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Die alte Suezcanalanlage auf der Weltkarte -— in derGrofsherzogl.BibTiortie’k zu Weimar aus dem Jahre 1424
(ca § Gröfse des Originals).
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CARL WINTER’S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG.
1888 .
Das Recht der Uebersetzung in fremde Sprachen wird Vorbehalten.
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Die Durchfluthung des Isthmus von Suez in choro] ogischer, hydrographischer und historischer Beziehung.
(Hierzu Tafel I und II.)
Embryologisclie u. vergleichend-anatomische Forschungen lassen sich mit dem gleichen Erfolge wie heute noch nach Jahrhunderten anstellen; haben sich auf der durchstochenen Landenge von Suez und auf der von Panama die Faunen der so lange getrennt gehaltenen oceanischen Gebiete aber erst einmal gemischt, so bleiben der Wissenschaft die zahlreichen und werthvollen Thatsaclien für immer verschlossen, welche die leider so vernachlässigte Thiergeographie oft besser und zuverlässiger als jede andere biologische Disciplin für den Zusammenhang der Thiergestalten, für das chronologische und topographische Auftreten neu erworbener Fähigkeiten u. s. w. unserer Generation noch zu bieten vermag!
Die beiden gewaltigen Continentalmassen der alten und der neuen Welt, von welchen sich die Erstere von 78° N. Br. bis 35° S. Br., die Letztere von 72° N. Br. bis 52° S. Br. ohne maritime Unterbrechungen ausdehnt, scheiden die Fauna und Flora der Meere in zwei große Reiche. Von Buenos Ayres östlich bis Stockholm erstreckt sich das Reich der Atlantis, von Suez östlich bis San Francisco das des indopacifischen Oceans. In der Hemisphäre der alten Welt verschmälert sich der Festlandsgürtel bei 30° N. Br., in der der neuen bei 9° N. Br.: beide Male in einer Zone also, in welcher die Durchbrechung der Landbarriere eine Vermischung gerade derjenigen Thier- und Pflanzenformen unausbleiblich zur Folge haben muß, welche durch die langgestreckte Form der Continente an einer activen Wanderung aus dem einen in das andere oceanische Gebiet am vollständigsten gehindert werden.
Krphenberg, Purchfluthung des Isthmus von Suez, l
2
Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
Das rastlose Streben der Cultur war und ist seit lange darauf gerichtet, durch Beseitigung dieser beiden Verkehrshindernisse, des Isthmus von Suez und der Landenge von Panama, den Seeweg nach vielversprechenden, fruchtbaren und productiven Ländern möglichst zu erleichtern und abzukürzen; weder der versengende Hauch einer wasserleeren Wüste, noch die dadurch geschürten epidemischen Krankheiten, Typhus und Cholera, haben die Ausführung eines solchen Projectes zu vereiteln vermocht! Die materielle Eröffnung einer Wasserstraße vom Rothen zum Mittelländischen Meere vermittelst des Nils ist eines der großartigsten Mittel gewesen, durch welche die Völker sich genähert, große Theile des Erdkreises zugänglicher geworden, die Er- kenntnißsphären der Menschheit erweitert worden sind.
Die alten Zur Zeit Alexander von Humboldt's huldigte man noch
Canalanlagen_, ,.
Isthmus 1 ). x ) Bei Abfassung des ersten Abschnittes dieser Abhandlung durfte die reichhaltige Literatur über die Canalbauten des Suezisthmus nicht unberücksichtigt bleiben. Der großen Liberalität unserer hiesigen Landesbibliotheken sowie der Justus Perthes '’sehen Geographischen Anstalt zu Gotha, der Buchhandlung von B. Friedländer und der Königlichen Bibliothek in Berlin, den Universitätsbibliotheken zu Göttingen, Straßburg i. Eis. und Heidelberg danke ich es, daß meine diesbezüglichen Wünsche nicht unerfüllt geblieben sind. Außer den griechischen und römischen Classikern, deren — wie auch Lepsius dachte — „vor allen maßgeblichen Mittheilungen“ im Anhänge besonders niedergelegt sind, ist eine gründliche Kenntniß folgender Werke, an deren Hand man sich leicht in die einzelnen Fragen weiter vertiefen kann, auch für eine ausschließliche Naturbetrachtung dortiger Gegenden ganz unerläßlich.
Description de l’Égypte, publiée par les ordres de sa Majesté l’empereur Napoléon le Grand. État moderne. T. I. Paris. 1809.
Mémoire sur la communication de la mer des Indes à la Méditerranée par la mer rouge et l’isthme de Suêz par J.Lep'ere. p. 21—185.
Mémoire sur les anciennes limites de la mer rouge par du Bois- Aimé. p. 187—192. Die von Panckouclce besorgte zweite Auflage ist mir bislang nicht zugänglich gewesen.
État moderne. T. II. Paris. 1812.
Appendice au Mém. sur les anciennes limites de la mer rouge par du Bois-Aimé. p. 715—734.
Die alten Canalanlagen auf dem Suezisthmus. 3
ziemlich allgemein der Anschauung, daß nicht, wie Aristoteles
Et. Quatremere, Mémoires géographiques et historiques sur l’Égypte et sur quelques contrées voisines. Recueillis et extraits des manuscripts Coptes, Arabes etc. de la Bibliothèque Impériale. T. I. Paris. 1811. Clysma. p. 151 bis 189.
A. Letronne, Recherches géographiques et critiques sur le livre „De mensura orbis terrae“, composé en Irlande, au commencement du neuvième siècle, par Dicuïl. Paris. 1814. p. 9—24.
U. J. Seetzen’ s Reisen durch Syrien, Palästina, Phönicien, die Transjordan-Länder, Arabia Petraea und Unterägypten. Herausgegeben u. commentai; von Fr. Kruse. Bd. 3. Berlin. 1855. S. 135—142.
B. Lepsius, Die Chronologie der Aegypter. Th. I. Berlin. 1849. S. 336-358.
H. Brugsch, Die Geographie des alten Aegyptens nach den altägyptischen Denkmälern bearbeitet. Bd. 1 u. 2. Leipzig. 1857—58 u. Geschichte Aegyptens unter den Pharaonen. Leipzig. 1877.
M. J. Schleiden, Die Landenge von Suez. Zur Beurtheilung des Canal- projects und des Auszugs der Israeliten aus Aegypten nach den älteren u. neueren Quellen dargestellt. Leipzig. 1858.
0. Fr aas, Aus dem Orient. Geologische Beobachtungen am Nil, auf der Sinaihalbinsel und in Syrien. Stuttgart. 1867.
H. Stephan , Das heutige Aegypten. Ein Abriß seiner physischen, politischen, wirthschaftlichen und Cultur - Zustände. Leipzig. 1872. S. 425-525.
G. Ebers , Durch Gosen zum Sinai. Leipzig. 1872 (2. Aufl. 1881); falls nicht die beigesetzte Jahreszahl 1881 die zweite Auflage anzeigt, beziehen sich unsere Citate auf den ursprünglichen Text. Auf S. 473 theilt Ebers einige, zum Theil recht interessante Aufsätze über die älteren Suez- canalanlagen mit, welche von mir unerwähnt gelassen sind.
Binant de Bellefonds Bey, Mémoires sur les principaux travaux d’utilité publique exécutés en Égypte depuis la plus haute antiquité jusqu’à nos jours. Paris. 1872—73. p. 88—197.
K. Baedeker, Unter-Aegypten und die Sinai-Halbinsel. Handbuch für Reisende mit Aufsätzen von G. Ebers , G. Brugsch Bey, Franz Pascha u. A. Leipzig. 1885.
Ed. Navüle, The store -city of Pithom and the route of the exodus. 2. Ed. London. 1885.
Werthvolle kartographische Entwürfe der älteren Canalanlagen finden sich in der Description de l’Égypte, in den Werken von Lepsius, Binant,
4 Die DurcMuthung des Isthmus von Suez etc.
und Strabo melden, Ramsès II. Miamen 1 ), dessen Regierungszeit nach Brugsch etwa 1400 v. Chr. fällt, sondern erst Necho (ägypt. Nekau; 610—594 v. Chr.) das Vorhaben, eine maritime Verbindung des Nil mit dem Rothen und dadurch auch mit dem Mittelländischen Meere herzustellen, zur Ausführung gebracht
Schleiden, Brugsch und Naville; eine modernisirte Karte des Landes Gosen bei Ebers.
Trotzdem man seit des großen Napoleons denkwürdiger Expedition nach Kräften bestrebt gewesen ist, die Kürze und das Fehlende in den Wiedergaben der Classiker durch andere Quellen — durch die Inschriften an den Monumenten, durch die aufgefundenen Papyrus und Itinerarien — zu ersetzen, und die gesicherte Feststellung so mancher Städtelagen (wie z. B. von Pelusium, Phakusa, Bubastis, Atribis, Heliopolis, Memphis und seit Eduard Naville ’s glänzender Errungenschaft auch wohl die von Pithom) zu dem Großartigsten zählt, was die 'wissenschaftlichen Leistungen des 19. Jahrhunderts aufzuweisen haben, so sind wir über eben so viele, für den alten Canalverlauf äußerst wichtige Lokalitäten doch noch immer im Zweifel gelassen, und gar zu oft hat man erfahren müssen, daß gerade da, wo man schon vor Jahren Gewißheit errungen zu haben glaubte, nur Irrungen an der Tagesordnung waren. Dieser in so vielfacher Hinsicht noch immer herrschenden Unsicherheit wegen wolle man es mir verzeihen, wenn ich im Texte, mehr als sich vielleicht rechtfertigen läßt, den von den Naturkundigen, vor allen den von v. Lesseps (Percement de l’isthme de Suez, exposé et documents officiels. Paris. 1855. II. et III. Sér. Paris. 1856, etc.) gehegten Anschauungen statt denen mancher Historiker gefolgt hin; aber auch Letzteren glaube ich durch die Nachträge zu ihrem Rechte verholten und zugleich damit jedem Leser die Mittel an die Hand gegeben zu haben, sich auf diesem streckenweise noch sehr unbekannten Gebiete durch einen selbst gezogenen Ariadnefaden zurecht zu finden.
Aus der Fluth von Schriften, welche die moderne Canalisirung des Suezisthmus mit sich brachte, habe ich, um das Ganze nicht in Literaturangaben aufgehen zu lassen, in den den Text begleitenden Anmerkungen nur wenige hervorheben können.
1 ) Ramsès II. wird gewöhnlich mit dem Namen Sesostris belegt; das ist nicht ganz zutreffend. „Ueber den griechischen Namen Sesostris“, sagt Ebers (a. a. 0., 1872. S. 473), „gingen lange Zeit die Ansichten der Aegyp- tologen auseinander; jetzt kann es kaum mehr zweifelhaft sein, daß unter seiner Herrschaft die vereinten Regierungszeiten Seti I. und seines Sohnes Ramsès IL, der schon «im Ei», d. i. von seiner frühesten Kindheit an als
Die alten Canalanlagen auf dem Suezisthmus. 5
habe. Aber auch der große Verfasser des Kosmos 1 ) erinnerte daran, daß schon vor Necho in Aegypten eine ältere Kenntniß von der Möglichkeit einer ungehinderten Umschiffung Libyens vorhanden gewesen sein müsse, da Heroäot den Necho bestimmt den Phöniciern befehlen lässt, „sie sollten den Rückweg nach Aegypten durch die Säulen des Hercules nehmen“. Später fand sich dann an der äußern Nordwand des großen Festsaales von Karnack eine von Inschriften begleitete Darstellung aus der Zeit des Vorgängers von Ramses II., Seti I., aus welcher hervorgeht, daß schon dieser bei seiner siegreichen Rückkehr aus Asien einen mit Krokodilen angefüllten Canal zu passiren hatte, der demnach nichts anderes als ein Nilarm sein konnte und mit Bastionen besetzt war, deren Bezeichnungen keinen Zweifel lassen, daß die
Mitregent seines Vaters betrachtet wurde, und, nach dem Tode Seti’s, Ramses II. selbständige Regierung verstanden wurde. Für diese Auffassung trat unserer Ansicht nach die des Ramses Jugend behandelnde Inschrift von Ahydos ( G. Maspero , L’inscription dedicatoire d’Abydos. Paris. 1867) entscheidend ein. Seti I. war Usurpator, der sich durch die Heirath der Thronerbin Tala, der er ungewöhnlich auszeichnende Titel beläßt, zu lega- lisiren suchte. Sobald ihm von der Tala ein Sohn, Ramses II., gehören war, wurde in dessen, des unzweifelhaft berechtigten Fürsten, Namen fortregiert.“ : ) Alex, von Humboldt fährt bei obiger Stelle (Kosmos. Bd. 2. Stuttgart u. Augsburg. 1847. S. 408) fort: „Sonderbar ist es immer, daß Strabo, der so weitläufig die versuchte Umschiffung des Eudoxus von Cyzicus unter der Kleopatra discutirt und auch der Trümmer des Schiffes aus Gadeira erwähnt, welches an der äthiopischen (östlichen) Küste gefunden war, zwar die vorgegebenen wirklichen Umschiffungen für eine Bergäische Fabel erklärt, aber die Möglichkeit der Umschiffung keineswegs leugnet , und daß er behauptet, es sei östlich und westlich des Umschifften nur wenig.“ — „Ein Gegenstück zu dem Pferdekopf des Schiffes von Gadeira, welchen Eudoxus in Aegypten auf einem Marktplatze gezeigt haben soll, sind die Trümmer eines Schiffes aus dem Rothen Meere, das nach der Erzählung eines sehr glaubwürdigen arabischen Geschichtschreibers (Masudi in dem Morudj-al-dzeheb, Quatremere p. 389 u. Eeinaud, Relation des voyages dans l’Inde. 1845. T. 1. p. XVI u. T. 2. p. 46) an die Küste von Kreta durch westliche Strömungen gelangt ist.“
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Die Durchfluttrang des Isthmus von Suez etc.
Stelle an der Landesgrenze gesucht werden muß 1 ). Einige nehmen zugleich an, daß die Landenge dazumal lange nicht die Breite wie heutzutage besessen 2 ), daß zur Zeit des Auszuges der Juden aus Aegypten unter Moses Führung (nach Lepsius ungefähr 1300 y. Chr.) die Fluth des Arabischen Golfes noch den Fuß des Serapeums (58 klm. NNO von Suez) bespült, 800 Jahre später sich aber das Nordufer des Rothen Meeres durch stetige Bodenhebung des Isthmus etwa 46 klm. südwärts, bis Schaluf, 12 klm. vom gegenwärtigen Hafen von Suez, zurückgezogen habe. Der Canal des Seti, welcher hauptsächlich der Bewässerung Gosens gedient, möglicherweise sich aber auch vom Timsahsee bis nach Pelusium erstreckt hat, war zu Grunde gegangen, und so legte Necho eine neue Wasserstraße an, welche etwas oberhalb Bubastis, bei dem heutigen Zagazick, ihre Speisung von dem Pelusischen Nilarme aus empfing und an dem alten Patumos vorbei in dem Arabischen Meerbusen mündete. Necho, durch einen Orakelspruch geschreckt, ließ den Canalbau unvollendet; erst der Achämenide Darius Hystaspis (521—486) stellte denselben fertig. Wieder in Verfall gerathen, ward endlich dieser Canal von Ptolemäus II. Philadelphus (286 — 247) so vollkommen herge-
0 Ygl. II. Brugsch, Geogr. Bd. 1. S. 263. Abbildung mit erläuterndem Text auch bei Schleiden (a. a. 0., Taf. 6 u. S. 58—59), dessen Einwände (S. 67) schon dadurch entkräftet werden, daß ein Wasserbecken wie das der Bitterseen durch einen unbedeutenden Zufluß (denn nur um einen solchen kann es sich bei allen dortigen Canalanlagen handeln) seitens des Nils nicht zu entsalzen ist. Sträbo' > s herangezogene Notiz muß, wie Linant (S. 178 — 181) und Naville sehr richtig bemerken, ganz anders gedeutet werden, doch wird das Terrain des Timsahsees, welcher wenigstens in seinem nordwestlichen Abschnitte nach Linant 1 s (S. 115 u. 116) wie nach K. Möbius ’ Angabe (Beitr. zur Meeresfauna der Insel Mauritius u. der Seychellen. Berlin. 1880. S. 4) vor seiner Verbindung mit dem Mittelländischen Meer und mit den südlicher liegenden Bitterseen (im Jahre 1866) ständig süßes Wasser enthielt, noch den Lacus amari Strabo ’s zugezählt werden müssen.
2 ) Vgl. übrigens das im Anhänge bei Linant (über Arsinoe) Gesagte.
Die alten Canalanlagen auf dem Suezisthmus.
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stellt, daß er — wenn auch, trotz seiner künstlichen Schleuseneinrichtung, nicht zu jeder Zeit schiffbar — nahe bis zu der Römerherrschaft, also über zwei und ein halbes Jahrhundert, den äthiopischen, arabischen und indischen Handel belebte. Unter den Ptolemäern, zu welcher Zeit der Boden des Isthmus noch 3 mtr. tiefer als gegenwärtig (im Vergleich zum Niveau des Rothen Meeres) gelegen haben soll, hatte die Canalanlage eine derartige Erweiterung erfahren, daß es möglich war, von der Nilstadt Phakusa, dem jetzigen Fakus, aus durch die mit einander verbundenen Ballah- und Menzalehseen bis Pelusium, und von dem Ballahsee durch die Bitterseen und den sog. „Fluß des Ptolemäus“ bis Arsinoe zu gelangen. Die kostspielige Unterhaltung und der geringe Verkehrsnutzen des Canals scheinen später den Verfall herbeigeführt zu haben; denn von den Schiffen, auf welchen Kleopatra sich und ihre Schätze vor dem Antonius nach der Schlacht von Actium (31 v. Chr.) in’s Rothe Meer zu flüchten versuchte, blieben einige im Canale stecken (anderen gelang allerdings die Durchfahrt) x ), und fünf Jahre später (24 v. Chr.) vermochte Aelius Gallus für seine arabische Expedition nur noch Bauholz, aber keine Schiffe mehr hindurchzubringen 2 ).
Eine wohl dem alten Canalbette theilweise folgende Wasser-
P Nach Plutarch , Marcus Antonius Cap. 70. Wir folgen der richtigen Wiedergabe Stephan ’s (a. a. 0., S. 430), von der Schleiden ’’s (a. a. 0., S. 75) wie Linant ’’s (a. a. 0., S. 190) Darstellungen in einigen Puncten abweichen. Linant, der aber wie alle neueren Schriftsteller die vortrefflichen Erörterungen Letronne’s (vergl. die Nachträge) übersah, hob nochmals mit Recht hervor, daß die Stelle hei Plutarch die so allgemein gezogene Schlußfolgerung nicht unbedingt gestattet; denn 1. waren die Schiffe der Kleopatra möglicherweise zu groß oder zu schwer für den Canal, u. 2. könnte der im alten Zustande noch erhalten gewesene Canal nur indirect, indem sich der Boden während der vergangenen drei Jahrhunderte stellenweise gehoben hatte, schwerer resp. unpassirbar geworden sein.
2 ) Vergl. H. Kiepert , Lehrbuch d. alten Geographie. Berlin. 1878. S. 200.
8 Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
straße, welche aber schon in der Umgebung von Cairo begann, bei Suez endigte und deren westliche Hälfte den Namen „Amnis Trajanus“ führte, sowie die Sage von einem Hadrianscanal lassen schließen, daß der Pharaonencanal auch während der römischen Kaiserzeit nochmals restaurirt worden ist; zugleich historisch nachgewiesen ist indessen, daß während der römischen Kaiserherrschaft die für Italien bestimmten Waaren vom Rothen Meere aus nicht über Suez, sondern über Berenice, welches in der Nähe des Wendekreises lag 1 ), und häufiger noch über Leukos Limen (dem heutigen Kosse'ir) oder über Myos Hormos in der Breite von Siut (Lykopolis) nach Koptos (nahe dem jetzigen Kene) zum Nil und von da auf Booten nach Alexandrien gelangten. Erst als 640 n. Chr. Amrü ibn el As, der Feldherr des Chalifen Omar, Aegypten erobert hatte, und dieses so unter arabische Botmäßigkeit gekommen war, belebte sich von Neuem das Interesse für eine Wasserstraße zwischen Nil und Rothem Meere 2 ). So wurde unter Amrü der alte Canal nochmals hergestellt und zu Getreidetransporten von Fostät (d. i. Alt-Cairo) über Kolzum (d. i. Suez) nach Jambo, dem Hafen für Mecka und Medina, benutzt. Später wurde der Canal unter dem mißtrauischen
0 Häufig liest man: Berenice habe nördlich vom Wendekreis gelegen; die besten Kenner der altägyptischen Geographie stellen es aber mit cVAn- ville , G. Visc. Valentici und Guillain südlich davon. Kiepert (a. a. 0., S. 208) bemerkt,, daß Berenice den Beinamen „sttI O’sipYjt;“ (d. h. .„auf der Landzunge“) geführt habe, und verlegt es sogar in die Nähe der Meerenge von Bah el Mandeb. Sicher ist, daß Berenice südlicher lag als Ptolema'is, zubenannt „O’Tjpwv“, d. h. „der (Elephanten-) Jagden“; dieses lag aber zwischen Suakim und Massaua, benachbart einem Vorgebirge, welches Dropsen Ras Turhoba, andere Ras el Debir nennen.
2 ) Letronne (L’isthme de Suez. Revue des deux mondes. Livr. du 15. juill. 1841. p. 14), welcher Heroopolis in die Nähe des heutigen Suez verlegt, ist der einzige, welcher unter der Bezeichnung «Trajanscanal» den ganzen Verbindungsweg vom alten Babylon bis zum Meere versteht; särnrnt- liche übrigen Gelehrten lassen diese Bezeichnung nur für die westliche Hälfte des Canals etwa bis zum Ras el Wady gelten.
Die neuen Canalanlagen auf dem Suezisthmus. 9
Chalifen Abu Jafar el Mansur (762 resp. 767) zugeschüttet, um dem Heere des Rebellen Mohammed ibn Abu Talib in Medina die Zufuhr abzuschneiden. Jedenfalls konnte der Canal seit dem letzten Viertel des 8. Jahrhunderts nicht mehr benutzt werden.
Der Chalig oder Stadtcanal von Cairo (auch Chalig el hakemy,
Ch. el lulua, Ch. el morakam etc., und Omar zu Ehren auch «Canal des Fürsten der Gläubigen» genannt) stellt noch einen Theil des sog. Amnis Trajanus wie dieses Amrücanales dar. Ein anderes 4 Kilometer langes Stück in der Nähe von Schaluf zog v. Lesseps in die heutige Süßwassercanalanlage hinein.
Dank dem umsichtigen, klugen und energischen Vorgehen Die neuen
Canalanlag-en
Ferdinand von Lesseps 1 ist jetzt die Verbindung des Rothen und^'^suez- Mittelländischen Meeres eine doppelte geworden. Es ist oftmals beschrieben und genugsam bekannt, wie groß die Schwierigkeiten waren, welche es dabei zu überwinden galt. Wie zuerst die Bedenken gegen die Ausführbarkeit eines solchen Unternehmens, zu welchen Lepere’s übereiltes Nivellement 1 ), weit mehr aber
9 Den Niveauverhältnissen zwischen dem Mittelländischen, dem Rothen Meere und dem Boden des Delta hat Schleiden (a. a. 0., S. 60—66) einen eigenen Paragraphen gewidmet, und es ist dieses die gediegenste zusammenfassende Darstellung geblieben, welche wir über diesen Gegenstand besitzen.
Mit großer Ausführlichkeit finden wir denselben auch von v. Lesseps , nur sehr kurz aber von Linant (a. a. 0., S. 134 u. 135) behandelt. Nach den Ergebnissen der zahlreichen Nivellements, welche der Anlage des maritimen Canals in den 40er und 50er Jahren vorausgingen, ist jetzt nicht mehr daran zu zweifeln, daß sich die Niveauverhältnisse der beiden Meere, auf gleiche Fluthzeiten reducirt, wie folgt verhalten: Setzt man den Stand des Mittelmeeres zur Zeit der Ebbe = 0,00 m, so beträgt der des Rothen Meeres hei mittlerer Ebbe + 0,15 m und sinkt in Ausnahmsfällen auf — 0,74 m.
Aber die Fluthen erreichen im Mittelmeere nur eine Höhe von + 0,38 m, während sie bei Suez im Mittel auf + 1,79 m und im Maximum, was allerdings selten eintritt, auf 2,42 m steigen. So nach Linant (S. 184 u. 185), während sich nach der älteren, von Schleiden den v. Lesseps ’sehen Docu- menten entlehnten Tabelle, wo die Oberfläche des Hafendammes von Suez an der Treppe als Nullpunct genommen ist, die Unterschiede des Wasserstandes in beiden Meeren folgendermaßen gestalten:
10 Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
noch die Einwände des 1859 verstorbenen jüngeren Stephenson 1 ) den Anlaß gegeben, beseitigt werden mußten, wie dann der Widerstand, welchen England unter dem Ministerium Palmerston der Ausführung des Projectes entgegensetzte, gebrochen wurde und schließlich die nothwendigsten Gelder beschafft werden konnten; wie am 25. April 1858 der erste Spatenstich erfolgte, am 29. December 1863 in Suez zum ersten Male die Schleuse geöffnet wurde, durch die der Nil sein Wasser in’s Rothe Meer ergoß und sich die Wüstenbewohner aus weiter Ferne zu einem ergreifenden Frieden- und Freudenfeste hier vereinigten, um mit ihren Kamelen in dem heiligen Wasser zu schwelgen; wie Mitte März 1869 im Dabeisein des damaligen Khedive das Wasser des Mittelmeeres in das große Bassin der Bitterseen eintrat, bald darauf auch das Rothe Meer Zugang erhielt, und die Wasser beider Meere sich schäumend nun verbanden, um fernerhin gemeinsam die Schiffe des Weltverkehrs zu tragen; wie schließlich unter glänzender Vertretung der Westmächte und mit orientalischem Pompe am 16. November 1869 der maritime Canal eröffnet wurde. Es liegt außerhalb des Rahmens unserer Darstellung, auf diese Ereignisse näher einzugehen; meine Aufgabe sehe ich nur darin, auf die Verhältnisse zurückzugreifen, welche bei Anlegung des Canales auf die Wanderung der Thiere und Pflanzen aus dem einen Meere in das andere nicht ohne Einfluß bleiben konnten. Bezüglich der zweiten, jetzt vorhandenen Verbindungs-
Rothes Meer.
Mittelländisches Meer.
Äqiimoctialfluth
0, m 00 bei Südwind
— 1, m 76 bei Nordwind
Mittlere Fluth
— 0, m 95
Mittleres Niveau
— 1, 111 64
— 2,m32
Mittlere Ebbe
- 2, m 15
Aquinoctialebbe
— 3, m 24 bei Nordwind
— 2,m86 bei Südwind.
9 Näheres bei H. Stephan , a. a. 0., S. 443.
Die neuen Canalanlagen auf dem Suezistlnnus. 11
Straße zwischen dem Rothen und Mittelländischen Meere, des Süßwassercanales, sei deshalb auch nur Folgendes erwähnt: Vom Moezcanal, den der Gründer von Cairo im 10. Jahrhundert erbauen ließ, zweigt sich oberhalb Zagazick der berühmte Canal von Arsinoe ab, nördlich von dessen altem Bett der moderne El Wady-Canal fließt. Dieser durchschneidet in der gut angebauten Gegend östlich von Zagazick die beiden Canäle: El Ach- dar und El Meschrafeh, die ihm ein bedeutendes Wasserquantum zuführen, und tritt dann beim Dorfe Abu Hammäd, wo ihn eine Zugbrücke überspannt, in das Wady Tümilät oder El Wady. Fast 70 Jahre sind verflossen, daß Mohammed Ali „das Thal“ unter Cultur brachte, indem er den alten Canal wiederherstellte, nicht weniger als 800 Sakias zur Bewässerung bauen ließ und den Maulbeerbaum und die Seidenzucht aus Syrien einführte. Das Thal erhob sich zu erfreulicher Blüthe, führte Weizen, Reis, Seide in beträchtlicher Menge aus, hatte eine christliche Colonie von ca. 1000 Seelen, verfiel aber später durch schlechte Regierung und erblühte auf’s Neue unter der Verwaltung der Suezcanalcompagnie. Etwa 3 Stunden östlich von Teil el Kebir kommt man zum Ras el Wady, dem Kopf oder Ende des Thaies. Dort hörte der von Mohammed Ali angelegte Canal auf, nur bei hohem Nilstand drang das Wasser noch in dem alten Canale von Arsinoe weiter bis zu dem Weiler Gassasin und von da zur Niederung bei El Mahsame, wo es einen kleinen See bildete. Vom Ras el Wady hat die Compagnie den Canal weiter bis zum Timsah- see geführt und zwar etwas nördlich von dem Bette des alten Ptolemäischen, dessen hohe Uferbänke sich als augenfällige Gegenstände aus der umgebenden Wüstenebene erheben x ). Der moderne Süßwassercanal verläuft bei einem natürlichen Gefälle von 1 mm. auf 1 m. frei bis in die Nähe von Ismailia und ist von dort,
0 Der Süßwassercanal vom Nil nach Suez. Petermann ’s Geographische Mittheilungen. 1864. S. 220-222.
12
Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
als von einer künstlichen Wasserscheide aus, in zwei eisernen, im westlichen Deiche des maritimen Canals gelagerten Röhren nördlich bis Port Said, nach Süden als breites offen zu Tage liegendes Flußbett bis Suez geführt; ständig gelangt durch ihn ein Theil des Nilwassers sowohl westlich von Ismailia in den Timsah- see wie östlich von dieser Stadt, gegenüber der viceköniglichen Villa, und beim Serapeum auch direct in das Wasser des maritimen Canales. In den siebenziger Jahren, als zugleich Cairo durch den im April 1877 eröffneten Canal Ismailieh zu einer bessern Wasserverbindung mit dem Timsahsee, dem Binnenhafen des maritimen Suezcanals gelangte, erfuhr die Strecke des Süßwassercanals zwischen Zagazick und Ismailia noch eine bedeutende Erweiterung des Flußbettes, bei hohem Wasserstande von 7 auf 26 mtr. x )
Einreihung Eine hervorragende Wichtigkeit für uns besitzt die 1869
der sog.
^^^'.^'I'vorgenonimene künstliche Bewässerung und die Einreihung der canaianiage.sog. Bitterseen in die maritime Canalanlage 1 2 ). Hierüber liegen zuverlässige Mittheilungen von H, Bader , F. v. Lesseps, II. Stephan , Th. Fuchs und von vielen Anderen vor, denen ich Folgendes entnehme:
Ungefähr 5 klm. südlich vom Serapeum gelangt man in das Gebiet der Bitterseen, jener großen oft besprochenen Depression
1 ) Eröffnung des Siißwassercanals Ismailieli. Ebenda. Bd. 23. 1877. S. 191 u. 231.
2 ) Weitere Literatur über die sog. Bitterseen der Suezlandenge:
II. Bader, Verhandl. d. k. k. geolog. Reichsanstalt zu Wien. Jahrgang 1869. S. 287—289.
Ferd. de Lesseps, Sur les lacs amers de l’isthme de Suez. Ann. de chim. et de physique. Ser. 5. T. 3. 1874. p. 129—140.
Th. Fuchs, Die geolog. Beschaffenheit der Landenge von Suez. Denkschriften d. k. Acad. d. Wiss. zu Wien. Math.-naturw. Classe. Bd. 38. Abth. 2. 1878. S. 25-42.
C. Schmidt, Bull, de l’acad. imp. d. scienc. de St. Petersbourg. Bd. 24. 1878. S. 227—235 u. S. 247-258.
Einreihung d. sog. Bitterseen in d. moderne maritime Canalanlage. 13
des Isthmus, welche gegenwärtig nur durch ganz flache Landstrecken von dem Rothen Meere getrennt und deren Wasserspiegel 6 m. unter dem des Süßwassercanals beim Serapeum gelegen ist. Bis zum Verfalle des Ptolemäercanals, d. h. bis vor 1100 Jahren enthielt dieselbe Brackwasser, erst nach dieser Zeit, nach der Zerstörung und Trockenlegung des alten Canals, als das Seebecken nur noch durch die zeitweisen Ueberfluthungen des Meeres periodisch gefüllt wurde, begann die Bildung einer mächtigen Salzbank, welche vor dem jüngsten Durchstiche der Landenge bis auf einige unbedeutende Wasserlachen den ganzen Boden des ehemaligen Seebeckens bedeckte. Da vor der Anlegung des heutigen Canals das Bassin der Bitterseen demnach stets trocken gelegen hat und auch von den höchsten Fluthen des Rothen Meeres nicht mehr erreicht wurde, so setzt dies wieder eine kleine Hebung der Meeresküste in allerjüngster Zeit voraus, für welche auch von anderen Puncten zahlreiche Beispiele beigebracht werden.
Jene Salzbank, welche sich auf dem Boden in der Mitte des großen Bitterseebeckens gebildet hatte, bestand aus verschieden dicken Lagern, welche fast parallel zu einander standen, und welche von dünnen Erdschichten wie krystallinischen Gypsplatten durchsetzt wurden. Die Füllung des Bitterseebässins, welche nicht wie beim Timsahsee ausschließlich vom Mittelmeere, sondern nur anfangs von diesem allein, später, auf einem Umwege zwar, durch ein doppelt so großes Schleusenthor auch vom Rothen Meere aus erfolgte, nahm 7 Monate (vom 18. März —24 October 1869) in Anspruch, und binnen 5 Jahre erneuter Wasserbedeckung (bis 1874) wurde von der Salzbank höchstens nur 1 /io wieder aufgelöst. Um die Bildung dieses mächtigen Salzlagers zu erklären, muß man zu der Annahme greifen, daß die Bitterseen von Zeit zu Zeit Meerwasserzufluß von Suez, dem alten Arsinoe her erhielten; denn würde das Brackwasser den gegenwärtigen Salzgehalt des Ismailbassins bei Port Said besessen haben, so hätte
14 Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
die Verdunstung der 2 1 /2 Milliarden cbm. damaliger Wassermenge nur eine Salzbank von 62 1 /2 und nicht von 970 Milliarden kgr., welche ihr thatsächliches Gewicht ist, liefern können.
Die Oberfläche der Salzbank beziffert sich auf 66 Millionen Qm., ihre mittlere Dichtigkeit auf 1.5; wird die Dicke zu 10 cm. angenommen, so entspricht dieser Salzrückstand der Verdunstung von 200 Millionen cbm. Wasser ä 45 kgr. Salz im cbm., ungefähr dem jetzigen Salzgehalte des Rothen Meeres. Diese 200 Millionen cbm. Wasser verdunsten von der Bitterseefläche in einem Jahre; sie bilden 1 /io ihres Rauminhalts. Zur Zeit der höchsten Aequinoctialfluth müssen sich die Bitterseebecken durch Ueber- spülen der Fluthwelle über den Dünenwall bei Schaluf wieder mit Meerwasser gefüllt haben, dessen jedesmalige Verdunstung eine neue Salzkruste entstehen ließ. Während das, noch von der früheren Ueberschwemmung vorhandene Wasser sich mehr und mehr zu einem Salzbrei concentrirte, konnte ein neuer Wasserzutritt die Soole wieder verdünnen, und so sind die stellenweise 25 cm. dicken Schichten entstanden zu denken. Das Gesammt- gewicht der Salzbank beläuft sich auf etwa 970 Milliarden kgr., und es würde zu ihrer Bildung die Verdunstung von 21 Milliarden cbm. heutigen Rothen Meerwassers genügt haben. Hundert Ueberfluthungen vermochten sehr wohl ein solches Wasser- und Salzquantum in das Bassin der Bitterseen hineinzuschaffen 1 ).
0 Hier noch einige Berechnungen aus v. Lesseps ’ Abhandlung, welche für die obigen Werthannahmen nicht zu entbehren sind.
Die Länge des großen Bitterseebeckens beträgt 20 km , dessen Breite 8 km. „ „ „ kleinen ,, „ 15 „ „ „ 3.o „
Der Flächenraum beider 196 122253 Qm.
„ Cubikinhalt „ 1446347 200 cbm. (incl. Salzbank, deren Volum = 1 090 648 000 cbm.).
Länge der Salzbank = 13 000 m.
Mittlere Breite der Salzbank = 5 120 m.
( Nach Sondirungen, welche von 500 Größte Dicke „ ., — 13 m. 20 | zu 500 m. längs dem sie durch-
Mittlere „ ., „ -- 9 „ 681 schneidenden maritimen Canale
1 ausgeführt wurden.
% *
15
Die Zusammensetzung der Suezcanalwässer etc.
Eine ausreichende Anzahl von Analysen 1 ), von welchen sich Die Zusammensetzung der Suez-
zwar mehrere durch eine recht fragmentare Untersuchung oder canaiwässer ver-
^ ^ gliclien mit der
des Wassers ans
Gesammtvolum der Salzbank = 644 300 800 cbm. dem Rothen
Gesammtgewicht „ „ (ä 1.51 spec. Gew.) = 972 894208 000 kgr.
Tägliche Wasserverdunstung von der Seefläche 4.5 mm. (im Juli).
Fluthwelle
Minim.
Maxim.
Diff.
m.
m.
m.
Port Said
17.66
18.18
1.14
Timsah-See
18.08
18.51
0.43
Bitterseen
17.99
18.43
0.44
Suez
16.76
20.00
3.24.
