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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Ant. Adam Schmied.

fachen Pflugwerkzeugen in fehr dürftiger Weife bearbeitet und die Düngung der felben vollzieht fich lediglich durch die Excremente des darauf getriebenen Weide­viehes. Eine um fo höhere Meinung flöfst uns daher die natürliche Fruchtbarkeits­anlage des Bodens und die der Vegetation fo günftige Befchaffenheit des Klimas ein, wenn wir hier die ausgeftellten prächtigen Proben von den verfchiedenen Bodenproducten fehen. Die trefflichen Collectionen von weifsem und gelbem Weizen, Gerfte, Roggen und Hafer, darunter fchöne weizengelbe Sorten von Mais und Erbfen, Bohnen und Fifolen, gewährten uns den Einblick in die uner­fchöpfliche Productionsfähigkeit des Landes. Neben den diverfen Getreide- Arten fah man viele Sorten von Reis, Hirfe, Leinfamen vorzüglicher Güte und Klee­famen. Vorzüglich war der ausgeftellte Tabak. Dafs die Weine, die Oele, der Hanf, die Baumwolle, die Farbhölzer, die Südfrüchte, befonders Tafelnüffe und Mandeln, auf der Ausftellung nicht fehlten, läfst fich denken. Die fchöne grofse Holzfammlung in vielen ausgezeichneten Exemplaren fiel recht wirkungsvoll den Befuchern auf. Der in reichhaltiger Weife ausgeftellte Safran, ausgezeichnet. durch fchöne Farbe und feinen Geruch, die Farbftoffe( der Krapp) und gedörrtes Obft( befonders Pflaumen) vervollſtändigten die umfangreiche Ausftellung. Auch das würdige Giftpendant zum Tabak, das Opium, diefes furchtbare Betäubungs­mittel der Afiaten, fand neben diverfen, zur Opiumbereitung dienenden Mohn­forten in der türkifchen Ausftellung feine reiche Vertretung. Seinen hauptfäch­lichften Pflanzboden hat das Opium, diefer verderblichfte aller Stoffe, in Britiſch­Indien, und es ift wahrhaft ein ewiger Schandfleck für die moderne Civilifation, dafs England dasfelbe dem chinefifchen Volke durch Waffengewalt aufzudrängen fuchte. Vor diefem Kriege wurden jährlich für 4, feit demfelben für 10 1/2 Millionen Pfund Sterling Opium nach China eingeführt. Zudem baut gegenwärtig letzteres in feinen füdlichen Provinzen felbft Opium und confumirt jährlich für 15 Millionen Pfund Sterling. Zu medicinifchen Zwecken wird auch in Frankreich und Deutfch­land Opium mit Erfolg angepflanzt.

Rufsland, nächft dem britifchen Weltreiche der gröfste, aber einer der am fchwächften bevölkerten Staaten der Erde, ift der reinfte, ausgeprägtefte Agriculturftaat, in welchem jedoch die Landwirthschaft zur Zeit noch fehr exten­fiv betrieben wird. Von dem ganzen unermesslichen Areale werden rund 16 Percent als Ackerland benutzt, dazu kommen 14 Percent Gartenland und 2. Percent Wiefen, während 20 Percent als Weiden, 31 Percent Wald und 29 Per­cent Steppen und Unland liegen. Je nach dem Breitegrade zeigt natürlich fowohl das europäiſche Rufsland, welches im Allgemeinen die fehr fruchtbare farmatifche Tiefebene bildet, als auch das afiatifche Rufsland, wo namentlich im mittleren Rufsland die Agricultur durch die unerfchöpfliche fchwarze Erde( cerná zem) im hohen Grade begünftigt wird, in dem ortsüblichen Wirthfchaftsbetriebe fehr verfchiedene Eigenthümlichkeiten, fo dafs es uns nicht möglich ift, auf deren, wenn auch nur fehr flüchtige Schilderung einzugehen. Es genügt, wenn wir bemerken, dafs der Ackerbau und die Viehzucht im Allgemeinen noch ziemlich primitiv betrieben werden, und dafs man nur ausnahmsweife hie und da einen intenfiven Grofsgrundbefitz antrifft. Rufsland baut in erfter Reihe Cerealien: Roggen, Weizen, Mais, im Süden Hirfe und Reis, dann etwas Hülfenfrüchte. Der Handels- Gewächsbau ift im Grofsen und Ganzen unbedeutend; Flachs und Hanf werden zwar in koloffalen Mengen angebaut, daneben Zuckerrüben und auch Farbpflanzen, fonft cultivirt man nur in den füdlichen Gegenden Wein bis 48 Grad nördlicher Breite( jährliche Production circa 17 Millionen Eimer), Tabak( in der Krim, Ukrain, an der Wolga), Anis, etwas Baumwolle, Südfrüchte u. f. w. Uebri­gens darf man nicht überfehen, dafs Rufsland in den gegenwärtigen, noch nicht ganz geklärten und vollſtändig entwickelten Verhältniffen mit Handels­gewächfen keine Ausficht auf Erfolg hat. Es ift dünn bevölkert, in Folge der eigenthümlichen Verhältniffe der ländlichen Bevölkerung ift ein fühlbarer Mangel