tauglichkeit zum Arbeiten und Kenntnifs des Lefens, Schreibens und Rechnens. Die höheren und niederen landwirthfchaftlichen Lehranftalten find in das Budget mit jährlich 147.100 R.- Thlr.( 205.960 Francs) eingeftellt; aufserdem geben die landwirthfchaftlichen Gefellſchaften den Ackerbaufchulen noch Jahresfubventionen. An Specialfchulen befitzt Schweden zwei Molkereifchulen( Mejeriskolorna), die eine zu Ultuna und die zweite zu Bergquara in Småland. An jeder dieser Schulen erhalten fechs Staatspenfionäre Unterricht über alles, was auf Molkereiwefen und Kuhhaltung Bezug hat. Die Schulen beftehen feit 1856 und erhalten einen jährlichen Beitrag von 3000 R.- Thlr. In Ultuna wurden auch fechs weibliche Zöglinge unentgeltlich aufgenommen. Der Curfus befteht in Vorlefungen und Uebungen im Kuhftall und in der Meierei, beginnt mit 4 48 Dr. C. Theodor von Gohren. 1. November und dauert ein Jahr. Am Ende jedes Curfus wird ein öffentliches Examen gehalten und Zeugniffe ausgeftellt. Die landwirthschaftliche. Gefellſchaft von Oftgothland hat an der Provinzial- Ackerbaufchule zu Haddorp eine Molkereifchule für drei weibliche Eleven eingerichtet. Ausserdem find in verfchiedenen Theilen des Landes 13 Muftermeiereien( Laiteries modèles) errichtet, welche ausfchliefslich fich mit dem praktiſchen Unterrichte in dem Molkereiwefen befaffen und an welchen eine Anzahl Eleven auf Staatskoften unterwiefen werden. Diefer Unterricht, welcher zwei Jahre dauert, koftet dem Staate jährlich 3000 R.- Thlr.! Ferner tragen noch zur Belehrung der landwirthschaftlichen Bevölkerung 12 landwirthfchaftliche Ingenieure( Landtbruks Ingeniörene) bei, welche, vom Minifter des Innern ernannt, jährlich von dem Verwaltungscomité der Ackerbau- Akademie delegirt werden, um den Landwirthen bei Anlagen von Bewäfferungen, Bauten, Drainagen und allen landwirthfchaftlichen Ange. legenheiten behilflich zu fein. Zwei landwirthfchaftliche Wanderlehrer find beftimmt für die Belehrung über Viehzucht und Milchwirthschaft, einer für Schafzucht und Wollkunde. Für die Fifcherei ift ein befonderer Intendant ( Fiskeri- Intendenten) beftimmt, dem zwei Affiftenten beigegeben find und aufserdem noch ein Wanderlehrer. Den oben erwähnten landwirthschaftlichen Ingenieuren find Eleven beigegeben, die fich in den einzelnen Zweigen ausbilden follen. Das Inftitut der landwirthschaftlichen Ingenieure und Wanderlehrer koftet dem Staate jährlich 50.950 Thaler. Noch wäre zu erwähnen, dafs die königliche Landbau- Akademie ein Verfuchsfeld( Experimentalfält) und eine Verfuchsftation( Agriculturkemisk Förföksanftalt) befitzt. In mehr oder weniger Zufammenhang mit den landeswirthschaftlichen Belehrungsanftalten ftehen die 26 landwirthfchaftlichen Vereine Schwedens, die Generalcongreffe des Ackerbaues, die Provinzialräthe, die Gartenbaugefellfchaft, das königliche Bureau für Geologie, das Bureau für die landwirthschaftlichen und ökonomifchen Aufnahmen, die Direction für Brücken und Chauffeen, die Direction der Staatsforfte, die höhere Forft- Lehranstalt zu Stockholm, die höhere Thier- Arzneifchule zu Stockholm und die niedere Thier- Arzneifchule zu Skara. Niemand wird in Abrede ftellen können, dafs auch auf dem Gebiete des landwirthfchaftlichen Unterrichtes Schweden nichts unterlaffen hat, was die Intereffen des Landes zu fördern im Stande ift. Zu den weiteren als Lehrmittel hieher gehörigen Ausftellungsobjecten Schwedens übergehend, feien angeführt die von C. E. Bergftrand in Stockholm ausgeftellte Collection phosphorfäurehaltiger Gefteine nebft daraus bereiteten Producten, die Sammlungen von Fifchen in verfchiedenen Entwicklungsftadien von C. Freiherrn v. Cederftröm, v. Yhlen, A. W. Malm und Anderen und die Ausstellung des Muſeums zu Göteborg. Norwegen. Norwegens landwirthschaftliche Unterrichtsanftalten waren auf der Weltausftellung