OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. PERSIEN. BERICHT VON DR. J. E. POLAK, kaif. Ausstellungscommiffär. BEITRÄGE ZUM ZWEITEN BANDE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. CH VORWORT. Die gefertigte Redaction übergibt auch jene Theile des officiellen Berichtes, welche nach dem Programm der Berichterftattung den ,, zweiten Theil des Ausftellungsberichtes" bilden follen, der Oeffentlichkeit, um den Befuchern der Ausftellung wie mit den einzelnen Berichten über die 26 Gruppen, auch mit diefen Gefammtdarftellungen der orientalifchen Staaten und Völker das Studium der Ausftellung zu erleichtern. Nach dem Schluffe der Ausftellung werden alle diefe freien Hefte in einer neuen Auflage herausgegeben werden, in welcher für den erften Band die Ordnung der 26 Gruppen, für den zweiten Band die geographifche Lage der Staaten zu Grunde gelegt werden foll. Nur mitdiefer Organiſation des Druckes und Verlages des officiellen Berichtes fchien es der gefertigten Redaction möglich zu erreichen, was die Generaldirection im Sinne hatte, als fie in dem Programme der officiellen Berichterstattung erklärte, ,, den ganzen Werth eines folch' grofsen und umfaffenden Werkes dem Publicum zugänglich zu machen und vollkommen auszunützen". PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. PERSIEN. Bericht von DR. J. E. POLAK, kaiferlicher Ausstellungscommiffär. Das Land. Perfien in geologifcher Beziehung. Die geologifchen Verhältniffe Perfiens find bis jetzt relativ nur fehr unvollkommen bekannt, und es ift diefs auch begreiflich bei einem Lande von fo grofsem Flächenraum, wie Iran, welches von europäiſchen Reifenden immer noch wenig, noch weniger aber von fpeciell geologifchen Fachmännern befucht wurde. Doch liegen über diefe Verhältniffe bereits einige Aufzeichnungen vor, welche wenigftens den Beweis liefern von der vielgeftaltigen Gebirgszufammenfetzung diefes Landes und von dem reichlichen Vorhandenfein nutzbarer Mineralproducte in demfelben, und es laffen diefe Aufzeichnungen für weitere geologiſche Unterfuchungen dafelbft gewifs intereffante Refultate erhoffen, obfchon felbft die emfigfte Arbeit Einzelner für die nächfte Zeit noch bei Weitem nicht im Stande fein wird, unfere diefsbezüglichen Kenntniffe bis zu dem Grade zu fördern, den die geologifche Wiffenfchaft für die meiften europäifchen Länder bereits aufweift. Unter den Männern, welche fich theils durch Reifen dorthin, theils durch Bearbeitung der von anderen Reifenden gemachten Funde, um die Geologie Perfiens und um die Kenntniffe der nutzbaren Mineralproducte diefes Landes Verdienfte erworben haben, nennen wir Abich, Czarnotta, Göbel, Göppert, Grewingk, Loftus, Polak, Wagner und Wosbojnikoff. Namentlich aber find folgende Arbeiten hervorzuheben: C. Grewingk. Die geognoftifchen und orographifchen Verhältniffe des nördlichen Perfiens, Petersburg 1853. W. Loftus. On the geology of portions of the Turco- Perfian frontier and of the diftricts adjoining, London 1855( quarterly journal). H. Abich. Vergleichende geologiſche Grundzüge der kaukafifchen, armenifchen und nordperfifchen Gebirge, Petersburg 1858. Grewingk und Loftus haben fogar bereits verfucht, das geologifche Bild der von ihnen befchriebenen Gebiete auf kleinen, ihren Arbeiten beigegebenen Karten zum Ausdruck zu bringen. Vergleicht man die Arbeiten der genannten Forfcher, fo findet man, dafs hauptfächlich kryftallinifche Schiefer, paläozoifche, juraffifche, cretaceifche und Tertiärfchichten, fowie Eruptivgefteine verfchiedenen Alters an der Zufammenfetzung der Gebirge Irans theilnehmen. Von Schichten der Trias wird kaum oder doch mit geringerer Sicherheit gefprochen. I 2 Dr. J. E. Polak. Um nun auf die einzelnen Formationen überzugehen, fo fcheinen der Gre wingk'fchen Karte gemäfs kryftallinifche Schiefer mit den denfelben in der Regel untergeordneten Eruptivgefteinen namentlich in den Gebirgen zwifchen dem Sefid rud und dem Menfer rud verbreitet zu fein, aber auch in der weiteren Umgebung von Miane gegen den Bugufch Kuh vorzukommen. Am Sefid rud felbft zwifchen Filadeh und Ruftamabad wurden felfitifche, granitifche und dioritifche Eruptivgefteine in gröfserer Menge conftatirt. Nach den Angaben von Loftus exiftirt ein langer Zug granitifcher Gefteine im weftlichen und füdweftlichen Perfien. Derfelbe beginnt fchon in einiger Entfernung vom Arrarat unweit Bayazid und geht zunächft bis in die Gegend von Khoi, tritt wieder öftlich von Gawar auf und zieht fich etwas weftlich von Urumiah und Ushun nach der Gegend von Lahijan hin, von wo er ftellenweife durch blaue Kalksteine unterbrochen am Zerribarfee vorbei über Sennah bis in die Gegend weftlich von Hamadan ftreicht und erft nördlich von Feredun endigt. Es ift wohl wahrfcheinlich, dafs nicht blofs Granit, fondern auch kryftallinifche Schiefer an diefem Gefteinzuge Theil nehmen werden. Feft fteht, wie oben bereits angedeutet, auch das Vorkommen paläozoifcher Schichten in Perfien. Indeffen in Bezug auf die genaueren Niveaux diefer Schichten herrfcht vielfach noch Unficherheit. Dafs filurifche Schichten, das heifst, die älteften paläozoifchen Gebirgsglieder vorkommen, ift wohl möglich, allein bisher nicht genügend erwiefen worden, wenngleich möglicherweife die Kiefelfchiefer bei Mefched in Choraffan, die durch ihre Türkife berühmt find, dahin gehören. Abich fchreibt den altpaläozoifchen Schichten im Alburs- Gebirgszuge ein devonifches Alter zu. Nach der Grewingk'fchen Karte finden fich freilich filurifche Schichten nördlich von Radkan. In jedem Falle ift es eine Corallen- und Brachiopodenfacies, ähnlich den Kalken der Fifel und Gothlands, mit der man es in dem berührten Falle zu thun hat. Auch die Kalke in der Gegend von Hamadan und südweftlich von Isfahan mögen zum Theil devonifch fein. Mit Sicherheit find Gefteine der älteren Kohlenformation vom Alter des Bergkalk in Perfien nachgewiefen. Namentlich find folche Gefteine im Thale des Araxes bekannt Schichten der fogenannten productiven Steinkohlen- Formation find wohl in ihrer typifchen Ausbildung bisher nicht mit genügender Zuverläffigkeit nachgewiefen worden. Die mit Steinkohlen- Flötzen verbundenen Schichten Perfiens dürften wohl an den meiften Punkten jüngeren Formationen angehören. Damit würde dann auch die Thatfache übereinftimmen, dafs wenigftens in den armenifch- perfifchen Grenzgebirgen die productive Steinkohlen- Formation vertreten wird durch rein marine Schichten, welche aufser anderen Foffilien auch Fufulinen führen, fo dafs alfo hier eine Facies der oberen Kohlenformation auftritt, wie fie beinahe allerwärts abbauwürdige Kohlenlager ausfchliefst. Aufser am Araxes ift Bergkalk vorhanden zwifchen Cherfabil und dem Iftalchfee auf der Höhe des Rudbargebirges. Dann gehört wohl ein grauer Kalkftein am Südfufse des Kalkgebirges bis Gis ebenfalls hieher. Für die Exiftenz der Triasformation in Perfien find, wie gefagt, giltige Beweife wohl noch nicht beigebracht worden. Doch könnte ein europäiſcher Geologe durch die Befchreibung der mit Erz- Lagerftätten verbundenen Dolomite bei Yezd wohl an mittlere, bezüglich obere Trias erinnert werden. Von Wichtigkeit für die Zukunft dürfte das Studium der juraffifchen Ablagerungen in Perfien fein, denn, wenn nicht alle bisherigen Angaben und Anzeichen trügen, ift es die untere Hälfte diefer Formation, welche fich durch relativ bedeutende Kohlenführung auszeichnet. Der mit den Verhältniffen in OefterreichUngarn vertraute Geologe dürfte alfo hier auf manche Analogie mit den ihm bekannten Thatfachen ftofsen. Die Beftimmung der mit den Kohlenflötzen im Albursgebirge auftretenden Pflanzenrefte war einige Zeit ftrittig, bis eine Autorität von dem Rufe Göppert's Perfien. 3 ein liaffifches bezüglich unterjuraffifches Alter für diefelben gewifs machte, wenigftens infoweit dem berühmten Phytopaläontologen Material über diefen Gegenftand vorlag. Es beginnt das kohlenführende Schichtenfyftem in der Regel mit Conglomeraten und Sandfteinen und wird über den Flötzen von kalkigen, petrefactenführenden Schichten gefchloffen. Unter diefen Petrefacten zeichnen fich namentlich Zweifchaler wie Pectiniten und Gryphäen aus. Die Schiefer und Sandfteine im Ghilangebirge, die Wosbojnikoff zur alten Steinkohlen- Formation rechnete, gehören vielleicht hieher, ebenfo dürften die kohlenführenden Schiefer am Sahend wenn nicht hieher gehörend, fo doch an diefer Stelle am beften zu erwähnen fein. Wir nennen hier auch fpecieller die entſprechenden Vorkommniffe am Sefid rud, füdlich vom Rudbargebirge, welche fich von Hifchigan über Mendfchil und am Scharud bis zu den Alamudhöhen ausbreiten. Die Kohlenflötze, die fich bei Daku und einige Meilen von Haffankeif befinden, und die pflanzenführenden Sandſteine und Schiefer an den Quellen des Serdab rud, fowie bei Pulad Kuh werden fich wohl auch vorläufig hier anreihen laffen. Wagner fand dunkle Liaskalke mit zahlreichen Verfteinerungen an einem der öftlichen Ausläufer des Kurdiftaner Gebirgszuges, nördlich vom Naffafluffe, weftlich vom Urumiahfee. Eruptivgefteine fcheinen mit den genannten Schichten an vielen Punkten wenigftens in localer Verbindung zu ftehen. So treten im Ghilangebirge Melaphyre, am Naffafluffe Euphodite auf. Die wirkliche Altersbeftimmung bleibt dabei indeffen wohl noch zu machen übrig. Nach den Unterfuchungen Abich's dürften auch Schichten der oberen Juraoder Malmformation, namentlich in Azerbeidfchan eine nicht geringe Verbreitung befitzen. Nur dürften die betreffenden Kalk- und Dolomitbildungen Perfiens nicht fo petrefactenreich fein wie die von Abich denfelben gleichgeftellten Schichten Kaukafiens, welche übrigens, der davon gegebenen Befchreibung nach, merkwürdigerweife eher der fchwäbifch- polnifchen als der mediterranen Entwicklungsweife des Malm entſprechen. Die von Loftus im füdweftlichen Perfien als juraffifch angefprochenen Schichten bedürfen noch fehr ihrer Altersbeftätigung. Dagegen nehmen Gefteine der Kreideformation in den von Loftus unterfuchten Gebieten einen bedeutenden Flächenraum ein. Sie werden angegeben in den Umgebungen der Ruinen von Pasargadae und in den Bachtiyaribergen, von wo fie fich über Susan nach dem Yafta Kuh hinziehen. Auch bei Kermanfchah und an den Dalahubergen treten folche Schichten auf. Weftlich von Susan brechen diefelben auch am Mal Amir zwifchen tertiären Schichten wieder empor. Specififche Beftimmungen der in den betreffenden Kalken und Mergeln gefundenen Foffilien wurden bis jetzt noch nicht gegeben, wefshalb eine genauere Gliederung und Altersdeutung aller diefer Schichten zur Zeit noch unausführbar ift. Auch im nördlichen Perfien fehlt es an Ablagerungen aus der Kreidezeit nicht. Diefelben find dort vielfach, wie aus Grewingk's Angaben hervorgeht, mit umgelagerten oder Tuffproducten von Eruptivgefteinen verknüpft. Gewiffe Thonfchiefer und grünliche Sandfteine öftlich von Schindan, dann zwifchen Chaffawar und Binamar, dann an den Päffen Herron und Görabawend werden hieher gerechnet. Mit Sicherheit gehören die Ananchyten führenden grauen Kalke oberhalb Kelarabad hieher. Mergel mit Feuerftein- Knollen kommen beifpielsweife bei Haffankeif und Kudshur vor. Die meiſten organifchen Einfchlüffe find bis jetzt aus den Chufchängurbergen bis Radkann nachgewiefen, und gehören die betreffenden Schichten der oberen Kreide an. Grewingk fpricht die Vermuthung aus, dafs nach genauerem Studium der in der perfifchen fogenannten oberen Kreide enthaltenen Ecchinodermen fich I* 4 Dr. J. E. Polak. vielleicht ſpäter zum Theil ein eocänes Alter der betreffenden Schichten herausftellen könnte. Die Eocänformation, das ift die untere Abtheilung der Tertiärformation, ift übrigens in jedem Falle in Perfien aufserordentlich verbreitet. So kommen hieher gehörige Gebilde mit Nummulithen am Iftalchfee, im Rudbargebirge und oberhalb Oiwuneh vor. Namentlich aber haben Nummulithengefteine in Choraffan einen grofsen Flächenraum im Befitz. Sie zeigen fich auch am Schirkuh bei Yezd. Sie dominiren bei Schiras und bei den fogenannten Ruinen von Perfepolis. Sie nehmen, auf der vorhin befprochenen cretaceifchen Stufe auflagernd, die füdweftlichen Gehänge der Bachtiyarigebirge ein und fetzen den Kebir Kuh zufammen, nach der türkifchen Grenze bis Kasri Shirin fortftreichend. Nicht minder bedeutfam als die eocänen find die jungtertiären Gebilde in Iran vertreten, deren Abgrenzung gegen die Eocänfchichten allerdings wohl noch mit gröfserer Genauigkeit, als bisher thunlich war, feftzuftellen fein wird. Rothe Sandfteine und Conglomerate treten an verfchiedenen Punkten über den Nummulithenkalken auf. Nagelfluhähnliche Gefteine, Mergel, Gypfe und Steinfalz- Lager fetzen das jungtertiäre Gebirge zufammen und erfcheinen in Perfien, wie Grewingk fich ausdrückt, für Alles, was als Hochebene oder niedriger Hügel erfcheint, bezeichnend. Die erwähnten Salzlager dürften in Zukunft namentlich dann von hervorragender induftrieller Bedeutung werden, wenn fich abbauwürdige Lager von Kalifalzen als vorhanden herausftellen follten. Bereits kennt man durch Göbel öftlich von Miane am Sefid rud, bei Maman ein Vorkommen von Kalifalzen und wurde eines diefer Salze mit dem neuen Namen Mamanit belegt. Die tertiären Gefteine werden vielfach von Eruptivgefteinen durchbrochen. Namentlich fpielen Gefteine aus der Trachytgruppe, ähnlich wie in dem benachbarten Armenien und im Kaukafus, dabei eine hervorragende Rolle. Doch fcheint im Allgemeinen das füdliche Perfien weniger von folchen Gefteinen aufzuweifen als das nördliche. Der Demavend, ein erlofchener Vulcan, und feine Umgebungen beftehen aus andefitifchen und augitifchen Maffen. Am Alamud und am Kuh Selembar, fowie am Pifch Kuh treten zahlreiche Andefite in Verbindung mit älteren Diabasporphyren auf. Am Iftalchfee und im Rudbargebirge fehlt es an ähnlichen Gefteinen nicht. Auch vom Sefid ab, füdöftlich von Warahoful, kommen Trachyte vor. Wahrfcheinlich ſpielen diefelben auch im Szamam Kuh eine gewiffe Rolle, da fie in der Gegend von Schadfchan auftreten. Einen mächtigen Stock trachytifcher Gefteine repräfentirt der Sfawalan und ift wohl anzunehmen, dafs folche auch weftlich davon im Gafch Kuh eine nicht geringe Bedeutung befitzen. Das Shahendgebirge mit dem mächtigen Damir Dagh füdlich von Tabris ift hier ebenfalls zu erwähnen, und dürfte auch der impofante Balagh Dagh hier zu nennen fein, von dem allerdings leider eine geologifche Kunde noch nicht vorliegt. Auch weftlich von Choi erfcheinen gewiffe domförmige Berge von trachytifcher Zufammenfetzung. Das Studium der trachytifchen Gefteine( das Wort ift hier in dem allgemeinen Sinne, wie ihn Zirkel's Petrographie fefthält, gebraucht) dürfte auch praktiſch nicht ohne Wichtigkeit für Perfien fein, namentlich da für die beffer ftudirten Trachytgebiete Ungarns, Siebenbürgens, des Banates und Serbiens die vielfache Verknüpfung von Erz- Lagerftätten mit Trachyten erwiefen ift, und da namentlich an die fogenannten Grünftein- Trachyte oder Propylithe das Vorkommen von Kupfer- und Eifenerzen gebunden erfcheint. Es erfcheint in der That nicht undenkbar, dafs die fogenannten Dioritporphyre Grewingk's, mit denen derfelbe die Kupfererz- Vorkommen bei Gawart, bei Migri, Agarek und Seidfchan, fowie die Eifenerz- Vorkommen bei Angert und Moferlü in Verbindung bringt, hieher gehören. Doch find das natürlich vorläufig nur Vermuthungen. Als andere Punkte, die durch analoge Erz- Vorkommen bekannt find, nennen wir fchnell noch Binamar, Perfien. 5 Maffula, Tanian, Schakuh, Terabad, fämmtlich entweder durch Kupfer oder durch Eifen ausgezeichnet. Ueber die geologifchen Verhältniffe der Bleierz- Vorkommniffe von Tafch, von Jenjaga oder von Uridfchard läfst fich noch wenig fagen. Was die quaternären Bildungen Perfiens anbelangt, fo ift Grewingk der Meinung, dafs zunächft das Diluvium fich nicht leicht wird von den Tertiärfchichten trennen laffen. Die Alluvialabfätze find meift mit gröfserer Sicherheit zu conftatiren. Am cafpifchen Meere und am Urumiafee find fie defsgleichen in ziemlicher Ausdehnung vorhanden. Von Intereffe find die vielfach auftretenden Travertinund Tuffbildungen. Namentlich erregte fchon feit Wagner's Reife der fogenannte Tabrismarmor eine befondere Aufmerkfamkeit. Derfelbe ift als Abfatz warmer Quellen in der Nähe von Scharamin und Daufchegan am Urumiahfee feſtgeſtellt worden( Dr. Tietze). Perfien in feiner Verfaffung. Perfien, oder beffer Iran, reicht vom 40. bis zum 24. Grad nördlicher Breite und vom 42. bis 58. Grad öftlicher Länge von Paris. Das Land gleicht einem Kartenherz, deffen Bafis nördlich vom Araxes, dem Cafpifee und dem Atrek- Flufs abgegrenzt wird und deffen Spitze am perfifchen Golf beim Vorgebirge Dfchafk gegen Beludfchiftan hinfieht. Seine Grenzen bilden nördlich Transkaukafien, Ruffifch- Talifch, der Cafpifee und Ruffifch- Turkeftan; öftlich Merv- Turkeftan, Afghaniſtan( mit den Chanaten Ghurian und Herat), Siftan und Beludfchiftan; füdlich der perfifche Golf; weftlich die afiatifche Türkei. Sein Flächenraum wird auf 22.000 Quadratmeilen gefchätzt. Es ift zumeift ein Tafelland von durchſchnittlich 3000 bis 4500 Fufs Seehöhe, nur in der Nähe des Cafpifees und des perfifchen Golfs fallen die Gebirge fteil ab wodurch ein fchmaler Saum Tiefland bleibt; auch findet in den grofsen Salzwüften, welche fich von Kum bis gegen Siftan und Beludfchiftan, mit Unterbrechung von einigen infelförmigen Oafen, vom 49. bis zum 60. Grad Länge hinziehen, eine mäfsige Senkung des Plateaus ftatt. Diefe Salzwüfte, einftiger Meeresboden, nimmt mehr als zwei Fünftel des fämmtlichen Flächenraums ein und ift mit Ausnahme einiger Oafen nicht culturfähig, fie erzeugt nur Salfolen, die zur Pottafchebereitung befonders in der Gegend von Kum verbrannt werden, aufserdem unerfchöpfliche Mengen von Natrium-, felten Kalifalzen. Im Sommer leicht paffirbar, befonders mit Dromedaren, bietet fie im Winter durch Aufweichen des Bodens unüberwindliche Hinderniffe für Karawanen und die in der Zukunft doch noch anzulegenden Strafsen und Bahnen, und man ift zu machen. genöthigt, Umwege am Rande der Wüft Vom Cafpifee und dem perfifchn Golf befpült, befitzt Perfien keinen einzigen fchiffbaren Flufs. Von den Seen ift der in der Nähe von Tabris gelegene Urumiafee der gröfste, der wegen feines hohen Salzgehaltes das Fortkommen und Unterfinken organifcher Wefen in demfelben unmöglich macht. Von den Bergketten find die berühmteften die des Elbruz als Fortfetzung des Kaukafusgebirges und die zwei weftlich parallel mit dem Tigris laufenden, viel verzweigten Ketten des Elwend( Zagros). Von den jetzt zumeift ruhenden Vulcanen find der Demawend, wenige Meilen von Teheran, über 18.000 Fufs hoch, und der Arrarat durch ihre Formation und die Sagen, die fich an fie aus dem Alterthume knüpfen, die bekannteften. Das Klima ift zumeift das der Steppen, im Sommer heifs und trocken, mit häufigen Wirbelwinden und Spiegelungen( Mirage), im Winter kalt, mit ausgiebigen Schneefällen. Klima und Vegetation richten fich faft mehr nach der Höhe als nach der geographifchen Breite, fo dafs z. B. in den Hochebenen bei Schiraz unter dem 30. Grad Breite im Juli das Thermometer kaum 30 C. erreicht, während in Mafanderan bei 370 die Orangen üppig im Freien gedeihen. Da die Städte 6 Dr. J. E. Polak. wegen der Wafferverforgung und wegen fanitärer Verhältniffe meift in der Nähe hoher Berge angelegt find, fo wird es im Sommer möglich, von der tropifchen Hitze in kurzer Frift in die Nähe der Schneefelder zu gelangen und durch den Aufenthalt dafelbft fich von Fieber und Ruhr zu befreien. Während z. B. anfangs Juni in Kafchan bereits die Saat eingeheimft ift, gelangt man durch einen Ritt von fechs Stunden in das liebliche Thal von Kahrud, wo die Saat noch nicht in Halme getrieben hat. Die iranifche Bevölkerung ift durchſchnittlich etwas über der Mittelgröfse, kräftig, mässig und gefund; dabei ift fie kunftfertig mit ausgefprochener Begabung für Landwirthschaft, Gärtnerei, für Erd- und Wafferbauten, Weberei, Zeichnen, mechanifche Arbeit, Mathematik und Poefie. Sie acclimatifirt fich leicht in fremden Ländern und pflanzt fich dort fort, fowohl in Indien und Arabien, Egypten, als auch in kälteren Strichen Europas. Ueber die Einwohnerzahl laffen fich wegen Mangel an Cenfus nur annähernde Daten geben. So fchätzt fie Mounfay in feinem Werke( 1872) nach Ende der Hungersnoth mit Zuhilfenahme der beiläufigen Bevölkerung der Städte, Dörfer und Nomadenftämme auf 5 Millionen, wovon etwa 1 Million auf die Städte-, 2½ auf die ländliche und 12 Million auf die Nomadenbevölkerung entfallen. Die vielen unfruchtbaren Steppen und Salzwüften, die wegen Befchaffung des Waffers nur oafenförmigen Plätze der möglichen Anfiedlung werden immer als Hinderniffe einer dichten Bevölkerung entgegenftehen. Ebenfo werden die hochgelegenen Weideplätze und Bergwiefen, die keine regelmässige Cultur zulaffen, der Abgang von Wäldern die gänzliche Unterdrückung des Nomadenthums ftets verhindern; es könnte höchftens mit der Zeit eine Art Sennerwirthschaft angebahnt werden. Uebrigens fei es weit entfernt, die Nomaden als Barbaren oder der Civilifation ganz entblöfste Menfchen hinzuftellen, da die Häuptlinge meift den gebildetften Claffen des Landes angehören, die für Schulen unter den Zelten auch Sorge tragen; auch ift das Kriterium der Civilifation, nämlich die Weberei, bei den Nomaden allgemein verbreitet. Man zählt etwa 150 Stämme, von denen die bedeutendften find: Die Kafchgaren bei Schiraz mit etwa 35.000 fchwarzen Zelten, die Kelhuren mit 11.000, die Zengeneh mit 10.000 und die Schegaghi in Azerbendfchan mit 15.000. Die fefshafte Bevölkerung ift in fteter Ahnahme hegriffen; die Urfachen diefes traurigen Verhältniffes liegen zumeift in der grofsen Sterblichkeit der Kinder und der Truppen, in den fich oft wiederholenden Epidemien und Hungersnöthen, in der Entvölkerung des öftlichen Reiches durch Menfchenraub durch die Turkeftaner, in dem geringen gefetzlichen Schutze der ländlichen Bevölkerung gegenüber der Habgier und Plünderungen der Regierungsbeamten u. f. w., daher auch bei den Nomaden, wo wegen Zerftreuung und natürlichen Schutzes von Seite der eingeborenen Chefs genannte Urfachen weniger wirken, die Abnahme weniger fühlbar ift. Der Race nach zerfallen die Einwohner Irans: I. in eigentliche Iraner aus dem alten Urftamm, jedoch fchon vielfach mit Semiten, Tataren und Kaukafiern gekreuzt, wozu noch die Zoroaftriner oder Gebern zu rechnen wären, die noch im Ueberrefte von etwa 6000 Seelen in Yezd leben, dort Handel und Gärtnerei treiben; 2. in Kurden, mit dem iranifchen Urftamme nahe verwandt, vielleicht reiner noch, als er felbft erhalten; 3. in eingewanderte Turaner( Türken, Tartaren, Turkomanen), die den Hauptftock der nomadifchen Bevölkerung bilden und theils aus frühefter Zeit zerftreut im Lande von Plünderzügen zurückgeblieben find, theils mit den Seldfchukiden, mit Dfchengis und Teymur in hiftoriſcher Zeit ins Land gerathen, in geringem Theil fefshaft wurden, doch mit Vorliebe das Zeltleben beibehielten; 4. in Armenier, deren Zahl in Abnahme begriffen, kaum 60.000 Seelen beträgt; 5. Araber, die, mit dem Islam ins Land gekommen, fich in verfchiedenen Gegenden mit Beihehaltung oder Aufgabe ihrer Sprache angefiedelt hatten; 6. Chaldäer- Neftorianer( Neffara), als Ueberbleibfel altaffyrifcher Colonien, die am Urumiafee einige Dörfer bewohnen, auch in Kur Perfien. 