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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Forstwirthschaft.

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in Mürzfteg, dermalen Forftmeifter Seiner kaiferlichen Hoheit des Erzherzogs Leopold in Hörnftein, zu dem Gedanken des gänzlichen Abgehens von der Her­ftellung eines Kaftenbaues und Anwendung eines Syftemes von Streben, um der lediglich aus Werkhölzern von gleichen Dimenfionen gebildeten Klauswand die erforderliche Widerftandskraft zu geben.

Werksdirector Hummel zu Neuberg und der dortige amtliche Zimmer­meifter Alois Gröbl traten diefem Gedanken bei, fuchten ihn nach allen Bezie­hungen auszubilden, und führten gemeinfchaftlich mit Oberförfter Stöger den Bau der Steinalpel- Klaufe zum guten Abfchlufs. Durch eine zehnjährige Benutzung darf fie nun als erprobt bezeichnet werden.

Die Klaufe hat eine Länge von 24 Klafter( 45.6 Meter). Die Spannhöhe des Waffers beträgt an der Klauswand 4 Klafter( 7.6 Meter).

Sie ift derart conftruirt, dafs jedes im Laufe der Zeit fchadhaft werdende Werkstück leicht ausgewechfelt und durch ein neues Stück erfetzt werden kann.

Dem in der additionellen Ausftellung vorhandenen Modelle der Steinalpel­Klaufe wurde vom Preisgericht die Verdienft- Medaille zuerkannt.

Wenden wir uns noch den übrigen Holzbringungs- und Transportanft alten zu, fo waren diefe im Pavillon des k. k. Ackerbau- Minifteriums durch Modelle von Eis- und Wafferriefen, des Holzaufzuges im Aurachthale bei Gmunden, von Wagen und Schlitten u. dgl. vertreten. Von befonderem Intereffe und ſehr inftructiv waren jene Ausftellungsgruppen, welche aus den in den einzelnen Län dern bei den verfchiedenen Holzfällungs- und Bringungsarbeiten etc. in Ver­wendung ftehenden Werkzeugen und Behelfen gebildet waren.

Die Studien über das Holztransportwefen im Allgemeinen und über den Triftbetrieb im Befonderen, wie diefelben durch die diefsbezüglichen überaus reichen Ausftellungsgegenstände des k. k. Ackerbau- Minifteriums ermöglicht wurden, fanden ein neues Feld der Erweiterung durch die im Pavillon der Waid­hofener Forftinduftrie- Gefellfchaft ausgeftellten Pläne, Modelle, Betriebs­nachweiſe u. f. w. Diefe Gefellfchaft hat die zwei aus den öfterreichifchen Alpen der Donau zuftrömenden Flüffe Ybbs und Erlaf, und zwar erftere zum Flöfsereibetriebe, letztere zum Schwemmbetriebe adaptirt.

Es kann hier nicht die Abficht vorliegen, eine Gefchichte der Begründung und Entwicklung diefer Unternehmung zu bringen; jene Zweige derfelben, welche fich auf das Holzbringungs- und Transportwefen, fowie auf die Verarbeitung und den Vertrieb des Materiales beziehen, dürften bei jedem Fachmanne die vollfte Anerkennung finden.

Das erfte Ybbsflofs ging am 1. März 1866 von der Einbindftätte bei Hol­lenftein ab und langte am Abend des darauf folgenden Tages bei der Dampffäge nächft Amftetten an. Diefe erfte Fahrt ftiefs, wie folches wohl nicht anders erwartet werden konnte, auf einzelne Hinderniffe; fie nahm auch verhältnifsmässig mehr Zeit in Anfpruch als die fpäteren Fahrten, allein der Betrieb felbft war damit eingeleitet, der nun bald eine umfaffende Erweiterung erhielt.

Die Langholzflöfserei auf der Ybbs ift jene, in Baden und Württemberg auf der Murg, Kinzig u. f. w. übliche Methode der ,, Geftörflöfserei in der verbohr­ten Wiede". Zum Zwecke der Flofsconftruction wird das Langholz nicht in ein­zelne fteife Geftöre zufammengefügt, fondern es werden 800 bis 1000 Stämme in ein einziges, 14 bis 22 Fufs( 4'4 bis 6.9 Meter) breites und 1200 bis 1500 Fufs ( 379 bis 474 Meter) langes durch Wieden gebundenes Flofs zufammengelegt und abgeführt. Während der Fahrt wird ein derartiges Flofs durch etwa 14 Mann geleitet und regiert.

Die Geftörflöfserei kann auf allen Gewäffern angewendet werden, welche die gehörige Breite und eine zur Schwere des Holzes im Verhältniffe ftehende Waffertiefe von 15 bis 2 Fufs( 0474 bis o 632 Meter) befitzen und fo weit geregelt find, dafs die vorhandenen Krümmungen im Flufslaufe die Durchfahrt des Geftörflofses geftatten.

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