’) Literaturnachweise bezüglich der hier in Frage kommenden Wasseranalysen :
C. Schmidt (Dorpat), Hydrologische Untersuchungen. Bull, de l’acad. imp. d. scienc. de St.-Pétersbourg. Bd. 24. 1878. S. 227—235 u. S. 247—258.
Bobinet u. J. Lefort, Analyse de l’eau de la mer rouge. Compt. rend. T. 62. 1866. p. 436-438.
Léon Durand-Claye, Essai des 21 échantillons d’eau salée du canal maritime de Suêz. Ann. de chim. et de phys. Sér. 5. T. 3. 1874. p. 129 — 140.
Ferner: J. Both, Allg. und chemische Geologie. Bd. 1. Berlin. 1879. S. 484 u. S. 529-530.
Um vollständig zu sein, gebe ich nachstehend auch die Ergebnisse einer von Dr. Karl Müller in Halle (Petermann' s Geograph. Mitth. Bd. 18. 1872. S. 191) publicirten Analyse, welche Herr Dr. Hornemann an einem Wasser aus dem Bittersee im Suezcanal ausführte, von dem indessen nur des Näheren bemerkt wird, daß dasselbe von dem Botaniker Gustav Wallis „bei seiner Rückkehr von den Philippinen nach Europa über Suez“ mitgebracht ist.
1 Liter Wasser
enthält
100 gr. des Verdampfungsrückstandes enthalten nach Berechnung von J. Both
Chlornatrium NaCl.
45.08
80.05
Chlormagnesium MgCl 2 ....
5.64
10.02
Magnesiumsulfat MgS0 4 ....
2.94
5.22
Calciumsulfat CaS0 4 .
2.65
4.71
56.31
100
Spec. Gewicht = 1.047
Von Brom enthielt das Wasser nur Spuren, die als Chlornatrium mit in Rechnung gezogen sind, Kalisalze sollen gänzlich gefehlt haben (?)!
16 Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
durch eine ungenaue Angabe der Schöpfstelle auszeichnen, gestatten uns ein Urtheil darüber abzugeben, in welchem Grade sich das Wasser des Rothen Meeres von der Bab el Mandebstraße bis zum Nordwinkel dieses langgestreckten Verdunstungsbeckens allmälig verändert, und wie sich das Wasser in den verschiedenen Abschnitten des Suezcanales, theils durch den Zufluß des Nil, theils aber durch die immer mehr in Lösung gegangenen Salzbänke der Bitterseen in seiner Zusammensetzung von der des Rothen und des Mittelländischen Meerwassers entfernt hat.
C. Schmidt’& Analysen von Wässern aus dem Rothen Meere und dem Suezcanale.
1 Liter Wasser enthält
Auf 100 gr. Chlor kommen
I.
II.
III.
? zwischen Bah el Mandeb u.d. Mitte des Roth.M. Oct. 1875.
Rothes Meer ; 22.1 0 n. Br. 37.70 östl. L. v. Greenw. 28. Oct. 1875.
Snezcanal hei Ismailia. 30° 35'n. Br.n.32 0 20'ö.L.v.Grw. 31. Oct. 1875.
I.
II.
III.
Chlor CI.
21.6487
22.1075
28.3677
100
100
100
Brom Br.
0.0517
0.0528
0.0678
0.239
0.239
0.239
Schwefelsäure S0 3 .
2.5458
2.5344
3.2621
11.757
11.464
11,499
Phosphorsäure P 2 0 5 .
0.0019
0.0018
0.0021
0.009
0.008
0.007
Köhlens, d. Bicarbon.
c 2 o 4 .
0.0121
0.0097
0.0082
0.056
0.044
0.029
Kieselsäure Si0 2 . .
0.0044
0.0032
0.0027
0.020
0.015
0.010
0 äq. d. S0 3 , P 2 0 5 , C 2 0 4
0.5108
0.5088
0.6446
2.357
1.849
2.272
Rubidium Rh. . . .
0.0120
0.0136
0.0187
0.055
0.061
0.066
Kalium K.
0.3675
0.3866
0.3269
1.698
1.749
1.152
Natrium Na ... .
11.9053
12.2495
15.9287
54.994
55.410
56.151
Calcium Ca ....
0.3980
0.3504
0.5354
1.838
1.585
1.887
Magnesium Mg . . .
1.5489
1.5438
1.8591
7.155
6.983
6.553
Eisen Fe.
0.0019
0.0019
0.0024
0.009
0.009
0.008
Summe der Mineralsalze .
Spec. Gewicht . . .
1.029525
39.7640
1.030208
51.0264
1.038983
Die Zusammensetzung der Suezcanalwässer etc. 17
Gruppirung der Elemente in 1 Liter Wasser.
I.
II.
III.
Chlornatriurn NaCl.
30.2205
31.0944
40.4336
Chlorkalium KCl.
0.7005
0.7369
0.6231
Chlorrubidium RbCl .
0.0170
0.0192
0.0265
Calciumsulfat CaS0 4 .
1.3372
1.1791
1.8593
Magnesiumsulfat MgS0 4 ....
2.6380
2.7612
3.2231
Chlormagnesium MgCl 2 ....
4.0090
3.8904
4.7632
Brommagnesium MgBr 2 ....
0.0595
0.0607
0.0779
Calciumphosphat CaP 2 0 6 ....
0.0026
0.0025
0.0029
Calciumbicarbonat CaC 2 0 5 . . .
0.0140
0.0111
0.0072
Eisenbicarbonat FeC 2 0 5 ....
0.0053
0.0053
0.0069
Kieselsäure Si0 2 .
0.0044
0.0032
0.0027
Mineralsalze.
39.0080
39.7640
51.0264
Wasser, freie C0 2 , bewegl. Stoffe
960.9920
960.2360
948.9736
1000
1000
1000
Gemäß obiger von C. Schmidt an Wässern, welche Herr Dr. II. Fritsche geschöpft hatte, ausgeführten Analysen steigt nach Passage der Bab el Mandebstraße die Concentration des Ocean- wassers von 36.714 auf 39.764 p. m. Salzgehalt und dem entsprechend erhöht sich das specifische Gewicht von 1.02778 auf 1.03021. Nach Angaben in den, vom „Board of trade“ herausgegebenen „Meteorogical papers“ (No. 12) soll hingegen das mittlere specifische Gewicht für das Wasser des Rothen Meeres 1.0286, nördlich vom 20° N. B. 1.0297, südlich davon 1.0272 betragen, und nach Schlagintweit schwankt dasselbe zwischen Suez und Aden zwischen 1.0311 und 1.0300, und erhebt sich örtlich im Canal von Suez auf 1.0393. Eine der sorgfältigst angestellten Analysen von Wasser, welches etwas über die Mitte des Arabischen Golfes hinaus, gen Suez zu, 6 Jahre nach Eröffnung des Canales geschöpft war, verdanken wir ebenfalls C. Schmidt. Wenn dieser verdienstvolle Analytiker nun aber schreibt, daß seine Analyse und die Untersuchung einer vor dem Durchstiche des Isthmus bei Suez genommenen Wasserprobe von H. Bobinet und J. Lefort
Knikenberg, Durehfluthung des Isthmus von Suez. 2
18
Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
zugleich die Zusammensetzung des Wassers des Arabischen Golfes vor und nach eröffneter Verbindung mit dem Mittelländischen Meere unter einander vergleichen läßt, so traue ich, indem ich das lese, meinen Augen kaum. Suez liegt genau 30° nördl. Br., Schmidt 's Analyse wurde aber an einem Wasser ausgeführt, welches unter 22.1° nördl. Br., also ungefähr in der Breite von Djedda aufgefangen war. Ebensowenig wie man 6 Jahre nach Eröffnung des Eidernordseecanals eine dadurch bedingte Veränderung des Meerwassers in der Nähe von Drontheim nachweisen wird, kann sich ein Einfluß des Suezcanalwassers nach 6 Jahren im Meere von Djedda zeigen. Ich führe nachstehend die von Schmidt verglichenen Resultate der beiden Analysen auf.
1 Liter Wasser des Rothen Meeres enthält:
Yor Durchstechung des Isthmus J. Lefort, umgerechnet von C.
(Bobinet und Schmidt) 1 ).
6 Jahre nach Eröffnung des Suezcanals (C. Schmidt).
hei Suez
auf 100 gr.
22.1° nördl.
auf 100 gr.
30° nördl. Br.
Chlor
Br. 37.70 ö . L .
Chlor
19. Dec. 1864
bezogen
V • U 1 C t/11 vv •
28. Oct. 1875
bezogen
Chlor CI ... .
22.074
100
22.1075
100
Brom Br ... .
0.048
0.217
0.0528
0.239
Schwefelsäure S0 3
2.795
12.662
2.5344
11.464
Sauerstoff äq. d. S0 3
0.559
2.532
0.5088
2.293
Kalium K . . .
1.466
6.641
0.3866
1.749
Natrium Na . .
11.596
52.533
12.2495
55.409
Calcium Ca . . .
0.511
2.315
0.3504
1.585
Magnesium Mg .
1.523
6.900
1.5438
6.983
Summe d. Mineral- bestandtheile.
45.38
(gefunden v.
R. n. L.)
183.800
(berechnet v.
C. Schmidt).
39.7640
179.867
Spec. Gew. =
1.0306 1 =
1.03021
J ) Im Originale findet man nur
folgende Angaben:
1 Liter des Wassers aus dem
In 100 Th. festen Rückstandes
Rothen Meere enthält:
sind enthalten:
Chlornatrium . . 30.30 gr.
Chlor ....
. . 50.33
Chlorkalium . . 2.88 „
Brom .....
. . 1.11
Chlormagnesium 4.04 „
Natrium . . .
. . 30.92
Die Zusammensetzung der Suezcanalwässer etc.
19
Schmidt schloß, daß nach dem Durchstiche trotz annähernd gleich gebliebener Concentration der Kaliumgehalt des Wassers um nahezu das Vierfache und der Calciumgehalt um ein Drittel gesunken sei. Mit seiner Vermuthung, daß, da die Differenz jedenfalls zu bedeutend ist, um für einen analytischen Fehler gehalten zu werden, der hohe Kaligehalt der älteren Analyse Localursachen (altem Mauerschutt, kalireichen Abfällen, Ascherückständen oder dgl.) zugeschrieben werden muß, hatte er sicherlich das Richtige getroffen.
Schließlich verfügen wir noch für den Suezcanal über eine auf Veranlassung des Herrn Ferd. v. Lesseps von Herrn Léon Durand-Claye im Laboratorium der Ecole des ponts et chaussées ausgeführte Untersuchungsreihe. Die Proben wurden im Laufe des Jahres 1872 auf Wunsch des Herrn Voisin Bey, Ingénieur en chef du service de l’entretien du canal maritime de Suez, an 21 Puncten, längs des ganzen Canals, von Port Said bis Suez
geschöpft und am
6. November
1872 von Port Said expedirt.
1 Liter des Wassers aus dem
In 100 Th.
festen Rückstandes
Rothen Meere enthält:
sind enthalten:
Bromnatrium . .
0.06435 gr.
Kalium . .
. . . 3.33
Calciumsulfat . .
1.79 gr.
Calcium . .
. . . 1.16
Magnesiumsulfat
2.74 „
Magnesium
. . . 3.54
Natriumcarbonat 1
Schwefelsäure
. . . 6.35
Chlorammonium >
Spuren
96.74.
41.81435 gr.
Zusammensetzung der Wässer in der maritimen Suezcanalanlage während des Jahres 1872.
1 Liter wiegt
1 Liter Wasser enthält gr.
Auf 100 gr. Chlor (berechnet von C. Schmidt).
Schöpfstelle.
bei
°a
gr.
lampfnng
nd eines
in gr.
Chlor.
S0 3 .
Mg.
Na, Ca,
0 n. a. Stoffe
so 3 .
Mg.
Na, Ca, O u. a.
Summe
der
Mineral-
3
> “
(uingereclinet v. C. Schmidt).
Stoffe.
bestand-
theile.
I.
bei Port Said außerhalb des Schleusenleucht- thurms. Wasser ruhig, Windstille ....
21.8
1014
26.20
12.90
1.60
1.02
10.68
12.40
7.91
182.79
203.10
II.
Mitte des Bassin Ismail; 6 m. Tiefe . . .
21.5
1015
25.10
13.00
1.60
1.32
9.18
12.31
10.16
170.61
193.08
III.
heim 60. Kilometer.
21.5
1032
51.70
26.00
3.10
1.80
20.80
11.92
6.92
180.01
198.85
IV.
beim 76. Km.; 4 m. Tiefe.
22.0
1046
71.07
40.20
4.30
2.34
24.23
10.70
5.82
160.27
176.79
Y.
am Südende des Timsahsees; 4 m. Tiefe .
22.2
1048
67.20
39.00
4.50
2.34
21.36
11.54
6.00
154.77
172.31
VI.
am Xordleuchtth. d. Bitterseen; Oberfläche.
22.5
1049
74.20
39.20
4.50
2.52
27.98
11.48
6.43
171.37
189.28
VII.
ebenda; 7 m. Tiefe . ,.
21.9
1049
74.70
40.00
4.50
2.22
27.98
11.25
5.50
170.00
186.75
VIII.
auf der Salzbank; Oberfläche.
21.7
1050
72.60
39.50
4.50
2.22
26.38
11.39
5.62
166.79
183.80
IX.
ebenda; 4 m. Tiefe.
21.1
1050
69.40
39.90
4.50
2.16
22.84
11.28
5.41
157.24
173.93
X.
ebenda; 7 m. Tiefe.
22.0
1050
67.50
39.90
4.50
2.40
20.70
11.28
6.01
151.88
169.17
XI.
ebenda; 7m.Tiefe (an einem andernPnncte, zwischen der Schleuse d. 16. Km. u. d. ,.Trace du canal maritime“).
21.5
1059
73.90
40.50
4.50
2.40
26.50
11.11
5.93
165.43
182.47
XII.
Bitterseen zwischen d. beid. Leuchtth.; Oberfl.
21.2
1059
69.50
38.80
4.40
2.34
23.96
11.34
6.03
161.75
179.12
XIII.
ebenda; 7 m. Tiefe.
21.8
1050
72.30
38.50
4.40
2.70
26.70
11.43
7.01
169.35
187.79
XIY.
Bitterseen, südl. Leuchtthurm; Oberfläche.
21.3
1046
65.30
36.10
4.30
2.34
22.66
11.91
6.48
162.49
180.88
XV.
Bitterseen, südl. Leuchttliurm; 7 m. Tiefe.
21.3
1050
69.70
37.40
4.50
2.04
25.76
12.03
5.46
168.87
186.36
XVI.
bei Kabret el Echauch; Oberfläche . . .
21.5
1040
58.50
32.00
3.80
2.04
20.66
11.87
6.38
164.56
182.81
XVII.
ebenda; 7 m. Tiefe.
22.1
1049
72.00
38.60
4.20
2.04
27.16
10.88
5.29
170.36
186.53
XVIII.
beim 133. Km. an der Oberfläche ....
21.7
1034
47.30
25.90
3.20
1.86
16.24
12.36
7.18
163.09
182.63
XIX.
ebenda; 7 m. Tiefe.
21.7
1048
69.70
38.60
4.40
2.34
24.36
11.40
6.06
163.11
180.57
XX.
bei Schaluf; 4 m. Tiefe.
21.5
1043
62.20
35.50
3.80
2.13
20.77
10.70
6.00
16451
175.21
XXL
Damm von Suez; 4 m. Tiefe.
21.4
1031
46.50
22.40
2.70
1.74
19.66
12.05
7.77
187.77
207.59
Mittel: ....
21.5
1035.98l52.862i 29.388 3.379 1.926118.169
1 il lil
11.499
6.553
161.823
179.875
I
Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
Die Zusammensetzung der Suezcanalwässer etc. 21
C. Schmidt hat die Ergebnisse dieser insofern unvollständigen Analysen, als Calcium- und Kaliumbestiinmungen unterblieben und deshalb auch die Fragen nach etwaigen Gyps-, Polyhalit-, Syn- genit-, Kainit- und Carnallitschichten der Salzbank inmitten der Bitterseen für immer unbeantwortet bleiben müssen, bereits früher beleuchtet. Es zeigt sich, daß das Yerhältniß von Chloriden zu Sulfaten bei allen Proben, ja selbst unter Zuziehung der Analyse des am 31. Oct. 1875 von Dr. Fritsche am Nordrande des Tim- sahsees geschöpften Wassers nur innerhalb enger Grenzen schwankt und dem Mittel des Oceanwassers (11.83 S0 3 , 6.76 Mg, 162.21 Na,Ca,0 etc. bei einer Summe von 180.80 Mineralbestandtheilen) gleichkommt. Räthselhaft ist allein die plötzliche starke Steigerung des absoluten und relativen Mangnesiumgehaltes im Bassin Ismail (Analyse No. 2), da die Zusammensetzung des auf der Rhede von Port Said außerhalb der Schleuse geschöpften, stark mit Nilwasser gemischten Meerwassers (No. 1) im Uebrigen nur unbedeutend von No. 2 ab weicht; möglicherweise liegt hier aber ein Druck- oder Schreibfehler vor.
Die neueren Analysen lehren fernerhin, daß die frühere Salzbank der Bitterseen die relative Zusammensetzung des Oceanwassers besessen hat, durch dessen Selbstverdunstung sie entstanden war. Der Bezirk der Bitterseen und das Südende des Timsahsees waren 1872 relativ ärmer an Magnesium als nord- und südwärts gelegene Wasserpartien der Schöpfstationen (No. 3, 18, 16, 20); im Herbste 1875 hatte sich diese Differenz aber bereits ausgeglichen. Ende October 1875 war der relative Schwefelsäuregehalt (ä 100 Chlor) des Timsahsees (Nordrand) noch der gleiche wie 1872 (Südrand) und der relative Schwefelsäuregehalt der Stationen 3, 18, 19, 20 nord- und südwärts davon uih 9°/o höher als der des Timsah- und der Bitterseen. Nach C. Schmidt's Analyse war das Wasser des Timsahsees im Herbste 1875 absolut und relativ kaliumärmer als das des Arabischen Golfes, sein Cal-
22
Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
ciumgehalt dagegen absolut (in 1000 Th. Wasser) höher, jedoch relativ (ä 100 gr. Chlor) gleich dem des letzteren.
Unzweifelhaft würde eine Analyse desjenigen Salzblocks vom Boden der Bitterseen vor Eröffnung der Communication dieser Seen mit dem Arabischen Golfe und dem Mittelmeere, welchen Herr v. Lesseps in der Sitzung vom 22. Juni 1874 der Pariser Academie vorlegte, einen weit höheren Kaliumgehalt desselben ergeben haben, als der 6 Jahre später noch erhaltene Rest dieser Salzbank aufwies. Nach dieser Zeit waren die leichtlöslichen Kalisalze aus der Salzbank bereits ausgelaugt, das schwerer lösliche Chlornatrium werde, so meinte C. Schmidt , nach einigen Jahrzehnten nachfolgen und nur eine dünne Gypsschicht hinterbleiben, die durch stetig fortschreitende Lösung die Wasserschicht in der Tiefe, unmittelbar über der Salzbank, absolut und relativ gypsreicher machen wird als das Wasser des Mittelmeeres und des Arabischen Golfes. Nach Lösung dieses Gypsrestes werde das Gleichgewicht völlig hergestellt und das relative Verhältniß der Salze dem beider Meere identisch sein; der absolute Salzgehalt werde aber, entsprechend einer relativ stärkeren Wasserverdunstung in dem schmalen Canale und der durch Schleusen und Uferreibung sehr verlangsamten Strömung stets höher bleiben als der gegenwärtige des Rothen Meeres, viel höher als der des Mittelmeeres.
Um festgestellt zu sehen, bis zu welchem Puncte die von C. Schmidt angekündigten Veränderungen der Canalseewässer in den seither verflossenen zwölf Jahren vorgeschritten sind, habe ich bei meinem Besuche des Suezisthmus im December vorigen resp. zu Anfang dieses Jahres Wasserproben dort geschöpft und dieselben in Gemeinschaft mit Herrn Bich. Hemdla analysirt. Die durch die immerhin geringen Wasserquantitäten — es standen uns von jeder Probe etwa 3 ji Liter zur Verfügung — bedingte Unsicherheit der Resultate glauben wir durch wiederholte Ausführung der einzelnen Bestimmungen compensirt zu haben.
Zusammensetzung des Wassers in den Seen des Suezcanales während der Jahre 1887/88, verglichen mit der Zusammensetzung zweier, in verschiedenen Breiten des Rothen Meeres
Die Zusammensetzung der Suezcanalwässer etc.
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24
Die Durchfhithung des Isthmus von Suez etc.
Gruppirung der Elemente in 1000 gr. Wasser.
Wasser aus dem
Rothen Meere
ca.lökm.südlick
von Djedda.
Wasser aus
dem Canale
von Suakim.
Wasser aus
dem Großen
Bittersee hei
Fayed.
Wasser aus dem
Timsalisee südwestlich von
Ismailia.
Chlornatrium, NaCl . . .
31.2206
nicht
49.966
46.6903
Chlorkalium, KCl . . . .
0.971875
bestimmt
1.11137
1.03475
Calciumsulfat, CaS0 4 . .
1.0812
1.088
2.4208
2.3324
Magnesiumsulfat, MgS0 4 .
2.9730
2.64516
4.36614
4.04498
Chlormagnesium, MgCl 2 .
3.50898
3.05817
5.221855
4.849097
Mineralsalze.
Wasser, freie Kohlensäure
40.230
40.06
63.532
60.85
bew. Substanz ....
959.570
959.94
936.468
939.15
Auf 100 gr. Chlor enthalten:
Summe
der
Mineralbe-
stand-
theile.
Schwefelsäure.
Sauerstoffäq.
Kalium.
1
Natrium.
j Calcium. !
i
! I
Magnesium.
Wasser aus dem Rothen Meere ca. 15 km. südlich von Djedda.
181.028
11.7803
2.3556
2.2894
55.2347
1.4309
6.664
Wasser aus dem Canale von Suakim.
179.119
10.7464
2.1492
nicht
bestimmt
1.4308
5.820
Wasser aus dem Großen Bittersee bei Fayed.
177.507
12.1087
2.4223
1.6256
54.0523
1.9893
6.126
Wasser aus dem Timsah- see, siulwestwärts von Ismailia.
188.945
12.6336
2.5267
1.6819
57.0002
2.130
6.316
Auf 100
gr. Ch:
ornatrium enthalten:
Chlorkalium.
Calciumsulfat.
Magnesiumsulfat.
Chlormagnesium.
Summe
der
Mineral-
bestand-
theile.
Wasser aus dem Rothen Meere ca. 15 km. südlich von Djedda.
3.11293
3.4631
9.5226
11.2392
128.8572
Wasser aus dem Großen Bittersee bei Fayed.
2.2590
4.9206
8.8749
16.1427
129.1390
Wasser aus dem Timsahsee, siulwestwärts von Ismailia.
2.2162
4.9531
8.6634
10.3857
130.3269
Die Zusammensetzung der Suez'canalwRsser etc. 25
Vergleichen wir unsere Ergebnisse mit denen G. Schmidt' s und der übrigen Autoren, so fällt der geringe Wechsel auf, den die Zusammensetzung des Wassers in den beiden Canalseen während der vergangenen 12 resp. 15 Jahre erfahren hat. Für den Großen Bittersee kann dieser Befund weniger überraschend sein als für den Timsahsee, in welchen wenige hundert Schritte von dem sog. Bade bei Ismailia der Nil direct, beim Serapeum in- direct Wasser als einen Zweig des Süßwassercanals hineinschickt.
Die von uns erhaltenen Werthe für das Rothe Meer, sowohl aus der Gegend von Djedda wie aus dem Canale von Suakim, stimmen, abgesehen von dem Kaliumgehalte, mit C. Schmidt ’s Angaben so gut überein, als es sich überhaupt erwarten läßt. Den Kaliumgehalt ermittelten wir an Wasserportionen, aus denen die Schwefelsäure, das Calcium und Magnesium vollkommen beseitigt waren; derselbe ist von uns aus K 2 PtCl 6 berechnet, welches, um es durchaus rein zu gewinnen, wiederholt gelöst und niedergeschlagen wurde. Die Manipulationen sind jedenfalls nicht ohne einen, wennschon geringen Verlust an Kalium von Statten gegangen, und ich bin gewiß, daß wir nur weniger Kalium gefunden haben können, als in den Wässern thatsächlich vorhanden gewesen ist. Deshalb sehe ich mich auch veranlaßt anzunehmen, daß G. Schmidt mit seinen noch geringeren Ziffern für das Kalium nur noch mehr hinter der Wirklichkeit zurückbleibt als wir. Sowohl im Timsahsee wie im Großen Bittersee übersteigt noch heute der Kaliumgehalt des Wassers den des Rothen Meerwassers in ersichtlichem Maaße. Nach Schmidt' s Analyse, die allein einen Vergleich mit den unsrigen gestattet, soll 1872 das Wasser des Timsahsees absolut und relativ kaliumärmer gewesen sein als das des Arabischen Golfes, obschon auch dieser Forscher annimmt, daß der bis dahin in Lösung gegangene Theil des Salzblockes viel kaliumreicher gewesen sei als der dazumal bestehende Rest der Salzbank. Die leichtlöslichen Kaliumsalze sollen nach
26 Die Durch flu thun'g des Isthmus von Suez etc.
C. Schmidt durch das 6 Jahre hindurch frei darüber hingeflossene Wasser des Mittelmeeres und des Arabischen Golfes vorzugsweise ausgelaugt sein. Da nun aber auch nach Schmidt ’’s Auseinandersetzungen der absolute Salzgehalt des Canalwassers, entsprechend einer relativ stärkeren Wasser Verdunstung sich zu- nehmends steigern und „stets höher bleiben muß, als der gegenwärtige des Rothen Meeres, viel höher als der des Mittelmeeres“, so ist es unverständlich, wie das Kalium aus dem Timsahsee durch Meerwasser (!) ausgewaschen werden und sein absoluter Kaliumgehalt unter den des Mittelländischen Meeres, von dem aus die Depressionen ja vornehmlich mit Wasser gefüllt wurden, zu irgend einer Zeit sinken konnte. Läßt man nicht Unmöglichkeiten zu, so muß man die Richtigkeit der Schmiät^ch&a Kaliumbestimmung nothwendig in Frage stellen; auch die beiden oben erwähnten Zuflüsse vom Süßwassercanale aus sind unzureichend, die Wasserverdunstung der Seen und der zugehörigen Canalstrecken auszugleichen, und können auch an der Stelle, wo Herr Dr. H. Fritsche schöpfte, einen Einfluß kaum noch geltend gemacht haben. — In den letztvergangenen 12 Jahren ist der absolute Magnesiumgehalt des Wassers im Timsahsee erkennbar gestiegen; noch mehr der Calcium- wie Natrium-, und dementsprechend auch der Schwefelsäure- und Chlorgehalt. Das relative Gewicht weist für diese Stoffe einen ähnlichen Zuwachs auf wie das absolute 1 ).
6 Die Zunahme des Salzgehaltes, welche sich für das Wasser der Canalseen seit den Analysen von L. Durand-Clciye (1872) und C. Schmidt (1875) ausgebildet hat, wird als ein getreuer Ausdruck der Wasserverdunstung in der Canalanlage und der dadurch bedingten Strömungen von beiden Meeren her anzusehen sein. Nach den von Ferd, v. Lesseps (Etüde de plusieurs questions relatives au canal de Suez. Compt. rend. T. 82. 1876. p. 1137) mitgetheilten Berechnungen verdunsten zur Sommerzeit aus dem Großen Bittersee südlich vom Serapeum täglich nicht weniger als 7 Millionen cbm. Wasser. Diese so beträchtliche Verdunstung, welche auch
v
Das Terrain der heutigen Suezlandenge zur Quartärzeit. 27
Bezüglich unserer Analyse des Wassers aus dem Großen Bitterseebassin bei Fayed erlaubt nur die mit Nr. 14 bezeichnete Analyse des Herrn L. Durand-Claye (cf. Tabelle auf S. 20) für einige Substanzen und, da sich die Schöpfstelle genau an dem von Fayed entgegengesetzten Seeufer befand, selbst für diese kaum einen Vergleich zu ziehen. Hiernach scheint jedoch der absolute wie relative Gehalt dieses Wassers an Calcium, Schwefelsäure, Magnesium und Natrium noch annähernd der nämliche zu sein als vor 15 Jahren.
Ueber die geologische Beschaffenheit der Landenge von Das Terrain
der heutigen
Suez 1 ) haben erst die Arbeiten von Theodor Fuchs zu einer voll- Snezland ? ,1 8' e
7 zur Quartal*-
kommenen Gewißheit geführt. Nach 0. Fraas , welcher im Winter zeiL
das Klima der Suezlandenge wesentlich gemäßigt und feuchter gestaltet hat, wird durch eine südwärts gerichtete Strömung aus dem Mittelmeere und durch eine, zwar weniger beständige Nordströmung, welche vom Rothen Ç Meere ausgeht, compensirt. Der Mittelmeerstrom soll eine mittlere Geschwindigkeit von 0.30 m. pro sec. (ca. 1 km. pro Stunde) und die Strömung von Suez her eine solche von 1 m. pro sec. oder 3.6 km. pro Stunde besitzen. Doch sind diese Werthe immerhin als sehr approximative zu betrachten und lassen sich schwerlich für eine theoretische Berechnung der Salzzunahme des Canalwassers verwerthen.
Q Benutzte Literatur über die geologischen Veränderungen der Suezlandenge :
0. Fraas, a. a. 0.
Laurent, Essai géologique sur les terrains qui composent l’isthme de Suêz. Paris. 1870.
Arth. Issel, Deila fauna malacologica del mar rosso. Estr. dal Bollet. délia Soc. Geografica Italiana. Firenze. 1870.
T H. A. Pagenstecher , Molluska. J?. Kossmann ’s Zoologische Ergebnisse
einer Reise in die Küstengebiete des Rothen Meeres. I. Hälfte. Leipzig. 1877.
Th. Fuchs a. a. 0. u. Ueber die geolog. Beschaffenheit der Landenge von Suez und den Amurliman im Nordjapanischen Meere. Verhandl. d. k. k. geolog. Reichsanstalt zu Wien. Jahrg. 1881. S. 178 — 181.
G. Keller, Die Fauna im Suezcanal u. die Diffusion der mediterranen u. erythräischen Thierwelt. Neue Denkschriften der allg. schweizerischen Gesellsch. f. d. Naturwissenschaften. Bd. 28. Abth. 3. 1883.
4
28
Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
1864—1865 die Strecke von Ismailia bis Suez besuchte, sollten die Canalufer bei Sehaluf von Miocänschichten gebildet sein, welche nach Norden einfallen und discordant von den jüngeren Sauden des Isthmus überlagert werden. Fuchs zeigte, daß die von Fr aas gefundenen Miocänfossilien nicht von Sehaluf selbst, sondern von einer westlich davon am Fuße des Djebel Geneffe gelegenen Localität herstammen, wo sich allerdings eine mioeäne Ablagerung mit zahlreichen Austern- und Pectenarten sowie mit wohl erhaltenen Bryozoen und Echiniden vorfindet, welche Ablagerung sich jedoch auf den ersten Blick als etwas von den übrigen Terrainbildungen des Isthmus ganz Verschiedenes darstellt. Die Landenge von Suez ist vielmehr in ihrer ganzen Breite von Port Said bis Suez und in ihrer ganzen, durch die Canalgrabung aufgeschlossenen Mächtigkeit ausschließlich aus jungen, alluvialen und quaternären Ablagerungen zusammengesetzt, und zwar in der Art, daß die Mitte des Isthmus (von kurz oberhalb Seuil El Gisr bis hinab zur halben Länge des Bittersees) von fluviatilen Süßwasserbildungen eingenommen ist 1 ), welche nach Süden allmälig in die marinen Ablagerungen des Rothen Meeres, nach Norden aber in diejenigen des Mittelmeeres übergehen 2 ). Süßwasserpetrefacten, gefunden auf der Schwelle von Gisr (Abdrücke von Melania tuberculata, kleiner Bithynien und Planorben), in der Nähe von Ramses, etwa 2 Stunden Östlich von Ismailia (Bänke von Etherina semilunata; ferner in großer Menge Spatha rubens, Vivipara unicolor, Bithynia bulimoides, Physa contorta etc.) und beim Serapeum (Etherina semilunata, Anodonta rubens, Bithynia buli-
] ) Nur im See von Ismailia und im Terrain der Bitterseen werden auf dieser Strecke die fluviatilen Schichten von recenten Ablagerungen mit verarmter Fauna des Rothen Meeres überdeckt.
2 ) Schon von P. Fischer (Sur la faune conchyliologique marine des haies de Suez et de l’Akabah. Journ. de Conchyliologie. T. 18. 1870. p. 172) finden wir angegeben: Die recenten Ablagerungen der Bitterseen werden
Das Terrain der heutigen Suezlandenge zur Quartärzeit. 29
moides), welche mit noch heute im Nil lebenden Arten übereinstimmen, lassen Capitän Vassei wie auch Fuchs annehmen, daß zur Diluvialzeit ein stärkerer Nilarm „beiläufig in der Mitte des heutigen Isthmus in das Meer gemündet und durch seine große Masse von Süßwasser die jedenfalls sehr schmale und seichte Meerenge dermaßen ausgefüllt habe, daß durch diese Süßwasser- masse eine Scheidewand zwischen den beiden Meeren oder vielmehr zwischen den Faunen der beiden Meere hergestellt wurde, indem dieselben das süße Wasser des Nildelta, welches die Meerenge sperrte, nicht passiren konnten“.
Zur Erläuterung dieser zur Quartärzeit Asien und Afrika trennenden Lagunenbildung erinnert Fuchs an einen vollständig analogen Fall der Jetztzeit, welchen der sog. Amurgolf oder Amurliman zwischen der Nordspitze der Insel Karafta und der ostasiatischen Küste darbietet und in Schrank ’s bekanntem Werke „Reisen und Forschungen im Amurlande“ ausführlicher beschrieben v ist. In diese das Ochotzkische mit dem Japanischen Meere verbindende Meerenge mündet der Amur ein, dessen Wasserreich-
von einer großen Menge abgeriebener Molluskengehäuse gebildet, welche Arten angehören, die zu den häufigsten in der Bai von Suez zählen. Solche sind:
Strombus tricornis Lam.
Mur ex erythraeus Fischer.
M. crassispina Lam.
Pyrula paradisiaca Martini.
Fusus marmoratus Phil.
Cerithium erytliraeonense Lam. v C. Cailliaudi Potiez et Michaud.
Turbo Chemnitzianus Reeve.
Trochus noduliferus Lam.
Spondylus aculeatus Chemn.
Circe pectinata L.
Mactra olorina Phil.
Car di um auricula Forsk.
Cardium edule L. etc.
*
30
Die Durehfluthung des Isthmus von Suez etc.
thura sich dem der Donau vergleichen läßt, und welcher bereits eine solche Menge von Sediment in der Meerenge abgelagert hat, daß dieselbe ihrer ganzen Breite und Länge nach in eine seichte Lagune umgewandelt ist und nirgendwo mehr als 3 Faden Tiefe zeigt. Der Amurliman ist eine große Süßwasserlagune, dessen Wasser theils nach Norden, theils nach Süden hin abfließt und das Meer noch eine ansehnliche Strecke hinaus brackisch macht; er enthält ausschließlich Süßwassermollusken (Melanien, Paludinen, Unionen etc.) und verschließt den im Japanischen Meere ungewöhnlich hoch nach Norden vordringenden Formen den Eintritt in das arctische Faunengebiet des Ochotzkischen Meeres. Eine ähnliche Trennung ist auch für die Tang Vegetation des Nordjapanischen und des Ochotzkischen Meeres durch den Amurliman herbeigeführt: an der Westküste von Karafta, welche unter dem Einflüsse des Chinesischen Meeres steht, finden sich Florideen und Ulvaceen von den schönsten Farben neben einigen Caulerpen und Spongiarien, während die Ostküste hingegen, unter hochnordischem Einfluß, nur unscheinbare lederförmige Fucaceen und auch an Laminarien noch nicht soviel wie die ganz arctischen Meere hervorbringt.
Ich halte es für angezeigt, zu bemerken, daß nicht nur Laurent , sondern auch schon ein Jahr früher (1869) als dieser, Issel , der fleißigste Sammler am Rothen Meere, eine im Allgemeinen sehr ähnliche Anschauung über den geologischen Bau des Suezisthmus entwickelt hat als Fuchs. Obschon IsseV s Forschungen von Al. Pagenstecher eingehend und sachgemäß referirt sind, hat weder Fuchs in seiner spätem Schrift, noch auch Keller davon irgendwelche Notiz genommen. Ich glaube den diesbezüglichen Inhalt des Lsserschen Werkes nicht besser wiedergeben zu können, als es Pagenstecher gethan, dessen Worte deshalb diesen Abschnitt unserer Betrachtungen abschließen mögen.
