OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. TÜRKE I. BERICHT verfafst im Auftrage des COMITÉ FÜR DEN ORIENT UND OSTASIEN, von CARL SAX, kaiferlicher und königlicher Conful. BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Der gefertigte Redacteur des officiellen Berichtes über die Wiener Weltausftellung wurde am 30. März 1873 für feine fchwierige Aufgabe nach Wien berufen, und nach kurzen vorhergehenden Berathungen ganz allein mit der Durchführung des grofsen Werkes betraut. Das Programm der officiellen Berichterstattung, Ende April von der Generaldirection genehmigt, wurde am 25. Juni 1873, Zahl 686 H. M., von Seiten des hohen k. k. Handelsminifteriums genehmigt. Erft von diefer Zeit an war der gefertigte Redacteur im Stande, officiell an die Einladungen zu gehen und Berichterftatter für den officiellen Bericht zu gewinnen. Es ift jetzt nach dem Schluffe der Weltausftellung an der Zeit, an diefe kurze Gefchichte der Redaction des officiellen Berichtes zu erinnern. In den erften Tagen des Auguft erfchien mit dem Berichte , Der Pavillon des kleinen Kindes" von Dr. Ferdinand Stamm das erfte Heft des officiellen Berichtes. In rafcher Aufeinanderfolge find bis zum Schluffe der Ausftellung 29 Hefte erfchienen und kann man darnach ficherlich weder den Herren Berichterftattern, die mit hingebender Liebe an das patriotifche Werk und an die Erfüllung der fchwierigen Aufgabe gingen, noch der Redaction den Vorwurf machen, dafs fie fich nicht bemühten, das officielle Programm der Berichterstattung, welches beſtimmte, dafs der officielle Bericht„, noch während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden" folle, zur Wahrheit zu machen. Was die Arbeitskraft des Einzelnen vermag, das haben die Herren Berichterftatter wirklich geleiftet, und Alle, ebenfo wie die gefertigte Redaction müffen ihnen zu Dank ver pflichtet fein. Was ein Einzelner, dem die Redaction eines fo grofsen und vielfeitigen Werkes, welches der officielle Bericht ift, allein anvertraut worden ift, was ein Einzelner unter fo fchwierigen Umständen leiften kann, um den Befuchern der Ausftellung zu dienen, das hat der gefertigte Redacteur verfucht zu leiften. Mit der Neige des Jahres 1873 wird der officielle Bericht in feiner ganzen grofsen Ausdehnung und in feiner erften Ausgabe vollendet fein. Ich glaube, dafs die Herren Berichterstatter den Dank des Publicums verdienen, die gefertigte Redaction wenigftens keinen Tadel zu fürchten hat. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER. Chefredacteur des officiellen Berichtes. TÜRKEI Bericht, verfafst im Auftrage des COMITÉ FÜR DEN ORIENT UND OSTASIEN, von CARL SAX, kaiferlicher und königlicher Conful. Geographifche Ueberficht. Das unmittelbare Gebiet der hohen Pforte( mit Ausfchlufs der Schutzftaaten) wird auf 54.100 Quadratmeilen gefchätzt, wovon 6300 auf die europäifche, 31.600 auf die afatifche und 16.200 auf die afrikanifche Türkei gerechnet werden. Nur die Begrenzung der europäifchen Türkei ift genau beftimmbar, aber in Afien ift die Grenze gegen das freie Arabien, und in Afrika jene gegen die Wüfte Sahara fchwankend und imaginär, fo dafs man dort mit demfelben Rechte um einige taufend Quadratmeilen mehr oder weniger rechnen könnte. Die europäifche Türkei grenzt im Nordweften an die öfterreichifch- ungarifche Monarchie ( an Dalmatien und die kroatifche Militärgrenze), dann im Norden an die türkifchen Schutzftaaten Serbien und Rumänien, im Süden an Griechenland; die afatifche Türkei grenzt nördlich an Rufsland( Transkaukafien) und öftlich an Perfien, füdöftlich an das freie Arabien und füdweftlich an den Vafallenftaat Egypten; die afrikaniſche Türkei endlich, welche, foweit es fich um das unmittelbare Gebiet handelt, blofs in der Provinz Tripolis und Benghafi befteht, ift öftlich von Egypten und weftlich dem anderen Vafallenftaate Tunis begrenzt und verliert fich im Süden in die Wüfte Sahara. Der gröfste Theil des türkifchen Landes aber ift vom Meere umfpült: der Weften der europäifchen Türkei vom adriatifchen und jonifchen Meere, der Süden derfelben, foweit er nicht an Griechenland grenzt, gleich dem Weften Kleinafiens vom ägäifchen und vom Marmorameere mit feinen beiden natürlichen Canälen, der Dardanellenftrafse( Hellespont) und Bosporus; der Often der europäiſchen Türkei und der Norden Kleinafiens vom fchwarzen Meere, das füdliche Kleinafien, Syrien und die afrikanifchen Befitzungen vom mitteländifchen Meere, der arabifche Küftenftrich vom rothen Meere und von der Bucht von Aden; die äufserfte Oft 2 Carl Sax. fpitze der afatifchen Türkei endlich, reicht bis zum perfifchen Meerbufen. Durch die beiden letztgenannten Meere fteht die Türkei mit dem indifchen Ocean, gleich wie durch das mittelländifche Meer mit dem atlantifchen Ocean in mittelbarer Verbindung. Die Küftenentwicklung der Türkei am mittelländifchen, fchwarzen und adriatifchen Meere beträgt ungefähr 8000 Kilometer, wovon 2682 auf die europäiſche Türkei entfallen. Die überfeeifchen Nachbarftaaten, fo zu fagen die vis- à- vis des türkifchen Reiches find: jenfeits des fchwarzen Meeres Rufsland, welches theilweife auch zu Lande Grenznachbar ift, und jenfeits des adriatifchen, des jonifchen und auch des mittelländifchen Meeres Italien, fonft jenfeits des mittelländifchen Meeres Tunis und Egypten, welches auch am rothen Meere dem unmittelbaren Gebiete der hohen Pforte gegenüber liegt. Auch das öfterreichifche Küftenland im Norden des adriatifchen Meeres ift als überfeeifches Nachbarland der Türkei zu betrachten, infofern deffen Verbindung mit derfelben über das Meer viel häufiger ift als zu Lande. Von allen diefen Nachbarftaaten üben nur Oefterreich- Ungarn und in fehr befchränktem Mafse auch Italien und Perfien eine commercielle Herrfchaft über gewiffe Gebiete der Türkei aus. Die anderen Nachbarländer, welche keine Induftrieftaaten find, nämlich, Griechenland, die türkifchen Vafallenftaaten, und felbft das zu Waffer und zu Land benachbarte grofse Rufsland, beherrfchen nirgends den Markt im türkifchen Reiche( vielleicht mit Ausnahme einiger kleinen Grenzgebiete); fie liefern nur einzelne Handelsartikel, während die den Ausfchlag gebenden Handelsverbindungen, theils mit Oefterreich und Italien, gröfstentheils aber mit England und Frankreich, fowie mit der Schweiz, mit Belgien und Deutſchland unterhalten werden. Nach Oefterreich und Ungarn gravitiren die nordweftlichen Grenzländer und gröfstentheils auch das durch die Donau mit Mitteleuropa verbundene Gebiet im Norden des Balkans, und auch das füdlichere bis ins Herz von Rumelien hinein; nach Oefterreich und nach Italien das albanefifche Küftenland; im Uebrigen fteht faft das ganze türkifche Reich, vorherrfchend unter dem commerciellen Einfluffe der wefteuropäifchen Staaten. Bei den innerafiatifchen Befitzungen der Türkei jedoch, welche hauptfächlich dem perfifchen Handel zur Durchfuhr dienen, kann vom auswärtigen Handel nur in fehr befchränktem Mafse die Rede fein; fie können erft durch die Fortfetzung der anatolifchen Eifenbahn oder durch die künftige Euphratbahn demfelben in entſprechender Weife erfchloffen werden. Im Allgemeinen ift die commercielle Lage des Reiches eine fehr günftige, weil dasfelbe, wie oben erwähnt, fo viele Meere mit feiner bedeutenden Küftenentwicklung berührt, überdiefs von grofsen Strömen durchgezogen ift, und an der Schwelle zwifchen den fich gewiffermafsen ergänzenden Culturgebieten des Orients und des Occidents liegt. Namentlich Conftantinopel, die Hauptftadt mit dem wunderbaren natürlichen Hafen, vermittelt den Handel zwifchen zwei Welttheilen und kann durch feine Lage den Handel im fchwarzen Meere beherrfchen. Das ganze Gebiet zerfällt in fieben natürliche Hauptabtheilungen: Erftens europäiſche Türkei, zweitens die Infeln, drittens Kleinafien, viertens innerafiatifche Befitzungen( oder Euphratgebiet), fünftens Syrien, fechstens arabifche Befitzungen, fiebentens afrikanifche Befitzungen( oder Tripolis). Die europäifche Türkei ift die im Often vom fchwarzen, im Südoften vom Marmora- und vom ägäifchen Meere und den dinarifchen Alpen und im Norden von der Save und unteren Donau begrenzte Balkan- Halbinfel bis zur griechifchen Grenze hinab. Sie ift gröfstentheils Gebirgsland mit kleineren Thalbecken, nur gegen Nordoften in Steppenland übergehend und gehört zur Hälfte der gemäfsigten, zur Hälfte der warmen Zone an, zwifchen welchen Zonen die Grenze ungefähr von Nordweften nach Südoften lauft. Die Infeln liegen zum kleinen Theile im * Es wird hier gemäfsigt die Zone genannt, wo der Weinstock, warm jene, wo die Südfrüchte( Citronen, Orangen, Feigen), heifs jene, wo die Palmen gedeihen. Türkei. 3 Marmora-, zum gröfsten Theile im ägäifchen Meere, die zwei umfangreichften aber ( Kandia oder Kreta und Cypern) im mittelländifchen Meere. Sie erfreuen fich alle eines gemäfsigt warmen Klimas. Kleinafien oder Anatolien( im engeren Sinne) ift die taurifche Halbinfel zwifchen dem fchwarzen, dem ägäifchen und dem mittelländifchen Meere, im Often vom oberen Euphratthale begrenzt. Es ift ein zufammengefetztes, hohes Tafelland mit viel Steppenboden und mit meiftens ftufenförmig zur Küfte abfallenden, im Weften jedoch durch lange Thäler durchſchnittenen Randgebirgen, im nördlichen und mittleren Theile zur gemäfsigten, im Südweften und Süden zur warmen Zone gehörig. Syrien( mit Aleppo und Paläftina) ift das öftliche Küftenland des mittel. ländifchen Meeres von Kleinafien bis Egypten und Arabien hin, im Often vom unteren Euphratthale begrenzt. Das eigentliche fchmale Küftenland ift von Kettengebirgen eingefäumt, hinter welchen eine ziemlich hohe weite Ebene liegt, die gegen Often in die Wüfte übergeht. Im Allgemeinen gehört Syrien zur warmen, faft fchon heifsen Zone, doch ift diefer Charakter felbftverändlich in den Hochgebirgen modificirt. Das türkifche Innerafien umfafst hauptfächlich das Euphrat- und Tigrisgebiet, und reicht von Kleinafien und Syrien oftwärts bis an die ruffifch- kaukafifche und an die perfifche Grenze, im Süden bis an den perfifchen Meerbufen und an die arabifche Wüfte. Der nördliche Theil ift ein ziemlich kahles Hochland mit faft rauhem Klima, der füdliche Theil ein zur heifsen( doch nicht tropifchen) Zone gehöriges, gröfstentheils fteppenartiges Tiefland. Das türkifche Arabien ift der am rothen Meere liegende weftliche Küftenftreif der grofsen arabifchen Halbinfel( mit der kleinen Halbinfel Sinai), im Süden bis an den indifchen Ocean reichend, gröfstentheils Stufenland, zur heifsen und tropifchen Zone gehörend. Tripoli( im weiteren Sinne) oder das unmittelbare türkifche Gebiet in Afrika ift der zwifchen den Vafallenftaaten Egypten und Tunis liegende Theil des nordafrikanifchen Küftenlandes am mittelländifchen Meere nebft dem angrenzenden Theile des Saharagebietes, ein zur heifseren, nahezu tropifchen Zone gehöriges, nur fchmale Streifen fruchtbaren Bodens enthaltendes, halbwüftes Land. Nach den orographifchen und hydrographifchen Verhältniffen läfst fich das ganze türkifche Reich( mit Ausfchlufs der Vafallenftaaten) in folgende natürliche Gebiete eintheilen. Europäiſche Türkei. Das füdöftliche Küftenland oder die Halbinfel Thrakien( mit den Halbinfeln von Byzanz und von Gallipoli). Die thrakifche Nordoft- Küfte oder das fubbalkanifche Küftenland am fchwarzen Meere. Das Maritzagebiet oder das thrakifche Binnenland. Die Nordküfte des ägäifchen Meeres oder das makedonifche Küftenland ( mit der chalkidifchen Halbinsel). Becken. Theffalien oder die Weftküfte des ägäifchen Meeres mit dem PeneusDas weftmakedonifche Binnenland oder das Grammos- und Perifterigebiet. Albanien oder das Küftenland am adriatifchen und jonifchen Meere. Bosnien oder das dinarifche Alpenland. Dardanien oder das Schargebiet. Das Rilo- und Witofchgebiet oder das centrale Hochland der europäifchen Türkei. Das Donaubalkan- Gebiet oder Bulgarien( im engeren Sinne). 4 Carl Sax. Die Infeln. Die Infeln des Marmorameeres. Die Infeln des ägäifchen Meeres. Kandia oder Kreta. Cypern. Kleinafien. Das nordweftliche Küftenland oder das Marmoragebiet mit den Halb infeln Kadfcha- Ily und Bigha. Das weftliche oder ägäifche Küftengebiet. Das füdliche oder taurifche Küftengebiet. Das füdweftliche Binnenland oder das Bergland des pifidifchen Taurus. Das centrale Hochplateau Lykaonien oder Karamanien. Das Hochland am oberen Halys. Das Binnenland am oberen und mittleren Sangarius. Das mittlere nördliche Küftenland am fchwarzen Meere( Paphlagonien). Das nördliche Küftenland am fchwarzen Meere( Pontus). Das pontifche Hinterland. Das taurifche Hochland im Südoften Kleinafiens. Syrien. Nordfyrien. Die mittlere Küfte und das Libanongebiet. Paläftina. Hinterfyrien. Innerafiatifche Türkei. Das armenifche Hochland. Das kurdifche Bergland. Das mefopotamifche Tiefland. Arabifche Befitzungen. Die Halbinsel Sinai. Das arabifche Stufenland am rothen Meere. Afrikaniſche Befitzungen( Tripoli). Das tripolitanifche Küftenland. Das Hochland und Küftenland von Barka. Die Oafen der Sahara. In adminiftrativ- politifcher Hinficht ift gegenwärtig das unmittelbare Gebiet des türkifchen Reiches( alfo abgefehen von den Vafallenftaaten Serbien, Rumänien, Egypten und Tunis) in einen Centralbezirk und 27 Vilayets oder Generalgouvernements eingetheilt, deren jedes in mehrere Sandfchak oder Muttefarriflik's( Kreife) zerfällt, von welchen jeder wieder einige Kafas( Bezirke) umfafst. Theils auf Türkei. 5 europäifchem, theils auf a fiatifchem Boden liegt der unter unmittelbarer Verwaltung des Polizeiminifteriums ftehende Centralbezirk von Conftantinopel und ebenfo das Vilayet des Archipelagus( ,, der Infeln des weifsen, d. i. des ägäifchen Meeres"). Die rein europäifchen Vilayets find: Edrneh( Adrianopel), Tuna( Donaubulgarien) Bosna( Bofnien mit der Herzogovina), Skodra( Scuttari d'Albania), Prifrend, Janja( Janina), Selanik( Salonik), und Kirit( Kreta oder Kandia); die a fiatifchen: Chudawendikjar( Bruffa), Aidin( Smyrna), Konja, Angora, Kaftamuny, Siwas, Trabufun( Trapezunt), Erferum, Diabekir, Haleb( Aleppo), Adana, Soria( Syrien) Bagdad, Hedfchas und Yemen nebft dem felbftftändigen Sandfchak Kibris ( Cypern); dann die afrikanifchen Vilayets: Tarabelüff- i- Garb( Tripoli di Barbaria) und Benga fi. Diefe Eintheilung ist jedoch nicht ftabil, indem namentlich die beiden letzten Vilayets, ebenfo wie Cypern und der Archipelagus bisweilen vereinigt, und Mofful von Bagdad, Wan von Eferum u. f. w. zeitweilig als eigene Vilayets abgefondert werden, und jedenfalls die Abgrenzung der einzelnen Provinzen faft alljährlich Veränderungen erfährt. Allgemeine ethnographifche Ueberficht. Die Bevölkerung des türkifchen Reiches, welche erft in neuerer Zeit und noch niemals genau gezählt wurde, wird mit Ausfchlufs der Vafallenftaaten auf 27 bis 30 Millionen( mit Hinzurechnung derfelben auf 37 bis 40 Millionen) Seelen gefchätzt, wovon 10 bis 12 Millionen auf die europäiſchen, 16 bis 17 Millionen auf die afiatifchen, und 7-- So0000 auf die afrikanifchen Provinzen kommen. Die Bewölkerungsdichte ift durchſchnittlich fehr gering, nämlich 550 Seelen per Quadratmeile oder ungefähr 9 per Quadratkilometer und zwar in der europäiſchen Türkei 35, in der afiatifchen 10, in der afrikanifchen 2 per Quadratkilometer. Die füdlichen und öftlichen Provinzen der europäifchen Türkei, und die weftlichen Kleinafiens find am dichteften bevölkert, am dünnften in Europa des bosnifchherzegovinifche Bergland und in Afien die Hochländer Armenien und Kurdiftan, fowie die Wüftengebiete in Arabien, Syrien und Mefopotamien ebenfo dünn faft das ganze unmittelbare Pfortengebiet in Afrika. Diefe Bevölkerung ift fowohl nach Abftammung und Sprache, als nach der Religion fehr mannigfaltig. Bei den wenigen Volkszählungen wurde faft niemals die Nationalität, wohl aber die Religionsverfchiedenheit berücksichtigt. Man gibt die Zahl der Mohammedaner auf 19 bis 20 Millionen, jene der Chriften auf 10 Millionen, jene der übrigen Seelen auf kaum I Million an. Die Mohamedaner, welche in der afiatifchen und afrikanifchen Türkei die Majorität bilden, in der europäiſchen aber an Kopfzahl weit hinter den Chriften zurückbleiben, find der Nationalität nach Türken, Tataren, Araber, Slaven, Arnauten, Kurden, Tfcherkeffen, auch Zigeuner und dergl.( und gehören faft ausnahmslos der funnitifchen Secte an; nur die wenigen Metualis in Syrien find Schiiten.); die Chriften find Griechen, Slaven, Armenier, Walachen, Syrier etc. und zerfallen in die griechifch- orthodoxe, bulgarifch- orthodoxe, armenifch- orthodoxe oder gregorianifche, die unirte griechifch- katholifche, die unirte armenifch- katholifche, die maronitifch- katholifche, die römifch- katholifche oder lateinifche, die unirte chaldäifche und die evangelifch- proteftantifche Kirche, nebft den Secten der Neftorianer und der Jacobiten. Unter allen diefen Chriften find die griechifch- orthodoxen die zahlreichften. Zu den übrigen Religionen und Secten gehören die Ifraeliten( ungefähr eine halbe Million), über 200.000 heidnifche Zigeuner( zerftreut). Faft 150.000 Anfairèi ( Nofairiè) und Ismaliè( in Nordfyrien) etwa 40.000 Drufen( in Libanon) und etwa 7- bis 8000 Jefidy und Schemfy( in Kurdiftan und Mefopotamien). Auch gibt es in 6 Carl Sax. einigen Gegenden Krypto- Chriften( einige Taufende), welche äufserlich Mohamedaner find, insgeheim aber fich zu den Chriften rechnen. In der Türkei wird die Nationalität häufig mit der Religion verwechfelt, indem eben die Religionsgenoffenfchaften als politifche Nationen gelten. Wenn wir die Bevölkerung des türkifchen Reiches nach Abftammung und Sprache claffificiren, fo finden wir folgende Nationen: Türkische Völker( 12 bis 13 Millionen). Eigentliche Türken über 12 Millionen. Sie find gröfstentheils in Kleinafien, dann auch im öftlichen Bulgarien, im Rhodope- Gebirge und überhaupt in den meiften Städten des Reiches angefiedelt, und theilen fich in Osmanen Osmanly,( die Nachkommen des von Osman I. regierten Türkenftammes), welche jetzt hauptfächlich die Städte und viele Gegenden Kleinafiens und Bulgariens bewohnen, Turkomanen und Juruken, welch' beide letztere Stämme faft identifch find, und gröfstentheils als Nomaden die Bergdiftricte Kleinafiens, das Rhodope- Gebirge und Theile des Wardargebietes innehaben. Türkifche Quellen erwähnen nur 85.000 Turkomanen, weil fie faft alle türkifchen Stämme, ja felbft flavifche Mohamedaner für Osmanen ausgeben, wodurch fie für diefe letzteren die übertriebene Zahl von mehr als 15 Millionen erhalten. In jedem Falle find die Türken, wenn auch nicht in der europäiſchen, fo doch in der ganzen Türkei weit aus das zahlreichfte Volk. Sogenannte Tataren oder Nogaj'fche Türken hauptfächlich in den Dobrudfcha angefiedelt, wohin fie nach und nach aus Süd- Rufsland eingewandert find; es find etwa 30- bis 40.000 Seelen, von den urfprünglichen 60.000 übrig geblieben. Die türkifchen Völker find durchwegs Mohamedaner. Semitiſche Völker. Araber und arabifirte Syrier in Syrien und Paläftina, in ganz Arabien und Nordafrika verbreitet, zum Theil als Beduinen, nomadifirend, zufammen ungefähr 3 Millionen( in unmittelbar türkifchem Gebiete). Sie find gröfstentheils Mohamedaner; die nicht Mohamedanifchen nennen fich nach ihren Religionen, Anfairiè, Ismailiè, Metawilè,( Metualis) und Drus. Befonders diefe letztgenannten Secten find arabifirte Syrier. Eigentliche Syrier, Maroniten und Chaldäer, vielleicht 300.000 in Syrien und Kurdistan, faft der einzige Ueberreft des, einft über ganz Syrien und das nördliche Mefopotamien verbreiteten, syrifchen oder aramäifchen Stammes; fie find zum gröfseren Theil Chriften, und zwar die Maroniten Katholiken. Diefe letzteren find fchon halb arabifirt. Hebräer, angeblich kaum 200.000, aber wahrfcheinlich doppelt fo viele, fowohl in Paläftina, als im ganzen Reiche verbreitet, und zwar zum grofsen Theile als Spagniolen, das heifst Nachkommen der im XV. Jahrhunderte aus Spanien vertriebenen Juden. Sie find theils orthodoxe, theils karaitifche Mofaiften, oder Samaritaner. Pelasgifche Völker. Griechen oder Hellenen, ungefähr 2 Millionen, wovon die Hälfte in den europäifchen Provinzen am Ufer des ägäifchen und auch des fchwarzen Meeres, fowie im füdlichen Albanien und auf der Infel Candia, die andere Hälfte auf der Weftküfte Kleinafiens, und auf den dazu gehörigen Infeln wohnt. Türkei. 7 In den europäiſchen Provinzen find fie ftark mit flavifchem und albanefifchem Blute vermifcht; in Conftantinopel und in Afien haben fie fich reiner erhalten. Sie find allgemein griechifch- orientalifche, nur auf einigen Infeln, z. B. auf Chio und Tinos, wo fie mit Franken vermifcht fein dürften, auch katholifche Chriften, wo fie zum Islam übertraten, find fie mit den Türken verfchmolzen. Rumänen oder Moldo- Walachen, ein dacifch- römifches, und noch mit verfchiedenen anderen, befonders flavifchen Elementen vermengtes Mifchvolk, mit vorherrfchend romanifcher Sprache, aufser dem Fürftenthum Rumänien nur in einigen Diftricten der Dobrudfcha und des öftlichen, fowie des weftlichen Bulgariens an der Donau, im Ganzen etwa 70.000 Seelen, durchwegs griechifchorientalifche Chriften. Zinzaren, Makedo- Walachen, Kutzo- Walachen, oder MavroWalachen, ein der Sprache nach mit den Rumänen näher verwandtes, gegen 100.000 Köpfe zählendes Bergvolk an der theffalifch- epirotifchen Grenze, und in mehreren Diftricten Albaniens. Sie find griechifch- orientalifche Chriften. Albanefen, Arnauten oder Skipetaren, ein Ueberreft der Urbewohner des Landes, jetzt noch in der Zahl von etwa 1,300.000, die ganze türkifche Küfte des adriatifchen Meeres und die anftoffenden Gebirge theilweife bis zum Wardar und zur Morawa hin bewohnend. Sie theilen fich in zwei Hauptftämme: Ghegen im Norden und Tosken im Süden( Letztere etwas zahlreicher als Erftere), und diefe beiden zerfallen wieder in viele Stämme. Sie find theils Mohamedaner( zur Mehrzahl), theils griechifche, theils katholifche Chriften. Slavifche Völker. Serben( Illyrier, Serbo- Kroaten) aufser dem Fürftenthum Serbien und Montenegro, im türkifchen Alt- Serbien und im nördlichen Albanien als Bosniaken über ganz Bosnien, und als Herzegowen über faft die ganze Herzegowina verbreitet, als Zubei, Korjenici, Banjani, Drobnjaci, Saranci, Vafovici etc., die Grenzen der Cernagora und die Bocche di Cattaro bewohnend. Sie mögen im unmittelbar türkifchen Gebiete nahezu 1 Million Köpfe zählen( alfo viel mehr, als man bisher annahm) und find zum gröfsten Theil griechifch orientalifche Chriften, zum grofsen Theil auch Mohamedaner und zum kleineren Theil Katholiken. Die einftigen Kroaten im türkifch Kroatien find ganz mit den Bosniaken verfchmolzen. Als Coloniften von ferbifchem Stamme find hier auch die zahlreichen Dalmatiner in Bosnien und in der Herzegowina zu erwähnen. Bulgaren, ein aus der Mifchung der ugrifch- tatarifchen Bulgaren mit Slaven entstandenes, jetzt ganz flavifirtes Volk, das in der Anzahl von 3 bis 4 Millionen, jedenfalls als das relativ zahlreichfte Volk der europäifchen Türkei, des Donau- und Balkangebiet, den gröfsten Theil Makedoniens und einen grofsen Theil Thrakiens bewohnt. Die Bulgaren gehören gröfsten Theils zur griechiſchorientalifchen Religion, und haben in neuefter Zeit eine eigene bulgarifche Kirche gebildet; einige Hunderttaufende find Mohamedaner und werden Pomaken genannt; wenige find Katholiken. Ruffen, 15 bis 20.000 Coloniften in der nördlichen Dobrudfcha, theils orthodoxe, theils altgläubige( Starovierci) theils Lipovaner, theils auch Proteftanten. Iranifche Völker. Der Verfaffer fafst im Sinne der Eintheilung Max Müller's die folgenden Völker unter diefem Namen zufammen, weil diefelben unter allen arifchen Völkern mit den eigentlichen Iraniern am nächften verwandt find: 8 Carl Sax. Armenier, faft 2½ Millionen Seelen, im eigentlichen Armenien und aufserdem in vielen Diftricten der afiatifchen und in den meiften Städten der europäifchen Türkei angefiedelt. Sie find zum gröfsten Theile orientalifche, zum kleinen Theile katholifche und proteftantifche Chriften. - Kurden Gurany und Affireta ein in viele Stämme getheiltes, zum grofsen Theile nomadifirendes, von der perfifchen Grenze bis in das weftliche Afien hinein verbreitetes mohamedanifches Volk von ungefähr 1 Million Köpfen. Als fremde Coloniften können hier auch die in Conftantinopel und Trapezunt etc. zahlreich angefiedelten Perfer erwähnt werden. Pontifch- kaukafifche Völker. I. Lafen, ein zum georgifchen Stamme gehöriges, den öftlichen Küften ftrich der Provinz Trapezunt bewohnendes, gröfsten Theils mohamedanifches Volk, von einigen Hunderttaufend Seelen. 