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Fährten des Wildes Aussicht auf Erfolg versprach. Eine halbe Stunde nach der andern verrann, aber kein Luschbock ließ sich blicken. Die .Sonne war längst hinter den fernen Kongo-Bergen zur Ruhe gegangen, das Büchsenlicht vorüber und von dem Lager her näherte sich ein schwankendes Flämmchen, die Laterne des Rskari, der den Auftrag hatte, mich abzuholen. Mißmutig erhob ich mich, um ihm entgegenzugehen. Da ein kurzer, gellender Schreckton — und ein gelber Schatten flog, zwanzig Schritte von mir entfernt, in den Wald zurück. Mein Arger war riesengroß, denn am nächsten Tage mußten wir weiter reisen und jede Hoffnung, das zoologisch wichtige Belegstück zu erlangen, war nunmehr dahin. Aber ich machte die Rechnung ohne meinen wackeren Gefährten Mildbraed. von Hause aus kein Jäger, hatte er in Afrika seine beim preußischen Militär erlangte Schießfertigkeit bisher fast ausschließlich auf botanische Ziele, armdicke blütentragende Aste des Urwaldes verwandt, von lebenden Wesen waren seiner Rugel vorläufig nur einige zum Schlachten bestimmte Ziegenböcke unserer Herde zum Gpfer gefallen und hin und wieder einmal ein Kronenkranich, der seiner Karawane den Weg zu versperren drohte. Deshalb war mein Erstaunen kein geringes, als ich die Kunde vernahm, der „bana maua" („Herr Blume", so wurde der Botaniker genannt) hätte ein Stück Wild geschossen. Ruf einem Rusflug nach der südlichen Hälfte der Insel sah Mildbraed plötzlich in dem hohen Steppengrase etwas sich schwachbewegendes Rotes. Lin schnell hingeworfener Schuß, und der berühmte Buschbock von Wau war seine Beute. Das Tier erwies sich als ein ausgewachsenes Weibchen der Spezies IrsAelapbus roualezmi. Ls erschien uns kleiner als die anderswo gesammelten Exemplare. Gb und wie weit es von den das Seeufer bewohnenden Tieren abweicht, wird aber erst die genaue, vergleichende Untersuchung lehren können. Nach sorgfältiger Präparation der Haut feierten wir das Ereignis bei einer Flasche Moselwein. Das war Mildbraeds erster jagdlicher Erfolg in Afrika, dem noch mancher andere folgte, und fast stets waren es ganz ausgefallene, wichtige Stücke, um die er unsere Sammlung bereicherte.
Am anderen Morgen verließen wir bei schönstem Wetter das Idyll Wau und fuhren nach der Westküste von Kwidschwi. Ohne den üblichen Lärm und Arger ging die Abfahrt natürlich nicht vor sich. Wir mußten unsere Reserve- prooiantlasten, die uns mit einem primitiven Segelboot (Dhau) von Kissenji direkt nach Wau nachgesandt worden waren, auf unsere acht Einbäume verteilen und die Ruderer taten so, als fürchteten sie infolge der erhöhten Lasten