OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. RUMÄNIEN. BERICHT VON BARON ERNST HAAN. BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. BELICHI VORWORT. Die gefertigte Redaction übergibt auch jene Theile des officiellen Berichtes, welche nach dem Programm der Berichterftattung den ,, zweiten Theil des Ausftellungsberichtes" bilden follen, der Oeffentlichkeit, um den Befuchern der Ausstellung wie mit den einzelnen Berichten über die 26 Gruppen, auch mit diefen Gefammtdarftellungen der orientalifchen Staaten und Völker das Studium der Ausftellung zu erleichtern. Nach dem Schluffe der Ausftellung werden alle diefe freien Hefte in einer neuen Auflage herausgegeben werden, in welcher für den erften Band die Ordnung der 26 Gruppen, für den zweiten Band die geographifche Lage der Staaten zu Grunde gelegt werden foll. Nur mitdiefer Organiſation des Druckes und Verlages des officiellen Berichtes fchien es der gefertigten Redaction möglich zu erreichen, was die Generaldirection im Sinne hatte, als fie in dem Programme der officiellen Berichterstattung erklärte,„, den ganzen Werth eines folch' grofsen und umfaffenden Werkes dem Publicum zugänglich zu machen und vollkommen auszunützen". PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. RUMÄNIEN. Bericht von BARON ERNST HAAN. Rumänien, welches die beiden früheren Fürftenthümer Moldau und Walachei und einen kleinen Theil Befsarabiens in fich fafst, ift zwifchen Oefterreich- Ungarn, Rufsland, den türkifchen Provinzen Bulgarien und Dobrudfcha und dem Fürften thume Serbien gelegen. Die Moldau bildet den Aufsenwall und das Glacis des öftlichen Theiles der fiebenbürgifchen und ungarifchen Karpathen, umfafst das ganze Flufsthal des Sereth und die Hälfte von dem Thal des Pruth bis Cotu- Mori, von wo aus gegen abwärts auch das andere Ufer ihr zufällt und gegen die ruffifche Steppe nur vage Grenzen exiftiren. Sowie die Moldau, ift auch die Walachei als Aufsenwall und Glacis der Karpathen, und zwar der füdlichen fiebenbürgifchen Karpathen geformt, und wie in der Moldau der Pruth die öftliche, fo bildet hier die Donau die füdliche Grenze gegen Aufsen, fo dafs die ganze Walachei die linke Hälfte des Donauthales von Turn- Severin bis Vadeni einnimmt. Seit dem Krimkriege gehört auch der Diſtrict von Bolgrad zu Rumänien, wodurch es an das fchwarze Meer grenzt. Die Gefammtausdehnung beträgt 12,149.036 Hektaren. Nach der natürlichen Bodenformation unterfcheidet man: In der Walachei: Die kleine Walachei, von Vercierova bis zum Fluffe Aluta( Oltu); Die grofse Walachei, vom Oltu bis zum Fluffe Milcov; In der Moldau: Das Oberland, zwifchen den Karpathen und dem Sereth; Die Ebene zwifchen dem Pruth und Sereth; wozu noch der Theil Befsarabiens zwifchen dem Pruth und dem fchwarzen Meere kommt. Das ganze Land ift in 32 politifche Bezirke getheilt, von welchen 13 im Gebirge und 19 in der Ebene liegen. Es find folgende: Mehedintze, Gordju, Valcea, Ardgefch, Muftfchel, Dimbovitza, Prahova, Buzeo, Rimnik- Sarat, Putna, Bakau, Neamtzu, Suczava im Gebirge; RomanBotufchan, Dorohoïu, Jaffy, Vasluiu, Tutova, Belgrad, Kahul, Faltfchi, Tekutfch, Ismail, Covurlui, Braila, Jalomitza, Ilfove, Vlafchka, Teleorman, Olt, Romanatz, Dolju in der Ebene. Das Klima Rumäniens ift, nach der Lage der einzelnen Diftricte fehr verfchieden. Die Karpathenthäler find gefchützt, allein die füdlichen und öftlichen 2 Ernft Haan. Landestheile ftehen gegen das fchwarze Meer offen und find daher heftigen Stürmen und Gewittern ausgefetzt. Die Kälte fällt im Winter bis 12 Grad, die Hitze fteigt im Sommer bis 29 Grad Reaumur. Der Hauptflufs des Landes ift die Donau mit den Nebenflüffen: Aluta( Oltu) mit den Nebenflüffen Oltetz und Cetna, 99 " " Amaradia- Gilortu, mit dem Nebenfluffe Teleorman, Jiul Vedea Ardgefch 99 Jalomitza Sereth 99 " Pruth 29 Dimbovitza, Prahova, 99 mit den Nebenflüffen Suciava, Moldava, Biftritza, Tortufch, 29 99 " 9 Berlad, Putna, Milcov, Rimnik, Sarat, Buzeo, Jija und Bachlui. Es gibt im Lande, namentlich an der Donau zahlreiche Seen. Die Haupt- Verkehrswege Rumäniens, welche meift in die Karpath enthäler führen, werden bei Besprechung der Verkehrsftrafsen angeführt werden. Bevölkerung. Die Bevölkerung Rumäniens befteht zum gröfsten Theile aus Rumänen, welche bekanntlich ihre Abftammung von den römifchen Colonien in Dacien ableiten, aber jedenfalls mit flavifchen und griechifchen Elementen fehr vermifcht find. Aufserdem leben viele Fremde im Lande. Nehmen wir die Gefammtzahl der Einwohner auf 5 Millionen an, fo zerfallen fie in 3 Millionen weiblichen und 2 Millionen männlichen Gefchlechtes; eine Million find Familienhäupter, 4 Millionen Familienglieder; von den Familienhäuptern find 800.000 verheiratet, 120.000 unverheiratet und 80.000 Witwer. Rumänien hat 69 ftädtiſche Gemeinden( Städte und Märkte), deren wichtigſte find: Bukareft Yaffy Galacz mit. " 9 وو Botufchan Plojefchti 29 Braila Berlad وو وو Crajova 99 • Ismaila " Giurgevo وو Petra 99 Fokfchan 99 0 221.805 Einwohnern, . 90.000 99 . 80.000 29 9 39.941 32.335 " 99 . 28.272 99 26.568 22.764 " 9 99 21.000 • 99 20.868 99 20.000 99 • 19.000 29 u. f. f. Landgemeinden gibt es 3020. Nach der Nationalität zerfallen die Bewohner Rumäniens( im Jahre 1867 nach Aureliano) in Oefterreicher. • 28.136 Seelen وو وو Griechen Preufsen. 99 99 Engländer • Ruffen Türken " 9 Franzofen 9.545 " . 3.658 45 2.823 2.706 " 99 • 2.63 1 " وو I. 142 " 46 Italiener. 22 Andere Rumänen 167 569 وو 99 " 9 4.373.534 "" Unter den Rumänen find: Ifraeliten Slaven Rumänien. Magyaren Zigeuner Zufammen 247.034* 90.000 50.000 300.000 687.000. 