7 diftan verfprengt find; 7. Juden, meift in Kurdistan zerftreut, doch auch in gröfseren Anfiedlungen, fo in Teheran, Isfahan, Kafchan, Schiraz, Hamadan, Balafrufch u. f. w. Ihre Zahl in Abnahme begriffen, dürfte kaum 100.000 Seelen betragen. Bemerkenswerth ift es, dafs die Armenier meift nach Hindoftan, die Juden in die türkifchen Provinzen auswandern oder beffer fich flüchten. Ebenfo leben einige Stämme Zigeuner( Karatfchi Kauli) im Lande mit ähnlichen Sitten, Gebräuchen und Erwerb wie die in Europa. Von Europäern leben jetzt an 150 Individuen im Lande, eine Familie zweiter Generation ift mir nicht bekannt. Sie find meift im Gefandtfchafts- oder Telegraphendienft, einige von ihnen gehören dem Handels- oder dem Lehrftand, als Inftructoren für die Armee, an. Die fchwarze Race, durch viele Jahrhunderte als Sklaven eingeführt, ift nicht fortpflanzungsfähig, daher auch keine Mulatten zu finden, während die mongolifche Race vorzüglich wie überall gedeiht. Die Eintheilung der Stämme hat fich bei den türkifchen Einwohnern überall mit den Stammeseigenthümlichkeiten, Vorurtheilen und Traditionen der Einwanderung noch erhalten, z. B. die Kafchgaren von Kafchgar, die Karagoslu mit Dfchengis u. f. w., bei den perfifchen iſt fie zumeift verwifcht, nur hie und da noch erhalten, letzteres befonders bei den Kurden, fo die Feilis, Luren etc. - An der Spitze der Regierung fteht jetzt Naffr- eddin- Schah, er führt auch den Titel Schahinfchah, Padifchah und Sultan; er ift der vierte Regent aus dem turanifchen Stamm der Kadfcharen, welcher im Jahre 1794 mit Aga Mehmed Chan auf den Thron gelangte. Als ältefter Sohn des Mehmed Schah wurde er am 30. November 1829 geboren, ward fpäter als Knabe zum Gouverneur von Azerbeidfchan( Tabris) ernannt und kam nach dem Tode feines Vaters am 6. September 1848 auf den Thron. Sein ältefter Sohn und defignirter Nachfolger Muzzafereddin- Mirza, jetziger Gouverneur von Tabris, ift 22 Jahre alt. Die Regierung ift eine unumfchränkte Monarchie. Das Minifterium, Vezirat, das der Krone zur Seite fteht, wird gebildet durch den Grofsvezier, der den Titel Saderazam und ,, Alteffe" führt, jetzt Mirza Huffeyn- Chan, der auch den Poften des Kriegsminifters bekleidet, durch einen Minifter der auswärtigen Angelegenheiten, des Unterrichts, der öffentlichen Arbeiten, der Juftiz, der Finanzen, des Innern und der Fundationen. Auch befteht ein Grofsadmiral( Dariabeghi), jedoch nur in partibus, da die Regierung kein Schiff befitzt. Die einzelnen Provinzen werden durch Gouverneure( Hakem) regiert, die immer durch ein Decret( Firman) auf die Zeitdauer eines Jahres( der 21. März ift der Jahresbeginn für Regierungsgefchäfte) für ihren Poften die Inveftitur( Chalat) erhalten. Mit Ablauf des Jahres mufs diefe erneuert werden. Das Land wird eingetheilt in 23 Gouvernements und jedes Gouvernement in mehrere Diftricte. Ihre Namen find: 1. Arabiftan mit Burudfchird( Hauptorte: Schufchter, Disful und Burudfchird), 2. Arak( Hauptorte: Schehri- nan, Kedfchas, Afchtian), 3. Azerbeidfchan ( Hauptorte: Tabris, Choi), 4. Cafwin, 5. Fars mit dem Tiefland Laar( Hauptort: Schiraz), 6. Gilan mit Talifch( Hauptort: Refcht), 7. Gulpajigan mit Chunfar, 8. Isfahan, 9. Hamadan, 10. Teheran, II. Kafchan mit Natans, 12. Kerman, 13. Kermanfchah, 14. Choraffan( Hauptorte: Mefchhed, Nifchapur), 15. Kum mit Chalidfchiftaan, Saveh, Karagan mit Zerend, 16. Kurdistan( Hauptorte: Senna und Ardelan) 17. Chamfeh( Hauptorte: Sendfchan), 18. Luriftan ift häufig mit Arabistan zu einem Gouvernement verfchmolzen, 19. Malajir und Tufirkan, 20. Mafanderan ( Hauptorte: Amel, Balafrufch, Afchref), 21. Aftrabad mit einem Grenzstück von Turkeftan, 22. Nehawend und Kakewend, 23. Yezd. Die Gouverneure vermitteln aus den Provinzen die Gefchäfte mit der Krone und dem Minifterium des Innern durch Staatsfecretäre( Muftafi), die in der Hauptftadt wohnen. In gröfseren Provinzen ernennt der Gouverneur für die einzelnen Diſtricte von feinen Vertrauensperfonen Untergouverneure, die ihm verantDie wortlich find und theilt ihnen zur Steuereinhebung Commiffäre( Muhaffil) zu. Nomadenftämme ftehen nur indirect unter dem Gouverneur, direct unter ihren 00 8 Dr. J. E. Polak. - angeftammten Tribuschefs( Ilchani), der, wenn von türkifchem Stamm, im Seniorat folgt. Diefer ift für die inneren Angelegenheiten, Militärftellung, Polizei und Steuern feines Stammes verantwortlich. Früher waren die Gouverneure der Provinzen theils Prinzen aus der königlichen Familie, theils angeftammte Lehensherren, wie der Vali von Kurdiſtan, oder andere dazu defignirte Notabeln aus dem Beamtenftande. In der neueften Zeit befolgte man jedoch die Politik, ausfchliefslich Prinzen zu diefem Poften zu befördern. Durch diefes Syftem wurden zwar hie und da vorkommende Meutereien zurückgehalten, es trat jedoch dadurch der grofse Nachtheil ein, dafs die Prinzen bei geringerer Verantwortlichkeit gegenüber der Krone ihrer Raubgier und Habfucht frei die Zügel laffen, kein anderes Intereffe kennen, als fich zu bereichern, Schätze und Frauen zu fammeln, wenn auch ganze Provinzen darüber zu Grunde gehen follten und die Unterthanen aufs Aeufserfte getrieben werden. Da nützt keine Klage vor dem Gouverneur oder Minifter, fie wird unterfchlagen, und follte es Einer wagen, in die Hauptftadt abzugehen, um in einer Bittfchrift fein Anliegen vor dem König der Könige mit dem Titel ,, der Born der Gerechtigkeit" vorzutragen, fo wird er durch nachgefchickte Boten aufgefangen und für feine Kühnheit gezüchtigt. Die Art der Beftellung der Gouverneure, ihr Willkür- und Erpreffungsfyftem find die Grundübel des Staates, die Urfache der Verarmung, Entvölkerung und Auswanderung. Was nützen promulgirte Gefetze, welche Moslims, Chriften, Juden und Gebern gleichftellen, wenn fie der Gouverneur nach Gutdünken umgeht? Infolange nicht eine Art Provinzialrath, eine freie Gemeindevertretung und Verwaltung eingeführt wird, ift für das Land kein Heil zu erwarten. Leider dürfen wir eine ähnliche Einrichtung von der jetzigen Regierung kaum hoffen, die fich in kleinlichen Intriguen und in der Phrafe aufzehrt. Die Staatsrevenuen fliefsen aus der directen Befteuerung von Grund und Boden in Geld und Naturalien, aus jener von dem Viehftand der Nomaden und aus dem Einkommen der Zölle für Aus- und Einfuhr. Jedoch fliefsen die Einkommen nicht in eine Centralcaffe, fondern jede Provinz deckt vorerft ihre Ausgaben für die Verwaltung, Militärftand etc., und fchickt den Ueberfchufs in die Hauptftadt oder erhält von diefer das allfällige Deficit. Die fämmtlichen Revenuen werden in guten Jahren auf 3 Millionen Ducaten, beiläufig 17 Million Gulden gefchätzt. Die gefammte Kriegsmacht Perfiens, über welche im Namen des Schah der Sadr- azan( Grofsvezier) den Oberbefehl führt, befteht aus circa 60.000 Mann, welche in die reguläre Armee( Nizam) und die irregulären Aufgebote( Redif) eingetheilt find. Den europäiſchen Inftitutionen entgegen, bilden die Redifs die eigentlichen Kerntruppen. Sie werden von ihren Stammeshäuptlingen, welche zugleich ihre Commandanten find, berufen. Sie beftehen meift aus Reitern, die fich felbft bewaffnen, equipiren und remontiren und Sold nur dann erhalten, wenn fie zum Dienfte berufen find. Die reguläre Armee beſteht aus 75 nach der Heimat benannten Regimentern, welche nach den zwölf Provinzen in ebenfo viele Corps eingetheilt find. Die Ordre de bataille ift ftets wechfelnd, und find die Garni fonen von den Ergänzungsbezirken meift fehr entfernt. Während der Abwefenheit des Schah find die Truppen concentrirt, und zwar in Teheran elf, bei den anderen gröfseren Städten je fechs Regimenter. Die Ergänzung der Truppen ift willkürlich, und haben die Bezirke blofs eine ihnen beftimmte Zahl Köpfe zustellen, berechnet nach der zu liefernden Steuer, fo dafs jede Gemeinde für je 14 Toman, die fie der Regierung aufser dem Zehent bezahlt, einen Mann ftellt, wobei, da Stellvertretung geftattet ift, weder auf phyfifche, noch auf moralifche Tauglichkeit geachtet wird. Die Dienftzeit ift lebenslänglich; doch werden die Mannfchaften nach 3 bis 4 Dienftjahren auf die gleiche Anzahl von Jahren beurlaubt, nachdem fie bei der nur nominellen Exiſtenz von Spitälern meift decimirt worden find. Perfien. 9 Ueberhaupt ift ein Regiment nie stärker als 600 bis 700 Mann, und felbft diefe Zahl wird durch willkürliche Beurlaubungen noch wefentlich verringert. Die Cavallerie zählt in vier Escadronen 500 Mann, welche jetzt eigentlich die Leibgarde des Schah bilden. Am tüchtigften organifirt, equipirt und von einem gewiffen Eſprit de corps befeelt ift die Artillerie, welche ohne beftimmte Eintheilung 600 Mann zählt und 400 Glattkanonen, die fich in nichts weniger als feldtüchtigem Zuftande befinden, bedienen foll. Zwar liegen im Arfenale zu Teheran 36 Lahittegefchütze, fowie 6000 Chaffepotgewehre, die aber nur zur Parade dienen, während in Wahrheit die Bewaffnung, Munition und Bekleidung in einem Zuftande ift, der bei kriegerifchen Verwicklungen als defolat fich erweifen mufs. Eine Remontirung befteht nur für die Artillerie, der Train aber exiftirt gar nicht, und werden die Bagagen auf Kameelen und Efeln transportirt. Techniſche Truppen beftehen ebenfowenig; erft in letzter Zeit wurden 300 Artilleriften vom General Gafteiger Khan, einem geborenen Tiroler, als Pionniere eingefchult und mit Erfolg verwendet. Hieher gehört auch die feit 1850 in Teheran beftehende Akademie, auf deren Lehrplan Mathematik, Phyfik, Mechanik, Gefchichte, Geographie, Taktik und endlich die englifche und franzöfifche Sprache verzeichnet find. Da aber der Eintritt der abfolvirten Zöglinge in das Heer nicht obligatorifch ift, fo wenden fich diefelben meift der diplomatifchen Carriere zu, und ift fomit im Heere, felbft in den höheren Chargen, die Ausbildung faft gleich Null. Generalftab exiftirt natürlich keiner, dafür aber Generale und Oberfte in bedeutender Zahl, welche Grade übrigens keineswegs militärifche, fondern blofs ökonomifche Bedeutung haben, und wie alle Officiersftellen verkauft oder an Günftlinge verfchenkt werden; fo treten z. B. Knaben aus guten Häufern oder Kinder von Tribuschefs, wenn fie in die Armee aufgenommen werden, gleich als Oberfte ( Serheng), manchmal durch Erbfchaft als Generale ein. - - - Der fonft ziemlich bedeutende Sold, von welchem aber der Soldat felten mehr erhält, als den vierten Theil die von den Gemeinden zu liefernden Lebensmittel, endlich die Beurlaubungen bilden für die Officiere weidlich ausgebeutete Speculationsobjecte, über welche Inftructionen und Exerciren ganz vernachläffigt werden. Durch folch' ungeregelte Soldverhältniffe werden die Soldaten gezwungen, Feldarbeit aufzufuchen oder in den Bazars haufiren zu gehen. Die Officiere bis zum Capitän werden von den Generalen ernannt, die Generale aber von dem Schah. Es gibt drei Claffen von Generalen: Sartip über 1, Mirpendfch über 5 und Mirtoman über 10 Regimenter. Der Jahresfold der Officiere ift folgender: Der General foll 1000 Toman erhalten, der Oberft 500, der Major 200, der Capitän 100 und der Lieutenant 20. Doch zieht die Regierung von allen diefen Gehalten 20 Percent ab und zahlt, aufser wenn der Officier im Felde fteht, nur die Hälfte. Der gemeine Soldat erhält beim Dienftantritt von der Gemeinde ein Handgeld und aufserdem von der Regierung einen nominellen Sold von 7 Toman jährlich; da er jedoch nur die Hälfte der Zeit im Dienfte und die übrigen 6 Monate beurlaubt ift, durchſchnittlich 3½ Toman nominell jährlich. Menagebeiträge werden nicht geleiftet. Selbft Unter folchen Umftänden find die erften und wichtigften militärifchen Tugenden, namentlich Disciplin, ganz ungekannte Begriffe, und fehlt jetzt fomit den perfifchen Truppen jede innere Confiftenz und Widerftandsfähigkeit. die Feftungen, deren Wälle aus Lehm oder zerfallenden Mauern beftehen und von einem Achtpfünder in Trümmer gefchoffen werden können, bieten dem Lande keinen Schutz. - Einzig die Wüften find es, welche einer Invafion ernfte Schwierigkeiten bereiten würden; allein auch diefe Hinderniffe werden fiehe Khiwa- durch die moderne Kriegstechnik befiegt; und will Perfien als Zünglein an der Wage der Gefchicke Centralafiens gelten, fo mufs mit eiferner, rücksichtslofer Energie die Wehrkraft des Landes zur Wehr auch Kraft gewinnen. 10 Dr. J. E. Polak. Die Juftiz wird nach Gefetzen des Korans von den Prieftern geübt, doch beſteht auch eine Art weltliches Gericht, von dem geiftlichen nicht ftreng abgegrenzt, Urf genannt, welches im Namen des Königs ausgeübt wird, nach welchem auch Proceffe zwifchen Europäern und Inländern durch Hilfe der Confulate und Gefandtfchaften gefchlichtet werden. Für den öffentlichen Unterricht forgen nur die Akademie, gegründet im Jahre 1851, die auch, durch mehrere Jahre durch öfterreichifche Lehrer geleitet, viel zur Verbreitung von militärifchen, mathematifch- phyfikalifchen und medicinifchen Kenntniffen beigetragen, und die zur Bildung von Prieſtern durch Fundationen unterhaltenen Madraffes. Lobe des Volkes mufs doch erwähnt werden, dafs im Allgemeinen die Eltern für Zum Erziehung ihrer Kinder Sorge tragen und nach Kräften ihnen Unterricht durch Lehrer angedeihen laffen, fo dafs die Bildung extenfiver ift, als man gewöhnlich annimmt, wozu auch das Lefen der guten Dichter viel beiträgt. Die Staatsreligion ift die mohamedanifch- fchiitifche, doch gibt es auch viele Suniten unter den kurdifchen, türkifchen und arabifchen Stämmen. Es finden fich auch viele geheime und offene Secten, die, folange fie nicht den Grundprincipien des Staates zuwider handeln, geduldet werden. Ja nach den oft publicirten Staats- Grundgefetzen find alle Unterthanen vor dem Gefetze gleich, doch ift diefes nur in der Theorie, nicht aber in der Praxis giltig. Die wichtigften Wallfahrtsorte und Afyle des Landes find Mefchhed, Kum und Schohabdulazim, aufserhalb des Landes Kerbelah bei Bagdad, Mekka und Medina. Während die Pilgerfahrten zu den erften fehr zahlreich find, find die nach Mekka und Medina relativ fehr gering.* Verkehrsmittel. Es ift eine bekannte Erfahrung, dafs zur Erfpriefslichkeit des Handels mit einem Lande nicht allein die Billigkeit und Verwendbarkeit der dortigen Artikel und der lohnende Abfatz der importirten Waaren entfcheiden, fondern es müffen noch andere Factoren hinzutreten, die einen lebhaften Handel ermöglichen. Zu diefen zählen wir vor Allem die Communicationsmittel, durch welche Perfonen und Waaren von einem Hafenplatz bis an die Grenze, und von dort aus ins Innere des Landes gelangen können; die Zeit und Koften, welche eine Reife oder ein Transport in Anfpruch nehmen; die Gefahren, Zufälle und Schäden, welchen Perfonen und Waaren ausgefetzt find; den Schutz, den Kaufleute in ftrittigen Fällen oder bei mafslofer Gebarung finden können; die Münzen oder Anweifungen, welche man zum Ankauf braucht, oder beim Verkauf ausführt; die Zeit, welche Nachrichten und Briefe dahin und von dort brauchen. Wir hätten auch zu erörtern, wie fich in naher Zukunft durch Anlage von Bahnen im Lande felbft, bis an die Grenze desfelben oder bis zum Cafpifee, die Transporte und Reifen ändern werden. - Reifen im Innern des Landes. Es gibt mit Ausnahme einer kurzen Strafse im Tieflande des Gelan'fchen Gebietes von Murdab bis Mandfchil keine gebahnten Wege im Lande, abfolut keine Laftwagen, fo dafs Perfonen und Waaren auf dem Rücken von Pferden, Maulthieren und Kameelen transportirt werden. Ausnahmsweife bedienen fich Frauen und fchwächliche Perfonen des Palankins( einer von Maulthieren getragenen Bahre, welche auch in Krankheitsfällen benützt werden kann) oder der paarigen Körbe für den Transport zweier * Ueber den Einflufs der Wallfahrten fiehe Mittheilungen der Wiener geographifchen Gefellſchaft 1867. Itinerarien mufelmanifcher Pilger mit Bezugnahme auf Verbreitung von Cholera von Dr. J. E. Polak. Perfien. 11 Frauen. Man braucht für Waaren immer, für Perfonen auch zumeift die Karawanen, welche täglich durchſchnittlich an fünf deutfche Meilen zurücklegen, um in die Station( Manzil) zu gelangen. Gewöhnlich erfolgt die Reife bei Nacht, fo dafs man in den Frühftunden die Station erreicht, wo man den ganzen Tag verweilt. Dort finden fich an den Hauptrouten Karawanferais, wo man umfonft ein Zimmer occupiren, Waaren und Thiere unterbringen kann. Häufig finden fich in diefen Gebäuden Cifternen zur Wafferverforgung, doch thut man wegen der Verunreinigung gut, fich desfelben zum Getränke nicht zu bedienen. Mit Ausnahme einiger weniger Gebiete in Arabiſtan und Kurdiftan früher auch in Choraffan- herrfcht eine abfolute Sicherheit der Wege, fo dafs man forglos die Reife machen kann. In den genannten Provinzen ift es jedoch der Vorficht halber zweckmässig, fich einen Geleitfchein vom Gouverneur zu verfchaffen, oder einen feiner Diener als Begleitung mitzunehmen, befonders wenn man zu wiffenfchaftlichen Zwecken von der Hauptlinie fich entfernen und Streifzüge machen will. Vorbereitung zur Reife. Da man auf dem Karawanenpferde nur Packfättel vorfindet, fo mufs man einen feften englifchen Sattel mitführen. Ausserdem ift es gut, fich mit folgenden Artikeln auszurüften: mit einem kleinen Teppich von etwa 2 Meter Länge; einem dicken wafferdichten Flanell des Landes( Patu); einem leeren Strohfack zum Schlafen, den man immer in der Station mit Strohhäckfel füllen laffen kann; mit etwas perfifchem Infectenpulver( welches nirgends im Lande zu finden und nur noch in Tiflis zu kaufen ift); einem Zwerchfack, der haltbar und gut überall im Lande käuflich ift; einem Mantel, der immer Sommer und Winter am Sattel angefchnallt nie ins Gepäck gelegt werden darf, da bei Wechfel der Temperaturen zwifchen Tag und Nacht, Tiefe und Höhe leicht auch Erkältung, Wechſelfieber und Ruhr zugezogen werden können; einem Trinkbecher und einem kupfernen Napf, zwei Büchfen Fleifchextract, etwas mageren Zwieback, etwas Thee und einer kupfernen Theekanne; einem Filzhut mit breiter Krempe und hirfchledernem Unterbeinkleid; einigen abgetheilten Dofen Chinin. In einer gröfseren Ortfchaft oder einem Städtchen angelangt, kaufe man einigen Mundvorrath für etwa 2 bis 3 Tage, welcher mit anderen täglichen Gebrauchsgegenständen im Zwerchfack mitgeführt wird. Da eine Karawane ihre beftimmten Rafttage und Stationen hat, fo nützen das Drängen und die Vorwürfe über Zeitverluft gar nichts, man mufs fich daher refigniren und darauf rechnen, dafs etwa jeder dritte Tag verloren geht und man z. B. zu einer Diftanz von etwa 15 Tagreifen 20 bis 21 Tage braucht. Vertheidigungswaffen mitzuführen, ift unpraktifch, höchftens eine Flinte, wenn man Jäger ift, um Wild für die Küche zu erlegen. Gegen das Aufreiten und Frattwerden bei ungeübten Reitern nützt eben ein knapp anliegendes ledernes Unterbeinkleid, das Wafchen der gerötheten Theile mit kaltem Waffer, dann Abtrocknen und Ein ftreuen eines Pulvers von folgender Zufammenfetzung: feines Reismehl 3 Loth, Zinkoxyd 4 Gramm, Zinkfulfat I Gramm. Gegen Reizung der Haut durch ſtarke Sonnenftrahlen dient der breitkrempige Filzhut und Einreiben von Glycerin, gegen Reizung der Augen in Schneeflächen eine Brille mit färbigem Glas, gegen Fieber Chinindofen vor dem Anfall, gegen Ruhr, die meift im Sommer herrfcht, Zurückziehen in die Berge und Genufs von faurer Milch. Reife mit Poft. Im Falle, dafs die Zeit drängt und man auch an Strapazen gewohnt ift oder durch mehrtägige vorläufige Ritte von mehreren Meilen fich dazu vorbereitet hatte, fo wählt man die Poft. Es beftehen nämlich von Seite der Regierung an den Haupt- Karawanenftrafsen Poftftationen, wo man für das Entgeld von 10 Ducaten per Thier und Farfach Pferde vorfindet. Man mufs immer einen Poftknecht zur Orientirung, aufserdem zum Tragen des leichten Gepäckes mitnehmen. Beim Poftritt find folgende Vorfichtsmafsregeln zu beobachten: I. Man unternehme, wie erwähnt, nie denfelben, ohne fich durch mehrtägige Ritte vorbereitet zu haben. 2. Am erften Tage forcire man nie den Ritt und mache höchftens zwei Stationen, alfo etwa 10 Meilen, während man die folgenden fchon an drei und nur bei fehr zwingender Nothwendigkeit vier alfo 20 deutfche Meilen per Tag 12 Dr. J. E. Polak. macht. 3. Man laffe fich nicht verleiten, wegen Müdigkeit einen Tag auszuraften, weil dann am folgenden der Courierritt unmöglich wird. 4. Am Orte der Beftimmung angelangt, befuche man das fogenannte türkifche Bad, laffe fich dort abkneten. wodurch faft alle Müdigkeit und Abgefchlagenheit aufhört. Transport von Waaren im Innern des Landes. Es verfteht fich von felbft, dafs diefer nur mittelft Karawane erfolgen kann. Die Waaren müffen fo verpackt fein, dafs jedes Colli 70 bis 80 Kilo wiegt, wovon zwei auf den Seiten des Laftthieres fich das Gleichgewicht halten. Da diefe Laften auf jeder einzelnen Station auf- und wieder abgeladen werden, aufserdem die ungebahnten Wege viele Gefahren durch Sturz der Thiere und Laften beforgen laffen, fo ift doch durchfchnittlich die Gröfse und Menge der Schäden geringer als man unter ähnlichen Verhältniffen vorausfetzen könnte. Die Ehrlichkeit und Tüchtigkeit der Karawanenführer ift allbekannt, und es kommt öfter vor, dafs Kaufleute eine bedeutende Geldfumme in ein Colli legen, ohne Declaration und ohne Sorge für deren Verluft. Die Zeit und die Koften, die ein Karawanentransport beanfprucht, wechfeln nach dem billigern und theuerern Futter; fo dauert derfelbe im Frühling länger, weil die Thiere, vom Grünfutter lebend, nur halbe Stationen machen. Durchfchnittlich lässt es fich annehmen, dafs der Transport wenigftens um die Hälfte mehr Tage als die vorhandenen Stationen ausmacht und dafs trotz des relativ geringen Preifes der Thiere der Transport unverhältnifsmässig theurer als in Europa ift. Telegraphen. Perfien wird von einer Telegraphenlinie von Norden nach Süden von Tiflis- Tabris, Isfahan- Schiraz bis zum perfifchen Golf, ferner von Weften nach Often von Bagdad bis Isfahan verbunden. Der Dienft ift ein verläfslicher und regelmäfsiger, er wird zumeift durch englifche Beamte beforgt. Die Depefche kann in englifcher und franzöfifcher Sprache abgefafst fein. Der Preis einer Depefche von 20 Worten von Wien nach Teheran beträgt II fl. öfterreichifcher Währung. Briefe. Etwas fchwieriger als mit Telegrammen ift es mit den Briefen, da keine regelmässigen Poften exiftiren. Die Briefe von Europa werden daher via Trapezunt oder Tiflis inftradirt. Von Trapezunt gehen die Couriere der englifchen, franzöfifchen, öfterreichiſchen und türkifchen Gefandtfchaft im Wechfel faft jede Woche ab, am häufigften circuliren die englifchen, fie brauchen von Trapezunt bis Teheran, eine Diſtanz von beiläufig 190 deutfchen Meilen, etwa 10 bis 12 Tage, fo dafs ein Brief, wenn er den Courier nicht verfehlt, in circa 20 Tagen anlangen kann. Da die Gefandtfchaften den Briefverkehr unentgeltlich beforgen, fo ift es zweckmäfsig, die Adreffe des bis Trapezunt mit 15 kr. frankirten Briefes folgendermafsen abzufaffen: Mr. N. N. à Tabris en Perfe via Trapezunt. Aux soins obligeants de l'Ambaffade de S. M. Will man die Briefe über Rufsland befördern, fo mufs angemerkt fein via Odeffa et Tiflis. Aux foins obligeants du Confulat Ruffe à Tabris. Kleine Packete von wenigen Lothen werden auf diefe Weife auch befördert, während gröfsere zurückgewiefen werden müffen, damit der Courier nicht überladen und in feinem Ritt gehemmt werde. Natürlich gebietet es der Anftand, dafs man im Lande felbft, wo man die Briefe aufgibt, fich der Gefandtfchaft vorftellt. Reifen von Europa nach Perfien. Nehmen wir Wien als gröfste Stadt von Centraleuropa, künftigen Knotenpunkt der nach dem Orient führenden Bahnen und viel bewunderten Ausftellungsplatz einerfeits als Ausgangs-, anderfeits Tabris als gröfsten Handelsplatz Perfiens, und Teheran als Hauptftadt, als Endpunkt an, fo ergeben fich für Perfonen und Waaren folgende Routen: I. Route: Wien, Conftantinopel, Poti, Tiflis und Tabris. Von Wien nach Conftantinopel 3 Tage, von dort nach Trapezunt 3, nach Poti I. Von Poti nach Tiflis mittelft Bahn, die nur eine geringe Unterbrechung hat, I Tag. Von Tiflis aus fährt man mit ruffifcher Poft bis zu dem Grenzfluffe, dem Araxes, in 2, Perfien. 13 höchftens 3 Tagen; jedoch ift es zu wiffen nothwendig, dafs, wenn man keine Unterbrechung im Poftverkehr erleiden will, man ein Empfehlungsfchreiben erfter Claffe bei der Gefandtfchaft in Wien oder bei den Behörden in Tiflis erlangen mufs. Vom Araxes bis Tauris mit perfifchen Courierpferden 2, oder mit ruffifchem Fourgon( Leiterwagen) 3, im Ganzen 13 Tage, doch kann man immer durch Verluft an Anſchluſs der Dampffchiffe 18 Tage rechnen. 2. Route: Wien, Odeffa, Tiflis. Von Wien nach Odeffa mittelft Bahn odér Donau- Dampffchiff in 3 Tagen. Von Odeffa nach Poti befteht jetzt noch keine directe Verbindung, die jedoch bei zunehmender Communication im Plane ift; jetzt braucht man durch Aufenthalt in den einzelnen Echellen an 8 Tage. Von Poti nach Tiflis I Tag. 3. Route: Wien, Teheran. Man macht die Fahrt nach Tiflis etwa in 12 bis 14 Tagen. Von Tiflis kann man den längeren Karawanenweg über Tabris nach Teheran von 34 Tagreifen wählen. Da jedoch die Diftanz von Tiflis nach Baku oder nach Tabris die gleiche ift, fo thut man beffer, mittelft ruffifcher Poft nach Baku in 2 bis 3 Tagen zu fahren, und von dort aus mittelft Dampffchiff nach Enzeli. Von letztem Hafen bleiben jedoch nur 6 Tagreifen nach Teheran, die man leicht im Courierritt in 3 Tagen machen kann. Im Ganzen wären für diefe wenig befchwerliche Route an 3 Wochen nothwendig. 