TMW- Bibl WA 87/14 C C CC C WA 87/14 BERICHT OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. UNTHR REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. o. Ö. PROFESSOR IN PRAG. RUSSLAND. BERICHT VON WILHELM VON LINDHEIM BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. BUCHERE WIEN. Technologisches Gewerbe- em WIEN DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF. UND STAATSDRUCKEREL 1874. THE- 250 11 Erklärung der ruffifchen Mafse, Gewichte und Münzen. I ruffifcher Zoll= 0.025 Meter= 0.080 öfterreichifche Zoll. - - I ruffifcher Fufs= 0.304 Meter= 0.964 öfterreichifche Fufs. - _ I Arfchine= 0.711 Meter= 2: 249 öfterreichifche Fufs= 0'912 Wiener Ellen. - I Safchene= 7 ruffifche Fufs= 2133 Meter 6.749 öfterreichifche Fufs. _ I Meter= 0.468 Safchene= 3.280 ruffifche Fufs= 3.163 öfterreichifche Fufs. I Quadratfafchene 4552 Quadratmeter _ - - 45 556 öfterreichifche Quadratfufs. I Quadratmeter= 0.219 Quadratfafchene= 10'01 öfterreichifche Quadratfufs. I Cubikfafchene= 9.712 Cubikmeter= 307 490 öfterreichifche Cubikfufs. - I Cubikmeter= 0.102 Cubikfafchene= 3166 öfterreichifche Cubikfufs. - - - I Werft= 500 Safchenen= 1066 Kilometer= 0.143 geographifche Meilen O'141 deutfche Meilen 0140 öfterreichifche Meilen. - I Kilometer= 0.937 Werft= 3163 5 öfterreichiſche Fufs. - I geographifche Meile 6955 Werft= 23501 öfterreichifche Fufs. -= I Quadratwerft= 1138 Quadratmeter= 11387 163 öfterreichifche Quadratfufs. I ruffifches Pfund= 409 511 Gramm= 0.819 Zollpfund. - - I Zolotnik= 4265 Milligamm, 1 Gran= 44 Milligramm. I Pud 16.380 Kilogramm - I - 32.760 Zollpfund. = I Finnländer Centner= 3 Pud= 49 141386 Kilogramm= 98 282772 Zollpfund - - I Defsjätine= 1092 Hektare= 1092 Hektare= 1898 öfterreichische Joch. I Hektare= 0.915 Defsjätine= 1737 öfterreichifche Joch. _ ==I Tfchetwert= 8 Tfchetweriks 209 901 Liter= 148.34 Mafs= 3.708 öfterreichifche Eimer= 6.645 öfterreichifche Cubikfufs. I Hektoliter= 3.814 Tfchetweriks= 7.067 öfterreichifche Mafs= 1766 öfterreichifche Eimer= 3.166 öfterreichifche Cubikfufs: 1. Rubel= 100 Kopeken= 4 Francs 1 fl. 60 kr. öfterreichiches Silber. - - - 1 Kopeke= 0.04 Centime= 0.016 Gulden öfterreichifches Silber. 1 Mark= 100 Finnländer Penny= 25 Kopeken I öfterreichifches Silber. - I Franc= 0.40 Gulden anotiows bru VORWORT. ob lightT 14 Mehreren Anfragen von Seiten des Publicums und der deutfchen Buchhändler zu genügen, glaubt der unterzeichnete Redacteur verpflichtet zu fein, noch kurz vor der Vollendung des officiellen Berichtes über den Verlauf des Druck- und Verlagsgefchäftes einige Aufklärungen geben zu müffen. Wie nach der ganzen Anlage des Werkes, dem Erfcheinen desfelben in einzelnen Heften nach den Sectionen der Weltausftellungs- Gruppen von vornherein wohl jedem Denkenden klar war, mufste die Zahl der Hefte eine bedeutende und der Umfang derfelben ein verfchiedener fein. Diefe Verſchiedenheit rechtfertigt der verfchiedenartige Stoff, die gröfsere Ausdehnung aber die bisher immer anerkannte und geübte Pflicht, dafs der Staat, welcher eine Weltausftellung hervorruft, auch die umfaffendfte wiffenfchaftliche Darstellung derfelben dem Publicum zu bieten habe. Es find heute 69 Hefte erſchienen und damit der weitaus gröfste Theil des ganzen Werkes. Vier Hefte werden noch grössere oder kleinere Nachträge zu den einzelnen Gruppen bringen. Nur Gruppe XIII und XVIII find noch merklich unvollendet. Die grofsen Schwierigkeiten in der Befchaffung des Materiales, die Herftellung das Eifenbahnwefen allein der Zeichnungen und Holzfchnitte geftatten eine erheifcht nach der Gründlichkeit des Verfaffers mehr als 200 Holzfchnitte und II lithographifche Tafeln befondere Schnelligkeit des Erfcheinens der beiden Gruppen nicht. II Drei Hefte werden übrigens das damit gegebene Material erfchöpfen und erftens Motoren, zweitens Arbeitsmafchinen und drittens Eifenbahnbau enthalten. Damit wird der erfte, grössere Theil des Werkes vollendet fein. Der zweite, handelspolitifche Theil, nach dem Programme beftimmt, die Völker des Orients und Oftafiens der allgemeinen Erkenntnifs näher zu bringen, ift gleichfalls der Vollendung nahe, indem die bedeutende Arbeit über das europäiſche und aſiatiſche Rufsland von W. von Lindheim hiermit vorliegt, der Bericht über China, Japan und Siam von Arthur von Scala demnächst abgefchloffen fein wird. Unmittelbar nach dem Erfcheinen diefer geringen Zahl von Heften wird die Einleitung zu dem ganzen Werke folgen ,,, die Fortfchritte der Cultur" von dem unterzeichneten Redacteur und das genaue Inhaltsverzeichniss nach vier Bänden für den erften und einen Band für den zweiten Theil. Eine Schwierigkeit übrigens, das ganze Werk zu ordnen, ift auch heute nicht vorhanden, da von jeher für die Ausstellungsberichte die Gruppeneintheilung zu Grunde lag. So wird, wie die Redaction fchon früher mittheilen konnte, das Werk in Jahresfrift vollendet fein, nachdem im Auguft 1873 das erfte Heft erſchienen, im Auguft 1874 das letzte Heft erfcheinen wird. Wem auch diefs nicht genügt, der möge bedenken, dafs bei der ganzen fchweren Arbeit weder die Herren Berichterstatter noch die Redaction von irgend einer Seite unterſtützt worden find, und der Wunfch, diefelben der Jury als Experte beizuziehen, ebenfo wie die Einficht in die Jury- Protocolle abgelehnt wurde, Alles fomit dem Sammlerfleifse des Einzelnen und feiner eigenen Thätigkeit überlaffen war. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. RUSSLAN D. Bericht von WILHELM VON LINDHEIM. Klimatifches. Das ruffifche Reich fetzt den einen Fufs in Europa, den anderen in Afien nieder; feine mächtigen Arme breitet es von Norden nach Süden und von Often nach Weften aus, einen Längenraum von nahe an 2100 Meilen umfaffend. Wenn es bei den Bewohnern des weftlichften Punktes diefes riefengrofsen Reiches 12 Uhr Mittags ift, fo zählen die des öftlichften 11 Uhr 15 Minuten Nachts. Das Uralgebirge trennt das europäiſche Rufsland von dem afiatifchen. Erfteres ift gröfstentheils eben, nur füdlich und öftlich erheben fich grofse Gebirge; die in der Mitte des Landes befindlichen find wenig beträchtlich. Im Norden trifft man grofse Seen; im Süden endlofe Steppen. Sowohl nördlich gegen das Baltifche und Eismeer. wie füdlich gegen das Schwarze und Cafpifche Meer fenkt fich der Boden. Das afiatifche Rufsland bildet eine unermessliche Ebene, die nur hin und wieder durch Gebirge unterbrochen wird. Flach gegen das nördliche Eismeer erhebt es fich allmälig gegen Süden bis zu den hohen Gebirgen, welche Rufsland von China fcheiden. Beide grofsen Ländertheile kann man ihrem Klima nach in folgende vier Regionen theilen: Nord- oder Eisregion. Im europäifchen Rufsland umfafst fie einen Theil der Gouvernements Archangel und Finnland; im afiatifchen einen Theil der Gouvernements Perm, Tobolfk und Irkutfk. In diefen Gegenden, über den 67. Grad nördlicher Breite hinaus, zeigt die Natur eine gar traurige Monotonie. Kein Baum, ja felbft kein Strauch ift hier zu erblicken; moosbedeckte Steppen und Moräfte werden am äufserften Ende nordöftlich durch einen Aft des ochotfkifchen und nordweftlich durch den lappländifchen Gebirgszug begrenzt. Im Innern diefer Gegenden thaut der Boden, jedes Anbaues unfähig, niemals auf; nur mageres Geftrüpp bedeckt ihn; die Thiere bleiben klein und fchwächlich, und auch der Menfch fteht auf einer fehr niedrigen Stufe. Nomadifirende Völkerftämme friften in diefen unwirthlichen Gegenden kärglich ihr Leben; Jägerei und Fifcherei, fowie ihr treuer Gefährte: das Rennthier, erhalten fie. In Sibirien beginnt die Eisregion vom 62. Grade nördlicher Breite, und hier erfcheint die Natur noch ftiefmütterlicher als im höchften Norden von Europa. Vom September an wird die Kälte fo heftig, dafs das Queckfilber zum Hämmern gefriert. Alljährlich bleibt vom Ende September bis Anfang Juni das Weifse wie das Eismeer mit dickem Eife bedeckt. Die Ströme, welche fich nach dort ergiefsen, frieren noch eher und thauen noch später auf. In dem kurzen Sommer, welcher das Eis der Sümpfe kaum I* 2 Wilhelm von Lindheim. fchmilzt, ift die Luft ftets mit einem dem Rauche ähnelnden Nebel erfüllt. In NowajaZemlja zeigt fich die Sonnenfcheibe während des Sommers ununterbrochen am Horizonte; im übrigen Theile des Jahres herrfcht dort Nacht, nur durch prächtige Nordlichter erheitert. In Umba ift der längfte Tag 30 Stunden und zu Kola, unter dem 68. Grade nördlicher Breite, 60 Stunden lang. Gewitter find in diefen Gegenden äufserft felten. Das Getreide reift noch bis zum 65. Grade nördlicher Breite. Kalte Region. Sie erftreckt fich vom 57. bis zum 67. Grade nördlicher Breite, umfafst in Europa den Reft von Finnland und die Gouvernements Sct. Petersburg, Nowgorod, Kurland, Livland, Olonez, Wologda, Twer, Jaroflaw, Koftroma und Wiatka; in Sibirien den Reft der Gouvernements Perm, Tobolfk und Irkutsk. Unabfehbare Waldungen und Hügelketten bedecken den weftlichen europäiſchen Theil; von da bis zum Ural folgt dann eine ungeheuere Ebene, in welcher Wälder, Moräfte und grofse Seen mit einander abwechfeln. In Sibirien, wo die Seewinde das Klima nicht mildern, der menfchliche Fleifs der Natur nicht zu Hilfe kommt und nichts den lähmenden Hauch des Nordwindes hemmt, bietet das Land einen noch traurigeren Anblick dar. Von Jeniffeifk( 58 Grad 27 Minuten nördlicher Breite und 149 Grad 46 Minuten öftlicher Länge) bis zur Oftfee ift der Boden gröfstentheils felfig. Nur wenige Diftricte find hier durch Europäer urbar gemacht worden; auch hier haufen fonft nur armfelige Horden, die wandernd von der Viehzucht und Jagd leben. In diefen Landftrichen befinden fich die bedeu. tendften Eifen- und Kupfer- Bergwerke der ruffifchen Regierung. Gemäfsigte Region. Der 50. bis 57. Grad nördlicher Breite fchliefst diefelbe ein. Sie enthält den gröfsten Theil des Reiches; in Europa gehören zu ihr die Gouvernements Moskau, Wladimir, Kaluga, Tula, Rjäfan, Tambow, Orel, Kurfk, Woronefch, Saratow, Nifchnei- Nowgorod, Penfa, Kafan, Smolenfk, Simbirfk, Tfcher nigow, Pultawa, Witebfk, Mohilew, Wilna, Grodno, Kiew; in Afien die Gouvernements Tomík, Orenburg und die füdlichen Striche von Irkutfk. Dere uropäiſche Theil bildet bis an den Ural eine weite, offene Fläche, welche durch wellenförmige Anhöhen einige Abwechslung erhält. Nordwärts ift der magere, fandige Boden ziemlich fteril, füdlich hingegen fo fruchtbar, dafs er zum Anbaue keiner Düngung bedarf. Das Klima ift gleichmässig mild, der organifchen, fowie der vegetabilifchen Natur günftig und die Landfchaft malerisch. Warme Region. Sie geht vom 41. bis zum 50. Grade nördlicher Breite und umfasst im europäiſchen Rufsland die Gouvernements Cherfon, Jekaterinoflaw, Taurion, Aftrachan, Mohilew, Befsarabien und den Kaukafus; im afiatifchen die grofsen Steppen der Kirgifen, Turkeftan etc. Das öftliche Rufsland umfchliefst grofse, öde Steppen ohne Wälder mit falzigem Boden, und nur das Land der donifchen Kofaken ift reich an fetten Weideplätzen. Weftlich, an den Ufern des Dnieper und Dniefter, gibt es fehr fruchtbare Ländereien. Georgien ift die ruffifche Schweiz; der Kaukafus fchützt es gegen die Nordwinde; gegen Süden aber ift es den warmen Winden Afiens geöffnet; daher findet man dafelbft viele exotifche Gewächfe. Taurien ift eben fo fchön und bedarf nur der menfchlichen Bebauung, um ein Zaubergarten zu werden. In Aftrachan fteigt die Hitze oft über 28 Grad Réaumur, und es regnet dafelbft fo felten, dafs ohne künftliche Bewäfferung alle Pflanzen verdorren würden. So enthält alfo Rufsland innerhalb feiner weiten Grenzen alle Klimate, alle Zonen. In Taurien entfaltet der Frühling oft alle feine Reize, während die Umgebung von Sct. Petersburg noch mit Schnee bedeckt ift; die Baumgärten des Kaukafus ftehen in voller Blüthe, während das Rennthier das Moos, welches feine Nahrung bildet, mühfam unter der Schneedecke hervorfcharrt; der Kirgife lebt unter einem ewig heiteren Himmel, während der Samojede, der Oftjake, der Tungufe, der Jakute und Tfchuktfche einen neunmonatlichen Winter zu ertragen hat. Die genaue Gröfse und Einwohnerzahl der verfchiedenen Theile des ungeheueren Reiches ift die ruffifche Regierung zu ermitteln nicht im Stande. Rufsland. 3 Die Angaben bezüglich des Areals beruhen auf Landkarten- Berechnungen, die in ihren Refultaten um Zehntaufende von Quadratmeilen differiren. Nach Kolb* ftellen fich die Areal- und Bevölkerungsverhältniffe wie folgt: Gröfse und Bevölkerung. Europäifches Rufsland incl. Polen Finnland. Afiatifches Rufsland( Kaukafien, Sibirien, Turkeftan) وو وو وو وو 92.449 6.835 Quadratm. mit 67,120.000 Einw. 99 " 9 1,850.000 282.939 9,900.000 Zufammen ungefähr 382.223** Quadratm. mit 78,870.000 Einw. Quadratm. mit 69,364.271 Einw. 6.367 279.603 99 99 99 99 1,843.245 10,705.105 99 Nach Hübner*** umfafst das Europäiſche Rufsland incl. Polen 90.514 Finnland. Afiatifche Rufsland وو 81,912.621 Einw. Zufammen.. 376.484 † Quadratm. mit Nach directen Mittheilungen aus dem Statiftifchen Central- Comité des Minifteriums des Innern †† umfchliefst das Europäiſche Rufsland incl. Polen 87.485 53 Quadratm. mit 69,364.541 Einwohnern Finnland 6.337.0 2,043.253 وو 99 Für die Verhältniffe des afiatifchen Rufsland, welche fich mit gleicher Genauigkeit natürlich niemals werden berechnen laffen, mögen Kolb's und Hübner's * Handbuch der vergleichenden Statiſtik. Leipzig 1871. S. 114. ** Unter den Gewäffern kommen auf das Azowfche Meer 638, den Ladogafee 332, den Onegafee 160 und den Peipusfee 60 Quadratmeilen. *** Statiſtiſche Tafel 1873. + Rufslands Gebietsumfang betrug unter Iwan Wafiljewitfch I. دو Wafilei Iwanowitfch 1462 ungefähr 18.000 Quadratmeilen 1505 " 22 Iwan Wafiljewitfch II. Alexei Michaelowitfch 1584 د" 27 1650 دو Peter I. دو Anna " 1689 1730 24.000 72.000 237.000 280.000 22 39 ,, دو 39 Katharina II. I775 " 324.000 335.000 د, " Die Bevölkerung fchätzte man 1732 auf 14 Millionen # 742 1762 16 " 39 " 19 " 39 1793 1803 92 1782 271/2 34 36 " " " 1811 42 33 1815 33 45 22 1829 1838 1851 27 دو 45/ 59 65 " 6) 22 Chantreau gibt in feiner Befchreibung des ruffifchen Reiches, die 1794 unter dem Titel: ,, Rufsland, aus philofophifchem, hiftorifch- ftatiftifchem und literarifchem Gefichtspunkte betrachtet, auf einer Reife durch das Land in den Jahren 1788 und 1789, ins Deutfche überfetzt wurde, die Einwohnerzahl des Reiches nach der im Jahre 1788 angeftellten Revifion in folgender intereffanten Eintheilung an: Der Kopffteuer unterworfene Einwohner in den eroberten Provinzen Adelige e die Klerifei, Bifchöfe, Popen, Mönche etc. Militärperfonen und Seeleute Regierungs- und Juftizbeamte in der Krim und in Kuban in der Ukraine, Sibirien und im Lande der Kofaken Zufammen. • 18,000.000 1,200.000 70.000 60.000 570.000 28.000 900.000 860.000 21,688.000 Statiftifche Mittheilungen aus Rufsland. VI. Jahrgang 1873 S. 3. Der Sct. Petersburger Kalender für 1871 berechnet das Gefammt- Areal auf 389.311 Quadratmeilen und die Bevölkerung, wie Hübner, auf 81,912.621 Menfchen. 4 Wilhelm von Lindheim. Angaben gelten. Auf die Quadratmeile kommen nach ihnen durchſchnittlich circa 207 Seelen, und ift Rufsland fomit das am dünnften bevölkerte Land.* Von Rufslands europäifchen Gouvernements find die gröfsten: Archangel mit 13.486 Quadratmeilen und 275.779 Einwohnern Wologda Perm 97 7.291 27 وو 974-585 99 99 6.030 وو 99 2,173.501 29 Aftrachan 29 3.998 99 " 9 Orenburg 99 3.477 99 99 573-954 840.704 27 99 Die kleinften: Kjeltze mit 170 Quadratmeilen und 470.300 Einwohnern Plock Kalifch 188 " 9 99 197 99 79 99 99 480.820** 601.029 " 99 Am dünnften bevölkert find: Archangel mit 20 Seelen auf die Quadratmeile Olonez 127 99 29 79 99 Wologda " 133 99 " 46 Aftrachan " 143 99 " Orenburg 29 241 79 وو Donifches Kofakenland, 346" " 99 33333 Am dichteften bevölkert find die Gouvernements: Warschau mit 3578 Seelen auf die Quadratmeile Kalifch 99 3051 وو " 97 " Piotrkow 99 2991 99 99 وو Moskau وو 2777 99 Kjeltze 99 Podolien " 2759 2548 99 " 9 وو وو وو " " " " 99 In Finnland ift Uleaborg mit 2787 Quadratmeilen und 188.717 Einwohnern das gröfste, Nyland mit 209 Quadratmeilen und 172.172 Einwohnern das kleinfte Gouvernement. Erfteres ift, mit 67.7 Seelen auf die Quadratmeile, das am dünnften, letzteres mit 823 8 Seelen das am dichteften bevölkerte Gouvernement. Gefchlechter. Die Volkszählung von 1858 ergab im eigentlichen Russland 33,655.824 männliche und 35,275.904weibliche Einwohner, fomit den enormen Unterfchied von 1,620.080. In Polen zählte man 1864 2,750.193 weibliche und 2,586.017 männliche Einwohner; Differenz 164.176. Von Finnland fehlen diefe Nachweife. Bewegung der Bevölkerung: Heiraten. Nach einer foeben veröffentlichten Studie des Profeffors Janfon belief fich die Zahl der Heiraten im Jahre 1867 auf 622.989, in welcher Ziffer aber Finnland, Polen und das Gouvernement Saratow nicht inbegriffen find, daher nur 61,933.456 Einwohner beider Gefchlechter in Betracht kommen; diefs ftellt den Durchfchnittsfatz für Rufsland auf 1 Heirat für 99 Einwohner, während in England Schottland Irland I Heirat auf 115 Einwohner I وو 29 135 77 99 ( 1863 bis 1866) ( 1863 1866) I 99 99 191 ?? " ( 1864 1866) Frankreich I 126 99 29 " 29 ( 1863 1866) Belgien Niederlande * Die Dichtigkeitsverhältniffe der übrigen europäiſchen Staaten find folgende: hat auf die Quadratmeile 9346 Seelen " Grofsbritannien " Italien " وو دو وو دو Deutfchland 22 " Frankreich " " " Oefterreich- Ungarn 99 وو " " 6131 5489 دو دو 39 " 4916 " 99 4026 39 دو 3819 " " 3179 29 Nach den ftatiftifchen Jahrbüchern 3876 Seelen. Am fpärlichften find bevölkert: Dänemark mit 715, Schweden mit 523 und Norwegen mit 313 Seelen auf die Quadratmeile. ** Vergleiche ,, Statiftifche Notizen über das Königreich Polen". Ruff. Revue 1873. Heft 7, S. 74. Rufsland. 5 20 Belgien I Heirat auf 134 Einwohner Preufsen I 99 115 وو 99 ( 1863 bis 1868) ( 1865 27 1867) Baiern I 116 99 59 97 ( 1863 1866 99 Italien I གས 99 142 99 ( 1865 99 1869 Schweden I 168 ( 1866 1870) 94 99 99 99 Oefterreich Ungarn kommt. I 99 99 104 59 99 ( 1867 1869) I IIO " 9 وو وو ( 1867 99 1869) Eine 5jährige Durchfchnittsziffer von 1859 bis 1863 zeigt eine Anzahl von 631.402 Heiraten für das ruffifche Reich, refpective I Heirat auf 96 Einwohner. Demgemäfs ift, wenn man für die Länder des Weftens 140 als Durchfchnitt annimmt, die Heiratsziffer in Rufsland um 45 Percent gröfser. In den füdöftlichen Gebieten, namentlich dem der fchwarzen Erde, ift diefe Ziffer am gröfsten; fie vermindert fich gegen den Norden und ift am kleinften im hohen Norden und in den baltifchen Provinzen. Merkwürdigerweife, und' im Gegenfatze zu den Ländern des Weftens, ift die Anzahl der Heiraten in den Städten fehr gering; fie betrug im Jahre 1847 auf 3,358.127 Einwohner nur 26.328, refpective I Heirat auf 127 Einwohner. Die Religion übt einen grofsen Einfluss auf die Ehebündniffe aus. Janfon gibt die nachfolgenden Daten: Es kommt bei den Mahomedanern I Heirat auf 90 Seelen وو Orthodoxen 99 99 99 Juden Proteftanten 99 99 Diffidenten 99 " 9 I 77 99 96 99 I 99 99 II4 99 I 99 99 144 99 I 99 99 235 وو Hiebei ift zu bemerken, dafs die Ziffern, betreffend die Mahomedaner, Juden und Diffidenten, nicht abfolut genau find, da die Regifter hierüber fchwer zu führen find. Sterblichkeit und Geburten. Die neueften ſtatiſtiſchen Zufammenftellungen hierüber datiren aus dem Jahre 1867, und verdanken wir einer Arbeit des Herrn Kolb intereffante Daten, die uns namentlich einen Vergleich mit anderen Ländern ermöglichen. Die Gefammtziffer der Todesfälle betrug demzufolge im Jahre 1867: 2,239.652 oder circa 3.6 Percent; mit Rücksicht auf die Gefammtziffer der Bevölkerung diefes Jahres kamen, genau gerechnet, 358 Todesfälle auf 1000 Einwohner. Wenn man nicht forgfältig prüft, fo fcheint diefe Ziffer aufserordentlich hoch, und in der That weift Herr Kolb nach, dafs die Sterblichkeitsziffer in Preufsen.. 26-8 99 Belgien وو e 23.7 Frankreich. 23.2 وو England. Schweden 99 Italien 99 22.5 21'4 . 32.7 beträgt. Immerhin mufs man aber, um einen richtigen Begriff von dem Werthe diefer Ziffern zu bekommen, diefelben mit den ftatiftifchen Daten über die Geburten vergleichen. Demzufolge ftellt fich das Verhältnifs wie folgt: Preufsen. " auf 1000 Einwohner Geburten .38.4 Belgien.. 32'9 Anzahl der Geburten auf 100 Todesfälle 143 6 142 4 113.6 Todesfälle 26.8 23.7 Frankreich . 26.3 23.2 England.. . 35 I 22.5 Schweden # .. 27.5 21 4 130 9 Italien.. 37.1 32.7 115.8 Rufsland. • 49.0 35.8 138.5 156.0 6 Wilhelm von Lindheim. Diefe Zufammenstellung ergibt alfo fehr deutlich, dafs die Sterblichkeit, welche in Russland gröfser erfcheint als in anderen Ländern, mit Rückficht auf die gröfsere Anzahl von Geburten fich durchaus nicht fo unvortheilhaft präfentirt, als es anfangs den Anfchein hat. Von Wichtigkeit für die Beurtheilung ift ferner der Umftand, dafs fich ein fehr erheblicher Unterfchied bei den verfchiedenen Confeffionen herausftellt. So finden wir, dafs auf 100 Todesfälle fich ergeben bei der katholifchen Bevölkerung 179 7 Geburten den Orthodoxen. 99 Diffidenten 99 " 9 ° • • 138.9 134 I 29 Ifraeliten. 29 99 130 7 Mohamedanern 99 29 • 113.6 Proteftanten " 99 • 130Es ift fchwer, diefe grofsen Differenzen, namentlich bei der katholifchen Bevölkerung, zu erklären. Bei den Mohamedanern glauben wir, dafs der Grund in nicht ganz zuverläffigen ftatiftifchen Angaben liegt. Im Allgemeinen fcheint uns, dafs die Confeffion keinen allzugrofsen Unterfchied in der Sterblichkeit hervorruft, und dafs überhaupt die beftehenden Dif ferenzen mehr ihren Grund darin haben, dafs fich die Bevölkerung verfchiedener Confeffionen auch in verfchiedenen Gegenden fefshaft gemacht hat, was nicht ohne Einfluss auf die Gefundheitsverhältniffe geblieben ist. Die Statiſtik ergibt ferner, dafs in den Occidentalgegenden Europas die Sterblichkeit während der kalten Jahreszeit ftärker ift, und dafs in den Perioden der Uebergänge das Frühjahr ungünftiger wirkt als der Herbft. In Rufsland dagegen ift zwar die letzte Thatfache ebenfalls conftatirt, dagegen find Juli und Auguft die Monate der ftärksten Sterblichkeit. In Confor mität hiemit finden wir, dafs der Monat Juli auch die meiften Geburten bringt, und dafs nächft diefem der Januar zu erwähnen ift. Die ftarke Sterblichkeit in den Sommermonaten mag wohl auch in dem unvorfichtigen Genuffe von Obft ihren Grund haben, deffen Genufs vom 6. Auguft an nach dem Ritus der orthodoxen Kirche geftattet ift, und der alljährlich eine nicht unbedeutende Anzahl von Opfern fordert. Hinfichtlich des Alters, in welchem die Todesfälle ftattfinden, hat fich das nachfolgende Verhältnifs herausgeftellt; auf 1000 Todes. fälle kamen: - - Jahr 336.76 unter 35 bis 40 Jahren 29.52 unter I 99 I bis 5 99 99 5 ΙΟ 99 99 209 ΟΙ 48.01 وو 40 " 5° 27 62.76 99 5° 60 99 20 68.05 IO 99 " 9 I5 99 20˚42 60 99 99 70 " 72.13 99 15 20 21.26 وو 99 70 80 وو 99 99 43.69 20 29 99 25 24 11 80 und dartiber 99 99 99 25 30 وو 99 99 30 99 35 99. 25.5° 25.20 unbekannt 13.43 O.15 Diefe Ziffern weichen wenig von den Angaben der anderen Länder ab. Auch in Rufsland herrfchen eben die meiften Todesfälle in dem Alter vor, welches auf die Geburt folgt, dann fängt die Anzahl an fich zu vermindern bis zum Alter von 10 oder 15 Jahren. Von da ab nimmt die Sterblichkeit bis zu 35 Jahren in mäfsigem Grade zu und fteigert fich in gröfstem Mafse in den zehnjährigen Perioden, welche diefem Alter folgen. Unter den 2,239.652 Todten vom Jahre 1867 waren 1,141.927 Männer und 1,097,725 Weiber. Das Verhältnifs ftellt fich daher wie 100 zu 104, und findet fich die Erklärung hievon wohl einerfeits in der gröfseren Anzahl männlicher Geburten, dann aber auch in der fchweren Arbeit, welche dem männlichen Gefchlechte obliegt. Der Percentualfatz ift bei den verfchiedenen Gefchlechtern folgender: Rufsland. 7 Auf 100 Todesfälle kamen Männliches Weibliches Auf 100 Todesfälle kamen Männliches Weibliches Gefchlecht Gefchlecht Gefchlecht Gefchlecht unter I 99 I Jahr 35 3 31.9 unter 30 35 Jahren 5'1 5.6 5 29 20.7 21'I 77 35 40 99 6.3 6.3 יי 5 IO 4.8 4.7 " 40 50 99 6.5 7.1 IO 15 I.7 1.6 " 7 99 5° 60 99 6.7 7.6 9: 15 20 I'I I 2 60 99 70 2.5 2.6 وو 20 " 25 " 97 25 30 "" I'4 4.7 13 5.3 99 70 80 1.8 1.8 99 99 80 und darüber 1'4 I'3 Demgemäfs prädominiren bis zum Alter von 5 Jahren die Todesfälle beim männlichen Gefchlechte. Von 5 bis 14 Jahren ift die Differenz, obgleich fehr wenig bemerkbar, doch noch zu Gunften des weiblichen Gefchlechtes. In der folgenden Periode von 14 bis 20 Jahren iſt zwar im Anfang, im Alter der Reife zwifchen 14 und 17 Jahren, die Angabe dem weiblichen Gefchlechte ungünſtig, wendet fich aber dann von 17 bis 28 zu Ungunften des männlichen Gefchlechtes. Das ungünftige Verhältnifs in der Periode von 20 bis 40, welches für die Frauen conftatirt ift, mag wohl den Grund in den Gefahren haben, welche die Entbindungen mit fich bringen. Sehr fchwer ift dagegen falls die Ziffern richtig find die grofse Sterblichkeit zu erklären, der verhältnifsmäfsig die Frauen in derjenigen Periode ausgefetzt find, welche in vorftehender Ueberficht bis zum Alter von 80 Jahr detaillirt ift. - - Wir fchliefsen diefe Betrachtung mit der jedenfalls berechtigten Folgerung, dafs das Sterblichkeitsverhältnifs in Rufsland nicht ungünftig und dafs die Zunahme der Bevölkerung im Hinweife auf die grofse Anzahl von Geburten eine ftetig fteigende, befriedigende ift. Bei dem gleichzeitig fo ftark zunehmenden Bedarfe an Arbeitskraft, hervorgerufen durch die fich entwickelnde Cultur, kann man diefe Erfcheinung nur mit Befriedigung begrüfsen. Im Jahre 1863 wurden 3,044.991 Geburten( darunter 3% Percent unehelich) conftatirt. Sociale Verhältniffe. Nach den focialen Verhältniffen gruppirt fich Rufslands Bevölkerung wie folgt: Erblicher Adel Perfönlicher Adel 591.266 Seelen oder o'8 Percent Geiftlicher Stand Städtifche Bevölkerung Bauern Militär. Ausländer Diverfe . 327.764 633 185 99 0.5 25 وو 39 0.9 99 6,907.071 وو མས 9.7 29 56,290.541. 99 99 78.9 97 5,943.358 79 99 8.3 29 148.125 523.231 0.2 99 " 9 99 0.7 79 97 99 Nationalitäten. Was die verfchiedenen Nationalitäten anbelangt, fo nimmt Bufchen an: Slaven: Ruffen 53,470.000= 71 Percent der Gefammtmaffe; Polen 4,860.000, Bulgaren 41.000, Serben 30.000, zufammen 58,401.000= 76 Percent. Nicht flaven: Finnen 4,630.000, Tataren 4,780.000, Lithauer 2,420.000, Rumänen 780.000, Armenier 800.000, Tfcherkeffen 540.000, Mongolen 500.000, Deutfche 880.000, Schweden 150.000, Griechen 50.000 und Juden 2,290.000, zufammen 17,820.000. Im Ganzen rechnet man im ruffifchen Reiche 112 verfchiedene Völkerfchaften, welche mindeftens 40 verfchiedene Sprachen oder Mundarten reden. Trotz diefer Zerfplitterung hat indeffen Rufsland( z. B. vor Oefterreich) den grofsen Vortheil, dafs fein Hauptftamm überwiegend zahlreich ift. Religionsverhältniffe. Abgefehen von den zahllofen Secten theils harmlofer, theils gemeingefährlicher Tendenz, welche fich in neuerer Zeit herausgebildet haben, wie die Starowertzi, die Skoptzi, die Duchobortzi, die Marelftfchiki etc., leben nach Bufchen in Rufsland: 8 Griechen. Armenier. Katholiken Proteftanten Wilhelm von Lindheim. 57,161.000 535.000 6,780.000 Juden Mohamedaner Heiden • 4,132.000 2,298.000 • 5,662.000 481.000 Die Staatsreligion ift die griechifch- orthodoxe. Die höchfte geiftliche Behörde bildet der Heilige Synod zu Sct. Petersburg, der, im Jahre 1724 von Peter dem Grofsen gegründet, aus einem Präfidenten( dem Metropoliten zu Nowgorod) und 6 Mitgliedern( 3 Metropoliten, 2 Erzbifchöfen und dem Grofsalmofenier des Heeres) nebft dem Unterrichtsminifter als Generalprocuratur befteht. Ihm untergeordnet find 3 Metropoliten, 19 Erzbifchöfe und 31 Bifchöfe. Die Kirche iſt ungemein reich und befitzt an 581 Klöfter. Im Jahre 1788 hatte Rufsland nach Chantreau deren nur 217, nämlich 150 Männer- und 67 Frauenklöfter mit 6000, refpective 5000 Inquilinen. Die Katholiken ftehen in Polen unter dem Erzbifchofe von Warfchau, im übrigen Reiche unter dem Bifchofe von Mohilew. Die evangelifche Kirche, aufser in Finnland befonders in den Oftfee- Provinzen, Polen, Lithauen und den deutfchen Colonien im Süden verbreitet, fteht theils unter der kaiferlichen Regierung in Helfingfors, theils unter Provinzial- Confiftorien und einem General- Confiftorium zu Sct. Petersburg. Heiden, Bekenner des Schamanenthums, find befonders in den Gouvernements Aftrachan( 17 Percent) und Orenburg( 3% Percent) zu finden Städteftatiftik. Städte befitzt Rufsland nach officiellen Angaben, welche bis September 1871 ergänzt und revidirt wurden, Alles in Allem 873, wovon auf Finnland 43 entfallen; fünf derfelben haben mehr als 100.000 Einwohner, und zwar Sct. Petersburg* nach der Zählung von 1869: 667.963, Moskau 399.321, Warfchau 276.000( 1873) Odeffa 121.335 und Kifchinew 103.998 Einwohner. II Städte haben zwifchen 50.000 und 100.000 Einwohner, nämlich Riga 97.672, Saratow 93.218, Tafchkent 80.000( ungefähr), Wilna 79.265, Kafan 78.602, Kiew 73.591, Tiflis 69.937. Nikolajew 67.972, Charkow 59.968, Tula 58.150 und Berditfchew 53.787 Einwohner. 168 Städte haben zwifchen 10.000 und 50.000 Einwohner. Durchfchnittlich kommt in Rufsland auf je 434 Quadratmeilen eine Stadt. Regierungsform. - Die Regierungsform ift in Rufsland die unumfchränkt monarchifche. Der Kaiferfeit 1855 Alexander II. ift indeffen an gewiffe unabänderliche ReichsGrundgefetze gebunden: die Reichsordnung Iwans I., betreffend die Untheilbarkeit des Reiches; die Verordnung Katharinas I. vom Jahre 1727, nach welcher der Czar und feine Nachkommen zur griechifchen Kirche fich bekennen müffen; das Erbfolgegefetz Pauls I., welches die Regelung der Thronfolge nach dem Rechte der Erftgeburt in männlicher und nach dem Ausfterben derfelben in weiblicher Linie behandelt, und das Manifeft Alexander I. von 1829, nach welchem nur die Kinder aus einer vom Kaifer für ftandesmäfsig erklärten Ehe fucceffionsfähig find. Der Titel des Regenten lautet: Kaifer und Selbftherrfcher aller Reufsen, Czar von Polen und Grofsfürft von Finnland. Die Krönung und Salbung desfelben zu Moskau ift eine heilig gehaltene Sitte. Der Thronfolger heifstCæfarewitfch, die übrigen Prinzen Grofsfürften. Oberfte Staatskörperfchaften find: der Reichsrath mit berathender Stimme bei Erlafs von Gefetzen, Feftftellung des Budgets; der Senat, deffen Befugniffe die Veröffentlichung der Ukafe, Gefetze etc., die Verleihung von Adelstiteln, * 1706 gegründet, zählte es 1770 bereits 170.000, 1814 335.713, 1840 470.202 Einwohner. Sehr intereffant und lefenswerth ift Helmerfen's Effay: Zur Bevölkerungsftatifik von Set. Petersburg 1873. Storch nimmt in feinen Gemälden von Sct. Petersburg( 1796) die Bevölkerung im Jahre 1792 mit 225.000, Chantreau mit ungefähr 200.000 an. ** Odeffa zählte 1803 erft 8.000 Einwohner. Rufsland. 9 die richterliche Entfcheidung in letzter Inftanz über Staatsverbrechen bilden, ferner der bereits erwähnte Heilige Synod und zehn von einander unabhängige Minifterien, nämlich das des kaiferlichen Haufes, des Auswärtigen, des Krieges, der Marine, der Finanzen, der Staatsgüter, des Innern, des öffentlichen Unterrichtes, der Communicationen und der Juftiz. Orden: der Andreas- Orden( 1659) Peter I.), Katharinen- Orden( 171 4Peter I.), Alexander- Newfki- Orden( 1714 Peter I.) St. Annen- Orden( 1736 Anna), Weifser Adler- und Staniſlaus- Orden( beide polnifchen Urfprungs), Militär- Orden des heiligen Georg( 1769 Katharina II.) und der WladimirOrden( 1782 Katharina II.) Wappen: Der fchwarze doppelköpfige Adler; Landes farben: Schwarz- orange- weifs. Finanzen. Das für das Jahr 1873 ausgeworfene Budget, welches die kaiferliche Beftätigung unterm 30. December 1872 gefunden, weift nach: Einnahmen: Directe Steuern 107,349,129 Rubel, indirecte Steuern 264,674.785 Rubel, Monopole 22,493.623 Rubel, Staatsgüter 43.975.269 Rubel, diverfe Einnahmen 50,852.136 Rubel, Einnahmen von Transkaukafien 5,875.059 Rubel, Einnahmen auf befondere Veranlaffung 19,263.741 Rubel, fpecielle Einnahmequelle für Eifenbahn- und Hafenbauten 2,866.092 Rubel, zufammen Einnahmen** * Vergleiche Wilhelm von Lindheim ,, die wirthschaftlichen Verhältniffe des ruffifchen Reiches" 1873. S. 9. In dem für das Jahr 1874 ausgeworfenen Budget, welches während des Druckes am 8. Januar 1874 veröffentlicht wurde, find die Einnahmen mit 539,851.656, die Ausgaben mit 536,683.836 Rubel veranfchlagt, fo dafs fich alfo ein Ueberfchufs von 3,167.820 Rubel ergibt. Die Einnahmen fetzen fich wie folgt zufammen: Directe Steuern 107,085.469 Rubel, indirecte 281,182.442 Rubel, Monopole 22,851.857 Rubel, Staatsgüter 45,804.747 Rubel, diverfe Einnahmen 50,332.261 Rubel, Einnahmen von Transkaukafien 7,111.139 Rabel, Einnahmen auf befondere Veranlaffung 19,184.979 Rubel, fpecielle Einnahmen für Eifenbahn- und Hafenbauten 6,298.762 Rubel. Die Ausgaben betragen: Zinfen für die Staatsfchulden 93,257.877 Rubel, Staatsrath 1,969.453 Rubel, Heiliger Synod 9,663.360 Rubel, Minifterium des kaiferlichen Haufes 8,866.599 Rubel, des Auswärtigen 2,532.093 Rubel, des Krieges 170,192.553 Rubel, der Marine 24,847.685 Rubel, der Finanzen 80,342.492 Rubel, der Staatsgüter 9,740.684 Rubel, des Innern 43.747.452 Rubel, des öffentlichen Unterrichtes 13,135.089 Rubel, der Communicationen 27,301.289 Rubel, der Juftiz 11,458.546 Rubel, Controle des Reiches 2,041.977 Rubel, Generaldirection der Geftüte 697.541 Rubel, Gerichtsverwaltung im Königreiche Polen 834.517 Rubel, Ausgaben für Transkaukafien 6,570.888 Rubel, entwerthete Steuerbeträge 4,000.000 Rubel, Ausgaben auf befondere Veran laffung 19,184.979 Rubel, aufserordentliche Ausgaben für Eifenbahn- und Hafenbauten 6,298.762 ** Intereffant ift ein Vergleich diefer Zahlen mit den Einkünften des ruffifchen Reiches im Jahre 1788, welche fich wie folgt darftellen: 34,000.000 Livres 5,460.000 17,000.000" Rubel. Kopffteuer Steuer der eroberten Länder Zölle Salzwerke Bergwerke Eingezogene Kirchengüter وو 9,000.000 15,200.000 9,000.000 41,000.000 دو دو دو دو 12,000.000 142,660.000 Livres Verpachtung der Schänken und Brennereien Stempelgelder und andere Gefälle Zufammen Als Peter der Grofse den Thron beftieg, betrugen die Einkünfte gar nur 24 Millionen, bei feinem Tode 37 Millionen Livres. Die Kaiferin Elifabeth brachte diefelben auf 80 Millionen Livres. Aeufserft lehrreich find die Ziffern, in welchen fich die Branntweinfteuer bewegt: 1752 betrug der Ertrag 13,000.000 Livres 1774 1783 " " " " " " 19,360.000 39,600.000 39 1788 1853 1865 1871 دو وو 22 22 41,000.000 دو دو " وو 79,000.000 Rubel " " 29 132,854.862 د, دو دو وو 150,000.000 In Deutfchland brachte die Branntweinfteuer im Jahre 1871 9,651.440 Thaler; in Oefterreich pro 1870 7,284.300 Gulden, in England 1869 und 1870 10,969.189 Pfund Sterling. Während alfo in Rufsland auf jeden Kopf 1.87 Rubel Branntweinfteuer entfallen, ftellte fich diefes Verhältnifs in Deutſchland auf 6.81 Silbergrofchen, in Oefterreich auf 20'81 Kreuzer, in England allerdings auf 707 Shilling. 10 Wilhelm von Lindheim. 517,349.834 Rubel. Die Ausgaben fpecificiren fich: in Zinfen für die Staatsfchulden* 91,061.609 Rubel, Staatsrath 1,833.889 Rubel, Heiliger Synod 9,559.438 Rubel, Minifterium des kaiferlichen Haufes 8,953.679 Rubel, des Auswärtigen 2,485.027 Rubel, des Krieges 165,646.007 Rubel, der Marine 24,662.529 Rubel, der Finanzen 78,377.208 Rubel, der Staatsgüter 9,471,772 Rubel, des Innern 42,910.640 Rubel, des öffentlichen Unterrichtes 12,302.615 Rubel, der Communicationen 26,625.806 Rubel, der Juftiz 10,603.485 Rubel, Controle des Reiches 2,044.065 Rubel, Generaldirection der Geftüte 677.331 Rubel, Gerichtsverwaltung im Königreiche Polen 810.625 Rubel, Ausgaben für Transkaukafien 6,166.604 Rubel, entwerthete Steuerbeträge 1,000.000 Rubel, Ausgaben auf befondere Veranlaffung 19,263.741 Rubel, aufserordentliche Ausgaben für Eifenbahn- und Hafenbauten 2,866.092 Rubel, zufammen Ausgaben 517,322.162 Rubel. Das Plus der Einnahmen beträgt fomit 27.672 Rubel; der Rechnungsabfchlufs dürfte auch von dem Voranfchlage kaum wefentlich abweichen und manifeftirt fomit eine bedeutende Befferung der Finanzlage. Das Jahr 1862 ergab ein Deficit von 14,754.900 Rubel, das Jahr 1868 ein folches von 41,514,876 Rubel; im Jahre 1869 war das Deficit bereits auf 62,101.873 Rubel angefchwollen; allerdings find in neuerer Zeit koloffale Summen für Canal- und Eifenbahn- Bauten verwendet worden. Mr. Erskine, ehemaliger englifcher Gefandfchaftsfecretär in Sct. Petersburg, nahm 1861 das Durchschnittsdeficit mit 4 Millionen Pfund, Kolb mit 50 Millionen Rubel an. Die für 1873 präfumirten gewöhnlichen Einnahmen weifen, verglichen mit den Daten des 1873er Budgets, eine Vermehrung um 24,371.676 Rubel nach; die Einnahmen auf befondere Veranlaffung zeigen eine Verminderung um 160.410 Rubel, die fpeciellen für Eifenbahn- und Hafenbauten beftimmten Beträge eine Reduction um 4,059.234 Rubel. Die Gefammteinnahme erhöht fich demnach um 20,152.032 Rubel. Diefe Steigerung ift durch die Erfahrungen der letzten Jahre gerechtfertigt. Die gewöhnlichen Einnahmen, welche 1868 420,000.000 Rubel betrugen, erreichten im Jahre 1869 eine Höhe von 457,000.000 Rubel, wuchfen im Jahre 1870 auf 480,000.000 Rubel und im Jahre 1871 auf 508,000.000 Rubel, eine Summe, welche den Voranfchlag für das Jahr 1873 um 13 Millionen überragt. Die definitiven Ergebniffe des Gefchäftsjahres 1872 haben noch nicht feftgeftellt werden können, indeffen fcheint es unzweifelhaft, dafs die Einnahmen trotz der wefentlichen Vermehrung der Ausgaben diefe letzteren vollſtändig gedeckt haben. Die Staatsfchuld des Reiches dürfte fich, nach Kolb, etwa wie folgt, ftellen: A. Unmittelbare Staatsfchuld. Confolidirte, einfchliefslich der polnifchen Schuld Schwebende( Schatzbillets) mindeſtens. ° 1063 2 Millionen Rubel 216.0 Summe. 1.279 2 Millionen Rubel 19 11 573 9 Millionen Rubel B. Mittelbare( verdeckte) Staatsfchuld. Creditbillets( nach Abzug des Metallvorrathes). Einlagen in den Depofitenbanken von Sct. Petersburg und Moskau fünfpercentige Reichsbank- Billets. Zufammen. Hiezu die Schuld Finnland circa. Gefammtfchuld wenigftens. 92 17 27 161.0 241 0 2.255 1 Millionen Rubel 12 O 99 99 2.2671** Millionen Rbl. * Diefelben find in ziemlichem Steigen begriffen; fie beliefen fich im Jahre 1867 auf 78,489.110 Rubel, im Jahre 1868 auf 79,139.632 Rubel, im Jahre 1869 auf 83,255.842 Rubel; im Jahre 1870 waren fie auf 78,375.600 Rubel gefunken. Diefe Vermehrung liegt indeffen nicht in der Zunahme der Schuld, fondern in dem Weichen des Curfes. Vergleiche Veffélovsky ,, Annuaire des finances ruffes" 1871. S. 59. ** Diefe ungeheuere Ziffer( Veffélovsky gibt fie mit 2,125,250.940 Rubel an) ftellt fich indeffen, mit der Gröfse des Landes verglichen, lange noch nicht fo ungünftig, als anderwärts. Es beträgt z. B. in Frankreich die Staatsfchuld circa 6200 Millionen Thaler, und kommen auf jeden Rufsland. 11 Im Staatsfchatze hatte im Jahre 1869 eine Bewegung von 1,669,708.232 Rubel ftattgefunden. 5perc. 99 99 Die Operationen der Reichs- Creditanftalten. I. Rechenfchaftsbericht der Reichsfchulden- TilgungsCommiffion. Zum Jahre 1872 waren in das Reichs- Schuldbuch eingetragen: I. Terminliche Schulden: 412 perc. 4perc. . a) auswärtige: . 98, 279.000 holl. Gulden 5perc. 5,004.700 Pfd. Sterl. 43.000 Rbl. Cred. 8,720.000 Pfd. Sterl. 23,625.000 Rbl. Cred. In summa: 98,27 9.000 holl. Gulden 13, 7 24. 700 Pfd. Sterl. 23,668.000 Rbl. Cred. b) innere: 219,282.000 Rbl. Cred. 4perc. 52, 138.400 Rbl. Metall 2. Terminlofe Schulden: a) auswärtige: 5perc. • . 15,000.000 Pfd. Sterl. 99 99 3perc. • 85,6 52.730 Rbl. Metall. 63, 928. 130 Rbl Cred. 5,945 500 Pfd. Sterl. In summa: 20,945.500 Pfd. Sterl. 85,6 52. 730 Rbl. Metall. 63: 928. 130 Rbl. Cred. 5perc. " 6perc. 5perc. 4perc. b) innere: 48, 552. 629 Rbl Cred. 288.377 153,8 73.6 59" 99 99 99 In summa: 202, 7 14.66 5 Rbl. Cred. Total: 98,279.000 holl. Gulden 34,6 70.200 Pfd. Sterl. 137, 79 I. I 30 Rbl. Metall 509,592.795 Rbl. Cred. b) innere: Im Jahre 1872 find getilgt worden: 1. Terminliche Schulden: a) auswärtige: I, 52 3.000 holl. Gulden 5proc. 66.600 Pfd. Sterl. 4proc. 1, 19 7.350 Rbl. Cred. 874.200 Rbl. Metall. " 9 412 perc. 4perc. 8.5 00 Rbl. Cred. 2 10.000 Pfd. Sterl. 1,675.000 Rbl. Cred. In summa 1, 52 3.000 holl. Gulden 276.600 Pfd. Sterl. 1,68 3.500 Rbl. Cred. 2. Terminlofe Schulden: a) auswärtige: 1,033.560 Rbl. Metall. 2,8 89.000 Rbl. Cred. 290.400 Pfd. Sterl. 6perc. 4perc. 5perc. وو 3perc. b) innere: 584.163 Rbl. Cred. وو 6.814 99 In summa: 590.977 Rbl. Cred. Total: 1,523.000 holl. Gulden 567.000 Pfa. Sterl. 1,907.760 Rbl. Metail. 6,360.827 Rbl. Cred. Kopf 164 Thaler; in Grofsbritannien 5350 Millionen Thaler, refpective 172 Thaler; in Italien 2610 Millionen Thaler, refpective 100 Thaler; in Oefterreich- Ungarn 2200 Millionen Thaler, refpective 61 Thaler; in Deutfchland 1000 Millionen Thaler, refpective 25 Thaler, und in Rufsland 2440 Millionen Thaler, refpective 35, Thaler. ,, Seine Verpflichtungen gegen auswärtige Gläubiger hat der ruffifche Staat noch niemals unerfüllt gelaffen." Vergleiche Kolb. II. S. 131. 12 5perc. 99 93 Wilhelm von Lindheim. Zum Jahre 1873 find verblieben: 4 perc. 4perc. In summa: a) auswärtige: I. Terminliche Schulden: 96,756.000 holl. Gulden 4,938. 100 Pfd. Sterl. 34. 500 Rbl. Cred. 8,5 10.000 Pfd. Sterl. 21,950.000 Rbl. Cred. 96, 756.000 holl. Gulden 13,448. 100 Pfd. Sterl. 21,984. 500 Rbl. Cred. b) innere: 5 perc. 4 perc. . 218,084.6 50 Rbl. Cred. 52,264. 200 Rbl. Metall. 2. Terminlofe Schulden: 47.968.466 Rbl. Cred. 288.377 99 153,866.845 a) auswärtige: b) innere: 5perc. 99 3perc. 15,000.000 Pfd. Sterl. 84.6 19. 170 Rbl. Metall. 61,0 39. 130 Rbl. Cred.. 5,655. 100 Pfd. Sterl. In summa: 20,655. 100 Pfd. Sterl. 6perc. 5perc. 4perc. In summa: Total: 84,6 19. 170 Rbl. Metall. 61,039. 130 Rbl. Cred. 29 99 99 202, 123.688 Rbl. Cred. 96,756.000 holl. Gulden 34, 103: 200 Pfd. Sterl. 136, 883. 370 Rbl. Metall. 503,23 1.9 68 Rbl. Cred. Hieraus ift erfichtlich, dafs der Betrag der in das Reichs- Schuldbuch eingetragenen Schulden im Jahre 1872 fich um 1,523.000 holländifche Gulden, 567.000 Pfund Sterling, 1,907.760 Rubel Metall und 6,360.827 Rubel Credit, im Ganzen alfo um 13,450.766 Rubel Credit vermindert hat. Aufser den in das Reichs- Schuldbuch eingetragenen Schulden laften auf der Reichsrentei noch folgende Schulden: An Billets der Reichsrentei. Solcher Billets waren im Jahre 1872 in Circulation 72 Serien, eine jede à 3,000.000 Rubel, zufammen für 216,000.000 Rubel. Die Anzahl der Serien ift auch zum Jahre 1873 diefelbe geblieben, nur mit dem Unterfchiede, dafs die Serien sub NNr. XCVI bis CXIII. inclufive, deren Fällig keitstermin ins Jahr 1872 fiel, auf Allerhöchften Befehl vom 10. November 1871 durch die neuen Serien sub NNr. CLXVIII bis CLXXXV inclufive für den gleichen Betrag erfetzt wurden. An Billets der Rentei des Czarthums Polen. Solcher Billets befanden fich im Jahre 1872 für 400.000 Rubel in Circulation. Von denfelben wurden in Gemäfsheit des Allerhöchften Befehles vom 25. Juni( 7. Juli) 1863 im Laufe diefes Jahres für 100.000 Rubel aus dem Verkehre gezogen, fo dafs zum Jahre 1873 dergleichen Billets für 300.000 Rubel in Circulation verblieben. An 4percentigen Obligationen des Czarthums Polen. Diefe Schulden beliefen fich zum Jahre 1872 auf 27,267.632 Rubel und verminderten fich im Jahre 1872 durch terminliche Tilgungen bis auf 25,920.928 Rubel. Schulden an die Bodencredit- Gefellfchaft des Czarthums Polen, an die Polnifche Bank, fowie an andere Inftitute und Perfonen. An folchen Schulden verblieben zum Jahre 1872: 9,828.461 Rubel, zum Jahre 1873 aber verblieben nach ordnungsmässiger Tilgung, fowie nach Deckung einiger Schulden vor deren Verfalltermin mit ruffifchen percenttragenden Papieren annoch 6,854.683 Rubel. An confolidirten Obligationen der ruffifchen Eifenbahnen. Zum Jahre 1872 waren dergleichen Obligationen erfter und zweiter Emiffion für 23,988.250 Pfund Sterling in Circulation verblieben. Im Jahre 1872 erfolgte eine dritte Emiffion Rufsland. 13 diefer Obligationen im Betrage von 15,000.000 Pfund Sterling zur Deckung der Obligationscapitalien der Kiew- Brefter, Lofowo- Sfewaftopoler, LandwarowoRomnyfchen, Charkow- Nikolajewer, Woronefch- Roftower, Grjäfi- Zarizyner und der Odeffa'fchen Eifenbahn. Nach ordnungsmäfsiger Tilgung find zum 1. Januar 1873 confolidirte Obligationen aller drei Emiffionen für 38,964.150 Pfund Sterling in Circulation verblieben. An Liquidationsfcheinen. Diefe Scheine wurden ausgegeben: a) zur Bezahlung der Schulden des früheren Herzogthums Warfchau und b) für die Verpflegung der ruffifchen Armee in den Jahren 1815, 1816 und 1831, in summa auf 15,964.913 Rubel und werden zum Theile getilgt vermittelft der Annahme zum Nennwerthe auf Rechnung der Kronabgaben Rückftände, die fich bis zum 1. Januar 1869 gebildet hatten, zum Theil vermittelft des Aufkaufs zu Börfenpreifen. Die Summe folcher in Umlauf befindlichen Scheine belief fich zum 1. Januar 1872 auf 629.860 Rubel und zum 1. Januar 1873 auf 558.160 Rubel. An Liquidationsbriefen des Königreiches Polen. Diefe Briefe wurden den Grundftückbefitzern diefes Czarthums für die Bauernantheile ausgegeben. Zum 1. Januar 1872 befanden fich für 58,487.547 Rubel folcher Billets in Umlauf; nach der feftgefetzten Tilgung blieben 57,618.717 Rubel. Die Summe aller Schulden des Reichsfchatzes, die nicht im Staats- Schuld. buche verzeichnet find, beträgt zum Jahre 1873: 38,964.150 Pfund Sterling und 307,252.488 Rubel Credit, gegen 1872 um 14,975.900 Pfund Sterling mehr, aber um 5,361.022 Rubel Credit weniger. Für die Vervollſtändigung der Auskünfte über den Stand der Creditabtheilung des Reichsfchatzes pro 1872 dürfte es nicht überflüffig fein, hier die gegenwärtige Höhe der aus der Kroncaffe gewährten Darlehen anzuführen. Diefe Schulden zerfallen in folgende Darlehenskategorien: I. Schulden der Eifenbahn Gefellfchaften: a) Auf die Anleihen, die in den Jahren 1857, 1859, 1862 und 1863 behufs Beendigung der von der Grofsen Eifenbahn- Gefellſchaft übernommenen Linien gemacht worden find, nebft aufgelaufenen Percenten. b) Auf die Anleihen, die in den Jahren 1869, 1870, 1871 und 1872 gemacht find, zur Verftärkung der Transportmittel der MoskauRjäfaner, Orel- Witebfker, Rjäfan- Koflower, Dünaburg- Witebfker, Riga- Dünaburger und Wolga- Donbahn, nebft aufgelaufenen Rückftänden c) Auf die Anleihen vom Jahre 1871 und 1872 der Tambow- Koflower und der GrjäfiZarizyner Eifenbahn- Gefellfchaft zur Deckung des Deficits, welches durch die Exploitation entftanden ift, und zur Bildung eines Betriebscapitals, nebft aufgelaufenen Zinfen. d) Auf den Vorfchufs, der der Conftantinow'fchen Eifenbahn- Gefellſchaft zum Bau der Linien gemacht ift, nebft aufgelaufenen Rückftänden In Allem: 39,966.712 Rbl. Credit 17,802.983 י وو 1,253.927 27 99 3,249.525 Rbl. Metall. 59,023.022 Rbl. Credit 3,249.525 Rbl. Metall. * Die Gefellſchaft der Riga- Dinaburger Eifenbahn ift die einzige, welche in den Jahren 1871 und 1872 à conto der Anleihe 137.013 Rubel zurückgezahlt hat. 14 Wilhelm von Lindheim. e) Auf die Summen, welche der SchujaIwanowo'fchen, der Libau'fchen, der GrjäfiZarizyn'fchen, Woronefch- Roftow' fchen, MoskauKurfker, Moskau- Brefter, der Odeffa'fchen. der Riga- Bolderaa'fchen, der Tambow- Saratow'fchen und der Poti- Tiflis'fchen, der KijewBrefter, der Lofowo- Sfewaftopoler, Landwarowo- Romny'fchen und Charkow- Nikolajew'fchen Eifenbahn- Gefellſchaft à conto ihrer Obligations capitalien gezahlt worden find, fammt aufgelaufenen Percenten . f Als Avance auf die Bezahlung der Percente und Tilgung der garantirten Actien und Obligationen, mit Ausnahme von 4,998.382 Rubel, die von einigen Geſellſchaften zurückerftattet find 222,931.905 Rbl., 32 Kop. Metall. 94,208.228 Rbl. Metall. Im Jahre 1871 belief fich die Summe der Jahrespercente und der Tilgung der von der Staatsregierung garantirten Eifenbahn- Actien und Obligationen mit Einfchlufs der Obligationen der Nikolaibahn erfter und zweiter Emiffion ( 7,200.000) auf 31,573.979 Rubel. Diefe Summe ift im Jahre 1872 unverändert geblieben, und waren im Jahre 1872 à conto derfelben nur 15,888.792 Rubel zur Auszahlung erforderlich. Im letzten Jahre haben fünf Gefellſchaften( Moskau- Rjäfan, Kurfk- Kiew, Rjäfan- Koflow, Riga- Dünaburg und Woronefch- Koflow) die Zahlung der ihnen gewährten Garantiefumme überhaupt nicht verlangt; den übrigen Gefellſchaften wurde jedoch auf Rechnung der ihnen garantirten Summe gezahlt: Der Grofsen ruffifchen Eifenbahn- Gefellſchaft 99 " 99 79 29 29 99 Gefellſchaft der Schuja- Iwanowo'fchen Eifenbahn. Lodzer Fabriksbahn Riga- Mitauer Eifenbahn- Gefellſchaft Kurfk- Charkow- Afower Eifenbahn- Gefellſchaft Warfchau- Terespoler Eifenbahn- Gefellfchaft Orel- Grjäfi Eifenbahn- Gefellſchaft Moskau- Brefter Eifenbahn- Gefellſchaft Dünaburg- Witebfker Eifenbahn- Gefellſchaft Wolga- Don- Eifenbahn- Gefellfchaft Warfchau- Bromberger Eifenbahn- Gefellfchaft Rjäfk- Morfchanfk'er Eifenbahn- Gefellfchaft Orel- Witebfker Eifenbahn- Gefellfchaft 99 99 2° " 77 Baltifchen Eifenbahn- Gefellſchaft 29 ' Charkow- Krementfchug'fchen Eifenbahn- Gefellſchaft 4745100 Percent 567/100 58100 99 99 5811/100 མཉ 100 9130/1 9291/100 100 9668 98 4 / 100 , 9867/100 IOO IOO IOO IOO IOO 100 99 99 " 4 99 3 3 3 3 3 3 3 99 Die gefammte Schuld der Eifenbahn- Gefellſchaften an die Staatsregierung beftand zum 1. Januar 1872 aus 121,881.632 Rubel Credit und 131,537.764 Rubel Metall; zum 1. Januar 1873 aber aus 153,231.851 Rubel Credit und 226,181.430 Rubel Metall, ift alfo um 31,350.219 Rubel Credit und 94,643.666 Rubel Metall geftiegen. 2. Vorfchüffe aus dem Staatsfchatze fürs Reich und das Czarthum Polen an verfchiedene Gefellfchaften, Städte und Privatperfonen: hinzu • Zum Jahr 1872 waren verblieben Im Jahre 1872 kamen an neuen Vorfchüffen und Weilrenten In demfelben Jahre find bezahlt und geftrichen worden Demnach verblieben zum Jahre 1873 Rubel. 28,946.616 6,716.261 2,753.407 32,909.470 Rufsland. 15 nämlich: I. An Vorfchüffen anläfslich von Feuerfchäden und anderen Unglücksfällen... Gütern 2. An Vorfchüffen für verfchiedene Zwecke 3. An Vorfchüffen zum Ankauf von in den weftlichen Gouvernements 4. An Vorfchüffen aus dem Erziehungscapital 5. An Vorfchüffen zur Unterftützung der Landwirthschaft auf den Gütern im Czarthum Polen. 6. Auf Fabriken und Induftrie- Anftalten belaffene Capitalien und Vorfchüffe aus hinterlegten Fabrikscapitalien zu gewerblichen Zwecken. Rubel 3,282.277 24,842.380 3,047.000 1,114.969 419.281 203.563 Rubel 32,909.470 Die Gefammtfumme aller Schulden an den Reichsfchatz belief fich zum 1. Januar 1872 auf 150,828.248 Rubel Credit und 131,537.764 Rubel Metall, zum 1. Januar 1873 aber auf 186,141.321 Rubel Credit und 226,181.430 Rubel Metall, war demnach um 35,313.073 Rubel Credit und 94,643.666 Rubel Metall, im Ganzen alfo um 142,482.121 Rubel 55 Kopeken geftiegen. II. Rechenfchaftsbericht der Reichsbank. Diefer Bericht zerfällt in zwei Theile; in dem erften werden die von der Bank für Rechnung der Reichs caffe unternommenen Operationen, in dem zweiten die Handelsoperationen der Bank, ihrer Comptoirs und Abtheilungen dargelegt. A. Zu den Operationen der erften Kategorie gehören: 1. Umtaufch der alten Staats- Creditbillets in neue, grofser in kleine, kleiner in grofse, ebenfo die Ausgabe von Creditbillets, Rubel auf Rubel, gegen klingende Münze und Barren. Rubel Bis zum Jahre 1872 waren Creditbillets im Umlauf verblieben für 724,214.040 Im Jahre 1872 wurden zum Umtaufche gegen klingende Münze und Metalle in Barren neu emittirt für Im Laufe des Jahres wurden in Folge deffen, dafs beim Schmelzen der Barren, welche fich im Wechfelfonds befanden, im St. Petersburger Münzhofe fich ein Mindergewicht ergab, aus dem Verkehre gezogen für. Somit verblieben bis zum 1. Januar 1873 im Umlauf alfo mehr für Im Wechfelfonds zur Sicherung der Reichs- Creditbillets waren am 1. Januar 1872 vorhanden: a) in klingender Münze und Barren. b) in Staatspapieren der zweiten 42 percentigen äufseren Anleihe Im Jahre 1872 kam hinzu an Gold und Silber zum Umtaufche der in Circulation gefetzten Creditbillets 39,658. 453 • 3.042 763,869.451 39,655.411 156, 298.931 1,828.713 39,658.453 Im Ganzen 197,786.097 Im Jahre 1872 wurden in Folge deffen, dafs fich ein Mindergewicht in den im Wechfelfonds befindlichen Silberbarren ergab, von der Rechnung geftrichen Anleihe Danach war am 1. Januar 1873 folgender Beftand: a) in klingender Münze und Barren. b) an Staatsfonds inBillets der zweiten 42 percentigen äufseren Mehr für 3.042 195,954.342 1, 828.713 Summa 197, 783.055 39,655.41 1 2 16 Wilhelm von Lindheim. 2. Die Zahlung von Zinfen und die Rückzahlung von Capitalien, die in dem St. Petersburger und Moskauer Lombard, in der Handelsbank und Leihbank deponirt waren: Zum Jahre 1872 blieben Depofiten Im Jahre 1872 wurden zurückgezahlt Zum Jahre 1873 verblieben Rubel 2 1, 378.087 1,688.967 19,689.120 3. Die Zahlung von Zinfen und des Capitals auf die 5percentigen Staatsbillets, emittirt zum Umtausch gegen Depofitenbillets der in der Liquidation begriffenen Staats- Creditanſtalten: Von folchen Billets blieben zum Jahre 1872 im Umlauf Im Jahre 1872 wurden aus dem Verkehre gezogen: a) Billets, die in die Tirage kamen b) Billets, in denen Capitalsfchulden aus Darlehen früherer Creditanftalten bezahlt wurden Rubel 236,219. 100 4,751.350 302.650 Zum Jahre 1873 blieben im Verkehre. Im Ganzen 5,054.000 231,165.100 B. Die Handelsoperationen der Reichsbank, ihrer Comptoirs und Abtheilungen beftehen in: 1. Entgegennahme von Einlagen zur Verrentung: An dergleichen Einlagen waren zum Jahre 1872 verblieben Im Jahre 1872 find von Neuem entgegengenommen worden. In diefem Jahre zurückgezahlt Rubel 107,048.521 43,114.122 47.787.799 102.374.844 4,673.677 2. Entgegennahme von Summen der Kronanſtalten, auf laufende Rechnung ohne Zum Jahre 1873 verblieben weniger um Verrentung: Zum Jahre 1872 waren verblieben Rubel 51,100.084 Im Jahre 1872 gingen ein Zurückgezahlt. Zum Jahre 1873 verblieben 813.453.841 830,849.449 33,704.476 Weniger um 17.395.608 3. Entgegennahme von Summen von Privatinftituten und Perfonen auf laufende Rechnung mit Verrentung: Zum Jahre 1872 waren verblieben Im Jahre 1872 gingen ein Zurückgezahlt wurden Im Jahre 1873 find verblieben Mehr für Rubel 54.200.065 855,968.716 823,756.561 86,412.220 4. Entgegennahme von Gold, Silber und Werthpapieren ad depofitum: 32,212.155 Rubel Zum Jahre 1872 waren verblieben Im Jahre 1872 wurden neu entgegengenommen Wurden zurückgezahlt. Zum Jahre 1873 find verblieben Mehr um 5. Discontirung von Wechfeln: Im Jahre 1872 find Wechfel und andere terminliche Zahlungs. verpflichtungen discontirt worden für Gegen 1871 mehr für ° 342,722.595 300,441.390 238,280.535 404.883.450 62,160.855 II4,043.932 8,243.584 Rufsland. 17 6. Ausreichung von Darlehen gegen Unterpfand: Im Jahre 1872 find folcher Darlehen gewährt worden gegen Unterpfand a) von Waaren Gegen 1871 weniger für b) Von rententragenden Staatspapieren Gegen 1871 weniger für c) Von Actien und Obligationen der Privatgefellſchaften Gegen 1871 weniger für 7. Ueberführung von Summen auf Billets und Telegramme: Im Jahre 1872 find übergeführt worden für Gegen 1871 weniger für. 8. An- und Verkauf rententragender Papiere für Rechnung der Bank: Zum Jahre 1872 befafs die Bank folcher Papiere für Im Jahre 1872 wurden gekauft für Gegen 1871 mehr für.. Im Jahre 1872 wurden verkauft für Gegen 1871 weniger für.. Zum Jahre 1873 verblieben für Rubel 2,197.645 719.571 37,103.182 14.594.107 5,263.753 13,509.875 415,176.066 50,170.695 Rubel 4,957.190 7,635 007 894.683 7,166.899 1,104.691 5,425.298 9. An- und Verkauf rententragender Papiere in Commiffion: Zum Jahre 1872 waren bei der Bank, ihren Comptoirs und Abtheilungen unverkauft geblieben für. Im Jahre 1872 gingen zum Verkaufe ein.. Gegen 1871 weniger für Verkauft und ausgezahlt wurden Gegen 1871 weniger für " Demnächft find zum Jahre 1873 unverkauft verblieben Durch die Handelsoperationen ift im Jahre 1872 ein Gewinn erzielt worden von Gegen 1871 weniger für Rubel 607.318 9,132.512 4.049.082 9.398.949 3,825.273 340.881 4,084.842 419.998. Das Grund- und das Referve capital der Reichsbank beftand zum 1. Januar 1873 in derfelben Höhe, wie zum 1. Januar 1872, nämlich erfteres aus 20,000.000 Rubel, letzteres aus 3,000.000 Rubel. Zum Jahre 1872 waren 8 Comptoirs und 38 beftändige Abtheilungen der Reichsbank in Thätigkeit. Im Jahre 1872 ift noch eine Abtheilung eröffnet worden. III. Rechenfchaftsbericht der St. Petersburger und Moskauer Depofitencaffe. Diefe Caffen verhandeln Angelegenheiten, betreffend Darlehen, welche von den in Liquidation befindlichen Reichscredit- Anftalten auf längere Termine gewährt worden. 1. Bei der St. Petersburger Depofitencaffe betrug zum Jahre 1872 die Schuld der Kronanftalten, Privatperfonen und Gefellfchaften Im Jahre 1872 wurde an Percenten zum Capital gefchlagen, fowie an Darlehensfchulden aus der Moskauer Depofiten caffe und den ehemaligen Collegien Allgemeiner Fürforge übergeführt Bezahlt und von den Rechnungen abgefetzt* Zum Jahre 1873 verblieb eine Schuld von Gegen 1872 weniger um Rubel 69,614.577 3,945.997 10,666.491 62,894.083 6,720.494 * In den Monaten Januar und Februar 1873 waren 100 verfchuldete Güter zum Verkauf geftellt. Von ihnen find nur 7 verkauft worden; der Verkauf der übrigen 93 wurde inhibirt in Folge Bezahlung der Schuld oder aus anderen Urfachen. 2* 18 Wilhelm von Lindheim. 2. Bei der Moskauer Depofitencaffe betrug zum Jahre 1872 die Schuld der Kronanftalten und der Privatperfonen Im Jahre 1872 wurde an Percenten zum Capitale gefchlagen, fowie an Schulden aus Anleihen von der St. Petersburger Depofitencaffe und von den ehemaligen Collegien Allgemeiner Fürforge übergeführt für. Bezahlt und von den Rechnungen abgefetzt wurden* Zum Jahre 1873 verblieb eine Schuld von Weniger gegen 1872 für Rubel 50,920.640 2,297.983 8,695.799 44.522.824 6,397.816 IV. Rechenfchaftsberichte der St. Petersburger und Moskauer Leihcaffen. Die Rechenfchaftsberichte weifen folgende Umfätze auf: Jahre 1872 Sachen in Verfatz für. Rubel I. In der St. Petersburger Leihcaffe befanden fich zum Im Jahre 1872 find entgegengenommen worden für Im Jahre 1872 find ausgelöft, in Wiederverfatz gegeben und verkauft worden für 5,032.560 6,697.176 6.447.598 Zum Jahre 1873 find verblieben für. Mehr für. 5.282.138 249.578 2. In der Moskauer Leihcaffe befanden fich bis zum Jahre 1872 Sachen in Verfatz für Im Jahre 1872 find entgegengenommen worden für. Im Jahre 1872 find ausgelöft, in Wiederverfatz gegeben und verkauft worden für 2.742.521 3.566.290 3,675.436 2,633-375 109.140 Zum Jahre 1873 verblieben für Weniger für V. Rechenfchaftsbericht der Sparcaffen. Die Rechenfchaftsberichte der Sparcaffen weifen nach, dafs im Jahre 1872 im Vergleiche zum Jahre 1871 die Summe der Einlagen in der St. Petersburger Sparcaffe um 8930 Rubel und in der Moskauer Sparcaffe um 120.580 Rubel abgenommen, in den ftädtifchen Sparcaffen aber um 32.456 Rubel zugenommen hatte. Die Bewegung der Einlagen im Rechenfchaftsjahre 1872 ftellte fich wie folgt heraus: I. In der St. Petersburger Sparcaffe betrug zum Jahre 1872 die Summe der Einlagen Rubel 2,351.255 Im Jahre 1872 wurden eingelegt 1,077.491 An Percenten hinzugerechnet. 67.104 Zurückgezahlt. 1,153.525 Zum Jahre 1873 verblieben an Capital und Zinfen 2,342.325 Weniger um 8.930 2. In der Moskauer Sparcaffe betrug die Summe der Einlagen zum Jahre 1872. 753.455 Im Jahre 1872 wurden eingelegt 117.164 An Zinfen zugefchlagen 20.207 257.952 Zurückgezahlt. * In den Monaten November und December 1872 follten 167 Güter zum Verkaufe kommen. Von denfelben find 6 verkauft worden; der Verkauf der übrigen 161 Güter wurde inhibirt in Folge Bezahlung der Schuld oder aus anderweitigen Urfachen. Rufsland. Zum Jahre 1873 verblieben an Capital und Zinfen. 19 Rubel 632.874 Weniger um 120.581 3. In den ftädtifchen Sparcaffen betrug die Summe der Einlagen zum Jahre 1872 1,817.747 Im Jahre 1872 wurden eingelegt. 711.617 An Zinfen zugefchlagen 52.419 Zurückgezahlt wurden. Zum Jahre 1873 waren an Capital und Zinfen verblieben Gegen 1872 mehr für 731.580 1,850.203 32.456 VI. Rechenfchaftsberichte über die Operationen der Collegien Allgemeiner Fürforge. Aus diefen Rechenfchaftsberichten ift erfichtlich: 1. Zum Jahre 1872 waren an Einlagen verblieben für Im Jahre 1872 wurden Einlagen zurückgegeben für Zum Jahre 1873 waren an Einlagen verblieben Gegen 1872 weniger um Rubel 6,726.601 933.168 933.168 5,793.433 2. Zum Jahre 1872 betrug die Summe der gewährten Darlehen 9,817.690 Im Jahre 1872 wurden an Zinfen zum Capital gefchlagen, zu den Depofitencaffen übergeführt und bezahlt 1,878.592 Zum Jahre 1873 verblieb eine Darlehensfchuld von Gegen 1872 weniger für 7,939.098 1,878.592 VII. Rechenfchaftsberichte der bei den Collegien Allgemeiner Fürforge eingerichteten Sparcaffen. Zum Jahre 1872 befanden fich in diefen Caffen an Einlagen. Von Neuem hinzugerechnet Im Jahre 1872 zurückerftattet Zum Jahre 1873 verblieben Weniger gegen 1872 um Rubel 328.865 23.419 95.410 256.874 71.991 VIII. Rechenfchaftsbericht des Hauptinftitutes für LoskaufsOperationen. Vom Jahre 1871 waren an von diefem Inftitute noch nicht durchgefehenen Loskaufs- Acten verblieben Im Jahre 1872 kamen folcher Acte noch hinzu In summa Von diefen Acten waren zu Stande gekommen: In Folge freiwilliger Uebereinkunft zwifchen Gutsherren und Bauern Auf Forderung der Gutsbesitzer, in Grundlage des Artikels 35 der Verordnung über den Loskauf Auf Verlangen der Creditanſtalten Im Laufe des Jahres 1872 find beftätigt worden Bei denfelben waren betheiligt Bauern Die Landzutheilung an diefelben betrug Die Summe der genehmigten Loskaufs- Darlehen betrug. A conto diefer Darlehen wurden als Schuld an die Creditanſtalten verrechnet. I.953 2.777 4.730 677 3.759 294 2.784 192.579 Seelen. 744.052 Defsjät. 21,306.938 Rbl. 55 Kop. 6,683.385, 65* 20 Wilhelm von Lindheim. Von dem Refte wurden zur Auszahlung affignirt: In Loskaufs- Scheinen In fünfpercentigen Bankbillets In barem Gelde In summa Aufserdem gingen aus den nordweftlichen, füdweftlichen und den weifsruffifchen Gouvernements Loskaufs- Acten ein. Mit den vom Jahre 1871 undurchgefehen verbliebenen 995 Acten unterlagen im Jahre 1872 der Durchficht feitens des Hauptinſtitutes für LoskaufsOperationen. Davon find beftätigt worden Mittelft derfelben find von 40.075 Bauern gekauft worden. Die Summe der genehmigten Loskaufs- Darlehen beträgt A conto diefer Summe find als Schuld an Creditanftalten verrechnet worden Der Reft von 1,485.935 Rubel 75 Kopeken ift wie folgt zur Auszahlung affignirt worden: In Loskaufs- Scheinen In fünfpercentigen Bankbillets In barem Gelde Im Ganzen find von der Zeit der Eröffnung des Hauptinftitutes für Loskaufs- Operationen, vom 27. October 1861 bis zum 1. Januar 1873 an Loskaufsvereinbarungen und Acten eingegangen beträgt Davon find beftätigt worden An denfelben waren betheiligt Bauern Die Landzutheilung beträgt Die Summe der gewährten Loskaufsdarlehen A conto diefer Summe find als Schuld an die Creditanftalten verrechnet • Der Reft von 353,315.173 Rubel 93 Kopeken ift wie folgt zur Auszahlung angewiefen worden: In Loskaufs- Scheinen. Als ununterbrochene fünfeinhalbpercentige Rente im Betrage von 5,864.304 Rubel 33 Kopeken jährlich vom Capital In fünfpercentigen Bankbillets In barem Gelde 10,841.500 Rbl. 3,736.850 -- Kop. - 99 " 90 " 9 وو 45.202 14,623.552 Rbl. 90 Kop. 276 I.271 398 191.942 Defsjät. 3,178.277 Rbl. 57 Kop. 1,692.341 82 97 ንዓ 1,363.200 117.550 5.185 12 42 " 75 " 333 وو 79.345 76.116 6,835.543 Seel.* 24,023.671 Defsjät. 628,439.843 Rbl. 53 Kop. 275,124.669 60 " 9 164,392.470 99 99 106,623.715 80,665.500 1,633.488 99 7 " 29 " 7 86 19 " 9 Schliesslich ift noch die Mittheilung von Intereffe, dafs die Gefammtzahl der ftädtifchen Gemeindebanken, inclufive derjenigen, welche vor dem Erfcheinen des am 6. Februar 1852 Allerhöchft beſtätigten Normalftatuts errichtet worden, zum Jahre 1872 221 betrug. Im Jahre 1872 ift die Genehmigung zur Eröffnung von 14 neuen ftädtifchen Gemeindebanken ertheilt worden. Aus den Rechenfchaftsberichten für das Jahr 1872, welche von 204 folcher Banken vorgelegt worden, ift erfichtlich, dafs das Grund capital diefer Banken im Jahre 1871 betrug 10,968.655 Rubel, das Refervecapital aber 1,787.216 Rubel. Die Summe der *) Wie auf Seite 88 angegeben, beläuft sich nach anderen Publicationen die Zahl der freigekauften Bauern auf 8,855.553. Die vorliegende Zuſammenftellung ift den Publicationen in den ruffifchen Zeitungen entnommen. Rufsland. 21 Umfätze derfelben belief fich im Jahre 1872 auf 200,437.290 Rubel in Einnahme und auf 198,261.757 Rubel in Ausgabe. An Einlagen erhielten diefelben 83,380.033 Rubel. An Darlehen gegen Verfatz von rentenbringenden Papieren zahlten fie aus 10,016.987 Rubel, auf Waaren 389.755 Rubel, auf diverfe Gegenftände 443.295 Rubel und auf Immobilien 15,766.021 Rubel. Wechfel wurden von ihnen discontirt für 68,730.298 Rubel. Die Zahl der Leih- und Sparcaffen- Vereine, wie folche auf Grund des am 21. März 1869 Allerhöchft beftätigten Minifter- Comité befchluffes genehmigt worden find, belief fich zum Jahre 1872 auf 62; im Laufe des Jahres 1872 wurden 101 folcher Vereine neu beftätigt. Im Jahre 1872 wurde die Genehmigung zur Gründung von 10 ActienHandelsbanken, 9 Bodenbanken, 16 Gefellſchaften gegenfeitigen Credites und einer Handels- Creditgefellſchaft ertheilt. Im Jahre 1873 waren in Thätigkeit 37 Actien Handelsbanken, 39 Gefellfchaften gegenfeitigen Credites 21 ftädtiſche Creditgefellſchaften und Bodenbanken und eine Handels- Creditgefellfchaft. Heerverhältniffe. In Rufsland beftehen, nachKolb, gegenwärtig14Hauptterritorial- Commandos. und zwar zu St. Petersburg, Finnland, Riga, Wilna, Warfchau, Kiew, Odeffa, Charkow, Moskau, Kafan, Kaukafus, Orenburg, Weftfibirien und Oftfibirien. Die Divifion bildet die adminiftrative und höhere tactifche Einheit. Sie befteht, unter Befeitigung des früheren Brigadeverbandes, bei der Infanterie aus 4, bei der Cavallerie aus 6 Regimentern. Das Gardecorps umfafst 12 Infanterie-, 4 Cüraffier-, 2 Dragoner-, 2 Uhlanen- und 2 Hufzaren-, fowie 2 Kofakenregimenter, Gardeartillerie und 3 Gardefchützen- Bataillone, ferner mehrere Garnifon-, Mufter-, Lehr- und InvalidenTruppentheile. Die Infanterie umfafst 4 Grenadierdivifionen, jede zu 4 Regimentern, gleich 16 Grenadierregimentern, 40 Infanterie divifionen, ebenfalls zu 4 Regimentern, gleich 160 Linieninfanterie- Regimentern, 25 Jägerbataillone, 9 angefiedelte finnländifche Schützenbataillone, I Garde-, I Grenadier, 9 Sapeurbataillone, 3 Referve- Sapeurbataillone und 6 Pontonnier- Halbbataillone. Die Cavallerie umfafst 8 Divifionen, von denen 7 je 2 Dragoner-, 2 Uhlanen- und 2 Hufzarenregimenter haben. Die Artillerie umfafst 7 reitende und 42 Fufs-, fowie 8 Parkbrigaden. Linien- Grenzbataillone gibt es 37 kaukafifche, 9 orenburgifche, 7 weft- und oftfibirifche, 8 Feftungsregimenter, 3 Feftungsbataillone, 53 Gouvernementsbataillone( die frühere innere Wache oder Garnifontruppen), fowie zwei zum erften Male erfcheinende Bergwerks- Bataillone am Ural und am Altai. Die Feftungsartillerie ift in 36 Feftungen und Forts, die Ingenieure find in 19 dergleichen vertheilt. Unter den Kofakenheeren unterfcheidet man das donifche, kubanifche, terekifche, neuruffifche, aftrachanifche, orenburgifche, uralifche, fibirifche, transbaikalifche und amurfche. Eine kaiferliche Entfchliefsung vom Auguft 1864 beftimmt in Kriegszeiten den Effectivftand jedes Infanteriebataillons zu 900, jedes Jägerbataillons zu 780 Mann, das heifst alfo 180 Mann per Compagnie. In Friedenszeiten ift der Effectivftand von drei verfchiedenen Arten: a) der verftärkte Friedensftand mit 680 Mann per Bataillon, b) der gewöhnliche Friedensftand mit 550 Mann und c) der befchränkte Cadreftand mit 320 Mann. Ueber die Stärke der Armee fehlen genaue Angaben. Hübner beziffert diefelbe mit 575.000 Mann im Frieden und 1.363.000 Mann auf Kriegsfufs. Das Journal de St. Pétersbourg berechnet die Effectivftärke des Herres pro 1. Januar 1870 auf 726.000 Mann*, wozu * Unter Katharina II. war das ruffifche Heer in folgender Weife zufammengefetzt: 6) Haustruppen der Kaiferin: 4 Garderegimenter. 1 Escadron Hufzaren. I " I " Leibkofaken Rittergarde 6) Linieninfanterie 4 Regimenter Grenadiere à 2100 Mann. 7 39 Füfiliere » 2039 10.000 Mann 8.400 14.551 22 Wilhelm von Lindheim. noch 553.000 Mann Referven kämen. Das ruffifche ,, Militärifche Magazin" führte für Anfang 1866 auf: 30.507 Officiere und 698.137 Unterofficiere und Soldaten, nämlich 539.887 Infanteriften, 63.440 Cavalleriften, 80.172 Artilleriften und 14.638 Geniefoldaten. Die Aushebungen wurden bisher in der Weife vorgenommen, dafs eine beſtimmte Anzahl Köpfe auf jedes Taufend männlicher Einwohner ausgehoben wird. Die Aushebung für 1871 wurde zu 6 und 73/4 Mann per 1000 Einwohner beftimmt. Mit der Recrutirung ift eine Geldabgabe von ungefähr 33 Rubel Papier für jeden Ausgehobenen verbunden. Seit 1871 ift die Activ- Dienstzeit auf 7, die Refervepflicht auf 8 Jahre feftgefetzt. Das Reich ift bezüglich der Recrutirung in zwei Hälften, die öftliche und die weftliche, getheilt, in denen die Aushebungen wechfeln. Die Behandlung und die Verpflegung der Soldaten ift eine humanere und beffere geworden. Ein Gleiches gilt von der Marine. Die Knute und das Gaffenlaufen gehören durchaus der Vergangenheit an. Schon der Umftand, dafs Grofsfürft Conftantin der gefammten Flottenverwaltung vorfteht, ift hinreichend, um darzuthun, dafs für das Wohlbefinden der Matrofen und Seefoldaten in umfaffender und uneigennütziger Weife Sorge getragen wird. Die Ausgaben für das Kriegsminifterium haben fich während der letzten vierzig Jahre verdreifacht**; trotzdem ift nicht zu verkennen, dafs das Verhältnifs zwifchen dem Armee- und dem Gefammtbudget fich jetzt viel günftiger ftellt als früher. Im Jahre 1832 betrugen die Ausgaben für die Armee 38 6 Percent der Gefammtausgaben, 1842 37 6 Percent, 1852 nur 32.7 Percent, dann 1862 36 2 Percent, 1869 8 Bataillone Jäger à 990 Mann. 6 Freifchützen 700 دو 7.920 4.200 دو 84 Garnifonsbataillone Handwerker c) Cavallerie: 5 Cüraffier- Regimenter 9 Regimenter Carabiniers » 1045 " 9 87.780 22.600 9 32 20 8 "" Dragoner Hufzaren Lanciers 37.440 • • دو d) Irreguläre Truppen: Die donifchen Kofaken $ 24.976 رو دو orenburgifchen Kofaken aftrachanifchen 9.932 "" 4.340 tobolfkifchen 29 " 9.553 e) Artillerie und Fuhrwefen Zufammen. . 29.061 395.205 Mann. Kolb berechnet die Stärke des ruffifchen Heeres unter Peter dem Grofsen auf 108.000 Mann, bei feinem Tode auf 196.000, im fiebenjährigen Kriege auf nur 162.500 und unter Katharina II. auf 312.800 Mann. Sehr intereffant ift der Befoldungsetat aus der Zeit Katharina's II. Es erhielt der General- Feldmarfchall. 2400 Rubel für Rationen General en Chef. Generallieutenant Generalmajor Brigadier Oberft Oberftlieutenant Major I. Claffe II. " 39 Hauptmann Oberlieutenant · 7000 Rubel 16 Burfchen • 3600 I2 دو " 960 " " 3 " . 2160 ΙΟ 600 " 3 " 27 33 " • . 1800 دو 840 27 600 22 9 879 دو 21 480 360 " 29 " 37 " 33 204 " 27 29 2) 360 دو 4 132 23 22 " • 300 260 دو " 200 120 " 332H 32 132 93 33 23 " 96 " 96 " دو 48 898 "" 32 " IOO I 23 5 36 IOO I " د, 36 دو دو دو دو د" , 29 33 1° دو 36 23 15 Feldfcheer Trommler. • دو 71, Rubel 71/2 "" • I2 39 I I Pfeifer Füfilier وو 71/2 7/2 " دو Unterlieutenant. Fähnrich Feldwebel. Sergeant Capitain d'Armes Corporal Der Füfilier erhielt natürlich aufser diefem Betrage noch Quartier, Feuerung, Kleidung und gänzliche Beköftigung. Die Haustruppen der Kaiferin, welche zumeift aus Adeligen beftanden, bekamen eine weitaus höhere Befoldung. * Barry ,, Das neue Rufsland" S. 248. ** Sarauw ,, Das ruffifche Reich in feiner finanziellen und ökonomifchen Entwicklung feit dem Krimkriege" 1873. S. 34. Bezirke Büchfen, Syftem Krnk. Büchfen, Syftem Berdan Büchfen, ZündnadelGewehre Glattläufige Rufsland. 23 33 Percent, während fie für 1873 auf 32'2 Percent veranfchlagt find. Plötzliche Steigerungen im Armeebudget traten, felbftverſtändlich aus Anlafs aufserordentlicher Rüftungen und durch Kriege hervorgerufener gröfserer Bedürfniffe, ein: 1848, wo die Ausgaben von 74,277.600 Rubel auf 97,269.000 Rubel ftiegen, 1853 mit einer Steigerung von 82,546 000 Rubel auf 103,479.000 Rubel, worauf 1854 178,693.000 Rubel, 1855 239,823.000 Rubel und 1856 233,154.000 Rubel erforderlich waren oder faft foviel, wie das Gefammtbudget der vorangegangenen Jahre. Im Jahre 1859( italienifcher Krieg) ftieg das Armeebudget von 89,154.000 Rubel auf 106,691.000 Rubel, 1863 von 114,184.000 Rubel auf 124,916.000 Rubel und im nächsten Jahre auf 151,987.000 Rubel. Das Jahr 1866 brachte ftatt einer Steigerung der Heeresausgaben eine Verminderung von 134,094.000 Rubel auf 129,687.000 Rubel, und 1867 waren fogar nur 127,250.000 Rubel oder 30 8 Percent der Gefammtausgaben erforderlich. Seitdem find die Ausgaben für die Armee, hauptfächlich aus Anlafs der Neubewaffnung, der befferen Verpflegung der Mannfchaften und der Gehaltszulagen der Officiere, wiederum etwas geftiegen. Bei einem Ausgabebudget von circa 520,000.000 Rubel, wie Rufsland es nunmehr hat, kann aber ein Aufwand von 166 Millionen Rubel für das Heer nicht für zu hoch gehalten werden. Die Bewaffnung des Heeres ift eine den modernen Fortfchritten entfprechende.** Die inneren Zuftände der ruffifchen Heeresmacht befpricht in Nummer 115 der Oefterr.- Ungarifchen Wehrzeitung der Kamerad" vom 23. November 1873 * Es entfallen per Kopf ungefähr in Deutſchland. 29 Frankreich 10'36 Francs 167 Thaler, und beträgt das ftehende Heer circa 420.000 Mann دو " "" 29 Oefterreich- Ungarn 2:27 Gulden " 9 "" " Grofsbritannien( incl. Marine) ( mit Indien) o'74 Pfund, " دو دو " "" 22 $ 2 3) "" 400.000 280.000 250.000 دو 97 9) Italien 5'72 Lire Belgien. 7'40 Francs Niederlande. 3'50 Gulden Dänemark. 2'25 Rth. دو دو دو وو د, دو Schweden und Norwegen 0 3'40 Rth. " o'75 Dollars 2'04 Rubel Vereinigte Staaten Rufsland 35.000 21 ** Tabelle über die Bewaffnung und die Waffenvorräthe des ruffifchen Heeres. دو دو دو 200.000 "" " 99 37 " " " 40.000 21 "" "" 92 30.000 33 " 39 29 18.000 22 29 23 22 " 55.000 39 2) 29 دو دو د, دو وو دو Gewehre Karabiner Warfchau Wilnaer. 66.484 2.976 75.312 5.952 200 Oftfibirien. 9.932 Weftfibirien - 9.676 Kaukafus 3.326 2.304 Kafan 12.340 13.350 500 1.590 85.313 7.432 3.600 515 3.712 1.344 6.858 1.064 8.530 14.394 1.344 896 5.423 4.260 896 822 971 4I 6.550 168 287 249 275 271 - 5.019 69 3.211 10.618 19.613 Kiew Moskau Odeffa 38.886 2.976 82.566 49.670 2.976 1.326 958 I.334 1.280 IOO 20.916 1: 400 32.765 896 3.948 1.792 7.019 1.538 11.508 5.064 329 5.497 2.520 896 1.942 150 6.406 896 4.347 2II 5.896 2.620 896 Orenburg Turkeftan 774 2.2321 7.183 14.490 513 - 215 36 237 - 855 78 Finnland - Charkow 900 223 St. Petersburg 10.190 47.120 57.020 1.992 442.914 22.182 21.141 4.032 8.940 3.032 II.305 768 9.245 832 7.337 7.105 2 814 133.167 139.645 10.624 54.526 16.730 70.686 54.963 11.820 165 529 77 6877 445 175 1.310 - 181 1.934 277 20.024 2.320 PercuffionsPiftolen Revolver Säbel Dragonerfäbel, ( Schafchka) Piken 24 Wilhelm von Lindheim. ein hervorragender Fachmann, welcher fich in den Jahren 1869 und 1873 in Rufsland aufgehalten hat. Wir laffen diefe fehr intereffante und competente Schilderung auszugsweife folgen: Rückfichtlich der Armee herrfchen in Rufsland ähnliche Verhältniffe wie in Oefterreich, nur dafs dort der Uebergang noch fchwieriger zu bewerkstelligen war als in Oefterreich. In Rufsland follte mit den Traditionen der ftarren LinearTaktik zum erftenmale gründlich gebrochen werden. Alle Befehlshaber waren noch in denfelben aufgewachfen, und es mufste eben Jeder, vom Höchften bis zum Niedrigften, eine ganz neue Schule durchmachen. Die Infanterie hatte foeben ein neues Exercir- Reglement erhalten. Dasfelbe ift nicht wie das öfterreichifche auf die Compagnie colonne bafirt; allein bei der meiftens fehr geringen Präfenzftärke der ruffifchen Compagnie war wenig Veranlaffung dazu vorhanden. Das Schützengefecht fchien der Infanterie ziemlich fremd zu fein, und es entwickelte fich häufig in fehr ftereotyper Weife, wobei das Terrain nicht immer am beften benutzt wurde. Die Soutiens traten meiftens in Linie auf, compagnie-, auch wohl bataillonsweife, und es wurde nun häufig wie in alter Zeit mit diefen langen Linien ein ftehendes Feuergefecht durchgeführt, bis einer der beiden Theile tambour battant und mit Hurrah vorging, worauf fich der andere entfernte. Ebenfo Defand fich der Vorpoftendienft noch in der Kindheit. Die Cavallerie fchien die bedeutenden Veränderungen, die mit ihr vorgenommen waren, beffer überwunden zu haben als die Infanterie. Freilich waren diefe Veränderungen meiftens nur organiſatoriſcher, nicht taktifcher Art, fo dafs die Ausbildung und Verwendung der Cavallerie ungefähr diefelbe geblieben war wie früher. Auch mit der Bewaffnung waren nur wenige unbedeutende Veränderungen vorgenommen worden. Die Artillerie dagegen hatte eine gänzliche Umformung durchmachen müffen, und trotz ihres ftattlichen Ausfehens merkte man doch ihren Evolutionen bei den Manövern an, dafs fie fich auf einem etwas ungewohnten Terrain befände. Die Wahl der Stellungen war keine befonders gute; dabei klebten die Batterien an den Truppen und wechfelten die Stellungen faft fo häufig wie diefe. Das Auf und Abprotzen gefchah nicht fliefsend und gewandt genug, und von einer Leitung des Feuers zur Uebung der Mannfchaft war wenig die Rede. Es wurde tüchtig geknallt und damit genug. Die Bewegungen der Artillerie aber waren flott; felbft nicht unbedeutende Hinderniffe wurden fpielend genommen. Die Befpannung war aber auch fo prachtvoll, wie man fie fo leicht nicht wieder zu fehen bekommt. Im Frühjahre 1873 fah ich die ruffifche Armee wieder. Die Infanterie leiftet jetzt im gefchloffenen Exerciren völlig Genügendes, die Bewegungen werden exact und ficher ausgeführt, der Marfch ift fchnell und dabei doch feft. Von dem unnützen Formiren der Doppelreihen beim Flankenmarfch, welche Formation auch die Oefterreicher haben und welche das neue ruffifche Exercir- Reglement einführte, ift man noch nicht abgekommen. Sonft haben die Evolutionen der ruffifchen Infanterie wenig Bemerkenswerthes, wenn Wie aus der Tabelle erfichtlich, befinden fich in der Gefammtanzahl von 738.878 Gewehren, welche als im Gebrauche befindlich aufgeführt werden, faft 145.000 glattläufige Gewehre, welche von vorn geladen werden. Zu diefer Anzahl müffen auch noch diejenigen gezogenen Gewehre hinzugerechnet werden, deren Ladung gleichfalls von vorn gefchieht. Wenn letztere auch nicht in der Tabelle aufgeführt werden, fo befinden fie fich doch hier und da noch im Gebrauche. Von Büchfen nach dem Syftem Karl es find diefs Zündnadel- Gewehre- find in der Tabelle 133.167 Stück aufgeführt. Mehr als die Hälfte derfelben befindet fich im kaukafifchen Militärbezirk; aufserdem find mit Gewehren nach dem Syftem Karl ausfchliefslich die fibirifchen Truppentheile und zum Theile auch die des Turkeftaner Bezirkes( 14 Taufend) verfehen. Auch in den übrigen Militärbezirken befinden fich Gewehre des Syſtems Karl, wenn auch in geringer Anzahl; befonders grofs ift die Zahl derfelben im kafanfchen Bezirk. Im Kaukafus und in Turkeftan find dagegen auch Gewehre anderer Syfteme, des Krnk'fchen und Berdan'fchen, wenn auch gleichfalls in befchränkter Anzahl, vorhanden. * Wir vermuthen Herrn Chriftian von Sarauw, Hauptmann der dänifchen Armee. Vergl. deffen früheres Werk: ,, Die Heeresmacht Rufslands" Berlin 1870. -- - Rufsland. 25 auch allerlei Ueberflüffiges wie das Durchziehen der hinteren Züge durch die vorderen dabei vorhanden ift. So viel ich bemerken konnte, wurde auf das Gewehr- Exerciren wenig Nachdruck gelegt; folche Präcifion, wie fie bei den Gewehrgriffen früher in der ruffifchen Infanterie zu Haufe war und vernünftiger Weife bei der preufsifchen noch jetzt zu finden ift, war nicht mehr zu bemerken. Einen fehr fühlbaren Ausdruck fand diefer Umftand beim Feuern. Im Tirailliren fcheint die ruffifche Infanteie wenig Fortfchritte gemacht zu haben; im offenen, flachen Terrain benutzt man noch, wie in alter Zeit, langfam fich in den verfchiedenen Richtungen bewegende Schützenlinien, aus denen dann und wann Leute hervortreten, um zu feuern, was noch dazu ftehenden Fufses gefchieht. Sind Deckungen vorhanden, wie einzelnftehende Bäume, Erdlöcher, Wälle und dergl., fo klumpen fich die Leute dermafsen dahinter oder darin zufammen, dafs keiner recht zum Schuffe kommen kann. Unter guten Führern wird die ruffifche Infanterie daher fchon jetzt gewifs fehr viel leiften, wenn fie auch wahrfcheinlich im Kampfe grofse Verlufte erleiden wird; was ihr noch fehlt, ift Beweglichkeit und ein den Wirkungen der neuen Feuerwaffen entſprechendes Auftreten im zerftreuten Gefechte. Die ruffifche Cavallerie ift wohl die Waffengattung der Armee, die auf der verhältnifsmäfsig höchften Stufe fteht. Die Bewaffnung der ruffifchen Cavallerie ift eine von der aller anderen Cavallerien völlig verfchiedene, und es wird darin auch zunächft wohl keine Aenderung eintreten. Bei fämmtlichen Regimentern, mit Ausnahme der Dragoner, führt das erfte Glied die Lanze, das zweite Glied aber jetzt( erft feit diefem Jahre) einen Hinterladungs- Karabiner; aufserdem find beide Glieder natürlich mit dem Säbel bewaffnet. Bei den Hufzaren und Uhlanen ift das erfte Glied auch erft feit ganz kurzer Zeit mit einem ziemlich complicirten Revolver bewaffnet worden. Bei den Cüraffieren hat das zweite Glied Revolver, aber keine Carabiner, während das erfte auch den Revolver nicht hat. Ein ftichhaltiger Grund für diefe Abweichungen in der Bewaffnung der verfchiedenen Regimenter dürfte kaum aufzufinden fein. Die Dragoner find durchweg mit Hinterladungs- Gewehren verfehen; man bedient fich ihrer vorzugsweife, wenn Oertlichkeiten durch Cavallerie zu befetzen find. Es wird bei den Dragonern auf die Ausbildung der Leute im Schiefsen und im Kampfe zu Fufs ein grofses Gewicht gelegt; allein es treten hier die oben bei Befprechung der Infanterie angeführten Schwächen noch fchärfer hervor, denn das Tirailliren kann doch immer nur als Nebenfache betrieben werden. Unferer Meinung nach ift diefs freilich kein Unglück, denn Reiter follen eben keine berittene Infanterie fein. Was von einer Cavallerie im Fufsdienft verlangt werden kann, alfo zunächft die Befetzung und Vertheidigung einer Oertlichkeit, mufs von jeder guten Cavallerie ausgeführt werden können; allein mit langen Feuergefechten hat fie fich gewifs nicht abzugeben. In Rufsland fcheint man darüber noch nicht zu völliger Klarheit gelangt zu fein. Die ruffifche Artillerie hat meiner Meinung nach fehr bedeutende Fortfchritte in der letzten Zeit gemacht, was ihre taktifche Ausbildung anbelangt. Die Pofitionen werden mit Einficht gewählt und genügend ausgenützt; der unnöthige Wechfel der Stellung wird dadurch vermieden, und es werden die Leute fchon bei den Friedensübungen daran gewöhnt, dem Richten der Gefchütze und dem Zielen die nöthige Aufmerkfamkeit zu fchenken. Diefs hat auch auf die praktifchen Schiefsübungen einen fehr fördernden Einflufs gehabt, und es werden beim Zielfchiefsen jetzt bedeutend beffere Refuitate erreicht als früher. Grofsen Werth legt man in Rufsland auf das Schiefsen im Terrain auf unbekannte Entfernungen, wobei die feindlichen Abtheilungen durch verfchiedenartig aufgeftellte Scheiben markirt find, und es ift auch nicht zu leugnen, dafs derartige Uebungen ebenfo lehrreich wie intereffant und anregend find. Rückfichtlich der Wahl des Materials für die Gefchütze hat man in der letzteren Zeit vielfach hin- und hergefchwankt. Als die Artillerie nach der Beendigung 26 Wilhelm von Lindheim. des Krimkrieges reorganifirt wurde; gab man der Bronze den Vorzug; nach dem Feldzuge von 1866, wo fich die preufsifchen Gufsftahl- Gefchütze fo gut bewährt hatten, ging man zum Gufsftahl über, und es war fchon nahe daran, dafs die Bronzegefchütze ganz verdrängt worden wären. Da trat abermals eine Schwankung zu Gunften der Bronze ein, und diefe ift in diefem Augenblicke entfchieden die vorherrfchende. Aus diefem Metalle find auch die ruffifchen Mitrailleufen oder Kartätfchgefchütze, wie man fie hier nennt. Man fcheint hier bis jetzt noch eine befondere Vorliebe für diefe Gefchütze zu befitzen; wenigftens läfst man fie bei den Manövern immer tüchtig knallen. Eine Eigenthümlichkeit der ruffifchen Artillerie find die fogenannten Scharochen. Es find diefs Gefchoffe, die einen cylindrifchen, mit Bleikugeln gefüllten Hintertheil haben, während der vordere Theil aus einer runden Kugel befteht. Wenn die im cylindrifchen Theile befindliche Sprengladung durch den Percuffionszünder zum Explodiren gebracht wird, löft fich die Rundkugel vom übrigen Gefchofs ab und wirkt nun felbftſtändig. Mit diefen Gefchoffen ift man alfo im Stande, gleichzeitig die feindlichen Tirailleure und ihre Referven zu befchiefsen. Man ift in Rufsland fehr für diefe Gefchofsart eingenommen, und wenn die augenblicklich noch hinfichtlich der Zerftörungskraft der Scharochén angeftellten Verfuche günftig ausfallen, fo wird die ruffifche Feldartillerie in Zukunft überwiegend mit diefer Gefchofsart ausgerüftet werden. Im übrigen Europa fcheint man von der Exiftenz derfelben bis jetzt wenig gewufst zu haben. Die Befpannung der ruffifchen Artillerie ift wo möglich beffer wie je zuvor und geradezu prachtvoll; ich zweifle fehr, dafs diejenige irgend einer anderen Armee fich mit derfelben meffen kann. Wenn ich meine obigen Ausfprüche über die ruffifche Armee in einem kurzen Urtheil zufammenfaffe, fo mufs dasfelbe alfo lauten, dafs diefelbe in den meiften Beziehungen auf einem fehr guten Wege, jedoch in mancher Hinficht noch ziemlich weit vom Ziele entfernt ift. Bezüglich des Gefetzes über die allgemeine Militär- Dienftpflicht, deren Einführung in Rufsland feit langer Zeit angeftrebt wird und von welcher man fich mit Recht grofsartige Erfolge verfpricht( nach dem„ Golos" würden 3,500.000 bisher militärfreie junge Leute militärpflichtig werden), hat am 29. December 1873 die letzte Plenarfitzung des Reichsrathes ftattgefunden, und durch das kaiferliche Manifeft vom 13. Januar ift dasfelbe nun auch bereits in Kraft getreten. Rufsland fteht alfo mit dem Jahre 1874 in diefem mächtig wirkenden Syfteme der Gleichftellung aller Stände und Berufe, in diefer wichtigſten Pflicht jedes Staatsbürgers dem übrigen Europa gleich! Immer allgemeiner wird erkannt, dafs die Aufhebung der bisherigen Befreiung des Adels vom perfönlichen Militärdienfte, fowie das Wegfallen der Möglichkeit für die Reichen, fich durch Geld demfelben zu entziehen, ein ebenfo wichtiger Schritt auf der Bahn der Reformen ift, als es die Befeitigung der Leibeigenfchaft und die gegenwärtige Einrichtung des gefammten Juftizwefens war. Es kann zwar nicht fehlen und wird nicht fehlen, dafs die praktiſche Anwendung des neuen Gefetzes, namentlich in den erften Jahren, ebenfo viele Uebelſtände hervorrufen und Enttäufchungen mit fich führen wird, als es in Folge der Aufhebung der Leibeigenfchaft und Einführung der Gefchwornengerichte der Fall gewefen ift, und ebenfo wird es in den erften Jahren der Wirkfamkeit des neuen Militär- Dienftgefetzes nicht an einzelnen Vorkommniffen fehlen, welche den gegenwärtigen Gegnern desfelben Recht zu geben fcheinen. Welches auf die Allgemeinheit angewendete Princip gäbe aber nicht Veranlaffung zur Befchwerde in einzelnen Fällen! Der Adel kann es nicht verwinden, dafs ihm abermals eine feiner wefentlichften Prärogativen dadurch genommen wird, obgleich der ruffifche Adel thatfächlich auch bisher in der Armee gedient hat, aber freilich auf dem Wege durch die Cadettenanſtalten, nicht durch den Eintritt in Reih' und Glied, wie das neue Gefetz jetzt von ihm verlangt. Die Gerechtigkeit fordert indeffen, hinzuzufügen, dafs nicht der Adel Rufsland. 27 als folcher oder in feiner Allgemeinheit bisher Gegner des Gefetzes gewefen und noch ift, fondern nur wenige, aber allerdings geiftig und einflussreich hervorragende Mitglieder desfelben, die fich durchaus nicht damit befreunden können, dafs ihr Stand auch perfönlich mit den anderen Ständen gleichgeftellt werden foll und in diefem Gefetze gleichgeftellt werden mufs, wenn es überhaupt einen Sinn haben foll. So viel man hört, hat Grofsfürft Conftantin, als Präfident des Reichsrathes, mit grofser Feftigkeit die Berathung geleitet. Was Kaifer Alexander II. in diefem Gefetze über die allgemeine Militär- Dienftpflicht thut, ift für Rufsland von weittragender, mächtig nachwirkender Bedeutung. Die Bevölkerungen Frankreichs, Deutfchlands und Deutfchöfterreichs geben zufammen noch nicht den Percentfatz waffenfähiger Mannfchaft als die Bevölkerung Rufslands allein, und dabei ift zu berechnen, dafs Fabriken und Induftriebetrieb in Rufsland noch nicht in demfelben Verhältniffe wie in Deutfchland und Frankreich einen für die Strapazen eines Feldzuges unfähigen Theil der Bevölkerungen gefchaffen haben; das erkennt man wenigftens aus den vorhandenen ftatiftifchen Berichten des Auslandes und ihrem Vergleiche mit den bisherigen Aushebungsberichten der ruffifchen Militärverwaltung. Auch auf das künftige Verhältnifs der Kofakenländer wird das Gefetz, wenn auch nicht gleich, fo doch unvermeidlich einen Einfluss üben; in welchem Mafse es fich auf die Nomaden und Halbnomaden in Sibirien anwenden laffen wird, mufs erft die Erfahrung zeigen. Dafs es überhaupt rafch und energifch durchgeführt werde, daran zweifelt jetzt fchon Niemand mehr, denn noch hat Kaifer Alexander II. in feinen beabfichtigten und befchloffenen Reformen keinen Schritt zurückgethan. Je nach den zu machenden Erfahrungen können wohl Aenderungen eintreten, aber es müffen dann auch wirkliche Verbefferungen fein. Feftungen hat Rufsland zufammen einige dreifsig, nämlich Achalzich, Alexandropol, Bendery, Bobrujfk, Chotin, Dünaburg, Kifljar, Kronftadt, Narva, Omfk, Orenburg, Petropawlowfk, Poti, Samoftje, Schlüffelburg, Schufchtfcha, Sebaftopol, Wladikawkas, Hangöudd, Ruotzins almi, Swartholm, Sweaburg, Helfingfors, Zamofk, Modlin, die Citadelle von Warfchau und etliche kleinere Plätze. Aufser den feften Seeplätzen Kronftadt, Helsingfors, Sweaborg etc. find die Feftungen in Polen fehr bedeutend, namentlich Zamofk, Modlin und die Citadelle von Warfchau. Es kommt in Rufsland alfo durchſchnittlich auf 11.900 Quadratmeilen eine Feftung.* Kriegsmarine. Am 1. Januar 1868** befafs Rufsland 4 Panzerfregatten, 3 Panzerbatterien und 13 Monitors, ferner 210 ungepanzerte Dampfer( wobei 6 Linienfchiffe und * Es kommt eine Feftung in Deutſchland Frankreich Oefterreich- Ungarn Grofsbritannien Italien.. Belgien Niederlande Dänemark Schweden und Norwegen. auf 267.8 Quadratmeilen وو 82.0 ,, " 2 348.9 " 716.5 " 9 171° 3 "" 89'1 25 " 49.6 د, 79 450'0 23 2) 137'0 " د" ** Nach einer jüngft veröffentlichten und wohl als zuverläffig anzufehenden Ueberficht ftellt fich der Stand der Panzerflotten der europäifchen Seemächte an fertigen Schiffen wie folgt: England: Eigentliche Schlachtenflotte: 38 Schlachtenfchiffe verfchiedener Art mit etwa 28.000 Pferdekraft und 595 Gefchützen; Küftenflotte: 14 grofse Panzerfchiffe, 4. Panzerbatterien und 5 Panzer- Kanonenboote mit mehr als 30.000 Pferdekraft und 102 Gefchützen. Rufsland: Schlachtenflotte( bisher nur in der Oftfee vorhanden): 15 Panzerfregatten und 4 Kuppelfchiffe mit 12.000 Pferdekraft und 154 Gefchützen; Küftenflotte: 10 Thurmfchiffe und 3 Panzerbatterien 28 Wilhelm von Lindheim. 8 Fregatten) und 37 Segelfchiffe.* Im Jahre 1864 hatte die Lampfflotte 37.244 Pferdekraft und führte 2095 Kanonen.** Die Ausgaben für die Marine find in den letzten vierzig Jahren nur um etwa 100 Percent gewachfen,*** indem fie 1832 8,624.000 Rubel, 1870: 17,420.000 Rubel betrugen; für 1873 find diefelben allerdings auf 24,662.529 Rubel veranfchlagt. Nachdem das Marinebudget fich bis 1848 innerhalb 15 Millionen gehalten hatte, überftieg es in den nächſten fünf Jahren diefen Betrag nicht unbedeutend, worauf es von 1853 bis 1863 fich auf mehr als 20 Millionen Rubel belief. Im Jahre 1855 ftieg es anlässlich des Krimkrieges fogar auf 30,262.000 Rubel und machte das Jahr darauf 26,728.000 Rubel aus. Im Jahre 1863 fiel es auf 18,245.000 Rubel; 1864 betrug es 25,029.000 Rubel, 1867 18,183.000 Rubel. Faft völlig conftant hat das Marinebudget in dem Quinquennium von 1867 bis 1871 eine Höhe von circa 18 Millionen Rubel beibehalten. Die neuerliche Steigerung ift durch die fehr koftfpielige Erweiterung der MarineEtabliffements am Schwarzen Meere und die Vergröfserung der dortigen Flotte motivirt. - - - mit 2710 Pferdekraft und 94 Gefchützen. Deutfchland: Schlachten flotte: 3 Panzerfregatten mit 2900 Pferdekraft und 55 Gefchützen( 5 Panzerfregatten und 1 Panzercorvette mit 5100 Pferdekraft und 48 Gefchützen im Baue); Küftenflotte: 2 Thurmíchiffe mit 600 Pferdekraft und 7 Gefchützen. Frankreich: Schlachtenflotte: 16 Panzerfregatten und 12 Panzercorvetten mit insgefammt 17.200 Pferdekraft und 316 Gefchützen; Küftenflotte: 14 Thurmfchiffe, 16 PanzerOefterreich: batterien und 6 Widderfchiffe mit 9320 Pferdekraft und 268 Gefchützen. Schlachtenflotte: 7 Panzerfregatten, Cafemattfchiffe mit 8150 Pferdekraft und 182 Gefchützen; eine Panzer- Küftenflotte nicht vorhanden.- Italien: Schlachtenflotte: 12 Panzerfregatten, 2 Panzercorvetten und 1 Widderfchiff mit 9100 Pferdekraft und 168 Gefchützen. Eine fehr bedeutende Panzer- Schlachtenflotte befitzt aufserdem noch die Türkei, nämlich 15 grofse Panzer- Schlachtenfchiffe, darunter 2 mit neunzölligem Panzer, mit insgesammt 8530 Pferdekraft und 116 Gefchützen fchwerften Kalibers.- Spanien befitzt 7 Panzerfregatten mit 5900 Pferdekraft und 145 Gefchützen, zum Küftenfchutze 3 Thurmfchiffe mit 1800 Pferdekraft und 9 Gefchützen. Die Niederlande endlich verfügen über eine Panzer- Küftenflotte von zufammen 22 Schiffen und Fahrzeugen mit insgefammt 8800 Pferdekraft und 114 Gefchützen. - * Im Jahre 1788 beftand die ruffifche Flotte aus 44 Linienfchiffen, 18 Fregatten, 12 Prahmen und 122 Galeeren. Die Zahl der Matrofen betrug 18.000. Hübner nimmt pro 1873 die Gefammtzahl der Schiffe mit 261, die der Gefchütze mit 1585, offenbar zu niedrig, an. ** Die übrigen Seemächte haben folgende Kriegsmarine: Deutſchland 81 Kriegs- Fahrzeuge mit 548 Kanonen und 7.500 Seeleuten Frankreich 418 Qefterreich- Ungarn 70 د, دو دو " ca: 7.830 80.000 دو " Grofsbritannien 643 " " 484 12.496 " 22 " 60.000 "" "" " Italien.. 83 3) دو 788 12.000 رو دو Niederlande I22 33 " 1.241 6.000 27 2) دو د, Dänemark 97 دو 39 35° 1.000 23 33 22 Schweden und Norwegen 311* 23 I.375 "" Vereinigte Staaten 181** 23 23 1.309 21 *** Sarauw a. a. O. S. 33. * Meift kleine Schiffe. ** Während des Bürgerkrieges beftand die Flotte aus 671 Fahrzeugen mit 5610 Kanonen und 52.000 Seeleuten. Rufsland. Ueberficht der ruffifchen Unterrichtsanftalten im Jahre 1871. I. Für den höheren Unterricht.( Tabelle Seite 36.) 29 A. Univerfitäten. Der gefammte Lehrkörper der beftehenden acht Univerſitäten zu St. Petersburg, Moskau, Charkow, Kafan, Kiew, Odeffa, Dorpat und Warfchau umfafste am 1. Januar 1872 512 Perfonen. Angefichts der Nothwendigkeit, eine Befetzung vacanter Lehrftühle fchnellstmöglich herbeizuführen, ordnete Graf Tolftoï, der Unterrichtsminifter, fogenannte Profefforencurfe an. Eine Anzahl befähigter jüngerer Gelehrten wurde den Profefforen zur Ausbildung und Einführung in die Univerſitätscarriere beigegeben. In Folge der warmen Förderung, fowie der Zuwendung befonderer Vortheile ftieg die Zahl diefer jungen Leute von 51 auf 90 Individuen, von denen 72 auf einheimifchen, 18 auf auswärtigen Univerfitäten ihren Studien obliegen. Den Wiffenfchaften nach entfallen hievon auf die Jurisprudenz 28, auf die Phyfik und Mathematik 26, auf Gefchichte und Philologie 19, auf Medicin 14 und auf orientalifche Philologie 3 Perfonen. Die Zahl der Studirenden aller Univerſitäten betrug am I. Januar 1872 7251 einfchliefslich 472 privater Hörer. Die meiſten derfelben gehören mit Die medicinifche 47 Percent oder 3120 Studirenden der Rechtsfacultät an. Facultät zählte 1922 Zöglinge( 28 Percent); die reftirenden 25 Percent vertheilen fich auf die übrigen Facultäten. Im Laufe des Jahres 1871 haben an allen Univerfitäten zufammen 999 alfo 147 Percent ihre Studien beendet und die vorfchriftsmäfsigen Prüfungen beftanden; 19 goldene und II filberne Medaillen wurden während diefes Zeitraums für befonders hervorragende, wiffenfchaftliche Arbeiten vertheilt, die Lehrmittel und Stipendien für mittellofe Studirende wefentlich vermehrt. - B. Das kaiferliche hiftorifch philologifche Inftitut. Seit der im Jahre 1867 erfolgten Gründung desfelben find 25 Gymnafiallehrer, von denen 13 in den alten Sprachen, 9 in der ruffifchen Sprache und Literatur und 3 in der Gefchichte und Geographie unterrichten, aus ihm hervorgegangen. Ende des Jahres 1871 zählte das Inftitut einfchliefslich 86 Staatsftipendiaten 94 Hörer. Mit diefer Anftalt ift ein zweiclaffiges Gymnafium verbunden, welches von 102 Schülern frequentirt wurde und den Inftitutszöglingen zu praktiſcher Wirkfamkeit Gelegenheit gibt. C. Die Lyce en. Unter der Aufficht des Unterrichtsminifters beſtehen. zwei derartige Inftitute: das Demidow'fche juriftifche Lyceum zu Jaroflaw und das des Fürften Bezborodko zu Nejina. Das Demidow'fche Lyceum hatte, nachdem es einer Neugestaltung unterzogen und am 3. Auguft 1870 eröffnet worden, am I. Januar 1872 einen Beftand von 139 Zöglingen. Es befindet fich in vortrefflichem Zuftande, ift im Befitze reicher Lehrmittel und Stipendien und übertrifft in diefer Hinficht das Bezborodko'fche Lyceum, welchem fich die Sympathien des Publicums bisher nicht in dem gewünſchten Mafse zugewendet haben. D. Lazarew's orientalifches Sprachinftitut wurde im Jahre 1848 errichtet und bildet feine Schüler in der arabifchen, perfifchen, türkifch- tatarifchen und georgifchen Sprache, der ruffifchen und armenifchen Literatur und dei orientalifchen Gefchichte aus. Indeffen ift der Unterrichtsplan kein abfolut mangellofer und foll dieferhalb in nächfter Zeit einer durchgreifenden Remedur unterzogen werden. E. Die landwirthfchaftliche und Forftakademie zu NeuAlexandria( Polen) zählt bei 16 Lehrftühlen zufammen 48 Hörer. F. Thierarzneifchulen. Die Thierarzneifchulen zu Charkow, Dorpat und Warfchau werden von 199 Schülern befucht, von denen 22 ihre Studien im Laufe des Jahres beendigt haben. Auch für diefe Anftalten liegt dem Minifter augenblicklich ein Reformplan zur Prüfung vor. 30 Wilhelm von Lindheim. II. Der mittlere Unterricht.( Tabelle Seite 37.) A. Gymnafien. Rufsland befafs am 1. Januar 1871 einfchliefslich des Alexander- Inftitutes zu Nifchnei- Nowgorod, der Ritterakademie zu Reval und des Erziehungshaufes der kaiferlichen philanthropiſchen Geſellſchaft zu St. Petersburg 123 Gymnafien und 23 Progymnafien. Von den erfteren hatten 68 die lateinifche und griechifche, 43 ausfchliefslich die lateinifche Sprache in ihren Lehrplan aufgenommen. Neu errichtet wurden Gymnafien zu Eletz und Goldingen, Progymnafien zu Rjäfan, Charkow, Kafan, Penfa, Odeffa, Cherfon und Kifchinew. Die Gefammtziffer der Zöglinge in beiden Anftalten beträgt 42.791, um 3720 mehr als im Vorjahre. 1804 Schüler um 14 mehr als 1870 haben ihre Studien vollendet. Nach neueften Beftimmungen des fehr eifrigen und einfichtsvollen Reffortminifters find die alten Claffiker zu einem indispenfablen Gegenftande des Gymnafial- Unterrichtes gemacht worden. - Dem gröfseren Theile der Gymnafien und Progymnafien wurden in jüngfter Zeit Vorbereitungs claffen beigegeben, von deren Zweckmäfsigkeit und Nützlich keit man fich viel verfpricht. Das Schulgeld beträgt in den Gymnafien pro anno 75 Rubel, in den Vorbereitungsclaffen 50 Rubel. Der Unterhalt der Gymnafien und Progymnafien erforderte im Jahre 1871 einen Aufwand von 4,467.644 Rubel 70 Kopeken; 3,215.887 Rubel 49 Kopeken oder ungefähr 72 Percent von diefer Summe fielen dem Staate zur Laft. Die Provinzialftände und ftädtiſchen Behörden haben zum Gymnafialfonds 487.456 Rubel, alfo circa 10 Percent des ganzen Koftenbetrages, beigefteuert. C. Von fremden Kirchen abhängige Lehranstalten mit den Vorrechten der Staatsgymnafien befitzt Rufsland drei, fämmtlich zu St. Petersburg, mit einer Schülerzahl von 1365: das St. Annen-, das Peter- und das reformirte Gymnafium. D. Fachfchulen. Die Handwerker- Schule zu Lodz wird von 184 Schülern, die Handelsfchule zu Odeffa von 149 und die Talmudfchulen zu Wilna und Jitomir von zufammen 798 befucht. Für die beiden letzteren Anftalten liegt ebenfalls ein Reformplan vor. III. Der Unterricht in den Anfangsgründen. A. Diftrictsfchulen. Man zählt 424 meift dreiclaffige Anftalten mit 27.830 Schülern. Diefelben werden ihres fehr verbefferungsfähigen Zuftandes wegen einer totalen Umgeftaltung unterworfen. Der hierauf bezügliche Plan hat die kaiferliche Beftätigung bereits erhalten. B. Elementarfchulen befafs Rufsland zu Ende des Jahres 1871 16.739 mit 675.317 Schülern; ausfchliefslich der in den Gouvernements Wilna und Kiew beftehenden Pfarrfchulen und der Dorffchulen des Gouvernements Dorpat. Alles zufammen dürfte die Anzahl der Primarfchulen fich auf rund 24.000, diejenige der Zöglinge auf 875.000 belaufen. So grofs auch diefe Summen auf den erften Blick erfcheinen mögen, fo unzureichend find diefe Anftalten, wenn man die Gröfse der Bevölkerung berücksichtigt, und bedenkt, dafs ihre überwiegende Majorität mit einem mechanifchen Lefen und Schreiben ihren Zöglingen den höchft erreichbaren Grad von„ Bildung" beigebracht zu haben glaubt. Hier ift ein Gebiet, auf welchen Graf Tolftoï noch unendlich viel zu wirken findet.* In د, * Dem regen perfönlichen Intereffe Alexander's II. an der culturellen Hebung feines Volkes gibt das folgende fchöne Refcript an den Grafen D. A. Tolstoi den beredteften Ausdruck: Graf Dimitrij Andrewitfch! Bei Meiner beftändigen Sorge für das Wohl Meines Volkes wende Ich Meine befondere Aufmerkfamkeit der Sache der Volksbildung zu, indem Ich darin die bewegende Kraft jeden Fortfchrittes und die Befeftigung jener fittlichen Grundlagen erblicke, auf denen das Reich errichtet ift. Um die felbftftändige und fruchtbringende Entwicklung der Volksbildung in Rufsland zu fördern, beftätigte Ich in den Jahren 1870 und 1871 die folchen Meinen Abfichten entſprechenden Statuten der Ihrem Reffort unterftellten mittleren Lehranftalten; diefelben follen der fich zur Befchäftigung mit den höheren Wiffenfchaften vorberei Rufsland. 31 erfter Reihe fehlt es an fähigen Lehrkräften, in zweiter an einer entſprechenden Dotation des Elementar- Schulwefens; 15 Lehrerfeminare befafs zu Beginn des Jahres 1871 Rufsland Alles in Allem. Im Laufe des Jahres 1871 errichtete das Minifterium zehn neue derartige Inftitute, ohne aber dadurch das koloffale Bedürfnifs auch nur annähernd befriedigen zu können. Für diefe 24.000 Elementarfchulen verwendete der ruffifche Staat im Jahre 1871 3,415.188 Rubel, alfo für jede derfelben ungefähr 142 Rubel, eine Summe, deren Höhe mit dem Zuftande diefer Anftalten allerdings harmonirt. Das Amt eines Volksfchul- Lehrers dürfte auch in Rufsland kaum zu den beneidenswertheren Berufsarten zählen.te Auch fehlt es an paffenden Schullocalitäten. Von den 599 Schulen des Gouvernements Tula befitzen deren nur 12 felbftſtändige Häufer. Die übrigen find auf jede mögliche Weife untergebracht, und dafs in diefem Falle die Comfortund Gefundheitsfrage keine befonders günftige Berücksichtigung findet, ift leicht zu begreifen. Im Jahre 1872 verwendete Rufsland auf die Pflege des Unterrichtes circa 18 Millionen Rubel, während das Budget des Kriegsminifteriums deren 156 in Anspruch nahm. Wenn einmal der Augenblick kommen follte, in welchem Rufsland für feinen Unterricht 156 Millionen und für fein Heer 18 Millionen Rubel verwenden wird, dürften auch die ruffifchen Schulen nichts mehr zu wünſchen übrig laffen. Das ,, Point d'argent, point de Suiffe" gilt, ohne jegliche injuriöfe Anzüglichkeit, in ungleich höherem Grade wohl von tüchtigen Lehrkräften; ausgediente Unterofficiere und Bediente können hiezu freilich nicht gerechnet werden. Einen noch humoriftifcheren Anftrich gewinnt die Dotirung der öffentlichen Anftalten, wenn man erwägt, dafs beiſpielsweife von den oben erwähnten Unterhaltungskoften der Elementarfchulen mit 3,415.188 Rubel auf die Staatscaffe felbft etwa der fünfte Theil mit 703.541 Rubel 624 Kopeken entfällt, während die weiteren So Percent von den Communen und Landftänden zu tragen tenden Jugend eine durchaus gründliche, allgemeine Bildung geben und auch Diejenigen zu einer nutzbringenden, praktifchen Thätigkeit befähigen, die fich nicht den höchften Studien zuzuwenden beabfichtigen. Nicht minder beforgt auch dafür, dafs das Licht guter Bildung in allen Volksfchichten Verbreitung finde, befahl Ich die Gründung von Lehrinftituten und Seminarien zur Ausbildung von Lehrkräften für die ftädtifchen und ländlichen Volksfchulen. Gleichzeitig ift diefen Schulen felbft die dafür vorgefchriebene, ordnungsmäfsige Einrichtung und Ausbildung zu geben, entfprechend den Zeitbedürfniffen und dem gegenwärtig überall im Reich bemerkbaren Streben nach Bildung. Ich hoffe, dafs die demzufolge zu erwartende beträchtliche Vermehrung der Volksfchulen unter der Bevölkerung zugleich mit den Elementarkenntniffen auch ein klares Verftändnifs für die göttlichen Wahrheiten der chriftlichen Lehre mit lebendigem und thatkräftigem Gefühl für die fittlichen und bürgerlichen Pflichten verbreiAber die Erreichung eines für das Wohl des Volkes fo wichtigen Zieles mufs im Voraus fichergestellt werden. Das, was nach Meinen Vorzeichnungen zur wirklichen Aufklärung des heranwachfenden Gefchlechtes dienen foll, könnte bei mangelhafter Ueberwachung leicht in ein Werkzeug zur Entfittlichung des Volkes verkehrt werden( wie einige Verfuche der Art bereits feftgeftellt wurden), und dasfelbe jenen Glaubenslehren entfremden, unter deren Schutz im Laufe von Jahrhunderten Rufsland fich einigte, kräftigte und grofs wurde. ten wird. Durch Mein Vertrauen dazu berufen, Meine Vorzeichnungen in Sachen der Volksbildung zu verwirklichen, haben Sie den Sie auszeichnenden Eifer allezeit verdoppelt, um die in das Fundament des öffentlichen Unterrichtswefens niedergelegten Grundfätze des Glaubens, der Sittlichkeit, des bürgerlichen Pflichtgefühles und die Gründlichkeit des Unterrichts felbft zu bewahren und vor allen Schwankungen zu fchützen. Dem entfprechend mache Ich es allen anderen Refforts zur unabweislichen Pflicht, Ihnen in diefer Angelegenheit volle Mitwirkung angedeihen zu laffen. Die Sache der Volksbildung im Geifte der Religion und Sittlichkeit ift ein fo grofses und heiliges Werk, dafs der Unterftützung und Kräftigung diefer in Wirklichkeit fo fegensvollen Aufgabe fich nicht allein die Geiftlichkeit, fondern alle erleuchteten Staatsbürger zu widmen haben. Dem ruffifchen Adel, der zu allen Zeiten in Bezug auf Heldenmuth, Ergebenheit und bürgerliches Pflichtgefühl als Beiſpiel diente, gebührt es vorzugsweife, fich diefer Schulaufficht zu widmen. Ich rufe Meinen treuen Adel auf, bei der Volksfchule die Wacht zu halten. Möge er der Regierung beiftehen, durch forgfältige Beauffichtigung am Orte felbft die Schule vor fchädlichen und verderblichen Einflüffen zu bewahren. Indem Ich dem Adel auch in diefer Sache Mein Vertrauen zuwende, befehle Ich Ihnen, im Einvernehmen mit dem Minifter der 3 32 Wilhelm von Lindheim. find. Die relativ beften Elementarfchulen befitzen die Gouvernements Wilna und Warfchau und felbftverftändlich die Oftfee- Provinzen. Sie allein befafsen bisher ein halbwegs geregeltes Infpectorat, während die gefammten übrigen Anftalten unter höchft mangelhafter Controle ihr Dafein frifteten. Indeffen befchäftigt fich gegenwärtig Graf Tolftoï angelegentlich mit der Errichtung wohlorganifirter Auffichtsbehörden über das ganze Reich. Es ift fehr erfreulich, diefe energifchen Beftrebungen conftatiren zu können, denn das Maiheft des officiellen, vom Unterrichtsminifterium publicirten Journales pro 1873 gibt über die troftlofe Verfaffung des ländlichen Schulwefens recht draftifche ziffermäfsige Belege. Diefelben umfaffen nur 34 Gouvernements, welche nach diefem Berichte 10.361 Schulen befafsen und für diefe 2,158.808 Rubel 35 Kopeken verausgabten. Hiervon erhalten: die Zemftvos Municipalitäten 29 Gemeinden 3.487 Elementarfchulen mit 1,035.097 Rubel 35 Kopeken 603 27 4.137 304.543 588.284 59 29 63% 6712 3 29 17 Municipalitäten und Gemeinden zufammen 371 30.851" 7 " 2) Privaten 633 124.410 82 รา 29 22 97 verfchiedenen Infti29 tute, Minifterien 75.620 изо 99 77 97 99 und Private... Die Durchfchnittskoften einer Schule variiren hiernach zwifchen 505 und 66 Rubel. Natürlich fällt ein Vergleich Rufslands bezüglich feines Unterrichtswefens mit anderen Staaten fehr zu Ungunften des Erfteren aus. Es kommen beiſpielsweife: in Rufsland auf 10.000 Einwohner 150 Schüler 29 Oefterreich Frankreich 10.000 وو 29 10.000 830 1.160 77 77 97 " " Holland 10.000 1.280 29 " 77 22 "" England 99 Preufsen 10.000 10.000 27 22 1.400 1.520 " 9 72 2) Die Präponderanz der ruffifchen Sprache als Unterrichtsfprache hat auch in den Jahren 1871 und 1872, den Bemühungen des ruffifchen Cultusminifteriums zufolge, grofse Fortfchritte gemacht, und ift in den Lehranstalten des Gouvernements Warfchau nunmehr allenthalben die ruffifche Sprache als obligatorifche Lehrfprache eingeführt worden. Auch in den Oftfee- Provinzen breitet fich die ruffifche Sprache immer mehr aus. IV. Gymnafien und Progymnafien für Mädchen. Zu Ende des Jahres 1871 befafs Rufsland 54 Mädchengymnafien, 108 Progymnafien, 2 höhere Töchterfchulen und 22 Töchterfchulen zweiter Ordnung; zufammen 186 Anftalten mit 23.404 Schülerinen, von denen im Laufe des Jahres 990 ihre Studien vollendet haben. Die Unterhaltungskoften diefer Anftalten belaufen fich auf 624.099 Rubel, an denen der Staat felbft mit ungefähr 8 Percent oder der Summe von 50.000 Rubeln betheiligt ift. Am beften, das heifst mit 14.000 Rubeln, dotirt find die 9 Gymnafien des Warfchauer Diftrictes. - und inneren Angelegenheiten fich an die örtlichen Adelsmarfchälle zu wenden, damit diefelben in der Würde als Curatoren der Elementarfchulen in ihren Gouvernements und Kreifen auf Grundlage der Rechte, die ihnen durch befondere darüber noch zu erlaffende Beftimmungen durch ihre nächfte Mitwirkung dazu beitragen möchten, die fittliche eingeräumt werden Richtung diefer Schulen ficherzuftellen, nicht minder auch die gute Einrichtung und Vermehrung derfelben." Auf dem Original ift von Seiner kaiferlichen Majeftät eigener Hand gefchrieben: St. Petersburg, 25. December 1873. Alexander." Kufsland. 33 V. Privat- Unterrichtsanftalten befafs Rufsfand am 1. Januar 1872: 1081 mit 16.641 Knaben und 21.789 Mädchen. Die Hauptzahl diefer Anftalten, welche fich fast ausfchliefslich mit dem erften Unterricht befchäftigen, entfällt auf die Bezirke Petersburg, Moskau und Dorpat. Koften des Unterrichtswefens. 99 Auf Grund der im kürzlich erfchienenen IV. Hefte des Jahrbuches des Finanzminifteriums" enthaltenen Ueberficht der wirklichen Ausgaben des Reiches in den fechs Jahren 1866 bis inclufive 1871 bringt die„, Neue Zeit" eine intereffante Zufammenftellung derjenigen Beträge, welche das Reich in den genannten fechs Jahren fpeciell für das Unterrichtswefen verausgabt hat. In diefen Summen find übrigens die Koften der Adminiftration des Unterrichtswefens, fowie die Ausgaben zur Unterhaltung wiffenfchaftlicher Inftitute, wie namentlich der Akademie der Wiffenfchaften, verfchiedener gelehrten Gefellſchaften, Mufeen u. f. w., nicht mit enthalten. Nach Ausrechnung der„ Neuen Zeit" find für das Unterrichtswefen verausgabt worden: Rubel Percentfatz aller Ausgaben Im Jahre 1866 11,656.414 2.82 1867 " 99 12,832.452 3.02 1868 77 99 14.476.335 3.29 1869 99 99 15,359.742 3.28 97 1870 وو 16,508.239 3.40 99 99 1871 17,517.403 3.50 Obfchon die Staatsregierung jährlich eine ziemlich bedeutende Summe für das Unterrichtswefen verausgabt, fo ift doch der Percentfatz diefer Ausgaben zur Gefammtfumme aller Ausgaben des Reiches ein unverhältnifsmäfsig geringer. Nichtsdeftoweniger hat fich die Ausgabe für das Unterrichtswefen in den genannten fechs Jahren um 5,860.989 Rubel, alfo um die Hälfte, vermehrt, ein Refultat, das infofern als ein günftiges bezeichnet werden mufs, weil die Bevölkerung felbftverständlich nicht in demfelben Mafse gewachſen ift. Mit Ausnahme des Refforts der Reichscontrole und der Hauptverwaltung des Geftütwefens participiren alle Minifterien, fowie das Reffort des Synods an den Ausgaben für das Unterrichtswefen. In welchem Mafse diefs gefchieht, ift aus folgender Tabelle erfichtlich. Minifterien des Auswärtigen 1866 Gefammtfumme der Ausgaben I 1.587 Percentuales Verhältnifs ΟΙ 1871 12.000 ΟΙ des Krieges 1866 4.173.945 35.8 1871 4.739.192 27'1 der Marine 1866 347.456 3.0 1871 375.1 8 1 2'I der Finanzen 1866 291.928 2.5 1871 414.505 2.3 der Reichsdomänen 1866 684.672 5'9 1871 693.449 4.0 des Innern 1866 77.856 0.7 1871 97.244 0.6 der Volksaufklärung 1866 5,529.959 47 4 1871 8,829.526 50° 4 3% 34 der Wegeverbindungen 1866 der Juftiz Reffort des Synods Wilhelm von Lindheim. 1871.. 117.939 211127.004 I. O 0.7 1866 372.939 3.2 1871 394.555 2.2 1866 wurden keine Summen verausgabt. 1871 1,538.200 8.8 Zu bemerken ift hiebei, dafs für das Jahr 1866 eine Summe von 48.133 Rubel für den Unterhalt der kaukafifchen Zöglinge in den Lehranstalten des Reiches, fowie für das Jahr 1871 der Betrag von 296.487 Rubel für das Unterrichtswefen in Transkaukafien nicht eingefchloffen find, weil für den erfteren Zweck bis zum Jahre 1869 die benöthigten Summen aus der dritten Abtheilung Sr. Majeftät eigener Kanzlei floffen, während zur Unterhaltung des Unterrichtswefens in Transkaukafien feit 1868 die Mittel von der dortigen Verwaltung hergegeben wurden. Das Reffort des Synods aber hat erft vom Jahre 1867 ab angefangen zur befferen Unterhaltung der geiftlichen Lehranftalten aus feinen Mitteln beizutragen. dolog abajabe * Unter den Ausgaben des Minifteriums der Volksaufklärung, auf welches, wie aus der obigen Tabelle erfichtlich, im Jahre 1871 die Hälfte aller für das Unterrichtswefen im Reiche gemachten Ausgaben entfällt, nehmen die erfte Stelle die Ausgaben für die Unterhaltung der mittleren Lehranstalten( Gymnafien, Progymnafien u. f. w.) ein. Dann folgen die Ausgaben für die höheren Lehranstalten( Univerſitäten, Lyceen und philologifches Inftitut); die dritte Stelle nehmen die unteren Lehranftalten( Kreis-, Kirchfpiels-, Elementar- und Volksfchulen) ein, und am wenigften endlich beanfpruchen die Fachſchulen diefes Refforts. Das percentuale Verhältnifs diefer Ausgaben unter einander ift aus folgender Tabelle erfichtlich. Es beanspruchten: Die mittleren Lehranstalten** وو höheren unteren 99 27 " 7 Specialfchulen Im Jahre 1866 Im Jahre 1871 Percent 41 3 45 2 31-8 26.2 24.8 22° 1 • I 2 3.7 Das Kriegsminifterium, deffen Ausgaben für das Unterrichtswefen im Jahre 1866 mehr als den dritten, im Jahre 1871 aber mehr als den vierten Theil aller für das Unterrichtswefen des Reiches gemachten Ausgaben betrugen, hat befonders in letzter Zeit den mittleren Militärfchulen bedeutende Summen zugewendet. Es hat nämlich verausgabt: Rubel *** Im Jahre 1866 " " 1867. 1868 59 99 79 99 1869 27 59 1870 1871 Percent 2,383.339 oder 57 2,576.552 2,712.051 2,679.761 3,303.248 3.318.715 " 58 egiten A asb 61 " 60 وو 72 99 99 70 Saith tob * Ein Allerhöchfter Erlafs regelt nunmehr auch das Schulwefen für die kaukafifchen Gubernien. Das Wichtigfte ift die Verfügung, dafs an fämmtlichen öffentlichen wie privaten Unterrichtsanftalten, ja fogar auch bei den muhamedanifchen Mofcheenfchulen im gefammten Kaukafus fortan die Lehre der ruffifchen Sprache, wie diejenige der Gefchichte und Geographie des Reiches obligatorifch zu fein hat. 150k ** Die kleine hier fich herausftellende Differenz, um auf 100 Percent zu kommen, rührt daher, dafs nur eine Decimal ftelle ausgerechnet wurde. *** Den hier aufgezählten Beträgen entſprechen die vorzüglichen Refultate der Militärfchulen, welche zu den beften aller Staaten zählen. misdi Russland. 35 Die Ausgaben des Kriegsminifteriums für die ihm unterftellten mittleren Lehranstalten, welche doch nur ausfchliefslich für die privilegirten Stände beftimmt find, ftehen fomit fehr wenig den Beträgen nach, welche das Minifterium der Volksaufklärung zur Unterhaltung der allen Ständen des Reiches offenen mittleren Lehranstalten feines Refforts verausgabt. Unter dem Minifterium des Auswärtigen befindet fich nur die Lehr abtheilung der orientalifchen Sprachen. Dem Finanzminifterium unterftehen: Das Berginftitut( Maximum der Ausgabe 113.489 Rubel), das technologifche Inftitut( 275.914 Rubel im Jahre 1871), die Strogonow'fche technifche Zeichnenfchule in Moskau( 21.702 Rubel im Jahre 1871), die Lehrcurfe für Schiffscapitäne und die Schifffahrts- Claffen( 5674 Rubel im Jahre 1871). Zum Minifterium der Reichsdomänen gehören: Das landwirthfchaftliche Inftitut( 78.784 Rubel im Jahre 1871), die Petrowsky'fche landwirthschaftliche Akademie und Schule( 298.204 Rubel im Jahre 1871) und die Gartenbau Schule( 184.122 Rubel im Jahre 1871). Im Reffort des Minifteriums des Innern befinden fich unter Anderem die Bafchkirenfchulen, für welche 24.993 Rubel im Jahre 1871 verausgabt wurden. Das Minifterium der Wegeverbindungen hat blofs die Unterhaltung des Ingenieurinftitutes zu beftreiten, und im Reffort des Juftizminifteriums endlich befinden fich: Die kaiferliche Rechtsfchule( 185.247 Rubel im Jahre 1871), das Konftantinow'fche Mefsinftitut( 102.569 Rubel im Jahre 1871) und die Schule für die Mefs- Topographen( 106.739 Rubel im Jahre 1871). 36 Wilhelm von Lindheim. * Darunter 17 Studirende der technifch- agronomifchen Abtheilung. ** In den drei Abtheilungen diefer Facultät. I. Statiſtik der Univerfitäten Ueberficht der ruffifchen Unterrichtsanftalten im Jahre 1871. Theologifche Facultät Cameraliftifche Section Hiftorifchphilologifche Facultät Section der juriftifchen Wiffenfchaften Section der Staatswiffenfchaften Section der mathematifchen Wiffenfchaften Section der Naturwiffenfchaften Section der phyfikalifchen Wiffenfchaften Hiftorifch- Juriftifche Phyfiko- mathephilologifche Facultät Facultät matifche Facultät Medicinifche Facultät Facultät der orientalifchen Sprachen Gefammtzahl der Studirenden Zahl der Studirenden Zahl der Hospitanten St. Petersburg Moskau. Charkow Kafan Kiew Odeffa Dorpat 89 829 4I 141 149 36 1285 103 743 - 121 35 - 520 28 260 32 18 17 172 1522 527 64 2.46 37 51 16 201 99 313 64 33 431 940 - 19 301 42 50% Warfchau ཚ ། 81 21 62 202 33 52 232 40** 226 IO2 25 366 795 59 128 1413 528 42 09 66 1588 668 43.80 I2 + 14 I 57 584 2II 40.00 42 615 51 666 193 3100 8 69 1009 170 1910 41232 444 200 48 50 683 IO 693 150 16.60 854 83 10 90 Gefammtzahl. 81 21 504 3120 78 586 378 17 1922 36 6779 472 7251 2208 32.50 77 42 Summe Zahl der Studirenden Zahl derer, denen die Collegiengelder erlaffen wurden Unentgeltlichen Unterricht geniefsen In Percenten Die Hälfte der Collegiengelder wurde erlaffen II. Statistik der Gymnafien pro 1871. Lehrbezirke Zahl der Schüler Gegen 1870 vor nach Gymnafia lftatiftik pro 1871. Ausgetreten Nach Confeffionen Nach Ständen abfolvirtem Curfus Rechtgläubige Confeffion Römiſchkatholifche Confeffion Lutherifche Confeffion Muhamedaner Andere Bekenntniffe Edelleute und Beamte Geiftlichen Standes Städtifchen Standes Ländlichen Standes Ausländer St. Petersburg. Moskau Charkow. Kafan. 4.558639 5.143310 780 928 173 3.854 211 316 2 73 3.032 227 1.017 III 69 189 4.740 122 130 3 148** 3460 209 I.212 19 66 3.963+ 386 564 174 3.708 ΙΟΙ 92 62 2.522 207 802 373 59 4.710723 778 176 4.271 107 163 47 122 Kiew 4.633+ 42 861 265 3.083 I.225 63 2 2.739 260 3.119 235 1.367 315 54 814 34° 282 78 Wilna. Odeffa Dorpat Warfchau 2.443+ 388) 8.494327 4.212503 3.786428 1.008 35° 366 1.414 660 210 1.556 1.835 206 27 109 2.579 198 95 4 IO2 311 844 6.421 242 1.798 588 2.558 1.881 910 92 1.065 493 6 730 4.069 Weftfibirien. 46838 65 33 421 30 I I 15 285 Oftfibirien 381 64 70 7 352 8 6 15 191 251 I.070 132 1.519 147 213 2.901 19 26 260 73 90 164 961 220 50 723 48 88 129 35 137 27 Summe 42.7913784 7.478 1.804 25 719 10.500 3.363 92 3.015 25.461 2.006 11.929 661 2.455 * Von einem Gymnafium mit 102 Schülern find keine Daten für diefe Rubrik angegeben. ** 32 " >> 7) 177 2) 37 Rufsland. 38 Wilhelm von Lindheim. Die ruffifche Criminalftatiſtik. Bei der grofsen Bedeutung, welche der Criminalftatiftik eines Landes für die Gefetzgebung innewohnt, hatte fich eine folche Statiſtik auch für Rufsland längft als Nothwendigkeit herausgeftellt. Den eifrigen Bemühungen des Juftizminifters Herrn Grafen Pahlen, des Departements- Directors, Herrn Adamow, und des Chefs der ftatiftifchen Abtheilung, Herrn Utin, gelang es endlich, folgendes mit der Allerhöchften Genehmigung vom II. November 1871 verfehenes Verfahren endgiltig in die Criminalpraxis einzuführen; Bei jedem vom 1. Januar 1872 an bei den allgemeinen Gerichtsbehörden anhängig gemachten Falle werden der ftatiftifchen Abtheilung des Departements des Juftizminifteriums zugeftellt: I. eine Meldung über Exiftenzwerdung des Falles; 2. ein Bericht über den weiteren Verlauf desfelben und 3. eine Individualkarte über den Inquifiten. Da indeffen die beſtehende Procefsordnung** noch lange nicht im ganzen Reiche eingeführt ift,*** fo befchränkte man fich vorerft darauf, das neue Verfahren nur in den Gegenden in Kraft treten zu laffen, in welchen die Procefsordnung von 1864 in vollem Umfange Einführung gefunden. Nach dem vom Juftizminifterium pro 1872 herausgegebenen„ Statiftifchen Ueberblick der Gerichtsthätigkeit in Criminalfachen" find 6 Gerichtsbezirke mit je einer Palate und im Ganzen 40 Bezirksgerichte bis zum 1. Januar 1873 eröffnet worden. Der amtliche Bericht felbft zerfällt in zwei Hauptabſchnitte, von denen der erfte die Verhandlung der Fälle in den in Gemäfsheit der Strafprocefs- Ordnung vom 20. November 1864 gebildeten Gerichtsbehörden zur Anfchauung bringt, der zweite rein ftatiſtiſche Daten über alle jene Perfonen enthält, die durch die allgemeinen Gerichtsbehörden, wie durch die Friedensrichter, foweit Gefängnifsftrafe dem betreffenden Verbrechen folgen musste, zur Verantwortung gezogen wurden. Wir folgen hiebei den Angaben des äufserft lehrreichen Auffatzes des Herrn J. Haffelbladt im II. Hefte der verdienftvollen ,, Ruffifchen Revue" Jahrgang 1873. * Vergleiche die intereffanten Beifpiele, welche Kolb und Mayr( Statiſtik Seite, 436) mittheilen und ,, die ruffifche Revue" 1873, Heft 11. ** Nach der Procefsordnung vom 20. November 1864 zerfällt die Strafrechts- Pflege in zwei neben einander herlaufende Gebiete: in die allgemeine und die friedensrichterliche, die eine durch Art des Verbrechens, Werth des Objects desfelben und Stand des Subjects, endlich durch das zu dictirende Strafmafs bedingte verfchiedene Competenz haben. Zur erfteren gehören das Bezirksgericht und die Gerichtspalate, der mehrere Bezirksgerichte untergeordnet find; zur zweiten das Einzelinftitut des Friedensrichters und das Plenum der Friedensrichter eines Bezirks. Die Gerichtspalate ift in gleicher Weife Appellinftanz für die in ihrem Rayon liegenden Bezirksgerichte, wie das Friedensrichter- Plenum höhere Apellinftanz für die Einzel- Friedensrichter ift. Von dem Friedensrichter- Plenum, wie von der Palate aus, können Caffationsklagen in das Caffationsdepartement des dirigirenden Senats gerichtet werden. *** Der erfte Impuls zu diefer gigantifchen Reform ift vom Kaifer Nikolaus gegeben worden, denn diefer gründete eine vorzügliche Rechtsfchule für junge Leute, die fich der juriftifchen Laufbahn widmen wollten. Ihre Studien erforderten fehr viel Arbeit, denn das im Jahre 1664 unter Czar Alexei Michaelowitfch redigirte Gefetzbuch enthielt 30.000 Artikel, die auf Nikolaus' Befehl claffificirt worden waren( vergl. Barry a. a. O. Seite 55). Das neue Gefetz mit Einem Schlage in Rufsland einzuführen, war unmöglich, denn es fehlte in den Provinzen an Leuten, welche fich zur Uebernahme der richterlichen Functionen geeignet hätten. Das alte Gefetz hatte fchriftliches und geheimes Verfahren, nach dem neuen Gefetze find die Verhandlungen öffentlich und die erften Beamten unabfetzbar. Die Friedensrichter, deren es in jedem Diftricte einen gibt, werden befoldet und von den Einwohnern und Grundbefitzern desfelben auf drei Jahre gewählt, find aber nach Ablauf ihrer Amtsperiode wieder wählbar; die Wählbarkeit ift abhängig vom Befitze eines gewiffen Flächenraumes Landes. Befchränkt fich die verhängte Strafe auf 15 Rubel oder auf Gefängnifs von höchftens 3 Tagen, fo find die Entfcheidungen des Friedensrichters inappellabel; darüber aber unterliegen fie der Berufung. Diefe Jurisdiction erftreckt fich in Civilfachen auf alle Angelegenheiten, welche fich um nicht mehr als 500 Rubel handeln; in Criminalfachen auf folche Fälle, in denen das Maximum der Strafe 3 Monate fein würde. Rufsland. 39 vies 1. Verhandlungen bei den Unterfuchungsrichtern. In Unterfuchung befanden fich im Jahre 1872 überhaupt 69.777 Fälle.* Von diefen kommen auf den Gerichtsbezirk Moskau. Charkow 99 Odeffa " دو St. Petersburg Saratow 97 24.195 G 13.915 9.414 7.703 7.537 7.013 وو Kafan Vergleichen wir diefe Zahlen im Verhältnifs zu der Anzahl der in jedem Bezirk fungirenden Unterfuchungsrichter, fo ergibt fich die gröfste Menge von Unterfuchungen, die auf je einen Unterfuchungsrichter fielen, für Odeffa, nämlich 113; die geringfte für Charkow92. Anzahl der beendigten Unterfuchungen. Im Ganzen wurden 49.131 Unterfuchungen zu Ende geführt, was ungefähr 70 4 Percent der Gefammtfumme ausmacht, oder durchſchnittlich 73 Fälle vor jedem Unterfuchungsrichter. Anzahl der unbeendigten Unterfuchungen. Bis zum 1. Januar 1873 blieben unbeendigt 13.831 Unterfuchungen. Von den 13.831 fällt der verhältnifsmäfsig gröfste Theil auf den Moskauer Gerichtsbezirk, nämlich in 4396 Fällen, auf den St. Petersburger der kleinfte 1355. - Inquifiten. In den 69.777 zur Unterfuchung gelangten Fällen waren von den Angeklagten 60.866 Männer und 9104 Frauen. In Haft genommen waren: Männer 14.451 oder 20 4 Percent Frauen I. 178 99 12.9 27 demnach verblieben in Freiheit Männer 56.4 15 Frauen 7.926 oder 79.6 Percent 87.1 " 29 Die gröfste Summe von Verhaftungen weift der Odeffaer Bezirk auf, nämlich 25.7 Percent Männer und 15 3 Percent Frauen. Zeugen, Experten, Sachkundige. Aufser den Inculpaten wurden von den Unterfuchungsrichtern 457.743 Perfonen vernommen, darunter als Zeugen " Experten Sachkundige 99 376.970 14.236 66.537 Was den weiteren Gang der von den Unterfuchungsrichtern nicht beendigten Fälle betrifft, fo wurden 41.958 der Staatsanwaltfchaft überwiefen, 5187 den Friedensrichtern, 1986 endlich anderen Behörden, darunter allein 879 dem Militärreffort; auf diefe Weife gelangten alfo nur 4 Percent fämmtlicher Fälle an andere Refforts. 2. Die Verhandlung bei der Staatsanwaltfchaft. ** Betrachten wir die Anzahl der Fälle, die im Laufe des Jahres exiftent wurden und an die Staatsanwaltfchaft gelangten, fo ftellt fich diefelbe auf 38.900 heraus, von welchen 32.499 einen weiteren Verlauf nahmen, während 6401 Fälle oder 16 4 Percent bis zum 1. Januar 1873 undurchgefehen verblieben. Aus diefen Zahlen ergibt fich bei fämmtlichen Bezirksgerichten für jeden einzelnen Procureur eine Durchfchnittsmenge von 127 Fällen, von denen ungefähr 106 erledigt werden konnten. * Ohne Vorunterfuchung kamen 236 Fälle zur Verhandlung, fo dafs fich alfo die Gefammtfumme der 1872 exiftent gewordenen Fälle auf 70.013 herausftellt. ** Der Unterfchied zwifchen diefer Zahl und der im vorigen Abfchnitte angeführten rührt davon her, dafs nicht alle von den Unterfuchungsrichtern an die Staatsanwaltfchaft überfandten Fälle zum 1. Januar 1873 fchon in die Hände der letzteren gelangt waren, indem ein Theil fich noch auf der Poft befand. 40 Wilhelm von Lindheim. Die oben angeführte Summe von 38.900 Fällen vertheilt fich auf die ein. zelnen Gerichtsbezirke wie folgt: Es kommen auf den Bezirk Moskau 13.98 5 Fälle Charkow " 7.588 32 Odeffa " 4.820 " ท St. Petersburg. 4.340 Kafan " 4.137 .. Saratow 4.030 " 9 29 Wenden wir uns jetzt zu dem weiteren Verlaufe, den die von der Staatsanwaltfchaft der Gerichtsbezirke erledigten 32.499 Fälle genommen haben, fo zeigt fich, dafs bei 9796 Anklageacte aufgeftellt wurden, von welchen 2328 ( 24 Percent), bezüglich der Verbrechen geringerer Bedeutung, die keine mit Verluft der Ehrenrechte verbundenen Strafen nach fich ziehen, direct den Bezirksgerichten überwiefen wurden, und 7468, wo eine folche Strafe erfolgen konnte und die bei den Bezirksgerichten unter Hinzuziehung von Gefchworenen zur Verhandlung gelangten, der Staatsanwaltfchaft der Palate zur Durchficht vorgeftellt wurden. Ausserdem wurden von der Staatsanwaltfchaft dem Bezirksgerichte 13.549 Gutachten über Niederfchlagung der Unterfuchung, 257 Gutachten über Competenzänderung und 2 über Trennung der Unterfuchungsobjecte direct abgegeben. Von den Procureuren der Palaten wurden diefen letzteren vorgeftellt: 6659 Anklageacte und 9745 Gutachten der oben erwähnten drei Arten, unerledigt blieben hier 1696 Fälle, fo dafs von den 6401 im Ganzen unerledigt gebliebenen Fällen 4705 auf die Staatsanwaltfchaft der Bezirksgerichte kommen. Was die Zeitdauer betrifft, während welcher die einzelnen Fälle fich in den Händen der Procureure befanden, fo ergibt fich, dafs von den 32.499 erledigten Fällen 20.840 weniger als einen Monat beanspruchten. 3. Die Verhandlung bei den Bezirksgerichten. Aus den Tabellen über die Thätigkeit der Bezirksgerichte aller 6 Gerichtsbezirke ergibt fich, dafs von allen an diefelben gelangten Fällen eine grosse Anzahl entfchieden wurde: nämlich 75 Percent; von diefen machen den gröfsten Theil die Gutachten über Niederfchlagung und Competenzänderung aus: 78'1 Percent; fomit blieben für Anklageacte und Privatklagen nur 21 9 Percent; hievon wurden unter Hinzuziehung von Gefchworenen 62 2 Percent, ohne diefelben 37.8 Percent durchſchnittlich bei jedem Bezirksgerichte entfchieden. heraus: Für die einzelnen Gerichtsbezirke ftellten fich hier folgende Percentfätze Im Bezirke Saratow " 3 3 3 3 3 Kafan 99 Moskau ท St. Petersburg 29 Odeffa 99 Charkow 79 Durchfchnittsanzahl der Fälle, die auf jedes Bezirksgericht kommen. Unter Hinzuziehung von Gefchworenen. Percent Ohne Gefchworene. • 130 718 Percent 28.2 120 G 65.4 34.6 1121 63.6 36.4 90% 71-8 28.2 75% 50.9 49 1 2159 47.3 52 7 Für alle Fälle, ob fie nun mit oder ohne Gefchworene verhandelt wurden. beläuft fich die Anzahl der Angeklagten beiderlei Gefchlechtes auf 4313, die fich auf die einzelnen Gerichtsbezirke wie folgt vertheilen: Im Bezirke St. Petersburg. Moskau ہو 99 Charkow 29 99 Odeffa :) รา Kafan " وو Saratow. " " Summa Rufsland. Zahl der Bezirksgerichte 6 Zahl der Fälle im Bezirke 41 Zahl der Angeklagten im Bezirke 542 622 13 1462 1811 9 194 225 6 452 622 3 360 474 3 390 559 40 3400 4313 Unterfcheiden wir hierbei die Verurtheilten und Freigefprochenen, fo ergibt fich, dafs: Im St. Petersburger Bezirke Verurtheilt wurden Freigefprochen wurden ° 498 124 Moskauer 99 " 1467 344 Charkower 188 ° " 97 37 Odeffaer • 99 : 9 425 197 Kafaner 365 99 27 109 Saratower 99 99 453 106 Summa 3396 917 4. Verlauf der Fälle bei den Gerichtspalaten. Es gelangten an die fechs Palaten, in ihrer Eigenfchaft als Anklagekammern, an Anklageacten und Gutachten der Staatsanwaltfchaft 15.117 Fälle, von denen 13.294 erledigt wurden, und zwar in Palate von 1681 1637, alfo 97.3 Percent " 1459 1404, وو 96.2 29 99 6057 5655, وو 93.3 99 1729 1557, 99 90.0 29 " 2182 1931, 88.5 99 2009 IIIO, وو وو 99 55.2 وو وو der Kafaner Saratower 99 Moskauer 99 Odeffaer 99 Charkower 99 99 St. Petersburger Als Angeklagte erfchienen vor den Palaten 21.769 Perfonen beiderlei Gefchlechtes, oder in der Moskauer Palate 8984, von denen 40 8 Percent Charkower 99 وو 3489, 38.0 dem Gerichte وو 97 Kafaner 37 99 2761, 28.3 99 " Odeffaer 89 99 2620, 59 44 7 Saratower 99 99 2352, 99 36.4 übergeben wurden. St. Petersburger, 1563, 77 58.4. 29 - 5. Verhandlung beim Criminal Caffationsdepartement des dirigirenden Senats. Da nur die geringfte Anzahl Fälle die ganze Stufenleiter der Verhandlungs phafen im Laufe eines Jahres durchfchreiten kann, fo gelangten nur 47 Fälle an das Caffationsdepartement, und von diefen ift fogar ein Theil zum 1. Januar 1873 noch unentfchieden geblieben. Wenden wir uns zur Vertheilung der im Jahre 1872 exiftent gewordenen Fälle, nach den einzelnen Gruppen der Verbrechen, fo ergibt fich, dafs von 63.042 auf Verbrechen gegen das Eigenthum 38.742 99 gegen das Leben, die Gefundheit, Ehre und perfönliche Freiheit 9.118 ?? gegen öffentliche Ordnung und Ruhe 3.725 gegen Anordnungen der Obrigkeit 2.630 42 Wilhelm von Lindheim. Verbrechen im Staats- und Gemeindedienfte " gegen Staatseigenthum und Revenuen gegen Familienrechte Selbsthilfe Unterfuchung plötzlicher Todesfälle 99 2.076 1773 1.439 · 1.324 • 933 766 294 . 195 97 Verbrechen gegen die Religion und fie fchützende Beftimmungen gegen Beftimmungen über Staats- und Landesabgaben Unterfuchung von Brandfchäden Verbrechen gegen Ständerechte Fälle kommen. Somit nehmen die erfte Stelle die Verbrechen gegen das Eigenthum ein, die zweite die gegen die Perfönlichkeit. alsh do digi nobw Von den 38.742 Eigenthumsverbrechen fallen 28.688 auf Diebftahl, 3811 auf Brandftiftung und der Reft auf gewaltfame betrügerifche und anderweitige ungefetzliche Aneignung fremden Eigenthumes. Tonda M In der zweiten Gruppe ftehen Mord und Todtfchlag obenan 3007 Fälle; doch ift hier auch zufällige und fahrläffige Tödtung mit inbegriffen; hierauf folgen die Fälle von Verftümmelung und mehr oder minder lebensgefährlicher Verwundung 1976; perfönliche Beleidigung 1546; Selbftmord 1113 und endlich Angriff auf weibliche Keufchheit und Ehre 109 Fälle. Von befonderem Intereffe ift die Tabelle über die Vertheilung der Verbrechen auf die einzelnen Bezirksgerichte, wefshalb wir diefelbe als Anhang ausführlich wiedergeben. Hier mögen noch einzelne Hinweife auf die oben erwähnten frequenteften Verbrechensgruppen folgen.nl Ferfoel sib me notar log ad ob Es vertheilen fich die Fälle von Verbrechen gegen das Eigenthum auf die einzelnen Gerichtsbezirke wie folgt: en 300519 Te olls 201 Moskauer Palate Ueberhaupt 13.669 150, Diebstahl 9.781 Charkower 22 1700 27 7.694 5.859 Odeffaer 99 4.865 3.657 St. Petersburger 77 4.346 3.322 Kafaner 27 4.262 3.271 ishobind Saratower 77 3.906 2.798 A und die Verbrechen gegen die Perfönlichkeit oldble) Moskauer Palate • logs Charkower 99 slay Odeffaer 99 St. Petersburger 77 " Saratower 99 Kafaner • 9 Ueberhaupt 2.980 2. II 2 Mord und Tödtung I.029 1.016 I. 274 980 5880 3912 28212 369 mi 756d348 y Der zweite Theil der ftatiftifchen Nachrichten des Juftizminifteriums bezieht fich auf die Perfonen, die vor Gericht ftanden, fowohl vor den Friedensrichtern, als auch in den allgemeinen Gerichtsinftitutionen, und da fie von weittragender Bedeutung find, fo ift es wohl am Platze, auf diefelben näher einzugehen. 1. Ueber Perfonen, die der friedensrichterlichen Competenz unterlagen. Diefe Nachrichten betreffen 41 Gouvernements mit einer Bevölkerungsmenge von 55% Millionen.ed Art des Verbrechens. Gruppiren wir die in den Tabellen enthaltenen Zahlen, fo ergibt fich eine Gefammtmenge von 36.368 Perfonen beiderlei Gefchlechtes, die fich zur Bevölkerungsmaffe verhalten wie 1: 1528. Diefe Anzahl miod Rufsland. 43 der Angeklagten vertheilt fich auf die einzelnen Verbrechen, foweit fie Gefängnifsftrafe nach fich ziehen, fehr verfchieden. Es ftanden vor Gericht wegen Diebstahls Verfuches von Diebftahl Aneignung und Vernichtung fremden Eigenthumes Bettelei 18. Betrugs beim Handel " anderweitigen Betruges.lds Ankaufs geftohlenen Gutes Aneignung von Funden und Schätzen s Uebertretung der Recrutenpflicht und Verhehlen von Deferteuren 26.589 3.836 1.673 I. 176 I. II 3 925 352 185 15 bas Gefchlecht, Geburt. Männer waren von der oben angeführten Summe der Angeklagten 31.331 oder der Gefammtmenge, Weiber demnach 5037 oder 17. Unehelich geboren war 26 von den Weibern, von den Männern nur 1/64 omie Lebensalter. Völlig gleiche Facten ergeben fich für beide Gefchlechter hinfichtlich des Lebensalters. Am entwickelteften find die verbrecherifchen Neigungen im 30. Jahre und es folgen das 21., 40., 17., 50., 60., 14., 70. und endlich 80. Jahre. 210.S 19 Familienverhältniffe. Verheiratete waren von 36.368 Angeklagten 21.697, Ledige 10.766 und Verwitwete 2381. Bildung. Bei Betrachtung der den Bildungsftand betreffenden Zahlenreihen und ihres Verhältniffes zu der verbrecherifchen Neigung drängt fich die grofse Bedeutfamkeit der Unbildung als Factor des Verbrechens auf; 26.944 aller Abgeurtheilten oder beinahe 75 Percent hatten nicht nur keine häusliche Bildung genoffen, fondern verftanden zum grofsen Theil weder zu lefen, noch zu fchreiben, und ift der Percentfatz diefer Letzteren unter den Weibern namentlich ein erfchreckend grofser, nämlich aller. Es laffen fich fämmtliche Gouvernements im Hinblicke auf das Verhältnifs der Gramotnüie* zu je 100 Angeklagten in 4 Gruppen theilen: 40 Percent Gramotnüie fanden fich nur in 2 Gouvernements,** 30 Percent desgleichen 20 bis 30 Percent in 12 Gouvernements, bis zu 20 Percent endlich in den übrigen. hau Unter den 8217 Gramotnüie überhaupt befanden fich 751, die eine weitere Bildung zu Haufe oder auf Schulen genoffen hatten; von diefen letzteren fallen auf das weibliche Gefchlecht nur 12. waren: Befchäftigung. Aus der Anzahl der Angeklagten beiderlei Gefchlechtes 14.276 Ackerbautreibende, 7924 Taglöhner. 5825 Handwerker, 2437 Handeltreibende. 1447 hatten eine unbeftimmte Befchäftigung oder gar keine Profeffion. 1422 waren Domeftiken, 188 Proftituirte und 2530 endlich gehörten zu der Gruppe verfchiedener Befchäftigungen, wie Staats- oder Privatdienft u. f. w. Religion. Der Einfluss der Religion auf das Verbrecherthum liefse fich genauer beftimmen erft bei einer Vergleichung der Zahlen der gerichtlichen Statiſtik mit denen der Bevölkerungsftatiftik; wir müffen uns hier auf folgende kurze Daten befchränken: At analogie tyed all doing dib * Gramotnüie wird derjenige genannt, der zu lefen und zu fchreiben versteht. ** Im St. Petersburger und im Jarollawfchen. 44 Wilhelm von Lindheim. der herrfchenden Religion gehörten an 28.382 den Juden 1.738 den Katholiken, Lutheranern und anderen Chriften 1.735 den Muhamedanern I.171 anderen Nichtchriften • 532 810 den Raskolniki( Sectirer) Angeklagte. Stand. Die Angeklagten beiderlei Gefchlechtes vertheilen fich dem Stande nach auf folgende drei Gruppen: Bauern 20.897(% der Gefammtfumme), Bürger( Mefchtfchane) 7868, Verabfchiedete der niedrigften militärifchen Rangs claffen 5777. Von dem Refte waren Kofaken 586, Perfonen des Handelsftandes 219, Ausländer 205 und endlich 823 gehörten den übrigen Ständen an. Zeit des Verbrechens. Hinfichtlich der Zeit, in der das Verbrechen begangen wurde, läfst fich bemerken, dafs der gröfste Theil derfelben dem Winter und Sommer anheimfällt, während der Frühling und befonders der Herbft eine geringere Anzahl aufweifen. Es ergibt fich für den Januar die Zahl December 3.000 2.915 Februar Mai Juni etwas über 2.300 Juli Auguft März September 2.100 1.819 1.488 October November Rückfälle. An Rückfällen waren unter den Männern 2500, unter den Weibern 329. Urtheil und Strafe. Was fchliefslich das Urtheil und die Strafe betrifft, fo erfolgten 24.560 Verurtheilungen, fo dafs auf die Freifprechung der Fälle kommt; von den erfteren betrafen 1265 Minderjährige und. büfste der gröfste Theil derfelben die Strafe in den bei den Gefängniffen befindlichen Abtheilungen für Minderjährige ab, während 1/6 zur Abgabe in Befferungsanftalten oder zu häuslicher Correction verurtheilt wurden. 2. Ueber Perfonen, die der Competenz der allgemeinen Gerichtsbehörden unterliegen. Aus den Nachrichten, die auf Grund der Individualkarten zufammengeftellt worden find, ergibt fich, dafs von den Bezirksgerichten und den Palaten über 3777 Perfonen Urtheile gefällt wurden. Diefe an und für fich nicht fehr bedeutende Zahl gibt aber lange nicht die Gefammtmenge der Angeklagten an, die im Jahre 1872 überhaupt vor Gericht gezogen wurden; der vorliegende Bericht gibt eben nur Auskunft über die Fälle, die in dem in Rede ftehenden Jahre exiftent wurden und endgiltig erledigt worden find. Anzahl der Angeklagten. Die gröfste Zahl von Angeklagten weift das St. Petersburger Bezirksgericht auf, nämlich 425; es folgen darauf das Penfa'fche mit 205, das Odeffa'fche mit 200 und fo fort bis zu Ifum'fchen mit 3 und das Sfum'fche gar nur mit 2 Fällen. Die Durchfchnittszahl von Angeklagten, die auf die übrigen 35 Gerichte fällt, beträgt ungefähr 74. Verurtheilt wurden 2851( circa 76 Percent), von ihnen mit Hinzuziehung von Gefchworenen 1822( circa 64 Percent) und ohne diefelben 1029( circa 36 Rufsland. 45 t 7 ב C Percent); freigefprochen find demnach 926( circa 24 Percent), und zwar 720 unter Hinzuziehung von Gefchworenen und 206 ohne diefelben. Was das Gefchlecht betrifft, fo kommen auf 100 verurtheilte Männer ungefähr 10 Weiber. Strafmafs. Unter den Strafen nimmt die Verurtheilung zu Strafcompagnien die erfte Stelle ein; diefelbe wurde 1126 Perfonen zuerkannt( circa 39 Percent). Die häufige Anwendung diefer Strafe erklärt fich durch die Frequenz von Diebstahl und Vagabundiren, für welche vom Strafgefetzbuche als normale Strafe die erwähnte feftgefetzt ift. Nächft den Strafcompagnien wird am häufigften Gefängnifs ohne Verluft der Rechte angetroffen 404 Perfonen( circa 14 Percent), Arbeitshaus 346mal( circa 12 Percent). Zur Zwangsarbeit und dazu nur geringeren Grades wurden 100 Perfonen( 3% Percent) verurtheilt. - Recidiviften. 