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J. Pechar, Dr. A. Peez.
Jahren. Bei Jaworzno finden fich 13 Flöze mit einer Mächtigkeit von 19 bis 7.6 Metern. Die Schächte, deren im Reviere 79 vorkommen, haben eine durchfchnittliche Tiefe von 20 bis 50 Metern; der tieffte, bei Pechnik, geht bis zu 110. Metern hinab. Die Arbeiterfchaft befteht aus 1925 Männern, 258 Weibern und 38 Kindern.
Die gewonnene Kohle zeichnet fich durch günftigen Stückfall( bis zu 85 Percent) aus, ihre Qualität ift eine mittlere, die Förderung ftieg von 1868 bis 1872 von 136.227 Tonnen auf 269.827 Tonnen und dürfte einer beträchtlichen Ausdehnung fähig fein. Sie findet ihren Abfatz auf den benachbarten Glas- und Zinkhütten, in Krakau, Wieliczka, auf der Nordbahn und der Carl- Ludwig- Bahn, welche ihren Bedarf mit diefer Kohle deckt, während die Lemberg- Czernowitzer Bahn ihre Locomotiven noch grofsentheils mit Holz heizt.
Fünfkirchen. In fehr günftiger Lage nächft der Donau und zugleich durch die Fünfkirchen- Barcfer Bahn mit dem öfterreichifchen Bahnnetze verbunden, enthält das kleine Becken von Fünfkirchen mehr als 70 Flöze, wovon 25 Die abbauwürdig, mit einer Gefammtmächtigkeit von 18.96 bis 28 44 Metern. Kohle, bezüglich ihrer Reinheit fehr verfchieden, ift backend und enthält im Mittel 13 Percent Waffer und 6.6 Percent Afche. Die Förderung betrug im Jahre 1872 6.11 Millionen Centner, wovon die Donau- Dampffchifffahrt- Gefellſchaft allein 5.4 Millionen producirte. Letztere Unternehmung erzeugte auch aus der leicht zerfallenden Kohle Briquets im Belaufe von 766.616 Centnern. Muftergiltig find die Einrichtungen, welche für die Arbeiter in den Fünfkirchner Bergwerken gefchaffen wurden.*
Steyerdorf- Oravicza. Diefes kleine Steinkohlenlager, der Oefterreichifchen Staats- Eifenbahn- Gefellſchaft gehörig, hat feine befondere Wichtigkeit durch das gemeinfame Vorkommen der Kohle mit Lagern von Blackband, welche geröftet bis 43 Percent Eifen enthalten. Die Kohle ift backend und gibt, wenn gewafchen, bis zu 56 Percent Coke, die bei den Eifenwerken von Refchitza und Anina zur Verwendung gelangen.
Aufser den genannten Revieren kommen in Oefterreich- Ungarn noch zahlreiche Steinkohlenablagerungen vor, die theilweife für ihre Umgebung grofse Wichtigkeit haben, im Kohlenhandel jedoch keine Rolle spielen. Dahin gehören Sirmid in der Militärgrenze, von den Gebrüdern Guttmann aufgefchloffen, mit der beften ungarifchen Steinkohle; ferner die Steinkohlenmulden von Grünbach, Lilienfeld und Hollenftein in Niederöfterreich, von Brandau in Böhmen und andere.
VI. Das erzgebirgifche Braunkohlenrevier.
Von allen öfterreichifchen Kohlenlagern hat fich das erzgebirgifche Braunkohlenrevier am rafcheften entwickelt und übergibt feine Erzeugniffe dem gröfsten Abfatzkreife. Diefes Revier ift das einzige in Oefterreich, welches auf dem europäifchen Kohlenmarkte ein Wort mitfpricht, und wir glauben daher demfelben eine ausführlichere Darftellung widmen zu follen.
Während fich im Norden die Steinkohlenlager von Zwickau- Lugau und des Plauen'fchen Grundes zu Füfsen des Erzgebirges ausbreiten, umfäumt den Südfufs desfelben eine Braunkohlenablagerung, welche man längft als die gröfste in Europa erkannt hat. Man bezeichnet diefelbe als böhmifches, nordweftböhmifches, gewöhnlich als erzgebirgifches Braunkohlenbecken.
An der Elbe beginnend, folgt die der Miocänformation angehörige Braun kohle, ohne ftarke Unterbrechungen zu erleiden, dem Zuge des Gebirges bis zu
* Eine äufserft intereffante Schilderung davon hat Profeffor C. Th. Richter feiner. ze it im Concordiakalender geliefert.