3 In Hinficht der Religion fcheiden fich die Bewohner des Landes( nach Frundescu 1872) in und gegen 4,230.000 Bekenner der griechifch- orientalifchen Religion, 10.500 Lipovener, 9.000 Armenier, 200.000 Katholiken, 50.000 Proteftanten, 400.000 Ifraeliten, I. 500 Mohamedaner 100.000 unbeftimmter Confeffion. Nach der Befchäftigung gibt es: 700.000 Ackerbauer- Familien( 3 Millionen Seelen), 60.000 Handwerker- Familien, 32.000 Kaufleute24.000 Gehilfen23.000 Beamten99 " وو 6.500 Profefforen und Lehrer, 450 Advocaten, 300 Aerzte, 170 Chirurgen, 250 Hebammen, 100 Apotheker, 2.200 Künftler, 9.800 Weltgeiftliche, 8.750 Mönche und Nonnen, 120.000 anders Befchäftigte. Ein nicht unbedeutender Theil der Bevölkerung gehört auch der ftehenden Armee an, welche gegen 30.000 Mann beträgt und durch die Landesmiliz( Dorobanzen) in der Stärke von 95.000 Mann ergänzt wird. Frachtbeziehungen. Die Haupt- Verkehrsader des Landes ift die Donau, welche von Vercierova bis Kilia eine Länge von 136 deutfchen Meilen hat. Der gröfste Theil der Ein- und Ausfuhr des Landes wird durch diefelbe vermittelt, aufserdem aber auch im Localverkehre, namentlich Getreide auf kleinen Schiffen nach Galacz und Ibraïla gebracht, um von dort auf die nach England, Frankreich, Italien, Rufsland gehenden Dampfer verladen zu werden. Die k. k. privilegirte Donau- Dampffchifffahrt- Gefellfchaft beherrscht mit ihrem grofsartigen Materiale die Donau;** aufserdem gibt es noch Privatdampfer, welche den Cerealienverkehr von Calafat bis Galacz und Sulina durch Remorquiren von Schleppern und Barken unterſtützen. * In diefer Zahl find die öfterreichifchen Ifraeliten inbegriffen. ** K. Th. Richter: Oefterreichifche Pionniere. Berlin, Herbig 1873. 4 Ernst Haan. Bis Galacz und Ibraïla verkehren auch die Seedampfer der verfchiedenen Schifffahrt- Compagnien. Die Flufsdampfer fahren auch auf dem Pruth bis Jaffy- Sculeni. Der Pruth, der zweitgröfste Flufs Rumäniens, wird auch noch zum Verfchiffen von Getreide mittelft Barken benützt. Der dritte Hauptflufs Rumäniens ift der Sereth, welcher aber fich bisher nur zum Flöffen eignet; fchon jetzt beträgt der Werth des jährlich auf demfelben verflöfsten Holzes über I Million Gulden öfterreichiſcher Währung. Im Jahre 1872 wurde bezüglich der Schiffbarmachung des Jiul-( Schyl-) Flufses eine Conceffion ertheilt, der zufolge innerhalb 4 Jahren derfelbe von Beket bis zur Mündung der Fasmania fchiffbar zu machen ift. Als das wichtigſte Transportmittel der Zukunft mufs auch in Rumänien die Eifenbahn angeführt werden. Rumänien befitzt folgende Bahnen: Die Bahn von Suczava- Burdujeni, an der Grenze der Bukovina, bis Roman, ( Jaffy- Lemberger Bahngefellſchaft) mit den Zweigbahnen: Liteni- Botufchan, Pafchkani- Jaffy( 224 Kilometer) und die Bahn von Roman nach Bacau, Tekutfch, Galacz, Braila, Buzen, Plojefchti, Bukareft, Piteſti mit den Zweigbahnen Tekutfch- Berlad. ( Actiengeſellſchaft der rumänifchen Bahnen). Diefe Bahn, welche von Pitefti nach Slatina- Crajova- Severin- Vercierova noch im Baue ift, umfasst fchon jetzt 464 Kilometer und wird nach ihrer Vollendung eine Länge von 919 Kilometer haben. Ueber den Verkehr auf diefen beiden Bahnen liegen folgende Daten vor: Reifende Waaren. Einnahmen I. Semefter 1873 Lemberg- Jaffy- Bahn: I14.024. 56,917.613 m. Tonnen. 1,297.855 Francs. Rumänifche Bahn( Actiengefellſchaft): Reifende Waaren Einnahmen 289.802. .150,608.358 m. Tonnen. 3,545.942 Francs. Conceffionirt ift noch eine Bahn von Terguveft nach Perifu( Station der Bukareft- Ployefter Bahn) an D. Mounier und die Strecke Jaffy- Pruth. Die kurze Bahnftrecke Bukareft- Giurgevo ift rumänifche Staatsbahn. and Sowie aber die Hauptflüffe noch die Regulirung der Zuflüffe erwarten, fo bedarf die Eifenbahn, um ihren vollen Einfluss auf den Auffchwung des Verkehres auszuüben, einer Verbefferung der Landwege. Diefe letzteren befinden fich noch in einem fehr vernachläffigten Zuftande und werden mittelft der äufserft primitiven Laftwagen ohne Eifenreifen an den Rädern befahren. Hinfichtlich der Bahnen ift die wichtige Frage der Anfchlüffe fremden Bahnen an der Tagesordnung der Discuffion. an die Eine der bedeutendften Verkehrsbeziehungen Rumäniens befteht in dem Verkehre von Braila, Galacz, Ismail nach dem fchwarzen Meere. Diefe Plätze können fchon jetzt als Hafen des fchwarzen Meeres betrachtet werden. Sehr folgenreich wäre die projectirte Errichtung eines Hafens am KiliaArme und deffen Eifenbahn- Verbindung mit Galacz, ein Plan, der feiner Ausführung entgegenreift. Schliesslich fei noch der Hauptftrafsen erwähnt, nämlich: Tfchernetz- Calafat; Calafat- Krajova. Krajova- Jiul in der Fortsetzung über den Vulcanpafs. Rumänien. 