74 Percent oder 2114 Perfonen waren zum erften Male angeklagt worden; die Zahl der Recidiviften beläuft fich auf 585( 20% Percent) und von ihnen wiederum wurden 400 für dasfelbe Verbrechen wie früher beftraft. Von 152 Perfonen endlich ift es nicht bekannt, zum wievielten Male fie vor Gericht ftanden. Stand. Dem Stande nach gehörte die Hälfte fämmtlicher Verurtheilten dem Bauernftande an: 1421; nächft ihnen nahmen den gröfsten Theil Vagabunden, nämlich 551. Bildung. Gramotnüie waren nur 744 oder 27 Percent; Bildung in höheren und höchften Lehranstalten hatten aber gar nur 3 erhalten( 10 Percent); abgefehen von dem ungeheueren Abftande zwifchen völlig Ungebildeten und den Letzteren ( 70 Percent und 1/10 Percent), verhält fich die Zahl der Gramotnüie zu folchen, die weder lefen noch fchreiben konnten, doch immer nur wie 3: 8. Alter. Hinfichtlich des Alters zeigten die Tabellen das überwiegende Vorkommen von Verbrechen in den Jahren 25 bis 30; diefe Fälle machen 25 Percent der Gefammtmenge aus; je weiter wir dann von diefem Alter hinunter oder hinauf gehen, defto kleiner wird auch der Percentfatz. Zum Schluffe mögen noch über diejenigen Verbrechen, die am häufigften vorkommen, einige genauere Daten folgen. Es find das: I. Die bftahl. 1835 Angeklagte( 48 Percent). Verurtheilt wurden- 1414, und zwar unter Hinzuziehung von Gefchworenen 1281 Männer und 133 Frauen. Wie fchon oben bemerkt worden ift, nahm unter den Strafarten die Strafcompagnie den erften Platz ein- 634 Perfonen( 44 Percent), Gefängnifs ohne Verluft der Rechte erfolgte bei 315 Perfonen( 22 Percent), Arbeitshaus bei 296 ( 20 Percent) und Anfiedlung in Sibirien bei 56( circa 4 Percent). Ueber ein Drittel von diefen Verurtheilten waren fchon ein oder mehrere Mal für Diebstahl beftraft worden, fo dafs auf Nichtrecidiviften nur 900 kommen. Dem Stande nach ftellte das gröfste Contingent der Bauernftand, der fich mit 844 Perfonen beziffert; 238 gehörten den niederen Rangclaffen des Militärs an, 208 den Bürgern ( Me fchtfchane). 29 den erblichen und perfönlichen Edelleuten( 2 Percent); der geiftliche Stand dagegen hat nur 2 für Diebstahl Beftrafte aufzuweifen und Colonift war nur ein Verurtheilter. Der gröfste Theil ferner war verheirathet Perfonen; ledig waren 589, verwitwet nur 98 und gefchieden 7. Dafs 3/4 der Gefammtzahl weder lefen noch fchreiben konnte und nur 15 eine Bildung in den mittleren, niederen und Privat- Lehranstalten genoffen hatten, wird nach den früher angeführten Daten über die Bildung nicht auffallen; ebenfo ftimmt das m erften Abfchnitte über das Verhältnifs der Frequenz des Diebftahls zu den einzelnen Altersftufen Gefagte mit geringen Abweichungen mit den in der allgemeinen Straf rechtspflege gewonnenen Erfahrungen überein. 636 Was die Befchäftigung betrifft, fo ftehen die Ackerbautreibenden mit 28 Percent an der Spitze; 27 Percent fallen auf Perfonen mit unbeftimmter Befchäftigung, Handlanger und Tagelöhner, 20 Percent auf Handwerker und verfchiedene Gewerbetreibende, 7 Percent auf im Privatdienſte ſtehende Perfonen. Der Han 46 Wilhelm von Lindheim. delsftand lieferte nur 3 Percent und weniger als I Percent kam auf folche, die im Communaldienft ftehen. Von Belang find die Daten über den Grad der materiellen Sicherftellung bei keinem Verbrechen felbftverftändlich in dem Mafse wie gerade beim Diebstahl. Es hatten 51 Percent die Möglichkeit, ihre Exiftenz durch Tagelohn und verfchiedene Dienftleiftungen zu friften; vom Handwerk, Gewerbe oder Ackerbau konnten 28 Percent leben, von der Gage oder Penfion 6 Percent, I Percent durch Wohlthätigkeit, 2 Percent durch Unterſtützung von Verwandten und nur eine einzige Perfon hatte eigenes Vermögen. In den meiften Fällen wurde der Diebstahl ohne Mithilfe Anderer begangen, indem auf diefe Letzteren 40 Percent kommen. Der Abftand, den wir in Betreff der Häufigkeit des Diebstahls in den einzelnen Monaten finden, ift fo grofs, dafs, während auf den December, Januar Februar und März allein 935 Fälle kommen, die übrigen acht Monate den Reft unter fich derartig vertheilen, dafs vom März bis zum November die Anzahl ftets fällt, um im December plötzlich und rafch zu fteigen. 2. Vagabundiren. Es wurden überhaupt vor Gericht gezogen und ohne Hinzuziehung von Gefchwornen insgefammt verurtheilt 533, und zwar zu Strafcompagnien 495 Perfonen 16 Arbeitshaus 99 Gefängniss Anfiedlung in Sibirien 57 79 13 ג 77 5 wurden als Minderjährige der Gemeinde zur Verpflegung überwiefen und 2 auf andere Weife beftraft. 3. Ehrverletzung der Regierungsbehörden und Beamten und Auflehnung gegen diefelben. Vor Gericht ftanden, diefes Verbrechens angeklagt, 278 Perfonen, von denen 71 freigefprochen und 207( 190 Männer und 17 Weiber) verurtheilt wurden, und zwar zu Arreft 39 Verweis und Geldpön . 19 Gefängnifs ohne Verluft der Rechte Arbeitshaus. 29 99 ,, Kriegsdienft 122( 59 Percent) 60( 29 Percent) 16( 8 Percent) I I - Unter den Beftraften waren am ftärksten die Bauern vertreten 99( 48 Percent); die untern Militärrang- Claffen und die Bürger find mit je 32( 15 Percent) vertreten; Edelleute mit 24( II Percent) und die geringfte Zahl weifen die Geiftlichkeit, die Ehrenbürger und Kaufleute auf im Ganzen nur 8. - Hinfichtlich der Bildung läfst fich hier bemerken, dafs ein verhältnifsmäfsig grofser Theil eine folche genoffen hatte, indem nur 104 nicht lefen und fchreiben konnten. 4. Einfachen Raubes wegen waren 199 angeklagt worden und 121 von ihnen wurden beftraft. wie folgt: 55 36 - zu Strafcompagnien, mit Anfiedlung in Sibirien, 8 mit Zwangsarbeit auf Fabriken, 4 mit Zwangsarbeit in den Bergwerken, I mit Verbannung nach Sibirien, 9 mit Arbeitshaus, 6 mit Gefängnifs, 2 mit Arreft. Dabei waren von diefen nur 21 Recidiviften; dagegen ift die Anzahl der Fälle, wo Mitthäterfchaft ftattfand, grofs, indem fie fich auf 62 Percent beläuft. Auch hier fällt, wie beim Diebftahl, der gröfste Theil auf den Winter; Januar und Februar allein weifen 68 Fälle auf. Rufsland.. 47 Ueberwiegend endlich ift die Zahl der völlig Ungebildeten, die 92, alfo 76 Percent beträgt. Es folgen diefen Verbrechen der Frequenz nach 5. die Uebertretungen der Getränke fteuer- Verordnung, wegen welcher im Ganzen 86 Perfonen in Anklagezuftand verfetzt und von diefen 78, alfo 90 Percent verurtheilt wurden. Die bei Weitem in den meiften Fällen zuerkannte Strafe war Geldpön, zu welcher 74 Perfonen( 95 Percent) verurtheilt wurden; Arreft unterlagen 3, Gefängnifs nur 1 Perfon; was den Stand betrifft, fo waren mehr als 10 Percent nämlich 8 Kaufleute. Auffallend ift der Percentfatz von 26, der fich für die Juden ergibt; es rührt das wohl von dem Umftande her, dafs in einem grofsen Theile Rufslands der Handel mit Getränken fich in den Händen der Juden befindet. Daraus wird denn auch bei diefer Kategorie die verhältnifsmäfsig grofse Anzahl von Leuten, die lefen und fchreiben konnten, erklärlich; es find nämlich 41. 6. Mord. Diefes Verbrechen nimmt die fechfte Stelle ein und weift 76 Angeklagte auf, von denen bei 18 Freifprechung erfolgte. Alle( mit Ausnahme eines Einzigen, der auf fahrläffige Tödtung angeklagt war) wurden unter Hinzuziehung von Gefchworenen gerichtet und zu folgenden Strafen verurtheilt: Zu Zwangsarbeit.. 38( 65 Percent) Arbeitshaus Anfiedlung und Verbannung nach Sibirien.. 12( 20 Percent) 0 Gefängnifs. Arreft 2( 3 Percent) 2( 3 Percent) 4 Die meiſten Fälle wurden in dem Alter von 21 bis 25 und 35 bis 40 vollbracht, und zwar von Bauern,( 63 Percent). Verhältnifsmäfsig grofs ift die Zahl der Recidiviften, die 10 Percent beträgt. Endlich ift noch von Intereffe, dafs II Perfonen fich im Gattenverhältniffe mit den Gemordeten befanden, 6 mit denfelben verwandt waren, und viermal Eltern ihre Kinder ums Leben brachten. Es mufs fchliesslich bemerkt werden, dafs fich bei einer genauen Prüfung diefer der ,, ruffifchen Revue"( 1873, Heft 11) entnommenen Daten über die Criminalftatiftik Rufslands einige Irrthümer herausgeftellt haben, deren Berichtigung fich wohl empfehlen würde. So ift beispielsweife( Seite 45) die Zahl der exiftent gewordenen Fälle in Summe mit 63.040 angegeben. Aus dem beigefchloffenen Detail über die Arten der Verbrecher ergeben fich aber im Ganzen 63.112 exiftent gewordene Fälle. Weiters wird auf Seite 46 die Zahl der Verbrecher mit 36.368 Perfonen beziffert. Nach den Familienverhältniffen fummiren fich diefelben mit nur 34.844 Perfonen, nach der Befchäftigung( Seite 47) mit nur 36.049 Perfonen, nach der Religion mit 34.368 Perfonen, nach dem Stande dagegen mit 36.375 Perfonen. Aehnliche auf das Totale überdiefs nur geringen Einfluss ausübende Differenzen ergeben fich auch noch bei mehreren anderen Poften. Die Landwirthschaft. Den Umfang und die Production der zur Landwirthfchaft verwendeten Ländereien in den verfchiedenen Gouvernements zeigen die nachfolgenden dem Werke des Oberften Obruch of" Magazin der Militärftatiftik" entnommenen Tabellen, Seite 50 bis 53. Wir erfehen aus diefen Tabellen den grofsen Bodenreichthum des Landes. Die Landwirthfchaft des heutigen Rufslands befindet fich nun in einem Stadium des Ueberganges, hervorgerufen durch die Aufhebung der Leibeigenfchaft im Jahre 1861. Wir glauben die einfchneidenden Wirkungen diefer Mafsregel am beften beurtheilen zu können, wenn wir im Nachftehenden den Reflexionen folgen, 4 48 Wilhelm von Lindheim. welche die unlängft zufammenberufene Enquête über die landwirthschaftlichen Verhältniffe Rufslands in ihrem intereffanten Elaborate zu Tage gefördert hat Die Leibeigenfchaft. Die Aufhebung der Leibeigenfchaft ift in Rufsland ganz befonderen Schwierigkeiten begegnet. In allen anderen Ländern Europas hat diefelbe fucceffive ftattgefunden und erft in der Zeit, nachdem alle anderen Reformen auf einer gewiffen Stufe angelangt waren. In Rufsland dagegen ift diefelbe mit einer feltenen Energie, und man kann wohl fagen, einem feltenen Muthe, ins Leben gerufen worden. Es legt diefs ein Zeugnifs ab von der hochherzigen Initiative und den freiwilligen Opfern, deren Krone und Land fich mit gleichem Rechte rühmen können. Allerdings war eine folche rafche Entſcheidung gerade in Rufsland durchaus nothwendig, weil man bei der grofsen Ausdehnung des Reiches zur Mobilifirung der dem Lande innewohnenden Lebenskräfte eben ganz aufserordentliche Mittel in Anwendung bringen mufste. In allen anderen Ländern des Occidents hat die Aufhebung der Leibeigenfchaft auch erft dann ftattgefunden, wenn das Grundeigenthum fich im Befitze des nöthigen Betriebs capitales gefunden hat, und gleichzeitig erft dann, wenn die flüffigen Capitalien des Landes nicht durch andere induftrielle Unternehmungen abforbirt wurden. In Rufsland zeigte fich diefe grofse Schwierigkeit auch infoferne, als man für die landwirthfchaftlichen Güter nur mit grofser Schwierigkeit Capitalien auftreiben konnte, weil bei dem Mangel an flüffigem Capital in Rufsland felbft Alles, was nur irgend mobil war, den weit höhere Erträge abwerfenden Induſtrie- und Staatsanlagen zuftrömte. Es ift daher durchaus nicht zu verwundern, dafs vom Jahre 1861 ab Klagen über die abneh mende Production der Landwirthfchaft fortwährend aufgetaucht find. In der erften Zeit konnte man fich Rechnung darüber geben, welche Klagen wirklich berechtigt waren, denn es läfst fich natürlicherweife nicht leugnen, dafs eine folche radicale Umwälzung auch momentan manche Uebel mit fich bringt. Dagegen läfst fich jetzt, nachdem zwölf Jahre feit jener grofsartigen Reform verfloffen find, doch die Situation als fchon geklärt betrachten, wenn auch einzelne Uebelſtände fich erft nach Jahrzehnten werden vollſtändig tilgen laffen. Man kann daher fchon jetzt mit Zuhilfenahme der Statiſtik und bei klarer unparteiifcher Beurtheilung der ganzen Sachlage genau beurtheilen, in welcher Weife fich die landwirthschaftlichen Verhältniffe in Rufsland entwickelt haben, und wie deren Zukunft fein wird. Unter diefen Umftänden konnte man nur mit Freuden den Umftand begrüfsen, dafs von Seite der ruffifchen Regierung eine Enquête zur Prüfung der landwirthfchaftlichen Verhältniffe einberufen wurde, deren Refultate vor Kurzem zur Veröffentlichung gelangten. Wenn wir diefe Refultate mit vorurtheilsfreiem Auge betrachten, fo müffen wir namentlich berücksichtigen, dafs Rufsland nach fo kurzer Zeit freier Entwicklung fich die rationelle Betreibung der Landwirthschaft noch nicht ganz angeeignet haben kann. Wir lernen nur die dem Lande innewohnenden Kräfte kennen, um daraus einen Schlufs zu ziehen, was das Land zu leiften im Stande ift, wenn es, wie in den Nachbarländern, die Hilfe der Wiffenfchaft mit der natürlichen Kraft vereinigt. Die grofsen Anftrengungen, welche für die Entwicklung von der Regierung und dem Volke gemacht werden, laffen ein gutes Refultat erwarten. Ueber die landwirthschaftliche Enquête felbft, deren Ergebniffe wir als einen durchaus unparteiifchen und ruhigen Ausdruck der Volksmeinung betrachten müffen, wollen wir noch bemerken, dafs diefelbe von dem Grafen Peter Vallu jew, Minifter derDomänen, präfidirt wurde und aus zehn Mitgliedern von verfchiedenen Minifterien zufammengefetzt war. Die Unterfuchung wurde imMai des vergangenen Jahres geführt. Alle Gouverneure, die Präfidenten der landwirthfchaftlichen Gefellſchaften und eine grofse Anzahl vertrauenswürdiger Perfonen haben an diefem Gutachten gearbeitet, das wir gerne benützen, weil es uns, trotz unferes längeren Aufenthaltes in verfchiedenen Gegenden Rufslands, nicht gelungen ift, etwas Vollſtändigeres und Wahrheitsgetreueres über diefen Gegenſtand zu fammeln. Rufsland. 49 Arbeitslo hn. Die wichtigfte Begünftigung vor dem Jahre 1861 war für die Landwirthfchaft die Billigkeit, ja man kann fagen, die Koftenfreiheit des Arbeitslohnes, verbunden mit der Gewifsheit, dafs die Arbeitskraft niemals fehlen konnte. Eine grofse Anzahl der Grundbefitzer fand fich aus diefem Grunde veranlafst, bei der landwirthschaftlichen Erzeugung nur zwei Elemente functioniren zu laffen. Es war diefs Boden- und Arbeitskraft. Das Capital wurde nur verwendet, fo weit es unum gänglich nöthig war. Wenn nun auch kurze Zeit vor der Aufhebung der Leibeigenfchaft, 1857, fich die Summe der Vorfchüffe, welche den Grundbefitzern durch die alten Creditinftitute gegeben wurden, auf 425 Millionen Rubel belief, fo kann man doch annehmen, dafs diefe Vorfchüffe der Landwirthschaft nur in einem fehr kleinen Mafse zugute kamen, und hierin lag wohl auch die Urfache, dafs eine nur fehr oberflächliche Bewirthfchaftung ftattfand. Die Aufhebung der Leibeigenfchaft hat diefen Zuftand wefentlich geändert. Vor Allem liegt diefs darin, dafs von diefem Zeitpunkte ab die Handarbeit bezahlt werden musste, wodurch eine andere Culturmethode, das heifst eine intenfive Wirthschaft durchaus nothwendig wurde. In gleicher Weife fahen fich die Bauern, welchen von diefem Zeitpunkte an die Früchte ihrer Arbeit vollſtändig gehörten, veranlafst, der nationalen Kraft ein gröfseres Refultat als bisher abzugewinnen. Die grofse Majorität der Grundbefitzer wurde noch unverhofft von diefer grofsen Reform überrafcht, und hat im Anfang wenigftens nur fehr unvollständig reüffiren können, um die Aufgabe zu erfüllen, welche nunmehr nothwendig wurde. Aufserdem kam noch ein zweiter Umftand hinzu, der die Situation nicht unwefentlich verfchlimmerte. Man weifs nämlich, dafs die Creditinftitute kurze Zeit vor der Aufhebung der Leibeigenfchaft aufgehört hatten, den Grundbefitzern Vorfchüffe zu geben, und ehe andere Inftitute an die Stelle traten, um dem acut auftretenden Uebel der Creditentziehung entgegenzutreten, fand fich eine grofse Anzahl von Grundbefitzern in fo traurigen finanziellen Verhältniffen, dafs fich diefelben wohl oder übel gezwungen fahen, ihren Grundbefitz manchmal um jeden Preis zu verfchleudern. Diefem Umftande darf wohl auch zugefchrieben werden, dafs die Loskauf- Briefe, welche die Grundbefitzer als Ablöfung für die Leibeigenen erhielten, in grofsen Maffen an den Markt kamen, dadurch im Curfe verloren und auf diefe Weife das Opfer, welches gebracht werden musste, theilweife in erfchreckendem Mafse und zum Ruine eines grofsen Theiles der Grundbefitzer erhöhten. Wenn man noch hinzurechnet, dafs auf Grund der alten Vereinbarung mit den Creditinftituten diefe alten Vorfchüffe in dem Augenblicke fällig wurden, als die bäuerliche Arbeit freigegeben war, fo kann man fich von der Geldverlegenheit des Grofsgrundbefitzes unter Berücksichtigung aller diefer erfchwerenden Umstände wohl einen Begriff machen. Diefe Nothlage, welcher die neuen Bodencredit- Banken nur fehr unvollftändig abhelfen konnten, machte es, wie bereits erwähnt, einem grofsen Theil der Grundbefitzer unmöglich, ihre Grundftücke mit Zuhilfenahme von bezahlten Arbeitern auszubeuten, und es war daher nothwendig, verfchiedene andere Mittel anzuwenden, die natürlicher Weife weit weniger vortheilhaft fein konnten, als die einzig richtige Bewirthfchaftung durch bezahlte Arbeiter. - 99 Eine Anzahl von Befitzern fand fich aufserdem in einer noch viel fchlimmeren Pofition; es waren diefs jene, welche von dem fogenannten„, Obrok" gelebt hatten, diefe Leute befafsen eine Anzahl Leibeigene, welchen fie das ihnen früher gehörige Terrain vollftändig zur Bearbeitung übergeben hatten, wogegen fie von den Leibeigenen eine jährliche in Geld zu zahlende Abgabe erhielten. Da diefe Befitzer nicht auf ihren Gütern wohnten und keinerlei landwirthschaft4* 50 Wilhelm von Lindheim. Einfaat, Ernte, Con ( Der Tfchetwert Einfa at fumtion, Ueberfchufs. à 1.049 Hektoliter.) Mittlere Ernte Rufsland. 51 Netto- Ernte ohne die Einfaat per Einwohner Getreide und Kartoffeln zum Hausgebrauch Die Ernte ergibt Gouvernements Winter- Märzgetreide getreide Summe des Getreides Kartoffeln Summe zur zur Ernäh- Deftilrung lation Zufammen Ueberfchufs Abgang Nr. in Taufenden von Tfchetwert Ernte per I KornAusfaat in Taufenden von Tfchet wert 12345678 I Archangel 16 59 Aftrachan 33 84 7H 75 II7 57 73 7 3 82 120 Bessarabien 237 453 690 19 709 956 31 3 O'51 O'17 0.68 0'05 4 3 o'36 0.68 1'04 '02 0* 73 1'06 738 I 739 526 829 829 430 7 3. I 17 2.65 3.82 0'05 3.87 2.542 Wilna 362 400 762 246 1.008 4 212 104 2.646 1.323 I'30 I'33 2.63 0.50 3'13 2.425 187 2.612 204 Witebsk 342 520 852 120 972 Wladimir. 587 907 1.494 II2 1.606 32 21 32 22 4 4212 I IO 1.00 2'10 O'25 235 2.209 90 2.299 495 I'20 I'I2 2'32 0'30 2.62 3.302 120 3.422 223 Wologda. 230 475 705 34 Wolhynien 739 542 624 1.166 264 1.430 9 Woronefch 900 1.500 2.400 223 2.623 5 ΙΟ Wiatka 1.450 2.157 3.607 105 3.712 4 + 3+ 3 4 31/2 O'74 0.88 I'62 0.09 I'71 2.637 35 2.672 989 5 31 32 I'52 I 42 2.94 0.38 3'32 4.163 220 4.383 929 4 21/2 1-85 2'32 4 17 0* 26 4'43 5.681 467 6.148 2.468 21/ 1'50 1'95 3'45 0.08 3'53 6.659 247 6.906 923 I I Grodno 407 295 702 232 12 Don- Gebiet 934 4 5 1 36 I'OO 2.36 Ο ΟΙ 2.37 2.208 461 2.669 339 266 789 1.055 12 1.067 5 41 312 I I2 2.87 3'99 0.03 4'02 3.059 32 3.091 734 13 Jekaterinoflaw 260 650 910 56 966 6 3 1.08 2'70 3.78 10.08 3.86 2.970 104 3.074 1.575 14 Kafan 846 I.132 1.978 67 2.045 42 4 31 1.84 2'II 3'95 0.09 4 04 4.703 127 4.830 1.686 15 Kaluga. 644 965 1.609 77 1.686 3 21 3/2 I 33 1 48 2.81 O'21 3'02 2.713 154 2.867 59 16 Kiew 680 753 1.433 2IO 1.643 5 4/24/2 I'52 I'31 2.83 0* 35 3.18 4.763 474 5.237 1.168 17 Kowno. 388 455 843 240 1.083 52 34 31/ I'30 I'25 2'55 0.56 3'11 2.852 57 2.909 372 18 Koftroma 512 984 1.496 60 1.556 32 22 3/2 I'20 I'37 2'57 O'13 2'70 3.038 69 3.107 211 19 Kurland 135 162 297 140 437 612 6 4/2 I'31 1'56 2.87 0.82 3.69 1.648 299 1.947 174 2 2 2 2 2 2 222 CH23 456 700 00123+ 23333333333 20 Kurfk 947 1.398 2.345 173 2.518 5 31/2 2'07 2.30 4'37 O'25 4.62 6.879 211 7.090 1.304 2I Livland 227 326 553 198 6 51 5 I'22 751 I'55 2'77 0.87 3.64 2'410 465 2.875 510 22 Minſk 423 485 908 360 I.268 4 314 I'26 I'2I 2'47 23 Mohilew 462 690 I.152 207 32 213 I 26 I'I2 I.359 o'94 2.38 O'53 2'91 3'41 2.527 421 2.948 473 2.761 192 2.953 272 24 Moskau 517 832 1.349 146 32 214 0.82 0.80 1.62 0'28 1'90 4.123 21 4.144 1.1бо 25 Nifchnei- Nowgorod 1.495 740 974 1.714 74 1.788 42 32 42 1.87 I 74 3.61 O'21 3.82 3.502 121 3.623 1.286 26 Nowgorod 336 742 1.078 147 32 22 3/2 0.83 I'OI 1.84 O'33 2'17 2.843 28 1.225 2.871 586 27 Olonez 58 87 145 ΙΟ 32 32 4 O'53 0.81 I 34 O'12 1'46 785 785 348 28 Orenburg 155 650 1.265 1.915 60 6 6 4 I'76 3'43 5.19 0'09 5 28 6.611 250 6.861 2.880 1.975 29 Orel 800 I.200 2.000 213 5 4 2.213 30 Penza 640 940 1.580 83 1.663 5 4 41/2 31 Perm 516 1.650 2.166 42 32 32 71 1222 2'09 2.34 4'43 0.46 4.89 4.838 249 5.087 2.422 2'19 2.39 O'25 4'58 4.83 3.729 417 4.146 I.557 084 1'93 2'77 0'09 2.86 6.006 177 6.183 58 2.237 32 33 Podolien Pultawa 73° 745 1.475 157 1.632 52 42 4 I 75 1* 39 3 14 O'22 3.36 4.512 387 4.899 1.403 786 1.029 1.815 195 5 31/2 1.64 1* 61 3.25 O'26 3.51 4.629 2.010 338 4.967 1.769 34 Pfkow 325 55° 875 83 958 32 212 3 I'18 I'32 2'50 0* 25 2'75 2.062 27 35 Rjäfan 610 990 1.600 246 1.846 5 4 4 I'72 2.09 3.81 4.36 0.55 4.310 165 2.089 4.475 1.726 II2 36 Samara 610 I.200 1.810 6 6 3 1.80 3'55 5 35 0* 26 5.61 55 1.865 5.904 136 6.040 3.116 37 St. Petersburg 151 287 438 3/23 434 0.30 0.53 0.83 o'33 1* 16 2.920 24 104 2.944 I.573 542 38 Saratow 743 I.100 1.843 6 6 76 31/2 2'20 2'92 5'12 O'IO 5'22 4.9331 381 5.314 3.534 1.919 39 Simbirík 600 800 6 1.400 5 35 2'28 31/2 I.435 2'70 4.98 0'09 5'07 3.442 II7 3.559 2.457 4° Smolensk 650 975 1.625 165 312 212 212 I 43 I'28 2'71 O'26 2.97 3.476 120 3.596 213 444 41 Taurien 1.790 125 300 425 23 448 52 6 3 1'09 2'47 0'07 3'56 3.63 1.635 1.635 57° 42 Tambow 983 1.404 2.387 5 4 4 2'00 2'03 195 2.582 0'30 4 03 4'33 7.320 290 7.610 923 43 Twer 653 1.318 312 213 I'07 I'22 2'29 0'39 2.68 1.971 291 2.262 4.370 92 4.462 257 44 Tula. 650 950 1.600 183 4 312 4 I'70 2'06 3.76 o'53 4 29 3.412 172 3.584 1.783 1.358 45 46 47 48 49 56789 Charkow. 485 866 1.351 96 512 42 3 I'37 1'90 3'27 O'II 3.38 4.075 549 4.624 767 1.447 Cherfon 332 596 928 7 I'25 2.67 12 0.04 3'92 3.96 3.234 Tchernigow 940 600 950 1.550 258 5 4 31/2 1.61 1'92 3'53 1.808 Eftland 92 I22 5 5 31/2 1'16 214 124 Jaroflaw 39° 786 1.176 160 338 1.336 31/2 23 42 1'03 Total. 24.668 38.921 63.579 6.427 412 4 334 I'47 185 0.28 3'32 70.006 0* 45 3.98 1'40 2.56 I'OI 3'57 859 I 39 2'42 0.53 2.95 2.634 3.60 174.647 4.767 106 440 3.340 5.207 1.956 224 1.083 II3 2.747 7II 36 II7 9.481 184.128 42.889 7.453 35.436 52 Wilhelm von Lindheim. Gouvernements Totale der Ländereien cultivirten Approximative des Umfanges der Landwirthschaft Terrains der Städte Ueberficht in Rufsland gewidmeten Ländereien. ( Die Defsjätine à 1092 Hektaren.) Bauernländer Taufende Von Defsjätinen( approximativ). Rufsland. 53 Archangel 68.951 51: 5 60.370 201 Aftrachan 20.498 35'2 1.334 1.572 3 117 2.657 I I 17 65 8.315 8.039 Kalmüken, Tataren. Befsarabien 280 3.206 17.8 39 Wilna. 3.854 519 12 3 454 793 2.275 1.606 242 443 449 20 Witebsk 325 4.152 25'5 877 1.653 113 404 Coloniften. Juden der Krone. 53 Private und Krone. Wladimir 4.333 34 I 256 861 143 39'5 170 401 1.805 624 Wologda 36.251 32 1 27.847 I.I17 123 1 3.619 274 134 1.479 3.130 Wolhynien 6.525 28.5 860 375 1.495 2.134 Woronefch 6.101 3.303 349 802 27.9 151 1.606 1.467 25 Streitig. Wiatka 13.130 26.6 4.139 173 1.834 4 7.171 285 43 III Grodno 3.484 64 1 566 619 724 1.279 222 Jekaterinoflaw 6.205 72'9 5° 16 Kafan 5.708 47 7 I.137 42 62 38.8 I.735 308 2.784 925 136 10 Juden der Krone. Coloniften. 3.438 3.7 67 188 787 Kaluga 2.884 22'9 Kiew 4.659 50.6 80 406 205'2 463 378 1.454 281 421 1.294 1.937 488 62 Der Kirche. 611 Kowno Koftroma Kurfk Minſk • Mohilew. Moskau 3.711 14 2 677 377 1.785 183 62 Private und Krone. 7.304 42 3 I.144 476 668 308 467 3.705 495 1.887 4.172 17 2 24 349 1.371 522 8.177 31 4 820 242 1.450 4.223 2.409 4.377 18.6 205 213 1.269 2.301 37° 818 82 3.072 13'0 39 56 335 1.298 431 Nifchnei- Nowgorod 4.653 29'9 521 98 170.6 848 117 312 2.041 516 Nowgorod. 10.452 47'5 638 1.346 165 520 799 3.753 2.836 347 Olonez 11.980 40 7 8.547 20 1.164 777 9 15 399 328 Orenburg und Ufa 24.549 26'2 2.144 162 207 II2 250 2.232 963 17.717 95 Orel. 4.380 25'9 235 89 II 7 998 146 406 1.770 700 Penfa 3.472 21 9 166 1.313 4 4 450 1.183 334 Perm 30.872 39.6 8.937 IOI 10.604 4.408 90 211 6.611 Podolien 3.885 379 1.131 40° 3 239 1.747 315 34 Juden. Pultava Pskow 4.550 17 1 20 18 369 379 1.728 1.075 943 Kofaken. 4.023 24 4 60 73° 321 2.136 704 Rjäfan 3.838 932 404 1.660 7'3 95 715 24 38 Private und Krone. dto. Samara 14.852 34'9 1.758 768 4.743 885 229 1.538 4.349 276 Coloniften. St. Petersburg 379 ΙΟΙ 4.133 12'7 313 137 294 1.766 1.130 2.266 182 Saratow 620 2.682 7.495 246'1 29 95 894 478 Coloniſten Simbirfk 190 1.065 4.451 44 4 17 1.015 335 1.409 374 Smolenfk Taurien Tambow Twer 549 685 2.287 5.171 22'5 123 1.504 • 5.573 58.7 983 1.246 63 I.124 3 2.093 152 Coloniften. 6.058 36.1 524 бо 2.260 481 1.912 633 1.228 5.834 156 660 19 1 191 201 2.153 1.226 Tula 2.812 13'9 44 0.6 394 316 1.715 327 Charkof 4.983 25.6 2.236 432 1.502 295 492 Cherfon 6.584 2.143 354 120* 7 53° 3.498 453 386 Coloniften. Tchernigow 4.796 42.8 766 2 605 2741 1.544 1.464 Jaroflaw 562 4.132 21'2 69 234 1.7II 3 541 7 Private und Krone. Total. 404.277 1.705'9 125.683 7.057 16.492 62.671 4.394 21.150 83.686 62.992 11.630 54 Wilhelm von Lindheim. liches Inventar befafsen, fo war es ganz natürlich, dafs diefelben, nachdem die früher von den Leibeigenen bearbeiteten beften Terrains vollſtändig in deren Befitz übergegangen waren, während der Befitzer die fchlechten Terrains und auch diefe ohne jegliches Inventar übernehmen mufste, im Augenblicke der Befreiung fich in einer fehr kläglichen Pofition befanden. Meiftentheils haben diefelben fich dann veranlafst gefehen, auch diefe Terrains, natürlich unter fehr ungünftigen Verhältniffen, den frei gewordenen Bauern zu übergeben, da fie kein Geld hatten, um Inventar anzukaufen, und ebenfo wenig, um die freien Arbeiter zu bezahlen. Unter diefen fchon fehr erfchwerenden Calamitäten war es ein weiteres Unglück, dafs im Augenblicke der Emancipation die Handarbeit, refpective der Preis derfelben, den gröfsten Schwankungen ausgefetzt war, welche jede Berechnung unmöglich machten. Es ift aus den Arbeiten der Commiffion zu erfehen, dafs der Preis für den Handarbeits- Tag im Süden zwifchen 30 Kopeken und 3 Rubeln gefchwankt hat. War es einerfeits als Glück anzufehen, dafs nunmehr jeder Bauer auch wirklich Grundbefitzer wurde, fo mufste es für die früheren Grofsgrundbefitzer als Unglück an gefehen werden, dafs dadurch eine folche Concurrenz für die Handarbeit gefchaffen, dafs es unter Umständen unmöglich war, fich überhaupt bezahlter Arbeiter zu bedienen. Es mufs indeffen dennoch erwähnt werden, dafs in einzelnen Gegenden Rufslands die Verhältniffe beffer find, beiſpielsweife in den baltifchen Provinzen, in Kiew, Podolien, Wolhynien und einigen Gouvernements des Centrums, wo die Bevölkerung weniger zerftreut und folgerichtig das Angebot der Handarbeit ein grofses ift. In diefen Gegenden ift auch in der That der Bodenbau durch bezahlte. Arbeit gang und gebe, und zwar wird hier auf den Tag gezahlt, fehr oft auch für ein ganzes Jahr oder auf eine Saifon abgefchloffen, und es ift möglich, den vollftändigen Bedarf an Arbeitskraft an den Orten felbft zu erhalten. In einigen Gouvernements des Südens und Südweftens in Jekaterinoflaw, Cherfon, Samara, Befsarabien und Taurien tritt ein gleiches Verhältnifs zu Tage. In diefen Provinzen ift das Terrain reichlich unter die Bauern vertheilt worden, und deren Exploitation genügt, um fie zu befchäftigen; jedoch kommt nach diefen Provinzen eine grofse Anzahl von Arbeitern, welche nach ihrer Heimat zurückkehren, fobald der Winter hereinbricht. In anderen Landftrichen wo die eigenthümlich überlaffenen Terrains unzureichend find, und da, wo es an Weiden und Wiefen mangelt, exiftirt der Gebrauch, die Arbeiter dadurch zu bezahlen, dafs ihnen der Nutzbrauch der Grundftücke überlaffen wird. In diefen Gegenden hat fich die Abhängigkeit des Kleinbefitzers von den Grofsbefitzern theilweife vollftändig erhalten, und man findet daher beiſpielsweife im Gouvernement Orel ein ähnliches Verhältnifs, wie vor der Emancipation. Sehr originell ift die Art und Weife, wie in einzelnen Gouvernements die Ernte eingebracht wird; in Koftroma nämlich ist es üblich, dafs während der Feiertage das Mähen und Einbringen des Getreides von den gefammten Einwohnern des Ortes im freundſchaftlichen Wege für den Grofsgrundbefitzer vollzogen wird. Es wird hiefür kein feftgefetzter Tageslohn gezahlt, dagegen den Arbeitern Speife und Trank nach Belieben verabreicht, und es kommt daher manchmal vor, dafs die Koften der Ernte theuerer kommen, als es gegen Baarbezahlung der Fall gewefen wäre. In den baltifchen Provinzen, wo, wie bekannt, die Landwirthfchaft weiter vorgefchritten ift, als in dem übrigen Rufsland, hat fich für den Befitzer wie für den Arbeiter ein gleich günftiges Verhältnifs eingebürgert. Der Arbeiter erhält dafür, dafs er die Verpflichtung übernimmt, für den Befitzer zu arbeiten, Wohnung, Garten und ein Stück Feld, welches er für feine eigene Rechnung bearbeitet, wobei er aber noch Zeit gewinnt, drei bis vier Tage per Woche gegen einen extra bewilligten Lohn für den Eigenthümer zu arbeiten. Rufsland. 55 Wir haben hier von der Theuerung des Lohnes und von der Schwierigkeit, fich überhaupt Arbeiter zu verfchaffen, gefprochen; aber abgefehen davon, finden wir in der Aufzeichnung der landwirthschaftlichen Enquête noch anderer grofser Schwierigkeiten, welche für den Grundbefitzer obwalten, Erwähnung gethan. Der Arbeiter ift feit der Emancipation fo wird wenigftens behauptet träge und böswillig geworden, und es follen die Fälle häufig genug vorkommen, wo derfelbe von mehreren Befitzern gleichzeitig Vorfchüffe nimmt und die Gegenleiftung keinem einzigen zu Gute kommt. Die Verlegenheiten, die hiedurch bereitet werden, find umfo gröfser, als die Vernachläffigung eingegangener Verpflichtungen meiftentheils in die wichtigſte Zeit, in die Zeit der Ernte, fällt und aufserdem die Geldverlufte, welche dadurch veranlasst werden, nicht gering find. Bei der grofsen Ausdehnung, welche die Diftricte der Friedensrichter haben und bei der Langwierigkeit des Civilprocefs- Verfahrens wird eine Klage in diefer Richtung meift gegenftandslos und die Verlegenheit des Grofsgrundbefitzers eine fehr grofse; eine gewiffe Berechtigung läfst fich diefer Klage nicht abfprechen; es ift aber auch dahinzuftellen, ob nicht auch von Seite des Grundbefitzers oftmals Pflichtverletzungen vorgekommen find. Es darf daher aus dem Vorftehenden mit Recht gefchloffen werden, dafs behufs Löfung einer der wichtigften und vitalften Fragen für die Entwicklung der Landwirthschaft in Rufsland eine beffer geregelte Gefetzgebung gefchaffen werden mufs, die das Verhältnifs zwifchen Arbeiter und Arbeitgeber, wie es fchliefslich in der ganzen civilifirten Welt jetzt der Fall ift, in präcifere Form zu bringen geeignet ift. Als Entfchuldigung für die verfchiedenen Contractbrüche, deren fich die Arbeiter fchuldig machen, mufs angeführt werden, dafs der ruffifche Bauer fich feiner Verftöfse gegen das Gefetz in den meiſten Fällen nicht genau bewusst ift. Von dem Zeitpunkte an, wo das Gefetz dem Volke beffer bekannt. fein wird, werden wohl auch diefe jetzt oft wiederkehrenden Streitigkeiten behoben werden. Die Schwierigkeiten, welche aus allen diefen, wir müffen fagen, abnormen Verhältniffen entſpringen, haben auch, wie im Eingange erwähnt, zu der verfchiedenen Art der Feldbeftellung geführt.. Entlohnung durch Terrain. Ueberlaffung. Verpachtung. Wir finden in einigen Gegenden, dafs der Arbeiter nicht blos feine Handarbeit liefert, fondern feine vollſtändigen Ackerwerkzeuge beiftellt und in vielen Fällen die Beftellung und die vollftändige Ernte nach einem vorher vereinbarten Preife in diefer Weife ausgeführt wird. In vielen Gegenden des Südens ift es ferner Sitte, dafs ein Theil der Ernte den Arbeitern als Arbeitslohn ausgefolgt wird, und dafs fomit Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch gleiche Intereffen verbunden find. Es ift wohl natürlich, dafs alle diefe zur Gewohnheit gewordenen Landbebauungs- Methoden nur Nothbehelfe genannt werden können, denn auf eine gefunde und fortfchreitende Ackerbeftellung kann man auf diefe Weife nie und nimmermehr hinwirken. Es mufs im Gegentheil conftatirt werden, dafs überall, wo diefer Abufus ftatthat, der Landbau in vollſtändiger Stagnation fich befindet, und es gehört zu den ernfteften Aufgaben der leitenden Behörden, diefen Uebelftänden gegenüber Abhilfe zu fchaffen. Die Arbeitstheilung ift in der Landwirthschaft aufserordentlich nützlich; jedoch ift es als Verderb und als ein grofser Fehler zu betrachten, wenn die Verpachtung der Terrains fich auf kurze Zeit befchränkt. Die Verpachtung auf diefe kurzen Ter 56 Wilhelm von Lindheim. mine kann am treffendften als Raubbau bezeichnet werden, weil es nicht im Intereffe des Pächters liegt, mehr Arbeit und Koften auf das Grundftück zu verwenden, als er mit ziemlicher Sicherheit fchon im nächsten Jahre herausziehen kann. Er wird im Gegentheil noch weniger Arbeit und weniger Fleifs verwenden, um Nutzen zu erzielen. Das Verpachtungsfyftem auf lange Zeit mufs als ein entfchiedener Fortfchritt betrachet werden. Wir finden glücklicher Weife die Anfänge hievon im Süden und in den weftlichen Gouvernements, während im Centrum und im Norden es leider immer noch üblich ift, einzelne Grundftücke, und auch diefe nur auf kurze Zeit, den Bauern zur Benützung zu überlaffen. In diefen Gegenden haben die Verfuche, die nach dem Jahre 1861 durch die Befitzer angeftellt wurden, um ihr Terrain auf lange Zeit zu verpachten, keine guten Refultate geliefert. Die Pächter, welche meiftentheils weder Erfahrung, noch Geld befafsen, erfchöpften den Boden über die Gebühr durch irrationelle Bebauungsmethode, verwüfteten das Inventar und führten auf diefe Weife zahlreiche Proceffe herbei. In Grofs- Rufsland begegnet man aus diefem Anlaffe nur höchft felten der Verpachtung des ganzen Grundbefitzes, was wir wirthschaftlich, wie gefagt, nur beklagen können. Durch die kurze Pachtzeit wird der Acker wenig oder gar nicht gedüngt, und es zeigt fich nur allzu bald eine vollſtändige Bodenerfchöpfung. Die füdlichen Provinzen und der Weften befinden fich, wie eben erwähnt, in einer befferen Lage; man verpachtet dort auf lange Zeit, und man kann bereits Contracte conftatiren, welche zwölf Jahre dauern, und welche Urfache find, dafs fich zu gegenfeitigem Nutz und Frommen ganze Pächterfamilien gebildet haben. Der Preis der Pachtung variirt fehr ftark je nach der Gegend und je nach der Pachtzeit. Die intereffanten und unparteiifchen Wahrnehmungen der AckerbauEnquête laffen uns den grofsen Bodenreichthum Rufslands im wahren Lichte erfcheinen, und wir müffen in der That mit Bewunderung conftatiren, dafs Rufsland die grofsartigften Hilfsmittel zur Verfügung hat. Wir müffen aber leider aus den uns durch diefe Unterfuchungen zu Gebote ftehenden Zahlen den Schlufs ziehen, dafs der gröfste Theil der fteigenden Bodenerträgniffe nicht in der fteigenden Cultur, fondern in der Inangriffnahme neuer Terrains, welche früher nicht bebaut wurden, zu fuchen ift. Die intenfive Wirthfchaft nimmt Die intenfive Wirthfchaft nimmt wir erwähnten diefs fchon im Eingange leider nur fehr partiell zu, und da neue Terrains immer noch in der gröfsten Ausdehnung vorhanden find, fo befchränkt fich ein grofser Theil der Grofsgrundbefitzer darauf, diefe noch nicht erfchöpften Terrains zu bebauen, anftatt den alten Terrains durch gröfsere Sorgfalt ein höheres Erträgnifs abzugewinnen. Auf diefe Weife fehen wir zu unferem Leidwefen, dafs die Stückzahl des Viehes abnimmt, die Wälder abgeholzt und namentlich durch diefen letzteren Umftand klimatifche Veränderungen herbeigeführt werden, welche feinerzeit fehr traurige Folgen haben können. _ Das Evangelium des ruffifchen Volkswohlftandes, welches fort und fort gepredigt werden follte, und für welches auch die Regierung nach beften Kräften Propaganda macht, ift daher die intenfive Wirthfchaft, und es ift auch wohl zu hoffen, dafs mit der Zeit, namentlich wenn der Grofsgrundbefitz aus feiner Geldcalamität ein wenig herausgekommen ist, die rationelle Bebauungsmethode ins Leben treten wird. Wir haben hier in erfter Reihe von dem Grofsgrundbefitze gefprochen. Es walten aber auch bei den Bauern fehr ernfte Gründe ob, welche fie verhindern, die alte herkömmliche, fchlechte Wirthfchaftsweife mit einer befferen zu vertaufchen. Man weifs, dafs in Rufsland vier Arten der Bodencultur exiftiren. So haben wir zuerft in den nördlichften Gouvernements in Archangel und theilweife in den Gouvernements von Wiatka und Perm eine ganz freie Wirthfchaftsweife, welche gar keiner feftgefetzten Norm unterworfen ift. In der Regel zerftört man durch Feuer die Ueberrefte des Waldes, bedient fich der Afche Rufsland. 57 als Düngmittel und fäet auf diefem Boden, fo lange man noch eine Ernte bekommt. Ift dann der Boden erfchöpft, fo bebaut man in ähnlicher Weife das benachbarte Stück Land. Ganz ähnlich primitiv ift die Wirthfchaftsweife in den Steppengegenden des füdlichen Rufslands, in der Krim, in Kafan, Aftrachan, Azow und den Ländern der donifchen Kofaken. Man findet ein Gleiches in den füdlichen Regionen von Beffarabien und theilweife in Cherfon und in Poltawa. Hier wie in den Wäldern des Nordens ift keinerlei Fruchtfolge üblich. Man baut diefelbe Frucht in demfelben Terrain, fo lange es geht, und merkt man durch eine fehlgefchlagene Ernte, dafs der Boden erfchöpft ift, fo gibt man dann dem Boden Ruhe, bis man feine Erholung vollzogen glaubt. In dem übrigen Rufsland, Livland ausgenommen, herrfcht das DreifelderSyftem vor. Eine andere Fruchtfolge zeigt fich nur ausnahmsweife auf den Terrains der Centralgouvernements des Weftens. Dort gewinnt diefe Bebauungsart in den Gouvernements von Kiew und Podolien, namentlich da, wo die Zuckerrübe mit Vortheil angebaut wird, und ebenfo im Gouvernement Kurfkan Ausbreitung. In den baltifchen Gouvernements ift die Wechfelwirthfchaft bereits feit längerer Zeit üblich. Eingeführt durch die Grofsgrundbefitzer, ift fie in diefem Augenblick auch fchon bei den Bauern, und zwar mit grofsem Vortheil, zur Anwendung gekommen. So ift beiſpielsweife in Kurland conftatirt, dafs von 1300 Grofsgrundbefitzern 1154, und von 11.906 Bauern 6627, d. i. alfo 88.8, refpective 55 6 Percent, die Dreifelder- Wirthschaft zu Gunften einer rationellen Fruchtfolge aufgegeben haben. In Eftland ift diefe moderne Culturmethode noch nicht allgemein, jedoch nahm man bereits 1867 an, dafs von den Grofsgrundbefitzern 75 09 Percent und von den Bauern 10˚42 Percent regelmässige Fruchtfolgen eingeführt haben. Am meiften bedauerlich bleibt übrigens, dafs bei dem Syfteme der Dreifelder- Wirthfchaft, welches unter Umftänden ebenfalls fchon gute Refultate geben könnte, die effectiv conftatirten Refultate doch nur höchft mangelhaft find. So kann man fich nicht verhehlen, dafs der Viehftand bei den Bauern fehr häufig abnimmt, dafs dadurch der Acker des nöthigen Düngers entbehrt und die Erträge, ftatt zuzunehmen, fich im umgekehrten Verhältniffe bewegen. Die Enquête hat einen ferneren Grund für die Verminderung des Viehftandes und die dadurch hervorgerufene Düngernoth darin gefunden, daſs das Branntwein- Steuergefetz die Anlagen der grösseren Brennereien aufserordentlich begünftigt, dagegen den Kleinbetrieb faft unmöglich macht; aber es ift immerhin gefährlich, diefer Anficht beizupflichten, denn wenn auch momentan ein anderes Steuerfyftem zur Erhöhung des Viehftandes beitragen würde, fo kann man doch unmöglich im Intereffe des induftriellen Fortfchrittes wünſchen, dafs wiederum ein Steuergefetz eingefetzt werde, welches, fo wie es im Weften Europas der Fall war, bei dem Fortfchritt der Induftrie wiederum einer rationellen Gebarung weichen müfste. Wir geben nun nachfolgend nach den Mittheilungen der Commiffion die. gefammte Ziffer der landwirthschaftlichen Production und bemerken, dafs diefs die reproducirten Daten' der officiellen Schätzungen find. Ausfaat Tfchetwert Ernte Tfchetwert In den Jahren 1800 bis 1813 1834 1840 1840 1847 1857 1863 48,800.000 155,000.000 ? 179,000.000 209.732.000 220,000.000 248.000.000 1870 1871 59,214.000 63.589.000 67,643.000 Hienach findet fich, dafs die Zunahme der zweiten Periode im Vergleich mit der erften Periode, von welcher fie durch einen Zwifchenraum von 20 Jahren 58 Wilhelm von Lindheim. -- getrennt ift, 154 Percent beträgt. Die dritte Periode von 8 Jahren, welche ohne Intervall auf die zweite folgt, zeigt eine Zunahme von 171 Percent. Die vierte Periode von 7 Jahren, welche ein Zwifchenraum von 10 Jahren von der dritten trennt, zeigt eine Zunahme von 4.8 Percent. Die letzte Periode endlich, welche wiederum einen Zwifchenraum von 7 Jahren mit der vorigen Periode hat, zeigt eine Zunahme von 12' 7 Percent. Die Langfamkeit des Fortfchrittes, welche durch diefe Zahlen conftatirt wird, zeigt fich noch evidenter, wenn man das durchſchnittliche Erträgnifs der Ernten und der Körnerproduction mit der Ziffer der Bevölkerung vergleicht. Von 1802 bis 1813 3,17 Korn Ernte " 1840 1847 3,5 وو 99 " 9 29 " 1857" 1870 1871 1863 3,4 ༤༡ 3,6 27 Die Production vertheilt fich per Einwohner wie folgt: Von 1840 bis 1847 3,9 Tfchetwert Erzeugung per Kopf 99 99 1857" 1870" 1863 1871 3,4 3.5 " 29 وو 99 - - - Der Bericht der Commiffion befchränkt fich übrigens nicht auf die Anführung diefer durch die adminiftrative Statiſtik gegebenen Daten. Schon im Jahre 1840 fchätzten die damaligen Statiſtiker die jährliche Körnerproduction auf 250 Millionen Tfchetwert, d. h. 19 Percent mehr, als die officielle Schätzung beträgt. Diefs gibt, indem man die Ausfaat auf 60 Millionen Tfchetwert rechnet, ein Durchfchnittserträgnifs von 4'16 Körnern. Diefe Zahlen ftimmen mit den von Tengoborsky in feinem bekannten Werke:„ La force productive de la Ruffie", angeführten Ziffern überein. In den Erklärungen, welche dem landwirthschaftlichen Atlas des europäifchen Rufslands beigefügt find wird durchſchnittlich die jährliche Ernte nach der Schätzung des Herrn Wilfon auf 246 Millionen Tfchetwert, d. h. 422 Körner angegeben. Die Einfaat, den eigenen Gebrauch, den Ueberfchufs und das zu anderweitiger Verwendung disponible Getreide zeigt die vorſtehende Tabelle I. Indem man dasfelbe Erträgnifs für die gegenwärtige Epoche von 1870 bis 1871 annimmt, kann man mit 290 Millionen Tfchetwert die Jahresernte veranfchlagen, was einen Durchfchnitt von 45 Tfchetwert per Einwohner gibt. Nach diefen Berechnungen würde die Jahresproduction in diefem Augenblick um 16 Percent gröfser fein, als die Production von 1840 und um 9 Percent geringer als die von 1860. - Uebrigens muss man annehmen, dafs die Exportationsliften ungleich. genauere Daten anführen, als alle anderen Auskünfte, welche über die Production. des Getreides zu Gebote ftehen. Diefe Zufammenftellung beftätigt, was wir eben gefagt haben, nämlich den langfamen Fortfchritt bezüglich der Production. Man hat im Jahre 1863 10 Millionen Tfchetwert exportirt, diefelbe Quantität aber fchon 1853 erreicht, alfo zu einer Epoche, wo der Mangel von Eifenbahnen den Transport des Getreides viel fchwieriger machte. Im Laufe der letzten fünf Jahre find im Ganzen 82 Millionen Tfchetwert exportirt worden, was im Durchschnitt 16 bis 17 Millionen jährlich ausmacht. Indem man diefe Zahlen mit der Durchfchnittsziffer von II Millionen aus der fünfjährigen Periode von 1862 bis 1866 und mit der Ziffer von 9 Millionen der Jahre 1857 bis 1866 vergleicht, fo kann man folgerichtig den Schlufs ziehen, dafs diefe Erhöhung nicht den fteigenden Bodenerträgen zugezählt werden darf, fondern durch die leichtere Verfrachtung herbeigeführt wurde. Trotz der ganz aufserordentlichen natürlichen Bodenreichthümer, welche das Czarenreich befitzt, trotz der aufserordentlichen grofsen Ausdehnung der cultivirbaren Ländereien und trotz der aufserordentlichen Fruchtbarkeit derfelben Rufsland. 59 kann Rufsland dennoch nur fchwer mit den anderen europäifchen Ländern, aber keinesfalls mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika concurriren. Es ift diefs erfichtlich, wenn man bedenkt, dafs die jährliche Zunahme der Getreideproduction fich während der letzten 30 Jahre nur auf 16 Percent erhoben hat, während die Production der Vereinigten Staaten von 1849 bis 1869 die anfehnliche Zunahme von 140 Millionen auf 240 Millionen Tfchetwert zeigt, was eine Zunahme von 722 Percent in 20 Jahren ausmacht. Die Anficht, welche hier die Commiffion ausfpricht, ift richtig, fo lange die Landwirthfchaft noch auf primitiver Grundlage betrieben wird; find aber einmal die Calamitäten überwunden und das Eifenbahnnetz vollendet, fo wird Rufsland auch die amerikaniſche Concurrenz gar oft überwinden Die Exportperiode 1873 bis 1874 fpricht für die Stichhaltigkeit diefer Anficht. So können wir aus diefen wahrheitsgetreuen Ziffern fchliefsen, dafs zwar die abfolute Production des ruffifchen Reiches die gröfste auf dem Erdballe ift, dafs aber die Durchfchnittsziffer der jährlichen Ernte, auf den Kopf der Bevöl kerung gerechnet, in Amerika weit gröfser ift. In diefer Richtung nimmt Rufsland den letzten Platz ein, wie diefs aus der nachftehenden Tabelle zu erfehen ift. Ziffer der Ge- Durchfchnitts- Mittlere fammtproduction Rufsland Vereinigte Staaten Frankreich Preufsen England Oefterreich Ernte TfchetErnte per Defsjätine In Millionen wert Weizen und Gerfte 290.000 4'5 4.5 241.300 6.2 8.8 II7.900 3.0 II 4 IO 2 85.000 3.5 II 4 II'I 65.000 2.9 33.9 41.300 I'15 9.5 9.7 Die Gouvernements Rufslands können in drei Unterabtheilungen bezüg lich ihrer Productivität getheilt werden. Die erfte Abtheilung umfafstjene Gouvernements, deren Ernte zur Ernährung der localen Bevölkerung nicht zulangt. Es find diefs die drei Gouvernements im hohen Norden, Archangel, Olonez und Wologda, ferner die Gouvernements des Nordweftens, St. Petersburg und fechs Gouvernements des Centrums. Die zweite Gruppe erzielt Bodenerträgniffe in hinreichender Menge für die locale Bevölkerung, ift aus den beiden Gouvernements des Oftens Kaluga und Perm zufammengefetzt und befteht ferner aus den baltifchen Provinzen und den Gouvernements Wilna, Kowno und Minfk. Die ältefte und natürlich weitaus gröfsere Gruppe umfafst alle Gouvernements der fogenannten fchwarzen Erde, deren Ernten die localen Bedürfniffe weitaus überragen. Es find diefs die fiebzehn Gruppen des Centrums, die vier Gruppen des Südoftens, die fünf Gruppen des Südens und die Länder der donifchen Kofaken. Die Ausfaat und Ernte des Getreides vertheilt fich wie folgt in diefe drei Gruppen: 15 Gouv. der I. Gruppe Bevölkerung 14,882.664 9 II. 99 27 "! 10,631.299 26 III. 99 99 27 38,644.969 Zufammen 64,158.932 Ausfaat Ertrag ( Taufende Tfchetwert) 13.082 8 38.314 5 10.690.4 43.269.0 Zufammen 67.042.2 41.530.0 209.433 5 289.278.0 Die Weizencultur zeigt die Ziffer von 2,732.000 Tfchetwert in den beiden erften Gruppen. Die dritte Gruppe producirt fünfzehnmal mehr, nämlich 42,668.000 Tfchetwert. Die Production des Roggens zeigt eine zweimal gröfsere Ziffer in den Terrains der fchwarzen Erde, als in den der zwei anderen Gruppen, nämlich 76,586.000 60 Wilhelm von Lindheim. gegen 33.629.000 Tfchetwert. Der Hafer, welcher in den zwei erften Gruppen die Summe von 31,672.000 Tfchetwert erreicht, bildet ungefähr drei Fünftel der Ernte der dritten Gruppe, die auf 50,521.000 Tfchetwert zu fchätzen ift. Die Gerftenernte beträgt 7,951.000 Tfchetwert in den erften zwei Gruppen und II, 466.660 Tfchetwert in der dritten Gruppe; diejenige des Buchweizens eine halbe Million Tfchetwert in der erften und 14,676.000 Tfchetwert in der dritten Gruppe. Die Summe aller anderen Cerealien endlich wird auf 2,239.000 Tfchetwert in den zwei erften Gruppen und 13,516.000 Tfchetwert in der dritten Gruppe angegeben. Der Rapport der Commiffion gibt zu, dafs man die Ausdehnung der für den Ackerbau geeigneten, refpective verwendeten Länder nur annähernd fchätzen kann. In der nachfolgenden kleinen Zufammenftellung dürfte man indeffen der Wahrheit am nächften kommen. Weizen 29 Herbftfaat Sommerfaat. 2,269.000 Defsjätinen 7.690.700 99 Total 9,959.700 Defsjätinen. Roggen Hafer Gerfte • ° Buchweizen Anderes Sommergetreide. Zufammen Herbftgetreide • 24,060.400 99 • II, 993.500 77 4,519.000 " 7 4,1 92.000 29 3.900.000 17 26,329.400 Defsjätinen รา Sommergetreide Brachland 32,296.000 29 . 29,700.000 29 27 Zufammen 88,325.400 Defsjätinen. Wir finden nach den Angaben der Commiffion eine Gefammtfumme von 8 Millionen Defsjätinen, die jährlich zur Anbauung der verfchiedenen Getreidearten verwendet wird, wobei noch zu bemerken ift, dafs die Terrains der nördlichen Waldzone und diejenigen der füdlichen Steppen, die nur in unregelmässigen und weit auseinanderliegenden Zwifchenräumen zur Anbauung gelangen, in diefen Ziffern nicht enthalten find. Nochmals auf das zurückkommend, was wir vorher gefagt haben, beftätigen wir hiedurch, dafs die Grundfläche der zu bebauenden Aecker von Jahr zu Jahr zunimmt. Es mufs indeffen auch hier bemerkt werden, dafs die nördlichen Gouvernements und ein Theil der Central- Gouvernements hierin fich von dem anderen Reiche weit unterfcheiden. In den erfteren kann fogar eine Abnahme der dem Ackerbau gewidmeten Länder conftatirt werden. Es ift nicht fchwierig, hiefür eine Erklärung zu finden. Nach der Abfchaffung der Leibeigenfchaft konnten die Grofsgrundbefitzer im Norden und die der Central- Gouvernements unmöglich diefelbe Fläche cultiviren, wie früher, wo fie ohne Zahlung über die nöthige Arbeitskraft der Bauern disponiren konnten. Die Bauern ihrerfeits wieder, welche nach diefem grofsen reformatorifchen Schritte allerdings die doppelte Zeit zur Cultivirung der ihnen gehörigen Ländereien zur Dispofition gehabt hätten, zogen es im Allgemeinen vor, fich der Induſtrie theils in den Städten, theils in den Dörfern zu widmen, da die Erträgniffe in diefen Gouvernements bei der landwirthschaftlichen Arbeit wegen des Klimas und der Im Norden und in Bodenbefchaffenheit nur wenig günftige Refultate ergaben. - den Central- Gouvernements hat daher die Gefammtfumme des Erträgniffes abge nommen, wenn man die Bodenfläche als Beweis dafür annimmt. Es find genaue ftatiftifche Daten darüber nicht vorhanden, ob die Abnahme der Bodenfläche auch den Gefammtertrag pofitiv herabmindert, und es ift fehr zweifelhaft, ob fich die Production felbft in diefen fchlechten Gouvernements feit der Abfchaffung der Leibeigenfchaft nicht ungefähr gleichgeblieben ift.- Im Rufsland. 61 Süden dagegen haben fich zwar die Terrains, welche von Seite der Grofsgrund. befitzer cultivirt wurden, feit Abfchaffung der Leibeigenfchaft reducirt; es wird aber diefe Reduction durch die gröfseren Terrains vollſtändig compenfirt, welche nun von Seite der Bauern bebaut werden, die fowohl als Käufer, wie als Pächter des Grofsgrundbefitzes auftreten. In den Terrains der fchwarzen Erde kann man nicht nur eine Zunahme der Production, fondern auch eine Zunahme der gefammten, dem Ackerbau gewid meten Fläche conftatiren. In Bezug auf diefe Zunahme, refpective Abnahme, ift die nachfolgende Tabelle zufammengeftellt worden, welche in intereffanter Weife die von Tengoborsky 1850 veröffentlichten und die durch den ftatiftifchen Atlas 1860 angeführten Ziffern zur Vergleichung bringt. Nach M. Tengo- Nach dem fta- Schätzung der borsky tiftifchen Atlas. Commiffion der In Taufenden, Defsjätinen Enquête Verminderung: 1. Nord- und Central- Gouvernements( 2) 2. Gouvernements von Weifs- Rufsland und Litthauen( 3) ( Verminderung 19 1/2 0/0) Zunahme: I. Baltifche Provinzen 2. Central Gouvernements( 4) 3. Gouvernements an den Ufern der Wolga und jenfeits derfelben( 5) 4. Gouvernements des Südens 5. Gouvernements des Südweftens( 8) ( Zunahme 30 1/2 0/0) Totale 21,840.867 21.657 20,568.460 10,714.109 32,554.976 II. OIO 32.667 6,719.421 27,287.881 1,140.427 27,488.000 1.753 29.295 1,781.360 33.786.751 7,391.000 s 7.209 12,513.013 6,531.283 7,217.185 49,767.895 82,322.871 9.795 8.082 56.134 61,870.719 88.801 90,158.600 6,287.315 8,502.280 Der Bericht gibt namentlich an, dafs der Grad der Fruchtbarkeit des Bodens im Norden ein fehr geringer ift, und dafs dafelbft nur die niedrig gelegenen, an Wafferläufe grenzenden Terrains, die gleichzeitig den Herbftüberfchwemmungen ausgefetzt find, Getreide erzeugen; aber auch hievon ift die Qualität nur eine mittelmäfsige, und ergibt der Ertrag bei aller Sorgfalt, welche darauf verwendet werden mufs, höchftens 6 bis 7 Korn. Der Durchfchnitt der Erträgniffe ift hier nur 2 bis 3 Korn. Immerhin ift bei den Grofsgrundbefitzern aber auch hier der Ertrag höher, als bei den Bauern. Eine Ausnahme davon machen nur jene jungfräulichen Terrains, welche durch die Afche der abgebrannten Wälder gedüngt werden, wodurch die Erträgniffe der bäuerlichen Terrains fo grofs werden, wie die der Grofsgrundbefitzer. In der weitläufigen centralen Region, wie in der des Südens und Südweftens zeigen fich fehr erhebliche Differenzen in den Erträgniffen an verfchiedenen Cerealien, und man fieht je nach der Bearbeitung der aneinander grenzenden Felder vollſtändig verfchiedenen Ertrag. Leider haben die fchlechten Ernten in den Jahren 1868, 1869 und 1871 auf die eigentlichen Grundbefitzer wie auf die Bauern einen fehr ungünftigen Einflufs ausgeübt, und es find die Fälle allzu häufig vorgekommen, wo nicht nur das Korn für die Ernährung mangelte, fondern auch die Ausfaat abgängig war. Die Durchfchnittserträgniffe der letzten zehn Jahre find nach dem Rapport der Commiffion die folgenden gewefen: 62 Wilhelm von Lindheim. Grundeigenthum der Befitzer Roggen Hafer Gerfte Buchweizen Sommerweizen 4 bis 7 Tfchetwert 6.8 99 4, 6 " 9 59 " 3 4 รา 2 3 29 97 Grundeigenthum der Bauern 2 bis 4 Tfchetwert 3,5 99 3 " 4 57 23. 27 2 3 " 9 Alles auf die Defsjätine gerechnet. Diefe Ziffern beziehen fich auf die Terrains, die keine fchwarze Erde haben. Die Erträgniffe diefer ausgedehnten Ländereien find mit 1 bis 2 Tfchetwert per Defsjätine wenigftens auf den den Grofsgrundbefitzern gehörigen Ländereien anzunehmen. Im Refumé ift diefes Refultat ein nur wenig günftiges zu nennen, weil eben bis jetzt eine nur fehr mäfsig intenfive Wirthschaft eingeführt ift, wenn man auch umgekehrt daraus fchliefsen kann, dafs das ruffifche Reich, welches jetzt fchon eincn fo grofsartigen Export betreibt, alle anderen Länder überflügeln kann, fofern die moderne Landwirthschaft auch dort Eingang gefunden haben wird. Ueber die Durchſchnittserträge exiftiren, wie erwähnt, wenig präcife Daten; immerhin find aber unter den Aufzeichnungen der Commiffion intereffante Auffchlüffe zu finden, und wir führen nachfolgend die intereffanten Daten an, welche von den ausgedehnten Herrfchaften des Grafen Orlof Dawidof herftammen: Korn Weizen 1830 bis 1840 7 8 1841 1851 1861 1850 7 29 1860 وو 1870 9 13 6 450 29 Buchweizen 24 Hafer 6 7 - 71 8 35 48 Korn. Während der letzten vier Jahre erreichte der Ertrag des Roggens 15 Korn Wie leicht eine Steigerung herbeizuführen iſt, das zeigen Refultate, welche bei der Adoptirung des rationellen landwirthschaftlichen Syſtems fich ergaben. So finden wir in dem Diftricte Simbirsk, dafs eine Defsjätine, welche nach dem Syfteme der Dreifelder- Wirthfchaft bearbeitet wurde, eine durchfchnittliche Ernte von 3 Tfchetwert. Korn gab, während die nach einem rationellen Fruchtwechfel bewirthschaftete Defsjätine 6 bis 7 Tfchetwert gegeben hat. Diefelbe Thatfache ift für Sommerkorn conftatirt. Noch auffallendere Refultate find bei den Befitzungen im Gouvernement Moskau, wo zum Theil die Wechſelwirthschaft eingeführt ift, conftatirt worden. Eine Defsjätine mit Korn bebaut gibt einen Brutto- Ertrag von 60 bis 70 Rubel, während der Bruttowerth der Ernte einer Defsjätine, nach der DreifelderWirthfchaft bearbeitet, fich auf nur 12 bis 28 Rubel beläuft. Es ift eben bedauerlich( fo fchliefst der Bericht), dafs folche auffallende Differenzen nicht genügen, um die Intenfität der Ackerbewirthschaftung dem grofsen Publicum vor Augen zu führen. Die Cultur der Kartoffel hat dagegen in den letzten zwanzig Jahren viel gröfsere Fortfchritte gemacht. Die Ziffern, welche wir hier angeben können, find nach dem Berichte die nachfolgenden: 1851 1856 1861 1866 1871 Einfaat Ernte Tfchetwert 5,340.000 16,126.000 6,187.000 21.554.000 6,352.000 23,326.000 6,684.000 8,320.000 23,541.000 30,161.000 Es zeigt diefs eine Zunahme von 87 Percent, und fei dabei erwähnt, dafs für den Bau der Kartoffel ein Terrain von 790.000 Defsjätinen verwendet wurde. Rufsland. 63 Wir kommen nun zum Bau des Leines. Man fchätzt die hiefür verwendeten Terrains auf 600.000 Defsjätinen und den Werth der gewonnenen Faferftoffe auf 15,000.000 Rubel. Die Meinungen, welche über den Anbau verbreitet find, variiren wefentlich. Man fürchtet, trotz aufserordentlichen Geldertrages, die ftarke Bodenerfchöpfung einerfeits und den Nachtheil, den der Leinbau in Bezug auf die Verminderung des Viehftandes hervorbringt. Die Cultur der Zuckerrübe fchreitet in gleicher Weife fort, was wohl nicht zu verwundern ift, wenn man bedenkt, in welcher Weife die Zuckerfabrication fich in Rufsland Eingang verfchaffte. Im Jahre 1860 war die Zuckerrübe auf nur 86.000 Defsjätinen angebaut und gab einen Ertrag von 5,632.000 Berkowez; die Cultur der Zuckerrübe verminderte fich darauf, und man konnte 1861 nur 80.000 Defsjätinen bebaut conftatiren; im Jahre 1862 waren fogar nur 74.000 und 1863 78.500 Defsjätinen bebaut. Vom Jahre 1864 an trat aber eine wefentliche Vermehrung ein, und wurden 97.000 Defsjätinen in diefem Jahre angebaut. Gegenwärtig kann man die Zuckerrüben- Cultur auf einer Fläche von 123.500 Defsjätinen conftatiren und deren Ertrag auf 8,175.000 Berkowez veranfchlagen. Es zeigt diefs für die letzten zehn Jahren eine Vermehrung von 40 Percent bezüglich des Terrains und von 45 Percent bezüglich des Ertrages. In gleicher Weife vermehrte fich auch der Tabakbau, wie nachstehende Tabelle zeigt: Defsjätinen cultivirt Ernte( Pud) Pflanzungen 1856 1861 51.449 54.976 1866 72.149 1871 112.896. 22.698 39.104 33.518 36.856 1,179.500 1,258.000 1,857.500 2,215.000 Diefs conftatirt eine Vermehrung von 60 Percent bezüglich des für den Tabakbau verwendeten Terrains und eine Verdopplung des Ertrages. Nach den Berechnungen der Commiffion kann der Werth der gefammten Ackerbau- Production auf der Bafis der Durchfchnitts- Preife auf I Milliarde und 392,136.000 Rubel gefchätzt werden. Hievon müffen 1 Milliarde und 300,377.000 Rubel für die Cerealien und 91.759.000 Rubel für den Reft gerechnet werden. Tengoborsky hat im Jahre 1850 den Werth der Jahresproduction von Cerealien und Kartoffeln auf 840,000.000 Rubel gefchätzt, und fchon bald nach 1860 erreichte die Schätzung die Ziffer von I Milliarde. Diefs ergibt eine Vermehrung von 55 Percent, welche zum Theil der vermehrten Production, zum Theil der Erhöhung der Preife im Allgemeinen und der Entwerthung des Geldes zugefchrieben werden müsste. Obgleich nun die Induftrie anderen Gefetzen unterworfen ift, als der Ackerbau, fo wird es doch nicht ohne Intereffe fein, hier diejenige Betrachtung anzuführen, welche die landwirthfchaftliche Enquête bezüglich des Verhältniffes der Manufacturproduction zur landwirthfchaftlichen Erzeugung aufgeftellt hat. Die Erhöhung der Cerealienpreife hat 55 Percent im Laufe der letzten zwanzig Jahre betragen, und in demfelben Zeitraume haben die Induftrieproducte eine Erhöhung von 188 Percent erfahren. Von 1851 bis 1861 belief fich diefe Erhöhung auf 88 Percent, während der Preis der Cerealien fich in derfelben Periode um 19 Percent erhöhte; von 1861 bis 1870 betrug die Erhöhung der Induftrieproducte 53 Percent und jene der Cerealienpreife 30 Percent. Die Statiſtik der Induftrieproduction weift folgende Ziffarn aus: 5 64 Wilhelm von Lindheim. Anzahl der Werkstätten und Fabriken. 1851 9.256 1856 10.748 1861 14.060 1866 15.515 1870 18.892 ArbeiterAnzahl. Werth der Production. 456.596 157,371.894 513.898 203,916.446 559.533 295,559.898 387.096 335,064.700 463.093 452,660.466 Wir haben bereits mehrfach zu erwähnen Gelegenheit gehabt, dafs der Einflufs der Aufhebung der Leibeigenfchaft hinfichtlich des bäuerlichen Wohlftandes nicht eclatant ins Auge gefallen ift, und wenn man nicht näher in diefe Angelegenheit eingeht, fo ift diefe Erfcheinung allerdings fehr auffallend. Es erklärt fich indeffen durch die Eigenthümlichkeiten im bäuerlichen Leben, dafs die Folgen hievon wohl erft in fpäterer Zeit fichtbar werden dürften; obwohl mit pofitiver Sicherheit behauptet werden kann, dafs in Bezug auf Moral und allgemeine Lebensart fchon jetzt die bäuerliche Bevölkerung einen wefent. lichen Fortfchritt gemacht hat, was namentlich in den Provinzen des Nordweftens, ausgenommen etwa die Sumpfgegend von Minfk und Mohilew, der Fall ift. Im Süden und Südweften hat auch der Wohlftand wie bereits früher bemerkt bedeutend zugenommen, wenn auch die Cultur der Ländereien nicht die gleichen Fortfchritte gemacht hat. - In Klein- Rufsland kann man nach keiner Richtung eine grofse Reaction conftatiren. Im Reft des Kaiferreiches, namentlich in den nördlichen Gouvernements, in Often und im Centrum, ift die Zunahme des Wohlftandes nur wenig fichtbar, während die Moral nach den übereinstimmenden Ausfagen überall- felbft da, wo wenig Wohlftand zu conftatiren ift Fortfchritte gemacht hat. - Diefes Phänomen ift durch verfchiedene Umftände erklärlich, und wir kommen hier auf ein fehr wichtiges und von der Commiffion auch fehr ernft ins Auge gefafstes Capitel; es ift diefs die Untheilbarkeit der bäuerlichen Gemeinde Gründe, die gemeinfchaftliche Haftbarkeit für die Steuern und die periodifche Vertheilung der Liegenfchaften". Es gibt eine nicht unbedeutende Partei, welche zu den enragirteften Vertheidigern der gemeinſamen Communalbefitzthümer gehört. Man hat diefe Inftitution als eine Eigenthümlichkeit des ruffifchen Volkes vertheidigen wollen, indem man jedem Einzelnen das Eigenthumsrecht fichern und auf diefe Weife das ruffifche Reich vor einem Proletariat und vor focialen Schwierigkeiten hüten wollte. Diefe Partei will nicht zugeben, dafs das gemeinfchaftliche Communaleigenthum von Rechtswegen nichts Anderes ift, als ein Erfatz der Leibeigenfchaft in veränderter Form. - Die fehr intereffanten Aufzeichnungen der Commiffion und die Anfichten, die fie aus den verfchiedenften Kreifen gerade über diefen Gegenftand gefammelt hat, find aber der Art, um Grund genug zu geben, diefes Princip als ein höchft fchädliches mit aller Kraft zu bekämpfen. Wir wiffen, dafs die ruffifchen ländlichen Gemeinden, fo wie fie durch das Reglement über„, Befreiung von der Leibeigenfchaft" organifirt werden, fich unter zweierlei Gefichtspunkten darftellen, und zwar als ein gemeinfames Gut" vom Standpunkte der Oekonomie aus betrachtet, und„, als ein gemeinfames Ganzes" hinfichtlich der Adminiftration und der Staatsangehörigkeit. 99 99 Die Bindemittel, bezüglich der ökonomifchen Vereinigung find indeffen weit weniger feft gefchlungen, als diefs bezüglich der Vereinigung zu einem adminiftrativen Körper und insbefondere zu einem fteuerzahlenden Object der Fall ift. Aufserdem gibt das„ Reglement" noch die Möglichkeit des perfönlichen Eigenthums gleichzeitig mit dem gemeinſamen Eigenthum, und fo kommt es, dafs Rufsland. 65 - - der Käufer eines Terrainabfchnittes fobald diefer Abfchnitt eine gewiffe Ausdehnung erreicht das Recht behält, die Gemeinde zu verlaffen, foweit es die Bewirthfchaftung ,, als folche" anbelangt. Diefe Dispofition wird aber wefentlich dadurch abgefchwächt, dafs die Bewilligung, die Commune zu verlaffen, nur durch die Gemeindeverfammlung ertheilt werden kann und daher Fälle vorkommen, dafs diefe Erlaubnifs ganz willkürlich verweigert wird. Das Recht, diefe Bewilligung zu ertheilen, fteht der Generalverfammlung der Gemeinde zu und mufs die Beftimmung hierüber mit zwei Dritteln der berechtigten Stimmen gefafst werden. Es wird aber felbft in dem Falle der Bewilligung die Verpflichtung zur gemeinfchaftlichen Steuerzahlung dadurch in keiner Weife aufgelöft, und es liegt, darin der Umftand, dafs das Princip des perfönlichen Eigenthums eigentlich nur relativ exiftiren kann, da natürlicherweife, fo lange der Befitzer gehalten ift, feinen perfönlichen Fleifs, fein Capital und feine Intelligenz für die Gemeinde ein zufetzen, er fein Eigenthum nicht als fein perfönliches wird betrachten können. Trotzdem fchreitet die Umwandlung des Gemeingutes in perfönliche Befitzthümer in einigen Gouvernements des Südens, Poltawa, Beffarabien u. f. w., wie auch in den baltifchen Provinzen und in Litthauen fort. Hauptfächlich diefem Umftande kann man die Fortfchritte des Ackerbaues in diefen letzteren Provinzen zufchreiben, und die Commiffion fagt in ihrem Rapporte ausdrücklich, dafs ausfchliefslich hiedurch die Bauern des Nordweftens, ohne vollſtändig ruinirt zu werden, die grofsen Ereigniffe der letzten Jahre haben ertragen können. In diefen Gouvernements ift der Hang, das Gemeindegut in Privateigenthum umzuwandeln, fo grofs, dafs keine Gefetzgebung den darauf abzielenden Anftrengungen eine andere Richtung geben könnte. In den nördlichen Provinzen und in denen von Grofs- Rufsland bemerkt man gleichfalls bei der bäuerlichen Bevölkerung den ausgefprochenen Wunfch, aus den der Gemeinde gehörigen Gütern Privateigenthum zu erwerben. In der Regel find diefe Terrains mit vielmehr Sorgfalt bebaut, als die der gemeinfchaftlichen Theilung unterworfenen, und find daher auch die Ernten derfelben weitaus reichhaltiger und ergiebiger. Nichtsdeftoweniger verlaffen die Bauern felten die Gemeinde, wenn fie auch den Anbau der Gemeinde- Aecker fehr vernachläffigen, und kann man diefe Thatfache das heifst das Verbleiben in der Gemeindehauptfächlich den Anftrengungen zufchreiben, welche die anderen Gemeindemitglieder machen, um die arbeitfamen und intelligenten Bauern am Ausfcheiden zu verhindern. Wir finden ganz eclatante Beiſpiele in diefer Hinficht und fehen oft, dafs einzelne Mitglieder fich zu ftarken Geldopfern herbeilaffen müffen, wenn fie ernftlich daran denken, fich anderweitig und als freie Befitzer niederzulaffen. Wie erwähnt, find die Fälle des vollſtändigen Ausfcheidens aus der Gemeinde felten wahrzunehmen; jedoch finden wir in einem anderen Factum eine Annäherung hieran. Diefelbe befteht darin, dafs das Wiedervertheilen des Gemeindegutes, das heifst die Zuweifung der einzelnen Grundftücke an die Gemeindemitglieder von Jahr zu Jahr feltener wird, und dafs fogar eine grofse Anzahl von Gemeindebefchlüffen vorliegt, wodurch die Wiedervertheilung auf einen Zeitraum von mindeftens zehn Jahren befchränkt wird. Ja es gibt einzelne Gegenden, wo eine Wiedervertheilung feit dem Jahre 1857 nicht mehr ftattgefunden hat; um fo auffallender ift es, wenn wir in einzelnen Gegenden dennoch das häufige Wiederkehren der Gemeindetheilung erblicken, und wiffen wir uns in der That hiefür eine präcifere Erklärung nicht zu geben. Ift doch der Schade, welchen ein folcher Wechfel der Grundftück- Eigenthümer mit fich bringt, ein aufserordentlich grofser, und der aufmerkfame Beobachter 5* 66 Wilhelm von Lindheim. wird gewifs und mit Sicherheit einen wefentlichen Theil der landwirthfchaftlichen Calamitäten in Rufsland, die der Abhilfe harren, gerade diefem Umftande zufchreiben können. Die Bauern felbft find zum grofsen Theil hievon überzeugt und finden in der vollſtändigen Abhängigkeit von der Gemeinde fehr oft ein gröfseres Uebel, als felbft in der früheren Leibeigenfchaft, wobei namentlich bemerkt werden mufs, dafs die Gemeinde ein Organ ift, welches ohne Controle und ohne Appell die Güter und die Laften auf die einzelnen Mitglieder vertheilt. Diefs ift auch die Veranlaffung, dafs die weniger fcrupulöfen und vielleicht intelligenteren Mitglieder fich in den Befitz eines weittragenden Einfluffes in der Gemeinde fetzen, und die Fälle find durchaus nicht vereinzelt, wo ganz abnorme Mifsbräuche ftatthaben und nur wenige Individuen zum Nachtheil, und oft zum gänzlichen Ruin der Anderen aus diefer künftlich gefchaffenen Situation Vortheil ziehen. - - - kann als Diefe Thatfache und fie ift leider nicht hinwegzuleugnen befter Einwurf gegen die Vertheidiger diefes unfeligen Principes dienen, und im Gegenfatz zu deren Behauptung dafs nämlich das gemeinfame Eigenthum der Grundftücke vor Pauperismus und Proletariat bewahrt könnte man fogar behaupten, dafs die landwirthschaftliche Induftrie hiedurch wefentlich gefchädigt und der nationale Wohlftand aufgehalten werde. Es ift eine Regel ohne Ausnahme, dafs alle Fortfchritte fich nur dann verzweigen können, wenn die Arbeit des Einzel- Individuums von gröfserer Ausdauer und Intelligenz getragen wird, als die Arbeit der Maffe. Diefe letztere ift ein fchwerfälliger Körper, die den Neuerungen nur allzuwenig zuneigt, und wenn auch an ihrem Joche einzelne intelligente Mitglieder angekettet find, fo ift dennoch die Stagnation- hervorgerufen durch den weniger intelligenten Theil unvermeidlich, und es geht auf diefe Weife viel nützliche Arbeit verloren. - Die Organifation der ruffifchen Gemeinde zeigt in evidenter, Weife die Wahrheit diefer Theorie und die fchlechten Wirkungen der defpotifchen Verwal tung, mit welcher alle Gemeindemitglieder einer meift fehr unintelligenten Wirthfchaftsweife unterworfen find. Die beklagenswerthe Thatfache, dafs alle Mitglieder zur felben Epoche gehalten find, die Feldarbeit anzufangen, wodurch fehr oft die koftbarfte Zeit verloren geht, und das Wechfeln der Terrains untereinander, welches das Intereffe an guter Bearbeitung unmöglich macht, vereiteln das Profperiren und müffen jedem reellen Fortfchritt hinderlich fein. So kommt es, und mit Recht, dafs manche intelligente Beobachter die Gemeindegüter, die aus diefen Gründen wenig, oft gar nicht gedüngt werden, mit den Gütern der todten Hand, oft mit vom Feinde verwüfteten Ländereien vergleichen. Wir wiederholen es daher, dafs der unparteiifche, ftrenge Kritiker unmöglich ein Freund diefes Syftems fein kann, wenn man auch gleichzeitig erwähnen mufs, dafs man manchen Schwierigkeiten begegnen wird, um diefes einmal mit der Abfchaffung der Leibeigenfchaft verbundene Princip durch ein befferes zu erfetzen. Die gröfste Schwierigkeit befteht in der Bauart des ruffifchen Dorfes; denn da das Gemeindegut allen Einwohnern gehört, fo find die einzelnen Häufer nicht, wie diefs im weftlichen Europa der Fall ift, vereinzelt und dem jedem Gemeindemitgliede gehörigen Grundftücke zunächft angebaut worden. Man hat leider die Dörfer möglichft enge zufammengebaut, und es wäre jetzt, wenn die einzelnen Grundftücke zur Vertheilung kämen, aufserordentlich fchwer, die Eintheilung fo zu treffen, dafs jedes einzelne Individuum feinem Grundftücke zunächft auch Stallung und Wohnung hätte. Rufsland. 67 Durch diefe unfelige Bauart wird nun auch den Feuersbrünften aufserordentlich Vorfchub geleiftet, und die fchreckliche Verwüftung, welche diefe Landplage-fo können wir fie in der That nennen in Rufsland anrichtet, ift hauptfächlich diefem Umftande zuzufchreiben. Eine zweite Schwierigkeit ift auch der Mangel an Weide- Grundftücken, wenn auch in diefer Richtung wenigftens vorübergehend durch die gemeinfchaftliche Rudelweide Abhilfe gefchafft werden könnte, bis die Vertheilung und der fucceffive Anbau der Wohnungen nächft dem einzelnen Grundftücke beendet ift. Gemeinfchaftliche Weideflächen bringen überhaupt weit weniger jene Uebelſtände mit fich, die bei gemeinfchaftlichen Aeckern ganz unvermeidlich und von fo fchädlichem Einfluffe find. Es ift ferner noch darauf hinzuweifen, dafs die fortwährende Theilung der einzelnen Grundftücke unter die Mitglieder einer Familie, die dadurch herbeigeführte continuirliche Verminderung des Viehftandes und die dadurch fich verfchlechternde Bearbeitung der Terrains von beklagenswerthen Folgen find. So finden wir beispielsweife in den Aufzeichnungen der Commiffion, dafs eine Familie feinerzeit, fo lange die Wirthschaft in Einer Hand war, fechzig Pferde befafs und die Production bedeutend gröfser war, als gegenwärtig, wo diefe Wirthschaft unter fechs Perfonen getheilt ift. Der Viehftand wurde durch diefe Theilung fo verringert, dafs gegenwärtig nur ein einziger von den Eigenthümern zwei Pferde hält. Wir fehen fomit ein fehr gefährliches Proletariat entſtehen und in gleicher Weife die Gefahr für eine Abnahme des abfoluten Erträgniffes der Ländereien herannahen. Die Art und Weife der Gemeindeverwaltung ist auch seitens der Commiffion Gegenftand ernfter Bedenken gewefen. Wenn man ins Auge fafst, dafs keinerlei Organ behufs Controle und Gegeneinflufs vorhanden ift, fo läfst fich wohl denken, dafs auf diefe Weife die ärgften Mifsbräuche gang und gebe werden und das ftricte Verfolgen eines höheren Zieles und einer intelligenten Wirthfchaft abfolut unmöglich wird. Es kann diefes Syftem um fo verhängnifsvoller werden, als der Bildungsgrad des ruffifchen Landvolkes, wenn auch die Tendenz zum Befferen nicht abgeleugnet werden kann, de facto doch noch ein fehr zurückgebliebener, befferungsbedürftiger ift. Die Commiffion hat conftatirt, dafs der Wunfch zum Lernen und zum Vertrautwerden mit der allgemeinen Wiffenfchaft felbft bei den Bauern ein reger ift, und dafs diefem Wunfche nur der Mangel an guten Lehrern entgegenfteht; denn diejenigen, welche mit halb vollendeter Bildung aus den Seminarien kommen, leiften nur wenig, und die Lehrer aus den pädagogifchen Inftituten, die bedeutend fähiger und zuverläffiger find, können leider noch nicht in genügender Anzahl befchafft werden. Erfreulich bleibt es immerhin, dafs man nun eine ganz gefunde Strömung in diefer Richtung conftatiren kann. Weiters hat die Commiffion auch darauf aufmerkfam gemacht, dafs es wefentlich geboten erfcheint, die Zahl der eingehaltenen Feiertage auf ein Minimum herabzufetzen. Abgefehen davon, dafs eine zu grofse Anzahl von Feiertagen an und für fich fchon volkswirthschaftlich einen Verluft und eine Einbufse herbeiführt, fo wird aufserdem dem ruffifchen Landvolk bei dem Mangel an geiftiger Befchäftigung während der freien Zeit nur Gelegenheit gegeben, niedrigen Leidenfchaften, namentlich dem Trunke zu fröhnen, und kann defshalb der Wunfch der Commiffion, die Feiertage auf ein Minimum zu befchränken, nur die gröfste Anerkennung finden. Wir kommen hier zu einem Thema, das für die Fortbildung des ruffifchen Landvolkes von gröfster Wichtigkeit ift. 68 Wilhelm von Lindheim Die Unmäfsigkeit hat, wie allerfeits bekannt, dafelbft gar traurige Folgen gehabt. Abgefehen davon, dafs fie die geiftige Entwicklung vollſtändig verhindert, übt fie auch auf den körperlichen Wohlftand unheilbringende Einflüffe aus. Es kann conftatirt werden, dafs die Trunkfucht hauptfächlich in GrofsRufsland zu finden ift, und dafs im Süden und Südweften, alfo da, wo jetzt fchon eine beffere Wirthschaftsweife platzgegriffen, auch diefes Uebel mehr und mehr verfchwindet. Die Commiffion theilt namentlich mit, dafs fich die Trunkfucht in GrofsRufsland nicht nur als perfönliches Lafter darftellt, fondern dafs fie mit allen Feftlichkeiten und Feiertagen in enger Verbindung fteht, unter deren Vorwand die Bevölkerung fich oft dem übermäfsigen Genuffe des Branntweines hingibt. Wenn das wahr ift, was hier gefagt wird, fo wäre vornehmlich zu beklagen, dafs fogar die Strafe, welche die Gemeindevertretung einem ihrer Mitglieder auferlegt, oft genug gerade darin befteht, dafs eine gewiffe Quantität Branntwein an den Richter zu geben ift. Hierin ift allerdings das Zeichen einer tiefen Demoralifation zu fehen. Im Publicum und namentlich im Auslande hat die Anficht platzgegriffen, dafs die traurigen Fortfchritte der Trunkfucht hauptfächlich der ftets wachfenden Anzahl von Schänken und Branntwein- Verkaufsftätten zugefchrieben werden müffen. Es wird indeffen durch die gefammelten Mittheilungen feftgeftellt, dafs vor Einführung der Getränkefteuer, welche mit der Abfchaffung der Leibeigenſchaft zufammenfiel, die Anzahl der Getränke Verkaufsftätten in den verfchiedenen Theilen des Reiches fehr ungleich vertheilt war. In den Gouvernements von Grofs- Rufsland, welche dem Pachtfyftem unterworfen waren, exiftirten 13.815 Schankftätten, welche in den Regiſtern eingetragen waren, und aufserdem noch eine aufserordentlich grofse Anzahl von Verkaufsftätten, welche von der Stadt felbft oder auf dem Lande von den Eigenthümern des Befitzes die Bewilligung erhalten hatten. Beide Arten von Verkaufsstätten zufammen können etwa auf 30.000 Etabliffements veranfchlagt werden. In den anderen Theilen Rufslands war die Anzahl der Branntwein- Verkaufsftätten viel bedeutender. Es waren deren 55.392 in den fechzehn privilegirten Gouvernements der Provinzen des Weftens, in Klein- und Neu- Rufsland, ungefähr 5000 in den baltifchen Provinzen und 2200 in den Gebieten der Kofaken des Don. Diefs macht für ganz Rufsland zufammen mehr als 93.000 Verkaufsstätten. Nach Einführung des Syſtems der Accife hat fich diefe Anzahl auf das Doppelte gefteigert, und zwar in den grofsruffifchen Gouvernements, und weiter zugenommen bis zum Jahre 1865, in welchem die Ziffer von 80.962 erreicht worden ift. Von diefem Zeitpunkte angefangen ift eine Herabminderung zu conftatiren, und betrug die Zahl im Jahre 1871 nur mehr 64.799. In den Ländern der Kofaken des Don kann man ebenfalls anfangs eine Zunahme conftatiren; es ftieg die Zahl der Schänken auf das Doppelte, fo dafs 1864 fchon 4011 beftanden; fodann kommt eine fucceffive Verminderung bis zur Ziffer 2183. Diefelbe Thatfache kann man auch in den fogenannten privilegirten Gouvernements und in den baltifchen Provinzen bemerken; in den erfteren gab es im Jahre 1863 67.743, im Jahre 1864 82.320 und im Jahre 1871 67.967 Schänken, in den baltifchen Provinzen im Jahre 1863 7386, im Jahre 1864 7206 und im Jahre 1871 5066 Schänken. Wir bekommen daher für ganz Rufsland im Jahre 1863 137.744, im Jahre 1864 172.439 und endlich im Jahre 1871 eine Anzahl von 139.970 Schänken. Diefe Zahlen find leicht zu erklären. Rufsland. 69 Wenn fich die Anzahl der Verkaufsftätten gleich nach Einführung der Accife verdoppelte, fo mufs diefs als eine Folge der allgemeinen Spiritus- Verkaufsfreiheit angefehen werden. Die Abnahme, welche von 1864 rückfichtlich der Ziffern von 1863 conftatirt werden kann, mag treffend bezeichnen, dafs die damals beſtehenden 137.000 Schänken dem allgemeinen Bedürfnifs genügt haben. Demgemäfs kann, abgefehen von der Erhöhung der Anzahl der Schänken in den Provinzen von Grofs- Rufsland dennoch mit Recht behauptet werden, dafs die Gefammtanzahl der Schänken fich eher verminderte als erhöhte. Es ift intereffant, hiebei einige Vergleiche mit dem Auslande anzuftellen. Die Statiftik zeigt uns, dafs in Rufsland die Zahl der Schänken fo erfchreckend grofs fie auch der trockenen Ziffer nach erfcheint - dennoch kleiner ift, wenn man diefelben auf die Einwohner- Kopfzahl repartirt, als allerwärts in Europa. Nachfolgend foll diefs nach den beften ſtatiſtiſchen Daten bewiefen werden. Anzahl der Einwohner per Schänke: In den Gouvernements Grofs- Rufslands Nach Einführung des Verpachtungsfyftems. In den baltifchen Provinzen den Landen der Kofaken des Don 99 99 Sibirien( approximativ) وو Preufsen im Jahre 1861. 9 den Niederlanden 1860. 99 99 Belgien 1849 • 29 England 1848 dem nördlichen Frankreich 29 0 • ° . 640 . 310 . 370 . 435 • $ 500 . 260 90 • 93 2 138 • 70. Es zeigt fich, dafs die Anzahl der Schänken in Grofs- Rufsland um die Hälfte kleiner ift, als im übrigen Reiche; fie repräfentirt nur den dritten Theil der Anzahl der Schänken in Preufsen, den fünften Theil der in England und den fiebenten oder achten Theil der in Frankreich, Belgien und Holland. Es ift fomit durchaus nicht den äufserlichen Urfachen, welche in der Verkaufsweife des Branntweins liegen, der fchlechte Einflufs zuzufchreiben, welchen die Trunkfucht mehr und mehr ausübt, fondern es mufs die Wurzel des Uebels viel tiefer gefucht werden. Sie liegt namentlich in der noch fehr mangelhaften Bildung und in dem Bedürfniffe des gemeinen Mannes, die freie Zeit mit irgend einem Genuffe auszufüllen, wodurch die Trunkfucht neue Nahrung bekommt, da für Vergnügen des Volkes auf beffere Weife leider noch fehr wenig geforgt ift. Eine Verordnung der Regierung halten wir allerdings für fehr fchädlich und ganz geeignet, für die grofse Branntwein- Confumtion Propaganda zu machen. Diefe Verordnung befteht darin, dafs die Branntwein- Schänken nicht die Erlaubnifs haben, andere Getränke zu verkaufen. Mit Aufhebung diefer Verordnung würde ganz entfchieden der Trunkfucht ein wefentlicher Damm gefetzt werden, und ift in nichtgrofsruffifchen Gouvernements, namentlich in den baltifchen Provinzen, wo fchon ähnliche Modificationen beftehen, die Mäfsigkeit eine gröfsere als in Grofs- Rufsland. Im Nachfolgenden find die Ziffern der Branntwein- Verkaufsftätten in diejenigen der Städte und die des flachen Landes getheilt. Branntwein- Verkaufsstätten der Städte . 15.917 150 des flachen Landes 48.799 2.033 54.992 Gouvernement Grofs- Rufsland Land der Kofaken des Don Baltifche Provinzen. Gouvernements, früher privilegirt.. 12.992. ° 776 4.290. 70 Wilhelm von Lindheim. Schon der Laie kann beurtheilen, von welch' eminenter Wichtigkeit für die Landwirthfchaft die Viehzucht ift. Es ift fchlechterdings unmöglich, dafs die Landwirthschaft profperire und Fortfchritte mache, folange die Aufzucht des Nutzviehes und die Ausbeutung feiner Producte nicht vorwärts geht, und man kann daher darauf als auf eine beunruhigende Thatfache hinweifen, dafs, wie es fcheint, die Viehzucht Rückfchritte macht und die Racen felbft degeneriren. Wir haben bereits in den vorhergehenden Abſchnitten auf die Gründe aufmerkfam gemacht, die wohl die Urfache diefer betrübenden Thatfache find. Es foll nun in die Details eingegangen werden, und laffen wir zunächft in nachftehender Lifte die Variationen folgen, welche in den letzten zwanzig Jahren die Anzahl der Hausthiere in Rufsland gehabt hat. Racen Jahre Ochfen Pferde Schafe Schweine Taufende von Köpfen 1851 20.962 16.155 37.627 8.594 1856 21.351 15.585 40.705 8.806 1861 20.708 15.063 42.479 9.092 1866 21.634 15.791 44.263 9.313. 1871 21.604 15.542 44.841 9.404 Wie man hieraus fieht, hat das Rindvieh eine kleine Zunahme erfahren, die indeffen aufser Verhältnifs fteht mit der Zunahme der Bevölkerung während derfelben Epoche; die Anzahl der Pferde hat abgenommen und die des Kleinviehes zugenommen. Es erfcheint uns aus diefen Thatfachen, dafs die Wirthschaft extenfiv zuge. nommen, und erinnern wir in diefer Richtung an das, was wir über die Ausbeutung des Bodens früher gefagt. Bezüglich der Aufzucht des Rindviehes in Rufsland kann man von drei Regionen fprechen: von der nördlichen, die fich gegen Süden bis zur Zone der fchwarzen Erde erftreckt, von der der fchwarzen Erde und von der der Steppen im Südoften und in den Gouvernements jenfeits der Wolga. Im Norden wird das Vieh hauptfächlich wegen der Milch und des Düngers, den es producirt, gehalten. In der Gegend der fchwarzen Erde haben dagegen Milchwirthschaft und Dünger nur eine relative Bedeutung; das Hornvieh ift hauptfächlich als Zugvieh gefchätzt, und ein Theil davon wird zum Schlachten beftimmt. In der dritten Zone endlich, wo Heerden von aufserordentlicher Zahl in Freiheit in den Steppen weiden, wird das Vieh durch die Nomaden gehalten, und verforgt diefe Zone die beiden Hauptftädte und die gröfseren Orte von CentralRufsland mit Schlachtvieh. Die verfchiedenen Racen des Viehes variiren hauptfächlich bezüglich des Gewichtes an Fleifch, das fie produciren. Der Steppenochfe wiegt, gefchlachtet und abgezogen, etwa 13 bis 15 Pud; der von Cholmogory erreicht ein Gewicht von 17 Pud; das Thier der zweiten Zone variirt zwifchen 16 bis 20, das des Nordens endlich zwifchen 6 bis 12 Pud. Im Grunde genommen bedeuten diefe Gewichte fehr wenig, wenn man dagegen die Zahlen vergleicht, welche die englifche und fchweizerifche Viehzucht liefert.( Wie bekannt, ift in England das Gewicht von 40 und in der Schweiz das von 30 Pud ein normales.) In der Periode von 1861 bis 1871 hat fich in den Zahlen des Viehbeftandes mehrerer Gouvernements eine ftarke Verringerung gezeigt. Wir wollen hier die vergleichende Lifte anführen, welche den Beftand der Jahre 1861 und 1871 vor Augen führt: Rufsland. I. Region. 1861 1871 Taufende von Köpfen Archangel, ΙΟΙ IOO Jaroflaw, 338 267 Kafan, 312 279 Kaluga, 220 177 Koftroma, 418 416 Minfk, 443 406 Mohilew, 356 333 Moskau, 362 247 Nifchnei- Nowgorod, 240 209 Nowgorod, 469 378 Perm, 1093 757 Rjäsan, 297 247 Smolenfk, 475 300 Twer, 509 449 Wilna, 305 286 2. Region. Beffarabien, 401 379 Jekaterinoflaw, 684 659 Kurfk, 414 353 Taurien, 581 391 Tula, 189 132 71 Wenn wir nun als Vergleichsmafs die Jahre 1851 bis 1871 nehmen, fo können wir noch eine Verminderung von Schlachtvieh in den nachftehenden Gouvernements conftatiren: Kiew, Podolien, Wolhynien, 1851 1871 Taufende von Köpfen 571 540 451 677 437 529 In diefen drei Gouvernements mag die Verminderung des Hornviehes wohl davon herrühren, dafs man dasfelbe als Zugthier( als welches es früher faft ganz allein diente) jetzt mehr und mehr durch Pferde erfetzt. Es ift diefs namentlich in den füdweftlichen Regionen der Fall, und man kann bereits die Thatfache conftatiren, dafs jetzt in Podolien felten noch ein Ochfe an den Wagen gefpannt wird. وو Durch fehr intereffante Mittheilungen, welche die Commiffion gefammelt, wurde conftatirt, dafs die Viehzucht in den Steppen, oder beffer gefagt, die nomadifirende Viehzucht" mehr und mehr verdrängt wird, was wohl auch natürlich ift, da die Fläche des urbar gemachten Landes im Zunehmen ift; aufserdem thut auch der höhere Preis des Landes der Viehzucht Eintrag. Diefes Factum finden wir beifpielsweife im Gouvernement Aftrachan beftätigt, wo die Anzahl des Viehes im Jahre 1861 auf 547.000, im Jahre 1871 hingegen auf 524.000 Köpfe angegeben wurde. Die grofsen Weideflächen haben fich in der That ftark vermindert, was im Intereffe der Viehzucht bedauert werden mufs, und wir ftehen hier vor einer irrationellen Mafsnahme, der Einhalt zu thun oder die in beffere Grenzen zu weifen jedenfalls eine nationalökonomifche Nothwendigkeit ift. Hiefür fpricht die nachfolgende Tabelle, welche das Verhältnifs der Weideflächen auf 100 Defsjätinen Ackerbau- Fläche angibt. 72 Wilhelm von Lindheim. In Nifchnei- Nowgorod Orel und Mohilew ?? . 99 Kiew und Rjäfan. Kafan وو " Kaluga Koftroma und Tambow 29 Pfkow und 99 Moskau " " Podolien und Wollhynien. • 15 16 • 17 • 18 • • 19 • 20 B 24 25 . 30 In den übrigen Gouvernements beträgt das Verhältnifs 30 Percent unter der Schätzung von Tengoborfky, welcher es für nothwendig erachtet, dafs man in Rufsland 3 Defsjätinen Wiefen auf 4 Defsjätinen Landes rechne. Andere Nationalökonomen nehmen fogar an, dafs für jede cultivite Defsjätine der gleiche Flächenraum Wiefe nothwendig fei, und man fieht fchon daraus, wie weit die gegenwärtigen Verhältniffe davon entfernt find, diefen Wünfchen Rechnung zu tragen. Es ift diefs aber um fo augenfcheinlicher, als in Rufsland der Bau von Futterpflanzen geringe oder gar keine Ausdehnung gewonnen hat. Eine wefentliche Urfache der Verminderung des Viehftandes mag wohl in dem Umftande gelegen fein, dafs nach Aufhebung der Leibeigenfchaft fich eine grofse Anzahl von Gutsbefitzern in fchlechten Geldverhältniffen befunden hat; hierin wäre auch der Grund für die Degeneration der Race zu fuchen. Nur die grofsen und reichen Grundbefitzer allein find in der Lage, Fortfchritte in der Viehzucht zu machen; denn zur rationellen Betreibung der Viehzucht gehören grofse Capitalien, fpecielle Kenntniffe und namentlich auch grofse Ausdauer. Es ist natürlich, dafs in einer Uebergangsperiode obige Bedingungen nur fehr fchwer erfüllt werden konnten. Bei der bäuerlichen Bevölkerung aber führen neben anderen Urfachen namentlich die erwähnten vielfachen Theilungen unter die Familienglieder eine Verminderung des Viehftandes herbei, und ift nicht minder die folidarifche Haftung für die Steuer der Gemeinde verhängnifsvoll für diefes fo wichtige landwirthschaft liche Moment. Die Arbeiten der Commiffion enthalten darüber zahlreiche Beweisftücke, und kommt es oft genug vor, dafs felbft Bauern, welche fich in guten Verhältniffen befinden, ihren Viehftand entweder verringern oder ganz auflaffen, weil fie kein Object haben wollen, welches zu einer Pfändung dienen könnte, die nicht fie felbft, fondern ihre Nachbarn verfchuldet haben. Aufserdem kommt es fehr oft vor, dafs die Bauern, wenn das Futter theuer ift, im Herbfte ihren ganzen Viehftand verkaufen, dadurch des Düngers im Winter entbehren und aufserdem noch genöthigt find, im Frühjahre, wo regelmässig eine Preisfteigerung zu conftatiren ift, das Vieh zu weit höheren Preifen wieder einzukaufen. Aber abgefehen von allen diefen gewifs wichtigen und beherzigenswerthen Thatfachen, ift doch die gefährlichfte Calamität in den fortdauernden Viehfeuchen zu fuchen, und ift diefelbe der gröfste Feind, welcher der rationellen Viehzucht entgegenfteht. - Man rechnet ohne Uebertreibung, dafs jährlich etwa 400.000 Stück Vieh den Viehfeuchen erliegen; diefs repräfentirt wenn man auch das Stück des gefallenen Viehes nur zu 30 Rubel rechnet- einen Verluft für die Landwirthschaft von 12 Millionen Rubel, abgefehen davon, dafs die Furcht vor Verluften an und für fich fchon die Landwirthschaft fchädigt, weil fich Jedermann auf das Minimum befchränkt. Kufsland. 73 So kommt es denn, dafs längs der Strafsen, welche vom grofsen Viehtrieb nach den Hauptftädten gewohnheitsmäfsig benützt werden, die Viehzucht ganz unmöglich ift, weil das Contagium aus den Steppen permanent in diefe Gegenden getragen wird, und alle Mafsnahmen, welche dagegen getroffen wurden, haben bis jetzt wenig oder gar kein Refultat gehabt, wobei wir allerdings anführen müffen, dafs vielleicht diefe Mafsnahmen noch lange nicht intenfiv genug und mit jener Energie getroffen wurden, welche eine entfchiedene Bekämpfung der Seuche im ganzen Reiche auf einmal nothwendig macht. Rechnet man hiezu noch die Lethargie der bäuerlichen Bevölkerung in diefer Beziehung und die geringen Anftrengungen von Seite der Transportanftalten, fo findet man die Erklärung für diefe traurige Thatfache. Als einen Lichtpunkt kann man indeffen anführen, dafs es doch einzelne Gegenden gibt, in denen die Viehzucht Fortfchritte macht, wie in den drei baltifchen Provinzen, wo man bereits jetzt zu der gerechtfertigten Anficht gekommen ift, dafs die Viehzucht zu den ertragreichften Momenten der Landwirthschaft gehört, für welche Thatfache übrigens die fteigenden Ausfuhrziffern in den balti fchen Provinzen fprechen. Auch in den Provinzen des Nordoftens läfst fich ein gewiffer Fortfchritt conftatiren, und ift es namentlich erfreulich, dafs derfelbe von der bäuerlichen Bevölkerung ausgeht, die gleichzeitig auch bereits der Wiefencultur grofse Sorgfalt zuwendet. Endlich ift im nördlichen Theil auch die Käfebereitung mehr eingeführt und dadurch ein guter Einfluss auf die Viehzucht geübt worden, fo dafs trotz ungünftiger Umstände eine Erhöhung der Anzahl des exportirten Viehes nachzuweifen ift. Die nachfolgenden Zahlen geben ein Bild der Exportation in den letzten 20 Jahren. 1852 bis 1856 1861 91.000 Köpfe, 18.000 Köpfe Jahresdurchfchnitt 99 1857” 1862 1866 115 000 99 170.000 23.000 38.000 97 99 59 99 99 1867" 1871 467.000 29 93.000 77 97 Die Fleifchausfuhr hat die nachftehende Fluctuation durchgemacht: 1852 bis 1856 1857" 1861 1862 1866 77 1867 1871 99 121.000 Pud. 386.000" 184.000 270.000 " 9 " Der Export von Talg hat fich ftark vermindert: 1852 bis 1856 1857" 1861 1862" 1866 1867 1871 99 II, 600.000 Pud. 16, 162.000 " 12, 702.000 99 9,337.000 99 In der letzten fünfjährigen Periode ift die Abnahme conftant, und im Jahre 1871 ift die Exportation auf 932.000 Pud gefallen, wodurch die niedrigfte Ziffer der letzten 20 Jahre erreicht worden ift. Diefer Umftand mag wohl davon herrühren, dafs die Anzahl des für die Talgbereitung gefchlachteten Viehes fehr abgenommen hat und dabei in den letzten zehn Jahren die Preife des Viehes eine fteigende Tendenz verfolgen. Die Viehpreife haben fich verdoppelt und fogar in einigen Gegenden einen noch höheren Stand erreicht, wozu natürlich auch die Preife des vertheuerten Futters beigetragen haben. Auf den grofsen Unterfchied zwifchen Frühjahrs- und Herbftpreifen haben wir fchon früher hingewiefen. Es wurde bereits oben erwähnt, dafs die Anzahl der Pferde von 1851 bis 1871 eine Verminderuug erfahren hat. Dagegen läfst fich in der letzten zehnjährigen Periode eine Vermehrung von über eine halbe Million nachweifen. 74 Wilhelm von Lindheim. Nachfolgende Lifte enthält die Gouvernements, in denen eine Vermehrung nicht ftattgehabt hat: Archangel. 1861 1871 Aftrachan Jaroflaw Kafan. Kaluga Koftroma Kurfk Livland. Mohilew Nifchnei- Nowgorod Nowgorod Perm. Pfkow Rjäfan Samara Saratow. Smolenfk Twer Wilna Taufende von Köpfen. 47 38 170 166 . 195 163 ° 454 416 . 253 201 257 224 .649 620 150 140 • 294 285 270 267 . 277 204 868 825 178 174 479 354 817 812 . 473 434 . 368 308 378 300 Witebfk . 180 I57 178 174 Ein Umftand; der aufser den bereits erwähnten Urfachen der Pferdezucht. fchadet, ift der Pferdediebftahl, der namentlich dort, wo fich tartarifche Bevölkerung findet, eine kaum glaubliche Ausdehnung gewonnen hat. Da hiefür die Gefetze nicht allzufcharf find, fo hat fchon manchmal die Lynchjuftiz erfchreckende Gerechtigkeit geübt. Die Exportation der Pferde von 1852 bis 1871 hat folgende Ziffern erreicht: " 9 29 1852 bis 1856 1857 1861 1862 1866 1867, 1871 81.000 51.000 65.000 49.000 Köpfe, 9.000 Köpfe Jahresdurchſchnitt; 16.000 99 وو " 9 10.000 22 29 " 9 " ን 13.000 99 دو Der Preis der Pferde hat in den letzten zehn Jahren in einer Proportion von 50 bis 100 Percent hauffirt, namentlich in den öftlichen Theilen des Reiches. Die Vermehrung der Schafheerden bezieht fich nur auf ordinäre Schafe, denn die Anzahl der Schafe edler Race ift von 11,756.000 im Jahre 1861 auf 10,098.000 im Jahre 1871 gefallen, und ift nur in den Gouvernements Aftrachan, Kafan, Penfa, Taurien, Ufa, Eftland und im Kofakenland am Don eine Vermehrung zu conftatiren. Diefe Abnahme einer früher fo blühenden Induſtrie hat zu vielen Klagen in verfchiedenen Enquêten geführt, und wurde als Grund hiefür die auftralifche Concurrenz angeführt. Nicht minder fchreibt man diefe Abnahme den grofsen Schwierigkeiten zu, welche nach Aufhebung der Leibeigenfchaft während der Uebergangsperiode die Grundbefitzer zu überwinden hatten. Die Exportation von Kleinvieh zeigt feit dem Jahre 1852 eine namhafte Vermehrung, und dienen hiefür nachfolgende Ziffern: 1852 bis 1856 225.000 Köpfe 1857" 1861 1862 وو 221,000 9 1866 564.000 558.000 99 57 1867 1871 99 Rufsland. 75 Die Commiffion hat in den Bereich ihrer Unterfuchungen natürlicherweife auch die Forft cultur gezogen. Die der Forftcultur gewidmete Fläche wird auf 1142 Millionen Defsjätinen gefchätzt. Davon gehören 75% Millionen Defsjätinen dem Staate und 39 Millionen find in Händen von Privateigenthümern. Je nach den verfchiedenen Gegenden des Reiches ift auch der Waldreichthum fehr verfchieden; fo gibt es im Norden Gegenden mit 10 Millionen Defsjätinen Wald ohne Unterbrechung, während es im Süden Terrains von der Gröfse Frankreichs gibt, welche vollständig des Waldes entbehren. Auch bezüglich des Waldes laffen fich in Rufsland drei ganz verfchiedene Regionen conftatiren. Die erfte ift faft ganz mit Wald bedeckt und findet fich in den Gouvernements Archangel, Wologda, Olonez und Perm, zufammen etwa 67 Millionen De fsjätinen Wald, wovon 58 Millionen Staats eigenthum und 9 Millionen Privateigenthum find. Die zweite Region ift die an Wäldern ärmfte und fetzt fich aus den Gouver nements Aftrachan, Jekaterinoflaw, Cherfon und dem nördlichen Taurien zufammen; hier finden wir nur etwa 179.000 bewaldete Defsjätinen, wovon 96.000 Staatseigenthum und 83.000 Privateigenthum find. Endlich bilden die 42 anderen Gouvernements, die Mittelzone, die dritte Region. Diefelben befitzen 47 Millionen Defsjätinen Wald, welche indeffen fehr verfchieden unter Regierung und Privatbefitz vertheilt find; denn wir finden Gouvernements, wo 42 Percent Eigenthum des Staates bilden, und andere, wo nur 3 Percent der Oberfläche dem Staate gehören. Wir finden Gouvernements, wo per Einwohner 18 Defsjätinen bewaldetes Terrain zu rechnen find, und andere, wo nur 2 Defsjätine per Kopf entfällt. In diefer mittleren Zone gehören nur 172 Millionen Defsjätinen Wald dem Staate, während 292 Millionen Defsjätinen Privateigenthum find. Durch die Thatfache, dafs auch in diefer Zone die ftärkfte Bevölkerung ift, wird erfichtlich, wie eine rationelle Waldwirthschaft in Bezug auf volkswirthfchaftliche Intereffen dringend geboten erfcheint. Das gute Beiſpiel des Staates genügt in diefer Hinficht noch nicht, und wird erft dann dem Uebel vorgebeugt und ein Ziel gefetzt werden, wenn dem ganz irrationellen Abholzen der Wälder das feit der Bauernemancipation bei einem grofsen Theile platzgegriffen Einhalt gethan und ein fyftematifcher Wiederanbau begünftigt wird. - - Ausserdem find durch diefes grofse Abholzen fehr unangenehme klimatifche Veränderungen hervorgerufen worden, die dem Landbau fehr fchädlich find. " 9 Die Schwierigkeit, Wälder zu conferviren", liegt zum Theil auch in der Verlegenheit der Grundbefitzer, fich einerfeits das nöthige Forftfchutz- Perfonale zu befchaffen, und andererfeits fich vor Waldbränden, die öfter durch Nachläffigkeit als durch böfen Willen entſtehen, zu fchützen. Es fei bei diefer Gelegenheit auch erwähnt, dafs die Gefetze den Waldhütern zu wenig Schutz angedeihen laffen, und könnte da eine Verfchärfung nur vom beften Nutzen fein; ferner auch find die Servituten, die den Einwohnern Holz auch nach der Ablöfung in gewiffer Quantität zufprechen, Schuld an diefen traurigen Zuftänden der Forftcultur, und endlich befteht bezüglich der Steuern ein fo ungünftiges Verhältnifs, dafs viele Grundbefitzer, die fich in fchlechter Lage befinden, nothgedrungen vorziehen, den ganzen Wald auszuroden, als fortdauernd die grofse Steuer ohne entſprechendes Gegenerträgnifs zu zahlen. Ueber die Verhältniffe der vom Domänenminifterium verwalteten Waldungen fpricht fich der officielle Bericht per 1871 etwa wie folgt aus: Die Vermeffung der Wälder, welche der Regierung gehören, ift bereits dreimal in Angriff genommen worden, und zwar im Jahre 1846, 1857 und 1866; aber 76 Wilhelm von Lindheim. bis zum heutigen Tage ift diefe Arbeit nur bis auf 261 Millionen Defsjätinen beendet worden, während für den Reft von mehr als 94 Millionen Defsjätinen nur wenig exacte Pläne vorliegen. Es mufs bemerkt werden, dafs in diefem Augenblicke die Zutheilung der Waldterrains an diejenigen Bauern, die früher den Domänen angehörig waren, in den meiften Gouvernements beendigt ift, wodurch die Möglichkeit geboten ift, die Forft cultur in rationeller Weife auszuüben. Eine rationelle Exploitation ift aber leider bis jetzt nur auf einem Terrain von II Millionen Defsjätinen oder auf dem zehnten Theile des bewaldeten Terrains zur Ausführung gekommen. Der officielle Bericht des Minifteriums conftatirt, dafs während der letzten acht Jahre eine Verminderung des Forftperfonales um 10 Percent ftattgefunden hat. Die Anzahl derjenigen Individuen, welche fpecielle Fachkenntnifs hatten, ift von 73 Percent auf 67 Percent gefunken. Von dem Forftofficianten find 46 Percent ftraffällig geworden, was ein trauriges Zeugnifs für den Zuſtand des Perfonales gibt. Die Gefammtfläche der im Jahre 1871 künftlich angepflanzten Schonungen erreichte die Ziffer von 736 Defsjätinen. Zur Verbefferung der Wälder wurde nur die verfchwindend kleine Summe von 166.221 Rubeln verwendet. Ein befferes Refultat hat der Waldfchutz ergeben. Die Ziffer der Proceffe im Jahre 1866 erftreckte fich auf 11.494 Fällen, im Jahre 1871 ftieg fie auf 27.673. Aus dem Umftande, dafs 89 Procent diefer Contraventionen die Summe von 30 Rubel nicht überfchreiten, und dafs im Jahre 1866 der Durchfchnitt der Forftfchäden 53 Rubel war, während er im Jahre 1871 13 Rubel gewefen ift, läfst fich fchliefsen, dafs der hauptfächlichfte Grund der Forftcontraventionen in der unvollkommenen Dotirung der ländlichen Bevölkerung mit Forftländereien feinen Grund hat. Die Refultate der Forftausbeute laffen fich, wie folgt, zufammenftellen: Im Jahre 1871 hatte man aus den kaiferlichen Forften 8,093.243 Balken, 2,108.415 Kubikfafchenen Holz und 163,589 Pud Pech erhalten. Die Gefammtfumme der Forftproducte repräfentirt eine Summe von 3.101.972 Kubikfafchenen. Von diefem Totale waren nur 38 Percent durch regelmäfsigen Holzfchlag erzielt; der Reft trifft hauptfächlich die nordifchen Gouvernements und ift durch unregelmässige Ausbeute, Windbruch etc. entstanden. Der Ertrag der Wälder wächft in conftanter Weife. Im Jahre 1866 hatte man denfelben 489 Millionen Kubikfufs Holz, im Jahre 1871 aber 656 Millionen Kubikfufs entnommen. Während die Defsjätine Wald im Jahre 1866 auf 5.18 Kubikfufs Ertrag gefchätzt wurde, war diefer Ertrag im Jahre 1871 6.81 Kubikfufs Holz, wobei wieder zu bemerken ift, dafs die Ausbeute im Norden nur 2.64 Kubikfufs, in den füdlichen Gouvernements dagegen 39 11 Kubikfufs beträgt. Nur 23 Percent der Gefammtoberfläche der Domänenwälder befinden fich in Exploitation, der Reft, alfo 77 Percent, wird gar nicht ausgebeutet, theils weil er durch die früher ftattgehabte Exploitation verwüftet ift, theils aber auch weil die geographifche Lage derart ift, dafs jeder Abfatz dafür fehlt. Erwähnenswerth ift hiebei, dafs felbft in den wenig bewaldeten Gegenden des Südens wenig mehr als die Hälfte des bewaldeten Terrains exploitirt wird. Der Durchschnittspreis des Kubikfufses Holz war im Jahre 1866 0.893 und im Jahre 1871 1.018 Kopeken. Diefe Preife repräfentiren die officielle Taxe, wogegen bei den Submiffionen die Preife von 1194 Kopeken für das Jahr 1866 und 1412 Kopeken per Kubikfufs Holz im Jahre 1871 realifirt wurden. Die Preisunterfchiede, welche das Holz erlitten hat, variiren natürlich aufserordentlich, je nach den verfchiedenen Gegenden des Reiches. So hat fich der Preis des Bauholzes im Gouvernement Olonetz um 37 Percent im Laufe von zehn Jahren erhöht, während Brennholz feit jener Zeit um 6% Percent billiger geworden ift. Die Erhöhung ift in Livland, Wilna, Samara, Charkow und Taurien wenig bemerkbar gewefen; dagegen ift fie fehr erheblich in den Gouvernements Smolensk( 133 Percent), Saratow( 138 Percent), Tula( 147 Percent), Koftroma ( 166 Percent), und Woronefch( 212 Percent) zu nennen. Rufsland. 77 Der Geldertrag, welchen der Fiscus den Wäldern entnimmt, ift im fortwährenden Steigen. Im Jahre 1860 conftatiren wir 3,129.574 Rubel und im Jahre 1871 8,261.579 Rubel. Dem gegenüber ftehen die Ausgaben der Verwaltung von 1,720.595 Rubel im Jahre 1866 und 3,760.510 Rubel im Jahre 1871. Die Vertheilung der Ausgaben war folgende: 12 Percent find auf Verbefferungen, Vermeffung der Wälder und Organiſation des Forftdienftes aufgegangen, 75 Percent auf Unterhaltung und Forftfchutz, 13 Percent auf Bezahlung der örtlichen Abgaben. Die Nettorevenue erhebt fich fomit im Jahre 1871 auf 4,510.068 Rubel, und der mittlere Durchfchnitt des Einkommens per Defsjätine variirte von I Kopeken im Norden bis zu 60 Kopeken im Süden von Rufsland. Wenn man nun berücksichtigt, dafs die Privatwälder zum grofsen Theile noch weniger erfreuliche Refultate gaben, als die der Regierung gehörigen, fo mufs eine ernftliche Befferung der Forftverhältniffe im Intereffe Rufslands nur aufs dringendfte gewünſcht werden. Wir kommen nun zu dem Capitel der Laften, welche die Landwirthfchaft zu tragen hat. Es find deren drei: I. die ,, Grundfteuer"; 2. die Perfonalfteuer" und " " 9 3. die Rückkaufsgelder" für die den früheren Leibeigenen überwiefenen Grundftücke. 1. Die Grundfteuer fetzt fich aus den Beihilfsfonds zufammen. Es ift diefs diejenige Quote, welche die Provinzialbehörden in Paufch und Bogen von den Gouvernements einfordern, ohne dafs fich die Regierung um die Vertheilung diefer von jedem einzelnen Gouvernement in Summa eingehobenen Abgabe kümmert, wovon ein Theil, nämlich 8,086.935 Rubel, von diefem Jahre ab von den liegenden Gütern erhoben, der Reft als eine Art Perfonalfteuer von den Bauern eingezogen und durch die Localcontributionen der Provinzen und des Diftrictes befchafft wird. Man muss unter diefe Kategorie auch die Taxe rechnen, welche die Körperfchaften des Adels für die demfelben gehörenden Grundftücke zu entrichten haben. Diefe 8,086.935 Rubel vertheilen fich per Defsjätine wie folgt: Grundstücke der Eigenthümer 3 bis 10 2 Kopeken, durchschnittlich 43 Kopeken, nicht bewohnte Grundftücke o.1 Ι4Ι Apanage- Terrain Bauern- Grundftücke 99 29 SO I 29 10˚4 99 0.3 99 12 4 99 Daher ein Gefammtdurchfchnitt per Defsjätine von 3.9. 2'I 99 " 9 99 I.7 " " 4- 97 Drei Viertel der Localfteuer, nämlich 13,333.952 Rubel, laften auf nicht bewohntem Grundeigenthum. Die Gefetzgebung gibt gar keine Vorfchrift bezüglich des Repartitionsmodus der Steuer auf die einzelnen Grundstücke. Die Localbehörden disponiren in diefer Richtung ganz felbftftändig, und fo kommt es denn, dafs in manchen Gegenden alle Grundftücke die Steuer nur per Defsjätine bezahlen, ohne der Qualität des Bodens irgendwie Rechnung zu tragen. Hierin liegt eine Ungerechtigkeit, die der intenfiveren Wirthschaft nicht zuträglich fein kann. Die Gefetzgebung hat daher auch in diefer Richtung noch Abhilfe zu fchaffen, um das einzig gerechte Princip" Vertheilung der Steuern conform den Erträgniffen" einzuführen. Was nun den Betrag der ländlichen Steuern an und für fich anbelangt, fo variirt derfelbe von 15 Kopeken im Gouvernement Olonez bis 13.56 Kopeken im Gouvernement Rjäfan. Der mittlere Durchfchnitt für die 31 Gouvernements, 78 Wilhelm von Lindheim. wo die Provinzial organiſation in Kraft fteht, ift 7.79 Kopeken per Defsjätine. Hin fichtlich des wirklichen Erträgniffes der Grundftücke beträgt die Steuer im Gouvernement Orel 3.61 Percent und im Gouvernement Nifchnei- Nowgorod 16 52 Percent vom Netto- Erträgnifs der Eigenthümer. Wenn man zu den Localfteuern, und zwar zu denen, welche zum Nutzen der Provinz und zu denen, welche zu Gunften des Diftrictes eingezogen werden, die Taxe zufchlägt, welche allein das Eigenthum des Adels trifft, fo finden wir, dafs diefer letztere in der Regel 5 bis 20 Kopeken per Defsjätine, das find 4 bis 10 Percent des Netto- Erträgniffes, zahlt. Es gibt indeffen Gegenden, namentlich einige Diftricte im Gouvernement Koftroma, wo die Defsjätine nur 2 Kopeken zahlt, während in anderen Gouvernements, beiſpielsweife in Tfchernigow, die Taxe bei adeligen Gütern bis zu 54 Kopeken beträgt. In einigen Gegenden des Gouvernements Nowgorod abforbiren die beiden Steuern bis 17 Percent des Netto- Erträgniffes, ja in den Gouvernements Saratow und Tambow fogar 25 Percent. Wenn wir nun zu diefen 25 Percent noch das zufchlagen, was das Grundeigenthum zu Nutzen des Beihilfsfondes zu tragen hat, fo bekommen wir für den erwähnten Bezirk von Saratow eine Steuerzahlung von 40 Percent des Netto- Erträgniffes an Grund und Boden. Es ift unnöthig, zu erwähnen, dafs diefe Höhe der Steuern eine aufserordentlich drückende ift, und da das Grundeigenthum bezüglich der Steuern einer unaufhörlichen Steigerung unterliegt, für welche die Gefetzgebung keinerlei Grenzen vorfchreibt, mehren fich auch die Klagen über das Drückende diefer Lage von Tag zu Tag. 2. Die Perfonalfteuer, die nur von den Bauern entrichtet wird, fetzt fich zufammen aus der Kopffteuer, den Rückzahlungen der Domanialbauern, aus der Theilnahme am Aushilfsfonde, wozu die Taxe für Befreiung von der Recrutirung, die Taxen zu Gunften der Richter und Friedensrichter in denjenigen Gouvernements, wo die neue Provinzialorganiſation noch nicht fungirt, gehören, und fchliefslich aus allen denjenigen Abgaben, welche die nun aufgehobenen Naturalabgaben erfetzen follen. Die Kopffteuer ift für das Jahr 1873 laut Budget auf 42,241.859 Rubel feftgefetzt und variirt für den Kopf von I Rubel 20 Kopeken bis 2 Rubel 14 Kopeken. Die Domanial- und Apanagebauern zahlen im Durchfchnitt I Rubel 74 Kopeken, die befreiten Bauern I Rubel 78 Kopeken und die Bauern der baltifchen Provinzen I Rubel 98 Kopeken. Die Rückzahlung der Domanialbauern beträgt im Durchfchnitt 34% Kopeken und variirt nach der Ortfchaft von 14 bis 40 Kopeken per Kopf. Das Totalergebnifs diefer Steuer ift auf 3,428.100 Rubel veranfchlagt. Die Zahlungen zu Gunften des Aushilfsfondes find im mittleren Durchfchnitte mit 54 3 Kopeken per Kopf berechnet und variiren von 7 bis 98 Kopeken. Nach dem Budget des Jahres 1873 wird der von den Bauern zu bezahlende Theil auf 13,791.301 Rubel feſtgeſetzt. Die Communallaften variiren natürlich bei jeder Commune; wir finden Abgaben von 31 Kopeken bis 2 Rubel 93 Kopeken per Kopf. In einigen Gouvernements, in denen die neue Provinzialorganiſation noch nicht eingeführt ift, zahlen die Bauern zu Gunften der Friedensrichter und zur Befriedigung verfchiedener Localbedürfniffe I bis 78 Kopeken per Kopf. Endlich mufs man unter die Kategorie der Perfonalfteuer noch die Naturalleiftungen zählen, welche mit 14 bis 74% Kopeken per Kopf anzufchlagen find. Die Commiffion glaubt, dafs man bei Hinweglaffung aufserordentlicher Fälle zu einem mittleren Durchfchnitt von 4 Rubel 30 Kopeken bis 5 Rubel per Kopf an perfönlicher Abgabe kommen dürfte, was bei der Zahl von 19,905.000 Rufsland. 79 Bauern, welche Rufsland bewohnen, eine Summe von ungefähr 90,000.000 Rubel ergeben würde. Von diefer Summe werden 59,461.000 Rubel in Form von Kopffteuer und Rückzahlung der Domanialbauern zu Gunften des Aushilfsfondes für Rechnung des Staates und der Reft zu Gunften der Provinzen und Communen felbft eingehoben. Die Perfonalfteuer weift eine fortdauernde Progreffion aus, welche hauptfächlich dem Wachfen der Communaltaxen und dem Remplacement der Naturallaften durch Geldzahlung zuzufchreiben ift. In vielen Gegenden find die Bauern in der That überlaftet, und in einigen haben die Perfonalfteuern eine Höhe erreicht, welche abfolut nicht mehr fteigerungsfähig ift. 3. Die Rückkaufsgelder. Die Terrains find den Bauern je nach der Verfchiedenheit der Gegend und nach der Eigenthümlichkeit der Bevölkerung felbft zu fehr verfchiedenen Preifen überlaffen worden, und haben die Bauern, welche früher Leibeigene waren, im mittleren Durchfchnitte 3.52 Defsjätinen per Kopf, im Maximum im gröfsten Theile der Gouvernements 5 Defsjätinen per Kopf an Grundftücken zugetheilt erhalten. Die Domanialbauern der 34 Gouvernements, wo die Zutheilung der Ländereien beendet ift, haben im Durchschnitt 5.8 Defsjätinen und 13.5 Defsjätinen in den 5 nördlichen Gouvernements erhalten. In allen diefen Gouvernements erreicht der mittlere Durchfchnitt der Zutheilung nicht weniger als 4 Defsjätinen mit Ausnahme des Gouvernements Rjäfan, wo 3.8 Defsjätinen zugetheilt wurden. Die Domanialbauern haben aufserdem noch die Benützung des Waldes eingeräumt erhalten, für welche fie im Durchschnitt noch eine Taxe von o 8 Kopeken im Gouvernement Minfk, von 525 Kopeken im Gouvernement Moskau per Kopf zu zahlen haben. Die Grundftücke- Zutheilung der Apanagebauern erreicht im Mittel 5 Defsjätinen und variirt je nach den Gegenden von 214 zu 13 4 Defsjätinen. So kommt es denn, dafs die Domanialbauern Grundftücke befitzen, welche zweimal fo grofs find, als es früher zur Zeit der Leibeigenfchaft der Fall war, während die Apanagebauern nur etwa 50 Percent mehr als zur Zeit der Leibeigen fchaft befitzen. Diefes Mifsverhältnifs tritt noch ftärker in denjenigen Fällen zu Tage, wo die befreiten Leibeigenen das Minimum, nämlich I bis 1% Defsjätinen zugetheilt erhalten haben und nur den vierten Theil der Zutheilung koftenfrei erhielten. Solch kleine Grundftücke find vollſtändig ungenügend, die Ernährung des Bauern zu garantiren, und dennoch findet man fie ziemlich häufig in den Gouvernements an den Ufern der Wolga, in Simbirfk, Kafan, Nifchnei Nowgorod und namentlich in Gegenden der fchwarzen Erde. Im Gouvernement Kurfk beträgt der mittlere Durchfchnitt der zugetheilten Grundftücke nur 2.5 Defsjätinen, im Gouvernement Pultawa nur 1 99 Defsjätinen, und in dem Reft der centralen Provinzen variirt die Gröfse der zugetheilten Grundftücke zwifchen 2 und 3 Defsjätinen( Tambow 2'94, Rjäfan 2.66, Tula 2.75, Charkow 2.6, Tfchernigow in einigen Diftricten 2.75 Defsjätinen). In der beften Pofition befinden fich die früheren Leibeigenen der öftlichen Provinzen; ihnen wurden, im Vergleiche zu anderen, die gröfsten Grundstücke zugetheilt. Wenn man die Zahlungen, welche die Freigewordenen geleiftet haben, prüft, fo findet man, dafs fich in vielen Gegenden zwifchen diefer Zahlung und dem Betrage des Verkaufes und der Pachtrate für das Terrain manchmal ein fehr bedeutendes Mifsverhältnifs eingeftellt hat A 6 80 Wilhelm von Lindheim. So ift beiſpielsweife in den nördlichen Gegenden der fchwarzen Erde, wo die Bevölkerung verhältnifsmäfsig eine fehr dichte ift, und da, wo die Eifenbahnen in der letzten Zeit eine bedeutende Preisfteigerung hervorgebracht haben, der Betrag der Pachtrate manchmal viel gröfser als die Zahlung der Rate, welche für den Rückkauf feftgefetzt wurde, und der Preis der Terrains übertrifft wefentlich den Preis, welcher als Bafis beim Rückkauf zu Grunde gelegt wurde. In den Gouvernements Grofs- Rufslands, welche keine fchwarze Erde befitzen, und wo die Bevölkerung zwar dicht, der Boden aber weniger fruchtbar ift, erreicht im Gegentheil der Preis, den das Terrain wirklich werth ift, nicht denjenigen der Rückkaufstaxe. Endlich gibt es noch eine dritte Kategorie von Gouvernements, wo das Mifsverhältnifs, von dem wir eben gefprochen, nur wenig exiftirt, und wo man zwifchen der Schätzung und dem wirklichen Preife vielleicht nur eine Differenz von 10 Percent mehr und weniger conftatiren kann. Es gibt Gouvernements, wie Wilna, Minfk, Beffarabien etc., wo die Taxation um 100 Percent unter dem wirklichen Werth erfolgt ift. Unter den Einwohnern diefer Gouvernements gibt es 1,160.000 frühere Leibeigene, wovon 885.000 den Rückkauf ausführten. In den Gouvernements Grodno, Kowno, Kiew, Podolien und Taurien ift die Ziffer der Taxe 50 bis 100 Percent unter dem wirklichen Werthe der Terrains; in diefen Provinzen gibt es 1,380.000 frühere Leibeigene, von denen 1,378.200 das Terrain zurückkauften. In den Gouvernements Orel, Kurfk, Tambow und Tfchernigow ift die Differenz 30 bis 50 Percent; auf 1,260.000 Freigewordene kommen 780.000, welche den Rückkauf ausführten; endlich in Nifchnei Nowgorod, Charkow und Jekaterinoflaw ift die Differenz 10 bis 30 Percent; von den 1,240.000 Freigewordenen führten 826.000 den Rückkauf aus. Alle diefe achtzehn Gouvernements befitzen demnach zufammen eine Bevölkerung von 5,050.000 freigewordenen Leibeigenen, von denen 3,870.000 die Grundftücke zurückkauften. In anderen Gouvernements, namentlich im Norden und Nordoften, ift die Taxation der Grundftücke bedeutend über ihrem reellen Werth; fie übertrifft denfelben um fünfzig und mehr Percent. In den Gouvernements Nowgorod, Orenburg, Ufa gibt es auf 760.000 freigewordene Leibeigene 516.000, welche den Rückkauf ausführten. Die Differenz in den Gouvernements Pfkow, Smolenfk, Kaluga, Perm und Moskau bewegt fich zwifchen 30 bis 50 Percent, und von 1,380.000 Bauern führten 820.000 den Rückkauf aus. Endlich beträgt in den Gouvernements Mohilew, Koftroma, Kafan und Simbirfk die Differenz 10, bis 30 Percent, und führten 760.000 freigewordene Leibeigene von der Gefammtzahl 1,030.000 den Rückkauf aus. Demgemäfs gibt es in diefen fechzehn Gouvernements 3,170.000 frühere Leibeigene, wovon 2,100.000 den Rückkauf ausführten. Ferner find noch neun Gouvernements, welche nicht in die zwei Kategorien, die wir hier eben erwähnten, gehören, und in welchen die Differenz zwifchen der Taxation und dem wirklichen Preis nur etwa zehn Percent mehr oder weniger beträgt. In diefen Gouvernements gibt es eine Bevölkerung von 2,100.000 Leibeigenen, wovon 1,500.000 den Rückkauf bewirkten. Man verfteht das Mifsverhältnifs fehr gut, welches in diefen Zahlen liegt, und ift dadurch überall dort die Stellung der Bauern eine fehr fchwierige, wo der wirkliche Werth der übernommenen Grundftücke unter der Taxe ift. Die Jahreszahlung für den Rückkauf beträgt per Defsjätine I Rubel 87 Kopeken. Es gibt aber genug Fälle, wo diefer Preis auf 3 Rubel 60 Kopeken und felbft auf 4 Rubel 80 Kopeken fteigt. Rufsland. 81 Der Grundzins, welchem zum Vortheil der früheren Befitzer diejenigen freigewordenen Leibeigenen, welche den Rückkauf nicht ausführen, unterworfen find, übertrifft die Zahlung des Rückkaufes um 20 Percent im Mittel und erreicht manchmal eine Höhe von 6 Rubel 80 Kopeken per Defsjätine. Die Zahlungen, welche den Domanial- und Apanagebauern obliegen, zeigen nicht fo grelle Unterfchiede; die der erfteren belaufen fich im Durchfchnitt auf 64 Kopeken und die der letzteren auf 71 Kopeken per Defsjätine. Im Refumé ift das Totale der Zahlungen, welche die Bauern zum Vortheil der früheren Befitzer oder zu Gunften der Domäne und Apanage zu leiften haben, folgendes: Zahlung des Rückkaufes der freigewordenen Leibeigenen 38,094.630 Rubel Rückkaufs- Zahlung der Apanagebauern 3,055.221 Grundzins der Domanialbauern. 36,301.117 Forft- Grundzins Summe , 99 29 1,230.143 99 78,681.111 Rubel. Man mufs hier noch den Grundzins der früheren Leibeigenen, welche ihre Grundftücke nicht zurückkauften, hinzufügen. Die Commiffion fchätzt diefen auf 16 Millionen, und wir erhalten demgemäfs als Gefammtfumme 95 Millionen, welche jährlich von den ruffifchen Bauern bezahlt werden, um das Befitzrecht an ihren Grundftücken oder deren Nutzniefsung zu haben. Die Summe aller Steuern und Grundzinie, welche die Landwirthschaft zu tragen hat, ergibt 208 Millionen Rubel, und zwar: I. An Grundfteuer: Aushilfsfonds( fonds de fecours) Localfteuer. Taxen von adeligen Grundftücken 2. An Perfonalfteuer: Kopffteuer Grundzins der Domanialbauern Aushilfsfonds.. Communalfteuer und diverfe Zufammen Zufammen Rubel 8,086.935 0 13.343.153 1,900.000 23.330,088 42,241.859 3,428.100 13,791.301 30,000.000 89,461,260 3. An Rückkaufsgeldern: Rückkaufszahlung der freigewordenen Leibeigenen Grundzins der freigewordenen Leibeigenen Rückkaufsgelder der Apanagebauern Grundzins der Domanialbauern Forft- Grundzins ° 0 38,094.630 16,000.000 3,055.221 36,301.117 1,230.143 Zufammen. 94,681.111 94,681.111 Recapitulation 89,461.260 23,330.088 Summe aller Steuern und Grundzinfe 207,472.459 Von diefen nahezu 208 Millionen entfallen etwa nur 13 Millionen auf den Grofs- Grundbefitz; 195 Millionen kann man zu Laften der Bauern rechnen. Wir haben bereits oben gefehen, dafs der mittlere Durchfchnitt der Perfonalfteuer auf 4 Rubel 30 Kopeken bis 5 Rubel gefchätzt werden kann. Hingegen läfst fich wohl der mittlere Durchschnitt von dem, was die Bauern vom Grund 6* 82 Wilhelm von Lindheim. eigenthum zu tragen haben, auf Einen Rubel rechnen; es wird hiebei die intereffante Mittheilung zu beachten fein, dafs die Commiffion die Fläche des Terrains, deffen Eigenthum und Niefsbrauch den Bauern zufällt, auf 105 Millionen Defsjätinen fchätzt, und wird die Summe der Grundzinfe und Steuern, welche diefe Terrains tragen, demgemäfs auf 105 Millionen Rubel zu fchätzen fein. Es find nur wenige Theile in Rufsland, wo die den Bauern zugetheilten Grundftücke die darauf ruhenden Laften tragen; es foll fogar Gegenden geben, wo diefe Laften faft fünfmal die Revennue überfteigen. Es dürfte daher eine der ernfteften Aufgaben der Regierung fein, das Mifsverhältnifs zwifchen wirklichem Einkommen und den beftehenden Laften in das richtige und normale zu bringen. Nachdem wir nun die vorliegenden, von de Commiffion gefammelten Daten befprochen und erörtert haben, gehen wir zu dem Refumé über. Es mufs zuvörderft feftgeftellt werden, dafs das Refultat diefer eingehenden Studien in eklatanter Weife conftatirt hat, dafs das ruffifche Reich in der That einen unerfchöpflich zu nennenden Bodenreichthum befitzt, dafs die Confumtion von der Production faft um das Vierfache übertroffen wird. Diefes Factum ift nicht wegzuleugnen und ift hoch erfreulich. Aber ebenfo klar ift erwiefen, dafs die gegenwärtige Lage der Landwirthfchaft durchaus nicht dem Standpunkte entſpricht, welchen eben die natürlichen Hilfsquellen des Reiches erheifchten, und man darf den Grund diefer Stagnation wohl der Hauptfache nach den Fehlern zufchreiben, welche bei der Feftftellung der Gefetze betreffs der Abfchaffung der Leibeigenfchaft begangen worden find. Die Commiffion hat gleich allen Schriftftellern, die fich mit diefem Gegenftande befassten, das Princip der folidarifchen Haftbarkeit und des untheilbaren Gemeinde- Grundeigenthums als einen Hemmfchuh für die Entwicklung der wirthfchaftlichen Verhältniffe hingeftellt; aber trotzdem hat die Commiffion es nicht für opportun gehalten, diefe Mafsnahme durch eine vollſtändige Reform fofort abzufchaffen. Die Commiffion hat es für zweckmäfsig gehalten, ein Uebergangsftadium auch hier obwalten zu laffen, und als folches vorgefchlagen, man möge den Austritt aus der Gemeinde jedem Mitgliede fofort erlauben, fobald dasfelbe ein aufserhalb des Gemeindeterrains liegendes Grundftück acquirirt hat; denn bisher war das Gemeindemitglied in der drückenden Lage, nur dann austreten zu dürfen und der folidarifchen Haft entbunden zu fein, wenn das von ihm acquirirte Grundeigenthum wenigftens die doppelte Gröfse desjenigen Antheiles hatte, mit welchem es an dem Gemeindegut participirte. Wir haben in unferen Mittheilungen mehrfach auf den Uebelftand hingewiefen, der aus der folidarifchen Haftbarkeit entfpringt, und wir erblicken auch jetzt darin eine ärgere Abhängigkeit als unter der Leibeigenfchaft, wo mit den Härten der Hörigkeit wenigftens der Vortheil eines patriarchalifchen Regimes und die Gewissheit verbunden war, dafs fchliefslich der Bauer nur für feinen Grundherrn und für fich, aber nicht für eine grofse Anzahl von Gemeindemitgliedern zu forgen und für deren Bewirthfchaftung die Haftbarkeit mehr oder weniger einzugehen hat. Es ift von manchen Seiten der ruffifchen Regierung der Vorwurf gemacht worden, dafs fie zu wenig Initiative zeige. Wir können uns diefer Meinung nicht anfchliefsen und finden, dafs in der zweiten Hälfte diefes Jahrhundertes die ruffifche Regierung fich mit Energie und gutem Willen an die Spitze der Reform geftellt und in der That in diefer Hinficht mehr gethan hat als die weftlichen Nachbarn; denn, wie wir fchon erwähnt, datirt eben die tief in das Staatsleben einfchneidende Reform aus dem Jahre 1861, wo fie auf einmal unter all' den erfchwerenden Umftänden eingeführt worden deren wir gleichfalls fchon in der Einleitung Erwähnung gethan. Es gibt in der, Gefchichte aller modernen Völker auch nicht ein einziges Beiſpiel, welches annähernd eine folche Umwälzung in fo kurzer Zeit hervorgebracht hätte. Rufsland. 83 Rechnet man noch hinzu, wie viel die ruffifche Regierung für Einführung von Ackerbau- und Forftfchulen, für Gewinnung tüchtiger Lehrkräfte, für das Verbeffern und Mehren der Volksfchulen und für all' die Mafsnahmen, die nöthig find, um ein freigewordenes Volk von den beftehenden Vorurtheilen zu löfen, gethan hat, fo kann man derfelben in keiner Weife eine Läffigkeit vorwerfen und kann eben nur in der Kürze der Zeit, welche feit der Reform verfloffen, in der allzufchnellen Wirkung die Urfache etwaiger Uebelftände erblicken. Was die Theilbarkeit der Güter anlangt, fo ift hervorzuheben, dafs, wenn auch eine Veräufserung, refpective Theilung des Grundbefitzes geftattet wäre, diefelbe fich doch nicht auf das landwirthfchaftliche Inventar und den Viehftand erftrecken dürfte. Es fteht erfahrungsgemäfs feft, dafs eine allzuleichte Theilung und Mobilifirung des Eigenthums leicht zur Verarmung führen kann, fo lange die Bodenwerthe an fich oder das dadurch bedingte Erträgnifs noch gering find. Da nun die Kinderkrankheiten der grofsen Reform überwunden find und die Periode der Befferung in Ausficht fteht, fo dürfte es doch gefährlich fein, gerade jetzt Beftimmungen zu treffen, welche die Theilbarkeit der Güter verhindern follen, während man in allen weftlichen Ländern gerade das Gegentheil thut und alle die freie Dispofition über das Eigenthum hindernden Beftimmungen principiell zu befeitigen fucht. Auch hier dürfte es fich empfehlen, eine Uebergangsperiode zu wählen und vielleicht nur auf die Dauer einiger Jahre einige befchränkende Beftimmungen einzuführen. Der weitaus wichtigfte Punkt zur Hebung der Landwirthschaft dürfte wohl in der Förderung der Viehzucht liegen. Was nun diefe Förderung anbelangt, fo hat die Commiffion es für nützlich erachtet, der Regierung anzu empfehlen, ihr Augenmerk namentlich auf diejenigen Mafsregeln zu richten, welche eine Bekämpfung der Viehfeuche ermöglichen, in Verbindung hiemit die Transportanftalten zur Einführung rationellerer Einrichtungen für den Transport anzuhalten und endlich durch Mufteranſtalten und Verftärkung der Zugthiere direct auf die Veredlung der Viehracen hinzuwirken. In diefer Richtung, glauben wir, hat die ruffifche Regierung allerdings ein weites Feld vor fich, denn die Veterinärkunde ift in Rufsland fo mangelhaft wie in keinem anderen Lande, und ift namentlich das Perfonale weitaus unzureichend für die aufserordentliche Gröfse des Reiches. Im Anfchluffe daran müfste natürlicherweife eine obligatoriſche Verficherung des gefammten Viehftandes einerfeits und die rücksichtslofe Tödtung des verfeuchten Viehes, welche allein es möglich macht, die Seuche zu localifiren, andererfeits verordnet werden. Bezüglich der mangelhaften Forftcultur, die direct eine Vertheuerung des Brennmaterials und indirect ganz unnatürliche klimatifche Verhältniffe fchafft, läfst fich nur im Wege der Gefetzgebung, welche der Verwüftung der Wälder Einhalt zu thun hat, ergiebige Abhilfe fchaffen. Man ift in Russland befchäftigt, das Hypothekengefetz vollſtändig umzuarbeiten, und wir glauben, dafs in Verbindung hiemit auch der Waldfchutz in rationeller Weife in Berathung gezogen werden könnte. Da wir gerade vom Hypothekengefetze fprechen, fo wollen wir unfere Anficht darüber dahin präcifiren, dafs mit der Creirung einer grofsen Anzahl von Hypothekarbanken, wie folche auch in letzter Zeit entstanden find, der Geldcalamität der Grundbefitzer abgeholfen werden wird. Die Steuern find, wie wir ziffermäfsig nachweifen könnten, namentlich für die Waldfläche viel zu hoch. Um den Anbau zu begünftigen, wäre es wohl zweckmäfsig, für eine Reihe von Jahren die Forftcultur fteuerfrei zu laffen, denn nur dadurch kann das beſtehende Mifsverhältnifs gemildert werden. Das Syftem der Bewilligung von Prämien wäre ebenfalls in zweckmäfsiger Weife damit in Verbindung zu bringen. 84 Wilhelm von Lindheim. Die Commiffion hat den Vortheil hervorgehoben, der aus dem Vorangehen des Staates mit gutem Beiſpiele erwächft, und es ift eine Frage von Bedeutung, ob es nicht von Nutzen wäre, wenn der Staat einen Theil der Privatwälder felbft ankaufen würde. Was nun in letzter Reihe das Syftem der Befteuerung felbft anbelangt, fo mufs dasfelbe nach der Fläche, ohne Rückficht auf den Ertrag des Waldes, als entfchieden verwerflich angefehen werden. Wir glauben daher als eine vitale Mafsregel von durchgreifendem Erfolge vor Allem anrathen zu müffen, dafs das Grundeigenthum nicht mehr folidarifches Eigenthum der Gemeinde zu bleiben, fondern zur vollſtändigen und definitiven Vertheilung zu kommen hätte, und in Verbindung hiemit wäre natürlicherweife in Rufsland die Ackerfeparation durchzuführen und die Befteuerung der Grundftücke nach Ertragsclaffen zu berechnen, wie fich diefs namentlich in Deutſchland bewährte. Im Anfchluffe hieran liefsen fich alle Mafsnahmen, die wir im Vorftehenden empfohlen, wenn auch nur fucceffive, fo doch mit der Ausficht auf einen glücklichen Erfolg durchführen. Die Zemftwos ( Kreis und Gouvernementsvertretungen), welche nach Walcker nunmehr in 33 Gouvernements vollſtändig organifirt find, fetzen fich wie folgt zufammen: Die Zahl der Gutsbefitzer fchwankt zwifchen 50 und 35.7 Percent, die der Städter zwifchen 44'8 und 7.6 Percent, und die der Bauern zwifchen 49 und II 3 Percent. Die abfolute Majorität hat der Bauernftand nur in drei Kreisftädten, die relative Majorität in 70 Fällen. Ueber die Art und Weife der von den Zemftwos verwendeten Fonds gibt der Bezirksanzeiger in einer feiner letzten Nummern eine intereffante Zufammenftellung, welche gleichzeitig auch ein Bild über die von denfelben entfaltete Thätigkeit abgibt; es ift diefs die vergleichende Ueberficht der in den Jahren 1869, 1870 und 1871 feitens der Provinzen verausgabten Beträge. Die nachftehenden Ziffern beziehen fich indeffen nur auf jene Gouvernements, in denen die Provinzialorganiſation bereits zur Ausführung gelangt ift. Im Jahre 1869, wo diefe Organiſation erft in 28 Gouvernements in Kraft ftand, betrug die Summe der Provinzialausgaben 16,324.810 Rubel, im folgenden Jahre 17,345.248 Rubel, im Jahre 1871 endlich hier wuchs die Zahl diefer Gouvernements auf 31( wir conftatiren eine Differenz gegen Walcker, der 33 angibt) 20,046.416 Rubel. Die nachfolgende Tabelle zeigt die wichtigſten Erforderniffe, deren Deckung durch die Provinzialausgaben beftritten worden.. - Locale Civilverwaltung zu Laften der Provinz oder des Diftrictes Schiedsrichter 1869 1870 1871 In Taufenden von Rubeln. 637 702 574 1.913 I.797 1.897 Friedensrichter Zemftwos 3.328 3.612 3.779 2.268 2.304 2.606 Reifefpefen der Richter 2.424 2.534 3.076 Bau und Unterhaltung der Wege 1.886 Einquartierung 161 1.646 163 1.904 179 Sanitätsdienft 1.341 1.601 2.074 Oeffentliche Sicherheit 358 574 484 Oeffentlicher Unterricht 953 I.I22 1.530 Die focialen Refultate der Emancipationsacte. Der emancipirte Leibeigene ift gegenwärtig unftreitig der intereffantefte Gegenstand des Studiums in ganz Rufsland. Wir folgen in den nachftehenden Rufsland. 85 Erörterungen den mit unferen ausführlicher entwickelten Anfichten vollſtändig harmonirenden Auslaffungen eines durchaus unparteiifchen Engländers*), welcher durch lange Jahre in Rufsland gelebt und mit dem Scharfblicke eines praktiſchen Gefchäftsmannes die Verhältniffe ftudirt und beurtheilt hat. Es ift unvermeidlich, dafs, wo fich eine grofse Reform vollzieht, fich bei der Ausführung Irrthümer mit einfchleichen, und auch die Emancipation ift diefem allgemeinen Gefetze nicht entgangen. Galt es hiebei doch, den widerfprechendften Intereffen gerecht zu werden, und die Meinungen über die Mittel, welche angewendet werden müfsten, um weder den Herren, noch den Leibeigenen zu nahe zu treten, waren fehr getheilt. Freilich fchwieg mit der Durchführung des Gefetzes die Oppofition dagegen noch lange nicht, und es find vornehmlich die Grundbesitzer, welche den immer fühlbarer werdenden Mangel an ländlichen Arbeitskräften Es ift allerausfchliefslich auf die Aufhebung der Leibeigenfchaft zurückführen. dings Thatfache, dafs in manchen Theilen des Reiches dem Ackerbau zu gewiffen Epochen, namentlich zur Zeit der Beftellung und der Ernte, die Arme fehlen; aber damit ift die Emancipation noch lange nicht zu verurtheilen. Ohne behaupten zu wollen, dafs die Seltenheit der Arbeitskräfte für den Gutsherrn ein Vortheil fei, geht doch daraus hervor, dafs der Bauer von feiner Freilaffung unmittelbar Nutzen zu ziehen verftanden hat, denn er weifs auf feinem eigenen Grund und Boden ausreichende Befchäftigung zu finden. Denn ein Müfsiggänger ift der ruffifche Bauer nicht. In keinem Lande trifft man fo wenige Bettler als eben in Rufsland. Wohl gibt es deren in den grofsen Städten wie in allen anderen gröfseren Städten Wefteuropas, aber fie find hier profeffionell, das heifst, fie bitten um Naturalgaben, welche fie alsdann verkaufen. Die Haupturfache des Mangels an Arbeitskräften liegt( wie wir diefs an anderer Stelle begründet haben) in der immer gröfser werdenden Ausdehnung des Bodens, welcher der Cultur übergeben wird. Die Emancipation der Leibeigenen hat viele Grundbefitzer ungeheurer Einkünfte beraubt, die ihnen aus dem Obrok floffen, der perfönlichen Abgabe eines Leibeigenen für die Erlaubnifsirgend ein Gewerbe auf eigene Hand betreiben zu dürfen. Sie haben naturgemäfs nun ihrem Grund und Boden eine gröfsere Aufmerkfamkeit zugewendet und fuchen demfelben einen möglichft reichen Ertrag abzugewinnen. Wenn fie nun über den Mangel an Arbeitskräften fchreien und klagen, und dafs die Emancipation fie ruinirt habe, fo ift das nicht richtig; der wahre Grund liegt in der Schwierigkeit, eine ausreichende Zahl von Armen für den Anbau von Landftrichen zu finden, die bis dahin brachgelegen hatten und keiner Arbeit bedurften. So lange man nicht Mafsregeln ergreift, um eine fortdauernde Emigration zwifchen den Provinzen, wo Arbeitskräfte im Ueberflufs und denen, wo folche nur fpärlich vorhanden find, zu vermitteln, wird es in Rufsland immer an Armen fehlen. Es fteht feft, dafs der Ruffe, fo viel auch über feinen Hang zum Nomadenleben gefagt und gefchrieben worden ift, fich doch fehr fchwer zum Auswandern entfchliefst. Erverabfcheut das Verändern feines Domicils, und Niemand klebt fefter an der Scholle als der Bauer. Der emancipirte Leibeigene hat das Gefühl feiner Freiheit; er begreift die Vortheile feiner neuen Stellung und fieht allmälig ein, dafs er es nicht nöthig hat, anderswo Arbeit zu fuchen, dafs fein Grund und Boden zu feiner Ernährung ausreicht. Die Eifenbahnen machen es ihm möglich, feine Producte theuerer zu verkaufen; die Reifen erweitern feinen Gefichtskreis, entwickeln feine Intelligenz und lehren ihn, den gröfstmöglichen Vortheil aus feiner Arbeit zu ziehen; er wird mit der Zeit ganz unabhängig und braucht nicht mehr für Andere zu arbeiten. Aus alledem geht hervor, dafs die Taglöhner immer feltener werden müffen, wenn man nicht die Bevölkerung durch Zuzug zu vergrössern trachtet. Natürlicherweife wird damit eine Erhöhung der Löhne Hand in Hand gehen; fchon jetzt find diefelben in den Städten beträchtlich höher als auf dem Lande, und je leichter die Communication wird, um defto höher wird der Taglohn des Arbeiters fteigen. Immerhin ift von einem wirklichen fühlbaren *) Barry ,,, Das neue Rufsland", 1873, S, 40 u. ff. 86 Wilhelm von Lindheim. Mangel an Arbeitskräften in Rufsland bis jetzt nur vereinzelt die Rede; ein Beweis dafür ift, dafs der Werth der Güter von Tag zu Tag fteigt, und zwar in den guten Diftricten in ganz enormer Weife. Land, welches vor einigen Jahren per Defsjätine für 10 Rubel verkauft wurde, findet jetzt zu 70 Rubel Käufer, fo dafs die Befitzer jetzt viel mehr Geld aus ihrem Grund und Boden ziehen, als vor der Emancipation. Welchen Urfachen diefs zunächft zuzufchreiben ift, das ändert an der Thatfache felbft nichts. Ganz unzweideutige Zeichen des Fortfchrittes treten bei den Bauern allgemach zu Tage. In allen Dörfern find neue Häufer gebaut und die alten reparirt worden; die Felder find beffer eingehegt, die Höfe gröfser; an vielen Häufern der ehemaligen Leibeigenen fieht man die Schilder von Verficherungsgefellſchaften angebracht. Die Pferde find weit häufiger befchlagen und die Wagenräder meiftens mit eifernen Reifen verfehen. In den Häufern hat der Kienfpan, welcher fonft die Beleuchtung bildete, dem Talglichte Platz gemacht. Männer und Frauen gehen weit beffer gekleidet, fuchen fich zu unterrichten, wiffen, dafs fie unter dem Schutze des Gefetzes ftehen und haben ein richtigeres Verftändnis für die Vorgänge in den Städten. Die Männer fangen an, Gewerbe zu treiben; fie werden Müller, Gärber, Schiffer, Vieh- und Getreidehändler; fie bedienen fich bereits der Maſchinen, um den Hanf zu brechen und das Getreide zu drefchen; fie behandeln ihre Frauen mit gröfserer Achtung und leben feltener in wilder Ehe als früher. So find all' diefe Fortfchritte, welche keinem Reifenden entgehen können, vollwichtige Beweife für eine fich vollziehende grofsartige Umgeftaltung des Bauernftandes, und angefichts derfelben wird man den Erfolg der Emancipation nicht in Abrede zu ftellen vermögen. Der ganze Staatsorganismus profitirt von diefer gewaltigen Veränderung. Aus den Hörigen find Männer geworden, welche fich ihrer Freiheiten und Rechte, wie ihrer Pflichten als Staatsbürger bewufst find. Diefer ungeheure Fortfchritt fichert unter den europäiſchen Staaten Rufsland den Rang, der ihm feiner Gröfse, feiner Kraft und feinem Reichthume nach gebührt. Alle Vorbedingungen zu einer herrlichen Entwicklung find gegeben; Handel und Gewerbe blühen auf; die innere Sicherheit ift im Zunehmen begriffen und das Anfehen, fowie die Macht der Regierung gefeftigt. Es ift etwas Anderes, über Leibeigene, etwas Anderes, über freie Männer zu herrfchen, und vor dem Sclaven, wenn er die Kette bricht, hat Rufsland zu feinem Heile fortan nicht mehr zu erzittern nöthig. Die Loskaufsoperationen gemäfs den Beftimmungen der Emancipationsacte. Um die Bauernemancipation und die damit verbundene Uebertragung von Grundbefitz an die Bauern möglichft zu fördern, verftand fich die Regierung dazu, den Bauern die Mittel vorzuftrecken, um die Ländereien, welche die Gutsherren ihnen abtreten follten, käuflich erwerben zu können. Es handelte fich dabei um ganz gewaltige Summen, und um fo gröfseres Lob verdient die ruffifche Regierung, dafs fie neben ihren anderen Verpflichtungen nun auch diefe neue grofse Bürde auf fich nahm, um ein wahrhaft humanes Werk zu fördern. Sie ftellte zu diefem Behufe drei verfchiedene Arten von Obligationen aus, mit denen die Forderungen der Gutsherren befriedigt wurden, nämlich fünfpercentige kaiferliche Bankbillets, ferner fünfpercentige Kauffcheine, die in drei Terminen von refpective 5, 10 und 15 Jahren, jedesmal von einem Drittel, gegen Bankbillets umzutaufchen find, und endlich fünfeinhalbpercentige Kauffcheine ohne die Beftimmung jener Einlöfung. Ueberdiefs übernahm die Regierung von zahlreichen Gutsherren die Verpflichtungen derfelben bei den früheren Creditinftituten. Der Stand der Loskaufsoperationen von der Zeit der Eröffnung derfelben, dem 24. November 1866, bis zum I. November 1872 war nach amtlichen Mittheilungen folgender: Rufsland. 87 Die Gefammtanzahl der Revifionsfeelen, welche den Loskauf bewerkstelligt, beläuft sich auf 7,792.958, die Fläche des losgekauften Landes aber beträgt 23,848.304 Defsjätinen, die den Bauern dargeliehene Summe endlich 625,711.410 Rubel. Bei der Oberverwaltung der Loskaufsoperationen find 78.802 Loskaufsacte eingegangen und 75.614 derfelben beftätigt worden. Von letzteren find nur 21.065 gütliche Vereinbarungen, welche in Folge freiwilliger Uebereinkunft zwifchen den Gutsbesitzern und den Bauern zu Stande gekommen find, alle übrigen find auf Forderung der Gutsbefitzer und der Creditanſtalten eingefandt worden. Die Bilanz der Loskaufs operationen weift zum 1. November 1872 im Credit einen Beftand von 617.153.729 Rubel auf. Es ift diefs der Antheil der Bauern an dem Lande, welches fie als Eigenthum erworben haben; im Debet find die bedeutendften Poften folgende: Die Schuld der Gutsbefitzer an die ehemaligen Creditanftalten( 721 Millionen); Loskaufsfcheine( mehr als 16213 Millionen), 5percentige Papiere, 5percentige Billets zweiter Emiffion u. f. w. In der Zahl von 53.792 beftätigter gütlicher Vereinbarungen beträgt der Antheil per Seele etwa 31 Defsjätinen, koftet durchſchnittlich 106 Rubel 43 Kopeken, ift für 47 Rubel 48 Kopeken der Bank verfchuldet, und find für ihn 58 Rubel 95 Kopeken in Loskaufsfcheinen und Geld auszuzahlen. Der Werth der Defsjätine beträgt 21 Rubel II Kopeken und das Verhältnifs der Bankbillets zur Gefammtfumme der gewährten Darlehen circa o 23.- Die durchſchnittlichen Ergebniffe bezüglich der Loskaufsacte bewegen fich in geringeren Zahlenziffern: Die Gefammtanzahl der beftätigten Loskaufsacte beläuft sich auf 21.822, der Durchfchnittspreis eines Seelenantheils( von circa 334 Defsjätinen) beträgt 64 Rubel 72 Kopeken, die auf denfelben ruhende Bankfchuld 26 Rubel 85 Kopeken, die zu leiftende Auszahlung 37 Rubel 87 Kopeken, der Werth einer Defsjätine 17 Rubel 59 Kopeken. Ausserdem hat die Oberverwaltung der Loskaufsoperationen 1727 Abmachungen und Loskaufsacte einer Durchficht unterzogen, diefelben jedoch aus verfchiedenen Gründen nicht beftätigt. In diefer letzten Zahl find diejenigen nicht mit eingerechnet, betreffs welcher noch weitere ergänzende Auskünfte eingefordert wurden. Das ruffifche Genoffenfchaftswefen. Die Nothwendigkeit, die ruffifchen Genoffenfchaften und Arbeiteraffociationen zur Erfüllung gewiffer legaler Vorbedingungen anzuhalten, um ihnen die Rechte einer juriftifchen Perfon zu verfchaffen, fowie der Regelung diefer Vorbedingungen auf dem Wege der Gefetzgebung ift oft genug fchon betont worden. Sowohl das Intereffe aller derer, welche mit den Genoffenfchaften in Gefchäftsverbindung treten, als auch diefer Genoffenfchaften felbft, deren Credit fich, fobald fie erwünſchte Garantien zu bieten vermögen, zweifelsohne befeftigen würde, erheifchen eine derartige Regelung, wie felbe dem Gefetzesfchatze aller wefteuropäiſchen Länder längft einverleibt ift. Die Selbft in England, wo doch das Princip der Affociationsfreiheit ein allgemein anerkanntes und überaus entwickeltes ift, fchreibt das Gefetz den Arbeitergefellſchaften, welche die Rechte und Vergünftigungen einer juriftifchen Perfon geniefsen wollen, zuvörderft die Erfüllung folgender Bedingungen vor: Affociationen haben das Recht, alle Arbeiten zu übernehmen und alle Handelsgefchäfte zu effectuiren; jedoch find hievon die Bankoperationen, fowie die Ausbeutung von Bergwerken und Steinbrüchen ausgefchloffen. Die Statuten müffen über die Gegenftände der Arbeiten, über die Tendenz und den Aufenthalt der * Nach den neueften, während des Druckes veröffentlichten Berichten find bis zum 1. Januar 1873 79.371 Loskaufsgefuche eingegangen, von denen 76.116 ratificirt wurden. Die Gefammtanzahl der Freigekauften beträgt 8,835.553; der Flächeninhalt des losgekauften Landes beläuft fich auf 24,023.670 Defsjätinen, die Summe der geleifteten Vorfchüffe auf 628,446.576 Rubel. Das Credit fteigt auf 622,223.625 Rubel. 