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Die chemische Großindustrie : (Gruppe III, Section 1) ; Bericht / von A. Bauer
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Die chemifche Grofsinduftrie.

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namentlich war es R. Hafen clever, der eine wichtige Abhandlung publicirte, welche durch die Arbeit Fleitmann's** über den Vorgang beim Röften ver­vollſtändigt wurde. Der Letztere zeigte, dafs in gewiffen Stadien der Röftproceffe, namentlich beim Arbeiten in einer von aufsen erhitzten Muffel, wafferfreie Schwe­felfäure auftritt, welche felbftverſtändlich auf das Material der Zuleitungscanäle einen zerftörenden Einfluss übt.

Der Röftofen von Hafen clever& Helbig, der an einer anderen Stelle näher befchrieben wird, ift fo eingerichtet, dafs die Erze auf geneigten Platten durch den Röftraum herabgleiten, welche Bewegung jedoch nur eintritt, wenn die abgeröfteten Erze unten herausgenommen werden, fo dafs man die Schnelligkeit diefer Bewegung nach Belieben regeln, die fchwerer abröftbaren Erze länger, die leichter abröftbaren langfamer durch den Röftraum gleiten laffen kann.

Die Möglichkeit, Schlieche mit dem in Rede ftehenden Schüttofen abzu­röften, ift von grofsem Vortheile, denn wenn man die beim Zerklopfen fich bilden­den Schlieche mit Thon einbindet oder Graupen mit den Stückerzen gemengt in den gewöhnlichen Kiln röftet, fo erleidet man immer grofse Verlufte an Schwefel. Theils verftopfen die kleinen Graupen die Canäle und hindern dadurch ein voll­kommenes Röften, theils fallen fie beim Bewegen der Roftftäbe noch fchwefelreich in den Abbrand. Die mit Thon hergeftellten Stöckel( Klütten, Batzen) dagegen laffen fich überhaupt fchwer vollkommen abröften und wenn die eingebundenen Schwefelungen Beimengungen von Blende oder Schwerfpath enthalten, fo decrepi­tiren fie und zerfallen zu Staub. Allerdings kann durch gewiffe locale Verhältniffe ein Abröften in Stöckel vortheilhaft erfcheinen, fo namentlich wenn kiefige Schlieche fehr bleihaltig find und dann im Schüttofen leicht fintern, oder wenn, wie in Frei­berg, zum Formen der Stöckel neben 5 Percent Thon faure Mutterlaugen von der Kupferextraction verwendet und dadurch mit verwerthet werden.

Die Einführung der Schüttöfen zum Erzröften hat unleugbar den Kreis der zur Schwefelfäure- Fabrication verwendbaren Schwefelquellen fehr wefentlich erweitert und verdient defshalb als ein hervorragender Fortfchritt in der Induſtrie bezeichnet zu werden.

Eine Aufgabe, welche die Induftrie in hohem Grade befchäftigt. ift die der Verwerthung der Röftrückftände oder Abbrände. Verwendet man Pyrite, fo find die Rückstände ihres zwar geringen, oft aber doch 5 bis 6 Percent betragenden Schwefelgehaltes wegen, nicht leicht zur Verhüttung auf Roheifen geeignet. Die Verfuche von Richter haben aber allerdings gezeigt, dafs man durch Beimengen folcher Abbrände zu reinen Erzen und unter Anwendung einer fehr bafifchen Schlacke den Schwefelgehalt efrolgreich bekämpfen kann, allein das Eifen fällt dann leicht ftark filiciumhaltig, da alle Umstände, durch die der Schwefel entfernt wird, die Aufnahme des Siliciums zur Folge haben. Dafs jedoch ein Verhütten diefer Abbrände möglich ift, hat die Ausstellung bewiefen, da fowohl die Firma St. Gobain, Chauny& Cirey als auch die Kraluper Fabrik diefelbe durch­führen. Uebrigens bleibt noch immer die Gewinnung des Kupfers aus den kupfer­hältigen Kiefen die wichtigfte Methode der Nutzbarmachung. Zuweilen verarbeitet man diefe Rückftände auch auf andere accefforifche Beftandtheile, wie Silber oder Zink, zuweilen auf Eifenmennig.

Die Fabrication der Schwefelfäure. Im Laufe der letzten Jahre find mehrere Abhandlungen über die Theorie der Schwefelfäure- Fabrication erfchienen, welche insbefondere über die Urfachen des Verluftes an Salpeterfäure Aufklärung geben. Vor längerer Zeit hatte Pelouze die Anficht vertreten, dafs bei Sauerftoffmangel in der Bleikammer durch die fchweflige Säure eine

Wagner Jahresbericht 1871. p. 208.

** Dingler's Journal CLXXXVII. p. 155.

*** Dingler polytechniches Journal CXCIX, pag. 292. + Annales de chimie et de phyfique. LX p. 162.