Das Terrain der heutigen Suezlandenge zur Quartärzeit. 31
„Betreffs der fossilen Conchylien hat Issel bemerkt, daß dieselben auf dem Isthmus von Suez, welcher mit nirgends mehr als 18 m. Hebung dieselben jungtertiären und quaternären Bildungen zeigt, welche am Strande von Suez, auf der arabischen Küste des Golfs im Temaha, auf der ägyptischen bei Kosseïr und Massaua, auf den Inseln des Rothen Meeres oft bis 20 m. und 9 bei Kosseïr selbst 2—300 m. hoch liegen, nicht gerade reichlich erscheinen. Dennoch finden sich 105 Arten, mit Vertretung von Gattungen, welche recent weder in der Bucht von Suez noch in der von Akaba gefunden wurden. I. meint zwar, sie würden doch heute noch zum größten Theile im Rothen Meere existiren. Die Hebung der Landenge und der anstoßenden Wüsten hält I. im Vergleich mit Italien, Sicilien, Sardinien für postpliocän. Die Arten verrathen, daß der Meeresgrund an dieser Stelle wenig tief war.“
„Von den fossilen Conchylien der Landenge erwiesen sich 11 Arten (5°/o) mediterraneisch; diese aber wurden sämmtlich nördlich gefunden. Südlich von der Mitte des schmalen Festlandsstreifens fanden sich, soweit vergleichbar, ausschließlich erythräische Formen. Wenn man sich also in die Zeit zurückdenkt, in der das Meer relativ soviel höher stand, daß die am Rothen Meere zuletzt gehobenen Ufer und ebenso die am Mittelmeer ausgedehnt gehobenen pleistocänen Lager noch Meeresgrund waren, so dürfte damit doch nicht die jetzt nur 18 m. hohe Barrière der Landenge verschwunden gedacht werden. Es muß schon in der zunächst vorausgegangenen geologischen Epoche eine vollkommene oder fast vollkommene Sonderung eines heißeren Meeres von einem, vom Norden her sich vorschiebenden hier bestanden haben. Da die Hebungen nördlich und südlich nicht genau gleichzeitig erfolgt zu sein brauchen, ist es auch gar nicht nothwendig anzunehmen, die Breite dieser Landbrücke sei in einem Theile jener Epoche nur genau so groß gewesen als die Distanz zwischen dem
32 Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
Puncte, an welchem nördlich mediterrane Conchylien sich fossil finden, bis zu demjenigen, an welchem südlich die erythräischen beginnen. Indem sich unter dem Sande von Suez auf der Südhälfte des Isthmus ausgedehnte Lager von Süßwasserconchylien finden, unter welchen Etheria Caillaudi aus einer Gattung, die jetzt, soviel wir wissen, ausschließlich in Afrika, im Nil oberhalb des ersten Kataraktes und im Senegal lebt, ist es sicher, daß sich hier kurz vor dem Anfänge der jetzigen Schöpfungsepoche an der Stelle, an welcher es jetzt nur noch kleine süße und bittere Seen gibt, das Bett eines mächtigen Flusses befand, der ein bedeutendes Hinterland entwässerte. Wenn das auch nicht nothwendig ein nur etwas anders verlaufender Nil war, so weisen doch die Etherien darauf hin, daß es nicht ein der nördlichen Hemisphäre, dem dermaligen septentrionalen Continental- gebiete angehöriger Strom war.“
„Für eine noch ältere Periode, für die Nummulitzeit, ist von Bellardi die Identität für mehr als die Hälfte der ägyptischen Fossile zwischen Siut und Cairo und im Pyramidenbaustein mit denen der das jetzige Mittelmeer nördlich begrenzenden, von dort in es einspringenden oder als Inseln abgelösten Länder festgestellt worden. Das Nummulitmeer erstreckte sich über 100 Längengrade von Andalusien, Biaritz, Mallorca bis mindestens nach Tibet, und in mehreren hundert Meilen Breite. Daß es auch die Landenge von Suez bedeckte, erhellt aus den Nummulitkalkriffen, welche noch aus dem Wüstensande emporragen. Dieses Meer wurde zurückgedrängt und unterdrückt, und wahrscheinlich bestanden danach breite Landverbindungen im Osten der Mittelmeergegend, welche das Eintreten der indisch-afrikanischen Thierwelt in das Gebiet des jetzigen Europas gestatteten und die Meere sonderten. Die späteren Schwankungen aber stellten, wie es scheint, hier eine offene Verbindung nicht wieder her, ob auch die Landenge vom Meere, von diesseits oder jenseits, bedeckt
Das Terrain der heutigen Suezlandenge zur Quartärzeit. 33
wurde und, ohne die Stütze der hohen Ketten krystallinischer Gesteine der Sinaihalbinsel und der arabischen Wüste, der schwächste Punct sein mochte. Das Mittelmeer machte seine weitere Geschichte, der Ausdehnung nach Osten, der Verkümmerung tropischer Formen und der Beimischung septentrionaler und atlantischer allein durch.“
„Daß der Isthmus von Suez gerade ein Cardinalpunct, oder daß er gar ein solcher für das Geschick der Verbindungen in Hebung und Senkung gewesen sei, anzunehmen, ist gar nicht einmal nothwendig. Man wird dazu leicht verleitet, weil jetzt hier die schmälste Landbrücke ist. Wenn sich heute das afrikanische Festland auch viel breiter zwischen Suakim und der großen Syrte ausdehnt, so sind doch die zwischenliegenden nubischen und libyschen Wüstengebiete stellenweise unter dem Niveau des Meeres und nie mehr als 2 — 300 m. über demselben, nicht höher, als daß die allerneuesten Hebungen solches deckten. Der Zeit- punct, von dem ab man hier eine Meeresverbindung eingegangen sich denken müßte, liegt nothwendig nicht weiter ab als der für eine von Suez. Nach dem jetzigen Charakter der Meere hätte sich in einem solchen Falle vielleicht die Erinnerung an die Verbindung deutlicher in der Aehnlichkeit der Conchylien von den spanischen und sicilianischen Küsten mit denen von Suakim bis Massaua erhalten können, als in einer solchen zwischen Port Said und Suez. Das findet sich zwar auch nicht bestätigt, wenn man von festen Arteigenschaften ausgehen zu dürfen glaubt. Indem jedoch die Veränderlichkeit von beiden Seiten her mit dem Reichthume des Materiales deutlicher wird, verliert an mehreren Stellen die Scheidung der erythräischen und mediterranen Fauna an Schärfe.“
Krukenberg, DurcMuthung des Isthmus von Suez.
3
34 Die Durchfluthung des Isthmus von Suez etc.
Betrachtungen Der Hauptzweck, welchen ich mit meiner Reise an das Rothe
über erworbene
Fähigkeiten nmt Meer verband, liegt vorwiegend darin, mir aus eigener Anschauung
angenommene ' ^ ^ ^ °
Sen“bei w- ein lebendiges Bild davon zu entwerfen, wie in diesem so lange
der mediterranen und so vollständig von der mediterranen Fauna getrennt ge-
und erythräischen
Fauna. haltenen Gebiete sich bei aller Verschiedenheit der Formen die Lebensgewohnheiten und Lebenseigenthümlichkeiten einzelner Gattungen und Ordnungen gestalten; ob dieselben bei Rothen Meer- und Mittelmeerspecies wesentlich andere sind, in der Zeit ihres Separirtseins andere geworden sind.
Es ist eine Thatsache, die meines Wissens noch gar nicht hervorgehoben ist, aber nicht genug betont werden kann, daß trotz aller formellen Abweichungen die typischen, uns sofort in die Augen fallenden Fertigkeiten, Gewohnheiten und Färbungseigen thümlichkeiten bei Rothen Meer- wie bei Mittelmeerformen fast ausnahmslos in gleicher Vollkommenheit ausgebildet sind. Hier wie dort tendirt die Muskulatur der Krebsscheeren zu der so seltsamen unilateralen Hyperplasie und unterliegt nervösen Erregungen, welche gewissermaßen für sie zu energisch sind und sie deshalb zerreißen machen; hier wie dort werfen Holothurien, wenn sie injuriirt werden, ihre Eingeweide aus oder zeigen Andeutungen einer eintretenden Verschleimung ihres derben, lederartigen Hautmantels; hier wie dort mauern sich gewisse Echinidenspecies ein massives Steingefängniß, und am Strande des Rothen wie des Mittelländischen Meeres laufen die Pagu- riden herum, ihren weichen Hinterleib hier so geschickt wie dort in einem acquirirten Gastropodengehäuse verbergend 1 ). Nach
J ) C. B. Klunzinger (Bilder aus Oberägypten, der Wüste und dem Rothen Meere. Stuttgart. 1877. S. 331) belehrt uns, daß ein anderer Einsiedlerkrebs des Rothen Meeres, Clibanarius signatus, über den Kunstgriff, welchen wir bei Coenobita rugosus (cf. meine Vgl.-physiol. Studien. 2. Reihe. 4. Abth. 1887. S. 154 u. 155) kennen lernten, ebenfalls noch nicht verfügt, während nach Th. Studer (Verzeichniß der Crustaceen, welche während der Reise S. M. S. Gazelle an der Westküste von Afrika, Ascension
Betrachtungen über erworbene Fähigkeiten etc. 35
Art der alten Saracenenschlösser der Riviera oder der Felsenstadt Les Baux in den Alpinen verschweißen bei Triest wie Suez Austern und Spondylen ihr steinernes Haus mit dem felsigen Untergrund und werden in der Güte ihrer Leistungen nur noch von den Chamen des Rothen Meeres überboten; hier wie dort nisten sich Teredinen im Holze, Lithodomen im festesten Kalkstein ein. Auch Deckelschnecken sind in dem einen Meere so häufig als in dem andern. — Nach meinen Special-
und dem Cap der guten Hoffnung gesammelt wurden. Aus den Abhandl. d. Königl. Acad. d. Wiss. zu Berlin aus dem Jahre 1882. Berlin 1883. S. 26 u. 27) der von ihm am Cap der guten Hoffnung entdeckte Eupa- gurus ungulatus das Thor seiner Behausung noch kunstgerechter zu verschließen weiß. Ich sah diesen Paguriden zuerst im Königl. Zoologischen Museum zu Berlin, wo mich Herr Dr. Hilgendorf auf denselben aufmerksam machte. Von Herrn Professor Dr. Th. Studer erhielt ich dann folgende Auskunft: „Der rechte Scheerenfuß stellt bei Eupagurus ungulatus einen förmlichen Stempel dar, dessen abgeflachte und von einem erhöhten Rand umgebene Außenseite einen genau passenden Deckel bildet, der die Oeffnung der Schneckenschale verschließt. Die Scheerenhand ist dazu in einem rechten Winkel zum Carpus gebogen, was aus anderen Gründen in der Zeichnung (a. a. O., Taf. II, Fig. 13) nicht recht hervorgehohen ist, so daß die Außenfläche des Stempels gerade nach vorn zu liegen kommt. Am merkwürdigsten erscheint mir aber, daß der Umriß des Scheerenfußes eigentlich nicht für die wirkliche Mündung der Schnecke, sondern für den durch die Ueberwucherung einer Kalkbryozoë (Esch ara) verschmälerten Eingang in die Höhlung des Schneckengehäuses (eines Fu sus) adoptirt ist.“ Diesem fügte der gefeierte Kerguelen-Reisende noch nachstehende Bemerkungen hinzu: „Unter den Tiefseepaguriden scheinen übrigens mehrfach ähnliche Yerhältnisse vorzukommen. Yon Eupagurus discoidalis A. Miln. Edw. aus Westindien (70—200 Faden tief), der in Dentalium seinen Hinterleib steckt, bemerkt A. Milne Edwards (Bull, of Mus. Comp. Zool. Yol. 8. No. 1): «Sa pince droite est très-développée et en forme d’opercule de manière à clore plus ou moins exactement l’ouverture du Dentale. Sa main se plie à angle droit sur l’avant bras et ne peut s’étendre complètement.» Bei Pylocheles Agassizii Miln. Edw. aus Barbados, der in 200 .Faden Tiefe lebt, sind die vorderen Scheerenfüße gleich gestaltet, die Scheerenhand ist verbreitert und bildet einen rechten Winkel mit dem Carpus. Der obere Rand der Scheere ist dadurch nach innen
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forsehungen bieten die so auffälligen Farbenverschiedenheiten mediterraner und erythräischer Thierformen ebenfalls keine fundamentale Unterscheidungsmerkmale dar; sie sind nicht qualitativer, sondern nur quantitativer Art.
Die aufgeführten wie zahlreiche ähnliche Besonderheiten in den Gewöhnungen, in dem chemischen Bau und den chemischen Metamorphosen der Gewebe müssen deshalb uralte sein oder mit der morphologischen Differenzirung unabänderlich verbunden gedacht werden. Wollen wir wissen, wann die Cephalopoden lernten, für ihre Abwehr das Sepienschwarz zu verwenden, wann die Lithodomen die Fähigkeit erlangten, das derbe Gestein'zu zernagen, und die Echiniden sich zum Bau ihrer Felsengräber entschlossen, so müssen wir schon den Geologen fragen.
gekehrt und legt sich genau an den entsprechenden der anderen Scheere, sodaß beide mit einander einen Deckel bilden, der die Oeffnung des Gehäuses verschließt. Dieses bestand aus einem festen Sandconglomerat, in dem eine Höhlung dem Krebs zur Aufnahme dient. Bei Xylopagurus rectus Miln. Edw. aus Westindien (138—223 Faden), der Löcher in Holz bewohnt, ist die rechte Scheerenhand groß und dient zum Verschließen der Oeffnung des Canales, der gewöhnlich auch nach hinten offen ist. Die Scheerenhand ist gegen den Carpus geknickt und trägt an der Basis einen starken Dorn. Der Ahdominalschild deckt hier die zweite hintere Oeffnung des Canals, in dem der Krebs lebt. Es scheinen nach diesen Beispielen, welche sich noch vermehren ließen, Adaptationen an eigenthümliche Verhältnisse und Schutzvorrichtungen gerade bei Tiefseepaguriden in noch auffallenderem Maaße vorzukommen als bei den Seichtwasserbewohnern. Die besseren Schutzvorrichtungen, welche man im Allgemeinen hei Tiefsee- thieren antrifift, kann ich aber nur dem Umstande zuschreiben, daß dieselben auf relativ weite Strecken sehr regelmäßige Bodenverhältnisse finden, die ihnen ein leichtes Verbergen schwierig machen. Es fehlen die Felsspalten, Steinblöcke, Algenwälder, die Zufluchtsorte bieten wie in der Küstenregion. Daher muß das Thier die Möglichkeit des Schutzes an sich selbst tragen. Ich glaube nun nach Vergleichung vielen Materiales, daß Tiefseethiere ursprünglich Küsten- oder Seichtwasserbewohner waren, welche zu verschiedenen Zeiten nach der Tiefe, dem kälteren Wasser zu gewandert sind, sich dort den neuen Verhältnissen accommodirt haben, und ihre Eigenthüm- lichkeiten früher oder später erworben sind.“
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Bereits früher habe ich darauf hingewiesen, wie räthselhaft sich solchen Erfahrungen gegenüber die Fälle ausnehmen, wo nur bei wenigen Species Einer Classe ein ganz charakteristischer Farbstoffkörper (wie z. B. das Bonellein bei Bonellia viridis, das Turacin bei den Musophagiden, die Carminsäuren bei Coccus) erscheint, während selbst nächstverwandten Formen diese Productionsfähigkeit durchaus mangelt, oder wo ein für sämmt- liche Angehörige ein und desselben Typus specifisches Stoffwechsel- product (wie z. B. das Hämoglobin für die Vertebraten, das Chitin für die Arthopoden) plötzlich an einer entfernten Stelle in der Thierreihe, aber auch dann meist nur bei Vertretern einer kleinen Gruppe wieder auftaucht. Derartiges läßt sich ebenfalls übereinstimmend für die im Rothen wie für die im Mittelmeere zusammenlebenden Arten aus einer Classe constatiren.
Alle diese zwar sehr überraschenden und noch völlig unverstandenen Verhältnisse können uns jedoch nicht blind denjenigen Erscheinungen gegenüber machen, welche lehren, daß die Thiere des Rothen Meeres im Allgemeinen ihre Kräfte besser anzuwenden, ausgiebiger zu benutzen wissen und oft auch weiter auszubilden verstanden haben als die des mittelländischen Gebietes. Die Physiologie der Farbstoffe und der Farben stellt ein unerschöpfliches Füllhorn dar, welchem sich später noch mehr als jetzt eine unermeßliche Zahl von Beispielen für die Richtigkeit dieser Auffassung entnehmen lassen wird. Nur wenige andere, im Chemismus der Organe selbst tief wurzelnde Eigenschaften werden so stark von den äußeren Existenzbedingungen beeinflußt als die Färbungen. Das hängt zum Theil damit zusammen, daß das Nervensystem einen mächtigen Einfluß auf die meisten Pigmentzellen äußert, und daß auch äußere Einwirkungen das Retentionsvermögen der Gewebe für einzelne Pigmente theils erhöhen, theils vermindern.
Wir würden über die Einwirkungen des Lichtes, der Tem-
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peratur, der Feuchtigkeit u. dgl. m. auf die Färbungen der Organismen jetzt zweifellos weit besser unterrichtet sein, wenn bei derartigen Allgemeinbetrachtungen lipochromatische, melanotische Pigmente, Uranidine, Floridine, Hämoglobin- und Chlorophyllderivate streng von einander getrennt gehalten, wenn vor allem von den chemischen Färbungen die Structurfarben unterschieden worden wären und sich schon früher ein Blick für die biologisch 0
so fundamentalen Stoffretentionen ausgebildet hätte. Solange wie ohne jedwede Gliederung der Frage nur von einem Einfluß des Lichtes, der Nahrung, der Kälte auf die Färbungen der Thiere geredet wurde, ließ ein Fortschritt in der Aufklärung der Erscheinungen naturgemäß umsonst auf sich warten.
Lassen wir die Structurfarben bei Seite, so kann eine lebhaftere Färbung, eine intensivere Ansammlung von Pigment in oberflächlichen Körpertheilen nur auf vierfache Weise zu Stande kommen: 1. wird ein unter allen Umständen sich im Körper bildender Farbstoff von den Zellen der Epidermis nur energischer als gewöhnlich festgehalten; 2. tritt, ohne daß die vitale Betentions- größe für den färbenden Bestandtheil diejenige anderer, in weit weniger hervorstechendem Grade durch das betreffende Pigment tingirter Oberflächenbezirke irgendwie übertrifft, nur dadurch eine Steigerung des Farbentones ein, daß entweder Stoffwechselproducte, welche die Wirkung des Pigmentes dämpfen oder auch wohl ganz maskiren, nicht wie sonst gleichzeitig in den Geweben retinirt bleiben, oder daß solche Stoffe, welche gleichsam (wie unter Umständen das Guanin und der kohlensaure Kalk) zur Folie werden und so die Wirkung der Farben indirect erhöhen, in geeignet *
situirten Zellen festgehalten werden; 3. wird die Bildung des Pigmentes über die Norm hinaus gesteigert, oder es wird 4. die vitale Zersetzung resp. die Ausscheidung gehemmt.
Soweit ich die Verhältnisse vorläufig überschaue, handelt es sich bei der auf chemische Ursachen zurückführbaren Farbenfülle
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der Tropenbewohner fast ausschließlich um Retentionsanomalieen ganz allgemein (d. h. bei allen Repräsentanten der zugehörigen Classe) gebildeter Pigmente 1 ), weder um eine Begünstigung der Pigmentbildung, noch um eine Verzögerung des Pigmentzerfalles. Nur die sub 1 und 2 von uns aufgestellten Modi bezüglich einer einfachen Pigmentinfiltration kommen hier in Betracht, und um deren Sinn klar hervortreten zu lassen, möchte ich einige Beispiele namhaft gemacht haben, welche mir als eigene Beobachtungen geläufig sind.
Ad 1 wähle ich mich am besten selbst als Object. Nach mehreren anstrengenden Ritten und Fußmärschen, welche ich, um die Fauna und Flora des tropischen Afrika kennen zu lernen,
x ) Die große Mehrzahl der Hautpigmente hei Wirbelthieren (so besonders die Melanine, die Lipochrome und viele Lipochromoide) erfährt durch das Licht eine Zerstörung, und es ist danach selbstverständlich, daß falls die Pigmentbildung, die epidermoidale Pigmentaufnahme und Pigmentretention hei nordischen und tropischen Formen die gleichen wären, nicht die letzteren, sondern die ersteren am intensivsten gefärbt sein müßten. Wie ich mich in der Société du Gas de Marseille an Goldfischen überzeugte, welche sich im Wasser einer Glasglocke befanden, die nicht nur des Tages, sondern auch in den Abendstunden (und in diesen sowohl von innen wie von außen durch kräftiges electrisches Licht) beleuchtet wurden, entfärbt ein intensives Licht auch bei lebenden Thieren die lipochromatisch tingirten Hautstellen thatsächlich sehr rasch. Aehnliches beobachtete schon Al. von Humboldt an den Blättern der Bäume auf den Boulevards von Paris. Oswald Heer (Die Käfer der Schweiz. Th. 2. Lief. 1. Neuchâtel 1837. S. 1 Anm.) machte dagegen die interessante Beobachtung, daß die Cicindelen und Car ah en in den Alpen mit zunehmender Höhe dunkler werden; diese Farbenabweichungen haben jedoch mit dem Verblassen einer melaninartigen Substanz nichts zu thun und sind von Heer richtig dahin gedeutet, daß bei den Käfern in den höheren alpinen Regionen die allein lebhafter gefärbte „Kruste der Schleimhaut“ weniger dick aufgetragen ist als hei den Formen in der Ebene, und daß daher auch bei jenen die „zweite dunklere Schicht der Lederhaut“ stärker hervortreten muß. Heer soll der Ansicht gewesen sein, daß diese morphologische Hemmungsbildung durch den auf den Alpenhöhen erforderlichen längeren Aufenthalt der Larven an gedeckten Stellen (unter Steinen u. dgl. m.) veranlaßt werde.
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in Begleitung meines Interpreten, eines Humanen, und einiger kastanienbrauner Nubier von Massaua bis an die engen Thäler des abessinischen Hochlandes ausgedehnt hatte, war meine Gesichtsfarbe und die meines europäischen Gefährten in ein recht ähnliches, freilich weit weniger intensives Braun übergegangen, welches unsere massauesische Bedienung zeigte, nur mein blondes Haar verrieth noch sogleich den Europäer. Nach Suez zurückgekehrt, war bei mir das dunkele Colorit nach wenigen Tagen wieder verblaßt, während der Rumäne noch wochenlang in Cairo Allen, die ihn früher gekannt, durch seine bräunliche Gesichtsfarbe auffiel. Das Pigment, welches den Nubiern (aus dem Stamme der Hababde) den ausnehmend schönen kastanienbraunen Teint verleiht, ist ein melaninartiger Farbstoff, der sich bei den Kaukasiern ebenso wie bei ihnen bildet, in den Epidermoidalzellen der weißen Rasse für gewöhnlich nur nicht festgehalten wird. Setzt sich aber ein Kaukasier den gleichen äußeren Lebensbedingungen wie die Hababde aus, so bleibt auch bei ihm das Pigment in den durch die wassergesättigte, heiße Luft normwidrig gedehnten Zellen der Oberhaut liegen und wie sich aus Obigen ergibt, kommt es dann ganz allein auf die individuelle Prädisposition an, wie lange eine so erworbene pigmentbindende Kraft den Zellen erhalten bleibt 1 ). Derartige Ver-
0 Noch einige weitere Beispiele dieser Art!
Da entsprechend der mehr oder minder exponirten Lage vegetationsloser oder durch üppigen Pflanzenwuchs besser geschützter Terrains die Bewohner des südlichen Frankreichs sehr ungleich von der Sonne bedacht werden, so tritt der directe und indirecte Einfluß der Sonnenwärme auf die Haut- und Irisfärbung an Plätzen dieser Gegend so prägnant wie sonst kaum hervor. In dem gut bewaldeten Vallée de la Sorgues, welches schon Petrarca wie seinen Freund, den Cardinal de Gabassole, als Lieblingsaufenthalt erquickte, und welches sich hei Vaucluse, der „vallis clausa“, öffnet, sieht man unter den Einheimischen fast auschließlich blaue Augen. In dem breiten Vallée la Volane der Cevennen fällt die absonderlich große Menge gelbbrauner Augen auf, und in Montélimar, noch mehr aber in Aigues
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hältnisse 1 ) kehren in der Natur vielfach wieder. So würden z. B. hinsichtlich der Harnstoffretention in den Organen des Körpers die
Mortes schreibt man ganz allgemein die tief schwarze Haar- und Augenfarbe der braunen Gesichter der dort herrschenden unerträglichen Hitze zu.
„Ich bin überzeugt“, schreibt der vortreffliche englische Missionär John Mackenzie (Petermanri’s Geograph. Mitth. Bd. 18. 1872. S. 192), „daß ein Fremder, vor den man 20 oder 30 blindlings in Schoschong herausgegriffene Bamangwato mit einer gleichen Zahl Batowana d. h. Bamangwato vom Ngami-See brächte, die letzteren an ihrer dunkleren Farbe zu unterscheiden vermöchte. Es scheint somit, daß in Südafrika mit der Verminderung der Hitze und Feuchtigkeit die Hautfarbe heller und das Haar spärlicher wird, bis man zu den hellfarbigen Hottentotten und Buschmännern der Capcolonie kommt, deren zerstreute Büschel wolligen Haares die Vorstellung erwecken, daß, wenn der Proceß nur noch ein wenig weiter gegangenwäre, wir Leute ohne jedes Haar auf demScheilel hätten finden müssen.“ „Aber das sind nicht die einzigen Unterschiede, die man, wie es scheint, auf physische Ursachen zurückführen kann. Wo Feuchtigkeit ist, tritt eine üppige Vegetation auf und der Boden bekleidet sich mit Bäumen und Sträuchern, die den Bewohnern angenehmen Schatten gewähren. Im Gegensatz dazu findet der Reisende auf einer trockenen Ebene keinen Schutz außer dem Schatten eines großen Steines in dem ermüdenden Lande. Die Eingeborenen baumbewachsener Gegenden haben große volle Augen, Augenlider und Brauen sind gewöhnlich nicht gerunzelt oder zusammengezogen; je dürrer nun das Land, desto kleiner die Augen der Bewohner und desto zusammengezogener, gerunzelter die das Auge umgebenden Theile. So haben die Makoba am Zuga-Fluß meist große milde Augen, fast ebenso die Makalaka; kommt man aber südlich in den trockneren District von Schoschong, so findet man die Augen bei den Bamangwato schon etwas kleiner, in der noch trockneren Gegend von Kuruman haben auch die Batlaping noch kleinere Augen, und gehen wir weiter südwärts in vollkommen baumlose Gegenden, so finden wir unter den Korana, Hottentotten und Buschmännern die kleinsten Augen im Lande.“
*) Einem wesentlich anderen Vorgänge verdanken die blendendweißen Gehäuse der Ovula oviformis Lam. und der 0. volva Lam. ihren reinen Farbenton. Die Ueberladung der gesammten Haut dieser Schnecken mit Melanin sowie die innerste schwarze Lage des Gehäuses selber zeigen, daß es bei diesen Thieren an Hautpigmenten keineswegs gebricht; aber hier ist die Affinität der lebenden Epidermiszellen zu dem melaninartigen Körper eine so gewaltige, daß kein Reservevorrath an Pigment mehr übrig bleibt, welcher dem von den Manteldrüsen secernirten Kalke und Schleim- Stoffe beigegeben werden könnte.
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Die Durchflut hung des Isthmus von Suez etc.
Selachier ein Gegenstück zu den kastanienbraunen Nubiern, die übrigen Wirbelthiere dagegen, deren Gewebe der entstandene Harnstoff sofort wieder verläßt, ein Seitenstück zu den Kaukasiern bieten. Beiläufig sei auch bemerkt, daß wenn in einem Organismus, in welchem keinem der Gewebe ein Retentionsvermögen für ein bestimmtes Stoffwechselproduct eigen ist, sich, sei es aus welchem Grunde, an irgend einer Stelle ein derartiger retentiver Herd entwickelt, es daselbst nothwendig zu massigeren Stoffablagerungen kommen muß als bei Formen, welche sich aus Organen zusammensetzen, von denen wenigstens einigen ein solches Vermögen schon an sich zukommt. So erklärt es sich, daß die zarte Membran der Nierenglomeruli die gesammte Körpermasse der höheren Wirbelthiere von Harnstoff so vollständig entlastet, und daß die schwärzesten Melanome bei leukodermischen Arten und Varietäten (wie unter den Pferden z. B. die Melanosarkome fast ausschließlich bei Schimmeln) angetroffen werden.
Ad 2 sei meiner Untersuchungen über die Crustaeeenpig- mente Erwähnung gethan, wenn schon das Erlöschen eines (bei Holothuria Poli sehr entwickelten) Retentionsvermögens der Haut für ein braunes Pigment und die dadurch an Holothurien des Rothen Meeres bedingte Gelbfärbung wohl das packendste Beispiel für diesen Modus liefern möchte.
Die Hautpigmente der Krebse sind mannigfaltiger als die irgendeiner Wirbelthierclasse; aber in dieser Mannigfaltigkeit macht sich doch eine große Einseitigkeit geltend, indem die rothen und gelben Farbstoffe echte Lipochrome, die vergänglichen grünen (z. B. bei Virbius viridis) und blauen sowie die äußerst resistenten blaugrünen und violetten Farbstoffe nur Vorstufen resp. Abkömmlinge derselben sind. Daß auch die so widerstandsfähigen blaugrünen und violetten Färbungen, welche z. B. bei Gonodactylus auftreten, lipochromatischer Natur sind, wird mir dadurch wahrscheinlich, daß nicht nur bei Korallen rhodo-
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phanartige Pigmente, sondern in den Schalen mehrerer Conchy- lien (z. B. bei Mytilus galloprovincialis, Modiola auri- culata, Sanguinolaria rugosa) auch dem Cyanokrystallin ähnliche Farbstoffe, vielleicht als Calciumverbindungen, stabilirt werden, und die Hautpigmente der Crustaceen Verwandtschaftsbeziehungen unter einander nicht verkennen lassen.
Die Epidermis unseres Flußkrebses führt in größerer Menge nur drei Pigmente: ein blaues Lipochromogen (Cyanokrystallin), ein gelbes (chlorophanartiges) und ein rothes (rhodophanartiges) Lipochrom; da bei jeder Epidermiszelle das Retentionsvermögen für jedes dieser drei Pigmente nicht gleich stark, vielmehr sehr ungleich entwickelt ist, so beobachtet man bei mikroskopischer Durchmusterung der Epidermis eine nicht weniger vollständige Sonderung dieser Farbstoffe als bei den Chromophanen in den Oelkugeln der Vogelretina. Indem nun, hauptsächlich bedingt durch äußere Einflüsse, bei einer anderen Krebsart die zuriick- f haltende Kraft für das eine oder für zwei dieser Pigmente erlahmt, eventuell auch wohl ganz auf Null herabsinkt, dabei sich die Retention für den dritten resp. für den' zweiten und dritten Farbstoff erhält oder sogar noch steigert, entstehen eintöniger gefärbte Formen. So erklären sich die azurblauen Krebse, welche das Dammufer rechterseits hinter Taolud in hellen Schaaren beleben, so (durch einen Schwund des Retentionsvermögens für das Cyanokrystallin und durch eine starke Herabsetzung desselben für den chlorophanartigen Farbstoff) die reiner roth gefärbten Species (z. B. Maja squinado, Alpheus ruber, Nephrops * norvegicus). Bleibt schließlich den Epidenniszellen nur noch
die bindende Kraft für das chlorophanartige Lipochrom, welche die meiste Beständigkeit zu besitzen pflegt, dann resultiren die rein gelb gefärbten Arten (wie z. B. Ocypoda ceratophthal- ma), die sich (aus Mangel an Cyanokrystallin) weder beim Kochen röthen, noch nach Behandlung ihres verseiften alkoholischen Färb-
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Die Durehfluthung des Isthmus von Suez etc.
stoffauszuges mit Petroläther und Aether einen Rhodophanfarb- stoff an Essigäther abtreten. Wie wenig fixirt übrigens diese Retentionsabweichungen für die einzelnen Farbstoffe bei gewissen Krebsarten sind, lehrt unter anderen die von Kossmann für Chlo- rodius exaratus M. E. entworfene Tafel, auf welcher uns dieser Krebs in 6 Farbenvariationen entgegentritt.
Die bisher berührten Veränderungen, welche sich an den lebenden Theilen des Organismus unmittelbar vollziehen, und zu welchen die vergleichenden Betrachtungen der erythräischen und der mediterranen Fauna Anlaß gaben, sind doppelte: sie sind entweder der Ausdruck einer protoplasmatischen Zielstrebigkeit und als solche eine Action der lebenden Materie selbst 1 ), oder sie sind eine Wirkung äußerer Einflüsse. Beide Veränderungsreihen, wohl nur selten in strenger Sonderung sich vollziehend, fallen darin zusammen, daß sie der Willkür des Thieres entzogen sind. Hiervon sind die Fälle scharf zu scheiden, bei welchen der Einfluß
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eines bewußten Handelns, der Einfluß des centralen Nervensystemes des Thieres selbst und nicht etwa eine rein protoplasmatische Tendenz zur Geltung gelangt. Die Anpassungserscheinungen, welche durch innervirte Chromatophoren wie Chromatobiasten veranlaßt werden, finden unter dieser Rubrik ihre Stelle. Aber
O Die allgemeinen Eigenschaften der Atome resp. der Moleciile hier ganz unberücksichtigt lassend, muß ich mich doch dahin aussprechen, daß viele erworbene Organeigentliümliclikeiten, wie solche z. B. in den ganz circumscript, aber äußerst regelmäßig angeordneten Pigmentablagerungen in den Federn der Vögel, in den Haaren der Säugethiere etc. so schlagend hervortreten, ohne eine bewußte Zielstrebigkeit, ohne eine Autopragie der *
lebenden Materie {HaeclceV s Plastidule) durchaus unverstanden bleiben.
Eine bewußte Zielstrebigkeit hat das, was wir Gedächtniß nennen, zur nothwendigen Voraussetzung, und wir nähern uns damit der Auffassung, welche E. Hering (Ueber das Gedächtniß als eine allgemeine Function der organisirten Matei’ie. Sep.-Abdr. a. d. Sitzungsb. d. k. Academie zu Wien.
1870) wie E. Haeckel (Die Perigenesis der Plastidule. Berlin. 1876) von den vitalen Actionen der organisirten Masse entwickelt haben.
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Betrachtungen über erworbene Fähigkeiten etc.
auch die Abänderungen in der Configuration der Gehäuse, welche sich bei Mollusken nach einem längeren Separirtsein regelmäßig auszubilden pflegen, werden hierhin zu rechnen sein. Auch habe ich schon früher darauf aufmerksam gemacht, daß die dornige Bewaffnung der Gehäuse erythräischer Muriciden (Murex cras- sispina Lam ., M. tenuispina Lam., M. anguliferus Lam., ** M. hystrix Martini , M. ferrugo Wood) bei sämmtlichen
ausgebildeteren mediterranen Formen (Murex trunculus L., M. brandaris L ., M. cristatus Brocchi, M. Edwardsii Payr., M. erinaceus L.) vermißt wird; auch bei den Species aus dem Mittelmeere, deren Name auf eine stachlige Bewehrung des Gehäuses schließen lassen dürfte, findet sich eine solche nicht vor; deren mit Längswülsten versehene Schalen erinnern wohl an ery- thräische Fusus- und Tritonium-, nicht aber an erythräische Muricidengehäuse, und nur bei sehr jungen Individuen (z. B. von Murex cristatus Br.) aus dem Mittelmeer macht die Schale ? als Ganzes den Eindruck einer beabsichtigten Sicherstellung durch
Pallisadenreihen. Ohne ein durch die verschiedenartige Lebensweise bedingtes Motiv dieses Unterscheidungsmerkmales zwischen mediterranen und erythräischen Muriciden ausschließen zu wollen, glaube ich in dem Gehäusebau letzterer Species eine hervorragendere, vom Thiere selbst gewollte, eine spontan vollzogene Leistung sehen zu müssen 1 ).
!) Die Vermuthung, daß die Muriciden des Rothen Meeres zu der Ausbildung ihrer Stachelgehäuse durch eine mit den Korallenhauten in unmittelbarem Zusammenhänge stehende (im Vergleich zum Mittelmeere) * eigenartige Beschaffenheit des Meeresbodens veranlaßt worden sind, findet
ihre Stütze in Beobachtungen von C. F. Jickeli (Studien über die Con- chylien des Rothen Meeres. II. Jahrb. d. d. Malakozoolog. Gesellsch. Bd. 2. 1875. S. 70 u. 71). „So ziemlich für alle Dahlak und Massaua gemeinschaftliche Vorkommnisse“, sagt Jickdi, „läßt sich sofort erkennen, daß Exemplare des ersteren Fundortes weitaus größer sind als des letzteren. Conus arenatus und C. acuminatus erreichen auf Dahlak die doppelte Größe der Exemplare Massauas. Murex rota wird auf Dahlak so viel
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Die Durcbfiuthung des Isthmus von Suez etc.
Von diesem Gesichtspuncte aus beurtheilt, gewinnen auch die, besonders von Issel und Pagenstecher 1 ) für Weichthiere beider Meeresgebiete hervorgehobenen Unterschiede im Bau der Gehäuse ein erhöhtes Interesse; denn mir ist es nicht im mindesten fraglich, daß wir als Grund für diese Differenzen ebenfalls nur von den Thieren absichtlich vorgenommene Aenderungen des alten Bauplanes und nicht (wie etwa bei den auf Aenderungen P
des Retentionsvermögens lebender Zellen beruhenden Wechseln) den Effect eines blind umformenden äußern Agens zu verzeichnen haben. Bevor wir jedoch diese Verhältnisse registriren, sei der congruente Thierbestand des Mittelländischen und Rothen Meeres in Erinnerung gebracht 2 ).
größer und bekommt dort so lange Dornen, daß man geneigt sein könnte, ihn von Exemplaren von Massaua als Art zu unterscheiden. Dieser Unterschied in der Größe fällt schon bei den gemeinsten Vorkommnissen der beiden Orte z. B. Planaxis Savignyi und Nerita Rumphi auf.“
J ) Vgl. H. A. PagensUcher , Molluska. B. Kossmann’s Zoologische ^
Ergebnisse einer Reise in die Küstengebiete des Rothen Meeres. I. Hälfte.