5 Islatfch- Caracal- Rimnik in der Fortfetzung über den Rothenthurm- Pafs. Slatina- Rofch de Verde- Turnu Magurelli. Pitefchti- Argefch- Campulung( in der Fortfetzung über den Branpafs). Plojefti- Campina( in der Fortfetzung über den Tömöfcher Pafs). Plojefti- Uizeni( in der Fortfetzung über den Bodzapafs). Fokfchan- Adjud( in der Fortfetzung über den Oitozpafs). Bakau und Komanefti- Adjud( in der Fortfetzung über den Gymefer Pafs). Bakau- Piatra( in der Fortfetzung über den Bekas- und Tölgyespafs). Sereth( Bukowina) Botufchan- Jaffy. Folticzeni- Roman- Jaffy und RomanBacau- Tekutfch- Galacz( an der Bahn). In der Richtung nach Kiffenef( Befsarabien): Bakau- Hufchi. Jaffy- Hufchi. GalaczReniLevov. IsmailReniIsmail( Bolgrad und gegen Akermann. Bukareft- Ozreda- Braila- Galacz. Frachtfätze. Die Tarife der Eifenbahnen und der Donau- Dampffchifffahrt- Geſellſchaft find allgemein zugänglich, und es erübrigt hier nur zu bemerken, dafs fie für den Manufacturwaaren- Verkehr zu hoch find, fo dafs z. B. Schweizerwaaren auf dem Seewege nach der Moldau importirt werden. Für die Seefrachten ift London mafsgebend, in zweiter Linie Marſeille und endlich Trieft. Durchfchnittsfrachten im Jahre 1872. Für Segelfchiffe nach England per Quarter 5-9 fc. 5 d. nach Marſeille per Charge 3-4 Frcs. nach Trieft per Staja Für Dampfer 25 42 kr. ö. W. nach England per Quarter 5 fc. 6 d. nach Marſeille nach Trieft , 17 22 4 ,, 3 d. 4 ,, 10 d. 9 fc. 7 fc. 6 d. 6 fc. 9 d. Frachten im Innern. Auf dem Pruth von Germanefti nach Galacz per Kilo( Galater) Getreide 12 Ducaten. Von Galacz nach Germanefti per 100 Oka diverfe 10 Galaczer Piafter. Von Galacz nach Jaffy zu Land per 100 Oka 12 Ducaten; im Herbfte oft 3-4 Rubel. Mafse, Münzen, Gewichte. Zur Bemeffung der Bodenfläche und für die öffentlichen Bauten ift das Metermafs eingeführt. Im Verkehre kommen aber nachfolgende Maſse vor: 6 Ernft Haani. I Stindjin - 2'23 Meter I Palma I Palmac _ 9.278 0.034 11 I. Längenmafse in der Moldau in der Walachei 1.96 Meter 0.24 29 I Degìtu I Liniá = 0.002 19 0.02 O'102 " 1 I Cotul _ I Rup I Grol - = 0.637 0.079 0.039 19 0.664 0.08 0.041 27 in der Moldau II. Flächenmafse I Falce= 143 2195 Ares( oder 21.9520 Meter I Pogon= I Stindjin - 4'9729 Ares in der Walachei 50 1179 Ares( oder 1179 Meter) 3.867 Ares. III. Hohlmafse in der Moldau in der Walachei I Vedra I Oka I Liter I Dramm I Kilo = 15'2 Liter 152 0.38 0.038, 430 I Banitza- 21.5 99 12.88 Liter 1.28 0.32 0.032 679 268( der kleine Kilo 339 634 Liter.) 33.963 Liter. = Anmerkung. Der Brailaer Kilo ift 2 walachifchen Kilo im Verkehre und 2 walachifche Kilo= 3 moldau'fchen; 20 Banitza 400 Oka= I walachi fcher Kilo. _ IV. Kubifche Mafse. in der Moldau I Stindjin = I Palma I Palmac I Digit I Linia = II 08957 Kubikmeter 1.38619 in der Walachei 7.60469 Kubikmeter 0.95058 - 0173274 72 - 0.01444 0.095059 0.009506 11 in der Moldau I Oka I Liter - I Dramm - I 291 0.32275 0.00323 Kilogramm 22 و, V. Gewichte. in der Walachei 127186 Kilogramm 0.31797 0.00318 Bis zum Jahre 1868 curfirten im Lande nur fremde, hauptfächlich öfterreichifche, ruffifche und türkifche, in letzterer Zeit auch franzöfifche Münzen mit fchwankendem Curs. Rumänien. 7 Seit 1868 aber hat die rumänifche Regierung eigene Münzen nach dem Frankenfyftem in den Verkehr gebracht. Die 1 Francftücke heifsen Leu nou, die Centimes Bani. Der Leu wiegt 5 Gr., davon find 835 Theile Silber und 165 Theile Legirung. Der Piafter( eine Rechnungsmünze) ift= 37 Centimes. Die rumänifche Währung hat aber die fremden Münzen noch nicht verdrängt, obfchon diefelben jedes Vierteljahr durch Decrete der Regierung herabgefſetzt werden. Nach dem letzten Decrete derfelben werden die fremden Münzen zu den folgenden Curfen bei den zollämtlichen Operationen angenommen: I Franc I öfterreichifcher Gulden I baieriſcher Gulden I holländifcher Gulden I Rubel.. I türkifcher Leu. I Thaler. I Currentthaler I Bankmark I Drachme ° I Pfund Sterling I Golddollar I Dollar. • ° • I öfterreichiſch- ungarifcher Ducaten I Zwanziger I türkifcher Ikofar ° • Die befonderen Mafse find: وو I Leu nou 2 60 Bani 0 99 2 ° 99 15 29 15 22 331 و, وو وو 59 - وو 2 " 97 4 ,, 22 - 23 ,, 1° 19 5° 21 ,, 75 99 90 84 99 a 25 11 25 97 • 5 25 99 . " 5 55 - II 4 99 وو وو 29 23 18 وو وو وو 99 17 75 21 84 44 92 وو وو وو für das Feld: die Falce in der Moldau, der Pogon in der Walachei, für Holz der Stindjin, für Flüffigkeiten: die Vedra und Oka, für Cerealien: Kilo und Banitza, für Stoffe: Cotu und Rup, für Salz etc.: Oka. و, Urproduction. Die Landwirthfchaft Rumäniens beruht auf der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens. Alle künftlichen Mittel, fie zu heben, als: Düngung, Bewäfferung, werden ganz aufser Acht gelaffen. Es findet zwar im Allgemeinen der dreijährige Fruchtwechfel( Getreide, Mais, Brache) ftatt, doch gibt es viele Aecker, wo durch Jahre, ohne Unterfchied, verfchiedene Getreidearten cultivirt werden. Die Cultur ift daher weniger intenfiv als extenfiv. - Die Ackerbau- Geräthe find meiftens noch fehr unbeholfen und diefelben, doch find fchon manche eurowelche vor taufend Jahren angewendet wurden, päifche Pflüge, Säemaſchinen und Drefchmaſchinen eingeführt worden.( Die Häufer Ranfome Sims& Head, Rufton Proctor& Comp. und Clayton Shuttleworth & Lincoln haben Niederlagen ihrer Maſchinen im Lande). Die Arbeitsfähigkeit des rumänifchen Bauers ift nicht fo grofs wie die anderer Länder. Seine Nahrung befteht aus Gemüfen und Milch und Mamaliga ( Polenta); Fleiſch geniefst er nur an Feiertagen; er trinkt Weinmoft und Branntwein. Zur Hebung des Ackerbaues beftehen eine Ackerbau- Schule in Bukareft, eine techniſche Schule in Jaffy, eine Mufterwirthschaft bei Jaffy, fechs Maulbeerund Obftfchulen, eine befonders gepflegte Schafzucht. 80 Ernft Haan. Die ftete Vermehrung der Volksfchulen ift auch hieher zu rechnen.