2. Tfcherkeffen, in den letzten 2 Decennien in der Gefammtzahl von ungefähr 1 Million Köpfen aus dem Kaukafus in die Türkei eingewandert, und dort in verfchiedenen afiatifchen und noch mehr in den öftlichen und mittleren europäifchen Provinzen angefiedelt. Sie theilen fich in 2 Hauptftämme: Eigentliche oder Adighe Tfcherkeffen und Abchafen, und find gröfstentheils, wenigftens äufserlich, Mohamedaner. Verfchiedene kleinere Völkerfchaften. Zigeuner, vielleicht 2 Million, theils Mohamedaner, theils Heiden, angeblich mehr in Europa als in Afien anfäffig und herumziehend. Berbern, ein hamitifches, vielleicht mit den Semiten verwandtes Urvolk in den nordafrikanifchen Gebieten, wo einige Hunderttaufend Köpfe hieher zu rechnen fein dürften. Sogenannte Franken, d. h. Einwanderer aus dem Occident, insbefondere Franzofen und Italiener, auch Deutfche, u. f. w., welche zum Theil ihre Nationalität bewahrt, zum Theil fich mit den Griechen und Armeniern vermifcht haben. Letztere Mifchlinge werden dann auch insbefondere Levantiner genannt. Sie find nur in den Seeftädten der Türkei zu finden. Unter den fremden Anfiedlern find die griechifchen und die öfterreichifchen Staatsbürger die zahlreichften, dann kommen die Italiener und die Perfer, endlich die Ruffen, Franzofen, Engländer, Deutfchen u. f. w. Volkswirthschaftliche Ethnographie. Volkswirthfchaftliche Thätigkeit der einzelnen Nationen. Indem wir nun die vorhin aufgezählten Völker nach ihrer wirthfchaftlichen Thätigkeit charakterifiren wollen, müffen wir zuerft den osmanifchen Türken, den Repräfentanten des politifch herrfchenden Stammes, näher betrachten. Der Osmane ift der Abkömmling eines Nomadenvolkes, hat fich aber feft angefiedelt und hauptfächlich zum Städter herausgebildet, ohne dabei feine alten Nomadengewohnheiten ganz aufzugeben. Diefe zeigen fich in mannigfacher Richtung, z. B. in der geringen Sorge für das Wohngebäude, in der leicht transportirbaren Möblirung desfelben, in der fummarifchen Behandlung der Staatsgefchäfte, und überhaupt in der Geringfchätzung aller auf fefte Bafis gegründeten Einrichtungen Türkei. 9. für eine weitere Zukunft. Auch aus Neigung zur Ruhe, welche dem heutigen Osmanen als das höchfte Ziel erfcheint, läfst fich derfelbe ungeachtet feiner Liebe zum Gelde nicht gerne in grofse Unternehmungen ein. Er befchäftigt fich auch fehr wenig mit Grofshandel, häufig aber mit Kleinhandel und Handwerk, verfchmäht bei diefen Gefchäften die Reclame und die Speculation, und hat fich den Rufeines foliden und ehrlichen Kaufmannes erworben. Der Osmane hat auch vorzugsweife den Grofs- Grundbefitz in feinen Händen, betreibt aber feltener in eigener Perfon den Ackerbau und die Viehzucht, felten auch die Schifffahrt, liebt hingegen insbefondere die Befchäftigung eines Beamten oder Geiftlichen, und ftellt das Hauptcontingent zum Heere, von welchem die chriftlichen Unterthanen der hohen Pforte bekanntlich ausgefchloffen find. Unter den Stammgenoffen der Osmanen find die Türkomanen und Yuruken, meiftens nomadifirende Hirten, die Yuruken betreiben übrigens auch eine wichtige Teppichfabrication( namentlich in Kleinafien), und die Tataren endlich widmen fich nicht nur der Viehzucht, fondern auch dem Ackerbau, und zeigen ziemlich viel Gefchick für den Handel. Nach diefen türkifchen und durchwegs mohamedanifchen Völkern verdienen vor allen die Araber unfere Aufmerkſamkeit, das Volk Mohamed's, welches unter allen Bekennern feiner Religion die höchfte Culturftufe erreicht hat, und in Egypten befonders eine wichtige Rolle spielt. Jetzt find fie theils noch unbotmäfsige, zum grofsen Theile räuberifche Nomaden die Beduinentheils Handelsleute, Handwerker und Ackerbauer. - Die ebenfalls mit den Arabern ftammverwandten, aber durch die Religion von ihnen fcharf getrennten Maroniten und Drufen in Syrien find hauptfächlich wegen der von ihnen fleifsig betriebenen Seidencultur zu erwähnen. Noch ein femitifches Volk, das der Ifraeliten ift in der Türkei als volkswirthfchaftlicher Factor zu nennen, infoferne es grofsen Theils den Handel vermittelt. Das Wechslergefchäft wird faft nur von den fogenannten fpanifchen Juden betrieben. Die Ifraeliten find, wie in Europa, in den Städten zerftreut; in Paläftina, ihrem Heimathlande, fpielen fie nur eine untergeordnete Rolle. Wenden wir uns nun zu der indogermanifchen Race, fo finden wir in der Türkei in Hinficht auf die Cultur obenan die Griechen, die einftigen Herren diefes Landes. Der Grieche ift fowohl Viehhirt als Ackerbauer und Handwerker, vor Allem aber Handelsmann und Schiffer, und in den gröfseren Städten der Hauptrepräfentant der gebildeten Stände( als Arzt, Advocat, Lehrer, Grofshändler u. f. w.) in allen Richtungen unternehmend und fchlau. Befonders in Conftantinopel ift ein beträchtlicher Theil des Handels in griechifchen Händen, wogegen das freie Griechenland, feiner geringen Hilfsmittel halber, und vielleicht auch wegen der geringen Culturfähigkeit der dortigen albanefifch- flavifch- griechifchen Bevölkerung fich noch nicht zu einem bedeutenden Handelsftaate auffchwingen konnte. Faft als noch fchlauer wie der Grieche gilt der Armenier. Diefer hat fich, mehr als die übrigen chriftlichen Unterthanen der Pforte dem türkifchen Elemente affimilirt, und ift auch häufig im Staatsdienfte anzutreffen. In den meiſten Städten des Orients zerftreut, betreibt er fonft Handels- und Geldgefchäfte oder feinere Handwerke, und befonders ift feine Thätigkeit bei der Seidenfpinnerei und feine Gefchicklichkeit in goldenen und filbernen Filigranarbeiten zu erwähnen. In den heimatlichen Bergen Armeniens treibt er Ackerbau. Auch er leiftet, wie der Grieche und der Jude in feinem eigentlichen Vaterlande weniger für die Volkswirthfchaft, als in den übrigen türkifchen Ländern, wo es in vielen Städten und in Kleinafien auch in einigen Dörfern armenifche Anfiedlungen gibt. Befonders durch ihre Kopfzahl und compacte Gruppirung, zum Theil auch als Ackerbauer wichtig find die füdflavifchen Stämme in der europäiſchen Türkei. Für Induftrie und Handel find ihre Leiftungen nur von geringer Bedeutung, nur die bulgarifchen Teppiche( befonders aus Scharköj) find als wohlfeile 10 Carl Sax. und dauerhafte Waare in der Türkei weit verbreitet, aber die Bulgaren find auch gute Ackerbauer und als folche felbft in entfernteren Gegenden der Türkei gefuchte Arbeiter für die grofsen Landgüter. Sie haben unter den Südflaven überhaupt den meiften Sinn für Volkswirthschaft. Die Serben im Fürftenthume und im türkifchen Altferbien find hauptfächlich Viehzüchter, theilweife auch Ackerbauer, aber gegen das Handwerk zeigen fie noch immer eine gewiffe Abneigung. Die Bosniaken find in ihren Leiftungen noch weit zurückgeblieben, was fowohl den politifchen Zuftänden, als auch dem trägeren Naturell diefes Volkes zuzufchreiben ift. Die mohamedanifchen, wie die chriftlichen Bosniaken betheiligen fich übrigens an Viehzucht, Ackerbau, Handwerk und Handel, aber den gröfseren Theil an Ackerbau und Viehzucht haben die Chriften; die Schweinezucht insbefondere ift bei den Mohamedanern aus religiöfen Gründen verpönt. Lebhafter als die eigentlichen Bosniaken find die Herzegoviner, aber auch fie leiften wenig für die Cultur, überlaffen den Ackerbau in den wenigen frucht baren Strecken ihres Landes grofsentheils dalmatinifchen Coloniften, befchränken fich mehr auf die Viehzucht, und haben zu viel Gefallen an kriegerifchen Unternehmungen, gleich ihren benachbarten Stammgen offen, den Cernagorcen( Montenegrinern), welche übrigens auch häufig als Haus- und Gartenwächter, Strafsenarbeiter und Arbeitsmäkler( gleichwie die öfterreichifchen Bocchefen) fich in Conftantinopel aufhalten. Die Moldo- Walachen, Rumänen, welche fich im eigenen Lande vorzugsweife dem durch die Fruchtbarkeit des Bodens fehr ergiebigen Ackerbaue und ebenfo der Viehzucht widmen, leben auch in Bulgarien gröfstentheils als Schafhirten. Mehr Gewerbfleifs bethätigen die Macedo- Walachen oder Zinzaren. Diefelben treiben in ihrer Heimat im Pindusgebirge Viehzucht, zum Theil noch nomadifch, auch hie und da Ackerbau, zum gröfseren Theile aber find fie Kaufleute, Gaftwirthe und Handwerker, als welche fie namentlich das grobe Wollenzeug für Schiffsmäntel verfertigen. Sehr viele Zinzaren laffen fich zeitweilig in fernen Städten nieder, um dort ihr Handwerk zu verwerthen. Die Arnauten oder Albanefen treiben ziemlich viel Viehzucht, wenig Ackerbau und Handel, fehr wenig Induftrie und ftehen überhaupt auf einer niedrigen Culturftufe. Das Land, das fie bewohnen, ift zum Theil ein ödes Bergland, zum Theil wohl recht fruchtbar, aber fie bebauen es wenig und unter drückenden Verhältniffen. Sie wirken auch mehr in der Fremde als in der Heimat. Sie verdingen fich häufig in türkifchen Städten als Wächter und Arbeiter, als welche fie viel gefucht werden, und in manchen Gegenden Albanies find faft alle Einwohner herumziehende Handwerker, welche nur zeitweilig ihre Heimath befuchen. Die beftändige Sorge für ihre halb unabhängige Stellung gegenüber der hohen Pforte( befonders in Ober- Albanien), ihre durch die Blutrache verbitterten Stammeszwiftigkeiten und ihre Neigung zur Gewaltthätigkeit laffen eine Culturentwicklung dort nicht aufkommen. Die füdlichen Stämme gelten für räuberifcher als die nördlichen. Ungefähr auf gleicher Culturftufe wie die Albanefen ftehend, und ihnen im Charakter ziemlich ähnlich find die Kurden, ein wildes Berg- und Steppenvolk, in zwei Hauptftämme getheilt, von denen die Affireta( die Kriegerkafte) Viehzucht, die Gurany aber Ackerbau treiben, und welche als Nomaden ihren fefshaften Nachbarn oft zum Schrecken werden, und dann die Lafen im pontifchen Berg- und Uferlande, ebenfalls ein verwegenes, räuberifches Volk, dabei nicht ohne allen Gewerbfleifs( infoferne fie die feine„ Leinwand von Rifa" erzeugen), vor Allem aber kühne und gefchickte Küftenfchiffer. Die Berbern in Afrika treiben ein wenig Ackerbau und verdingen fich gerne als Hausdiener. Die Zigeuner find in den türkifchen Ländern theils als Nomaden, theils als Anfiedler verbreitet, und verfchaffen fich als Haufirer und Kleinhändler, Türkei. 11 Schmiede, Keffelflicker, Viehhändler oder mit unproductiven Befchäftigungen ihren Lebensunterhalt. Die Tfcherkeffen und die mit ihnen verwandten Abchafen, vor wenigen Jahren durch die Ruffen aus dem Kaukafus vertrieben, haben für die Volkswirthschaft faft nur eine negative Bedeutung, indem fie in diefer Hinficht nicht nur nichts Erhebliches leiften, fondern durch ihr räuberifches Wefen auch die Culturarbeit ihrer Nachbarn ftören. Der von der türkifchen Regierung unternommene Verfuch, die Tfcherkeffen zu Ackerbauern heranzubilden, hat bisher fehr unbefriedigende Refultate ergeben. Die Franken, die europäiſchen Coloniften, find Handelsleute, Banquiers, Ingenieure, Aerzte, Advocaten, Eifenbahn-, Dampffchifffahrts- und Telegraphenbeamte, Handwerker und dergl. Die Perfer find gröfstentheils Handelsleute. Diefes ift das Völkerchaos, das wir im türkifchen Reiche vorfinden, und gegen welches die Mannigfaltigkeit der öfterreichifchen Nationalitäten als ganz unbedeutend erfcheint. So verfchieden als diefe Völker, fo verfchiedenartig find auch ihre volkswirthfchaftlichen Leiftungen im Einzelnen. Doch aber läfst fich für diefe Nationen eine allgemeine Charakteriſtik geben. Die Orientalen leiften nicht viel, aber bisweilen Bewundernswerthes in Berücksichtigung ihrer einfachen Mittel. Sie produciren felten mehr als fie felbft zu ihrer Ernährung, Wohnung, Kleidung und Bewaffnung brauchen, und ein gewiffes Luxusbedürfnifs haben fie nur in den beiden letztgenannten Richtungen, während fie in der Nahrung fehr mäfsig find, und auf die Behaufung nicht viel Sorgfalt verwenden. Der Prunk in den Gebäuden orientalifcher Machthaber wird durch die unendliche Einfachheit der Wohnungen geringerer Volksclaffen mehr als aufgewogen. Die Kunft kennen die Orientalen faft nur im Dienfte des Handwerkes. Die Productionsverhältniffe im Allgemeinen. Faffen wir zufammen, was über die Productionsverhältniffe der Türkei bekannt ift, fo finden wir eine grofse Mannigfaltigkeit von Naturproducten, aber eine verhältnifsmässig geringe Productionsmenge derfelben, fowie auch eine geringe Anzahl von Induftrie- Producten. Der Gefammtwerth der Production läfst fich wohl nicht angeben. Statiftifche Daten find zwar von einigen Provinzen, aber bei Weitem nicht von allen vorhanden, und auch von jenen wenige zuverläffig. Bezüglich der landwirthschaftlichen Bodenerzeugniffe bietet nur der Zehent einen allgemeinen Anhaltspunkt. Im Jahre 1871 wurde der Zehent um 1,499.135 Kiffés oder Beutel à 500 Piafter, das ift ungefähr 75 Millionen Gulden, verpachtet, woraus fich für die Feldfrüchte ein Werth von 7 Millionen Gulden ergeben würde, der aber gewifs höher, mit wenigftens 10 Millionen angenommen werden kann. Den culturfähigen Boden der europäifchen Türkei hat man auf 52 Millionen Hectaren gefchätzt, und mit Rückficht auf die grofsen unfruchtbaren Steppen, welche in der afiatifchen( und afrikaniſchen) Türkei fich zwifchen den allerdings durch die höchfte Fruchtbarkeit ausgezeichneten Thälern hin erftrecken, könnte man den culturfähigen Boden des ganzen unmittelbaren Pfortengebietes in den drei Welttheilen vielleicht auf das Doppelte, oder in runder Summe auf 100 Millionen Hektaren fchätzen, wonach die Türkei leicht 150 Millionen Menfchen, wenigftens das Vierfache ihrer jetzigen Bevölkerung, ernähren könnte. Gegenwärtig kommt im Durchschnitt ein jährliches Bodenerträgnifs von etwa 180 Gulden auf die Quadratmeile des Gebietes oder von 10 Kreuzern auf die Hektare fruchtbaren Bodens und von etwa 30 Kreuzern auf jeden Einwohner. Ein Beweis, dafs fich die Bevölkerung mehr durch Viehzucht als durch Akerbau ernährt. 12 Carl Sax. Was den Ernte- Ertrag betrifft, fo rechnet man im Allgemeinen darauf, das 6 bis 7fache der Getreideausfaat zu erzielen, beim Mais aber das 80- bis( angeblich) 300fache; in Vorder- Kleinafien wird die Maisernte fonderbarer Weife nur auf das 20 bis 25fältige der Ausfaat angegeben, dabei die Bohnenernte auf 10- bis 15fach und Weizenernte auf 8 bis 1ofach. Jedenfalls ift es in den meiſten Gegenden der Türkei leicht, die Weizenernte auf das 10fache der Ausfaat zu bringen. Reis hat einen fehr fchwankenden, im Durchschnitte 20fachen Ertrag. Der Betrieb der Landwirthschaft ift überall fehr primitiv; gewöhnlich wird eine Art Dreifelder- Wirthfchaft betrieben, oder auch der Boden ununterbrochen ausgenützt, fo lange er trägt. Aufser dem Pfluge verwendet man faft keinerlei Ackerbau- Mafchinen, Dünger ift faft unbekannt, und dennoch ift der Ernte- Ertrag überall ein guter, könnte alfo bei rationeller Bewirthfchaftung noch viel beffer fein. Kleinafien allein follte nach einer von Tfchihatfcheff angeftellten Berechnung jährlich 8 Millionen Centner Getreide liefern können. Von den einzelnen Rohproducten ift das Erträgnifs der Baumwolle mit jährlich 8- bis 900.000 Centnern bekannt, was einen Werth von mehr als 4 Millionen Gulden, alfo faft halb fo viel als der Ackerbau, repräfentirt Der Werth der Wälder ift nicht bekannt, könnte aber unermesslich fein, wenn die Forftcultur und der Strafsenbau zur Erhaltung und Nutzbarmachung der Wälder das Ihrige beitragen würden. Die Viehzucht florirt in den meiſten Gegenden. Die Schaf- und Ziegenfteuer trägt über 400.000 Kiffé oder 20 Millionen Gulden. Die Bergwerke bringen dem Staate kaum 18.000 Kiffé oder 900.000 Gulden ein, obwohl fie unermessliche Reichthümer zu Tage fördern könnten. Die afiatifchen Befitzungen liefern jährlich an Kupfer, Blei und Silber etwas über 2 Millionen Kilogramm. Wollen wir die einzelnen Naturproducte aufzählen, fo finden wir vom Mineralreich vorzüglich Salz, Eifen, Kupfer, Blei, Silber, dann Quekfilber, Zink, Gold, Arfenik, Alaun, Schwefel, Chrom, Marmor, Schmirgel, Jaspis, Meerfchaum und Steinkohlen, befonders auch Lignite; vom Pflanzenreiche alle Getreidearten( Hafer nur wenig), am meiften Weizen und Mais, befonders auch Reis, von Hülfenfrüchte, hauptfächlich Bohnen, dann viele andere Gemüſe, Flachs( weniger Hanf), Mohn, Krapp, Safran, Sefam, Sumach, Tabak von hefonderer Güte, die Baumwoll- Staude, den Weinftock, alle Obftgattungen und Südfrüchte, auch den Kaffeebaum, den Maulbeer- Baum die Oliven u. f. w., und von Waidbäumen, die Eiche, Buche, Fichte, Tanne, Pinie, den Buxbaum unter Anderen( fowie auch Olivenbäume, Obftbäume und Dattelpalmen), und als fonftige Waldproducte Valloneen, Galläpfeln, Knoppern, Harze; dann als Objecte der Viehzuht das Schaf und die Ziege mit der befonderen Abart der angorifchen, das Rind, den Büffel, das Schwein( in geringerer Menge), das Pferd, den Efel und das Kameel. Wir finden ferner die Seidenzucht, und wenn auch fehr primitiv, die Bienenzucht verbreitet. Die Induftrie liefert hauptfächlich Kleidungsgegenstände für den Local bedarf, Teppiche, Thongefäfse, Waffen, Filigranarbeiten, Kupfergefäfse, Leder, Seidenftoffe, Parfumerien und dergl. Der Werth der Teppichfabrication wird auf 13 Millionen Francs, jener der Thonwaaren auf 3 Millionen Francs gefchätzt. Die Induftrie wird gröfstentheils häuslich, nur felten( z. B. in den Seidenfpinnereien) fabriksmäfsig betrieben, und liefert manch' vorzügliches Product, aber nur Weniges für den Export. Wie bereits gefagt wurde, fteht die Production im Allgemeinen nicht im Verhältniffe zur Ausdehnung, Culturfähigkeit und günftigen Lage des Landes. Die Gründe diefer Erfcheinung find gar mannigfaltig, als die geringe Zahl der Einwohner, die Trägheit, Fortfchrittsfeindlichkeit und Bedürfnifslofigkeit eines grofsen Theiles der Bevölkerung, die Mangelhaftigkeit der Verkehrswege, in einigen Gegenden auch die geringe Sicherheit der Perfon und des Eigenthums, dann auch die Sorglofigkeit der Regierung, ihre Unkenntnifs des Landes, der Mangel an Aufmunterung von ihrer Seite, der mangelhafte Unterricht, die drückende Türkei. 13 agrarifche Gefetzgebung und ihre rückfichtslofe Handhabung, namentlich auch die Willkürlichkeiten der Zehentpächter. Die Gefetzgebung und das Communicationswefen machen wohl in neuerer Zeit Fortfchritte, aber in beiden Richtungen bleibt noch Vieles zu thun. Volkswirthschaftliche Topographie. VORBEMERKUNGEN. Da die türkifche Provinzial- Eintheilung nicht nur in vielen Theilen des Reiches eine unnatürliche, fondern auch faft jährlichem Wechfel unterworfen ift, fo wird in diefer Abhandlung eine Eintheilung des Landes vom Standpunkte der phyfifchen Geographie zu Grunde gelegt. Da in jeder Vilayets- und KreisHauptftadt ein Handelsgericht befteht, fo wurde diefs bei den, als folche bezeich neten Städten nicht befonders bemerkt, fondern nur dann hervorgehoben, wenn dort ein international gemifchtes Handelsgericht befteht, oder wenn die betreffende Stadt keine Hauptftadt ift. Wenn an einem Orte mehrere Confulate erwähnt find, fo ift darunter immer auch ein öfterreichiſch- ungarifches. Unter dem Getreidemafs Kilé ift im Durchfchnitt der Conftantinopler Kilé von 0.59 Wiener Metzen, oder 37 Liter, unter Oka das Gewicht von 24 Pfund, unter Piafter die türkifche Münze im Werthe von neun Kreuzer zu verftehen. Die europäiſche Türkei. Das füdöftliche Küftenland oder die Halbinfel von Thrakien. Diefes Gebiet, welches, die Hauptftadt mit inbegriffen, ungefähr 8 bis 900.000 Einwohner, zum gröfseren Theile Griechen, etwas weniger Türken, dann Armenier, Bulgaren und andere Nationen beherbergt, umfafst die bizantinifche Halbinfel und die Landzunge von Gallipoli mit dem dazwifchen liegenden fchmalen Küftenftriche oder nach der politifchen Eintheilung das Stadtgebiet von Conftantinopel( und Pera), den Kreis von Tfchekmedfché und die füdöftlichen Küftenftriche der zum Vilayet Edrneh gehörigen Kreife von Tegfur- Dagh( Rodofto) und Gallipoli; es reicht alfo vom fchwarzen bis zum ägäifchen Meere. Im Innern bis zu den Gebirgen Strandfcha und Tekir- Dagh. Es enthält keine bedeutenden Flüffe, nur Bäche und Küftenfeen, aber es grenzt an die beiden wichtigen Wafferftrafsen: Bosporus und Hellespont. Es hat mehr Weide- als Cultur- und Waldboden. Die Nordküfte am fchwarzen Meere ift fehr wenig cultivirt, hat aber einige Laubwälder, wenn auch gröfstentheils nur Eichengeftrüpp aufzuweifen. Am Marmorameere findet Feld- und Gartenbau ftatt; hauptfächlich wird Weizen, Roggen und Mais, dann Gerfte und Hafer, ferner viel Zwiebel und Bohnen, im Süden auch Baumwolle( jährlich über eine halbe Million Oka) producirt, hie und da auch Weinbau, Seiden- und Bienenzucht getrieben. Von Minenproducten find die Kupferkiefe von Bosporus, oberhalb Bujukdereh, die Lignite von Rodfto und die Bleierze von Gallipoli zu erwähnen. Im Allgemeinen ift die Production diefes Gebietes unbedeutend,( an Getreide höchftens eine Million Kilé) was in der unmittelbaren Nähe der Reichshauptftadt auffallen mufs. An der Einmündung des Bosporus ins Marmorameer, an der Bucht des goldenen Hornes liegt die Hauptftadt Conftantinopel. Hier ift die natürliche Brücke zwifchen der europäifchen und afiatifchen Türkei, der Schlüffel des fchwarzen Meeres, der natürliche Mittelpunkt der Schifffahrt in den türkifchen 2 14 Carl Sax. Gewäffern. Zugleich ift Conftantinopel jetzt der Ausgangspunkt der rumelifchen, und refpective Scutari der anatolifchen Eifenbahnen. Die Stadt beſteht aus dem eigentlichen Stambul mit beiläufig 4 Million Einwohner, den europäiſchen Vorftädten Pera, Galata u. f. w. der afiatifchen Vorftadt Scutari und vielen Vororten an beiden Ufern des Bosporus, mit welchen zufammen fie ungefähr 6- bis 700.000 Einwohner haben dürfte.( Eine genaue Zählung hat noch nicht ftattgefunden, und die bisherigen Angaben waren übertrieben.) Jährlich verkehren im Hafen von Conftantinopel im Durchfchnitte 30.000 Schiffe mit 4% Million. Tonnen, welche Waaren für ungefähr 120 Millionen Gulden ein-, und Waaren für 50 Millionen Gulden ausführen; letztere find gröfstentheils die Naturproducte des nördlichen Kleinafiens. Das Handelsgebiet von Conftantinopel umfafst haupt sächlich das nördliche und mittlere Kleinafien, felbft Perfien in gewiffer Hinficht, von Europa aber nur die füdöftichen Bezirke und das anftofsende Ufer des fchwarzen Meeres. In Conftantinopel gibt es Confulate faft aller europäiſchen Staaten, und türkifche, egyptifche, öfterreichifche, ruffifche, franzöfifche, englifche und deutfche Poften, fo wie mehrere Banken, und eine Handelskammer der öfterreichiſch- ungarifchen Confular- Gemeinde. Die Induftrie Conftantinopels ift bedeutend in Bekleidungs- Gegenftänden, Stickereien, Pofamenterien, Tifchteppichen, Schmuckfachen, Filigranen, Gold- und Silberarbeiten, Tabakpfeifen, Holz- und Seilerwaaren, Leder, Parfumerien u. f. w., liefert aber fehr wenig für den Export. Das kleine Küftenftädtchen Silivri ift wegen der Ausfuhr von Seide, Wein und Holzkohlen, und gleich der landeinwärts liegenden Eifenbahn- Station Tfchataltfcha wegen feiner jährlichen September- Meffe erwähnenswerth. Rodofto( Tekfur- Dagh), Städtchen von 10 bis 15.000 Einwohnern war bisber der Haupthafen für Adrianopol, mufs aber jetzt in Folge der rumelifchen Eifenbahnen, welche Adrianopel mit den Häfen Conftantinopel und Dede- Azhatch verbinden, an Wichtigkeit verlieren; es exportirt indeffen Getreide, Schafwolle und etwas Baumwolle und wird regelmäfsig von den türkifchen und franzöfifchen Poftdampfern berührt. Gallipoli, kleine Stadt an der Mündung des Hellespont ins Marmorameer mit 12- bis 15.000( nicht 60.000) Einwohnern, Exporthafen, Station der meiften zwifchen Conftantipol und dem ägäifchen Meere verkehrenden Dampffchiffe, producirt und exportirt Käfe( Cascaval), Nägel, Häute, Cocons, Baumwolle u. f. w. Der Verkehr in diefem Küftengebiete ift faft auf die Schifffahrt, und nach Innen auf die Verbindung mit Adrianopel befchränkt, und concentrirt fich felbftverftändlich in Conftantinopel. Die thrakifche Nordoft- Küfte oder das fubbalkanifche Küftenland am fchwarzen Meere. Von der bizantinifchen Halbinfel zieht fich längs des fchwarzen Meeres bis zum Balkan hinauf ein fchmaler, halb aus eruptivem, halb aus kryftallinifchem Geftein beftehender, zum Vilayet von Edrneh gehöriger Küftenftrich, welcher gegen das Binnenland zu durch eine 1000 bis 3000 Fufs hohe, eigentlich namenlofe, häufig aber mit dem Namen Strandfcha benannte Bergkette begrenzt ift. Bedeutende Flüffe find in diefer Gegend nicht vorhanden, aber viele kurze Küftenflüffe und Waldbäche. Der nördliche Theil diefes Küftenlandes enthält gröfsere, fehr fruchtbare Ebenen, im füdlicheren Theile reichen die Berge bis ans Meer. Diefer gebirgige Theil ift wenig cultivirt, und enthält dichte Waldungen, namentlich faft noch undurchforfchte Eichenurwälder. Die nördlichen Ebenen aber produciren verhältnifsmässig viel Getreide( wohl wenigftens zwei Millionen Kilés) insbefondere Weizen, Korn und Gerfte. Im Uebrigen find die Productions- Verhältniffe diefes Türkei. 