Das Hüttenwefen.
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Ebenfo verfchmilzt der Berger'fche Gruben- und Hütten- Actienverein zu Hochdahl meift Siegerländ'fche Erze.
Die Fortfchritte, welche in Deutſchland feit der Ausftellung in Paris gemacht wurden, find in einigen Worten zufammengefafst folgende:
Bei der Roheifen- Erzeugung, welche überwiegend mit Coaks betrieben wird, ift man bemüht, die kleineren Hochöfen durch gröfsere zu erfetzen, den Wind möglift ftark zu erhitzen und die Production zu fteigern, da die Production an Roheifen, wie fchon früher erwähnt, der Confumtion nicht Schritt halten kann. Wir finden die höchfte Tagesproduction mit 1700 Centner per Ofen bei der Ilfeder Hütte, eine Production, die kaum von den gröfsten englifchen Hochöfen übertroffen wird. In Weftphalen, vorzüglich aber in Schlefien fucht man die Geftehungskoften dadurch herabzudrücken, dafs man die Schlacken der Raffinirwerke thunlichft aufarbeitet, wodurch in Schlefien gleichzeitig der Metallgehalt der Möllerung erhöht wird, was bei den armen Erzen Schlefiens fehr erwünſcht ift. Im Siegener Lande hat die Erzeugung von manganhältigem Spiegeleifen fehr zugenommen, da dasfelbe zum beim Rückkohlen des Beffemermetalls gefucht und gut bezahlt wird, und bildet dasfelbe einen lohnenden Ausfuhrartikel. Ebenfo war man bemüht dort, wo der Beffemerbetrieb eingeführt wurde, die Qualität des erzeugten Roheifens fo weit zu verbeffern, um nach und nach vom Bezuge des englifchen Roheifens möglichft unabhängig zu werden.
Grofs find die Fortfchritte in der Einführung des Beffemerproceffes, welcher gegenwärtig an vielen Orten fchon Eingang gefunden hat, und theils fchon in Anwendung fteht, theils in Einführung begriffen ift. Die Production an Beffemerftahl dürfte fich in Deutfchland im Jahre 1871 in folgender Weife geftellt haben, und zwar:
in Preufsen ohne Krupp circa 1,783.803
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Krupp circa 600.000
2,383.803
Baiern
27
"
Sachfen
"
"
Zufammen.
130.000 200.000
2,713.000 Zollcentner.
Im Jahre 1872 hingegen wird die Production abermals bedeutend gefteigert erfcheinen, da nahe 60 Converter in Betrieb waren, und wird die Production fortwährend zunehmen, da eine grofse Anzahl von Hütten fich im Baue befindet.
Es hat fich ein Procefs nicht leicht fo rafch entwickelt, wie diefer, und es ift die Production feit 1866 wenigftens um das 42fache geftiegen.
Die Gefammtproduction an Stahl dürfte im Jahre 1871 bereits 4 Millionen Zollcentner überftiegen haben.
Wenn auch die Bezeichnung des Guffes mit überhitztem Stahl nicht vollkommen correct erfcheint, fo ift doch die Methode überall dort empfehlenswerth, wo es fich darum handelt, möglichft blafenfreien Gufs zu erhalten, fomit zunächft bei, Herftellung von Façongufs. Bezüglich der Ausftellung folcher Stücke hat Bochum wie in Paris, fo auch diefsmal wieder das Schönfte geliefert.
Als Fortfchritt kann ferner auch noch die Einführung des SiemensMartinproceffes begrüfst werden, obwohl derfelbe vielleicht noch nicht in der Ausdehnung betrieben wird, die als zweckmäfsig erfcheinen dürfte. Im Jahre 1871 waren II Siemens- Martinöfen in Betrieb.
In Beziehung auf Fabrication find durch Einführung von kräftigen Walzwerken, grofsen Hämmern etc. bedeutende Fortfchritte gemacht worden, die fich eben nur in den Dimenfionen und theilweife in der Qualität der erzeugten Producte zeigen. Die Einführung der Siemensöfen behufs des Schweifsens macht in Deutfchland fehr langfame Fortfchritte.