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Das Hüttenwesen : (Gruppe I, Section 2 und 3) ; Bericht / von Franz Kupelwieser
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Franz Kupelwiefer.

zur Erzeugung von Schwefelfäure verwendet wird, dafs das Verfchmelzen ohne Ausnahme in fechsförmigen Oefen, von welchen nicht blofs Zeichnung, fondern auch ein Modell ausgeftellt war, durchgeführt wird. Die Oefen haben 9 42 Meter Höhe, am Boden 183, an der Gicht 2.2 Meter Durchmeffer. Die Gafe werden aufgefangen, theils um den Gichtftaub zu gewinnen, theils um diefelben unfchäd­licher zu machen. Da fich während des Betriebes öfters Anfätze bilden, fo gedenkt man in den Rauhfchacht an mehren Orten Oeffnungen zu laffen, um zum Kern­fchacht leichter Zutritt zu haben, und diefelben befeitigen zu können. Auch der Betrieb wird eigenthümlich geführt: Gewöhnlich wird der Ofen als Sumpfofen betrieben, haben fich aber im Geftelle Anfätze gebildet, fo werden diefelben dadurch herausgefchmolzen, dafs man den Ofen während 24 Stunden als Spur­ofen in Betrieb erhält. Die Dauer der Campagnen ift nahezu 6 Monate. Aufser den End- und Zwifchenproducten des Proceffes waren noch Kupferftangen, Platten etc. ausgeftellt, um die Qualität des Kupfers, fowie die erzeugten Fabricate zu zeigen.

In der Okerhütte am Harz wurde im Jahre 1872 eine Kochfalz- Röft­und Extractionsanftalt zur Gewinnung des Silbers aus den filberhältigen Lechen. erbaut und in Betrieb gefetzt. Als Rarität wurde auch Tellurfchlamm, welcher in den Schwefelfäure- Kammern gewonnen wird, ausgeftellt.

Selbſtverſtändlich ift es, dafs Freiberg auch die Producte der Kupfer­proceffe und der Silbergewinnung mittelft Schwefelfäure ausftellte; ferner verdient noch die Ausstellung des Kupfer- Hammerwerkes zu Grünthal in Sachfen, welches ganz vorzügliche Producte und Fabricate zur Anfchauung brachte, Erwähnung.

An Kupfer- und Broncefabricaten war die Ausftellung nicht ganz arm, und find als Specialitäten hervorzuheben die von Hochofen- Wafferformen, von welchen Theodor Martin zu Koslow bei Gleiwitz aus Kupfer getriebene Dango& Dienen­thal zu Sieghütte bei Siegen, fowie Herlituhka& Gobiet zu Düffeldorf Bronce­Wafferformen ausftellten.

Das Meffingwerk des Aaron Hirfch und Sohn zu Halberstadt ftellte Kupferröhren ohne Naht recht fchön, die Crufauer Kupfer- und Meffingfabrik bei Flensburg Gegenftände, welche beim Schiffbau nothwendig find, aus.

Auf ein Product, welches in den früheren Ausstellungen noch nicht vor­handen war, auf Phosphorbronce, mufs hier befonders aufmerksam gemacht werden. Es iſt dasfelbe fowohl von Georg Höper& Comp. zu Iferlohn in der deutfchen Abtheilung, fowie von Montefiori Levi und Dr. Künzel in der belgifchen Abtheilung ausgeftellt. Von Erfterem find überwiegend Lager, Walzen­kraufeln neu, fowie nach zweijährigem Gebrauche, von Letzterem hingegen vor­wiegend Waffenbeftandtheile und Waffen( auch Kanonen) ausgeftellt.

Um die Qualität des Materials hervorzuheben, ift eine Reihe von mit dem­felben durchgeführten Verfuchen beigegeben, von welchen das wichtigfte hier angeführt werden foll.

Eine Stange

mit 200 Centner per Zoll belaftet hielt bis zum Zerreifsen 408.230 Dehnungen aus,

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250

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150

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200

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147.850 480.000 862.980 Biegungen aus,

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während gewöhnliche Bronce fchon bei 102.650 Biegungen gebrochen ift. Zu bedauern ift, dafs die Art und Weife, wie die Verfuche durchgeführt wurden, nicht angegeben ift.

Profeffor Jenni in Wien beftimmte den Elafticitätsmodul E= 98.85

die Zugfeftigkeit Sz= 13'94 die Bruchgrenze Bz= 40 40

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Kilo per

Quadrat- Millimeter.