15 Gebietes am allerwenigften bekannt. Die Einwohnerzahl beträgt kaum 100.000 ( Bulgaren, Türken, Griechen). Die wichtigeren Ortfchaften desfelben find: Aidos, Städtchen mit 4- bis 5000 Einwohnern, am Fufse des Balkans, und die Hafenftadt Burgas, an dem weftlichen Golfe des fchwarzen Meeres mit 3- bis 4000 Einwohnern, wichtig für den Getreide- Export; nördlich von diefem, am fchwarzen Meere Miffivri und Achjoly, und füdlicher Sife poly und Midia, kleine Seeftädtchen ohne Bedeutung wegen der unwirthfchaftlichen Befchaffenheit der Küfte. Im füdlichen Bergdiftricte ift noch die kleine Ortfchaft Samakow zu erwähnen, weil in deren Nähe Magneteifen- Sand gewafchen wird. Die Verkehrsverhältniffe diefes Gebietes find fehr ungünftig, mit Ausnahme des nördlichften Theiles, als deffen Handelscentrum Burgas zu betrachten ift. Das Maritzagebiet oder das thrakifche Binnenland. Diefes mit Ausnahme des nordweftlichen, dem Donauvilayet einverleibten Winkels, ganz zum Vilayet von Edrneh gehörige Gebiet ift im Norden vom Südabhange des Balkans, im Südweften vom Rhodopegebirge, im Südoften von dem das Marmora- Küftenland begrenzenden Tekir- Dagh und im Often von dem längs. des fchwarzen Meeres hinziehenden, fogenannten Strandfchagebirge begrenzt, und reicht nur im Süden an einer fchmalen Stelle bis ans ägäifche Meer. Die mit dem Balkan parallel laufenden Gebirge Sredna- Gora und Karadfcha- Dagh theilen die Landfchaft in das eigentliche, aus einem oberen und einem unteren Becken beftehende Maritzagebiet und in das obere Tundfchabecken. Die Becken der Maritza gehören unter die fruchtbareren Gegenden der Türkei, find aber gleichwohl nicht genügend bewirthschaftet. Immerhin producirt diefes ganze Gebiet jährlich an 12 Millionen Kilé Getreide, nämlich 6 bis 7 Millionen Weizen, bei 3 Millionen Gerfte, 12 Millionen Roggen, 12 Million Mais und 2 Million Kilé Hafer, dann über 100.000 Oka Bohnen, 100.000 Oka Flachs, und( befonders im oberen Maritzabecken bei Philippopel etc.) faft 2 Million Oka Reis, dann über 50 Millionen Oka Weintrauben, ferner faft I Million Oka Tabak, verfchiedene Obftgattungen, Kaftanien, Rofen zur Bereitung von Rofenöl am Fufse des Balkans, gegen 200.000 Oka Cocons, eben fo viel Honig, in den Waldregionen Vallone en, und reichliches Tannen-, Fichten, Eichen- und Buchenholz, befonders im Rhodopegebirge, welches ungeheuere, wegen fchlechter Communicationsmittel fehr wenig benützte Wälder enthält, und endlich find gegen 2 Millionen Schafe, faft 2 Million Ziegen, bei 200.000 Rinder, bei 40.000 Pferde, ungefähr 30.000 Efel, über 50.000 Schweine und bei 5000 Kameele vorhanden, und es liefert die Schafzucht ein beträchtliches Quantum von Wolle. An Erzen ift diefes Gebiet nicht befonders reich, wenigftens wird dort nirgends darauf gebaut. Einige Braunkohlen- Lager wurden conftatirt, aber nicht ausgebeutet. Die Hauptleiftungen der Induftrie find Tuch, Strümpfe, Säcke und Schnüre. Die Bevölkerung befteht aus beiläufig 1,100.000 Seelen, worunter etwa 400.000 Türken und 700.000 Chriften( Bulgaren und Griechen). Als ftärker bevölkerte, durch Induftrie und Handel wichtige Städte find hier zu erwähnen: Die Vilayethauptftadt Adrianopel( Edrneh), jetzt fowohl mit Conftantinopel, als mit Dedeaghatfch am ägäifchen Meere, und mit Philippopel durch Eifenbahnen verbunden; fie ift der Sitz mehrerer Confulate, hat eine bedeutende Kupferinduftrie, und etwa 70.000 bis 90.000 Einwohner; Philippopel ( Philibeh), die wichtigfte und blühendfte Handelsftadt in den europäiſchen Provinzen der Türkei, mit ungefähr 40.000 bis 60.000 Einwohnern, und mehreren Confularämtern; Tatar- Bafardfchik, eine im Auffchwunge begriffene Stadt 2* 16 Carl Sax. von 12.000 bis 15.000 Einwohnern, gleich den vorigen an der Eifenbahn gelegen; die durch ihr Rofenöl berühmten Städte Kefanlyk und Eski- Saghra mit 10.000 bis 15.000 Einwohnern, in der Nähe des Balkans; Slivno oder Isle mje mit 12.000 bis 15.000 Einwohnern, ebenfalls am Fufse des Balkans gelegen und etwas Rofenöl producirend, zugleich wegen feiner Waffenfabrication, feiner ärarifchen Tuchfabrik und feines Jahrmarktes von Bedeutung; Jamboly an der Tundfcha, mit beiläufig 5000 Einwohnern und bedeutender Fabrication von Tuch und von Zuckerwerk( Halsva); Kirkkiliffeh, öftlich von Adrianopol, eine Stadt von 12.000 bis 15.000 Einwohnern, mit befonders viel Weinbau, endlich die Ortſchaft und Ebene Ufundfchowa zwifchen Adrianopel und Philippopel, wo jährlich im Herbfte die gröfste Meffe der Türkei abgehalten wird. Das Maritzagebiet befitzt unter allen Theilen der Türkei die meiſten Eifenbahnen; im Uebrigen ift fein Communicationswefen nicht fehr entwickelt Sein Handelsverkehr gravitirte bisher fowohl zur Donau( befonders über den Schipkabalkan bis Kefanlik) als nach Conftantinopel, aber letzteres mufs nun durch die Eifenbahn das Uebergewicht erhalten, infolange nicht die Eifenbahn bis zur Donau fortgefetzt ift. Die Nordküfte des ägäifchen Meeres oder das makedonifche Küftenland. Diefes Küftenland, welches zum Theile noch zum Vilayet von Edrneh, zum gröfsten Theile aber zu dem von Salonik gehört, ift im Nordoften durch das Rhodopegebirge, im Norden ungefähr durch den Perim- Dagh, die Malefch- und Plafchkawitza- Planina, im Often durch den Wardarpafs Demir- Kapù, und durch die Gebirge Narianska, Nidfche, Doxa und Olympos begrenzt. Es ift von mehreren grofsen Flüffen( Mefta- Karaffû, Struma- Karaffû, Wardar und Biftritza oder IndfcheKaraffû) durchftrömt, und greift mit der dreizüngigen chalkidifchen Halbinsel weit ins ägäifche Meer hinein, wodurch die grofsen Golfe von Salonik, Kaffandra, Agion, Oros und Rendina( Orfani) gebildet werden, während weiter öftlich auch noch die Bucht von Lagos tief ins Land hineinfchneidet. Die chalkidifche Halbinfel ift gebirgig und ragt im Athos( Agion Oros) bis zu 6000 Fufs hinan; im Uebrigen ift aber die Küfte ziemlich eben und fruchtbar. Das ganze Gebiet producirt mehr als 12 Million Kilè Weizen, eben fo viel Gerfte, über 1 Million Kilè Roggen, beiläufig 21 Millionen Kilè Mais, ferner über I Million Oka Reis, 37 bis 38 Millionen Weintrauben, über 3 Millionen Oka Baumwolle, über 200.000 Oka Cocons, und über 3 Millionen Oka Tabak, am meiften im Bezirke von Drama, wo die Gegend von Jenidfchè die befte Sorte liefert, dann Oliven, Gerbftoffe( als Therebinthenblätter, Tannenrinde und Harz) und endlich Bau- und Werkholz. Die Waldungen enthalten hauptfächlich Eichen, Buchen, Ahorn, Buchs, Kaftanien und Tannen, und find befonders an den Abhängen des Perimgebirges. ungeheuer ausgedehnt, aber nicht näher bekannt. Die Baumwolle ift theils einheimifche, theils amerikaniſche, zum kleinen Theil auch egyptifche, der Seidenfame ift theils einheimifcher, theils japanifcher. Nicht unbedeutend ift auch die Viehzucht diefes Gebietes, welche Rinder, Schweine, über I Million Schafe und gegen 800.000 Ziegen aufweift. Sehr reich ift das Land an Erzen, fowie an Mineralquellen. Die Thäler im Norden der chalkidifchen Halbinfel und im Kara dagh( bei Awrethiffar) enthalten Silber und Gold, welches zum Theil auch ausgebeutet wird; ferner findet fich bei Salonik Kupfer, und Eifen in den meiften Gebirgen des Landes; endlich Steinkohle am Fufse des Olymp, bei Seres und bei Demirkapù. Die Induſtrie liefert befonders Eifenwaaren, als Nägel, Hufeifen, Fenftergitter, Vorhängfchlöffer, Meffer, Hämmer, Sicheln, Zangen, Pflugfcharen und TabakSchneidemaschinen; dann auch Leder, Leinwand, Baumwolle und Seidenwaaren. Türkei. 17 Die Bevölkerung beträgt ungefähr 1,300.000 Seelen, zur Hälfte Türken, zur Hälfte Bulgaren und Griechen. Die bedeutendften Städte diefes Gebietes find: Die Vilayets- Hauptstadt Salonik mit wenigftens 40.000( zum grofsen Theile ifraelitifchen) Einwohnern, und mit vielen Confulaten, der wichtigfte Handelshafen der europäifchen Türkei, jährlich von mehr als 800 Seefchiffen mit 200.000 bis 250.000 Tonnen und von 3000 Küftenfchiffen mit circa 60.000 Tonnen befucht, jetzt noch wichtiger durch die im Wardarthale gegen Uskup hinauf gebaute Eifenbahn, zugleich als Induftrieftadt ziemlich bedeutend durch Manufacturen in Seide und Baumwolle, fowie. durch die Erzeugung von Corduan- und Sachtianleder; Verria oder Karaferia, Landftädtchen im Weften von Salonik, mit einem Jahrmarkte im Auguft; Janitza oder Wardar Jenidfche, mit einer grofsen Meffe im Mai; Wodena, Stadt mit 6000 bis 7000 Einwohnern; dann öftlich von Salonik, ebenfalls im Innern des Landes: Seres, Stadt von 20.000 bis 30.000 Einwohnern, mit einer Meffe im Februar und mit wichtiger Baumwoll- Manufactur; ferner Drama, kleinere Stadt mit Leinwand- Fabrication, und Jenid fchè am Karafù, durch feinen Tabak berühmtes Städtchen, dann das kleine Seeftädtchen Cavala, Exportplatz und Lloydftation; in den nördlichen Gebirgsgegenden die Städtchen Melnik mit einer Oftermeffe, und Nevrek op mit 3 Jahrmärkten. Endlich noch öftlicher im thrakifchen Küftenlande liegt die Häufergruppe von Dedeaghatfch, wichtig als der Punkt, wo die Adrianopler Eifenbahn das ägäifche Meer erreicht, wodurch die Bedeutung des öftlicheren, feiner Sümpfe wegen verrufenen Hafenplatzes Enos als Echelle für Adrianopel wefentlich herabgemindert ift.- Deffenungeachtet fcheint auch Dedeaghatfch, welches jetzt Lloydftation ift, wegen feiner ebenfalls ungefunden und auch fonft ungünftigen Lage keine grofse Zukunft zu haben. Salonik und die übrigen Häfen reguliren den Hauptverkehr diefes Gebietes, welches übrigens auch fahrbare Strafsen, namentlich von Salonik nach Seres und nach Monaftir beſitzt, die gröfste Wichtigkeit aber durch die Eifenbahn nach Uskup( und in Zukunft nach Bosnien) erlangen wird. Theffalien oder die Weftküfte des ägäifchen Meeres und das Peneiosbecken. Südlich vom Olympos mündet der Salambriaflufs, der Peneios der Alten, in das ägäifche Meer, und von da an abwärts ift die Küfte bis zur Bucht von Volo unzugänglich und von den hohen Gebirgen Kiffowo( Offa) und Pleffidi( Pelion) eingerahmt. Hinter diefen Gebirgen, nur gegen die Bucht von Volo hin ziemlich offen, liegt das bis zum Pindus und Zagros hin reichende, durchfchnittlich über 700 Fufs hohe Becken des Peneios, jetzt fammt der erwähnten Küfte zum Vilayet von Janja gehörig, und zwar den gröfsten Theil des Sandfchaks von Tirhala bildend. Diefes Land gehört, obwohl nur 6/10 des Areals bebaut find, unter die reichften Gegenden der Türkei. Es producirt jährlich circa 2,800.000 Kilè Weizen, 1,200.000 Kilè Gerfte, über 700.000 Kilè Roggen, 2 bis 3 Millionen Oka Tabak, 3 bis 4 Millionen Oka Oel, bei 400.000 Oka Baumwolle und faft 100.000 Oka Cocons, dann auch Wein. Der ergiebigfte Feldbau ift in der Mitte des Beckens; der meifte Tabak wird bei Karditza, Farfala und Armyrò, die meiſte Baumwolle bei Turnovo und Armyrò producirt; das Oel kommt ausfchliesslich aus dem Diftricte von Volo, wo die Bergabhänge mit Olivenwäldern bedeckt find. Der Wein gedeiht hauptfächlich an den Küftengebirgen gegen das Binnenland zu. Die Viehzucht liefert Schafwolle, Lammfelle, Ziegenhaare und Schlachtvieh; die( fogenannte) Forftcultur: Breter, Pfoften, Schiffbau- Holz und Maften; der Bergbau: Chrom, Blei und Mangan- Eifenftein; aufserdem gibt es filberhältige Bleierze in Pelion. 18 Carl Sax. Die Einwohnerzahl beträgt 180.000, darunter Griechen, Türken und Zinz aren. Die wichtigften Städte find: Lariffa( Jenifchechr) mit 15.000 bis 20.000, Trikala( Tirhala) und Karditza mit je 5000 Einwol.nern. Die drei bedeutendften Handelsplätze des Landes find Tirnavo mit 5000 bis 6000 Einwohnern und bedeutender Fabrication von leichten Seidenftoffen und Cattunen( aus englifchem Baumwoll- Garn) für den Landesbedarf; Aja, kleines Städtchen mit Fabrication von eben folchen Seidenftoffen und Halinatuch; Ambelakia, erwähnenswerth wegen Fabrication von Hufeifen aus englifchem Eifen, und von Pferdedecken aus Ziegenhaaren; Volo, die einzige Hafenftadt des Landes mit circa 3000 Einwohnern, ein Platz von zunehmender Wichtigkeit für den Handel, mit mehreren Confularagentien. Volo ift von vielen grofsen und induftriellen Flecken umgeben. Die Einwohner der nahe gelegenen Infel Trikkeri befchäftigen fich mit Schifferei und Schwammfifcherei. Das Centrum der inneren Communication ift Lariffa, von wo die Hauptrichtungen des Verkehrs nach Volo, alfo ans ägäifche Meer, und über den Pindus nach Epirus gehen. Das weftmakedonifche Binnenland oder das Grammos- und Perifterigebiet. Nördlich vom Peneiosbecken liegt, von diefem durch das Amarbergebirge gefchieden, das obere Becken des im Grammos entſpringenden Indfche- Karafu oder der Biftritza mit dem See von Kaftoria, und nördlich von diefem letzteren, von ihm durch die Neretfchka- Planina getrennt, das Becken der in den Wardar mündenden Tfcherna, welches im Norden durch die Babuna- Planina begrenzt ift, und zwifchen diefen zwei Becken liegt im Often angefügt das kleine Becken des Oftrowofees. Alle drei Becken haben eine Seehöhe von 1000 bis 2000 Fufs, und find gegen das Wardar- Tiefland hin im Often durch Gebirge abgefchloffen, welche nur durch die Biftritza und die Tfcherna durchbrochen find. Weftlich von diefen hohen Thalbecken, jenfeits des 7000 Fufs hohen Perifteri, liegen die Becken des Presba und des Ochridafees mit den Quellgebieten des Dewol und des fchwarzen Drin, welche beide ins adriatifche Meer fliefsen. Diefs find lauter Hochländer von 2000 bis 3000 Fufs Seehöhe, von den oben genannten Becken durch keine hohen Gebirge gefchieden, und mit den Devolquellen zwifchen das Biftritza- und das Tfchernabecken hineingreifend. Alle diefe Hochländer, welche fich enge in einander fügen, und gegen die Umgebung deutlich abgegrenzt find, werden hier als weftmakedonifches Hochland bezeichnet, deffen Bafis gewiffermafsen der Grammos und deffen Mittelpunkt der Perifteri zu nennen ift. Diefes ganze Gebiet gehört zum Vilajet von Selanik, und bildet den gröfsten Theil des Sandfchaks von Monaftir und jenes von Goritza( Görtfche), mit Ausnahme des füdwestlichen Theiles des Biftritzabeckens, welches unnatürlicherweife( als Kafà von Grewenà zum Vilajet und Sandfchak von Janja gehört. Die jährliche Bodenproduction diefes gefammten Hochlandes befteht in beiläufig 12 Million Kilè Weizen, I Million Kilè Gerfte, 900.000 Kilè Roggen, 800.000 Kilè Mais, 120.000 Kilè Hafer, dann 180.000 Oka Reis, 114 Million Oka Bohnen, über 100.000 Oka Baumwolle, bei 270.000 Oka Tabak und über 70 Millionen Oka Weintrauben. Ausserdem werden viele Färbepflanzen( Krapp, Gelbholz, der Färber- Maulbeer- Baum u. f. w.) cultivirt, durch die Seidenzucht 20.000 bis 30.000 Oka Cocons producirt, und faft I Million Schafe, über 1 Million Ziegen und bei 50.000 Schweine, fowie auch Rinder und Büffel gezüchtet. Der Waldbeftand des Hochlandes dürfte über Türkei 19 200,000 Dönüm( à 56% Joch) betragen, und enthält Eichen, Buchen und Tannen. Der Mineralreichthum des Landes befteht in Steinkohlen Lagern( zu beiden Seiten des mittleren Biftritza- und im Norden des Tfchernabeckens) dann in Kupfer, Eifen und etwas Silber. Auch die Mineralwäffer find zahlreich. Bevölkerung beträgt ungefähr 900.000 Seelen, worunter Bulgaren, Griechen, Zinzaren, Türken und Albanefen. Die wichtigften Städte diefes Hochlandes find: Bitolia oder Monaftir an einem Nebenflüfschen der Tfcherna, eine gewerbfleifsige und handeltreibende, im Auffchwunge begriffene Stadt, von wenigftens 30.000 Einwohnern, mit mehreren Confulaten; Prilip oder Perlepé, Jahrmarkts- Platz mit nahezu 10.000 Einwohnern, mit 8 Talgfiedereien, welche alljährlich bei 1000 Laften Talg erzeugen und an 30.000 Schafe und Ziegen verbrauchen, von denen nur die beften Stücke als Fleifch verkauft werden, und mit zehn Schmiede- Werkftätten, welche Hufeifen und Nägel aus bulgarifchem und englifchem Eifen fabriciren; Krufchewo, Städtchen mit 5000 bis 6000 Einwohnern; Ochri oder Ochrida, ungefähr ebenfo grofs am gleichnamigen See, bedeutend durch Fifchhandel; dann die durch ihre Meffen bekannten Städtchen Florina und Selfidfche oder Serwia, Giörtfcha oder Goritza, Kaftoria oder Kesriè am gleichnamigen See. Schatifta, Grewenà etc. Bezüglich des Verkehres gravitirt das Land theils nach Salonik, theils nach dem adriatifchen Meere. Die einzige fahrbare Strafse führt von Monaftir nach Salonik. Albanien oder das Küftenland am das Küftenland am adriatifchen adriatifchen und jonifchen Meere. Diefes Küftengebiet, welches von der griechifchen bis an die montenegrinifche Grenze reicht, ift im Often durch das Pindus- und Grammosgebirge, durch die Berge von Dibre am fchwarzen Drin, durch das Bafchtrik-, Bor- und Prokletigebirge( im Nordoften) begrenzt, und umfafst das ganze Vilajet von Schkodra ( Skutari), die Wefthälfte des Vilajets von Janja, nämlich Epirus und mehrere Diftricte des Vilajets von Priscend. Das Land hat zahlreiche und ziemlich bedeutende Flüffe, die aber gröfstentheils nicht fchiffbar find, als: Arta, Luro, Kalamas, Wojuffa, Semeni( Dewol), Schkumbi, Mati, Drin und die aus dem See von Skutari kommende Bojana, welche theilweife befahren wird. Der wichtigfte Golf ift der von Arta im Süden. Albanien gehört unter die wildeften Gegenden der europäi fchen Türkei, ift aber demungeachtet nicht arm an Producten. Der Norden und der Süden des Landes find fehr gebirgig, mit einigen, ziemlich fruchtbaren Thälern; das mittlere Gebiet und die nördliche Küfte find mehr eben, aber fchlecht bebaut, befonders die vielen fumpfigen Küftenftriche find im Sommer faft verlaffen; eben dort werden übrigens Blutigel gefifcht und Seefalz gewonnen,( etwa 100.000 Pfund jährlich). Auch Perlenfifcherei wird an der Küfte getrieben. Der Feldbau producirt ungefähr 1 Million Kilè Weizen, 3½ Million Kilè Mais, faft 1 Million Kilè Gerfte, ebenfoviel Roggen, und über I Million Kilè Hafer und Hirfe, ferner Fifolen, Lein und Flachs, fowie Tabak in geringeren Quantitäten; auch Summach wird gebaut, Farbholz producirt, und in den füdlichen Gegenden viel Seidenzucht betrieben, welche jährlich über 200.000 Cocons liefert. Der Weinbau ift befonders im Süden verbreitet, die füdlichen Ufergegenden find auch reich an Orangen-, Citronen- und Cedrathainen. Der Olivenbaum gedeiht gut in den meiften Theilen des Landes, befonders auch an der Südküfte, und liefert gegen 2 Millionen Oka Oel. Bei Arta, im füdlichften Landestheile wird auch die Baumwoll- Staude cultivirt. Ein Hauptreichthum des Landes find die Schaf- und Ziegenheerden, welche Wolle und Ziegenhaare liefern, auch Rinderund Schweinezucht wird betrieben. Die Gebirge im Innern find reich an Holz. Befonders am Pindus und Grammos, fowie an den Gebirgen am Artaflufs liegen 20 Carl Sax. grofse Tannen-, Fichten-, Lärchen-, Eichen- und Buchenwälder, welche wegen Mangel an Communication nicht ausgenützt werden, und weftlich davon am Luro viel Eichenholz, welches fich befonders zum Schiffbau eignet, und im vorigen Jahrhunderte von Venetianern und Franzofen zu diefem Zwecke exportirt wurde, während es jetzt verfault. Im Vilajet von Schkodra, alfo in der nördlichen etwas kleineren Hälfte des Landes rechnet man 93 Quadratmeilen Wälder mit 712 Million fchlagbaren Eichen-, Fichten-, Tannen- und Lärchenftämmen. Holzfägen aber exiftiren nur 2 im Lande( bei Durazzo). Von Mineralfchätzen ift in Albanien wenig bekannt, an der Wojuffa gibt es Erdpech Minen, welche jährlich bei 430.000 Pfund liefern, und im füdlichen Epirus Steinfalz, welches aber nicht ausgebeutet wird. Die Bevölkerung beträgt 800.000 bis 900.000 Seelen, gröfstentheils Albanefen, der Reft Griechen, Zinzaren und Serben( Türken nur in den Hauptftädten). Erwähnenswerthe Städte find: In Süd Albanien( Epirus). Janina oder Janja, am gleichnamigen Binnenfee, Vilajets Hauptftadt mit 20.000 bis 25.000 Einwohnern, bedeutend durch Gerbereien, welche Pfund- und Sohlleder aus Buenos Ayreshäuten, und auch Maroquinleder( felbft für Conftantinopel) liefern, fowie auch durch Gold- und Silber- Filigranarbeiten, HufeifenSchmieden, Tuchfabrication u. f. w.; Konitza mit 3000 bis 4000 Einwohnern an der oberen Wojuffa mit einem Jahrmarkte im September; Mezzovo im Pindusgebirge mit circa 5000( chriftlichen) Einwohnern, der bedeutendfte, befonders in früheren Zeiten blühend gewefene Handelsplatz der Zinzaren, noch jetzt wichtig durch Teppichweberei und Fabrication von Halinatuch, fowie durch lebhaften Woll- und Viehhandel; Kalarytes, ein ebenfalls herabgekommenes, einft durch Silber und Goldarbeiten berühmtes, jetzt nur noch durch Tuchfabrication und Viehzucht bedeutendes Bergftädtchen von circa 1200 Einwohnern und einer Septembermeffe; Arta( Narda) mit circa 7000 Einwohnern; Prevefa, Städtchen von circa 6000 Einwohnern am Eingange des Golfes von Arta, wichtiger Seeplatz für Epirus, Sitz eines öfterreichiſch- ungarifchen Viceconfulates und einer Lloydagentie. Im Innern des Landes: Argyrokaftro( Ergiry) mit circa 12.000 Einwohnern und vielen Hufeifenfchmieden, und Berat mit circa 8000 Einwohnern; das Hafenftädtchen Awlona oder Valona am Eingange des adriatifchen Meeres, mit einem k. und k. Viceconfulate und einer Lloydagentie, ein ungefunder Ort von kaum 2000 Einwohnern, aber mit bedeutendem Ausfuhrhandel nach Trieft, befonders in Oel, dann auch in Wolle, Lammfellen, Mais, Valonea, Salz, Erdpech u. f. w. In Mittelalbanien: Durazzo, der Hafen für Mittelalbanien, ein ungefundes Städtchen von 3000 bis 4000 Einwohnern, Lloydftation, Sitz eines k. und k. Confulates, bedeutend durch Oelausfuhr, und durch die Einfuhr von Manufactur- und Colonialwaaren aus Trieft, Italien u. f. w. Im Innern Elbaffan, bedeutende Handelsftadt mit 10.000 bis 12.000 Einwohnern. In Nordalbanien: Skutari( Schkodra, Skadar), die Hauptftadt des gleichnamigen Vilajets, mit beiläufig 24.000 Einwohnern, an der Bojana, mit dem Hafenftädtchen Antivari( Bar), am adriatifchen Meere, bedeutend durch den Handel mit Oefterreich und Italien. Nach den beiden letztgenannten Staaten gravitirt überhaupt der geringe Verkehr Albaniens, deffen innere Communicationen kaum erwähnenswerth find. Am wichtigften find noch die fehr fchlechten Wege von Antivari über Skutari nach Prisrend, von Durazzo über Elbaffan nach Ochrida. und die Fahrftrafse von Arta nach Janina, wo fich der Weg über den Pindus nach Theffalien anfchliefst. Bosnien oder das dinarifche Alpenland. Bosnien mit Einfchlufs der Herzegowina bildet durch feine politifche Umgrenzung, und durch feine ethnographifche Einheit mehr noch als durch feine Türkei. 21 phyfifchen Verhältniffe ein befonderes Ganzes, einen ftreng abgefchiedenen Theil der europäifchen Türkei. Nur im Südoften ift es durch einen fchmalen Landftrich mit den übrigen türkifchen Provinzen verbunden, während es im Often von Serbien, im Süden von Montenegro, im Südweften von Dalmatien, im Nordweften und Norden von Militärcroatien begrenzt ift. Der gröfste Theil des Landes ift von der füdöftlichen Fortfetzung der dinarifchen Alpen erfüllt, welche, in der Kammhöhe von 3000 bis 7000 Fufs mitten durch das Land hindurchziehend, dasfelbe in zwei hydrographifche Gebiete theilen: in das nordöftliche, oder in das Saverefpective das Donaugebiet, welches das eigentliche Bosnien mit dem nordöftlichen Theile der Herzegowina umfafst, und in das füdweftliche, oder adriatifche Gebiet, welches den gröfsten Theil der Herzegowina und einige weftliche Diſtricte des eigentlichen Bosniens in fich begreift. Das nordöftliche Gebiet ift waldig und rauh, das füdweftliche hat einen ausgefprochenen Karftcharakter, und ein mehr füdliches Klima; es ift eigentlich nur das politifch losgeriffene Hinterland Dalmatiens. Die wichtigften Flüffe des eigentlichen Bosniens find: die fchiffbare Save an der Nordgrenze und ihre theilweife fchiffbaren Nebenflüffe Unna( mit der Sanna), Werbas, Bosna( mit der Spretfcha und der Kriwaja) und die Drina( mit dem Lim). Von dem in die Morawa fliefsenden Ibar kann phyfifch höchftens noch das weftliche Quellengebiet, namentlich die Rafchka zu Bosnien gerechnet werden, während naturwidrigerweife auch noch das mittlere Ibarthal, jenfeits der Rogosnitza- Planina politifch zu Bosnien gehört. Der Hauptflufs der Herzegowina ift die leider erft an ihrer Mündung ( auf öfterreichifchem Gebiete) fchiffbare Neretwa oder Narenta mit ihren Nebenflüffen Rama, Trebifchat und Krupa, welch' letztere als die Fortfetzung der in die Erde verfchwindenden Trebinfchitza zu betrachten ift. Zwifchen diefen Flüffen und befonders auch in den, an die Herzegowina grenzenden, weftbosnifchen Diftricten( Livno, Glamodfch, Kuprfs) gibt es viele Keffelflüffe ohne fichtbaren Ausflufs. Wie der allgemeine phyfifche Charakter der genannten zwei Hauptgebiete verfchieden ift, fo verfchieden ift auch die Bodenproduction in denfelben. In der Herzegovina gedeiht die Olive, Maulbeere, Granate, Feige, der Reis und der Weinftock, während im eigentlichen Bosnien keines diefer Gewächfe fortkommt( der Weinftock nur in einem kleinen Bezirke Weftbosniens), dagegen die Zwetfchke die Herrfchaft behauptet. In der ganzen Provinz, welche 1144 Quadratmeilen umfafst, werden 523 Quadratmeilen auf Waldboden, 283 Quadratmeilen auf Culturboden, 181 Quadratmeilen auf Weideboden und 157 Quadratmeilen auf fterilen Boden gerechnet; an dem letzteren participirt die nur 203 Quadratmeilen grofse Herzegovina mit 98 Quadratmeilen, wornach alfo nicht viel mehr, als die Hälfte diefes Landes aus productiven Boden befteht. Ueberhaupt gehört Bosnien gleich Albanien unter die ärmeren Gegenden der Türkei. Man veranfchlagt die Production der ganzen Provinz Bosnien an Heu auf II bis 12 Millionen, an Zwetfchken auf mehr als 2 Million Centner, an Wein auf 15.000 Eimer, an Tabak 50 bis 60.000 Oka, an Cerenalien auf 4 bis 5 Millionen. Centner, und zwar 3 bis 4 Millionen Centner Kukuruz( Mais), 230.000 Centner Gerfte, 80.000 Centner Hirfe, 130.000 Centner Roggen, 30.000 Centner Weizen und 2000 Centner Hafer, nebft dem 1200 Centner Reis, 10.000 Centner Bohnen und 12.000 Pfund Hanf und Lein. Von den Getreidearten werden der Roggen und Weizen nur in der Save Ebene( Pofavina) und im Centrum des Landes, die übrigen aber, namentlich der Kukuruz in allen Theilen der Provinz, am meiften wieder an der Save, fowie an der Drina, der Unna und Sanna, dann auch in den übrigen gröfseren Flufsthälern, und auf den Hochebenen von Livno, Glamotfch, Skoplje, Serajevo, Lynbinje, Nevefinje, Sjubuska, Gatzko, Nikfitfch, in der Papovopolje( an der Trebintfchlitza), endlich auch in den füdöftlichen Landestheilen( bei Novipafar) angebaut; der Reisbau ift auf das Thal des Trebifat in der 22 Carl Sax. Herzegovina befchränkt, Hanf und Lein wird am meiften in Weftbosnien cultivirt. Was den Waldbeftand betrifft, fo herrfcht im Norden die Eiche, in der breiten Mittelzone des Landes die Buche, theilweife mit Nadelholz abwechfelnd, in den höheren Centralgebirgen die Tanne und Fichte; in einigen nordöftlichen Diftricten kommt die Linde und überall zerftreut die Lärche vor. Waldarm ift nur die Herzegovina mit Ausnahme ihrer nordöftlichen Diftricte. Eine bedeutende Erwerbsquelle des Landes ift die Viehzucht, welche befonders in der Schafwolle einen werthvollen Exportartikel liefert. Die Schafe find auf 112 Million, die Ziegen auf 34 Millionen, die Rinder 400.000, die Schweine auf 2 bis 300.000, die Pferde auf faft 200.000 Stück zu veranfchlagen. Efel und Büffel kommen nur in geringer Anzahl vor. Auch die Bienenzucht wird betrieben, und es follen fich in der ganzen Provinz über 98.000 Bienenftöcke befinden. Die Seidenzucht ift noch nicht eingeführt. Grofs ift der Mineralreichthum des Landes, befonders an Eifen. In beiläufig 40 Minen mit 127 Schmelzhütten werden im Centrum des Landes und im Nordweften desfelben( nahe der croatifchen Grenze) jährlich 80 bis 100.000 Centner guten Eifens gewonnen. Blei, Kupfer, Queckfilber, Zinn, Silber, Gold, Schwefel, Steinkohlen und Meerfchaum find ebenfalls vorhanden, aber ausgebeutet wird nur etwas Blei bei Olowo, und etwas Meerfchaum zwifchen Banjaluka und Derbend; ferner wird bei Tusla, an der Spretfcha, Kochfalz erzeugt( jährlich 6 bis 7000 Pfund). Von Mineralquellen find Eifenfäuerlinge und heifse Schwefelquellen zu erwähnen( befonders in der Nähe von Serajevo). Die Induftrie ift in Bosnien von geringer Bedeutung. Am meiften verbreitet ift die Schafwoll- Manufactur, die Holzinduftrie, die Fabrication roher Eifen-, Kupfer- und Thonwaaren, das Seiler- und Kürfchner- Handwerk und fpeciell in der Pofavina auch die Ziegelfabrication; im Allgemeinen iſt das ZimmermannsGewerbe mit der Herftellung der Wohnhäufer befchäftigt, wie diefs im gröfsten Theile der europäifchen Türkei der Fall ift. Bosnien ift wegen feines geringen Culturzuftandes kein befonders vortheilhaftes Abfatzgebiet für wefteuropäiſche Erzeugniffe, aber es ift wichtig durch feine, einer viel gröfseren Entwicklung fähige Naturproduction, befonders für fein Nachbarland Oefterreich- Ungarn. Die Einwohnerzahl beträgt 1,100.000, faft durchgehends Bosniaken, ferbifchen Stammes, aber faft zur Hälfte mohamedanifcher Religion. Die wichtigften Ortſchaften Bosniens find: Im Centrum des Landes: Bosna Seraj oder Serajevo, die Vilajets- Hauptftadt, mit 30 bis 40.000 Einwohnern, mit mehreren Confulaten; hinfichtlich der Induftrie bedeutend durch feine Gerbereien, durch Fabrication von Schuhen, Kleidern; Schnüren, Pelzen, Thonwaaren, Waffen und Filigranarbeiten in Silber und Gold etc.; Wefforka mit circa 3000 Einwohnern, welche fich viel mit Erzeugung von Decken und Teppichen befchäftigen; Krefchevo, Foinitza, Buffo watfcha und Warefch, kleine Städtchen mit Eifen- Bergwerken und Schmieden; Travnik, die vormalige Hauptftadt mit beiläufig 10.000 Einwohnern; Senitza( Zenica) an der Bosna mit circa 2000 Einwohnern, Teppich, Decken- und Ledermanufactur; Tefchanj mit 2 bis 3000 Einwohnern mit viel Getreide handel; Unter- und Ober.