4. Route: Wien, Warfchau, Smolensk, Sarazin, Aftrachan, Teheran. Diefe ift für Perfonen zur Sommerszeit die kürzefte und billigfte Tour. Durch Vollendung der Bahn Riga- Sarazin wird es möglich in 4 Tagen per WarfchauSarazin, dann mittelft Wolga- Dampffchiff Aftrachan in 2 Tagen zu erreichen. Von Aftrachan nach Enzeli werden 4 Tage, und von dort nach Teheran mittelft Poft 2 bis 3 Tage beansprucht, fo dafs bei gehörigem Anfchlufs die Reife nach Teheran ohne befondere Strapazen in 14 Tagen gemacht werden kann. 5. Route: Wien, Aftrachan, Salian, Tabris. Von Wien nach Aftrachan 6, von dort nach Salian( im Ruffifch- Talifch) 3 Tage. Von Salian bis Tabris bleiben 8 Tagreifen, die in 3 Tagen zurückgelegt werden. Jedoch wäre zu erinnern, dafs die Routen 4 und 5 in der Winterszeit wegen der durch Eis gefchloffenen Wolga nicht ausführbar find. 6. Route: Wien, Trapezunt, Armenien, Tabris. Früher, ehe die Bahnen Poti- Tiflis und Warfchau- Sarazin fertig waren, wählte man häufig wegen der Billigkeit diefe Route. Von Trapezunt bis Tabris find 22 Stationen, die ein geübter Reifender leicht im Courierritt in 10 Tagen zurücklegen kann. Jetzt wird fie wegen der Strapazen und Theuerung der Poftpferde von Reifenden weniger befucht; doch kann man auf diefem Wege nach Tabris in 16 bis 20 und Teheran in 26 Tagen erreichen. Im Karawanenwege braucht man an 2 Monate. 7. Route: Wien, Bufchir, am perfifchen Golf. Hätte man Gefchäfte im Süden Perfiens oder in Mafkat, oder wollte man als Tourift Perfepolis oder Schiraz befuchen, fo wäre folgende Route angezeigt: Von Wien nach Port Said und Suez, oder Wien, Alexandrien und Suez in 8 Tagen. Die fchon lange geplante directe Verbindung zwifchen Suez und Bufchir ift noch nicht ausgeführt, einige Dampfer halten wohl auf der Rückreife von Bombay wegen Abgabe von Depefchen und wegen Aus- und Einfchiffen von Waaren in Bufchir, und man ift daher gezwungen, von Suez nach Bombay und von dort zurück wieder nach Bufchir zu fahren. Da die Poftfchiffe, mit allem Luxus ausgeftattet, sehr theuer find, fo gehört diefe Route auch zu den koftfpieligften. Von Bufchir nach Schiraz find 10 Stationen, von Schiraz nach Perfepolis I, fo dafs man in 6 Tagen von Bufchir nach Perfepolis gelangen kann. Auch ift alle 14 Tage eine engliſche Dampffchifffahrt- Verbindung zwifchen Bufchir und Bagdad. Wie immer gehört eine Reife nach Perfien noch zu den theueren und umftändlichen und man kann von Wien nach Tabris, wenn man erfter Claffe reifft, fie immerhin auf 300 fl. öfterreichiſcher Währung oder auf 30 Pfund Sterling 14 Dr. J. E. Polak. anfchlagen. Will ein vermögender Mann ohne alle Strapazen Teheran erreichen, fo thut er am beften, fich mittelft Telegramm an das Confulat in Refcht ein Palankin zu beftellen, dann die Route Sarazin, Aftrachan, Enzeli, Refcht zu wählen. Auf diefe Weife ift es felbft fchwächlichen und kränklichen Perfonen ohne bedeutende Strapazen und Zwifchenfälle möglich, die Reife in höchftens 20 Tagen Tour oder Retour zu machen. Transport von Waaren. So lange die Bahn von Tiflis nach Baku nicht gebaut und das fchwarze Meer mit dem cafpifchen durch einen Schienenftrang nicht verbunden, und fo lange nicht die Bahn von Sarazin nach Aftrachan ausgebaut ift, welches jedoch bei den geringen Hinderniffen nur eine Frage von wenigen Jahren fein dürfte, bleibt faft für ganz Europa mit Ausnahme von Russland für Waarentransport die Route Trapezunt, Armenien und Tabris noch immer die befte und billigfte, weil a) der Karawanenweg von Tiflis nach Tabris faft eben fo viel Zeit und Geld in Anfpruch nimmt als der von Trapezunt nach Tabris, b) weil hier die Waaren z. B. von Wien nur an Lloyd und Karawane, dort an den öfterreichifchen Lloyd bis Trapezunt, dann an die ruffifche Gefellſchaft bis Poti, dann an die Eifenbahn, endlich an die Karawane übergeben werden müffen, welches vierfaches Verladen und gegenfeitiges Verrechnen der Spedition verlangt. Der Weg Trapezunt- Tabris hat jedoch den grofsen Nachtheil, dafs die Türkei I Percent für den Transit fordert, während Rufsland diefen freigibt. Wie erwähnt rechnet man für Reifende von Trapezunt bis Tabris 22 bis 25 Stationen; jedoch braucht die langfam fortfchreitende Karawane 30 bis 40, im Frühling wegen des Grünfutters an 50 Tage, im Winter fogar wegen Schneeverwehungen an 2 Monate. Der Koftenpunkt per Zollcentner fchwankt zwifchen 80 bis 120 Piafter( 7 bis 11 fl. öfterreichischer Währung). Mit der Vollendung der Strecke Poti- Tiflis dauert jetzt bei regelmäfsigem Verkehre der Gütertransport von Poti nach Tabris 30 bis 35 Tage. Von Tiflis bis Dfchulfa, dem am Araxes gelegenen ruffifch- perfifchen Grenzorte, befteht eine gut angelegte Strafse, und obwohl von dort aus bis Tabris noch keine Fahrftrafse exiftirt, fo werden doch wegen des durchfchnittlich ebenen Charakters des Bodens nicht allzu fchwere Waaren mittelft Leiterwagen( Fourgons) leicht transportirt. Ueberdiefs bietet die Linie Conftantinopel- Poti- Tabris den Vortheil fixer Frachtfätze, da die ruffifche Dampffchifffahrt- Gefellfchaft, die Beförderung der Waaren bis nach Tabris beforgt, und zwar für die Strecke PotiTabris( ohne Transitzoll) für 90 Piafter( 8 fl. öfterreichiſcher Währung) den Zollcentner. Ein grofser Uebelftand auf diefer Linie ift allerdings, dafs die Anftrengungen Rufslands, die fchlechte, nur für kleine Dampffchiffe zugängliche Rhede von Poti zu einem ficheren Hafen umzugeftalten, bis jetzt zu keinem Refultat geführt haben. Man hofft übrigens noch immer auf ein fchliefsliches Gelingen der Arbeiten, für deren Ausführung Seitens der Regierung neuerdings grofse Summen bewilligt wurden. Allerdings würde fich der türkifche Hafen Batum am beften dafür eignen. Für die dem Cafpifee limitrophen Provinzen, überhaupt für den Export- und Importhandel mit Rufsland, bleibt natürlich die Route von den Hafenplätzen am Cafpifee, nämlich Aftrabad, Enfeli und Mafchtifer, zu Land der Karawanenweg von Tabris nach Tiflis der billigfte, während für die füdlichen und füdöftlichen Provinzen, überhaupt für den Handel mit Indien, Egypten und Mafkat die Hafenplätze am perfifchen Golf, vorzüglich Bender- Bufchir und Bender- Abbas dienen; auch finden fich dort kleinere Häfen und Rheden, die für den Localhandel, für die Küftenfahrt und für den Verkehr mittelft arabifcher Barken nach den Infeln im Golf und Mafkat und für den Transport nach Mekka dienen. Eine grofse Zukunft im künftigen Communicationswefen fteht dem Orte Muhamereh bevor. Diefer, am Zufammenfluffe des Euphrat und Karun gelegen, hat einen ausgezeichneten Hafen mit Ankerplätzen, er fchliefst aufserdem die einzige natürliche Route für eine Eifenbahn- Linie in die ergiebige Provinz Chufiftan( Sufiana), während die anderen Routen zum Golf gegen Bufchir und Bender- Abbas wegen der grofsen Perfien. 15 Schwierigkeiten der Gebirge und Wüften faft zur Unmöglichkeit gehören. Im Befitze einer handeltreibenden Nation könnte diefer jetzt miferable Ort die Rolle von Marſeille oder Genua für Vermittlung des Handels am perfifchen Golf mit Indien, Arabien, Egypten und Europa mit der Zeit fpielen. Die Karawanen- Hauptlinien im Innern Perfiens. I. Von der nordweftlichen Grenze bis Teheran. Diefe Linie fchliefst fich an die türkifche von Trapezunt ausgehend an der perfifch- türkifchen Grenze bei Bajazit am Arrarat an. Von Bajazit bis Tabris find 5 Stationen, unter denen die fchöne Stadt Choi. Von Tabris bis Teheran 15 bis 16 Stationen, worunter die Städte Mianeh, Sengan, Sultanieh, Caswin, Kent. 2. Von Teheran nach Isfahan 10 bis 12 Stationen, 57 geographifche Meilen, darunter die Städte Kum, Kafchan, Kahrud, Suj. 3. Von Isfahan nach Schiraz 12 Stationen, darunter die anfehnliche Stadt Gamifche und Yezdechaft. Bei Yezdechaft theilt fich der Weg; während nämlich im Sommer der kürzere weftliche über die Steppen von Afepas und Adfchan zieht, nimmt im Winter die Karawane wegen Verfchneiung des erfteren, den längeren Weg über die induftriöfe Stadt Abadeh und Tachte Suliman. 4. Von Schiraz nach Bender Bufchir find zwar nur 10 bis II Stationen, doch find einige darunter wegen der fteilen Bergrücken für Karawanen fehr gefähr lich. Die Diftanz beträgt nur 37 geographifche Meilen. Die Stationen find: Schiraz, Chanezenian, Defchteardfchen, Kazeran, Kamaridfch, Kenartacht, Dalaki, Barazdfchan, Chanegeyn, Bufchir. 5. Von Teheran nach Mefchhed find 24 bis 26 Stationen. Der Weg führt von Teheran über Veramin, in der Nähe des alten Rages, durch den Chaiber Pafs( Caspiae pylae) über Kifchlak, Dehnemek, Lazgird, Simnan, Damgan, Ahuan Gafcheh nach Scharud in II Stationen. In Schahrud beginnen vier Schreckensftationen, weil in diefen häufig Ueberfälle der Tekketurkomanen ftattfinden, daher nur grofse und wohlbewaffnete Karawanen fich dafelbft wagen. Von Schahrud bis Sabfewar find 10, von dort bis Nifchapur( in deffen Nähe die berühmten Türkifenminen) 3 und von dort nach Mefchhed 3 Stationen. 6. Von Teheran nach Bagdad. Man zählt 24 Stationen, davon 21 auf perfifchem Boden, die wichtigften find: Rabatkerim, Chufchkek, Melanogird, Naffirabad, Hamadan, Kengaver, Sahne, Behiftan, Kirmanfchah, Zuhab, Kasrefchirin, Chanegeyn, Bagdad. Von Kirmanfchah bis Bagdad befteht keine Poftverbindung, man ift daher gezwungen ,, der Karawane zu folgen. 7. Von Teheran nach Refcht und Enzeli am Cafpifee 6 bis 7 Stationen. Der Weg führt über Caswin und Charfen, von dort ift ein jäher Abfteig von etwa 4900 Fufs, man gelangt an den mit fchönen Olivenhainen umgebenen Ort Manfchil am Sefidrud. 8. Von Teheran nach Mafanderan. Der Sommerweg ift kürzer, er führt längs des Herasbaches am Fußse des Demawendkegels nach dem hübfchen Städtchen Afk, von dort nach Amel, Balafrufch und dem Hafen Mafchtifer. Der Winterweg braucht 9 Stationen, er führt von der lieblichen Stadt Demawend vorüber über den Firaz Kuh nach Amel. 9. Von Isfahan nach Yezd 44 deutfche Meilen, die man in zehn Stationen macht. Man findet unterwegs fchöne Karawanferais. 10. Von Yezd nach Kerman 52 deutfche Meilen in zwölf Stationen ( Mahmedabad, Sireyezed, Zainuddin, Kirmanfchahan, Schems, Anar, Bayaz, Chufchkuh, Baharamabad, Kebuterchan, Baghin, Kirman). II. Von Kirman gegen Beludfchift an nahe 45 Meilen, die man in eilf Tagen macht. 12. Von Kerman gegen Bender Abbas find gegen 80 geographifche Meilen, die in etwa zwanzig Stationen zurückgelegt werden, deren 16 Dr. J. E. Polak. wichtigfte Mahan, Sabriftan und Laar, deren letztere im Tieflande wegen der aufserordentlichen Hitze, der Fieber und der herrfchenden Ophthalmien fehr befchwerlich ift. 13. Von Tabris nach Tiflis 15 Stationen, wovon vier bis zur Grenze am Araxes in Perfien gelegen. 14. Von Tabris nach dem Hafen Salian fieben bis acht Stationen. 15. Von Tabris nach Refcht. Der Sommerweg, als kürzerer, führt über den Bezirk Chalchal, Maffulah und Fumen, er beträgt 64 Farfach, die in zwölf Tagen zurückgelegt werden, während der Winterweg, über Caswin führend, an 22 Tage in Anspruch nimmt. Diefe 16. Von Tabris nach Bagdad über Kurdifch- Sulimanieh. Karawanenftrafse zieht durch die Stationen Gaigan, Binab, Mianduab, Saudfchbelag gegen die türkifche Grenze über Sulimanieh bis Bagdad, zu welcher Reife man gegen 20 Tage braucht. Werfen wir nun einen Blick auf die gegenwärtigen Communicationsmittel im Lande, fo müffen wir geftehen, dafs diefe die erbärmlichften find, und dafs trotz der Nothwendigkeit feit 200 Jahren kein Fortfchritt, fondern ein wahrer Rückfchritt eingetreten ift, weil zur Zeit der Safidynaftie auf den fchwierigften Punkten Steinpflafter angelegt und an den einzelnen Stationen prächtige Karawanferaien erbaut worden find, die jetzt dem Verfalle durch Mangel an Reparatur anheimfallen. Die Unerläfslichkeit von fahrbaren Strafsen wurde am beften durch die letzte Hungersnoth bewiefen, indem kein Getreide vom Ausland und den fernen Provinzen zugeführt werden konnte, weil die Thiere auf der Hin- und Rückreife faft fo viel confumiren, als fie beiläufig tragen können. Ausfuhr von voluminöfen Stoffen, fo Wolle, Baumwolle, edle Hölzer, Farbftoffe etc., ift nur bei befonders glücklichen Handelscombinationen in Europa möglich. Oefterreich hatte durch Errichtung des Lloyd und der Donau- Dampffchifffahrt- Gefellſchaft der Türkei und Perfien den Fingerzeig gegeben, was zum Auffchwung des Handels zu gefchehen habe. Das Aufblühen von Trapezunt, Erzerum und Tabris, der ftets zunehmende Handel von 1850 bis 1860 in Perfien find nur jenen Inftitutionen zu verdanken; allein weder die Türkei noch Perfien hatten das mindefte Verftändnifs dafür, fie bauten keine Strafsen, fie regelten nicht ihre Douanen, fie rechneten auf die Indolenz der europäifchen Völker, die ihnen die hingeworfenen Vortheile ewig wahren werden. Doch haben fich feitdem die Verhältniffe geändert und dürften in wenigen Jahren fich noch wefentlich, und zwar zum Nachtheile der Route Trapezunt, Erzerum, Tabris umftalten. Bereits ift die Bahn Poti- Tiflis und RigaSarazin vollendet und in wenigen Jahren werden auch die Strecken Tiflis- Baku und Sarazin- Aftrachan ausgebaut, und hiemit der Cafpifee von zwei Seiten von Oefterreich und Deutfchland in wenigen Tagen zu erreichen fein. Mit Vollendung diefer Strecken, welche Waaren ficher, billig und mit beftimmter Lieferzeit nach Perfien führen werden, mufs der Handel über Armenien vollkommen lahmgelegt werden und Trapezunt wieder wie ehedem zu einer unbedeutenden Stadt herabfinken. Dazu kommt noch, dafs Perfien mit Hilfe des geachteten Haufes Baron Reuter zum Behufe des Eifenbahn- Baues einen Vertrag gefchloffen hat, welcher die erfte Angriffnahme der Linie Enzeli- Teheran zur Verpflichtung macht. Diefe Linie ift zwar äufserft fchwierig wegen des bodenlofen Sumpfes im Gilan und wegen der bedeutenden Steigerung längs des Sefid- rud von Manfchil bis unterhalb des Kaflan Kuh, fie kommt auch zumeift Rufsland zu Gute, weil nach Tractat keine andere Nation den Cafpifee mit Schiffen anderer Flagge befahren darf. Doch ift diefe Linie als erfte unerlässlich, weil nur hier Holz in beliebiger Güte und Qualität zu erlangen ift, aufserdem fchweres Material, wie Schienen, Locomotiven u. f. w., nur von dort aus zu beziehen möglich ift. Es wäre denn, dafs man fich dazu entfchlöfse, proviforifch zum Holen des Materiales eine Pferdebahn zu bauen. Perfien. 17 So gravitiren alle Verhältniffe dahin, Rufsland nicht allein zum Handelsherrn von Turkeftan, fondern auch von Perfien zu machen, und zwar durch die legitimften ihm zu Gebote ftehenden Mittel. Dafs jedoch einem folchen Handelsmonopol mit der Zeit eine unbeftreitbare Machtftellung folgen müffe, iſt jedem Vernünftigen klar. Man braucht nur an die logifchen Folgen des Zollvereines in Deutfchland zu denken. Wenn daher das übrige Europa bedacht ift, von dem Handel mit Mittelafien nicht gänzlich ausgefchloffen zu werden, oder fich durch die einzige Route monopolifiren zu laffen, fo bleibt ihm nur der einzige mögliche Ausweg über, eine Parallelbahn zu errichten. Es baue rafch von einem Hafen am Mittelmeer bis Mossul die fogenannte Euphratbahn; von Mossul, dem Knotenpunkt, gehe a) füdlich eine Linie nach Muhamereh, die eventuell fpäter gegen Arabistan, längs des Karun verlängert werden könnte; b) die Hauptlinie Alexandrette Mossul, jedoch überfchreite bei TürkifchSulamanieh die Elwendkette, um längs des Sefid- rud an die Station unterhalb des Kaflan Kuh zu gelangen, wo die Verbindung der Linie Enzeli- Refcht ftattfinden dürfte. Dadurch würde vorerft das Mittelmeer mit dem Caspifee durch einen Schienenftrang verbunden; c) vom letzteren Knotenpunkt, wäre eine Bahn nordweftlich gegen Tabris zum künftigen Anfchlufs an Tiflis zu bauen; die Hauptlinie ziehe jedoch öftlich über Caswin, um Teheran zu erreichen. Von Teheran aus verlängere man den Strang bis Mefchhed, eventuell fpäter bis Herat, Kandahar, Kabul und Pifchawer. Mefchhed, eine grofse bevölkerte Stadt, Pilgerort und Knotenpunkt des Karawanenhandels nach Turkestan, Afghanistan und Caspifee, von wo aus die Strafsen nach Merv- Serachs, Gurian und Herat führen, müfste zum Emporium des centralafiatifchen Handels erhoben werden. Es ist wohl nicht zu leugnen, dafs der Bau einer Linie etwa von Alexandrette bis Mefchhed nahe an 300 deutfche Meilen, deren eine Hälfte auf türkifches und die andere auf perfifches Gebiet fällt, bedeutende Summen verfchlingen und dafs die Rentabilität fich erft in einigen Jahren herausftellen dürfte; doch mufs andererfeits auch bedacht werden: 1. dafs bei einer Vitalfrage im Handel und dadurch bedingter Machtftellung mit Geld zu kargen unklug ift; 2. dafs die Hinderniffe nicht auffallend grofs und dafs die vorzüglichen Arbeitskräfte um billigen Preis zu erlangen find; 3. dafs endlich bei dem Reichthum an Naturproducten und der an der Linie zu findenden Kohlenlager fich auch in kurzer Zeit eine Rentabilität herausftellen wird. Nur auf diefe Weife könnte, wie vor vielen Jahrhunderten, der Handel mit Afien wieder zum Mittelmeer zurückkehren und allen Völkern Europas in gleicher Weife eröffnet, die Türkei für den Rückgang Trapezunts entfchädiget werden und Perfien zur Entfaltung der durch Natur und geographifche Lage ihm verliehenen Hilfsmittel gelangen. Sanitäre Verhältniffe und Acclimatifation. In einem Lande, wo in Krankheiten von Seite gebildeter Aerzte nur felten Hilfe zu erwarten ift( es befinden fich derzeit in Perfien nur fieben graduirte europäiſche und zwei inländifche Doctoren) verlangt es die Pflicht der Selbſterhaltung, dafs fich der Fremde mit den fanitären Verhältniffen im Vorhinein bekannt mache, theils zum Zwecke der Acclimatifation, theils wegen der möglichen Zufälle während eines kurzen Aufenthaltes. Weder von Seite des Staates, noch der einzelnen Communen befteht irgend eine fanitätspolizeiliche Aufficht. Das Trink- und Gebrauchswaffer, meift vorzüglich bis zum Eintritt in die Städte, wird in den Städten felber in offenen unausgemauerten Rinnen in den Strafsen geführt, wo es natürlich den verunreinigten Boden auslaugt und Krank2 18 Dr. J. E. Polak. heitskeime aufnimmt; hie und da durchsetzt es auch Friedhöfe oder fliefst ganz in der Nähe derfelben. Das Aas bleibt in den Strafsen liegen, oder wird höchftens in die Stadtgräben gefchleppt, bis es Nachts von den vagirenden Hunden aufgezehrt wird; diefe verdienen daher im Orient alle Schonung, da fie, fonft harmlos, die einzigen find, die eine Art Sanitätspolizei ausüben. Ebenfo werden die Abfall ftoffe nicht aus den Städten ausgeführt, fondern werden in grofsen Haufen in abfeitige Strafsen und Plätze geworfen; die thierifchen Abfallftoffe finken in tiefe Gruben à fond perdu, es befteht weder ein Canal- noch Abfuhrfyftem. Die Friedhöfe, die nirgends eingefriedet find, befinden fich zum Theil an Plätzen in der Mitte der Städte, zum Theil in der Nähe derfelben, die Leichen werden in geringer Tiefe von etwa drei bis vier Fufs beigefetzt, die Paffage geht unbehindert üher diefe Leichenäcker weg. Dazu kommt noch der gänzliche Mangel an Civil- und Militärfpitälern, wodurch eine Ifolirung bei anfteckenden Krankheiten unmöglich gemacht wird. Diefe unglücklichen fanitären Verhältniffe bewirken es, dafs der Aufenthalt in Städten während der Sommerzeit, wo die genannten Schädlichkeiten am heftigften fühlbar find, ein peinlicher, ja fehr gefährlicher wird. Die enorme Sterblichkeit, befonders unter den Kindern und Garnifonen. welche von ihrem Werbebezirke unmittelbar in die Städte verlegt werden, die rafche Abnützung der Städtebevölkerung und die Nothwendigkeit des fteten Zuzuges von Aufsen zur Ergänzung, die Heftigkeit und Häufigkeit von Epidemien. befonders Typhus, Ruhr, contagiöfen Hautausfchlägen und Cholera, das Ueber fchreiten letzterer über ihre Grenzen und Fortpflanzung nach Europa( meift über den Kaukafus und Aftrachan, feltener über Conftantinopel) find den genannten Umftänden zuzufchreiben. Es ift felbftverſtändlich, dafs diefe Krankheiten auf Ankömmlinge, Sorglofe, Arme und Nichtacclimatifirte ftärker einwirken, daher auch die häufigeren Erkrankungen und Sterblichkeit in den erften Jahren des Aufenthaltes. Daraus fliefst die Regel, dafs der Fremde auf die Wahl des Trinkwaffers eine befondere Aufmerkſamkeit haben und, fo es ihm verdächtig fcheint, es durch einen fchwachen Aufgufs von chine fifchem Thee verfetzen foll, befonders auf Reifen während der heifsen Jahreszeit, weil er den Durft anhaltender und beffer ftillt als Waffer. Der mässige Genufs von Spirituofen, befonders Wein, ift zuläffig, fogar nützlich; leider verleitet die Langeweile die Ungebildeten zum Uebermafs und dadurch zum Ruin der Gefundheit. Bei der Wahl der Wohnung fehe man darauf, dafs fie an den Friedhof nicht angrenze; man fchlafe, wenn thunlich, in einem Zimmer erften Stockes, um Fieber zu vermeiden, befonders wenn, wie üblich, im Hofe ein Baffin von ftehendem Waffer fich befindet. Da die gefährlichen En- und Epidemien von Fieber, Ruhr und Cholera faft immer nur im Spätfommer und erften Theil des Herbftes herrfchen, fo vermeide man während diefer Zeit den Aufenthalt in den Städten, ziehe vielmehr in die höher gelegenen Dörfer, felbft in die Berge unter Zelte. Diefes wird fogar zur Pflicht der Lebenserhaltung, wenn man von Fieber und Ruhr lange heimgefucht wird, weil dann die einzige Rettung in Berghöhen von über 6500 Fufs, wo abfolute Immunität herrfcht, oder im Verlaffen des Landes auf dem kürzeften Wege zu finden ift. Durch beide Mittel fah ich noch in fehr verzweifelten Fällen Heilung. Aus demfelben Grunde unternehme auch kein Europäer um die erwähnte Zeit des Herbftes eine Reife, befonders nicht gegen den Süden( Perfepolis- Schiraz) oder gegen die Marfchländer am Cafpifee. Speciell auf die einzelnen Krankheiten übergehend, wäre zu erinnern, dafs das Wechfelfieber unter den mannigfachften maskirten Formen aufzutreten pflegt. Man fei daher darauf bedacht, dafs eine länger dauernde Appetitlofigkeit, Unmuth, Trägheit zur Arbeit darauf hinweifen, dafs ein Fieber im Anzug oder fchon vorhanden fei, daher auch fchon der Gebrauch des Chinins angezeigt ift, weil dadurch das maskirte Fieber meift in ein offenes fich umwandelt. Weicht Perfien. 