Die landwirthschaftlichen Geräthe und Maſchinen.
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erproben, die erwiefenen Vortheile derfelben ins rechte Licht zu ftellen und for die bewährten Geräthe zur fchnellen Verbreitung zu bringen. Die erfte Weltausftellung zu London 1851 durch die Initiative des hochherzigen Prinzen Albert ins Leben gerufen, war verhältnifsmäfsig dürftig an landwirthschaftlichen Mafchinen. Sie brachte nicht viel Bewährtes und Erprobtes; meiftens waren es mehr oder weniger gelungene Anfänge, mitunter auch fonderbare Mechanismen, welche den verwunderten Blicken der zahlreichen Befucher vorgeführt worden find. Seit diefer Zeit hat fich der landwirthfchaftliche Mafchinenbau als ein fehr fruchtbarer erwiefen. Jede der nachfolgenden Weltausstellungen, welche gleichfam , Etappen in der Fortfchrittsentwicklung desfelben bilden", hat etwas Neues gebracht, oder wenigftens einen durchgebildeten und zu einer conftanten Ausführung gelangten Zweig des agricolen Landwirthfchaftswefen in feiner Gefammtheit vorgeführt, bis die letzte der bisherigen Weltausstellungen, 1873 in Wien, durch eine folche Fülle, Mannigfaltigkeit und gediegene Conftruction faft aller landwirthfchaftlichen Mafchinen und Geräthe fich auszeichnete, wie keine Ausftellung zuvor, fo dafs die aus allen Ländern zahlreich herbeigeftrömten Landwirthe mit Verwunderung diefe impofante, in jeder Hinsicht hervorragende landwirthschaftliche Expofition betrachteten und ftudirten.
Es war fchwer und zeitraubend, diefe arbeitsfördernden Mechanismen einzeln oder bis ins kleinfte Detail der Conftruction zu unterfuchen und mühfelig, das Wahrgenommene kurz, bündig und doch fo vollständig zu befchreiben, dafs nichts Wichtiges überfehen, oder etwas, was von Bedeutung ift, vergeffen wurde.
Die in dem letzten Vierteljahrhundert abgehaltenen Ausftellungen haben aber klar gezeigt, wie diefer Zweig des Maſchinenwefens eine eigenthümlich rafche Entwicklung erfahren hat; zweckmäfsige Verbefferungen des bewährten Alten und wichtige Erfindungen von Neuem haben fich in eiliger Folge gehäuft. Nahezu den meiften mechanifchen Bedürfniffen des landwirthfchaftlichen Betriebes fuchte der wohlgepflegte Erfindungsgeift unferes Jahrhundertes entgegenzukommen und nach Umftänden gerecht zu werden, fo dafs es faft fchwierig ift, aus der Maffe des Gebotenen das Brauchbare und Nothwendige von dem Unbrauchbaren und Entbehrlichen zu fichten und das abfolut Befte mit Beftimmtheit hervorzuheben.
Seit der vierten Weltausftellung in Paris im Jahre 1867 fcheint aber in der bis dahin ruhelofen Entwicklung des landwirthschaftlichen Mafchinenwefens ein bemerkbarer Stillftand eingetreten zu fein; denn die Erfindungstalente haben fich mehr den Verbefferungen fchon bekannter Maſchinen zugewendet, und befonders beachtenswerthen, weittragenden Erfindungen, neuen, noch nicht dagewefenen landwirthschaftlichen Mafchinen begegnet man fehr felten nicht. Wohl aber tritt das Streben der Fabrikanten hervor, die am meiften gebrauchten Mafchinen in zweckmäfsigeren, möglichft einfachen und höchft foliden Conftructionen zu liefern.
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faft gar
Befonders fcheint das laufende Jahrzehnt mehr dazu beftimmt, die epochemachenden Ideen früherer Zeiten und die bisher gewonnenen Refultate diefes Zweiges praktiſch zu verwerthen. Diefs läfst fich vom Pfluge, den Drill- und Mähemaſchinen, den Dampf- Drefchapparaten und Futterzubereitungs- Mafchinen gleichmässig fagen, obgleich in allen diefen Kategorien auch in der letzten Zeit viel verfucht und angeblich noch viel mehr verbeffert worden ift. Trotz der verfchiedenen Namen diefer Erfindungen und Verbefferungen, find es vielleicht kaum ein Dutzend originaler Grundideen, um welche fich die Conftructionen jener wichtigen landwirthfchaftlichen Geräthe gruppiren, und auf welchen fie in ihrer praktifchen Ausführung fo bafiren, dafs von zeitgemäfsen, zweckmäfsigen Verbefferungen eben ein gröfserer Nutzen und folglich auch vermehrter Gebrauch zu
erwarten ift.
Bei der Betrachtung der ausgeftellten landwirthfchaftlichen Mafchinen und Geräthe follen diefelben je nach ihrer Verwendung und Anordnung gruppirt
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