( Donja- und Gornja-) Tusla, das erfte mit 5000, das zweite mit 1000 Einwohnern, beide mit Salzfiedereien; Banjaluka, die zweitgröfste Stadt Bosniens mit beiläufig 15.000 Einwohnern und einem öfterreichiſch- ungarifchen Viceconfulate, Endpunkt der Eifenbahn von Novi; Stari- Maidan( Maden) Städtchen von kaum 2000 Einwohner mit Eifenminen und Schmieden; an der Oftgrenze das befeftigte Swornik mit circa 5000 und Belina mit 5 bis 6000 Einwohnern; an der Save die Scalen: Bertfchka mit 2 bis 3000 Einwohnern und einem k. und k. Viceconfulate; Schamatz, Brod( derzeit die frequentefte); Kobafch, Gradiska, und an der Unna: Dubitza, Koftainitza und Nowi. Letzteres der Ausgangspunkt der bosnifchen Eifenbahn, lauter kleine Städtchen mit ungefähr 1 bis 2000 Einwohnern; dann an der Weftgrenze: Türkei. 23 Bihatfch mit 4 bis 5000 Einwohnern; Safin mit 2 bis 3000 Einwohnern, Getreidehandel, Eifengruben und Schmieden; Livno an der Strafse von Serajevo nach Spalato, mit beiläufig 5000 Einwohnern und einem öfterreichifch- ungarifchen Viceconfulate. In der Herzegovina: Die Landeshauptftadt Moft ar mit faft 15.000 Einwohnern und mehreren Confulaten; Trebinje, bekannt durch feinen Tabak, mit 2 bis 3000 Einwohnern, und einem k. und k. Viceconfulate; Stolatz und Nikfitfch, befeftigte Städtchen mit circa je 3000 Einwohnern, dann an der oberen Drina: Fotfcha gewerbefleifsiges Städtchen von faft 10.000 Einwohnern, mit bedeutendem Handel nach Ragufa, jedoch nicht mehr in dem Mafse wie in früheren Zeiten, öftlich davon Pleoje oder Tafchlidfcha mit 3 bis 4000, und Prepolje mit 2 bis 3000 Einwohnern; Sjenitza mit kaum 1000 Einwohnern, aber Kreishauptstadt mit wichtigen militärifchen Etabliffements: endlich an der Rafchka, nächft der ferbifchen Grenze Nowipafar( Jenibafar) mit ungefähr 8000 Einwohnern mit einiger Induftrie in Gold- und Silberfiligran u. f. w. Die Provinz hat eine kleine, noch ganz ifolirte Eifenbahn( Nowi- Banjaluka) und ziemlich gute Strafsen, von Serajewo nach Brod, nach Bertfchka, nach Bihatfch, über den Prologh nach Sign( Dalmatien) und über Moftar nach Metkowitfch( refpective Ragufa). Dardanien oder das Schargebiet. Zwifchen Serbien und Makedonien, zu beiden Seiten des Schargebirges, liegt, von Bergländern umgeben, ein durch weite, mehr oder minder hochliegende Ebenen charakterifirtes Gebiet, in welchem die, den drei verfchiedenen Meeren zuftrömenden Flüffe: der weifse Drin, der Ibar( mit der Sitnitza), die bulgarifche Morawa und der Wardar ihren Urfprung nehmen, ohne durch hohe Wafferfcheiden von einander getrennt zu fein. Selbft die mächtige, bis zu 9000 Fufs hinanragende Scharkette ift nicht die wefentliche, fondern nur eine fecundäre Wafferfcheide zwifchen dem Drin und dem Wardar. Diefes Gebiet, welches den natürlichen. Uebergang von der nördlichen in die füdliche Türkei bildet, gehört gröfstentheils zum Vilajet von Prisrend, nur der füdlichfte Theil desfelben gehört durch eine etwas künftliche Begrenzung zum Sandfchak von Monaftie und mittelbar zum Vilajet von Salonik. Im Süden liegt auf der Oftfeite des Wardar die nur 700 Fufs hohe Ortfche- Polje oder Muftafa- Owafsy, eine Tertiärebene zwifchen kryftallinifchen Formationen; weftlich davon das 1000 bis 1200 Fufs hohe obere Wardarbecken, oder das Thal Tettowo; nördlich von diefem, jenfeits des Schargebirges, die vom weifsen Drin durchftrömte, bis an die bosnifche Sucha- Planina reichende, über 1000 Fufs hohe Ebene Metoja, und öftlich davon, nur durch unbedeutende Hügelreihen von ihr getrennt, die bei 1500 Fufs hohe Koffowopolje, oder das Amfelfeld, von Ibar und von der Sitnitza, feinem bedeutendften Quellflufse, durchftrömt. Von hier gegen Often zieht fich ein Gebirgsland hin, welches durch das Thal der bulgarifchen Morawa durchbrochen ift, und durch die bulgarifche SuchaPlanina und Snegpolje begrenzt wird; im Norden dehnt fich das Morawathal beim Einfluffe der Nifchawa wieder zu einer, wohl nur kleinen, wenig über 400 Fufs hohen Tertiärebene aus. Alle die genannten Ebenen und Thäler produciren Getreide, namentlich Mais und Weizen, auch Gerfte und Tabak.. In der oberen Wardargegend wird auch Reis und an der oberen Morawa viel Hanf gebaut. Im Süden wird auch etwas Seidenzucht betrieben. Der Wein gedeiht befonders am Drin( in der Metoja) und dann auch am Wardar. Ueppige Wälder findet man in Schar und in den weftlichen Alpen, befonders Tannen, Fichten und Kiefern. In den anderen Gegenden herrfcht die Buche vor; aufserdem gibt es Eichen-, Ulmen-, Kaftanien- und Nufswälder, befonders die letzten auch am Schargebirge. 24 Carl Sax. Die ausgedehnten Weideplätze dienen zur Viehzucht, befonders zur Schafzucht, welche ein grofses Quantum Wolle liefert. Der Mineralreichthum des Landes ift bedeutend, aber nur theilweife benützt. Im Südoften bei Karatowa liegt. ein Silberbergwerk, welches bei gutem Betriebe angeblich täglich 4000 Oka filberreichen Bleiglanz liefern kann. Auch das Schargebirge foll im Süden filberhältig fein. An der Morawitza bei Wranja, bei Klifura an der Morawa, und bei Egri Talanka im Südoften gibt es Eifenerze, und in letzterer Gegend auch einige Eifenwerke. Salpeter kommt bei Skoplja vor, und wird auch ausgebeutet. Bei Ipek gibt es Petroleum und bei Nifch auch Steinkohlen, aber nichts davon wird benützt.( Ipek foll auf einem grofsen Kohlenlager ftehen.) Die Bevölkerung befteht aus faft 1,500.000 Seelen, worunter faft eine Million mohamedanifcher Albanefen, der Reft Serben, Balgaren, Tfcherkeffen, Osmanen etc. Die wichtigften Städte find: Die Vilajetshauptftadt Prisrend mit 30- bis 40.000 Einwohnern, im allmäligen Auffchwunge begriffen, mit Maroquinfabrication und nicht unbedeutendem Handel, befonders nach Trieft, und mit einem öfterreichifch- ungarifchen Confulate; Djakowa( Jakowa, Djakowitza) bedeutend durch Seideninduftrie, mit 10- bis 12.000 Einwohnern; Ipek oder Petfch mit 10.000 Einwohnern; Prifchtina mit 9- bis 10.000 Einwohnern und militärifchen Etabliffements; Wranja mit circa 8- bis 9000 Einwohnern und Eifeninduftrie; Leskowatz mit 10 bis 15.000 Einwohnern und bedeutendem Hanfhandel, beide an der Morawa, Nifch( Niffa), an der unteren Morawa nahe der ferbifchen Grenze, eine zum grofsen Theil neugebaute, im Auffchwunge begriffene Stadt von 15- bis 16.000 Einwohnern; dann im Süden am Wardar: Skoplja oder Uskup, Stadt von 10- bis 12.000 Einwohnern, der zukünftige Knotenpunkt der rumelifchen Eifenbahnen( von Conftantinopel, Salonik und Bosnien) mit etwas Leder-, Leinwandund Seidenmanufactur und Branntwein- Brennerei; Kumanowa, kleines Städtchen mit Teppichfabrication; Kalkandelen mit Waffenfabrication; Schtiplji oder Iftip, Stadt mit 10- bis 15.000 Einwohnern; Karato wa mit 4- bis 5000 Einwohnern, mit Hohöfen für die filberhältigen Bleierze aus der Umgegend; Egri Palanka mit 2- bis 3000 Einwohnern und vielen Schmieden, welche Waffen, Hufeifen und dergl. fabriciren; endlich Köprülü oder Welefa am Wardar, Stadt mit 16- bis 20.000 Einwohnern, mit bedeutenden BranntweinBrennereien, durch die neue Eifenbahn mit Salonik und auch durch den fchiffbaren Wardar mit dem ägäifchen Meere verbunden. Im Uebrigen find die Communicationen in Dardanien fehr fchlecht, mit Ausnahme der befferen Strafsen, welche von der ferbifchen Grenze über Nifch nach Sofia und Widdin führen. - Das Rilo- und Witofchgebiet oder das centrale Hochland der europäifchen Türkei. Diefes Gebiet liegt öftlich vom vorigen, gruppirt fich um die beiden, durch einen niedrigen Kamm zufammenhängenden Gebirgsknoten Rilo( über 8000 Fufs) und Witofch( über 7000 Fufs), welch' Letzterer faft im Mittelpunkte liegt, und reicht im Norden bis zum Balkan und zur Stara Planina, im Süden bis zum Perim Dagh, und im Often bis zum Maritzabecken, während im Weften die delomitifche Kalkkette zwifchen der Nifchawa und Morawa als feine Grenze betrachtet werden kann. Es enthält die Quellengebiete der dem ägäifchen Meere zuftrömenden Struma, des in die Donau fliefsenden Isker und der in die Morawa fliefsenden Nifchawa. Mit Ausnahme des zum Vilajet von Prisrend gefchlagenen Nifchawathales gehört diefes Gebiet ganz zum diefes Gebiet ganz zum Donauvilajet und bildet den Kreis von Türkei. 25 Sofia. Es enthält eine einzige ausgedehnte Hochebene, nämlich das vorzüglich productive Becken von Sofia( 1600 Fufs hoch), und mehrere kleinere, meiftens noch höher liegende Ebenen, ift aber gröfstentheils von Gebirgen erfüllt. Die Abhänge derfelben find zum Theil reich mit Nadelholz bewaldet( wahrfcheinlich gegen 8000 Hektaren). Die Ebenen und Thäler produciren bei 7 Millionen Kilé Weizen, und faft 72 Millionen Kilo Roggen, je 1 Million Kilo Mais und Gerfte, über 2 Million Kilo Hafer, dann beiläufig 1 Million Oka Trauben, und 7 bis 800.000 Oka Tabak, befonders bei Dfchumâ und bei Sofia. Die Viehzucht liefert. über 1 Millionen Schafe, 12 Million Ziegen, über 120.000 Schweine, über 100.000 Rinder, ferner Büffel, Pferde und Efel. Sehr wichtig ift der Bergbau, welcher bei Samakov im Jahre circa 800 Centner Eifen liefert. Die Einwohnerzahl mag über 1 Million betragen, gröfstentheils Bulgaren und in den Städten auch Türken, Die Städte diefes Gebietes find: Sofia, mit 15- bis 18.000 Einwohnern, an der von Conftantinopel nach Belgrad führenden Hauptftrafse, mit Seiden- und Baumwoll- Manufactur, in commercieller Hinficht nicht mehr fo wichtig, als früher; füdlich davon Samakov mit circa II.000 Einwohnern, wichtig durch feine Fabriken und Eifenhämmer, durch feine Gerbereien und durch Fabrication von Schnüren, Strümpfen und Seidenfhawls, Dubnitza mit 6- bis 7000 Einwohnern, Radomir mit circa 2000 Einwohnern, Kuftendil mit 8- bis 9000 Einwohnern und vielen Schmieden, Dfchumâ, kleines Städtchen mit Leinwand- Induftrie, und mit Thermalbädern und Tabakbau in der Umgebung, endlich im Nordweften an der Nifchawa: Pirot oder Scharköj mit ungefähr 10.000 Einwohnern, berühmt durch Teppichfabrication. Die Communicationen diefes Gebietes find in ziemlich gutem Stande. Der Verkehr gravitirt hauptfächlich nach der Donau, zum Theil nach Conftantinopel. Das Donau- Balkangebiet oder das fogenannte Bulgarien. Diefes ausgedehnte Gebiet, welches fich zwifchen der unteren Donau und der Haupkette des Balkans Hæmus von der ferbifchen Grenze bis zum fchwarzen Meere hinzieht, umfafst die türkifche Donauprovinz( Tuna Vilayety) mit Ausnahme des Kreifes von Sophia. Es könnte zwar in das weftliche Donau- Balkangebiet, in das pontifche Balkangebiet und in die Dobrudfcha( das Küftenland von der Donaumündung bis zur Bucht von Baltfchik) abgetheilt werden, aber diefe drei Theile find fo, fchwer von einander abzugrenzen, und haben fo viel Gemeinfames in ihrem Charakter, dafs es beffer ift, fie als ein einziges grofses Gebiet zu betrachten. Das ganze Land befteht vorherrfchend aus Kreide- und LöfsPlateaux, welche von dem felbft gröfstentheils aus Kreide beftehenden Balkangebirge allmälig in Stufen bis zum fchmalen Donauthale hinabfteigen, und an der Küfte gröfstentheils fteil abfallen. Zwifchen diefen Plateaux fliefsen meiftens in engen, oft tief eingefchnittenen Thälern die Nebenflüffe der Donau: Lom, Oguft, Skit, Iskra( Isker) Wid, Osma( Ofem). Jantra, Lom( aus dem fchwarzen und dem weifsen Lom beftehend) u. a. fowie auch der direct ins fchwarze Meer ftrömende Devnoflufs und wenigftens auf der Nordfeite auch der mit diefem parallel fliefsende Kamtfchik, während deffen Südfeite fchon zum Berglande gehört. Aufser dem Balkan findet fich erft wieder in der nördlichen Dobrudfcha nächft der Donaumündung ein Bergland. Die Gebirgsgegenden enthalten grofse Waldungen, befonders in der weftlichen Balkankette, und auch die Plateaux zwifchen Schamla und Siliftria find theilweife bewaldet( Deli- Orman). Der ganze Waldboden wird mit 70.000 Hektaren angegeben. 26 Carl Sax. Vorherrfchend find Buchen und Eichen; Nadelholz ift feltener. In den mittleren Gebirgsgegenden find viele Maulbeer- Pflanzungen, in welchen jährlich faft 2 Million Oka Seidencocons erzeugt werden.( Am meiften im Kreife von Tirnowa). Bulgarien ift die wahre Getreidekammer der europäiſchen Türkei. Diefes Gebiet producirt jährlich bei 23 Millionen Kilo Weizen, 10% Millionen Kilo Gerfte, 6% Millionen Kilo Mais, 2 Millionen Kilo Hafer, 1 Million Kilo Roggen und Million Kilo Hirfe, in Summa 43% Millionen Kilo Getreide, ferner I Million Oka Bohnen, faft eine Million Oka Tabak, über 120 Millionen Oka Weintrauben, und bei 50.000 Centner Sumach. Die befte Gerfte wird um Rasgrad, der meifte Mais im Kreife von Tirnowa, der meifte Sumach in denfelben Gegenden gebaut. Im Allgemeinen find die höher liegenden Gegenden beffer angebaut als das Uferland der Donau und das Küftenland des fchwarzen Meeres( Dobrudfcha) wo übermäfsig viel Weideboden vorhanden ift. An Vieh befitzt diefes ganze Gebiet 312 Millionen Schafe, über 1/2 Million Ziegen, faft 2 Million Rinder, 80- bis 90.000 Schweine, viele Büffel und Pferde, weniger Efel und Maulthiere, felten kommen auch Kameele vor. Die Schafzucht ift befonders im Nordoften verbreitet, wo bis vor wenigen Jahren noch die fiebenbürgifchen Mokanen ihr Weiderecht ausübten. Auch Bienenzucht wird in den mittleren Gegenden viel betrieben. Von Minenproducten find nur die Steinkohlenlager bei Berkowatz, Plevna und Travna zu erwähnen, deren Ausbeute bisher vernachläffigt wurde. Unter den Induftriezweigen ift die Fabrication von Abatuch verbreitet. Die Bevölkerung beſteht hauptfächlich aus Bulgaren und dann aus Türken, der Reft find Tataren, Walachen, Griechen, Tfcherkeffen u. f. w., zufammen etwa 21 Millionen Seelen. Die commerciell wichtigen Städte find und zwar: an der Donau: Widdin, befeftigte Kreis- Hauptftadt mit beiläufig 16.000 Einwohnern, mit einiger Induftrie in Pelzwerk, Schnüren, Sätteln, Schuhen, Tuchkleidern, Filigranarbeiten von Gold und Silber u. f. w., Sitz eines öfterreichifch- ungarifchen und eines ruffifchen Confulates, fowie einer k. k. Poftanftalt. Lom( Lom Palanka), Städchen von 6000 Einwohnern, Hauptfcala der Gegend von Sophia und für die Ausfuhr von Weftbulgarien; Oreawa( Rahowa) und Nikopoli, kleine Donau- Stationen; Sift of mit 12.000 Einwohnern, Hauptfcala für die Gegenden von Tirnova und Philippopel( in Thrakien), weil an dem Punkte liegend, wo die Donau am tiefften nach Süden abbiegt; Ruftfchuk feit einigen Jahren in Auffchwung gekommen, Vilayets- Haupftadt mit 20- bis 24.000 Einwohnern, mit einem gemifchten Handelsgerichte, mit mehreren Confulaten und einer öfterreichifchen Poft, Ausgangspunkt der Warnaer Eifenbahn, mit ziemlich bedeutender Fabrication von Tuch, Schuhen, Hemden, Sattelzeug und Thonwaaren( befonders eingelegten Pfeifenköpfen und Cigarrenfpitzen, Taffen) etc. Tutrakan, kleine zunehmende Donauftation; Silistra( Siliftra), Feftung mit 8000 Einwohnern und mit nicht unbedeutendem Handel im Getreide. Dann im Innern: Berkovat z oder Berkoftfcha, Städchen am Fufse des Balkans, mit beiläufig 6000 Einwohnern, und mit fehr bedeutender Teppichfabrication; Wratza, Stadt von 13 bis 14.000 Einwohnern, mit etwas Seidenhandel; Lovatz oder Loftfcha mit 10.000 Einwohnern; Tirnova KreisHauptftadt mit 13- bis 14.000 Einwohnern, mit Branntwein- Brennereien, grofsen Trockenanftalten für Cocons und namhafter Induftrie in Tuch und Leder, Centrum des Balkan'fchen Coconhandels; Gabrowa im Balkan mit beiläufig 6000 Einwohnern und bedeutender Induftrie in rohen Eifenwaaren( Meffern, Waffen und dergl.), dann in Seilerwaaren und Riemzeug; Rasgrad mit 10.000 Einwohnern und mit etwas Getreidehandel; Efki Dfchuniâa mit 10.000 Ein wohnern, bemerkenswerth wegen feiner grofsen Aprilmeffe; Schunda mit beiläufig 20.000 Einwohnern und wichtigen mitlitärifchen Etabliffements; HarfchiOglu Bafardfchik im Beginne der Dobrudfchafteppe gelegene Stadt von faft 10.000 Einwohnern; Medfchidfe im Karafûthale, neu gebaute Stadt von Türkei. 27 wahrfcheinlich 5- bis 6000 Einwohnern( gröfstentheils Tataren), an der Eifenbahn- Linie von Cernavoda nach Küftendfche mit zwei grofsen Jahrmärkten, welche als die Meffen von Karafu bekannt find; dann an der unteren Donau: Tultfcha, die politifche Hauptftadt der Dobrudfcha mit vielen Confulaten und beiläufig 12.000 Einwohnern, mit etwas Schiffbau; und Sulina( Sünna), Hafenplatz an der Mündung des gleichnamigen Donauarmes in's fchwarze Meer, jung emporgekommenes Städtchen von kaum 1000 Einwohnern mit wichtigen Uferbauten, Sitz vieler Confularämter. Dann am Ufer des fchwarzen Meeres: Küftend fche, Städtchen von etwa 1500 Einwohnern mit einigen Confularämtern, durch die nach Tfchernavoda führende Eifenbahn mit der Donau verbunden; Baltfchik mit 4- bis 5000 Einwohnern, der füdliche Hafen der Dobrudfcha; und endlich Warna, Kreishauptftadt, mit beiläufig 16.000 Einwohnern, Sitz mehrerer Confularämter und einer öfterreichifchen Poft, wichtig durch feine Eifenbahn- Verbindung mit Ruftfchuk und überhaupt als Ausfuhrhafen Bulgariens, doch fo wie die vorgenannten Hafenftädte ohne eigentliche Hafenbauten. Das Communicationswefen in Donau- Bulgarien ift faft das befte des türkifchen Reiches; zu der Seeküfte und der ebenfalls von Dampf- und Segelfchiffen befahrenen Donau kommen noch die zwei Eifenbahnen Ruftfchuk- Varna und CzernavodaKüftendfche, fowie ein ausgebreitetes Netz fahrbarer Strafsen. Die Infeln. Die Infeln des Marmorameeres. Alle diefe Infeln im Marmorameere haben zufammen nicht über 10.000 Einwohner, meiftens Griechen. Namentlich find zu erwähnen: Die Prinzeninfeln bei Conftantinopel, welche adminiftrativ fogar zum Gebiete der Hauptstadt gerechnet werden; und zwar die vier gröfseren: Proti, Antigoni, das einft an Erzen reiche Chalki mit dem gleichnamigen Uferftädtchen, und die grofse Infel Prinkipo mit der gleichnamigen Stadt; fämmtliche Infeln wenig bebaut, die beiden letztgenannten aber reich an Laubwald und insbefondere an Oelbäumen; dann die langgeftreckte, ziemlich kahle Infel Kalolimnia oder Emir- Aly( Imralia), und die durch ihre Marmorbrüche berühmte Infel Marmora; endlich füdlich von diefer die Infel Aloni, oder Pafcha Liman und Affia. Diefe Infeln gehören zum Vilayet Chudawnidkjiar. - Die ägäifchen Infeln( türkischer Archipelagos). Von diefen Infeln, welche( aufser Samos) alle zum Vilayet der Infeln„ des weifsen Meeres" gehören und bei 400.000 faft durchwegs griechifche Einwohner haben, find die bedeutendften Samothrake oder Semadrek mit dem hohen Kegelberge Fangari und Bleierz- Lagern; Thafos, nahe der makedonifchen Küfte; Imbros oder Imrûs, theilweife mit Waldgebirgen bedeckt, bemerkenswerth wegen feiner Lager von Bleierzen und von Ligniten, wegen Salinen, fowie wegen Fifchfang und Mufchelfifcherei, mit dem Hafenftädtchen Kaftro; Limno( Lemnos) mit dem durch Salinen wichtigen Hafenftädtchen Kaftro- Limno, viel Obft und Wein, fowie auch Getreide producirend. Alle bisher genannten Infeln liegen abfeits von den grofsen Schifffahrts- Linien. Näher an der afatifchen Küfte und an den Hauptverkehrs- Linien liegen Tenedos oder Bofdfcha, eine gröfstentheils kahle, aber auf der Weftfeite viel Wein und Oel producirende Infel mit gleichnamiger Hafenftadt und einer öfterreichifch- ungarifchen Confularagentie; die grofse, reichbewaldete und frucht 28 Carl Sax. bare Infel Mytilini oder Midülly( Lesbos) mit der Hafenftadt Kaftro- Mytilini, wo ein öfterreichifch- ungarifches Vice- Confulat befteht; diefe Infel ift wichtig durch ihre Production von Oel( von welchem in manchen Jahre 300.000 Centner exportirt werden) und durch ihre Seidenzucht( welche jährlich bei 50.000 Oka Cocons für die Ausfuhr liefert), dann auch durch Schafzucht, Weinbau, Obftbau, Baumvoll- Cultur und Seifenfiederei, fowie durch Aufternbänke, Bauholz und Marmor, endlich auch durch drei grofse, natürliche Häfen auf der Südfeite( Longon, Sigri und Olivier); dann die Infel Chio oder Sakys- Adaffy mit der ungefähr 12- bis 15.000 Einwohner(?) zählenden Hafenftadt Kaftro Chio, Station faft aller Poftdampfer, weniger Getreide, aber defto mehr Obft und Südfrüchte( Feigen, Datteln, Mandeln, Granaten, Citronen u. f. w.), Oliven, Therebynthen, Wein und Maftik producirend. Wieder weniger frequent find: die durch einen Vafall- Fürften regierte Infel Samos oder Sufam mit der Hafenftadt Vathy, bedeutend durch Bienenzucht, welche Honig und Wachs zur Ausfuhr liefert, fowie durch Muscatwein, Obft und Südfrüchte, Baumwolle und Arzneipflanzen( als Scamonea und Jalappa), endlich durch Marmor und Eifenocker; die Infel Nikaria, ziemlich unfruchtbar, nur wegen ihres Bauholzes bemerkenswerth; Lero mit gleichnamiger Hafenftadt; Kalimno mit bedeutender Bienenzucht; Koy oder Stankoj( Kos) mit gleichnamiger kleiner Hauptftadt, befonders Citronen, Orangen und Rofinen producirend und Scarpanto oder Kerpé( Karpathos), endlich Rhodos mit der gleichnamigen, befeftigten, angeblich gegen 10.000 Einwohner(?) zählenden Hafenftadt, eine fruchtbare, aber nicht hinlänglich angebaute Infel, welche an der Grenze zwifchen dem ägäifchen und dem mittelländifchen Meere gelegen, Obft und Südfrüchte, fowie Honig und Wachs für die Ausfuhr erzeugt. Die Hauptftadt ift der Sitz einer Kreisbehörde und mehrerer Confularämter, und wird von den öfterreichifch- ungarifchen, ruffifchen und egyptifchen Poftdampfern regelmässig berührt. Die Infel Kandia oder Kirid( Kreta). Diefe langgeftreckte, die Grenze zwifchen dem ägäifchen und dem mittelländifchen Meere bildende, angeblich 200.000, zum gröfsten Theile griechifche, zum kleineren Theile türkifche Einwohner beherbergende Infel, welche ein eigenes Vilayet bildet, ift von einer bis zu 6000 Fufs hinanreichenden, gröfstentheils kahlen Bergkette durchzogen. Nur der füdweftliche Diftrict Sfakia befitzt einige kleine Platanen-, Eichenund Pinienwälder, fonft ift der überall verbreitete Oelbaum faft der einzige Waldbaum der Infel, und diefer liefert jährlich bei 10 Millionen Oka Oel. Ausserdem gibt es allerdings auch viele Maulbeer- Bäume, welche zur Seidenzucht dienen, Kaftanien, Granat- und Orangenbäume, dann einige Baumwoll- Pflanzungen. Ziemlich ausgebreitet ift der Wein- und Gemüſebau, feltener der Feldbau, welcher hauptfächlich Korn, Gerfte und Hafer, fo wie auch unbedeutenden Tabak liefert. Ein Hauptproduct der Gebirgsgegenden, befonders bei Rettimo, ift die Vallonea, und bemerkenswerth ift auch das als Parfum nach Egypten und Perfien verfendete Laudanum. Die Schaf- und Ziegenzucht ift eine Hauptbefchäftigung der Bergbewohner, auch Bienenzucht wird betrieben, und liefert viel Honig und Wachs. Die Infel liefert auch jährlich 562.000 Kilogramm Salz. Die eigentliche Induſtrie der Bewohner ift hauptfächlich auf die Fabrication von Seife und Seidenftoffen befchränkt. Die bedeutendften Städte find Kandia oder Megalokaftro, an der Nordküfte, die Hauptftadt des Vilayets mit angeblich 12- bis 15.000 Einwohner(?) Refidenz mehrerer Confulate; Kanea( Chania) im Nordweften, der befte Hafen der Infel, Stadt von 10- bis 12.000 Einwohnern(?) mit ziemlich lebhaftem Handel und Türkei. 