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Die chemische Großindustrie : (Gruppe III, Section 1) ; Bericht / von A. Bauer
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Die chemifche Grofsinduftrie.

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Zeit eingeführten Glover'fchen Thurme. Die Einführung diefes Thurmes muls ebenfalls als ein hervorragender Fortfchritt der letzten Jahre bezeichnet werden. Derfelbe dient fowohl zum Denitrificiren und zum Concentriren der im Gay Luffac­fchen Condenſationsapparate gebrauchten Säure als zum Concentriren der Kammer­fäure überhaupt, welche Zwecke dadurch erreicht werden, dafs man diefe beiden Säuren gemifcht dem auffteigenden Strome der heifsen fchwefligen Säure, welche auf ihrem Wege vom Kiesbrenner zu den Bleikammern den Glover Thurm paffirt, entgegenfliefsen läfst. Der Glover'fche Thurm felbft ift mit einer oberften Schichte von Coaks, einer mittleren von Quarzfteinen und einer unterften von feuerfeften Ziegeln gefüllt.

Diefer Apparat zeigt namhafte Vortheile, indem die Ueberhitze der fchwefli­gen Säure durch denfelben gut verwerthet und zugleich an Wafferdampf gefpart wird. Allein die Säure nimmt leicht etwas von fchwefliger Säure auf und da keine genü­genden Vorrichtungen zum Auffangen des Flugftaubes angebracht werden können, fo wird diefelbe auch leicht eifenhaltig. Bei Säure, die zur Soda- oder Superphosphat­Fabrication dient, ift diefs allerdings nicht von Belang, wohl aber bei Säure, die zu Sulfat für weifses Glas dient.

Mit Rückficht auf die Angaben Kuhlman's, in Betreff der Reduction der nitrofen Verbindungen durch fchweflige Säure, wird es auch, um Salpeterverluften vorzubeugen, zweckmäfsig fein, im Glover- Thurm nur eine, fchwach mit nitrofen Dämpfen gefchwängerte, alfo mit viel Kammerfäure verdünnte, Säure anzuwenden.*

Die Methode des Abdampfens der Säure war im Laufe der letzten Jahre mehrfach Gegenftand der Befprechung, zumal die Klagen über geringe Halt­barkeit der Bleiplatten häufig vorkamen, da wie R. Hafen clever gezeigt hat, reines Blei leichter von Schwefelfäure angegriffen wird als antimonhältiges, das Blei jedoch, feit auf den meiften Hütten die Entfilberung des Werkbleies mit Zink eingeführt ift, reiner( oft nahe 100 percentig) im Handel erfcheint als ehedem. Die von Carlier angeregte Methode des Eindampfens durch Anwendung von Wafferdampf hat auch mehrfach, fo z. B. in der Fabrik zu Kralup( Böhmen), Anwendung gefunden.

Das Concentriren der Säure auf 66 Grad Baumé erfolgt faft durch­gehends in Platingefäfsen und es find die vor einer Reihe von Jahren( in England) neuerdings eingeführten Glasretorten eigenthümlicher Conftruction wieder in den Hintergrund getreten, was durch den bedeutenden Preisrückgang des Platins in den letzten fünfzehn Jahren erklärlich ift. Die Verbefferungen, welche an den Platin­retorten von Johnfon, Matthey& Comp. in London fowohl wie von Des­moutis und Quenneffen angebracht wurden und in der Ausftellung zu fehen waren, werden in einem anderen Berichte** ihre Würdigung finden, ebenfo wie die auf die Anwendung des Vacuum's bafirte Methode des Belgiers de Hemptinne.

Die Fabrication des Soda. Auf dem Gebiete der Sodafabrication wurden in den letzten Jahren Fortfchritte angebahnt, welche es als möglich erfcheinen laffen, dafs die ganze chemifche Grofsinduftrie in der nächften Zukunft einer vollſtändigen Umwälzung entgegengeführt wird.

Was den Leblanc'fchen Sodaprocefs anbelangt, fo beherrfcht er allerdings bisher faft ausfchliefslich die Fabrication und es find innerhalb der Grenzen diefes Proceffes keine wefentlichen Neuerungen zu verzeichnen. Man hat fich auch hier in den letzten Jahren bemüht, die einzelnen Phafen des Proceffes näher zu ftudiren und die gewonnenen Refultate für die Praxis nutzbar zu machen, um fich durch die Verbefferung der Methode den theoretifch erforderlichen Refultaten zu nähern.

S.

* Bode Dingler's Journal CCII. S. 448 und Georg Lunge Dingler's Journal CCII.

532.

** Siehe den Bericht von J. Stingl.