Leipzig. 1877. S. 9—12.
2 ) Das Rothe Meer bietet in seinen nördlichen und südlichen Breiten so auffällige faunistische Wechsel dar, wie sie bei einem so lange separirt gebliebenen Meeresarm nicht zu erwarten sein würden. Als Beispiel führe ich nur einige Sätze aus Jickeli ’s verdienstlicher Arbeit über die Gattung Conus (a. a. 0., S. 71) an, welche lehren dürften, daß die Fauna des Rothen Meeres bei streng durchgeführten Vergleichen mit der Fauna anderer Meere nothwendig in zwei Bezirke zu zerlegen ist. Bei Jickeli heißt es:
„Von den aufgezählten (34) Conus-Arten sind beinahe die Hälfte im Norden und Süden des Rothen Meeres gefunden, während einige im Süden gefundene Arten, z. B. C. coffea, C. textile, C. tulipa im Norden nicht vorzukommen scheinen, und sich ihre Verbreitung aus dem Indischen Archipel ’
somit nur bis in die südlichen Theile des Rothen Meeres zu erstrecken scheint. Auffallend ist, daß eine Anzahl Arten, die im Norden des Rothen Meeres, und theilweise nicht selten, gesammelt wurden, bisher noch im Süden nicht gefunden wurden und erst im Indischen Archipel wieder auftreten, von wo sie sich bis in den Stillen Ocean weit östlich verbreiten, z. B.
Conus tesselatus, C. quercinus, C. lividus, C. virgo. Es finden sich übrigens auch in anderen Gattungen gleiche Erscheinungen, so gehört z. B.
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Die gemeinsamen Thier- und Pflanzenformen.
Nur eine beschränkte Formenanzahl ist dem Mittelländischen Die dem
Mittelmeere
und Rothen Meere gemeinsam 1 ), und ob gemeinsam geblieben^d aem^ oder ob erst gemeinsam geworden, läßt sich nur für wenige 8 ^““““ 1
_ Pflanzen-
formeu.
Fusus marmoratus in Suez zu den gemeinsten Vorkommnissen überall, er ist eine der ersten Arten, welche der Sammler dort findet. Trotzdem habe ich in Suakim und Massaua, wie auch auf Dahlak niemals ein Exemplar dieser Art gefunden, von Australien wird sie dagegen wiederholt angegeben. Auffallende Beispiele für die Differenzirung derselben Arten im Süden und Norden des Rothen Meeres bieten Trochus dentatus und T. erythraeus; den ersteren habe ich selten auch nur annähernd so groß bei Massaua gefunden, wie er bei Suez und zugleich als var. dentatus duplex vorkommt. Der letztere erreicht ebenfalls bei Massaua niemals auch nur annähernd die Größe der Exemplare von Suez.“
x ) Bei Ed. v. Martens Bearbeitung der Meeresconchylien, welche auf von der Deckend ostafrikanischen Reisen gesammelt wurden, fand sich unter den 150 Species keine einzige, welche auch aus dem Mittelmeere bekannt geworden wäre.
Unter den von Dr. Albrecht Roscher bei Zanzibar gesammelten Meeresalgen befinden sich nach W. Sonder’s Berichte ( G. G. von der Eecken’%
Reisen in Ostafrika. Bd. 3. Abth. 3. Leipzig u. Heidelberg. 1879. S. 79) 3 Arten: Polysiphonia secunda Agardh, Chaetomorpha princeps Kütz. und Amphiroa irregularis Kütz., welchen zwar noch nicht im Rothen Meere, wohl aber im Adriatischen Meere begegnet wurde.
Was die eigentliche Flora des Rothen Meeres anbelangt, so finden wir schon bei J. Zanardini (Plantarum in mari rubro hucusque collectarum enumeratio. Vinetis. 1857. p. 13) angegeben, die 4 Seegras-, die Caulerpa- und Sargassum-Species des Rothen Meeres seien eigene, nicht im Mittelmeer vorkommende Arten. Etwas ausführlicher verbreitet sich hierüber G. Schweinfurth in seinen „Pflanzengeographischen Skizzen des gesammten Nil-Gebietes und der Uferländer des Rothen Meeres“ (Petermann’ s Geographische Mittheilungen. 1868), indem er sagt: „Diejenigen Meerplianero- gamen, welche eine bedeutendere Tiefe beanspruchen und deren Existenz keine Ueberschreitung der untersten Ebben-Grenze gestattet, sind die mit dem Vulgärnamen Seegräser bezeichneten Najadeen und Hydrocliari- taceen, welche sämmtlich auch im Indischen Ocean verbreitete Arten dem Mittelmeere fehlen und wohl auch schwerlich in anderen Oceanen gefunden werden dürften“ (S. 247). „Weniger abweichend von der Flora des Mittelmeeres als die Seephanerogamen erscheinen die in massenhaften Beständen auftretenden niederen Meeresgewächse. Von den 166 Algenarten, die uns
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Die DurcMuthung des Isthmus von Suez etc.
Species derselben mit annähernder Sicherheit eruiren. Folgend den schatzenswerthen Arbeiten von ForsJcäl , Ehrenberg , Issel
bis jetzt aus dem Rothen Meere bekannt geworden, sind mindestens 20 mit Sicherheit als identisch mit mediterranen Formen nachgewiesen worden, ein Yerhältniß, welches nicht annähernd die höhere sowohl als niedere Meerfauna dieser Gewässer zu erkennen gibt. Dessen ungeachtet ist der Hauptcharakter der Rothen-Meeralgen ein dem Indischen Ocean völlig entlehnter, 'f.
da die wenigen Arten des Mittelmeeres, die hier auftreten, überhaupt eine sehr weite Verbreitung besitzen; unter allen aber spielen die Sargassum- Arten, deren man allein 30 aus diesem Meere kennt, eine hervorragende Rolle. Zwar besitzt auch das Mittelmeer einige derartige Tange, indeß sind identische Sargassen aus beiden Meeren bisher noch nicht nachgewiesen worden. Diese Meeresflora wird auch besonders durch die Häufigkeit und Artenmenge der Siphoneen gekennzeichnet, unter ihnen die stark vertretene Gattung Caulerpa, von welcher das Mittelmeer nur eine Art (C. prolifera) besitzt, die hier fehlt, ferner mehrere die Ost- und Westindischen Gewässer charakterisirende Halimeda-Arten. Die auf die Tropenmeere beschränkten Turbinarien sind auch hier vertreten, die Deiesserien des Mitteimeeres dagegen, ausschließliches Eigenthum der europäischen Meere, fehlen auch ^
im Rothen. Eine über den ganzen Tropengürtel verbreitete Floridee, Po- lyzonia jungermannioides, durchschlingt auch hier die dichten submarinen Wiesen der Sargassen. Unter den Kosmopoliten findet sich eine von Pol zu Pol verbreitete Siphonee, Codium tomentosum, häufig in den nördlichen Gewässern des Rothen Meeres. Eine Oscillarie von intensiv rother Färbung, das winzige Trichodesmium Ehrenbergii, schwimmt, lange Purpurstreifen bildend, auf der Oberfläche des Meeres und verbreitet sich in gewissen Jahren so außerordentlich, daß man von dieser Erscheinung den Kamen Rothes Meer herleiten möchte. Von den durch ihre rothe Färbung ausgezeichneten Seegewächsen müssen besonders die dem Indischen Ocean angehörenden, dem Mittelmeere aber fehlenden Arten von Polyzonia, Corallopsis und Spyridia hervorgehoben werden. Diese auffallende Farbe ist übrigens hier nicht bloß eine Prärogative der Meeresflora, auch die Fauna >
entlehnt ihre vorzüglichste Pracht dem Purpur, in welchen sich die Polypenhorste der Tiefe hüllen und den die Fische in endloser Skala zur Schau tragen“ (S. 248).
Auf eine diesbezügliche Anfrage hin nannte mir der berühmte Afrikaforscher als eine dem Rothen und dem Mittelländischen Meere gemeinsame Najadee: Ruppia maritima var. rostrata, und verwies mich, um mir eine zeitgemäße Auskunft zu sichern, hinsichtlich der Meeresphanerogamen an
Die gemeinsamen Thier- und Pflanzenformen.
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und Klunsinger versuche ich, unter Hinzuziehung der von Keller vernachlässigten Ergebnisse der RüppelV sehen, von der Declcen’- schen und üTossmcwm’schen Reisen im Nachstehenden eine Zusammenstellung der sich wenigstens in ihren schärferen morphologischen Merkmalen deckenden Thierformen beider Meere zu geben 1 ). Ob kosmopolitisch (wie Noctiluca miliaris) oder
Herrn Professor Dr. P. Ascherson, hinsichtlich der Meereskryptogamen an Herrn Professor Dr. P. Magnus. Herr Professor Dr. Ascherson schrieb mir etwa wie folgt: „Das Mittelmeer und das Rothe Meer haben keine einzige Art von Meeresphanerogamen gemein; Rnppia kommt am Mittel- wie am Rothen Meere wohl in Lagunen, Flußmündungen etc., aber nirgends im freien Meere vor. Unter den 4 Arten des Mittelmeeres findet sich sogar nur Eine, Cymodocea nodosa Aschs., welche unter den 9 Arten des Rothen Meeres eine nahe Verwandte, C. rotundata (Ehbg. u. Hempr.) Aschs. u. Schweinf., hat. Daß durch den Suezcanal jemals eine Vermischung dieser Seegrasfloren bewirkt werden sollte, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich war 8 Tage in El Kantara und habe auch die Ufer des Canals bei Port Said und des Timsahsees bei Ismailia besucht, ohne eine Spur von Meeresphanerogamen zu finden. Der sandige Strand des Mittelmeeres zu beiden Seiten der Canalmündung scheint mithin diesen sonst so verbreiteten Gewächsen keinen günstigen Roden zu bieten. Außer an einer Stelle nahe Boghaz el Brullus, wo die betreffende Pflanze (Zostera nana) sicher aus dem dort mündenden Strandsee stammte, fiel mir nirgends an der ganzen Küste von Abukir bis El Arisch der sonst überall zu beobachtende Auswurf von Seegras auf. Der Menzalehsee bei Port Said enthält Cymodocea nodosa Aschs. und in einigen Stunden Entfernung auch Zostera nana JRoth , aber er ist vom Canalbette dort völlig abgeschlossen. Ebenso ungeeignet wie für die Seegräser ist der Canal wegen seines sandigen Bettes und der frequenten Schifffahrt als Standort für die meisten größeren Algen. Auf der Fahrt von Port Said nach Ismailia habe ich nirgends etwas Bemerkenswerthes gesehen. Am Ufer von Port Said bis Ismailia sah ich überall nur spärliche Exemplare anscheinend derselben Cladophora.“ Vgl. hierzu P. Ascherson , Die geographische Verbreitung der Seegräser. Anleitung zu wiss. Beobachtungen auf Reisen, herausgegeben von G. 'Neumayer. Berlin. 1875. S. 359—373.
9 Nach einer Bemerkung Al. von Humboldt’s (Ansichten der Natur. Bd. 2. Stuttgart u. Augsburg. 1860. S. 65) scheint auch Valenciennes eine Uebersicht der dem Rothen und dem Mittelländischen Meere gemeinsamen Thierarten gegeben zu haben, doch habe ich eine solche nicht auffinden
Krukenberg, Durckflutknng des Isthmus von Suez. 4
50 Die Durchfiuthung des Isthmus von Suez etc.
nicht kosmopolitisch scheint mir dabei gleichgültig zu sein, obschon Keller (a. a. 0., S. 17), wie es scheint, kosmopolitische Arten von einer solchen Zusammenfassung ausgeschlossen sehen will; leider enthält es uns Keller vor, welche kosmopolitischen Arten, mit denen überhaupt viel Unfug getrieben ist, beiden Meeren gemeinsam sind, und ich verstehe nicht, wie es noch ubi- quitärere Formen als die Selachier geben kann, welche Keller keinen Anstand nahm, seiner Tabelle einzureihen.
können. Erwähnt wird an dieser Stelle, daß Valenciennes durch den Marquis Charles de VEscalopier wie durch den französischen Consul Botta schöne Exemplare von Po rites elongata Lam. aus dem Todten Meere empfangen habe, welche Species sich nicht im Mittelländischen, wohl aber im Rothen Meere finde. Aufgeklärt ist diese Angabe meines Wissens später nicht. Die geologischen Verhältnisse der Jordanspalte wie der hohe Salzgehalt (20.4—27.8°/o) des Todten Meeres lassen die Mittheilung wenig glaubwürdig erscheinen. „Mit dem Fehlen des Tertiärs in der ganzen Gegend vom Libanon bis nach Aegypten“, sagt 0. Fraas (a. a. 0., S. 73 u. 74), „ist der Beweis hergestellt, daß vom Ende der Kreideperiode an in Palästina keine marine Bildung mehr stattfand, sondern einzig nur die Einflüsse der Atmosphäre auf die Oberfläche des Landes sich geltend machten, die jedoch eine wesentliche Veränderung derselben nimmermehr zu erzeugen im Stande sind. Lartet meint sogar, seit den Zeiten der feldspathreichen Porphyre, welche zwischen Petra und dem Todten Meere die Richtung der tiefen Erdspalte ankündigen, also lange vor der Bildung der Kreidebänke habe jene Erdspalte in ihrer Nord-Süd-Erstreckung existirt und das Todte Meer habe zu keiner Zeit in irgend einem Zusammenhänge mit dem Océan gestanden.“
In der Lagune nördlich von Djebel Usdûm (mit einem Salzgehalt von 47.68 p. M., einem Chlorgehalte von 29.28 p. M. und einem specif. Gew. von 1.037), die häufig vom Todten Meere überschwemmt und durch eine heiße Salzquelle gespeist wird, kommt nach Fraas (a. a. 0., S. 78 Anm.) allerdings noch eine Anzahl kleiner Fische, Cyprinodon Mose as Cuv. und C. lunatus Ehrbg. vor. Nach Terreil (Bull, géologique. 2. Sér. T. 23. p. 731) gehen diese Fische auch von den Flußmündungen aus soweit in das Todte Meer hinein, bis das Wasser ein specif. Gewicht von 1.11500 erreicht hat. In Lachen, nördlich von der Quarantänestation vor Suakim, welche bei hohem Wasserstande vom Rothen Meere aus gefüllt werden, an deren Boden sich eine dicke Salzkruste abgeschieden hatte, und in denen von
Die gemeinsamen Thier- und Pflanzenformen.
51
t)ie dem mediterranen und erythräischen Faunengebiete gemeinsamen Thierformen.
Typus.
Classe resp. Unterclasse.
Species.
Protozoa
Flagellaten
I
N o c t i 1 u c a milia- ris Suriray. Actinia mesem- bryanthemum
Anthozoa <
Johnst.
(Actinia tape- turn H. u. Ehbg.) Aurelia aurita Earn.
Coelen-
terata
Hydrome-
dusae
(Rhizo stoma Cuvier i Pér. Les.)
Ctenophorae
Bolina hydatina
Glmn.
Echino-
Holothurioi-
Holothuria impa-
dermata
dea
i
tiens Forsk.
Namen der Gewährsmänner und Literaturnachweise.
Cf. diese Studien. 2. Reihe.
4. Abth. 1887. S. 119 ff.
I Ehrenberg, Beitr. z. physiol. Kenntniß der Korallenthiere.
- Abhandl. d. k. Acad. d. Wiss.
zu Berlin. Th. I. 1832. S. 256, > 260 u. 376.
Ehrenberg, Die Acalephen d. Rothen Meeres. Abhandl. d. k. Acad. d. Wiss. zu Berlin. 1836.
5. 186 u. E. Haeckel , Arabische Korallen. Berlin. 1876. S. 43 Anm. 49.
Forskäl, Descriptiones ani- malium, quae in itinere orien- tali observavit. Edit. Niebuhr. Hauniae 1775. p. 106 u. 107; G. Keller, a. a. 0., S. 18.
C. Keller, a. a. 0., S. 18.
II. Ludivig in II. Kossmann „Zoolog. Ergebnisse etc.“ II. Hälfte. I. Lief. Leipzig. 1880. Echinodermata. S. 6 u. Drittes Preisverzeichniß der durch die
Pflanzen neben einer Salsolacee nur noch Aeluropus arabicus zu vege- tiren vermochte, beobachtete ich ständig eine größere Anzahl silberglänzender Fischclien: nach der von Herrn Professor Dr. Klunzinger gütigst Vorgenommenen Bestimmung ist es Cyprinodon dispar (9), welcher als einzige Thierspecies dem hohen Salzgehalte dieser Lachen gewachsen ist. Dieser Fisch ist aber nicht nur sehr wenig empfindlich gegen einen starken Salzgehalt des umgebenden Wassers, sondern scheint sich auch bei einer verhältnißmäßig hohen Temperatur des Wassers noch recht wohl zu fühlen; denn durch Büppell (Fische des Rothen Meeres. Frankfurt. 1828. S. 67) erfahren wir, daß sein Lebias dispar in allen Gegenden des Rothen Meeres zu Hause ist und auch in der thermalisehen Süßwasserquelle von Hadjer Eime bei Tor vorkommt, deren Wasser 26 1 /2° B. warm ist. Im großen Salzsee von Utah, welcher einen Salzgehalt von 13.42°/o aufweist, soll sich dagegen kein Fisch, wohl aber ein kleiner Kruster, Artemia fertilis Vervill. (Americ. Journ. of scienc. Nov. 1869) aufhalten.
4 *
r
52
Die DurcMuthung des Isthmus von Suez etc.
Typus.
Classe resp. Unterclasse.
1
Species.
Namen der Gewährsmänner und Literaturnachweise.
Echino-
dermata
Asteroidea
Asterina gibbosa Forbes.
Zoolog. Station zu Neapel zu beziehenden conservirten Seethiere. Mitth. d. Zoolog, Station zu Neapel. Bd. 2, 1882. S. 521 ff.
Müller u. Iroschel (cf. Fd. v, Martens, Arch. f. Naturgesch, Bd. 32. 1866. S. 72.)
Vermes
Bryozoa
Alysidium La- fontii Aud.
G. Keller, a. a. 0., S. 35.
/
f
Gastrochaena dubia Penn.
H. G. WeinTcauff, Die Con- chylien d. Mittelmeeres.Cassel, 1867. Bd. 1 S. 2.
(Pecten varius L.)
B. M’Andreiv, Ann. and mag, of nat. hist. 4 Ser. T. 6. 1870, p. 449.
Macha (Azor) co- arctata Gm.
B. M’Andreiv, ebenda, p. 445.
Radula inflata Ghemn.
B. MAndrew, ebenda, p. 450,
Petricola striata Lam.
L. U. Schaufuß, Molluscorum systema et catalogus. Dresden. 1869. S. 107.
Mollusca Agathemeros etc. ä’Ancüle hat geglaubt, die Zeugnisse dieser sämmtlichen Autoren auf Grund eines römischen Itinerar, in welchem eine Route vom ägypt. Babylon über Heroopolis nach Clysma beschrieben ist, verwerfen zu können. Hier ist diese Reiseroute:
p Nach Schleiden (S. 168) müssen „die Scenae veteranorum eine ziemlich beträchtliche, aber ausschließlich militärische Station gewesen sein, denn es lagen daselbst nach der Notitia dignitatum (um 400 n. Chr.) zwei größere Heeresabtheilungen, die Equites Saraceni Thamudeni und die Ala quinta Raetorum“. Er verlegt den alten Ort in die Nähe von Teil Miniet Habib, was der Distanzangabe des Itinerar jedenfalls mehr entspricht als die Annahme von Lepere. Linant (8. 114) hält dagegen „Seena veteranorum“ nicht für eine Stadt, sondern für ein Feldlager, für „die Zelte der ausgedienten Krieger“, dessen Lage sich selbstverständlich an keinen Ruinen wiedererkennen lassen würde. Er glaubt (in Uebereinstimmung mit Lepere), der Platz habe sich in der Umgebung von Menayer befunden.
Literarische Quellen etc.
103
Von j
Entfernung
römischen! .
„ loisen.
Meilen.
in
Metern.
Babylon — Heliu.
Heliu — Scenae veteranorum.
9.072
13.608
17681.66
26522.49
Seen, veter. — Vicus Judaeorum . . . .
78
9.072
17681.66
Vicus Judaeor. — Thon.
Thou — Hero .
9.072
18.144
17681.62
35363.36
Hero — Serapiu .
j 68
13.608
26522.49
Serapiu — Clysma .
37.800
73673.57
!
110.376
215126.85.“
Gosselin erinnert nun daran, es seien von Cairo bis Suez zwei Wege möglich: 1. den Nil entlang über Abu Keyclied und 2. die sog. Pilgerstraße (Darb el Häggi). ä’Anville habe geglaubt, der erstere sei gemeint, doch handele es sich dabei um den zweiten, und es sei auf diesem Wege von Cairo bis Suez, in dessen Nähe Heroon = Heroopolis gelegen habe, zwar nicht 78 aber 96 röm. Meilen; einige Handschriften geben auch die Zahl 92 statt 78. „Die Zahlen sind eben mit steigender Kenntniß der Landstrecken später verbessert Avorden.“ — Die Lage von Tohum und Taubastum folgt für Lepere besonders aus den Keiserouten, von denen noch eine zweite des Antonin 1 ) hier angeführt werden mag.
Entfernung
in
Yon
römischen
Meilen.
Toisen.
Metern.
Pelusium — Daphnä.
16
12.096
23575.54
Daphnä — Tacasarta.
18
13.608
26522.49
Tacasarta — Thou.
24
18.144
35363.32
Thou — Scenae veteranorum.
26
19.656
38329.75
Seen, veter. — Heliu..
14
10.584
20628.60
Heliu — Memphis.
24
18.144
35363.32
122
92.232
179783.02
Außerdem sind nur noch die Auseinandersetzungen über Tau-
!) Die erste Zahl hält Lepere für unrichtig und setzt 26 statt 16. Daphnae hat sich noch jetzt in ziemlich bedeutenden Resten als Teil Defenneh erhalten. Tacasarta = Grenzstadt, etwa 5 röm. Meilen südwärts von Sile (vgl. S. 97) nach Lepere\ nach Schleiden wohl mit Tacasira der Notitia dirjnitatum identisch und vielleicht =■ Teil el Hamäm (d. i. el Hamah Quatremere’s).
104
Erläuterungen und Zusätze.
b astum lehrreich. „Ungefähr 8 röm. Meilen nördlich vom Serapeum linden sich“, sagt Lepere , „Ruinen, welche uns der Lage von Tau- bastum zu entsprechen scheinen. Ein diesbezüglicher Zusatz des Ortelius, welcher besagt: «circa paludes Arabiae videtur», spricht sehr für diese Lage, da hier sich Sümpfe finden, in welchen ein Nilcanal gemündet haben muß. Diese nach Osten, auf die den Sümpfen gegenüber gelegenen Ruinen zu gerichtete Abzweigung des großen Canalbettes ist noch auf mehr als eine Meile hin sichtbar. Auch der heilige Hieronymus berichtet in seiner Lebensbeschreibung des heiligen Hilarius, dieser sei am 3. Tage von Babylon ausgehend nach einer Burg Taubastum gelangt, wo Dra- contius, der Bischof von Hermopolis, in der Verbannung gelebt habe. Abbäceh kann Taubastum, wie d’Anvüle will, nicht entsprechen; denn ersteres liegt in fruchtbarer Gegend und nicht in einer Sumpflandschaft.“
Schleiden’s Betrachtungen gipfeln in folgenden Puncten: Heroo- polis und Pithom, welche selbst die einzige Quelle (Itinerarium Antonini), die sonst etwa noch die Lage von Hero zweifelhaft machen könnte, auseinanderhält, lassen sich in keiner Weise vereinigen. Heroopolis wird zwar nicht von Herodot, wohl aber schon von Theophrast genannt und wahrscheinlich hat, worauf auch ihre, uns durch die Angabe ' des Ptolemäern bekannt gewordene Lage: 20 Minuten westlich von der Spitze des Suezbusens hindeutet, die Vollendung des Dariuscanals zur Gründung dieses „kleinen Ortes“ geführt. Die erwähnte Stelle beim Ptolemaeus und folgende Nachrichten von Strabo lassen keinen Zweifel, Heroopolis auf das heutige Kastell et'Agrud zurückzuführen. Strabo sagt: 1. „Unweit Arsinoe liegt auch Heroopolis und Kleopatris in dem Winkel des Arabischen Busens gegen Aegyptos hin“. 2. „Wie auch das niedere Aegypten und das Land bis zum Sirbonischen See ein vielleicht mit dem Rothen Meere bei Heroopolis und bei dem Ailanitischen Winkel zusammenfließendes Meer war“, und bei Plinius finden wir die be- merkenswerthe Stelle: „Die Sinaihalbinsel ist am breitesten im Norden zwischen den Städten Heroopolis und Cliarax Leaena (Ailah).“ Außerdem verbindet auch die älteste Tradition el 'Agrud mit Heroopolis. — Zwei Stellen bei den Alten widersprechen nur scheinbar unserer Annahme: 1. ein offenbar verdorbener, völlig sinnlos gewordener Passus aus Strabo , in welchem Heroopolis als „Winkel des Arabischen Busens am Nil“ bezeichnet wird 1 ). Nach Großlmrd
ü Lepsius war allerdings ganz anderer Meinung, wie schon aus folgenden seiner Sätze (S. 347) ersichtlich ist: „Man hat die Stelle (hei Strabo) viel geplagt, doch ohne
Literarische Quellen etc.
105
wird dieser Satz so umgeformt werden müssen, daß er gleich anderen nur besagt: „Heroon eine Stadt bei dem Winkel des Arabischen Meerbusens.“ 2. Die Angabe des Itinerarium Antonini, daß Hero 24000 Schritte von Thoum liege. Heroopolis —• nicht mehr auf der Tabula Peutingeriana Q, sondern zuletzt von Agathemeros (etwa 200) und auch von diesem nur nach Ueberlieferungen erwähnt — war aber zur Zeit der letzten Eedaction des Itinerar nicht mehr vorhanden, und so ist es um so wahrscheinlicher, meint Sch., daß der Schreiber keine besondere Sorgfalt auf eine Zahl verwendete, die bedeutungslos geworden war; die im Itinerar angegebene Entfernung zwischen Thoum und Hero ist nach anderen Quellen noth- wendig zu corrigiren. Schließlich bezweifelt Sch. das sog. competente Urtheil der „völlig obscuren“ Verfasser der Septuaginta, welche statt Gosen „Heroopolis im Lande Ramesses“ setzten, an dessen Stelle in der koptischen Uebersetzung dann Pithom trat, das nach dem Pentateuch zur Zeit der Einwanderung Jacobs noch gar nicht existirte.
Pithom lag entsprechend der Seti-Darstellung auf den Tempel-
Noth, wie mir scheint. Bei dieser Stadt (Heroopolis), wo sich auch vielleicht ein Schleusenwerk befand, stießen Meer und Nil zusammen. Hier erst begann der eigentliche Nilcanal, welcher sein Wasser von Westen erhielt. Hier war der Hafen, in welchem man sich zur Fahrt auf dem Kothen Meere einschiffte, wie Strabo ausdrücklich sagt. Von hier an hatte der Reisende, wegen der natürlichen und weit ausschweifenden Seeufer den Eindruck der Meerfahrt; dieser künstlich zum Meerbusen gezogene Theil konnte daher auch ganz begreiflich der innerste Winkel des Busens genannt werden Strabo oder Eratosthems , den er anführt, sagt sogar an einer Stelle ausdrücklich, daß Heroopolis am Nile, d. h. an einem Nilcanale lag, und nennt doch die Stadt selbst zugleich den Winkel des Arabischen Golfes. — Uebrigens ist es nicht zu verkennen, daß die sehr verworrene und wenig anschauliche Weise, wie Strabo jene Gegend mit ihren Städten, Seen, Canälen und Namen beschreibt, fast glauben läßt, daß er gar nicht selbst nach Arsinoe kam und also nicht aus eigener Anschauung berichtete.“
P Nach Cour. Miller (Die Weltkarte des Castorins, genannt die Peutinger' sehe Tafel. Ravensburg. 1888), dem neuesten Herausgeber der Tafel, ist der von dem unbekannt gebliebenen Kosmographen von Ravenna (um 650 n. Chr.) nicht weniger als 36 Male citirte Castorins ihr Verfasser. Castorins war wahrscheinlich ein Italiener, stammte vielleicht aus Rom selbst, und die Vollendung der Tafel fällt in’s Jahr 366 n. Chr.: in die Zeit also, wo Valens (364—378) in Antiochien, Valentinian I. (364—375) wenigstens nominell in Rom residirte, und in Constantinopel Procop (Sept. 365 — Mai 366) als Gegenkaiser herrschte. Die uns in der Hofbibliothek zu Wien allein erhaltene Copie datirt nach demselben Autor aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, und „wenn sich in derselben auch der Styl des Abschreibers sowohl in Schrift als Zeichnung Verräth, so ist der antike Inhalt doch überall erkennbar geblieben“. Die Peutinger sehe Tafel wird am Ende des 18. Jahrhunderts mehrfach als Tabula Theodosiana bezeichnet (Cf. Miller , S. 48 Aum.), und auch Lepere's Citat (S. 118) bezieht sich nicht auf den Codex Theodosii oder auf das vielgenannte Epigramm des Sedulhts, welche in die Zeit von Theodosius dem Jüngeren (423 n. Chr.) fallen, sondern zweifellos auf die Tabula Ptu- tingeriana.
106
Erläuterungen und Zusätze.
wänden von Karnack zu beiden Seiten des ältesten Canals und bestand zu dieser Zeit aus einem Festungswerke und der eigentlichen Stadt (Zar oder Zäl). Da vielleicht das Fort auf der einen, die Stadt auf dem anderen Canalufer lag, so coincidirt die Lage Pithoms besser mit der von Teil el Kebir als mit der von Teil Abu Soliman, welches an dem viel später gegrabenen sog. Trajanscanale gelegen ist.
Thoum. Bei Berücksichtigung der Angabe Herodot’s, daß die Richtung von Bubastis nach Patumos eine genau östliche ist, kommt ^
Thoum nach dem Itinerarium Antonini (13000 Schritte von Taca- sarta und folglich 32000 von Daphnae) — obschon an dieser Stelle jedenfalls eine Station im Itinerar ausgefallen ist — an den westlichen Eingang des Wady Tümilät zu liegen.
Ranis es. Diese Stadt kommt nach einem von Brugsch (Geogr. I.
S. 265) zugänglich gemachten Papyrusblatte, auf welchem ihr Name neben dem von Pithom erhalten ist, ebenfalls an den alten Canal zu liegen, und nach dem zur Zeit der französischen Expedition entdeckten Ramsesdenkmale zu urtheilen, sind ihre Reste wohl unzweifelhaft in dem von Lepere aufgefundenen Ruinenhügel bei Abu Keyched gegeben.
Ebers sieht folgende Gründe als beweisende an: Heroopolis. p
E. hält die Ergänzung des Grundtextes durch die Septuaginta nicht für glücklich, betont, daß der Kopte sich in äußerst seltenen Fällen erlaube von der Septuaginta, der er ängstlich folgt, abzuweichen, und schließt sich auch im Uebrigen den Ausführungen Schleiden' 1 s an.
Pithom. E. deutet Herodof s Stelle dahin, daß Patumos (= Pithom) unweit Bubastis liege, und findet dafür eine weitere Bestätigung im Itinerarium Antonini, welches Thoum an der Straße von Helio- polis nach Pelusium, zwischen Vicus Juclaeorum (Teil el Yahüdi, ca. 6 Meilen südwestlich von Teil el Soliman) und Tacasarta, dessen Lage unbekannt geblieben ist, gelegen sein läßt. Die im Papyrus Anast. VI erwähnten Teiche von Patum glaubt E. in den Lachen bei dem Ruinenhügel Rigäbeh, die während der Ueberschwemmungs- zeit nicht unbeträchtliche Wassermengen aufnehmen, wieder zu er- *
kennen und sieht in dieser, zuerst von Chabas aus den alten Docu- menten herangezogenen Stelle einen neuen Grund für seine Ansicht.
Ra ms es = Land ( Genesis , Cap. 47, Vers 11) mit gleichnamiger Stadt ( Exodus , Cap. 1, Vers 11). Der Name hat zur Zeit des Einzuges der Juden noch nicht existirt, sondern ist vielmehr erst durch die Erinnerung an die Zeit des Auszuges auf die gemeinte Localität übertragen worden. Weiterhin werden zwei Ramsesstädte, Ramses-
Literarische Quellen etc.
107
Maschüta und Ramses-Tanis, angenommen; die bei Maschüta gefundenen „riesigen Nilziegel“ und die von der französischen Expedition daselbst entdeckte Ramsesstatue (vgl. S. 106) sind entscheidend für die Lage des ersteren Ortes.
Pihachiroth. „Ohne Bedenken kann man in 'Agrud den Namen Pihachiroth (d. h. Grünau) wiedererkennen.“
Succoth (= Suchoth = Sechet der alten Inschriften; d. h. Gefilde) ist vielleicht das alte Taubastum, welches nach dem Itinerarium Antonini zwischen Pelusium und Serapium, nordöstlich vom Timsah- see lag. Aus dem Berliner hieratischen Papyrus I (der 12. Dynastie angehörend) ergibt sich, daß der nach Atim (nach Chabas = Idumaea) Reisende zunächst ein Sechet (damals nichts mehr als ein Dorf) zu passiven hatte.
Linant ’s Calculationen lassen, falls er dieselben, trotz seiner unverzeihlichen Literaturunkenntniß nicht von anderen, vor allen von Legere entlehnt hat, sehr viel zu wünschen übrig; nur weil sein Werk wenig verbreitet ist und deshalb vielen Interessenten schwer zugänglich sein wird, gehe ich besonders darauf ein. — Heroopolis. Die Angaben Herodot’ s, Plinius’ und Strabo’ s geben dem damaligen Ufer des Rothen Meeres eine nördlichere Ausdehnung als die gegenwärtige und stellen Heroopolis nördlich vom Isthmusbassin, während ihr der von Legere bereits verwerthete Bibeltext (Lesart der Septuaginta und der Kopten; vgl. S. 105) und die Wegslängen im Itinerarium Antonini zugleich ihren Platz bei el Maschüta an- weisen. Die Bibelstelle lehrt ebenfalls, daß unter Ramses nur Heroopolis verstanden werden kann. Thoum bedeutet Ausgang, und das Wort dürfte sich in Wady „Tümilät“ erhalten haben. Nach den Itinerarien wie der Bedeutung seines Namens verbindet man es am besten mit Teil el Kebir, welches einem Besatzungsposten, wie es Thoum war, topographisch besser entspricht als Abbäceh. Unter Pithom ist derselbe Ort gemeint; es ist der gleiche Name nur mit dem Artikel davor, und bei Herodot, welcher die Stadt ebenfalls an den westlichen Ausgang des Wady Tümilät nahe bei Bubastis verlegt, ist daraus Patumos entstanden. Avaris wird mit Heroopolis identificirt und zwar auf einen Bericht des Flavins Joseplius hin, welcher dem Maneiho entnommen ist und folgenden Wortlaut hat: „Eine große Volksmasse (durch die Assyrer aus Syrien vertrieben) drang aus dem Orient in Aegypten ein (nach L. 2082 oder 1820 v. Ohr.), und wählte aus ihrem Stamme einen König mit Namen Salasis. Dieser neue Fürst kam nach Memphis, legte den oberen wie unteren Provinzen des Landes Steuern auf
108
Erläuterungen und Zusätze.
und stellte besonders an der Ostseite, um sich vor den Angriffen der Assyrer zu schützen, starke Befestigungen her. In der Gegend Saites, östlich des Flusses von Buhastis, traf er auf eine Stadt, die ehemals Avaris genannt war und deren Lage ihm äußerst vortheil- haft erschien; er ließ sie stark befestigen und legte nach dort eine Besatzung von 240000 Mann.“ — „Als der größte Theil der Ilyksos vertrieben war, zogen sich die Zurückgebliebenen um ihrer Sicherheit willen nach einem Orte, Avaris genannt, zurück, welcher 10000 Maß Landes bedeckte, und den eine sehr starke Befestigungsmauer umschloß.“ Der Name Avaris machte später einem andern, Awara, Platz, welchem seine Bewohner, die Hawari, wie es unter den Arabern häufig ist (z. B. die Tilies, welche in der Wüste Tih, die Tawara, welche am Djebel Tor, d. i. am Sinai wohnen), den ihrigen entlehnten. So wäre Teil el Maschüta anfangs von den Hyksos bewohnt, darauf, als Ramses von seinen Eroberungszügen zurückgekehrt war, von diesem besetzt gewesen, und schließlich, als der Ort seinen alten Ruf als die Stadt der Krieger, der Soldaten und der Helden vielleicht garnicht mehr verdiente, habe sich das Andenken an seine frühere Bedeutung noch in dem Namen Heroo- polis erhalten. „Begegnen wir einer ganz ähnlichen Erscheinung doch auch bei Cairo, wo das Viertel el Askar gegenwärtig vollständig in Trümmern liegt.“
Wie völlig nichts sagend fast alle von Lincmt aufgestellten Beweisgründe sind, hat bereits 15 Jahre vor dem Erscheinen des LinanV sehen Werkes Schleiden dargethan.
