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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Johann Newald.

Möge man fich keiner Täufchung hingeben. Die Waldbehandlung der neuen Eigenthümer ift keine pflegliche, der Erhaltung des Waldftandes zuträgliche. Jeder der kleinen Waldbefitzer führt feine Wirthschaftsmafsregeln, feine Holzfällungen, feine Bringungs- und Transportarbeiten ohne Rückficht auf feine Nachbarn, ja ohne Bedachtnahme auf die Schonung des eigenen Befitzthumes aus. Eine unend­liche Zerfplitterung des ganzen Wirthfchaftsbetriebes, eine Vernachläfsigung aller Mafsregeln der Waldanzucht oder der Schonung eines etwa vorhandenen Nach­wuchfes können wir allerorts bedauern; felten finden wir Mafsregeln einer plan­mäfsigen, geordneten Wirthschaft.

So hat das öfterreichiſche Servituten Ablöfungsgefetz, unzweifelhaft in der Abficht erlaffen, dafs dadurch der Wald und feine Bewirthschaftung, von läftigen Feffeln befreit, fich im Intereffe des allgemeinen Wohlftandes entwickeln könne, durch die Art feiner Durchführung nur zu oft höchft bedauerliche Zuftände hervor­gerufen und an vielen Orten einen wirthschaftlichen Umgeftaltungsprocefs ein­geleitet, deffen Abfchlufs dermalen noch gar nicht abzufehen ift.

In Uebereinftimmung mit der oben angedeuteten Bemerkung des fteier­märkifchen Forftausftellungs- Kataloges, dafs der bäuerliche Befitzer, in deffen Händen fich die gröfste Wald- Area befindet, Feind jeder Waldcultur ift, kann es nur um fo lebhafter bedauert werden, dafs in den Gebirgsländern jene Forftflächen, welche für eine pflegliche Behandlung und geordnete Wiederbewaldung nahezu verloren erfcheinen, fo erheblich erweitert worden find.

Dem entgegen verdient das Forftculturwefen der grofsen Waldbefitzer die volle Beachtung. Mit Recht machen die fteiermärkifchen Ausfteller auf die grofsen Schwierigkeiten aufmerkſam, welche fich im Hochgebirge den Aufforftungen ent­gegenftellen, da wegen Mangels an tauglichen Arbeitskräften, der kurzen Vege­tationsperiode und der ungünftigen klimatifchen und atmoſphärifchen Einflüffe, endlich der fchwer zu umgehenden Rückfichten auf den Wald- Weidebetrieb wegen, Refultate in diefer Hinficht nur mit Anwendung pecuniärer Opfer, grofsem Fleifse und Geduldaufwand zu Wege gebracht werden.

Obwohl Schlufsfolgerungen von der Befchaffenheit einzelner ausgeftellter Pflanzengruppen auf den Stand der eigentlichen Forftculturen nur mit grofser Vorficht gemacht werden können, müffen die nächft der fteiermärkifchen Forft­Ausftellungshalle zum Theile aus Samenfchulen, theilweife auch aus vollführten Culturen ftammenden Pflanzen von verfchiedenem Alter und verfchiedenen Holz­arten, welche aus den Forften der Vordernberger Radmeifter Communität, des Barons von Sefsler- Herzinger, der Stadt Leoben, der Innerberger Hauptgewerk­fchaft, der Hohenwanger Hauptgewerkfchaft, früher Ritter von Wachtler, ent­nommen waren, mit lebhafter Befriedigung erwähnt werden.

Aufser den Forftculturen, welche im Wege der Holzpflanzung ausgeführt werden, befitzt namentlich in den Gebirgsländern auch die fogenannte Holzfaat eine höchft erhebliche Bedeutung. Bei dem grofsen Umfange, welchen dort die Mafsregeln der künftlichen Wiederbewaldung und Aufforftung befitzen, bei dem Umftande, dafs im Frühjahre Holzpflanzungen nur während einer kurzen Periode ausgeführt werden können, bei dem weiteren Umftande, dafs die Localbevölkerung während diefer Zeit durch anderweitige wichtige Verrichtungen in Anspruch genommen ift und für die oft fehr entfernten Wald- Culturarbeiten die erforderlichen Arbeits­kräfte rechtzeitig gar nicht aufzubringen find, bei dem Umftande endlich, dafs die Mafsregeln der Holzfaat während der Dauer des ganzen Vorfommers ohne jede Gefährdung des Erfolges ausgeführt werden können, bleibt derfelben beim Forft­culturwefen des Hochgebirges noch für lange Zeit eine hervorragende Bedeutung gefichert.

Eine Bestätigung ergibt fich diefsfalls aus der Zahl von Waldfamen- Kleng­anftalten, welche im Bereiche der Alpen in neuerer Zeit errichtet worden find und aus den höchft erheblichen Mengen von Nadelholz- Samengattungen, die im Wege des Ankaufes für die Forftculturen in den Alpenländern beigefchafft werden,