Mineralifche Kohle.
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Englifche Geologen haben bemerkt, dafs möglicherweife ein Zufammenhang zwifchen dem weftphälifchen Reviere und den Kohlenformationen beftehe, welche das Becken von Wales bilden. Unter allen Umftänden hat die niederrheinifch- weftphälifche Formation viel mehr Verwandtes mit dem Becken von Wales, als die belgifche und nordfranzöfifche Kohlenformation.
Von Dechen fagt über die Lagerung der Steinkohle im Ruhrbecken: ,, Die bogenförmigen Falten, in welche die fämmtlichen Schichten diefes Kohlenrevieres und alfo auch die Kohlenlager zerlegt find, die fogenannten Mulden und Sättel, geben Veranlaffung, dafs der Kohlenreichthum in den oberen und dem Bergbaue zugänglichften Teufen in einer überraschenden Weife zufammgedrängt wird, und dafs diefelben Kohlenlager in einem grofsenFlächeraume unmittelbar angegriffen und ausgebeutet werden können. Dabei find die Falten flach und abgerundet. Der Einfluss diefer Lagerungsformen auf die induftrielle Entwicklung des Ruhr- Kohlenrevieres ift fo grofs, dats, wenn diefelben in der Abficht erfonnen werden follten, um diefer Entwicklung am förderlichften zu fein, keine anderen gewählt werden könnten." Die Zahl der Flöze ift eine fehr beträchtliche; bauwürdig find etwa 65 mit einer Gefammtmächtigkeit von 2500 Zoll= 65 Meter reiner Kohle, einer Mächtigkeit alfo, die 4'6mal fo grofs ift, als die des Kohlenbeckens von Süd- Wales, und 5.8mal fo grofs, als die der Kohlenlager vom Durham und Northumberland. Die durchschnittliche Mächtigkeit der Flöze beträgt 39 Zoll( 102 Meter); Flöze bis zu 20 Zoll( 0.52 Meter) gelten für abbauwürdig.
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Es liegen fonach die natürlichen Bedingungen des Steinkohlen- Bergbaues im Ruhrbecken im Allgemeinen aufserordentlich günftig. Im füdlichen Theile desfelben, an der Ruhr, wo der Stollenbetrieb noch fehr häufig, haben freilich die Gruben durch ftarke Wäffer zu leiden. Im Norden findet nur Tiefbau ftatt, und zwar gelten Schächte von I10 bis 120 Lachter= 230 12 bis 251 04 Meter Teufe fchon. als tief. Bei Effen liegt die Wetterfohle gewöhnlich in der 61. Lachter oder 127 Meter tief, die erfte Tiefbaufohle in der 91. Lachter oder 190 Meter tief, die letzte Tiefbaufohle in der 140. Lachter, das ift 292 Meter tief. Bei Gelfenkirchen kommt es vor, dafs die erfte Tiefbaufohle fich erft in der 160. Lachter oder 335 Meter tief befindet, und bei den Zechen, die in den letzten Jahren im nördlichen Theile des Revieres aufgefchloffen wurden, dürfte diefe Tiefe die Regel werden.
Den Kohlenreichthum des Ruhrgebietes berechnete von Dechen auf 35.000 Millionen metr. Tonnen, und Oberbergrath Küper auf 39.200 Millionen metr. Tonnen, fo dafs die Lager bei einer Förderung, wie die jetzige, von circa 14 Millionen metr. Tonnen per Jahr erft in etwa 3000 Jahren ihres Inhaltes entleert fein würden. Die Küper'fche Berechnung bafirt auf den thatfächlichen Auffchlüffen, die im Jahre 1860 gemacht waren; heute würde in Folge der weiteren Auffchlüffe im Norden und Often( bis Hamm hin) die Berechnung zu noch ganz anderen Refultaten führen. Von diefer riefigen Kohlenmenge liegt etwa zwifchen der Oberfläche und einer Tiefe von 100 Lachtern( 209 Meter).
Nach der Lage der Flöze und dem Charakter der in ihnen enthaltenen Kohle laffen fich vier Flözgruppen unterfcheiden. Die unterfte derfelben führt Sandkohlen, die nächfte Sinterkohlen, dann folgen Backkohlen und endlich Gaskohlen. Im Allgemeinen kann man fagen, dafs in dem füdlichen Theile des Beckens Magerkohle, in dem nördlichen ausgedehnteren, etwa von dem Auftreten des Kreidemergels an, Fettkohle gewonnen wird. Zur Cokebereitung eignen fich am beften die ftarkbackenden Kohlen von Herne, Langendreer, Bochum, auch die von Effen. Die beften Dampf- oder Mafchinenkohlen, die mit der berühmten Cardiff- Kohle von Süd- Wales zu wetteifern vermöchten, findet man im Hangenden des Leitflözes Sonnenfchein, nördlich einer Linie, welche von Oberhaufen über Effen, Steele, Laer, Witten nach Hoerde gezogen werden kann.
Es mögen hier die chemifchen Analyfen von Kohlenproben aus den ver fchiedenften Partien des Ruhrbeckens ihre Stelle finden.( Nach Unterfuchungen von Heintz, Fleck, Sauerwein, Brix, Janfen, Karften.)