Technologietransfer (kolonialer Kontext)
- GlossareintragTechnologietransfer bezeichnet den Austausch und die Nutzbarmachung von Technologien – von Ideen, Techniken und Prinzipien bis hin zu Maschinen und Werkzeugen. Im Zusammenhang mit kolonialen Infrastrukturprojekten versteht man darunter oft die Weitergabe von Technologien, Wissen und Innovationen, z. B. durch europäische Projektbeteiligte – sogenannte „Transferagent:innen“ vor Ort (z. B. Ingenieure, Facharbeiter, medizinisches Personal etc.). Das Konzept des „Transfers“ im Sinne von Wissens- und Technologieweitergabe suggeriert, dass dieser Austausch nur in eine Richtung stattfand. Das ist jedoch irreführend und entspricht nicht den historischen Tatsachen. Eine kritische Auseinandersetzung mit historischen Quellen zeigt etwa, dass europäische Ingenieure beim Eisenbahnbau in Indien große Schwierigkeiten mit Klima und Geografie zu bewältigen hatten, die erst durch eine hybride Technologie aus europäischen und lokalen, indischen Methoden gelöst wurden. Dennoch wurden die indischen Beiträge meist ignoriert und die Erfolge allein der europäischen Ingenieurskunst zugeschrieben. Ein ähnliches Muster zeigt sich auch beim Bau des Suezkanals.
- Weiterführende InformationenP.S.A. Berridge, Couplings to the Khyber. The Story of the North Western Railway, Exeter 1969, 211 ff.Ian J. Kerr, Colonialism and Technological Choice. The Case of the Railways of India, in: Itinerario (1995), 91–111, 92 ff., 97 ff.Veronika Lipphardt/David Ludwig, Wissens- und Wissenschaftstransfer, in: Europäische Geschichte Online (EGO) vom Institut für Europäische Geschichte (2011) (19.9.2025), 2, 5.
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