19 das Fieber lange nicht dem Gebrauch des Chinins oder felbft eines Brechmittels, fo pflegt faft immer Ruhr zu folgen und daher ein Klimawechfel unerlässlich. Tritt die Ruhr nicht befonders ftürmifch auf, fo weicht fie leicht dem einmaligen Genufs einer Calomeldofis und dem darauf folgenden Gebrauch von Ricinöl durch zwei bis drei Tage. Das Getränk von fauerer oder Buttermilch befördert die Heilung. Jedoch verlangt eine langdauernde und heftige Ruhr die Ueberfiedlung in die Berge. Das Auftreten von Cholera in einer Stadt macht das rafche Verlaffen des Ortes zur Pflicht, weil der Nichtacclimatifirte rafch ergriffen wird. Man vergeffe nicht an die Immunität von Cholera bei Höhen über 6500 Fufs. Der Typhus ift kein abdominaler, fondern ein fchnell verlaufender und contagiöfer Fleckentyphus, er herrfcht zumeift während der Wintermonate. Man dulde nach der üblichen Behandlung im Lande keinen Aderlafs, fondern trachte durch kalte Einwicklungen Heilung zu erzielen, welche meift fchon am zwölften Tag des Leidens erfolgt. Ein Vermeiden des Contactes mit Kranken diefer Art ift immer zu empfehlen. Ueberhaupt erkranken Europäer befferer Claffe feltener an diefer Krankheit, welche in den Städten frifch angelangte Garnifonen rafch zu decimiren pflegt. Ein eigenthümliches, jedoch nicht gefährliches, aber läftiges Leiden ift der fogenannte Aleppoknoten, von welchem Ankömmlinge häufig ergriffen werden. Es entſteht nämlich an einem Punkte des Körpers, befonders der Extremitäten, ein bräunlicher Knoten, welcher nach Monaten aufbricht, eitert, um endlich nach Verlauf eines Jahres von felber zu heilen. Aetzen des Knotens mit concentrirter Salpeterfäure bewirkt rafche Heilung. Leiden der Bruftorgane find im Lande felten. Durch einen vernünftigen Lebenswandel und Beobachtung der fanitären Mafsregeln kann man daher leicht Krankheiten vermeiden oder fich von diefen befreien. Es verfteht fich jedoch von felbft, dafs kein bedächtiger Mann eine Reife ohne Mitnahme von einigen Dofen Chinin unternehmen wird, zumal er dadurch manch' arme Kranke fehr verpflichten kann. Gewicht, Maafs und Münze. Die invariable Gewichtseinheit in Perfien ift das Miscal( Schekel der Bibel) 4:59 Gramm. Diefes wird eingetheilt in 24 Nechud, das Nechud in 4 Gendum; hiermit ein Miscal 96 Gendum. Für gröfsere Laften gilt als Einheit das Man( auch Batman genannt, die Mina der Affyrier). Das Man ift nach verfchiedenen Städten verfchieden, die im Handel gebräuchlichften Man find: das von Tabris 1000 Miscal= 4'59 Kilogramm beiläufig 5 Zollpfund; das von Teheran= 640 Miscal 2.94 Kilogramm = und das Man- i- fchah 1280 Miscal= 5.88 Kilogramm. Schah - - Eine Maulthier- Laft( Bar) ift nach der Stärke des Thieres 20 bis 25 Mani 150 bis 160 Kilogramm. Ein Kameel trägt jedoch 250-260 Kilogramm. Die Laft mufs natürlich in zwei gleiche Hälften zerfallen, weil fie auf den Seiten des Thieres äquilibrirt werden mufs. Zum Wägen dienen die Tafchen- und Handwagen, deren befte in Caswin gefertigt werden; für gröfsere Laften die Stellwagen( Gapan). Auch alle flüffigen Waaren, wie Milch, Wein u. f. w., werden nach dem Gewichte verkauft, daher kein eigentliches Hohlmafs exiftirt. Als Längenmafs gebraucht man das Zer. Auch diefes variirt nach verfchiedenen Städten; die gebräuchlichften find: das Zer von Tabris 113 Centimeter und das Zer von Teheran 104 Centimeter. Doch wird in der neueften Zeit auch viel Waare nach dem Meter verkauft. Das Zer zerfällt in 4 Tfcherek, I Tfcherek= 8 Girre. _ Für das Wegmafs bildet das Farfach oder Farfang die Einheit. Es wechfelt in verfchiedenen Provinzen, das längfte ift das von Choraffan; durchschnittlich 2* 20 Dr J. E. Polak, rechnet man auf das Farfach 5065 Meter; fechs Farfach bilden eine Tagreife ( manfil). - Das circulirende Geld befteht aus Gold-, Silber- und Kupfermünzen. Als Münzeinheit und zugleich als Goldwährung, nach der alle Rechnungen fich richten, gilt der Toman. Wenn er aus der Münze kommt, wiegt er 3/4 Miscal = 3.06 Gramm. Hiemit wiegen 1000 Tomans 3:06 Kilo Gold, während 1 Kilo Gold 327 12 Tomans enthält. Nach wiederholter genauer Prüfung im kaiferlichen Münzamt in Wien find in 1000 Gewichtstheilen Toman 960 reines Gold, 30 Silber und 10 andere Legirung. Im Marktwerthe gelten gewöhnlich 100 holländifche Ducaten 101 Toman. Vollſtändige und vollwichtige Tomans werden felten angetroffen, theils weil fie fich wegen der weichen Legirung leicht abnützen, theils weil fie befchnitten werden. Kaufleute wiegen bei Zahlungen das Geld und laffen fo viel zulegen, bis das fehlende Gewicht erfetzt ift. Kaufmännifche Briefe lauten immer" Toman von 3/4 Miscal Präge Naffereddin Schah". Falfche häufig curfirende Tomans erkennt man durch das leichtere Gewicht, bei bedeutenderen Goldtransactionen ift es zur Prüfung der Münzen zweckmäfsig. einen Geldwechsler( Saraf) vom Bazar zu holen, der die Münzen prüft und abwiegt. Nach europäifcher Münze kann durchfchnittlich der Werth des Tomans auf 12 Francs angefetzt werden. Auf den Toman gehen 10 Silberftücke, genannt Kran, mehr noch circuliren Halbkran- Stücke, Banabat genannt. Das Kranftück wiegt 25 Nechud. Zwifchen Gold und Silber befteht zu Gunften des erften jetzt ein Agio von 3 Percent. Der Kran gilt demnach beiläufig i Francs 20 Centimes. Als Scheidemünze gibt es Kupferftücke( Schahi), wovon 20 auf den Kran und 200 auf den Toman gehen. Die perfifche Regierung, welche zur Präge der Tomans andere Goldmünzen, die aus dem Activhandel zuftrömten, verfchmelzen liefs, fah fich durch den Ausfall, welcher in den letzten Jahren durch Verminderung des Exporthandels eingetreten ift, gezwungen, durch mehrere Jahre nicht mehr prägen zu laffen; dadurch ift das perfifche Gold und Silber nahezu gänzlich aus dem Lande verfchwunden und wurde durch ruffifches erfetzt. Nach dem Berichte vom Generalconful v. Zwiedinek vom Herbft 1872 gilt gegenwärtig der ruffifche Goldimperial in Tabris 2 Tomans, in Teheran nur 19 Kran, im Bazarcurfe aber 21½ Kran. Der Silberrubel( Manat) hat gegen Bazargeld 7 Percent Agio. Die älteren Silberrubel von 1864 mit 72 Percent Silbergehalt find nur felten mehr zu finden, die neuen, mit nur 40 Percent Feingehalt, werden in Teheran nicht angenommen. Die Schwierigkeit der Geldfendungen und Anweifungen bringt es mit fich, dafs in einer Entfernung von etwa 60 Meilen fchon bei einer Münze ein Disagio von 2 bis 3 Percent eintreten kann. So begreift es fich, dafs die Zahlung gröfserer Summen ftets mit grofsen Schwierigkeiten verbunden ist, um fo mehr als in jeder Stadt der Curs ein anderer ift. So grofs ift diefer Uebelftand bereits geworden, dafs im Herbft 1872 das Bankhaus in Tabris, welches gewöhnlich die Wechfel der europäiſchen Gefandtſchaften in Teheran negociirt, genöthigt war, denfelben zu telegraphiren, dafs es keine weiteren Zahlungen zu leiften im Stande fei, folange die perfifche Regierung nicht den Curs fremder Münzen für den ganzen Umfang des Reiches in gleicher Weife feſtgeſetzt( Zwiedinek). Nebft den Imperialen und Rubeln circuliren noch die ruffifch- holländifchen Ducaten( Bodfchogli). Andere Münzen, felbft Livres Sterling und die beliebten Maria TheresienThaler haben nur Goldwerth, daher es bei Reifen nothwendig ift, die genannten gangbaren Münzen zu führen, wenn man es nicht vorzieht, an ein achtbares Haus, etwa an Ziegler& Comp. in Tabris, eine Anweifung zu erlangen. Perfien. 21 Urproduction. Trotzdem die Geologie des Landes nicht hinlänglich ftudirt ift, fo ift doch aus dem fchon Bekannten erfichtlich( fiehe Katalog der perfifchen Ausstellung, Capitel I), dafs der Mineralreichthum ein fehr bedeutender fei, befonders an Eiſen, Kupfer, Blei, Kobalt, Antimon, Arfenik, Schwefel, Salpeter, Borax, Kali- und Natronfalzen. Ausserdem finden fich fehr ausgedehnte Felder foffiler Kohle älterer und jüngerer Formation, Naphta und Erdpech; letzteres, wenn wohlriechend, wird als Mumia im ganzen Orient fehr gefchätzt. Ausgebeutet werden nur in geringen Quantitäten etwas Kupfer, Eifen, Blei, Kobalt, Schwefelantimon( Surmeh) und Schwefelarfenik( fowohl zu Farben wie auch als beliebtes Depilatorium), auch wird etwas Gold bei Hamadan gewafchen. Die Urfache der geringen Ausbeute liegt in dem feltenen Brennmaterial, da foffile Kohle nicht benützt wird, in den mangelhaften Betriebsmitteln und fehlenden Schurfgefetzen, weil bei gutem Ertrag der Gouverneur die Sache in die Hand nimmt; daher gefchieht es auch, dafs Landleute forgfältig die Funde verbergen, um nicht zur unentgeltlichen Arbeit verhalten zu werden. Viel läfst fich jetzt erwarten, da die Bergwerke an das Haus Reuter conceffionirt find und ein tüchtiger Geologe der Wiener Schule, Dr. Tietze, zu geologifchen Forfchungen in Perfien abgefchickt wurde. Von Edelſteinen findet fich im Silikatfchiefer bei Nifchapur der fehr gefchätzte Türkis( Firuz). Bekanntlich unterfcheidet man Türkifen de la vielle et de la nouvelle roche; erftere, entweder tief-, himmel- oder weifslichblau( schirbam) find in der Farbe unveränderlich, während die letzteren hygrofkopifch find, mit der Zeit einen grünlichen Schimmer erlangen und endlich grün und vollkommen werthlos werden. Da die Unterfcheidung von conftanten und veränderlichen Türkifen nur Kennern möglich ift, auch die letzteren für einige Zeit zur Täufchung gefärbt werden können, fo ift es zweckmäfsig, im Lande keine Türkife zu kaufen, wenn man nicht befonderer Kenner ift. Die Gruben der vielle roche find durch Waffer erfäuft, fo dafs die Ausbeute jetzt nur aus den Halden eine fehr geringe ift, daher auch der Preis guter grösserer Steine im Lande felbft ein exorbitanter. Weit ergiebiger, wie es fich bei einem alten Culturvolk vorausfetzen läfst, find die Producte des Pflanzenreiches. Hier find es vor Allem die Nährund Futterpflanzen, die fich einer ausgedehnten Cultur erfreuen. Bei der Seltenheit des Regens verfteht es das Volk, durch bewunderungswürdige Anlagen von Bewäfferungsarbeiten die unerläfsliche Feuchtigkeit zu verfchaffen. Nur in wenigen Gegenden des nordweftlichen Irans kann die künftliche Bewäfferung durch Regenfälle im Frühling entbehrt werden. Von Cerealien werden nur Weizen und Gerfte gebaut; die Provinzen Azerbeidfchan, Chamfeh, Kirmanfchah find fehr Getreidereich. Die Gegenden am Cafpifee liefern vorzüglichen Reis in genügender Menge. Auch erfreuen fich viele Arten von Hülfenfrüchten zur Ernährung von Menfchen und Thieren einer befonderen Pflege. Gemüſe, wie fie meift in Europa vorkommen, find reichlich vertreten. Trotz des Fleifses der ackerbauenden Bevölkerung und der Fülle der Production findet doch nur in wenigen Jahren eine geringe Ausfuhr von Reis und Getreide in den Kaukafus, nach Bagdad und Indien ftatt, ja es tritt von Zeit zu Zeit in einzelnen Provinzen, felbft im ganzen Reiche, eine beiſpiellofe Hungersnoth ein, die einen bedeutenden Theil der Bevölkerung hinrafft und unausfüllbare Lücken zurückläfst. Die Urfachen diefer Erfcheinung find mannigfaltig, wir wollen fie jedoch, weil die Erörterung zur Verhütung ähnlicher Calamitäten in der Zukunft etwas beitragen mag, kurz berühren. Sie liegen: 1. In der Unficherheit des Grundbefitzes und der Bewäfferungscanäle, durch Mangel an Grundbüchern und Fälfchung der Urkunden von Seite der Mulla's. Es gilt als Regel, dafs ein ergiebiger Grundbefitz nur durch Protection von Seite eines Hofbeamten für länger 22 Dr. J. E. Polak. erhalten werden kann. 2. In den unglücklichen Pachtverhältniffen und der geringen Theilnahme des Ackerbauers am wirklichen Bodenbefitz; vorzüglich aber in den Tujul's, eine Inftitution, kraft welcher der Ertrag von Regierungseigenthum an einzelne Beamte ftatt des Gehaltes überlaffen wird, und es im Intereffe des Conceffionärs liegt, fo fchnell als möglich Geld herauszufchlagen. Dörfer diefer Art gehen gewöhnlich nach einigen Jahren zu Grunde. 4. In der Bedrückung der Gouverneure und ihrer Unterbeamten. 5. In der manchmal eintretenden beiſpiellofen Dürre während der Winterzeit, wodurch die Wafferleitungen im Sommer verfiegen. 6. Im Infectenfrafs, vorzüglich von Heufchrecken in den füdlichen Provinzen. 7. In dem Mangel aller fahrbaren Strafsen und Unmöglichkeit gröfserer Transporte. 8. In dem Kornwucher der Gouverneure und Machthaber, denen allein Magazine anzulegen möglich ift und die auch bei Unmöglichkeit der Zufuhr die Preife nach Willkür in die Höhe treiben. Unter folchen Verhältniffen ift es erklärlich, dafs felbft der fleifsige Landmann nur fo viel baut, als er beiläufig für das Jahr bedarf und fich mit keinem Vorrath verfieht. Einer vorzüglichen Pflege erfreut fich die Obftzucht, welche durch die verfchiedenen Elevationen und feltenen Frühlingsfröfte eine befondere Ergiebigkeit und Mannigfaltigkeit entfaltet, reichlich den Markt auch für die ärmfte Claffe verfieht und auch einen hübfchen Ertrag durch Ausfuhr des getrockneten Obftes liefert; zu letzterem gehören Mandeln, Pflaumen, Aprikofen, Rofinen und Korinthen. Die Rebe wird faft im ganzen Lande cultivirt, nur in den Urwäldern am Cafpifee wächft fie wild und rankt fich in fchwindelnder Höhe, um Licht zu gewinnen, von Baum zu Baum. Sie gedeiht bis zur Meereshöhe von 4500 Fufs. Jede Gegend hat ihre verfchiedenen Sorten von Trauben, die auch verfchiedene Namen führen. Die Verwendung der Trauben ift fehr mannigfaltig, fie dienen: I. Zum Confum; 2. werden die unreifen Trauben geprefst und der Saft( vert jus) theils zum köftlichen Sorbet verwendet, theils läfst man ihn gähren und bewahrt ihn für das ganze Jahr in Krügen auf; 3. werden fie in enormen Quantitäten getrocknet und als Rofinen und Sultaninen vielfach verwendet und nach Rufsland ausgeführt; 4. wird der Saft bis zur Honig confiftenz eingedickt und in Bockfchläuche gefüllt. Diefer Roob, Schire genannt, von köftlichem Gefchmack, vertritt bei mittleren Claffen die Stelle des Honigs und des Zuckers. Sollte mit der Zeit der Transport nach Europa billiger werden, fo wird diefer vorzügliche Roob dazu dienen, um in kalten Jahren die wenig füfsen Weine zu veredeln; 5. bei dem grofsen Erträgnifs werden die minder guten Sorten, eben fo wie die Treber zur Effig- und Branntwein- Erzeugung benützt; 6. werden die fogenannten Malagatrauben für den Winter confervirt; 7. endlich dienen fie zur Weinbereitung, zu letzter ebenfo wie zum durchfchnittlichen Confum meift die Trauben ohne Kern. Das Verbot des Weingenuffes nach mufelmanifchem Gefetz wird auch zum grofsen Schaden des Landes auf die Weinbereitung ausgedehnt, fie ift nur unter unendlichen Reſtrictionen den Chriften und Juden geftattet, daher die Ausfuhr auch fehr gering, zumal die Fabrication von Fäffern im Lande unbekannt ift. Sollte doch mit der Zeit ein rationelleres Syftem eintreten, fo ift bei der Güte und Mannigfaltigkeit der Trauben ein ungewöhnliches Einkommen zu erwarten, zumal das Pafchalik Bagdad und Indien feinen Bedarf von dort decken könnten. Die perfifchen Weine find nicht füfs, fondern ftark alkoholhältig und darum fehr haltbar. Berühmt find die Weine von Schiraz( Choller), von Isfahan, Hamadan( den europäiſchen am ähnlichften) und von Cafwin. Sie werden in ftarke kalabaffenartige Glasflafchen, Erzeugniffe des Landes, gefüllt, ftatt mit Kork mit Baumwolle verfpundet und mit Harz verpicht. Diefem Baumwoll- Verfchlufs ift auch theilweife die grofse Haltbarkeit zuzufchreiben, da bekanntlich Baumwolle den Zutritt der in der Luft fchwebenden Pilze verhindert. Der Wein dient zumeift zum inneren Confum, eine geringe Quantität geht nach Indien und Bagdad. Der Effig des Landes ift wegen feiner edlen Herkunft von befonderer Lieblichkeit. Perfien. 23 Der Anbau des Zuckerrohres findet im befchränkten Mafse im Mafanderan und Gilan ftatt. Eine fehlerhafte Manipulation und der Zwang der unentgeltlichen Abfuhr des Rohres an den Gouverneur find der Cultur nicht günftig, doch fteht auch diefer eine Zukunft bevor. Ebenfo ift der Anbau des Safrans nicht fo ausgedehnt wie früher, nur Choraffan liefert noch beffere Waare; das Zufammenballen in Kuchen und die häufige Fälfchung ift dem Producte abträglich. Es gibt auch im Lande viele efsbare Mannaarten, als: Ausfchwitzung von Eichen, Tamarisken, Aftragalen, Pyrus glabra und Weiden. Diefe höchft intereffanten Producte befchäftigen viele Conditorfabriken des Landes. Oelige Pflanzen. Die Olive findet fich reichlich längs des Sefidrud von Mandfchil aus im Gilan. Der fchlechten Ausbeute und der mangelhaften Cultur ift die fchlechte Qualität des Productes zuzufchreiben, welches nur zur Seifenbereitung verwendet wird. In neuefter Zeit betreiben die Armenier ein etwas rationelleres Verfahren und erzeugen Oele von befter Qualität, doch nur in befchränkter Menge. Nebenbei fei es erwähnt, dafs durch den lang laftenden Druck die Armenier durchaus nicht jenen Unternehmungsgeift in Perfien an den Tag legen wie in anderen Ländern. Als Gebrauchsöl im Allgemeinen dient das von Ricin, es wird daher kurzweg Lampenöl genannt; ihm fteht bei billigerer Verfrachtung eine Zukunft durch Ausfuhr bevor. Auch andere Oele zum Genufs wie von Sefam und Wallnüffen, als auch zum Gebrauch für Induftrie und Apotheken, fo von Baumwoll- Kernen, Mohn, wilden Mandeln, Eruca sativa u. f. w. werden. gewonnen. Von Färbe- und Gärbeft offen wird vorzüglicher Krapp befonders in Yezd und Azerbeidfehan gebaut, ebenfo Kreuzbeeren( Rhamnus), jedoch follen. fich jetzt beide nicht zur Ausfuhr mehr lohnen. Ebenfogut geht die frühere ftarke Cultur des Saflors( Carthamus) befonders um Isfahan durch die neuen Anilinfarben bedeutend zurück. Gröfseren Gewinn könnte Indigo abwerfen, da die Indigofera in vielen Gegenden vorzüglich gedeiht, doch durch fchlechte Manipulation ift das Product fehr mittelmäfsig, auch nicht zureichend, daher eine bedeutende Einfuhr von Indien für die zahlreichen Blaufärbereien. Ausgedehnt ift der Anbau der Lawsonia( Hena), welche als erfte Qualität fehr gefucht ift; fie wird weniger in der Induftrie als vielmehr zur Färbung von Haaren und Nägeln im Orient verwendet. Die Blätter und Blüthen eines Ritterfporns( Isperek= Delphinium camptocarpum) aus Choraffan, ebenfo die Wurzeln einer Staude in Azerbeidfchan( fe ridschek) geben einen gelben Färbeftoff. Uebrigens reichen die Färbeftoffe des Landes zur vielfachen Fabrication nicht aus und es wird deren eine bedeutende Quantität aus Amerika( Blauholz, Kermes), Indien und Europa( Anilinfarben) eingeführt. Erwähnt fei hier noch ein thierifcher Färbeftoff, nämlich die inländifche Cochenille, welche in der Gegend des Arrarat in Korapapak vorkommt und vielfach zur fchönen Färbung von Stoffen, befonders Strümpfen in Choi Verwendung findet. Es ift diefes die Porphyrophora Hamelii, ein Kermeskäferchen, welches auf der Grasart Poa purgens weidet. Eines Weltmarktes erfreuen fich die Gallen der kurdiftanifchen Eiche, während andere auf demfelben Baum wachfende Gallenknopern( wie Gulgaw Rufch, Berarmozu) zu localem Gebrauch dienen. Ebenfo geben die Lohen( Dschift) der zahlreichen Eichen, die Schalen der Granatäpfel, die Rinden von Rhusarten und die Gallen von Tamarisken( Buzgendsche) zur Gärberei und Färberei gut verwendhare Stoffe. Aetherifches Oel und Harz und Gummi gebende Pflanzen. Trotz des Reichthums an Rofen und anderen aromatifchen Blüthen werden aus Unkenntnifs der Manipulation ätherifche Oele nicht gewonnen, fondern nur vorzügliche aromatifche Wäffer, fo Rofenwaffer von Schiraz, Chunsar, Kum, Waffer von Kätzchen der Salix Medimii, von Jasmin und Orangenblüthen. Einer rationellen Induftrie fteht eine reiche Zukunft bevor. Faft nur eigenthümlich dem centralafiatifchen Plateau gehören die Doldengewächfe, die Asa foetida, Asa dulcis, 24 Dr. J. E. Polak. Andfchedan( von neueren Forfchern für Sylphium gehalten), das Dorema ammoniacum, das Galbanum und Sagopennum( fiehe Gummi refinen, Verhandlungen der k. k. zoologifch- botanifchen Gefellſchaft, Wien, März 1865), die Sarcocolla, eine Exfudation einer Penacee, und das Terpentinharz von mehreren wilden Piſtacienarten( Sakkis), welches vielfach in der Medicin und Induſtrie Verwendung findet. Ebenfo exfudiren viele Aftragalen reichlich das Tragantgummi, welches zur Appretur und Ausfuhr vielfach Verwendung findet. Webepflanzen. Hier ift es vor Allem die Baumwolle, welche in vielen Gegenden einjährig cultivirt wird und die bis zur Höhe von über 4500 Fufs gedeiht, jedoch ift fie kurzftapplig und grobfaferig; fie leidet aufserdem an der unvollkommenen Degrainage. Nur während des nordamerikanifchen Krieges konnte die Ausfuhr rentiren. Es verfteht fich von felbft, dafs durch Samenwechfel, befonders am Cafpifee, durch Enthülfung mittelft Maſchinen und gröfserem Anbau der gelbfärbigen, gut gedeihenden Baumwolle eine gute Einnahmsquelle erreicht werden könnte. Lein wird nur in befchränktem Mafse gebaut, faft mehr zur Gewinnung des Leinöles als der textilen Fafer. Ebenfo gedeiht am Cafpifee ein Corchorus, welcher eine vorzügliche Jute liefert, die jedoch nur eine locale Verwendung zu Stricken findet. Hanffafer ift nicht in Verwendung, weil die Canabis orientalis identifch mit Cannabis sativa in heifsen Ländern, gutes Hafchifch, aber fchlechte Fafer liefert. Narkotifche und andere Medicinalpflanzen. Die Cultur des Tabaks, befonders der Sorte Tombaki, nur im Narghile brauchbar, ift fehr ausgedehnt und ift durch den Export befonders in die Türkei, Rufsland und Egypten eine wichtige Einnahme des Landes, welche jedoch durch neuerliche Cultur in Egypten ziemlich gefchmälert worden ift. Der vorzüglichfte ift der von Schiraz, der faft doppelten Preis geniefst; zweiter Qualität ift der von Isfahan und Kafchan. Im Kurdiftanifchen wird auch ein guter und gefchätzter Pfeifentabak unter dem Namen Tutun gebaut. Bei dem kalihaltigen Boden und der durchſchnittlich bedeutenden Sommerwärme könnten noch mit vielen anderen Tabakforten Verfuche gemacht werden, die ein gutes Refultat hoffen laffen. Der Anbau des Papaver orientale zur Gewinnung des Opiums ift wegen des bedeutenden Ertrags in ftetem Wachfen begriffen, denn das Product ift gut und der Morphiumgehalt ein fehr bedeutender. Als befte Sorten gelten die von Mahon bei Yezd und Schufchter; auch Isfahan, Melajir und andere Orte geben gutes Opium. Es kommt in hellbraunen Stängelchen oder kleinen Kuchen in den Handel, nur die Sorte aus Mafanderan ift pechfchwarz. Der Export findet meift nach Indien ftatt. Die fogenannte Cannabis indica gibt ein gutes Hafchifch; es find davon im Lande drei Präparate üblich, der harzige Beleg( Tfchers), die Summitates( Hafchiſch- beng) und das Oel, welches mittelft Fett aufgenommen wird( Rugane- beng). Der Hafchifchgebrauch ift nur bei den Derwifchen allgemein, bei den übrigen Claffen ausnahmsweife( fiehe Gebrauch der Erregungs- und Betäubungmittel bei den Perfern von Dr. Polak, Wiener Medicinalhalle 1862). Von fonftigen perfifchen Drogen wären noch zu erwähnen der Salep und mehrere purgirende Mannaforten des Terendfchebin von Alhaghi maurorum und des Schir- chischt. Forftwirthfchaft. Bekanntlich findet fich auf den Hochebenen felten ein wildwachfender Baum, das Land ift vollkommen entwaldet. Das Brennmaterial wird von einigen wild wachfenden Sträuchern von Artemifien( Jaufchan), Aftragalen( Gewenn), Zwerg- Mandelbäumen und Aeften von Fruchtbäumen gewonnen, während das Bauholz von den gepflegten Pappeln und Platanen erlangt wird. Es ift allerdings wahr, dafs auf den Hochebenen felten ein Baum wegen Mangel an Niederfchlag fortkommt, allein in den Bergen finden fich häufig einzelne Cypreffen, Thujen, Celtis und Terebenthinen wildwachfend, fo dafs bei einiger Sorgfalt ein hübfcher Waldbeftand erzielt werden könnte, welcher wieder einen wohlthätigen Einfluss auf das Klima üben würde. Diefem ftehen jedoch entgegen: 1. die Nomadenwirthschaft mit Ziegen und Schafen, die keinen jungen Trieb, befonders von Perfien. 25 Laubholz, fchonen; 2. die Schutzlofigkeit, unter der jeder Baum leidet, fo dafs er von Jedermann zum Küchengebrauch gefällt werden kann. Anders verhält es fich in einigen Gegenden von Kurdiftan, wo reiche Eichen, Cerafus- und Terebenthinenbeftände zu finden find; befonders ift der Waldreichthum in den Provinzen am Caspifee ein fehr beträchtlicher. Man findet dafelbft vorzügliche Schiffbau-, Werk-, Nutz- und Fournierhölzer, die einer grofsen Zukunft entgegen fehen, und die auch bei den künftigen Eifenbahn- Bauten eine grofse Rolle fpielen werden. Zu diefen gehören die verfchiedenen Eichenarten, befonders die geradftämmige Quercus castaneofolia, die prächtige Cypressus montana, die Buchen, verfchiedene Arten von Ahorn, die feinfladrigen Efchen, Nufsbaum, Ebenhölzer( Diospyros), die feften, der Feuchtigkeit widerftehenden Acacien und Mimofen, die Tax- und Buxbäume und das fchöne elaftifche Holz von der Planera( Zelcowia crenata) und andere. Bemerkenswerth ift es, dafs, im Lande noch keine Bretter- Sägemühle befteht; und zuzufügen wäre noch, dafs wenn eine durch Dampf- oder Wafferkraft neu errichtet werden follte, diefes wegen des hinraffenden Fiebers nie im Urwald felber, fondern am Fufse des Grenzgebirges zu gefchehen hätte. Viehzucht. Wir erwähnten früher, dafs auf etwa 5 Millionen Population 12 Millionen Nomaden fallen. Sie verforgen zwar den Markt mit Schlachtvieh, mit Wolle und mit einem Hauptbeftandtheil der Volksnahrung, nähmlich mit Milchproducten, doch ift es weit gefehlt anzunehmen, dafs die Viehzucht auf einer genügenden Stufe fei, da die fefshafte Bevölkerung auf diefe faft gar keine Sorgfalt verwendet, weil der Dünger bei der häufigen Brache faft gar nicht in Verwendung kommt. Der Nomade zieht nicht gerne Rinder, weil er auf's Wandern eingerichtet, keine Wintervorräthe anlegt, ohne welche fich aber ein Rind nicht erhalten kann, während Schafe, Ziegen und Kameele fich mit den falzigen und ftoppligen Kräutern begnügen, ja dabei gedeihen. Das Rind wird daher faft gar nicht gepflegt, höchftens wird ihm etwas Stroh zum Futter gegeben, und es ift natürlich, dafs dadurch die Race auf dem Hochlande herunter gekommen ift. Nur in dem gras- und ftrauchreichen Mafanderan gedeiht die Buckelkuh beffer und geniefst auch einiger Sorgfalt. Das Rindfleifch wird nur von den ärmften Claffen und zwar nur im Winter genoffen. Beffer gedeihen die Büffel, weil fie an den Sümpfen ihr faures Grasfutter und die Bedingungen der Exiftenz finden. Der geringe oder ungenügende Anbau von Wurzelgewächfen und Kleearten hindert auch zum grofsen Nachtheil der Volkswirthfchaft die Rindvieh- Zucht; und es ift klar, dafs eine rationelle Regierung, zur Befeitigung diefes Uebelftandes beitragen muss. Das Schaf der Hochebene ift die Varietät mit dem Fettfchwanz, doch wird diefe lipomatöfe Anfchwellung felten über zwei Kilogramm fchwer. Die Schafe am Küftenftrich des Cafpifees find langfchwänzig. Die Wolle ift langftapplig, doch nicht fein, fie ift entweder weifs, grau oder fchwärzlich. Die Lämmer der letzten geben die feinkräusligen fogenannten Bucharafelle, die fich im Export eines guten Marktes erfreuen, obwohl fie im Preife gegen die Turkeftaner bedeutend zurückftehen. Das Schaffleifch ift fehr delicat, felbft in der Brühe abgefotten, es entbehrt vollkommen des bockigen Nebengefchmacks. Das Schaf und das Lamm bilden faft die einzigen Factoren des Fleifchconfums. Von gewöhnlicher Wolle wird wenig exportirt, theils weil fich die Ausfuhr nicht lohnt, theils weil der Bedarf für Teppich- und Filzweberei und für das Auspolftern ftatt des Rofshaares fo bedeutend ift, dafs fie im Innern aufgearbeitet wird. Die Ziege wird meift der Milch wegen, theils auch wegen des Haares und des Felles gehalten. Alle Ziegen werden gefchoren und das Product kommt unter dem Namen Ziegenhaar in Verwendung. Es gibt jedoch eine Ziege, Murgus genannt, mit gewundenen geradauffteigenden Hörnern, deren Flaum die fogenannte Angorawolle( Tiftik, Kurk) liefert, welche