88 Wilhelm von Lindheim. Affociationen, über den Modus, nach welchem die Befchickung der Generalverfammlungen, die Abftimmung, die Statutenänderung gefchieht, genügenden Auffchlufs geben; fie müffen ferner die Geldeinlagen der Mitglieder präcifiren, die Art der Verrechnung feftftellen, gewiffe Vorfchriften bezüglich des Austrittes von Mitgliedern aus der Affociation feftftellen, fowie die Conftituirung des Verwaltungsrathes und die Rechte der Mitglieder ausführlich erörtern. Die Statuten find behufs Legalifirung einer Specialcommiffion zu überweifen, welche die Deponirung derfelben durch einen Empfangsfchein beftätigt. Jede Genoffenfchaft ift ferner verpflichtet, ein offenes Bureau oder Comptoir zu inftalliren, deffen Adreffe veröffentlicht werden und ftets bekannt fein mufs. Selbft nach einer formellen Auflöſung wird jede Affociation von der Behörde fo lange für fortbeftehend angefehen, als fie fich aller eingegangenen Verpflichtungen endgiltig noch nicht entledigt hat. Die aus der Genoffenfchaft fcheidenden Mitglieder find. während der Dauer eines Jahres für alle Engagements verantwortlich, welche zur Zeit ihrer Mitgliedſchaft entrirt worden find. Die materielle Haftpflicht der ehemaligen und wirklichen Mitglieder bezieht fich nur auf die Summe ihrer Geldeinlagen. Das find die Beftimmungen der englifchen Gefetzgebung. In Rufsland find die Genoffenfchaften meiftens von Bauern ärmerer Gouvernements gebildet. Sie vereinigen fich, um ihre Arbeitskraft während der Sommermonate zu vermiethen. Der Unternehmer, welcher eine folche Affociation für feine Zwecke verwenden will, fchliefst mit dem Oberhaupte derfelben ein Abkommen, demzufolge fich dasfelbe zur Lieferung einer beftimmten Anzahl Arbeiter verpflichtet. Der Unternehmer zieht natürlich zuvor feine Erkundigungen ein, um fich über den Werth der offerirten Arbeitskräfte zu vergewiffern. Indeffen kann fich derfelbe, wenn es den einzelnen Mitgliedern freifteht, aus der Affociation zu fcheiden und fich vertreten zu laffen, leicht verrechnen und empfindliche Verlufte erleiden; die neu hinzutretenden Kräfte kennen vielleicht ihr Handwerk nicht, arbeiten fchlecht oder weniger gut, felbft mit den beften Abfichten von der Welt. Demgemäfs follte der Erfatz eines austretenden Mitgliedes der Affociation nur unter Zuftimmung des Unternehmers erfolgen können. Man behauptet, bemerkt der ,, Monde ruffe", dafs die folidarifche Haftpflicht fämmtlicher Mitglieder einer derartigen Affociation dem Unternehmer genügende Sicherheit böte, aber man multiplicire doch einmal o mit 10 oder 100; es wird immer o herauskommen, und zehn oder hundert befitzlofe Individuen bieten nicht mehr Sicherheit als ein einziges. Dafs die Genoffenfchaftsarbeiter nichts beſitzen, rührt eben einfach daher, dafs das Land, welches fie in ihrem Dorfe vielleicht bebauen, nicht ihnen, fondern der Commune gehört, dafs die Häufer und das Vieh, deren Niefsbrauch ihnen zufteht, nicht ihr perfönliches, fondern ihrer Familie Eigenthum find. Die gefetzliche Regelung diefer Genoffenfchaften ift, um ihnen die Eigenfchaft einer juriftifchen Perfon zu verleihen, unerlässlich. Die Statuten müfsten genau die Rechte und Verpflichtungen der Betheiligten gegenüber der Affociation felbft und dritten Perfonen feftfetzen, wenn anders die endlofen Zwiftigkeiten jemals aufhören follen. Freilich darf den Affociirten, wenn man die folidarifche Haftpflicht aller Mitglieder beibehält, das Recht, aus der Genoffenfchaft auszutreten, nicht vorenthalten werden. Indeffen müfste die volle Verantwortlichkeit für die pünktliche Ausführung eines mit dritten Perfönlichkeiten abgefchloffenen Vertrages bis zum Ablaufe desfelben von allen jenen getragen werden, welche zur Zeit des Abfchluffes Mitglieder der Affociation gewefen find. Wenn diefe Verantwortlichkeit an dem Tage endete, an welchem es einem Affociirten beliebt, feinen Austritt zu proclamiren, fo hätte die folidarifche Haftpflicht keinen Sinn, denn die Genoffenfchaft würde, wenn die Gefchäfte einmal fchlecht gingen, keinen Augenblick Anftand nehmen, fich im Wohlgefallen aufzulöfen. t Rufsland. 89 Anders geftalten fich die Dinge, fobald eine Gefellſchaft in die Rechte einer juriftifchen Perfon tritt. Sie hat als folche das Recht, zu kaufen und zu verkaufen, Verpflichtungen einzugehen, fowie rechtskräftige Verträge abzufchliefsen. Ob fich diefes Recht freilich fo leicht jenen wandernden Genoffenfchaften vindiciren liefse, welche bei den erften Nachtfröften nach allen Himmelsrichtungen auseinanderftieben, ift eine andere Frage. Rufsland befitzt, fo fchliefst der Artikel des„ Monde ruffe", eine Anzahl eingetragener, mit gefetzlichen Rechten ausgeftatteter Genoffenfchaften; fo beifpielsweife die St. Petersburger Börfe, welche Statuten und Vermögen befitzt und deren Exiflenz gefichert ift. Kann man mit ihr die grofse Mehrheit unferer Arbeiteraffociationen vergleichen?* Nachdem wir hier diefes intereffante Gutachten wiedergeben, können wir es uns nicht verfagen, unfere Anfichten wie folgt zu präcifiren: Das Genoffenfchaftswefen hat, trotz der mangelnden gefetzlichen Regelung, in Rufsland tiefe Wurzeln gefchlagen; alle Verhältniffe, alle Claffen der Gefellſchaft hat der Affociationsgeift ergriffen. Die Tendenz zu gemeinfamer Thätigkeit, zu gemeinfamer Combination ift in Rufsland zweifelsohne ftärker als anderwärts. In einigen Provinzen find alle Einwohner Töpfer, während fie in anderen fämmtlich Seiler und Sattler find. Die Gouvernements Perm und Nowgorod erzeugen Leder und Eifenwaaren, das Gouvernement Jaroflaw Leinenftoffe. Auf einem Gute find fämmtliche Bauern Lichtzieher, auf einem anderen Hutmacher, auf einem dritten Schmiede, die fich hauptfächlich mit der Verfertigung von Aexten befchäftigen. Die Familien eines Diftrictes vereinigen fich zu einer Art von Genoffenfchaft, befchaffen gemeinſam das Rohmaterial, verkaufen gemeinfam die Erzeugniffe ihrer Arbeit und vertheilen den Ertrag unter einander. Ebenfo zweckmäfsig hat fich die Vereinigung der Laftträger und Comptoirdiener etc. in den Hafenund Haupt- Handelsftädten erwiefen. Endlich hat fich die Affociation behufs Ausführung der Erdarbeiten bei den Eifenbahn- Bauten auch vollständig bewährt, und wenn Klagen vorkommen, fo find fie ftets weit weniger gegen die Arbeitnehmer, als gegen den Arbeitgeber gerichtet. Die Mitglieder diefer Verbände gehören meift der ländlichen Bevölkerung an. Die Sicherheit, welche der Unternehmer findet, welcher fich der Dienfte derfelben bedient, befteht gewöhnlich in hinterlegten Cautionen, und hat fich auf diefe Weife ein ganz präcis geregelter Gefchäftsgang herausgebildet, welcher ohne gefetzliche Ueberwachung doch verhältnifsmässig felten zu Unzukömmlichkeiten führt und zu Klagen Anlafs gibt. Wir fehen alfo in Rufsland bereits eine Volksinftitution beftehen, welche im weftlichen Europa noch lange Gegenftand eingehender volkswirthschaftlicher Studien bilden wird. Die praktifchen Refultate, welche diefelbe fchon jetzt gezeitigt hat, find fo bedeutend und gewichtig, dafs auch wir diefen erfreulichen Nützlichkeitsbeweis des Selfgovernments durchaus nicht durch gefetzliche Vorfchriften eingeengt fehen möchten. In originellfter Weife erftreckt fich diefe Inftitution bis an die Grenzen Afiens, und wenn eine directe Einflufsnahme hierauf durchaus gewünſcht wird, fo möge fie durch Errichtung von technifchen Schulen, durch Anftellung * Das ,, Journal de St. Pétersbourg" bemerkt hiezu: Uns fcheint es im Gegenfatz zu dem ,, Monde ruffe", dafs diefes Princip der Collectivarbeit, wie es vorzugsweife im nördlichen Rufsland beliebt ift, auch wiederum feine unverkennbaren Vortheile habe. Wollte man gewiffe Unzukömmlichkeiten, welche allerdings nicht abgeleugnet werden können, mittelft complicirter Formalitäten, die zu dem Zwecke und dem meiftens nur periodifchen Beftande diefer Gefellſchaften in gar keinem Verhältniffe ftünden, gewaltfam erfticken, fo hiefse das, das Kind mit dem Bade zugleich ausfchütten. Mit dem Tage, an welchem den Affociationen die Conftituirung nur unter Erfüllung gewiffer Vorbedingungen geftattet ift, würden zahllofe Arbeitskräfte, denen die Affociation unter den gegebenen Verhältniffen nicht möglich ift, dem Lande verloren gehen. Um die Unternehmer gegen übelwollende Gen offenfchaftsmitglieder ausreichend zu fchützen, genügt es, wie uns fcheinen will, dafs ihre Verträge durch die Friedensrichter oder die Bezirksämter legalifirt werden. Ein folches Verfahren hätte wenigftens den Vorzug, bei Vermeidung grofser Koften unverhält nifsmäfsige Schreibereien und langwierige Scherereien zu vermeiden. 90 Wilhelm von Lindheim. von Wanderlehrern, durch Gewährung endlich von guten und zweckmässigen Werkzeugen angeftrebt werden. Wenn man die primitiven Inftrumente berückfichtigt, welche der Ruffe noch heute zur Anfertigung feiner Arbeiten benützt, und wenn man fich die deffenungeachtet fehr wohlfeil bemeffenen Preife derfelben vergegenwärtigt, fo wird man allerdings eingeftehen müffen, dafs in dem Affociationswefen, wie es gegenwärtig in Rufsland befteht, der Kern zu einer höchft lebensfähigen und gefunden Induftrie liegt. Wir wünfchen aufrichtig, dafs diefe naturwüchfige Kraft in befter Weife zur Entwicklung komme. Rufslands Hausinduftrie.* I. Textilinduftrie. Der wichtigfte und ältefte Zweig der Textilinduftrie ift die Leineninduftrie. Die Spinnerei und Weberei des Flachfes bildet eine in Rufsland feit unvordenklichen Zeiten unter den Bauern jener Gegenden verbreitete Induftrie, welche fich mit der Flachs cultur befchäftigen. Das Quantum der jährlich feitens der bäuerlichen Bevölkerung mittelft Handweberei producirten Leinwand ift ein fo bedeutendes, dafs dasfelbe nicht nur zur Befriedigung der häuslichen Bedürfniffe der Producenten felbft hinreicht, fondern dafs auch für den inneren Handel jährlich ungefähr 170 Millionen Arfchinen im Werthe von 14 Millionen Rubel erübrigen. Der Gefammtwerth der von den Bauern verfertigten ordinären und feinen Leinwand foll 55 Millionen betragen. Bemerkt mufs indeffen werden, dafs die Leineninduftrie fich im Vergleiche zu ihrer früheren Bedeutung im Zuftande des Niederganges befindet. Die erfte Einbufse erlitt fie durch den ungeheuren Auffchwung der Baumwoll- Induftrie. Die Baumwoll- Krifis, welche die Entwicklung der grofsen mit mechanifchen Webftühlen arbeitenden Flachsfpinnereien ungemein begünftigte, verfetzte der bäuerlichen Leineninduftrie den zweiten Schlag. Von nun an fingen die Bauern, von der Unmöglichkeit überzeugt, mit den in den Spinnereien fabricirten Gefpinnften concurriren zu können, an, fich mit grofsem Eifer der Cultur des Flachfes zu widmen, welchen fie fodann im Rohzuftande verkauften. Auf diefe Weife nimmt die Production der mittelft der Hand fabricirten Leinwand in demfelben Grade ab, in welchem die Mafchinenfpinnerei in den Fabriken an Ausdehnung gewinnt. Das Weben der Leinwand geht im Hinblicke auf die Kleinheit der Hütten in der Regel in einer Art Atelier vor fich, welches 10 bis 15 Webftühle enthält. Die Arbeiter in diefen bäuerlichen Fabriksanlagen find faft ausfchliesslich Männer; ein jeder derfelben zahlt dem Eigenthümer des Ateliers 2 bis 3 Rubel jährlich Im Gouvernement Koftroma haben Genoffenfchaften derartige Etabliffements auf gemeinfchaftliche Koften errichtet. Den Centralpunkt der ländlichen Leineninduftrie bilden die Gouvernements Jaroflaw und Koftroma. Der hier erzeugte Flachs zeichnet fich durch feine befondere Zartheit aus und wird zumeift zu feineren Gefpinnften verarbeitet. Als Seele diefer Induftrie fowohl, als auch des mit ihren Producten betriebenen Handels kann man SeloWelikoje im Gouvernement Jaroflaw betrachten, wo die Leineninduftrie feit den älteften Zeiten cultivirt wird. Während indeffen bis zum Jahre 1850 die LeinwandProduction in diefer Ortfchaft durchaus den Charakter einer Hausinduftrie trug und jährlich kaum 20.000 Stück umfafste, traten um diefe Zeit, Dank der Initiative eines fchlichten Bauern, in Selo Welikoje kleine Leinwandfabriken ins Leben, für deren Betrieb man das Garn felbft bis aus dem Gouvernement Tula herbeizieht. Ein Theil diefes Garnes, im ungefähren Gewichte von 30.000 Pud, wird behufs Webens unter die Bauern von Selo Welikoje, Koftroma und Jarofslaw vertheilt. Der gröfste Theil der in Selo Welikoje erzeugten Leinwand wird aus den Garnen Nr. 24 bis 50 verfertigt, und hob fich die Gefammtproduction diefer Gegend im Jahre 1867 auf 100.000 Stück. Gemäfs der Anzahl der Hände, welche Nach Wefchniakoff's Notice sur l'état actuel de l'induftrie domeftique en Ruffie. St. Pétersbourg 1873. Ruisland. 91 ihr zu Gebote ftehen, kann eine Familie täglich zwifchen 3 und 10 Pud weben, und ein Arbeiter kann in derfelben Zeit gemäfs der Qualität der Leinwand hieraus 5 bis 10 Arfchinen verfertigen. Der Arbeitslohn für eine Arfchine fchwankt zwifchen 3 und 10 Kopeken. Die in den grofsen Dörfern erzeugte Leinwand wird bis nach Nifchnei Nowgorod, bis Roftow und fogar bis nach St. Petersburg und Moskau verkauft. Auch in einigen Ortfchaften der Diftricte Roftow. Pofchekonje und Rybinfk wird die Leinwandfabrication betrieben. Im Gouvernement Jaroflaw bildet die Bearbeitung des Flachfes die ausfchliefsliche Befchäftigung der Bäuerinen während der langen Winterabende. Koftroma erzeugt zumeift Tafel- und damascirte Leinwand. Den Mittelpunkt diefer Induftrie bildet das Dorf Witfchuk; auch im füdlichen Theile des Diftrictes Kinefchma wird diefelbe lebhaft betrieben. In einem anderen Theile desfelben Diftrictes, und befonders im Dorfe Refchma, fowie in den Bezirken Koftroma und Nerekta find es wiederum die feinen Leinwandarten, welche faft ausfchliesslich verfertigt werden. Leider ift diefem Zweige der Induſtrie keine Entwicklung vergönnt. Die durch den grofsen Bedarf der in der Nähe befindlichen Mafchinenfpinnereien herbeigeführte Erhöhung der Flachspreife drückt um fo empfindlicher auf die Hausinduftrie, als die Erzeugniffe diefer letzteren keine höheren Preife erzielen können. Die gewöhnlich nicht gebleichte Leinwand wird per Arfchine für 18 bis 35 Kopeken verkauft. Das Dutzend Servietten koftet 8 Rubel, ein Tifchtuch 85 Kopeken bis 22 und felbft 10 Rubel, je nach der Arbeit. Die Weber, welche mit den Webketten der gefchickteften Arbeiter und auf Beftellung der Capitaliften arbeiten, können wöchentlich 1½ bis 2 Rubel verdienen. Erhalten fie eine Kette von 120 Arfchinen Länge und 12 Arfchinen Breite, fo kann fich ihr Verdienft auf 2 bis 7 Rubel fteigern; für eine Kette von Servietten in gleicher Länge und Breite beträgt derfelbe 4 Rubel, für eine Breite von 2 Arfchinen 6 bis 7 Rubel, für 3 Arfchinen Gefpinnft von geringerer Güte 10 bis II Rubel und für die befte Qualität 12 bis 15 Rubel. Diefe Verdienfte würden ganz annehmbare fein, wenn es den Webern nicht häufig begegnete, dafs fie ganz ohne Arbeit blieben, indem die Fabrikanten wegen der Entwicklung der mechanifchen Weberei fich genöthigt fehen, eine Einfchränkung in der Vertheilung der Webketten eintreten zu laffen. Der gewöhnliche Verdienft eines Webers beträgt im Durchfchnitte jährlich 25 bis 30 Rubel; nur einer kleinen Anzahl Arbeiter gelingt es durch unfäglichen Fleifs, 50 bis 60 Rubel jährlich zu verdienen; fie müffen zu diefem Behufe mindeftens 10 Arfchinen Leinwand von geringerer Breite in einem Tage verfertigen. Doch gibt es nur fehr wenig Arbeiter, die fich ausfchliesslich mit Weben befchäftigen; nur die Bauern des Dorfes Apoliky find, da fie keinen Boden befitzen, gezwungen, das ganze Jahr hindurch am Webftuhle zu arbeiten. Die Frauen und Kinder haben an der Webe- Induftrie einen grofsen Antheil. Die Letzteren befchäftigen fich mit der Abhaspelung des Garnes auf die Spulen und verdienen jährlich 10 bis 12 Rubel. Im Gouvernement Kafan ftellen die Bauern nur eine halbe Million Arfchinen zum Verkauf; doch zeichnet fich diefe Leinwand durch ihre Weiſse, Feinheit und Dauerhaftigkeit aus. Die berühmtefte Leinwand ftammt aus Sukejewo im Bezirke Tetiufch und aus Podberezje im Diftricte Swiajfk. In den Bezirken Kaliafin, Kafchin und Wifchnewolotofchok des Gouvernements Twer wird ebenfalls fehr weifse und feine Leinwand erzeugt; doch ift diefelbe von geringerer Solidität. In kleinen Quantitäten wird feine Leinwand noch von den Coloniften. in den Gouvernements Warfchau, Plock und Kalifch, fowie in den Meierhöfen der Oftfee- Provinzen verfertigt. In den übrigen Gegenden, und vornehmlich in den der Weichfel benachbarten herrfcht die Fabrication der ordinären Leinwand vor. Die im Norden erzeugte Leinwand wird als die gröbfte betrachtet; die Gouvernements Wjatka, Wologda und Olonez theilen fich in diefe Fabrication. In einigen Gouvernements befchäftigt man fich hauptfächlich mit der Verfertigung von Säcken befonders in jenen, wo ein lebhafterer Getreideverkehr herrfcht. Der Werth der im Gouvernement Twer verfertigten Säcke beziffert fich mit mehr als 100.000 Rubel. 92 Wilhelm von Lindheim. Die Spitzenfabrication hat in Rufsland keine befondere Bedeutung erlangt. Früher wurde diefelbe auf den Gütern der Grofsgrundbefitzer von den Dienerinen betrieben. Gegenwärtig wird fie mehr in den Städten als auf dem Lande cultivirt. Bekannt durch ihre Spitzen find Wologda, Balakna im Gouvernement Nifchnei Nowgorod, Beliew im Gouvernement Tula und Mtfenfk im Gouvernement Orel. Die Spitzen von Wologda ftehen denen von Mtfenfk hinfichtlich der Schönheit der Deffins nach, übertreffen diefelben aber an Solidität. Der Preis der erfteren fchwankt zwifchen 10 Kopeken und I Rubel per Arfchine. In Wologda verwendet man Kinder im Alter von fünf Jahren zu diefer Arbeit, und beinahe der fünfte Theil der mit diefer Fabrication hier befchäftigten Arbeiterbevölkerung( 360 Perfonen) befteht aus Kindern unter fünfzehn Jahren. Ein mittelmäfsiger Arbeiter kann täglich kaum 20 Kopeken, ein gefchickter kaum 30 Kopeken verdienen. Auch die in Balakna verfertigten Spitzen find fehr beliebt; man erzeugt deren für etliche 20.000 Rubel und verkauft fie nach Moskau und auf den grofsen Meffen von Nifchnei Nowgorod und Charkow. Gröbere Spitzen werden auch in einigen Ortfchaften der Gouvernements Ufa, Orenburg, Kafan u. f. w. verfertigt; der ruffifche Bauer liebt es, fein National coftüm und feine Handtücher mit rother und weifser Spitze zu befetzen. Fifchernetze verfertigen die Gouvernements Wologda Wjatka, Samara, Saratow, befonders aber das Gouvernement Nifchnei Nowgorod. Die Erzeugung von grober, zu Segeln und Säcken verarbeiteter Hanfleinwand ift befonders unter der bäuerlichen Bevölkerung jener Gegenden verbreitet, deren Boden für die Flachscultur weniger geeignet ift. Die Gouvernements Kaluga, Orel, Charkow, Kurfk, Woronefch u. f. w. nehmen hieran theil. Die Fabrication von Seilerwaaren wird vorzüglich von der ländlichen Bevölkerung des Gouvernements Nifchnei Nowgorod mit grofsem Erfolge betrieben. Mehr als 20 Ortfchaften befchäftigen fich mit diefer Fabrication, und hat fich befonders das Dorf Isbiltzi durch feine Arbeiten einen gewiffen Ruf erworben. Der Sitz der Baumwoll- Induftrie, der grofsen wie der kleinen, befindet fich in den Gouvernements Wladimir, Twer, Moskau, Jaroflaw, Koftroma und Kaluga. Befonders berühmt durch feine Cotonnaden ift der Bezirk Schuja, welcher Rufslands Manchefter, den Flecken Wafsneffenfky und das DorfIwanowo, umfchliefst. Aufserdem betreiben weitere 200 in jenem Bezirke gelegene Dörfer die Baumwoll- Weberei als Hauptbefchäftigung. Faft 40.000 Arbeiter beiderlei Gefchlechtes und jeden Alters, welche entweder in ihren Wohnungen oder in kleinen ländlichen Werkftätten ihrem Berufe nachkommen, zählt hier diefe Induftrie. Man fchätzt die Zahl der in Rufsland mit der Anfertigung von Baumwoll- Waaren befchäftigten häuslichen Arbeiter auf 350.000, während die Zahl der in den gleichartigen Fabriken thätigen Arbeiter kaum 150.000 beträgt. Die bei Einführung des Schutzzolles vom Jahre 1822 erfolgte Errichtung grofser Spinnereien war auf die Ausdehnung der häuslichen Baumwoll- Induftrie von günftigem Einfluffe; denn die in jenen Etabliffements gefponnene Wolle mufste unter die ländlichen Weber zur weiteren Verarbeitung vertheilt werden, und die Zahl diefer letzteren ftieg mit der Vermehrung der Spinnereien. Nachdem die erften Verfuche behufs Einführung mechanifcher Webftühle mifslungen waren, wufste fich die Handweberei verfchiedene Vortheile zu fichern und befand fich in Folge derfelben in fehr günftiger Lage. Die Periode von 1840 bis 1860 war für die Handweberei die glänzendfte. Als aber in den letzten Jahren in den meiften Fabriken die mechanifchen Webftühle zurEinführung gelangten, trat in den derHandweberei bisher gezahlten Preifen eine empfindliche Baiffe ein- fie mufste natürlich der Mafchinenweberei weichen. Die meiſten ländlichen Weber wurden Fabriksarbeiter. Diefe bedeutfame Phafe in der Entwicklung der ruffifchen Baumwoll- Induftrie, welche die übrigen induftriellen Völker Europas bereits hinter fich haben, reicht bis in die Gegenwart; wie in anderen Ländern kämpft die häusliche Baumwoll- Induftrie mit der grofsen Fabrication mit äufserfter Zähigkeit, und diefer Streit ift um fo natürlicher und andauernder, als einmal die von Jugend auf an gewiffe Arbeiten gewöhnten Rufsland. 93 Männer fich nicht fo leicht zu der Einführung ganz neuer Manipulationen entfchliefsen können, und das andere Mal der Befitz eines noch fo unfruchtbaren Stück Landes die Exiftenz des ländlichen Webers felbft unter den ungünftigften Verhältniffen ficherftellt. Die Vertheilung der fertigen Ketten unter die ländlichen Weber erfolgt entweder direct durch die Fabriken oder durch die Vermittlung von Agenten, welche an jeder Kette 50 und felbft 70 Kopeken verdienen. Der Lohn für das Weben einer Kette fchwankt bezüglich der Länge und Breite zwifchen 11 und 4 Rubel. Die Mehrzahl der ländlichen Weber verdient jährlich 15 bis 25, feltener 30 Rubel. Der Verdienft der Frauen beträgt kaum 20 Rubel per Jahr. Der Preis der Cotonnaden ftellt fich am Fabricationsorte für die Arfchine Calicot( 12 Arfchinen breit, ungebleicht) auf 6 bis 7 Kopeken, für Marly in derfelben Ausdehnung, gebleicht, auf 12 Kopeken, gefärbt, auf 13 Kopeken. Die Arfchine Guingham von 3 Arfchinen Länge koftet 12 bis 13 Kopeken, in der beften Qualität 20 Kopeken. Ein Halstuch koftet 5 bis 15, ein Tafchentuch 15 bis 40 Kopeken. Ein Stück Marly( 70 bis 72 Arfchinen lang) wird in erfter Qualität zu 4 bis 5 Rubel, in zweiter Qualität zu 42, in dritter Qualität zu 4 Rubel verkauft. Obwohl die Schafwolle fich zu häuslichen Arbeiten weniger als der Flachs und die Baumwolle eignet, ift doch die häusliche Verarbeitung derfelben, vielleicht eben weil diefe Materie allenthalben im Ueberfluffe producirt wird, überall verbreitet. Diefelbe erftreckt fich auf die Anfertigung grober, fogenannter Bauerntuche, auf das Weben von Teppichen, auf die Herftellung von Baumwoll- Garnen. zur Anfertigung von Strümpfen, Handfchuhen und Gürteln und auf die Bereitung des Filzes zur Herftellung von gewalkten Hüten und Stiefeln. Man fchätzt den Gefammtwerth der aus der häuslichen Baumwoll- Induftrie hervorgehenden Fabricate annäherungsweife auf 15 Millionen Rubel. Unter den groben Tuchen geniefst das fogenannte Refchmatuch eines befonderen Rufes. Der füdöftliche Theil des Bezirkes Kinefchma im Gouvernement Koftroma bildet die Heimath diefer Fabrication. Die wohlhabenden Unternehmer diefer Gegend, meiftens Bauern, kaufen die rohe Schafwolle auf der Meffe zu Nifchnei Nowgorod und in den Gouvernements der unteren Wolga. Die kleinen Fabrikanten verkaufen ihre Tücher auf den Märkten und Meffen zu folgenden Preifen: Eine Arfchine grauen Tuches von guter Wolle koftet 25 bis 30 Kopeken, fchwarzen Tuches 12 bis 15 Kopeken. Die grofsen Unternehmer, welche diefes Tuch aufkaufen, verkaufen dasfelbe wieder zu Charkow, Nifchnei Nowgorod, Moskau und Roftow in grofsen Stücken von 1000 Arfchinen; der Preis eines folchen Stückes ftellt fich auf circa 120 Rubel. In Refchma befchäftigen fich alle Bauernfamilien mit der Fabrication des Tuches; die Männer fchlagen die Wolle und walken das gewebte Tuch; die Frauen uud Kinder fpinnen und weben. Ein Pud Schafwolle, welches 7 bis 9 Rubel koftet, producirt gewöhnlich für II bis 12 Rubel Tuch, fo dafs einer aus vier Arbeitern beftehende Familie jährlich nur 30 Rubel Nutzen verbleiben. Sehr verbreitet ift ferner die Fabrication halbwollener Stoffe. Das zu diefer Fabrication nothwendige Material liefern die Fabrikanten. An 500 Webftühle arbeiten in verfchiedenen Ortfchaften für die Fabrikanten des Fleckens Pawlowo. Im Gouvernement Orenburg verfertigen die Tataren an den Ufern der Samara grobe Tuche aus Kameelwolle zum Preife von 5 bis II Rubel für das aus 10 bis 12 Arfchinen beftehende Stück. Indeffen ift diefer Fabricationszweig fehr unbedeutend. Die häusliche Teppich weberei im Gouvernement Charkow, welche einftmals fehr berühmt war, ift gegenwärtig im Niedergange begriffen. Das Stricken von Strümpfen, Handfchuhen und anderen Gegenftänden wird in einigen Ortfchaften der Gouvernements Wladimir, Nifchnei Nowgorod, Orenburg und Tfchernigow lebhaft betrieben. Im Gouvernement Wladimir ift der Hauptfitz diefer Induftrie das Dorf Peftiaky, welches 120 umliegende Dörfer mit zufammen 6000 Arbeitern beherrscht. An 30.000 Pud Schafwolle werden hier verarbeitet, und beträgt der Werth diefer Production jährlich 100.000 Rubel. Die fertigen Wirkwaaren werden allwöchent 94 Wilhelm von Lindheim. lich von den Producenten auf dem Markte zu Peftiaky verkauft, von wo fie die Händler nach Moskau, Roftow, Nifchnei Nowgorod und felbft bis nach Sibirien führen. Eine andere Ortfchaft desfelben Gouvernements ift durch das Quantum der hier erzeugten Wirkwaaren bekannt. Es ift diefs die Gemeinde Semenow, wo an 200 Menfchen beiderlei Gefchlechtes und jeden Alters ihre Arbeit nur während der Nacht aus den Händen laffen. Zu Haufe, auf dem Felde, im Walde allüberall fieht man die Einwohner diefer Ortfchaft mit Stricken befchäftigt. Ihre Erzeugniffe find fehr ordinär und in Folge deffen fo billig, dafs der durchſchnittliche Verdienft eines Strickers wöchentlich blos 60 Kopeken beträgt; nur die gefchickteften bringen es bis auf 1 Rubel 30 Kopeken. Die Summe ihrer Production beläuft sich auf 40.000 Paar Strümpfe im Werthe von 9000 Rubel. Im Gouvernement Nifchnei Nowgorod find es die Bezirke Arfamas Sergatſch und Nowgorod felbft, welche die meiſten Wirkwaaren erzeugen. Der Productionswerth des Bezirkes Arfamas allein beträgt 212.500 Rubel. Der Preis von 100 Paar grober Strümpfe fchwankt zwifchen 30 und 35 Rubel. Hundert Paar Fauft- Handfchuhe koften zwifchen 6 und 12 Rubel. Im Gouvernement Moskau wird die Herftellung von Wirkwaaren befonders in den der Gouvernements- Hauptftadt benachbarten Dörfern Schimky, Nikolskoje, Iwankow und Zacharowo betrieben. Die hier erzeugte Waare wird nach Moskau gebracht und bei der Iwerskaja- Kapelle feilgeboten. Im Gouvernement Tfchernigow ift der Flecken Klintfi der Mittelpunkt der Wirkwaaren- Fabrication. Das Gouvernement Orenburg ift durch feine aus Ziegenhaar geftrickten Halstücher bekannt. Der Preis derfelben fchwankt je nach der Gröfse, dem Mufter und der Güte des Haares zwifchen I und 100 Rubel. Der Gefammtwerth diefer Production beträgt 30.000 Rubel. Die Filzfabrication und die Herftellung von Gegenftänden aus diefem Material ift befonders in den Gouvernements Nifchnei Nowgorod, Wladimir, Moskau, Jaroflaw, weniger in den Gouvernements Ufa, Simbirfk u. f. w. ausgebreitet. Der meifte Filz wird in den Bezirken Semenow, Arfamas und Balakna( Gouvernement Nifchnei Nowgorod) erzeugt. Allein der Bezirk Arfamas bringt jährlich für 55.000 Rubel Filz und für 80.000 Rubel Filzfchuhe in den Handel. Das Dorf Katunky verarbeitet jährlich ungefähr 7000 Pud Schafwolle und erzeugt daraus 400.000 Stück Filz, welche zum Preife von 25 Rubel für je 1000 Stück in St. Petersburg verkauft werden. Auf der Meffe zu Nifchnei Nowgorod koften je 100 Stücke fchwarzen Filzes, im Gewichte von 12 Pfund per Stück, 43 Rubel. Ein Dutzend weifse Filzftücke koftet dagegen 12 bis 15 Rubel. Der Preis der Filzfchuhe richtet fich nach dem Werthe des verarbeiteten Rohmaterials. Ein Paar Stiefel koftet im Allgemeinen 80 Kopeken bis 2 Rubel; ein Paar Ueberfchuhe I Rubel 20 Kopeken bis 112 Rubel; ein Paar Schuhe 25 bis 50 Kopeken; das Hundert Sohlen 10 bis 15 Rubel. Die Hüte koften je nach ihrer Güte und Façon per hundert Stück 17 bis 25 Rubel. Die Erwerbszweige, welche mit der Seidenmanufactur in Verbindung ftehen, find auf einen fehr kleinen Bezirk befchränkt; diefelben find nur in einigen Gegenden der Gouvernements Moskau und Wladimir zu finden. Die Urfache, dafs diefe Induftrie in Rufsland keine gröfsere Ausdehnung gewonnen, liegt in der Vertheuerung der Seide, welche diefes Material der häuslichen Verarbeitung nur fchwer zugänglich macht. In einigen Dörfern des Bezirkes Kalomna verfertigt man Stoffe zur Ausfchmückung des Innenraumes der Equipagen. In den Dörfern des Bezirkes Bogorodfk, welcher der Hauptfitz diefer Induftrie ift, erzeugt man alle Sorten feidener und halbfeidener Stoffe. Im Bezirke Schuja des Gouvernements Wladimir ift fchliesslich die Verarbeitung der Rofshaare fehr entwickelt. Eine Bevölkerung von 3000 Seelen, welche fich auf 40 Dörfer vertheilt, ift hier mit dem Sortiren der Rofshaare, mit der Herftellung der Ketten, mit der Weberei und endlich mit der Verfertigung von Haarfieben befchäftigt. An 500.000 folcher Haarfiebe im Werthe von 250.000 Rubel werden hier jährlich erzeugt. Der Wochenlohn eines Arbeiters beträgt 11, Rubel. In Folge der ausgedehnten e CD L t 5₁ CD اسم S r 20 2 -t - כ r t ' 1 M 1 S 5 S Rufsland. 95 Production von Metall- und Seidenfieben, fowie der Vertheuerung der Rofshaare ift diefer Induftriezweig im Sinken begriffen. II. Metall waaren- Induftrie. Die Metallwaaren- Induftrie ift fowohl wegen ihrer Ausdehnung, als auch wegen des Werthes ihrer Producte und der Menge Arme, welche fie befchäftigt, nach der Textilinduftrie Rufslands wichtigfte Hausinduftrie. Mehr oder weniger wird in ganz Rufsland die Metallinduftrie im Zuftande der häuslichen Fabrication betrieben; indeffen variirt der Grad ihrer Ausdehnung je nach den verfchiedenen Gouvernements. In einigen wird fie ausfchliefslich durch die befcheidenen Werkftätten der Schmiede und Schloffer repräfentirt, welche kaum zur Befriedigung der geringen ländlichen Bedürfniffe hinreichen; in anderen hat fie wiederum einen folchen Umfang erlangt, dafs ihre Producte im ganzen Reiche gefucht find, und erfolgreich, befonders wegen ihrer Billigkeit, nicht nur mit den Erzeugniffen nationaler Fabriken, fondern auch mit den aus dem Auslande importirten Artikeln concurriren können. Zu diefen letzteren Gouvernements zählen Nifchnei- Nowgorod Wladimir, Tula, Jaroflaw, Koftroma, Moskau, Twer, Nowgorod, Smolensk und Wologda. Betrachtet man die Entwicklung der Metallinduftrie nicht nach der geographifchen Ausdehnung derfelben, fondern nach der Specialifirung ihrer einzelnen Zweige, fo findet man, dafs das Schmiedegewerbe und befonders die Anfertigung von Nägeln, Huf- und Pflugeifen, Aexten, Hämmern, Thürhafpen, Amboffen und anderen Gegenftänden aus Eifen, wie bereits erwähnt, mehr oder weniger im ganzen Reiche betrieben wird. Doch find einzelne Ortfchaften durch die Fabrication eines oder des anderen diefer Artikel berühmt. So bildet beispielsweife die Anfertigung von Nägeln die Hauptbefchäftigung der Bewohner von Uloma. An 200 Dörfer, welche zu den Bezirken Uftiug, Tfcherepowetz, Beloferfk im Gouvernement Nowgorod, Weffiegonfk im Gouvernement Twer und Pofchokenje und Mologa im Gouvernement Jaroflaw gehören, umfchliefst diefe Zone der Nägelfchmiede. Die Zahl der hier befchäftigten Arbeiter oder Bauern beträgt 21.500 und wächft mit dem Exporte der Nägel von Jahr zu Jahr. Die Hauptförderer diefer Induftrie find theils wohlhabende Kaufleute in diefen Ortfchaften felbft, theils folche in benachbarten Städten. Diefelben kaufen Barreneifen ein und vertheilen es im Herbfte nach Beendigung der Feldarbeiten unter die Bauern, welche es zu einem beftimmten Preife fchmieden und bearbeiten. Das Quantum des zu Uloma gefchmiedeten Eifens beläuft fich auf 618.000 Pud im Werthe von 964.000 Rubel. Was die Qualität des Eifens anbelangt, fo ift das uralifche das befte. 500.000 Pud im Werthe von 80.000 Rubel werden hiervon jährlich confumirt. Die Eifenabfälle, welche man in den Schmieden zu Uloma, Tikwin, Nifchnei, Twer, Jaroflaw und Uftiug jährlich fammelt, haben ein Gewicht von 140.000 Pud. Hieraus fabricirt man wieder circa 110.000 Pud vorzüglichen Eifens im Werthe von 154.000 Rubel. Das Gewicht und die Gröfse der Nägel richten fich nach der Beftellung. Zimmermanns- Nägel in der Länge von einem, zwei oder drei Zoll bilden den Hauptgegenstand der Fabrication. Man fchmiedet davon jährlich 470.000 Pud. Weiters werden verfertigt: Nägel zum Baue von Schiffen, für Tifchlerarbeiten, für Fufsböden und mit breiten Köpfen zum Baue von Oefen. Von allen diefen Abarten werden jährlich zufammen 46.500 Pud fabricirt. Endlich verfertigt man hier Nägel für Schuhmacher, Spängler und Böttcher, ferner Hufnägel, Schienennägel u. f. w. im Gewichte von 12.500 Pud. Das Gefammtergebnifs der Nägelfabrication zu Uloma wird auf 1 Million Rubel gefchätzt. Diefer Betrag fetzt fich wie folgt zufammen: 25.000 Pud kleine Nägel zu 4 Rubel 470.000 99 26.000 mittlere grofse 99 e9 3 99 2 99 5 27 60 Kopeken 100.000 Rubel 1,410.000. 67.000 99 وو 1,577.000 Rubel. 7 96 Wilhelm von Lindheim. Der durch diefe Fabrication erzielte Nutzen beträgt circa 400.000 Rubel. Der Schmiedelohn für Zimmermanns- Nägel fchwankt je nach der Conjunctur zwifchen 50 und 80 Kopeken per Pud; für die anderen grofsen Nägel beträgt derfelbe 50 Kopeken und für alle kleinen Sorten I Rubel 60 Kopeken. Die Anzahl der kleinen felbftftändigen Induſtriellen, welche zu Uloma die Nägelfabrication auf eigene Rechnung betreiben und ihre Fabricate( im Werthe von 1000 bis 50.000 Rubel) felbft in den Handel bringen, ift eine fehr geringe; man zählt deren kaum 50 Familien. Die Ulomaer Producenten bringen ihre Waare nach St. Petersburg, Moskau, Riga, Twer, Nifchnei- Nowgorod, Jaroflaw und Roftow, von wo aus fich diefelbe über das ganze Reich verbreitet. Im Gouvernement Nifchnei- Nowgorod, und zwar in den Diftricten Semenow, Balakna, Nifchnei, Ardatow und Arzamas befchäftigen fich circa 50 Ortfchaften mit der Nägelfabrication. In einigen derfelben bildet die letztere die einzige Befchäftigung, weil der Ackerbau dafelbft nicht einträglich genug ift. Die Balakna- Nägel koften zu Nifchnei- Nowgorod per Pud 3 bis 5 Rubel. In dem Dorfe Lukeriän im Diftricte Nifchnei- Nowgorod, fowie in fünf anderen zum Diftricte Ardatow gehörigen Ortfchaften befchäftigen fich die Bauern mit der Anfertigung von Nägeln für Schuhmacherzwecke. Die Nägelfabrication Die Nägelfabrication ift weiters in den Diftricten Twer und Weffiegonfk des Gouvernements Twer fehr entwickelt. Im füdlichen Theile diefes erfteren Diftrictes zählt man 400 Schmieden mit 3275 Arbeitern. In diefen Schmieden arbeiten nicht nur die Erwachfenen, fondern auch Kinder von 10 Jahren an und mitunter felbft die Weiber. Die Arbeitszeit währt 16 Stunden mit einer Unterbrechung von vier Tag- und vier Nachtftunden. Jeder felbftftändige Schmied befchäftigt 7 bis 10 Perfonen aus verfchiedenen Familien. Auch hier fchmiedet man vornehmlich Stiefelnägel, deren Preis fich, bei einem Gewichte von 31, Pfund per Taufend, in Twer auf 17 bis 45 Kopeken beläuft. Ein gefchickter Arbeiter kann während einer Woche ungefähr 35 Pfund grofse, fowie 27 Pfund kleine Nägel verfertigen und hiebei nach Abzug von 25 Kopeken für verbrauchte Kohle und 2 Rubel für das confumirte Eifen 112 Rubel bis I Rubel 80 Kopeken verdienen. In der Wirklichkeit indeffen ift diefer Gewinn zufolge der Abhängigkeit der Arbeiter von den Schmieden und Kaufleuten ein wefentlich geringerer. Um den Arbeitern daher eine gröfsere Selbftftändigkeit zu verleihen, hat fich der Provinzial- Landtag des Gouvernements Twer zur Errichtung von 26 Genoffenfchaften entfchloffen und einer jeden derfelben 50 bis 300 Rubel geliehen. Ausserdem war derfelbe darauf bedacht, diefen Genoffenfchaften den Bezug billigen Roheifens und, mittelft der Errichtung von Entrepôts zu Oftafchkow, wo die Schuhmacher ihre Nägeleinkäufe beforgen, einen fteten Abfatz zu fichern. Die Genoffenfchaften felbft beruhen auf folgenden Hauptprincipien: Alle Mitglieder verpflichten fich gegenfeitig: I. während einer gewiffen Zeit auf gemeinfchaftliche Koften die Fabrication von Nägeln zu betreiben; 2. die hiezu nothwendigen Werkzeuge und Materialien auf gemeinfame Koften anzufchaffen; 3. die verfertigten Nägel durch die Genoffenfchaft und nicht durch eines ihrer Mitglieder zu verkaufen; 4. jährlich von ihrem Gewinn eine zur Bildung eines Refervefonds beftimmte Summe in Abzug zu bringen, 5. endlich den Reinertrag untereinander nach Mafsgabe der von jedem Einzelnen geleifteten Arbeit zu vertheilen. 234 Mitglieder umfaffen gegenwärtig diefe 26 Genoffenfchaften. Die von der LandtagsCaffe emittirten Darlehen betragen 4778 Rubel. Der am I. Januar 1872 gebildete Refervefonds belief fich auf 423 Rubel. Der Brutto- Ertrag der Genoffenfchaften beziffert fich mit 16.880, der Nettogewinn mit 8086 Rubel. Im Diftricte Begezk und in der Ortfchaft Zamizkow, wofelbft fich 80 Schmieden mit 640 Arbeiter befinden, verarbeitet man circa 9600 Pud Eifen zu kleinen Nägeln in verfchiedenartigen Qualitäten. Die Stadt Twer ift der Markt für diefelben. In II Dörfern der Commune Peremuzk im Diftricte Weffiegonfk arbeiten 61 Schmieden mit 281 Arbeitern auf Beftellung der Schmiede von Tfcherepowetz, welche hiezu das nothwendige Eifen liefern. Die Erfolge, welche die in einer diefer Ortfchaften unlängft = 1 1 t 1 1 e r S r CD n k r - Er - t Rufsland. 97 gegründete Schloffergenoffenfchaft erzielt hat, find bisher noch unbekannt. Im Bezirke Jaroflaw des gleichnamigen Gouvernements befchäftigen fich die Bauern von Norfk und Tolgobolfk mit der Nägelfabrication. Sie arbeiten zumeift auf Beftellung der Jaroflawer Schmiede und verdienen jährlich durchſchnittlich 150 bis 200 Rubel. Der Bezirk Mologa umfchliefst 53 Schmieden, welche per Jahr 5300 Pud Eifen im Werthe von 1500 Rubel verarbeiten. Auch drei Ortſchaften des Diftrictes Romano- Boriffoglebfk befaffen fich mit der Nägelfabrication. Die Anfertigung von Aexten geht in allen jenen Ortfchaften vor fich, in denen das Schmiedegewerbe ausgeübt wird, doch geniefsen hinfichtlich diefer Fabrication das Dorf Krasnogorka im Gouvernemente Nifchnei- Nowgorod, 19 Dörfer in den Diftricten Semenow und Worsma, der Diftrict Gorbatow, einige Ortfchaften der Diftricte Rybinfk und Roftow im Gouvernement Jarofslaw, die Diftricte Aftafchkow und Rjewfk im Gouvernement Twer, das Dorf Eremkin im Diftricte Schuja, Gouvernement Wladimir, und endlich das Dorf Belowa, fowie einige andere Ortfchaften im Diftricte Wereija, Gouvernement Moskau, eines befonderen Rufes. In Krasnogorka wird die Fabrication von Aexten fchon feit langer Zeit betrieben; fie erbt fich dafelbft von Gefchlecht zu Gefchlecht fort und bildet nach Beendigung der Feldarbeiten die Hauptbefchäftigung der Einwohner. Bei einer Arbeitszeit von 14 bis 15 Stunden kann ein Schmied täglich bis 14 Aexte im Gewichte von 2 bis 4 Pfund verfertigen; während eines halben Arbeitsjahres verarbeitet er 200 bis 300 Pud rohen und geplätteten Eifens. Der Detailverkauf der in Krasnogorka erzeugten Aexte geht in den Bazars der verfchiedenen Ortfchaften des Diftrictes Nifchnei- Nowgorod, der Engrosverkauf in Nifchnei- Nowgorod felbft vor fich. Einzeln koftet eine Axt zwifchen 50 und 75 Kopeken, in gröfseren Partien 40 Kopeken. Ungefähr 45.000 Aexte im Preife von 75 Kobeken bis I Rubel verfertigt man jährlich zu Murawiew und Korofchew im Gouvernement Twer; ein Theil derfelben wird in der Diftrictsftadt Rjewfk verkauft; den Reft bringen Zwifchenhändler nach Twer, Moskau, St. Petersburg, Smolenfk und Witebfk. Auch das Dorf Eremkin, fowie der Diftrict Schuja im Gouvernement Wladimir fabricirten ehemals eine bedeutende Anzahl Aexte; doch ift diefe Induftrie dafelbft leider im Sinken begriffen. Man verfertigt dort das ganze Jahr hindurch Aexte und theilt diefelben in drei Claffen: 1. in die ganz grofsen, im Gewichte von 3 Pfund, zum Preife von 50 Kopeken; 2. in die mittelgrofsen, im Gewichte von 2 Pfund, zum Preife von 40 Kopeken und 3. in die kleinen, im Gewichte von 1 Pfund und zum gleichen Preife von 40 Kopeken. Die Jahresproduction beträgt 5500 Stück im Werthe von circa 3000 Rubel. Schuja und die Märkte des Diftrictes find die Verkaufscentren hiefür. Die Fabrication von Aexten ift in Belowo( Gouvernement Moskau) gleichfalls in der Abnahme begriffen, wiewohl die hier erzeugten Aexte als die beften betrachtet werden. Der Preis derfelben fchwankt per hundert Stück zwifchen 50 und 70 Rubel. Die Arbeiter erhalten wöchentlich ungefähr drei Rubel Arbeitslohn. Diefe Aexte gehen vornehmlich nach Moskau. Zu Kukarka( im Gouvernement Wiatka) verfertigt man Zimmermanns- und Tifchleräxte von vorzüglicher Härte. Die Fabrication von Senfen, Sicheln, Eggen, Pflugfcharen und anderen Ackerbau- Werkzeugen ift befonders in einigen Ortfchaften der Gouvernements Wiatka, Ufa, Orenburg, Jarofslaw, Wladimir und Nifchnei- Nowgorod entwickelt. Die Preife der in 12 Dörfern des Diftrictes Rybinsk( Gouvernement Jaroflaw) erzeugten Metallwaaren ftellten fich für Senfen auf 40 bis 70 Kopeken, für Sicheln auf 25 bis 35 Kopeken und für Hobeleifen auf 12 bis 15 Kopeken per Stück. Die gröfste Ausdehnung und Bedeutung hat die Senfenfabrication zu Kritonow im Gouvernement Wladimir gewonnen. Es befinden fich dafelbft 32 Schmieden, 28 Schleifwerkftätten und 28 Kohlenhütten. Die Zahl der hier befchäftigten Arbeiter beläuft fich auf 250; diefelben produciren jährlich circa 20.000 Senfen zum Preife von 28 bis 30 Rubel, 10.000 Senfen zum Preife von 48 bis 50 Rubel und 20.000 Senfen zum Preife von 38 bis 40 Rubel per Hundert. An Eifen und 98 Wilhelm von Lindheim. Stahl werden in Kritonow jährlich 1620 Pud im Werthe von 3500 Rubel verarbeitet. Zu Awdotina und in einigen anderen Ortſchaften des Diftrictes Sudogda verfertigt man circa 12.500 ruffifche und 3500,, Litowky" genannte Senfen. Erftere koften 20 bis 30, letztere 40 bis 50 Kopeken per Stück. Sicheln werden befonders zu Bereikow und Ulibifchew verfertigt; man zählt dafelbft circa 1200 Sichelfabrikanten. In 100 Arbeitstagen verfertigt oder reparirt man hier circa 300.000 Sicheln im Werthe von 210.000 Rubel. Die Mefferfchmieden concentriren fich im Diftricte Gorbatow( Gouvernement Nifchnei- Nowgorod, fowie im Diftricte Murom( Gouvernement Wladimir). Die drei Dörfer Pawlowo, Worsma und Watfcha find hier durch ihre Fabricate befonders berühmt. Tifchmeffer verfertigen Pawlowo, Polzow, Popowka und andere; Tafchenmeffer Worsma; Brot- und Küchenmeffer Watfcha und Ofiablikow. Die Ortfchaften Tumbotino und Krenow fabriciren ausfchliefslich Scheeren. Gabeln werden in Murom verfertigt. Den jährlichen Productionswerth der in den Diftricten Gorbatow und Murom erzeugten Mefferfchmiede- Arbeiten kann man mit folgenden Beträgen annehmen: Tifchmeffer und Gabeln. Tafchenmeffer, Rafirmeffer, Säbelklingen u. f. w. Brotmeffer, Küchenmeffer u. f. w. Scheeren Schaufeln, Hacken u. f. w.. Schaffcheeren und Sicheln 350.000 Rubel 250.000 99 150.000 وو 99 140.000 20.000 99 15.000" 50.000 20.000 10.000 " 22 Zufammen 1,005.000 Rubel Aexte, Tifchler- und Schlofferwerkzeuge Feilen Amboffe. وو Die Schlofferei ift mit die ältefte Induftrie des Dorfes Pawlowo. Der gröfsere Theil der Einwohnerfchaft befchäftigt fich mit ihr. Die hier fabricirten Vorlegefchlöffer find von verfchiedener Qualität und Façon. Auch in den Ortfchaften Solwitfchegodfk im Gouvernement Wologda, Ofiablikow im Diftricte Gorbatow und im Bezirke Tula verfertigt man Schlöffer von verfchiedener Art. Schmiedeeiferne Caffetten werden in Lifkowo und anderen Ortfchaften des Gouvernements Nifchnei- Nowgorod fabricirt; man verwendet zu ihnen Stücke von 2, 3 oder 4 Pud; fie wiegen 12 bis 30 Pfund, haben geheime Schlöffer und koften 8 bis 25 Rubel. In Ufting, Gouvernement Wologda, verfertigt man 40.000 Stück folcher fehr gefchmackvoll ausgeführter Caffetten. In der Stadt Tula und in der benachbarten Ortfchaft Tfchulkowo verfertigt man eine grofse Anzahl von Harmonicas. Die letztere Ortſchaft allein producirt jährlich circa 15.000 Stück. Ungefähr 30 Ortfchaften des Gouvernements Nifchnei- Nowgorod fabriciren Waagehebel. Diefelben koften per Pud 5 bis 10 Rubel. In der Stadt Kaffimow und im Dorfe Popow im Gouvernement Rjäfan verfertigt man eifernes Kochgefchirr, Scheeren, Schlöffer, Aexte, Waagehebel im Werthe von 20.000 Rubel. Zu Wolofow im Gouvernement Moskau conftruirt man phyfikalifche und mathematiſche Inftrumente fowie Waagen. Im Dorfe Lifkowo im Gouvernement Nifchnei- Nowgorod verfertigt man jährlich 6000 eiferne Oefen zum Preife von 50 Kopeken bis I Rubel 20 Kopeken per Pud. Fingerhüte, Ringe und Knöpfe werden gleichfalls hier im Jahreswerthe von 30.000 Rubel fabricirt. Stecknadelr. verfertigen einige Ortfchaften in den Diſtricten Serpukow und Podolfk im Gouvernement Moskau. Thür- und Fenſterbefchläge, fowie Pferdeftriegel fabriciren einige Dörfer im Diftricte Roftow. Die drei Dörfer Gari, Tfchurkin und Kotentfow verfertigen Schrauben, Wagenachfen u. f. w. In verfchiedenen anderen Ortfchaften verfertigt man noch Pferdegefchirr Befchläge, eiferne Bolzen, eiferne Reifen, Schiffsutenfilien, Anker, Angelhaken, Haarfiebe, Ankerketten, Meffingdraht, damascirte Klingen, Rufsland. 99 Gewehrbeftandtheile, Samowars und andere eiferne Küchengeräthfchaften, Petroleumlampen u. f. w. Die Stadt Tula ift durch die Fabrication von Kupfer- Samovars bekannt; fie befitzt an 50 derartige Fabriken. Sonftige Kupferarbeiten werden vornehmlich im Gouvernement Moskau angefertigt, wofelbft die Commune Nowinfk, auch Sagarije genannt, fehr gefchmackvolle Kreuze, Leuchter u. f. w. erzeugt. Agraffen und Stecknadeln, fowie Kochgefchirr aus dem gleichen Metall werden in einigen anderen Ortſchaften producirt. Schmuckgegenstände aus Kupfer, Bronce und Silber verfertigen die Diftricte Podolfk und Bronwiz im Gouvernement Moskau, Krasnoje im Gouvernement Koftroma und Sidarow im Diftricte Nerekhta. III. Die Holzinduftrie. Die ungeheure Ausdehnung der Wälder, welche bei aller Verwüftung gegenwärtig noch 172 Millionen Defsjätinen oder ungefähr 43 Percent der gefammten Ausdehnung des europäiſchen Rufsland bedecken, war der Entwicklung der Holzinduftrie von jeher befonders günftig. Diefelbe verbreitet fich in ihren einzelnen Zweigen über das ganze Reich und befitzt, ohne grofsen pecuniären Nutzen zu bieten, den Vortheil, der bäuerlichen Bevölkerung im Sommer und Winter Arbeit zu verfchaffen, ohne fie zu zwingen, den heimathlichen Boden zu verlaffen und in fernen Gegenden ihr Glück zu verfuchen. Wir begnügen uns mit der Aufzählung der Centralpunkte diefer Induſtrie. Holzlöffel werden in einer Anzahl von jährlich mindeftens 15 Millionen Stück in den Gouvernements Nifchnei- Nowgorod, Koftroma und Wiatka verfertigt. Der Productionswerth derfelben beträgt 125.000 Rubel. Kochgefchirr fabriciren die Gouvernements Nowogrod, Koftroma, Wladimir, Nifchnei- Nowgorod, Wiatka, Perm und Aftrachan. Kiften und Möbel erzeugen die Gouvernements Perm, Wiatka, Nifchnei- Nowgorod, Wladimir, Twer und Moskau. Durch ihre Möbel renommirt find die Commune Troitzkaja im Diftricte Wiatka und die Diftricte Swenigorod und Moskau. Ein Dutzend gewöhnliche Stühle koftet hier I Rubel 20 Kopeken; doch fteigt diefer Preis nach Mafsgabe der eleganteren Ausführung. Wagen in verfchiedenen Gröfsen und Arten werden fo ziemlich überall verfertigt, einige Dörfer befchäftigen fich mit der Erzeugung von Wagenbeftandtheilen, wie Räder, Deichfeln u. f. w. Handwerkszeug für Weber und Spinner, Webftühle, Spindeln u. f. w. werden zumeift dort fabricirt, wo gleichzeitig die Textilinduftrie befondere Ausdehnung erlangt hat. Pech und Theer produciren die Bauern der Gouvernements Archangel, Wologda, Wiatka, Koftroma und Nowgorod. Das Gouvernement Archangel bringt allein 100.000 Tonnen zum Preife von 2 bis 212 Rubel loco Productionsort jährlich in den Handel. IV. Die Rauchwaaren- und Lederinduftrie. Das Kürfchnergewerbe hat in den Gouvernements Wladimir, Moskau, Jaroflaw und Nifchnei- Nowgorod grofse Ausdehnung und eine bemerkenswerthe Vervollkommnung erlangt. Aus einem einzigen Fuchsfell fchneidet man fieben der Qualität und dem Werthe nach verfchiedene Pelzftücke. Die Zubereitung von Schaffellen, fowie die Anfertigung von Schafpelzen erfolgt in grofsem Mafs ftabe, da diefe Pelze die gewohnheitsmäfsige Kleidung des niederen Volkes bilden. Es gibt auch ambulante Pelzhändler, welche die Ufer der Wolga bis Aftrachan bereifen. Die Anfertigung von Schafpelzen wird befonders im Diftricte Schuja betrieben. Im Jahre 1869 kauften und verarbeiteten die dortigen Kürfchner eine halbe Million Schaffelle, deren Werth fich auf 22 Millionen Rubel hob. 4000 Arbeiter find mit einem Verdienfte von 200.000 Rubel hier befchäftigt. Die Zubereitung des Leders und die Anfertigung von Lederftiefeln ift eine wichtige Induftrie in den Gouvernements Twer, Moskau, Wladimir, Nifchnei 100 Wilhelm von Lindheim. Nowgorod, Orel und Perm. Das Dorf Kimri und 49 benachbarte Ortfchaften bilden den Mittelpunkt derfelben. Man zählt dafelbft 240 Etabliffements mit 1000 ftabilen und mehr als 2000 häuslichen Arbeitern. Der Productionswerth überfteigt eine Million Rubel. In grofsem Mafsftabe betreiben noch die Lederinduftrie das Dorf Piatnitzkoje im Gouvernement Moskau, welches Stiefel verfertigt, das Dorf Bogorodskoje im Diftricte Schuja, welches jährlich 700.000 Paar Handfchuhe erzeugt, das Dorf Lejenewo im Gouvernement Wladimir u. f. w. Man kann den gefammten Productionswerth der häuslichen Lederinduftrie auf 10 bis 15 Millionen Rubel fchätzen. V. Verfchiedene Induftrien. Aufser den im Vorftehenden gefchilderten Hausinduftrien giebt es in Rufsland noch eine Anzahl anderer; fo die Verfertigung von Töpferwaaren, welche ihren Sitz vornehmlich in einigen Diftricten der Gouvernements Nifchnei- Nowgorod, Jaroflaw und Moskau hat, die Herftellung von Bildern im Diftricte Wiasniki( Gouvernement Wladimir), deren man jährlich 2 Millionen erzeugt, welche durch Colporteure durch ganz Rufsland verbreitet werden; die Anfertigung von Geräthen aus Seefifch- Gräten im Diftricte Kolmogary( Gouvernement Archangel); die Erzeugung von Glaswaaren in den Diftricten Dmitrow und Klina( Gouvernement Moskau) und endlich die Anfertigung von Kleidungsftücken, welche ohne beftimmten Mittelpunkt allenthalben betrieben wird. Statiſtik der ruffifchen Textil- Induftrie.* I. Die Baumwoll- Induftrie. Die ruffifche Baumwoll- Induftrie ift noch nicht gar fo alt. Erft gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begann fie Wurzel zu fchlagen, und heute überfteigt der Werth ihrer Producte bereits die Ziffer von 162 Millionen Rubel. Unter den verfchiedenen Zweigen diefer Induftrie entwickelte fich die Spinnerei am fpäteften. Lange Zeit vor Einführung derfelben befchäftigten fich verfchiedene Dörfer der Centralgouvernements, befonders um Moskau herum, mit der Weberei von aus England importirten Baumwoll- Gefpinnften, wodurch freilich der Flachsweberei und Flachsfpinnerei Abbruch gefchah. Die Bleichanftalten, die Färbereien und Druckereien waren nur wenig entwickelt. In den letzten Jahren des XVIII. Jahrhunderts zählte man in Rufsland nach officiellen Zufammenftellungen nur 90 Webereien; bald jedoch nahm diefe Induftrie einen ungeahnten Auffchwung, und im Jahre 1820 war die Anzahl der Webereien bereits auf 440 geftiegen, welche eine Armee von 36.000 Arbeitern befchäftigten und 35 Millionen Arfchinen Web waaren in den Handel brachten. Noch gröfsere Fortfchritte machte die Webinduftrie, als im Jahre 1822 der Schutzzoll- Tarif Einführung fand, welcher die Einfuhr gedruckter Webewaaren verbot und den anderen Baumwoll- Waaren eine nicht unbträchtliche Importfteuer auferlegte. Unter dem Einfluffe diefes Tarifes verdoppelte fich binnen wenigen Jahren die heimifche Fabrication. Im Jahre 1830 gab es 538 Webereien mit 76.000 Arbeitern und einer Production von 83 Millionen Arfchinen. In erfter Reihe ift dem Schutzzolle indeffen die Ausdehnung der Mafchinenfpinnerei zu danken. Die beiden erften, Privatperfonen gehörigen Spinnereien wurden 1824, die eine zu Moskau, die andere zu St. Petersburg, gegründet, und zehn Jahre später zählte man bereits 25 folcher Etabliffements, im Jahre 1849 hingegen 45 mit einer Gefammtproduction im Werthe von II, 500.000 Rubeln Die im Jahre 1850 erfolgte Ermäfsigung des Importzolles auf Baumwoll Gefpinnfte von 6 auf 5 Rubel pro Pud ging an der ruffifchen Induftrie * Nach Nébolfine's Notice ftatiftique fur les induftries textiles en Ruffie; St. Pétersbourg. 1873. Rufsland. 101 nicht nur ziemlich fpurlos vorüber, fondern fie gab fogar zu einem weiteren Auffchwunge derfelben Anlafs, indem es nunmehr galt, der auswärtigen Concurrenz durch Verbefferung der inländifchen Fabricate Stand zu halten. 1857 wurde der Zoll weiter auf 3 Rubel 50 Kopeken ermäfsigt, welcher Satz gegenwärtig noch Geltung hat. Die nachftehende Tabelle, welche die Importziffer von roher und gefponnener Baumwolle in den Jahren 1822 bis 1871 wiedergibt, geftattet einen Schlufs auf die in diefem Zeitraume zu Tage getretenen wichtigen Fortfchritte. Durchfchnittsziffer der Jahre 1822 bis 1833 Import Rohe Baumwolle Gefpinnfte +9 " 99 Jm Jahre 1834 bis 1843 1844 99 Durchfchnittsziffer der Jahre 1845 bis 1850 1851 bis 1854 1,700.000 99 99 .. 1855 bis 1858. 1,900.000 100.000 Pud 400.000 Pud 330.000 570.000 600.000 590.000 99 1,000.000 400.000 99 100.000 180.000 " 99 99 99 99 1859 bis 1861 3,600.000 130.000 99 1862 bis 1864 99 59 1865 bis 1868 1869 bis 1871 650.000 2,100.000 3.200.000 Aufser diefem Quantum Rohbaumwolle, welche von Europa importirt wurde, fand auch über die afiatifche Grenze eine Einfuhr ftatt, welche vornehmlich während der Baumwoll- Krifis eine nicht unwefentliche Steigerung erfuhr. So wurden von Afien aus importirt: 73.000 99 125.000 99 213.000 99 99 Im Jahre 1862 99 99 400.000 Puds 1863 490.000 49 99 +9 99 1864 700.000 1865 466,000 1866 580.000 1867 760.000 23 今 29 Neuere Einfuhrziffern exiftiren leider nicht, weil 1868 die Aufhebung des Orenburg'fchen und fibirifchen Zollcordons erfolgte. Mit der aus diefen Tabellen erfichtlichen Vermehrung des Importes beider Baumwoll- Arten geht die Zunahme der Spinnereien, Webereien und Druckereien Hand in Hand. Man zählte folcher Anlagen zufammen: Im Jahre 1820 492 99 1825 55° 1830 629 " 1835 698 99 1839 760 99 1844 823 94 3 99 1849 836. 47 99 Hieraus ift eine 70percentige Vermehrung während diefer 30 Jahre erfichtlich. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Baumwoll- Induftrie in den letzten 20 Jahren. Auf Genauigkeit machen ihre Ziffern freilich keinen Anfpruch, doch find fie ficher eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. 102 Wilhelm von Lindheim. Zeitraum 1852 bis 1856 Spinnereien Rufslands Baumwoll- Induftrie. Webereien Färbereien und Druckereien Zuſammen Zahl der Fabriken Zahl der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) Zahl der Fabriken Zahl der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) Zahl der Fabriken Zahl Zahl der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) der Fabriken Zahl der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) 55 27.500 16,600.000 432 78.200 13,900.000 383 27.000 15,000.000 825 132.760 45,500.000 1857 bis 1861 56 36.400 28,000.000 557 89.700 17,600.000 390 29.800 22,500.000 1003 155.900 68,100.000 1862 bis 1866 40 25.660 35.700.000 443 47.300 20,200.000 380 23.800 25,100.000 863 96.700 81.000.000 1867 bis 1871 47 37.700 45,100.000 676 70.000 14,800.000 532 33-300 39,400.000 1255 141.500 129,300.000 Rufsland. 103 Man erfieht aus diefer Tabelle, dafs die Baumwoll- Induftrie fich feit dem Tarife von 1850 und noch mehr feit dem des Jahres 1857 bis zur Krifis ftetig entwickelt hat. Wenn in dem Zeitraume von 1857 bis 1861 die Zahl der Spinnereien ungefähr diefelbe geblieben ist, wie in den Jahren 1852 bis 1856, fo hat doch die Zahl ihrer Arbeiter und der Werth ihrer Production eine beträchtliche Vergrösserung erfahren. Die Jahre 1862 bis 1866, in welche Periode die BaumwollKrifis fällt, weifen eine Verringerung der Fabriken und der Arbeiter aus; wenn hier der Werth der Production gröfser erfcheint, fo ift diefs einzig und allein der Vertheuerung des Rohftoffes zuzufchreiben. Die Jahre 1867 bis 1871 zeigen eine merkliche Vergröfserung der Production, wiewohl diefelbe im Jahre 1867 einer gewiffen Erfchütterung ausgefetzt war, welche, eine Folge der plötzlichen Preisrückgänge, den Ruin zahlreicher Fabrikanten nach fich zog. Bezüglich der gegenwärtigen Lage der Baumwoll- Induftrie im Reiche felbft conftatiren die officiellen Ausweife pro 1871 folgende Ziffern: Spinnereien Webereien Färbereien Druckereien Zahl der Fabriken der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) 51 738 44.300 55,070.000 78.700 48,290.000 511 34.700 48,298.000 Zufammen 1.300 157.700 151,658.000 Fügt man diefen Ziffern die aut die Fabriken im Königreiche Polen und Grofsherzogthume Finnland bezüglichen hinzu, fo ergibt fich folgendes Gefammtbild der Baumwoll- Induftrie im ganzen ruffifchen Reiche: Im Reiche Im Königreiche Polen* Im Grofsherzogthume Finnland Zufammen Zahl der Fabriken der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) 1.300 1.086 5 157.700 13.410 4.000 151,658.000 8,618.100 2,027.060 2.391 175.110 162,298.100 Diefe Gefammtproduction von 162 Millionen Rubel vertheilt fich auf die einzelnen Gouvernements wie folgt: * In den auf das Königreich Polen bezüglichen Ziffern ift eine Anzahl von 974 Fabriken inbegriffen, deren Jahresproduction geringer als 10.000 Rubel ift. Diefelben befchäftigen zufammen 7.460 Arbeiter, und der Gefammtwerth ihrer Fabricate beträgt 2,323.600 Rubel. 104 Wilhelm von Lindheim. Gouvernement Production in Rubeln Zahl der Fabriken Moskau 51,975.200 609 Wladimir 44,231.500 162 St. Petersburg 25,499.600 52 Twer 10,163.200 19 Eftland 7,712.900 I Piotrkow( Polen) 5,470.000 88 aisRjäfan 4,217.400 43 Koftroma 3,676.900 120 Jaroflaw. 2,332.200 3 Tavaftehus( Finnland) 1,275.000 3 Kalifch( Polen) 803.300 23 Livland 779.000 5 hotaro Kaluga 400.900 13 Saratow 327.700 132 Wafa( Finnland) 277.000 Kafan. 148.600 Abo- Björneborg( Finnland) 68.000 Wiatka 64.000 . Perm 60.000 18149 I I Ihrer Production nach kann man demnach diefe Gouvernements in folgende fünf Gruppen theilen: I. Zwifchen 2. 3. 4. وو و, Gouvernement 52 Millionen Rubel Zwei: Moskau und Wladimir. Werth der Production 44 und IO 99 25 99 2 8 Fünf: 99 وو 97 وو 112 27 99 99 1/4 5." 50.000 99 „ 150.000 Rubel a) Spinnereien. Im Jahre 1871 befafs Zwei St. Petersburg u. Twer. Eftland, Piotrkow, Rjäfan, Koftroma und Jaroflaw. Sechs: Tavaftehus, Kalifch, Livland, Kaluga, Saratow und Wafa. Vier: Kafan, Abo- Björneborg, Wiatka und Perm. Rufsland 51 Spinnereien mit 2 Millionen Spindeln und 180 Dampfmotoren mit zufammen 3747 Pferdekraft. Diefe Ziffern vertheilen fich, wie folgt: Gouvernement Moskau. St. Petersburg. Wladimir Eftland Twer. Rjäfan Jaroflaw Livland. Wiatka und Perm der Spinnereien Z a h I' der Spindeln der Arbeiter Werth der Production ( Rubel) 17 12 228 606.000 523.000 14.000 8.280 15,784.000 14,000.000 253.600 9.590 10,108.000 242.300 3.100 5,431.000 4 138.700 4.090 4.220.000 I 52.300 2.160 2,520.000 2 60.000 2.360 42 26.200 620 2,331.000 629.000 3.100 120 Zufammen 51 1,905.200 44.260 47.000 55,070.000 Rufsland. 105 Hiezu kommen noch 15 Spinnereien im Königreiche Polen, welche 1780 Arbeiter befchäftigen und Waaren im Werthe von 2,819.000 Rubeln erzeugen. Der Import von amerikanifcher, oftindifcher und central- afiatifcher Baumwolle für die Bedürfniffe der Spinnerei betrug 1871 42 Millionen Puds. Von der in Rufsland felbft, und zwar in Transkaukafien gewonnenen Baumwolle, welche etwa 150.000 Puds beträgt, wurden 55.000 Puds nach Frankreich exportirt, während der Reft zumeift an Ort und Stelle verarbeitet wurde. In techniſcher Beziehung ftehen die ruffifchen Spinnereien den beften englifchen Etabliffements in nichts nach; denn da es an heimifchen Fabriken mangelt, welche fich mit der Production von Werkzeugen und Maſchinen befchäftigen, fo find die ruffifchen Induftriellen wohl oder übel genöthigt, ihren Bedarf aus den Etabliffements der englifchen Firmen Platt, Brothers& Comp. und Parr, Curtis& Mandely zu beziehen, deren Fabricate ihrer Vorzüglichkeit halber berühmt find. Auch verfolgen die ruffifchen Spinner mit gröfster Aufmerkfamkeit alle Fortfchritte und Veränderungen der Productionsweife und machen fie unverzögert für ihre Etabliffements nutzbar. Was die Anzahl der Spindeln anbelangt, fo rangirt die Mehrzahl der Spinnereien unter die Etabliffements mittlerer Gröfse von 20- bis 65.000 Spindeln. Nur 2 Spinnereien gibt es, welche mehr als 150.000 Spindeln befitzen: die eine in St. Petersburg, die Newa- Spinnerei, mit 161.000 Spindeln und die andere in der Nähe von Narva, die Spinnerei von Krenholm, welche deren 242.300 zählt. Die Arbeiter der St. Petersburger Spinnereien gehören den unterften ftädtifchen Volksclaffen an und wohnen aufserhalb der Fabrik, während in den auf dem Lande gelegenen Etabliffements die zumeift bäuerlichen Arbeiter in der Regel freie Wohnung erhalten. Jeder Spinnereibefitzer ift überdiefs zur Anlage eines Krankenhaufes gefetzlich verpflichtet. Zahlreiche Eigenthümer haben auch für die Errichtung von Schulen geforgt, in denen die Kinder ihrer Arbeiter den erften Unterricht erhalten. In den Spinnereien zu St. Petersburg wird nur am Tage gearbeitet; die Arbeitszeit währt von fünf Uhr Früh bis acht Uhr Abends mit einer Unterbrechung von zufammen zwei Stunden. In den Fabriken auf dem Lande wird durch 6 Tage der Woche Tag und Nacht gearbeitet, doch löfen die Arbeiter einander zweimal ab. Die Auszahlung des Lohnes erfolgt zu St. Petersburg allmonatlich, auf dem Lande alle zwei Monate. Da es für die ländlichen Arbeiter fchwer halten. würde, fich die Lebensmittel etc. preismäfsig zu verfchaffen, fo haben fich die Eigenthümer zur Errichtung von Verkaufsläden genöthigt gefehen, in denen die Arbeiter ihre Bedürfniffe verhältnifsmäfsig fehr billig befriedigen können. Die Menge der von den zwei Millionen Spindeln der ruffifchen Spinnereien erzeugten Baumwollen- Gefpinnfte beträgt etwa 3,500.000 Pud, fo dafs auf jede Spindel durchfchnittlich 134 Pud entfallen. Es ift hier wohl der Ort, der Wattafabrication zu gedenken, welche allerdings in Rufsland, wo der lange Winter die Ausfütterung der Kleidungsstücke mit Pelzwerk angezeigt erfcheinen läfst, keine befondere Bedeutung erlangt hat. Im Jahre 1871 zählte man ungefähr 80 Wattafabriken mit 650 Arbeitern und einem Productionswerth von 600.000 Rubel. Die Production diefer Fabriken genügt für den heimifchen Confum; in den drei letzten Jahren( 1867 bis 1871) wurden durchfchnittlich nur 4000 Pud jährlich vom Auslande importirt. b) Webereien. Im Jahre 1871 zählte man in Rufsland 738 BaumwollWebereien, welche mittelft 79.590 Webftühlen circa 79.000 Arbeiter befchäftigten und Webwaren im Werthe von mehr als 48 Millionen Rubel erzeugten. Auf die einzelnen Gouvernements vertheilt fich die Webinduftrie wie( S. 106) folgt. Aufser den obigen gibt es noch im Königreich Polen, und zwar vornehmlich im Gouvernement Piotrkow mehr als 2000 kleinere Webereien mit 5300 Arbeitern und einem Productionswerthe von 2,901.900 Rubel. Die Baumwoll- Weberei wird 106% Gouvernements Wilhelm von Lindheim. Anzahl der Fabriken Webftühle Arbeiter der der Productionswerth in Rubeln Wladimir 69 25.030 32.410 15,829.000 Moskau 455 29.320 28,000 14,041.000 St. Petersburg 19 6.150 6.690 7,946.000 Twer 14 3.360 3.380 3,227.000 Koftroma 46 7.910 3.220 2,965.000 Eftland I 1.570 1.650 2,283.000 Rjäfan 29 1.550 1.800 991.000 Zehn andere Gouvernements* 105 4.700 I.520 1,008.000 738 79.590 78.670 48,290.000 entweder mittelft der Mafchine betrieben, oder fie ift Handarbeit. Die meiften der Mafchinenwebereien find mit Spinnereien verbunden. Man fchätzt die Zahl der mechanifchen Webftühle auf 28.000, wovon zwei Drittel den mit Spinnereien verbundenen Fabriken angehören. Diefe letzteren Etabliffements befitzen mitunter 1500, 1200 oder 1100 Webftühle. Was jene Fabriken anbelangt, in denen noch die Handweberei gebräuchlich ift, fo find fie von nur geringer Bedeutung. Das Hauptproduct der mechanifchen Webereien bildet der Calicot. Man verfertigt denfelben in verfchiedener Länge und in verfchiedener Qualität. Als der befte gilt jener, deffen Kette aus amerikaniſcher und deffen Einfchlag aus oftindifcher Wolle fabricirt wird. Der Calicot, zu deffen Einfchlag man centralafiatifche Wolle verwendet, iſt von geringerer Güte. Aufser Calicot produciren die mechanifchen Webereien noch Baumwollen- Sammet etc. Was endlich die Conftruction der mechanifchen Webftühle anbetrifft, fo find auch hier die grofsen Fabriken auf das Vorzüglichfte inftallirt. c) Bleichen, Färbereien und Druckereien. Im Jahre 1871 befafs Rufsland an derartigen Etabliffements zufammen 511 mit 34.700 Arbeitern und einem Productionswerthe von 48 Millionen Rubel. Die bedeutendften diefer Anftalten find die Zitzfabriken, welche vier Fünftel der erwähnten Arbeiter befchäftigen und welche allein für 41,270.000 Rubel Waaren erzeugen. An der Zitzinduftrie participiren die einzelnen Gouvernements wie folgt: Moskau Wladimir Gouvernements St. Petersburg Twer Koftroma Anzahl Productionsder Fabriken der Arbeiter werth in Rubeln 50 56 15.510 18,607.000 67 10.030 16,040.000 6 I.710 3,228.000 I 73° 2,716.000 4 390 679.000 134 28.370 41.270.000 * In jedem diefer Gouvernements ift der jährliche Productionswerth geringer als 500.000 Rubel. Ru sland. 107 Das Gouvernement Piotrkow befitzt aufserdem 4 Zitzfabriken mit 169 Arbeitern und einem Productionswerthe von 227.800 Rubel. Man fieht aus der obigen Zuſammenſtellung, dafs fich der Hauptfitz der Zitzfabrication in den Gouvernements Moskau und Wladimir befindet. Man kann die Zitzfabrication je nach der Befchaffenheit des Productes in zwei Gruppen theilen. Die erfte Gruppe umfchliefst die Manufacturen von Moskau, Serpuchow, Zarew, St. Petersburg, Schlüffelburg und Twer, deren Erzeugniffe dem Gefchmacke der ftädtiſchen Confumenten angep afst find, während die Fabriken des Gouvernements Wladimir und der den Gouvernements Moskau und Koftroma benachbarten Bezirke mehr. den Gefchmack der bäuerlichen Confumenten berückſichtigen. Die Fabriken der erften Gruppe producirten im Jahre 1871 2,800.000, die der zweiten zufammen 2,778.000 Stücke. Aus diefen Zahlen erfieht man, dafs die Fabriken der erften Gruppe dem Markte über die Hälfte der im ganzen Reiche producirten Zitze geliefert haben. Da diefe Gruppe nur 17 Fabriken umfafst, fo ift die Wichtigkeit derfelben einleuchtend. Die Erfindung verfchiedener künftlicher Farbftoffe hat viel dazu beigetragen, diefen Induftriezweig zu heben und zu vervollkommnen. Es gibt jetzt Etabliffements, wo man 1200, 1500, ja fogar 2000 Zitze in 24 Stunden fabricirt. Unter 134 Zitzmanufacturen find 76 mit Druckmafchinen verfehen; die Anzahl der letzteren beläuft fich auf 225, von denen 175 einen, drei, fünf und mehr Cylinder befitzen. In den übrigen Fabriken ift noch die Handdruckerei gebräuchlich. Was jene Anftalten angeht, welche fich ausfchliefslich mit dem BaumwollenBleichen und der Färberei befchäftigen, fo ift ihre Anzahl wohl bedeutend, aber nur wenige derfelben find hervorragend genug, um erwähnt zu werden. Indeffen entſprechen doch etliche derartige Anftalten durchaus den Anfprüchen der Bevölkerung und ftehen auch ähnlichen Etabliffements in England in keiner Beziehung nach. Im Allgemeinen läfst fich von der ruffifchen Baumwollen- Induftrie wohl fagen, dafs fie dem Bedarfe und dem Gefchmacke des Landes Genüge leifte; als Beweis deffen kann die Meffe von Nifchnei- Nowgorod dienen, wofelbft die Anwefenheit der ruffifchen Waare die Nachfrage nach ausländifchen BaumwollWaaren für den inneren Verkehr beträchtlich reducirt. So wurden während der drei Jahre 1864 bis 1866 dafelbft nur für 1,745.000 Rubel fremde Erzeugniffe umgefetzt, während die verkauften heimifchen Fabricate einen Werth von 15,300.000 Rubeln repräfentirten. Vom Jahre 1867 erfcheint der BaumwollenVerkehr in den Marktberichten von Nifchnei- Nowgorod nicht mehr fpeciell verzeichnet; vielmehr wird jetzt der Handel mit allen Webwaaren durch eine Gefammtziffer angegeben. Wenn man indeffen berücksichtigt, dafs der Confum von ausländifchen Manufacturwaaren im Jahre 1867 4,450.000 Rubel ausmachte, dafs derfelbe fich fodann von Jahr zu Jahr verringerte und endlich 1872 nur mehr 1570.000 Rubel betrug, fo ift man wohl zu der Annahme berechtigt, dafs fich der Import auch von Baumwollen- Waaren in demfelben Mafse fchmälerte, in welchem der Abfatz des heimifchen Fabricats auf diefer Meffe an Zunahme gewonnen hat. Im Jahre 1867 repräfentirten die ruffifchen Cotonnaden einen Werth von nur 16,450.000 Rubel, während derfelbe fich im Jahre 1872 bereits auf 32,400.000 Rubel belief, nachdem er fich allein im Jahre 1870 um 10, und im Jahre 1871 um 8 Millionen vergröfsert hatte. Diefe rapide Vergröfserung, welche das in den letzten Jahren auf die Meffe von Nifchnei- Nowgorod gefandte Quantum Baumwoll- Waaren erfuhr, liefert für die ftetige Entwicklung diefes Induſtriezweiges einen neuen Beweis. Dennoch ift der Import von Baumwoll- Waaren nicht ohne Bedeutung, und weifen die letzten fünf Jahre hierüber folgende Ziffern aus: 108 Wilhelm von Lindheim. Import: von Europa 1867 3,957.600 1868 3,234.900 1869 4,064.700 1870 4,405.200 1871 4,862.000 von Afien 3,827.500 4,257.900 3,726.400 3,762.300 3,484.600 Zufammen( in Rubeln) 7.785.100 7.492.800 7,791.100 8,167.500 8,346.600 Aus diefen Ziffern erhellt, dafs in den Jahren 1867 bis 1871 der Import von Europa fich um 28 Percent vergröfsert hat, während der afiatifche Import fich ftetig verringerte. Was den ruffifchen Export von Baumwoll- Waaren anbelangt, fo ift derfelbe nach Europa gleich Null, nach Afien hingegen um fo wichtiger. Der Export aus den Häfen und über die Grenzen des afiatifchen Rufsland bewegte fich in folgenden Ziffern: 1863 1864 1865 1866 Export: Orenburg'fche und on fibirifche Zollgrenze 2,261.000 3,013-000 3.397.000 6,725.000 andere Zollämter 788.000 1,060.000 828.000 1,324.000 Zufammen( in Rubeln) 3,049.000 4,073.000 4,225.000 8,049.000045 1867 10,797.000 1,040.000 II, 837.000 Hienach hat fich alfo der Export von Baumwoll- Waaren innerhalb fünf Jahren beinahe verfünffacht. Mit der Aufhebung der Orenburg'fchen und fibirifchen Zollämter ift leider die Zufammenftellung neuer Exportziffern unmöglich geworden, doch berechtigt nichts zu der Annahme, dafs fich diefer Export in neuerer Zeit vielleicht abgefchwächt hätte. Aus alledem ift erfichtlich, dafs die Baumwollen- Induftrie, obgleich fie künftlich nach Rufsland verpflanzt ift, allmälig eine fo grofse ökonomische Be' deutung erlangt hat, dafs fie unter fämmtlichen Induftriezweigen den erften Rang einnimmt. II. Die Schafwoll- Induftrie. Peter der Grofse hat die Fabrication von Schafwoll- Geweben in Rufsland begründet. Der Hauptzweig diefer Induftrie, die Tuchfabrication, hatte anfänglich nicht die Befriedigung des allgemeinen Bedarfes zum Zwecke, fondern es handelte fich in erfter Reihe um die Lieferung von Militärtuchen, und war die nachträgliche Entwicklung diefer Induſtrie auch mit den Tuchlieferungen für das Heer verbunden. Die erfte, für den Heeresbedarf beftimmte Tuchfabrik wurde 1698 von Peter dem Grofsen nach feiner Rückkehr aus dem Auslande errichtet. Später, im Jahre 1712, wurde die Beftimmung erlaffen, dafs fernerhin für die Armee in der Hauptfache nur ruffifche Tuche verwendet werden dürften, und wurden zu diefem Zwecke 30 mit reichlichen Privilegien ausgeftattete Fabriken gegründet. Trotzdem entwickelte fich im letzten Jahrhunderte die Tuchfabrication nur fehr langfam, und erft vom Jahre 1820 an ift ein rapides Wachsthum derfelben zu conftatiren. Im Jahre 1822 überftieg das von den heimifchen Fabriken verfertigte Quantum Militärtuchs zum erften Male den Bedarf der Armee, wiewohl es fich um 4 Millionen Arfchinen gehandelt hatte. Im felben Jahre wurde der Import von fchwarzen und grünen Tuchen verboten und die übrigen mit fehr hohen Einfuhrfteuern belegt. Nun nahm die Induftrie einen gewaltigen Auffchwung und jetzt begann man auch, beffere Qualitäten zu fabriciren. In den Jahren 1808 bis 1830 erreichte die Tuchfabrication folgenden Umfang: 1804 zählte man 155, 1814 235 und 1820 304 Fabriken mit 53.000 Arbeitern und einer jährlichen Production Rufsland. 109 1) == rt h r- rt n n) nf En n, it e e- n von 5,300.000 Arfchinen. Im Jahre 1830 endlich war die Anzahl der Fabriken auf 390 gewachfen, welche 67.000 Arbeiter befchäftigten und 7,700.000 Arfchinen verfertigten. In Folge des polnifchen Aufftandes im Jahre 1830 wanderten zahlreiche Tuchfabricanten und Tucharbeiter aus Polen aus und liefsen fich in den ruffifchen Mutterprovinzen nieder, wofelbft fie zur Vervollkommnung der Production wefentlich beitrugen. Ein weiteres Moment für die Entwicklung der ruffifchen Tuchfabrication bildete der Schutz, welcher ihr gegen die Concurrenz der polnifchen Tuche zu Theil wurde. Im Jahre 1831 wurde der Importzoll für polnifche Tuche nach den ruffifchen Provinzen, welcher bis dahin 3 Kopeken pro Pfund betrug, auf 40 Kopeken erhöht, und wiewohl mit der 1851 erfolgten Auflaffung der Zolllinie zwifchen Polen und dem Reiche diefer Zoll gänzlich aufgehoben wurde, fo hatte doch die ruffifche Manufactur während diefer 20 Jahre eine derartige Kräftigung erfahren, dafs diefe Concurrenz nichts Bedrohliches mehr hatte. In den Jahren 1826 bis 1830 importirte Polen für 2,805.000 Rubel Schafwoll- Waaren nach Rufsland; in den Jahren 1846 bis 1850 betrug diefer Import nur mehr 310.000 Rubel. Die heutige Lage der Schafwoll- Induſtrie entfpricht vollſtändig den Bedürfniffen der Armee, und zur Zeit des Krimkrieges im Jahre 1856 konnten die heimifchen Fabriken bereits 13,000,000 Arfchinen Militärtuch liefern. Was die Fabrication von Phantafie- Artikeln aus Kammwolle betrifft, fo begann diefelbe in Rufsland erft mit dem Jahre 1830; bisher benützte man zu diefen Arbeiten importirte Kammwoll- Garne, denn die Spinnerei der Kammwolle hat fich in Rufsland erft fpät entwickelt. Der fucceffive Fortfchritt diefer Induſtrie erhellt am klarften aus den folgenden Importziffern der Kammwoll- Garne: Von 1830 bis 1832 wurden importirt 99 1839 1844 29 99 وو 99 1851 29 99 1859 1853 1861 77 99 3.150 Puds 25.000 56.000 99 وو 90.000 وو รา 99 99 1869 1871 210.000 99 99 " " 9 وو Ce n Le S Le t. Le PA d n a- m n r. zt 0 5 n Wenn auch die erften in den Jahren 1840 bis 1850 angeftellten Verfuche behufs Einführung der Kammwoll- Spinnerei in Rufsland fcheiterten, fo hat fich diefelbe indeffen in der Folge, nachdem beffere Mafchinen Verwendung gefunden, um fo fchneller gehoben Das vorzügliche Rohmaterial und andere günftige Verhältniffe fetzen heut zahlreiche diefer Spinnereien in den Stand, mit den beften ausländifchen Etabliffements concurriren zu können. Die folgende Tabelle zeigt die Lage der Hauptzweige der Schafwoll- Induftrie in den drei letzten Decennien: 110 Wilhelm von Lindheim. Jahre 1862 bis 1864 1865 1868 Gefpinnft e Schaf woll Induftrie. Tuche Kammwollen- Gewebe Zufam men Anzahl ProductionsAnzahl ProductionsAnzahl ProductionsAnzahl Productionsder Fabriken der Arbeiter werth in Rubeln der Fabriken werth der Arbeiter in Rubeln der Fabriken werth der Arbeiter in Rubeln der Fabriken werth der Arbeiter in Rubeln 222.190 1,536.800 390 74.620 27,301.400 120 14.580 7,818.200 532 91.390 36,656.400 99 1867 27 2830 2,249.400 418 73.320 33,455.300 135 17.400 II.262.600 580 93.550 46,967.300 " 1870 29 3.020 2,200.200 483 73.640 37,464.900 160 19.400 12,556.900 672 96.060 52,222 000 1871 40 3.700 3,100.900 510 75.900 43,900.000 248 30.600 19,600.000 798 IIO.200 66,600.000 * Diefe Tabelle umfafst nur die Hauptzweige der Schafwoll- Induftie; fie enthält nicht die auf die Wäfche und das Sortiren bezüglichen Ziffern. Auch die Teppich-, die Wirkwaaren- und die Filzfabrication find von zu geringem Belange, um hier erwähnt zu werden. Rufsland. 111 Man fieht aus diefer Tabelle, dafs die Schafwoll- Induftrie in ihren Hauptzweigen fich regelmäfsig entwickelt hat. In Bezug auf den Umfang der Production nimmt die Tuchinduftrie den erften Rang ein. Im Laufe der letzten 10 Jahre hat fich die Zahl der Tuchfabriken um 100 vergröfsert und der Productionswerth beinahe verdoppelt. Die im Gegenfatze zu diefer Entwicklung zu beobachtende Verminderung des Arbeiterftocks ift wohl ausfchliefslich auf die Bauernemancipation zurückzuführen, weil eine grofse Anzahl jener Etabliffements, welche ordinäre Militärtuche verfertigten, von den Eigenthümern auf deren Gütern errichtet worden waren, wofelbft bis zur Aufhebung der Leibeigenfchaft die Arbeit von den anfäffigen Bauern als Frohne geleiftet wurde. Der Einflufs der Emancipation auf die Tuchinduftrie erhellt aus folgenden Ziffern: Im Jahre 1860 gab es 430 Fabriken mit circa 95.000 Arbeitern und einem jährlichen Productionswerthe von 26,000.000 Rubel. 1862 verringerte fich die Zahl der Fabriken und Arbeiter, und im Jahre 1863 fiel fie gar auf 305, refpective 72.000, während die Production diefelbe blieb. Es ift alfo augenfcheinlich, dafs von diefer Zeit an die Induftrie fich neue Wege hat bahnen müffen. Die Nothwendigkeit, mit der Arbeitskraft zu fparen, hat die Fabrikanten zur Einführung vervollkommneter Mafchinen gezwungen Fügen wir den auf die Schafwoll- Induftrie im Reiche bezüglichen Ziffern jene hinzu, welche Polen und Finnland betreffen, fo ergibt fich folgendes Bild der gefammten ruffifchen Schafwoll Induftrie. Im Reiche. وو Zahl der Fabriken der Arbeiter Königreiche Polen " Grofsherzogthum Finnland .798 531 IIO.200 10.720 IO 150 121.070 Zufammen. I.339 Productionswerth in Rubeln. 66.600.000 10,350.000 67.600 77,017.600 Der gefammte Productionswerth von mehr als 77 Millionen Rubel vertheilt fich auf die einzelnen Provinzen, wie folgt: Moskau 41,166.000 Rubel Piotrkow Grodno 8,184.000 5,182.000 39 Simbirf k 3,388.000 Podolien Kjelce Wolhynien Eftland 315.000 Rubel 306.000 278.000 250.000 99 99 " 99 Tfchernigow 2,649.000 Rjäfan 237.000 وو St. Petersburg 2,590.000 Minfk 245.000 99 Livland 2,489.000 Wladimir 201.000 Kalifch 1,824.000 Perm 199.000 99 Penfa 1,272.000 Warfchau 159.000 99 Samara Tambow 1,094.000 917.000 Jarofslaw 150.000 99 Twer 150.000 99 Kaluga Saratow Tula 908.000 753.000 572.000 532.000 Smolenfk Kurfk Ufa 125.000 100.000 100.000 99 sa 99 Kiew " Aufser in diefen, exiftiren auch noch in acht anderen Gouvernements Fabriken, deren jährlicher Productionswerth indeffen 100.000 Rubel nicht überſteigt. Das Gouvernement Moskau nimmt, wie man ſieht, bezüglich der SchafwollFabriken den erften Rang ein. Die übrigen Gouvernements können nach dem Quantum ihrer Producte in drei Gruppen getheilt werden: 1. fechs Gouvernements: Piotrkow, Grodno, St. Petersburg, Simbirfk, Tfchernigow und Livland, mit einer Production von 2 bis 8 Millionen; 2. acht Gouvernements: Kalifch, Penfa, Tambow, Samara, Kaluga, Saratow, Tula und Kiew, mit einer Production von bis 3 Millionen und 3. 14 Gouvernements mit einer Production von 8 112 Wilhelm von Lindheim. 160.000 bis 300.000 Rubel. Hinfichtlich ihrer Production ift die Schafwoll. Induſtrie unter allen Induftriezweigen in Rufsland die zweitwichtigfte. Den hauptfächlichften Rohftoff für die Schafwoll Induftrie bilden die heimifchen Schafwollen. Ausländifche Wolle führt man nur in fchwachen Quantitäten ( im Jahre 1871 100.000 Pud) ein; felbe werden faft ausfchliefslich in den polni. fchen und Oftfee- Provinzen confumirt. Die in den Fabriken zur Verwendung gelangenden Wollen find: 1. Merinowolle, von welcher Rufsland jährlich circa 1,800.000 Pud producirt, einen Theil davon jedoch exportirt; 2. ruffifche Wollen von den Ufern des Don und den Ländern jenfeits der Wolga; 3. Zigayawolle ( von den Horden am Ural, Emba und Adaew) und 4. Kameelhaare, wovon man 700.000 Pud fammelt. Der Hauptmarkt für Merino- und Zigayawollen ift Odeffa und Charkow, der für ruffifche Wolle Nifchnei- Nowgorod, Moskau und Roftow am Don, der für Hordenwolle und Kameelhaare Gurjew. Bezüglich der Qualität find diefe Sorten natürlich fehr verfchieden. Aus den Kameelhaaren fabricirt man das fogenannte Bafchliktuch. a) Tuchinduftrie. Im Jahre 1871 befafs Rufsland 510 Tuchfabriken, welche 76.000 Arbeiter befchäftigten und für 44 Millionen Rubel Waaren erzeugten. Aufserdem zählte das Königreich Polen 236 Fabriken mit 3900 Arbeitern und 3,750.000 Rubel Production, fowie das Grofsherzogthum Finnland 5 Fabriken mit 30 Arbeitern und 7600 Rubel Production. Zufammen ergibt diefs 751 Etabliffements mit 79.800 Arbeitern und einem Productionswerthe von 47,600.000 Rubel. Die umftehende Tabelle zeigt die Vertheilung diefer Fabriken auf die einzelnen Gouvernements je nach der Bedeutung ihrer Production. Die Tuchfabrication ift für Rufsland von der gröfsten Bedeutung. Ordinäre Militärtuche liefern 102 Fabriken, von denen auf das Gouvernement Simbirsk 26, auf Penfa 21, auf Moskau 15, auf Tambow 8, auf Saratow 7, auf Samara 6, auf Rjäfan 5, auf Grodno 3, auf Woronefch 3, auf Nifchnei- Nowgorod, Kafan, Orenburg, Smolensk, Kaluga, Tula, Orel und Kiew je eine entfallen. Diefe Fabriken produciren per Jahr 9,300.000 Arfchinen, welches Quantum nach Bedarf bis auf 13 Millionen Arfchinen erhöht werden kann. Die Militärtuche felbft find von zweierlei Güte; die für die Garde beſtimmten werden aus Merinowolle geringerer Qualität, die für die Linie aus ruffifcher oder kirgififcher Wolle verfertigt. Von erfterem Tuche ift die Arfchine von dem Lieferanten zu I Rubel 40 Kopeken, von dem letzteren zu I Rubel, refpective 96 Kopeken für den fchwarzen, refpective grauen Stoff zu liefern. Von dem aus Kameelhaaren verfertigten Bafchliktuche koftet die Arfchine 90 Kopeken bis 1 Rubel 10 Kopeken, je nach der Qualität. Das für den allgemeinen Bedarf beſtimmte Tuch wird in zwei Güten geliefert. Die einen Fabriken verfertigen ordinäre, die anderen mittlere oder feine Tuche. Die Preife fchwanken zwifchen 2 bis 4 Rubel und mehr. Polnifche, livländifche und Moskauer Fabriken liefern vornehmlich feinere Sorten. Was die fogenannten Kiakhtatuche anbelangt, welche zumeift für den Handel mit China beftimmt find, fo hat ihr Export fich in den letzten Jahren verringert; trotzdem gewinnt die Fabrication derfelben von Jahr zu Jahr mehr an Bedeutung. Während der Export von Tuchen und anderen Schafwoll- Waaren nach China in den Jahren 1856 bis 1861 jährlich einen Werth von 2,161.160 Rubel repräfentirte, belief fich derfelbe in den Jahren 1862 bis 1865 auf nur mehr 1,902.466 Rubel. Von 1866 bis 1870 ftieg er wieder auf 2,095.114 Rubel, um 1871 endlich auf 1,941.643 Rubel zu finken. Die Urfache diefes Rückganges bildet die veränderte Lage des ruffifchchinefifchen Handelsverkehres, demzufolge die Ausfuhr via Kiakhta in dem mehr und mehr aufblühenden Seeverkehre eine empfindliche Concurrenz erhalten hat. Auch die Fabrication der künftlichen, aus wollenen Lumpen bereiteten fogenannten Mungo- oder Schoddy- Wolle hat Eingang in Rufsland und in Folge der Vertheuerung der echten Merinowolle auch eine gewiffe Ausdehnung gefunden. Im Jahre 1871 gab es drei derartige Fabriken. 11. Lie en mi. ng Gouvernements Rufsland. Tuchfabriken. Anzahl der Fabriken der Webftühle der Arbeiter 113 Productionswerth in Rubeln ca en lle an ffa OW tät an Moskau Grodno 64 6.092 26.380 20.214.400 145 2.019 5.260 4.954.200 Simbirfk 26 2.482 10.140 3,338.500 Tfchernigow 19 1.255 5.120 2,648.800 en, St. Petersburg 8 786 2-710 2,416.000 en on die ire 26, auf enzen auf Fon rer ive che tät. ert. he. 00 nd efs igt. en, Penfa Kalifch Samara Tambow Kaluga Saratow Kiew Tula Kjelce Eftland Minfk. Piotrkow. 197 975 1.980 2,276.000 Livland. 6 489 1.580 1,983.500 • 14 1.181 4.250 1,271.800 22 302 1.260 1,116.400 17 5.210 1,093.800 IO 1.052 2.840 916.800 2 237 r.770 891.400 II 513 3.280 753.100 17 - 640 531.500 T 148 650 510.000 2 55° 305.700 I 90 53° 250.000 5 116 54° 244.800 Rjäfan. 6 372 930 237.400 die ina em änend ren fich 366 Perm Jaroflaw Smolensk II andere Gouvernements* 2 168 53° 198.700 I 51 222 150.000 I 40 170 125.000 154 3.140 1,167.200 Zufammen 731 79.670 47.594.000 bel chLehr hat. ten lge Hen. * In diefen 11 Gouvernements ift der jährliche Productionswerth geringer als 100.000 Rubel. 8* 114 Wilhelm von Lindheim. 6) Schafwoll Spinnereien. 1871 befafs Rufsland zufammen 65 Spinnereien mit 4720 Arbeitern und einer jährlichen Production von 4,496.900 Rubel. Doch beziehen fich diefe Ziffern nur auf jene Etabliffements, welche fich ausfchliefslich mit der Schafwoll- Spinnerei befaffen, während faft alle Tuchfabriken ihre eigenen Spinnereien befitzen und hinfichtlich der Quantität ihrer Production den reinen Spinnereien weit überlegen find; denn wenn z. B. letztere im Gouvernement Moskau im Jahre 1871 in 24 Etabliffements 65 Webftühle mit 18.560 Spindeln befitzen, arbeiten in den mit Tuchfabriken verbundenen Spinnereien diefes Gouvernements 482 Webftühle mit 128.680 Spindeln. Das Gouvernement Moskau ift der Centralpunkt der Fabrication von Schafwoll- Gefpinnften. Seine 24 Spinnereien befchäftigen 2960 Arbeiter und erzeugen Waaren im Werthe von 3.198.000 Rubel. Von den übrigen 41 Etabliffements befindet fich eines im Gouvernement Twer( Productionswerth 150.000 Rubel), 7 im Gouvernement Tula( Productionswerth 62.000 Rubel), 7 im Gouvernement Grodno( Productionswerth 38.000 Rubel), eines im Gouvernement Wladimir( Productionswerth II.000 Rubel), 23 im Gouvernement Piotrkow( 930 Arbeiter, Productionswerth 1,284.900 Rubel), eines im Gouvernement Kalifch( Productionswerth 120.000 Rubel) und eines im Gouvernement Warfchau( Productionswerth 92.000 Rubel). c) Gewebe aus Kamm- und Halbwolle. Nach den officiellen Ausweifen gab es im Jahre 1871 im Reiche 248 folche Webereien, welche an 15.100 Webftühlen 30.600 Arbeiter befchäftigten und für 19,000.000 Rubel Webwaaren erzeugten. Mit Hinzurechnung der 271 polnifchen Webereien( 5820 Arbeiter, 5,215.600 Rubel Productionswerth) und der 5 finnländifchen( 130 Arbeiter, 60.000 Rubel Productionswerth) ergibt fich eine Totale von 524 Fabriken mit 36.550 Arbeitern und einem Productionswerthe von 24,876.150 Rubel. Die Fabrication wollener und halbwollener Phantafiegewebe ift wiederum im Gouvernement Moskau concentrirt. Dafelbft befinden fich 228 Webereien mit 14.650 Webftühlen, 29.800 Arbeitern und einer Production von jährlich 17,750.000 Rubel. Hierauf folgt das Gouvernement Piotrkow, welches 250 diverfe Schafwoll- Manufacturen mit 3450 Webftühlen, 4680 Arbeitern und einer Production von 4.622.900 Rubel befitzt; dann das Gouvernement Kalifch( 13.887 Webftühle, 1130 Arbeiter, 587.900 Rubel Productionswerth) und das Gouvernement Livland( 4 Webereien, 239 Webftühle, 320 Arbeiter, 506.000 Rubel Productionswerth). Die in den übrigen Gouvernements befindlichen Webereien find von nur geringem Umfange. Die Fabrication wollener und halbwollener Webwaaren ift weit unbedeutender als die der Tuche. Die Urfache hievon liegt in den häufigen Veränderungen, welchen diefe Waaren von der Mode unterworfen werden, fowie in der verhältnifsmäfsig geringfügigen Anzahl von Confumenten, welche fämmtlich den wohlhabenden Claffen angehören. In technifcher Beziehung hat diefe Fabrication, befonders in den Manufacturen des Gouvernements Moskau, grofse Fortfchritte gemacht, ohne trotzdem an Güte der Production mit den vom Auslande importirten, allerdings auch um 20 bis 30 Percent theureren Waaren concurriren zu können. Genügend entwickelt ift die Fabrication der Shawls, der Tafchen-, Hals- und Kopftücher. Die Webereien des Gouvernements Moskau haben im Jahre 1872 mehr als drei Millionen Stück Shawls und Tafchentücher in Halb- und Ganzwolle auf den Markt gebracht. d) Teppiche und Filz. Da wegen des geringen Confums Teppiche lange Zeit mittelft der Hand fabricirt wurden, fo hat fich erft vor Kurzem, nachdem der Bedarf der mittleren Claffen ein gröfserer geworden, die Teppichfabrication in ausgedehnterem Mafsftabe in Rufsland eingebürgert. Im Jahre 1871 gab es dafelbft 5 Fabriken mit 300 Arbeitern und einer jährlichen Production im Werthe von 326.000 Rubel. Die meiften Teppiche werden mittelft bedruckter Ketten fabricirt; mitunter wird das Bedrucken auch in den Fabriken felbft vor Rufsland. 115 genommen; am häufigften indeffen wird die Kette im Auslande auf Beftellung bedruckt. Man verfertigt Teppiche fodann, wenn auch in geringer Anzahl, auf Jacquard'fchen Webftühlen. Berühmt wegen ihrer Dauerhaftigkeit und Güte find die im Kaukafus verfertigten perfifchen und türkifchen Teppiche. Der Preis derfelben ift, weil fie mit der Hand gearbeitet, allerdings fehr hoch. Die Filzfabrication hat noch keine befondere Ausdehnung erlangt. Im Jahre 1871 exiftirten 39 Filzfabriken, welche 275 Arbeiter befchäftigten und jährlich für 787.000 Rubel Filzwaaren erzeugten. Letztere beftehen zumeift in Pantoffeln, welche gleich fehr durch ihre Güte wie durch ihre Billigkeit bekannt find. Die ruffifche Schafwoll- Induftrie deckt reichlich den Bedarf der Bevölkerung und ermöglicht fogar, wenigftens für einen Theil ihrer Producte, einen vornehmlich nach Afien gerichteten Export. Der bei Weitem gröfste Umfatz wird im Innern Rufslands auf den Meffen und Märkten erzielt. Alle Claffen der Bevölkerung bedienen fich diefer Erzeugniffe. Nur der Mode unterworfene, koftfpielige Artikel werden vom Auslande eingeführt und ausfchliefslich von der wohlhabenderen Bevölkerung in den Städten confumirt. Diefer Import bewegte fich in den letzten Jahren in folgenden Ziffern: Afiatifches Rufsland Zufammen 6,409.058 Europäiſches Rufsland 1867 6,195.822 1868 6,133.355 1869 9,019.556 1870 8,556.684 1871 10,109.705 Dagegen wurden exportirt: Europäifches Rufsland 1867 454.908 1868 872.353 1869 1.397.137 1870 1871 682.490 621.295 213.236 260.761 431.339 306.090 491.185 6,394.116 9.450.898 8,862.774 10,660.890 Afiatifches Rufsland 2,299.571 2,097.703 1,663.842 2,299.432 Zufammen 2,754.489 2,970.056 3,080.979 2,992.372 2,116.798 2,738.093 III. Die Flachs- und Hanfinduftrie. Die Kunft der Flachs- und Hanffpinnerei und Weberei ift in Rufsland feit unvordenklichen Zeiten bekannt, während die fabrikmässige Erzeugung der gewöhnlichen und Segel- Leinwand erft mit Peter dem Grofsen, unter deffen Regierung in Moskau und St. Petersburg derartige Etabliffements auf Staatskoften begründet wurden, ihren Anfang nimmt Ein Theil diefer Fabriken wurde fpäter an induftrielle Gefellfchaften abgetreten, ein Theil ganz aufgelaffen. Die Regierung hat, um die Entwicklung der Hanf und Flachsinduftrie zu begünftigen, aufser der Errichtung von Schutzzöllen zahlreiche Mafsregeln behufs Amelioration der Flachs- und Hanfcultur getroffen, fowie jene Fabrikanten in jeder Weife gefördert, welche die technifchen Fortfchritte des Auslandes auch für die heimifche Induftrie nutzbar zu machen wünſchten. Die Ausfuhr von ruffifcher Segel- und Brabanter Leinwand bewegt fich vom Ende des vorigen Jahrhundertes bis in die vierziger Jahre in folgenden Ziffern. Es wurden exportirt in den Jahren 1793 bis 1795 1800 bis 1814 รา 27 " 99 " 99 1815 bis 1824 وو وو 99 1825 bis 1834 99 ንን 77 1835 bis 1844 251.371 Stücke 211.807 203.053 99 29 195.584 172.739 99 وو Diefer merkliche Niedergang ift zumeift der Entwicklung der BaumwollInduftrie und der Dampffchifffahrt, welche letztere den Confum von Segel- Lein 116 Wilhelm von Lindheim. wand nothwendig einfchränken mufste, andererfeits indeffen auch der Concurrenz des Auslandes zuzufchreiben, welches durch die Einführung der Maſchinenfpinnerei beffere Qualitäten zu mäfsigeren Preifen zu liefern vermochte. In Rufsland ftiefs die Einführung der neuen Erfindungen auf grofse durch den Mangel an techniſchen Kenntniffen wie an Unternehmungsgeift bedingte Schwierigkeiten. Während man im Auslande und vornehmlich in England die gröfsten Anftrengungen behufs Vereinfachung und Vervollkommnung der verfchiedenen Manipulationen diefer Induſtrie machte, blieben die ruffifchen Fabrikanten den traditionellen Herftellungsgebräuchen treu und hielten die fucceffive Ermäfsigung der Preife für eine vorübergehende ungünftige Conjunctur Auf diefe Weife mufsten fie der immer gewaltiger andrängenden Concurrenz allgemach erliegen. Die erfte mechanifche Flachsfpinnerei wurde im Jahre 1826 in der kaiferlichen Alexander- Manufactur zu St. Petersburg behufs Ausbildung tüchtiger Betriebsleiter errichtet. Erft fechs Jahre ſpäter gründete ein Privatmann zu Wiazniki im Gouvernement Wladimir ein zweites derartiges Etabliffement, ohne indeffen zu reuffiren. Zahlreiche weitere Bemühungen zur Einbürgerung der mechanifchen Spinnerei blieben in der Folge ebenfo fruchtlos, und erft im Jahre 1854 konnte zu Koftroma ein gröfseres Etabliffement mit 1500 Spindeln errichtet werden, deffen Gedeihen andere Capitaliften fo fehr ermuthigte, dafs in kurzer Zeit die Gouvernements Koftroma und Jaroflaw noch vier andere Spinnereien mit zufammen 19.000 Spindeln befafsen. Zu der weiteren Entwicklung diefer Induftrie trugen zahlreiche günftige Momente bei; fo die Vertheuerung der Baumwolle während des nordamerikanifchen Bürgerkrieges und die grofsen Aufträge, welche die ruffifche Militärintendanz den Spinnereien während des polnifchen Aufftandes ertheilte. Während der Jahre 1863 bis 1866 hat fich in Folge deffen die Production derfelben nahezu verdoppelt. Vom Jahre 1866 an hat die Production wohl nicht mehr fo rapide, aber immerhin noch in merklicher Weife zugenommen. Die umftehende Tabelle gibt über die Entwicklung der Flachsinduftrie, über die Leinwand- Production, fowie über den Umfang Auffchlufs, welchen die Erzeugung von Hanfproducten und ſpeciell von Seilerwaaren in den neun Jahren von 1863 bis 1871 gewonnen hat. Der Flachs und Hanfbau ift mit der wichtigfte Zweig der ruffifchen Agricultur; er wird faft im ganzen Reiche betrieben, erreicht indeffen in beſtimmten Gegenden befondere Ausdehnung. Man kann drei Productionszonen des Flachfes annehmen die nordöftliche, welche an den Quellen der Dwina, der Wiatka, der Kama und ihrer Nebenflüffe beginnt und fich bis zur nördlichen Wolga und zur Oka erftreckt; die weftliche, welche die Küften der Oftfee, die Ufer des Tfchudskoe- Sees, fowie der Düna und der weftlichen Dwina umfafst und bis an die Quellen des Dnieper reicht; endlich die füdliche, welche fich auf das untere Stromgebiet des Bug, des Dnieper, des Don und ihrer Zuflüffe ausdehnt. Die Procedur des Röftens und Brechens wird in der Regel durch den Producenten felbft vorgenommen und bildet einen jener traditionellen Induftriezweige, welche fich nur fehr ungern dem Fortfchritte anbequemen. Die Unvollkommenheit diefer Manipulationen bringt den textilen Eigenfchaften des Flachfes wefentlichen Schaden. In der nordöftlichen Zone breitet man den Flachs, nachdem der Samen entfernt worden, auf einer Wiefe aus und läfst ihn dort fo lange liegen, bis er fchwarz wird; in der weftlichen Zone legt man ihn in das Waffer eines Teiches oder Baches und läfst ihn dafelbft je nach der Witterung kürzere oder längere Zeit; hierauf breitet man ihn gleichfalls auf einer Wiefe aus, um ihn zu trocknen und das Röften zu vollenden. Die ungünftigen klimatifchen Verhältniffe, unter welchen diefe Hauptproductions- Zonen empfindlich zu leiden haben, machen fpeciell für Rufsland die Entdeckung eines Mittels, die Manipulation des Röftens ohne Rückficht auf Zeit und Witterung vornehmen zu können, zu einer dringenden Nothwendigkeit. Indeffen find die Nachtheile der bisherigen Röftungsmethode nicht die einzigen, welche die Qualität des Flachfes in ungünftiger Weife beeinfluffen. Vornehmlich wird die Reinigung nur fehr unvollkommen vorgenommen, und dieferhalb können. In den Jahren Flachs- Spinnereien Anzahl der Fabriken der Arbeiter Jährliche Production ( in Rubeln) Leinwand- Webereien Anzahl der Fabriken der Arbeiter Jährliche Production ( in Rubeln) Hanffpinnereien Anzahl der Fabriken der Arbeiter Jährliche Production ( in Rubeln) der Fabriken Seilereien Anzahl der Arbeiter Jährliche Production ( in Rubeln) 1863 5 2750 2,063.200 65 12.120 4,217.300 13 1330 1,071.200 92 3100 2,955.000 1864 9 5250 3.506.900 73 12.750 4.358.200 21 710 837.100 II2 3720 2,665.700 1865 I2 8050 5,191.000 78 12.920 3,825.300 19 1230 1,131.300 125 4400 3,234.000 1866 13 7500 4,817.700 88 14.100 4,451.000 19 2130 1,329.200 124 3150 3,241.600 1867 3 7490 5,460.900 97 II.200 4,931.400 18 2010 1,267.200 I2I 2270 2,902.800 1868 13 8200 5,980.700 IOO 13.670 5,397.100 14 1790 1,192.700 127 2080 3,113.100 1869 14 8380 5.322.200 95 12.900 5,386.000 16 1400 1,044.000 128 2670 3,411.160 1870 14 9380 5.697.800 95 12.500 5,002.700 16 1610 1,503.400 118 2750 3,076.700 1871 18 9340 6,045.000 ΙΟΙ 14.660 6,096.500 23 2280 1,964.000 II2 2500 3.337.200 117 Rufsland. 118 Wilhelm von Lindheim. die Producenten für ihr Erzeugnifs nur äufserft niedrige Preife erzielen. Diefe Uebelftände machen fich von Jahr zu Jahr fühlbarer und drängen die wohlhabenderen Producenten mehr und mehr darauf hin, fich mit befferen Mafchinen zu verfehen und fich den Fortfchritten der Technik zu accommodiren. Das Quantum des in Rufsland geernteten Flachfes wird auf ungefähr 15,000.000 Pud und das des Flachsfamens auf 2,500.000 Tfchetwert gefchätzt. Gleich dem Flachfe wird auch der Hanf in einem grofsen Theile des Reiches, zu commerciellen Zwecken hingegen nur im Centrum desfelben angebaut. Man kann die Gouvernements Orel, Smolenfk, Mohilew, die weftlichen Diftricte von Livny und Jeletz, den nördlichen. Theil der Gouvernements Tfchernigow und Kursk, den Süden von Kaluga, Tula und Rjäfan, fowie den Südweften von Tambow als Hauptproductions Gebiete des Hanfes betrachten. Die Menge des zu Spinnzwecken beftimmten Hanfes wird ihrer jährlichen Erzeugung nach auf circa 6,000.000 Pud, die des Hanffamens auf 3.500.000 Tfchetwert gefchätzt. Der in den Handel gebrachte fpinnbare Hanf ift unter zwei verfchiedenen Namen bekannt; jener, welchen man Sfetfchka ( zerfchnittenen Hanf) nennt, wird im weftlichen Theile der Hanfzone bis zur Defna geerntet und hat feinen Namen von dem Gebrauche, die Stengel mit den Samenkapfeln abzufchneiden; der andere, welcher Molotfchanka( gedrofchener Hanf) heifst, ift das Product des Oftens und wird durch Drefchen von feinem Samen befreit. Man unterfcheidet ferner den Zimniak oder Winterhanf, welchen die Bauern im Winter zubereiten und welcher ein wenig grünlich bleibt, fowie den Wefchniak oder Frühlingshanf, welcher mit gröfserer Sorgfalt behandelt und auf den Märkten immer zu höheren Preifen umgefetzt wird. Gehechelter Flachs Flachswerg Flachsgefpinnfte In den Jahren In Taufenden In Taufenden In Taufenden von Puds von Rubeln Puds von von von von Rubeln Puds Rubeln 1862 1863 1864 1865 1866 4.197 16.484 812 4.202 16,543 787 4.240 15.885 811 6.487 25.950 780 4.795 19.181 798 1.783 20 79 1.933 4 9 2.238 7 30 1.920 ΙΟ 24 1.954 25 56 Gefammtbeträge diefer fünf Jahre 23.921 94.043 3.988 9.828 66 198 Jährliche DurchfchnittsSummen. 4.784 18.828 798 1.966 33 39 1867 1868 1869 1870 1871 4.957 19.828 544 I. 332 8 19 7.258 29.030 936 2.294 22 49 5.974 32.857 1.067 2.668 20 358 Jährliche DurchschnittsGefammtbeträge diefer fünf Jahre. Summen 10.381 57.098 I.I3I 9,015 49.583 930 2.827 106 1.916 2.324 II5 2.070 37.585 188.395 4.608 7.517 37.679 922 II.445 271 4.412 2.289 54 882 Rufsland. 119 Der Ein beträchtlicher Theil der in der nordweftlichen Zone erzielten Flachsernte wird in den Spinnereien diefer Gegenden und von den Bauern felbft verarbeitet; vornehmlich find es die Gouvernements Jarosflaw, Wladimir und Koftroma, wo die Handfpinnerei des Flachfes eine wichtige Hausinduftrie bildet. Export geht zumeift über Archangel und die Häfen der Oftfee. Auch der gröfsere Theil des Hanfes wird via St. Petersburg und Riga exportirt, und nur ein kleines Quantum, welches in den Segel- Leinwand und Seilerwaaren fabricirenden Etabliffements des Reiches verarbeitet wird, bleibt im Lande. Hanf und Flachs find hiernach Gegenftand eines bedeutenden Handels mit dem Auslande und nehmen unter den ruffifchen Exportartikeln den zweiten Rang ein. Die vorſtehende Tabelle weift den Werth und das Quantum des in den letzten 10 Jahren exportirten Flachfes nach. Der Hanfexport bewegte fich in diefem Decennium in folgenden Ziffern: In den Jahren Gehechelter Hanf Hanfwerg Hanfgefpinnfte In Taufenden In Taufenden In Taufenden von von von von von von Puds Rubeln Puds Rubeln Puds Rubeln 1862 1863 3.152 2.758 9.327 8.049 96 163 338 1.376 163 187 270 1.077 1864 3.012 8.993 125 167 335 1.304 1865 3.668 II.003 52 60 347 1.387 1866 3.272 9,815 53 61 373 1.492 Gefammtbeträge diefer fünf Jahre. 16.840 47.187 489 658 1.663 6.636 Jährliche DurchfchnittsSummen 3.368 9.437 98 132 333 1.327 1867 2.891 1868 2.700 8.674 8.100 56 64 386 I.543 50 58 312 1.248 1869 3.129 10.483 73 109 217 868 1870 3.285 187 1 3.652 II.005 12.234 76 II4 90 290 1.160 135 168 674 Gefammtbeträge diefer fünf Jahre. 15.657 50.496 345 480 I.373 5.493 Jährliche DurchfchnittsSummen 3,131 10.099 69 96 257 1.099 Man erfieht aus der erften Tabelle, dafs der Export von gehecheltem Flachs fich während des letzten Quinquenniums nahezu verdoppelt und der von Flachswerg fich gleichfalls beträchtlich vermehrt hat. Am meiften hat indeffen der Export von Flachsgefpinnften fich vergröfsert, welcher in den Jahren 1862 bis 1866 durchſchnittlich 1300 Pud, in den Jahren 1867 bis 1871 aber 54.000 Pud betragen hat. Was den rohen, fowie den Werghanf anbelangt, fo hat ihr Export nicht merklich zugenommen, während die Ausfuhr von Hanfgefpinnften fich augenfällig verringert hat. Betrachten wir nun die Lage der ruffifchen Flachsfpinn- Induftrie, welche im Allgemeinen nur von untergeordneter Bedeutung ift. Nach officiellen Angaben 120 Wilhelm von Lindheim. befafs das Europäiſche Rufsland im Jahre 1871 18 Flachsfpinnereien mit 95.000 Spindeln, 9340 Arbeitern und einem Productionswerthe von 6,045.000 Rubel. Mit Hinzurechnung der im Königreiche Polen befindlichen 7800 Spindeln würde fich die Gefammtzahl derfelben auf 102.800 erhöhen. Auf die einzelnen Gouvernements vertheilen fich diefe Etabliffements in folgender Weife: Gouvernements Koftroma Jaroflaw der Spinnereien 52 Anzahl der der Jährlicher Productionswerth Spindeln Arbeiter( in Rubeln) 41.000 4.090 Kafan St. Petersburg Wladimir Wologda Livland. Rjäfan Smolensk 2,498.900 23.200 1.950 1,387.000 I 5.900 300 500.000 3 6.000 800 500.000 3 10.840 I.240 485.500 I 3.600 500 325.000 I 4.210 300 188.500 I 150 150.000 I IO 10.000 18 94.750 9.340 Zuſammen. 6,044.900 Das Quantum der in diefen Spinnereien verarbeiteten Flachsgarne belief fich im Jahre 1871 auf 700.000 Pud. Die innere Einrichtung der ruffifchen Spinnereien kann feit den letzten 15 Jahren mit jenen der erften englifchen Etabbliffements wetteifern. Der Umftand, dafs die ruffifchen Fabriken auch hohe Nummern( 120-160) verarbeiten können, beweift, dafs fie in technifcher Beziehung nicht zurück find und, wenn nothwendig, die feinften Garne produciren könnten. Nach officiellen Angaben befafs Rufsland im Jahre 1871 101 Flachswebereien mit 11.460 Webftühlen, 14.660 Arbeitern und einem Productionswerthe von 6,100.000 Rubel. Auf die einzelnen Gouvernements vertheilen fich diefe Etabliffements wie folgt: Jährlicher Productionswerth Gouvernements Anzahl der der Webe- Webreien ftühle der Arbeiter ( in Rubeln) Waldimir 36 7.980 9.430 2,126.500 Koftroma St. Petersburg Jaroflaw Kafan 18 1.500 1.600 1,217.000 55 340 1.440 1,108.500 5 400 490 555.000 I 320 45° 550.000 Wologda Moskau. Wjatka 88 380 370 204.100 170 230 147.300 I IOO 160 40.000 Witebsk Livland I 40 150 38.100 I 20 40 33.000 fünf andere Gouvernements, deren Productionswerth den Betrag von 30.000 Rubel nicht überfteigt 21 210 Zuſammen IOI II.460 300 14.660 77.000 6,096.500 Rufsland. 121 Man verfertigt in diefen Etabliffements Tifchleinwand, fowie Leinwand zu Leibwäfche, eleganten und ordinären Zwillich. Hauptgegenftand der Fabrication find geringere und mittlere Sorten, während beffere wegen der mangelhaften inneren Einrichtung der ruffifchen Fabriken nur wenig producirt werden. Nur zwei oder drei Etabliffements machen hievon eine Ausnahme, indem ihre Fabricate fich kaum von den beften des Auslandes unterfcheiden. Die Breite der Leinwand richtet fich nach den Bedürfniffen der Confumtion und fchwankt zwifchen 44 und 124 Arfchinen. Die ruffifche Hanffpinnerei hatte im Jahre 1871 folgenden Umfang: Gouvernements A n Ꮓ a h 1 Jährlicher Productionswerth Twer Orel St. Petersburg Smolensk Zuſammen. der Spinnereien der Arbeiter ( in Rubeln) 7 IO 1.530 500 1,383.600 270.200 2 IOO 205.100 4 150 105.000 23 2.280 1,963.900 Die Verarbeitung des Hanfgarns zu Seilerwaaren wird faft ausfchliefslich mit der Hand bewerkstelligt. Der Gebrauch von Spinnmafchinen ift bis jetzt nur in einer einzigen Fabrik eingeführt. Die Seilerwaaren- Fabrication war im Jahre 1871 wie folgt vertheilt: Gouvernements An Ꮓ a h 1 Jährlicher Productionswerth der Seilereien der Arbeiter ( in Rubeln) St. Petersburg Jaroflaw. Cherfon Perm. Rjäfan Kurfk Jekaterinoslaw Archangel 16 Orel. Nifchnei Nowgorod Tambow Charkow Samara Pultawa. 15 andere Gouvernements* 29 Zufammen 250 84223330 484-2200 800 440 1,872.000 339.300 70 334.000 150 215.700 230 177.000 80 69.000 130 63.000 70 48.200 120 46.900 80 38.900 60 32.000 I 5° 15.000 30 13.000 30 12.600 160 60.600 2.500 3.337.200 * In diefen Gouvernements ift der jährliche Productionswerth geringer als 10.000 Rubel. 122 Wilhelm von Lindheim. In technifcher Beziehung befinden fich die ruffifchen Seilereien im beften Zuftande Trotzdem hat feit dem Jahre 1850 diefe Induftrie fich nicht nur nicht entwickelt, fie hat fogar in Folge der Verringung in der Ausfuhr merklich an Ausdehnung verloren. Im Jahre 1850 betrug der Export von Seilerwaaren 5 Millionen Rubel im Jahre 1860 war der Export auf 1,446.000, im Jahre 1870 auf 1,208.000 Rubel gefunken. Wie früher erwähnt, nimmt die Leinweberei unter den ruffifchen Induftriezweigen die zweite Stellung ein. Von um fo gröfserer Bedeutung ift diefelbe als Hausinduftrie, indem der gröfsere Theil der ländlichen Bevölkerung des Reiches fich mit der Weberei befchäftigt und die Märkte jährlich mit ungefähr 170 Millionen Arfchinen im Werthe von circa 14 Millionen Rubel befchickt. Die gröfste Entwicklung hat diefe Induftrie in den folgenden Gouvernements erfahren: Wjatka mit 18 Millionen Arfchinen, Jarosflaw mit 16 Millionen, Twer mit II Millionen, Wologda mit 10 Millionen, Perm und Kaluga mit je 7 Millionen, Koftroma mit 6 Millionen, Nifchnei- Nowgorod mit 5 Millionen, Orel mit 3.500.000, Tambow mit 3 Millionen, Tobolsk mit 2,800,000, das Königreich Polen mit 2 Millionen, Tula und Saratow mit je 1,500.000, Simbirfk, Moskau, Kurfk und Tfchernigow mit je einer Million Arfchinen.( Siehe den Specialartikel über die Hausinduftrie). IV. Die Seideninduftrie. Im vergangenen Jahrhunderte hat man mit der Seidencultur in Rufsland begonnen, aber erft in diefem Jahrhunderte und fpeciell vom Jahre 1830 ab hat diefe Induftrie unter dem Einfluffe eines Schutzzolles einen gröfseren Auffchwung genommen. Die Regierung hatte fich durch lange Zeit die gröfste Mühe gegeben, die Seidencultur zu heben und das Intereffe der Bauern daran in den climatifch günftigen Ländertheilen zu wecken; grofser Erfolge kann fie fich indeffen nicht rühmen. Zwei Länder, der Kaukafus und Turkeftan, find dem Seidenbaue befonders günftig. Erfteres hat vom Jahre 1864 an fehr unter der Seidenraupen- Krankheit gelitten, welche im Jahre 1867 ihren Höhepunkt erreichte Der unheilvolle Einflufs diefer Calamität drückt fich deutlich in den die Seidenausfuhr aus Transkaukafien betreffenden Ziffern aus. Es gelangten nämlich zum Export im Jahre 1859 1860 17 8.349 17.497 Puds 1861 13.110 1862 23.902 1863 36.046 1864 38,416 1865 27.929 1866 21.347 99 1867 5.013 79 1868 16.010 99 1869 9.038 97 1870 14.927 55 99 1871 34.268 وو 77 Der Werth des Seidenexportes aus dem Europäifchen und Afiatifchen Rufsland während der letzten 10 Jahre bewegt fich in folgenden Ziffern: Afatifches In den Rufsland Jahren Rufsland. Europäiſches Rufsland Rub e 1 123 Zufam men 1862 1,301.868 723.094 1863 1,282.460 154.026 2,024.962 1,436.486 1864 2,085.063 942.994 3,028 057 1865 1,694.655 1,765.107 3,459.762 1866 1,683.576 1867 293.727 148.954 238.970 1,832,530 532.697 1868 1,027.166 291.525 1,318.681 1869 477.294 1,165.885 1,643,179 1870 1,169.185 2,089.052 1871 647.680 919.867 1,763.780 2,411.460 Durch die turkeftanifche Seidenzucht hat die ruffifche Seidencultur einen wichtigten Zuwachs erhalten. Kurze Zeit nach der Invafion hat man in Khodfchent und Tafchkent zwei grofse Etabliffements für die Seidenzucht gegründet. Das Quantum der von Turkeftan, der Bucharei und aus Khiwa nach Moskau gebrachten Seide ift ziemlich bedeutend. Im Jahre 1867 ftieg der Import von aſiatiſcher Seide nach Rufsland auf 7.130 Pud im Werthe von 1,270.000 Rubel. Bei der grofsen Beliebtheit, deren fich die afiatifche Seide bei den Moskauer Fabrikanten erfreut, ift kaum anzunehmen, dafs diefer Import in den letzten Jahren eine Verminderung erfahren. Das Quantum, fowie die Qualität der in Rufsland felbft erzeugten Seide genügen den heimifchen Webereien nur wenig, fo dafs zu der Fabrication befferer Qualitäten auch der Import franzöfifcher und italienifcher Seide erforderlich wird. In den letzten 10 Jahren hat fich, wie aus nachstehender Tabelle erfichtlich, der Seidenimport verdoppelt. Es haben importirt Europäiſches In den Rufsland Afiatifches Rufsland Zufam men Jahren Rube 1 1862 2,698.385 241.578 2,939.963 1863 2,275.933 267.630 2,543.563 1864 2,069.429 924.262 2,993.691 1865 2,311.200 397.900 2,709.100 1866 2,745.321 89.036 2,834.357 1867 5.107.564 263.498 5.371.062 1868 4,285.103 70.749* 4.355.852 1869 5.441.799 102.585 5.544.284 1870 7,263.694 124.393 7.388.087 1871 6,663.601 100.502 6,764.103 * Im Jahre 1868 treten die centralafiatifchen Länder hinzu. 124 Wilhelm von Lindheim. Seidenmanufacturen, Brocat- und Treffenwebereien befafs Russland: Anzahl In den Gefammtproduction Jahren der Etabliffements: der Arbeiter ( in Rubeln) 1851 bis 1853 460 16.800 6,187.400 1862 وو 1864 360 II.730 6,737.400 1865" 1868 1867 360 8.860 6,067.300 1870 99 430 II.590 8,373.800 1871 450 15.400 10,304.500 Man erfieht aus diefer Tabelle, dafs die Zahl der Fabriken und Arbeiter in dem Triennium 1851 bis 1853 gröfser ift, als die in den Jahren 1862 bis 1864, dafs aber trotzdem der Productionswerth in diefen letzten Jahren fich, anftatt zu vermindern, vermehrt hat. Indeffen refultirt diefe Vermehrung nur aus der durch die Krankheit des Seidenwurmes in jener Zeit in Europa hervorgerufenen Vertheuerung der Seide. Die traurigfte Epoche für die Fabrication waren die Jahre 1865 bis 1867; hier hatte fich auch der Productionswerth, wiewohl der Preis der Seide geftiegen war, neben der Zahl der Fabriken und Arbeiter erheblich vermindert. Was die gegenwärtige Lage diefer Induftrie anbelangt, fo mufs man zunächft von den 450 Etabliffements, den 15.400 Arbeitern und dem 10,304.500 Rubel betragenden Productionswerthe, die auf die mehr hausinduftrielle, als fabriksmäfsige Production Transkaukafiens bezüglichen Ziffern in Abzug bringen. Der Kaukafus befafs im Jahre 1871 250 Webereien u. f. w. mit 1.580 Arbeitern und einer Production im Werthe von 752.900 Rubel. Auf Rufsland felbft, fowie auf das Königreich Polen vertheilt fich die Seideninduftrie in folgender Weife: Anzahl Gefammtproduction der Etabliffements. der Arbeiter ( in Rubeln) Spinnereien Webereien. 44 Bandwebereien Brocat und Treffenwebereien Zuſammen 5475. 420 221.800 II.480 290 7.775.800 190 1.260 13.450 227.800 1,126.900 9,352.300 Webereien im Königreiche Polen IO 37° 199.300 Zuſammen 200 13.820 9.551.601 Das Spinnen oder das Zwirnen der Seide ift befonders im Gouvernement Moskau, in den Diftricten Bogorodsk und Kolomna zu Haufe. In Kolomna zählte man im Jahre 1871 15 Spinnereien mit 420 Arbeitern und einem Productionswerthe von 221.800 Rubel. An der Seiden- Webinduftrie( Band-, Brocat-, Treffen, ordinäre Gewebe) participiren die einzelnen Gouvernements des Europäiſchen Ruſs. lands wie folgt: Gouvernements Rufsland. Anzahl der Etabliffements Webftühle 125 der der Arbeiter Jährlicher Productionswerth ( in Rubeln) 8.700 320 II.700 7,828.100 800 1,010.000 470 237.700 320 340 171.200 20 5° 40.000 20 25 28.000 Moskau 155 St. Petersburg. 14 Wladimir 5 - Piotrkow. 4 Livland I Warfchau 6 er 4, tt er Die folgende Tabelle weift nach, inwieweit die ruffifche Seideninduftrie den Bedarf des Landes zu decken vermochte. Es wurden nämlich an Seidenwaaren vom Auslande bezogen: n e is S h In den Jahren Vom Europäiſchen Rufsland Vom Afiatifchen Zufammen Rufsland n 0 Is 1. Rub e 1 1862 3,556.295 393.239 3.949.534 1863 3,288.879 487.265 3,776.144 n 1864 2,720.528 359.978 3,080.506 e 1865 3,368.262 362.671 3,730.933 1866 3,363.304 427.724 3,791.028 1867 5,012.567 414.276 35.426.843 1868 5,422.540 394.302 5,816.842 1869 4,001.796 505.348 4,507.144 1870 4,020.446 417.103 4.437.549 1871 5,818.299 475 686 6.293.985 Das Afiatifche Rufsland exportirte an Seidenwaaren: In den Jahren Ueber die afiatifche Grenze Ueber die Orenburg'fche und fibirifche Zolllinie im Allgemeinen Rub e 1 1862 16.630 50.494 1863 12.672 58.358 1864 12.529 72.267 1865 2.487 33 076 201 t 1866 12.567 71. OII 1867 16.862 98.138 e 1868 30.419 e 1869 19.510 - 1870 42.001 ||| 1871 54.435 126 Wilhelm von Lindheim. Die Gold- und Flockfeiden- Spinnerei umfafste im Jahre 1872 17 Etabliffements mit 640 Arbeitern und einem jährlichen Productionswerthe von 176.800 Rubel. Die Mehrzahl derfelben, nämlich 12 mit 500 Arbeitern, befindet fich im Gouvernement Moskau. Die Verwerthung der Seidenabfälle kennt man in Rufsland erft feit kurzer Zeit, und nur zwei Fabriken cultiviren diefelbe; die eine, zu Moskau, benützt die Abfälle zur Verfertigung von Flachsfeide; die andere, zu St. Petersburg, fabricirt daraus ein Gewebe, welches man zu Säcken für Schiefspulver verwendet. Induftrien, welche einer Befteuerung unterworfen find. Die Gefammteinnahme aus dem Titel der Accife in den fechzig Gouvernements Rufslands, des Königreichs Polen und der Provinz der Donifchen Kofaken belief fich im Jahre 1873 auf 192,325.083 Rubel, das heifst auf 5,979.739 Rubel mehr als 1872, oder um 7,785.893 Rubel mehr, als im Voranfchlage vorausgefehen. Diefe Gefammtziffer fetzt fich, wie folgt, zufammen: Accife und Patente bezüglich: Getränkefteuer 169.980.426 Salz Tabak. Zucker Total 8,276.295 10,198.131 3,870.231 192,325.083 Rubel. Demzufolge ftellte fich eine Differenz heraus bei: Getränkefteuer von. Salz Tabak Zucker + I1,293.326 - 2,182.595 - 701.869 622.969 Mithin Mindereinnahme oder Mehreinnahme insgefammt 3.507.433 Rubel 7,785.893 Rubel Im Vergleiche zu den nachgewiefenen Ziffern des Jahres 1872 finden wir Mehreinnahmen bei: Getränkefteuer Tabak Zucker 2 Totale der Mehreinnahme ab Mindereinnahme Salz bleibt Mehreinnahme 6,298.911 95.973 1,672.907 8,067.791 Rubel 2,088.052 5.979.739 Rubel. Die Mindereinnahme bei der Salzaccife ift hauptfächlich durch das Aufhören des bisher durch den Staat ausgeführten Salzverkaufes entſtanden, wird aber durch die Steigerung der Eingangszölle für Salz nahezu compenfirt. Diefe Eingangszölle betrugen im Jahre 1873 4,371.346 oder 1,163.919 Rubel mehr als im Jahre 1872. Zahl der Gegenstand der Fabrication Fabriken Alabafter( Gyps) Cement Chemikalien Rufsland. Rufslands wichtigfte Fabricationszweige.( In fummarifcher Ueberficht.)* 127 ( Mit Ausnahme der Spinn- und Webinduftrie, über welche der Special- Artikel Auskunft gibt.) Zahl der Arbeiter 78 Productionswerth in Rubeln per Jahr. 129.051 381.000 7,877.550 8 9 722 187 4.740 Dachpappen 3 108 27.400 Dachziegel( mit Thonröhren) 39 139 690.500 Fayencen 44 1032 Glas 222 10.748 Gummi und Guttapercha 3 Holz( gefchnittenes und gefägtes) 179 3.556 Knöpfe 14 397 Lack 29 Leder, gegärbtes , 2.731 13.894 lackirtes. 8 167 " Sämiſch68 139 " Saffianوو • 38 1.568 359.590 3,798.158 2,000.000 3,886.798 191.401 465.580 18,563.958 144.790 37.306 1,849.225 Leim Oel Papier Porzellan Rofshaare Seife Siegellack IO2 552 152.745 1.903 6.454 2,408.247 158 9.527 5.747.681 28 2.518 1,042.054 353 Spodium. Stearin Strohhüte Talglichte 670 Tapeten Thonwaaren 616 Wachs, gefottenes " gebleichtes Wachslichte Wachstuch Wirkwaaren. Ziegel 2.127 Zündhölzer Zucker( 3 Raffinerien) und Polen. 439 42 Spiritusfabriken( fiehe Seite 126). Bergbau( fiehe Seite 132, 133). 1,448.388 3,155.352 195.796 292.774 7.337.642 422.215 4,892.107 612.610 400.084 301.933 816.780 1,623 785 298.520 144.961 2,932.167 488.421 76,000.000 Nach den ftatiftifchen Mittheilungen hat Russland im Ganzen 90.000 Fa briken, in welchen circa 1,000.000 Arbeiter in gefchloffenen Räumen befchäftigt werden.( Die auf Seite 64 angegebenen Zahlen beziehen fich auf die mit der Landwirthschaft zufammenhängenden Induftriezweige. * Nach A. D. Timirjafew's ftatiftifchem Atlas der ruffifchen Grofsinduftrie und Matthäi's ,, die Induftrie Rufslands in ihrer bisherigen Einrichtung und in ihrem gegenwärtigen Zuftande. Leipzig. 1872. Wenn die citirten Ziffern auf Genauigkeit auch abfolut keinen Anfpruch haben fo geben fie doch wenigftens ein ungefähres Bild von den induftriellen Zuftänden des Reiches 34 I.012 1.256 13 168 22 195 16 2.317 20 397 2.105 26 926 1.715 83 283 17 174 IIO 563 IO 113 IO 245 85 2.214 9 128 Wilhelm von Lindheim. Man rechnet von diefer Zahl 60 bis 70 Percent kranke Arbeiter und auf 20 Jahre das durchſchnittliche Lebensalter eines Arbeiters. Für die Gefundheitspflege der Arbeiter bleibt daher noch viel zu thun, und fei hierbei erwähnt, dafs das Sterblichkeitsverhältnifs der hauptfächlichften Fabriksorte Englands wie folgt ift in Liverpool I auf 19 Arbeiter 99 Manchefter I Sheffield I " 17 99 22 14 Bergbau. Das ruffifche Reich birgt in feinem Innern metallifche Schätze von unendlichem Werthe; der Ural, das Altaigebirge mit den Bergen von Nertfchinfk, welche als eine Verlängerung obigen Gebirges angefehen werden können, bergen einen unerfchöpflichen Reichthum an Gold, Platina, Silber, Kupfer, Blei und Eifen. Das Gold, welches möglicherweife einft im Ural zu Ende gehen könnte, fcheint dagegen in den fibirifchen Ländern unerfchöpflich zu fein. Die ftarke Vermehrung, welche man jährlich in den Goldwäfchereien conftatiren kann, das fortwährende Auffinden neuer Goldlager berechtigen zu der Vorausfetzung, dafs die fteigende Production auch fernerhin fteigerungsfähig ift, weil nur ein fehr geringer Theil der goldhaltigen Terrains bis jetzt ausgegebeutet wird. Es ift intereffant, in diefer Richtung die Erträge zu conftatiren, welche feit den Jahren 1754 bis 1870 zu Tage gefördert wurden. Der Durchfchnitt, auf ein Jahr berechnet, betrug in diefer Reihe von 116 Jahren 378% Pud, während im Jahre 1869 2022 Pud, im Jahre 1870 2156 Pud und im Jahre 1872 bereits 2899 Pud gewonnen wurden. Das Platina, diefer unzertrennliche Gefährte des Goldes, zeigt fich nur in Einer Gegend des Ural; aber es ift alle Wahrfcheinlichkeit vorhanden, dafs bei forgfältigeren Recherchen und bei erhöhten geologifchen Kenntniffen auch noch andere Gänge werden aufgedeckt werden. Das Silber mufs fich in grofser Maffe in den Thälern des Altai und von Nertfchinſk finden, Gegenden, die jetzt nur von einzelnen kühnen Reifenden durchfchritten werden und nicht nur in der ganzen weftlichen Welt, fondern auch in Rufsland felbft wenig oder gar nicht gekannt find. Ein Gleiches gilt vom Blei. Das Kupfer zeigt nicht nur im Ural und Altai, fondern auch im Kaukafus und in den kirgififchen Steppen wundervolle Ablagerungen. Es ift erfreulich, zu conftatiren, dafs ein rationellerer Bergbau platzgreift und dadurch die Sünden von Jahrhunderten nach und nach wettgemacht werden dürften. Was nun das Eifen anlangt, fo genügen die bekannten Auffchlüffe im Ural allein, um eine Production ohne Grenzen ins Leben zu rufen; nicht weniger Ueberflufs daran herrfcht in einigen Gegenden des Altai, in den Territorien von Nertfchinfk, in einigen Gouvernements Centralrufslands und namentlich in den Gegenden am Don und im Königreich Polen. Die Minen des ruffifchen Reiches gehören in letzter Zeit zu den reichften von Europa. Der Ural, wie auch der Altai und Nertfchinfk liefern auch Edelſteine. und andere mineralifche Producte, Salz ift in den öftlichen Steppen in den zahllofen Salzfeen Rufslands in Menge vorhanden. Die koftbarften Lager von Steinkohle find im Ural, in Centralrufsland und im Moskauer Becken; am reichhaltigften ift aber die Gegend am Don. Rufsland. 129 Da nun diefe Kohlenlager in nächfter Nähe der Eifenerz- Ablagerungen vorhanden find, wie im Weften, namentlich im Kreife Olkufch im Königreiche Polen, fo find dort die Grundbedingungen vorhanden, um auf der gefundeſten Bafis eine grossartige Eifenin duftrie ins Leben zu rufen. Die Vorbedingungen für die metallurgifche Induftrie find daher hier mehr wie in vielen anderen Ländern gegeben, und dürfte in Folge deffen der auffallende Umftand, dafs Rufsland bis jetzt noch nicht in der Lage ift, feinem grofsen Bedarfe durch eigene Production zu genügen, nur der mangelnden Unternehmungsluft und der Befriedigung zuzufchreiben fein, die das Capital in anderen Unternehmungen findet, welche weniger Mühe und Fachkenntnifs erheifchen. Wenn man nun in Betracht zieht, dafs auch Wälder von grofser Ausdehnung am Ural in der Nähe der Erzlager fich befinden, fo wird man umfomehr die Behauptung gerechtfertigt finden, dafs Rufsland durchaus die Mittel befitzt, um feine todten Schätze lebendig und fruchtbringend zu machen. Gegenwärtig beträgt die jährliche Confumtion von Holz zu Hüttenzwecken 2,216.895 Pud, von Kohle 102,423.100 Pud. Selbft die Bevölkerung am Ural genügt für einen weitaus gröfseren Betrieb, während im Süden Rufslands, wo naturgemäfs die Roheifen- Erzeugung mittelft Steinkohle gefchehen müfste, die Befchaffung der Arbeitskräfte nicht ohne Schwierigkeiten vor fich gehen dürfte. In den letzten 10 Jahren hat die ruffifche Berg- und Hütteninduftrie grofse Fortfchritte gemacht, aber diefelben genügen, wie erwähnt, noch lange nicht, um den eigenen Bedarf auch nur annähernd zu decken. Immerhin ift aber ein Fortfchritt zu conftatiren, und nachdem die grofsen Transportfchwierigkeiten wenigftens in einigen Gegenden des Reiches behoben find, ift mit Sicherheit anzunehmen, dafs diefe wichtigfte aller Induftrien in ein günftiges Stadium ihrer Entwicklung getreten ift. Die wichtigften Gouvernements für Berg- und Hütteninduftrie find: Perm, Orenburg und Ufa, welche man die Gouvernements des Ural nennen könnte; ferner Nifchnei Nowgorod, Tambow, Rjäfan, Penfa, Kaluga, Orel, Olonez, Minsk, Wilna, Jekaterinoflaw, das Kofakenland am Don, Finnland, Kowno und Sibirien: Irkutfk, Jakutfk, Transbeikalien und Amur, im Kaukafus: Tiflis, Jelifawetpol, am Terek, in Polen: Lublin, Piotrkow. Seit dem Jahre 1867, welches wir als Ausgangspunkt für unfere Betrachtung nehmen wollen, haben fich auch in Rufsland fehr bedeutende Neuerungen eingebürgert; es find die wichtigften hievon die Fabrication des Martinftahles, die Vergrösserung der Kanonengiefsereien, welche, wie die Ausftellung zeigt, nunmehr im Stande find, Stücke bis zu 800 Centner im fertigen Zuftande auszuführen, die Einführung des Beffemerproceffes, fowie die Fabrication der Kanonen nach dem amerikanifchen Verfahren, um Stücke mit einem Kaliber bis zu 20 Zoll herzustellen. Bezüglich der wiffenfchaftlichen Ausbildung der Bergingenieure kann man ebenfalls die beften Refultate conftatiren; die Bergfchule wird ftark frequentirt, die Lehrmittel- Sammlungen werden mit den neueften Erfahrungen bereichert, und durch häufige Reifen nach dem Auslande wird auch der geiftige Verkehr mit den Koriphäen der Wiffenfchaft rege gehalten. Oefterreichs gröfste Autorität, Hofrath Tunner in Leoben, hat fich in feiner Reifebefchreibung über ruffifche Bergwerke vom Jahre 1870 aufserordentlich günftig ausgefprochen. Einen Beweis für die günftigen Refultate diefes wiffenfchaftlichen Strebens liefert der Umftand, dafs fich die geologifchen Karten des ruffifchen Reiches in erfreulicher Weife vermehrt haben, während man noch vor einem Jahre abfolut kein Exemplar derfelben finden konnte. 9* 130 Wilhelm von Lindheim. Wünfchenswerth bleibt, dafs in Petersburg ein geologifches Inftitut gegründet werde, was von der Generalverwaltung der Minen übrigens auch in Ausficht genommen wurde. Die Berg- Gefetzgebung ift bezüglich der Goldwäfchereien in letzter Zeit vollſtändig reformirt worden; ebenfo ift ein neues Berggefetz im Königreiche Polen und in den Gegenden der Petroleumquellen zu Stande gekommen; der Salz- Bergbau ift freigegeben und find fomit in mancher Hinficht fchon zahlreiche wefentliche Reformen ins Leben gerufen worden. Der Bergbau ift nach diefen Principien in Rufsland im Allgemeinen ziemlich frei, und die Einmifchung der Obrigkeit könnte fogar, um Raubbau zu verhüten und um die Sicherheit des Lebens zu vergröfsern, eine bedeutendere fein, als diefs gegenwärtig der Fall ift. Nur ift immer noch ein fehr erfchwerender Umftand darin gelegen, dafs in den meiften Fällen der Befitzer des zu Tage liegenden Terrains nach dem Geſetze auch Befitzer der unterirdifchen Schätze ift. Durch diefes Princip wird der Unternehmungsgeift und die Möglichkeit, den Bergbau einzuleiten, erfahrungsgemäfs fehr benachtheiligt, und wäre es wünfchenswerth, ähnlich wie im Weften die Schurfberechtigung einzuführen. Es fei noch erwähnt, dafs man im Jahre 1869 die Steuern auf Bergwerke fehr reducirt hat. Die Lage des Minenarbeiters ift im Allgemeinen eine günftige, und es ift intereffant, zu erfahren, dafs auch die Betheiligung diefer Arbeiter an Vorfchufs-, Krankencaffen und anderen gemeinnützigen Inftituten eine fehr rege ift. Endlich fei noch hinzugefügt, dafs in den neu annectirten Ländern im Diftricte des Amur und in den weiten Ebenen Centralafiens wichtige mineralifche Funde gemacht wurden. In diefem Augenblicke haben diefe Entdeckungen nur wiffenfchaftliches Intereffe; es ift aber immer anerkennenswerth, wenn durch Männer von fo bedeutendem Rufe, wie Tartanow, Dawidow, Klöden, fo fchätzbare Mittheilungen in weite Kreife getragen werden. Wir gehen nun auf den gegenwärtigen Stand der Hütten- und Berginduftrie über und betrachten zunächft die Fortfchritte der Hüttenproduction in Rufsland. Der Handel mit Bergwerks- Producten weift im Jahre 1871 nachfolgende Ziffern aus: Gold. Platina. 1830 1840 1850 1860 1870 1871 1872 382 457 1.453 тоб 107 1.282 1.279 109 1.068 1.491 () 161 1.070 2.156 118 867 2.399 125 828 Silber Kupfer. Gufseifen Eifen Salz Kohle 235.995 280.918 393.618 315.693 308.440 260.006 11,169.328 11,018.950 13,892.325 18,174.125 1,964.742 1,890.279| 6,970.012 9,999.516 11,207.641 15,217.908 14,958.597 20,920.393 27,195.012 24,829.009 26, 109.602 29,013.458 28,254.530 500.000 3,000.000 8,000.000 43.230.589| 50,654-552 Im Detail ftellt fich nach den jüngften Berichten des officiellen ftatiftifchen Bureaus in St. Petersburg die Förderung der Bergwerke folgendermafsen( f. S. 132 und 133) dar. Was nun die Erzeugung von metallurgifchen Producten anbelangt, fo ift ein mächtiger Auffchwung der ruffifchen Fabriken zu conftatiren, und hat namentlich die Fabrication von Waffen in erfter Linie und die Mafchinenerzeugung in zweiter an Ausdehnung ungeheuer gewonnen. Rufsland. 131 Diefe letztere hat einen recht fchönen Fortfchritt in der Locomotivfabri cation gemacht, und ift die Jahresproduction in diefem wichtigen Artikel auf mindeftens 250 Stück zu fchätzen. Die ruffifche Regierung unterſtützt diefen Induftriezweig einerfeits namentlich durch die Verpflichtung, die fie den Eifenbahnen auferlegt, mindeſtens die Hälfte ihres Materiales von inländifchen Fabriken zu beziehen, und anderfeits durch vielfache, fefte Aufträge, die fie den einzelnen Etabliffements gibt, wodurch diefen eine lohnende Arbeit gefichert ift. In diefem Augenblicke zahlt man für die Tonne Eigengewicht der Locomotive 800 Rubel, fo dafs eine Locomotive von 30 Tonnen mit Inbegriff des Tenders von II 2 Tonnen auf 24.000 Rubel zu ftehen kommt. Auch der Bau von Dampffchiffen, felbft der gröísten Dimenſion, hat grofse Fortfchritte gemacht. Die ziffermäfsigen Nachweiſe für die Fabrication des Jahres 1871 conftatiren nachfolgende Zahlen: Es wurden erzeugt: An Kanonen aus Stahl " anderen Apparaten. An Kanonen aus Gufseifen Artilleriemunition 90 Booten aus Eifen 9° 99 Gufswaaren im Kupol- Ofen Gufswaaren وو 99 " " 15.682 Pud 20.493 99 Zufammen. 36.175 Pud 51.485 Pud 405.831 7.868 1,306.110 99 584.169 99 99 27 Zufammen. 2.355.463 Pud An Locomotiven. 3.596 Pud Arbeiten aus Eifen 59 850.831 99 99 Arbeiten aus Kupfer und Stahl ferneren Stücken 99 blanken Waffen 99 36.813 29 287.440 2) 40.708 29 Sicheln und Senfen. 99 وو diverfen Apparaten. 33.750 99 30.326 77 Zufammen. 1,283.564 Pud Steinkohlen- Erzeugung. A. von Moskau B. Kiew, Jelifawetgrad C. des Don ° a) Gebiet der Kofaken des Don b) Gouvernement Jekaterinoslaw D. Gebiet des Ural. E. Königreich Polen. a) Staats- Bergwerke b) Privat- Bergwerke F. des Gouvernements Tomsk G. Kirgifen. H. Seeküfte des öftlichen Sibirien I. Im Kaukafus K. Turkeftan a Steinkohle 8,677.399 Lignit Anthracit 1,000.000 6,270.727 14,190.455 B 832.405 402.000 5.805.749 12,202.546 228.000 481.436 295.894 140.000 52.941 75.000 Zufammen. 35.009.156 1,454.941 14,190.455 132 Gewafchen: Goldhaltiger Sand Platinhaltiger Sand. Extrahirt d. Wafchen. Wafchgold Platina rohes. Förderung der Bergwerke: Kupfer Eifen. Wilhelm von Lindheim. Ueberficht der gefammten BergBerg- und Hütten1860 Pud Pfd. 1861 1862 Pud Pud Pfd. 1863 Pud Pfd. 1864 Pud 970,160 338 1.491 18 1.456 2 1.460 29 61 19 IOI 12 142 21 1.459 18 30 22 1.360 24 24 2 Pfd. Rufsland. production Rufslands in den Jahren 1860 bis 1871. 1865 Pud Pfd. 1866 Pud Pfd. 1867 Pud Pfd. 1868 Pud 949,216 690 6,232.150 997,531 475 7,417-750 968,423 325 11,607.050 1117288 244 18,070.625 Pfd. 1869 Pud Pfd. 1870 1871 Pud Pfd. Pud 1053570392 13.435 983.475095 9.609 1081518424 10.440 1.521 30 138 33 1.659 19 106 23 1.642 23 109 9 1.711 16 122 23 202.214 67 14.230 24 215,623 16 2,399.382 11.838 33 125.656 Bleierz Kupfererz Eifen 7,281.972 22,055.750 2,320.337 8,623.869 33,216.820 2,273.730 8,087.255 Kobalt Vitriol Kohle 8,000.000 12,379.452 8.639.252 13.899 9,710.766| 17.173 10,630.000 33,224.820 2,683.464 9,017.941 34,488.079 12,600.000 Graphit 164.605 6,276.002 2.000 * 6,064.143 2,588.404 7.734-778 35,580.223 5.220 230.861 4.000 Petroleum 535.716. 6.500 Vedro 541.284 676.551 59.685 2,857.486 8,047.175 40,390.005 9.000 175.000 27,532.141 1.700 1,753.984. 3,083.375 8,019.738 42,480.422 7.715 2,116.404 6,392.622 48,763.156 1.249 2,177.560 6.222.759 50,723.668 22.909 36,601.648 43,230.589 50,654-552 Chromeifen Salz.. 25,500.000 10.009 Vedro 29.038 Vedro 28,000.000 ohne Kuban und Baku 25,250.000 86.877 37,555.455 400.760 40,564.032 41.08436,842.696 1,685.229 99.350 66.831 26,987.698 1,704-455 95.000 600.024 16,848.536 50.000 1,375.523 451.973 28,254.530 33,007.200 30,700.000 22.000.000 Gefchmolzen: Bleierze Silberhaltige Ausbeute: Silber 1.070 15 967 15 49.416 300.938 ( 17,504.840 941.633 1.033 23 53.892 278.616 12,995.603 886.562 Blei Kupfer. Eifen in Gänfen Diverfe Stücke Zink.. Es wurden fabricirt: Verarb. Gufseifen. dto. zu Reverbereöfen Kanonen u. Munition Stahl. Verarbeit. Kupfer Vitriol. 54.001 315.693 18,174.125 11,207.841 Verarbeitetes Eifen. Arbeiten in Eifen* Zahl der Arbeiter. 1.078 25 71.721 286.448 14,904.344 1,329.271 60.000 1.032 82.639 273.049 23,021.880 2,759.883 2 2,683.461 2,774.828 - 8,959.941 35,488.269 1.084 14 99.736 265.650 13,327.216 3,028.553 I.I12 16 107.224 284.059 16,680.225 2,525.594 88.000 7,734.778 35,580.223 1.106 5 3,143.608 7,975.705 42,716.232 2,140.071 7,979.490 43,581.730 2,066.792 7,190.213 48,464.114 1,892.636 6,384.154 48,567.152 ** ** 105.917 257.317 16 960.282 2,750.076 78.262 ** 1.092 18 200.224 76.823 50 86.730 8,283.027 6,509.214 10,065.320 10,796.326 268.078 10.600.101 3,187.644 188.259 25,983.1111/ 4 17,189.873 308.440 18,557.412 26,000.631 18,854.634 3,246.049 22,132.810 3,401.914 221.318 3,149.884 166.581 344-700 64.098 474 5,017.840 5,254.276 179.577 118.484 302 20.782 4,762.594 4,275.184 247.240 120.129 10,529.365 8,978.329 8,491.742 304.335 119.695 278.000 178.526 359.000 236.153 170.792 23.043 9,020.770 247.240 147.21€ 8,719.632 368.495 8.978.320 337.555 8,491.742 340.244 174.061 13,021.001 410.893 239.984 2.584 10.841 9,194.143 226.281 190.513 13,782.653 13,650.869 423.254 480.633 233.245 447.220 14464.411 317.135 439.970 15,217.908 14,958.597 388.454 536.086 452.239 442.241 9.842 30.949 21.597 29.642 21.277 10.435 8,615.376 191.180 180.089 12.020 8.225 9.910 4.605 10,513.860 461.086 209.104 715.033 958.634 830.831 133.912 175.823 Es betrug 1869 die Ausbeute 1928 Pud Goldausbeute von 1754 bis 1871. Von 1754 bis 1829 wurden gewonnen دو دو دو دو " در د" " و" 1.857 Pud Gold " 1829 1839 3.543 " 1839 1849 "" 10.799 33 " 1849 1859 " 37 14.308 22 "" " 1859 "" 1869 " 13.726 "" " 1869 3) 1871 "" 33 6.477 33 "" دو دو Zufammen von 1754 bis 1871 wurden gewonnen 45.710 Pud Gold. * 1867. Das Dongebiet ausgenommen. " 73 "" " 1870 1871 "" " " 2150 2399 19 د, für die Summe von 720,000.000 Rubel. Vergleichungstabelle der Mafse. I Pud gleich 16 3808 Kilogramm I Pfund وو 0'40952 I Zolotnik gleich 42'65 Milligramm I Gran "" 44. * 1868. Arbeiten in anderen Metallen 36.777 Pud. ** 33 1866 27.000, 1867 23.629 und 1868 35.812 Pud in Folien. 133 134 Wilhelm von Lindheim. Rufslands auswärtiger Handel im Jahre 1872. Die Zufammenftellung, welche für das Jahr 1872 von den Douanen- Departements gegeben wurde, ift im Gegenfatze zu den früheren Veröffentlichungen diefer Art nach einer anderen Werthbemeffung gemacht worden. Es find nämlich nicht mehr die feften Preife für die ein- und ausgeführten Waarenmengen zu Grunde gelegt worden, fondern die Werthfchätzungen find nach den Angaben bemeffen, welche durch die Zollämter gefammelt, auf Grund der Börfencotirungen der ftädtifchen und Provinzbehörden und der Erklärungen von Kaufleuten zufammengeftellt wurden. Der Unterſchied zwifchen den Schätzungen vom Jahre 1869 und den gegenwärtigen Preifen ift bedeutend. Nach der alten Schätzung nämlich würde die Ausfuhr im Jahre 1872 die Summe von 345 Millionen erreicht haben, während fie nach der neuen Schätzung nur mit 311 Millionen aufgeführt ift. Bei der Einfuhr würde im Gegentheil nach dem alten Regime nur die Summe von 367 Millionen Rubel erreicht worden fein, während fie in der That 408 Millionen betragen hat. Die Gefammt- Zollbewegung Rufslands beläuft fich fomit im Jahre 1872 für Ausfuhr und Einfuhr vereinigt auf 719 Millionen Rubel, nach den wirklichen gegenwärtigen Werthen gerechnet. Nach den officiellen Werthen war die Ausfuhr 345 Millionen, das heifst 8 Millionen weniger als 1871. Diefe Verminderung, welche hauptfächlich fich auf das Getreide erftreckt, berührt keineswegs den fteigenden Gang der Ausfuhr, da die Ziffern von 1870 und 1871 aufserordentlich hoch waren und das Jahr 1872 trotz der effectiven Reduction immer noch 2 Millionen mehr als 1870 und eine Zunahme von 98 Millionen gegen 1869 nachweift. Nach den feften Preifen der letzten drei Jahre repräfentirt die Einfuhr 367 Millionen oder 22 Millionen mehr als 1871 und 58 Millionen mehr als 1870. Der Handel mit Finnland und der Handel in Edelmetallen, in Münzen und Barren ift in diefen Zahlen nicht mitinbegriffen. Die Ausfuhr Rufslands nach Finnland hat ich mit 6.5 Millionen beziffert, gegen 7.6 Millionen im Jahre 1871, während die Einfuhr des Grofsfürftenthums fich auf 8.3 gegen 8 Millionen im Jahre 1871 belaufen hat. Die Ausfuhr von Goldwerthen zeigt eine ftarke Abnahme, während die Einfuhr fich nahezu verdoppelt hat. Es ift fehr intereffant, fich gerade in diefem Augenblicke, wo die Frage des Ankaufes der Edelmetalle durch den Staat die ganze Welt befchäftigt, fich die betreffenden Zahlen vor Augen zu rufen. Es betrug der Verkehr in Edelmetallen: Im Jahre Ausfuhr Einfuhr In Taufenden von Rubeln 32.206 1862 4.839 1863 59.921 4.990 1864 21.938 5.048 1865 18.924 3.021 1866 25 827 2.373 1867 12.131 33.229 1868 3.421 38.835 1869 14 139 2.310 1870 22.882 2.283 1871 16.336 7.168 1872 5.742 12.968 Indem wir nun die vorftehenden Ziffern recapituliren, ftellt fich die gefammte Handelsbewegung Rufslands mit dem Auslande und mit Finnland im Jahre 1872 wie folgt: Rufsland. 135 Handel mit den Aufsenländern. Ausfuhr Einfuhr In Taufenden von Rubeln Totale Handel mit Finnland Gold und Silber. 311.553 407.657 719.210 6.156 8.334 14.490 5.742 12.968 18.710 Totale 323.451 428.959 752.410 Die 719,210.000 Rubel des auswärtigen Handels vertheilen fich unter die verfchiedenen Regionen des Reiches wie folgt: Einfuhr Ausfuhr In Taufenden von Rubeln Totale Häfen des Baltifchen Meeres. 105.503 Häfen des Weifsen Meeres 7.690 214.841 902 320.344 8.592 Häfen des Schwarzen und Azow'fchen Meeres 116.717 70.937 187.654 Landesgrenze 81.643 120.977 202.620 311.553 407.657 719.210 Diefe Ziffern ergeben die nachfolgenden Percentualverhältniffe, welche wenig von den Ziffern des Jahres 1871 abweichen, die wir hier zufammenftellen: Ausfuhr Einfuhr Totale 1871 1872 1871 1872 Percent 1871 1872 Häfen des Baltifchen Meeres 38 34 Häfen des Weifsen Meeres 55.3 52.7 46 45 3 2 0.3 0.2 2 Häfen des Schwarzen und Azow'fchen Meeres 38. 37 13.3 17.4 Landesgrenze 21 27 311 29.7 26 26 28 26 IOO IOO IOO IOO IOO IOO Im Gewichte ausgedrückt, repräfentiren die Umfätze des europäiſchen Rufsland 226,247.000 Pud bei der Ausfuhr und 136 Millionen Pud bei der Einfuhr, das ift zufammen 362,412.000 Pud, die fich wie folgt repartiren: Ausfuhr Einfuhr Totale In Taufenden von Pud Häfen des Baltifchen Meeres Häfen des Weifsen Meeres 56.400 5.400 72.169 1.073 128.596 6.513 Häfen des Schwarzen und Azow'fchen Meeres Landesgrenze. IIO.682 28.686 139.368 53.725 34.210 87.935 Totale 226.247 136.065 362.412 Obgleich gegen die Zahlen vom Jahre 1870 und 1871 zurückſtehend, welche Jahre für den Getreide- Export ausnahmsweife günftig waren, hat doch die Ausfuhr von Cerealien in Körnern und Mehl eine Ziffer erreicht, die weit über dem zehnjährigen Durchfchnitte fteht. Es find 15,960.000 Tchetwerts, die einen Werth von 134,574.000 Rubel repräfentiren, gegen 23,244.000 Tchetwerts im Jahre 1871 und 10,337.000 Tchetwerts im Jahre 1869 exportirt worden. Die Ausfuhr des unverarbeiteten Flachfes, die bedeutendfte nach jener der Cerealien, zeigt ebenfalls eine Verminderung gegen die Jahre 1870 und 1871, diefelbe ift aber 136 Wilhelm von Lindheim. immer noch bedeutend höher als die Ziffern früherer Jahre. Im Jahre 1869 conftatirte man eine Ausfuhr von 5.974.000 Puds, im Jahre 1870 von 10,381.000 Puds und im Jahre 1871 von 9,015.000 Puds; im Jahre 1872 hat die Ausfuhr nur 7.239.000 Puds betragen, die einen Werth von 37,914.000 Rubel repräfentiren. Die Differenz, welche hier zu bemerken ift, wird aber vortheilhaft erfetzt durch eine Zunahme des Flachsgarn- Exportes. Die Ausfuhr diefes Artikels war im Jahre 1869 noch 20.000 Puds, im Jahre 1870 106.000 Puds, fie ftieg auf 115.000 Puds im Jahre 1871, um im Jahre 1872 faft die dreifache Höhe, nämlich 339.000 Puds zu erreichen, die einen Werth von 4,112.000 Rubel haben. Was den Leinfamen anbelangt, fo war die Ausfuhrziffer im Jahre 1872 2,250.000 Tchetwerts oder 22,294.000 Rubel gegen 2,395.000 Tchetwerts im Jahre 1871. 2,262.000 2,584.000 " 9 99 99 1870 " وو 99 1869 Trotz der fcheinbaren Verminderung im Werthe in Folge der Differenz zwifchen dem officiellen Preife und dem im Handel wirklich bezahlten, hat die Ausfuhr des unverarbeiteten Hanfes eine fteigende Progreffion angenommen; diefelbe ift 3,790.000 Puds oder 11,957.000 Rubel im Jahre 1872 gegen 3,652.000 Puds im Jahre 1871 3,285.000 3,129.000 99 99 " 1870 " " 9 وو 1869 Für die Schafwolle haben wir einen ähnlichen Fortfchritt wie für dent Flachs darzustellen. Während nämlich diefe Exportation von 807.000 Puds auf 607.000 im Jahre 1871 herabgemindert wurde, ift die Ausfuhr der gewaschenen Merinowolle von 128.000 auf 403.000 Pud geftiegen, was eine Werthziffer von 4,711.000 Rubel ausmacht. Der Gefammtwerth der ausgeführten Wolle im Jahre 1872 erhebt fich auf 15,547.000 Rubel. Im Jahre 1869 war die Ausfuhr der Schweinsborften 89.000 Puds, im Jahre 1870 86.000 Puds, im Jahre 1871 99.000 Puds, während fie im Jahre 1872 auf 111.560 Pud oder 5,725.000 Rubel geftiegen ift. Ein wefentlicher Fortfchritt zeigt fich ebenfalls in der Viehausfuhr, welche im Jahre 1872 auf 704.000 Köpfe mit einem Werthe von 10,160.000 Rubel gegen 534.000 Köpfe im Jahre 1871 487.000 426.000 وو 99 97 1870 99 وو 1869 geftiegen ift. Diefe Ausfuhr ift hauptfächlich beim Borftenvieh zu conftatiren, wie diefs die nachfolgende Tabelle zeigt: Ochfen und Kühe Schweine. Kälber, Schafe, Ziegen 1869 1870 1872 1872 In Taufenden von Köpfen 137 III 66 56 197 256 365 327 96 120 102 I2I Die anderen hauptfächlichften Artikel der Ausfuhr zeigen: Holz. Nichtverarbeitete Metalle. Leder Pelzwerk 22 4 Millionen 40 99 3.3 99 3.2 20 Rufsland. Talg. Sonnenblumen- und Senfkörner Flachiswerk. Knochen Tauwerg Caviar Butter Pferde 2.9 Millionen 2.8 99 2.8 I 5 77 I'2 I'2 79 I'O 95 Pottafche Flachsgefpinnfte Leinwand. Lumpen 0.9 0.8 0.7 615 99 وو 0.8 99 0.6 59 Bei der Einfuhr haben wir die nachfolgenden Zahlen zu conftatiren: Rohe Baumwolle. Metallarbeiten 46: 9 Millionen 20˚4 Mafchinen. 