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Thierzucht : (Gruppe II, Section 2) ; Bericht / von Johann Pohl
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Johann Pohl.

beiden Racen um den Einfluss auf die öfterreichiſche Pferdezucht ift als einer der wichtigften Erfolge der internationalen Pferde- Ausftellung hervorzuheben. Gleichzeitig und im Zufammenhange mit der internationalen Pferde- Aus­ftellung follte auch der Renn- und Trabfport feinen Platz finden.

Wettrennen und Trabwettfahren.

Die Tüchtigkeit eines Pferdes wird fich felbft bei gründlichfter Kenntnifs der Natur desfelben im Allgemeinen und bei tiefftem Scharffinn kurzweg nur an­nähernd beftimmen laffen und einer blofsen äufseren Betrachtung werden in der Regel Vorzüge und Mängel unentdeckt bleiben, die, nach längerem Gebrauche er­kannt, wefentlich den Werth des Thieres modificiren können. Das ift eine That­fache, die jedem bekannt ift; ebenfo gut weifs aber auch Jedermann, dafs eine ent­fprechende Probe- Arbeit fchon einen viel tieferen Einblick in die Leiftungsfähig­keit des Organismus geftattet, dafs mittelft einer Tour im Wagen oder mittelft eines Rittes ganz neue Seiten des Thieres enthüllt werden. Die einzelnen Organe und Körpertheile, verfchieden in Form und Befchaffenheit, fowie ihre gegenfeitige Harmonie zeigen fich hier in ihrer Brauchbarkeit für den vorliegenden Zweck, und werden um fo mehr zielgerechte Verhältniffe befitzen müffen, je grösser die geſtellte Aufgabe war und je beffer diefelbe gelöft wurde. Der Pferdezüchter wird fo in eine feine Sache fehr fördernde Lage gefetzt; während ihm damit einestheils ein Mafsftab für die richtige Beurtheilung der Tüchtigkeit des Zuchtmateriales geboten wird, findet er andererfeits fo auch wieder Gelegenheit, die Pointe feiner züch­terifchen Leiftungen herauszukehren und daraus Nutzen ziehen zu können. Aber auch bei keinem Zweige landwirthfchaftlicher Thierproduction würde diefer Vor­theil gleich fchwerwiegend fein wie für die Pferdezucht. Hier gilt es in der Regel nicht fo fehr, blofs Thiere für die eigene Benützung und Abnützung zu gewinnen, als zum Verkaufe, und dafür kann die Möglichkeit, diefelben in ihrem wahren Werthe dem Käufer ad oculos zu zeigen, nicht hoch genug angefchlagen werden. Nicht, als ob damit gefagt fein follte, dafs es zum Beiſpiel für den Rindviehzüchter bedeutungslos wäre, wenn er die Ausnützungsfähigkeit des Futters der feine Heerde ausmachenden einzelnen Individuen auf fo einfache Weife demonftriren könnte; auch er würde ohne Zweifel daraus Vortheile fchöpfen, aber wo er feine Züchtungsproducte mehr felbft verwendet, kann er eher davon abfehen und findet felbft auf andere Weife Gelegenheit, fich von ihrem inneren Werthe Ueberzeugung zu verfchaffen.

Wenn man von diefem Standpunkte aus die Probe- Arbeiten auffafst, die den Pferden gelegentlich abverlangt werden, fo wird man fich der Ueberzeugung nicht verfchliefsen können, dafs ihnen eine grofse Bedeutung zukommt; insbe­fondere dort, wo es gilt, die Tüchtigkeit von Zuchtthieren zu erkennen, die fich in Form und Eigenfchaft vervielfältigen follen. Wird von den leichteren und ein­facheren Arten, als dem Probefahren und Reiten oder Vorführen, abgefehen, fo find es zunächst das Wettrennen und Wettfahren, die hier in's Auge gefafst werden follen. Diefen, namentlich aber dem erfteren von beiden, werden zwar fehr häufig andere Motive zu Grunde gelegt, fo dafs es nicht fo fehr als Mittel zum Zweck, wie als Selbftzweck fich verhält; das darf uns aber nicht verleiten, feinen wahren Werth zu verkennen. Als einziges Mittel, womit dem Vollblut Gelegenheit gegeben werden kann, dafs es feine Vorzüge entfalte, mufs es, infolange edles Vollblut in der Pferdezucht gebraucht wird, als ein mächtiges Bindeglied in der Kette jener Mafsregeln angefehen werden, die für ihr Emporblühen nicht unbe­achtet bleiben dürfen. Die Aufmerkfamkeit aller jener werden folche Anläffe auf fich ziehen, die in der Pferdezucht den bedeutenden Productionszweig erkennen. In England, das in thierzüchterifcher Hinficht die höchften Leiftungen aufzu­weifen hat, find folche Tage Nationalfefte; das Parlament hält keine Sitzungen, läfst Gefchäfte und anderweitige Verhandlungen ruhen, und aus allen Enden des ver­