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Ant. Adam Schmied.
unterfchätzen; da es dem Bedürfniffe der Landwirthschaft gegenüber immerhin eine beachtenswerthe Rolle spielt. Schwefelfaures Ammoniak haben unter Anderem ausgeftellt, Compagnie parifienne d'éclairage et de chauffage par le Gaz( Paris), Michaux( Bonnières, Seine et Oife), v. d. Elft& Matthes( Amfterdam); Krakauer Gasanft alt( Galizien), Hirfchmann & Comp.( Warfchau), Th. Gullberg( Göteborg, Schweden), die Gasgefellfchaft in Lüttich( Belgien) u. a. m.
Um einen Dünger von höchfter Wirkung und Energie zu erlangen, mifcht man Ammoniakfalze und Superphosphate in einem entſprechenden Mifchungsver hältniffe zufammen. Die erhaltene Düngercompofition, welche jedoch fchon im Jahre 1863 von J. von Liebig als ganz vorzüglich empfohlen ward und von den hervorragendften Agriculturchemikern Deutſchlands als reellftes Erfatzmittel des in feiner Qualität mehr und mehr finkenden Peru- Guanos bezeichnet wurde, enthält bei 3.7 Percent Stickftoff( als Ammoniakfalz) 17 bis 18 Percent, ja fogar bis 20 Percent lösliche Phosphorfäure und o 8 Percent unlöslicher Phosphorfäure. Die Landwirthschaft befitzt in diefer Mifchung- dem fogenannten Phosphorguano- ein Düngemittel, welches fich überall empfiehlt, wo Culturverhältniffe den Gebrauch von Superphosphat mit geringen Beimengungen von löslichen Stickftoffverbindungen räthlich erfcheinen laffen. James Gibbs& Comp.( London) ftellte feinen patentirten Ammoniakguano, Lud. Fino( Turin), das phosphorfaure Ammoniak und das fürftlich Auerfperg'fche Bergamt Lukawitz( bei Chrudim in Böhmen) Ammoniakfuperphosphat aus.
Ueber den Nutzen der phosphorfäurehaltigen Düngemittel ift etwas Allgemeines kaum nothwendig zu bemerken; derfelbe wird von der Praxis immer mehr anerkannt, wie diefs der von Jahr zu Jahr fich fteigernde Verbrauch klar beweift. Auch waren diefelben in der Wiener Weltausftellung am zahlreichften und vollständigften vertreten.
Die in der Landwirthschaft gebrauchten Phosphate ftammen entweder aus dem Mineralreiche, die verfchiedenen Phosphoritgefteine, welche zumeift als Rohmaterial für die Fabrication der Superphosphate dienen, oder aus dem Thierreiche, die Knochen in ihrer verfchiedenen Zubereitung. Die Anwendung des Phosphorits in fein gemahlenem Zuftande, als fogenanntes Phosphoritmehl, wird in jüngfter Zeit von manchen Seiten mit befonderer Wärme als Düngungsmittel empfohlen und hat auch, in verftändiger Weife ausgeführt, die Landwirthschaft in einem nicht geringem Mafse gefördert. Deshalb durchfucht man gegenwärtig auch die ganze Welt nach phosphorhaltigem Material, und die bergmännifche Induſtrie ift überall bedacht, Phosphorite aufzufinden, und da derfelbe in verfchiedenen Gebirgsformationen, befonders in den jüngern heimifch ift, fo find fchon viele glückliche Funde diefer Art gemacht worden. In den einzelnen Mineralienfammlungen der I. Gruppe haben wir auch zahlreiche Mineralphosphate, welche als werthvolle Rohftoffe zur Bereitung der künftlichen Düngmittel vortheilhafte Verwendung finden, gefehen. Von den Proben der löslichen Phosphate von Green Mountain( Vereinigte Staaten von Nordamerika) mit angeblich 18 18 Percent Phosphorfäure, welche Gev. W. Beckwith( Burlington) ausftellte, bis zu den Phosphoriten aus den Gouvernements Podolien und Lublin( Rufsland), welche Wlad. Graf Dziedus zycki vorführte und den Kalkphosphaten, phosphorfäurehaltigen Erden und Phosphatfelfen aus Venezuela, konnte man die meiften hierher gehörigen Mineralien aus den einzelnen Ländern exponirt, wahrnehmen. Spanien, welches fonft kein anderes Düngemittel ausgeftellt hatte, führte in feiner reich befchickten Mineralienfammlung viele Exemplare des natürlichen phosphorfauren Kalkes, welcher zum überwiegend grofsen Theile zur Erzeugung der Superphosphate Verwendung findet, vor. So z. B. die bis 90 Percent phosphorfauren Kalk enthaltenden Phosphorite aus Fregeneda( Provinz Salamanca), Phosphorite aus Badajoz, Alcantara, Malaga, Madrid, Cordova und anderen Orten; befonders aber die fchöne, vollſtändige Sammlung der Phosphorite der Provinz