29.5 99 Thee. 35'2 " Rohe Metalle. 24.6 : Farben. 14.9 Roher und raffinirter Zucker. 2.6 Oele. 12.6 Spirituofen. 14'3 Wolle 15.2 95 Früchte. II 3 99 Gewebe aus Wolle 14 2 99 Kaffee. 2'0 97 Baumwoll- Gefpinnfte 12.6 99 Fifche 6.5 Seidengewebe 7.I Tabak 9.9 Seide 6.5 99 Gewebe aus Baumwolle 7: 3 99 Gewebe aus Flachs. 5.2 97 Chemifche Subftanzen 6.3 90 Pflanzen und Samen Kohle 2.2 10.6 Salz Flüchtige Oele zur Beleuchtung Reis. Pelzwerk Glas- und Kryftallwaaren Uhrmacherwaaren Holz. Landwirthschaftliche Geräthfchaften Thierifche Conferven • Kalk und Cement Käfe. Pfeffer Gummi. Wäfche und Confectionsarbeiten Tüll und Spitzen 7'1 5.6 1.7 99 3.7 2.6 5.7 0.5 99 I 5 ΙΟ 99 2.2 ΙΟ ΙΟ 99 I- 7 2'I I 5 137 Die nachftehende Zufammenftellung zeigt die Ausfuhr und Einfuhr nach den einzelnen Ländern. 138 Wilhelm von Lindheim. Ausfuhr Einfuhr Schweden und Norwegen Preussen 5.442 64.855 In Taufenden von Rubeln 4.423 II4.400 Dänemark 6.802 404 Hanfeftädte Deutfche Staaten. 3.468 18.081 8.996 38.847 Niederlande Belgien. Grofsbritannien 7.487 5.338 6.907 5.251 143.306 120.067 Frankreich. 22.231 18.890 Portugal. 57° 485 Spanien. 109 584 Italien 8.980 12.773 Oefterreich. 19.559 23.786 Griechenland I.235 2.4II Türkei.. 6.028 18.709 Donaufürftenthümer 2.868 4.092 Vereinigte Staaten von Nordamerika 1.078 12.295 Südamerika - 845 Die übrigen Länder. Totale I.532 311.553 12.033 413.678* Der Handel mit Finnland zeigt die Gefammtziffer von 14,490.000 Rubel, wovon 6,156.000 Rubel auf die Ausfuhr und 8,334.000 Rubel auf die Einfuhr kommen. Die hauptfächlichften Ausfuhrartikel waren die Cerealien mit 2'4, die Gewebe mit o 4 Million, während bei der Einfuhr Baumwoll- Gewebe mit 2.1 Millionen, nichtverarbeitetes Eifen mit II Million und Vieh mit 05 Million figuriren. Der Werth des Tranfithandels, welcher nicht in den obigen Ziffern enthalten ift, war 1,062.000 Rubel, von welcher Summe 790.000 Rubel auf Holz entfallen. Die Zolleinnahme des ruffifchen Reiches, foweit fie die europäiſchen Grenzen betrifft, erreichte im Jahre 1872 52,842.514 Rubel, eine Ziffer, die bisher noch nie erreicht wurde und die über 5 Millionen mehr als in den letzten Jahren ausmacht. Die nachftehende Tabelle zeigt die rapide Zunahme der Zölle: 30.939 Rubel 32.810 29.365 وو وو 1862 1863 1864 1865 27.544" 1866 30.506 79 1867 37.054 29 1868 36.198 1869 39.004 دو وو 1870 40.424 27 1871 1872 47.924" 52.843 Die Einnahme von 1872 fetzt fich wie folgt zufammen: " 9 Eingangsfteuern Zufällige Einnahmen Specielle und zeitweife Einnahmen 51,856.625 Rubel 99 687.091 298.798 29 52,842.514 Rubel * Die Differenz, welche hier zu conftatiren ift, entſteht daraus, dafs in der zuerft genann ten Summe die am 31. December im Entrepôt befindlichen Waaren inbegriffen find. Rufsland. 139 Wenn man diefer Summe nun noch die Zolleinnahme der afiatifchen Wafferund Landgrenzen zufügt, fo kommen wir auf die Ziffer von 54,358.341 Rubel oder auf 9.580.841 Rubel mehr, als der Voranfchlag des Budgets befagte. Nachftehend die Zufammenftellung der Einnahmen, welche die hauptfächlichften Artikel gegeben haben. Thee. Spiritus. Salz 12 2 Millionen 44 99 Wollgewebe Oel Metallarbeiten Seidengewebe Baumwoll- Gewebe Früchte.. 332211 3.2 99 3: 3 2.6 99 2.2 99 1.9 99 1.8 99 1.7 27 Rohe Metalle I 4 99 Tabak I'3 29 Zucker. I 2 99 Gefponnene Baumwolle I'I 99 Leinengewebe I'O 90 Farben. I'O 99 Flüchtige Oele zur Beleuchtung. ΙΟ Wolle 0.9 وو وو Wäfche und Modewaaren 0.7 99 Fifche 0.6 99 Chemifche Subftanzen 0.6 ge Artikel des Kleinhandels 0.5 وو Glas und Kryftall 0.4 ཏཱ་ Spitzen. 0.4 99 Reis. 0.3 وو Käfe. Pelzwerk Pfeffer 0.3 93 0.2 99 0.2 99 Die Schifffahrtsbewegung in den ruffifchen Häfen zeigt pro 1872 die nachfolgenden Ziffern: Häfen des Baltifchen Meeres Häfen des Weifsen Meeres. Häfen des Südens. Eingang der Segelfchiffe und Dampfer Beladen 4.100 In Ballaft 1.610 Totale 5.710 328 383 7II 1.634 2.016 3.650 Totale 6.062 4.009 10.071 Diefe 10.071 Schiffe hielten zufammen 1,577.489 Laft und fetzten fich nach der Flagge zufammen in: Engländer 2.301, Ruffen 1.406, Italiener 624, Schweden und Norweger 1.325, Holländer 717, Türken 507, andere Nationen 3.191. Im Jahre 1871 waren in den Häfen des Europäifchen Rufsland 12.256 Fahrzeuge mit zufammen 1,894.836 Tonnen Inhalt eingelangt. Ausgang der Segelfchiffe und Dampfer Beladen In Ballaft Totale Häfen des Baltifchen Meeres Häfen des Weifsen Meeres Häfen des Südens. 5.271 739 2.921 Totale 8.931 372 2 739 I.II3 5.643 741 3.660 10.044 Der Inhalt diefer 10.044 Fahrzeuge repräfentirte 1,579.294 Tonnen gegen 1,897.638 Tonnen und 12.172 Schiffe im Jahre 1871. 140 Wilhelm von Lindheim. Rufslands Handel mit dem afiatifchen Rufsland. Die Gefammtbewegung im Jahre 1872 zeigt die Ziffer von 28,577.000 Rubel gegen 24,834.000 im Jahre 1871. Diefs Plus von 3,733.000 Rubel repartirt fich wie folgt: Transkaukafien 1,834.000 Rubel der Hafen von Aftrachan 1,065 99 China und Kiachta geben den Reft der Zunahme. Die Ausfuhr figurirt in diefen Ziffern mit 9,332.000 Rubel oder 428.000 Rubel Zunahme gegen 1871. Die Einfuhr aber mit 19,235.000 Rubel oder 5.305.000 Rubel Zunahme. Export Import Totale Transkaukafien In Taufenden von Rubeln وو 79 Häfen des Schwarzen Meeres Cafpifchen Meeres Grenzen der Türkei und von Perfien 4.477 5.270 9.747 546 1.671 2.217 607 2.516 3.123 Totale von Transkaukafien 5.630 9.457 15.087 Hafen von Aftrachan 877 1.763 2.640 Handel mit China über Kiachta und den Amur 2.825 8.015 10.840 Totale 9.332 19.235 28.567 Diefs zeigt alfo gegen 1871 bei der Ausfuhr 787.000 Rubel Zunahme für die Häfen des Schwarzen Meeres und 207.000 Rubel für die Grenzen der Türkei und Perfiens sowie eine Abnahme von 74.000 Rubel für die Häfen des Cafpifchen Meeres, mithin insgefammt eine Zunahme von 920.000 Rubel für den Kaukafus. Die Ausfuhr des Hafens von Aftrachan hat fich um 265.000 Rubel erhöht, während die Ausfuhr nach China via Kiachta und den Amur fich um die Summe von 657.000 Rubel verminderte. Bezüglich der Einfuhr haben wir eine Zunahme von 1,014.000 Rubel zu conftatiren. In diefer Summe figuriren Kiachta und der Amur mit 1,491.000 Rubel. Die Ausfuhr vertheilt fich nach den Ländern der Provenienz wie folgt; Türkei. Perfien Khiva China England Frankreich. 1871 1872 in Taufenden von Rubeln • 3.407 ° I.429 3.552 1.694 3 4 3.482 33 487 2.825 253 1.004 Zufammen.. 8.904 9.332 Gemäfs den einzelnen Productionsländern bewegte fich der Import wie folgt: Türkei. Perfien 9 Khiva China Preufsen. Frankreich 1871 1872 In Taufenden von Rubeln 5.446 3.949 6.275 4.925 I 17 6.524 8.015 I 3 9 Zufammen. 15.930 19.235 Auf die bedeutendften Zollämter vertheilte fich die Ein- und Ausfuhr wie folgt: Rufsland. Export 1871 1872 Import 1871 1872 In Taufenden von Rubeln 4.014 2.050 I.454 Poti 3.384 Nakitfchewan 66 164 892 778 Aftar 148 168 608 649 Baku 313 325 765 1.017 Aftrachan 612 877 963 1.763 141 Kiachta . 3.482 2.825 6.522 8.013 Der Export und Import der wichtigften Handelsartikel zeigt folgende Beträge: Export. Baumwollgewebe. Schafwollgewebe 0 9 Seide. Felle. Rohmetalle Rohe Schafwolle Cerealien.. Rohe Baumwolle Metallarbeiten Pelzwerk Zucker Lein- und Hanfgewebe Vieh 0 Farbewaaren Seidengewebe. • 1871 1872 In Taufenden von Rubeln . 746 2.117 861 1.581 e 1.764 1.921 317 499 206 178 980 808 634 1.027 . 470 625 I4I 148 " 663 513 103 13 81 54 57 80 23 79 54 83 Import. 1871 1872 In Taufenden von Rubeln Rohe Baumwolle 696 1.060 Thee 6.322 7.529 Baumwollgewebe 3.485 3.714 Vieh 166 252 Früchte und Gemüſe. 865 I.074 Raffinirter Zucker. 168 524 Felle. 187 522 Pelzwerk 213 214 Seidengewebe 476 398 Tabak 294 406 Schafwollgewebe. 491 659 Seide. ΙΟΙ 223 Cerealien. 202 267 Gefponnene Baumwolle 89 95 Fifchwaaren 154 243 Farbftoffe 204 266 Holz I4I 136 Metallarbeiten 666 130 Der Umfatz in Edelmetallen belief fich auf 2,233.000 Rubel, wovon die Summe von 2,163.000 ausgeführt und 70.000 Rubel eingeführt wurden. Der Tranfithandel erhob fich auf die Summe von 2,518.000 Rubel oder 188.000 Rubel mehr als 1871. Von diefer Summe beziehen fich 1,978.000 Rubel auf den Tranfithandel Europas mit Perfien, und hierin wieder ift die Summe von 142 Wilhelm von Lindheim. 1,320 000 Rubel für raffinirten Zucker und für Manufacte enthalten. " 398.000 540.000 Rubel beziehen fich auf den Tranfithandel Afiens nach Europa, und hierin wieder ift Seide und Seidenabfall mit 400.000 Rubel enthalten. Die Zolleinnahmen erreichten 3,324.891 Rubel oder 464.977 Rubel mehr als im Vorjahre. Diefe Summe fetzt fich zufammen wie folgt: Zolleinnahmen Zufällige Einnahmen Specielle, zeitweilige Einnahmen 3,276.363 Rubel 46.878 650 99 99 3.324.891 Rubel Die Artikel, welche die gröfsten Einnahmen erzielten, find die folgenden: Thee. Baumwollgewebe • 1,494.725 Rubel 750.547 و" Raffinirter Zucker 152.439 Rohe Baumwolle. 52.830 Früchte und Gemüfe 64.651 Schafwollgewebe 131.370 " Getränke 60.997 Seidengewebe. 41.768 Tabak 93.712 Pelzwerk IO 702 22 Schifffahrts- Bewegung. Eingang Beladen Ballaft Total Häfen Transkaukafiens und des Schwarzen Meeres 621 604 I.225 29 وو des Cafpifchen Meeres und von Aftrachan. 55° 136 686 Total. I.171 74° 1.911 Zufammen 96.972 Tonnen haltend. 885 ruffifche, 876 türkifche, 74 perfifche, 76 Schiffe anderer Nationen, gegen 2201 Fahrzeuge im Jahre 1871 mit 102.057 Tonnen Gehalt. Häfen Transkaukafiens und des Schwarzen Meeres 99 Aftrachan Ausgang Beladen 814 491 Ballaft Total 1.305 des Cafpifchen Meeres und von Total.. 504 94 1.318 585 598 1.903 Der Gefammtverkehr umfafste 1903 Fahrzeuge mit 93.635 Tonnen gegen mit 100.393 Tonnen im Jahre 1871. Polen und Finnland. Das ehemalige Königreich Polen ift jetzt als eine in Russland vollſtändig aufgegangene Provinz zu betrachten. Einem von der Militäroberverwaltung von Warfchau ausgehenden Berichte entnehmen wir die nachfolgenden generellen Verhältniffe, wie fich diefelben am 1. Januar des Jahres 1871 darftellen. Es gab in den zehn polnifchen Gouvernements 3,691.994 Einwohner, refpective 61 Percent der Gefammtbevölkerung, welche von der Landwirthschaft leben. Diefe Ziffer fcheint um fo bedeutender, als die jüdifche, zumeift gewerbetreibende Bevölkerung mehr als 600.000 Seelen beträgt. Die Lage der Grofsgrundbefitzer ift keine günftige; fchlechte Ernten, Aufhebung des Robots, Aenderung im Spiritus- Accifegefetz haben deren Lage fehr verfchlimmert und ihre Schuldenlaft wefentlich vergröfsert. Die bäuerliche Bevölkerung befindet fich in günftiger Pofition; die Viehzucht nimmt zu; der Düngungszuftand ift defshalb beffer, und man kann 1000 bis 1500 Pud Mift per Defsjätine als zur Verwendung kommend rechnen. Rufsland. 143 Die Summe der erzeugten Nahrungsmittel wird auf 31,515.128 Tfchewert gerechnet, refpective 5.24 Tfchewert per Einwohner. Wenn wir hievon 6,274.840 Tfchewert für Einfaat, 18,717.276 Tfchewert für den Confum im Lande, 3,833.640 Tfchewert für Verwendung zu Bier und Branntwein und 13.274 Tfchewert für Meth in Abzug bringen, fo bleiben 2,676.098 Tfchewert zur Ausfuhr disponibel. Der Export gefchieht meiftens im unverarbeiteten Zuftande. Das Verhältnifs zwifchen Wiefe und Feld ift nicht günftig; dasfelbe ift 14'6 100( cultivirtes Land). Die Jahre 1869 bis 1870 hatten reichliche Heu- Ernten, nämlich 60 Millionen Pud per Jahr, alfo 62 Pud per Defsjätine oder einen Ueberfchufs von 5,500.000 Pud, genug um 60.000 Pferde zu ernähren. Die Viehzucht zeigt nachftehende Verhältniffe: Im Jahre 1862 waren 1,997.211 Stück Grofsvieh vorhanden, 3,722.676 Schafe und 590.873 Pferde; jetzt 2,231.000 Grofsvieh, 4, 180.000 Schafe und 753.000 Pferde. 99 Ueber die Induftrie Polens gibt uns nachftehendes Refumé der„, Ruffifchen Revue" Auskunft. Polen befaís im Jahre 1869 4507 Fabriken mit nur 39.000 Arbeitern und einer Jahresproduction im Werthe von 3812 Millionen Rubel; davon entfallen auf die Baumwollfpinnerei 15 Etabliffements mit nahezu 2000 Arbeitern und einer Jahresproduction von 2,045.000 Rubel; auf die Baumwollweberei 1080 Etablif fements mit 118.000 Arbeitern und einer Jahresproduction von 6,600.000 Rubel; auf die Flachsinduftrie 807 Webereien und Spinnereien mit 831 Arbeitern und einer Jahresproduction von 260.000 Rubel; auf die Wollfpinnerei 22 Etabliffements mit 730 Arbeitern und einer Jahresproduction von 640.000 Rubel; auf die Fabrication von Wollftoffen und Tuch 400 Etabliffements mit 4000 Arbeitern und einer Jahresproduction von 10,000.000 Rubel; auf die Seidenwebereien eine gröfsere und acht kleinere Fabriken mit 140 Arbeitern und 40.000 Rubel Jahresproduction; auf die Papierfabrication 78 Fabriken mit 500 Arbeitern und 1,300,000 Rubel Jahresproduction; auf die Lederfabrication 315 Fabriken mit I100 Arbeitern und 22 Millionen Rubel Jahresproduction; auf die Rübenzucker- Fabrication nahe an 50 Fabriken mit 12.000 Arbeitern und 8 Millionen Rubel Productionswerth; auf die Branntweinbrennerei 1500 Arbeiter mit einer Jahresproduction von II Millionen Rubel; auf den Mafchinenbau 36 Etabliffements mit 1600 Arbeitern und 11,100.000 Rubel Jahresproduction. Das Groisfürftenthum Finnland hat feine vollſtändig abgefonderte Verwaltung, feine Währung, Sprache und Prärogativen erhalten. Wir entnehmen einer intereffanten Arbeit des Profeffors Lilienftand in Helfingfors die folgenden bemerkenswerthen Daten. Finnland ift durch feine geographifche Lage fehr wenig begünstigt und ähnelt in Bezug auf klimatifche und geologifche Eigenfchaften den unwirthlichen ruffifchen Gouvernements Olonetz und Archangel. Nichtsdeftoweniger und trotz der Ueberlegenheit, welche die flavifche Race vor derjenigen Race befitzt, der die Finnländer angehören, ift die Entwicklung eine befriedigende, namentlich feit den Zeiten des Krimkrieges, während deffen die baltifchen Häfen blokirt waren, wodurch die inländifche Induſtrie rafch zur Entwicklung gelangen konnte. Obgleich die Einwohnerzahl kaum 2,000.000 beträgt( nach Ignatius ift die genaue Ziffer 1,809.657 oder 270 Einwohner per Quadratmeile), fo hat Finnland in diefem Augenblicke doch fchon nahe an 600 Werft Eifenbahnen und ein fehr ausgebreitetes Canalfyftem. Der Ackerbau verbeffert fich von Jahr zu Jahr, wenn auch die Cerealienproduction nicht genügend ift, um ohne Importation die Bevölkerung zu ernähren. Dagegen ift die Viehzucht recht bedeutend, und es beträgt fchon heute der Butterexport nahe an 21 Millionen Rubel per Jahr. Ueber die Handelsflotte und über den Verkehr Finnlands mit Rufsland felbft, welcher genau zu controliren ift, da eine ftreng getrennte Zollgrenze befteht, fprechen wir in den Specialartikeln, Seite 138, 172, 173, 174. ΙΟ 144 Wilhelm von Lindheim. Rufslands Handelsverkehr mit dem Auslande, nach den Nationalitäten zufammengeftellt. ( Die Beträge in Rubel.) Differenz für Export Import Export Import Rufsland Differenz für Rufsland England. Oefterreich. 1860 86,006.206 43,619.308 1861 76,393.278 1862 82,460.257 36,312.630 +41,386.898 6,064.396 47,730.594 + 28,592.684 5,813.283 7,929.819 7,962.257 - +46,147.627 7,765.435 6,770.565 1863 66.979.493 42,664.384 +24,315.109 5,017.929 5,028.266 1,858.423 2,148.974 1,005.130 10.337 1864 87,415.617 52,910.104 +34,505.513 1865 98,159.101 48,744.019 +49,415.082 1866 101,851 975 59.393.518 +42,458.457 1867 107,683.167 75,287.210 +32,395 957 6,033.050 7,247.451 6,371.158 7,948.552 7,148.049 5,870.392 8'458.296 1,577.394 +1,277.657 2,425.246 12,750.182 5,502.731 1868 105,644.261 78,961.048 +26,683.213 8,756.243 10,738.466 1869 122,681.352 97,514.482 +25,166.870 1870 170.060.769 106,880.050 +63,180.719 1871 171,777 620 1872 143,305.877 97,284.044 120,066.596 +74,493.576 +23,239.281 19,559.344 10,015.499 14,129,547 13,859.847 16,747.992 23,785.571 10,899.187 10,362.107 + - 1,982.223 883 688 3,767.440 2.888.145 4,226.227 Preussen. Frankreich. 1860 19.928.855 1861 1867 30.189.627 25,114.290 19,995.326 26,180.413 1862 23,874.375 1863 20.728.551 1864 24,441.974 35,286.343 1865 27,632.920 50.610.578 1866 28,896.960 69,723.416 92,078.849 - 32,130.820 - 5,185.435 6,185.087 8,256.445 30,520.005 9,791.454 12,070.906 10,781.655 20,012.046 11,396.078 11,077.535 +1,289.251 12,019.338 10,510.898 9,372.417 + 7,992.708 10,844.369 14,520.440 9,923.179 22,977.658 15,588.007 9.764.318 40,826.456 1868 1869 36,131.858 106,827.911 42,880.595 122,550.073 - 1870 67,724.468 125,977.509 1871 61,828.563 141,439.932 1872 64.854.641 114,399.935| - 61,889.222 70,696.053 79.679.478 58,253.041 79,611.369 49,545.294 16,793.887 10,227.860 14,569.044 17,851.346 20,988.842 12,701.565 21,544.194 22,291.635 34.146.667 19,123.918 33,978.079 12,404.712 22,330.557 18,890.290 + + 885.180 1,705.118 +4,597.261 +5,823.689 + 6,566.027 +3,282.302 +8,287.277 847.441 +15,022.749 +21,573 367 +3,440.267 Norddeutfchland. Niederlande. 1860 5,262.547 11,502.218 6,239.671 1861 5,244.184 11,722.392 6,478 208 9,887.162 9,134.192 6,913.187 + 2,973.975 7,420.063+1,714.129 1862 7,609.850 9,389.837 1,779.987 8,920.668 6,137.875 +2,782.793 1863 6,111,011 8,647.275 2,536.264 6,548.964 8,891.922 2,342.958 1864 3,703.854 6,943 683 3,239.829 6,316.486 6,523.146 206.660 1865 5,320.048 7,441.197 2,121.149 5,026.913 4,349.370 + 677.543 1866 6,938,706 1867 11,845.835 8,385.802 12,466.649 1,447.096 5,553.273 10,508.687 4,955.414 620.814 7,008.418 4.973.546 +2,034.872 1868 10,198.976 12,845.278 - 2,646.302 4,110.694 3,887.561 + 223.133 +6,782.867 8,202.262 1,412.395 Deutfche Staaten 1869 5,234.052 4,761.590 + 472.462 4,826.267 12,761.491 6,292.954 1.4871.82 1870 - 2,057.084 1871 $ 9,917.767 3,164.577 8,958.375 1,824 269 19,452.823 7,335.224 Hanfeftädte + 4,805.772 Deutfche Staaten 6,901.291 Hanfeftädte 1872 § 8,995.764 38,842.199 3,468.056 18,081.285 8,396.669 5,951.179 + 2,445-490 +8,093.498 14,824.486 6,173.039 +8,651.447 16,288.246 29,851.435 7,482.467 5,337.721+ 2,149.746 14.613.229 Rufsland. 145 Differenz für Differenz für Export Import Export Import Rufsland Rufsland Belgien. Portugal. 1860 1861 2,231.985 1,739.036 2,578.313 1,414.684 + 492.949 318.151 1,102.331 +1,163.629 464.742 1,409.855 1862 2,171.975 1,183.383 + 988.592 564.039 396.460 + 1863 1,780.195 738.511 +1,041.684 768.835 952.578 1864 2,680.266 1,538.651 +1,141.615 935.276 882.337 1865 2,978.462 1,049.463 + 1,928,999 793.062 246.705 1866 3,125.955 2,927.788+ 198.167 376.142 479.342 1867 4,475.074 7,160.098 2,685.024 1,045.414 1,050.096 784.180 1,035.113 167.569 183.743 54 939 546.357 103.204 4.678 1868 3,472.689 6,853.785 3,381.096 498.665 439.454 69.211 1869 4,761.222 7,307.856 2,546.634 634.119 616 626 17.493 1870 7,270.481 6,318.258 + 952.223 760.465 300.656 459.809 1871 9,541.972 4,916.090 +4.625.882 657.657 611.690 + 45.967 1872 6,906 648 5,251.074 +1,655.574 569.571 485.266 84.305 Vereinigte Staaten von Nordamerika. Schweden und Norwegen. 1860 2,250.781 1861 638.000 7,615.598 8,078.403 - - 1862 I, 135.543 3,542.229+ 1863 1,634.038 2,482.697+ 5,364.817 7,440.403 2,406.686 848.659 2,343.827 1,991,504 3,511.336 2.087.034+ 1,424.302 3,634-557 - 352.323 2,405.996+1,228.561 2,496.642 2,403.366 1864 915.820 4,539.925 3,624.105 2,070.828 2,157.217 1865 1,295.926 1,225.637+ 70.289 2,498.628 2,211.027 1866 1,433.078 2,247.200 - 814.122 3,841.161 2,364.853 1867 1,262.986 4,644.777 3,381.791 1868 534.884 3,877.111 3,342.227 1869 1,056.345 3,689.675 4,650.410 4,939.534 3,500.170 2,846.104 2,819.853+ 2,119.681 2,830.847 1870 949.185 1871 864.840 1872 1,078.365 2,017.080 $ 4,951.314 304.100 18,279.082 13,140.236 Südamerika 3,524.437 - +++++| 93.276 86.389 287.601 1,476.308 669.323 678.333 4,306.229 Südamerika 3,775.317 - 17.414.242 12,061.871 4,963.329 5,442.291 Italien. 1860 1861 3,852.342 5,433.997 3,761.913 5,091.129 +1,581.655 4,472.816 1862 2,746.692 5,907-737 1,329.216 3,161.045 1,981.939 2,257.947 89.364 1863 2,348.227 4,092.013 1,743.786 1,683.468 137.231 3,506.723+ 4,167.205+ 796.124 4,422.560+1,019.731 Dänemark. 102.868+ 4,369.948 92.450+ 1,889.489 1,546.237 268.594 +2,168.583 1864 3,571.069 4,324.868 753-799 1,225.926 114.326 +1,111.600 1865 5,734.684 6,362.626 627.942 1,054,748 274.714+ 780.034 1866 5,891.200 5,453.671+ 1867 1868 3,864.648 3,065.752 437.529 2,898.204+ 966.444 2,812.837+ 1.300.684 153.864 +1,146.820 1,197.061 134.571 + 1,062.49° 1869 3,595.594 8,346.328 252.915 4,750.734 1,406.510 94.475 +1,312.035 1870 8,715.951 6,574-936 +2.141.015 1,072.982 2,688.643 257.184 1871 8,428.788 10,456.372 - 2,027.584 2,607.135 362.729 1872 8,980.088 12,772.518 3,792.430 6,802.189 Spanien. + 815.798 192.453+2,496.190 403.709+ 6,398.480 Griechenland. +2,244.406 1860 4.256 2,005.579 2.001.323 152.013 757.125 605.112 1861 51.606 2,239.275 2,187.669 280.627 808.815 527.188 1862 7.249 2,364.617 2,357.368 169.217 885.963 716.746 1863 66.014 3,763.861 3,697.847 49.685 965.996 916.311 1864 38,249 3,040.437 3,002.188 123.425 1,106.172 982.747 1865 19.538 2,039.460 2,019.922 1866 117.197 1,568.866 1,451.669 1867 73.005 3,690.528 3.617.523 181.747 572.447 345.404 1,713.241 1,182.311 2,481.402 1,531.494 609.864 2,135.998 1868 348.623 3,254.421 2,905.798 398.356 1,305.386 1869 354.130 4,365 437 4,011.307 506.171 3,260.873 1870 390.993 I, 743.992 1,352.999 2,351.699 2.352.735 1871 378.150 1.484.440 1872 109.040 548.475 1,106.290 439.455 1.856.705 3,767.353 - 1,235.030 2,411.447 - 907.030 2,754.702 1,036 1,910.648 1,176.417 IO* 146 Wilhelm von Lindheim. Differenz für Differenz für Export Import Export Import Rufsland Rufsland Donau- Fürftenthümer. Perfien. 1860 3,195.617 1,725.854+1,469.763 1,098.017 3,759.390 2,661.373 1861 3,119.331 1,919.081+ 1,200.250 1,170.277 3,828.139 2,657.862 1862 1,823.276 1,407.471+ 415.805 1,116.414 4,151.517 3,035.103 1863 1,968.454 1,434.206+ 534.248 1,103.648 4,551.839 3,448.191 1864 1,786.095 1,484.938 + 301.157 1,408.908 6,468.590 5,059.682 1865 2,908.971 1,868.073 +1,040.898 1,717.466 4,778.523 3.061.057 1866 2,662.770 725-303 +1,937.467 1867 2,265 075 853.247 +1,411.828 1,749.067 5,221.161 1,316.816 5,265.614 3,472.094 3-948.798 1868 2,869.206 1,123.826 +1,745.380 1869 6,619.413 3,202.161 +3,417.252 1,433.139 3,941.718 4,858.518 3,460.081 2,508.579 +1,398.437 1870 3,083.142 3,095.238 1871 2,428.098 3,343.825 - 1872 2,867.463 4,091.893 - 12.096 915.727 1,224.430 4,296.052 2,626.682 + 1,669.370° 1,429.368 3,948.972 2,519.604 1,693.379 4,924.973 - 3,231.594 Europäiſche Türkei. Bucharei. 1860 8,410.157 6,765.828+ 1,644.329 1,627.836 1861 6,736.869 6,108.870+ 1862 5,346.643 5,491.819 1863 5,341.653 5,201.656+ 1864 7,851.089 1865 7,263.565 627.999 145.176 139.997 4,277.700+ 3,573.389 5,128.598+ 2,134.967 - 6,868.343 1.554.600+ 73.236 2,806.327 1,469.354+1,336.973 3,126.681 2,740.669+ 386.012 2,983.595 3,880.659 4,654.988 2,250.853 3,890.250 897.064 2,213.355 1,639.397 1866 9,196.171 4,875.416+4,320.755 1867 5,935.626 5,316.337+ 619.289 877.182 4,310.214 3,454.319 6,214.683 2,577.137 - 1,904.469 1868 7,497.363 6,292.112+ 1,205.251 1869 9,405.299 7,673.048+ 1,732.251 1870 9,558.825 8,855.476+ 1871 10,190.206 II, 577.531 1872 6,028 175 18,709.463 703.349 1,387.325 12.681.294 Afatifche Türkei. China. 1860 1,589.918 2,177.095 587.177 5,856.572 7,125.839 - 1861 1862 1,596,959 2,051.653 2,150.428 2,227.951 1863 3,475.768 1864 2,956.570 1865 454.694 4,969.600 7,77 3.488 - 1866 4,553.048 77.523 2,126.633+1,349.135 2.795.780+ 160.790 4,104.809 3,891.025+ 3,535.811 4,506.734 9,187.312 1,269.267 2,803.888 4,680.578 3,415.845 7,459.150 4,043.305 3,704.302 6,066.818 2,362.616 213.784 5,057.766 5,241.917 184.151 1,017.237 5,146.222 5,331.923 185.701 1867 2.590.164 4,683.557 2,093.393 4,094.423 5,570.616 1,476.193 1868 3,934.470 6,282.592 2,348.122 3,529.718 6,265.346 - 2,735.628 1869 3 041.154 7,294.536 4,253.382 3,207.585 5,689.466 1,398.437 1870 2,863.985 8,122.702 5,258.717 3,561.924 8,063.166 1,669.370 1871 3,469.414 5,446.210 1872 3,552.145 6,275.385 - 1,976.796 2,723.240 3,481.977 6,524.328 2,825.231 3,042.351 8,015.005 5,189.774 Rufsland. Allgemeine Ueberficht der vereinigten Ein- und Ausfuhr. ( Dreijähriger Durchschnitt der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) 147 In den Jahren Europäifches Rufsland Handel Afatifches GefammtRufsland Verkehr mit Finnland Zufammen 1856-57-58 267.209 20.807 288.016 3.900 291.916 1859-60-61 1862-63-64 285.567 296.423 21.500 317.923 5.412 323.335 23.600 309.167 9.569 318.763 1865-66-67 378.827 25.214 404.041 II.482 415.523 1868-69-70 555.959 26.699 582.658 13.944 596.602 1871 697.329 24.834 722.163 15.617 737.780 1859-60-61+ 29.214 1862-63-64 - 10.856+ 2.100 - 1.512+ 4.184 - 31.419 4.572 1865-66-67+ 93.260+ 1.886+ 96.760 1868-69-70+ 2.462+ 181.079 - 11.717445.864 1.673+ 141.178 Abfolute Unterfchiede. 177.132+ 1871 1856-58+430.120+ gegen 1868-70+141.370+ 693+ 29.907 1.614+ 8.756 94.874 1.485+178.617 4.207434.147 1.865139 505| Unterfchied in Percenten. 3: 33+ 10 38+ 2.75+ 30.69+ 1871 1856-58+ gegen 1868-70+ Percentualverhältnifs zur Gefammtfumme. 38.77+ 77 3119-65+ 21 44+ 300 44+ 12'00+ 10.76 I'41 30 35 43.58 152 74 23.66 1859-60-61+ 10.93+ 1862-63-64 3.66+ 9.771865-66-67+ 32.66+ 6.841868-69-70+ 46.76+ 5.89+ 44 21+ 160.97+ 19.36+ 150 74+ 25 436.98+ 23.94+ 1856-57-58 92.78 1859-60-61 93.24 1862-63-64 92.27 1865-66-67 93.76 1868-69-70 1871 95.42 96.56 7.22 100 98.66) 6.76 100 7.63 100 96.99 6.24 100 97.24 4:58 100 97.66 3:44 100 97.88 134 IOO 98.33 1.67 IOO 3 ΟΙ IOO 2.76 IOO 2.34 IOO 2'12 IOO Percentualverhältnifs der zur See und zu Lande ein- und ausgeführten Güter in Taufenden von Rubeln. Insgesammt Ausfuhr Einfuhr zu in den Jahren. zur See zufamLande men zu zufamzu zur See Lande men zur See Lande zufammen Verhältnifs in Percenten. 00 1856-57-58 1859-60-61 83 74 16 26 1862-63-64 81-76 18 24 83:59 16:41 IOO 100 74'93 25.07 IOO IOO 77 52 22 48 IOO 79 55 80 77 20 45 IOO 19 23 IOO IOO 72.59 27 41 IOO 77.39 22.61 IOO 1865-66-67 80 90 19 10 IOO 68.50 31.50 IOO 74.82 25.18 IOO 1868-69-70 76.71 23 29 23.29 IOO 67.54 32 46 1871 78.61 21 39 IOO 67.82 32 18 IOO IOO 71.86 28 14 IOO 73 23 26.77 IOO 148 Wilhelm von Lindheim. Ausfuhrtabelle. ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) In den Jahren Europ. Rufsland Afatifches Rufsland Totale der Ausfuhr in fremde Länder Ausfuhr nach Finnland Zufammen 1856-57-58 145.560 7.832 153.392 3.329 156.721 1859-60-61 158.147 8.031 166.178 3.328 169.506 1862-63-64 153.199 8.517 161,716 6.501 168.217 1865-66-67 195.625 10.208 205.833 8.552 214.385 1868-69-70 266.493 1871 352.758 8.408 8.904 361.662 274.901 8.765 283.666 7.609 369.271 Abfoluter Unterfchied. 1859-60-61+ 12.587+ 199+ 13.786 I+ 12.785 1862-63-64 4.948+ 1865-66-67++ 42.426+ 1868-69-70+ 70.868486 4 462+ 1.691+ 44.117+ 1.800+ 69.068+ 3.173 1.289 2.051+ 46.168 213+ 69.281 1871 J1856-58+207.198+ gegen( 1868-70+86.265+ 496+ 1.072208.270+ 86.761 4.280+ 212.550 1.156+ 85.605 Unterfchied in Percenten. 1859-60-61+ 8.64+ 2.54+ 1862-63-64 1865-66-67+ 1868-69-70+ 1871( 1856-58+ gegen 1868-70+ 313+ 27.70+ 36.23 6.05 19.85+ 8.34 2.68+ 27.28+ 0.03+ 95 25 8.16 0.76 31-55+ 27.45 17.63+ 33 55+ 2.49+ 32.32 142 35+ 32 37+ 13.69+ 5.90+ 135 77+ 31.56 128 57+ 135 62 1319+ 30.28 Percentualverhältnifs zu der Gefammtfumme. 1856-57-58 1859-60-61 94.89 5'11 100 97.88 2.12 IOO 95 17 4.83 100 98.04 1.96 IOO 1862-63-64 94.73 5 27 100 96.14 3.86 IOO 1865-66-67 95.06 4'94 100 96.01 3.99 IOO 1868-60-70 96.94 3.06 100 96.91 3.09 ΙΟΟ 1871 97.54 2.46 100 97.94 2:06 IOO Rufsland. Einfuhrtabelle. ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) 149 In den Jahren Europ. Rufsland Afatifches Rufsland Totale der Ausfuhr in fremde Länder Ausfuhr nach Finnland Zufammen 1856-57-58 121.649 12.975 134.624 571 135.195 1859-60-61 138.276 13.469 151.745 2.084 153.829 1862-63-64 132.368 15.083 147.451 3.095 150.546 1865-66-67 183.202 15.006 198,208 2.930 201.138 1868-69-70 289.466 18.291 307.757 5.179 312.936 1871 344-571 15.930 360.501 8.008 368.509 Abfoluter Unterfchied. 1859-60-61+ 16.627+ 494+ 1862-63-64+ 5.908+ 1.614 1865-66-67+ 50.834 77+ 17.121+ 4.294+ 50.757 1.513+ I. OII 18.634 - 3.283 165+ 50.592 1868-69-70+106.264+ 1871( 1856-58+222.922+ 3.285109.549+ 2.955+ 225.877+ gegen 1868-70+ € 55.105 2.361+ 53-7442.249+ 7.437 2.829+ III.789 233.314 55.573 Unterfchied in Percenten. 1859-60-61+ 13.67+ 1862-63-64 1865-66-67+ 1868-69-70+ 1871 1856-58+ gegen 1868-70+ 4.27+ 38.40 58: 00+ 183 25+ 19.043.81+ II 980.51+ 21 89+ 22 77+ 12 91+ 12.72+ 2.83+ 34 42 55 27+ 265.00+ - 48.515.33 76.76+ 13.80 2 13 33.61 167-781302 45+ 55.59 172 58 17 14+ 54 62+ 17.76 Percentualverhältnifs zu der Gefammtfumme. 1856-57-58 90.36 9.64 100 99.58 0.42 IOO 1859-60-61 9112 8.88 100 98.65 I 35 IOO 1862-63-64 89.77 IO 23 100 97 44 2:56 IOO 1865-66-67 92 43 7.57 100 98.54 1.46 IOO 1868-69-70 94.06 5.94 100 98.35 1.65 IOO 1871 95.58 4 42 100 97.81 2.19 IOO 1859-60-61+ 581 1.4941862-63-64+ 58+7,167+ 1865-66-67 - 1868-69-70+ 822+ 47-648In den Jahren 905+ 916 92.805 - 7+ 2.236+ 822 - Schweden und Norwegen 150 Wilhelm von Lindheim. Preufsen Dänemark Hanfeftädte 1871 gegen 1868-70+ 880+22.988+ 182+8.342+ 446+ 1.306 1.911+ 2.8325.352 Deutfche Staaten Niederlande Belgien England Die Einfuhr des Europäiſchen Rufsland ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen aus den einzelnen Productionsländern. Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) Abfolute 239+ 867+ 333 634+11.666+ 2.321 528 1.639 1.138 Frankreich Portugal 1856-57-58 1.683 26.973 1.009 10.137 7.718 1859-60-61 2.264 25.479 104 II.053 318 1862-63-64 2.322 32.646 1865-66-67 2.465 70.804 113 1868-69-70 3.287 118.452 1871 4.167 141.440 188 181 363 8.248 8.875 79 556 7.184 6.611 1.048 33-935 6.851 1.682 45.601 II.073 I.154 43.962 9.935 8.752 486 1.741 3.907 7.820 552 7.299 7.023 1.566 121.649 1.029 3.713 61.142 II.520 592 2.433 II.I II 1.378 4.867 6.827 94-452 17.757 449 19.453 1.824 6.173 4.916 97.284 12.405 612 2.168 4.879 7.554 743 3.056 4.775 6.583 4.905 9.026 1.792 3.121 5.911 10.666 1.306 7.607 1.484 10.456 16.748 2.767 11.578 731 6.306 986 4.991 1.829 6.739 2.626 138.276 1.442 776 3.373 132.384 5.107 1.149 2.692 1.161 194.731 2.474 4.173 I.554 3.344 16.970 3.243 296.573 356.227 - 1.7443.114+33.310+ 6.237 1+ 1+ Spanien Italien Oefterreich Unterfchiede in Percenten. 1859-60-61+ 34° 52- 4'54 89 70+ 903| 1862-63-64+ - 2'56+ 28.13+ 8.67 25 38- 75 35+ 11 23+60 50+ 34'38+ 26.52, 4.86 31 39- 3'59 -III 73+ 23'95+ 24'48- 10'28 27.78+41 61- 21 32 - 3.40+ 32 4312'85+34 88 13.60 20.85 - 21 16 - - 4.04+ 88-48+28 4067 75+ 28.4013.67 4'27 1865-66-67) - - - 1868-69-70+ 33 35+ 67.30- 3'72+25 19+147 84 1871 gegen 26 3883.87+ 54.50+ 5414 1868-70+26 77+ 1941+ 100'55+ 75'08+ 32'37+ 26.83-27 99+ 30030 14 24 16+28 28+ 20° 51+18 17+28.74+ 48.95+ 115'31+55 01+ 33.85+ + 36.30-52'45+ 76.89+ 57'02+63 36+ 52'20+ 35 17+306.66+ 108.69+ 52 30 20'II - - Griechenland Türkei Rumänien Rufsland. 151 Staaten von Vereinigte Nordamerika Unterschiede. 543+ 417+ 972- 266+ 286+ 898- 104179- 993 - 255 971+ - I.315 387 - 284+ 5.963+ 1.060+ 747 16.627 5.908 - Verhältniss in Percenten. 1856-57-58] 1* 38 1859-60-61 1.64 1862-63-64 I'75 1865-66-67 1868--69-70 22 17 0.83 8.33 6.34 o.881 27'90 7'20 0'40 1'43 3'22 6.43 o'45 6.00 5'77 1'29 IOO 18.43 o'08 7.99 0.23 4'96 I'22 42 98 4'01 0'74 1'56 3.53 5.46 0'53 4'55 I'32 4.87 I'90 IOO 24'66 0.09 6.23 0.06 5'43 0.87 33.91 7'51 0'56 2.81 3.61 4'97 0.74 3.77 1'09 0.59 2'55 IOO I'27 36.36 0'09 4'56 0'29 3'39 1'91 31 40 5'92 0.30 I'25 2'52 4.63 O'92 2.62 0.59 138 0.60 IOO I'II 39 94 0.06 3* 75 0.46 1.64 2'30 31-85 5.99 O'15 I'05 2'00 3.60 0.78 2.56 0.83 I'41 O'52 IOO 1871 I 17 39.71 ΟΙΟ 5.46 O'51 I'73 138 27 31 3.48 O'17 0'42 2'94 4'70 1'06 3.25 O'94 4'76 0.91 IOO 143+ 688+1.006+ 1.640+ 5142.500+1.325+ 1.481+ 393+101.842 163 1.637+ 4.545+6.082+ 1.461+3.971+ 870+12.797+ 1.689+ 59.654 - Andere Länder Zufammen In den Jahren Schweden und Norwegen Preufsen Dänemark Hanfeftädte 152 Wilhelm von Lindheim, Deutfche Staaten Niederlande Belgien England Frankreich Die Ausfuhr des Europäiſchen Russland ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen nach den einzelnen Confumtionsländern. Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) 1856-57-58 1859-60-61 3.188) 17.496 3.777 3.727 8.640 2.442 18.817 2.804 4.081 881 8.794 2.531 2.261 67.463 15.799 544 190 3.864 6.949 297 7.877 2.130 1.188 145.560 79-198 14.876 384 63 5.473 6.173 206 7.411 2.490 1.667 126 2.744 23.015 1862-63-64 1865-66-67 3.760 28.907 1.184 3.470 1868-69-70 48.912 1.723 3.318 4.374 1871 4.963 61.828 2.607 3.165 1.722 4.219 1 589 7.262 4.565 5.863 7.210 5.914 9.918 14.824 2.211 78.952 12.331 756 37 2.889 5.718 II4 6.467 1.859 1.229 95 3.526 102.565 5.168 132.795 171.778 9.542 16.744 738 70 5.164 6.810 366 7.465 2.612 I.331 485 158.147 153.199 195.625 25.809 631 365 5.126 1.085 10.967 8.820 4.190 847 239 266.493 1 33.978 658 378 8.429 13.860 1.857 10.190 2.428 865 1.490 352.758 Portugal 1859-60-611862-63-64+ 764+ 1.421|- 292+4.198. 1865-66-67+1.026+5.892 1868-69-70 - 973+ 1.082+ 538354 - 138+ 708 [+ 154 - I.532 - Abfolute 270+ 11.735923 50246 - 2.545 + 749+2.976 1.399+1.315+ 23.613+ 4.413) Unterfchiede. 160 372 18+ 127+ 1.609- 26 - 2.584 386+20.005+ 539 - 152+2.645+ 51+3.642+30.230+ 9.0651 107+ 295 gen 1871 56-58+1775+ 44-432 ge. 68-70+1.589+ 12.916+ - 1.170 884- 562 - + 6.184+7.011+104.315+18.179 + 153+2.7088.910+4.374+ 38.983+ 8.169 + 114+ 27+ 332.275+1.092+ 252+ 998+ 38+4.157+ 7191.355+ 1.758 188+4.565+6.911+1.560+ 2.313 133.303+ 2.893+ 772+ 1.370-1.762+ 776466 914631.062+ 12.587 455 - 92- 944 - 631 - 438 753+ 102 31 390+ 4.948 42.426 484 - 246+ 70.868 I.265+ 18+ 303+207 198 1.251+ 86.265 Unterfchiede in Percenten. 1859-60-61-23'40+ 1862-63-64+ 11'96+22 31 1865-66-67+ 37 53+ 2560 1868-69-70-10'27+69 20+ 8.17 25 76+ - 38.48+ 31 24 - 942| 4:46+80 36 17'75 187 29 - + 178 10'67+ 17.405.84 17 422'2103117 II 41 27 - - 7'37 - - gegen 1871 55-58+ 55.68+255 41 68-70+32 02+ 20.89+ - 45'52 30.98 33'91- - 19 265948+ 29'91+ 35'79 4.38+57.84+ 0.87+ 46.57+29 67+ 54 14 +7157+ 277'01+154 63+ 115 06 15 08 483+27 30+ 6011+ 45'84+ 22.69+ 24'04| 483+ 27 +24 - - 29 4166.84+ 43'71-11'17 30 64+96.87 44.66 47'21 2.38+89 19+7875+ 19.10+ 221'05+ 15 43+ 40'51+ 04761 04+196 45+ 18 15+ 604114 50 421 43 5'92 - II 74 - 25 34 - 21 74 26 33 89 39+ 8.64 - 24 60 - 3'13 36.368.3041053+ 50 72+ 27 70 36.23 + 20'95+ 89 94+118 1199 45+ 525 25+29 36 1+ 4'10+ 34433 19+ 20 90+ 4157+ 1344-72'57+ - - 59'39+ 25 53+ 2'08+ 86-96+ 142 35 32° 37 Verhältnifs in Percenten. 1856-57-58| 2'19 II 95 2.60 2.56 5'94 I 74 1859-60-61 1862-63-64 I 54 1.78 II 90 I'77 2:58 0.56 5.56 I'43 46.35 50.08 10.85 0.37 O'13 2.66 4'77 O'20 5 41 - 1.46 0.82 IOO 9'41 O'24 0.04 3.46 3'90 O'14 4.69 1.58 I'05 o'08 IOO 15'02 I'I2 2.75 I'04 4'74 I 44 51 56 8.05 049 O'02 1.89 3'73 0.07 4 24 I'21 o'80 o'06 IOO 1865-66-67 1'92 14.78 0.60 I'77 2:33 3:00 1.80 52'43 8.56 0.38 0'04 2.64 348 O'19 3.82 I 34 0.68 O'24 IOO 1868-69-70 I 27 18.35 0.95 I'25 2-70 2'22 194 49.83 9.68 0* 24 O'14 1'92 4 II 0'41 3'31 I 57 0° 32 0.09 IOO 1871 I 41 17'53 074 o'90 2.81 4 20 2.70 48.80 9.63 O'19 O'II 2.39 3'93 0'52 2.89 0.69 0.24 0'42 IOO Spanien Italien Oefterreich Griechenland Türkei Rumänien Nordamerika Staaten von Vereinigte Andere Länder Zufammen Rufsland. 153 154 Reihenfolge nach der Erheblichkeit 1871 I Wilhelm von Lindheim. Rufsland. Exportüberficht des Europäiſchen Rufsland, nach den wichtigften Waarengattungen geordnet. Bezeichnung der Waaren Cerealien und andere In Taufenden von Rubeln. Dreijähriger Durchschnitt 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869 1870 1871 1856-1859-1862-1865- 18681858 1861 1864 1867 1870 155 2 Flachs 3 Leinfamen 4 Holz 10 5 Hanf. 6 Schweinsborften O 7 Rohwolle.. 8 6 Vieh.. Fette. mehlartige Nährftoffe 56.213 51.308 49.813 59.921 63.307 68.218 53.504 44.202 54.728 11.579 15.134 13.651 13.208 15.583 13.576 16.484 16.543 15.985 15.569 14.204 11.490 12.168 14.385 12.065 16 765 11.514 18.145 5.934 5.865 5.971 4.786 4.876 4.973 5.820 5.901 7.479 7.953 7.872 7.692 8.964 8.040 7.925 9.327 8.049 8.993 2.472 2.348 2.289 2.552 2.259 1.858 2.199 3.124 3.309 8.349 12.152 11.375 11.867 16.012 16.855 18.829 14.427 19.034 1.414 1.262 1.207 1.439 1.171 1.506 1.431 1.384 1.821 15.423 14.026 14.853 13 746 18.123 12.665 9.828 61.313 73.571 93.978 73.632 86.876 25.950 18.181 19.828 29.030 32.857 14.821 16.772 18.360 26.728 31.002 9.393 11.003 3.388 3.376 9.731 9.017 10.194 10.651 12.524 11.638 9.815 8.674 8.099 10.483 8.949 9.614 1.425 7.667 II.154 15.554 2.601 2 977 3.938 6.182 7.608 9.760 8.356 11,752 12.999 11.826 3.034 3.132 162.990 52.445 63.815 50.811 76.287 107.833 182.948 57.098 13.455 14,122 16.337 21.653 39.662 49.583 27.142 13.754 13.206 15.475 16.651 28.291 28.743 13.146 5.564 5.223 6.415 10.079 12.435 14.026 II.005 7.839 8.310 8.790 9.831| 8.611 2.370 2.223 2.877 3.266 7.868 10.625 14.911 17.430 12.107 9.896 12.234 6.897 9.861 8.987 7.626 7.217 1,294 1.372 I.545 3.172 6.650 14.767 14.845 9.525 12.192 7.002 6.358 6.255 4.660 IO Mohn, Sonnenblumen und Senfkörner I I Flachs und Werg. I2 Butter 37° 1.311 611 255 1.205 13 Leder 14 Pelzwerk. 1.199 1.450 1.137 494 419 1.455 1.087 2.370 946 785 327 363 1.154 1.815 5.145 I.135 1.324 I.523 1.662 902 861 981 649 742 411 I.174 1.127 1.106 1.843 1.783 664 505 766 1.245 1.933 2.237 1.235 1.910 1.954 663 1.093 I.332 1.157 1.496 2.294 2.668 1.204 1.301 1.080 1.414 1.693 881 I.344 1.386 1.795 1.948 3.002 4.213 367 664 1.293 1.167 732 1.026 1.652 1.566 428 613 1.046 2.827 1.284 1.773 1.984 1.732 615 921 651 I.341 2.266 2.698 1.503 1.042 1.710 3.160 1.867 I 262 830 997 1.406 3.420 2.596 2.324 1,195 1.483 1.899 1.833 1.515 591 1.064 1.829 15 Nicht bearbeitete Metalle 16 Pottafche. " 17 Knochen. 18 Tauwerk. 21 222 19 Segel- Leinwand 20 Caviar 365 468 518 3.855 3.029 1.347 1.598 1.561 1.461 1.809 1.353 1.827 1.225 1.158 856 1.476 1.435 615 660 59° 560 463 148 368 459 907 1.150 1.017 842 1.344 1.644 1.104 1.496 1.233 744 517 492 706 514 338 687 452 448 349 1.203 1.533 1.031 1.657 843 337 580 574 I.574 I.422 1.415 I- 948 1.336 1.232 1.359 1; 213 617 446 1,045 1.075 I.IOI 1.231 364 I.226 717 935 247 1.091 1.248 1.374 992 1.209 1,025 1.888 2.744 1.540 I.542 1.468 1.163 1.374 622 39° 388 1.280 1.750 1.215 I 309 I.2II 1.033 533 895 973 1.277 1.278 1.089 1.183 856 447 432 503 502 384 Pferde 290 512 522 292 452 386 292 392 550 560 598 354 613 581 524 803 451 I.333 972 1; 262 1.302 466 584 519 501 730 75° 753 931 450 415 479 526 809 748 441 345 443 504 I.122 691 22 Hanfgefpinnfte. I 397 826 628 779 834 938 1.376 1.077 1.304 1.387 1.492 1.542 1.248 868 1.160 850 95° I.252 1.474 1.092 674 23 23 Lumpen 30 70 65 136 r45 177 80 180 533 361 565 353 302 5491 778 55 153 264 426 543 658 24 Theer • . 361 371 266 295 313 476 739 810 655 472 731 532 704 647 651 333 361 735 578 667 645 25 Tuche 2 9 17 6 13 13 14 31 78 299 827 363 791 1.008 461 9 I I 41 496 753 290 26 Gold- und Silberwaaren 94 67 62 87 66 II2 36 43 144 255 710 II4 243 169 132 74 88 74 360 181 II2 27 Hopfen... ST 5 9 II 7 134 5 39 6 79 104 803 729 13 27 19 28 Lein- und Senföl.. 346 1.357 550 147 19 183 972 133 938 1.388 795 1.505 689 264 98 80 49 41 545 20 26 751 116 681 1.219 320 22 29 Edelfteine 281 194 358 407 257 162 129 105 83 918 1.411 173 123 33 65 278 275 106 834 74 6 156 Wilhelm von Lindheim. Reihenfolge nach der Erheblichkeit 1871. Importübersicht des Europäiſchen Russland, Rufsland. nach den wichtigften Waarengattungen geordnet.* In Taufenden von Rubeln. Bezeichnung der Waaren 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869 1870 Dreijähriger Durchschnitt 1856-1859-1862-1865- 18681858 1861 1864 1867 1870 157 1871 ΙΟ I I I2 13 123456 78 90123 I Rohbaumwolle Nicht bearbeitete Metalle Thee. 15.580 16.389 17.908 21.968 19.108 20.682 5.186 9.376 2.588 2.586 2.410 3.347 4.725 4.301 3.903 Mafchinen. Metallarbeiten Farben Wolle. Oel. Getränke Kohle. 44 2.392 2.333 7.271 Wollengewebe Früchte. Gefponnene Baumwolle 2.019 2.954 2.572 14 Mineralifche Oele zur 5.011 489 Import verboten. 9.406 10.110 7.610 598 11.297 8.527 8.601 8.885 5.811 3.682 4.074 4.614 4.891 4.830 4.751 4.796 8.776 8.256 8.779 9.096 10.218 9 019 7.305 2.911 3.520 3.819 3.649 3.584 4.731 3.299 2.662 3.939 4.491 4.632 4.582) 6.179 6.659 6.457 6.202 7.965 9.041 9.348 7.063 9.240 9.680 9.121 8.106 1.156 1.620 1.892 2.006 2.955 2.361 2.666 2.989 4.001 3.579 4.168 3.684 4.059 3.140 2.810 4.278 4.731 4.699 4.673 4.970 4.860 5.119 6.124 5.366 2.917 2.854 3 198 1.685 1.772 17.374 25 081 30.061 2.528 267 15.895 17.424 16.464 16.321 20.386 25.062 5.867 3.363 17.865 29.107 25.552 8.101 11.844 12.982 13.417 3.417 9.760 11.097 13.086 4.354 9.659 10.194 7.986 8.332 4.802 1.710 1.984 2.450 1.761 3.100 3.285 6.196 4.220 6.133 9.515 10.035 7.349 7.735 8.557 9.020 22.637 16.869 35.584 38.040 35.975 35.684 31.270 16.626 20.586 12.400 30.164 34.310 48.026 6.413 8.884 21.520 4.147 8.815 10.993 9.087 14.346 6.050 10.368 15.023 7.027 4-446 8,362 10.392 14.709 7.257 8.764 8.518 11.031 5.484 8.543 5.039 3.938 7.318 8.168 5.758 6.730 6.989 7.640 5.969 6.948 4.124 - 4.846 4 342 5.034 5.250 6.561 3.647 2.788 3.579 4.743 4.343 5.193 6.554 4.687 2.990 2.368 Beleuchtung 838 1.034 1.457 2.210 3.168 4.398 5.764 - 15 16 17 18 12 19 20 567866 Seide.. Kaffee. 2.112 Seidengewebe. Pflanzen und Sämereien Chemifche Stoffe. Baumwoll- Gewebe. 21 Tabak 22 25 26 2222222 78 9 Salz. 23 Gewebe aus Flachs und Hanf 24 Fifche Pelzwerk 2.537 1.744 2.013 1.909 2.147 2-512 2.533 6.115 6.608 5.352 5.845 92 105 97 173 1.041 1.866 I.433 2.010 2.838 4.818 4.395 5.609 2.763 3.841 4.474 3.200 5.890 5.584 4.841 3.973 1.908 2.065 1.761 2.139 2.348 2.527 2.775 3.195 I.127 1.544 1.762 2.253 Reis 588 534 522 636 1.642 2.501 2.698 2.276 3.752 3.909 3.898 3.728 3.981 4.573 3.556 3.289 152 91 139 119 1.673 1.749 I.544 1.595 4.325 4.471 2.848 1.718 3.432 3.690 3.087 2.796 4.456 4.713 4.297 3.515 2.454 2.613 2.324 1.525 3.664 3 242 4.223 4.610 2.066 1.834 1.450 1.325 846 2.069 2.311 5.108 2.745 3.339 3.659 3.782 4.479 4.285 5.442 3.497 5.133 7.264 2.098 4.354 12.272 24.172 31.173 9.444 11.475 16.594 20.958 9.475 7.241 10.480 20.590 20.296 4.778 4.664 II.154 24.175 18.277 9.364 7.858 9.438 12.748 16.590 3.988 3.300 5.807 6.139 8.785 8.661 8,289 1.556 2.441 3.486 3.200 3.970 3.017, 7.239 5.722 3.988 4.791 4.942 6,355 11.314 13.811 7.012 9.340 12.076 6 968 9.294 11.480 2.048 5.615 11,333 4.567 7.903 10.110 4.875 6.841 8.474 3.703 5.363 8.291 6.882 1.567 4.443 3.388 5.664 6.664 420 2.017 2.348 4.845 2.257 2.721 3.368 3.363 5.013 5.423 4.002 4.020 266 664 2.323 2.778 3 096 4.030 4.504 6.025 98 2.054 2.152 2.402 2.687 3.714 3.1 13 4.233 1.447 4.800 139 1.811 3.398 3.655 3.973 4.492 3.189 5.413 3.915 4.482 5.252 141 1.922 3.877 5.146 2.414 3.687 1.731 5.095 2.055 2.224 2.692 3.958 3.235 4.065 4.405 4.017 4.802 2.207 2 958 3.902 4.862 3.021 2.862 3.282 3.744 3.497 4.845 5.584 1.929 1.505, 2.285 2.253 4.514 4.181 2.0II 2.364 2.574 3.534 4.019 2.804 3.465 3.517 4.030 3.527 4.207 4.674 3.944 4.153 1.247 2.016 966 2.179 1.860 3.441 3.635 Uhrmacher- Arbeiten 976 922 1.033 602 881 I.I2I I.252 1.245 I.594 1,478 548 962 4.476 3.693 3.441 2,968 5.105 4.381 4.465 1.911 2.402 1.953 2.550 3.367 4.117 2.051 I.341 819 3.296 4.273 4.818 1.906 3.649 2.824 3.429 4.733 4.260 3.921 3.921 4.257 1.720 2.979| 1.085 1.267 852 I 546 I 293 1.213 1.250 1.200 1.292 878 1.606 915 1.028 821 1.302 1.586 I.573 1.784 1.351 I.247 953 Kalk und Cement IOO 96 89 226 286 222 305 302 161 259 597 541 29 30 Modewaaren und Confectionen. 257 324 372 474 433 467 400 431 Glas und Kryftalle. 342 444 517 391 572 809 948 1.045 834 810 853 1.091 975 825 1.119 74 57 576 60 609 705 1.298 1.186 1.404 1.685 95 276 215 3.782 2.215 1.050 1.648 2.084 1.861 475 1.233 1.271 318 459 391 512 1.091 1.734 1.079 1.348 591 942 918 973 1.204 1.705 31 Gummi( andere als Guttapercha und Räfine) 333 Tüll und Spitzen. || 457 814 57 512 789 29 235 414 396 Pflüge und andere landwirth667 622 534 35 69 365 450 57° 524 858 707 1.059 1.439 388 404 651 1.068 1.627 593 103 502 489 505; 526 426 834 841 - 698 543 507 700 I.247 fchaftliche Geräthfchaften - 34 Pfeffer 281 376 225 281 404 287 124 13 196 684 1.426 2.102 7II 875 - 769 1.229 1.043 245 35 Käfe 294 429 390 395 47° 482 44 I 36 Holz 401 414 413 636 518 951 682 156 184 567 347 539 615 460 848 754 294 324 184 627 477 417 505 590 640 692 822 831 371 449 475 681 529 734 520 446 534 598 409 702 663 453 500 687 1.028 578 782 908 594 526 906 37 Gemüfe und andere Efswaaren 70 88 IIO 150 193 287 277 38 Gegenftände des( verfchiedenartigen) Handels 302 238 445 662 760 1.024 1.801 664 89 210 272 622 1.163 720 161 688 354 402 507 608 553 39 Böttcherei und ZimmermannsArbeiten. 515 476 718 695 I.OIO 892 489 498 306 556 560 808 626 616 - - - - 192 649 671 1.290 595 648 504 844 576 - 40 Thiere 191 41 Roher und raffinirter Zucker 96 179 134 187 IO2 5.610 7.225 6.270 4.695 4.775 89 224 527 97 IOO 5.347 6.121 10.769 8.35 I 1.075 7.080 620 2.908 124 97 104 155 446 382 116 6.368 141 4.939 95 457 108 149 8.414 3.688 315 22 * Die Ziffern der erften Jahre fehlen für mehrere Artikel, welche in den alten Zoll. tabellen nicht enthalten, refpective nicht feparat aufgeführt waren. 158 Wilhelm von Lindheim. Exportübersicht des Aſiatiſchen Rufsland, nach den wichtigſten Rufsland. 159 Waarengattungen geordnet, mit Einfchlufs der Zolllinie ral Orenburg und Sibirien. von Rubeln.) ( In Taufenden Reihenfolge nach der Erheblichkeit Dreijähriger Durchfchnitt 1862 Bezeichnung der Waaren 1856 1857 1858 1863 1864 1865 1866 1867 1859 1860 1861 1856 1859 1862- 1865 1858 1861 1864 1867 I Baumwollen- Gewebe 2.147 3.305 3.397 3.873 3.882 2 Wollengewebe 1.719 1.647 2.248 3 Leder. 768 1.037 719 4.418 3 388 3.278 2.599 886 764 957 2.181 3.729 9.188 4.663 5.798 6.750 5.071 5.039 5.117 8.950 7.279 5.709 2.824 2.638 3.009 3.758 4.279 4.264 3.760 3.018 3.335 3.242 811 6.513 4.362 3.178 2.580 710 5.033 5.737 7.196 7.313 5.076 3.015 2.824 4.133 2.681 4.323 3.681 3.252 4 Rohe Baumwolle I 8 5 IO 30 49 398 970 319 433 235 I.537 689 624 562 735 56 Baumwollen- Gefpinnste. 88 164 250 153 260 452 I.III 1.166 776 728 963 1.185 849 757 1.018 959 Nicht bearbeitete Me800 766 667 623 594 I.O17 458 796 744 745 talle 335 395 383 596 585 537 565 756 591 735 815 723 577 541 637 758 7 8 Cerealien und andere mehlartige Nährstoffe Metallarbeiten 408 333 2.567 1.635 845 476 466 498 937 701 814 762 653 668 844 878 817 694 523 944 552 493 397 377 439 463 574 478 481 426 395 532 79 136 209 159 280 358 9.3 79 141 266 9 Pelzwerk 857 1.285 1.782 1.126 973 678 259 300 343 297 310 336 142 186 301 314 IO Thee 3 2 31 4 5 5 129 II2 234 345 162 319 137 132 158 275 II Rohe Wolle 6 37 5 35 37 60 251 237 214 244 267 272 226 240 234 261 12 Getränke . 41 18 17 18 34 39 13 Zucker. 71 95 192 71 104 160 139 198 103 188 168 215 144 98 147 190 14 Seide 580 828 461 636 I.175 797 III 86 131 189 193 200 199 109 194 15 Gewebe aus Leinen und IOO 65 22 II3 85 133 II2 62 IIO Hanf.. 201 340 169 119 212 II4 124 116 108 105 123 107 69 126 116 II2 16 Farben 92 IOO 120 126 119 196 161 126 72 105 17 Droguen 18 Seidengewebe 73 19 Holz 332 65 60 72 45 69 54 28 52 48 58 86 81 105 160 150 120 97 67 88 47 48 43 71 79 72 127 74 64 39 33 62 55 62 80 19 61 45 66 12 32 57 120 77 127 106 20 Vieh. 21 Pferde 39 333 65 39 92 80 61 62 35 26 55 38 469 55 48 534 50 70 66 55 30 53 45 40 55 52 48 40 39 26 II 160 Wilhelm von Lindheim. Importübersicht des Afiatifchen Rufsland, nach den wichtigften Reihenfolge nach der Erheblichkeit Rufsland. Waarengattungen geordnet, mit Einſchluſs der Zolllinie von Orenburg und Sibirien. ( In Taufenden von Rubeln.) Bezeichnung der Waaren 1856 1857 1858 1859 1865 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1856 1858 Dreijähriger Durchschnitt 1859-1862-18651861 1864 1867 I Rohe Baumwolle 2 Thee 860 739 833 579 887 665 6.285 5.925 7.328 7.392 6.895 7.301 3 Baumwollen- Gewebe • 4 Vieh. 5 Seide. 6 Früchte und Gemüfe 7 Pelzwerk 406 2.299 2.563 2.879 2.932 2.970. 3.144 2.508 2.651 3.334 4.197 4.087 4.684 890 507 671 809 718 1.019 594 374 22776 4.241 3.049 4.073 4.225 8.049 11.837 2.459 2,153 2.350 3.244 3.534 3.280 1.871 767 984 1.216 1.347 1.313 841 2.959 4.058 3.788 8.037 3.088 3.321 3.353 869 842 1.292 104 495 295 1.067 73° 1.079 5 8 30 298 959 608 573 692 226 161 449 168 481 901 167 288 279 517 775 733 713 881 762 793 555 713 988 898 820 850 371 573 752 856 8 Raffinirter Zucker 489 620 621 578 568 478 9 Leder 736 721 1.074 884 874 876 913 807 675 796 733 777 406 644 798 769 IO Seidengewebe 589 562 572 575 402 457 588 523 614 583 681 647 1.682 Be 475 575 637 II Wolle 83 99 97 72 94 71 546 336 287 564 627 464 1.308 1.308 926 390 552 12 Tabak. IOO 162 165 209 149 200 II 21 38 159 214 437 3 5 23 270 13 Gefponnene Baumwolle 65 205 142 131 87 178 158 525 688 I.223 810 401 16 44 457 811 14 Wollengewebe 188 244 246 249 198 274 23 64 130 135 21I 314 25 30 72 220 15 Cerealien und andere 130 211 336 299 243 295 119 II2 226 279 mehlartige Nährstoffe 166 197 68 83 162 50 I.142 1.283 2.086 1.695 1.684 294 62 869 1.504 I.224 16 Wachs, Stearin, Talg - 106 237 212 149 17 Galläpfel - 67 IIO 114 III 104 108 144 248 204 258 237 148 119 237 18 Fifche 62 79 65 138 121 120 309 288 144 170 II7 186 104 147 247 124 19 Farben. 124 184 172 121 168 161 53 68 80 77 132 122 66 56 67 IIO 20 Getränke 45 47 48 49 53 43 67 71 85 36 84 115 75 88 74 78 2I Metallarbeiten 19 24 13 49 71 62 III 139 183 118 161 86 34 108 144 122 22 Medicinalftoffe 51 1.530 21 33 35 81 33 67 86 241 179 78 68 53 62 166 23 Salz. 48 57 $ 53 37 60 39 21 17 32 49 86 22 46 35 23 52 II* 161 162 Wilhelm von Lindheim. Der Handelsverkehr des Afiatifchen Rufsland Rufsland. mit den einzelnen Export- und Importländern. IMPORT ZUSAMMEN. EXPORT UND ( In Taufenden von Rubeln). In den Jahren Türkei Perfien Kirgififche Steppe Khiwa Bucharei 163 Tafchkent China England Frankreich Andere Länder Zufammen 1856-57-58 I.434 5.112 6.159 192 1,823 I.345 1859-60-61 3.493 4.996 8.453 74 3.299 1.150 13.157 13.080 || || 1.253 30.475 308 34.823 1862-63-64 5.245 6.268 6.772 219 8.085 608 II.447 1865-66-67 7.786 6.683 9.146 1.874 6.999 3.758 10.148 1868-69-70 10.514 5.866 15 1871 8.916 5.378 3 10.106 10.007 6763 779 180 39.679 41 523 9 46.967 183 9 26.699 33 496 I 24.834 1859-60-61 1862-63-64 1865-66-67 1871-68-70 +++ 1 2.059 1.752 + 2.541 + 1.302 415+ 146+ 2.294 1.681 2.374 1.598 418 - 1859-60-61 +143 58 1862-63-64+ 50.16 1865-66-67 1871-68-70 + 48.43 15 20 1++| 2.86 26.22 6.62 8.32 + 1+ 1++ 1 Abfolute 118 145 1.655 12 +1.476 +4.786 - - 1.086 Unterfchiede. +11 195 77 542 1.633 3.150 I.299 99 37.25 19.89 Unterfchied +80.97 +145 07 in Percenten. 14.50 47 13 0.59 12:48 35 04 - 13 43 +518 09 II 35 0.98 Percentualverhältnifs 定 1856-57-58 4.71 1859-60-61 10.03 16.78 14.26 20 21 0.63 5.88 24.28 O'21 1862-63-64 13.22 15.80 17-07 48 0.55 9:47 20.38 1865-66-67 16.57 14 23 19:47 3.99 14.90 1868-69-70 39.38 21'97 0.06 1871 35.90 21.66 Ο ΟΙ zur Gefammtfumme. +1+ 5325 76 35 27 + 1+ 779 256 313 - 945 128 +4.348 +4.856 171 +7.288 8 - 1.865 |||| |||| +14 27 +13.94 +18.36 6.98 4.41 43 17 3:30 37.56 || 4'11 IOO 0.89 IOO I 53 28.85 0.19 1.96 0.45 IOO 8.00 21 61 0.09 I'I2 0:02 IOO || 37.85 0.02 0.69 0.03 IOO 40 30 0.13 2.00 Ο ΟΙ IOO 164 Wilhelm von Lindheim. Der Handelsverkehr des Afiatifchen Rufsland DIE ( Dreijährige Durchfchnittsziffer der officiellen Rufsland. mit den einzelnen Export- und Importländern. AUSFUHR. Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) In den Jahren Türkei Perfien Kirgififche Steppe Khiwa Bucharei Tafchkent China England Frankreich Andere Länder Zufammen 1856-57-58 890 1.000 2.504 1859-60-61 1.432 1.162 2.820 85 542 1.908 1862-63-64 2.861 I.210 1.920 9 3.588 1865-66-67 3.410 I.594 4.698 1.017 2.479 1868-69-70 3.280 1.500 7 1871 3.470 I.429 3 1859-60-61 1862-63-64 1865-66-67 1871-68-70 ++++ 542 1.429 549 190 +++ 1 162 48 2847 384 71 +1+ 1859-60-61 +60.90. 1862-63-64+ 1865-66-67+ 1871-68-70 99.79 19.19 + 5.79 + + 16.20 4'13 + - + 31 74 4.73 316 900 2.778 12.62 31 92 +144 69 13 4 1.008 4 Abfolute +1.366 +1.680 - 1.109 |||| 1++ 1 Unterfchied +252 03 +88.05 - - 30.90 - Percentualverhältniss 1856-57-58 7.75 8.71 21.80 0.16 4'72 1859-60-61 10.79 8.76 21 25 0.04 14:38 1862-63-64 20 17 8.53 13 54 0.06 35.30 1865-66-67 15.88 7.42 21 88 4.74 II 55 1868-69-70 39 01 17.84 0.08 1871 38.97 16.05 0.03 519 6.011 - II.484 35° 5.588 90 3.876 IO 3.063 4.767 22 - 3.434 3.482 20 569 424 50 3w 13.268 14.183 33 181 487 21.474 8.408 8.904 Unterfchiede. 169 +1 - 260 2.973 in Percenten. ++ 11 32.56 74.29 +3303 03 - + zur Gefammtfumme. 423 1.712 891 48 7.04 30 71 22 90 140 +++ + 3 IO + 569+ 47 1.784 915 12 145 5° 7.291 27+ 306 496 4.52 0 52 34 2.64 42 12 0.64 27.32 0.07 4.02 14:26 22.19 ΟΙΟ 198 40-84 0.07 2.16 39.11 0.37 5.47 - ++++ 15.53 6.89 51 41 5.90 IOO 0.02 IOO 0.35 IOO IOO IOO IOO 165 166 Wilhelm von Lindheim. Der Handelsverkehr des Afiatifchen Rufsland Rufsland. mit den einzelnen Export- und Importländern. DIE EINFUHR. ( Dreijährige Durchfchnittsziffer der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) 167 In den Jahren Türkei Perfien Kirgififche Steppe Khiwa Bucharei Tafchkent China England Frankreich Andere Länder Zuſammen 1856-57-58 544 4.112 1859-60-61 2.061 3.804 3.655 5.633 174 1.281 826 69 1.391 800 7.146 7.492 1.253 305 18.991 21.555 1862-63-64 2.384 5.058 4.852 210 4.497 518 7.571 1865-66-67 4.376 5.089 4.448 857 4.520 695 5.381 1868-69-70 999 66 19 210 99 130 25.496 9 25.493 7.234 4.366 1871 5.446 3.949 || 8 6.672 2 9 18.291 - 6.525 9 15.930 1859-60-61 1862-63-64 1865-66-67 1871-68-70 +++ 1 1.517 323 1.992 1.788 1++ 1 308 1.254 31 417 +11 1859-60-61 +278.86 7.49 + 1862-63-64+ 15.67 + 32.97 1865-66-67 1871-68-70 83.55+ 24 71 0.61 9.55 1.978 781 404 - 1++ 1 Abfolute 105 141 + IIO 647 +3.106 + 23 8 Unterfchied 54 12 13.86 + 8.59 +223 29 8.33 + 0.51 - Percentualverhältnifs 1856-57-58 2.86 21.65 19 24 0.92 6.75 1859-60-61 9.56 17.65 26.14 0.32 6.45 1862-63-64 9:35 19.80 19.03 0.82 17.64 1865-66-67 17.16 19.96 17:45 3.36 17.73 1868-69-70 39.55 23.87 0.04 1871 34.18 24.79 Unterfchiede. +11 26 + 346 282 79 177 2.190 147 in Percenten. +11 3'15 + 4.84 35.25 + 105 34 17 28.93 - 2.20 zur Gefammtfumme. +1 4:35 3.71 37.63 34.76 2.03 29 74 2.73 21 II 36.48 40.96 - 66 47 479 +11 + 2.564 3.941 948 + 175 210 III 121 7 8 3 2.361 13.50 + 18.28 0.02 - 12.90 || |||| || 6.60 IOO I 41 IOO 0.26 0.82 0.51 IOO 0.07 0.39 0.04 IOO || 0.05 Ο ΟΙ IOO 0.06 Ο ΟΙ IOO 168 Wilhelm von Lindheim. Aus- und Einfuhr von Gold und Silber( gemünzt und in Barren). ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) Ausfuhr Einfuhr In den Jahren Gefammtfumme Europäi- AfiatiEuropäi- Afiatifches fches fches Zufammen fches Rufsland Rufsland Rufsland Rufsland Zufammen 1856-58 14.974 4.666 1859-61 1862-64 19.640 10.373 74 IO.447 30.087 1865-67 1868-70 1871 14.021 3.858 38.021 6.547 18.961 3.161 22.122 12.874 13.480 1.630 15.110 14.476 16.336 1.339 17.675 7.168 17.879 5.610 IOO 5.710 23.589 44.568 4.959 181 5.140 49.708 418 13.292 35.414 389 14.865 29.975 253 7.421 25.096 1859-61 Abfolute Unterfchiede. 953 808808 1.761-4.763|+ 1862-64+24.000+2.689+26.689 1865-67 1868-70 1871 - -19.060-3.386-22.446+7.915+ 5.481 - - 1.531 7.012+1.602 ( 56-58+ 1.362-3.327- 1.965 3.205+ 68-70+2.856291+ 2.565-7.308 26 4.737 6.498 651+ 81 570+ 26.119 2378.152-14.294 29+1.573 179 - 3.026 - - 5.439 4.991 136 - 7.444 - 4.879 1859-61 1862-64 Unterfchiede in Percenten. 6.36 17.32- 8.97 45 92+ 3514 + 17117+ 69 70+ 149 27-1160+ 81.0041 51 9.98 21:59 110 72 1865-67 - 50 13 - 51 73 - 1868-70 - 56-58+ 1871 68-70+ 9.09 21 19 - 28.91 48 43 71 30 10 00-30 90+ 241 90 17.85+ 16.98-50 48-34.96 50 34 15 96+ 130 94+ 158.60 31 70 12 44 - 6.94+ II 91 - 28.76 15.36 - 28.97 16.59 - 50 0816 28 Percentualverhältnifs zur Gefammtfumme. 1856-58 76 24 1859-61 78-40 23.76 21.60 IOO 99.29 0.71 IOO IOO 98.25 175 IOO 1862-64 85.31 14.69 IOO 96.48 3.52 IOO 1865-67 85.76 14.29 IOO 96.86 3 14 IOO 1868-70 89.21 10.79 IOO 97.39 2.61 IOO 1871 92 42 7:58 100 96.59 3.41 IOO Rufsland. 169 Aus- und Einfuhr von Gold und Silber( gemünzt und in Barren). Antheil der beiden Reichshälften. ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) In den Jahren Europäifches Rufsland Afiatifches Rufsland Gefammtfumme Ausfuhr Einfuhr Zufammen Ausfuhr Einfuhr Zufammen 1856-58 1859-61 1862-64 1865-67 1868-70 1871 14.974 10.373 25.347 4.666 5.610 14.021 19.631 3.858 38.021 4.959 42.980 6.547 18.961 12.874 31.835 3.161 13.480 14.476 27.956 1.630 16.336 7.168 23.504 1.339 74 4.740 30.087 IOO 3.958 23.589 181 6.728 49.708 418 3.579 35.414 389 2.019 29.975 253 1.592 25.096 782 6.498 - 81+ 2.770+ 26.119 3.149 14.294 - 1859-61 1862-64 +24.000 Abfolute Unterfchiede. 953 4.763-5.7165.716808+ 651+23.349+2.689+ 261865-67 19.0607.915 - II.145 3.386+ 237 - 1868-70 - 5.4811.602 3.879 1.531 1871 1871 56-58+ 1.362 3.205+ 1.843-3.327+ 29 179 68-70+ 2.586-7.308-4.452-2911361.560 - 5.439 3.148 4.991 427 4.879 Unterfchied in Percenten. 1859-61 1862-64+ 6.36-45 92 171 17 II 60+ 1865-67 50 13 15 96 - 1868-70 28.91+ 12'44 - 12 1848 43 48.431871 68-70+ ( 56-58+ 9 09-30 90+ 21 1950 48 22.55 17 3235 14-16.71-21: 59 11'90+69 70+ 8100+ 70'00+ IIO 72 25.93 51 73+130 94 6.94 7:27 7130+241 90 15 9217 85-34 9646.80 28.76 43.59 66.41 21 15- 15.36 16.59 16.28 Percentualverhältnifs zur Gefammtfumme. 1856-58 59 07 40 93 100 98.44 156 IOO 1859-61 71 42 28.58 IOO 97 47 2.53 IO O 1862-64 88.46 II 54 IOO 97 31 2.69 IOO 1865-67 59.56 40 44 IOO 88.32 II- 68 IOO 1868-70 48.21 51 79 IOO 80:73 19:27 IOO 1871 69.50 30 50 100 84 10 15.90 IOO 170 Wilhelm von Lindheim. Der ruffifche Tranfitverkehr ( In Taufenden in den Jahren 1856 bis 1871. von Rubeln.) Rufsland. 171 Dreijährige Durchfchnittsziffer 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1864 1865 1866 1867 1868 1870 1869 1863 1856 1859 bis bis 1858 1861 1864 1867 1862 bis 1865 bis 1868 1871 bis 1870 Der Tranfitverkehr im Europäiſchen Rufsland* 203 42 417 425 Der Tranfitverkehr im Afiatifchen 696 838 1.241 I.172 I.141 II.413 I.575 722 668 879 221 630 1,279 4.710 756 582 1.423 Rufsland: von Europa nach Perfien. von Perfien nach Europa. 8 39 + 25 56 76 71 35 ** * - 647 902 791 1.456 643 2 153 Total. 8 39 4 25 56 76 71 682 Hauptartikel des Tranfitverkehrs 1.769 956 332 1.693 2.099 3.109 2.10I im Europäiſchen Rufsland. I 550 1.679 1.827 653 406 407 2.203 2.086 2.233 17 52 17 52 815 336 1.793 644 479 2.437 1.685 489 1.348 442 2.174 1.790 von Rubeln.) ( In Taufenden Reihenfolge gemäfs der Wichtigkeit Reihenfolge Wichtigkeit gemäfs der I T2 34 Dreijährige Durchfchnittsziffer Bezeichnung der Waaren 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1864 1865 1866 1867 1868 1869 1870 1863 1856 1859 bis bis 1862 1865 bis bis 1858 1861 1864 1867 1870 1868 bis 1871 I Getreide und andere mehlige Nahrungsftoffe 42 45 23 Holz 360 370 97 512 86 267 258 739 Pflanzen. Samen und Wurzeln.. 968 1.148 8 5 2 - 95 131 244 189 173 378 265 1.067 959 959 529 290 364 256 - 4 627 8.371 195 24 540 60 76 207 188 272 193 1.060 816 303 124 - - 2 - 3.001 73 5I Hauptartikel des Tranfitverkehrs Bezeichnung der Waaren 1856 1857 Tranfit von Europa nach Perfien: Raffinirter Zucker. Manufacturwaaren Tranfit von Perfien nach Europa: Seide und Abfälle. . Roh- Baumwolle ** ―** 25 - 19 96 T2 21 - ( In Taufenden 1858 1859 1860 1861 1862 4 21 5 5 50 57 +3 45 3.1 57 II H im Afiatifchen Rufsland. von Rubeln.) 1864 865 1866 1867 1868 1869 1870 1863 - 33 610 27 Dreijährige Durchfchnittsziffer 1862 1865 1868 1856 1859 bis bis bis bis bis 1858 1861 1864 1867 1870 378 490 686 753 863 1.190 717 959 477 639 938 1.014 934 778 9 68 24 29 156 967 167 79 755 57 7391 38 5541 79° 40 107 267 566 326 19 130 27 246 65 1871 685 819 909 403 674 32 537 379 298 55 4 I 41 * Die bezüglichen Ziffern fehlen bis zum Jahre 1863. ** Da der Tranfitverkehr von Oefterreich- Ungarn nicht zum kleinften Theil nach Rufsland gerichtet ift, fo laffen wir die wichtigeren Ziffern des officiellen Ausweifes per 1872 folgen: Mit dem ftetigen Wachfen des öfterreichiſch- ungarifchen Eifenbahn- Netzes hat auch der Durchfuhrverkehr eine immer gröfsere Ausdehnung erlangt, und ift der Werthbetrag der Durchfuhr in den letzten zehn Jahren um reichlich 100 Percent geftiegen. Die Durchfuhr betrug im Jahre 1862 116'4, 1868: 167.5, 1869: 188 5 ,, 1870: 1963, 1871: 235'9, 1872: 233 7 Millionen Gulden. Die vorzüglichften Gegenstände diefes Handels find Webe- und Wirkwaaren( im Jahre 1872: 84'9 Millionen), kurze Waaren, Inftrumente und Mafchinen( 35.7 Millionen), Webe- und Wirkftoffe( 22.5 Millionen), worauf in einem bedeutenden Abftande Leder, Leder- und Kürfchnerwaaren ( 12.8 Millionen), Metallwaaren( 10 Millionen), Garten- und Feldfrüchte( 9'5 Millionen), thierifche Producte( 8.8 Millionen), Colonialwaaren und Südfrüchte( 8.1 Millionen), Bein-, Holz-, Glas- und Thonwaaren( 6.9 Millionen). Tabak und Tabakfabricate( 5 1 Millionen), Garne( 4.5 Millionen), Fette und fette Oele( 4'4 Millionen), Arznei-, Parfumerie, Farb-, Gärbe- und chemifche Hilfsftoffe( 4 Millionen), Thiere( 3'3 Millionen), chemifche Producte( 3.2 Millionen), Getränke und Efswaaren( 27 Millionen), Papier und Papierarbeiten( 2'3 Millionen), Metalle( 2'2 Millionen), literarifche und Kunftgegenstände( 19 Millionen) folgen. In Betreff der Richtung des Tranfithandels find es unter den Grenzen, über welche der Eintritt der Waaren erfolgte, vorzüglich die Grenzen des Zollvereins, über welche nahezu zwei Dritttheile der gefammten tranfitirenden Waaren eintraten( 148.3 Millionen Gulden); hierauf folgt Italien mit 40 6 Millionen Gulden; per Trieft 25'3 Millionen Gulden, Rufsland 9.7 Millionen Gulden, Türkei 8.5 Millionen Gulden, Schweiz o'34 Millionen Gulden. Bei den Grenzen, über welche die tranfitirenden Waaren austreten, find die Grenze von Italien, über welche um 49'7 Millionen Gulden an Waaren austraten, dann die öfterreichische Seeküfte mit Trieft( 55'2 Millionen Gulden) hervorzuheben, über welche beiden Grenzen die Erzeugniffe eines grofsen Theiles von Deutfchland und der Schweiz in den Welthandel gelangen. Ueber die Grenzen gegen die Türkei, Rumänien etc., durch den auf der Wafferftrafse der Donau und auf den Eifenbahnen betriebenen Handel belebt, traten um 54'1 Millionen und über die von Russland um 27'9 Millionen Gulden Waaren aus. Der Austritt tranfitirender Waaren über die Grenzen gegen den Zollverein, in früheren Jahren von geringerem Belange, ift namentlich feit Eröffnung der Brennerbahn in rafchem Auffchwung begriffen. Im Jahre 1872 traten nach Deutſchland um 45'9 Millionen Gulden Durchfuhrgüter aus. Als wichtigfte Confumtionsländer für Baumwoll- Waaren erfcheinen die Türkei mit 15, Italien mit II'I und Rufsland mit 4 Millionen Gulden. Für Wollwaaren Italien mit 7'1. die Türkei mit 48 und Rufsland mit 3.7 Millionen Gulden; für Seidenwaaren die Türkei mit 3'9 und Rufsland mit 12 Millionen Gulden; für Seide Süd- Deutfchland mit 4'5, Rufsland mit 12 Millionen Gulden; für Baumwolle Süd- Deutfchland mit 9'3 Millionen; für Kleidungen und Putzwaaren die Türkei mit 34 Millionen; für Leder und Lederwaaren Italien mit 3'2 Millionen und für Eifenwaaren Rufsland mit 2'3 Millionen Gulden. Folge nach der Erheblichkeit 172 Folge nach der Erheblichkeit Bezeichnung der Waaren I Cerealien und mehlige Nahrungsftoffe 2 Gewebe. Wilhelm von Lindheim, Wichtigfte Exportproducte nach Finnland. ( Officielle Werthfchätzung in Taufenden von Rubeln.) Rufsland. 173 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869 1870 Dreijähriger Durchschnitt 1856-1859-1862-1865-18681858 1861 1864 1867 1870 1871 1.641 3.176 1.508 1.237 777 1.058 4.127 3.727 76 129 IOO 294 265 772 572 434 559 616 2.553 4.088 4.048 9.798 5.978 7.393 3.155 2.108 1.024 3.469 5.978 5.509 3.685 478 392 386 286 604 IO2 377 561 522 425 441 Hauptfächlichfte Einfuhrproducte von Finnland. ( Officielle Werthfchätzung in Taufenden von Rubeln.)* Dreijähriger Durchschnitt Bezeichnung der Waaren 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869 1870 1871 1856-1859- 1862-1865-18681858 1861 1864 1867 1870 I Gewebe von Baumwolle. 98 145 184 35° 352 236 13.9 214 390 124 295 1.184 1.451 1.544 1.407 142 313 248 534 1.467 1.304 2 Roheisen 194 155 98 324 366 427 457 455 604 554 435 794 597 229 1.035 149 372 505 594 620 753 Leinengewebe. 80 158 132 154 348 211 124 325 177 218 220 268 123 238 209 235 614 3 Vieh 2 - 3 6 23 80 107 141 136 342 206 322 231 210 II 109 228 254 275 4 174 Wilhelm von Lindheim. Der Handel mit Finnland. ( Dreijähriger Durchfchnitt der officiellen Werthangaben in Taufenden von Rubeln.) In den Jahren Ausfuhr Einfuhr Zufammen 1856-57-58 3.329 571 3.900 1859-60-61 3.328 2.084 5.412 1862-63-64 6.501 3.095 9.596 1865-66-67 8.552 2.930 II.482 1868-69-70 8.765 5.179 13.944 1871 7.609 8.008 15.617 Abfolute Unterfchiede. 1859-60-61 I + 1.513 + 1.512 1862-63-64 +3.173 + I. OII +4.184 1865-66-67 1868-69-70 1871) 56-58 gegen 68-70 + 213 +4.280 1.156 +2.051 165 +1.886 +2.249 +2.462 - +7.437 +2.829 +11.717 +1.673 Unterfchiede in Percenten. 1859-60-61 0.03 + 265.00 + 38.77 1862-63-64 +95 25 + 48.51 + 77.31 1865-66-67 +3155 5:33 1868-69-70 + 2.49 + 76.76 gegen 1871 56-58 68-70 +128.57 13.19 + +1302 45 54.62 ++++ · 19.65 21 44 +300 44 12:00 Percentualverhältnifs zur Gefammtfumme. 1856-57-58 85.36 14.64 IOO 1859-60-61 61.49 38.51 IOO 1862-63-64 67.75 32.25 IOO 1865-66-67 74.48 25.52 IOO 1868-69-70 62.86 37.14 IOO 1871 48.72 51.28 IOO 1858 Jahr der Ertheilung Rufsland. Tabellarifche Ueberficht der in den Jahren 1858 bis 1873 ertheilten Patente. 3 Jahre 4 Jahre 1859 1860 1861 1862 || 32 1863 9 26 1864 IO 22 1865 1866 1867 1868 1869 1870 1871 1872 1873 542340643 Dauer der Patente 5 Jahre 6 Jahre. 8 Jahre 10 Jahre II 12 IO 23 80 16 20 18 20 4 I 9182324 122 I 45 64 4 I 53 5° 70 29 44 33 62 38 75 19 55 25 46 20 45 28 5° 19 44 36 81 24 I 5° 85 23 2 64 95 23 47 74 14 29 46 Die ruffifchen Jahrmärkte. Für ein Land wie Rufsland, deffen Communicationsmittel der räumlichen Ausdehnung des Reiches und den Bedürfniffen des Handels naturgemäfs noch wenig entſprechen, find die Jahrmärkte das Hauptmedium des Binnenverkehres. In ökonomifcher Beziehung ift diefe Art des Handelsverkehres freilich eine fehr primitive, zumal fie grofsen Verluft an Zeit, fowie durch den Transport bedingte Vertheuerung der Waaren nothwendig zur Folge hat, und fo fchwindet auch mit jeder neueröffneten Eifenbahn mehr und mehr die Bedeutung der ruffifchen Märkte. Für den Augenblick ift die Meffe von Nifchnei- Nowgorod noch der gröfste und wunderbarfte Markt der Welt. 200.000 Menfchen ftrömen im Laufe von zwei Monaten dafelbft zufammen und bewirken einen Umfatz von circa 100 Millionen Rubel. Die meiſten der hier verkauften Waaren find auf der Stelle und gegen baare Zahlung zu liefern; doch wird diefe Praxis, welche faft auf allen Handelsplätzen abgefchafft ift, gewifs mit der Vervollkommnung des Communicationsnetzes allmälig auch in Nifchnei- Nowgorod verfchwinden. Sehr bedeutend find aufserdem die Meffen von Irbit, Pultawa, Uriupinfk, Elifabethgrat, Kurfk, fowie die Heilige Dreikönig- Meffe und die Heilige Jungfrau- Meffe zu Charkow. Die Zahl der gefammten Jahrmärkte in den verfchiedenen Gouvernements ift folgende: I2 Summe 175 176 Wilhelm von Lindheim. Davon hatten einen Umfatz Anzahl von über der Jahrmärkte Gouvernement 1,000.000 500.000 1863 1868 Rubel 100,000 Waarenzufuhr Davon verkauft in Taufenden von Rubeln 1863 1868 1863 1868 Archangel. Aftrachan Befsarabien Wilna. Witebfk. Wladimir Wologda Wolhynien. Woronefch 16 61 16 27 58 78 26 42 42 26 26 161 216 18 80 H 00 32 8025266 65 I HH I I I 1 7 I 2,328 2,312 1,993 1,820 4,373 5,635 733 2,588 181 I 367 I 949 3300 305 126 151 367 II7 187 878 37° 464 7 72 2,518 2,821 1,275 1,172 2 2,458 2,226 1,009 1,198 199 177 - I 1,020 525 598 294 380 406 ++ II 6,170 18,043 2,609 9,805 Wjatka 75 147 I 6 3,031 3,750 2,468 1,870 Grodno 105 149 - I 947 37° 533 235 Land der Donifchen Kofaken 147 162 Jekaterinoflaw 423 357 2 2 5 P 2 + 19 18,216 16,945 27 7,575 Kafan. Kaluga 33 118 43 - 566 II3 841 Kiew Kowno Koftroma Kurland 141 Kurfk. Livland Minfk. Mohilew Moskau 58 56 62 354 58 60 73 125 464 45565567 7882 48 035 146 ير I 4,712 1,316 946 5.697 222 7,359 435 400 479 1,796 2,847 98 ―I 70 189 1,016 260 60 136 1.317 655 682 63 ―I 367 54 58 84 2 2 177 8,817 1,262 162 II2 7,482 5,887 90 4,300 818 430 620 74 I 2 174 1,304 126,041 II2 Nifchnei- Nowgorod Nowgorod. 51 166 63 1 804 959 1,260 674 90 1,026 417 Olonez 70 94 109 - 28 67 Orenburg 103 30 19 Orel 73 78 Penfa 44 56 - Perm 181 280 Podolien 26 125 Pultawa 451 448 22 3 2 I2 1339242 I 101,186 1,42C 90,857 434 104,506 I 286 1,210 1,071 2,412 422 629 347 717 9,683 988 64,270 5,773 1,310 3,104 1,778 35,070 387 793 635 664 59,560 720 39,799 47,900 ΙΟ 3,064 40,494 1,606 897 1,456 9,961 23,119 20,978 Pfkow. 40 31 4 951 503 399 311 Rjäfan. 97 Samara 167 109 138 639 6,074 319 649 2 6 II St. Petersburg 34 Saratow I22 Simbirfk 53 Smolensk. Taurien Tambow Twer Tula. Ufa. Charkow Cherfon Tfchernigow 27 84 189 +23740 54 I22 81 I 4 I TTG5 10,356 9,931 3,716 4,940 I 674 503 9 5,692 6,074 409 2,238 303 2,822 6,781 7,931 4,074 4,940 33 89 30 - - I 169 - 151 163 T3T I I 772 444 3,893 585 239 7,740 1,026 366 3,346 5,285 5,717 2,184 2,215 2,124 2,179 1,036 1,407 104 109 506 887 269 2 84 I - P 8,367 389 4,291 602 597 5 135 155 216 226 3H 3 ΙΟ I нон I 43,937 67,004 24,534 43 492 I 7,487 8,189 16,150 4,027 10,632 8,406 4,214 5,462 Eftland Jaroflaw 30 88 88 33 93 I H 2 I 475 3,386 512 301 406 4,080 1'826 2,416 Zufammen 6,053 6,780 35 29 182 382,447 458,588 242,634 305,182| Russland. 177 Nach diefer Tabelle hat fich die Zahl der Jahrmärkte in den Jahren von 1863 bis 1868 um 727 oder um 12 04 Percent, die Waarenzufuhr um 76,141.000 Rubel oder um 19.92 Percent, der Abfatz um 62,548.000 Rubel oder um 25.84 Percent vermehrt. Auf Ein Gouvernement kommen durchſchnittlich 135 6 Jahrmärkte mit 9,171.760 Rubel Zufuhr und 6,103.640 Rubel Abfatz; auf 100 Quadratmeilen 173 Markt mit 120.600 Rubel Zufuhr und 80.300 Rubel Abfatz; auf 1000 Einwohner o 082 Markt mit 5.73 Rubel Zufuhr und 3.81 Rubel Abfatz. In beiden Jahren war das Verhältnifs von Abfatz zu Zufuhr wie 5 zu 8. Die Privat- Bankinftitute in Rufsland. Die Erlaubnifs, Creditgefellſchaften auf Actien zu bilden, datirt vom Jahre 1857. Im Jahre 1864 bildete fich dann die St. Petersburger gegenfeitige Creditgefellſchaft, die aufserordentlich prosperirte und auch noch heute wefentlich zur Entwicklung des Handels beiträgt. Seit jener Zeit, in welcher auch noch die Privat- Handelsbank entſtand, find kaum 9% Jahre verfloffen, und Rufsland zählt jetzt bereits über 40 Banken, welche auf Actien gegründet find. Die legislativen Beftimmungen in Rufsland find, wie wir auch weiter unten fehen werden, derart geftellt, dafs die Banken wohl oder übel ihrem Zwecke, nämlich das Capital im Escompte zu verwenden, in der Hauptfache treu bleiben müffen. Die rafche Vermehrung zeigt daher das wirkliche Bedürfnifs, und es kann allerdings conftatirt werden, dafs mit wenig Ausnahmen die Privatbanken dem Creditbedürfniffe gegenüber in jeder Weife begründete und wohlfundirte Anftalten find. Es ift diefe Schöpfung um fo bemerkenswerther, als eben im Jahre 1867 die Privat- Handelsbank nicht eher zu Stande kam, bis die Regierung, um die Emiffion zu ermöglichen, fich felbft namhaft dabei betheiligte und auch jetzt noch dabei betheiligt ift. Seit jener Zeit hat das Privatpublicum fich aber mit befonderer Vorliebe und Vertrauen bei Bankunternehmungen betheiligt. Im Jahre 1866 erfcheint dann die Moskauer Kaufmannsbank; 1868 entftanden zwei Banken, nämlich die Charkower Handels- und die Kiewer Privat- Commerzbank; 1869 wurden drei Bankinftitute, nämlich die St. Petersburger Discont- und Darlehensbank, die St. Petersburger International- und die Moskauer Discontobank, gegründet; 1870 zählen wir fünf Banken, die Moskauer Handelsbank, die Odeffaer Commerzbank, die NifchneiNowgoroder Kaufmannsbank, die Warfchauer Darlehensbank und die WolgaKama- Bank mit ihren zahlreichen Filialen. Die Conceffion erhielten dann 1871 die Azow- Don, Warfchauer Disconto., Kiew'fche Induftriebank, Koftroma'fche Commerzbank, die Kifchenew'fche, die Moskauer Erwerbsbank und Reval'fche Bank, dann die Ruffifche Bank für auswärtigen Handel, die Tiflisfche Bank, endlich die Banken zu Roftow am Don und Riga, zufammen alfo II Banken. 1872 endlich brachte, angeregt von den lawinenartigen Gründungen der Nachbarländer, die Sibirifche Handelsbank, fowie die Inftitute in Rjäfan, Orel, Nicolajeff, die Moskauer gegenfeitige Creditgefellfchaft, die Ban ken von Libau, Lodz, Jekaterinoflaw, Kremintfchuk und Kronftadt, fomit 10 neue Schöpfungen. Schliefslich zählen wir im Jahre 1873 die fünf Banken zu Woronefch, Wilna, Kafan, Kamenetz- Podolsk, Minfk und Pfkow. Der finanzielle Stand diefer 40 Inftitute mit einem eingezahlten Capitale von 95.6 Millionen Rubel war am 1./13. Auguft 1873 der folgende: Activen: Caffe 8.3 Millionen; Contocorrent der Banken mit der Staatsbank 71 3. Millionen; ruffifche Handelswechfel escomptirt, mit zwei Signaturen 197.8 Millionen; fremde Wechfel 53 Millionen; ruffifche Wechfel mit einer Signatur 12* 178 Wilhelm von Lindheim. und Specialgarantie 71 Millionen; Wechfel, Werthe und Waaren in Commiffion 23 Millionen; Vorfchüffe, rückzahlbar bei Sicht auf zinstragende Werthe 116 Millionen; Vorfchufs auf feſtgeſetzte Zeit auf zinstragende Werthe 92.9 Millionen; Vorfchufs auf eröffnete Credite 9.6 Millionen; Transporte o 3 Millionen; zinstragende Werthe, den Banken gehörend, 22'4 Millionen; Paffiven der Filiale 4'9 Millionen; Schulden der Correfpondenten 670 Millionen; verfchiedene Debitoren 13 9 Millionen; Unterhaltungskoften 2.5 Millionen; proteftirte Wechfel 03 Millionen; bezahlte Intereffen 2.5 Millionen; Mobiliar( Häufer etc.) 1.8 Millionen; Interims conten o1 Millionen. Summe 522,600.000 Rubel Paffiven: Einzahlungs- Gefellſchafts capital 95.8 Millionen; Referve capital 3.0 Millionen; Depots auf Zeit und illimitirt 169.6 Millionen; Depots auf Contocorrent 137 0 Millionen; Succurfalen 11 Millionen; Correfpondenten 53 2 Millionen; diverfe Creditoren 91 Millionen; Accceptationen per Indoffo 14'8 Millionen; Intereffen und Commiffionen 17 0 Millionen; nichtbezahlte Dividenden or Millionen; Reescompt und Rückverpflichtungen 13.6 Millionen; Waaren und Wechfel in Commiffion o 9 Millionen; Interimsconten 22 Millionen; Transporte 50 Millionen, Summe 522,600.000 Rubel 783,900.000 fl. öfterr. Währung. - Diefes mächtige Capital von über einer halben Milliarde Rubel, welches fich inclufive des effectiv eingezahlten Betriebs capitals von 95.6 Millionen Rubel in den Händen der Banken befindet, bildet eine folide Bafis für den ruffifchen Handel. Die Bilanz zeigt fofort, dafs die Banken den Handelszwecken in erfter Reihe dienen, wie diefs die Ziffer von 197.8 Millionen, welche die Banken bei der letzten Bilanz escomptirt hatten, deutlich zeigt. Dem gegenüber fteht nur ein Vorfchufs von 104.5 Millionen auf zinstragende Werthe, meiftens garantirte Staatspapiere, da nur in ganz vereinzelten Fällen und wenn die Einleger perfönlich vollfte Garantie bieten, ungarantirte Papiere bei den ruffifchen Banken zu belehnen find. Ebenfo beftehen die zinstragenden, den Banken gehörigen Werthe, wie diefs die Erfahrung gelehrt hat, nur aus ganz ficheren Actien. Die Einlagen von 1697 Millionen und 137 Millionen Contocorrent fcheinen zwar gefährlich, indeffen muss man bedenken, dafs ein fehr grofser Theil diefer Gelder von Corporationen und öffentlichen Anftalten mit der Verpflichtung längerer Kündigungsfrift eingelegt ift. Die Erfahrung lehrt auch, dafs in den Zeiten der fchlimmften Krifen das den Privatinftituten entzogene Geld der Reichsbank zufliefst, und da die Reichsbank in folchen Fällen in der coulanteften Weife durch den Reescompte hilft, fo glauben wir in der That, dafs durch diefes ftillfchweigende Verhältnifs felbft folche Banken, die, wie die Kaufmannsbank in Moskau, 40,000.000 und mehr an Einlagen befitzen und diefe Fonds gröfstentheils in langfichtigen bis zu neun Monaten laufenden Wechſeln anlegten, doch keine Gefahr laufen, in ähnliche Verlegenheiten zu kommen, wie fie die amerikanifchen und öfterreichifchen Banken erfuhren. Zudem find jetzt Beftimmungen über die Veröffentlichung genau detaillirter Bilanzen gegeben worden, welche dem Publicum genaue Prüfung des Standes der Banken geftatten. Die Statuten der Banken enthalten die beherzigenswerthe, wenn auch fchwer durchzuführende Claufel, dafs die Credite für keine längere Zeit als für neun Monate gegeben werden dürfen und dafs der Blanco credit aus den Operationen der Banken ausgefchloffen ift. Die erfte Bedingung wird illuforifch, indem der Credit bei Ablauf erneuert wird. Was aber die Gewährung des Blanco credits anlangt, fo hat die Regierung fich bereits fehr lebhaft mit diefer Frage befchäftigt. Die ruffifche Rufsland. 179 Gefetzgebung ift, wie gefagt, fehr ftreng in diefer Hinficht. Das proviforifche Einführungsgefetz der Banken vom Jahre 1872 fchreibt ausdrücklich vor, dafs die Credite, welche gegeben werden, ohne fofortigen Erlag des Gegenwerthes, nicht über 30 Tage dauern dürfen und dafs deren Gefammtfumme nicht ein Fünftel des eingezahlten Capitals überfchreiten darf. Da die Gefetzgebung aber in diefer Richtung einige Unklarheiten zuläfst, fo haben fich die Vertreter der Banken dahin geeinigt, dafs fie Bank operationen, wie Zahlungsanweiſungen etc., nicht als Blanco credit anfehen, da folchen Operationen ja die Zahlung des Gegenwerthes faft gleichzeitig folgt. Dagegen gehören die Zahlungen für dritte Perfonen und Acceptcredite in diefe Sphäre, und haben die Beftimmungen des Gefetzes hierauf vollſtändige Anwendung. Anders verhält es fich mit der Dauer des Credites, für welchen im Intereffe des Handels ein Zeitraum von 30 Tagen als durchaus unzureichend erfcheint. Das Gefetz, fo behaupten die Bankvertreter, hat wohl mit Recht den Blanco credit einfchränken, aber nicht ganz unterdrücken wollen. Intereffant ift es, die Anfichten kennen zu lernen, welche für Benützung des Credits bei der Reichsbank den Privatbanken gegenüber mafsgebend fein follen. Es ift gewifs wichtig, in diefes Verhältnifs Klarheit zu bringen und hat die Reichsbank den fehr richtigen Grundfatz aufgeftellt, dafs deren Mittel eine Referve für aufserordentliche Verhältniffe bilden foll, aber durchaus nicht dazu da find, um die Operationen der Privatbanken über die Gebühr auszudehnen. Aus diefem Grunde einigte man fich auch dahin, dafs die Banken im Allgemeinen durch den Reescompte die Reichsbank benutzen follen, dafs die Eröffnung von Specialconti nur in vereinzelten Fällen zu erwarten fei und dafs jedenfalls nur für vorübergehende Operationen auf die Hilfe der Reichsbank zu rechnen ift. Durch diefe Eröffnungen haben die Banken eine Weifung erhalten, fich nicht zu Operationen verleiten zu laffen, welche fie nicht überfehen und die ihrem Stammcapitale nicht mehr angemeffen find. Wenn wir nach alledem unfere Meinung über die ruffifchen Banken zufammenfaffen, fo können wir nur wiederholen, was im Eingange gefagt wurde, nämlich, dafs die Pofition derfelben eine fehr gefunde und die rafche Vermehrung dem Bedürfniffe entſprechend ift. Die Befchränkungen, welche das Conceffionswefen auflegte und die harten Beftimmungen der Gefetzgebung haben jene Verirrungen vermeiden laffen, welche die finanzielle Kataftrophe im Weften herbeiführte. Wenn Rufsland die Lehre feiner Nachbarn beherzigt, fo wird es auf dem betretenen Wege vorzügliche Refultate erzielen, und es wird fich die merkwürdige Thatfache ergeben, dafs ein Land, deffen Handel und Induftrie während langer Zeit den ausländifchen Credit ftark in Anfpruch nahm, in dem Augenblicke, wo die bisherigen Creditgeber ftark gefchädigt erfcheinen, fchon weit genug in feinem Innern confolidirt ift, um ohne Rückfchlag weiter gehen zu können. In dem Nachftehenden geben wir hier noch ein Verzeichnifs der Stammcapitalien, welche in den wichtigſten Privat- Creditanſtalten eingezahlt find, und eine vergleichende Zuſammenftellung des Coursftandes von 1873 und des Coursftandes der gleichen Epoche im Vorjahre; auch hieraus geht wieder hervor, dafs die Verwüftungen, welche das allgemeine Mifstrauen auf dem finanziellen Gebiete hervorgebracht hat, weniger grofs find, als es im Weften der Fall ift. Der Coursftand der bedeutendften Banken ift, wie folgt: 180 Wilhelm von Lindheim. Nomineller Capital Werth ultimo 1873 Cours ultimo 1872 St. Petersburger Privatbank. 250 5,000.000 230 355 St. Petersburger Escomptebank 250 5,000.000 331 373 II. Emiffion. 250 5,000.000 205( 150 eingez.) 137( 75 eingez.) Ruffifche Bank für den auswärtigen Handel 250 7.500.000 232 138( 100 eingez.) Internationalbank 250 5,000.000 165( 150 eingez.) 217( 150 eingez.) II. Emiffion 250 25,000.000 110( 100 eingez.) 145( 100 eingez.) Moskauer Escomptebank.. 250 5,000.000 330 Wolga- Kama- Bank 1000 6,000.000 1350 390 1700 II. Emiffion. IOOO 2,000.000 1000 575( 250 eingez.) Warfchauer Commerz bank. 250 3.000.000 260 35° IV. Emiffion. 250 6,000.000 100( 100 eingez.) Warfchauer Escomptebank. 250 2,000.000 235 Kiewer Privatbank 250 1,250.000 250 Kiewer Induftriebank Revaler Commerz200 1,500.000 200 215 bánk. IOO 1,000.000 IIO 130 II. Emiffion. IOO 118 Kronftadter Commerzbank 250 500.000 245 Odeffaer Commerzbank. 250 5,000.000 282 Nikolajeff 250 2.500.000 240 354 278 Azow Don 250 3,000.000 250 nominell Roftow. 250 Riga 250 Libau 250 250 5,000.000 142( 150 eingez.) 1.000 000 250( 125 eingez.) Sibirifche Bank 250 4,000.000 103( 100 eingez.) Lodz • 250 2,000.000 ( 100 eingez.) Wilna 250 1,000.000 ( 100 eingez.) 247( 175 eingez.) 195( 175 eingez.) 175( 75 eingez.) Rufsland. Poftwefen. 181 Die Einahmen aus dem Poftverkehre ftellten fich pro 1868 und 1869, wie folgt: 1869 1868 Rubel Die inländifche Correfpondenz 3,513.000 Rubel 3,048.000 79 99 Packet- Expedition 647.000 693.000 " 9 Verficherungsabgabe für verfendete Gelder 2,517.000 2,494.000 وو Verficherungsabgabe für Packete 139.000 136.000 " ausländifche Correfpondenz 203.000 ንን Packet- Expedition von und nach dem Auslande 32.000 160.000 38.000 " 9 Beforgung von Staffetten 216.000 210.000 99 Quittungen im Correfpondenzverkehre 248.000 265.000 99 Druckfchriften, Zeitungen 251.000 307.000 99 Stadtpoften 43.000 63.000 99 geftempelten Poftcouverts 38.000 68.000 diverfen Einnahmen 99 99.000 116.000 Zufammen 7.946.000 8,498.000 Die Einnahmen haben fich fomit um 552.000 Rubel oder 6.90 Percent vermehrt; auf Einen Einwohner entfielen im Jahre 1869 010 Rubel, auf eine Quadratmeile 22:36 Rubel. Die Thätigkeit der ruffifchen Telegraphenverwaltung von 1868 bis 1871. Ausdehnung der Linien und Leitungen. Am 1. Januar 1868 gab es in Rufsland 37.436 Werft Linien mit 71.361 Werft Leitungen und 380 Stationen. Der gegenwärtige Beftand der Telegraphenleitungen erhellt aus nachftehender Ueberficht: Im Jahre 1872 Staatstelegraphen Elektrifche Apparate 46.709 EifenbahnTelegraphen +13.355 Länge der Drähte 91.730 Werft+29.850 Werft Zahl der Stationen Elektrifche Apparate Länge der Drähte Zahl der Stationen 576 + 844 Im Jahre 1862 " Staatstelegraphen 22.765 36.384 158 +++ EifenbahnTelegraphen 2.467 6.606 Werft 219 182 Wilhelm von Lindheim. Im Jahre 1852 befafs Rufsland: Optifche Apparate Elektriſche Apparate Zahl der Stationen Länge der Drähte • • 1.126 320 19 818 Werft. Neue Linien wurden gebaut a) in denjenigen Gegenden des Reiches, die durch ihren Handelsverkehr ein befonderes Bedürfnifs nach Telegraphenverbindungen zeigten; b) bis zu den äufserften Grenzen des Reiches, nach dem Amur und nach Turkeftan. Die Amurlinie mit einer Länge von 2788 Werft und Doppelleitung wurde im Jahre 1869 in Angriff genommen, trotz der natürlichen Schwierigkeiten, welche fich den Arbeiten an vielen Orten in den Weg ftellten, glücklich zu Ende geführt und dem Verkehre übergeben, von Strjitenfk bis Chabrowka im Jahre 1870 und von Chabrowka bis Wladiwoftok im Jahre 1871. Die turkeftanifche Linie wird von Omfk nach Tafchkent gebaut und ift bis Kapal( 138734 Werft) dem Verkehr übergeben; auf der Strecke zwifchen Kapal und Tafchkent( 115614 Werft) fchreiten die Arbeiten in dem Mafse fort, dafs die Beendigung in kurzer Zeit zu erwarten ift. Aufserdem wird die Linie von Chabrowka nach Nikolajewfk am Ausfluffe des Amur behufs Einfügung derfelben in das allgemeine Telegraphennetz von Grund aus erneuert. Verbindungen mit dem Auslande. Auf Grund von Conceffionen wurden durch Privatunternehmer folgende Leitungen gebaut: I. Von London durch Preufsen und Rufsland nach Teheran zur Verbindung mit der von letzterem Orte nach Indien gebauten Linie behufs Vermittlung der indo- europäiſchen Correfpondenz. Die Linie wurde im Jahre 1870 dem Verkehre übergeben. 2. Von Libau nach Dänemark und von Nyftad( Finnland) und Schweden zum Verkehr mit England, unabhängig von den Continentallinien. Beide Wege wurden im Jahre 1869 eröffnet. 3. Von Wladiwoftok, der Endftation der fibirifchen Linien, nach Nangafaki ( Japan), Shanghei und Hongkong( China). Diefer Weg wurde 1871 eröffnet. Aufserdem wurde zwifchen Rufsland und der Türkei eine Convention abgefchloffen über die Legung eines Kabels durch das Schwarze Meer von Odeffa nach Conftantinopel. Ueber die Verwirklichung diefes Projectes ift dem Miniftercomité gegenwärtig eine Vorftellung unterbreitet worden. Behufs Herabfetzung des Tarifes für die innere Correfpondenz wurden die Zonen( Gürtel) erweitert, fo weit diefs unter Erwägung der Mittel für Uebergabe der Depefchen möglich war. Die Radien diefer Zonen beliefen fich bis zum Jahre 1868 in der 1. Zone auf 70 Werft 2. " 2 99 97 22 99 وو 3. 99 99 315 945 99 99 zur 4. 19 wurden im Jahre 1868 feftgeftellt auf 70 Werft 490 1.540 وو gehört alles jenfeits der 3. Zone gelegene Gebiet. Rufsland. 183 Auf diefe Weife gingen die in den weiteren Zonen( die erfte ausgenommen) gelegenen Stationen in die näheren über, und dem entſprechend verringerte fich auch die Depefchengebühr. Bewegung der Correfpondenz. Im Jahre 1868 wurden tarifirte Depefchen empfangen und übergeben im Ganzen 1,908.190 gegen 2,860.483 im Jahre 1871. In den letzten vier Jahren iſt die Zahl der Depefchen alfo um 67 01 Percent gewachſen. Die Einnahmen beliefen fich im Jahre 1868 auf 99 99 1869 " 99 وو 1870 99 99 99 1871" im Ganzen auf 2,600.951 Rubel 3,326.552 3,603.367 3,986.335 99 " 13,517.205 Rubel Die Ausgaben für den Unterhalt der Beamten und der Linien felbft beliefen fich im Jahre 1868 auf وو י وو 2,193.132 Rubel 2,379.255 2,428.083 27 29 77 " 9 1869 告诉 1870 99 1871 " im Ganzen auf 99 2,759.687 9,760.157 Rubel Aufserdem wurde zur Erweiterung des Telegraphennetzes in den genannten vier Jahren noch die Summe von 3,078.804 Rubel affignirt. Nähere Daten über die allgemeine Entwicklung des Depefchenverkehres in Rufsland erhellen aus der nachftehenden ftatiftifchen Ueberficht: 184 Wilhelm von Lindheim. Im Jahre der Linien der Leitungen Länge Netz Anzahl der Staatsämter Statiſtik des ruflifchen Telegraphen. Anzahl der Depefchen im inländifchen Verkehre im internationalen Verkehre Zufammen Jährliche Einnahmen aus dem inländifchen Verkehre GefammtErtrag aus dem internationalen Verkehre Mittlerer Preis pro Depefche GefammtErtrag Mittlerer Preis pro Depefche GefammtZufammen Ertrag Rubel 1859 14.316 17.135 81 164.293 78.456 1860 16.474 25.356 123 1861 19.532 32.330 138 1862 22.765 36.348 158 1863 26.352 45.867 244 589.554 303.008 98.471 433.110 125.919 512.685 134.557 148.299 1864 31.902 56.390 274 677.911 160.642 1865 33.514 61.750 1866 34.748 67.019 303 1867 35.291 68.080 364 1868 37.436 71.361 400 1869 38.265 72.868 289 438 1871 1872 1870 44.094 84.597 48.657 93.192 52.370 103 287 504 571 652 773.541 174.648 1,034.593 250.530 1,197.260 294.574 1,567.807 340.383 1,875,391 391.743 2,103.367 473.491 2,373.728 486.755 2,527.468 530.915 3,051.754 R. K. Rubel R. K. 242.749 411.497 2 502 265.106 3 3734 401.479 735.627 2 4234 233-385 559.029 965.474 2 223 264.245 647.242 1,144.990 2 23 276.339 737.853 1,341.271 2 272 268.290 838.553 1,464.751 2 1612 319.046 948.189 1,663.578 2 152 314.945 1,285.123 1,839.073 1 773 348.705 I 1,491.834 2,133.967 I 783 411.077 1,908.190 2,350.692 I 4934 466.192 I 28 2,816.884 I 472 75 2,267.134 2,701.843 I 44 592.756 I 512 3,294.599 I 454 85 2,576.858 2,931.086 I 342 629.286 I 323 3,560.372 I 38 80 442 2,860.483 3,250.854 I 3634 634.302 I 303,885.156 2 37 2 5 Rubel R. K. R. K. R. K. R. K. 676.603 2 372 47 26 39 969.012 2 4114 58 82 38 2 9/2 1,229.719 2 19362 95 38 1,421.321 2 192 62 I 8034 1,609.561 2 18 61 I 982 1,783-797 2 12/2 55 I 80 1,978.523 2 81/2 59 3 32 I 39 2,187.778 I 704 62 96 32 I 392 2,545.044 I 70/272 11 37 24 39 10 47 48 8.353 12 21 7.878 14 38.911 43 39 11 8.995 75 8 32 91 7.417 9 91 31 68 6.437 21 4 6.846 10 64 7.220 38 38 6.991 87 33 7.042 21 96 7.521 91 97.064 21 I 192 79 84 41 69 6.804 12 3,470.838 I 374 739.686 I 39 4,210.529 I 21480 39 40 76 6.458 16 - Eine Werft= 1.067 Kilometer. Mittlerer Cours des Rubels - 320. Mittlerer Preis pro Depefche pro Werft der Linie proWerft der Leitung pro Amt Mittlerer Ertrag Rufsland. Rufslands Eiſenbahnen. 185 Der Wunſch, gute und genügende Verkehrsmittel zu befitzen, zeigt fich in allen civilifirten Ländern der Erde. Am wichtigften und von den erfpriefslichften Folgen begleitet werden natürlich die Communicationen in jenen Staaten fein, deren Entwicklung die mächtigfte ift, und fo fehen wir denn auch in Rufsland alle Anftrengungen fich vereinigen, um rafch ein für den nothwendigften Bedarf ausreichendes Eifenbahnnetz zu fchaffen. Betrachten wir zuvörderft die Fortfchritte, welche das gefammte Eifenbahnwefen überhaupt gemacht hat. Wir entnehmen zu diefem Behufe dem„ London Trade Journal" folgende Ziffern pro 1871: Der Werth der Eifenbahnen Englands beträgt 502,262.887 Pfd. St., der der Eifenbahnen der Vereinigten Staaten Amerikas 408,245.154 Pfd. St., Frankreichs 315,322.978 Pfd. St., Rufslands 289,671.243 Pfd. St., Preufsens( reípective des Norddeutfchen Bundes) 169,537.869 Pfd. St., Britifch- Indiens 78,377.748 Pfd. St., Italiens 76,516.154 Pfd. St., Spaniens 73,487.585 Pfd. St., Oefterreichs 65,474 400 Pfd. St., Süddeutfchlands 46,982.856 Pfd. St., Belgiens 36.439.772 Pfd. St., Canadas 33,000.000 Pfd. St., Griechenlands 10,000.000 Pfd. St., Egyptens 9,032.776 Pfd. St., der Türkei 2,987.310 Pfd. St. Das Verhältnifs der Gröfse der von Eifenbahnen durchſchnittenen Länder zur Bevölkerung, Meilenzahl der Eifenbahnen und Koften per Meile zeigt folgende Tabelle. Quadratmeile Nordamerika Weftindien. Südamerika. Europa Afien Afrika 4,177.204 53.528 . 5,979.445 3,651.330 . 2,978.200 • 532.000 • 1,578.000 Bevölkerung Meilenzahl Koften per Meile 50,591.606 1,806.528 21,040.997 284,212.055 40.808 9.104 445 10.070 1.424 33.267 61.043 27.140 221,250. 4.074 18.562 5,450.000 1.328.751 583 18.847 789 19.607 Auſtralien Rufsland participirt in diefer Zufammenftellung an dem in den EisenbahnAnlagen inveftirten Capitale mit 6.79 Percent, und wir conftatiren hierin feit dem Jahre 1861, mit welchem die Regeneration des Reiches ihren Anfang nimmt, eine Zunahme von über 600 Percent. Welch' gewaltige Bedeutung Verkehrsftrafsen im Allgemeinen für Rufsland befitzen, haben wir bereits zu wiederholten Malen nachgewiefen und lehrt ein Blick auf die Karte diefes ungeheueren Reiches, oder noch beffer auf die Bevölkerungsverhältniffe desfelben. Nach der fehr intereffanten und lehrreichen Bevölkerungsftatiftik, welche Profeffor H. Wagner unter Zuhilfenahme der Theodor Louat'fchen Berechnungen in den Petermann'fchen Mittheilungen veröffentlichte, beträgt der Gefammtzuwachs der Bevölkerung in Europa jährlich o'96 Percent. In der Reihenfolge der die einzelnen Länder betreffenden Zunahmen nimmt Rufsland den dritten Rang ein. An der Spitze ftehen nämlich die Vereinigten Staaten mit 2'060 Percent( Einwanderung); dann folgt Norwegen mit I 440 Percent und an diefes reiht fich Rufsland mit 1 390 Percent an. Da Europa gegenwärtig in runder Ziffer 300 Millionen Menfchen umfchliefst, fo bildet die Bevölkerung Rufslands, welche wir im Durchschnitte der verfchiedenen, etwas von einander abweichenden Schätzungen mit 69,364.000 Seelen fixiren, 23'1 Percent der gefammten europäifchen Bevölkerung. Wenn man nun annimmt, dafs der Zuwachs in der Einwohnermenge in dem obenerwähnten Progreffionsfatze fortdauert, fo wird Rufsland- Oefterreich- Ungarn hat von 1821 bis 1871 nur eine im Jahre 2000, alfo nach 126 jährliche o 872 percentige Zunahme erfahren Jahren, eine Bevölkerung von 435,300.000 Seelen befitzen. Da zu diefer Zeit die Gefammtbevölkerung Europas fich vorausfichtlich auf 1038 Millionen belaufen wird, fo würde dann das ruffifche Reich mit nicht weniger als 42 Percent hieran participiren. - 186 Wilhelm von Lindheim. Eine weitere, die Bedeutung anderer Bahnen überragende Wichtigkeit verleiht den ruffifchen Schienenwegen der bemerkenswerthe Umftand, dafs die Bodenerzeugniffe des Reiches weitaus gröfser find, als fein Bedarf und dafs der Abflufs diefer Mehrproduction eben erft durch die Errichtung fchneller und bequemer Communicationsmittel ermöglicht wurde. Nach den Berechnungen, welche die im vorigen Jahre zufammenberufene landwirthschaftliche Enquête auf Bafis der Durchschnittspreife angeftellt hat, repräfentirt der Werth der gefammten Ackerbau- Production fchon heute das artige Sümmchen von 1,392,136.000 Rubel oder 2.088,204.000 fl. öfterr. Währ. Hienach ift feit dem Jahre 1860 ein Werthzuwachs um 55 Percent zu conftatiren. Wenn man nun noch in Berücksichtigung zieht, dafs die Bodenerträgniffe bis jetzt noch fehr gering bewerthet und bei rationellerer Bewirthschaftung, fowie bei endlicher Ueberwindung der mit der Uebergangsperiode verbundenen Calamitäten quantitativ einer ganz aufserordentlichen Steigerung fähig find, fo läfst fich hieraus fowohl der agriculturelle Reichthum, als auch die enorme Exportfähigkeit des ruffifchen Reiches und fchliesslich die grofse und lohnende Aufgabe ermeffen, welche feine Eifenbahnen jetzt und in Zukunft zu erfüllen haben. Die Ausfuhrftatiſtik liefert hiefür den vollwichtigen Beweis. Der Getreide- Export bewegte fich in den letzten zwanzig Jahren in folgen den Ziffern: Während der Jahre 1853 bis 1862 ift in der Ausfuhr von Cerealien kein grofser Fortfchritt bemerkbar. Im Anfangs-, wie im Endjahre diefes Decenniums wurden nur circa 10 Millionen Tfchetwerts exportirt. In dem Zeitraume von 1862 bis 1866 ftieg die Ausfuhr auf 11 Millionen Tfchetwerts; in den erften II Monaten des Jahres 1872 wurden dagegen fchon 15,138.727 und in dem gleichen Zeitraume des Jahres 1873 19,622.596 Tfchetwerts exportirt. Das Jahr 1873 wird demnach mit Einfchlufs des Monats December in der Ausfuhrlifte mit mehr als 21 Millionen Tfchetwerts figuriren, eine Ziffer, welche nie erreicht worden wäre, wenn man nicht eben mit fo feltener Energie den Ausbau des Eifenbahnnetzes gefördert hätte.* Betrachten wir nun die Fortfchritte, welche die heimische Induftrie, die ja überhaupt erft bei guten Verkehrsftrafsen lebensfähig wird, feit dem Jahre 1869 gemacht hat. Nach den Aufzeichnungen der bereits erwähnten Enquête zählte man damals in Rufsland 14.060 Werkftätten und Fabriken, welche 559-533 Arbeiter befchäftigten und einen Productionswerth von 295.559.898 Rubel erzielten. Im Jahre 1870 befafs das Land 18.892 Werkftätten und Fabriken mit 463.093 Arbeitern und einem Productionswerthe von 452,660.466 Rubel.** Wenn auch diefe Ziffern auf mathematiſche Genauigkeit keinen Anfpruch haben, fo zeigen fie doch durch den um faft 50 Percent vermehrten Productionswerth des einzelnen Arbeiters die innere Vervollkommnung der Induſtrie, den Erfatz der Menfchenkraft durch die Mafchine, fie zeigen die Thatfache, dafs eine entwicklungsfähige zukunftsreiche Induſtrie jetzt Boden gefafst hat. Freilich befitzt diefelbe noch lange nicht die zur Deckung des inländifchen Bedarfs nöthige Ausdehnung, und fo wird Rufsland noch durch viele Jahre ein um fo werthvollerer Client des Auslandes bleiben, als nach den unwandelbaren Gefetzen des Welthandels die Exportproducte eines Landes, das heifst der Ueberfchufs über den eigenen Confum, gegen diejenigen Producte ausgetaufcht werden, welche diefes Land entweder gar nicht oder nur in befchränktem Mafse erzeugen kann. In diefem Sinne erfcheint die Herftellung guter Verkehrswege, abgefehen von ihren Wirkungen auf den intellectuellen Fortfchritt der grofsen Völkerfamilie, von dem günftigften Einfluffe auf die Hebung der induftriellen Verhältniffe, auf die materielle Wohlfahrt, auf die Erleichterung endlich jenes fchweren Ueberganges vom reinen Agriculturzum Induftrieftaate. * Die mittlerweile erfchienenen officiellen Ausfuhrliften bis Ende 1873 beſtätigen diefe Schätzung. ** Die Enquête fpricht hier nur von den mehr oder weniger mit der Landwirthfchaft in Verbindung ftehenden Induftrien. Rufsland. 187 Die hohen Schutzzölle find, fofern fie nur auf alle Länder gleichmässige Anwendung finden, von weit geringerem Nachtheile für den Handelsverkehr, als die vielfachen Vexationen bei der Verzollung, als die Unbeftimmtheit und Unklarheit der Tarife oder überhaupt jene adminiftrativen Mafsregeln, welche das Mifstrauen, aber nicht die Nothwendigkeit gefchaffen hat. Mehr als alle Staatsinftitutionen find die internationalen Verkehrswege befähigt und berechtigt, diefen Uebelftänden mit Nachdruck entgegenzuarbeiten. Leider ift in diefer Beziehung Oefterreich fchlimmer daran als Rufslands übrige Nachbarvölker, weil jene Bahnen, welche feinen Verkehr mit Rufsland zu vermitteln berufen find, wie die Kaifer Ferdinands Nordbahn und die galizifche Karl Ludwigbahn mit ihren geradezu vorfündfluthlichen Tarifen wohl eine fcheinbare Rückfichtnahme auf die Zufriedenheit ihrer Actionäre, aber kein Verftändnifs für ihre eigentliche Aufgabe und die Bedürfniffe ihres Landes bekunden und erft in neuefter Zeit fich durch die von allen Seiten geübte Beeinfluffung bemüffigt. gefunden haben, etwas gefügiger zu fein. Die einzige Bürgfchaft für die Befferung diefer leidigen Zuftände beruht wir einerfeits in der Concurrenz, in den Fortfchritten anderer Bahnen nennen hier beiſpielsweife die Nordweftbahn und andererfeits in der Preffion, welche weiterfehende Verwaltungen, wie jene der Süd- und Staatsbahn, bezüglich der directen Tarife mit Rufsland auf die erwähnten Bahnadminiftrationen ausüben. Von erfreulichen Zeichen einer in jüngfter Zeit erfolgten Annäherung ift beispielsweife die Inftallirung des directen Tarifes zwifchen Trieft und Moskau zu erwähnen, welcher für alle Güterclaffen den rationellen Preis Die ruffifchen Eifenbahnen von 143% Francs per metriſche Tonne feftfetzt. zeigen fich äufserft entgegenkommend und machen die gröfsten Anftrengungen, um den Seeverkehr aus dem Felde zu fchlagen und fich felbft im Importwege So find jetzt unter die Beförderung bedeutender Waarenmaffen zu fichern. Anderem Verhandlungen im Zuge, welche darauf abzielen, den Landtransport von Schienen auf eine Entfernung von nahezu 3000 Kilometer zu ermöglichen. Die ruffifchen Bahnen haben hiefür bereits den Pfennigtarif zugeftanden. Lobend ift aufserdem ihre Energie zu erwähnen, mit welcher fie die Uebelſtände auszumerzen beftrebt find, die, wie bei allen neuen Inftitutionen, auch bei ihnen nicht vermieden werden konnten. Bedenkt man, dafs jährlich einige taufend Kilometer Schienenwege eröffnet werden, und dafs das gefammte Fahrperfonale erft ab ovo einzufchulen ift, fo wird man der bisherigen Leiftung die Anerkennung nicht verfagen können. Die Ausdehnung der ruffifchen Eifenbahnen beträgt in diefem Augenblicke 15.211 Werft; fie war, wie bekannt, im Jahre 1867 erft 3698 Werft. Es ergibt diefs alfo die ganz aufserordentliche Zunahme von 11.513 Werft 1645 deutfche Meilen in fechs Jahren. Bezüglich des internen Verkehrs haben fich diefe Bahnen in drei Hauptgruppen getheilt, welche folgendermafsen zufammengeftellt find: 1. Gruppe: Die Riga- Dünaburger, Dünaburg- Witebsker, Orel- Grjäfi-, Grjäfi- Zarizin- Bahn. 2. Gruppe: Die Baltifche Bahn, die Nikolaibahn( das ift die Warfchau- St. Petersburg- Moskau- NifchneiNowgorod- Bahn), die Moskau- Rjäfan-, die Rjäfk- Skopin-, die Rjäfau- Koslow-, die Koslow- Tambow, die Tambow- Saratow, die Koslow- Woronefch-, die Woronefch- Roftow-, die Moskau- Jarosflaw-, die Moskau- Breft-, die St. PetersburgWarfchauer-, die Wolga- Don-, die Rjäfk- Morfchansk- Bahn. 3. Gruppe: Die MoskauKursker, die Kursk Kiewer, die Kiew- Brefter, die Odeffaer, die Kursk- CharkowAfow-, die Charkow- Nikolajeffer und die Konftantinow'fche Bahn. Ausserhalb diefer Gruppen ſtehen die weftlichen Bahnen, wie die Warfchau- Wiener, WarfchauBromberger, die ausländifche Spurweite haben. Ferner die unter Staatsverwaltung ftehenden finnländifchen Bahnen und die Bahnen: St. Petersburg- Zarskoje- Selo, Riga- Mitau etc. Für den Paffagierverkehr gilt im Allgemeinen auf allen Bahnen folgender Tarif: I. Claffe 3 Kopeken per Werft, II. Claffe 214 Kopeken per Werft, III. Claffe 1½ Kopeken per Werft. Nach dem Mufter der deutfchen 188 Wilhelm von Lindheim. Bahnen werden auch Couponsbücher und Abonnementskarten für bestimmte Strecken ausgegeben. Die Güter find in drei bis fieben Claffen eingetheilt. Alle Bahnen transportiren Güter I. Claffe für 12 Kopeken per Pud und Werft, II. Claffe für 1/18 Kopeken per Pud und Werft, III. Claffe 24 Kopeken per Pud und Werft, Steinkohlen 1/50 bis 1/60 Kopeken per Pud und Werft. Diefe Maximaltarife werden aber noch im Refactiewege mit grofser Coulance um 30 bis 40 Percent ermäfsigt. Die Rentabilitätsverhältniffe verfprechen mit der Zeit fehr günftig zu werden; es liegt diefs in der befferen Ausnützung des Wagenraumes der längeren Strecke, welche die Waaren durchlaufen, indem der gröfste Theil der Maffengüter, zum Export beftimmt, die Bahn von Anfang bis zu Ende durchläuft. Betriebsrefultate. Zu Ende des Jahres 1872 befafs Rufsland ein exploitirtes Eifenbahn- Netz von 13.217 Werft. Die Betriebsrefultate deffelben ergeben folgende Beträge: BruttoLänge in Werft Gefammteinnahme Einnahme per Werft Name der Bahn Rubel Rubel Kop. Zarskoje- Selo. 25 396.606 15.864 24 Warfchau- Wien Nicolaibahn 325 3,559.663 10.952 81 604 16,771.505 27.707 39 St. Petersburg- Warfchau 1.207 8,795.192 7.286 75 Moskau- Nifchnei- Nowgorod 410 6,817.893 15.629 I Baltifchport 460 1,504.451 3.410 29 Riga- Dünaburg 204 1,604.163 7.644 33 Don- Wolga 73 514.719 7.050 94 Moskau Rjäfan mit Zweigbahnen 243.25 5,046.018 Moskau- Jaroflaw 66 2,191.047 20.765 51 8.085 4 Warfchau- Bromberg 138 883.192 6.399 94 Woronefch- Roftow 540 1,930.236 3.195 75 Odeffa 690 7,032.102 7.787 49 Lodz. 26 125.642 4.832 39 Dünaburg- Witebsk 243 1,900.029 7.787 - Rjäfan- Koslow 198 3,895.155 19.666 89 Warfchau- Terespol- Breft 201 1,060.305 5.328 17 Moskau- Kursk 502.5 7,863.429 15.664 20 Rjäsk- Morfchansk 121 431.284 3.564 32 Koslow- Woronefch 168 1,088.965 6.520 75 Orel- Grjäfi.. 283 1,348.680 4.765 65 Schuja- Iwanowo.. 171 505.328 Orel- Witebsk. 488 3,262.674 2.955 6.685 81 14 Kursk- Kiew 438 3,326.629 7.577 74 Riga- Mitau. 40 198.000 5.076 93 Kursk- Charkow- Azow'fche Meer 766 5.410.650 7.091 29 Charkow- Nikolajeff. 225 1.916.085 5.064 85 Grjäfi- Zarizin 587 1,628.259 2.605 21 Tambow- Koslow. 74 484.555 7.125 80 Nowotorfchok. 32 76.909 2.403 40 Rybinsk- Bologoje 280 1,820.740 6.502 62 Tambow- Saratow Kiew- Breft- Berditfchew Moskau- Breft Rjäsk- Wiaśma. 340 1,385.068 3.923 70 535 1,924.209 6.921 62 1.023 48* 3,762.677 3.660 19 100.985 1.517 82 * Im Bau begriffen find 592 Werft Livny Nowgorod. Poti- Tiflis Libau Jaroflaw- Wologda Konftantinow. Rufsland. 189 56.8 132.785 2.329 57 67.5 139.282 2.948 26 290 602.834 3.045 9 294 288.505 981 31 194.5 163.921 1.269 72 85 68.979 I.202 98 Zuſammen 101,959.346 7.865 71 Mit dem Vorjahre verglichen ergibt fich hieraus eine Vermehrung der Einnahmen auf folgenden 21 Linien: Naine der Bahn Warfchau- Wien Moskau- Nifchnei- Nowgorod Baltifchport Moskau- Rjäsan Moskau- Jaroflaw Odeffa Plus der Einnahmen 713 Percent. 51 49 712 812 1335 99 99 คา Warfchau- Bromberg. 5% 29 II 14 39 Lodz. 6 22 Rjäfan- Koslow 1078 99 Warfchau- Terespol- Breft Moskau- Kursk 23 23/4 وو 34/5 29 Rjäsk- Morfchansk وو Koslow- Woronefch Orel- Grjäfi. Schuja- Iwanowo Kursk- Kiew Kursk- Charkow- Azow'fches Meer Tambow- Koslow. Nowotorfchok. Rybinsk- Bologoje Kiew- Breft- Berditfchew Wenig er eingenommen haben dagegen die Linien: Nikolaibahn Zarskoje- Selo. St. Petersburg- Warfchau Riga- Dünaburg Don- Wolga Dünaburg- Witebsk Orel- Witebsk. Riga- Mitau. 211/ s 312 99 81 512 49 4/5 99 4512 1618 99 7 รา 2715 99 um 4% Percent 29 51 وو 35 22 وو 99 99 2712 99 99 12³/ 8 99 99 113/4 " وو 99 2112 11/2 99 29 46 وو وو Die Vergröfserung des ruffifchen Eifenbahn- Netzes ift eine ganz rapide. Im Jahre 1838 zählte Rufsland erft 25 Werft Bahnlinie, im Jahre 1847: 343 Werft, 1857 746 Werft, 1867 bereits 3698 Werft, 1870: 5736 9 Werft, und Ende des Jahres 1872: 13.217 Werft; hiezu tritt noch die finnländifche Bahn mit 350 Werft, und die Helfingfors- Tavaftehus- Bahn mit 103 Werft. An Doppelgeleifen waren zu Ende des Jahres 1872 erft 1900 Werft vorhanden; indeffen ift bereits bei mehreren Bahnen die Anlage eines zweiten Geleifes in Ausficht genommen. Wir laffen hier zur Vergleichung eine dem„ Moniteur des Intérêts matériels" entnommene Tabelle über die Einnahmen der europäiſchen Bahnen folgen: 190 İ. Wilhelm von Lindheim. I. Die Einnahmen der europäiſchen Eiſenbahnen nach dem„ Moniteur des intérêts matériels". Name der Bahn und Gröfse derfelben in Kilometern Brutto- Einnahmen Ertrag per Tag und Kilometer Zeitraum 1872 1871 72 71 Deutſchland. Altona- Kiel( 244) Niederfchlefifche( 85) Thaler Francs Bebra- Hanau( 192). Bergifch- Märkifche( 866) Berlin- Anhalt( 372) Berlin- Görlitz( 209) Berlin- Hamburg( 300) 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31 Oct. 868.967 235.453 619.156 12,668.205 3,871.100 827.318 63 59 308.402 34 45 871.486 56 79 11,444.672 180 170 95 3,741.425 132 124 وو . " 1,202.589 949.501 71 56 4,145.973 3,542.314 171 134 Berlin- Potsdam- Magdeburg( 148) Berlin- Stettin( 837) Breslau- Schweidnitz( 299) Berliner Gürtelbahn( 25) Köln- Minden( 669). Oft( 1481) Baierifche Oftbahn( 649) Frankfurt- Hanau( 42) Frankfurt- Homburg( 18) Frankfurt- Offenbach( 7) Glückftadt- Elmshorn( 34) Gofsnitz- Gera( 35).. Halle- Sorau- Guben( 186) Hanover( 840) Oberfchlefifche( 177) 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. 77 " 2,200.120 2,816.976 183 235 " 4,256.004 1,844.520 وو 190.741 10,672.221 10,931.659 3,874.452 76 60 120.817 139 89 10,312.905 196 190 10,296.129 130 124 3,667.082 63 54 1,463.586 4,326.180 74 82 " دو 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. 1. Jänn. bis 30. Juni 1. Jänn. bis 31. Oct. 532.586 185.943 47.771 74.641 137.402 289.267 571.768 161 173 160.684 127 IIO 41.472 120 107 109.196 27 71 39 122.392 13.908 19 81 72 20 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. 5,924.435 Oberfchlefifche( 971) Heffifche Ludwigsbahn( 419). Holftein( 243) 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. Krefeld- Kreis- Kempen( 47) " Kottbus- Grofsenhain( 80) دو Leipzig- Dresden( 227) دو Lübeck- Buchen( 110) دو Märkifch- Pofen( 274) " Main- Neckar( 6). Main- Wefer( 135) Naffau( 209). Pfälzifche( 352) Rhein- Nahe( 122) Rheinifche( 840). 1. Jänn. bis 31. Juli 180.475 10,018.830 2,999.107 1,314.651 62.827 204.753 2,872.248 731.033 528.279 173.329 5,480.320 124 114 IO 157.499 I2 9,383.792 121 119 2,965.275 126 125 1,241.548 67 63 57.045 16 15 123.799 32 19 3,016.585 156 164 Magdeburg- Halberstadt( 631) . 1. Jänn. bis 31. Oct.] Magdeburg- Leipzig( 391) وو 1. Jänn. bis 31. Juli 4,118.763 3,455.461 950.226 868.199 Nordhaufen- Erfurt( 77) 1. Jänn. bis Oct. 31. 156.298 2,956.031 29 653.351 82 73 410.610 24 18 180.162 508 525 2,815.638 80 55 3,425.251 109 108 1,166.566 124 180 774.439 71 136.817 25 22 2,849.624 103 IOO 729 3594380 555800 76262480 94153 64 1,058.748 1,328.833 107 134 "" 9,131.817 8,950.440 153 131 Rechte- Oderufer( 309) دو دو 1,696.746 1,239.789 67 50 Saarbrücken( 166) 1. Jänn. bis 31. Juli 1,406.124 Schleswig( 230) 1. Jänn. bis 31. Oct. Süd- Ostpreufsifche( 245) 562.043 568.357 Taunus( 51) Thüringifche( 358). 1. Jänn. bis 31. Juli 1. Jänn. bis 31. Oct. Tilfit- Infterburg( 53) وو Werra( 152) 324.705 3,504.535 92.237 691.381 1,261.203 150 143 512.757 30 28 545.025 29 27 301.662 108 3,867.217 I2I 81.426 21 671.514 دو Weftphälifche( 397) 1. Jänn. bis 31. Juli Wilhelmshafen- Oldenburg( 52). 2,261.525 99.7931 2,327.473 89.612 1604 3202215 O IOI 133 18 56 54 90 34 IOI 30 England. Pfund Sterling Francs Great- Eaftern( 1204). Great- Northern( 998) 1. Juli bis 8. Dec. 1,029.565 1,006.293 133 130 " 1,158.940 1,085.540 180 169 Rufsland. II. Die Einnahmen der europäiſchen Eifenbahnen nach dem Moniteur des intérêts matériels". وو 191 Name der Bahn und Gröfse derfelben in Kilometern Brutto- Einnahmen Ertrag per Tag und Kilometer Zeitraum 1872 1871 72 7 I Great- Southern et W.( 716). Great- Weſtern( 2230) Lancashire- Yorkſhire( 689) Lond.- Nord.- Weft.( 2428) London- Brighton( 596) North- Eaftern( 2111) North- London( 19). North- Staffordshire( 478). Oefterreich- Ungarn. Staatsbahn( 1574) Nordweftbahn( 640) Nordbahn( 604) Weftbahn( 558) Oftrau- Friedland( 33) Pardubitz- Reichenberg( 237). Galizifche Ludwigbahn( 585) Auffig- Teplitz( 64) Theifsbahn( 581). Böhmifche Weftbahn( 204) Graz- Köflach( 41) Franz Jofefsbahn( 347) Rudolfbahn( 458) Lemberg- Czernowitz ( 355) Bufchtiehrader( 173) Böhmifche Nordbahn( 143) Turnau- Kralup- Prag( 87). Kafchau- Oderberg( 132) Siebenbürger( 290) Belgien. Pfund Sterling Francs 29. Nov. bis 6. Dec. 27. Juli bis 8. Dec. 1. Juli bis 8. Dec. II.859 1,855.947 II.357 59 57 1,718.398 155 144 3,394.391 1,310.932 314 295 " 3,731.239 1. Juli bis 7. Dec. 2,484.819 1. Juli bis 8. Dec. 253.397 " 709.290 156.790 3,495.403 239 224 669.005 186 175 2,324.458 186 175 158.308 1281 1293 241.594 82 78 1. Jänn. bis 1. Dec. fr. 1. Jänn. bis 24. Nov. 1. Jänn. bis 31.Oct. fl. 1. Jänn. bis 30. Juni 1. Jänn. bis 31. Oct. دو " دو دو دو دو Gulden Francs 86,842.825 142 165 20 74,703.300| II, 435.727 10,205.003 10,870.978 237.876 54 4,321.442 9,543.310 139 130 10,638.785 369 363 43 1,976.182 175.625 59 2,168.573 69 75 7,147.678 1,376.605 97 6,903.181 100 1,154.087 177 148 5,280.720 2,358.490 5,646.384 75 2,694.836 80 95 108 771.106 4,893.984 " "" "" 1,838.654 1,958.669 2,702.796 " 661.076 152 131 2,521.287 116 1,396.236 33 1,789.118 1,909.217 342 45 128 941.530 869.061 54 د" د, دو 716.917 1,421.126 1,629.077 "" 781.854 587.831 1279.571 568 68 88 +886 46 36 12495733 59 25 41 91 50 74 37 951HO476 ' Francs Chemins de l'Etat( 1)( 1425) Tournai- Jurbife( 2)( 47) Landen- Haffelt( 2)( 27) Dendre- et- Waes( 2)( 106). Bruxell.- Lille- Calais( 2)( 45) Braine- le- C. à Gand( 2)( 55) Baffins- Houillers( 610) Welkenraedt( 15 1/2)( 2) Plateaux de Herve( 2) Anvers à Gand( 50) Grand- Luxembourg( 312) Grand- Central Belge( 580) Liège- Maeftricht( 30) Chimay( 61).. Gand- Bruges- Eecloo( 48) Soc. gén. d'exploitation( 407) Pepinfter à Spa( 12) Liégeois Limbourgeois Haffelt- Eindhoven( 59) Haffelt Liège- Flémalle ( 3)( 76).. 1. Jänn. bis 30.Sept. 1. Jänn. bis 31. Mai 1. Jänn. bis 30.Sept. " " دو 50,661.174 469.876 52.916 1,415.206 477.455 609.422 10,378.665 " 1. Juli bis 30. Sept. 1. Jänn. bis 30. Nov. 1. Juli bis 1. Dec. 1. Jänn. bis 20. Nov. 1.Jänn. bis 30. Nov. 1. Jänn. bis 31. Aug. 1. Jänn. bis 30. Nov. 1. Jänn. bis 31. Oct. 1. Jänn. bis 30. Juni 1. Jänn. bis 31.Aug. 41.198 7.735 1,002.307 5,446.824 13,682.329 Francs 130 121 447.491 36 34 49.408 13 I2 1,400.992 49 48 488.916 39 560.732 8,839.865 47,009.959 41 36 62 25.866 14335 2876 36 37 53 ΙΟ 937.142 5,241.419 12,399.286 II4 742.539 387.273 451.153 3,604.197 684.198 362.116 424.051 28 3,662.385 677222 60 56 IIO 73 66 74 26 saa 68 24 29 23 27 3º 6068470 289.966 422.883 1. Jänn. bis 31.Aug. 836.945 287.775 132 131 29 26 45 43 13 192 Wilhelm von Lindheim. III. Die Einnahmen der europäiſchen Eiſenbahnen nach dem„ Moniteur des intérêts matériels". Name der Bahn und Gröfse derfelben in Kilometern Brutto- Einnahmen Ertrag per Tag und Kilometer Zeitraum 1872 1871 72 71 Spanien. Madrid- Sarag.- Alic.( 1428). Cordova- Sevilla( 4)( 131) Spaniſche Nordbahn( 5)( 723) Sevilla- Xeres- Cadix( 159) Pampeluna- Barcelona( 621). Tudela- Bilbao( 249) Ciudad- Real- Badajoz( 405) Francs 1. Jänn. bis 1. Dec. 1. Jänn. bis 24. Nov. " 27,394.104 2,8 28.511 19,176.230 3,907.773 دو " 1.Jänn. bis 31. März 1.Jänn. bis 30.Sept. 9,998.110 761.724 2,622.478 Francs 57 55 65 62 73 52 26,308.354 2,678.842 17,348.995 81 3,628.942 75 70 9,485-539 653.540 2,166.958 15934 568 743 2 49 96 46 33 29 24 20 Frankreich. Lyon( ancien réfeau)( 3760) Id.( nouv. réfeau)( 70) Nord( ancien réfeau)( 71,121) Id.( nouveau réſeau)( 467) Oueft( ancien réfeau)( 900) Id.( nouv. réfeau)( 1443) Orléans( anc. réf.)( 2020) Id.( nouv. réf.)( 1988) Eft( réfeaux- réunis)( 2140) Midi( ancien réfeau)( 798) Id.( nouv. réfeau)( 1092) Vendée( 123) Médoc( 47) . Charentes( réf.- réunis)( 277) Lyon à la Croix- Rouffe( 1/2) Vitré à Fougères( 37). Perpignan- Prades( 27) Algérie( 513) Dombes et Sud- Eft( 195) Lille- Valenciennes( 48) "" " 29 Francs 206,798.349 181 170 Francs 1. Jänn. bis 1. Dec. 227,787.304 " 8,901.298 8,035.942 37 40 89,820.826 75,551.300 239 203 9,862.483 59,659.845 8,291.585 63 58 54,676.195 198 210 25,354.702 1. Jänn. bis 24. Nov. 86,251.817 " 31,245.181 27,130.720 52 59 86,179.640 130 129 33,929.223 48 52 87,143.660 124 37,418.316 39,468.418 142 150 14,967.609 583.662 477.720 دو " 9 " 1. Jänn. bis 8. Dec. 1.Jänn. bis 24. Nov. I. . Jänn. bis 1. Dec. 1. Jänn. bis 8. Dec. " 1. Jänn. bis 24. Nov. I. 1. Jänn. bis 18. Nov. I. Jänn. bis 1. Dec. 1. Mai bis 31. Oct. 2,875.159 304.550 308.398 193.551 53T2 13,372.361 41 37 451.337 14 13 452.045 31 29 31 29 2,703.009 293.096 887 855 264.483 24 21 742896 147.873 22 17 3,995.133 74 29 24 26 4,802.350 1,657.502 694.682 613 342 48| 421 .2 Italien. Lombardifche( réf.- réun.)( 4913) Römifche( réf.- réunis)( 1559) Südbahn( 1317) Calabro- Sicilianifche( 643) Turin- Ciré( 21) Mont- Cenis( 27) Sardinifche( 152) Turin- Rivoli( 12) 1. Jänn. bis 1. Dec. 1. Jänn. bis 3. Nov. I. 1. Jänn. bis 10. Nov. Francs 147,723.644 18,400.724 15,011.808 3,475.952 214.067 Francs 87 33 90 38 833 731 142,727.141| 15,757.920 13,004.814 36 31 34 878 34 64272 933342 38 1. Jänn. bis 31. Aug. 1.Jänn. bis 31. Dec. 1. Jänn. bis 31. Aug.] 465.915 196.068 464.602 42 47 47 361.655 25.858 12 8 "" 59.717 20 Niederlande. Amfterdam- Rotterdam( 160) Staatsbahn( 989) Gulden Francs Niederländifch- Rheinifche( 214) Central- Niederländifche( 101) Indifch- Niederländifche( 187) 1. Mai bis 30. Nov. 1. Jänn. bis 30 Nov. I. Jänn. bis 9. Dec. 1.Jänn. bis 30. Nov. September 3,012.362 2,156.919 4,976.803 2,876.144 139 133 85 2,120.302 4,539.257 32 506.533 166.408 486.390 32 130.697 63 581 340HO 38 335 95223 38336 84 30 31 Rufsland. IV. De Einnahmen der europäiſchen Eifenbahnen nach dem ,, Moniteur des intérêts matériels". 193 Name der Bahn Brutto- Einnahmen und Gröfse derfelben Ertrag per Tag und Kilometer. in Kilometern Zeitraum 1872 1871 72 71 Portugal. Portugiefifche Bahnen( 502) I. 1. Jänn. bis 24. Nov. Francs Francs 6,443.006 5,730.783 39 35 Nifchnei Nowgorod Rufsland. Nicolaibahn.. Warfchau- Wilna. Warfchau- Wien Warfchau- Bromberg Zarskoe Selo Moskau- Kurfk. Rubel Francs 1.Jänn. bis 30 Sept. 12,532.186 13,501.798 182| " 6,604.305 6,931.994 48 دو 5,457.308 5,102.239 II7 1. Jänn. bis Nov. 30. 3,234.291 3,053.462 79 796.534 761.616 1. Jänn. bis 31. Aug. 318.706 5,031.226 Rjäfan- Koflow. Moskau- Rjäfan Lodz. دو دو 2,462.627 وو 3,166.892 81.653 33 "" 1,521.587 1292231 46 74 74 44 127 99 124 128 31 دو 1,007.321 54 49 +9 Moskau- Jaroflaw Riga- Dünaburg Dünaburg- Witebsk Peterhof Warfchau- Terespol Rjäfk- Morfchanfk Koflow- Woronefch Baltifchport Orel- Grjäfi Schuja- Iwanowo Orel- Witebsk Kurfk- Kiew a Riga- Mitau Odeffa Kurfk- Chark.- Azow'fches Meer. Poti- Tiflis. Rybinfk- Bologoe Waronefch- Roftow. " "" " 1,210.411 382.333 698.763 282.935 دو 686.622 دو دو 1. Jänn. bis Oct. 31. 1. Jänn. bis 31. Aug. 1. Jänn. bis 31. Oct. 1,255.382 867.890 320.548 +47324231 49 73 36 23 4 I 25 30 88 18 363H5D 2,795.475 3,667.488 45 I. 1. Jänn. bis 31. Aug. 2,066.308 126.765 دو I. Jänn. bis 31. Oct. 5,828.081 4,510.624 5,462.849 4,296.776 47 دو 1.Jänn. bis 31. Aug. 1. Jänn. bis 31. Oct. 1. Jänn. bis 31. Aug. 261.326 1,634.865 1,108.509 72 443542 60 47 32 5I 48 7 22 1,498.153 46 42 18 Schweiz. Suiffe Occid.- Oueft( 332) Francs Francs 1. Jänn. bis 31. Oct. 9,367.524 Central( 238) Union- Suiffe( 275) Ligne d'Italie( 80) Nord- Eft( 213) Zürich- Zug- Luzern( 64) Bulach- Regensberg( 20) État de Berne( 86). 8,973.857 " 9,078.810 93 90 8,979.455 124 124 4,785.929 4,298.682 57 51 د" دو دو دو دو 511.801 7,314.508 1,002.104 496.108 7,747.059 113 881.765 2I 20 120 " Jura induftriel( 38) Bulle- Romont( 19) دو " Toggenburg( 26) Rigi( 5). " 1. Mai bis 31. Oct. 95.789 1,228.604 707.146 144.515 201.921 355.293 86.124 57 52 46 16 1,215.814 641.387 +6 47 61 4445 14 46 56 131.215 191.816 25 257.383 378 274 22 25 558 23 24 Türkei. Livres fterling Francs Ruftfchuk- Varna( 225) 12. bis 19 Nov 1.873 1.281 29 20 13* 194 Wilhelm von Lindheim. Nr. Locomotiven Jahr der Eröffnung Name der Eifenbahn Länge der Linie in Werft Länge der Nebengeleife Anzahl der Rails 938 9 Perfonenzug Güterzug Andere Locomotiven Summe der Locomotiven Tender Statiſtik der ruffifchen Privat- Eifenbahnen. I. Perfonenwagen Güterwagen Diverfe andere Wagen Waggons Summe der Waggons 123 4/ IV 1838 Zarskoje- Selo 25'00 3/ VI 1845 Warfchau- Wien 324 68 614 180 50 7/ V 1847 Nikolaibahn. 604 17 793 33 10.899 176.813 489.125 9 74 38 N 2 19 48 60 254 84 43 IIO 19 333 108 148 318 247 2.816 5.318 45 33 4 15/ V 1857 1857 St. Petersburg- Warfchau- Eydtkuhnen. 1.206.64 513'00 601.874 105 146 24 275 251 35° 5.989 75 5 14/ VI 1861 Moskau- NifchneiNowgorod 154'94 113 00 72 83 34 74 I20 213 34 24 62 60 217 2.223 46 919 16 7 12/ IX 1862 Don- Wolga Moskau- Rjäfan 75 1∞ 510 022 + 15 6365 65 65 76 1.360 13 H ΙΟ 612 15 6 66 123 1.508 14 I I 6 21/ VII 1857 Baltifchport Riga- Dünaburg 8 24/ III 1862 9 20/ VII 1862 10 18/ VIII 1862 22/ XI 1862 12 31/ XII 1863 I3 1/ X 1866 14 20/ V 1866 15 24/ V 16 4/ XI 1866 Moskau- Jaroflaw Warfchau- Bromberg Woronefch- Roftow Odeffa Lodzer Fabrikbahn. Rjäfan- Koflow. 409.53 461 15 214'00 72.85 54 74 13'30 20˚46 120'90 194 20 197.56412 37 83 7 127 200.9521/ 2 94.0621/ 2 30.1521/ 2 170.345 113.94912 55.430 253.890 407.820 9.7192 2 2 O IO - 33 - 25 I I 58 26 14 242 70 244 0 270.95 54 82 137'92 604 50 971 0 83 26.00 Dünaburg- Witebfk. 244 17 22/ IX 1866 Warfchau- Breft Moskau- Kurfk. 198.28 199'45 502 29 I'77 48 242'57 7 I 38.08 391 56 154.297/ 2 I2 83.135/ 2 312.84712 45 - 19 2/ XII 1867 20 1/ XI 1868 Rjäfk- Morfchanfk Koflow- Woronefch. 121 40 22 30 167 23 33 44 50.295 70.2342 I2 I5 1866 18 17/ XI 1866 102.200 20 20 I2 16 4 つ 1 2 70 46 44 26 II7 II7 +3 43 119 +2 26 825 24 76 482 17 6964 109 172 1.884 60 7087 HAN HOO 932 3+ 14 II4 3.009 Doppelgeleis 62 Werft. 5.598 Locomotivftationen 19. Doppelgeleis 604 Werft. 6.414 Locomotivftationen 24. Doppelgeleis 106 Werft. 2.482 Locomotivftationen 7. 1.152 Locomotivftationen 2. Doppelgeleis 51 Werft. 1.451 628 Locomotivftationen 2. 1.645 Locomotivftationen 4. Doppelgeleis 182 Werft. 970 Locomotivftationen 1. 575 2.016 دو 2.810 Doppelgeleis 82.27 W. 51 4 120 116 141 2.628 3 3 35 2 91 91 87 1.497 13 1.597 IO 31 52 72 IO 157 I2 48 57 28 6 22 205 57 72 90 TT 30 I.414 432 14 دو " 1.514 Doppelgeleis 198 Werft. 484 4.652 Locomotivftationen 2. Doppelgeleis 242 Werft. 22 204 38 327 4.280 45 18 18 21 21 40 47 316 404 " 4 455 " 445 88 72 44 360 ES Bemerkungen ( Die hier verzeichneten Locomotiven find Rangirmafchinen). Nr. Statiſtik der ruffifchen Privat- Eifenbahnen. II. Locomotiven Jahr der Eröffnung Name der Eifenbahn Länge der Linie in Werft Länge der Nebengeleife Anzahl der Rails Perfonenzug Güterzug Andere Locomotiven Summe de motiven Tender LocoGüterwagen Diverfe andere Wagen Waggons Summe der Waggons Perfonenwagen Bemerkungen 21 30/ VIII 1868 Orel- Grjäsi 283.0 22 12/ XII 1868 23 24/ X1 1868 24 12/ XII 1868 25 18/ XI 1868 26 23/ XII 1869 27 1/ VIII 1870 28 12/ XII 1869 29 22/ XII 1869 1870 30 30/ V Orel- Witebsk Kurfk- Kiew Riga- Mitau Kurfk- CharkowAzow'fches Meer Charkow- Nikolajeff Grjäsi- Zarizin Schuja- Iwanowo 170 94 560'00 20'75 118.650 67.0911/ 2 14 27 - IO 4 +2 41 24 487.50 90.60 438.80 85.20 38.90 IO OO 202.335 183.000 17.465 20 105 125 2 I 43 64 8 +8 +226 14548 14 41 79 789 16 24 4° 360 125 137 89 64 792 2. 133 980 42 73 62637 884 402 2.276 1.082 I22 763.50 380 50 624 66 86.30 Tambow- Koslow 67.50 Nowotorfchok 32 20 31 4/ VI 1870 Rybinfk- Bologoje 279 74 32 9/ VIII 1870 Tambow- Saratow 352 86 33 3/ IX 1870 Kiew- Breft. 713 70 34 11/ IX 1870 34 4/ XII 1870 36 15/ IV 1871 37 18/ V 1871 Moskau- Breft 1023 70 160 42 Rjäfk- Wiasma 44.00 8.26 152 30 67.30 14'07 6.10 32.80 57 14 104'20 320.530 156.730 248.836 28.5492 13.405 109.389 143.500 317.100 414.442 13 3 221 42 84 126 I2 46 4 HOD 63 17 80 I I 15 15 18.256 4499 50865 553 45 40 98 96 40 53030 IO 43 154 565 53 65 156 Livny fchmal57.00 S ني t a a t Nowgorod fpurig 68.20 6.03 38 21/ VIII 1871 Poti- Tiflis 289.52 36.18 344 39 4/ IX 1871 Libau- Kowno 294.00 40.00 25.98012 113.995 116.900 13 25 IO I2 40 8/ I 1872 Jaroflaw- Wologda 191* 97 4 I 21/ III 1872 Conftantinow 85.00 12.55 17.00 71.267 35.700 I2 42 28/ VII 1873 Breft- Grajewo 43 I/ I 44 17/ III 1868 1873 Riga Bolderaa 199* 55 17 50 30-83 80.633 H2 14 27 8 Finnländifche Bahn. 446 18 3.60 61.88 7.385 177.821 3 32 23 2 +2773 24537 1994 2 52 S b 4895505468 258 15553 68851354686 2158H 124 219 2.240 24 2.483 58 58 I.262 80 120 IIO I.142 1.738 15 1.863 15 29 242 50 55 103 154 173866 774 ri 72 37 1.567 48 900 178 2.872 136 176 +48 +262 275 87 1.652 2 I 61 1.024 3.III 16 I.775 157 24 1.975 3 176 Im Weiterbau. a h n 44 26 12 38 22 I2 14 14 35 35 47 45 +8 32 596 24535 2 2 25 134 7 122 624 16 74 72 40 ΙΟ 780 251 34 258 710 50 116 1.088 76013625 166 762 862 I 292 295 721 58 1.209 Zufammen 14.382.26 4.400 46 6.574.0661/ 2 508 1.875 556 2.939 2.838 5.815 54.915 786 61.016 195 Rufsland. 196 Linie Wilhelm von Lindheim. Zurückgelegt hat jeder Reifende im Jahre 1870 durchfchnittlich: auf der Rjäfk- Morfchanfk 70.87 Werft oder 58.57 Percent der Bahnlänge. Dünaburg- Witebsk Kurfk- Kiew Riga- Dünaburg Koslow- Woronefch Nikolaibahn Moskau- Rjäfan Warfchau- Terespol Orel- Witebsk Moskau- Nifchnei- Nowgorod Moskau- Jaroflaw Warfchau- Wien St. Petersburg- Wien 135.00 218.93 وو وو وو 55 09 " " 99 " 50.00 99 " 101.80 97 76.00 دو 49.90 " 27 " وو " 9 45.24 97 99 99 257.00" " 42.55 " " ን 90 94.33 99 99 38.82 " 99 99 75 23 168.00 وو 99 38.26 " 99 " : " 34 42 وو รา 99 132.00 82.28 99 99 32.19 99 99 31 65 " وو وو 99 99 " 60.07 " 99 21'45 29 99 184.00 99 " ን 15.24 99 " 9 Die gröfsten Einnahmen im Perfonenverkehre betrugen auf der Linie: 3,738.425 Rubel, per Werft Bahnlänge 6.189 Rubel Nikolaibahn Moskau- Rjäfan Moskau- Nifchnei- Nowgorod Moskau- Jaroflaw. Warfchau- Wien St. Petersburg- Warfchau Kurfk- Kiew Riga- Dünaburg Koslow- Woronefch وو 42 47 وو وو 19 2.366 2.358 I.744 1.649 1 وو 99 " 9 " 942.092 ,, 1,523.033 29 99 99 99 99 " • 809.594 99 99 4.768 3.715 3.114 " 99 878.985 29 99 99 2.704 99 • " 2,856.380 99 99 " 1,043.095 365.905 ንን 99 99 99 " " " " 29 99 " " 92 59 77 99 1.637 وو 13 19 " 99 1.312 " " 46 17 وو 1.269 " 9 99 96 99 وو " 615 99 وو 49 95 Dünaburg- Witebsk Warfchau- Terespol Orel- Witebfk. Rjäfk- Morfchanfk 272.075 397.879 254.445" 618.582 99 74.439 Für die Benützung der verfchiedenen Wagenclaffen ftellt fich das Verkehrsverhältnifs in Percenten wie folgt: auf der Linie St. Petersburg- Warfchau Kurfk- Kiew $ I. Claffe. II. Claffe. III. Claffe. IV. Claffe. 4'0 15.0 81.0 3.6 24'4 72.0 Riga- Dünaburg 3.3 12 7 84.0 Orel- Witebsk 2'0 9.0 89.0 Nicolaibahn 2'0 8.0 90.0 Moskau- Nifchnei Nowgorod 2'0 8.0 90.0 Moskau- Rjäsan 2.0 7.8 90.0 Moskau- Jaroflaw. 1.8 13.8 84'4 Warfchau- Wien 1.6 18.4 28.0 52'0 Dünaburg- Witebsk I'5 7: 0 91.5 Warfchau- Terespol- Breft 0.8 8.1 91.1 • Riga Dünaburg Dünaburg- Witebsk Orel- Witebsk Kurfk- Kiew Warfchau- Wien Linien: Die gröfsten Zunahmen im Güterverkehre ergeben gegen 1869 auf den Warfchau- Terespol 3.352.326 Pud oder 66 32 Percent der Gefammtfumme. . 8,998.209 99 وو 6,455.307 " " ን 59.24 46.24 " 9 46 99 " 9 99 10,519.591 " 99 45:86 99 2.920.932 " 99 40.54 46 17 وو 99 99 St. Petersburg- Warfchau 13,603.686 99 99 30.61 99 77 7,584.038 27 99 18.96 وو 99 " 2 Rufsland. 197 221.6 449 123.7 Linie Jedes Pud der Gefammtfracht hat durchſchnittlich zurückgelegt: auf der Riga- Dünaburg Dünaburg- Witebsk Nikolaibahn Warfchau- Terespol وو وو وو 99 وو 189.8 Werft oder 93 04 Percent der Bahnlänge. 99 91.19 74.08 99 99 99 99 99 29 63.77 99 99 " Kurfk- Kiew 277.8 รา " 13 Moskau- Rjäfan 150 9 63.42 62.10 وو 99 وو 99 99 99 Moskau- Nifchnei Nowgorod 242 99 99 59.02 وو وو وو 99 99 Orel- Witebsk. 280 99 99 Warfchau- Wien St. Petersburg- Warfchau 150 320 99 وو " 9 99 57.58 46.15 26.51 99 وو 99 99 99 99 99 99 99 93 Die bedeutendften Einnahmen im Güterverkehr erzielten: die Linie Nikolaibahn. Rubel. Rubel. 10,862.865 per Werft der Bahnlänge 17.890 Moskau- Rjäfan. Moskau- Nifchnei Nowgorod Riga- Dünaburg. Dünaburg- Witebsk Warfchau- Wien. Orel- Witebsk St. Petersburg- Warfchau. Kurfk- Kiew. Warfchau- Terespol 2,736.568 3,795.136 " 99 12 13.821 وو وو 29 99 99 9.256 1,373.212 99 1,391.686 99 وو 46 29 6.731 99 99 46 97 5.728 1,844.332 2,637.914 5,505.912 1,432.894" 453.152 29 وو وو 99 وو وو 5.656 " 99 99 5.405 وو 59 99 99 4.561 59 99 99 3.271 وو 99 وو 2.336 Neuere Daten über die Betriebsrefultate der ruffifchen Bahnen liegen leider noch nicht vor. Die ruffifchen Landftrafsen. Bis vor kurzer Zeit war das Reifen in Rufsland nichts weniger als ein Vergnügen, und noch heute ift es da, wo man nicht durch die Kraft des Dampfes über Eifenfchienen dahinbraufen oder auf dem Wafferfpiegel hingleiten kann, mit den gröfsten Befchwerden verknüpft. Eine ruffifche Landftrafse fpottet im Allgemeinen jeder Befchreibung; fie iſt namentlich in Mittelrufsland nichts weiter als ein breiter, oder Strich des Feldes oder der Steppe, durch welche fie führt, nur zuweilen unterbrochen durch einen Graben oder einen Sumpf.* Der Unglückliche, der fich zu einer Reife durch das innere Rufsland einem Tarantafs einem Fuhrwerke, das viel Aehnlichkeit mit dem Canoe der Wilden hat, nur dafs es von Pferden gezogen wird und für die Benützung auf dem Lande beftimmt ift auf Gnade und Ungnade anvertrauen mufs, fieht viele Meilen weit nichts als Wald oder Haide. Die Gegend ift dürr und öde; eine Telegraphenftange oder eine einfame Birke find die einzigen Wegeszeichen, die ihn auf feiner Reife begrüfsen. Beffer ift man auf den in den Händen der Regierung befindlichen 7000 Werft Landftrafsen daran, die weit forgfamer in Stand gehalten find und ein vortrefflich organifirtes Poftwefen befitzen. Gegenwärtig find die Poftpferde weit beffer, die Wagen folider, als fie früher waren; auch findet man auf allen Stationen Relais vorbereitet; kurz, es find in jeder Hinsicht Verbefferungen eingeführt, zu welchen das vermehrte Reifen und die gröfsere Zahl der nach Rufsland kommenden Fremden die Veranlaffung gegeben haben. Erft im Jahre 1816 wurde der Gedanke, Kunftftrafsen in Rufsland zu bauen, ernftlich - * Barry S. 183. 198 Wilhelm von Lindheim. in Anregung gebracht. Um die nöthigen Gelder zu befchaffen, behob man von allen Bauern des Reiches( mit Ausnahme von Grufien und Beffarabien) eine jährliche Steuer von 25 Kopeken per Kopf und von den Kaufleuten einen Zufchlag von 25 Percent auf die von denfelben zu entrichtenden Abgaben. Diefe Steuern ergaben ungefähr 5,240.000 Papierrubel, und es wurde nun zur Anlage von Kunftftrafsen gefchritten. Die erfte Chauffee, welche gebaut wurde, war die zwifchen St. Petersburg und Moskau in einer Länge von 677% Werft( 775 Kilometer); 50 Jahre fpäter betrug die Länge der gefammten ruffifchen Kunftftrafsen bereits 6824 Werft( 7800 Kilometer). An Chauffeegeldern wurden von 1860 bis 1868 folgende Beträge eingenommen: Chauffee St. Peterburg- Moskau. St. Petersburg- Kowno Nifchnei Nowgorod. Serginhov'fche Jaroflaw. Moskau- Warfchau Tula Scheltkow'fche Kiew. Rjäfan Tula- Orel Nowgorod- Pfkow Bobruifk Smolenfk Orel- Kurfk Witefbk Smoleník. Riga- Tauroggen Kiew- Breft Karfk- Charkow. Woronefch. Orel- Brianfk Pfkow- Riga Narva Ilin'fche Länge in Werft 1860-1864 1865-1868 Einnahme in Rubeln 67712 46.387 26.368 69814 15-381 7.286 39114 71.975 18.049 92 29.068 19.818 24734 62.681 40.951 100134 105.488 92.524 77 36.681 33.162 I2 676 P 79714 55.814 84.436 17412 59.900 13.263 16712 34.900 49.763 12014 4.250 3.658 10514 1.267 P 41 10.664 33.657 1473/4 38.415 34.914 22412 18.322 8.091 15534 10.188 5.537 560 37.503 30.533 ° 209 49.436 31.879 • 275 18.377 15.916 246 ? ? 232 5.659 4.843 14I 5.472 11.888 20 ? 3.814 Zufammen.. 6914½ 719.533 570.350 Auf 100 Quadratmeilen kommen hienach 181 Werft Kunftftrafsen mit 189 Rubel Ertrag in den Jahren 1860 bis 1864 und 150 Rubel in den Jahren 1865 bis 1868. Durchfchnittlich ergab eine Werft von 1860 bis 1864 104 Rubel, von 1865 bis 1868 84 Rubel. Der Ertrag der Jahre 1865 bis 1868 ift um 149.183 Rubel oder um 208 Percent geringer als in den Jahren 1860 bis 1864. Diefe Differenz hat in der Ausdehnung des Eifenbahnnetzes ihren Grund. Die Flufs- Schifffahrt in Russland. Nach den fünf Meeren, die Rufsland begrenzen, und den Flüffen, die in diefelben münden, und durch welche das Reich mit allen übrigen Staaten in directem Schiffsverkehre fteht, kann das Reich( das heifst das europäiſche Rufsland, mit Ausnahme von Finnland und Polen) in fünf Wafferfyfteme getheilt werden: das Syftem des Weiſsen Meeres mit der( nördlichen) Dwina, das des Schwarzen Meeres mit dem Dnjepr und Dnjeftr, das des Caspifchen Meeres Rufsland. 199 mit der Wolga, das des Azow'fchen Meeres mit dem Don und das des Baltifchen Meeres mit dem Bug, Niemen, der( weftlichen) Dwina, Düna und dem Ladoga-, Onega- und Ilmenfee. Mit Ausfchlufs aller Flüffe, auf denen nur geflöfst wird, fowie auch der entſprechenden Theile der fchiffbaren Flüffe, beträgt die Länge fämmtlicher Wafferftrafsen im Innern des Reichs 32.353 Werft; davon kommen nach Swerinfky's Annahmen auf die Wafferfyfteme: des Weifsen Meeres 79 Caspifchen Azow'fchen 27 79 " 9 Schwarzen 99 29 Baltifchen " 29 4.657 Werft oder 14 4 Percent 13.375 3.125 22 99 41 4 99 وو 97 9.7 99 5.727 99 99 17.7 27 4.877 592 " وو 15 0 99 1.8 99 19 99 auf die verfchiedenen Verbindungsfyfteme Nehmen wir( nach dem ruffifchen Statiftifchen Jahrbuch 1871, I. Band) die Oberfläche des europäifchen Rufsland zu 4,151.584 Quadratwerft an und die Einwohnerzahl zu 63,658.934 Perfonen beiderlei Gefchlechtes, fo kommt eine Werft der fchiffbaren Wafferftrafsen auf 128.3 Quadratwerft Flächeninhalt und auf 1967.6 Einwohner.- Hiebei ift jedoch zu bemerken, dafs bei der Berechnung der Wafferwege nach den einzelnen Gouvernements eine bedeutend gröfsere Werftzahl fich ergeben würde, indem mehrere Flüffe als Grenzfcheide zweier oder mehrerer Gouvernements bei einem jeden derfelben als felbftftändige Wafferftrafse in Betracht gezogen werden müffen. Das Wafferfyftem des Caspifchen Meeres ift durch den Canal des Herzogs Alexander von Württemberg( zwifchen den Flüffen Schekfna und Porofowiza) mit dem des Weifsen Meeres und vermittelft des Marien-( Schekfna, Kowfcha und Wytegra), des Tichwin'fchen( Mologa und Tichwinka), und des WiſchneWolozkifchen( Twerza und Mfta) Canalfyftems mit dem des Baltifchen Meeres verbunden; das Syftem des Schwarzen Meeres fteht mit dem des Baltifchen in Verbindung durch den Berefina'fchen( Berefina und Düna), den Ogynfki'fchen ( Jaffelda und Njemen) und den Dnjepr- Bug'fchen Canal( Pina und Muchawetz); aufserdem ift der Njemen mit der Weichfel durch den Auguftowcanal verbunden, der aber fchon im Königreiche Polen liegt. Das Syftem des Baltifchen Meeres fteht in ununterbrochener Verbindung mit dem Syfteme des Weifsen Meeres vermittelft des Canalfyftemes des Herzogs Alexander von Württemberg. Mithin ftehen das Caspifche und das Weifse Meer in keiner directen Verbindung mit dem Schwarzen Meere, während das Azow'fche Meer eine ganz ifolirte Stellung einnimmt. Man kann daher das ganze fchiffbare Netz des europäiſchen Rufsland in zwei Hauptgruppen theilen: in die nordöftliche und gröfsere Gruppe, welche die Wafferfyfteme des Weifsen, des Caspifchen und des nördlichen Theiles des Baltifchen Meeres( Finniſcher Meerbufen) umfafst und eine Länge von 20.216 Werft hat, und in die füdweftliche mit den Wafferfyftemen des Schwarzen Meeres und des füdlichen Theiles des Baltifchen mit einer Länge von 8895 Werft. In der erften diefer beiden Gruppen liegen die beiden Hauptftädte des Reiches, 21 Gouvernementsftädte und der in Betreff des Binnenhandels fo wichtige Ort Rybinfk; in der anderen blos 10 Gouvernementsftädte; mit der letzteren ftehen aufserdem die Städte Warfchau, Danzig und Tilfit in Verbindung. Als Centrum der erften Gruppe kann die Stadt Nifchnei Nowgorod angefehen werden, indem diefe von dem nördlichften Punkte der ganzen Gruppe 2072 Werft von dem füdlichften Punkte Archangel Aftrachan - und der Stadt der Stadt 2165 Werft entfernt ift. Nach Weften erftreckt fich das Syftem diefer Gruppe bis zur Stadt Orel auf 1330 Werft und nach Often bis nach Perm auf 1242 Werft. * Aus der ,, Ruffifchen Revue". 200 Wilhelm von Lindheim. Das Centrum der zweiten Gruppe bildet die Stadt Kiew; hier find die Ausdehnungen der fchiffbaren Flüffe bei Weitem nicht fo grofs als in der erften Gruppe. Zur befferen Ueberficht der Verkehrswege des Reiches, der Wafferftrafsen und der Eifenbahnen, und zur Vergleichung derfelben unter einander und mit dem Flächeninhalte und der Einwohnerzahl, für jedes Gouvernement geordnet, diene umftehende Tabelle. Aus diefer Tabelle erfieht man, dafs die Länge der Eifenbahnen und der fchiffbaren Flüffe im europäiſchen Rufsland( mit Ausfchlufs des Grofsfürftenthums Finnland und des Königreiches Polen) 48.264 Werft beträgt; davon kommen 75 39 Percent auf die Wafferftrafsen und 24 61 Percent auf die Eifenbahnen. Nur ein einziges Gouvernement, das Kurfkifche, hat keine Wafferftrafsen ( allerdings befindet fich dort der Flufs Sejin, der vor Zeiten als fchiffbar galt; gegenwärtig wird derfelbe jedoch nicht mehr befahren), während Eifenbahnen noch in vierzehn Gouvernements fehlen, nämlich in den Gouvernements Archangel, Aftrachan, Wologda, Wjatka, Kafan, Kaluga, Olonez, Orenburg, Penfa, Perm, Samara, Simbirfk, Taurien und Ufa. * Durchschnittlich kommt eine Werft Wafferftrafse auf 1141 Quadratwerft Oberfläche und auf 1749 5 Einwohner; eine Werft Eifenbahn auf 349 5 Quadratwerft Oberfläche und 5359 9 Einwohner und eine Werft Wafferftrafse und Eifenbahn zufammen auf 86 o Quadratwerft Oberfläche und 1319 Einwohner. Doch ift die Vertheilung diefes Verhältniffes auf die einzelnen Gouvernements eine fehr ungleiche. Am günftigften find in Betreff der Verkehrswege die Gouvernements Archangel, Wologda, das Land der donifchen Kofaken, Grodno, Minfk, Moskau, Nowgorod, Orel, Perm, St. Petersburg, Cherfon, Tambow und Eftland geftellt. Von diefen haben die Gouvernements Archangel, Wologda und Perm nur Wafferftrafsen, welche blos einen Theil des Jahres hindurch fünf bis fechs Monate lang zu gebrauchen find; in den Gouvernements Moskau, Orel, Tambow, Cherfon und Eftland bilden die Eifenbahnen das hauptfächlichfte Verkehrsmittel, und nur in den Gouvernements St. Petersburg, Nowgorod und dem Lande der donifchen Kofaken find beide Arten Wege von gleicher Bedeutung. In der ungünftigften Lage befinden fich die Gouvernements Taurien**, Penfa und vor Allem Orenburg, in welchem eine Werft Wafferweg und Eifenbahn zufammen auf 2104 7 Quadratwerft Oberfläche und auf 10.508.8 Einwohner kommt. - - Zum befferen Verſtändnifs der volkswirthschaftlichen Bedeutung der Flüffe und Eifenbahnen für die einzelnen Gegenden des Reiches wäre eine genaue Befchreibung der Landftriche oder wenigftens der Ortfchaften nöthig, durch welche diefe Verkehrswege führen. Leider aber waren genaue Angaben über die Einwohnerzahl und die Ortſchaften im Rayon der Eifenbahnen und Flüffe gegenwärtig noch nicht zu befchaffen möglich, und bleibt diefe Arbeit einer fpäteren Zeit vorbehalten. Obgleich die Unterfuchung über den Auf- und Zugang der Flüffe nicht Sache der Flufsfchifffahrts- Statiſtik ift, fo dürfte fie doch nicht übergangen werden, wenn man genauer die commercielle Bedeutung der Flüffe für das Land ermeffen will, da von dem Auf- und Zugange der Flüffe die Dauer der Navigation in jedem Jahre abhängt. Die mittlere Dauer der Schifffahrt für Rufsland ergibt fich aus diefer Unterfuchung mit 239 Tagen oder 7 bis 8 Monaten; im nördlichen Theile des Reiches find es 6 bis 612 Monate, im füdlichen 8 bis 10 Monate. Die füdweftliche Gruppe-die Wafferfyfteme des Schwarzen und des füdlichen Theiles des Baltifchen Meeres hat eine längere Navigationsdauer als die nordöftliche Gruppe, denn während in erfterer Gruppe nach dem fünfjährigen Mittel die - * In einigen von diefen Gouvernements werden gegenwärtig Eifenbahnen gebaut; dem Verkehr find fie aber noch nicht übergeben. ** Offenbar würde fich hier das Verhältnifs wefentlich anders geftalten, wenn die angrenzenden Meere als Verkehrsmittel mit in Rechnung gebracht wären. Benennung des Gouvernements Rufsland. 201 Länge der Ueberhaupt kommen auf 100 Werft Werft Zufammen Archangel. . 652.558 275-779 1.056 1.056 2'19 2'19 Aftrachan 193.470 573.954 45° 450 0'93 0.93 Befsarabien 31.893 1,052.013 900 66 966 1.86 O'14 2'00 Charkow 47.827 1,681.486 307 358 665 0.54 074 138 Cherfon. 65.542 1,497.995 547 621 1.168 I'13 I'29 2'42 Donifches Kofakengebiet 140.944 1,010.135 1.762 814 2.576 3.65 1'69 5 34 Eftland 17.321 322.668 64 241 305 O'13 0.50 0.63 Grodno 34.045 958.852 821 321 I.142 1* 70 0.67 2* 37 Jaroflaw 31.331 999.383 524 291 785 1.09 0.54 163 Jekaterinoflaw 59.492 1,281.482 596 35° 919 1.18 O'72 1'90 Kaluga 25.029 984.255 455 455 0.94 o'94 Kafan. 53.998 1,670.337 721 721 1.49 1'49 Kiew 44-792 2,144.276 461 174 635 0'95 036 1'31 Koftroma 79.122 1,101.099 597 77 674 I'24 O'16 1'40 Kowno 35.700 1,131.248 177 272 449 0.37 o'56 0.93 Kurland. 24.024 597.288 282 IIO 392 0.58 023 081 Kurfk. 43.015 1,866.859 452 452 o'84 094 Livland 40.514 990.784 138 132 270 0° 29 O'27 0'56 Minfk. 80.312 1.709 1,135.588 261 1.970 3'54 054 4'08 Mohilew 42.204 908.858 580 227 807 I 20 0'47 1.67 Moskau 29.253 1,678.784 305 642 947 0.63 1'33 1.96 Nifchne: Nowgorod 44.675 1,262.913 582 73 655 I'21 O'15 I 36 Nowgorod. 104.396 1,016.414 1.821 311 2.132 3° 77 0.64 4 41 Olonez 115.071 302.490 349 349 0* 72 0'72 Orel 41.041 1,578.013 39° 53° 920 0.81 I'23 2'04 Orenburg Penfa 168.374 840.704 80 80 0.17 Perm Podolien Pultawa. 34.216 1,197.393 291.792 2,173.501 1,946.761 36.962 43.776 2,002.118 278 278 0.58 0:17 0.58 1.909 1.909 3.96 3.96 500 434 934 I'04 o'90 1'94 340 155 495 0* 70 0° 32 I'O2 Pfkow. 38.371 717.816 116 146 262 0* 24 0 30 0'54 Rjäfan 36.979 1,438.292 509 373 882 1° 06 0.77 1.83 St. Petersburg 38.838 1,160.930 756 518 I.274 1.56 1'07 2.63 Samara 147.895 1,743.422 934 934 1* 94 Saratow 74.220 1,726.478 972 325 1.297 2'01 Simbirfk 43.474 1,192.510 918 918 Smolenfk 49.037 1,163.594 435 49° Tambow 55.066 2,055.778 542 642 925 1.184 Taurien. 53.727 658.549 250 0'52 250 1.90 0* 90 I I2 1.94 0.68 2.69 I'02 1'90 1.92 I 33 2 45 O'52 Tula . 27.188 1,154.292 219 273 492 0.45 043 0.88 Twer Ufa. 58.703 1,521.577 872 405 I.277 1.81 0.84 2.65 Tfchernigow 46.083. 1,560.378 898 213 I.I II 1.86 0'44 2 30 107.002 1,297.577 2.171 2.171 4° 50 4'50 Wilna. 37.338 973-574 635 270 905 I'32 Witebfk. 39.676 838.046 631 497 1.148 I 35 Wjatka 134.665 2: 347-796 928 928 1'92 Wladimir 42.800 1,239.051 522 453 975 1.08 0.94 0.56 1.88 103 238 1'92 2'02 Wologda 352.860 974.585 3.562 3.562 7* 38 7.38 Wolhynien 63.094 1,643.270 Woronefch 57.898 2,068.998 1.074 749 ΙΟ 33° 1.084 1.129 2'23 O'02 2'25 I'55 079 2° 34 Summa. 4,151.584 63,658.934 36.387 11.877 48.264 75° 39 24'61 100 202 Wilhelm von Lindheim. Tabellarifche Ueberficht des Binnen- Schifffahrt-Verkehres. ( Zahl und Werth der in den Binnenhäfen des europäifchen Rufsland in den Jahren 1866 bis 1868 verladenen Waaren.) Flüffe und Seen Gewicht der Waaren in Pud Werth der Waaren in Rubeln Anmerkung Wolga Nebenflüffe 79,063.362 82,766.625 18,692.809 6,315.244 Summa. 97,756.171 89,081.869 Oka. 11,492.998 5,407.890 Nebenflüffe 18,474-494 9,346.682 Summa. 29,967.483 14,754.572 Kama 18,701.205 10,204.115 Nebenflüffe 12,449.560 14,792.968 Summa. 31,150.765 24,997.083 Summa. 158,874.419 128,833.524 Dwina. 702.667 Nebenflüffe 4,910.410 415.288 4,834.555 Summa. 5,613.077 5,249.843 Don 6,144.990 4,017.647 Nebenflüffe 1,721.686 639.044 Summa. 7,866.676 4,656.091 Dnjepr. 21,670.682 14,354.971 Nebenflüffe 6,912.153 3,343.187 Summa. 28,582.835 17,698.158 Dnjepr. 3,393.051 1,085.144 Wisla nicht angegeben 473.027 400.415 Niemen 2,674.304 945-373 79,227 119.459 Summa. Dwina. Summa. 2,753.531 2,774.037 451.707 3,225.744 1,064.832 1,592.792 Narowa u d Louga. 415.310 116,910.112 Summa für das europäiſche Rufsland Scheksna 328,107.782 2,949.545 Unfcha Sura Wetluga Twerza 2,378.728 191.844 1,784.636 310,362 11,215.648 172,298.953 458.524 238.705 3,777.052 1,937.431 3,946.858 468.638 1,328.149 866.621 Syfteme der Wolga Moskwa 2,384.246 1,296.692 Lufo.. 479.966 430.697 Jug( Süden) 1,270.909 984.025 Choper 1,543.322 545.635 Syfteme der Dwina. Refpa 1,740.127 1,668.291 des Dnjeper "" Mychowez Obfcha Lodofchka 195.251 40.131 1,397.662 112.858 66.217 der Weichsel " " 23 3. Dwina 122.990 Kobonailew Wolchow. 