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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
Entstehung
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Johann Newald.

Hartig und feine Fachwerkmethode find vielfach und in heftiger Weife getadelt, letztere als werthlos verurtheilt worden, und dennoch dürfte die Annahme viele Berechtigung für fich haben, dafs keine Methode in folch aus­gedehnter Weife bei der Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung der Forfte in Anwendung gekommen ist, wie fie.

Es kann uns nicht die Aufgabe geftellt fein, alle jene Einwendungen und Bedenken zu wiederholen, welche dem Hartig'fchen Fachwerke, zum Theile mit vielem Rechte gemacht worden find; eines jedoch fteht aufser Zweifel: es ergab fich aus ihm die Bafis für eine fehr beachtenswerthe Erweiterung und Entwicklung des gefammten Waldabfchätzungswefens.

Schon Klippftein ging von dem Detail einer Erhebung der den fpäteren Perioden zufallenden Holzerträge ab und befchränkte die fpeciellen Wirthschafts­vorfchriften auf die erfte zwanzigjährige Periode, es der fpäteren Zeit überlaffend, nach Ablauf derfelben die zur neuerlichen Regelung der Ertragsziffer eines Forftes erforderlichen Anordnungen zu treffen.

Eine befondere Ausbildung wurde dem Fachwerke durch Heinrich Cotta gegeben. Auch diefer leitet den Ertrag eines Forftes oder einer forftlichen Ver­waltungseinheit in ganz naturgemäfser Weife aus dem Bewirthschaftungsgange desfelben ab und ftützt feine Material- Ertragsberechnung, auf eine derfelben als Bafis dienende, alle im Laufe der Umtriebszeit zur Nutzung gelangenden Beſtände eines Forftes umfaffende Schlag- oder Hiebesordnung, auch als genereller Nutzungs­plan bezeichnet.

Dadurch, dafs Cotta die fpecielle Ertragsermittlung nur für die erfte Periode durchführte und zum Beweife der Nachhaltigkeit der Nutzungen alle fpäteren Perioden der Umtriebszeit lediglich mit, ihrem Ertrage nach gleich­werthigen Beftandesflächen deckte, fielen die bei dem Hartig'fchen Fachwerke beanftändeten Detailfchätzungen der Erträge aller fpäteren Perioden hinweg. Die ganze Ertragsberechnung wurde dadurch, ohne im geringften an ihrem Werthe zu verlieren, aufserordentlich vereinfacht.

Jede nach Ablauf einer Periode durchgeführte Revifion prüfte nicht nur die für den allgemeinen Wirthschaftsgang aufgeftellten Dispofitionen, erwägend, ob durch das Einhalten derfelben jene Zielpunkte erreicht werden, jener Zuftand des Forftes oder der ganzen Wirthschaftseinheit hergestellt wird, welcher als das Endrefultat aller wirthschaftlichen Dispofitionen aufgeftellt erfcheint, fondern aus den Eintragungen des Controlbuches ergaben fich auch jene Daten, auf deren Grundlage fich die bei den früheren Beftande sanfchätzungen etwa unterlaufenen Irrungen beheben liefsen, und fomit die Aufftellung des fpeciellen Nutzungsplanes für die nächfte Periode, beziehungsweife die Ermittlung der für die Dauer der­felben geltenden neuen Ertragsziffer, wefentlich an ihrer Verlässlichkeit

gewann.

Aus den periodifchen Revifionen, fie mochten nun fchon am Schluffe der einzelnen Zeitfächer, oder als Zwifchenrevifionen in der Mitte der Periode zur Durchführung gelangen, ergab fich unverkennbar eine in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug anzufchlagende Ausbildung des ganzen Wirthschaftseinrich­tungswefens der Forfte und der damit im Zuſammenhange ftehenden Ertrags­berechnung derfelben.

Das Cotta'fche Fachwerk erhielt namentlich bei feiner Anwendung in den königlich fächfifchen Staatsforften und einer höchft erheblichen Anzahl von Privatwäldern, namentlich in den Forften der grofsen böhmifchen Majorate und Fideicommiffe, eine hohe rationelle Durchbildung.

An den im Vorhergehenden, lediglich nach feinen Hauptzügen dargeftell­ten Entwicklungsgange jener wichtigen forftlichen Disciplinen, welche wir Wirth­fchaftseinrichtung und Ertragsberechnung nennen, haben wir nur noch einige Ergänzungen anzureihen. Sie betreffen jene Verfahren der Forftertrags- Ermittlung, welche unter dem Namen, Formelmethoden" zufammengefasst werden.