29 Rettimo oder Resmo mit 5- bis 6000 Einwohnern und bedeutender Oelausfuhr. Alle drei Städte werden von den öfterreichisch- ungarifchen Poftdampfern befucht, welche die Verbindung mit Syra herftellen. Die Infel Cypern, Kypro( griechifch) oder Kibrys( türkifch). Diefe gröfste der türkifchen Infeln hat einen Flächenraum von 173 Quadratmeilen, und eine Bevölkerung von beiläufig 200.000 Seelen, wovon 2 Griechen und Türken, und bildet jetzt zwar kein Vilayet, aber ein, directe der hohen Pforte unterftehendes Mutesarriflik. Die Infel ift von einer theilweife bewaldeten Gebirgskette durchzogen, welche einft Gold- und Silber und Kupferbergwerke enthielt, und von welcher einige kleine, im Sommer meiftens verfiegende Küftenflüffe herabftrömen, dennoch ist die Infel fehr fruchtbar, wenn auch nicht hinlänglich bebaut. Sie producirt, befonders in der Ebene Meffa- Owa, vorzügliches Getreide, hauptfächlich Gerfte( bei drei Millionen Kilé), wovon jährlich faft die Hälfte zur Ausfuhr kommt, und 11 Million Kilé harten Weizen( wovon 1 exportirt wird), Weintrauben, welche theils getrocknet und exportirt, theils zu Wein, namentlich dem berühmten Commanderia- Wein( 80.000 Oka), verwendet werden, dann Krapp( 300.000 Oka), Sumach( 400.000 Oka), Oliven( 1 Million Oka Oel), Granaten, Sefam, Johannisbrot, Hafelnüffe( jährlich 100.000 Oka), Leinfamen ( 150.000 Oka), Baumwolle( 9000 Ballen, wovon 8000 zur Ausfuhr), Kartoffeln und Tabak. Die Viehzucht liefert viel Käfe, und jährlich( von 450.000 Schafen) bei 150.000 Oka Schafwolle und 120.000 Stück Schaf, Lamm- und Ziegenfelle, fowie bei 10.000 Oka Rindshäute für den Export. Auch Maulthiere und Efel werden in gröfserer Menge gezüchtet. Auch Bienenzucht und Seidenzucht werden betrieben. Letztere, in Abnahme begriffen, liefert jährlich nur mehr 40 bist 50.000 frifche Cocons, und blofs 2000 Oka Seide. Aus den Salzfeen der Infel werden jährlich bei 8 Millionen Kilogramm(?) Salz gewonnen. Die Induftrie liefert hauptfächlich Leder und Branntwein. Die bedeutendften Ortfchaften find Nikofia oder Levkofia im Innern, die Hauptftadt der Infel, mit angeblich 15- bis 20.000 Einwohnern; Larnaka, See- und Handelsftadt mit 10- bis 12.000 Einwohnern, mit vielen europäiſchen Kaufleuten und Confulaten; Limiffo und Famagufta, kleinere Hafenplätze. Die Infel, fpeciell der Häfen von Larnaca, wird regelmäfsig von den öfterreichischungarifchen Poft dampfern auf der Fahrt zwifchen Smyrna, Syrien und Egypten berührt. Kleinafien. Das nordweftliche Küftengebiet oder das Marmoragebiet mit den Halbinseln Kodfcha- Ily und Bigha. Diefes Gebiet, welches vom fchwarzen bis zum ägäifchen Meere( bis zum Golfe von Edrenut), und auf der Landfeite bis zum unteren Sakaria, bis zum Ak-, Murad- und Dimirdfchi- Dagh und zum Ufundfcha- Jaila reicht, gleicht in feiner Geftalt gewiffermafsen dem gegenüberliegenden thrakifchen Küftenlande im vergröfsertem Mafsftabe. Den nordöftlichen und füdweftlichen Theil bilden zwei Halbinfeln, von denen die erftere jetzt zum Regierungsbezirke von Conftantinopel, die zweite zum Vilayet der ägäifchen Infeln gehört, welche beiden Halbinseln durch ihr Vorfpringen zur Verengung des Meeres im Bosporus und im Hellespont ( Dardanellenftrafse) beitragen; der mittlere Theil jedoch, welcher noch zwei kleinere Halbinseln ins Meer entfendet( deren eine die Meerbufen von Imid und von Gemlik fcheidet), und welcher zur Provinz Chudawendkjar gehört, ift breiter, 3 30 Carl Sax. indem er das Stromgebiet des weit im Innern entſpringenden Sufugurla( Maceftus) mit dem Adrnafs- Tfchay( Rhyndacus) umfafst. Von kleineren Flüffen find der Kodfcha- Tfchai und der Menderes in der trojanifchen Halbinfel( Bigha), von Seen der von Manias, von Abullonia und der von Isnik auch wegen ihres Fifchreichthums erwähnenswerth. Das Land ift vorherrfchend ein Bergland mit kleinen Tiefebenen, befonders in der Nähe der Marmoraküfte. Der höchfte Berg ift der gegen 6000 Fufs hinanreichende Olymp( Kefchifch- Dagh), welcher beiläufig die Mitte des ganzen Gebietes bezeichnet; füdöftlich davon reiht fich der mit Urwald. bedeckte Aha- Dagh; faft parallel mit ihm zieht im Norden der wenig bewaldete Gök- Dagh und noch nördlicher in Kodfchaily längs der Küfte des fchwarzen Meeres das ziemlich niedere Waldgebirge Aghatfch- Denyfy( Baummeer). Auf der füdweftlichen trojanifchen Halbinfel liegen die mit Eichenwald und Gebüfch bedeckten Mittelgebirge Kara- Dagh, Tfchatal- Tepé und Abdal- Dagh, und im Süden der Kas- Dagh( Ida) mit einem 30 Stunden langen, und über 8 Stunden breiten Nadelwalde. Im Uebrigen find die Gebirge diefes Gebietes mit Weideboden bedeckt. Befonders auf der Halbinfel Bigha wächft viel Vallonea, welche deren HauptAusfuhrartikel bildet. Am fruchtbarften ift die Ebene von Bruffa, welche bei 21 Millionen Kilé Korn und über 1 Million Kilé Gerfte liefert. Das ganze Gebiet dürfte etwa 6 bis 7 Millionen Kilé Getreide produciren. Ausserdem wird befonders. bei Bruffa und am Golfe von Ismid viel Wein erzeugt( jährlich bei 40 Millionen Oka Trauben); dann wird in der Gegend Karaffy( im Gebiete des Sufughurla) viel Krapp( jährliche Ernte über 300.000 Oka), Baumwolle( Jahresproduction bei 100.000 Oka) und Mohn gebaut, aus welch' letzterem jährlich 30- bis 40.000 Oka Opium erzeugt werden, und am Sakaria- Flachs( wovon jährlich 40.000 Kilé in den Handel kommen). Der Oelbaum wird faft an der ganzen Küfte des MarmoraMeeres, am Golfe von Edremit und auch befonders bei Bruffa cultivirt, und liefert. jährlich etwa 10 Millionen Oka Oel. Tabak wird etwas bei Balikeffér gebaut, ift aber von keiner Bedeutung. Sehr wichtig ift in diefem Gebiete die Seidenzucht, befonders in der Gegend von Bruffa, fowie auch an der Küfte und in Kodfchaily, welche jährlich wenigftens I bis 12 Million Oka Cocons liefert. Auch die Viehzucht ift ziemlich bedeutend. Die Zahl der Schafe und Ziegen kann auf 1 Million, die der Rinder auf 1/2 Million, die der Pferde auf 100.000 und die der Kameele auf 4 bis 5000 veranfchlagt werden. Der Fifchfang ift ergiebig, fowohl an der Meeresküfte als auch in den grofsen Landfeen. Der Mineralreichthum des Landes ift mannigfaltig, aber Bergbau wird nicht viel betrieben. Bei Adrnafs am gleichnamigen Fluffe und an der Befika- Bai in Bigha find Chrom- Bergwerke, und in Kodfcha Ily, fowie am Kas- Dagh in Bigha und bei Bruffa find Kupferlager; in Kodfchaily, Bigha und am Marmora- Meere find Lignite; die Halbinsel von Artaki enthält Marmor; Manganerze werden bei Bigha und bei Tfchamlidfcha, Bleierze in Bigha( Karadagh und Lapfaki) und in Kodfchaily bei Riva zu Tage gefördert. Die hauptfächlichften Induftriezweige find Seidenfpinnerei, Seiden- und Baumwoll- Manufactur, dann am Hellespont die Töpferei. Die Bevölkerung des ganzen Gebietes mag 134 Millionen Seelen betragen; an der Küfte find die Griechen, im Innern aber weitaus die Türken und Turkomanen vorherrfchend, unter welchen fich übrigens auch viele Armenier angefiedelt haben. Die wichtigen Städte find: Am Marmorameere( aufser der fchon bei Conftantinopel erwähnten Vorftadt Scutari) die Tranfithäfen: Ismid( das alte Nikomedia); die etwa 12 bis 15 Taufend Einwohner zählende durch die anatolifche Eifenbahn mit Conftantinopel( Skutari) verbundene Kreishauptstadt von Kodfchaily mit einem Seearfenale, mit Salinen, welche jährlich über eine Million Kilogramm Meerfalz liefern; Karamurfal, kleine Ortfchaft an der Südfeite des Golfes von Ismid, der Haupt- Hafenplatz für die Karawanen von Kjutahia; Gemlik und Muda Türkei. 31 nia, kleine Städtchen und Echellen für die Hauptftadt Bruffa; das Erftere mit einer jährlich über eine halbe Million Kilogramm Salz erzeugenden Saline, mit einem Seearfenal und mit einer englifchen und griechifchen Confularagentie; das Letztere ( Mudania) mit Seidenfpinnereien, und Panormo oder Pandermâ, die Hauptechelle für Karaffy( Balik effèr), mit einer englifchen und griechifchen Confularagentie und mit Marmor- Werkstätten, wo jährlich bei 3000 Cubikmeter Marmor gewonnen werden; dann im Innern: Adabafar, kleines Städtchen mit Seidenfpinnerei und Handel in Cocons, Flachs und Leinfamen; Jenifcheher, kleines Städtchen mit Seidenfpinnerei, Opium- und Hadfchifchproduction; dann die vier Stunden von der Küfte entfernte Vilayets- Hauptftadt Bruffa mit 35- bis 40.000 Einwohnern und mit mehreren Confularämtern, mehr Fabriks- als Handelsftadt; fehr wichtig durch ihre 51 Seidenfpinnereien und mehrere Gerbereien, fowie durch ihre Baumwoll- Manufacturen, auch berühmt durch ihre heifsen Stahl und Schwefelbäder; Mualitfch oder Mihalitfch, herabgekommenes Städtchen, Käfe, Wolle, Cocons und Tabak producirend; Balik effèr oder Balikefsry, Kreis- Hauptftadt von Karaffy mit einer 22tägigen Auguftmeffe, wichtig durch Fabrication von Abatuch und durch die Ausfuhr von Opium, Baumwolle und Krappwurzeln; Brigha oder Bogafcheher, Städtchen im Norden der trojanifchen Halbinfel mit einer 22tägigen Junimeffe,( befonders Viehmarkt); endlich an der Dardanellenftrafse( Hellespont): Lapfaki, kleines Städtchen, bedeutend durch Holzausfuhr, und Tfchanak- Kalee oder Kalee- i Sultanieh, befeftigte Hauptftadt des Vilayets der ägäifchen Infeln mit höchftens 5- bis 6000 Einwohnern, mit vielen Confularämtern, mit Schiffbau und lebhafter Töpferinduftrie, auch wichtig als Exporthafen. Die Communicationen in diefem Gebiete find lebhaft an der Küfte, infoferne die Häfen des Marmorameeres eine regelmässige türkifche Dampffchifffahrts- Verbindung unter fich, und mit Conftantinopel haben, und Tfchanakkaleh auch von den meiſten fremden Poftdampfern berührt wird, während an der Nordküfte auch die Eifenbahn im Betriebe ift, welche demnächft auch nach Bruffa gebaut wird. Aufserdem beftehen gute Fahrftrafsen zwifchen Bruffa und der Küfte, aber in den übrigen Theilen des Gebietes find die Verkehrswege fchlecht. Im Allgemeinen gravitirt der Handel diefes Gebietes nach Conftantinopel. Das weftliche oder das ägäifche Küftengebiet. Südlich vom vorigen gelegen, erftreckt fich diefes faft das ganze Vilayet Aidin und einige Theile des Vilayets Chudawendkjar umfaffende breite Gebiet vom Kas- Dagh oder vom Golfe von Edremit längs des ägäifchen Meeres an die füdweftliche Spitze Kleinafiens, und enthält die ganzen Flufsgebiete des Sarabat oder Gedys- Tfchaj( Hermos) und des grofsen Menderes( Mäander), fowie der kleineren Küftenflüffe, indem es in Nordoften bis zu den Gebirgen Ufundfcha- Jaila, Demirdfchi-, Ak- und Murad- Dagh( 8000?), im Often bis zum Kaldyr- Dagh, und im Südoften bis zum Bos- Dagh( 9000?) reicht. Von diefer Oftgrenze fteigt das Land nach Weften ftufenförmig mit oftweftlichen, faft parallelen Thälern bis zu der mannigfach vorfpringenden und eingefchnittenen Küfte hinab, welche durch die Golfe von Edremit, Elaea, Smyrna, Mendelia, Kos und Symi mannigfach eingefchnitten ift. Die Gebirge enthalten unter Anderem Marmor, Schmirgel, Schwefel, Asphalt, Porzellanerde, Kohle, Blei, Kupfer, Graphit, Zink, Silber und Eifen, befonders letzteres häufig im Norden; fie find im nördlichen Theile ftellenweife, im füdlichen Theile aber fehr ftark mit Pinien und Knopperneichen bewaldet, und zwar namentlich mit Pinien, Lorbeer, Steineichen, Platanen, Buchen, Ulmen und Föhren. In den Niederungen find viele Oelpflanzungen( befonders auch im Norden an den Bergen, welche den Golf von Edremit flankiren); ferner viele Kaftanien-, Feigen-, Citronen-, Orangen- und fonftige Obftbäume; in den gröfsten 3* 32 Carl Sax. theils fehr fruchtbaren Ebenen und Thälern wird Getreide, Gemüſe, Krapp, Baumwolle, Wein, Sefam, Tabak, etwas Hanf und weiter im Innern auch viel Mohn. cultivirt; befonders die Halbinfel von Smyrna erzeugt viel Rofinen. Die Zucht des Maulbeer- Baumes und der Seidenraupe hat fehr abgenommen. Bienenzucht kommt in Afien nach unferen Begriffen eigentlich nicht vor, aber die Biene ift fehr häufig im Lande und liefert immerhin Wachs und Honig. Auch die Viehzucht ist nicht unbedeutend, es werden Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Efel und Kameele gezüchtet, der Viehftand kann aber nicht ziffermäfsig angegeben werden. Von den Getreidearten erntet man jährlich ungefähr 134 Millionen Kilé Weizen, 1 Million Gerfte, Mais nur 70- bis 80.000 Kilé, dann von Tabak 120.000 Oka, Opium 4- bis 5000 Oka, Rofinen 200.000 Centner, Oel über 200.000, Krapp 60- bis 70.000, Valloneen 5- bis 600.000, Lakrizenfaft 50.000, Baumwolle 240- bis 250.000 Centner( 70- bis 80.000 Ballen). Der Bergbau liefert blofs Schmirgel, indem die anderen Mineralfchätze des Landes bisher nicht ausgebeutet werden. Die Induftrie ift fehr bedeutend in Teppichen( Werth jährlich 9 Millionen Francs) und auch ziemlich ftark in ordinären Baumwoll- Zeugen. Die Bevölkerung des ganzen Landes beträgt ungefähr I bis 14 Millionen Seelen( wenigftens), wovon über die Hälfte Türken und Turkomanen, ein Drittel Griechen( diefe befonders an der Küfte und in den Thälern), und der Reft Armenier, Juden und Franken. Die ftädtiſche Bevölkerung dürfte etwa die Hälfte ausmachen. Die wichtigſten Orte find: an der Küfte von Norden nach Süden: Edremit, Städtchen von 7 bis 8000 Einwohnern, in der Nähe des gleichnamigen Golfes; Aiwalik mit angeblich 20- bis 30.000 durchaus chriftlichen ( griechifchen) Einwohnern, einem grofsen aber am Eingange zu feichten natürlichen Hafen, wichtig durch Production und Export von Seife, Wein, Maftix- Branntwein und Oel, Sitz eines Handelsgerichtes; Dikely, kleine Ortſchaft mit einem guten Hafen, Tranfitplatz für Bergama; Fotfcha oder Fokia mit gutem Hafen und Salinen; dann am innerften Ende eines grofsen Golfes Smyrna oder Ismir ( türkifch), die Hauptftadt des Vilayets Aidin mit angeblich über 100.000 Einwohnern, worunter ungefähr die Hälfte Griechen, ein Drittel Türken, und der Reft Juden, Armenier und Franken, mit vielen Confulaten, Poften, mit einem gemifchten Handelsgerichte, mit ziemlich bedeutender Baumwoll- Induftrie( jährlich 6- bis 700.000 Stück gedruckte Baumwoll- Tücher) und mehreren Mafchinenfabriken, befonders wichtig aber als Haupt- Exporthafen für das weftliche und mittlere Kleinafien, durch zwei Eifenbahnen mit den Binnenftädten Maniffa und Kaffabà einerfeits, und Aidin anderfeits verbunden, mit einer jährlichen SchifffahrtsBewegung von 6- bis 700.000 Tonnen, einer Einfuhr im Werthe von 30 bis 36 Millionen und einer Ausfuhr im Werthe von 36 bis 50 Millionen, unter welch' letzterer befonders die Baumwolle, dann Opium, Valloneen, Schafwolle, Rofinen, Oel, Feigen, Häute und Teppiche die gröfsten Werthe repräfentiren, dann die kleine Ortfchaft Tfchefs mè mit einem guten Hafen und bedeutender Rofinenausfuhr; das Städtchen, Scala nuova oder Kufch- Adaffy an der SmyrnaAidiner Eifenbahn, mit einem guten Ankerplatze; Budrun, das alte Halikarnaffos, im Golfe von Kos, jetzt von geringer Bedeutung; endlich Mermeridfche, kleines Städtchen mit einer bequemen Rhede, gegenüber von Rhodos. - Dann im Innern: Bergama oder Pergamos mit bedeutender BaumwollCultur; Akhiffar mit wahrfcheinlich 8. bis 9000 Einwohnern und einigem Schafwoll- und Baumwoll- Handel; die Kreis- Hauptftadt Maniffa oder Magniffa ( Magnefia), deren Einwohnerzahl auf 25- bis 60.000(!?) angegeben wird( worunter der gröfsere Theil Türken), Eifenbahn- Station, wichtig durch Baumwoll- Manufactur und Baumwoll- Handel; das Städtchen Kaffabà, Endpunkt der SmyrnaEifenbahn; Menemen, induftrielles Städtchen mit Baumwoll- Manufactur; Gördes, ein türkifches Städtchen im Gebirge, mit bedeutender Teppichfabrication Türkei. 33 ( jährlich über 30.000 Pics); Ufchak, kleine Stadt, fechs Tagreifen von Smyrna, im Gebirge, mit einem Handelsgerichte, fehr wichtig durch Teppichfabrication ( der fogenannten Smyrnateppiche, jährlich bei 150.000 Pics) und auch durch Gerberei und Opiumhandel; Gedys, Städtchen in den nordöftlichen Bergen mit bedeutender Baumwoll- Manufactur; Tirè, Stadt von etwa 10- bis 12.000 Einwohnern, mit Branntwein- Brennereien und mit Seilerinduftrie; Aidin oder Güfelhiffar, Kreis- Hauptftadt mit 30- bis 35.000 Einwohnern, mit etwas BaumwollInduſtrie; Mughla, Kreis- Hauptftadt von Mentefchè mit 10- bis 12.000 Einwohnern. Die Communicationen find zur See fehr frequent, indem die Küfte für die Schifffahrt günftig geftaltet ift, Smyrna von den Poftdampfern aller Nationen auf den Linien zwifchen Conftantinopel, Syra, Syrien und Egypten regelmässig berührt wird, und zwei Eifenbahnen das Küftenland durchziehen. Von Fahrwaffer aber ift aufser in der unmittelbaren Nähe Smyrna's, und zwifchen Aiwalyk und Edremid faft keine Rede, dagegen zieht der wichtigſte Karawanenweg von Afium Karahinar über Ufchak nach Smyrna hinab. Von den Flüffen ift keiner fchiffbar. Der grofse Handel des ganzen Gebietes concentrirt fich in Smyrna. Das füdliche oder taurifche Küftengebiet. Südöftlich vom vorigen zieht längs des mittelländifchen Meeres ein, gegen das nördliche Binnenland zu, durch die mit dem Ufer faft parallel laufende Tauruskette begrenztes, ziemlich fchmales Küftenland bis zum Akma- Dagh am Golfe von Alexandrette hin, wo fich die Küfte gegen Syrien zu fcharf nach Süden hinabbiegt, Diefes Gebiet umfafst Theile der Vilayete von Aidin, Konja und Adana, ( namentlich die Kreife Tekkè, Itfch, Il und Adana). Die Küftenentwicklung ift nicht mehr fo mannigfach, wie am ägäifchen Meere, aber noch immer ziemlich reich an Buchten, dabei allerdings arm an guten Häfen. Die Flüffe im weftlichen und mittleren Theile find kleine Küftenflüffe, nur der Gerenes- Tfchaj( Indus), Kodfcha- Tfchaj( Xanthus), Akfu( Ceftrus), KöprüSu( Eurymedon), Gökfu( Kalykadnus) find von diefen erwähnenswerth; bedeutender aber find im öftlichen Theile der Seihun( Sarus) und der Dfchihan( Pyramus), welche die Tauruskette durchbrechend, weit aus dem inneren Hochlande herabftrömen. Gröfstentheils reichen die Berge bis zur Küfte hinab, nur der öftliche Theil des Gebietes enthält eine gröfsere Ebene, die von Adana. Aufser diefer Ebene ift kein Theil diefes Gebietes von grofser commercieller Bedeutung, und unter allen anatolifchen Küftengebieten ift diefes jedenfalls am wenigften bekannt. Es läfst fich nur fagen, dafs die Gebirge Blei und Eifen enthalten und mit Wäldern von Pinien, Platanen, Steineichen, Oelbäumen, Lorbeer, Myrthen und dergl., theilweife wohl auch von Nadelholz bedeckt find, dafs in den Thälern der Maulbeer- Baum und der Weinftock, an der Küfte befonders die Südfrüchte, auch Datteln und fonftige Palmenfrüchte gedeihen, dafs Getreide, Tabak, Hanf, Flachs, Sefam, und in der Mitte, und( befonders im Often bei Adana) Baumwolle cultivirt wird, und dafs man im ganzen Gebiete auch viel Bienenzucht und Viehzucht, befonders Pferdezucht betreibt. Nur vom Kreife von Adana wird angegeben, dafs dafelbft jährlich bei 2 Millionen Kilé Korn, 1 Million Kilé Gerfte und 14 Million Kilé Sorgo, ferner 12 Million Kilé Sefam, 70.000 Cantar Baumwoll- Kapfeln und 40.000 Oka Tabak geerntet werden, letzterer( Tabak) nur für den Local confum, wogegen Getreide, Sefam und Baumwolle zum grofsen Theile exportirt werden. In den übrigen Gebietstheilen zufammen ift die Getreideproduction vielleicht ebenfo grofs, wie in Adana, fo dafs die Gefammtproduction an Cerealien etwa 5- bis 6 Millionen Kilé betragen mag. 34 Carl Sax. Die gefammte Baumwollen Production des Gebietes beträgt gegen 70.000 Ballen à 2½ Pfund gleich 170 bis 180.000 Centner. Die Induftrie ift nicht bedeutend, hauptfächlich auf Bekleidungsgegenstände und Teppiche befchränkt. Die Einwohner find gröfstentheils Türken mit Griechen und Armeniern gemifcht; die Seelenzahl kann nicht angegeben werden( vielleicht 8- bis 900.000?). Als Städte find zu erwähnen: An der Küfte: Makri, mit ziemlich lebhaftem Handelsverkehre nach Rhodus; Adalia, mit angeblich 10- bis 12.000 Einwohnern und bedeutendem Handel in Holz, Pferden und Sefamfamen; Alaja, mit angeblich 2000 Einwohnern; Merfina( Merfin), Exporthafen für Terfus und Adana; Pajafs, Kreis- Hauptftadt an der Oftfeite des Golfes von Alexandrette; dann etwas landeinwärts: Adanâ, Kilayets- Hauptftadt am Seihun mit höchftens 20.000 Einwohnern, wichtig durch Holz-, Wein, Getreide- und Baumwoll- Handel, mit einiger Teppichinduftrie etc.; Terfus( Tarfus), angeblich mit mehr als 20.000 Einwohnern(?), mit bedeutendem Baumwoll- und Schafwoll- Handel; weiter weftlich: Ermenek, Städtchen von 2- bis 3000 Einwohnern mit etwas Baumwoll- Cultur; und noch weftlicher in den Bergen; Almaly, mit vielleicht 10.000 Einwohnern und bedeutender Gerberei. Die Communicationen im Lande find faft durchwegs fchlecht. Der lebhaftefte Schifffahrts- Verkehr ift der mit Egypten, Meffina, wird auch von den ruffifchen Poftdampfern zwifchen Conftantinopel und Alexandrien berührt. Das füdweftliche Binnenland oder das Bergland des pifidifchen Taurus. Dort, wo der Taurus fich gegen die Mäanderquellen hin im Weften verliert, bildet er ein verworrenes Bergland mit Keffelthälern und theils falzigen, theils füfsen Binnenfeen, welch' Letztere wahrfcheinlich unterirdifch mit dem mittelländifchen Meere in Verbindung ftehen, fowie auch einige Flüffe( Akfu und Köpryfu) hier entfpringen und, die Tauruskette durchbrechend, jenem Meere zuftrömen. Als Grenzen diefes kleinen, zum Vilayet von Konja gehörigen und das Sandfchak Hamid oder Ifparta bildenden Gebietes kann im Süden die Tauruskette, im Norden der Sultan Dagh und, der Kaldyr Dagh bezeichnet werden. Von den Seen find namentlich der falzige See von Buldur und die Süfswaffer- Seen Gendfchely und Hawiran, fowie jener von Bejfcheher zu erwähnen. Die Berge fcheinen Eifen, Blei und Schwefel zu enthalten und find theilweife bewaldet. Es werden hier viele Droguen und Harze gewonnen; von Getreide wird hauptfächlich Korn und Gerfte gebaut; auch Viehzucht wird ftark betrieben, aber Näheres darüber ift nicht bekannt. Die Bevölkerung dürfte fich auf höchftens 300.000(?) Seelen belaufen und befteht gröfstentheils aus Türken, nebft Griechen und Armeniern. Die wichtigfte Stadt ift Sbarta oder Isparta, Kreis- Hauptftadt mit 10- bis 20.000 Einwohnern und bedeutendem Handel in Wolle, Häuten, Harzen und Droguen, auch mit einiger Induftrie in Silberfiligran und dergl. Aufserdem find zu erwähnen: Buldur oder Burdur, Egerdir und Beifcheher. Für Communicationen ift in diefem Gebiete fo viel wie gar nicht geforgt; der Verkehr gravitirt meift nach der Südküfte( Adalia), zum Theil nach Smyrna hin. Das centrale Hochplateau( Lykaonien oder Karamanien). Nördlich und öftlich vom vorbefchriebenen Berglande liegen tafelartige Hochländer( von mehr als 3000 Fufs Seehöhe), welche fich um den grofsen Salzfee Tus- tfchölly, um den durch den Kifildfcha- Su gefpeiften See von Erekly, und die Türkei. 