vertreten durch die landwirthfchaftliche Akademie zu Aas, welche Samen- und Getreideproben, eine norwegifche Egge und Jätemafchine ausgeftellt hatte. Die Sammlung von Samenforten verfchiedener Culturpflanzen hatte den Zweck, die Entwickelung derfelben unter 59 Grad 40 Fufs nördlicher Breite zu zeigen. Die königliche landwirthschaftliche Akademie oder Hochſchule Norwegens ,, Aas höiere Landbrugsfkole" in der Gemeinde Aas, 4% geographifche Meilen von Chriftiania gelegen, fing ihre Wirkfamkeit den 1. October 1859 mit 32 Studi renden an. Der Unterricht war bis zum Herbfte 1871 für alle Studirenden derfelbe Landwirth fcha ftliche Lehre und Forfchung. 49 und der Curfus zweijährig. Seit diefer Zeit ift der Unterricht in zwei Abtheilungen eine niedere und eine höhere getheilt. Der Unterricht in der niederen Abtheilung wird in zwei Jahren vollendet. Die Studirenden in diefer Abtheilung find zum Theilnehmen an allen landwirthschaftlichen Arbeiten verpflichtet. Die Vorträge werden nur in den Wintermonaten( October bis April) gehalten. Die Anzahl der Studirenden in diefer Abtheilung ist auf 20 Inländer als Maximum feftgeftellt. In der höheren Abtheilung ift der Unterricht nur einjährig und ausfchliefslich theoretifch, doch mit praktifchen Uebungen im chemifchen Laboratorium, Diffection und Waldcultur. Die in die niedere Abtheilung aufzunehmenden Schüler werden einer Prüfung in den gewöhnlichen Schulkenntniffen unterworfen, von deren Ausfall ihre Aufnahme abhängt. Der Eintritt in die höhere Abtheilung fteht dagegen Jedermann offen. Jeder Schüler in der niederen Abtheilung bezahlt jährlich 75 Thaler, jeder in der höheren Abtheilung 225 Thaler; fie geniefsen dafür Unterricht, Koft und Wohnung. Am Ende des Lehrcurfes jeder Abtheilung wird öffentliches Examen mit fchriftlichen und mündlichen Prüfungen gehalten. Die Akademie fteht unter Leitung eines Directors, welcher zugleich als theoretifcher Lehrer fungirt; aufserdem wird der Unterricht von vier Profefforen und drei Functionären beftritten. Als Lehrgegenftände werden vorgetragen: a) In der niederen Abtheilung: Die Muttersprache, die Elemente der Mathematik, allgemeiner Acker- und Pflanzenbau, Geräthekunde, allgemeine Thierzucht, Meiereibetrieb, unorganifche Chemie, kurze Ueberficht der organifchen Körper, Mineralogie und Geologie, Botanik, die Grundzüge des Waldbaues. Die Schüler erhalten zugleich praktifchen Unterricht in der qualitativen chemifchen Analyfe, im Zeichnen landwirthschaftlicher Geräthe, im Feldmeffen und Nivelliren, im Gartenbau und in der Waldcultur; aufserdem werden botanifche Excurfionen vorgenommen. b) An der höheren Abtheilung: Bodenkunde, Gefchichte der Landwirthschaft, Düngerlehre, Betriebslehre, Anatomie, Phyfiologie, Zoologie, Thierheilkunde, Phyfik, organifche Chemie, allgemeine Agriculturchemie, Pflanzenphyfiologie, Pflanzengeographie, Forftbotanik, Forftwirthfchafts- Lehre, Infectenlehre. Zum Gebrauche der Schüler hat die Akademie eine Bibliothek und verfchiedene Sammlungen. Der Akademie gehört eine Wirthfchaft, welche für Rechnung des Staates betrieben wird; fieumfafst ein Areal von circa 440 preufsifchen Morgen Ackerland; 80 Morgen Garten, Park, Pflanzfchule und Experimentalfeld, 680 Morgen Wald, Beim Gute werden 60 Milchkühe, 20 bis 30 Stück Jungvieh und Weide etc. 14 Pferde gehalten. Die Milch wird in der Meierei unter Anwendung der feit 1867 eingeführten und jetzt von hier aus faft in allen norwegifchen Meiereien verbreiteten Kaltwaffer Methode zu Butter und Käfe verarbeitet. Von der Pflanzfchule wird jährlich eine grofse Anzahl Obftbäume, Parkbäume und Zierfträucher verkauft. Weiter gehören dem Gute Werkstätten für Fabrication der gewöhnlichften Ackergeräthe und eine Drainröhren- Fabrik. Wer fich fpecieller für die Einrichtungen diefer Akademie intereffirt, den verweifen wir auf