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Das Hüttenwesen : (Gruppe I, Section 2 und 3) ; Bericht / von Franz Kupelwieser
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Franz Kupelwiefer.

Manganerze mit Kohlen gemengt, in ein ftark erhitztes Roheifen- Bad eingetragen

werden.

Das Eintragen erfolgt partienweife bis der entſprechende Mangangehalt erreicht ift. Der Ofen unterfcheidet fich von einem gewöhnlichen Siemens- Martin­ofen nur dadurch, dafs die Sohle nicht aus Maffe, fondern aus Graphit und feuerfeftem Thon hergeftellt ift. Die bei diefer Arbeit erzeugte, oft bis 25 Percent Manganoxydul haltende Schlacke wird beim Hochofen- Procefs zugefetzt. Das auf diefe Weife erzeugte Ferromangan findet beim Beffemer- und Martinprocefs dann ftatt Spiegel­eifen Anwendung, wenn ein Zufatz einer gröfseren Menge Mangans erwünſcht ift, ohne viel Kohlenftoff in das Metallbad zu bringen.

Intereffant und lehrreich ift die Art der Claffification des erzeugten Eifens und Stahles, indem man nicht blofs nach der Qualität der zur Erzeugung ver. wendeten Rohmaterialien claffificirt, fondern auch nach der Feftigkeit, welche die Proben bei Zerreifsverfuchen zeigen, indem nicht wie an den meiften anderen Hütten die Härte nach dem Kohlenftoff- Gehalte, fondern die Feftigkeit nach bleibender Längenausdehnung im Momente des Reifsens als Anhalten genommen wird. Da diefer Eintheilungsgrund neu, meines Wiffens noch an keiner anderen Hütte Anwendung fand, fo fei es geftattet, darüber etwas mehr nach den Veröffent­lichungen Schneider's zu bemerken.

Bei Stahl werden der Qualität nach drei Sorten in Handel gefetzt:

A) Maffenftahl für gewöhnliche Zwecke,

B) Maffenftahl aus befferen Roheifen- Sorten für fpecielle Zwecke,

C) Werkzeug- Stahl für ausnahmsweife Verwendung von vorzüglicher Qualität. Jede der drei Sorten wird regelmäfsig aus genau fortirten Materialien nach denfelben gleichbleibenden Proceffen erzeugt, fo dafs die Producte weder in den chemifchen noch phyſikaliſchen Eigenfchaften wefentliche Unterfchiede zeigen.

Die Gröfse der Dehnung beim Zuge, bei einer gegebenen Probe ift die charakteriftifchefte Eigenfchaft, um den Grad der Feftigkeit des Metalles zu beftimmen, und diefe Eigenfchaft wurde als Grundlage zur Claffificirung benützt. Man hat beifpielsweife für Stahl als Nr. I nach den Erfahrungen bezüglich des Verbrauches jene Sorten bezeichnet, bei welchen die bleibende Ausdehnung im Momente des Riffes im Mittel 13 Percent beträgt, und läfst die Nummern mit je 2 Percent der Längenausdehnung fteigen, fo dafs beiſpielsweife Nr. 2 eine Dehnnng von 15 Percent, Nr. 3 eine von 17 Percent u. f. w. hat. Auf diefe Weife wurden II Nummern gefchaffen, von welchen Nr. I das härtefte und Nr. II das weichfte ift. Die weicheren Sorten Stahl von Nr. 8 bis II find der fchwierigeren Fabrication halber im Preife höher gehalten.

Nach diefer Scala kann fich der Confument diejenigen Sorten, welche feinen Zwecken am beften entſprechen, wählen; fo wird für Schienenfabrication in der Regel die Qualität A und die Nr. 1 bis 5 gewählt, ebenfo wird für Bandagen, Maſchinen­ftücke, Achfenbleche Qualität A fowie B gewählt. Während Qualität C befonders in den weichften Sorten für Qualitätsbleche, Achfen, Kanonen etc. Verwendung findet. Zur Durchführung der Proben wurden Rundftäbe von 200 Quadrat- Milli­meter Querfchnitt und 100 Millimeter Länge genommen.

Für die Zerreifsproben bei Blechen werden die Probeftangen aus 1000 Millimeter breiten, 2500 Millimeter langen und 10 bis 12 Millimeter dicken Blechen nach der Walzrichtung herausgefchnitten.

Durch einen empirifchen Procefs, welcher feit langer Zeit bei allen Eifen. forten in Anwendung gebracht wird, und fich als brauchbar erwies, wird der ver­gleichungsweife Werth bezüglich des Verhaltens im warmen Zuftande durch einen Coefficienten ausgedrückt, deffen Maximum für Eifen gleichfam bei den beften Holzkohlen Eifenforten erreicht wird. Für Stahl werden die Proben nicht nur im weichen, fondern auch in. gehärteten Zuftande durchgeführt.

In nachfolgenden Tabellen find die Refultate diefer Erfahrungen auf eine fehr grofse Anzahl von Verfuchen begründet, aufgenommen.