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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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* Forstwirthschaft.

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oder Schneifsen, von einer Breite, dafs darauf gefahren und das Jagdzeug auf geftellt werden konnte, durchſchnitten. Nachdem man eine ausgezogene Wand von Netzen einen Flügel, Stellflügel, nannte, fo bekamen auch diefe Durchhaue, Schneifsen oder Geftelle den Namen Flügel.

Wenn auch nicht in der Anwendung auf eine vollſtändige Schlagein­theilung, fo doch bezüglich Abtheilung der Waldbeftände in Schlaggruppen oder Wirthschaftsfiguren fand fich die Beflügelung der Forfte und die Herftellung von Schneifsennetzen bei einer Zahl von ausgeftellten forftlichen Einrichtungs­elaboraten durchgeführt, und hatte die königlich preufsifche Forftakademie Münden Wegenetz- und Diftrictseintheilung des Lehrforft Revieres Gahrenberg durch ein Gipsmodell im Längenmafsftabe von I: 5000 und im Höhenmafsftabe von 1: 1000 und eine dazu gehörige eingehende Denkfchrift dargestellt und erläutert. Es möge geftattet fein, der in neuerer Zeit mit erhöhter Lebhaftigkeit befprochenen Herſtellung fogenannter Schneifsennetze einige Bemerkungen bei­zufügen. Für Forfte der Ebene und des Hügellandes erfcheint eine fachgemäfs durchgeführte Beflügelung als eine bewährte und höchft vortheilhafte Mafsregel, gegen welche fich kaum ein begründetes Bedenken erheben läfst. Anders jedoch geftaltet fich diefe Frage in eigentlichen Gebirgs- oder gar in Hochgebirgsforften.

In Wäldern der Ebene oder des Hügellandes, wo durch die Terrain­verhältniffe gegebene, natürliche Trennungslinien nur felten, und in Bezug auf den forftlichen Wirthfchaftsbetrieb in ganz unzureichender Zahl vorkommen, beſteht die Nothwendigkeit, den Abgang an natürlichen Trennungen durch künft­lich gefchaffene derartige Abtheilungslinien oder Grenzen zu ergänzen.

Die Anlage von Schneifsen und die Bildung eines regelmäfsig gegliederten Schneifsennetzes ift dort ganz unentbehrlich; die grofsen Vortheile desfelben ftehen aufser Zweifel.

Faffen wir dem entgegen die im Gebirge, namentlich aber im Hochgebirge obwaltenden Verhältniffe in das Auge, fo finden wir überall eine reiche Anzahl der mannigfaltigften Vorkommniffe, durch welche das Terrain in eine grofse Zahl natürlich abgegrenzter, und mit der Oertlichkeit im vollſtändigften Einklange ftehender Flächen- Gruppen zerlegt wird.

Die in den Hauptthalzügen vorkommenden Strafsen, Flufsbette u. f. w. die Wafferläufe der Nebenthäler, die in diefelben einmündenden zahlreichen Seitengräben, die auf fteilen Abhängen vorkommenden Lavinenriffe, die Schneiden der Bergrüken-Felfenkämme an den Bergwänden herablaufende Bergriegel u. f. w. bilden eine derart überreiche Anzahl von natürlichen Terrain­abtrennungen, dafs wohl die Ueberzahl derfelben, nicht aber ein Abgang in Bezug auf den Forftbetrieb Schwierigkeiten und Uebelftände bereitet.

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Jede forftliche Wirthfchaftsmafsregel-von der Einlage eines Holz-. fchlages, oder der Anbringung einer Holzriefe oder eines Abzugweges beginnend, bis zum Auftrieb des Weideviehes mufs fich diefen natürlich gegebenen Terraineigenthümlichkeiten anpaffen, diefelben beherrfchen den ganzen Wirth­fchaftsbetrieb. Mit einem Worte, im Gebirge, namentlich aber im Hochgebirge, macht die grofse Anzahl von natürlichen Terrainabfonderungen oder Trennungen die Anbringung künftlicher Trennungslinien durch den Aushieb von Schneifsen ganz entbehrlich.

In den Forften der Ebene und des Hügellandes läfst fich die Anlage der verfchiedenen Strafsenzüge, Abfuhrswege u. f w. mit dem etwa beftehenden oder neu einzuführenden Schneifsennetze in Einklang bringen, denn auch ein forgfältig gegliedertes Wegefyftem mufs als ein Förderungsmittel der Rentabi­lität, fowie als eine der Grundlagen und Vorarbeiten für die Eintheilung und­Einrichtung der Forfte anerkannt werden.

Das ausgeftellte Mündener Gipsmodell zeigte die praktifche Durchführung der in Bezug auf den Lehrforft Gahrenberg, für den Entwurf des Wegenetzes 4*