2,867.439 65.001 1,092.518 382.985 Sjäs Pama Mety 13,901.896 296.560 16,334.476 348.800 10, 102.679 1,197.643 Rufsland. 203 kleinfte Navigationsdauer 238 Tage und die gröfste 299 Tage beträgt, dauert in der letzteren die Navigationszeit nur 180, refpective 263 Tage; aufserdem find in letzterer Gruppe die Canäle eine bedeutend längere Zeit mit Eis bedeckt, als die Flüffe, welche fie verbinden, fo dafs der allgemeine Verkehr auf diefen Wafferfyftemen kaum ein halbes Jahr hindurch währt. Die Angaben über den Schiffsbau können nur als annähernd richtige angefehen werden; fie leiden augenfcheinlih an vielen Lücken, find aber infofern von Intereffe, als fie uns eine, wenn auch nur unvollkommene, Vorftellung von Die Verbreitung und Vertheilung des Schiffsbaues in Rufsland gewähren. folgenden Angaben können als Minimum der den Schiffsbau darftellenden Zahlen angefehen werden: - In der fünfjährigen Periode von 1865 bis 1869 wurden 53.618 Fahrzeuge im Werthe von 23,388.571 Rubel gebaut, mithin durchſchnittlich jedes Jahr 10.724 Fahrzeuge im Werthe von 4,677.714 Rubel. Auf die verfchiedenen Wafferfyfteme vertheilen fich diefe Fahrzeuge in folgender Weife: Es wurden gebaut: Syftem des Fahrzeuge Weifsen Meeres 3.455 Rubel 492.744 Percent Fahrzeuge 6.4 Percent Rubel 2.I ንን Caspifchen 36.190 16.619.276 67.7 71.0 Azow'fchen " 2.337 3,083.790 44 13.2 Schwarzen 1.626 839.160 3.0 3.6. 79 Baltifchen ΙΟ ΟΙΟ 99 2,353.601 18.5 IO I Mithin ift der Schiffsbau am meiſten entwickelt im Wafferfyfteme des Caspifchen Meeres, und zwar hauptfächlich längs der Wolga und ihren Nebenflüffen oberhalb der Stadt Nifchnei Nowgorod, in den Gouvernements Nifchnei Nowgorod, Koftroma, Jaroflaw, Twer und Nowgorod; unterhalb Nifchnei Nowgorod findet nur im Gouvernement Kafan und an den Ufern der Kama im Perm'fchen Gouvernement ein bedeutender Schiffsbau ftatt; in den Gouvernements Samara, Saratow und Aftrachan werden faft gar keine Schiffe gebaut. In den anderen Wafferfyftemen verdient nur der Schiffsbau an den Zuflüffen des Ilmenfees im Gouvernement Pfkow erwähnt zu werden. Küften- Schifffahrt. Die allgemeine Bewegung der Küften- Schifffahrt ergab folgende Ziffern: Häfen des europäifchen Rufsland. Schiffe mit Ballaft Anzahl Tonnengehalt Beladene Schiffe Anzahl Tonnengehalt Zufammen Schiffe Tonnengehalt 1865 3.505 117.266 12.268 1870 6.836 253.904 14.945 618.055 1,092.667 I 5.773 21.78 I 735.321 1,346.571 Häfen des afiatifchen Rufsland. Schiffe mit Ballaft 1865 1869 2. 149 2.746 Beladene Schiffe 3.846 3.726 Zufammen 5.995 6.472 Rufslands Handelsflotte. Nach den neueften Nachrichten befitzt Rufsland 185 Seefchiffe im Weifsen Meere, 15 Seefchiffe im Grofsen Ocean, 267 im Caspifchen Meere, 923 im Schwarzen und Azow'fchen Meere; Finnland und die Oftfee haben 1267 Schiffe. Summa 2662 Schiffe.( Siehe die ftatiftifche Ueberficht Seite 206). 204 Wilhelm von Lindheim. See- Schifffahrt. a) Häfen des europäifchen Rufsland. Es liefen ein an Segel- und Dampffchiffen: Südliche Häfen Zufammen mit Ballaft 4.772 5. 237 6.0 58 Gefammtzahl der Schiffe 6.697 9.385 12. 2 14 Häfen der Oftfee Häfen des Weifsen Meeres beladen mit Ballaft beladen mit Ballaft beladen 1860 3.393 I. 795 250 447 I. 282 mit Ballaft 2.530 1865 2.8 10 2.300 369 537 960 1870 4.3 44 1.67 1 346 505 I. 466 2.400 3.88 2 beladen 4.925 4. 148 6.156 Es liefen aus: 1860 4.858 281 961 IO 3.318 396 8.867 1865 1870 4.94 I 176 933 5.42 I 488 870 3. 147 4.536 200 826 9.02 1 10.827 687 421 9.554 9.442 I. 3 14 12. 14 I 455 Tonnengehalt 1,004. 446 I, I I 3. 29 8 I, 748. 60 5 984.853 I, 10 8. 98 2 I, 758. 946 Nach den Nationalitäten waren unter den eingelaufenen Schiffen im Jahre 1870 2994 Engländer, 1464 Ruffen, 1340 Italiener, 1502 Schweden und Norwegen, 812 Holländer, 516 Türken und 3568 von diverfen Flaggen. b) Häfen des afiatifchen Rufsland. Es liefen ein an Segel- und Dampfchiffen: Häfen des Schwarzen Meeres Häfen des Caspifchen Meers, und Hafen von Aftrachan Gefammtzahl Zufammmen der Schiffe Tonnengehalt beladen mit Ballaft beladen mit Ballaft 1860 450 3-33 49 I 68 beladen 94 I mit Ballaft 40 I 1865 830 780 529 124 I. 359 904. 1869 84 1 767 722 102 I. 56 3 869 I. 342 2.263 2.432 59.0 56 84.8 88 136.928 Es liefen aus: 1860 539 22 I 445 152 984 373 1.3 57 59.03 2 1865 I.347 1869 692 377 896 59 1 6 12 82 1451 25 1.9 38 459 2.397 86.20 3 I. 304 I.041 2.345 128.0 4 1 Nach den verfchiedenen Nationalitäten waren unter den eingelaufenen Schiffen im Jahre 1869: 1135 Ruffen, 472 Türken, 59 Perfer und 66 von diverfen Flaggen. Benennung der Häfen Rufsland. Rufslands Beftand an Handelsfahrzeugen. FahrzeugZahl Laftenzahl SegelfchiffDampffchiffSumma Flotte Flotte Fahrzeugzahl Laftenzahl Fahrzeugzahl Laftenzahl Weiſses Meer 185 7.174 5 548 190 7.722 Onega. 26 920 26 - Archangel 159 6.254 5 548 164 920 6.802 Nikolajeff. 15 I5 Nikolajeff. 15 - 15 Caspifches Meer 249 14.618 18 2.752 267 17.370 Aftrachan. 233 13.427 17 2.688 250 16.115 Baku 16 1.191 I 64 17 I.255 Schwarzes und Azow'fches Meer 814 54-795 109 23.790 923 78.585 Poti 13 Redut- Kale 32 1.356 13 277 32 I.356 277 Ozemzirg. 62 I 62 Suchum- Kale. 268 I 268 Nowarofs Elfk 23 135 2 3 212 23 135 3 212 Roftow am Don. 197 12.907 IO I.590 207 14.497 Taganrog. 142 9.865 7 642 149 10.507 Mariampol 58 6.283 58 6.283 Berdjanfk Kertfch Feodofia Sebaftopol Eupatoria Nikolajeff. Odeffa 26 1.462 26 1.462 87 3.780 3 172 90 3.952 4 179 4 456 IO 605 IO 440 179 456 Akerman I I I 156 I 5.397 II.376 2 99 II3 83 20.831 239 605 5.496 32.207 31 I 31 Baltifches Meer. 1.207 143.564 60 ge 4.906 1.267 1.267 148.470 Libau. Windau 32 16 3.227 I 96 33 3.323 Riga I IO 1.169 II.508 I 35 17 1.204 Pernau. Arenburg Dagö Reval Narwa. Kronftadt. St. Petersburg Finnland. 30 2.359 92 9 I.213 123 119 12.721 32 2.482 2 62 8 547 19 2.019 148 23 1.521 - 9 1.248 5 10 262 22 034 8 20 28 62 547 2.167 23 I.521 14 1.510 49 909 5.032 114.872 13 1.087 62 6.119 28 1.942 937 116.814 Summa • 2.455 220.151 207 31.966 2.662 252.147 205 206 " Wilhelm von Lindheim. Nach der Ruffifchen Revue" ftellt fich die Zahl der Schiffe im Detail wie folgt:( Diefe Angaben aber fcheinen nicht ganz graphifch und verdient die vorangehende Zufammenftellung nach den Angaben der Manufactur- Departements mehr Glaubwürdigkeit.) Statiſtik der ruffifchen Handelsflotte. Segel Station sort fchiffe Weifses Meer. a. Hafen von Onega.. b. " 99 Archangel Dampffchiffe Gefammtzahl der Schiffe Zahl der Laften Pferdekraft 25 25 920 159 5 164 6.885 160 Grofser Ocean. Hafen von Hukolajeff. Caspifches Meer. a. Hafen von Aftrachan b. Baku 23 " 9 Schwarzes und Azow'fches Meer. a. Hafen von Poti. 15 15 ? 55° 780 232 16 17 7 249 16.480 520 I 17 I.255 13 b. " 9 99 C. d. e. f. g. " Redut- Kale Ozemzirg 32 13 1.356 2 277 I I 62 , Suchum- Kale I 27 22 I 268 17 Nowarofs 2 99 135 Elfk. 99 3 3 212 Roftow am Don. 29 99 196 IO 206 14.592 482 h. " 9 99 Taganrog 14I 7 148 10.285 30 i. 77 99 Mariampol. 58 58 6.403 k. 7. 99 " 1 Berdjanfk 26 26 1.467 Kertfch. ea " 87 3 90 3.132 215 m. Feodofia 29 وو 4 4 179 - n. 0. p. 9. 27 25 23 99 99 99 Eupatoria Nikolajeff Odeffa 29 39 r. Akkerman Sebaftopol. - 4 4 456 220 IO IO 605 IIO 3 II3 5.574 156 84 240 53.176 5.549 I وو 99 I 31 Offee und Finnifcher Meerbusen. a. Hafen von Libau . b. 97 99 C. 47 d. 99 e. 13 f.. g h. 46 32 33 3.323 Windau 16 17 1.204 60 99 " وو 99 Riga Pernau Arensburg Dagö ° III 9 120 12.718 756 30 2 32 2.502 140 28 2 62 8 547 Reval 99 19 I kal 20 2.107 90 Narwa 23 23 1.521 Vortrag 1.484 163 1.647 148.364 9.002 Rufsland. Station sort Segelfchiffe Dampffchiffe Gefammtzahl der Schiffe Zahl der Laften Pferdekraft Uebertrag 1.484 163 1.647 148.364 9.002 i. Hafen von Kronftadt 9 5 14 1.510 290 k. St. Petersburg 49 13 62 5.723 70 99 29 1. Serdobol 99 " 7 m. Kexholm 99 97 n. 42 Wiborg. 59 0. وو 99 دو r. " 2 " Borgo S. 27 9° Helfingfors. t. Ekenäs. 29 p. Häfen im Gouvernement Wiborg q. Hafen von Lowifa IO2 4 200 7 18 13 Frederikshamm I 32 5720 152 I 6 324 90 I 484 40 105 7.399 345 787 30 200 19 8718 12.133 1.168 1.330 45 2.386 423 3 368 90 u. Häfen im Gouvernement Nyland v. Hafen von Abo. 35 35 I.744 26 5 31 7.099 480 W. 97 17 Nyftadt. x. 99 " 7 Raumo. Björneburg 29 39 39 7.436 30 30 3.954 y. 2. Häfen im Gouvernement Abo 1. Häfen auf den Alandsinfeln 2. Hafen von Chriftinenſtadt II 3 14 3.621 320 130 I IZI 12.968 40 133 133 16.773 3. Kafk- Ö 29 29 4. Nikolaiftadt 27 " 5. 12 " 7 Ny- Karleby 6. ንን " Jakobftadt. 7. 99 وو Gamla- Karleby 8. Häfen im Gouvernement Wafa 9. Hafen von Brahestadt. 183 46 IO. " 9 29 II. 99 27 Uleaborg Tornea. 29 I +3 46 30 12.744 8.081 50 I I 90 80 12. Häfen im Gouvernement Uleaborg I I 30 2.452 209 2.661* 276.217 11487 ** 17 228478202 12 3.032 2 30 204782 531 7.511 92 I.109 5.352 2.003 Das Intereffant ift die Entwicklung der Dampffchifffahrt in Russland. erfte ruffifche Dampffchiff wurde fchon 1813 in St. Petersburg gebaut. Aber lange noch waren es nur wenige Dampffchiffe, welche die Newa und Wolga befuhren. Erft gegen Ende der vierziger und im Anfang der fünfziger Jahre verbreiteten fich die Dampffchiffe auf die meiſten anderen Flüffe; aber nun vermehrten fie fich auch, die übrigen Fahrzeuge verdrängend, in rafcher Progreffion. * Im Jahre 1865 zählte die Handelsflotte nach Kolb 130 Dampfer und 3.578 Segelfchiffe mit zufammen 199.965 Laft. Die Zahl der Segelfchiffe ift hier offenbar zu hoch angegeben. Die Zahl der Matrofen beziffert er pro 1859 mit 10- bis 11.000 Mann. ** Angaben über die Zahl der Pferdekraft haben fich bei allen Dampfern nicht beitreiben laffen. Defshalb ift die obige Zahl weit geringer als die effective Summe der Pferdekraft auf der gefammten Dampferflottille. 14 207 208 Wilhelm von Lindheim. Rufslands Betheiligung an Ausstellungen. Auswärtige Ausstellungen Zahl der ruffifchen Theilnehmer Heimifche Zahl der ruffifchen Ausstellungen Theilnehmer 1862 London 75° 1843 Moskau 794 1867 Paris 1302 1849 St. Petersburg 683 1873 Wien 1514 1853 Moskau 616 1861 St. Petersburg 1003 1870 St. Petersburg 2533 1872 Moskau 3400 Was die Betheiligung an der Wiener Weltausftellung anbelangt, fo repar tirt fich diefelbe auf die einzelnen Gruppen wie folgt: Gruppe I Berg- und Hüttenwefen Rufsland Kaukafus 31 3 وو 2 Land- und Forftwirthschaft 29 3 Chemifche Induftrie 4 Nahrungs- und Genufsmittel 131 147 84 52 162 I 5 Textil- und Bekleidungsinduftrie 6 Leder- und Kautfchukinduftrie 169 38 57 94 7 Metallinduftrie 42 29 8 Holzinduftrie 77 22 4 99 9 Stein-, Thon- und Glaswaaren 28 12 IO Kurzwaareninduftrie 99 13 99 II Papierinduftrie 31 99 12 Graphifche Künfte und gewerbliches Zeichnen 38 3 " 9 1 13 Mafchinenwefen und Transportmittel 49 14 Wiffenfchaftliche Inftrumente 28 دو 15 Mufikalifche Inftrumente IO 4 16 Heereswefen " 27 دو 17 Marinewefen 22 99 18 Bau- und Civil- Ingenieurwefen 26 4 99 19 Bürgerliches Wohnhaus.. I 27 20 Bauernhaus und feine Einrichtung 2 99 21 Nationale Hausinduftrie.. 26 9 وو 22 Darftellung der Wirkfamkeit der Mufeen für Kunftgewerbe. I 99 23 Kirchliche Kunft 99 24 Expofition des amateurs IO 27 25 Bildende Künfte der Gegenwart 153 99 26 Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswefen. Additionelle Ausftellungen 18 7036 a 7 9 3 1197 317 1514 Gegen 1862 hat fich demnach die Zahl der Ausfteller um 1018 Percent, gegen 1867 um 16.2 Percent vermehrt. An den auf der Wiener Weltausftellung zur Vertheilung gelangten 418 Ehrendiplomen participirt Rufsland mit 19 oder 4'54 Percent. Die ruffifche Ausftellungscommiffion beftand aus folgenden Mitgliedern: Ehrenpräfident: Se. kaiferl. Hoheit der Grofsfürft Thronfolger Ale xander Alexandrowitfch; Präfident: Geheimrath und Departementschef Alexander Butowsky; Mitglieder: Generallieutenant Lucas Sokolowfky; Geheimrath Wladimir Rachette, Geheimrath Demetrius Kobeko, Geheimrath Wladimir Kame Rufsland. 209 new, wirklicher Staatsrath Nikolaus Ermakow, wirklicher Staatsrath Peter Demidow, wirklicher Staatsrath Sergius Stfchepkin, wirklicher Staatsrath Peter Iffejew, Staatsrath Alexis von Behr, Staatsrath Jofeph Popow, Staatsrath Nikolaus Solfky. Generalcommiffär der ruffifchen Abtheilung in Wien: Wirklicher Staatsrath Carl von Bielfky. Secretär: Herr Carl Baeckmann. Präfident des im Domänenminifterium inftituirten Special comités: Geheimrath Georg von Peterfon. Präfident der Specialcommiffion des Kriegsminifteriums: Geheimrath Modeftus Kittary. Präfidenten der Hilfscomités: Moskau, wirklicher Staatsrath Victor Butow fki; Riga, Landrath von Hagemeifter; Helsingfors, Director von Bremer; Warfchau, Stadtpräfident a. D. Kafimir Woyda; Kiew, Geheimrath Peter Selezky; Odeffa, Fürft Bafilius Dabija; Tiflis, Generalmajor Michael Aftafiew; Orenburg, Generalmajor Leon Ballufek; Irkutfk, Generallieutenant Sinelnikow. Rufsland hat fich in Wien nicht nur durch die gröfsere Zahl feiner Ausfteller gegen alle früheren Weltausftellungen hervorgethan; auch das ganze Arrangement war ein weit glücklicheres, einheitlicheres und legte gleich dem einzelnen Objecte ein beredtes Zeugnifs ab von den mächtigen Fortfchritten, welche die letzten Jahre in Rufsland auf allen Gebieten menfchlicher Thätigkeit gezeitigt. Ein überrafchendes, originelles Formtalent, das den morgen- und abendländifchen Gefchmack in fich zu vereinigen fcheint, verleiht der gewerblichen Induftrie manchen Vorzug, der vielleicht einftens, wenn die Schranke gefallen, die das ruffifche Reich heute von den Nachbarländern fcheidet, bei der Concurrenz auf dem Weltmarkte von ausfchlaggebender Bedeutung fein wird. Und diefe Schranke wird fallen, mufs fallen! Freilich nicht heute oder morgen, wo die Induftrie des Reiches doch noch nicht genugfam gekräftigt ift, um den ruffifchen Staatsmännern das Experiment einer neuerlichen radicalen Emancipation von Prohibitivfyftem rathfam erfcheinen zu laffen. Die trüben Erfahrungen, welche man in Rufsland mit der Freihandelspolitik gemacht, ftehen eben noch in zu gutem Andenken. Hatte doch bereits Kaifer Alexander I., der feinen Unterricht in der Nationalökonomie von einem eifrigen Verfechter der Allmacht des Handels erhalten hatte, bei Beginn feiner Regierung befchloffen, die ihm zu Theil gewordenen Lehren praktiſch durchzuführen, und das Ergebnifs hievon zeigte fich bald darin, dafs englifche Waaren maffenhaft einftrömten, das ruffifche Geld dagegen aus dem Lande flofs, dafs ferner das Geld entwerthet, die Regierung gelähmt und die Manufacturen zu Grunde gerichtet wurden, worauf das angenommene Syftem vielleicht in zu rigorofer Weife wieder abgeändert wurde. Eines fchickt fich eben nicht für Alle, und was für Länder, wie Oefterreich, Frankreich, England, Deutfchland, eine Verfündigung an der ökonomifchen Wohlfahrt der Menfchheit wäre, wird heute für Rufsland zu einer Nothwendigkeit, vor welcher fich vorläufig auch der eifrigfte Freihändler beugen dürfte. Wir erinnern an das treffende Bild eines neueren Nationalökonomen, der ein Gemeinwefen, deffen induftrielle Entwicklung erft noch durchzuführen ift und das trotzdem fchon die Freihandelsdoctrin adoptirt, mit jenem Schiffe aus Taufend und eine Nacht vergleicht, welches die Strömung fo nahe an einen Magnetfelfen treibt, dafs alles Eifenwerk angezogen wird und das Schiff in Trümmer fällt. Die Manufacturen eines Landes find hier für die fociale Mafchine dasfelbe, was das Eifenwerk für das Schiff ift. Die ftillfchweigende Anerkennung diefer vorläufigen Nothwendigkeit fchliefst indeffen in keiner Weife die Billigung jener zahlreichen überflüffigen Zollmanipulationen ein, welche den Grenzverkehr ebenfo empfindlich hemmen, wie, was fpeciell Oefterreich betrifft, die merkwürdige Tarifpolitik einiger heimifcher Eifenbahnen. Diefs find die beiden Punkte, an denen ein handelspolitifcher Archimedes zu allfeitigem Nutz und Frommen 14* 210 Wilhelm von Lindheim. Rufsland. den Hebel einzufetzen hätte; diefs find die längft erkannten Schäden, deren rationelle Heilung den internationalen Verkehr unzweifelhaft mehr fördern würde, als jene motivirte aber ohnmächtige Agitation, welche auf Rufslands Eintritt in die Reihe der Freihandelsftaaten abzielt. Man mufs fich mit dem Erreichbaren und mit der Zuverficht begnügen, dafs die Frucht, wenn fie auch langfam reift, doch immerhin reift; denn in demfelben Mafse als Rufslands Induftrie erftarkt und fich ausbreitet, in demfelben Mafse als Rufslands natürliche Production an der Sättigung der Menfchen theilnimmt und das hiedurch ins Land gezogene Capital die heimifchen Bedürfniffe potenzirt, in demfelben Mafse endlich als der göttliche, unverlöfchliche Funke des Prometheus das ruffifche Volk durchdringt und es gleiche Bahnen wandeln läfst wie die wefteuropäiſchen Nationen wenn in demfelben Mafse Alles gefchehen und erreicht fein wird, wird fich diefes grofse Reich dem Welthandel ganz von felbft erfchliefsen. Ein ruffifches Sprichwort fagt: Man empfängt den Mann nach feinem Rocke und entläfst ihn nach feinem Herzen. Rufsland hat mit feinem ftattlichen Kleide auf der Wiener Weltausftellung fich Freunde und warme Bewunderer erweckt. Die vorliegende Studie hat den Herzfchlag diefes Reiches zu belaufchen fich beftrebt, und der Verfaffer ift der warmen Ueberzeugung, dafs wie auf Individuen, fo auch auf Länder und Völker der fchöne Gedanke Anwendung findet: Vor den Eigenfchaften, Vorzügen und Talenten eines Anderen gibt es kein- beffer Rettungsmittel denn die Liebe! - Länge Einnahme Vergleichende Ueberficht des Verkehres und der finanziellen Verhältniffe der ruffifchen Eiſenbahnen. Bewegung und Einnahme vom 1. Januar bis 1. September 1873( 8 Monate) Gefellſchafts- Capital Guthaben des Staates der Poftnummer per Werft im Name der Bahn Linie Frachtenin Jahre 1872 Werft Zahl der Reifenden Einnahme. verkehr in Pud Actien Staatliche Garantie Obligationen in Rubeln Rubel Kop. für Garantie und Confolidationen bis zum Jahre 1874 Dauer der Conceffion für Subvention Voranfchlag der für das Jahr 1874 zu leiftenden Garantie Poftnummer Bemerkungen I Zarfkoje Selo. 25 15.864 24 2 Warfchau- Wien 325 10.952.81 3 Nikolaibahn 604 27.767.39 4 St. Petersburg- Warfchau 1.207 7.286.75 5 Moskau- Nifchnei- Nowgorod 410 16.629-01 6 Baltifchport 461 3.410.29 7 Riga- Dinaburg 214 7.644° 33 8 Wolga- Don 73 7.050.94 9 Moskau- Rjäfan 243 20.765.51 703.137 865.844 1,057.222 1,100.745 761 870 1,127.974 322.191 15.078 667.247 368.613 50,102.977 76,062.544 43.437.005 39,822.044 318.411.89 2,707.524 93 11,850.835.63 5,947.925.67 1,050.000 12,500.000 307.971 II, 325.000 1) Confol.144,737.500 M. Garant. 75,000.000 M. Garant. 37,359.625 M. 4,631.967.63 9.507.473 16.831.544 8,480.852 1,358.395 54 Garant. 26,390.000 M. 1,327.640.00 99 10,200.000 4.500.000 M. 5,956.000 M. 896.473 459.000 IO Moskau Jaroflaw 271 8.085.04 790.685 41,017.308 20,148 799 380.001 91 3.424.227.10 4,800 000 " Garantirte Hälfte 10,000.000 " 1,558.641-49 4,307.881 M. 5,000.000 M. 12,000.000 M. 288.000 607.700 615.600 M. 6,039.301 M. 5,419.385 M. 5,545.118 M. 50,552.491 3,810.237 M. 2,629.967 281.534 3,637.356 unbeftimmt 28. IX. 1857 bis 28. IX. 1932 3,745.003 1) 17,840.852 1. VIII. 1868 bis 1. VIII. 1952 56,681.700 I Die Bahn zahlt dem Staate jährlich 250.000 Rub. 2 99 " 99 99 99 27 7,200.000 وو 1,650.000 414.209 1. XI. 1861 bis 1. XI. 1936 I. I. 1865 bis 1. I. 1902 I. XI. 1862 bis I. XI. 1952 1,947.387 853.805 24. XI. 1870 bis 24. XI. 1955 297.801 265.448 5 3 1) Laut des Vertrages von Alaynens. Zur Vollendung des Baues beftimmtes Darlehen. 6 Mit der Eifenbahn nach Peterhof. 2) 192.227 II Warfchau- Bromberg. 138 6.399.94 242.579 12 Woronefch- Roftow 604 3.195.75 401.986 13 Odeffa 971 7.787.49 14 Lodz. 26 4.832-39 16 56 15 Dünaburg- Witebsk 244 7.787.00 894.689 88.826 233.034 Rjäfan- Koflow 198 19.666-89 238.514 17 Warfchau- Terespol- Breft 199 5.328.17 236.233 18 Rjäfk- Morfchanfk( im Bau bis Siezran) 121 * 3.564 32 -69.252 II, 437.423 16,014.111 39,998.958 4.329.452 19,982.693 34,466.473 8,100.142 6,236.371 609.371 68 Garant. 1,607.368.47 6,201.000 -- 279.450 1,979.912 4) 5,474.960.29 14.583.500 3,021.200 15,543.500 Confol. 14,869.500. Confol. 23.609.250 M. 21. VII. 1862 bis 21. VII. 1942 3) 3,000.000 640.620 18. VIII. 1862 bis 29. V. 1943 1. I. 1863 bis 1. I. 1938 28. XI. 1871 bis 28. XI. 1952 22. XII. 1872 bis 22.XII. 1953 9 - IO 214.497 II I2 Für die Dauer von 28 Jahren. 3) Darlehen für die Anlage eines zweiten Geleifes. 4) Betrag, welcher für die Grucheska- Bahn bebewilligt worden. - Der Bau dauert fort. " 47,445.000 13 79.928.71 Garant. 1,639.571.00 2,546.444 05 " 1,274.000 16,250.000 M. 27 933.724.16 27 317.866.13 19 Moskau- Kurfk 502 15.664.20 991.139 37,037.012 5,052.186.51 20 Koflow- Woronefch 167 6.520.75 195.329 21 Orel- Grjäfi. 283 4.765.65 22 Orel- Witebfk 488 6.685.81 157.355 269.664 23 Schuja- Iwanowo 171 24 25 26 27 4 35 Kurfk- Kiew 439 2.955 14 7,577.74 148.177 289.693 9,999.676 1,001.223.58 14,799.755 32.177.338 2,829.019 93 Garant. ( Garant. 8,561.906 355.879.41 II, 778.755 2,205.582 84 Garant. 657.267 49 Garant. ( Garant. 5,614.800 15,729.000 7,495.000 3,021 500 3,493.900 9.375.000 M. 1,877.310 1,500.000 9.375.006 M. 4,890.625 M. Garant. 10,074.627 M. 5,200.000 M. 5,000.000 M. Garant. 2,396.800( Garant. 4.723.600 Confol. 16,844.400 Confol. 41,704.000 " 63.700 826.043 M. 763.227 M. 526.802 356.945 M. - 99 Riga Mitau( Mitau Mojeiki eröffnet October pr. 88 W., daher jetzt 127 W.) 39 5.076.93 Kurfk- Charkow- Azow'fches Meer 763 7.091 29 207.905 583.512 1,955.119 20,421.273 141.425.56 3,448.125.64 " 29 Charkow- Nikolajew( Charkow- Krementfchug- Snamentka- Nicolajew 559 W.) 379 5.064.85 354.806 28 Grjäfi- Zarizyn 625 2.605.21 121.208 29 Koflow- Tambow 68 7.125.80 109.818 30 Nowotorfchok 32 2.403 40 31 Rybinfk- Balogoje 280 6.502.64 32 Tambow- Saratow 353 3.932.70 33 Kiew- Breft- Berditfchew 713 6.921.62 34 Moskau- Breft. 1.023 3.66019 41.806 147.912 171.782 436.782 649.751 35 Rjäfk- Wiasma( ImBau begriffen) 597 Werft 43 1.517.82 36 Livny 57 2.329.57 333 Nowgorod. 68 2.048.26 Poti- Tiflis 289 3.845.09 27.326 22.733 84.667 204.063 II, 940.653 12,134.372 10,758.716 1,571.859 21,419.445 14.339.951 13,253.991 34.123.818 -5,002.462 3,108.715 969.182 3,378.084 1,557.245 12 1,156.591 57 360.462.24 50.284.99 1,568.016-74 1,036.460.04 2.006.118.22 3,256.253.33 II, 000.000 Garant. Ziemftwo Garant. 4,220.220 M. ( Garant. I. 4,834.125 M. II. 9,027.000 M. Garant. 28,125.000 M. Confol. 5,888.397 18,750.000 ( Garant. 1,152.000 M. 1,500.000 M. Confol. 2,992.200 M. 12,271.000 M. Garant. 38,913.000 M. ( Confol. 16,398.720 12,608.280 63.245 860.994 M. 1,906.250 M. 3,006.979 2,971.015 418.911 2,219.950 4,739.440 242.014 M. 1,429.687 M. 314.786 5. X. 1866 bis 5. X. 1953 5,135.9155) 3,887.350 6) 4,000.000 5. IX. 1866 bis 5. IX. 1947 6. IX. 1867 bis 6. IX. 1942 2. XII. 1857 bis 2. XII. 1952 I. VIII. 1871 bis 1. VIII. 1953 I. II. 1868 bis 1. II. 1949 30.VIII.1868 bis 30. VIII.1949 11,163.6017) 3,000.000 24. XI. 1868 bis 24. XI. 1953 872.406 I. I. 1871 bis I. I. 1952 300.689 17. XII. 1868 bis 17. XII. 1953 194.771 20. VI. 1866 bis 20. VI. 1941 45.072 14 241.338 17 406.122 18 545.595 155) Zur Vermehrung des rollenden Materiales. 166) Darlehen für Anlage eines zweiten Geleifes. Staatsbahn von Breft bis Terespol. Im Bau begriffen. - 19 232.856 20 955.388 21 1,214.862 22 7) Zur Vermehrung des rollenden Materiales. 143.902 23 24 25 134.810 M. 2,637.369 M. 606.357 II, 259.550 546.975 M. 1,075.094 Confol. 18,780.498 8) 1,314.779 24,690.652 3,596.000 1,760.800 12,500.000 Garant. Ziemftwo Confol. 2,000.000 3,309.800 10,667.655 15. VI. 1871 bis 15. VI. 1952 1,050.685 25. VII. 1871 bis 25. VII. 1952 462.600 22.XII.1869 bis 22.XII.1954 514.604 325.449 21. XI. 1868 bis 21. XI. 1953 6. VII. 1869 bis 6. VII. 1954 3,390.513 26 27. Mit der Zweigbahn Riga- Mofchaifk in der Länge von 92 Werft. 28 8) In Folge der Garantie der Siemftwo. 29 30 31 7,573.326 M. 15,216.750 Confol. 20,160.190 M. " II, 799.250 M. 85.212 82 Garant. 7,006.900 M. Confol. 100.961.18 105.517.54 726 467.36 30,433.500 ( Garant. 15,866.860 Confol. 19,530.000 28,577.800 M. der 11) 809.222 M. 287.777 1,786.8719) 2.103.096 10) 3,054.235 824.123 597.476 30. V. 1870 bis 30. V. 1951 4. VI. 1870 bis 4. VI. 1955 4. VII. 1871 bis 4. VII. 1956 I. III. 1873 bis I. III. 1954 19. VIII.1870 bis 19. VIII.1951 8. XII. 1870 bis 8. XII. 1951 329) In Folge der Garantie der Siemftwo. 33 10) Darlehen zur Vollendung des Baues. 916.301 34 78.782 35 11) Eine Frift von 15 Jahren. Regieru ng gehörig 36 Staatsbahn. 1,953.000 Garantirte Hälfte 7,060.000 - - Confol. 13,590.900 900.150 M. NB. Libau( incl. Kalkuhnen- Radziwilifchek 480 Werft) 294 40 Jaroflaw- Wologda 191 98131 1.269.72 108.408 96.341 4I Conftantinow 85 1.202.98 20.021 42 Riga- Bolderaa 18 43 Landworawo- Romny( jetzt eröffnet) ( 706) 44 Breft Grajewo. 199 242.643 105.138 21.089 3,532.313 1,029.598 1,928.605 207.980 3,892.612 363.588 293.962.11 176.940 37 48.711.92 44.492 14 269.412.58 30.839-16 4,950.000 " 14,500.000 - 4,400.000 588.645 615.600 M. وو 13) 5,355.000 18. V. 1871 bis 18. V. 1952 21. VIII.1871 bis 21. VIII. 1952 4. IX. 1871 bis 4. IX. 1952 20. VI. 1871 bis 29. V. 1943 21. III. 1872 21. III. 1953 - 37 - 38 NB. Die Nachweiſe fehlen. 164.586 39 40 41 1,032.000 M. 7,116.703 M. 13,353.000 M. 3,096.000 99 21,350.109 M. 45 Lofowo- Sewaftopol( jetzt eröffnet) ( 568) Garant. 46 Wladikawkaz- Roftow w. i. Herbft eröffnet Summa exclufive 43, 45, 46. " 15.177 7.865.71 15,626.174 726,031.560 75.279.466.67 8,167.500 M. Confol. 24,502.500 20,416.200 6,805.400 M. 450.666.803 764,369.956 416.542 M. 1. I. 1873 I. I. 1954 für die Dauer von 81. Jahren 28. XII.1873 bis 28. XII.1954 für die Dauer von 81 Jahren - 42 18) Drei Viertheile find confolidirt. 43 44 Im Bau begriffen. für die Dauer von 81 Jahren 445 45 46 " 9 ca. 37,347.620 Hiezu Finnland, St.Petersburg, Helfingfors Rihimake- Tavaſthaus. 413 33 15.623 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. RUMÄNIEN. BERICHT VON BARON ERNST HAAN. BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. BELICHI VORWORT. Die gefertigte Redaction übergibt auch jene Theile des officiellen Berichtes, welche nach dem Programm der Berichterftattung den ,, zweiten Theil des Ausftellungsberichtes" bilden follen, der Oeffentlichkeit, um den Befuchern der Ausstellung wie mit den einzelnen Berichten über die 26 Gruppen, auch mit diefen Gefammtdarftellungen der orientalifchen Staaten und Völker das Studium der Ausftellung zu erleichtern. Nach dem Schluffe der Ausftellung werden alle diefe freien Hefte in einer neuen Auflage herausgegeben werden, in welcher für den erften Band die Ordnung der 26 Gruppen, für den zweiten Band die geographifche Lage der Staaten zu Grunde gelegt werden foll. Nur mitdiefer Organiſation des Druckes und Verlages des officiellen Berichtes fchien es der gefertigten Redaction möglich zu erreichen, was die Generaldirection im Sinne hatte, als fie in dem Programme der officiellen Berichterstattung erklärte,„, den ganzen Werth eines folch' grofsen und umfaffenden Werkes dem Publicum zugänglich zu machen und vollkommen auszunützen". PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. RUMÄNIEN. Bericht von BARON ERNST HAAN. Rumänien, welches die beiden früheren Fürftenthümer Moldau und Walachei und einen kleinen Theil Befsarabiens in fich fafst, ift zwifchen Oefterreich- Ungarn, Rufsland, den türkifchen Provinzen Bulgarien und Dobrudfcha und dem Fürften thume Serbien gelegen. Die Moldau bildet den Aufsenwall und das Glacis des öftlichen Theiles der fiebenbürgifchen und ungarifchen Karpathen, umfafst das ganze Flufsthal des Sereth und die Hälfte von dem Thal des Pruth bis Cotu- Mori, von wo aus gegen abwärts auch das andere Ufer ihr zufällt und gegen die ruffifche Steppe nur vage Grenzen exiftiren. Sowie die Moldau, ift auch die Walachei als Aufsenwall und Glacis der Karpathen, und zwar der füdlichen fiebenbürgifchen Karpathen geformt, und wie in der Moldau der Pruth die öftliche, fo bildet hier die Donau die füdliche Grenze gegen Aufsen, fo dafs die ganze Walachei die linke Hälfte des Donauthales von Turn- Severin bis Vadeni einnimmt. Seit dem Krimkriege gehört auch der Diſtrict von Bolgrad zu Rumänien, wodurch es an das fchwarze Meer grenzt. Die Gefammtausdehnung beträgt 12,149.036 Hektaren. Nach der natürlichen Bodenformation unterfcheidet man: In der Walachei: Die kleine Walachei, von Vercierova bis zum Fluffe Aluta( Oltu); Die grofse Walachei, vom Oltu bis zum Fluffe Milcov; In der Moldau: Das Oberland, zwifchen den Karpathen und dem Sereth; Die Ebene zwifchen dem Pruth und Sereth; wozu noch der Theil Befsarabiens zwifchen dem Pruth und dem fchwarzen Meere kommt. Das ganze Land ift in 32 politifche Bezirke getheilt, von welchen 13 im Gebirge und 19 in der Ebene liegen. Es find folgende: Mehedintze, Gordju, Valcea, Ardgefch, Muftfchel, Dimbovitza, Prahova, Buzeo, Rimnik- Sarat, Putna, Bakau, Neamtzu, Suczava im Gebirge; RomanBotufchan, Dorohoïu, Jaffy, Vasluiu, Tutova, Belgrad, Kahul, Faltfchi, Tekutfch, Ismail, Covurlui, Braila, Jalomitza, Ilfove, Vlafchka, Teleorman, Olt, Romanatz, Dolju in der Ebene. Das Klima Rumäniens ift, nach der Lage der einzelnen Diftricte fehr verfchieden. Die Karpathenthäler find gefchützt, allein die füdlichen und öftlichen 2 Ernft Haan. Landestheile ftehen gegen das fchwarze Meer offen und find daher heftigen Stürmen und Gewittern ausgefetzt. Die Kälte fällt im Winter bis 12 Grad, die Hitze fteigt im Sommer bis 29 Grad Reaumur. Der Hauptflufs des Landes ift die Donau mit den Nebenflüffen: Aluta( Oltu) mit den Nebenflüffen Oltetz und Cetna, 99 " " Amaradia- Gilortu, mit dem Nebenfluffe Teleorman, Jiul Vedea Ardgefch 99 Jalomitza Sereth 99 " Pruth 29 Dimbovitza, Prahova, 99 mit den Nebenflüffen Suciava, Moldava, Biftritza, Tortufch, 29 99 " 9 Berlad, Putna, Milcov, Rimnik, Sarat, Buzeo, Jija und Bachlui. Es gibt im Lande, namentlich an der Donau zahlreiche Seen. Die Haupt- Verkehrswege Rumäniens, welche meift in die Karpath enthäler führen, werden bei Besprechung der Verkehrsftrafsen angeführt werden. Bevölkerung. Die Bevölkerung Rumäniens befteht zum gröfsten Theile aus Rumänen, welche bekanntlich ihre Abftammung von den römifchen Colonien in Dacien ableiten, aber jedenfalls mit flavifchen und griechifchen Elementen fehr vermifcht find. Aufserdem leben viele Fremde im Lande. Nehmen wir die Gefammtzahl der Einwohner auf 5 Millionen an, fo zerfallen fie in 3 Millionen weiblichen und 2 Millionen männlichen Gefchlechtes; eine Million find Familienhäupter, 4 Millionen Familienglieder; von den Familienhäuptern find 800.000 verheiratet, 120.000 unverheiratet und 80.000 Witwer. Rumänien hat 69 ftädtiſche Gemeinden( Städte und Märkte), deren wichtigſte find: Bukareft Yaffy Galacz mit. " 9 وو Botufchan Plojefchti 29 Braila Berlad وو وو Crajova 99 • Ismaila " Giurgevo وو Petra 99 Fokfchan 99 0 221.805 Einwohnern, . 90.000 99 . 80.000 29 9 39.941 32.335 " 99 . 28.272 99 26.568 22.764 " 9 99 21.000 • 99 20.868 99 20.000 99 • 19.000 29 u. f. f. Landgemeinden gibt es 3020. Nach der Nationalität zerfallen die Bewohner Rumäniens( im Jahre 1867 nach Aureliano) in Oefterreicher. • 28.136 Seelen وو وو Griechen Preufsen. 99 99 Engländer • Ruffen Türken " 9 Franzofen 9.545 " . 3.658 45 2.823 2.706 " 99 • 2.63 1 " وو I. 142 " 46 Italiener. 22 Andere Rumänen 167 569 وو 99 " 9 4.373.534 "" Unter den Rumänen find: Ifraeliten Slaven Rumänien. Magyaren Zigeuner Zufammen 247.034* 90.000 50.000 300.000 687.000. 3 In Hinficht der Religion fcheiden fich die Bewohner des Landes( nach Frundescu 1872) in und gegen 4,230.000 Bekenner der griechifch- orientalifchen Religion, 10.500 Lipovener, 9.000 Armenier, 200.000 Katholiken, 50.000 Proteftanten, 400.000 Ifraeliten, I. 500 Mohamedaner 100.000 unbeftimmter Confeffion. Nach der Befchäftigung gibt es: 700.000 Ackerbauer- Familien( 3 Millionen Seelen), 60.000 Handwerker- Familien, 32.000 Kaufleute24.000 Gehilfen23.000 Beamten99 " وو 6.500 Profefforen und Lehrer, 450 Advocaten, 300 Aerzte, 170 Chirurgen, 250 Hebammen, 100 Apotheker, 2.200 Künftler, 9.800 Weltgeiftliche, 8.750 Mönche und Nonnen, 120.000 anders Befchäftigte. Ein nicht unbedeutender Theil der Bevölkerung gehört auch der ftehenden Armee an, welche gegen 30.000 Mann beträgt und durch die Landesmiliz( Dorobanzen) in der Stärke von 95.000 Mann ergänzt wird. Frachtbeziehungen. Die Haupt- Verkehrsader des Landes ift die Donau, welche von Vercierova bis Kilia eine Länge von 136 deutfchen Meilen hat. Der gröfste Theil der Ein- und Ausfuhr des Landes wird durch diefelbe vermittelt, aufserdem aber auch im Localverkehre, namentlich Getreide auf kleinen Schiffen nach Galacz und Ibraïla gebracht, um von dort auf die nach England, Frankreich, Italien, Rufsland gehenden Dampfer verladen zu werden. Die k. k. privilegirte Donau- Dampffchifffahrt- Gefellfchaft beherrscht mit ihrem grofsartigen Materiale die Donau;** aufserdem gibt es noch Privatdampfer, welche den Cerealienverkehr von Calafat bis Galacz und Sulina durch Remorquiren von Schleppern und Barken unterſtützen. * In diefer Zahl find die öfterreichifchen Ifraeliten inbegriffen. ** K. Th. Richter: Oefterreichifche Pionniere. Berlin, Herbig 1873. 4 Ernst Haan. Bis Galacz und Ibraïla verkehren auch die Seedampfer der verfchiedenen Schifffahrt- Compagnien. Die Flufsdampfer fahren auch auf dem Pruth bis Jaffy- Sculeni. Der Pruth, der zweitgröfste Flufs Rumäniens, wird auch noch zum Verfchiffen von Getreide mittelft Barken benützt. Der dritte Hauptflufs Rumäniens ift der Sereth, welcher aber fich bisher nur zum Flöffen eignet; fchon jetzt beträgt der Werth des jährlich auf demfelben verflöfsten Holzes über I Million Gulden öfterreichiſcher Währung. Im Jahre 1872 wurde bezüglich der Schiffbarmachung des Jiul-( Schyl-) Flufses eine Conceffion ertheilt, der zufolge innerhalb 4 Jahren derfelbe von Beket bis zur Mündung der Fasmania fchiffbar zu machen ift. Als das wichtigſte Transportmittel der Zukunft mufs auch in Rumänien die Eifenbahn angeführt werden. Rumänien befitzt folgende Bahnen: Die Bahn von Suczava- Burdujeni, an der Grenze der Bukovina, bis Roman, ( Jaffy- Lemberger Bahngefellſchaft) mit den Zweigbahnen: Liteni- Botufchan, Pafchkani- Jaffy( 224 Kilometer) und die Bahn von Roman nach Bacau, Tekutfch, Galacz, Braila, Buzen, Plojefchti, Bukareft, Piteſti mit den Zweigbahnen Tekutfch- Berlad. ( Actiengeſellſchaft der rumänifchen Bahnen). Diefe Bahn, welche von Pitefti nach Slatina- Crajova- Severin- Vercierova noch im Baue ift, umfasst fchon jetzt 464 Kilometer und wird nach ihrer Vollendung eine Länge von 919 Kilometer haben. Ueber den Verkehr auf diefen beiden Bahnen liegen folgende Daten vor: Reifende Waaren. Einnahmen I. Semefter 1873 Lemberg- Jaffy- Bahn: I14.024. 56,917.613 m. Tonnen. 1,297.855 Francs. Rumänifche Bahn( Actiengefellſchaft): Reifende Waaren Einnahmen 289.802. .150,608.358 m. Tonnen. 3,545.942 Francs. Conceffionirt ift noch eine Bahn von Terguveft nach Perifu( Station der Bukareft- Ployefter Bahn) an D. Mounier und die Strecke Jaffy- Pruth. Die kurze Bahnftrecke Bukareft- Giurgevo ift rumänifche Staatsbahn. and Sowie aber die Hauptflüffe noch die Regulirung der Zuflüffe erwarten, fo bedarf die Eifenbahn, um ihren vollen Einfluss auf den Auffchwung des Verkehres auszuüben, einer Verbefferung der Landwege. Diefe letzteren befinden fich noch in einem fehr vernachläffigten Zuftande und werden mittelft der äufserft primitiven Laftwagen ohne Eifenreifen an den Rädern befahren. Hinfichtlich der Bahnen ift die wichtige Frage der Anfchlüffe fremden Bahnen an der Tagesordnung der Discuffion. an die Eine der bedeutendften Verkehrsbeziehungen Rumäniens befteht in dem Verkehre von Braila, Galacz, Ismail nach dem fchwarzen Meere. Diefe Plätze können fchon jetzt als Hafen des fchwarzen Meeres betrachtet werden. Sehr folgenreich wäre die projectirte Errichtung eines Hafens am KiliaArme und deffen Eifenbahn- Verbindung mit Galacz, ein Plan, der feiner Ausführung entgegenreift. Schliesslich fei noch der Hauptftrafsen erwähnt, nämlich: Tfchernetz- Calafat; Calafat- Krajova. Krajova- Jiul in der Fortsetzung über den Vulcanpafs. Rumänien. 5 Islatfch- Caracal- Rimnik in der Fortfetzung über den Rothenthurm- Pafs. Slatina- Rofch de Verde- Turnu Magurelli. Pitefchti- Argefch- Campulung( in der Fortfetzung über den Branpafs). Plojefti- Campina( in der Fortfetzung über den Tömöfcher Pafs). Plojefti- Uizeni( in der Fortfetzung über den Bodzapafs). Fokfchan- Adjud( in der Fortfetzung über den Oitozpafs). Bakau und Komanefti- Adjud( in der Fortfetzung über den Gymefer Pafs). Bakau- Piatra( in der Fortfetzung über den Bekas- und Tölgyespafs). Sereth( Bukowina) Botufchan- Jaffy. Folticzeni- Roman- Jaffy und RomanBacau- Tekutfch- Galacz( an der Bahn). In der Richtung nach Kiffenef( Befsarabien): Bakau- Hufchi. Jaffy- Hufchi. GalaczReniLevov. IsmailReniIsmail( Bolgrad und gegen Akermann. Bukareft- Ozreda- Braila- Galacz. Frachtfätze. Die Tarife der Eifenbahnen und der Donau- Dampffchifffahrt- Geſellſchaft find allgemein zugänglich, und es erübrigt hier nur zu bemerken, dafs fie für den Manufacturwaaren- Verkehr zu hoch find, fo dafs z. B. Schweizerwaaren auf dem Seewege nach der Moldau importirt werden. Für die Seefrachten ift London mafsgebend, in zweiter Linie Marſeille und endlich Trieft. Durchfchnittsfrachten im Jahre 1872. Für Segelfchiffe nach England per Quarter 5-9 fc. 5 d. nach Marſeille per Charge 3-4 Frcs. nach Trieft per Staja Für Dampfer 25 42 kr. ö. W. nach England per Quarter 5 fc. 6 d. nach Marſeille nach Trieft , 17 22 4 ,, 3 d. 4 ,, 10 d. 9 fc. 7 fc. 6 d. 6 fc. 9 d. Frachten im Innern. Auf dem Pruth von Germanefti nach Galacz per Kilo( Galater) Getreide 12 Ducaten. Von Galacz nach Germanefti per 100 Oka diverfe 10 Galaczer Piafter. Von Galacz nach Jaffy zu Land per 100 Oka 12 Ducaten; im Herbfte oft 3-4 Rubel. Mafse, Münzen, Gewichte. Zur Bemeffung der Bodenfläche und für die öffentlichen Bauten ift das Metermafs eingeführt. Im Verkehre kommen aber nachfolgende Maſse vor: 6 Ernft Haani. I Stindjin - 2'23 Meter I Palma I Palmac _ 9.278 0.034 11 I. Längenmafse in der Moldau in der Walachei 1.96 Meter 0.24 29 I Degìtu I Liniá = 0.002 19 0.02 O'102 " 1 I Cotul _ I Rup I Grol - = 0.637 0.079 0.039 19 0.664 0.08 0.041 27 in der Moldau II. Flächenmafse I Falce= 143 2195 Ares( oder 21.9520 Meter I Pogon= I Stindjin - 4'9729 Ares in der Walachei 50 1179 Ares( oder 1179 Meter) 3.867 Ares. III. Hohlmafse in der Moldau in der Walachei I Vedra I Oka I Liter I Dramm I Kilo = 15'2 Liter 152 0.38 0.038, 430 I Banitza- 21.5 99 12.88 Liter 1.28 0.32 0.032 679 268( der kleine Kilo 339 634 Liter.) 33.963 Liter. = Anmerkung. Der Brailaer Kilo ift 2 walachifchen Kilo im Verkehre und 2 walachifche Kilo= 3 moldau'fchen; 20 Banitza 400 Oka= I walachi fcher Kilo. _ IV. Kubifche Mafse. in der Moldau I Stindjin = I Palma I Palmac I Digit I Linia = II 08957 Kubikmeter 1.38619 in der Walachei 7.60469 Kubikmeter 0.95058 - 0173274 72 - 0.01444 0.095059 0.009506 11 in der Moldau I Oka I Liter - I Dramm - I 291 0.32275 0.00323 Kilogramm 22 و, V. Gewichte. in der Walachei 127186 Kilogramm 0.31797 0.00318 Bis zum Jahre 1868 curfirten im Lande nur fremde, hauptfächlich öfterreichifche, ruffifche und türkifche, in letzterer Zeit auch franzöfifche Münzen mit fchwankendem Curs. Rumänien. 7 Seit 1868 aber hat die rumänifche Regierung eigene Münzen nach dem Frankenfyftem in den Verkehr gebracht. Die 1 Francftücke heifsen Leu nou, die Centimes Bani. Der Leu wiegt 5 Gr., davon find 835 Theile Silber und 165 Theile Legirung. Der Piafter( eine Rechnungsmünze) ift= 37 Centimes. Die rumänifche Währung hat aber die fremden Münzen noch nicht verdrängt, obfchon diefelben jedes Vierteljahr durch Decrete der Regierung herabgefſetzt werden. Nach dem letzten Decrete derfelben werden die fremden Münzen zu den folgenden Curfen bei den zollämtlichen Operationen angenommen: I Franc I öfterreichifcher Gulden I baieriſcher Gulden I holländifcher Gulden I Rubel.. I türkifcher Leu. I Thaler. I Currentthaler I Bankmark I Drachme ° I Pfund Sterling I Golddollar I Dollar. • ° • I öfterreichiſch- ungarifcher Ducaten I Zwanziger I türkifcher Ikofar ° • Die befonderen Mafse find: وو I Leu nou 2 60 Bani 0 99 2 ° 99 15 29 15 22 331 و, وو وو 59 - وو 2 " 97 4 ,, 22 - 23 ,, 1° 19 5° 21 ,, 75 99 90 84 99 a 25 11 25 97 • 5 25 99 . " 5 55 - II 4 99 وو وو 29 23 18 وو وو وو 99 17 75 21 84 44 92 وو وو وو für das Feld: die Falce in der Moldau, der Pogon in der Walachei, für Holz der Stindjin, für Flüffigkeiten: die Vedra und Oka, für Cerealien: Kilo und Banitza, für Stoffe: Cotu und Rup, für Salz etc.: Oka. و, Urproduction. Die Landwirthfchaft Rumäniens beruht auf der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens. Alle künftlichen Mittel, fie zu heben, als: Düngung, Bewäfferung, werden ganz aufser Acht gelaffen. Es findet zwar im Allgemeinen der dreijährige Fruchtwechfel( Getreide, Mais, Brache) ftatt, doch gibt es viele Aecker, wo durch Jahre, ohne Unterfchied, verfchiedene Getreidearten cultivirt werden. Die Cultur ift daher weniger intenfiv als extenfiv. - Die Ackerbau- Geräthe find meiftens noch fehr unbeholfen und diefelben, doch find fchon manche eurowelche vor taufend Jahren angewendet wurden, päifche Pflüge, Säemaſchinen und Drefchmaſchinen eingeführt worden.( Die Häufer Ranfome Sims& Head, Rufton Proctor& Comp. und Clayton Shuttleworth & Lincoln haben Niederlagen ihrer Maſchinen im Lande). Die Arbeitsfähigkeit des rumänifchen Bauers ift nicht fo grofs wie die anderer Länder. Seine Nahrung befteht aus Gemüfen und Milch und Mamaliga ( Polenta); Fleiſch geniefst er nur an Feiertagen; er trinkt Weinmoft und Branntwein. Zur Hebung des Ackerbaues beftehen eine Ackerbau- Schule in Bukareft, eine techniſche Schule in Jaffy, eine Mufterwirthschaft bei Jaffy, fechs Maulbeerund Obftfchulen, eine befonders gepflegte Schafzucht. 80 Ernft Haan. Die ftete Vermehrung der Volksfchulen ift auch hieher zu rechnen.( Es beftehen heute 1975 Landfchulen mit 55.985 Schülern; 246 ftädtiſche Schulen mit 26.160 Schülern.) Die Grundentlaftung, welche 2,959.905 Pogon Boden 414.435 Eigenthümern gegen eine Ablöfung von 23,329.998 Leu zuwies, hat den Grund zum künftigen Auffchwung der Bodencultur gelegt. Leider kann man heute noch nicht von einem bedeutenden Fortfchritte darin fprechen. Die ganze Lebensweife des Bauers ift feit einigen Jahren unverändert und trotz der gegentheiligen Angaben hiefiger Patrioten nimmt die agricole Bevölkerung von Jahr zu Jahr nicht zu. Es ift offenbar, dafs der grofse Geldwerth, welcher durch die gefteigerte Ausfuhr an Bodenproducten ins Land kommt, auf die Lage des Bauers ohne merklichen Einfluss geblieben ift. Der Grund hiefür fcheint darin zu liegen, dafs die Bauern, welche theils Eigenthümer, theils Pächter ( gegen einen Ertragstheil) find, durch Zwifchenhändler um den aus den Getreideconjuncturen refultirenden Gewinn gebracht werden. Manche Einrichtungen wirken ebenfalls hemmend auf die Bodencultur, fo der Befitz ungeheuerer Gütercomplexe( ehemalige Kloftergüter) durch den Staat, die Beftimmung, dafs die Grundftücke einer Landgemeinde nur innerhalb derfelben veräussert werden dürfen, endlich die abwehrende Behandlung der Einwanderer. Es ift erwiefen, dafs das Land wenigftens die doppelte Anzahl von Bewohnern ernähren könnte, und dafs der gegenwärtig als productiv bezeichnete Boden bei einer rationellen Bewirthschaftung ein dreifach fo grofses Erträgnifs geben könnte, aber es fehlt hauptfächlich an Arbeitern und an Geld für Betriebsauslagen. Statt aber die Arbeiter vom Auslande hereinzuziehen und das durch den Export gewonnene Capital im Lande zu verwerthen, erfchweren die Rumänen die Einwanderung auf jede Weife und geht das gewonnene Geld meift ins Ausland wieder zurück. In wie weit die neugegründete Boden- Creditanftalt den Producenten Erleichterung verfchaffen wird, kann nur die Zukunft lehren. Bergbau. Der gebirgige Theil Rumäniens ift reich an Mineralfchätzen. Wir finden hier Eifen und Queckfilber im Diftricte Gorjin, 99 وو Mehedintz, Dambovitza und Prahova, Kupfer Kalkstein " 9 Steinkohle " 99 Bernſtein 29 99 Prahova, Buzeu, Vâlcea und Suciava, Buzeu, Goldftaub und Silber endlich grofsartige Salzlager und Petroleumbrunnen. Die Salzgruben find in Slanik, Diſtrict Prahova( jährliche Erzeugung 20 Millionen Oka), wo das fchönfte Salz der Welt gewonnen wird; in Telega im gleichen Diftricte( jährliche Production 20 bis 22 Millionen Oka), dann in der Moldau: Tirgu Okna im Diftricte Bacau( gegenwärtig unausgebeutet). Bergöl wird in den Diftricten von Dîmbovitza und Bacau, jährlich 12 Million Oka, gewonnen. Forftwirthschaft. Rumänien gehört zu den holzreichften Ländern Europas. Ein Viertel der gefammten Bodenfläche iſt mit Wald bedeckt. Ungefähr der vierte Theil der Waldungen ift Staats eigenthum. Rumänien. 9 Der verbreitetfte Baum ift die Eiche in vielen Varietäten, der Nussbaum( in den Karpathenthälern), die Buche, die Weifs- und Rothefche, die Ulme, Erle, Linde, Tanne. Die Wälder liegen meift im Gebirge. Auch auf den Donauinfeln findet fich viel Holz, hingegen gibt es Gegenden, wie die Ebene von Baragan, wo auf Meilen Entfernung kein Baum wächft. Die Forftwirthschaft ift äufserft primitiv. Entlegene Wälder werden gar nicht ausgenützt, hingegen die zugänglichen ohne Schonung gehauen. Man kann annehmen, dafs von letzteren jährlich viermal mehr Holz entnommen wird, als nach einer rationellen Bewirthschaftung gefchehen follte. Die Hälfte des ganzen Waldbeftandes kann als zugänglich angefehen werden( 212 Million Pogon). Infolge der Schwierigkeiten des Transportes und des Mangels an Arbeitskräften findet ein nicht unbedeutender Import von Holz aus der Bukovina ftatt. Feldbau. Der wichtigfte Theil der Urproduction ift der Feldbau; hier find ungefähr 2,800.000 Seelen, fomit über die Hälfte der Bevölkerung befchäftigt. Die Dörfer find faft nur von Bauern bewohnt. Der gefammte fruchtbare Boden beträgt 12,636.618 Pogon, welche fich wie folgt vertheilen: Fruchtgärten. Aecker Wiefen 308.477 Pogon, وو 4,442.924 99 1,848.775 5,845.135 99 191.307 29 Weiden. Weingärten Diefe Aecker zerfallen in: Weizenfelder. 1,149.119 Pogon oder 25 19 Percent, Roggenfelder. 221.547 29 وو Maisfelder.. 2,069.510 وو .. 4.99 46.58 99 Gerftenfelder. 453.928 IO 22 " 99 Haferfelder. Hirfefelder. 121.880 252.860 13 97 2.75 99 19 5.68 77 99 4.59 333 99 وو andere Felder. 204.080 Die Jahresproduction beträgt: 2, 217.343 Kilo Weizen im Durchfchnittspreife von 190 Piafter, 363.436 2,984.059 1,169.243 258.640 368.816 99 Roggen Mais 120 99 Gerfte وو وو وو دو وو وو " 99 I IO 99 29 99 IOO 99 وو Hafer " 99 " 99 90 99 Hirfe وو 99 99 .. 70 29 Das Land liefert ferner jährlich: 12 Millionen Oka Fifolen und Linfen, 11/2 Hanf, 99 وو 1/2 Flachs, 99 وو Tabak, 11/2 29 29 Kartoffel, 9 وو وو 2 29 Karren( à 733 Oka) Heu. Man unterfcheidet folgende Weizenarten: Ghirka, Arnaut-, Banat-, Coluz, Sandomir- und gewöhnlichen walachifchen Weizen; die Qualitäten find alle fehr fchwer und mehlhaltig. 10 Ernft Haan. Der Roggen dient zur Branntwein- Bereitung, der Hafer nur zur Nahrung der Pferde, Hirfe als Viehfutter; ungemein beliebt ift der Mais, aus dem die nationale Speife Mamaliga bereitet wird; aufserdem dient er zur Spiritusbereitung. Hanf und Flachs wird für den eigenen Bedarf im ganzen Lande cultivirt. Tabak wird viel gebaut, allein das willkürliche Verfahren der Tabakregie fchreckt die Bauern von dem im Lande möglichen Anbaue ab. Gartenbau. Die Obftcultur ift noch in ihren Anfängen. Es werden eigentlich nur Zwetfchkenbäume gepflanzt, um aus deren Früchten Branntwein zu gewinnen. Gemüſe werden reichlich gebaut, da fie die Hauptnahrung des Landmannes ausmachen.( Linfen, Fifolen, Kraut, Zwiebel und Gurken.) 300.477 Pogon find diefen Culturen gewidmet. Weinbau. Dem Weinbaue find 191.000 Pogon gewidmet, von denen ein Sechstheil dem Staate angehört. Die befferen Weine wachfen an den Karpathenabhängen, die Weine der Ebene find herbe und weniger haltbar. Die beften Sorten find: Bezirk Yaffy. Cotnar, Dragafchani, Odobefchti, Vâlcea. 29 Putna. 99 Deolu mare, Nicorefchti, " Prahova, Buzen. Tekutfch. 79 Die Zubereitung und Kellerwirthschaft ift noch wenig entwickelt. Die jährliche Production beträgt 5 Millionen Vedra. Viehzucht. Der Boden und das Klima Rumäniens find der Viehzucht fehr günftig. Der gefammte Viehftand wird durch folgende Zahlen annäherungsweife dargestellt: Stiere Ochfen Kühe Kälber Büffel Schweine Pferde Efel und Maulthiere 200.000. 1,900.000. 900.000. 600.000. 100.000. 1,200.000. 600.000. 8.000. Schafe und Lämmer 5,000.000. 500.000. Ziegen Bienenkörbe Geflügel 300.000. 14,000.000. Das Rindvieh ſpielt in der rumänifchen Landwirthschaft eine wichtige Rolle; faft alle Feldarbeit wird mit deffen Hilfe verrichtet und aufserdem dient es der Confumation. Die Rinder werden auch vielfach als Zugthiere zum Transporte der Waaren auf den Markt verwendet. Jeder Bauer hält wenigftens eine Kuh, es gibt aber Befitzer von Heerden, die 1000-3000 Stücke zählen. Die zum Schlachten beftimmten Rinder werden mittelft der Abfälle der Branntwein- Deftillerien gemäftet, zu welchem Zwecke in der Nähe der Deftillerien grofse Ställe erbaut find. Gemäftet werden fie in den öffentlichen Schlachthäufern gekeilt. Rumänien. 11 Die Büffel find fehr gefchätzt, erfordern aber wegen des häufigen Temperaturwechfels eine fehr forgfältige Pflege. Die Schweinezucht wird vorzüglich in der Walachei betrieben, auf welche neun Zehntheile der obigen Stückzahl entfallen. Die Pferde werden in Rumänien zum Transporte verwendet, in der Landwirthschaft zur Austretung des Getreides; die Race ift klein und unanfehnlich. Die Maulefel werden meiftens von den Zigeunern gezüchtet. Die Schafzucht ift einer der wichtigſten Zweige der rumänifchen Landwirthschaft. Die grofsen Grundbefitzer befitzen Heerden von einigen Taufenden von Stücken, aber felbft einfache Bauern haben oft Heerden von einigen Hundert Schafen. Man unterfcheidet folgende Namen der Racen, die auch auf die Wolle angewendet werden: Merino, Tfigay, Stogofch, Tfurkan, Fumurie, Tonka. Die Bienenzucht ift verhältnifsmässig unbedeutend, obfchon das moldauifche Wachs einft berühmt war. Es werden jährlich 50.000 Oka Honig und 10.000 Oka Wachs erzeugt. Die Seidenzucht aus einheimifchen Samen ift fchon alt, die Zucht aus Mailänder und japanifchen Samen hat in den Jahren 1862/1863 gute Ergebniffe gegeben( über 9 Millionen Piafter), ift aber in den letzten Jahren fehr in Abnahme. Es follen im Lande 93.357 Maulbeer- Bäume exiftiren. Induſtrie. In einem Lande, wo die Bodencultur noch unentwickelt ift, kann von einer bedeutenden Induftrie keine Rede fein. In den ftädtifchen Gemeinden werden die Gewerbe meift von Fremden und Ifraeliten betrieben; in den Landgemeinden find nur die Wirthe und Huffchmiede eigentlich Induftrielle, letztere find gewöhnlich Zigeuner. Auf dem Lande find die Bauern zugleich Induſtrielle. Sie bauen fich felbft die Häufer, zimmern fich die Geräthe und die Frauen fpinnen und weben die für den Haushalt nöthigen Stoffe. Infoferne der Bauer auch feine Producte felbft auf den Markt bringt, Verfrachtungen übernimmt, in Holz fpeculirt, kann man ihn auch als Kaufmann betrachten. Die landwirthschaftliche Induſtrie ift ziemlich ausgedehnt; fo gibt es gegen 7000 Mühlen, welche 10.000 Arbeiter befchäftigen( Wind-, Waffer- und Göppelmühlen), aufserdem 33 Dampfmühlen. Branntwein wird aus Mais, Roggen, Gerfte, Kartoffeln in der Ebene, im Gebirge aus Pflaumen erzeugt. Es exiftiren gegen 2000 Brennereien, welche jährlich Spiritus im Werthe von 4 Millionen Gulden öfterreichifche Währung erzeugen. Es bestehen im Lande 70 Schlachthäufer; die Thierhäute werden in über 500 Gerbereien verarbeitet; aus der Milch der Kühe und Ziegen wird in 300 Käfereien Käfe bereitet. Zur Bearbeitung des Holzes beftehen 600 Sägen; die Fabrication von EichenFafsdauben ift bedeutend. Die Holzfchnitzerei wird von Zigeunern betrieben, welche fich Monate lang im Walde aufhalten und dafelbft die bei den Rumänen beliebten Holzgefäfse anfertigen. Im Diftricte von Prahova werden die Rohrgeflechte erzeugt, welche im ganzen Lande verbreitet find. Die Hausinduftrie befchäftigt fich mit der Verfertigung der zur Kleidung und zum Haushalte nöthigen Stoffe. So werden aus Flachs Hemden, Handtücher, Bettwäfche und die Anzüge gemacht, welche die Bauern im Sommer tragen. Aus Wolle werden Tuche: Schajak, Aba, Dimie, gewebt, aus denen die Männertracht( ein langer Rock mit hängenden Aermeln, ein Mantel mit Kapuze, Hofen, Gamafchen und kleine Wefte) beſteht. 12 Ernft Haan. Für die weibliche Tracht werden Gürtel, Briu, Schürzen mit Gold und Perlen, Bette, dann Kittelftoffe, Valnic, Cretinza, Schürzen, Fota peftelca, Zevelka gearbeitet. Hiezu kommen noch feine Wollenfchleier, Kamilafe, Gewebe, Muhaier genannt, welche in den Klöftern erzeugt werden. Aus Wolle werden auch die ungemein dauerhaften Teppiche gewebt, welche meift zum Belegen der flachen Betten und des Fufsbodens dienen. Man unterfcheidet: Cadrile, einfärbig, mit gekräufelten Fäden; Chrame, weifs- und rothgewürfelt, fein; Abarten der Cadrile find Cerga, gröber, weifs und ſchwarz; Zeblen noch ftärker; dann Filzteppiche, Patura; als eigentliche Bettdecken dienen die bunten Plocade und Precoviza; und jene aus dem gleichen Stoffe wie die Mäntel Sarica. Velitza oder Laitfcher find grobe Wollgewebe mit geftreiftem Deffein, Covor, Scorza Kelins find kleine bunte Teppiche. Es gibt im Lande gegen 500 Walkmühlen. Aus Ziegenhaaren werden Stoffe, Preche oder Arare, zu Wagendecken Carrutza, Säcke, Defagi, Traifte, gewebt. Mit felbft gewonnener Seide, Borandfchik, werden die Frauenhemden, Ie, Camefi, und Schleier, Marame, durchftickt. Aufserdem gibt es auf dem Lande viele Töpfereien, Ziegelfchlägereien, Kalköfen. In den Städten und Märkten beftehen manche nur von Rumänen betriebene Gewerbe, fo gibt es Bäcker( gegen 600), welche Brot und Zwieback erzeugen, Producte, die nur in den Städten confumirt werden, nationale Schufter, Schneider, Pelzmacher.( Aus Lammfellen werden die Mützen, Ifchlik, Paletots, Cojok, Jacken, Cojocel oder Mintan, und Weften, Peptar, gefertigt.) Die übrigen Gewerbe werden meiftentheils von Ifraeliten und Fremden ausgeübt. Es beftehen einige Fabriken, fo die Tuchfabrik von Cogolnitfcheano( die gegenwärtig nicht mehr arbeitet), 72 Bierbrauereien, darunter die grofse Brauerei von Oppler, eine Metallgiefserei von Siebrecht, Thonwaaren- Fabrik von Zefolonay. eine Ofenfabrik der Brüder Voltfcheg, 29 Buchdruckereien und eine Menge grofser Ziegelbrennereien, ferner gegen 60 Gasfabriken( meift Raffinerien von Petroleum) und zahlreiche Kerzen- und Seifenfabriken( darunter die grofse Fabrik von Faulquier in Galacz), einige unbedeutende Glas- und Porzellanfabriken. Die Betheiligung Rumäniens. Rumänien erhielt in der Seitengallerie 16 6 der Induftriehalle einen Raum von 675 Quadratmeter und circa 6 Quadratmeter im Parke angewiefen. Es grenzte gegen die Hauptgallerie an Perfien, während es gegen die Donaufeite Ausgänge ins Freie hatte. Eine gefchmackvolle Draperie mit der Auffchrift ,, Rumänien" von der einen und dem rumänifchen Wappen von der anderen Seite bildete den Eingang in diefe Abtheilung der Weltausftellung. Offene Käften an den Wänden und freiftehende Glaskäften gegen die Mitte der Gallerie enthielten die meift aus Kleidern und Waffen beftehende Induftrieausstellung. Ein Kiofk in der Mitte der Gallerie diente zum Ausruhen und war rings von Figurinen umgeben, welche die verfchiedenen Uniformen der rumänifchen Armee trugen; fonderbarer Weife ftand daneben eine Nonne. Weiter kam man zu den Gemälden und zu einer grofsen Trophäe, aus den Naturproducten des Landes Rumänien. 13 gebildet, an die fich eine breite Säule aus Wein- und Spiritusflafchen anfchlofs; rechts eine künftliche Grotte aus Salzblöcken und links ein künftlicher Berg aus Steinen, mit nationalen Gewächfen bedeckt und den Bewohnern des Forftes, der Luft und des Waffers( Präparate) bevölkert, fchloffen die Ausftellung ab. Nach den Gruppen betrachtet ergab fich in flüchtigem Ueberblick folgendes Refultat: In der I. Gruppe,„ Berg- und Hüttenwefen", hat Rumänien hauptfächlich einige Salzblöcke ausgeftellt, aufserdem noch einige Steinkohlen, Erze und etwas Petroleum,- Alles ohne fyftematifche Zufammenftellung. Wir vermifsten eine Foncault auf ähnliche Sammlung wie die fchöne Petroleumausftellung von der Weltausftellung vom Jahre 1867. In Gruppe II waren reichlich vertreten: Die verfchiedenen Cerealien, Weizen, Roggen, Mais, Hirfe, Gerfte, Hafer, Linfen, Fifolen, Reps; auch der Holzreichthum war durch Proben aus den Staatsdomänen und durch die Objecte, welche die Herren von Negrutzi und Negroponte gefendet hatten, vertreten. Unter dem Tabak war auch folcher aus ungarifchen Samen. Ein ziemlich neues Product in Rumänien find die Kartoffel und der Reps, deffen Anbau fehr überhand nimmt. In der III. Gruppe erfchien befonders raffinirtes Petroleum, Wachs und Mineralwäffer( die Ausftellung von 48 Mineralquellen von Dr. Bernath), Wachskerzen für den Gottesdienft, Wachsfrüchte und Blumen, dann die Ausftellung der Stearinkerzen- Fabrik in Galacz( von Faulquier Blanc& Comp.). In Gruppe IV nahmen die Weine einen bedeutenden Platz ein, dann Confituren, Liqueure, Mehl, Tabak und Zwieback, letzterer ausgeftellt vom permanenten Comité in Ibraila, welches wohl mit der Fabrik der Herren Gerbolini& Borghetti, welche jährlich 700.000 Kilo erzeugt, identifch fein dürfte. Gruppe V ,,, Textil- und Bekleidungsinduftrie", war fehr reich vertreten. Es waren meift Erzeugniffe der Hausinduftrie für die nationale Bekleidung; das Verftändnifs derfelben wurde durch eine Sammlung Aquarelle der National coftume von Szatmary erleichtert. Neben diefen Producten waren dann Teppiche, Decken etc. zur Hauseinrichtung ausgeftellt. Alle diefe Gegenftände zeichneten fich durch originelle Deffins und fleifsige Arbeit aus.* Prachtvolle Stickereien, dem griechifchen Cultus dienend, fchloffen fich an diefe Gruppe. Daneben erfchienen auch Producte im europäifchen Stil, fo die Möbel von Olbrich und die Hüte von Paul Martin, Schuhwaaren von Brandt und Sattlerwaaren von Hayek& Sohn( VI. Gruppe), welche gerade fo ausfahen, als wenn fie in Wien gemacht wären. Die Gerberei war durch ausgeftellte Häute repräfentirt, während ganze, ausgeftopfte Thiere uns erinnerten, dafs Rumänien ein Land der Bären und Wölfe ift. Gruppe VII war durch einige merkwürdige Metallarbeiten aus den griechifchen Klöftern, Gruppe VIII durch die hölzernen Geräthe repräfentirt, welche in Rumänien meift von Zigeunern angefertigt werden; in Gruppe IX war die originelle Thoninduftrie Rumäniens nur fchwach vertreten; eine Glasfabrik in Grodescu lieferte nur fehr ordinäre Waare. Unter Kurzwaaren( Gruppe X) erfchienen fchwarzer Bernftein von Buzeu, dann Rofenkränze, hölzerne Becher etc. Gruppe XI war nur durch färbiges Papier, Gruppe XII durch einige Photographien und Zeichnungen Szatmary's und die Ausftellung anderer Buchdruckereien, Gruppe XIII durch einen originellen Wagen zur Trappenjagd und durch Pflüge vertreten. Auch hatte die deutfche Firma Waller& Hartmann in Bukarest eine Pumpe ausgeftellt. In Gruppe XIV erfchien faft nichts, in Gruppe XV einige europäiſche Inftrumente. Es war Schade, dafs die originellen Inftrumente der Lautari( walachifche Zigeuner) nicht ausgeftellt wurden. In Gruppe XVI,„ Heereswefen", waren Waffen und Uniformen, dann einige Steine( Gruppe XVIII), Pläne von Bauernhäufern( Gruppe XX), endlich in * Die Arbeiten des Afyle Hélène in diefer Gruppe erhielten das Ehrendiplom. 2 14 Ernft Haan. Gruppe XXIV eine fehr intereffante Sammlung antiker Gefäfse von Boliac in Bukareft ausgeftellt. Die bildende Kunft der Gegenwart war durch verfchiedene mittelmässige Bilder repräfentirt. Gruppe XXVI war vertreten durch die Objecte des Herrn Spirescu und die Arbeiten einiger Mädchenfchulen. Schliefslich wäre noch des Schatzes von Petroffa zu erwähnen, der freilich fchon in Paris 1867 ausgeftellt war.* Handel. Der Handel Rumäniens mit dem Auslande ift fehr bedeutend. Der Werth der Ein- und Ausfuhr wird durch eine Durchfchnittszahl von 160 Millionen Gulden öfterreichischer Währung bezeichnet, von denen auf die Einfuhr 90 Millionen und 70 Millionen Gulden auf die Ausfuhr entfallen. Dasjenige Product, welches dem Ausfuhrhandel eine Bedeutung leiht, die fich im Welthandel fühlbar macht, ift das Getreide. Rumänien bildet die Kornkammer für das füdöftliche Europa und der Werth diefer Ausfuhr allein beläuft fich auf ungefähr 48 Millionen Gulden öfterreichifcher Währung. Je nach der Ernte in den verfchiedenen anderen Ländern wechfelt die Richtung des Exportes an Getreide, doch bleibt immer England als Hauptabnehmer mit gegen 12 Millionen Gulden jährlich. Im Jahre 1872 wurden nach OefterreichUngarn für II Millionen Gulden exportirt. An das Getreide reiht fich, was den Werth der Ausfuhr betrifft, jener von thierifchen Producten, welcher gegen 9 Millionen Gulden jährlich beträgt. Darunter nimmt die Wolle den erften Rang ein, welche faft ausfchliefslich( im Jahre 1871 für 5,233.670 fl. öfterreichischer Währung) nach Oefterreich- Ungarn exportirt wird, der Reft geht nach Frankreich. Die Rinderhäute( und Kalbfelle) im Werthe von 12 Million, fowie Ziegen- und Lammfelle, halb gar, im Werthe von 60.000 fl. werden ebenfalls zumeist nach Oefterreich- Ungarn ausgeführt. Die dritte Stelle im Ausfuhrwerthe nehmen aber die Thiere( 6 Millionen Gulden) ein; es werden Rinder im Werthe von 3, Schafe I, Schweine 2 Millionen Gulden jährlich vorzüglich nach Oefterreich- Ungarn, im Jahre 1871: Rinder 25.066, Schafe, Ziegen, Lämmer 68.652, Schweine 98.398, Pferde 1567 Stück im Werthe von 3 Million Gulden öfterreichifcher Währung, nach der Türkei( 12 Million), Rufsland( 1 Million) u. f. w. exportirt. Animalifche Fabricate( Fett, Butter, Käfe) werden jährlich für 2 Millionen nach der Türkei, Ungarn, England, Samen für 2 Millionen Gulden nach Ungarn und der Türkei, Holz für I Million nach der Türkei, Rufsland, Ungarn, Mineralien werden im Werthe von I Million Gulden, vorzüglich Salz und Bergöl, dann mineralifche Fabricate, wie raffinirtes Petroleum, im Werthe von I Million Gulden exportirt. Der Gefammtexport Rumäniens nach Oefterreich- Ungarn beträgt 15-16 Millionen Gulden; der allgemeine Export zur See beträgt: von Ibraila 35-40, von Galacz 10-15, der Export nach der Türkei auf anderen Wegen 8-9 Millionen Gulden. Die Einfuhr nach Rumänien bewerthet fich auf 100 Millionen Gulden. Mit Ausnahme der angrenzenden Provinzen der Türkei importirt das Ausland meift Induftrie producte. England führt vorzüglich drei Artikel ein: Steinkohlen, Eifenwaaren und Baumwoll- Waaren, aufserdem auch rohes Eifen, Fayencen, China- und AlpaccaSilberwaaren, Broncewaaren, Eifenmöbel, Thee und Colonialien. Frankreich importirt Leinenwaaren, Möbel, Seidenwaaren, Zucker, Wein, Liqueure; Rufsland Metalle, Metallwaaren, Lederwaaren, Glocken; Holland Zucker; Italien, * Rumänien wies 1475 Ausfteller auf, von denen in 14 Gruppen 213 mit Auszeichnungen geehrt wurden. Rumänien. 15 Griechenland und die Levante Colonialwaaren, Südfrüchte, hydraulifchen Kalk, Marmor, Steinarbeiten; Deutfchland Woll- und Baumwoll- Waaren, Möbelftoffe, Bijouterien, Goldwaaren, Parfumerien, Lampen etc. Oefterreich- Ungarn exportirte nach Rumänien für circa 40-50 Millionen Gulden öfterreichifcher Währung, und zwar( im Jahre 1871): Colonialwaaren und Südfrüchte Tabak und Tabakfabricate Garten- und Feldfrüchte Thiere Thierifche Producte 0 1,235.371 fl. 900 29 155.991" 262.460 99 140.844 29 Fette und fette Oele. Getränke und Efswaaren Brenn-, Bau- und Werkftoffe Arznei-, Parfumerie-, Farbe-, chemifche Hilfsftoffe Metalle( mit Ausnahme der edlen Metalle und Münzen) Webe- und Wirkstoffe Garne. Webe- und Wirkwaaren Waaren aus Borften, Papier und Papierwaaren Leder, Leder-, Gummi- und Kürfchnerwaaren Bein-, Holz-, Glas-, Stein- und Thonwaaren Metallwaaren Land- und Wafferfahrzeuge Inftrumente, Mafchinen, Kurzwaaren Chemifche Producte, Farb-, Fett- und Zündwaaren Literarifche und Kunftgegenftände . • 59 61.678 386.366, 54 977.850 475.148 99 348.366 86.766 99 99 124.263 " 12,873.013 99 1,954.721„ . 4,408.517 59 3,179.457 29 3,910.695 29 619.380, 10,810.054 29 ° 2,020.122 وو 324.448 29 Abfälle Summa ° 961" 44,357.371 fl. Für den Werth der von anderen Staaten importirten Waaren fehlen die Nachweifungen. Die englifche Einfuhr gefchieht faft ausfchliefslich zur See. Den gröfsten Theil der Einfuhr aus Deutfchland und Frankreich dürften folgende Zahlen repräfentiren, welche die Durchfuhr durch Oefterreich- Ungarn nach Rumänien darftellen: Im Jahre 1871 Gefammtwerth 32,543.037 fl. Hievon entfallen auf: Webe- und Wirkwaaren Inftrumente, Mafchinen, Kurzwaaren Metallwaaren Garne Bein-, Holz-, Thon-, Glaswaaren . 19,742.810 fl. 6,598.050" 1,619.910" 596.192 560.270" 99 Der Import aus England, Rufsland und Italien mag ungefähr 10 Millionen Gulden für Ibraila und 4 bis 6 Millionen Gulden für Galacz betragen.* Handelspolitik. Aus der vorhergehenden Skizze ift erfichtlich, dafs Rumänien alle Vorbedingungen befitzt, um ein reiches, blühendes Land zu werden. Seine Lage an der Donau, an der heutigen Welt- Handelsftrafse nach Conftantinopel, der an Mineralien, Holz und Feldfrüchten reiche Boden, die fchon fehr ausgedehnte Viehzucht erfcheinen als die natürlichen Bedingungen diefes Auffchwunges. * Die rumänifchen Statiftiker berechnen( 1871) den Export Rumäniens auf 173 den Import auf 89 Millionen Francs, was offenbar ganz falfch ift. 2 ፨ Millionen, 16 Ernft Haan. Andere nicht minder wichtige Factoren liegen in der Bevölkerung. Diefe ift für den Umfang des Landes noch viel zu gering und noch auf einer niederen Culturftufe, aber es mangelt ihr nicht an natürlicher Anlage. Es kann nicht verkannt werden, dafs feit Jahren die Entwicklung Rumäniens durch äufsere Umftände begünftigt wird. Die natürlichen Communicationen werden künftlich verbeffert durch die Arbeiten an den Donaumündungen, ferner durch den Bau von Strafsen im Innern, namentlich auch durch die Aufftellung eiferner Brücken, durch die Errichtung der Eifenbahnen. Die hohen Getreidepreife in den letzten Jahren haben bewirkt, dafs jährlich eine gröfsere Bodenfläche in Cultur gezogen wird, im Innern ift durch die Entlaftung von Grund und Boden, durch Gründung von Schulen auf dem Lande und in den Städten, durch die Verbefferung in der Adminiftration und Legislation Vieles gefchehen. Hingegen bleiben noch immer Bedingungen vorhanden, welche den Auffchwung des Landes hemmen. In erfter Linie ift hier das Beftreben zu verzeichnen, fich vom Auslande unabhängig zu erhalten, theils dadurch, dafs man einige der ins Land führenden Wege nicht verbeffert( Eiſenbahn- Anfchlufsfrage), theils dadurch, dafs man den Fremden die Niederlaffung im Lande erfchwert. Nicht nur find für die Fremden noch immer drückende Pafsbeftimmungen aufrecht erhalten und neu eingeführt worden, es wird auch keine Staatsanftellung mit den daran geknüpften Rechten an Fremde verliehen, und felbft der Betrieb mancher Gewerbe nur den Einheimifchen geftattet, wobei die Ifraeliten bekanntlich als Fremde betrachtet werden. Der eigentliche Rumäne ift nach der jetzigen Sachlage Ackerbauer, die ganze Induftrie, die über die fogenannte Hausinduftrie( und die primitivften Gewerbe) hinausgeht, liegt in den Händen der Bevölkerung fremden Urfprungs. Hingegen befteht der Clerus faft ausfchliefslich aus Rumänen, ebenfo das ganze Regierungsperfonale, die Advocaten, Aerzte, Militär etc., wobei nur zu bemerken ift, dafs ein fehr grofser Theil diefer Intelligenz aus griechifchen Elementen gebildet ift. Der Adel des Landes, die fogenannten Bojaren, welche Grofs- Grundbesitzer find und fich nebenbei mit Politik befchäftigen, ift felbft aus dem eigentlichen rumänifchen Adel und dem griechifchen Adel zufammengefetzt. Die Adminiftration leidet an vielen Gebrechen und namentlich werden für die ganz überflüffige Armee Millionen verausgabt, welche wieder die Einführung drückender Steuern bedingen. Der Clerus ift im Verhältnifs zur Bevölkerung ungeheuer zahlreich und trägt zur Hebung des Volks- Wohlftandes nichts bei. Endlich kann man die Handelsleute und Induſtriellen auch nicht von dem Vorwurfe wucherifcher Transactionen und unehrlichen Gebarens freifprechen. Der gröfste Nachtheil für das Land liegt in dem Hange des Rumänen, fich mit der Politik zu befchäftigen. Es liegt darin eine folche Aehnlichkeit mit den Griechen, dafs daraus allein auf die Verwandtfchaft der intelligenten Claffen mit denfelben gefchloffen werden könnte. Es werden in Folge deffen alle Fragen national- ökonomifcher Natur immer vom politifchen Standpunkte behandelt und im Innern nach dem Partei- Standpunkte, gegen Aufsen nach chauviniftifchen Impulfen entfchieden. In letzterer Zeit, feit Rufsland fich weniger mit Rumänien befchäftigt und Frankreich fich fammelt, hat die Rumänen eine krankhafte Angft erfafst, von Oefterreich- Ungarn verfchlungen zu werden. Diefe Andeutungen müffen bei Beurtheilung der Bedeutung Rumäniens im Weltverkehr und befonders in Beziehung zu Oefterreich- Ungarn ftets im Auge gehalten werden. Zur Hebung des Handels mit Oefterreich wird die Hinwegräumung der Hinderniffe am eifernen Thore mächtig beitragen. Die Verbefferung der Commu Rumänien. 17 nicationen mit Siebenbürgen ift eine wichtige Frage für die fiebenbürgifche( Kronftädter) Induftrie, welche jährlich ungefähr drei Millionen Gulden nach Rumänien importirt. Die Herabfetzung der öfterreichifchen Zölle auf Getreide und Wein, dann die Herabminderung der Tarife der Eifenbahnen und der Donau- DampffchiffahrtGefellſchaft, eine Regulirung des rumänifchen Douaneverfahrens, Gleichstellung mancher Artikel, wie Wein und Rum, mit den ähnlichen anderer Staaten in der Zollbemeffung, endlich die Einrichtung, dafs die Waaren zu Lande nach Galacz als Freihafen, ohne den hohen Eingangszoll( nur mit 1 Percent Communalzoll wie die zu Schiffe anlangenden Waaren) importirt werden können, dürften als die wichtigften Factoren zum Auffchwunge des Handels mit Oefterreich- Ungarn gelten. 3 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. TÜRKE I. BERICHT verfafst im Auftrage des COMITÉ FÜR DEN ORIENT UND OSTASIEN, von CARL SAX, kaiferlicher und königlicher Conful. BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Der gefertigte Redacteur des officiellen Berichtes über die Wiener Weltausftellung wurde am 30. März 1873 für feine fchwierige Aufgabe nach Wien berufen, und nach kurzen vorhergehenden Berathungen ganz allein mit der Durchführung des grofsen Werkes betraut. Das Programm der officiellen Berichterstattung, Ende April von der Generaldirection genehmigt, wurde am 25. Juni 1873, Zahl 686 H. M., von Seiten des hohen k. k. Handelsminifteriums genehmigt. Erft von diefer Zeit an war der gefertigte Redacteur im Stande, officiell an die Einladungen zu gehen und Berichterftatter für den officiellen Bericht zu gewinnen. Es ift jetzt nach dem Schluffe der Weltausftellung an der Zeit, an diefe kurze Gefchichte der Redaction des officiellen Berichtes zu erinnern. In den erften Tagen des Auguft erfchien mit dem Berichte , Der Pavillon des kleinen Kindes" von Dr. Ferdinand Stamm das erfte Heft des officiellen Berichtes. In rafcher Aufeinanderfolge find bis zum Schluffe der Ausftellung 29 Hefte erfchienen und kann man darnach ficherlich weder den Herren Berichterftattern, die mit hingebender Liebe an das patriotifche Werk und an die Erfüllung der fchwierigen Aufgabe gingen, noch der Redaction den Vorwurf machen, dafs fie fich nicht bemühten, das officielle Programm der Berichterstattung, welches beſtimmte, dafs der officielle Bericht„, noch während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden" folle, zur Wahrheit zu machen. Was die Arbeitskraft des Einzelnen vermag, das haben die Herren Berichterftatter wirklich geleiftet, und Alle, ebenfo wie die gefertigte Redaction müffen ihnen zu Dank ver pflichtet fein. Was ein Einzelner, dem die Redaction eines fo grofsen und vielfeitigen Werkes, welches der officielle Bericht ift, allein anvertraut worden ift, was ein Einzelner unter fo fchwierigen Umständen leiften kann, um den Befuchern der Ausftellung zu dienen, das hat der gefertigte Redacteur verfucht zu leiften. Mit der Neige des Jahres 1873 wird der officielle Bericht in feiner ganzen grofsen Ausdehnung und in feiner erften Ausgabe vollendet fein. Ich glaube, dafs die Herren Berichterstatter den Dank des Publicums verdienen, die gefertigte Redaction wenigftens keinen Tadel zu fürchten hat. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER. Chefredacteur des officiellen Berichtes. TÜRKEI Bericht, verfafst im Auftrage des COMITÉ FÜR DEN ORIENT UND OSTASIEN, von CARL SAX, kaiferlicher und königlicher Conful. Geographifche Ueberficht. Das unmittelbare Gebiet der hohen Pforte( mit Ausfchlufs der Schutzftaaten) wird auf 54.100 Quadratmeilen gefchätzt, wovon 6300 auf die europäifche, 31.600 auf die afatifche und 16.200 auf die afrikanifche Türkei gerechnet werden. Nur die Begrenzung der europäifchen Türkei ift genau beftimmbar, aber in Afien ift die Grenze gegen das freie Arabien, und in Afrika jene gegen die Wüfte Sahara fchwankend und imaginär, fo dafs man dort mit demfelben Rechte um einige taufend Quadratmeilen mehr oder weniger rechnen könnte. Die europäifche Türkei grenzt im Nordweften an die öfterreichifch- ungarifche Monarchie ( an Dalmatien und die kroatifche Militärgrenze), dann im Norden an die türkifchen Schutzftaaten Serbien und Rumänien, im Süden an Griechenland; die afatifche Türkei grenzt nördlich an Rufsland( Transkaukafien) und öftlich an Perfien, füdöftlich an das freie Arabien und füdweftlich an den Vafallenftaat Egypten; die afrikaniſche Türkei endlich, welche, foweit es fich um das unmittelbare Gebiet handelt, blofs in der Provinz Tripolis und Benghafi befteht, ift öftlich von Egypten und weftlich dem anderen Vafallenftaate Tunis begrenzt und verliert fich im Süden in die Wüfte Sahara. Der gröfste Theil des türkifchen Landes aber ift vom Meere umfpült: der Weften der europäifchen Türkei vom adriatifchen und jonifchen Meere, der Süden derfelben, foweit er nicht an Griechenland grenzt, gleich dem Weften Kleinafiens vom ägäifchen und vom Marmorameere mit feinen beiden natürlichen Canälen, der Dardanellenftrafse( Hellespont) und Bosporus; der Often der europäiſchen Türkei und der Norden Kleinafiens vom fchwarzen Meere, das füdliche Kleinafien, Syrien und die afrikanifchen Befitzungen vom mitteländifchen Meere, der arabifche Küftenftrich vom rothen Meere und von der Bucht von Aden; die äufserfte Oft 2 Carl Sax. fpitze der afatifchen Türkei endlich, reicht bis zum perfifchen Meerbufen. Durch die beiden letztgenannten Meere fteht die Türkei mit dem indifchen Ocean, gleich wie durch das mittelländifche Meer mit dem atlantifchen Ocean in mittelbarer Verbindung. Die Küftenentwicklung der Türkei am mittelländifchen, fchwarzen und adriatifchen Meere beträgt ungefähr 8000 Kilometer, wovon 2682 auf die europäiſche Türkei entfallen. Die überfeeifchen Nachbarftaaten, fo zu fagen die vis- à- vis des türkifchen Reiches find: jenfeits des fchwarzen Meeres Rufsland, welches theilweife auch zu Lande Grenznachbar ift, und jenfeits des adriatifchen, des jonifchen und auch des mittelländifchen Meeres Italien, fonft jenfeits des mittelländifchen Meeres Tunis und Egypten, welches auch am rothen Meere dem unmittelbaren Gebiete der hohen Pforte gegenüber liegt. Auch das öfterreichifche Küftenland im Norden des adriatifchen Meeres ift als überfeeifches Nachbarland der Türkei zu betrachten, infofern deffen Verbindung mit derfelben über das Meer viel häufiger ift als zu Lande. Von allen diefen Nachbarftaaten üben nur Oefterreich- Ungarn und in fehr befchränktem Mafse auch Italien und Perfien eine commercielle Herrfchaft über gewiffe Gebiete der Türkei aus. Die anderen Nachbarländer, welche keine Induftrieftaaten find, nämlich, Griechenland, die türkifchen Vafallenftaaten, und felbft das zu Waffer und zu Land benachbarte grofse Rufsland, beherrfchen nirgends den Markt im türkifchen Reiche( vielleicht mit Ausnahme einiger kleinen Grenzgebiete); fie liefern nur einzelne Handelsartikel, während die den Ausfchlag gebenden Handelsverbindungen, theils mit Oefterreich und Italien, gröfstentheils aber mit England und Frankreich, fowie mit der Schweiz, mit Belgien und Deutſchland unterhalten werden. Nach Oefterreich und Ungarn gravitiren die nordweftlichen Grenzländer und gröfstentheils auch das durch die Donau mit Mitteleuropa verbundene Gebiet im Norden des Balkans, und auch das füdlichere bis ins Herz von Rumelien hinein; nach Oefterreich und nach Italien das albanefifche Küftenland; im Uebrigen fteht faft das ganze türkifche Reich, vorherrfchend unter dem commerciellen Einfluffe der wefteuropäifchen Staaten. Bei den innerafiatifchen Befitzungen der Türkei jedoch, welche hauptfächlich dem perfifchen Handel zur Durchfuhr dienen, kann vom auswärtigen Handel nur in fehr befchränktem Mafse die Rede fein; fie können erft durch die Fortfetzung der anatolifchen Eifenbahn oder durch die künftige Euphratbahn demfelben in entſprechender Weife erfchloffen werden. Im Allgemeinen ift die commercielle Lage des Reiches eine fehr günftige, weil dasfelbe, wie oben erwähnt, fo viele Meere mit feiner bedeutenden Küftenentwicklung berührt, überdiefs von grofsen Strömen durchgezogen ift, und an der Schwelle zwifchen den fich gewiffermafsen ergänzenden Culturgebieten des Orients und des Occidents liegt. Namentlich Conftantinopel, die Hauptftadt mit dem wunderbaren natürlichen Hafen, vermittelt den Handel zwifchen zwei Welttheilen und kann durch feine Lage den Handel im fchwarzen Meere beherrfchen. Das ganze Gebiet zerfällt in fieben natürliche Hauptabtheilungen: Erftens europäiſche Türkei, zweitens die Infeln, drittens Kleinafien, viertens innerafiatifche Befitzungen( oder Euphratgebiet), fünftens Syrien, fechstens arabifche Befitzungen, fiebentens afrikanifche Befitzungen( oder Tripolis). Die europäifche Türkei ift die im Often vom fchwarzen, im Südoften vom Marmora- und vom ägäifchen Meere und den dinarifchen Alpen und im Norden von der Save und unteren Donau begrenzte Balkan- Halbinfel bis zur griechifchen Grenze hinab. Sie ift gröfstentheils Gebirgsland mit kleineren Thalbecken, nur gegen Nordoften in Steppenland übergehend und gehört zur Hälfte der gemäfsigten, zur Hälfte der warmen Zone an, zwifchen welchen Zonen die Grenze ungefähr von Nordweften nach Südoften lauft. Die Infeln liegen zum kleinen Theile im * Es wird hier gemäfsigt die Zone genannt, wo der Weinstock, warm jene, wo die Südfrüchte( Citronen, Orangen, Feigen), heifs jene, wo die Palmen gedeihen. Türkei. 3 Marmora-, zum gröfsten Theile im ägäifchen Meere, die zwei umfangreichften aber ( Kandia oder Kreta und Cypern) im mittelländifchen Meere. Sie erfreuen fich alle eines gemäfsigt warmen Klimas. Kleinafien oder Anatolien( im engeren Sinne) ift die taurifche Halbinfel zwifchen dem fchwarzen, dem ägäifchen und dem mittelländifchen Meere, im Often vom oberen Euphratthale begrenzt. Es ift ein zufammengefetztes, hohes Tafelland mit viel Steppenboden und mit meiftens ftufenförmig zur Küfte abfallenden, im Weften jedoch durch lange Thäler durchſchnittenen Randgebirgen, im nördlichen und mittleren Theile zur gemäfsigten, im Südweften und Süden zur warmen Zone gehörig. Syrien( mit Aleppo und Paläftina) ift das öftliche Küftenland des mittel. ländifchen Meeres von Kleinafien bis Egypten und Arabien hin, im Often vom unteren Euphratthale begrenzt. Das eigentliche fchmale Küftenland ift von Kettengebirgen eingefäumt, hinter welchen eine ziemlich hohe weite Ebene liegt, die gegen Often in die Wüfte übergeht. Im Allgemeinen gehört Syrien zur warmen, faft fchon heifsen Zone, doch ift diefer Charakter felbftverändlich in den Hochgebirgen modificirt. Das türkifche Innerafien umfafst hauptfächlich das Euphrat- und Tigrisgebiet, und reicht von Kleinafien und Syrien oftwärts bis an die ruffifch- kaukafifche und an die perfifche Grenze, im Süden bis an den perfifchen Meerbufen und an die arabifche Wüfte. Der nördliche Theil ift ein ziemlich kahles Hochland mit faft rauhem Klima, der füdliche Theil ein zur heifsen( doch nicht tropifchen) Zone gehöriges, gröfstentheils fteppenartiges Tiefland. Das türkifche Arabien ift der am rothen Meere liegende weftliche Küftenftreif der grofsen arabifchen Halbinfel( mit der kleinen Halbinfel Sinai), im Süden bis an den indifchen Ocean reichend, gröfstentheils Stufenland, zur heifsen und tropifchen Zone gehörend. Tripoli( im weiteren Sinne) oder das unmittelbare türkifche Gebiet in Afrika ift der zwifchen den Vafallenftaaten Egypten und Tunis liegende Theil des nordafrikanifchen Küftenlandes am mittelländifchen Meere nebft dem angrenzenden Theile des Saharagebietes, ein zur heifseren, nahezu tropifchen Zone gehöriges, nur fchmale Streifen fruchtbaren Bodens enthaltendes, halbwüftes Land. Nach den orographifchen und hydrographifchen Verhältniffen läfst fich das ganze türkifche Reich( mit Ausfchlufs der Vafallenftaaten) in folgende natürliche Gebiete eintheilen. Europäiſche Türkei. Das füdöftliche Küftenland oder die Halbinfel Thrakien( mit den Halbinfeln von Byzanz und von Gallipoli). Die thrakifche Nordoft- Küfte oder das fubbalkanifche Küftenland am fchwarzen Meere. Das Maritzagebiet oder das thrakifche Binnenland. Die Nordküfte des ägäifchen Meeres oder das makedonifche Küftenland ( mit der chalkidifchen Halbinsel). Becken. Theffalien oder die Weftküfte des ägäifchen Meeres mit dem PeneusDas weftmakedonifche Binnenland oder das Grammos- und Perifterigebiet. Albanien oder das Küftenland am adriatifchen und jonifchen Meere. Bosnien oder das dinarifche Alpenland. Dardanien oder das Schargebiet. Das Rilo- und Witofchgebiet oder das centrale Hochland der europäifchen Türkei. Das Donaubalkan- Gebiet oder Bulgarien( im engeren Sinne). 4 Carl Sax. Die Infeln. Die Infeln des Marmorameeres. Die Infeln des ägäifchen Meeres. Kandia oder Kreta. Cypern. Kleinafien. Das nordweftliche Küftenland oder das Marmoragebiet mit den Halb infeln Kadfcha- Ily und Bigha. Das weftliche oder ägäifche Küftengebiet. Das füdliche oder taurifche Küftengebiet. Das füdweftliche Binnenland oder das Bergland des pifidifchen Taurus. Das centrale Hochplateau Lykaonien oder Karamanien. Das Hochland am oberen Halys. Das Binnenland am oberen und mittleren Sangarius. Das mittlere nördliche Küftenland am fchwarzen Meere( Paphlagonien). Das nördliche Küftenland am fchwarzen Meere( Pontus). Das pontifche Hinterland. Das taurifche Hochland im Südoften Kleinafiens. Syrien. Nordfyrien. Die mittlere Küfte und das Libanongebiet. Paläftina. Hinterfyrien. Innerafiatifche Türkei. Das armenifche Hochland. Das kurdifche Bergland. Das mefopotamifche Tiefland. Arabifche Befitzungen. Die Halbinsel Sinai. Das arabifche Stufenland am rothen Meere. Afrikaniſche Befitzungen( Tripoli). Das tripolitanifche Küftenland. Das Hochland und Küftenland von Barka. Die Oafen der Sahara. In adminiftrativ- politifcher Hinficht ift gegenwärtig das unmittelbare Gebiet des türkifchen Reiches( alfo abgefehen von den Vafallenftaaten Serbien, Rumänien, Egypten und Tunis) in einen Centralbezirk und 27 Vilayets oder Generalgouvernements eingetheilt, deren jedes in mehrere Sandfchak oder Muttefarriflik's( Kreife) zerfällt, von welchen jeder wieder einige Kafas( Bezirke) umfafst. Theils auf Türkei. 5 europäifchem, theils auf a fiatifchem Boden liegt der unter unmittelbarer Verwaltung des Polizeiminifteriums ftehende Centralbezirk von Conftantinopel und ebenfo das Vilayet des Archipelagus( ,, der Infeln des weifsen, d. i. des ägäifchen Meeres"). Die rein europäifchen Vilayets find: Edrneh( Adrianopel), Tuna( Donaubulgarien) Bosna( Bofnien mit der Herzogovina), Skodra( Scuttari d'Albania), Prifrend, Janja( Janina), Selanik( Salonik), und Kirit( Kreta oder Kandia); die a fiatifchen: Chudawendikjar( Bruffa), Aidin( Smyrna), Konja, Angora, Kaftamuny, Siwas, Trabufun( Trapezunt), Erferum, Diabekir, Haleb( Aleppo), Adana, Soria( Syrien) Bagdad, Hedfchas und Yemen nebft dem felbftftändigen Sandfchak Kibris ( Cypern); dann die afrikanifchen Vilayets: Tarabelüff- i- Garb( Tripoli di Barbaria) und Benga fi. Diefe Eintheilung ist jedoch nicht ftabil, indem namentlich die beiden letzten Vilayets, ebenfo wie Cypern und der Archipelagus bisweilen vereinigt, und Mofful von Bagdad, Wan von Eferum u. f. w. zeitweilig als eigene Vilayets abgefondert werden, und jedenfalls die Abgrenzung der einzelnen Provinzen faft alljährlich Veränderungen erfährt. Allgemeine ethnographifche Ueberficht. Die Bevölkerung des türkifchen Reiches, welche erft in neuerer Zeit und noch niemals genau gezählt wurde, wird mit Ausfchlufs der Vafallenftaaten auf 27 bis 30 Millionen( mit Hinzurechnung derfelben auf 37 bis 40 Millionen) Seelen gefchätzt, wovon 10 bis 12 Millionen auf die europäiſchen, 16 bis 17 Millionen auf die afiatifchen, und 7-- So0000 auf die afrikanifchen Provinzen kommen. Die Bewölkerungsdichte ift durchſchnittlich fehr gering, nämlich 550 Seelen per Quadratmeile oder ungefähr 9 per Quadratkilometer und zwar in der europäiſchen Türkei 35, in der afiatifchen 10, in der afrikanifchen 2 per Quadratkilometer. Die füdlichen und öftlichen Provinzen der europäifchen Türkei, und die weftlichen Kleinafiens find am dichteften bevölkert, am dünnften in Europa des bosnifchherzegovinifche Bergland und in Afien die Hochländer Armenien und Kurdiftan, fowie die Wüftengebiete in Arabien, Syrien und Mefopotamien ebenfo dünn faft das ganze unmittelbare Pfortengebiet in Afrika. Diefe Bevölkerung ift fowohl nach Abftammung und Sprache, als nach der Religion fehr mannigfaltig. Bei den wenigen Volkszählungen wurde faft niemals die Nationalität, wohl aber die Religionsverfchiedenheit berücksichtigt. Man gibt die Zahl der Mohammedaner auf 19 bis 20 Millionen, jene der Chriften auf 10 Millionen, jene der übrigen Seelen auf kaum I Million an. Die Mohamedaner, welche in der afiatifchen und afrikanifchen Türkei die Majorität bilden, in der europäiſchen aber an Kopfzahl weit hinter den Chriften zurückbleiben, find der Nationalität nach Türken, Tataren, Araber, Slaven, Arnauten, Kurden, Tfcherkeffen, auch Zigeuner und dergl.( und gehören faft ausnahmslos der funnitifchen Secte an; nur die wenigen Metualis in Syrien find Schiiten.); die Chriften find Griechen, Slaven, Armenier, Walachen, Syrier etc. und zerfallen in die griechifch- orthodoxe, bulgarifch- orthodoxe, armenifch- orthodoxe oder gregorianifche, die unirte griechifch- katholifche, die unirte armenifch- katholifche, die maronitifch- katholifche, die römifch- katholifche oder lateinifche, die unirte chaldäifche und die evangelifch- proteftantifche Kirche, nebft den Secten der Neftorianer und der Jacobiten. Unter allen diefen Chriften find die griechifch- orthodoxen die zahlreichften. Zu den übrigen Religionen und Secten gehören die Ifraeliten( ungefähr eine halbe Million), über 200.000 heidnifche Zigeuner( zerftreut). Faft 150.000 Anfairèi ( Nofairiè) und Ismaliè( in Nordfyrien) etwa 40.000 Drufen( in Libanon) und etwa 7- bis 8000 Jefidy und Schemfy( in Kurdiftan und Mefopotamien). Auch gibt es in 6 Carl Sax. einigen Gegenden Krypto- Chriften( einige Taufende), welche äufserlich Mohamedaner find, insgeheim aber fich zu den Chriften rechnen. In der Türkei wird die Nationalität häufig mit der Religion verwechfelt, indem eben die Religionsgenoffenfchaften als politifche Nationen gelten. Wenn wir die Bevölkerung des türkifchen Reiches nach Abftammung und Sprache claffificiren, fo finden wir folgende Nationen: Türkische Völker( 12 bis 13 Millionen). Eigentliche Türken über 12 Millionen. Sie find gröfstentheils in Kleinafien, dann auch im öftlichen Bulgarien, im Rhodope- Gebirge und überhaupt in den meiften Städten des Reiches angefiedelt, und theilen fich in Osmanen Osmanly,( die Nachkommen des von Osman I. regierten Türkenftammes), welche jetzt hauptfächlich die Städte und viele Gegenden Kleinafiens und Bulgariens bewohnen, Turkomanen und Juruken, welch' beide letztere Stämme faft identifch find, und gröfstentheils als Nomaden die Bergdiftricte Kleinafiens, das Rhodope- Gebirge und Theile des Wardargebietes innehaben. Türkifche Quellen erwähnen nur 85.000 Turkomanen, weil fie faft alle türkifchen Stämme, ja felbft flavifche Mohamedaner für Osmanen ausgeben, wodurch fie für diefe letzteren die übertriebene Zahl von mehr als 15 Millionen erhalten. In jedem Falle find die Türken, wenn auch nicht in der europäiſchen, fo doch in der ganzen Türkei weit aus das zahlreichfte Volk. Sogenannte Tataren oder Nogaj'fche Türken hauptfächlich in den Dobrudfcha angefiedelt, wohin fie nach und nach aus Süd- Rufsland eingewandert find; es find etwa 30- bis 40.000 Seelen, von den urfprünglichen 60.000 übrig geblieben. Die türkifchen Völker find durchwegs Mohamedaner. Semitiſche Völker. Araber und arabifirte Syrier in Syrien und Paläftina, in ganz Arabien und Nordafrika verbreitet, zum Theil als Beduinen, nomadifirend, zufammen ungefähr 3 Millionen( in unmittelbar türkifchem Gebiete). Sie find gröfstentheils Mohamedaner; die nicht Mohamedanifchen nennen fich nach ihren Religionen, Anfairiè, Ismailiè, Metawilè,( Metualis) und Drus. Befonders diefe letztgenannten Secten find arabifirte Syrier. Eigentliche Syrier, Maroniten und Chaldäer, vielleicht 300.000 in Syrien und Kurdistan, faft der einzige Ueberreft des, einft über ganz Syrien und das nördliche Mefopotamien verbreiteten, syrifchen oder aramäifchen Stammes; fie find zum gröfseren Theil Chriften, und zwar die Maroniten Katholiken. Diefe letzteren find fchon halb arabifirt. Hebräer, angeblich kaum 200.000, aber wahrfcheinlich doppelt fo viele, fowohl in Paläftina, als im ganzen Reiche verbreitet, und zwar zum grofsen Theile als Spagniolen, das heifst Nachkommen der im XV. Jahrhunderte aus Spanien vertriebenen Juden. Sie find theils orthodoxe, theils karaitifche Mofaiften, oder Samaritaner. Pelasgifche Völker. Griechen oder Hellenen, ungefähr 2 Millionen, wovon die Hälfte in den europäifchen Provinzen am Ufer des ägäifchen und auch des fchwarzen Meeres, fowie im füdlichen Albanien und auf der Infel Candia, die andere Hälfte auf der Weftküfte Kleinafiens, und auf den dazu gehörigen Infeln wohnt. Türkei. 7 In den europäiſchen Provinzen find fie ftark mit flavifchem und albanefifchem Blute vermifcht; in Conftantinopel und in Afien haben fie fich reiner erhalten. Sie find allgemein griechifch- orientalifche, nur auf einigen Infeln, z. B. auf Chio und Tinos, wo fie mit Franken vermifcht fein dürften, auch katholifche Chriften, wo fie zum Islam übertraten, find fie mit den Türken verfchmolzen. Rumänen oder Moldo- Walachen, ein dacifch- römifches, und noch mit verfchiedenen anderen, befonders flavifchen Elementen vermengtes Mifchvolk, mit vorherrfchend romanifcher Sprache, aufser dem Fürftenthum Rumänien nur in einigen Diftricten der Dobrudfcha und des öftlichen, fowie des weftlichen Bulgariens an der Donau, im Ganzen etwa 70.000 Seelen, durchwegs griechifchorientalifche Chriften. Zinzaren, Makedo- Walachen, Kutzo- Walachen, oder MavroWalachen, ein der Sprache nach mit den Rumänen näher verwandtes, gegen 100.000 Köpfe zählendes Bergvolk an der theffalifch- epirotifchen Grenze, und in mehreren Diftricten Albaniens. Sie find griechifch- orientalifche Chriften. Albanefen, Arnauten oder Skipetaren, ein Ueberreft der Urbewohner des Landes, jetzt noch in der Zahl von etwa 1,300.000, die ganze türkifche Küfte des adriatifchen Meeres und die anftoffenden Gebirge theilweife bis zum Wardar und zur Morawa hin bewohnend. Sie theilen fich in zwei Hauptftämme: Ghegen im Norden und Tosken im Süden( Letztere etwas zahlreicher als Erftere), und diefe beiden zerfallen wieder in viele Stämme. Sie find theils Mohamedaner( zur Mehrzahl), theils griechifche, theils katholifche Chriften. Slavifche Völker. Serben( Illyrier, Serbo- Kroaten) aufser dem Fürftenthum Serbien und Montenegro, im türkifchen Alt- Serbien und im nördlichen Albanien als Bosniaken über ganz Bosnien, und als Herzegowen über faft die ganze Herzegowina verbreitet, als Zubei, Korjenici, Banjani, Drobnjaci, Saranci, Vafovici etc., die Grenzen der Cernagora und die Bocche di Cattaro bewohnend. Sie mögen im unmittelbar türkifchen Gebiete nahezu 1 Million Köpfe zählen( alfo viel mehr, als man bisher annahm) und find zum gröfsten Theil griechifch orientalifche Chriften, zum grofsen Theil auch Mohamedaner und zum kleineren Theil Katholiken. Die einftigen Kroaten im türkifch Kroatien find ganz mit den Bosniaken verfchmolzen. Als Coloniften von ferbifchem Stamme find hier auch die zahlreichen Dalmatiner in Bosnien und in der Herzegowina zu erwähnen. Bulgaren, ein aus der Mifchung der ugrifch- tatarifchen Bulgaren mit Slaven entstandenes, jetzt ganz flavifirtes Volk, das in der Anzahl von 3 bis 4 Millionen, jedenfalls als das relativ zahlreichfte Volk der europäifchen Türkei, des Donau- und Balkangebiet, den gröfsten Theil Makedoniens und einen grofsen Theil Thrakiens bewohnt. Die Bulgaren gehören gröfsten Theils zur griechiſchorientalifchen Religion, und haben in neuefter Zeit eine eigene bulgarifche Kirche gebildet; einige Hunderttaufende find Mohamedaner und werden Pomaken genannt; wenige find Katholiken. Ruffen, 15 bis 20.000 Coloniften in der nördlichen Dobrudfcha, theils orthodoxe, theils altgläubige( Starovierci) theils Lipovaner, theils auch Proteftanten. Iranifche Völker. Der Verfaffer fafst im Sinne der Eintheilung Max Müller's die folgenden Völker unter diefem Namen zufammen, weil diefelben unter allen arifchen Völkern mit den eigentlichen Iraniern am nächften verwandt find: 8 Carl Sax. Armenier, faft 2½ Millionen Seelen, im eigentlichen Armenien und aufserdem in vielen Diftricten der afiatifchen und in den meiften Städten der europäifchen Türkei angefiedelt. Sie find zum gröfsten Theile orientalifche, zum kleinen Theile katholifche und proteftantifche Chriften. - Kurden Gurany und Affireta ein in viele Stämme getheiltes, zum grofsen Theile nomadifirendes, von der perfifchen Grenze bis in das weftliche Afien hinein verbreitetes mohamedanifches Volk von ungefähr 1 Million Köpfen. Als fremde Coloniften können hier auch die in Conftantinopel und Trapezunt etc. zahlreich angefiedelten Perfer erwähnt werden. Pontifch- kaukafifche Völker. I. Lafen, ein zum georgifchen Stamme gehöriges, den öftlichen Küften ftrich der Provinz Trapezunt bewohnendes, gröfsten Theils mohamedanifches Volk, von einigen Hunderttaufend Seelen. 2. Tfcherkeffen, in den letzten 2 Decennien in der Gefammtzahl von ungefähr 1 Million Köpfen aus dem Kaukafus in die Türkei eingewandert, und dort in verfchiedenen afiatifchen und noch mehr in den öftlichen und mittleren europäifchen Provinzen angefiedelt. Sie theilen fich in 2 Hauptftämme: Eigentliche oder Adighe Tfcherkeffen und Abchafen, und find gröfstentheils, wenigftens äufserlich, Mohamedaner. Verfchiedene kleinere Völkerfchaften. Zigeuner, vielleicht 2 Million, theils Mohamedaner, theils Heiden, angeblich mehr in Europa als in Afien anfäffig und herumziehend. Berbern, ein hamitifches, vielleicht mit den Semiten verwandtes Urvolk in den nordafrikanifchen Gebieten, wo einige Hunderttaufend Köpfe hieher zu rechnen fein dürften. Sogenannte Franken, d. h. Einwanderer aus dem Occident, insbefondere Franzofen und Italiener, auch Deutfche, u. f. w., welche zum Theil ihre Nationalität bewahrt, zum Theil fich mit den Griechen und Armeniern vermifcht haben. Letztere Mifchlinge werden dann auch insbefondere Levantiner genannt. Sie find nur in den Seeftädten der Türkei zu finden. Unter den fremden Anfiedlern find die griechifchen und die öfterreichifchen Staatsbürger die zahlreichften, dann kommen die Italiener und die Perfer, endlich die Ruffen, Franzofen, Engländer, Deutfchen u. f. w. Volkswirthschaftliche Ethnographie. Volkswirthfchaftliche Thätigkeit der einzelnen Nationen. Indem wir nun die vorhin aufgezählten Völker nach ihrer wirthfchaftlichen Thätigkeit charakterifiren wollen, müffen wir zuerft den osmanifchen Türken, den Repräfentanten des politifch herrfchenden Stammes, näher betrachten. Der Osmane ift der Abkömmling eines Nomadenvolkes, hat fich aber feft angefiedelt und hauptfächlich zum Städter herausgebildet, ohne dabei feine alten Nomadengewohnheiten ganz aufzugeben. Diefe zeigen fich in mannigfacher Richtung, z. B. in der geringen Sorge für das Wohngebäude, in der leicht transportirbaren Möblirung desfelben, in der fummarifchen Behandlung der Staatsgefchäfte, und überhaupt in der Geringfchätzung aller auf fefte Bafis gegründeten Einrichtungen Türkei. 9. für eine weitere Zukunft. Auch aus Neigung zur Ruhe, welche dem heutigen Osmanen als das höchfte Ziel erfcheint, läfst fich derfelbe ungeachtet feiner Liebe zum Gelde nicht gerne in grofse Unternehmungen ein. Er befchäftigt fich auch fehr wenig mit Grofshandel, häufig aber mit Kleinhandel und Handwerk, verfchmäht bei diefen Gefchäften die Reclame und die Speculation, und hat fich den Rufeines foliden und ehrlichen Kaufmannes erworben. Der Osmane hat auch vorzugsweife den Grofs- Grundbefitz in feinen Händen, betreibt aber feltener in eigener Perfon den Ackerbau und die Viehzucht, felten auch die Schifffahrt, liebt hingegen insbefondere die Befchäftigung eines Beamten oder Geiftlichen, und ftellt das Hauptcontingent zum Heere, von welchem die chriftlichen Unterthanen der hohen Pforte bekanntlich ausgefchloffen find. Unter den Stammgenoffen der Osmanen find die Türkomanen und Yuruken, meiftens nomadifirende Hirten, die Yuruken betreiben übrigens auch eine wichtige Teppichfabrication( namentlich in Kleinafien), und die Tataren endlich widmen fich nicht nur der Viehzucht, fondern auch dem Ackerbau, und zeigen ziemlich viel Gefchick für den Handel. Nach diefen türkifchen und durchwegs mohamedanifchen Völkern verdienen vor allen die Araber unfere Aufmerkſamkeit, das Volk Mohamed's, welches unter allen Bekennern feiner Religion die höchfte Culturftufe erreicht hat, und in Egypten befonders eine wichtige Rolle spielt. Jetzt find fie theils noch unbotmäfsige, zum grofsen Theile räuberifche Nomaden die Beduinentheils Handelsleute, Handwerker und Ackerbauer. - Die ebenfalls mit den Arabern ftammverwandten, aber durch die Religion von ihnen fcharf getrennten Maroniten und Drufen in Syrien find hauptfächlich wegen der von ihnen fleifsig betriebenen Seidencultur zu erwähnen. Noch ein femitifches Volk, das der Ifraeliten ift in der Türkei als volkswirthfchaftlicher Factor zu nennen, infoferne es grofsen Theils den Handel vermittelt. Das Wechslergefchäft wird faft nur von den fogenannten fpanifchen Juden betrieben. Die Ifraeliten find, wie in Europa, in den Städten zerftreut; in Paläftina, ihrem Heimathlande, fpielen fie nur eine untergeordnete Rolle. Wenden wir uns nun zu der indogermanifchen Race, fo finden wir in der Türkei in Hinficht auf die Cultur obenan die Griechen, die einftigen Herren diefes Landes. Der Grieche ift fowohl Viehhirt als Ackerbauer und Handwerker, vor Allem aber Handelsmann und Schiffer, und in den gröfseren Städten der Hauptrepräfentant der gebildeten Stände( als Arzt, Advocat, Lehrer, Grofshändler u. f. w.) in allen Richtungen unternehmend und fchlau. Befonders in Conftantinopel ift ein beträchtlicher Theil des Handels in griechifchen Händen, wogegen das freie Griechenland, feiner geringen Hilfsmittel halber, und vielleicht auch wegen der geringen Culturfähigkeit der dortigen albanefifch- flavifch- griechifchen Bevölkerung fich noch nicht zu einem bedeutenden Handelsftaate auffchwingen konnte. Faft als noch fchlauer wie der Grieche gilt der Armenier. Diefer hat fich, mehr als die übrigen chriftlichen Unterthanen der Pforte dem türkifchen Elemente affimilirt, und ift auch häufig im Staatsdienfte anzutreffen. In den meiſten Städten des Orients zerftreut, betreibt er fonft Handels- und Geldgefchäfte oder feinere Handwerke, und befonders ift feine Thätigkeit bei der Seidenfpinnerei und feine Gefchicklichkeit in goldenen und filbernen Filigranarbeiten zu erwähnen. In den heimatlichen Bergen Armeniens treibt er Ackerbau. Auch er leiftet, wie der Grieche und der Jude in feinem eigentlichen Vaterlande weniger für die Volkswirthfchaft, als in den übrigen türkifchen Ländern, wo es in vielen Städten und in Kleinafien auch in einigen Dörfern armenifche Anfiedlungen gibt. Befonders durch ihre Kopfzahl und compacte Gruppirung, zum Theil auch als Ackerbauer wichtig find die füdflavifchen Stämme in der europäiſchen Türkei. Für Induftrie und Handel find ihre Leiftungen nur von geringer Bedeutung, nur die bulgarifchen Teppiche( befonders aus Scharköj) find als wohlfeile 10 Carl Sax. und dauerhafte Waare in der Türkei weit verbreitet, aber die Bulgaren find auch gute Ackerbauer und als folche felbft in entfernteren Gegenden der Türkei gefuchte Arbeiter für die grofsen Landgüter. Sie haben unter den Südflaven überhaupt den meiften Sinn für Volkswirthschaft. Die Serben im Fürftenthume und im türkifchen Altferbien find hauptfächlich Viehzüchter, theilweife auch Ackerbauer, aber gegen das Handwerk zeigen fie noch immer eine gewiffe Abneigung. Die Bosniaken find in ihren Leiftungen noch weit zurückgeblieben, was fowohl den politifchen Zuftänden, als auch dem trägeren Naturell diefes Volkes zuzufchreiben ift. Die mohamedanifchen, wie die chriftlichen Bosniaken betheiligen fich übrigens an Viehzucht, Ackerbau, Handwerk und Handel, aber den gröfseren Theil an Ackerbau und Viehzucht haben die Chriften; die Schweinezucht insbefondere ift bei den Mohamedanern aus religiöfen Gründen verpönt. Lebhafter als die eigentlichen Bosniaken find die Herzegoviner, aber auch fie leiften wenig für die Cultur, überlaffen den Ackerbau in den wenigen frucht baren Strecken ihres Landes grofsentheils dalmatinifchen Coloniften, befchränken fich mehr auf die Viehzucht, und haben zu viel Gefallen an kriegerifchen Unternehmungen, gleich ihren benachbarten Stammgen offen, den Cernagorcen( Montenegrinern), welche übrigens auch häufig als Haus- und Gartenwächter, Strafsenarbeiter und Arbeitsmäkler( gleichwie die öfterreichifchen Bocchefen) fich in Conftantinopel aufhalten. Die Moldo- Walachen, Rumänen, welche fich im eigenen Lande vorzugsweife dem durch die Fruchtbarkeit des Bodens fehr ergiebigen Ackerbaue und ebenfo der Viehzucht widmen, leben auch in Bulgarien gröfstentheils als Schafhirten. Mehr Gewerbfleifs bethätigen die Macedo- Walachen oder Zinzaren. Diefelben treiben in ihrer Heimat im Pindusgebirge Viehzucht, zum Theil noch nomadifch, auch hie und da Ackerbau, zum gröfseren Theile aber find fie Kaufleute, Gaftwirthe und Handwerker, als welche fie namentlich das grobe Wollenzeug für Schiffsmäntel verfertigen. Sehr viele Zinzaren laffen fich zeitweilig in fernen Städten nieder, um dort ihr Handwerk zu verwerthen. Die Arnauten oder Albanefen treiben ziemlich viel Viehzucht, wenig Ackerbau und Handel, fehr wenig Induftrie und ftehen überhaupt auf einer niedrigen Culturftufe. Das Land, das fie bewohnen, ift zum Theil ein ödes Bergland, zum Theil wohl recht fruchtbar, aber fie bebauen es wenig und unter drückenden Verhältniffen. Sie wirken auch mehr in der Fremde als in der Heimat. Sie verdingen fich häufig in türkifchen Städten als Wächter und Arbeiter, als welche fie viel gefucht werden, und in manchen Gegenden Albanies find faft alle Einwohner herumziehende Handwerker, welche nur zeitweilig ihre Heimath befuchen. Die beftändige Sorge für ihre halb unabhängige Stellung gegenüber der hohen Pforte( befonders in Ober- Albanien), ihre durch die Blutrache verbitterten Stammeszwiftigkeiten und ihre Neigung zur Gewaltthätigkeit laffen eine Culturentwicklung dort nicht aufkommen. Die füdlichen Stämme gelten für räuberifcher als die nördlichen. Ungefähr auf gleicher Culturftufe wie die Albanefen ftehend, und ihnen im Charakter ziemlich ähnlich find die Kurden, ein wildes Berg- und Steppenvolk, in zwei Hauptftämme getheilt, von denen die Affireta( die Kriegerkafte) Viehzucht, die Gurany aber Ackerbau treiben, und welche als Nomaden ihren fefshaften Nachbarn oft zum Schrecken werden, und dann die Lafen im pontifchen Berg- und Uferlande, ebenfalls ein verwegenes, räuberifches Volk, dabei nicht ohne allen Gewerbfleifs( infoferne fie die feine„ Leinwand von Rifa" erzeugen), vor Allem aber kühne und gefchickte Küftenfchiffer. Die Berbern in Afrika treiben ein wenig Ackerbau und verdingen fich gerne als Hausdiener. Die Zigeuner find in den türkifchen Ländern theils als Nomaden, theils als Anfiedler verbreitet, und verfchaffen fich als Haufirer und Kleinhändler, Türkei. 11 Schmiede, Keffelflicker, Viehhändler oder mit unproductiven Befchäftigungen ihren Lebensunterhalt. Die Tfcherkeffen und die mit ihnen verwandten Abchafen, vor wenigen Jahren durch die Ruffen aus dem Kaukafus vertrieben, haben für die Volkswirthschaft faft nur eine negative Bedeutung, indem fie in diefer Hinficht nicht nur nichts Erhebliches leiften, fondern durch ihr räuberifches Wefen auch die Culturarbeit ihrer Nachbarn ftören. Der von der türkifchen Regierung unternommene Verfuch, die Tfcherkeffen zu Ackerbauern heranzubilden, hat bisher fehr unbefriedigende Refultate ergeben. Die Franken, die europäiſchen Coloniften, find Handelsleute, Banquiers, Ingenieure, Aerzte, Advocaten, Eifenbahn-, Dampffchifffahrts- und Telegraphenbeamte, Handwerker und dergl. Die Perfer find gröfstentheils Handelsleute. Diefes ift das Völkerchaos, das wir im türkifchen Reiche vorfinden, und gegen welches die Mannigfaltigkeit der öfterreichifchen Nationalitäten als ganz unbedeutend erfcheint. So verfchieden als diefe Völker, fo verfchiedenartig find auch ihre volkswirthfchaftlichen Leiftungen im Einzelnen. Doch aber läfst fich für diefe Nationen eine allgemeine Charakteriſtik geben. Die Orientalen leiften nicht viel, aber bisweilen Bewundernswerthes in Berücksichtigung ihrer einfachen Mittel. Sie produciren felten mehr als fie felbft zu ihrer Ernährung, Wohnung, Kleidung und Bewaffnung brauchen, und ein gewiffes Luxusbedürfnifs haben fie nur in den beiden letztgenannten Richtungen, während fie in der Nahrung fehr mäfsig find, und auf die Behaufung nicht viel Sorgfalt verwenden. Der Prunk in den Gebäuden orientalifcher Machthaber wird durch die unendliche Einfachheit der Wohnungen geringerer Volksclaffen mehr als aufgewogen. Die Kunft kennen die Orientalen faft nur im Dienfte des Handwerkes. Die Productionsverhältniffe im Allgemeinen. Faffen wir zufammen, was über die Productionsverhältniffe der Türkei bekannt ift, fo finden wir eine grofse Mannigfaltigkeit von Naturproducten, aber eine verhältnifsmässig geringe Productionsmenge derfelben, fowie auch eine geringe Anzahl von Induftrie- Producten. Der Gefammtwerth der Production läfst fich wohl nicht angeben. Statiftifche Daten find zwar von einigen Provinzen, aber bei Weitem nicht von allen vorhanden, und auch von jenen wenige zuverläffig. Bezüglich der landwirthschaftlichen Bodenerzeugniffe bietet nur der Zehent einen allgemeinen Anhaltspunkt. Im Jahre 1871 wurde der Zehent um 1,499.135 Kiffés oder Beutel à 500 Piafter, das ift ungefähr 75 Millionen Gulden, verpachtet, woraus fich für die Feldfrüchte ein Werth von 7 Millionen Gulden ergeben würde, der aber gewifs höher, mit wenigftens 10 Millionen angenommen werden kann. Den culturfähigen Boden der europäifchen Türkei hat man auf 52 Millionen Hectaren gefchätzt, und mit Rückficht auf die grofsen unfruchtbaren Steppen, welche in der afiatifchen( und afrikaniſchen) Türkei fich zwifchen den allerdings durch die höchfte Fruchtbarkeit ausgezeichneten Thälern hin erftrecken, könnte man den culturfähigen Boden des ganzen unmittelbaren Pfortengebietes in den drei Welttheilen vielleicht auf das Doppelte, oder in runder Summe auf 100 Millionen Hektaren fchätzen, wonach die Türkei leicht 150 Millionen Menfchen, wenigftens das Vierfache ihrer jetzigen Bevölkerung, ernähren könnte. Gegenwärtig kommt im Durchschnitt ein jährliches Bodenerträgnifs von etwa 180 Gulden auf die Quadratmeile des Gebietes oder von 10 Kreuzern auf die Hektare fruchtbaren Bodens und von etwa 30 Kreuzern auf jeden Einwohner. Ein Beweis, dafs fich die Bevölkerung mehr durch Viehzucht als durch Akerbau ernährt. 12 Carl Sax. Was den Ernte- Ertrag betrifft, fo rechnet man im Allgemeinen darauf, das 6 bis 7fache der Getreideausfaat zu erzielen, beim Mais aber das 80- bis( angeblich) 300fache; in Vorder- Kleinafien wird die Maisernte fonderbarer Weife nur auf das 20 bis 25fältige der Ausfaat angegeben, dabei die Bohnenernte auf 10- bis 15fach und Weizenernte auf 8 bis 1ofach. Jedenfalls ift es in den meiſten Gegenden der Türkei leicht, die Weizenernte auf das 10fache der Ausfaat zu bringen. Reis hat einen fehr fchwankenden, im Durchschnitte 20fachen Ertrag. Der Betrieb der Landwirthschaft ift überall fehr primitiv; gewöhnlich wird eine Art Dreifelder- Wirthfchaft betrieben, oder auch der Boden ununterbrochen ausgenützt, fo lange er trägt. Aufser dem Pfluge verwendet man faft keinerlei Ackerbau- Mafchinen, Dünger ift faft unbekannt, und dennoch ift der Ernte- Ertrag überall ein guter, könnte alfo bei rationeller Bewirthfchaftung noch viel beffer fein. Kleinafien allein follte nach einer von Tfchihatfcheff angeftellten Berechnung jährlich 8 Millionen Centner Getreide liefern können. Von den einzelnen Rohproducten ift das Erträgnifs der Baumwolle mit jährlich 8- bis 900.000 Centnern bekannt, was einen Werth von mehr als 4 Millionen Gulden, alfo faft halb fo viel als der Ackerbau, repräfentirt Der Werth der Wälder ift nicht bekannt, könnte aber unermesslich fein, wenn die Forftcultur und der Strafsenbau zur Erhaltung und Nutzbarmachung der Wälder das Ihrige beitragen würden. Die Viehzucht florirt in den meiſten Gegenden. Die Schaf- und Ziegenfteuer trägt über 400.000 Kiffé oder 20 Millionen Gulden. Die Bergwerke bringen dem Staate kaum 18.000 Kiffé oder 900.000 Gulden ein, obwohl fie unermessliche Reichthümer zu Tage fördern könnten. Die afiatifchen Befitzungen liefern jährlich an Kupfer, Blei und Silber etwas über 2 Millionen Kilogramm. Wollen wir die einzelnen Naturproducte aufzählen, fo finden wir vom Mineralreich vorzüglich Salz, Eifen, Kupfer, Blei, Silber, dann Quekfilber, Zink, Gold, Arfenik, Alaun, Schwefel, Chrom, Marmor, Schmirgel, Jaspis, Meerfchaum und Steinkohlen, befonders auch Lignite; vom Pflanzenreiche alle Getreidearten( Hafer nur wenig), am meiften Weizen und Mais, befonders auch Reis, von Hülfenfrüchte, hauptfächlich Bohnen, dann viele andere Gemüſe, Flachs( weniger Hanf), Mohn, Krapp, Safran, Sefam, Sumach, Tabak von hefonderer Güte, die Baumwoll- Staude, den Weinftock, alle Obftgattungen und Südfrüchte, auch den Kaffeebaum, den Maulbeer- Baum die Oliven u. f. w., und von Waidbäumen, die Eiche, Buche, Fichte, Tanne, Pinie, den Buxbaum unter Anderen( fowie auch Olivenbäume, Obftbäume und Dattelpalmen), und als fonftige Waldproducte Valloneen, Galläpfeln, Knoppern, Harze; dann als Objecte der Viehzuht das Schaf und die Ziege mit der befonderen Abart der angorifchen, das Rind, den Büffel, das Schwein( in geringerer Menge), das Pferd, den Efel und das Kameel. Wir finden ferner die Seidenzucht, und wenn auch fehr primitiv, die Bienenzucht verbreitet. Die Induftrie liefert hauptfächlich Kleidungsgegenstände für den Local bedarf, Teppiche, Thongefäfse, Waffen, Filigranarbeiten, Kupfergefäfse, Leder, Seidenftoffe, Parfumerien und dergl. Der Werth der Teppichfabrication wird auf 13 Millionen Francs, jener der Thonwaaren auf 3 Millionen Francs gefchätzt. Die Induftrie wird gröfstentheils häuslich, nur felten( z. B. in den Seidenfpinnereien) fabriksmäfsig betrieben, und liefert manch' vorzügliches Product, aber nur Weniges für den Export. Wie bereits gefagt wurde, fteht die Production im Allgemeinen nicht im Verhältniffe zur Ausdehnung, Culturfähigkeit und günftigen Lage des Landes. Die Gründe diefer Erfcheinung find gar mannigfaltig, als die geringe Zahl der Einwohner, die Trägheit, Fortfchrittsfeindlichkeit und Bedürfnifslofigkeit eines grofsen Theiles der Bevölkerung, die Mangelhaftigkeit der Verkehrswege, in einigen Gegenden auch die geringe Sicherheit der Perfon und des Eigenthums, dann auch die Sorglofigkeit der Regierung, ihre Unkenntnifs des Landes, der Mangel an Aufmunterung von ihrer Seite, der mangelhafte Unterricht, die drückende Türkei. 13 agrarifche Gefetzgebung und ihre rückfichtslofe Handhabung, namentlich auch die Willkürlichkeiten der Zehentpächter. Die Gefetzgebung und das Communicationswefen machen wohl in neuerer Zeit Fortfchritte, aber in beiden Richtungen bleibt noch Vieles zu thun. Volkswirthschaftliche Topographie. VORBEMERKUNGEN. Da die türkifche Provinzial- Eintheilung nicht nur in vielen Theilen des Reiches eine unnatürliche, fondern auch faft jährlichem Wechfel unterworfen ift, fo wird in diefer Abhandlung eine Eintheilung des Landes vom Standpunkte der phyfifchen Geographie zu Grunde gelegt. Da in jeder Vilayets- und KreisHauptftadt ein Handelsgericht befteht, fo wurde diefs bei den, als folche bezeich neten Städten nicht befonders bemerkt, fondern nur dann hervorgehoben, wenn dort ein international gemifchtes Handelsgericht befteht, oder wenn die betreffende Stadt keine Hauptftadt ift. Wenn an einem Orte mehrere Confulate erwähnt find, fo ift darunter immer auch ein öfterreichiſch- ungarifches. Unter dem Getreidemafs Kilé ift im Durchfchnitt der Conftantinopler Kilé von 0.59 Wiener Metzen, oder 37 Liter, unter Oka das Gewicht von 24 Pfund, unter Piafter die türkifche Münze im Werthe von neun Kreuzer zu verftehen. Die europäiſche Türkei. Das füdöftliche Küftenland oder die Halbinfel von Thrakien. Diefes Gebiet, welches, die Hauptftadt mit inbegriffen, ungefähr 8 bis 900.000 Einwohner, zum gröfseren Theile Griechen, etwas weniger Türken, dann Armenier, Bulgaren und andere Nationen beherbergt, umfafst die bizantinifche Halbinfel und die Landzunge von Gallipoli mit dem dazwifchen liegenden fchmalen Küftenftriche oder nach der politifchen Eintheilung das Stadtgebiet von Conftantinopel( und Pera), den Kreis von Tfchekmedfché und die füdöftlichen Küftenftriche der zum Vilayet Edrneh gehörigen Kreife von Tegfur- Dagh( Rodofto) und Gallipoli; es reicht alfo vom fchwarzen bis zum ägäifchen Meere. Im Innern bis zu den Gebirgen Strandfcha und Tekir- Dagh. Es enthält keine bedeutenden Flüffe, nur Bäche und Küftenfeen, aber es grenzt an die beiden wichtigen Wafferftrafsen: Bosporus und Hellespont. Es hat mehr Weide- als Cultur- und Waldboden. Die Nordküfte am fchwarzen Meere ift fehr wenig cultivirt, hat aber einige Laubwälder, wenn auch gröfstentheils nur Eichengeftrüpp aufzuweifen. Am Marmorameere findet Feld- und Gartenbau ftatt; hauptfächlich wird Weizen, Roggen und Mais, dann Gerfte und Hafer, ferner viel Zwiebel und Bohnen, im Süden auch Baumwolle( jährlich über eine halbe Million Oka) producirt, hie und da auch Weinbau, Seiden- und Bienenzucht getrieben. Von Minenproducten find die Kupferkiefe von Bosporus, oberhalb Bujukdereh, die Lignite von Rodfto und die Bleierze von Gallipoli zu erwähnen. Im Allgemeinen ift die Production diefes Gebietes unbedeutend,( an Getreide höchftens eine Million Kilé) was in der unmittelbaren Nähe der Reichshauptftadt auffallen mufs. An der Einmündung des Bosporus ins Marmorameer, an der Bucht des goldenen Hornes liegt die Hauptftadt Conftantinopel. Hier ift die natürliche Brücke zwifchen der europäifchen und afiatifchen Türkei, der Schlüffel des fchwarzen Meeres, der natürliche Mittelpunkt der Schifffahrt in den türkifchen 2 14 Carl Sax. Gewäffern. Zugleich ift Conftantinopel jetzt der Ausgangspunkt der rumelifchen, und refpective Scutari der anatolifchen Eifenbahnen. Die Stadt beſteht aus dem eigentlichen Stambul mit beiläufig 4 Million Einwohner, den europäiſchen Vorftädten Pera, Galata u. f. w. der afiatifchen Vorftadt Scutari und vielen Vororten an beiden Ufern des Bosporus, mit welchen zufammen fie ungefähr 6- bis 700.000 Einwohner haben dürfte.( Eine genaue Zählung hat noch nicht ftattgefunden, und die bisherigen Angaben waren übertrieben.) Jährlich verkehren im Hafen von Conftantinopel im Durchfchnitte 30.000 Schiffe mit 4% Million. Tonnen, welche Waaren für ungefähr 120 Millionen Gulden ein-, und Waaren für 50 Millionen Gulden ausführen; letztere find gröfstentheils die Naturproducte des nördlichen Kleinafiens. Das Handelsgebiet von Conftantinopel umfafst haupt sächlich das nördliche und mittlere Kleinafien, felbft Perfien in gewiffer Hinficht, von Europa aber nur die füdöftichen Bezirke und das anftofsende Ufer des fchwarzen Meeres. In Conftantinopel gibt es Confulate faft aller europäiſchen Staaten, und türkifche, egyptifche, öfterreichifche, ruffifche, franzöfifche, englifche und deutfche Poften, fo wie mehrere Banken, und eine Handelskammer der öfterreichiſch- ungarifchen Confular- Gemeinde. Die Induftrie Conftantinopels ift bedeutend in Bekleidungs- Gegenftänden, Stickereien, Pofamenterien, Tifchteppichen, Schmuckfachen, Filigranen, Gold- und Silberarbeiten, Tabakpfeifen, Holz- und Seilerwaaren, Leder, Parfumerien u. f. w., liefert aber fehr wenig für den Export. Das kleine Küftenftädtchen Silivri ift wegen der Ausfuhr von Seide, Wein und Holzkohlen, und gleich der landeinwärts liegenden Eifenbahn- Station Tfchataltfcha wegen feiner jährlichen September- Meffe erwähnenswerth. Rodofto( Tekfur- Dagh), Städtchen von 10 bis 15.000 Einwohnern war bisber der Haupthafen für Adrianopol, mufs aber jetzt in Folge der rumelifchen Eifenbahnen, welche Adrianopel mit den Häfen Conftantinopel und Dede- Azhatch verbinden, an Wichtigkeit verlieren; es exportirt indeffen Getreide, Schafwolle und etwas Baumwolle und wird regelmäfsig von den türkifchen und franzöfifchen Poftdampfern berührt. Gallipoli, kleine Stadt an der Mündung des Hellespont ins Marmorameer mit 12- bis 15.000( nicht 60.000) Einwohnern, Exporthafen, Station der meiften zwifchen Conftantipol und dem ägäifchen Meere verkehrenden Dampffchiffe, producirt und exportirt Käfe( Cascaval), Nägel, Häute, Cocons, Baumwolle u. f. w. Der Verkehr in diefem Küftengebiete ift faft auf die Schifffahrt, und nach Innen auf die Verbindung mit Adrianopel befchränkt, und concentrirt fich felbftverftändlich in Conftantinopel. Die thrakifche Nordoft- Küfte oder das fubbalkanifche Küftenland am fchwarzen Meere. Von der bizantinifchen Halbinfel zieht fich längs des fchwarzen Meeres bis zum Balkan hinauf ein fchmaler, halb aus eruptivem, halb aus kryftallinifchem Geftein beftehender, zum Vilayet von Edrneh gehöriger Küftenftrich, welcher gegen das Binnenland zu durch eine 1000 bis 3000 Fufs hohe, eigentlich namenlofe, häufig aber mit dem Namen Strandfcha benannte Bergkette begrenzt ift. Bedeutende Flüffe find in diefer Gegend nicht vorhanden, aber viele kurze Küftenflüffe und Waldbäche. Der nördliche Theil diefes Küftenlandes enthält gröfsere, fehr fruchtbare Ebenen, im füdlicheren Theile reichen die Berge bis ans Meer. Diefer gebirgige Theil ift wenig cultivirt, und enthält dichte Waldungen, namentlich faft noch undurchforfchte Eichenurwälder. Die nördlichen Ebenen aber produciren verhältnifsmässig viel Getreide( wohl wenigftens zwei Millionen Kilés) insbefondere Weizen, Korn und Gerfte. Im Uebrigen find die Productions- Verhältniffe diefes Türkei. 15 Gebietes am allerwenigften bekannt. Die Einwohnerzahl beträgt kaum 100.000 ( Bulgaren, Türken, Griechen). Die wichtigeren Ortfchaften desfelben find: Aidos, Städtchen mit 4- bis 5000 Einwohnern, am Fufse des Balkans, und die Hafenftadt Burgas, an dem weftlichen Golfe des fchwarzen Meeres mit 3- bis 4000 Einwohnern, wichtig für den Getreide- Export; nördlich von diefem, am fchwarzen Meere Miffivri und Achjoly, und füdlicher Sife poly und Midia, kleine Seeftädtchen ohne Bedeutung wegen der unwirthfchaftlichen Befchaffenheit der Küfte. Im füdlichen Bergdiftricte ift noch die kleine Ortfchaft Samakow zu erwähnen, weil in deren Nähe Magneteifen- Sand gewafchen wird. Die Verkehrsverhältniffe diefes Gebietes find fehr ungünftig, mit Ausnahme des nördlichften Theiles, als deffen Handelscentrum Burgas zu betrachten ift. Das Maritzagebiet oder das thrakifche Binnenland. Diefes mit Ausnahme des nordweftlichen, dem Donauvilayet einverleibten Winkels, ganz zum Vilayet von Edrneh gehörige Gebiet ift im Norden vom Südabhange des Balkans, im Südweften vom Rhodopegebirge, im Südoften von dem das Marmora- Küftenland begrenzenden Tekir- Dagh und im Often von dem längs. des fchwarzen Meeres hinziehenden, fogenannten Strandfchagebirge begrenzt, und reicht nur im Süden an einer fchmalen Stelle bis ans ägäifche Meer. Die mit dem Balkan parallel laufenden Gebirge Sredna- Gora und Karadfcha- Dagh theilen die Landfchaft in das eigentliche, aus einem oberen und einem unteren Becken beftehende Maritzagebiet und in das obere Tundfchabecken. Die Becken der Maritza gehören unter die fruchtbareren Gegenden der Türkei, find aber gleichwohl nicht genügend bewirthschaftet. Immerhin producirt diefes ganze Gebiet jährlich an 12 Millionen Kilé Getreide, nämlich 6 bis 7 Millionen Weizen, bei 3 Millionen Gerfte, 12 Millionen Roggen, 12 Million Mais und 2 Million Kilé Hafer, dann über 100.000 Oka Bohnen, 100.000 Oka Flachs, und( befonders im oberen Maritzabecken bei Philippopel etc.) faft 2 Million Oka Reis, dann über 50 Millionen Oka Weintrauben, ferner faft I Million Oka Tabak, verfchiedene Obftgattungen, Kaftanien, Rofen zur Bereitung von Rofenöl am Fufse des Balkans, gegen 200.000 Oka Cocons, eben fo viel Honig, in den Waldregionen Vallone en, und reichliches Tannen-, Fichten, Eichen- und Buchenholz, befonders im Rhodopegebirge, welches ungeheuere, wegen fchlechter Communicationsmittel fehr wenig benützte Wälder enthält, und endlich find gegen 2 Millionen Schafe, faft 2 Million Ziegen, bei 200.000 Rinder, bei 40.000 Pferde, ungefähr 30.000 Efel, über 50.000 Schweine und bei 5000 Kameele vorhanden, und es liefert die Schafzucht ein beträchtliches Quantum von Wolle. An Erzen ift diefes Gebiet nicht befonders reich, wenigftens wird dort nirgends darauf gebaut. Einige Braunkohlen- Lager wurden conftatirt, aber nicht ausgebeutet. Die Hauptleiftungen der Induftrie find Tuch, Strümpfe, Säcke und Schnüre. Die Bevölkerung befteht aus beiläufig 1,100.000 Seelen, worunter etwa 400.000 Türken und 700.000 Chriften( Bulgaren und Griechen). Als ftärker bevölkerte, durch Induftrie und Handel wichtige Städte find hier zu erwähnen: Die Vilayethauptftadt Adrianopel( Edrneh), jetzt fowohl mit Conftantinopel, als mit Dedeaghatfch am ägäifchen Meere, und mit Philippopel durch Eifenbahnen verbunden; fie ift der Sitz mehrerer Confulate, hat eine bedeutende Kupferinduftrie, und etwa 70.000 bis 90.000 Einwohner; Philippopel ( Philibeh), die wichtigfte und blühendfte Handelsftadt in den europäiſchen Provinzen der Türkei, mit ungefähr 40.000 bis 60.000 Einwohnern, und mehreren Confularämtern; Tatar- Bafardfchik, eine im Auffchwunge begriffene Stadt 2* 16 Carl Sax. von 12.000 bis 15.000 Einwohnern, gleich den vorigen an der Eifenbahn gelegen; die durch ihr Rofenöl berühmten Städte Kefanlyk und Eski- Saghra mit 10.000 bis 15.000 Einwohnern, in der Nähe des Balkans; Slivno oder Isle mje mit 12.000 bis 15.000 Einwohnern, ebenfalls am Fufse des Balkans gelegen und etwas Rofenöl producirend, zugleich wegen feiner Waffenfabrication, feiner ärarifchen Tuchfabrik und feines Jahrmarktes von Bedeutung; Jamboly an der Tundfcha, mit beiläufig 5000 Einwohnern und bedeutender Fabrication von Tuch und von Zuckerwerk( Halsva); Kirkkiliffeh, öftlich von Adrianopol, eine Stadt von 12.000 bis 15.000 Einwohnern, mit befonders viel Weinbau, endlich die Ortſchaft und Ebene Ufundfchowa zwifchen Adrianopel und Philippopel, wo jährlich im Herbfte die gröfste Meffe der Türkei abgehalten wird. Das Maritzagebiet befitzt unter allen Theilen der Türkei die meiſten Eifenbahnen; im Uebrigen ift fein Communicationswefen nicht fehr entwickelt Sein Handelsverkehr gravitirte bisher fowohl zur Donau( befonders über den Schipkabalkan bis Kefanlik) als nach Conftantinopel, aber letzteres mufs nun durch die Eifenbahn das Uebergewicht erhalten, infolange nicht die Eifenbahn bis zur Donau fortgefetzt ift. Die Nordküfte des ägäifchen Meeres oder das makedonifche Küftenland. Diefes Küftenland, welches zum Theile noch zum Vilayet von Edrneh, zum gröfsten Theile aber zu dem von Salonik gehört, ift im Nordoften durch das Rhodopegebirge, im Norden ungefähr durch den Perim- Dagh, die Malefch- und Plafchkawitza- Planina, im Often durch den Wardarpafs Demir- Kapù, und durch die Gebirge Narianska, Nidfche, Doxa und Olympos begrenzt. Es ift von mehreren grofsen Flüffen( Mefta- Karaffû, Struma- Karaffû, Wardar und Biftritza oder IndfcheKaraffû) durchftrömt, und greift mit der dreizüngigen chalkidifchen Halbinsel weit ins ägäifche Meer hinein, wodurch die grofsen Golfe von Salonik, Kaffandra, Agion, Oros und Rendina( Orfani) gebildet werden, während weiter öftlich auch noch die Bucht von Lagos tief ins Land hineinfchneidet. Die chalkidifche Halbinfel ift gebirgig und ragt im Athos( Agion Oros) bis zu 6000 Fufs hinan; im Uebrigen ift aber die Küfte ziemlich eben und fruchtbar. Das ganze Gebiet producirt mehr als 12 Million Kilè Weizen, eben fo viel Gerfte, über 1 Million Kilè Roggen, beiläufig 21 Millionen Kilè Mais, ferner über I Million Oka Reis, 37 bis 38 Millionen Weintrauben, über 3 Millionen Oka Baumwolle, über 200.000 Oka Cocons, und über 3 Millionen Oka Tabak, am meiften im Bezirke von Drama, wo die Gegend von Jenidfchè die befte Sorte liefert, dann Oliven, Gerbftoffe( als Therebinthenblätter, Tannenrinde und Harz) und endlich Bau- und Werkholz. Die Waldungen enthalten hauptfächlich Eichen, Buchen, Ahorn, Buchs, Kaftanien und Tannen, und find befonders an den Abhängen des Perimgebirges. ungeheuer ausgedehnt, aber nicht näher bekannt. Die Baumwolle ift theils einheimifche, theils amerikaniſche, zum kleinen Theil auch egyptifche, der Seidenfame ift theils einheimifcher, theils japanifcher. Nicht unbedeutend ift auch die Viehzucht diefes Gebietes, welche Rinder, Schweine, über I Million Schafe und gegen 800.000 Ziegen aufweift. Sehr reich ift das Land an Erzen, fowie an Mineralquellen. Die Thäler im Norden der chalkidifchen Halbinfel und im Kara dagh( bei Awrethiffar) enthalten Silber und Gold, welches zum Theil auch ausgebeutet wird; ferner findet fich bei Salonik Kupfer, und Eifen in den meiften Gebirgen des Landes; endlich Steinkohle am Fufse des Olymp, bei Seres und bei Demirkapù. Die Induſtrie liefert befonders Eifenwaaren, als Nägel, Hufeifen, Fenftergitter, Vorhängfchlöffer, Meffer, Hämmer, Sicheln, Zangen, Pflugfcharen und TabakSchneidemaschinen; dann auch Leder, Leinwand, Baumwolle und Seidenwaaren. Türkei. 17 Die Bevölkerung beträgt ungefähr 1,300.000 Seelen, zur Hälfte Türken, zur Hälfte Bulgaren und Griechen. Die bedeutendften Städte diefes Gebietes find: Die Vilayets- Hauptstadt Salonik mit wenigftens 40.000( zum grofsen Theile ifraelitifchen) Einwohnern, und mit vielen Confulaten, der wichtigfte Handelshafen der europäifchen Türkei, jährlich von mehr als 800 Seefchiffen mit 200.000 bis 250.000 Tonnen und von 3000 Küftenfchiffen mit circa 60.000 Tonnen befucht, jetzt noch wichtiger durch die im Wardarthale gegen Uskup hinauf gebaute Eifenbahn, zugleich als Induftrieftadt ziemlich bedeutend durch Manufacturen in Seide und Baumwolle, fowie. durch die Erzeugung von Corduan- und Sachtianleder; Verria oder Karaferia, Landftädtchen im Weften von Salonik, mit einem Jahrmarkte im Auguft; Janitza oder Wardar Jenidfche, mit einer grofsen Meffe im Mai; Wodena, Stadt mit 6000 bis 7000 Einwohnern; dann öftlich von Salonik, ebenfalls im Innern des Landes: Seres, Stadt von 20.000 bis 30.000 Einwohnern, mit einer Meffe im Februar und mit wichtiger Baumwoll- Manufactur; ferner Drama, kleinere Stadt mit Leinwand- Fabrication, und Jenid fchè am Karafù, durch feinen Tabak berühmtes Städtchen, dann das kleine Seeftädtchen Cavala, Exportplatz und Lloydftation; in den nördlichen Gebirgsgegenden die Städtchen Melnik mit einer Oftermeffe, und Nevrek op mit 3 Jahrmärkten. Endlich noch öftlicher im thrakifchen Küftenlande liegt die Häufergruppe von Dedeaghatfch, wichtig als der Punkt, wo die Adrianopler Eifenbahn das ägäifche Meer erreicht, wodurch die Bedeutung des öftlicheren, feiner Sümpfe wegen verrufenen Hafenplatzes Enos als Echelle für Adrianopel wefentlich herabgemindert ift.- Deffenungeachtet fcheint auch Dedeaghatfch, welches jetzt Lloydftation ift, wegen feiner ebenfalls ungefunden und auch fonft ungünftigen Lage keine grofse Zukunft zu haben. Salonik und die übrigen Häfen reguliren den Hauptverkehr diefes Gebietes, welches übrigens auch fahrbare Strafsen, namentlich von Salonik nach Seres und nach Monaftir beſitzt, die gröfste Wichtigkeit aber durch die Eifenbahn nach Uskup( und in Zukunft nach Bosnien) erlangen wird. Theffalien oder die Weftküfte des ägäifchen Meeres und das Peneiosbecken. Südlich vom Olympos mündet der Salambriaflufs, der Peneios der Alten, in das ägäifche Meer, und von da an abwärts ift die Küfte bis zur Bucht von Volo unzugänglich und von den hohen Gebirgen Kiffowo( Offa) und Pleffidi( Pelion) eingerahmt. Hinter diefen Gebirgen, nur gegen die Bucht von Volo hin ziemlich offen, liegt das bis zum Pindus und Zagros hin reichende, durchfchnittlich über 700 Fufs hohe Becken des Peneios, jetzt fammt der erwähnten Küfte zum Vilayet von Janja gehörig, und zwar den gröfsten Theil des Sandfchaks von Tirhala bildend. Diefes Land gehört, obwohl nur 6/10 des Areals bebaut find, unter die reichften Gegenden der Türkei. Es producirt jährlich circa 2,800.000 Kilè Weizen, 1,200.000 Kilè Gerfte, über 700.000 Kilè Roggen, 2 bis 3 Millionen Oka Tabak, 3 bis 4 Millionen Oka Oel, bei 400.000 Oka Baumwolle und faft 100.000 Oka Cocons, dann auch Wein. Der ergiebigfte Feldbau ift in der Mitte des Beckens; der meifte Tabak wird bei Karditza, Farfala und Armyrò, die meiſte Baumwolle bei Turnovo und Armyrò producirt; das Oel kommt ausfchliesslich aus dem Diftricte von Volo, wo die Bergabhänge mit Olivenwäldern bedeckt find. Der Wein gedeiht hauptfächlich an den Küftengebirgen gegen das Binnenland zu. Die Viehzucht liefert Schafwolle, Lammfelle, Ziegenhaare und Schlachtvieh; die( fogenannte) Forftcultur: Breter, Pfoften, Schiffbau- Holz und Maften; der Bergbau: Chrom, Blei und Mangan- Eifenftein; aufserdem gibt es filberhältige Bleierze in Pelion. 18 Carl Sax. Die Einwohnerzahl beträgt 180.000, darunter Griechen, Türken und Zinz aren. Die wichtigften Städte find: Lariffa( Jenifchechr) mit 15.000 bis 20.000, Trikala( Tirhala) und Karditza mit je 5000 Einwol.nern. Die drei bedeutendften Handelsplätze des Landes find Tirnavo mit 5000 bis 6000 Einwohnern und bedeutender Fabrication von leichten Seidenftoffen und Cattunen( aus englifchem Baumwoll- Garn) für den Landesbedarf; Aja, kleines Städtchen mit Fabrication von eben folchen Seidenftoffen und Halinatuch; Ambelakia, erwähnenswerth wegen Fabrication von Hufeifen aus englifchem Eifen, und von Pferdedecken aus Ziegenhaaren; Volo, die einzige Hafenftadt des Landes mit circa 3000 Einwohnern, ein Platz von zunehmender Wichtigkeit für den Handel, mit mehreren Confularagentien. Volo ift von vielen grofsen und induftriellen Flecken umgeben. Die Einwohner der nahe gelegenen Infel Trikkeri befchäftigen fich mit Schifferei und Schwammfifcherei. Das Centrum der inneren Communication ift Lariffa, von wo die Hauptrichtungen des Verkehrs nach Volo, alfo ans ägäifche Meer, und über den Pindus nach Epirus gehen. Das weftmakedonifche Binnenland oder das Grammos- und Perifterigebiet. Nördlich vom Peneiosbecken liegt, von diefem durch das Amarbergebirge gefchieden, das obere Becken des im Grammos entſpringenden Indfche- Karafu oder der Biftritza mit dem See von Kaftoria, und nördlich von diefem letzteren, von ihm durch die Neretfchka- Planina getrennt, das Becken der in den Wardar mündenden Tfcherna, welches im Norden durch die Babuna- Planina begrenzt ift, und zwifchen diefen zwei Becken liegt im Often angefügt das kleine Becken des Oftrowofees. Alle drei Becken haben eine Seehöhe von 1000 bis 2000 Fufs, und find gegen das Wardar- Tiefland hin im Often durch Gebirge abgefchloffen, welche nur durch die Biftritza und die Tfcherna durchbrochen find. Weftlich von diefen hohen Thalbecken, jenfeits des 7000 Fufs hohen Perifteri, liegen die Becken des Presba und des Ochridafees mit den Quellgebieten des Dewol und des fchwarzen Drin, welche beide ins adriatifche Meer fliefsen. Diefs find lauter Hochländer von 2000 bis 3000 Fufs Seehöhe, von den oben genannten Becken durch keine hohen Gebirge gefchieden, und mit den Devolquellen zwifchen das Biftritza- und das Tfchernabecken hineingreifend. Alle diefe Hochländer, welche fich enge in einander fügen, und gegen die Umgebung deutlich abgegrenzt find, werden hier als weftmakedonifches Hochland bezeichnet, deffen Bafis gewiffermafsen der Grammos und deffen Mittelpunkt der Perifteri zu nennen ift. Diefes ganze Gebiet gehört zum Vilajet von Selanik, und bildet den gröfsten Theil des Sandfchaks von Monaftir und jenes von Goritza( Görtfche), mit Ausnahme des füdwestlichen Theiles des Biftritzabeckens, welches unnatürlicherweife( als Kafà von Grewenà zum Vilajet und Sandfchak von Janja gehört. Die jährliche Bodenproduction diefes gefammten Hochlandes befteht in beiläufig 12 Million Kilè Weizen, I Million Kilè Gerfte, 900.000 Kilè Roggen, 800.000 Kilè Mais, 120.000 Kilè Hafer, dann 180.000 Oka Reis, 114 Million Oka Bohnen, über 100.000 Oka Baumwolle, bei 270.000 Oka Tabak und über 70 Millionen Oka Weintrauben. Ausserdem werden viele Färbepflanzen( Krapp, Gelbholz, der Färber- Maulbeer- Baum u. f. w.) cultivirt, durch die Seidenzucht 20.000 bis 30.000 Oka Cocons producirt, und faft I Million Schafe, über 1 Million Ziegen und bei 50.000 Schweine, fowie auch Rinder und Büffel gezüchtet. Der Waldbeftand des Hochlandes dürfte über Türkei 19 200,000 Dönüm( à 56% Joch) betragen, und enthält Eichen, Buchen und Tannen. Der Mineralreichthum des Landes befteht in Steinkohlen Lagern( zu beiden Seiten des mittleren Biftritza- und im Norden des Tfchernabeckens) dann in Kupfer, Eifen und etwas Silber. Auch die Mineralwäffer find zahlreich. Bevölkerung beträgt ungefähr 900.000 Seelen, worunter Bulgaren, Griechen, Zinzaren, Türken und Albanefen. Die wichtigften Städte diefes Hochlandes find: Bitolia oder Monaftir an einem Nebenflüfschen der Tfcherna, eine gewerbfleifsige und handeltreibende, im Auffchwunge begriffene Stadt, von wenigftens 30.000 Einwohnern, mit mehreren Confulaten; Prilip oder Perlepé, Jahrmarkts- Platz mit nahezu 10.000 Einwohnern, mit 8 Talgfiedereien, welche alljährlich bei 1000 Laften Talg erzeugen und an 30.000 Schafe und Ziegen verbrauchen, von denen nur die beften Stücke als Fleifch verkauft werden, und mit zehn Schmiede- Werkftätten, welche Hufeifen und Nägel aus bulgarifchem und englifchem Eifen fabriciren; Krufchewo, Städtchen mit 5000 bis 6000 Einwohnern; Ochri oder Ochrida, ungefähr ebenfo grofs am gleichnamigen See, bedeutend durch Fifchhandel; dann die durch ihre Meffen bekannten Städtchen Florina und Selfidfche oder Serwia, Giörtfcha oder Goritza, Kaftoria oder Kesriè am gleichnamigen See. Schatifta, Grewenà etc. Bezüglich des Verkehres gravitirt das Land theils nach Salonik, theils nach dem adriatifchen Meere. Die einzige fahrbare Strafse führt von Monaftir nach Salonik. Albanien oder das Küftenland am das Küftenland am adriatifchen adriatifchen und jonifchen Meere. Diefes Küftengebiet, welches von der griechifchen bis an die montenegrinifche Grenze reicht, ift im Often durch das Pindus- und Grammosgebirge, durch die Berge von Dibre am fchwarzen Drin, durch das Bafchtrik-, Bor- und Prokletigebirge( im Nordoften) begrenzt, und umfafst das ganze Vilajet von Schkodra ( Skutari), die Wefthälfte des Vilajets von Janja, nämlich Epirus und mehrere Diftricte des Vilajets von Priscend. Das Land hat zahlreiche und ziemlich bedeutende Flüffe, die aber gröfstentheils nicht fchiffbar find, als: Arta, Luro, Kalamas, Wojuffa, Semeni( Dewol), Schkumbi, Mati, Drin und die aus dem See von Skutari kommende Bojana, welche theilweife befahren wird. Der wichtigfte Golf ift der von Arta im Süden. Albanien gehört unter die wildeften Gegenden der europäi fchen Türkei, ift aber demungeachtet nicht arm an Producten. Der Norden und der Süden des Landes find fehr gebirgig, mit einigen, ziemlich fruchtbaren Thälern; das mittlere Gebiet und die nördliche Küfte find mehr eben, aber fchlecht bebaut, befonders die vielen fumpfigen Küftenftriche find im Sommer faft verlaffen; eben dort werden übrigens Blutigel gefifcht und Seefalz gewonnen,( etwa 100.000 Pfund jährlich). Auch Perlenfifcherei wird an der Küfte getrieben. Der Feldbau producirt ungefähr 1 Million Kilè Weizen, 3½ Million Kilè Mais, faft 1 Million Kilè Gerfte, ebenfoviel Roggen, und über I Million Kilè Hafer und Hirfe, ferner Fifolen, Lein und Flachs, fowie Tabak in geringeren Quantitäten; auch Summach wird gebaut, Farbholz producirt, und in den füdlichen Gegenden viel Seidenzucht betrieben, welche jährlich über 200.000 Cocons liefert. Der Weinbau ift befonders im Süden verbreitet, die füdlichen Ufergegenden find auch reich an Orangen-, Citronen- und Cedrathainen. Der Olivenbaum gedeiht gut in den meiften Theilen des Landes, befonders auch an der Südküfte, und liefert gegen 2 Millionen Oka Oel. Bei Arta, im füdlichften Landestheile wird auch die Baumwoll- Staude cultivirt. Ein Hauptreichthum des Landes find die Schaf- und Ziegenheerden, welche Wolle und Ziegenhaare liefern, auch Rinderund Schweinezucht wird betrieben. Die Gebirge im Innern find reich an Holz. Befonders am Pindus und Grammos, fowie an den Gebirgen am Artaflufs liegen 20 Carl Sax. grofse Tannen-, Fichten-, Lärchen-, Eichen- und Buchenwälder, welche wegen Mangel an Communication nicht ausgenützt werden, und weftlich davon am Luro viel Eichenholz, welches fich befonders zum Schiffbau eignet, und im vorigen Jahrhunderte von Venetianern und Franzofen zu diefem Zwecke exportirt wurde, während es jetzt verfault. Im Vilajet von Schkodra, alfo in der nördlichen etwas kleineren Hälfte des Landes rechnet man 93 Quadratmeilen Wälder mit 712 Million fchlagbaren Eichen-, Fichten-, Tannen- und Lärchenftämmen. Holzfägen aber exiftiren nur 2 im Lande( bei Durazzo). Von Mineralfchätzen ift in Albanien wenig bekannt, an der Wojuffa gibt es Erdpech Minen, welche jährlich bei 430.000 Pfund liefern, und im füdlichen Epirus Steinfalz, welches aber nicht ausgebeutet wird. Die Bevölkerung beträgt 800.000 bis 900.000 Seelen, gröfstentheils Albanefen, der Reft Griechen, Zinzaren und Serben( Türken nur in den Hauptftädten). Erwähnenswerthe Städte find: In Süd Albanien( Epirus). Janina oder Janja, am gleichnamigen Binnenfee, Vilajets Hauptftadt mit 20.000 bis 25.000 Einwohnern, bedeutend durch Gerbereien, welche Pfund- und Sohlleder aus Buenos Ayreshäuten, und auch Maroquinleder( felbft für Conftantinopel) liefern, fowie auch durch Gold- und Silber- Filigranarbeiten, HufeifenSchmieden, Tuchfabrication u. f. w.; Konitza mit 3000 bis 4000 Einwohnern an der oberen Wojuffa mit einem Jahrmarkte im September; Mezzovo im Pindusgebirge mit circa 5000( chriftlichen) Einwohnern, der bedeutendfte, befonders in früheren Zeiten blühend gewefene Handelsplatz der Zinzaren, noch jetzt wichtig durch Teppichweberei und Fabrication von Halinatuch, fowie durch lebhaften Woll- und Viehhandel; Kalarytes, ein ebenfalls herabgekommenes, einft durch Silber und Goldarbeiten berühmtes, jetzt nur noch durch Tuchfabrication und Viehzucht bedeutendes Bergftädtchen von circa 1200 Einwohnern und einer Septembermeffe; Arta( Narda) mit circa 7000 Einwohnern; Prevefa, Städtchen von circa 6000 Einwohnern am Eingange des Golfes von Arta, wichtiger Seeplatz für Epirus, Sitz eines öfterreichiſch- ungarifchen Viceconfulates und einer Lloydagentie. Im Innern des Landes: Argyrokaftro( Ergiry) mit circa 12.000 Einwohnern und vielen Hufeifenfchmieden, und Berat mit circa 8000 Einwohnern; das Hafenftädtchen Awlona oder Valona am Eingange des adriatifchen Meeres, mit einem k. und k. Viceconfulate und einer Lloydagentie, ein ungefunder Ort von kaum 2000 Einwohnern, aber mit bedeutendem Ausfuhrhandel nach Trieft, befonders in Oel, dann auch in Wolle, Lammfellen, Mais, Valonea, Salz, Erdpech u. f. w. In Mittelalbanien: Durazzo, der Hafen für Mittelalbanien, ein ungefundes Städtchen von 3000 bis 4000 Einwohnern, Lloydftation, Sitz eines k. und k. Confulates, bedeutend durch Oelausfuhr, und durch die Einfuhr von Manufactur- und Colonialwaaren aus Trieft, Italien u. f. w. Im Innern Elbaffan, bedeutende Handelsftadt mit 10.000 bis 12.000 Einwohnern. In Nordalbanien: Skutari( Schkodra, Skadar), die Hauptftadt des gleichnamigen Vilajets, mit beiläufig 24.000 Einwohnern, an der Bojana, mit dem Hafenftädtchen Antivari( Bar), am adriatifchen Meere, bedeutend durch den Handel mit Oefterreich und Italien. Nach den beiden letztgenannten Staaten gravitirt überhaupt der geringe Verkehr Albaniens, deffen innere Communicationen kaum erwähnenswerth find. Am wichtigften find noch die fehr fchlechten Wege von Antivari über Skutari nach Prisrend, von Durazzo über Elbaffan nach Ochrida. und die Fahrftrafse von Arta nach Janina, wo fich der Weg über den Pindus nach Theffalien anfchliefst. Bosnien oder das dinarifche Alpenland. Bosnien mit Einfchlufs der Herzegowina bildet durch feine politifche Umgrenzung, und durch feine ethnographifche Einheit mehr noch als durch feine Türkei. 