35 durch einen Flufslauf verbundenen, gleichfalls abflufslofen Binnenfeen von Ilgün, Akfcheher und Eber gruppiren. Diefes Gebiet umfafst die zum Vilayet von Konja gehörigen Kreife von Konja und Nigde, und einen Theil des zum Vilayet Chudawendkjar gehörigen Kreifes von Afjun- Karahiffar und reicht von Sultan- Dagh und von der Tauruskette bis zu den Bergen Ardfchifch- Dagh, Karadfcha- Dagh und Kodfcha- Dagh. Der Waldwuchs verfchwindet in diefem Gebiete, der gröfste Theil des Bodens ift Salzfteppe, im Norden fogar Salzwüfte; gut angebaut ift nur der weftliche und füdliche Theil und einige Culturoafen finden fich im Often. Faft an der ganzen Südweft- Grenze wird Korn, Gerfte und Mohn, im Süden auch Baumwolle gebaut. Die ganze Getreideproduction kann auf nahezu 11 Millionen Kilé, die Opiumproduction auf faft 100.000 Oka veranfchlagt werden. Wichtig ift die Viehzucht, welche weit über 1 Million Schafe und Ziegen, mehrere hunderttaufend Rinder, über 100.000 Pferde und Efel und mehrere taufend Kameele liefert. Das jährliche in Konja gewonnene Ziegenhaar beläuft fich auf ungefähr 80.000 Oka. Die Einwohner find gröfstentheils Türken, im Often Kurdifche Nomaden, auch viele Griechen und Armenier, im Ganzen find es vielleicht 7- bis 800.000 Seelen. Die Induftrie ift nicht unbedeutend in Teppichen. Die Städte diefes Gebietes find: Karahiffar oder Afjun- Karahiffar, Kreis- Hauptftadt mit ungefähr 20- bis 30.000 Einwohnern, wichtig durch den Handel mit Opium, Krappwurzel, Galläpfeln, Wolle, Ziegenhaar und Getreide, fowie durch die Fabrication von Filzteppichen und Waffen; Konja, Vilayets Hauptftadt mit wenigftens 20.000 Einwohnern, bedeutend durch den Handel mit Ziegenhaar, Fellen und Häuten; Kara man mit 3- bis 4000 Einwohnern und ein wenig Baumwoll- Handel; dann Eregly, Nikdé, Akferaj, Akfcheher und Kotfchiffar. Gebaute Strafsen kommen in diefer Gegend nicht vor, aber von Konja und Karahiffar gehen wichtige Karawanenwege nach Smyrna und nach Conftantinopel, nach welch' beiden Handelscentren auch der Verkehr diefes Gebietes, ebenso wie nach der Südküfte feine Richtung nimmt. Das Hochland am oberen Halys. Nordöftlich an der Salzfteppe, nördlich vom 13.000 Fufs hohen ifolirten Erdfchifch Dagh( Argäus) und von Antitaurus bis zum Jyldis- Dagh und Tfchamly- Bel, welche das Thal des Jefchil- Irmak begrenzen und bis zum Kufch- Dagh nordweftlich von Halys, dann weftlich bis zum Elma- Dagh, erftreckt fich das Gebiet des oberen ( und mittleren) Kifil- Irmak oder Halys, das galatifch- cappadocifche Hochland. Diefes Gebiet befteht aus Theilen der Vilayete von Siwas, von Angora, von Konja und von Kaftamuny. Der Kifil- Irmak umkreift in weitem Bogen das mehr als 3500 Fufs hohe Tafelland von Bofuk, zu welchem auch das Flufsgebiet der in den Jefchil- Irmak mündenden Flüfschen Tfchikrik und Tfchöterlek gehört, und welches mit Ausnahme einiger Randgebirge, alfo auf einem Raume von 4- bis 500 QuadratMeilen faft von allem Baumwuchfe entblöfst, dagegen mit Süfsholz und Wachholder bedeckt ift. Der gröfste Theil des Bodens ift Steppe, meiftens Salz- und Gypsboden, hie und da aber durch cultivirte Stellen unterbrochen, und das Thal des Kifil- Irmak felbft ift zum Theile recht fruchtbar und leidlich angebaut; befonders der Weinftock und die Obftbäume, Aepfel, Birnen, Pflaumen, Weichfeln etc. gedeihen da in Ueppigkeit; auch Baumwolle wird dafelbft( in geringer Menge) cultivirt; von den Getreidearten kommen die meiften, befonders aber Weizen, Gerfte und Roggen vor; über die Menge der Production find nirgends Andeutungen zu finden. Von commercieller Wichtigkeit find die als Farbftoff verwendeten Kreuzbeeren oder Gelbbeeren, welche diefes Gebiet in grofser Menge producirt und 36 Carl Sax. zwar befonders bei Kaiffarieh und bei Kjangri( Tuhangri), und in denfelben Gegenden der Gummi- Adragant( über 40.000 Oka). Am Südufer des Kifil- Irmak ift der Boden vulkanifch und bei Urgub befonders von Höhlen durchwühlt und mit merkwürdigen Erdpyramiden bedeckt. An Minenproducten wäre befonders Blei und Silber vorhanden, deren Ausbeutung aber vernachläffigt wird. Sehr bedeutend ift die Gewinnung von Steinfalz und Binnenfee- Salz auf beiden Seiten des Kifil- Irmak, im Often bei Sary- Kamifch und im Weften, namentlich bei Djangri oder Tfchangri und bei Iskelib. Bei dem erftgenannten Orte findet fich gewöhnliches Steinfalz und fogenanntes Oelfalz und Spiegelfalz in einem 10 Stunden langen und 7 Stunden breiten, der öffentlichen Benützung preisgegebenen Bergwerke, wo jährlich bei 30.000 Pferdelaften Salz zu Tage gefördert werden. In derfelben Gegend und bei Iskelib befinden fich ferner viele Salinen oder kleine Salzfeen, aus welchen jährlich über 3 Millionen Oka Salz gewonnen werden. Die Viehzucht wird ftark betrieben, und es find befonders die Ziegen am linken Halys- Ufer zu erwähnen, welche fchon zur Gattung der berühmten Angoraziegen gehören, und werthvolles Haar( Mohair) für den Handel liefern. Die Induftrie ift unbedeutend, liefert befonders Shawls und Teppiche. Die Bevölkerung befteht gröfstentheils aus Türken, Turkomanen und herumziehenden Kurden, kaum zum vierten oder fünften Theile aus Griechen und wenigen Armeniern, und dürfte im Ganzen ungefähr 1 Million Seelen betragen. Die bedeutenderen Städte find: Siwas, Vilayets- Hauptftadt mit 33.000 Einwohnern, mit namhafter Fabrication von Shawls und Pfeifenrohren; Kaiffarieh, Kreis- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 30- bis 40.000 Einwohnern und Handel in Kreuzbeeren, Adragant, Schafwolle, Baumwolle und Teppichen; Urgup, Nevfcheher und Kirfcheher, kleine, zum grofsen Theile von Chriften bewohnte Städte, mit viel Obft- und Gartenbau; Jüsgatt, Kreis- Hauptftadt von Bofuk, mit 10- bis 15.000 Einwohnern; Tfchorum am Tfchöterlekflüfschen mit 5- bis 10.000 Einwohnern. Auf der linken Seite des Halys: Kjangrioder Tfchangri, Kreis- Hauptftadt mit 1- bis 15.000 Einwohnern, bedeutender Jahrmarkt, mit Handel in Kreuzbeeren, Adragant, Scamonia, Wolle, Ziegenhaar und Salz; Iskelib oder Skilip, wichtig durch feinen Jahrmarkt und feine Salinen; endlich die kleine Ortfchaft Japrakly( am Nordrande des Halys- Thales) mit einer grofsen Herbftmeffe. Durch diefes Gebiet zieht der wichtige Karawanen- und Poftweg von Kaiffarieh über Angora nach Ismid( refpective Conftantinopel) und die Strafse von Siwas über Amafia nach Samfun. Fahrbare Chaufféen exiftiren nicht. Das Binnenland am obereren und mittleren Sangarius( Sakaria). Das vom Sakaria durchftrömte Binnenland auf der Weftfeite des Halys hat zum Theil noch den Charakter der hohen Tafelländer im Often und im Süden, hat aber nur mehr eine mittlere Höhe von 2000 bis 2500 Fufs, ift fchon mehr Ketten- Gebirgsland, und geht weftwärts am Purfakfluffe in ein Stufenland über. Im Norden von Ifchik- Dagh und Ala- Dagh begrenzt, im Weften bis zum Thale des Gökfu und zum Dumandfchy- Dagh, im Südweften bis zum Murad- Dagh reichend, umfafst diefes Gebiet die Kreife von Angora und Kjutohia und einige Diftricte der Kreiſe von Bruffa und von Kodfcha- Ily. Im Norden und Weften find Waldungen auf den Grenzgebirgen, im übrigen Gebiete find nur fehr wenige Waldparcellen zu finden; das ganze füdöftliche Viertel ift Steppenland - die Steppe Heimaneh und auch das Centrum ift nur Weideboden. Diefe Gegenden find aber berühmt durch die Viehzucht, welche befonders die feidenhaarigen Angoraziegen, und die fettfchwänzigen Angorafchafe liefert Abarten, welche nur in diefem Hochlande gedeihen. - Türkei. 37 I Die Zahl der Ziegen in diefem Gebiete wird auf 1 Million, die der Schafe auf 3- bis 400.000 gefchätzt; das jährlich gewonnene Ziegenhaar( Tiftik oder Mohair) beträgt faft I Million Oka, und die Schafwolle 7- bis 800.000, wovon im Lande verbraucht wird. Auch Pferde und Rinder werden gezüchtet. Feldbau wird hauptfächlich, aber nur für den Localconfum in den öftlichen und weftlichen Thälern und. Ebenen betrieben und liefert Korn, dann Gerfte und Hafer, zufammen vielleicht 1 Millionen Kilé Getreidefrucht, aufser dem Reis, welcher hie und da am Sakaria cultivirt wird; im Norden wird auch Baumwolle cultivirt( zwifchen Angora und Ajafch, Beibafar, Gejwe und Lefka), wovon jährlich 15- bis 20.000 Ballen. à 3 Centner producirt werden, die gröfstentheils im Lande confumirt werden, ferner etwas Flachs und Tabak, und endlich wird faft im ganzen Lande Mohn gebaut, und Opium daraus fabricirt( jährlich 20- bis 30.000 Oka?). Auch wird im Often viel Gummiadragant gewonnen jährlich bei 12.000 Oka, und werden im Nordoften( bei Angora und Beibafar) jährlich bei 80.000 Oka Kreuzbeeren gefammelt. In den nördlichen Gegenden( bei Iftenas, Bileduhik, Geiwe u. f. w.) wird auch Seidenzucht betrieben. Obft und Wein kommen fehr felten vor. Die Gebirge enthalten Eifen, Kupfer und Steinkohlen( bei Kyutahia) und befonders Meerfchaum bei Eskifcheher. Die Induftrie ift ziemlich bedeutend in Baumwoll- und Seidenmanufactur ( befonders zu erwähnen der feine Stoff Cymatilis) und Anderes. Die Einwohner find zum gröfsten Theile Türken( auch Juruken), dann Armenier, Griechen und einige Kurden; im Ganzen etwa 7- bis 800.000 Seelen. Die wichtigften Ortfchaften find: Angora( Angra oder Egurich), Vilayet Hauptftadt mit vielleicht 40.000 Einwohnern(?), wichtig durch Webereien und Teppichfabrication und befonders durch den Export von Ziegenhaaren, Hafenfellen, Galläpfeln, Kreuzbeeren, Dragant und Opium; Iftanos oder Iftenas, kleinere Ortfchaft mit Webereien und Spinnereien; Ajafch, kleine Stadt( von 10- bis 20 000 Einwohner??) mit Baumwoll- Cultur; Bejbafar, mit Tiftik-, Opium- und BaumwollProduction; Sivrihiffar, mit Opium- und Tiftikhandel; Kyutahia, KreisHauptftadt mit 15- bis 20.000 Einwohner, mit bedeutender Leder- und Fayence Induſtrie und Export von Opium, Wolle und Ziegenhaar; Eskifcheher, kleine Stadt mit einem Handelsgerichte, wichtig durch ihren Meerfchaum- Handel, auch Opium, Wolle und Ziegenhaar exportirend; Billedfchik, kleinere Ortfchaft mit mehreren grofsen Seidenfpinnereien und Fabrication von Seidenfammt; Gejwe, kleine Ortfchaft mit Seidenfpinnereien, Baumwoll- und Opiumproduction. Diefes Gebiet fteht durch Poft- und Karawanenftrafsen mit Ismid, Karamurfal, Bruffa und Smyrna fowie mit Kaiffarieh Siwas etc. in Verbindung; Fahrftrafsen gibt es nicht, aber die Eifenbahn von Ismid foll bis Angora und bis Kyutahia fortgefetzt werden. Der Handelsverkehr geht nach Smyrna und Conftantinopel. Das mittlere nördliche Küftengebiet am fchwarzen Meere ( Paphlagonien). Zwifchen dem Sakaria und dem Kifil- Irmak liegt im Norden ein breites, ziemlich einförmiges Küftenland, deffen weftlicher Theil das Stromgebiet des Filjas( Billäus) umfafst, während der öftliche Theil von den Nebenflüffen des Kifil- Irmak, Gök- Irmak und Dewerek Dfchaj, durchftrömt wird. Die vielen kleinen Küftenflüffe bedürfen keiner Erwähnung. Die Südgrenze bildet der Gebirgszug des Kufch-, des Ifchik-, des Ala- und Karmaly- Dagh. Der Umfang diefes Gebietes entſpricht dem des Vilayets von Kaftemuny mit Ausfchlufs feines füdöftlichen Theiles und mit Hinzufügung kleiner Diftricte der beiden Nachbarländer Kodfchadly und Dfchonik. Das Land ift faft durchwegs ein Gebirgs 38 Carl Sax. land, und reich an Wäldern von Fichten, Eichen und Obftbäumen, an der Küfte auch hie und da mit Buchsbaum bewaldet. Die gröfsten Waldungen liegen in der füdlichen Bergkette, in den Randgebirgen des Filjasthales und in den öftlichen Gegenden. Officiell exiftiren im Vilayet von Kaftamney, mit Ausfchlufs des füdöftlichen Sandfchaks von Kjangri, 197 Wälder, worunter allein im kleinen Bezirke von Safranboly 35 mit einer Gefammtlänge von 46 und einer Breite von 41 Stunden, und im Bezirke von Eratfch 38 Wälder mit einer Gefammtlänge von 30 und Breite von 22 Stunden u. f. w. Die Thäler und einige Küftenftriche find angebaut, und zwar am beften, wie es fcheint, die Thäler des Dewerek Tfchay und des GökIrmak mit Korn, Weizen und Mais, und gleichwie die Gegend von Geredeh, mit Reis; aufserdem wird Flachs in den mittleren und füdlichen Gegenden, Safran namentlich bei Safranboly, Mohn und Sefam befonders im Süden, Tabak im NordOften, und an einzelnen Stellen in Süden und Weften bei Tfcherkefch und bei Düsdfche gebaut, hie und da, befonders im Often auch der Weinstock, und faft im ganzen Lande der Maulbeer Baum cultivirt, ohne dafs jedoch die Seidenzucht bisher ein bemerkenswerthes Ergebniſs gehabt hätte. Die Productionsmengen find nicht bekannt, nur liefse fich aus dem Zehent, welcher im Vilayet von Kaftamuny 13 Millionen Piafter beträgt, ein Grunderträgnifs von ungefähr 5 Millionen Kilé Getreide für das befprochene Gebiet berechnen, was aber ein fehr unverlässliches Refultat ift. Im ganzen Lande wird auch viel Schaf- und Ziegenzucht betrieben; von Schafwolle wird jährlich ein Quantum von etwa 200.000 Oka, und von Mohair- Ziegenhaar aus Kaftamuny, Gredeh und Tfcherkefch, welches dem der Angoraziegen gleich gefchätzt wird, 2- bis 300.000 Oka erzeugt. Auch die Bienenzucht ift nicht unbedeutend. Der Bergbau liefert vorzüglich Kupfer, und zwar jährlich bei 30.000 Oka, in den Minen von Bakyr- Küreffy( Kürré), und befonders wichtig find die Steinkohlen- Lager von Erekly, aus welchen jährlich 2 bis 2 Millionen Centner Steinkohle gewonnen werden, welche faft diefelben Eigenfchaften wie die Newcaftler Kohle befitzt. Auch Lignite kommen am unteren Sakaria vor. Die Induftrie befchäftigt fich viel mit der Gerberei und dem SchmiedeHandwerke. Die Einwohner diefes Gebietes find weitaus zum gröfsten Theil Türken, ungefähr 750.000, und nur gegen 12.000 Griechen und 2000 Armenier. Die bedeutentften Ortfchaften find: Am fchwarzen Meer: Erekly, oder Bender Erekly, kleines Städtchen, wichtig durch feine oben erwähnte Steinkohlen- Production, fowie durch den Export von Saffian- und Maroquinleder; Bartan oder Parthen, kleiner Exporthafen für Bauholz und Safran; Ine boly kleine Stadt mit Agenten der türkifchen, öfterreichifchen, franzöfifchen und ruffifchen Dampffchifffahrts- Gefellſchaften, wichtig als Scala für Kaftamuny und durch den Export von Bauholz, Ziegenhaar, Wolle, Kreuzbeeren, Wachs, Hanf, Galläpfeln, Safran, Ziegen- Marderfellen etc.; Ajandon, Flecken mit einer Septembermeffe; Sinup oder Sinope, befeftigte Hafenftadt mit 6- bis 8000 Einwohnern, Kreis- Hauptftadt, bedeutend durch Holzexport, aber ftark herabgekommen und nur mehr von den türkifchen Poftdampfern befucht; Gerfeh, kleiner Hafenplatz mit etwas Holzexport; dann im Innern: Bolly, Kreis- Hauptftadt( mit wahrfcheinlich weniger als 10.000 Einwohnern, ob wohleine türkifche Geographie deren 20.000 angibt, fie hat nur 335 Kaufläden und 20 Mofcheen) mit einem 14tägigen Jahrmarkte in September und mit heilfamen Mineralquellen in der Umgegend; Geredeh, kleines Städtchen mit Lederfabrication und Ziegenhaar- Export; Safranboly, gröfseres Städtchen, merkwürdig durch feinen ausgedehnten Safranbau; Kaftamuny oder Kaftam bûl, Vilayets- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 15- bis 20.000 Einwohner, 18 Stunden vom fchwarzen Meere entfernt, mit einer Auguftmeffe, mit lebhafter Induftrie in Baumwoll- Weberei, Kupferfchmied- Arbeiten, Ledergerberei, Waffen- und Segeltuch- Fabrication; auch wichtig durch den Ziegenhaar- Handel; Bakir Kürreffy( Baky r) das heifst Kupfermine, bedeutende Türkei. 39 Ortfchaft, fogenannt von dem dabei befindlichen, oben erwähnten Kupfer- Bergwerk Bojabad, Städtchen mit einer Septembermeffe; Tuffia, Städtchen mit bedeutender Gerberei, Fabrication von Maroquin und Baumwoll- Stoffen, mit einer Septembermeffe. Diefes Gebiet ift von der Conftantinopler Poftftrafse( Ismid- Takat) durchzogen; fahrbahr find nur einige Strecken der Strafsen, welche Kaftamuny mit Ineboly und mit Kjangri verbinden. Der Handel gravitirt nach Conftantinopel hin; auch Transit aus dem Innern findet durch diefes Gebiet ftatt. Die Schifffahrt ift mittelmäfsig. Das nordöftliche Küftenland am fchwarzen Meere( Pontus). Oeftlich vom Halys zieht fich ein fchmales, reich bewäffertes, ebenfalls einförmiges Küftenland bis zur ruffifchen Grenze im öftlichften Winkel des fchwarzen Meeres hin, welches gegen die Landfeite von dem nur durch die Flüffe Jefchil Irmak( Iris), Charfchut(?) und Tfchoruk durchbrochenen, in der Mitte bis 700 oder 800 Fufs hohen pontifchen Gebirge, mit dem Meeresufer parallel begrenzt ift. Diefes Gebiet bildet das Vilayet von Trapezunt ohne die im Süden liegenden Bezirke von Gömüfchchané und Nikar. Es ift gröfstentheils Gebirgsland, indem die Berge faft überall bis ans Meer reichen; nur im Weften, zwifchen dem Jefchilund dem Kisil- Irmak ift die Meeresküfte mehr flach und auch fumpfig. Die Gebirge enthalten Blei, namentlich zwei Minen bei Ordu mit 2 Percent Silbergehalt, dann Eifen( bei Unia und Kürtinköj) und etwas Kupfer( bei Tripoli), wahrfcheinlich auch Steinkohlen( ebenfalls bei Tripoli). Eifenhältige Quellen find fehr zahlreich( namentlich bei Kowata und Jumrah etc.). Grofs ift der Waldreichthum des Landes auf den Abhängen der Hochgebirge, wo die Eiche und die Fichte vorherrfchen, aber von einer Forftcultur keine Rede ift und viele Wälder faft vernichtet wurden. Auch Buchs- und Lorbeerbäume, Nufs-, Feigen- und überhaupt Obftbäume, Citronen-, Granaten und dergl. find fehr häufig; befonders vorzüglich gedeihen Kirfchen, Pfirfiche und Hafelnüffe. Der Weinftock wird wenig cultivirt, er wächft baumhoch, trägt aber unbedeutende Trauben. Nur bei Liwana und Tripoli wird Wein erzeugt, höchftens 10.000 Oka im Jahre. In den Thälern wird Feldbau betrieben, der etwa 800,000 bis 900.000 Kilé Mais, 70.000 bis 80.000 Weizen, 60.000 bis 70.000 Hafer, 40.000 bis 50.000 Gerfte, 30.000 bis 40.000 Reis und 10.000 bis 12.000 Kilé Roggen und etwas Hirfe, im Ganzen kaum über eine Million Kilé Getreidefrucht und dazu noch 70.000 bis 80.000 Oka Fifolen trägt. Auch Flachs und Hanf werden gebaut( Ernte über eine halbe Million Oka). Von Bedeutung ift der Tabakbau, befonders bei Bafra und Samfun, wo jährlich bei 2,200.000 Oka( Werth zwei Millionen Gulden) und bei Trapezunt und Platana, wo 1,300.000 Oka( Werth eine Million Gulden) Tabak geerntet wird. An fonftigen Bodenproducten find Sabadilla( für Infectenpulver), Salep, Dragant und Farbhölzer zu erwähnen. Zur Seidenzucht wurden erft in den letzten fechs Jahren fehr viele Maulbeer- Bäume in Vilayet angepflanzt. Die Viehzucht liefert bei 400.000 Schaf und Ziegenfelle, bei 40.000 Oka Ziegenhaar, worunter faft der vierte Theil koftbares Tiftik. Auch viele Felle( von Mardern, Hafen, Füchfen und dergl.) werden gewonnen und exportirt. Die Induftrie ift bedeutend in Leinwand, Seilen, Fifchnetzen, Teppichen, Shawls( zur landesüblichen Kleidung), Strumpfwirkerei u. f. w. Die Bevölkerung beträgt ungefähr 860.000 Seelen, worunter etwa 740.000 Mohamedaner, 100.000 Griechen und 20.000 Armenier; die Mohamedaner find theils Lafen, theils Turkomanen, Tfcherkeffen und Osmanen. Die wichtigeren Städte find( fämmtlich an der Küfte): Die Vilayets- Hauptftadt Trapezunt( Tarabusun) mit 32.000 Einwohner, mit vielen Confulaten und fremden Poftämtern, mit bedeutender Induftrie in Metallwaaren, in Silber 40 Carl Sax. und Goldfiligran, in Seilerwaaren u. f. w. wichtiger Tranfitplatz für Perfien; öftlich davon Rife, kleines Städtchen in Lofisftan mit berühmter, feiner LeinwandFabrication( jährlich 130.000 Stück à 3 Ellen), wovon ein Theil im Werthe von circa 170.000 fl. exportirt wird; Batum, Kreis- Hauptftadt mit höchftens 2000 Einwohnern, Landungsplatz der von Trapezunt nach Poti( in Kaukafien) fahrenden Dampffchiffe; dann im Weften von Trapezunt: Kerasunt( Kiresûn), Ordu und Unich mit beiläufig je 4000 Einwohnern, Stationen der türkifchen Poftdampfer, Ordu insbefondere wichtig durch Teppich Fabrication( jährlich über 15.000 Stücke) und Samfun, Kreis- Hauptftadt mit 6000 bis 7000 Einwohnern, Sitz mehrerer Confularämter, wichtiger Exportplatz für Amafia und den ganzen nordöftlichen Theil des inneren Kleinafiens, bedeutend auch durch Tabakproduction und Blutigelfang; endlich etwas landeinwärts am Jefchil- Irmak Tfcharfchamba mit 5000 bis 6000 Einwohnern Tranfitfcala für Niskar etc. und am Kifil- Irmak: Bafra mit 4000 bis 5000 Einwohnern und wichtigen Tabakproduction. Die Hauptcommunication diefes Landes ift der Seeweg längs der Küfte; ferner geht von Samfun eine faft fahrbare Strafse nach Amafia und von Trapezunt eine im Bau begriffene Strafse nach Erferum, welche dem perfifchen Handel dienen foll, aber durch die kaukafifche Eifenbahn einen gefährlichen Concurrenten erhalten hat. Das pontifche Hinterland. Südlich von der pontifchen Gebirgskette liegt ein ebenfalls langgeftrecktes, fchmales Bergland, welches die Quellflüffe des Jefchil- Irmak, des Charfchut(?) und des Tfchoruk enthält und gröfstentheils aus mit der Gebirgskette parallel laufenden Thälern befteht, welche eben von den obgenannten Flüffen und von dem Germejly oder Kalkyt- Tfchaj und dem Tofanly- Su, Hauptquell- Flüffen des Jefchil Irmak durchftrömt find, ohne durch hohe Wafferfcheiden von einander getrennt zu fein. Im Süden ift diefes gefammte Thalgebiet( deffen Länge faft 150 Meilen beträgt) durch das Bofuk- Plateau, den Tfchamly- Bel, Jildys- und KöfchDagh, dann durch den nordarmenifchen, die Wafferfcheide gegen den oberen. Euphrat hin bildenden Antitaurus( mit den 9000 bis 10.000 Fufs hohen Bergen. Kop- und Gök- Dagh etc.) und im Often durch die das Aras- und Kur- Gebiet abfchliefsenden Gebirge( Soghanly- und Kanly- Dagh etc.) begrenzt. Es umfafst die nördlichen Theile der Vilayete von Siwas und von Erferum und den füdlichen Theil des Wilajets von Trapezunt( Nikfar und den Kreis von Gömüfchhané). Der Waldreichthum der Gebirge ift in diefem Gebiete noch immer grofs und befteht befonders in Buchen, Fichten und Ulmen, aber er ift fchon weit geringer als an der Nordküfte, denn es beginnen hier fchon die kahlen Plateaux und Felfengebirge. Verhältnifsmäfsig der gröfste Reichthum diefes Landes befteht in Obft; berühmt find die Aepfel von Amafia, die Birnen von Gömüfchhané u. f. w.; die tieferen Thäler gleichen Obftgärten und die Obftbäume bilden Wälder an den Gebirgsabhängen. In den höheren Gegenden ift aber die Vegetation defto fpärlicher. Viel Getreide wird nur in den weftlichen Landestheilen gebaut, im Often faft nur Mais und befonders Reis( im Tfchorukthale, aber auch weftlich am Germejly). Die Productionsmenge ift nicht bekannt; mit Rückficht darauf, dafs die Productions- Verhältniffe im öftlichen Theile denen des Küftenlandes ähnlich find, und dafs der Zehent in den weftlichen( zu Suros gehörigen) Kreifen Karahiffar und Amafia faft 612 Millionen Piafter beträgt, kann man die gefammte Getreideproduction auf etwa 14 Million Kilé veranfchlagen. In Weften wird auch Baumwolle( bei Ladik und Amaffia etc.), Krapp, Wein, Sefam, Mohn, Tabak und der Maulbeer- Baum cultivirt; Seiden- und Bienenzucht wird ebenfo betrieben, wie Schaf und Ziegenzucht. Der Bergbau könnte reichlich Erz, Eifen, Kupfer, Blei und Silber zu Tage fördern, wird aber fehr wenig betrieben. Bei Merfifun wird Türkei. 41 wohl auf Kupfer gebaut und im Kreife von Karahichar find zwei Bleibergwerke im In der Nähe Betriebe, welche jährlich an 600 bis 800 Pfund Silber liefern. dort wird auch Alaun gewonnen. Die Induftrie ift im Süden und Weften bedeutend in Teppichen, Filzdecken, Strumpfwirkerei, Seidenftoffen und Kupfer. Die Einwohner find Turkomannen, Lafen, Armenier, Tfcherkeflen, Griechen, Kurden. und Osmanen, im Ganzen vielleicht 800.000 bis 900.000 Seelen. Die wichtigften Ortſchaften find Amafia, Kreis- Hauptftadt mit 16.000 Einwohnern, mit bedeutender Seideninduftrie, in gut angebauter Umgebung gelegen; nördlich davon die kleinen Städte Osmandfchik, Vefirköpry, Merfivan ( Merfifûn) und Ladik; öftlicher das Städtchen Sile, wichtig durch feinen Jahrmarkt; dann Tokat mit 25.000( nicht 50.000 bis 100.000!) Einwohnern, mit Seiden und Leinwand- Induftrie, befonders wichtig aber durch feine Kupferfchmied- Arbeiten, zu welchen es das Kupfer von Arganâ- Madèn( inKurdiftan) bezieht. Nikfar, Stadt von 5- bis 10.000 Einwohnern; Scharky- Karahiffar oder Schabchané- Karahiffar( d. h. das öftliche oder Alaun- Karahiffar zum Unterfchiede von Añun- Karahiffar im Vilayet von Chudawendkjar), Kreis- Hauptftadt von 10- bis 12.000 Einwohnern mit Baumwoll- Webereien und Färbereien; Kälkyt, kleine Ortſchaft, wichtig durch die Fabrication von Teppichen, wovon jährlich im Durchfchnitte 150 grofse( à 3- bis 400 Piafter) und 500 kleine( à 100. bis 150 Piafter) erzeugt werden; Gömüfchhane, Kreis- Hauptftadt von ungefähr 5- bis 6000 Einwohnern, fo benannt( ,, Silberhaus") nach ihrem vor wenigen Jahren wieder aufgelaffenen Blei- und Silber- Bergwerke; Baiburt, fehr hoch gelegenes Städtchen mit 4- bis 5000 Einwohnern, mit Seidenwebern und Goldteppichftickern. Die Communicationen gehen von diefem Gebiete hauptfächlich zur Küfte, vor Allem die Strafsen von Amafin nach Samfun, und von Baiburt nach Trapezunt, dann die fecundären Wege über das Gebirg und im Tfchoruk- Thale bis zur Küfte. Nach Innen find die Hauptcommunicationen die nach Erferum, Siwas und Kyangri. Das taurifche Hochland im Südoften Kleinafiens. Zwifchen dem Taurus, dem Antitaurus, und dem oberen Euphratthale liegt ein Hochland, das im Südweft von den Gebirgsketten Bimbogha Achyr, und Kanly- Dagh durchzogen wird, in der Mitte ein Tafelland bildet, welches Ritter das Hochland von Malatie nennt, und gegen Often in kurzen Stufen zum Euphrat hin abfällt. Diefes Gebiet enthält die oberen Flufsläufe der in das mittelländifche Meer mündenden Ströme Seihun( mit dem Seran) und Dfchihan( mit dem Churma und Ak Su), fo wie der in den Euphrat mündenden Flüffe Tochma und Kamer. Es umfafst Theile der Vilayete von Siwas, Diarbekr, Adana und von Alep( den Kreis Meraafch). Es ift ein fehr wenig bekanntes Gebiet, über deffen Productionsverhältniffe faft gar nichts zu fagen ift, als dafs es im Weften bewaldet, im Uebrigen aber auf allen Höhen kahl ift, und in den Thälern, fowie in den füdlichen Hochebenen Feldfrüchte( befonders Weizen und Gerfte) im Südoft auch etwas Baumwolle, und( befonders bei Meraasch) viel Kreuzbeeren, Galläpfel und Scammoneen, dann im Allgemeinen viel Obft( und befonders Melonen im Often) producirt, ferner dafs es viel Weideland für die Viehzucht enthält und dafs in einigen Gegenden Seidenzucht betrieben wird. Die bedeutendfte Stadt diefes Landes, welches kaum 300.000 Einwohner( meiftens Turkommanen, Kurden und Armenier) beherbergen dürfte, ift ganz im Süden Meraafch( mit angeblich 20.000 Einwohnern), dann find noch zu erwähnen: Hadfchin, Albiftan und Görün; letztere mit bemerkenswerther Tuch- Shawlfabrication. Was die Communication diefes Gebietes betrifft, fo bildet es den Uebergang von Kleinafien nach Armenien, Kurdiftan und Mesopotamien, und wird von der Poftftrafse durchzogen, welche von Siwas nach Mofful führt. Der Verkehr der füdlichen Landestheile gravitirt nach Adana und nach Aleppo. 