in den feinen Geweben für Shawls, feine Teppiche und Filze in Verwendung kommt und auch ein Theil davon nach Indien ausgeführt wird. Diefe Margusziege gedeiht jedoch nur in wenigen Strichen des Landes, fo in Sautfchbelag, in Choraffan und Kirman, daher das Product rar und 26 Dr. J. E. Polak. theuer. Ebenfo ift auch die Angoraziege in Syrien nur an begrenzte Diſtricte gebunden. Das Kameel ift durchſchnittlich das zweihöckerige baktriſche, das einhöckerige flinkere Dfchemaze ift weniger zu Laften, mehr zum Rennen in der Wüfte eingerichtet und findet fich daher nur in einigen Gegenden von Kerman und Yezd. Das Kameel hat in Perfien keine lange Lebensdauer, es wird auch nicht in genügender Zahl aufgezogen, fo dafs jährlich eine Einfuhr von Arabien über Bagdad ftattfinden mufs. Als Wüftenthier fagt ihm der fteinige, im Winter befchneite oder fchlüpfrige Boden Irans nicht befonders zu. Die Wolle, die fich bei der Mauferung abftreift, wird forgfältig gefammelt und zu feinen Flanellen ( Berek) verwendet. Dafs fie um diefe Zeit zur Erhaltung der Gefundheit mit Mandelöl eingerieben werden müffen, wurde oben bereits erwähnt. Von Efeln gibt es drei Sorten, der gewöhnliche auch in Europa eingebürgerte Efel, er ift dasjenige langfame Thier, welches ftörrig und zugleich bedächtig auf feinem Rücken die Locallaften, fowie Baumaterial, Gemüfe und Nahrungsmittel für den Markt u. f. w. zuträgt. Die zweite Sorte ift die dem wildem oder Tfchagateiefel faft ganz gleiche, mit fchönem Kreuz auf dem Rücken und einem Spiegelfleck am Gefäfs, er hat kürzere Ohren, ift flinker und gefchmeidiger, er dient zumeift zum Reiten. Die dritte Sorte endlich ift die vom perfifchen Golf, deffen Race auch hie und da in Egypten zu finden ift, er hat faft die Gröfse eines mittleren Pferdes, hat auch deffen Kraft bei gröfserer Ausdauer, er ift auch im Preife gewöhnlich höher als ein Nichtracenpferd. Auch von Pferden finden fich drei Varietäten, das importirte arabifche Rofs oder von arabifchen Eltern abftammend mit feinen bekannten Charakterzügen, das turkomanifche Steppenpferd mit hohen Beinen ohne Mähnen, mit langem Halfe und ziemlich fchwerem Kopf. Es leiftet in Ritten in der Ebene und in den Wüften Unendliches, doch ift es relativ von geringer Intelligenz und auf fteinigem und bergigem Grunde unficher. Endlich ift die eigentliche Landesrace, fie ift unanfehnlich, doch von grofser Ausdauer, verlangt geringe Pflege; von ficherem Schritt findet das Thier fich auf jedem Boden zurecht. Sehr gefchätzt ift von der heimifchen Race der Pafsgänger. Diefer Pafsgang ist zwar von den Eltern überkommen, mufs jedoch durch Uebung und Binden der entſprechenden Extremitäten vervollkommt werden. Es gibt natürlich auch Mifchlingsracen, die an den Eigenfchaften ihrer Ahnen participiren. Eine Ausfuhr von Pferden findet fowohl nach dem Kaukaufus als auch auf arabifchen Barken nach Indien ftatt. Das Maulthier und der Maulefel verbindet die Eigenfchaften feiner Erzeuger und findet auch bei den Karawanenzügen wegen feines ficheren Schrittes an Wegen nahe von Abgründen vor Pferden den Vorzug, eben fo find nur fie zum Tragen des Palankins zu verwenden. Von wilden Vierfüfslern finden fich auf den Jagden häufig die efsbaren: Hirfche und Rehe am Cafpifee; die Gazelle, der Hafe, Dachs, Igel, das Stachelfchwein und der Marder in der Ebene, das Wildfchwein an Sümpfen, das Argalifchaf, der kaukafifche Steinbock und die Gemfe in den Gebirgen, der wilde Efel auf den ausgedehnten Ebenen. Von reifsenden Thieren: der Wolf, die Hyäne, der Schakal und der Fuchs; der mähnenlofe Löwe in Arabiftan, der Leopard in vielen Gegenden des Landes, die wilde Katze, der Tiger und Lux in Mafanderan, endlich auch der Gepard ebendafelbft. Der kaukafifche Bär zieht auch vereinzelt in den Gebirgen, fteigt aber bei Traubenreife herab, um feine Verwüftungen anzuftellen. Bei der ausgedehnten Viehzucht und bei dem Umftande, dafs durch den Karawanendienſt viele Thiere rafch abgenützt werden, follte das Erzeugnifs von thierifchen Fellen ein fehr grofses fein. Dem ift jedoch nicht fo, weil durch religiöfes Vorurtheil die gefallenen oder fogenannten unreinen Thiere nicht abgehäutet werden. Aufserdem wird das Rofshaar nicht benutzt. Ebenfo ift die Gewinnung des Talges nicht bedeutend, weil das Fettfchwanz- Schaf nach dem Gefetz der Compenfation im Netz wenig Fett anfetzt, das Rind jedoch zu mager Perfien. 27 ift, um in der Beziehung etwas zu leisten. Die Maulthiere des Landes find wie überall im Süden von vorzüglicher Qualität, Stärke und Ausdauer. Ihrem ficheren und vorfichtigen Gang ift der ungestörte Karawanenbetrieb auf ungebahnten Wegen über Berg und Thal zu verdanken. Milchproducte. Der Verbrauch der fauren Milch ift bei Reich und Arm ein immenfer, während füfse Milch in Afien faft nur als Medicin gegen verschiedene Leiden gebraucht wird. Nichts ift vielleicht dem Europäer auffallender, als dafs er, in ein reiches Normadenlager angelangt, felten einen Becher füfser Milch erhalten kann, weil fie gleich angefäuert wird. Nach Gewinnung der Butter wird die Buttermilch gefotten, bis ein Theil gerinnt, diefer wird abgefeicht, getrocknet, zu Kugeln geformt und confervirt. Diefe Kugeln heifsen Kefchk. Die wäfferigen Beftandtheile werden abermals eingekocht und aus dem Refiduum, einer fchwarzbraunen Subftanz, abermals Kugeln, Karakrut genannt, geformt. Beide Subftanzen Kefchk und Karakrut finden in Perfien und Turkeftan eine ausgedehnte Verwendung, fie find fehr nährend, erfrifchend und antiskorbutifch, fie verdienten demnach auch in Europa für Schiffs- und Feftungsverpflegung eine Anwendung. Der Käfe wird nur frifch und gefalzen genoffen und überhaupt auf feine Bereitung keine Verfeinerung verwendet. Da die Milch von Schafen, Ziegen, Kühen und Büffeln zufammengemifcht wird, um Butter zu erzeugen, fo ift diefe frifch dem europäifchen Gefchmack wenig zufagend, fie ift grieslig und fchmierig Auch das daraus gewonnene Schmalz, in Bocksfchläuchen aufbewahrt, nimmt einen Beigefchmack an, welcher dem Nichtgewöhnten unangenehm wird. Das Buttern gefchieht dadurch, dafs man die fauere Sahne in einen Bockfchlauch gibt, die beiden Enden an Stricken an zwei Bäumen befeftigt und durch fchaukelnde Schwingungen die Butterkörperchen abfondert. In fanitärer Beziehung ift es intereffant zu wiffen, dafs der Perfer in Abzehrungskrankheiten fich der Efelinenmilch zur Cur bedient, und dafs er bei Diarrhöen und ruhrartigen Krankheiten die ftark gefäuerte Milch und Buttermilch ftatt des Kumys mit Nutzen anwendet, befonders foll Kameelmilch fett machen. Stutenmilch findet jedoch keine Anwendung. Die Geflügelzucht ift im Lande ganz vernachläffigt. Mit Ausnahme des Huhnes, welches als gewöhnliches und kalkutifches gehalten wird, ift fonft kein Hausgeflügel zu finden, auch Taubenzucht findet hie und da ftatt, doch in Häufern mehr zum Sport und in Dörfern zur Gewinnung des Taubenguanos, da das Fleifch nicht geliebt ift. Die Urfache der geringen Geflügelcultur mag zum grofsen Theil feinen Grund im Uebermafse des wilden Geflügels finden, welches ohne Mühe zu erlangen ift. Dazu gehören die vielen, etwa zehn Arten Reb- und Steinhühner, die Trappen, Amnoperdis grisocolaris, Francolin, die köftliche Otis caucaufica, die Wachteln, wilde Tauben, Gänfe und Enten in vielen Variationen, Schnepfen und Becaffinen. Der Fifchreichthum in den Zuflüffen zum Cafpifee, befonders an zwei Haufenarten und an Lachs, ift hinlänglich bekannt. Die Ruffen haben zur Gewinnung des Kaviars und der Haufenblafen die Fifchereien um eine bedeutende Summe gepachtet. Ausserdem finden fich in den Bächen zahlreiche Weifsfifche, in den Bergwaffern köftliche Forellen. Die Nahrung der Küftenbewohner befteht zumeift in Reis, frifchen und confervirten Fifchen. Die Pflege des Seidenwurmes, dem das Land feine wichtigfte Revenue verdankt, ift eine ziemlich ausgedehnte, obwohl fie bei dem allenthalben glücklichen Gedeihen des Maulbeer- Baums, bei den regelmäfsigen Jahreszeiten, die ein zu frühes Auskriechen der Würmer verhindern, einer noch viel bedeutenderen Entwicklung fähig ift. Ausserdem haben es die Perfer in dem Abhafpeln des Cocons nicht zur felben Vollkommenheit gebracht, als etwa die Europäer, fo dafs dadurch auch ihre Rohfeide im Preife leidet. Die befte und meifte Seide und Seidenabfälle( Frifons) kommen in Gilan und Talifch vor, die mindere Qualität in Mafanderan, auch wird eine hübfche Menge in Choraffan und Yezd gewonnen. 28 Dr. J. E. Polak. Die ausgedehnte Zucht in Isfahan ift wieder eingegangen. Die Rohfeide wird meift nach Frankreich via Marſeille verkauft, nur ein geringer Theil wird im Lande in Tabris, Yezd, Kafchan, Isfahan und Refcht verarbeitet. Die Seidenraupen- Krankheit war bis 1864 inclufive nicht gekannt, fo zwar dafs viele italienifche Kaufleute jährlich dahin zogen, um gefunde Grains anzukaufen. Die Regierung, welche anfangs die Ausfuhr prohibirte, gab fie fpäter frei. Ob durch die Communication mit Italien oder durch andere Umftände, kurz im Jahre 1865 brach die Krankheit mit Heftigkeit aus und reducirte die Seidenernte auf höchftens ein Dritttheil. Die perfifche Regierung fah fich felbft gezwungen, Grains für eine halbe Million Francs aus Japan zu kaufen, welche jedoch kein genügendes Refultat lieferten. Beffer bewährten fich die Grains, welche aus einzelnen Oafen Choraffans, aus dem Inland bezogen wurden, doch ift im Ganzen der jetzige Ertrag kaum die Hälfte deffen, was er einft gewefen. 27 Bienen erzeugen viel Honig und Wachs, welches letztere auch eine Ausfuhr hat. Einige Atten von Mylabris vertreten in der Medicin die Stelle von unferen Kanthariden, find jedoch kräftiger als fie.( Siehe Profeffor Schroff's: Die Kanthariden Perfiens". Wien 1862.) Früher, als in der Medicin das Syſtem der Blutentziehung durch Egel eine ausgedehnte Anwendung gefunden, war auch der Export von Gilan und Mafanderan nach Frankreich fehr rentabel. Ein Wechfel im Modus oder in der Mode der Behandlung hat diefen Zweig der Induftrie lahmgelegt. Aus diefer Skizze ift zu entnehmen, dafs die Urproduction nach dem Verhältnisse des culturfähigen Bodens und des Fleifses und des Genies der Ackerbau und Viehzucht treibenden Claffe fehr gering ift, und dafs fie noch einer grofsen Entwicklung fähig ift. Das Volk verlangt dazu nicht den Schutz von, fondern vor der Regierung. Induftrie und-Kunftproducte. Mit dem Fortfchritt der europäiſchen Maffenproduction durch Maſchinen und Theilung der Arbeit, mit der leichteren Einfuhr der Producte nach Perfien, mufste die einheimifche Induftrie fowohl an Qualität als an Quantität zurücktreten. Viele Artikel, die früher eine lohnende Ausfuhr hatten, werden jetzt entweder gar nicht, oder fchlechter und in geringerer Menge erzeugt. Es lohnt nicht mehr, feine Garne zu fpinnen oder mühfam Damascenftahl zu fchweifsen, felbft die einft berühmten inländifchen Farben müffen allmälig den Anilinerzeugniffen weichen. So wurden auch die einft gefuchten Fayencegefchirre durch ordinäre Halbporzellane erfetzt. Dazu kommt noch, dafs durch häufigere Berührung mit Europäern und durch Einführung abendländifcher Moden das Bedürfnifs nach Luxusartikeln in ftetem Wachfen begriffen ift. Hätte in dem von Natur fo gefegneten Lande die Urproduction in dem Mafse zugenommen, fo wäre leicht ein Ausgleich wieder erzielt worden, doch diefes ift nicht gefchehen. Durch fchlechte Verwaltung und Elementarereigniffe hat diefe fogar bedeutend abgenommen. So ift es leider vorauszusehen, dafs, wenn nicht neue Hilfsquellen eröffnet werden, welches bei fo productiven Boden und Leuten fehr leicht möglich ift, in einigen Jahren, der fämmtliche Nationalreichthum fchwinden mufs. Im Ganzen kann die Induftrie Perfiens mehr eine Hausinduftrie genannt werden, in dem Sinne, dafs mit Ausnahme der königlichen Zeughäufer, Münze, kurz einiger Staatsetabliffements, keine eigentlichen Fabriken beftehen, fondern nur Werkstätten, in denen das Verhältnifs des Meifters zu den Gefellen und Lehrlingen befteht. Es herrfcht zwar vollkommene Gewerbefreiheit, das heifst ein jeder Perfien. 29 kann ein jedes Handwerk üben und eine Werkstätte eröffnen, doch um fein Handwerk gut zu üben, mufs er fich dem Zwange des Lehrlings und Gefellen fügen. Aufserdem befteht in jeder Stadt für jedes Handwerk eine Gilde, welcher ein Mann nach freier Wahl vorfteht und die Differenzen zwifchen Arbeitgeber und Nehmer ausgleicht. Trotz des Grundgefetzes der Freizügigkeit gilt es als Regel, dafs gewiffe Handwerke und Fertigkeiten fich an gewiffe Städte durch Jahrhunderte halten, welche entweder wegen Billigkeit des Materials oder der Beithaten bei der Verarbeitung fich dazu am beften eignen, oder wo wegen früherer Traditionen Kunftgriffe und Handwerk fich leichter erlernen. Durch das durchfchnittliche geringe Betriebscapital und das frühe Heiraten befchränkt fich die Freizügigkeit meift von felber. Von Metallarbeiten werden gute Waagen in Kafwin, Flinten, Piftolen und Säbel, Meffer, Scheeren, nach europäiſcher Imitation in Isfahan gefertigt, kupferne und meffingene Gebrauchgegenftände in Kafchan, wo an 400 Kupferfchmiede exiftiren, deren Arbeiten weit ins Land kommen. Auch Isfahan macht. gute Kupfergeräthfchaften. Goldgefchmeide und Silbergefchirre werden nett und am beften in Schiraz gearbeitet, befonders fchöne Narghiles und Caffeegefchirre, doch wird felten etwas Künftlerifches in diefen edlen Metallen gefördert, was auch darin feinen Grund findet, dafs jede Arbeit nach dem Gewichte des Edelmetalles, nicht nach dem Stück bezahlt wird. Eine Ausnahme bildet die Stadt Sendfchan, wo fehr gefchmackvolle, durchbrochene und Filigranarbeit ( Malilekar), künftlerifch verfertigt wird. Vorzügliche Arbeiten findet man im fogenannten Damascenerftahl, der noch in Choraffan, Schiraz und Isfahan bereitet wird. Die Waffen aus diefem Material, krumme und gerade Dolche, Säbel, Streitäxte und Kolben, Flammberge, Säbel mit gegen die Spitze getheilter Klinge ( Sulfagor), Flintenläufe, Lanzenfpitzen, Rüftzeuge wie Panzer und Schienen erfreuen fich eines Weltrufes. Die zarten Cifelirungen in Blumengewinden um arabifche Infchriften mit Benützung von eingelegtem Golde erhöhen noch den Werth diefer koftbaren Stücke, fo dafs der Preis eines Säbels oft auf 500 Ducaten fteigt. Ebenfo gefchmackvoll und künftlerifch find die Broncen mit den feinften Cifelirungen auf Vafen, Trinkfchalen, Bechern u. f. w. Eine fchöne Collection ähnlicher Geräthe fand fich in der Wiener Weltausftellung und wurden auch als Mufterftücke für das hiefige Muſeum für Kunft und Induftrie angekauft. Die Kunft des Emaillirens( mina), uralt im Lande, ift noch in einigen Städten, fo in Schiraz und Isfahan, in frifcher Kraft, die Lebhaftigkeit, Frifche und Glanz der Farben zeichnen die Erzeugniffe aus. Auch von diefen fanden fich einige Exemplare in der Ausftellung. Die Kunft der Fayence ift ebenfalls feit undenklichen Zeiten dem Lande eigen, die Bekleidung des Innern einiger Mofcheen in Isfahan und der Kuppeln mit Fayenceziegeln erfreuen das Auge durch die Lebhaftigkeit der Farbe und Correctheit der Zeichnung; befonders gelungen find die Farben in Türkifen- und Kobaltblau und in Gelb. Mit den Perfern wurde diefe Kunft in alle mufelmanifchen Länder getragen, auch in den Kaukafus, wo überall noch Stücke alter Meifterfchaft perfifcher Abftammung zu finden find. Auch jetzt werden noch in Kafchan hübfche Arbeiten geleiftet, doch mit den alten können fie fich nicht meffen. Die vielen Bürgerkriege des vorigen Jahrhundertes waren überhaupt der Kunft abträglich, weil viele Städte geplündert und die Bürger getödtet oder zerfprengt wurden, wodurch die Traditionen mehrhundertjähriger Erfahrung und Kunftfertigkeit verloren gingen und durch Extermination fich nicht fortpflanzen konnten. Aehnliches ereignete fich in Deutfchland während des dreifsigjährigen Krieges. Von Töpferwaaren zeichnen fich die Alcarazasgefäfse, vorzüglich die von Kum, durch ihre Porofität, durch Eleganz der Formen, Leichtigkeit, die feinen blumigen oder fpitzenartigen Verzierungen und befondere Billigkeit aus. Die Glasfabrication erzeugt nur einige Gebrauchsgegenstände, befonders ftarke kalabaffenartige Flafchen, auch gefärbte Gläfer, ift daher von keiner Bedeutung obwohl die Regierung viel Anftrengung machte, durch Berufung franzöfifcher - 30 Dr. J. E. Polak. Glasarbeiter felbe zu heben. Die Papierfabrication, welche im Mittelalter in Choraffan und Amel, in Mafanderan blühte und der chinefifchen wenig nachgab, befchränkt fich jetzt auf Erzeugung von einigem groben Papier und Pappe in wenigen Mühlen Isfahans. Auch hier führten die Anftrengungen und Auslagen der Regierung zur Förderung der Papierfabrication durch Berufung europäiſcher Arbeiter nicht zum erwünſchten Ziel. Die Arbeiten in Bein- und Metallmofaik( Boule) in Schiraz und Isfahan, von denen viele Mufter vorlagen, zeichnen fich durch gefällige Anordnung der fich wiederholenden geometrifchen Figuren und durch ihr originelles Auftreten aus. Im königlichen Schloffe fand man einige Thüren und Möbelftücke mit diefer Mofaik bekleidet, welche die Aufmerkfamkeit eines jeden Befchauers auf fich zogen. Als wahre Hausinduftrie, ähnlich derjenigen in den Tiroler Bergen, find die Schnitzereien in Bux- oder Birnholz, auf Cocosnufs und Straufseiern, welche in den Natansgebirgen von den Einwohnern gefertigt werden. Mehrere Käftchen, auch Löffel mit durchbrochenen Griffen fanden fich in der Ausftellung, die, obwohl fie nicht zu den beften Mufterftücken gehören, doch einen Begriff davon geben, welche Begabung der Iraner für Zeichnung und Sculpter felbft ohne alle Anleitung befitzt. Ebenfo vorzüglich wie die Cifelirungen auf Stahl find die Gravirungen auf harten Steinen, meift zum Gebrauch des Petfchaft oder auch als Amulettfteine benützt. Wer da weifs, dafs es jahrelange Uebung fchon verlangt, die arabifchen Buchftaben kalligraphifch zu fchreiben, der wird die correcte Zeichnung, ebenfo die als Verzierung dienenden, weniger tief eingravirten Blumengewinde, im Carneol oder Bergkryftall gefchnitten, zu würdigen verftehen. Ein Siegelftein mit der Legende ,, Franz Jofef" auf Bergkryftall, ebenfo ein Amulettftein mit zweifacher Gravirung gehörten zu den gelungenften Stücken der Ausftellung. Wollgewebe. Hier ift es vor Allem der Shawl, welcher dem indifchen aus Cafchemir und Lahore am nächften fteht. Die beften werden in Kerman, jene mittlerer Qualität in Mefchhed und die einfärbigen ohne eingewebte Muſter ( Kuffeh) auch in Kerman gefertigt. Das Flaumhaar der Margusziege bietet, wie erwähnt, den vorzüglichften Stoff zur Erzeugung. Meift bilden die einfachen Variationen der Palme und der Gewinde das Grundmufter des Shawls, die Variationen find jedoch fo glücklich ausgeführt, dafs kaum ein Stück dem andern ganz ähnlich fieht. Nach der Zeichnung, Farbe, Gewebe, Streifung, Dimenfion und Provenienz unterfcheidet man die verfchiedenen Arten des Shawls, von denen einige glücklich vertreten find. Die Dimenfionen des nicht befchnittenen Shawls follen 312 Centimeter Länge und 150 Centimeter Breite fein, doch verengern fich gewöhnlich durch Abfchnitte diefe Mafse. Noch künftlicher ift das Gewebe der Shawlbändchen( hafchieh), die als Bordure für koftbare Gewänder verwendet werden. Von gleichem Gefchmack in Mufter und Verwendung der Palme find die ausgenähten Shawls, obwohl fie natürlich im Preife niedriger gehalten find. Der Preis eines echten, guten perfifchen Shawls ift zwifchen 14 und 20 Ducaten. Nur äusserft felten find Shawls mit 30 Ducaten, die faft immer nur auf befondere Beftellung gewebt werden und durch gutes Material und Dichtigkeit des Gewebes fich auszeichnen. Dem Shawl zunächft fteht als echt perfifches Product der Teppich. Wenn wir in der Ausftellung die Teppiche fämmtlicher Völker von Indien und dem an China grenzenden Turkeftan bis zu jenen von Griechenland, Rumänien und Albanien durchmuftern, fo werden wir in dem ungefchorenen Teppich faft immer, in dem gefchorenen hie und da die gleiche Qualität, und was noch auffallender ift, faft diefelbe Zeichnung wiederholt finden, welche alle auf eine gemeinfchaftliche Quelle hinweifen. Man unterfcheidet auch dort zweierlei Teppiche, den aufgefchorenen Ghali und den nicht aufgefchorenen Gebbeh; letzterer, feiner und gobelinartig gewebt, heifst Gelim. Die beften grofsen Teppiche ftammen aus Perfien. 31 Farahan im füdweftlichen Perfien in der Provinz Arak. Die Feftigkeit und Dichte des Gewebes, fo dafs beim Bug der Faden der Kette durchaus nicht fichtbar wird, die Unvergänglichkeit der Farbe, das ruhig gehaltene kleinblumige Mufter, die breite, harmonifche Bordure zeichnen diefe Waare als erfte Qualität aus. Ein oft fich wiederholendes Mufter aus Farahan Krappgrund mit Palmen, unter dem Namen Flohteppiche im Handel, find wegen ihrer Unvergänglichkeit fehr gefucht. Der Choraffaner Teppich zeigt meift mehr Farbenpracht, doch ift fein Gewebe bei Weitem nicht fo dicht, er fühlt fich weicher an, beim Bug fieht man leicht die Kette, feine Farben find weniger dauerhaft, die Zeichnung oft bizarr, daher ift trotz feiner Schönheit der Preis im Lande ein weit niedrigerer; denn auf ein Pferd, einen Shawl und einen Teppich verfteht fich dort jeder Mann von Bildung und Erziehung. Der Turkoman'fche Teppich aus der Gegend des Atrekgebietes ift von allen Teppichen der Welt der dichtefte und dauerhaftefte, fein Grund ift dunkelbraun und es finden fich nur einige geometriſche Figuren darin eingewebt er ift fehr gefchätzt. Die kleineren fogenannten Bet- Teppiche, Galitfche, auch Sedfchadeh genannt, werden auch in Farahan und Mefchhed Choraffan fabricirt, doch die fchönften, die an Farbenharmonie und Feinheit alles Dagewefene überbieten, werden von den Kurden in Senna und Gerus, ferner an der öftlichen Grenze des Reiches in Gajin bei Siftan, früher auch in Herat, fabricirt. Diefe Art Teppiche, befonders reich in der Ausftellung gewefen, bieten in Bezug auf Gefchmack, Variation des Deffins, Feinheit des Gewebes das Schönfte, was die jetzige Teppichweberei in der Welt leiftet, was um fo merkwürdiger ift, als fie zumeift von den perfifchen Kurden gefertigt werden. Leider haben fich fowohl die Farahaner als auch Sennaer verleiten laffen, auch einige Stücke in Nachahmung europäiſcher Mufter einzufchicken, während man im Gegentheil in Europa in der Fabrication an perfifche Originalien fich hält. Ein grofser Farahaner Teppich diefer Art, in Bezug auf Gewebe das non plus ultra, konnte trotz deffen nur mit Mühe einen Käufer finden. Die Art des Webens bringt es mit fich, dafs hie und da eine Falte ( gis) entfteht, welcher Fehler, der nur durch Ausfchneiden gebeffert werden kann, die Waare fehr fchädigt, daher fie faft die Hälfte des Werthes verliert. In jüngfter Zeit trat auch auf Beftellung europäiſcher Kaufleute eine kleine Modification in der Fabrication ein. Um nämlich die perfifchen Teppiche der Gröfse eines jeden Saales adaptiren zu können, werden jetzt fchmale Teppiche mit abgefonderten Borduren verkauft, fo dafs das Stück nach der Gröfse des Zimmers zufammengefügt werden kann. Dies gefchieht allerdings am leichteften durchs Nähen, beffer jedoch durch das fogenannte Zufammenweben oder Kunftſteppen. Es befteht nämlich in Perfien ein eigenes Handwerk der Rufuger, deren Aufgabe es ift, Stücke eines Shawls oder eines Teppichs kunftgerecht fo zufammenzufügen, dafs es nur durch genauefte Prüfung auf der Rückfeite entdeckt werden kann. Der ungefchorene Teppich, Gebbeh, wird überall von allen Nomadenweibern erzeugt, die befferen gobelinartigen Gelim in eleganten farbigen Muftern ftammen von Kurdiftan, die mit brauner Bordure mit Anwendung des Natur- Kameelhaares von Arabiftan aus Schufchter( Schufch der Bibel). Die billigfte Sorte endlich, eine Art von Laufteppichen, die häufig zu Mantelfäcken, Pferdegurten etc. Verwendung findet, heifst Dfchedfchim. Die Fabrication von Filzen( Nemet) fowohl zur Bedeckung des Bodens als auch zur Bekleidung ift für den inneren Confum eine fehr ausgedehnte. Durch Einfilzen von Wollen in verfchiedener Färbung wiffen fie dem Stoffe ein fchönes Mufter und gefällige Formen zu verleihen. Die beften ftammen aus Taft bei Yezd, von oft 1 Zoll Dicke, eine mindere Qualität wird in Isfahan und an anderen Orten erzeugt. Eine Sorte, befonders leicht, und durch Anwendung des Ziegenhaares fehr fchmiegfame Waare, wird in Hamadan gefertigt und gibt an Feinheit dem bekannten Filze von Bruffa wenig nach. 32 Dr. J. E. Polak. Die Eigenfchaften des weichen, fchmiegfamen und zugleich wafferdichten Flanells, mit denen des Teppichs vereinigend, ift dasjenige Gewebe, das im Lande Patu heifst, und das am beften in Kerman in allen Farben erzeugt wird. Der Nutzen