21 phyfifchen Verhältniffe ein befonderes Ganzes, einen ftreng abgefchiedenen Theil der europäifchen Türkei. Nur im Südoften ift es durch einen fchmalen Landftrich mit den übrigen türkifchen Provinzen verbunden, während es im Often von Serbien, im Süden von Montenegro, im Südweften von Dalmatien, im Nordweften und Norden von Militärcroatien begrenzt ift. Der gröfste Theil des Landes ift von der füdöftlichen Fortfetzung der dinarifchen Alpen erfüllt, welche, in der Kammhöhe von 3000 bis 7000 Fufs mitten durch das Land hindurchziehend, dasfelbe in zwei hydrographifche Gebiete theilen: in das nordöftliche, oder in das Saverefpective das Donaugebiet, welches das eigentliche Bosnien mit dem nordöftlichen Theile der Herzegowina umfafst, und in das füdweftliche, oder adriatifche Gebiet, welches den gröfsten Theil der Herzegowina und einige weftliche Diſtricte des eigentlichen Bosniens in fich begreift. Das nordöftliche Gebiet ift waldig und rauh, das füdweftliche hat einen ausgefprochenen Karftcharakter, und ein mehr füdliches Klima; es ift eigentlich nur das politifch losgeriffene Hinterland Dalmatiens. Die wichtigften Flüffe des eigentlichen Bosniens find: die fchiffbare Save an der Nordgrenze und ihre theilweife fchiffbaren Nebenflüffe Unna( mit der Sanna), Werbas, Bosna( mit der Spretfcha und der Kriwaja) und die Drina( mit dem Lim). Von dem in die Morawa fliefsenden Ibar kann phyfifch höchftens noch das weftliche Quellengebiet, namentlich die Rafchka zu Bosnien gerechnet werden, während naturwidrigerweife auch noch das mittlere Ibarthal, jenfeits der Rogosnitza- Planina politifch zu Bosnien gehört. Der Hauptflufs der Herzegowina ift die leider erft an ihrer Mündung ( auf öfterreichifchem Gebiete) fchiffbare Neretwa oder Narenta mit ihren Nebenflüffen Rama, Trebifchat und Krupa, welch' letztere als die Fortfetzung der in die Erde verfchwindenden Trebinfchitza zu betrachten ift. Zwifchen diefen Flüffen und befonders auch in den, an die Herzegowina grenzenden, weftbosnifchen Diftricten( Livno, Glamodfch, Kuprfs) gibt es viele Keffelflüffe ohne fichtbaren Ausflufs. Wie der allgemeine phyfifche Charakter der genannten zwei Hauptgebiete verfchieden ift, fo verfchieden ift auch die Bodenproduction in denfelben. In der Herzegovina gedeiht die Olive, Maulbeere, Granate, Feige, der Reis und der Weinftock, während im eigentlichen Bosnien keines diefer Gewächfe fortkommt( der Weinftock nur in einem kleinen Bezirke Weftbosniens), dagegen die Zwetfchke die Herrfchaft behauptet. In der ganzen Provinz, welche 1144 Quadratmeilen umfafst, werden 523 Quadratmeilen auf Waldboden, 283 Quadratmeilen auf Culturboden, 181 Quadratmeilen auf Weideboden und 157 Quadratmeilen auf fterilen Boden gerechnet; an dem letzteren participirt die nur 203 Quadratmeilen grofse Herzegovina mit 98 Quadratmeilen, wornach alfo nicht viel mehr, als die Hälfte diefes Landes aus productiven Boden befteht. Ueberhaupt gehört Bosnien gleich Albanien unter die ärmeren Gegenden der Türkei. Man veranfchlagt die Production der ganzen Provinz Bosnien an Heu auf II bis 12 Millionen, an Zwetfchken auf mehr als 2 Million Centner, an Wein auf 15.000 Eimer, an Tabak 50 bis 60.000 Oka, an Cerenalien auf 4 bis 5 Millionen. Centner, und zwar 3 bis 4 Millionen Centner Kukuruz( Mais), 230.000 Centner Gerfte, 80.000 Centner Hirfe, 130.000 Centner Roggen, 30.000 Centner Weizen und 2000 Centner Hafer, nebft dem 1200 Centner Reis, 10.000 Centner Bohnen und 12.000 Pfund Hanf und Lein. Von den Getreidearten werden der Roggen und Weizen nur in der Save Ebene( Pofavina) und im Centrum des Landes, die übrigen aber, namentlich der Kukuruz in allen Theilen der Provinz, am meiften wieder an der Save, fowie an der Drina, der Unna und Sanna, dann auch in den übrigen gröfseren Flufsthälern, und auf den Hochebenen von Livno, Glamotfch, Skoplje, Serajevo, Lynbinje, Nevefinje, Sjubuska, Gatzko, Nikfitfch, in der Papovopolje( an der Trebintfchlitza), endlich auch in den füdöftlichen Landestheilen( bei Novipafar) angebaut; der Reisbau ift auf das Thal des Trebifat in der 22 Carl Sax. Herzegovina befchränkt, Hanf und Lein wird am meiften in Weftbosnien cultivirt. Was den Waldbeftand betrifft, fo herrfcht im Norden die Eiche, in der breiten Mittelzone des Landes die Buche, theilweife mit Nadelholz abwechfelnd, in den höheren Centralgebirgen die Tanne und Fichte; in einigen nordöftlichen Diftricten kommt die Linde und überall zerftreut die Lärche vor. Waldarm ift nur die Herzegovina mit Ausnahme ihrer nordöftlichen Diftricte. Eine bedeutende Erwerbsquelle des Landes ift die Viehzucht, welche befonders in der Schafwolle einen werthvollen Exportartikel liefert. Die Schafe find auf 112 Million, die Ziegen auf 34 Millionen, die Rinder 400.000, die Schweine auf 2 bis 300.000, die Pferde auf faft 200.000 Stück zu veranfchlagen. Efel und Büffel kommen nur in geringer Anzahl vor. Auch die Bienenzucht wird betrieben, und es follen fich in der ganzen Provinz über 98.000 Bienenftöcke befinden. Die Seidenzucht ift noch nicht eingeführt. Grofs ift der Mineralreichthum des Landes, befonders an Eifen. In beiläufig 40 Minen mit 127 Schmelzhütten werden im Centrum des Landes und im Nordweften desfelben( nahe der croatifchen Grenze) jährlich 80 bis 100.000 Centner guten Eifens gewonnen. Blei, Kupfer, Queckfilber, Zinn, Silber, Gold, Schwefel, Steinkohlen und Meerfchaum find ebenfalls vorhanden, aber ausgebeutet wird nur etwas Blei bei Olowo, und etwas Meerfchaum zwifchen Banjaluka und Derbend; ferner wird bei Tusla, an der Spretfcha, Kochfalz erzeugt( jährlich 6 bis 7000 Pfund). Von Mineralquellen find Eifenfäuerlinge und heifse Schwefelquellen zu erwähnen( befonders in der Nähe von Serajevo). Die Induftrie ift in Bosnien von geringer Bedeutung. Am meiften verbreitet ift die Schafwoll- Manufactur, die Holzinduftrie, die Fabrication roher Eifen-, Kupfer- und Thonwaaren, das Seiler- und Kürfchner- Handwerk und fpeciell in der Pofavina auch die Ziegelfabrication; im Allgemeinen iſt das ZimmermannsGewerbe mit der Herftellung der Wohnhäufer befchäftigt, wie diefs im gröfsten Theile der europäifchen Türkei der Fall ift. Bosnien ift wegen feines geringen Culturzuftandes kein befonders vortheilhaftes Abfatzgebiet für wefteuropäiſche Erzeugniffe, aber es ift wichtig durch feine, einer viel gröfseren Entwicklung fähige Naturproduction, befonders für fein Nachbarland Oefterreich- Ungarn. Die Einwohnerzahl beträgt 1,100.000, faft durchgehends Bosniaken, ferbifchen Stammes, aber faft zur Hälfte mohamedanifcher Religion. Die wichtigften Ortſchaften Bosniens find: Im Centrum des Landes: Bosna Seraj oder Serajevo, die Vilajets- Hauptftadt, mit 30 bis 40.000 Einwohnern, mit mehreren Confulaten; hinfichtlich der Induftrie bedeutend durch feine Gerbereien, durch Fabrication von Schuhen, Kleidern; Schnüren, Pelzen, Thonwaaren, Waffen und Filigranarbeiten in Silber und Gold etc.; Wefforka mit circa 3000 Einwohnern, welche fich viel mit Erzeugung von Decken und Teppichen befchäftigen; Krefchevo, Foinitza, Buffo watfcha und Warefch, kleine Städtchen mit Eifen- Bergwerken und Schmieden; Travnik, die vormalige Hauptftadt mit beiläufig 10.000 Einwohnern; Senitza( Zenica) an der Bosna mit circa 2000 Einwohnern, Teppich, Decken- und Ledermanufactur; Tefchanj mit 2 bis 3000 Einwohnern mit viel Getreide handel; Unter- und Ober.( Donja- und Gornja-) Tusla, das erfte mit 5000, das zweite mit 1000 Einwohnern, beide mit Salzfiedereien; Banjaluka, die zweitgröfste Stadt Bosniens mit beiläufig 15.000 Einwohnern und einem öfterreichiſch- ungarifchen Viceconfulate, Endpunkt der Eifenbahn von Novi; Stari- Maidan( Maden) Städtchen von kaum 2000 Einwohner mit Eifenminen und Schmieden; an der Oftgrenze das befeftigte Swornik mit circa 5000 und Belina mit 5 bis 6000 Einwohnern; an der Save die Scalen: Bertfchka mit 2 bis 3000 Einwohnern und einem k. und k. Viceconfulate; Schamatz, Brod( derzeit die frequentefte); Kobafch, Gradiska, und an der Unna: Dubitza, Koftainitza und Nowi. Letzteres der Ausgangspunkt der bosnifchen Eifenbahn, lauter kleine Städtchen mit ungefähr 1 bis 2000 Einwohnern; dann an der Weftgrenze: Türkei. 23 Bihatfch mit 4 bis 5000 Einwohnern; Safin mit 2 bis 3000 Einwohnern, Getreidehandel, Eifengruben und Schmieden; Livno an der Strafse von Serajevo nach Spalato, mit beiläufig 5000 Einwohnern und einem öfterreichifch- ungarifchen Viceconfulate. In der Herzegovina: Die Landeshauptftadt Moft ar mit faft 15.000 Einwohnern und mehreren Confulaten; Trebinje, bekannt durch feinen Tabak, mit 2 bis 3000 Einwohnern, und einem k. und k. Viceconfulate; Stolatz und Nikfitfch, befeftigte Städtchen mit circa je 3000 Einwohnern, dann an der oberen Drina: Fotfcha gewerbefleifsiges Städtchen von faft 10.000 Einwohnern, mit bedeutendem Handel nach Ragufa, jedoch nicht mehr in dem Mafse wie in früheren Zeiten, öftlich davon Pleoje oder Tafchlidfcha mit 3 bis 4000, und Prepolje mit 2 bis 3000 Einwohnern; Sjenitza mit kaum 1000 Einwohnern, aber Kreishauptstadt mit wichtigen militärifchen Etabliffements: endlich an der Rafchka, nächft der ferbifchen Grenze Nowipafar( Jenibafar) mit ungefähr 8000 Einwohnern mit einiger Induftrie in Gold- und Silberfiligran u. f. w. Die Provinz hat eine kleine, noch ganz ifolirte Eifenbahn( Nowi- Banjaluka) und ziemlich gute Strafsen, von Serajewo nach Brod, nach Bertfchka, nach Bihatfch, über den Prologh nach Sign( Dalmatien) und über Moftar nach Metkowitfch( refpective Ragufa). Dardanien oder das Schargebiet. Zwifchen Serbien und Makedonien, zu beiden Seiten des Schargebirges, liegt, von Bergländern umgeben, ein durch weite, mehr oder minder hochliegende Ebenen charakterifirtes Gebiet, in welchem die, den drei verfchiedenen Meeren zuftrömenden Flüffe: der weifse Drin, der Ibar( mit der Sitnitza), die bulgarifche Morawa und der Wardar ihren Urfprung nehmen, ohne durch hohe Wafferfcheiden von einander getrennt zu fein. Selbft die mächtige, bis zu 9000 Fufs hinanragende Scharkette ift nicht die wefentliche, fondern nur eine fecundäre Wafferfcheide zwifchen dem Drin und dem Wardar. Diefes Gebiet, welches den natürlichen. Uebergang von der nördlichen in die füdliche Türkei bildet, gehört gröfstentheils zum Vilajet von Prisrend, nur der füdlichfte Theil desfelben gehört durch eine etwas künftliche Begrenzung zum Sandfchak von Monaftie und mittelbar zum Vilajet von Salonik. Im Süden liegt auf der Oftfeite des Wardar die nur 700 Fufs hohe Ortfche- Polje oder Muftafa- Owafsy, eine Tertiärebene zwifchen kryftallinifchen Formationen; weftlich davon das 1000 bis 1200 Fufs hohe obere Wardarbecken, oder das Thal Tettowo; nördlich von diefem, jenfeits des Schargebirges, die vom weifsen Drin durchftrömte, bis an die bosnifche Sucha- Planina reichende, über 1000 Fufs hohe Ebene Metoja, und öftlich davon, nur durch unbedeutende Hügelreihen von ihr getrennt, die bei 1500 Fufs hohe Koffowopolje, oder das Amfelfeld, von Ibar und von der Sitnitza, feinem bedeutendften Quellflufse, durchftrömt. Von hier gegen Often zieht fich ein Gebirgsland hin, welches durch das Thal der bulgarifchen Morawa durchbrochen ift, und durch die bulgarifche SuchaPlanina und Snegpolje begrenzt wird; im Norden dehnt fich das Morawathal beim Einfluffe der Nifchawa wieder zu einer, wohl nur kleinen, wenig über 400 Fufs hohen Tertiärebene aus. Alle die genannten Ebenen und Thäler produciren Getreide, namentlich Mais und Weizen, auch Gerfte und Tabak.. In der oberen Wardargegend wird auch Reis und an der oberen Morawa viel Hanf gebaut. Im Süden wird auch etwas Seidenzucht betrieben. Der Wein gedeiht befonders am Drin( in der Metoja) und dann auch am Wardar. Ueppige Wälder findet man in Schar und in den weftlichen Alpen, befonders Tannen, Fichten und Kiefern. In den anderen Gegenden herrfcht die Buche vor; aufserdem gibt es Eichen-, Ulmen-, Kaftanien- und Nufswälder, befonders die letzten auch am Schargebirge. 24 Carl Sax. Die ausgedehnten Weideplätze dienen zur Viehzucht, befonders zur Schafzucht, welche ein grofses Quantum Wolle liefert. Der Mineralreichthum des Landes ift bedeutend, aber nur theilweife benützt. Im Südoften bei Karatowa liegt. ein Silberbergwerk, welches bei gutem Betriebe angeblich täglich 4000 Oka filberreichen Bleiglanz liefern kann. Auch das Schargebirge foll im Süden filberhältig fein. An der Morawitza bei Wranja, bei Klifura an der Morawa, und bei Egri Talanka im Südoften gibt es Eifenerze, und in letzterer Gegend auch einige Eifenwerke. Salpeter kommt bei Skoplja vor, und wird auch ausgebeutet. Bei Ipek gibt es Petroleum und bei Nifch auch Steinkohlen, aber nichts davon wird benützt.( Ipek foll auf einem grofsen Kohlenlager ftehen.) Die Bevölkerung befteht aus faft 1,500.000 Seelen, worunter faft eine Million mohamedanifcher Albanefen, der Reft Serben, Balgaren, Tfcherkeffen, Osmanen etc. Die wichtigften Städte find: Die Vilajetshauptftadt Prisrend mit 30- bis 40.000 Einwohnern, im allmäligen Auffchwunge begriffen, mit Maroquinfabrication und nicht unbedeutendem Handel, befonders nach Trieft, und mit einem öfterreichifch- ungarifchen Confulate; Djakowa( Jakowa, Djakowitza) bedeutend durch Seideninduftrie, mit 10- bis 12.000 Einwohnern; Ipek oder Petfch mit 10.000 Einwohnern; Prifchtina mit 9- bis 10.000 Einwohnern und militärifchen Etabliffements; Wranja mit circa 8- bis 9000 Einwohnern und Eifeninduftrie; Leskowatz mit 10 bis 15.000 Einwohnern und bedeutendem Hanfhandel, beide an der Morawa, Nifch( Niffa), an der unteren Morawa nahe der ferbifchen Grenze, eine zum grofsen Theil neugebaute, im Auffchwunge begriffene Stadt von 15- bis 16.000 Einwohnern; dann im Süden am Wardar: Skoplja oder Uskup, Stadt von 10- bis 12.000 Einwohnern, der zukünftige Knotenpunkt der rumelifchen Eifenbahnen( von Conftantinopel, Salonik und Bosnien) mit etwas Leder-, Leinwandund Seidenmanufactur und Branntwein- Brennerei; Kumanowa, kleines Städtchen mit Teppichfabrication; Kalkandelen mit Waffenfabrication; Schtiplji oder Iftip, Stadt mit 10- bis 15.000 Einwohnern; Karato wa mit 4- bis 5000 Einwohnern, mit Hohöfen für die filberhältigen Bleierze aus der Umgegend; Egri Palanka mit 2- bis 3000 Einwohnern und vielen Schmieden, welche Waffen, Hufeifen und dergl. fabriciren; endlich Köprülü oder Welefa am Wardar, Stadt mit 16- bis 20.000 Einwohnern, mit bedeutenden BranntweinBrennereien, durch die neue Eifenbahn mit Salonik und auch durch den fchiffbaren Wardar mit dem ägäifchen Meere verbunden. Im Uebrigen find die Communicationen in Dardanien fehr fchlecht, mit Ausnahme der befferen Strafsen, welche von der ferbifchen Grenze über Nifch nach Sofia und Widdin führen. - Das Rilo- und Witofchgebiet oder das centrale Hochland der europäifchen Türkei. Diefes Gebiet liegt öftlich vom vorigen, gruppirt fich um die beiden, durch einen niedrigen Kamm zufammenhängenden Gebirgsknoten Rilo( über 8000 Fufs) und Witofch( über 7000 Fufs), welch' Letzterer faft im Mittelpunkte liegt, und reicht im Norden bis zum Balkan und zur Stara Planina, im Süden bis zum Perim Dagh, und im Often bis zum Maritzabecken, während im Weften die delomitifche Kalkkette zwifchen der Nifchawa und Morawa als feine Grenze betrachtet werden kann. Es enthält die Quellengebiete der dem ägäifchen Meere zuftrömenden Struma, des in die Donau fliefsenden Isker und der in die Morawa fliefsenden Nifchawa. Mit Ausnahme des zum Vilajet von Prisrend gefchlagenen Nifchawathales gehört diefes Gebiet ganz zum diefes Gebiet ganz zum Donauvilajet und bildet den Kreis von Türkei. 25 Sofia. Es enthält eine einzige ausgedehnte Hochebene, nämlich das vorzüglich productive Becken von Sofia( 1600 Fufs hoch), und mehrere kleinere, meiftens noch höher liegende Ebenen, ift aber gröfstentheils von Gebirgen erfüllt. Die Abhänge derfelben find zum Theil reich mit Nadelholz bewaldet( wahrfcheinlich gegen 8000 Hektaren). Die Ebenen und Thäler produciren bei 7 Millionen Kilé Weizen, und faft 72 Millionen Kilo Roggen, je 1 Million Kilo Mais und Gerfte, über 2 Million Kilo Hafer, dann beiläufig 1 Million Oka Trauben, und 7 bis 800.000 Oka Tabak, befonders bei Dfchumâ und bei Sofia. Die Viehzucht liefert. über 1 Millionen Schafe, 12 Million Ziegen, über 120.000 Schweine, über 100.000 Rinder, ferner Büffel, Pferde und Efel. Sehr wichtig ift der Bergbau, welcher bei Samakov im Jahre circa 800 Centner Eifen liefert. Die Einwohnerzahl mag über 1 Million betragen, gröfstentheils Bulgaren und in den Städten auch Türken, Die Städte diefes Gebietes find: Sofia, mit 15- bis 18.000 Einwohnern, an der von Conftantinopel nach Belgrad führenden Hauptftrafse, mit Seiden- und Baumwoll- Manufactur, in commercieller Hinficht nicht mehr fo wichtig, als früher; füdlich davon Samakov mit circa II.000 Einwohnern, wichtig durch feine Fabriken und Eifenhämmer, durch feine Gerbereien und durch Fabrication von Schnüren, Strümpfen und Seidenfhawls, Dubnitza mit 6- bis 7000 Einwohnern, Radomir mit circa 2000 Einwohnern, Kuftendil mit 8- bis 9000 Einwohnern und vielen Schmieden, Dfchumâ, kleines Städtchen mit Leinwand- Induftrie, und mit Thermalbädern und Tabakbau in der Umgebung, endlich im Nordweften an der Nifchawa: Pirot oder Scharköj mit ungefähr 10.000 Einwohnern, berühmt durch Teppichfabrication. Die Communicationen diefes Gebietes find in ziemlich gutem Stande. Der Verkehr gravitirt hauptfächlich nach der Donau, zum Theil nach Conftantinopel. Das Donau- Balkangebiet oder das fogenannte Bulgarien. Diefes ausgedehnte Gebiet, welches fich zwifchen der unteren Donau und der Haupkette des Balkans Hæmus von der ferbifchen Grenze bis zum fchwarzen Meere hinzieht, umfafst die türkifche Donauprovinz( Tuna Vilayety) mit Ausnahme des Kreifes von Sophia. Es könnte zwar in das weftliche Donau- Balkangebiet, in das pontifche Balkangebiet und in die Dobrudfcha( das Küftenland von der Donaumündung bis zur Bucht von Baltfchik) abgetheilt werden, aber diefe drei Theile find fo, fchwer von einander abzugrenzen, und haben fo viel Gemeinfames in ihrem Charakter, dafs es beffer ift, fie als ein einziges grofses Gebiet zu betrachten. Das ganze Land befteht vorherrfchend aus Kreide- und LöfsPlateaux, welche von dem felbft gröfstentheils aus Kreide beftehenden Balkangebirge allmälig in Stufen bis zum fchmalen Donauthale hinabfteigen, und an der Küfte gröfstentheils fteil abfallen. Zwifchen diefen Plateaux fliefsen meiftens in engen, oft tief eingefchnittenen Thälern die Nebenflüffe der Donau: Lom, Oguft, Skit, Iskra( Isker) Wid, Osma( Ofem). Jantra, Lom( aus dem fchwarzen und dem weifsen Lom beftehend) u. a. fowie auch der direct ins fchwarze Meer ftrömende Devnoflufs und wenigftens auf der Nordfeite auch der mit diefem parallel fliefsende Kamtfchik, während deffen Südfeite fchon zum Berglande gehört. Aufser dem Balkan findet fich erft wieder in der nördlichen Dobrudfcha nächft der Donaumündung ein Bergland. Die Gebirgsgegenden enthalten grofse Waldungen, befonders in der weftlichen Balkankette, und auch die Plateaux zwifchen Schamla und Siliftria find theilweife bewaldet( Deli- Orman). Der ganze Waldboden wird mit 70.000 Hektaren angegeben. 26 Carl Sax. Vorherrfchend find Buchen und Eichen; Nadelholz ift feltener. In den mittleren Gebirgsgegenden find viele Maulbeer- Pflanzungen, in welchen jährlich faft 2 Million Oka Seidencocons erzeugt werden.( Am meiften im Kreife von Tirnowa). Bulgarien ift die wahre Getreidekammer der europäiſchen Türkei. Diefes Gebiet producirt jährlich bei 23 Millionen Kilo Weizen, 10% Millionen Kilo Gerfte, 6% Millionen Kilo Mais, 2 Millionen Kilo Hafer, 1 Million Kilo Roggen und Million Kilo Hirfe, in Summa 43% Millionen Kilo Getreide, ferner I Million Oka Bohnen, faft eine Million Oka Tabak, über 120 Millionen Oka Weintrauben, und bei 50.000 Centner Sumach. Die befte Gerfte wird um Rasgrad, der meifte Mais im Kreife von Tirnowa, der meifte Sumach in denfelben Gegenden gebaut. Im Allgemeinen find die höher liegenden Gegenden beffer angebaut als das Uferland der Donau und das Küftenland des fchwarzen Meeres( Dobrudfcha) wo übermäfsig viel Weideboden vorhanden ift. An Vieh befitzt diefes ganze Gebiet 312 Millionen Schafe, über 1/2 Million Ziegen, faft 2 Million Rinder, 80- bis 90.000 Schweine, viele Büffel und Pferde, weniger Efel und Maulthiere, felten kommen auch Kameele vor. Die Schafzucht ift befonders im Nordoften verbreitet, wo bis vor wenigen Jahren noch die fiebenbürgifchen Mokanen ihr Weiderecht ausübten. Auch Bienenzucht wird in den mittleren Gegenden viel betrieben. Von Minenproducten find nur die Steinkohlenlager bei Berkowatz, Plevna und Travna zu erwähnen, deren Ausbeute bisher vernachläffigt wurde. Unter den Induftriezweigen ift die Fabrication von Abatuch verbreitet. Die Bevölkerung beſteht hauptfächlich aus Bulgaren und dann aus Türken, der Reft find Tataren, Walachen, Griechen, Tfcherkeffen u. f. w., zufammen etwa 21 Millionen Seelen. Die commerciell wichtigen Städte find und zwar: an der Donau: Widdin, befeftigte Kreis- Hauptftadt mit beiläufig 16.000 Einwohnern, mit einiger Induftrie in Pelzwerk, Schnüren, Sätteln, Schuhen, Tuchkleidern, Filigranarbeiten von Gold und Silber u. f. w., Sitz eines öfterreichifch- ungarifchen und eines ruffifchen Confulates, fowie einer k. k. Poftanftalt. Lom( Lom Palanka), Städchen von 6000 Einwohnern, Hauptfcala der Gegend von Sophia und für die Ausfuhr von Weftbulgarien; Oreawa( Rahowa) und Nikopoli, kleine Donau- Stationen; Sift of mit 12.000 Einwohnern, Hauptfcala für die Gegenden von Tirnova und Philippopel( in Thrakien), weil an dem Punkte liegend, wo die Donau am tiefften nach Süden abbiegt; Ruftfchuk feit einigen Jahren in Auffchwung gekommen, Vilayets- Haupftadt mit 20- bis 24.000 Einwohnern, mit einem gemifchten Handelsgerichte, mit mehreren Confulaten und einer öfterreichifchen Poft, Ausgangspunkt der Warnaer Eifenbahn, mit ziemlich bedeutender Fabrication von Tuch, Schuhen, Hemden, Sattelzeug und Thonwaaren( befonders eingelegten Pfeifenköpfen und Cigarrenfpitzen, Taffen) etc. Tutrakan, kleine zunehmende Donauftation; Silistra( Siliftra), Feftung mit 8000 Einwohnern und mit nicht unbedeutendem Handel im Getreide. Dann im Innern: Berkovat z oder Berkoftfcha, Städchen am Fufse des Balkans, mit beiläufig 6000 Einwohnern, und mit fehr bedeutender Teppichfabrication; Wratza, Stadt von 13 bis 14.000 Einwohnern, mit etwas Seidenhandel; Lovatz oder Loftfcha mit 10.000 Einwohnern; Tirnova KreisHauptftadt mit 13- bis 14.000 Einwohnern, mit Branntwein- Brennereien, grofsen Trockenanftalten für Cocons und namhafter Induftrie in Tuch und Leder, Centrum des Balkan'fchen Coconhandels; Gabrowa im Balkan mit beiläufig 6000 Einwohnern und bedeutender Induftrie in rohen Eifenwaaren( Meffern, Waffen und dergl.), dann in Seilerwaaren und Riemzeug; Rasgrad mit 10.000 Einwohnern und mit etwas Getreidehandel; Efki Dfchuniâa mit 10.000 Ein wohnern, bemerkenswerth wegen feiner grofsen Aprilmeffe; Schunda mit beiläufig 20.000 Einwohnern und wichtigen mitlitärifchen Etabliffements; HarfchiOglu Bafardfchik im Beginne der Dobrudfchafteppe gelegene Stadt von faft 10.000 Einwohnern; Medfchidfe im Karafûthale, neu gebaute Stadt von Türkei. 27 wahrfcheinlich 5- bis 6000 Einwohnern( gröfstentheils Tataren), an der Eifenbahn- Linie von Cernavoda nach Küftendfche mit zwei grofsen Jahrmärkten, welche als die Meffen von Karafu bekannt find; dann an der unteren Donau: Tultfcha, die politifche Hauptftadt der Dobrudfcha mit vielen Confulaten und beiläufig 12.000 Einwohnern, mit etwas Schiffbau; und Sulina( Sünna), Hafenplatz an der Mündung des gleichnamigen Donauarmes in's fchwarze Meer, jung emporgekommenes Städtchen von kaum 1000 Einwohnern mit wichtigen Uferbauten, Sitz vieler Confularämter. Dann am Ufer des fchwarzen Meeres: Küftend fche, Städtchen von etwa 1500 Einwohnern mit einigen Confularämtern, durch die nach Tfchernavoda führende Eifenbahn mit der Donau verbunden; Baltfchik mit 4- bis 5000 Einwohnern, der füdliche Hafen der Dobrudfcha; und endlich Warna, Kreishauptftadt, mit beiläufig 16.000 Einwohnern, Sitz mehrerer Confularämter und einer öfterreichifchen Poft, wichtig durch feine Eifenbahn- Verbindung mit Ruftfchuk und überhaupt als Ausfuhrhafen Bulgariens, doch fo wie die vorgenannten Hafenftädte ohne eigentliche Hafenbauten. Das Communicationswefen in Donau- Bulgarien ift faft das befte des türkifchen Reiches; zu der Seeküfte und der ebenfalls von Dampf- und Segelfchiffen befahrenen Donau kommen noch die zwei Eifenbahnen Ruftfchuk- Varna und CzernavodaKüftendfche, fowie ein ausgebreitetes Netz fahrbarer Strafsen. Die Infeln. Die Infeln des Marmorameeres. Alle diefe Infeln im Marmorameere haben zufammen nicht über 10.000 Einwohner, meiftens Griechen. Namentlich find zu erwähnen: Die Prinzeninfeln bei Conftantinopel, welche adminiftrativ fogar zum Gebiete der Hauptstadt gerechnet werden; und zwar die vier gröfseren: Proti, Antigoni, das einft an Erzen reiche Chalki mit dem gleichnamigen Uferftädtchen, und die grofse Infel Prinkipo mit der gleichnamigen Stadt; fämmtliche Infeln wenig bebaut, die beiden letztgenannten aber reich an Laubwald und insbefondere an Oelbäumen; dann die langgeftreckte, ziemlich kahle Infel Kalolimnia oder Emir- Aly( Imralia), und die durch ihre Marmorbrüche berühmte Infel Marmora; endlich füdlich von diefer die Infel Aloni, oder Pafcha Liman und Affia. Diefe Infeln gehören zum Vilayet Chudawnidkjiar. - Die ägäifchen Infeln( türkischer Archipelagos). Von diefen Infeln, welche( aufser Samos) alle zum Vilayet der Infeln„ des weifsen Meeres" gehören und bei 400.000 faft durchwegs griechifche Einwohner haben, find die bedeutendften Samothrake oder Semadrek mit dem hohen Kegelberge Fangari und Bleierz- Lagern; Thafos, nahe der makedonifchen Küfte; Imbros oder Imrûs, theilweife mit Waldgebirgen bedeckt, bemerkenswerth wegen feiner Lager von Bleierzen und von Ligniten, wegen Salinen, fowie wegen Fifchfang und Mufchelfifcherei, mit dem Hafenftädtchen Kaftro; Limno( Lemnos) mit dem durch Salinen wichtigen Hafenftädtchen Kaftro- Limno, viel Obft und Wein, fowie auch Getreide producirend. Alle bisher genannten Infeln liegen abfeits von den grofsen Schifffahrts- Linien. Näher an der afatifchen Küfte und an den Hauptverkehrs- Linien liegen Tenedos oder Bofdfcha, eine gröfstentheils kahle, aber auf der Weftfeite viel Wein und Oel producirende Infel mit gleichnamiger Hafenftadt und einer öfterreichifch- ungarifchen Confularagentie; die grofse, reichbewaldete und frucht 28 Carl Sax. bare Infel Mytilini oder Midülly( Lesbos) mit der Hafenftadt Kaftro- Mytilini, wo ein öfterreichifch- ungarifches Vice- Confulat befteht; diefe Infel ift wichtig durch ihre Production von Oel( von welchem in manchen Jahre 300.000 Centner exportirt werden) und durch ihre Seidenzucht( welche jährlich bei 50.000 Oka Cocons für die Ausfuhr liefert), dann auch durch Schafzucht, Weinbau, Obftbau, Baumvoll- Cultur und Seifenfiederei, fowie durch Aufternbänke, Bauholz und Marmor, endlich auch durch drei grofse, natürliche Häfen auf der Südfeite( Longon, Sigri und Olivier); dann die Infel Chio oder Sakys- Adaffy mit der ungefähr 12- bis 15.000 Einwohner(?) zählenden Hafenftadt Kaftro Chio, Station faft aller Poftdampfer, weniger Getreide, aber defto mehr Obft und Südfrüchte( Feigen, Datteln, Mandeln, Granaten, Citronen u. f. w.), Oliven, Therebynthen, Wein und Maftik producirend. Wieder weniger frequent find: die durch einen Vafall- Fürften regierte Infel Samos oder Sufam mit der Hafenftadt Vathy, bedeutend durch Bienenzucht, welche Honig und Wachs zur Ausfuhr liefert, fowie durch Muscatwein, Obft und Südfrüchte, Baumwolle und Arzneipflanzen( als Scamonea und Jalappa), endlich durch Marmor und Eifenocker; die Infel Nikaria, ziemlich unfruchtbar, nur wegen ihres Bauholzes bemerkenswerth; Lero mit gleichnamiger Hafenftadt; Kalimno mit bedeutender Bienenzucht; Koy oder Stankoj( Kos) mit gleichnamiger kleiner Hauptftadt, befonders Citronen, Orangen und Rofinen producirend und Scarpanto oder Kerpé( Karpathos), endlich Rhodos mit der gleichnamigen, befeftigten, angeblich gegen 10.000 Einwohner(?) zählenden Hafenftadt, eine fruchtbare, aber nicht hinlänglich angebaute Infel, welche an der Grenze zwifchen dem ägäifchen und dem mittelländifchen Meere gelegen, Obft und Südfrüchte, fowie Honig und Wachs für die Ausfuhr erzeugt. Die Hauptftadt ift der Sitz einer Kreisbehörde und mehrerer Confularämter, und wird von den öfterreichifch- ungarifchen, ruffifchen und egyptifchen Poftdampfern regelmässig berührt. Die Infel Kandia oder Kirid( Kreta). Diefe langgeftreckte, die Grenze zwifchen dem ägäifchen und dem mittelländifchen Meere bildende, angeblich 200.000, zum gröfsten Theile griechifche, zum kleineren Theile türkifche Einwohner beherbergende Infel, welche ein eigenes Vilayet bildet, ift von einer bis zu 6000 Fufs hinanreichenden, gröfstentheils kahlen Bergkette durchzogen. Nur der füdweftliche Diftrict Sfakia befitzt einige kleine Platanen-, Eichenund Pinienwälder, fonft ift der überall verbreitete Oelbaum faft der einzige Waldbaum der Infel, und diefer liefert jährlich bei 10 Millionen Oka Oel. Ausserdem gibt es allerdings auch viele Maulbeer- Bäume, welche zur Seidenzucht dienen, Kaftanien, Granat- und Orangenbäume, dann einige Baumwoll- Pflanzungen. Ziemlich ausgebreitet ift der Wein- und Gemüſebau, feltener der Feldbau, welcher hauptfächlich Korn, Gerfte und Hafer, fo wie auch unbedeutenden Tabak liefert. Ein Hauptproduct der Gebirgsgegenden, befonders bei Rettimo, ift die Vallonea, und bemerkenswerth ift auch das als Parfum nach Egypten und Perfien verfendete Laudanum. Die Schaf- und Ziegenzucht ift eine Hauptbefchäftigung der Bergbewohner, auch Bienenzucht wird betrieben, und liefert viel Honig und Wachs. Die Infel liefert auch jährlich 562.000 Kilogramm Salz. Die eigentliche Induſtrie der Bewohner ift hauptfächlich auf die Fabrication von Seife und Seidenftoffen befchränkt. Die bedeutendften Städte find Kandia oder Megalokaftro, an der Nordküfte, die Hauptftadt des Vilayets mit angeblich 12- bis 15.000 Einwohner(?) Refidenz mehrerer Confulate; Kanea( Chania) im Nordweften, der befte Hafen der Infel, Stadt von 10- bis 12.000 Einwohnern(?) mit ziemlich lebhaftem Handel und Türkei. 29 Rettimo oder Resmo mit 5- bis 6000 Einwohnern und bedeutender Oelausfuhr. Alle drei Städte werden von den öfterreichisch- ungarifchen Poftdampfern befucht, welche die Verbindung mit Syra herftellen. Die Infel Cypern, Kypro( griechifch) oder Kibrys( türkifch). Diefe gröfste der türkifchen Infeln hat einen Flächenraum von 173 Quadratmeilen, und eine Bevölkerung von beiläufig 200.000 Seelen, wovon 2 Griechen und Türken, und bildet jetzt zwar kein Vilayet, aber ein, directe der hohen Pforte unterftehendes Mutesarriflik. Die Infel ift von einer theilweife bewaldeten Gebirgskette durchzogen, welche einft Gold- und Silber und Kupferbergwerke enthielt, und von welcher einige kleine, im Sommer meiftens verfiegende Küftenflüffe herabftrömen, dennoch ist die Infel fehr fruchtbar, wenn auch nicht hinlänglich bebaut. Sie producirt, befonders in der Ebene Meffa- Owa, vorzügliches Getreide, hauptfächlich Gerfte( bei drei Millionen Kilé), wovon jährlich faft die Hälfte zur Ausfuhr kommt, und 11 Million Kilé harten Weizen( wovon 1 exportirt wird), Weintrauben, welche theils getrocknet und exportirt, theils zu Wein, namentlich dem berühmten Commanderia- Wein( 80.000 Oka), verwendet werden, dann Krapp( 300.000 Oka), Sumach( 400.000 Oka), Oliven( 1 Million Oka Oel), Granaten, Sefam, Johannisbrot, Hafelnüffe( jährlich 100.000 Oka), Leinfamen ( 150.000 Oka), Baumwolle( 9000 Ballen, wovon 8000 zur Ausfuhr), Kartoffeln und Tabak. Die Viehzucht liefert viel Käfe, und jährlich( von 450.000 Schafen) bei 150.000 Oka Schafwolle und 120.000 Stück Schaf, Lamm- und Ziegenfelle, fowie bei 10.000 Oka Rindshäute für den Export. Auch Maulthiere und Efel werden in gröfserer Menge gezüchtet. Auch Bienenzucht und Seidenzucht werden betrieben. Letztere, in Abnahme begriffen, liefert jährlich nur mehr 40 bist 50.000 frifche Cocons, und blofs 2000 Oka Seide. Aus den Salzfeen der Infel werden jährlich bei 8 Millionen Kilogramm(?) Salz gewonnen. Die Induftrie liefert hauptfächlich Leder und Branntwein. Die bedeutendften Ortfchaften find Nikofia oder Levkofia im Innern, die Hauptftadt der Infel, mit angeblich 15- bis 20.000 Einwohnern; Larnaka, See- und Handelsftadt mit 10- bis 12.000 Einwohnern, mit vielen europäiſchen Kaufleuten und Confulaten; Limiffo und Famagufta, kleinere Hafenplätze. Die Infel, fpeciell der Häfen von Larnaca, wird regelmäfsig von den öfterreichischungarifchen Poft dampfern auf der Fahrt zwifchen Smyrna, Syrien und Egypten berührt. Kleinafien. Das nordweftliche Küftengebiet oder das Marmoragebiet mit den Halbinseln Kodfcha- Ily und Bigha. Diefes Gebiet, welches vom fchwarzen bis zum ägäifchen Meere( bis zum Golfe von Edrenut), und auf der Landfeite bis zum unteren Sakaria, bis zum Ak-, Murad- und Dimirdfchi- Dagh und zum Ufundfcha- Jaila reicht, gleicht in feiner Geftalt gewiffermafsen dem gegenüberliegenden thrakifchen Küftenlande im vergröfsertem Mafsftabe. Den nordöftlichen und füdweftlichen Theil bilden zwei Halbinfeln, von denen die erftere jetzt zum Regierungsbezirke von Conftantinopel, die zweite zum Vilayet der ägäifchen Infeln gehört, welche beiden Halbinseln durch ihr Vorfpringen zur Verengung des Meeres im Bosporus und im Hellespont ( Dardanellenftrafse) beitragen; der mittlere Theil jedoch, welcher noch zwei kleinere Halbinseln ins Meer entfendet( deren eine die Meerbufen von Imid und von Gemlik fcheidet), und welcher zur Provinz Chudawendkjar gehört, ift breiter, 3 30 Carl Sax. indem er das Stromgebiet des weit im Innern entſpringenden Sufugurla( Maceftus) mit dem Adrnafs- Tfchay( Rhyndacus) umfafst. Von kleineren Flüffen find der Kodfcha- Tfchai und der Menderes in der trojanifchen Halbinfel( Bigha), von Seen der von Manias, von Abullonia und der von Isnik auch wegen ihres Fifchreichthums erwähnenswerth. Das Land ift vorherrfchend ein Bergland mit kleinen Tiefebenen, befonders in der Nähe der Marmoraküfte. Der höchfte Berg ift der gegen 6000 Fufs hinanreichende Olymp( Kefchifch- Dagh), welcher beiläufig die Mitte des ganzen Gebietes bezeichnet; füdöftlich davon reiht fich der mit Urwald. bedeckte Aha- Dagh; faft parallel mit ihm zieht im Norden der wenig bewaldete Gök- Dagh und noch nördlicher in Kodfchaily längs der Küfte des fchwarzen Meeres das ziemlich niedere Waldgebirge Aghatfch- Denyfy( Baummeer). Auf der füdweftlichen trojanifchen Halbinfel liegen die mit Eichenwald und Gebüfch bedeckten Mittelgebirge Kara- Dagh, Tfchatal- Tepé und Abdal- Dagh, und im Süden der Kas- Dagh( Ida) mit einem 30 Stunden langen, und über 8 Stunden breiten Nadelwalde. Im Uebrigen find die Gebirge diefes Gebietes mit Weideboden bedeckt. Befonders auf der Halbinfel Bigha wächft viel Vallonea, welche deren HauptAusfuhrartikel bildet. Am fruchtbarften ift die Ebene von Bruffa, welche bei 21 Millionen Kilé Korn und über 1 Million Kilé Gerfte liefert. Das ganze Gebiet dürfte etwa 6 bis 7 Millionen Kilé Getreide produciren. Ausserdem wird befonders. bei Bruffa und am Golfe von Ismid viel Wein erzeugt( jährlich bei 40 Millionen Oka Trauben); dann wird in der Gegend Karaffy( im Gebiete des Sufughurla) viel Krapp( jährliche Ernte über 300.000 Oka), Baumwolle( Jahresproduction bei 100.000 Oka) und Mohn gebaut, aus welch' letzterem jährlich 30- bis 40.000 Oka Opium erzeugt werden, und am Sakaria- Flachs( wovon jährlich 40.000 Kilé in den Handel kommen). Der Oelbaum wird faft an der ganzen Küfte des MarmoraMeeres, am Golfe von Edremit und auch befonders bei Bruffa cultivirt, und liefert. jährlich etwa 10 Millionen Oka Oel. Tabak wird etwas bei Balikeffér gebaut, ift aber von keiner Bedeutung. Sehr wichtig ift in diefem Gebiete die Seidenzucht, befonders in der Gegend von Bruffa, fowie auch an der Küfte und in Kodfchaily, welche jährlich wenigftens I bis 12 Million Oka Cocons liefert. Auch die Viehzucht ift ziemlich bedeutend. Die Zahl der Schafe und Ziegen kann auf 1 Million, die der Rinder auf 1/2 Million, die der Pferde auf 100.000 und die der Kameele auf 4 bis 5000 veranfchlagt werden. Der Fifchfang ift ergiebig, fowohl an der Meeresküfte als auch in den grofsen Landfeen. Der Mineralreichthum des Landes ift mannigfaltig, aber Bergbau wird nicht viel betrieben. Bei Adrnafs am gleichnamigen Fluffe und an der Befika- Bai in Bigha find Chrom- Bergwerke, und in Kodfcha Ily, fowie am Kas- Dagh in Bigha und bei Bruffa find Kupferlager; in Kodfchaily, Bigha und am Marmora- Meere find Lignite; die Halbinsel von Artaki enthält Marmor; Manganerze werden bei Bigha und bei Tfchamlidfcha, Bleierze in Bigha( Karadagh und Lapfaki) und in Kodfchaily bei Riva zu Tage gefördert. Die hauptfächlichften Induftriezweige find Seidenfpinnerei, Seiden- und Baumwoll- Manufactur, dann am Hellespont die Töpferei. Die Bevölkerung des ganzen Gebietes mag 134 Millionen Seelen betragen; an der Küfte find die Griechen, im Innern aber weitaus die Türken und Turkomanen vorherrfchend, unter welchen fich übrigens auch viele Armenier angefiedelt haben. Die wichtigen Städte find: Am Marmorameere( aufser der fchon bei Conftantinopel erwähnten Vorftadt Scutari) die Tranfithäfen: Ismid( das alte Nikomedia); die etwa 12 bis 15 Taufend Einwohner zählende durch die anatolifche Eifenbahn mit Conftantinopel( Skutari) verbundene Kreishauptstadt von Kodfchaily mit einem Seearfenale, mit Salinen, welche jährlich über eine Million Kilogramm Meerfalz liefern; Karamurfal, kleine Ortfchaft an der Südfeite des Golfes von Ismid, der Haupt- Hafenplatz für die Karawanen von Kjutahia; Gemlik und Muda Türkei. 31 nia, kleine Städtchen und Echellen für die Hauptftadt Bruffa; das Erftere mit einer jährlich über eine halbe Million Kilogramm Salz erzeugenden Saline, mit einem Seearfenal und mit einer englifchen und griechifchen Confularagentie; das Letztere ( Mudania) mit Seidenfpinnereien, und Panormo oder Pandermâ, die Hauptechelle für Karaffy( Balik effèr), mit einer englifchen und griechifchen Confularagentie und mit Marmor- Werkstätten, wo jährlich bei 3000 Cubikmeter Marmor gewonnen werden; dann im Innern: Adabafar, kleines Städtchen mit Seidenfpinnerei und Handel in Cocons, Flachs und Leinfamen; Jenifcheher, kleines Städtchen mit Seidenfpinnerei, Opium- und Hadfchifchproduction; dann die vier Stunden von der Küfte entfernte Vilayets- Hauptftadt Bruffa mit 35- bis 40.000 Einwohnern und mit mehreren Confularämtern, mehr Fabriks- als Handelsftadt; fehr wichtig durch ihre 51 Seidenfpinnereien und mehrere Gerbereien, fowie durch ihre Baumwoll- Manufacturen, auch berühmt durch ihre heifsen Stahl und Schwefelbäder; Mualitfch oder Mihalitfch, herabgekommenes Städtchen, Käfe, Wolle, Cocons und Tabak producirend; Balik effèr oder Balikefsry, Kreis- Hauptftadt von Karaffy mit einer 22tägigen Auguftmeffe, wichtig durch Fabrication von Abatuch und durch die Ausfuhr von Opium, Baumwolle und Krappwurzeln; Brigha oder Bogafcheher, Städtchen im Norden der trojanifchen Halbinfel mit einer 22tägigen Junimeffe,( befonders Viehmarkt); endlich an der Dardanellenftrafse( Hellespont): Lapfaki, kleines Städtchen, bedeutend durch Holzausfuhr, und Tfchanak- Kalee oder Kalee- i Sultanieh, befeftigte Hauptftadt des Vilayets der ägäifchen Infeln mit höchftens 5- bis 6000 Einwohnern, mit vielen Confularämtern, mit Schiffbau und lebhafter Töpferinduftrie, auch wichtig als Exporthafen. Die Communicationen in diefem Gebiete find lebhaft an der Küfte, infoferne die Häfen des Marmorameeres eine regelmässige türkifche Dampffchifffahrts- Verbindung unter fich, und mit Conftantinopel haben, und Tfchanakkaleh auch von den meiſten fremden Poftdampfern berührt wird, während an der Nordküfte auch die Eifenbahn im Betriebe ift, welche demnächft auch nach Bruffa gebaut wird. Aufserdem beftehen gute Fahrftrafsen zwifchen Bruffa und der Küfte, aber in den übrigen Theilen des Gebietes find die Verkehrswege fchlecht. Im Allgemeinen gravitirt der Handel diefes Gebietes nach Conftantinopel. Das weftliche oder das ägäifche Küftengebiet. Südlich vom vorigen gelegen, erftreckt fich diefes faft das ganze Vilayet Aidin und einige Theile des Vilayets Chudawendkjar umfaffende breite Gebiet vom Kas- Dagh oder vom Golfe von Edremit längs des ägäifchen Meeres an die füdweftliche Spitze Kleinafiens, und enthält die ganzen Flufsgebiete des Sarabat oder Gedys- Tfchaj( Hermos) und des grofsen Menderes( Mäander), fowie der kleineren Küftenflüffe, indem es in Nordoften bis zu den Gebirgen Ufundfcha- Jaila, Demirdfchi-, Ak- und Murad- Dagh( 8000?), im Often bis zum Kaldyr- Dagh, und im Südoften bis zum Bos- Dagh( 9000?) reicht. Von diefer Oftgrenze fteigt das Land nach Weften ftufenförmig mit oftweftlichen, faft parallelen Thälern bis zu der mannigfach vorfpringenden und eingefchnittenen Küfte hinab, welche durch die Golfe von Edremit, Elaea, Smyrna, Mendelia, Kos und Symi mannigfach eingefchnitten ift. Die Gebirge enthalten unter Anderem Marmor, Schmirgel, Schwefel, Asphalt, Porzellanerde, Kohle, Blei, Kupfer, Graphit, Zink, Silber und Eifen, befonders letzteres häufig im Norden; fie find im nördlichen Theile ftellenweife, im füdlichen Theile aber fehr ftark mit Pinien und Knopperneichen bewaldet, und zwar namentlich mit Pinien, Lorbeer, Steineichen, Platanen, Buchen, Ulmen und Föhren. In den Niederungen find viele Oelpflanzungen( befonders auch im Norden an den Bergen, welche den Golf von Edremit flankiren); ferner viele Kaftanien-, Feigen-, Citronen-, Orangen- und fonftige Obftbäume; in den gröfsten 3* 32 Carl Sax. theils fehr fruchtbaren Ebenen und Thälern wird Getreide, Gemüſe, Krapp, Baumwolle, Wein, Sefam, Tabak, etwas Hanf und weiter im Innern auch viel Mohn. cultivirt; befonders die Halbinfel von Smyrna erzeugt viel Rofinen. Die Zucht des Maulbeer- Baumes und der Seidenraupe hat fehr abgenommen. Bienenzucht kommt in Afien nach unferen Begriffen eigentlich nicht vor, aber die Biene ift fehr häufig im Lande und liefert immerhin Wachs und Honig. Auch die Viehzucht ist nicht unbedeutend, es werden Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Efel und Kameele gezüchtet, der Viehftand kann aber nicht ziffermäfsig angegeben werden. Von den Getreidearten erntet man jährlich ungefähr 134 Millionen Kilé Weizen, 1 Million Gerfte, Mais nur 70- bis 80.000 Kilé, dann von Tabak 120.000 Oka, Opium 4- bis 5000 Oka, Rofinen 200.000 Centner, Oel über 200.000, Krapp 60- bis 70.000, Valloneen 5- bis 600.000, Lakrizenfaft 50.000, Baumwolle 240- bis 250.000 Centner( 70- bis 80.000 Ballen). Der Bergbau liefert blofs Schmirgel, indem die anderen Mineralfchätze des Landes bisher nicht ausgebeutet werden. Die Induftrie ift fehr bedeutend in Teppichen( Werth jährlich 9 Millionen Francs) und auch ziemlich ftark in ordinären Baumwoll- Zeugen. Die Bevölkerung des ganzen Landes beträgt ungefähr I bis 14 Millionen Seelen( wenigftens), wovon über die Hälfte Türken und Turkomanen, ein Drittel Griechen( diefe befonders an der Küfte und in den Thälern), und der Reft Armenier, Juden und Franken. Die ftädtiſche Bevölkerung dürfte etwa die Hälfte ausmachen. Die wichtigſten Orte find: an der Küfte von Norden nach Süden: Edremit, Städtchen von 7 bis 8000 Einwohnern, in der Nähe des gleichnamigen Golfes; Aiwalik mit angeblich 20- bis 30.000 durchaus chriftlichen ( griechifchen) Einwohnern, einem grofsen aber am Eingange zu feichten natürlichen Hafen, wichtig durch Production und Export von Seife, Wein, Maftix- Branntwein und Oel, Sitz eines Handelsgerichtes; Dikely, kleine Ortſchaft mit einem guten Hafen, Tranfitplatz für Bergama; Fotfcha oder Fokia mit gutem Hafen und Salinen; dann am innerften Ende eines grofsen Golfes Smyrna oder Ismir ( türkifch), die Hauptftadt des Vilayets Aidin mit angeblich über 100.000 Einwohnern, worunter ungefähr die Hälfte Griechen, ein Drittel Türken, und der Reft Juden, Armenier und Franken, mit vielen Confulaten, Poften, mit einem gemifchten Handelsgerichte, mit ziemlich bedeutender Baumwoll- Induftrie( jährlich 6- bis 700.000 Stück gedruckte Baumwoll- Tücher) und mehreren Mafchinenfabriken, befonders wichtig aber als Haupt- Exporthafen für das weftliche und mittlere Kleinafien, durch zwei Eifenbahnen mit den Binnenftädten Maniffa und Kaffabà einerfeits, und Aidin anderfeits verbunden, mit einer jährlichen SchifffahrtsBewegung von 6- bis 700.000 Tonnen, einer Einfuhr im Werthe von 30 bis 36 Millionen und einer Ausfuhr im Werthe von 36 bis 50 Millionen, unter welch' letzterer befonders die Baumwolle, dann Opium, Valloneen, Schafwolle, Rofinen, Oel, Feigen, Häute und Teppiche die gröfsten Werthe repräfentiren, dann die kleine Ortfchaft Tfchefs mè mit einem guten Hafen und bedeutender Rofinenausfuhr; das Städtchen, Scala nuova oder Kufch- Adaffy an der SmyrnaAidiner Eifenbahn, mit einem guten Ankerplatze; Budrun, das alte Halikarnaffos, im Golfe von Kos, jetzt von geringer Bedeutung; endlich Mermeridfche, kleines Städtchen mit einer bequemen Rhede, gegenüber von Rhodos. - Dann im Innern: Bergama oder Pergamos mit bedeutender BaumwollCultur; Akhiffar mit wahrfcheinlich 8. bis 9000 Einwohnern und einigem Schafwoll- und Baumwoll- Handel; die Kreis- Hauptftadt Maniffa oder Magniffa ( Magnefia), deren Einwohnerzahl auf 25- bis 60.000(!?) angegeben wird( worunter der gröfsere Theil Türken), Eifenbahn- Station, wichtig durch Baumwoll- Manufactur und Baumwoll- Handel; das Städtchen Kaffabà, Endpunkt der SmyrnaEifenbahn; Menemen, induftrielles Städtchen mit Baumwoll- Manufactur; Gördes, ein türkifches Städtchen im Gebirge, mit bedeutender Teppichfabrication Türkei. 33 ( jährlich über 30.000 Pics); Ufchak, kleine Stadt, fechs Tagreifen von Smyrna, im Gebirge, mit einem Handelsgerichte, fehr wichtig durch Teppichfabrication ( der fogenannten Smyrnateppiche, jährlich bei 150.000 Pics) und auch durch Gerberei und Opiumhandel; Gedys, Städtchen in den nordöftlichen Bergen mit bedeutender Baumwoll- Manufactur; Tirè, Stadt von etwa 10- bis 12.000 Einwohnern, mit Branntwein- Brennereien und mit Seilerinduftrie; Aidin oder Güfelhiffar, Kreis- Hauptftadt mit 30- bis 35.000 Einwohnern, mit etwas BaumwollInduſtrie; Mughla, Kreis- Hauptftadt von Mentefchè mit 10- bis 12.000 Einwohnern. Die Communicationen find zur See fehr frequent, indem die Küfte für die Schifffahrt günftig geftaltet ift, Smyrna von den Poftdampfern aller Nationen auf den Linien zwifchen Conftantinopel, Syra, Syrien und Egypten regelmässig berührt wird, und zwei Eifenbahnen das Küftenland durchziehen. Von Fahrwaffer aber ift aufser in der unmittelbaren Nähe Smyrna's, und zwifchen Aiwalyk und Edremid faft keine Rede, dagegen zieht der wichtigſte Karawanenweg von Afium Karahinar über Ufchak nach Smyrna hinab. Von den Flüffen ift keiner fchiffbar. Der grofse Handel des ganzen Gebietes concentrirt fich in Smyrna. Das füdliche oder taurifche Küftengebiet. Südöftlich vom vorigen zieht längs des mittelländifchen Meeres ein, gegen das nördliche Binnenland zu, durch die mit dem Ufer faft parallel laufende Tauruskette begrenztes, ziemlich fchmales Küftenland bis zum Akma- Dagh am Golfe von Alexandrette hin, wo fich die Küfte gegen Syrien zu fcharf nach Süden hinabbiegt, Diefes Gebiet umfafst Theile der Vilayete von Aidin, Konja und Adana, ( namentlich die Kreife Tekkè, Itfch, Il und Adana). Die Küftenentwicklung ift nicht mehr fo mannigfach, wie am ägäifchen Meere, aber noch immer ziemlich reich an Buchten, dabei allerdings arm an guten Häfen. Die Flüffe im weftlichen und mittleren Theile find kleine Küftenflüffe, nur der Gerenes- Tfchaj( Indus), Kodfcha- Tfchaj( Xanthus), Akfu( Ceftrus), KöprüSu( Eurymedon), Gökfu( Kalykadnus) find von diefen erwähnenswerth; bedeutender aber find im öftlichen Theile der Seihun( Sarus) und der Dfchihan( Pyramus), welche die Tauruskette durchbrechend, weit aus dem inneren Hochlande herabftrömen. Gröfstentheils reichen die Berge bis zur Küfte hinab, nur der öftliche Theil des Gebietes enthält eine gröfsere Ebene, die von Adana. Aufser diefer Ebene ift kein Theil diefes Gebietes von grofser commercieller Bedeutung, und unter allen anatolifchen Küftengebieten ift diefes jedenfalls am wenigften bekannt. Es läfst fich nur fagen, dafs die Gebirge Blei und Eifen enthalten und mit Wäldern von Pinien, Platanen, Steineichen, Oelbäumen, Lorbeer, Myrthen und dergl., theilweife wohl auch von Nadelholz bedeckt find, dafs in den Thälern der Maulbeer- Baum und der Weinftock, an der Küfte befonders die Südfrüchte, auch Datteln und fonftige Palmenfrüchte gedeihen, dafs Getreide, Tabak, Hanf, Flachs, Sefam, und in der Mitte, und( befonders im Often bei Adana) Baumwolle cultivirt wird, und dafs man im ganzen Gebiete auch viel Bienenzucht und Viehzucht, befonders Pferdezucht betreibt. Nur vom Kreife von Adana wird angegeben, dafs dafelbft jährlich bei 2 Millionen Kilé Korn, 1 Million Kilé Gerfte und 14 Million Kilé Sorgo, ferner 12 Million Kilé Sefam, 70.000 Cantar Baumwoll- Kapfeln und 40.000 Oka Tabak geerntet werden, letzterer( Tabak) nur für den Local confum, wogegen Getreide, Sefam und Baumwolle zum grofsen Theile exportirt werden. In den übrigen Gebietstheilen zufammen ift die Getreideproduction vielleicht ebenfo grofs, wie in Adana, fo dafs die Gefammtproduction an Cerealien etwa 5- bis 6 Millionen Kilé betragen mag. 34 Carl Sax. Die gefammte Baumwollen Production des Gebietes beträgt gegen 70.000 Ballen à 2½ Pfund gleich 170 bis 180.000 Centner. Die Induftrie ift nicht bedeutend, hauptfächlich auf Bekleidungsgegenstände und Teppiche befchränkt. Die Einwohner find gröfstentheils Türken mit Griechen und Armeniern gemifcht; die Seelenzahl kann nicht angegeben werden( vielleicht 8- bis 900.000?). Als Städte find zu erwähnen: An der Küfte: Makri, mit ziemlich lebhaftem Handelsverkehre nach Rhodus; Adalia, mit angeblich 10- bis 12.000 Einwohnern und bedeutendem Handel in Holz, Pferden und Sefamfamen; Alaja, mit angeblich 2000 Einwohnern; Merfina( Merfin), Exporthafen für Terfus und Adana; Pajafs, Kreis- Hauptftadt an der Oftfeite des Golfes von Alexandrette; dann etwas landeinwärts: Adanâ, Kilayets- Hauptftadt am Seihun mit höchftens 20.000 Einwohnern, wichtig durch Holz-, Wein, Getreide- und Baumwoll- Handel, mit einiger Teppichinduftrie etc.; Terfus( Tarfus), angeblich mit mehr als 20.000 Einwohnern(?), mit bedeutendem Baumwoll- und Schafwoll- Handel; weiter weftlich: Ermenek, Städtchen von 2- bis 3000 Einwohnern mit etwas Baumwoll- Cultur; und noch weftlicher in den Bergen; Almaly, mit vielleicht 10.000 Einwohnern und bedeutender Gerberei. Die Communicationen im Lande find faft durchwegs fchlecht. Der lebhaftefte Schifffahrts- Verkehr ift der mit Egypten, Meffina, wird auch von den ruffifchen Poftdampfern zwifchen Conftantinopel und Alexandrien berührt. Das füdweftliche Binnenland oder das Bergland des pifidifchen Taurus. Dort, wo der Taurus fich gegen die Mäanderquellen hin im Weften verliert, bildet er ein verworrenes Bergland mit Keffelthälern und theils falzigen, theils füfsen Binnenfeen, welch' Letztere wahrfcheinlich unterirdifch mit dem mittelländifchen Meere in Verbindung ftehen, fowie auch einige Flüffe( Akfu und Köpryfu) hier entfpringen und, die Tauruskette durchbrechend, jenem Meere zuftrömen. Als Grenzen diefes kleinen, zum Vilayet von Konja gehörigen und das Sandfchak Hamid oder Ifparta bildenden Gebietes kann im Süden die Tauruskette, im Norden der Sultan Dagh und, der Kaldyr Dagh bezeichnet werden. Von den Seen find namentlich der falzige See von Buldur und die Süfswaffer- Seen Gendfchely und Hawiran, fowie jener von Bejfcheher zu erwähnen. Die Berge fcheinen Eifen, Blei und Schwefel zu enthalten und find theilweife bewaldet. Es werden hier viele Droguen und Harze gewonnen; von Getreide wird hauptfächlich Korn und Gerfte gebaut; auch Viehzucht wird ftark betrieben, aber Näheres darüber ift nicht bekannt. Die Bevölkerung dürfte fich auf höchftens 300.000(?) Seelen belaufen und befteht gröfstentheils aus Türken, nebft Griechen und Armeniern. Die wichtigfte Stadt ift Sbarta oder Isparta, Kreis- Hauptftadt mit 10- bis 20.000 Einwohnern und bedeutendem Handel in Wolle, Häuten, Harzen und Droguen, auch mit einiger Induftrie in Silberfiligran und dergl. Aufserdem find zu erwähnen: Buldur oder Burdur, Egerdir und Beifcheher. Für Communicationen ift in diefem Gebiete fo viel wie gar nicht geforgt; der Verkehr gravitirt meift nach der Südküfte( Adalia), zum Theil nach Smyrna hin. Das centrale Hochplateau( Lykaonien oder Karamanien). Nördlich und öftlich vom vorbefchriebenen Berglande liegen tafelartige Hochländer( von mehr als 3000 Fufs Seehöhe), welche fich um den grofsen Salzfee Tus- tfchölly, um den durch den Kifildfcha- Su gefpeiften See von Erekly, und die Türkei. 35 durch einen Flufslauf verbundenen, gleichfalls abflufslofen Binnenfeen von Ilgün, Akfcheher und Eber gruppiren. Diefes Gebiet umfafst die zum Vilayet von Konja gehörigen Kreife von Konja und Nigde, und einen Theil des zum Vilayet Chudawendkjar gehörigen Kreifes von Afjun- Karahiffar und reicht von Sultan- Dagh und von der Tauruskette bis zu den Bergen Ardfchifch- Dagh, Karadfcha- Dagh und Kodfcha- Dagh. Der Waldwuchs verfchwindet in diefem Gebiete, der gröfste Theil des Bodens ift Salzfteppe, im Norden fogar Salzwüfte; gut angebaut ift nur der weftliche und füdliche Theil und einige Culturoafen finden fich im Often. Faft an der ganzen Südweft- Grenze wird Korn, Gerfte und Mohn, im Süden auch Baumwolle gebaut. Die ganze Getreideproduction kann auf nahezu 11 Millionen Kilé, die Opiumproduction auf faft 100.000 Oka veranfchlagt werden. Wichtig ift die Viehzucht, welche weit über 1 Million Schafe und Ziegen, mehrere hunderttaufend Rinder, über 100.000 Pferde und Efel und mehrere taufend Kameele liefert. Das jährliche in Konja gewonnene Ziegenhaar beläuft fich auf ungefähr 80.000 Oka. Die Einwohner find gröfstentheils Türken, im Often Kurdifche Nomaden, auch viele Griechen und Armenier, im Ganzen find es vielleicht 7- bis 800.000 Seelen. Die Induftrie ift nicht unbedeutend in Teppichen. Die Städte diefes Gebietes find: Karahiffar oder Afjun- Karahiffar, Kreis- Hauptftadt mit ungefähr 20- bis 30.000 Einwohnern, wichtig durch den Handel mit Opium, Krappwurzel, Galläpfeln, Wolle, Ziegenhaar und Getreide, fowie durch die Fabrication von Filzteppichen und Waffen; Konja, Vilayets Hauptftadt mit wenigftens 20.000 Einwohnern, bedeutend durch den Handel mit Ziegenhaar, Fellen und Häuten; Kara man mit 3- bis 4000 Einwohnern und ein wenig Baumwoll- Handel; dann Eregly, Nikdé, Akferaj, Akfcheher und Kotfchiffar. Gebaute Strafsen kommen in diefer Gegend nicht vor, aber von Konja und Karahiffar gehen wichtige Karawanenwege nach Smyrna und nach Conftantinopel, nach welch' beiden Handelscentren auch der Verkehr diefes Gebietes, ebenso wie nach der Südküfte feine Richtung nimmt. Das Hochland am oberen Halys. Nordöftlich an der Salzfteppe, nördlich vom 13.000 Fufs hohen ifolirten Erdfchifch Dagh( Argäus) und von Antitaurus bis zum Jyldis- Dagh und Tfchamly- Bel, welche das Thal des Jefchil- Irmak begrenzen und bis zum Kufch- Dagh nordweftlich von Halys, dann weftlich bis zum Elma- Dagh, erftreckt fich das Gebiet des oberen ( und mittleren) Kifil- Irmak oder Halys, das galatifch- cappadocifche Hochland. Diefes Gebiet befteht aus Theilen der Vilayete von Siwas, von Angora, von Konja und von Kaftamuny. Der Kifil- Irmak umkreift in weitem Bogen das mehr als 3500 Fufs hohe Tafelland von Bofuk, zu welchem auch das Flufsgebiet der in den Jefchil- Irmak mündenden Flüfschen Tfchikrik und Tfchöterlek gehört, und welches mit Ausnahme einiger Randgebirge, alfo auf einem Raume von 4- bis 500 QuadratMeilen faft von allem Baumwuchfe entblöfst, dagegen mit Süfsholz und Wachholder bedeckt ift. Der gröfste Theil des Bodens ift Steppe, meiftens Salz- und Gypsboden, hie und da aber durch cultivirte Stellen unterbrochen, und das Thal des Kifil- Irmak felbft ift zum Theile recht fruchtbar und leidlich angebaut; befonders der Weinftock und die Obftbäume, Aepfel, Birnen, Pflaumen, Weichfeln etc. gedeihen da in Ueppigkeit; auch Baumwolle wird dafelbft( in geringer Menge) cultivirt; von den Getreidearten kommen die meiften, befonders aber Weizen, Gerfte und Roggen vor; über die Menge der Production find nirgends Andeutungen zu finden. Von commercieller Wichtigkeit find die als Farbftoff verwendeten Kreuzbeeren oder Gelbbeeren, welche diefes Gebiet in grofser Menge producirt und 36 Carl Sax. zwar befonders bei Kaiffarieh und bei Kjangri( Tuhangri), und in denfelben Gegenden der Gummi- Adragant( über 40.000 Oka). Am Südufer des Kifil- Irmak ift der Boden vulkanifch und bei Urgub befonders von Höhlen durchwühlt und mit merkwürdigen Erdpyramiden bedeckt. An Minenproducten wäre befonders Blei und Silber vorhanden, deren Ausbeutung aber vernachläffigt wird. Sehr bedeutend ift die Gewinnung von Steinfalz und Binnenfee- Salz auf beiden Seiten des Kifil- Irmak, im Often bei Sary- Kamifch und im Weften, namentlich bei Djangri oder Tfchangri und bei Iskelib. Bei dem erftgenannten Orte findet fich gewöhnliches Steinfalz und fogenanntes Oelfalz und Spiegelfalz in einem 10 Stunden langen und 7 Stunden breiten, der öffentlichen Benützung preisgegebenen Bergwerke, wo jährlich bei 30.000 Pferdelaften Salz zu Tage gefördert werden. In derfelben Gegend und bei Iskelib befinden fich ferner viele Salinen oder kleine Salzfeen, aus welchen jährlich über 3 Millionen Oka Salz gewonnen werden. Die Viehzucht wird ftark betrieben, und es find befonders die Ziegen am linken Halys- Ufer zu erwähnen, welche fchon zur Gattung der berühmten Angoraziegen gehören, und werthvolles Haar( Mohair) für den Handel liefern. Die Induftrie ift unbedeutend, liefert befonders Shawls und Teppiche. Die Bevölkerung befteht gröfstentheils aus Türken, Turkomanen und herumziehenden Kurden, kaum zum vierten oder fünften Theile aus Griechen und wenigen Armeniern, und dürfte im Ganzen ungefähr 1 Million Seelen betragen. Die bedeutenderen Städte find: Siwas, Vilayets- Hauptftadt mit 33.000 Einwohnern, mit namhafter Fabrication von Shawls und Pfeifenrohren; Kaiffarieh, Kreis- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 30- bis 40.000 Einwohnern und Handel in Kreuzbeeren, Adragant, Schafwolle, Baumwolle und Teppichen; Urgup, Nevfcheher und Kirfcheher, kleine, zum grofsen Theile von Chriften bewohnte Städte, mit viel Obft- und Gartenbau; Jüsgatt, Kreis- Hauptftadt von Bofuk, mit 10- bis 15.000 Einwohnern; Tfchorum am Tfchöterlekflüfschen mit 5- bis 10.000 Einwohnern. Auf der linken Seite des Halys: Kjangrioder Tfchangri, Kreis- Hauptftadt mit 1- bis 15.000 Einwohnern, bedeutender Jahrmarkt, mit Handel in Kreuzbeeren, Adragant, Scamonia, Wolle, Ziegenhaar und Salz; Iskelib oder Skilip, wichtig durch feinen Jahrmarkt und feine Salinen; endlich die kleine Ortfchaft Japrakly( am Nordrande des Halys- Thales) mit einer grofsen Herbftmeffe. Durch diefes Gebiet zieht der wichtige Karawanen- und Poftweg von Kaiffarieh über Angora nach Ismid( refpective Conftantinopel) und die Strafse von Siwas über Amafia nach Samfun. Fahrbare Chaufféen exiftiren nicht. Das Binnenland am obereren und mittleren Sangarius( Sakaria). Das vom Sakaria durchftrömte Binnenland auf der Weftfeite des Halys hat zum Theil noch den Charakter der hohen Tafelländer im Often und im Süden, hat aber nur mehr eine mittlere Höhe von 2000 bis 2500 Fufs, ift fchon mehr Ketten- Gebirgsland, und geht weftwärts am Purfakfluffe in ein Stufenland über. Im Norden von Ifchik- Dagh und Ala- Dagh begrenzt, im Weften bis zum Thale des Gökfu und zum Dumandfchy- Dagh, im Südweften bis zum Murad- Dagh reichend, umfafst diefes Gebiet die Kreife von Angora und Kjutohia und einige Diftricte der Kreiſe von Bruffa und von Kodfcha- Ily. Im Norden und Weften find Waldungen auf den Grenzgebirgen, im übrigen Gebiete find nur fehr wenige Waldparcellen zu finden; das ganze füdöftliche Viertel ift Steppenland - die Steppe Heimaneh und auch das Centrum ift nur Weideboden. Diefe Gegenden find aber berühmt durch die Viehzucht, welche befonders die feidenhaarigen Angoraziegen, und die fettfchwänzigen Angorafchafe liefert Abarten, welche nur in diefem Hochlande gedeihen. - Türkei. 37 I Die Zahl der Ziegen in diefem Gebiete wird auf 1 Million, die der Schafe auf 3- bis 400.000 gefchätzt; das jährlich gewonnene Ziegenhaar( Tiftik oder Mohair) beträgt faft I Million Oka, und die Schafwolle 7- bis 800.000, wovon im Lande verbraucht wird. Auch Pferde und Rinder werden gezüchtet. Feldbau wird hauptfächlich, aber nur für den Localconfum in den öftlichen und weftlichen Thälern und. Ebenen betrieben und liefert Korn, dann Gerfte und Hafer, zufammen vielleicht 1 Millionen Kilé Getreidefrucht, aufser dem Reis, welcher hie und da am Sakaria cultivirt wird; im Norden wird auch Baumwolle cultivirt( zwifchen Angora und Ajafch, Beibafar, Gejwe und Lefka), wovon jährlich 15- bis 20.000 Ballen. à 3 Centner producirt werden, die gröfstentheils im Lande confumirt werden, ferner etwas Flachs und Tabak, und endlich wird faft im ganzen Lande Mohn gebaut, und Opium daraus fabricirt( jährlich 20- bis 30.000 Oka?). Auch wird im Often viel Gummiadragant gewonnen jährlich bei 12.000 Oka, und werden im Nordoften( bei Angora und Beibafar) jährlich bei 80.000 Oka Kreuzbeeren gefammelt. In den nördlichen Gegenden( bei Iftenas, Bileduhik, Geiwe u. f. w.) wird auch Seidenzucht betrieben. Obft und Wein kommen fehr felten vor. Die Gebirge enthalten Eifen, Kupfer und Steinkohlen( bei Kyutahia) und befonders Meerfchaum bei Eskifcheher. Die Induftrie ift ziemlich bedeutend in Baumwoll- und Seidenmanufactur ( befonders zu erwähnen der feine Stoff Cymatilis) und Anderes. Die Einwohner find zum gröfsten Theile Türken( auch Juruken), dann Armenier, Griechen und einige Kurden; im Ganzen etwa 7- bis 800.000 Seelen. Die wichtigften Ortfchaften find: Angora( Angra oder Egurich), Vilayet Hauptftadt mit vielleicht 40.000 Einwohnern(?), wichtig durch Webereien und Teppichfabrication und befonders durch den Export von Ziegenhaaren, Hafenfellen, Galläpfeln, Kreuzbeeren, Dragant und Opium; Iftanos oder Iftenas, kleinere Ortfchaft mit Webereien und Spinnereien; Ajafch, kleine Stadt( von 10- bis 20 000 Einwohner??) mit Baumwoll- Cultur; Bejbafar, mit Tiftik-, Opium- und BaumwollProduction; Sivrihiffar, mit Opium- und Tiftikhandel; Kyutahia, KreisHauptftadt mit 15- bis 20.000 Einwohner, mit bedeutender Leder- und Fayence Induſtrie und Export von Opium, Wolle und Ziegenhaar; Eskifcheher, kleine Stadt mit einem Handelsgerichte, wichtig durch ihren Meerfchaum- Handel, auch Opium, Wolle und Ziegenhaar exportirend; Billedfchik, kleinere Ortfchaft mit mehreren grofsen Seidenfpinnereien und Fabrication von Seidenfammt; Gejwe, kleine Ortfchaft mit Seidenfpinnereien, Baumwoll- und Opiumproduction. Diefes Gebiet fteht durch Poft- und Karawanenftrafsen mit Ismid, Karamurfal, Bruffa und Smyrna fowie mit Kaiffarieh Siwas etc. in Verbindung; Fahrftrafsen gibt es nicht, aber die Eifenbahn von Ismid foll bis Angora und bis Kyutahia fortgefetzt werden. Der Handelsverkehr geht nach Smyrna und Conftantinopel. Das mittlere nördliche Küftengebiet am fchwarzen Meere ( Paphlagonien). Zwifchen dem Sakaria und dem Kifil- Irmak liegt im Norden ein breites, ziemlich einförmiges Küftenland, deffen weftlicher Theil das Stromgebiet des Filjas( Billäus) umfafst, während der öftliche Theil von den Nebenflüffen des Kifil- Irmak, Gök- Irmak und Dewerek Dfchaj, durchftrömt wird. Die vielen kleinen Küftenflüffe bedürfen keiner Erwähnung. Die Südgrenze bildet der Gebirgszug des Kufch-, des Ifchik-, des Ala- und Karmaly- Dagh. Der Umfang diefes Gebietes entſpricht dem des Vilayets von Kaftemuny mit Ausfchlufs feines füdöftlichen Theiles und mit Hinzufügung kleiner Diftricte der beiden Nachbarländer Kodfchadly und Dfchonik. Das Land ift faft durchwegs ein Gebirgs 38 Carl Sax. land, und reich an Wäldern von Fichten, Eichen und Obftbäumen, an der Küfte auch hie und da mit Buchsbaum bewaldet. Die gröfsten Waldungen liegen in der füdlichen Bergkette, in den Randgebirgen des Filjasthales und in den öftlichen Gegenden. Officiell exiftiren im Vilayet von Kaftamney, mit Ausfchlufs des füdöftlichen Sandfchaks von Kjangri, 197 Wälder, worunter allein im kleinen Bezirke von Safranboly 35 mit einer Gefammtlänge von 46 und einer Breite von 41 Stunden, und im Bezirke von Eratfch 38 Wälder mit einer Gefammtlänge von 30 und Breite von 22 Stunden u. f. w. Die Thäler und einige Küftenftriche find angebaut, und zwar am beften, wie es fcheint, die Thäler des Dewerek Tfchay und des GökIrmak mit Korn, Weizen und Mais, und gleichwie die Gegend von Geredeh, mit Reis; aufserdem wird Flachs in den mittleren und füdlichen Gegenden, Safran namentlich bei Safranboly, Mohn und Sefam befonders im Süden, Tabak im NordOften, und an einzelnen Stellen in Süden und Weften bei Tfcherkefch und bei Düsdfche gebaut, hie und da, befonders im Often auch der Weinstock, und faft im ganzen Lande der Maulbeer Baum cultivirt, ohne dafs jedoch die Seidenzucht bisher ein bemerkenswerthes Ergebniſs gehabt hätte. Die Productionsmengen find nicht bekannt, nur liefse fich aus dem Zehent, welcher im Vilayet von Kaftamuny 13 Millionen Piafter beträgt, ein Grunderträgnifs von ungefähr 5 Millionen Kilé Getreide für das befprochene Gebiet berechnen, was aber ein fehr unverlässliches Refultat ift. Im ganzen Lande wird auch viel Schaf- und Ziegenzucht betrieben; von Schafwolle wird jährlich ein Quantum von etwa 200.000 Oka, und von Mohair- Ziegenhaar aus Kaftamuny, Gredeh und Tfcherkefch, welches dem der Angoraziegen gleich gefchätzt wird, 2- bis 300.000 Oka erzeugt. Auch die Bienenzucht ift nicht unbedeutend. Der Bergbau liefert vorzüglich Kupfer, und zwar jährlich bei 30.000 Oka, in den Minen von Bakyr- Küreffy( Kürré), und befonders wichtig find die Steinkohlen- Lager von Erekly, aus welchen jährlich 2 bis 2 Millionen Centner Steinkohle gewonnen werden, welche faft diefelben Eigenfchaften wie die Newcaftler Kohle befitzt. Auch Lignite kommen am unteren Sakaria vor. Die Induftrie befchäftigt fich viel mit der Gerberei und dem SchmiedeHandwerke. Die Einwohner diefes Gebietes find weitaus zum gröfsten Theil Türken, ungefähr 750.000, und nur gegen 12.000 Griechen und 2000 Armenier. Die bedeutentften Ortfchaften find: Am fchwarzen Meer: Erekly, oder Bender Erekly, kleines Städtchen, wichtig durch feine oben erwähnte Steinkohlen- Production, fowie durch den Export von Saffian- und Maroquinleder; Bartan oder Parthen, kleiner Exporthafen für Bauholz und Safran; Ine boly kleine Stadt mit Agenten der türkifchen, öfterreichifchen, franzöfifchen und ruffifchen Dampffchifffahrts- Gefellſchaften, wichtig als Scala für Kaftamuny und durch den Export von Bauholz, Ziegenhaar, Wolle, Kreuzbeeren, Wachs, Hanf, Galläpfeln, Safran, Ziegen- Marderfellen etc.; Ajandon, Flecken mit einer Septembermeffe; Sinup oder Sinope, befeftigte Hafenftadt mit 6- bis 8000 Einwohnern, Kreis- Hauptftadt, bedeutend durch Holzexport, aber ftark herabgekommen und nur mehr von den türkifchen Poftdampfern befucht; Gerfeh, kleiner Hafenplatz mit etwas Holzexport; dann im Innern: Bolly, Kreis- Hauptftadt( mit wahrfcheinlich weniger als 10.000 Einwohnern, ob wohleine türkifche Geographie deren 20.000 angibt, fie hat nur 335 Kaufläden und 20 Mofcheen) mit einem 14tägigen Jahrmarkte in September und mit heilfamen Mineralquellen in der Umgegend; Geredeh, kleines Städtchen mit Lederfabrication und Ziegenhaar- Export; Safranboly, gröfseres Städtchen, merkwürdig durch feinen ausgedehnten Safranbau; Kaftamuny oder Kaftam bûl, Vilayets- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 15- bis 20.000 Einwohner, 18 Stunden vom fchwarzen Meere entfernt, mit einer Auguftmeffe, mit lebhafter Induftrie in Baumwoll- Weberei, Kupferfchmied- Arbeiten, Ledergerberei, Waffen- und Segeltuch- Fabrication; auch wichtig durch den Ziegenhaar- Handel; Bakir Kürreffy( Baky r) das heifst Kupfermine, bedeutende Türkei. 39 Ortfchaft, fogenannt von dem dabei befindlichen, oben erwähnten Kupfer- Bergwerk Bojabad, Städtchen mit einer Septembermeffe; Tuffia, Städtchen mit bedeutender Gerberei, Fabrication von Maroquin und Baumwoll- Stoffen, mit einer Septembermeffe. Diefes Gebiet ift von der Conftantinopler Poftftrafse( Ismid- Takat) durchzogen; fahrbahr find nur einige Strecken der Strafsen, welche Kaftamuny mit Ineboly und mit Kjangri verbinden. Der Handel gravitirt nach Conftantinopel hin; auch Transit aus dem Innern findet durch diefes Gebiet ftatt. Die Schifffahrt ift mittelmäfsig. Das nordöftliche Küftenland am fchwarzen Meere( Pontus). Oeftlich vom Halys zieht fich ein fchmales, reich bewäffertes, ebenfalls einförmiges Küftenland bis zur ruffifchen Grenze im öftlichften Winkel des fchwarzen Meeres hin, welches gegen die Landfeite von dem nur durch die Flüffe Jefchil Irmak( Iris), Charfchut(?) und Tfchoruk durchbrochenen, in der Mitte bis 700 oder 800 Fufs hohen pontifchen Gebirge, mit dem Meeresufer parallel begrenzt ift. Diefes Gebiet bildet das Vilayet von Trapezunt ohne die im Süden liegenden Bezirke von Gömüfchchané und Nikar. Es ift gröfstentheils Gebirgsland, indem die Berge faft überall bis ans Meer reichen; nur im Weften, zwifchen dem Jefchilund dem Kisil- Irmak ift die Meeresküfte mehr flach und auch fumpfig. Die Gebirge enthalten Blei, namentlich zwei Minen bei Ordu mit 2 Percent Silbergehalt, dann Eifen( bei Unia und Kürtinköj) und etwas Kupfer( bei Tripoli), wahrfcheinlich auch Steinkohlen( ebenfalls bei Tripoli). Eifenhältige Quellen find fehr zahlreich( namentlich bei Kowata und Jumrah etc.). Grofs ift der Waldreichthum des Landes auf den Abhängen der Hochgebirge, wo die Eiche und die Fichte vorherrfchen, aber von einer Forftcultur keine Rede ift und viele Wälder faft vernichtet wurden. Auch Buchs- und Lorbeerbäume, Nufs-, Feigen- und überhaupt Obftbäume, Citronen-, Granaten und dergl. find fehr häufig; befonders vorzüglich gedeihen Kirfchen, Pfirfiche und Hafelnüffe. Der Weinftock wird wenig cultivirt, er wächft baumhoch, trägt aber unbedeutende Trauben. Nur bei Liwana und Tripoli wird Wein erzeugt, höchftens 10.000 Oka im Jahre. In den Thälern wird Feldbau betrieben, der etwa 800,000 bis 900.000 Kilé Mais, 70.000 bis 80.000 Weizen, 60.000 bis 70.000 Hafer, 40.000 bis 50.000 Gerfte, 30.000 bis 40.000 Reis und 10.000 bis 12.000 Kilé Roggen und etwas Hirfe, im Ganzen kaum über eine Million Kilé Getreidefrucht und dazu noch 70.000 bis 80.000 Oka Fifolen trägt. Auch Flachs und Hanf werden gebaut( Ernte über eine halbe Million Oka). Von Bedeutung ift der Tabakbau, befonders bei Bafra und Samfun, wo jährlich bei 2,200.000 Oka( Werth zwei Millionen Gulden) und bei Trapezunt und Platana, wo 1,300.000 Oka( Werth eine Million Gulden) Tabak geerntet wird. An fonftigen Bodenproducten find Sabadilla( für Infectenpulver), Salep, Dragant und Farbhölzer zu erwähnen. Zur Seidenzucht wurden erft in den letzten fechs Jahren fehr viele Maulbeer- Bäume in Vilayet angepflanzt. Die Viehzucht liefert bei 400.000 Schaf und Ziegenfelle, bei 40.000 Oka Ziegenhaar, worunter faft der vierte Theil koftbares Tiftik. Auch viele Felle( von Mardern, Hafen, Füchfen und dergl.) werden gewonnen und exportirt. Die Induftrie ift bedeutend in Leinwand, Seilen, Fifchnetzen, Teppichen, Shawls( zur landesüblichen Kleidung), Strumpfwirkerei u. f. w. Die Bevölkerung beträgt ungefähr 860.000 Seelen, worunter etwa 740.000 Mohamedaner, 100.000 Griechen und 20.000 Armenier; die Mohamedaner find theils Lafen, theils Turkomanen, Tfcherkeffen und Osmanen. Die wichtigeren Städte find( fämmtlich an der Küfte): Die Vilayets- Hauptftadt Trapezunt( Tarabusun) mit 32.000 Einwohner, mit vielen Confulaten und fremden Poftämtern, mit bedeutender Induftrie in Metallwaaren, in Silber 40 Carl Sax. und Goldfiligran, in Seilerwaaren u. f. w. wichtiger Tranfitplatz für Perfien; öftlich davon Rife, kleines Städtchen in Lofisftan mit berühmter, feiner LeinwandFabrication( jährlich 130.000 Stück à 3 Ellen), wovon ein Theil im Werthe von circa 170.000 fl. exportirt wird; Batum, Kreis- Hauptftadt mit höchftens 2000 Einwohnern, Landungsplatz der von Trapezunt nach Poti( in Kaukafien) fahrenden Dampffchiffe; dann im Weften von Trapezunt: Kerasunt( Kiresûn), Ordu und Unich mit beiläufig je 4000 Einwohnern, Stationen der türkifchen Poftdampfer, Ordu insbefondere wichtig durch Teppich Fabrication( jährlich über 15.000 Stücke) und Samfun, Kreis- Hauptftadt mit 6000 bis 7000 Einwohnern, Sitz mehrerer Confularämter, wichtiger Exportplatz für Amafia und den ganzen nordöftlichen Theil des inneren Kleinafiens, bedeutend auch durch Tabakproduction und Blutigelfang; endlich etwas landeinwärts am Jefchil- Irmak Tfcharfchamba mit 5000 bis 6000 Einwohnern Tranfitfcala für Niskar etc. und am Kifil- Irmak: Bafra mit 4000 bis 5000 Einwohnern und wichtigen Tabakproduction. Die Hauptcommunication diefes Landes ift der Seeweg längs der Küfte; ferner geht von Samfun eine faft fahrbare Strafse nach Amafia und von Trapezunt eine im Bau begriffene Strafse nach Erferum, welche dem perfifchen Handel dienen foll, aber durch die kaukafifche Eifenbahn einen gefährlichen Concurrenten erhalten hat. Das pontifche Hinterland. Südlich von der pontifchen Gebirgskette liegt ein ebenfalls langgeftrecktes, fchmales Bergland, welches die Quellflüffe des Jefchil- Irmak, des Charfchut(?) und des Tfchoruk enthält und gröfstentheils aus mit der Gebirgskette parallel laufenden Thälern befteht, welche eben von den obgenannten Flüffen und von dem Germejly oder Kalkyt- Tfchaj und dem Tofanly- Su, Hauptquell- Flüffen des Jefchil Irmak durchftrömt find, ohne durch hohe Wafferfcheiden von einander getrennt zu fein. Im Süden ift diefes gefammte Thalgebiet( deffen Länge faft 150 Meilen beträgt) durch das Bofuk- Plateau, den Tfchamly- Bel, Jildys- und KöfchDagh, dann durch den nordarmenifchen, die Wafferfcheide gegen den oberen. Euphrat hin bildenden Antitaurus( mit den 9000 bis 10.000 Fufs hohen Bergen. Kop- und Gök- Dagh etc.) und im Often durch die das Aras- und Kur- Gebiet abfchliefsenden Gebirge( Soghanly- und Kanly- Dagh etc.) begrenzt. Es umfafst die nördlichen Theile der Vilayete von Siwas und von Erferum und den füdlichen Theil des Wilajets von Trapezunt( Nikfar und den Kreis von Gömüfchhané). Der Waldreichthum der Gebirge ift in diefem Gebiete noch immer grofs und befteht befonders in Buchen, Fichten und Ulmen, aber er ift fchon weit geringer als an der Nordküfte, denn es beginnen hier fchon die kahlen Plateaux und Felfengebirge. Verhältnifsmäfsig der gröfste Reichthum diefes Landes befteht in Obft; berühmt find die Aepfel von Amafia, die Birnen von Gömüfchhané u. f. w.; die tieferen Thäler gleichen Obftgärten und die Obftbäume bilden Wälder an den Gebirgsabhängen. In den höheren Gegenden ift aber die Vegetation defto fpärlicher. Viel Getreide wird nur in den weftlichen Landestheilen gebaut, im Often faft nur Mais und befonders Reis( im Tfchorukthale, aber auch weftlich am Germejly). Die Productionsmenge ift nicht bekannt; mit Rückficht darauf, dafs die Productions- Verhältniffe im öftlichen Theile denen des Küftenlandes ähnlich find, und dafs der Zehent in den weftlichen( zu Suros gehörigen) Kreifen Karahiffar und Amafia faft 612 Millionen Piafter beträgt, kann man die gefammte Getreideproduction auf etwa 14 Million Kilé veranfchlagen. In Weften wird auch Baumwolle( bei Ladik und Amaffia etc.), Krapp, Wein, Sefam, Mohn, Tabak und der Maulbeer- Baum cultivirt; Seiden- und Bienenzucht wird ebenfo betrieben, wie Schaf und Ziegenzucht. Der Bergbau könnte reichlich Erz, Eifen, Kupfer, Blei und Silber zu Tage fördern, wird aber fehr wenig betrieben. Bei Merfifun wird Türkei. 41 wohl auf Kupfer gebaut und im Kreife von Karahichar find zwei Bleibergwerke im In der Nähe Betriebe, welche jährlich an 600 bis 800 Pfund Silber liefern. dort wird auch Alaun gewonnen. Die Induftrie ift im Süden und Weften bedeutend in Teppichen, Filzdecken, Strumpfwirkerei, Seidenftoffen und Kupfer. Die Einwohner find Turkomannen, Lafen, Armenier, Tfcherkeflen, Griechen, Kurden. und Osmanen, im Ganzen vielleicht 800.000 bis 900.000 Seelen. Die wichtigften Ortſchaften find Amafia, Kreis- Hauptftadt mit 16.000 Einwohnern, mit bedeutender Seideninduftrie, in gut angebauter Umgebung gelegen; nördlich davon die kleinen Städte Osmandfchik, Vefirköpry, Merfivan ( Merfifûn) und Ladik; öftlicher das Städtchen Sile, wichtig durch feinen Jahrmarkt; dann Tokat mit 25.000( nicht 50.000 bis 100.000!) Einwohnern, mit Seiden und Leinwand- Induftrie, befonders wichtig aber durch feine Kupferfchmied- Arbeiten, zu welchen es das Kupfer von Arganâ- Madèn( inKurdiftan) bezieht. Nikfar, Stadt von 5- bis 10.000 Einwohnern; Scharky- Karahiffar oder Schabchané- Karahiffar( d. h. das öftliche oder Alaun- Karahiffar zum Unterfchiede von Añun- Karahiffar im Vilayet von Chudawendkjar), Kreis- Hauptftadt von 10- bis 12.000 Einwohnern mit Baumwoll- Webereien und Färbereien; Kälkyt, kleine Ortſchaft, wichtig durch die Fabrication von Teppichen, wovon jährlich im Durchfchnitte 150 grofse( à 3- bis 400 Piafter) und 500 kleine( à 100. bis 150 Piafter) erzeugt werden; Gömüfchhane, Kreis- Hauptftadt von ungefähr 5- bis 6000 Einwohnern, fo benannt( ,, Silberhaus") nach ihrem vor wenigen Jahren wieder aufgelaffenen Blei- und Silber- Bergwerke; Baiburt, fehr hoch gelegenes Städtchen mit 4- bis 5000 Einwohnern, mit Seidenwebern und Goldteppichftickern. Die Communicationen gehen von diefem Gebiete hauptfächlich zur Küfte, vor Allem die Strafsen von Amafin nach Samfun, und von Baiburt nach Trapezunt, dann die fecundären Wege über das Gebirg und im Tfchoruk- Thale bis zur Küfte. Nach Innen find die Hauptcommunicationen die nach Erferum, Siwas und Kyangri. Das taurifche Hochland im Südoften Kleinafiens. Zwifchen dem Taurus, dem Antitaurus, und dem oberen Euphratthale liegt ein Hochland, das im Südweft von den Gebirgsketten Bimbogha Achyr, und Kanly- Dagh durchzogen wird, in der Mitte ein Tafelland bildet, welches Ritter das Hochland von Malatie nennt, und gegen Often in kurzen Stufen zum Euphrat hin abfällt. Diefes Gebiet enthält die oberen Flufsläufe der in das mittelländifche Meer mündenden Ströme Seihun( mit dem Seran) und Dfchihan( mit dem Churma und Ak Su), fo wie der in den Euphrat mündenden Flüffe Tochma und Kamer. Es umfafst Theile der Vilayete von Siwas, Diarbekr, Adana und von Alep( den Kreis Meraafch). Es ift ein fehr wenig bekanntes Gebiet, über deffen Productionsverhältniffe faft gar nichts zu fagen ift, als dafs es im Weften bewaldet, im Uebrigen aber auf allen Höhen kahl ift, und in den Thälern, fowie in den füdlichen Hochebenen Feldfrüchte( befonders Weizen und Gerfte) im Südoft auch etwas Baumwolle, und( befonders bei Meraasch) viel Kreuzbeeren, Galläpfel und Scammoneen, dann im Allgemeinen viel Obft( und befonders Melonen im Often) producirt, ferner dafs es viel Weideland für die Viehzucht enthält und dafs in einigen Gegenden Seidenzucht betrieben wird. Die bedeutendfte Stadt diefes Landes, welches kaum 300.000 Einwohner( meiftens Turkommanen, Kurden und Armenier) beherbergen dürfte, ift ganz im Süden Meraafch( mit angeblich 20.000 Einwohnern), dann find noch zu erwähnen: Hadfchin, Albiftan und Görün; letztere mit bemerkenswerther Tuch- Shawlfabrication. Was die Communication diefes Gebietes betrifft, fo bildet es den Uebergang von Kleinafien nach Armenien, Kurdiftan und Mesopotamien, und wird von der Poftftrafse durchzogen, welche von Siwas nach Mofful führt. Der Verkehr der füdlichen Landestheile gravitirt nach Adana und nach Aleppo. 42 Carl Sax. Syrien. Nordfyrien. Zwifchen dem mittelländifchen Meere und dem Euphratthale liegt im Norden, von den die Südgrenze Kleinafiens bildenden Ausläufern des Taurus. begrenzt, füdwärts bis zum nördlichen Fufse des Libanon und des Antilibanon hin, das Gebiet von Nordfyrien, welches den füdlichen und öftlichen Theil des Vilayets von Alep und den nördlichften Theil des Vilayets von Damask umfasst. Das Hauptgebirge diefer Gegend ift der Dfchebel- Nuffairieh, der weder wegen Wald- noch wegen Metall- Reichthum eine befondere Erwähnung verdient. Diefes Gebirge bildet die linke Wafferfcheide des Nahr- el- Afy oder Orontes, deffen Thalgebiet gleich dem Küftenlande, und einigen Gegenden im Innern fich der gröfsten Fruchtbarkeit erfreut. An der Küfte, befonders bei Latakia wird viel Weizen gebaut, wovon in ganz Nordfyrien jährlich 100- bis 150.000 Kilé geerntet werden. Von Gerfte aber werden nur in den füdlicheren Diftricten diefes Gebietes( Latakia, Homs, Hama) bei 150.000 Kilé producirt. Auch Reis und Safran werden cultivirt. An der Küfte bei Latakia wird der auch unter dem Namen Abu Riha bekannte Tabak gebaut, von welchem im Jahre 1872 über 520.000 Oka geerntet wurden. In einigen Gegenden( befonders bei Latakia) findet Weinbau ftatt, und ebenfo wird im Innern des Landes( bei Idlip, El Halak und Killis) und an der Küfte bei Latakia auch Baumwolle cultivirt( jährliche Production 6- bis 7000 Centner). Im oberen Orontesthale wird auch Sefam und Krapp gebaut, und am unteren Orontes auch Seidenzucht betrieben, welche aber nichts für den Export liefert; Oliven kommen befonders an der unteren Küfte und Piftazien im Innern, bei Aleppo und Aintab vor( jährlich 4- bis 500.000 Oka). Als Producte der Waldgebirge an der Nordgrenze find die Galläpfel von Killis und Aintab zu erwähnen. An der Küfte wird Schwammfifcherei betrieben. Die Viehzucht, mit der fich befonders die Nomadenftämme an der Oftgrenze befchäftigen, liefert Lamm-, Kitz-, Schaf- und Ziegenfelle, fowie Schafwolle, welche die befte von ganz Syrien ift, und wovon jährlich bei 5000 Centner( in Nordfyrien) gewonnen werden. Die Induftrie befchäftigt fich befonders mit der Fabrication von Mänteln, Teppichen und halbfeidenen Kopftüchern. Die Einwohner find etwas über eine halbe Million Seelen, zum gröfseren Theile Araber, zum Theil auch Kurden, Turkomanen, Armenier und Osmanen. Die wichtigften Ortfchaften find: Im Innern Halep oder Aleppo( Alep), einft eine riefige Stadt, feit dem letzten Erdbeben noch immer 50- bis 60.000 Einwohner zählend, Vilayets- Hauptftadt, Sitz einiger Confularämter, wichtig als Handelscentrum der im Norden und Often angrenzenden Gebiete, und befonders als Weltmarkt; auch bedeutend durch feine Induftrie in Seife, Seilerwaaren, Seidenftoffen, Goldbrokaten, Goldfchnüren und Silberarbeiten; Killis mit 5- bis 6000 Einwohnern, bemerkenswerth durch feine Baumwollwaaren, Pferdegefchirre und vorzügliches Oel, Aintab, deffen Einwohnerzahl zwifchen 12- und 40.000(!) angegeben wird; Idlib, mit 6- bis 7000 Einwohnern, Färbereien und bedeutender Seifenfabrication und Seifenhandel, dann am unteren Orontes: Antakia( Antiochia) als Stadt noch mehr herabgekommen, als Aleppo jetzt, mit höchftens 17- bis 18.000 Einwohnern; Iskenderûn oder Alexandrette, kleine Ortfchaft am gleichnamigen Meerbufen, wichtig als die Hauptechelle für Aleppo und als der dem Euphrat am nächften liegende Hafen des mittelländifchen Meeres, daher auch als Endpunkt der künftigen Euphratbahn in Ausficht genommen, welches Project jedoch in dem fteilen Küftengebirge Schwierigkeiten findet; das Dorf Suwedieh oder Seitunly am Mittelmeere, nur als Hafen Türkei. 43 platz für Antakia zu erwähnen; das Städtchen Ladikieh oder Latakia, 6- bis 8000 Einwohner, wichtiger Exporthafen für Nord- Syrien, auch berühmt durch feinen Tabak, Hamah( angeblich 7- bis 30.000 Einwohner) mit bedeutender Fabrication von baumwollenen Mänteln, und Halbfeiden- Stoffen; Höms( mit angeblich 20.000 Einwohnern?) mit gleicher Induftrie, wie das vorgehende, und befonders lebhaft betriebener Weberei. Die Communicationen find im Lande fehr primitiv, es beftehen nur Reitwege für Karawanen und für die Poft, welche den Norden nach Damaskus hinab durchzieht. Zur See werden Latakia und Iskenderun von den ruffifchen und franzöfifchen Poftdampfern auf der Route nach Egypten berührt. Die gröfste Wichtigkeit hat diefes Gebiet als die natürliche Brücke zum Euphratthale hin. Die mittlere Küfte und das Libanongebiet. Im Süden des vorigen Gebietes fetzt fich die Küfte nach einer geringen Einbuchtung in einer nur unbedeutend mehr gegen Weften abweichenden füdlichen Richtung faft geradlinig fort, und fchon nahe am Meeresufer fteigt der Boden aufwärts bis zur Höhe des Libanon oder Libnân( 7- bis 9000 Fufs), um fich dann in das( circa 3000 Fufs hohe) Thal Bekaa( Coelesyrien) hinabzufenken und jenfeits desfelben im Antilibanon fich wieder über 4000 Fufs( in den Gipfeln fogar über 9000 Fufs) zu erheben. Im Thale Bekaa entſpringen der Asy( Orontes) und der Litani( Leontes), welcher die Südgrenze gegen Palästina bildet. Diefes kleine Gebiet umfafst der Sandfchak von Beirut, einige Diftricte der Kreife von Tarabulus und von Damask und das Gouvernement des Libanon. Die obgenannten Gebirge enthalten Kohle und Eifen, namentlich Kohlengruben im Bezirke Metn, dann ebendort( bei Merdfchibâ) ein Bergwerk, wo Spathund Braun- Eifenftein und in Keffawan eines, wo braunes Eifenhydrat gewonnen wird, aber diefe Bergwerke find ganz vernachläffigt. Auch im Barukthale findet fich Thon- Eifenftein; im Antilibanon wird Erdpech gewonnen. Von Wäldern haben. diefe Gebirge faft nichts mehr zu bieten. Soweit aber der fruchtbare Boden reicht, gedeihen der Maulbeer- Baum, der Oelbaum und Weinrebe, wie in den Thälern auch alle Südfrüchte. Aufserdem find das Thal Bekaa und der Küftenftrich auch gut angebaut und produciren hauptfächlich Weizen und Gerfte und im Libanon, befonders im Diftricte Kura wird Tabak cultivirt, welcher unter dem Namen Kuranî und Dfchebeily bekannt ift( letzterer von der Ausfuhr- Scala diefes Namens); auch im füdlichften Theile des Libanon, in Schekif, wird Tabak producirt( und zwar im Jahre 1872 von diefem 400.000 und von Dfchebeily 100.000 Oka). Sefam wird an der füdlicheren Küfte bei Saida, das Zuckerrohr bei Beirut und Saida, Piftazienbäume werden bei Beirut, Oelbäume an der ganzen Küfte, und Baumwoll- Staude verfuchsweife bei Sur und Saida cultivirt. An diefer Küfte wird ebenfalls Schwammfifcherei betrieben( befonders bei Batrun). Die Seidenzucht wird im ganzen Gebiete des Libanon, und befonders an deffen weftlichem Abhange gegen Beirut hin fehr fleifsig betrieben. Von SeidenraupenSamen werden dafelbft über zwei Millionen Gramm erzeugt. Es find im Lande 66 Spinnereien, wovon 64 am weftlichen Libanon und im Weichbilde von Beirut. Als Product der Viehzucht find namentlich die Rindshäute von Wichtig. keit( es werden davon jährlich 30- bis 40.000 Stück exportirt). Die Induftrie liefert hauptfächlich Seidenftoffe, insbefondere im Durchfchnitte jährlich 160 Stück Surati( Seidenft off nach indifcher Art), 66.000 Kopftücher( Keffiehs), 18.000 Gürtel, 15.000 Pantoffel, 4000 Kiffen von Seide und häufig mit Goldftickerei, im Gefammtwerthe von 16 bis 17 Millionen Piafter, dann 4000 Stück Abamäntel und 2500 Stück Möbelftoffe, theils aus Seide, theils aus Wolle und Baumwolle, ebenfalls häufig geftickt, im Gefammtwerthe von 3 bis 3 Millionen Piafter, fonftige Woll- und Baumwollftoffe, dann Teppiche u. f. w. 44 Carl Sax. Die Bevölkerung befteht aus ungefähr 350.000 Einwohnern, worunter angeblich 170.000 Maroniten( Katholiken), die anderen Drufen, griechifch orthodoxe Syrier, Motualis und Osmanen( wenige). Als commercielle und induftrielle Orte find zu erwähnen: An der Küfte ( von Norden nach Often) Tripoli( di Soria) oder Tarabulus efch- Scham mit 6000 Einwohnern und mit einem der beften Häfen Syriens, wichtig als Echelle für das obere Orontesthal und auch durch feinen Schwammhandel und durch feine Seidenfilatur bedeutend; Dfchebeil, kleiner Exportplatz, befonders für den Libanontabak; Beirut, der Haupthafen von Syrien, befonders für Damascus, obwohl für die Schiffe nicht günftig, doch in Auffchwung begriffen, und jährlich von beiläufig 300 Dampfern und 3000 Segelfchiffen( mit zufammen 2. bis 300.000 Tonnen) befucht, zugleich Kreis- Hauptftadt, mit wahrfcheinlich 60- bis 70.000 Einwohnern, mit vielen Confulaten, auch wichtige Induſtrieftadt durch vier grofse Seidenfpinnereien( wovon drei mit Dampfbetrieben) und viele Webftühle, welche befonders feidene Kopftücher, Gürtel, Pantoffel, Kiffen und fogenannte Suratiftoffe erzeugen, dann auch durch Töpferei und durch Gold- und Silberarbeiten; dann Saida mit 5- bis 6.000 Einwohnern und einer Seidenfilatur; ferner im Innern am Libanon: Deir el- Kamr mit angeblich 8000(?) Einwohnern, mit Seidenzucht und Webftühlen, welche Surati, Keffichs und Gürtel erzeugen; Suk, Dorf mit bedeutender Fabrication von feidenen, wollenen und baumwollenen, gewöhnlich goldgeftickten Mänteln( Abas) und Möbelftoffen, und endlich Sahleh, Fleckchen von 4000 Einwohnern, bedeutend als Viehmarkt. An Communicationen befteht namentlich eine fahrbare Strafse von Beirut über den Libanon nach Damascus. An der Küfte werden befonders Tripoli und Beirut von allen die fyrifche Küfte befahrenden Poftdampfern frequentirt. Paläftina. Paläftina ift der füdliche Theil des fyrifchen Küftenlandes mit dem Jordanthale fammt den Seebecken des fogenannten todten Meeres und des galiläifchen Meeres, das heifst beffer gefagt, des Asphaltfees und des Sees von Genefareth. Die Küfte zieht faft geradlinig weiter, wie fie im Norden begonnen, das Bienenland ift aber nicht mehr ein Hochgebirgs- Land wie das Libanongebiet, fondern ein Hochplateau. Der Boden liefert Salz am Ufer des rothen Meeres und eben dort Erdpech( höchftens 2000 Oka im Jahre). Von Wäldern ift auch hier, aufser in einigen nördlichen Gegenden, wenig vorhanden, doch find Oel, Feigen- und Maulbeer- Bäume, Citronen- und Orangenfträuche, Balfam- und Myrrhenbäume, fowie Dattelpalmen zahlreich verbreitet. Jaffa, Nablus und Gafeh find von Orangengärten umgeben. Befonders bei Safet, Nafareth und Nablus werden jährlich gegen fünf Millionen Oka Olivenöl gewonnen. Bei Acca, Dfchenin, Caifa, Sur, Nablus und Samaria wird die Baumwoll- Staude gepflanzt und werden jährlich über 1000 Ballen Baumwolle producirt und exportirt. An Cerealien werden jährlich 8. bis 900.000 Kilé Weizen, 7,800.000 Gerfte und 2- bis 300.000 Kilé Durrah ( eine Art Hirfe) geerntet. Auch Sefam wird gebaut und der Weinftock cultivirt, desgleichen Zuckerrohr und Indigo im Jordanthale und Tabak befonders bei Nablus. Die Viehzucht ift nicht bedeutend und ebenfowenig die Induſtrie. Die Einwohnerzahl diefes, zum Vilayet Soria gehörigen Kreife von Jerufalem, Akka und( zum Theil) Belka umfaffenden Gebietes beträgt etwa 300.000 Seelen( Syrer, Israeliten, arabifche Beduinen, Osmanen u. f. w.). Die wichtigften Städte find: An der Küfte von Norden nach Süden: Sur mit 4000, Akka oder St. Jean d'Acre mit etwa 8000, Haifa oder Keifa mit 3- bis 4000 Einwohnern, Jafa, bedeutender Exportplatz, mit 12.000 Einwohnern und mit Türkei. 45 einigen Confularämtern; dann nahe der Küfte Gafa( Gazza) mit angeblich 30.000 Einwohnern(?), bedeutend durch Baumwoll- Weberei und Seifenfiederei, fowie wenigftens in früheren Zeiten als Marktplatz für die durch die Beduinen den Mekkakarawanen abgenommenen Stoffe. Im Innern: Jerufalem, El- Kuds oder Kuds i- fcheriff, Kreis- Hauptftadt mit beiläufig 25.000 Einwohnern, mit Induftrie in Bein- und Perlmutter- Schnitzereien und dergl. und mit ziemlich bedeutendem, durch die Pilger betriebenen Handel, Sitz vieler Confulate; Nablus mit wahrfcheinlich 10- bis 12.000 Einwohnern( worunter befonders viele Mohamedaner) in fehr fruchtbarer Gegend, daher mit bedeutendem Handel, auch mit Seifenfiederei und Wollmanufactur; Safed mit Baumwoll- Weberei und Indigofärberei, dann Nafira( Nafareth), Tabarich( Tiberias) und andere kleinere Orte. Die Communicationen diefes Gebietes find fchlecht. Hauptverbindungen find von Jaffa nach Jerufalem und nach Nablus, und von Gafa nach Jerufalem und nach Damascus. Unter den Häfen wird Jaffa von allen, Akka und Haifa von den meiften Poftdampfern berührt. Im Süden herrfcht ziemlich reger Verkehr mit Egypten und mit Arabien. Hinterfyrien. Oeftlich von Antilibanon und vom Jordanthale dehnt fich gegen den unteren Euphrat hin eine weite, 2000 bis 2500 Fufs über dem Meere liegende Ebene, mit mehreren ifolirten Berggruppen aus, welche gegen Often in die fyrifche Wüfte und gegen Süden durch das Hochland der öftlichen Belka in die arabifche Wüfte übergeht. Diefes grofse hinterfyrifche Gebiet, welches gröfstentheils zum hydrographifchen Gebiete einiger fumpfiger Binnenfeen und in Süd- Weft zu dem des Jordan gehört, befitzt in feinem gröfseren öftlichen Theile den Steppen- oder Wüftencharakter, hat aber gleichwohl im Weften mehrere Landftriche von höchfter Fruchtbarkeit aufzuweifen, fo namentlich die Ebenen um Damascus ( Merdfch, Guta u. f. w.), das vulcanifche, 250 Fnfs über dem Meere liegende Hochland Haurun( aus welchem fich der Kelb- Haurun bis zu 6000 Fufs erhebt), das Hochland Dfchonlan und das Kalkftein- Plateau Belka. Letzteres enthält auch gröfsere Waldpartien. In der Damascener Ebene und im Haurun wird befonders viel Weizen gebaut( jährlich über 700.000 Kilé Ernte, darunter 450.000 aus dem Haurun, wovon ein Theil exportirt wird) und auch Gerfte( fogenannte griechifche 200.000 Kilé und arabifche 350.000). Bei Damascus wird auch Sumach( 5- bis 6000 Oka für den Localbedarf), Anis( 50.000 Oka, wovon die Hälfte zum Export), Fenchel ( 5000 Oka, wovon die Hälfte nach Egypten geht), der Piftazienbaum( bei Aintini 4000 Oka Piftazien), und befonders gegen Norden auch Krapp, dann um Damascus der Weinftock und der Nufs- und Aprikofenbaum cultivirt. Der Weinftock liefert für den Handel getrocknete Trauben, der Aprikofenbaum fowohl getrocknete Aprikofen als auch Aprikofenkerne. Nüffe werden dort jährlich bei 400.000 Oka producirt, wovon die Hälfte in loco confumirt wird. Auch der Oelbaum ift fehr verbreitet und liefert gefchätzte Oliven. In Hanlan und Dfchaulan wird viel Sefam gebaut. In denfelben Gegenden und in der Steppe füdlich von Damascus wird aus Soda, Saliconien und anderen Salzpflanzen Kali gewonnen und zwar jährlich faft eine halbe Million Oka, welche in den Seifenfabriken Syriens verwendet werden. Die Seidenzucht wird nur an den Abhängen des Antilibanon betrieben. Die Viehzucht wird ziemlich viel in den fyrifchen Steppen, in Haurun, in Balka und fonft in der Nähe des Jordan betrieben. Von Damascus werden jährlich 50- bis 60.000 Schaf-, 10- bis 15.000 Ziegen-, 15- bis 20.000 Lamm- und Kitzfelle zum weiteren Exporte nach Beirut gefendet. 4 46 Carl Sax. Die Induftrie befteht, wie unten näher fpecificirt wird, in Seidenweberei Tuch- und Filzfabrication und Seifenfiederei. Die Bevölkerung diefes Gebietes, welches den öftlichen Theil des Vilayets Soria, nämlich den gröfsten Theil des Kreifes von Damask, den Kreis Haurun und einen Theil des Kreifes Belka, nebft dem neuen Mutefarriflik von Mohal umfafst, befteht in Arabern und arabifirten Syrern nebft wenigen Osmanen, im Ganzen etwa 200.000( anfäffigen?) Einwohnern, mit allen wandernden Beduinen wahrfcheinlich mehr. Die einzige eigentliche Stadt diefes grofsen Gebietes ift Damask ( Damascus) oder Dimifchk- efch- Scham, die Hauptftadt des Vilayets Soria ( Syria) mit mehr als 100.000 Einwohnern und einigen Confularämtern, der Hauptmarkt aller Beduinenftämme und Stapelplatz für einen grofsen Theil Weftafiens, grofser Wollmarkt, auch wichtig als Fabriksftadt, weniger durch feine immerhin bedeutende Seifenfiederei, Leimfiederei, Filzfabrication, Leder- und Goldarbeiten, als vielmehr durch feine lebhafte Seidenweberei, indem dafelbft faft 2000 Webftühle exiftiren, welche jährlich 100- bis 150.000 Stück Aladfchaftoffe( Baumwolle mit Seide), 100.000 Stück Kotni( halbfeidener Möbelft off), 12.000 Stück Keffiehs, 5000 Gürtel von Seide, 5000 Stück Melas( dünner Seiden ftoff für Hemden), 500 feidene Abamäntel und über 200 Shawls fabriciren. Was die Communicationen betrifft, fo ift zunächft die Fahrftrafse von Damask nach Beirut und die Poftftrafse nach Alep zu erwähnen. Aufserdem führt von Damask aus füdwärts die grofse Karawanenftrafse nach Mekka und jene nach Bagdad( durch die Wüfte). Innerafien. Das armenifche Hochland. Diefes den gröfsten Theil des Vilayets von Erzerum enthaltende Gebiet erftreckt fich aus dem ruffifchen und perfifchen Territorium herüber bis zur Oftgrenze von Kleinafien und vom Kop- und Gök- Dagh im Norden bis zum Charfan- und Dfchudigebirge im Süden, umfafst fomit das Becken des Wan- Sees, die Quellgebiete des Kur und des Aras( welche ins kafpifche Meer fliefsen) und jene des Euphrat( Frat) und feines grofsen Nebenfluffes Murad. Es ift eine mächtige Hochlands- Maffe mit Tafelländern von 5- bis 7000 Fufs Meereshöhe, durchzogen von Bergketten, welche in dem 16.000 Fufs hohen Ararat oder Mafis( am Grenzpunkte gegen Rufsland und Perfien), im Ala- Dagh, Sipan- und Bingöl- Dagh gipfeln. Die Hochplateaus find mit Ausnahme weniger Waldgebirge kahl, das heifst wenigftens vom Baumwuchfe entblöfst, aber die Thäler find fruchtbar und angebaut. Die Waldbäume, welche dennoch vorkommen, find die Buche und die Eiche, feltener Ahorn, Pappel, Birke und Fichte. Der Weinftock gedeiht in manchen Gegenden, befonders am Wan- See bei Much, bei Erfingjan u. f. w. Das Obft ift ein Hauptproduct des Landes. Eigentliche Südfrüchte kommen kaum vor. Von Feldfrüchten werden Weizen, Korn, Mais, Hirfe, Sorgo, Bohnen und etwas Reis gebaut, befonders die erfteren Sorten in der Ebene am oberen Euphrat. Ebendort, fowie in einigen anderen Gegenden diefes Gebietes wird der Maulbeerbaum gepflegt, im Süden auch die Baumwoll- Staude und befonders bei Mufch und Bitlis wird Tabak gebaut. Sonftige Landesproducte find Galläpfel, Gummi- Adragant, auch Krapp u. f. w. Ueber die Productions quantitäten ift nichts Näheres bekannt. Die Schaf- und Ziegenzucht wird viel betrieben und liefert Wolle, Ziegenhaar und Felle. Die Seidenzucht ift nicht bedeutend. Von Mineralien find zu erwähnen: Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eifen, Salz, Naphta, Schwefel, Alaun, Türkei. 47 Jafpis und Marmor; die Ausbeutung ift aber meiftens vernachläffigt. Mineralwäffer find fehr zahlreich. Die Induftrie befchäftigt fich mit Wolle, Seide- und Baumwoll- Manufactur, Gerberei, Seifenfiederei, Metallarbeiten, insbefondere Waffenfabrication. Die Bevölkerung, welche aus Armeniern, Kurden und Türken befteht, dürfte etwa 8- bis 900.000 Seelen betragen. Die wichtigften Städte find: Erferum, Vilayets- Hauptftadt mit angeblich 40.000(?) Einwohnern, bedeutend als Entrepotsplatz für den perfifchen Transithandel, fowie durch Fabrication von Waffen und Hufeifen, Gold- und Silberarbeiten; Erfindfchan ( Erzingjan), Kreis- Hauptftadt mit 10- bis 12.000 Einwohnern und viel Garten- und Ackerbau; Kars, befeftigte Kreis- Hauptftadt mit 10- bis 12.000 Einwohnern, Tuch-, Filz- und Teppichfabrication für den Localbedarf; Wan, Kreis- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 10- bis 15.000 Einwohnern, mit Fabrication von BaumwollZeugen, Wollftoffen, Leinwand und Teppichen( jährlich 2000 bis 2500 Stück, wovon etwa ein Drittel exportirt wird); Bitlis mit etwa 10- bis 15.000 Einwohnern, bedeutend durch feinen Handel( mit Galläpfeln, Tabak, Gummi- Adragant etc.) und durch feine Baumwoll- Webereien, Waffenfchmieden, Gold- und Silberarbeiten; Mufch, Kreis- Hauptftadt mit 5- bis 6000 Einwohnern, Schmieden, Strumpfwirkereien, Teppich- und Leinwand- Weberei; dann die Städtchen: Bajefid, Ardahan, Egin u. A. m. Die Communicationen find fchlecht; erft vor Kurzem wurde eine beffereStrafse von Erferum nach Trapezunt gebaut; die öftliche Verlängerung derfelben ift der Haupt- Verkehrsweg nach Perfien. Der gröfste, namentlich der öftliche Theil diefes Gebietes gehört in gewiffer Hinficht zum perfifchen Handelsgebiete, die Karawanenzüge gehen übrigens nach Tiflis und über Kurdiftan nach Mefopotamien. Das kurdifche Bergland. Hocharmenien und das öftlich daran grenzende iranifche Hochland fallen vom Charfan-, Dfchudi- und Zagrosgebiete in Kurdiftan faft ftufenförmig zum mefopotamifchen Tieflande hinab. Diefes Land umfafst fomit das obere Tigris-, das untere Murad- Gebiet, und den oberen Theil des mittleren Euphrat- Gebietes, in politifcher Hinficht das Vilayet von Diarbekir und die von Bagdad dependirenden Sandfchaks Revandus, Schehrefor, Suleimanie und theilweife Mofful. Diefes Gebiet ift reich an Mineralfchätzen, befonders an Kupfer, wovon das Bergwerk bei Arghana jährlich über 300.000 Oka liefern foll, dann an Silber, Blei und Eifen, fowie an Naphta, wahrfcheinlich auch an Steinkohlen; die Berge find häufig mit Eichen bewaldet, und auch eine Pappelart( Pyramidenpappel) ift viel verbreitet und wird als Bauholz verwendet. Tiefer hinab herrfcht der Oelbaum, daneben der Maulbeer-, der Granat- und der Feigenbaum, endlich die Dattelpalme. Die Thalgegenden find gut cultivirt und theilweife fo aufserordentlich fruchtbar, dafs der Kreis von Charput officiell den Namen ,, Mamuziet- el- afis" führt, was ,, der heilige Wohlftand", gewiffermafsen ein Paradies, bedeutet. Befonders ift es wieder der Gartenbau, der hier florirt, und alles mögliche Obft liefert, aufserdem werden auch die Getreidegattungen: Gerfte, Weizen, Korn, Hirfe, auch Reis, dann Bohnen und Linfen, Flachs, Sefam, Krapp, Mohn und Tabak gebaut, fowie auch der Weinstock, der Maulbeer- Baum und die Baumwollftaude( am meiften bei Diarbekir und Charput) cultivirt. Auch Summach wächft in Menge, ebenfo der Mannaftrauch. Als Mahlproducte find Eicheln und befonders Galläpfel zu nennen, welche nach Aleppo auf den Markt gebracht werden. Es kommen dorthin jährlich aus Mofful, eigentlich den Bergen von Sachu, Revandus und Suleimanie 900 bis 1000 Kantar Galläpfel, aus Mardin 5 bis 600, aus Diarbekir 4- bis 500 Kantar( à 200 Oka). Die Vieh4* 48 Carl Sax. zucht liefert viel Wolle, Felle und Ziegenhaare. Die Induftrie ift unbedeutend, doch erwähnenswerth in Maroquin- und Safianleder, Baumwoll- und Seidenmanufactur. Die Einwohner Kurdiftans find Kurden, Armenier, Türken, Araber und Syrer, auch ziemlich viel Juden, im Ganzen etwa eine Million Seelen. Die wichtigften Ortſchaften find: Diarbekir am oberen Tigris, befeftigte Vilayets- Hauptftadt, mit wahrfcheinlich 35- bis 40.000 Einwohnern, einft wichtig durch Baumwoll- und Seidenweberei, aber jetzt in diefem Zweige fehr herabgekommen, und nur noch durch die Fabrication von Maroquin bedeutend; Arghana mit kaum 3000 Einwohnern, mit dem fünf bis fechs Stunden entfernten, höchft wichtigen Bergwerke Arghana- Maadèn oder Maaden- Kapur, welches, wie oben erwähnt, bei 700.000 Pfund Kupfer liefert, und die Kupferfchmiede von ganz Oftanatolien, befonders die von Tokat, mit Kupfer verforgt, wefshalb diefes Metall irriger Weife oft als Kupfer von Tokat bezeichnet wird; Charput, Kreis- Hauptftadt mit 9- bis 10 000 Einwohnern, etwas Gerberei und Seidenmanufactur; Kjeban- Maaden am Euphrat mit nur 2000 bis 2500 Einwohnern, aber wichtig durch fein Silber- Bergwerk, welches bei dem läffigen Betriebe jährlich ungefähr 13.000 Pfund Blei, 100 Pfund Silber und 130 Pfund Galmei liefert; ferner die Städtchen Malatije, Adjaman und Behefny im Weften des Euphrat- Thales mit je 9- bis 10.000, und Mardin zwifchen Tigris und Euphrat mit 12- bis 15.000 Einwohnern, dann am Tigris die Kreis- Haupftadt( nicht auch Vilayets- Hauptftadt) Mofful mit 20- bis 40.000 Einwohnern, mit Baumwoll- Manufactur, Sammt- und Teppichfabrication und Induſtrie in Eifen und Kupfer; füdlich in den öftlichen Grenzgebirgen die Städtchen: Revandus( Rowandis) und Suleimanie, und näher gegen den Tigris Erbil, Altyn- Köpry und Kerkuk, alle mehr wegen des Handels mit Rohproducten, als wegen ihres Gewerbefleifses erwähnenswerth. Gebaute Strafsen gibt es in Kurdiftan nicht; aber wichtige Karawanenwege gehen von Mofful einerfeits nach Bagdad, anderfeits nach Aleppo, fowie auch über Diarbekir nach Kleinafien( auch Poftftrafse), und der Tigris wird fchon von Diarbekir abwärts mit Flöffen befahren. Das mefopotamifche Tiefland. Diefes ausgedehnte Gebiet erftreckt fich von den kurdifchen Bergen bis an die Wüften von Syrien und Arabien und bis an den perfifchen Meerbufen und umfasst den unteren Lauf des Tigris( Didfchle oder Schatt) und den unteren und halben mittleren Lauf des Euphrat( Frat), fowie den vereinigten Schatt- el- Arab, mithin den gröfsten Theil des Vilayets von Bagdad und das zum Vilayet von Alep gehörige Sandfchak von Urfa. Von Bergen find nur der Dfchebel- Hamrin und der Pufchty- Kjuh als Grenzgebirge, erfterer gegen Perfien und das Sindfchar- Gebirge als ifolirt im nördlichen Tieflande zu erwähnen. Das Flachland zwifchen dem Tigris und Euphrat ift mit Ausnahme einiger Sandflächen im Weften nicht eigentlich eine Wüfte, fondern eine Steppe, nur der Baumwuchs fehlt dafelbft. An den beiden grofsen Flüffen ift der Boden bei ihrem Zufammenfluffe fumpfig, im Uebrigen aber fruchtbar und trägt auch Palmenwälder( welche jährlich Datteln für 14 bis 15 Millionen Piafter zur Ausfuhr liefern); Cerealien gedeihen in Menge; die Quantität kann nicht angegeben werden, reicht aber nicht nur für den Localbedarf, fondern auch zur Ausfuhr hin. Gebaut werden: Weizen, Gerfte, Hirfe, Linfen, Bohnen, Reis, Gurken, Melonen, Tabak, Hanf, Krapp, Sefam, der Weinftock und die Baumwollen- Staude; es wachfen ferner aufser den Dattelpalmen: Maulbeer-, Oliven-, Granat-, Nufs-, Feigen-, Pflaumen- und Aprikofenbäume, Myrthen-, Citronen-, Orangenfträuche etc. Am Tigris entlang finden fich Naphtaquellen. Die Viehzucht wird lebhaft betrieben, Schafwolle und Pferde, auch Kameele gelangen in Menge zur Ausfuhr( Schafwolle jährlich im Werthe von circa 2 Millionen Piafter, Pferde und Kameele für 3 bis 4 Millionen); auch das fettfchwänzige Schaf ift vorhanden. Türkei. 49 Die Induftrie ift bedeutend im Perlenbohren, in Seiden- und BaumwollManufactur, Goldftickerei, Färberei, Sattlerei, Maroquinfabrication, Kupfer-, Goldund Silberarbeiten. Die Einwohner, über 2 Millionen an der Zahl, find gröfsten Theils Araber, auch Kurden, Türken, Armenier und Juden; die Mehrheit befteht in wandernden Hirtenftämmen. Die wichtigften Städte find: Im Nordweften Urfa oder Roha, KreisHauptftadt mit 20- bis 30.000 Einwohnern, Maroquinfabrication, Kattundruckerei ( in Abnahme begriffen), Seidenzucht und Juwelenhandel; Biredfchik oder Bir am Euphrat mit 8- bis 10.000 Einwohnern und Fabrication grober Wollmäntel; Rum- Kalch, Balis, Bakka, Ana, Hit, kleine Ortfchaften am Euphrat( Bakka war einft Provinzial- Hauptftadt), Hille, Stadt mit 6000 Einwohnern, Kerbela, Wallfahrtsort der Schiiten mit wahrfcheinlich 5- bis 6000 Einwohnern, MefchhedAli, Diwanieh, Suk- efch- Schiuch( die beiden letzteren am unteren Euphrat), Bagdad, Vilayets- Hauptftadt am Tigris mit wahrfcheinlich 40- bis 50.000 Einwohnern, einem englifchen und franzöfifchen Confulate, Centrum des Handels mit Perfien und Arabien, felbft mit Indien und Turkeftan, auch bedeutend durch die Induftrie in Seiden- und Baumwoll- Stoffen, Leinwand, Sammt, Teppichen, Goldund Silberarbeiten, Meffern, Kupfergeräthen, Maroquin und Seife. Von Leinwand und Mantelftoffen werden jährlich gegen 200.000 Stück verfertigt; Kurna am Zufammenfluffe des Euphrat und Tigris, verfallenes Städtchen mit einigen Taufend Einwohnern, Endpunkt der Fahrt für Seefchiffe; Bafsra am Schatt- el- Arab, mit wahrfcheinlich weniger als 10.000 Einwohnern, wichtig als Stapelplatz der vorderafiatifchen Producte. Die Communicationen in diefem Gebiete beſtehen hauptfächlich in den Karawanenftrafsen längs des Tigris und nach Aleppo, ferner wird der Tigris( bis Mofful) und feit einiger Zeit auch der Euphrat mit Dampffchiffen befahren. Arabien. Die Halbinsel Sinai. Diefe Halbinfel liegt füdweftlich von Paläftina und öftlich von Egypten zwifchen dem zum rothen Meere gehörigen Golfe von Suez und jenem von Akabah, welch' letzterer mit dem feine Richtung bis zum todten Meere fortfetzenden Thale Wadi- el- Arabah fie von dem eigentlichen Arabien trennt. Im Süden Gebirgsland und von dem über 7000 Fufs hohen Berge Sinai( Dfchebel Muffa) beherrscht, geht die Halbinfel im Norden in eine Hochwüfte über( nämlich in die Wüfte Et- Tich), aus welcher fich noch einige Berggruppen erheben. Als Flufs ift nur der Arifch, welcher ins Mittelmeer fliefst, zu erwähnen. Nur einige Thäler des Gebirgslandes haben üppigen Pflanzenwuchs, in Dattelpalmen, Manna, Tamarifken, Obftbäumen, Oelbäumen und dergl. und find auch mit Weizen, Hanf und Tabak bebaut, aber diefe Production verfchwindet im Vergleiche zur Ausdehnung des unfruchtbaren Bodens. Auch die Viehzucht ift nicht bedeutend, Bergbau wird nicht betrieben. Zu erwähnen ift nur, dafs im Meerbufen von Akabah fehr viele Fifche, Auftern, Korallen und Mufcheln, worunter auch Perlmutter, gefunden werden. Die geringe Induftrie befchränkt fich auf die nöthigen Kleider und Hausgeräthe. Die Einwohner find Araber und Syrer, theils Mohamedaner, theils Chriften; ihre Anzahl ift unbekannt. Städte gibt es nicht. Das ganze Sinaigebiet hat keinen inneren volkswirthfchaftlichen Werth, nur hat es eine höhere Bedeutung, als die natürliche Brücke zwifchen Afien und Afrika. Von Often nach Weften ift die Halbinfel von dem Karawanenwege der egyptifchen Pilger und Handelsleute durchzogen. 50 Carl Sax. Das arabifche Stufenland am rothen Meere. Diefes Gebiet umfafst das fteinige und das glückliche Arabien, die Vilayete Hedfchas und Yemen, und bildet trotz feiner ungeheueren Längenausdehnung von der Nordgrenze bis zur Südfpitze Arabiens doch phyfifch nur ein Gebiet, nämlich das weftliche und füdweftliche Stufenland des grofsen Tafellandes der Halbinfel Arabien mit dem dazu gehörigen Küftenftriche. Grofse Flüffe find nicht vorhanden. Die Gebirge enthalten Kupfer und filberhaltiges Bleierz. Die Vegetation ift tropifch; es gedeihen nicht nur die gewöhnlichen Südfrüchte und die Dattelpalme, fondern auch der Kaffeebaum, die das Gummi arabicum liefernde Akazie, der Weihrauch- Baum, die Balfamstaude und die Aloë, und gebaut werden Reis, Weizen, Gerfte, Hirfe, Bohnen und Linfen, Safran, Sefam, Tabak, Indigo, der Weinstock, die Baumwollstaude, das Zuckerrohr und dergl. Die Viehzucht ift nicht unbedeutend in Schafen, Pferden und Kameelen. Die Induftrie ift gering, nur in Kleidungsftücken, Waffen und Holzgefäfsen erwähnenswerth. Die Einwohner find Araber, auch Osmanen, Egyptier, Abyffinier und Juden; ihre Anzahl foll nahezu I Million betragen. Viele Stämme und Städte find nur nominell der hohen Pforte unterworfen. Wichtige Städte find: Mekka mit angeblich 30.000 Einwohnern, wichtig durch feinen zur Pilgerzeit abgehaltenen Jahrmarkt, auf welchen im Durchschnitte Waaren für 120 Millionen Francs gebracht werden follen; auch mit einiger Induſtrie in Holzgefäfsen, Waffen, Sätteln u. f. w.; Medineh oder Medinet- el Nabi mit wahrfcheinlich circa 10.000 Einwohnern; dann am rothen Meere: Dfchedda, wichtige Hafenftadt mit wahrfcheinlich 5000 bis 10.000 Einwohnern, mit einem englifchen und einem franzöfifchen Confulate, Centrum des Handels und der Schifffahrt im rothen Meere, auch mit einiger Induftrie in Holzgefäfsen und Maroquinleder; Jambo el Báhr, Hafenftadt für Medineh, mit 5000 bis 6000 Einwohnern; dann in Yemen: der Hauptort Hudeida, kleines Städtchen am rothen Meere, mit Fabrication von Holzgefäfsen, Meffern, Säbeln u. f. w.; Mocha oder Mocca, mit bedeutendem Kaffeehandel; und andere Städte. - Die wichtigfte Communicationslinie ift die Pilger- Karawanenftrafse von Syrien und Egypten nach Mekka und nach diefer der Weg von Mekka nach Dfchedda. Der Verkehr befchränkt fich mehr auf den Küftenftrich, ift aber mit dem inneren Arabien gering. Die Schifffahrt der Küfte, welche Arabien mit Indien und mit Europa in Verbindung fetzt, ift feit Eröffnung des Suezcanals im Zunehmen. Die türkifchen Provinzen in Afrika( Tripoli di Barbaria). Das tripolitanifche Küftenland. Diefes von Tunis bis zum öftlichen Ende des Meerbufens von Syrt fich zwifchen dem mittelländifchen Meere und den die Wüfte Sahara begrenzenden Gebirgen hinziehende, ziemlich fchmale, flufsarme Küftenland umfafst den grössten Theil des Vilayets von Tarabulus( aufser Fezzan) mit etwa 34 Millionen arabifchen und zum Theil berberifchen und( wenig) osmanifchen Einwohnern. Pferde und Maulefel find zahlreich und vorzüglich. Die hauptfächlichen Rohproducte find: Salz, Pottafche, Datteln, Johannisbrot, Feigen, Oliven, Orangen, Citronen, Weintrauben, Maulbeeren, Weizen, Korn, Gerfte, Safran, Krapp u. f. w. Von den Türkei. 51 Südfrüchten, Datteln, Krappwurzeln und Cerealien kommt Vieles zur Ausfuhr. Die Induftrie ift bedeutend in Teppichen, Maroquin, Seife, Schmuckfachen u. f. w. Als Stadt von einiger commercieller und induftrieller Wichtigkeit ift nur zu erwähnen: Tripoli( di Berberia) oder Tarabulus- i Gharb, Vilayets- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 20.000 bis 30.000 Einwohnern und mehreren Confularämtern, bedeutend durch die Ausfuhr der afrikanifchen Producte und durch die Fabrication von Teppichen( jährlich über 2000 Stücke, wovon der gröfste Theil exportirt wird), Schleiern( 6000 bis 7000 Stück), Seidenhemden( bei 6000 Stück), Armbändern( bei 2000 Stück), Ohrgehängen( bei 6000 Stück, die Hälfte exportirt), Säcken und Tafchen( 60.000 bis 70.000. gröfstentheils zum Export), Maroquin- und fonftigem Leder( 25.000 bis 30.000 Stück, gröfstentheils exportirt) u. f. w. Von den Communicationen, welche zwifchen den einzelnen Landestheilen fehr gering find, ift die Karawanenftrafse nach Fezzan die wichtigfte. Auch die Schifffahrt ift unbedeutend; Dampffchiffe kommen befonders von Malta. Das Hochland und Küftenland von Barka. Oeftlich vom Meerbufen von Syrt und von Tripoli zieht fich diefes Gebiet zwifchen dem mittelländifchen Meere und der lybifchen Wüfte bis an die Grenze Egyptens hin und umfafst das Vilayet von Benghafi, welches etwa von 1 Million Arabern und Berbern bewohnt ift. Das Innere ift theils fteiniges Hochland, theils Sandwüfte, die Küfte aber ift fruchtbar. Die Producte find von denen aus Tripoli nicht fehr verfchieden, aber geringer an Menge. Näheres ift darüber nicht bekannt. Zu erwähnen ift die Stadt Beng hafi, Vilayets- Hauptftadt am mittelländifchen Meere, mit angeblich 7000 Einwohnern und einigem Handel. Barka liegt noch mehr aufserhalb des Weltverkehres als Tripoli. Die Oafen in der Sahara. In der Saharawüfte liegen füdlich von Tripoli mehrere Oafen, die theils noch zum Sandfchak von Tripoli, theils zu dem von demfelben Vilayete dependirenden Oafen Sandfchak von Murfuk oder Fezzan gehören und einige HundertSie protaufend Einwohner haben, und zwar Araber, Berber, Tuareg's u. A. duciren hauptfächlich Datteln in grofser Menge, dann Korn, Weizen und Hirfe, ferner Natrumfalz. Die wichtigften Orte für den Handel find Murfuk und Ghadamis, letzteres der Sammelpunkt der Karawanen von Timbuktu und Sokoto, dann an der Grenze die freie Stadt Ghat, wo jährlich vom Auguft bis zum Frühjahre Markt gehalten wird. Die wichtigſten Gegenftände des Handels find aufser den Datteln: Elfenbein, Goldfand, Straufsfedern, Felle von wilden Thieren und dergl. Der Hauptverkehr findet durch Karawanen mit Tripoli und mit Burum ftatt. Ueberhaupt befteht die Wichtigkeit diefes Gebietes nur in feiner günftigen Lage zwifchen Innerafrika und dem mittelländifchen Meere. Die Ausftellung der Türkei. Wir find bei unferer Betrachtung nicht dem Vorgange unferer Herren Collegen im officiellen Berichte gefolgt und müffen offen geftehen, dafs diefs, wenn wir nur irgendwie die Klarheit und Ueberfichtlichkeit unferes Stoffes behaupten wollten, auch gar nicht möglich war. Wir haben gezeigt, wie vielfach verfchieden die Völker- und Gebietsgruppen, welche die Türkei bilden, wie ganz eigen 52 Carl Sax. thümlich die Geftaltung der einzelnen Theile des grofsen osmanifchen Reiches ift. Nun haben fich durch die Erkenntnifs der Regierung und die Thätigkeit derfelben, durch die Thätigkeit einzelner hervorragender Sammler faft die meiſten türkifchen Provinzen, und ausgiebiger als je, an der Weltausftellung in Wien betheiligt. Wären wir daher von vorne herein nur an der Hand der Gruppen- Eintheilung in unferer Darstellung vorgegangen, um die wirthfchaftlichen Kräfte und die Productionsfähigkeit des türkifchen Reiches zu kennzeichnen, fo würde jede einzelne Gruppe ein geographifches und ethnographifches Chaos gebildet haben, aus welchem bei der Unbekanntfchaft mit den Verhältniffen der Türkei wohl Niemand fich zurecht gefunden hätte. Jetzt, nachdem wir die einzelnen Provinzen nicht nur nach ihrer Lage und Bevölkerung, fondern auch nach ihren wichtigften Producten und Productions- Verhältniffen und handelspolitifchen Beziehungen gekennzeichnet haben, jetzt dürfte es leichter fein, am Schluffe unferer Betrachtungen noch im Fluge die Ausstellung der Türkei zu kennzeichnen. An der erften Gruppe betheiligten fich faft alle Vilayets, welche mineralifche Producte liefern; fo Kaftamuni mit Kreide, fchönen Zinnerzen, mit Salz, Adrianopel mit Steinkohlen, Soda und fchönem Marmor, und wie Gallipoli brachte es Meerfalz. Auch Jerufalem, Skodra hatten Salz ausgeftellt. Das Vilayet Adana hatte fchönes Kupfer, Edirne Granit, Kupfer und Zinn, Mitylene Eifenerz, Antimon, Chrom und Schwefel; das Vilayet der Dardanellen Blei, Eifenerz, Thon und Okererde eingefendet. Aus Bourouk war filberhaltiges Bleierz, Kreide, Soda, Mangan und der unter dem Namen Obfidian geſuchte fchwarze Bernftein ausgeftellt. Die reiche Sammlung wurde vor Allem durch die Mengen fchönen und reinen Kupfers, dann durch die Steinkohlen aus den Vilayets Janina, Thuna, Aïdin, Pifren u. f. w. von hohem Intereffe. An mineralifchen Brennftoffen und an den verchiedenartigften Metallen ift die Türkei reich genug, um zahlreiche Induftrien zu unterſtützen. Am reichften bedacht war in der ganzen türkifchen Ausftellung die zweite Gruppe der Land- und Forstwirthschaft. Mehr als 1000 Ausftellungsgegenstände, welche die Regierung und einzelne Vilayets- Verwaltungen gefammelt hatten, zeigten den landwirthfchaftlichen Reichthum der Türkei. Aus den verfchiedenften Gegenden waren die üppigen Gartengewächfe, Melonen, Bohnen, Zwiebeln und die fchönen, der Türkei allein angehörigen Fifolen, dann alle Arten der Feldfrüchte, Weizen, Gerfte, fchwarze Gerfte, Reis, Zwiebel u. f. w. und die reichen, vielfach verfchiedenen Obftgattungen, zumeift aus dem Vilayet Bagdad, den Vilayets Pifren, Konia und Syrie, ausgeftellt. Adrianopel, Philippopel, Gallipoli hatten Wolle, unbearbeitet und roh und verfchiedene Sorten feiner Ziegenhaare, die für die türkische Teppichfabrication von grofser Bedeutung find, eingefendet. Ismid aus dem Vilayet Gallipoli, Ift amaka und Rizantik aus dem Vilayet Adrianopel hatten die beachtenswerthen und für die türkifche Weberei fo wichtigen Seidencocons in den verfchiedenften Farben von grünlich und grünlichgelb bis zu den filberweifsen und hellen, goldftrahligen Cocons ausgeftellt. Tabak war von allen tabakbauenden Vilayets von den gewöhnlichften bis zu den feinften Sorten, ebenfo Baumwolle aus den verfchiedenften Vilayets ausgeftellt. Die letztere war zumeift durch Kapfeln, Samen und Baumwoll- Flocken vertreten, kurzftaplig, aber fchön weifs und ziemlich feidig war die Baumwolle aus dem Vilayet Iles, aus Tchanakkale und aus dem Vilayet Chypre die Stadt Lefkocha. Die Türkei vermag die Summen ihrer landwirthfchaftlichen Producte keineswegs felbft zu verzehren. Getreidefrüchte und Gartenfrüchte, einzelne Handelsgewächfe, viel Hanfund Leinfamen, dann die Producte des Thierreiches, die von jeher gefuchten türkifchen Wollforten, Fliefse und Felle, die Ziegenhaare, Wachs und Seide werden ausgeführt und geben dem Lande das Capital für Leben und Wirthschaft. Unerfchöpflich müffen die Quellen der türkifchen Landwirthschaft genannt werden, denn es ift keineswegs die intenfive Arbeit, fondern der Reichthum und die Ueppig. keit des Bodens, welcher die grofsen Mengen der Feld- und Gartenfrüchte producirt. Türkei. 53 Die chemifche Induftrie war durch verfchiedene rothe und weifse Schminken, durch Haarfärbe- Mittel und Mofchusfeifen, wie fie der Türke liebt, durch eine hoch bedeutende Sammlung von Opiumarten und Scamoreen, durch den gelehrten Oberft Fay k Bey zufammengeftellt, vertreten. Auch zahlreiche Oele, Rofenöle, Mandelöle, Birnenöl, Lorber- und Waffermelonenöl aus dem Vilayet Guired, Maftix, Scamonium, Laudanum, Terpentin dann verfchiedene Harze, aus dem Vilajet Archipel, weifses und Colophonium, Harz, Naphta und Pech aus dem Vilayet Sivas und Haudavendig und endlich aus dem Vilayet Konia und Amgora Traganth als Producte, welche durch den Handel fowohl nach Europa, wie auch zu anderen afiatifchen Stämmen gebracht werden. Die Türkei ift reich an mineralifchen Wäffern und das Vilayet Konia, das Vilayet Aleppo hat aufser Mineralwäffern auch Schwefelwäffer, das Vilayet Pisren und das Vilayet Trapezonte, Sauerbrunn- Waffer und Mineralkupfer- Waffer ausgeftellt. Die ganze Sammlung diefer Güter war durch das Gouvernement eingefchickt worden. Der Reichthum der landwirthschaftlichen Producte läfst fich auch daraus fchliefsen, dafs die Türkei auch an der Ausftellung der Nahrungs- und Genufsmittel fich ausgiebig betheiligen konnte. Der Wein, der in vielen Provinzen der Türkei gedeiht, war durch zahlreiche Sorten aus der Umgebung von Conftantinopel und aus dem Vilayet Guirid vertreten. Dann ragten die verfchiedenen Früchte, Früchtenfaft und die verfchiedenen von den Türken fo fehr geliebten Zuckerwerk- Sorten aus Rofen, Citronen, Pomeranzen u. f. w. wie fie das Vilayet Archipel in ganz bedeutenden Quantitäten, das Vilajet Alep und Syrie in den verfchiedenften Sorten für den Handel erzeugen, befonders hervor. Oliven und Olivenöl war aus dem Vilajet Janina und Jerufalem, dann aus Skodra und Diarbekir in reicher Menge, wie es auch in den Handel kommt, eingefendet worden. Bei jenen Induftrien, welche wie die Textilinduftrie überhaupt, dann die Lederinduftrie und Metallinduftrie die Türkei befonders auszeichnen und die auch für den Handel des Landes von Wichtigkeit find, können wir uns doch ziemlich kurz faffen. Seit die Bewegung, welche das künftlerifche Streben in der Induftrie, zumeift in der Textil- und Metallinduftrie wieder lebendig gemacht haben, ift man im Studium auf die an Tradition und Ueberlieferung hängenden Afiaten, die Türken, Perfer, Indier fehr eifrig zurückgekommen. Die farbenprächtigen, kleinen und ruhigen Mufter der türkifchen Teppichfabrication, wie fie in fo vielen Provinzen als Hausinduftrie und doch für einen ganz bedeutenden Handel geübt wird, die Solidität der Handarbeit, die Schönheit und Feinheit des Materiales find längst bekannt, und die Berichterftatter der einzelnen Gruppen haben fich die Betrachtung derfelben keineswegs entgehen laffen. Und doch hat weder Conftantinopel noch das Vilayet Adana, ebenfo wenig wie das Vilayet Archipel von feinen aus Ziegenhaaren und Wollen gewebten Teppichen das Schönfte eingefendet. Reicher und bedeutender waren die Seidenftoffe von Bruffa und aus den Gebieten des Libanon vertreten. Noch behauptet die Türkei in Vielem die originelle Arbeit und die originellen Mufter. Allein man konnte an manchen Ausftellungsgegenftänden, zumeift unter den Stoffen von Bruffa, den Einflufs Europas, der keineswegs günftig genannt werden kann, fchon bemerken. Zum Glück erhält das Nationalcoftüm noch zahlreiche originelle Mufter und Producte. Es war daher die von der Türkei am reichften befchickte additionelle Ausftellung von Coftümen des türkifchen Reiches von hohem Intereffe. Konnte man einerfeits die Richtung der gefammten türkifchen Textilinduftrie, die mit der Nützlichkeit und der Brauchbarkeit allenthalben Schmuck und Schönheit beim Coftüm zu verbinden fucht, erkennen, fo konnte man anderfeits auch wohl bemerken, dafs jede andere Induftrie, welche auf den Export rechnet, nur dann in die Türkei eindringen und für den grofsen Confum der Bevölkerung arbeiten kann, wenn fie dem nationalen Gefchmacke, den religiöfen und gefellfchaftlichen Bedürfniffen umfaffend Rechnung trägt. 5 54 Carl Sax. Wie England zur Unterſtützung feiner Induftrie und der Abfatzfähigkeit feiner Producte in Indien mit grofsen Koften die alten indifchen Mufter für Möbel und Kleiderftoffe u. f. w. gefammelt und in feinen Muſeen zum Gebrauch der Induſtrie aufgelegt hat, fo dürfte eine Sammlung von türkifchen Stoffen gerade der öfterreichifchen Induftrie von grofsem Nutzen werden. Hier mufs die nationalökonomifche Lehre vom Bedürfnifs und Befriedigung des Bedürfniffes praktiſch werden. Bedürfnifs und Befriedigung find ja nichts Anderes als die allgemeine Bezeichnung des täglichen Bedarfes und der Förderung desfelben, der gegenüber eben die Induſtrie mit ihren Aufgaben und Leiftungen steht. Was die Lederinduftrie betrifft, fo hatte das Vilayet Danube zahlreiche Pelze und Leder, das Vilayet Conftamboul und Edirné gefärbte Maroquinleder, gefärbte Ziegenfelle und fchöne Schaffelle, dann gefärbte Pferdehäute ausgeftellt. Auch die aus diefem Leder erzeugten Gefchirre waren gut und fchön gearbeitet und hat der Export der anderen Staaten wenigftens in Leder und Fellen einen ganz achtbaren Concurrenten im Lande felbft. Die Türkei führt felbft Pelze, Felle und Leder, zumeift gefärbten Maroquin, in ganz bedeutenden Mengen aus. Wie bei der Textilinduftrie, fo hat fich auch bei der Metallinduftrie ein reicher nationaler Gefchmack und eine traditionelle Arbeitsart bis heute noch in Conftantinopel und Umgebung, im Vilayet Touna, in Erzerum u. f. w. erhalten. Die Arbeiten aus getriebenem Silber, die Wafchbecken und Gefäfse, wie fie Conftantinopel ausgeftellt, die eingelegten Scheeren und Meffer von Lofdja, dem Vilayet Diarbekir, die fchönen, eingelegten Waffen aus dem Vilayet Piffren, dann aus Widdin, die fchönen Schmuckgegenftände aus Gold und Silber und aus Silbergefpinnften von Bruffa u. f. w., die Säbel aus dem Vilayet Sivas zogen die Aufmerkfamkeit der Befucher der Ausftellung auf fich und gaben Zeugnifs von der Erhaltung alter Formen und Mufter, ebenfo wie von der Güte des benützten Materiales. Die Holzinduftrie wird als Hausinduftrie betrieben und Vilayet Danube, Coftamboul, vor Allen das Vilayet Salonichi hatten Flafchen, Trinkgefäfse, Löffel und Gabeln aus Holz, aus Horn und Bein gefchnitzt, eingefendet, ebenfo wie das Vilayet Bosna und man konnte daraus die nationale Richtung wohl erkennen. Die Arbeit ift einfach und nur die Zierlichkeit der Form zeichnet diefe Holzarbeiten ebenfo wie die Strohgeflechte, bei denen an Körbchen, Decken und Strohtellern die Feinheit der Arbeit anzuerkennen war, aus. Auch die Stein- und Thonwaaren- Induftrie gehört der Hausinduftrie an. Die Erzeugung von Pfeifenköpfen wird in Conftantinopel, im Vilayet Diarbekir, Syrie u. f. w. in grofser Ausdehnung betrieben. Widdin, Islimil, Adana, Trebizonte u. f. w., insbefondere Tchanakale hatten eine grofse Sammlung von Krügen, Töpfen und Gefäfsen ausgeftellt, welche alle durch gefchmackvolle Form fich auszeichneten. Aus dem Vilayet Alep und Syrie waren irdene Gefäfse zur Anficht gefchickt worden, welche die Kräftigkeit des Brandes, den Glanz der Farben und oft auch eingelegter Zierath auszeichnete. Die Kurzwaaren- Induftrie war durch zierliche Elfenbeinarbeiten, Wohlgeruchbüchfen aus Fifchzähnen, Horn und Knochen, durch die bekannten türkifchen Rofenkränze( Tesbié) aus Sandelholz, Elfenbein und Knochen vertreten. Unter der Gruppe Papierinduſtrie fand man die fchönen eingelegten und gravirten Papierfcheeren von Bitavia und Kara hiffar und anderen Zierath des Schreibtifches. Von den anderen Gruppen ift nur noch die Gruppe der mufikalifchen Inftrumente zu erwähnen, welche eine Menge von Pauken, Trommeln und Schellen, dann Flöten, die Tamboura, den Dudelfack und die Pofaune brachten, wie fie in den meiften Vilayets zumeift aber im Vilayet Aleppo, Bosnien und Syrien erzeugt werden. In der Gruppe XVIII zog die Aufmerksamkeit der Befucher der Ausstellung die ausgezeichnete plaftifche Darftellung des Bosporus, ausgeführt von Carl Straub unter Leitung des Ingenieurs L. Seefelder, und Baron Hirfch und Hofrath Schwegel gehörig, auf fich. Türkei. 55 Der nationalen Hausinduftrie haben wir bei verfchiedener Gelegenheit fchon gedacht und erwähnen nur, dafs mit Ausnahme der Seidenfpinnerei und Seidenweberei von Bruffa die ganze türkifche Ausftellung der Hausinduftrie angehört. Am Schluffe gedenken wir der ziemlich reichen Unterrichtsausftellung, wo unter den Werken von wiffenfchaftlicher Bedeutung die Sammlung von Foffilien des Bosporus von Dr. Abdulah Bey und diefe Sammlungen auf 40 Tafeln zum Schulgebrauche producirt, von der Frau desfelben, dann müffen wir der fchönen Zeichnungen der türkifchen Schulen gedenken, unter denen wie natürlich die Schulen von Conftantinopel und Scutari den erften Rang einnehmen. Sollen wir bei dem im erften Theile unferer Betrachtung und bei der kurzen Darftellung der Ausftellung der Türkei auf die Bedeutung diefes Landes noch hinweifen? Ein Land, das, wie das türkifche, vom Meere reich umfpült ift, das nach allen Seiten die grofsen Welthandels- Strafsen berührt, das vor Jahrhunderten zur Zeit der griechifchen Cultur und zur Zeit des oftrömifchen Kaiferreiches Cultur und Civilifation der Welt beftimmte, ein folches Land kann niemals für die Dauer der modernen Culturbewegung, wie fie heute Europa kennzeichnet, verfchloffen bleiben, der Ausbau des türkifchen Eifenbahn- Netzes, das Telegraphenwefen und die Durchftechung der Landenge von Suez werden ficher fchaffen, was die Zeit mit Ungeduld erwartet, die Auffchliefsung des türkifchen Reiches für die Cultur Europas und damit die Löfung der orientalifchen Frage. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. PERSIEN. BERICHT VON DR. J. E. POLAK, kaif. Ausstellungscommiffär. BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. CH VORWORT. Die gefertigte Redaction übergibt auch jene Theile des officiellen Berichtes, welche nach dem Programm der Berichterftattung den ,, zweiten Theil des Ausftellungsberichtes" bilden follen, der Oeffentlichkeit, um den Befuchern der Ausftellung wie mit den einzelnen Berichten über die 26 Gruppen, auch mit diefen Gefammtdarftellungen der orientalifchen Staaten und Völker das Studium der Ausftellung zu erleichtern. Nach dem Schluffe der Ausftellung werden alle diefe freien Hefte in einer neuen Auflage herausgegeben werden, in welcher für den erften Band die Ordnung der 26 Gruppen, für den zweiten Band die geographifche Lage der Staaten zu Grunde gelegt werden foll. Nur mitdiefer Organiſation des Druckes und Verlages des officiellen Berichtes fchien es der gefertigten Redaction möglich zu erreichen, was die Generaldirection im Sinne hatte, als fie in dem Programme der officiellen Berichterstattung erklärte, ,, den ganzen Werth eines folch' grofsen und umfaffenden Werkes dem Publicum zugänglich zu machen und vollkommen auszunützen". PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. PERSIEN. Bericht von DR. J. E. POLAK, kaiferlicher Ausstellungscommiffär. Das Land. Perfien in geologifcher Beziehung. Die geologifchen Verhältniffe Perfiens find bis jetzt relativ nur fehr unvollkommen bekannt, und es ift diefs auch begreiflich bei einem Lande von fo grofsem Flächenraum, wie Iran, welches von europäiſchen Reifenden immer noch wenig, noch weniger aber von fpeciell geologifchen Fachmännern befucht wurde. Doch liegen über diefe Verhältniffe bereits einige Aufzeichnungen vor, welche wenigftens den Beweis liefern von der vielgeftaltigen Gebirgszufammenfetzung diefes Landes und von dem reichlichen Vorhandenfein nutzbarer Mineralproducte in demfelben, und es laffen diefe Aufzeichnungen für weitere geologiſche Unterfuchungen dafelbft gewifs intereffante Refultate erhoffen, obfchon felbft die emfigfte Arbeit Einzelner für die nächfte Zeit noch bei Weitem nicht im Stande fein wird, unfere diefsbezüglichen Kenntniffe bis zu dem Grade zu fördern, den die geologifche Wiffenfchaft für die meiften europäifchen Länder bereits aufweift. Unter den Männern, welche fich theils durch Reifen dorthin, theils durch Bearbeitung der von anderen Reifenden gemachten Funde, um die Geologie Perfiens und um die Kenntniffe der nutzbaren Mineralproducte diefes Landes Verdienfte erworben haben, nennen wir Abich, Czarnotta, Göbel, Göppert, Grewingk, Loftus, Polak, Wagner und Wosbojnikoff. Namentlich aber find folgende Arbeiten hervorzuheben: C. Grewingk. Die geognoftifchen und orographifchen Verhältniffe des nördlichen Perfiens, Petersburg 1853. W. Loftus. On the geology of portions of the Turco- Perfian frontier and of the diftricts adjoining, London 1855( quarterly journal). H. Abich. Vergleichende geologiſche Grundzüge der kaukafifchen, armenifchen und nordperfifchen Gebirge, Petersburg 1858. Grewingk und Loftus haben fogar bereits verfucht, das geologifche Bild der von ihnen befchriebenen Gebiete auf kleinen, ihren Arbeiten beigegebenen Karten zum Ausdruck zu bringen. Vergleicht man die Arbeiten der genannten Forfcher, fo findet man, dafs hauptfächlich kryftallinifche Schiefer, paläozoifche, juraffifche, cretaceifche und Tertiärfchichten, fowie Eruptivgefteine verfchiedenen Alters an der Zufammenfetzung der Gebirge Irans theilnehmen. Von Schichten der Trias wird kaum oder doch mit geringerer Sicherheit gefprochen. I 2 Dr. J. E. Polak. Um nun auf die einzelnen Formationen überzugehen, fo fcheinen der Gre wingk'fchen Karte gemäfs kryftallinifche Schiefer mit den denfelben in der Regel untergeordneten Eruptivgefteinen namentlich in den Gebirgen zwifchen dem Sefid rud und dem Menfer rud verbreitet zu fein, aber auch in der weiteren Umgebung von Miane gegen den Bugufch Kuh vorzukommen. Am Sefid rud felbft zwifchen Filadeh und Ruftamabad wurden felfitifche, granitifche und dioritifche Eruptivgefteine in gröfserer Menge conftatirt. Nach den Angaben von Loftus exiftirt ein langer Zug granitifcher Gefteine im weftlichen und füdweftlichen Perfien. Derfelbe beginnt fchon in einiger Entfernung vom Arrarat unweit Bayazid und geht zunächft bis in die Gegend von Khoi, tritt wieder öftlich von Gawar auf und zieht fich etwas weftlich von Urumiah und Ushun nach der Gegend von Lahijan hin, von wo er ftellenweife durch blaue Kalksteine unterbrochen am Zerribarfee vorbei über Sennah bis in die Gegend weftlich von Hamadan ftreicht und erft nördlich von Feredun endigt. Es ift wohl wahrfcheinlich, dafs nicht blofs Granit, fondern auch kryftallinifche Schiefer an diefem Gefteinzuge Theil nehmen werden. Feft fteht, wie oben bereits angedeutet, auch das Vorkommen paläozoifcher Schichten in Perfien. Indeffen in Bezug auf die genaueren Niveaux diefer Schichten herrfcht vielfach noch Unficherheit. Dafs filurifche Schichten, das heifst, die älteften paläozoifchen Gebirgsglieder vorkommen, ift wohl möglich, allein bisher nicht genügend erwiefen worden, wenngleich möglicherweife die Kiefelfchiefer bei Mefched in Choraffan, die durch ihre Türkife berühmt find, dahin gehören. Abich fchreibt den altpaläozoifchen Schichten im Alburs- Gebirgszuge ein devonifches Alter zu. Nach der Grewingk'fchen Karte finden fich freilich filurifche Schichten nördlich von Radkan. In jedem Falle ift es eine Corallen- und Brachiopodenfacies, ähnlich den Kalken der Fifel und Gothlands, mit der man es in dem berührten Falle zu thun hat. Auch die Kalke in der Gegend von Hamadan und südweftlich von Isfahan mögen zum Theil devonifch fein. Mit Sicherheit find Gefteine der älteren Kohlenformation vom Alter des Bergkalk in Perfien nachgewiefen. Namentlich find folche Gefteine im Thale des Araxes bekannt Schichten der fogenannten productiven Steinkohlen- Formation find wohl in ihrer typifchen Ausbildung bisher nicht mit genügender Zuverläffigkeit nachgewiefen worden. Die mit Steinkohlen- Flötzen verbundenen Schichten Perfiens dürften wohl an den meiften Punkten jüngeren Formationen angehören. Damit würde dann auch die Thatfache übereinftimmen, dafs wenigftens in den armenifch- perfifchen Grenzgebirgen die productive Steinkohlen- Formation vertreten wird durch rein marine Schichten, welche aufser anderen Foffilien auch Fufulinen führen, fo dafs alfo hier eine Facies der oberen Kohlenformation auftritt, wie fie beinahe allerwärts abbauwürdige Kohlenlager ausfchliefst. Aufser am Araxes ift Bergkalk vorhanden zwifchen Cherfabil und dem Iftalchfee auf der Höhe des Rudbargebirges. Dann gehört wohl ein grauer Kalkftein am Südfufse des Kalkgebirges bis Gis ebenfalls hieher. Für die Exiftenz der Triasformation in Perfien find, wie gefagt, giltige Beweife wohl noch nicht beigebracht worden. Doch könnte ein europäiſcher Geologe durch die Befchreibung der mit Erz- Lagerftätten verbundenen Dolomite bei Yezd wohl an mittlere, bezüglich obere Trias erinnert werden. Von Wichtigkeit für die Zukunft dürfte das Studium der juraffifchen Ablagerungen in Perfien fein, denn, wenn nicht alle bisherigen Angaben und Anzeichen trügen, ift es die untere Hälfte diefer Formation, welche fich durch relativ bedeutende Kohlenführung auszeichnet. Der mit den Verhältniffen in OefterreichUngarn vertraute Geologe dürfte alfo hier auf manche Analogie mit den ihm bekannten Thatfachen ftofsen. Die Beftimmung der mit den Kohlenflötzen im Albursgebirge auftretenden Pflanzenrefte war einige Zeit ftrittig, bis eine Autorität von dem Rufe Göppert's Perfien. 3 ein liaffifches bezüglich unterjuraffifches Alter für diefelben gewifs machte, wenigftens infoweit dem berühmten Phytopaläontologen Material über diefen Gegenftand vorlag. Es beginnt das kohlenführende Schichtenfyftem in der Regel mit Conglomeraten und Sandfteinen und wird über den Flötzen von kalkigen, petrefactenführenden Schichten gefchloffen. Unter diefen Petrefacten zeichnen fich namentlich Zweifchaler wie Pectiniten und Gryphäen aus. Die Schiefer und Sandfteine im Ghilangebirge, die Wosbojnikoff zur alten Steinkohlen- Formation rechnete, gehören vielleicht hieher, ebenfo dürften die kohlenführenden Schiefer am Sahend wenn nicht hieher gehörend, fo doch an diefer Stelle am beften zu erwähnen fein. Wir nennen hier auch fpecieller die entſprechenden Vorkommniffe am Sefid rud, füdlich vom Rudbargebirge, welche fich von Hifchigan über Mendfchil und am Scharud bis zu den Alamudhöhen ausbreiten. Die Kohlenflötze, die fich bei Daku und einige Meilen von Haffankeif befinden, und die pflanzenführenden Sandſteine und Schiefer an den Quellen des Serdab rud, fowie bei Pulad Kuh werden fich wohl auch vorläufig hier anreihen laffen. Wagner fand dunkle Liaskalke mit zahlreichen Verfteinerungen an einem der öftlichen Ausläufer des Kurdiftaner Gebirgszuges, nördlich vom Naffafluffe, weftlich vom Urumiahfee. Eruptivgefteine fcheinen mit den genannten Schichten an vielen Punkten wenigftens in localer Verbindung zu ftehen. So treten im Ghilangebirge Melaphyre, am Naffafluffe Euphodite auf. Die wirkliche Altersbeftimmung bleibt dabei indeffen wohl noch zu machen übrig. Nach den Unterfuchungen Abich's dürften auch Schichten der oberen Juraoder Malmformation, namentlich in Azerbeidfchan eine nicht geringe Verbreitung befitzen. Nur dürften die betreffenden Kalk- und Dolomitbildungen Perfiens nicht fo petrefactenreich fein wie die von Abich denfelben gleichgeftellten Schichten Kaukafiens, welche übrigens, der davon gegebenen Befchreibung nach, merkwürdigerweife eher der fchwäbifch- polnifchen als der mediterranen Entwicklungsweife des Malm entſprechen. Die von Loftus im füdweftlichen Perfien als juraffifch angefprochenen Schichten bedürfen noch fehr ihrer Altersbeftätigung. Dagegen nehmen Gefteine der Kreideformation in den von Loftus unterfuchten Gebieten einen bedeutenden Flächenraum ein. Sie werden angegeben in den Umgebungen der Ruinen von Pasargadae und in den Bachtiyaribergen, von wo fie fich über Susan nach dem Yafta Kuh hinziehen. Auch bei Kermanfchah und an den Dalahubergen treten folche Schichten auf. Weftlich von Susan brechen diefelben auch am Mal Amir zwifchen tertiären Schichten wieder empor. Specififche Beftimmungen der in den betreffenden Kalken und Mergeln gefundenen Foffilien wurden bis jetzt noch nicht gegeben, wefshalb eine genauere Gliederung und Altersdeutung aller diefer Schichten zur Zeit noch unausführbar ift. Auch im nördlichen Perfien fehlt es an Ablagerungen aus der Kreidezeit nicht. Diefelben find dort vielfach, wie aus Grewingk's Angaben hervorgeht, mit umgelagerten oder Tuffproducten von Eruptivgefteinen verknüpft. Gewiffe Thonfchiefer und grünliche Sandfteine öftlich von Schindan, dann zwifchen Chaffawar und Binamar, dann an den Päffen Herron und Görabawend werden hieher gerechnet. Mit Sicherheit gehören die Ananchyten führenden grauen Kalke oberhalb Kelarabad hieher. Mergel mit Feuerftein- Knollen kommen beifpielsweife bei Haffankeif und Kudshur vor. Die meiſten organifchen Einfchlüffe find bis jetzt aus den Chufchängurbergen bis Radkann nachgewiefen, und gehören die betreffenden Schichten der oberen Kreide an. Grewingk fpricht die Vermuthung aus, dafs nach genauerem Studium der in der perfifchen fogenannten oberen Kreide enthaltenen Ecchinodermen fich I* 4 Dr. J. E. Polak. vielleicht ſpäter zum Theil ein eocänes Alter der betreffenden Schichten herausftellen könnte. Die Eocänformation, das ift die untere Abtheilung der Tertiärformation, ift übrigens in jedem Falle in Perfien aufserordentlich verbreitet. So kommen hieher gehörige Gebilde mit Nummulithen am Iftalchfee, im Rudbargebirge und oberhalb Oiwuneh vor. Namentlich aber haben Nummulithengefteine in Choraffan einen grofsen Flächenraum im Befitz. Sie zeigen fich auch am Schirkuh bei Yezd. Sie dominiren bei Schiras und bei den fogenannten Ruinen von Perfepolis. Sie nehmen, auf der vorhin befprochenen cretaceifchen Stufe auflagernd, die füdweftlichen Gehänge der Bachtiyarigebirge ein und fetzen den Kebir Kuh zufammen, nach der türkifchen Grenze bis Kasri Shirin fortftreichend. Nicht minder bedeutfam als die eocänen find die jungtertiären Gebilde in Iran vertreten, deren Abgrenzung gegen die Eocänfchichten allerdings wohl noch mit gröfserer Genauigkeit, als bisher thunlich war, feftzuftellen fein wird. Rothe Sandfteine und Conglomerate treten an verfchiedenen Punkten über den Nummulithenkalken auf. Nagelfluhähnliche Gefteine, Mergel, Gypfe und Steinfalz- Lager fetzen das jungtertiäre Gebirge zufammen und erfcheinen in Perfien, wie Grewingk fich ausdrückt, für Alles, was als Hochebene oder niedriger Hügel erfcheint, bezeichnend. Die erwähnten Salzlager dürften in Zukunft namentlich dann von hervorragender induftrieller Bedeutung werden, wenn fich abbauwürdige Lager von Kalifalzen als vorhanden herausftellen follten. Bereits kennt man durch Göbel öftlich von Miane am Sefid rud, bei Maman ein Vorkommen von Kalifalzen und wurde eines diefer Salze mit dem neuen Namen Mamanit belegt. Die tertiären Gefteine werden vielfach von Eruptivgefteinen durchbrochen. Namentlich fpielen Gefteine aus der Trachytgruppe, ähnlich wie in dem benachbarten Armenien und im Kaukafus, dabei eine hervorragende Rolle. Doch fcheint im Allgemeinen das füdliche Perfien weniger von folchen Gefteinen aufzuweifen als das nördliche. Der Demavend, ein erlofchener Vulcan, und feine Umgebungen beftehen aus andefitifchen und augitifchen Maffen. Am Alamud und am Kuh Selembar, fowie am Pifch Kuh treten zahlreiche Andefite in Verbindung mit älteren Diabasporphyren auf. Am Iftalchfee und im Rudbargebirge fehlt es an ähnlichen Gefteinen nicht. Auch vom Sefid ab, füdöftlich von Warahoful, kommen Trachyte vor. Wahrfcheinlich ſpielen diefelben auch im Szamam Kuh eine gewiffe Rolle, da fie in der Gegend von Schadfchan auftreten. Einen mächtigen Stock trachytifcher Gefteine repräfentirt der Sfawalan und ift wohl anzunehmen, dafs folche auch weftlich davon im Gafch Kuh eine nicht geringe Bedeutung befitzen. Das Shahendgebirge mit dem mächtigen Damir Dagh füdlich von Tabris ift hier ebenfalls zu erwähnen, und dürfte auch der impofante Balagh Dagh hier zu nennen fein, von dem allerdings leider eine geologifche Kunde noch nicht vorliegt. Auch weftlich von Choi erfcheinen gewiffe domförmige Berge von trachytifcher Zufammenfetzung. Das Studium der trachytifchen Gefteine( das Wort ift hier in dem allgemeinen Sinne, wie ihn Zirkel's Petrographie fefthält, gebraucht) dürfte auch praktiſch nicht ohne Wichtigkeit für Perfien fein, namentlich da für die beffer ftudirten Trachytgebiete Ungarns, Siebenbürgens, des Banates und Serbiens die vielfache Verknüpfung von Erz- Lagerftätten mit Trachyten erwiefen ift, und da namentlich an die fogenannten Grünftein- Trachyte oder Propylithe das Vorkommen von Kupfer- und Eifenerzen gebunden erfcheint. Es erfcheint in der That nicht undenkbar, dafs die fogenannten Dioritporphyre Grewingk's, mit denen derfelbe die Kupfererz- Vorkommen bei Gawart, bei Migri, Agarek und Seidfchan, fowie die Eifenerz- Vorkommen bei Angert und Moferlü in Verbindung bringt, hieher gehören. Doch find das natürlich vorläufig nur Vermuthungen. Als andere Punkte, die durch analoge Erz- Vorkommen bekannt find, nennen wir fchnell noch Binamar, Perfien. 