Lessepssche Migration
- GlossareintragDie Lessepssche Migration bezeichnet die Ausbreitung mariner Arten zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer über den Suezkanal, benannt nach dessen Erbauer Ferdinand de Lesseps. Hauptursache ist das Fehlen von Schleusen, wodurch physische Barrieren entfallen. Dieses Merkmal geht auf die technische Planung des Ingenieurs Alois Negrelli zurück. In den ersten Jahrzehnten nach der Eröffnung des Kanals (1869) war die Migration von Organismen zunächst durch den hohen Salzgehalt der Bitterseen als natürliche Barriere eingeschränkt, nahm aber mit der Angleichung der Salzkonzentration deutlich zu. Die Wanderung verläuft überwiegend vom Roten Meer ins Mittelmeer; eine Gegenwanderung ist selten. Die Klimaerwärmung verstärkt die Ansiedlung tropischer Arten und beeinflusst Biodiversität und ökologisches Gleichgewicht nachhaltig. Auch der intensive Schiffsverkehr durch den Kanal trägt dazu bei, die Migration von Organismen (etwa durch Ballastwasser oder als blinde Passagiere) zu verstärken. Es sind mittlerweile rund 1000 Arten als „Lessepssche Migranten“ im Mittelmeer erfasst; jährlich kommen etwa drei weitere hinzu. Genauere Angaben fehlen, da eine systematische meeresbiologische Erhebung vor dem Kanalbau nicht stattfand.
- Weiterführende InformationenUrsula Leppig, Lesseps-Migration oder eine Reise durch den Suezkanal, in: Berichte der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg im Breisgau 96 (2006), 19–31, 21.Francis Dov Por, Lessepsian Migration: The Influx of Red Sea Biota into the Mediterranean by Way of the Suez Canal, Berlin 1978, 87.B.S. Galil/F. Boero/M.L. Campbell et al., ’Double trouble’: The expansion of the Suez Canal and marine bioinvasions in the Mediterranean Sea, in: Biological Invasions 17 (2015), 973–976, 974 f.Daniel Golani, Update of Red Sea (Lessepsian) fish species in the Mediterranean Sea since the 2nd CIESM Atlas of Exotic Fish, in: Mediterranean Marine Science 26 (2025), 149–155, 153.