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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Ant. Adam Schmied.

befchäftigt fich diefelbe mit der Fabrication von Dampf- Ackerbau- Apparaten und hat während diefer Zeit mehrere Hundert Dampfcultivatoren und Dampfpflüge verfertigt. Während J& F. Howard das Syftem mit zwei Dampfmafchinen für Gefellſchaften, fehr grofse Landwirthe oder Grofsgrundbefitzer, fowie für Perfonen, welche folche Apparate behufs Vermiethung an Andere verkaufen, empfehlen, find fie der Anficht, dafs fich für Landwirthe, welche Dampfapparate einfach für die Bearbeitung mäfsig grofser Ländereien erwerben, das Syftem mit Einer Dampf­mafchine beffer eignet, indem dasfelbe weit billiger und ökonomifcher ift und überdiefs den grofsen Vorzug hat, dafs mit demfelben jahrelang ohne koftfpielige Reparaturen gearbeitet werden kann.

Von diefem ftationären Syfteme fahen wir auf der Ausstellung eine Seilwinde mit felbftthätiger Aufwicklung; die Windetrommel ift nämlich mit doppeltem Lipp­block verbunden und durch eine einfache Vorrichtung wird die Seilaufwicklung auf die Trommel felbftthätig regulirt. Dann einen vierfurchigen Dampfcultivator mit etwas ruchadloartigen Streichbretern, welcher nicht näher befchrieben zu werden braucht. Die zu diefem Syfteme gehörigen Locomobilen wurden nicht ausgeftellt. Die Fabrication der Dampf- Ackerbau- Apparate wird bisher ausfchliefslich von englifchen Firmen betrieben und ift J. A. Howard jetzt fozufagen der einzige Concurrent von John Fowler& Comp. Sein Syftem mit Einer Dampfmaschine, das fogenannte Umkreifungsfyftem, hat fich aber trotz der bedeutend niedrigeren Anfchaffungskoften und obzwar jeder Theil auf das Solidefte ausgeführt ift, gegen­über dem Fowler'fchen Doppelfyftem, welches befonders für gröfsere Ansprüche und ausgedehntere Complexe geeignet ift, nicht mit durchgreifendem Erfolge behaupten können. Der Umftand darf aber nicht überfehen werden, dafs fich die Howard'fche Locomobile und Seiltrommel inclufive Zugfeil ihrer Conftruction nach ganz gut zu einer Fördermafchine eignet beziehungsweife zum Betriebe irgend einer beliebigen Transportvorrichtung, alfo eine gleiche Verwendung wie die Fowler'fche Dampfpflug- Locomotive zuläfst. Auf der kaiferlichen Domäne Hoftiwic bei Prag hat man zu gewiffen Zeiten Gelegenheit, eine folche lohnende Verwendung der Howard'fchen Dampfpflug- Locomobile zu fehen. Profeffor J. M. Fuchs ift der Anficht, dafs fich in der Combination mit den Bahnausführungen nach dem Syfteme Corbin dabei ein Mittel zu bieten fcheint, Maffentransporte auf kürzeren Strecken mit veränderlichem Auf- und Ablade- Orte in vortheilhafter Weife bewältigen zu können".

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Das Dampfpflüge- Syftem Fowler's mit doppelten Dampfmaschinen kann man als die Löfung der fo wichtigen Frage der Dampfcultur betrachten, indem nach feiner gegenwärtigen Conftruction und Anordnung anzunehmen ift, dafs es nur noch in einzelnen Theilen weitere Verbefferungen zu erwarten haben wird.

Die Säemaſchinen.

Die gegenwärtig in der Verwendung ftehenden Syfteme der Säemaſchinen waren fämmtlich ausgeftellt; doch find diefelben im Allgemeinen zu bekannt, als dafs es nothwendig wäre, fie hier ausführlicher zu befprechen. Die maffenhafte Verbreitung der Säemafchinen liefert den erfreulichen Beweis, dafs die eminen­ten Vortheile der Reihencultur von den Landwirthen immer mehr gewürdigt und ausgenutzt werden. Die Drillcultur, in Oftafien feit dem Alterthume üblich und bei den Römern und Galliern bereits angewendet, hatte erft mit Beginn des gegen­wärtigen Jahrhundertes in Grofsbritannien Fufs gefafst. Die erfte Säemafchine wurde von dem Spanier Jofef Locatelli in Kärnten gebaut und 1636 auf den Feldern bei Laxenburg verfucht, wobei fie fich bewährt haben foll. Wahrfchein­lich gelangte ein Modell diefes Sembradors über Spanien nach England, wo es zu Weiterverfuchen auf diefem Felde des landwirthschaftlichen Mafchinenwefens Anregung gab; aber erft James Coke conftruirte die Drillmafchine, welche als