- Glossareintrag
Versklavung bezeichnet einen Prozess, durch den Menschen ihrer Freiheit und ihres rechtlichen Status als Subjekt beraubt und in ein Abhängigkeits- bzw. Eigentumsverhältnis gezwungen werden. Die Verwendung des Begriffes „Versklavung“ verdeutlicht, dass es sich um einen Prozess der Entmenschlichung handelt: Durch gewaltförmige Praktiken werden versklavte Menschen „hergestellt“,indem sie von Personen zu Waren gemacht werden. Im Gegensatz dazu implizieren die Begriffe „Sklaverei“ und „Sklav:in“ einen festgeschriebenen „Ist-Zustand“, eine Opferrolle.
Versklavung stellt im Kontext des europäischen Kolonialismus eine historisch spezifische Form der Unfreiheit dar. Sie beruht auf der Konstruktion von „Rasse“ als zentraler Selektions- und Legitimationskategorie und ist fest in ein globales kapitalistisches Ausbeutungssystem eingebettet. Die Versklavung von mehr als 12 Millionen afrikanischen Menschen über einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren (15. bis 19. Jahrhundert) wurde von vorwiegend europäischen (später nordamerikanischen), aber auch afrikanischen Akteur:innen ermöglicht und für ihren eigenen Profit aktiv vorangetrieben. „Das System der Versklavung veränderte Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme Afrikas, Amerikas und Europas und schuf dabei Machtstrukturen, die bis heute fortwirken: Während Europa und Nordamerika von der Ausbeutung und Versklavung in Form eines wirtschaftlichen Aufschwungs profitierten, bedeuteten diese Prozesse für die Herkunftsregionen versklavter Menschen willkürliche Grenzziehungen, die Zerstörung wirtschaftlicher Strukturen und soziokultureller Gefüge und eine erzwungene Anpassung an koloniale Strukturen – darüber noch der Menschenraub.“ (Nadja Ofuatey-Alazard 2021)
In Diskursen zu kolonialistischer Versklavung, dem transatlantischen Versklavungshandel und Plantagenversklavung wird der spezifische Zusammenhang von Versklavung mit Kolonialismus und (v. a. antischwarzem) Rassismus betont und dabei die institutionelle Verankerung von Versklavung als fundamentales und legitimes Gesellschaftssystem in der Herrschaftsstruktur des Kolonialismus aufgezeigt. - Weiterführende InformationenJanet Keim, Konzepte von Sklaverei, in: Adibeli Nduka-Agwu/Antje Lann Hornscheidt (Hg.), Rassismus auf gut Deutsch. Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen, Frankfurt a. M. 2013 [2010], 2. Auflage, 358–369, 363 ff., 365, 368.Nadja Ofuatey-Alazard, Die europäische Versklavung afrikanischer Menschen, in: Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard, Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, Münster 2021 [2011], 4. Auflage, 103–113, 107, 112 f.Nadja Ofuatey-Alazard, maafa, in: Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard, Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, Münster 2021 [2011], 4. Auflage, 594–596, 594 f.