Br uff sch’ s Beweismittel bestehen vorzugsweise in „zahlreichen der altägyptischen Literatur auf Stein und Papyrus entnommenen Belegstellen“, welche er, um mit Ebers (1881. S. 107—112) zu reden, in geistreicher und in einer den Leser gewinnenden, dialectisch bewunderungswürdigen Form an einander zu ketten verstand. Von einer Wiedergabe derselben kann hier aber um so eher Abstand genommen werden, als die Ergebnisse, zu welchen dieser hochbedeutsame Aegyptiologe gelangte, von allen gang und gäbe gewordenen Vorstellungen so sehr abweichen, die Fundamente der ganzen Beweisführung noch so wenig gesichert erscheinen, daß dieselben wohl über kurz oder lang von ihrem Urheber selbst wieder aufgegeben werden dürften.
Naville , der so glücklich war, das Beweismaterial durch seine Ausgrabungen bei el Maschüta erheblich zu vermehren, stellt folgende Betrachtungen an: Heroopolis — Pithom. Lepsius (Chronologie. 1849. S. 348) identificirte Teil el Maschüta auf Grund der dort gemachten Funde mit dem Ramses der Bibel, und 1860
Literarische Quellen etc.
109
gründeten hier die Franzosen die Station Bamses, einen für den Canalbau bedeutenden und während desselben belebten Platz. Die von N. daselbst entdeckten Denkmäler tragen Weihinschriften für den Gott Tum (= Harmachis = Horemkhu), als dessen Freund Ramses IT. galt. Der Name der Stadt (Pi-Tum) war zwar auf keinem dieser Monumente verzeichnet, aber auf dem Bruchstücke eines Naos fand sich nicht nur die Cartousche von Ramses II., sondern auch der Name des Gebietes, Thuku 1 ), in welchem Pithom nach der Liste der Nomoi und dem Papyrus des Britischen Museums erbaut war. Hiernach waren alle Möglichkeiten vorhanden, daß die bei el Maschüta entdeckte Stadt nicht Ramses, sondern Pithom (d. h. die Stadt des Tum) war. Dann fanden sich auch an diesem Platze eine Statue aus rothem Granit, welche einen Beamten des Pharao, Osorkon II., „den guten Wächter über Pithom“ darstellt, das Fragment der Bildsäule eines Priesters mit dem Namen der Stadt, des Wohnortes des Tum 2 ), und zwei römische Inschriften, auf denen der Name Ero (= Heroopolis) stand. Die eine derselben lautete: „Polis Ero castra“ (d. h. Feld oder Lager von Ero), und die andere: „Dominis nostris victoribus, Maximiano et Severo imperatoribus, et Maximino et Constantino nobilissimis Caesaribus, ab Ero in Clusma. M. VIIII. — 0.“ Letztere Inschrift soll die Entfernung .von Piro nach Clusma (9 Meilen) angeben und ein Meilenstein gewesen sein. — Des Weitern weist JV. als Stützen seiner Auffassung: 1. auf die uns bekannte Uebersetzung des Bibeltextes durch die Septuaginta wie auf die Koptische Bibelübersetzung hin und tliut sich gewissermaßen etwas darauf zu Gute, eine Ansicht vertreten zu können, die Forscher
0 „Thuku oder Thuket (= Succoth der Hebräer) ist die Bezeichnung des vorwiegend von Ausländern (Israeliten) bewohnten Distriktes.“ Auf der von K. gefundenen Tafel des Philadelphos Ptolemaeus stand Tum von Succoth, Osiris von Pike- heret (— Pikerehet). Aus verschiedenen Listen der Nomoi wissen wir, daß die Hauptstadt des 8. Nomos von Unterägypten entweder Pitum oder Pikerehet (einige schreiben auch Se Kerehet) war; stets ist aber dabei angegeben, daß die Stadt in dem Gebiete von Succoth liege. A. nimmt hiernach an, daß die Hauptstadt von Succoth zwei Sanctuarien hatte, und zwar nahe bei einander, deren eines Pi Tum, deren anderes Pikerehet war; letzteres lag dem Meere näher als Pi Tum, da es von Reisenden, welche von Heliopolis kamen, zuerst erreicht wurde. Das Heiligthum von Pi Tum, die Wohnstätte des Tum, wurde von den profanen Stadttheilen Thuku’s rings umgeben. — Serapiu kann nur die lateinische Bezeichnung für Pikerehet sein; denn dieser Ort ist das einzige Serapeum, das einzige Sanctuarium des Osiris, von dessen Existenz in dieser Gegend überhaupt Kunde auf uns gelangt ist. Entsprechend der vorausgegangenen Wegsangabe gibt das ltinerar die Entfernung von Serapiu nach Heroopolis aber zu weit an.
2 ) Einige Male fand sich auf Denkmälern Tum als Herr von An bezeichnet, Bruysch erkannte darin das Aeant (= Pithom) des Plinius. „Der gelehrte Römer wußte, daß die Araber den Golf des Rothen Meeres, an welchem Pithom lag, Aeant nannten.“
110
Erläuterungen und Zusätze.
wie d’Amille (Mém. sur l’Égypte, p. 121 ff.), Quatrem'ere, Gliampollion, du Bois-Aimé, Lep'ere und Linant Bey vor ihm ausgesprochen haben ;
2. macht N. darauf aufmerksam, wie vorzüglich seine Funde hei el Maschüta den Vorstellungen entsprechen, die man sich den überkommenen Nachrichten gemäß über Pithom und Heroopolis zu bilden habe. Pithom war durch sein großes Lagerhaus cliarakterisirt,
Avelches die Züge der Pharaonen 1 ) durch die Wüste, die Caravanen- reisen und die Route nach Syrien erforderlich machten; Heroopolis dagegen, welches am Eingänge des Golfes lag 2 ), muß ein befestigter a
Platz mit Garnison gewesen sein, und zweifellos war es das unter den Römern, wie schon der Name „Campus Ero“ anzeigt. N. glaubt mit Linant Bey (p. 195) entsprechend den geologischen Beweisgründen annehmen zu sollen, daß unter den Pharaonen nicht nur die Bitterseen, sondern auch der Timsah und die Thäler von Saba Biar und Abu Ballah Theile des Rothen Meeres waren. „Vor der Zeit Neeho’s mag das Meer wohl bis Magfar gereicht haben, und die 3 Meilen von hier bis Heroopolis scheinen dazumal Wiesenland gewesen zu sein, auf welchem das Vieh des Königs gehütet wurde.
An dem Ende des Golfes bei Heroopolis muß sich das Zurückweichen des Meeres zuerst bemerklicli gemacht haben. Mit dem Fallen der See .bildeten sich Salzlaken, die sog. Bitterseen Strabo’s und Plinius 1 G ^
Linant (p. 178) bemerkt sehr richtig, daß die Bitterseen der Alten unmöglich den jetzigen entsprochen haben können; denn letztere sind viel zu umfangreich, als daß es möglich gewesen wäre, sie durch den Nilzufluß auszusüßen, was wir durch Strabo erfahren. Zur Zeit der Pharaonen gab es aber einige Salztümpel am Ende des Golfes bei Heropoolis, und Linant 1 s Ansicht wird auch von Plinius bestätigt, welcher sagt, „daß die Länge des Canals 37 Meilen größer sei als die Bitterseen“.
In einem Nachtrage wendet sich N. gegen Lepsius, welcher an seiner Ansicht von 1849 (vgl. S. 99) festhielt. Lepsius machte für seine Auffassung geltend, Pithom = el Maschüta stimme weder zu der Reise Herodof s nach Patumos, noch zu den im Itinerar gegebenen Entfernungen. Wie wir sogleich ausführlicher zu betrachten *
!) „Der König, welchem Pithom seine Ausdehnung und seine Bedeutung verdankte, ist zweifellos Ramsès II. Er ist, wie schon die Waffenmagazine und alle Vertheidigungswerke gegen Osten andeuten, der Pharao der Unterdrückung; er haute Pithom und Kaamses.“ „Unter der griechischen Dynastie wechselte Pithom seinen Kamen; es hieß von nun an Heroopolis (Strabo), welches die Römer in Hero (Stephanus Byzantinus) abkürzten.“
2 ) N. heruft sich auf Agathemeros, welcher sagt: „der Arabische Golf begann bei Heroopolis“ und auf Artemidoros, welcher berichtet, daß von hier die Schiffe abgingen, welche in’s Land der Troglodyten wollten.
Literarische Quellen etc.
111
haben werden, spricht die Stelle bei Herodot (II. 158) aber weder, wie Lepsius will, für ihn, noch so ganz für Nciville, wie dieser behauptet. Auch der zweite, von Lepsius vorgebrachte Einwand wird, wie mir scheint, von N. endgültig widerlegt. Denn „die im Itinerar und in der Notitia dignitatum Thou, Thohu, Tohu oder Thoum genannte Stadt ist jedenfalls nicht Tum, sondern der Name einer andern Gottheit. Es läßt sich die Möglichkeit nicht in Abrede stellen, daß Teil Abu Soliman die Lage eben dieses Thou bezeichnet. 4 Nirgends auf den Denkmälern von Pithom (el Maschüta), weder auf
denen, welche an der Intrade gefunden wurden, noch auf dem Naos, noch auf der Granittafel, noch an den Sphinxen wird einer Stadt Ramses (Pi Rameses) Erwähnung gethan, was jedenfalls nicht vermißt werden würde, wenn dieses der Name der Stadt gewesen wäre.“ Lepsius meinte, W.’s Deutung der Ruinen hei el Maschüta sei schon deshalb eine verfehlte, Aveil Pithom in Teil Abu Soliman gegeben sei, und zAvei so benachbarte Städte nie denselben Namen geführt hätten. N. erinnert indessen daran, daß auch Heliopolis, Avelches Teil Abu Soliman noch näher liegt als el Maschüta, einige Male als Pi Tum (Inscript, von Pianki) bezeichnet worden ist. Außerdem bedeutet Rameses eine Gegend, aber keine Stadt. Zugelassen daß, wie p Lepsius wollte, Ramses = el Maschüta und Pithom (Succoth) = Teil
Abu Soliman, so würde sich als seltsame Consequenz ergeben, daß die Israeliten am ersten Tage 22 Meilen westwärts zogen und dann wieder umkehrten, um auf den Weg zum Rothen Meere zu gelangen.
Es empfiehlt sich, hier unsere eigenen Betrachtungen Avieder aufzunehmen, um festzustellen, Avas sich aus den vielen vorgebrachten Gründen Unserer Meinung nach für ein Schluß auf die Lage von Pithom und Heroo- polis eigentlich ziehen läßt. Den Ausspruch Lepere 1 s: „Bei der ganzen Topographie des Isthmus spielt die noch unentschiedene Lage von Heroon oder Heroopolis die hervorragendste Rolle“, haben alle einsichtigen Männer späterhin gebilligt; bei jeder eingehenderen Avissenscliaftlichen Untersuchung, einerlei ob dieselbe historischer, nationalökonomischer oder naturwissen--, scliaftliclier Art ist, sieht sich bald früher, bald später der Forscher ge- ♦ zwungen Avegen der zAveifelhaften Lage von Heroopolis Halt zu machen. Der
Auffassung von Nciville , daß Pithom in dem Trümmerfelde von el Maschüta, Welches nördlich von dem .Lesseps’schen Süßwassercanale und südlich von dem sog. Wady- soAvie von dem alten Pharaonencanale begrenzt Avird, gefunden, wählend Ramses noch unbekannt geblieben ist, schließe ich mich unbedingt an; NavilW s Funde und Darlegungen reden dieser Annahme zu sehr das Wort, und ich habe mich in der Literatur vergeblich nach einem gegentheiligen Grunde umgesehen, welcher sich mit den von Naville vor-
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Erläuterungen und Zusätze.
gebrachten Argumenten an Beweiskraft auch nur entfernt messen könnte. Dazu kommt noch, daß Pithom, welches in den von I. Dimichen (Geograph, Inschriften altägypt. Denkmäler. IM. I. Leipzig. 1866) zuerst gesammelten Texten viermal genannt ist, das eine Mal mit dem lehrreichen Zusatze „an der Pforte des Ostens“ auftritt, welche Bezeichnung auch weit besser für die Lage von el Maschüta als für die von Teil Abu Soliman passen würde. Patumos = Pithom zu setzen, scheint mir nach der Stelle bei Herodot ebenfalls unerläßlich, und auch davon bin ich überzeugt, daß unter Thou (Thoum u. s. w.) nicht Pithom, sondern eine ganz andere Stadt verstanden werden muß. Anders liegt die Sache, wenn von Naville Pithom = Heroon — Heroopolis gesetzt wird. Diese Verallgemeinerung könnten wir nur rechtfertigen, wenn das Rothe Meer zu damaliger Zeit die ihm von Naville u. A. zugeschriebene Ausdehnung auch nach unserer Ueberzeugung besessen hat. Führt doch als zuverlässige Autorität Strabo „bei Erwähnung unserer Stadt den Eratosthenes , Artemidoros und Posidonius an und belegt durch sechs Stellen (II, S. 85; XVI, S. 759 u. 769; XVII, S. 808, 804 u. 809), daß Heroopolis bei dem Winkel des Arabischen Meerbusens gesucht werden müsse“ ( Ebers , S. 491). Schleiden (S. 117) erging sich in ziemlich scharfen Ausdrücken über d^Anville, den Begründer der von Naville adoptirten Hypothese, und Ebers (S. 520) stimmt Schleiden darin vollkommen bei. Jedoch so einfach wie diese beiden Gelehrten die Frage nach der „nördlichen Ausdehnung der Suezbucht im Alterthume“ aus der Welt geschafft zu haben glauben, läßt sich dieselbe keineswegs abthun, und sowohl die paläontolo- gischen wie auch die geologischen Verhältnisse der Suezlandenge, w r elche Schleiden als stringenten Gegenbeweis ansah l ), lassen hier im Stiche! Keinen Augenblick würde ich anstehen, durch die beiden, von Naville bei el Maschüta aufgefundenen römischen Inschriften (vgl. S. 109) auch den Beweis dafür als geliefert zu erachten, daß Heroon dicht an das ältere Pithom gegrenzt habe, und daß Clysma nur 9 römische Meilen davon entfernt gervesen sei, falls
ü Schleiden widerspricht sich ohnedies an einigen Stellen selbst, so S. 14 und S. 74, wo er in der Angabe l’lutarch’ s, daß „die Landenge von Suez da, wo sie am meisten von den Meeren zusammengedrängt wird (d. h. zwischen dem Ballahsee und den damals noch von Wasser erfüllten Bitterseen), 300 Stadien breit sei“, einen Beweis dafür sieht, daß Plinius unter dem 37 000 Schritt langen Canale den von den Ballah- zu den Bitterseen geführten Ptolemäercanal verstanden habe. Ferner befand sich auch Schleiden im vollkommenen Unrecht, als er (S. 31) schrieb: „Einige lassen den (früheren) Suezbusen bis ans Ende der Bitterseen gehen, andere bis in den Timsah- see. Die erste Meinung bedarf keiner besonderen Berücksichtigung, da sie nur aus unzulänglicher Kenntniß der Terrainverhältnisse entstanden sein kann; erreichte das Rothe Meer das Nordende der Bitterseen, so erfüllte es auch den Timsahsee.“ Der Vorwurf einer unzulänglichen Kenntniß der Terrainverhältnisse trifft in diesem Falle aber keineswegs die, gegen welche derselbe gemünzt war, sondern ganz allein Schleiden seihst; denn, auf das Niveau des Mittelmeeres bezogen, beträgt nach Linant (S. 108) die mittlere Höhe der Schwelle von Schaluf 4(2 m., die des Serapeums dagegen nach demselben Autor (S. 113) 11 m.
Literarische Quellen etc.
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sich nicht ebenso triftige Gründe geltend machen ließen, welche dagegen sprechen. Als solche sehe ich aber folgende an:
1. Beim Kilometer 150 des maritimen Canals, 83 des Süßwassercanals 1 ) bildet die Wüste eine kleine Anhöhe, auf und an welcher mächtige Granitblöcke liegen, die Trümmer zweier großer Denksteine, die zur Perserzeit von Darius aufgestellt wurden. De Bozi'ere hat sie wieder entdeckt, mit Devilliers in der Description de l’Egypte beschrieben und, wenn auch ungenügend, ahgebildet. Auf einer Stele von ungeheurer Größe befindet sich auf der einen Seite eine hieroglyphische, auf der andern eine achämenidisch- persische (Keilschrift-) Inscription. „Die Wissenschaft“, sagt H. BrugscJi (Geschichte. S. 755), „dankt es dem Scharfsinn des berühmten Keilinschriften- Entzifferers J. Oppert (Sur les rapports de l’Égypte et de l’Assyrie p. 125 ff.), den Inhalt dieser Denktafeln durch seine Uebertragungen dem allgemeinen Yerständniß zugänglich gemacht zu haben. Wir gehen im Folgenden, nach Oppert, die Uebersetzung der wohlerhaltensten und deutlichsten Steininschrift. «Ein großer Gott ist Auramazdä, welcher diesen Himmel schuf, welcher jene Erde schuf, welcher den Menschen schuf, welcher einen Willen gab dem Menschen, welcher Darius als König einsetzte, welcher dem Könige Darius dieses so große, so [herrliche] Reich übergab. Ich hin Darius, der König der Könige, der König vielsprachiger Länder, der König dieser großen Erde, in der Ferne und in der Nähe, des Hystaspes Sohn, Achämenide. Spricht Darius der König : Ich bin ein Perser. Mit Persien eroberte ich Aegypten (Mudräya). Ich befahl diesen Canal zu graben, vom Strome Namens Nil (Piräva) an, welcher in Aegypten fließt, bis zum Meere hin, welches von Persien herkommt. Hernach war jener Canal hier gegraben worden, wie ich den Befehl dazu erlassen hatte, und ich sprach : Gehet hin ! von Bira (Heliopolis? Br.) an bis zum Gestade hin zerstöret den halben Canal. So war es mein Wille.»“
An anderen erhöhten Stellen finden sich zur Seite der Spuren des alten Canals ähnliche Blöcke. „Sie sollten“, sagt Lepsius , „ohne Zweifel von dem auf dem Canale Yorbeifahrenden gesehen werden, und waren eben deshalb von so colossalen Yerhältnissen und auf einen ansehnlichen massiven Unterbau gestellt. Es ist mir nicht wahrscheinlich, daß sich Darius auf die bis jetzt bekannten drei Monumente beschränkt haben sollte. Namentlich ist der Abstand des zweiten und dritten (bei Schaluf und Serapeum) zu groß gegen den des ersten und zweiten Monuments 2 ), um nicht vermuthen
!) So nach Baedeker (S. 458); nach Ebers (S. 472) liegt der Sandhügel 2 Va Kilometer nordwärts vom Kilometer 61 des Canals.
2 ) Vergleicht man die Entfernung des dritten vom zweiten mit der des zweiten vom ersten Dariusmonumente auf der Linant 'sehen Karte, so sind, in der Luftlinie gemessen, beide Distanzen indessen annähernd dieselben ; nach Linant 's Karte befindet sich das zweite Dariusdenkmal wenig südwärts von Cabrat el chof und wesentlich entfernt von dem heutigen Schaluf.
Krukenberg, Durcliflutkung des Istlimus von Suez. 8
114
Erläuterungen und Zusätze.
zu lassen, daß wenigstens noch ein Monument sich zwischen dem zweiten und dritten befand.“ Wozu, so frage ich, standen diese Denksteine hier, und was hätten hier Canalanlagen genützt, welche Darius nicht bis zum Rothen Meere fortzusetzen wagte, wenn die Fluth des Erythräischen Meeres das gegenwärtige Ufer des Timsahsees bespült haben würde?
2. Naville verlegt die Durchgangsstelle der Israeliten in die Nähe des Serapeums und läßt diesen seichten Pfad zugleich von Schiffen passiren, die nach den südlichen Breiten des Rothen Meeres abgehen und mit Elephanten beladen glücklich zurückkehren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ohne künstliche Canalanlagen Gewässer zugleich für Menschen wie für überseeische Transportschiffe passirbar sind, und mich führt diese Ueberlegung wenigstens zu der von Naville mitbekämpften Annahme, daß die alte Canalanlage (unter den Ptolemäern) sich weiter erstreckt haben muß als bis an das westliche Ufer des Timsahsees.
3. berichtet Herodot; „Alsdann zieht er (der Canal) sich aber in Durchsprengungen hinein und läuft vom Gebirge gegen Mittag und den Südwind in den Arabischen Meerbusen.“ Hieraus geht hervor, daß der Canal nicht unmittelbar hinter Pithom in’s Rothe Meer einmündete, sondern daß er daselbst nach Süden umbog, und das würde unverständlich sein, wenn das Rothe Meer zu damaliger .Zeit das Bassin des Timsahsees mit- ausgefiillt hätte.
4. Schleiden (S. 31) belehrt uns, daß „die alten Zeugnisse von der ältesten Zeit bis auf das dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung alle dahin übereinstimmen, daß die Landenge von Suez immer genau dieselbe Breite wie gegenwärtig gehabt hat. So sagt Herodot (IY, 41): «Libyen ist aber noch auf der zweiten großen Landzunge, denn von Aegypten fängt gleich Libyen an. Bei Aegypten ist nun diese Landzunge enge, da von unserm Meere in’s Erythräische Meer 100000 Klafter sind, was 1000 Stadien sind.» Es ist durchaus unberechtigt, wie du Bois-Aimé und Lep'ere thun, 1000 Stadien = 100000 Meter zu setzen, da Herodot selbst angibt: ein Stadium = 100 Klaftern (d. s. 600 Fuß); also machen 40 Stadien eine deutsche Meile aus, und da nun die von Herodot zwischen Mons Cassius und dem Suezbusen angenommene Entfernung die Länge des nächsten Weges zwischen diesen beiden Puncten sein wird, so stimmt seine Angabe mit dem gegenwärtigen Thatbestande so vollständig überein, als sich nach den Unvollkommenheiten der Bestimmungen von Wegslängen bei den Alten überhaupt erwarten läßt. Messen wir den Weg vom Ras el Kasrun über die Ruinen von Gerreh nach Bir Abu Ruk und von hier der Westseite des Timsah- und der Bitterseen entlang, so erhalten wir 24 deutsche Meilen. Mit Herodot stimmt die folgende Mittheilung von Strabo (XVII. 1. § 21) überein: «Die Landenge zwischen Pelusium und dem Winkel bei Heroopolis
Literarische Quellen etc.
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hält 900 Stadien oder, wie Posidonius sagt, weniger als tausend und fünfhundert.» Letzterer sehr unbestimmten Angabe wird von Strabo (XI. 1. § 5 und 6) selbst alle Glaubwürdigkeit abgesprochen und offenbar ist dieselbe auch zu hoch. Noch an einer andern Stelle heißt es bei Strabo (I. 2. § 18): «Zur Länge (des Arabischen Busens) kommt noch, daß der Winkel dieses Busens von Pelusium, welches die Landenge berührt, nur 3 bis 4 Tagereisen
entfernt ist. . . ; . . der Winkel des Arabischen Busens.und die
anliegende Landenge . , welche nicht mehr als 1000 Stadien in der
3 Breite hält.» Plinius (Hist. nat. Y. 2) gibt nach dem Agrippa die Entfernung von Pelusium bis Arsinoe zu 125 römischen Meilen (Millia passuum) an, was gerade 25 deutsche Meilen ausmacht. Ptolemaeus (Geographia. Buch 8) bestimmt den Breitenunterschied zwischen Pelusium und Arsinoe, die nach, ihm unter gleichem Meridiane liegen, zu 1°20', was, wenn man den Grad des Ptolemaeus , wie er selbst bestimmt angibt, zu 500 Stadien rechnet, nicht ganz 17 Meilen ausmacht. Das letztere ist fast genau die gegenwärtige Breite der Landenge. Das Per Antoninum (Edit. Wesseling S. 170) endlich gibt die Entfernung von Clysma (etwas südlich vom Nordende des Suezbusens) bis Pelusium zu 110 römischen Meilen, also zu 22 deutschen Meilen an, was mit Ptolemaeus und der wirklichen Lage von Clysma genau Übereinkommen wird.“
f N 5. Nach Plinius (YI. 33) ist „die Sinaihalbinsel am breitesten im
Norden zwischen Heroopolis und Charax Leaena (Aila)“. Diese Bemerkung Würde unzutreffend sein, wenn Heroopolis am östlichen Eingänge zum Wady Tümilät gelegen hätte. Auch durch die Erkenntniß, daß das Aeant des Plinius = Pithom ist (vgl. S. 109, Anm. 2) wird die Beweiskraft dieser Stelle nicht im mindesten herabgesetzt.
6. „ AI Kenäy sagt in seinem Werke «Aldjend al Moghreby», der Canal sei im Jahre 23 der Hedschra (643—644 n. Chr.) gegraben und in 6 Monaten fertig gestellt, sodaß ihn schon im 7. die Schiffe passiren und sich nach Hedschas begeben konnten“ (Lepere). Selbst mit Aegyptens großartigen, dem Herrscher immer disponibelen Arbeitskräften würde ein, den halben Isthmus vom Timsahsee bis Suez durchziehender Canal in dieser kurzen Frist unmöglich fertig zu stellen gewesen sein, wenn nicht von
> früheren Generationen einem solchen Unternehmen vorgearbeitet worden wäre.
Vorausgesetzt, daß die von Navüle bei el Maschüta aufgefundenen römischen Inschriften sich hier nicht an einem unrichtigen Platze — sei es, daß sie für eine südlicher gelegene Ortschaft bestimmt, oder daß sie aus dieser auf irgend einem Wege nach Pithom gelangt waren — befinden 1 ), kenne ich keinen andern Ausweg, um diese Widersprüche zu lösen, als
P Derartige Verschleppungen haben sich, wie mich die Archäologen belehren, nachgewiesenermaßen gerade in der Römerzeit häufig ereignet.
8 *
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Erläuterungen und Zusätze.
anzunehmen, daß zwei Heroon und zwei Clysma existirten, von denen sich die einen am westlichen Ufer des heutigen Timsahsees, die anderen aber wenig nordwärts von Suez befunden haben.
Arsinoe, Kleopatris, Daneon, Cambysu, Clysma und Kolzum. Hinsichtlich der zu bestimmenden Lage der alten Ortschaften, welche sich in unmittelbarer Nähe der westlichen Spitze des Arabischen Meerbusens befanden, begegnen wir einer gleichen Meinungsverschiedenheit unter den Autoren als bezüglich der Lage von Heroopolis. Soviel ist aber sicher, daß die Orte, welche wir jetzt in Betracht ziehen wollen, keineswegs gleich- alterig sind, sondern der Zeitordnung nach etwa so auf einander folgen, wie sie in der Vorgesetzten Zeile der Reihe nach angeordnet sind. Arsinoe wurde von Philadelphus Ptolemaeus gegründet und nach seiner schwesterlichen Gattin benannt. Der erste, welcher die Stadt namhaft macht, ist Agathar- chides; er bezeichnet sie als den Abfahrtsort der das Rothe Meer Beschaffenden. Wahrscheinlich ein Theil des Ortes (Linant) oder ein sehr benachbarter Punct (Schleiden) wird von Strabo Kleopatris genannt. „Zu Anfang des
4. Jahrhunderts, als Constantin Kaiser war, gab es kein Arsinoe mehr; dieses muß nur kurze Zeit bestanden haben, an seine Stelle war gewissermaßen Clysma getreten, wie der bei el Maschüta gefundene Meilenstein (vgl. S. 109) und der Geograph Ptolemaeus (cf. Quatremere I. p. 151 ff.) bezeugen“ (Naville). Der Name Clysma findet sich weder bei Diodor und Strabo , noch bei Plinius; er tritt zuerst bei dem Geographen Ptolemaeus auf, findet sich in den Lebensbeschreibungen der Anachoreten aus dem 3. und 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und kehrt bei arabischen Schriftstellern mehrfach wieder. Daneon -wird als Hafenplatz nur von Plinius genannt, und es trägt den Anschein, daß zu dieser Zeit Arsinoe bereits verfallen und ein kleiner, sonst kaum bekannter Flecken an seine Stelle getreten war. Linant vermuthet, daß Tussün (Schech Ennedek) Daneon entspricht: eine Position, welche nur Naville zu rechtfertigen vermöchte 1 ). Auch in Bezug auf Cambysu sind wir allein auf eine Stelle bei Plinius (Hist. nat. VI. 33) angewiesen, welche folgendermaßen lautet: „Zwischen Nelos und Marchadas lag Cambysu, angelegt von den Kranken der Armee, die man hierher führte.“ Die Mitglieder der französischen Expedition unter Napoleon glaubten die Spuren dieses Ortes in dem zwischen dem südlichen Ufer der Bitterseen und Schaluf entdeckten zweiten Dariusdenkmale (vgl.
5. 113) zu erkennen, ähnlich wie sie das nördlicher gelegene dritte Darius- monument für die Reste eines Serapistempels hielten und Serapeum tauften. Ebers (S. 516) verlegte Cambysu wegen der Araberstämme, der Neler und Marchader, in deren Gebiete es liegen sollte, weiter nach Osten hin. Schleiden
J) Hören wir aber Naville: „Plinius sagt von dem Canal, daß er den Hafen der Daneon mit dem Nil verbunden babe. Dieser Name Daneon bat nicht identificirt
Literarische Quellen etc.
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hielt nach Plinius’ Worten Cambysu für ein Feldlazareth und läßt seine Lage fraglich, während Naville, um sich conséquent zu bleiben, es am Timsahsee suchen muß. Jüngeren Datums ist das arabische Kolzum, in welchem der Name Clysma wiederkehrt. Der Name Kolzum soll sich nach Schleiden schon im 4. Jahrhundert (hei Philostor gos ) als Bezeichnung des Suezbusens geltend gemacht haben, tritt dann von der Mitte des 7. Jahrhunderts ab hei den arabischen Schrifstellern allgemein auf, um zu Anfang des 16. Jahrhunderts dem Namen Suez zu weichen, welcher Ort südlicher, nach El Kachendi aber nördlicher als Kolzum gegründet wurde. Nach Quatremere (I. S. 188) soll Makrizi (1435 n. Chr.) Suez noch nicht gekannt haben, doch führt Lepère (S. 183—185) an, Suez sei nach Makrizi an der Stelle erbaut, wo Kolzum gelegen habe, läßt den Namen Suez aber trotzdem erst zur Zeit Ben Ayas ’ (1516 n. Chr.) bei den arabischen Schriftstellern an den von Kolzum treten 1 ). „In der Heise des Grafen v. Solms und des Herrn v. Breitenbach (1483—84)“, sagt Schleiden , „wird zuerst in dieser Gegend ein Feld «Choas» genannt, was wohl auf eine Verdrehung von Suez zurückzuführen ist und die Ansicht von Quatremere bestätigen würde, daß schon vor Gründung der Stadt Suez der Bezirk von Kolzum den Namen Suez erhalten habe. Daß im 16. Jahrhundert die Stadt Suez bestand, unterliegt nach den Reiseberichten z. B. von Graf Älbr. v. Loeicenstein und Peter Beton keinem Zweifel.“
Ueher Kleopatris, Daneon und Cambysu ist nichts Weiteres zu berichten, um so mehr indessen über Arsinoë und Clysma. Wir helfen uns, wie ich glaube, auch bei der Besprechung der Lage dieser Ortschaften wieder am besten dadurch, daß wir unter Zugrundelegung einer Uebersichts- tabelle die einzelnen Autoren über ihre Ansichten getrennt vernehmen.
Bu Bois-Aimé: Arsinoë = Kleopatris (entgegen seiner früheren Meinung) = Kolzum = annähernd Suez.
Clysma = am westlichen Ufer des Rothen Meeres.
(Beeisephon = Ruinen 2 1 /a Meilen nordöstlich von Suez.)
Gosselin: Kolzum I = Teil el Kolzum (nördlich von Suez).
Kolzum II (= Clysma des röm. Itinerars) = 1° südlicher als Teil el Kolzum am Fuße des Djehel Kolzum.
Clysma I = 'Ain Müsa.
werden können. Er ist wahrscheinlich ein Genitiv Pluralis und zeigt den Tribus an. Ich vermuthe den Namen auf dem Papyrus von Saneha wiedergefunden zu haben. «Als dieser von dem Sati befreit war, nahe dem See von Remuer, ging Saneha mit ihm in die Gegend von Atima, welches unter der Herrschaft des Fürsten von Tennu stand.» Dieses scheint das Wort zu sein, welches Plinius Daneon übersetzt hat, und cs würde demnach einen Nomadenstamm bezeichnen, welcher in der Nähe des Timsah- sees seßhaft war.“
P Auch hei Quatremère heißt es im Widerspruch zu seiner obigen Behauptung: „Makrizi versichert, daß zu seiner Zeit Kolzum in Trümmern gelegen und an seine Stelle Suez getreten sei.“
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Erläuterungen und Zusätze.
Lepère : Arsinoë (== Patumos — Posidium) = Kleopatris = Da- neon = Kolzum (etwas nördlich von Suez) = Santaryeh (= Syouäh = Souyeh) MakrisVs = Suez.
Clysma — 'Ain Mûsa.
Quatremère : Clysma = Kolzum = dem von Niebuhr entdeckten Ruinenhügel nördlich von Suez.
(Tauhastum = in der Nähe von Clysma.)
Lepsius: Arsinoë (= Kleopatris) — etwas nördlich von Suez.
Schleiden : Arsinoë = Teil el Kolzum. &
Cambysu vielleicht = den von der franz. Expedition Ost bei Nord von Suez entdeckten Ruinen.
Clysma = 'Ain Mûsa.
Ebers (ohne Gründe anzugeben):
Arsinoë = nordöstlich von Suez (noch östlicher als der Verlauf des gegenwärtigen maritimen Canals).
Clysma = Teil el Kolzum.
Linant : Arsinoë = Kleopatris = Serapeum (zwischen Timsah- und Bitterseen).
Clysma = Teil el Kolzum (s. Teil el Clysmel).
Daneon = Tussün (Schech Ennedeh; südöstlich vom Timsahsee).
Naville : Arsinoë (beiKemuerma d. h. Landungsplatz von Kemuer [Brugsch]) ~ Magfar (dazumal am Timsahsee = Golf von Charandra des Plinius gelegen).
Clysma = ungefähr an der Stelle des heutigen Nefîsche (südlich von Arsinoë).
(Daneon = kein Ort, sondern ein Nomadenstamm.)
Lepère* s wie du Lois-Aime* % Annahmen basiren 1. auf der allerdings wenig zuverlässigen Nachricht des Ptolemaeus , der gemäß.
Arsinoë 0.40° südlicher als Heroopolis liegt; 2. lag nach derselben
Quelle Clysma an anderer Stelle als Kolzum : 0.20° südlicher davon,
sagt Ptolemaeus, was aber zweifellos übertrieben ist, und 3. recht-
fertigt die Tabula Theodosiana (Peutingeriana ) 1 ), welche Arsinoë
westlich und Clysma östlich vom Suezbusen stellt, letzteren Ort, p
welcher ein Militärposten war, an die Mosesquellen ('Ain Mûsa) zu
verlegen. Hierin weicht indessen du Bois-Aimé von Lepère ab,
indem jener, sich berufend auf die Aussage des Ttinerarium Antonini ,
daß Clysma 68 röm. Meilen von Heroopolis gelegen sei, Clysma an
das westliche Ufer des Rothen Meeres setzt. Letztere Auffassung
stimmt mit der von Gosselin überein, welcher sagt: „Nimmt man
■) Vgl. S. 105 Anm. 1.
Literarische Quellen etc.
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Heroopolis = Suez, dann liegen, genau entsprechend dem Itinerar, zwischen Heroopolis und dem Serapeum 6 Meilen; hiernach kommt letzteres an den Eingang des Vallée de l’Égarement zu liegen, und von da sind es 16 2 /3 Meilen bis an den Fuß des Berges Kolzum, wo Clysma lag.“
Quatremêre. Von der Fülle literarischer Nachrichten, welche Q. zur Stütze seiner Ansicht vorführt, scheint mir die wichtigste immer noch folgende zu sein: „Wir lesen in der Lebensbeschreibung des heiligen Johann des Zwergen, daß dieser sich entschloß, nach der Burg von Clysma zu gehen, wo eine große Anzahl von Einsiedlern lebte. Er zog sich auf das Gebirge von St. Antonius zurück, einen Tagesmarsch von Clysma entfernt. Von Zeit zu Zeit begab er sich zur Burg, wo er fast alle Ansässigen zum Christenthum bekehrte. Nach seinem Tode wurde er an diesem Orte (Clysma) einbalsamirt und in der Kirche neben drei anderen Heiligen beigesetzt. Das Monosterium lag nach dem h. Hieronymus , nach Abu Selah wie Makrizi östlich von Atfih, südlich von Fostät, eine gute Tagesreise vom Rothen Meere entfernt: vom Ufer des Nil drei Tagereisen mit dem Kamele. Kosma, gesandt von Johann, dem 42. Patriarchen Alexandriens, gelangte in Kolzum an die Stelle, wo sich der Leichnam des b. Johann des Zwergen befand.“ Q. wendet sich hauptsächlich gegen die Ansicht Gosselin'’ s, es hätten zwei Clysma wie zwei Kolzum existirt; er macht geltend, daß sämmtliche Angaben über Clysma ( Vitae patrum , Monumenta ecclesiae graecae , St. Antonius, Makrizi, Moschus , Lucian, St. Epiphanias , Fhilo- storgos, Carta Peutingeriana) nur auf Eines lauten, der Lage nach den von Hiebuhr entdeckten Ruinen Kolzums entsprechend; „auch bezüglich Kolzums erwähnen die beiden ältesten arabischen Geographen, von denen wir Schriften besitzen: Ilm Haukal und Massudi (ebenso Makrizi, Ibn al WardyJ nur eins“, und die Lagedifferenzen (in der Breite) von Kolzum, welche sich bei Nasir-Eddm, Ulug-beig und dem Verfasser des Canon finden, beruhen nach Q. auf incor- recten Wiedergaben. „Ebenso wird überall nur Ein Arsinoë und nicht deren zwei erwähnt.“ — Wie schon Schleiden bemerkte, geht die von Q. citirte reiche arabische Literatur nicht über die Mitte des 10. Jahrhunderts (Ebn Haukal) zurück, und kann deshalb auch nur die jetzt ziemlich allgemein verbreitete Meinung befestigen, daß Kolzum früher Clysma genannt wurde, nicht aber darthun, daß dieses das Clysma der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung ist.