die von dem Director F. A. Dahl verfafste Brochure:„ Befkrivelfe over Aas höiere Landbrugsfkole, Chriftiania." Von den als naturwiffenfchaftliche Lehrmittel geeigneten Ausftellungsobjecten in der norwegifchen Abtheilung feien genannt: die Sammlungen norwegifcher Fifche und die Entwickelung des Dorfches und Härings von dem Muſeum in Bergen, die Sammlung von Ackerbau- Geräthen von der königlichen Domäne Ladegardföen, der Fifchguano der norwegifchen Fifchguano Gefellfchaft, die vom 4* 50 Dr. C. Theodor von Gohren. norwegifchen Jäger- und Fifcherverein ausgeftellte Jagdfauna, endlich die Klimatologie Norwegens von H. Mohn in 16 Blättern und die Bücher, Karten und Pläne des Dr. Schübeler in Chriftiania. Rufsland. Von den ruffifchen landwirthfchaftlichen Unterrichtsanftalten vertreten die Goretzkifche landwirthfchaftliche Lehranftalt im Gouvernement Mohilew mit Korn, Grasfamen und Schafvlifsen; defsgleichen die Marienfchule für Landwirthschaft bei Sfaratow; die Befsarabifche Gartenbau- Schule zu Kifchinew mit Wolle, Tabak, Reben, Herbarium, Plan und Befchreibung des Gartens, dendrologifche Sammlung verfchiedener Baumarten und Modelle; die Umann'fche Gartenbau- Schule im Gouvernement Kiew mit Cocons und die landwirthfchaftliche Verfuchsfchule in Kafan mit Körnerfrüchten und Leguminofen. Von den höheren landwirthfchaftlichen Lehranftalten lagen feitens der land- und forftwirthfchaftlichen Akademie zu Pétrowskoié bei Moskau eine Reihe von Tabellen über Bodenanalyfen, ausgeführt von den Herren Fadeieff, Griorieff, Petroff und Sabanaieff, vor. Die höheren landwirthschaftlichen Lehranstalten zu Petersburg und zu Neu- Alexandria bei Warfchau waren nicht vertreten. Nicht ohne Intereffe war die Ausftellung A. Yermoloff's( chemifcher Dünger, Plan eines Verfuchsfeldes) und einige Brochuren, unter Anderem Notizen über die chemifche Zufammenfetzung der Tfchernozem von Ilyenkow, fowie die Unterfuchungen über die Lagerungsverhältniffe der foffilen Kalkphosphate von A. S. Yermoloff. Es ift bedauerlich, dafs über die ruffifchen landwirthfchaftlichen Unterrichtsanftalten fo wenig in die Oeffentlichkeit dringt, denn was man hie und da erfährt, zeigt von einem ungemein rührigen Streben auf diefem Gebiete. Wie entfchieden man vorgeht, beweift, dafs die Aufnahme in die höheren landwirthfchaftlichen Lehranstalten nur jenen geftattet wird, welche eine Maturitätsprüfung abgelegt haben. Der Curfus ift ein vierjähriger und foll in einen fechsjährigen umgewandelt werden. Mittlere landwirthfchaftliche Lehranstalten beftehen in Gorki, Charkow und Moskau. Sehr gut eingerichtet und ausgeftattet find die landwirthschaftlichen Mufeen in Petersburg und Moskau. Griechenland. Ueber die Beftrebungen auf dem Gebiete des landwirthfchaftlichen Unterrichtes in Griechenland mögen nachftehende Notizen ein kleines Bild geben. Im Jahre 1846 wurde zu Tirynthos( in der Provinz Nauplia auf dem Peloponnes) eine theoretifch- praktifche Ackerbau- Schule gegründet, zu deren Inslebenrufen fchon 1829 Schritte gethan worden waren. Diefe Ackerbau- Schule unterftand der Regierung und auch die Eleven wurden von der Regierung unterhalten. Hinderniffe verfchiedener Art, Geldmangel, Vorurtheile etc. waren die Urfache, dafs man feit 1865 den theoretifchen Unterricht ganz bei Seite liefs und lediglich praktiſche Zwecke verfolgte. Die Wirthschaft, mit der ein Geftüte verbunden wurde, umfafst 1300 Hektaren des beften Bodens. Aufserdem wurden 1835 in Athen ein botanifcher Garten und eine Baumfchule errichtet, welche letztere dem Lande fehr grofse Dienfte geleiftet hat und auch auf der Weltausftellung durch verfchiedene Obftbäume, Zierpflanzen und namentlich durch Proben der Ramée und lebenden Pflanzen derfelben, fowie in den Jahren 1871 und 1872 angebauten Havanah- und ManillaTabak vertreten war. Botanik. Der botanifche Garten dient mehr dem höheren Unterrichte über Landwirthschaftliche Lehre und Forschung. 