5 Maffula, Tanian, Schakuh, Terabad, fämmtlich entweder durch Kupfer oder durch Eifen ausgezeichnet. Ueber die geologifchen Verhältniffe der Bleierz- Vorkommniffe von Tafch, von Jenjaga oder von Uridfchard läfst fich noch wenig fagen. Was die quaternären Bildungen Perfiens anbelangt, fo ift Grewingk der Meinung, dafs zunächft das Diluvium fich nicht leicht wird von den Tertiärfchichten trennen laffen. Die Alluvialabfätze find meift mit gröfserer Sicherheit zu conftatiren. Am cafpifchen Meere und am Urumiafee find fie defsgleichen in ziemlicher Ausdehnung vorhanden. Von Intereffe find die vielfach auftretenden Travertinund Tuffbildungen. Namentlich erregte fchon feit Wagner's Reife der fogenannte Tabrismarmor eine befondere Aufmerkfamkeit. Derfelbe ift als Abfatz warmer Quellen in der Nähe von Scharamin und Daufchegan am Urumiahfee feſtgeſtellt worden( Dr. Tietze). Perfien in feiner Verfaffung. Perfien, oder beffer Iran, reicht vom 40. bis zum 24. Grad nördlicher Breite und vom 42. bis 58. Grad öftlicher Länge von Paris. Das Land gleicht einem Kartenherz, deffen Bafis nördlich vom Araxes, dem Cafpifee und dem Atrek- Flufs abgegrenzt wird und deffen Spitze am perfifchen Golf beim Vorgebirge Dfchafk gegen Beludfchiftan hinfieht. Seine Grenzen bilden nördlich Transkaukafien, Ruffifch- Talifch, der Cafpifee und Ruffifch- Turkeftan; öftlich Merv- Turkeftan, Afghaniſtan( mit den Chanaten Ghurian und Herat), Siftan und Beludfchiftan; füdlich der perfifche Golf; weftlich die afiatifche Türkei. Sein Flächenraum wird auf 22.000 Quadratmeilen gefchätzt. Es ift zumeift ein Tafelland von durchſchnittlich 3000 bis 4500 Fufs Seehöhe, nur in der Nähe des Cafpifees und des perfifchen Golfs fallen die Gebirge fteil ab wodurch ein fchmaler Saum Tiefland bleibt; auch findet in den grofsen Salzwüften, welche fich von Kum bis gegen Siftan und Beludfchiftan, mit Unterbrechung von einigen infelförmigen Oafen, vom 49. bis zum 60. Grad Länge hinziehen, eine mäfsige Senkung des Plateaus ftatt. Diefe Salzwüfte, einftiger Meeresboden, nimmt mehr als zwei Fünftel des fämmtlichen Flächenraums ein und ift mit Ausnahme einiger Oafen nicht culturfähig, fie erzeugt nur Salfolen, die zur Pottafchebereitung befonders in der Gegend von Kum verbrannt werden, aufserdem unerfchöpfliche Mengen von Natrium-, felten Kalifalzen. Im Sommer leicht paffirbar, befonders mit Dromedaren, bietet fie im Winter durch Aufweichen des Bodens unüberwindliche Hinderniffe für Karawanen und die in der Zukunft doch noch anzulegenden Strafsen und Bahnen, und man ift zu machen. genöthigt, Umwege am Rande der Wüft Vom Cafpifee und dem perfifchn Golf befpült, befitzt Perfien keinen einzigen fchiffbaren Flufs. Von den Seen ift der in der Nähe von Tabris gelegene Urumiafee der gröfste, der wegen feines hohen Salzgehaltes das Fortkommen und Unterfinken organifcher Wefen in demfelben unmöglich macht. Von den Bergketten find die berühmteften die des Elbruz als Fortfetzung des Kaukafusgebirges und die zwei weftlich parallel mit dem Tigris laufenden, viel verzweigten Ketten des Elwend( Zagros). Von den jetzt zumeift ruhenden Vulcanen find der Demawend, wenige Meilen von Teheran, über 18.000 Fufs hoch, und der Arrarat durch ihre Formation und die Sagen, die fich an fie aus dem Alterthume knüpfen, die bekannteften. Das Klima ift zumeift das der Steppen, im Sommer heifs und trocken, mit häufigen Wirbelwinden und Spiegelungen( Mirage), im Winter kalt, mit ausgiebigen Schneefällen. Klima und Vegetation richten fich faft mehr nach der Höhe als nach der geographifchen Breite, fo dafs z. B. in den Hochebenen bei Schiraz unter dem 30. Grad Breite im Juli das Thermometer kaum 30 C. erreicht, während in Mafanderan bei 370 die Orangen üppig im Freien gedeihen. Da die Städte 6 Dr. J. E. Polak. wegen der Wafferverforgung und wegen fanitärer Verhältniffe meift in der Nähe hoher Berge angelegt find, fo wird es im Sommer möglich, von der tropifchen Hitze in kurzer Frift in die Nähe der Schneefelder zu gelangen und durch den Aufenthalt dafelbft fich von Fieber und Ruhr zu befreien. Während z. B. anfangs Juni in Kafchan bereits die Saat eingeheimft ift, gelangt man durch einen Ritt von fechs Stunden in das liebliche Thal von Kahrud, wo die Saat noch nicht in Halme getrieben hat. Die iranifche Bevölkerung ift durchſchnittlich etwas über der Mittelgröfse, kräftig, mässig und gefund; dabei ift fie kunftfertig mit ausgefprochener Begabung für Landwirthschaft, Gärtnerei, für Erd- und Wafferbauten, Weberei, Zeichnen, mechanifche Arbeit, Mathematik und Poefie. Sie acclimatifirt fich leicht in fremden Ländern und pflanzt fich dort fort, fowohl in Indien und Arabien, Egypten, als auch in kälteren Strichen Europas. Ueber die Einwohnerzahl laffen fich wegen Mangel an Cenfus nur annähernde Daten geben. So fchätzt fie Mounfay in feinem Werke( 1872) nach Ende der Hungersnoth mit Zuhilfenahme der beiläufigen Bevölkerung der Städte, Dörfer und Nomadenftämme auf 5 Millionen, wovon etwa 1 Million auf die Städte-, 2½ auf die ländliche und 12 Million auf die Nomadenbevölkerung entfallen. Die vielen unfruchtbaren Steppen und Salzwüften, die wegen Befchaffung des Waffers nur oafenförmigen Plätze der möglichen Anfiedlung werden immer als Hinderniffe einer dichten Bevölkerung entgegenftehen. Ebenfo werden die hochgelegenen Weideplätze und Bergwiefen, die keine regelmässige Cultur zulaffen, der Abgang von Wäldern die gänzliche Unterdrückung des Nomadenthums ftets verhindern; es könnte höchftens mit der Zeit eine Art Sennerwirthschaft angebahnt werden. Uebrigens fei es weit entfernt, die Nomaden als Barbaren oder der Civilifation ganz entblöfste Menfchen hinzuftellen, da die Häuptlinge meift den gebildetften Claffen des Landes angehören, die für Schulen unter den Zelten auch Sorge tragen; auch ift das Kriterium der Civilifation, nämlich die Weberei, bei den Nomaden allgemein verbreitet. Man zählt etwa 150 Stämme, von denen die bedeutendften find: Die Kafchgaren bei Schiraz mit etwa 35.000 fchwarzen Zelten, die Kelhuren mit 11.000, die Zengeneh mit 10.000 und die Schegaghi in Azerbendfchan mit 15.000. Die fefshafte Bevölkerung ift in fteter Ahnahme hegriffen; die Urfachen diefes traurigen Verhältniffes liegen zumeift in der grofsen Sterblichkeit der Kinder und der Truppen, in den fich oft wiederholenden Epidemien und Hungersnöthen, in der Entvölkerung des öftlichen Reiches durch Menfchenraub durch die Turkeftaner, in dem geringen gefetzlichen Schutze der ländlichen Bevölkerung gegenüber der Habgier und Plünderungen der Regierungsbeamten u. f. w., daher auch bei den Nomaden, wo wegen Zerftreuung und natürlichen Schutzes von Seite der eingeborenen Chefs genannte Urfachen weniger wirken, die Abnahme weniger fühlbar ift. Der Race nach zerfallen die Einwohner Irans: I. in eigentliche Iraner aus dem alten Urftamm, jedoch fchon vielfach mit Semiten, Tataren und Kaukafiern gekreuzt, wozu noch die Zoroaftriner oder Gebern zu rechnen wären, die noch im Ueberrefte von etwa 6000 Seelen in Yezd leben, dort Handel und Gärtnerei treiben; 2. in Kurden, mit dem iranifchen Urftamme nahe verwandt, vielleicht reiner noch, als er felbft erhalten; 3. in eingewanderte Turaner( Türken, Tartaren, Turkomanen), die den Hauptftock der nomadifchen Bevölkerung bilden und theils aus frühefter Zeit zerftreut im Lande von Plünderzügen zurückgeblieben find, theils mit den Seldfchukiden, mit Dfchengis und Teymur in hiftoriſcher Zeit ins Land gerathen, in geringem Theil fefshaft wurden, doch mit Vorliebe das Zeltleben beibehielten; 4. in Armenier, deren Zahl in Abnahme begriffen, kaum 60.000 Seelen beträgt; 5. Araber, die, mit dem Islam ins Land gekommen, fich in verfchiedenen Gegenden mit Beihehaltung oder Aufgabe ihrer Sprache angefiedelt hatten; 6. Chaldäer- Neftorianer( Neffara), als Ueberbleibfel altaffyrifcher Colonien, die am Urumiafee einige Dörfer bewohnen, auch in Kur Perfien. 7 diftan verfprengt find; 7. Juden, meift in Kurdistan zerftreut, doch auch in gröfseren Anfiedlungen, fo in Teheran, Isfahan, Kafchan, Schiraz, Hamadan, Balafrufch u. f. w. Ihre Zahl in Abnahme begriffen, dürfte kaum 100.000 Seelen betragen. Bemerkenswerth ift es, dafs die Armenier meift nach Hindoftan, die Juden in die türkifchen Provinzen auswandern oder beffer fich flüchten. Ebenfo leben einige Stämme Zigeuner( Karatfchi Kauli) im Lande mit ähnlichen Sitten, Gebräuchen und Erwerb wie die in Europa. Von Europäern leben jetzt an 150 Individuen im Lande, eine Familie zweiter Generation ift mir nicht bekannt. Sie find meift im Gefandtfchafts- oder Telegraphendienft, einige von ihnen gehören dem Handels- oder dem Lehrftand, als Inftructoren für die Armee, an. Die fchwarze Race, durch viele Jahrhunderte als Sklaven eingeführt, ift nicht fortpflanzungsfähig, daher auch keine Mulatten zu finden, während die mongolifche Race vorzüglich wie überall gedeiht. Die Eintheilung der Stämme hat fich bei den türkifchen Einwohnern überall mit den Stammeseigenthümlichkeiten, Vorurtheilen und Traditionen der Einwanderung noch erhalten, z. B. die Kafchgaren von Kafchgar, die Karagoslu mit Dfchengis u. f. w., bei den perfifchen iſt fie zumeift verwifcht, nur hie und da noch erhalten, letzteres befonders bei den Kurden, fo die Feilis, Luren etc. - An der Spitze der Regierung fteht jetzt Naffr- eddin- Schah, er führt auch den Titel Schahinfchah, Padifchah und Sultan; er ift der vierte Regent aus dem turanifchen Stamm der Kadfcharen, welcher im Jahre 1794 mit Aga Mehmed Chan auf den Thron gelangte. Als ältefter Sohn des Mehmed Schah wurde er am 30. November 1829 geboren, ward fpäter als Knabe zum Gouverneur von Azerbeidfchan( Tabris) ernannt und kam nach dem Tode feines Vaters am 6. September 1848 auf den Thron. Sein ältefter Sohn und defignirter Nachfolger Muzzafereddin- Mirza, jetziger Gouverneur von Tabris, ift 22 Jahre alt. Die Regierung ift eine unumfchränkte Monarchie. Das Minifterium, Vezirat, das der Krone zur Seite fteht, wird gebildet durch den Grofsvezier, der den Titel Saderazam und ,, Alteffe" führt, jetzt Mirza Huffeyn- Chan, der auch den Poften des Kriegsminifters bekleidet, durch einen Minifter der auswärtigen Angelegenheiten, des Unterrichts, der öffentlichen Arbeiten, der Juftiz, der Finanzen, des Innern und der Fundationen. Auch befteht ein Grofsadmiral( Dariabeghi), jedoch nur in partibus, da die Regierung kein Schiff befitzt. Die einzelnen Provinzen werden durch Gouverneure( Hakem) regiert, die immer durch ein Decret( Firman) auf die Zeitdauer eines Jahres( der 21. März ift der Jahresbeginn für Regierungsgefchäfte) für ihren Poften die Inveftitur( Chalat) erhalten. Mit Ablauf des Jahres mufs diefe erneuert werden. Das Land wird eingetheilt in 23 Gouvernements und jedes Gouvernement in mehrere Diftricte. Ihre Namen find: 1. Arabiftan mit Burudfchird( Hauptorte: Schufchter, Disful und Burudfchird), 2. Arak( Hauptorte: Schehri- nan, Kedfchas, Afchtian), 3. Azerbeidfchan ( Hauptorte: Tabris, Choi), 4. Cafwin, 5. Fars mit dem Tiefland Laar( Hauptort: Schiraz), 6. Gilan mit Talifch( Hauptort: Refcht), 7. Gulpajigan mit Chunfar, 8. Isfahan, 9. Hamadan, 10. Teheran, II. Kafchan mit Natans, 12. Kerman, 13. Kermanfchah, 14. Choraffan( Hauptorte: Mefchhed, Nifchapur), 15. Kum mit Chalidfchiftaan, Saveh, Karagan mit Zerend, 16. Kurdistan( Hauptorte: Senna und Ardelan) 17. Chamfeh( Hauptorte: Sendfchan), 18. Luriftan ift häufig mit Arabistan zu einem Gouvernement verfchmolzen, 19. Malajir und Tufirkan, 20. Mafanderan ( Hauptorte: Amel, Balafrufch, Afchref), 21. Aftrabad mit einem Grenzstück von Turkeftan, 22. Nehawend und Kakewend, 23. Yezd. Die Gouverneure vermitteln aus den Provinzen die Gefchäfte mit der Krone und dem Minifterium des Innern durch Staatsfecretäre( Muftafi), die in der Hauptftadt wohnen. In gröfseren Provinzen ernennt der Gouverneur für die einzelnen Diſtricte von feinen Vertrauensperfonen Untergouverneure, die ihm verantDie wortlich find und theilt ihnen zur Steuereinhebung Commiffäre( Muhaffil) zu. Nomadenftämme ftehen nur indirect unter dem Gouverneur, direct unter ihren 00 8 Dr. J. E. Polak. - angeftammten Tribuschefs( Ilchani), der, wenn von türkifchem Stamm, im Seniorat folgt. Diefer ift für die inneren Angelegenheiten, Militärftellung, Polizei und Steuern feines Stammes verantwortlich. Früher waren die Gouverneure der Provinzen theils Prinzen aus der königlichen Familie, theils angeftammte Lehensherren, wie der Vali von Kurdiſtan, oder andere dazu defignirte Notabeln aus dem Beamtenftande. In der neueften Zeit befolgte man jedoch die Politik, ausfchliefslich Prinzen zu diefem Poften zu befördern. Durch diefes Syftem wurden zwar hie und da vorkommende Meutereien zurückgehalten, es trat jedoch dadurch der grofse Nachtheil ein, dafs die Prinzen bei geringerer Verantwortlichkeit gegenüber der Krone ihrer Raubgier und Habfucht frei die Zügel laffen, kein anderes Intereffe kennen, als fich zu bereichern, Schätze und Frauen zu fammeln, wenn auch ganze Provinzen darüber zu Grunde gehen follten und die Unterthanen aufs Aeufserfte getrieben werden. Da nützt keine Klage vor dem Gouverneur oder Minifter, fie wird unterfchlagen, und follte es Einer wagen, in die Hauptftadt abzugehen, um in einer Bittfchrift fein Anliegen vor dem König der Könige mit dem Titel ,, der Born der Gerechtigkeit" vorzutragen, fo wird er durch nachgefchickte Boten aufgefangen und für feine Kühnheit gezüchtigt. Die Art der Beftellung der Gouverneure, ihr Willkür- und Erpreffungsfyftem find die Grundübel des Staates, die Urfache der Verarmung, Entvölkerung und Auswanderung. Was nützen promulgirte Gefetze, welche Moslims, Chriften, Juden und Gebern gleichftellen, wenn fie der Gouverneur nach Gutdünken umgeht? Infolange nicht eine Art Provinzialrath, eine freie Gemeindevertretung und Verwaltung eingeführt wird, ift für das Land kein Heil zu erwarten. Leider dürfen wir eine ähnliche Einrichtung von der jetzigen Regierung kaum hoffen, die fich in kleinlichen Intriguen und in der Phrafe aufzehrt. Die Staatsrevenuen fliefsen aus der directen Befteuerung von Grund und Boden in Geld und Naturalien, aus jener von dem Viehftand der Nomaden und aus dem Einkommen der Zölle für Aus- und Einfuhr. Jedoch fliefsen die Einkommen nicht in eine Centralcaffe, fondern jede Provinz deckt vorerft ihre Ausgaben für die Verwaltung, Militärftand etc., und fchickt den Ueberfchufs in die Hauptftadt oder erhält von diefer das allfällige Deficit. Die fämmtlichen Revenuen werden in guten Jahren auf 3 Millionen Ducaten, beiläufig 17 Million Gulden gefchätzt. Die gefammte Kriegsmacht Perfiens, über welche im Namen des Schah der Sadr- azan( Grofsvezier) den Oberbefehl führt, befteht aus circa 60.000 Mann, welche in die reguläre Armee( Nizam) und die irregulären Aufgebote( Redif) eingetheilt find. Den europäiſchen Inftitutionen entgegen, bilden die Redifs die eigentlichen Kerntruppen. Sie werden von ihren Stammeshäuptlingen, welche zugleich ihre Commandanten find, berufen. Sie beftehen meift aus Reitern, die fich felbft bewaffnen, equipiren und remontiren und Sold nur dann erhalten, wenn fie zum Dienfte berufen find. Die reguläre Armee beſteht aus 75 nach der Heimat benannten Regimentern, welche nach den zwölf Provinzen in ebenfo viele Corps eingetheilt find. Die Ordre de bataille ift ftets wechfelnd, und find die Garni fonen von den Ergänzungsbezirken meift fehr entfernt. Während der Abwefenheit des Schah find die Truppen concentrirt, und zwar in Teheran elf, bei den anderen gröfseren Städten je fechs Regimenter. Die Ergänzung der Truppen ift willkürlich, und haben die Bezirke blofs eine ihnen beftimmte Zahl Köpfe zustellen, berechnet nach der zu liefernden Steuer, fo dafs jede Gemeinde für je 14 Toman, die fie der Regierung aufser dem Zehent bezahlt, einen Mann ftellt, wobei, da Stellvertretung geftattet ift, weder auf phyfifche, noch auf moralifche Tauglichkeit geachtet wird. Die Dienftzeit ift lebenslänglich; doch werden die Mannfchaften nach 3 bis 4 Dienftjahren auf die gleiche Anzahl von Jahren beurlaubt, nachdem fie bei der nur nominellen Exiſtenz von Spitälern meift decimirt worden find. Perfien. 9 Ueberhaupt ift ein Regiment nie stärker als 600 bis 700 Mann, und felbft diefe Zahl wird durch willkürliche Beurlaubungen noch wefentlich verringert. Die Cavallerie zählt in vier Escadronen 500 Mann, welche jetzt eigentlich die Leibgarde des Schah bilden. Am tüchtigften organifirt, equipirt und von einem gewiffen Eſprit de corps befeelt ift die Artillerie, welche ohne beftimmte Eintheilung 600 Mann zählt und 400 Glattkanonen, die fich in nichts weniger als feldtüchtigem Zuftande befinden, bedienen foll. Zwar liegen im Arfenale zu Teheran 36 Lahittegefchütze, fowie 6000 Chaffepotgewehre, die aber nur zur Parade dienen, während in Wahrheit die Bewaffnung, Munition und Bekleidung in einem Zuftande ift, der bei kriegerifchen Verwicklungen als defolat fich erweifen mufs. Eine Remontirung befteht nur für die Artillerie, der Train aber exiftirt gar nicht, und werden die Bagagen auf Kameelen und Efeln transportirt. Techniſche Truppen beftehen ebenfowenig; erft in letzter Zeit wurden 300 Artilleriften vom General Gafteiger Khan, einem geborenen Tiroler, als Pionniere eingefchult und mit Erfolg verwendet. Hieher gehört auch die feit 1850 in Teheran beftehende Akademie, auf deren Lehrplan Mathematik, Phyfik, Mechanik, Gefchichte, Geographie, Taktik und endlich die englifche und franzöfifche Sprache verzeichnet find. Da aber der Eintritt der abfolvirten Zöglinge in das Heer nicht obligatorifch ift, fo wenden fich diefelben meift der diplomatifchen Carriere zu, und ift fomit im Heere, felbft in den höheren Chargen, die Ausbildung faft gleich Null. Generalftab exiftirt natürlich keiner, dafür aber Generale und Oberfte in bedeutender Zahl, welche Grade übrigens keineswegs militärifche, fondern blofs ökonomifche Bedeutung haben, und wie alle Officiersftellen verkauft oder an Günftlinge verfchenkt werden; fo treten z. B. Knaben aus guten Häufern oder Kinder von Tribuschefs, wenn fie in die Armee aufgenommen werden, gleich als Oberfte ( Serheng), manchmal durch Erbfchaft als Generale ein. - - - Der fonft ziemlich bedeutende Sold, von welchem aber der Soldat felten mehr erhält, als den vierten Theil die von den Gemeinden zu liefernden Lebensmittel, endlich die Beurlaubungen bilden für die Officiere weidlich ausgebeutete Speculationsobjecte, über welche Inftructionen und Exerciren ganz vernachläffigt werden. Durch folch' ungeregelte Soldverhältniffe werden die Soldaten gezwungen, Feldarbeit aufzufuchen oder in den Bazars haufiren zu gehen. Die Officiere bis zum Capitän werden von den Generalen ernannt, die Generale aber von dem Schah. Es gibt drei Claffen von Generalen: Sartip über 1, Mirpendfch über 5 und Mirtoman über 10 Regimenter. Der Jahresfold der Officiere ift folgender: Der General foll 1000 Toman erhalten, der Oberft 500, der Major 200, der Capitän 100 und der Lieutenant 20. Doch zieht die Regierung von allen diefen Gehalten 20 Percent ab und zahlt, aufser wenn der Officier im Felde fteht, nur die Hälfte. Der gemeine Soldat erhält beim Dienftantritt von der Gemeinde ein Handgeld und aufserdem von der Regierung einen nominellen Sold von 7 Toman jährlich; da er jedoch nur die Hälfte der Zeit im Dienfte und die übrigen 6 Monate beurlaubt ift, durchſchnittlich 3½ Toman nominell jährlich. Menagebeiträge werden nicht geleiftet. Selbft Unter folchen Umftänden find die erften und wichtigften militärifchen Tugenden, namentlich Disciplin, ganz ungekannte Begriffe, und fehlt jetzt fomit den perfifchen Truppen jede innere Confiftenz und Widerftandsfähigkeit. die Feftungen, deren Wälle aus Lehm oder zerfallenden Mauern beftehen und von einem Achtpfünder in Trümmer gefchoffen werden können, bieten dem Lande keinen Schutz. - Einzig die Wüften find es, welche einer Invafion ernfte Schwierigkeiten bereiten würden; allein auch diefe Hinderniffe werden fiehe Khiwa- durch die moderne Kriegstechnik befiegt; und will Perfien als Zünglein an der Wage der Gefchicke Centralafiens gelten, fo mufs mit eiferner, rücksichtslofer Energie die Wehrkraft des Landes zur Wehr auch Kraft gewinnen. 10 Dr. J. E. Polak. Die Juftiz wird nach Gefetzen des Korans von den Prieftern geübt, doch beſteht auch eine Art weltliches Gericht, von dem geiftlichen nicht ftreng abgegrenzt, Urf genannt, welches im Namen des Königs ausgeübt wird, nach welchem auch Proceffe zwifchen Europäern und Inländern durch Hilfe der Confulate und Gefandtfchaften gefchlichtet werden. Für den öffentlichen Unterricht forgen nur die Akademie, gegründet im Jahre 1851, die auch, durch mehrere Jahre durch öfterreichifche Lehrer geleitet, viel zur Verbreitung von militärifchen, mathematifch- phyfikalifchen und medicinifchen Kenntniffen beigetragen, und die zur Bildung von Prieſtern durch Fundationen unterhaltenen Madraffes. Lobe des Volkes mufs doch erwähnt werden, dafs im Allgemeinen die Eltern für Zum Erziehung ihrer Kinder Sorge tragen und nach Kräften ihnen Unterricht durch Lehrer angedeihen laffen, fo dafs die Bildung extenfiver ift, als man gewöhnlich annimmt, wozu auch das Lefen der guten Dichter viel beiträgt. Die Staatsreligion ift die mohamedanifch- fchiitifche, doch gibt es auch viele Suniten unter den kurdifchen, türkifchen und arabifchen Stämmen. Es finden fich auch viele geheime und offene Secten, die, folange fie nicht den Grundprincipien des Staates zuwider handeln, geduldet werden. Ja nach den oft publicirten Staats- Grundgefetzen find alle Unterthanen vor dem Gefetze gleich, doch ift diefes nur in der Theorie, nicht aber in der Praxis giltig. Die wichtigften Wallfahrtsorte und Afyle des Landes find Mefchhed, Kum und Schohabdulazim, aufserhalb des Landes Kerbelah bei Bagdad, Mekka und Medina. Während die Pilgerfahrten zu den erften fehr zahlreich find, find die nach Mekka und Medina relativ fehr gering.* Verkehrsmittel. Es ift eine bekannte Erfahrung, dafs zur Erfpriefslichkeit des Handels mit einem Lande nicht allein die Billigkeit und Verwendbarkeit der dortigen Artikel und der lohnende Abfatz der importirten Waaren entfcheiden, fondern es müffen noch andere Factoren hinzutreten, die einen lebhaften Handel ermöglichen. Zu diefen zählen wir vor Allem die Communicationsmittel, durch welche Perfonen und Waaren von einem Hafenplatz bis an die Grenze, und von dort aus ins Innere des Landes gelangen können; die Zeit und Koften, welche eine Reife oder ein Transport in Anfpruch nehmen; die Gefahren, Zufälle und Schäden, welchen Perfonen und Waaren ausgefetzt find; den Schutz, den Kaufleute in ftrittigen Fällen oder bei mafslofer Gebarung finden können; die Münzen oder Anweifungen, welche man zum Ankauf braucht, oder beim Verkauf ausführt; die Zeit, welche Nachrichten und Briefe dahin und von dort brauchen. Wir hätten auch zu erörtern, wie fich in naher Zukunft durch Anlage von Bahnen im Lande felbft, bis an die Grenze desfelben oder bis zum Cafpifee, die Transporte und Reifen ändern werden. - Reifen im Innern des Landes. Es gibt mit Ausnahme einer kurzen Strafse im Tieflande des Gelan'fchen Gebietes von Murdab bis Mandfchil keine gebahnten Wege im Lande, abfolut keine Laftwagen, fo dafs Perfonen und Waaren auf dem Rücken von Pferden, Maulthieren und Kameelen transportirt werden. Ausnahmsweife bedienen fich Frauen und fchwächliche Perfonen des Palankins( einer von Maulthieren getragenen Bahre, welche auch in Krankheitsfällen benützt werden kann) oder der paarigen Körbe für den Transport zweier * Ueber den Einflufs der Wallfahrten fiehe Mittheilungen der Wiener geographifchen Gefellſchaft 1867. Itinerarien mufelmanifcher Pilger mit Bezugnahme auf Verbreitung von Cholera von Dr. J. E. Polak. Perfien. 11 Frauen. Man braucht für Waaren immer, für Perfonen auch zumeift die Karawanen, welche täglich durchſchnittlich an fünf deutfche Meilen zurücklegen, um in die Station( Manzil) zu gelangen. Gewöhnlich erfolgt die Reife bei Nacht, fo dafs man in den Frühftunden die Station erreicht, wo man den ganzen Tag verweilt. Dort finden fich an den Hauptrouten Karawanferais, wo man umfonft ein Zimmer occupiren, Waaren und Thiere unterbringen kann. Häufig finden fich in diefen Gebäuden Cifternen zur Wafferverforgung, doch thut man wegen der Verunreinigung gut, fich desfelben zum Getränke nicht zu bedienen. Mit Ausnahme einiger weniger Gebiete in Arabiſtan und Kurdiftan früher auch in Choraffan- herrfcht eine abfolute Sicherheit der Wege, fo dafs man forglos die Reife machen kann. In den genannten Provinzen ift es jedoch der Vorficht halber zweckmässig, fich einen Geleitfchein vom Gouverneur zu verfchaffen, oder einen feiner Diener als Begleitung mitzunehmen, befonders wenn man zu wiffenfchaftlichen Zwecken von der Hauptlinie fich entfernen und Streifzüge machen will. Vorbereitung zur Reife. Da man auf dem Karawanenpferde nur Packfättel vorfindet, fo mufs man einen feften englifchen Sattel mitführen. Ausserdem ift es gut, fich mit folgenden Artikeln auszurüften: mit einem kleinen Teppich von etwa 2 Meter Länge; einem dicken wafferdichten Flanell des Landes( Patu); einem leeren Strohfack zum Schlafen, den man immer in der Station mit Strohhäckfel füllen laffen kann; mit etwas perfifchem Infectenpulver( welches nirgends im Lande zu finden und nur noch in Tiflis zu kaufen ift); einem Zwerchfack, der haltbar und gut überall im Lande käuflich ift; einem Mantel, der immer Sommer und Winter am Sattel angefchnallt nie ins Gepäck gelegt werden darf, da bei Wechfel der Temperaturen zwifchen Tag und Nacht, Tiefe und Höhe leicht auch Erkältung, Wechſelfieber und Ruhr zugezogen werden können; einem Trinkbecher und einem kupfernen Napf, zwei Büchfen Fleifchextract, etwas mageren Zwieback, etwas Thee und einer kupfernen Theekanne; einem Filzhut mit breiter Krempe und hirfchledernem Unterbeinkleid; einigen abgetheilten Dofen Chinin. In einer gröfseren Ortfchaft oder einem Städtchen angelangt, kaufe man einigen Mundvorrath für etwa 2 bis 3 Tage, welcher mit anderen täglichen Gebrauchsgegenständen im Zwerchfack mitgeführt wird. Da eine Karawane ihre beftimmten Rafttage und Stationen hat, fo nützen das Drängen und die Vorwürfe über Zeitverluft gar nichts, man mufs fich daher refigniren und darauf rechnen, dafs etwa jeder dritte Tag verloren geht und man z. B. zu einer Diftanz von etwa 15 Tagreifen 20 bis 21 Tage braucht. Vertheidigungswaffen mitzuführen, ift unpraktifch, höchftens eine Flinte, wenn man Jäger ift, um Wild für die Küche zu erlegen. Gegen das Aufreiten und Frattwerden bei ungeübten Reitern nützt eben ein knapp anliegendes ledernes Unterbeinkleid, das Wafchen der gerötheten Theile mit kaltem Waffer, dann Abtrocknen und Ein ftreuen eines Pulvers von folgender Zufammenfetzung: feines Reismehl 3 Loth, Zinkoxyd 4 Gramm, Zinkfulfat I Gramm. Gegen Reizung der Haut durch ſtarke Sonnenftrahlen dient der breitkrempige Filzhut und Einreiben von Glycerin, gegen Reizung der Augen in Schneeflächen eine Brille mit färbigem Glas, gegen Fieber Chinindofen vor dem Anfall, gegen Ruhr, die meift im Sommer herrfcht, Zurückziehen in die Berge und Genufs von faurer Milch. Reife mit Poft. Im Falle, dafs die Zeit drängt und man auch an Strapazen gewohnt ift oder durch mehrtägige vorläufige Ritte von mehreren Meilen fich dazu vorbereitet hatte, fo wählt man die Poft. Es beftehen nämlich von Seite der Regierung an den Haupt- Karawanenftrafsen Poftftationen, wo man für das Entgeld von 10 Ducaten per Thier und Farfach Pferde vorfindet. Man mufs immer einen Poftknecht zur Orientirung, aufserdem zum Tragen des leichten Gepäckes mitnehmen. Beim Poftritt find folgende Vorfichtsmafsregeln zu beobachten: I. Man unternehme, wie erwähnt, nie denfelben, ohne fich durch mehrtägige Ritte vorbereitet zu haben. 2. Am erften Tage forcire man nie den Ritt und mache höchftens zwei Stationen, alfo etwa 10 Meilen, während man die folgenden fchon an drei und nur bei fehr zwingender Nothwendigkeit vier alfo 20 deutfche Meilen per Tag 12 Dr. J. E. Polak. macht. 3. Man laffe fich nicht verleiten, wegen Müdigkeit einen Tag auszuraften, weil dann am folgenden der Courierritt unmöglich wird. 4. Am Orte der Beftimmung angelangt, befuche man das fogenannte türkifche Bad, laffe fich dort abkneten. wodurch faft alle Müdigkeit und Abgefchlagenheit aufhört. Transport von Waaren im Innern des Landes. Es verfteht fich von felbft, dafs diefer nur mittelft Karawane erfolgen kann. Die Waaren müffen fo verpackt fein, dafs jedes Colli 70 bis 80 Kilo wiegt, wovon zwei auf den Seiten des Laftthieres fich das Gleichgewicht halten. Da diefe Laften auf jeder einzelnen Station auf- und wieder abgeladen werden, aufserdem die ungebahnten Wege viele Gefahren durch Sturz der Thiere und Laften beforgen laffen, fo ift doch durchfchnittlich die Gröfse und Menge der Schäden geringer als man unter ähnlichen Verhältniffen vorausfetzen könnte. Die Ehrlichkeit und Tüchtigkeit der Karawanenführer ift allbekannt, und es kommt öfter vor, dafs Kaufleute eine bedeutende Geldfumme in ein Colli legen, ohne Declaration und ohne Sorge für deren Verluft. Die Zeit und die Koften, die ein Karawanentransport beanfprucht, wechfeln nach dem billigern und theuerern Futter; fo dauert derfelbe im Frühling länger, weil die Thiere, vom Grünfutter lebend, nur halbe Stationen machen. Durchfchnittlich lässt es fich annehmen, dafs der Transport wenigftens um die Hälfte mehr Tage als die vorhandenen Stationen ausmacht und dafs trotz des relativ geringen Preifes der Thiere der Transport unverhältnifsmässig theurer als in Europa ift. Telegraphen. Perfien wird von einer Telegraphenlinie von Norden nach Süden von Tiflis- Tabris, Isfahan- Schiraz bis zum perfifchen Golf, ferner von Weften nach Often von Bagdad bis Isfahan verbunden. Der Dienft ift ein verläfslicher und regelmäfsiger, er wird zumeift durch englifche Beamte beforgt. Die Depefche kann in englifcher und franzöfifcher Sprache abgefafst fein. Der Preis einer Depefche von 20 Worten von Wien nach Teheran beträgt II fl. öfterreichifcher Währung. Briefe. Etwas fchwieriger als mit Telegrammen ift es mit den Briefen, da keine regelmässigen Poften exiftiren. Die Briefe von Europa werden daher via Trapezunt oder Tiflis inftradirt. Von Trapezunt gehen die Couriere der englifchen, franzöfifchen, öfterreichiſchen und türkifchen Gefandtfchaft im Wechfel faft jede Woche ab, am häufigften circuliren die englifchen, fie brauchen von Trapezunt bis Teheran, eine Diſtanz von beiläufig 190 deutfchen Meilen, etwa 10 bis 12 Tage, fo dafs ein Brief, wenn er den Courier nicht verfehlt, in circa 20 Tagen anlangen kann. Da die Gefandtfchaften den Briefverkehr unentgeltlich beforgen, fo ift es zweckmäfsig, die Adreffe des bis Trapezunt mit 15 kr. frankirten Briefes folgendermafsen abzufaffen: Mr. N. N. à Tabris en Perfe via Trapezunt. Aux soins obligeants de l'Ambaffade de S. M. Will man die Briefe über Rufsland befördern, fo mufs angemerkt fein via Odeffa et Tiflis. Aux foins obligeants du Confulat Ruffe à Tabris. Kleine Packete von wenigen Lothen werden auf diefe Weife auch befördert, während gröfsere zurückgewiefen werden müffen, damit der Courier nicht überladen und in feinem Ritt gehemmt werde. Natürlich gebietet es der Anftand, dafs man im Lande felbft, wo man die Briefe aufgibt, fich der Gefandtfchaft vorftellt. Reifen von Europa nach Perfien. Nehmen wir Wien als gröfste Stadt von Centraleuropa, künftigen Knotenpunkt der nach dem Orient führenden Bahnen und viel bewunderten Ausftellungsplatz einerfeits als Ausgangs-, anderfeits Tabris als gröfsten Handelsplatz Perfiens, und Teheran als Hauptftadt, als Endpunkt an, fo ergeben fich für Perfonen und Waaren folgende Routen: I. Route: Wien, Conftantinopel, Poti, Tiflis und Tabris. Von Wien nach Conftantinopel 3 Tage, von dort nach Trapezunt 3, nach Poti I. Von Poti nach Tiflis mittelft Bahn, die nur eine geringe Unterbrechung hat, I Tag. Von Tiflis aus fährt man mit ruffifcher Poft bis zu dem Grenzfluffe, dem Araxes, in 2, Perfien. 13 höchftens 3 Tagen; jedoch ift es zu wiffen nothwendig, dafs, wenn man keine Unterbrechung im Poftverkehr erleiden will, man ein Empfehlungsfchreiben erfter Claffe bei der Gefandtfchaft in Wien oder bei den Behörden in Tiflis erlangen mufs. Vom Araxes bis Tauris mit perfifchen Courierpferden 2, oder mit ruffifchem Fourgon( Leiterwagen) 3, im Ganzen 13 Tage, doch kann man immer durch Verluft an Anſchluſs der Dampffchiffe 18 Tage rechnen. 2. Route: Wien, Odeffa, Tiflis. Von Wien nach Odeffa mittelft Bahn odér Donau- Dampffchiff in 3 Tagen. Von Odeffa nach Poti befteht jetzt noch keine directe Verbindung, die jedoch bei zunehmender Communication im Plane ift; jetzt braucht man durch Aufenthalt in den einzelnen Echellen an 8 Tage. Von Poti nach Tiflis I Tag. 3. Route: Wien, Teheran. Man macht die Fahrt nach Tiflis etwa in 12 bis 14 Tagen. Von Tiflis kann man den längeren Karawanenweg über Tabris nach Teheran von 34 Tagreifen wählen. Da jedoch die Diftanz von Tiflis nach Baku oder nach Tabris die gleiche ift, fo thut man beffer, mittelft ruffifcher Poft nach Baku in 2 bis 3 Tagen zu fahren, und von dort aus mittelft Dampffchiff nach Enzeli. Von letztem Hafen bleiben jedoch nur 6 Tagreifen nach Teheran, die man leicht im Courierritt in 3 Tagen machen kann. Im Ganzen wären für diefe wenig befchwerliche Route an 3 Wochen nothwendig. 4. Route: Wien, Warfchau, Smolensk, Sarazin, Aftrachan, Teheran. Diefe ift für Perfonen zur Sommerszeit die kürzefte und billigfte Tour. Durch Vollendung der Bahn Riga- Sarazin wird es möglich in 4 Tagen per WarfchauSarazin, dann mittelft Wolga- Dampffchiff Aftrachan in 2 Tagen zu erreichen. Von Aftrachan nach Enzeli werden 4 Tage, und von dort nach Teheran mittelft Poft 2 bis 3 Tage beansprucht, fo dafs bei gehörigem Anfchlufs die Reife nach Teheran ohne befondere Strapazen in 14 Tagen gemacht werden kann. 5. Route: Wien, Aftrachan, Salian, Tabris. Von Wien nach Aftrachan 6, von dort nach Salian( im Ruffifch- Talifch) 3 Tage. Von Salian bis Tabris bleiben 8 Tagreifen, die in 3 Tagen zurückgelegt werden. Jedoch wäre zu erinnern, dafs die Routen 4 und 5 in der Winterszeit wegen der durch Eis gefchloffenen Wolga nicht ausführbar find. 6. Route: Wien, Trapezunt, Armenien, Tabris. Früher, ehe die Bahnen Poti- Tiflis und Warfchau- Sarazin fertig waren, wählte man häufig wegen der Billigkeit diefe Route. Von Trapezunt bis Tabris find 22 Stationen, die ein geübter Reifender leicht im Courierritt in 10 Tagen zurücklegen kann. Jetzt wird fie wegen der Strapazen und Theuerung der Poftpferde von Reifenden weniger befucht; doch kann man auf diefem Wege nach Tabris in 16 bis 20 und Teheran in 26 Tagen erreichen. Im Karawanenwege braucht man an 2 Monate. 7. Route: Wien, Bufchir, am perfifchen Golf. Hätte man Gefchäfte im Süden Perfiens oder in Mafkat, oder wollte man als Tourift Perfepolis oder Schiraz befuchen, fo wäre folgende Route angezeigt: Von Wien nach Port Said und Suez, oder Wien, Alexandrien und Suez in 8 Tagen. Die fchon lange geplante directe Verbindung zwifchen Suez und Bufchir ift noch nicht ausgeführt, einige Dampfer halten wohl auf der Rückreife von Bombay wegen Abgabe von Depefchen und wegen Aus- und Einfchiffen von Waaren in Bufchir, und man ift daher gezwungen, von Suez nach Bombay und von dort zurück wieder nach Bufchir zu fahren. Da die Poftfchiffe, mit allem Luxus ausgeftattet, sehr theuer find, fo gehört diefe Route auch zu den koftfpieligften. Von Bufchir nach Schiraz find 10 Stationen, von Schiraz nach Perfepolis I, fo dafs man in 6 Tagen von Bufchir nach Perfepolis gelangen kann. Auch ift alle 14 Tage eine engliſche Dampffchifffahrt- Verbindung zwifchen Bufchir und Bagdad. Wie immer gehört eine Reife nach Perfien noch zu den theueren und umftändlichen und man kann von Wien nach Tabris, wenn man erfter Claffe reifft, fie immerhin auf 300 fl. öfterreichiſcher Währung oder auf 30 Pfund Sterling 14 Dr. J. E. Polak. anfchlagen. Will ein vermögender Mann ohne alle Strapazen Teheran erreichen, fo thut er am beften, fich mittelft Telegramm an das Confulat in Refcht ein Palankin zu beftellen, dann die Route Sarazin, Aftrachan, Enzeli, Refcht zu wählen. Auf diefe Weife ift es felbft fchwächlichen und kränklichen Perfonen ohne bedeutende Strapazen und Zwifchenfälle möglich, die Reife in höchftens 20 Tagen Tour oder Retour zu machen. Transport von Waaren. So lange die Bahn von Tiflis nach Baku nicht gebaut und das fchwarze Meer mit dem cafpifchen durch einen Schienenftrang nicht verbunden, und fo lange nicht die Bahn von Sarazin nach Aftrachan ausgebaut ift, welches jedoch bei den geringen Hinderniffen nur eine Frage von wenigen Jahren fein dürfte, bleibt faft für ganz Europa mit Ausnahme von Russland für Waarentransport die Route Trapezunt, Armenien und Tabris noch immer die befte und billigfte, weil a) der Karawanenweg von Tiflis nach Tabris faft eben fo viel Zeit und Geld in Anfpruch nimmt als der von Trapezunt nach Tabris, b) weil hier die Waaren z. B. von Wien nur an Lloyd und Karawane, dort an den öfterreichifchen Lloyd bis Trapezunt, dann an die ruffifche Gefellſchaft bis Poti, dann an die Eifenbahn, endlich an die Karawane übergeben werden müffen, welches vierfaches Verladen und gegenfeitiges Verrechnen der Spedition verlangt. Der Weg Trapezunt- Tabris hat jedoch den grofsen Nachtheil, dafs die Türkei I Percent für den Transit fordert, während Rufsland diefen freigibt. Wie erwähnt rechnet man für Reifende von Trapezunt bis Tabris 22 bis 25 Stationen; jedoch braucht die langfam fortfchreitende Karawane 30 bis 40, im Frühling wegen des Grünfutters an 50 Tage, im Winter fogar wegen Schneeverwehungen an 2 Monate. Der Koftenpunkt per Zollcentner fchwankt zwifchen 80 bis 120 Piafter( 7 bis 11 fl. öfterreichischer Währung). Mit der Vollendung der Strecke Poti- Tiflis dauert jetzt bei regelmäfsigem Verkehre der Gütertransport von Poti nach Tabris 30 bis 35 Tage. Von Tiflis bis Dfchulfa, dem am Araxes gelegenen ruffifch- perfifchen Grenzorte, befteht eine gut angelegte Strafse, und obwohl von dort aus bis Tabris noch keine Fahrftrafse exiftirt, fo werden doch wegen des durchfchnittlich ebenen Charakters des Bodens nicht allzu fchwere Waaren mittelft Leiterwagen( Fourgons) leicht transportirt. Ueberdiefs bietet die Linie Conftantinopel- Poti- Tabris den Vortheil fixer Frachtfätze, da die ruffifche Dampffchifffahrt- Gefellfchaft, die Beförderung der Waaren bis nach Tabris beforgt, und zwar für die Strecke PotiTabris( ohne Transitzoll) für 90 Piafter( 8 fl. öfterreichiſcher Währung) den Zollcentner. Ein grofser Uebelftand auf diefer Linie ift allerdings, dafs die Anftrengungen Rufslands, die fchlechte, nur für kleine Dampffchiffe zugängliche Rhede von Poti zu einem ficheren Hafen umzugeftalten, bis jetzt zu keinem Refultat geführt haben. Man hofft übrigens noch immer auf ein fchliefsliches Gelingen der Arbeiten, für deren Ausführung Seitens der Regierung neuerdings grofse Summen bewilligt wurden. Allerdings würde fich der türkifche Hafen Batum am beften dafür eignen. Für die dem Cafpifee limitrophen Provinzen, überhaupt für den Export- und Importhandel mit Rufsland, bleibt natürlich die Route von den Hafenplätzen am Cafpifee, nämlich Aftrabad, Enfeli und Mafchtifer, zu Land der Karawanenweg von Tabris nach Tiflis der billigfte, während für die füdlichen und füdöftlichen Provinzen, überhaupt für den Handel mit Indien, Egypten und Mafkat die Hafenplätze am perfifchen Golf, vorzüglich Bender- Bufchir und Bender- Abbas dienen; auch finden fich dort kleinere Häfen und Rheden, die für den Localhandel, für die Küftenfahrt und für den Verkehr mittelft arabifcher Barken nach den Infeln im Golf und Mafkat und für den Transport nach Mekka dienen. Eine grofse Zukunft im künftigen Communicationswefen fteht dem Orte Muhamereh bevor. Diefer, am Zufammenfluffe des Euphrat und Karun gelegen, hat einen ausgezeichneten Hafen mit Ankerplätzen, er fchliefst aufserdem die einzige natürliche Route für eine Eifenbahn- Linie in die ergiebige Provinz Chufiftan( Sufiana), während die anderen Routen zum Golf gegen Bufchir und Bender- Abbas wegen der grofsen Perfien. 15 Schwierigkeiten der Gebirge und Wüften faft zur Unmöglichkeit gehören. Im Befitze einer handeltreibenden Nation könnte diefer jetzt miferable Ort die Rolle von Marſeille oder Genua für Vermittlung des Handels am perfifchen Golf mit Indien, Arabien, Egypten und Europa mit der Zeit fpielen. Die Karawanen- Hauptlinien im Innern Perfiens. I. Von der nordweftlichen Grenze bis Teheran. Diefe Linie fchliefst fich an die türkifche von Trapezunt ausgehend an der perfifch- türkifchen Grenze bei Bajazit am Arrarat an. Von Bajazit bis Tabris find 5 Stationen, unter denen die fchöne Stadt Choi. Von Tabris bis Teheran 15 bis 16 Stationen, worunter die Städte Mianeh, Sengan, Sultanieh, Caswin, Kent. 2. Von Teheran nach Isfahan 10 bis 12 Stationen, 57 geographifche Meilen, darunter die Städte Kum, Kafchan, Kahrud, Suj. 3. Von Isfahan nach Schiraz 12 Stationen, darunter die anfehnliche Stadt Gamifche und Yezdechaft. Bei Yezdechaft theilt fich der Weg; während nämlich im Sommer der kürzere weftliche über die Steppen von Afepas und Adfchan zieht, nimmt im Winter die Karawane wegen Verfchneiung des erfteren, den längeren Weg über die induftriöfe Stadt Abadeh und Tachte Suliman. 4. Von Schiraz nach Bender Bufchir find zwar nur 10 bis II Stationen, doch find einige darunter wegen der fteilen Bergrücken für Karawanen fehr gefähr lich. Die Diftanz beträgt nur 37 geographifche Meilen. Die Stationen find: Schiraz, Chanezenian, Defchteardfchen, Kazeran, Kamaridfch, Kenartacht, Dalaki, Barazdfchan, Chanegeyn, Bufchir. 5. Von Teheran nach Mefchhed find 24 bis 26 Stationen. Der Weg führt von Teheran über Veramin, in der Nähe des alten Rages, durch den Chaiber Pafs( Caspiae pylae) über Kifchlak, Dehnemek, Lazgird, Simnan, Damgan, Ahuan Gafcheh nach Scharud in II Stationen. In Schahrud beginnen vier Schreckensftationen, weil in diefen häufig Ueberfälle der Tekketurkomanen ftattfinden, daher nur grofse und wohlbewaffnete Karawanen fich dafelbft wagen. Von Schahrud bis Sabfewar find 10, von dort bis Nifchapur( in deffen Nähe die berühmten Türkifenminen) 3 und von dort nach Mefchhed 3 Stationen. 6. Von Teheran nach Bagdad. Man zählt 24 Stationen, davon 21 auf perfifchem Boden, die wichtigften find: Rabatkerim, Chufchkek, Melanogird, Naffirabad, Hamadan, Kengaver, Sahne, Behiftan, Kirmanfchah, Zuhab, Kasrefchirin, Chanegeyn, Bagdad. Von Kirmanfchah bis Bagdad befteht keine Poftverbindung, man ift daher gezwungen ,, der Karawane zu folgen. 7. Von Teheran nach Refcht und Enzeli am Cafpifee 6 bis 7 Stationen. Der Weg führt über Caswin und Charfen, von dort ift ein jäher Abfteig von etwa 4900 Fufs, man gelangt an den mit fchönen Olivenhainen umgebenen Ort Manfchil am Sefidrud. 8. Von Teheran nach Mafanderan. Der Sommerweg ift kürzer, er führt längs des Herasbaches am Fußse des Demawendkegels nach dem hübfchen Städtchen Afk, von dort nach Amel, Balafrufch und dem Hafen Mafchtifer. Der Winterweg braucht 9 Stationen, er führt von der lieblichen Stadt Demawend vorüber über den Firaz Kuh nach Amel. 9. Von Isfahan nach Yezd 44 deutfche Meilen, die man in zehn Stationen macht. Man findet unterwegs fchöne Karawanferais. 10. Von Yezd nach Kerman 52 deutfche Meilen in zwölf Stationen ( Mahmedabad, Sireyezed, Zainuddin, Kirmanfchahan, Schems, Anar, Bayaz, Chufchkuh, Baharamabad, Kebuterchan, Baghin, Kirman). II. Von Kirman gegen Beludfchift an nahe 45 Meilen, die man in eilf Tagen macht. 12. Von Kerman gegen Bender Abbas find gegen 80 geographifche Meilen, die in etwa zwanzig Stationen zurückgelegt werden, deren 16 Dr. J. E. Polak. wichtigfte Mahan, Sabriftan und Laar, deren letztere im Tieflande wegen der aufserordentlichen Hitze, der Fieber und der herrfchenden Ophthalmien fehr befchwerlich ift. 13. Von Tabris nach Tiflis 15 Stationen, wovon vier bis zur Grenze am Araxes in Perfien gelegen. 14. Von Tabris nach dem Hafen Salian fieben bis acht Stationen. 15. Von Tabris nach Refcht. Der Sommerweg, als kürzerer, führt über den Bezirk Chalchal, Maffulah und Fumen, er beträgt 64 Farfach, die in zwölf Tagen zurückgelegt werden, während der Winterweg, über Caswin führend, an 22 Tage in Anspruch nimmt. Diefe 16. Von Tabris nach Bagdad über Kurdifch- Sulimanieh. Karawanenftrafse zieht durch die Stationen Gaigan, Binab, Mianduab, Saudfchbelag gegen die türkifche Grenze über Sulimanieh bis Bagdad, zu welcher Reife man gegen 20 Tage braucht. Werfen wir nun einen Blick auf die gegenwärtigen Communicationsmittel im Lande, fo müffen wir geftehen, dafs diefe die erbärmlichften find, und dafs trotz der Nothwendigkeit feit 200 Jahren kein Fortfchritt, fondern ein wahrer Rückfchritt eingetreten ift, weil zur Zeit der Safidynaftie auf den fchwierigften Punkten Steinpflafter angelegt und an den einzelnen Stationen prächtige Karawanferaien erbaut worden find, die jetzt dem Verfalle durch Mangel an Reparatur anheimfallen. Die Unerläfslichkeit von fahrbaren Strafsen wurde am beften durch die letzte Hungersnoth bewiefen, indem kein Getreide vom Ausland und den fernen Provinzen zugeführt werden konnte, weil die Thiere auf der Hin- und Rückreife faft fo viel confumiren, als fie beiläufig tragen können. Ausfuhr von voluminöfen Stoffen, fo Wolle, Baumwolle, edle Hölzer, Farbftoffe etc., ift nur bei befonders glücklichen Handelscombinationen in Europa möglich. Oefterreich hatte durch Errichtung des Lloyd und der Donau- Dampffchifffahrt- Gefellſchaft der Türkei und Perfien den Fingerzeig gegeben, was zum Auffchwung des Handels zu gefchehen habe. Das Aufblühen von Trapezunt, Erzerum und Tabris, der ftets zunehmende Handel von 1850 bis 1860 in Perfien find nur jenen Inftitutionen zu verdanken; allein weder die Türkei noch Perfien hatten das mindefte Verftändnifs dafür, fie bauten keine Strafsen, fie regelten nicht ihre Douanen, fie rechneten auf die Indolenz der europäifchen Völker, die ihnen die hingeworfenen Vortheile ewig wahren werden. Doch haben fich feitdem die Verhältniffe geändert und dürften in wenigen Jahren fich noch wefentlich, und zwar zum Nachtheile der Route Trapezunt, Erzerum, Tabris umftalten. Bereits ift die Bahn Poti- Tiflis und RigaSarazin vollendet und in wenigen Jahren werden auch die Strecken Tiflis- Baku und Sarazin- Aftrachan ausgebaut, und hiemit der Cafpifee von zwei Seiten von Oefterreich und Deutfchland in wenigen Tagen zu erreichen fein. Mit Vollendung diefer Strecken, welche Waaren ficher, billig und mit beftimmter Lieferzeit nach Perfien führen werden, mufs der Handel über Armenien vollkommen lahmgelegt werden und Trapezunt wieder wie ehedem zu einer unbedeutenden Stadt herabfinken. Dazu kommt noch, dafs Perfien mit Hilfe des geachteten Haufes Baron Reuter zum Behufe des Eifenbahn- Baues einen Vertrag gefchloffen hat, welcher die erfte Angriffnahme der Linie Enzeli- Teheran zur Verpflichtung macht. Diefe Linie ift zwar äufserft fchwierig wegen des bodenlofen Sumpfes im Gilan und wegen der bedeutenden Steigerung längs des Sefid- rud von Manfchil bis unterhalb des Kaflan Kuh, fie kommt auch zumeift Rufsland zu Gute, weil nach Tractat keine andere Nation den Cafpifee mit Schiffen anderer Flagge befahren darf. Doch ift diefe Linie als erfte unerlässlich, weil nur hier Holz in beliebiger Güte und Qualität zu erlangen ift, aufserdem fchweres Material, wie Schienen, Locomotiven u. f. w., nur von dort aus zu beziehen möglich ift. Es wäre denn, dafs man fich dazu entfchlöfse, proviforifch zum Holen des Materiales eine Pferdebahn zu bauen. Perfien. 17 So gravitiren alle Verhältniffe dahin, Rufsland nicht allein zum Handelsherrn von Turkeftan, fondern auch von Perfien zu machen, und zwar durch die legitimften ihm zu Gebote ftehenden Mittel. Dafs jedoch einem folchen Handelsmonopol mit der Zeit eine unbeftreitbare Machtftellung folgen müffe, iſt jedem Vernünftigen klar. Man braucht nur an die logifchen Folgen des Zollvereines in Deutfchland zu denken. Wenn daher das übrige Europa bedacht ift, von dem Handel mit Mittelafien nicht gänzlich ausgefchloffen zu werden, oder fich durch die einzige Route monopolifiren zu laffen, fo bleibt ihm nur der einzige mögliche Ausweg über, eine Parallelbahn zu errichten. Es baue rafch von einem Hafen am Mittelmeer bis Mossul die fogenannte Euphratbahn; von Mossul, dem Knotenpunkt, gehe a) füdlich eine Linie nach Muhamereh, die eventuell fpäter gegen Arabistan, längs des Karun verlängert werden könnte; b) die Hauptlinie Alexandrette Mossul, jedoch überfchreite bei TürkifchSulamanieh die Elwendkette, um längs des Sefid- rud an die Station unterhalb des Kaflan Kuh zu gelangen, wo die Verbindung der Linie Enzeli- Refcht ftattfinden dürfte. Dadurch würde vorerft das Mittelmeer mit dem Caspifee durch einen Schienenftrang verbunden; c) vom letzteren Knotenpunkt, wäre eine Bahn nordweftlich gegen Tabris zum künftigen Anfchlufs an Tiflis zu bauen; die Hauptlinie ziehe jedoch öftlich über Caswin, um Teheran zu erreichen. Von Teheran aus verlängere man den Strang bis Mefchhed, eventuell fpäter bis Herat, Kandahar, Kabul und Pifchawer. Mefchhed, eine grofse bevölkerte Stadt, Pilgerort und Knotenpunkt des Karawanenhandels nach Turkestan, Afghanistan und Caspifee, von wo aus die Strafsen nach Merv- Serachs, Gurian und Herat führen, müfste zum Emporium des centralafiatifchen Handels erhoben werden. Es ist wohl nicht zu leugnen, dafs der Bau einer Linie etwa von Alexandrette bis Mefchhed nahe an 300 deutfche Meilen, deren eine Hälfte auf türkifches und die andere auf perfifches Gebiet fällt, bedeutende Summen verfchlingen und dafs die Rentabilität fich erft in einigen Jahren herausftellen dürfte; doch mufs andererfeits auch bedacht werden: 1. dafs bei einer Vitalfrage im Handel und dadurch bedingter Machtftellung mit Geld zu kargen unklug ift; 2. dafs die Hinderniffe nicht auffallend grofs und dafs die vorzüglichen Arbeitskräfte um billigen Preis zu erlangen find; 3. dafs endlich bei dem Reichthum an Naturproducten und der an der Linie zu findenden Kohlenlager fich auch in kurzer Zeit eine Rentabilität herausftellen wird. Nur auf diefe Weife könnte, wie vor vielen Jahrhunderten, der Handel mit Afien wieder zum Mittelmeer zurückkehren und allen Völkern Europas in gleicher Weife eröffnet, die Türkei für den Rückgang Trapezunts entfchädiget werden und Perfien zur Entfaltung der durch Natur und geographifche Lage ihm verliehenen Hilfsmittel gelangen. Sanitäre Verhältniffe und Acclimatifation. In einem Lande, wo in Krankheiten von Seite gebildeter Aerzte nur felten Hilfe zu erwarten ift( es befinden fich derzeit in Perfien nur fieben graduirte europäiſche und zwei inländifche Doctoren) verlangt es die Pflicht der Selbſterhaltung, dafs fich der Fremde mit den fanitären Verhältniffen im Vorhinein bekannt mache, theils zum Zwecke der Acclimatifation, theils wegen der möglichen Zufälle während eines kurzen Aufenthaltes. Weder von Seite des Staates, noch der einzelnen Communen befteht irgend eine fanitätspolizeiliche Aufficht. Das Trink- und Gebrauchswaffer, meift vorzüglich bis zum Eintritt in die Städte, wird in den Städten felber in offenen unausgemauerten Rinnen in den Strafsen geführt, wo es natürlich den verunreinigten Boden auslaugt und Krank2 18 Dr. J. E. Polak. heitskeime aufnimmt; hie und da durchsetzt es auch Friedhöfe oder fliefst ganz in der Nähe derfelben. Das Aas bleibt in den Strafsen liegen, oder wird höchftens in die Stadtgräben gefchleppt, bis es Nachts von den vagirenden Hunden aufgezehrt wird; diefe verdienen daher im Orient alle Schonung, da fie, fonft harmlos, die einzigen find, die eine Art Sanitätspolizei ausüben. Ebenfo werden die Abfall ftoffe nicht aus den Städten ausgeführt, fondern werden in grofsen Haufen in abfeitige Strafsen und Plätze geworfen; die thierifchen Abfallftoffe finken in tiefe Gruben à fond perdu, es befteht weder ein Canal- noch Abfuhrfyftem. Die Friedhöfe, die nirgends eingefriedet find, befinden fich zum Theil an Plätzen in der Mitte der Städte, zum Theil in der Nähe derfelben, die Leichen werden in geringer Tiefe von etwa drei bis vier Fufs beigefetzt, die Paffage geht unbehindert üher diefe Leichenäcker weg. Dazu kommt noch der gänzliche Mangel an Civil- und Militärfpitälern, wodurch eine Ifolirung bei anfteckenden Krankheiten unmöglich gemacht wird. Diefe unglücklichen fanitären Verhältniffe bewirken es, dafs der Aufenthalt in Städten während der Sommerzeit, wo die genannten Schädlichkeiten am heftigften fühlbar find, ein peinlicher, ja fehr gefährlicher wird. Die enorme Sterblichkeit, befonders unter den Kindern und Garnifonen. welche von ihrem Werbebezirke unmittelbar in die Städte verlegt werden, die rafche Abnützung der Städtebevölkerung und die Nothwendigkeit des fteten Zuzuges von Aufsen zur Ergänzung, die Heftigkeit und Häufigkeit von Epidemien. befonders Typhus, Ruhr, contagiöfen Hautausfchlägen und Cholera, das Ueber fchreiten letzterer über ihre Grenzen und Fortpflanzung nach Europa( meift über den Kaukafus und Aftrachan, feltener über Conftantinopel) find den genannten Umftänden zuzufchreiben. Es ift felbftverſtändlich, dafs diefe Krankheiten auf Ankömmlinge, Sorglofe, Arme und Nichtacclimatifirte ftärker einwirken, daher auch die häufigeren Erkrankungen und Sterblichkeit in den erften Jahren des Aufenthaltes. Daraus fliefst die Regel, dafs der Fremde auf die Wahl des Trinkwaffers eine befondere Aufmerkſamkeit haben und, fo es ihm verdächtig fcheint, es durch einen fchwachen Aufgufs von chine fifchem Thee verfetzen foll, befonders auf Reifen während der heifsen Jahreszeit, weil er den Durft anhaltender und beffer ftillt als Waffer. Der mässige Genufs von Spirituofen, befonders Wein, ift zuläffig, fogar nützlich; leider verleitet die Langeweile die Ungebildeten zum Uebermafs und dadurch zum Ruin der Gefundheit. Bei der Wahl der Wohnung fehe man darauf, dafs fie an den Friedhof nicht angrenze; man fchlafe, wenn thunlich, in einem Zimmer erften Stockes, um Fieber zu vermeiden, befonders wenn, wie üblich, im Hofe ein Baffin von ftehendem Waffer fich befindet. Da die gefährlichen En- und Epidemien von Fieber, Ruhr und Cholera faft immer nur im Spätfommer und erften Theil des Herbftes herrfchen, fo vermeide man während diefer Zeit den Aufenthalt in den Städten, ziehe vielmehr in die höher gelegenen Dörfer, felbft in die Berge unter Zelte. Diefes wird fogar zur Pflicht der Lebenserhaltung, wenn man von Fieber und Ruhr lange heimgefucht wird, weil dann die einzige Rettung in Berghöhen von über 6500 Fufs, wo abfolute Immunität herrfcht, oder im Verlaffen des Landes auf dem kürzeften Wege zu finden ift. Durch beide Mittel fah ich noch in fehr verzweifelten Fällen Heilung. Aus demfelben Grunde unternehme auch kein Europäer um die erwähnte Zeit des Herbftes eine Reife, befonders nicht gegen den Süden( Perfepolis- Schiraz) oder gegen die Marfchländer am Cafpifee. Speciell auf die einzelnen Krankheiten übergehend, wäre zu erinnern, dafs das Wechfelfieber unter den mannigfachften maskirten Formen aufzutreten pflegt. Man fei daher darauf bedacht, dafs eine länger dauernde Appetitlofigkeit, Unmuth, Trägheit zur Arbeit darauf hinweifen, dafs ein Fieber im Anzug oder fchon vorhanden fei, daher auch fchon der Gebrauch des Chinins angezeigt ift, weil dadurch das maskirte Fieber meift in ein offenes fich umwandelt. Weicht Perfien. 19 das Fieber lange nicht dem Gebrauch des Chinins oder felbft eines Brechmittels, fo pflegt faft immer Ruhr zu folgen und daher ein Klimawechfel unerlässlich. Tritt die Ruhr nicht befonders ftürmifch auf, fo weicht fie leicht dem einmaligen Genufs einer Calomeldofis und dem darauf folgenden Gebrauch von Ricinöl durch zwei bis drei Tage. Das Getränk von fauerer oder Buttermilch befördert die Heilung. Jedoch verlangt eine langdauernde und heftige Ruhr die Ueberfiedlung in die Berge. Das Auftreten von Cholera in einer Stadt macht das rafche Verlaffen des Ortes zur Pflicht, weil der Nichtacclimatifirte rafch ergriffen wird. Man vergeffe nicht an die Immunität von Cholera bei Höhen über 6500 Fufs. Der Typhus ift kein abdominaler, fondern ein fchnell verlaufender und contagiöfer Fleckentyphus, er herrfcht zumeift während der Wintermonate. Man dulde nach der üblichen Behandlung im Lande keinen Aderlafs, fondern trachte durch kalte Einwicklungen Heilung zu erzielen, welche meift fchon am zwölften Tag des Leidens erfolgt. Ein Vermeiden des Contactes mit Kranken diefer Art ift immer zu empfehlen. Ueberhaupt erkranken Europäer befferer Claffe feltener an diefer Krankheit, welche in den Städten frifch angelangte Garnifonen rafch zu decimiren pflegt. Ein eigenthümliches, jedoch nicht gefährliches, aber läftiges Leiden ift der fogenannte Aleppoknoten, von welchem Ankömmlinge häufig ergriffen werden. Es entſteht nämlich an einem Punkte des Körpers, befonders der Extremitäten, ein bräunlicher Knoten, welcher nach Monaten aufbricht, eitert, um endlich nach Verlauf eines Jahres von felber zu heilen. Aetzen des Knotens mit concentrirter Salpeterfäure bewirkt rafche Heilung. Leiden der Bruftorgane find im Lande felten. Durch einen vernünftigen Lebenswandel und Beobachtung der fanitären Mafsregeln kann man daher leicht Krankheiten vermeiden oder fich von diefen befreien. Es verfteht fich jedoch von felbft, dafs kein bedächtiger Mann eine Reife ohne Mitnahme von einigen Dofen Chinin unternehmen wird, zumal er dadurch manch' arme Kranke fehr verpflichten kann. Gewicht, Maafs und Münze. Die invariable Gewichtseinheit in Perfien ift das Miscal( Schekel der Bibel) 4:59 Gramm. Diefes wird eingetheilt in 24 Nechud, das Nechud in 4 Gendum; hiermit ein Miscal 96 Gendum. Für gröfsere Laften gilt als Einheit das Man( auch Batman genannt, die Mina der Affyrier). Das Man ift nach verfchiedenen Städten verfchieden, die im Handel gebräuchlichften Man find: das von Tabris 1000 Miscal= 4'59 Kilogramm beiläufig 5 Zollpfund; das von Teheran= 640 Miscal 2.94 Kilogramm = und das Man- i- fchah 1280 Miscal= 5.88 Kilogramm. Schah - - Eine Maulthier- Laft( Bar) ift nach der Stärke des Thieres 20 bis 25 Mani 150 bis 160 Kilogramm. Ein Kameel trägt jedoch 250-260 Kilogramm. Die Laft mufs natürlich in zwei gleiche Hälften zerfallen, weil fie auf den Seiten des Thieres äquilibrirt werden mufs. Zum Wägen dienen die Tafchen- und Handwagen, deren befte in Caswin gefertigt werden; für gröfsere Laften die Stellwagen( Gapan). Auch alle flüffigen Waaren, wie Milch, Wein u. f. w., werden nach dem Gewichte verkauft, daher kein eigentliches Hohlmafs exiftirt. Als Längenmafs gebraucht man das Zer. Auch diefes variirt nach verfchiedenen Städten; die gebräuchlichften find: das Zer von Tabris 113 Centimeter und das Zer von Teheran 104 Centimeter. Doch wird in der neueften Zeit auch viel Waare nach dem Meter verkauft. Das Zer zerfällt in 4 Tfcherek, I Tfcherek= 8 Girre. _ Für das Wegmafs bildet das Farfach oder Farfang die Einheit. Es wechfelt in verfchiedenen Provinzen, das längfte ift das von Choraffan; durchschnittlich 2* 20 Dr J. E. Polak, rechnet man auf das Farfach 5065 Meter; fechs Farfach bilden eine Tagreife ( manfil). - Das circulirende Geld befteht aus Gold-, Silber- und Kupfermünzen. Als Münzeinheit und zugleich als Goldwährung, nach der alle Rechnungen fich richten, gilt der Toman. Wenn er aus der Münze kommt, wiegt er 3/4 Miscal = 3.06 Gramm. Hiemit wiegen 1000 Tomans 3:06 Kilo Gold, während 1 Kilo Gold 327 12 Tomans enthält. Nach wiederholter genauer Prüfung im kaiferlichen Münzamt in Wien find in 1000 Gewichtstheilen Toman 960 reines Gold, 30 Silber und 10 andere Legirung. Im Marktwerthe gelten gewöhnlich 100 holländifche Ducaten 101 Toman. Vollſtändige und vollwichtige Tomans werden felten angetroffen, theils weil fie fich wegen der weichen Legirung leicht abnützen, theils weil fie befchnitten werden. Kaufleute wiegen bei Zahlungen das Geld und laffen fo viel zulegen, bis das fehlende Gewicht erfetzt ift. Kaufmännifche Briefe lauten immer" Toman von 3/4 Miscal Präge Naffereddin Schah". Falfche häufig curfirende Tomans erkennt man durch das leichtere Gewicht, bei bedeutenderen Goldtransactionen ift es zur Prüfung der Münzen zweckmäfsig. einen Geldwechsler( Saraf) vom Bazar zu holen, der die Münzen prüft und abwiegt. Nach europäifcher Münze kann durchfchnittlich der Werth des Tomans auf 12 Francs angefetzt werden. Auf den Toman gehen 10 Silberftücke, genannt Kran, mehr noch circuliren Halbkran- Stücke, Banabat genannt. Das Kranftück wiegt 25 Nechud. Zwifchen Gold und Silber befteht zu Gunften des erften jetzt ein Agio von 3 Percent. Der Kran gilt demnach beiläufig i Francs 20 Centimes. Als Scheidemünze gibt es Kupferftücke( Schahi), wovon 20 auf den Kran und 200 auf den Toman gehen. Die perfifche Regierung, welche zur Präge der Tomans andere Goldmünzen, die aus dem Activhandel zuftrömten, verfchmelzen liefs, fah fich durch den Ausfall, welcher in den letzten Jahren durch Verminderung des Exporthandels eingetreten ift, gezwungen, durch mehrere Jahre nicht mehr prägen zu laffen; dadurch ift das perfifche Gold und Silber nahezu gänzlich aus dem Lande verfchwunden und wurde durch ruffifches erfetzt. Nach dem Berichte vom Generalconful v. Zwiedinek vom Herbft 1872 gilt gegenwärtig der ruffifche Goldimperial in Tabris 2 Tomans, in Teheran nur 19 Kran, im Bazarcurfe aber 21½ Kran. Der Silberrubel( Manat) hat gegen Bazargeld 7 Percent Agio. Die älteren Silberrubel von 1864 mit 72 Percent Silbergehalt find nur felten mehr zu finden, die neuen, mit nur 40 Percent Feingehalt, werden in Teheran nicht angenommen. Die Schwierigkeit der Geldfendungen und Anweifungen bringt es mit fich, dafs in einer Entfernung von etwa 60 Meilen fchon bei einer Münze ein Disagio von 2 bis 3 Percent eintreten kann. So begreift es fich, dafs die Zahlung gröfserer Summen ftets mit grofsen Schwierigkeiten verbunden ist, um fo mehr als in jeder Stadt der Curs ein anderer ift. So grofs ift diefer Uebelftand bereits geworden, dafs im Herbft 1872 das Bankhaus in Tabris, welches gewöhnlich die Wechfel der europäiſchen Gefandtſchaften in Teheran negociirt, genöthigt war, denfelben zu telegraphiren, dafs es keine weiteren Zahlungen zu leiften im Stande fei, folange die perfifche Regierung nicht den Curs fremder Münzen für den ganzen Umfang des Reiches in gleicher Weife feſtgeſetzt( Zwiedinek). Nebft den Imperialen und Rubeln circuliren noch die ruffifch- holländifchen Ducaten( Bodfchogli). Andere Münzen, felbft Livres Sterling und die beliebten Maria TheresienThaler haben nur Goldwerth, daher es bei Reifen nothwendig ift, die genannten gangbaren Münzen zu führen, wenn man es nicht vorzieht, an ein achtbares Haus, etwa an Ziegler& Comp. in Tabris, eine Anweifung zu erlangen. Perfien. 21 Urproduction. Trotzdem die Geologie des Landes nicht hinlänglich ftudirt ift, fo ift doch aus dem fchon Bekannten erfichtlich( fiehe Katalog der perfifchen Ausstellung, Capitel I), dafs der Mineralreichthum ein fehr bedeutender fei, befonders an Eiſen, Kupfer, Blei, Kobalt, Antimon, Arfenik, Schwefel, Salpeter, Borax, Kali- und Natronfalzen. Ausserdem finden fich fehr ausgedehnte Felder foffiler Kohle älterer und jüngerer Formation, Naphta und Erdpech; letzteres, wenn wohlriechend, wird als Mumia im ganzen Orient fehr gefchätzt. Ausgebeutet werden nur in geringen Quantitäten etwas Kupfer, Eifen, Blei, Kobalt, Schwefelantimon( Surmeh) und Schwefelarfenik( fowohl zu Farben wie auch als beliebtes Depilatorium), auch wird etwas Gold bei Hamadan gewafchen. Die Urfache der geringen Ausbeute liegt in dem feltenen Brennmaterial, da foffile Kohle nicht benützt wird, in den mangelhaften Betriebsmitteln und fehlenden Schurfgefetzen, weil bei gutem Ertrag der Gouverneur die Sache in die Hand nimmt; daher gefchieht es auch, dafs Landleute forgfältig die Funde verbergen, um nicht zur unentgeltlichen Arbeit verhalten zu werden. Viel läfst fich jetzt erwarten, da die Bergwerke an das Haus Reuter conceffionirt find und ein tüchtiger Geologe der Wiener Schule, Dr. Tietze, zu geologifchen Forfchungen in Perfien abgefchickt wurde. Von Edelſteinen findet fich im Silikatfchiefer bei Nifchapur der fehr gefchätzte Türkis( Firuz). Bekanntlich unterfcheidet man Türkifen de la vielle et de la nouvelle roche; erftere, entweder tief-, himmel- oder weifslichblau( schirbam) find in der Farbe unveränderlich, während die letzteren hygrofkopifch find, mit der Zeit einen grünlichen Schimmer erlangen und endlich grün und vollkommen werthlos werden. Da die Unterfcheidung von conftanten und veränderlichen Türkifen nur Kennern möglich ift, auch die letzteren für einige Zeit zur Täufchung gefärbt werden können, fo ift es zweckmäfsig, im Lande keine Türkife zu kaufen, wenn man nicht befonderer Kenner ift. Die Gruben der vielle roche find durch Waffer erfäuft, fo dafs die Ausbeute jetzt nur aus den Halden eine fehr geringe ift, daher auch der Preis guter grösserer Steine im Lande felbft ein exorbitanter. Weit ergiebiger, wie es fich bei einem alten Culturvolk vorausfetzen läfst, find die Producte des Pflanzenreiches. Hier find es vor Allem die Nährund Futterpflanzen, die fich einer ausgedehnten Cultur erfreuen. Bei der Seltenheit des Regens verfteht es das Volk, durch bewunderungswürdige Anlagen von Bewäfferungsarbeiten die unerläfsliche Feuchtigkeit zu verfchaffen. Nur in wenigen Gegenden des nordweftlichen Irans kann die künftliche Bewäfferung durch Regenfälle im Frühling entbehrt werden. Von Cerealien werden nur Weizen und Gerfte gebaut; die Provinzen Azerbeidfchan, Chamfeh, Kirmanfchah find fehr Getreidereich. Die Gegenden am Cafpifee liefern vorzüglichen Reis in genügender Menge. Auch erfreuen fich viele Arten von Hülfenfrüchten zur Ernährung von Menfchen und Thieren einer befonderen Pflege. Gemüſe, wie fie meift in Europa vorkommen, find reichlich vertreten. Trotz des Fleifses der ackerbauenden Bevölkerung und der Fülle der Production findet doch nur in wenigen Jahren eine geringe Ausfuhr von Reis und Getreide in den Kaukafus, nach Bagdad und Indien ftatt, ja es tritt von Zeit zu Zeit in einzelnen Provinzen, felbft im ganzen Reiche, eine beiſpiellofe Hungersnoth ein, die einen bedeutenden Theil der Bevölkerung hinrafft und unausfüllbare Lücken zurückläfst. Die Urfachen diefer Erfcheinung find mannigfaltig, wir wollen fie jedoch, weil die Erörterung zur Verhütung ähnlicher Calamitäten in der Zukunft etwas beitragen mag, kurz berühren. Sie liegen: 1. In der Unficherheit des Grundbefitzes und der Bewäfferungscanäle, durch Mangel an Grundbüchern und Fälfchung der Urkunden von Seite der Mulla's. Es gilt als Regel, dafs ein ergiebiger Grundbefitz nur durch Protection von Seite eines Hofbeamten für länger 22 Dr. J. E. Polak. erhalten werden kann. 2. In den unglücklichen Pachtverhältniffen und der geringen Theilnahme des Ackerbauers am wirklichen Bodenbefitz; vorzüglich aber in den Tujul's, eine Inftitution, kraft welcher der Ertrag von Regierungseigenthum an einzelne Beamte ftatt des Gehaltes überlaffen wird, und es im Intereffe des Conceffionärs liegt, fo fchnell als möglich Geld herauszufchlagen. Dörfer diefer Art gehen gewöhnlich nach einigen Jahren zu Grunde. 4. In der Bedrückung der Gouverneure und ihrer Unterbeamten. 5. In der manchmal eintretenden beiſpiellofen Dürre während der Winterzeit, wodurch die Wafferleitungen im Sommer verfiegen. 6. Im Infectenfrafs, vorzüglich von Heufchrecken in den füdlichen Provinzen. 7. In dem Mangel aller fahrbaren Strafsen und Unmöglichkeit gröfserer Transporte. 8. In dem Kornwucher der Gouverneure und Machthaber, denen allein Magazine anzulegen möglich ift und die auch bei Unmöglichkeit der Zufuhr die Preife nach Willkür in die Höhe treiben. Unter folchen Verhältniffen ift es erklärlich, dafs felbft der fleifsige Landmann nur fo viel baut, als er beiläufig für das Jahr bedarf und fich mit keinem Vorrath verfieht. Einer vorzüglichen Pflege erfreut fich die Obftzucht, welche durch die verfchiedenen Elevationen und feltenen Frühlingsfröfte eine befondere Ergiebigkeit und Mannigfaltigkeit entfaltet, reichlich den Markt auch für die ärmfte Claffe verfieht und auch einen hübfchen Ertrag durch Ausfuhr des getrockneten Obftes liefert; zu letzterem gehören Mandeln, Pflaumen, Aprikofen, Rofinen und Korinthen. Die Rebe wird faft im ganzen Lande cultivirt, nur in den Urwäldern am Cafpifee wächft fie wild und rankt fich in fchwindelnder Höhe, um Licht zu gewinnen, von Baum zu Baum. Sie gedeiht bis zur Meereshöhe von 4500 Fufs. Jede Gegend hat ihre verfchiedenen Sorten von Trauben, die auch verfchiedene Namen führen. Die Verwendung der Trauben ift fehr mannigfaltig, fie dienen: I. Zum Confum; 2. werden die unreifen Trauben geprefst und der Saft( vert jus) theils zum köftlichen Sorbet verwendet, theils läfst man ihn gähren und bewahrt ihn für das ganze Jahr in Krügen auf; 3. werden fie in enormen Quantitäten getrocknet und als Rofinen und Sultaninen vielfach verwendet und nach Rufsland ausgeführt; 4. wird der Saft bis zur Honig confiftenz eingedickt und in Bockfchläuche gefüllt. Diefer Roob, Schire genannt, von köftlichem Gefchmack, vertritt bei mittleren Claffen die Stelle des Honigs und des Zuckers. Sollte mit der Zeit der Transport nach Europa billiger werden, fo wird diefer vorzügliche Roob dazu dienen, um in kalten Jahren die wenig füfsen Weine zu veredeln; 5. bei dem grofsen Erträgnifs werden die minder guten Sorten, eben fo wie die Treber zur Effig- und Branntwein- Erzeugung benützt; 6. werden die fogenannten Malagatrauben für den Winter confervirt; 7. endlich dienen fie zur Weinbereitung, zu letzter ebenfo wie zum durchfchnittlichen Confum meift die Trauben ohne Kern. Das Verbot des Weingenuffes nach mufelmanifchem Gefetz wird auch zum grofsen Schaden des Landes auf die Weinbereitung ausgedehnt, fie ift nur unter unendlichen Reſtrictionen den Chriften und Juden geftattet, daher die Ausfuhr auch fehr gering, zumal die Fabrication von Fäffern im Lande unbekannt ift. Sollte doch mit der Zeit ein rationelleres Syftem eintreten, fo ift bei der Güte und Mannigfaltigkeit der Trauben ein ungewöhnliches Einkommen zu erwarten, zumal das Pafchalik Bagdad und Indien feinen Bedarf von dort decken könnten. Die perfifchen Weine find nicht füfs, fondern ftark alkoholhältig und darum fehr haltbar. Berühmt find die Weine von Schiraz( Choller), von Isfahan, Hamadan( den europäiſchen am ähnlichften) und von Cafwin. Sie werden in ftarke kalabaffenartige Glasflafchen, Erzeugniffe des Landes, gefüllt, ftatt mit Kork mit Baumwolle verfpundet und mit Harz verpicht. Diefem Baumwoll- Verfchlufs ift auch theilweife die grofse Haltbarkeit zuzufchreiben, da bekanntlich Baumwolle den Zutritt der in der Luft fchwebenden Pilze verhindert. Der Wein dient zumeift zum inneren Confum, eine geringe Quantität geht nach Indien und Bagdad. Der Effig des Landes ift wegen feiner edlen Herkunft von befonderer Lieblichkeit. Perfien. 23 Der Anbau des Zuckerrohres findet im befchränkten Mafse im Mafanderan und Gilan ftatt. Eine fehlerhafte Manipulation und der Zwang der unentgeltlichen Abfuhr des Rohres an den Gouverneur find der Cultur nicht günftig, doch fteht auch diefer eine Zukunft bevor. Ebenfo ift der Anbau des Safrans nicht fo ausgedehnt wie früher, nur Choraffan liefert noch beffere Waare; das Zufammenballen in Kuchen und die häufige Fälfchung ift dem Producte abträglich. Es gibt auch im Lande viele efsbare Mannaarten, als: Ausfchwitzung von Eichen, Tamarisken, Aftragalen, Pyrus glabra und Weiden. Diefe höchft intereffanten Producte befchäftigen viele Conditorfabriken des Landes. Oelige Pflanzen. Die Olive findet fich reichlich längs des Sefidrud von Mandfchil aus im Gilan. Der fchlechten Ausbeute und der mangelhaften Cultur ift die fchlechte Qualität des Productes zuzufchreiben, welches nur zur Seifenbereitung verwendet wird. In neuefter Zeit betreiben die Armenier ein etwas rationelleres Verfahren und erzeugen Oele von befter Qualität, doch nur in befchränkter Menge. Nebenbei fei es erwähnt, dafs durch den lang laftenden Druck die Armenier durchaus nicht jenen Unternehmungsgeift in Perfien an den Tag legen wie in anderen Ländern. Als Gebrauchsöl im Allgemeinen dient das von Ricin, es wird daher kurzweg Lampenöl genannt; ihm fteht bei billigerer Verfrachtung eine Zukunft durch Ausfuhr bevor. Auch andere Oele zum Genufs wie von Sefam und Wallnüffen, als auch zum Gebrauch für Induftrie und Apotheken, fo von Baumwoll- Kernen, Mohn, wilden Mandeln, Eruca sativa u. f. w. werden. gewonnen. Von Färbe- und Gärbeft offen wird vorzüglicher Krapp befonders in Yezd und Azerbeidfehan gebaut, ebenfo Kreuzbeeren( Rhamnus), jedoch follen. fich jetzt beide nicht zur Ausfuhr mehr lohnen. Ebenfogut geht die frühere ftarke Cultur des Saflors( Carthamus) befonders um Isfahan durch die neuen Anilinfarben bedeutend zurück. Gröfseren Gewinn könnte Indigo abwerfen, da die Indigofera in vielen Gegenden vorzüglich gedeiht, doch durch fchlechte Manipulation ift das Product fehr mittelmäfsig, auch nicht zureichend, daher eine bedeutende Einfuhr von Indien für die zahlreichen Blaufärbereien. Ausgedehnt ift der Anbau der Lawsonia( Hena), welche als erfte Qualität fehr gefucht ift; fie wird weniger in der Induftrie als vielmehr zur Färbung von Haaren und Nägeln im Orient verwendet. Die Blätter und Blüthen eines Ritterfporns( Isperek= Delphinium camptocarpum) aus Choraffan, ebenfo die Wurzeln einer Staude in Azerbeidfchan( fe ridschek) geben einen gelben Färbeftoff. Uebrigens reichen die Färbeftoffe des Landes zur vielfachen Fabrication nicht aus und es wird deren eine bedeutende Quantität aus Amerika( Blauholz, Kermes), Indien und Europa( Anilinfarben) eingeführt. Erwähnt fei hier noch ein thierifcher Färbeftoff, nämlich die inländifche Cochenille, welche in der Gegend des Arrarat in Korapapak vorkommt und vielfach zur fchönen Färbung von Stoffen, befonders Strümpfen in Choi Verwendung findet. Es ift diefes die Porphyrophora Hamelii, ein Kermeskäferchen, welches auf der Grasart Poa purgens weidet. Eines Weltmarktes erfreuen fich die Gallen der kurdiftanifchen Eiche, während andere auf demfelben Baum wachfende Gallenknopern( wie Gulgaw Rufch, Berarmozu) zu localem Gebrauch dienen. Ebenfo geben die Lohen( Dschift) der zahlreichen Eichen, die Schalen der Granatäpfel, die Rinden von Rhusarten und die Gallen von Tamarisken( Buzgendsche) zur Gärberei und Färberei gut verwendhare Stoffe. Aetherifches Oel und Harz und Gummi gebende Pflanzen. Trotz des Reichthums an Rofen und anderen aromatifchen Blüthen werden aus Unkenntnifs der Manipulation ätherifche Oele nicht gewonnen, fondern nur vorzügliche aromatifche Wäffer, fo Rofenwaffer von Schiraz, Chunsar, Kum, Waffer von Kätzchen der Salix Medimii, von Jasmin und Orangenblüthen. Einer rationellen Induftrie fteht eine reiche Zukunft bevor. Faft nur eigenthümlich dem centralafiatifchen Plateau gehören die Doldengewächfe, die Asa foetida, Asa dulcis, 24 Dr. J. E. Polak. Andfchedan( von neueren Forfchern für Sylphium gehalten), das Dorema ammoniacum, das Galbanum und Sagopennum( fiehe Gummi refinen, Verhandlungen der k. k. zoologifch- botanifchen Gefellſchaft, Wien, März 1865), die Sarcocolla, eine Exfudation einer Penacee, und das Terpentinharz von mehreren wilden Piſtacienarten( Sakkis), welches vielfach in der Medicin und Induſtrie Verwendung findet. Ebenfo exfudiren viele Aftragalen reichlich das Tragantgummi, welches zur Appretur und Ausfuhr vielfach Verwendung findet. Webepflanzen. Hier ift es vor Allem die Baumwolle, welche in vielen Gegenden einjährig cultivirt wird und die bis zur Höhe von über 4500 Fufs gedeiht, jedoch ift fie kurzftapplig und grobfaferig; fie leidet aufserdem an der unvollkommenen Degrainage. Nur während des nordamerikanifchen Krieges konnte die Ausfuhr rentiren. Es verfteht fich von felbft, dafs durch Samenwechfel, befonders am Cafpifee, durch Enthülfung mittelft Maſchinen und gröfserem Anbau der gelbfärbigen, gut gedeihenden Baumwolle eine gute Einnahmsquelle erreicht werden könnte. Lein wird nur in befchränktem Mafse gebaut, faft mehr zur Gewinnung des Leinöles als der textilen Fafer. Ebenfo gedeiht am Cafpifee ein Corchorus, welcher eine vorzügliche Jute liefert, die jedoch nur eine locale Verwendung zu Stricken findet. Hanffafer ift nicht in Verwendung, weil die Canabis orientalis identifch mit Cannabis sativa in heifsen Ländern, gutes Hafchifch, aber fchlechte Fafer liefert. Narkotifche und andere Medicinalpflanzen. Die Cultur des Tabaks, befonders der Sorte Tombaki, nur im Narghile brauchbar, ift fehr ausgedehnt und ift durch den Export befonders in die Türkei, Rufsland und Egypten eine wichtige Einnahme des Landes, welche jedoch durch neuerliche Cultur in Egypten ziemlich gefchmälert worden ift. Der vorzüglichfte ift der von Schiraz, der faft doppelten Preis geniefst; zweiter Qualität ift der von Isfahan und Kafchan. Im Kurdiftanifchen wird auch ein guter und gefchätzter Pfeifentabak unter dem Namen Tutun gebaut. Bei dem kalihaltigen Boden und der durchſchnittlich bedeutenden Sommerwärme könnten noch mit vielen anderen Tabakforten Verfuche gemacht werden, die ein gutes Refultat hoffen laffen. Der Anbau des Papaver orientale zur Gewinnung des Opiums ift wegen des bedeutenden Ertrags in ftetem Wachfen begriffen, denn das Product ift gut und der Morphiumgehalt ein fehr bedeutender. Als befte Sorten gelten die von Mahon bei Yezd und Schufchter; auch Isfahan, Melajir und andere Orte geben gutes Opium. Es kommt in hellbraunen Stängelchen oder kleinen Kuchen in den Handel, nur die Sorte aus Mafanderan ift pechfchwarz. Der Export findet meift nach Indien ftatt. Die fogenannte Cannabis indica gibt ein gutes Hafchifch; es find davon im Lande drei Präparate üblich, der harzige Beleg( Tfchers), die Summitates( Hafchiſch- beng) und das Oel, welches mittelft Fett aufgenommen wird( Rugane- beng). Der Hafchifchgebrauch ift nur bei den Derwifchen allgemein, bei den übrigen Claffen ausnahmsweife( fiehe Gebrauch der Erregungs- und Betäubungmittel bei den Perfern von Dr. Polak, Wiener Medicinalhalle 1862). Von fonftigen perfifchen Drogen wären noch zu erwähnen der Salep und mehrere purgirende Mannaforten des Terendfchebin von Alhaghi maurorum und des Schir- chischt. Forftwirthfchaft. Bekanntlich findet fich auf den Hochebenen felten ein wildwachfender Baum, das Land ift vollkommen entwaldet. Das Brennmaterial wird von einigen wild wachfenden Sträuchern von Artemifien( Jaufchan), Aftragalen( Gewenn), Zwerg- Mandelbäumen und Aeften von Fruchtbäumen gewonnen, während das Bauholz von den gepflegten Pappeln und Platanen erlangt wird. Es ift allerdings wahr, dafs auf den Hochebenen felten ein Baum wegen Mangel an Niederfchlag fortkommt, allein in den Bergen finden fich häufig einzelne Cypreffen, Thujen, Celtis und Terebenthinen wildwachfend, fo dafs bei einiger Sorgfalt ein hübfcher Waldbeftand erzielt werden könnte, welcher wieder einen wohlthätigen Einfluss auf das Klima üben würde. Diefem ftehen jedoch entgegen: 1. die Nomadenwirthschaft mit Ziegen und Schafen, die keinen jungen Trieb, befonders von Perfien. 25 Laubholz, fchonen; 2. die Schutzlofigkeit, unter der jeder Baum leidet, fo dafs er von Jedermann zum Küchengebrauch gefällt werden kann. Anders verhält es fich in einigen Gegenden von Kurdiftan, wo reiche Eichen, Cerafus- und Terebenthinenbeftände zu finden find; befonders ift der Waldreichthum in den Provinzen am Caspifee ein fehr beträchtlicher. Man findet dafelbft vorzügliche Schiffbau-, Werk-, Nutz- und Fournierhölzer, die einer grofsen Zukunft entgegen fehen, und die auch bei den künftigen Eifenbahn- Bauten eine grofse Rolle fpielen werden. Zu diefen gehören die verfchiedenen Eichenarten, befonders die geradftämmige Quercus castaneofolia, die prächtige Cypressus montana, die Buchen, verfchiedene Arten von Ahorn, die feinfladrigen Efchen, Nufsbaum, Ebenhölzer( Diospyros), die feften, der Feuchtigkeit widerftehenden Acacien und Mimofen, die Tax- und Buxbäume und das fchöne elaftifche Holz von der Planera( Zelcowia crenata) und andere. Bemerkenswerth ift es, dafs, im Lande noch keine Bretter- Sägemühle befteht; und zuzufügen wäre noch, dafs wenn eine durch Dampf- oder Wafferkraft neu errichtet werden follte, diefes wegen des hinraffenden Fiebers nie im Urwald felber, fondern am Fufse des Grenzgebirges zu gefchehen hätte. Viehzucht. Wir erwähnten früher, dafs auf etwa 5 Millionen Population 12 Millionen Nomaden fallen. Sie verforgen zwar den Markt mit Schlachtvieh, mit Wolle und mit einem Hauptbeftandtheil der Volksnahrung, nähmlich mit Milchproducten, doch ift es weit gefehlt anzunehmen, dafs die Viehzucht auf einer genügenden Stufe fei, da die fefshafte Bevölkerung auf diefe faft gar keine Sorgfalt verwendet, weil der Dünger bei der häufigen Brache faft gar nicht in Verwendung kommt. Der Nomade zieht nicht gerne Rinder, weil er auf's Wandern eingerichtet, keine Wintervorräthe anlegt, ohne welche fich aber ein Rind nicht erhalten kann, während Schafe, Ziegen und Kameele fich mit den falzigen und ftoppligen Kräutern begnügen, ja dabei gedeihen. Das Rind wird daher faft gar nicht gepflegt, höchftens wird ihm etwas Stroh zum Futter gegeben, und es ift natürlich, dafs dadurch die Race auf dem Hochlande herunter gekommen ift. Nur in dem gras- und ftrauchreichen Mafanderan gedeiht die Buckelkuh beffer und geniefst auch einiger Sorgfalt. Das Rindfleifch wird nur von den ärmften Claffen und zwar nur im Winter genoffen. Beffer gedeihen die Büffel, weil fie an den Sümpfen ihr faures Grasfutter und die Bedingungen der Exiftenz finden. Der geringe oder ungenügende Anbau von Wurzelgewächfen und Kleearten hindert auch zum grofsen Nachtheil der Volkswirthfchaft die Rindvieh- Zucht; und es ift klar, dafs eine rationelle Regierung, zur Befeitigung diefes Uebelftandes beitragen muss. Das Schaf der Hochebene ift die Varietät mit dem Fettfchwanz, doch wird diefe lipomatöfe Anfchwellung felten über zwei Kilogramm fchwer. Die Schafe am Küftenftrich des Cafpifees find langfchwänzig. Die Wolle ift langftapplig, doch nicht fein, fie ift entweder weifs, grau oder fchwärzlich. Die Lämmer der letzten geben die feinkräusligen fogenannten Bucharafelle, die fich im Export eines guten Marktes erfreuen, obwohl fie im Preife gegen die Turkeftaner bedeutend zurückftehen. Das Schaffleifch ift fehr delicat, felbft in der Brühe abgefotten, es entbehrt vollkommen des bockigen Nebengefchmacks. Das Schaf und das Lamm bilden faft die einzigen Factoren des Fleifchconfums. Von gewöhnlicher Wolle wird wenig exportirt, theils weil fich die Ausfuhr nicht lohnt, theils weil der Bedarf für Teppich- und Filzweberei und für das Auspolftern ftatt des Rofshaares fo bedeutend ift, dafs fie im Innern aufgearbeitet wird. Die Ziege wird meift der Milch wegen, theils auch wegen des Haares und des Felles gehalten. Alle Ziegen werden gefchoren und das Product kommt unter dem Namen Ziegenhaar in Verwendung. Es gibt jedoch eine Ziege, Murgus genannt, mit gewundenen geradauffteigenden Hörnern, deren Flaum die fogenannte Angorawolle( Tiftik, Kurk) liefert, welche in den feinen Geweben für Shawls, feine Teppiche und Filze in Verwendung kommt und auch ein Theil davon nach Indien ausgeführt wird. Diefe Margusziege gedeiht jedoch nur in wenigen Strichen des Landes, fo in Sautfchbelag, in Choraffan und Kirman, daher das Product rar und 26 Dr. J. E. Polak. theuer. Ebenfo ift auch die Angoraziege in Syrien nur an begrenzte Diſtricte gebunden. Das Kameel ift durchſchnittlich das zweihöckerige baktriſche, das einhöckerige flinkere Dfchemaze ift weniger zu Laften, mehr zum Rennen in der Wüfte eingerichtet und findet fich daher nur in einigen Gegenden von Kerman und Yezd. Das Kameel hat in Perfien keine lange Lebensdauer, es wird auch nicht in genügender Zahl aufgezogen, fo dafs jährlich eine Einfuhr von Arabien über Bagdad ftattfinden mufs. Als Wüftenthier fagt ihm der fteinige, im Winter befchneite oder fchlüpfrige Boden Irans nicht befonders zu. Die Wolle, die fich bei der Mauferung abftreift, wird forgfältig gefammelt und zu feinen Flanellen ( Berek) verwendet. Dafs fie um diefe Zeit zur Erhaltung der Gefundheit mit Mandelöl eingerieben werden müffen, wurde oben bereits erwähnt. Von Efeln gibt es drei Sorten, der gewöhnliche auch in Europa eingebürgerte Efel, er ift dasjenige langfame Thier, welches ftörrig und zugleich bedächtig auf feinem Rücken die Locallaften, fowie Baumaterial, Gemüfe und Nahrungsmittel für den Markt u. f. w. zuträgt. Die zweite Sorte ift die dem wildem oder Tfchagateiefel faft ganz gleiche, mit fchönem Kreuz auf dem Rücken und einem Spiegelfleck am Gefäfs, er hat kürzere Ohren, ift flinker und gefchmeidiger, er dient zumeift zum Reiten. Die dritte Sorte endlich ift die vom perfifchen Golf, deffen Race auch hie und da in Egypten zu finden ift, er hat faft die Gröfse eines mittleren Pferdes, hat auch deffen Kraft bei gröfserer Ausdauer, er ift auch im Preife gewöhnlich höher als ein Nichtracenpferd. Auch von Pferden finden fich drei Varietäten, das importirte arabifche Rofs oder von arabifchen Eltern abftammend mit feinen bekannten Charakterzügen, das turkomanifche Steppenpferd mit hohen Beinen ohne Mähnen, mit langem Halfe und ziemlich fchwerem Kopf. Es leiftet in Ritten in der Ebene und in den Wüften Unendliches, doch ift es relativ von geringer Intelligenz und auf fteinigem und bergigem Grunde unficher. Endlich ift die eigentliche Landesrace, fie ift unanfehnlich, doch von grofser Ausdauer, verlangt geringe Pflege; von ficherem Schritt findet das Thier fich auf jedem Boden zurecht. Sehr gefchätzt ift von der heimifchen Race der Pafsgänger. Diefer Pafsgang ist zwar von den Eltern überkommen, mufs jedoch durch Uebung und Binden der entſprechenden Extremitäten vervollkommt werden. Es gibt natürlich auch Mifchlingsracen, die an den Eigenfchaften ihrer Ahnen participiren. Eine Ausfuhr von Pferden findet fowohl nach dem Kaukaufus als auch auf arabifchen Barken nach Indien ftatt. Das Maulthier und der Maulefel verbindet die Eigenfchaften feiner Erzeuger und findet auch bei den Karawanenzügen wegen feines ficheren Schrittes an Wegen nahe von Abgründen vor Pferden den Vorzug, eben fo find nur fie zum Tragen des Palankins zu verwenden. Von wilden Vierfüfslern finden fich auf den Jagden häufig die efsbaren: Hirfche und Rehe am Cafpifee; die Gazelle, der Hafe, Dachs, Igel, das Stachelfchwein und der Marder in der Ebene, das Wildfchwein an Sümpfen, das Argalifchaf, der kaukafifche Steinbock und die Gemfe in den Gebirgen, der wilde Efel auf den ausgedehnten Ebenen. Von reifsenden Thieren: der Wolf, die Hyäne, der Schakal und der Fuchs; der mähnenlofe Löwe in Arabiftan, der Leopard in vielen Gegenden des Landes, die wilde Katze, der Tiger und Lux in Mafanderan, endlich auch der Gepard ebendafelbft. Der kaukafifche Bär zieht auch vereinzelt in den Gebirgen, fteigt aber bei Traubenreife herab, um feine Verwüftungen anzuftellen. Bei der ausgedehnten Viehzucht und bei dem Umftande, dafs durch den Karawanendienſt viele Thiere rafch abgenützt werden, follte das Erzeugnifs von thierifchen Fellen ein fehr grofses fein. Dem ift jedoch nicht fo, weil durch religiöfes Vorurtheil die gefallenen oder fogenannten unreinen Thiere nicht abgehäutet werden. Aufserdem wird das Rofshaar nicht benutzt. Ebenfo ift die Gewinnung des Talges nicht bedeutend, weil das Fettfchwanz- Schaf nach dem Gefetz der Compenfation im Netz wenig Fett anfetzt, das Rind jedoch zu mager Perfien. 27 ift, um in der Beziehung etwas zu leisten. Die Maulthiere des Landes find wie überall im Süden von vorzüglicher Qualität, Stärke und Ausdauer. Ihrem ficheren und vorfichtigen Gang ift der ungestörte Karawanenbetrieb auf ungebahnten Wegen über Berg und Thal zu verdanken. Milchproducte. Der Verbrauch der fauren Milch ift bei Reich und Arm ein immenfer, während füfse Milch in Afien faft nur als Medicin gegen verschiedene Leiden gebraucht wird. Nichts ift vielleicht dem Europäer auffallender, als dafs er, in ein reiches Normadenlager angelangt, felten einen Becher füfser Milch erhalten kann, weil fie gleich angefäuert wird. Nach Gewinnung der Butter wird die Buttermilch gefotten, bis ein Theil gerinnt, diefer wird abgefeicht, getrocknet, zu Kugeln geformt und confervirt. Diefe Kugeln heifsen Kefchk. Die wäfferigen Beftandtheile werden abermals eingekocht und aus dem Refiduum, einer fchwarzbraunen Subftanz, abermals Kugeln, Karakrut genannt, geformt. Beide Subftanzen Kefchk und Karakrut finden in Perfien und Turkeftan eine ausgedehnte Verwendung, fie find fehr nährend, erfrifchend und antiskorbutifch, fie verdienten demnach auch in Europa für Schiffs- und Feftungsverpflegung eine Anwendung. Der Käfe wird nur frifch und gefalzen genoffen und überhaupt auf feine Bereitung keine Verfeinerung verwendet. Da die Milch von Schafen, Ziegen, Kühen und Büffeln zufammengemifcht wird, um Butter zu erzeugen, fo ift diefe frifch dem europäifchen Gefchmack wenig zufagend, fie ift grieslig und fchmierig Auch das daraus gewonnene Schmalz, in Bocksfchläuchen aufbewahrt, nimmt einen Beigefchmack an, welcher dem Nichtgewöhnten unangenehm wird. Das Buttern gefchieht dadurch, dafs man die fauere Sahne in einen Bockfchlauch gibt, die beiden Enden an Stricken an zwei Bäumen befeftigt und durch fchaukelnde Schwingungen die Butterkörperchen abfondert. In fanitärer Beziehung ift es intereffant zu wiffen, dafs der Perfer in Abzehrungskrankheiten fich der Efelinenmilch zur Cur bedient, und dafs er bei Diarrhöen und ruhrartigen Krankheiten die ftark gefäuerte Milch und Buttermilch ftatt des Kumys mit Nutzen anwendet, befonders foll Kameelmilch fett machen. Stutenmilch findet jedoch keine Anwendung. Die Geflügelzucht ift im Lande ganz vernachläffigt. Mit Ausnahme des Huhnes, welches als gewöhnliches und kalkutifches gehalten wird, ift fonft kein Hausgeflügel zu finden, auch Taubenzucht findet hie und da ftatt, doch in Häufern mehr zum Sport und in Dörfern zur Gewinnung des Taubenguanos, da das Fleifch nicht geliebt ift. Die Urfache der geringen Geflügelcultur mag zum grofsen Theil feinen Grund im Uebermafse des wilden Geflügels finden, welches ohne Mühe zu erlangen ift. Dazu gehören die vielen, etwa zehn Arten Reb- und Steinhühner, die Trappen, Amnoperdis grisocolaris, Francolin, die köftliche Otis caucaufica, die Wachteln, wilde Tauben, Gänfe und Enten in vielen Variationen, Schnepfen und Becaffinen. Der Fifchreichthum in den Zuflüffen zum Cafpifee, befonders an zwei Haufenarten und an Lachs, ift hinlänglich bekannt. Die Ruffen haben zur Gewinnung des Kaviars und der Haufenblafen die Fifchereien um eine bedeutende Summe gepachtet. Ausserdem finden fich in den Bächen zahlreiche Weifsfifche, in den Bergwaffern köftliche Forellen. Die Nahrung der Küftenbewohner befteht zumeift in Reis, frifchen und confervirten Fifchen. Die Pflege des Seidenwurmes, dem das Land feine wichtigfte Revenue verdankt, ift eine ziemlich ausgedehnte, obwohl fie bei dem allenthalben glücklichen Gedeihen des Maulbeer- Baums, bei den regelmäfsigen Jahreszeiten, die ein zu frühes Auskriechen der Würmer verhindern, einer noch viel bedeutenderen Entwicklung fähig ift. Ausserdem haben es die Perfer in dem Abhafpeln des Cocons nicht zur felben Vollkommenheit gebracht, als etwa die Europäer, fo dafs dadurch auch ihre Rohfeide im Preife leidet. Die befte und meifte Seide und Seidenabfälle( Frifons) kommen in Gilan und Talifch vor, die mindere Qualität in Mafanderan, auch wird eine hübfche Menge in Choraffan und Yezd gewonnen. 28 Dr. J. E. Polak. Die ausgedehnte Zucht in Isfahan ift wieder eingegangen. Die Rohfeide wird meift nach Frankreich via Marſeille verkauft, nur ein geringer Theil wird im Lande in Tabris, Yezd, Kafchan, Isfahan und Refcht verarbeitet. Die Seidenraupen- Krankheit war bis 1864 inclufive nicht gekannt, fo zwar dafs viele italienifche Kaufleute jährlich dahin zogen, um gefunde Grains anzukaufen. Die Regierung, welche anfangs die Ausfuhr prohibirte, gab fie fpäter frei. Ob durch die Communication mit Italien oder durch andere Umftände, kurz im Jahre 1865 brach die Krankheit mit Heftigkeit aus und reducirte die Seidenernte auf höchftens ein Dritttheil. Die perfifche Regierung fah fich felbft gezwungen, Grains für eine halbe Million Francs aus Japan zu kaufen, welche jedoch kein genügendes Refultat lieferten. Beffer bewährten fich die Grains, welche aus einzelnen Oafen Choraffans, aus dem Inland bezogen wurden, doch ift im Ganzen der jetzige Ertrag kaum die Hälfte deffen, was er einft gewefen. 27 Bienen erzeugen viel Honig und Wachs, welches letztere auch eine Ausfuhr hat. Einige Atten von Mylabris vertreten in der Medicin die Stelle von unferen Kanthariden, find jedoch kräftiger als fie.( Siehe Profeffor Schroff's: Die Kanthariden Perfiens". Wien 1862.) Früher, als in der Medicin das Syſtem der Blutentziehung durch Egel eine ausgedehnte Anwendung gefunden, war auch der Export von Gilan und Mafanderan nach Frankreich fehr rentabel. Ein Wechfel im Modus oder in der Mode der Behandlung hat diefen Zweig der Induftrie lahmgelegt. Aus diefer Skizze ift zu entnehmen, dafs die Urproduction nach dem Verhältnisse des culturfähigen Bodens und des Fleifses und des Genies der Ackerbau und Viehzucht treibenden Claffe fehr gering ift, und dafs fie noch einer grofsen Entwicklung fähig ift. Das Volk verlangt dazu nicht den Schutz von, fondern vor der Regierung. Induftrie und-Kunftproducte. Mit dem Fortfchritt der europäiſchen Maffenproduction durch Maſchinen und Theilung der Arbeit, mit der leichteren Einfuhr der Producte nach Perfien, mufste die einheimifche Induftrie fowohl an Qualität als an Quantität zurücktreten. Viele Artikel, die früher eine lohnende Ausfuhr hatten, werden jetzt entweder gar nicht, oder fchlechter und in geringerer Menge erzeugt. Es lohnt nicht mehr, feine Garne zu fpinnen oder mühfam Damascenftahl zu fchweifsen, felbft die einft berühmten inländifchen Farben müffen allmälig den Anilinerzeugniffen weichen. So wurden auch die einft gefuchten Fayencegefchirre durch ordinäre Halbporzellane erfetzt. Dazu kommt noch, dafs durch häufigere Berührung mit Europäern und durch Einführung abendländifcher Moden das Bedürfnifs nach Luxusartikeln in ftetem Wachfen begriffen ift. Hätte in dem von Natur fo gefegneten Lande die Urproduction in dem Mafse zugenommen, fo wäre leicht ein Ausgleich wieder erzielt worden, doch diefes ift nicht gefchehen. Durch fchlechte Verwaltung und Elementarereigniffe hat diefe fogar bedeutend abgenommen. So ift es leider vorauszusehen, dafs, wenn nicht neue Hilfsquellen eröffnet werden, welches bei fo productiven Boden und Leuten fehr leicht möglich ift, in einigen Jahren, der fämmtliche Nationalreichthum fchwinden mufs. Im Ganzen kann die Induftrie Perfiens mehr eine Hausinduftrie genannt werden, in dem Sinne, dafs mit Ausnahme der königlichen Zeughäufer, Münze, kurz einiger Staatsetabliffements, keine eigentlichen Fabriken beftehen, fondern nur Werkstätten, in denen das Verhältnifs des Meifters zu den Gefellen und Lehrlingen befteht. Es herrfcht zwar vollkommene Gewerbefreiheit, das heifst ein jeder Perfien. 29 kann ein jedes Handwerk üben und eine Werkstätte eröffnen, doch um fein Handwerk gut zu üben, mufs er fich dem Zwange des Lehrlings und Gefellen fügen. Aufserdem befteht in jeder Stadt für jedes Handwerk eine Gilde, welcher ein Mann nach freier Wahl vorfteht und die Differenzen zwifchen Arbeitgeber und Nehmer ausgleicht. Trotz des Grundgefetzes der Freizügigkeit gilt es als Regel, dafs gewiffe Handwerke und Fertigkeiten fich an gewiffe Städte durch Jahrhunderte halten, welche entweder wegen Billigkeit des Materials oder der Beithaten bei der Verarbeitung fich dazu am beften eignen, oder wo wegen früherer Traditionen Kunftgriffe und Handwerk fich leichter erlernen. Durch das durchfchnittliche geringe Betriebscapital und das frühe Heiraten befchränkt fich die Freizügigkeit meift von felber. Von Metallarbeiten werden gute Waagen in Kafwin, Flinten, Piftolen und Säbel, Meffer, Scheeren, nach europäiſcher Imitation in Isfahan gefertigt, kupferne und meffingene Gebrauchgegenftände in Kafchan, wo an 400 Kupferfchmiede exiftiren, deren Arbeiten weit ins Land kommen. Auch Isfahan macht. gute Kupfergeräthfchaften. Goldgefchmeide und Silbergefchirre werden nett und am beften in Schiraz gearbeitet, befonders fchöne Narghiles und Caffeegefchirre, doch wird felten etwas Künftlerifches in diefen edlen Metallen gefördert, was auch darin feinen Grund findet, dafs jede Arbeit nach dem Gewichte des Edelmetalles, nicht nach dem Stück bezahlt wird. Eine Ausnahme bildet die Stadt Sendfchan, wo fehr gefchmackvolle, durchbrochene und Filigranarbeit ( Malilekar), künftlerifch verfertigt wird. Vorzügliche Arbeiten findet man im fogenannten Damascenerftahl, der noch in Choraffan, Schiraz und Isfahan bereitet wird. Die Waffen aus diefem Material, krumme und gerade Dolche, Säbel, Streitäxte und Kolben, Flammberge, Säbel mit gegen die Spitze getheilter Klinge ( Sulfagor), Flintenläufe, Lanzenfpitzen, Rüftzeuge wie Panzer und Schienen erfreuen fich eines Weltrufes. Die zarten Cifelirungen in Blumengewinden um arabifche Infchriften mit Benützung von eingelegtem Golde erhöhen noch den Werth diefer koftbaren Stücke, fo dafs der Preis eines Säbels oft auf 500 Ducaten fteigt. Ebenfo gefchmackvoll und künftlerifch find die Broncen mit den feinften Cifelirungen auf Vafen, Trinkfchalen, Bechern u. f. w. Eine fchöne Collection ähnlicher Geräthe fand fich in der Wiener Weltausftellung und wurden auch als Mufterftücke für das hiefige Muſeum für Kunft und Induftrie angekauft. Die Kunft des Emaillirens( mina), uralt im Lande, ift noch in einigen Städten, fo in Schiraz und Isfahan, in frifcher Kraft, die Lebhaftigkeit, Frifche und Glanz der Farben zeichnen die Erzeugniffe aus. Auch von diefen fanden fich einige Exemplare in der Ausftellung. Die Kunft der Fayence ift ebenfalls feit undenklichen Zeiten dem Lande eigen, die Bekleidung des Innern einiger Mofcheen in Isfahan und der Kuppeln mit Fayenceziegeln erfreuen das Auge durch die Lebhaftigkeit der Farbe und Correctheit der Zeichnung; befonders gelungen find die Farben in Türkifen- und Kobaltblau und in Gelb. Mit den Perfern wurde diefe Kunft in alle mufelmanifchen Länder getragen, auch in den Kaukafus, wo überall noch Stücke alter Meifterfchaft perfifcher Abftammung zu finden find. Auch jetzt werden noch in Kafchan hübfche Arbeiten geleiftet, doch mit den alten können fie fich nicht meffen. Die vielen Bürgerkriege des vorigen Jahrhundertes waren überhaupt der Kunft abträglich, weil viele Städte geplündert und die Bürger getödtet oder zerfprengt wurden, wodurch die Traditionen mehrhundertjähriger Erfahrung und Kunftfertigkeit verloren gingen und durch Extermination fich nicht fortpflanzen konnten. Aehnliches ereignete fich in Deutfchland während des dreifsigjährigen Krieges. Von Töpferwaaren zeichnen fich die Alcarazasgefäfse, vorzüglich die von Kum, durch ihre Porofität, durch Eleganz der Formen, Leichtigkeit, die feinen blumigen oder fpitzenartigen Verzierungen und befondere Billigkeit aus. Die Glasfabrication erzeugt nur einige Gebrauchsgegenstände, befonders ftarke kalabaffenartige Flafchen, auch gefärbte Gläfer, ift daher von keiner Bedeutung obwohl die Regierung viel Anftrengung machte, durch Berufung franzöfifcher - 30 Dr. J. E. Polak. Glasarbeiter felbe zu heben. Die Papierfabrication, welche im Mittelalter in Choraffan und Amel, in Mafanderan blühte und der chinefifchen wenig nachgab, befchränkt fich jetzt auf Erzeugung von einigem groben Papier und Pappe in wenigen Mühlen Isfahans. Auch hier führten die Anftrengungen und Auslagen der Regierung zur Förderung der Papierfabrication durch Berufung europäiſcher Arbeiter nicht zum erwünſchten Ziel. Die Arbeiten in Bein- und Metallmofaik( Boule) in Schiraz und Isfahan, von denen viele Mufter vorlagen, zeichnen fich durch gefällige Anordnung der fich wiederholenden geometrifchen Figuren und durch ihr originelles Auftreten aus. Im königlichen Schloffe fand man einige Thüren und Möbelftücke mit diefer Mofaik bekleidet, welche die Aufmerkfamkeit eines jeden Befchauers auf fich zogen. Als wahre Hausinduftrie, ähnlich derjenigen in den Tiroler Bergen, find die Schnitzereien in Bux- oder Birnholz, auf Cocosnufs und Straufseiern, welche in den Natansgebirgen von den Einwohnern gefertigt werden. Mehrere Käftchen, auch Löffel mit durchbrochenen Griffen fanden fich in der Ausftellung, die, obwohl fie nicht zu den beften Mufterftücken gehören, doch einen Begriff davon geben, welche Begabung der Iraner für Zeichnung und Sculpter felbft ohne alle Anleitung befitzt. Ebenfo vorzüglich wie die Cifelirungen auf Stahl find die Gravirungen auf harten Steinen, meift zum Gebrauch des Petfchaft oder auch als Amulettfteine benützt. Wer da weifs, dafs es jahrelange Uebung fchon verlangt, die arabifchen Buchftaben kalligraphifch zu fchreiben, der wird die correcte Zeichnung, ebenfo die als Verzierung dienenden, weniger tief eingravirten Blumengewinde, im Carneol oder Bergkryftall gefchnitten, zu würdigen verftehen. Ein Siegelftein mit der Legende ,, Franz Jofef" auf Bergkryftall, ebenfo ein Amulettftein mit zweifacher Gravirung gehörten zu den gelungenften Stücken der Ausftellung. Wollgewebe. Hier ift es vor Allem der Shawl, welcher dem indifchen aus Cafchemir und Lahore am nächften fteht. Die beften werden in Kerman, jene mittlerer Qualität in Mefchhed und die einfärbigen ohne eingewebte Muſter ( Kuffeh) auch in Kerman gefertigt. Das Flaumhaar der Margusziege bietet, wie erwähnt, den vorzüglichften Stoff zur Erzeugung. Meift bilden die einfachen Variationen der Palme und der Gewinde das Grundmufter des Shawls, die Variationen find jedoch fo glücklich ausgeführt, dafs kaum ein Stück dem andern ganz ähnlich fieht. Nach der Zeichnung, Farbe, Gewebe, Streifung, Dimenfion und Provenienz unterfcheidet man die verfchiedenen Arten des Shawls, von denen einige glücklich vertreten find. Die Dimenfionen des nicht befchnittenen Shawls follen 312 Centimeter Länge und 150 Centimeter Breite fein, doch verengern fich gewöhnlich durch Abfchnitte diefe Mafse. Noch künftlicher ift das Gewebe der Shawlbändchen( hafchieh), die als Bordure für koftbare Gewänder verwendet werden. Von gleichem Gefchmack in Mufter und Verwendung der Palme find die ausgenähten Shawls, obwohl fie natürlich im Preife niedriger gehalten find. Der Preis eines echten, guten perfifchen Shawls ift zwifchen 14 und 20 Ducaten. Nur äusserft felten find Shawls mit 30 Ducaten, die faft immer nur auf befondere Beftellung gewebt werden und durch gutes Material und Dichtigkeit des Gewebes fich auszeichnen. Dem Shawl zunächft fteht als echt perfifches Product der Teppich. Wenn wir in der Ausftellung die Teppiche fämmtlicher Völker von Indien und dem an China grenzenden Turkeftan bis zu jenen von Griechenland, Rumänien und Albanien durchmuftern, fo werden wir in dem ungefchorenen Teppich faft immer, in dem gefchorenen hie und da die gleiche Qualität, und was noch auffallender ift, faft diefelbe Zeichnung wiederholt finden, welche alle auf eine gemeinfchaftliche Quelle hinweifen. Man unterfcheidet auch dort zweierlei Teppiche, den aufgefchorenen Ghali und den nicht aufgefchorenen Gebbeh; letzterer, feiner und gobelinartig gewebt, heifst Gelim. Die beften grofsen Teppiche ftammen aus Perfien. 31 Farahan im füdweftlichen Perfien in der Provinz Arak. Die Feftigkeit und Dichte des Gewebes, fo dafs beim Bug der Faden der Kette durchaus nicht fichtbar wird, die Unvergänglichkeit der Farbe, das ruhig gehaltene kleinblumige Mufter, die breite, harmonifche Bordure zeichnen diefe Waare als erfte Qualität aus. Ein oft fich wiederholendes Mufter aus Farahan Krappgrund mit Palmen, unter dem Namen Flohteppiche im Handel, find wegen ihrer Unvergänglichkeit fehr gefucht. Der Choraffaner Teppich zeigt meift mehr Farbenpracht, doch ift fein Gewebe bei Weitem nicht fo dicht, er fühlt fich weicher an, beim Bug fieht man leicht die Kette, feine Farben find weniger dauerhaft, die Zeichnung oft bizarr, daher ift trotz feiner Schönheit der Preis im Lande ein weit niedrigerer; denn auf ein Pferd, einen Shawl und einen Teppich verfteht fich dort jeder Mann von Bildung und Erziehung. Der Turkoman'fche Teppich aus der Gegend des Atrekgebietes ift von allen Teppichen der Welt der dichtefte und dauerhaftefte, fein Grund ift dunkelbraun und es finden fich nur einige geometriſche Figuren darin eingewebt er ift fehr gefchätzt. Die kleineren fogenannten Bet- Teppiche, Galitfche, auch Sedfchadeh genannt, werden auch in Farahan und Mefchhed Choraffan fabricirt, doch die fchönften, die an Farbenharmonie und Feinheit alles Dagewefene überbieten, werden von den Kurden in Senna und Gerus, ferner an der öftlichen Grenze des Reiches in Gajin bei Siftan, früher auch in Herat, fabricirt. Diefe Art Teppiche, befonders reich in der Ausftellung gewefen, bieten in Bezug auf Gefchmack, Variation des Deffins, Feinheit des Gewebes das Schönfte, was die jetzige Teppichweberei in der Welt leiftet, was um fo merkwürdiger ift, als fie zumeift von den perfifchen Kurden gefertigt werden. Leider haben fich fowohl die Farahaner als auch Sennaer verleiten laffen, auch einige Stücke in Nachahmung europäiſcher Mufter einzufchicken, während man im Gegentheil in Europa in der Fabrication an perfifche Originalien fich hält. Ein grofser Farahaner Teppich diefer Art, in Bezug auf Gewebe das non plus ultra, konnte trotz deffen nur mit Mühe einen Käufer finden. Die Art des Webens bringt es mit fich, dafs hie und da eine Falte ( gis) entfteht, welcher Fehler, der nur durch Ausfchneiden gebeffert werden kann, die Waare fehr fchädigt, daher fie faft die Hälfte des Werthes verliert. In jüngfter Zeit trat auch auf Beftellung europäiſcher Kaufleute eine kleine Modification in der Fabrication ein. Um nämlich die perfifchen Teppiche der Gröfse eines jeden Saales adaptiren zu können, werden jetzt fchmale Teppiche mit abgefonderten Borduren verkauft, fo dafs das Stück nach der Gröfse des Zimmers zufammengefügt werden kann. Dies gefchieht allerdings am leichteften durchs Nähen, beffer jedoch durch das fogenannte Zufammenweben oder Kunftſteppen. Es befteht nämlich in Perfien ein eigenes Handwerk der Rufuger, deren Aufgabe es ift, Stücke eines Shawls oder eines Teppichs kunftgerecht fo zufammenzufügen, dafs es nur durch genauefte Prüfung auf der Rückfeite entdeckt werden kann. Der ungefchorene Teppich, Gebbeh, wird überall von allen Nomadenweibern erzeugt, die befferen gobelinartigen Gelim in eleganten farbigen Muftern ftammen von Kurdiftan, die mit brauner Bordure mit Anwendung des Natur- Kameelhaares von Arabiftan aus Schufchter( Schufch der Bibel). Die billigfte Sorte endlich, eine Art von Laufteppichen, die häufig zu Mantelfäcken, Pferdegurten etc. Verwendung findet, heifst Dfchedfchim. Die Fabrication von Filzen( Nemet) fowohl zur Bedeckung des Bodens als auch zur Bekleidung ift für den inneren Confum eine fehr ausgedehnte. Durch Einfilzen von Wollen in verfchiedener Färbung wiffen fie dem Stoffe ein fchönes Mufter und gefällige Formen zu verleihen. Die beften ftammen aus Taft bei Yezd, von oft 1 Zoll Dicke, eine mindere Qualität wird in Isfahan und an anderen Orten erzeugt. Eine Sorte, befonders leicht, und durch Anwendung des Ziegenhaares fehr fchmiegfame Waare, wird in Hamadan gefertigt und gibt an Feinheit dem bekannten Filze von Bruffa wenig nach. 32 Dr. J. E. Polak. Die Eigenfchaften des weichen, fchmiegfamen und zugleich wafferdichten Flanells, mit denen des Teppichs vereinigend, ift dasjenige Gewebe, das im Lande Patu heifst, und das am beften in Kerman in allen Farben erzeugt wird. Der Nutzen diefes Stoffes, auf Reifen zur Unterlage, zum Bedecken bei rauher und feuchter Jahreszeit, ift fo grofs, dafs jeder Reifende in dortigen Gegenden damit verfehen fein foll. Ein nach arabifcher Imitation feft gewebter, rauher, doch wafferdichter Stoff ift das Abba oder Abbaji, welcher zur Anfertigung von Mänteln und Burnus verwendet wird. Den beften erzeugt Kafchan, wo durch eingewebte Goldfäden an der Partie der Schultern und der Bruft der Mantel des Häuptlings erkennbar wird. Auch von diefen Stoffen, als auch vom fertigen Mantel- Abba waren gute Mufter vorhanden. Aus Kameelhaaren wird eine Art fehr fchmiegfamen Flanelltuches gemacht ( Berek) in weifser und Chamois- Farbe. Die beften diefer Stoffe ftammen aus dem Tribus der Hazara, öftlich vom Chanate Merw, aber auch in Choraffan werden gute Bereks erzeugt, wie die Mufter beweifen. Ein fehr feiner, thibetartiger Stoff, Aghri oder Aghiri, wird ebenfalls in den nordöftlichen Provinzen verfertigt, der für Sommermäntel dient, wovon auch die Ausftellung ein Mufter hatte. Linnen- Webftoffe. Sie haben in der Hausinduftrie einen befchränkten Kreis in Mafanderan, wo Batifttücher und Batiftfhawls, meift mit am Rande eingewebter Bordure von Silberfäden erzeugt werden. Sie haben auf heimifchem Markt gute Nachfrage. Seidenftoffe. Die Fabriksorte für diefe Waaren find Kafchan, Yezd, Refcht und Tabris; es werden Mouffeline( Canovis) Atlas( Catni), Moirés( Chara, Chur im Buch Efther. Cap. 1), perlgraue, piquetartige Stoffe,( Dfchaudaneh,) gemacht. Alle diefe Stoffe find zu fchwer, das Gewebe ungleich, ohne Seidenglanz, die Moiréftreifen zackig und nicht wellig, fo dafs fie höchftens eines inneren Confums fich erfreuen können. Von prächtiger Arbeit find nur die fchillernden Seidenfhawls aus Yezd mit Palmenmufter und gefchmackvoller Bordure( Tirmeh numah), die in Rufsland gute Käufer finden, und die kleingeftreiften, ſchön gemufterten Alitfchek, die im ganzen Orient als Männerwamms fehr beliebt find, und jetzt in Wien für den Export im Orient häufig fabricirt werden. Schön find die Seidenvorhänge( Perdeh) von Refcht mit geflammtem Mufter, die Einhülltücher von Isfahan, die Halbfammte von Kafchan und die Brokate von Kafchan und Refcht. Aus den Ausftellungsgegenständen war auch der Grund zu erfehen, warum die perfifchen Seidenwaaren fich keines ausländifchen Marktes erfreuen können, und dafs eine Auffrifchung diefer fchönen Induftrie durch ausländifche Mufter und Meifter nothwendig wird. Etwas beffer find die Halb- Seidenftoffe, als der Wollatlas, Suf, die Umhülltücher für Frauen, Tfchader fcheb, Gaffab u. f. w. Baumwoll- Stoffe. Die grobe Baumwoll- Leinwand Kerbas( Karpus der Bibel) wird an vielen Orten erzeugt, weil deren Verbrauch zu Zelten und ordinären Kleidungsstücken fehr grofs ift. Die Nankingftoffe Gadek bilden faft die ausfchliefsliche Kleidung der Mittel claffe durch den gröfsten Theil des Jahres; fie werden daher in allen Farben maffenhaft erzeugt in Kafchan, Isfahan, Schiraz und Bender- Bafchir. Die vielgefuchten Cattune mit Handdruck in vielen Farben, Kalamkar, fowohl blumig als auch geftreift, mit kleinem Mufter( Tegle) mit glänzender Appretur find die Arbeit von Isfahan, Schiraz und Borudfchird. Diefe, dunkel gehalten, heifsen Pirahenni- Hemdftoffe, weil fie während des Trauermonats, Muharrem, als Hemdftoff verwendet werden. Auch Tüchel und gegitterte Stoffe werden viel in Isfahan, Kafchan und Yezd, wo die Hauptinduftrie für die Baumwoll- Branche befteht, verfertigt, doch reichen fie bei Weitem für den Landesbedarf nicht aus, daher die Einfuhr von Europa befonders von Manchefter und der Schweiz eine beträchtliche. In der neueften Zeit wird ein fhawlartiger fchillernder Stoff, Perdeh tirmeh nemah, aus Wolle und Baumwolle in Kafchan gewebt, der überall viel Anklang findet, von dem auch mehrere Mufter in der Ausftellung waren. Perfien. 33 Tuchmofaik. In Refcht werden aus verfchieden gefärbten europäifchen Tuchftücken mofaikartige Tifchtücher, Satteldecken, Pantoffel, Lampenunterfätze etc. verfertigt. Diefe Induftrie findet wegen der gefchmackvollen Wahl fowohl der Farben des Tuches, als auch der tamburirten Seide, der fleifsigen Arbeit und der künftlichen Einrahmung der Stücke in Europa viel Anklang und Nachahmung. Stickereien und Nadelarbeiten. Hier ift es vor Allem der Frauenfchleier, welcher in dem Gitter, wodurch es den Frauen geftattet ift, mit der Auffenwelt zu communiciren, den Fleifs und die Erfindungsgabe der Städterinen beurkundet, während die freiere Nomadin, des Schleiers entbehrend, diefe Eigenfchaften durch Weben von Teppichen mit prächtigen Farben und Muftern an den Tag legt. Der Reiz des Frauenfchleiers befteht in der unvergleichlichen Pracht der Verzierungen durch Stickerei. Der untere Rand bildet eine breite Bordure, meift aus fehr kleinen, überaus zierlichen Flächenornamenten beſtehend, die von einer Schönheit und Mannigfaltigkeit find, wie es nur die reichfte Phantafie zu erfinnen vermag. Oberhalb diefer Kante, an der Stelle, welche gerade über die Augen fällt, ift ein durchbrochenes Gitter von originellem Reiz, welches mittelft Ausziehen beftimmter Grundfäden in derfelben Art hergeftellt wird, wie die Touren bei unferer Weifsftickerei, die Stiche werden nach dem Mufter abgezählt. Diefe find von grofser Verfchiedenheit und find mit jener Präcifion ausgeführt, welche ein characteriftifches Kennzeichen der meiften orientalifchen Arbeiten ift, wodurch eine Fülle mannigfacher Motive erfteht. Aehnliches fahen wir in den ausgewählten Arbeiten, wo in weifsem oder Shawlftoffe durch überaus feine Nadelarbeit zarte Figuren und Arabesken entſtehen. Der Abgang eines Mufterblattes gibt der augenblicklichen Infpiration und Erfindung einen freien Spielraum, woher auch die vielen Variationen und die feltene Wiederholung desfelben Motivs in zwei Arbeiten. An diefe reihen fich jene Nadelarbeiten, wodurch auf weiſsem Battift mittelft Nähfeide gruppenweife geometrifche Figuren aufgetragen werden, wie wir Aehnliches in der rumänifchen Hausinduftrie beobachteten. Selbft in den Strümpfen werden durch Anwendung verfchiedener Tinten der Baumwolle und Wolle Palmen und Blümchen eingewirkt, die mit der fhawlartigen Bordure einen gefälligen Eindruck gewähren. Auch die Gilde der Pofamentirer erzeugt gute und fefte Waaren, insbefondere, da fie die Nähfeide nicht fchonen. Die in Bändchen eingewebten Mufter von Blümchen und Buchftaben find zart und nett. Die Kunft der Goldborten, einft im Orient fo berühmt, ift faft ganz abhanden: der Bedarf wird von Europa gedeckt. Leder und Lederarbeiten. Die beften Lederforten werden in Hamadan erzeugt, das fogenannte Maroquinleder, Timatfch welches doch nicht die Feinheit des Leders aus Marocco erreicht das Sohlen-( tfcherm) und Chagrinleder( Sagri), letzteres aus der Efelshaut gefertigt, zeichnet fich durch feine faftgrüne Farbe und feine Körnung, welche durch den Samen einer Amaranthus erzeugt werden, als erfte Qualität aus. Ebenfo wird gutes Pergament aus der Haut der Gazelle und des Kameels für Mufikinftrumente und zum Bedecken des Holzgeftelles der türkifchen Sattel erzeugt. Die Lederarbeiten für Sättel, Zügel, Riemzeug, Koffer, Etuis find zwar nett ausgeführt, zeigen jedoch wenig Meiſterſchaft in dem Fache, beffere Arbeiten der Art müffen daher von Europa importirt werden. Viel beffer find die Kürfchnerarbeiten, befonders aus fortirten Theilen der Bucharafelle, aus den Köpfen wilder Enten und die Schafpelze, fogenannte Kabulpelze, die an ähnliche in Rufsland gefertigte erinnern. Hievon war auch ein Mufter in der Ausftellung. - Bekleidungsgegenstände. Die Coftume der Frauen im Harem und der Männer find fehr kleidfam, fie werden in den reicheren Claffen bei beiden Gefchlechtern meift aus Shawl gefertigt. Auch die Strümpfe zeigen befonderen Gefchmack in Färbung und Deffin. Die beften find in Choi, Schiraz und Isfahan zu finden. Eine eigenthümliche Art Schuhe verdient wegen ihrer Dauerhaftigkeit und Nutzen, den fie beim Bergfteigen gewähren, Erwähnung: es find diefs die Giweh, ihre Sohle ift durch comprimirte Baumwollftoff- Abfälle gebildet, die mittelft durch3 34 Dr. J. E. Polak. ftochener Lederriemen feft aneinander gehalten werden. Ebenfo werden in Sendfchan Luxusfandalen gefertigt. In neuefter Zeit wurden doch die Coftume durch. Einflufs türkifcher und europäiſcher Moden fowohl im Schnitt als auch im Stoff vielfach modificirt. Die Kalligraphie feiert noch, wie bei uns im Mittelalter, in einigen Exemplaren der mit Goldverzierung umgebenen Buchftaben, alfo in Manufcripten, die bei ftärkstem Volumen durch das ganze Werk eine mufterhafte Gleichheit und Schönheit der Buchftaben zeigen, ihre Triumphe, und findet auch bei der unglaublichen Schwierigkeit, die der Schreiber bemeiſtern mufs, ihre Schätzer; denn die Zeile wird oft als Mufterblatt bis zu einem holländifchen Ducaten bezahlt. Mehrere Prachtexemplare vom Naf'chi Talik und Schikefte, wie fie auf der Ausftellung vorlagen, konnten das Gefagte illuftriren. Ebenfo zeigen die Infchriften auf Mofcheen, Schulen, Madraffes, Karwanferaien von Indien bis Marocco durch Kunftfertigkeit und Stil auf die gefchätzte Hand perfifcher Meifter. Es besteht im Lande keine Buchdruckerei; durch Lithographie wurden unter der jetzigen Regierung viele feltene gefchichtliche, lexikographifche, phyfikalifche, mathematifche, medicinifche, militärifche und poetifche Werke vervielfältigt, den zahlreichen Schülern und dem Publicum zugänglich gemacht. Aufserdem trachtete man durch Sammlung der gefchichtlichen Traditionen, die unter den Denkmälern vorhanden waren, und deren Publication fie zu fixiren. Die officielle Zeitung mit den Beilagen wiffenfchaftlichen und belletriftifchen Inhaltes, mit Beigabe von Illuftrationen, dient fowohl zur Promulgation von Decreten als auch zur Volksaufklärung, wozu vorzüglich die Errichtung einer Akademie im Jahre 1851 in Teheran und Berufung europäifcher Lehrer in Fächern der Militärwiffenfchaft, Phyfik, Mathematik und Medicin das meifte beigetragen hat. Von mathematiſch- aftronomifchen Werkzeugen wurden in früheren Jahrhunderten präcis eingetheilte Aftrolabien zur Höhenbeftimmung und Compaffe verfertigt und finden fich noch in einigen Sammlungen des Landes; doch ift von neuen Arbeiten diefer Art nichts mehr bekannt, trotzdem eine phantafiereiche Aftrologie noch im Schwunge ift und auf Staatsentfchliefsungen noch Einflufs nimmt. Von Malereien find einige auf Gebrauchsgegenstände, befonders Tintenzeugen, Käftchen, Spiegelchen, Büchereinbänden, Vignetten und Illuftrationen in Manufcripten mit Farben und Vergoldungen zu erwähnen. Die Zeichnung ist bei Arabesken und Blumen fchön, natürlich und correct, während fie bei Figuren jeder Perfpective faft entbehren. Die beften Meifter finden fich in Schiraz und Isfahan, deren Arbeiten find in unferer Collection vertreten. Ein Manufcript von Taufend und einer Nacht, auf hohen Befehl für Naffer- eddin Schah gefertigt, zeichnet sich durch Kunftfertigkeit in der Schrift, den Initialien, Randzeichnungen und lebhafte Illuftrationen befonders aus. Durch Verbot der plaftifchen Darftellung menfchlicher Figuren durch den Koran konnte natürlich die Sculptur keine befonderen Fortfchritte machen; allein bei dem lebhaften Sinn des Iraners für Zeichnung und Plaftik mufsten die Arabesken in Stuck und Marmor, und die Architektur überhaupt an deren Stelle treten. Der fchöne Bau vieler Karawanferaien, Mofcheen und Madaraffes, die kühnen Wölbungen( eine der fchönften findet fich in Sultanièh), die Kuppeln, die gefchmackvolle Benutzung verfchiedener Marmorarten und Fayencen, die Ruhe und Sicherheit, die in dem Ganzen herrfcht, zeugen für den Kunftfinn eines Volkes, welches durch Jahrtaufende feine Traditionen und angeerbten Fähigkeiten zu verwerthen verftanden hat. Wenn in Privatgebäuden fich weniger Stil beurkundet, fo liegt es theils darin, weil die Façade wegen des Vorurtheils, den Frauen die Sicht auf die Gaffe verwehren zu wollen, kahl und fenfterlos gehalten fein mufs, theils darin, dafs bei der Ausdehnung des Haufes im Verhältnifs des wachfenden Vermögens es felten nach einem Plan gehalten, fondern ftets vergrössert wird. Dafür ift die Ausfchmückung der einzelnen Säle durch Verwendung feiner Stuckarbeiten, Stalaktitenformen, Blumenmalereien, Marmorbekleidung, Vergoldung, Nifchen, Kamine, Baffins und Springbrunnen, Spiegel, Perfien. 35 Spiegelfaceten etc. fehr luxuriös und bietet ein reiches Feld von Variationen. Doch auch im Bauftyl ift ein wahrer Rückfchritt zu beobachten. Während man früher durch fefte Bauart, grandiofe Hallen, kühne Wölbungen, Verwendung verfchiedener Marmorarten und künftlerifcher Fayencen einen ruhigen Effect erzielte, überladet man jetzt die unfoliden Mauern und die noch unfolideren Plafonds mit Zierrathen, Schnörkel, Blumenbouquetchens und Spiegelfacetten, wodurch zwar ein einzelner Theil betrachtet wohlgefällig fich darbietet, doch im Ganzen wird. der Eindruck des verirrten Gefchmacks vorwiegen. Man braucht nur die jetzigen königlichen Schlöffer, die Karawanferaien, Madraffes und Tekièhs( Arena) mit den früheren in Isfahan, Schiraz u. f. w. zu vergleichen um den Unterfchied herauszufinden. Mit der Vorliebe des Perfers für das Zeltleben verfteht er es, die Zelte nach Bedürfnifs, Reichthum, Bequemlichkeit und Zweck auf verfchiedene Weife zu modificiren und zu decoriren, fo dafs keines dem anderen ähnlich fieht, und dafs in der inneren Ausfchmückung, in Verwendung von Pers- Cotton, Seide, Quaften, Borduren und aufgenähten Muftern fich immer ein origineller, gut durchdachter Plan kundgibt; jedoch ift nicht zu leugnen, dafs die Ausgaben für die Anfchaffung als auch für den Transport viel zum Ruine einzelner Familien. beitragen. Aus diefer allerdings die Induftrie und Production Perfiens nicht erfchöpfenden Skizze wird es hervorleuchten, dafs bei der nüchternen, fleifsigen und erfinderifchen Anlage der Einwohner, bei ihrer Kunftfertigkeit, lebhaftem Sinn für Farbe und edle Formen, bei ihrer rafchen Aneignung fremder Kunftgriffe, bei ihren bewunderungswürdigen Leiftungen in unterirdifchen Erdbauten, durch Einführung neuer Communicationsmittel, verbefferter Inftrumente der Arbeiter und Belehrung, in weit kürzerer Zeit, als man gewöhnlich annehmen will, ein reiches Feld für Induftrie, Production und Kunft fich eröffnen, und dafs mit einziehendem Reichthum ein vortheilhafter Handel für Ex- und Import fich herftellen dürfte, dafs jedoch unter den gegenwärtigen Verhältniffen ein Rückgang der Production ftattfinden mufs. Befchreibung der Ausstellung. Es lag im Intereffe der Wiener Weltausftellung, dafs der Orient vorzüglich mit feinen Erzeugniffen vertreten fei, es durfte hiemit Perfien nicht fehlen. Da jedoch diefes Land zu der Zeit von fchweren Calamitäten heimgefucht und hiemit keine Initiative von ihm zu erwarten war, fo wurde der Herr Generalconful von Zwiedinek nach Tabris delegirt, um in Angelegenheiten der Ausftellung zu wirken. Er fand bei feiner Ankunft die Lage kritifch, er fuchte jedenfalls der Mitwirkung des Grofshandlungshaufes Ziegler& Comp. fich zu verfichern, er fammelte auch fehr viele intereffante Daten über den Handel Perfiens, befonders der Provinz Azerbeidfchan, namentlich Tabris, welche hier vielfach benutzt werden. Zu gleicher Zeit im Herbfte 1872 veröffentlichte Dr. J. E. Polak eine Brochure unter dem Titel„ ,, Betheiligung Perfiens an der Wiener Weltausftellung", die mit Hilfe des Herrn Hofrathes Dr. Barb ins Perfifche ele gant überfetzt und mittelft des photo- lithographifchen Verfahrens gedruckt und in vielen Exemplaren nach Teheran gefchickt wurde. Diefe Schrift follte als Anhaltspunkt dienen für die Gegenftände, deren Einfendung von befonderem Nutzen und Intereffe wäre. Nebenbei fei erwähnt, dafs diefs das erfte felbft. ftändige Werkchen war, welches in Europa in perfifcher Sprache veröffentlicht wurde. Als fpäter Herr Graf Dubsky, öfterreichifcher Gefandter am Hofe zu Teheran, in der Hauptftadt anlangte, wirkte er felbftverftändlich für eine möglichft würdige Vertretung von Seite der königlich- perfifchen Regierung. Seine Vorftellungen waren von defto gröfserem Gewicht, als indeffen der Schah den feften 3* 36 Dr. J. E. Polak. Entfchlufs gefafst hatte, Europa und die Wiener Weltausftellung zu befuchen. Die Jahreszeit war doch bereits ziemlich vorgerückt, fo dafs die Sendungen verfpätet und bei dem langfamen Karawanentransport in unterbrochenen Partien ankamen. Unterdeffen hatte fich ein perfifches Comité in Wien gebildet zum Zwecke der Förderung der perfifchen Ausftellung, es fafste auch den Entfchlufs, einen Pavillon nach perfifcher Bauart zu errichten, zumal Bauleute aus Perfien zugefagt waren, welche den decorativen Theil ausführen follten. Befagtes Comité hatte auch Mühe und bedeutende Geldopfer nicht gefcheut, um die Aufgabe würdig zu löfen. So kam der Pavillon zu Stande, der durch die originelle Decoration die Aufmerkfamkeit der Befchauer auf fich zog. Zur Vervollftändigung der additionellen Ausftellung wurde auch von Seite der perfifchen Regierung ein Zelt eingefchickt, auf deffen Bau wir später zurückkommen. Die perfifche Abtheilung befand fich in einem Seitentransept nahe dem Oftportal, zwifchen der rumänifchen und chinefifchen. Das Portal, gegen die chinefifche Abtheilung fchauend, war durch eine einfache, aber gefchmackvoll gehaltene Decoration von Teppichen verfchiedener Qualität ausgezeichnet, auf deffen Aufsenfeite das perfifche Landeswappen( Löwe mit aufgehender Sonne) und auf deffen Innenfeite ein fein ausgeführtes kalligraphifches Tableau angebracht war. Die Ueberfetzung der Verfe würde etwa lauten: ,, Jeder zeiget Waaren fchlecht und recht, Wenn's nach Wunſch gefällt, ift's Allen recht." Die Gegenftände felber waren theils in Kaften untergebracht, theils waren die Webeftoffe decorativ an den Wänden aufgehängt. In der Mitte der Abtheilung befand fich eine wenig erhabene Plattform mit einem grofsen Farahan- Teppich bekleidet, und am Eingange zwei Coftumepuppen, einen Perfer und eine Perferin darftellend, welche von der Art der Bekleidung in der befferen Gefellfchaft eine Vorftellung geben follten. Auf die einzelnen Gegenftände übergehend, fanden wir I. Gruppe ( Mineralien und Salze) Salze) nur fchwach durch zufällige nicht gewählte Exemplare vertreten, wie diefs auch bei der herrfchenden Eile kaum anders zu erwarten war, zumal der einzige Mann, der dafür Verftändnifs gehabt hätte, Dr. Schlimmer, nicht zu Rathe gezogen wurde, aufserdem kein Muſeum exiftirt. Um fich künftig vor ähnlichen Mifsgriffen zu fchützen, wäre die Anlage eines mineralogifchen Muſeums, wie ich es fchon vor Jahren projectirte, eine Nothwendigkeit. Von den vielen und fchönen Marmorarten find nur einige Platten lichtgelben und röthlichen Onysmarmors von Kafchan und Sendfchan, und eine Platte des berühmten Maraghe- Marmors, Sediment der heifsen Quellen von Schirmahal, ausgeftellt gewefen. Von Baumaterialien wurden von den fehr reichen Gypslagern des Landes einige Sorten von kryftallinifchem und ordinärem Gyps eingefchickt, ebenfo fchönes Marienglas; auch mehrere Mergelarten zur Tünche. Eine vorzügliche, bisher jedoch nicht verwendete Kaolinerde lieferte Kermanfchah. Ein anderes Thonsilicat, fogenannte daghiftanifche Erde aus Sendfchan, ift dadurch intereffant, dafs es eine der efsbaren Erdarten liefert, nach welcher viele Einwohner theils aus Nachahmung, theils aus krankhafter Neigung lüftern find, und über welche ich fowohl, als auch Profeffor Goebel in Petersburg früher Bericht erftatteten. Mehrere unanfehnliche Mufter von Kochfalz gaben nur eine geringe Idee von den unerfchöpflichen Lagern, die fich fowohl von Natrium als Kalifalzen im Lande befinden. Auch Mufter von Salpeter und Alaun waren in der Sammlung. Von den vielen Schwefellagern war auch eine geringe Menge amorphen Schwefels wegen des neuen Fundortes Sendfchan beachtenswerth. Perfien. 37 Von Erzen waren nur einige Bleiglanze, Kupferkiefe und Aurepigment, und zwar in fchlechten Exemplaren vorhanden. Foffile Kohle und Erdpech, fowohl von dem aromatifchen( Mumia) als auch von dem gewöhnlichen, wurden von den reichen Lagern ebenfalls in ungenügender Qualität eingefchickt. Im Ganzen würden wir durch das vorgelegte Material geneigt fein, ein an mineralifchen Producten fehr armes Land vor uns zu fehen, wenn wir nicht durch Forſchungen europäiſcher Fachmänner fchon jetzt vom Gegentheil überzeugt wären. II. Gruppe. Etwas reicher war diefe Gruppe, Producte der Landwirthschaft, der Thier zucht, der Forft- und Gartenwirthfchaft, vertreten. Wir fanden hier Weizen von mehreren Sorten und Gegenden, vom Winter- und Sommerbau, der fehr mehlreich und fchwer ift. Gerfte jedoch, welche vorzüglich und reich gedeiht, und das ausfchliefsliche Körnerfutter für Pferd, Efel und Maulthier bildet, war nur in einem fchlechten Mufter( Varietät, fchwarze Gerfte) eingefchickt. Obwohl leichter im Korn, wird diefe Varietät wegen des reichlichen Ertrages als Viehfutter häufig angebaut. Beffer waren die Reis forten gefchält und ungefchält( Scheltuk), ausgeftellt. Wir fanden eine der vorzüglichften Sorten in dem fogenannten Tfchampé von Schiraz, und in dem für das Nationalgericht Pillaw fo beliebten Amberbu von Mafanderan, mit welchem auch die Hauptftadt faft ausfchliefslich ihren Bedarf deckt. Auch andere, minder beliebte fchleimige und ftark aufquellende Sorten waren unter den Muftern. Von Mais war nur ein Exemplar fehr mittlerer Qualität vorhanden, auch ift der Anbau diefer Fruchtgattung fehr gering und vernachläffigt. Ebenfo ift DuraHirfe, Sorghum, nur auf die Küftenftriche des Cafpifees, befchränkt, daher auch von dort das eingefchickte Mufter. Einen wichtigen Beftandtheil der Volksnahrung bilden die verfchiedenen Leguminofen früchte, befonders die Küchenerbfen, die verfchiedenen Bohnen, die Faseolus mungo, die Linfen; von allen diefen waren Exemplare, obwohl nicht erfter Qualität in der Sammlung, ebenfo zwei Lathyrusarten von Kirmanfchah zum Viehfutter. Von den vortrefflichen, im Lande gedeihenden Gemüfen find die Samen, und zwar im guten, keimungsfähigen Zuftande eingefchickt worden; von verfchiedenen Lactucaforten, von der in Perfien fo vorzüglichen, nicht bitteren Eierfrucht ( melanogena), von Möhren, Fenchel, Dill, Coriander, fchwarzem und grünem Kümmel( carum nigrum et virescens), von Rettich, Gartenkreffen, der Bergzwiebel( allium ampeloprasum), Spinat, rothen Rüben( beta) und Gurken. Bei dem Reichthume an Kernobft und getrockneten Früchten, Roobs und Conferven, welche auch eine lohnende Ausfuhr gewähren, hätten wir eine ausgiebigere Sendung aus verfchiedenen Gegenden gewünſcht, um ein vollftändiges Bild von der Production nach verfchiedenen Klimaten und Meereshöhen zu erlangen; doch wir fanden uns in der Erwartung etwas getäuscht. Wir fahen nur mehrere Sorten Mandeln, vorzügliche Piftazien, mehrere Sorten Rofinen und Korinthen, die zu Conferven beliebten Berberisfrüchte, Aprikofen, Nüffe und confervirte Cedraten. Die im Lande fo wohl gedeihenden Cucurbitaceen find durch ihre Samen repräfentirt. Nebft den gewöhnlichen Gewürzen aus der Familie der Doldenblüthen, war noch der Saffran von Choraffan, die gemahlenen Früchte von Rhus coriaria als Zufatz zum Braten, die Nigella und der weifse Mohn, Samen des Papaver orientalis, als Streugewürze auf Brotfladen, vorhanden. Die öligen Samen waren durch Ricinus in mehreren Muftern, durch. Lein-, Sesam-, Eruca- und Baumwoll- Samen vertreten. Die Färbeftoffe waren durch vorzüglichen Krapp, Saflor, Henna, Indigofera, Delphinium camptocarpum und Kreuzbeeren, die Gärbeftoffe durch vier Gallenarten und Baft der kurdiftanifchen Eiche anfchaulich. Von Manna, Gummi- und Amylumftoffen fanden fich das Tragant- und Pflaumengummi, der vorzügliche Klebeftoff Serisch 38 Dr. J. E. Polak. ( Eremurus caucasicus), die Tighalmanna und das fehr beliebte, als Genufsmittel gebräuchliche Terendschebin( Exsudation der kurdiftanifchen Eiche) und Salep. Von den fo berühmten, den Lande eigenthümlichen Harzen wurden nur Ammoniakgummi und Sakkis, das ift das Terpentin von Pistacea lentiscus eingefchickt. Durch vorzügliche Mufter aus verfchiedenen Theilen des Reiches war Opium vertreten, während der ebenfo vorzügliche Tabak( Tombaki), eine Hauptquelle der Landeseinnahmen, nur durch unzureichende zerbröckelte Stücke dargeftellt wurde. Schöne Bau-, Fournir- und Nutzhölzer fchickten die Provinzen am Caspifee, ebenfo die Provinzen Kafchan und Kirmanfchah. Während für fchöne Mufter von Rohfeide aus Gelan und Yezd Sorge getragen wurde, waren jene von Baumwolle, Wolle, Ziegen- und Angorawolle fo fchlechter Wahl, dafs fie nur einen unklaren Begriff von der grofsen Production diefer Stoffe gewährten. Prima Qualität ift auch die vom Küftenlande eingefchickte Jute, welcher eine bedeutende Zukunft bevorfteht, die jedoch bisher nur zur Erzeugung von Bindfaden verwendet wird. IV. Gruppe. Die Nahrungsmittel als Producte der Induftrie, die im Lande durch vorzügliche Effig- und Zuckerconferven, Conditoreien, Mannaküchen- Milchproducte, durch das in Fett confervirte Fleiſch( Gurmeh) repräfentirt ift, bot in unferer Abtheilung nur Mufter von Rohzucker aus Gilan und Mafanderan, welche eben nur andeuteten, wie diefer edle Stoff mifshandelt, und was daraus durch ein rationelles Verfahren gewonnen werden könnte. Mehrere Conferven von Oliven fowohl in Effig als auch in Oel gaben den Beweis der fchönen Früchte und des edlen Oels, welches einen fchönen Ertrag verfpricht. Ein faurer Molkenkäfe ( Kara grut) diente als Repräfentant der Verwendung der Milchabfälle. Eine Conferve der Früchte Diospyros lotos aus Mafanderan war feiner Neuheit wegen beachtenswerth. Der Caviar erfter Qualität und mehrere geräucherte Fifche von der Gattung Lachs, Haufen und Karpfen erinnerten an den beifpiellofen Fifchreichthum der Zuflüffe des Cafpifees und an den reichen Ertrag und Stoff zur Volksnahrung, den fie gewähren könnten; jedoch ift der Genufs von allen Knorpelfifchen und deren Producten gefetzlich verpönt. V. Gruppe. Die Textil- und Bekleidungsinduftrie war der Sache gemäfs am beften repräfentirt und fie drückte beinahe der ganzen perfifchen Ausftellung den Stempel dermafsen auf, dafs der gewöhnliche Befchauer faft nur diefelbe berücksichtigte. Mit Ausnahme des Seidenteppichs, deffen Fabrication feit etwa 100 Jahren ganz aufgegeben ift, und deffen Blüthezeit in die Periode der Safi- Dynaftie fällt, waren die Wollteppiche in allen Webearten, Längen, Fabriksorten und Qualitäten dargestellt. Befonders feffelten die fogenannten Bett- Teppiche aus Kurdistan und Siftan. Kunftkenner und Phyfiologen, die fich mit Farbenlehre befchäftigen, erklärten einftimmig, dafs die Farbenzufammenftellung und die Mufter das Gefchmackvollfte und Correctefte in der Art bieten. Leider ftehen diefer fo fchönen Fabrication zwei Klippen entgegen, die wohl im Auge zu behalten find, weil fie mit der Zeit die eigenthümliche Induftrie zu zerftören geeignet wären. 1. Die Anwendung der Anilinfarben, welche die Teppiche wegen ihres zu grellen Tons und wegen der Unbeftändigkeit nicht vertragen. 2. Die Aufträge europäiſcher Kaufleute, ihnen nach gegebenem Mufter Waare zu liefern. Es ift leider eine traurige Erfahrung, dafs ebenfo wie die Indianer beim Contracte mit Europäern nach und nach, felbft bei der humanften Behandlung, zu Grunde gehen, ebenfo wird der natürliche Gefchmack und der Farbenfinn der Orientalen verdorben, wie fie europäifche Art und Weife nachahmen wollen. Die Filze zeichnen fich durch Dichtigkeit, fchöne einverleibte Mufter und Billigkeit aus. Ihr bedeutendes Perfien. 39 Gewicht und die Vorficht, die nothwendig wird, um fie vor Mottenfrafs zu schützen, verhindern derzeit noch den Export. Die Shawls, obwohl nicht durch die fchönften Exemplare repräfentirt gewefen, zeichnen fich gerade wie die Teppiche durch gefällige Mufter, Qualität, wodurch fie den indifchen am nächften ſtehen, und billigen Preis vor anderen aus. Repräfentanten aus Kerman Yezd und Mefched waren vorräthig. Leider zeigte eine mehrmonatliche Erfahrung, dafs das grofse Publicum an die fchreienden Farben und Mufter der europäifchen Shawls gewöhnt, für diefe vortreffliche Waare nur wenig Sinn äufserte und fie im Vorbeigehen kaum eines Blickes würdigte. Auch für die inländifche Shawlfabrication find die oben bezeichneten Klippen gefährlich. Von fonftigen Wollfabricaten waren die fchmiegfamen Berekflanelle aus Kameelhaar beachtenswerth, die Theuerung des Erzeugniffes und der faft unvermeidliche Mottenfrafs wird doch kaum je einen Export erlauben. Ebenfo werden die abbaï- und thibetartigen Gewebe( Aghri), obwohl fie fich durch Dauerhaftigkeit, Wafferdichte und eingewebte Goldfaden auszeichnen, wohl für Burnus und Talare geeignet find, doch kaum je einen Gegenftand des Exports bilden. Wir erwähnten fchon, dafs die Baumwoll induftrie die europäiſche Concurrenz nicht zu beftehen vermöge, dies wurde auch durch die eingefchickten Waaren vollends beftätigt. Sie war ärmlich bedacht, wir fanden zwar noch einige prächtige Pers- oder Indienne- Stoffe( Kalamkar), die durch mufterhaften Handdruck und feine Zeichnung herrorragten, und auch rafch Kenner und Käufer herbeizogen, doch waren die Nankings( Gadek), ein Haupt- Bekleidungsftoff der mittleren Claffen, und die Rohcattune( Kerbas) gar nicht vertreten. Mag diefes auch nur Zufall fein, dafs fie vergeffen wurden, fo gab doch der Rückgang der Erzeugung einige Berechtigung dazu. Viel Anklang haben die neuen Portière- Stoffe aus Baumwolle und Wolle durch ihr fhawlartiges Ausfehen und Billigkeit gefunden. Gleich in den erften Tagen haben Liebhaber und Kenner fie zur Nachahmung angekauft. Gerade wie mit den Baumwoll- verhält es fich auch mit den Seidenerzeugniffen. Wir fanden nur die fchön fchillernden, fchweren, fhawlartigen Seidenftoffe( Tirmehnæma) die kleinmuftrigen Halbatlaffe( Gatni) und Halbfammt von Kafchan der Beachtung würdig, während die anderen Stoffe durch ungleiches Gewebe, Glanzlofigkeit, Ungleichheit des Fadens und fchlechte Appretur auffielen, und als Beiſpiel der Vergeudung des erften Materiales der Bekleidung dienten. Ja, in gemifchten Geweben war die Seide fo unvortheilhaft angebracht, dafs man nur durch Prüfung ihrer gewahr wurde. Nebft Teppichen war die Ausftellung am beften durch mofaikartige Zufammenftellung von verfchieden farbigen Tuchforten( Tuchmofaik) vertreten. Diefe Fabrication wird fchwunghaft in Refcht betrieben. Die gefchmackvolle Zufammenftellung der Farben, das tadellofe Einnähen und die Tambourirung zeichnen die Waare aus. Doch hat die Erfahrung gelehrt, dafs, fo fehr auch das einzelne Stück gefallen mag, es doch gefchieht, wenn viele Waare dem Anfchauer fich bietet, diefer durch die grellen Tuchmufter ermüdet und unbefriedigt vorbei zieht. Der geringe Zufpruch für die Maffe trotz der Schönheit jedes einzelnen Stückes hat das Gefagte beftätigt. Die Stickereien und Strumpfftrickereien, als eigentliche Arbeit der Haremfrauen, haben überall durch liebliche Mufter, fleifsige Ausführung und Anfpruchslofigkeit Anerkennung, Nachahmung und Käufer für Muſeen gefunden. An den ausgeftellten Bekleidungsftücken ift der Einflufs europäifcher Moden nur durch verwendete abendländifche Stoffe und Goldfchnüre erfichtlich, in Wirklichkeit ist jedoch die Aufnahme neuer Kleiderformen nach europäiſchem Schnitt, felbft unter Frauen des Harems im fichtlichem Auffchwung begriffen. Zu den Coftumen beiderlei Gefchlechtes ift viel Seide und Shawl verwendet. Der Abgang einer jeden Halsbinde, felbft des Hemdkragens ift charakteriftifch, aber auch für die Gefundheit von befonderem Nutzen; lei derift auch diefer fchöne Gebrauch in Abnahme begriffen. Die berühmte Lammfell- Mütze wurde durch ein fumptuarifches Gefetz verpönt und durch dicke Tuchmützen erfetzt, welches auch nicht befonders zur Förderung der inländifchen Lammcultur beiträgt. 