Nach der Erzählung des h. Hieronymus berührt der h. Hilarius auf seinem Wege von Pelusium nach Babylon Thebatum (Taubastum),
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Erläuterungen und Zusätze.
welches (nach Q.) dieser Erzählung nach zu urtlieilen, in der Nähe von Clysma gelegen haben muß.
Schleiden,: Clysma. Die Angaben des Ptolemaeus über Länge und Breite von Clysma sind offenbar verdorben, denn danach würde der Ort in’s Wasser fallen und jeder vernünftigen Vorstellung, die man sich von seiner Lage machen könnte, widersprochen werden. Doch lehrt die Angabe dieses Geographen: daß zwischen Arsinoe und Clysma ein ganzer Breitengrad gelegen ist, zusammen mit der Distanzangabe vom Serapeum, welche nach dem Itinerarium Antonini 50000 Schritt ausmacht, daß Clysma in den von Antoninus Pla- centinus und später auch von der französischen Expedition bei 'Ain Müsa gefundenen Resten einer kleinen Befestigung zu suchen ist. Damit stimmt fernerhin die Tabula Peutingeriana überein, welche den Weg von Arsinoe nach Clysma über die Spitze des Meerbusens an das Ostufer desselben führt, und die Lebensgeschichte des heiligen Sisois, aus der sich Farän und Raithu (nach C. Bitter nördlich von Farän im Wady Gurundel, nach Ebers — Tor) als benachbarte Orte ergeben. Kaum würde noch ein Zweifel auftauchen können, daß Clysma bei den Mosesquellen gelegen hat, „wenn nicht die späteren Araber ihr Kolzum, welches man den Buchstaben nach als eine Erinnerung an Clysma zu betrachten hat, ganz bestimmt an die Stelle legten, wo jetzt sich nördlich von Suez die Ruinenhügel befinden.“ In letzterem Falle handelt es sich aber nicht um das alte Clysma, sondern um eine spätere Uebertragung des Namens auf einen ungehörigen Ort, den schon Browne als die Ruinen von Arsinoe erkannte. „So wird es auch verständlich, wie z. B. Gosselin zwei Clysma annehmen konnte, obgleich nur ein wirkliches bestanden hat.“
Arsinoe. Biodor sagt: „Nach dem Erbauer des Canals heißt der durchfließende Strom Ptolemäus und am Ausflusse liegt die Stadt Arsinoe.“ Diese Stelle läßt über die Lage von Arsinoe nur noch wenige Zweifel, aber es bleibt hiernach noch fraglich, ob die Stadt östlich oder westlich vom Ausflusse lag. Nun kommt jedoch sowohl nach dem Geographen Ptolemaeus als auch nach der zuverlässigeren Tabula Peutingeriana Arsinoe südwestlich vom Suezbusen zu liegen, und die einzigen Ruinen, welche hiernach Arsinoe entsprechen können, sind die des heutigen Teil el Kolzum. „Diese Ansicht wird durch die Beschaffenheit der Ruinen noch wesentlich gestützt; denn das Gebiet der alten Trümmer theilt sich deutlich in zwei in einander übergehende Hügel, und es liegt die Vermuthung nahe, daß der eine, die ältere Stadt Arsinoe, der andere, der jüngere
Literarische Quellen etc.
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Anbau Kleopatris darstellt und daher die leichte Verwechslung beider Namen entstand“ (vgl. S. 116). Die Reste von Arsinoe in dem Ruinenhügel Q 2 Meile Ost bei Nord von der Spitze des Suezbusens zu sehen, widerspricht sowohl der Angabe, daß die Stadt am Ausflusse des Ptolemäercanals, von dem jener Ruinenhügel in gerader Linie gemessen s /4 d. geogr. Meilen entfernt ist, gelegen war, als auch ihre verbürgte westliche Lage vom Nordende des Meerbusens. In oder bei Arsinoe’s Ruinen entstand, als die Araber Aegypten erobert hatten, wahrscheinlich zum Schutz des Amrücanals Avieder ein kleines Castell, das den Namen Clysma oder Kolzum erhielt.
Linant legt einen besonderen Werth darauf, daß bei einem Volke, welches, wie die Araber, jede Ueberlieferung treu bewahrt, die Höhe nördlich von Suez noch allgemein (sowohl von den Araberstämmen, welche auf dem Isthmus selbst ansässig sind, Avie auch von den Beduinen, welche in der Umgebung des Sinai hausen) als Teil el Clysmel bezeichnet wird. Ferner ist nach dem Itinerarium Antonini 1 ) Babylon von Clysma 146 röm. Meilen (= 214126 Meter) entfernt; damit ist der Weg den Canal entlang durch das Wady Tümilät gemeint, und dieser beträgt 214 Kilometer. Auch nach dem h. Epiphanius kommt Clysma, welches hier ein befestigter Punct genannt Avird, an die Spitze des Suezbusen zu liegen. Würde man mit Gosselin Clysma an das sog. Wady Tih (darunter ist hier das Thal von el Khrouebet und Hedeb Ramlieh südAvestlich von Suez zu verstehen) verlegen, so ignorirte man alle von den Autoren und Itinerarien überlieferten Entfernungen; nach jedem derselben
J ) Nach einigen Autoren datirt dieser Reisebericht aus dem Jahre 48 v. Chr. Linant hält ihn, da Clysma zur Zeit Cäsars noch nicht erwähnt wird, für jüngeren Datums: vielleicht in das 3. oder 4. Jahrhundert fallend. Tobler läßt den Antonin um 570 n. Chr. reisen. Diesen Angaben gegenüber darf das absprechende Urtheil Ebers’ nicht unerwähnt bleiben. „Früher hat man“, sagt Ebers (8. 559), „in Frage gestellt, ob Antoninus de Placentia (er war aus Piacenza) überhaupt gereist sei, oder oh man nicht das Itinerarium des Antonin für einen zur Zeit der Kreuzzüge unternommenen Betrug zu halten habe. Während wir die die Arabia Petraea behandelnden Abschnitte ausschrieben, wollte es uns schon nicht gelingen, uns Tobler’ s und Tuch’s Ur- theile, durch das unser Itinerarium für früh entstanden und echt erklärt wird, unbedingt anzuschließen. Unser «doch wohl» deutete auf unser Widerstreben, in diesem Puncte die Ansicht zweier hochgeschätzter Gelehrter zu adoptiren. Jetzt, nachdem wir die ganze Reiseheschreibung studirt haben, sind unsere Bedenken erheblich gewachsen, und wir möchten mit dem alten Papebroch, dem ersten Herausgeber des Buchs, v. Gut- schmid u. A. m. aus inneren, an einer andern Stelle darzulegenden Gründen an der Echtheit dieses Buches zweifeln, das nicht nur durch das, was es erzählt, sondern, fast noch mehr durch manches, was es verschweigt, die ernstesten Bedenken mit Nothwendigkeit erwecken muß.“
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Erläuterungen und Zusätze.
kommt Clysma an die Spitze der Bai von Suez und nach keinem südlich davon zu stehen.
Arsinoe. Als sich zur Zeit von Philadelphus Ptolemaeus das Meer aus der Umgebung von Heroopolis zurückgezogen hatte, und die ganze Gegend von Saba Biars, Abu Ballah wie der westliche Theil am Fuße des Serapeums Land geworden war, wurde die Gründung einer neuen Hafenstadt erforderlich. So entstand Arsinoö, durch den Ptolemäercanal (Amnis Ptolemaeus) mit Heroopolis in Beziehung erhalten. Arsinoe vermochte nicht hoch zu kommen, weil die Concurrenz, welche ihm durch das gleichzeitig angelegte Berenice erwuchs 1 ), zu groß war. Durchaus zutreffend bemerkt L. : „Dieser Lage von Arsinoe (in der Nähe des Serapeums) entspricht das, was Plinius sagt, welcher uns wissen läßt, daß hei dieser Stadt die drei Wege, welche vom Mittelländischen zum Rothen Meere führten, in Einen zusammenliefen. Die Ausgangspuncte dieser drei Routen am Mittelmeere waren Gerreh, Pelusium und der Mons Cassius. Würden wir uns vorstellen, Arsinoe habe da gelegen, wo das heutige Suez steht, so erhielten wir für jenen Ort etwa die doppelte Entfernung vom Mittelmeere als nach unserer wirklichen Annahme. W T ie ließe sich dann aber der Verlauf der drei Routen mit der Angabe von Plinius in Einklang bringen? Das Isthmusbassin hat immer bestanden, auf welchem seiner beiden Ufer verliefen die Wege?“ Wie konnten (so setze ich hinzu, denn das scheint mir das Wesentlichste zu sein) sich diese drei Wege erst bei Arsinoe treffen, ohne schon weit früher (am Timsahsee) in Einem aufzugehen? „Hierauf würde sich schwer eine Antwort finden lassen.“
Die von Linant citirte und von ihm allein richtig benutzte Stelle aus Plinius würde auch mich bestimmen, Arsinoe nördlich von den heutigen Bitterseebassins statt südwärts davon zu verlegen, falls nicht ein schwerer wiegender Grund mich daran verhinderte. Ein solcher ist nicht in schriftlichen Ueberlieferungen — die Angaben Diodor’ s wie Strabo’ s widersprechen der Linant’sehen Deutung der Plinius’sehen Stelle keineswegs —, sondern in den geologischen Verhältnissen der Suezlandenge zu finden, ja selbst in diesen als solchen kaum, sondern nur in Verbindung derselben mit den archäologischen Befunden. Nach Fuchs (vgl. S. 28) reichen die recenten Ablagerungen des Rothen Meeres mit normaler Fauna am westlichen Ufer des Großen Bassins der Bitterseen nur bis Fayed, an dessen östlichem Ufer
i) So Linant (S. 166). Kaville (S. 26—28) weist hingegen darauf hin, daß Ptole- maeus Philadelphus die Gründung von Ptolemais Theron als einen der wichtigsten Erfolge seiner Regentschaft angesehen zu haben scheint, da von deren Erzählung die Tafel von Pithom voll ist, diese die beiden anderen Städte am Rothen Meere, Philotera und Berenice, aber nicht einmal erwähnt.
Literarische Quellen etc.
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nicht ganz bis el ’Ambek hinauf, und die Ablagerungen in der nächsten Umgebung der Bitterseen sind pseudosarmatischer Natur. Noch südlicher als Arsinoe und Kleopatris nach Linant zu stehen kommen, schieben sich zwischen den Timsah- und die Bitterseen die recenten fluviatilen Ablagerungen des Nil, und danach müßten die Ruinenhügel dieser Städte jedenfalls südlicher, als Linant that, gesucht werden. Auf der gesammten Strecke vom Serapeum bis Suez findet sich aber nichts von Resten vor, was, wie Schleiden zuerst betonte, so sehr den Eindruck an eine alte Doppelstadt hervorruft als Teil el Kolzum. Dieser Betrachtung gegenüber dürfte die überdies keineswegs bestimmt und unzweideutig lautende Angabe eines Compilators, wie es doch Plinius war, an Beweiskraft zurücktreten, und da scheint es mir gerechtfertigt, wenn in Uebereinstimmung mit Schleiden Arsinoe mit Kolzum und nicht, wie Linant will, mit dem Serapeum iden- tificirt wird.
Naville: Clysma. Mit der Angabe des von N. bei el Maschüta aufgefundenen römischen Meilensteines, welcher besagt „Ero — Clysma = 9 Meilen“ (vgl. S. 109) stimmt nicht die Angabe im Itinerarium Antonini überein, nach welchem die Entfernung von Ero bis Serapiu 11, die von Serapiu bis Clysma 5, also zusammen 16 röm. Meilen ausmacht. Eine der beiden Angaben muß nothwendig falsch sein; N. entscheidet sich zu Gunsten der des Meilensteines, „da dieser mit Sorgfalt gearbeitet ist und die auf dem Meilensteine (wie es in den römischen Provinzen, wo griechisch gesprochen wurde, Gebrauch war) zugleich lateinisch und griechisch angegebenen Zahlzeichen (0 bedeutet 9) das Gleiche besagen.“
Arsinoe 1 ) lag dem hieroglyphischen Texte zu Folge bei Kemuerma, d. h. nach Brugsch Landungsplatz von Kemuer. „Der Papyrus I. von Berlin berichtet, daß ein Aegypter, Namens Saneha, an den See von Kemuer, der nichts anderes als ein Bittersee gewesen sein kann, gelangt sei. Bevor er dorthin kam, passirte er eine Festung, und es ergibt sich daraus, daß schon Ramses und sein Sohn Menephtah die Verschanzungen im Wady Tümilät aufführen ließen. N. verlegt Kemuer an den Timsahsee und unter diesem See wird nach N. auch der Golf von Charandra des Plinius zu verstehen sein. Agatharchides sagt, daß von Arsinoe die Schiffe zum Rothen Meere abgingen, und Plinius berichtet, Arsinoe sei die Stadt, wo sich die drei Routen, welche vom Mittelländischen zum Rothen Meere führten, getroffen hätten. Zu Anfang des 4. Jahrhunderts, als Constantin Kaiser war, gab es kein Arsinoe mehr: das muß nur kurze Zeit bestanden haben;
J ) Nach Stephanus Byzantinus gab es in Aegypten nur zwei Arsinoe: das eine im Fajüm, das andere hei Heroopolis.
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Erläuterungen und Zusätze.
an seine Stelle war gewissermaßen Clysma getreten, was auch die Inschrift des römischen Meilensteines sowie der Geograph Ptolemäern (cf. Quatremere. I. p. 151 ff.) bezeugen.“ — „Clysma befand sich nach dem Meilensteine ungefähr da, wo jetzt Nefische liegt. St. Epiphanias sagt, Clysma war der Hauptort des einen Golfes vom Rothen Meere. Lucian erzählt von einem jungen Manne, welcher von Clysma nach Indien reiste. Philostorgos sagt ebenfalls, daß einer der Busen bei der ägyptischen Stadt Clysma geendet habe, und daß daher sein Name rühre. Nach Strabo lag Clysma am Ausgang des Canals, welcher durch die Bitterseen ging. Plinius gibt an, Philadelphus habe mit seinem Canalbau an den Bitterseen Halt gemacht, weil er befürchtete, die Gegend möchte überschwemmt werden, wenn er den Canal weiterführte. Er nennt den Canal «Amnis Ptolemaeus» und sagt, daß er an Arsinoe vorbeifloß. Diesen Angaben glaube ich entnehmen zu müssen, daß Arsinoe zur Zeit der Pharaonen an einem Sumpfbecken lag, welches durch Philadelphus schiffbar gemacht wurde, und ich setze Arsinoe an die Stelle des heutigen Magfar. Hier (und zwar nördlich von dem alten Canalbette) fanden die französischen Ingenieure im letzten Jahrhundert einige Ruinen, deren Lage der Angabe des Ptolemaeus (dergemäß Clysma südlich von Arsinoe lag) entspricht und in gewissem Maaße auch zu der Tabula Peutingeriana paßt, auf der die beiden Ortschaften durch den See getrennt werden.“
Die Auseinandersetzungen Naville’ s trifft der nämliche Einwand, welche wir gegen die Linant’ sehen Annahmen erheben mußten. Zwischen der von Naville vorgeschlagenen Position von Arsinoe und dem Nordrande des Großen Bitterseebassins schieben sich an zwei Stellen (südlich wie westlich vom Timsahsee) in ununterbrochener Aufeinanderfolge und unbedeckt gelassen von den recenten Ablagerungen des Rothen Meeres die recenten fluviatilen Bildungen des Nil. Hieraus ergiebt sich ohne Weiteres die Unrichtigkeit der Naville’sehen Vermuthung, doch läßt sich nicht in Abrede stellen, daß im Alterthum ein künstlicher Canal diese natürlichen alten Nildämme durchzogen hat. Damit ist die eine unserer Aufgaben erledigt. Wir stellen mit Naville Pithom an den Platz des heutigen el Maschüta, maßen uns über die Lage von Heroopolis kein bestimmtes Urtheil an und geben gern zu, daß sich das Rothe Meer indirect auch noch in historischer Zeit weiter nach Norden erstreckt hat als vor der modernen maritimen Canalanlage. Andererseits sind der Gründe aber viele, welche verbieten, uns der Anschauung anzuschließen, daß ohne vorausgegangene Anlage künstlicher Wasserstraßen Schiffe vom Rothen Meere direct bis zum Timsahsee gelangen konnten. Aus dieser Negation folgt unmittelbar die Be-
Reste der alten Canalanlagen.
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gründung unserer andern Ansicht, der gemäß Arsinoe und Clysma nicht nördlich von dem Bitterseehassin, sondern nur in der Nähe von Suez zu suchen sind.
Die erhaltenen Reste der alten Canalanlagen.
Die einzigen Hülfsmittel, welche sich uns bei der topographischen Bestimmung der alten Canalanlagen neben den sehr dürftigen schriftlichen Ueberlieferungen bieten, sind die Reste der Dämme und ihrer Befestigungs- werke, die sich bis auf unsere Zeit erhalten haben. Der Feuereifer, das Wady Tümilät unter Cultur zu bringen, welcher unter Mohammed Ali’s Herrschaft mit rasender Hast um sich gegriffen, doch nur um ebenso bald wieder gänzlich zu erlahmen, hat manche Spuren dieser alten Werke unkenntlich werden lassen. So ist z. B. das Bett des von Zagazick bis in’s Wady Tümilät geführten Süßwassercanals theil'weise ein altes; das Stück des Canals, welcher sich von dem Damme bei Abu Hammäd der Wüste und den Aeckern entlang durch den nördlichen Theil des Thaies bis zum Ras el Wady hinzieht, ist gleichfalls das Bett eines alten Canals, doch hatte dieser immer nur geringe Dimensionen und jedenfalls nicht die Bedeutung als derjenige gehabt, welcher den mittleren Theil des Wady einnahm. Auf der Strecke vom Bahr el Achdar (dem alten Pelusischen Nilarme) bis zum Wady finden sich auch noch Ueberreste einer alten AVasserstraße, und ein ziemlich bedeutendes Stück einer solchen ist, wie wir schon früher mittheilten, südlich von den Bitterseen auch in die Lesseps ’’sehe Süßwassercanalanlage hineingezogen. Die Spuren, welche gegenwärtig noch zu verfolgen sind oder von denen eine sichere Kunde auf uns gekommen ist, weisen an vier gesonderten Districten des Isthmus auf alte Canalhauten hin, welche, was uns hier allein angeht, thatsächlich dazu bestimmt waren, den Verkehr des Mittelländischen mit dem Rothen Meere zu erleichtern und zu beleben. Ich will nun versuchen, an der Hand der kundigsten Führer eine kurze Beschreibung der noch vorhandenen Reste dieser vier alten Canalanlagen zu entwerfen. Folgen wir zuerst Linant.
I. Vom Pelusischen Nilarme durch’s Wady Tümilät zum Rothen Meere. Noch vor 50 bis 60 Jahren sah man im nördlichen Theile des heutigen Wady Tümilät die Reste eines alten Canales, welcher aber nur geringe Ausdehnungen besaß. Er verlief vom Westen nach Osten, der Wüste und der angebauten Thalsohle entlang; nur in der Nähe von Abu Hammäd und bei Teil Retäbe trat er zu Tage. Dieser Canal war zugeworfen und diente nur noch heim Steigen des Nil als Abzugsrinne für das Wasser, welches sich im Wady ansammelte. Die Canaldämme, welche man hei Teil
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Erläuterungen und Zusätze.
Retäbe im sog. Ras el Wady vor sich hat, sind viel breiter als die bei Abu Hammäd, doch auch zum Theil schon abgetragen.
Der wichtigste unter den alten Canälen im Wady ist der, dessen Anlagen nur noch bei Teil Abu Soliman vollständig erhalten sind; von diesem Orte ab westlich bis zum Bahr el Achdar ist von den Uferdämmen nur noch sehr wenig sichtbar, da die modernen Canalisirungswerke alles zerstört haben. Bei Teil Abu Soliman jedoch sind die beiden, 80 Meter von einander entfernten Uferbänke des alten Canals noch erhalten, deren nördliches auch Reste eines Ziegelbaues, vielleicht eines Forts, aufweist. ^
Alan erkennt an dieser Stelle, daß der Canal von Westen kam und wahrscheinlich in der Nähe von Bardouanah gerade auf den Bahr el Achdar zu gerichtet war. Auf der Linie von Teil Abu Soliman nach Gawarni sind die Dammanlagen der nördlichen Canalseite gleichfalls noch erhalten; sie liegen südlich von letztgenanntem Dorfe, hinter diesem verlieren sie sich im Sande, bleiben aber auch noch hier erkennbar; so z. B. unter dem großen Sandhügel von Abu Neschabe, ja bis zum Ras el Wady hin, welches sie bei Rfege durchsetzen. An diesem Puncte vereinigt sich der Canal mit dem in nördlicherer Richtung angelegten Canalbette, welches viel großartiger als das seinige ist und ganz den Eindruck eines sehr alten und sorgfältig ausgeführten Baues macht. Nördlich von den Ueberresten dieses großen Canals verläuft, 60 Meter lang, von dem Sandhügel bei Abu Neschabe auf das Ras el Wady zu gerichtet, auch ein kleiner Bewässerungscanal aus moderner Zeit, der ohne jede Bedeutung ist.
Vom Ras el Wady wendet sich der Canal gerade nach Osten; er bleibt immer in Sicht und bei Schech Sek erreichen seine Uferwände eine beträchtliche Höhe. In Windungen geht er von hier nach Osten weiter, berührt die Südseiten von el Maschüta, Magfar und biegt hei Saba Biars ein wenig nach Südosten um, indem er Abu Ballah schon östlich von sich liegen hat. Zugleich nehmen seine Umgrenzungen wieder ein großartigeres Aussehen an: die Uferwände treten 30 Meter auseinander und bleiben so ungefähr 6 Kilometer Weges nach West-Süd-West gerichtet, parallel gelagert. Dann kommt eine Stelle, wo der Canal einen nach Ost-Nord-Ost gerichteten Seitenzweig, von welchem noch Spuren erkennbar geblieben sind, für den beim heutigen Schech Ennedek gelegenen alten Ort abgab und ein Befestigungswerk die Canalwand krönte. Von dieser Theilungs- stelle ab wird der Canalverlauf ein südlicher, in einer Entfernung von 8 Kilometer gibt der Canal etwa 1000 Meter östlich vom Serapeum einen noch deutlich sichtbaren zweiten Seitenarm nach Osten ab und verliert dann auf seinem weiter nach Süden gerichteten Verlaufe immer mehr an Ausdehnung und Regelmäßigkeit, bis seine letzten Spuren im Isthmusbassin, bei einem ehemals großen Lagerhause, dessen Mauern zum Theil noch er-
Reste der alten Canalanlagen.
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halten sind, bei Chounneh, wie es Linant dem arabischen Sprachgebrauche entsprechend nennt, verschwinden.
35 Kilometer südlich von Chounneh, 22 Kilometer nördlich von der Spitze des Suezbusens, wird das alte Canalbett bei Cabret el chof wiederum sichtbar; doch ist dasselbe jetzt viel kleiner und schlechter ausgeführt als in seinem Verlaufe nördlich von den Bitterseen und das Werk scheint überdies nicht derselben Zeitperiode anzugehören. Dieses letzte Stück des Canals läßt sich bis zu der Höhe nördlich von Suez verfolgen, und man sieht daselbst noch — sowohl am Fuße des Hügels wie auch am Meere (zwischen dieser Höhe und der Insel bei Suez, auf welcher sich der europäische Friedhof befindet) —, daß seine Uferdämme zum Theil gut gemauert waren. Das Mauerwerk am Ausgange des Canals dürfte nach Linant einer Schleusenvorrichtung angehört haben, welche dazu gedient, Wasser in den Canal hineinzulassen; an einer anderen Stelle (S. 189) verwirft er diese Ansicht aber wieder und glaubt zu wissen, daß das Gemäuer der von arabischen Schriftstellern (Massudi [f 957 n. Chr.] und Makrizi [f 1450]) erwähnten Brücke von Kolzum angehört habe.
II. Vom Timsah- zu den Ballah- und Menzalehseen. Nur auf der großen Karte von Linant finde ich die Spuren einer die Schwelle von Gisr durchbrechenden alten Canalanlage verzeichnet; dieselbe soll der von Strabo dem Necho zugeschriebene Canal sein, dessen Wiederherstellung Amrü wahrscheinlich schon unternommen hatte, als er durch Omar an der Ausführung seines Vorhabens verhindert wurde. „Die Höhe auf der Schwelle von Gisr“, sagt Linant , „wird von den Ausschüttungen eines alten Canals gebildet, welcher 40 Meter breit ist, sich zwischen den Erhebungen 80 bis 100 Meter hinzieht und auf großen Strecken vollständig geradlinig verläuft. Etwa 500 Meter vom Ufer des Timsahsees entfernt, sind die beiden Seitenwände des Canals gut zu überblicken, wenn man den Weg von Nordwesten nach Südosten, auf das Palais des Vicekönigs bei Ismailia zu, einhält. Von diesem Puncte aus verläuft der Canal in nordwestlicher Richtung, und ungefähr 1800 Meter vom Timsahsee entfernt nehmen seine Wände eine erhebliche Höhe an. Die Spuren dieses Canals sind so deutlich, daß es ganz den Eindruck macht, als sei derselbe vor noch gar nicht so langer Zeit ausgegraben. Er zieht sich, westwärts gerichtet, bis zu den Sandhügeln, welche die Untiefen der alten Lagunen des Menzalehsees (d. i. das Terrain der heutigen Ballahseen) begrenzen, und welche mit den Höhenzügen von el Ferdän in Verbindung stehen; darauf durchbricht der Canal, nach Norden sich wendend, diese Dünendämme. Gegenwärtig liegt die Sohle der Canalanlage 14 Meter über dem Spiegel des Mittelmeeres.“
III. Vom großen Bitterseebassin gerade aus zu den Ballali- seen. Am Nordostrande des großen Bitterseebassins ungefähr in der Gegend
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Erläuterungen und Zusätze.
des heutigen el Amback treten parallel und bis an das Ostufer der Ballah- seen fast geradlinig verlaufende Dammanlagen auf, welche sich auf mehrere Kilometer Länge unausgesetzt verfolgen lassen, und deren einzelne Stücke nach Brugsch’s genauer Zeichnung nothwendig so zusammengehangen haben müssen, wie es auf unserer Karte dargestelllt ist. Merkwürdigerweise sind diese Ueherreste auf Linantf s Karte nicht eingetragen. Oestlich von el Ferdän setzen sich die Dämme nach Nordwesten fort, um bald am Ballahsee ihr Ende zu erreichen. Die Einrichtung dieser Wasserstraße wird den Ptolemäern zugeschrieben, und Schleiden (S. 73) war der Ansicht, daß Strcibo wie Diodor dieselbe, wenn schon undeutlich gekennzeichnet hätten, und sich die Längenangabe in der von Plinius excerpirten Quelle allein auf sie beziehen könne. Man kann die knappen Notizen bei den alten Classikern sehr verschiedenartig deuten, und das ist auch zur Genüge geschehen. Aber gerade hier ist am meisten zu bedauern, daß nichts Sicheres und Bestimmtes vorliegt, da diese Canalanlage diejenige ist, welche die Wanderung der Thiere aus dem einen zu dem anderen Meere wesentlich unterstützen konnte. Daß dieselbe wirklich existirte, glaube ich den zoogeographischen Daten (vgl. S. 51 ff.) entnehmen zu müssen, und die verhältnißmäßig geringe Anzahl der dem erythräischen und dem mediterranen Gebiete gemeinsamen Thierformen kann uns lediglich in der Ansicht bestärken, daß die Zahl der euryhalen und der eurythermen Species überhaupt nur eine recht kleine ist.
IV. Von Phacusa direct zu den Ballah- und Menzalehseen, Die den untern Lauf des Pelusischen Nilarms in der Breite von Sälihiye mit den Ballahseen verbindenden und gewöhnlich den Ptolemäern zugeschriebenen Canalanlagen schildert Schleiden (S. 72) unter Zugrundelegung der Legere’ sehen Karte folgendermaßen: „Gewiß ist, daß Ptolemaeus Phila- delphus eine ganz neue Canalanlage nach einem viel großartigeren Plane (als Darius) versuchte und durchführte. Der Bericht darüber beim Strabo (XVII. 1. §§ 24—26) ist zwar sehr ausführlich, aber doch wohl entschieden verdorben, denn manche Dunkelheiten und Ungenauigkeiten kann man nicht auf Kechnung dieses geistreichen und klaren Schriftstellers setzen, und man muß daher Strabo’ s Mittheilung durch die Angaben von Diodor und Plinius und durch die in neuerer Zeit aufgefundenen Spuren dieses Canals ergänzen. Die Beschreibung des Canals entlehnt Strabo dem Artemidoros. Darnach zweigt sich zunächst ein Doppelcanal in der Nähe von Phacusa vom Nil ab und geht in die beiden Seen südlich von Pelusium (cf. Strabo , XVII. 1. § 26 am Ende, verglichen mit § 24). Diese Canäle sind noch jetzt zu verfolgen; der Anfang derselben von Fäküs bis Sälilffyeh ist auch noch gegenwärtig im Gebrauch, aber bei Sälihlyeh verliert sich die Fortsetzung. Auf der großen Karte der Description de l’Egypte lassen sich jedoch die beiden Zweige, durch welche er sich in die beiden Seen (den Menzaleh-
Die Nachrichten d. Alten über d. künstlichen Wasserstraßen etc. 129
und Ballahsee) ergoß, in den Terrainzeichnungen deutlich erkennen. Die eine Fortsetzung des Canals geht von Salihiyeh nach Bas el Ballah und ist auf der Karte als «Straße nach Katieh zur Zeit der Nilüberschwemmung» bezeichnet. Die andere Fortsetzung geht von Salihiyeh bis zur Verbindungsstelle des Menzaleh- und Ballahsees und heißt auf der Karte «Straße nach Katieh zur Zeit des niedrigen Wasserstandes des Nil».“
Die Nachrichten der Alten 1 ) über die künstlichen Wasserstraßen zwischen dem Mittelländischen und dem Rothen Meere.
Herodot, Buch 2. § 158. 2 )
„Psammetichs Sohn, Necho, welcher auch König von Aegypten wurde, legte die erste Hand an den Canal, welcher in’s Erythräische Meer führt und nach ihm von Darius dem Perser weitergeführt wurde. Die Länge des Canals ist zu Schiffe in vier Tagen zu durchmessen, und er ist so breit gegraben, daß zwei Dreiruder neben einander dahin fahren können. Das Wasser ist in denselben aus dem Nil geleitet und zwar ein wenig oberhalb (d. h. südlich von) der Stadt Bubastis, nach der arabischen Stadt Patumos hin, und so geht er dann in’s Erythräische Meer. Zuerst ist er nämlich in die ägyptische Ebene gegen Arabien hin eingestochen, an welche hinten das Gebirge stößt, welches sich nach Memphis zieht und die Steinbrüche enthält. Am Fuße eben dieses Gebirges ist der Binngrahen der Länge nach von Abend gegen Morgen hingeleitet; alsdann zieht er sich aber in Durchsprengungen (sc oiaacpayac) hinein, und läuft vom Gebirge (also des Djebel Mokattam, Dj. Attaka und des nördlich von beiden sich hinziehenden Dj. Auebet) gegen Mittag und den Südwind (d. h. wendet sich dann nach Süden und läuft so) in den Arabischen Meerbusen. Wo nun der kürzeste und nächste Durchweg aus dem nördlichen (Mittelländischen) Meere in das südliche, eben dieses sogenannte Erythräische, führt, das ist vom Berge Cassius,
Ö Es bereisten Aegypten:
Herodot 454 v. Chr.
Diodor 58 (oder 60) v. Chr.
Strabo 23 v. Chr.
Aristoteles schrieb seine „Meteorologica“ in Athen nach dem Archontat des Nicomachus (Olympiade 109, 4 = 341 v. Chr.) und vor der Expedition des Alexander (332 v. Chr.). Auch Plinius und Phitarch berichten nur nach Hörensagen; Ersterer war nie in Aegypten und Letzterer wahrscheinlich auch nicht!
2 ) Mit Benutzung der Ausgabe von J. C. E. Baehr (2. Aufl. Bd. I. Leipzig. 1856) nach den deutschen Uebersetzungen von A. Schöll (Stuttgart. 1828) und Schleiden (a.a. 0.), sowie nach der französischen von Larcher (Paris. 1802).
Krukenberg, Durchflutliung des Isthmus von Suez.
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Erläuterungen und Zusätze.
der Grenze Aegyptens und Syriens, gerad aus 1000 Stadien in den Arabischen Busen. Das ist der nächste Durchweg; aber der Canal ist viel länger, insofern er mehr Krümmungen hat, und bei dem Ausgraben desselben unter König Necho gingen 120 000 Aegypter zu Grunde. Necho hörte indessen mitten im Graben auf, da ihm eine Weissagung in den Weg trat, «daß er den Barbaren vorarbeite».“
Diodor von Sicilien. Buch 1. § l. 1 )
„Man schuf einen Verbindungscanal, welcher vom Pelusisclien Golfe bis zum Rothen Meere verlief. Necho, der Sohn Psammetichs, begann ihn; der Perserkönig Darius setzte die Arbeiten fort, aber er unterbrach sie später auf das Anrathen einiger Ingenieure, welche versicherten, daß beim Durchstich des Canals Aegypten überschwemmt werden würde, da sie gefunden hätten, daß dieses tiefer läge als der Wasserspiegel des Rothen Meeres. “
„Ptolemaeus II. führte das Unternehmen zu Ende; aber er ließ an den geeignetsten Stellen des Canals Schutzwehre oder sehr sinnreich construirte Schleusen aufrichten, welche bei der Durchfahrt geöffnet, darauf aber sofort wieder geschlossen werden konnten. Davon schreibt es sich her, daß die letzte Canalstrecke, welche bei Arsinoe mit dem Meere in Verbindung steht, den Namen: Amnis Ptolemaeus führt.“
Strabo, Buch 17. 2 )
§ 24. „Dann sagt er (Artemicloros ), der erste Canal für die von Pelusium Ausgehenden sei jener, welcher die sogenannten Seen neben den Morästen füllt; ihrer sind zwei, und sie liegen zur Linken des großen Stromes oberhalb von Pelusium in Arabien. Er erwähnt auch noch anderer Seen und Canäle in denselben Gegenden außerhalb des Delta. Neben dem einen See liegt auch der Sethroitische Landgau; dennoch zählt er auch diesen als einen der zehn im Delta. Uebrigens ergießen sich in dieselben Seen noch zwei andere Canäle.“
§ 25. „Ein anderer Canal aber ergießt sich in das Rothe Meer und den Arabischen Busen bei der Stadt Arsinoe, welche einige Kleopatris nennen. Er durchströmt auch die sogenannten Bitterseen, welche vormals bitter waren; als aber der Canal gezogen war, veränderten sie sich durch Zumischung des Stromes, so daß sie jetzt fischreich sind und besetzt mit Wasservögeln. Gezogen wurde der Canal anfänglich von Sesostris, vor dem Trojanischen Kriege; andere sagen: von des Psammetichs Sohne, welcher aber damit nur begann und sodann sein Leben einbüßte; späterhin vom ersten Darius, welcher das Werk fortsetzte. Aber auch Darius gab,
!) Nach der französischen Uebersetzung des Abbe Terrason (Paris. 1737).
-) Nach der deutschen Ausgabe von C. G. Groskutid (Berlin u. Stettin. 1833).