diefes Stoffes, auf Reifen zur Unterlage, zum Bedecken bei rauher und feuchter Jahreszeit, ift fo grofs, dafs jeder Reifende in dortigen Gegenden damit verfehen fein foll. Ein nach arabifcher Imitation feft gewebter, rauher, doch wafferdichter Stoff ift das Abba oder Abbaji, welcher zur Anfertigung von Mänteln und Burnus verwendet wird. Den beften erzeugt Kafchan, wo durch eingewebte Goldfäden an der Partie der Schultern und der Bruft der Mantel des Häuptlings erkennbar wird. Auch von diefen Stoffen, als auch vom fertigen Mantel- Abba waren gute Mufter vorhanden. Aus Kameelhaaren wird eine Art fehr fchmiegfamen Flanelltuches gemacht ( Berek) in weifser und Chamois- Farbe. Die beften diefer Stoffe ftammen aus dem Tribus der Hazara, öftlich vom Chanate Merw, aber auch in Choraffan werden gute Bereks erzeugt, wie die Mufter beweifen. Ein fehr feiner, thibetartiger Stoff, Aghri oder Aghiri, wird ebenfalls in den nordöftlichen Provinzen verfertigt, der für Sommermäntel dient, wovon auch die Ausftellung ein Mufter hatte. Linnen- Webftoffe. Sie haben in der Hausinduftrie einen befchränkten Kreis in Mafanderan, wo Batifttücher und Batiftfhawls, meift mit am Rande eingewebter Bordure von Silberfäden erzeugt werden. Sie haben auf heimifchem Markt gute Nachfrage. Seidenftoffe. Die Fabriksorte für diefe Waaren find Kafchan, Yezd, Refcht und Tabris; es werden Mouffeline( Canovis) Atlas( Catni), Moirés( Chara, Chur im Buch Efther. Cap. 1), perlgraue, piquetartige Stoffe,( Dfchaudaneh,) gemacht. Alle diefe Stoffe find zu fchwer, das Gewebe ungleich, ohne Seidenglanz, die Moiréftreifen zackig und nicht wellig, fo dafs fie höchftens eines inneren Confums fich erfreuen können. Von prächtiger Arbeit find nur die fchillernden Seidenfhawls aus Yezd mit Palmenmufter und gefchmackvoller Bordure( Tirmeh numah), die in Rufsland gute Käufer finden, und die kleingeftreiften, ſchön gemufterten Alitfchek, die im ganzen Orient als Männerwamms fehr beliebt find, und jetzt in Wien für den Export im Orient häufig fabricirt werden. Schön find die Seidenvorhänge( Perdeh) von Refcht mit geflammtem Mufter, die Einhülltücher von Isfahan, die Halbfammte von Kafchan und die Brokate von Kafchan und Refcht. Aus den Ausftellungsgegenständen war auch der Grund zu erfehen, warum die perfifchen Seidenwaaren fich keines ausländifchen Marktes erfreuen können, und dafs eine Auffrifchung diefer fchönen Induftrie durch ausländifche Mufter und Meifter nothwendig wird. Etwas beffer find die Halb- Seidenftoffe, als der Wollatlas, Suf, die Umhülltücher für Frauen, Tfchader fcheb, Gaffab u. f. w. Baumwoll- Stoffe. Die grobe Baumwoll- Leinwand Kerbas( Karpus der Bibel) wird an vielen Orten erzeugt, weil deren Verbrauch zu Zelten und ordinären Kleidungsstücken fehr grofs ift. Die Nankingftoffe Gadek bilden faft die ausfchliefsliche Kleidung der Mittel claffe durch den gröfsten Theil des Jahres; fie werden daher in allen Farben maffenhaft erzeugt in Kafchan, Isfahan, Schiraz und Bender- Bafchir. Die vielgefuchten Cattune mit Handdruck in vielen Farben, Kalamkar, fowohl blumig als auch geftreift, mit kleinem Mufter( Tegle) mit glänzender Appretur find die Arbeit von Isfahan, Schiraz und Borudfchird. Diefe, dunkel gehalten, heifsen Pirahenni- Hemdftoffe, weil fie während des Trauermonats, Muharrem, als Hemdftoff verwendet werden. Auch Tüchel und gegitterte Stoffe werden viel in Isfahan, Kafchan und Yezd, wo die Hauptinduftrie für die Baumwoll- Branche befteht, verfertigt, doch reichen fie bei Weitem für den Landesbedarf nicht aus, daher die Einfuhr von Europa befonders von Manchefter und der Schweiz eine beträchtliche. In der neueften Zeit wird ein fhawlartiger fchillernder Stoff, Perdeh tirmeh nemah, aus Wolle und Baumwolle in Kafchan gewebt, der überall viel Anklang findet, von dem auch mehrere Mufter in der Ausftellung waren. Perfien. 33 Tuchmofaik. In Refcht werden aus verfchieden gefärbten europäifchen Tuchftücken mofaikartige Tifchtücher, Satteldecken, Pantoffel, Lampenunterfätze etc. verfertigt. Diefe Induftrie findet wegen der gefchmackvollen Wahl fowohl der Farben des Tuches, als auch der tamburirten Seide, der fleifsigen Arbeit und der künftlichen Einrahmung der Stücke in Europa viel Anklang und Nachahmung. Stickereien und Nadelarbeiten. Hier ift es vor Allem der Frauenfchleier, welcher in dem Gitter, wodurch es den Frauen geftattet ift, mit der Auffenwelt zu communiciren, den Fleifs und die Erfindungsgabe der Städterinen beurkundet, während die freiere Nomadin, des Schleiers entbehrend, diefe Eigenfchaften durch Weben von Teppichen mit prächtigen Farben und Muftern an den Tag legt. Der Reiz des Frauenfchleiers befteht in der unvergleichlichen Pracht der Verzierungen durch Stickerei. Der untere Rand bildet eine breite Bordure, meift aus fehr kleinen, überaus zierlichen Flächenornamenten beſtehend, die von einer Schönheit und Mannigfaltigkeit find, wie es nur die reichfte Phantafie zu erfinnen vermag. Oberhalb diefer Kante, an der Stelle, welche gerade über die Augen fällt, ift ein durchbrochenes Gitter von originellem Reiz, welches mittelft Ausziehen beftimmter Grundfäden in derfelben Art hergeftellt wird, wie die Touren bei unferer Weifsftickerei, die Stiche werden nach dem Mufter abgezählt. Diefe find von grofser Verfchiedenheit und find mit jener Präcifion ausgeführt, welche ein characteriftifches Kennzeichen der meiften orientalifchen Arbeiten ift, wodurch eine Fülle mannigfacher Motive erfteht. Aehnliches fahen wir in den ausgewählten Arbeiten, wo in weifsem oder Shawlftoffe durch überaus feine Nadelarbeit zarte Figuren und Arabesken entſtehen. Der Abgang eines Mufterblattes gibt der augenblicklichen Infpiration und Erfindung einen freien Spielraum, woher auch die vielen Variationen und die feltene Wiederholung desfelben Motivs in zwei Arbeiten. An diefe reihen fich jene Nadelarbeiten, wodurch auf weiſsem Battift mittelft Nähfeide gruppenweife geometrifche Figuren aufgetragen werden, wie wir Aehnliches in der rumänifchen Hausinduftrie beobachteten. Selbft in den Strümpfen werden durch Anwendung verfchiedener Tinten der Baumwolle und Wolle Palmen und Blümchen eingewirkt, die mit der fhawlartigen Bordure einen gefälligen Eindruck gewähren. Auch die Gilde der Pofamentirer erzeugt gute und fefte Waaren, insbefondere, da fie die Nähfeide nicht fchonen. Die in Bändchen eingewebten Mufter von Blümchen und Buchftaben find zart und nett. Die Kunft der Goldborten, einft im Orient fo berühmt, ift faft ganz abhanden: der Bedarf wird von Europa gedeckt. Leder und Lederarbeiten. Die beften Lederforten werden in Hamadan erzeugt, das fogenannte Maroquinleder, Timatfch welches doch nicht die Feinheit des Leders aus Marocco erreicht das Sohlen-( tfcherm) und Chagrinleder( Sagri), letzteres aus der Efelshaut gefertigt, zeichnet fich durch feine faftgrüne Farbe und feine Körnung, welche durch den Samen einer Amaranthus erzeugt werden, als erfte Qualität aus. Ebenfo wird gutes Pergament aus der Haut der Gazelle und des Kameels für Mufikinftrumente und zum Bedecken des Holzgeftelles der türkifchen Sattel erzeugt. Die Lederarbeiten für Sättel, Zügel, Riemzeug, Koffer, Etuis find zwar nett ausgeführt, zeigen jedoch wenig Meiſterſchaft in dem Fache, beffere Arbeiten der Art müffen daher von Europa importirt werden. Viel beffer find die Kürfchnerarbeiten, befonders aus fortirten Theilen der Bucharafelle, aus den Köpfen wilder Enten und die Schafpelze, fogenannte Kabulpelze, die an ähnliche in Rufsland gefertigte erinnern. Hievon war auch ein Mufter in der Ausftellung. - Bekleidungsgegenstände. Die Coftume der Frauen im Harem und der Männer find fehr kleidfam, fie werden in den reicheren Claffen bei beiden Gefchlechtern meift aus Shawl gefertigt. Auch die Strümpfe zeigen befonderen Gefchmack in Färbung und Deffin. Die beften find in Choi, Schiraz und Isfahan zu finden. Eine eigenthümliche Art Schuhe verdient wegen ihrer Dauerhaftigkeit und Nutzen, den fie beim Bergfteigen gewähren, Erwähnung: es find diefs die Giweh, ihre Sohle ift durch comprimirte Baumwollftoff- Abfälle gebildet, die mittelft durch3 34 Dr. J. E. Polak. ftochener Lederriemen feft aneinander gehalten werden. Ebenfo werden in Sendfchan Luxusfandalen gefertigt. In neuefter Zeit wurden doch die Coftume durch. Einflufs türkifcher und europäiſcher Moden fowohl im Schnitt als auch im Stoff vielfach modificirt. Die Kalligraphie feiert noch, wie bei uns im Mittelalter, in einigen Exemplaren der mit Goldverzierung umgebenen Buchftaben, alfo in Manufcripten, die bei ftärkstem Volumen durch das ganze Werk eine mufterhafte Gleichheit und Schönheit der Buchftaben zeigen, ihre Triumphe, und findet auch bei der unglaublichen Schwierigkeit, die der Schreiber bemeiſtern mufs, ihre Schätzer; denn die Zeile wird oft als Mufterblatt bis zu einem holländifchen Ducaten bezahlt. Mehrere Prachtexemplare vom Naf'chi Talik und Schikefte, wie fie auf der Ausftellung vorlagen, konnten das Gefagte illuftriren. Ebenfo zeigen die Infchriften auf Mofcheen, Schulen, Madraffes, Karwanferaien von Indien bis Marocco durch Kunftfertigkeit und Stil auf die gefchätzte Hand perfifcher Meifter. Es besteht im Lande keine Buchdruckerei; durch Lithographie wurden unter der jetzigen Regierung viele feltene gefchichtliche, lexikographifche, phyfikalifche, mathematifche, medicinifche, militärifche und poetifche Werke vervielfältigt, den zahlreichen Schülern und dem Publicum zugänglich gemacht. Aufserdem trachtete man durch Sammlung der gefchichtlichen Traditionen, die unter den Denkmälern vorhanden waren, und deren Publication fie zu fixiren. Die officielle Zeitung mit den Beilagen wiffenfchaftlichen und belletriftifchen Inhaltes, mit Beigabe von Illuftrationen, dient fowohl zur Promulgation von Decreten als auch zur Volksaufklärung, wozu vorzüglich die Errichtung einer Akademie im Jahre 1851 in Teheran und Berufung europäifcher Lehrer in Fächern der Militärwiffenfchaft, Phyfik, Mathematik und Medicin das meifte beigetragen hat. Von mathematiſch- aftronomifchen Werkzeugen wurden in früheren Jahrhunderten präcis eingetheilte Aftrolabien zur Höhenbeftimmung und Compaffe verfertigt und finden fich noch in einigen Sammlungen des Landes; doch ift von neuen Arbeiten diefer Art nichts mehr bekannt, trotzdem eine phantafiereiche Aftrologie noch im Schwunge ift und auf Staatsentfchliefsungen noch Einflufs nimmt. Von Malereien find einige auf Gebrauchsgegenstände, befonders Tintenzeugen, Käftchen, Spiegelchen, Büchereinbänden, Vignetten und Illuftrationen in Manufcripten mit Farben und Vergoldungen zu erwähnen. Die Zeichnung ist bei Arabesken und Blumen fchön, natürlich und correct, während fie bei Figuren jeder Perfpective faft entbehren. Die beften Meifter finden fich in Schiraz und Isfahan, deren Arbeiten find in unferer Collection vertreten. Ein Manufcript von Taufend und einer Nacht, auf hohen Befehl für Naffer- eddin Schah gefertigt, zeichnet sich durch Kunftfertigkeit in der Schrift, den Initialien, Randzeichnungen und lebhafte Illuftrationen befonders aus. Durch Verbot der plaftifchen Darftellung menfchlicher Figuren durch den Koran konnte natürlich die Sculptur keine befonderen Fortfchritte machen; allein bei dem lebhaften Sinn des Iraners für Zeichnung und Plaftik mufsten die Arabesken in Stuck und Marmor, und die Architektur überhaupt an deren Stelle treten. Der fchöne Bau vieler Karawanferaien, Mofcheen und Madaraffes, die kühnen Wölbungen( eine der fchönften findet fich in Sultanièh), die Kuppeln, die gefchmackvolle Benutzung verfchiedener Marmorarten und Fayencen, die Ruhe und Sicherheit, die in dem Ganzen herrfcht, zeugen für den Kunftfinn eines Volkes, welches durch Jahrtaufende feine Traditionen und angeerbten Fähigkeiten zu verwerthen verftanden hat. Wenn in Privatgebäuden fich weniger Stil beurkundet, fo liegt es theils darin, weil die Façade wegen des Vorurtheils, den Frauen die Sicht auf die Gaffe verwehren zu wollen, kahl und fenfterlos gehalten fein mufs, theils darin, dafs bei der Ausdehnung des Haufes im Verhältnifs des wachfenden Vermögens es felten nach einem Plan gehalten, fondern ftets vergrössert wird. Dafür ift die Ausfchmückung der einzelnen Säle durch Verwendung feiner Stuckarbeiten, Stalaktitenformen, Blumenmalereien, Marmorbekleidung, Vergoldung, Nifchen, Kamine, Baffins und Springbrunnen, Spiegel, Perfien. 35 Spiegelfaceten etc. fehr luxuriös und bietet ein reiches Feld von Variationen. Doch auch im Bauftyl ift ein wahrer Rückfchritt zu beobachten. Während man früher durch fefte Bauart, grandiofe Hallen, kühne Wölbungen, Verwendung verfchiedener Marmorarten und künftlerifcher Fayencen einen ruhigen Effect erzielte, überladet man jetzt die unfoliden Mauern und die noch unfolideren Plafonds mit Zierrathen, Schnörkel, Blumenbouquetchens und Spiegelfacetten, wodurch zwar ein einzelner Theil betrachtet wohlgefällig fich darbietet, doch im Ganzen wird. der Eindruck des verirrten Gefchmacks vorwiegen. Man braucht nur die jetzigen königlichen Schlöffer, die Karawanferaien, Madraffes und Tekièhs( Arena) mit den früheren in Isfahan, Schiraz u. f. w. zu vergleichen um den Unterfchied herauszufinden. Mit der Vorliebe des Perfers für das Zeltleben verfteht er es, die Zelte nach Bedürfnifs, Reichthum, Bequemlichkeit und Zweck auf verfchiedene Weife zu modificiren und zu decoriren, fo dafs keines dem anderen ähnlich fieht, und dafs in der inneren Ausfchmückung, in Verwendung von Pers- Cotton, Seide, Quaften, Borduren und aufgenähten Muftern fich immer ein origineller, gut durchdachter Plan kundgibt; jedoch ift nicht zu leugnen, dafs die Ausgaben für die Anfchaffung als auch für den Transport viel zum Ruine einzelner Familien. beitragen. Aus diefer allerdings die Induftrie und Production Perfiens nicht erfchöpfenden Skizze wird es hervorleuchten, dafs bei der nüchternen, fleifsigen und erfinderifchen Anlage der Einwohner, bei ihrer Kunftfertigkeit, lebhaftem Sinn für Farbe und edle Formen, bei ihrer rafchen Aneignung fremder Kunftgriffe, bei ihren bewunderungswürdigen Leiftungen in unterirdifchen Erdbauten, durch Einführung neuer Communicationsmittel, verbefferter Inftrumente der Arbeiter und Belehrung, in weit kürzerer Zeit, als man gewöhnlich annehmen will, ein reiches Feld für Induftrie, Production und Kunft fich eröffnen, und dafs mit einziehendem Reichthum ein vortheilhafter Handel für Ex- und Import fich herftellen dürfte, dafs jedoch unter den gegenwärtigen Verhältniffen ein Rückgang der Production ftattfinden mufs. Befchreibung der Ausstellung. Es lag im Intereffe der Wiener Weltausftellung, dafs der Orient vorzüglich mit feinen Erzeugniffen vertreten fei, es durfte hiemit Perfien nicht fehlen. Da jedoch diefes Land zu der Zeit von fchweren Calamitäten heimgefucht und hiemit keine Initiative von ihm zu erwarten war, fo wurde der Herr Generalconful von Zwiedinek nach Tabris delegirt, um in Angelegenheiten der Ausftellung zu wirken. Er fand bei feiner Ankunft die Lage kritifch, er fuchte jedenfalls der Mitwirkung des Grofshandlungshaufes Ziegler& Comp. fich zu verfichern, er fammelte auch fehr viele intereffante Daten über den Handel Perfiens, befonders der Provinz Azerbeidfchan, namentlich Tabris, welche hier vielfach benutzt werden. Zu gleicher Zeit im Herbfte 1872 veröffentlichte Dr. J. E. Polak eine Brochure unter dem Titel„ ,, Betheiligung Perfiens an der Wiener Weltausftellung", die mit Hilfe des Herrn Hofrathes Dr. Barb ins Perfifche ele gant überfetzt und mittelft des photo- lithographifchen Verfahrens gedruckt und in vielen Exemplaren nach Teheran gefchickt wurde. Diefe Schrift follte als Anhaltspunkt dienen für die Gegenftände, deren Einfendung von befonderem Nutzen und Intereffe wäre. Nebenbei fei erwähnt, dafs diefs das erfte felbft. ftändige Werkchen war, welches in Europa in perfifcher Sprache veröffentlicht wurde. Als fpäter Herr Graf Dubsky, öfterreichifcher Gefandter am Hofe zu Teheran, in der Hauptftadt anlangte, wirkte er felbftverftändlich für eine möglichft würdige Vertretung von Seite der königlich- perfifchen Regierung. Seine Vorftellungen waren von defto gröfserem Gewicht, als indeffen der Schah den feften 3* 36 Dr. J. E. Polak. Entfchlufs gefafst hatte, Europa und die Wiener Weltausftellung zu befuchen. Die Jahreszeit war doch bereits ziemlich vorgerückt, fo dafs die Sendungen verfpätet und bei dem langfamen Karawanentransport in unterbrochenen Partien ankamen. Unterdeffen hatte fich ein perfifches Comité in Wien gebildet zum Zwecke der Förderung der perfifchen Ausftellung, es fafste auch den Entfchlufs, einen Pavillon nach perfifcher Bauart zu errichten, zumal Bauleute aus Perfien zugefagt waren, welche den decorativen Theil ausführen follten. Befagtes Comité hatte auch Mühe und bedeutende Geldopfer nicht gefcheut, um die Aufgabe würdig zu löfen. So kam der Pavillon zu Stande, der durch die originelle Decoration die Aufmerkfamkeit der Befchauer auf fich zog. Zur Vervollftändigung der additionellen Ausftellung wurde auch von Seite der perfifchen Regierung ein Zelt eingefchickt, auf deffen Bau wir später zurückkommen. Die perfifche Abtheilung befand fich in einem Seitentransept nahe dem Oftportal, zwifchen der rumänifchen und chinefifchen. Das Portal, gegen die chinefifche Abtheilung fchauend, war durch eine einfache, aber gefchmackvoll gehaltene Decoration von Teppichen verfchiedener Qualität ausgezeichnet, auf deffen Aufsenfeite das perfifche Landeswappen( Löwe mit aufgehender Sonne) und auf deffen Innenfeite ein fein ausgeführtes kalligraphifches Tableau angebracht war. Die Ueberfetzung der Verfe würde etwa lauten: ,, Jeder zeiget Waaren fchlecht und recht, Wenn's nach Wunſch gefällt, ift's Allen recht." Die Gegenftände felber waren theils in Kaften untergebracht, theils waren die Webeftoffe decorativ an den Wänden aufgehängt. In der Mitte der Abtheilung befand fich eine wenig erhabene Plattform mit einem grofsen Farahan- Teppich bekleidet, und am Eingange zwei Coftumepuppen, einen Perfer und eine Perferin darftellend, welche von der Art der Bekleidung in der befferen Gefellfchaft eine Vorftellung geben follten. Auf die einzelnen Gegenftände übergehend, fanden wir I. Gruppe ( Mineralien und Salze) Salze) nur fchwach durch zufällige nicht gewählte Exemplare vertreten, wie diefs auch bei der herrfchenden Eile kaum anders zu erwarten war, zumal der einzige Mann, der dafür Verftändnifs gehabt hätte, Dr. Schlimmer, nicht zu Rathe gezogen wurde, aufserdem kein Muſeum exiftirt. Um fich künftig vor ähnlichen Mifsgriffen zu fchützen, wäre die Anlage eines mineralogifchen Muſeums, wie ich es fchon vor Jahren projectirte, eine Nothwendigkeit. Von den vielen und fchönen Marmorarten find nur einige Platten lichtgelben und röthlichen Onysmarmors von Kafchan und Sendfchan, und eine Platte des berühmten Maraghe- Marmors, Sediment der heifsen Quellen von Schirmahal, ausgeftellt gewefen. Von Baumaterialien wurden von den fehr reichen Gypslagern des Landes einige Sorten von kryftallinifchem und ordinärem Gyps eingefchickt, ebenfo fchönes Marienglas; auch mehrere Mergelarten zur Tünche. Eine vorzügliche, bisher jedoch nicht verwendete Kaolinerde lieferte Kermanfchah. Ein anderes Thonsilicat, fogenannte daghiftanifche Erde aus Sendfchan, ift dadurch intereffant, dafs es eine der efsbaren Erdarten liefert, nach welcher viele Einwohner theils aus Nachahmung, theils aus krankhafter Neigung lüftern find, und über welche ich fowohl, als auch Profeffor Goebel in Petersburg früher Bericht erftatteten. Mehrere unanfehnliche Mufter von Kochfalz gaben nur eine geringe Idee von den unerfchöpflichen Lagern, die fich fowohl von Natrium als Kalifalzen im Lande befinden. Auch Mufter von Salpeter und Alaun waren in der Sammlung. Von den vielen Schwefellagern war auch eine geringe Menge amorphen Schwefels wegen des neuen Fundortes Sendfchan beachtenswerth. Perfien. 37 Von Erzen waren nur einige Bleiglanze, Kupferkiefe und Aurepigment, und zwar in fchlechten Exemplaren vorhanden. Foffile Kohle und Erdpech, fowohl von dem aromatifchen( Mumia) als auch von dem gewöhnlichen, wurden von den reichen Lagern ebenfalls in ungenügender Qualität eingefchickt. Im Ganzen würden wir durch das vorgelegte Material geneigt fein, ein an mineralifchen Producten fehr armes Land vor uns zu fehen, wenn wir nicht durch Forſchungen europäiſcher Fachmänner fchon jetzt vom Gegentheil überzeugt wären. II. Gruppe. Etwas reicher war diefe Gruppe, Producte der Landwirthschaft, der Thier zucht, der Forft- und Gartenwirthfchaft, vertreten. Wir fanden hier Weizen von mehreren Sorten und Gegenden, vom Winter- und Sommerbau, der fehr mehlreich und fchwer ift. Gerfte jedoch, welche vorzüglich und reich gedeiht, und das ausfchliefsliche Körnerfutter für Pferd, Efel und Maulthier bildet, war nur in einem fchlechten Mufter( Varietät, fchwarze Gerfte) eingefchickt. Obwohl leichter im Korn, wird diefe Varietät wegen des reichlichen Ertrages als Viehfutter häufig angebaut. Beffer waren die Reis forten gefchält und ungefchält( Scheltuk), ausgeftellt. Wir fanden eine der vorzüglichften Sorten in dem fogenannten Tfchampé von Schiraz, und in dem für das Nationalgericht Pillaw fo beliebten Amberbu von Mafanderan, mit welchem auch die Hauptftadt faft ausfchliefslich ihren Bedarf deckt. Auch andere, minder beliebte fchleimige und ftark aufquellende Sorten waren unter den Muftern. Von Mais war nur ein Exemplar fehr mittlerer Qualität vorhanden, auch ift der Anbau diefer Fruchtgattung fehr gering und vernachläffigt. Ebenfo ift DuraHirfe, Sorghum, nur auf die Küftenftriche des Cafpifees, befchränkt, daher auch von dort das eingefchickte Mufter. Einen wichtigen Beftandtheil der Volksnahrung bilden die verfchiedenen Leguminofen früchte, befonders die Küchenerbfen, die verfchiedenen Bohnen, die Faseolus mungo, die Linfen; von allen diefen waren Exemplare, obwohl nicht erfter Qualität in der Sammlung, ebenfo zwei Lathyrusarten von Kirmanfchah zum Viehfutter. Von den vortrefflichen, im Lande gedeihenden Gemüfen find die Samen, und zwar im guten, keimungsfähigen Zuftande eingefchickt worden; von verfchiedenen Lactucaforten, von der in Perfien fo vorzüglichen, nicht bitteren Eierfrucht ( melanogena), von Möhren, Fenchel, Dill, Coriander, fchwarzem und grünem Kümmel( carum nigrum et virescens), von Rettich, Gartenkreffen, der Bergzwiebel( allium ampeloprasum), Spinat, rothen Rüben( beta) und Gurken. Bei dem Reichthume an Kernobft und getrockneten Früchten, Roobs und Conferven, welche auch eine lohnende Ausfuhr gewähren, hätten wir eine ausgiebigere Sendung aus verfchiedenen Gegenden gewünſcht, um ein vollftändiges Bild von der Production nach verfchiedenen Klimaten und Meereshöhen zu erlangen; doch wir fanden uns in der Erwartung etwas getäuscht. Wir fahen nur mehrere Sorten Mandeln, vorzügliche Piftazien, mehrere Sorten Rofinen und Korinthen, die zu Conferven beliebten Berberisfrüchte, Aprikofen, Nüffe und confervirte Cedraten. Die im Lande fo wohl gedeihenden Cucurbitaceen find durch ihre Samen repräfentirt. Nebft den gewöhnlichen Gewürzen aus der Familie der Doldenblüthen, war noch der Saffran von Choraffan, die gemahlenen Früchte von Rhus coriaria als Zufatz zum Braten, die Nigella und der weifse Mohn, Samen des Papaver orientalis, als Streugewürze auf Brotfladen, vorhanden. Die öligen Samen waren durch Ricinus in mehreren Muftern, durch. Lein-, Sesam-, Eruca- und Baumwoll- Samen vertreten. Die Färbeftoffe waren durch vorzüglichen Krapp, Saflor, Henna, Indigofera, Delphinium camptocarpum und Kreuzbeeren, die Gärbeftoffe durch vier Gallenarten und Baft der kurdiftanifchen Eiche anfchaulich. Von Manna, Gummi- und Amylumftoffen fanden fich das Tragant- und Pflaumengummi, der vorzügliche Klebeftoff Serisch 38 Dr. J. E. Polak. ( Eremurus caucasicus), die Tighalmanna und das fehr beliebte, als Genufsmittel gebräuchliche Terendschebin( Exsudation der kurdiftanifchen Eiche) und Salep. Von den fo berühmten, den Lande eigenthümlichen Harzen wurden nur Ammoniakgummi und Sakkis, das ift das Terpentin von Pistacea lentiscus eingefchickt. Durch vorzügliche Mufter aus verfchiedenen Theilen des Reiches war Opium vertreten, während der ebenfo vorzügliche Tabak( Tombaki), eine Hauptquelle der Landeseinnahmen, nur durch unzureichende zerbröckelte Stücke dargeftellt wurde. Schöne Bau-, Fournir- und Nutzhölzer fchickten die Provinzen am Caspifee, ebenfo die Provinzen Kafchan und Kirmanfchah. Während für fchöne Mufter von Rohfeide aus Gelan und Yezd Sorge getragen wurde, waren jene von Baumwolle, Wolle, Ziegen- und Angorawolle fo fchlechter Wahl, dafs fie nur einen unklaren Begriff von der grofsen Production diefer Stoffe gewährten. Prima Qualität ift auch die vom Küftenlande eingefchickte Jute, welcher eine bedeutende Zukunft bevorfteht, die jedoch bisher nur zur Erzeugung von Bindfaden verwendet wird. IV. Gruppe. Die Nahrungsmittel als Producte der Induftrie, die im Lande durch vorzügliche Effig- und Zuckerconferven, Conditoreien, Mannaküchen- Milchproducte, durch das in Fett confervirte Fleiſch( Gurmeh) repräfentirt ift, bot in unferer Abtheilung nur Mufter von Rohzucker aus Gilan und Mafanderan, welche eben nur andeuteten, wie diefer edle Stoff mifshandelt, und was daraus durch ein rationelles Verfahren gewonnen werden könnte. Mehrere Conferven von Oliven fowohl in Effig als auch in Oel gaben den Beweis der fchönen Früchte und des edlen Oels, welches einen fchönen Ertrag verfpricht. Ein faurer Molkenkäfe ( Kara grut) diente als Repräfentant der Verwendung der Milchabfälle. Eine Conferve der Früchte Diospyros lotos aus Mafanderan war feiner Neuheit wegen beachtenswerth. Der Caviar erfter Qualität und mehrere geräucherte Fifche von der Gattung Lachs, Haufen und Karpfen erinnerten an den beifpiellofen Fifchreichthum der Zuflüffe des Cafpifees und an den reichen Ertrag und Stoff zur Volksnahrung, den fie gewähren könnten; jedoch ift der Genufs von allen Knorpelfifchen und deren Producten gefetzlich verpönt. V. Gruppe. Die Textil- und Bekleidungsinduftrie war der Sache gemäfs am beften repräfentirt und fie drückte beinahe der ganzen perfifchen Ausftellung den Stempel dermafsen auf, dafs der gewöhnliche Befchauer faft nur diefelbe berücksichtigte. Mit Ausnahme des Seidenteppichs, deffen Fabrication feit etwa 100 Jahren ganz aufgegeben ift, und deffen Blüthezeit in die Periode der Safi- Dynaftie fällt, waren die Wollteppiche in allen Webearten, Längen, Fabriksorten und Qualitäten dargestellt. Befonders feffelten die fogenannten Bett- Teppiche aus Kurdistan und Siftan. Kunftkenner und Phyfiologen, die fich mit Farbenlehre befchäftigen, erklärten einftimmig, dafs die Farbenzufammenftellung und die Mufter das Gefchmackvollfte und Correctefte in der Art bieten. Leider ftehen diefer fo fchönen Fabrication zwei Klippen entgegen, die wohl im Auge zu behalten find, weil fie mit der Zeit die eigenthümliche Induftrie zu zerftören geeignet wären. 