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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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bei Kissenji gab es bald für uns Biologen nichts mehr zu tun und wir rüsteten deshalb zu einem Besuch der Kiwu-Inseln.

An dem Tage, als der Herzog, sowie die Herren von Wiese und von Raven in Begleitung des Hauptmanns von Grawert und des Oberleutnants Knecht in das Land des unbotmäßigen Häuptlings Ngrue marschierten, verließen auch Mildbraed und ich Kissenji zu einer Fahrt nach den Inseln Nugarura, Wau und Kwidschwi. Bus der letztgenannten großen Insel wollten wir zirka eine Woche verweilen, um möglichst vielseitiges zoologisches und botanisches Material von dort zu erhalten. Dank der freundlichen Unterstützung von Oberleutnant Knecht waren die zum Transport unserer Zeltausrüstung, sowie der zoologischen und botanischen Lasten notwendigen sieben Boote pünktlich zur Stelle. Die Kiwu-Voote sind im Durchschnitt etwa lO m lange und l m breite Tinbäume, die von den Eingeborenen in jahrelanger Arbeit mittels Feuer und eiserner Ouerbeile hergestellt werden, vier oder fünf schmale Bretter dienen als Sitze für je zwei Ruderer. Um Hinteren Ende sitzt ein einzelner besonders kräftiger Uuderer, der als Steuermann fungiert. Die Uuder haben herzförmige Blätter und gehen in einen langen, drehrunden Handgriff über. Besondere Schmuckgegenstände, Kupfer- oder Messingringe, wie wir sie später an den Uudern der Wangilima des Aruwimi ganz allgemein fanden, vermißten wir am Kiwu. Mit nicht ganz ungeteilten Gefühlen hatten wir uns das erste­mal es war auf unserer Fahrt von Ischangi am Südende des Sees nach Kissenji diesen vorsintflutlichen Fahrzeugen anvertraut. Allein unsere Besorgnis, sie könnten ihrer zylindrischen Form wegen im Wasser um ihre Längsseite rollen, wie ein massiver Baumstamm, war unbegründet. Der stark verdickte, im Verhältnis zu den recht dünnen Seitenwänden sehr schwere Boden wirkt ähnlich wie ein Vleikiel und die sehr geringe Breite schließt eine ungleichmäßige Ouerbelastung der Boote so ziemlich aus. Erstaunlich ist ihre Tragfähigkeit. Wir konnten den ganzen, von den Ruderern und uns freigelassenen Raum mit Lasten und Menschen vollstopfen, ohne die See­tüchtigkeit erheblich zu beeinträchtigen. Bei ruhigem Wetter sind diese Tinbäume ganz vorzügliche Fahrzeuge. Den aus dem Kiwu nicht seltenen Stürmen gegenüber zeigen sie sich indes nicht gewachsen.

Die erste sehr traurige Erfahrung in dieser Beziehung machten wir gelegentlich unserer Fahrt von Ischangi nach Kissenji, die wir mit einer Flottille von zehn Booten, begleitet von Hauptmann von Grawert, unter­nahmen. Der erste Tag verlies bei schönstem Wetter außerordentlich an-