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Thierzucht : (Gruppe II, Section 2) ; Bericht / von Johann Pohl
Entstehung
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Thierzucht,

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L. Philibert Amédée, Glinka Nicolas und Andere. Vorwiegend ift es Merino­wolle, die ausgeftellt war und darunter mehr diejenigen Qualitätsgrade, die auf einem ftärkeren Körper wachfen. Theilweife hat fie zwar viel durch Staub und Wind gelitten, aber im fonftigen Bau ift fie meift tadellos zu nennen und zeigte, vorausgefetzt dafs ihre Befchaffenheit fchon ein Product ruffifcher Züchter ift, dafs man dafelbft mit Erfolg fich bemüht, die Natur des Schafes den Zwecken entfprechend zu leiten.

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Beredt fprachen die Wollproben Deutfchlands den Befucher der Aus­ftellung an. Dadurch, dafs die hervorragenden Züchtergruppen corporativ und je einheitlich auftraten, machten fie entfchieden einen günftigen Eindruck. Zuerft feien die fehr inftructiven Sammlungen Settegaft's genannt, die neben Anderem den Entwickelungsgang der Schafzucht Deutſchlands darftellen follen. So lehrreich darin die Gefchichte der älteren Zeit von dem um die Thierzucht hochverdienten Ausfteller behandelt ift, für ebenfo fraglich mufs die Richtigkeit der Bezeichnung des heutigen Standpunktes genannt werden. Darnach follte man annehmen, dafs die Schafzüchter heute allgemein in der Verfolgung der Fleifchfchafzucht ihr Ziel möglich höchfte Verwerthung eines gegebenen Quantums Futter­am beften zu erreichen glauben und zu dem Zwecke blofs der Reinzucht englifcher Racen zuftreben. Solange aber von 29 Millionen Schafen erft die Zucht von 7 Millionen eine ähnliche Richtung erhalten hat, die Mehrzahl der hervorragenden Schafzüchter Deutfchlands noch dem Merinofchafe die Berechtigung feiner Exiftenz für Deutfchland zuerkennt und, wie die Aus­ftellung zeigte, die Zucht desfelben felbft pflegt, dürften damit die Thatfachen anticipirt erfcheinen. In fehr gefälliger Weife traten an fünfzehn Heerden Meklenburgs theils mit hochedler Kammwolle, theils mit Tuchwolle ein und darunter altehrwürdige Namen wie Boldebuk( Prinz Schaumburg- Lippe), dann Lenfchow( Baron Maltzahn) und Andere. Ihre im ungewafchenen Zuſtande ausgeftellt gewesenen Mufter fcheinen nicht fo fehr dem Fabrikanten, als dem Schaf­züchter imponiren zu follen. Nach der andern Seite zu wirken fcheint dagegen wieder in der Abficht der fchlefifchen Züchter zu liegen, indem fie ebenfalls in gröfseren. Proben und im marktgängigen Zuftande, das heifst am Rücken oder im Vliefs gewafchene, ausftellten. Dahin zählen: Elfn er von Gronow in Kalinowitz, Leh­mann in Nitfche, Mens in Carsdorf, von Mitfchke in Collande, Graf von Rothkirch und Trach in Panthenau, von Rudzinski in Liptin, Wechowsky in Graafe, Baron Ziegler in Dambrau und Andere. Nicht zu überfehen find ferner die ſchönen Kammwollproben von Homeyer auf Ranzin dann die fehr inftructiv zufammengeftellten Proben und Vliefse von Chlapowski in Kopas­zewo, dann die Kammwolle derAkademie Eldena des dortigen Centralvereines und des landwirthschaftlichen Vereines Schleswig- Holftein. Für das König­reich Baiern trat Profeffor Dr. G. May aus Weihenftephan mit einer neun Schäfereien entnommenen Collection ein und auch das Königreich Sachfen war theilweife vertreten. Aus der Provinz Hannover und aus Württemberg war Land­wolle da. Schliefslich fei noch der Berliner Wollbank und Woll­wäfcherei und der Lohnwäfcherei und Wollkämmerei in Döhren ( Hannover) gedacht, die fich den Schafzüchtern bemerkbar zu machen fuchten.

In den Hauptzügen wurde durch diefen Theil der Ausftellung nur wieder die bereits bei der Befprechung der temporären Thierausftellung gekennzeich­nete Sachlage der Schafzucht charakterifirt, woran nur noch anzufügen wäre, dafs die Binnenländer relativ wenig mit der Wolle der Fleifchfchafe hervortraten. Anders befchaffen war die Wolle- Ausftellung

Oefterreich s. Durch das Arrangement der zahlreichen Collectivaus­ftellungen von Seite der einzelnen Grofs Grundbefitzer entbehrte fie der Einheit­lichkeit, die im Weiteren noch dadurch beeinträchtigt wurde, dafs man bald ganze