Dokument 
Die chemische Großindustrie : (Gruppe III, Section 1) ; Bericht / von A. Bauer
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen

14

Dr. A. Bauer.

Die Chlorbereitung. Die Darftellung des Chlors und der Bleichfalze mittelft Chlor bildet faft durchwegs einen Nebenzweig der Sodafabrication nach Leblanc's Proceffe, und die letzten fünf Jahre brachten uns eine Reihe der wichtigſten Studien und Fortfchritte, welche fich auf diefen Zweig der Grofs­induftrie beziehen.

Das eigentliche Rohmateriale für die Chlorbereitung ift die Salzfäure, welche bei der Bereitung des Sulfates als Nebenproduct entſteht und deren voll­ftändige Condenfation ein Gegenftand der forgfältigften Bedachtnahme, feitens der Fabriksbefitzer fowohl, wie feitens der Behörde einzelner Länder, wie namentlich Englands ift. In letzterem Lande ift diefe Aufgabe durch ein im Jahre 1864 in Kraft getretenes Gefetz, die fogenannte Alkali- Acte geregelt und die letzten Jahre haben fchlagend bewiefen, dafs diefes Gefetz die heilfamften Folgen, fowohl für die Fabriken als für deren Umgebung hatte, und es ift vielfach der Wunfch nach einer Erweiterung der durch dasfelbe erlaffenen Vorfchriften rege geworden.

Bezüglich des Proceffes der Chlorbereitung betrafen die Fortfchritte, welche in den letzten Jahren gemacht wurden, zwei Richtungen, und zwar fuchte man einerfeits den bei diefem Proceffe in grofser Menge verbrauchten Braunftein. zu verwerthen, namentlich denfelben aus den Rückftänden zu regeneriren und andererfeits fuchte man ganz neue Methoden der Chlorbereitung, ohne Anwendung des Braunfteines, einzuführen.

Von den verfchiedenen Verfahrungsarten zur Regeneration des Braunfteines mufs hier zunächft die Weldon'fche Erwähnung finden. Diefe kann als eine wefentliche Modification der in der grofsen Tennant'fchen Fabrik zu Glasgow ausgeführten Dunlop'fchen Methode angefehen werden, und während diefe die Umfetzung des Manganchlorürs mit kohlenfaurem Kalk und Wafferdampf von mehreren Atmoſphären Spannung und Erhitzen der gebildeten Mangancarbonate auf 400 Grad Celfius durchführt, fällt Weldon die, durch Zufatz von kohlen­faurem Kalk gereinigte Manganlauge mit einem Ueberfchufs von Kalk und oxydirt den erhaltenen Niederfchlag durch einen Luftftrom, wodurch fich das zur Chlor­entwicklung geeignete Calciummanganit bildet.*

Nach der Anficht Weldon's hat das Calciummanganit die Zufammen­fetzung Mn O2 Ca O und bei Zerfetzung desfelben durch Salzfäure, behufs der Chlorentwicklung, liefert dastelbe neben Chlor und Waffer, Manganchlorür und Chlorcalcium( 6 H Cl+ Mn O2 Ca O Mn Cl₂ Ca Cl₂+ Cl2+ 3 H₂ O). Werden diefe Chlorverbindungen neuerdings durch das Regenerationsverfahren in den Kreis der Fabrication einbezogen und mit Kalk gefällt, fo geht das ganze gebundene Chlor als Chlorcalcium in eine Lauge, für welche bisher keine genü­gende Verwendung exiftirt. Diefe gebundene Menge von Chlor beträgt jedoch, wie obige Gleichung zeigt,% des in der angewendeten Salzfäure- Menge enthal­tenen Chlors und obgleich man hofft, durch Anwendung von Magnefia anftatt des Kalkes diefem Verlufte vorzubeugen, da das an Stelle des Chlorcalciums erhaltene Chlormagneſium wieder in Chlor und Magnefia zerlegt werden könnte, fordert diefe Thatfache doch eine forgfältige Erwägung des Koftenpunktes und des Säure­verbrauches.

Hiebei kann jedoch nicht unerwähnt bleiben, dafs die Zerfetzung des Manganfuperoxyd Schlammes( Calciummanganit) durch Salzfäure viel weniger Arbeit und Brennmateriale erfordert als die des nativen Superoxydes( Braunftein), welches übrigens, immer mehr oder weniger fremde Oxyde enthält, die ebenfalls einen Theil der Salzfäure confumiren.

Nach Weldon's Anficht braucht man für eine Tonne Chlorkalk nach feiner Methode arbeitend, 170 Kubikfufs Salzfäure von 24 Grad Tw. oder 2832 Pfund reiner Chlorwafferftoff- Säure.

* Dingler's Journal CCI, p. 354.