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Dr. A. Bauer.
carbonat und einen Theil des Kochfalzes, welches unzerfetzt geblieben ist. Die Vortheile des Verfahrens find allerdings fehr grofse und liegen hauptfächlich darin, dafs man rohe Salzfoole, direct, ohne fie erft einzudampfen, anwenden kann und ganz reine hochgradige Soda darftellt, ferner nur einfache Apparate und äufserft wenig Brennmateriale braucht.
Als Nachtheil wird der nicht leicht zu vermeidende Ammoniakverluft hervorgehoben, welcher zum Theile davon herrührt, dafs aus der Salmiaklöfung durch Anwendung von Kalk nicht leicht alles Ammoniak gewonnen werden kann,** ein Theil desfelben alfo in der Chlorcalciumlöfung zurückbleibt. Diefs ift nun allerdings ein, bei den ftets fteigenden Ammoniakpreifen bemerkenswerther Nachtheil, allein viel fchwerer fällt, wenigftens heute noch, der Umftand in die Wagfchale, dafs alles Chlor des angewendeten Kochfalzes in die Form von Clorcalcium über geht. Diefs ift aber ein, wenigftens in den koloffalen Mengen, in welchen er durch die Einführung diefer Methode geliefert würde, werthlofer, ja läftiger Abfall. Bei Leblanc's Verfahren tritt das Chlor des angewendeten Chlornatriums als Salzfäure auf und diefe liefert das für Zwecke der Bleicherei unentbehrliche Chlor. Das Bedürfnifs nach diefem fichert, wenigftens für die nächfte Zukunft, unter allen Umftänden dem Leblan c'fchen Procefs die Exiftenz. Freilich läfst fich das Chlor auch ohne Salzfäure gewinnen und vielleicht der Kalk bei Zerfetzung des Salmiak's durch Magnefia erfetzen, welche das viel leichter zerfetzbare Chlormagnefium liefert.
Die älteren belgifchen Fabriken follen übrigens durch das neue Verfahren bereits lahmgelegt fein und an mehreren Orten beginnt man dasfelbe einzurichten, fo bei Liverpool und Prefton in England, ferner in Frankreich bei Nancy( Ufine de Varaugeville. Dombasle) und in Nagy- Bocsko in Ungarn.
Was die Theorie diefes Proceffes anbelangt, fo ift diefelbe noch wenig fludirt. Schloefing& Rolland geben an, dafs das Natriumbicarbonat durch doppelte Zerfetzung, aus Ammoniumbicarbonat und Chlornatrium entſtehe. Allein fie fagen auch, und die neueren Erfahrungen beftätigen diefs, dafs nur etwa zwei Drittel der angewendeten Kochfalz- Menge zerfetzt wird, meinen jedoch, dafs es für den Fabrikanten wenig bedeutend fei, ob der umgefetzte Reft als gelöftes Natriumbicarbonat oder als in Löfung verbliebenes Kochfalz verloren gehe.
Nach unferer Anficht verdient die Urfache für diefen Verluft eine nähere Unterfuchung, denn, wenn auch Ammoniumbicarbonat mit Kochfalz in wäfseriger Löfung zufammengebracht, Natriumbicarbonat ausfcheiden, fo kann doch anderfeits der gebildete Salmiak unter gewiffen Umftänden eine Rückbildung des Kochfalzes bewirken und wir begegnen dann hier einem ähnlichen Procefs, wie wir ihn bei Bereitung des Aetznatrons aus Sodalöfung mit Kalk beobachten, welcher ja auch an eine beftimmte Concentration der Löfung geknüpft ift.
Vor wenigen Jahren hat E. Divers*** die Reactionen der Ammoniakfalze näher ftudirt und gezeigt, dafs bei der Deftillation von Salmiak mit den wafferfreien kohlenfauren Alkalien, im Beginn der Operation, allerdings etwas Ammoniak auftritt, da ein Theil des noch unzerfetzten Alkalicarbonates Kohlenfäure bindet, fpäter jedoch nur Waffer und wafferhaltiges carbaminfaures Ammoniak entſteht.
Ich habe mich durch Verfuche in meinem Laboratorium davon überzeugt, dafs fich eine wäfferige Löfung von Salmiak mit einer folchen von Natriumcarbonat auch bei niedriger Temperatur in Ammoniumcarbonat und Chlornatrium umfetzt, eine Reaction, welche fehr rafch und vollſtändig erfolgt, wenn man beide Subftanzen in wäfferiger Löfung erhitzt.
Belgien.
* Siehe Internationale Ausftellungszeitung, Beilage der,.Neuen freien Preffe", Artikel
** Siehe J. Baggs und F. Braby, Chemical news 1870. Nr. 516 und 517. *** Chemifches Centralblatt. Jahrgang 1870, p. 748.