( Es beftehen heute 1975 Landfchulen mit 55.985 Schülern; 246 ftädtiſche Schulen mit 26.160 Schülern.) Die Grundentlaftung, welche 2,959.905 Pogon Boden 414.435 Eigenthümern gegen eine Ablöfung von 23,329.998 Leu zuwies, hat den Grund zum künftigen Auffchwung der Bodencultur gelegt. Leider kann man heute noch nicht von einem bedeutenden Fortfchritte darin fprechen. Die ganze Lebensweife des Bauers ift feit einigen Jahren unverändert und trotz der gegentheiligen Angaben hiefiger Patrioten nimmt die agricole Bevölkerung von Jahr zu Jahr nicht zu. Es ift offenbar, dafs der grofse Geldwerth, welcher durch die gefteigerte Ausfuhr an Bodenproducten ins Land kommt, auf die Lage des Bauers ohne merklichen Einfluss geblieben ift. Der Grund hiefür fcheint darin zu liegen, dafs die Bauern, welche theils Eigenthümer, theils Pächter ( gegen einen Ertragstheil) find, durch Zwifchenhändler um den aus den Getreideconjuncturen refultirenden Gewinn gebracht werden. Manche Einrichtungen wirken ebenfalls hemmend auf die Bodencultur, fo der Befitz ungeheuerer Gütercomplexe( ehemalige Kloftergüter) durch den Staat, die Beftimmung, dafs die Grundftücke einer Landgemeinde nur innerhalb derfelben veräussert werden dürfen, endlich die abwehrende Behandlung der Einwanderer. Es ift erwiefen, dafs das Land wenigftens die doppelte Anzahl von Bewohnern ernähren könnte, und dafs der gegenwärtig als productiv bezeichnete Boden bei einer rationellen Bewirthschaftung ein dreifach fo grofses Erträgnifs geben könnte, aber es fehlt hauptfächlich an Arbeitern und an Geld für Betriebsauslagen. Statt aber die Arbeiter vom Auslande hereinzuziehen und das durch den Export gewonnene Capital im Lande zu verwerthen, erfchweren die Rumänen die Einwanderung auf jede Weife und geht das gewonnene Geld meift ins Ausland wieder zurück. In wie weit die neugegründete Boden- Creditanftalt den Producenten Erleichterung verfchaffen wird, kann nur die Zukunft lehren. Bergbau. Der gebirgige Theil Rumäniens ift reich an Mineralfchätzen. Wir finden hier Eifen und Queckfilber im Diftricte Gorjin, 99 وو Mehedintz, Dambovitza und Prahova, Kupfer Kalkstein " 9 Steinkohle " 99 Bernſtein 29 99 Prahova, Buzeu, Vâlcea und Suciava, Buzeu, Goldftaub und Silber endlich grofsartige Salzlager und Petroleumbrunnen. Die Salzgruben find in Slanik, Diſtrict Prahova( jährliche Erzeugung 20 Millionen Oka), wo das fchönfte Salz der Welt gewonnen wird; in Telega im gleichen Diftricte( jährliche Production 20 bis 22 Millionen Oka), dann in der Moldau: Tirgu Okna im Diftricte Bacau( gegenwärtig unausgebeutet). Bergöl wird in den Diftricten von Dîmbovitza und Bacau, jährlich 12 Million Oka, gewonnen. Forftwirthschaft. Rumänien gehört zu den holzreichften Ländern Europas. Ein Viertel der gefammten Bodenfläche iſt mit Wald bedeckt. Ungefähr der vierte Theil der Waldungen ift Staats eigenthum. Rumänien. 9 Der verbreitetfte Baum ift die Eiche in vielen Varietäten, der Nussbaum( in den Karpathenthälern), die Buche, die Weifs- und Rothefche, die Ulme, Erle, Linde, Tanne. Die Wälder liegen meift im Gebirge. Auch auf den Donauinfeln findet fich viel Holz, hingegen gibt es Gegenden, wie die Ebene von Baragan, wo auf Meilen Entfernung kein Baum wächft. Die Forftwirthschaft ift äufserft primitiv. Entlegene Wälder werden gar nicht ausgenützt, hingegen die zugänglichen ohne Schonung gehauen. Man kann annehmen, dafs von letzteren jährlich viermal mehr Holz entnommen wird, als nach einer rationellen Bewirthschaftung gefchehen follte. Die Hälfte des ganzen Waldbeftandes kann als zugänglich angefehen werden( 212 Million Pogon). Infolge der Schwierigkeiten des Transportes und des Mangels an Arbeitskräften findet ein nicht unbedeutender Import von Holz aus der Bukovina ftatt. Feldbau. Der wichtigfte Theil der Urproduction ift der Feldbau; hier find ungefähr 2,800.000 Seelen, fomit über die Hälfte der Bevölkerung befchäftigt. Die Dörfer find faft nur von Bauern bewohnt. Der gefammte fruchtbare Boden beträgt 12,636.618 Pogon, welche fich wie folgt vertheilen: Fruchtgärten. Aecker Wiefen 308.477 Pogon, وو 4,442.924 99 1,848.775 5,845.135 99 191.307 29 Weiden. Weingärten Diefe Aecker zerfallen in: Weizenfelder. 1,149.119 Pogon oder 25 19 Percent, Roggenfelder. 221.547 29 وو Maisfelder.. 2,069.510 وو .. 4.99 46.58 99 Gerftenfelder. 453.928 IO 22 " 99 Haferfelder. Hirfefelder. 121.880 252.860 13 97 2.75 99 19 5.68 77 99 4.59 333 99 وو andere Felder. 204.080 Die Jahresproduction beträgt: 2, 217.343 Kilo Weizen im Durchfchnittspreife von 190 Piafter, 363.436 2,984.059 1,169.243 258.640 368.816 99 Roggen Mais 120 99 Gerfte وو وو وو دو وو وو " 99 I IO 99 29 99 IOO 99 وو Hafer " 99 " 99 90 99 Hirfe وو 99 99 .. 70 29 Das Land liefert ferner jährlich: 12 Millionen Oka Fifolen und Linfen, 11/2 Hanf, 99 وو 1/2 Flachs, 99 وو Tabak, 11/2 29 29 Kartoffel, 9 وو وو 2 29 Karren( à 733 Oka) Heu. Man unterfcheidet folgende Weizenarten: Ghirka, Arnaut-, Banat-, Coluz, Sandomir- und gewöhnlichen walachifchen Weizen; die Qualitäten find alle fehr fchwer und mehlhaltig. 10 Ernft Haan. Der Roggen dient zur Branntwein- Bereitung, der Hafer nur zur Nahrung der Pferde, Hirfe als Viehfutter; ungemein beliebt ift der Mais, aus dem die nationale Speife Mamaliga bereitet wird; aufserdem dient er zur Spiritusbereitung. Hanf und Flachs wird für den eigenen Bedarf im ganzen Lande cultivirt. Tabak wird viel gebaut, allein das willkürliche Verfahren der Tabakregie fchreckt die Bauern von dem im Lande möglichen Anbaue ab. Gartenbau. Die Obftcultur ift noch in ihren Anfängen. Es werden eigentlich nur Zwetfchkenbäume gepflanzt, um aus deren Früchten Branntwein zu gewinnen. Gemüſe werden reichlich gebaut, da fie die Hauptnahrung des Landmannes ausmachen.( Linfen, Fifolen, Kraut, Zwiebel und Gurken.) 300.477 Pogon find diefen Culturen gewidmet. Weinbau. Dem Weinbaue find 191.000 Pogon gewidmet, von denen ein Sechstheil dem Staate angehört. Die befferen Weine wachfen an den Karpathenabhängen, die Weine der Ebene find herbe und weniger haltbar. Die beften Sorten find: Bezirk Yaffy. Cotnar, Dragafchani, Odobefchti, Vâlcea. 