1. Die Anwendung der Anilinfarben, welche die Teppiche wegen ihres zu grellen Tons und wegen der Unbeftändigkeit nicht vertragen. 2. Die Aufträge europäiſcher Kaufleute, ihnen nach gegebenem Mufter Waare zu liefern. Es ift leider eine traurige Erfahrung, dafs ebenfo wie die Indianer beim Contracte mit Europäern nach und nach, felbft bei der humanften Behandlung, zu Grunde gehen, ebenfo wird der natürliche Gefchmack und der Farbenfinn der Orientalen verdorben, wie fie europäifche Art und Weife nachahmen wollen. Die Filze zeichnen fich durch Dichtigkeit, fchöne einverleibte Mufter und Billigkeit aus. Ihr bedeutendes Perfien. 39 Gewicht und die Vorficht, die nothwendig wird, um fie vor Mottenfrafs zu schützen, verhindern derzeit noch den Export. Die Shawls, obwohl nicht durch die fchönften Exemplare repräfentirt gewefen, zeichnen fich gerade wie die Teppiche durch gefällige Mufter, Qualität, wodurch fie den indifchen am nächften ſtehen, und billigen Preis vor anderen aus. Repräfentanten aus Kerman Yezd und Mefched waren vorräthig. Leider zeigte eine mehrmonatliche Erfahrung, dafs das grofse Publicum an die fchreienden Farben und Mufter der europäifchen Shawls gewöhnt, für diefe vortreffliche Waare nur wenig Sinn äufserte und fie im Vorbeigehen kaum eines Blickes würdigte. Auch für die inländifche Shawlfabrication find die oben bezeichneten Klippen gefährlich. Von fonftigen Wollfabricaten waren die fchmiegfamen Berekflanelle aus Kameelhaar beachtenswerth, die Theuerung des Erzeugniffes und der faft unvermeidliche Mottenfrafs wird doch kaum je einen Export erlauben. Ebenfo werden die abbaï- und thibetartigen Gewebe( Aghri), obwohl fie fich durch Dauerhaftigkeit, Wafferdichte und eingewebte Goldfaden auszeichnen, wohl für Burnus und Talare geeignet find, doch kaum je einen Gegenftand des Exports bilden. Wir erwähnten fchon, dafs die Baumwoll induftrie die europäiſche Concurrenz nicht zu beftehen vermöge, dies wurde auch durch die eingefchickten Waaren vollends beftätigt. Sie war ärmlich bedacht, wir fanden zwar noch einige prächtige Pers- oder Indienne- Stoffe( Kalamkar), die durch mufterhaften Handdruck und feine Zeichnung herrorragten, und auch rafch Kenner und Käufer herbeizogen, doch waren die Nankings( Gadek), ein Haupt- Bekleidungsftoff der mittleren Claffen, und die Rohcattune( Kerbas) gar nicht vertreten. Mag diefes auch nur Zufall fein, dafs fie vergeffen wurden, fo gab doch der Rückgang der Erzeugung einige Berechtigung dazu. Viel Anklang haben die neuen Portière- Stoffe aus Baumwolle und Wolle durch ihr fhawlartiges Ausfehen und Billigkeit gefunden. Gleich in den erften Tagen haben Liebhaber und Kenner fie zur Nachahmung angekauft. Gerade wie mit den Baumwoll- verhält es fich auch mit den Seidenerzeugniffen. Wir fanden nur die fchön fchillernden, fchweren, fhawlartigen Seidenftoffe( Tirmehnæma) die kleinmuftrigen Halbatlaffe( Gatni) und Halbfammt von Kafchan der Beachtung würdig, während die anderen Stoffe durch ungleiches Gewebe, Glanzlofigkeit, Ungleichheit des Fadens und fchlechte Appretur auffielen, und als Beiſpiel der Vergeudung des erften Materiales der Bekleidung dienten. Ja, in gemifchten Geweben war die Seide fo unvortheilhaft angebracht, dafs man nur durch Prüfung ihrer gewahr wurde. Nebft Teppichen war die Ausftellung am beften durch mofaikartige Zufammenftellung von verfchieden farbigen Tuchforten( Tuchmofaik) vertreten. Diefe Fabrication wird fchwunghaft in Refcht betrieben. Die gefchmackvolle Zufammenftellung der Farben, das tadellofe Einnähen und die Tambourirung zeichnen die Waare aus. Doch hat die Erfahrung gelehrt, dafs, fo fehr auch das einzelne Stück gefallen mag, es doch gefchieht, wenn viele Waare dem Anfchauer fich bietet, diefer durch die grellen Tuchmufter ermüdet und unbefriedigt vorbei zieht. Der geringe Zufpruch für die Maffe trotz der Schönheit jedes einzelnen Stückes hat das Gefagte beftätigt. Die Stickereien und Strumpfftrickereien, als eigentliche Arbeit der Haremfrauen, haben überall durch liebliche Mufter, fleifsige Ausführung und Anfpruchslofigkeit Anerkennung, Nachahmung und Käufer für Muſeen gefunden. An den ausgeftellten Bekleidungsftücken ift der Einflufs europäifcher Moden nur durch verwendete abendländifche Stoffe und Goldfchnüre erfichtlich, in Wirklichkeit ist jedoch die Aufnahme neuer Kleiderformen nach europäiſchem Schnitt, felbft unter Frauen des Harems im fichtlichem Auffchwung begriffen. Zu den Coftumen beiderlei Gefchlechtes ift viel Seide und Shawl verwendet. Der Abgang einer jeden Halsbinde, felbft des Hemdkragens ift charakteriftifch, aber auch für die Gefundheit von befonderem Nutzen; lei derift auch diefer fchöne Gebrauch in Abnahme begriffen. Die berühmte Lammfell- Mütze wurde durch ein fumptuarifches Gefetz verpönt und durch dicke Tuchmützen erfetzt, welches auch nicht befonders zur Förderung der inländifchen Lammcultur beiträgt. 40 D. J. E. Polak. Da das Schuhwerk im Lande unter der Mittelmäfsigkeit fteht, wurde die Fufsbekleidung nur durch einige fchöne Sandalen aus Sendfchan, Priefterfchuhe aus Chagrinleder und durch die für Bergbewohner fehr geeigneten Giwèfchuhe mit comprimirten Baumwollftoff- Sohlen dargestellt. VI. Gruppe. Der Handel mit Fellen ift bei Weitem nicht fo ausgedehnt, als er es verdient, viel koftbares Material geht noch zu Grunde. Die fatalen Begriffe von religiös Reinem und Unreinem ftehen hindernd entgegen. So ift die Benützung der Felle von Hirfch, Reh, Steinbock, Gemfe, Gazelle und Argalifchaf verfchwindend gering. In der Sammlung fanden fich jedoch die Häute von Luchs, Fifchotter, Marder, wilder Katze, Fuchs und die fogenannten Aftrakan- Lammfelle von Schiraz und Kum. In letzter Zeit begann auf Anregung europäiſcher Kaufleute der Handel mit Schwan- und Mövenhäuten, aufserdem werden die fchillernden Köpfe von wilden Enten gegärbt und künftlich zu Pelz zufammengefügt, wovon auch Exemplare auf der Ausftellung zu fehen waren. Leder als folches war gar nicht vertreten, obwohl das inländifche Chagrin- und Saffianleder und das mit bedruckten Muftern verfehene, wie es zu Tafchnerarbeiten Verwendung findet, gewifs eine Beachtung verdient hätte. VII. Gruppe. Die verhältnifsmäfsig ausgedehnte Metallinduftrie fand zumeift in Broncegefäfsen und Damascen- Stahlarbeiten früherer Zeit, Waffen und Rüftungen ihre Repräfentanten. Sie find wegen des feinen Materials, ihrer künftlerifchen Ausführung und Anwendung von fchönen Gravirungen und Goldtaufchirung fchon. vielfach bekannt und berühmt. Auch diefer fchöne Induftriezweig ift wegen der Concurrenz in Abnahme begriffen; fchöne Stücke werden nur auf Beftellung ausgeführt( fo die in vorzüglichem Stil gehaltene Bettelfchale aus Damascenftahl der Sammlung), die Meifter bilden nicht mehr wie früher einen kräftigen Nachwuchs. Von neueren Metallarbeiten für Gebrauchsgegenstände wurde nichts eingefchickt, obwohl die Kupfer- und Zinkarbeiten von Kafchan, die Stahlwaaren von Isfahan ( europäiſche Nachahmung von Federmeffern, Flinten, Piftolen etc.) immer eine Berücksichtigung verdient hätten. Von Silberwaaren find nur einige Filigranarbeiten von Sendfchan der Erwähnung werth, da die anderen Gebrauchsgegenftände aus edlen Metallen kaum über die Mittelmäfsigkeit fich erhoben. VIII. Gruppe. Beim Fehlen von Möbeln faft aller Art in der perfifchen Wohnung konnte natürlich die Holzinduftrie fich nicht entwickeln. Wir finden daher die Tifchlerei als primitivftes Handwerk, der künftliche Anftrich ift auch faft unbekannt. Nur in Schnitzereien in Birn- und Buxholz, auch auf Cocosnüffen wird Vorzügliches geleiftet. Es find wieder Blumen, Arabesken, Löwen und Hirfche, die in origineller Zufammenftellung fich gefällig präfentiren. Schön find auch die in geometrifche Anordnung verfchiedener Holzftücke geformten Couliffenfenfter, von denen zwei Stück, für den perfifchen Pavillon beftimmt, der Anficht vorlagen. Eine ähnliche Anordnung der Fenfter ift durch den ganzen Orient üblich, fie finden Anwendung in den fogenannten Mafchrubies Egyptens; doch ift die petfifche Arbeit die originellfte. Als Nachahmung der indifchen und chinefifchen Kunft von Boule find auch in Perfien verfchiedene Gebrauchsgegenstände in Boule ausgeführt. Die netten geometrifchen Figuren, die Verfchmelzung von Horn, Bein, weifsem und gelbem Metall zeichnen die perfifchen Erzeugniffe aus. Diefe fo leichte Kunft Perfien. 41 verdient bei unferen Luxusmöbeln eine gröfsere Anwendung, als fie bisher gefunden, da meines Wiffens nur Venedig Anerkennenswerthes leiftet. IX. Gruppe. Die einft fo berühmten Terracotten, Fayencen und Thongefchirre waren nur durch ältere Gefäfse und Fayenceziegeln repräfentirt.( Sie wurden nachträglich eingefchickt und find daher im Katalog nicht aufgenommen.) Diefe Kunft und felbft die Kenntnifs ihres einftigen Beftandes im Lande ift fo gründlich vergeffen, dafs von den vielen hier anwefenden perfifchen Gäften, felbft von Ausstellern felber nicht angegeben werden konnte, woher fie ftammen; doch dürfte nach meiner Anficht Isfahan als Fundort gelten, da Aehnliches in Mofcheen und Häufern dort viel zu fchauen ift. Jetzt erzeugt nur Kafchan mittlere Waare. Von den Alcarazas, den erften der Welt, wie fie noch jetzt Kum erzeugt, fanden wir nichts ausgeftellt, wahrfcheinlich mochte die Billigkeit und Allgemeinheit der Waare ihre Ueberflüffigkeit vorgefpiegelt haben. Nette Gefäfse aus Thonfchiefer mit den bekannten Arabesken werden auch in Choraffan erzeugt und davon auch Mufter zur Anficht geboten. Eine beffere Arbeit von demfelben Fundort bietet jedoch das k. k. mineralogifche Cabinet in Wien. XII. Gruppe. Graphifche Künfte und gewerbliches Zeichnen. Da, wie erwähnt, keine Buchdruckerei und keine gewerblichen Schulen im Lande vorhanden find, auch die vielen Werke, die entweder auf Koften der Regierung oder durch Privatunternehmung lithographirt wurden, nicht vertreten waren, fo blieben für diefe Gruppe nur die Malereien auf Gebrauchsgegenständen und die Graveurarbeiten. Beide werden vorzüglich in Schiraz und Isfahan cultivirt, wo überhaupt die meifte Kunft und Gefchmack im Lande herrfchen. Die Malereien auf Pappe find wegen ihrer fchönen Farben, gefälliger Zeichnung und des dauerhaften Firniffes, der fie deckt, fehr gefchätzt. Ausserdem find die Randverzierungen und Titelfeiten in Manufcripten häufig von unübertrefflicher Eleganz und Pracht; weniger entsprechend find die eingelegten Miniaturen, wo an Figuren die Fehler der Perfpective fichtbar werden. Die Wichtigkeit des Siegels auf jeder Urkunde und jedem Schriftftück, welches die Namensunterfchrift vollkommen erfetzt, bewirkt es, dafs auf das Petfchaft eine befondere Sorgfalt verwendet wird, um es vor Nachahmung zu fchützen, daher auch die Graveurkunft fehr cultivirt wird und perfifche Meifter im ganzen Orient fehr gefucht find. Käftchen, Spiegelrahmen, Büchereinbände, Muftertafeln, Siegel- und Amulettfteine fanden eine reichliche Anerkennung und verfchafften ihnen den Ankauf für Mufeen. XIV. Gruppe. Wiffenfchaftliche Inftrumente. Auch diefe ftammen aus früherer Zeit, während die jetzigen in der neuen Akademie verwendbaren aus Europa ein geführt find. Bekanntlich ging aus der Aftrologie, welche fich meift an den Höfen mit Stellung des Horofkops und Sterndeuterei befchäftigte, die Sternkunde oder Aftronomie hervor. Befonders waren es im 14. und 15. Jahrhundert Männer in Perfien und Samarkand, welche die ftreng wiffenfchaftliche Richtung anbahnten. Die Tafeln von Chadfché Naffir, bekannt unter dem Namen der Tafeln von Ulug Bek, genoffen einen grofsen Ruf. Viele mathematifche Inftrumente, mit befonderer Präcifion ausgeführt, gehören diefer Periode an, zu diefer zählten die Aftrolabien unferer Ausftellung, vom Unterrichtsminifter, dem Prinzen Ali Kuli Mirza, eingefchickt. In der letzten Zeit trat allerdings wieder ein Rückfchlag ein, die Aftrologie nahm über die Aftronomie die Oberhand. Nebft den Aftrolabien ift auch 24 Dr. J. E. Polak. ein Compafs mit der Windrofe vorhanden gewefen, für deffen Erfindung und Anwendung bekanntlich die Orientalen die Priorität beanspruchen. XV. Gruppe. Von mufikalifchen Inftrumenten waren nur eine Cymbel( Santur), eine vierfaitige( Metallfaiten-) Guitarre mit Refonanzbogen aus Pergament( Tar) eine zweifaitige Geige mit Bogen( Kamandfcheh), zwei Handpauken und ein Tamburin ausgeftellt, welche auch die jetzt im Land üblichen muſikaliſchen Inftrumente erfchöpfen. XVI. Gruppe. Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswefen. Wenn jede Nation das Befte an Producten, Induſtrie, Kunft und Bildungsmitteln eingefendet, fo mufste Perfien darauf bedacht fein, die Werke feiner grofsen Autoren, die für immer den Stolz des Landes bilden, feine fchönfte Blüthe repräfentiren und deren Studium bis auf die neuefte Zeit den Grund der guten Erziehung ausmacht, für die Weltausftellung einzufchicken. Es wurden nebftbei auch Exemplare gewählt, die durch die ausgezeichnete Schrift, den eleganten Einband, Rand und Titelblatt, Verzierung, Vergoldung, Papier, eingelegte Miniaturbilder und Einrahmung als Unica daftehen. Mit Ausnahme von Ferdufi und den Hiftorikern waren didaktifche und epifche Poefie, Mathematik, Philofophie, Medicin und Lexikographie durch die beften Mufter vertreten. Die Schreibekunft, als wichtiger Zweig der Erziehung, deren elegante Ausführung die fleifsige Uebung von vielen Jahren erfordert, wurde durch Mufterblätter erfter Meifter dargestellt. Unter Anderem waren auch vier kalligraphifche Tableaux mit blumiger Schrift eingefchickt, welche durch künftlerifche Stellung der orientalifchen Buchstaben und ihrer Ausfchmückung mit Blumengewinden fich hervorthaten. Additionelle Ausstellung. Um die Reihe der orientalifchen Bauten zu vervollſtändigen, oder vielmehr um eine Idee der Ausfchmückung des perfifchen Palaftes nach jüngftem Gefchmack zu bieten, wurde der perfifche Pavillon gebaut. Wir wollen hier nur von der Decoration fprechen, da nur fie fpecififch dem Lande angehört, während der ganze Bau mehr dem europäifchen Gefchmack adaptirt war. So z. B. findet fich im ganzen Reiche keine einzige Treppe( mit etwaiger Ausnahme derer, die zum Palafte von Perfepolis führen), die fo kunftgerecht und bequem ausgeführt wäre, als die des Pavillons. Die Façade des Rifalits, durch ein ftark ausgelegtes Hauptgefims gekrönt, war reich mit facettirtem Spiegelglas, Ornamenten, abwechſelnd mit prächtig in Gyps ausgearbeiteten Arabesken, Cartuchen und Medaillons gefchmückt. Die Medaillons waren von der gefchickten Hand des Malers mit lieblichen Blumenfträufschen bedeckt. Eine Marquife fchützte die Façade vor Regen und grellem Sonnenfchein. Letzterer wurde aufserdem noch durch einen kräftigen, hohen und belaubten Baum gemildert. Ueber dem Hauptgefims erhob fich ein arkadenartiges, von zwei trappenartigen Vögeln flankirtes Medaillon, worin das Staatswappen( Löwe mit aufgehender Sonne) fichtbar wurde. Die Flügelfaçaden waren einfach gehalten, fie dienen theils zur Ergänzung, theils um den Uebergang zur Hauptfaçade in decorativer Beziehung zu vermitteln. Selbftverftändlich wurde die gröfste Sorgfalt auf die Ausfchmückung des Empfangsfalons verwendet. Der Plafond, in ähnlichem Styl wie die Façade, nur reicher, war aus Spiegelfacetten gebildet, die durch ihre Anordnung in verfchiedenen geometrifchen Figuren und Rofen fich auszeichneten, zwifchen denen Gewinde, Arabesken und Blumen in zarter Arbeit fich fchlangen. Rings um die Mitte war ein Kreis von glatten Spiegelflächen, auf denen verfchiedene colorirte Fifche dem Perfien. 43 Ganzen eine wohlthuende Abwechslung verliehen. Die Seitenwände, ebenfalls mit Spiegeln facettirt, wiefen nahe dem Plafond eine Doppelreihe von ftalaktitenartigen Arbeiten, in deren Vertiefung ftets ein finniges Blumenfträufschen ruhte. Die zwei einander gegenüber liegenden Nifchen wurden durch das Porträt Seiner Majeftät des Schah und durch einen ornamentalen Kamin und durch einen grofsen Spiegel ausgefüllt. Eine Glasthür trennte den Salon vom Balcon, von welchem man eine fchöne Fernficht fowohl auf die fämmtlichen orientalen Bauten, als auch auf den üppigen Praterpark genofs. Die zweite additionelle Ausftellung bildete ein vor Jahren eingefchicktes Zelt. Diefes fogenannte Generalzelt( Mirpendfch) befteht aus einem inneren und äufseren Zelt, welche beide durch einen Tragbalken gehalten werden. Das äufsere ift aus fefter Baumwoll- Leinwand( Kerbas) gefertigt und ift auf der Aufsenfeite durch aufgenähte Figuren in blauer Leinwand decorirt. Es ftellt ein Viereck vor, deffen vier Winkel durch Thüren, mit Indienne gefüttert, abgeftumpft find, fo dafs eigentlich ein Achteck entſteht( daher der Name hefchti, acht). Sein LängenDurchmeffer mifst nahe an zehn, fein Breiten Durchmeffer nahe an neun Meter. In der Mitte der beiden Längenwände befinden fich drei Portale, die durch Portièren zu fchliefsen find. Das Innenzelt, aus rother Leinwand gefertigt, ift nach innen mit Refchter Portièren- Seidenftoff gefüttert; aufserdem am Ueber gang des Daches zu den Wänden durch Draperie mit Troddeln gefchmückt. Der freie Raum( Tabel) zwifchen dem inneren und äufseren Zelt beträgt 1½ Meter. Die Stricke zum Fixiren der beiden Zelte find theils wegen der Schönheit, theils um Irrung zu verhüten, verfchiedenfärbig. Der Balken und die Trageftangen find ganz mit Malereien bedeckt. Das Doppelzelt hat den Zweck des ausgiebigeren Schutzes gegen Regen und ftarken Sonnenbrand, gegen welchen auch das öftere Begiefsen des äufseren Zeltes und die Verdunftung viel beiträgt. Um jedoch in Wien den Zutritt von Fremden zu verhindern, wurde auch eine nothwendige Quantität von fogenannten fpanifchen Wänden, durch Stricke fixirbar, eingefchickt, durch deren Aufftellung das Zelt von einem weiten Hof umgeben und abgegrenzt wurde. Die Solidität des Objectes erprobte fich am beften dadurch, dafs trotz eines Orkans diefes nicht im mindeſten dadurch gelitten hatte. Handel, Ein- und Ausfuhr. Der Handel Perfiens findet zumeift mit Rufsland und dem übrigen Europa mit der europäifchen und afiatifchen Türkei und Indien ftatt; in geringerem Mafse mit den Nachbarländern, mit Turkeftan, Afghaniſtan, Siftan, Beludfchiftan und Mafcat. Den Handel mit Rufsland vermitteln meift Tabris durch Karawanen nach Tiflis und Aftara am Cafpifee, aufserdem die Hafenplätze am Cafpifee, vorFür den Handel mit züglich Enzeli- Refcht, Mafchtifer Balafrufch und Aftrabad. der Türkei und Europa dient auch zumeift Tabris durch den Karawanenweg nach Trapezunt, feltener durch die Kaukafusftrafse und Poti. Ueber Kermanfchah nimmt der Handel nach Bagdad feine Richtung. Waarentransporte nach Indien gefchehen durch die beiden Hafenplätze Bender- Bufchir und Bender Abbas. Für Turkeftan und Afhganiftan ift Mefchhed die Haupteinfall- Station, während Kirman Von den kleineren den geringen Handel mit Siftan und Beludfchiftan führt. Hafen am perfifchen Golf bringen arabifche Barken Waaren ins füdliche Arabien, in die Stationen des rothen Meeres und felbft nach Egypten. Trotzdem ganz genaue ftatiftifche Daten über Ex- und Import nicht vorhanden find, fo ift doch aus dem Vergleich der gegebenen Confulartabellen erfichtlich, dafs der Import durchfchnittlich zwifchen 16 und 18 Millionen Gulden variirt, und dafs der Export in guten Jahren den Import übertrifft, woher auch die edlen Metalle ftammen, die im Lande circuliren. Die oben genannte Summe 44 Dr. J. E. Polak. kann auch annähernd auf andere Weife deducirt werden. Bekanntlich wird fowohl von den ex- als auch importirten Waaren 5 Percent des Werthes an der Grenze als Zoll erhoben, nun wurde die Douane von Tabris, die faft drei Viertel des gefammten Handels umfafst, jährlich um 250.000 Toman, beiläufig 3 Millionen Francs verpachtet, welche Summe dem Waarenwerth von 60 Millionen entspricht, hiemit für den Import die Hälfte, alfo 30 Millionen oder 12 Millionen Gulden. In den letzten Jahren nahm jedoch durch anhaltende Dürre, Mangel an Getreide, die Seidenraupen- Krankheit, Verminderung des Viehftandes wegen Mangels an Futter, fowohl der Ex- als auch der Import, insbefondere der erfte bedeutend ab. Tabris, auf der Karawanenftrafse nach Trapezunt und Tiflis gelegen, aufserdem in 8 Tagen vom Cafpifee erreichbar, Hauptftadt der fruchtbaren Provinz Azabeidfchan, mit einer Bevölkerung von 150.000 Seelen, worunter an 2500 perfifche und ruffifche Armenier, ift der wichtigfte Handelsplatz des Landes fowohl für Ausals auch Einfuhr. Handelsplätze zweiter Kategorie find Refcht, Belafrufch, Isfahan, Schiraz, Yezd, Kirman, Mefchhed. Teheran, die Hauptftadt, bildet nur einen Platz untergeordneter Bedeutung, es finden fich blofs dort Succurfalen anderer Plätze. Direct gefchieht der Handel mit Rufsland, England, Türkei und Indien, während er mit den anderen Reichen Europas meift indirect durch Conftantinopel ftattfindet. Ueber die Bedeutung, welche in dem künftigen Welthandel den Städten Muhamereh am Golf und Mefchhed zugewiefen ift, haben wir fchon früher( fiehe Communicationsmittel) ausführlich gefprochen. Die HauptExportartikel Perfiens find Rohfeide, Seidenabfälle, Tombaki Tabak, Opium, wollene Webeftoffe, getrocknete Früchte und Baumwolle; Kaviar und Haufenblafe, welche beide Artikel an ruffifche Kaufleute verpachtet find. Die HauptImportartikel: Baumwoll- Manufacturen, Glas und Porzellan, Tuch, Zucker, Thee, Roheifen und Kupfer. Wenn wir die einzelnen Artikel der Reihe nach aufzählen, fo exportirt Perfien: Schiffbau- Holz, befonders Maftbäume nach Rufsland, Buxholz nach Rufsland und Europa, getrocknete Früchte, wie: trockene Trauben, Aprikofen, Mandeln, Piftazien, Orangen, Citronen nach Rufsland; Getreide und Reis, in guten Jahren, in den Kaukafus und Bagdad, erfteres auch nach Indien; Färbeftoffe, wie: Krapp, Kreuzbeeren, Saflor, Henna, Galläpfel nach Rufsland und Europa überhaupt. Harze, wie: Sakkis( Terebinthina), Ammoniacum, Galbanum Sagapennum, Afa foetida nach Europa, letzteres viel nach Indien, wo es als Würze gebraucht wird. Tragantgummi, Salep nach Europa; Opium nach Indien; Tombaki- Tabak nach der Türkei und Egypten, Rohfeide nach Frankreich, Rufsland und Bagdad; Baumwolle bei anziehenden Preifen nach Rufsland und dem übrigen Europa; Buchara- und Felle anderer wilden Thiere nach Rufsland; Wolle, in manchen Jahren nach Europa; Ziegenhaar nach Indien; Shawls in die Türkei; Teppiche nach der Türkei, Europa und Egypten; Nanking und gedruckte Stoffe nach dem Kaukafus; Seidenthawls und Türkife nach Rufsland; Rofenwaffer, Pferde, Sefamöl und etwas Wein nach Indien; Klebeftoff( Serifch), Weichfelrohre, Schwefelantimon und Auripigment in die Türkei; Kaviar, Haufenblafen nach Rufsland; alte Münzen und gefchnittene Steine aus Ekbatana, Perfepolis, Rages nach Europa; Tuchmofaik meift nach Rufsland. Perfien importirt aus Bagdad: Edle Pferde, Kameele. Datteln, Senna, Abbamäntel, etwas Kaffee und Reliquienerde( aus Kabelah bei Bagdad). Aus Mafcat: Eine geringe Anzahl Sklaven und Eunuchen* * Der Sklavenhandel war in Perfien nie von Bedeutung, zumal aufser dem Kauf von einer eigentlichen Sklaverei nie die Rede fein konnte, weil das Individuum als Mitglied des Haufes betrachtet, verehlicht und in der Familie verforgt wurde. Der Weiterverkauf wurde immer als fchändlich angefehen. Im Falle eines ftörrigen Wefens, wie es häufig bei Schwarzen vorkommt, wurde er einfach ohne Freibrief aus dem Haufe gejagt. Dank dem ruffifchen Fortfchritt in Turkeftan hörte endlich der Menfchenraub in Chorafsan und der Verkauf der Geraubten nach Chiwa und Buchara der Grund der Entvölkerung jener Gegenden jetzt gänzlich auf. Perfien. 