Kolonialität bezeichnet das (Fort)Wirken kolonialer Strukturen und Praktiken nach der formalen Unabhängigkeit ehemaliger Kolonien. Das Konzept wurde vom peruanischen Soziologen Anibal Quijano (1930–2018) unter den Aspekten von coloniality of power (Kolonialität von Macht) und coloniality of knowledge (Kolonialität von Wissen) entwickelt, um das Erbe des europäischen Kolonialismus in heutigen Gesellschaften in Form von sozialer Diskriminierung und systemischer, eurozentrischer Wissensproduktion zu identifizieren und zu beschreiben. Andere Wissenschaftler:innen aus den Bereichen der Postcolonial Studies, Subaltern Studies und Schulen der Dekolonialität ergänzten das Konzept der Kolonialität um Dimensionen wie Geschlechterverhältnisse (Maria Lugones) und wandten es auf Kontexte außerhalb Lateinamerikas an (Arturo Escobar).
Weiterführende Informationen
Aníbal Quijano, Kolonialität der Macht. Eurozentrismus und Lateinamerika, Übersetzung ins Deutsche von Alke Jenss und Stefan Pimmer, Wien-Berlin 2016.Catherine E. Walsh/ Walter D. Mignolo/Rita Segato, Introduction, in: Catherine E. Walsh/ Walter D. Mignolo/Rita Segato (Hg.), Aníbal Quijano. Foundational Essays on the Coloniality of Power, Durham 2024, 1–31, 1, 5.