29 Putna. 99 Deolu mare, Nicorefchti, " Prahova, Buzen. Tekutfch. 79 Die Zubereitung und Kellerwirthschaft ift noch wenig entwickelt. Die jährliche Production beträgt 5 Millionen Vedra. Viehzucht. Der Boden und das Klima Rumäniens find der Viehzucht fehr günftig. Der gefammte Viehftand wird durch folgende Zahlen annäherungsweife dargestellt: Stiere Ochfen Kühe Kälber Büffel Schweine Pferde Efel und Maulthiere 200.000. 1,900.000. 900.000. 600.000. 100.000. 1,200.000. 600.000. 8.000. Schafe und Lämmer 5,000.000. 500.000. Ziegen Bienenkörbe Geflügel 300.000. 14,000.000. Das Rindvieh ſpielt in der rumänifchen Landwirthschaft eine wichtige Rolle; faft alle Feldarbeit wird mit deffen Hilfe verrichtet und aufserdem dient es der Confumation. Die Rinder werden auch vielfach als Zugthiere zum Transporte der Waaren auf den Markt verwendet. Jeder Bauer hält wenigftens eine Kuh, es gibt aber Befitzer von Heerden, die 1000-3000 Stücke zählen. Die zum Schlachten beftimmten Rinder werden mittelft der Abfälle der Branntwein- Deftillerien gemäftet, zu welchem Zwecke in der Nähe der Deftillerien grofse Ställe erbaut find. Gemäftet werden fie in den öffentlichen Schlachthäufern gekeilt. Rumänien. 11 Die Büffel find fehr gefchätzt, erfordern aber wegen des häufigen Temperaturwechfels eine fehr forgfältige Pflege. Die Schweinezucht wird vorzüglich in der Walachei betrieben, auf welche neun Zehntheile der obigen Stückzahl entfallen. Die Pferde werden in Rumänien zum Transporte verwendet, in der Landwirthschaft zur Austretung des Getreides; die Race ift klein und unanfehnlich. Die Maulefel werden meiftens von den Zigeunern gezüchtet. Die Schafzucht ift einer der wichtigſten Zweige der rumänifchen Landwirthschaft. Die grofsen Grundbefitzer befitzen Heerden von einigen Taufenden von Stücken, aber felbft einfache Bauern haben oft Heerden von einigen Hundert Schafen. Man unterfcheidet folgende Namen der Racen, die auch auf die Wolle angewendet werden: Merino, Tfigay, Stogofch, Tfurkan, Fumurie, Tonka. Die Bienenzucht ift verhältnifsmässig unbedeutend, obfchon das moldauifche Wachs einft berühmt war. Es werden jährlich 50.000 Oka Honig und 10.000 Oka Wachs erzeugt. Die Seidenzucht aus einheimifchen Samen ift fchon alt, die Zucht aus Mailänder und japanifchen Samen hat in den Jahren 1862/1863 gute Ergebniffe gegeben( über 9 Millionen Piafter), ift aber in den letzten Jahren fehr in Abnahme. Es follen im Lande 93.357 Maulbeer- Bäume exiftiren. Induſtrie. In einem Lande, wo die Bodencultur noch unentwickelt ift, kann von einer bedeutenden Induftrie keine Rede fein. In den ftädtifchen Gemeinden werden die Gewerbe meift von Fremden und Ifraeliten betrieben; in den Landgemeinden find nur die Wirthe und Huffchmiede eigentlich Induftrielle, letztere find gewöhnlich Zigeuner. Auf dem Lande find die Bauern zugleich Induſtrielle. Sie bauen fich felbft die Häufer, zimmern fich die Geräthe und die Frauen fpinnen und weben die für den Haushalt nöthigen Stoffe. Infoferne der Bauer auch feine Producte felbft auf den Markt bringt, Verfrachtungen übernimmt, in Holz fpeculirt, kann man ihn auch als Kaufmann betrachten. Die landwirthschaftliche Induſtrie ift ziemlich ausgedehnt; fo gibt es gegen 7000 Mühlen, welche 10.000 Arbeiter befchäftigen( Wind-, Waffer- und Göppelmühlen), aufserdem 33 Dampfmühlen. Branntwein wird aus Mais, Roggen, Gerfte, Kartoffeln in der Ebene, im Gebirge aus Pflaumen erzeugt. Es exiftiren gegen 2000 Brennereien, welche jährlich Spiritus im Werthe von 4 Millionen Gulden öfterreichifche Währung erzeugen. Es bestehen im Lande 70 Schlachthäufer; die Thierhäute werden in über 500 Gerbereien verarbeitet; aus der Milch der Kühe und Ziegen wird in 300 Käfereien Käfe bereitet. Zur Bearbeitung des Holzes beftehen 600 Sägen; die Fabrication von EichenFafsdauben ift bedeutend. Die Holzfchnitzerei wird von Zigeunern betrieben, welche fich Monate lang im Walde aufhalten und dafelbft die bei den Rumänen beliebten Holzgefäfse anfertigen. Im Diftricte von Prahova werden die Rohrgeflechte erzeugt, welche im ganzen Lande verbreitet find. Die Hausinduftrie befchäftigt fich mit der Verfertigung der zur Kleidung und zum Haushalte nöthigen Stoffe. So werden aus Flachs Hemden, Handtücher, Bettwäfche und die Anzüge gemacht, welche die Bauern im Sommer tragen. Aus Wolle werden Tuche: Schajak, Aba, Dimie, gewebt, aus denen die Männertracht( ein langer Rock mit hängenden Aermeln, ein Mantel mit Kapuze, Hofen, Gamafchen und kleine Wefte) beſteht. 12 Ernft Haan. Für die weibliche Tracht werden Gürtel, Briu, Schürzen mit Gold und Perlen, Bette, dann Kittelftoffe, Valnic, Cretinza, Schürzen, Fota peftelca, Zevelka gearbeitet. Hiezu kommen noch feine Wollenfchleier, Kamilafe, Gewebe, Muhaier genannt, welche in den Klöftern erzeugt werden. Aus Wolle werden auch die ungemein dauerhaften Teppiche gewebt, welche meift zum Belegen der flachen Betten und des Fufsbodens dienen. Man unterfcheidet: Cadrile, einfärbig, mit gekräufelten Fäden; Chrame, weifs- und rothgewürfelt, fein; Abarten der Cadrile find Cerga, gröber, weifs und ſchwarz; Zeblen noch ftärker; dann Filzteppiche, Patura; als eigentliche Bettdecken dienen die bunten Plocade und Precoviza; und jene aus dem gleichen Stoffe wie die Mäntel Sarica. Velitza oder Laitfcher find grobe Wollgewebe mit geftreiftem Deffein, Covor, Scorza Kelins find kleine bunte Teppiche. Es gibt im Lande gegen 500 Walkmühlen. Aus Ziegenhaaren werden Stoffe, Preche oder Arare, zu Wagendecken Carrutza, Säcke, Defagi, Traifte, gewebt. Mit felbft gewonnener Seide, Borandfchik, werden die Frauenhemden, Ie, Camefi, und Schleier, Marame, durchftickt. Aufserdem gibt es auf dem Lande viele Töpfereien, Ziegelfchlägereien, Kalköfen. In den Städten und Märkten beftehen manche nur von Rumänen betriebene Gewerbe, fo gibt es Bäcker( gegen 600), welche Brot und Zwieback erzeugen, Producte, die nur in den Städten confumirt werden, nationale Schufter, Schneider, Pelzmacher.