40 D. J. E. Polak. Da das Schuhwerk im Lande unter der Mittelmäfsigkeit fteht, wurde die Fufsbekleidung nur durch einige fchöne Sandalen aus Sendfchan, Priefterfchuhe aus Chagrinleder und durch die für Bergbewohner fehr geeigneten Giwèfchuhe mit comprimirten Baumwollftoff- Sohlen dargestellt. VI. Gruppe. Der Handel mit Fellen ift bei Weitem nicht fo ausgedehnt, als er es verdient, viel koftbares Material geht noch zu Grunde. Die fatalen Begriffe von religiös Reinem und Unreinem ftehen hindernd entgegen. So ift die Benützung der Felle von Hirfch, Reh, Steinbock, Gemfe, Gazelle und Argalifchaf verfchwindend gering. In der Sammlung fanden fich jedoch die Häute von Luchs, Fifchotter, Marder, wilder Katze, Fuchs und die fogenannten Aftrakan- Lammfelle von Schiraz und Kum. In letzter Zeit begann auf Anregung europäiſcher Kaufleute der Handel mit Schwan- und Mövenhäuten, aufserdem werden die fchillernden Köpfe von wilden Enten gegärbt und künftlich zu Pelz zufammengefügt, wovon auch Exemplare auf der Ausftellung zu fehen waren. Leder als folches war gar nicht vertreten, obwohl das inländifche Chagrin- und Saffianleder und das mit bedruckten Muftern verfehene, wie es zu Tafchnerarbeiten Verwendung findet, gewifs eine Beachtung verdient hätte. VII. Gruppe. Die verhältnifsmäfsig ausgedehnte Metallinduftrie fand zumeift in Broncegefäfsen und Damascen- Stahlarbeiten früherer Zeit, Waffen und Rüftungen ihre Repräfentanten. Sie find wegen des feinen Materials, ihrer künftlerifchen Ausführung und Anwendung von fchönen Gravirungen und Goldtaufchirung fchon. vielfach bekannt und berühmt. Auch diefer fchöne Induftriezweig ift wegen der Concurrenz in Abnahme begriffen; fchöne Stücke werden nur auf Beftellung ausgeführt( fo die in vorzüglichem Stil gehaltene Bettelfchale aus Damascenftahl der Sammlung), die Meifter bilden nicht mehr wie früher einen kräftigen Nachwuchs. Von neueren Metallarbeiten für Gebrauchsgegenstände wurde nichts eingefchickt, obwohl die Kupfer- und Zinkarbeiten von Kafchan, die Stahlwaaren von Isfahan ( europäiſche Nachahmung von Federmeffern, Flinten, Piftolen etc.) immer eine Berücksichtigung verdient hätten. Von Silberwaaren find nur einige Filigranarbeiten von Sendfchan der Erwähnung werth, da die anderen Gebrauchsgegenftände aus edlen Metallen kaum über die Mittelmäfsigkeit fich erhoben. VIII. Gruppe. Beim Fehlen von Möbeln faft aller Art in der perfifchen Wohnung konnte natürlich die Holzinduftrie fich nicht entwickeln. Wir finden daher die Tifchlerei als primitivftes Handwerk, der künftliche Anftrich ift auch faft unbekannt. Nur in Schnitzereien in Birn- und Buxholz, auch auf Cocosnüffen wird Vorzügliches geleiftet. Es find wieder Blumen, Arabesken, Löwen und Hirfche, die in origineller Zufammenftellung fich gefällig präfentiren. Schön find auch die in geometrifche Anordnung verfchiedener Holzftücke geformten Couliffenfenfter, von denen zwei Stück, für den perfifchen Pavillon beftimmt, der Anficht vorlagen. Eine ähnliche Anordnung der Fenfter ift durch den ganzen Orient üblich, fie finden Anwendung in den fogenannten Mafchrubies Egyptens; doch ift die petfifche Arbeit die originellfte. Als Nachahmung der indifchen und chinefifchen Kunft von Boule find auch in Perfien verfchiedene Gebrauchsgegenstände in Boule ausgeführt. Die netten geometrifchen Figuren, die Verfchmelzung von Horn, Bein, weifsem und gelbem Metall zeichnen die perfifchen Erzeugniffe aus. Diefe fo leichte Kunft Perfien. 41 verdient bei unferen Luxusmöbeln eine gröfsere Anwendung, als fie bisher gefunden, da meines Wiffens nur Venedig Anerkennenswerthes leiftet. IX. Gruppe. Die einft fo berühmten Terracotten, Fayencen und Thongefchirre waren nur durch ältere Gefäfse und Fayenceziegeln repräfentirt.( Sie wurden nachträglich eingefchickt und find daher im Katalog nicht aufgenommen.) Diefe Kunft und felbft die Kenntnifs ihres einftigen Beftandes im Lande ift fo gründlich vergeffen, dafs von den vielen hier anwefenden perfifchen Gäften, felbft von Ausstellern felber nicht angegeben werden konnte, woher fie ftammen; doch dürfte nach meiner Anficht Isfahan als Fundort gelten, da Aehnliches in Mofcheen und Häufern dort viel zu fchauen ift. Jetzt erzeugt nur Kafchan mittlere Waare. Von den Alcarazas, den erften der Welt, wie fie noch jetzt Kum erzeugt, fanden wir nichts ausgeftellt, wahrfcheinlich mochte die Billigkeit und Allgemeinheit der Waare ihre Ueberflüffigkeit vorgefpiegelt haben. Nette Gefäfse aus Thonfchiefer mit den bekannten Arabesken werden auch in Choraffan erzeugt und davon auch Mufter zur Anficht geboten. Eine beffere Arbeit von demfelben Fundort bietet jedoch das k. k. mineralogifche Cabinet in Wien. XII. Gruppe. Graphifche Künfte und gewerbliches Zeichnen. Da, wie erwähnt, keine Buchdruckerei und keine gewerblichen Schulen im Lande vorhanden find, auch die vielen Werke, die entweder auf Koften der Regierung oder durch Privatunternehmung lithographirt wurden, nicht vertreten waren, fo blieben für diefe Gruppe nur die Malereien auf Gebrauchsgegenständen und die Graveurarbeiten. Beide werden vorzüglich in Schiraz und Isfahan cultivirt, wo überhaupt die meifte Kunft und Gefchmack im Lande herrfchen. Die Malereien auf Pappe find wegen ihrer fchönen Farben, gefälliger Zeichnung und des dauerhaften Firniffes, der fie deckt, fehr gefchätzt. Ausserdem find die Randverzierungen und Titelfeiten in Manufcripten häufig von unübertrefflicher Eleganz und Pracht; weniger entsprechend find die eingelegten Miniaturen, wo an Figuren die Fehler der Perfpective fichtbar werden. Die Wichtigkeit des Siegels auf jeder Urkunde und jedem Schriftftück, welches die Namensunterfchrift vollkommen erfetzt, bewirkt es, dafs auf das Petfchaft eine befondere Sorgfalt verwendet wird, um es vor Nachahmung zu fchützen, daher auch die Graveurkunft fehr cultivirt wird und perfifche Meifter im ganzen Orient fehr gefucht find. Käftchen, Spiegelrahmen, Büchereinbände, Muftertafeln, Siegel- und Amulettfteine fanden eine reichliche Anerkennung und verfchafften ihnen den Ankauf für Mufeen. XIV. Gruppe. Wiffenfchaftliche Inftrumente. Auch diefe ftammen aus früherer Zeit, während die jetzigen in der neuen Akademie verwendbaren aus Europa ein geführt find. Bekanntlich ging aus der Aftrologie, welche fich meift an den Höfen mit Stellung des Horofkops und Sterndeuterei befchäftigte, die Sternkunde oder Aftronomie hervor. Befonders waren es im 14. und 15. Jahrhundert Männer in Perfien und Samarkand, welche die ftreng wiffenfchaftliche Richtung anbahnten. Die Tafeln von Chadfché Naffir, bekannt unter dem Namen der Tafeln von Ulug Bek, genoffen einen grofsen Ruf. Viele mathematifche Inftrumente, mit befonderer Präcifion ausgeführt, gehören diefer Periode an, zu diefer zählten die Aftrolabien unferer Ausftellung, vom Unterrichtsminifter, dem Prinzen Ali Kuli Mirza, eingefchickt. In der letzten Zeit trat allerdings wieder ein Rückfchlag ein, die Aftrologie nahm über die Aftronomie die Oberhand. Nebft den Aftrolabien ift auch 24 Dr. J. E. Polak. ein Compafs mit der Windrofe vorhanden gewefen, für deffen Erfindung und Anwendung bekanntlich die Orientalen die Priorität beanspruchen. XV. Gruppe. Von mufikalifchen Inftrumenten waren nur eine Cymbel( Santur), eine vierfaitige( Metallfaiten-) Guitarre mit Refonanzbogen aus Pergament( Tar) eine zweifaitige Geige mit Bogen( Kamandfcheh), zwei Handpauken und ein Tamburin ausgeftellt, welche auch die jetzt im Land üblichen muſikaliſchen Inftrumente erfchöpfen. XVI. Gruppe. Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswefen. Wenn jede Nation das Befte an Producten, Induſtrie, Kunft und Bildungsmitteln eingefendet, fo mufste Perfien darauf bedacht fein, die Werke feiner grofsen Autoren, die für immer den Stolz des Landes bilden, feine fchönfte Blüthe repräfentiren und deren Studium bis auf die neuefte Zeit den Grund der guten Erziehung ausmacht, für die Weltausftellung einzufchicken. Es wurden nebftbei auch Exemplare gewählt, die durch die ausgezeichnete Schrift, den eleganten Einband, Rand und Titelblatt, Verzierung, Vergoldung, Papier, eingelegte Miniaturbilder und Einrahmung als Unica daftehen. Mit Ausnahme von Ferdufi und den Hiftorikern waren didaktifche und epifche Poefie, Mathematik, Philofophie, Medicin und Lexikographie durch die beften Mufter vertreten. Die Schreibekunft, als wichtiger Zweig der Erziehung, deren elegante Ausführung die fleifsige Uebung von vielen Jahren erfordert, wurde durch Mufterblätter erfter Meifter dargestellt. Unter Anderem waren auch vier kalligraphifche Tableaux mit blumiger Schrift eingefchickt, welche durch künftlerifche Stellung der orientalifchen Buchstaben und ihrer Ausfchmückung mit Blumengewinden fich hervorthaten. Additionelle Ausstellung. Um die Reihe der orientalifchen Bauten zu vervollſtändigen, oder vielmehr um eine Idee der Ausfchmückung des perfifchen Palaftes nach jüngftem Gefchmack zu bieten, wurde der perfifche Pavillon gebaut. Wir wollen hier nur von der Decoration fprechen, da nur fie fpecififch dem Lande angehört, während der ganze Bau mehr dem europäifchen Gefchmack adaptirt war. So z. B. findet fich im ganzen Reiche keine einzige Treppe( mit etwaiger Ausnahme derer, die zum Palafte von Perfepolis führen), die fo kunftgerecht und bequem ausgeführt wäre, als die des Pavillons. Die Façade des Rifalits, durch ein ftark ausgelegtes Hauptgefims gekrönt, war reich mit facettirtem Spiegelglas, Ornamenten, abwechſelnd mit prächtig in Gyps ausgearbeiteten Arabesken, Cartuchen und Medaillons gefchmückt. Die Medaillons waren von der gefchickten Hand des Malers mit lieblichen Blumenfträufschen bedeckt. Eine Marquife fchützte die Façade vor Regen und grellem Sonnenfchein. Letzterer wurde aufserdem noch durch einen kräftigen, hohen und belaubten Baum gemildert. Ueber dem Hauptgefims erhob fich ein arkadenartiges, von zwei trappenartigen Vögeln flankirtes Medaillon, worin das Staatswappen( Löwe mit aufgehender Sonne) fichtbar wurde. Die Flügelfaçaden waren einfach gehalten, fie dienen theils zur Ergänzung, theils um den Uebergang zur Hauptfaçade in decorativer Beziehung zu vermitteln. Selbftverftändlich wurde die gröfste Sorgfalt auf die Ausfchmückung des Empfangsfalons verwendet. Der Plafond, in ähnlichem Styl wie die Façade, nur reicher, war aus Spiegelfacetten gebildet, die durch ihre Anordnung in verfchiedenen geometrifchen Figuren und Rofen fich auszeichneten, zwifchen denen Gewinde, Arabesken und Blumen in zarter Arbeit fich fchlangen. Rings um die Mitte war ein Kreis von glatten Spiegelflächen, auf denen verfchiedene colorirte Fifche dem Perfien. 43 Ganzen eine wohlthuende Abwechslung verliehen. Die Seitenwände, ebenfalls mit Spiegeln facettirt, wiefen nahe dem Plafond eine Doppelreihe von ftalaktitenartigen Arbeiten, in deren Vertiefung ftets ein finniges Blumenfträufschen ruhte. Die zwei einander gegenüber liegenden Nifchen wurden durch das Porträt Seiner Majeftät des Schah und durch einen ornamentalen Kamin und durch einen grofsen Spiegel ausgefüllt. Eine Glasthür trennte den Salon vom Balcon, von welchem man eine fchöne Fernficht fowohl auf die fämmtlichen orientalen Bauten, als auch auf den üppigen Praterpark genofs. Die zweite additionelle Ausftellung bildete ein vor Jahren eingefchicktes Zelt. Diefes fogenannte Generalzelt( Mirpendfch) befteht aus einem inneren und äufseren Zelt, welche beide durch einen Tragbalken gehalten werden. Das äufsere ift aus fefter Baumwoll- Leinwand( Kerbas) gefertigt und ift auf der Aufsenfeite durch aufgenähte Figuren in blauer Leinwand decorirt. Es ftellt ein Viereck vor, deffen vier Winkel durch Thüren, mit Indienne gefüttert, abgeftumpft find, fo dafs eigentlich ein Achteck entſteht( daher der Name hefchti, acht). Sein LängenDurchmeffer mifst nahe an zehn, fein Breiten Durchmeffer nahe an neun Meter. In der Mitte der beiden Längenwände befinden fich drei Portale, die durch Portièren zu fchliefsen find. Das Innenzelt, aus rother Leinwand gefertigt, ift nach innen mit Refchter Portièren- Seidenftoff gefüttert; aufserdem am Ueber gang des Daches zu den Wänden durch Draperie mit Troddeln gefchmückt. Der freie Raum( Tabel) zwifchen dem inneren und äufseren Zelt beträgt 1½ Meter. Die Stricke zum Fixiren der beiden Zelte find theils wegen der Schönheit, theils um Irrung zu verhüten, verfchiedenfärbig. Der Balken und die Trageftangen find ganz mit Malereien bedeckt. Das Doppelzelt hat den Zweck des ausgiebigeren Schutzes gegen Regen und ftarken Sonnenbrand, gegen welchen auch das öftere Begiefsen des äufseren Zeltes und die Verdunftung viel beiträgt. Um jedoch in Wien den Zutritt von Fremden zu verhindern, wurde auch eine nothwendige Quantität von fogenannten fpanifchen Wänden, durch Stricke fixirbar, eingefchickt, durch deren Aufftellung das Zelt von einem weiten Hof umgeben und abgegrenzt wurde. Die Solidität des Objectes erprobte fich am beften dadurch, dafs trotz eines Orkans diefes nicht im mindeſten dadurch gelitten hatte. Handel, Ein- und Ausfuhr. Der Handel Perfiens findet zumeift mit Rufsland und dem übrigen Europa mit der europäifchen und afiatifchen Türkei und Indien ftatt; in geringerem Mafse mit den Nachbarländern, mit Turkeftan, Afghaniſtan, Siftan, Beludfchiftan und Mafcat. Den Handel mit Rufsland vermitteln meift Tabris durch Karawanen nach Tiflis und Aftara am Cafpifee, aufserdem die Hafenplätze am Cafpifee, vorFür den Handel mit züglich Enzeli- Refcht, Mafchtifer Balafrufch und Aftrabad. der Türkei und Europa dient auch zumeift Tabris durch den Karawanenweg nach Trapezunt, feltener durch die Kaukafusftrafse und Poti. Ueber Kermanfchah nimmt der Handel nach Bagdad feine Richtung. Waarentransporte nach Indien gefchehen durch die beiden Hafenplätze Bender- Bufchir und Bender Abbas. Für Turkeftan und Afhganiftan ift Mefchhed die Haupteinfall- Station, während Kirman Von den kleineren den geringen Handel mit Siftan und Beludfchiftan führt. Hafen am perfifchen Golf bringen arabifche Barken Waaren ins füdliche Arabien, in die Stationen des rothen Meeres und felbft nach Egypten. Trotzdem ganz genaue ftatiftifche Daten über Ex- und Import nicht vorhanden find, fo ift doch aus dem Vergleich der gegebenen Confulartabellen erfichtlich, dafs der Import durchfchnittlich zwifchen 16 und 18 Millionen Gulden variirt, und dafs der Export in guten Jahren den Import übertrifft, woher auch die edlen Metalle ftammen, die im Lande circuliren. Die oben genannte Summe 44 Dr. J. E. Polak. kann auch annähernd auf andere Weife deducirt werden. Bekanntlich wird fowohl von den ex- als auch importirten Waaren 5 Percent des Werthes an der Grenze als Zoll erhoben, nun wurde die Douane von Tabris, die faft drei Viertel des gefammten Handels umfafst, jährlich um 250.000 Toman, beiläufig 3 Millionen Francs verpachtet, welche Summe dem Waarenwerth von 60 Millionen entspricht, hiemit für den Import die Hälfte, alfo 30 Millionen oder 12 Millionen Gulden. In den letzten Jahren nahm jedoch durch anhaltende Dürre, Mangel an Getreide, die Seidenraupen- Krankheit, Verminderung des Viehftandes wegen Mangels an Futter, fowohl der Ex- als auch der Import, insbefondere der erfte bedeutend ab. Tabris, auf der Karawanenftrafse nach Trapezunt und Tiflis gelegen, aufserdem in 8 Tagen vom Cafpifee erreichbar, Hauptftadt der fruchtbaren Provinz Azabeidfchan, mit einer Bevölkerung von 150.000 Seelen, worunter an 2500 perfifche und ruffifche Armenier, ift der wichtigfte Handelsplatz des Landes fowohl für Ausals auch Einfuhr. Handelsplätze zweiter Kategorie find Refcht, Belafrufch, Isfahan, Schiraz, Yezd, Kirman, Mefchhed. Teheran, die Hauptftadt, bildet nur einen Platz untergeordneter Bedeutung, es finden fich blofs dort Succurfalen anderer Plätze. Direct gefchieht der Handel mit Rufsland, England, Türkei und Indien, während er mit den anderen Reichen Europas meift indirect durch Conftantinopel ftattfindet. Ueber die Bedeutung, welche in dem künftigen Welthandel den Städten Muhamereh am Golf und Mefchhed zugewiefen ift, haben wir fchon früher( fiehe Communicationsmittel) ausführlich gefprochen. Die HauptExportartikel Perfiens find Rohfeide, Seidenabfälle, Tombaki Tabak, Opium, wollene Webeftoffe, getrocknete Früchte und Baumwolle; Kaviar und Haufenblafe, welche beide Artikel an ruffifche Kaufleute verpachtet find. Die HauptImportartikel: Baumwoll- Manufacturen, Glas und Porzellan, Tuch, Zucker, Thee, Roheifen und Kupfer. Wenn wir die einzelnen Artikel der Reihe nach aufzählen, fo exportirt Perfien: Schiffbau- Holz, befonders Maftbäume nach Rufsland, Buxholz nach Rufsland und Europa, getrocknete Früchte, wie: trockene Trauben, Aprikofen, Mandeln, Piftazien, Orangen, Citronen nach Rufsland; Getreide und Reis, in guten Jahren, in den Kaukafus und Bagdad, erfteres auch nach Indien; Färbeftoffe, wie: Krapp, Kreuzbeeren, Saflor, Henna, Galläpfel nach Rufsland und Europa überhaupt. Harze, wie: Sakkis( Terebinthina), Ammoniacum, Galbanum Sagapennum, Afa foetida nach Europa, letzteres viel nach Indien, wo es als Würze gebraucht wird. Tragantgummi, Salep nach Europa; Opium nach Indien; Tombaki- Tabak nach der Türkei und Egypten, Rohfeide nach Frankreich, Rufsland und Bagdad; Baumwolle bei anziehenden Preifen nach Rufsland und dem übrigen Europa; Buchara- und Felle anderer wilden Thiere nach Rufsland; Wolle, in manchen Jahren nach Europa; Ziegenhaar nach Indien; Shawls in die Türkei; Teppiche nach der Türkei, Europa und Egypten; Nanking und gedruckte Stoffe nach dem Kaukafus; Seidenthawls und Türkife nach Rufsland; Rofenwaffer, Pferde, Sefamöl und etwas Wein nach Indien; Klebeftoff( Serifch), Weichfelrohre, Schwefelantimon und Auripigment in die Türkei; Kaviar, Haufenblafen nach Rufsland; alte Münzen und gefchnittene Steine aus Ekbatana, Perfepolis, Rages nach Europa; Tuchmofaik meift nach Rufsland. Perfien importirt aus Bagdad: Edle Pferde, Kameele. Datteln, Senna, Abbamäntel, etwas Kaffee und Reliquienerde( aus Kabelah bei Bagdad). Aus Mafcat: Eine geringe Anzahl Sklaven und Eunuchen* * Der Sklavenhandel war in Perfien nie von Bedeutung, zumal aufser dem Kauf von einer eigentlichen Sklaverei nie die Rede fein konnte, weil das Individuum als Mitglied des Haufes betrachtet, verehlicht und in der Familie verforgt wurde. Der Weiterverkauf wurde immer als fchändlich angefehen. Im Falle eines ftörrigen Wefens, wie es häufig bei Schwarzen vorkommt, wurde er einfach ohne Freibrief aus dem Haufe gejagt. Dank dem ruffifchen Fortfchritt in Turkeftan hörte endlich der Menfchenraub in Chorafsan und der Verkauf der Geraubten nach Chiwa und Buchara der Grund der Entvölkerung jener Gegenden jetzt gänzlich auf. Perfien. 45 Aus Turkeft an: Tibetftoff und Berekflanell, weniger Teppiche, Turkoman- Pferde, geftreifte Seidenftoffe( Alitfchek), echte Bucharafelle, Lapis lazuli und Rubis balais. Aus Indien und den Infeln: Indigo, Färbehölzer, Lacke, Gewürze, Kaffee, Thee, Mangoconferve, Drogen, Rohzucker, Elfenbein, feine Shawls, Rubinen, Diamanten, Saphire und Ceylon- Granaten. Aus China: Thee, Kampher, Porzellan, Ingwer. Aus Japan: Seidenraupen- Eier( grains) in manchen Jahren. Aus Rufsland: Tuch, Glas- und Porzellanwaaren, Roh- und Gufseifen, Kupfer, Theekeffel, Bleche, Nägel, Papier, Stearinkerzen, Pelzwerk, Leder. Aus England: Cottonaden, Rohcottone, Muffeline, Weifsbleche, Porzellan, Stahlwaaren, Jagdflinten. Aus Frankreich: Seidenwaaren, Sammte, Weine, Goldborten, Muffeline, Parfumerien, den meiften Zucker und Chinin. Aus der Schweiz: Gedruckte Cottone, Uhren. Aus Holland: Thee, Kaffee, Zucker, Kermes. Aus Belgien: Waffen, Gläfer, Kryftalle, Spiegel. Aus Oefterreich und Deutfchland: Tuch, Tuchftoffe, Wollwaaren, Quincaillerie, Zündwaaren, Borten, Halb- Seidenftoffe, Glas, Spiegel, Porzellan, Chinin, Schuhe, Papier, illuftrirte Bilder, Wirkwaaren, Blasinftrumente. Der perfifche Kaufmann ift thätig und unternehmend, er zieht des Handels wegen leicht in die Fremde, felbft in ferne Gegenden, wo ihn das Gefchäft oft jahrelang zurückhält, fo nach Egypten, Nubien, Indien und China, mit Vorliebe jedoch nach Tiflis, Nifchno- Nowgorod, Erzerum, Trapezunt, Conftantinopel, Damascus und Cairo. Zurückhaltend und vorfichtig beim Antritt eines Gefchäftes hält er nach Möglichkeit die eingegangenen Verbindlichkeiten, wenn auch in Zahlung nicht immer pünktlich, fo find doch Bankerotte äufserft felten, im fchlimmften Fall ftellt er die empfangenen Waaren zurück. Dem Umftande, dafs perfifche Kaufleute die Gefchäfte felber beforgen, und weil der Gefammthandel des Landes bislang nicht fehr bedeutend ift, mag es zugefchrieben werden, dafs fo wenige Das Welthaus Ralli, europäifche Häufer direct durch Firmen vertreten find. welches früher faft den Seidenhandel monopolifirt hatte, liquidirte in Folge der abnehmenden Seidenernte. Jetzt beftehen nur in Tabris das Schweizer Grofshandlungs- Haus Ziegler& Comp. und die zwei Conftantinopolitaner Häufer Karagozian, Haritonidis frère& Comp., vulgo Tfchelebi und Savatfchoglu. perfifchen Häufern dafelbft find namhaft: Hadfchi Mir Mehmet Huffein als Exporteur von Seide und Importeur von Waaren aus Conftantinopel im Betrage von I Million jährlich und Hadfchi Mehmed Ibrahim für Ausfuhr von Seide, Tombacki, Baumwolle, Opium, Shawls, Teppichen etc. im Werthe von 12 Million Francs jährlich. Von Die Regierung erhebt als Zoll fowohl für Artikel des Ex- als Imports 5 Percent in natura, jedoch wird für die Naturleiftung ein Entgelt nach beftimmter Modalität angenommen. Die Douane ift meift verpachtet; es beftehen zwifchen den Pächtern und den bedeutenden Kaufleuten befondere Verträge, die jährlich erneuert werden. Befteht kein befonderer Vertrag, fo wird von Fall zu Fall wegen des zu leiftenden Entgelts verhandelt. Sehr beläftigend für den Handel ift das Weggeld( Rahdari), welches in jeder gröfseren Stadt von jeder Ladung erhoben wird, fo dafs z. B. eine Waare, welche von Schiraz nach Choi paffirt, dasfelbe an 15 Mal entrichten mufs. Bei Verkäufen wird Credit von 8 Monaten gewährt oder fie werden auf Gefchäfte gegen 2 bis 3 Monate Zeit mit 4 bis 5 Percent Sconto abgefchloffen. Baarzahlung kommen äufserft felten vor. Der Disconto ift I per mefe. Differenzen bei Kauf und Verkauf werden meift durch den Chef der Kaufmanns- Gilde( Meleke tudfchar) gefchlichtet, oder man wendet fich an das betreffende Confulat, deffen Schutz man geniefst. Bei Sendungen von Waaren macht man mit dem Karawanen 46 Dr. J. E. Polak. inhaber Verträge über den Preis und die mittlere Zeit der Verfrachtung. Für Havarien kann er natürlich bei dem fchlechten Stand der Strafsen keine Entfchädigung leiften, zumal es bekannt ift, dafs er zur Wahrung feines Rufes die nothwendige Sorgfalt anwendet und die Pflicht nach Kräften erfüllt. Sehr beläftigend für den Handel ift die Quarantaine, die die türkifche Intendanz in Conftantinopel, oft nach Laune und unverbürgten Gerüchten, in den Einfallftationen befonders in Bajazid, decretirt. Sie iſt koftfpielig, zeitraubend und zwingt zum Schaden der Türkei die Frachten über den Kaukafus zu lenken. Wäre fie im Stande Seuchen abzuwehren oder hätte fie je das Mindefte geleiftet, fo liefse fich die Mafsregel noch billigen, allein nach gegenwärtigem Verfahren iſt fie eine pure Vexation, welcher ein kleinlicher Nationalgroll häufig zu Grunde liegt. Confulate. Zum Schutze seines Handels hat Perfien mit den meiften Mächten Europas Handelsverträge abgefchloffen und hat aufserdem Confulate in Conftantinopel, Erzerum, Trapezunt, Alexandrien, Cairo, Dfchedda, Tiflis, Wien, Paris, Bombay. Von europäiſchen Mächten hat Rufsland Confulate in Tabris, Refcht, Aftrabad und Teheran. England in Tabris, Refcht, Teheran und Bender- Bufchir, aufserdem Confularagenten in Isfahan, Schiraz, Kermanfchah, Hamadan, Mefchhed. Frankreich in Tabris und Refcht. Die Türkei in Tabris, Teheran und Kermanfchah. Um zugleich einen Begriff von der national- ökonomifchen Bedeutung der wichtigften Provinz, Azerbeidfchan und ihrer Hauptftadt Tabris, von der Einund Ausfuhr und deren Provenienz und Beftimmung zu geben, laffen wir das darauf bezügliche aus dem Berichte des Herrn Generalconfuls O. Zwiedinek v. Südenhorft folgen( fiehe Nachrichten über Induſtrie, Handel und Verkehr aus dem ftatiftifchen Departement im k. k. Handelsminifterium II. Band, 4. Heft. 1873), der fich durch Gründlichkeit und Sachkenntnifs befonders auszeichnet. Uebergehend zur Schilderung des Handels von Tabris müffen zunächft die Umftände erwähnt werden, welche in den letzten Jahren auf die Verminderung desfelben wefentlichen Einflufs genommen haben. Die Haupt factoren des Waarenumfatzes auf dem genannten Hauptplatze find nämlich die Einfuhr europäiſcher, namentlich englifcher Manufacturen und die Ausfuhr der Seide von Gilan. Solange die Seidencultur am cafpifchen Meere in voller Blüthe ftand, übertraf der Werth der Ausfuhr jenen der Einfuhr. Seit dem Auftreten der Seidenraupen- Krankheit in jenen Gegenden( 1865) wurde die Bilanz empfindlich geftört. Durch Einfuhr gefunden Samens aus Japan wurde zwar der Krankheit Einhalt gethan, doch ift man weit entfernt, die frühere Ernte zu erzielen. Diefe, welche bereits auf 2000 Rouleaux jährlich herabgefunken war, belief fich 1871 auf ungefähr 6000 Rouleaux und erhob fich auch im letztverfloffenem Jahre( nach neueften Nachrichten auch im Jahre 1873. Ref.) trotz der anfänglich vielverfprechenden Ausfichten nicht zu gröfserer Höhe. Um das Gleichgewicht zwifchen Ein- und Ausfuhr herzuftellen, wäre ein Erträgnifs von 8000 bis 10.000 Rouleaux nöthig. Eine weitere Störung im Handel verurfacht der Mangel an baarem Geld, fowie eines feften, im ganzen Lande gleichen Curfes der fremden Münzen.( Siehe oben S. 20.) Zu diefen Haupthinderniffen des Handels kam nun noch als vorübergehende Calamität die Hungersnoth mit Krankheit und Seuche im Gefolge. Unter dem Einflufs diefer verfchiedenen Uebel ift denn auch der Werth der Einfuhr in Tabris, der im Jahre 1870 noch circa 10,947.710 fl. betrug, im Jahre 1871 auf circa 7,895.590 fl. herabgefunken und der Werth der Ausfuhr von circa 4,226.230 auf 3,407,900 fl. gefallen. In der folgenden Ueberficht ift der Werth der in den Jahren 1868-1870 nach und aus Tabris ein- und ausgeführten Waaren auf Grund amtlicher Daten zufammengeftellt: Perfien. Einfuhr. 47 1868 1869 1870 1871 Stearinkerzen. Baumwollftoffe, gefärbte Kaffee Kupfer und Meffing fl. 12.370 14.400 10,178.850 II.232.110 " ungefärbte 48.000 12.000 7,040.000 4,229,200 1,600.000 1,483.600 16 32.000 48.000 19.600 18.000 17 30.000 52.800 25.410 20.000 Tuch Specereien Farben Glas. ° وو 97.300 78.000 280.000 436.000 36.400 وو وو 22.960 46.690 وو 557.000 1,128.000 118.000 106.700 Goldfäden und Goldfchnüre Metallwaaren 38.000 10.000 99 1 18.500 138.400 70.800 • 29 Roheifen • 29 116.750 151.250 40.000 Blei.. 38.400 ° " Leder 82.320 IOI.500 46.720 G "> Papier u. Buchbinder- Artikel 28.000 109.120 41.020 30.000 8.000 29 Porcellan. 57.330 110.500 72.000 48.840 99 Seidenwaaren 320.000 480.000 400.000 60.000 وو Zucker. " I, 139.260 1,314.400 566.000 816.400 Thee 374.370 99 Verfchiedenes 400.000 400.000 250.000 508.400 206.880 220.320 200.000 وو Summe fl. 13,516.050 15,757.760 10,947.170 7,895.890 Ausfuhr. Baumwolle Getrocknete Früchte fl. ° 1868 1869 2,110.000 3,200.000 1,400.000 1,600.000 1870 1871 400.000 299.680 800.000 136.680 Specereien • وو وو II.600) 203.840 Farben. 10.000 14.320 19400 99 Pelze " 93.500 80.000 200.000 75.040 Lammfelle 213.200 200.300 وو Leder und Häute 132.500 152.300 99 Seide 800.000 1,364.000 13.560 1,160.000 55.520 1,194.400 وو Zucker. 48.320 99 Webeftoffe 850.000 720.000 451.600 629.280 " Tabak. 690.000 760.000 661.200 314.660 " وو وو 99 540.000 Summe fl. Wollwaaren Wachs.. Verfchiedenes. 6,838.850 9,012.180 4,226,320 3,407.900 In Bezug auf Menge und Werth, Herkunft und Beftimmung der in den Jahren 1860-1870 auf dem Platze von Tabris ftattgefundenen Ein- und Ausfuhr enthalten die nachftehenden Zuſammenſtellungen die entſprechenden, ebenfalls aus amtlichen Quellen gefchöpften Angaben: Durchfchnittliche jährliche Einfuhr aus Europa nach Tabris. Provenienz * Gefammtwerth in fl. ö. W. Silber. 132.000 286.800 28.640 12.000 921.260 300.000 200.000 Waarengattung Stahl Waffen.. Stearinkerzen. England, Trieft. ° England, Lüttich . Rufsland. Menge 150-200 Kiften • 3000 Kift. zu 33 Zollpfd. 8.800 32.000 120.000 * Die Einfuhrmenge konnte nicht bei allen Artikeln beigefügt werden, da in den Mauthregiftern nur der Werth verzeichnet ift, die Quantitätsangaben aber auf Mittheilungen von Kaufleuten beruhen. 48 Waarengattung Kaffee . Türkei. Shawls.. Indien. Gefponnene ° Baumwolle. England Provenienz Gefammtwerth in Dr. J. E. Polak. Menge* fl. ö. W. Silber 14.400 . 100 Stück zu 120-160 fl. 16.000 340 Ballen 139.400 128.000 . 400-500 Pferdelaften 96.000 120.000 Kryftallglas. England, Deutfchland, FrankLeder. Tuch reich, Rufsland. Rufsland, Türkei Diamanten) Holland, Conftantinopel Zinn. Eifen Eifenblech . Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, Belgien, Frankreich, Rufsland, England England, Indien . Rufsland. England, Trieft • • Feffe.... Oefterreich- Ungarn, Türkei Goldborden. Oefterreich Ungarn, Rufsland, Frankreich Indiennes.. England, Schweiz, Frankreich Wollftoffe. Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, England, Rufsland England, Schweiz, Frankreich Mouffeline Papier u.Buchbinderwaaren Rufsland, Frankreich, Oefter1300 Kiften 1000 Ballen zu 600 fl. 2000 Fäffer 330.000Z.pfd., 1/3 Nägel 600.000 80.000 480.000 18.000. 20.000 48.000 25.000 Ballen 6,800.000 88.000 300 Ballen zu 320 fl. 96.000 Felle Gewürze . reich- Ungarn. Rufsland . Indien Porzellan.. England, Frankreich, Rufsland Quincaillerien Oefterreich- Ungarn, Frankreich, Rufsland.. Rum... England, Amerika. O 500 Kiften zu 48 fl. 600-700 Ballen 24.000 64.000 5.200 60.000 500-600 Kiften 600 Kiften aus Rufsland, 500 Kift. aus OefterreichUngarn und Frankreich 200 Fäffer zu 80 fl. 100.000 16.000 Parfumerien Frankreich, Deutſchland Parifer Mode6.000 waaren. Frankreich 300 Kiften zu 120 fl. Seidenftoffe. Frankreich, Deutfchland 40.000 320.000 Schwefel. Türkei. 12.000 Thee Tabak.. Türkei, Rufsland. Weifse Lein20.000 wand. England England 4000 Kiftchen zu 160 fl. 640.000 13.000 Ballen 1,950.000 ° MatratzenLeinwand Rufsland Fenſterglas. Rufsland, Belgien, Frank800 Stück 9 9.600 reich. 400 Kiften zu 48 fl. Zucker Frankreich; Holland 25.000 Kiften 16.000 1,550.000 Wein und Liqueure . Frankreich, England, Rufsland 6000 Flafchen 64.000 Orpiment.. Türkei. * Diefer Import ift entfchieden in Abnahme. 40.000 Durchschnittliche jährliche Ausfuhr aus Tabris. Waarengattung Abas( wollene Mäntel) Tabris Perfien Cachemire Shawls Wachs Baumwolle Perfien Indien • Azerbedjan • Perfien $ • Provenienz Beftimmung Menge Gefammtwerth in fl. ö. W. in Silber Rufsland und Türkei 100 Ballen 40.000 dto. 60 68.000 " dto. 2 16.000 وو dto. 500 80.000 dto. 3.000-30.000 12.000 1,200.000* ੧ ॥ • Foulards Pelze.. ° ° Seidenabfälle( frifons) Getrocknete Früchte Indiennes Henna Tabris Azerbedjan, Kirmanfchah Azerbedjan Kurdiftan, Türkei. 2 4.000 92 Rufsland 300 120.000 " Ghilan, Khorafan.. Türkei, Rufsland, Europa. 1.000 4.000 dto. 40.000 وو Perfien Rufsland 2.000 " Kirman, Kafwin Türkei, Rufsland 50 99 480.000-1,200.000** 800.000 240.000 4.800 Perfien. Wolle. Galläpfel Opium Azerbedjan, Khorafan. Türkei, Frankreich, Oefterreich- Ungarn. 200 وو Felle Salz Kurdiftan Isfahan, Tabris. Perfien Azerbedjan Ghilan . Rufsland, Türkei, Marfeille Türkei, England, Frankreich 5.000 .. 50 ,, Türkei, Rufsland, Marfeille Türkei 600 3.000 " وو Tabris gefärbt Perfien Seide. Seidenwaaren Teppiche Englifche Leinwand. Perfifche Leinwand Tabris, Kafchan, Yezd. Türkei, Rufsland Perfien aus England importirt, in England, Marfeille Türkei, Rufsland, England 3.000-10.000 Ruleaux 80 Ballen 300 20.000 300.000 71.000 48.000 2.000 2-4,800.000** 60.000 120.000 27 Rufsland • . Türkei, Rufsland Tömbeki ° + Türkifen Sammt Perfien Mefched Kafchan. Türkei B ° ° Rufsland Rufsland 200 600 62.000 99 48.000 " 2.000-12.000 99 48.000-2,400.000*** 4.000 3" 4.000 * Wechfelt je nach dem Marktwerthe in Europa. Tömbeki in Egypten. Durch die Raupenkrankheit vermindert.*** Vermindert durch die Cultur des 49 50 Dr. J. E. Polak. Als Commentar zur Ueberficht der vorzüglichften von Europa nach Perfien importirten Artikel laffen fich folgende Daten anführen. Die erfte Rolle unter den Einfuhren ſpielen die englifchen Manufacturen, und zwar vor Allem die gefärbten und gedruckten Baumwoll- Stoffe. Die englifchen Fabriken verwenden grofse Sorgfalt auf die Mufter, welche von eigenen Zeichnern nach dem Gefchmacke des Landes angefertigt und von Zeit zu Zeit gewechfelt werden. Auch aus der Schweiz wird ein kleiner Theil folcher Artikel importirt. In früheren Zeiten, fo lange der Handel mit Buchara über Tabris ging, fetzte ein einziges Haus jährlich bis zu 1 Million Francs Schweizer Manufacturen dahin ab ( türkifch- rothe und bedruckte Indiennes, fowie geftickte Mouffeline); jetzt, wo jener Handel von Rufsland monopolifirt wurde, verkauft dasfelbe Haus von folcher Waare kaum mehr für 100.000 Francs. Grey clothes wurden früher zum grofsen Theile aus Europa importirt und von Tabris wieder nach Transkaukafien exportirt, jetzt finden nur mehr die in Tabris gefärbten dahin Abfatz, da ruffifche Fabriken nun jene Waaren nach dem Kaukafus liefern. Die nächft wichtigen englifchen Manufacturen nach den ,, Prints" find die englifchen Grey- Calicots. Grofse Quantitäten davon werden in Tabris in fchmale Streifen zerfchnitten, blau gefärbt und dann als perfifche Manufacturen nach Rufsland gefchickt. Stahl kommt zumeift aus England und aus Oefterreich- Ungarn über Trieft. Die jährliche Einfuhr beträgt gegenwärtig 150 bis 200 Kiften im Gefammtwerthe von 20.000 bis 25.000 Francs. Der Import von Waffen ift bei der grofsen Vorliebe des Perfers für Jagd und Kriegsfpiel einer bedeutenden Steigerung fähig. Gegenwärtig werden Feuerwaffen, Flinten, Piftolen, Revolver jährlich im Werthe von circa 60.000 Francs eingeführt, und zwar finden Flinten mittlerer Qualität den beften Abfatz. Am gefuchteften find noch immer die englifchen. Das Kaliber ift zu 18-22 Millimeter, die Länge zu 120 bis 125 Centimeter, den Kolben inbegriffen. Befonders mit den neueren Schnellfeuer- Gewehren könnten hier fehr gute Gefchäfte gemacht werden. Die Tafchenpiftolen kommen gröfstentheils aus Belgien, die doppelläufigen aus England, ebenfo die Revolver, die jedoch bisher nur in geringer Menge hier Eingang fanden( durchſchnittlich 40 bis 50 Stück jährlich). Der jährliche Confum von Kaffee erreicht einen Werth von 30.000 bis 40.000 Francs. Diefer Artikel kommt gröfstentheils aus Arabien über BenderBufchir, und nur in geringer Menge aus den Colonien. Der arabifche wird durchfchnittlich zu 7 Francs per Batman( à 3 Kilogramm) verkauft. Von Kryftallwaaren kommen jährlich 700 bis 800 Kiften aus Böhmen, 200 aus Frankreich und Belgien und 300 aus Rufsland. Die ruffifche Waare fängt an, der böhmifchen ernftliche Concurrenz zu machen, jedoch nur in den ordinären Gattungen, die feineren kommen noch immer nahezu ausfchliefslich aus Böhmen, namentlich die Flafchen für die Kaliums( Wafferpfeifen). Gefucht find Wafferflafchen mit fehr hohen obeliskförmigen Stoppeln, grofse Gläfer in verfchiedenen Formen, kleine Liqueurgläfer, Gläfer für den Thee, Glasglocken für Kandelaber etc. Dem perfifchen Gefchmack entſpricht vorzüglich dickes, ftarkes Glas mit buntem Farbenfchmucke; elegante und einfache Formen finden keinen Anklang. Tücher werden ausfchliefslich aus Oefterreich- Ungarn und Deutſchland eingeführt, und zwar wurden gerade in den letzten Jahren directe Verbindungen mit den Fabriken in Reichenberg eingeleitet und von dort im Jahre 1871 ungefähr 100 Ballen auf den Markt von Tabris gebracht. Eifen und Eifendraht kommt ausfchliefslich aus Rufsland, ebenfo wie faft alle ordinären Eifenwaaren, als: Schlöffer, Riegel, Nägel etc. Eifenblech wird jährlich im Werthe von 30.000 bis 40.000 Francs aus England eingeführt; es vertritt bei den Perfern, feit die gemalten Fenftergläfer wegen ihrer Koftfpieligkeit aufser Gebrauch gekommen find, häufig die Stelle des Perfien. 51 weifsen Fensterglafes, mufs alfo fehr glänzend fein; die Solidität der Waare ift Nebenfache. Meffer für Küche und Tafel kommen in fehr untergeordneter Qualität aus Rufsland und England. Federmeffer mit 1-3 Klingen werden gleichfalls aus England, und zwar im jährlichen Werthe von 100.000 Francs, Rafirmeffer ordinärer Gattung bei 500 Dutzend aus Nürnberg eingeführt; beffere find nicht gefucht. Scheren in länglicher, dem perfifchen Gefchmacke und Bedarfe angepafster Form, jährlich ungefähr 1200 Dutzend à 20 Francs, liefert England, noch mehr aber Deutſchland( Solingen). Ein von einem franzöfifchen Fabrikanten in Langres gemachter Verfuch, franzöfifche Scheren einzuführen, mifsglückte. Spiegelglas, in einem Jahre ungefähr 350 Kiften im Werthe von 100.000 Francs, kommt aus Rufsland und Deutfchland. Nur ordinäre Waare findet Abfatz und wird zur Fabrication der in Perfien gebräuchlichen Handfpiegel verwendet, fowie in kleinen Stücken zum Schmucke der Wände und Plafonds. Spiegel in Rahmen in der Gröfse von 129 Meter Höhe, auf o 75 Meter Breite, kommen immer häufiger in Gebrauch, und bis jetzt liefert fie Frankreich; die Rahmen müffen breit und reich vergoldet fein. Wanduhren liefert Rufsland in geringer Quantität, Tafchenuhren im Ge fammtwerthe von circa 40.000 Francs vorzüglich die Schweiz, und zwar finden Tafchenuhren von 50 bis 150 Francs per Stück den beften Abfatz. Von Wollftoffen verbraucht das Land vorzüglich Merinos, Lafting, Chalis, Flanelle und gedruckte Mouffeline. In diefem Artikel könnte bei bereitwilligem Eingehen in die Bedürfniffe und den Gefchmack des Marktes das öfterreichiſchungarifche Fabricat leicht dem franzöfifchen und englifchen den Rang abgewinnen. Dasfelbe gilt von Thee- und Kaffeebretern aus Kupfer und lackirtem Blech, welche jetzt in grofser Menge aus Rufsland eingeführt werden. Grelle Farben und lebhafte, die orientalifche Phantafie anregende Bilder ziehen den perfifchen Käufer bei diefer Waare an. Porzellanwaaren, nämlich: Teller, Thee- und Kaffeefchalen, Theekannen, Blumenvafen, Trinkfchalen mit entsprechenden Untertaffen, Scherbetfchalen von den verfchiedenften Gröfsen und Abftufungen, fo dafs die kleineren in die gröfseren verpackt werden können, importirt faft ausfchliefslich England und nur in fehr geringer Quantität auch Frankreich. Quincailleriewaaren, als: Ringe für Vorhänge, Lichtfcheren fammt Untertaffen, Feuerzeuge, Glocken etc., werden wohl in kleinen Quantitäten eingeführt, doch müfste der Markt im Grofsen an diefe Gattung von Fabricaten erft nach und nach gewöhnt werden. Was den Export perfifcher Producte über Tabris nach Europa anbelangt, fo befchränkt fich derfelbe, wie die bezügliche Tabelle darthut, noch immer auf fehr wenige Artikel, unter welchen nur Baumwolle, Seide, trockene Früchte und allenfalls noch Felle und Galläpfel von einiger Bedeutung find. Der feit mehreren Jahren zum Nachtheile Perfiens fich ergebende Ausfall in der Bilanz der Ein- und Ausfuhr hat bereits eine bedenkliche Abnahme des Nationalreichthums zur Folge gebabt. Perfien kann die fremde Einfuhr nicht mehr entbehren, weil feine eigene Fabrication die Bedürfniffe des Landes nicht zu decken im Stande ift; es mufs alfo trachten, die fremden Fabricate mit feinen Rohproducten zu bezahlen, was jedoch bei dem gegenwärtigen Zuftande der Communication und der daraus fich ergebenden Koftfpieligkeit des Transportes nicht möglich ift. Die rafche Erbauung von Eifenbahnen und die Anlegung eines Netzes von Fahrftrafsen, das die verfchiedenen Provinzen des Reiches unter einander verbindet, ift defshalb eine Lebensfrage für Perfien. So fehe ich trotz der Ungunft der Gegenwart für jene einft fo reichen und gewerbfleifsigen Länder in nicht allzu ferner Zeit wieder eine beffere Zukunft 4* 52 Dr. J. E. Polak. Perfien. winken, und diefe mufs der vorausblickende Handelspolitiker im Auge behalten, wenn er die Frage in Erwägung zieht, welche Wichtigkeit der perfifche Markt für den öfterreichiſch- ungarifchen Handel hat. Gegenwärtig find unfere Verbindungen mit diefem Markte allerdings noch fehr unbedeutend. Seit im Jahre 1871 das grofse englifche Haus Rally fich von dem europäiſch- perfifchen Export- und Importhandel zurückgezogen hat, befindet fich derfelbe in den Händen des in Manchefter etablirten Schweizerhaufes Ziegler & Comp., das ein grofses Handelsetabliffement in Tabris und eine Filiale in Refcht befitzt. Mit ihm concurrirt das in Conftantinopel etablirte griechifche Haus Suwadjioglu und aufserdem vermitteln jenen Handel eine Reihe griechifcher Commiffionäre, welche für fremde Rechnung Gefchäfte mit Frankreich, England und Conftantinopel machen. In Tabris, ja in ganz Perfien befteht bis jetzt nicht eine einzige öfterreichifch- ungarifche Firma; der directe Handel mit Oefterreich- Ungarn iſt ſehr gering, da faft alle von dort ftammenden Waaren von in Conftantinopel etablirten Zwifchenhändlern bezogen werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs viele Artikel, die jetzt aus England, Frankreich und Rufsland in Perfien eingeführt werden, ebenfo gut und billiger von unferen Fabriken geliefert werden könnten, doch iſt nicht zu erwarten, dafs der perfifche Käufer die öfterreichiſch- ungarifche Waare fuche, fondern diefe muſs vielmehr trachten, den perfifchen Käufer zu gewinnen. Das bei uns immer mehr fich fühlbar machende Bedürfnifs, für die vermehrte Production ein erweitertes Abfatzgebiet zu erobern, wird hoffentlich unfere Induftriellen dazu bringen, auch dem perfifchen Markte eine erhöhte Aufmerkfamkeit zuzuwenden, fich mit den Bedürfniffen desfelben durch Entfendung eigener Handlungsreifender vertraut zu machen und durch Gründung von Commiffionsgefchäften die Anbahnung eines directten Waarenaustaufches zu befchleunigen.( Zwiedinek.) Ueber die mittlere Ein- und Ausfuhr von und nach Indien, Rufsland und Pafchalik Bagdad ftehen mir keine genauen Zahlen zu Gebote, fie dürften fich jedoch in den betreffenden Confularberichten finden. OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 187 3. INHALTS- VERZEICHNISS ZUM OFFICIELLEN BERICHTE DER WIENER WELTAUSSTELLUNG 1873. VERFASST IM K. K. HANDELSMINISTERIUM. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1878. DACK AND AEKTVC DEK LEKEV221 TW KK. HVZDER SEKION ММЕЙЕК МЕГУОЗЕЛЕ OEFICIEFFEZ BEKICHLE ТИНУГЛЕ- ЛЕВТЕІСНИ 122CEZEKVT DIKECHO DEK MET LYOPLErinze OEFICIEFREK us nobrow JIM dou sib VORREDE. Nach dem Programme des ,, Officiellen Berichtes" für die Weltausftellung 1873 in Wien( Nr. 94 der officiellen Publicationen der beftandenen General- Direction der Wiener Weltausftellung) war in Ausficht genommen, nach Vollendung der vorliegenden ,, Brochuren- Ausgabe", die noch während der Ausftellung zum Abfchluffe kommen follte und bei welcher defshalb von jeder fyftematifchen Folge abgefehen wurde, eine zweite, revidirte, nach dem Syfteme der Ausftellung geordnete Ausgabe zu veranſtalten. Als Herausgeber des Werkes erfcheint die General- Direction der Weltausstellung 1873; zum Chefredacteur desfelben war der Profeffor der Staatswiffenfchaften an der k. k. Univerſität in Prag, Profeffor Carl Thomas Richter, berufen worden. Die General Direction der Wiener Weltausftellung hat jedoch ihre Function fchon mit dem 10. Februar 1874 und der vorgenannte Chefredacteur diefe Thätigkeit im Juni 1874 abgefchloffen. Von diesem Zeitpunkte ab mufste jene Abtheilung des Handelsminifteriums, welcher die Abwicklung der Gefchäfte der Weltausftellung überhaupt zufiel, auch der Aufgabe fich unterziehen, den ,, Officiellen Bericht", von welchem bis dahin 70 Hefte I II erfchienen waren, zum Abfchluffe zu bringen. Es wurden zu diefem Zwecke theilweife die von dem Chefredacteur eingeleiteten Dispofitionen benützt, theilweife aber auch andere Mitarbeiter herangezogen. Mannigfaltige hindernde Umftände, welche in den Vorworten der betreffenden Berichte des Näheren erörtert find, haben die Beendigung des Berichtes bis in das laufende Jahr verzögert. Da die Ausdehnung des Werkes das urfprüngliche Ausmafs um mehr als das Doppelte überfchritt, fo wurde die beabfichtigte Herausgabe einer zweiten, den Stoff fyftematiſch gruppirenden Ausgabe aufgegeben. Diefer Umftand fowie die grofse Zahl der innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren erfchienenen Hefte liefs es wünſchenswerth erfcheinen, als letztes( 95.) Heft ein ausführliches, der Gruppeneintheilung der Ausftellung entsprechendes Inhaltsverzeichnifs auszugeben. Nach dem Ergebniffe diefer materienweifen Gruppirung der erfchienenen Specialberichte, wie fie in dem Nachfolgenden durchgeführt ift, dürfte fich mit Rückſicht auf das Syftem der Wiener Weltausftellung die Abtheilung des Werkes in 14 Bände, wie folgt, empfehlen: 1. Band: Gruppe I und II, enthält die Hefte: XVI, LXXIV, XXX, LXXI, LXII, LXVIII, V, LXXVII. 2. Band: Gruppe III und IV, die Hefte: XLI, LII, III, IV, XXXIV, LXXIX, XXXVII, II, XL, LXVI, XXIII, XI. 3. Band: Gruppe V bis VIII, die Hefte: LVI, XIII, XLVIII, VI, XX, VII, LXIV, XXIX, XXI, LXV, LXXXVIII, LXXXVI, XLIV, XLIII. 4. Band: Gruppe IX bis XII, die Hefte: XCII, XXIV, LXXXIX, XLVII, XXXVIII, LIII, LXXXV, XXXIII, XLVI. 5. Band: Gruppe XIII, I, die Hefte: LV und LXXXIII. III 6. Band: Gruppe XIII, 2, die Hefte: LXXXII, LXXX, LXXXI, X, LXXXVII, XLII, LXXVIII, XCIV, IX, LVIII. 7. Band: Gruppe XIV und XV, die Hefte: LX, LXIX, XXXI, XXXIX. 8. Band: Gruppe XVI und XVII, die Hefte: XVIII, XLV, LIX, LIV, XXXV, LXXXIV und LXIII. 9. Band: Gruppe XVIII, I und 2 a, die Hefte: LXXVI und XC. 10. Band: Gruppe XVIII, 2 b, 2 c, die Hefte XCI und XCIII. II. Band: Gruppe XIX bis XXV, die Hefte: LXXIII, LI, XIX, L, LXXV. 12. Band: Gruppe XXVI, I bis 4, die Hefte: I, XXVII, XXXVI, XVII, XXV, VIII, XLIX, XXVI, LXI, LXXII. 13. Band: Gruppe XXVI, 5, 6 und additionelle Ausftellungen, die Hefte: LVII, LXVII, XII, XXII, XXVIII. 14. Band: Berichte über den Orient, die Hefte: LXX, XV, XXXII, XIV und das Inhalts-Verzeichniss. ** REDACTION UND BERICHTERSTATTER. V CHEFREDACTEUR: Dr. Carl Thomas Richter, k. k. Univerſitäts- Profeffor in Prag. ( Nachdem Profeffor Richter die Redaction des ,, Officiellen Berichtes" im Juni 1874, zu welcher Zeit eben das 70. Heft erſchienen war, niedergelegt hatte, fiel den Referenten im Handelsminifterium Minifterialrath Dr. Migerka und Sectionsrath Dr. R. v. Thaa fucceffive die Aufgabe zu, das Werk zum Abfchluffe zu bringen.) BERICHTERSTATTER. Adler, Hans, Dr., ordinirender Augenarzt des k. k. Krankenhaufes, Wien, Bericht erftatter über oculiftifche Inftrumente, Heft XXXI. Bauer, Alex., Dr., Prof. am Polytechnicum in Wien, Berichterstatter über chemifche Grofsinduftrie, Heft LII. Bayer, Jofef, Dr., Profeffor, Wien, Berichterstatter über Malerei, Heft LXXV. Benedikt, Moriz, Dr., k. k. Univ.- Profeffor, Wien, Berichterstatter über Apparate für Elektro- Therapie, Heft XXXI. Berg, Conrad, Buchhändler und Buchbinder, Wien, Berichterstatter über Carton. nagen und Mafchinen für Buchbinder, Heft LIII. Brunner, Moriz, k. k. Hauptmann, Berichterstatter über Geniewefen insb. Fortification und Militär Unterrichtswefen, Heft LIX. Ditfcheiner, Leander, Dr., Prof. der techn. Hochfchule Wien, Berichterstatter über Telegraphen- Apparate, Heft LXIX und über optifche und akuftifche Inftrumente, Heft LX. Exner, Wilh. Franz, Dr., Regierungsrath und Profeffor, Wien, Berichterstatter über Tapeten und Buntpapier, Heft LIII, S. 1-17 und über HolzbearbeitungsMafchinen, Heft LXXVIII. Dumreicher, Armand, Freiherr v., Wien, Berichterstatter über gewerbliches Unterrichtswefen, Heft XLIX. Falke, Jacob, Regierungsrath und Director- Stellvertreter im k. k. Muſeum für Kunst und Induftrie, Wien, Berichterstatter über die Goldfchmiedekunft, Heft LXXXVIII und über Glaswaaren( mit L. Lobmeyr), Heft LXXXIX. Fenzl, Eduard, Dr., k. k. Regierungsrath und Profeffor, Wien, Berichterstatter über Gartenbau, Heft LXXVII. VI Fix, Anton, Tapezirer, Wien, Berichterftatter über Tapezirarbeiten und Decorationen. Heft LXIV. Flattich, Wilhelm, Architekt, Wien, Berichterstatter über Bautifchlerei, Heft XLIII. Friedmann, Alexander, Civilingenieur, Wien, Berichterstatter über Marinewefen, Heft LXIII. Frifchauf, C., Ingenieur, Wien, Berichterftatter über Wafferleitungs- Anlagen, Heft LXXVI. HIVING Gerftner, A., k. k. Hofzuckerbäcker, Wien, Berichterftatter über Zuckerbäckerei, Canditen und Chocolade, Heft XI. Giani, Carl, Fabrikant, Wien, Berichterstatter über Pofamenti rwaaren, Heft VI. Gintl, Wilhelm Friedrich, Dr., o. ö. Profeffor am deutfchen polytechniſchen Landesinftitute in Prag, Berichterftatter über Zündwaaren und Exploſivftoffe, Heft XXXIV und über Appreturmittel und Harzproducte, Heft LXXIX. Glogau, Ludwig, Fabrikant, Teplitz, Berichterftatter über die Wirkwaaren, Heft XIII. Goethe, H., Director der landwirthschaftlichen Schule in Marburg, Berichterstatter über Wein, Obft- und Gemüfebau, Heft V. Gohren, Prof. Dr., Director der landwirthschaftlichen Lehranftalt FranciscoJofephinum in Mödling bei Wien, Berichterstatter über landwirthschaftliche Lehre und Forſchung, Heft LXI. Grefe, Conrad, Wien, Berichterstatter über Lithographie und Chromographie, Heft XXXIII. Goldfchmidt, S., Fabriksbefitzer, Prag, Berichterstatter über Leder, Heft XXIX und über Schuhwaaren, Heft LXIV. Haan, Ernft Freiherr v., Berichterstatter über Rumänien, Heft XV. Haardt, F. M., Wien, Berichterstatter über Stahl- und Eifenwaaren, Heft LXXXVI. Haas, Carl, Fabrikant, Wien, Berichterftatter über Metallwaaren, Heft XLIV. Hanamann, Jofef, Dr., Director der fürftl. Schwarzenberg'fchen Verfuchsftation in Lobofitz, Berichterftatter über Zucker, Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken, Heft II. Hannak, Emanuel, Dr., Univerfitäts- Privat- Docent, Wien, und Director des LandesLehrer- Profeminars in Wiener- Neuftadt, Berichterstatter über Unterricht in der Gefchichte, Heft XXV. Harpke, Anton, Fabrikant, Wien, Berichterstatter über Seide und Seidenwaaren, Heft VI. Hartel, Wilhelm, Dr., Univerfitäts- Profeffor, Wien, Berichterftatter über Univerfitäten, Heft LVII. Hartmann, Ludwig, Drechsler, Wien, Berichterftatter über Meerfchaumarbeiten, Heft XLVII. Hirfch, Max J., Fabriksgefellſchafter, Wien, Berichterstatter über Rauh- und Kürfchnerwaaren, Heft XXI. VII Hohenbruck, Arthur, Freiherr v., k. k. Sectionsrath im Ackerbau- Minifterium, Berichterstatter über den internationalen Congrefs der Flachsintereffenten, Heft XLVIII. Hüpfcher, J., Lehrer, Trieft, Berichterstatter über Schreibunterricht, Heft XXVII. Inama- Sternegg, C. Theodor v., Dr., Univerfitäts- Profeffor, Innsbruck, Berichterftatter über Beiträge zur Gefchichte der Preife, Heft XXII. Jakoby, Louis, Prof., Wien, Berichterstatter über Kupfer- und Stahlftich und Druck, Heft XXXIII. Kaltner, Eduard, Berichterstatter über Blinden und Taubftummen- Unterricht, Heft XXVI. Kick, Friedrich, Regierungsrath und Profeffor am deutfchen polytechniſchen Landesinftitute in Prag, Berichterftatter über Mehl, Mehlfabricate, Mafchinen und Apparate der Müllerei und Bäckerei, Heft XXXVII. Klaar, Alfred, Berichterstatter über Buchhandel des Auslandes und allgemeine Bildungsmittel, Heft LXVII. Kohn, Carl, Ingenieur, Wien, Berichterstatter über Kork- und Korbflechtwaaren, Heft XLIII, über Lampen- und Beleuchtungsapparate, Heft XLIV und über die Nähmaschinen, Strick- und Stickmafchinen, Heft X. Knirr, Jofef, Prof., Wien, Berichterstatter über mathematifche Lehrmittel der Volks- und Mittelfchulen, Heft LXXII. Kreuzig, Anton, Schneider, Wien, Berichterstatter über Männerkleider, Coftüme und Mieder, Heft XX. Kupelwiefer, Franz, Prof., Leoben, Heft XXX. Berichterstatter über Hüttenwefen, Langl, Jofef, Gymnafial- Profeffor, Wien, Berichterstatter über Sculptur, Heft LXXV, und über Zeichen- und Kunftunterricht, Heft XXXVI. Lauer, Johann, Berichterstatter über Sprengtechnik, Heft LIX. Lechner, Rudolf, Wien, Berichterstatter über Verlagsbuchhandel, Heft LXVII. Leibenfroft, Franz, Weingrofshändler, Wien, Berichterstatter über Wein, Heft XL. Lichnowsky, Hermann, Riemer und Sattler, Wien, Berichterstatter über Lederwaaren, Heft LXV. Lieb, F., Profeffor, Wien, Berichterstatter über Mufterzeichnungen und Decorationsmalerei, Heft XLVI. Lieben, Adolf, Dr., Prag, Berichterstatter über chemifche Induftrie, Heft XLI. Lind, Carl, Dr., Minifterial- Secretär, Wien, Berichterftatter über die Objecte der Kunft und Kunstgewerbe früherer Zeiten, Heft L. Lindheim, Wilhelm v., Wien, Berichterstatter über Rufsland, Heft LXX. Lippich, Ferdinand, Univerfitäts- Profeffor, Prag, Berichterftatter über mathematifche und allgemein phyfikalifche Inftrumente, Heft LX. Lobmeyer, Ludwig, Wien, Berichterstatter über Glaswaaren( mit J. Falke), Heft LXXXIX. Löwenthal, J., Berichterstatter über die Leiftungen der Statiftik, Heft XII. Löwy, Jofef, Hofphotograph, Wien, Berichterstatter über Photographie, Heft XLVI. VIII Lott, Ludwig, Leiter der Druckerei der„ Preffe", Berichterstatter über Buchdruck Heft LXXXV. Ludwig, Bernhard, Wien, Fabrikant, Berichterstatter über Möbel- Tifchlerarbeiten, Heft XLIII. Mayer, Carl, k. k. Hauptmann, Berichterstatter über Heeresbekleidungs- und Ausrüftungswefen, Heft XVIII. Migerka, Franz, Dr., Wien, Berichterstatter über Galanteriewaaren aus Leder und Bronze, Heft XLVII zweite Ausgabe. Migotti, Jofef, Hoflieferant, Wien, Berichterstatter über Kinderkleider, Cravaten und Halsbinden, Gamafchen und Wäfche, Heft XX. Mofetig v. Moorhof, Dr., Primararzt und Univerfitäts- Docent, Wien, Berichterstatter über chirurgifche Inftrumente und Bandagen, prothetiſche und zahnärztliche Inftrumente, Heft XXXI und über Militär- Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege, Heft LIV. Nagel, Ignaz, Beamter, Wien, Berichterftatter über Schreib-, Zeichen- und MalerRequifiten, Heft LIII. Newald, Johann, gewefener Director der k. k. Forftakademie in Maria brunn, Berichterftatter über Forstwirthschaft, Heft LXVIII und über Waffen mit Ausnahme der Kriegswaffen, Heft XLIV. Noback, Guftav, Brauerei- Ingenieur und Fabriks- Affocié, Prag, Berichterstatter über Malz, Bier und Mafchinen und Apparate für Brauereien, Heft LXVI. Novelly, Victor, Ingenieur, Berichterstatter über Keffelarmaturen und Schmiervorrichtungen, Heft LXXXII. XXX-- H Oberleithner, Carl, Fabriksgefellſchafter in Mährifch- Schönberg, Berichterstatter über Flachs- und Hanfinduftrie, Heft XLVIII. Ortmann, Ignaz, Modewaarenhändler, Wien, Berichterftatter über Frauenkleider und Coftüme, Heft XX. Pechar, J., Eifenbahn- Director, Teplitz, Berichterstatter über ,, mineralifche Kohle" ( mit Dr. A. Peez), Heft LXXIV. del ob pranda Peez, A., Dr., Reichsraths- Abgeordneter und Schriftfteller, Wien, Berichterstatter über Baumwolle und Baumwollwaaren, Heft XIII und über ,, mineralifche Kohle"( mit J. Pechar), Heft LXXIV. Perkmann, R. Profeffor, Dr., Wien, Berichterftatter über Geographie, Heft LXXII. Petfchnig, Hans, Profeffor und Architekt, Wien, Berichterftatter über kirchliche Kunft, Heft XIX. Pfaff, Carl, Fabrikenbefitzer, Ottakring bei Wien, Berichterftatter über Metallbearbeitungs- Mafchinen. Heft XCIV. Plefs, Wilhelm, Hutfabrikant, Wien, Berichterstatter über Hüte aus Filz, Seide und Stroh, Heft XX. 11 Pohl, Johann, Prof. der landwirthfchaftlichen Lehranstalt FranciscoJofephinum" Mödling, Berichterstatter über Thierzucht, Heft LXII. Pokorny, Dr., Regierungsrath und Gymnafial- Director, Wien, Berichterstatter über Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelfchulen( Naturgefchichtliche Lehrmittel), Heft LXXII. IX Polak, J. E., Dr., Wien, Berichterftatter über Perfien, Heft XIV. Poppović, Alex., k. k. Militär Unterintendant, Berichterftatter über Heeresverpflegswefen, Heft XVIII. Potier des Echelles, Rudolf Freiherr v., k. k. Hauptmann, Berichterstatter über das Heerwefen in feinen Beziehungen zu Induftrie und Gewerbe, Heft LXXXIV. Radinger, J. F., Prof. der technifchen Hochfchule, Wien, Berichterstatter über Motoren, Heft LXXXIII, und über Dampfkeffel, Heft LV. Richter, Carl Th., Prof., Prag, Berichterstatter über Schmuckfedern, künftliche Blumen und Haararbeiten, Heft LXIV, über Kinderfpiel- Arbeiten, Heft XLVII, über das bürgerliche Wohnhaus, Heft LXXIII, und über nationale. Hausinduftrie, Heft LXXIII, über die Wirkfamkeit der Mufeen für Kunftgewerbe, Heft LXXIII, über focial- ökonomifche Bildungsmittel, Heft LXVII, über Welthandel, Heft XXVIII, und über den Patentcongrefs, Heft LXVII. Rideli, M. B., Ingenieur, Wien, Berichterstatter über Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel, Heft LVIII. Riedl, Franz, k. k. Finanzrath, Berichterftatter über Tabak und Tabak- Fabricate, Heft XI. Roditzky, Helene, Freiin v., Vorfteherin des Civilmädchen- Penfionates, Wien, Berichterstatterin über die Frauenarbeiten, Heft VII. Rofthorn, Guftav, Edler v., Berichterstatter über Erzeugniffe aus Kupfer, Zink, Blei, Zinn, Nickel und deren Legirungen, Heft LXXXVI. Ržiha, Franz, Oberingenieur, Wien, Berichterftatter über Eifenbahn- Unter- und Oberbau, Heft XC, XCI, XCIII. Schelle, M., Wien, Berichterstatter über muſikaliſche Inftrumente, Heft XXXIX. Sax, Carl, k. k. Conful, Berichterftatter über die Türkei, Heft XXXII. Schmidt, Eduard, Dr., Berichterftatter über gegohrene Flüffigkeiten( aufser Bier), Heft LXVI. Schmied, Anton Adam, Profeffor an der königlich böhmifchen höheren landwirthfchaftlichen Landeslehranftalt Tetfchen- Liebwerd, Berichterstatter über Feldwirthschaft und über landwirthfchaftliche Maſchinen und Geräthe, Heft LXXI. Schnek, Ifidor, Fabrikant, Wien, Berichterftatter über Kautfchukwaaren, Heft LXV. Schönberger, W., Fabrikant, Wien, Berichterstatter über Uhren, Heft LX. Schroff, C. D., Dr., k. k. Hofrath und Profeffor der Medicin, Wien, Berichterftatter über Arzneiwaaren, Heft III. Schröer, K. J., Dr. Prof., Wien, Berichterftatter über das Bauernhaus mit feiner Einrichtung und fämmtlichem Geräthe, Heft LI. Schrötter, L., Dr., Vorftand der Klinik für Halskrankheiten an der k. k. Univerfität, Wien, Berichterstatter über Inftrumente für Laryngofkopie und Rhinofkopie, Heft XXXI. Schwab, Erasmus, Gymnafial- Director, Wien, Berichterftatter über Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volksfchule, Heft LXXII. Schwarz, Heinrich, Phil. Dr., o. ö. Profeffor, Graz, Berichterftatter über Fettwaaren und Producte der trockenen Deftillation, Heft IV. X Schwerdtner, J., Graveur, Wien, Berichterftatter über Graveur- und Guillochirarbeiten, Heft XLVI. Semrad, Guftav, k. k. Hauptmann, Berichterstatter über Militärwaffen- und Artilleriewefen( mit Joh. Sterbenz), Heft XLV. Stamm, Ferdinand, Dr., Schriftfteller, Wien, Berichterstatter über den Pavillon des kleinen Kindes, Heft I und über Stickerei und die Spitzen, Heft VII. Steinhaufer, Anton, kaiferl. Rath, Wien, Berichterftatter über geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel, Heft XVII. Sterbenz, Johann, k. k. Oberlieutenant, Berichterstatter über Militärwaffen und Artilleriewefen( mit Guftav Semrad), Heft XLV. Stiasny, Franz und Max, Fabrikanten, Wien, Berichterstatter über Handfchuhe, Heft XX. Stingl, Johann, Präparator an der technifchen Hochfchule, Wien, Berichterstatter über Apparate der chemifchen Grofsinduftrie", Heft LXXXI. Teirich, Emil, Dr., Wien, Berichterstatter über Thonwaaren- Induftrie, Heft XXIV, und über Mafchinen- und Werkvorrichtungen der Thonwaaren- Induftrie, Heft XLII. Thieben, Emanuel, Shawlfabrikant, Mitglied der Handels- und Gewerbekammer in Wien, Berichterstatter über Shawls, Heft LVI. Tilp, Emil, Mafchinen- Infpector der Franz Jofef- Bahn, Berichterftatter über Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen, Heft IX. Tinter, M. Dr., Prof. am Polytechnicum, Wien, Berichterstatter über aftronomifche und geodätifche Inftrumente, Heft LX. Twerdy, Emil, Ingenieur und Papierfabrikant in Bielitz, Berichterstatter über Papierinduftrie, Heft XXXVIII. Vivenot, Franz v., Dr., Wien, Berichterftatter über Montanproducte mit Ausnahme der foffilen Brennftoffe, Heft XVI. Waltenhofen, Dr. A. v., Prof. in Prag, Berichterftatter über magnetiſche und elektrifche Inftrumente, Heft LX. Warhanek, Carl, Kaufmann, Wien, Berichterstatter über Conferven, Extracte und Fleifchwaaren, Heft XXIII. Weidmann, J., Wien, Berichterftatter über Galanterie waaren aus Leder und Bronze, Heft XLVII, erfte Ausgabe. Weinwurm, Prof. und Chormeifter in Wien, Berichterstatter über muſikaliſche Lehrmittel und das mufikalifche Erziehungs- und Bildungswefen, Heft VIII. Wiesner, J., Dr., Berichterstatter über fremdländifche Pflanzenftoffe zum induftriellen Gebrauche, Heft LXXI. Wolf, Heinrich, k. k. Bergrath, Wien, Berichterstatter über Steinwaaren, Heft XCII. Zaffauk, Jofef, k. k. Hauptmann und Profeffor an der k. k. technifchen MilitärAkademie, Wien, Berichterstatter über Militär- Kartographie, Heft XXXV. Zeman, Johann, Redacteur, Augsburg, Berichterftatter über Weberei- Mafchinen, Heft LXXXVII. Zinner, Emerich, k. k. Hauptmann, Berichterstatter über Pionnierwefen, Heft LIX. Zwiauer, Peter, Ingenieur, Berichterftatter über Spritzen und Pumpen, Heft LXXX. GRUPPE I. BERGBAU UND HÜTTENWESEN. SECTION 1. Bergbau. a) Montanproducte, mit Ausnahme der foffilen Brennftoffe. Bericht von Dr. Franz v. Vivenot, Rufsland Deutfches Reich. Oefterreich- Ungarn XI Seite .58 ..67 123 Wien. Heft XVI. SECTION 2. Eifenhüttenwefen, Seite Oefterreich Ungarn 2 und Deutfches Reich 7 Schweden- Norwegen 9 Belgien, Dänemark, Frankreich und feine Colonien. 11 Griechenland 12 Grofsbritannien und feine Colonien 13 Italien, Portugal, Rumänien ... 15 SECTION 3. Andere Zweige des Hüttenwefens. Bericht von Profeffor Franz Kupelwiefer, Leoben. Rufsland, Schweiz 16 Heft XXX. Spanien, Türkei 17 Afien( China, Japan, Perfien); Afrika ( Egypten) a) Das Eifenhüttenwefen Nordamerika 18 Amerika( Brafilien, Vereinigte Staaten, San Salvador, Uruguay, Venezuela) b) Mineralifche Kohle. 18, 19 Bericht von J. Pechar, Teplitz, und Dr. A. Peez, Wien. Heft LXXIV. Die Kohle auf der Weltausftellung. 2 Brafilien England und feine Colonien Spanien.. 1 3. 6 6 12 Frankreich und feine Colonien..13 Schweiz.. 19 Italien .19 Schweden .21 Norwegen ..38 Belgien.. .38 Deutfches Reich. 42 Fortfchritte feit 1867 2 Oefterreich.. .58 Die einzelnen Länder: Ungarn fammt Nebenländern.... 77 Grofsbritannien 5 Rufsland .85 Frankreich.. .30 Türkei. .88 Spanien und Portugal 35 China. 88 Belgien. 39 Japan .89 Die vereinigten Staaten. 48 b) Die Gewinnung und Bearbeitung Britifch- Nordamerika 53 der Metalle mit Ausnahme Auftralien. 53 des Eifens.. ..93 Indien 54 Gold und Platin 93 China. 55 Blei, Silber, Kupfer etc. .95 XII GRUPPE II. LANDWIRTHSCHAFT, FORSTWIRTHSCHAFT, WEIN-, OBST- UND GARTENBAU. SECTION 1. Die Feldwirthschaft. Bericht von Anton Adam Schmied, Profeffor an der königlich- böhmifchen höheren landwirthfchaftlichen Landeslehranftalt Tetfchen- Liebwerd. Heft LXXI. Seite Einleitung. Charakter der Culturftaaten und ihrer landwirthschaftPflanzenfafern.. Stärkemehl Oelfrüchte und Oelfamen Gummi und Harze. Seite .126 131 133 .135 Speciell über Baumwolle, vgl. Bericht von Dr. Alex. Peez, Reichsraths- Abgeordneter und Schriftfteller in Wien, Heft XIII..... 1-12 lichen Expofitionen Feldwirthfchaft: Oefterreich. England 1-38 .2, 20-29 2-6 Belgien.. Niederlande. Schweden und Norwegen Dänemark 6 7 8 • 9 Frankreich 9 Deutfches Reich SECTION 2. Thierzucht. Bericht von Johann Pohl, Profeffor am Francisco- Jofephinum in Mödling. Allgemeines Heft LXII. 14 Pferde.. Ungarn.. 29 Schweiz.. Italien.. England, Frankreich 1 2-10. 4 .30 Italien... 31 Deutfches Reich.. 445 Spanien .32 Oefterreich... 5 Türkei.. 33 Rufsland Ungarn, Rufsland, Egypten.. 9 34 Wettrennen und TrabwettfahNordamerika. .35 ren. .10-14 Die landwirthschaftlichen Geräthe Rinder.. und Maſchinen( vgl. Gruppe XIII, Section 3)... .14-25 England, Italien.. 15 ... 38-83 Deutfches Reich. 17 Die Hilfsdüngemittel. .83-98 Oefterreich.. Die europäifchen Nahrungspflan.14, 18-21, 24 Ungarn 21-24 zen. .99-117 Schafe.. 25-34 Halmgetreide 100 Hülfenfrüchte und Blattgetreide 111 Knollen und Rüben England 25 Italien, Frankreich. 27 114 Deutfches Reich. 29 Die gewerblichen Pflanzen..117-123 Oefterreich. 31 Hopfen.. .117 Ungarn 33 Oelpflanzen. .120 Schweine.. .34-39 Weberkarden .123 Ueber Flachs vergl. Heft XLVIII 3-7 England, Italien, Deutfchland, Oefterreich. 34 ZU SECTION 1. Fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. Bericht von Dr. Julius Wiesner, Wien. Heft LXXI.... ... 123-137 Ungarn 36 Fifche .39-43 Norwegen 39 Schweden 40 Frankreich, Deutfchland, Oefterreich 41 Ungarn, Rufsland. 42 XIII Seidenfpinner Seite .43-46 Italien, Frankreich, Oefterreich 44 Bienen .46-49 . 46 Deutfchland, Oefterreich. Italien, Ungarn, Schweiz, Frankreich, England, Dänemark, Rufsland, Belgien, Spanien, Portugal 47 Bienenwirthfchafts- Geräthe..... 47 49-50 Ställe... Milchwirthschafts- Geräthe..... 50- 53 Schafwolle. England Italien, Schweden, Rufsland 56 53-58 55 Frankreich, Spanien, Portugal, Deutfchland, Oefterreich.. 57 Ungarn 58 Speciell über Schafwolle vergl. Heft LVI. 1-11 Ueber Seide, Heft VI .2-3 SECTION 4. Wein-, Obft- und Gemüſebau. Bericht von H. Goethe, Marburg. Heft V. Seite a) Producte des Weinbaues..... 1-3 b) 99 29 c) 99 " 2 Obftbaues..... 3-6 Gemüſebaues.6-7 d) Obftbau, Weinbau u. Kellereigeräthe.. ..7—9 e) Obft- und Weinbau- Lehranftalten mit ihren Lehrmitteln. Die chemifch phyfiologifchen Verfuchsftationen für Obft- und Weinbau... SECTION 5. nemam Gartenbau. ..9--12 Bericht von Dr. Eduard Fenzl, k. k. Regierungsrath und Profeffor der Botanik, Wien. Heft LXXVII. SECTION 3. Forftwirthschaft. Bericht von Johann Newald, damals Director der k. k. Forftakademie in Einleitung Mariabrunn. Heft LXVIII. Walderziehung, Waldpflege.... 6-25 Waldbenutzung, Wirthschaftseinrichtung und Forftertrags- Berechnung.. Allgemeines. .... 1-8 I. temp. Gartenbau Ausftellung ( 1. bis 15. Mai).. 9 2. temp. Gartenbau Ausftellung ( 15. bis 20. Juni)... 15 3. temp. Gartenbau Ausstellung ( 20. bis 30. Auguft.) 21 1-6 4. temp. Gartenbau Ausstellung ( 18. bis 23. September) 28 25-65 5. temp. Gartenbau Ausftellung ( 3. bis 15. October) Permanente Pflanzen Ausftellung ( 1. Mai bis Ende October)...... 33 42 GRUPPE III. CHEMISCHE INDUSTRIE. Einleitender allgemeiner Bericht von Profeffor Dr. Adolf Lieben, Prag. Heft XLI. Anhang: Darftellung der Production der wichtigften chemifchen Producte und Hilfsftoffe Oefterreichs, fowie ihres Handelsverkehrs im allgemeinen öfterreichiſch- ungarifchen Zollgebiete im Jahre 1870 14 SECTION 1. Chemifche Grofs- Induſtrie. Berichterstatter Dr. A. Bauer, Wien. Heft LII. Allgemeiner Theil... Gewinnung des Schwefels. Fabrication der Schwefelfäure Soda... 99 97 Chlorbereitung.. 1 1 7 9 14 XIV Seite Seite Specieller Theil. 19 Tunis, Marokko. 44 Oefterreich 19 Perfien.. 45 Ungarn Deutſchland England Frankreich 29 Japan 46 30 China. 48 32 Hawai 50 34 Schlufswort. 51 Belgien 36 Schweiz.. 37 Italien, Schweden 38 Dänemark, Niederlande, Rufsland, Egypten 39 SECTION 2. Pharmaceutifche Präparate, ätherifche Oele, Parfümerien, und SECTION 8. Droguen und andere Rohmaterialien für die Pharmacie und chemifche Induſtrie. Bericht von Hofrath Prof. Dr. C. D. Ritter v. Schroff, Wien. Heft III. Einleitung Amerika, Vereinigte Staaten Salvador, Columbia, Uraguay Brafilien. Venezuela.. England und feine Colonien ( Ceylon, Auftralien, Cap der guten Hoffnung, Weftafrika). Frankreich und feine Colonien.. ( Martinique, Guadeloupe, Guyana, St.Pierre, Miquelon, Senegal, Gabon, Reunion, Neucaledonien, Tahiti, Franzöfifch Indien, Cochinchina, Algerien). Portugal und feine Colonien.. Spanien, Italien. 167789 13. 15 SECTION 3 und 4. Fettwaaren und Producte der trockenen Deftillation. Bericht von Dr. Heinrich Schwarz, ft. 1. o. ö. Profeffor in Graz. Heft IV. a) Fettwaaren: Rohmaterialien .1-8 Fette Säuren, Glycerin und Seifen 8-12 b) Producte der trockenen Deftillation. Harzinduftrie, Petroleum, Photogen, Paraffin, Braunkohlentheer, Steinkohlengas- Theer, Holztheer und Holzeffig, Deftillation von Seegras .12-18 Tabelle überVerwerthung des Steinkohlentheers SECTION 5. Zündwaaren und Exploſivstoffe. 18 Bericht von Dr. Wilhelm Friedrich Gintl, o. ö. Profeffor der Chemie am deutſchen polytechniſchen Landesinftitut in Prag. Heft XXXIV England, Spanien, Frankreich... .... 1 9 10 11 Dänemark, Belgien, Deutſchland 12 15-23 Zündrequifiten, Allgemeines 23 25 Italien, Schweden Schweiz, Belgien, Schweden.. 26 Norwegen Norwegen, Dänemark und feine Colonien, Holland 27 Oefterreich Das deutfche Reich. 30 Ungarn. Oefterreich.. 33 Rufsland 13 14 15 Ungarn, Rufsland und feine Dependenzen. 38 Cigarrenzünder und Lunten.... 15 Explofivftoffe( Schwarzpulver, SurGriechenland 40 Türkei. Egypten. 41 42 rogatpulver, Schiefsbaumwolle, Nytroglycerin oder„ Dynamit") 17 XV Zündhütchen und Zündfchnüre... Feuerwerkskörper. SECTION 7. Seite 31 34 Deutfchland, Dänemark, Rufsland, Italien, Nordamerika, Schweiz Seite 24-26 Leim und Gelatine... .26-38 Brafilien, England, Frankreich, Italien. 31 Schweden, Dänemark, Belgien. 32 Niederlande, Deutfchland... 33 Oefterreich- Ungarn Rufsland... • .... 34-36 .36--37 37 Appreturmittel und Harzproducte. Bericht von Dr. Wilhelm Friedrich Gintl, Prag. Heft LXXIX. a) Appreturmittel, Allgemeines: Stärke und Stärkegummi.... 2-17 Nordamerica 9 Venezuela, Brafilien, England 10 Spanien, Portugal, Frankreich, Algier.. Rumänien, Japan, China... Haufenblafe: Rufsland, Britifch Indien, Franzöfifche Colonien, Türkei, China... 38-39 b) Harzproducte, Allgemeines.40-46 Nord- und Südamerika.... England. 47 47, 48 Spanien, Portugal, Frankreich 49, 58 Schweiz, Italien, Schweden..50, 59 Norwegen, Dänemark, Belgien, 11 Schweiz, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien. 12 Deutſchland 13 Oefterreich- Ungarn ... 14-16 und China.. 17 Albumin und Cafeïn 18-26 China. Oefterreich... 22-24 Japan. Rufsland, Rumänien, Japan Holland, Deutfchland..... 51, 59 Oefterreich- Ungarn Rufsland .53, 55, 59 55 56 . 57 GRUPPE IV. NAHRUNGS- UND GENUSSMITTEL ALS ERZEUGNISSE DER INDUSTRIE.. SECTION 1. - Mehl und Mehlfabrikate. Bericht von Friedrich Kick, k. k. Regierungsrath und Profeffor des deutfchen polytechniſchen Inftitutes in Prag. Heft XXXVII. Seite 1-6. Mit 2 lithographirten Tafeln. ( Der weitere Inhalt diefes Berichtes betrifft die Mafchinen und Apparate der Müllerei und Bäckerei und fällt fohin in Gruppe XIII.) SECTION 2. Zucker. Bericht von Dr. Jofef Hanamann, Director der fürftl. Schwarzenberg'fchen Verfuchsftation in Lobofitz. Heft II. a) Rübenzucker: Deutſchland Oefterreich- Ungarn Frankreich. Belgien, Dänemark 373 13 15 e XVI Seite Schweden, Holland, Rufsland.. 16 England Italien, Spanien, Nordamerika, Südamerika. Auftralien China... 5) Stärkezucker. c) Milchzucker. Amerika.. Oefterreich- Ungarn 18 Brafilien. b) Malz: 19 21 22 22 22 ( Der weitere Inhalt diefes Berichtes betrifft die Apparate und Einrichtungsgegenstände für Zuckerfabriken und fällt fohin in Gruppe XIII.) SECTION 3. Wein. Bericht von Franz Leiben froft, Weingrofshändler in Wien, Mitglied der internationalen Jury. Heft XL. a) Weinausstellungen, Allgemeines Nordamerika, Deutfches Reich 12400 Deutfchland, England. Seite 56 60 62 63 ( Der weitere Inhalt diefes Berichtes betrifft Mafchinen und Apparate, fowie Gegenstände für die Anlage, Einrichtung und den Betrieb von Bierbrauereien und Mälzereien und fällt fohin in Gruppe XIII). Andere gegohrene Flüffigkeiten ( aufser Bier.) Bericht von Dr. Eduard Schmidt, Civilingenieur, Mitglied der internationalen Jury. Allgemeines.. Heft LXVI. ... 78 Nordamerika, Venezuela, Brafilien 83 England und Britifch Indien, Portugal, Spanien... . 84 England, Englifche Colonien.. Frankreich Frankreich und feine Colonien. 85 Monaco, Schweiz, Italien....... 87 5 Griechenland, Italien 6 Schweden, Norwegen, Dänemark 88 Belgien, Holland, Deutfches Portugal, Spanien, Rumänien, Reich .. 89 Rufsland... 7 Oefterreich- Ungarn . 90 Schweiz, Türkei, OefterreichRufsland 93 Ungarn 8 b) Kellereinrichtung und GeräthGriechenland, Türkei, Egypten, Tunis, Rumänien 94 fchaften... ..14-17 Japan, China... 95 Schlufsbemerkungen . 96 SECTION 4. Bier und Malz. Bericht von Guftav No back, Brauereiingenieur und Affocié der Brauerei- und Mafchinen- Fabrik," Brüder No back& Fritze" in Prag. Heft LXVI. a) Bier, Allgemeines Oefterreich- Ungarn 1 3 18 Grofsbritannien und Irland... 39 Deutfches Reich. Belgien Frankreich Schweiz, Italien, Dänemark, Schweden und Norwegen Niederlande Rufsland. 46 49 50 52 54 SECTION 5. Conferven, Extracte, Fleiſchwaaren. Bericht von Carl Warhanek, Kaufmann in Wien, Mitglied der internationalen Jury. Heft XXIII. a) Die Conferveninduftrie: Fleifch und Fleifchfabrikate, Fleifchextract, Schinken und geräucherte Würfte, Fifche, Gemüſe, Condenfirte Milch, Senf und Effigconferven... 2-7 b) Die Conferven- Ausftellung: Vereinigte Staaten von Nord9 amerika, England.. Portugal, Spanien, Frankreich. 10 XVII sis2 Seite Seite Schweiz, Italien..... 11 Rumänien, Griechenland, Japan, Schweden- Norwegen, Belgien, Dänemark.. 12 Egypten, Niederlande, Perfien, Rufsland.. 13 Egypten, Türkei, Deutſchland. 3 Oefterreich- Ungarn SECTION 7. 3-5 Griechenland, Türkei, Oefterreich Tabak und Tabakfabrikate. 14 Ungarn, Deutfches Reich.... 15 nabowdo Bericht von Franz Riedl, k. k. FinanzSECTION 6. Chocoladen und Zuckerbäckerwaaren. Bericht von A. Gerftner, k. k. HofZuckerbäcker, Mitglied der internationalen Jury. Heft XI. rath. 10 Heft XI. Oefterreich Ungarn. Deutſchland, Holland. 878 6 Rufsland, Schweden, Norwegen, Dänemark... 9 nov doin England, Belgien, Schweiz, Spanien, Italien.... 10 Amerika, Holland, Spanien.. 1 Griechenland, Türkei, Rumänien, Portugal, Schweden, Frankreich, Schweiz, Italien, Rufsland.... Brafilien, Venezuela. 11 2 China, Japan, Anhang.. ... 12 D GRUPPE V. TEXTIL- UND BEKLEIDUNGS- INDUSTRIE. D ni Janis SECTION 1. VID Schafwollwaaren. Heft LVI. 42 a) Schafwolle.. b) Gefpinnfte ..1-11 11-35 Kammgarne. 11 Nordamerika, Egypten, Algier, Marokko, Tunis, China, Japan, Brafilien, Perfien d) Shawls. .. 33 Bericht von Emanuel Thieben, Shawlfabrikant, Mitglied der Handels- und Gewerbekammer in Wien. ( Frankreich, Italien, Rufsland, Spanien, Schweiz, H Allgemeines 36 81 Oefterreich.) dois Indien. 39 Streichgarn. 13 e Perfien. 40 ( Belgien, Oefterreich.) England, Deutſchland 41 Kunftwolle 14 Frankreich 42 ( Deutſchland, Oefterreich.) Rufsland, Oefterreich 44 c) Ganzfabricate: 18 no Deutſchland Belgien England. als Frankreich 8 Oefterreich Italien, Rufsland. Schweiz, Spanien, Portugal, sboM Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen... Serbien, Rumänien, Griechenland, Türkei... 15 SECTION 2. 17 21 24 29 30 15 ... 31 Deutfchland . 20 Schweiz. 21 32 Frankreich, England 22 2 Baumwollwaaren. Bericht von Dr. Al. Peez, Reichsrathsabgeordneter u. Schriftfteller in Wien. Heft XIII. Baumwollfpinnerei u. Weberei.12-32 Oefterreich.. XVIII Seite Nordamerika, Rufsland, Belgien, Italien, Griechenland. Baumwolldruck... 23 23 Seite Schweiz, Deutſchland, Schweden 2, 3 Afien( Türkei, Perfien, Indien, China, Japan). Deutfchland, England, Schweiz, Spanien.. Seidenfärberei 25 Seidenweberei: Frankreich Italien, Rufsland, Oefterreich... 26 ( Vergl. Gruppe II, Section 7.) SECTION 3. Flachs- und Hanf- Induſtrie. Bericht von Carl v. Oberleithner, Gefellſchafter der Firma Eduard Oberleithner's Söhne, Mährifch- Schönberg. Allgemeines. Flachs.... Rufsland Heft XLVIII. Frankreich, Belgien, Holland, Scandinavien. Deutfchland, Oefterreich. Garne und Zwirne Rufsland England, Frankreich, Italien, Belgien, Oefterreich, DeutſchGlatte Leinen und Zwilche.. Hanf und Flachs-, Segelleinen Deutfchland Schweiz, Italien, England, Rufsland, Portugal, Schweden, Oefterreich.. Orient. Appretur. Mafchinen für die Seidenweberei.. SECTION 5. Wirkwaaren. 4 4 5 7 6788 Bericht von Ludwig Glogau, Fabrikant in Teplitz. Allgemeines. 1-3 3-7 4 5 Heft XIII. 6 7-12 28 8 England, Frankreich, Schweiz, Deutſchland 31 Italien, Oefterreich. 32 land. 11 12-23 und Drills Hausleinen.. 12 15 Batifte und feine Leinen. ... 19 Gebildwaare. 23-28 England, Frankreich. 24 SECTION 6. Pofamentirarbeiten. Bericht von Carl Giani, Fabrikant in Wien, Mitglied der internationalen Jury. Heft VI. Nordamerika, England, Brafilien, Italien, Belgien, Deutfchland... 25 Indien, Frankreich. .... 10, 13 Oefterreich Rufsland 26 27 Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Schweiz, Dänemark, SchwedenHanf und Seilerwaaren. .28-30 Italien, Oefterreich Ungarn, Rufsland. Spanien. Frankreich • 28,29 29 ... 30 Norwegen, Niederlande, Deutfchland... Oefterreich. 11, 13 12, 13 Ungarn, Rufsland, Griechenland, Rumänien, Orient. 14 Jute. 30-34 33 34 England, Deutfchland Oefterreich SECTION 4. Seide und Seidenwaaren. Bericht von Anton Harpke, Fabrikant in Wien, Mitglied der intern. Jury. Heft VI. Seidenproduction: Italien, Frankreich, Spanien, Oefterreich Ungarn, Türkei, Griechenland, Rufsland. SECTION 7. Fertige Kleider. Berichte von Ignaz Ortmann, Anton Kreuzig, Jofef Migotti, Wilh. Plefs, Franz und Max Stiasny in Wien. Heft XX. a) Frauenkleider und Coftüme. Bericht von Ignaz Ortmann, Modewaarenhändler in Wien. Indien, China.. 2 Japan, Perfien, Türkei. 23 2 3 XIX Tunis.... Oefterreich, Ungarn, Frankreich, England Seite 4 5 b) Männerkleider und Coftüme. Bericht von Ant. Kreuzig, Schneider, Mitglied der Handelskammer und der internationalen Jury in Wien. Oefterreich, Dänemark, Frankreich, England, Rufsland, Amerika, Italien, Deutfchland, Spanien.... 6-10 c) Kinderkleider. Bericht von Jofef Migotti, k. k. HofKnabenkleider- Lieferant, PrivilegiumsBefitzer in Wien. Frankreich, Spanien, Deutſchland, Oefterreich Ungarn, Rufsland, Rumänien, Griechenland.... 10-13 d) Hüte aus Filz, Seide und Stroh. Bericht von Wilhelm Plefs, HutFabrikant in Wien. 13 Filz und Seidenhüte: Oefterreich.... Deutfches Reich, Ungarn, Italien 15 Belgien, Frankreich, Portugal, Brafilien, England, Rufsland.... 16 Strohhüte: Oefterreich . 17 Deutfchland, Schweiz, Italien. 18 Frankreich, England, Belgien. 19 e) Handfchuhe. Bericht von Franz und Max Stiasny, Handfchuhfabrikanten in Wien, Mitglieder der internationalen Jury. Oefterreich, Deutſchland, Frankreich, England, Italien, Rufsland, Scandinavien, Spanien, Portugal, Nordamerika.. 20-21 f) Cravaten und Halsbinden. Bericht von Jofef Migotti. England, Frankreich, Belgien, Italien, Deutfchland, Rufsland, Oefterreich .22-24 h) Gamafchen. Seite Bericht von Jofef Migotti. Griechenland, Türkei, Dänemark, Oefterreich- Ungarn........ 27-28 i) Wäfche. Bericht von Jofef Migotti. Nordamerika, Frankreich, Portugal, Belgien, Schweiz, Deutfchland, Oefterreich- Ungarn, Rufsland 28-32 SECTION 8. Die Stickerei und die Spitzen. Bericht von Dr. Ferdinand Stamm, Wien. Heft VII. Handftickerei: China.. Japan, Indien Italien.. Mafchinenftickerei Perfien, Türkei ,, Griechenland, Handfpitzen.... 23 3 4 7 8 9 10 11 12 12, 13 Syrien und der Orient überhaupt Schweden, Rufsland.. Italien, Spanien, Portugal, Brafilien, Belgien, Frankreich England, Oefterreich.. Maſchinenfpitzen SECTION 9. Schuhwaaren. Bericht von S. Goldfchmidt, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handelskammer in Prag. Heft LXIV. Oefterreich- Ungarn Deutfches Reich.. 1-3 3 4 Italien, Frankreich, Belgien Schweiz, Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Rufsland..... 5 Rumänien, Griechenland, Türkei, g) Mieder. England, Amerika, Brafilien, China, Japan 6 Hilfsmafchinen für die Schuhmacherei... 6-8 24-27 Bericht von Anton Kreuzig. Deutfchland, Frankreich, Spanien, Italien, Belgien, OefterreichUngarn 2* XX SECTION 10. Schmuckfedern, künftliche Blumen und Haararbeiten. Bericht von Dr. Carl Th. Richter, o. ö. Profeffor der Staatswiffenfchaften an der Univerfität in Prag. ito Heft LXIV. ind Oefterreich Ungarn, Frankreich, Seite Brafilien, Deutfches Reich.... 9-16 В ИОГТОна SECTION 11. Tapezierarbeiten und Decoration. Bericht von Anton Fix, Tapezierer 2 Amerika, Frankreich... Oefterreich- Ungarn. Seite .... 19 .... 21, 23 basign ANHANG ZU GRUPPE V. Frauenarbeiten. Bericht von Frau Helene Freiin v. Roditzki, Vorfteherin des Civil- MädchenPenfionates in der Jofefftadt, Wien. nsim Heft VII.sil Allgemeines .. 14 Leiftungen der Schulen und Vereine 15 Oefterreich, Schweden, Deutſchaland, land, Portugal... Rumänien, England... Dilettanten- Arbeiten Brafilien, Italien.. Schweden, Spanien, Deutſch016 . 18 .18 10 18 land, Oefterreich .. 19 in Wien.ne Heft. LXIV. Weibliche Arbeiten der Hausinduftrie.. ... 20 8 Oefterreich 20 Deutfches Reich.. England, Italien, Belgien, Dänemark, Rufsland, Egypten... 45 17 Schweden, Türkei, Perfien, Rufsland, Amerika. .... 21, 22: 18 ( Vergl. auch Heft XIII, S. 33.) a e jqusdssd Jasi1019b bau ns 01 18 Isgutro asinsge SI doista siglet GRUPPE VI. daismas balan LEDER UND KAUTSCHUK- INDUSTRIE. е понтоне MOITS 12 SECTION 1. 15 bim do Leder. 198 Mibimdalblod el mai sb Bericht von S. Goldfchmidt, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handelskammer, Präfident der erften böhmifchen LederinduftrieGefellfchaft in Prag. on Heft XXIX. baclau.sbswilo Sohlleder.... Oefterreich.... 23 England, Amerika Brafilien.... .... 10 ... 11 Zugerichtete, gefärbte und lackirte O Leder: ls: busign Färberei mit Theerfarben..? 11 1 Oefterreich- Ungarn Deutfches Reich Italien, Frankreich. 1235 Belgien, Schweiz, Dänemark, Schweden, Rufsland......... 17 England, Spanien, Portugal, RuAs mänien, Türkei, Japan, Nordamerika, Brafilien.. Refumé Gärbematerialien. Cap Italien, Griechenland, Egypten, Türkei, Deutſchland, 6 8. Schweiz, Schweden, Norwegen, Dänemark, Rufsland... Frankreich, Belgien. 6 Statiſtik... TS- 19 .. 18 . 19 . 19 ... 21 .. 22, 23 U XXI толе Seite SECTION 2. Lederwaaren( Riemer- und agus Sattlerwaaren). Bericht von Hermann Lichnowski, Riemer und Sattler in Wien. Ausstellung von Pelzwaaren: nellaW Amerika, Brafilien, England, englifche Colonien, Frankreich.. Italien, Dänemark, Schweden- d 32 sim Norwegen 10. 33 Belgien, Deutſchland. 34 Heft LXV. Oefterreich. 35 Seite Spanien, Italien, Rufsland...... is 2 Ungarn, Rufsland. 38 Frankreich, Deutſchland, Oefter- so reich. Amerika 3 Türkei, Rumänien, Perfien. China, Japan 16: 39 .. 40 4 boM SECTION 3. Rauh- und Kürfchnerwaaren. Bericht von J. Max Hirfch, öffentlicher Gefellſchafter der Firma Hirſch und Eidam in Wien. 09 Heft XXI. Einleitung über Production, Handel und Verkauf von Pelzen im Allgemeinen und in Amerika und Rufsland insbefondere...... 14-32 SECTION 4. Kautfchukwaaren. 60 Bericht von Ifidor Schnek, Gummiwaarenfabrikant in Wien. Heft LXV. A Einleitung über die Gewinnung und Verwendung von Kautfchuk und die Fortfchritte der Kautfchuk i Induftrie im Allgemeinen..... 5-8 Brafilien, Nordamerika, England, Frankreich, Italien Rufsland, Deutfches Reich 9 12 Schweiz, Oefterreich- Ungarn... 13, 14 asinaga asq2 #silatl GRUPPE VII. METALL INDUSTRIE. baelloll dismena друбитой SECTION 1. 8 Gold- und Silberwaaren. ( Arbeiten in Edelmetall und Edelſtein.) Bericht von Jacob Falke, k. k. Regierungsrath und Vicedirector des k. k. Muſeums für Kunft und Induftrie, Wien. Heft LXXXVIII. Einleitung... I. Silberarbeiten: Formelle Behandlung und Geftaltung derfelben 88 dois119f90 SECTION 2. bala Stahl- und Eifenwaaren. Bericht von F. W, Haardt, Mitglied der n. ö. Handels- und Gewerbekammer und der internationalen Jury in Wien. Heft LXXXVI. Einleitung. Senfen. Werkzeugfabrication. Mefferfchmiedwaaren und chirurgifche Inftrumente 1 2 4 7 Feilen und Sägen. Nadeln 9,12 13 7 Drahtgewebe, Nägel und Schrauben .... 15, 17 Schlofferwaaren, feuerfefte Schränke, eiferne Möbel.... Grobe Schmiedewaaren... 17, 19 20 23 Fertige Behandlung des Silbers 15 Kirchliche Goldfchmiedekunft 20 II. Schmuckarbeiten in Gold und Silber. III. Schmuckarbeiten in Edelſteinen 32 Vergleichende Schlufsbetrachtung 37 Blechwaaren und Kochgefchirre... 22 Eiferne Röhren.... Bau- und Ornamentgufs.. 23 ... 24-28 XXII SECTION 3. Waffen, mit Ausnahme von Kriegswaffen. Bericht von Johann Newald, gewefenem Director der k. k. Forft Akademie S MOITO ZU SECTION 4. Lampen und BeleuchtungsApparate. Bericht von Carl Kohn, Civilingenieur Mariabrunn. Heft XLIV. Seite in Wien. Heft XLIV. Kunftwaffen: Einleitung. Spanien, Türkei, Tunis, Egypten, Rumänien, Indien, Japan..... Oefterreich. 3 Moderne Jagd- und Luxuswaffen: Spanien, Frankreich.. 4 Oefterreich- Ungarn 5 Italien, Belgien, England, Nordamerika, Deutfchland...... 7, 8 SECTION 4. Anderweitige Metallwaaren. Bericht von Carl Haas, BronzewaarenFabrikant, Wien. Heft XLIV. Allgemeines England.. 9 11 Englifche Colonien( Indien).... 13 Seite 45 46 .47, 48. Deutfches Reich, Frankreich, England. Erzeugniffe aus Kupfer, Zink, Blei, Zinn, Nickel und deren Legirungen. Bericht von Guftav Edlen v. Rofthorn. Heft LXXXVI. Einleitung. Kupfer als Halbfabricat: Oefterreich- Ungarn Deutſchland Frankreich, England Rumänien 29 30. 31 32 33. 33. Spanien.. 15 Zink, Blei... Portugal, Frankreich 16 Metalllegirungen als Halbfabricate: Italien. 22 Holland. 24 reich, Deutfchland. Dänemark. 25 Metallwaaren: Norwegen, Deutſchland. 26 Oefterreich. 29 Oefterreich, England, Franka) Gufswaaren, b) Chinafilber... 36 Spengler und Metalldruckwaaren, 34 Rufsland 36 Metallknöpfe.. 37 Rumänien 38 • Perfien 39 Türkei, Egypten, Marokko, Tunis 40 China... Japan. 41 43 Bronzeketten, Metallgewebe, Mundharmonicas, Metallrahmen...... 38 Britannia Metall, Metallbuchstaben, Metall Bettgeftelle, Metallpatronen .39-41 GRUPPE VIII. HOLZ INDUSTRIE. SECTION 1. Deutſchland, Schweden und Bautifchlerei.d Norwegen.. Nordamerika 9 68 Bericht von Wilhelm Flattich, ArchiEngland, Portugal, Frankreich, tekt in Wien. Schweiz.. 10 Heft XLIII. Italien, Belgien, Rufsland, Türkei, Egypten, Brafilien 11 Einleitung.. 1 Japan.... 12 Oefterreich- Ungarn. 5 XXIII SECTION 2. Möbeltischler- Arbeiten. Bericht von Bernhard Ludwig, MöbelFrankreich England. Italien fabrikant in Wien. Heft XLIII Seite 13 15 16 17 SECTION 4. Korkwaaren. Bericht von Carl Kohn, Civilingenieur Wulin Wien. Heft XLIII. Spanien, Portugal.. Seite 27 Italien, Oefterreich, Nordamerika.. 28 Deutfchland Dänemark, Rufsland, Schweden und Norwegen, Belgien, Schweiz, 19 Monaco, Spanien, Nordamerika, Egypten, Japan, China, Perfien, Indien Oefterreich Ungarn 20 20-24 Rohmaterialien, Werkzeuge und Verbefferung diefer Induftrie 24 Refumé 25 SECTION 5. Korbflechtwaaren. Bericht von Carl Kohn, Civilingenieur in Wien. Heft XLIII. Deutſchland, Brafilien, Oefterreich 30 Schweden, Norwegen, Dänemark, England, Frankreich, Italien.... 31 GRUPPE IX. STEIN, THON- UND GLASWAAREN. SECTION 1. Stein waaren. Bericht von Heinrich Wolf, k. k. Bergrath und Chef- Geologe der k. k. geologifchen Reichsanſtalt. Heft XCII. Einleitung. 3 Natürliche Steine. 1. Baumaterialien als Lehrfammlungen, ausgeftellt von NichtProducenten. Amerika, Spanien.. Frankreich, Italien.. Schweden.. Deutfches Reich, Oefterreich Ungarn, Rumänien..... 445679 Dänemark, Belgien 17 Deutfches Reich. 18 Oefterreich 19 Ungarn 23 24 Japan. 25 Rufsland Rumänien, Türkei, Centralafien, 3. Steinwaaren,( von mehr oder minder künftlerifcher Ausführung). 25 Amerika, Spanien, Schweiz, Frankreich 26 Italien, Schweden, Belgien..... 27 Deutfchland und Oefterreich Ungarn, Rufsland, Türkei, Perfien, Indien. Japan.. 4. Mahl-, Schleif und Wetzfteine, 28 30 31 32 Griechenland, Egypten, Indien, Japan, Neufeeland... Smirgel und Smirgelwaare... 32 Amerika, England 35 Frankreich, Italien. 36 10 Belgien, Deutfches Reich 37 2. Baufteine, Steinmetzarbeiten( ausOefterreich. 39 geftellt von Producenten) 11 Ungarn. 40 Amerika, England. 11 Portugal, Frankreich Rumänien, Rufsland. 41 12 Schlufswort. 42 Schweiz 15 Italien, Schweden Norwegen 16 GRUPPE X. dais KURZWAAREN- INDUSTRIE. SECTION 1.d Arbeiten aus Meerfchaum. SECTION 2. sbalder? e Arbeiten aus Schildpatt, Horn, Knochen, Elfenbein, Perl28 mutter, Fifchbein. 88 boalan SECTION 3. Lackarbeiten. SECTION 4. 18 Wachs- Arbeiten. 28 doist l Bericht von Ludwig Hartmann, Drechsler in Wien. Heft XLVII, 2. revidirte Ausgabe S.1-3. SECTION 5. Bronzegalanterie-, LederTegalanterie- und Tafchnerwaaren. 18 Oefterreich... XXV bantu Seite 7 9 10 England, Deutſchland Italien, Rufsland, Belgien · Galanteriewaaren aus Leder und Tafchnerwaaren Oefterreich Ungarn, Deutfches Reich Frankreich, England, Italien, 19 Rufsland, China, Japan SECTION 6. 126 11 12 15 16 Плоч 195 Stöcke, Peitfchen, Regen- und Sonnenfchirme. Bericht von Ludwig Hartmann, Drechsler in Wien. 8 52 Bericht von J. Weidmann, k. k. HofLedergalanterie- und TafchnerwaarenFabrikant in Wien. Auf Grund eines Commiffionsberichtes der Handels- und Gewerbekammer in Wien im Auftrage des früheren Herrn Handelsminifters Dr. A. Banhans, redigirt von Dr. Migerka. Heft XLVII. zweiter Ausgabe S. 4. Galanteriewaaren aus Bronze Frankreich Seite 5 6 Heft XLVII, 2. revidirte Ausgabe S. 3. 81 SECTION 7. Kinder- Spielwaaren. Bericht von Dr. Carl Th. Richter, Profeffor der Staatswiffenfchaften an der Prager Univerſität. Tovilo Heft XLVII, 2. revidirte Auflage S 17. Einleitung. England, Frankreich. China, Japan. Deutſchland.. Oefterreich... .. 17 19 20 . 21 22 03 04 0A niqs asi GRUPPE XI. III.I H PAPIER INDUSTRIE. SECTION 1. Papierzeug, Pappe und Papier. Bericht von Emil Twerdy, Ingenieur und Papier- Fabrikant in Bielitz. Heft XXXVIII. a) Papier und Papierzeug: Rohmaterial Hadern. 2 2 er Holzftoff Stroh... Cellulofe Maulbeer- Rinde. Brennneffel.... Kartoffelftengel... doist In 3 9 12 17 .18 19 b) Papierfabriks Einrichtung und fpeciell Papiermaschinen... 19-28 ( Vergl. Gruppe XIII.\ XXVI Seite c) Ausgeftellte Papiere: Oefterreich- Ungarn 29 Luxus- und Phantafie papiere: Deutfchland, Oefterreich Deutſchland 31 Schreibmaterialien.... Frankreich, England 32 Monogramme und Wappen: Rufsland, Italien, Niederlande, England, Schweiz, Italien, Spanien, Portugal.. 33 Oefterreich.... Stahlfedern und Goldfedern: England Frankreich Oefterreich Schweiz, Rumänien, Schweden, Norwegen, China, Japan.... 34 SECTION 2. Tapeten und Buntpapier. Bericht von Dr. Wilhelm Franz Exner, k. k. Regierungsrath, Profeffor der mechanifchen Technologie an der k. k. Forftakademie in Mariabrunn, derzeit an der Hochfchule für Bodencultur in Wien. Heft LIII. Einleitung. Tapetenfabrication: Amerika, England Frankreich Deutfchland 1 236 Tinte: England, Frankreich... Seite 23 24 25 28 29 .... 30 .. 32 Schweiz, Italien, Spanien, Rufsland 33 Oefterreich, Deutſchland. Siegellack: England, Frankreich 34 34 Deutfchland, Rufsland, Oefterreich 35 Zeichnenrequifiten. Blei und Farbeftifte .. 35 Deutſchland, Oefterreich, Amerika 36 Schiefertafeln, elaſtiſche Tafeln, Schulhefte: Oefterreich 9 Deutfchland 36 Schweden 12 Oefterreich.. 37 Norwegen, Rufsland, Dänemark, Zeichnenpapier, Pauspapier: Ungarn, Japan 13 Buntpapierinduftrie: Frankreich, England, Deutſchland, Oefterreich 37 Japan, Rufsland, Frankreich, Deutfchland 14 Malerrequifiten. Oefterreich 15 Farben: Rollvorhänge: Frankreich. 37 Deutſchland, Frankreich 16 Schweiz, Amerika, Deutfchland, Oefterreich, Japan. 38 SECTION 3. Tufche: Schreib-, Zeichnen- und MalerRequifiten. Bericht von Ignaz Nagel, Beamter der commerciellen Direction der k. k. Südbahn in Wien. China.. $ 38 Japan, Deutfchland. Frankreich 39 Malerpinfel: Frankreich, Deutſchland 39 Oefterreich, China, Japan 40 Malerleinwand: Heft LIII. Papierconfection: X394 Oefterreich, Italien 40 Reispapier: 40 Deutfchland, Frankreich, Oefter- China.. reich.. Cigarrettenpapier: 19 & Frankreich Spanien, Oefterreich 19,20 Eifenbahnfahrkarten und Telegra phenrollen: Oefterrreich Briefcouverts: Frankreich. Deutſchland England, Oefterreich 20 SECTION 4. Buchbinderei, Cartonnage und Maſchinen für Buchbinder. Bericht von Conrad Berg, Verlagsbuchhändler und Buchbinder, Wien. Heft LIII und Nachtrag. 20 Papierdüten und Säcke: Deutfchland, Oefterreich....... 22 Einleitung. England 41 42 XXVII Schweden, Türkei, Dänemark, Seite Egypten, Amerika, China, Japan 55 Buchbindermaschinen: Seite Frankreich 43 Oefterreich 46 Ungarn 52 Deutfchland. 53 Cartonnage: Italien, Schweiz, Rufsland, Spanien, Portugal, Belgien..... 54 Deutfchland, Oefterreich 56 Frankreich, England, Oefterreich 57 Deutſchland, Italien, Belgien... 58 GRUPPE XII. GRAPHISCHE KÜNSTE UND GEWERBLICHES ZEICHNEN. 11 SECTION 1. Buchdruck. Bericht von Ludwig Lott, Leiter der Druckerei der„ Preffe", Wien. Heft LXXXV. Schnellpreffen und gewöhnliche Druckmafchinen: Deutfchland, Frankreich, England, Dänemark, Oefterreich. Buchdruckerfchwärze und bunte Farben... 2 SECTION 3. Graveur- und GuillochirArbeiten. Bericht v. J. Schwerdtner, Graveur in Wien. Deutfchland, Belgien, Schweiz, Frankreich Heft XLVI. Einleitung. 1 Medaillengravirung: Oefterreich, Italien, England, 3 Erzeugniffe der Buchdruckerpreffe 12 Siegel, Wappen-, und SchriftgraNordamerika. 12, 14 virung: Brafilien.. 13, 15 Grofsbritannien. 15 Oefterreich, Deutſchland, England.. 5 Portugal, Spanien. 16 Gravirung von Intarfien: Frankreich 13, 16 Schweiz.. 18 Oefterreich.. Italien 13, 19 Stein- und Glasgravirung: Schweden, Norwegen, Dänemark, England, Frankreich, Italien, Oefterreich, Frankreich, Italien 10 Belgien.. 13, 19 Flachgravirung: bou Niederlande, Deutſchland. Oefterreich.. 13, 20 Oefterreich, Deutfchland, Italien, 13, 24 Schweiz, Rufsland, England. 11 Ungarn 13, 44 Schriftftempel, Gravirung für den Rufsland. 14,46 Schriftgufs: Griechenland, Türkei, RumäOefterreich. 14 nien, Egypten. 14, 47 China, Japan.. 48 Gravirung für Buchbinder- und Ledergalanteriearbeit: Oefterreich, Deutfchland....... 15 Gravirung von Schablonen und meSECTION 2. Kupfer- und Stahlftichdruck. Bericht von Louis Jacoby, Profeffor an der k. k. Akademie der Künfte und Mitglied der internationalen Jury in Wien. Heft XXXIII, f. Gruppe XXV. tallographifchen Arbeiten: Oefterreich.. 16 Email und Emailgravirung: Oefterreich, Rufsland, Frankbildenden reich, England. 17 Stanzengravirung: Oefterreich, Deutfchland, Dänemark, Schweiz.. 19 XXVIII SECTION 4. Lithographie und Chromographie. aBericht von Conrad Grefe, Wien. Deutſchland Oefterreich. ddond Ungarn Seite Ja.. 33 034 38 Rufsland, Griechenland, Türkei 39 Heft XXXIII. Egypten 40 Seite Die Thätigkeit der Wiener PhotoEinleitung.. 10 Nordamerika 13 England 14 Frankreich, Portugal 15 graphen- Affociation auf der Weltausftellung 1873.... Photographifche Apparate und Geräthſchaften.. 40 42 Schweiz, Italien, Belgien, Holland 16 Deutfchland... 17 Oefterreich- Ungarn 18 CMU AT SECTION 6. Rufsland und der Orient 19 SECTION 5. Photographie. Bericht von Jofef Löwy, k. k. HofTV Photograph in Wien. v Muſterzeichnungen und Decorationsmalerei. Bericht von F. Lieb, Profeffor, Wien. Einleitung Heft XLVI. 44 Heft XLVI. England, Frankreich 46 Oefterreich. 47 Einleitung. 22 Deutſchland 48 Nordamerika, Brafilien, England 27 Spanien, Portugal, Frankreich.. 29 Schweiz, Italien. Schweiz, Italien, Rufsland, Griechenland ... 49 31 Schweden, Dänemark, Niederlande, Belgien. 32 Türkei, Egypten, Indien, China, Japan. Schlufswort. 50 50 50 И d GRUPPE XIII. MASCHINEN UND TRANSPORTMITTEL. fois 01 retiny SECTION 1. Motoren und Dampfkeffel. Berichte von J. F. Radinger, Profeffor an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. Heft LV. aiame ( Mit zahlreichen Illuftrationen.) A. Dampfkeffel. Allgemeines b) Halblocomobil- Keffel 12 Schwediſche Italienifche Expofitionen 71 Ruffifche 72 Amerika, England. 73 74 A Belgien, Italien, Schweiz.. Deutſchland 78 79 Rufsland . 81 81 Oefterreich. 82 Niederlande, Frankreich. 1 a) Stabilkeffel. 5 Der amerikaniſche Keffel 5 Die englifchen Keffel.. 8 TI franzöfifchen Keffel " 20 belgifchen Keffel. 27 Schweizer Keffel 29 deutfchen Keffel 01 32 " öfterreichifchen Keffel 49 " Schornfteine c) Locomobil- Keffel: Englifche Locomobile....... 85 Franzöfifche Locomobile.... 93 Oefterreichifche Locomobile. 95 d) Heiz- und Sicherheits- Ausbrüftung der Keffel.... Vorrichtungen gegen Keffelfteinablagerung. Heizapparate 97 .. 97 . 99 .103 Seite XXIX Seite & B. Dampfmafchinen. 01 Heft LXXXIII. ( Mit 130 Illuftrationen.) Allgemeines a) Stabilmafchinen: ... 3 Die amerikanifchen Mafchinen. 13 ,, englifchen Maſchinen..... 20 Belgien und Frankreich... 59 Italien. Rufsland Die Schweiz Deutſchland. 73 75 87 .106 Die öfterreichifchen Mafchinen. 154 b) Halblocomobile c) Locomobile Tabelle der Hauptabmeffungen und Bezugsverhältniffe der Dampfmaschinen... C. Hydraulifche Motoren: Wafferräder, Turbinen. Wafferfäulmaſchinen. .211 223 ..297 235 255 M 101 9 D. Andere Motoren. Windräder, Calorimotor, Heifsluftmafchine, Kohlenfäure Motor, 19 Gasmafchinen, Petroleum- Mafchinen, Elektro- Motoren...... 261 E. Mafchinentheile: Regulatoren, Riemen, Einzelntheile 277 F. Apparate zur Unterfuchung der Mafchinen: Indicatoren, Bremfen:. ZU SECTION 1. 0.289 Keffelarmaturen und SchmierVorrichtungen. Bericht von Victor Novelly, Ingenieur der Generaldirection der Wiener WeltAusstellung. Heft LXXXII. ( Mit 18 Illuftrationen.) Keffel armaturen. Einleitung.... I. Manometer( Metall Manometer, Queckfilber- Manometer) II. Wafferftandsanzeiger III. Sicherheitsventile VIII. Apparate zur Verminderung und Regulirung der Dampfſpannungen. . 21 Schmiervorrichtungen. Einleitung I. Schmiervorrichtungen für nicht im Dampf fich bewegende Mafchinentheile II. Schmiervorrichtungen für die im Dampfe fich bewegenden Mafchinentheile. a) Apparate mit continuirlicher Oelabgabe.. b) Schmiervorrichtungen, welche blofs beim Gange der Mafchine( ohne Dampf) Fett 24 24 27 27 abgeben 35 Kefsler's Patent Schmierapparat 37 c) Schmiervorrichtungen mit periodifcher nicht felbftthätiger Fettabgabe...... 38 SECTION 2. Mafchinen zur Bearbeitung der Metalle. Bericht von Carl Pfaff, Maſchinenfabrikant in Ottakring bei Wien. Heft XCIV. Mit 6 Holzschnitten und 74 lithographirten Tafeln. Amerika England Schweiz. Belgien Frankreich 5 40 56 58 61 64 Schweden, Rufsland. .101 Oefterreich- Ungarn 101 109 Bemerkung. 114 Deutſchland. Anhang( Amerika). Spritzen und Pumpen. Bericht von Peter Zwiauer, Ingenieur. 1 1 ° 12 16 Einleitung. IV. Dampfhähne und Ventile.... 16 V. Dampfentwäfferungs- Apparate und Condenfations Wafferfammler..... VI. Dampfleitungsröhren Heft LXXX. ( Mit 34 Holzfchnitten.) A. Kolben- Pumpen. a) Directwirkende Pumpen: 1. Die Decker'fche Pumpe... 18 2. 99 19 3. 99 4. " .. 20 VII. Schutzmittel gegen Wärme01 Ausftrahlung Cameron'fche 99 M .. 1 5 9 Pumpe von Maxwell& Cie. 13 Dampffpritze von Merryweather& Comp. 19 XXX Seite .. 23 b) Pumpen mit rotirender Bewegung 20 Die Prunier'fche Pumpe..... 21 Die Pumpe der erften Brünner Mafchinenfabrik c) Diverfe Pumpen bekannter Conftruction( deutfche, franzöfifche, fchweizerifche, öfterreichifche, amerikaniſche, engliſche Expo. fitionsobjecte) d) Neue Details( Pifton Génefte à contraction von John Dewrance & Comp. in London, Friedmann'fches Ventil, Field' fche Lippen- Ventile). e) Dampf- Feuerfpritzen .26 B. Kettenpumpen. .32, 35 33 36 C. Rotirende und Centrifugal- Pumpen 37 D. Dampfftrahlpumpen, Injectoren und Ejectoren( Giffard, Friedmann, Schau). 42 E. Luftpumpen für hüttenmännifche Zwecke u. f. f. .. 50 57 F. Blowers, Ventilatoren und Exhauftoren ஜன Apparate der chemifchen Grofsinduſtrie. ( Abdampf- und Deftillir- Apparate für Laboratorien und pharmaceutifche Zwecke, Eismafchinen und Apparate der Leuchtgas- Fabrication.) Bericht von Joh. Stingl, Präparator an der k. k. technifchen Hochſchule, Wien. ( Mit 19 Illuftrationen.) Heft LXXXI. Apparate der chemifchen Grofsinduftrie. Concentration der Schwefelsäure Deftillir und Abdampf- Apparate Laboratorien. Eismafchinen für pharmaceutifche Zwecke und 2 13 16 20 Apparate der Leuchtgasfabrication 28 Maſchinen und Apparate der Müllerei und Bäckerei. Bericht von Friedrich Kick, k. k. Regierungsrath und Profeffor am deutfchen polytechnifchen Inftitute in Prag. Heft XXXVII, f. Gruppe IV, Section I. ( Mit 2 lithographirten Tafeln.) Getreide- Reinigungsmaschinen.... Trockenmafchinen 6 7 Seite Getreide Putz oder Schälmafchinen 8 Mahlgänge 10 Mühlfteine und Mühlfteinfchärfmaſchinen( vergl. Gruppe IX, S. 1) 15 Beutelvorrichtungen oder Sichtemafchinen. ... 17 Schrot- und Griesputzmafchinen... 18 Maſchinen für Rollgerfte Fabrication, Graupengänge. Mafchinen und Oefen für Teig. waaren- Fabrication ... 19 21 Apparate der Zuckerfabriken. Bericht von Dr. Jofef Hanamann, Director der fürftlich Schwarzenberg. fchen Verfuchsftation in Lobofitz. Heft II, f. Gruppe IV, Section 2. Deutfchland Oefterreich 24 26 Frankreich, Italien, Rufsland... 28 Maſchinen und Apparate für Brauereien und Malzereien. Bericht von Guftav No back, BrauereiIngenieur und Affocié der BrauereiMafchinenfabrik Brüder Noback& Fritze in Prag. Heft LXVI, f. Gruppe IV, Section 2. Oefterreich- Ungarn Deutſchland.. England, Amerika 64 70 76 Mafchinen und Hilfsvorrichtungen der Tabak- und CigarrenFabrication. Bericht von Franz Riedl, k. k. Finanzrath. Heft XI, f. Gruppe IV, Section 7.. 12 Spinnerei- Mafchinen. Bericht von Johann Zemann, damals Docent am deutfchen Polytechnicum in Prag. Heft X. I. Baumwoll- Spinnereimafchinen ( Amerika, England, Schweiz, Deutfchland, Belgien, Oefterreich).. 1 II. Flachs, Hanf und Jute- Bearbeitungs Mafchinen( Amerika, England, Italien, Deutfchland, Oefterreich- Ungarn).......6-10 III. Schafwoll- Spinnerei- Mafchinen a) für Strichwolle( England, Seite Belgien, Amerika, Deutfchbland, Oefterreich).....11-25. b) für Kammwolle( England) 25- 27 IV. Seiden Spinnerei Maſchinen. ( Frankreich, Schweiz, Oefterreich, Deutſchland)..... 27-32 Nähmaschinen, Strick- und Stickmafchinen. Bericht von Carl Kohn, Civilingenieur in Wien. XXXI Hilfsmafchinen für die Schuhmacherei. Vgl. Bericht von S. Goldfchmidt, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handels- und Gewerbekammer in Prag. Heft XLIV( Gruppe V, Section 9) 6-8. Mafchinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaareninduftrie. Bericht von Dr. Emil Teirich, Mitglied der internationalen Jury. Heft X. Amerika, Dänemark, Deutfchland, Frankreich, England, Oefterreich, Schweiz Vgl. auch Heft XIII Weberei- Mafchinen. 33-36 29 Bericht von Johann Zemann, Redacteur von Dingler's polytechniſchem Journal in Augsburg, gew. Docenten am deutfchen Polytechnicum in Prag. Heft LXXXVII. Einleitung. Heft XLII. Seite 1 Mafchinen zur Vorbereitung des Rohmateriales( Thonfchneider, Kollergänge, Desintegrator, Steinbrecher, Dampfhammer und Stampfwerke, Sieb- und Schüttelvorrichtungen, Glafurmühlen, Thon- Filterpreffen) .2-8 Vorwort... 1 Vorbereitungsmafchinen für Kette und Schufs( Oefterreich, England, Deutfchland, Schweiz). 2 Hand- und Jacquardftühle( Oefterreich- Ungarn, Schweiz) 9 11 Mechanifche Webftühle a) für glatte und geköperte Waare ( Amerika, England, Schweiz, Deutfchland, Oefterreich).... 11 b) Wechſelftühle und Schaftmafchinen( England, Schweiz, Deutſchland, Oefterreich).. 19 c) Bandftühle( Schweiz, Deutfchland, Oefterreich).. Anhang. Utenfilien und Hilfsap26 parate für Weberei( Oefterreich) Schweiz, England, Frankreich, Deutfches Reich) 29 Mafchinen für Seidenweberei und Appretur. Vgl. Bericht von Anton Harpke, Fabrikant in Wien, Mitglied der internationalen Jury. Heft VI( Gruppe V, Section 4).. 8 Mafchinen zur Formgebung( Ziegelmafchinen, Hand- Ziegelpreffen, Formziegel- und Röhrenpreffen, hydraulifche Zinkretortenpreffe, Falzziegelpreffen). .8-16 Apparate zum Trocknen und Brennen( Brennöfen verfchiedener Syfteme und Trockenvorrichtungen). .16--22 Holzbearbeitungs- Mafchinen. Bericht von Dr. W. F. Exner, k. k. Regierungsrath, ord. öffentl. Profeffor an der k. k. Hochſchule für Bodencultur in Wien. Heft LXXVIII. ( Mit 31 Illuftrationen und 2 lithographirten Tafeln.) Vorbemerkung Einleitung. 1 2 I. Sägemaſchinen( Gatterfägen, Sägen mit reciproker Bewegung ohne Gatter, Bandfägen, Kreis oder Circularfäger)..3-18 II. Hobel. und Fraismaschinen ( Hobelmafchinen mit geradlinig reciproker Bewegung, Parallel Hobelmafchinen, Tan gential- Hobelmafchinen, Frais.19-36 maschinen XXXII 01 negidoleman Seite III. Bohrmaſchinen IV. Drehbänke 36 37 V. Stemm- und Spaltmafchinen.. 38 VI. Combinirte Maſchinen: odo a) ohne fpeciellen Zweck.... 43 b) für fpecielle Zwecke...... 49 VII. Mafchinen- Gruppen für be- H ftimmte Zwecke( insbefondere do Korkfchneide- und Kübel- M no mafchinen) 51 Maſchinen für die PapierMeie induſtrie. Vgl. Bericht von Emil Twerdy, Ingenieur und Papierfabrikant in Bielitz. Heft XXXVIII. ( Gruppe XI, Section 1.) SECTION 3. Landwirthschaftliche Mafchinen und Geräthe. Bericht von Anton Adam Schmid in Tefchen und Liebwerd. nonidos M Heft LXXI. ( Vergl. Gruppe II, Section I.) Seite Einleitung.. Die Bodenbearbeitungsgeräthe: Oefterreich. England Nordamerika. Deutfches Reich... Belgien, Schweiz, Rufsland. Griechenland, Italien. Frankreich 38 40, 45, 48 41, 49 43 .44, 49 Schweden, 47, 48 48 48 Der Dampfpflug: Hiftorifches..... 49 e Rufsland und England. Säemaſchinen 51 .. 54 England ...55, 60 ья Amerika, Frankreich, Deutſch11 land 56 Oefterreich 58 по 12 Ungarn 59 Maſchinen und Apparate zur Papierfabrication aus Holzftoff.... 3 Mafchinen und Apparate zur Papierfabrication aus Stroh..... Maſchinen und Apparate zur Papierfabrication aus Cellulofe Einrichtungen der Papierfabriken ( Schneidmafchinen, Kochapparate, Holländer). Dünger- Streumaſchinen: England, Deutfchland, Oefter60 19 reich. Papiermafchinen. 24 Pferdehacken, Exftirpatoren: -Beftandtheile.... 26 England, Belgien, Deutſchland, Schneidmafchinen . 27 Oefterreich.. .. 61 Glättwalzwerke, Kalander. 28 Ungarn ... 62 28 Mähmaschinen und Erntegeräthe: onid Hiftorifches.. ...: 62 Amerika.. England .. 63 ..67, 72 69 Siebe und Filze Buchbinderei- Maſchinen. Vgl. Bericht von Conrad Berg, Verlagsbuchhändler und Buchbinder, Wien. Heft LIII, 2. Auflage. oil( Gruppe XI, Section 4.) II Frankreich Schweden Deutſchland, ... 70 Oefterreich- Un56 01 garn.. ... 70, 72 SIM) Drefchmafchinen: Hiftorifches.. 72 as England... .72, 77 Frankreich 75 Buchdruckmaschinen( Preffen). Vgl. Bericht v. Ludwig Lott, Leiter der Druckerei der Preffe". swall 99 Heft LXXXV. 81-8( Gruppe XII, Section 1.) Deutfchland, Oefterreich... 76, 77 Ungarn, Rufsland, Schweiz, Schweden.. 77 Reinigungsmaschinen: Frankreich, England.. 78 Deutfchland, Oefterreich- Ungarn 79 Rufsland, Schweden.. 80 2 Diverſe: innov A Andere Hilfsmafchinen und Utenfilien der Buchdruckerei... Amerika, England, Frankreich, 10 Ungarn. . 80 Schlufsbemerkungen 81-83 Schnellpreffen( Zeitungs- Druckmaſchinen) XXXIII SECTION 4. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für bahnen. EifenBericht von Emil Tilp, Mafchinenund Werkstätten- Ingenieur der Kaifer Franz Jofef- Bahn. Einleitung. Heft IX. Betriebsmaterial( Locomotive, Tender, Schneepflüge, Perfonen- und Poftwagen, Lazarethtrains, GüterWagenbeftandtheile: wagen; SECTION 5. Strafsenfuhrwerke und Transportmittel. Bericht von M. B. Ridelli, Ingenieur in Wien. ( Mit 17 Holzfchnitten.) Heft LVIII. Hiftorifche Einleitung Leiftungen der einzelnen Länder: Seite 1 Japan.. China. Türkei.. Rufsland Seite 1 13 14 16 17 Rumänien, Ungarn 25 Oefterreich.... 27 Puffer Deutfches Reich. 19, 45 3 Schweiz, Italien. 49 13 Dänemark.. 50 25 Schweden und Norwegen. 51 29 Portugal, Frankreich. 52 England 56 Nordamerika 58 Achfen, Schalengufsräder, Tyres, Bremfen, Achfenlager, und Zugvorrichtungen) Speciell Locomotive " Wagen Resumé GRUPPE XIV. WISSENSCHAFTLICHE INSTRUMENTE. SECTIONEN 1 und 2. Mathematifche und allgemein phyſikaliſche Inftrumente. Bericht von Ferdinand Lippich, Profeffor an der k. k. Univerfität in Prag. Heft LX. Einleitung 1 72 Anhang. Dynamometer, Dynamographen und Fallmafchinen, Gyrofkope, Polytrope, Hygrometer, Vorrichtungen zum Meffen der Breite von Gasflammen... 32 ZU SECTION 1 und 2. Aftronomiſche und geodätifche Inftrumente. Bericht von Dr. W. Tinter, Profeffor an der technifchen Hochſchule, Wien. Rechenmafchinen Planimeter.. 3 Wafferftandzeiger, Pantographen 6 Ellipfographen 7 Heft LX. Parabolographen 10 Einleitung 34 Theilmafchinen.. 11 Meridiankreis 34 Längenmafse 12 Portative Paffagen Inftrumente Längenmafs- Apparate 14 ( Dänemark, Oefterreich) .... 36 Wagen und Gewichte. 16 Refractoren( Bayern, Dänemark, Chronographe und Chronofkope 23 England, Oefterreich) 36 Barometer.... 24 Aftronomifche Univerfal- Inftrumente Luftpumpen und Compreffions- Ap( Oefterreich, Brafilien) 39 parate.. 27 Chronographen( Schweiz, OefterThermometer, Pyrometer und Aräo20meter reich).... 46 30 3 XXXIV Seite Wafferwagen, Libellen( Frankreich, Oefterreich) 50 Rufsland. Rückblick Heliotrope( Oefterreich, Deutſchland) 51 Perfpectiv Lineale( Oefterreich, Italien, Japan) 52 Mefstifche( Oefterreich, Japan)... 55 Theodolite( Dänemark, Deutfch- H land, England, Italien, Oefterreich, Schweiz) ... 56 61 Markfcheide Inftrumente( Oefterreich). Nivellir- Inftrumente( Holland, Rufsland, Dänemark, Deutſchland, Belgien, England, Frankreich, Italien, Oefterreich) - 63 Tachymeter( Oefterreich, Schweiz) 68 Präcifions Nivellir Inftrumente ( Schweiz, Portugal, Oefterreich) 70 Apparate zur unmittelbaren Beftimmung der Gefchwindigkeit fliefsenderGewäffer und Wafferftandanzeiger für die mittlere Höhe ( Oefterreich, Schweiz, Italien) 73 Mechanifche Hilfsmittel zur Flächenberechnung begränzter Figuren- Planimeter( Oefterreich, Deutſchland).... Sphärometer( Oefterreich). . 81 83 Optifche und akuftifche Inftrumente. Bericht von Prof. Leop. Ditfcheiner. Heft LX. Optifche Apparate( Frankreich, Deutfchland, Oefterreich, Italien, Dänemark, Schweiz). .. 86 Akuftifche Apparate( Frankreich, Oefterreich- Ungarn) 91 Meteorologifche Inftrumente: ( Schweiz, Frankreich, England, Portugal, Deutfchland, Oefterreich, Belgien, Italien). 94 Seite .102 .102 Die Telegraphen- Apparate. Bericht von Dr.Leander Ditfcheiner, o. ö. Profeffor an der k. k. technifchen Hochfchule in Wien. Mit 6 lithographirten Tafeln. Heft LXIX. Einleitung, Hiſtoriſches. Jetzt gebräuchliche Apparate und zur Erzeugung des elektrifchen Stromes verwendete Elemente.. Eigentliche Leitung( Drähte und Kabel). 1 4 6. Galvanometer zum Meffen der Stromstärke 7 12 13 18 19 Tafter Relais Commutatoren und Umfchalter.. Blitzableiter Telegraphen- Syfteme: Morfe, transportable Telegraphen und automatifche Feuermelder, UebungsTelegraphen, Zeiger- Telegraphen, Typendruck- Telegraphen( Hughes- Apparat u. a.), Börſentelegraphen, Jaite's Fernfchreiber, automatifche oder Copirtelegraphen, Dofen- Schnellfchriftgeber für Morfefchrift, Siemens' Schnelldrucker, Siemens' Ketten- Schnellfchriftgeber, andere Apparate zur automatifchen Verfendung von Depefchen, Apparate zur befferen Ausnützung der Telegraphenlinien( Apparat Meyer und Illimit. telegraph von Bauer) Eifenbahntelegraphen Apparate( ZugfignalApparat, Zug Controllapparat, Wecker, Läutebuden und Läutefäulen, Block- Apparate, BahnhofDeckungs- Apparate) - Elektrifche Uhren.. Lampen 19 51 53 Magnetiſche und elektriſche Apparate. Bericht von Dr. A. v. Waltenhofen, Profeffor in Prag. England, Portugal 98 Heft LX. 95 Frankreich, Schweiz, Italien 96 Dänemark, Belgien, Niederlande, Deutfches Reich. 97 Oefterreich- Ungarn .100 SECTION 3. Uhren. Bericht von M. Schönberger, Uhrenfabrikant, Wien. Einleitung... Heft LX. Amerika, England ... 104 .105 Seite XXXV Seite Frankreich, Portugal, Schweiz.... 106 Italien, Schweden, Belgien, Deutfches Reich.. Oefterreich- Ungarn Rufsland, Türkei, Japan SECTION 4. .107 .109 ..110 Chirurgifche und andere HeilInftrumente. Heft XXXI. a) Chirurgifche Inftrumente, Bandagen, prothetifche Apparate und zahnärztliche Gegenftände. Bericht von Dr. Mofetig v. Moorhof, k. k. Primararzt und UniverfitätsDocent. 88 Männliche Sexual- und Harnorgane 2 Weibliche Sexualorgane Geburtshilfe ° Varia( Transfufion des Blutes, Blutftillung, Afpirateure, Mundfpiegel, Ohrinftrumente) Inftrumente für Operationen an Knochen. Zahnheilkunde Bandagen 13 25 222 20 22 b) Oculiftifche Inftrumente. Bericht von Dr. Hans Adler, ordin. Augenarzt des k. k. Krankenhaufes Wieden in Wien..26-33 c) Inftrumente für Laryngofkopie und Rhinofkopie. Bericht von Dr. L. Schrötter, Vorftand der Klinik für Hautkrankheiten an der k. k. Wiener Univerfität 33-39 d) Apparate für Elektrotherapie. Bericht von Dr. Moriz Benedikt, 12 k. k. Univerfitäts- Profeffor, Wien. 39-42. GRUPPE XV. MUSIKALISCHE INSTRUMENTE. SECTIONEN 1-4. Bericht von Eduard Schelle. Heft XXXIX. Einleitung.. c) Blas Inftrumente: M Holz- Blasinftrumente( OefterreichUngarn, Deutſchland, Frankreich, Italien, Spanien) ... 61-67 1 a) Taften- Inftrumente: Orgeln( Deutſchland, Oefterreich, Ungarn). 2-14 Harmoniums( Oefterreich, Deutfchland, Frankreich, Italien, Amerika).. ..15-23 Claviere( Oefterreich, Ungarn, Deutfchland, Frankreich, Rufsland, Belgien, Holland, Schweiz, Skandinavien, Spanien, Italien, Amerika).. 23-51 b) Streich- Inftrumente: Oefterreich, Deutſchland, Frankreich, Italien... .51-61 Blechinftrumente( Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, Frankreich, Italien, Rufsland). ... 67-76 d) Befaitete Schlaginftrumente. Harfe, Guitarre, Cither, Cymbal u. a.( Oefterreich, Deutfchland, Italien, Rufsland, Ungarn)..76-80 e) Kruftifche Inftrumente: Schlag und Lärminftrumente, Keffelpauken, Trommeln, Tamtam, Glockenfpiele( Oefterreich- Ungarn, Deutſchland, Italien, Eng3* XXXVI Seite Seite land, China, Japan, Perfien, Türkei, Holland u. f. f.)..... 80-83 f) Anomale Inftrumente: Pianoquatuor und Melo Piano ( Frankreich, Italien)..... 83-85 g) Mufikalifche Spielwerke: Orcheftrion, elektriſche Claviere, Drehorgeln, Mundharmonika, Dudelfack u. f. f.( Deutfchland, Oefterreich Ungarn, Schweiz, Frankreich) h) Beftandtheile mufikalifcher Inftrumente: Für Claviere, Streich- und Blasinftrumente: Mechaniken und Claviaturen, Filz, Saiten, Blätter für Blasinftrumente( Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, Frankreich, England, Italien).. 88-90 i) Akuftifche und technifche Inftrumente: Stimmgabeln( Rufsland), ungarifches Monochord, elektro- chemifcher Noten- Schreibapparat( Deutfch..85-88 land) . 90 GRUPPE XVI. HEERESWESEN. SECTION 1. Zwieback.. Confervirte Nahrungsmittel. Heeresbekleidungs- und AusGetränke.. 20 21 23 rüftungswefen. X Bericht von Carl Mayer, k. k. Hauptmann des Montur- Depots Nr. 4. Einleitung.. Heft XVIII. Deutfchland, Rufsland. Schweden. Rumänien, Oefterreich. Heeres- Verpflegswefen. 1240 5 Bericht von Alexander Poppović, k. k. Militär- Unter- Intendant. Einleitung. Heft XVIII. Geräthe und Maſchinen: 80 Kornfpeicher, Mahlmühlen..... 9 Fruchtfchälmafchine, Backöfen.. 12 Darr- Apparate Kochküchen Quetfchmafchinen, Magazinsgeräthe( Getreide Putzmafchinen, Heupreffen). Einrichtungen: Drahtmatratzen... 23 Dampf- Wafch- Anstalten. Schlufsbemerkung SECTION 2. 24 26 Militärwaffen und Artilleriewefen. Bericht von Guftav Semrad, k. k. Hauptmann im Artillerieſtabe, zugetheilt dem k, k. Reichs- Kriegsminifterium, und J. Sterbenz, k. k. Oberlieutenant im Artillerieftabe, zugetheilt dem k. k. techniſchen und adminiftrativen MilitärComité. autis Heft XLV. ( Mit 28 Holzfchnitten.) Das Waffenwefen zur Zeit der Weltausstellung 1873 ° 14 15 1 Blanke Waffen( Säbel, Degen, Lanzen, Bajonnete): Deutfchland.... 6 ... 17 land, Italien, Belgien. 7 19 1 Schweden, Schweiz.. 8 Verpflegsmittel, Getreide, Hülfenfrüchte, Mehl.." Oefterreich, Spanien, Rufs Seite Hand- Feuerwaffen: Oefterreich.. 9 Deutfches Reich. 14 Schweiz. 16 Belgien, England.. 17 Schweden 18 Rufsland 19 Frankreich, Italien. 21 Spanien. 22 Amerika 23 XXXVII Seite d) Pionnierwefen. Bericht von Emerich Zinner, Hauptmann im k. k. Pionnier- Regimente, zu getheilt dem k. k. technifchen und adminiftrativen Militär- Comité, Experte der Jury- Gruppe XVI für Pionnierwefen. Einleitung. Brückenwefen. Oefterreich Schweden 12 3 Feld und Gebirgs Artillerie, Feftungs-, Schiffsund Küftengefchütze: Oefterreich 24 Deutſchland 28 Rufsland.. 47 Schweden 54 Norwegen 69 England.. 73 Schweiz. 84 Italien 88 94 96 98 102-111 Belgien. Frankreich Spanien Schlufswort. SECTION 3. Genie- und Pionnierwefen. Berichte von Moriz Brunner, Johann Lauer und Emerich Zinner. 81 Heft LIX. ( Mit 30 Illuftrationen.) a) Geniewefen. Bericht von Moriz Brunner, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Einleitung. ..1-2 b) Sprengtechnik. Bericht von Johann Lauer, k. k. HauptRufsland Spanien. Deutſchland Schweiz... Landcommunicationswefen[ Strafsen 6 26 29 30 31 und Eifenbahnen]( Oefterreich).. 32 Telegraphenleitungen( Schweden). 40 Wafferbau Objecte( Oefterreich, Ungarn). - Lagerbau- Objecte( Rufsland, Oefterreich, Dänemark, Deutſchland England)... Diverfes: Boote und Schiffe, diverfe Holzriefen, Anker, Seile, Werkzeuge( Oefterreich- Ungarn, EngПр land, Frankreich, Rufsland, Schweden, Amerika) SECTION 4. 44 46 48 Militär- Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege. Bericht von Dr. Mofetig v. Moorhof, k. k. Primararzt und UniverfitätsDocent, Wien. Einleitung.. Heft LIV. Tragbahren( Rufsland, Deutſchland, Oefterreich, Frankreich, Amerika, Schweiz) Bleffirten- Wagen Deutſchland mann im Genieftabe. 2 Apparate zur Erzeugung von BohrFrankreich löchern 4 Oefterreich. Zündmittel 15 Italien... Rufsland 24 19 2 12 .15, 22 16 19, 20 20 21 22 Lehrmittel Ausftellung und Verfuchs- Darftellung. c) Fortification. Bericht von Moritz Brunner( f. oben). Spanien, Schweden, Oefterreich.. 25 Spanien... Küchenwagen( England, Deutfchland, Oefterreich, Italien, Ungarn) 23 Magazinswagen( Fourgon) Deutſchland, Frankreich 27 27 Italien, Oefterreich, Spanien... 28 XX XVIII Laz areth- Eifenbahnwagen. Seite ... 29 34-40 Türkei.... Nordamerika. Deutſchland, Frankreich Tornifter, Feldtafchen und Kiften für den Verbandplatz( Belgien) 41 Hofpitalbedarf: Baraken und Zelte, im Betten und Operationstifche, b Verbandmaterial, chirurgifche Inftrumente und Apparate, Feldapotheken, künftliche Glieder ( Deutfchland, Frankreich, Rufsland, Oefterreich, Italien) Varia( Todtenverbrennung) SECTION 5. Militär- Unterrichtswefen. Bericht von Moriz Brunner. 555 45 55 Egypten, China, Japan ZU GRUPPE XVI. Seite 33. 34 35. Das Heerwefen auf der Wiener Weltausftellung 1873 in feinen Beziehungen zu Gewerbe und Induſtrie. ( Gruppe I bis XXVI.) Bericht von Rudolf Baron Potier des Echelles, k. k. Hauptmann. Heft LXXXIV. Eingang. Berührungen zwifchen dem Heereswefen und Gruppe I. Berg- und Hüttenwefen.. II. Landwirthschaft.... III. Chemifche Induftrie 2: 23 46 00 dois Heft LIX. Spanien, Schweden ..... 56 IV. Nahrungsmittel 6. Oefterreich ... 55, 58 V. Textil- Induſtrie 8. VI. Leder- und Kautfchukfabrikate.... 10. SECTION 6. Militär- Kartographie. Bericht von Jofef Zaffauk, k. k. Hauptmann und Profeffor der k. k. technifchen Militär- Akademie, Wien. Berührungen zwifchen dem Heeres. wefen und Gruppe VII. Metallinduftrie.. 11 VIII. Holzinduftrie 16 IX. Thon-, Glas- und Steinwaaren.. 17 opilliwisn Heft XXXV. Oefterreich.. X. Kurzwaaren 17 XI. Papierinduftrie. 18. 1 Bayern.. Belgien.. Niederlande Dänemark. .5, 11 5, 16 XII. Graphifche Künfte. XIII. Mafchinenwefen.. XIV. Wiffenfchaftliche 18. . 21 Inftru16, 23 . 18 England. .. 20 mente.. XV. Mufikinftrumente... XVI. Militär speciell SanitätsFrankreich .5, 20 wefen... .. 24 Preufsen .5, 25 XVII. Marinewefen.. Rufsland 5, 25 Schweden 27 XVIII. Civil- Ingenieurwefen..... 27 XXV. Bildende Künfte.. . 27 23 ANN 22 26 Schweiz. 30 XXVI. Erzieh- und UnterrichtsSpanien 32 wefen . 29 по GRUPPE XVII. MARINEWESEN. XXXIX SECTIONEN 1-4. Bericht von Alexander Friedmann, Civilingenieur in Wien. Mit 109 Holzfchnitten und 19 lithographirten Tafeln. Heft LXIII. Vorbemerkung. Ueberficht Seite Leuchtthürme und Warnzeichen... 57 Seebauten und Häfen 78 New- York 78 Bordeaux. 82 Hamburg. 93 Canal St. Louis 98 Le Havre. .102 Seite Kronftadt .108 1 2-4 Bayonne .108 St. Jean de Luz 110 Cap der guten Hoffnung. 113 Hafen von Yokohama 114 Marfeille. 116 4 Barcelona .123 ... 13 21 Amfterdam.. .125 $ 132 Schiffe für Handelsmarine, Kriegsmarine und Binnengewäffer... 4-40 Allgemeine Principien, Formen und Dimenfionen. Concurrenzfähigkeit verfchiedener Schiffstypen. Befchreibung der ausgeftellten Schiffe. Sicherheitsapparate auf Schiffen.. 32 Schiffsmafchinen und Dampfkeffel: Die jetzigen Schiffs- Dampfmafchinen im Allgemeinen..... 40 Befchreibung der ausgeftellt gewefenen Schiffsmafchinen Schiffskeffel... 43 50 Genua und Brindifi, Trieft...... 124 Fiume, Nordfee Canal von Schlufsbemerkung - AD SECTION 4. Seekarten. Vgl. den Bericht von Jofef Zaffauk, Heft XXXV. ( Gruppe XIV, Section 6.) GRUPPE XVIII. BAU- UND CIVIL- INGENIEURWESEN. SECTION 1. Hochbau und Wafferbau. Bericht von C. Frifchauf, Oberingenieur für die Wafferanlagen der Wiener Weltausftellung 1873, Wien. Heft LXXVI. Apparate und Anlagen von Wafferleitungen: Röhren. Deutfchland, Oefterreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, England. Inftallationsartikel( Schieber, Hydranten, Ventile, Hähne und andere Montirungsftücke): Oefterreich, Deutfchland, Frankreich.. England, 6 Waffermeffer: Deutfchland, England, Spanien, Portugal.. Wafferleitungsanlagen: 11 Deutfchland, Frankreich, Oefterreich... 13 XL SECTION 2. Eifenbahn- Unter- und Oberbau. Bericht von Franz Rziha, Oberingenieur, Ritter des Franz Jofef- Ordens etc., Wien. Mit 293 Holzfchnitten und 19 lithographirten Tafeln. I. Band. Heft XC. 1. Abſchnitt: Entwicklung Die gefchichtliche und der Culturwerth der Eifenbahnen... 2. Abſchnitt Vorarbeiten.. Seite m) Förderung, Ventilation und Wafferhaltung. II. Band. Brückenbau. Heft XCI. I. Abſchnitt. Fundirungen: a) Einfache Fundirung. Ausstellungs- Objecte b) Rammung und Schraubung Ausftellungs- Objecte. Seite ..462 c) Schutzwandungen. Gefchichtliche Notizen Ausftellungs- Objecte .... 1-160 d) Schwimmkaften 161-210 a) Dispofition der Schienenwege 161 b) Allgemeine Vorerhebungen..188 c) Techniſche Ausarbeitung des Projectes. e) Senkfchächte, Gefchichte der Senkarbeit.. Ausftellungs- Objecte f) Pneumatifche Fundirung. Hiftorifches... Ausftellungs- Objecte 4595 15 24 26 29 30 40 44 62 .195 3. Abfchnitt: Erd- und Felsarbeiten. a) Kunftprofile... 2. Abfchnitt. ..211--294 Hölzerne Brücken: 213 a) Hiftorifches.. b) Arbeitsgeräthe. c) Grabmafchinen 215 b) Ihre Vertretung auf der Aus218 ftellung 125 .133 d) Sprengmittel. 222 e) Minenfprengung 3. Abfchnitt. 235 f) Betriebsanordnung im ErdSteinerne Brücken: baue... 244 a) Hiftorifches... g) Transportfyfteme. .255 b) Vertretung der ..... 141 gewölbten h) Befondere Transportbehelfe.. 288 i) Koften der Erdarbeiten...... 290 4. Abſchnitt. Aufsergewöhnliche Unterbauten: a) Reconftruction des Unterbaues 295 b) Dammherſtellungen im Waffer 298 c) Hölzerner Unterbau im Waffer 326 5. Abfchnitt. Tunnelbau.. a) Gefchichtliche .... 329-468 Entwicklung und wiffenfchaftlicher Stand..329 b) Tiefbohrungen ..340 c) Mafchinenbohrung... 350( 389) d) Zimmerung und Mauerung.... 425 e) Armirte Zimmerung f) Eiferne Baurüftung • 432 439 g) Eiferner definitiver Ausbau 444 h) Tunnel unter Waffer. i) Tunnel- Profile. k) Koften der Tunnelbauten. 1) Repräfentation Tunnelbauten.. 446 . 452 ..454 bedeutender 456 Brücken auf der Ausftellung.. 180 4. Abfchnitt. Eiferne Brücken: A. Steinerne Pfeiler der eifernen Brücken... ..211 B. Eiferne Pfeiler, allgemeine Bemerkung und Erörterung der Ausftellungs- Objecte........ 215 C. Eiferne Häng., Spreng- und Bogenwerke und ihre Vertretung auf der Ausftellung..... 245 D. Eiferne Bogenbrücken....... 251 Ausstellungs- Objecte ... 267 E. Eiferne Balkenbrücken...... 281. a) b) c) Einfache und armirte Barren, Blechträger; Allgemeine Bemerkungen und Erörterung der AusftellungsObjecte.. 282 d) Kaftenträger, Hiftorifches und Ausstellungs- Objecte. 293 Tunnelbrücken.. ..297 XLI Seite f) Gitterträger, Hiftorifches, ( Gitterträger mit parallelen und mit gekrümmten Gurtungen), Allgemeine Bemerkungen und Erörterung der Ausftellungs Objecte 304 bis 321, 379-398 322-379, 398-424 g) Amerikaniſche Sprengwerke. Hiftorifches Ausstellungs- Objecte. .424 .428 h) Conftructions- Hilfsmittel..430 der F. Hängebrücken( Vorbemerkun gen, Kettenbrücken, Drahtbrücken, Verfteifung Hängebrücken)... Ausftellungs- Objecte Seite g) Schiffbrücken.. ... 500 ... 501 ... 502 ..507 h) Fliegende Brücken. i) Trajecte, Hiftorifches Ausftellungs- Objecte III. Band. Oberbau. 4.0 m Heft XCIII. I. Abfchnitt. Der Geleife- Bau: a) Schienengeleife mit hölzernen Unterlagen b) Schienengeleife mit fteinernen Unterlagen.. 21 5 c) Gänzlich eiferne Schienengeleife 6 433 d) Ausftellungs- Objecte. 17 .450 e) Der eiferne Oberbau in Braunfchweig.. 82 ..103 5. Abſchnitt. Bewegliche Brücken: a) Zugbrücken. 455 b) Hubbrücken .456 c) Klappenbrücken d) Krahnbrücken 457 461 e) Rollbrücken .463 f) Drehbrücken 464 Vertretung der Hauptconftructionen auf der Weltausftellung 470 f) Der eiferne Oberbau in Oefterreich 2. Abſchnitt. Die Fahrrichtungs- Anlagen: a) Weichen, Drehfcheiben und Scheibebühnen- Weichen..... 152 Drehfcheiben und ScheibeBühnen. b) Ausftellungs- Objecte Weichenfignale GRUPPE XIX. DAS BÜRGERLICHE WOHNHAUS mit feiner inneren Einrichtung und Ausfchmückung. .154 .155 .173 Bericht von Dr. C. Richter, k. k. o. ö. Profeffor der Staatswiffenfchaft en an der Universität in Prag. Heft LXXIII. A. Seite 1-13. DAS GRUPPE XX. BAUERNHAUS mit feiner Einrichtung und feinem Geräthe. Bericht von Profeffor Dr. K. J. Schröer in Wien. Mit 6 Holzfchnitten. Heft LI. Allgemeines. 1 Das Geidler Bauernhaus 16 Das fächfifche Haus( aus Michelsberg in Siebenbürgen). Das Szekler Haust 8 Das rumänische Haus. 20 24 30 XLII Seite Seite Das Vorarlberger Bauernhaus.. Das Elfäffer Bauernhaus Das ruffifche Bauernhaus.. 33 37 39 Das galizifche Bauernhaus.. Das croatifche Bauernhaus Rückblick 449 39 40 40 GRUPPE XXI. DIE NATIONALE HAUSINDUSTRIE. silolmofiH Bericht von Dr. C. Richter, k. k. o. ö. Profeffor der Staatswiffenfchaften an der Univerfität in Prag. Heft LXXIII. B. England, Frankreich, Italien, Deutſchland, Portugal, Spanien, Schweiz, Schweden- Norwegen, Oefterreich- Ungarn, Rufsland, Orient und Oftafien 1-15 o GRUPPE XXII. DARSTELLUNG DER WIRKSAMKEIT DER MUSEEN FÜR KUNSTGEWERBE. Bericht von Dr. C. Richter, k. k. o. ö. Profeffor der Staatswiffenfchaften an der Univerfität in Prag. Heft LXXIII. Gefchichte der Muſeen feit der letzten zwei Jahrzehenten;„ Athenaeum", Gefellſchaft zur Beförderung des Handels nach dem Oriente und Oftafien", kunftgewerblicher Congrefs " .16-29 AG KUNST. sidoi GRUPPE XXIII. ஆர் KIRCHLICHE Bericht von Hans Petfchnig, k. k. Profeffor und Architekt in Wien. Einleitung.. Die kirchliche Architektur: Türkei, Egypten, Ungarn, Japan, China, Rufsland, Griechenland, Niederlande, England, Frankreich, Portugal, Amerika, Oefterreich, Belgien, Deutſchland..... Die kirchliche Sculptur: Heft XIX. 1 Die kirchliche Glasmalerei, inclufive der Mofaikkunft: Oefterreich, Deutfchland, Belgien, Frankreich, Italien..... 10 Die kirchliche Kleinkunft: 4 Oefterreich, Rufsland, Deutfchland, Frankreich, Spanien, England... 13 Oefterreich, Deutfchland, Frankreich. 10 4 Kirchenftoffe und Stickereien: Oefterreich Ungarn, Rufsland, Deutfchland, Italien, Frankreich... 16 XLIII GRUPPE XXIV. OBJECTE DER KUNST UND KUNSTGEWFRBE FRÜHERER ZEITEN. ( Expofition des amateurs.) OITO Bericht von Dr. Carl Lind, Minifterial- Secretär im Handelsminifterium. Heft L. Seite Seite Allgemeines 1 Deutfchland 54 Oefterreich 3 Italien, Rufsland. 55 Denkmale der vorhiftorifchen und England, Dänemark, Schwedenclaffifchen Zeit 4 Norwegen 56 Werke aus dem früheren Mittelalter Arbeiten des romanifchen Styles. Arbeiten des gothifchen Styles.. Arbeiten der Renaiffance und der Neuzeit 6 Schweiz... 57 7 Perfien, Spanien 60 21 Tunis, Marokko, Griechenland, Rumänien 62 36 Egypten, Türkei. 63 Ungarn 47 Schlufswort.. 64 GRUPPE XXV. DIE BILDENDE KUNST DER GEGENWART. SECTION 1. Malerei. Bericht von Dr. Jofef Bayer, Profeffor der Aeſthetik an der k. k. technifchen Hochfchule in Wien. Rückblick. Deutfche Sculptur Oefterreich.. 8 0 00 3 13 Frankreich 18 Italien 25 Heft LXXV. Einleitung.. Griechenland 32 Dänemark.. 33 1 Oefterreich- Ungarn Deutfches Reich.. Frankreich. Belgien Italien. England. Holland. 3 Schweden, Rufsland, England, 16 Amerika.. 34 42 Belgien, Schweiz, Spanien 35 65 72 82 88 Schweiz 89 Rufsland 92 Dänemark 94 Schweden 95 Spanien, Griechenland, Rumänien, Amerika, Brafilien 96 SECTION 2. Sculptur.q Bericht von Jofef Langl, GymnasialEinleitung. Profeffor in Wien. Heft LXXV.. 1 SECTION 3. Kupfer- und Stahlftichdruck. Bericht von Louis Jacoby, Profeffor der k. k. Akademie der bildenden Künfte, Mitglied der internationalen Jury in Wien. Heft XXXIII( bei Gruppe XII). Einleitung. 1 ... 4-9 Frankreich, Oefterreich, Deutfchland, Italien, England XLIV GRUPPE XXVI. ERZIEHUNGS-, UNTERRICHTS- UND BILDUNGSWESEN. SECTION 1. Erziehung des Kindes bis zum fchulpflichtigen Alter. Bericht von Dr. Ferdinand Stamm, Schriftfteller in Wien. Oefterreich. Ungarn Rufsland, Rumänien. China. Seite 19 22 23 24 Heft I bas Seite ZU SECTIONEN 2 und 3. Kinderzimmer... 6 Volks- und Mittelfchulen. Die erfte Pflege des Kindes: Nahrung und Bad." 8 Ausstattung des Kinderzimmers: Der Zeichen- und Kunftunterricht. Die Kinderwäfche 9 Die Wiege und das Kinderbett.. 10 Kinderfeffel, Kindertifch und anBericht von J. Langl, Gymnafial- Profeffor in Wien. Die Entwicklung der Sinne..... 18 Der erfte Anfchauungs- Unterricht 21 Die erften Befchäftigungsfpiele. 22 Der erfte Unterricht des Kindes im Haufe... SECTION 2. dere Zimmergeräthe. 12 Heft XXXVI. Die Kinderfpielwaaren... 15 Oefterreich. 2 Die geiftige Entwicklung des kleinen Kindes: Ungarn 11 Deutfchland. 14 Speciell Bayern 15 Württemberg 24 Baden... 29 " Preufsen 30 وو 24 Sachfen. 36 " 9 Heffen.. 39 99 99 Hamburg 41 Frankreich 44 56 62 65 69 71 73 74 23 76 77 80 Volksfchule. Schreibunterricht: Bericht von J. Hüpfcher, Lehrer an der Handels- und nautifchen Schule Subfellien... and in Trieft. Heft XXVII. Schreibrequifiten betrachtet Italien England. Rufsland Schweiz.. Niederlande Belgien Schweden- Norwegen. Dänemark Spanien und Portugal Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. Bericht von Anton Steinhaufer, kaiferlicher Rath in Wien. Schreibunterricht nach Ländern Amerika 4 Nordamerika. 4 England.. 7 Britifch- Indien 8 Portugal, Spanien 10 Schweden- Norwegen 11 Frankreich 12 Schweiz. 14 Italien 15 Belgien ... 16 Dänemark, Niederlande und niederländifche Colonien, Deutfches Reich 17 Heft XVII. 1. Geographifche Lehrmittel für Volks- und Bürgerfchulen: Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Schweden, Amerika, England 1 XLV 2. Geographifche Lehrmittel für Mittelfchulen: Seite Italien Frankreich Oefterreich, Deutſchland, England, Frankreich, Nord- und Südamerika, Italien, Rufsland, China, Portugal, Schweiz.... 16 3. und 4. Lehrmittel für höhere Lehranstalten, Fachſchulen und zur Fortbildung Erwachfener 27 Ueberblick 28 Unterricht in der Gefchichte. Bericht von Dr. Emanuel Hannak, Privatdocent an der k. k. Univerfität in Wien und Director des Landes- Profeminars in Wiener- Neuftadt. Heft XXV. Vorbemerkung. 1268 Niederlande Spanien.. Schweden Rufsland Nordamerika. Seite 32 33 35 36 37 38 39 Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelfchulen. - Bericht von Erasmus Schwab, Director des Mariahilfer Communal Real- und Obergymnafiums in Wien, Dr. R. Perkmann, Dr. Pokorny, k. k. Regierungsrath, Director des Leopoldftädter Communal Real- und Obergymnafiums in Wien und Jofef K nirr, Profeffor in Wien. Heft LXXII. Schulbauten und Einrichtungen 1- 22 Die Schulhäufer in der Weltaus( Schwab) ftellung: Schwedifches. Amerikaniſches Nordamerika. Belgien.. Deutfches Reich. Frankreich 17 Italien 21 Niederlande 22 Oefterreich 24 Ungarn 28 Oefterreichisches Portugal 30 Portugiefifches. Rufsland, Schweden. 31 Pläne von Schulbauten Spanien. 33 34 1 5 8 12 13-16 Schweiz Mufikalifche Lehrmittel und mufikalifches Erziehungs- und Bildungswefen. Bericht von Rudolf Weinwurm, k. k. Univerfitäts- Gefangslehrer und Profeffor an der k. k. Lehrerinnen- Bildungsanftalt zu St. Anna, Chormeifter des Wiener Männer- Gefangvereins und der Wiener Singakademie. no Heft VIII. Schuleinrichtungen, Subfellien und andere Schuleinrichtungsftücke 16 Schlufswort.... Lehrmittel und Leiftungen der Volks- und Mittelfchule: Geographie( Perkmann) Oefterreich.. Deutfchland Schweiz. Frankreich Nordamerika. Schlufsbemerkungen 21 1-40 3-15 15-30 .30-32 33-35 35 36 1-27 Oefterreich, Naturgefchichtliche Lehrmittel ( Pokorny) Abbildungen: Einleitung.. Oefterreich. Ungarn. Deutfchland, 2 9 amerika Deutſchland Preufsen.. 12 Modelle.. 12 Sachfen 17 Bayern. 20 Württemberg 25 Frankreich, England, NordSammlungen von Naturkörpern: Deutfchland, Schweiz, Oefter- 2-9 15 reich Ungarn, Schweden, Rufsland, Orient.... 15-27 Schweiz. 28 Rückfchau 27 XLVI Seite Mathematifche Lehrmittel( K nirr): Lehrmittel für den arithmetifchen Unterricht der Volks- und Bürgerfchule. Lehrmittel der Lehrerbildungs.... 33 anſtalten Lehrmittel für Mittelfchulen.41-43 Lehrmittel für Hochfchulen..43-44 40 Landwirth fchaftliche Lehre und Forfchung. Bericht von Profeffor Dr. C. Theodor v. Gohren, Director der landwirthschaftlichen Lehranftalt„ Francisco- Jofephianum" in Mödling bei Wien. Heft LXI. Deutfches Reich: Unterricht: Allgemeines... Lehrmittel für den geometrifchen Für Volks- und Bürgerfchulen... 44 44 Allgemeines Heffen Seite 2 Württemberg.. 238 Für Mittelfchulen Für Hochfchulen SECTION 4. 8 Baden 10 45 Bayern. 12 46 Sachfen 15 Preufsen und Norddeutfchland.. 17 Oefterreich- Ungarn 29 Italien.. 39 Schweiz, Frankreich. 41 Spanien, Belgien... 44 Schweden- Norwegen. Rufsland, Griechenland. 46 50 Rumänien, Brafilien. 51 Fach- und Specialfchulen. Gewerbliches Unterrichtswefen. Bericht von A. Freih. v. Dumreicher. Heft XLIX. Stellung des gewerblichen Unterrichtswefens im Culturleben der Gegenwart.. Das gewerbliche Unterrichtswefen Der Blinden- und Taubftummen89 1-5 Unterricht. Bericht von Eduard Kaltner. Heft XXVI. Das blinde und taubftumme Kind. 1 Lehrmittel für Blinden- und Taubftummen Unterricht in der Wiener Weltausftellung... Blindenfchrift... 24679 einzelner Staaten: Deutſchland 6-25 Preufsen 7, 14 Geographie. Sachfen .9, 16 Handarbeiten Heffen- Darmstadt 10, 18 Mufik... Bayern.. 11, 19 08- Württemberg Baden. Arbeiten von Taubftummen- Infti12, 21 tuten . 10 13, 25 Hamburg. 17 Spiele und Turnen der Blinden... 11 Der Blindenlehrer- Congrefs in Wien 11 Oefterreich 25 Webefchulen... 31 SECTION 5, Fachfchulen für Bau- und mechanifche Gewerbe.. 34 Die Univerſitäten. Fachſchulen für Glas- und Thoninduftrie. .. 35 Bericht von Wilhelm Hartel, k. k. Univerfitäts- Profeffor in Wien. Fachſchulen für Holz- und Marmorinduftrie ... 37 Heft LVII. Fachſchulen für Frauenerwerb. 39 Andere Staaten: Ungarn, Frankreich, Italien, England, Rufsland, Schweiz, Holland, Dänemark, Spanien, Portugal..... 44 Belgien, Deutfches Reich Oefterreich Frankreich Italien 1-12 12 13 16-19 XLVII VH1 SECTION 6. Allgemeine Bildungsmittel. Bericht von Rudolf Lechner, Alfred Klaar, Dr. Carl Th. Richter. Heft LXVII. Die Leiftungen der Statiſtik und allgemeine Bildungsmittel. Bericht von J. Löwenthal. Seite Der deutfche und öfterreichiſchHeft XII. ungarifche Verlagsbuchhandel: Deutfchland Einleitung.. Seite 1 1 Oefterreich.. 11 Schlufsbemerkung 17 Buchhandel und Literatur des Auslandes: Frankreich Productions, Induftrie- und Handelsverhältniffe: Oefterreich... Ungarn mit Croatien und Slavonien. 2 7 ... 20, 24 Deutfches Reich. 16 England.. . 22, 28 Norwegen 13 Italien 23, 30 Schweden 14 Nordamerika. 29 Dänemark, Niederlande 16 Schweiz. 31 Belgien 17 Belgien 32 Niederlande, Dänemark, SchweEngland.. 18, 36 Schweiz. 21 den... 33 Frankreich.. 22 Spanien, Portugal. 34 Griechenland Italien, Portugal... 25 35 Rufsland, Griechenland, Türkei. 27 Türkei... 37 Egypten. 30 Schlufswort 37 Perfien.. 3.2 Die focial- ökonomifchen BildungsTunis, Nordamerika. 33 mittel: Venezuela, Brafilien. 34 Einleitung.. 1 Japan. 35 Volksbibliotheken. 9 China. 36 Amerika.. 9 Frankreich 9 Allgemeine Bildungsmittel: England.. 13, 23 Oefterreich..... 37 Schweden 10 . Ungarn und Croatien.. .38, 39 Deutfches Reich. 10 Deutfches Reich.. 40 Oefterreich 10 Schweden. 41 Vereinswefen: Dänemark. 42 Amerika, England, Frankreich 13 Niederlande, Belgien, England. 43 Schweden, Deutfchland...... 15 Schweiz... 44 Oefterreich 16 Frankreich. 45 Arbeiterwohnungen 20 Italien.. 46 England, Frankreich, Belgien, Portugal 47 Niederlande 23 Spanien. 48 Schweiz, Deutfchland, OefterRumänien, Russland. 49 reich 24 Griechenland 50 Das Sparcaffewefen: Türkei.... 51 Oefterreich.. 29 Tunis, Egypten 53 Anhang. Der internationale PatentNordamerika.. 54 congrefs zur Erörterung der Frage des Patentfchutzes. Venezuela. 55 .31-40 Brafilien. . 56 602 del XLVIII BERICHTE ÜBER DIE SOGENANNTEN ADDITIONELLEN AUSSTELLUNGEN. Beiträge zur Gefchichte der Preife. Bericht von Dr. C. Theodor Inama Sternegg, k. k. o. ö. Profeffor der Staatswiffenfchaften an der Univerfität zu Innsbruck. Die Dampfkraft Mitte des Verkehres: Schifffahrt Seite Grundzüge der Gefchichte des Welthandels 8 .. 24 Eifenbahnen. 27 31 Heft XXII. Einleitung. Quellen, Material der Gefchichte der Preife Erfte Bearbeitung. Refultate. Strafsen. Seite Poftwefen 1 Umlaufmittel Welthandel: 5 24 Rohftoffe des Welthandels..... 54 Die Stoffe des Mineralreiches 61 36 77 " وو " 99 " 34 • 35 41 Pflanzenreiches 65 Thierreiches.. 68 Der Welthandel. Bericht von Profeffor Dr. Carl Thomas Richter in Prag. Einleitung. Heft XXVIII. 1 Die Urproducte des Welthandels: Nahrungsmittel aus dem Pflanzenreiche.. Nahrungsmittel aus dem Thierreiche.. Welthandelsbewegung. BERICHTE ÜBER DIE LÄNDER DES ORIENTES. O . 68. 81 83 Rufsland. Bericht von Wilhelm v. Lindheim. Heft LXX. Das ruffifche Genoffenfchaftswefen 87 Rufslands Hausinduftrie( Textil-, Metall, Holz-, Rauch-, und Lederwaareninduftrie), diverfe Hausinduftrien.. . 90 Klimatifches 1 Statiftik der ruffifchen Textilinduftrie Gröfse und Bevölkerung, Städteftatiftik... ( Baumwoll-, Schafwoll-, Flachs-, 3 Regierungsform, Finanzen 8 Hanf- und Seideninduftrie)... 100 Ueberficht der wichtigſten FabriHeeresverhältniffe, Feftungen, cationszweige in Rufsland .... 127 Kriegsmarine 21 Bergbau. .128 Unterrichtswefen 29 Auswärtiger Handel Rufslands und Criminalftatiftik, Straf- und Civiljuftiz. Schifffahrtsbewegung .134, 144 38 Polen und Finnland 142 Landwirthfchaft, Arbeitslohn, Branntwein Production und Confumtion, Viehzucht, Forftwirthschaft, Steuerwefen.. Sociale Refultate der Emancipation der Leibeigenen, Loskaufoperationen Privatbankinftitute 177 Poft- und Telegraphenwefen 181 Rufslands Eifenbahnen .185 47 Landftrafsen 197 99 Flufsfchifffahrt. 198 17 Küftenfchifffahrt ..203 " 84 Handelsflotte .203 " Rumänien. Bericht vom k. und k. Conful Freiherrn v. Haan. Heft XV. Geographifche Verhältniffe. Bevölkerung. Seite 1 2 3, 4 Mafse, Münzen und Gewichte. 4 Urproduction, Bergbau, Forft wirthVerkehrsmittel.. XLIX Seite 5 Ethnographifche Ueberficht.. Volkswirthschaftliche Ethnographie 8 99 Topographie 13 51 Ausstellung der Türkei Perfien. 11 12 Bericht von Dr. J. E. Polak. Heft XIV. Geologifche Verhältniffe Geographifche und ſtatiſtiſche Verhältniffe, Verfaffung, Kriegsmacht, Juftiz, Staatsreligion, Unterricht... 1-5 5-10 Verkehrsmittel 14, 15 10-17 Sanitäre Verhältniffe und Acclimatifation... 17-19 Gewicht, Mafs, Münzen 19-21 Urproduction 21-28 1 Induftrie- und Kunftproducte..28-35 Befchreibung der Ausftellung..35-43 Handel, Ein- und Ausfuhr. .43-52 fchaft, Feldbau, Garten- und Weinbau, Viehzucht inclufive Bienen- und Seidenraupenzucht7-11 Induſtrie Betheiligung Rumäniens an der Weltausftellung 1873... Handel und Handelspolitik. Türkei. Bericht von Carl Sax, k. und k. öfterreichifch- ungarifcher Conful. Heft XXXII. Geographifche Ueberficht BERICHTE ÜBER DIE WÄHREND DER WELTAUSSTELLUNG ABGEHALTENEN CONGRESSE. I. Internationaler Congrefs zur Erörterung der Frage einer einheitlichen Garn- Nummerirung. Heft XIII. Seite 26, 27. II. Der internationale Congreſs der Flachs- Intereffenten. Bericht von Arthur Freiherrn v. Hohenbruck, Sectionsrath im k. k. AckerbauMinifterium in Wien. Heft XLVIII. Seite 35--60. III. Internationale Sanitäts- Conferenz. Vgl. Bericht von Dr. Mofetig v. Moorhof. Heft LIV. Seite 2, 12, 23, 27, 28, 40. $ L IV. Internationaler kunftgewerblicher Congrefs. Vgl. Bericht von Profeffor Dr. Richter über Gruppe XXII. Heft LXXIII. Seite 22-29. V. Internationaler Patent- Congrefs. Vgl. Bericht von Profeffor Dr. Richter über allgemeine Bildungsmittel. U Heft LXVII. Seite 31-40. VI. Internationaler Blinden- Lehrer- Congrefs. Heft XXVI. Seite 11--18. VII. Internationale Münzconferenz. Vgl. Bericht von Profeffor Dr. Richter über den Welthandel. Pr Heft XXVIII. Seite 48. -adioal ob along -2 .03 alorano C C 333 M M M TMW- Bibliothek 0020928 1 M