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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Ant. Adam Schmied.

felbe auch etwas ertragreicher, als der Weizen, wodurch aber der geringere Preis des erfteren keinesfalls ausgeglichen wird: fo erfcheint es im Allgemeinen doch rathfam, den Roggenbau einzufchränken und dafür den Weizenbau ausgedehnter zu betreiben. Im ganzen preufsifchen Staate, in Thüringen, Sachfen, Braunfchweig und Mecklenburg hat der Roggenbau ein entfchiedenes Uebergewicht; nur in Württemberg und Baden, wo der Spelz die Brodfrucht ausmacht, wird der Roggen weniger häufig gezogen. In der öfterreichifchen Monarchie, wo Ungarn( mit dem Banat) und Böhmen an der Spitze der Weizenproduction ftehen, geht Böhmen bei der Roggenerzeugung felbft dem gefegneten Ungarn voran. Galizien folgt in beiden Beziehungen; daran reihen fich erft Mähren und Oefterreich unter der Enns. Die letzten fünf Jahre gaben für Gefammt Oefterreich folgende Durch­fchnittsernten:

Weizen

Korn

Gerfte

Hafer Mais

"

28 28 Millionen Hektoliter 49 19 30.74 61.49

99

99

99

23.36 6.15

27

"

27

Hirfe, Heidekorn Zuſammen

199 21 Millionen Hektoliter.

Die meiſten und fchönften Roggenproben haben Rufsland, in deffen Nord­hälfte fehr viel Roggen gefäet wird, Deutfchland und Oefterreich ausgeftellt; aber auch die füdlichen Länder Europas haben manch fchönes Roggenmufter exponirt. " Darunter zeichneten fich insbefondere Spanien und Italien aus durch grofs­körnige, eigenthümlich hellfarbige Roggenfrüchte, welche mit ihrer lichtocker­gelben Färbung und vollen fchönen Körnern ein faft weizenartiges, ganz unge­wohntes Ausfehen zeigten."( Braungart.) Deutſchland ftellte den Probfteier, Pirnaer, Kutzenberger Roggen, Eldenauer Baftardroggen, eigenartig langfpelzigen, fehr ftrohreichen Schilfroggen aus; Oefterreich den kleinkörnigen oder böhmi­fchen, den klein- und dickkörnigen Stauden- oder Johannisroggen, ein Cultur­product der Hackwirthfchaft des Böhmerwaldes, dann Correnzer, egyptifchen, amerikaniſchen und Champagner Roggen, Sommer- Staudenroggen, ruffifches Sommerkorn, dünnen kurzen Moraft- Winterroggen, fchönes Sommerkorn( aus dem Hermannftädter Gebirgsland in Schlefien), welches per Joch einen Ertrag von 15 Metzen à 80 Pfund und 33 Centner Stroh gewährt; Ungarn fchönes Winter­korn, Johanniskorn, welches angeblich per Joch eine Ernte von 36 Metzen Körner à 82 Pfund liefert; Rufsland den befonders für Gebirgsgegenden empfehlens­werthen ruffifchen Roggen, lufttrocken 120 Pfund holländifch fchwer, kurländi­fchen Roggen, gedörrt 124 Pfund holländifch fchwer, und das ruffifche Schneekorn mit fadenförmig dünnen, ungemein langgeftreckten Aehren; die Niederlande fehr fchönen Seeländer Roggen( und Weizen); Bèlgien ausgezeichneten Campiner Roggen und fehr hohes ruffifches Korn( aus Condroz). Selbft Italien ftellte fchönen römifchen Roggen, Cereale secale hybernum, Spanien den ſchweren ,, Doppelroggen" u. f. w. aus.

Wenn auch die ausgeftellten Roggenarten fich fehr ähnelten und nur hin­fichtlich der Gröfse und Länge der Körner und ihrer Färbung, fowie in der Dicke und Länge der Aehren etwas von einander unterfchieden waren, indem z. B. ein­zelne Roggenproben aus Sachfen recht dunkle, blaufchimmernde, mitunter faft braune Körner des Pirnaer Gebirgsroggens eingemifcht enthielten, fo konnte man doch in der Gröfse des Halmes, der Blätter und Aehren gröfsere Verfchieden­heiten wahrnehmen, wie wir diefs an dem langen, ftarken und zähen Halme des Probfteier, den fchwer herabhängenden Aehren des Champagners, der ungewöhn­lichen Länge des Strohes des Campiners, den breiten Blättern des ruffifchen und den langen Aehren des fchwedifchen Roggens wahrnehmen konnten. Aber die gröfste