( Aus Lammfellen werden die Mützen, Ifchlik, Paletots, Cojok, Jacken, Cojocel oder Mintan, und Weften, Peptar, gefertigt.) Die übrigen Gewerbe werden meiftentheils von Ifraeliten und Fremden ausgeübt. Es beftehen einige Fabriken, fo die Tuchfabrik von Cogolnitfcheano( die gegenwärtig nicht mehr arbeitet), 72 Bierbrauereien, darunter die grofse Brauerei von Oppler, eine Metallgiefserei von Siebrecht, Thonwaaren- Fabrik von Zefolonay. eine Ofenfabrik der Brüder Voltfcheg, 29 Buchdruckereien und eine Menge grofser Ziegelbrennereien, ferner gegen 60 Gasfabriken( meift Raffinerien von Petroleum) und zahlreiche Kerzen- und Seifenfabriken( darunter die grofse Fabrik von Faulquier in Galacz), einige unbedeutende Glas- und Porzellanfabriken. Die Betheiligung Rumäniens. Rumänien erhielt in der Seitengallerie 16 6 der Induftriehalle einen Raum von 675 Quadratmeter und circa 6 Quadratmeter im Parke angewiefen. Es grenzte gegen die Hauptgallerie an Perfien, während es gegen die Donaufeite Ausgänge ins Freie hatte. Eine gefchmackvolle Draperie mit der Auffchrift ,, Rumänien" von der einen und dem rumänifchen Wappen von der anderen Seite bildete den Eingang in diefe Abtheilung der Weltausftellung. Offene Käften an den Wänden und freiftehende Glaskäften gegen die Mitte der Gallerie enthielten die meift aus Kleidern und Waffen beftehende Induftrieausstellung. Ein Kiofk in der Mitte der Gallerie diente zum Ausruhen und war rings von Figurinen umgeben, welche die verfchiedenen Uniformen der rumänifchen Armee trugen; fonderbarer Weife ftand daneben eine Nonne. Weiter kam man zu den Gemälden und zu einer grofsen Trophäe, aus den Naturproducten des Landes Rumänien. 13 gebildet, an die fich eine breite Säule aus Wein- und Spiritusflafchen anfchlofs; rechts eine künftliche Grotte aus Salzblöcken und links ein künftlicher Berg aus Steinen, mit nationalen Gewächfen bedeckt und den Bewohnern des Forftes, der Luft und des Waffers( Präparate) bevölkert, fchloffen die Ausftellung ab. Nach den Gruppen betrachtet ergab fich in flüchtigem Ueberblick folgendes Refultat: In der I. Gruppe,„ Berg- und Hüttenwefen", hat Rumänien hauptfächlich einige Salzblöcke ausgeftellt, aufserdem noch einige Steinkohlen, Erze und etwas Petroleum,- Alles ohne fyftematifche Zufammenftellung. Wir vermifsten eine Foncault auf ähnliche Sammlung wie die fchöne Petroleumausftellung von der Weltausftellung vom Jahre 1867. In Gruppe II waren reichlich vertreten: Die verfchiedenen Cerealien, Weizen, Roggen, Mais, Hirfe, Gerfte, Hafer, Linfen, Fifolen, Reps; auch der Holzreichthum war durch Proben aus den Staatsdomänen und durch die Objecte, welche die Herren von Negrutzi und Negroponte gefendet hatten, vertreten. Unter dem Tabak war auch folcher aus ungarifchen Samen. Ein ziemlich neues Product in Rumänien find die Kartoffel und der Reps, deffen Anbau fehr überhand nimmt. In der III. Gruppe erfchien befonders raffinirtes Petroleum, Wachs und Mineralwäffer( die Ausftellung von 48 Mineralquellen von Dr. Bernath), Wachskerzen für den Gottesdienft, Wachsfrüchte und Blumen, dann die Ausftellung der Stearinkerzen- Fabrik in Galacz( von Faulquier Blanc& Comp.). In Gruppe IV nahmen die Weine einen bedeutenden Platz ein, dann Confituren, Liqueure, Mehl, Tabak und Zwieback, letzterer ausgeftellt vom permanenten Comité in Ibraila, welches wohl mit der Fabrik der Herren Gerbolini& Borghetti, welche jährlich 700.000 Kilo erzeugt, identifch fein dürfte. Gruppe V ,,, Textil- und Bekleidungsinduftrie", war fehr reich vertreten. Es waren meift Erzeugniffe der Hausinduftrie für die nationale Bekleidung; das Verftändnifs derfelben wurde durch eine Sammlung Aquarelle der National coftume von Szatmary erleichtert. Neben diefen Producten waren dann Teppiche, Decken etc. zur Hauseinrichtung ausgeftellt. Alle diefe Gegenftände zeichneten fich durch originelle Deffins und fleifsige Arbeit aus.* Prachtvolle Stickereien, dem griechifchen Cultus dienend, fchloffen fich an diefe Gruppe. Daneben erfchienen auch Producte im europäifchen Stil, fo die Möbel von Olbrich und die Hüte von Paul Martin, Schuhwaaren von Brandt und Sattlerwaaren von Hayek& Sohn( VI. Gruppe), welche gerade fo ausfahen, als wenn fie in Wien gemacht wären. Die Gerberei war durch ausgeftellte Häute repräfentirt, während ganze, ausgeftopfte Thiere uns erinnerten, dafs Rumänien ein Land der Bären und Wölfe ift. Gruppe VII war durch einige merkwürdige Metallarbeiten aus den griechifchen Klöftern, Gruppe VIII durch die hölzernen Geräthe repräfentirt, welche in Rumänien meift von Zigeunern angefertigt werden; in Gruppe IX war die originelle Thoninduftrie Rumäniens nur fchwach vertreten; eine Glasfabrik in Grodescu lieferte nur fehr ordinäre Waare. Unter Kurzwaaren( Gruppe X) erfchienen fchwarzer Bernftein von Buzeu, dann Rofenkränze, hölzerne Becher etc. Gruppe XI war nur durch färbiges Papier, Gruppe XII durch einige Photographien und Zeichnungen Szatmary's und die Ausftellung anderer Buchdruckereien, Gruppe XIII durch einen originellen Wagen zur Trappenjagd und durch Pflüge vertreten. Auch hatte die deutfche Firma Waller& Hartmann in Bukarest eine Pumpe ausgeftellt. In Gruppe XIV erfchien faft nichts, in Gruppe XV einige europäiſche Inftrumente. Es war Schade, dafs die originellen Inftrumente der Lautari( walachifche Zigeuner) nicht ausgeftellt wurden. In Gruppe XVI,„ Heereswefen", waren Waffen und Uniformen, dann einige Steine( Gruppe XVIII), Pläne von Bauernhäufern( Gruppe XX), endlich in * Die Arbeiten des Afyle Hélène in diefer Gruppe erhielten das Ehrendiplom. 