45 Aus Turkeft an: Tibetftoff und Berekflanell, weniger Teppiche, Turkoman- Pferde, geftreifte Seidenftoffe( Alitfchek), echte Bucharafelle, Lapis lazuli und Rubis balais. Aus Indien und den Infeln: Indigo, Färbehölzer, Lacke, Gewürze, Kaffee, Thee, Mangoconferve, Drogen, Rohzucker, Elfenbein, feine Shawls, Rubinen, Diamanten, Saphire und Ceylon- Granaten. Aus China: Thee, Kampher, Porzellan, Ingwer. Aus Japan: Seidenraupen- Eier( grains) in manchen Jahren. Aus Rufsland: Tuch, Glas- und Porzellanwaaren, Roh- und Gufseifen, Kupfer, Theekeffel, Bleche, Nägel, Papier, Stearinkerzen, Pelzwerk, Leder. Aus England: Cottonaden, Rohcottone, Muffeline, Weifsbleche, Porzellan, Stahlwaaren, Jagdflinten. Aus Frankreich: Seidenwaaren, Sammte, Weine, Goldborten, Muffeline, Parfumerien, den meiften Zucker und Chinin. Aus der Schweiz: Gedruckte Cottone, Uhren. Aus Holland: Thee, Kaffee, Zucker, Kermes. Aus Belgien: Waffen, Gläfer, Kryftalle, Spiegel. Aus Oefterreich und Deutfchland: Tuch, Tuchftoffe, Wollwaaren, Quincaillerie, Zündwaaren, Borten, Halb- Seidenftoffe, Glas, Spiegel, Porzellan, Chinin, Schuhe, Papier, illuftrirte Bilder, Wirkwaaren, Blasinftrumente. Der perfifche Kaufmann ift thätig und unternehmend, er zieht des Handels wegen leicht in die Fremde, felbft in ferne Gegenden, wo ihn das Gefchäft oft jahrelang zurückhält, fo nach Egypten, Nubien, Indien und China, mit Vorliebe jedoch nach Tiflis, Nifchno- Nowgorod, Erzerum, Trapezunt, Conftantinopel, Damascus und Cairo. Zurückhaltend und vorfichtig beim Antritt eines Gefchäftes hält er nach Möglichkeit die eingegangenen Verbindlichkeiten, wenn auch in Zahlung nicht immer pünktlich, fo find doch Bankerotte äufserft felten, im fchlimmften Fall ftellt er die empfangenen Waaren zurück. Dem Umftande, dafs perfifche Kaufleute die Gefchäfte felber beforgen, und weil der Gefammthandel des Landes bislang nicht fehr bedeutend ift, mag es zugefchrieben werden, dafs fo wenige Das Welthaus Ralli, europäifche Häufer direct durch Firmen vertreten find. welches früher faft den Seidenhandel monopolifirt hatte, liquidirte in Folge der abnehmenden Seidenernte. Jetzt beftehen nur in Tabris das Schweizer Grofshandlungs- Haus Ziegler& Comp. und die zwei Conftantinopolitaner Häufer Karagozian, Haritonidis frère& Comp., vulgo Tfchelebi und Savatfchoglu. perfifchen Häufern dafelbft find namhaft: Hadfchi Mir Mehmet Huffein als Exporteur von Seide und Importeur von Waaren aus Conftantinopel im Betrage von I Million jährlich und Hadfchi Mehmed Ibrahim für Ausfuhr von Seide, Tombacki, Baumwolle, Opium, Shawls, Teppichen etc. im Werthe von 12 Million Francs jährlich. Von Die Regierung erhebt als Zoll fowohl für Artikel des Ex- als Imports 5 Percent in natura, jedoch wird für die Naturleiftung ein Entgelt nach beftimmter Modalität angenommen. Die Douane ift meift verpachtet; es beftehen zwifchen den Pächtern und den bedeutenden Kaufleuten befondere Verträge, die jährlich erneuert werden. Befteht kein befonderer Vertrag, fo wird von Fall zu Fall wegen des zu leiftenden Entgelts verhandelt. Sehr beläftigend für den Handel ift das Weggeld( Rahdari), welches in jeder gröfseren Stadt von jeder Ladung erhoben wird, fo dafs z. B. eine Waare, welche von Schiraz nach Choi paffirt, dasfelbe an 15 Mal entrichten mufs. Bei Verkäufen wird Credit von 8 Monaten gewährt oder fie werden auf Gefchäfte gegen 2 bis 3 Monate Zeit mit 4 bis 5 Percent Sconto abgefchloffen. Baarzahlung kommen äufserft felten vor. Der Disconto ift I per mefe. Differenzen bei Kauf und Verkauf werden meift durch den Chef der Kaufmanns- Gilde( Meleke tudfchar) gefchlichtet, oder man wendet fich an das betreffende Confulat, deffen Schutz man geniefst. Bei Sendungen von Waaren macht man mit dem Karawanen 46 Dr. J. E. Polak. inhaber Verträge über den Preis und die mittlere Zeit der Verfrachtung. Für Havarien kann er natürlich bei dem fchlechten Stand der Strafsen keine Entfchädigung leiften, zumal es bekannt ift, dafs er zur Wahrung feines Rufes die nothwendige Sorgfalt anwendet und die Pflicht nach Kräften erfüllt. Sehr beläftigend für den Handel ift die Quarantaine, die die türkifche Intendanz in Conftantinopel, oft nach Laune und unverbürgten Gerüchten, in den Einfallftationen befonders in Bajazid, decretirt. Sie iſt koftfpielig, zeitraubend und zwingt zum Schaden der Türkei die Frachten über den Kaukafus zu lenken. Wäre fie im Stande Seuchen abzuwehren oder hätte fie je das Mindefte geleiftet, fo liefse fich die Mafsregel noch billigen, allein nach gegenwärtigem Verfahren iſt fie eine pure Vexation, welcher ein kleinlicher Nationalgroll häufig zu Grunde liegt. Confulate. Zum Schutze seines Handels hat Perfien mit den meiften Mächten Europas Handelsverträge abgefchloffen und hat aufserdem Confulate in Conftantinopel, Erzerum, Trapezunt, Alexandrien, Cairo, Dfchedda, Tiflis, Wien, Paris, Bombay. Von europäiſchen Mächten hat Rufsland Confulate in Tabris, Refcht, Aftrabad und Teheran. England in Tabris, Refcht, Teheran und Bender- Bufchir, aufserdem Confularagenten in Isfahan, Schiraz, Kermanfchah, Hamadan, Mefchhed. Frankreich in Tabris und Refcht. Die Türkei in Tabris, Teheran und Kermanfchah. Um zugleich einen Begriff von der national- ökonomifchen Bedeutung der wichtigften Provinz, Azerbeidfchan und ihrer Hauptftadt Tabris, von der Einund Ausfuhr und deren Provenienz und Beftimmung zu geben, laffen wir das darauf bezügliche aus dem Berichte des Herrn Generalconfuls O. Zwiedinek v. Südenhorft folgen( fiehe Nachrichten über Induſtrie, Handel und Verkehr aus dem ftatiftifchen Departement im k. k. Handelsminifterium II. Band, 4. Heft. 1873), der fich durch Gründlichkeit und Sachkenntnifs befonders auszeichnet. Uebergehend zur Schilderung des Handels von Tabris müffen zunächft die Umftände erwähnt werden, welche in den letzten Jahren auf die Verminderung desfelben wefentlichen Einflufs genommen haben. Die Haupt factoren des Waarenumfatzes auf dem genannten Hauptplatze find nämlich die Einfuhr europäiſcher, namentlich englifcher Manufacturen und die Ausfuhr der Seide von Gilan. Solange die Seidencultur am cafpifchen Meere in voller Blüthe ftand, übertraf der Werth der Ausfuhr jenen der Einfuhr. Seit dem Auftreten der Seidenraupen- Krankheit in jenen Gegenden( 1865) wurde die Bilanz empfindlich geftört. Durch Einfuhr gefunden Samens aus Japan wurde zwar der Krankheit Einhalt gethan, doch ift man weit entfernt, die frühere Ernte zu erzielen. Diefe, welche bereits auf 2000 Rouleaux jährlich herabgefunken war, belief fich 1871 auf ungefähr 6000 Rouleaux und erhob fich auch im letztverfloffenem Jahre( nach neueften Nachrichten auch im Jahre 1873. Ref.) trotz der anfänglich vielverfprechenden Ausfichten nicht zu gröfserer Höhe. Um das Gleichgewicht zwifchen Ein- und Ausfuhr herzuftellen, wäre ein Erträgnifs von 8000 bis 10.000 Rouleaux nöthig. Eine weitere Störung im Handel verurfacht der Mangel an baarem Geld, fowie eines feften, im ganzen Lande gleichen Curfes der fremden Münzen.( Siehe oben S. 20.) Zu diefen Haupthinderniffen des Handels kam nun noch als vorübergehende Calamität die Hungersnoth mit Krankheit und Seuche im Gefolge. Unter dem Einflufs diefer verfchiedenen Uebel ift denn auch der Werth der Einfuhr in Tabris, der im Jahre 1870 noch circa 10,947.710 fl. betrug, im Jahre 1871 auf circa 7,895.590 fl. herabgefunken und der Werth der Ausfuhr von circa 4,226.230 auf 3,407,900 fl. gefallen. In der folgenden Ueberficht ift der Werth der in den Jahren 1868-1870 nach und aus Tabris ein- und ausgeführten Waaren auf Grund amtlicher Daten zufammengeftellt: Perfien. Einfuhr. 47 1868 1869 1870 1871 Stearinkerzen. Baumwollftoffe, gefärbte Kaffee Kupfer und Meffing fl. 12.370 14.400 10,178.850 II.232.110 " ungefärbte 48.000 12.000 7,040.000 4,229,200 1,600.000 1,483.600 16 32.000 48.000 19.600 18.000 17 30.000 52.800 25.410 20.000 Tuch Specereien Farben Glas. ° وو 97.300 78.000 280.000 436.000 36.400 وو وو 22.960 46.690 وو 557.000 1,128.000 118.000 106.700 Goldfäden und Goldfchnüre Metallwaaren 38.000 10.000 99 1 18.500 138.400 70.800 • 29 Roheifen • 29 116.750 151.250 40.000 Blei.. 38.400 ° " Leder 82.320 IOI.500 46.720 G "> Papier u. Buchbinder- Artikel 28.000 109.120 41.020 30.000 8.000 29 Porcellan. 57.330 110.500 72.000 48.840 99 Seidenwaaren 320.000 480.000 400.000 60.000 وو Zucker. " I, 139.260 1,314.400 566.000 816.400 Thee 374.370 99 Verfchiedenes 400.000 400.000 250.000 508.400 206.880 220.320 200.000 وو Summe fl. 13,516.050 15,757.760 10,947.170 7,895.890 Ausfuhr. Baumwolle Getrocknete Früchte fl. ° 1868 1869 2,110.000 3,200.000 1,400.000 1,600.000 1870 1871 400.000 299.680 800.000 136.680 Specereien • وو وو II.600) 203.840 Farben. 10.000 14.320 19400 99 Pelze " 93.500 80.000 200.000 75.040 Lammfelle 213.200 200.300 وو Leder und Häute 132.500 152.300 99 Seide 800.000 1,364.000 13.560 1,160.000 55.520 1,194.400 وو Zucker. 48.320 99 Webeftoffe 850.000 720.000 451.600 629.280 " Tabak. 690.000 760.000 661.200 314.660 " وو وو 99 540.000 Summe fl. Wollwaaren Wachs.. Verfchiedenes. 6,838.850 9,012.180 4,226,320 3,407.900 In Bezug auf Menge und Werth, Herkunft und Beftimmung der in den Jahren 1860-1870 auf dem Platze von Tabris ftattgefundenen Ein- und Ausfuhr enthalten die nachftehenden Zuſammenſtellungen die entſprechenden, ebenfalls aus amtlichen Quellen gefchöpften Angaben: Durchfchnittliche jährliche Einfuhr aus Europa nach Tabris. Provenienz * Gefammtwerth in fl. ö. W. Silber. 132.000 286.800 28.640 12.000 921.260 300.000 200.000 Waarengattung Stahl Waffen.. Stearinkerzen. England, Trieft. ° England, Lüttich . Rufsland. Menge 150-200 Kiften • 3000 Kift. zu 33 Zollpfd. 8.800 32.000 120.000 * Die Einfuhrmenge konnte nicht bei allen Artikeln beigefügt werden, da in den Mauthregiftern nur der Werth verzeichnet ift, die Quantitätsangaben aber auf Mittheilungen von Kaufleuten beruhen. 48 Waarengattung Kaffee . Türkei. Shawls.. Indien. Gefponnene ° Baumwolle. England Provenienz Gefammtwerth in Dr. J. E. Polak. Menge* fl. ö. W. Silber 14.400 . 100 Stück zu 120-160 fl. 16.000 340 Ballen 139.400 128.000 . 400-500 Pferdelaften 96.000 120.000 Kryftallglas. England, Deutfchland, FrankLeder. Tuch reich, Rufsland. Rufsland, Türkei Diamanten) Holland, Conftantinopel Zinn. Eifen Eifenblech . Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, Belgien, Frankreich, Rufsland, England England, Indien . Rufsland. England, Trieft • • Feffe.... Oefterreich- Ungarn, Türkei Goldborden. Oefterreich Ungarn, Rufsland, Frankreich Indiennes.. England, Schweiz, Frankreich Wollftoffe. Oefterreich- Ungarn, Deutfchland, England, Rufsland England, Schweiz, Frankreich Mouffeline Papier u.Buchbinderwaaren Rufsland, Frankreich, Oefter1300 Kiften 1000 Ballen zu 600 fl. 2000 Fäffer 330.000Z.pfd., 1/3 Nägel 600.000 80.000 480.000 18.000. 20.000 48.000 25.000 Ballen 6,800.000 88.000 300 Ballen zu 320 fl. 96.000 Felle Gewürze . reich- Ungarn. Rufsland . Indien Porzellan.. England, Frankreich, Rufsland Quincaillerien Oefterreich- Ungarn, Frankreich, Rufsland.. Rum... England, Amerika. O 500 Kiften zu 48 fl. 600-700 Ballen 24.000 64.000 5.200 60.000 500-600 Kiften 600 Kiften aus Rufsland, 500 Kift. aus OefterreichUngarn und Frankreich 200 Fäffer zu 80 fl. 100.000 16.000 Parfumerien Frankreich, Deutſchland Parifer Mode6.000 waaren. Frankreich 300 Kiften zu 120 fl. Seidenftoffe. Frankreich, Deutfchland 40.000 320.000 Schwefel. Türkei. 12.000 Thee Tabak.. Türkei, Rufsland. Weifse Lein20.000 wand. England England 4000 Kiftchen zu 160 fl. 640.000 13.000 Ballen 1,950.000 ° MatratzenLeinwand Rufsland Fenſterglas. Rufsland, Belgien, Frank800 Stück 9 9.600 reich. 400 Kiften zu 48 fl. Zucker Frankreich; Holland 25.000 Kiften 16.000 1,550.000 Wein und Liqueure . Frankreich, England, Rufsland 6000 Flafchen 64.000 Orpiment.. Türkei. * Diefer Import ift entfchieden in Abnahme. 40.000 Durchschnittliche jährliche Ausfuhr aus Tabris. Waarengattung Abas( wollene Mäntel) Tabris Perfien Cachemire Shawls Wachs Baumwolle Perfien Indien • Azerbedjan • Perfien $ • Provenienz Beftimmung Menge Gefammtwerth in fl. ö. W. in Silber Rufsland und Türkei 100 Ballen 40.000 dto. 60 68.000 " dto. 2 16.000 وو dto. 500 80.000 dto. 3.000-30.000 12.000 1,200.000* ੧ ॥ • Foulards Pelze.. ° ° Seidenabfälle( frifons) Getrocknete Früchte Indiennes Henna Tabris Azerbedjan, Kirmanfchah Azerbedjan Kurdiftan, Türkei. 2 4.000 92 Rufsland 300 120.000 " Ghilan, Khorafan.. Türkei, Rufsland, Europa. 1.000 4.000 dto. 40.000 وو Perfien Rufsland 2.000 " Kirman, Kafwin Türkei, Rufsland 50 99 480.000-1,200.000** 800.000 240.000 4.800 Perfien. Wolle. Galläpfel Opium Azerbedjan, Khorafan. Türkei, Frankreich, Oefterreich- Ungarn. 200 وو Felle Salz Kurdiftan Isfahan, Tabris. Perfien Azerbedjan Ghilan . Rufsland, Türkei, Marfeille Türkei, England, Frankreich 5.000 .. 50 ,, Türkei, Rufsland, Marfeille Türkei 600 3.000 " وو Tabris gefärbt Perfien Seide. Seidenwaaren Teppiche Englifche Leinwand. Perfifche Leinwand Tabris, Kafchan, Yezd. Türkei, Rufsland Perfien aus England importirt, in England, Marfeille Türkei, Rufsland, England 3.000-10.000 Ruleaux 80 Ballen 300 20.000 300.000 71.000 48.000 2.000 2-4,800.000** 60.000 120.000 27 Rufsland • . Türkei, Rufsland Tömbeki ° + Türkifen Sammt Perfien Mefched Kafchan. Türkei B ° ° Rufsland Rufsland 200 600 62.000 99 48.000 " 2.000-12.000 99 48.000-2,400.000*** 4.000 3" 4.000 * Wechfelt je nach dem Marktwerthe in Europa. Tömbeki in Egypten. Durch die Raupenkrankheit vermindert.*** Vermindert durch die Cultur des 49 50 Dr. J. E. Polak. Als Commentar zur Ueberficht der vorzüglichften von Europa nach Perfien importirten Artikel laffen fich folgende Daten anführen. Die erfte Rolle unter den Einfuhren ſpielen die englifchen Manufacturen, und zwar vor Allem die gefärbten und gedruckten Baumwoll- Stoffe. Die englifchen Fabriken verwenden grofse Sorgfalt auf die Mufter, welche von eigenen Zeichnern nach dem Gefchmacke des Landes angefertigt und von Zeit zu Zeit gewechfelt werden. Auch aus der Schweiz wird ein kleiner Theil folcher Artikel importirt. In früheren Zeiten, fo lange der Handel mit Buchara über Tabris ging, fetzte ein einziges Haus jährlich bis zu 1 Million Francs Schweizer Manufacturen dahin ab ( türkifch- rothe und bedruckte Indiennes, fowie geftickte Mouffeline); jetzt, wo jener Handel von Rufsland monopolifirt wurde, verkauft dasfelbe Haus von folcher Waare kaum mehr für 100.000 Francs. Grey clothes wurden früher zum grofsen Theile aus Europa importirt und von Tabris wieder nach Transkaukafien exportirt, jetzt finden nur mehr die in Tabris gefärbten dahin Abfatz, da ruffifche Fabriken nun jene Waaren nach dem Kaukafus liefern. Die nächft wichtigen englifchen Manufacturen nach den ,, Prints" find die englifchen Grey- Calicots. Grofse Quantitäten davon werden in Tabris in fchmale Streifen zerfchnitten, blau gefärbt und dann als perfifche Manufacturen nach Rufsland gefchickt. Stahl kommt zumeift aus England und aus Oefterreich- Ungarn über Trieft. Die jährliche Einfuhr beträgt gegenwärtig 150 bis 200 Kiften im Gefammtwerthe von 20.000 bis 25.000 Francs. Der Import von Waffen ift bei der grofsen Vorliebe des Perfers für Jagd und Kriegsfpiel einer bedeutenden Steigerung fähig. Gegenwärtig werden Feuerwaffen, Flinten, Piftolen, Revolver jährlich im Werthe von circa 60.000 Francs eingeführt, und zwar finden Flinten mittlerer Qualität den beften Abfatz. Am gefuchteften find noch immer die englifchen. Das Kaliber ift zu 18-22 Millimeter, die Länge zu 120 bis 125 Centimeter, den Kolben inbegriffen. Befonders mit den neueren Schnellfeuer- Gewehren könnten hier fehr gute Gefchäfte gemacht werden. Die Tafchenpiftolen kommen gröfstentheils aus Belgien, die doppelläufigen aus England, ebenfo die Revolver, die jedoch bisher nur in geringer Menge hier Eingang fanden( durchſchnittlich 40 bis 50 Stück jährlich). Der jährliche Confum von Kaffee erreicht einen Werth von 30.000 bis 40.000 Francs. Diefer Artikel kommt gröfstentheils aus Arabien über BenderBufchir, und nur in geringer Menge aus den Colonien. Der arabifche wird durchfchnittlich zu 7 Francs per Batman( à 3 Kilogramm) verkauft. Von Kryftallwaaren kommen jährlich 700 bis 800 Kiften aus Böhmen, 200 aus Frankreich und Belgien und 300 aus Rufsland. Die ruffifche Waare fängt an, der böhmifchen ernftliche Concurrenz zu machen, jedoch nur in den ordinären Gattungen, die feineren kommen noch immer nahezu ausfchliefslich aus Böhmen, namentlich die Flafchen für die Kaliums( Wafferpfeifen). Gefucht find Wafferflafchen mit fehr hohen obeliskförmigen Stoppeln, grofse Gläfer in verfchiedenen Formen, kleine Liqueurgläfer, Gläfer für den Thee, Glasglocken für Kandelaber etc. Dem perfifchen Gefchmack entſpricht vorzüglich dickes, ftarkes Glas mit buntem Farbenfchmucke; elegante und einfache Formen finden keinen Anklang. Tücher werden ausfchliefslich aus Oefterreich- Ungarn und Deutſchland eingeführt, und zwar wurden gerade in den letzten Jahren directe Verbindungen mit den Fabriken in Reichenberg eingeleitet und von dort im Jahre 1871 ungefähr 100 Ballen auf den Markt von Tabris gebracht. Eifen und Eifendraht kommt ausfchliefslich aus Rufsland, ebenfo wie faft alle ordinären Eifenwaaren, als: Schlöffer, Riegel, Nägel etc. Eifenblech wird jährlich im Werthe von 30.000 bis 40.000 Francs aus England eingeführt; es vertritt bei den Perfern, feit die gemalten Fenftergläfer wegen ihrer Koftfpieligkeit aufser Gebrauch gekommen find, häufig die Stelle des Perfien. 51 weifsen Fensterglafes, mufs alfo fehr glänzend fein; die Solidität der Waare ift Nebenfache. Meffer für Küche und Tafel kommen in fehr untergeordneter Qualität aus Rufsland und England. Federmeffer mit 1-3 Klingen werden gleichfalls aus England, und zwar im jährlichen Werthe von 100.000 Francs, Rafirmeffer ordinärer Gattung bei 500 Dutzend aus Nürnberg eingeführt; beffere find nicht gefucht. Scheren in länglicher, dem perfifchen Gefchmacke und Bedarfe angepafster Form, jährlich ungefähr 1200 Dutzend à 20 Francs, liefert England, noch mehr aber Deutſchland( Solingen). Ein von einem franzöfifchen Fabrikanten in Langres gemachter Verfuch, franzöfifche Scheren einzuführen, mifsglückte. Spiegelglas, in einem Jahre ungefähr 350 Kiften im Werthe von 100.000 Francs, kommt aus Rufsland und Deutfchland. Nur ordinäre Waare findet Abfatz und wird zur Fabrication der in Perfien gebräuchlichen Handfpiegel verwendet, fowie in kleinen Stücken zum Schmucke der Wände und Plafonds. Spiegel in Rahmen in der Gröfse von 129 Meter Höhe, auf o 75 Meter Breite, kommen immer häufiger in Gebrauch, und bis jetzt liefert fie Frankreich; die Rahmen müffen breit und reich vergoldet fein. Wanduhren liefert Rufsland in geringer Quantität, Tafchenuhren im Ge fammtwerthe von circa 40.000 Francs vorzüglich die Schweiz, und zwar finden Tafchenuhren von 50 bis 150 Francs per Stück den beften Abfatz. Von Wollftoffen verbraucht das Land vorzüglich Merinos, Lafting, Chalis, Flanelle und gedruckte Mouffeline. In diefem Artikel könnte bei bereitwilligem Eingehen in die Bedürfniffe und den Gefchmack des Marktes das öfterreichiſchungarifche Fabricat leicht dem franzöfifchen und englifchen den Rang abgewinnen. Dasfelbe gilt von Thee- und Kaffeebretern aus Kupfer und lackirtem Blech, welche jetzt in grofser Menge aus Rufsland eingeführt werden. Grelle Farben und lebhafte, die orientalifche Phantafie anregende Bilder ziehen den perfifchen Käufer bei diefer Waare an. Porzellanwaaren, nämlich: Teller, Thee- und Kaffeefchalen, Theekannen, Blumenvafen, Trinkfchalen mit entsprechenden Untertaffen, Scherbetfchalen von den verfchiedenften Gröfsen und Abftufungen, fo dafs die kleineren in die gröfseren verpackt werden können, importirt faft ausfchliefslich England und nur in fehr geringer Quantität auch Frankreich. Quincailleriewaaren, als: Ringe für Vorhänge, Lichtfcheren fammt Untertaffen, Feuerzeuge, Glocken etc., werden wohl in kleinen Quantitäten eingeführt, doch müfste der Markt im Grofsen an diefe Gattung von Fabricaten erft nach und nach gewöhnt werden. Was den Export perfifcher Producte über Tabris nach Europa anbelangt, fo befchränkt fich derfelbe, wie die bezügliche Tabelle darthut, noch immer auf fehr wenige Artikel, unter welchen nur Baumwolle, Seide, trockene Früchte und allenfalls noch Felle und Galläpfel von einiger Bedeutung find. Der feit mehreren Jahren zum Nachtheile Perfiens fich ergebende Ausfall in der Bilanz der Ein- und Ausfuhr hat bereits eine bedenkliche Abnahme des Nationalreichthums zur Folge gebabt. Perfien kann die fremde Einfuhr nicht mehr entbehren, weil feine eigene Fabrication die Bedürfniffe des Landes nicht zu decken im Stande ift; es mufs alfo trachten, die fremden Fabricate mit feinen Rohproducten zu bezahlen, was jedoch bei dem gegenwärtigen Zuftande der Communication und der daraus fich ergebenden Koftfpieligkeit des Transportes nicht möglich ift. Die rafche Erbauung von Eifenbahnen und die Anlegung eines Netzes von Fahrftrafsen, das die verfchiedenen Provinzen des Reiches unter einander verbindet, ift defshalb eine Lebensfrage für Perfien. So fehe ich trotz der Ungunft der Gegenwart für jene einft fo reichen und gewerbfleifsigen Länder in nicht allzu ferner Zeit wieder eine beffere Zukunft 4* 52 Dr. J. E. Polak. Perfien. winken, und diefe mufs der vorausblickende Handelspolitiker im Auge behalten, wenn er die Frage in Erwägung zieht, welche Wichtigkeit der perfifche Markt für den öfterreichiſch- ungarifchen Handel hat. Gegenwärtig find unfere Verbindungen mit diefem Markte allerdings noch fehr unbedeutend. Seit im Jahre 1871 das grofse englifche Haus Rally fich von dem europäiſch- perfifchen Export- und Importhandel zurückgezogen hat, befindet fich derfelbe in den Händen des in Manchefter etablirten Schweizerhaufes Ziegler & Comp., das ein grofses Handelsetabliffement in Tabris und eine Filiale in Refcht befitzt. Mit ihm concurrirt das in Conftantinopel etablirte griechifche Haus Suwadjioglu und aufserdem vermitteln jenen Handel eine Reihe griechifcher Commiffionäre, welche für fremde Rechnung Gefchäfte mit Frankreich, England und Conftantinopel machen. In Tabris, ja in ganz Perfien befteht bis jetzt nicht eine einzige öfterreichifch- ungarifche Firma; der directe Handel mit Oefterreich- Ungarn iſt ſehr gering, da faft alle von dort ftammenden Waaren von in Conftantinopel etablirten Zwifchenhändlern bezogen werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs viele Artikel, die jetzt aus England, Frankreich und Rufsland in Perfien eingeführt werden, ebenfo gut und billiger von unferen Fabriken geliefert werden könnten, doch iſt nicht zu erwarten, dafs der perfifche Käufer die öfterreichiſch- ungarifche Waare fuche, fondern diefe muſs vielmehr trachten, den perfifchen Käufer zu gewinnen. Das bei uns immer mehr fich fühlbar machende Bedürfnifs, für die vermehrte Production ein erweitertes Abfatzgebiet zu erobern, wird hoffentlich unfere Induftriellen dazu bringen, auch dem perfifchen Markte eine erhöhte Aufmerkfamkeit zuzuwenden, fich mit den Bedürfniffen desfelben durch Entfendung eigener Handlungsreifender vertraut zu machen und durch Gründung von Commiffionsgefchäften die Anbahnung eines directten Waarenaustaufches zu befchleunigen.( Zwiedinek.) Ueber die mittlere Ein- und Ausfuhr von und nach Indien, Rufsland und Pafchalik Bagdad ftehen mir keine genauen Zahlen zu Gebote, fie dürften fich jedoch in den betreffenden Confularberichten finden.