51 In diefem Jahre ift in Griechenland eine Gefellſchaft für die Pflege der Landwirthschaft ins Leben getreten, welche die Verpflichtung übernommen hat, im Lande einige landwirthfchaftliche Mufteranſtalten zu errichten. Rumänien. Für den theoretifchen und praktifchen landwirthfchaftlichen Unterricht befteht bei Bukareft zu Fereftreon eine land- und forftwirth fchaftliche Centralfchule. Vorgetragen wird von fünf Profefforen: Ackerbau, Waldbau, Botanik, Viehzucht, Chemie, Phyfik, Geologie, Mechanik, landwirthschaftliche Betriebslehre und Comptabilität Die Eleven werden in einem Alter von 17 Jahren aufgenommen und müffen mindeftens die Vorkenntniffe, wie fie die Unterrealfchule bietet, befitzen. Die Studien dauern drei Jahre; beim Austritte erhalten jene, welche gute Erfolge zeigen, ein Diplom. Bis jetzt find aus diefer Schule mehr als 250 Eleven hervorgegangen, jedes Jahr etwa 18 bis 25. Mit der Anftalt ift eine Werkstatt zur Conftruction landwirthfchaftlicher Geräthe und Mafchinen verbunden, in welcher 30 junge Leute während fünf Jahren die Fabrication der Mafchinen erlernen. Der Unterricht ift ein rein praktiſcher. Die Centralfchule befitzt eine Wirthfchaft von 250 Hektaren, ausgedehnte Obftgärten und Weinanlagen und alle fonftigen Erforderniffe für einen erfolgreichen praktifchen Unterricht. Täglich müffen die Eleven drei Stunden auf dem Felde arbeiten, aufserdem werden die üblichen Demonftrationen und Uebungen in den Laboratorien abgehalten. Der gegenwärtige Director iſt ein früherer Schüler von Grignon, Herr P. S. Aureliano. Vertreten war die Centralfchule auf der Weltausftellung mit Getreide, Mais, Bohnen und Mohn. Brafilien. Das Imperial Inftituto I. Fiumenfe de agricultura in Rio de Janeiro hatte Seidencocons ausgeftellt. " Alles in Allem kann nur wiederholt werden, was fchon einleitend bemerkt wurde: Wenn auch fchon viel auf dem Gebiete des landwirthfchaftlichen Unterrichtes und der landwirthfchaftlichen Forfchung gefchehen ift, unendlich mehr bleibt noch zu thun übrig. Möge keine Nation in dem Beftreben, landwirthschaftliches Wiffen zu fördern und zu verbreiten, zurückbleiben; mögen alle eingedenk fein der ernften Mahnung Humboldt's: ,, Der oberflächlichfte Blick auf den Zuftand des heutigen Europas lehrt, dafs bei ungleichem Wettkampfe oder dauernder Zögerung nothwendig partielle Verminderung und endlich Vernichtung des Natio nalreichthums eintreten müffe; denn in dem Lebensgefchick der Staaten ist es, wie in der Natur, für die, nach dem finnvollen Ausfpruche Goethe's es im Bewe gen und Werden kein Bleiben" gibt und die ihren Fluch gehängt hat an das Stilleftehen. Nur ernfte Belebung chemifcher, mathematifcher und naturhiftorifcher Studien wird einem von diefer Seite einbrechenden Uebel entgegentreten. Der Menfch kann auf die Natur nicht einwirken, fich keine ihrer Kräfte aneignen, wenn er nicht die Naturgefetze nach Mafs- und Zahlverhältniffen kennt. Auch hier liegt die Macht in der volksthümlichen Intelligenz. Sie fteigt und finkt mit diefer. Wiffen und Erkennen, find die Freude und die Berechtigung der Menfchheit; fie find Theile des Nationalreichthums, oft ein Erfatz für die Güter, welche die Natur in allzu kärglichem Mafse ausgetheilt hat. Diejenigen Völker, welche an der allgemeinen induftriellen Thätigkeit in Anwendung der Mechanik und technifchen Chemie, in forgfältiger Auswahl und Bearbeitung natürlicher Stoffe zurückftehen, bei denen die Achtung einer folcher Thätigkeit nicht alle Claffen durchdringt, werden unausbleiblich von ihrem Wohlftande herabfinken. Sie werden es umfomehr, wenn benachbarte Staaten, in denen Wiffenfchaft und induftrielle Künfte in regem Wechfelverkehre mit einander ftehen, wie in erneuerter Jugendkraft vorwärts fchreiten."