2 14 Ernft Haan. Gruppe XXIV eine fehr intereffante Sammlung antiker Gefäfse von Boliac in Bukareft ausgeftellt. Die bildende Kunft der Gegenwart war durch verfchiedene mittelmässige Bilder repräfentirt. Gruppe XXVI war vertreten durch die Objecte des Herrn Spirescu und die Arbeiten einiger Mädchenfchulen. Schliefslich wäre noch des Schatzes von Petroffa zu erwähnen, der freilich fchon in Paris 1867 ausgeftellt war.* Handel. Der Handel Rumäniens mit dem Auslande ift fehr bedeutend. Der Werth der Ein- und Ausfuhr wird durch eine Durchfchnittszahl von 160 Millionen Gulden öfterreichischer Währung bezeichnet, von denen auf die Einfuhr 90 Millionen und 70 Millionen Gulden auf die Ausfuhr entfallen. Dasjenige Product, welches dem Ausfuhrhandel eine Bedeutung leiht, die fich im Welthandel fühlbar macht, ift das Getreide. Rumänien bildet die Kornkammer für das füdöftliche Europa und der Werth diefer Ausfuhr allein beläuft fich auf ungefähr 48 Millionen Gulden öfterreichifcher Währung. Je nach der Ernte in den verfchiedenen anderen Ländern wechfelt die Richtung des Exportes an Getreide, doch bleibt immer England als Hauptabnehmer mit gegen 12 Millionen Gulden jährlich. Im Jahre 1872 wurden nach OefterreichUngarn für II Millionen Gulden exportirt. An das Getreide reiht fich, was den Werth der Ausfuhr betrifft, jener von thierifchen Producten, welcher gegen 9 Millionen Gulden jährlich beträgt. Darunter nimmt die Wolle den erften Rang ein, welche faft ausfchliefslich( im Jahre 1871 für 5,233.670 fl. öfterreichischer Währung) nach Oefterreich- Ungarn exportirt wird, der Reft geht nach Frankreich. Die Rinderhäute( und Kalbfelle) im Werthe von 12 Million, fowie Ziegen- und Lammfelle, halb gar, im Werthe von 60.000 fl. werden ebenfalls zumeist nach Oefterreich- Ungarn ausgeführt. Die dritte Stelle im Ausfuhrwerthe nehmen aber die Thiere( 6 Millionen Gulden) ein; es werden Rinder im Werthe von 3, Schafe I, Schweine 2 Millionen Gulden jährlich vorzüglich nach Oefterreich- Ungarn, im Jahre 1871: Rinder 25.066, Schafe, Ziegen, Lämmer 68.652, Schweine 98.398, Pferde 1567 Stück im Werthe von 3 Million Gulden öfterreichifcher Währung, nach der Türkei( 12 Million), Rufsland( 1 Million) u. f. w. exportirt. Animalifche Fabricate( Fett, Butter, Käfe) werden jährlich für 2 Millionen nach der Türkei, Ungarn, England, Samen für 2 Millionen Gulden nach Ungarn und der Türkei, Holz für I Million nach der Türkei, Rufsland, Ungarn, Mineralien werden im Werthe von I Million Gulden, vorzüglich Salz und Bergöl, dann mineralifche Fabricate, wie raffinirtes Petroleum, im Werthe von I Million Gulden exportirt. Der Gefammtexport Rumäniens nach Oefterreich- Ungarn beträgt 15-16 Millionen Gulden; der allgemeine Export zur See beträgt: von Ibraila 35-40, von Galacz 10-15, der Export nach der Türkei auf anderen Wegen 8-9 Millionen Gulden. Die Einfuhr nach Rumänien bewerthet fich auf 100 Millionen Gulden. Mit Ausnahme der angrenzenden Provinzen der Türkei importirt das Ausland meift Induftrie producte. England führt vorzüglich drei Artikel ein: Steinkohlen, Eifenwaaren und Baumwoll- Waaren, aufserdem auch rohes Eifen, Fayencen, China- und AlpaccaSilberwaaren, Broncewaaren, Eifenmöbel, Thee und Colonialien. Frankreich importirt Leinenwaaren, Möbel, Seidenwaaren, Zucker, Wein, Liqueure; Rufsland Metalle, Metallwaaren, Lederwaaren, Glocken; Holland Zucker; Italien, * Rumänien wies 1475 Ausfteller auf, von denen in 14 Gruppen 213 mit Auszeichnungen geehrt wurden. Rumänien. 15 Griechenland und die Levante Colonialwaaren, Südfrüchte, hydraulifchen Kalk, Marmor, Steinarbeiten; Deutfchland Woll- und Baumwoll- Waaren, Möbelftoffe, Bijouterien, Goldwaaren, Parfumerien, Lampen etc. Oefterreich- Ungarn exportirte nach Rumänien für circa 40-50 Millionen Gulden öfterreichifcher Währung, und zwar( im Jahre 1871): Colonialwaaren und Südfrüchte Tabak und Tabakfabricate Garten- und Feldfrüchte Thiere Thierifche Producte 0 1,235.371 fl. 900 29 155.991" 262.460 99 140.844 29 Fette und fette Oele. Getränke und Efswaaren Brenn-, Bau- und Werkftoffe Arznei-, Parfumerie-, Farbe-, chemifche Hilfsftoffe Metalle( mit Ausnahme der edlen Metalle und Münzen) Webe- und Wirkstoffe Garne. Webe- und Wirkwaaren Waaren aus Borften, Papier und Papierwaaren Leder, Leder-, Gummi- und Kürfchnerwaaren Bein-, Holz-, Glas-, Stein- und Thonwaaren Metallwaaren Land- und Wafferfahrzeuge Inftrumente, Mafchinen, Kurzwaaren Chemifche Producte, Farb-, Fett- und Zündwaaren Literarifche und Kunftgegenftände . • 59 61.678 386.366, 54 977.850 475.148 99 348.366 86.766 99 99 124.263 " 12,873.013 99 1,954.721„ . 4,408.517 59 3,179.457 29 3,910.695 29 619.380, 10,810.054 29 ° 2,020.122 وو 324.448 29 Abfälle Summa ° 961" 44,357.371 fl. Für den Werth der von anderen Staaten importirten Waaren fehlen die Nachweifungen. Die englifche Einfuhr gefchieht faft ausfchliefslich zur See. Den gröfsten Theil der Einfuhr aus Deutfchland und Frankreich dürften folgende Zahlen repräfentiren, welche die Durchfuhr durch Oefterreich- Ungarn nach Rumänien darftellen: Im Jahre 1871 Gefammtwerth 32,543.037 fl. Hievon entfallen auf: Webe- und Wirkwaaren Inftrumente, Mafchinen, Kurzwaaren Metallwaaren Garne Bein-, Holz-, Thon-, Glaswaaren . 