42 Carl Sax. Syrien. Nordfyrien. Zwifchen dem mittelländifchen Meere und dem Euphratthale liegt im Norden, von den die Südgrenze Kleinafiens bildenden Ausläufern des Taurus. begrenzt, füdwärts bis zum nördlichen Fufse des Libanon und des Antilibanon hin, das Gebiet von Nordfyrien, welches den füdlichen und öftlichen Theil des Vilayets von Alep und den nördlichften Theil des Vilayets von Damask umfasst. Das Hauptgebirge diefer Gegend ift der Dfchebel- Nuffairieh, der weder wegen Wald- noch wegen Metall- Reichthum eine befondere Erwähnung verdient. Diefes Gebirge bildet die linke Wafferfcheide des Nahr- el- Afy oder Orontes, deffen Thalgebiet gleich dem Küftenlande, und einigen Gegenden im Innern fich der gröfsten Fruchtbarkeit erfreut. An der Küfte, befonders bei Latakia wird viel Weizen gebaut, wovon in ganz Nordfyrien jährlich 100- bis 150.000 Kilé geerntet werden. Von Gerfte aber werden nur in den füdlicheren Diftricten diefes Gebietes( Latakia, Homs, Hama) bei 150.000 Kilé producirt. Auch Reis und Safran werden cultivirt. An der Küfte bei Latakia wird der auch unter dem Namen Abu Riha bekannte Tabak gebaut, von welchem im Jahre 1872 über 520.000 Oka geerntet wurden. In einigen Gegenden( befonders bei Latakia) findet Weinbau ftatt, und ebenfo wird im Innern des Landes( bei Idlip, El Halak und Killis) und an der Küfte bei Latakia auch Baumwolle cultivirt( jährliche Production 6- bis 7000 Centner). Im oberen Orontesthale wird auch Sefam und Krapp gebaut, und am unteren Orontes auch Seidenzucht betrieben, welche aber nichts für den Export liefert; Oliven kommen befonders an der unteren Küfte und Piftazien im Innern, bei Aleppo und Aintab vor( jährlich 4- bis 500.000 Oka). Als Producte der Waldgebirge an der Nordgrenze find die Galläpfel von Killis und Aintab zu erwähnen. An der Küfte wird Schwammfifcherei betrieben. Die Viehzucht, mit der fich befonders die Nomadenftämme an der Oftgrenze befchäftigen, liefert Lamm-, Kitz-, Schaf- und Ziegenfelle, fowie Schafwolle, welche die befte von ganz Syrien ift, und wovon jährlich bei 5000 Centner( in Nordfyrien) gewonnen werden. Die Induftrie befchäftigt fich befonders mit der Fabrication von Mänteln, Teppichen und halbfeidenen Kopftüchern. Die Einwohner find etwas über eine halbe Million Seelen, zum gröfseren Theile Araber, zum Theil auch Kurden, Turkomanen, Armenier und Osmanen. Die wichtigften Ortfchaften find: Im Innern Halep oder Aleppo( Alep), einft eine riefige Stadt, feit dem letzten Erdbeben noch immer 50- bis 60.000 Einwohner zählend, Vilayets- Hauptftadt, Sitz einiger Confularämter, wichtig als Handelscentrum der im Norden und Often angrenzenden Gebiete, und befonders als Weltmarkt; auch bedeutend durch feine Induftrie in Seife, Seilerwaaren, Seidenftoffen, Goldbrokaten, Goldfchnüren und Silberarbeiten; Killis mit 5- bis 6000 Einwohnern, bemerkenswerth durch feine Baumwollwaaren, Pferdegefchirre und vorzügliches Oel, Aintab, deffen Einwohnerzahl zwifchen 12- und 40.000(!) angegeben wird; Idlib, mit 6- bis 7000 Einwohnern, Färbereien und bedeutender Seifenfabrication und Seifenhandel, dann am unteren Orontes: Antakia( Antiochia) als Stadt noch mehr herabgekommen, als Aleppo jetzt, mit höchftens 17- bis 18.000 Einwohnern; Iskenderûn oder Alexandrette, kleine Ortfchaft am gleichnamigen Meerbufen, wichtig als die Hauptechelle für Aleppo und als der dem Euphrat am nächften liegende Hafen des mittelländifchen Meeres, daher auch als Endpunkt der künftigen Euphratbahn in Ausficht genommen, welches Project jedoch in dem fteilen Küftengebirge Schwierigkeiten findet; das Dorf Suwedieh oder Seitunly am Mittelmeere, nur als Hafen Türkei. 43 platz für Antakia zu erwähnen; das Städtchen Ladikieh oder Latakia, 6- bis 8000 Einwohner, wichtiger Exporthafen für Nord- Syrien, auch berühmt durch feinen Tabak, Hamah( angeblich 7- bis 30.000 Einwohner) mit bedeutender Fabrication von baumwollenen Mänteln, und Halbfeiden- Stoffen; Höms( mit angeblich 20.000 Einwohnern?) mit gleicher Induftrie, wie das vorgehende, und befonders lebhaft betriebener Weberei. Die Communicationen find im Lande fehr primitiv, es beftehen nur Reitwege für Karawanen und für die Poft, welche den Norden nach Damaskus hinab durchzieht. Zur See werden Latakia und Iskenderun von den ruffifchen und franzöfifchen Poftdampfern auf der Route nach Egypten berührt. Die gröfste Wichtigkeit hat diefes Gebiet als die natürliche Brücke zum Euphratthale hin. Die mittlere Küfte und das Libanongebiet. Im Süden des vorigen Gebietes fetzt fich die Küfte nach einer geringen Einbuchtung in einer nur unbedeutend mehr gegen Weften abweichenden füdlichen Richtung faft geradlinig fort, und fchon nahe am Meeresufer fteigt der Boden aufwärts bis zur Höhe des Libanon oder Libnân( 7- bis 9000 Fufs), um fich dann in das( circa 3000 Fufs hohe) Thal Bekaa( Coelesyrien) hinabzufenken und jenfeits desfelben im Antilibanon fich wieder über 4000 Fufs( in den Gipfeln fogar über 9000 Fufs) zu erheben. Im Thale Bekaa entſpringen der Asy( Orontes) und der Litani( Leontes), welcher die Südgrenze gegen Palästina bildet. Diefes kleine Gebiet umfafst der Sandfchak von Beirut, einige Diftricte der Kreife von Tarabulus und von Damask und das Gouvernement des Libanon. Die obgenannten Gebirge enthalten Kohle und Eifen, namentlich Kohlengruben im Bezirke Metn, dann ebendort( bei Merdfchibâ) ein Bergwerk, wo Spathund Braun- Eifenftein und in Keffawan eines, wo braunes Eifenhydrat gewonnen wird, aber diefe Bergwerke find ganz vernachläffigt. Auch im Barukthale findet fich Thon- Eifenftein; im Antilibanon wird Erdpech gewonnen. Von Wäldern haben. diefe Gebirge faft nichts mehr zu bieten. Soweit aber der fruchtbare Boden reicht, gedeihen der Maulbeer- Baum, der Oelbaum und Weinrebe, wie in den Thälern auch alle Südfrüchte. Aufserdem find das Thal Bekaa und der Küftenftrich auch gut angebaut und produciren hauptfächlich Weizen und Gerfte und im Libanon, befonders im Diftricte Kura wird Tabak cultivirt, welcher unter dem Namen Kuranî und Dfchebeily bekannt ift( letzterer von der Ausfuhr- Scala diefes Namens); auch im füdlichften Theile des Libanon, in Schekif, wird Tabak producirt( und zwar im Jahre 1872 von diefem 400.000 und von Dfchebeily 100.000 Oka). Sefam wird an der füdlicheren Küfte bei Saida, das Zuckerrohr bei Beirut und Saida, Piftazienbäume werden bei Beirut, Oelbäume an der ganzen Küfte, und Baumwoll- Staude verfuchsweife bei Sur und Saida cultivirt. An diefer Küfte wird ebenfalls Schwammfifcherei betrieben( befonders bei Batrun). Die Seidenzucht wird im ganzen Gebiete des Libanon, und befonders an deffen weftlichem Abhange gegen Beirut hin fehr fleifsig betrieben. Von SeidenraupenSamen werden dafelbft über zwei Millionen Gramm erzeugt. Es find im Lande 66 Spinnereien, wovon 64 am weftlichen Libanon und im Weichbilde von Beirut. Als Product der Viehzucht find namentlich die Rindshäute von Wichtig. keit( es werden davon jährlich 30- bis 40.000 Stück exportirt). Die Induftrie liefert hauptfächlich Seidenftoffe, insbefondere im Durchfchnitte jährlich 160 Stück Surati( Seidenft off nach indifcher Art), 66.000 Kopftücher( Keffiehs), 18.000 Gürtel, 15.000 Pantoffel, 4000 Kiffen von Seide und häufig mit Goldftickerei, im Gefammtwerthe von 16 bis 17 Millionen Piafter, dann 4000 Stück Abamäntel und 2500 Stück Möbelftoffe, theils aus Seide, theils aus Wolle und Baumwolle, ebenfalls häufig geftickt, im Gefammtwerthe von 3 bis 3 Millionen Piafter, fonftige Woll- und Baumwollftoffe, dann Teppiche u. f. w. 44 Carl Sax. Die Bevölkerung befteht aus ungefähr 350.000 Einwohnern, worunter angeblich 170.000 Maroniten( Katholiken), die anderen Drufen, griechifch orthodoxe Syrier, Motualis und Osmanen( wenige). Als commercielle und induftrielle Orte find zu erwähnen: An der Küfte ( von Norden nach Often) Tripoli( di Soria) oder Tarabulus efch- Scham mit 6000 Einwohnern und mit einem der beften Häfen Syriens, wichtig als Echelle für das obere Orontesthal und auch durch feinen Schwammhandel und durch feine Seidenfilatur bedeutend; Dfchebeil, kleiner Exportplatz, befonders für den Libanontabak; Beirut, der Haupthafen von Syrien, befonders für Damascus, obwohl für die Schiffe nicht günftig, doch in Auffchwung begriffen, und jährlich von beiläufig 300 Dampfern und 3000 Segelfchiffen( mit zufammen 2. bis 300.000 Tonnen) befucht, zugleich Kreis- Hauptftadt, mit wahrfcheinlich 60- bis 70.000 Einwohnern, mit vielen Confulaten, auch wichtige Induſtrieftadt durch vier grofse Seidenfpinnereien( wovon drei mit Dampfbetrieben) und viele Webftühle, welche befonders feidene Kopftücher, Gürtel, Pantoffel, Kiffen und fogenannte Suratiftoffe erzeugen, dann auch durch Töpferei und durch Gold- und Silberarbeiten; dann Saida mit 5- bis 6.000 Einwohnern und einer Seidenfilatur; ferner im Innern am Libanon: Deir el- Kamr mit angeblich 8000(?) Einwohnern, mit Seidenzucht und Webftühlen, welche Surati, Keffichs und Gürtel erzeugen; Suk, Dorf mit bedeutender Fabrication von feidenen, wollenen und baumwollenen, gewöhnlich goldgeftickten Mänteln( Abas) und Möbelftoffen, und endlich Sahleh, Fleckchen von 4000 Einwohnern, bedeutend als Viehmarkt. An Communicationen befteht namentlich eine fahrbare Strafse von Beirut über den Libanon nach Damascus. An der Küfte werden befonders Tripoli und Beirut von allen die fyrifche Küfte befahrenden Poftdampfern frequentirt. Paläftina. Paläftina ift der füdliche Theil des fyrifchen Küftenlandes mit dem Jordanthale fammt den Seebecken des fogenannten todten Meeres und des galiläifchen Meeres, das heifst beffer gefagt, des Asphaltfees und des Sees von Genefareth. Die Küfte zieht faft geradlinig weiter, wie fie im Norden begonnen, das Bienenland ift aber nicht mehr ein Hochgebirgs- Land wie das Libanongebiet, fondern ein Hochplateau. Der Boden liefert Salz am Ufer des rothen Meeres und eben dort Erdpech( höchftens 2000 Oka im Jahre). Von Wäldern ift auch hier, aufser in einigen nördlichen Gegenden, wenig vorhanden, doch find Oel, Feigen- und Maulbeer- Bäume, Citronen- und Orangenfträuche, Balfam- und Myrrhenbäume, fowie Dattelpalmen zahlreich verbreitet. Jaffa, Nablus und Gafeh find von Orangengärten umgeben. Befonders bei Safet, Nafareth und Nablus werden jährlich gegen fünf Millionen Oka Olivenöl gewonnen. Bei Acca, Dfchenin, Caifa, Sur, Nablus und Samaria wird die Baumwoll- Staude gepflanzt und werden jährlich über 1000 Ballen Baumwolle producirt und exportirt. An Cerealien werden jährlich 8. bis 900.000 Kilé Weizen, 7,800.000 Gerfte und 2- bis 300.000 Kilé Durrah ( eine Art Hirfe) geerntet. Auch Sefam wird gebaut und der Weinftock cultivirt, desgleichen Zuckerrohr und Indigo im Jordanthale und Tabak befonders bei Nablus. Die Viehzucht ift nicht bedeutend und ebenfowenig die Induſtrie. Die Einwohnerzahl diefes, zum Vilayet Soria gehörigen Kreife von Jerufalem, Akka und( zum Theil) Belka umfaffenden Gebietes beträgt etwa 300.000 Seelen( Syrer, Israeliten, arabifche Beduinen, Osmanen u. f. w.). Die wichtigften Städte find: An der Küfte von Norden nach Süden: Sur mit 4000, Akka oder St. Jean d'Acre mit etwa 8000, Haifa oder Keifa mit 3- bis 4000 Einwohnern, Jafa, bedeutender Exportplatz, mit 12.000 Einwohnern und mit Türkei. 45 einigen Confularämtern; dann nahe der Küfte Gafa( Gazza) mit angeblich 30.000 Einwohnern(?), bedeutend durch Baumwoll- Weberei und Seifenfiederei, fowie wenigftens in früheren Zeiten als Marktplatz für die durch die Beduinen den Mekkakarawanen abgenommenen Stoffe. Im Innern: Jerufalem, El- Kuds oder Kuds i- fcheriff, Kreis- Hauptftadt mit beiläufig 25.000 Einwohnern, mit Induftrie in Bein- und Perlmutter- Schnitzereien und dergl. und mit ziemlich bedeutendem, durch die Pilger betriebenen Handel, Sitz vieler Confulate; Nablus mit wahrfcheinlich 10- bis 12.000 Einwohnern( worunter befonders viele Mohamedaner) in fehr fruchtbarer Gegend, daher mit bedeutendem Handel, auch mit Seifenfiederei und Wollmanufactur; Safed mit Baumwoll- Weberei und Indigofärberei, dann Nafira( Nafareth), Tabarich( Tiberias) und andere kleinere Orte. Die Communicationen diefes Gebietes find fchlecht. Hauptverbindungen find von Jaffa nach Jerufalem und nach Nablus, und von Gafa nach Jerufalem und nach Damascus. Unter den Häfen wird Jaffa von allen, Akka und Haifa von den meiften Poftdampfern berührt. Im Süden herrfcht ziemlich reger Verkehr mit Egypten und mit Arabien. Hinterfyrien. Oeftlich von Antilibanon und vom Jordanthale dehnt fich gegen den unteren Euphrat hin eine weite, 2000 bis 2500 Fufs über dem Meere liegende Ebene, mit mehreren ifolirten Berggruppen aus, welche gegen Often in die fyrifche Wüfte und gegen Süden durch das Hochland der öftlichen Belka in die arabifche Wüfte übergeht. Diefes grofse hinterfyrifche Gebiet, welches gröfstentheils zum hydrographifchen Gebiete einiger fumpfiger Binnenfeen und in Süd- Weft zu dem des Jordan gehört, befitzt in feinem gröfseren öftlichen Theile den Steppen- oder Wüftencharakter, hat aber gleichwohl im Weften mehrere Landftriche von höchfter Fruchtbarkeit aufzuweifen, fo namentlich die Ebenen um Damascus ( Merdfch, Guta u. f. w.), das vulcanifche, 250 Fnfs über dem Meere liegende Hochland Haurun( aus welchem fich der Kelb- Haurun bis zu 6000 Fufs erhebt), das Hochland Dfchonlan und das Kalkftein- Plateau Belka. Letzteres enthält auch gröfsere Waldpartien. In der Damascener Ebene und im Haurun wird befonders viel Weizen gebaut( jährlich über 700.000 Kilé Ernte, darunter 450.000 aus dem Haurun, wovon ein Theil exportirt wird) und auch Gerfte( fogenannte griechifche 200.000 Kilé und arabifche 350.000). Bei Damascus wird auch Sumach( 5- bis 6000 Oka für den Localbedarf), Anis( 50.000 Oka, wovon die Hälfte zum Export), Fenchel ( 5000 Oka, wovon die Hälfte nach Egypten geht), der Piftazienbaum( bei Aintini 4000 Oka Piftazien), und befonders gegen Norden auch Krapp, dann um Damascus der Weinftock und der Nufs- und Aprikofenbaum cultivirt. Der Weinftock liefert für den Handel getrocknete Trauben, der Aprikofenbaum fowohl getrocknete Aprikofen als auch Aprikofenkerne. Nüffe werden dort jährlich bei 400.000 Oka producirt, wovon die Hälfte in loco confumirt wird. Auch der Oelbaum ift fehr verbreitet und liefert gefchätzte Oliven. In Hanlan und Dfchaulan wird viel Sefam gebaut. In denfelben Gegenden und in der Steppe füdlich von Damascus wird aus Soda, Saliconien und anderen Salzpflanzen Kali gewonnen und zwar jährlich faft eine halbe Million Oka, welche in den Seifenfabriken Syriens verwendet werden. Die Seidenzucht wird nur an den Abhängen des Antilibanon betrieben. Die Viehzucht wird ziemlich viel in den fyrifchen Steppen, in Haurun, in Balka und fonft in der Nähe des Jordan betrieben. Von Damascus werden jährlich 50- bis 60.000 Schaf-, 10- bis 15.000 Ziegen-, 15- bis 20.000 Lamm- und Kitzfelle zum weiteren Exporte nach Beirut gefendet. 4 46 Carl Sax. Die Induftrie befteht, wie unten näher fpecificirt wird, in Seidenweberei Tuch- und Filzfabrication und Seifenfiederei. Die Bevölkerung diefes Gebietes, welches den öftlichen Theil des Vilayets Soria, nämlich den gröfsten Theil des Kreifes von Damask, den Kreis Haurun und einen Theil des Kreifes Belka, nebft dem neuen Mutefarriflik von Mohal umfafst, befteht in Arabern und arabifirten Syrern nebft wenigen Osmanen, im Ganzen etwa 200.000( anfäffigen?) Einwohnern, mit allen wandernden Beduinen wahrfcheinlich mehr. Die einzige eigentliche Stadt diefes grofsen Gebietes ift Damask ( Damascus) oder Dimifchk- efch- Scham, die Hauptftadt des Vilayets Soria ( Syria) mit mehr als 100.000 Einwohnern und einigen Confularämtern, der Hauptmarkt aller Beduinenftämme und Stapelplatz für einen grofsen Theil Weftafiens, grofser Wollmarkt, auch wichtig als Fabriksftadt, weniger durch feine immerhin bedeutende Seifenfiederei, Leimfiederei, Filzfabrication, Leder- und Goldarbeiten, als vielmehr durch feine lebhafte Seidenweberei, indem dafelbft faft 2000 Webftühle exiftiren, welche jährlich 100- bis 150.000 Stück Aladfchaftoffe( Baumwolle mit Seide), 100.000 Stück Kotni( halbfeidener Möbelft off), 12.000 Stück Keffiehs, 5000 Gürtel von Seide, 5000 Stück Melas( dünner Seiden ftoff für Hemden), 500 feidene Abamäntel und über 200 Shawls fabriciren. Was die Communicationen betrifft, fo ift zunächft die Fahrftrafse von Damask nach Beirut und die Poftftrafse nach Alep zu erwähnen. Aufserdem führt von Damask aus füdwärts die grofse Karawanenftrafse nach Mekka und jene nach Bagdad( durch die Wüfte). Innerafien. Das armenifche Hochland. Diefes den gröfsten Theil des Vilayets von Erzerum enthaltende Gebiet erftreckt fich aus dem ruffifchen und perfifchen Territorium herüber bis zur Oftgrenze von Kleinafien und vom Kop- und Gök- Dagh im Norden bis zum Charfan- und Dfchudigebirge im Süden, umfafst fomit das Becken des Wan- Sees, die Quellgebiete des Kur und des Aras( welche ins kafpifche Meer fliefsen) und jene des Euphrat( Frat) und feines grofsen Nebenfluffes Murad. Es ift eine mächtige Hochlands- Maffe mit Tafelländern von 5- bis 7000 Fufs Meereshöhe, durchzogen von Bergketten, welche in dem 16.000 Fufs hohen Ararat oder Mafis( am Grenzpunkte gegen Rufsland und Perfien), im Ala- Dagh, Sipan- und Bingöl- Dagh gipfeln. Die Hochplateaus find mit Ausnahme weniger Waldgebirge kahl, das heifst wenigftens vom Baumwuchfe entblöfst, aber die Thäler find fruchtbar und angebaut. Die Waldbäume, welche dennoch vorkommen, find die Buche und die Eiche, feltener Ahorn, Pappel, Birke und Fichte. Der Weinftock gedeiht in manchen Gegenden, befonders am Wan- See bei Much, bei Erfingjan u. f. w. Das Obft ift ein Hauptproduct des Landes. Eigentliche Südfrüchte kommen kaum vor. Von Feldfrüchten werden Weizen, Korn, Mais, Hirfe, Sorgo, Bohnen und etwas Reis gebaut, befonders die erfteren Sorten in der Ebene am oberen Euphrat. Ebendort, fowie in einigen anderen Gegenden diefes Gebietes wird der Maulbeerbaum gepflegt, im Süden auch die Baumwoll- Staude und befonders bei Mufch und Bitlis wird Tabak gebaut. Sonftige Landesproducte find Galläpfel, Gummi- Adragant, auch Krapp u. f. w. Ueber die Productions quantitäten ift nichts Näheres bekannt. Die Schaf- und Ziegenzucht wird viel betrieben und liefert Wolle, Ziegenhaar und Felle. Die Seidenzucht ift nicht bedeutend. Von Mineralien find zu erwähnen: Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eifen, Salz, Naphta, Schwefel, Alaun, Türkei. 47 Jafpis und Marmor; die Ausbeutung ift aber meiftens vernachläffigt. Mineralwäffer find fehr zahlreich. Die Induftrie befchäftigt fich mit Wolle, Seide- und Baumwoll- Manufactur, Gerberei, Seifenfiederei, Metallarbeiten, insbefondere Waffenfabrication. Die Bevölkerung, welche aus Armeniern, Kurden und Türken befteht, dürfte etwa 8- bis 900.000 Seelen betragen. Die wichtigften Städte find: Erferum, Vilayets- Hauptftadt mit angeblich 40.000(?) Einwohnern, bedeutend als Entrepotsplatz für den perfifchen Transithandel, fowie durch Fabrication von Waffen und Hufeifen, Gold- und Silberarbeiten; Erfindfchan ( Erzingjan), Kreis- Hauptftadt mit 10- bis 12.000 Einwohnern und viel Garten- und Ackerbau; Kars, befeftigte Kreis- Hauptftadt mit 10- bis 12.000 Einwohnern, Tuch-, Filz- und Teppichfabrication für den Localbedarf; Wan, Kreis- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 10- bis 15.000 Einwohnern, mit Fabrication von BaumwollZeugen, Wollftoffen, Leinwand und Teppichen( jährlich 2000 bis 2500 Stück, wovon etwa ein Drittel exportirt wird); Bitlis mit etwa 10- bis 15.000 Einwohnern, bedeutend durch feinen Handel( mit Galläpfeln, Tabak, Gummi- Adragant etc.) und durch feine Baumwoll- Webereien, Waffenfchmieden, Gold- und Silberarbeiten; Mufch, Kreis- Hauptftadt mit 5- bis 6000 Einwohnern, Schmieden, Strumpfwirkereien, Teppich- und Leinwand- Weberei; dann die Städtchen: Bajefid, Ardahan, Egin u. A. m. Die Communicationen find fchlecht; erft vor Kurzem wurde eine beffereStrafse von Erferum nach Trapezunt gebaut; die öftliche Verlängerung derfelben ift der Haupt- Verkehrsweg nach Perfien. Der gröfste, namentlich der öftliche Theil diefes Gebietes gehört in gewiffer Hinficht zum perfifchen Handelsgebiete, die Karawanenzüge gehen übrigens nach Tiflis und über Kurdiftan nach Mefopotamien. Das kurdifche Bergland. Hocharmenien und das öftlich daran grenzende iranifche Hochland fallen vom Charfan-, Dfchudi- und Zagrosgebiete in Kurdiftan faft ftufenförmig zum mefopotamifchen Tieflande hinab. Diefes Land umfafst fomit das obere Tigris-, das untere Murad- Gebiet, und den oberen Theil des mittleren Euphrat- Gebietes, in politifcher Hinficht das Vilayet von Diarbekir und die von Bagdad dependirenden Sandfchaks Revandus, Schehrefor, Suleimanie und theilweife Mofful. Diefes Gebiet ift reich an Mineralfchätzen, befonders an Kupfer, wovon das Bergwerk bei Arghana jährlich über 300.000 Oka liefern foll, dann an Silber, Blei und Eifen, fowie an Naphta, wahrfcheinlich auch an Steinkohlen; die Berge find häufig mit Eichen bewaldet, und auch eine Pappelart( Pyramidenpappel) ift viel verbreitet und wird als Bauholz verwendet. Tiefer hinab herrfcht der Oelbaum, daneben der Maulbeer-, der Granat- und der Feigenbaum, endlich die Dattelpalme. Die Thalgegenden find gut cultivirt und theilweife fo aufserordentlich fruchtbar, dafs der Kreis von Charput officiell den Namen ,, Mamuziet- el- afis" führt, was ,, der heilige Wohlftand", gewiffermafsen ein Paradies, bedeutet. Befonders ift es wieder der Gartenbau, der hier florirt, und alles mögliche Obft liefert, aufserdem werden auch die Getreidegattungen: Gerfte, Weizen, Korn, Hirfe, auch Reis, dann Bohnen und Linfen, Flachs, Sefam, Krapp, Mohn und Tabak gebaut, fowie auch der Weinstock, der Maulbeer- Baum und die Baumwollftaude( am meiften bei Diarbekir und Charput) cultivirt. Auch Summach wächft in Menge, ebenfo der Mannaftrauch. Als Mahlproducte find Eicheln und befonders Galläpfel zu nennen, welche nach Aleppo auf den Markt gebracht werden. Es kommen dorthin jährlich aus Mofful, eigentlich den Bergen von Sachu, Revandus und Suleimanie 900 bis 1000 Kantar Galläpfel, aus Mardin 5 bis 600, aus Diarbekir 4- bis 500 Kantar( à 200 Oka). Die Vieh4* 48 Carl Sax. zucht liefert viel Wolle, Felle und Ziegenhaare. Die Induftrie ift unbedeutend, doch erwähnenswerth in Maroquin- und Safianleder, Baumwoll- und Seidenmanufactur. Die Einwohner Kurdiftans find Kurden, Armenier, Türken, Araber und Syrer, auch ziemlich viel Juden, im Ganzen etwa eine Million Seelen. Die wichtigften Ortſchaften find: Diarbekir am oberen Tigris, befeftigte Vilayets- Hauptftadt, mit wahrfcheinlich 35- bis 40.000 Einwohnern, einft wichtig durch Baumwoll- und Seidenweberei, aber jetzt in diefem Zweige fehr herabgekommen, und nur noch durch die Fabrication von Maroquin bedeutend; Arghana mit kaum 3000 Einwohnern, mit dem fünf bis fechs Stunden entfernten, höchft wichtigen Bergwerke Arghana- Maadèn oder Maaden- Kapur, welches, wie oben erwähnt, bei 700.000 Pfund Kupfer liefert, und die Kupferfchmiede von ganz Oftanatolien, befonders die von Tokat, mit Kupfer verforgt, wefshalb diefes Metall irriger Weife oft als Kupfer von Tokat bezeichnet wird; Charput, Kreis- Hauptftadt mit 9- bis 10 000 Einwohnern, etwas Gerberei und Seidenmanufactur; Kjeban- Maaden am Euphrat mit nur 2000 bis 2500 Einwohnern, aber wichtig durch fein Silber- Bergwerk, welches bei dem läffigen Betriebe jährlich ungefähr 13.000 Pfund Blei, 100 Pfund Silber und 130 Pfund Galmei liefert; ferner die Städtchen Malatije, Adjaman und Behefny im Weften des Euphrat- Thales mit je 9- bis 10.000, und Mardin zwifchen Tigris und Euphrat mit 12- bis 15.000 Einwohnern, dann am Tigris die Kreis- Haupftadt( nicht auch Vilayets- Hauptftadt) Mofful mit 20- bis 40.000 Einwohnern, mit Baumwoll- Manufactur, Sammt- und Teppichfabrication und Induſtrie in Eifen und Kupfer; füdlich in den öftlichen Grenzgebirgen die Städtchen: Revandus( Rowandis) und Suleimanie, und näher gegen den Tigris Erbil, Altyn- Köpry und Kerkuk, alle mehr wegen des Handels mit Rohproducten, als wegen ihres Gewerbefleifses erwähnenswerth. Gebaute Strafsen gibt es in Kurdiftan nicht; aber wichtige Karawanenwege gehen von Mofful einerfeits nach Bagdad, anderfeits nach Aleppo, fowie auch über Diarbekir nach Kleinafien( auch Poftftrafse), und der Tigris wird fchon von Diarbekir abwärts mit Flöffen befahren. Das mefopotamifche Tiefland. Diefes ausgedehnte Gebiet erftreckt fich von den kurdifchen Bergen bis an die Wüften von Syrien und Arabien und bis an den perfifchen Meerbufen und umfasst den unteren Lauf des Tigris( Didfchle oder Schatt) und den unteren und halben mittleren Lauf des Euphrat( Frat), fowie den vereinigten Schatt- el- Arab, mithin den gröfsten Theil des Vilayets von Bagdad und das zum Vilayet von Alep gehörige Sandfchak von Urfa. Von Bergen find nur der Dfchebel- Hamrin und der Pufchty- Kjuh als Grenzgebirge, erfterer gegen Perfien und das Sindfchar- Gebirge als ifolirt im nördlichen Tieflande zu erwähnen. Das Flachland zwifchen dem Tigris und Euphrat ift mit Ausnahme einiger Sandflächen im Weften nicht eigentlich eine Wüfte, fondern eine Steppe, nur der Baumwuchs fehlt dafelbft. An den beiden grofsen Flüffen ift der Boden bei ihrem Zufammenfluffe fumpfig, im Uebrigen aber fruchtbar und trägt auch Palmenwälder( welche jährlich Datteln für 14 bis 15 Millionen Piafter zur Ausfuhr liefern); Cerealien gedeihen in Menge; die Quantität kann nicht angegeben werden, reicht aber nicht nur für den Localbedarf, fondern auch zur Ausfuhr hin. Gebaut werden: Weizen, Gerfte, Hirfe, Linfen, Bohnen, Reis, Gurken, Melonen, Tabak, Hanf, Krapp, Sefam, der Weinftock und die Baumwollen- Staude; es wachfen ferner aufser den Dattelpalmen: Maulbeer-, Oliven-, Granat-, Nufs-, Feigen-, Pflaumen- und Aprikofenbäume, Myrthen-, Citronen-, Orangenfträuche etc. Am Tigris entlang finden fich Naphtaquellen. Die Viehzucht wird lebhaft betrieben, Schafwolle und Pferde, auch Kameele gelangen in Menge zur Ausfuhr( Schafwolle jährlich im Werthe von circa 2 Millionen Piafter, Pferde und Kameele für 3 bis 4 Millionen); auch das fettfchwänzige Schaf ift vorhanden. Türkei. 