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„Über die Ausdehnung und den Tharakter des Tropenwaldes in Afrika und über den sogenannten Äquatorialwald im besonderen findet man auch in neueren Werken häufig Anschauungen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Als Beleg möchte ich einige Stellen im Wortlaut anführen:
. . Schon seine Ausdehnung ist geringer (im vergleich zum malesischen und brasilianischen); er beschränkt sich auf einen relativ schmalen Streifen an der Guinea-Küste bis Kamerun und südlich weiter nach Gabun und ins mittlere Angola hinein, von da ostwärts reicht er unter sichtlicher Verarmung und mit Savannen wechselnd im Kongo-System bis zu den großen Seen usw." — Gder aber: „Tief im Innern des Kongo-Gebietes und ohne Zusammenhang mit den Küstenwäldern erstreckt sich weithin der große, düstere, von Stanley, Tmin Pascha, Graf Götzen und wenigen anderen Keifenden durchwanderte Äquatorialwald, der aber mit den Urwäldern Brasiliens oder der Sunda- Inseln durchaus nicht vergleichbar ist." — In dem ersten Zitat ist von einem großen ununterbrochenen Wald im Kongo-Becken überhaupt nicht die Bede,' es wird offenbar angenommen, daß in diesem Gebiet mehr oder minder breite Streifen oder Parzellen mit Savannen wechseln,' die zweite angeführte Stelle kennt zwar den Äquatorialwald, spricht ihm aber den Charakter des tropischen Urwaldes und den Zusammenhang mit den küstennahen Wäldern Westafrikas ab.
Demgegenüber möchte ich einen Satz Stanleys stellen: „Man hat Brasilien im Kongo-Becken, im Kongo-Slusse den Amazonenstrom, und dessen ungeheure Wälder haben ihresgleichen in dem zentralafrikanischen Walde." — von der Kamerun- und Gabun-Küste des Atlantischen Ozeans rauschen nördlich des Äquators die Wogen eines afrikanischen Urwaldmeeres ununterbrochen bis an den Suß des Kuwenzori fern im Osten, nur zwischen dem südöstlichsten Zipfel Kameruns und dem Ubangi durch Savannenlandschasten gleichsam in einer Meerenge zusammengeschnürt. Sassen wir nur den östlich dieser Einschnürung liegenden Teil, den eigentlichen Aquatorialwald, ins Auge, so sehen wir eine ungeheure Waldmasse, die begrenzt wird von dem Bogen des Kongo-Lualaba von Toquilhatville am Äquator bis Uyangwe, weiter durch eine Linie von Uyangwe zum Burton-Golf des Tanganjika, im Osten ungefähr durch den Westrand des zentralafrikanischen Grabens, im Norden durch den Uelle-Ubangi und im Westen durch den Unterlauf des Ubangi; hier aber steht sie mit den Wäldern Süd-Kameruns in Verbindung. Es ist dies ein Gebiet von rund 600000 Ouadratkilometern, in dem weder