19,742.810 fl. 6,598.050" 1,619.910" 596.192 560.270" 99 Der Import aus England, Rufsland und Italien mag ungefähr 10 Millionen Gulden für Ibraila und 4 bis 6 Millionen Gulden für Galacz betragen.* Handelspolitik. Aus der vorhergehenden Skizze ift erfichtlich, dafs Rumänien alle Vorbedingungen befitzt, um ein reiches, blühendes Land zu werden. Seine Lage an der Donau, an der heutigen Welt- Handelsftrafse nach Conftantinopel, der an Mineralien, Holz und Feldfrüchten reiche Boden, die fchon fehr ausgedehnte Viehzucht erfcheinen als die natürlichen Bedingungen diefes Auffchwunges. * Die rumänifchen Statiftiker berechnen( 1871) den Export Rumäniens auf 173 den Import auf 89 Millionen Francs, was offenbar ganz falfch ift. 2 ፨ Millionen, 16 Ernft Haan. Andere nicht minder wichtige Factoren liegen in der Bevölkerung. Diefe ift für den Umfang des Landes noch viel zu gering und noch auf einer niederen Culturftufe, aber es mangelt ihr nicht an natürlicher Anlage. Es kann nicht verkannt werden, dafs feit Jahren die Entwicklung Rumäniens durch äufsere Umftände begünftigt wird. Die natürlichen Communicationen werden künftlich verbeffert durch die Arbeiten an den Donaumündungen, ferner durch den Bau von Strafsen im Innern, namentlich auch durch die Aufftellung eiferner Brücken, durch die Errichtung der Eifenbahnen. Die hohen Getreidepreife in den letzten Jahren haben bewirkt, dafs jährlich eine gröfsere Bodenfläche in Cultur gezogen wird, im Innern ift durch die Entlaftung von Grund und Boden, durch Gründung von Schulen auf dem Lande und in den Städten, durch die Verbefferung in der Adminiftration und Legislation Vieles gefchehen. Hingegen bleiben noch immer Bedingungen vorhanden, welche den Auffchwung des Landes hemmen. In erfter Linie ift hier das Beftreben zu verzeichnen, fich vom Auslande unabhängig zu erhalten, theils dadurch, dafs man einige der ins Land führenden Wege nicht verbeffert( Eiſenbahn- Anfchlufsfrage), theils dadurch, dafs man den Fremden die Niederlaffung im Lande erfchwert. Nicht nur find für die Fremden noch immer drückende Pafsbeftimmungen aufrecht erhalten und neu eingeführt worden, es wird auch keine Staatsanftellung mit den daran geknüpften Rechten an Fremde verliehen, und felbft der Betrieb mancher Gewerbe nur den Einheimifchen geftattet, wobei die Ifraeliten bekanntlich als Fremde betrachtet werden. Der eigentliche Rumäne ift nach der jetzigen Sachlage Ackerbauer, die ganze Induftrie, die über die fogenannte Hausinduftrie( und die primitivften Gewerbe) hinausgeht, liegt in den Händen der Bevölkerung fremden Urfprungs. Hingegen befteht der Clerus faft ausfchliefslich aus Rumänen, ebenfo das ganze Regierungsperfonale, die Advocaten, Aerzte, Militär etc., wobei nur zu bemerken ift, dafs ein fehr grofser Theil diefer Intelligenz aus griechifchen Elementen gebildet ift. Der Adel des Landes, die fogenannten Bojaren, welche Grofs- Grundbesitzer find und fich nebenbei mit Politik befchäftigen, ift felbft aus dem eigentlichen rumänifchen Adel und dem griechifchen Adel zufammengefetzt. Die Adminiftration leidet an vielen Gebrechen und namentlich werden für die ganz überflüffige Armee Millionen verausgabt, welche wieder die Einführung drückender Steuern bedingen. Der Clerus ift im Verhältnifs zur Bevölkerung ungeheuer zahlreich und trägt zur Hebung des Volks- Wohlftandes nichts bei. Endlich kann man die Handelsleute und Induſtriellen auch nicht von dem Vorwurfe wucherifcher Transactionen und unehrlichen Gebarens freifprechen. Der gröfste Nachtheil für das Land liegt in dem Hange des Rumänen, fich mit der Politik zu befchäftigen. Es liegt darin eine folche Aehnlichkeit mit den Griechen, dafs daraus allein auf die Verwandtfchaft der intelligenten Claffen mit denfelben gefchloffen werden könnte. Es werden in Folge deffen alle Fragen national- ökonomifcher Natur immer vom politifchen Standpunkte behandelt und im Innern nach dem Partei- Standpunkte, gegen Aufsen nach chauviniftifchen Impulfen entfchieden. In letzterer Zeit, feit Rufsland fich weniger mit Rumänien befchäftigt und Frankreich fich fammelt, hat die Rumänen eine krankhafte Angft erfafst, von Oefterreich- Ungarn verfchlungen zu werden. Diefe Andeutungen müffen bei Beurtheilung der Bedeutung Rumäniens im Weltverkehr und befonders in Beziehung zu Oefterreich- Ungarn ftets im Auge gehalten werden. Zur Hebung des Handels mit Oefterreich wird die Hinwegräumung der Hinderniffe am eifernen Thore mächtig beitragen. Die Verbefferung der Commu Rumänien. 17 nicationen mit Siebenbürgen ift eine wichtige Frage für die fiebenbürgifche( Kronftädter) Induftrie, welche jährlich ungefähr drei Millionen Gulden nach Rumänien importirt. Die Herabfetzung der öfterreichifchen Zölle auf Getreide und Wein, dann die Herabminderung der Tarife der Eifenbahnen und der Donau- DampffchiffahrtGefellſchaft, eine Regulirung des rumänifchen Douaneverfahrens, Gleichstellung mancher Artikel, wie Wein und Rum, mit den ähnlichen anderer Staaten in der Zollbemeffung, endlich die Einrichtung, dafs die Waaren zu Lande nach Galacz als Freihafen, ohne den hohen Eingangszoll( nur mit 1 Percent Communalzoll wie die zu Schiffe anlangenden Waaren) importirt werden können, dürften als die wichtigften Factoren zum Auffchwunge des Handels mit Oefterreich- Ungarn gelten. 3