49 Die Induftrie ift bedeutend im Perlenbohren, in Seiden- und BaumwollManufactur, Goldftickerei, Färberei, Sattlerei, Maroquinfabrication, Kupfer-, Goldund Silberarbeiten. Die Einwohner, über 2 Millionen an der Zahl, find gröfsten Theils Araber, auch Kurden, Türken, Armenier und Juden; die Mehrheit befteht in wandernden Hirtenftämmen. Die wichtigften Städte find: Im Nordweften Urfa oder Roha, KreisHauptftadt mit 20- bis 30.000 Einwohnern, Maroquinfabrication, Kattundruckerei ( in Abnahme begriffen), Seidenzucht und Juwelenhandel; Biredfchik oder Bir am Euphrat mit 8- bis 10.000 Einwohnern und Fabrication grober Wollmäntel; Rum- Kalch, Balis, Bakka, Ana, Hit, kleine Ortfchaften am Euphrat( Bakka war einft Provinzial- Hauptftadt), Hille, Stadt mit 6000 Einwohnern, Kerbela, Wallfahrtsort der Schiiten mit wahrfcheinlich 5- bis 6000 Einwohnern, MefchhedAli, Diwanieh, Suk- efch- Schiuch( die beiden letzteren am unteren Euphrat), Bagdad, Vilayets- Hauptftadt am Tigris mit wahrfcheinlich 40- bis 50.000 Einwohnern, einem englifchen und franzöfifchen Confulate, Centrum des Handels mit Perfien und Arabien, felbft mit Indien und Turkeftan, auch bedeutend durch die Induftrie in Seiden- und Baumwoll- Stoffen, Leinwand, Sammt, Teppichen, Goldund Silberarbeiten, Meffern, Kupfergeräthen, Maroquin und Seife. Von Leinwand und Mantelftoffen werden jährlich gegen 200.000 Stück verfertigt; Kurna am Zufammenfluffe des Euphrat und Tigris, verfallenes Städtchen mit einigen Taufend Einwohnern, Endpunkt der Fahrt für Seefchiffe; Bafsra am Schatt- el- Arab, mit wahrfcheinlich weniger als 10.000 Einwohnern, wichtig als Stapelplatz der vorderafiatifchen Producte. Die Communicationen in diefem Gebiete beſtehen hauptfächlich in den Karawanenftrafsen längs des Tigris und nach Aleppo, ferner wird der Tigris( bis Mofful) und feit einiger Zeit auch der Euphrat mit Dampffchiffen befahren. Arabien. Die Halbinsel Sinai. Diefe Halbinfel liegt füdweftlich von Paläftina und öftlich von Egypten zwifchen dem zum rothen Meere gehörigen Golfe von Suez und jenem von Akabah, welch' letzterer mit dem feine Richtung bis zum todten Meere fortfetzenden Thale Wadi- el- Arabah fie von dem eigentlichen Arabien trennt. Im Süden Gebirgsland und von dem über 7000 Fufs hohen Berge Sinai( Dfchebel Muffa) beherrscht, geht die Halbinfel im Norden in eine Hochwüfte über( nämlich in die Wüfte Et- Tich), aus welcher fich noch einige Berggruppen erheben. Als Flufs ift nur der Arifch, welcher ins Mittelmeer fliefst, zu erwähnen. Nur einige Thäler des Gebirgslandes haben üppigen Pflanzenwuchs, in Dattelpalmen, Manna, Tamarifken, Obftbäumen, Oelbäumen und dergl. und find auch mit Weizen, Hanf und Tabak bebaut, aber diefe Production verfchwindet im Vergleiche zur Ausdehnung des unfruchtbaren Bodens. Auch die Viehzucht ift nicht bedeutend, Bergbau wird nicht betrieben. Zu erwähnen ift nur, dafs im Meerbufen von Akabah fehr viele Fifche, Auftern, Korallen und Mufcheln, worunter auch Perlmutter, gefunden werden. Die geringe Induftrie befchränkt fich auf die nöthigen Kleider und Hausgeräthe. Die Einwohner find Araber und Syrer, theils Mohamedaner, theils Chriften; ihre Anzahl ift unbekannt. Städte gibt es nicht. Das ganze Sinaigebiet hat keinen inneren volkswirthfchaftlichen Werth, nur hat es eine höhere Bedeutung, als die natürliche Brücke zwifchen Afien und Afrika. Von Often nach Weften ift die Halbinfel von dem Karawanenwege der egyptifchen Pilger und Handelsleute durchzogen. 50 Carl Sax. Das arabifche Stufenland am rothen Meere. Diefes Gebiet umfafst das fteinige und das glückliche Arabien, die Vilayete Hedfchas und Yemen, und bildet trotz feiner ungeheueren Längenausdehnung von der Nordgrenze bis zur Südfpitze Arabiens doch phyfifch nur ein Gebiet, nämlich das weftliche und füdweftliche Stufenland des grofsen Tafellandes der Halbinfel Arabien mit dem dazu gehörigen Küftenftriche. Grofse Flüffe find nicht vorhanden. Die Gebirge enthalten Kupfer und filberhaltiges Bleierz. Die Vegetation ift tropifch; es gedeihen nicht nur die gewöhnlichen Südfrüchte und die Dattelpalme, fondern auch der Kaffeebaum, die das Gummi arabicum liefernde Akazie, der Weihrauch- Baum, die Balfamstaude und die Aloë, und gebaut werden Reis, Weizen, Gerfte, Hirfe, Bohnen und Linfen, Safran, Sefam, Tabak, Indigo, der Weinstock, die Baumwollstaude, das Zuckerrohr und dergl. Die Viehzucht ift nicht unbedeutend in Schafen, Pferden und Kameelen. Die Induftrie ift gering, nur in Kleidungsftücken, Waffen und Holzgefäfsen erwähnenswerth. Die Einwohner find Araber, auch Osmanen, Egyptier, Abyffinier und Juden; ihre Anzahl foll nahezu I Million betragen. Viele Stämme und Städte find nur nominell der hohen Pforte unterworfen. Wichtige Städte find: Mekka mit angeblich 30.000 Einwohnern, wichtig durch feinen zur Pilgerzeit abgehaltenen Jahrmarkt, auf welchen im Durchschnitte Waaren für 120 Millionen Francs gebracht werden follen; auch mit einiger Induſtrie in Holzgefäfsen, Waffen, Sätteln u. f. w.; Medineh oder Medinet- el Nabi mit wahrfcheinlich circa 10.000 Einwohnern; dann am rothen Meere: Dfchedda, wichtige Hafenftadt mit wahrfcheinlich 5000 bis 10.000 Einwohnern, mit einem englifchen und einem franzöfifchen Confulate, Centrum des Handels und der Schifffahrt im rothen Meere, auch mit einiger Induftrie in Holzgefäfsen und Maroquinleder; Jambo el Báhr, Hafenftadt für Medineh, mit 5000 bis 6000 Einwohnern; dann in Yemen: der Hauptort Hudeida, kleines Städtchen am rothen Meere, mit Fabrication von Holzgefäfsen, Meffern, Säbeln u. f. w.; Mocha oder Mocca, mit bedeutendem Kaffeehandel; und andere Städte. - Die wichtigfte Communicationslinie ift die Pilger- Karawanenftrafse von Syrien und Egypten nach Mekka und nach diefer der Weg von Mekka nach Dfchedda. Der Verkehr befchränkt fich mehr auf den Küftenftrich, ift aber mit dem inneren Arabien gering. Die Schifffahrt der Küfte, welche Arabien mit Indien und mit Europa in Verbindung fetzt, ift feit Eröffnung des Suezcanals im Zunehmen. Die türkifchen Provinzen in Afrika( Tripoli di Barbaria). Das tripolitanifche Küftenland. Diefes von Tunis bis zum öftlichen Ende des Meerbufens von Syrt fich zwifchen dem mittelländifchen Meere und den die Wüfte Sahara begrenzenden Gebirgen hinziehende, ziemlich fchmale, flufsarme Küftenland umfafst den grössten Theil des Vilayets von Tarabulus( aufser Fezzan) mit etwa 34 Millionen arabifchen und zum Theil berberifchen und( wenig) osmanifchen Einwohnern. Pferde und Maulefel find zahlreich und vorzüglich. Die hauptfächlichen Rohproducte find: Salz, Pottafche, Datteln, Johannisbrot, Feigen, Oliven, Orangen, Citronen, Weintrauben, Maulbeeren, Weizen, Korn, Gerfte, Safran, Krapp u. f. w. Von den Türkei. 51 Südfrüchten, Datteln, Krappwurzeln und Cerealien kommt Vieles zur Ausfuhr. Die Induftrie ift bedeutend in Teppichen, Maroquin, Seife, Schmuckfachen u. f. w. Als Stadt von einiger commercieller und induftrieller Wichtigkeit ift nur zu erwähnen: Tripoli( di Berberia) oder Tarabulus- i Gharb, Vilayets- Hauptftadt mit wahrfcheinlich 20.000 bis 30.000 Einwohnern und mehreren Confularämtern, bedeutend durch die Ausfuhr der afrikanifchen Producte und durch die Fabrication von Teppichen( jährlich über 2000 Stücke, wovon der gröfste Theil exportirt wird), Schleiern( 6000 bis 7000 Stück), Seidenhemden( bei 6000 Stück), Armbändern( bei 2000 Stück), Ohrgehängen( bei 6000 Stück, die Hälfte exportirt), Säcken und Tafchen( 60.000 bis 70.000. gröfstentheils zum Export), Maroquin- und fonftigem Leder( 25.000 bis 30.000 Stück, gröfstentheils exportirt) u. f. w. Von den Communicationen, welche zwifchen den einzelnen Landestheilen fehr gering find, ift die Karawanenftrafse nach Fezzan die wichtigfte. Auch die Schifffahrt ift unbedeutend; Dampffchiffe kommen befonders von Malta. Das Hochland und Küftenland von Barka. Oeftlich vom Meerbufen von Syrt und von Tripoli zieht fich diefes Gebiet zwifchen dem mittelländifchen Meere und der lybifchen Wüfte bis an die Grenze Egyptens hin und umfafst das Vilayet von Benghafi, welches etwa von 1 Million Arabern und Berbern bewohnt ift. Das Innere ift theils fteiniges Hochland, theils Sandwüfte, die Küfte aber ift fruchtbar. Die Producte find von denen aus Tripoli nicht fehr verfchieden, aber geringer an Menge. Näheres ift darüber nicht bekannt. Zu erwähnen ift die Stadt Beng hafi, Vilayets- Hauptftadt am mittelländifchen Meere, mit angeblich 7000 Einwohnern und einigem Handel. Barka liegt noch mehr aufserhalb des Weltverkehres als Tripoli. Die Oafen in der Sahara. In der Saharawüfte liegen füdlich von Tripoli mehrere Oafen, die theils noch zum Sandfchak von Tripoli, theils zu dem von demfelben Vilayete dependirenden Oafen Sandfchak von Murfuk oder Fezzan gehören und einige HundertSie protaufend Einwohner haben, und zwar Araber, Berber, Tuareg's u. A. duciren hauptfächlich Datteln in grofser Menge, dann Korn, Weizen und Hirfe, ferner Natrumfalz. Die wichtigften Orte für den Handel find Murfuk und Ghadamis, letzteres der Sammelpunkt der Karawanen von Timbuktu und Sokoto, dann an der Grenze die freie Stadt Ghat, wo jährlich vom Auguft bis zum Frühjahre Markt gehalten wird. Die wichtigſten Gegenftände des Handels find aufser den Datteln: Elfenbein, Goldfand, Straufsfedern, Felle von wilden Thieren und dergl. Der Hauptverkehr findet durch Karawanen mit Tripoli und mit Burum ftatt. Ueberhaupt befteht die Wichtigkeit diefes Gebietes nur in feiner günftigen Lage zwifchen Innerafrika und dem mittelländifchen Meere. Die Ausftellung der Türkei. Wir find bei unferer Betrachtung nicht dem Vorgange unferer Herren Collegen im officiellen Berichte gefolgt und müffen offen geftehen, dafs diefs, wenn wir nur irgendwie die Klarheit und Ueberfichtlichkeit unferes Stoffes behaupten wollten, auch gar nicht möglich war. Wir haben gezeigt, wie vielfach verfchieden die Völker- und Gebietsgruppen, welche die Türkei bilden, wie ganz eigen 52 Carl Sax. thümlich die Geftaltung der einzelnen Theile des grofsen osmanifchen Reiches ift. Nun haben fich durch die Erkenntnifs der Regierung und die Thätigkeit derfelben, durch die Thätigkeit einzelner hervorragender Sammler faft die meiſten türkifchen Provinzen, und ausgiebiger als je, an der Weltausftellung in Wien betheiligt. Wären wir daher von vorne herein nur an der Hand der Gruppen- Eintheilung in unferer Darstellung vorgegangen, um die wirthfchaftlichen Kräfte und die Productionsfähigkeit des türkifchen Reiches zu kennzeichnen, fo würde jede einzelne Gruppe ein geographifches und ethnographifches Chaos gebildet haben, aus welchem bei der Unbekanntfchaft mit den Verhältniffen der Türkei wohl Niemand fich zurecht gefunden hätte. Jetzt, nachdem wir die einzelnen Provinzen nicht nur nach ihrer Lage und Bevölkerung, fondern auch nach ihren wichtigften Producten und Productions- Verhältniffen und handelspolitifchen Beziehungen gekennzeichnet haben, jetzt dürfte es leichter fein, am Schluffe unferer Betrachtungen noch im Fluge die Ausstellung der Türkei zu kennzeichnen. An der erften Gruppe betheiligten fich faft alle Vilayets, welche mineralifche Producte liefern; fo Kaftamuni mit Kreide, fchönen Zinnerzen, mit Salz, Adrianopel mit Steinkohlen, Soda und fchönem Marmor, und wie Gallipoli brachte es Meerfalz. Auch Jerufalem, Skodra hatten Salz ausgeftellt. Das Vilayet Adana hatte fchönes Kupfer, Edirne Granit, Kupfer und Zinn, Mitylene Eifenerz, Antimon, Chrom und Schwefel; das Vilayet der Dardanellen Blei, Eifenerz, Thon und Okererde eingefendet. Aus Bourouk war filberhaltiges Bleierz, Kreide, Soda, Mangan und der unter dem Namen Obfidian geſuchte fchwarze Bernftein ausgeftellt. Die reiche Sammlung wurde vor Allem durch die Mengen fchönen und reinen Kupfers, dann durch die Steinkohlen aus den Vilayets Janina, Thuna, Aïdin, Pifren u. f. w. von hohem Intereffe. An mineralifchen Brennftoffen und an den verchiedenartigften Metallen ift die Türkei reich genug, um zahlreiche Induftrien zu unterſtützen. Am reichften bedacht war in der ganzen türkifchen Ausftellung die zweite Gruppe der Land- und Forstwirthschaft. Mehr als 1000 Ausftellungsgegenstände, welche die Regierung und einzelne Vilayets- Verwaltungen gefammelt hatten, zeigten den landwirthfchaftlichen Reichthum der Türkei. Aus den verfchiedenften Gegenden waren die üppigen Gartengewächfe, Melonen, Bohnen, Zwiebeln und die fchönen, der Türkei allein angehörigen Fifolen, dann alle Arten der Feldfrüchte, Weizen, Gerfte, fchwarze Gerfte, Reis, Zwiebel u. f. w. und die reichen, vielfach verfchiedenen Obftgattungen, zumeift aus dem Vilayet Bagdad, den Vilayets Pifren, Konia und Syrie, ausgeftellt. Adrianopel, Philippopel, Gallipoli hatten Wolle, unbearbeitet und roh und verfchiedene Sorten feiner Ziegenhaare, die für die türkische Teppichfabrication von grofser Bedeutung find, eingefendet. Ismid aus dem Vilayet Gallipoli, Ift amaka und Rizantik aus dem Vilayet Adrianopel hatten die beachtenswerthen und für die türkifche Weberei fo wichtigen Seidencocons in den verfchiedenften Farben von grünlich und grünlichgelb bis zu den filberweifsen und hellen, goldftrahligen Cocons ausgeftellt. Tabak war von allen tabakbauenden Vilayets von den gewöhnlichften bis zu den feinften Sorten, ebenfo Baumwolle aus den verfchiedenften Vilayets ausgeftellt. Die letztere war zumeift durch Kapfeln, Samen und Baumwoll- Flocken vertreten, kurzftaplig, aber fchön weifs und ziemlich feidig war die Baumwolle aus dem Vilayet Iles, aus Tchanakkale und aus dem Vilayet Chypre die Stadt Lefkocha. Die Türkei vermag die Summen ihrer landwirthfchaftlichen Producte keineswegs felbft zu verzehren. Getreidefrüchte und Gartenfrüchte, einzelne Handelsgewächfe, viel Hanfund Leinfamen, dann die Producte des Thierreiches, die von jeher gefuchten türkifchen Wollforten, Fliefse und Felle, die Ziegenhaare, Wachs und Seide werden ausgeführt und geben dem Lande das Capital für Leben und Wirthschaft. Unerfchöpflich müffen die Quellen der türkifchen Landwirthschaft genannt werden, denn es ift keineswegs die intenfive Arbeit, fondern der Reichthum und die Ueppig. keit des Bodens, welcher die grofsen Mengen der Feld- und Gartenfrüchte producirt. Türkei. 53 Die chemifche Induftrie war durch verfchiedene rothe und weifse Schminken, durch Haarfärbe- Mittel und Mofchusfeifen, wie fie der Türke liebt, durch eine hoch bedeutende Sammlung von Opiumarten und Scamoreen, durch den gelehrten Oberft Fay k Bey zufammengeftellt, vertreten. Auch zahlreiche Oele, Rofenöle, Mandelöle, Birnenöl, Lorber- und Waffermelonenöl aus dem Vilayet Guired, Maftix, Scamonium, Laudanum, Terpentin dann verfchiedene Harze, aus dem Vilajet Archipel, weifses und Colophonium, Harz, Naphta und Pech aus dem Vilayet Sivas und Haudavendig und endlich aus dem Vilayet Konia und Amgora Traganth als Producte, welche durch den Handel fowohl nach Europa, wie auch zu anderen afiatifchen Stämmen gebracht werden. Die Türkei ift reich an mineralifchen Wäffern und das Vilayet Konia, das Vilayet Aleppo hat aufser Mineralwäffern auch Schwefelwäffer, das Vilayet Pisren und das Vilayet Trapezonte, Sauerbrunn- Waffer und Mineralkupfer- Waffer ausgeftellt. Die ganze Sammlung diefer Güter war durch das Gouvernement eingefchickt worden. Der Reichthum der landwirthschaftlichen Producte läfst fich auch daraus fchliefsen, dafs die Türkei auch an der Ausftellung der Nahrungs- und Genufsmittel fich ausgiebig betheiligen konnte. Der Wein, der in vielen Provinzen der Türkei gedeiht, war durch zahlreiche Sorten aus der Umgebung von Conftantinopel und aus dem Vilayet Guirid vertreten. Dann ragten die verfchiedenen Früchte, Früchtenfaft und die verfchiedenen von den Türken fo fehr geliebten Zuckerwerk- Sorten aus Rofen, Citronen, Pomeranzen u. f. w. wie fie das Vilayet Archipel in ganz bedeutenden Quantitäten, das Vilajet Alep und Syrie in den verfchiedenften Sorten für den Handel erzeugen, befonders hervor. Oliven und Olivenöl war aus dem Vilajet Janina und Jerufalem, dann aus Skodra und Diarbekir in reicher Menge, wie es auch in den Handel kommt, eingefendet worden. Bei jenen Induftrien, welche wie die Textilinduftrie überhaupt, dann die Lederinduftrie und Metallinduftrie die Türkei befonders auszeichnen und die auch für den Handel des Landes von Wichtigkeit find, können wir uns doch ziemlich kurz faffen. Seit die Bewegung, welche das künftlerifche Streben in der Induftrie, zumeift in der Textil- und Metallinduftrie wieder lebendig gemacht haben, ift man im Studium auf die an Tradition und Ueberlieferung hängenden Afiaten, die Türken, Perfer, Indier fehr eifrig zurückgekommen. Die farbenprächtigen, kleinen und ruhigen Mufter der türkifchen Teppichfabrication, wie fie in fo vielen Provinzen als Hausinduftrie und doch für einen ganz bedeutenden Handel geübt wird, die Solidität der Handarbeit, die Schönheit und Feinheit des Materiales find längst bekannt, und die Berichterftatter der einzelnen Gruppen haben fich die Betrachtung derfelben keineswegs entgehen laffen. Und doch hat weder Conftantinopel noch das Vilayet Adana, ebenfo wenig wie das Vilayet Archipel von feinen aus Ziegenhaaren und Wollen gewebten Teppichen das Schönfte eingefendet. Reicher und bedeutender waren die Seidenftoffe von Bruffa und aus den Gebieten des Libanon vertreten. Noch behauptet die Türkei in Vielem die originelle Arbeit und die originellen Mufter. Allein man konnte an manchen Ausftellungsgegenftänden, zumeift unter den Stoffen von Bruffa, den Einflufs Europas, der keineswegs günftig genannt werden kann, fchon bemerken. Zum Glück erhält das Nationalcoftüm noch zahlreiche originelle Mufter und Producte. Es war daher die von der Türkei am reichften befchickte additionelle Ausftellung von Coftümen des türkifchen Reiches von hohem Intereffe. Konnte man einerfeits die Richtung der gefammten türkifchen Textilinduftrie, die mit der Nützlichkeit und der Brauchbarkeit allenthalben Schmuck und Schönheit beim Coftüm zu verbinden fucht, erkennen, fo konnte man anderfeits auch wohl bemerken, dafs jede andere Induftrie, welche auf den Export rechnet, nur dann in die Türkei eindringen und für den grofsen Confum der Bevölkerung arbeiten kann, wenn fie dem nationalen Gefchmacke, den religiöfen und gefellfchaftlichen Bedürfniffen umfaffend Rechnung trägt. 5 54 Carl Sax. Wie England zur Unterſtützung feiner Induftrie und der Abfatzfähigkeit feiner Producte in Indien mit grofsen Koften die alten indifchen Mufter für Möbel und Kleiderftoffe u. f. w. gefammelt und in feinen Muſeen zum Gebrauch der Induſtrie aufgelegt hat, fo dürfte eine Sammlung von türkifchen Stoffen gerade der öfterreichifchen Induftrie von grofsem Nutzen werden. Hier mufs die nationalökonomifche Lehre vom Bedürfnifs und Befriedigung des Bedürfniffes praktiſch werden. Bedürfnifs und Befriedigung find ja nichts Anderes als die allgemeine Bezeichnung des täglichen Bedarfes und der Förderung desfelben, der gegenüber eben die Induſtrie mit ihren Aufgaben und Leiftungen steht. Was die Lederinduftrie betrifft, fo hatte das Vilayet Danube zahlreiche Pelze und Leder, das Vilayet Conftamboul und Edirné gefärbte Maroquinleder, gefärbte Ziegenfelle und fchöne Schaffelle, dann gefärbte Pferdehäute ausgeftellt. Auch die aus diefem Leder erzeugten Gefchirre waren gut und fchön gearbeitet und hat der Export der anderen Staaten wenigftens in Leder und Fellen einen ganz achtbaren Concurrenten im Lande felbft. Die Türkei führt felbft Pelze, Felle und Leder, zumeift gefärbten Maroquin, in ganz bedeutenden Mengen aus. Wie bei der Textilinduftrie, fo hat fich auch bei der Metallinduftrie ein reicher nationaler Gefchmack und eine traditionelle Arbeitsart bis heute noch in Conftantinopel und Umgebung, im Vilayet Touna, in Erzerum u. f. w. erhalten. Die Arbeiten aus getriebenem Silber, die Wafchbecken und Gefäfse, wie fie Conftantinopel ausgeftellt, die eingelegten Scheeren und Meffer von Lofdja, dem Vilayet Diarbekir, die fchönen, eingelegten Waffen aus dem Vilayet Piffren, dann aus Widdin, die fchönen Schmuckgegenftände aus Gold und Silber und aus Silbergefpinnften von Bruffa u. f. w., die Säbel aus dem Vilayet Sivas zogen die Aufmerkfamkeit der Befucher der Ausftellung auf fich und gaben Zeugnifs von der Erhaltung alter Formen und Mufter, ebenfo wie von der Güte des benützten Materiales. Die Holzinduftrie wird als Hausinduftrie betrieben und Vilayet Danube, Coftamboul, vor Allen das Vilayet Salonichi hatten Flafchen, Trinkgefäfse, Löffel und Gabeln aus Holz, aus Horn und Bein gefchnitzt, eingefendet, ebenfo wie das Vilayet Bosna und man konnte daraus die nationale Richtung wohl erkennen. Die Arbeit ift einfach und nur die Zierlichkeit der Form zeichnet diefe Holzarbeiten ebenfo wie die Strohgeflechte, bei denen an Körbchen, Decken und Strohtellern die Feinheit der Arbeit anzuerkennen war, aus. Auch die Stein- und Thonwaaren- Induftrie gehört der Hausinduftrie an. Die Erzeugung von Pfeifenköpfen wird in Conftantinopel, im Vilayet Diarbekir, Syrie u. f. w. in grofser Ausdehnung betrieben. Widdin, Islimil, Adana, Trebizonte u. f. w., insbefondere Tchanakale hatten eine grofse Sammlung von Krügen, Töpfen und Gefäfsen ausgeftellt, welche alle durch gefchmackvolle Form fich auszeichneten. Aus dem Vilayet Alep und Syrie waren irdene Gefäfse zur Anficht gefchickt worden, welche die Kräftigkeit des Brandes, den Glanz der Farben und oft auch eingelegter Zierath auszeichnete. Die Kurzwaaren- Induftrie war durch zierliche Elfenbeinarbeiten, Wohlgeruchbüchfen aus Fifchzähnen, Horn und Knochen, durch die bekannten türkifchen Rofenkränze( Tesbié) aus Sandelholz, Elfenbein und Knochen vertreten. Unter der Gruppe Papierinduſtrie fand man die fchönen eingelegten und gravirten Papierfcheeren von Bitavia und Kara hiffar und anderen Zierath des Schreibtifches. Von den anderen Gruppen ift nur noch die Gruppe der mufikalifchen Inftrumente zu erwähnen, welche eine Menge von Pauken, Trommeln und Schellen, dann Flöten, die Tamboura, den Dudelfack und die Pofaune brachten, wie fie in den meiften Vilayets zumeift aber im Vilayet Aleppo, Bosnien und Syrien erzeugt werden. In der Gruppe XVIII zog die Aufmerksamkeit der Befucher der Ausstellung die ausgezeichnete plaftifche Darftellung des Bosporus, ausgeführt von Carl Straub unter Leitung des Ingenieurs L. Seefelder, und Baron Hirfch und Hofrath Schwegel gehörig, auf fich. Türkei. 55 Der nationalen Hausinduftrie haben wir bei verfchiedener Gelegenheit fchon gedacht und erwähnen nur, dafs mit Ausnahme der Seidenfpinnerei und Seidenweberei von Bruffa die ganze türkifche Ausftellung der Hausinduftrie angehört. Am Schluffe gedenken wir der ziemlich reichen Unterrichtsausftellung, wo unter den Werken von wiffenfchaftlicher Bedeutung die Sammlung von Foffilien des Bosporus von Dr. Abdulah Bey und diefe Sammlungen auf 40 Tafeln zum Schulgebrauche producirt, von der Frau desfelben, dann müffen wir der fchönen Zeichnungen der türkifchen Schulen gedenken, unter denen wie natürlich die Schulen von Conftantinopel und Scutari den erften Rang einnehmen. Sollen wir bei dem im erften Theile unferer Betrachtung und bei der kurzen Darftellung der Ausftellung der Türkei auf die Bedeutung diefes Landes noch hinweifen? Ein Land, das, wie das türkifche, vom Meere reich umfpült ift, das nach allen Seiten die grofsen Welthandels- Strafsen berührt, das vor Jahrhunderten zur Zeit der griechifchen Cultur und zur Zeit des oftrömifchen Kaiferreiches Cultur und Civilifation der Welt beftimmte, ein folches Land kann niemals für die Dauer der modernen Culturbewegung, wie fie heute Europa kennzeichnet, verfchloffen bleiben, der Ausbau des türkifchen Eifenbahn- Netzes, das Telegraphenwefen und die Durchftechung der Landenge von Suez werden ficher fchaffen, was die Zeit mit Ungeduld erwartet, die Auffchliefsung des türkifchen Reiches für die Cultur Europas und damit die Löfung der orientalifchen Frage.