Mission (kolonialer Kontext)
- GlossareintragMission ist die von christlichen Kirchen und später vor allem von Missionsgesellschaften getragene Ausbreitung des Christentums außerhalb Europas, die in enger Verbindung mit der europäischen Expansion stand. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand im Zuge der Abolitionismusbewegung zur Abschaffung der Versklavung ein neuer Enthusiasmus für die christliche Mission. Vor allem Christ:innen aus Deutschland und Großbritannien wollten „Heiden“ nicht nur vor dem Gewaltakt der Versklavung, sondern auch vor dem vermeintlichen Schicksal des Heidentums bewahren. Die Missionierungsbestrebungen gingen zunächst noch von den Kirchen aus, doch vor allem idealistische Laien begründeten bald Missionsgesellschaften, die transnational aufgestellt waren. In Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien waren Missionar:innen zusammen mit Kaufleuten und Soldaten als Pionier:innen der europäischen kolonialen Expansion. Missionar:innen und Kirchen wurden alsbald Kompliz:innen des Kolonialismus. Sie traten paternalistisch gegenüber Missionierten auf und verstanden sich als zivilisierende Führung. Frauen wie Männer waren Teil dieser Missionsgesellschaften und teilten ein Gefühl kultureller und moralischer Überlegenheit. Über rein religiöse Lehrtätigkeit hinaus übernahmen Missionar:innen Aufgaben, die koloniale Strukturen stützten: Sie gründeten Schulen, Bibliotheken und Archive, kartierten Gebiete, verfassten ethnografische und linguistische Aufzeichnungen und sammelten Wissen, das in Europa über Berichte, Zeitschriften, Karten und Fotografien rezipiert wurde. So prägte die Missionsperspektive das westliche Wissen über Afrika, Asien und Ozeanien nachhaltig.
- Weiterführende InformationenGert von Paczensky, Teurer Segen. Christliche Mission und Kolonialismus, München 1991, 14.Rebekka Habermas, Richard Hölzl (Hg.), Mission global – religiöse Akteure und globale Verflechtungen seit dem 19. Jhd. Einleitung, in: dieselben (Hg.), Mission global. Eine Verflechtungsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert, Köln 2014, 9–28.Meredith McKittrick, To Dwell Secure. Generation, Christianity and Colonialism in Ovamboland, Portsmouth 2002, 8, 17.Belinda-Marie Peters, Sammel- und Forschungstätigkeit im missionarischen Kontext des ausgehenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts. Eine Annäherung, in: Patrick Felix Krüger/Martin Rademacher (Hg.), Missionsgeschichtliche Sammlungen heute. Das Museum als Kontaktzone, Bielefeld 2023, 86 ff.Ulrike Schmieder, Katholische Mission, Sklaverei und Emanzipation in der frankophonen Karibik, in: Rebekka Habermas/Richard Hölzl (Hg.), Mission global. Eine Verflechtungsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert, Köln 2014, 59–90.
Deutsch-Ostafrika, Kirche mit Pfarrhaus
Vincenti, CarlIn: Fotoalbum Leutnant Nath mit Bildern von Deutsch-Südwestafrika, Sansibar, Deutsch-OstafrikaDar es Salaam, 1902 - 1905