Forstwirthfchaft.
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vielfacher, mitunter heftiger Controverfen war und es auch dermalen noch ift; wir meinen die forftliche Betriebseinrichtung und Wald- Ertragsberechnung.
Es liegt wohl nicht die Aufgabe vor, hier eine kritifche Beleuchtung der' zum Zwecke der Wald- Ertragsberechnung vorgefchlagenen mannigfaltigen Methoden und Verfahren zu bringen; wir müffen uns darauf befchränken, diefen Gegenftand innerhalb jenes Rahmens zu erörtern, welcher durch die ausgeftellten forftlichen Wirthschaftseinrichtungs- und Abfchätzungs- Elaborate gebildet war. Keine wie immer geartete vorgefafste Meinung foll uns bei unferen Erwägungen leiten; Referent will nach keiner Richtung Parteimann fein, er will lediglich als Fachmann feiner Auffaffung und Anficht über die zur Verhandlung vorliegenden Fragen Ausdruck geben.
Wenn die Aufgabe vorliegt, eine Wirthfchaftseinrichtung oder Ertragsberechnung für irgend einen Forftcomplex zu entwerfen und zu begründen, fo werden es wohl zunächft drei Fragen fein, welche wir an uns ftellen werden.
So einfach diefe Fragen an fich find, fo fchwierig kann unter Umftänden ihre Beantwortung werden. Unferm Ermeffen nach hat man fich zunächst volle Klarheit zu verfchaffen:
Ueber das Ziel, welches wir anzuftreben haben.
Ueber jene Zwecke, welche wirklich erreichbar erfcheinen, und fomit über alles dasjenige, was vorläufig unerreichbar ift.
Ueber die Mittel, welche uns zur Durchführung der gefafsten Befchlüffe zur Verfügung stehen.
Wir brauchen nur dasjenige hervorzuheben, was wiederholt als die Aufgabe einer jeden Wirthfchaftseinrichtung, und damit im Zufammenhange, der Ertragsberechnung bezeichnet worden ift.
Wie bei jedem Ertragsobject, deffen Wirthschaftsbetrieb organifirt und gegliedert werden foll, die Anbahnung der höchften nachhaltigen Erträge im Vordergrunde fteht, ift auch bei der forftlichen Wirthschaftseinrichtung das Streben dahin gerichtet, in dem betreffenden Wald complex einen Zuſtand anzubahnen und herzuftellen, welcher dem Eigenthümer den nachhaltig gröfsten und werthvollften Ertrag.liefert. Diefer letztere wird fich in der Ueberzahl der Fälle aus dem zum Einfchlage kommenden Holze ergeben; es können dabei jedoch auch die Nebennutzungen einen wefentlichen Einfluss nehmen.
Als bekannt können jene einzelnen Momente betrachtet werden, welche bei der Löfung diefer Hauptaufgabe in Erwägung kommen. Sie find:
1) Anzucht der den Verhältniffen am meiften entfprechenden Holzart. 2) Beftimmung des vortheilhafteften Benutzungsalters.
3) Anordnungen bezüglich der zweckentfprechendften Behandlung der Beftände.
4) Anbahnung eines Altersclaffen- Verhältniffes, welches die Möglichkeit bietet, die jährlichen Materialerträge nachhaltig in folchen Hölzern, beziehungsweife Beftänden zu fchlagen, welche jenes vortheilhaftefte Benutzungsalter erreicht haben.
5) Vertheilung und Aneinanderreihung der Fällungsorte in einer Art und Begrenzung, dafs dadurch die vortheilhaftefte Verwendung und Verwerthung des Materiales ermöglicht, der Transport thunlichft erleichtert wird und Befchädigungen in Folge Abbringung der Hölzer, fowie durch Naturereigniffe, Servitutberechtigte u. f. w. möglichft vorgebaut werde.
6) Anordnung der Hiebeszüge in einer Art, wodurch die bereits bestehenden Waldbeftände, ebenso wie die künftig nachzuziehenden Forfte nach ihrem Alter derart für die ſpätere Benutzung vertheilt erfcheinen, dafs fie:
a) den Gefahren von Naturereigniffen am wenigften ausgefetzt find, b) die Vertheilung der jährlichen Materialerträge auf die einzelnen Fällungsorte derart erfolgt, dafs dadurch den Anforderungen der Waldanwohner,
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