- Geschlechtmännlich
- BerufPolitiker_in ; Diplomat_in
- Weitere AngabenMetternich lenkte und prägte als Diplomat und Staatsmann die österreichische und europäische Politik mehrere Jahrzehnte lang. 1809 avancierte er zum österreichischen Minister des Äußeren und amtierte bis 1848 als Staatskanzler in Wien. In dieser Funktion trat er zunächst für eine Annäherung an Frankreich ein und arrangierte die Vermählung von Erzherzogin Marie Louise mit Napoleon. Nach der Niederlage Napoleons in Russland nahm Metternich 1813 die diplomatische Führung in den internationalen Beziehungen an sich und konnte als Kongressvorsitzender auf dem Wiener Kongress (1814-1815) das Gleichgewicht der europäischen Mächte wiederherstellen. Innenpolitisch positionierte sich Metternich als Gegner von Demokratie, Liberalismus und nationalen Strömungen und schuf ein reaktionäres, vornehmlich auf den Polizeiapparat und die Zensur gestütztes Regime, dessen Ziele die Erhaltung der staatlichen Ordnung von 1815 und die Unterdrückung jeder revolutionären Bewegung waren („Metternichsche System“). Im März 1848 wurde er von Revolutionären zum Rücktritt gezwungen und musste (bis 1851) das Land verlassen. Metternich und der Suezkanal Metternich gehörte zu den prominentesten politischen Befürwortern des Suezkanals in Mitteleuropa. Er erkannte die globale Dimension und das handelspolitische Potential der Wasserstraße für die Expansion Österreichs und des gesamten Deutschen Bundes (dem Österreich bis 1866 angehörte). Ab 1843 stand Metternich, über den Generalkonsul in Alexandrien Anton Laurin, mit dem ägyptischen Vizekönig Muhammad Ali in Verbindung, wobei er aus diplomatischer Vorsicht Laurin zur Geheimhaltung dieser Korrespondenz verpflichtete. Muhammad Ali hatte die Absicht, den Suezkanal zu bauen, aber nur unter der Bedingung, dass die Wasserstraße im Besitz seiner vizeköniglichen Familie bliebe bzw. seinen erblichen Nachfolgern übergehe (Ägypten war damals eine osmanische Provinz). Metternich setzte sich informell für die Realisierung des Suezkanals ein, und instruierte den k.(u.)k. Hofkammer-Präsidenten Freiherrn von Kübeck, dem Kanalprojekt erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Der Staatskanzler befürwortete die Entsendung des angesehenen Verkehrsingenieurs Alois Negrellis als Leiter der deutschen Gruppe in der international besetzten „Société d’Études du Canal de Suez“ (Studiengesellschaft für den Suezkanal) und sorgte, über das k.(u.)k. Generalkonsulat in Alexandria, für den diplomatischen Schutz der österreichischen Expedition in Ägypten (1847). Auch in den 1850er-Jahren, als Metternich kein politisches Amt mehr bekleidete, blieb er in Verbindung mit den internationalen Akteur:innen aus Wirtschaft und Politik, die den Bau des Suezkanals – gegen den Widerstand Londons und Konstantinopels – vorantrieben, darunter auch mit Ferdinand de Lesseps und dem Vizekönig Mohammad Said persönlich. Außerdem war Metternich der erste Politiker, der – aufgrund der Rivalität zwischen England und Frankreich – die Neutralität des Kanals anregte: „Um dies - sollte England es verlangen – zu erreichen, würde sich das einfachste Mittel in einem Neutralitätsvertrage für die Benutzung des Canals von Suez unter allen seefahrenden Staaten und der Pforte darbieten“.
- NamensvariantenMetternich, Clemens Wenzel Lothar ; Metternich, Klemens W. von
- QuellenMiroslav Šedivý: Metternich and the Suez Canal: Informal Diplomacy in the Interests of Central Europe, In: Central European History (2022), 55, 372–389 Aus Metternich’s nachgelassenen Papieren, dritter Teil. Richard Metternich Winneburg (Hg.), Wien 1884, 581-582