Die Nachrichten d. Alten über d. künstlichen Wasserstraßen etc. 131
Von falschem Wahne bekehrt, das schon der Vollendung nahe Unternehmen Wieder auf; man hatte ihn nämlich zu der Ansicht überredet, daß das Rothe Meer höher liege als Aegypten und, wenn die ganze Landenge durchstochen Würde, Aegypten vom Rothen Meere überfluthet werde. Die Ptolemäer, Welche den Durchstich zur Ausführung brachten, verschlossen den Canal derart, daß die Schifffahrt aus dem Canal in’s Meer hinein wie auch umgekehrt leicht von Statten ging. Von dem Niveau der Wässer wurde schon in den ersten Abhandlungen gesprochen.“
§ 26. „In der Nähe von Arsinoe liegt Heroopolis, und am Ausgange des Arabischen Meerbusens Kleopatris; ebenso finden sich dort Wohnstätten, mehrere Häfen und diesen benachbarte Seen. Hier ist auch der Phagroriopolitische Landgau mit der Stadt Phagroriopolis. Der Anfang des in das Rothe Meer sich ergießenden Canals ist bei der Burg von Phakusa, welcher sich die von Philon anschließt. Der Canal mißt 100 Ellen in der Breite, und seine Tiefe genügt schweren Lastschiffen. Die aufgezählten Ortschaften liegen der Spitze des Deltas nahe.“ § 27. „Dort findet sich auch der Bubastische Landbezirk mit der Stadt Bubastis und oberhalb desselben der Heliopolitische mit der auf ausgedehnten Erdanlagen erbauten Stadt Heliopolis.“
C. Plinius Secundus , Hist. nat. Buch 6. § 29 (bei Gosse § 33). I )
„Bei dem Aelanitischen Golfe liegt noch ein anderer, welchen die Araber Aeant nennen, und an ihm die Stadt Heroum. Zwischen Nelos und Marehadas lag Cambysu, angelegt von den Kranken der Armee, die man hierher führte. Es findet sich dort weiterhin der Hafen Daneon, von wo ein schiffbarer Canal zum Nil abgeht und so den Hafen mit dem Delta verbindet. Vom Nile bis zum Rothen Meere mißt der Canal 62000 römische Schritt (= 46 872 Toisen; in Grosse 's Uebersetzung findet sich fehlerhaft o 200 000 Schritt). Der Entwurf zu dieser Canalanlage fällt in’s Alterthum und rührt von Sesostris her. Der Perserkönig Darius hatte die gleiche Absicht. Ptolemaeus II. ließ dann den Canal wirklich bauen und ihm eine Breite von wenigstens 100 Fuß, eine Tiefe von 30 (nach anderen Ausgaben, so auch bei Grosse , von 40) Fuß und eine Länge von 37 500 römischen Schritt (= 28 350 Toisen) geben. Er führte den Canal bis zu den Bitterquellen; ihn noch weiter fortzusetzen, trug man Bedenken; man fürchtete nämlich eine Ueberschwemmung, da die Lage des Rothen Meeres 3 Armlängen (cubitus) höher gefunden war als die Sohle von Aegypten. Einige geben nicht diesen, sondern einen anderen Grund an; man habe nämlich
ü Theils nach der französischen Uebersetzung von Lepere (a. a. O.), theils hach der deutschen von G. Grosse (Frankfurt a. M. 1782).
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Erläuterungen und Zusätze.
befürchtet, das Meerwasser würde das Wasser im Nil, das einzige trinkbare, verderben. Man macht aber die ganze Reise vom ägyptischen Meere her sehr oft zu Fuß, und es gibt dazu drei Wege. Der eine führt von Pelusium durch Sandfelder; man muß Stäbe stecken, wenn man ihn wieder finden will, da der Wind die Spuren gleich unsichtbar macht. Der andere geht 2000 Schritt hinter dem Berge Cassius ab und vereinigt sich nach 60 000 Schritt mit dem Pelusischen. An ihm wohnen die Auteischen Araber. Der dritte kommt von Gerrhum, auch Adipson genannt, geht durch das Gebiet der gleichen Araber und ist 60 000 Schritt kürzer; man passirt aber rauhe Gebirge und leidet dabei Wassermangel. Alle diese Wege führen nach Arsinoe, welches Ptolemaeus Philadelphus im Namen seiner Schwester am
Golfe Charandra erbauete.Den Fluß, welcher an Arsinoe vorbeifließt,
nannte er Ptolemaeus.“
Einiges über die Canalanlagen auf der Suezlandenge im Alterthum und im Mittelalter.
Die ältesten Canalanlagen auf dem Suezisthmus. Für die ältesten Canalanlagen, für diejenigen also, an welche man jetzt die Namen Seti und Ramses knüpft, wird allgemein, ohne daß jemals ein Widerspruch dagegen erhoben worden wäre, die Abzweigung vom Pelusischen Nilarme verstanden, welche in das Wady Tümilät eintritt. Was man über dieselben Bestimmteres weiß, beschränkt sich auf die erwähnte hieroglyphische Inschrift (S. 6, Anm.) und auf die Angaben beim Aristoteles (Meteorol. I. 14. § 27), Strabo und Plinius 1 ).
Ueber den Canal des Necho würden gleichfalls keine Meinungsverschiedenheiten herrschen, falls nicht Linant, lediglich um den von ihm zwischen dem Timsah- und Ballahsee aufgefundenen Dammresten eine möglichst große Wichtigkeit beizulegen, diese auf Grund der unbestimmten Schilderung Strabo’s als dem Wasserwerke Necho’s zugehörige erklärt hätte.
i) Letronne hat nur Necho als den Erbauer des Canals anerkennen wollen. „Für die ältesten Canalanlagen ist nur Herodot Autorität“, sagt er, „der als Augenzeuge berichtet und der sagt nichts von Sesostris. Das sind später hinzugefügte Legenden, die dem Bestreben der Griechen entsprangen, die Beziehungen von Griechenland zu Ägypten möglichst alt erscheinen zu lassen. Ein Gegenstück hierzu sind die ägyptischen Colonieen des Inachus, Kekrops und des Danaus, die auch in eine Zeit zurückversetzt werden, in welcher sich das eine Land um das andere noch nicht im geringsten kümmerte. Als Aristoteles seine Meteorologica schrieb, war der Canal außer Gebrauch, und so konnte er auch glauben, derselbe sei nicht fertig geworden. Uebrigens beweist der Umstand, daß Aristoteles von dem Unternehmen Necho’s nichts gewußt hat, seine mangelhaften Kenntnisse von dem Canal. Die irrige Ansicht der späteren Schriftsteller (Diodor, Strabo und Plinius) erklärt sich dadurch, daß diese von den Geschichtsschreibern der Ptolemäer stark beeinflußt wurden.“
Einiges über die Canalanlagen auf der Suezlandenge etc. 133
Als einzigen Halt, die Stelle Strabo' s zu Gunsten seiner Idee deuten zu sollen, weiß Linant (S. 187) nur geltend zu machen, daß Strabo weder Bubastis noch Patumos, sondern nur als Ausgangsstelle des Canals den Arabischen Meerbusen bei Arsinoe namhaft macht.
Auf ebenso schwachen Füßen wie Linant' s Annahme des erst von ihm in seinen Resten aufgefundenen Nechocanals steht die Construction eines eigenen Dariuscanals, welche Schleiden versucht hat. Halten wir uns bei Bestimmung dieses Canalverlaufs an die Lage noch bestehender Ortschaften, so läßt Schleiden denselben in directer Linie von el Maschüta über 'Agrud bis zum Rothen Meere (bei Suez) fortgeführt sein. Was Schleiden zu dieser Vorstellung bewog, sind folgende Ueberlegungen: 1. Die mitgetheilte Stelle bei Herodot erlaubt nicht den Canal noch über el Maschüta hinaus nach Osten weiter verlaufen zu lassen, da hier der Terrainverhältnisse wegen „Durchsprengungen“ unmöglich waren und alsdann auch die Bitterseen (als ein wesentliches Moment) nicht zu umgehen gewesen wären, von denen Herodot aber nichts erwähnt. Den Canal den angegebenen Weg ziehen zu lassen, findet 2. weitere Stützen darin, daß es zwischen el Maschüta, 'Agrud und Suez in der That ein felsiges Terrain zu durchbrechen galt, „was dem Necho, der zuerst diesen Weg versucht haben wird, leicht 120000 Menschen kosten konnte.“ Sowohl von Pococke wie auch von Werli sind auf der Strecke von 'Agrud nach Suez alte Dammanlagen beobachtet, welche nach Schleiden dem Dariuscanale recht wohl angehört haben könnten; 3. würde die Länge des Canals in der von Schleiden angenommenen Richtung etwa 18 deutsche Meilen betragen, was, wie er meint, für eine viertägige Canalfahrt, von der Herodot spricht, gewiß nicht zu viel sei. Der entscheidende Beweisgrund, der gegen Schleiden 1 s Hypothese anzuführen ist und dieselbe völlig hinfällig macht, ist: daß bei dem, von Schleiden angenommenen Verlaufe die sämmtlichen drei Dariusmonumente ganz abseits von der Canalanlage zu stehen kommen, während sie, ihren Inschriften nach zu urtheilen (vgl. S. 113), in unmittelbarer Nähe des Canals gelegen haben müssen. Schleiden gibt selbst an, daß schon wenige Jahrhunderte vor Herodot das Rothe Meer seine nördlichste Grenze noch im Timsahsee erreicht habe; warum soll dasselbe nun, nach Schleiden’?, eigenem Maßstabe (S. 14) gemessen, zu Darius’ Zeiten nicht noch durch einen ebenfalls von Darius künstlich erweiterten Verbindungsweg auf der Suezbarre, die Bitterseen erreicht haben, warum sollen „Durchsprengungen“ im Sinne Herodot' s auch an der Schwelle beim Serapeum von vorn herein ausgeschlossen sein? — Darin stimme auch ich mit Schleiden 1 ) überein, daß die Aussage des Herodot , „der vielleicht kaum 60 Jahre nach Vollendung des Werkes
0 Diese üelierlegung stammt von Lepsius (S. 350) her.
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Erläuterungen und Zusätze.
sich längere Zeit in Aegypten aufhielt und über Alles sehr genaue Er« kundigungen einzog“, schwerer in’s Gewicht fällt als die Angabe des 100 Jahre späteren Aristoteles oder als die des fast 500 Jahre späteren Strabo’s, des Compilator Plinius gar nicht zu gedenken, — und daß deshalb auch, da Herodot den Dariuscanal ganz bestimmt als vollendet beschreibt, derselbe trotz den gegentheiligen Nachrichten hei den späteren Schriftstellern wohl fertig gestellt und passirbar gewesen sein wird.
Der Canal des Ptolemaeus. Die größte Meinungsverschiedenheit herrscht darüber, was unter dem Amnis Ptolemaeus zu verstehen resp. wie der« selbe verlaufen ist. Seinen Anfang an den südlichen Hand der Bitterseen und seinen Ausgang in die Nähe von Suez zu verlegen, ging natürlich hei denen nicht an, welche die Fluthen des Rothen Meeres noch zur Zeit der Ptolemäer das Serapeum (Linant) oder selbst die Gegend des heutigen Magfar (Naville) erreichen lassen. Unter den Mitgliedern der französischen Expedition versuchte besonders du Bois-Aimé den Nachweis zu liefern, daß Arbeiten, welche die Ptolemäer ausführen ließen, um dem Meere nördlich von Arsinoë eine gewisse Tiefe zu geben, allein daran die Schuld trügen, daß man dem, in die Bitterseen eintretenden Arme des Rothen Meeres den Namen «Amnis Ptolemaeus» beigelegt habe. Die Strecke von 37000 Schritt, bis zu welcher die alte Canalanlage unter den Ptolemäern (nach Plinius ) verlängert wurde, ist nach du Bois- Aimé die vom Ras el Wad y bis el Maschüta. Daß die Bitterseen das Isthmusbassin ausgefüllt und Ptolemaeus Philadelphus den Theil des Canals ausgeführt habe, welcher jene mit dem Rothen Meere verbindet, würde nach ihm ein doppelter Irrthum sein ; denn 1. gehörte dieser sog. Verbindungscanal damals noch zu dem Golfe des Rothen Meeres, und 2. hätte es zur Herstellung einer solchen Verbindung nur eines Canales von 3—4000 Schritten bedurft; die 37000 Schritt entsprechen dagegen der Länge von Suez bis zum Serapeum. Ferner wird die „Wasserrinne“, welche Ptolemaeus bei Arsinoë anlegte, und welche Plinius als Amnis Ptolemaeus von dem Canalis Ptolemaeus unterscheidet, nur als ein Torrent gedeutet: dazu bestimmt, das Regen- und Quellwasser von den Höhen des Vallée de l’Égarement den Bewohnern der Stadt für ihren Lebensunterhalt zuzuführen. Diese Canalanlage würde demnach mit dem eigentlichen Canale des Ptolemaeus garnichts zu schaffen haben, und konnte nach du Bois- Aimé 7 s Meinung nur von denen mit dem Canale zusammengeworfen werden, welche sich niemals an dem Orte selbst befunden haben. So wurde, fährt du Bois-Aimé fort, dem Ptolemaeus auch die Anlage von Schleusen und Dämmen in der Nähe des heutigen Suez zugeschrieben, welche damals ganz nutzlos gewesen sein würden und zweifellos garnicht existirt haben. Linant (S. 166 u. 194), der das Ufer des Rothen Meeres zur Zeit des Ptolemaeus Philadelphus bis zum Serapeum reichen läßt,
Einiges über die Canalanlagen auf der Suezlandenge etc. 135
schließt aus den sich widersprechenden Angaben von Plinius und Diodor , daß der Canal vom Ptolemaeus bis etwa in die Gegend des heutigen Abu Ballah fortgeführt und nach der Gründung von Arsinoe durch den Amnis Ptolemaeus mit dem Rothen Meere (bei dem sog. Serapeum) verbunden worden sei. Linant erläutert seine Auffassung durch eine besondere Zeichnung, doch sind die Gründe für seine Annahme aus der bildlichen ebenso wenig als aus der schriftlichen Darstellung zu errathen oder vielleicht richtiger ausgedrückt: zutreffende Gründe gehen seiner Ansicht ab. Navüle ’s Auffassung unterscheidet sich von der hinauf s nur dadurch, daß Ersterer aus der Bemerkung des Plinius den Schluß ableitet: Arsinoe habe an einem Sumpfbecken gelegen, welches durch den Amnis Ptolemaeus schiffbar gemacht wurde, und welches an der Stelle des jetzigen Dorfes Magfar zu suchen sei. — Den Ansichten dieser Autoren treten wir nicht bei, sondern bleiben der alten Auffassung treu, der gemäß der Amnis Ptolemaeus einen integrirenden Bestandtheil des Ptolemäercanales ausmachte, indem er das südliche Ende der Bitterseen mit dem Rothen Meere verband und von Cabrat el chöf bis in die Nähe von Suez gereicht haben muß.
Bezüglich dieses Canals enthält ein Aufsatz von Letronne (L’isthme de Suez. Revue des deux mondes. 4 Ser. T. 27. Paris. 1841. p. 215—235) folgende nicht unwichtigen Notizen: „Die Angabe des späteren Plinius: Philadelphias habe den Canal nur bis zu den Bitterseen geführt, fallt gegenüber der von Herodot nicht in’s Gewicht, und Plutarch ’s Mittheilung von der verunglückten Flotte der Kleopatra widerspricht nicht der Annahme, daß der Canal unter den letzten Lagiden noch passirbar war. Auch Plutarch schrieb erst 120 Jahre nach der Begebenheit und schöpfte bei seiner Lebensbeschreibung des Antonius nicht aus so vorzüglichen Quellen als bei seinen Memoiren des Augustus. Vergegenwärtigen wir uns aber, daß der Canal im besten Falle nur 2 m. Tiefe besaß, so mußte die Schifffahrt von den Nilanschwellungen sehr beeinflußt werden. Der niedrigste Wasserstand des Nil währt von März bis Ende Juni; aber lange vor und nach diesem Zeitraum wird die Schifffahrt auf dem Canale schon darniedergelegen haben. Die Schlacht bei Actium fand am 2. September 31 v. Chr. statt, und aus den Ereignissen nach der Schlacht ergibt sich, daß Antonius die Kleopatra nur in den ersten Monaten des Jahres 30, im Februar oder noch später, also jedenfalls bei niedrigem Wasserstande, eingeholt haben kann (cf. Dru- mann, Geschichte Roms. Th. I. S. 486 ff.). Die ersten Schiffe der Kleopatra, welche den Canal passirt hatten, wurden von dem in Petra ansässigen Araberstamme verbrannt.“
Der mit Schleiden auch von uns angenommene zweite Ptolemäercanal, welcher von dem Menzalehsee zu dem Timsahsee direct verlief, wird wie jede andere alte, Meer mit Meer ohne Vermittlung des Nil verbindende
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Erläuterungen und Zusätze.
Canalanlage von Letronne in Abrede gestellt. Nach diesem vortrefflichen Alterthumsforscher „haben die alten Canalanlagen immer den indirecten, niemals den directen Weg eingeschlagen, und zwar 1. weil das Delta von der Wasserstraße, deren Hauptzweck in den Getreideexporten nach Arabien bestand, an erster Stelle hat profitiren sollen, und 2. weil ein dauerhafter Hafen an der Küste von Pelusium — weniger der dortigen Terrainverhältnisse als der beständig von Westen nach Osten gerichteten Luftströmung wegen, die jeden Hafen östlich von der Nilmündung zum Versanden bringen mußte — nicht herstellbar war“. Als dritten, jetzt aber hinfällig gewordenen Beweisgrund führt L. auch noch die Niveaudifferenzen beider Meere an. Die uns erhalten gebliebenen Spuren der Ptolemäeranlage sprechen aber zu überzeugend gegen die Ansicht von Letronne.
Der Amnis Trajanus. Schleiden , der die Nachrichten der „phantasierenden“ späteren arabischen Schriftsteller über den Trajans- und Hadrianscanal nicht gelten lassen will, betrachtet nach den von ihm citirten Zeugnissen des Ptolemaeus, des Julius Honorius Orator (vielleicht im Anfang des 5. Jahrhunderts) und der Kosmographie des Pseudo-Aethicus doch wenigstens soviel als festgestellt, „daß der Theil des Ptolemäercanals, der die Bitterseen füllte und der sie mit dem Rothen Meere verband, noch im 3. Jahrhundert vorhanden und wahrscheinlich von einem schmeichelnden Statthalter dem Trajan zu Ehren umgetauft war“. Schleiden konnte es dabei aber nicht entgehen, daß der Notiz beim Ptolemaeus: «Der Trajans- fluß fließt durch (Heroopolis) und die Stadt Babylon», zugleich zu entnehmen ist, daß die noch jetzt bestehende Verbindung des Wady-Canals durch den Bahr el Achdar und den Cairocanal mit dem Nil in der Nähe des alten Babylon schon vor Ptolemaeus fertig gestellt sein musste, und daß vielleicht ein Versiegen des Pelusischen Nilarms diese neue Canalanlage nothwendig gemacht hatte. Dieser später als «der Canal des Fürsten der Gläubigen» bezeichnete, künstlich hergestellte Wasserlauf wird von den arabischen Schriftstellern einstimmig dem Trajan öder was chronologisch ziemlich dasselbe besagt, dem Hadrian zugeschrieben, und da liegt doch wohl genug Veranlassung vor, sich etwas genauer in der Literatur umzusehen, bevor man sich wie Schleiden zu der Behauptung versteigt, daß wir aus den alten Quellen so gut wie nichts vom Trajanscanal und absolut garnichts von einem Hadrianscanal erfahren. Schon die Brochiiren von Letronne hätten Schleiden zu. einer andern Auffassung bekehren können, doch waren dieselben ihm unbekannt geblieben.
Letronne sagt: „ Lepere wie de Posiere haben bezweifelt, der Hadrianscanal sei für den Schiffsverkehr bestimmt gewesen. Daß daran nicht zu zweifeln ist, geht nicht nur aus den Zeugnissen arabischer Schrifsteller, die ausdrücklich angeben, der Canal habe der Schifffahrt gedient, sondern
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auch aus der Stelle beim Lucian (vgl. S. 124) 1 ) und noch mehr aus dem Geschichtswerke des Gregorius von Tours 2 ) hervor. Dort heißt es gleich am Anfänge: «... super ripam vero ejus (d. li. Nili) non Babylonia de qua supra meminimus, sed Babylonia altera civitas (d. i. Fostät) collocatur, in qua Joseph Horrea (d. s. die Pyramiden) miro opere de lapidibus quadris et coemento aedificavit . . . ante dictus vero fluvius ab Oriente venieus ad occidentalem plagam versus (d. h. usque ad) Rubrum mare vadit; ab occi- dente vero stagnum sive brachium de mari Rubro progreditur, vadit contra orientem, babens in longo millia circiter quinquaginta, in lato autem decem octo; in hujus capite Clysma civitas aedificata est; non propter fertilitatem loci, cum nihil sit plus fertile; sed propter portum; quia naves ab Iudiis venient.es, ibidem ob portus opportunitatem quiescunt; ibi comparatae merces per totam Aegyptum deportantur.»“ Letronne setzt hinzu: „Die Länge des Suezbusens beträgt 20 Meilen =1°, und seine mittlere Breite 4—5 Meilen, was also mit der Angabe Gregor’’ s übereinstimmt; der Golf erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten und Gregor ’s Ausdruck: «ab occidente contra orientem» ist dadurch ebenfalls gerechtfertigt.“ „Die Mehrzahl der Pilger“, so fährt Letronne fort, „welche seit dem 4. Jahrhundert zu den heiligen Orten Palästina^ wallfahrteten, unterließen es selten über Aegypten zu gehen, um dort die Einsiedler in der Thebaide zu besuchen. Sie landeten in Tennis, fuhren den Nil hinauf, begaben sich auf dem Canal an das Ufer des Rothen Meeres, um das Theater und die Ruinen aus der Zeit des Pharao zu betrachten, und besuchten, bevor sie sich nach Jerusalem begaben, auch noch die durch den Aufenthalt des Moses und der Israeliten geheiligten Plätze.“ — „Jedenfalls ergibt sich aus der Stelle bei Gregor , daß der Hadrianscanal wenigstens noch zu Anfang des 6. Jahrhunderts schiffbar war, und daß Procope, der Beschreiber der Thaten Justinian’s, den Canal nicht erwähnt, kann nur darin seinen Grund haben, daß dieser nicht über Alles sprechen wollte, und der Canal möglicherweise zu dieser Zeit, wo die Vertheidigung hauptsächlich den von der Nordküste andringenden Barbaren galt, auch ganz vernachlässigt wuirde.“
Lepere’’ s Ansicht erfahren wir aus dessen Auszuge des Alfergan. Dieser lautet: „Der Ueberlieferer fügt hinzu, daß Maler izi in seinen Commentarien über Aegypten unter anderen Folgendes berichte: «Der Fürst, welcher zum zweiten Mal den Canal (von Cairo) graben ließ, ist Kaiser Hadrian; sei es, daß dieser den unter den Auspicien Trajans bereits begonnenen Canalbau zu Ende führte, oder sei es, daß er sein alleiniger Schöpfer resp. Wiederhersteller ist». Am wahrscheinlichsten ist es, daß der größte Theil der
0 Lucian’s Bluthezeit fällt nach II. Dodwell und de Sainte-Croix ungefähr in die Jahre von 160—170 n. Chr.
2 ) Gregorius von Tours ist 544 geboren und hat sein Werk gegen 590 geschrieben.
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Erläuterungen und Zusätze.
Canalarbeiten unter Hadrian ausgeführt wurde, und daß dieser, als Trajan’s Stiefsohn, dem Canale den Namen seines Vorgängers heilegte. Verschiedene Inschriften und Steingravirungen deuten das an. Nichts steht also der Annahme im Wege, daß der Trajanscanal nicht der eigentlich erst von Hadrian hergestellte ist. Nach unserem arabischen Gewährsmann ist dazu- mal der Canal aber zum zweiten Mal ausgehoben; denn kurz vorher sagt er, der Canal sei zur Zeit Abrahams von einem altägyptischen Könige angelegt worden.“ Gegen diese Schlußfolgerungen Lepere’ s macht Schleiden nur mit Unrecht geltend, daß Trajan, soviel wir wissen, nie in Aegypten gewesen wäre und sich auch um die Canalisirung Aegyptens schwerlich gekümmert hätte. Zutreffender erinnert er aber gleich Letronne daran, daß die Stimmung Hadrians für Trajan keineswegs eine günstige gewesen ist, und ich muß auch noch darauf hinweisen, daß, wie schon aus dem Schlußsätze Lepere’ s hervorgeht, der Pharaonencanal von Makrisi wie von Alfergan mit dem Amnis Trajanus zusammengeworfen wurde.
Die schätzenswertheste neuere Arbeit, welche den Trajanscanal behandelt, ist die geistreiche Schrift von Letronne: L’isthme de Suez (a. a. 0.), Diese enthält etwa Folgendes: „Daß der von den Ptolemäern angelegte Canal unter den ersten römischen Kaisern noch im Betriebe war, ist kaum zu bezweifeln. Die (nach dem Zeugnisse Strabo’s [XVII, p. 788 u. Anm. von Gosselin in der franz. Uebersetzung T. V. p. 318]) unter Augustus auf die Canalbauten verwendeten Bemühungen und die gute Verwaltung Aegyptens unter seinen Nachfolgern erlauben nicht anzunehmen, daß der Canal, welcher den Verkehr mit Indien und dem Rothen Meere so gehoben und belebt hatte, vernachlässigt worden sei. Auch noch Plinius bezeichnete den Canal, welcher bei Arsinoe mündete, als navigabilis alveus. Er erhielt ihm den Namen Amnis Ptolemaeus, welcher his zur Zeit des Diodor von Sicilien gebräuchlich blieb. Den vier ersten Cäsaren bot sich keine Gelegenheit, an dem Canale größere Neubauten auszuführen, welche ihre Namen daselbst hätten verherrlichen können. Doch zur Zeit des Geographen Ptolemaeus war der alte Name außer Brauch gekommen und an seine Stelle: Amnis Trajanus getreten. Ptolemaeus (Geogr. IV. 5. p. 106) sagt, daß dieser Canal nach Heroopolis und Babylon geführt habe, und daraus folgt, daß die neue Bezeichnung sich auf seine gesammte Ausdehnung bezog, und daß das Verdienst des Trajan sowohl in einer ausgedehnten Reparatur des dem Rothen Meere benachbarten Canalendes wie auch in der Einrichtung einer neuen Wasserstraße bestand, die bei Babylon sich vom Nil abzweigte und den Zweck hatte, dem alten Canalbette mehr Wasser zuzuführen. Makrisi spricht nur von einem Hadrianscanal und d’Anville wie Lepere haben sich dadurch zu der Ansicht verleiten lassen, der Canal sei erst von Hadrian wiederhergestellt, welcher auf Monumenten unter anderen auch den Namen
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Trajan führt. Doch ist es jedenfalls sehr unwahrscheinlich, daß Hadrian bei seiner Rivalität gegen Trajan einer Canalanlage den Namen seines Vorgängers gegeben hat, und Makrizi, der viel später lebte, ist in diesem Punkte auch nicht als Autorität zu betrachten. Die Angabe des Ptolemaeus stimmt überdies zu den Thatsachen, welche sich bei der Wiederauffindung der alten Porphyrbrüche ergeben haben. Diese Brüche, aus welchen die Römer den herrlichen Stein zur Ausschmückung ihrer Tempel, Basiliken, Paläste und Bäder bezogen, sind lange unbekannt geblieben. Winkelmann (Hist, de Part. Livre II, c. 21 § 29) und selbst noch Visconti (Museo Pio Clement, édit, de Milan. T. VI. p. 247) verlegten sie nach Arabien; andere auf Grund des Plinius und Ptolemaeus mit mehr Recht in die Thebaide, ein wenig oberhalb der Route von Kene nach Kosse'ir; in dieser Gegend zwischen 27 u. 28° nördl. Br. haben sie dann auch Burton und Wilkinson, 1821 resp. 1822 entdeckt.“
„Die Porphyrbrüche befinden sich neben den Resten einer alten Stadt in den Höhenzügen am Djebel Dokhan, und es sind daselbst noch die Werkräume vorhanden, wo der Porphyr ehemals bearbeitet wurde. Beim Djebel Fateereh, etwa 80 km. südlicher, sind auch die Reste einer alten Stadt, welche 1500—2000 Einwohner gehabt haben mag, nachweisbar. Hier findet sich aber nur Granit, und von seiner Bearbeitung zeugen in den Brüchen noch eine Menge fertiger wie unfertiger Säulen verschiedenster Größe und bis zu 18 m. Länge. Sicherlich nur kleinere Sachen ließen sich, wie die Entdecker der Brüche wollen, aus dem 80 oder 100 km. vom Flusse entfernten und durch mehrere Querthäler davon getrennten Brüchen auf dem Nil nach Alexandrien schaffen; größere Gegenstände (wie z. B. die Porphyrwannen in der Bibliothek und dem Museum des Louvre, die 4 m -05 resp. 8 m -25 im Durchmesser haltenden Porphyrgefäße im Vatican und im Museum von Neapel, die Grabdenkmäler der heiligen Helene und Benedict’s XIII., die 11 Fuß hohe Statue des Diocletian) sind mit ziemlicher Gewißheit aus den Brüchen nach Myos Hormos transportirt. Besonders gilt das für die Producte aus dem Djebel Fateereh, den mehrere Quergebirgszüge vom Nile trennen; diese, wenn schon nicht sehr hoch, müssen den Transport der über 12—15 m. langen Säulen, von denen wir noch die Reste am Monte Citorio und in den Thermen des Diocletian antreffen, unmöglich gemacht haben. Zwar auch dem Meere zu boten sich Schwierigkeiten, doch waren hier die Blöcke (ähnlich wie auf Elba und bei Syene) viel leichter auf einem abschüssigen Terrain nach abwärts zu bewegen. Am Meere lagen die beiden Hafenplätze : Myos Hormos und Philotera. Die Tempelinschriften hei den Steinbrüchen besagen, daß viele Verurtheilte in den Brüchen arbeiten mußten; die große Zahl der Verbannten und die damit verbundenen Gefahren machten eine Trennung der Gefangenen in zwei Abtheilungen er-
140 Erläuterungen und Zusätze.
forderlich, und diese ihrerseits ließ auch wohl vornehmlich die beiden Hafenstädte nothwendig werden. Der Porphyr ist von den alten Aegyptern nie zu Steinarbeiten verwendet worden; man findet davon keine Andeutung weder auf großen, noch auf kleinen Denkmälern, welche von rein ägyptischem Style sind. Den Aegyptern standen so viele schöne Gesteinsarten: Granit, Basalt, Alabaster, Breccien etc. zur Verfügung, daß sie den Porphyr, dieses härteste aller Gesteine, liegen ließen oder auch w T ohl nicht zu bearbeiten verstanden. Nach Plinius (XXXVI, cap. 7, § 57) war es der Pro- curator Vitrasius Pollion, welcher dem Kaiser Claudius die ersten, noch jetzt vorhandenen Porphyrstatuen schickte. Visconti (a. a. 0., T. VI, p. 247) nimmt an, daß zu dieser Zeit die Porphyrbrüche erst entdeckt sind, und dafür sprechen auch zwei von Gardner Wükinson (cf. Lctronne, Recueil des inscriptions latines et grecques de l’Egypte. Vol. I. 1842. p. 143 ff.) mit- getheilte Inschriften — eine aus der Zeit des Trajan, eine andere aus den ersten Jahren des Hadrian —, welche die Steinbrüche am Mons Claudius gelegen sein lassen. Beim Djebel Fateereh, wo man den Granit aushob, bezeugt eine andere Inschrift, daß diese Brüche später (gegen das 12. Jahr des Trajan) in Arbeit genommen worden sind; in dieser Zeit ei'hielt der Steinbruch den lateinischen Namen Fons Trajanus, oder griechisch 'T§psopa Tpoüavov: Bezeichnungen, welche die alte Geographie bislang nicht kannte. So findet die Angabe des Ptolemaeus von dem Trajanscanale durch diese Inschriften ihre Bestätigung, und macht es zugleich -wahrscheinlich, daß der Canal nur deshalb wiederhergestellt wurde, damit der aus den Brüchen gehobene Granit von Philotera aus zu Schiff auf den Nil gelangen konnte. Als die Steinbrüche verlassen wurden, verfiel auch der Canal. Nach der Stelle bei Lucian (vgl. S. 124) — die deshalb so werthvoll ist, weil Lucian zu verschiedenen wichtigen Arbeitsleistungen in Aegypten selbst ausgebildet worden war — zu urtheilen, befand sich die Canalschifffahrt in den ersten Jahren des Antonin noch in voller Thätigkeit. Die späteren Schriftsteller sprechen von dem Canalverkehr nicht mehr, und so darf es wohl als das Wahrscheinlichste betrachtet werden, daß derselbe während des glanzvollen Jahrhunderts unter den Antoninen, welche alle Quellen der Glückseligkeit dem Kaiserreiche zu erhalten bestrebt waren, in Thätigkeit blieb. Durch ein sorgfältiges Studium der Localitäten hat Gardner Wükinson festgestellt, daß die Niederlassung am Djebel Fateereh kurz nach der Herrschaft Hadrians verlassen wurde, und die dort Vorgefundenen Capitäle, Säulen etc. deuten an, daß die Arbeiten plötzlich eingestellt worden sind. Sollte der Grund nicht in dem Aufhören der Canalschifffahrt zu suchen sein ? Auch eine zu Syene gefundene Inschrift (copirt von Belzoni und Caülaud , und mit der Sammlung Mimaut dem Museum des Louvre einverleibt) spricht zwischen 205 und 209 (gleichzeitig also mit der Herrschaft des Septimus
Einiges über die Canalanlagen auf der Suezlandenge etc. 141
Severus und seiner Söhne) von neu entdeckten Steinbrüchen, aus denen man Pilaster, große und viele Säulen bezog, und welche somit damals im Großen ausgebeutet werden mußten. Zwar entstammt das Material zur Pompejus- säule diesen neuen Brüchen, aber alle übrigen Befunde weisen doch darauf hin, daß von nun ab bei den Decorationen der Gebäude, der öffentlichen Plätze, der Triumphbogen u. s. w. von den Monolithen kein Gebrauch mehr gemacht wurde. Hiernach scheint es mir, daß das Verlassen der Brüche am Djebel Fateereh durch die Versandung des Canalbettes herbeigeführt wurde, und daß in Folge dessen auch die neuen Steinbrüche bei Syene in Angriff genommen worden sind. — Auf die Porphyrbrüche am Djebel Dokhan übte die Canalversandung einen weit geringem Einfluß; die in diesen gebrochenen Stücke waren kleiner und ließen sich anderweitig transportiren. Eine Stelle bei Eusebius (Hist, eccles. Lib. VIII, c. 8 [de martyr. Palaest.]) lehrt in der That, daß unter Diocletian die Porphyrbrüche noch in regem Betriebe waren, daß man nach dort die Christen schickte und sie zu diesen schweren Arbeiten verdammte. Ferner folgt aus den Nachrichten bei Paulus Silentius (Descr. S. Sophia. I. v. 379, 380, 625—627), daß sie auch noch später ausgebrochen und die Porphyrstücke auf dem Nil fortgeschafft wurden. So befinden sich die Angaben der alten Schriftsteller und die neueren Befunde in bester Uebereinstimmung, und der Canal hat demnach während seiner ersten Periode (von Ptolemaeus Philadelphus bis zum Ende der Regierung von Marc Aurel oder vielleicht bis auf Septimus Severus) 5 Jahrhunderte ununterbrochen der Schifffahrt gedient.“
Der Canal des Amrü. Die Nachrichten der arabischen Schriftsteller, auf welche sich unsere Kenntnisse des sog. Amrücanales gründen, sind von Lepere, Quatremere und Seetzen übersetzt, und Schleiden hat, hei gleichzeitiger Mittheilung ziemlich aller dieser Urkunden, nicht ohne Geschick einer jeden derselben ihren verdienten Platz angewiesen. Es würde danach vollkommen überflüssig sein, hier eine neue Verdeutschung jener Schriftstücke anzustreben, und ich beschränke mich deshalb auch darauf, den scharfsinnigen Gedankengang Letronne 1 s an der von Alex. v. Humboldt (vgl. S. 149) angeführten Stelle zu kennzeichnen, da gerade diese Mittheilung, so wichtig sie auch ist, von allen späteren Specialforschern gänzlich vernachlässigt wurde. Dicuil , welchem Letronne die Erlebnisse des Mönches Fidelis nacherzählt, lebte im 9. Jahrhundert. Seinem Berichte über die Kornkammern des Joseph (d. s. die Pyramiden) fügt dieser Pilger die Bemerkung hinzu: «Deinceps intrantes (seil, laici et clerici) in naves in Nilo flumine, usque ad introitum maris Rubri navigaverunt.» Dieser Nachricht würde zu entnehmen sein, daß der von den Arabern restituirte Canal noch im Beginn des 9. Jahrhunderts schiffbar gewesen sei; ersieht man doch aus der Notiz, daß Fidelis auf einer Abzweigung des Nil am’s Rothe Meer ge-
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Erläuterungen und Zusätze.
langte. Nun sagt aber Langles: „Seit 767 nennt uns die Geschichte keinen Souverain, welcher versucht hätte, diese bedeutende Communication wieder zu eröffnen.“ „Ist es nicht seltsam“, so äußert Letronne, „wenn man hört, ein Canal sei mit einem Schiffe befahren worden, der seit 50 bis 55 Jahren zugeworfen ist? Hier liegt ein Widerspruch vor! Denn weder läßt sich annehmen, der Nachfolger von el Mansur habe den Canal wieder geöffnet (das hätten uns die arabischen Schriftsteller sicherlich überliefert), noch daß Fidelis’ Angabe keinen Glauben verdiene. Es muß sich eine andere Lösung dieses Widerspruchs ergeben. Dicuil muß 825 mindestens 50 Jahre alt gewesen sein, und er sagt, daß Fidelis ihm im Dabeisein seines Lehrers Suibneus die Geschichte erzählt habe. Die irländischen Annalen führen zwei Abbes dieses Namens auf, von denen der eine 767, der andere 776 gestorben ist. Letzterer scheint der von Dicuil genannte zu sein. Fidelis kehrte nach 12jähriger Abwesenheit zurück, und so kann dieser nur zwischen 762 und 765 in Aegypten gewesen sein, also 2 oder 4 Jahre vor der definitiven Zerstörung der Verbindungsstraße zwischen beiden Meeren.“
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß Schleiden sich veranlaßt sah, von der Angabe Schems-JEddin's : der Canal sei auf Befehl el Mansur’s bei Kolzum geschlossen worden, abzuweichen. „Die gut erhaltenen Wände des Canals gerade in seinem auf der Suezbarre liegenden Theile scheinen einer hier stattgef'undenen Zuschüttung zu widersprechen, während der Damm, welcher bei Ras el Wady das Wady Tümilät quer durchschneidet und bis 1800, in welchem Jahre er von einer ungewöhnlich hohen Nilschwelle durchbrochen wurde, das Wasser von dem Timsalisee abhielt, allem Anscheine nach aus jener Zeit stammt.“
Länge, Breite und Tiefe der einzelnen Canalanlagen.
