kulturelle Aneignung
- GlossareintragAls kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) wird ein Prozess bezeichnet, bei dem Symbole, Artefakte, Rituale, Genres sowie spezifische Wissensformen oder Techniken einer Kultur von Mitgliedern einer anderen Kultur übernommen oder genutzt werden. Kulturelle Aneignung steht in einem engen Zusammenhang mit Kulturpolitik. Diese kann sowohl zur Assimilation und Ausbeutung marginalisierter und kolonialisierter Kulturen beitragen als auch Strategien des Überlebens und Widerstands gegenüber dominanten Kulturen ermöglichen. In Diskussionen um kulturelle Aneignung steht die Frage nach den Auswirkungen struktureller Macht- und Herrschaftsverhältnisse im Zentrum. Viele Menschen empfinden es als ungerecht, wenn kulturelle Ausdrucksformen zwar genutzt werden – oft auch zum wirtschaftlichen Vorteil nicht-rassifizierter Personen – den Herkunftsgemeinschaften jedoch Anerkennung und Teilhabe verwehrt bleiben. Prozesse der Aneignung lassen sich demnach aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: Für die Aneignenden wirken sie oft wie legitimes Handeln, für andere hingegen stellen sie eine Verletzung von Rechten oder identitätsstiftenden kulturellen Ausdrucksformen dar.
- Weiterführende InformationenRichard A. Rogers, From Cultural Exchange to Transculturation: A Review and Reconceptualization of Cultural Appropriation, in: Communication Theory 16 (4) (2006), 474–503, 474 f., 501.GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, Kulturelle Aneignung, 2022 (2.10.2025).archivierter Link No to Racism Glossar, „K“. Kulturelle Aneignung, 2022 (10.10.2025). archivierter Link
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