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Thierzucht : (Gruppe II, Section 2) ; Bericht / von Johann Pohl
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Thierzucht.

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zucht Anftalt der k. k. Ob der Enfifchen landwirthschaftlichen Gefellſchaft die Montafuner; von Altgraf Franz zu Salm- Reifferfcheid in Svietla die Schwytzer; von Graf Carl Althan die Berner, Holländer und Kreuzungen beider; von Jofef Maria und Emma Arefin in Partfcherdorf die Kuhländer; von A. E. R. von Komers in Moftau die Egerländer; von Ratiboritz auf der dem Prinzen Wilhelm zu Schaumburg- Lippe gehörigen Domäne Nachod die Berner; Holländer und Kreuzungen beider; von Libiejitz, Krummau, Netolic, Poftelberg, Wittingau, Neufchlofs Lobofitz, Lenefchitzfämmtlich Domänen der Fürften Adolph und Adolph Jofef Schwarzenberg die Mariahofer, Pinzgauer, Montafuner, Algäuer, Schwytzer Berner, Schwarzenberg- Scheinfelder, Holländer und Kreuzungen; von den k. k. Therefianifchen Fondsgütern Dürnholz und Ziftersdorf die Schwytzer, Berner, Holländer und Kreuzungen diefer; von der Zuckerfabriks- Actien gefellfchaft Keltfchau die Shorthorn- Kreu­zungen; von Emanuel R. von Proskowetz in Kwafsitz den deutfchen Land­fchlag; von der Baron Simon Sina'fchen Domäne Rofsitz die Berner- Holländer Kreuzungen; von den herzoglich Coburg Gotha'fchen Domänen Dürnkrut, Ebenthal und Walterskirchen die Algäuer und Berner; von Graf Johann Larifch­Mönnich in Freyſtadt die Berner und Kreuzungen von Holländern und Olden­burgern; von Theophil R. von Oftaszewski in Wzdów die Holländer und Berner; von Graf Adam Potocki in Krzeffowice die Holländer und von den erz­herzoglich Albrecht'fchen Domänen Tefchen und Saybufch die Holländer und Oftfriesländer: fo dürfte unter weiterem Hinblick auf die Maftthiere der Kuffer'­fchen Zuckerfabrik in Lundenburg, von Anton Wachsmuth in Göding, Jacob Neumeyr in Münchendorf und Anderer in der Hauptfache der Inhalt der Ausftellung Oefterreichs gekennzeichnet und gleichzeitig gefagt fein, dafs fie ein fehr entsprechendes Bild von der thatfächlichen Sachlage entwarf.

Es lag in der Ausftellung ein Stück Gefchichte der Rindviehzucht Oefter­reichs vor unferem geiftigen Auge ausgebreitet. Wenn wir fie von der richtigen Seite auffaffen, können wir daraus fchätzenswerthe Lehren für die Zukunft fchöpfen. Die Wandelung in der Anfchauung, welches die zweckförderlichfte Thiertype ift, beftätigt uns allein die gewichtige Wahrheit: dafs Laune und Mode unbeftändig find und das wirthfchaftliche Intereffe die einzige Richtung ift, die Beftand hat, die zwar ab und zu behindert oder in einzelnen Fällen irre geleitet werden kann, jedoch fchliesslich immer wieder in die richtige Bahn zurückgelangen mufs. Oder was follten wir anders in dem beinahe durchgängigen Beftreben fuchen, die einft­mals fo gefchätzten Berner zu verfeinern? In ihrer Urfprünglichkeit fie zu erhalten, fcheint bei uns, wie fich von der Ausftellung abftrahiren läfst, nicht der richtige Boden zu fein. Ein gegebenes Quantum Futter in die möglichft gröfste Menge Milch, Butter, Käfe oder Fleifch umzufetzen oder dafür möglichft viele Arbeit zu leiften, das ift heute das unbeftreitbare Ziel der Rinderzucht und das erreicht man in den verfeinerten Formen der Berner und in anderen Typen in der Regel beffer. Demfelben Drange verdanken wir nebft der Einführung des leichteren Bergviehes auch die Kreuzungen der Berner mit Holländern und dergleichen, fowie den Import der Holländer felbft. Nicht zu verkennen ift aber auch dem entgegen, dafs durch Beiziehung von Berner Blut mancher unferer heimifchen Landfchläge bedeutende Vervollkommnung erfahren hat, z. B. im Kuhlande, in der Gegend von Mährifch­Trübau u. f. w.

Neben diefer Richtung, die hauptfächlich auf den grofsen Gütern Pflege findet, befteht dann die Züchtung der in Oefterreich heimifchen Racen und Schläge. Es fteht aufser Zweifel, dafs manche von ihnen ganz vorzüglich leiftungsfähige Thiere enthalten, es fei für Milchnutzung, zum Zuge oder auch zur Maft, oder die alle diefe Eigenfchaften- dann im natürlich mässigen Mafse vereinigt befitzen. In der Regel ift ihnen aber auch noch gleichzeitig als Kindern des Landes eine gröfsere Befcheidenheit in ihren Anfprüchen auf Fütterung, Haltung und Pflege eigenthümlich, was fie für den kleinen Viehzüchter fehr brauchbar erfcheinen läfst.