„Ziehen wir“, sagt Lepere, „die vier Stücke in Betracht, aus welcher sich die alte Canalanlage zusammensetzt: 1. die Abzweigung des Pelusischen Nilarms, welche ihr Wasser oberhalb von Bubastis empfing, 2. die Canalstrecke, welche von Bubastis durch’s El Wady bis in die Nähe des Sera- peums reichte, 3. die 6—8 Meilen lange, in südöstlicher Richtung die Bitterseen durchschneidende Strecke und 4. die 5 Meilen lange Verbindung, welche zum Arabischen Golfe führte, — so ergibt sich für den Canal als solchen eine Totallänge von 25 Meilen und (mit Hinzuziehung der Bitterseen) eine schiffbare Fahrstraße von 33 Meilen. Lepere glaubte, daß von Herodot , welcher sagt: „Der Canal ist eine Fahrt von 4 Tagen“, dieser in seiner ganzen oben angegebenen Länge gemeint sei. „8 Meilen“, so schließt Lepere , „ist für ein Fahrzeug eine kleine Tagestour; doch erinnern wir uns,
Länge, Breite und Tiefe der einzelnen Canalanlagen. 143
daß man damals mit Triremen fuhr, daß die Segel auf dem Canale nur selten in Anwendung gebracht werden konnten, und man meist auf Ruder und Ziehseile angewiesen blieb.“ Anderer Ansicht ist Stephan (S. 428), dessen Worte folgende sind: „Die Länge gibt Plinius auf 62 römische Millien, d. li. etwa 13 deutsche Meilen an. Da Herodot wahrscheinlich Tagereisen meint, in welchen er oft die Entfernungen auch zu Wasser ausdrückt, so würden die Angaben beider Schriftsteller übereinstimmen und zugleich beweisen, daß das Rothe Meer damals weiter hinauf gereicht hat, wahrscheinlich bis zu der heute Serapeum genannten Erdschwelle zwischen den Ritterseen und dem Timsahsee.“ Mit Stephan’’ s Ansicht deckt sich auch diejenige Linant’’ s (S. 183 u. 184).
Der Canal ist nach Herodot so breit gegraben, daß zwei Dreiruder neben einander dahin fahren können. „Die Breite der griechischen Dreiruder“, sagt Stephan (S. 429), „kann man zu 14 Fuß in der Wasserlinie und 18 Fuß oben annehmen, wie Dr. Graser dies neuerdings in seinen archäologischen Untersuchungen über den Schiffbau nachgewiesen. Nimmt man nun 30 Fuß Spielraum zwischen den beiden Fahrzeugen und an beiden Seiten der Böschungen noch je 38 Fuß, so erhält man eine Breite des alten Canals in der Wasserlinie von 134 Fuß.“ Plinius schrieb dem Ptolemäercanal eine Breite von 100 Fuß, und die übertriebene Tiefe von 30 Fuß, nach einigen Ausgaben seihst eine solche von 40 Fuß zu. Nach Strabo Wäre derselbe 100 Ellen (nach Lepere ungefähr 150 Fuß entsprechend) breit gewesen und «tief genug für ein sehr schwer beladenes Lastschiff». Nach letzterer Angabe reducirt Lepere die Tiefe des Canals auf 10—12 Fuß. Der heutige Süßwassercanal folgt zum Theil dem Tracé des alten Canals. Nach den Spuren zu urtheilen, scheint Stephan die Breite bei 15—18 Fuß Tiefe gegen 150 Fuß in der Wasserlinie betragen zu haben; die Böschungen scheinen ihm ziemlich steil und stellenweise mit einem Steinbelag versehen gewesen zu sein. Ygl. auch S. 125.
Der 160 km. lange Lesseps’sche maritime Canal besitzt bei einer überall beibehalteneir Sohlbreite von 22 m. eine Tiefe von 8—8^2 m., die auf einer etwa 300 Schritt langen Stelle am Serapeum aber erst später durch Ausbaggern erreicht worden ist; gleich nach der Eröffnung zeigte der Canal auf dieser Strecke nur eine Tiefe von 17 Fuß. Die Breite in der Wasserlinie des Canals beträgt auf 4 /s seiner Länge 100 m., doch haben einige der Stellen im erhöhten Terrain nur 58 m. erhalten. Gegenwärtig wird daran gearbeitet, dem Canale überall eine Tiefe von 8^2 m. zu geben und seine Sohle von 22 auf 37 m. zu verbreitern. Binnen der drei nächsten Jahre sollen die Veränderungen fertig gestellt werden, und es wird dann der Canal durchweg die Breite haben, welche er gegenwärtig nur an den Ausweichestellen besitzt. Auch denkt man daran, späterhin eine Ver-
144
Erläuterungen und Zusätze.
breiterung auf 60 m. in der Sohle und auf 126 m. am Wasserspiegel an- zustreben.
Der Lesseps ’sehe Süßwassercanal, welcher nach einem Laufe von 30 Meilen in die Lagune von Suez einmündet, hat eine Tiefe von 2 m. und 10—25 m. Breite. Zur Ausgleichung der Niveaudifferenz zwischen dem Nil und dem Rothen Meere sind zwei Schleusen, jede von 3 m. angebracht.
Analytische Belege zu den Tabellen auf S. 23 und 24.
A. Directe Ergebnisse der Analysen.
I. Wasser des Rothen Meeres, geschöpft d. 14. Februar 1887 Morgens 9 Uhr auf der Fahrt von Suakim nach Djedda, ca. 15 Kilometer südwärts von letzterer Stadt, an der Oberfläche. Seit 14 Tagen herrschte nachweislich regenloses Wetter.
1. 5 cbc. verlangen 31.3 cbc. 1 /io Normalsilberlösung = 22.2230 p. M, Chlor (incl. Brom).
2. a) 10 cbc. = 0.0765 gr. BaS0 4 = 2.6266 p. M. S0 3 .
b) 10 cbc. = 0.0760 gr. BaS0 4 = 2.60Ö4 p. M. S0 3 .
3. a) 20 cbc. = 0.016 gr. CaC0 3 = 0.3200 p. M. Ca.
b) 20 cbc. = 0.0158 gr. CaC0 3 = 0.3160 p. M. Ca.
4. a) 20 cbc. = 0.137 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 1.48108 p. M. Mg.
b) 20 cbc. = 0.137 gr. Mg 2 P 2 0 = 1.48108 p. M. Mg.
5. a) 20 cbc. nach Ausfüllung von S0 3 , Ca u. Mg = 0.6407 gr. oder
32.035 p. M. Chloralkalien; in diesen = 0.0605 K 2 PtCl 6 = 0.485495 p. M. K.
b) 20 cbc. nach Ausfällung von S0 3 , Ca u. Mg = 0.6470 gr. oder 32.350 p. M. Chloralkalien; in diesen = 0.0663 K 2 PtCl 6 = 0.53204 p. M. K
und als Mittel aus beiden Analysen 31.2206 p. M. NaCl = 12.2748 p. M. Na.
6. a) 20 cbc. Wasser direct eingedampft, bei 180° G. getrocknet =
0.805 gr. oder 40.250 p. M. Rückstand; mit Schwefelsäure abgeraucht — 0.966 gr. oder 48.300 p. M. Sulfate, b) 20 cbc. ebenso behandelt = 0.8042 gr. oder 40.210 p. M. Trockenrückstand und 0.9551 gr. oder 47.755 gr. Sulfate.
II. Wasser aus dem natürlichen Canale vor Suakim, geschöpft den 8. Februar 1887 Morgens um ungefähr 11 Uhr, an der Oberfläche. Wochenlang vorher regenlose Zeit.
1. 5 cbc. verlangen 31.5 cbc. 1 /io Normalsilberlösung = 22.365 p. M, Chlor (incl. Brom).
Analytische Belege zu den Tabellen auf S. 23 und 24. 145
2. 10 cbc. = 0.0700 gr. BaS0 4 = 2.40343 p. M. S0 3 .
8. 10 cbc. = 0.008 gr. CaC0 3 = 0.3200 p. M. Ca.
4. 10 cbc. = 0.0602 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 1.30162 p. M. Mg.
5. 10 cbc. Wasser direct eingedampft, bei 180° C. getrocknet = 0.406 gr. oder 40.06 p. M. Rückstand; mit S0 4 H 2 abgeraucht = 0.477 = 47.7 p. M. Sulfate.
III. Wasser aus dem Großen Bittersee, ca. 30 m. vom Ufer bei der Bahnstation Fayed, geschöpft den 28. December 1886 an der Oberfläche. Vorausgegangene Zeit lange regenlos.
1. 5 cbc. fordern 49.0 cbc. 1 /io Normalsilberlösung = 35.790 p. M. Chlor (incl. Brom).
2. a) 10 cbc. = 0.1265 gr. BaS0 4 = 4.34334 p. M. S0 3 .
b) 10 cbc. = 0.1260 gr. BaS0 4 = 4.32618 p. M. S0 3 .
3. a) 20 cbc. = 0.0356 gr. CaC0 3 = 0.7120 p. M. Ca,
b) 20 cbc. = 0.0356 gr. CaC0 3 = 0.7120 p. M. Ca,
4. a) 20 cbc. = 0.203 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 2.1946 p. M. Mg. b) 20 cbc. = 0.2026 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 2.19027 p. M. Mg.
5. a) 20 cbc. nach Ausfällung von S0 3 , Ca u. Mg = 1.0030 gr. oder
50.150 p. M. Chloralkalien; in diesen = 0.0710 gr. K 2 PtCl 6 =
0.56975 p. M. K.
b) 20 cbc. nach Ausfüllung von S0 3 , Ca u. Mg = 1.0089 gr. oder
50.445 p. M. Chloralkalien; in diesen — 0.0740 gr. K 2 PtCl 6 —
0.59383 p. M. K
und als Mittel aus beiden Analysen 49.18613 p. M. NaCl — 19.34530 p. M. Na.
6. a) 20 cbc. Wasser direct eingedampft, bei 180° C. getrocknet =
1.270 gr. oder 63.50 p. M. Rückstand; mit Schwefelsäure abgeraucht = 1.492 gr. oder 74.60 p. M. Sulfate, b) 20 cbc. ebenso behandelt — 1.272 gr. oder 63.6 p. M, Trockenrückstand und 1.494 gr. oder 74.67 p. M. Sulfate.
IV. Wasser aus der siidwestwärts von Ismailia gelegenen Bucht des Timsah-Sees, geschöpft d. 22. Februar 1887 Morgens zwischen 9 u. 10 Uhr an der Oberfläche. Mindestens 8 Tage vorher keinen Regen.
1. 5 cbc. verlangen 45.5 cbc. 1 /io Normalsilberlösung = 32.205 p. M. Chlor (incl. Brom).
2. a) 10 cbc. = 0.1184 gr. BaS0 4 = 4.0652 p. M. S0 3 .
b) 10 cbc. = 0.1186 gr. BaS0 4 = 4.0721 p. M. S0 3 .
3. a) 20 cbc. = 0.0328 gr. CaC0 3 = 0.656 p. M. Ca (nachweisbarer
Verlust).
b) 20 cbc. = 0.0348 gr. CaC0 3 = 0.6960 p. M. Ca.
c) 20 cbc. = 0.0338 gr. CaC0 3 = 0.6760 p. M. Ca.
Krukenberg, Durckflutlinng des Isthmus von Suez.
10
146
Erläuterungen und Zusätze.
4. a) 20 cbc. = 0.191 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 2.06485 p. M. Mg.
b) 20 cbc. = 0.1880 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 2.0324 p. M. Mg.
c) 20 cbc. = 0.1883 gr. Mg 2 P 2 0 7 = 2.035676 p. M. Mg.
5. a) 20 cbc. nach Ausfällung von S0 3 , Ca u. Mg = 0.954 gr. oder
47.70 p. M. Chloralkalien; in diesen = 0.0650 gr. K 2 PtCl 6 = 0.521605 p. M. K.
b) 20 cbc. nach Ausfällung von S0 3 , Ca u. Mg. = 0.9550 gr. oder 47.75 p. M. Chloralkalien; in diesen = 0.0700 gr. K 2 PtCl 6 = 0.56175 gr. K
und als Mittel aus beiden Analysen 46.6903 p. M. NaCl = 18.3569 p. M. Na.
6. a) 20 cbc. Wasser direct eingedampft, bei 180° G. getrocknet =
1.216 gr. oder 60.80 p. M. Rückstand; mit Schwefelsäure ab- geraucht = 1.447 gr. oder 72.35 p. M. Sulfate, b) 20 cbc. ebenso behandelt = 1.218 gr. oder 60.90 p. M. Trockenrückstand und 1.406 gr. = 70.30 p. M. Sulfate.
Die specifischen Gewichte, mit Geissief s Pyknometer bestimmt, dessen in0.1°C. getheiltes eingeschliffenes Thermometer genau calibrirt ist, ergaben sich auf dest. Wasser von 21.0° C. = 1 bezogen, wie in der Tabelle S. 23 angegeben ist.
B. Berechnungen.
I. Rothes Meerwasser südlich von Djedda.
a) Calciumsulfat, CaS0 4 . Calcium ist vorhanden
0.3180 p. M. 0.636 p. M.
bindend S0 3 .
zu CaS0 4 . .
1.0812 p. M.
b) Magnesiumsulfat, MgS0 4 . S0 3 ist vorhanden
2.6180 p. M.
Davon ist gebunden an Calcium . . an Magnesium .
0.636 p. M. 1.982 p. M.
zu MgS0 4 . .
2.9730 p. M.
c) Chlorkalium, KCl.
Kalium ist vorhanden
bindend Chlor
0.508767 p. M. 0.463108 p. M.
0.971875 p. M.
d) Chlornatrium, NaCl.
Natrium ist vorhanden
12.2748 p. M. 18.9458 p. M.
bindend Chlor
31.2206 p. M.
zu NaCl . . .
Analytische Belege zu den Tabellen auf S. 23 und 24. 147
e) Chlormagnesium, MgCl 2 .
Chlor ist vorhanden . 22.223 p. M.
Davon ist gebunden
an Kalium . 0.4631 p. M.
an Natrium. 18.9458 p. M.
Rest an CI . . . 2.8141 p. M.
Magnesium ist vorhanden. 1.48108 p. M.
Davon ist gebunden an S0 4 . 0.59460 p. M.
Rest an Mg . . . 0.88648 p. M.
bindend Chlor. 2.62250 p. M.
zu MgCl 2 . . . 3.50898 p. M.
II. Wasser aus dem natürlichen Schifffahrtscanale vor Suakim.
a) Calciumsulfat, CaS0 4 .
Calcium ist vorhanden. 0.3200 p. M.
bindend S0 3 . 0.640 p. M.
zu CaS0 4 . . . 1.088 p. M.
b) Magnesiumsulfat, MgS0 4 .
S0 3 ist vorhanden . 2.40343 p. M.
Davon ist gebunden
an Calcium . 0.640 p. M.
an Magnesium. 1.76343 p. M.
zu MgS0 4 . . . 2.64516 p. M.
c) Chlormagnesium, MgCl 2 .
Magnesium ist vorhanden. 1.30162 p. M.
Davon ist gebunden an S0 4 . 0.52903 p. M.
Rest an Mg . . . 0.77259 p. M.
bindend Chlor. 2.28558 p. M.
zu MgCl 2 . . . 3.05817 p. M.
III. Wasser aus dem Großen Bittersee bei Fayed.
a) Calciumsulfat, CaS0 4 .
Calcium ist vorhanden. 0.7120 p. M.
bindend S0 3 . 1.4240 p. M.
zu CaS0 4 . . . 2.4208 p. M.
b) Magnesiumsulfat, MgS0 4 .
S0 3 ist vorhanden. 4.33476 p. M.
Davon ist gebunden
an Calcium. 1.4240 p. M.
an Magnesium. 2.91076 p. M.
zu MgS0 4 . . . 4.36614 p. M.
148
Erläuterungen und Zusätze.
c) Chlorkalium, KCl.
Kalium ist vorhanden. 0.58179 p. M.
bindend Chlor. 0.52958
zu KCl . . . 1.11187 p. M.
d) Chlornatrium, Na CI.
Natrium ist vorhanden. 19.3453 p. M.
bindend Chlor. 29.8513 p. M.
zu NaCl . . . 49.1966 p. M.
e) Chlormagnesium, MgCL,.
Chlor ist vorhanden. 35.790 p. M.
Davon ist gebunden
an Kalium . 0.52958 p. M.
an Natrium. 29.8513 p. M.
Rest an CI . . . 5.40912 p. M.
Magnesium ist vorhanden. 2.192435 p. M.
Davon ist gebunden an S0 4 . 0.87323
Rest an Mg . . . 1.319205 p. M.
bindend Chlor . 3.90265 p. M.
zu MgCl 2 . . . 5.221855.
IV. Wasser aus dem Timsah-See südwestwärts von Ismailia.
a) Calcium sulfat, CaS0 4 .
Calcium ist vorhanden.. . 0.6860 p. M.
bindend S0 3 . 1.3720 p. M.
zu CaS0 4 . . . 2.3324 p. M.
b) Magnesiumsulfat, MgS0 4
S0 3 ist vorhanden . 4.06865 p. M.
Davon ist gebunden
an Calcium . 1.3720 p. M.
an Magnesium. 2. 69665 , p. M.
zu MgS0 4 . . . 4.04498 p. M.
c) Chlorkalium, KCl.
Kalium ist vorhanden. 0.541678 p. M.
bindend Chlor. 0.493066 p. M.
zu KCl . . . 1.034744 p. M.
d) Chlornatrium, NaCl.
Natrium ist vorhanden. 18.3569 p. M.
bindend Chlor. 28.3334 p. M.
zu NaCl . . . 46.6903 p. M.
e) Chlormagnesium, MgCl 2 .
Chlor ist vorhanden. 32.205 p. M.
Erklärung der Tafel I. und II. 149
Davon ist gebunden
an Kalium. 0.4931 p. M.
an Natrium. 28.3334 p. M.
Rest an CI . . . 3.3785 p. M.
Magnesium ist vorhanden. 2.034035 p. M.
Davon ist gebunden an S0 4 . 0.80900 p. M.
Rest an Mg . . . 1.225035 p. M.
bindend Chlor. 3.624062 p. M.
zu MgCl 2 . . . 4.849097 p. M.
Erklärung der Tafel I. u. II.
Taf. I.
Die alte Suezcanalanlage auf derWeltkarte in der Groß- herzogl. Bibliothek zu Weimar aus dem Jahre 1424.
Auf der berühmten, aus dem Jahre 1424 (ohne Angabe des Autors) datirten Welttafel der Großherzoglichen Bibliothek in Weimar ist das Stück, welches uns den Suezisthmus veranschaulicht, eines der werthvollsten. Yicomte de Santarem (Essai sur l’histoire de la cosmographie et de la cartographie pendant le moyen-âge et sur les progrès de la géographie. T. I. Paris. 1849. p. 194 u. 304), H. Stephan (S. 431) und mehrere Andere haben die Karte erwähnt, doch ist dieselbe niemals vervielfältigt worden und dürfte deshalb auch den meisten unbekannt geblieben sein. Ich benutze die Gelegenheit eine Copie des Suezausschnittes dieser Karte 1 ) zu liefern, welche unter genauer Vergleichung des Originales sich an eine sehr sorgfältige Handzeichnung hält, die wahrscheinlich unter Herrn v. Froriep ausgeführt und in der Bibliothek zu Weimar neben dem Originale an der Wand aufgehängt ist.
Ein besonderes Interesse hatte Alexander v. Humboldt dieser Karte zugewandt, und es mag und kann zur Erläuterung derselben noch immer das dienen, was dieser kenntnißreiche Geograph 1837 in seinem „Examen critique de l’histoire de la géographie du nouveau continent“ (T. II, note pag. 182 et 183) darüber geäußert hat. Es heißt daselbst: „Ce qui est surtout remarquable sur cette carte de 1424, c’est que (par simple réminiscence) on y trouve encore tracé le canal de communication entre le Nil et la Mer Rouge creusé par Ptolémée Philadelphe, rétabli d’abord par Adrien et puis par les Arabes, et ouvert jusqu’en 767, comme M. Letronne
9 Wie es im Mittelalter Gebrauch war, so ist auch auf dieser alten Karte das Rothe Meer durch einen rothen Farbenton ausgezeichnet.
150
Erläuterungen und Zusätze.
l’a prouvé en discutant l’époque du voyage en Terre-Sainte du moine Fidelis et un passage de Grégoire de Tours ( Dicuil , 1814. p. 14—22). Le canal du Nil est représenté, sur la carte de Weimar, en communication avec une rivière qui naît en Arménie et coule d’abord du nord au sud, à l’est de Liban, en tournant vers l’ouest dans le parallèle de Babylon Aegypti. Cette même rivière a un bras qui débouche dans la Méditerranée près d’Alexan- drette. Il est difficile de deviner quelle hypothèse géographique a donné lieu à une conception si extraordinaire. Est-ce l’Euphrate dont les affluens approchent de ceux de l’Oronte au sud d’Alexandrette ? Comment croire qu’au 15. siècle on ait ignoré que l’Euphrat se jette dans le golfe Persique? Ce n’est point un prolongement du Jourdain par la vallée qui réunit la Mer Mort au golfe d’Acaba, car le Jourdain est figuré séparément et avec assez de précision, tandis que la rivière anonyme qui communique avec le canal de Ptolémée, dans l’isthme de Suêz même, naît dans les montagnes d’Erzeroum, montagnes qui selon la même carte, donnent naissance à une rivière (le Turak, ou Boas des anciens?) qui coule au N.N.O. vers la Mer Noire, et à une autre (le Tigre?) qui se dirige au S.E. J’entre dans ces détails pour faciliter l’examen des analogies ou des différences qu’offre ce monument curieux de la géographie du moyen-âge avec d’autres cartes enfouies dans les archives et les bibliothèques d’Italie.“
Einige Seiten später (S. 186 Anm.) weist A. v. Humboldt auch auf den beachtenswerthen Umstand hin, daß auf den beiden anderen Karten der Großherzogi. Bibliothek zu Weimar, von denen die eine den Titel führt: „Carta universal en que se contiene todo lo que del Mundo sea descubierto fasta aora; hizola un Cosmographo de Su Magestad anno MDXXVII en Sevilla“, die andere von Diego Bibero angefertigt und dem Jahre 1529 entstammt, Jerusalem nordwestlich von Suez liegt, und daß auf beiden der Meridianunterschied zwischen Cairo und Suez 20° beträgt, während die Karte aus dem Jahre 1424 nur 2° gibt. Diese Ausdehnung des östlichen Aegyptens auf den späteren Karten läßt sich um so weniger begreifen, als der übrige Theil von Nordafrika ziemlich richtig dargestellt ist, und es lehren diese Irrungen nur zu deutlich, daß das Interesse an einer maritimen Verbindung zwischen Mittelländischem und Eothem Meere in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollständig erloschen war.
Taf. II.
Die neuen Canalanlagen auf dem Suezisthmus.
Die Suezcanalanlagen des Alterthums.
Das Terrain der heutigen Suezlandenge zur Quartärzeit nach Th. Fuchs.
151
Erklärung der Tafel I. und II.
Von den drei Karten, welche unter Taf. II zusammenbegriffen sind, stellt die letzte: „Das Terrain der heutigen Suezlandenge zur Quartärzeit“ eine getreue Copie der Fuchs ’sehen Skizze (Die geologische Beschaffenheit der Landenge von Suez. a. a. 0.) dar, und das einer weiteren Erläuterung Bedürftige findet durch die Randnoten auf dem Plane selbst seine Erklärung.
Bezüglich der Einzelheiten auf den beiden anderen kartographischen Zeichnungen muß auf die S. 2—12 des Textes sowie auf die S. 96—129 der „Erläuterungen und Zusätze“ verwiesen werden. Nur auf einige, an den genannten Stellen kurz oder zusammenhangslos angeführte Puncte, welche auf den Karten eine Mitberücksichtigung erfahren haben, glaube ich noch besonders aufmerksam machen zu sollen.
Die erste der Karten, „Die neuen Canalanlagen auf dem Suezisthmus“ benannt, veranschaulicht unter anderen, in welcher Weise die Auffüllung des Timsah- wie der Bitterseen zu Stande kam. Der Timsahsee wurde ausschließlich vom Mittelländischen Meere aus gefüllt, und zwar begann man mit der Inundation am 18. November 1862. Nach Stephan (S. 456) waren 80 Mill cbm. Wasser zu seiner Ausfüllung erforderlich, doch mit Rücksicht auf die Verdunstung und Einsaugung stellte sich die Einströmung auf 100 Mill. cbm. Die Becken der Bitterseen wurden erst mehrere Jahre später unter Wasser gesetzt; zwei Schleusenvorrichtungen, deren Lage auf unserer Karte eingetragen ist, waren für diesen Bewässerungsvorgang con- struirt worden: die eine für die vom Mittelmeere, die andere für die vom Rothen Meere eintretende Wassermasse. Die Auffüllung erfolgte anfangs (März 1869) nur vom MitteHändischen, später aber auch vom Rothen Meere aus. Das Werk nahm 7 Monate in Anspruch und verlangte im ganzen 1500 Mill. cbm. Wasser. — Wie sich hiernach die Vertheilung der Wasser beider Meere in den genannten Depressionen zu Anfang gestaltet haben muß, ist mit Hülfe einer jeden den beiden Meeren besonders zugetheilten Färbung auf der Zeichnung mit zum Ausdruck gelangt. Die schwarzen Kreuze im Timsah- wie im Großen Bitterseebassin deuten in ihren Dui’ch- schneidungspuncten die Orte an, an welchen ich die von Herrn Bich. Hemala und mir analysirten Wasserproben schöpfte.
Bei der Darstellung der topographischen Verhältnisse auf der Suezlandenge im Alterthum habe ich es der großen Meinungsdifferenzen halber für rathsam erachtet, die Namen der alten Ortschaften nur dann einzutragen, wenn alle Zweifel an deren Lage gehoben sind; andernfalls habe ich die Namen der jetzt bestehenden Ansiedlungen angegeben, welche gewissermaßen an die Stelle der alten getreten sind. An der Hand der Verzeichnisse auf S. 99 ff. und S. 117 ff. dürfte es so leicht gelingen, einer jeden der alten Niederlassungen den ihr von den einzelnen Autoren eingeräumten
152
Erläuterungen und Zusätze.
Platz auf der Karte anzuweisen. Der Verlauf des ältesten Theiles der Canalanlagen, welcher schon unter Seti und Ranises bestanden haben mag, ist durch eine beiderseits gestrichelte Linie kenntlich gemacht, und die nach Strobe? s Angabe durch den Nilzufluß entsalzenen Lacus amari (die Fontes amari des Plinius ) sollen durch die Mischung der beiden, zur Unterscheidung des Nilcanal- und des Rothen Meer-Wassers ausgewählten rothen Farbentöne ihren Charakter als Brackwasserlagune auch dem Beschauer der Karte zu erkennen geben. Ein von den meisten neueren Schriftstellern angenommenes, historisch nachweisbares Zurückweichen des Rothen Meeres nach Süden zu ist, obschon ich mich dieser Hypothese nicht anschließen kann, auf dem Plane ebenfalls zum Ausdruck gelangt. Ich denke mir, um es nochmals kurz hervorzuheben, die früher bestandenen Verhältnisse so, wie sie bereits von Lepsius (S. 846 u. 347) in folgenden, nicht mißzuver- stehenden Sätzen vor fast 40 Jahren geschildert worden sind: „Du Bois- Aimé glaubte sich durch die verschiedenen Angaben zu der ausführlich dargelegten Vermuthung berechtigt, daß in früherer Zeit der Meerbusen sich viel weiter nach Norden erstreckt und die ganzen Niederungen der jetzt trocken liegenden sog. Bitterseen erfüllt, später aber durch Versandung sich in seine jetzigen Ufer zurückgezogen habe. Ich glaube nicht, daß wir nöthig haben, eine solche Natur Veränderung anzunehmen und am entschiedensten scheinen mir die schon von der französischen Expedition nachgewiesenen Reste eines künstlichen Canals von über 4 Lieues Länge, der von Suez aus nach Norden läuft, dagegen zu sprechen; denn wo Meer war konnte ja kein Canal gezogen werden; es brauchte höchstens die versandete Passage wieder schiffbar gemacht zu werden. Die Eröffnung dieses Canals mußte aber fast ganz dieselben Folgen haben, die man aus der Annahme des verlängerten Meeres ziehen will. Durch den Canal füllten sich die weiten Becken der Bitterseen, sowie auch die nördlich angrenzenden Seen und die Niederung von Saba Biar, die sich bis zu den Ruinen von Magfar hinzieht. Hier erst begann der eigentliche Nilcanal, welcher sein Wasser von Westen erhielt. Hier war der Hafen, in welchem man sich zur Fahrt auf dem Rothen Meere einschiffte, wie Strabo ausdrücklich sagt. Von hier an hatte der Reisende, wegen der natürlichen und weit ausschweifenden Seeufer den Eindruck der Meerfahrt; dieser künstlich zum Meerbusen gezogene Theil konnte daher auch ganz begreiflich der innerste Winkel des Busens genannt werden. Strabo oder Eratosthenes , den er anführt, sagt sogar an einer Stelle ausdrücklich, daß Heroopolis am Nile, das heißt an einem Nilcanale lag, und nennt doch die Stadt selbst zugleich den Winkel des Arabischen Golfes.“
Auch für den eingetragenen Verlauf des Linant’ sehen Necho-Canals und der von Schleiden angenommenen Ptolemäer-Canäle, welche oberhalb
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Nachträge. 153
von Phakusa den Pelusischen Nilarm gemeinsam verlassen, bei dem alten Philon auseinandergehen und in die Ballahseen einmünden, muß ich von vornherein jede Verantwortung zurückweisen. Was mich bestimmt, das untere Ende des Pelusischen Nilarmes ungefähr vom alten Daphnae aus in annähernd gerader Linie auf Pelusium hinzuführen, ist S. 98 erörtert worden. Um jedoch auch hier allen Vorwürfen zu begegnen, habe ich die von Schleiden und Linant vertretene Ansicht auf der Karte nicht unberück- | sichtigt lassen dürfen.
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Berichtigung.
In der Tabellenüberschrift auf S. 23 steht irrthiimlich 1887/88 statt 1886/87.
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N achträge.
Zu S. 49 Anm. So sehr ich bedauern muß, daß ich das mir von Herrn Professor Dr. P. Magnus gütigst zugestellte Ter- zeichniß der dem Rothen- und dem Mittelländischen Meere gemeinsamen Algenformen nicht mehr dem Texte an passender Stelle einordnen konnte, so vermag ich es doch nicht hoch genug zu veranschlagen, daß ich in den Stand gesetzt bin, ein für die Beurtheilung des Abgeschlossenbleibens beider Meere so wichtiges Document den Interessenten noch nachträglich unterbreiten zu dürfen. Ein von Herrn G. Zeller in Stuttgart 1877 verfaßtes handschriftliches Verzeichniß der Algen des Rothen Meeres, welches das von Zanardini (1. c.) herausgegebene an Vollständigkeit übertrifft und 236 Arten aufführt, wurde Herrn Prof. Magnus zu diesem Zwecke von Herrn Prof. Dr. P. Ascherson übergeben, und die Benutzung dieses Manuscriptes hat es mit sich gebracht,
daß dem Wunsche nicht eher zu entsprechen war, welchen ich,
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Nachträge.
die vielen Schwierigkeiten einer solchen Zusammenstellung nicht genugsam erwägend, Herrn Prof. Magnus gegenüber hatte laut werden lassen. Ich glaube nicht erwünschter und zuverlässiger handeln zu können, als wenn ich das mir brieflich Mitgetheilte dem Wortlaute nach hier niederlege. Herr Prof. Magnus schrieb mir wie folgt: „Aus dem mit objectiven und kritischen Bemerkungen versehenen Verzeichnisse von Zeller habe ich nur die ganz sicheren, unzweifelhaft am Rothen Meere gewachsenen Arten aufgenommen, alle irgendwie zweifelhaften ausgeschlossen und habe auch Zanar- dini zu Rathe gezogen. Demnach wachsen von den im Mittelmeere auftretenden Species auch im Rothen Meere:
1. Padina Pavonia (L.) Gaillon.
2. Zonaria flava Ag.
3. Dictyota dichotoma var. implexa J. Ag.
4. D. fasciola (Rth.) Lmx.
5. Stilophora rhizodes I. Ag.
6. Sphacelaria cervicornis Ag.
7. Sph. tribuloides Menegh.
8. Ectocarpus siliculosus Ag.
9. Rytiphlaea tinctoria Ag.
10. Acanthophora Delile'i Lmx.
11. Digenea simplex Ag.
12. Jania rubens Lmx.
13. Amphiroa rigida Lmx.
14. Lithothamnion polymorphum (L.) Aresch.
15. Lith. racemus (Lam.) Aresch.
16. Melobesia farinosa Lmx.
17. Melob. membranacea (Esper) Lmx.
18. Gelidium corneum Kg.
19. Gel. crinale Lmx.
20. Gel. corneum var. caespitosum I. Ag. = Acrocarpus pusillus Kg.
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Nachträge.
21. Hypnea musciformis Lmx.
22. Liagora viscida Ag.
23. Gigartina Teedii Rth.
24. Gig. acicularis (Wulf.) Lmx.
25. Caulacanthus ustulatus Kg.
26. Halymenia Floresia Ag.
27. Spyridia filamentosa Wulf.
28. Centroceras clavulatum Mont.
29. Ceramium rubrum Huds.
30. Cer. tenuissimum Lyngb.
31. Cer. gracillimum Harv.
32. Cer. diaphanum Rth.
33. Goniotrichum dicliotomum Kg.
34. Codium tomentosum Ag.
35. Cod. elongatum Ag.
36. Valonia utricularis Ag.
37. Yal. makrophysa Kg.
38. Mikrodictyon Agardhianum Dcsne.
39. Bryopsis hypnoides Lmx. = Br. plumosa Ag.
40. Br. tenuissima Mor. & de Not.
41. Br. Balbisiana Lmx.
42. Ulva Lactuca B.
43. U. latissima L.
44. Enteromorpha compressa L.
45. Ent. intestinalis Lh.
46. Ent. clathrata Harv.
47. Phycoseris fasciata Kg.
48. Cladophora lubrica Kg.
49. Calothrix confervicola Ag.“
„Es sind sicher noch einige Species gemeinsam, da ich, wie gesagt, zweifelhafte oder mir unklare nicht aufnahm, was namentlich von den Gattungen Conferva, Cladophora und
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Nachträge.
Chaetomorpha gilt. Bei diesen Gattungen ist die Unterscheidung der Species zur Zeit noch zu schwierig. Trotz dieser beträchtlichen Anzahl gemeinsamer Arten sind die Algenfloren des Rothen und des Mittelländischen Meeres aber doch ganz verschiedene. Wie schon Zanardini treffend hervorhebt, steht der Algen wuchs des Rothen Meeres dem der tropischen Meere (Indischer Ocean etc.), der des Mittelmeeres dagegen dem der nordischen Meere (Nördlicher Atlantischer Ocean, Nordsee etc.) nahe. Das geht schlagend aus der Fülle an Eigenthümlichkeiten bei beiden Meeren hervor. Im Gegensatz zum Mittelmeer finden sich im Rothen Meere die Sargassen (30 Arten), Turbinarien, Phyllacantha, Hormo- sira u. s. w., ferner die Polyzonia, Dasya, Gracilaria (6 Species) und die merkwürdige Caulerpa in zahlreichen besonderen Arten vor; im Mittelmeere hingegen treten Cystoseira, die Sphacelarieen, Polysiphonia (viele Formen), Delesseria, Nitophyllum, Jania, Rhodymenia, Gracilaria (5 besondere, von denen des Rothen Meeres abweichende Arten), Dasya in zahlreichen, dem Rothen Meere fehlenden Species auf u. s. w. Was die Frage betrifft, ob der Suezcanal bereits einen Austausch der Algenformen veranlaßt habe, so äußert sich Zeller darüber folgendermaßen: «Der Suezcanal scheint bis jetzt nichts geändert zu haben, denn untfer den wenigen, seit seiner Eröffnung im Rothen Meere neu aufgefundenen Algen befinden sich ebensowohl solche, welche außerdem in den südlich angrenzenden Meeren, als solche, welche im Mittelmeere Vorkommen».“
Zu S. 86. Unlängst (1886) begegnete G. Keller (Reisebilder aus Ostafrika und Madagascar. Leipzig. 1887. S. 28) im Canal- stiick beim Serapeum und im Timsahsee auch schönen und großen Wurzelquallen (Rhizostoma Cuvieri), welche aber ebenso gut aus dem Rothen Meere wie aus dem Mittelmeere in den Canal eingedrungen sein können.
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