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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Ant. Adam Schmied.

Die Mohrhirfen( Sorghum), aus Oftindien ftammend, werden in Afrika, Südafien und Südeuropa angebaut, wo deren Samen als Brodfrucht und Vieh­futter benutzt werden. Wenn man die in Mitteleuropa heimifch gewordene Mohrhirfe( S. vulgare) mit ihren mageren, in den lederigen Spelzen ganz ein­gehüllten Körnern vergleicht mit den üppigen Mohrhirfen aus einzelnen Gegen­den Afrikas, aus Nubien, Abyffinien u. f. w., wo deren Körner eine anfehnliche Gröfse und hohen Stärkegehalt erreichen und überdiefs aus den häufig bleibenden Spelzen weit hervortreten, fieht man augenblicklich ein, dafs die Mohrhirfe bei uns nie eine gewiffe Bedeutung erreichen wird, während fie in den Binnenländern Afrikas als Haupt- Brotfrucht eine hervorragende Stelle einnimmt. Auf der Aus­ftellung war die Mohrhirfe ebenfalls in zahlreichen Varietäten, die fich nach der Farbe der Spelzen, fowie nach der Gröfse und Färbung der Körner vielfach unterfchieden, vertreten: man fah die braune und fchwarze Mohrhirfe, fowie die zweifarbige Mohrhirfe mit weifsem und braunem Samen; die nickende Mohrhirfe ( S. cernuum) fiel Jedermann durch ihren oberfeits hornförmig überbogenen Stengel, der fchwarze Sirk durch die ausgebreitete Rifpe u. f. w. auf; die Zucker­mohrhirfe( S. saccharatum), in Oftindien einheimifch, nnd vor etwa zwanzig Jahren als eine fiegreiche Rivalin des Zuckerrohres angefehen, unterfcheidet fich von den übrigen Abarten durch das hohe Gewicht ihres Stengels, bedingt durch den reichlichen Zuckerfaft, während alle anderen Sorten einen leichten, trocken­markigen Stengel befitzen. Die Mohrhirfe( Dhurra) war in reichlicher Menge in der egyptifchen Ausftellung vertreten, und zog hier durch ihre merkwürdig grofsen und vollen( faft Erbfengröfse erreichenden), vorherrfchend dunkel befpelzten, weniger andersfarbigen Früchte, allgemeine Aufmerkfamkeit auf fich. Werden die vorftehenden Hirfegattungen, ähnlich wie der Mais und Reis, namentlich in den Südländern Europas, in Afrika, Afien und Amerika, in fo weit diefe Erdtheile der wärmeren, gemäfsigten und der fubtropifchen Zone angehören, in enormer Ausdehnung cultivirt, wie diefs das Ausftellungsmaterial der genannten Brodfrüchte ,, in wahrhaft erdrückenden Proportionen" dargethan hat, fo fand man doch hie und da auch aus anderen Ländern fchöne Proben von diverfen Hirfearten, welche den Beweis lieferten, dafs in denfelben die Hirfe ebenfalls mit Vortheil angebaut werden kann. Ich erwähne nur der von der Kanitzer Gutsverwaltung ( Porlitz, Mähren) ausgeftellten Collection der gelben Rispenhirfe, fchwarzer, hän­gender Mohrhirfe, gelber Kolbenhirfe und indifchen Sorghums und das in der Collectivausftellung der k. k. fteiermärkifchen Landwirthschafts- Gefellſchaft vor­handen gewefenen gemeinen Sirks, des Klumpenfirks und der Kolben-, Klump und Rifpenhirfe. Vielleicht wäre es räthlich, mit den geeigneten Hirfearten, fowie auch mit dem Mais, in den nördlichen Ländern Oefterreichs Acclimatifations­verfuche anzuftellen und die Einführung der bewährteften Sorte vorzunehmen. Freilich müfste man zu folchen Verfuchen nur frühreifende Sorten verwenden, welche im Süden Oefterreichs bereits in vorzüglicher Ergiebigkeit gedeihen und dafelbft mit Vortheil angebaut werden.

Doch gewähren die Hirfearten in den warmen Zonen die höchfte Ernte. Dr. Williamfon, der 1873 die chinefifche Provinz Schantung bereifte, fchreibt, dafs Hirfe und Sorgho dort einen geradezu koloffalen Ertrag liefern. Ku- tfe ( Stellaria italica) gibt aus einem Samenkorn 8000 bis 11.000 hochwachfende rothe Hirfe, Rau- long, eine Art Sorgho von 4000 bis 5000 Körnern; Schu- the ( Panicum miliaceum) 1800 bis 2200. Ku- tfe gibt wahrfcheinlich unter allen Getreidearten den höchften Ertrag und bildet das Haupt- Nahrungsmittel der kräftigen Leute in Schantung, überhaupt im Norden Chinas.

Hie und da fand man in der Ausftellung noch andere nützliche Grasarten exponirt. Die fteiermärkifche Landwirthfchafts- Gefellſchaft ftellte die kleinkör­nige Hirfe, Himmelsthau oder Bluthirfe( P. sanguinale) aus, welche meiftentheils in Polen angebaut wird. Doch wollen wir auf diefe Früchte, welche eine höchft untergeordnete Rolle spielen, nicht näher eingehen.